my life_Ausgabe 01.08.2025_Vorableseprobe für WAVE Kunden
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Ein Geschenk Ihrer Apotheke
15 | 1. August 2025 A
MEDIZIN
Doktor KI – der
Arzt der Zukunft?
Welche Chancen die
künstliche Intelligenz
bietet. Und wo ihre
Grenzen liegen
Das Feuer in den
Gelenken löschen
Neue Hoffnung bei der
Autoimmunerkrankung
Rheumatoide Arthritis
GENUSS
Süße Ideen
mit Melone
Der perfekte
Frische-Kick: von
Torte bis Sorbet
REISE
Auf dem schönsten
„Sandhaufen“ der Welt
Borkum, das Strandund
Naturparadies mit
vielen Gesichtern
10 Seiten Dossier
Cool bleiben bei Hitze
Die Kraft der Natur: Kneipp-Güsse kühlen von Kopf bis Fuß, Heilpflanzen beleben
Kleidung als Klimaanlage – moderne Materialien schützen vor hohen Temperaturen
Gute Nacht! Die besten Tipps für einen entspannten Schlaf im Hochsommer
INHALT
18
Feuerlöscher für das Gelenk
32
Beeren haben’s in sich
40
Leckere Gartenküche
Die Behandlung der Rheumatoiden
Arthritis hat sich in den letzten
20 Jahren revolutioniert – und führt
immer öfter zu Symptom freiheit
Ob rote Himbeeren, schwarze
Johannisbeeren oder blaue Heidelbeeren:
Sie alle liefern jetzt gesunde Vitamine,
Gerbstoffe oder Flavonoide
Sonnengereifte Zucchini, Paprika & Co.
haben nun ein herrliches Aroma. Eine
Frischkäse-Terrine (s. o.) oder Gazpacho
bringen es wunderbar zur Geltung
GESUNDHEIT
6 Magazin
Aktuelles aus Medizin,
Wellness und Ernährung
12 Doktor KI – der Arzt der Zukunft?
Künstliche Intelligenz bietet neue
Chancen in der Diagnostik und
Therapie – hat aber auch Grenzen
18 Feuerlöscher für das Gelenk
22 DOSSIER Cool bei Hitze
Hightech-Textilien sowie Kneipp-
Kuren sorgen für Erfrischung.
Außerdem: Schutz vor Sommer-
Migräne und schlechtem Schlaf!
32 Beeren: heimisches Superfood
34 „Sie haben Diabetes“
Keine Sorge! Ein gesunder Lebensstil
bringt Sie nach dieser Diagnose
rasch wieder in Balance
36 Longevity per Infusion
Was können die Nährstoff-„Drips“
wirklich? Nina Ruge klärt auf
38 Weniger Bildschirm, mehr Natur
Myopie-Management bremst
bei Kindern das Fortschreiten der
Kurzsichtigkeit aus
46 So purzeln die Pfunde mit Genuss
Eiweiß und die richtigen Fette
wirken Übergewicht entgegen
52 Bitte nicht noch mal Corona!
Warum der Pandemievertrag so
wichtig ist, und wie wir uns künftig
vor Virusübergängen schützen
54 Auf einen Blick: Milch
Wie steht es in Deutschland um
Kuh-Haltung und Produktion?
66 „Die OP war meine Rettung“
Jahrelang krümmte eine Skoliose
ihren Rücken. Jetzt steht Christel
Fothen-Beier wieder aufrecht
LIFESTYLE
40 Leckere Gartenküche
48 Frische-Kick mit Melone
Bei 30 Grad der Hit: Freuen Sie
sich auf Kuchen, Sorbets & Co. mit
dem köstlichen Fruchtgemüse
56 Auf zur Poolparty!
Vögel und Insekten sind dankbar
für diese kreativen Wasserstellen
62 Inselglück auf Borkum
Das ostfriesische Eiland fährt auf :
Konzerte am Sandstrand, traumhafte
Ausritte, Zeit zum Erholen
WOHLFÜHLEN
58 Entspannt zu neuer Beweglichkeit
Gerade Vielsitzer profitieren von
dem Faszientraining ohne Rolle
RUBRIKEN
3 Editorial, Stiftungsbeirat
68 My Life-Sprechstunde
70 Glücks-Kalender
72 Kreuzworträtsel, Sudoku
74 Vorschau, Impressum
FOTOS TITEL: GETTY IMAGES/ISTOCK INHALT: SHUTTERSTOCK; TWINKLE IMAGES/ STOCKFOOD/PHOTOCUISINE
4 my life 15/2025
Blattlausvernichter:
Marienkäfer!
Marienkäfer
Nützling im Garten
HIER SCANNEN
und mehr erfahren
Marienkäferlarven haben großen Hunger:
„ Am weitesten verbreitet ist der Siebenpunkt, der klassische
Glücksbringer. 100 bis 150 Pflanzen saugende Blattläuse frisst
ein solcher Käfer täglich. Ebenfalls recht gefräßig sind die
Marienkäferlarven, die deshalb Blattlauslöwen genannt
werden. Jede einzelne Larve verspeist in den drei Wochen bis
zu ihrer Verpuppung zwischen 400 und 600 Blattläuse. Die
Nachkommen eines einzigen Marienkäfers können so während
des Sommers an die 100.000 Läuse vertilgen.“
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2 my life 15/2025
GESUNDHEIT
12 my life 15/2025
→
Doktor KI
Ist das der Arzt
der Zukunft?
Die künstliche Intelligenz eröffnet neue Chancen in den
Bereichen Diagnostik und Heilung oder übernimmt
Routinearbeiten. Doch wo liegen ihre Grenzen? My Life hat
dazu einen Mediziner und Digitalexperten befragt
Künstliche Intelligenz (KI) verändert die
Medizin, viele sprechen sogar von einer Revolution.
Von der Prophylaxe über die Diagnosestellung
bis zur Behandlung und Nachsorge bietet
die Technologie neue Lösungsansätze. Neben den
zahlreichen Vorteilen gibt es aber auch Herausforderungen.
My Life hat darüber mit Prof. Dominik
Pförringer gesprochen. Der Facharzt für Orthopädie
und Unfallchirurgie in München ist Gründer
des Digital Health Summit, einer interdisziplinären
Konferenz rund um das Thema digitale Gesundheit.
Seit Jahren engagiert er sich für Innovation
durch Digitalisierung im Gesundheitswesen.
Ich halte die KI in
der Medizin für
unausweichlich,
ohne sie werden
wir überhaupt
nicht mehr
zurechtkommen
Teamwork Medizin,
die Heilkunst, ist und
bleibt in der Hand
des Arztes, er kann
sich jedoch die KI für
Diagnose & Therapie
mit an Bord holen
? Herr Prof. Pförringer, welche Hoffnungen
setzen Sie in die künstliche Intelligenz?
Ich halte die KI in der Medizin für unausweichlich,
ohne sie werden wir überhaupt nicht mehr zurechtkommen.
Wir haben eine Verdichtung des
Arbeitsaufwands, weil wir uns selbst sehr viele
bürokratische Hürden in den Weg gestellt haben.
Ärzte müssen immer mehr Formulare ausfüllen,
Papierkram erledigen und irgendwelche Arbeiten
an der Tastatur verrichten. Das ist großteils Zeitund
vor allem Talentverschwendung. Durch die KI
wird der Mediziner von der Bürokratie entlastet.
Sie kann zum Beispiel Arztbriefe schreiben und
die Dokumentation über Spracherkennung automatisieren,
sie hat ein lückenloses digitales Gedächtnis,
das nie Urlaub braucht.
➡
Prof. Dr. med. Dominik
Pförringer, Facharzt
für Orthopädie und Unfallchirurgie,
akademischer
Direktor des TUM Venture
Lab Healthcare am
Klinikum rechts der Isar
und Gründer sowie Leiter
des jährlich stattfindenden
Digital Health Summit
15/2025 my life
13
Vertrauen Die KI
wird das persönliche
Gespräch über notwendige
Therapien
und Eingriffe niemals
ersetzen, denn es ist
die Basis für eine
vertrauensvolle Arzt-
Patienten-Beziehung
? Vielen Menschen ist das allerdings auch
unheimlich. Sie glauben, dass es dann an
zwischenmenschlichem Kontakt mit dem Arzt
fehlt. Können Sie das verstehen?
Die menschliche Seite, die Vertrauensbasis
von Arzt und Patient, ist nach wie vor das A
und O in der Medizin. Das persönliche Gespräch,
welche Therapien oder Eingriffe notwendig
sind und warum – das alles muss vom
Arzt vermittelt werden. Er sieht die vollständige
Historie, die Persönlichkeit des Patienten
und seine individuellen Bedürfnisse. Wenn die
KI den Ärzten das Dokumentieren abnimmt,
bleibt viel mehr Zeit für jeden Einzelnen. Mit
der richtigen KI ist die Patientendokumentation
fehlerfrei, juristisch sauber und datenschutzkonform.
Wie stehen Sie zu KI im Gesundheitswesen?
Umfrage zum Thema medizinische Versorgung
durch künstliche Intelligenz in Kliniken und Praxen
Ich würde immer die
Diagnose eines Menschen
bevorzugen
Unterstützt die KI
den Arzt, hat dieser mehr
Zeit für den Patienten
Die KI analysiert Röntgenbilder
schneller als Ärzte und sollte
ihnen die Aufgabe abnehmen
Ärzte sollten Diagnosen
von der KI prüfen lassen
Ich würde mir eine
Zweitmeinung von der
KI einholen
31 %
39 %
49 %
Quelle: Bitkom Research
61 %
93 %
? Gerade beim Umgang mit den Daten gibt es
durchaus Bedenken. Sind diese gerechtfertigt?
Wichtig ist, dass die Daten hier bei uns in
Deutschland bleiben und sie datenschutzkonform
auf deutschen oder europä ischen Servern
verarbeitet werden – und nicht irgendwo
in Asien oder den USA landen. Die Patienten
sollten über die Verwendung ihrer Daten informiert
werden und müssen einwilligen. Die
Angst vor Missbrauch halte ich für übertrieben.
Ihre Krankenkasse weiß alles, was sie wissen
möchte, das ist keine Gefahr, sondern vielmehr
eine Chance für optimale Versorgung.
