akd-Programm-Magazin 2026
Ein Programm, das Menschen in Führung und Verantwortung in Kirche und Diakonie – dabei unterstützen soll, Lösungen zu finden und konkret umzusetzen.
Ein Programm, das Menschen in Führung und Verantwortung in Kirche und Diakonie – dabei unterstützen soll, Lösungen zu finden
und konkret umzusetzen.
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løsung
Oh Gott!
Kirchliche Führungskunst
als Gestaltung von Sinn
Strategie
ist kein Luxus sondern
Überlebenskunst
Wer sind wir eigentlich?
Die Innere Mission Bremen
bohrt das ganz dicke Brett!
Løsung 2026 | Seite 2
Liebe Leser*innen,
Was folgt nach der Transformation?
Die Zukunft der Kirche mit mehr als 150 Autorinnen und Autoren!
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ten, sondern ihn mutig und hoffnungsvoll zu gestalten.
Wir sehen in der Losung zuerst auch eine Lösung: Sie
öffnet den Blick für Möglichkeiten, wo andere nur Grenzen
sehen. Sie erinnert uns daran, dass Erneuerung Teil
unseres Glaubens und unserer Arbeit ist – und dass wir
gemeinsam Verantwortung tragen, diesen Wandel aktiv
zu gestalten.
unser neues Magazin mit dem Ausblick auf das Programm
der akd 2026 trägt den Titel Løsung. Dieser Name ist Programm:
Er verbindet die evangelische Jahreslosung mit
unserem Anspruch, gemeinsam Lösungen für die Herausforderungen
und Transformationen in Kirche und Diakonie
zu finden.
„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung
21,5) Diese Worte lesen wir definitiv nicht als eine Vertröstung
auf den St. Nimmerleinstag, sondern als kraftvolle
Einladung, den notwendigen Wandel nicht zu fürch-
Mit diesem Magazin gehen auch wir selbst einen neuen
Weg. Wir haben Bewährtes mit Neuem verbunden und
ein vielfältiges Programm zusammengestellt, das Sie –
Menschen in Führung und Verantwortung in Kirche und
Diakonie – dabei unterstützen soll, Lösungen zu finden
und konkret umzusetzen. Die inhaltlichen Beiträge laden
ein zur Reflexion, zum Austausch und zur Qualifizierung,
damit Sie die Herausforderungen der Gegenwart annehmen
und die Zukunft mit Zuversicht und Kreativität formen
können. Wir hoffen, dass die Vielfalt der Themen
und Impulse Ihr Interesse weckt und Sie inspiriert. Ihre
Rückmeldungen, Anregungen und Erfahrungen sind uns
sehr wichtig – lassen Sie uns wissen, was Sie bewegt!
Unser Dank gilt allen, die mit Ihren Perspektiven dieses
Magazin und unsere Arbeit bereichern und unterstützen!
Herzlichst im Namen des ganzen Teams der akd,
Dr. Lars Charbonnier
Herausgeber
Konzept, Layout und Satz
www.a-kd.net Link >>
Akademie für Kirche und Diakonie gGmbH
Caroline-Michaelis-Str. 1 | 10115 Berlin
https://www.a-kd.net | info@a-kd.net
Telefon 030 488 37-474
Vorsitzende des Aufsichtsrats: Maria Loheide
Amtsgericht | Registergericht | Berlin Charlottenburg
HRB 65419 B | Sitz Berlin | USt-IdNr.: DE281026184
Geschäftsführung: Dr. Lars Charbonnier
Druck
Diakonisches Werk im Kirchenkreis Recklinghausen
Recklinghäuser Werkstätten gGmbH
Erscheinungsjahr:
2025
Robert Wieczorek,
akd Unternehmenskommunikation
Fotografie
Die Hoffotografen GmbH
https://hoffotografen.de
Freepik
https://de.freepik.com
Rechte im Besitz der Autor*innen
Illustrationen
Robert Wieczorek
Verantwortlich
Dr. Lars Charbonnier
IMPRESSUM
Løsung 2026 | Seite 4
52
Kirchliche
Finanzen
mit Claudia
Vogel und
Markus
Stammnitz
76
Gesundheitsorientierte Führung
mit Claudia Vogel
32
Familienorientierung
von Svende Knoll
62
Qualitätsmanagement
Organisationen
ausrichten und steuern
30
Wo drückt der Schuh in Kirche und Diakonie,
Frau Bischöfin? Dr. Beate Hofmann im Gespräch
20
Innovation und
Entwicklung
98
Pflege menschengerecht
gestalten
mit Dr. Gabriele Beckert
72
Coaching für Führungskräfte
Die Ausbildung mit Tilman Kingreen
INHALT
94
Management in sozialen Organisationen
35 Jahre – Uwe Lapp erinnert sich
38
Der Herr der Bilder – Robert Wieczorek,
akd Unternehmenskommunikation
22
Change Management
in Kirche und Diakonie mit Michael Zirlik
Vorwort und Impressum 03
Inhaltsverzeichnis 04
Begleitwort von K. Fehrs und R. Schuch 06
Die Veranstaltungsarchitektur der akd 08
Über Führung 10
„Ach G*tt“ – Kirchliche Führungskunst 14
Die Welt der Zahlen. Wissenswertes über uns. 18
Themenbereich Innovation und Entwicklung 20
Das „Workbook“ Change-Kommunikation 21
„Servus“ – Michael Zirlik über Change 22
Der Komposthaufen – Transformation 26
Fusion in Kiche und Diakonie 28
Wo drückt der Schuh? Beate Hofmann im Gespräch 30
Familienorientierung 32
Angebote Innovation und Entwicklung 34
Themenbereich Kommunikation 36
Der Herr der Bilder 38
Hör auf hier zu predigen... 42
Gemeinsam Lesen als Fortbildung im Team 43
Wer sind wir eigentlich? 44
Wirkung erzielen – aber wie? 46
Angebote Kommunikation 48
Kopf aus dem Sand – Strategie & Management 50
Kirchliches Finanzwesen 52
Interview mit Marc Diener 53
Interview mit Susan Franke 56
100 Jahre Bank für Kirche und Diakonie 58
Aufsichtsrätekongress 2026 60
Organisationen ausrichten und steuern 62
Interview mit Sandra Miassar 64
Kongress der Personalentwicklung 65
Strategie ist kein Luxus 66
Angebote Strategie & Management 68
Themenbereich Personal und Teamentwicklung 70
Vom Getriebenen zum Gestaltenden 71
„Was geht Coach?“ Tilman Kingreen über Coaching 72
Gesunde Seelen brauchen gesunde Strukturen 76
Wie ticken Evangelische? 78
Jung in Führung gehen 79
Ein Schnelltest für Führungsgremien 80
Fehlerkultur 82
TEAM Toll ein anderer machts! 84
Angebote Personal- und Teamentwicklung 86
Unsere neuen Zertifikate 88
Changemanagement Flowchart 90
Leadership in Kirche und Diakonie Flowchart 92
Management in sozialen Organisationen 94
Themenbereich Pflege menschengerecht gestalten 98
Spiritul Care & Existential Care 100
Die unsichtbare Behinderung 102
Das Celler Modell und die digitale Werkzeugkiste 104
Angebote Pflege menschengerecht gestalten 106
Türöffner Grundbildung 108
Maria Loheide 14 Jahre Aufsichtsrat 109
Social Media und Inhouse 112
Løsung 2026 | Seite 6
Begleitwort zum Jahresprogramm 2026
der Akademie für Kirche und Diakonie
Von Kirsten Fehrs und Rüdiger Schuch
In einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher, politischer
und kirchlicher Veränderungen ist die Akademie für Kirche
und Diakonie ein unverzichtbarer Partner für alle, die
in Kirche und Diakonie Verantwortung tragen und Führung
gestalten. Die Herausforderungen, vor denen wir
als Gesellschaft und als kirchlich-diakonische Organisationen
stehen, sind vielfältig und komplex – und sie verlangen
nach Menschen, die bereit sind, sich selbst stetig
weiterzuentwickeln, neue Perspektiven einzunehmen und
mutig voranzugehen. Mit großer Freude und Dankbarkeit
blicken wir deshalb auf das hier präsentierte Programm
der akd für das Jahr 2026, das dazu eine Fülle an Möglichkeiten
bietet.
Die Jahreslosung 2026 „Gott spricht: Siehe, ich mache alles
neu!“ (Offenbarung 21,5) ist ein kraftvoller Impuls und
eine Einladung, das Neue zu wagen und Veränderung als
Chance zu begreifen. Wir sind als Kirche und Diakonie immer
wieder herausgefordert, Altes zu hinterfragen, Liebgewonnenes
loszulassen, Bewährtes weiterzuentwickeln
und mutig Neues zu gestalten. Wie das gelingen kann
– Exnovation und Innovation, Priorisierung und Profilierung,
wirksame Entscheidung und verantwortungsvolles
Führen und Leiten – das kann man bei der akd lernen,
erleben und gestalten.
Die akd ist seit über fünf Jahrzehnten ein Ort des Lernens,
der Begegnung und der Inspiration. Sie verbindet als einzige
Akademie im deutschsprachigen Raum die Welten
von Kirche und Diakonie und schafft einen Raum, in dem
innovative Ideen entstehen und tragfähige Netzwerke
wachsen können. Indem Führungskräfte aus Kirche und
Diakonie gemeinsam zusammenkommen, wächst das
Verständnis für die jeweils eigenen systemischen Logiken
von Führung. Gerade für Menschen in Leitungspositionen,
die tagtäglich komplexe Entscheidungen treffen
und Veränderungsprozesse gestalten, bietet die akd ein
Kirsten Fehrs ist die Vorsitzende des Rates der EKD und Bischöfin im
Sprengel Hamburg und Lübeck.
breites und zugleich spezialisiertes Angebot: praxisnah,
wissenschaftlich fundiert und am Puls der Zeit.
Die Herausforderungen, vor denen Kirche und Diakonie
heute stehen, sind enorm: Der demografische Wandel
verändert die Zusammensetzung unserer Gemeinden
und Teams, der Fachkräftemangel stellt uns vor neue
Aufgaben in der Personalgewinnung und -bindung. Die
Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten der Kommunikation
und Zusammenarbeit, verlangt aber auch nach
neuen Kompetenzen und Haltungen. Die christliche Sicht
auf Menschen und ein menschenfreundliches Miteinander
werden zentrale Gelingensfaktoren in diesen Entwicklungen
sein. Und zugleich fordern uns gesellschaftliche Polarisierungstendenzen,
wachsende soziale Ungleichheit
Rüdiger Schuch ist Präsident der Diakonie Deutschland und Vorstandsvorsitzender
des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung.
und die Suche nach Sinn und Orientierung heraus wie lange
nicht mehr. Nicht zuletzt stehen wir vor der Aufgabe,
unsere Organisationen nachhaltig und zukunftsfähig zu
gestalten – ökologisch, ökonomisch und sozial.
Die akd reagiert auf diese Herausforderungen mit einem
vielfältigen und attraktiven Programm, das die Breite
beruflicher Fort- und Weiterbildung abdeckt: Von klassischen
Führungstrainings über Seminare zu Kommunikation,
Konfliktmanagement und Resilienz bis hin zu
innovativen Formaten zu Digitalisierung, Diversity und
Nachhaltigkeit. Besonders hervorheben möchten wir
das neue Angebot einer berufsbiografisch begleitenden
Zertifizierung in den Bereichen Changemanagement und
Leadership. Diese Programme führen zu einer anerkannten
Kompetenz und unterstützen Führungskräfte dabei,
Veränderungsprozesse professionell zu gestalten, Teams
zu inspirieren und Organisationen zukunftsfähig aufzustellen.
Das Team der akd arbeitet mit Leidenschaft und
hoher Fachkompetenz daran, die Programme attraktiv,
innovativ und passgenau zu gestalten. Qualität, Serviceorientierung
und die Nähe zu den Herausforderungen der
Teilnehmenden stehen dabei stets im Mittelpunkt. Die
akd schafft eine wertschätzende und offene Lernatmosphäre,
in der Wissen, Kommunikation und Selbstreflexion
gefördert werden – Kompetenzen, die für Führungskräfte
heute wichtiger sind denn je.
Wir danken allen Mitarbeitenden der akd für ihr Engagement,
ihre Innovationskraft und ihre Bereitschaft, sich immer
wieder auf Neues einzulassen. Sie leisten einen wichtigen
Beitrag zur Professionalisierung und Qualifizierung
der Mitarbeitenden in Kirche und Diakonie – und darüber
hinaus. Wir laden Sie herzlich ein, das vielfältige Programm
der akd zu entdecken, sich auf Ihrem beruflichen
Weg begleiten und inspirieren zu lassen und gemeinsam
die Zukunft von Kirche und Diakonie aktiv zu gestalten.
Im Namen der Evangelischen Kirche in Deutschland und
der Diakonie Deutschland wünschen wir Ihnen ein bereicherndes
und inspirierendes Jahr 2026 mit der akd.
www.ekd.de und www.diakonie.de
Løsung 2026 | Seite 8
Erlauben Sie? Einige Sätze über
uns und unser Angebot …
2026
Die Akademie für Kirche und Diakonie (akd) ist ein Ort, an
dem Erfahrung, Innovation und Haltung zusammenkommen.
Wir führen die Arbeit der Bundesakademie und der
Führungsakademie für Kirche und Diakonie unter neuem
Namen und mit neuem Profil fort – und bündeln damit
über 50 Jahre Bildungserfahrung. Unser klarer Fokus
liegt auf Führung und Verantwortung: Wir qualifizieren
Menschen, die in Kirche und Diakonie Verantwortung
tragen oder übernehmen wollen, und begleiten sie auf
ihrem Weg, überzeugende Führungspersönlichkeiten zu
werden.
Was uns antreibt
Kirche und Diakonie stehen mitten in großen Veränderungsprozessen.
Organisationen transformieren sich,
Rollenbilder wandeln sich, Führung wird neu gedacht.
In dieser Situation bieten wir Orientierung, Wissen und
Räume für Entwicklung. Dabei bleibt unser Anspruch:
Seminare und Fortbildungen von hoher Qualität, nah an
Ihren beruflichen Herausforderungen und zugleich inspiriert
von unserem christlichen Menschenbild.
Was uns auszeichnet
Die akd ist mehr als ein Bildungsinstitut – sie ist ein Ort,
an dem Menschen wachsen können.
Wir setzen auf sorgfältige Konzeption, Planung und
Durchführung unserer Angebote.
Wir legen Wert auf Serviceorientierung, Freundlichkeit
und Humor – denn Lernen darf anspruchsvoll und gleichzeitig
leicht sein.
Uns leiten Offenheit, Wertschätzung und Verbindlichkeit
im Umgang miteinander.
Wir verstehen Bildung als Förderung von Wissen, Kommunikation
und Selbstreflexion. Man sagt über uns: Wir
sind mit Ernsthaftigkeit unterwegs – aber bei uns geht
niemand zum Lachen in den Keller.
Was uns leitet
Unser Fundament ist das christliche Menschenbild: Jeder
Mensch ist gerechtfertigt und relevant. Auf dieser Basis
schaffen wir Lern- und Erfahrungsräume, in denen sich
Menschen verbunden fühlen können – und den Mut entwickeln,
selbstbewusst Verantwortung zu übernehmen.
So gestalten wir mit unserer Arbeit den Auftrag von Kirche
und Diakonie: indem wir Mitarbeitende qualifizieren,
professionalisieren und stärken. Und wir sind überzeugt:
Das, was man bei uns lernt, wirkt weit über Kirche und
Diakonie hinaus.
Was Sie bei uns finden
Unser Angebot haben wir in Themengebieten sortiert:
Führung und Verantwortung
Führung ist eine Schlüsselfunktion in jeder Organisation.
Für uns geht es um mehr als das konkrete Verhalten einer
Vorgesetzten gegenüber ihrem Mitarbeiter. Wir sind hier
großzügig und fassen ganz unterschiedliche Dimensionen
und Aufgaben des Gestaltens und Entwickelns von
Organisationen unter diesem Begriff. Das fängt bei der
individuellen Person und ihrer Selbstführung an, geht
über Personalführung und Teamentwicklung bis hin zu
Qualitäts- und Ressourcenmanagement. Und natürlich
geht es hier auch um Innovation, um Strategie und profiliertes
Fragen nach inhaltlicher Orientierung, also Theologie,
Ethik und Spiritualität. Vier Themenbereiche haben
wir in diesem Themengebiet unterschieden: Innovation
Løsung 2026 | Seite 10
und Entwicklung, Kommunikation, Personal- und Teamentwicklung
sowie Strategie und Management. Was wir
jeweils darunter verstehen und welche Angebote wir in
diesen Gebieten für Sie haben, finden Sie auf den folgenden
Seiten.
Wer in Führung geht, übernimmt Verantwortung. Verantwortung
übernehmen Menschen und Organisationen
aber auch jenseits von Hierarchien oder Ämtern, indem
sie sich innerhalb ihrer Organisationen oder der Gesellschaft
für etwas einsetzen, was wichtig ist. Als Kirche
und Diakonie ist das Übernehmen von Verantwortung
wesentlicher Teil ihres gesellschaftlichen Auftrags. In
unserem Angebot bilden wir das durch spezifische Verantwortungsfelder
ab. Diese Themen wandeln sich, wie
sich die Gesellschaft wandelt. Haben wir in den letzten
Jahren unter anderem die Überwindung von Wohnungslosigkeit
als ein zentrales Themengebiet in diesem Bereich
gestaltet, werden in Zukunft Themen rund um die
Folgen der Klimakrise, die Stärkung einer inklusiven und
partizipativen Gesellschaft und Arbeitswelt oder den angemessenen
Umgang mit Prävention vor sexueller Gewalt
unsere Schwerpunkte sein. In diesen Fragen sind wir
mit vielen Kooperationspartner*innen unterwegs. In diesem
Helft fokussieren wir auf einen bleibend relevanten
Themenbereich: Menschengerechte Pflege. Uns ist dabei
ÜBER FÜHRUNG
„Führung verändert sich –
und sie muss sich verändern.“
In einer Welt, die von Unsicherheit, Komplexität und Widersprüchlichkeit
geprägt ist, greifen einfache Antworten
und klassische Steuerungslogiken zu kurz. Das Bild der
einzelkämpferischen Führungskraft, die mit klarem Kurs
und harter Hand ans Ziel steuert, hat ausgedient. Heute
braucht es Führung als kollektive Leistung. Collaborative
Leadership bedeutet, Räume für Verständigung, Verantwortung
und kreative Lösungen zu öffnen. Es geht nicht
mehr nur darum, Entscheidungen zu treffen – sondern
darum, Prozesse zu gestalten, Perspektiven zu verbinden
und Sinn zu stiften. Wer heute führt, muss nicht alles
wissen, aber bereit sein, mit anderen zu lernen. Zukunftsfähige
Führung verlagert den Fokus: von Macht zu Kompetenz,
von Kontrolle zu Vertrauen, vom Ich zum Wir. In
dieser Veränderung liegt eine große Chance – für Organisationen,
für Führungskräfte, für uns alle. Und da können
wir von Kirche lernen. Beate Hofmann, die Bischöfin der
EKKW, hat gerade in einem Interview gesagt: „Ein wesentlicher
Schatz der evangelischen Kirche ist das Prinzip kollektiver
Entscheidung“.
u.a. wichtig, dass es nicht nur um Pflege im Alter geht.
Auch dazu erfahren Sie mehr auf den folgenden Seiten.
Und ganz neu:
Unsere veranstaltungsübergreifenden Zertifikate
Changemanagement und Leadership in Kirche und Diakonie
sind unsere beiden ersten veranstaltungsübergreifenden
Zertifizierungen, die wir Ihnen ab jetzt anbieten. In
jeweils drei Aufbau-Stufen haben wir Ihnen aus unserem
Programmangebot Veranstaltungen zusammengestellt,
die Sie Stück für Stück absolvieren können, um dann von
uns zertifiziert zu werden. Was genau wir damit meinen,
erfahren Sie weiter hinten in diesem Heft.
Gut und schön – aber was soll diese Welle?
Das Zeichen hinter dem Schriftzug akd ist eine Tilde. Damit
wird eine besondere Betonung gesetzt. Bei uns liegt
die Tilde über dem und zwischen Kirche und Diakonie,
denn das zeichnet uns als Akademie aus: Wir sind die
einzige Akademie, die im gesamten deutschsprachigen
Raum diese beiden Welten verbindet. Wenn man dann
noch Führung und Verantwortung ins Zentrum rückt, gerät
einiges in Schwingungen...
„Führung ist auch nicht mehr das,
was sie mal war...“
„Vor 50 Jahren waren drei Kulturtechniken zentral: lesen,
schreiben, rechnen.“ 25 Jahre später kamen zwei weitere
hinzu: sprechen (im Sinne von Ideen präsentieren, sich
ausdrücken können, Elevator Pitches parat haben…) und
zuhören (aktives Zuhören und wirkliches Verstehen).
Und heute? Heute ist eine der wichtigsten Kulturtechniken,
führen zu können! Menschen inspirieren, Orientierung geben,
Ziele setzen, Teams befähigen und Menschen dazu
bringen, guten Ideen zu folgen – das sind die Fähigkeiten,
die wir in diesen Zeiten brauchen.
Dazu braucht es keine formale Rolle. Menschen die führen,
erkennt man daran, dass ihnen andere Menschen
folgen.
Claudia Müller leitet die Leibniz-Akademie für Füh-
rungskräfte in Berlin. Sie ist Mitglied im Beirat der akd.
Dr. Tania Lieckweg ist Partnerin der osb inter-
national und Beraterin mit den Schwerpunkten
Strategieentwicklung, Führung, Organisationsentwicklung
und Begleitung von Veränderungsprozessen.
Sie ist Mitglied im Beirat der akd.
ÜBER FÜHRUNG
Løsung 2026 | Seite 12
„Was für eine Führung brauchen
Diakonie und Kirche für die Zukunft?“
Gute Führung in Kirche und Diakonie
Wie gelingt Führung in einer Welt, in der eine Veränderung
die nächste jagt? Klassische Steuerung stößt dabei
immer mehr an ihre Grenzen. Es braucht eine Führung,
die Sinn stiftet, stärkt und verbindet. Deswegen sehe
ich die Zukunft in Führungskoalitionen: Zwei oder mehr
Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven und Kompetenzen
tragen gemeinsam Verantwortung – nicht nur
als strukturelle Lösung, sondern als Haltung. Was früher
oft zu Spannungen führte, kann heute Vertrauen, Stabilität
und Wirksamkeit schaffen. Gerade in Doppelspitzen
wird Unterschiedlichkeit zur Stärke und Vertrauen zum
Fundament. Gute Führung teilt Verantwortung, sie schafft
Räume für Beteiligung und Entwicklung. Sie bringt Orientierung
in allen Ebenen, indem sie für Rollenklarheit,
transparente Ziele und verlässliche Rahmenbedingungen
sorgt. Sie fördert tragfähige Beziehungen, Lernfähigkeit
und (Unternehmens-)Resilienz – gerade in unsicheren
Zeiten. So wird Vertrauen zur Basis und Führung zur Kraftquelle.
„Wohin sollen wir gehen?“ – wenn
die Antwort auf diese Frage klar ist,
kann der Weg gestaltet werden.
Zugleich steht die Frage für die zentrale Herausforderung
von Führung, nämlich anderen klare Orientierung
zu geben und dabei selbst fortlaufend zu prüfen, ob die
Zielstellung noch stimmt. Führung in Diakonie und Kirche
beantwortet diese Frage nicht nur im Dialog mit dem jeweiligen
Team, sondern genauso intensiv im Dialog mit
dem dreieinigen Gott. Medien dafür sind Gebet, Bibellese
und stille Momente, an die sich der Austausch über
das anschließt, was das Team wahrgenommen hat.
Führung hat Offenheit und Leidenschaft dafür, zu entdecken,
wohin Christus uns als seinen Leib in dieser Welt
sendet, ihm zur Ehre und den Menschen zum Dienst. Darum
sind das Erkunden seines Willens und der Dialog im
Gebet nicht nur Garnitur, sondern Grundlage und Kraftquelle
unseres Führens. Das zu leben und in der jeweiligen
Organisation lebendig zu halten erfordert geistliche
Disziplin. Sie bewahrt davor, geistlos zu führen, und inspiriert,
im besten Sinne hoffnungsfroh und glaubensstark
zu sein. Sie kehrt täglich zurück zur entscheidenden
Frage, die übrigens auch schon die Jünger Jesu gestellt
haben: Herr, wohin sollen wir gehen? (Joh. 6,68) – und
findet Antwort.
Dr. Christian Ceconi ist Pfarrer und theologischer Vorstand
der Berliner Stadtmission. Er ist Mitglied im Beirat
der akd.
Miteinander
Antworten
finden
Führen, Leiten und Profilieren gehören zu den
zentralen Herausforderungen für Führungskräfte
in Kirche und Diakonie.
In unseren Veranstaltungen bringen wir Verantwortungsträger aus
unterschiedlichen kirchlichen Bereichen zusammen und entwickeln mit
ihnen neue Perspektiven. Themen unserer Veranstaltungen sind:
• Werteorientiertes Führen und Leiten
• Profil, Identität und Kultur kirchlicher Einrichtungen
• Vernetzung von Kirche, kirchlicher Wohlfahrt und Zivilgesellschaft
• Gesundheit als Führungsaufgabe
www.vrk-akademie.de
Ines Trzaska ist Beraterin mit über 20 Jahren Managementerfahrung
in der Sozialbranche, zuletzt als Vorstandsvorsitzende
des Unternehmensverbundes der
Diakonie Himmelsthür. Sie ist Mitglied des Beirats der
Akademie für Kirche und Diakonie.
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Løsung 2026 | Seite 14
„Ach Gott!“
Kirchliche Führungskunst als Gestaltung von Sinn.
Von Dr. Lars Charbonnier
Als akd werden wir immer wieder angefragt, was wir
denn meinen, wenn wir von kirchlicher oder kirchlich-diakonischer
Führungskunst sprechen. Das will ich gern darstellen
und damit einen Beitrag zu einer Debatte leisten,
die in meinen Augen mehr Aufmerksamkeit verdient, als
sie derzeit in den Fragen rund um das kirchlich-diakonische
Profil erhält.
Kirchlich-diakonische Führungskunst ist mehr als die Anwendung
von Managementtechniken im Raum von Kirche
und Diakonie. Sie wurzelt in einem tiefen Verständnis
von Theologie, das Friedrich D. E. Schleiermacher mit
seiner Konzeption der Praktischen Theologie als „Kunstlehre“
grundgelegt hat. Schleiermacher verstand die
Praktische Theologie nicht als bloße Anwendung dogmatischer
oder ethischer Prinzipien, sondern als eine eigenständige
Disziplin, die sich mit der Kunst der Gestaltung
kirchlichen Lebens beschäftigt. Diese Kunstlehre ist kein
Handbuch für Rezepte, sondern eine Reflexion über die
Bedingungen gelingender Praxis – und damit über die
Kunst, in einer sich wandelnden Welt Sinn zu stiften
und zu gestalten.
Denn im Zentrum von Schleiermachers Theologie
steht das religiöse Bewusstsein als
„Sinn und Geschmack für das Unendliche“.
Religion ist für ihn nicht primär ein
System von Lehren oder moralischen
Vorschriften, sondern die Erfahrung und
Gestal- tung von Sinn, die sich im Leben der Gemeinschaft
und im individuellen Glauben ausdrückt.
Praktische Theologie als Kunstlehre bedeutet daher,
dass kirchliche und damit auch diakonische Führung und
Leitung immer auch die Aufgabe hat, Räume für Sinnstiftung
zu eröffnen und zu gestalten – in der Vielfalt der
Möglichkeiten, „mit Herz und Hand und Mund und Leben“.
