MK 0525 Vorschau
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ZKZ 4937
www.moebelkultur.de
NEWS. INSIGHTS. TRENDS.
5 | 2025
EXTRA VERBÄNDE
Per QR-Code abrufbar!
GROSSES
LIFESTYLE-
SPECIAL
TRENDWENDE
ZGV-MÖBELREPORT 2025: WAS HÄNDLER JETZT WISSEN MÜSSEN
Foto: Broste Copenhagen
ZUKUNFT EINRICHTEN
Worauf der Möbelhandel bei den
Fachsortimenten setzt
SPOGA+GAFA
Neue Impulse aus der
Outdoor-Welt
ERFOLGSREZEPT
Wie Interliving Eilers
Generationen verbindet
VOICE-KI
Smarte Kommunikation
im Kundenservice
INHALT
PROGNOSE
WEITERER
KONSUM-
VERZICHT
ZGV-REPORT ÜBER DAS „NEW NORMAL“
Erst 2026 soll es im Möbel-Markt den Turnaround geben. Eine Analyse des
Mittelstandverbunds schlägt Alarm – und fordert zum Handeln auf.
24
Top Thema
DER ZGV-MÖBELREPORT 2025 24
„Kooperation schlägt Konfrontation“
Dienstleister
RENATE WIRD SMART 28
KI-Assistent für mehr Kundenservice
Industrie
GEMEINSAM STARK 14
Das Verbände-Special der möbel kultur
WAS BEWEGT DIE BRANCHE? 30
Ein Rückblick auf die Interzum 2025
INS ZUHAUSE INVESTIEREN 33
Ein Statement des BVMD
30
46
18
EUROPEAN
RETAIL AWARD
Gewonnen! EK Retail zeichnete
erstmals Einzelhändler:innen
aus, die sich mit
smarten Ideen vom Markt
absetzen.
DAS WAR DIE INTERZUM
Was bewegt die Möbelbranche? Antworten lieferte die Interzum 2025:
Mit Dreh- und Schiebesystemen für multifunktionale Räume.
Handel
INNOVIEREN ODER SPAREN? 34
Strategien für radikale Veränderungen
MEHRGENERATIONEN-HANDEL38
„Interliving Eilers“ feiert 116 Jahre
Verbände
AN DER SPITZE ANGELANGT 40
EMV-Kollektionspräsentation 2025
AUFBRUCH UND ABSCHIED 42
JHV von Der Küchenring
STANDARD FÜR DIGITALISIERUNG 44
„ECLASS“ für Produktdaten
Lifestyle-Special
PREISKAMPF VS. ERLEBNISFLÄCHE46
Die GPK-Branchentagung 2025
ORDERN IM NORDEN 48
Die Nordstil als Neuheitenbühne
WEIHNACHTLICHE TRADITIONEN 51
Interview mit Philip Wurm
MAGISCHES PORZELLAN-DESIGN 53
Serax lanciert florales Geschirr
FIRST CLASS-SHOPPING 54
Kustermann als ausgezeichnetes Haus
CLEVER & VIELSEITIG 56
Neue Serien von Elektrokleingeräten
ZUR LIFESTYLE-BRAND AVANCIERT60
Leonardo mit Mix&Match-Wohnwelten
GLOBALE RETAIL-KONZEPTE 62
Erfolgreicher Einzelhandel weltweit
WEIHNACHTEN 2025 66
Accessoire-Trends für die Festtage
GPK-BRANCHENTAGUNG
Guidelines für „Black Friday“ und abgestimmte UVP-Modelle: Der GPK-
Fachhandel sucht Lösungen gegen sinkende Margen und Frequenzverlust.
5/2025
40
EMV-KOLLEKTIONSPRÄSENTATION 2025
Neu konzipierte Flächen für den POS, gestraffte
Marken logos und zahlreiche Möbel neuheiten: Der
Europa-Möbel Verbund hat sich für sein Kollektions-
Update ins Zeug gelegt.
42
ZWISCHEN ABSCHIED UND AUFBRUCH
Bei der Jahreshauptversammlung von Der Küchenring in Prag
dominierte der Gemeinschaftsgedanke. Nur kurze Zeit später
verließ Geschäftsführer Jürgen Feldmann den Verband.
14
MEHR
MITEINAN-
DER WAGEN
Das Verbände-
Special von möbel
kultur ist geprägt
von Zahlen und
Zäsuren – aber
auch zukunftsträchtigen
Marketingansätzen,
die
die Gemeinschaft
hervorheben.
62
RETAIL-KONZEPTE AUS ALLER WELT
Berlin, Nanjing oder Dorfen in Oberbayern:
Spektakuläre Retail-Stores zeigen, was ein
Einkaufserlebnis vor Ort bedeutet.
5
INHALT
66
WEIHNACHTEN
2025: TRENDS
Wir ziehen uns trotz
Hochsommer schon
mal warm an: Für die
Deko- und Geschirr-
Highlights des Winters.
Küche
DAS STAURAUM-WUNDER 70
Kesseböhmer will hin zum „Must-have“
SNEAKS, SNACKS & STERNCHEN 73
Siemens Hausgeräte auf der OMR
ALLES ANDERE ALS KONSERVATIV 74
Emma Splinter setzt ein Zeichen
LEUTE 76
Neuzugänge, Abgänge, Geschichten
KÜCHENNEWS 78
BSH, Team 7 und Schüller Küchen
Go Green
UPCYCLING-ATELIER FÜR MÖBEL 80
Tikamoon mit „Boutique Circulaire“
Outdoor
NEUHEITEN FÜR DRAUSSEN 82
Inspiration von der „spoga+gafa“
MIT DER KRAFT DER SONNE 86
Solarleuchten als Gartenaccessoire
ZWEI IN EINS 87
Multifunktionale Outdoor-Produkte
WELLNESS IM FREIEN 88
Urlaubsfeeling mit Lounge-Möbeln
74
ALLES ANDERE ALS KONSERVATIV
Emma Splinter legte am 1.1.2021 auch beruflich den Schalter um.