Onlinebanking machen wir seit Jahrzehnten,
jeder gibt seine Daten bei einer Flugbuchung
her, postet auf den sozialen Medien – und gibt
dabei jede Menge von und über sich preis. In
der Medizin reden wir viel zu viel über Risiken
und Ängste statt über Chancen und Vorteile,
die definitiv überwiegen. Mir geht es primär
um die positiven Aspekte. Die Zusammenführung
von medizinischen Daten bietet immens
viele Vorteile, viel mehr als Nachteile.
? Können Sie ein Beispiel nennen?
Wenn sich jemand beim Skifahren das Bein
bricht, müssen die Röntgenbilder nicht mehr
per CD oder als Foto zu mir gebracht werden,
sondern ich kann sie sofort online abrufen.
Das spart Zeit und Energie, der Patient kann
schon im Vorfeld adäquat vorbereitet werden.
Sich eine Zweitmeinung einzuholen, geht
deutlich schneller, wenn ich die Bilder nicht
erst zu einem anderen Experten schicken
muss, sondern mich innerhalb von kürzester
Zeit digital austauschen kann.
? Beim Digital Health Summit 2024
haben Sie sogar für einen implantierten Chip
mit sämtlichen Gesundheitsdaten plädiert.
Geht das nicht zu weit?
Bei schweren Unfällen, wenn es um Leben
oder Tod geht, kann das sehr hilfreich sein.
Welche Arzneimittelunverträglichkeiten hat
der Patient? Nimmt er Blutverdünner? Gibt es
Allergien? Wie heißt der nächste Verwandte,
der angerufen werden soll? Das sind wichtige
Informationen. Auf freiwilliger Basis kann
man diese zur Verfügung stellen, um die Behandlungssicherheit
zu steigern. Die Sorge
der Menschen ist, dass diese Daten missbraucht
werden. Die Vorteile überwiegen aus
meiner Sicht bei Weitem. Denken wir doch
mal darüber nach, dass jedes Haustier in Europa
zu Recht gechippt ist. Über dieser „Deutsche
Angst“-Diskussion wird vergessen, dass
14 my life 15/2025
essenzielle Informationen Leben retten und
Behandlungen beschleunigen können.
? Ein Beinbruch ist weniger schambehaftet
als etwa eine Behandlung aufgrund einer psychischen
Erkrankung. Kann der Patient mitbestimmen,
welche Daten freigegeben werden?
Ja, denn die Daten gehören dem Patienten.
Dennoch rate ich zu Vollständigkeit und
Transparenz. Jedes Medikament kann Nebenwirkungen
zeigen, auch die kleinen Nebendiagnosen
können relevant sein. Der Sicherheitsaspekt
sollte doch gegenüber dem Schamgefühl
überwiegen.
? Die KI wird nicht müde und hat keinen
Stress. Kann sie bessere Diagnosen stellen
als der Mensch?
Während ein Mensch in Sekundenschnelle
nur an ein paar Möglichkeiten denkt, vergleicht
eine smarte Software unzählige Faktoren:
Patientengeschichte, Laborwerte, neueste
Forschungsergebnisse – und das alles in Echtzeit.
Nach einem Unfall scannt ein CT beispielsweise
die Wirbelsäule und den Bauchraum
mit, es entsteht ein Füllhorn an Daten,
der Fokus liegt jedoch auf den akuten Verletzungsfolgen.
Früher ging man davon aus, dass
ein Radiologe in einer Schicht circa 200 Röntgenbilder
angeschaut hat. Heute betrachtet er
in der gleichen Zeit aufgrund moderner Schnittbildverfahren
vielleicht 50 000 Bilder. Die KI
kann den Radiologen unterstützen, indem sie
nicht nur gröbere Verletzungen erkennt, sondern
auch kleine Läsionen, eventuell frühe
Phasen oder Vorläufer von Tumoren – manchmal
sogar besser als ein menschliches Auge.
Sie kann auch seltene Krankheiten herausfiltern,
die sonst vielleicht übersehen würden.
? Aber sie kann doch auch falschliegen, oder?
Das eigenständige, multidimensionale Denken
und die Erfahrung des Arztes kann sie niemals
ersetzen. Medizin, also die Heilkunst, ist und
bleibt in der Hand und der Verantwortung des
Mediziners. Doch der Arzt kann sich zunehmend
bessere Technologien für die Diagnose
und Behandlung mit an Bord holen.
? Bei Krebserkrankungen setzen Ärzte
auf personalisierte Medizin. Wie kann die
künstliche Intelligenz hier helfen?
Die KI kann Daten rapide analysieren und
belastbare Ergebnisse bei sinkenden Kosten
liefern. Die Sequenzierung des ersten Genoms
kostete Millionen, mittlerweile geht das für
circa 600 Euro. Bald wird es noch weniger
sein. Man nutzt das in der Onkologie im Rahmen
des sogenannten Next Generation Sequencing
(NGS), einer neuartigen Technologie
der Nukleinsäure-Analytik. Dadurch können
zeitgleich viele Millionen Fragmente in einer
Probe sequenziert werden. Die entstandenen
Daten geben Aufschluss über die molekularen
Eigenschaften des Tumors und können mit
anderen Tumoren und deren Therapien verglichen
werden. So kann man versuchen vorherzusagen,
wie welcher Krebs auf welche
Therapie reagiert – und damit deutlich zielgerichteter
behandeln. Diese Tumoranalysen ➡
Ich glaube,
dass wir in den
kommenden
Jahren eine echte
Revolution in
der Patientenversorgung
erleben werden
Dr. med. Valentina
Busik hat einen
KI- Avatar zur Aufklärung
von Patienten
ent wickelt. Sie arbeitet
als Ärztin in einer
dermatologischen
Praxis. Und: Sie ist
„Miss Germany 2025“
ieser Text
eigt evtl. Proleme
beim
ext an
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15/2025 my life
15
DOSSIER
COOL BEI HITZE
22 Forschung Neue Materialien
schützen vor hohen Temperaturen
26 Heilkraft Die besten Kneipp-
Anwendungen an heißen Tagen
28 Therapie Was nicht nur
bei Wärme gegen Migräne hilft
30 Nachtruhe Gut schlafen im
Hochsommer – effektive Tipps
Das kühle Nass
Es ist altbewährt bei
Hitze, doch nun gibt
es neue innovative
Techno logien gegen
hohe Temperaturen
Wenn Kleidung zur Klimaanlage wird
Abkühlung
zum Anziehen
Kältewesten, Mikro-Mineralien, Körper-Infrarot, Elektro-Osmose, Phasenübergänge:
Innovative Hightech-Textilien bringen uns entspannt durch die heißen Tage
→
Hitze ist ein Serienkiller. Die Wärmewelle,
die im Juli 2024 über Spanien
hinwegrollte, forderte 771 Menschenleben,
allein in der letzten Woche des Monats waren
es 337. In Deutschland sterben nach Schätzungen
des Robert Koch-Instituts (RKI) jährlich
zwischen 1500 und 7000 Menschen an zu hohen
Temperaturen. Bis zu 25000 müssen mit
Hitzebeschwerden in Krankenhäuser eingeliefert
werden. Bald könnten es wegen der Erderwärmung
150000 pro Jahr sein, warnt eine
Studie des Instituts für Weltwirtschaft (IfW).
Alternativen. Was gegen Hitzetod hilft, sind
Klimaanlagen. Knapp drei Milliarden rattern
weltweit vor sich hin, die meisten in China und
den USA. Aber sie verbrauchen extrem viel
Strom. Etwa 3700 Milliarden Kilowattstunden
(kWh) pro Jahr. Dadurch wird die Umwelt mit
etwa zwei Milliarden Tonnen CO₂ belastet.
(Zum Vergleich: Ganz Deutschland verbrauchte
2023 rund 520 Milliarden kWh Strom und
emittierte insgesamt rund 600 Millionen Tonnen
CO₂). „Klimaanlagen können Leben retten“,
sagt Gabriele Renner, „aber sie sind überhaupt
nicht nachhaltig. Wir haben da etwas
Besseres: Kühlwesten.“
Das Geheimnis der Maschine
Die Apothekerin steht mit ihrer Schwester
Sabine Stein, einer Sportwissenschaftlerin, in
der umgebauten Produktionshalle einer ehemaligen
Chemiefabrik im bayerischen Neu-
Ulm. Hinter ihr glänzt ein lastzuggroßes
Maschinenmonster in der Sonne, die durch
staubige Fenster fällt. Hier werden kilometerlange
Bahnen von Vlies hergestellt, das den
Körper kühlen kann. Wie das Maschinenmonster
funktioniert? Betriebsgeheimnis.
„Wir sind zur Zeit die Einzigen in Deutschland,
die solche Vliese produzieren können“,
sagt Gabriele Renner, „wir haben viel Energie,
Zeit und Geld in die Entwicklung gesteckt und
sie mit 22 Patenten geschützt.“ Nun ist das Produkt
namens Cooline SX3 in ihren Augen perfekt
für seine Aufgabe: Menschen bei großer
Hitze kühl halten. Dafür gab es sogar den Deutschen
Nachhaltigkeitspreis Produkte 2025.
„Unsere Konkurrenten wüssten nur zu gern,
wie wir das machen“, sagt die Apothekerin, die
penibel darauf achtet, dass auf den Fotos
nichts zu sehen ist, was das Geheimnis enthüllen
könnte. Neben den beiden Frauen stapeln
sich dicke Ballen mit dem Vlies, sorgsam eingeschweißt
in Plastikfolie. Es besteht aus
Polyesterfasern, zu 90 Prozent aus Recycling-
Material, zum Beispiel aus PET-Flaschen hergestellt.
Die Fasern sind zu einem dreidimensionalen
Geflecht gesponnen und mit einer
antibakteriellen DEOXXfresh-Ausrüstung versehen.
Wäre schade, wenn das Gewebe zu
gammeln beginnt.
Speicherwunder. Außerdem ist das Vlies so
stabil, dass man es unbeschadet bei 30 Grad in
der Maschine waschen kann. „Das war uns
wichtig“, sagt Sabine Stein. „Unsere Kühlwesten
tragen etwa Feuerwehrleute, Bau- und Bahnarbeiter,
da kann es richtig schmutzig werden.“
Wenn es in Wasser getaucht wird, saugt sich
das Vlies innerhalb von wenigen Sekunden
mit dem Zehnfachen seines Eigengewichts
voll und speichert die H₂O-Moleküle sicher an
den Millionen von Knotenpunkten der Fasern.
