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NewHealthGuide 03/2023

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Ausgabe 03/2023

Ihr Weg in das digitale Gesundheitssystem

„Bei der Medikamentenentwicklung

hilft die

Digitalisierung enorm“

Prof. Dr. Helge Hebestreit

vom Zentrum für Seltene

Erkrankungen im Interview

Das E-Rezept, endlich!

Wie man es technisch

umsetzt, welche Vorteile es

bringt, wo es noch hapert

Raum für neue Ideen

Im Klinikum Mannheim

testen Pflegepersonal

und Patienten digitale

Innovationen

Früher Arzt, heute

Prozessmanager

Ein Spagat zwischen

zwei Welten

News & Highlights

KI für Einsteiger und

Netzwerke für

niedergelassene Ärzte

PREIS: 8,50 EUR


newhealth.guide #3 newhealth.guide #3

Liebe Leserinnen,

liebe Leser

Inhalt

S

püren Sie auch den Aufruhr?

Unter der Oberfläche

brodelt es, seit die Eckpunkte

der Krankenhausreform

bekannt geworden sind.

Krankenhäuser fürchten um

ihr Überleben und kritisieren

die Unterfinanzierung. Laut

einer Umfrage des Deutschen

Krankenhausinstituts

im Auftrag der Deutschen

Dr. med. Gudrun Westermann

Chefredakteurin

Krankenhausgesellschaft sehen

fast 70 Prozent der Kliniken ihre Existenz

gefährdet. Und der Kampf um

die Ambulantisierung hat gerade

erst begonnen.

Wie kann man sich bei alldem

noch um die Digitalisierung kümmern?

Man muss es sogar, denn

Digitalisierung ist nicht ein zusätzliches

Problem, sondern die Lösung

für viele der Herausforderungen,

die oben angerissen wurden.

Wichtig ist nur, dass das auch bei

den Leistungserbringern und Mitarbeitenden

so ankommt. Denn

häufig werden die Veränderungen

als etwas empfunden, das „ich

jetzt zu allem anderen auch noch

obendrauf leisten muss“. Vor dem

Hintergrund von Fachkräftemangel

und chronischer Überlastung der

vorhandenen Kräfte verständlich.

Im niedergelassenen Bereich erwarten

Ärztinnen und Ärzte durch

die Digitalisierung Schwierigkeiten

für die Praxen. Die staatlich verordnete

Digitalisierung wird zudem

grundsätzlich als Einmischung

empfunden und kritisch gesehen.

Fast 50 Prozent der Befragten

schätzen den Nutzen der Digitalisierung

im Alltag laut einer Umfrage

von Jameda bisher als gering

ein. Die Mehrheit wünscht sich

mehr Unterstützung bei der Umsetzung

– Investitionen und Schulungen

sind zu schultern.

In manchen Bereichen ist Digitalisierung

schon viel weiter – weil

man sie unbedingt braucht. Eindrucksvoll

erklärt das Prof. Helge

Hebestreit in unserem großen Interview:

Er ist Direktor des Zentrums für

Seltene Erkrankungen an der Universitätsklinik

Würzburg. Dort und

an anderen Zentren für Seltene Erkrankungen

ist vieles schon

Standard, was anderswo

noch in den Kinderschuhen

steckt: virtuelle Fallkonferenzen,

Datenaustausch

über ein spezielles vernetztes

IT-Tool und digitale Zusammenarbeit.

Ein Zukunftsmodell,

denn „das, was wir

für die Seltenen Erkrankungen

in kleinem Rahmen

entwickeln, weil wir es einfach

müssen, kommt anderen

zugute, die es vielleicht

nicht unbedingt müssen,

aber für die es auch ein Vorteil

ist“, so Prof. Hebestreit.

Ein Schlüsselfaktor, damit

die Transformation gelingen

kann, ist Bildung. In seiner

neuen Kolumne erklärt Prof. Sebastian

Kuhn in dieser Ausgabe, warum

auch die sogenannten Digital

Natives nicht automatisch über

medizinisch-digitale Handlungskompetenz

verfügen. Die Qualifizierung

für den digitalen Wandel

ist denn auch eine der zentralen

Neuerungen bei der bevorstehenden

Neuregelung der Ärztlichen

Approbationsordnung. Denn die

Qualifizierung der Fachkräfte ist

der Schlüssel zum Erfolg!

Wenn Sie sich selbst für die Herausforderungen

der Digitalisierung

weiterqualifizieren möchten, bietet

der Herbst mit zahlreichen Veranstaltungen

Gelegenheit dazu.

Werfen Sie einen Blick auf unsere

entsprechenden Rubriken am

Ende dieser Ausgabe. Wir wünschen

Ihnen viel Spaß beim Lesen

und Lernen!

COVER: SEBASTIAN LOCK, FOTOS DIESE SEITE: EVELYN DRAGAN, INSPIRE LIVING LAB, SHUTTERSTOCK, HELIOS KLINIKEN

04

Aktuelles aus der Gesundheitsbranche: z. B. ein Netzwerk

für niedergelassene Ärzte, Apotheken und Co.

sowie ein spielerischer Zugang zur Welt der KI

08

„Sobald Daten wirklich verfügbar sind, wird uns die

Digitalisierung unendlich weiterbringen.“

Prof. Dr. Helge Hebestreit vom Zentrum für Seltene

Erkrankungen (ZSE) im Interview

14

Das E-Rezept: warum die Vorteile überwiegen.

Plus: Gerrit Schick von Cherry Digital Health über

die Sicherheit von Kartenterminals

18

Transformation durch Bildung: Prof. Dr. Sebastian

Kuhn plädiert dafür, den digitalen Wandel aus der

medizinischen Versorgung heraus zu gestalten

Newsletter

Erhalten Sie das monatliche

Update zu allen

Fragen der Digitalisierung im

Gesundheitswesen

Podcast

Experten und Vorreiter im Interview.

Hören Sie spannende

Hintergrundgespräche zum Thema

New Health

20

Raum für neue Ideen: Auf der Station „Inspire Living

Lab“ werden digitale Innovationen im urologischen

und orthopädischen Regelbetrieb getestet

24

Vermitteln zwischen zwei Welten: über die Arbeit von

Prozessmanagern und -managerinnen

28

Sind Sie digital fit? Seminare und Online-Schulungen

für medizinisches Personal

30

Wichtige Konferenzen und Tagungen im Überblick

Website

Die Plattform für alle Inhalte des

NewHealth.Guide: schnell Wissen

finden und abrufen, Podcasts

laden oder Newsletter bestellen!

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newhealth.guide #3

newhealth.guide #3

News + Trends + Future

Künstliche Intelligenz

Fit für die Zukunft

Wie kann man die Behandlung im Schockraum

effizient dokumentieren? Wie Avatare

im OP-Saal nutzen? Können Chatbots sich

um Fragen der Patienten kümmern? Und

wie helfen KI-Systeme, die Bettenplanung

zu optimieren? Die Kompetenzplattform

Künstliche Intelligenz Nordrhein-Westfalen

(KI.NRW) liefert spielerische Einblicke in die

Gesundheitswelt von morgen: Auf ihrer digitalen

Explorationsplattform „KI.Welten“ wird

man durch eine multidimensional ausgestaltete

Krankenhauslandschaft navigiert.

In Zusammenarbeit mit Medizin- und KI-Experten

aus den KI.NRW-Flagship-Projekten

„SmartHospital.NRW“ und „Innovative

Secure Medical Campus“ wurden verschiedene

Anwendungsfälle für KI in der Medizin

virtuell zusammengestellt. Nutzer des Tools

FOTO: KI.NRW

können so selbst erforschen, wo KI-Systeme

schon heute oder perspektivisch eingesetzt

werden. „Im Medizinbereich stehen wir im

Hinblick auf den Fachkräftemangel und

den demografischen Wandel aktuell vor

großen Herausforderungen. Anwendungen

der Künstlichen Intelligenz sind hier eine große

Chance, um an den entscheidenden

Stellen zu unterstützen und Prozesse zu automatisieren“,

sagt Prof. Dr. Ulrike Attenberger,

Leiterin des KI.NRW-Flagship-Projekts „Innovative

Secure Medical Campus“. „Wichtig ist

dabei, dass wir frühzeitig Aufklärungsarbeit

leisten.“ Das Tool ist kostenfrei und richtet sich

sowohl an Klinikpersonal als auch an niedergelassene

Ärzte und Ärztinnen sowie an interessierte

Patientinnen und Patienten.

www.welten.ki.nrw

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newhealth.guide #3

newhealth.guide #3

News + Trends + Future

Messenger

Der kleine

Dienstweg

Das nennt man Eigen-

initiative! Der HNO-Arzt

Joachim Draws hat

vor Kurzem in Celle ein

Siilo-Netzwerk etabliert,

um niedergelassene

Ärzte, Apotheken und

Pflegefachkräfte im

Landkreis zu vernetzen:

per Text, Foto, Video

und Audio-Nachricht.

Siilo ist eine niederländische

App, die den

sicheren Austausch von

Patientendaten und

-infos ermöglicht und

eine bessere Versorgung

gewährleisten möchte.

Weltweit gibt es bereits

über 425.000 Nutzer.

www.siilo-netz-celle.de

Künstliche Intelligenz

Wichtige Normen

Ob bei der Diagnose, Therapie,

Früherkennung oder

im Pflegealltag: Die Leistung

Künstlicher Intelligenz wird

im Gesundheitswesen immer

mehr zunehmen. Das Deutsche

Institut für Normung

(DIN) hat daher einen neuen

Arbeitsausschuss für „KI in der

Medizin“ ins Leben gerufen.

Denn um Patienten bestmöglich

versorgen zu können,

müssen Standards und Normen

eingeführt werden, die

die Nutzbarkeit und Verwertbarkeit

der KI-Daten sowie die

Leistungsfähigkeit KI-basierter

Produkte sicherstellen. Auch

dienen allgemein gültige

Rahmenbedingungen dazu,

Vertrauen und Akzeptanz von

KI in der breiten Bevölkerung

zu generieren. Ein Anliegen,

das die Bundesregierung

unterstützt und das Schwerpunkt

der zweiten Ausgabe

der deutschen Normungsroadmap

KI ist. Diese gilt als

Grundlage für die Schaffung

des weltweit anerkannten

Gütesiegels „Artificial Intelligence

made in Germany“.

www.din.de/forschung-und-innovation/themen/kuenstliche-intelligenz

Monitoring

Intelligentes Patch für Schwangere

In Zukunft sollen Wearables und Smart Textiles ein kontinuierliches Monitoring bei

Risikoschwangerschaften sicherstellen. Das Ziel des EU-geförderten Projekts

„Newlife“ ist es, ein dehnbares Patch zu entwickeln, das direkt auf der Haut einer

Schwangeren angebracht wird. Es nimmt mittels Sensoren Vitaldaten auf und

leitet diese via Bluetooth an ein Endgerät weiter. Damit bietet das intelligente

Patch eine sinnvolle Alternative zur stationären Überwachung.

www.newlife-kdt.eu

FOTOS: DR. JOACHIM DRAWS, DIN, SELFAPY, FLOY, ADOBE STOCK/CAMPRE83

Digitale Medizinprodukte

DiGA

Selfapy

Das Berliner Unternehmen

Selfapy hat in

Kooperation mit Pfizer

Pharma eine DiGA für

chronische Schmerzpatienten

entwickelt. Circa

17 Prozent der Deutschen

leiden an anhaltenden

oder immer wiederkehrenden

Schmerzen.

Oftmals finden Ärzte aber

keine physiologische

Erklärung: Schmerz kann

auch durch psychische

Leiden entstehen, beispielsweise

Stress. Doch

Psycho therapieplätze

sind begehrt, die Wartezeiten

betragen Monate.