Zuvor war sie in der Küchenbranche als Patrick Splinter tätig.
UPCYCLING-ATELIER FÜR MÖBEL
Geschäftsführer Thibault Deslorieux erklärt im Interview,
warum Langlebigkeit zur DNA von Tikamoon gehört.
Advertorials
Tesa gestaltet Zukunft des Wohnens 49
Ada für Markenführung ausgezeichnet 50
Naber hat Behälter für jeden Vorrat 52
In der Küche hilft „Kippo“ von Gefu 53
Kettler macht es mehr als wohnlich 87
In jedem Heft
Foto des Monats 8
Aktuell 10
Leute 16
Im Gespräch 22
Karriere 90
Möfa 92
Stellenangebote 94
Impressum 97
Inspiration 98
80
TRENDS IM BLICK
Das Leben ist schön! Man(n) oder auch
Frau kann es sich zumindest schön
einrichten. Im Lifestyle-Special erfahren
Sie, mit welchen Trends die Branche
aufwartet, denn in Wohnzimmer und
Küche spielt das wahre Leben. Und der
Handel denkt schon an Weihnachten.
6
5/2025
RESÜMEE DER SPOGA+GAFA
Mehr als 26.000 Fachbesucher:innen trafen auf der Gartenlifestyleund
Outdoormesse auf über 1.600 Aussteller. Das Fazit? Positiv und
inspirierend – mit leichtem Verbesserungsbedarf.
82
70
HOFFEN AUF DAS STAURAUMWUNDER
Kesseböhmer ist der führende Stauraumspezialist in Deutschland
– aber in Sachen Sichtbarkeit stark auf den Küchenfachhandel
angewiesen. Das soll sich ändern.
Auf der area30
VR live erleben.
– designed to help you sell
SHD bietet mit KPS.MAX vision eine
innovative Lösung, die virtuelle Erlebniswelten
in die Küchenplanung integriert.
Kunden können somit mittels einer
realistischen 3D-Darstellung in die Küche
eintauchen.
20. - 25. September 2025
in Löhne · Stand B41
www.kpsmax.de
LEUTE WER DIE BRANCHE BEWEGT
Das schönste Sport-Event der Branche fühlte sich erneut wie ein Treffen unter Freunden an.
100 Teilnehmer:innen machten sich bei der 11. Ausgabe der „Möbler Meilen“ rund um Minden
auf den Weg. Highlight war die Auffahrt zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica.
MÖBLER
MEILEN
2025
Foto: Marcel Vogelsang & Florian Recknagel / motion and film Filmproduktion
RADELN FÜR DEN GUTEN ZWECK
Sportliches Treffen unter Freunden: Radsportbegeisterte Menschen auf wunderschönen,
anspruchsvollen Strecken, Hitze, Gewitter, Starkregen, fantastisches Essen, kalte
Getränke, jede Menge Netzwerken und jederzeit umsorgende Gastgeber von Follmann
und Follmann Chemie – die „Möbler Meilen 2025“ hatten eine Menge zu bieten. Auch in
diesem Jahr spendeten die Sportler wieder großzügig für einen guten Zweck. Die Erlöse
gehen an mehrere Kitas. Dort dürfen sich Kinder über neue Laufräder und Helme freuen.
Foto: möbel kultur
3C HOLDING
Neu in der Geschäftsführung
Die 3C Holding GmbH hat ab 1. September einen neuen Geschäftsführer:
Carl-Christoph Held übernimmt die Bereiche Vertrieb, Produktion, Einkauf und
Personal. Er wird das Unternehmen gemeinsam mit Geschäftsführer Markus
Kemming leiten, der für IT, Finanzen, Recht & Compliance zuständig ist. „Wir
haben mit Carl-Christoph Held nicht nur einen Geschäftsführer gewonnen, der
über Managementexpertise und beste Verbindungen in unserer Branche verfügt,
sondern auch eine Führungspersönlichkeit, die sich durch persönliche Integrität
und Teamorientierung auszeichnet“, sagt Burckhard Kramer, Gründer und
Gesellschafter der 3C-Gruppe.
www.3c-gruppe.de
5/2025
Fotos: Cosori, Samsung
COSORI / SAMSUNG
Prominente Partner
Bekannte Gesichter promoten neue Technik: Cosori, preisgekrönte Küchengerätemarke
der VeSync-Familie, arbeitet mit der deutschen Köchin und TV
Persönlichkeit Zora Klipp zusammen. Die Partnerschaft stehe für die gemeinsame
Mission, authentische, köstliche und gesunde Küche in jede Altersgruppe
zu bringen. Sie umfasst eine Rezeptreihe und eine Social-Media-Kampagne.
Samsung hat Jamie Oliver als langfristigen Marken- und Kooperationspartner
engagiert. Der beliebte Starkoch präsentiert Rezepte für besondere Genussmomente,
die er exklusiv für das Unternehmen entwickelte. Dabei hat er sich
von den KI-gestützten Hausgeräten der koreanischen Marke inspirieren lassen.
www.cosori.de, www.samsung.com
KURZ BERICHTET
HERBERT NEUMEYER-
UNTERNEHMENS-
GRUPPE: Zum 1. August
2025 übernimmt
Dr. Henning Dammer den
Vorsitz der Geschäftsführung der
Herbert Neumeyer Holding und
der fan frankenstolz. Der promovierte
Wirtschaftsingenieur tritt die
Nachfolge von Carl-Christoph Held
an, der zum 1. September auf
eigenen Wunsch als Vorsitzender
der Geschäftsführung ausscheiden
wird, um sich neuen beruflichen
Herausforderungen zu widmen.
Eine weitere personelle Veränderung
steht der Unternehmensgruppe
zum Jahreswechsel
ins Haus: Thomas
Müller wird zum 31. Dezember
in den Ruhestand
treten und seine Tätigkeit als
Geschäftsführer der Centa-
Star beenden. Zum 1. Januar
übernimmt Markus Ertel,
der seit vielen Jahren erfolgreich
Heinrich Häusling
führt, zusätzlich die Geschäftsführungsverantwortung
für
Centa-Star. Aufgrund der engen Verbindung
beider Unternehmen kennt
er Märkte und Produkte bestens.