Herauswringen kann man das Wasser jetzt
nicht mehr. Selbst wenn man mit einem Gummihammer
auf das Hightech-Textil einschlägt
(was Gabriele Renner gern und demonstrativ
tut), hält es die Flüssigkeit. Nichts tropft, die
Oberfläche wird nicht feucht. Das Vlies gibt die
H₂O-Moleküle erst wieder frei, wenn es erwärmt
wird.
➡
Stundenlange Frische
So wird die moderne
Kühlweste aktiviert: Drei
Sekunden unter kaltes
Wasser halten oder kurz
in ein Becken tauchen.
Anschließend wird die
Weste in ein Handtuch
gerollt, damit die Oberfläche
angetrocknet ist. Die
Weste ist nun mit 0,6 Liter
Wasser „geladen“, wiegt
850 Gramm und kühlt
den Körper bis zu zehn
Stunden lang
15/2025 my life
23
DOSSIER COOL BEI HITZE
Herrlich Besonders wohltuend an sommerlichen Tagen: ein Knieguss mit kaltem Wasser
So kommen wir wieder in Schwung!
Erfrischt und vital
mit Kneipp
Bewährt und simpel! Diese Anwendungen machen munter, stärken den Kreislauf
und bringen uns gelassen durch die wärmste Jahreszeit
26 my life 15/2025
FOTOS: TWINKLE IMAGES; TELEBUNK; SHUTTERSTOCK; UNPICT.COM/PAUL SCHWARZL
→
Belebend und entspannend
– kein Naturheilmittel ist
so wirksam wie Wasser. Das erkannte
schon der bayerische Pfarrer
Sebastian Kneipp (1821–1897),
der im 19. Jahrhundert seine ausgefeilte
naturheilkundliche Therapie
entwickelte. Sie fußt auf fünf
Säulen, welche die körpereigenen
Abwehrmechanismen und Hormone
wie Serotonin, Melatonin
und Dopamin wieder in Schwung
bringen. Zur Kneipp-Therapie gehören
Heilpflanzenanwendungen,
Bewegung, ausgewogene Ernährung
und Maßnahmen zur inneren
Balance. Am bekanntesten
sind die Wasseranwendungen, die
Kneipp auch selbst geheilt haben. Wichtig: Bei
Herz- und Kreislaufproblemen sollten Sie vorab
immer Ihren Arzt befragen.
Lebenselixier Wasser
Wie viele seiner Zeitgenossen litt Kneipp an
Tuberkulose. Als ihm ein Buch über die Heilkraft
des Wassers in die Hände fiel, startete er
den Selbstversuch in der kalten Donau – mit
Erfolg. Danach entwickelte er das Konzept der
Wasseranwendungen, zu dem neben wechselwarmen
Bädern auch Wassertreten und kalte
Güsse bzw. Bäder gehören.
Kalte Güsse
Sie regen den Kreislauf an, lindern Kreislaufbeschwerden,
und wir können sie leicht zu Hause
anwenden. Das Wasser sollte eine Temperatur
von acht bis zwölf Grad haben. So geht’s:
Die Arme. Man beginnt rechts, führt den
Wasserstrahl vom Handrücken an der Außenseite
des Armes hoch zur Schulter. Dort verweilt
man kurz und fährt an der Arminnenseite
zurück zur Hand. Danach wird der linke Arm
begossen. Drei Wiederholungen auf beiden
Seiten, danach das Wasser abstreifen, nicht abtrocknen.
Durch die Verdunstung verlängert
sich die kühlende Wirkung. Arme dabei kräftig
schlenkern. Machen wir das regelmäßig, trainiert
dies die Gefäße, schneller im Sommer auf
Hitze und im Winter auf Kälte zu reagieren.
Das Gesicht. Diese Anwendung wird auch
Schönheitsguss genannt, denn sie lässt unseren
Teint rosig strahlen. Und sie wirkt gegen Abgeschlagenheit,
Kopfschmerz, aber auch bei hartnäckigen
Nasennebenhöhlenentzündungen.
Man beginnt rechts: von der Schläfe über
die Stirn zur linken Schläfe. Danach bekommen
beide Gesichtshälften je drei senkrechte
„Striche“, ehe wir mit dem Wasserstrahl das
Das allgemeine
Heilmittel, das
uns gesund erhält,
ist und bleibt das
Wasser
Pfarrer Sebastian
Kneipp (1821–1897)
Gesicht dreimal umkreisen.
Wichtig: tief ein- und betont
langsam ausatmen.
Die Beine. Der Knieguss ist das
perfekte Gefäßtraining. Wie bei
allen Güssen geht es „herzfern“
am rechten Fußrücken los. Von da
führt man den Wasserstrahl
außen am Unterschenkel hoch bis
eine Handbreit über dem Knie.
Dort verweilt man fünf bis acht
Sekunden, ehe es dann auf der Innenseite
des Beins wieder nach
unten geht. Nachdem man auch
das linke Bein begossen hat, kommen
die Fußsohlen dran. Erst
rechts, dann links.
Kühle Bäder
Diese Energie-Quickies werden auch „Kneippscher
Espresso“ genannt, weil sie den Kreislauf
wunderbar sanft anregen. Und so geht’s:
Die Arme. Ob am Brunnentrog oder am
Waschbecken: Dafür muss das Wasser richtig
kalt sein. Wenn man beide Arme zugleich bis
zur Mitte der Oberarme eintaucht, soll es sich
wie ein kleiner Schock anfühlen. Arme etwa
30 Sekunden im Wasser belassen, bis sich ein
deutlich zu spürendes Kältegefühl einstellt.
Wasser nur abstreifen und mit den Armen
pendeln, bis ein Wärmegefühl eintritt.
Die Füße. Harren Sie ruhig eine Minute im
eiskalten Wasser aus – es gibt kaum ein besseres
Venentraining. Wer mag, läuft danach mit
nassen Füßen barfuß über eine Wiese. Das
regt zusätzlich die Durchblutung an.
Heilpflanzen
Auch die Flora hatte der findige Pfarrer im
Blick (s. rechts). So können z. B. einige Tropfen
Pfefferminz- oder Zitronenöl im Wasser das erfrischende
Gefühl nach kalten Güssen und Bädern
verlängern. Bei müden und geschwollenen
Beinen sowie bei Krampfadern ist das sehr
wohltuend. Ebenfalls gut nach langen Tagen
sind entwässernde Kräutertees mit Baldrian,
Wacholder und Brennnessel. Wem rasch der
Schweiß auf der Stirn steht, dem hilft Salbei-
Tee. Das Kraut reguliert lästiges Schwitzen. ❰
Wassertreten
In Kurorten und auf speziellen Wanderwegen
sind für diese Anwendung
Wasserbecken eingerichtet, in denen
das kühle Nass kniehoch steht. Darin
bewegt man die Beine durch langsames
Storchen-Waten auf und ab. Der
Der Effekt
Die linke Abbildung zeigt
eine Beinvene, in welcher
der Blutfluss ins Stocken
geraten ist. Nun wird das
Bein mit kaltem Wasser
begossen. Die Blutgefäße
verengen sich (Abbildung
rechts) und weiten sich
danach. Damit wird
die Pumpfunktion der
Beinvene unterstützt.
Kräuter-Power
Jahrzehntelang studierte
Sebastian Kneipp die
Wirkung von Pflanzen
auf die Gesundheit.
Er ergänzte die von ihm
entwickelte Hydrotherapie
mit Heilkräutern, die deren
heilsamen Effekte unterstützen
sollen. Sein Lieblingskraut
war Arnika,
weil es so vielseitig ist:
als Salbe bei Stößen oder
Verstauchungen oder
bei Muskel- und Gelenkschmerzen.
Das Kraut
hat zudem kühlende
Eigenschaften – super
an warmen Tagen!
Fuß sollte dabei ganz aus dem
Wasser gezogen werden. Nach 30 bis
60 Sekunden, wenn ein Kältegefühl
auftritt, ist die Wasserkur beendet.
Danach die Füße gut bewegen oder
warme Socken überziehen.
Neue Therapien bei Migräne: S. 28/29 ➡
DOSSIER COOL BEI HITZE
Quälend Migräne beeinträchtigt Patienten massiv. Neue Prophylaxemittel setzen direkt bei den Auslösern der Attacken an
Häufigste neurologische Erkrankung in Deutschland
Das Gewitter
im Kopf
Sehstörungen, Übelkeit, stechender Schmerz – Migräne ist für die Betroffenen eine große
Qual, besonders im Sommer. Innovative Medikamente verbessern die Lebensqualität
Prof. Dr. med. Dipl.-Psych.
Hartmut Göbel,
Facharzt für Neurologie,
ärztlicher Direktor und
Geschäftsführer der
Schmerzklinik Kiel;
schmerzklinik.de
→
Pro Jahr sorgen starke Kopfschmerzen
für 30 Millionen Fehltage, laut Angaben
der MigräneLiga e. V. Deutschland. Knapp die
Hälfte geht auf das Konto von Migräneattacken.
Zehn bis 15 Prozent der Deutschen leiden
daran, im Sommer noch heftiger als sonst. Hinter
den trockenen Fakten verbirgt sich ein wirtschaftlicher
Gesamtschaden in Milliardenhöhe
– und das enorme Leid der Betroffenen.
Entdeckung. In den letzten Jahren verstand
die Forschung besser, was im Körper geschieht,
wenn sich ein Migräneanfall anbahnt. Ent-
scheidend war die Entdeckung, dass im Blutplasma
der Spiegel des Botenstoffs CGRP (engl.
„Calcitonin Gene-Related Peptide“) bei einer
Attacke steigt. An dieser Stelle setzt die Therapie
mit CGRP-Antikörpern an: Sie fangen das
CGRP im Blutplasma ab oder blockieren die
CGRP-Rezeptoren, die fast überall im ganzen
Körpergewebe vorkommen.