Der Online-Kurs von

Selfapy setzt dort an. Er

bietet in zwölf Lektionen

psychologische Übungen

für zwölf Wochen an.

Die Inhalte des bereitgestellten

Audio- und

Videomaterials passen

sich individuell an die

Situation der Betroffenen

an. Diese erlernen Techniken,

um Schmerzsymptome

zu reduzieren, und

Bewältigungsstrategien

in Stresssituationen. Eine

erste Auswertung der

Daten zeigt, dass der Online-Kurs

die Schmerzbeeinträchtigung

reduzieren

konnte. Selfapy ist kostenfrei

auf Rezept erhältlich

– und dauerhaft in das

DiGA-Verzeichnis aufgenommen.

www.selfapy.com

Radiologie

Schnell & präzise

Smarter Helfer in der Radiologie:

Das Münchner Start-up Floy hat

die Befundung in der Radiologie

dank Künstlicher Intelligenz revolutioniert.

Die sogenannte Floy-

KI analysiert MRT- und CT-Bilder

und markiert dabei besonders

schwierig zu sehende Anomalien

– ohne relevanten Zusatzaufwand.

Denn oft bleiben Radiologen

nur wenige Sekunden

pro Bild, um kleinste Veränderungen

zu identifizieren. Mithilfe

von Floy wird nicht nur die diagnostische

Qualität verbessert:

Das bessere Verständnis wirkt

sich auch auf die Beziehung

zwischen Patient und Arzt aus.

Floy zählt mittlerweile hundert Radiologiepraxen

zu seinen Kunden.

Die Gründer Benedikt Schneider

(Foto oben links) und Leander

Mäkisch (Foto oben rechts) wollen

mit Floy perspektivisch den

Industriestandard setzen – national

wie international. Bisher ist

die Floy-KI auf CT-Aufnahmen

von Bauch, Brust und Wirbelsäule

sowie MRT-Aufnahmen

der Wirbelsäule trainiert. Bis zum

Jahr 2024 möchten sie auch die

Analyse aller anderen Körperregionen

ermöglichen.

www.floy.com

Symptom-Check im Internet

Was hab ich, Dr. Google?

Die am häufigsten gegoogelten Krankheiten in

Deutschland waren im Zeitraum von Mai 2022 bis Mai

2023 – nach Corona – Scharlach, Hämorrhoiden und

Gürtelrose. Das ergab eine Analyse per

Google Ads über das Helios Klinikum Berlin-Buch.

www.tinyurl.com/symptom-check

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newhealth.guide #3

„Wird die ePa gut

gemacht, ist sie

für alle wertvoll“

Prof. Dr. med. Helge Hebestreit leitet das Zentrum für

Seltene Erkrankungen (ZSE) am Uniklinikum Würzburg. Dort treibt er

die Digitalisierung federführend voran – und fordert

ein schnelles Handeln bei der Entwicklung des Datenschutzes

Text

Fotos

Gudrun Westermann

Sebastian Lock

Herr Prof. Hebestreit, Sie engagieren

sich stark dafür, dass mehr Digitalisierung

bei der Erforschung,

Diagnostik und Therapie von Seltenen

Erkrankungen Einzug hält.

Warum halten Sie die Digitalisierung

ausgerechnet bei Seltenen

Erkrankungen für so wichtig und

erfolgversprechend?

Da gibt es eine ganze Reihe von

Gründen. Der erste ist, dass Menschen

mit Seltenen Erkrankungen

oft weit verstreut leben und Reisen

zu Arztterminen sind, gerade wenn

man eine chronische Erkrankung

hat, sehr belastend. Die Digitalisierung

hilft, Befunde zu übermitteln,

Kontakt zu halten und dadurch diese

Belastungen für die Betroffenen

zu reduzieren.

Der zweite Grund ist, dass die Experten

für Seltene Erkrankungen auch

nicht alle am selben Ort leben.

Wenn sie sich austauschen wollen,

miteinander reden über Videokonferenz-Tools,

Daten gemeinsam,

aber auch asynchron anschauen,

geht das sehr gut mit digitalen

Mitteln.

Ein dritter Grund ist, dass man Digitalisierung

sehr gut nutzen kann –

wenn man denn die Daten zur Verfügung

hat –, um zum Beispiel nach

ähnlichen Fällen zu suchen. Ganz

viel wird sie in diesem Zusammenhang

schon bei der Beurteilung von

genetischen Befunden genutzt.

Digitalisierung kann bei der Bildanalyse

helfen – auch im wissenschaftlichen,

nicht nur im klinischen Bereich.

Und Digitalisierung kann helfen, optimal

an Zielstrukturen von Zellen angepasste

Medikamente zu designen.

Insofern ist das Anwendungsfeld für

Digitalisierung bei den Seltenen Erkrankungen

extrem breit.

Sie haben die Vernetzung der

Wissenschaftler und Experten

erwähnt, bei der Forschung und

beim Datenaustausch. Ein wesentlicher

Teil der klinischen Forschung,

um Therapien auf den

Markt zu bringen, sind Studien

mit Patienten, von denen es bei

Seltenen Erkrankungen ja weniger

gibt. Inwiefern kann Digitalisierung

hier helfen und warum ist

das gerade bei Seltenen Erkrankungen

so wichtig?

Wenn Sie eine klinische Studie bei

einer häufigen Erkrankung planen,

können Sie diese vielleicht in Würzburg

allein durchführen, oder zumindest

in Deutschland. Geht es

um eine Seltene Erkrankung, gibt es

eigentlich fast keine klinische Phase-III-Studie

– die Studien direkt vor

der Marktzulassung, in denen die

Wirksamkeit und die unerwünschten

Effekte eines Medikaments an

einer „größeren“ Zahl von Betroffenen

getestet werden –, die nicht

international bzw. weltweit läuft. Allein

schon um so eine Studie überhaupt

durchzuführen, brauchen

Sie Digitalisierung. Da gibt es Datensammel-Tools,

Webordner mit

Informationen, E-Mail-Verkehr und

virtuelle Treffen.

Diese Art der Zusammenarbeit hat

auch durch die Corona-Pandemie

einen Schub bekommen. Als Corona

kam, hatten wir in den Zentren

für Seltene Erkrankungen schon alles

Notwendige für digitale Zusammenarbeit

und Datenaustausch

Prof. Dr. med. Helge Hebestreit

ist stellvertretender Direktor der Universitätskinderklinik

Würzburg und einer der renommiertesten Mediziner auf

dem Gebiet der Seltenen Erkrankungen

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newhealth.guide #3

etabliert. Und so wird es mit der übrigen

Digitalisierung auch sein. Das,

was wir für die Seltenen Erkrankungen

in kleinem Rahmen entwickeln,

weil wir es einfach müssen, kommt

anderen zugute, die es vielleicht

nicht unbedingt müssen, aber für

die es auch ein Vorteil ist.

Da sind Sie also Vorreiter! In Bezug

auf Register und digitale

Gesundheitsplattformen – wie

kompliziert gestaltet sich das in

Deutschland, wo ein großer Fokus

auf dem Datenschutz liegt?

Wie funktioniert das zum Beispiel

für die IT-Plattform des Bayerischen

Arbeitskreises für Seltene

Erkrankungen, das BASE-Netz?

Wir legen in Deutschland schon ein

sehr viel deutlicheres Augenmerk

auf den Datenschutz als die meisten

anderen Länder, die ich kenne.

Ich habe jedoch noch keine Situation

erlebt, in der der Datenschutz

etwas endgültig verhindert hätte.

Das BASE-Netz ist ein Beispiel für ein

System, das funktioniert – auch datenschutzrechtlich.

Das BASE-Netz

ist ein vernetztes IT-Tool, über das

Menschen mit dem Verdacht auf

eine Seltene Erkrankung an einem

bayerischen Zentrum angemeldet

und ihre Unterlagen zur Verfügung

gestellt werden können. Die

ganze Fallbearbeitung läuft dann

über das BASE-Netz-System, ggf.

können zusätzlich zu den lokalen

Experten auch solche aus anderen

beteiligten Zentren um Rat

gefragt werden. Zumindest in Bayern

können wir das BASE-Netz jetzt

schon vollumfänglich nutzen und

wir sind in Gesprächen mit Zentren

in Nordrhein-Westfalen, auch in

Baden-Württemberg, um das Netz

auszuweiten.

Natürlich ist die Idee des BASE-Netzes

auch, Patientendaten für wissenschaftliche

Fragestellungen verfügbar

zu haben – die Entwicklung

ist ja vom Bayerischen Forschungsministerium

finanziert worden. Da

gibt es viele Ideen zur wissenschaftlichen

Nutzung, von Versorgungsforschungsaspekten

bis hin zu der

Frage: Kann uns Künstliche Intelligenz

helfen, aus der Masse der

Informationen, die wir zu einem

Patienten zur Verfügung gestellt

bekommen, Punkte herauszufiltern,

die uns sagen: Da müsst ihr sofort

etwas tun?

Gibt es bereits Beispiele für Erfolge

bei der Erforschung Seltener

Erkrankungen, die erst durch die

Digitalisierung möglich wurden?

Seltene Erkrankungen

In Europa wird eine Krankheit dann

als selten bezeichnet, wenn höchstens

einer von 2.000 Menschen daran

erkrankt. Diese Quote 1 : 2.000 ist aber

noch relativ hoch. Liegt sie vor, handelt

es sich um eine eher „häufige“ Seltene

Erkrankung – viele Seltene Erkrankungen

haben eine Quote von 1 : 30.000 oder

noch weniger. In Deutschland geht man

von ungefähr 8.000 verschiedenen Seltenen

Erkrankungen aus. Schätzungsweise

vier Millionen Menschen leiden hierzulande

an einer Seltenen Erkrankung

Vor allem die Medikamentenentwicklung.

Es gibt Medikamente, die

mit digitalen Mitteln designt und auf

den Weg gebracht worden sind.

Eine ganz wichtige Stellung hat

auch die Genetik. Eine Genomanalyse

ohne Digitalisierung ist

unmöglich, das kann keiner mehr

händisch. Auch der Vergleich mit

Bevölkerungsdaten geht nur noch

mit Digitalisierung.

Ein weiteres gutes Beispiel ist die

Bild analyse für radiologische Befunde

oder Fotos von Gesichtern, bei

der die Digitalisierung schon jetzt

sehr weit ist, etwa bei der Diagnosefindung.

Mit KI lässt sich hier aber

noch mehr erreichen. Aktuell sind

andere und wir dabei, mit unseren

Machine-Learning-Gruppen die Daten

aus Projekten zu Seltenen Erkrankungen

anzugehen, um zu

schauen, ob eine digitale Unterstützung

nicht auch bei der Diagnosefindung

solch komplexer Krankheitsbilder

helfen kann.

Gibt es Beispiele, inwieweit die

Digitalisierung die Odyssee der

Patienten verkürzt?

Natürlich kann durch das Verfügbarmachen

aller Informationen

und eine strukturierte interdisziplinäre

Fallbearbeitung – beides

wird durch die Digitalisierung unterstützt

– der Weg zur Diagnose

verkürzt werden. Das gilt jedoch

nicht nur für Seltene Erkrankungen.

Die allermeisten Menschen, die wir

hier sehen, haben gar keine Seltene

Erkrankung. Oft haben sie eine

Kombination verschiedener Dinge

aus dem nicht seltenen Erkrankungsbereich,

vielleicht mit einer

psychischen Zusatzerkrankung, die

sich aufgrund des langen Leidenswegs

entwickelt hat, plus eventuell

Nebenwirkungen von Medikamenten.

