18 HISTORISCHE GÄRTEN1Blick entlang der Hauptachsedes Boboli-Gartensmit Obelisk undumliegenden Balustraden.Die strenge Achsplanungspiegelt dasOrdnungsprinzip derRenaissance, währendder ägyptische Obeliskaus der Zeit Ramses II.als Zeichen für diekulturelle Weitsicht derMedici dient.1Ein Garten zwischen machtvollemSinnbild und ZukunftsvisionTEXT: TABEA-ISABELL FLAMM
HISTORISCHE GÄRTENEin Refugium der Ruhe, ein Meisterwerk der Gartenkunst, ein Ort lebendiger Erhaltung:Mit dem Projekt „Boboli 2030“ wird einer der berühmtesten Gärten Europas zueinem Leitprojekt für den behutsamen Umgang mit Geschichte und Natur.19Der Ursprung der Giardini di Boboli lässt sich bis in die Mittedes 16. Jahrhunderts zurückverfolgen. Damals erwarbEleonora di Toledo (1522–1562), Gemahlin von Cosimo I. de’Medici (1519–1574), ein Gelände westlich des Palazzo Pitti,das den Grundstein für die spätere Gartenanlage bildete.Die Etymologie des Namens „Boboli“ gibt bis heute Rätselauf. Vermutlich geht er auf die Familie „Buboli“ zurück, vonder das Areal einst erworben wurde. Eine eindeutige Herleitungkonnte jedoch bislang nicht nachgewiesen werden.Damit legte Elenora di Toledo den Grundstein für einen der bedeutendstenHerrschaftsgärten Europas. Die Gestaltung wurdevon Niccolò Pericoli (1500–1550), auch bekannt als „il Tribolo“,begonnen und von Bartolomeo Ammannati (1511–1592) undBernardo Buontalenti (1538–1608) weitergeführt. Der Anlageplansah zahlreiche repräsentative Wasserelemente vor: Heutezählen die Fontana del Nettuno, die Fontana dell’Oceanoauf dem ovalen Isolotto und die Fontana del Bacchino zu denmarkanten Brunnen – ergänzt durch mehrere kleinere Wasserbeckenund drei Inseln innerhalb der Gesamtanlage – Zielwar nicht nur, einen Ort der Erholung zu schaffen, sondernein machtvolles Sinnbild der Medici-Herrschaft zu vermitteln,mit monumentaler Raumachse, Skulpturenprogramm undversteckten technischen Raffinessen wie Wasserspielen mitÜberraschungseffekten. Die Gardini di Boboli in Florenz sindheutzutage weit mehr als ein Park. Sie sind ein Manifest derRenaissance-Gartenkunst, ein topografisches Gedächtnis derMedici und ein komplexes Gefüge aus Natur, Architektur undSymbolik. Doch wie konserviert man ein solch vielschichtigesMonument? Und wie bereitet man es auf die kommenden Jahrzehntevor? Mit „Boboli 2030“ hat das Direktorat der Uffizien unterdem damaligen Direktor Eike Schmidt (Amtszeit 2015–2023)ein Restaurierungs- und Entwicklungsprojekt angestoßen, dasneue Maßstäbe setzen will. Der Plan: Bis 2030 sollen 50 MillionenEuro in Restaurierung, Reaktivierung und Zugänglichkeitdes Gartens investiert werden – umfassend, nachhaltig und exemplarischfür eine neue Art des Kulturerhalts.Botanik, Hydraulik, Digitalisierung – Denkmalpflegeauf schmalem GratDer Boboli-Garten ist auch ein System aus Pflanzen und Wasser.Entsprechend viel Aufmerksamkeit gilt dem hydraulischenNetz, das ursprünglich die Brunnen speiste und über ein ausgeklügeltesGefällesystem funktionierte. Heute steht man vorder Frage: rekonstruieren oder modernisieren? Ein „konservativesUpdate“ scheint der Weg zu sein – unter BeibehaltungZwischen Amphitheater und IsolottoViele der Eingriffe betreffen zentrale Monumente: das Amphitheatermit seinem römisch anmutenden Glanz, die Vasca diNettuno, eine gelungene prachtvolle Symbiose aus Spätrenaissanceund Barock – und die idyllische Insel im Garten, dasIsolotto. Bereits heute sind dort konservatorische Maßnahmensichtbar: Steinoberflächen wurden gereinigt, Fehlstellen gesichert,Skulpturen restauriert. Besonders herausfordernd: dieBalance zwischen historischem Erscheinungsbild und heutigenkonservatorischen Standards.Jeder dieser Orte ist ein Mikrokosmos für sich – mit eigenemMaterialgefüge, Vegetationsbestand und restauratorischerGeschichte, wie aktuelle Beobachtungen und dokumentierteMaßnahmen eindrücklich zeigen.22Innenraum derBuontalenti-Grotte imBoboli-Garten, Florenz.Die zwischen 1583 und1593 errichtete GrottenarchitekturverbindetNatur- und Kunstmotive.Stuckaturen, Freskenund Skulpturen schaffenein illusionistischesHöhlenambiente imGeist der Spätrenaissance.