Führung in Kirche und Diakonie ist damit wesentlich
eine Kunst der Sinn-Gestaltung – eine Kunst, die
Menschen in Berührung bringt mit dem, was sie trägt,
bewegt und übersteigt.
Diese Perspektive hat weitreichende Konsequenzen für
das Verständnis von Führung heute. In einer Zeit, in der
Organisationen zunehmend nach ihrem „Purpose“, ihrem
Sinn und Zweck, gefragt werden, ist die Kirche mit ihrer
Dr. Lars Charbonnier
Dr. Lars Charbonnier ist Geschäftsführer der Akademie für
Kirche und Diakonie. Er ist Pfarrer, Wissenschaftler, Autor, leidenschaftlicher
Gestalter, systemischer Berater, personzentrierter
Coach, zertifizierter E-Learning-Trainer und begleitet
Führungskräfte, Teams und Organisationen in Transformations-Prozessen.
Hier geht es zum Dozentenprofil.
>> Link
Løsung 2026 | Seite 16
„Leitende brauchen gutes Know How
und ein gutes Gespür für die eigene
Person und ihre Wirkungen. Ich habe
die akd als einen Ort kennengelernt,
wo beides auf sehr hohem Niveau
erkundet und Haltungen überprüft und
eingeübt werden.“
Christian Kopp, Landesbischof der
Evangelisch-lutherischen Kirche in
Bayern, München
Die Kirchenbilder, die auf Social Media großen Anklang gefunden haben.
langen Tradition der Sinnstiftung und -deutung besonders
herausgefordert und zugleich besonders kompetent.
Schleiermachers Religionsverständnis legt nahe, dass
die Frage nach dem Sinn nicht ein nachträgliches Add-on,
sondern der Wesenskern kirchlichen und diakonischen
Handelns ist. Führung in Kirche und Diakonie ist deshalb
immer auch Führung im Modus der Sinnvermittlung und
Sinnkommunikation.
Hier trifft sich Schleiermachers Ansatz mit modernen
Konzepten des systemischen Managements einerseits
und der Purpose-Orientierung andererseits. Systemisches
Management etwa in der Schule St Gallens versteht
Organisationen als lebendige, sich selbst organisierende
Systeme, in denen Sinn und Bedeutung nicht von
außen verordnet, sondern im gemeinsamen Handeln und
Reflektieren immer wieder neu erzeugt werden. Führung
ist in diesem Verständnis nicht die Steuerung von oben,
sondern die Kunst, Prozesse der Sinnstiftung zu initiieren,
zu begleiten und zu moderieren. Die Führungskraft wird
zur Sinnarchitekt*in, die Räume schafft, in denen Menschen
sich mit dem gemeinsamen Auftrag identifizieren
und ihre eigenen Potenziale entfalten können.
Purpose-Orientierung ist vor diesem Hintergrund auch
kein modischer Trend, sondern Ausdruck einer tiefen
Und Sinnstiftung ist immer ein kommunikatives Geschehen.
Sinnstiftung braucht natürlich Beziehungsgestaltung!
Sehnsucht nach Sinn und Relevanz in einer komplexen,
oft als fragmentiert erlebten Welt. Für die Kirche ist diese
Orientierung an Sinn und Zweck ihr ureigenes Anliegen.
Christliche Führungskunst heißt, diese Tradition in die
Gegenwart zu übersetzen: Menschen zu ermutigen, sich
mit dem „Warum“ ihres Tuns auseinanderzusetzen, und
Organisationen so zu gestalten, dass sie ihrem Auftrag
treu bleiben und zugleich offen sind für die Herausforderungen
der Zeit.
Während in vielen Diskussionen „Geistliche Leitung“ als
eine besondere Qualität oder als spirituelle Zusatzkompetenz
verstanden wird, betont der hier vertretene Ansatz,
dass Sinnstiftung und Purpose-Orientierung nicht
nachträglich aufgesetzt werden können. Sie sind der
Wesenskern und das tragende Prinzip jeder Form von
Führung in Kirche und Diakonie. Es geht nicht darum, Managementmethoden
mit einem spirituellen Anstrich zu
versehen oder religiöse Sprache als Motivationshilfe zu
nutzen. Vielmehr ist die Kunst der Führung in kirchlich-diakonischen
Kontexten von Grund auf durchdrungen von
der Aufgabe, Sinn zu gestalten und zu kommunizieren –
und zwar in einer Weise, die sowohl der theologischen
Tiefe als auch den Anforderungen moderner Organisationsentwicklung
gerecht wird.
Diese Perspektive fordert dazu heraus, die Trennung zwischen
„geistlicher“ und „professioneller“ Leitung zu überwinden.
Sie lädt dazu ein, Führung als eine ganzheitliche
Praxis zu verstehen, in der Theologie und Management,
Spiritualität und Organisation, Sinn und Struktur untrennbar
miteinander verbunden sind. Nur so kann kirchlich-diakonische
Führungskunst ihrem Anspruch gerecht
werden, Menschen und Organisationen in Resonanz mit
dem Evangelium und den Herausforderungen der Gegenwart
zu bringen.
Diese hier dargestellte Führungskunst lässt sich auch im
Licht des Ansatzes des multirationalen Managements
weiter profilieren. Multirationales Management geht
davon aus, dass Organisationen nicht nur einer einzigen,
etwa ökonomischen oder technischen Rationalität
folgen, sondern dass sie stets von einer Vielzahl unterschiedlicher
Rationalitäten geprägt sind – etwa rechtlicher,
fachlicher, sozialer, ethischer oder eben auch religiöser
Rationalität. Jede dieser Rationalitäten bringt eigene
Logiken, Werte und Begründungszusammenhänge in die
Organisation ein und prägt so das Handeln und Entscheiden
auf allen Ebenen.
Theologie ist in diesem Verständnis aber nicht bloß eine
weitere, nebengeordnete Rationalität im Konzert der
vielen, sondern sie beansprucht im oben beschriebenen
Sinn eine besondere Stellung. Einerseits ist sie eine eigenständige
Rationalität mit spezifischen Denkformen,
Begründungen und Zielen. Sie bringt die Perspektive des
Glaubens, der Hoffnung und der Liebe in die Organisation
ein und eröffnet so einen eigenen Deutungsraum
für Sinn, Verantwortung und Gemeinschaft. Andererseits
erhebt die Theologie aufgrund ihres umfassenden Anspruchs
– der Rede von Gott und dem Sinn des Lebens
– den Anspruch, die Fundierung und Ausrichtung allen
Handelns, also auch allen Managements, zu beschreiben.
Im kirchlichen und diakonischen Kontext bedeutet das:
Theologie ist nicht nur eine Stimme unter vielen, sondern
sie bildet das Fundament, auf dem sich die verschiedenen
Rationalitäten begegnen und miteinander ins Gespräch
kommen. Sie stiftet den Rahmen, in dem ökonomische,
rechtliche, soziale und andere Rationalitäten eingeordnet,
hinterfragt und auf ihren Beitrag zum gemeinsamen
Sinn hin befragt werden können. Kirchlich-diakonische
Führungskunst im Sinne Schleiermachers ist daher immer
auch die Kunst, diese unterschiedlichen Rationalitäten
wahrzunehmen, zu integrieren und im Licht des
theologischen Grundes zu reflektieren. So wird Führung
zu einer Praxis, die nicht nur verschiedene Logiken balanciert,
sondern sie auf einen gemeinsamen, sinnstiftenden
Grund hin ausrichtet.
Kirchlich-diakonische Führungskunst beginnt also
mit Schleiermachers Verständnis der Praktischen
Theologie als Kunstlehre und entfaltet sich als Gestaltung
von Sinn im Horizont christlicher Religion. Sie
verbindet die Tradition der Sinnstiftung mit modernen
Ansätzen systemischen Managements und Purpose-
Orientierung und macht so deutlich: Der Wesenskern
christlicher Führung ist die Kunst, Menschen und Organisationen
in Resonanz mit dem Sinn des Evangeliums zu
bringen – und damit Kirche und Diakonie als lebendige,
sinnstiftende Gemeinschaften zu gestalten.
Die kompetente Aus- und
Fortbildung von Führungskräften
auf allen Hierarchieebenen
- bei einem sehr
guten Preis-Leistungs-Verhältnis
- dafür steht
die akd!
Sandra Heuer, Geschäftsführerin
Diakonieverband
Hannover-Land, Ronneberg
Løsung 2026 | Seite 18
Die Welt der akd in Zahlen und was Sie sonst über uns wissen sollten.
567 von 2024 Teilnehmenden haben
an reinen Online-Veranstaltungen teilgenommen.
Anzahl der Teilnehmenden
in Leitungspostion
Anzahl der
Veranstaltungen
x
Pro Jahr/Anzahl der
Studienleitungen
(x)
In der akd-Teeküche findet man
durchschnittlich etwa 15
verschiedene Teesorten und der
Kaffeevollautomat kreiert bis zu 12
verschiedene Variationen.
27 Prozent der Veranstaltungen
der akd wurden 2024 als blended-learning-Formate
durchgeführt.
90
2000
85 53 80 85 81 81 184 204 219 245 250 267 231 218 180 169 192 199 174 150
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
8 9 8 7 8 8 7 19 16 16 16 13 14 12 12 12 9 11 10 13 9
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
2019
2020
2025
Die Akademie hat im Jahr 2024
94 Zertifikate von renommierten
Institutionen, Berufsverbänden bzw.
Prüfstellen für die Abschlüsse
von mehrmoduligen Veranstaltungen
vergeben.
Wir bedanken uns für das Jahr
2024 bei 2.572 Teilnehmenden
aus allen Bundesländern und
darüber hinaus.
2022
2023
2024
Launch des neuen Corporate Designs und der Website. Inhaltliche
Profilschärfung zum Claim „Führung und Verantwortung“ und Umsetzung
einer umfassenden Marketing-Strategie inkl. Anzeigenkampagne
im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Intern konsequente
Arbeit an der Zusammenführung (mind.) zweier Organisationskulturen
und entsprechender Arbeitsweisen und Haltungen.
Im Rahmen eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gibt die
akd den Standort in Berlin-Pankow und damit Hotel und Tagungshaus
auf und muss sich in schmerzhaften Prozessen von den Mitarbeitenden
dieser Bereiche trennen. Das Ziel: Den sehr geschätzten
und langjährig erfolgreichen Akademiebetrieb erhalten! Neupositionierung
und Corporate-Identity-Prozess. Kritische Revision des Angebotsportfolios.
Storytelling- und Ausrichtung der Unternehmenskommunikation
auf Organisationsentwicklung und B2B Aktivitäten.
Mehr als 85.000 Aufrufe der Website allein im ersten Halbjahr.
Über 1.800 Follower*innen auf LinkedIn und Facebook. 55 Videos
auf dem eigenen YouTube-Kanal. Und natürlich viele erfolgreich
durchgeführte Veranstaltungen mit einer durchschnittlich sehr
hohen Zufriedenheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Die akd beschäftigt 22 Mitarbeitende
9 davon sind länger als 10 Jahre,
5 länger als 5 Jahre,
2 länger als 20 Jahre und
1 länger als 39 Jahre dabei.
12 x im Jahr trifft sich die akd zu großen
Teammeetings, mit gemeinsamen
Frühstück. Manchmal auch zum
Lachen, Singen und Feiern.
NRW
RP
SL
Nds
HE
SH
B
HH
TH
BY
MV
SA
BB
SN
B
Die akd geht mit einem neuen Geschäftsführer für die Bundesakademie
und die Führungsakademie an den Start. Der Auftrag des Aufsichtsrates:
Eine Akademie an einem Standort mit einem Profil unter
einem Geschäftsführer. Leider treten unvorhersehbare Herausforderungen
am Akademiestandort in Berlin-Pankow auf,
die zu einem mutigen Schritt zwingen.
12 ausgebildetete und zertifizierte
Erst- und 14 Brandschutzhelfer*innen
kann die akd aufweisen.
BW
Berlin
1.273 Bücher stehen in unserer
Bibliothek. Einige davon haben
unsere Mitarbeietenden geschrieben.
10 Österreich
4 Luxemburg
3 Schweiz
1 Norwegen
Løsung 2026 | Seite 20
Innovation und Entwicklung
Innovation &
Entwicklung
Unserer Organisationen befinden sich in tiefgreifenden
Transformationsprozessen. Gesellschaftliche Veränderungen,
Digitalisierung, demografischer Wandel
und veränderte Erwartungen an Kirche und Diakonie
fordern dazu heraus, sich stetig weiterzuentwickeln und
neue Wege zu gehen. Entwicklung und Innovation sind
dabei keine Selbstzwecke, sondern dienen dem Auftrag
und der Wirksamkeit der Organisation. Führungskräfte
lernen, wie sie notwendige Veränderungsprozesse initiieren,
Innovationen fördern und eine Kultur des Lernens
und Ausprobierens etablieren. Eine offene, mutige
Haltung ist dabei entscheidend: Es gilt, Bewährtes zu
würdigen und zugleich Neues zu wagen, Fehler als Lernchancen
zu begreifen und gemeinsam mit den Teams
kreative Lösungen zu entwickeln.
Im kirchlich-diakonischen Kontext sind Transformationen
oft mit besonderen Herausforderungen verbunden
– etwa der Balance zwischen Tradition und Erneuerung,
der Einbindung vielfältiger Perspektiven und der Orientierung
an Werten und Sinn. Notwendige Transformationen
betreffen dabei nicht nur Strukturen und Prozesse,
sondern auch die Identität und das Selbstverständnis
der Organisation. Führungskräfte werden ermutigt, Veränderungsbereitschaft
vorzuleben, Innovationsprozesse
partizipativ zu gestalten und die Organisation als lebendigen
Organismus zu verstehen, der sich kontinuierlich
weiterentwickelt.
Die Akademie für Kirche und Diakonie unterstützt Sie dabei,
eine innovationsfreundliche Haltung zu entwickeln,
Transformationsprozesse professionell
zu begleiten und die
Zukunft aktiv zu gestalten – immer
im Dienst der Menschen
und des gemeinsamen Auftrags.
Im Mittelpunkt steht die
Fähigkeit, Chancen zu erkennen,
kreative Ideen zu fördern
und gemeinsam mit Mitarbeitenden
und Beteiligten neue
Wege zu gehen. Führungskräfte
lernen, wie sie Transformations-
und Innovationsprozesse
strukturieren, Widerstände
überwinden und nachhaltige
Veränderungen anstoßen. Ziel
ist es, eine Haltung zu stärken,
die Offenheit, Mut und Lernbereitschaft
vereint und so die Organisation
fit für die Herausforderungen
der Zukunft macht.
DAS WORKBOOK ZUR CHANGE KOMMUNIKATION
Die Akademie für Kirche und Diakonie produziert gemeinsam
mit dem Diakonisches Werk im Kirchenkreis
Recklinghausen Recklinghäuser Werkstätten gGmbH
eine Reihe von Corporate Books, die auf der Basis von
Seminaren und Trainings entstanden sind. Wer bestimmte
Themen vertiefen möchte und gleichzeitig die Arbeit
von Menschen mit Einschränkungen unterstützen möchte,
trifft hier eine gute Wahl. Das illustrierte Workbook
von Robert Wieczorek und Michael Zirlik ist ein Leitfaden
zur Gestaltung von flankierender Kommunikation bei
Change- Management-Projekten. Das Workbook orientiert
sich am Thema Software-Einführung, vieles lässt sich
aber natürlich auch auf andere Fragen der Veränderung
in Organisationen übertragen. Am Ende eines Kapitels
findet sich jeweils ein Anwendungsbeispiel, das optional
als Vorlage genutzt werden kann. Das gilt auch für die
Bildwelten, die wir verwendet haben. Die 76 Seiten umfassende
Broschüre wird in einer diakonischen WfbM „on
demand“ produziert und kommt direkt mit der Post zu Ihnen
nach Hause. >> Link
Løsung 2026 | Seite 22
Michael Zirlik arbeitet seit 2022 als Studienleiter bei der akd mit
den Schwerpunkten ChangeManagement, Agilität und Unternehmenskultur.
Was das in der Praxis bedeutet, weiss er aus eigener
Erfahrung: Viele Jahre hat er davor Organisationsentwicklungsprojekte
in einer grossen Diakonischen Organisation geleitet, hat Unternehmen
im Change beraten und auch zu dem Thema geforscht.
SERVUS!
Løsung 2026 | Seite 24
ES SOLL SICH ETWAS VERÄNDERN
ABER WEHE ES VERÄNDERT SICH ETWAS!
Eingefangene O-Töne von:
Michael Jacob, Der Beauftragte für den Datenschutz der EKD
Pfr.in Dr. Stefanie Schardien, Theol. Direktorin des Gemeinschaftswerks
der Ev. Publizistik & Medienbeauftragte des Rates der EKD
Michael Tolk, Fachbereichsverantwortlicher IT und Finanzen / IT-Leitung,
Der Beauftragte für den Datenschutz der EKD
>> Link
Neugier und Experimentierfreude
Wüssten wir immer schon genau, was auf uns zukommt,
dann wäre es keine Innovation mehr.
Sich einlassen auf den Weg, nicht genau wissen was uns
erwartet, entdecken was wirkt und sich manchmal vom
ungeplanten „Zufall“ dankbar überraschen zu lassen:
Diese Haltungen ermöglichen uns, mit Neugier voran zu
schreiten, statt ängstlich nur zu reagieren. Das verlangt
und fördert Beweglichkeit. Im Kopf und auch im Tun.
„Das war ein Wissensfeuerwerk in wenigen Tagen. Dabei
hat Michael Zirlik, und das unterscheidet wohl die Arbeit
von akd auch von anderen Anbietern, immer betont, dass
es nicht die eine, richtige Methode gibt.“ Die Fortbildungen
bei Michael Zirlik sind methodisch sehr abwechslungsreich.
Unsere Gruppe stellte sich z.B. als sehr spielfreudig
heraus. Auch dafür hatte Michael Zirlik stets die rechten
Angebote parat, die die Change-Management-Tools mit
nochmals anderen Sinnen verinnerlichen ließen.“ (SSch)
Eigene Lernfähigkeit und -bereitschaft
„Erfahrung nützt nichts – außer man hat daraus gelernt.“
Nur wenn wir selber lern- und veränderungsfähig sind,
können wir auch unsere Organisationen bewegen.
Durch unser eigenes Beispiel ermutigen und inspirieren
wir die Menschen um uns herum, und stärken sie.
„Sowohl im kleinen Leitungsteam als auch in unterschiedlichen
hierarchieübergreifenden größeren Teamkonstellationen
gelingt es Michael Zirlik stets durch sein
empathisches Einfühlungsvermögen und seine präzise Situationsanalyse
die Prozesse - auch vor dem Hintergrund
seiner umfangreichen Erfahrungen - zielorientiert zu steuern“
(MJ)
Den richtigen Rhythmus finden
Handeln und Reflektieren, Tempo machen und Innehalten,
Leichtigkeit und Vertiefung, Selbstverantwortlich
und in der Gemeinschaft handeln, … Wirksame Veränderung
ist kein „entweder – oder“ sondern braucht immer
beide Pole. Wenn wir uns selber zwischen diesen
Polen gut bewegen können, mal eher das eine, dann
das andere mehr leben, bleiben wir beweglich und können
auch andere bewegen. Veränderung in Organisationen
ist nichts, was man einfach mal eben so macht.
Change- und Innovationsmanagement ist eine Profession
– und diese kann man lernen. Bei der akd und natürlich
bei Michael Zirlik.
>> Link
Keine Frage: Die Fähigkeit zur Veränderung unserer Einrichtungen
und Organisationen aus Kirche und Diakonie
ist heute wichtiger als je zuvor. Aber wie kann sie gelingen?
Welche Kompetenzen und Fähigkeiten werden benötigt
und welche Haltungen sind hilfreich?
In 28 Jahren Berufserfahrung hat Michael einige sehr erfolgreiche
Change-Manager*innen kennen gelernt – und
auch so manche, die dabei gescheitert sind. Und er hat einiges
für und über sich gelernt, wie er selber Change-Prozesse
gut gestalten und begleiten kann. Das lebt er und
gibt es auch an seine Teilnehmenden und Kunden weiter.
Ein paar Tipps und Rückmeldungen von Teilnehmenden
haben wir zusammengetragen und aufgeschrieben.
Akzeptanz und Leidenschaft
Wenn wir erst mal akzeptieren, dass Veränderungen nicht
die störende Ausnahme, sondern der Normalfall sind,
fällt es uns gleich leichter diese Herausforderung anzunehmen.
Dabei entdecken wir dann vielleicht sogar, dass
Change Management unglaublich spannend sein und Innovation
richtig Freude machen kann. Dann wird die Last
zur Lust, und das Leiden zur Leidenschaft
„Michael strahlt eine große Klarheit und Ruhe in der Sache
aus und zugleich eine starke Leidenschaft und Fröhlichkeit
im Vermitteln. Da hat jemand den rechten beruflichen Ort
für seine vielen Begabungen gefunden! (SSch)“
„In der Anwendung der handwerklichen Instrumente eines
Beraters/Moderators weiß sich Michael Zirlik sowohl
in präsentischen als auch in digitalen Formaten versiert,
kompetent und erfahren zu bewegen. Dabei agiert er zielgruppenorientiert
und mit einem klaren eigenen Rollenverständnis.
Auch seine Fähigkeit, Ergebnisse aus den einzelnen
Arbeitsschritten zu filtern und zu einem gemeinsamen
Ziel zusammenzuführen ist eine Eigenschaft, die wir an ihm
sehr zu schätzen gelernt haben. (MT)“
Løsung 2026 | Seite 26
Der Komposthaufen!
Was wir meinen, wenn
wir von Transformation
sprechen.
Von Tilman Kingreen
„Wir haben Lust auf Transformation!“
Ein solcher Satz klingt nach. Aber ich verstehe ihn nicht.
Wie kann etwas Lust machen, das Verlust bedeutet?
Transformation verändert den Wesenskern.
Nicht nur wie, sondern auch was
bisher galt, gilt nicht mehr. Kann das
Lust machen?
Mich ärgert, dass der Begriff Transformation heute so
leichtfüßig daherkommt und inflationär gebraucht wird.
Wie Konfettieregen rieselt er aus tausenden Powerpointpräsentationen.
Oder er kommt drohend daher:
„Wir stellen alles auf den Prüfstand! Was ist, war gestern.
Und gestern ist gestern und darum heute falsch.“ Es soll
nach Außen etwas bewirkt werden. Darum schreiben wir
in Großbuchstaben „Transformation“ und tragen dies
als Banner in der rechten Hand, während die linke den
nächsten Changeprozess gestaltet. Wie kommen wir aus
diesem Widerspruch heraus? Das solidarische „Wir“ entdeckt
die transformative Kraft und entwickelt daraus einen
kritischen Dialog mit allem, was es bislang auch nach
Außen darstellte.
Ich wünschte mir darum zuerst eine Würdigung dieses
wichtigen Begriffs Transformation. Ich suche dafür keine
Lehrbuchdefinition. Ich möchte, dass wir die existentielle
Wucht dieses Begriffs verstehen. Wir brauchen Transformation.
Das ist klar. Aber Transformation können wir
weder planen noch machen. Transformationen müssen
wir zulassen. Ihre Relevanz entsteht im Außen. Von dort
kommt sie auf uns zu. Und das verlangt vor allem eines:
Vertrauen aufzubauen! Wir brauchen Vertrauen in das,
was werden wird, auch wenn wir es nicht kennen, sondern
nur wissen: das bisher uns Vertraute wird es auf jeden
Fall nicht mehr sein.
Transformation braucht wie
Weihnachten den Advent.
Diesen Erwartungsraum können wir herstellen. Mit Rahmensetzungen,
Ritualen und einer klaren Zukunftsausrichtung.
Und was geschieht in diesem Raum? Es entsteht
eine neue Figur von allem, was wir bislang waren und
sind, wofür wir einstanden. Diese Figur wird gänzlich anders
sein, als alles, was wir bisher kannten. Mehr wissen
wir nicht. Alles andere wäre sonst nur eine in die Zukunft
projizierte Vergangenheit.
Transformation braucht den Kairos.
Das unterscheidet Transformation vom
Change.
Change braucht einen Anlass. Sei dies
die Ressourcenverknappung oder der
Verlust an Kundenkontakt. Solche Anlässe
fordern Changeprozesse. Change
lebt von gutem Handwerk. Dinge müssen
angepackt und professionell gestaltet
werden. Sie sind beschreibbar
und damit umsetzbar. Es muss getan
werden. Dazu braucht es Entscheidungen
und danach ein entschiedenes Umsetzen.
Verschleppte Entscheidungen und
unentschiedenes Handeln sammeln
sich dagegen wie alles, das nicht
verarbeitet wird.
Es landet auf dem Kompost. Nicht auf dem Müllhaufen.
Es wird zum Komposthaufen. Denn die Substanz
war sehr gut. Es fehlten nur die Entscheidungen zur
rechten Zeit! So kommt es, dass gute Früchte den Anschluss
zur Umwelt verlieren und sich nicht mehr produktiv
mit ihrer Umwelt verbinden. Nun also dort: auf dem
Kompost! Auch hier wirkt die gute Substanz fort. Entwickelt
Wärme. Trägt dazu bei, einen hochenergetischen
Mikrokosmos zu entwickeln an dessen Ende Humus entsteht.
Humus! Der Komposthaufen ist ein Sinnbild für
Transformation. Das Vergangene wird zum Energieträger
der Zukunft.
Fehlende Entscheidungen
sind eine Gefahr.
Können wir noch einen Changeprozess einleiten oder stehen
die Zeichen auf Transformation? Das gilt es zu unterscheiden.
Beim Change können Zeiten und Ziele vorgegeben
werden.
Bei Transformation errichten wir eher
ein Vertrauenscamp in der Wüste. Das
ist ein fundamentaler Unterschied.
Bei dem einen geht es um Tempo. Bei dem anderen um
Entschleunigung. Und bitte keine Mischformen! Bei dem
einen werden operationale Ressourcen zur Verfügung gestellt.
Beim anderen lautet die Hauptressource Vertrauen.
Und das muss man herstellen. Hierzu braucht‘s Visionsreisen,
ein gemeinsames tastendes Suchen und immer
wieder den Versuch, erste Prototypen der im Entstehen
begriffenen Zukunft zu wagen. Aus verpassten Change
wird ein Komposthaufen. Die Transformation beginnt.
Tilman Kingreen, akd Studienleitung
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Løsung 2026 | Seite 28
Fusionen sind und bleiben in Kirche und Diakonie vielfach
notwendige Schritte, um Zukunftsfähigkeit zu sichern. Wir
sprechen mit einem, der einen solchen Prozess gerade
aktiv verantwortet.
Lieber Herr Dr. Höver, Sie haben vor kurzem die Geschäftsführung
einer alteingesessenen Hamburger
Diakonie-Einrichtung übernommen. Und Ihre erste
Aufgabe wurde die Fusion mit einem größeren Träger.
Hat Sie das motiviert oder erschreckt?
Die Aufgabe war eine starke Motivation: Ich kam mit dem
strategischen Auftrag, die Zukunft der Stiftung zu gestalten.
Ursprünglich dachte ich nicht an Fusion, doch bald
wurde deutlich, dass wir zu klein waren, um die Vielfalt
der Geschäftsfelder erfolgreich zu steuern – insbesondere
unter dem Druck der Kostenträger und des Fachkräftemangels.
Hinzu kamen ein Investitionsstau in Gebäuden sowie
wirtschaftliche Probleme in der stationären Altenhilfe.