Dann agieren wir mehr

wie ein Hausarzt für eine komplexe

Symptomatik in einem Medizinsystem,

in dem die Spezialisten immer

spezialisierter werden und der Blick

auf das große Ganze manchmal

verloren geht. Diese Möglichkeiten,

die wir hier am Uniklinikum haben –

verschiedenste Fachgruppen und

Experten zusammenzubringen, die

sich zusammentun und diskutieren,

was der Patient denn eigentlich

wirklich hat –, die gibt’s ja woanders

überhaupt nicht mehr.

Genau in dieser Situation hilft uns

natürlich wieder die Digitalisierung,

um weiterzukommen, vor allem für

Fallkonferenzen mit Experten, die

nicht zum Kernteam im Zentrum gehören.

Für diese virtuellen Fallkonferenzen

haben wir Systeme wie die

Software Konsil-SE, die auf dem Clinical

Patient Management System

CPMS der Europäischen Referenznetzwerke

basiert. Der Vorteil hierbei

ist, dass die Europäische Union

gesagt hat, das CPMS müsst ihr alle

in den Referenznetzwerken benutzen.

Da jedes deutsche Uniklinikum

an irgendeinem dieser Europäi-

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newhealth.guide #3

Grenzenlos

verbunden

Digitale Netzwerke

ermöglichen es

Forschern weltweit,

gemeinsam an

einer Seltenen Erkrankung

zu arbeiten

schen Referenznetzwerke beteiligt

ist, mussten auch alle deutschen

Unikliniken das CPMS akzeptieren.

Die Therapie Seltener Erkrankungen

erfordert eine hohe Fachkenntnis

und ist häufig ein Leben

lang notwendig. Damit die Patienten

und Patientinnen nicht immer

weit fahren müssen, versucht

man, ganz Deutschland relativ

gleichmäßig mit Experten abzudecken.

Inwiefern kann Digitalisierung

hier helfen?

Wie bereits gesagt, helfen die digitalen

Werkzeuge, Daten rasch

auszutauschen und Patienten und

Ärzte zu vernetzen. Das ist bei der

Mukoviszidose, einem Schwerpunkt

meiner Arbeit, glücklicherweise selten

nötig, weil es dafür genug Zentren

gibt.

Was auch eine immer wichtigere

Rolle spielt, gerade bei der Mukoviszidose,

ist, dass unsere Patienten

immer gesünder werden und dann

alle möglichen Dinge unternehmen

wollen. Zwei, die ich noch selbst

betreue, gehen jetzt zum Beispiel

ins Ausland zum Studium, der eine

nach Portugal, der andere nach

Spanien. Das ist ja toll, aber sie sind

dann halt weit weg, also wird eine

Fernbetreuung notwendig sein.

Bei anderen Erkrankungen – bei

den richtig seltenen, für die es überhaupt

keine spezialisierten Zentren

gibt oder vielleicht nur ein Zentrum

in ganz Europa – ist es durchaus üblicher,

dass man auch primär virtuell

arbeitet, weil einfach die Wege unendlich

viel weiter sind.

Seltene Krankheiten werden oft

individuell behandelt, personalisierte

Medizin steht hier im Vordergrund.

Welche Rolle spielt

Digitalisierung dabei?

Eine personalisierte Medizin basiert

heute auf genetischen Untersuchungen,

die ohne Digitalisierung

nicht möglich wären. Die Mukoviszidose

ist die erste, noch relativ

häufige Seltene Erkrankung, die

in großem Umfang personalisiert

aufgrund der genetischen Befunde

behandelt wird. Es gibt zur Behandlung

bei dieser Erkrankung

die sogenannten Modulatoren –

Medikamente, die das defekte

Eiweiß korrigieren und in seiner

Funktion verbessern sollen –, und

die Auswahl der Modulatoren ist

abhängig davon, welche genetischen

Veränderungen die Patientin

bzw. der Patient hat. Je

nachdem gibt es das eine Medikament

oder ein anderes oder eine

Kombination aus mehreren. Leider

gibt es aber für ca. 20 Prozent der

Mukoviszidose-Betroffenen immer

noch keine personalisierte Therapie.

Wo hängt Deutschland zurück in

Bezug auf das Nutzen der Chancen

der Digitalisierung für die

Erforschung Seltener Erkrankungen?

Was muss wo geschehen?

Es kommt darauf an, mit wem man

sich vergleicht. Wenn man zum

Beispiel einen guten Datensatz in

Bezug auf die Gesamtbevölkerung

haben will, guckt man nach

Skandinavien, wo die Daten komplett

verfügbar sind. Deutschland

versucht, das aufzuholen durch

die Medizininformatik-Initiative – da

sind aber bisher nur Teile des Datenschatzes

gehoben.

Wenn es um die digitale Infrastruktur

geht, wo man mal eine Fallkonferenz

machen kann, da sind wir

vorn. Es gibt jetzt ein europäisches

Projekt zur Vernetzung bei Seltenen

Erkrankungen, eine sogenannte

Joint Action der Europäischen Kommission

für alle Länder der EU, und

da ist Deutschland mit der Konsil-SE-

Software weiter als viele andere.

Welche Chancen sehen Sie in der

Zukunft?

Egal, ob in der Diagnostik oder in

der Forschung, ich glaube, in dem

Moment, wo die Daten wirklich verfügbar

sind, wird uns die Digitalisierung

durch die Mustererkennung

unendlich weiterbringen. Auch

um den Versorgungsbedarf besser

zu verstehen. Man sagt immer, es

gebe vier Millionen Menschen mit

Seltenen Erkrankungen in Deutschland,

aber es könnten auch einige

Millionen mehr sein.

Die Elektronische Patientenakte

(ePA) bietet sehr viele Chancen,

weil auch hier wieder Daten zusammengeführt

und ausgetauscht

werden können. Allerdings muss die

ePA erst einmal etabliert sein und

richtig funktionieren.

Es gab einen Use Case der Medizininformatik-Initiative,

die Collaboration

on Rare Diseases (CORD_MI),

der jetzt leider ausläuft. Dort haben

wir versucht, Fragestellungen digital

zu lösen. Die Ansätze könnten

einfach in die Krankenhausinformationssysteme

aufgenommen

werden und diese dann entsprechende

Hinweise auf eine sinnvolle

Ergänzung der Laborwerte oder

die Diagnose und Therapie geben.

Das sind Dinge, die man einfach

implementieren könnte.

In puncto Genetik wird das Modellvorhaben

in Paragraf 64e im Sozialgesetzbuch

V zur Genommedizin

kommen, da sind auch gemeinsame

Datenbanken und Auswertestrategien

vorgesehen. Das wird

das ganze Feld der Digitalisierung

zur Unterstützung von Forschung

und medizinischer Versorgung

deutlich nach vorn bringen, weil

man nicht mehr klinikintern denkt,

sondern deutschlandweit mit genetischen

Daten arbeiten kann.

Zum Schluss ein Blick in die unmittelbare

Zukunft: Was ist in den

nächsten zwei Jahren an Fortschritt

in Ihrem Bereich möglich –

und was ist besonders dringlich?

Es gibt eine Reihe von dringlichen

Problemen, an deren Lösung schon

gearbeitet wird:

Das erwähnte Modellvorhaben zur

Genommedizin ist ein wichtiges

Projekt, das kommen wird.

Ein weiteres wichtiges Projekt ist die

elektronische Patientenakte. Wenn

sie ordentlich gemacht wird, ist sie

sehr wertvoll, weil Daten beim Patienten

gesammelt und zur Verfügung

gestellt werden, ohne dass

man überall Arztbriefe und Befunde

zusammensammeln muss.

Die Künstliche Intelligenz und das

Machine Learning werden sicher

gerade im Bereich der Seltenen

Erkrankungen weiterentwickelt

werden müssen. Dabei wird für KI

eine Regulierung kommen müssen,

auch und gerade für die medizinischen

Einsatzgebiete.

Es gibt auch viele Datenschutzfragen,

die geklärt werden müssen.

Bei Seltenen Erkrankungen ist es

sowieso schwierig, anonym zu bleiben.

Diese Patienten sind ja schon

überall mit einer Anfrage gewesen.

Andererseits aber nutzt natürlich

den Patienten dieser Austausch,

das ist auch aus Patientensicht,

glaube ich, ein ganz wichtiger

Punkt. Die Patienten selbst sind eine

sehr positive und treibende Kraft –

nicht nur bei der Definition von Forschungsschwerpunkten,

sondern

auch bei der Weiterentwicklung der

Datenschutzanforderungen in Abwägung

zum medizinischen Nutzen.

Inwiefern sind Patienten hier eine

treibende Kraft?

Bei einem Treffen der Eva Luise und

Horst Köhler Stiftung, auf dem viele

Aspekte rund um Seltene Erkrankungen

angesprochen werden, hat ein

Patientenvertreter sehr vehement

sinngemäß gesagt: „Wir können ja

nicht unsere Kinder sterben lassen

wegen Datenschutz!“ Ich glaube, in

gewissen Grenzen hat er recht. Wir

müssen schneller und besser werden.

Wir müssen auch aufpassen,

dass wir uns nicht so blockieren, dass

wir dafür Leib und Leben riskieren.

Wir müssen also viel mehr Ressourcen

einbringen, um datenschutzkonforme

Lösungen zu finden. Ein

Problem in Deutschland ist, dass

jedes Bundesland einen eigenen

Datenschützer hat. Es wäre daher

wichtig, dass ein übergeordnetes

oder kooperatives Datenschutzgremium

die wichtigsten Punkte jetzt

regelt, und zwar gemeinsam und für

alle Bundesländer.

Prof. Dr. med. Helge Hebestreit

studierte Humanmedizin an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Nach der Promotion war er Postdoc im Children‘s

Exercise and Nutrition Centre der McMaster University in Hamilton/Ontario. Daran schlossen sich ein einjähriger Wehrdienst

als Stabsarzt im Flugabwehrregiment 12 des Bundesheers in Hardheim/Lkr. Tauberbischofsheim an und weitere vier Jahre an

der Kinderklinik. 1994 erwarb er die Zusatzbezeichnung Sportmedizin und schloss 1997 die Facharztausbildung zum Kinderarzt

ab. 1999 wurde er habilitiert. Seit Juli 2003 ist er stellvertretender Klinikdirektor der Universitätskinderklinik und seit Dezember

2004 Professor der Medizinischen Fakultät. Neben der Stellvertretung der Klinikleitung ist er zuständig für die Schwerpunkte

Pädiatrische Pneumologie, Mukoviszidose, Allergologie und Sportmedizin. Außer auf Seltenen Erkrankungen insgesamt liegt

sein wissenschaftlicher Schwerpunkt auf der Mukoviszidose (Mukoviszidose ist eine der häufigsten Seltenen Erkrankungen). Er ist

Direktor des Zentrums für Seltene Erkrankungen und wirkt als Chef der Ambulanz am Christiane Herzog-Zentrum.

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newhealth.guide #3

newhealth.guide #3

Erst verwehrt

und nun begehrt –

wie steht es

um das E-Rezept?

Seit zwei Jahrzehnten soll das E-Rezept umgesetzt werden.

Nach einer Übergangsphase wird es nun im Jahr 2024

verpflichtend eingeführt. Doch die digitale Verordnung leidet

noch unter ein paar Kinderkrankheiten

Das E-Rezept ist da!“,

verkündete Bundesgesundheitsminister

Karl

Lauterbach in der nachrichtenarmen

Sommerpause.

Die Gesellschafter der

gematik, der verantwortlichen Institution

für die Digitalisierung im

Text

Kathrin Schwarze-Reiter

ten Apotheken eingelöst werden.

Auch Mehrfachverordnungen sind

ab sofort digital möglich.