„Impfung“ mit Antikörpern
Die Zulassung von CGRP-Antikörpern wurde
daher vor vier Jahren als „Migräne-Impfung“
28 my life 15/2025
FOTOS: GETTY IMAGES/ISTOCK; PR/SCHMERZKLINIK KIEL GRAFIK: PR
gefeiert. Konnte der Wirkstoff den Erwartungen
gerecht werden? Prof. Hartmut Göbel,
Ärztlicher Direktor der Schmerzklinik Kiel und
einer der führenden Migräneexperten Deutschlands,
sagt: „Für die CGRP-Antikörper wurde
ein besonderer Zusatznutzen für jene Patienten
erkannt, die in der Prophylaxe auf bisherige
Medikamente nicht reagierten oder sie nicht
vertrugen. Es zeigte sich, dass in dieser Gruppe
30 bis 50 Prozent auf die Antikörper ansprechen.
Schön, dass wir für sie so eine neue Medikamentengruppe
zur Verfügung haben. Man
kann daher definitiv von einer Innovation und
einem großen Schritt sprechen.“
Nachdem die Voraussetzungen für die Verschreibung
vereinfacht wurden, kann jeder das
Medikament bekommen, der mehr als vier Migräneanfällen
pro Monat und eine – statt bisher
vier – gescheiterte Prophylaxetherapien hatte.
Das Mittel spritzt sich der Patient einmal im
Monat per Pen selbst unter die Haut.
Akutmittel oder Prophylaxe?
Sollten nun also so viele Patienten wie möglich
mit den Antikörpern versorgt werden?
Prof. Göbel, der an der Praxisleitlinie zur medikamentösen
Migränebehandlung der Deutschen
Gesellschaft für Schmerzmedizin mitgearbeitet
hat, widerspricht: „Die Antikörper
wurden für Patienten entwickelt, die monatlich
vier und mehr Migränetage haben. In
unserer Behandlung setzen wir die Schwelle
sogar höher an, bei sechs bis acht Tagen – oder
bei sehr schweren Anfällen mit gravierenden
neurologischen Ausfällen. Es muss einen bedeutsamen
Leidensdruck geben, der diesen
therapeutischen Aufwand rechtfertigt.“
Hauptziel der Antikörperprophylaxe ist es
nämlich, die Zahl der Anfälle zu halbieren. Bei
einer chronischen Migräne mit 15 oder mehr Attacken
pro Monat bringt das für den Patienten
eine enorme Verbesserung der Lebensqualität.
Verlässliche Triptane
Prof. Göbel: „Hat jemand eine episodische Migräne
mit vier Schmerztagen oder weniger, ist
es sinnvoller, punktuell ein gut wirkendes und
verträgliches Triptan einzunehmen. Mit dem
passenden Akutmittel ist die Migräne dann
nach ein bis zwei Stunden vorbei. Deshalb
haben Triptane mit ihrer zuverlässigen Wirkung
einen festen Platz in der Migränetherapie.
Mit den neuen Antikörpern haben wir weitere
Optionen – sie sind aber keinesfalls ein
Ersatz für diese bewährte Akutbehandlung.“
Wer gelegentlich an Migräne leidet, greift
oft zu frei verkäuflichen Schmerzmitteln. Die
Wirkstoffe Acetylsalicylsäure (ASS) und Ibuprofen
können Linderung bringen. Als Brausetabletten
oder Granulat nimmt der menschliche
Organismus diese übrigens schneller auf.
Erzielen sie keine Besserung, verschreibt der
Arzt in der Regel Triptane, die speziell für Migräne
entwickelt wurden.
Blick in die Zukunft
Für die Prophylaxe bei vielen und schweren
Anfällen standen bisher Betablocker, das
Schwindelmittel Flunarizin, das Antidepressivum
Amitriptylin sowie Topiramat, ein Antiepileptikum,
zur Verfügung. Nur zufällig entdeckte
man, dass diese auch Migräneanfällen
vorbeugen. Problematisch ist aber, dass 80 Prozent
der chronischen Migränepatienten die Behandlung
wegen Nebenwirkungen wie Müdigkeit
oder Gewichtszunahme innerhalb eines
Jahres abbrechen. „Das Besondere an CGRP-
Antikörpern ist, dass sie einzig für die Migräneprophylaxe
entwickelt wurden. Ihre Stärke ist
die gute Verträglichkeit“, erklärt der Schmerzexperte
Prof. Göbel.
Selbstachtsamkeit. Unabhängig davon, mit
welchem Mittel der Patient behandelt wird:
Die Grundlage einer erfolgreichen Migränetherapie
bildet eine bewusste Lebensführung
des Betroffenen. Migräniker müssen unter anderem
auf einen geregelten Tagesablauf mit
ausreichend Pausenzeiten achten, Entspannungsübungen
einbauen, ergänzt durch leichten
Ausdauersport. Ein weiterer Tipp von
Prof. Gröber: Auch an Wochenenden und besonders
im Sommer sollten der Tagesrhythmus,
feste Essenszeiten und die Schlafenszeiten
beibehalten werden.
❰
So könnte eine Migräne entstehen
Blutgefäß
Nervenzelle
1
1
3
3
2
Gefäßwand
Entzündung
2
4
Rote
Blutkörperchen
Blutgefäße
Trigeminusnerv
4
Nerven
5
5
Schmerz
Was hilft bei Hitze
gegen Migräne?
Auslöser Für viele Menschen
mit Migräne können
Hitze, starke Sonneneinstrahlung
und Wetterumschwünge
ein Problem
sein. Prof. Hartmut Göbel:
„Besonders im Sommer
berichten viele Betroffene
über eine Zunahme der
Anfallshäufigkeit. Starke
Temperaturschwankungen
(etwa beim Wechsel von
klimatisierten Räumen
zur heißen Außenluft),
helle Lichtreize oder
Flüssigkeitsmangel durch
vermehrtes Schwitzen
können Auslöser sein.“
Bei einem akuten Anfall
hilft ein kühler, abgedunkelter
Raum, kalte Kompressen
auf Stirn und
Nacken und ausreichend
Flüssigkeit, die den Kreislauf
stabilisiert. „Bei Hitze
sollten Betroffene sich
nicht in der Mittagssonne
aufhalten, viel trinken und
eine Sonnenbrille mit
gutem UV-Schutz tragen.
Sie reduziert Lichtreize“,
empfiehlt Prof. Göbel.
➊ Durch eine verstärkte Aktivität
der Nerven werden zu schnell Botenstoffe
an die Blutgefäße abgegeben.
Es kommt zu einer Entzündung.
3
➋ Die Gefäßwände verdicken sich,
was den Blutfluss verlangsamt. Eine
Mangeldurchblutung im Gehirn ist
die Folge, was eine 1 Aura (Migränevorstufe)
zur Folge haben kann. 2
➌ Kurzschlüsse an den Nervenenden
verstärken den Entzündungsprozess.
➍ Dieser Prozess beschädigt die
Gefäßwand. Das Gewebe weicht auf.
Der Blutdruck drückt zudem die
Gefäße wieder auseinander. Die Aura
lässt dadurch wieder nach.
➎ Durch die Entzündung ist die
verdickte Gefäßwand extrem
schmerzempfindlich. Jeder
Pulsschlag ist als pulsierender
Kopfschmerz spürbar
4
Besser schlafen bei hohen Temperaturen: S. 30/31 ➡
NATUR-APOTHEKE
★ SER
IE ★
Grüne
Gesundheit
Beeren
haben’s in sich
Jetzt ist Hochsaison für die kleinen Früchte.
Sie punkten nicht nur mit ihrem aromatischen Geschmack,
sondern stecken auch voller wichtiger Nährstoffe
Heidelbeere
FOTOS: TWINKLE IMAGES; GETTY IMAGES/ISTOCK (5)
Himbeere
Von allen Beeren enthält sie am meisten
Eisen, und auch viele B-Vitamine
sowie Magnesium stecken in ihr.
Damit nicht genug: Die Himbeere
weist zudem viele Antioxidantien auf.
Diese gehören zu den sekundären
Pflanzenstoffen und schützen den
Körper vor Zellschäden, indem sie
freie Radikale neutralisieren. Die
Früchte könnten demnach sogar
einen Beitrag zur Krebsprävention
leisten, hierzu sind aber noch weitere
Studien nötig. Fest steht jedoch: Die
Himbeere reguliert den Blutzuckerspiegel.
Das liegt an den darin enthaltenen
Tanninen. Die Gerbstoffe
verlangsamen die Zuckeraufnahme in
den Blutkreislauf. Und selbst die Himbeerblätter
sollen heilende Wirkung
haben: Als Tee aufgebrüht, können sie
Durchfall und Regelschmerzen lindern.
Brombeere
Sie versüßt uns den Spätsommer und stärkt unser
Immunsystem: 100 Gramm der Sammelfrüchte decken
ein Drittel des Tagesbedarfs an Vitamin C. Dazu
steckt in ihnen so viel Provitamin A wie in kaum einer
anderen Beere. Der Körper verwandelt es in Vitamin A
und nutzt es u. a. für den Sehvorgang. Aber auch der
Darm profitiert von der Brombeere: Ihr Ballaststoff
Pektin kurbelt die Verdauung an und macht lange
satt. Heilkraft steckt in den Blättern: Gerbstoffe,
Flavonoide und organische Säuren wirken zusammenziehend
sowie entzündungshemmend
auf Haut und Schleimhäute.
Für eine Tasse Tee zwei
gehäufte TL mit kochendem
Wasser übergießen,
zehn Minuten ziehen
lassen. Bei Durchfall oder
abgekühlt zum Gurgeln.
Blaubeere oder Heidelbeere: Es gibt mehrere Namen für ein und
dieselbe Frucht. Wilde Heidelbeeren wachsen draußen an niedrigen
Sträuchern – im Laden gibt es sie hingegen als Kulturheidelbeeren
zu kaufen. Diese stammen dann nicht aus der freien Natur, sondern
von bis zu zwei Meter hohen Kulturpflanzen, an denen die
Kraftpakete deutlich größer heranwachsen. Interessant ist: Nur
die wilden Heidelbeeren sind auch innen schön blau gefärbt. Kulturheidelbeeren
haben dagegen ein grünlich-gelbes
Fruchtfleisch. Der blaue Farbstoff
namens Anthocyan färbt jedenfalls
nicht nur Zunge und Zähne, er
fördert auch die Blutbildung und
hält die Gefäße elastisch. Eine
Handvoll Blaubeeren täglich soll
zudem der Gedächtnisleistung auf
die Sprünge helfen.