MEBLE POLSKA
STELLVERTRETENDE
MESSE-LEITERIN
Weronika Jakubowska wurde zur stellvertretenden
Direktorin der Möbelmesse
„Meble Polska“ ernannt. Seit
viereinhalb Jahren arbeitet sie bei der
Grupa MTP und ist für den Verkauf und
die Beziehungen zu den Ausstellenden
verantwortlich. Gleichzeitig ist sie im
Organisationsteam der Verpackungsindustriemesse
„Taropak“ tätig.
www.meblepolska.pl
HANSGROHE
PERSONALWECHSEL
Der Aufsichtsrat der Hansgrohe SE
stellt sich neu auf: Keith Allman (l.) geht
in den Ruhestand. Zu seinem Nachfolger
wurde Jonathon J. Nudi (r.) bestellt.
Hülya Inciroglu rückt als Mitglied
nach, da Matthias Dittmann sein Amt
be endet. Richard Grohe, Enkel des
Firmengründers Hans Grohe, wurde im
Amt bestätigt. Weitere Mitglieder
sind Klaus F. Jaenecke (Vorsitzender),
Jai Shah (stellv. Vorsitzender) und
Jürgen Nähr.
www.hansgrohe.com
ELECTROLUX: Seit dem
19. Juni hat Vincent Rotger
die Position des Chief
Strategy Officer inne. In
dieser Schlüsselposition
übernimmt er die Leitung für Geschäftsstrategie,
M&A-Aktivitäten
und Business Development. Mit
nahezu drei Jahrzehnten Branchenerfahrung
bringt Rotger fundiertes
Wissen aus führenden Unternehmen
wie Whirlpool und Haier mit.
Zuletzt war er für ein Start‐up tätig,
das sich auf nachhaltige Haushaltsgeräte
spezialisiert hat.
EGE CARPETS: Der
dänische Teppichproduzent
begrüßt Michael Thomann
als neuen Geschäftsführer
für die DACH-Region. Der
gelernte Schreiner und studierte
Betriebswirt tritt die Nachfolge von
Matthias Quinkert an. Thomann
verfügt über langjährige Vertriebserfahrung
und Expertise in strategischer
Marken- und Kollektionsentwicklung.
17
TOP THEMA MÖBELREPORT
ZGV-MÖBELREPORT 2025
UNDER PRESSURE: KANN DIE
BRANCHE REAGIEREN?
Der ZGV-Möbelreport 2025 erscheint in einem von Unsicherheit geprägten Umfeld. Inflation,
Konsumzurückhaltung, anhaltender Fachkräftemangel und ein weitgehend zum Erliegen
gekommener Wohnungsbau treffen auf eine Branche im strukturellen Wandel. Handeln ist Gebot.
„Kooperation schlägt Konfrontation –
gerade im mittelständischen Möbel- und
Küchenfachhandel. Über 75 Prozent
Marktanteil bestätigen das unschlagbare
Erfolgsmodell.“
24
Dr. Marc Zgaga Stellvertretender
Hauptgeschäftsführer
DER MITTELSTANDSVERBUND
Dr. Marc Zgaga, stellvertretender Hauptgeschäftsführer DER
MITTELSTANDSVERBUND und Leiter der Fachgruppe Möbel und Küchen
Die Folgen dieser Stress-Situation
sind tiefgreifend – nicht
nur für die Absatzentwicklung
im Küchen- und Möbelbereich,
sondern für das gesamte
Marktgefüge.
„Die Branche steckt im Jahr 2025 mitten
im strukturellen Wandel und muss
gleichzeitig auf die ,neue Normalität‘
von Krisen und Ungewissheiten reagieren“,
sagt Dr. Marc Zgaga, stellvertretender
Hauptgeschäftsführer des Mittelstandsverbundes
und Leiter der Fachgruppe Möbel
und Küchen.
Gleichzeitig kommt Druck von anderer
Seite. So verschärfen vor allem asiatische
Plattformanbieter wie Temu, Shein und
andere mit aggressiven Preismodellen und
teils ungleichen regulatorischen Bedingungen
den Druck auf stationäre mittelständische
Händler.
Hinzu kommt die Digitalisierung als
doppelte Herausforderung: Sie ist zugleich
Überforderung und Überlebensnotwendigkeit.
Kunden erwarten digitale Sichtbarkeit,
Planbarkeit und Erreichbarkeit
– unabhängig von Öffnungszeiten oder
physischen Standorten.
RÜCKGRAT DES MARKTES
In dieser Gemengelage zeigt der Möbelreport
eindrucksvoll, dass der kooperierende
Mittelstand weiterhin das Rückgrat
des Marktes bildet: Mit über 75 Prozent
Marktanteil im klassischen Möbel- und
Küchenfachhandel ist seine wirtschaftliche
Bedeutung ungebrochen. Doch dieser
Erfolg beruht nicht allein auf Struktur – er
ist Ergebnis aktiver Gestaltung.
Hier setzt das Projektmanagement
der Fachgruppe Möbel und Küchen im
Mittelstandsverbund an: Mit praxisnahen
Initiativen in den Bereichen Digitalisierung,
Nachhaltigkeit, Kommunikation
5/2025
und Industriekooperation stellt sich die
Fachgruppe den wachsenden Anforderungen.
Ziel ist nicht nur die Begleitung des
Wandels, sondern dessen aktive Steuerung:
durch Wissenstransfer, gemeinsame Standards
und strategische Vernetzung.
Sie vereint dabei 14 Verbundgruppen
mit über 7.000 Möbel- und Küchenhandelsunternehmen
und ist zentrale Austauschplattform
für die Möbelbranche im
Mittelstandsverbund, der als Spitzenverband
des kooperierenden Mittelstandes die
Interessen von rund 300 Verbundgruppen
aus Handel, Handwerk
und dem Dienstleistungsgewerbe
mit insgesamt fast 230.000 Anschlusshäusern
vertritt.