Fragen wie „Müssen Einrichtungen schließen?“ oder „Sollen
wertvolle Grundstücke verkauft werden?“ standen
plötzlich im Raum. Das wollte ich vermeiden.
Gleichzeitig wurde ja damit klar – nicht nur mir, sondern
auch entscheidenden Schlüsselpersonen: Es gibt einen
echten „Case for Action“, wie Sie es in Ihren Change-Seminaren
nennen. Ich konnte einen benachbarten diakonischen
Träger gewinnen – menschlich wie strukturell
passte es gut. Mit Vertrauen und enger Begleitung durch
unsere Gremien gelang der Zusammenschluss aller operativen
Einheiten in nur sieben Monaten. Heute sind wir
als gemeinsamer Verbund für diakonische Pflege und Bildung
in Hamburg und Schleswig-Holstein gut aufgestellt
– mit mehr Lösungskraft.
Fusionen sind ja derzeit und vermutlich auch in naher
Zukunft in der Sozialwirtschaft wie in der Kirche Gang
und Gebe. Was meinen Sie, wird der Trend anhalten?
Warum?
Fusionen sind keine Patentlösung – sie bringen Risiken
mit sich, etwa wenn das Tempo zu hoch ist oder die Führung
den Kontakt zur Basis verliert. Auch kulturelle Unterschiede,
geografische Distanzen oder divergierende
Geschäftslogiken können Stolpersteine sein. Doch generell
gilt: Die Herausforderungen lassen sich gemeinsam
besser bewältigen. Fachkräftegewinnung und Employer
Branding können professioneller angegangen, IT, Personal
und Finanzwesen effizienter aufgestellt werden.
Es braucht dafür allerdings eine sehr enge, kompetente
Führung und ein hohes Maß an gegenseitigem Vertrauen.
Jede Fusion ist sicherlich anders. Was war – ohne Vertrauliches
zu verraten – in Ihrem Fall besonders?
Theologisch gesprochen war es ein „Kairos“ – ein günstiger
Moment, in dem strategisch und persönlich vieles
zusammenkam. Besonders war bei uns sicher, das Maß
des Vertrautens das durch den Prozess entstanden war:
Zunächst hatten beide Aufsichtsgremien einstimmig beschlossen,
ernsthafte Gespräche zu führen. Daraufhin
in der Diakonie
tagte eine paritätisch besetzte Steuerungsgruppe aus erfahrenen
Mitgliedern beider Gremien über sieben Monate
hinweg alle zwei Wochen. Die Gruppe brachte enorme
Managementerfahrung, Weitblick und Fachwissen ein.
Zudem wurden wir kompetent beraten.
Teilweise ging es hoch her und es wurde auch „hart“ verhandelt.
Entscheidend war aber: Die Atmosphäre war am
Ende geprägt von Vertrauen – niemand wollte die andere
Seite übervorteilen. Alle sahen, dass wir gemeinsam
etwas Größeres zustande bringen. Das Ergebnis war ein
schlanker, klarer Fusionsvertrag, der nicht mit juristischen
Feinheiten überfrachtet war, sondern einen Zusammenschluss
auf Augenhöhe regelte. Die Kürze des Vertragstextes
war ein Ausdruck des Vertrauens, das unserer Vereinbarung
zugrunde lag.
Was ist besonders gut gelungen, und was nicht?
Strategisch und strukturell gehen unsere Ziele gut auf. Die
Pflegeeinrichtungen stabilisieren sich, Neubauten sind in
Planung, und das Stiftungsgelände wird zum modernen
Bildungscampus ausgebaut. In der Geschäftsführung harmonieren
wir ausgesprochen gut.
Herausfordernd ist dagegen die kulturelle Integration –
nicht alle Mitarbeitenden konnten mitgenommen werden,
einige verließen uns während des Prozesses. Auch
manche operative Abläufe sind noch nicht perfekt. Doch
wir bemühen uns um Offenheit, Selbstkritik und eine gelebte
gemeinsame Philosophie.
Wenn Sie nun rückblickend schauen – welche Hinweise
würden Sie anderen geben, die vor einer Fusion
stehen?
Ich habe gelernt: Mut fassen und Vertrauen schenken
– besonders den Partnern, mit denen man das Schiff
steuert. Mein konkretestes Learning: Bei kontroversen
Themen schnell klare Entscheidungen treffen – etwa bei
der Auswahl einheitlicher Software. Auch wenn solche
Entscheidungen manchmal „Verlierer“ erzeugen, herrscht
danach Klarheit und Richtung.
Sie haben in St. Gallen Management studiert. In welcher
Hinsicht hat Ihnen dieser Blick auf die Dinge geholfen?
Wahrscheinlich habe ich dort gelernt, die oft komplexen
Reaktionen von Organisationssystemen nicht zu personalisieren
– das entspannt enorm. Auch wurde mir
deutlich, dass Strategiearbeit der Kern von Führung ist:
die kontinuierliche Weiterentwicklung und Absicherung
der Zukunft. Und ich sehe jeden Tag, wie sehr Führungsverhalten
beobachtet wird. Ich kann also nur durch ein
sichtbar vorgelebtes Wertesystem führen. Wenn ich mich
engagiert um die Probleme meiner Führungskräfte kümmere,
darf ich erwarten, dass sie das ebenso tun.
Sie haben Theologie studiert, in St. Gallen promoviert,
waren Pfarrer in einer Gemeinde, Professor für Diakoniewissenschaften
und leiten nun einen großen überregionalen
Träger in Norddeutschland. Sie vereinen
beeindruckende Kompetenzen und Erfahrungen. Der
Stand der Theolog*innen als Vorstandsverantwortliche
in der Diakonie nimmt kontinuierlich ab. Was meinen
Sie, ist das eine hilfreiche Entwicklung? Und wie
sollten sich Pfarrer*innen vorbereiten, wenn sie auch
einmal Verantwortung in der Diakonie übernehmen
wollen?
Ich sehe darin eine besorgniserregende Entwicklung. Im
Hinblick auf die diakonische Identität unserer Einrichtungen
kann es nicht gleichgültig sein, dass immer weniger
Theolog:innen Leitungsverantwortung übernehmen. Ich
bin überzeugt: Theolog*Innen machen einen Unterschied.
Nicht mehr in der Gestalt eines Diakonie-Patriarchen, wie
man ihn lange kannte – zum Glück ist diese Zeit vorbei.
Auch nicht in der Rolle einer normativen Managerin mit
ethischem Fokus oder eines Unternehmensphilosophen.
Zukünftig werden sich Theolog*innen nicht mehr allein
über ihre Profession legitimieren können – auch wenn
manche Satzungen dies noch vorsehen. Um wirksam Verantwortung
zu übernehmen, müssen sie sich in einem Geschäftsbereich
fachlich profilieren und zugleich Management-Kompetenzen
entwickeln, wie sie etwa an der akd
vermittelt werden. Beides ist erforderlich, um die diakonische
Idee glaubhaft zu vertreten und in die Zukunft zu
führen.
Dr. Hendrik Höver ist Rektor und Vorstandsvorsitzender
der Stiftung Diakonie Alten Eichen in Hamburg und
Dozent an der akd sowie Mitglied ihres Beirats.
Løsung 2026 | Seite 30
Wo drückt der Schuh in Kirche
und Diakonie, Frau Bischöfin?
Ein Gespräch zwischen Dr. Lars Charbonnier und Bischöfin Dr. Beate Hofmann.
Liebe Beate, Du kennst Dich wie kaum eine andere leitende
Geistliche gerade in beiden Welten von Diakonie
und Kirche aus und trägst in beiden Welten viel
Verantwortung. Wie nimmst DU gerade das Verhältnis
von Kirche und Diakonie zueinander wahr?
Zu meinem großen Bedauern vertiefen sich die Gräben
zwischen Kirche und Diakonie an vielen Stellen. Das Wissen
voneinander und das Verständnis für die unterschiedlichen
Logiken, in denen beide agieren, sinkt. Gleichzeitig
werden Kirche und Diakonie von vielen Menschen miteinander
identifiziert. Der interne Streit ist für sie überhaupt
nicht nachvollziehbar. Und strategisch brauchen wir das
Miteinander, gerade jetzt in den multiplen Krisen.
Welches sind denn die größten Herausforderungen
gerade – für Diakonie und für Kirche und vielleicht
auch für beide zusammen? Oder das gerade nicht, weil
die Welten so verschieden sind?
Grundsätzlich sind Kirche und Diakonie durch veränderte
Rahmenbedingungen in unserer Gesellschaft (Krisen,
Säkularisierung etc.) herausgefordert, umfassende Transformationsprozesse
in ihren Arbeitsbereichen zu gestalten.
Die Organisationsstrukturen und finanziellen Rahmenbedingungen
sind verschieden, aber die Aufgabe,
grundlegende Veränderung zu gestalten, ist die gleiche.
Aktuell ist eine große Herausforderung, zu gemeinsamen
Standards im Umgang mit sexualisierter Gewalt zu
kommen. Das Ringen um die finanziellen und rechtlichen
Konsequenzen von Anerkennung des Leids Betroffener
und um gute Aufarbeitung zeigt die strukturellen Differenzen
deutlich.
Gleichzeitig wird das gemeinsame Engagement für Demokratie
und gegen Ungerechtigkeit und soziale Spaltung
immer wichtiger, gerade im Blick auf die Positionen,
die die AfD vertritt. Die richten sich gleichermaßen gegen
das Handeln der Kirche wie der Diakonie und stellen
Grundüberzeugungen des Sozialstaats in Frage.
Und nur gemeinsam werden wir gegen wachsenden Rassismus
und Antisemitismus eintreten und geflüchtete
Menschen hier gut integrieren können.
Die Arbeit der akd kennst Du seit vielen Jahren und
bist seit einigen Jahren auch als Vorsitzende unseres
Beirats aktiv. Wie nimmst Du die Arbeit der akd wahr?
Und was könnte sie noch mehr tun im Blick auf das
Miteinander von Diakonie und Kirche?
Die akd ist eine der wenigen Einrichtungen, die Fach- und
Führungskräfte für Diakonie und Kirche miteinander qualifiziert
und damit einen Ort bietet, wo man voneinander
lernen kann. Für das Miteinander von Diakonie und
Kirche braucht es mehr Kompetenzen im Umgang mit
Multirationalität und hybriden Organisationen und mehr
Sensibilität für Kulturveränderungen in Transformationsprozessen.
Das müssen beide jeweils und miteinander
lernen und die akd kann das unterstützen. Und beide stehen
vor der Herausforderung, überhaupt Personal zu finden
und dieses Personal mit den Grundüberzeugungen
der eigenen Organisation vertraut zu machen
Wenn Du Dir das Angebots- und Themenportfolio der
akd anschaust – was fehlt angesichts der vielfältigen
Transformationsprozesse in Diakonie und Kirche gerade?
ganisationsstrukturen. Eine Grundaufgabe in Diakonie
und Kirche ist die Sozialraumorientierung und die Herausforderung,
von der Konkurrenz in die Kooperation zu
kommen. Das müssen wir unterstützen.
Und zum Schluss: Welche Fortbildung hast Du eigentlich
zuletzt mit Gewinn besucht? Auch wenn es vielleicht
nicht bei der akd war.
Für klassische Fortbildungen bleibt in meinem Leben gerade
wenig Zeit, aber ich habe in den letzten Monaten in
Gesprächen, Coachings und Konferenzen viel über KI (mit
konkretem Benefit im Arbeitsalltag), über Demokratieförderung
und über Säkularisierung gelernt…
Ich wünsche mir mehr Angebote zu Prozesssteuerungskompetenzen
in Transformation und zur Stärkung von
Kommunikation, Profil- und Kulturarbeit, also der Soft
facts, die oft weggewischt werden, aber für das Gelingen
von Transformation entscheidend sind. Auch mit dem
Thema Diversität sind wir in Kirche und Diakonie noch
lange nicht fertig….
Wünschenswert für die Zukunft wäre mehr Knowhow zu
Netzwerkorganisationen und zur Führung in solchen Or-
Prof. Dr. Beate Hofmann ist Bischöfin der Evangelischen Kirche von
Kurhessen-Waldeck. Sie war zuvor u.a. Direktorin des Instituts für Diakoniewissenschaft
und Diakoniemanagement in Bielefeld/Bethel. Sie ist Vorsitzende
des Aufsichtsrats des EWDE und Vorsitzende des Beirats der akd.
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Løsung 2026 | Seite 32
Familienorientierung
Svende Knoll, Assistenz der Geschäftsführung/Personal
bei der Akademie für Kirche und Diakonie.
Warum denn das in der akd?
Sie brauchen dringend Erholung, und nun geht der Urlaub
wieder für die Pflege drauf? Es dauert ewig, bis Sie für sich
einen Facharzttermin finden? Die Kita hat zu und Sie müssen
ihr Kind selber betreuen, aber wichtige Dinge warten
im Büro auf Sie? Alles das sind Herausforderungen und
Bedürfnisse, denen zumindest wir in der akd uns gegenübersehen.
Und deshalb haben wir uns auf den Weg gemacht,
dass Evangelische Gütesiegel Familienorientierung
zu erhalten, und davon möchte ich gerne berichten.
Das Evangelische Gütesiegel Familienorientierung bietet
ein zukunftsweisendes und nutzenorientiertes Verfahren
mit dem Ziel, dass familienorientierte Maßnahmen in der
gesamten Organisation strategisch verankert und im Alltag
„gelebt“ werden.
Am Anfang unseres Zertifizierungsprozesses stand die Frage
„Was bedeutet Familie für Dich?“. Alle Kolleg*innen der
akd haben sich mit ihren konkreten Ideen beteiligt. Schnell
stand fest: Für uns beginnt Familie da, wo wir über einen
längeren Zeitraum intensiv Verantwortung füreinander
übernehmen. Also nicht nur Vater, Mutter, Kind, sondern
auch Kolleg*innen, die sich regelmäßig um die hilfsbedürftige
beste Freundin kümmern, die die älter werdenden
Eltern unterstützen oder den Onkel mit dem gebrochenen
Bein zum Arzt fahren. Familie ist für uns ein breit zufassender
Begriff, zu dem auch der Hund gehören kann.
Während eines gemeinsamen Projekttages zum Thema
„Familienorientierung - Was brauchen wir? Was haben
wir schon? Was wünschen wir uns?“ wurden eine Fülle an
Bedarfen und Vorstellungen ausgearbeitet. Mit dieser Ausgangslage
ist die übergreifende Projektgruppe in den Zertifizierungsprozess
gestartet.
Die Projektgruppe hat nicht nur altbewährte Maßnahmen
wie flexible Arbeitszeiten, mobiles Arbeiten oder das Jobticket
nach innen und außen sichtbar gemacht, sondern
auch neue Maßnahmen aufgegriffen und weiterentwickelt,
wie zum Beispiel die Einführung von Karenzzeiten für Pflege
oder die Anschaffung einer Spielzeugkiste für Kinder im
Büro.
Bevor der Zertifizierungsprozess abgeschlossen wurde,
stand ein internes, zweitägiges Audit an, währenddessen
hat die Auditorin sich vor Ort ein Bild von der akd als familienfreundliche
Arbeitgeberin gemacht.
Bei der feierlichen Verleihungszeremonie am 08. September
2023 wurde uns dann das Evangelische Gütesiegel
Familienorientierung verliehen. Wir können uns nun mit
Recht als Arbeitgeberin bezeichnen, für die die Vereinbarkeit
von Familie und Beruf nicht nur ein hoher Wert ist, sondern
auch in konkreten Maßnahmen gelebt wird. Besonders
gefreut haben wir uns über die Laudatio der Auditorin:
„Die Akademie für Kirche und Diakonie überzeugte insbesondere
durch die gemeinsame Grundhaltung und eine
Grundverständigung auf entwicklungsfördernde Ziele und
Maßnahmen. Weiterhin stellt die ausgeprägte Kompetenz
zur kritischen Selbstreflexion auch im weiteren Prozess der
Sicherung der Nachhaltigkeit und Weiterentwicklung eine
tragfähige Basis dar.“
Doch mit diesem Schritt sind wir noch nicht am Ende des
Verfahrens angekommen. In 2026 steht die Re-Zertifizierung
an. Bis dahin treffen wir uns regelmäßig in einer neu
besetzten Arbeitsgruppe, reflektieren alle Maßnahmen
und entwickeln diese bei Bedarf weiter oder entscheiden
die ein oder andere zu verwerfen. Eine erforderliche weitere
Maßnahme haben wir bereits identifiziert und im Jahr
2024 umgesetzt - wir haben nun eine arbeitgeberfinanzierte
betriebliche Zusatzkrankenversicherung.
Das höchste Ziel bleibt es für mich, die Mitarbeitenden
stets gut zu informieren, immer wieder zu Austauschforen
einzuladen und ein offenes Ohr und einen offenen Blick für
mögliche Probleme in Bezug auf die Vereinbarkeit von Beruf
und Familie zu haben.
Sie möchten mehr zum Thema lesen? Hier finden Sie eine
Publikation: https://www.eva-leipzig.de/de/person/franziska-woellert
Jetzt fragen Sie sich vielleicht, warum hier alles mit Playmobil dargestellt ist. In einer kleinen Projektgruppe haben wir uns gefragt, wie
können wir unsere Familienorientierung gut sichtbar machen - nach Innen und nach Außen? Das erste Brainstorming hat ergeben, dass
es farbenfroh und ansprechend und vor allem auch mit einem gewissen Widererkennungswert sein soll. Nach dem viele Stunden intensiver
Recherche nach geeigneten Icons mehr oder weniger ins Leere geführt haben, kam die Idee nach Zeichnungen auf. Aber auch das
stellte sich als sehr zeitaufwändig und schwierig heraus. Denn dann waren die Schuhe zu altmodisch oder der Vater blickte zu grimmig
drein oder die Stimmung während des Team-Meetings kam nicht richtig rüber. Mehr aus Spaß wurde dann der Vorschlag von Lego oder
Playmobil in den Raum geworfen - und das erfreute sich direkt großer Begeisterung. Denn auch hier konnten alle Mitarbeitenden und die Familien
(Familienorientierung mal anders) miteinbezogen werden. Einige Wochen sammelten wir fleißig alle möglichen Figuren und Gegenstände
aus Playmobil. Man hätte meinen können, mein Büro sei ein Spielzeugladen. Wir waren sehr überrascht, was es so alles von Playmobil gab. Dann
wurden die Sets aufgebaut und Probebilder gemacht, diese wurden abgestimmt und angepasst. Als es dann zum großen Shooting kam, waren
wir akribisch bei der Sache und jedes Foto wurde bis zur Perfektion dargestellt - die Pflanze etwas mehr in den Hintergrund, die Frau zwei Zentimeter
nach links und der Arm vom Kind etwas mehr nach unten. Auf unserer Homepage haben wir unsere Maßnahmen ausführlicher vorgestellt:
>> Link
Løsung 2026 | Seite 34
UNSERE ANGEBOTE
Agiles Projektmanagement
Aus innerer Kraft erfolgreich durch Veränderungen
führen – Persönlichkeitsentwicklung für Change-Manager*innen
Basiskurs „Innovationsmanagement“
Mit Innovationen die Zukunftsfähigkeit der Organisation
sichern und Out of the box denken
Berater – Skills für (interne) Change - Berater*innen
Einführung in das klassische Projektmanagement
Professionell Projekte planen und steuern
Grundlagen kirchlicher Führungskunst
Ein Kurs für Führungskräfte aller Professionen in gliedkirchlichen
und landeskirchlichen Leitungsfunktionen in
Ämtern, Werken und Einrichtungen
Kurzausbildung Innovationsgestaltung
Management in sozialen Organisationen (MSO 30)
Weiterbildung für Sozialmanagement
MSO-Werkstatt 2026
Impulse, Austausch & Kick-off MSO-Alumni Netzwerk
Storytelling und Narrative Ansätze in der Organisationsentwicklung
Veränderung kommunizieren und Kommunikation
verändern
Systemische Erkundungsaufstellungen in Organisationen
Umgang mit Widerständen bei Veränderungsprozessen
in kirchlich-diakonischen Organisationen
Change Management advanced:
Den Change orchestrieren und Kultur gestalten
Change Management
Basics 1
Werkstatt Facilitating und Workshoptools
Werkstatt Verwaltung leiten
Change Management
Basics 2
Change-Management und
Digitalisierung
Was wir entwickeln, entwickelt uns -
Die transformative Kraft von
Digitalisierung und KI
Change Management steuern mit KI –
im mittleren Management
Wie kann KI bei der Umsetzung unterstützen?
Kollegiale Beratung für Change-Verantwortliche
Erfahrungen teilen, gemeinsam Lösungen finden und
den Wandel gestalten
Die Kunst des Führens
Führen und Leiten in einem Kirchenkreis/Dekanat, …
Kommunikation in Veränderungsprozessen
Überzeugende Gesprächsführung und Moderation für
Führungskräfte in Veränderungsprozessen
INNOVATION UND ENTWICKLUNG
Løsung 2026 | Seite 36
KOMMUNIKATION
Kommunikation ist das Herzstück gelingender Führung –
gerade in Kirche und Diakonie, wo Menschen mit unterschiedlichen
Hintergründen, Überzeugungen und Erwartungen
zusammenkommen. Führungskräfte stehen hier
vor der Herausforderung, eine offene, wertschätzende
und transparente Kommunikationskultur zu etablieren. Es
geht darum, Informationen klar und verständlich zu vermitteln,
aktiv zuzuhören und auf Augenhöhe in den Dialog
zu treten. Besonders im kirchlich-diakonischen Kontext
ist eine Haltung gefragt, die von Respekt, Empathie
und Sensibilität für die Vielfalt der Menschen geprägt
ist. Führungskräfte lernen, wie sie mit unterschiedlichen
Zielgruppen – von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden
bis zu Klient*innen, Gemeindemitgliedern und
Kooperationspartnern – wirksam kommunizieren. Sie
erfahren, wie sie Konflikte konstruktiv ansprechen, Feedback
geben und annehmen sowie schwierige Gespräche
souverän führen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Kommunikation in
der Öffentlichkeit: Führungskräfte müssen die Identität
und Werte ihrer Organisation nach außen sichtbar machen,
sei es in klassischen Medien, bei öffentlichen Auftritten
oder in den sozialen Netzwerken. Sie lernen, wie
sie Botschaften zielgerichtet platzieren, die Organisation
authentisch repräsentieren und auch in Krisensituationen
souverän auftreten. Die Arbeit mit Social Media und digitalen
Kommunikationskanälen wird dabei immer wichtiger,
um verschiedene Zielgruppen zu erreichen und im
gesellschaftlichen Diskurs präsent zu sein.
Dabei spielt die eigene Haltung eine zentrale Rolle: Nur
wer authentisch, glaubwürdig und offen auf andere zugeht,
kann Vertrauen schaffen und Veränderungsprozesse
erfolgreich begleiten. Im Fortbildungsangebot
der Akademie für Kirche und Diakonie steht daher die
Entwicklung einer reflektierten, dialogorientierten Kommunikationshaltung
im Mittelpunkt. Ziel ist es, Führungskräfte
zu befähigen, Kommunikation als strategisches
Führungsinstrument zu nutzen, Teams zu motivieren, die
Organisation nach innen und außen klar zu positionieren
und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln –
auch und gerade in Zeiten des Wandels.
https://de.freepik.com
Løsung 2026 | Seite 38
Robert Wieczorek verantwortet seit September
2023 die Unternehmenskommunikation
bei der Akademie für Kirche und Diakonie.
Sein Ziel ist es die akd und alle, die mit ihr
zu tun haben, gut aussehen zu lassen! Mit
Einfühlungsvermögen und Kompetenz, Erfahrung
und Leidenschaft setzt er sich dafür
ein, dass sichtbar wird, was wirkt. Er kennt
Menschen, Organisationen und die soziale
Arbeit, auch die Diakonie, und behält eine
große Leidenschaft dafür, dass genau diese
einen Teil dazu beitragen, dass die Welt
eine bessere wird. Sein Knowhow setzt er
entsprechend dafür ein, dass genau das zur
Geltung kommt. Für manche ist das eine
echte Herausforderung. Für andere einfach
eine große Freude.
Der
Herr
der
Bilder
Løsung 2026 | Seite 40
Das Praxishandbuch
„Selbstbilder“ von Robert
Wieczorek kann man auf
der Webseite der akd
bestellen
>> Link
Robert ist ein Multitalent. Das sagen jedenfalls viele seiner
Kolleg*innen. Er ist Weltenbummler, Musiker, Maler,
Grafik-Designer, Kommunikationsprofi, Trainer und
ein leidenschaftlicher Teamplayer. Er ist umtriebig, wirkt
manchmal ruhelos und kann begeistern. Je größer die
Gruppe, umso mehr Energie entfesselt und verströmt er.
Robert treibt die Dinge voran, fordert Teilnehmende dabei
bewusst heraus, sie müssen ihre Komfortzone verlassen
und entdecken dabei ganz viel Neues, vor allem über
sich selbst und über alles, was noch in ihnen steckt. Mit
großer Leichtigkeit kann Robert Gruppen inspirieren und
Unter seinem Künstlernamen Bob Double U spielt er eigene Kompositionen
in ganz Deutschland. Solo und mit Band.
Unternehmenskommuniktion und Marketing wird in enger Absprache mit
der Geschäftsführung und dem gesamten akd-Team gestaltet.
zum Handeln motivieren. Und es wird gelacht. Aber nie
über andere. Robert versteht die Kunst, über sich selbst
zu lachen. Er stellt sich dabei bewusst in den Dienst der
anderen, indem er sich selbst zum Beispiel wählt, an dem
andere plastisch lernen können, welche Fehler sie möglichst
vermeiden und wie sie es besser machen. Robert
liebt Abenteuer. Er ist ein Sinn- und Bedeutungssucher.
So lässt er nicht locker, bis er den besonderen Moment
gefunden, am besten mit der Kamera festgehalten, aber
auf jeden Fall in das große Repertoir seiner wunderbaren
Erzählungen aufgenommen hat. Und er ist ein Ästhet. Das
bändigt seine Abenteuerlust. Er ist gründlich, er achtet
auf Details und ruht erst, wenn ein ästhetisch und qualitativ
hochwertiges Ergebnis erreicht ist. Im Herzen ist er
Teamplayer, setzt sich für die Sache ein und lässt andere
groß herauskommen. Menschen aus unterschiedlichen
Kontexten schätzen die Qualität seiner Beiträge und genießen
seine uneingeschränkte Solidarität, die alle spüren
dürfen, die mit ihm arbeiten. In der Zusammenarbeit
erlebt man ihn als jemanden, der Inhalte verständlich und
mit Blick fürs Wesentliche kommuniziert.
Seine Fähigkeit, Ideen schnell und präzise in eine visuelle
Sprache zu übersetzen hat er in über 20 Jahren in der
Design- und Werbebranche gelernt. Diese grafischen
Umsetzungen helfen dabei, komplexe Themen zugänglich
zu machen, und sie unterstützen die Botschaften, die
transportiert werden sollen. Dabei ist auffällig, dass er
Gestaltung nie als Selbstzweck versteht, sondern immer
im Dienst der Aussage arbeiten will. Seine Impulse bringen
oft eine andere Sichtweise ein, ohne belehrend zu
wirken. Das öffnet neue Denkräume. Mit dieser Haltung
hat er sein eigenes Unternehmen und auch Mitarbeitende
geführt. Man merkt, dass Robert Kommunikation nicht als
reinen „Infofluss“ versteht, sondern als „lebendiges Wesen“,
das im Zwischenmenschlichen entsteht und das das
Miteinander von Menschen prägt.