Schwarze Johannisbeere
Johannisbeeren weisen den höchsten Säuregehalt
unter den Beeren auf. Die dunkle Variante hat
ein besonders herbes Aroma. Auch in Sachen
Vitamine hat es die schwarze Beere in sich:
Was Vitamin C angeht, ist sie so mancher
Zitrusfrucht überlegen. Das kleine Obst
enthält mehr als dreimal so viel davon
wie eine Zitrone. Bereits 100 Gramm
Schwarze Johannisbeeren decken den
Tagesbedarf an Vitamin C. Es stärkt das
Immunsystem und schützt vor Infekten.
Seine antientzündliche Wirkung macht auch
den Saft der Johannisbeere beliebt. Er ist im
Reformhaus erhältlich und soll Gicht und Gelenkentzündungen
lindern.
Stachelbeere
Die säuerlich-herbe
Stachelbeere wird häufig zu
Süßspeisen wie Marmelade oder
Kompott verarbeitet. Sie kann aber
durchaus auch roh gegessen werden. In dieser
Form gehört sie mit nur 44 Kalorien pro 100 Gramm
zum kalorienarmen Obst und trägt so zu einer schlanken
Linie bei. Die enthaltenen B-Vitamine sowie die Vitalstoffe
Kalium, Eisen, Phosphor und Magnesium rüsten das menschliche
Nervensystem zudem für den Alltag und machen das
Obst zum natürlichen Stresskiller. Auch ist die Stachelbeere
eine Schönheitsfrucht. Ihre Mineralstoffe sorgen für gesundes
Haar und festigen die Nägel. Besonders positiv in der warmen
Jahreszeit: Das in dem Obst enthaltene Spurenelement Silicium
kann Krampfadern und Besenreisern vorbeugen.
15/2025 my life
33
GESUNDHEIT
→
LEBEN MIT DER STOFFWECHSEL-ERKRANKUNG
Diagnose: Diabetes
Ein solcher Befund macht Angst, verunsichert und stresst.
Wie Sie dann mit gesunden Routinen die Balance
zurückgewinnen – und wann welche Medikamente nötig sind
Diabetes entsteht nicht von heute auf
morgen. Meistens entwickelt sich die
Stoffwechselerkrankung schleichend über
eine Vorstufe, den Prädiabetes. In dieser Frühphase
sind die Blutzuckerwerte leicht erhöht,
Fett- und Zuckerstoffwechsel bereits aus der
gesunden Balance geraten. Bei fünf bis zehn
Prozent der Betroffenen mündet dies innerhalb
eines Jahres in einen manifesten Typ-2-
Diabetes. Insbesondere dann, wenn die Ernährungsweise
eher ungesund, der Alltag stressig,
die tägliche Bewegung sparsam ist, geraucht
wird und die Waage zu viele Kilos anzeigt.
Wege aus dem Teufelskreis
Die gute Nachricht: Wird die Stoffwechselerkrankung
rechtzeitig erkannt, kann man an
den aufgezählten Stellschrauben drehen, um
den Blutzucker auf diese Weise aus eigener
Kraft wieder ins Lot zu bringen.
Die Basistherapie mit wirksamen Hebeln wie
Gewichtsabnahme, Ernährungsumstellung, intensiver
Bewegung und Stressreduktion zeigt
bei den meisten Typ-2-Diabetikern Erfolg.
Eine Schulung hilft, die Erkrankung zu verstehen.
Man erfährt, welche Lebensmittel den
Glucosespiegel in die Höhe treiben, und wie
körperliche Aktivität ihn wieder senken kann.
So lässt sich zum Beispiel ein gesunder Lebensstil
in den Alltag integrieren: zu jeder
Mahlzeit einen Salat essen, Säfte nur noch als
Schorle genießen und einen zügigen Spaziergang
nach dem Mittagessen einplanen.
Der nächste Schritt. Erst wenn sich der
Blutzucker dadurch nicht senken lässt, werden
Medikamente oder die Gabe von Insulin
notwendig. Bei der Anpassung der individuellen
Stufentherapie (siehe S. 35 links) wird das
Vorliegen einer Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankung
vom Arzt berücksichtigt. ❰
HÄTTEN SIE ES GEWUSST?
Das verraten die Blutzuckerwerte
Der HbA1c-Wert, der Nüchternblutzucker sowie der Glucosetoleranzwert
nach dem Trinken einer Zuckerlösung dienen zur Bewertung des Typ-2-Diabetes
und entscheiden über die weitere (medikamentöse) Therapie
Nüchternblutzucker
Glucosegehalt im Blut nach
mindestens acht Stunden
ohne Nahrungsaufnahme
Langzeitwert HbA1c
Durchschnittlicher Blutzuckergehalt
der letzten
acht bis zwölf Wochen
Oraler Glucosetoleranztest
Gemessener Wert nach dem
Trinken einer Zuckerlösung
(Zuckerbelastungstest)
Intensives Training
Wer sich regelmäßig
bewegt, verbessert seine
Insulinempfindlichkeit
Normal < 100 mg/dl
(bis 5,6 mmol/l)
Prädiabetes 100–125 mg/dl
(5,7–7,0 mmol/l)
Typ-2-Diabetes > 125 mg/dl
(ab 7,1 mmol/l)
Normal < 5,7 %
(bis 39 mmol/I)
Prädiabetes 5,7–6,5 %
(40–47 mmol/I)
Typ-2-Diabetes > 6,5 %
(ab 48 mmol/l)
Normal < 140 mg/dl
(bis 7,8 mmol/l)
Prädiabetes 140–199 mg/dl
(7,9–11,0 mmol/I)
Typ-2-Diabetes > 199 mg/dl
(ab 11,1 mmol/l
34 my life 15/2025
FOTOS: GETTY IMAGES/ISTOCK (3) GRAFIK: ALEX AKSONOV
Medikamentöse
Stufentherapie
Erst nach Ausschöpfung
der nicht medikamentösen
Basistherapie liegt
laut der „Nationalen
Versorgungsleitlinie
Typ-2-Diabetes“ die
Indikation für eine zusätzliche
medikamentöse
Therapie vor. Jede
Stufe sollte drei bis
sechs bis Monate
konsequent beibehalten
werden.
Stufe 1: Basistherapie
Ernährungsumstellung,
Steigerung der körperlichen
Aktivitäten, Gewichtsreduktion,
Raucherentwöhnung.
Fester
Bestandteil für alle weiteren
Therapiestufen.
Stufe 2: Beginn
Metformin allein oder in
Kombination mit weiteren
oralen Antidiabetika
wie SGLT-2-Inhibitoren
oder GLP-1-Rezeptor-
Agonisten.
Stufe 3: Kombination
Metformin, GLP-1-
Rezeptor-Agonisten,
DPP-4-Hemmer, SGLT-
2-Inhibitoren, Sulfonylharnstoff
oder andere
Antidiabetika in Kombination.
GLP-1- bzw.
GIP-Rezeptor-Agonisten
als Spritze.
Stufe 4: Intensivierung
Zusätzlich zu Metformin
und ggf. SGLT-2-Inhibitor
oder GLP-1-Rezeptor-
Agonist wird Verzögerungsinsulin
gespritzt
oder mit einer intensivierten
Insulintherapie
begonnen.
Quelle: Nationale
Versorgungsleitlinie
Typ-2-Diabetes 2023
➊
➌
➎
Insulin
Nahrung
(z.B. Brot)
Magen-
Darm-
Trakt
Bauchspeicheldrüse
Blutgefäß
Körperzelle
Insulinresistenz
Zucker
Zucker
Insulin
Körperzelle
Bauchspeicheldrüse
➏
➍
➋
Glukose
(Zucker)
So entsteht
Typ-2-Diabetes
Blutgefäß
Zucker
➊ Kohlenhydrate werden über die Nahrung
in den Körper aufgenommen.
➋ Im Darm werden sie in Glucose aufgespalten,
die über die Darmschleimhaut ins Blut gelangt.
➌ Glucose im Blut regt die Bauchspeicheldrüse an,
Insulin auszuschütten.
➍ Insulin sorgt dafür, dass der im Blut zirkulierende
Zucker in die Körperzellen gelangt. Man spricht hier
vom „Schlüssel-Schloss-Prinzip“.
➎ Beim Typ-2-Diabetes werden die Körperzellen
zunehmend unempfindlich für Insulin. Der „Schlüssel“
kann die Zellen dann nicht mehr für den Zucker
„auf schließen“. Die Glucose bleibt im Blut. Als Reaktion
produziert der Körper mehr Insulin.
➏ Durch die ständige Mehrproduktion von Insulin
ist die Bauchspeicheldrüse mit der Zeit überlastet und
fährt die Produktion immer weiter zurück.
Insulin
Insulin
8,9 Mio.
Menschen mit
Typ-2-Diabetes leben
in Deutschland.
Jedes Jahr kommen
eine halbe Million
Erwachsene neu dazu
Quelle: Deutsche Diabetes
Gesellschaft e. V.
51 Jahre
So alt sind Männer
im Schnitt bei ihrer
Typ-2- Diabetes-
Diagnose. Bei Frauen
liegt das mittlere Alter
bei 55 Jahren
Quelle: Robert Koch-Institut
70 von 100
Typ-2-Diabetes-
Erkrankungen sind
Studien zufolge auf
ungesunde Ernährung
zurückzuführen:
zu viel verarbeitete
Weißmehlprodukte
wie Gebäck, Reis
und Nudeln sowie
reichlich rotes Fleisch
Quelle:
Helmholtz Zentrum München
15/2025 my life
35
GESUNDHEIT
VIEL GEMÜSE, WENIG ZUCKER
So purzeln die
Pfunde mit Genuss
★ MY L
FO L G E
IFE-SER
besser
IE ★
essen
gesund
bleiben
ICHT
3 4 : ÜBERGEW
Wer nur zu den Hauptmahlzeiten
isst, also
zwei- bis dreimal täglich,
stabilisiert seinen Stoffwechsel
und reduziert
Heißhungerattacken
Prof. Dr. med. Julia
Seiderer-Nack,
Fachärztin für
Innere Medizin mit
den Schwerpunkten
Ernährungsmedizin und
ganzheitliche Therapie;
praxis-seiderer.de
Der westliche Lebensstil ist einer der größten Risikofaktoren
für Übergewicht. Die Ernährungsexpertin erklärt, wie wir beim Essen
gesund und nachhaltig abnehmen können
→
Hin und wieder spannt wohl
bei jedem von uns mal der
Gürtel. Und ein paar wenige
überschüssige Pfunde sind
natürlich kein Grund zur
Sorge. „Kritisch wird es aber,
wenn man sein Normalgewicht
dauerhaft deutlich überschreitet“,
sagt Prof. Julia Seiderer-Nack. Und
das betrifft viele Menschen – Tendenz
steigend: 67 Prozent der Männer
und 53 Prozent der Frauen in
Deutschland sind Expertenschätzungen
zufolge übergewichtig.