Doch die Geschichte des digitalen

Rezepts währt lange, sehr

lange: Bereits 2003 legte Lauterbachs

Vorgängerin Ulla Schmidt

zusammen mit Horst Seehofer den

ILLUSTRATION: SHUTTERSTOCK

Grundstein. Aber danach sollte es

noch zwei Jahrzehnte dauern, die

technischen, bürokratischen und

datenschutzrechtlichen Hürden

zu nehmen. Besser gesagt: nahezu

zu nehmen, denn noch immer

gibt es Schwierigkeiten. Die Einrichtung

der E-Rezept-App ist kompliziert,

zu wenige Kliniken und Praxen

stellen das E-Rezept bereits aus, es

gibt Vorbehalte in der Bevölkerung.

All diese Probleme sollen bis Anfang

2024 behoben sein, dann wird

das E-Rezept für alle Ärztinnen und

Ärzte für verschreibungspflichtige

Arzneimittel verpflichtend. Angesichts

vieler Fallstricke erscheint die

verbleibende Übergangszeit von

wenigen Monaten viel zu kurz. Denn

– um es mit Karl Lauterbach zu sagen

– das E-Rezept ist zwar da, wird

aber bisher viel zu selten genutzt.

Von den knapp 18.000 Apotheken

lösen seit Anfang Juli im Schnitt

9.000 Apotheken pro Woche ein

E-Rezept ein – es könnte also mehr

sein. „Das liegt in der Regel aber

nicht daran, dass die Apotheken

technisch nicht vorbereitet wären

oder das Personal nicht geschult

wäre, sondern dass bisher wenige

E-Rezepte in Kliniken und Arztpraxen

ausgestellt werden“, sagt Julia

Schäfer, Produktmanagerin für

das E-Rezept bei der gematik. Seit

den ersten Tests mit E-Rezepten vor

mehr als zwei Jahren sind mehr als

drei Millionen E-Rezepte eingelöst

worden. Zum Vergleich: Rund 450

Millionen Rezepte stellen Arztpraxen

jährlich aus.

Dennoch: Die Kurve zeigt steil

nach oben. „Immer mehr Patientinnen

und Patienten interessieren

sich für die digitale Variante, da sie

viele Vorteile birgt“, erklärt Marcel

Weigand, Leiter für den Bereich

Kooperationen und digitale Transformation

bei der Unabhängigen

Patientenberatung Deutschland

(UPD). „Kein unnötiger Besuch in

der Arztpraxis bei Folgerezepten,

kein Rätselraten bei unleserlicher

Handschrift, kein Papierkram.“ Die

Ärztin oder der Arzt lädt das neue

Rezept einfach digital in den zentralen

Fachdienst. In der Apotheke

steckt der Apotheker oder die Apo-

DIE WICHTIGSTEN FRAGEN UND ANTWORTEN ZUM E-REZEPT

Gesundheitswesen, hatten in ihrer

Versammlung am 22. Juni 2023 beschlossen,

ab sofort mit dem bundesweiten

Roll-out des E-Rezepts

zu beginnen. Eine willkommene

Erfolgsmeldung also – ab jetzt kann

das E-Rezept mit der elektronischen

Gesundheitskarte in ausgewählthekerin

die Karte dann ins Lesegerät

und bekommt auf dem Monitor

angezeigt, welches Arzneimittel

verordnet wurde.

Vieles soll durch die flächendeckende

Einführung des E-Rezepts

leichter werden – für Patientinnen,

Patienten, Kliniken, Arztpraxen und

auch Apotheken. Höchste Zeit,

denn Deutschland ist im europäischen

Vergleich eines der Schlusslichter

bei der digitalen Gesundheitsversorgung.

So hat Kroatien

das E-Rezept bereits 2012 eingeführt,

Portugal im Jahr 2016. Der

Verbreitungsgrad liegt dort bei

jeweils 98 Prozent. Davon können

die gematik und Karl Lauterbach

nur träumen. „In Portugal bekommt

man das Rezept sogar per

E-Mail oder SMS – in Deutschland

wäre das datenschutzrechtlich

nur schwer vorstellbar“, sagt Julia

Schäfer. Dennoch ist Deutschland

einen großen Schritt auf dem Weg

zur Digitalisierung im Gesundheitswesen

vorangekommen – hin zu

einer besseren Versorgungslage im

Gesundheitssystem.

1. Auf welchen Wegen kann man das

E-Rezept derzeit nutzen?

(Zahn-)Arztpraxen stellen Papierrezepte für apothekenpflichtige

Arzneimittel für gesetzlich Versicherte

nun Schritt für Schritt auf E-Rezepte um.

Privatversicherte können das E-Rezept ebenfalls

demnächst nutzen. Für gesetzlich Versicherte

gibt es drei Wege, um die digitale Variante einzulösen:

mit der E-Rezept-App, der elektronischen

Gesundheitskarte (eGK) oder einem Papierausdruck

(darauf ist ein digitaler Code aufgedruckt,

der in der Apotheke eingescannt wird). „Als anfangs

neben der E-Rezept-App lediglich der Papierausdruck

verfügbar war, gab es viel Kritik aus

der Ärzteschaft – denn die Anmeldung in der App

ist mit der Gesundheitskarte und PIN nicht gerade

einfach und ein Papierausdruck bietet für die Praxis

wenige Vorteile gegenüber einem klassischen

Rezept“, sagt Julia Schäfer, Produktmanagerin

für das E-Rezept bei der gematik. Seit Juli 2023

können Patientinnen und Patienten E-Rezepte

mit ihrer Gesundheitskarte in Apotheken einlösen.

Das E-Rezept wird nicht auf der eGK gespeichert,

sondern berechtigt die Apotheke, die einlösbaren

E-Rezepte vom E-Rezept-Fachdienst abzurufen.

In der Apotheke wird die Gesundheitskarte

im Kartenterminal ausgelesen. Die E-Rezept-App

hingegen hat den Vorteil, dass das hinterlegte

Rezept direkt an die Apotheke übertragen und

das Medikament vorbestellt oder geliefert werden

kann.

2. Welche Verordnungen können derzeit

als E-Rezept ausgestellt werden?

Bereits jetzt können einige Rezepttypen digital

übermittelt werden:

• apothekenpflichtige Arzneimittel

(„Rosa Rezept“)

• Empfehlungen der Ärztin oder des

Arztes („Grünes Rezept“)

• nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel

für Kinder unter zwölf Jahren

• Privatrezepte für Versicherte der

gesetzlichen Krankenkassen („Blaues Rezept“)

Voraussetzung für die Ausstellung von E-Rezepten

ist der Heilberufsausweis der Ärztin oder des Arztes,

mit dem das Rezept digital signiert wird. Das

Rezept wird dabei unabhängig vom Einlöseweg

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immer im E-Rezept-Fachdienst in der Telematikinfrastruktur

gespeichert – 100 Tage nach der

Einlösung oder zehn Tage nach Ablauf der Rezeptgültigkeit

werden die Daten automatisch wieder

gelöscht. Versicherte können das E-Rezept online

auch selbst löschen, ohne dass es eingelöst wurde.

3. Ist das E-Rezept fälschungssicher?

Und wie steht es um den Datenschutz

und die Datensicherheit?

Nach anfänglichen Bedenken – zum Beispiel vom

Bundesdatenschutzbeauftragten Prof. Ulrich Kelber

– wurde das E-Rezept so angepasst, dass der

Datenschutz hohen Ansprüchen genügt. „Diese

sind höher als in anderen europäischen Ländern“,

sagt Julia Schäfer, Produktmanagerin bei

der gematik. Die E-Rezepte werden von der Ärztin

oder dem Arzt elektronisch signiert. Der Fachdienst

akzeptiert nur signierte E-Rezepte und stellt

sicher, dass Rezepte nur einmal eingelöst werden

können. Die Apotheke kann sich also darauf verlassen,

dass das Rezept noch nicht eingelöst wurde.

Allein der Patient selbst kann mit der App der

gematik auf seine E-Rezepte in der Telematikinfrastruktur

zugreifen, die Rezepte empfangen und

die Zugriffsinformationen zu seinem Rezept an eine

Apotheke senden. Mithilfe dieser Zugriffsinformationen

(Rezeptcode), die man auch per Ausdruck

oder mithilfe der Gesundheitskarte erhalten kann,

kann die Apotheke die Rezepte aus der Telematikinfrastruktur

abrufen. In der App werden alle Apotheken

wettbewerbsneutral dargestellt, sodass die

Versicherten eine freie Apothekenwahl haben.

4. Was haben Patientinnen und

Patienten vom E-Rezept?

Nur für ein Folgerezept im gleichen Quartal noch

einmal in die Praxis – das ist mit dem E-Rezept

überflüssig. „Vor allem für ältere Menschen, die

schlecht zu Fuß sind, pflegende Angehörige oder

Menschen mit chronischen Erkrankungen ist das

eine echte Erleichterung im Alltag“, sagt Marcel

Weigand von der Unabhängigen Patientenberatung

Deutschland. Bis zu vier inhaltsgleiche Rezepte

(gleiches Präparat, gleiche Dosierung) in Folge

können Ärzte nun ausstellen – das reduziert auch

den bürokratischen Aufwand in den Praxen. Da

das Rezept direkt in die Telematikin frastruktur geladen

wird, können die Patientinnen und Patienten

das Rezept nicht mehr verlieren. Wer sich im

Urlaub befindet, kann sich zukünftig ein dringend

benötigtes Rezept für den vergessenen Blutdrucksenker

ohne Schwierigkeiten digital schicken lassen.

„Auch die Abholung in der Apotheke geht

schneller, da über die App abgefragt werden

kann, ob das Medikament vorrätig ist“, sagt Apothekerin

Anke Rüdinger. „Wir erwarten langfristig

newhealth.guide #3

weniger Rückfragen z. B. bezüglich der verordneten

Dosierung oder einer fehlenden Unterschrift.“

5. Welche Vorteile bringt es für

medizinische Einrichtungen?

Durch die Digitalisierung wird der administrative

Aufwand in Kliniken, Arztpraxen und Apotheken

erheblich reduziert. Das Rezept wird direkt elektronisch

erstellt und in die Telematikinfrastruktur übertragen.

Wenn in naher Zukunft die elektronische

Patientenakte Standard sein wird, sollen alle Therapien

und Medikamente der Patientin oder des Patienten

protokolliert sein. Das ist besonders wichtig

bei komplexen und langfristigen Therapien.

6. Wie viele Apotheken, Arztpraxen und

Kliniken nutzen das E-Rezept bereits?

Seit dem 1. September 2022 sind alle Apotheken

bereit – sie haben die technische Ausstattung

und geschultes Personal. „Allerdings wurde bisher

erst gut in der Hälfte der Apotheken überhaupt

ein E-Rezept eingelöst“, berichtet Anke Rüdinger,

Vorstandsmitglied des Deutschen Apothekerverbands

und Leiterin des „Digital Hub“ der ABDA

– Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

Der Grund: Von Kliniken und Arztpraxen

werden einfach zu wenige ausgestellt. Laut Dashboard

der gematik, das wöchentlich aktualisiert

wird, waren es in der ersten Augustwoche weniger

als 6.000 medizinische Einrichtungen – in Deutschland

gibt es aber insgesamt ca. 170.000. „Erst

wenige Krankenhäuser haben das E-Rezept bisher

getestet, da die technische Infrastruktur und

damit die Umstellung auf das E-Rezept in diesen

Häusern deutlich komplexer ist als in einer einzelnen

Arztpraxis“, sagt Julia Schäfer von der gematik.

Das macht die Umstellung auf die neue

Technik noch einmal komplizierter. Zudem berichten

manche Arztpraxen, dass die Umsetzung des

E-Rezepts im Praxisverwaltungssystem noch nicht

nutzerfreundlich genug sei, so Schäfer. Im sogenannten

TI-Score ist festgehalten, ob der Hersteller

der Software bereit für das E-Rezept ist und wie

nutzerfreundlich die Umsetzung laut Selbstauskunft

des Herstellers abläuft.