HANDLUNGSDRUCK
Der Möbelreport ist aber nicht nur
Analyseinstrument, sondern Arbeitsgrundlage:
für unternehmerische Entscheidungen
und für die Weiterentwicklung
von resi lienten, zukunftsfähigen
KÜCHEN
VERLUST
AN
DYNAMIK
ANPASSUNG
Küchenmöbel verlieren
womöglich dauerhaft
an Dynamik, da der Absatz
stark mit dem stagnierenden
Wohnungsbau korreliert. Für
Händler mit Fokus auf Einbauküchen
ist dies ein zentraler
Frühindikator für notwendige
strategische Anpassungen.
PROGNOSE VERTRIEBSKANÄLE & WACHSTUM WARENGRUPPEN
Oben: Prognostizierte Umsatzentwicklung der Vertriebskanäle, 2025-2029=Prognose indexiert (2000=100%
Unten: Umsatzentwicklung der Warengruppen im Zeitverlauf von 2020 bis 2024 (indexiert 2020=100)
Quelle: IFH Köln
ONLINE
Der Onlineanteil am
Möbelumsatz ist auf
15,4 Prozent gestiegen,
trotz rückläufigem
Gesamtmarkt. Zugleich
nehmen Plattformanbieter
aus Asien auch im
Möbelbereich an Bedeutung zu.
Daraus ergibt sich Handlungsdruck:
Sichtbarkeit, Differenzierung über
Service, Beratung und Vertrauen
werden zum Erfolgsfaktor.
PLATTFORMEN
ANBIETER
AUS
ASIEN
KOOPERIEREND VS. UNABHÄNGIG
Der in Kooperation organisierte Möbelfachhandel generierte 2024 23,5 Mrd. Euro
Umsatz, während der unabhängige Möbelfachhandel 7,8 Mrd. Euro erwirtschaftete.
Der Kooperierende
Möbelfachhandel
kommt somit im
Jahr 2024 auf einen
Anteil am gesamten
Möbelfachhandel in
Höhe von 75 Prozent.
Quelle: IFH Köln
23.511
7.782
24,9
%
• Kooperiender Möbelfachhandel • Verbandsunabhängiger Möbelfachhandel
75,1
25
LIFESTYLE SPECIAL
ACCESSOIRES FÜR DIE FESTTAGE
WEIHNACHTEN 2025
DAS SIND DIE TRENDS
Es ist an der Zeit, sich auf die umsatzstärksten Wochen des Jahres vorzubereiten.
möbel kultur gibt Inspirationen für das Weihnachtsgeschäft und einen Überblick über
die neuesten festlichen Kollektionen für Tisch, Küche, Haus und Baum.
ROTER KLASSIKER
IN DER KÜCHE
Ob für Plätzchenteig oder zum Servieren von
Desserts – die „Margrethe“-Rührschüssel von
Rosti ist seit 1950 ein unverzichtbarer Helfer. Der
neu entwickelte Kunststoff „Durostima“ macht
sie jetzt noch robuster und sie darf nun auch in
die Mikrowelle und den Gefrierschrank.
STARKER HELFER
Ideal für Plätzchen:
Dank integrierter Kugellager
gleitet der Edelstahl-Teigroller
„Rotolo“
von Gefu besonders
leichtgängig und gleichmäßig
über den Teig.
NOSTALGIE PUR
Im Mittelpunkt der
Serie „Classic Rocking
Horse“ von Ambiente
Europe steht ein klassisches
Schaukelpferd.
Die Serie umfasst
neben Geschirrtuch,
Ofenhandschuh und
Topflappen auch
diverse Accessoires für
den Tisch.
SÜSSES
BÄUMCHEN
Der Ausstecher
auf dekorativem
Cardboard von
Birkmann ist
Backutensil und
kleine Geschenkidee
in einem.
66
5/2025
AUF DEM TISCH
VIELFÄLTIGE MÖGLICHKEITEN
Die Serie „Semana“ von Asa Selection gibt es in verschiedenen
Farben, die sich auch harmonisch miteinander kombinieren
lassen. In „Lobster“, einem intensiven Ziegelrot, sorgt das
Geschirr im Advent und an Weihnachten für eine besonders
festliche Atmosphäre.
SAMMLERSTÜCKE
JUBILÄUMSEDITION
15 Jahre „Toy’s Delight“: Zu diesem Anlass präsentiert Villeroy &
Boch eine spezielle Sammler-Kollektion – die mit Motiven von
Holzspielzeug aus dem Erzgebirge verzierten Teller in Papptellerform,
Bowls und Becher sind mittig mit Weihnachtsmann,
Nussknacker, Lokomotive und Schaukelpferd dekoriert und in Geschenksets
mit unterschiedlichen Zusammenstellungen erhältlich.
WEIHNACHTSWALD
Traditionell und gleichzeitig
schlicht präsentiert
sich die Tischdecke aus der
aktuellen Winter-Kollektion
von Södahl. Die grünen
Bäumchen mit goldener
Sternenspitze auf beigem
Grund sorgen auch schon in
der Vorweihnachtszeit für
festliche Stimmung.
2016 startete Hutschenreuther die Sammelkollektion
„Weihnachtslieder“ und fügt in diesem Jahr „Alle Jahre
wieder“ als neues Motiv auf Porzellan hinzu. Auf dem
filigranen Dekor sind neben den Noten des Liedes auch
Mistelzweige, der Stern von Bethlehem, Geschenke,
Schleifen und Tannenzapfen in den Farben Grün, Blau,
Gelb und Rot zu sehen.
OPULENT
Die vieleckige Form „Grecque Athena“
von Fürstenberg imponiert mit detailliert
ausgearbeiteten Verzierungen an Henkel,
Schnaupe und Deckelknauf, hinzu kommen
handgemalte Goldlinien. Ideal für ein
rauschendes (Weihnachts-)Fest.