Sie haben einen Body-Mass-Index
über 25 (z. B. über Online-Rechner adipositasgesellschaft.de/bmi/).
Ein Viertel der Menschen
gilt gar als fettleibig, in der Fachsprache adipös
genannt. Ihr BMI liegt über 30.
„Eine wichtige Größe für das Fettverteilungsmuster
ist bei Übergewichtigen auch der
Taillenumfang. Ab 80 Zentimetern bei Frauen
bzw. 94 Zentimetern bei Männern wächst rasant
das Risiko, Herz-Kreislauf- und Stoffwechselkrankheiten
zu entwickeln“, warnt die
Internistin aus München. Adipositas ist ein
chronisches Leiden, das mit eingeschränkter
Lebensqualität und einem extrem hohen Risiko
von Folgeerkrankungen einhergeht. Dazu
kommt: Betroffene leiden nicht nur an den
körperlichen Folgen, sondern oft auch unter
der Stigmatisierung durch ihr Umfeld sowie
psychischen Folgen wie Depressionen.
Ursachen für Übergewicht gibt es viele:
Neben Bewegungsmangel und einer hyperkalorischen
Nahrung mit hohem Zucker- und
Fettanteil spielen auch Stress oder
Schlafmangel eine Rolle,
manchmal sind es Krankheiten
wie eine Schilddrüsenunterfunktion
oder
Medikamente. Der Effekt ist
fast immer derselbe: Die aufgenommene
Nahrung enthält mehr
Kalorien als der Körper durch
Stoffwechsel und Bewegung verbrennt,
der Überschuss wird als
Fett in den Zellen ein gelagert.
Das einmal angewachsene Gewicht
wieder zu reduzieren, ist kein
Spaziergang, sondern ein Marathon.
„Um dauerhaft abzunehmen, braucht es
mehr als eine Diät. Es kommt darauf an,
das niedrigere Gewicht durch die richtige
Energiezufuhr zu halten – und das lässt
sich in aller Regel nur durch eine
langfristige Ernährungsumstellung
erreichen“, sagt Prof. Seiderer-Nack.
Denn sonst steht unweigerlich der berühmte
Jo-Jo-Effekt vor der Tür: Die verlorenen Kilos
kommen ruck, zuck zurück.
Wer selbst kocht, hat die Auswahl
der Zutaten in der eigenen Hand
Für einen ersten Abnehmerfolg sollte man weniger
Kalorien zu sich nehmen, als der Körper
braucht. „Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft
e. V. empfiehlt ein tägliches Energiedefizit
von 500 kcal am Tag. Damit nimmt
man zwar nicht schnell, aber gesund ab“, sagt
die Ernährungsmedizinerin. Individuelle Kalorienbedarfsrechner
finden sich online beispielsweise
bei vielen Krankenkassen.
Ein entscheidender Schritt ist, den Zuckerkonsum
zurückzufahren. „Und dabei geht es
nicht nur um den Würfelzucker im Kaffee
oder das Stückchen Schokolade zwischendurch:
Den meisten Zucker nehmen wir über
hochverarbeitete Lebensmittel zu uns. Echte
Zuckerfallen sind beispielsweise
Ketchup, Fast Food und Softdrinks,
aber auch Fruchtjoghurt, Fertigsalate
und Zwieback“, sagt Prof.
Julia Seiderer-Nack. Im Supermarkt
hilft oft ein Blick auf die
Zutatenliste. Die beste – und
46 my life 15/2025
FOTOS: ADOBE STOCK (6); SHUTTERSTOCK (2); STOCKFOOD/JAN WISCHNEWSKI; PR
die einfachste – Art und Weise Zucker zu
sparen, ist aber immer noch, mit frischen
Lebensmitteln selbst zu kochen.
Gemüse ist dabei der gesündeste
Sattmacher. „Es enthält viele wichtige
Nährstoffe, ist aber kalorienarm,
hat ein großes Volumen und steckt
voller Ballaststoffe, das freut den Darm. Weil
man es meist länger kauen muss, tritt
das Sättigungsgefühl früher ein“, erklärt die
Expertin. Bei der Zubereitung dürfen gesunde
Öle wie Oliven- und Leinöl zum Einsatz kommen.
Schöner Nebeneffekt: „Ihre Omega-3-
Fettsäuren kurbeln den Stoffwechsel an und
fördern die Fettverbrennung“, ergänzt Prof.
Seiderer-Nack.
Das A und O: wenige, aber regelmäßige
Mahlzeiten, die satt machen
Eine proteinreiche Ernährung ist gleich aus
mehreren Gründen beim Abnehmen sinnvoll:
Eiweiße sättigen gut, sind anregend für den
Stoffwechsel und tragen, in Kombination mit
Bewegung, dazu bei, Muskelmasse aufzubauen
oder zumindest zu erhalten. Gerade bei Diäten
bedient sich unser Körper jedoch aus
den Muskeln als größtem Eiweißdepot
– und lässt die Kraftpakete schrumpfen.
„Es ist aber wichtig, sie zu erhalten,
weil in unseren Muskeln
die Energieverbrennung
stattfindet. Ist sie zu gering,
nehmen wir zu. Je mehr
Muskeln, desto höher der
Grundumsatz“, erläutert die
ZUTATEN für 4 Portionen
800 g gemischte
Tomaten
1 Schalotte
200 g Heidelbeeren
1 EL Sesamsamen
3 EL Limettensaft
1 TL Agavendicksaft
4 EL Olivenöl
350 g Halloumi
Salz, Pfeffer
je ½ Handvoll Koriander
und lilafarbene Kresse
1. Tomaten waschen, halbieren
oder vierteln. Schalotte abziehen
und in feine Würfel
schneiden. Heidelbeeren abbrausen
und abtupfen.
Internistin. Hochwertige Eiweißlieferanten
sind zum Beispiel
Eier, Milchprodukte, Geflügel
sowie Fisch, aber auch
Hülsenfrüchte und Pilze.
Der Snack zwischendurch – und seien es
auch nur ein paar Nüsschen oder ein Cappuccino
– ist kontraproduktiv. „Wer nur zu
den Hauptmahlzeiten isst, also zwei- bis
dreimal täglich, stabilisiert seinen Stoffwechsel
und reduziert Heißhungerattacken“, sagt
Prof. Julia Seiderer-Nack. „Wer kleinere Mahlzeiten,
aber dafür öfter isst, läuft dagegen Gefahr,
insgesamt mehr Kalorien zu sich zu nehmen
und fördert langfristig auch das Risiko für
eine Insulinresistenz und einen Typ-2-Diabetes.“
Vor allem zuckerreiche Snacks erhöhen
die Insulinwerte und legen damit die Fettverbrennung
lahm. Der Körper gewinnt seine
Energie dann ausschließlich aus der Nahrung
und lässt seine Fettreserven unangetastet.
Auch Lebensmittel mit Weißmehl liefern kaum
Nährstoffe, können aber Heißhunger auslösen.
Wichtig für den Erfolg ist jedoch, sich bei
der „Mission Abnehmen“ nicht unter Druck
zu setzen: „Sie dürfen sich Ihr persönliches
Wohlfühlgewicht als Ziel setzen, das
liegt bei vielen etwas oberhalb des
Normalgewichts“, so die Internistin
aus München. Denn die gute
Nachricht ist: Schon ein
Gewichtsverlust ab fünf
Prozent kann etwa die
Blutwerte verbessern und
den Blutdruck senken. ❰
Bunter Tomatensalat mit Halloumi
2. Für das Dressing Sesamsamen
in einer Pfanne ohne
Fett rösten. Herausnehmen
und abkühlen lassen. Limettensaft
mit Agavendicksaft,
Sesamsamen und
Olivenöl verquirlen.
3. Den Halloumi in
Scheiben schneiden
und auf dem heißen Grill
oder in einer Grillpfanne
4–6 Minuten unter mehrmaligem
Wenden grillen.
Mit Salz und Pfeffer
würzen. Die Kräuterblättchen
abzupfen.
4. Tomaten mit Schalotte,
Beeren und dem gegrillten
Halloumi auf Tellern anrichten,
dann mit Dressing beträufeln.
Mit Koriander- und Kresseblättchen
bestreut servieren.
5
gegen
Übergewicht
➊ Kalorienarm trinken:
Wasser und ungesüßte
Tees sind die perfekten
Durstlöscher. Verzichten
sollten Sie auf Softdrinks,
Limonaden und Alkohol
– das sind alles wahre
Kalorienbomben.
➋ Regelmäßig essen:
Drei sättigende Hauptmahlzeiten
sind besser
als viele kleine Snacks
zwischendurch.
➌ Langfristig denken:
Es geht nicht um den
schnellen Abnehmerfolg
durch Crash-Diäten,
sondern eine nachhaltige
Ernährungsumstellung in
Kombination mit mehr
Bewegung im Alltag.
➍ Hilfe annehmen: Es
gibt nicht nur die Möglichkeit
einer ärztlich
verordneten ernährungsmedizinischen
Beratung,
sondern mittlerweile auch
Apps auf Rezept, die
unterstützen können.
➎ Geschmackvoll
abnehmen: Eine pflanzenbasierte
mediterrane
Kost mit einem hohen
Anteil an Gemüse, Vollkornprodukten
und hochwertigen
Fetten (Fisch,
Nüsse, Olivenöl) ist nicht
nur gesund, sondern
auch ein Genuss.
15/2025 my life
47
GESUNDHEIT
Gefahr Die Ausbreitung des Mpox-Erregers (früher: Affenpocken-Virus) wird mit Sorge beobachtet
„Wir wollen nicht noch
einmal ein COVID-19 erleben“
→
Virologin Prof. Isabella Eckerle erklärt, warum der Pandemievertrag so wichtig ist –
und was wir alle tun müssen, um uns vor den Keimen der Tiere zu schützen
Nach drei Jahren Verhandlung
haben die rund 190 WHO-Mitgliedsländer
im Mai 2025 den
sogenannten Pandemievertrag besiegelt,
mit dem Ziel, besser gegen globale
Gesundheitsgefahren gewappnet zu
sein. Die durch die Corona-Pandemie
bekannt gewordene Virologin Prof. Isabella
Eckerle, Direktorin des Zentrums
für Neuartige Viruskrankheiten an der
Universitätsklinik Genf, hält das Abkommen
für einen Erfolg und sagt, die
Bedrohung durch neue Viren sei hoch.