7. Sind Ärztinnen und Ärzte verpflichtet,

das E-Rezept auszustellen?

Aktuell gibt es noch keine gesetzliche Pflicht.

Mit dem geplanten Digitalgesetz sind Ärztinnen

und Ärzte dann verpflichtet, nur noch E-Rezepte

für verschreibungspflichtige Arzneimittel auszustellen.

Nach und nach wird der Rezeptblock

vollständig abgelöst werden, und auch weitere

Rezepttypen sollen nur papierfrei verordnet werden:

zum Beispiel Betäubungsmittelrezepte oder

Verordnungen von Heilmitteln.

FOTO: CHERRY

„Jetzt

geht es um

Vertrauen“

Für Firmen wie Cherry

Digital Health ist das

E-Rezept der Auftakt zu

einer längst fälligen

digitalen Normalität.

Geschäftsführer

Gerrit Schick im Interview

Interview

Martin Haase

Seit 1. Juli müssen Patienten in

Apotheken nicht mehr ihr Smartphone

zücken, um ein E-Rezept

einzulösen. Die elektronische Gesundheitskarte

reicht. Ein wichtiger

Schritt in der digitalen Patientenversorgung?

Ja, ich würde sogar sagen: Das

E-Rezept ist ein Meilenstein innerhalb

der Digitalisierung des deutschen

Gesundheitswesens. Wir haben

damit einen komplett digitalen

Prozess. Sinn der Sache ist, dass wir

nun in eine breite Nutzung der elektronischen

Verordnung und Einlösung

von Rezepten kommen. Das

E-Rezept kann Kontraindikationen

bei der Verordnung von Medikamenten

verhindern. Über entsprechende

freigeschaltete Bibliotheken

könnten Ärzte und Apotheker

auch von Unverträglichkeiten erfahren,

die Patienten bei bestimmten

Medikamenten haben. Hat man

erst mal Akzeptanz auf allen Ebenen

geschaffen, wird es einfacher,

die nächsten Schritte zu gehen.

Akzeptanz ist ein gutes Stichwort.

Ich vergleiche das gerne mit dem

Zeitpunkt, als bei Flügen das elektronische

Ticket eingeführt wurde.

Es gab ein digitales PDF und eine digitale

Version mit Barcode auf dem

Handy: Das reichte, um den Security-Bereich

zu betreten. Anfangs hatte

man zur Sicherheit oft noch das

Ticket ausgedruckt dabei, für den

Fall, dass der Strom mal ausfällt und

der Akku des Handys versagt. Relativ

schnell hat man gemerkt, dass

das unnötig war.

Wie sieht es denn mit der Infrastruktur

aus: Sind zum Beispiel

Apotheken gerüstet?

Die technischen Voraussetzungen

sind da und der Ausstattungsgrad,

den wir kennen, ist hoch: Jetzt geht

es darum, dass sowohl die Leistungserbringer

als auch die Apotheker

und die Patienten Vertrauen fassen.

Ich bin da sehr zuversichtlich: Mitte

2024 werden wir das E-Rezept schon

als Normalität wahrnehmen.

Sie stellen u. a. Kartenlesegeräte

für Praxen, Kliniken und Apotheken

her. Wie schafft man Vertrauen

in puncto Datensicherheit?

Was die Patientendaten anbelangt,

gibt es kein Land in der Welt,

das ähnliche Sicherheitsstandards

hat wie Deutschland. Egal, ob das

unser von der gematik und vom

Bundesamt für Sicherheit in der

Informationstechnik (BSI) zugelassenes

Terminal ist oder das Produkt

eines anderen Anbieters: Sie erfüllen

alle den hohen Stand der Sicherheit,

den wir in Deutschland für

die Telematikinfrastruktur definiert

haben.

Worin unterscheidet sich Ihr Terminal

von anderen?

Gerrit Schick

ist seit April 2022

Geschäftsführer der

Cherry Digital Health

GmbH, die u. a. Tastaturen

und Terminals

für den medizinischen

Bereich produziert.

In der digitalen

Zukunft des Gesundheitswesens

sieht der

Diplom-Informatiker

ein hochattraktives

Marktsegment

„Wenn man ein

Gerät öffnet,

stellt es aus Sicherheitsgründen

die

Funktion ein“

Unser modernes Gerät hat keine

Tasten, sondern ein Touch-Display,

auf dem die Inhalte gut zu lesen sind

und das leicht zu desinfizieren ist. Darüber

hinaus sind darin bereits technische

Funktionen für zukünftige Use

Cases verbaut, etwa das kontaktlose

Nutzen der Karte. Ein Gerät hält

mindestens sieben, eher zehn Jahre.

Sind die Geräte beim Tempo der

Digitalisierung denn immer auf

der Höhe der Zeit?

Für die Software gibt es im Jahresturnus

Updates, die einfach und remote

eingesteuert werden können.

Die Hardware bleibt unverändert. Die

Sicher heit dieser Geräte schreibt vor,

dass sie ihre Funktion einstellen, sobald

man sie öffnet. Denn dies könnte

ein Anzeichen dafür sein, dass etwas

manipuliert werden soll. Was die Digitalisierung

im Gesundheitswesen an -

belangt: Sie entwickelt sich eher

langsamer als die Innovationszyklen

der allgemeinen Digitalisierung – was

auch mit den Sicherheitsstandards zu

tun hat. Im Jahr 2030 wird es digitale

Identitäten geben, keine Frage. Aber

es wird ebenso Menschen geben,

die kein Smartphone haben. Das

heißt, wir müssen auch die Infrastruktur

für die Versicherten bereithalten,

die noch mit einer alten Art der Authentifizierung

unterwegs sind.

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newhealth.guide #3

newhealth.guide #3

TRANSFORMATION

DURCH

BILDUNG

Univ.-Prof. Dr. med. Sebastian Kuhn, MME,

ist Unfallchirurg und Orthopäde,

Professor für Digitale Medizin an der

Philipps-Universität Marburg und

Direktor des Instituts für Digitale Medizin am

Universitätsklinikum Gießen-Marburg

Der medizinische Alltag ist geprägt von einer Umbruchsituation.

Die vielfältigen Chancen der Digitalisierung treffen auf

ebenso vielfältige Probleme der Versorgungsrealität. Digitalmediziner

Prof. Dr. Sebastian Kuhn über Wege aus dem Dilemma

AB JETZT IN JEDER AUSGABE

WIR BEFINDEN UNS AN EINEM EINZIGARTIGEN

PUNKT IN DER GESCHICHTE DER MEDIZIN, AN DEM

VERSCHIEDENE DIGITALE TECHNOLOGIEN MITEIN-

ANDER KONVERGIEREN. Daten aus elektronischen

Patientenakten, Smartphone-Apps und Sensoren

können über eine digitale Infrastruktur verbunden

und mit Künstlicher Intelligenz kombiniert werden.

Diese Informationstechnologien haben das Poten zial,

die Komplexität jedes Patienten besser zu erfassen,

und bieten die Chance, die medizinische Versorgung

auf eine rationalere, effizientere und maßgeschneiderte

Grundlage zu stellen. Diese Zukunftsvision ist aktuell

oftmals weit von der Versorgungsrealität entfernt.

Kennzeichnend für die derzeitige Situation im Gesundheitsbereich

ist der verbreitete Einsatz technologisch

veralteter und in die medizinische Behandlung

schlecht integrierter Insellösungen.

In der Geschichte der Medizin waren Ärztegenerationen

immer wieder herausgefordert, technologische

Innovationen in eine sinnvolle medizinische

Behandlung zum Wohl der Patienten zu übersetzen.

Ähnlich wie vor über 100 Jahren, als die technische

Innovation „Röntgen“ die medizinische Diagnostik revolutionierte,

eröffnen derzeit digitale Technologien

eine noch nie da gewesene Chance. Mit den neuen

Bildern vom „transparenten Körper“ begann jedoch

auch ein jahrzehntelang währender Prozess, in dessen

Verlauf die neuen Techniken erlernt, medizinisches

Wissen neu geordnet sowie neue Professionen

gegründet werden mussten. Wie damals erfordert

auch die aktuell stattfindende Transformation somit

eine umfassende Neuausrichtung in Aus-, Weiterund

Fortbildung. Nur so entsteht aus technologischer

Neuerung eine innovative medizinische Behandlung,

von der Patienten tagtäglich profitieren.

Bisher wurden diese Kompetenzen jedoch weder

im Medizinstudium noch in der ärztlichen Fort- und

Weiterbildung strukturiert vermittelt. Auch die nationalen

Reformprozesse der 2010er Jahre griffen diese

Thematik zunächst nicht auf. Stattdessen wurden

die Studierenden und die junge Ärzteschaft oftmals

vorschnell als „Digital Natives“ bezeichnet. Obschon

sie, wie auch weite Teile der gesamten Ärzteschaft,

intensiv mit digitalen Medien auf der Konsumebene

interagieren, bedingt dies keine medizinisch-digitale

Handlungskompetenz. Um den zukünftigen Herausforderungen

gerecht zu werden, müssen Ärzte den

fundamentalen Veränderungsprozess verstehen und

neue Kompetenzen erwerben. Sie müssen neue digitale

Behandlungskonzepte einordnen können, praktische

Fertigkeiten erlernen und ihre Haltung zur digitalen

Medizin reflektieren. Es gilt, die für die Patienten

sinnvollen Entwicklungen in der Praxis anzuwenden,

Fehlentwicklungen zu erkennen und diese zu meiden.

Mit „Medizin im digitalen Zeitalter“ habe ich 2017

das erste umfassende curriculare Lehrangebot im

deutschsprachigen Medizinstudium etabliert. Darauf

aufbauend, habe ich in Zusammenarbeit mit der Bundesärztekammer

und verschiedenen Landesärztekammern

ein Fortbildungscurriculum entwickelt und

FOTOS: EVELYN DRAGAN

ab 2020 umgesetzt. Inzwischen sind auch wichtige

(standes)politische Prozesse – nach zähem Ringen –

fortgeschritten. Der Nationale Kompetenzbasierte

Lernzielkatalog wurde grundlegend überarbeitet,

digitale Kompetenzen aufgenommen und somit die

gemeinsame Basis für eine Reform der Curricula der

medizinischen Fakultäten erarbeitet. Auch der aktuelle

Entwurf zur Neuregelung der Ärztlichen Approbationsordnung,

welcher im Herbst in den Deutschen

Bundestag eingebracht werden soll, beinhaltet die

Qualifizierung für den digitalen Wandel als eine der

zentralen Neuerungen. Essenziell wird jedoch sein,

diese Papiere mit Leben zu füllen, das neue Qualifizierungsprofil

in die flächendeckende Umsetzung im

Medizinstudium, in die ärztliche Fort- und Weiterbildung

sowie in die Qualifizierung der Gesundheitsberufe

zu überführen.

Wir müssen den digitalen Wandel der Medizin

nicht nur in Servern und Programmen denken, sondern

aus der medizinischen Versorgung heraus gestalten.

Dafür ist die Qualifizierung der Fachkräfte der

Schlüssel zum Erfolg – Transformation durch Bildung!

LERNEN SIE

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SEBASTIAN KUHN AUF

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„Künstliche Intelligenz“ referiert

er u. a. über DiGA, Smart

Devices und KI in der Bildbefundung.

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Wer als Patientin oder als Patient auf die

Station „Inspire Living Lab“ der Universitätsklinik

Mannheim kommt, merkt

erst einmal nicht allzu viel davon, dass

hier etwas anders ist. Okay, das Licht

ist etwas abgestimmter auf die Tageszeit und die Umgebung,

es gibt grünes Nachtlicht und über den Tag

passt sich das Licht dem Sonnenlauf an, was das Wohlbefinden

der Patientinnen und Patienten steigern soll.