Heyho Robert Wieczorek,
großen Dank für jede Menge Inspiration
und dass Du mit uns diese Heldenreise
gewagt hast. Du warst in jeder Phase ein
kompetenter und zugewandter Begleiter
– bis zum Ziel. Es war ein Erfolg und
eine Freude!
Ute Schneider-Smietana, Vorständin
beim Verein für Innere Mission Bremen
Hallo Herr Wieczorek,
Ihr Vortrag hat wahnsinnig viel Spaß
gemacht – lange kein so erfrischenden
Vortrag gehört! Ganz toll unkonventionell.
Nicole Drews MBA, Kaufmännische
Vorständin, Samariteranstalten
Fürstenwalde/Spree
Im Atelier mit einem Gemälde aus dem Zyklus „me, myself and I“,
der sich mit den drei Formen der Selbstexistenz beschäftigt.
Robert Wieczorek
kann man für Inhouse-Veranstaltungen buchen und auch
bei offenen Seminaren der akd erleben. Er hält Vorträge,
unterstützt Kolleg*innen aus dem Feld der Unternehmskommunikation
mit Workshop- und Train the trainer-
Formaten.
Identität- Marken- und
Persönlichkeitsentwicklung
Corporate Identity/Corporate Design
Transformationsprozesse
Persönlichkeitsentwicklung
für Führungskräfte
Storytelling
und Social-Media
>> Link
Robert ist NLP-Trainer und arbeitet vorrangig auf der Identitätsebene
Er nutzt den provokativen Coaching-Ansatz und GfK nach Rosenberg
Seine sonderpädagogische Qualifikation trifft beonders in sozialen Organisationen auf Resonanz
Løsung 2026 | Seite 42
Hör auf
hier zu
predigen,
hör auf mit
der Laberei!
voraus. Erst dann folgt die Form. Sich für diesen Prozess
immer wieder Zeit zu nehmen, sei es in der beruflichen
Peer-Group, in Supervision, Coaching oder einer Weiterbildung,
ist Teil und Aufgabe der Führungsarbeit.
Wortbeiträge sorgfältig vorbereiten
Erfahrung, Routine und tägliche Arbeitsbelastung können
dazu verführen, Beiträge nicht mehr sorgfältig vorzubereiten.
Spontan zu improvisieren führt oft zur besungenen
„Laberei“. Wortbeiträge sorgfältig vorzubereiten lohnt
sich, sei es die Moderation des Teammeetings, ein kurzes
geistliches Wort oder die Ansprache bei der Verabschiedung
einer langjährigen Mitarbeiterin. Dabei in angemessener
Kürze inhaltliche Tiefe zu bringen und dabei als Person
in Sprache und Form sichtbar zu werden, erfordert
präzise handwerkliche Vorbereitung.
Neue Formen nutzen
kann das, was ich sagen will, im Foto wirksam werden?
Wie zeige ich mich selbst als Führungsperson und wie
setze ich meine Organisation ins Bild? Fotos in der eigenen
Führungspraxis gezielt einzusetzen, entspricht den
Sehgewohnheiten der Menschen und kann Inhalte und
Botschaften wirksam verdichten.
Zeit für die innere Klärung nehmen, Wortbeiträge sorgfältig
vorbereiten und neue Formen nutzen: Das alles kostet
Zeit. Und Zeit ist Luxus. Aber es ist ein anderer Luxus als
der austernschlürfende Partyluxus zu Beginn der 1990er
Jahre, den Grönemeyer aufs Korn nimmt. Es ist ein Luxus,
der ermöglicht, dass die eigene Botschaft wirksam werden
kann. Und genau da findet die Party statt.
Dr. Ricarda Schnelle, Studienleitung akd
Von Dr. Ricarda Schnelle
Trotz guter Vorbereitung gelingt es nicht immer, dass das
Wort gehört und wirksam wird. Es braucht andere Formen,
die gerade in der medial geprägten Welt vertraut
sind. Ein Beispiel möchte ich vorstellen: Das Foto. Wie
1990 veröffentlichte Herbert Grönemeyer sein Album
„Luxus“. Im gleichnamigen Song heißt es: „Hör auf
hier zu predigen, hör auf mit der Laberei. Wir feiern
hier `ne Party und du bist nicht dabei.“ Ironisch kritisiert
Grönemeyer das politisch passive Luxusleben zu
Beginn des neuen Jahrzehnts.
Nicht mehr gehört zu werden, nicht mehr mitfeiern zu dürfen
bei der Party – das ist eine bittere Erfahrung. Menschen,
die in der Kirche in verantwortungsvollen Positionen
arbeiten fragen sich häufig: Will überhaupt noch
jemand hören, was ich zu sagen habe? Das in Worte zu
bringen, was mich bewegt, was ich sagen will, ist eine
Herausforderung. Vor allem, wenn die Führungsposition
viele geschliffene Wortbeiträge verlangt: Die kreative
Eröffnung des Meetings, das Grußwort bei einer Veranstaltung
oder bei Theolog*innen die Predigt. Bis ich
nichts mehr zu sagen habe. Je höher die Position, desto
eher werden Worte auch von anderen verfasst. Von Referent*innen
oder Redenschreiber*innen. Aber das macht
es oft auch nicht besser: Der innere Prozess, die eigene
Botschaft ins Wort und damit am Ende nach außen zu
bringen, ist anstrengend und gleichzeitig immens wertvoll.
Da gehen die Gedanken durch Herz und Hirn, wachsen
und verändern sich. Das konzeptionelle Schreiben
von Wortbeiträgen, gerade in der kirchlichen Führungspraxis,
hat eine lange Tradition, ist erlerntes Handwerk
und kann immense Kraft entfalten. Wenn es der Rednerin
gelingt, ihre Mission in eine Form zu bringen, die auch
wahrgenommen wird.
Zurück zu Herbert Grönemeyer: „Hör auf hier zu predigen,
hör auf mit der Laberei.“ Wer nicht mehr gehört wird, kann
auf der Party nicht mittanzen. Ich denke dabei nicht nur an
den allgemeinen Relevanzverlust der Kirchen in der Gesellschaft.
Auch innerhalb der kirchlichen Organisationen
ist es eine Herausforderung gehört zu werden. Auch bei
Mitarbeiter*innen. Woran liegt das? Zum einen hat sich
die Aufmerksamkeitsspanne im Zuhören enorm verkürzt.
Zum anderen leidet die Kirche auch in ihrem Inneren unter
einem Relevanzverlust. Warum jemand in der jeweiligen
Organisation arbeitet und dabei Sinnhaftigkeit erlebt, hat
individuelle Gründe. Dabei zu bleiben, die eigene Kraft in
die Organisation zu investieren und sich mit ihren Werten
und Zielen zu identifizieren, ergibt sich dabei nicht
von selbst. Die Führungsperson ist es, die als Person die
Organisation symbolisiert und die zum Ausdruck bringen
muss, warum sie für eine Vision einsteht und warum es
sich lohnt, Teil der Organisation zu sein. Wer diese eigene
„Mission“ als Führungsperson nicht geklärt hat, kann sie
auch nicht überzeugend ins Außen bringen.
Was kann helfen? Dazu drei Gedanken:
Zeit für innere Klärung nehmen
Etwas zu sagen zu haben, setzt immer die innere Klärung
Gemeinsam Lesen als Fortbildung im Team
Im vollgepackten Berufsalltag Bücher oder Fachartikel
zu lesen, fordert viele Menschen mit Führungsverantwortung
heraus. Eine gute Möglichkeit, das Lesen in die
Arbeit zu integrieren, ist das Lesen mit anderen zusammen:
Regen Sie in der Dienstrunde, im Vorstand Ihrer
Organisation oder dem Leitungsteam an, ein Buch gemeinsam
zu lesen. Jeder*r liest für sich, bei Ihren Treffen
tauschen Sie sich darüber aus. Was bringt Ihnen das? Sie
setzen gezielt einen inhaltlichen Akzent (Führen durch
Lesen), regen den fachlichen Diskurs im Team an – und
kommen selbst zum Lesen.
Jan Hermelink und Ricarda Schnelle haben ein Buch
geschrieben, das sich als Lektüre für eine gemeinsame
Lese-Fortbildung eignet: „In der Kirche leiten“ umfasst
135 Seiten und richtet sich an Menschen, die in Kirche
und Diakonie eine Führungsaufgabe wahrnehmen. Das
Buch kann gut von unterschiedlichen Berufsgruppen (gemeinsam)
gelesen werden, da es kein spezielles Wissen
voraussetzt. Inhaltlich bietet es ein gut lesbares Update
zum Leiten in der Kirche und viele praktische Anregungen,
die auch immer die religiöse Dimension der Führungspraxis
bedenken.
Dr. Ricarda Schnelle ist Studienleiterin an der akd. Sie
hat unter dem Titel „Gemeinsam autonom sein“ zur Bedeutung
kollegialer Gruppen in der Kirche promoviert.
Literaturhinweis: Jan Hermelink, Ricarda Schnelle, In der Kirche leiten,
Göttingen 2025In der Kirche leiten | Gemeindearbeit | Gemeindepraxis
| Themen entdecken | Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Løsung 2026 | Seite 44
Wer sind wir eigentlich?
Einige Gedanken zur ältesten Frage der Welt und zum gemeinsamen
Identitätsworkshop mit Robert Wieczorek von der Akademie für Kirche
und Diakonie. Ein Erfahrungsbericht aus dem Verein für Innere Mission
in Bremen von Moritz Cavigelli.
Eine schöne Location ist bei einem Workshop die halbe Miete
Visuelle Identität beginnt beim Aussehen der Räumlichkeiten
Im Jahr 2024 feierte der Verein für Innere Mission in
Bremen sein 175-jähriges Jubiläum. Eine beeindruckende
Zahl und zugleich ein Anlass zur Selbstbefragung.
Denn mit einer langen Geschichte geht nicht
automatisch ein klares Selbstverständnis einher.
Wer sind wir eigentlich heute? Wie werden wir
wahrgenommen? Und wie wollen wir als diakonischer
Komplexträger in die Zukunft gehen?
Diese Fragen wurden in unserer Führungsrunde zunehmend
drängender. Neue Personen im Vorstand
und in der Unternehmenskommunikation hatten ein
feines Gespür dafür, dass wir Unterstützung brauchen
würden, nicht nur, um ein neues Corporate Design zu
entwickeln, sondern um überhaupt zu klären, was unsere
Identität im Kern ausmacht.
Denn eines ist auch klar: Wir sind nicht „ein Unternehmen
wie jedes andere“. Wir sind Teil der diakonischen
Gemeinschaft, handeln beziehungsorientiert, tragen
Verantwortung für Menschen in sehr unterschiedlichen
Lebenslagen und bewegen uns dabei in einem
Spannungsfeld aus Wirtschaftlichkeit, Menschlichkeit
und unserem diakonischen Auftrag.
Wie kann man also einen solchen Identitätsprozess
gestalten, ohne riesige Budgets für Markenagenturen?
Und ohne Gefahr zu laufen, am Ende mit einem
schicken Image-Konzept dazustehen, das aber niemandem
im Unternehmen wirklich entspricht?
Wir haben uns im Netzwerk von Kirche und Diakonie
umgesehen und sind bei der Akademie für Kirche
und Diakonie auf Robert Wieczorek gestoßen. Robert
bringt eine spannende Kombination mit: Er hat selbst
eine Werbeagentur aufgebaut und kennt die Mechanismen
und Denkweisen klassischer Markenentwicklung,
weiß aber gleichzeitig um die besonderen Bedingungen
im kirchlich-diakonischen Kontext. Schon
beim ersten Kennenlernen per Teams war klar: Er
versteht unsere Fragen, unsere Sprache und die Rahmenbedingungen,
in denen wir uns bewegen. Und vor
allem: Er bringt keine fertige Lösung mit, sondern eine
Haltung. Es ging ihm nie darum, uns etwas zu verkaufen,
sondern darum, gemeinsam mit uns Potenziale
zu entdecken. Hilfe zur Selbsthilfe ganz im Sinne unseres
eigenen diakonischen Auftrags.
Der Blick nach innen
Gemeinsam mit Robert haben wir uns auf den Weg gemacht.
In mehreren mehrtägigen Workshops mit Führungskräften
und Mitarbeitenden aller Ebenen haben wir
unsere Organisation Schritt für Schritt unter die Lupe genommen:
Welche Umgebung prägt uns? Wie verhalten
wir uns? Welche Fähigkeiten, Werte und Überzeugungen
tragen uns? Was ist unsere Identität und wie formulieren
wir daraus eine Vision, eine Mission?
Es war kein einfacher, aber ein erkenntnisreicher Weg.
Gemeinsam haben wir analysiert, gefragt, sortiert, auch
verworfen. Wir haben gelacht, gerungen und uns auch
über das Scheitern unterhalten. Gerade bei den Themen
Wertesystem und Selbstverständnis wurde es manchmal
intensiv. Aber genau das hat es gebraucht: Offenheit, Beteiligung
und Raum für echte Diskussion.
Am Ende stand kein fertiger Slogan, sondern ein Fundament.
Wir haben Antworten gefunden auf das Was, Wie,
Wozu und Warum unseres Tuns. Und wir haben begonnen,
diese Antworten in konkrete Arbeitsfelder zu übersetzen.
Besonders deutlich wurde dabei: Identität ist
nichts, das man „von außen aufsetzt“. Sie ist bereits da,
es geht darum, sie sichtbar zu machen, in Worte zu fassen
und zum Ausdruck zu bringen.
Ute Schneider-Smietana, Vorständin der Inneren Mission im Gespräch
Ein Prozess, der weitergeht
Als Unternehmenskommunikation begleiten wir diesen
Weg. Nicht mit dem Anspruch, das Bild des Vereins zu bestimmen,
sondern mit dem Ziel, die authentischste und
stimmigste Außenkommunikation zu gestalten, die möglich
ist. Die Menschen, die hier arbeiten, sind das Gesicht
und die Stimme des Vereins für Innere Mission in Bremen.
Ihre Perspektiven sind unsere wichtigste Ressource.
Corporate Identity ist kein abgeschlossener Prozess. Wir
bleiben dran. Wir entwickeln weiter, korrigieren, probieren
aus. Und wir sind froh, dass wir dafür einen Partner
wie Robert an unserer Seite haben, der uns nicht sagt,
wie wir sein sollen, sondern uns hilft, zu erkennen, wer
wir sind. >> Link
Mit freundlichen Grüßen aus Bremen
Moritz Cavigelli
Moritz Cavigelli ist studierter Wirtschaftspsychologe und seit Mitte 2024 Leiter der Unternehmenskommunikation beim Verein für Innere Mission
in Bremen. Mit einem achtköpfigen Team verantwortet er die Öffentlichkeitsarbeit und das Fundraising des diakonischen Trägers. Berufliche Stationen
führten ihn zuvor in die freie Wirtschaft und die Bremer Kulturszene.
Unterschiedliche Professionen bringen unterschiedliche Sichtweisen
Teamwork makes a dream work
Løsung 2026 | Seite 46
Wirkung erzielen – aber wie?
Interview mit Eddi Hüneke
Eddi, in kirchlichen Kreisen bist Du als Gründer und Gesicht
der Wise Guys wohl vertraut - nicht zuletzt durch
Euren Song zum Kirchentag in Köln. Kirche liegt Dir am
Herzen - warum eigentlich?
Als Kind habe ich Kirche nicht nur als einen Ort kennengelernt,
an dem sich unterschiedliche Menschen begegnen
und gemeinsam eine schöne Zeit verbringen. Mein Vater
war Pfarrer der deutschen Gemeinde in London, später
Köln, und hat sich viel mit Bonhoeffer auseinandergesetzt.
Wie tief christliche Werte gehen können, war also
früh klar. Außerdem gab es viel Musik in unserer Familie –
meine Eltern hatten sich beim Musizieren kennengelernt.
All das hat mich sehr geprägt und war sicherlich einer der
Gründe für die Affinität der Wise Guys zum Kirchentag, jedenfalls
dafür, dass ich Theologie studierte und mich nach
wie vor für das Leben in Gemeinden begeistern kann.
Ihr habt damals etwas Neues geschaffen und große Erfolge
erzielt, in dem Ihr mit deutschem Acapella-Gesang
Stadien gefüllt habt. Wie schaust Du heute auf diesen Erfolg?
Das war eine tolle Zeit, die mich geprägt hat und auf die
ich auch stolz bin. Es war wirklich eine unglaubliche Reise,
aus dem Klassenzimmer auf die Open-Air-Bühnen!
Das war uns währenddessen vielleicht nicht immer so
bewusst wie jetzt im Rückblick. Goldene Schallplatten
bleiben, aber die bleibenden Freundschaften und Erinnerungen
sind mir noch wichtiger.
sie andererseits zum Lachen zu bringen; die ganze Bandbreite
des Lebens also in der Musik abzubilden. So haben
Konzerte die Kraft von Ritualen und können geradezu
heilsam wirken. Meiner Meinung nach können sie darin
eine ähnliche Funktion erfüllen wie Gottesdienste. Übrigens
trete ich häufig in Kirchen auf, mein Programm passt
anscheinend gut in diesen Rahmen, obwohl ich keine explizit
christlichen Songs singe. Darüber hinaus arbeite ich
als Coach und gehe hier gerne in der Tiefe mit Menschen
ins Gespräch, dabei geht es häufig um die verborgene
Kraft der inneren Stimmen, die wir erst mal vielleicht
nicht so gerne haben.
Bei der akd kann man Dich auch als Coach und Trainer erleben.
Menschen begeistern durch authentische Präsenz
- bei sich sein um andere mitzunehmen heißt die Veranstaltung.
Worum geht es genau? Und wie geht es, dass
ich andere mitnehme, wenn ich bei mir bin?
In der Arbeit an authentischer Präsenz begegnet meine
Bühnenerfahrung meiner Begeisterung fürs Tiefen-Coaching.
Denn nicht nur bei Konzerten, sondern etwa auch
in Gottesdiensten können Besuchende begeistert, beflügelt
und berührt werden. Um das zu bewirken, ist es
hilfreich, wenn die Gottesdienst-Gestaltende als Mensch
spürbar ist. Jemand, der wie eine Schablone wirkt, oder
emotionslos, oder unsicher, hat es schwer, zu den Zuhörenden
“durchzudringen”. Um stattdessen emotional
durchlässig zu sein, müssen wir manchmal Gewohnheiten
loslassen, die wir selbst gar nicht bewusst wahrnehmen.
etwa einen Psalm spricht und merkt, wie ihn und andere
dieser Text berührt, wenn die Betonung nicht vorgegeben
ist, sondern aus einer inneren, körperlichen Wahrnehmung
heraus neu entsteht.
Ich gehe mit den Teilnehmenden gerne tief, soweit das
für sie okay ist. Das heißt auch, jede*r kann sich jederzeit
aus der aktuellen Übung herausziehen, niemand wird
zu irgendwas gezwungen oder von irgendeinem Sprungbrett
geschubst. Ja, es braucht natürlich Mut, ins tiefere
Wasser zu schwimmen, aber dabei bestimmt jede*r das
Tempo und die Tiefe selbst.
Für wen ist diese Fortbildung dann also die richtige?
Die Fortbildung zielt auf alle Menschen, die Gottesdienste
halten oder auch zu anderen Gelegenheiten öffentlich
sprechen und dabei in den echten Kontakt mit ihrem Publikum
treten möchten. Auf Menschen, die sich mit mir
darauf einlassen möchten, ihre Zuhörerschaft noch mehr
zu begeistern, zu beflügeln und zu berühren.
Die Fragen stellte Dr. Lars Charbonnier.
>> Link
Wirkungsvoll auftreten, das ist Dir heute nach wie vor wesentliches
Anliegen. Was genau machst Du derzeit?
Ich bin seit 2018 solo als Liedermacher unterwegs und
mache “Musik, die begeistert, beflügelt und berührt”.
Mir ist es ein großes Anliegen, mit meinen Songs und in
meinen Konzerten Menschen einerseits zu bewegen und
Wie muss ich mir das konkret in einer Fortbildung vorstellen?
Brauchen die Teilnehmer*innen da nicht ziemlich
viel Mut?
Ich leite an den beiden Tagen immer wieder Übungen in
kleinen Gruppen und auch im Plenum an und arbeite auch
mit einzelnen Teilnehmenden an ihren Inhalten. Dabei
halte ich übrigens wenig von pauschalen Präsenz-Rezepten
oder Regieanweisungen wie “zappel nicht” oder “steh
gerade”, denn zunächst gehe ich davon aus, dass jede
äußere Bewegung einen inneren Sinn hat. Ich gehe also
immer sehr wertschätzend mit den Teilnehmenden um.
Die Übungen zielen eigentlich auf die individuelle Selbst-
Wahrnehmung und dadurch auf ein “Reset” der inneren
und äußeren Bewegungen. Wir spüren also viel in uns
hinein, atmen, gehen, stehen, schauen und hören. Und
sprechen… ich finde es fantastisch, wenn jemand dann
Andreas Neil Edzard „Eddi“ Hüneke (* 23. Februar 1971 in
London) ist deutscher Pop-Songwriter, Sänger und Autor.
Er war Mitglied der deutschen A-cappella-Gruppe Wise
Guys, für die er auch zahlreiche Songs schrieb.
Løsung 2026 | Seite 48
UNSERE ANGEBOTE
Ansteckend vortragen
Grußworte, Stehgreifreden und Co – die „kleine Form“
inspirierend gestalten
Aushandlungsprozesse in Organisationen
Wirksam handeln und führen ohne hierarchische Befugnis
Basiskurs Führungskommunikation - 1. Halbjahr 2026
Überzeugende Gesprächsführung und Moderation für
Führungskräfte
Basiskurs Führungskommunikation - 2. Halbjahr 2026
Überzeugende Gesprächsführung und Moderation für
Führungskräfte
Das rechte Wort zur rechten Zeit
Öffentliche Rede wirksam gestalten
Der coachende Führungsstil - 1. Halbjahr 2026
Erweitern Sie Ihre Führungs-Klaviatur um eine hoch
effektive Form der Mitarbeitendenführung
Der coachende Führungsstil - 2. Halbjahr 2026
Erweitern Sie Ihre Führungs-Klaviatur um eine hoch
effektive Form der Mitarbeitendenführung
Die Kunst des Führens
Führen und Leiten in einem Kirchenkreis/Dekanat, …
„Hauen und Stechen“
Systemisches Konfliktmanagement für Führungskräfte
Konflikte gewaltfrei lösen
Erfolgreiches Konfliktmanagement in der Führungspraxis
Kündigungsgespräche und Trennungskultur in Kirche
und Diakonie
Werteorientiert, unterstützend, professionell und
stabil sein auch in schweren Momenten-
Management in sozialen Organisationen (MSO 30)
Weiterbildung für Sozialmanagement
Menschen begeistern durch authentische Präsenz –
bei sich sein, um andere mitzunehmen
MSO-Werkstatt 2026
Impulse, Austausch & Kick-off MSO-Alumni Netzwerk
Storytelling und Narrative Ansätze in der Organisationsentwicklung
Veränderung kommunizieren und Kommunikation verändern
Werkstatt Facilitating und Workshoptools
Werkstatt Führungskommunikation
Vertiefte Reflexionen von Gesprächsführung
und Moderation für Führungskräfte
Werkstatt Verwaltung leiten
Grundlagen kirchlicher Führungskunst
Ein Kurs für Führungskräfte aller Professionen in gliedkirchlichen
und landeskirchlichen Leitungsfunktionen in
Ämtern, Werken und Einrichtungen
Krisenmanagement kompakt
Eine kompakte Einführung in die notwendigen Handlungskompetenzen
sowie die allgemeinen Grundsätze
des Krisenmanagements
Kommunikation in Veränderungsprozessen
Überzeugende Gesprächsführung und Moderation für
Führungskräfte in Veränderungsprozessen
Løsung 2026 | Seite 50
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KOPF AUS DEM SAND!
Strategie und Management
Strategisches Denken und professionelles Management
sind unverzichtbar, um Organisationen in Kirche und Diakonie
zukunftsfähig zu gestalten. Führungskräfte stehen
vor der Aufgabe, Visionen zu entwickeln, Ziele zu definieren
und Ressourcen verantwortungsvoll einzusetzen.
Dabei ist eine klare, werteorientierte Haltung gefragt, die
den Auftrag der Organisation in den Mittelpunkt stellt
und theologische wie ethische Fragen stets mitdenkt.
Im Fortbildungsbereich Strategie und Management lernen
Führungskräfte, wie sie an der Zukunft ausgerichtete
Prozesse initiieren, steuern und nachhaltig verankern. Sie
setzen sich mit Methoden der strategischen Planung, des
Qualitätsmanagements und der Organisationsentwicklung
auseinander und erfahren, wie sie operative und
strategische Ebenen miteinander verbinden.
Im kirchlich-diakonischen Kontext gilt es, die Balance
zwischen Tradition und Innovation zu halten, Gemeinwohlorientierung
und wirtschaftliche Anforderungen auszutarieren
und die Organisation als lernendes System zu
begreifen. Führungskräfte werden ermutigt, eine Haltung
der Offenheit und Reflexion einzunehmen, um gemeinsam
mit ihren Teams neue Wege zu gehen und die Zukunft
aktiv zu gestalten.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Fähigkeit, komplexe
Herausforderungen zu analysieren, Chancen zu erkennen
und Risiken verantwortungsvoll zu steuern. Im
Spannungsfeld von knappen Ressourcen, gesellschaftlichen
Erwartungen und dem eigenen Wertefundament
ist es wichtig, Entscheidungen transparent und nachvollziehbar
zu treffen. Die Akademie für Kirche und Diakonie
unterstützt Führungskräfte dabei, strategische Kompetenzen
zu entwickeln, Managementinstrumente gezielt
einzusetzen und die eigene Führungsrolle im Spannungsfeld
von Auftrag, Ressourcen und Erwartungen zu reflektieren.
Ziel ist es, eine strategische Haltung zu fördern,
die Orientierung gibt, Entwicklung ermöglicht und die
Organisation nachhaltig stärkt.
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und Einrichtungen der Diakonie Deutschland
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Løsung 2026 | Seite 52
Das vielfältige kirchliche
Finanzwesen
Von Claudia Vogel und Markus Stammnitz
Ein Anruf, der alles ins Rollen brachte
Als wir als Akademie im Jahr 2011 von der EKD gefragt
wurden, ob wir die Transformation des kirchlichen Finanz-
und Rechnungswesens von der reinen kameralen
Haushaltswirtschaft hin zur doppischen Buchführung
fortbildungsseitig begleiten möchten, ahnten wir noch
nicht, wie sehr sich gelebter Pluralismus auch in diesem
Feld ausdrücken kann.
Für die Sicherstellung und Transparenz darüber, dass
wir als Kirche die uns anvertrauten Mittel zweckentsprechend,
wirtschaftlich, sparsam und damit nachhaltig und
generationengerecht verwenden, gibt es seit 1970 eine
einheitliche Haushaltssystematik.
Diese wurde seit 2006 stetig ergänzt und weiterentwickelt
und dient als gliedkirchenübergreifender Rahmen,
u.a. mit dem Ziel einer einheitlichen Berichterstattung an
die interne und externe Öffentlichkeit.
Für die Erfassung von Zahlungsströmen und Wertveränderungen
in den jeweiligen Haushalten der Landeskirchen
sind bis dato zwei Varianten möglich - die kirchliche
Doppik oder die erweiterte Kameralistik. Allein hier gibt
es systematische und begriffliche Unterschiede, die die
Zusammenführung in eine gemeinsame Draufschau nicht
unbedingt erleichtern.
Klingt kompliziert? Ist es! Die Begriffe, die Strukturen, die
Denkweise – alles unterscheidet sich. Wer beides verstehen
will, muss Brücken bauen.