? Prof. Eckerle, welchen Wert
hat das Regelwerk der WHO?
Für mich ist der Vertrag ein starkes
Signal. Die Verhandlungen waren teils
schwierig, aber es gibt jetzt eine gemeinsame
Erklärung: Ja, wir haben verstanden,
wir wollen zusammenarbeiten,
wir wollen nicht noch einmal die
Verhältnisse haben, die bei der COVID-
19-Pandemie zu sieben Millionen Toten
auf der Welt geführt haben.
? Was sind die wichtigsten Punkte?
Die Vereinbarungen für Prävention
umfassen etwa die bessere Überwachung
von Krankheitserregern. Dabei
ist, und das freut mich, der „One-
Health“-Ansatz explizit erwähnt. Das
bedeutet, dass man die Gesundheit von
Menschen und Tieren und Ökosystemen
gemeinsam anschauen muss
und sich mit potenziellen Erregern
nicht erst dann beschäftigt, wenn sie
im Menschen gefunden worden sind.
Auch der Zugang zu den Erregern soll
erleichtert werden, um etwa schnell
Impfungen zu entwickeln.
Wichtig ist auch der Aspekt, die
Gesundheits versorgung in ärmeren
Ländern besser zu unterstützen – im
Ernstfall sollen sie Impfstoffe oder andere
Therapeutika um jeweils zehn
Prozent vergünstigt oder kostenlos zur
Verfügung gestellt bekommen. Das
klingt zwar erst mal nach nicht viel,
könnte aber für vulnerable Gruppen
von großer Bedeutung sein.
? Die Zusammenarbeit basiert auf Freiwilligkeit.
Organisationen wie Ärzte ohne
Grenzen sind skeptisch, dass
die Staaten und Konzerne
im Ernstfall ihre Forschung
teilen oder
Impfstoffe spenden.
Natürlich ist das ein
Problem. Und es ist
überhaupt nicht klar,
was passiert, wenn sich Vertragspartner
nicht daran halten. Ich denke, es
wird nun darauf ankommen, diese relativ
vagen Punkte zwischen den einzelnen
Partnern zu konkretisieren.
? Es heißt ja oft: „Nach der Pandemie
ist vor der Pandemie.“ Wie nah sind
wir an einer dran?
Konkret kann ich das natürlich nicht
beantworten. Aber wir beobachten
zwei Erreger mit Sorge, das sind die Vogelgrippe
H5N1 und Mpox, früher Affenpocken
genannt.
? In Deutschland sind in den letzten
Monaten wieder vermehrt Infektionen
mit dem Mpox-Virus aufgetreten …
Das Virus wird sehr wahrscheinlich
nicht mehr aus der Zirkulation im
Menschen verschwinden, dafür gibt es
weltweit zu viele Fälle. Die entscheidende
Frage ist aber, wie hoch das Risiko
einer weiteren Ausbreitung ist und
ob es zur ernsten globalen Gesundheitsgefahr
werden kann.
Dazu zählt die Fähigkeit des
Virus, sich an uns Menschen
anzupassen und von Mensch
zu Mensch übertragen zu
werden. Besonders besorgt
52 my life 15/2025
Vogelgrippe H5N1
FOTOS: GETTY IMAGES/ISTOCK (3); PR
ist die WHO über eine Virus variante,
die man Ende 2023 im Osten der Demokratischen
Republik Kongo entdeckte.
Die Variante, eine Sub linie der
Mpox-Klade I namens Ib, breitet sich
schnell aus, und wir verstehen nicht genau,
warum. Das heißt nicht, dass dadurch
morgen eine neue Pandemie ausbricht,
aber wer weiß, was in fünf oder
zehn Jahren ist?
? Wie können wir dem vorbeugen?
Oberste Priorität muss die Unterstützung
der betroffenen Länder haben.
Deren Zugang zu Diagnostik, Impfstoffen
und Therapeutika ist entscheidend,
um das Virus einzudämmen. Während
Mpox-Impfungen in westlichen Ländern
während der Infektionswelle 2022
weit verbreitet eingesetzt wurden, sind
sie in afrikanischen Ländern, wo das
Virus viel stärker grassiert, bisher kaum
verfügbar. Das soll der WHO-Vertrag
auch noch mal ins Bewusstsein rufen.
? Zumindest, was die Vogelgrippe
angeht, hört man von den USA derzeit
wenig. Ist das ein gutes Zeichen?
Wir wissen nicht, ob die Infektionen bei
Menschen in letzter Zeit tatsächlich abgenommen
haben oder ob nur die Kommunikation
darüber zurückgefahren
wurde. Fest steht, dass sich das Virus in
den USA vor allem in Rindern schon
sehr weit ausgebreitet hat. Mehr als
1 000 Farmen sind betroffen – und damit
steigt die Wahrscheinlichkeit einer
Übertragung, etwa auf die Farmarbeiter.
? Wie hoch ist die Gefahr für uns?
Das Risiko eines pandemischen Virus
ist nach derzeitigem Kenntnisstand
nicht hoch, aber nicht auszuschließen.
Deshalb bedarf es eigentlich einer engmaschigen
Überwachung für Menschen
in Kontakt mit Rindern sowie Schutzkleidung
im Umgang mit den Tieren.
Wir in Deutschland haben da rechtlich
ganz andere Möglichkeiten. Deshalb
frage ich mich, ob wir die Ausbreitung
im Menschen vielleicht erst merken,
wenn die ersten Fälle hier im Krankenhaus
auftauchen.
? Warum ist die Sorge in den
Vereinigten Staaten weniger groß?
Es gibt durchaus warnende Stimmen
von Influenza-Experten, auch aus den
Die Art, wie wir heute
leben, provoziert die
Gefahren von
Virusübergängen
Prof. Dr. med. Isabella Eckerle, DTM&H
ist Direktorin des Zentrums für
Neuartige Viruskrankheiten an der
Universitätsklinik Genf
USA, dass man die Ausbreitung des
Virus besser kontrollieren müsste. Die
werden aber wohl nur wenig gehört.
Es mangelt an aktualisierten Daten,
stattdessen zirkuliert sehr viel Desinformation.
? Welche zum Beispiel?
Als das Virus in Rohmilch nachgewiesen
wurde, war gerade in den sozialen
Medien die Aussage weit verbreitet, es
sei total gut, Rohmilch zu trinken, weil
man sich dadurch immunisieren könne.
Das kurbelte den Verkauf tatsächlich
an. Mir fällt es wirklich schwer, so
etwas nachzuvollziehen, denn jeder
menschliche Fall bietet dem Virus die
Möglichkeit sich anzupassen. Ich will
mir gar nicht ausmalen, was passiert,
wenn wir jetzt eine Pandemie wie Corona
bekämen. Das wäre in der derzeitigen
Situation fatal.
? Nahezu zwei Drittel aller bekannten
für den Menschen gefährlichen Erreger
werden vom Tier zum Menschen
weitergegeben. Wo lauern die größten
Gefahren?
Eine Übertragung kann durch direkten
Kontakt mit betroffenen Wildtieren,
über Lebensmittel wie Milch, Fleisch
oder Eier, jedoch auch über sogenannte
Vektoren wie Zecken oder Mücken erfolgen.
Bei praktisch allen neuen Erregern
der letzten Jahre – aber auch bei
vielen aktuellen Infektionskrankheiten
– handelt es sich um Zoonosen wie
Mpox, Ebola sowie Corona- und Influenzaviren.
? Was müssen wir ändern?
Die Art, wie wir heute leben, provoziert
die Gefahren solcher Virusübergänge.
Riesige Farmen oder Ställe mit mehreren
Tausend Tieren sind viel schwieriger
zu kontrollieren, als der Bauer mit
20 Kühen. Das gilt aber auch für unsere
gestiegene Landnutzung, die dazu
führt, dass wir den Wildtieren immer
näher rücken. Letztlich trägt auch der
Klimawandel dazu bei, dass sich zum
Beispiel Zugvögel oder auch Zecken
und tropische Mücken wie die Tigermücke
bei uns wohler fühlen und eines
Tages gefährliche Krankheiten wie
Dengue-Fieber, Chikungunya und Zika-
Virus übertragen könnten.
? Welche Rolle spielt das
Artensterben, nimmt die Zahl der
Erreger dadurch ab?
Das Gegenteil ist der Fall: In intakten
Ökosystemen herrscht eine Art Gleichgewicht
zwischen den dort vorkommenden
Arten, einschließlich der
Krankheitserreger und ihren
tierischen Wirten. Sterben
ökologisch sehr spezialisierte
Arten aus, vermehren
sich Arten, die
sich an viele Situationen
gut anpassen können
– und eben diese
Generalisten sind oft Träger
vieler zoonotischer Viren. Ebola
? In Ihrem Buch „Von Viren, Fledermäusen
und Menschen“ (Droemer,
288 S., 22 €) warnen Sie vor dem
wachsenden Wildtierhandel …
Die meisten Nager und Fledermäuse,
aber auch kleine Karnivoren wie Frettchen
oder Marderhunde sowie viele andere
Tierarten, die weltweit gehandelt
oder auf Wildtierfarmen für Fleisch
oder Fell gezüchtet werden, haben als
natürlicher Wirt oder Brückenwirt für
den Menschen große Bedeutung. Irgendwo
auf der Welt springt vielleicht
gerade das nächste Pandemievirus auf
einem Wildtiermarkt oder einer Pelztierfarm
über. Und auch wir haben einen
Anteil daran: Jeder Echtfellkragen an
einer Jacke könnte ein Stück weit ein
Treiber der nächsten Pandemie sein. ❰
15/2025 my life
53
GESUNDHEIT
RÜCKEN-ERKRANKUNG
„Die Wirbelsäulen-OP
war meine Rettung“
Nach und nach wird die Haltung von Christel Fothen-Beier (61) immer krummer.