Außerdem hat jede Patientin und jeder Patient noch

ein Tablet am Bett, während das Pflegepersonal mit

Smartphones ausgerüstet ist. „Zusätzlich wurde die IT-Infrastruktur

angepasst und beispielsweise 12 km Glasfaserkabel

verlegt sowie Strom- und Netzwerkanschlüsse

im großen Maßstab“, sagt Dr. Hannah Schlott, organisatorische

Leitung der „Living Lab“-Station. Man hat sogar

vorgesorgt und in den Wandpaneelen Platz für weitere

Leitungen gelassen, falls sich die Standards einmal ändern.

Wer die Zukunft umarmt, will vorbereitet sein.

Viel mehr unterscheidet sich die Station aber nicht

von anderen, „herkömmlichen“ Stationen, die urologischen

und orthopädischen Patientinnen und Patienten

werden hier ganz normal im Regelbetrieb versorgt, gesetzlich

Versicherte ebenso wie privat Versicherte. Hier

herrscht also keine künstliche Laborsituation, sondern

Krankenhaus- und Versorgungsalltag – gerade deshalb

newhealth.guide #3

Normale

Testumgebung

Auf der Station

werden Patienten

der Urologie

(11 Betten)

und Orthopädie

(16 Betten) im

Regelbetrieb

behandelt

Rundumbetreuung

An jedem

Patientenbett

gibt es Tablets:

Hier können

DiGA ausprobiert

und jederzeit

Fragen an Pflegekräfte

gestellt

werden

Wir erleben

bei den Patienten

kaum Datenschutzbedenken

Dr. Hannah Schlott

Ein Danke

via Tablet

Vom Arztbrief mit KI bis zur VR-Brille in der Pflege: Auf der „Inspire Living

Lab“-Station in der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) werden

neue digitale Anwendungen erprobt – und das in der Regelversorgung

Text

Christian Heinrich

FOTOS: INSPIRE LIVING LAB

ist die „Living Lab“-Station auch die ideale Umgebung,

um neue Produkte und Anwendungen zu erproben.

Seit Kurzem zum Beispiel arbeiten die Krankenpflegerinnen

und -pfleger mit besonderen Brillen, mit denen

sie unter anderem ihre pflegerischen Maßnahmen dokumentieren

können. Dazu erklären sie kurz, was sie

tun, eine Spracherkennungssoftware setzt das direkt

schriftlich um. Ob es für die Patienten verwirrend ist

oder sogar für mehr Klarheit sorgt, wenn die Pflegekräfte

ihre Arbeitsschritte laut erläutern, wird sich während

des Testzeitraums zeigen. Mit den Brillen können auch

schnell und unkompliziert Fotos von Wunden gemacht

werden, was die Dokumentierung der Wundversorgung

und letztlich die Qualität verbessern soll.

Ein weiteres Feature, das auf der Station angewandt

wird, ist technisch vergleichsweise simpel: Patienten

können sich beim Pflegepersonal mit einem Button auf

dem Tablet bedanken, etwa wenn die Pflegekraft vorbeigekommen

ist. „Ich war selbst überrascht, wie gut

dieses Feature ankommt – aufseiten der Patientinnen

und Patienten, aber auch aufseiten des Pflegepersonals.

So unglaublich es klingt, aber es scheint, dass ein

einfacher Klick auf den Button helfen kann, die Beziehung

zwischen Pflegepersonal und Patientinnen und

Patienten zu vertiefen“, sagt Schlott.

Diese beiden Beispiele zeigen, wie breit die Möglichkeiten

auf der Station „Inspire Living Lab“ sind. Die

neuen Anwendungen und Prototypen können sich

auf eines von vier Feldern konzentrieren: Patientenversorgung,

Unterstützung des medizinischen Personals,

Krankenhaus-IT oder Infrastruktur.

Das Besondere, warum die Station auch bei Unternehmen

so beliebt ist, ist die Normalität der Regelversorgung.

Wer als Patient – häufig nach einem chirurgischen

Eingriff zur postoperativen Versorgung – auf

die „Living Lab“-Station verlegt wird, wird nicht einmal

gefragt. Da kommt natürlich – ganz deutscher Reflex

– sofort die Frage auf: Was ist mit dem Datenschutz?

„Wir informieren die Patienten genau, welche Daten

bei der Erprobung bestimmter Methoden erhoben

werden, und sie können dann zustimmen oder sich für

einen Opt-out entscheiden, also nicht teilnehmen“,

sagt Schlott. Alles kann, nichts muss, so ist die Devise.

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newhealth.guide #3

newhealth.guide #3

Die Patienten

freuen sich darüber,

dass sie zur

Zukunft der Medizin

beitragen

Dr. Hannah Schlott

Ideen sind

willkommen

Für ausgereifte

Prototypen von

Start-ups, Universitäten

oder

Medizinunternehmen

gestaltet

das „Inspire Living

Lab“ eine individuelle

Testphase

Der Opt-out wird von den Patientinnen und Patienten

allerdings nur in Einzelfällen genutzt. „Datenschutzbedenken

erleben wir bei den Patientinnen und Patienten

kaum. Eher das Gegenteil: Viele sagen, dass sie

sich freuen, dass sie Teil der Zukunft der Medizin sein

können und diese mit ihrer Teilnahme unterstützen.“

Natürlich kostet all dies die Klinik etwas. Allein für

die IT der Station wurde eine eigene halbe Stelle geschaffen.

Die Kollegin kümmert sich nicht nur um die

Vernetzung, sie arbeitet auch gemeinsam mit denjenigen,

die hier Innovationen testen wollen, an der Implementierung.

Und dann ist da noch Frau Dr. Schlott, die

organisatorische Leitung der Station.

FOTOS: INSPIRE LIVING LAB

Die Station hat eine eigene Geschäftsstelle, die zunächst

offen für jegliche Anfragen von Unternehmen,

Betrieben oder auch Einzelpersonen mit Ideen

ist. „Wir hören uns alle Anliegen erst einmal an. Das

reicht von Plänen für Ausgründungen aus Universitäten

bis hin zu konkreten Produkten in einem späten

Entwicklungsstadium von großen Medizintechnikunternehmen.

Um dann etwas tatsächlich im ‚Living

Lab‘ erproben zu können, braucht es einen ausgereiften

und geprüften Prototyp“, sagt Schlott. Das sei

gerade für viele Start-ups erst einmal eine Herausforderung.

Sie musste schon einige Anfragen zunächst

ablehnen, weil man sich in einem zu frühen Stadium

an das „Living Lab“ gewandt hat. „Aber auch

das ist für die Entwickler wertvoller Input. Ich glaube,

manche der Interessenten werden wieder auf uns

zukommen, wenn sie einen Prototyp entwickelt haben“,

sagt Schlott.

Findet man zusammen, veranschlagt die „Living

Lab“-Station einen gewissen Betrag, von dem man

Schulungen für das Personal bezahlt, die Implementierung

der Anwendungen für die Testphase und

eventuell notwendige technische Nachrüstungen.

„Wir sind nicht gewinnorientiert, aber wir müssen

natürlich trotzdem die Kosten tragen“, so Schlott. Für

viele Unternehmen ist die „echte“ Umgebung des

„Living Lab“ mit dem Regelversorgungsalltag so wertvoll,

dass das die Kosten allemal rechtfertigt. Und so ist

derzeit eine Reihe von Anwendungen im Einsatz oder

in naher Zukunft geplant:

Urologische Patienten werden demnächst in ihrer

Dokumentation der Trinkprotokolle unterstützt und

auch Evaluationen rund um einen Sensor für die Messung

des Blasenfüllstands sind in Arbeit.

Das Start-up myScribe testet derzeit im Living Lab

mit Patientendaten aus dem klinischen Routinebetrieb

seine App, die anhand der dokumentierten Daten

und Befunde selbstständig einen Arztbrief vorformuliert.

Dieser muss von den Medizinern nur noch geprüft

und leicht bearbeitet werden.

Doch es braucht gar keine Künstliche Intelligenz

oder komplexen medizintechnischen Geräte für einen

Benefit. Schon die Tablets bringen allen Seiten

Nutzen. So gibt es darauf die Möglichkeit für die Patientin

und den Patienten, eine nicht dringende Anfrage

an die Pflegekräfte zu stellen. „Das ist im Grunde

eine Stufe niedriger als der rote Knopf. Auf diese Weise

können die Pflegekräfte besser priorisieren“, erklärt

Schlott. So kann man etwa auswählen, was das Problem

ist, zum Beispiel, dass eine Infusion durchgelaufen

ist – diese Info bekommen dann die Pflegekräfte. Das

spart ihnen nicht nur Laufwege, in der Folge bringt es

auch mehr Zeit für die Arbeit an der Patientin oder

am Patienten.

„Schon der Austausch über das Tablet zwischen

Patient und Pflegekraft kann zu einer größeren Wertschätzung

beitragen“, sagt Schlott. Apropos Wertschätzung:

dass Patienten mit der Pflege per Klick

kommunizieren können, kommt nun auf anderen Stationen

standardmäßig ebenfalls zum Einsatz. So bringt

ausgerechnet die Digitalisierung Pflegekräfte und Patientinnen

und Patienten näher zusammen, der Fortschritt

macht’s möglich!

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newhealth.guide #3

newhealth.guide #3

IM PRINZIP

DOLMETSCHER

Im Idealfall sind Prozessmanager ebenso in der Medizin zu Hause

wie in der Informatik und verfügen über eine große Kommunikationsgabe.

Denn sie müssen zwischen zwei Welten nicht nur übersetzen,

sondern auch vermitteln – und sich oft auch in Geduld üben können

Text

Hendrik Bensch

Enge Zusammenarbeit

Prof. Dr. med. Yu-Mi Ryang (li.),

Chefärztin der Neurochirurgie im

Helios Klinikum Berlin-Buch, und

Prozessmanagerin Anja Howell (re.)

besprechen mögliche Workflows

FOTOS: HELIOS KLINIKEN, PRIVAT

Wer sich für einen Job im Team von Wolf

Christian Boes bewirbt, will häufig Frustration

in Veränderung verwandeln. Es

sind Beschäftigte, die zuvor im Klinikalltag

immer wieder erlebt haben, wie

umständlich und aufwändig Prozesse ablaufen, weil

sie nicht digitalisiert sind. „Viele Bewerber sagen: Das

möchten wir ändern“, sagt Boes. Er leitet bei den Helios

Kliniken das Team „Prozesse und Standardisierung für

Klinische Arbeitsplatzsysteme (KAS)“.

Wenn bei Helios Prozesse von analog auf digital umgestellt

werden, nehmen das Wolf Christian Boes und seine

sieben Teamkolleginnen und -kollegen in die Hand. Es

sind Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte sowie eine Arzthelferin.

Viele von ihnen haben zusätzliche Qualifikationen

über ein Studium oder eine Ausbildung erworben, meistens

im IT-Bereich. Sie bringen die Beschäftigten aus den

Kliniken zusammen, die an den Prozessen beteiligt sind.

Sie sprechen mit ihnen durch, wie der neue digitale Prozess

im besten Fall aussehen soll – und bringen dann im

Austausch mit Softwareentwicklern die neuen digitalen

Tools auf den Weg. Zu den Prozessen, an denen Boes

und seine Kolleginnen und Kollegen arbeiten oder gearbeitet

haben, zählen etwa der digitale Befundeingang,

OP-Prozesse oder die Notaufnahmedokumentation.