Unsere Akademie führt ihre eigenen Bücher nach Handels-
und Steuerrecht. Das ist schon knifflig genug.
Gleichzeitig wissen wir: Die Kirche will sich in ihrer Buchhaltung
bewusst von rein kommerziellen Strukturen abheben.
Die lange Geschichte der Kameralistik prägt bis
heute – und macht die Umstellung zur Herausforderung.
In unseren Fortbildungen „EKD-Bilanzbuchhalter*in“ und
„Kirchliches Finanzwesen“ jonglieren wir seit jeher mit
diesen Unterschieden. Für uns bedeutet es Mehrarbeit,
für unsere Teilnehmenden oft ein echter „Berg“:
• Die Umstellung von Kameralistik auf Doppik meistern,
• Unterschiede zwischen EKD- und Landeskirchenrecht
verstehen
Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – lieben wir
den Austausch in unseren Seminaren. Wenn Fachleute,
Praktikerinnen und Referentinnen im geschützten Raum
das Für und Wider dieser Ansätze diskutieren, wird es
spannend.
Kurze Wege zur EKD
Zu diesem Komplex und dessen Perspektiven halten wir
auch den direkten Draht zur EKD, die im regelmäßigen
Austausch mit ihren Mitgliedern bestrebt ist, mit der
Weiterentwicklung des kirchlichen Finanzwesens Vereinfachungen
zu schaffen. Claudia Vogel hat dazu mit Marc
Diener gesprochen.
Umsatzsteuer – der Countdown läuft
Seit Januar 2016 regelt § 2b Umsatzsteuergesetz, wie
Leistungen von juristischen Personen des öffentlichen
Rechts – also auch von kirchlichen Körperschaften – besteuert
werden.
Noch eine Dimension, die für die kirchlichen Körperschaften
relevant ist:
Kirchliche und diakonische Arbeit wirkt da, wo es zählt:
bei den Menschen. Vieles davon lässt sich nicht messen.
Aber manches eben schon – und das weckt das Interesse
des Fiskus.
Wiederholte Übergangsregelungen hatten die endgültig
verpflichtende Anwendung immer wieder verschoben
und allen Betroffenen Vorbereitungszeit verschafft. Ab
dem 1. Januar 2027 gilt das Gesetz nun aber (hoffentlich).
Dann wird es verbindlich.
Im Interview mit Susan Franke spricht unsere Studienleiterin
Claudia Vogel darüber, was bis dahin zu tun ist – lesen
Sie mehr weiter unten.
„Zwischen Zahlen, langem Atem und Zuversicht“
Ein Interview mit Marc Diener, Projektleitung Haushaltsvereinheitlichung
/ Haushaltsvereinfachung
Lieber Herr Diener, wo arbeiten Sie genau?
In der Finanzabteilung des Kirchenamtes der EKD in Hannover.
Sie sind seit 1,5 Jahren mit einem besonderen Projekt
betraut, worum geht es?
Ziel unseres Projektes ist die Erstellung eines Kirchengesetzes
über das kirchliche Finanzwesen, das idealerweise
für alle Gliedkirchen, die gliedkirchlichen Zusammenschlüsse
und die EKD gilt. Dabei ist es wichtig zu betonen,
dass das Gesetz ratifiziert werden muss, bevor es in
einer Gliedkirche in Kraft tritt.
Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt – und wie sind
Sie an den Start gegangen?
Løsung 2026 | Seite 54
Ich habe schon viele Jahre im kirchlichen Rechnungswesen
gearbeitet und kenne sowohl die Sichtweise aus dem
Landeskirchenamt als auch aus der mittleren Ebene sowie
der Kirchenvorstände. Es hat mich gereizt, hier etwas
zu erarbeiten, dass übergreifend wirkt. Ich halte Standardisierung
und Zusammenarbeit für essenziell, um die
kommenden Herausforderungen zu bestehen.
Wir haben dabei nicht auf der grünen Wiese angefangen,
sondern haben die bekannte Ordnung für das kirchliche
Finanzwesen (Doppik) aus dem Jahr 2016 als Ausgangsbasis
genommen. Wir wollten bewusst auf etwas Bekanntem
aufsetzen und dies dann weiterentwickeln. Dabei
nähern wir uns den Regeln des HGB an, vereinfachen,
wo es möglich ist und versuchen, zukünftige Digitalisierung
und Automatisierung mitzudenken.
Was ist das übergeordnete Ziel des Projekts?
Es soll eine gemeinsame rechtliche Basis geschaffen werden,
um auch gliedkirchenübergreifend zusammenarbeiten
zu können. Personelle und finanzielle Ressourcen
sollen eingespart werden können u.a. durch gemeinsame
Fort- und Weiterbildungen und die zentrale Pflege des
Gesetztes.
Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen
in dem Vereinheitlichungsprozess?
„Evangelische Vielfalt“ ist ein geflügeltes Wort und oft
bemüht. Im Finanzwesen wird derzeit in drei verschiedenen
Rechnungsstilen gebucht, wir haben eine Vielzahl an
Finanzsoftwareprodukten im Einsatz. Manche Gliedkirchen
haben schon Vereinfachungen erarbeitet, manche
nicht. Es gibt Gliedkirchen mit unterschiedlichen Strukturen,
Kirchengemeinden mit 2 (!) bis über 20.000 Gemeindegliedern.
Die Landschaft ist tatsächlich sehr heterogen.
Ein gemeinsames Gesetz bedeutet einen gemeinsamen
Punkt zu finden, an dem sich alle treffen. Diesen so auszuwählen,
dass er wirklich keinen überfordert und möglichst
für alle erreichbar ist, ist m. E. die größte Herausforderung.
Wie wird sichergestellt, dass es eine breitflächige Beteiligung
der Gliedkirchen geben kann?
Zu Beginn habe ich die Gliedkirchen besucht und das
Projekt vorgestellt. So konnte ich schon erste Eindrücke
gewinnen, wie das Projekt in einzelnen Gliedkirchen aufgenommen
werden wird. Es gehört zum Gesetzgebungsverfahren
der EKD dazu, dass die Gliedkirchen ihre Stellungnahmen
zu den Gesetzesentwürfen abgeben. Wir
haben schon während der Erstellung des Entwurfes in
Resonanzräumen mit verschiedenen Teilnehmern aus
Gliedkirchen, Rechnungsprüfungseinrichtungen und Ausschussvorsitzenden
den Entwurf diskutiert und die gewonnenen
Anregungen wieder in den Entwurf einfließen
lassen.
Welche Softwarelösung ist vorgesehen, und welchen
Zeithorizont verfolgen sie?
Zum Projektauftrag gehört auch, eine Empfehlung für
eine Finanzsoftware zu geben, mit der dieses Gesetz optimal
umgesetzt werden kann.
Wir haben uns deshalb in den vergangenen Monaten verschiedene
Softwareprodukte angeschaut, die in unseren
Gliedkirchen, aber auch in katholischen Bistümern im Einsatz
sind. So konnten wir ein Gefühl dafür bekommen,
welche technischen Möglichkeiten es derzeit gibt. Es ist
ein Wunsch, möglichst eine Software nutzen zu können,
die keine Sonderprogrammierungen benötigt, damit sie
funktioniert.
Derzeit gibt es bei uns die Überlegung, ob eine Softwareauswahl
auch gemeinsam getroffen werden kann. Wir sehen
hier ein großes Potential an Einsparungen, wenn wir
gemeinsame Konditionen bei der Lizensierung erreichen.
Gemeinsame Schulungen, Fortbildungsangebote, gegenseitige
Unterstützung bei Engpässen wären möglich. Hier
stehen die Entscheidungen aber noch aus.
Es lässt sich aber sagen, dass eine gemeinsame Software
genauso wie das Finanzwesen-Gesetz ein Angebot bzw.
eine Zielvorstellung sind, auf die wir hinarbeiten wollen.
Beides sind Themen, die nicht kurzfristig umsetzt werden
können, sondern einen Vorlauf von wenigstens zwei Jahren
benötigen.
Es ist uns auch bewusst, dass viele Gliedkirchen in weiteren
strukturellen Änderungsprozessen stecken, die zuerst
abgeschlossen werden müssen.
Eine Zeitraum von 10 Jahren ist deshalb schon fast knapp
bemessen für die Umsetzung. Wir können auch niemanden
zwingen, sondern möchten ein Angebot machen, das
unserer Meinung nach einfach unwiderstehlich ist.
Was würden Sie Führungskräften raten, die ähnliche
Vereinheitlichungsprozesse vor sich haben?
Man braucht eine gehörige Portion Idealismus. Wir wurden
oft belächelt, als wir sagten, dass wir das Projekt in
zwei Jahren zu Ende bringen wollen.
Man muss Kurs halten auf seinem Weg. Dabei sollte man
immer offen sein für andere Meinungen. Wir haben uns
auch selber immer wieder hinterfragt, ob wir auch wirklich
ohne Scheuklappen auf die Dinge schauen. Manchmal
dreht man sich im Kreis, manchmal geht es nur in
kleinen Schritten voran. Da sollte sich niemanden von
entmutigen lassen.
Ich persönlich halte Kommunikation für wichtig. Verschiedene
Ebenen an Entscheidungsträgern und Beteiligten
einladen und die eigenen Ideen diskutieren. Bevorzugt in
persönlicher Runde. Hier gibt es die besten Impulse. Das
kostet viel Zeit, bringt aber gute Ideen hervor.
Ängste bei Beteiligten müssen ernst genommen werden.
Meistens werden sie durch Ungewissheit hervorgerufen.
Hier hilft es dann, die Sachverhalte zu erklären. Manchmal
ist dies auch mehrfach nötig.
Zuhören und das eigene Tun begründen sind die beiden
Bereiche, die nicht hoch genug geschätzt werden können.
Fazit zum Schluss: Es ist wichtig, ins Handeln zu kommen.
Es muss nicht alles direkt perfekt sein. Aus Fehlern kann
man lernen. Wichtig ist, sich auf den Weg zu begeben, am
besten gemeinsam.
>> Link
„Wie ein Finanzgesetz für alle Kirchen entstehen könnte?
– mit einem Lächeln!“„Es hat mich gereizt, hier etwas zu
erarbeiten, dass übergreifend wirkt. Ich halte Standardisierung
und Zusammenarbeit für essenziell, um die kommenden
Herausforderungen zu bestehen“.
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Kompetenz, die bewegt
Beratung in der Sozialwirtschaft
und dem Gesundheitswesen
www.sozialgestaltung.de
Website
Podcast
Løsung 2026 | Seite 56
Ein Interview mit Susan Franke, Steuerexpertin für
kirchliche Körperschaften
Die Einführung von § 2b UStG rückt näher. Nach mehrfacher
Verschiebung ist es nun ernst: Ab dem 1. Januar 2027
gilt die neue Vorschrift verbindlich für alle juristischen
Personen des öffentlichen Rechts – auch für kirchliche
Körperschaften. Wir sprechen mit Susan Franke, Expertin
für Steuerrecht im kirchlichen Bereich, über den aktuellen
Handlungsbedarf.
Frau Franke, man könnte meinen, § 2b UStG sei ein alter
Hut. Warum sollten sich kirchliche Körperschaften
jetzt noch einmal damit beschäftigen?
Susan Franke: Das Thema begleitet uns tatsächlich schon
einige Jahre. Doch jetzt zählt es wirklich: Der Stichtag 1. Januar
2027 ist endgültig. Viele Körperschaften haben bereits
steuerlich relevante Sachverhalte identifiziert, aber
nun ist es wichtig zu prüfen, ob die Bestandsaufnahme
vollständig ist – und ob diese Sachverhalte korrekt ins
Rechnungswesen überführt wurden. Es geht also nicht
mehr nur ums „Erkennen“, sondern ums „Umsetzen“.
Wie funktioniert denn die Umsatzsteuervoranmeldung
künftig in der Praxis?
Susan Franke: Im Idealfall auf Knopfdruck. Moderne Buchhaltungssysteme
sind so ausgestattet, dass sie über eine
Schnittstelle zu Elster verfügen. Aber das funktioniert nur,
wenn die Leistungen im System korrekt erfasst wurden
– sowohl was die steuerliche Bewertung als auch die Zuordnung
zu den richtigen Konten betrifft. Entscheidend
ist, dass unterschiedliche Steuersätze wie 7 % oder 19 %
jeweils auf eigenen Konten verbucht werden können. Das
erfordert eine rechtzeitige Erweiterung des Kontenrahmens.
Und sind alle relevanten Sachverhalte in den kirchlichen
Haushalten auch wirklich gebucht?
Susan Franke: Genau das ist eine der zentralen Herausforderungen.
Viele kirchliche Körperschaften haben verschiedene
Kassen und Konten – zum Beispiel für Gemeindefeste,
Friedhöfe oder Kindergärten. Aber es darf nur eine
Umsatzsteuervoranmeldung pro Körperschaft abgegeben
werden. Das bedeutet: Es muss alles zentral und fristgerecht
verbucht sein. Dabei ist die Beleglage entscheidend
– nur, was belegt ist, kann auch gebucht werden.
Eine Dauerfristverlängerung kann etwas Zeit verschaffen,
aber sie ersetzt nicht die Notwendigkeit einer effizienten
Belegorganisation.
Wie sieht eine ordnungsgemäße Rechnung im Sinne
des Umsatzsteuergesetzes aus?
Susan Franke: § 14 UStG gibt klare Vorgaben: Eine Rechnung
muss bestimmte Pflichtangaben enthalten, damit
der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer als Vorsteuer
geltend machen kann. Auch wenn die steuerliche Einordnung
einer Leistung eindeutig ist – ohne korrekte Rechnung
kann es zu Problemen kommen. Deshalb ist Schulung
in diesem Bereich so wichtig.
Ein weiteres wichtiges Thema sind Verträge. Was ist
hier zu beachten?
Susan Franke: Jetzt ist die Zeit, bestehende Verträge zu
prüfen. Wer zum Beispiel über eine steuerpflichtige Vermietung
nachdenkt, kann ab 2027 sogar Vorsteuerabzüge
im Bereich der Vermögensverwaltung nutzen. Ebenso
sollten Überlegungen zur Erstellung von § 2b-Umsatzsteuergesetzen
angestellt werden, wenn Leistungen zwischen
Körperschaften auch künftig steuerfrei bleiben sollen.
Wichtig ist dabei auch die frühzeitige Einbindung des
Finanzamts – etwa durch verbindliche Auskünfte.
Wie steht es um die Schulung der Mitarbeitenden in
den Körperschaften?
Susan Franke: Die Aufgaben werden vielfältiger – das ist
klar. Viele Einrichtungen haben darauf bereits personell
reagiert. Doch auch neue Mitarbeitende müssen schnell
in die steuerlichen Besonderheiten eingeführt werden.
Schulung und Beratung sind hier keine Kür, sondern
Pflicht. Ohne Verständnis für steuerlich relevante Vorgänge
droht sonst schnell ein Compliance-Risiko.
Stichwort Tax Compliance – was bedeutet das konkret
für kirchliche Körperschaften?
Susan Franke: Tax Compliance heißt: Die Einhaltung
steuerlicher Regeln systematisch sicherzustellen. Ein sogenanntes
Tax-Compliance-Management-System, kurz
TCMS, ist dabei ein bewährtes Instrument. Es hilft, steuerliche
Pflichten fristgerecht und korrekt zu erfüllen – und
schützt gleichzeitig die handelnden Personen vor möglichen
Haftungsrisiken.
Warum ist ein TCMS gerade jetzt so relevant?
Susan Franke: Die Komplexität steigt: Unterschiedliche
Leistungsbeziehungen, unklare Rechtsbegriffe, neue
Tätigkeitsfelder – da kann schnell ein Fehler passieren.
Der gesetzliche Vertreter muss aber versichern, dass die
Steuererklärung vollständig und richtig ist. Ein TCMS dokumentiert
Prozesse und Verantwortlichkeiten, macht
steuerliche Vorgänge nachvollziehbar – und kann sogar
strafmildernd wirken, wenn doch einmal etwas übersehen
wird. Gerichte erkennen die Bedeutung mittlerweile
ausdrücklich an.
Gibt es praktische Vorteile eines TCMS über die Pflichterfüllung
hinaus?
Susan Franke: Ja, definitiv. Wer die Einführung von § 2b
UStG nutzt, um seine Prozesse zu analysieren und zu
strukturieren, schafft Transparenz und verbessert die
Kommunikation in der Organisation. Das kann sich positiv
auf die Effizienz, die Akzeptanz bei den Mitarbeitenden
und sogar auf finanzielle Gestaltungsmöglichkeiten
– etwa durch den Vorsteuerabzug – auswirken.
Ihr Fazit?
Susan Franke: Die Umsetzung des § 2b UStG ist keine
rein steuerliche Aufgabe – sie ist ein Organisationsprojekt.
Wer rechtzeitig beginnt, bewahrt sich Handlungsspielräume.
Ein durchdachtes Vorgehen mit Schulung,
Beratung und klaren Prozessen hilft nicht nur, die neuen
Anforderungen zu erfüllen – sondern macht Ihre Organisation
zukunftsfest. Nutzen Sie die verbleibende Zeit bis
2027 – es lohnt sich.
>> Link
NOCH NICHT IM THEMA?
Das kirchliche Finanzwesen kann ganz schön komplex und
auch kompliziert sein. In diesem Film erklärt die Akademie
für Kirche und Diakonie die Vorteile der „Erweiterten Kameralistik“
für alle, die sich mit dem Thema beschäftigen wollen
oder müssen.
Unsere Kolleg*innen Claudia Vogel, Markus Stammnitz und
Robert Wieczorek haben – gemeinsam mit dem Kameralistik
-Spezialisten Christian Hawrych – einen Erklärfilm erstellt.
Die Stimme aus dem „Off“ kommt von Felix Jueterbock.
>> Link
Løsung 2026 | Seite 58
100 Jahre Bank für Kirche und Diakonie
Ein Vorreiter bei sozialer Nachhaltigkeit
Die soziale Dimension von Nachhaltigkeit, die auf soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit
und die Verbesserung der Lebensqualität zielt, rückte ab den
1980er-Jahren in den Fokus der Öffentlichkeit – etwas später als die ökologische
Nachhaltigkeit. Für die Gründung der Vorgängerinstitute der heutigen
Bank für Kirche und Diakonie (KD-Bank) war die soziale Nachhaltigkeit sogar
schon im Jahr 1925 Geschäftszweck Nummer 1.
Warum bei sozialer Nachhaltigkeit
der Zeit weit voraus?
Deutschland in den 1920er-Jahren: Als Folge der Industrialisierung
lebte ein Großteil der Bevölkerung in bitterer
Armut; eine Hyperinflation verstärkte diesen Missstand.
Landesbanken und Sparkassen hielten Kredite zurück;
kirchliche Projekte kamen gar nicht zum Zug. Die Vorgängerinstitute
der heutigen KD-Bank schlossen die Lücke
und verliehen Geld an kirchliche Einrichtungen. So konnten
ältere Menschen, Kriegsversehrte, Witwen, Waisen
und andere Bedürftige in schwierigen Zeiten umsorgt
und entsprechende Bauvorhaben realisiert werden.
Später finanzierte die KD-Bank zusätzlich Projekte der
Inneren Mission bzw. der Diakonie. Geld zu verleihen,
um soziale Leistungen auf den Weg zu bringen – das ist
bis heute das Kerngeschäft der KD-Bank. Ihre vielfältigen
Finanzdienstleistungen können Privatpersonen, die
die christlichen Werte der Genossenschaftsbank teilen,
ebenfalls in Anspruch nehmen.
Und was ist mit den weiteren Dimensionen von
Nachhaltigkeit?
Zusätzlich zur sozialen Nachhaltigkeit räumt die KD-Bank
der ökologischen und der ökonomischen Nachhaltigkeit
einen hohen Stellenwert in ihren Geschäftsprozessen
ein. Aspekte des Nachhaltigkeits-, Klima- und Umweltmanagements
sind in der Strategie der Bank verankert.
Ihre institutionellen Kunden unterstützt sie vielfältig bei
Fortschritten bei der ökologischen Nachhaltigkeit – zum
Beispiel beim Klimaschutz und den UN-Nachhaltigkeitszielen.
Der KD-Nachhaltigkeitsfilter ist ein zentraler Baustein
der ethisch-nachhaltigen Anlagestrategie der Bank
für Kirche und Diakonie. Sie setzt ihn für ihre Eigenanlagen
ein, Kunden können ihre Geldanlagen ebenfalls danach
ausrichten. Mit ihren Netzwerkpartnern Kindernothilfe
und Brot für die Welt hat sie zwei nachhaltige Fonds
auf den Weg gebracht: den KinderZukunftsFonds und
den FairWorldFonds.
Mehr Infos: kd-bank.de
Als Bank mit christlichen Wurzeln fördern wir seit
100 Jahren Finanzierungen, die einen positiven sozialen
und ökologischen Beitrag leisten. Unser Fokus liegt darauf,
Kirche und Diakonie mit nachhaltigen Lösungen und fundierter
Beratung zu stärken, damit diese auch in Zukunft
Räume des menschlichen Miteinanders gestalten können.
Erfahren Sie mehr über unsere Angebote für
Institutionen und Privatpersonen.
Nachhaltigkeit
STRENG
NACHHALTIG
www.kd-bank.de
Im Test: Nachhaltige Banken,
die Tages-, Festgeld und/oder
Girokonten anbieten. Drei Banken,
u.a. die Bank für Kirche
und Diakonie, erhielten die
Bestnote „streng nachhaltig“.
Finanzen 04/2025
www.test.de
Nachhaltigkeit
STRENG
NACHHALTIG
Im Test: Nachhaltige Banken,
die Tages-, Festgeld und/oder
Girokonten anbieten. Drei Banken,
u.a. die Bank für Kirche
und Diakonie, erhielten die
Bestnote „streng nachhaltig“.
Finanzen 04/2025
www.test.de
25JH06
25JH06
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Løsung 2026 | Seite 60
Aufsichtsrätekongress
Hiermit laden wir Sie herzlich zum 1. Kongress
für Mitglieder von Aufsichtsorganen in diakonischen
Unternehmen und Organisationen
– Zwischen Gottvertrauen und Management
– Aufsicht in der Diakonie angesichts multipler
Herausforderungen am 3. & 4. September
2026 in Bad Arolsen ein.
Ehrenamtlich tätige Mitglieder von Aufsichtsorganen
in diakonischen Unternehmen sehen sich wachsenden
Anforderungen gegenüber. Fachliche, gesellschaftliche,
rechtliche und wirtschaftliche Herausforderungen sowie
größer und komplexer werdende Unternehmensstrukturen
steigern das Maß an Verantwortung kontinuierlich
und fordern spezifisches Know-how ab. Neben fachlicher
Expertise gewinnen Methodenkompetenz sowie Softskills,
wie z.B. Intuition, neu an Bedeutung.
Im Mittelpunkt des Kongresses stehen der offene Erfahrungsaustausch
sowie die Vorstellung und Diskussion
von Best-Practice-Beispielen, die zeigen, wie Aufsicht innerhalb
(und beispielhaft auch außerhalb) der Diakonie
wirkungsvoll gestaltet werden kann. Nutzen Sie die Gelegenheit,
gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen neue
Methoden zu entdecken, innovative Lösungsansätze zu
entwickeln, aktuelle Fragestellungen zu diskutieren und
Ihr Netzwerk zu stärken. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme
und einen inspirierenden Dialog!
Zielgruppe:
Mitglieder von Aufsichtsorganen (z.B. Mitglieder von
Aufsichtsräten, Verwaltungsräten und Stiftungsräten sowie
von Gesellschafterversammlungen, Mitgliederversammlungen,
Stiftungsversammlungen, Kuratorien usw.,
soweit diese lt. Satzung primär Aufsichtsaufgaben wahrnehmen)
in privatrechtlich organisierten Unternehmen
und Organisationen der Diakonie bzw. in verfasst-kirchlich-diakonischen
Organisationen (z.B. Diakonische Werke
der Kirchenkreise oder Landeskirchen) – unabhängig
davon, ob diese ihr Amt ehrenamtlich oder im Rahmen
eines Hauptamts bzw. als gewählte oder geborene Mitglieder
ausüben.
Zur Anmeldung: >> Link
EINLADUNG
Sie werden herzlich begrüßt von:
Prof. Martin Beck, Chief advisor & Éminence grise,
Jens Wehmeyer, Vorstand, Bathildisheim e.V.,
Rolf Baumann, stv. Geschäftsführer & Bereichsleiter
Ökonomie, Verband diakonischer Dienstgeber in
Deutschland e.V. (VdDD),
Dr. Lars Charbonnier, Geschäftsführer, Akademie für
Kirche und Diakonie gGmbH (akd),
Peter Friedrich, Geschäftsführer, Arbeitskreis Evangelischer
Unternehmer in Deutschland e.V.
Wir bieten
WISSEN FÜR
AUFSICHTSGREMIEN.
Mit langjähriger Expertise und Gespür für umsetzbare
Lösungen unterstützen wir effektive Aufsicht.
Gerade in der heutigen Komplexität und Dynamik müssen Führungs- und
Aufsichtsstrukturen klar definiert sein, damit sie in der Praxis funktionieren.
Ob individuelle Inhouse-Schulung, Effizienzprüfung, ob Nachschlagewerke
oder Studien für Führungskräfte und Aufsichtsgremien – wir sind Ihre
Partner:innen für eine funktionierende Corporate Governance.
Unsere konkreten Leistungen:
. Effizienzprüfung
. Inhouse Schulungen für Aufsichtsgremien
. Curaconcept - Kompaktwissen für Aufsichtsgremien
. Newsletter Spezialwisse für Aufsichtsgremien
. Studie Führung und Aufsicht
. Curacon Branchenreports
Sprechen Sie uns gerne an!
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Løsung 2026 | Seite 62
Organisationen
ausrichtenund
steuern!
Astrid Nickel, akd Studienleitung, stellt fünf Fragen
an den Qualitätsbeauftragten Klaus-Rüdiger Blau
vom Michaelshof, ein großer diakonischer Komplexträger
in Rostock. Es geht um Steuerung der
Organisation durch Qualitätsmanagement und die
damit lösbaren Probleme.
Wie nutzen Sie Qualitätsmanagement, um die
strategischen Ziele und die nachhaltige Entwicklung
Ihrer Organisation gezielt zu steuern?
Qualitätsmanagement ist bei uns kein zusätzlicher
Aufwand, sondern ein zentrales Führungsinstrument,
das fest in der strategischen Ausrichtung und
operativen Steuerung der Stiftung verankert ist. Wir
nutzen QM systematisch, um unsere strategischen
Ziele – insbesondere in den Bereichen Teilhabe,
Personalentwicklung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit
– konsequent umzusetzen. Die Orientierung
an christlichen Werten – wie Würde, Gerechtigkeit
und Barmherzigkeit sowie Verantwortung für die
Schöpfung – fließt direkt in unsere Qualitätsziele
und in die Art und Weise, wie wir diese erreichen
wollen ein.
Welche konkreten Prozesse oder Instrumente des
Qualitätsmanagements haben sich in Ihrer Organisation
als besonders wirksam zur Verbesserung der
Dienstleistungsqualität erwiesen?
Interne Audits und Begehungen sowie Visiten: Diese
erfolgen regelmäßig und orientieren sich sowohl an
unseren diakonischen Leitlinien als auch an fachlichen
Standards. Sie schaffen Klarheit, fördern den Dialog und
ermöglichen passgenaue Verbesserungsmaßnahmen.
Befragungen von Mitarbeitenden, Klienten und Angehörigen
liefern wichtige Hinweise zur Dienstleistungsqualität
und werden systematisch ausgewertet.