BESONDERE HAPTIK
„Stars on Canvas“ heißt eine
der neuen Weihnachtskollektionen
von PPD. Erhältlich
sind die robusten Servietten
in Beige, Grün, Blau und
Grau – jeweils mit goldenem
Sternenmotiv.
67
KÜCHE
Stauraum schaffen in Küche und Wohnraum ist ein
beliebtes Thema auf den sozialen Netzwerken. Die
zentrale Beratung muss aber im Handel erfolgen.
KESSEBÖHMER
HOFFEN AUF DAS
STAURAUM-WUNDER
Vorratsboxen, Apothekerauszüge und Tablare für Teller und Töpfe, darunter der
prominente LeMans-Schrank: Kesseböhmer ist für seine Stauraumsysteme bekannt.
Nur eben nicht bei Endkund:innen. Das soll sich ändern – auch zugunsten des Handels.
70
5/2025
Foto: Susanne Maerzke
Von der aufwendigen Produktion
bis zur stimmigen Veredelung
im Küchenraum: Der „LeMans“-
Auszug ist einer der Klassiker im
Kesseböhmer-Sortiment.
Mit den sogenannten
„Touchpoints“ ist das
immer so eine Sache.
Sie sind ein Richtwert
dafür, wo und wie oft
eine Person mit einer Marke oder deren
Produkten in Berührung kommt – und
ab wann sich eine gewisse Begehrlichkeit
einstellt. Mindestens sieben Interaktionen
braucht es laut Marketingprofis dafür,
manchmal auch 15 oder 20. Je anspruchsvoller
oder teurer ein Produkt ist, desto
mehr Anknüpfungspunkte benötigen Konsument:innen,
bevor sich eine Kaufabsicht
tatsächlich manifestiert.
Was aber, wenn ein Produkt weder
besonders kostspielig noch komplex ist,
sondern einfach der Kategorie „nice to
have“ angehört – und dadurch im Verkaufsgespräch
schneller unter den Tisch
fällt?
WENIG PLATZ FÜR STAURAUM
Kesseböhmer hat noch keine endgültige
Antwort darauf gefunden. Dabei ist der
Spezialist für Metallverarbeitung mit gleich
fünf Standbeinen in verschiedenen Sektoren
gut aufgestellt. Sie erstrecken sich
vom Ladenbau über Büromobiliar bis hin
zum Automotive-Bereich. Als Steckenpferd
aber gelten die smarten Stauraumsysteme
für Küchenmöbel, die sich herausziehen,
drehen, hoch- und runterfahren lassen,
kurzum: die den vorhandenen Platz im
Schrank optimieren und den Zugriff darauf
deutlich erleichtern sollen.
Seit mehr als 70 Jahren ist der Zulieferer
aus Bad Essen-Dahlinghausen damit
erfolgreich, auch wenn das Jubiläum im
vergangenen Jahr dann doch eher klein
ausfiel. Denn die Gesamtgruppierung
erwirtschaftete zwar noch immer mehr
als 600 Millionen Euro Umsatz in 2024. In
einer Zeit aber, in der sich Produkte von
Küche bis Büro nur schwer verkaufen lassen,
bleibt – buchstäblich – nur wenig Platz
für Zulieferer im Stauraummanagement.
Dabei ließe sich im Handel mit den
Auszugssystemen der Gruppe gut argumentieren.
Die Begeisterung für geradlinige,
minimalistische Küchenräume
ist weiterhin ungebrochen. Warum also
nicht diese Form der Aufgeräumtheit auf
das Schrankinnere übertragen: mit belastbaren
Apothekerauszügen, flexibel justierbaren
Gewürzhalterungen, steck- und
stapelbaren Lagermodulen für Putz- und
Kochutensilien, ausziehbaren Tablaren und
natürlich jenen trickreichen Eckschranklösungen,
die den schwer zugänglichen
Stauraum im 90°-Winkel schon vor Jahren
maximal effizient erschlossen haben?
MEHR GELD FÜR DEN HANDEL
Die Re-Finanzierung einer Küche findet im
Korpus statt – darin sind sich die zahlreichen
Zulieferer der Küchen- und Möbelindustrie
aus Deutschland und Österreich
einig. Die Maxime soll aber nicht nur Geld
in die eigenen Taschen spülen, sondern auch
in jene des Fachhandels. Der könnte seinen
Warenkorb durch Zusatzprodukte geschickt
steigern oder seine Planung auf Räume
außerhalb der Küche ausweiten; Stichwort
Hauswirtschaftsraum, begehbare Ankleide
oder Vorratskammer.
Kund:innen wiederum profitieren vom
schnellen und komfortablen Zugriff auf
verstaute Gegenstände und von maximaler
Stauraumeffizienz – auch in den viel zitierten
kleinen Küchen aus urbaner Nachverdichtung.
Viele Bestandsplanungen ließen
sich sogar mit Aufbewahrungssystemen
Fotos li. & re. unten: Kesseböhmer
KESSEBÖHMER
• familiengeführt
• Kernkompetenz: Metallverarbeitung
und -veredelung
• Fokus u.a. Stauraumsysteme
• Hauptsitz: Bad Essen
• Mitarbeitende:
ca. 3.500 weltweit
• Umsatz 2024:
rd. 600 Mio. Euro
www.kesseboehmer.com
nachrüsten. Eine runde Sache also. Woran
hapert es dann?
20 X 20 MINUTEN
„Unsere Produkte sind optional“, sagt
Burkhard Schreiber, der Kesseböhmer
seit über 20 Jahren als Geschäftsführer
leitet. „Küchenkäufer mögen eine ungefähre
Ahnung davon haben, wie viel und
welchen Stauraum sie benötigen. Aber sie
wissen nicht, welche Wege es gibt, um ihn
bestmöglich zu nutzen.“ Die Industrie, mit
der Kesseböhmer bereits einige erfolgreiche
Innenausstattungsserien vorangetrieben
hat, ist im Moment jedenfalls keine
große Hilfe. Zu sehr sind deren Hersteller
derzeit mit sich selbst beschäftigt – und
froh über jeden verkauften Schrank, ganz
gleich, mit welchem Ordnungssystem
er bestückt ist. Dabei hält Kesseböhmer
mehr als zwei Drittel des Marktanteils in
Deutschland.