Qualvolle Jahre folgen, bis sie 2021 endlich die Diagnose erhält: Skoliose. Doch erst dank
eines aufwendigen Eingriffs drei Jahre später kann sie heute wieder aufrecht gehen
→
Körperliche Arbeit, für Christel Fothen-
Beier ist das kein Fremdwort. Seit vielen
Jahren lebt die 61-Jährige auf einem Bauernhof.
Tagein, tagaus füttert sie ihre 50 Kühe,
melkt, mistet die Ställe aus und kümmert sich
ums Heumachen. Dass an ihrer Haltung etwas
nicht stimmt, merkt sie daher lange Zeit nicht.
„In der Bewegung war immer alles gut. Nur
wenn ich lange stehen musste, wurde es irgendwann
schwierig“, erzählt sie.
Ihren Rücken spürt sie vor allem jenseits
des Arbeitsalltags: Auf einer Karnevalsfeier
muss sie sich von ihren Freunden verabschieden,
um eine Sitzgelegenheit zu suchen. Bei
längeren Gesprächen achtet sie immer darauf,
dass sie sich irgendwo anlehnen kann. „Aber
das ging alles noch. Ich habe mir keine großen
Gedanken darum gemacht. Arbeiten war weiterhin
kein Problem“, berichtet sie. Sie hilft sogar
beim Umbau des Stalls mit, obwohl sie in
Ruhe immer öfter Schmerzen hat.
Feldarbeit Langes Stehen ist für Christel nun kein Problem mehr
Manuelle Therapie ohne Erfolg
Erst im Juni 2020 geht sie zum Orthopäden.
Die richtige Diagnose bekommt sie zu diesem
Zeitpunkt noch nicht. „Man hat mich damals
gar nicht geröntgt. Der Arzt meinte nur, ich
hätte ein verkürztes Bein und hat mir Schuheinlagen
verschrieben.“ Die erste Einlage kompensiert
einen halben Zentimeter Höhenunterschied
– ohne dass sich die Rückenprobleme
bessern. „Ich musste als Landwirtin natürlich
trotzdem irgendwie weitermachen“, sagt sie.
Trotzdem gibt sie sich nicht zufrieden. Immer
wieder vereinbart sie Termine beim Facharzt,
der ihr jedes Mal höhere Einlagen verschreibt,
bis diese schließlich 2,5 Zentimeter erreichen.
Endlich Klarheit. Erst 2021 schickt der
Arzt sie zum Röntgen. „Die Krankenschwester
in der Radiologie hat mich einmal angeschaut
und gefragt: Haben Sie Skoliose? Ich wusste
damals gar nicht, was das ist.“ Mit einem Blick
66 my life 15/2025
FOTOS: SCHÖN KLINIK/LARS LANGEMEIER; PR (2)
auf die Röntgenbilder bestätigt der Orthopäde
die Vermutung: Seine Patientin leidet an einer
Verkrümmung der Wirbelsäule. Standardmäßig
verschreibt er ihr Krankengymnastik. „Ich
musste mit Bändern üben und zur Physio gehen
– aber ich konnte machen, was ich wollte.
Ich bin immer krummer geworden.“
Schließlich bekommt Christel sogar Probleme
mit der Hüfte. „Sitzen hat mir nichts ausgemacht.
Nur langes Stehen ging nicht mehr.“
Sie erhält eine Hüftprothese, doch die Rückenbeschwerden
bleiben bestehen.
Der Gang zum Spezialisten
Schließlich wird klar: Um eine Wirbelsäulen-
OP kommt die Landwirtin nicht herum. Ihr
Orthopäde empfiehlt ihr dafür eine Klinik am
anderen Ende Deutschlands, doch die lange
Reise ist für Christel wegen ihres Betriebs
nicht möglich. Sie recherchiert selbst und
stößt auf das näher gelegene Fachzentrum
Rücken & Wirbelsäule an der Schön Klinik
Düsseldorf, wo sie einen Termin vereinbart.
Komplexer Eingriff. Dr. Lars Löhrer, Chefarzt
des Fachzentrums, schaut sich Christels
Fehlstellung genau an – und stellt fest, dass sie
gar keine Beinverkürzung hat. Stattdessen bestätigt
er mithilfe von Röntgenaufnahmen,
MRT- und CT-Bildern die Fehlbildung ihrer
Wirbelsäule: „Zusätzlich zu einer Skoliose,
also einer Krümmung zur Seite, hatte Frau
Fothen-Beier eine Kyphose. Darunter versteht
man eine Wirbelsäulenkrümmung nach vorne.“
Doch: je ausgeprägter die Kyphose, desto
schwieriger die Operation. „Bei der Patientin
war die Fehlstellung derart fortgeschritten,
dass die unteren Rippen sogar schmerzhaft
auf dem Becken lagen.“ Der Orthopäde macht
seiner Patientin deutlich: Das wird ein schwerer
Eingriff. Christel lässt sich davon jedoch
nicht abschrecken. „Ich hatte Vertrauen zu
Dr. Löhrer. Er hat sich wirklich mit mir befasst.
Und ich wollte auch mit der Operation
nicht mehr lange warten. Wer weiß, ob ich sie
mit 70 Jahren noch verkraftet hätte …“
Der Termin wird festgesetzt, kurz vor Weihnachten
2024 geht es los. Präzise löst Dr. Löhrer
die Versteifungen in den Wirbeln, ersetzt
kaputte Bandscheiben durch Titan – das Material,
das, wie er sagt, vom Körper am besten
vertragen wird. Nach sechs Stunden ist alles
vorüber. 28 Schrauben begradigen nun Christels
Wirbelsäule. „Ich habe Frau Fothen-Beier
vom vierten Brustwirbel bis zur Lendenwirbelsäule
aufgerichtet und die Fusion mit
Schrauben im Becken abgestützt“, so der Facharzt.
Das war nötig, um spätere Pro bleme zu
vermeiden: „Einer der größten Fehler, die man
machen kann, ist eine zu kurze Versorgung.
Wenn zu wenige Wirbel überspannt
werden, erhöht sich nur die
Gefahr, dass die Bandscheiben, die über
dem behandelten Segment liegen,
schneller verschleißen oder sich hier
eine neue Deformität ausbildet.“
Die ersten drei Tage nach der OP sind
für Christel nicht leicht. Sie liegt auf der
Intensivstation, kann sich kaum bewegen.
„Aber solange man das Gefühl hat,
es geht bergauf, verliert man die Motivation
nicht“, sagt sie. Bereits an Tag vier
geht es ihr besser. Mit erster Krankengymnastik
lernt sie, wie sie sich im Bett
aufrichtet und richtig aufsteht. Zwei
Tage später kann sie im Flur auf und ab
laufen – langsam zwar und nur für kurze
Zeit, aber es geht. „Das war ziemlich anstrengend,
trotzdem hat es mir sehr gutgetan“,
sagt die 61-Jährige rückblickend.
Nach zehn Tagen wird Christel entlassen. In
den Alltag kann sie allerdings nicht sofort
zurückkehren, denn ihre Mobilität ist noch
eingeschränkt. Dr. Löhrer: „Die Wirbelkörper
müssen zusammenwachsen. Deshalb sollte
man Rotationsbewegungen in den ersten
sechs Wochen vermeiden. Schwer zu heben,
ist nach der Operation für drei Monate tabu.“
Ersehnter Neustart. Christel hält sich an die
Vorgaben, bringt sich aber einige Wochen nach
der OP langsam wieder auf dem Bauernhof ein.
„Ich stehe zum Beispiel an der Melkmaschine,
da muss ich nicht schwer heben und mich nicht
bücken.“ Ein Gehstock hilft ihr dabei, längere
Strecken zurückzulegen, fällt ihr etwas herunter,
nutzt sie eine Greifzange zum Aufheben.
Doch manchmal zwickt es die 61-Jährige trotz
aller Vorsicht noch im Rücken: „Dann denke ich
mir, na, hast wohl ein bisschen zu viel gemacht.
Das bringt mich dazu, wieder mehr darauf zu
achten, dass ich mich schone, soweit es geht.“
Sichtbare Erleichterung
Ihre Bewegungsfähigkeit verbessert sich seitdem
stetig. Und auch die optische Veränderung
ist kaum zu übersehen: „Ich bemerke den
Unterschied zu früher ganz deutlich. Wie
krumm ich vor der OP war! Ich habe, unbewusst,
nicht mal Fotos von mir machen lassen,
zumindest nicht im Stehen.“
Bis ihr Rücken ganz abgeheilt ist, wird es
noch etwas dauern. Doch Christel ist froh,
sich für den Eingriff entschieden zu haben:
„Ich darf zufrieden sein, glaube ich“, sagt sie.
„Auch wenn ich vielleicht beim Bücken immer
etwas eingeschränkt sein werde – aber dafür
darf ich wieder aufrecht gehen.“
❰
Gestützt 28 Schrauben
sorgen jetzt dafür, dass
Christels Wirbelsäule
stabil bleibt
Bei zu kurzer
Versorgung
erhöht sich die
Gefahr von
Verschleiß oder
einer neuen
Deformität
Dr. med. Lars Löhrer,
Facharzt für Orthopädie und
Unfallchirurgie, Chefarzt des
Fachzentrums für Rücken &
Wirbelsäule an der Schön
Klinik Düsseldorf
15/2025 my life
67
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Prof. Dr. med. Volker Busch; Dr. med. Valentina
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Prof. Dr. med. Isabella Eckerle, DTM&H; Prof. Dr. phil.
Norbert Fessler; Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Hartmut
Göbel, MMHM; Dr. med. Lars Lohrer; Dr. med. Hayyan
Mohme; Prof. Dr. med. Dominik Pförringer; Gabriele
Renner; Prof. Dr. med. Julia Seiderer-Nack; Sabine Stein
Apotheker-Forum: Eckhard Galys, Gence Polat,
Claas Friedrich Pollner
Stiftungs-Beirat: Felix Burda Stiftung, Dr. Christa
Maar †; Dt. Alzheimer Stiftung, Heike von Lützau-
Hohlbein; Dt. Diabetes Stiftung, Prof. Dr. med. Rüdiger
Landgraf, Adrian Polok; Dt. Herzstiftung, Prof. Dr. med.
Thomas Voigtländer, Martin Vestweber; Prof. Dr. med.
Heinrich Hess Stiftung, Prof. Dr. med. Heinrich Hess,
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