Wir führen gerade ein neues digitales Dokumenten-Management-System
ein, um eine hohe Transparenz und
einfache Zugänglichkeit aller relevanten Standards und
Arbeitsanweisungen zu erreichen und um Einheitlichkeit
und Verbindlichkeit zu fördern.
Mit welchen typischen Problemen oder Herausforderungen
sehen Sie sich im Qualitätsmanagement eines
großen Komplexträgers konfrontiert – und wie lassen
sich diese durch QM-Methoden lösen?
Die Vielzahl und Unterschiedlichkeit unserer Leistungen
stellt uns regelmäßig vor die Aufgabe, sowohl deren spezifischen
Anforderungen jederzeit gerecht zu werden, als
auch die Integrität und höchstmögliche Einfachheit der
gesamten Organisation dauerhaft zu gewährleisten.
Wir versuchen, die vorhandene Komplexität durch Standardisierung
zu reduzieren. Unsere Verfahrensbeschreibungen
sind deshalb in Form, Aufbau und Sprache
möglichst vereinheitlicht und dadurch auch bereichsübergreifend
wiederkennbar und verständlich.
Im Sinne der Klientenzentrierung fördern wir den bereichsübergreifenden
Austausch der Mitarbeiter untereinander,
indem wir entsprechende Freiräume und Strukturen
schaffen.
Eine weitere Herausforderung für uns ist es, die Erfüllung
der Anforderungen aus einer Vielzahl sich ständig ändernder
Gesetze und Vorschriften zu gewährleisten. Hier
sind wir dabei, unsere entsprechenden Maßnahmen zu
einem Compliance-System zu integrieren.
Wie gelingt es Ihnen, Mitarbeitende auf allen Ebenen
für Qualitätsmanagement zu begeistern und aktiv in
Verbesserungsprozesse einzubinden?
Wir vermitteln, dass Qualitätsmanagement nicht Kontrolle
bedeutet, sondern Mitsprache, Entwicklung und Sinn.
Wir warten nicht auf Fehler, sondern versuchen, aktiv
Verbesserungspotenziale zu erkennen und umzusetzen.
Unsere Mitarbeiter tragen aktiv mit ihren Ideen zu Verbesserungen
bei, meistens schon bevor sie dazu angeregt
werden müssten. Es kommt also mehr darauf an,
diese Ideen aufzugreifen, zu kommunizieren und dann
auch möglichst umzusetzen. Qualitätsteams sind das geeignete
Format für einen entsprechenden Austausch auf
Augenhöhe.
Inwiefern trägt das Qualitätsmanagement dazu bei,
die Wettbewerbsfähigkeit und das spezifische diakonische
Profil Ihrer Organisation im Sozialmarkt zu sichern?
Qualitätsmanagement hilft uns, unsere Leistungen nicht
nur auf Effizienz und Ergebnisorientierung auszurichten,
sondern diese bewusst mit Sinn, Haltung und ethischer
Orientierung zu verbinden. Dies schafft Differenzierung
im Wettbewerb – denn Profil und Klarheit in den Grundhaltungen
sind in einem vielfältigen Marktumfeld attraktiv
für Klienten, Angehörige und Kooperationspartner.
Zugleich ermöglicht QM einen kontinuierlichen Abgleich
zwischen unserem diakonischen Auftrag und den Anforderungen
des Sozialmarktes. Dieser Spannungsbogen –
zwischen Wirtschaftlichkeit und Wertorientierung – wird
im Rahmen sowohl unserer strategischen als auch operativen
Prozesse reflektiert und ausbalanciert. Wir setzen eine
angepasste Balanced Scorecard ein. So sichern wir nicht
nur hohe Qualität, sondern bleiben dabei glaubwürdig
als kirchliche Organisation.
Løsung 2026 | Seite 64
Organisationen
ausrichtenund
steuern!
Wie nutzen Sie Qualitätsmanagement, um die strategischen
Ziele und die nachhaltige Entwicklung Ihrer
Organisation gezielt zu steuern?
Ein Punkt ist, dass wir jährlich Ziele für uns festlegen.
Diese betreffen u.a. auch die Entwicklung der Diakoniestation
und unserer Leistungen. Diese Ziele werden, je
nach Ausrichtung, einzeln oder gebündelt projektiert und
bearbeitet. Dies hat sich in den letzten Jahren als sehr
wirksame Methode erwiesen.
Welche konkreten Prozesse oder Instrumente des
Qualitätsmanagements haben sich in Ihrer Organisation
als besonders wirksam zur Verbesserung der
Dienstleistungsqualität erwiesen?
Gute Ergebnisse haben wir hier tatsächlich durch Mitarbeiterbefragungen
erzielt. Auch das Beschwerdemanagement
ist ein sehr gutes Instrument, welches zulässt,
dass man im Rahmen der Auswertung Prozesse überprüfen
sowie anpassen und verbessern kann. Grundsätzlich
zeigt sich, dass es bei uns sehr wichtig und zielführend
ist, wenn wir unsere größte Aufmerksamkeit auf unsere 2
großen Gruppen interessierter Personenkreise, die Klienten
und die Mitarbeitenden konzentrieren.
Aktuell befinden wir uns in unserer Einrichtung in einer
Umbruchphase durch den anstehenden Trägerwechsel.
Dies nutzen wir tatsächlich auch nochmals um unser QM
im gesamten zu überprüfen und da Prozesse überarbeitet
werden müssen, planen wir die interne Auditierung einzelner
Prozesse.
Wie gelingt es Ihnen, Mitarbeitende auf allen Ebenen
für Qualitätsmanagement zu begeistern und aktiv in
Verbesserungsprozesse einzubinden?
Wir thematisieren das QM oder Teile daraus, wie einzelne
Prozesse, regelmäßig in unseren Teamsitzungen. U.a. geben
wir Prozesse auch zur Überprüfung mit der Bitte um
Rückmeldung in die Teams und besprechen die Ergebnisse
dann. Was uns wichtig ist, ist dass alle Mitarbeitenden
auch über strategische Schritte informiert sind, hier
legen wir Wert auf Transparenz und dies erleichtert uns
die Entwicklung unter Einbezug der Ideen und auch der
Bedürfnisse der Mitarbeitenden voranzutreiben. Ebenso
zeigt es sich, dass ein Qualitätszirkel bei dem die Ebenen
vertreten sind, sehr wirksam sein kann. Dies befindet sich
bei uns im Aufbau.
Inwiefern trägt das Qualitätsmanagement dazu bei,
die Wettbewerbsfähigkeit und das spezifische diakonische
Profil Ihrer Organisation im Sozialmarkt zu sichern?
Einmal ist unser diakonisches Profil fest in unserem Qualitätsmanagement
verankert und wird bei der Weiterentwicklung
der Station, u.a. unter Einbezug des Leitbilds,
immer heran- und einbezogen. Ebenso ist es genau dieses
Profil, was uns zu den meisten anderen Anbietern
abgrenzt und uns damit auch entsprechend auf dem
Sozialmarkt platziert. Ein funktionierendes Qualitätsmanagement
unterstützt uns eine gleichbleibende Qualität
unserer Arbeit zu sichern und sorgt dafür, dass wir klaren
Strukturen folgen. Dies sorgt wiederum für Transparenz
und Klarheit bei unseren Mitarbeiten und Klienten, was
sich in den heutigen Zeiten als unheimlich wichtig für
Klienten- und Mitarbeiterbindung erweist und uns wettbewerbsfähig
hält.
Sandra Miassar
Ich bin Geschäftsführung
der Diakoniestation Leintal
seit 01.06.2019 und als
diese u.a. für die Veranlassung
und Implementierung
von Maßnahmen
der Qualitätsentwicklung
und Qualitätssicherung
und die Weiterentwicklung
des QM-Systems
in der Diakoniestation
verantwortlich. QM entspricht
sehr meinem
Wesen, da ich sehr strukturiert und lösungsorientiert
denke, plane und arbeite. Die Diakoniestation Leintal
ist ein ambulanter Pflegedienst, welcher neben dem
Angebot von Leistungen der häuslichen Kranken- und
Altenpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung
auch Betreuungsträger in 3 betreuten Seniorenwohnanlagen
ist und 2 Betreuungsgruppen für demenziell
erkrankte Menschen anbietet. Wir beschäftigen aktuell
98 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende und versorgen
insgesamt etwa 500 Klienten in unserem Einzugsgebiet.Träger
der Diakoniestation ist aktuell noch
die Evang. Kirchengemeinde in Schwaigern allein. Zum
01.01.2026 geht die Trägerschaft auf einen kirchlichen
Verband über, in dem dann die Evang. Kirchgemeinde
Schwaigern weiterhin Mitglied ist.
Changeability – Personalentwicklung in
9.
einer kleiner werdenden Kirche
Kongress für Personalentwicklung
in der Kirche. Vom 27.-29. April 2026
Vom 27.-29. April 2026 laden wir Sie nach Erfurt ein zum 9. Kongress für Personalentwicklung
in der Kirche! Zusammenkommen werden einmal mehr und in guter
Tradition Leitungsverantwortliche der landeskirchlichen und der mittleren Ebene,
Verantwortliche für Personalentwicklung und Fortbildung, Interessierte aus allen
Landeskirchen. Veranstaltet wird der Kongress von der Wirkstatt evangelisch (früher
gemeindeakademie) der ELKB, der Akademie für Kirche und Diakonie (akd) in Berlin
und dem Institut für Personalberatung, Organisationsentwicklung und Supervision
(IPOS) der EKHN.
Kirche sein mit erheblich weniger Personal? Braucht Kirche
der Zukunft anderes Personal? Veränderte Berufsbilder
und Qualitäten? Neue Berufsgruppen? Neue Formen
der Zusammenarbeit? Veränderte Leitung? Die Herausforderungen
im Bereich der Personalentwicklung sind groß
und das Tempo der Veränderungen und Entscheidungen
ist hoch. In den einzelnen Landeskirchen zeichnen sich
Strategien ab, erste Wirkungen sind sichtbar. In diesem
Jahr 2025 werden an vielen Stellen wichtige Richtungsentscheidungen
fallen. Wie steht es um die Changeability?
Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen und Impulse
zu diesen Fragen, von Personaldezernent*innen verschiedener
Landeskirchen, von Dr. Hagen Fried, Steffen Bauer
und einigen mehr!
Der Teilnahmebeitrag beträgt 449,-€ zzgl. Übernachtung
und Verpflegung, melden Sie sich an unter ww.a-kd.net
>> Link.
Erinnerung an den 8. Kongress 2024.
Løsung 2026 | Seite 66
STRATEGIE
ist kein Luxus – sondern Überlebenskunst
Ein Interview zum Thema Strategie
mit Kerstin Richter und Michael
Lässing von der Minerva Beratung GbR.
Dr. Lars Charbonnier stellt die Fragen.
Liebe Frau Richter, lieber Herr Lässing, Sie sind bundesweit
mit einem Netzwerk von Berater*innen unterwegs.
Welches sind derzeit die häufigsten Anlässe, für
die Sie angefragt werden?
Michael Lässing: Aktuell werden wir sehr häufig mit
Fragen zur strategischen Neuausrichtung, zur Positionierung
in einem sich wandelnden Markt und zu internen
Transformationsprozessen angefragt. Besonders Organisationen
in der Sozialwirtschaft spüren den Druck:
Personalgewinnung, Digitalisierung, Trägerfusionen,
wirtschaftliche Krisen, aber auch die Frage, wie sich das
eigene Profil inmitten zunehmender Komplexität und
wachsender Konkurrenz schärfen lässt, beschäftigen viele
unserer Kund*innen.
Kerstin Richter: Hinzu kommen oft konkrete Veränderungsanlässe:
Ein neuer Vorstand, ein Wechsel in der Führung
oder neue Rahmenbedingungen. Projekte geraten
Kerstin Richter
arbeitet als Organisationsentwicklerin
und geschäftsführende
Gesellschafterin der Minerva
Beratung. Zu ihren Schwerpunkten
gehören Strategieentwicklung, die
Begleitung von Veränderungsprozessen,
Führungskräfteentwicklung
und Kulturwandelprozesse.
Michael Lässing
arbeitet als Unternehmensberater
und geschäftsführender Gesellschafter
der Minerva Beratung.
Zu seinen Schwerpunkten
gehören Strategieentwicklung,
Projektberatung und-leitung,
Digitalisierung und Führungskräftecoaching.
ins Stocken, Konflikte stehen im Raum, die intern nicht
mehr gelöst werden können, oder es geht um die Vorbereitung
wichtiger Verhandlungen mit öffentlichen Auftraggebern
oder Kirchenleitungen. Solche Momente sind
häufig der Anlass, einmal grundsätzlich über Strategie,
Zukunftsfähigkeit, innere Klarheit und Führungsverhalten
nachzudenken.
Was sind die Gründe bei den Kund*innen, dass sie allein
nicht mit diesen Herausforderungen klarkommen
– oder anders gefragt: Welche Versäumnisse der Vergangenheit
werden hier für Sie häufiger sichtbar?
Richter: Viele Organisationen haben lange gut funktioniert,
ohne dass sie ihre strategische Ausrichtung bewusst
reflektieren mussten. Doch was früher funktioniert hat,
trägt heute oft nicht mehr. In den Beratungen wird deutlich:
Es wurde zu selten grundsätzlich gefragt, wofür man
eigentlich steht – und mit welchem Ziel. Daraus resultiert
häufig ein diffuses Selbstverständnis. Diese Unschärfe
rächt sich nun, wenn es um Prioritäten, um Entscheidungen
oder um die Positionierung im Wettbewerb geht.
Lässing: Hinzu kommt: Strategie wurde oft als etwas Zusätzliches
betrachtet – etwas für „gute Zeiten“ oder wenn
gerade Kapazitäten frei sind. Dabei zeigt sich in unseren
Seminaren immer wieder: Gute Strategiearbeit ist keine
Frage des Timings, sondern eine Überlebensfrage.
Ihr Schwerpunktthema ist die Strategieentwicklung.
Nicht einfach in so volatilen Zeiten. Was verstehen Sie
denn unter Strategie und warum ist es nach wie vor für
Organisationen oder gerade jetzt sinnvoll, sich damit zu
beschäftigen? „Warten wir mal ab, was kommt!“ scheint
auch keine völlig falsche Idee zu sein.
Lässing: Strategie heißt für uns: Orientierung schaffen
– inmitten von Unsicherheit. Verschiedene Szenarien zu
denken, Optionen zu prüfen und vorbereitet zu sein. Es
geht nicht darum, die Zukunft vorauszusagen, sondern
handlungsfähig zu bleiben, selbst wenn man nicht alles
weiß. Wer keine Strategie hat, der reagiert – wer eine hat,
kann gestalten.
Richter: Der Impuls „Warten wir mal ab“ ist menschlich
verständlich, kann aber auf Dauer riskant sein. Organisationen
ohne Strategie verlieren an Klarheit, an Motivation
und letztlich an Relevanz. Strategie ist die bewusste
Auseinandersetzung mit dem, was wesentlich ist. Und
gerade kirchlich-diakonische Organisationen, die einen
hohen ethischen Anspruch an sich selbst stellen, brauchen
ein klares Selbstverständnis. Das lässt sich nicht improvisieren.
Wenn Sie das so beschreiben, wie nehmen Sie in dieser
Hinsicht diakonische und kirchliche Organisationen
wahr?
Richter: Viele diakonische Träger und kirchliche Einrichtungen
wissen um die starke Sinnorientierung ihrer Organisation.
Gleichzeitig fällt es nicht leicht, diese innere
Stärke auch nach außen klar zu kommunizieren oder strategisch
zu nutzen. Der Anspruch, niemanden zurückzulassen,
führt manchmal dazu, dass notwendige Entscheidungen
aufgeschoben oder gleich ganz gelassen werden.
Lässing: Hinzu kommt eine gewisse Scheu gegenüber
dem Begriff „Strategie“. Der klingt manchen zu betriebswirtschaftlich,
zu „kühl“. Dabei geht es uns gerade darum,
diesen Begriff neu zu füllen: Strategie als inhaltlich und
ethisch fundierte Entscheidung, wohin man mit begrenzten
Kräften gehen will – und wohin bewusst nicht.
In Ihrem Kursangebot bei der akd sprechen Sie von
Fitness oder Reha – was meinen Sie damit? Und gibt
es nur diese zwei Optionen?
Richter: Die Metapher stammt aus unseren Beratungen:
Manche Organisationen sind in guter Form, aber merken,
dass sie für die nächste Etappe besser trainieren müssen
– strategische Fitness eben. Andere sind schon stark erschöpft,
ihnen fehlt die Luft – da sprechen wir eher von
Reha. In beiden Fällen geht es um Stärkung: reflektieren,
regenerieren, neu ausrichten.
Lässing: Und ja, es gibt auch Organisationen, die sich
gerade auf einem Höhenflug befinden. Auch für die ist
Strategiearbeit relevant – zur Kursbestätigung oder als
Investition in die Zukunft. Letztlich geht es immer um Bewusstheit,
Mut und die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln.
Welche Rolle spielt denn Führung in diesen Fragen?
Richter: Eine zentrale. Strategische Entwicklung kann
nicht delegiert werden. Führungskräfte müssen sie nicht
allein tragen, aber sie müssen sie ermöglichen – und aktiv
gestalten. Führungskräfte sind Change Agents. Wir
stärken ihre Kompetenzen, damit sie auch in komplexen
Situationen handlungsfähig bleiben. Das gilt ganz besonders
für Doppelspitzen oder Führungskoalitionen:
Was früher oft zu Spannungen führte, kann heute - bei
wechselseitiger Anerkennung unterschiedlicher Stärken -
Vertrauen, Stabilität und Wirksamkeit schaffen
Lässing: Besonders in der Sozialwirtschaft ist das Spannungsfeld
groß: zwischen Fürsorge und Effizienz, zwischen
Bewahren und Verändern. Wir erleben, dass viele
Führungskräfte eine hohe Verantwortung empfinden,
aber selten den Raum haben, sich mit grundlegenden
Fragen zu beschäftigen. Unser Seminar bei der akd bietet
diesen Raum: zur Standortbestimmung, zur kollegialen
Reflexion – und zur gemeinsamen Klärung.
Die Digitalisierung und vor allem KI gelten als Game-
Changer in so vielen Bereichen. Welche Auswirkungen
nehmen Sie wahr mit Blick auf Ihre Themenfelder?
Lässing: Digitalisierung stellt Organisationen vor enorme
Herausforderungen – aber auch Chancen. Strategisch gesehen
geht es nicht nur um Tools oder Automatisierung,
sondern um Haltung: Wie nutze ich Technologien, um
mein eigentliches Anliegen besser zu erfüllen? KI verändert,
wie wir arbeiten, lernen und kommunizieren – und
wer jetzt keine Haltung dazu entwickelt, wird überrollt.
Richter: Gleichzeitig sehen wir: Gerade die diakonische
Welt bringt ein enormes Potenzial mit, das Thema Digitalisierung
wertebasiert zu denken. Die Frage ist nicht:
„Was können wir alles digitalisieren?“, sondern: „Wie
können wir digital arbeiten – und dabei menschlich bleiben?“
Auch das ist eine strategische Frage. KI ist von Unsicherheiten
begleitet. Viele könnten Ressourcen sparen,
trauen sich aber nicht. Digitalisierung muss immer dem
Auftrag der Organisation dienen – deshalb beraten wir
Strategie und Digitalisierung zusammen.
Es herrscht in diesem Zusammenhang so ein bisschen
der Eindruck, wer jetzt nicht nach vorn geht, ist für immer
abgehängt – stimmen Sie dem zu?
Richter: Wir würden es anders formulieren: Wer sich
jetzt nicht klärt, hat später das Nachsehen. Es geht nicht
um blinden Aktionismus, sondern um bewusstes Vorangehen.
Strategie heißt nicht: immer die Schnellsten sein.
Sondern: mit den eigenen Mitteln
den besten Weg finden.
Lässing: Und diesen Weg
gemeinsam zu gestalten
– mit Haltung, Klarheit
und Mut – genau dafür
ist unser Seminar gedacht.
Hinweis für die Leser:innen: Im Januar/Februar
2026 bietet Minerva mit der akd ein zweiteiliges
Strategieseminar an. Nutzen Sie die Chance, Ihre
Organisation fit für die Zukunft zu machen – alle
Infos finden Sie auf der Website der akd. >> Link
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Løsung 2026 | Seite 68
UNSERE ANGEBOTE
Übersicht im Themenfeld
Agiles Projektmanagement
Change Management steuern mit KI –
im mittleren Management
Wie kann KI bei der Umsetzung unterstützen?
Einführung in das klassische Projektmanagement
Professionell Projekte planen und steuern
Die Kunst des Führens
Führen und Leiten in einem Kirchenkreis/Dekanat, …
Fit für den Aufsichtsrat
Ein Angebot für alle Mitglieder in Aufsichtsorganen
Fortbildung Kirchliches Finanzwesen Frühjahr 2026
Theorie, Praxis und Netzwerken kompakt in fünf Modulen
(präsent und online)
Grundlagen Finanzbuchhaltung, Betriebsergebnisrechnung
und Dienstleistungscontrolling für Führungskräfte
in sozialen Organisationen
Grundlagen kirchlicher Führungskunst
Ein Kurs für Führungskräfte aller Professionen in gliedkirchlichen
und landeskirchlichen Leitungsfunktionen in
Ämtern, Werken und Einrichtungen
Grundsätze des Krisenmanagements
MSO-Werkstatt 2026
Impulse, Austausch & Kick-off MSO-Alumni Netzwerk
Nachhaltigkeitsexpert*in in der Sozialwirtschaft
(Qualifizierung)
Webinarreihe mit Zertifikat in Kooperation mit
der SozialGestaltung GmbH
Qualifizierung zum/zur Internen Auditor/in 2026
Weiterbildung Qualitätsmanagement
Qualifizierung zur/zum Qualitätsauditor*in
Weiterbildung Qualitätsmanagement
Qualifizierung zur/zum QM-Beauftragten
- Potsdam/online
Weiterbildung Qualitätsmanagement
Qualifizierung zur/zum QM-Beauftragten
– Online
Weiterbildung Qualitätsmanagement
QM-Workshop 2026 – Online
Aufbauseminar Qualitätsmanagement
QM-Workshop 2026 Potsdam
„Stammtisch Umsatzsteuer“
Diskussion zu aktuellen Steuerfragen
Übersicht im Themenfeld
Intensivkurs Betriebswirtschaft für Führungskräfte in
der Kirche
Kompetenz und Impulse für betriebswirtschaftliches
Handeln
Krisenmanagement kompakt
Eine kompakte Einführung in die notwendigen Handlungskompetenzen
sowie die allgemeinen
Leichte Wege ins Qualitätsmanagement
Einführung in die Grundlagen des Qualitätsmanagements
Fitness oder Reha - was braucht meine Organisation?
Unternehmensstrategie in der Sozialwirtschaft – von der
Standortbestimmung zur konkreten Umsetzung
Strategisches Management
Wie führen wir unsere Organisation in die Zukunft?
Systemische Erkundungsaufstellungen in Organisationen
Theologie treiben in Zeiten von Changemanagement
Werkstatt Verwaltung leiten
Management in sozialen Organisationen (MSO 30)
Weiterbildung für Sozialmanagement
STRATEGIE UND MANAGEMENT
Løsung 2026 | Seite 70
Die Personal- und
Teamentwicklung
Personalentwicklung verstehen wir als eine Dialogdisziplin.
Organisationen und Personen befinden sich in einem
ständigen Wandel. Personalentwicklung konzipiert und
verantwortet vor diesem Hintergrund eines ständigen
Wandels professionelle Formate, um eine gezielte Passung
zwischen den Anforderungen der Organisation und
den Erwartungen und Gaben des Personals herzustellen.
In ihrer doppelten Loyalität zum System und zur Person
trägt Personalentwicklung dazu bei, Potenziale der Mitarbeitenden
zu heben, Talente zu fördern und diese in
einer Weise sichtbar zu machen, dass individuelle Karrierewege
im Kontext der Erwartungen und der Möglichkeiten
des Systems neu entwickelt und aufgebaut werden.
Führungskräfte erhalten in unserem Konzept von Personalentwicklung
eine wichtige Funktion, um Mitarbeitende
in ihrer Motivation zu erkennen und in ihrer Entwicklung
zu fördern. Eine zentrale Rolle spielt dabei die
eigene Haltung: Wertschätzung, Vertrauen
und die Bereitschaft, Verantwortung zu
teilen, stellen die mentale Basis für eine
gelingende Personalentwicklung dar.
Die Akademie für Kirche und Diakonie legt
besonderen Wert darauf, Führungskräfte
in einer Haltung zu stärken, die Lernen,
Wachstum und Zusammenarbeit fördert
– immer mit Blick auf die Menschen, die die
Organisation ausmachen. Ziel ist es, eine Personalentwicklung
zu gestalten, die sowohl die
Bedürfnisse der Organisation als auch die Potenziale
und Wünsche der Mitarbeitenden in den
Blick nimmt und so eine nachhaltige, motivierende
Arbeitsumgebung schafft.
Bei uns erfahren Sie, wie Sie Personalentwicklung als
strategisches Führungsinstrument nutzen, um Motivation
und Engagement bei Ihren Mitarbeitenden nachhaltig zu
sichern. Dabei berücksichtigen wir im kirchlich-diakonischen
Kontext besonders die Vielfalt der Mitarbeitenden
und eine Kultur des erfolgreichen Miteinanders.
In Zeiten des Fachkräftemangels stiftet Personalentwicklung
Mitarbeitendenbindung und wird zu einem Schlüsselinstrument
einer agilen Organisationsentwicklung
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Løsung 2026 | Seite 72
Was geht
Coach?
Inspirierende Führung gesucht.
Wozu braucht es eine
Coachingausbildung
für Führungskräfte?
Von Tilman Kingreen
Wo immer wir hinschauen: „Motivation“ und „Inspiration“
sind Sehnsuchtsworte. „Nur wegen
des tollen Teams bin ich überhaupt noch hier!
Sonst wäre ich schon längst weg.“ Solche Sätze
höre ich, wenn Mitarbeitende von ihrer Führung
enttäuscht sind. Mitarbeitende erwarten motivierende
Führung. Doch sie fehlt oft. Muss das
so bleiben? Gibt es keine überzeugenden Ideen,
wie diese inspirierende Führungsqualität entstehen
oder vielleicht sogar erlernt werden kann?
Tilman Kingreen
Tilman Kingreen ist Studienleiter bei der akd und Pastor
Er ist Lehrsupervisor (DGfP) Ausbilder und Coach (GwG),
zertifiziert im Team-Management-System ® . Seit 2010 ist er
Leiter der Arbeitsstelle für Personalberatung und Personalentwicklung
in der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers >> Link
Løsung 2026 | Seite 74
Hier beginnt die Aufgabe. Sie steckt in dem Wörtchen
„und“. Inspiration „und“ Orientierung soll eine Führungskraft
geben. Auf Augenhöhe kommunizieren „und“ letztverantwortlich
entscheiden. Immer beides zugleich. Wie
wird aus diesem überfordernden „und“ ein professionelles
„sowohl-als-auch“?
Unstrittig ist auf jeden Fall: Coaching für Führungskräfte
ist unerlässlich. Denn nur wer innerlich klar und gesammelt
ist, kann andere inspirieren. Wichtige Themen beim
Coaching für Führungskräfte sind:
Die Telnehmenden üben Coaching-Interventionen
Da raucht der „kleine“ Kopf manchmal ganz schön.