Der Metallveredler will und muss also
an den Fachhandel ran, welcher – ebenso
wie das finale Käuferpublikum – scheinbar
noch vom Mehrwert hinter der Front
überzeugt werden muss. Schließlich
Kesseböhmer-Geschäftsführer Burkhard
Schreiber will nah am Handel sein – und
investiert daher viele Minuten in den
direkten Kontakt mit Planer:innen.
71
OUTDOOR MESSE
Foto: Koelnmesse GmbH, Alita Holzhauer
Die Piazza auf der „spoga+gafa“ dient den
Pausen im Freien und dem Austausch.
Foto: Koelnmesse, Harald Fleissner
SPOGA+GAFA
NEUES FÜR
DIE OUTDOOR-
BRANCHE
Die Gartenlifestyle- & BBQ-Messe lud mit veränderter
Tagefolge nach Köln. Der Veranstalter und viele Ausstellende
sind zufrieden, beobachten Entwicklungen jedoch genau.
Das Unternehmen Kettler nutzte 850 Quadratmeter
Fläche für einen umfassenden Markenauftritt.
Nach drei Veranstaltungstagen
Ende Juni hat die Koelmesse
ein positives Fazit gezogen:
Mit rund 26.000 Fachbesucher:innen
aus über 100
Ländern sowie mehr als 1.600 Ausstellern
aus dem In- und Ausland habe die
„spoga+gafa“ ihre Bedeutung als führende
Plattform der Grünen Branche bestätigen
können. „In einem Jahr, das derzeit
noch von wirtschaftlicher Zurückhaltung
geprägt ist, hat die ,spoga+gafa‘ gezeigt,
welche Schlüsselrolle sie als internationaler
Branchentreffpunkt spielt“, so Oliver
Frese, Geschäftsführer der Koelnmesse.
Ein positives Fazit kam auch vom Unternehmen
Kettler, das seine Ausstellungsfläche
noch einmal vergrößert und insgesamt
850 Quadratmeter bespielt hat: „Wir haben
in diesem Jahr sogar mehr Kontakte als im
vergangenen verzeichnet, insbesondere im
internationalen Bereich“, sagt Tim Dargel,
Mitglied der Geschäftsleitung Marketing
und Vertrieb. Allerdings habe man aufgrund
der neuen Tagefolge – Dienstag bis
Donnerstag – nicht alle Fachhändler motivieren
können, auf die Messe zu kommen.
Dennoch hoffe man nun, nach den beiden
letzten „verhalteneren Jahren“, auf eine
bessere Vororder und auf eine insgesamt
positivere Stimmung am Markt, um 2026
wieder „voll durchzustarten“.
Dies soll auch mit einer neuen Designedition
gelingen. Kollektion „Latitude“
durfte auf der „spoga+gafa“ noch nicht
5/2025
Foto: Koelnmesse, Alita Holzhauer
TRENDREPORT
VON FRANK
REINHARDT
Im Garden Unique Bistro
(Foto) hielt Trendforscher und
Journalist Frank Reinhardt
einen Vortrag zu Möbel- und
Dekotrends.
» Zweites Wohnzimmer
Der Trend bleibt bestehen: Auch
draußen in der Natur soll es so
wohnlich und gemütlich wie nur
möglich sein. Dabei hat die Qualität
von Outdoor-Möbeln zugenommen.
„Dies zeigt sich auch
an einem sprachlichen Trend:
Plötzlich wird ausdrücklich von
Indoor-Möbeln gesprochen“,
sagt der Experte. Er vermutet, dass
Indoor und Outdoor in Randbereichen
wie dem Übergang von
Wohnzimmer zu Terrasse immer
mehr verschmelzen wird.
» Farbe der Saison
Bereits 2024 hat ein Paradigmenwechsel
stattgefunden. Während
in Deutschland die Farbe Grau
lange Zeit ein Klassiker war,
sind nun Hellgrau und Beige die
dominanten Töne. Im Luxussegment
ist zudem eine Rückkehr
von Weiß beobachten.
» Materialien & Muster
Beliebt sei die Kombination
unterschiedlicher Materialien
und Haptiken, wie Metall, Holz,
Rattan oder Geflecht. Im Accessoire-Bereich,
etwa bei Blumentöpfen,
sind zunehmend
„3D-Muster“ zu entdecken, die
die Natur imitieren. Das Thema
Nachhaltigkeit gilt mittlerweile
als selbstverständlich. Die Kunden
sind kritisch und gut informiert.
fotografiert werden: Die ersten Produkte,
entworfen vom Franzosen Frédéric Sofia,
sollen ganz offiziell auf der Maison&Objet
im Januar gelauncht werden. Man wolle die
Marke modernisieren, ohne der eigenen
DNA – etwa den eckigen, kantigen Formen
– untreu zu werden, so Christian Dehn,
seit 2022 Geschäftsführer von Kettler. „Wir
hoffen, neue Zielgruppen zu erschließen,
zum Beispiel auch im Objektbereich.“
AUSTAUSCH MIT DEM HANDEL
Zufrieden mit der Besucherfrequenz zeigte
sich auch Kai Nottbohm, Geschäftsführer
der Zebra Möbel GmbH, wenngleich
auch sein Team habe feststellen müssen,
dass diverse inhabergeführte Handelspartner
durch das aktuelle Saisongeschäft
die Messe nicht hätten besuchen können.