Für Boes und sein Team startet die Arbeit dann, wenn

das „Digi-Board“ von Helios grünes Licht für eine Idee

gegeben hat. Beim Digi-Board handelt

es sich um ein Gremium, in dem

Vertreter aus der Geschäftsführung

sitzen. Die Projektideen stammen aus

den Fachgruppen, die bei Helios so

etwas sind wie unternehmensinterne

Fachgesellschaften, etwa für Neurologie

oder Kinder- und Jugendmedizin.

Wenn das Okay für ein Projekt da

ist, vereinbart Boes oder jemand aus

seinem Team ein erstes Gespräch mit

unterschiedlichen Ansprechpersonen

aus mehreren Kliniken. Das sind häufig

Chefärztinnen und -ärzte, Oberärztinnen

und -ärzte oder die Pflegedirektion.

Sie haben sich freiwillig für die

Mitarbeit gemeldet. „Sie sind häufig

mit der aktuellen Situation unzufrieden und dementsprechend

sehr motiviert“, erzählt Boes. In anderen Projekten,

wie etwa zum Scanprozess von Dokumenten,

wenden sie sich auch mal direkt an einzelne Ansprechpartner

in den Kliniken.

Im ersten Gespräch gehen Boes oder eines seiner

Teammitglieder den Prozess mit den Kollegen aus

den Kliniken komplett durch und klären: Wer macht

Wolf Christian Boes

leitet bei den Helios Kliniken

das Team „Prozesse und

Standardisierung für Klinische

Arbeitsplatzsysteme“

was, wann und mit welchen Mitteln? Daraus entsteht

eine erste Workflow-Übersicht. Die Prozessmanagerinnen

und -manager stellen anschließend zusammen,

welche Daten von Anfang bis Ende des Workflows

gebraucht werden. Alle Informationen fließen in eine

Excel-Tabelle.

Für das Gespräch mit dem klinischen Personal nutzt

Boes‘ Team Mockups. Das sind grafische Vorschauansichten,

die den Nutzerinnen und Nutzern verdeutlichen,

wie beispielsweise ein Dokumentationsfeld oder

eine Checkbox gestaltet sein soll. „Das hilft den Kollegen

immer sehr dabei, besser zu verstehen, wie die digitale

Lösung später am Bildschirm aussehen könnte“,

sagt Boes. Am Ende fassen Boes und seine Teamkollegen

alle Informationen zum neuen digitalen Prozess

in einem Dokument zusammen. Die Arbeitsgruppe

mit den Ansprechpersonen aus den Kliniken geht das

Dokument durch und gibt schließlich ihr Okay aus der

Fach- und Anwendersicht.

Der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen

aus den Kliniken und den Entwicklungsteams prägt die

Arbeit der Prozessmanager. Kommunikation spielt im

Arbeitsalltag eine große Rolle, sagt Wolf Christian Boes.

Bewerberinnen und Bewerber fragt er deshalb auch

immer nach Moderationserfahrung, etwa im Qualitätsmanagement.

„Man verbringt aber auch viel Zeit hinter

verschlossener Tür, bei der man sich hinter seinem

Rechner vergräbt und Konzepte erarbeitet.“

Wer sich für den Job eines Prozessmanagers

interessiert, so Boes,

muss Wissen und Erfahrung aus zwei

Welten mitbringen: aus der Medizin

und dem IT-Bereich. Prozessmanager

müssten quasi beide Sprachen

sprechen können und „Dolmetscher“

zwischen den beiden Welten sein.

Sie müssen zum einen medizinisch erfahren

und mit den Abläufen im klinischen

Alltag vertraut sein. Zum anderen

müssen sie die Anforderungen an

das digitale Tool so erfassen können,

dass die Softwareentwickler in der

Programmierung später die Wünsche

der Kolleginnen und Kollegen in den Kliniken umsetzen.

Wolf Christian Boes war zunächst als Arzt tätig, wechselte

später in die Verwaltung und studierte nebenberuflich

medizinische Informatik. Seine Kollegin Anja Howell

war früher Arzthelferin und hat in der Chirurgie, Allgemeinmedizin

und Kardiologie Berufserfahrung gesammelt.

Sie studierte später Wirtschaftsingenieurwesen,

arbeitete im Klinikbereich im Qualitätsmanagement

und betreute bei Helios das digitale Archivsystem. Ihrer

Erfahrung nach sollten Prozessmanager auch ein technisches

Grundverständnis mitbringen – etwa wenn es

um Hardware, die IT-Infrastruktur, Datenstrukturen und

die unterschiedlichen Krankenhausinformationssysteme

geht. Ihr gefällt an ihrer Arbeit die Verbindung von

24

25



newhealth.guide #3

diesen technischen mit den medizinischen Themen.

„Das Tolle ist außerdem, dass ich täglich an Zukunftsthemen

der Digitalisierung arbeite“, sagt sie.

Wer wie Boes und Howell im Prozessmanagement

tätig ist, muss aber auch immer eines mitbringen: Geduld.

Aus dem Klinikalltag sind es Mediziner gewohnt,

kurzfristig einen Effekt zu erzielen, etwa indem sie ein Medikament

verabreichen. Als Prozessmanager muss man

sich darauf einstellen, dass von der Idee bis zum fertigen

Produkt durchaus mal zwei Jahre vergehen können, berichtet

Boes. Das könne für Mediziner, die noch kurz zuvor

den klinischen Alltag erlebt haben, eine ganz schöne

Umstellung sein. „Da muss man sich drauf einstellen,

ansonsten ist das Frustrationspotenzial groß.“

Das Klinikum Darmstadt war bis Mitte dieses Jahres

ähnlich aufgestellt wie die Helios Kliniken. Es gab einen

medizinischen Prozessmanager mit praktischer klinischer

Erfahrung, der mit den Kollegen aus dem ärztlichen

und pflegerischen Bereich sowie der IT digitale

Prozesse aufgesetzt hat. Neben diesem operativen

Prozessmanager arbeiten an dem kommunalen Maximalversorger

schon immer Applikationsadministratoren,

die ihr Krankenhausinformationssystem und die

Kliniksoftware im Detail kennen. Die IT-Experten digitalisieren

zusammen mit den Kollegen aus den Fachabteilungen

analoge Prozesse. „Perspektivisch kann ich

mir einen strategischen Prozessmanager gut vorstellen“,

sagt Gerhard Ertl, Chief Information Officer (CIO)

des Klinikums. „Ein Muss in einem Maximalversorger wie

Darmstadt sind aber zusätzliche operative Prozessmanager,

die muss es geben.“

Der strategische Prozessmanager sollte den langfristigen

medizinischen und pflegerischen Gesamtüberblick

über die Prozesslandkarte im Haus haben. Er ist

der strategische Kopf, der sich mit den Prozessthemen

Gerhard Ertl

ist seit 2015 Chief Information

Officer (CIO) des Klinikums

Darmstadt, eines der 100

größten Krankenhäuser

Deutschlands

auskennt – wenn auch nicht in aller Tiefe. Er macht in

Abstimmung mit den Fachabteilungen und der Unternehmensstrategie

die Vorgaben und setzt sie mithilfe

der operativen Prozessmanager, der Applikationsadministratoren

oder beider um. Derzeit ist Gerhard

Ertl noch für das strategische Prozessmanagement verantwortlich.

Das operative Prozessmanagement sieht

er perspektivisch in den Händen der Prozessmanager

und Applikationsadministratoren.

Was Ertl allerdings noch fehlt, um das Konzept umzusetzen,

ist das passende Personal fürs strategische

und operative Prozessmanagement. Deswegen will

er Klinikmitarbeiter hierfür weiterqualifizieren. An der

SRH Fernhochschule kann man sich beispielsweise zum

Digital Health Manager weiterbilden lassen und sich

dadurch fürs digitale Prozessmanagement im Gesundheitswesen

fit machen. Ertl ist dort Dozent.

Die Nachfrage nach Prozessmanagern wird auf jeden

Fall nicht abreißen, weil immer mehr Prozesse digitalisiert

werden, weiß Wolf Christian Boes. Und auch der

Anspruch der Anwenderinnen und Anwender dürfte

weiter zunehmen. „Apple-Anspruch“ nennt Boes das.

Sprich: Man muss das digitale Tool auch benutzen können,

ohne vorher eine Schulung gemacht zu haben.

„Und da gibt es noch ordentlich Luft nach oben.“

Fit für die

Zukunft?

Es gilt, das

Klinikpersonal

mit digitalen

Tools wie

zum Beispiel

der VR-Brille

vertraut

zu machen

FOTOS: KLINIKUM DARMSTADT, HELIOS KLINIKEN

26



newhealth.guide #3

Digitale Kompetenz

erwerben

Text

Bianca Gewessler

In der Gesundheitsbranche entwickeln sich neue Technologien rasant

weiter. Die Anwendung digitaler Tools und das Wissen darüber

werden im klinischen Alltag immer wichtiger. Wo sich Gesundheitsfachkräfte

weiterbilden können und welche Angebote es gibt, erfahren Sie hier

Webinar

Mobile First – Apps und Mobile Marketing

für Krankenhäuser

Der Markt für Smartphones, Tablets & Co. wird auch im Gesundheitsbereich

immer größer. Doch das Wissen über Apps und Mobile Marketing

ist in den meisten Krankenhäusern noch nicht ausreichend

vorhanden – obwohl diese Tools die Zukunft der Unternehmenskommunikation

bedeuten. Im Webinar „Mobile First“ des Deutschen

Krankenhaus Instituts (DKI) lernen Sie alles über Mobile Marketing:

von App-Marketing bis Tagging und Couponing. Die Zielgruppe sind

Marketingfachleute, Pressesprecher und IT-Mitarbeitende aus Gesundheitseinrichtungen.

Das Webinar findet am 17. Oktober mit max.

zwölf Teilnehmenden statt. Die Kosten betragen 395 Euro.

Infos unter: www.dki.de

Studium

Digitales

Rettungsmanagement

(B.Sc.)

Hier trifft Praxis auf

Wissenschaft: Die Technische

Hochschule

Würzburg-Schweinfurt

bietet im Studiengang

„Digitales Rettungsmanagement“

eine praxisbezogene Lehre. Im Rahmen des siebensemestrigen

Bachelor-Studiengangs erlangen die Studierenden nicht

nur umfassendes medizinisches Fachwissen, sondern lernen auch

verantwortungsvolles Handeln bei Notfall ereignissen. Auch betriebswirtschaftlich-ökonomische

und digitale Lehrinhalte nehmen

einen großen Stellenwert im Rahmen des Studiums ein. Somit sind

die Absolventen fähig, die Potenziale der Digitalisierung im Gesundheitswesen

adäquat einzuschätzen und einzusetzen. Die Tätigkeitsfelder

nach dem Bachelor-Abschluss sind vielfältig: Zur Auswahl

stehen Jobs in der Fachberatung für Medizintechnik, der Risiko- und

Ressourcenplanung, dem Case-Management im Notfallbereich bis

hin zur Führungsposition bei Rettungsdienstunternehmen. Der Studienbeginn

ist immer zum Wintersemester.

Infos unter: www.thws.de

Weiterbildung

E-Health – Digitale Technologien

im Gesundheitswesen

Im Zuge der Digitalisierung wird

viel technisches Know-how vom

Gesundheitspersonal erwartet. Sie

müssen sich täglich mit computergestützten

Erfassungssystemen,

elektronischen Patientenakten

und Chipkarten der Krankenkassen

auseinandersetzen. Besonders der

Umgang mit Patientendaten und

deren Datensicherheit sind sensibel.

Der Kurs „E-Health – Digitale

Technologien im Gesundheitswesen“

geht auf genau diese Thematik

ein und rüstet das medizinische

Personal für den Alltag. Module

wie technischer Datenschutz,

Diskretion und Gesundheitsinformationssysteme

(GIS) sind Teil

der insgesamt 45 Lerneinheiten.