• Umgang mit der Isolation als Führungskraft
• Bewältigung aktueller Herausforderungen
• Entwicklung von Führungskompetenzen
• Stärkung des Selbstvertrauens
• Erreichen von Zielen
„Im Personalcoachkurs habe ich
gelernt, Mitarbeitende nicht nur zu
begleiten, sondern sie zu Mitgestaltern
von Veränderung zu machen. Diese
Haltung prägt meinen Alltag: Sie
schafft Vertrauen, stärkt Motivation und
eröffnet Räume für Neues.“
Dr. Manuél Ceglarek, Dekan
Doch reicht das aus? Nein! Die Fähigkeit zum Coaching
durch Führungskräfte gehört heute ebenso zum unverzichtbaren
Bestandteil guter Führung. Inspirierende
Führung entsteht nicht dadurch, dass Führungskräfte
selbstbezogen immer weiter nur an ihrer inspirativen
Performance arbeiten. Inspiration im Führungsalltag entsteht
im direkten Kontakt mit den Mitarbeitenden. Inspiration
lebt von der professionellen Gestaltung dieser Beziehung.
Man kann auch sagen: Zur Inspiration gehört die
Relationalität. Es braucht bei der Führungskraft Augen
und Ohren für das, was bei den Mitarbeitenden lebendig
ist und nach Außen will. Coaching entdeckt im Kontakt
mit den Mitarbeitenden ihren Lebensmut. Coaching
weckt in ihnen ihre Lebensflamme, um eigene kreative
Lösungsansätze hervorzubringen.
Tilman Kingreen im Gespräch mit Studienleitungskollegin Astrid Nickel
Worte machen Bilder. Bilder machen Gefühle. Tilman im Gespräch mit
Robert Wieczorek, akd Unternehmenskommunikation
Die Kunst, Mitarbeitende inspirierend zu führen, lebt
von dieser Befähigung, dass Führungskräfte beide Rollen
professionell ausfüllen. In der Leitungsfunktion vertreten
sie die Organisationsinteressen. Hier müssen sie
fordern, bewerten, kontrollieren und sanktionieren. Doch
diese ordnende Seite reicht nicht aus. Je mehr die junge
Generation die Arbeitswelt prägt, umso mehr steigt die
Erwartung, dass Führungskräfte auch eine professionell
coachende Rolle einnehmen. Hilfreich ist dafür eine spezielle
Coachingausbildung für Führungskräfte. Sie fördert
eine inspirierende Führung. Und inspirierende Führung
wiederum wirkt effektiv und nachhaltig.
Ein theologischer Ausblick zum Schluss: Die geforderte
Doppelqualifikation für Führungskräfte folgt der theologischen
Denkfigur von Gesetz und Evangelium. Die ordnende
Variante von Führung reicht nicht aus. Es bedarf
auch der inspirierenden Variante. Beide zusammen erzeugen
eine Spannung. Sie ermöglicht, dass eine dritte Kraft
zur Wirkung kommt und Neues entstehen lässt. Coaching
durch Führungskräfte entspricht somit dem Wesen von
Kirche und Diakonie und kann beide neu zum Leuchten
bringen.
Personal- und Teamentwicklungs-Coach
Die zertifizierten Weiterbildungen starten jedes Jahr
>> Link
Die Fortbildung zum Teamentwicklungscoach
hat mir geholfen, Teams in meiner Arbeit
achtsam zu begleiten und ihre Stärken zu
entfalten. Im Alltag als Pastorin ist Coaching
für mich eine Haltung des Zuhörens und der
Ermutigung, denn die Mitarbeitenden in der
Gemeinde brauchen zur Entwicklung sowohl
Vertrauen als auch Leitung.
Pastorin Franziska Oberheide
Dazu benötigen Führungskräfte eine Doppelqualifikation.
Nur so können sie Mitarbeitende nachhaltig inspirieren.
Neben dem asymmetrischen Verhältnis, das eine
Führungsposition ausmacht, braucht es die Fähigkeit, ein
professionelles Verhältnis auf Augenhöhe aufzubauen.
So entsteht ein hierarchiefreier Raum. Hier ist Coaching
möglich. Die Führungskraft begleitet dann als nicht
wertende*r Sparingpartner*in Mitarbeitende in Veränderungsprozessen
und unterstützt sie darin, eigene Lösungsansätze
zu entwickeln.
Während der Ausbildung zum Personal-Coach
Tilman Kingreen bei der Arbeit
OOHHM!
Løsung 2026 | Seite 76
„Gesunde Seelen brauchen
gesunde Strukturen“ Von Claudia Vogel
„Ich will doch nur, dass es läuft!“ – Führung zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Psychische Belastungen sind bei jungen Beschäftigten
auf dem Vormarsch. Laut DAK-Gesundheitsreport 2025
ist bereits jeder siebte Fehltag bei unter 30-Jährigen auf
psychische Erkrankungen zurückzuführen. Gleichzeitig
empfinden nur wenige ihre Arbeit als stark belastend. Ein
Widerspruch, der Führungskräfte zum Umdenken einlädt.
Wie also lassen sich Leistung und psychische Gesundheit
in Balance bringen und halten?
Antworten und konkrete Impulse bietet unser Fortbildungsangebot
„Achtsame Teamführung“ – für Führungskräfte,
die Verantwortung für Atmosphäre übernehmen
und Beziehung neu gestalten wollen.
Andrea S. ist Leiterin der Kita Butterblume. Heute steht
ein Teammeeting an.
Aus dem Sitzungszimmer heraus, beobachtet sie ihre jungen
Kolleg*innen vor der Tür – sie lachen, scherzen, wirken
vertraut. „Was für eine fröhliche Runde“, denkt sie.
Doch in der Sitzung kippt die Stimmung. Von jetzt auf
gleich. Mal wieder! Irgendwie ist die von ihr gewünschte
Struktur und Klarheit weg, und ihr Team streitet sich um
Nichtigkeiten. Die gute Atmosphäre ist dahin.
Später sitzt Andrea allein im leeren Raum. Traurig und
auch ein bisschen wütend rekapituliert sie das Treffen.
Wenn sie ehrlich ist: Das Treffen war von Anfang an chaotisch.
Und am Ende sind alle schweigend gegangen.
„Was läuft nur schief? Bin ich schuld?“ Die nagende Angst,
ihr großartiges Team zu verlieren, raubt ihr den Schlaf.
Morgens wacht sie mit Bauchschmerzen auf.
„Was, wenn die Kolleg*innen einfach hinschmeißen und
kündigen? Wir sind eh zu wenig Leute und gerade junge
Erzieher*innen können sich ihre Arbeitsplätze aussuchen….“
Dabei sind es engagierte, qualifizierte Fachkräfte. Aber
irgendetwas stimmt im Miteinander nicht – und vielleicht
hat sie einen Anteil daran. Die Verantwortung spürt sie
deutlich.
„Wenn ich nicht bald gegensteuere, gerät alles aus dem
Ruder. Doch was tun? Ich brauche Hilfe!“
Am nächsten Tag macht sie sich auf die Suche nach einer
Lösung. Ihr Team braucht Klarheit, einen neuen Rahmen.
„Weg vom Leiden und hin zur Freude“, denkt sie.
Beim Kaffee mit einer Freundin klagt sie ihr Leid. Die
Freundin fragt erstaunt: „Sag mal Andrea, hast du noch
nie von ‚achtsamer Teamführung‘ gehört?“
Andrea denkt zuerst an Räucherstäbchen und kahlgeschorene,
buddhistische Mönche. Doch die Freundin erklärt:
„Nee! Das ist total pragmatisch und hat bei uns in
der Kita echt geholfen. Da war auch ständiges Hauen und
Stechen.. Hier sind die Kontaktdaten von Mathias Gugel
und Michael Häfelinger. Du kannst ja mal mit denen sprechen“.
Gesagt, getan.
Sie erfährt daraufhin, dass das Zwischenmenschliche
eine sehr große Rolle spielt. Im Grunde klar; doch in der
Umsetzung nicht klar.
Sie lernt: Gefühle brauchen Raum. Zuhören ohne sofort
zu bewerten. Kopf, Herz und Bauch müssen gleichermaßen
einbezogen werden – dann entsteht Veränderung.
Sie entwickelt mit den beiden Trainern ein Konzept und
merkt: „Wenn ich diesen Weg ausprobiere und gehe,
kann sich wirklich etwas verändern, auch bei mir persönlich“.
Sie sieht sich als eine Kita Leiterin, die bereit ist, sich
selbst zu hinterfragen.
„Wenn ich Teil des Problems bin, will ich auch Teil der
Lösung sein“, sagt sie sich, und auch dieser Satz gefällt
ihr gut. Deshalb holt sie sich jetzt die Unterstützung der
beiden Trainer.
Beim ersten „Achtsamen Team-Tag“ ist die Luft zu Beginn
wieder sehr angespannt. Doch langsam taut die Gruppe
auf. Die Trainer (er)-schaffen
einen Raum, der entspannend
wirkt. Es wird ehrlich gesprochen,
es entsteht nach und
nach Verständnis. Als sie
gemeinsam dann das Codewort
„Schleifchen“ einführen,
um auf zu knapp
geratene Ansagen
im Arbeitsalltag
mit einem Lächeln
zu reagieren,
spürt Andrea
erstmals
wieder eine
echte Leichtigkeit
in sich.
Die gemeinsamen Treffen werden neu strukturiert –
mit Stille zu Beginn, Check-In, klaren Zeitfenstern und
echter Offenheit.
Andreas bleierne Schwere ist verschwunden; der unglaubliche
Stress, die Angst, Teammitglieder zu verlieren,
das alles fällt von ihr ab.
Sie kann wieder tief durchatmen und sie spürt wie sich
etwas in ihr verschiebt: von Getrieben-sein hin zu Gestalten-können.
Führung ist mehr als ständige Konfliktmoderation.
Führung bedeutet Verantwortung für Atmosphäre und
für den bewusst gestalteten Rahmen zu übernehmen,
in dem Begegnung, Zusammenarbeit und Kommunikation
stattfinden kann. Und Andrea S. fühlt sich gestärkt
und bereit, das anzuleiten – mit Herz, Haltung
und der Bereitschaft, selbst zu wachsen.
>> Link
Claudia Vogel, akd Studienleitung (unten rechts), Mathias Gugel
(links) und Michael Häfelinger (rechts) setzen auf das Thema
„Gesundheitsorientierte Führung“.
Drei Wirk-Ebenen im Fokus
Die Symbolik von Kopf, Herz und Bauch steht für eine
ganzheitliche Gestaltung von Zusammenarbeit. Erst
durch das Zusammenspiel dieser drei Ebenen entsteht
echte Wirksamkeit in Teams.
Die drei Farben in den Händen der Figur stehen dafür,
dass Kopf, Herz und Bauch zusammen eine Wirksamkeit
im Gestalten der Zusammenarbeit erreichen.
1. Individuelles Verhalten – Jede*r achtet bewusst auf
die eigene Haltung, Kommunikation und Wirkung.
2. Umgang im Team – Gemeinsam werden Vereinbarungen,
Regeln und Rituale für den Umgang miteinander
vereinbart.
3. Strukturen & Prozesse – Das Team – als Expert*innen
für Ihren Arbeitsalltag – verteilt Aufgaben und gestaltet
Prozesse so, dass sie sich besser anfühlen und
besser funktionieren.
„Achtsame Teamführung“ ist Teil des Themenfelds
„Gesundheitsorientierte Führung“ und richtet sich an
Führungskräfte in Kirche und Diakonie.
Es bietet konkrete Methoden, um das Team bewusst(er)
wahrzunehmen, Teamkonflikte anzugehen
und – womöglich sogar in einer Gefährdungsbeurteilung
psychischer Belastung (GBpsych) festgestellte
– psychische Belastungen zu erkennen und zu reduzieren.
Hin zu mehr Leichtigkeit, Klarheit und Miteinander.
Claudia Vogel, akd Studienleitung
Løsung 2026 | Seite 78
Wie ticken Evangelische?
Eine Mitgliedertypologie im Anschluss an die 6. KMU
Von der Erreichbarkeit zur Relevanz
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat in Kooperation
mit midi in Folge der 6. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung
(KMU) eine Mitgliedertypologie entwickelt.
Grundlage ist eine zusätzliche Mitgliederbefragung von
über 1.000 evangelischen Kirchenmitgliedern durch die
Beratungsfirma aserto im Zeitraum von November 2023
bis Januar 2024.
Die daraus entstandene Typologie unterscheidet sechs
Kommunikationstypen evangelischer Kirchenmitglieder.
Basis der Zuordnung sind Einstellungen zu Kirche, Glauben
und Gesellschaft, Mediennutzung, Werte, Themeninteressen
und Lebensstil.
Die Broschüre „Wie ticken Evangelische?“ finden Sie hier:
https://www.mi-di.de/publikationen/studie-wie-tickenevangelische
Ziel war es, nicht nur deskriptiv zu erfassen, wie Mitglieder
zur Kirche stehen, sondern aus deren Lebensrealität
heraus konkrete Kommunikations- und Gestaltungsoptionen
zu gewinnen.
Die Mitgliedertypologie soll helfen, Kommunikation nicht
mehr primär aus der Sicht der Organisation, sondern aus
der Perspektive der Mitglieder zu denken. Die Frage lautet
nicht: Wie erreichen wir alle? Sondern: Wie sprechen
wir wen an – und wofür?
Die Mitgliedertypologie ist kein Dogma. Sie ist ein Werkzeug.
Ihr Wert liegt in der Perspektive, die sie eröffnet.
Die Arbeit mit den sechs Mitgliedertypen steht erst am
Anfang. Ihre Beschreibungen bieten eine erste Sehhilfe
für kirchliches Handeln unter neuen Bedingungen. Sie
können dazu beitragen, dass Kirche nicht nur über Menschen
spricht, sondern mit ihnen.
Ab Herbst 2025 wird es eine digitale Veranstaltungsreihe
zur Mitgliedertypologie geben, die Themen, Anlässe und
Dimensionen mit Blick auf die einzelnen Personae vertiefen
wird. Ebenfalls wird eine Toolbox zur Mitgliedertypologie
veröffentlich werden.
Näheres dazu kann dem jeweiligen midi-Newsletter entnommen
werden oder auf der Webseite zur Mitgliedertypologie
https://www.mi-di.de/magazin/wie-ticken-evangelische
>> Link
midi ist die Zukunftswerkstatt von Kirche und
Diakonie
midi ist eine Zukunftswerkstatt, die frische Ideen
mit Vernetzung und praktischer Hilfe verbindet.
Die Arbeitsstelle des Evangelischen Werkes für Diakonie
und Entwicklung e.V. forscht, berät, begleitet,
vernetzt – und entwickelt Ideen für die Kirche
und die Diakonie der Zukunft. Der Name midi steht
für „missionarisch-diakonisch“.
midi schafft im Zwischenraum von Kirche, Diakonie
und freien Trägern missionarischer Arbeit neue Begegnungsräume
und Werkzeuge für die Kommunikation
des Evangeliums.
Die Arbeitsstelle wird von der Evangelischen Kirche
in Deutschland (EKD), der Diakonie Deutschland
und der Arbeitsgemeinschaft Missionarische
Dienste (AMD) unterstützt. Träger ist das Evangelische
Werk für Diakonie und Entwicklung e.V..
>> Link
Teilnehmerin an einem #VerständigungsOrte-Dialogforum:
„Ich war angenehm überrascht über die Atmosphäre. Ich bin
mit sehr viel Skepsis hergekommen. Ich konnte meine Meinung
wirklich sagen und keiner hat mich deswegen angegriffen.“
Teilnehmer an einem #VerständigungsOrte-Dialogforum:
„Ich gehe aufgeschlossener und vielleicht auch etwas
hoffnungsvoller von diesem Ort.“
#VerständigungsOrte – Kirche
und Diakonie schaffen Raum für
gesellschaftlichen Dialog
Mit der Initiative #VerständigungsOrte schaffen
Kirche und Diakonie deutschlandweit Raum für
gesellschaftlichen Dialog. Kirchengemeinden und
andere kirchliche und diakonische Einrichtungen
bieten zusammen mit anderen Partnern Orte zum
Austausch über gesellschaftliche Streitthemen
und Konflikte. Die Initiative #VerständigungsOrte
unterstützt die Praktiker*innen vor Ort mit Tipps,
Material, Praxisbeispielen und einer Social-Media-
Kampagne.
Zusätzlich laden sechs große #Verständigungs-
Orte-Dialogforen mit prominenten Gästen in
verschiedenen Regionen Deutschlands zum Austausch
über zentrale gesellschaftliche Streitfragen
ein und veranschaulichen exemplarisch, wie Begegnung
und Gespräch auch über Meinungsgrenzen
hinweg möglich ist.
Die Initiative #VerständigungsOrte will so den gesellschaftlichen
Zusammenhalt stärken, der gefühlten
Polarisierung entgegenwirken und tragfähige
Antworten auf die Frage liefern: Wie wollen
wir in Deutschland zukünftig gemeinsam leben?
#VerständigungsOrte ist eine Initiative der Evangelischen
Kirche in Deutschland (EKD), der Diakonie
Deutschland und der evangelischen Zukunftswerkstatt
midi.
Mehr auf www.verständigungsorte.de
>> Link
Das sagen Menschen über #VerständigungsOrte:
Stefanie Hertel – Sängerin und Moderatorin:
„Ich finde es wichtig, dass Menschen zusammenkommen und
miteinander reden. Um Konflikte zu lösen und um sich gegenseitig
zu verstehen, muss man aufeinander zugehen und sich
mit Respekt begegnen.“
Wolfgang Thierse – Bundestagspräsident a. D.:
„Wir sollten miteinander reden und nicht übereinander schimpfen!
Sonst hat unsere Demokratie keine Zukunft und wird unser
Zusammenleben von Hass und Feindschaft bestimmt. Deshalb
finde ich die Initiative #VerständigungsOrte wunderbar.“
Jung in Führung gehen:
Fördern Sie Ihren
Führungsnachwuchs
Wer geht in Ihrer Organisation zukünftig in Führung?
Haben Sie bereits Menschen im Blick, die Sie fördern
und aufbauen wollen? Mit unserem Format „Jung in
Führung gehen“ bieten wir den potentiellen Führungskräften
Ihrer Organisation einen geschützten Rahmen,
in dem sie sich orientieren und qualifizieren können.
Nicht jede*r weiß bereits, ob er oder sie überhaupt in
Führung gehen will. Andere benötigen Skills, um eine
entsprechende Aufgabe übernehmen zu können. Mit
unserem Orientierungskurs „Jung in Führung gehen“
unterstützen wir Sie in der komplexen Aufgabe, Nachwuchs
in Ihrer Organisation zu fördern. Der Kurs eignet
sich auch für Menschen, die bereits vor Kurzem
neu in Führung gegangen sind.
Was erwartet Ihre Mitarbeiter*innen, die Sie zu uns in
den Kurs senden? Fachliche Inputs zu aktuellen Führungsthemen,
Reflexion der eigenen Rolle und Aufgabe,
Austausch in der Fortbildungsgruppe zu Themen,
die junge Führungskräfte bewegen, Gespräche mit
Expert*innen sowie die Möglichkeit zum individuellen
Coaching.
>> Link
https://de.freepik.com
Løsung 2026 | Seite 80
Ein Schnelltest für Führungsgremien –
oder: Wie gleichberechtigt ist Ihre
Organisation wirklich? Von Franzikska Woellert
Kennen Sie den Bechdel-Wallace-Test? Nein? Ich bin erst
kürzlich darauf gestoßen und musste erst einmal herzlich
lachen. Alison Bechdel, eine US-amerikanische Cartoon-
Zeichnerin, erfand diesen Test 1985 zusammen mit ihrer
Freundin Liz Wallace für ein Comic. Eigentlich ist es gar
kein Test, sondern eine Checkliste für Filme aus Frauenperspektive.
In dem besagten Comic-Strip https://www.
britannica.com/topic/Bechdel-test erklärt eine Frau einer
anderen, wie sie über die Qualität eines Filmes entscheidet.
Nämlich anhand drei einfacher Fragen:
Gibt es mindestens zwei weibliche Charaktere?
Sprechen sie miteinander?
Unterhalten sie sich dabei über
etwas anderes als über einen Mann?
(Später kam eine vierte Frage hinzu: Falls es mehrere
weibliche Charaktere gibt, haben diese alle einen Namen?)
Auf den ersten Blick kamen mir die Fragen so absurd vereinfachend
vor, dass ich das Ganze für das hielt, was es
laut Alison Bechdel ursprünglich auch war – eine brillante
Satire in Form eines Comic-Dialogs, mit der die sexistischen
Strukturen der Filmindustrie aufs Korn genommen
wurden.
Ich hatte sofort einige Filme vor Augen, die diesen Test
mit Sicherheit nicht bestehen konnten, und amüsierte
mich über diese geniale Offenlegung eines schon lange
wahrgenommen Missstands. Doch dann blieb mir das Lachen
etwas im Hals stecken, als ich mich weiter informierte.
Der Test wird nämlich inzwischen trotz – oder gerade
wegen – seiner einfachen Logik von einigen größeren
Filminstitutionen wie den europäischen Filmföderungsfonds
Eurimages oder dem schwedischen Filminstitut
als Qualitätsmerkmal zur Bewertung von Filmen genutzt.
Was als Satire gemeint war ist zu einem Instrument geworden,
um gegen einen sozialen Missstand vorzugehen
– nämlich gegen die stereotypisierende oder sexistische
Darstellung von Frauen in Filmen. Und es ist bezeichnend,
dass laut einer Studie von 2022 nur etwa 50% der beliebtesten
Filme von 1980 bis 2019 den Test bestanden haben.
Ich kam ins Nachdenken. Ich beschäftige mich seit vielen
Jahren sowohl wissenschaftlich wie auch in meinen Beratungs-
und Coachingtätigkeiten mit den unterschiedlichen
sozialen Zuschreibungen und damit verbundenen
Entscheidungsspielräumen und Lebenswegen von Frauen
und Männern. Auch als Studienleiterin in der akd begleite
ich männliche wie weibliche Führungskräfte aller
Hierarchieebenen. Themen wie weibliche und männliche
Führungsattribute, Führung in Vereinbarkeit mit familiären
Aufgaben, vertikale versus horizontale Machtstrukturen
oder auch ganz klar frauenausgrenzende Strukturen
in kirchlichen wie diakonischen Kontexten begegnen mir
permanent.
Obwohl in der Sozialwirtschaft zwischen 75 und 80 Prozent
der Beschäftigten weiblich sind, wird der Anteil der
weiblichen Führungskräfte immer dünner, je weiter man
in der Hierarchieebene nach oben geht. In den obersten
Leitungs- und Aufsichtsgremien sind es nur noch zwischen
15 und 30 Prozent. Betrachtet man den Vorsitz,
rutscht der Anteil auf unter 10 Prozent ab – und damit
steht die Sozialwirtschaft im Vergleich zu anderen Branchen
immer noch gut da.
Viel wurde in den letzten Jahren die Vorteile von divers
aufgestellten Teams hervorgehoben. Auch würden die
meisten Menschen, mit denen ich zu tun haben, für sich
immer beanspruchen, Frauen wie Männer vollkommen
gleich zu begegnen. Oder setzen sich sogar offen für
Strukturen ein, die auch Frauen den Weg in die oberen
Entscheidungspositionen erleichtern. Doch das Thema
ist komplex und reicht tief hinein in soziale Muster und
persönliche Überzeugungen. Diese aufzubrechen und zu
verändern, ist weder für die einzelne Person noch für ein
soziales System wie eine Organisation einfach.
Vielleicht kann ja auch hier eine Art Bechdel-Test helfen.
Ich wage einen Versuch, den sie gerne in ihren Kontexten
einmal austesten können. Viel Spaß damit!
Frauen in
FiF Führung
in Kirche und Diakonie
Auch dieses Jahr
ist die akd gemeinsam
mit FiF
auf der herCAREER
Expo vom 09.-10.
Oktober 2025 in
München vertreten.
>> Link
Selbsttest „Stereotypisierung weiblicher Führung in
meiner Organisation“
Wählen Sie ein Gremium aus, das stellvertretend für Ihre
Organisation steht (zum Beispiel Aufsichtsrat, Vorstand,
Geschäftsführungskreis, …) und beantworten Sie folgende
Fragen. Wenn Sie alle Fragen mit „Ja“ beantworten
können, haben Sie den Test bestanden.
Sitzt mehr als eine Frau in dem Gremium?
Ist der Redeanteil der Frauen mindestens
genauso groß wie von den männlichen Kollegen?
Sind die Frauen nicht nur für Personal
(-entwicklung), sondern für wirtschaftlichstrategische
Entscheidungen verantwortlich?
Und als Bonusfrage:
Ist keine von den Frauen für Dinge wie
Pausenversorgung, Tassen wegräumen,
Geburtstagsgrüße oder Protokollführung
zuständig?
Franziska Woellert
ist seit 2022 Studienleiterin bei der Akademie für
Kirche und Diakonie. Sie verantwortet dort verschiedene
Führungskräfteangebote wie die Weiterbildung
„Management in sozialen Organisationen“
und diverse Inhouse-Trainings. Zudem koordiniert sie
das Netzwerk „Frauen in Führung“, das sich speziell
an Frauen in Letztverantwortung richtet. Das Netzwerk
setzt sich für die Förderung von mehr Frauen in
Top-Führungspositionen ein und ist auch dieses Jahr
wieder mit einem Stand bei DER Frauenkarrieremesse
herCAREER im Oktober in München vertreten.
Løsung 2026 | Seite 82
Liebe Frau Maglicoglu, Fehlerfreundlichkeit ist zu einem
Buzz-Wort geworden – jede/r will es sein. Warum
ist das so, wie sehen Sie das?
Fehlerfreundlichkeit klingt erstmal modern und sympathisch
– und das ist vermutlich ein Grund, warum viele Organisationen
den Begriff gern übernehmen. Gleichzeitig
leben wir in einer Arbeitswelt, die sich ständig verändert
und immer komplexer wird. In solchen Umfeldern sind
Fehler kaum zu vermeiden. Das bedeutet: Der Umgang
mit Fehlern wird zum Schlüsselfaktor – für Lernen, Innovation
und gesunde Zusammenarbeit.
Ich finde: Fehlerfreundlichkeit darf kein Lippenbekenntnis
bleiben. Sie ist kein „Soft Skill“ für gute Stimmung, sondern
eine Haltung, die strukturell verankert werden muss.
Genau da beginnt die echte Arbeit.
Und es braucht den Mut, Fehler als Teil von Entwicklung
zu sehen – individuell und als Organisation
.
Fehlerfreundlichkeit beginnt bei der Haltung – und
zeigt sich dann in konkreten Strukturen und Verhaltensweisen.
Und kann man Fehlerfreundlichkeit tatsächlich herbeiführen?
Wie geht das?
Ja, das kann man. Aber nicht mit einem Workshop allein
– es ist ein Prozess. Der erste Schritt ist oft: Hinschauen.
Wie gehen wir aktuell mit Fehlern um? Welche Geschichten
werden erzählt? Wo wird vielleicht über Fehler
gesprochen – und implizit wird es doch „bestraft“? Dann
braucht es eine klare Entscheidung auf Führungsebene:
Wir wollen eine andere Fehlerkultur. Und daraus ergeben
Bei der akd bieten Sie ein Seminar zu diesem Themengebiet
an – was dürfen die Teilnehmenden erwarten?
Das Seminar ist praxisnah, offen und ehrlich. Wir
schauen gemeinsam auf die verschiedenen Ebenen
von Fehlerfreundlichkeit: Was bedeutet sie persönlich
– und was strukturell?
Die Teilnehmenden erwarten Impulse, Reflexionsräume
und Austausch. Wir arbeiten mit konkreten Beispielen,
typischen Hürden – und vor allem mit dem, was die Teilnehmenden
selbst einbringen. Mein Ziel ist es, keine
Patentrezepte zu liefern – sondern Handwerkszeug, Klarheit
und Ermutigung, um Fehlerfreundlichkeit im eigenen
Arbeitskontext lebbar zu machen. An dieser Stelle möchte
ich noch gerne ein paar Sätze zum Hintergrund des
Themas geben.