Zebra nutzte die „spoga+gafa“ einmal
mehr, um die neuesten Entwürfe für
die nächste Saison zu präsentieren und
direkt in den Austausch zu gehen, damit
gegebenenfalls Wünsche aus dem Handel
aufgenommen werden können. „Neben
der Trendfarbe ,Light Taupe‘ zeichnet
sich unsere Kollektion durch einen interessanten
Materialmix, hohe Flexibilität
und Wohnlichkeit aus.“ Spannend für
viele Standbesucher:innen: Im Bereich
Outdoor-Tisch setzt Zebra nicht nur auf
recyceltes Teakholz, sondern vermehrt auf
Keramik. Ein ästhetisches Material, das
zugleich pflegeleicht sei.
Dass helle Farbtöne besonders beliebt
sind, zeigte sich auch bei Niehoff Garden,
wo man seit 2024 verstärkt auf den Farbton
„Ivory“ setzt. Die Marke legt ebenfalls ein
besonderes Augenmerk auf Details – so
unter anderem bei der Holzliege „Bali“,
die nicht nur in ihrem belüfteten Inneren
Platz zum Verstauen von Auflagen bietet,
sondern auch mit seitlichem Holzfach zu
bekommen ist, das zugleich als praktische
Ablagefläche fungiert.
Stern präsentierte in Köln das aktuellste
und insgesamt sechste „Living Concept“ –
eine inszenierte Outdoor-Wohnwelt, die
Kund:innen inspirieren soll. Hingucker
war der frische Rosé-Ton „Lychee“– ein
pastelliger Farbklecks inmitten des so
beliebten Greige. Als ein Highlight der
neuen Kollektion benannte Marketing-
Chef Tim Schöllkopf das modulare Sofa-
Modell „Enya“: Dank mobiler Ansteckelemente
aus Teak lassen sich Lehnen
unkompliziert an anderer Stelle anbringen
und sogar ein Tisch flugs in einen Sessel
verwandeln.
Einen kurzen Stopp mit spontanem
Anheben eines Ausstellungsobjektes (38
kg) legten nicht wenige Besucher bei der
Marke Gardentub aus Tilburg ein, die
Beliebt bei Influencer:innen: Outdoor-Badewannen
von Gardentub.
Zebra-Möbel stehen für Nachhaltigkeit
und Multifunktionalität.
Softer Farbakzent: Stern präsentiert
den frischen Rosé-Farbton „Lychee“.
Fotos: A. Maschewski
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Wer klug priorisiert, reduziert Komplexität – und gewinnt
Zeit, Klarheit und Handlungsspielraum zurück.
BELASTUNG, BURNOUT, BEWÄLTIGUNG
ZU WENIG KÖPFE,
ZU VIELE TO-DOS
Ob in der Disposition, auf der Fläche oder im Lager: Immer weniger Menschen müssen
immer mehr Aufgaben stemmen. Arbeitsverdichtung ist längst kein Ausnahmezustand mehr,
sondern Alltag – mit wachsenden Risiken für Motivation, Produktivität und Gesundheit.
Doch es gibt Wege, die Belastung klug zu verteilen.
Das ist einfach zu viel.“ Sätze
wie dieser fallen inzwischen
häufiger in Büros und Werkshallen
als je zuvor. Teams
arbeiten am Limit, Aufgabenlisten
wachsen schneller als sie abgehakt
werden, und Kolleg:innen fallen krankheitsbedingt
immer öfter länger aus. Die
Lage ist nicht neu – aber sie spitzt sich zu.
Das zeigt auch der aktuelle Jahresbericht
des DGB-Index „Gute Arbeit 2024“: Das
Kriterium „Widersprüchliche Anforderungen
und Arbeitsintensität“ entwickelte
90
sich besonders negativ. Es erfasst arbeitsbedingte
psychische Belastungen wie das
Arbeiten unter Zeitdruck, Qualitätsabstriche
aufgrund von Überlastung, die Widersprüchlichkeit
der Arbeitsanforderungen
oder die Frage, ob Informationen, die
für die Ausführung der Tätigkeit benötigt
werden, rechtzeitig bei den Beschäftigten
vorliegen. Die Arbeitsintensität wurde im
Vergleich zu anderen Kriterien besonders
schlecht bewertet.
Die Möbel- und Küchenbranche ist
davon in besonderer Weise betroffen.
Saisongeschäfte, Fachkräftemangel und
unterbrochene Lieferketten sorgen für
permanente Verschiebungen im Betriebsalltag.
Die Belastung verteilt sich dabei oft
ungleich: Während an einer Stelle Personal
fehlt, kämpfen andere mit zu vielen parallel
laufenden Aufgaben.
WARUM WIRD ES IMMER MEHR?
Ein Mix aus gesellschaftlichen und strukturellen
Entwicklungen verschärft die Lage.
Dazu gehört der demografische Druck: Das
Erwerbspersonenpotenzial schrumpft.
5/2025
Foto: Sensvector, Shutterstock.com
Laut IAB-Prognose wird Deutschland bis
2060 – selbst bei günstiger Zuwanderung
– um 11,7 Prozent von 45,7 Millionen auf
40,4 Millionen schrumpfen. Der Rückgang
hat bereits eingesetzt. Zudem reduzieren
immer mehr Beschäftigte ihre Stunden.
2023 lag die Teilzeitquote laut Statistischem
Bundesamt bei 29 %, bei Frauen sogar bei
49 %. Vor allem in Familien- und Pflegekontexten
ist das neue Normal nicht mehr
40 Stunden, sondern 20 bis 30. Und die
Digitalisierung hat auch Nebenwirkungen:
Zwar ziehen neue Tools ein, aber oft
bleibt die alte Struktur bestehen – inklusive
Papierakten oder unklarer Rollenverteilungen.
Das kostet mehr Zeit statt weniger.
SPÄTFOLGEN AUF RATEN
Die gesundheitlichen Folgen zeigen sich
langsam, aber unaufhaltsam: Laut Sonderauswertung
des DGB fühlt sich in NRW
bereits jede:r zweite Beschäftigte regelmäßig
gehetzt oder dauerhaft unter Zeitdruck.
Die Folge sind Fehler, Krankmeldungen und
eine sinkende Lernbereitschaft. Fast 40 % der
Beschäftigten verzichten auf Weiterbildungsangebote,
weil sie schlicht keine Zeit dafür
finden oder keine Vertretung haben.