Innerhalb des einwöchigen Kurses

arbeiten die Teilnehmenden praxisbezogen

und mit multimedialen

Werkzeugen. Neben Diskussionsphasen

besteht der Unterricht

auch aus Rollenspielen, Projektarbeiten

und der Präsentation von

Lernergebnissen.

Zielgruppe sind alle Akteure, die im

Gesundheitswesen tätig sind. Es ist

eine 100-prozentige Förderung von

Bund und Ländern möglich – kostenlose

Beratungstermine können

Sie auf der Website des Instituts für

Berufliche Bildung (IBB) vereinbaren.

Hier finden Sie auch Kursangebote

in Ihrer Nähe. Alternativ

ist eine Teilnahme online möglich.

Infos unter: www.ibb.com

FOTOS: ISTOCK/RIDOFRANZ, ISTOCK/STEFANAMER

DIE IDEALE KOMBINATION FÜR DEN ZUGANG ZUR TI

eHealth Terminal ST-1506

• Remote-SMC-B-PIN-Eingabe via Webservice

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Weitere Informationen

finden Sie hier

Egal wo der

Konnektor steht –

ob in Ihrer Klinik

oder im Rechenzentrum.

28

www.cherry.de



Termine 2023

Die jüngsten Entwicklungen im Digital-Health-Bereich aus erster Hand

erfahren, Denkanstöße bekommen und Ideen austauschen:

Hier ist ein Überblick über wichtige Kongresse, Tagungen und Konferenzen

27.–28.

September

Smart Hospital Excellence

Forum Frankfurt am Main

Wie wird ein Krankenhaus

zum Smart Hospital? Auf dem

Forum erhalten Sie inspirierende

Praxisbeispiele. Insgesamt

tauschen sich mehr als

120 Teilnehmer mit Experten

zur Digitalisierung des

Gesundheitssystems aus.

www.smarthospitalexcellenceforum.com

11.–12.

Oktober

Entscheider-Werkstatt

2-2023 Rostock

Das Event widmet sich den

Ergebnissen der zweiten digitalen

Reifegradanalyse deutscher

Krankenhäuser. Zwei

Arbeitsgruppen erarbeiten

Schlüsselrubriken zur Steigerung

des Entwicklungsstands.

www.entscheiderfabrik.com

Impressum

#3 / 2023

17.–19.

Oktober

Deutscher Interoperabilitätstag

(DIT) Berlin

Ein gemeinsames, digital

vernetztes Gesundheitswesen

funktioniert nur mit Interoperabilität

– und die ist in

Deutschland noch ausbaufähig.

Genau das ist der

Fokus beim 8. DIT 2023.

www.interop-tag.de

Herausgeber: DHD Digital Health Development AG, Stolkgasse 25–45,

D-50667 Köln, mail@dhd.ag, Tel. +49 0221 466 884-0

Vorstand: Detlef Koenig, detlef.koenig@dhd.ag

Chefredakteurin: Dr. Gudrun Westermann,

gudrun.westermann@newhealth.guide

Redaktion und Gestaltung: Storyboard GmbH, Wiltrudenstraße 5,

D-80805 München

Anzeigen: Thomas Müller, thomas.mueller@newhealth.guide

Druck: Druckerei Laub GmbH & Co KG, Brühlweg 28, D-74834 Elztal-Dallau

Copyright: © DHD Digital Health Development AG 2023; alle Rechte

vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher

Genehmigung des Herausgebers.

newhealth.guide #3

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26.–27.

Oktober

22. Europäischer Gesundheitskongress

München

Der Kongress beschäftigt sich

mit der aktuellen Krankenhausreform

in Deutschland

und blickt auf innovative

Ansätze aus dem Ausland.

Ziel ist es, eine gemeinsame

Lösung zu finden, die den Bedürfnissen

der Patienten und

des Gesundheitspersonals

entspricht.

www.gesundheitskongress.de

8.–10.

November

Digital Health Summit

München

Erneut wird München zum

zentralen Treffpunkt von

Health-Tech-Experten, Ärzten,

Unternehmern, Investoren

und Start-ups. Drei Tage lang

diskutieren sie über Themen

rund um das digitale Gesundheitswesen.

www.digitalhealthsummit.de

27.–28.

November

Digital Health Circle Vienna

Wien

Potenziale digitaler Gesundheit

strategisch und verantwortungsvoll

nutzen: Das ist

das Ziel des Digital Health

Circle Vienna. Stakeholder

der digitalen Gesundheit

tauschen sich hier über den

Transformationsprozess und

relevante Zukunftsmärkte

aus. Das Event fördert das

Verständnis und bietet eine

Plattform für Themen wie

technische Innovation, KI,

Diversity und Leadership.

www.businesscircle.at

Handelsnamen: Die Wiedergabe von Handelsnamen, Warenbezeichnungen

usw. auch ohne besondere Kennzeichnung berechtigt nicht zu der Annahme,

dass solche Namen frei und von jedermann benutzt werden dürften. Für den

Inhalt außerhalb des redaktionellen Teiles (insbes. Anzeigen, Industrieinformationen

usw.) übernehmen Redaktion und Herausgeber keine Gewähr.

Autoren, die mit vollem Namen genannt werden und nicht Mitglied der

Redaktion sind, veröffentlichen ihren Beitrag in alleiniger Verantwortung.

Datenschutzinformation: Verantwortliche Stelle im Sinne des Datenschutzrechts

ist die Acxiom Deutschland GmbH, Speicherstraße 57–59, 60327

Frankfurt am Main. Nähere Informationen auch zu unserer Datenschutzbeauftragten

erhalten Sie unter: www.acxiom.de/datenschutz. Die Verarbeitung

Ihrer Daten erfolgt auf Grundlage von Artikel 6 I 1 f) DSGVO, damit wir

Ihnen interessengerechte Informationen und Angebote zukommen lassen

können. Wenn Sie künftig keine Informationen des werbenden Unternehmens

erhalten möchten, wenden Sie sich bitte direkt an dieses Unternehmen.

Einen generellen Widerspruch zur Verarbeitung Ihrer Daten für

Werbezwecke können Sie an die Acxiom Deutschland GmbH richten.

Weitere Informationen:

www.newhealth.guide

FOTOS: ZTG GMBH

Wie sieht Ihre Digitalisierungsstrategie aus?

Mehr Effizienz in der Pflege & weniger Aufwand in der IT

Die neuen KHZG-Sanktionsvereinbarungen und

Fristverlängerungen sind veröffentlicht. Diese

Entscheidung hat weitreichende Auswirkungen

und wirft die Frage auf, wie die Fristverlängerung

die IT-Strategie der Krankenhäuser verändern

wird. Worauf es jetzt ankommt, sind bewährte

Lösungen, die ohne erheblichen Aufwand Ihren

Ansprüchen entsprechend vorkonfiguriert implementiert

werden können und Raum für zukünftige

Entwicklungen bieten. Im besten Fall

beratungsarm sind und interdisziplinäres Entwicklungspotenzial

mit sich bringen. Die modulare

Lösung Thieme RECOM-GRIPS zur digitalen

Pflege- und Behandlungsdokumentation (FTB

3) und zum digitalen Medikationsmanagement (FTB 5) inkl.

AMTS-Prüfung wurde bereits mehrfach in kürzester Zeit erfolgreich

implementiert.

Arbeiten mit dem besten System, statt Angst vor Schnittstellen

Das Klinikum Main-Spessart Lohr beispielsweise setzt seinen

Weg in Sachen digitale Transformation mit einer strukturierten

Pflegeprozessdokumentation und berufsgruppenübergreifendem

Datenfluss fort. Das 220-Betten-Haus zählt

jährlich rund 10.000 stationäre Fälle. Somit bindet das Klinikum

Main-Spessart Thieme RECOM-GRIPS an das ORBIS-

KIS an und setzt auf erprobte Systemverzahnungen. Die Lösung:

klare Spezifikationen der Schnittstelle und routinierte

Testungen. „Dabei profitieren wir von unseren langjährigen

Erfahrungen mit Kommunikationsservern, HL7 und auch

Alternativlösungen wie beispielsweise Abrechnungsdaten

direkt an den Grouper zu schicken und bieten darüber

hinaus individuelle Lösungsansätze“, erklärt RECOM-Geschäftsführer

Dr. Oliver Gapp. „Eine Integration von Thieme

RECOM-GRIPS als Expertensystem in bereits vorhandene

KIS-Landschaften ist kein Problem. Schnittstellen zu allen

gängigen Krankenhausinformationssystemen können realisiert

werden.“

Gesundheitseinrichtungen, speziell Krankenhäuser stehen

oft vor der Herausforderung, IT-Speziallösungen zu integrieren

und damit vor der Frage: Was hat den höheren Stellenwert,

funktionale Tiefe und Integration in das Krankenhaus-Informationssystem

oder eine Ein-System-Strategie?

Mit den Speziallösungen gehen Sorgen um vermeintlich

hohen Schnittstellen-Supportaufwand oder die Angst vor

Datenübertragungsproblemen einher.

Bedenken hinsichtlich Schnittstellen zum vorhandenen

KIS sind jedoch unbegründet: IT-Hürden werden bei Thieme

RECOM durch Systemverzahnungen und Absprungbuttons

ausgeräumt. Ein dezidierter Absprung aus einer

ausgewählten Patientenakte in beispielsweise die Pflegedokumentation

ist jederzeit ohne zeitliche Verluste über

Single Sign-on möglich.

„Neben den technischen Systemverzahnungen bieten wir

außerdem den entscheidenden Vorteil für interprofessionelle

Zusammenarbeit im Krankenhaus. Mediziner, Pflegende,

Therapeuten und auch das Controlling greifen über

ein spezifisches Berechtigungskonzept auf bestimmte für

sie relevante Module zu, können aber auch gleichzeitig zum

Beispiel sowohl im Bereich der Medikation dokumentieren

als auch anordnen und Informationen zum Patienten austauschbar

und einsehbar machen“, so Dr. Gapp weiter. Das

Modul der Medikation trägt erheblich mit einer integrierten

AMTS-Prüfung und einem entsprechenden eingebundenen

AMTS-Service mit allen Medikamenteninformationen

zur Patientensicherheit bei. Spezialanordnungen zur

Bedarfsmedikation sind in Form von Schnellanordnungen

jederzeit möglich.

Kein flächendeckendes WLAN oder ein Serverausfall

Eine der Fragen, die viele Einrichtungen umtreibt: was

passiert mit der digitalen Dokumentation ohne flächendeckendes

WLAN oder schlimmer noch bei einem Serverausfall?

Mit dem Zusatzmodul SymmetriX in RECOM-GRIPS

werden alle relevanten Daten auf das mobile Endgerät

synchronisiert und wieder zurückgespielt. Solange das

Eingabegerät mit dem Netzwerk verbunden ist, synchronisieren

sich die Daten permanent. Heißt, der Ist-Stand

aller vom Nutzenden ausgewählten Daten ist lokal verfügbar.

Änderungen, Bearbeitungen und neu getätigte

Dokumentationen werden während der Arbeit temporär

z. B. auf dem Laptop gespeichert und automatisch in die

GRIPS-Hauptdatenbank zurück synchronisiert, sobald

eine Verbindung mit dem Internet oder dem Netzwerk

wiederhergestellt ist.

Wollen Sie mehr erfahren?

Schauen Sie sich die weiterführenden Informationen an

und/oder kontaktieren Sie unsere Systemexperten. Selbstverständlich

ermöglichen wir auch

einen unverbindlichen Web-Präsentationstermin.

Nehmen Sie

hierzu gerne direkt Kontakt mit

uns auf!

thieme.com/recom-grips

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