Auch das Vertrauen in den Arbeitgeber
leidet. In Gesprächen berichten Mitarbeitende
davon, sich „allein gelassen“ oder
„nicht gesehen“ zu fühlen. Führungskräfte
wiederum sitzen zwischen Budgetdruck,
Zielvereinbarungen und der Verantwortung
fürs Team. Viele erleben ihre Rolle als Überforderung
unter Ankündigungspflicht.
FÜNF HEBEL GEGEN ÜBERLASTUNG
Auch wenn es auf der strukturellen Ebene
Zeit braucht, haben sich fünf sofort
umsetzbare Maßnahmen bewährt:
1. Priorisieren statt verteilen. Teams,
die wöchentlich ihre drei wichtigsten
Ziele gemeinsam definieren, vermeiden
Übersteuerung. Ein Polstermöbelhersteller
reduzierte so Meetings um 30 %
und steigerte die Liefertermintreue um
12 %, wie ein interner Branchenreport
zeigt. Dies ließe sich auch auf Küchenstudios,
Logistikzentren oder Verwaltungsbereiche
im Möbelhandel übertragen.
2. Job-Rotation mit Augenmaß. Wenn
Verkauf und Disposition gegenseitig
Grundkenntnisse aufbauen, können sie
sich in Engpasssituationen vertreten –
etwa bei saisonalen Peaks oder Krankheitsfällen.
Ein Beispiel: Beim IT-Hersteller
Lenovo durchlaufen junge Talente
seit Jahren verschiedene Stationen – von
Vertrieb über Kundenservice bis hin
zur Produktentwicklung. Ziel ist es,
unternehmensweite Prozesse besser zu
verstehen, Flexibilität zu fördern und
personelle Engpässe intern aufzufangen.
Für die Möbel- und Küchenbranche
bietet sich ein ähnlicher Ansatz an: Wer
etwa Verkaufs-, Dispo- oder Kundenserviceteams
übergreifend schult, kann
Lastspitzen besser ausbalancieren – und
schafft zugleich mehr Verständnis für die
Wertschöpfungskette im eigenen Haus.
3. Kleine Automatisierungen, große
Wirkung. QR-Codes beim Wareneingang
oder automatisierte Rechnungsprüfungen
sparen täglich bis zu 1,5
Stunden – und reduzieren Fehler um
bis zu 40 %. Entscheidend ist, dass Tools
nicht zusätzlich „on top“ eingeführt
werden, sondern bestehende Routinen
entlasten.
4. Lernen in Häppchen. Statt ganzer
Seminartage setzen einige Betriebe
auf 5-Minuten-Videos oder Mikro-
Trainings in Leerzeiten. Das erhöht die
Lernquote, ohne das Tagesgeschäft zu
blockieren. Besonders in filialisierten
Unternehmen oder Betrieben mit hoher
Fluktuation bietet diese Methode eine
effiziente Lösung.
5. Puffer bewusst planen. Unternehmen,
die Vertretungstage nicht streichen,
sondern systematisch in Dienstpläne
einbauen, berichten von deutlich
besserer Planbarkeit – auch bei Urlaub
oder Krankheit. Dazu ließe sich
auch übergreifend ein Springer-Pool
einrichten.
ENTLASTUNG DURCH KI
Im Ringen mit der Arbeitslast rückt zunehmend
auch Künstliche Intelligenz ins Blickfeld.
In vielen Unternehmen der Branche
wird bereits damit experimentiert – etwa
bei automatisierten Küchenkonfiguratoren,
Textvorschlägen für Online-Angebote oder
Chatbots im Reklamationsmanagement.
Die Idee: Routinetätigkeiten abgeben, Zeit
für das Wesentliche schaffen.
In der Praxis zeigen sich jedoch zwei
Seiten: Während einige Betriebe durch KI
spürbar entlastet werden – etwa bei der
automatisierten Sortimentspflege oder
dem Erstellen von Verkaufstexten – fühlen
sich andere von der Tool-Vielfalt, dem
Implementierungsaufwand oder internen
Schulungsdefiziten überfordert. Gerade im
Mittelstand fehlen oft die Ressourcen für
sinnvolle Integration. Entscheidend ist:
KI darf kein Zusatzprozess sein, sondern
muss klug in bestehende Strukturen eingebunden
werden.
Arbeitsverdichtung ist nicht nur ein
temporärer Nebeneffekt des Fachkräftemangels.
Sie ist längst zum systemischen
Risiko geworden. Wer dagegenwirken will,
muss die Realität anerkennen – und be -
DIE JOBS DES MONATS
EINKAUFSCONTROLLER
(M/W/D), NRW
Mehr auf Seite 94
VERKAUFSLEITER (M/W/D),
NIEDERSACHSEN
Mehr auf Seite 94
BUCH-TIPP
ARBEIT BESSER MACHEN
VON DR. NICO ROSE
Der Wirtschaftspsychologe Nico
Rose zeigt in „Arbeit besser
machen. Positive
Psychologie für
Personalarbeit
und Führung“, wie
Positive Psychologie
konkret zur
Arbeitserleichterung
beitragen
kann. Mit über 30
Interviews aus
Unternehmen und
Werkzeugen wie PERMA (Positive
Emotion, Engagement, Relationships,
Meaning, Achievement)
liefert er praxistaugliche Ansätze,
wie Führungskräfte Stress reduzieren,
Engagement steigern und
Teams nachhaltig stärken – ein
wertvoller Beitrag in Zeiten steigender
Arbeitsverdichtung.
Haufe Verlag,
ca. 360 Seiten, 39,99 Euro,
ISBN 978-3-648-14971-3
ginnen, Prozesse zu verschlanken, Rollen
zu klären und Verantwortung neu zu denken.
Denn klar ist: Arbeitskraft ist nicht
endlos skalierbar. Wer die Belastung intelligent
steuert, gewinnt nicht nur Produktivität,
sondern auch Vertrauen.
GABRIELE MÜHLEN
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