Diese Haltung hat eine Umgebung geschaffen, in der
Scheitern nicht als persönliches Versagen gilt, sondern
als notwendiger Teil des Lernprozesses. Genau diese
Denkweise – angepasst an die eigene Organisation und
Branche – ist auch für andere Unternehmen heute hochrelevant:
Denn in Zeiten von Unsicherheit, Wandel und
Fachkräftemangel brauchen wir nicht Perfektion, sondern
Anpassungsfähigkeit, Mut und gemeinsames Lernen.
KULTUR
Sie deuten es schon an: So einfach ist es nicht, wirk-
lich fehlerfreundlich zu sein. Was braucht es aus Ihrer
Sicht in einer Organisation, damit man von Fehlerfreundlichkeit
sprechen kann?
Fehlerfreundlichkeit ist mehr als das „Fehler sind okay“-
Plakat in der Kaffeeküche. Sie braucht eine Kultur, in der
Offenheit, Vertrauen und gegenseitige Unterstützung tatsächlich
gelebt werden.
Das bedeutet z. B.:
Es darf kein Klima der Angst geben – wer einen Fehler
macht, muss ihn ansprechen dürfen, ohne mit Sanktionen
zu rechnen.
Es braucht klare Prozesse, wie mit Fehlern umgegangen
wird: Wie analysieren wir sie? Wie lernen wir daraus? Wie
kommunizieren wir sie?
sich Maßnahmen – z. B. Reflexionsräume, Umgang mit
Feedback, Lernformate, Teamentwicklung. Fehlerfreundlichkeit
lässt sich gestalten – mit Zeit, mit Konsequenz
und mit ehrlicher Selbstreflexion.
Welche Rolle spielen denn Führungskräfte für dieses
Thema?
Eine entscheidende. Führungskräfte prägen durch ihr
Verhalten, was als „normal“ gilt. Wenn sie selbst zugeben,
dass sie Fehler machen – oder Hilfe brauchen – entsteht
Raum, dass ihre Angestellten es auch tun können.
Gleichzeitig sind sie oft auch diejenigen, die Rahmen und
Prioritäten setzen: Haben wir Zeit für Lernen? Dürfen wir
experimentieren? Wird Feedback gehört? Führungskräfte
sind also Kulturträger*Innen – im Guten wie im Herausfordernden.
Umso wichtiger ist es, sie für das Thema zu
sensibilisieren und sie in ihrer Vorbildfunktion zu stärken.
Hintergrund: Woher kommt die Idee der Fehlerfreundlichkeit
– und was hat das mit der Techwelt zu tun?
Die Idee der Fehlerfreundlichkeit hat unter anderem ihren
Ursprung in der Tech- und Start-up-Welt – insbesondere
im Silicon Valley. Dort wurde früh erkannt, dass Innova-
tion untrennbar mit Experimentieren verbunden ist. Und
wo experimentiert wird, passieren zwangsläufig Fehler.
Statt diese zu vermeiden oder zu verstecken, wurde der
Umgang mit Fehlern aktiv kultiviert – mit Mottos wie
„Fail fast, learn faster“ übersetzt: Übersetzt: „Scheitere
schnell, lerne schneller“
(Bedeutung: Mach frühzeitig Fehler, damit du möglichst
schnell daraus lernen und dich weiterentwickeln kannst.)
oder „Move fast and break things“ Übersetzt: „Beweg
dich schnell und mach dabei ruhig etwas kaputt“
(Bedeutung: Zögere nicht aus Angst vor Fehlern – schnelles
Handeln kann zu Fehlern führen, ist aber oft der Weg
zu echten Durchbrüchen.)
Serpil Maglicoglu* ist Live-Online-Trainerin für Fachund
Führungskräfteentwicklung, Personale und soziale
Kompetenzentwicklung sowie Interkulturalität| Kommunikation
|Selbstmanagement.
An der akd bietet sie das Seminar „Fehlerfreundlichkeit:
Der Schlüssel zu mehr Innovation und Vertrauen“ an.
Die Fragen stellte Dr. Lars Charbonnier.
>> Link
*
Løsung 2026 | Seite 84
TOLL EIN ANDERER MACHTS!
Ein Gespräch über Konflikte in Teams
mit Matthias Wilhelm. Er ist ausschließlich
tätig als Mediator innerbetrieblicher
Mitarbeitenden- und Teamkonflikte. Sein
Steckenpferd ist die zeitverantwortliche
Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit
zerstrittener Mitarbeitender und Teams.
Er mag Menschen, entspannt, während
andere sich streiten und ist immer für ein
Walk & Talk zu haben. Ach ja: Matthias
Wilhelm wurde 1974 in Hannover geboren,
ist verheiratet und hat ein Kind. Bekannt
ist er u.a. aus: Handelsblatt, Süddeutsche
Zeitung, ZEIT ONLINE, NDR
Kultur, ntv.
Herr Wilhelm, seit vielen Jahren sind Sie mit einer
Vielzahl an Teams unterwegs und begleiten diese insbesondere
durch krisen- und konflikthafte Zeiten. Ich
fange mal einfach an: Was macht für Sie ein Team zu
einem Team?
Da haben sich ja schon eine Menge schlaue Menschen
Gedanken drüber gemacht und es gibt bestimmt viele
Dissertationen dazu. Für mich und im Zusammenhang
mit Konflikten handelt es sich bei einem Team runtergebrochen
um eine Ansammlung von mindestens zwei
Menschen, die - zumeist in einem professionellen Kontext
- gezwungen sind, miteinander zu arbeiten und zu
kooperieren.
Wenn dem so ist, woher rühren dann die vielen Konflikte,
die es in Teams anscheinend gibt?
Anders als im privaten Bereich kann man es sich im professionellen
Umfeld halt nicht aussuchen, von wem man
umgeben ist. So treffen ganz unterschiedliche Menschen
und Charaktere aufeinander, die miteinander „müssen“,
auch wenn sie nicht miteinander „können“ und privat
nicht miteinander „würden“. In der Regel geht das ja
trotzdem gut. Manchmal eskaliert diese Melange aber
auch zu einem Konflikt, der die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt.
Und dann leidet die Arbeit darunter. Meistens
ist dann die Kommunikation gestört, der Umgang miteinander
klappt nicht und Absprachen werden nicht getroffen
oder nicht eingehalten.
Und was tun Sie, um in diesen Konflikten konstruktiv
zu wirken?
wieder arbeitsfähig werden. Dass alle wissen, was sie
jetzt konkret tun müssen, damit sie als Team wieder funktionieren,
die Aufgaben erfüllen und die Ziele erreichen.
Dazu mache ich erst die gegenseitigen Erwartungen
transparent und lasse dann die Frage beantworten, was
jeder einzelne Mitarbeitende bereit ist beizutragen, um
wieder ordentlich miteinander arbeiten zu können.
Wie funktioniert das – oder anders: Wovon machen
Sie den Erfolg dieser Arbeit abhängig?
Der Erfolg meiner Arbeit steht und fällt mit der Bereitschaft
der Beteiligten, wieder ordentlich miteinander
arbeiten zu wollen. Ich gebe den zerstrittenen Mitarbeitenden
die Fähigkeit dazu, aber „wollen“, das müssen sie
schon selbst. Nach meiner Erfahrung wollen die meisten
in einer konfliktären Situation aber auch eine Veränderung.
Wer will schon am Sonntagabend mit „Bauchgrummeln“
an die Arbeit am Montag denken müssen. Vor
allem, wenn ihnen gerade gezeigt wurde, wie es auch
anders geht.
Bei der akd bieten Sie ein Seminar an, in dem es um
Erste Hilfe in Teams geht. Was genau machen Sie da?
In dem Seminar zeige ich teamleitenden Fach- und Führungskräften
in Kirche, Diakonie und Sozialwirtschaft,
wie sie selbst aus zerstrittenen Mitarbeitenden wieder
ein arbeitsfähiges Team machen. Alles wird sich um die
Klärung von Teamkonflikten drehen - ganz praktisch und
konkret. Wer ist als Moderiedender überhaupt geeignet?
Wie bereite ich eine Konfliktklärung im zerstrittenen
Team vor, wie führe ich eine durch und wie geht es danach
weiter.
Was können denn Führungskräfte konkret tun, wenn
sie zu einem Konflikt im Team gerufen werden – haben
Sie den schnellen Tipp, was immer wirkt? Nur für
die, die sich erst 2027 für Ihr Seminar anmelden können...
1.
2.
3.
4.
Sprich Klartext über den Ist-Zustand und den
von dir gewünschten Soll-Zustand.
Sag offen, was nicht mehr funktioniert –
und wo du mit dem Team hinwillst.
Lass jeden einmal sagen, was ihn belastet.
Ohne Diskussion, ohne Bewertung.
Nur Sichtweise – kein Urteil.
Frage: Was bist du bereit zu tun?
Jeder soll ein konkretes, kleines Angebot machen,
was er ab sofort beitragen will, um den
gewünschten Soll-Zustand zu erreichen.
Halte die Ergebnisse fest.
Mach einen kurzen Handlungsplan:
Wer macht was bis wann? Und überprüfe
das nach 2 Wochen mit dem Team.
Die Fragen stelle Dr. Lars Charbonnier.
Matthias Wilhelm bietet
„Erste Hilfe bei zerstrittenen Teams“
>> Link
Meistens werde ich gerufen, wenn es lichterlo brennt.
Dann geht es erstmal darum, dass die Mitarbeitenden
Den einen Tipp gibt es nicht, aber mit diesen 4 Schritten
gibts eine gute Chance auf Veränderung:
Løsung 2026 | Seite 86
UNSERE ANGEBOTE
13. Netzwerktreffen „Frauen in Führung“ (FiF)
Aus innerer Kraft erfolgreich durch Veränderungen
führen –
Persönlichkeitsentwicklung für Change-Manager*innen
Aushandlungsprozesse in Organisationen
Wirksam handeln und führen ohne hierarchische Befugnis
Basiskurs Teamentwicklung
Kontinuität und Change mit und im Team gestalten
Die Kunst des Führens
Führen und Leiten in einem Kirchenkreis/Dekanat, …
Einführung in die Achtsame Teamführung
Ein praxisnahes Seminar zum Kennenlernen der
achtsamen Teamkultur für Ihren Führungsalltag
Erste Hilfe bei zerstrittenen Teams
In Ihrem Team gibt es Konflikte und Sie möchten sie
klären?
MSO-Werkstatt 2026
Impulse, Austausch & Kick-off MSO-Alumni Netzwerk
Personalcoach 2026-2027
Coachingkompetenz auf Leitungsebene stärken
Personalcoach-Vertiefungskurs
Selbstführung
Mit meiner Persönlichkeit zu mehr Sicherheit, Freude
und Wirksamkeit in der Führung
Selbstmanagement mit dem Zürcher Ressourcen
Modell®
Zertifizierter ZRM-Kurs
Stärkung der Mitarbeiter*innen für (mehr) Empowerment
in Einrichtungen der Eingliederungshilfe
Teamcoaching
Wir stärken Sie in Ihrer Team-Performance
Werkstatt: Coaching
gut coachen dialogisch - auf Augenhöhe – entwicklungsorientiert
Werkstatt Verwaltung leiten
Wirksame Führung im 21. Jahrhundert
Workshop „Gesundheitsfördernde Führung“ –
Der Schlüssel zu nachhaltiger Leistung?
Mitarbeitende und sich selbst gesund führen
Fehlerfreundlichkeit: Der Schlüssel zu mehr Innovation
& Vertrauen
Grundlagen kirchlicher Führungskunst
Ein Kurs für Führungskräfte aller Professionen in gliedkirchlichen
und landeskirchlichen Leitungsfunktionen in
Ämtern, Werken und Einrichtungen
Jung in Führung gehen
Ein Orientierungskurs
Kündigungsgespräche und Trennungskultur in Kirche
und Diakonie
Werteorientiert, unterstützend, professionell und stabil
sein auch in schweren Momenten
Management in sozialen Organisationen (MSO 30)
Weiterbildung für Sozialmanagement
Løsung 2026 | Seite 88
Studienleiter Michael Zirlik ist bekannt für das Change-Management
Zertifikatsübergaben. Manchmal witzig.
Manachmal herzlich.
Neu: Die akd zertifiziert Sie in den Kompetenzfeldern
Changemanagement und Leadership!
Was genau es damit auf sich hat? Das erläutert Michael
Zirlik für das Kompetenzfeld Change Management
exemplarisch:
Warum dieses neue Format?
In diesem Curriculum stellen wir Ihnen ab sofort unser
komplettes Angebot zu Transformation und Change Management
zur Verfügung. Profitieren Sie von dem umfangreichen
Wissen und der Erfahrung unserer Studienleitungen
und Dozent*innen und stellen Sie sich flexibel
Ihr eigenes Lernprogramm zusammen, je nach Ihren Vorkenntnissen,
Ihrem aktuellen Bedarf und eigenen Zielen:
Vom Besuch einzelner Veranstaltungen bis hin zu fundierten
Ausbildungen und kompletten Abschlüssen mit Zertifikaten.
Ein Format, das Sie passgenau begleitet: Ihre berufliche
Situation, oder Ihre Ziele verändern sich im Laufe
der Zeit? Kein Problem! Das Curriculum hat nur zum Teil
eine feste Chronologie und bietet maximale Flexibilität –
inhaltlich und zeitlich. Sogar ein Wechsel zwischen den
Curricula ist jederzeit möglich und besuchte Veranstaltungen
werden anerkannt.
Was wird in diesem Curriculum vermittelt?
Wir decken das komplette Spektrum nötiger Kenntnisse,
Fähigkeiten und Haltungen ab: von Modellen und Theorien
zu Change, Methodisches Know How und Handwerkszeug
bis hin zur nötigen Persönlichkeitsentwicklung
als Changeverantwortliche*r.
Wie ist das Curriculum aufgebaut und für wen ist es
gedacht?
Grundsätzlich ist es in drei Stufen gegliedert, die sich
jeweils schwerpunktmäßig an bestimmte Zielgruppen
wenden und unterschiedliche Lernziele verfolgen:
01. Der „Change Practitioner“ ist gedacht für alle
Führungskräfte, die neben dem Tagesgeschäft auch für
Change-Projekte in ihren Teams, Abteilungen, Bereichen
oder Einrichtungen verantwortlich sind. Oftmals kommen
diese Veränderungen „von oben“, stören das operative
Geschäft, kosten viel Energie und stellen eine hohe
Belastung dar. In dieser Stufe erhalten Sie alles an Wissen,
Methoden und persönlicher Entwicklung, um sicher
und wirksam durch diese Stürme zu navigieren.
02. Der „Change Master“ wendet sich vor allem an jene
Führungskräfte, die bereits fundiertes Wissen und Vorerfahrung
(z.B. aus der Practitioner-Stufe) haben und sich
nun fit machen wollen für größere Change – Vorhaben:
Veränderungen auf der Ebene ganzer Träger oder Unternehmen,
großer Bereiche oder auch Organisationsübergreifend
(z.B. bei Fusionen) stellen ein anderes Level an
Komplexität und Vielfalt dar und erfordern breite Methodenkenntnis
sowie ein sicheres Bewegen im Spannungsfeld
der Interessen.
03. Mit dem Level „Change Expert“ bieten wir erstmals
ein Programm für alle jene an, deren Kern-Aufgabe
das Change-Management ist: interne Berater*innen für
Veränderungsprojekte, Stabstellen für Organisationsentwicklung
u.ä., die als Expert*innen und Prozessbegleiter*innen
in Veränderungen angefragt werden, benötigen
vor allem ein professionelles Rollenverständnis,
eine starke Persönlichkeit, Beratungs- und Coaching
-Kompetenz sowie reflektierte Erfahrung aus der praktischen
Arbeit.
Was muss ich tun, um das Zertifikat für eine Stufe zu
erhalten?
Voraussetzung ist jeweils die Teilnahme an den für diese
Stufe vorgesehenen Pflicht-Veranstaltungen sowie an vier
weiteren Tagen aus unserem Angebot an Wahlpflichtveranstaltungen.
Dabei gibt es keine starre Reihenfolge und
kein zeitliches Limit: Sobald Sie diese Voraussetzungen
erfüllen und uns das anzeigen, erhalten Sie automatisch
das entsprechende Zertifikat über diese Stufe.
Kann ich auch Stufen „überspringen“?
Sie können jederzeit Veranstaltungen aus höheren Levels
besuchen, wenngleich wir bei den Pflichtveranstaltungen
wärmstens empfehlen chronologisch vorzugehen. Die Erlangung
eines Zertifikats der Stufe 2 oder 3 setzt jedoch
ein Zertifikat der jeweils vorherigen Stufe voraus oder
den Nachweis über eine von Inhalt und Umfang her ähnliche
Qualifizierung.
Kontaktieren Sie uns, wir beraten Sie gerne.
Wie wähle ich die passenden Wahlpflichtkurse?
Grundsätzlich können Sie Sie rein nach Interessen, Zielen
und bisherigen Vorkenntnissen frei wählen. Einzige Ausnahme:
Für das Practitioner Zertifikat sind Kenntnisse in
Kommunikation und Projektmanagement Voraussetzung.
Sollten Sie darüber aktuell noch nicht verfügen, hat zunächst
die Teilnahme an diesen beiden Veranstaltungen
oberste Priorität. Auch hierzu beraten wir Sie gerne
Was ist mit den bisherigen Basis- und Aufbaukursen
„Changemanagement“ und „Organisationen systemisch
gestalten“?
Die Inhalte dieser Kurse gehen künftig in dem Curriculum
„Changemanagement“ auf. Daher werden sie auch
ab 2026 nicht mehr in dieser Form angeboten. Die Teilnahme
an diesen Kursen wird aber natürlich für die Erlangung
eines Zertifikats anerkannt. Bitte sprechen Sie uns
rechtzeitig darauf an.
Gibt es Rabatte, wenn ich mich gleich für mehrere Veranstaltungen
anmelde?
Das ist eine gute Frage! Wir arbeiten gerade an einer
Antwort, die diesem Bedürfnis entgegenkommt und zugleich
im Rahmen dessen bleibt, was wir als gemeinnütziger
Anbieter rechtlich dürfen. Bleiben Sie also dran – es
lohnt sich!
Funktioniert das beim Leadership-Curriculum genauso?
Im Prinzip ja. Praktisch ist der Fokus an in Frage kommenden
Veranstaltungen aber weiter und es kann noch
individueller ein Schwerpunkt gewählt werden. Wie das
aussieht, sehen Sie auf den nächsten Seiten.
Løsung 2026 | Seite 90
01 CHANGEMANAGEMENT_ Practitioner Level
1
01
01
Change Management
Change Management
Aus innerer Kraft… Persönlichkeitsentwicklung
Basics Teil 1 (Pflichtmodul) 2 Tage Basics Teil 2 (Pflichtmodul) 2 Tage (Pflichtmodul) 2 Tage
1
Zertifikat
03 CHANGEMANAGEMENT_ Consulting Level
3
Der coachende Führungsstil
Consulting Level (Pflichtmodul) 3 Tage
Berater Skills
Consulting Level (Pflichtmodul) 2 Tage
Transformation 2026
(Pflichtmodul) 5 Tage
3
Zertifikat
Change-
Elemente und
Zusammenhänge
Mitarbeitende
durch
Veränderung
führen
Systemisches
Denken und
Handeln
Organisationen
verstehen:
Organisationstheorien
Innere Antreiber
erkennen
Sicher und
handlungsfähgig
bleiben
Grundlagen des
Coachings
Anstoßen und
Begleiten von
Entwicklungsprozessen
realistische
Aufträge entwickeln
Psychologische
Spiele
vermeiden
Das Modell
der „Logischen
Ebenen“ nach
R. Dilts
Aufbau von
Rapport
und
Performance-
Training
Umgang mit
Widerständen
Erfolgsfaktoren
Reifegrade und
Entwicklung
Grundlagen
Prozessarchitektur
Führungsidentität
schärfen
Unsicherheit
und Resilienz
Live Sequenzen
mit dem coachenden
Führungsstil
Coaching-Tools
und -methoden
Organisationskultur
beschreiben
und entwickeln
Auf Augenhöhe
verhandeln
SWAT-Analyse
und mögliche
Interventionen
Die drei Formen
der Selbstexistenz
nach
Vasubandhu
Wahlpflichtmodule 4 Tage
Voraussetzung
Wahlpflichtmodule 4 Tage
Sie können aus den unten abgebildeten Wahlpflichtmodulen frei wählen
Einführung in
das klassische
Projektmanagement
Kommunikation
in Veränderungsprozessen
Für das Practitioner Zertifikat sind
Kenntnisse in Kommunikation und
Projektmanagement Vorrausetzung.
Entsprechende Ausbildungen werden
anerkannt.
Die Wahlpflichtmodule für die
Change Management Ausbildung
02 CHANGEMANAGEMENT_ Master Level
2
2
Zertifikat
Narrative
Ansätze in
der OE
1 Tag
KI-gestütze
Changeprozesse
1 Tag
Systemische
Erkundungsaufstellungen
2 Tage
Einführung
Klassisches Projektmanagement
1 Tag
Kollegiale
Beratung
zu Change-Fällen
4 x 1/2 Tage
Agiles Projektmanagement
2 x 1/2 Tag
Umgang mit
Widerständen
in Veränderungsprozessen
2 Tage (2027)
Werkstatt Facilitating & Workshop Tools
Master Teil 1 (Pflichtmodul) 2 Tage
Change Management advanced
Master Teil 2 (Pflichtmodul) 2 Tage
Aushandlungsprozesse in Organisationen
(Pflichtmodul) 2 Tage
Krisenmanagement
kompakt
1 Tag
Changemanagement
und
Digitalisierung
1 Tag
Basiskurs
Innovationsmethoden
Modul 1
2 Tage
Umgang mit
Widerständen
2 Tage
Strategisches
Management
1 Tage
Kommunikation
in Veränderungsprozessen
2 Tage
Kündigung &
Trennungskultur
in Kirche &
Diakonie
1 Tag
Dialog,
Bewertung,
Entscheidung
Partizipation
und eigene
Rolle
Konstruktivismus
und
Systemtheorie
Ebenen und
Elemente einer
Veränderungsarchitektur
Typische Aushandlungsanlässe
Interessenslagen
erkennen und
analysieren
Workshop
Dramaturgie
Kreativitätsmethoden
Wirkung ohne
Weisungsbefugnis
Organisationskultur
beschreiben
und entwickeln
Leitprinzipien für
die Gestaltung
einer sozialen
Architektur
Macht,
Vertrauen und
Verständigung
Wahlpflichtmodule 4 Tage
Sie können aus den nebenstehenden Wahlpflichtmodulen frei wählen.
Løsung 2026 | Seite 92
LEADERSHIP
02 VERTIEFUNGSWISSEN
Master Level
Inhalte
Kompetenzen
2
Zertifikat
IN KIRCHE UND DIAKONIE
In diesem Curriculum haben Sie viel Freiheit, Ihre Interessen und Bedarfe individuell
zu vertiefen. Hier werden deshalb keine einzelnen Angebote aufgeführt, sondern Anforderungen
und Kompetenzen beschrieben. Beispielhaft werden dazu Veranstaltungen
genannt, die diese Anforderungen erfüllen. Der Umfang der Pflichtveranstaltungen
besteht pro Stufe aus 10 Tagen.
Führungsinstrumente
und
Steuerung
Zielvereinbarungen,
Mitarbeitergespräche
Projektmanagement
und Change-
Management
Wirksame Entscheidungen
treffen
Partizipative Führungsmodelle,
agile Ansätze
Konfliktmanagement
&
Kommunikation
Umgang mit Spannungsfeldern
in
Kirche und Diakonie
Moderation, Feedbackkultur,
Gewaltfreie
Kommunikation
Folgende Veranstaltungen passen hier:
Entwicklung von
Leitbildern,
Strategieprozessen
Grundlagen des QM
Organisationsentwicklung
Betriebswirtschaftliche
Grundlagen
Fähigkeit zur strategischen Leitung von Teams und Arbeitsbereichen
Konfliktkompetenz und Kommunikationsstärke
Gestaltungskraft in Veränderungsprozessen
Agilität und Servant
Leadership
Intensivkurse BWL
Wirksame Führung
im 21. Jahrhundert
Leichte Wege
ins QM
Qualität,
die bleibt
Erste Hilfe bei
zerstrittenen Teams
Konflikte bearbeiten
mit GFK
Basiskurs
Teamentwicklung
Strategieentwicklung
Changemanagement
Gesund führen
Methodenkoffer Moderne
Führung
Coachender
Führungsstil
Hauen und Stechen
Veränderung gestalten
mit der Change-Formel
01
GRUNDANFORDERUNGEN
03
Practitioner Level
Inhalte
Kompetenzen
EXPERTENLEVEL
1
Leadership Professional
3
01 01
01 01
Zertifikat
Inhalte
Kompetenzen
Zertifikat
Theologische
Grundlagen der
Leitung und Führung
in Diakonie
und Kirche
Leitbild christlicher
Führung
Biblisch-theologische
Reflexion von
Macht, Verantwortung
und Dienst
Grundlagen der
Führung
Selbstführung und
persönliche Werte
MA-Führung,
situative Führung,
Führungsrollen
Teamführung und
Motivation
Grundlagen
strategischen
Managements
und Steuerung
Organisation &
Kontextwissen
Grundlagen kirchlicher
und diakonischer
Strukturen
Stakeholderanalysen
Zeitmanagement
Resilienz
Rechtliche und ethische
Grundlagen
(z. B. Arbeitsrecht,
Datenschutz)
Fähigkeit zur reflektierten Selbstführung
Grundverständnis von Führung im kirchlich-diakonischen Kontext
Fähigkeit, Mitarbeitende wertschätzend zu führen
Transformationales
und systemisches
Leadership
Führung in komplexen,
dynamischen
Systemen
Entwicklung einer
resilienten Organisationskultur
Führungsethik
und theologische
Reflexion
Führung zwischen
Werteorientierung
und Leistungsdruck
Theologische
Deutung von Macht,
Autorität, Scheitern
Public Leadership
und Netzwerkführung
Vertretung der
Organisation nach
außen (Kirchenpolitik,
Medien,
Gesellschaft)
Wirkung bewusst
gestalten
Kooperationsmanagement
und
Stakeholderdialog
Hohe strategisch-politische Gestaltungsfähigkeit
Reflexive und werteorientierte Entscheidungsfähigkeit
Fähigkeit zur Führung in Unsicherheit und Ambiguität
Wirkung nach innen und außen (Integrationskraft, Repräsentation, Wirkung)
Folgende Veranstaltungen passen hier:
Folgende Veranstaltungen passen hier:
Selbstführung
Grundlagen der Führung:
Stile, Rollen, ...
Grundlagen
Projektmanagement
Und plötzlich
in Leitung
Basiskurs
Führungskommunikation
Führen und Leiten
in Diakonie und Kirche
Theologie und Struktur
Fit für den AR
Innovationsmanagement
Ansteckend vortragen
Wirksam sein
Führungsethik
Løsung 2026 | Seite 94
Ein persönlicher Blick auf
35 Jahre „Management
in sozialen Organisationen“ (MSO)
Von Uwe Lapp
„Für die Betreuung unserer Klienten haben wir Konzepte
– für den Umgang mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
aber nicht.“
Diesen Satz hörte ich als Student in einem Seminar zu
Methoden des Sozialmanagements zum ersten Mal. Er
irritierte mich – und er machte mich neugierig. Ich ahnte
nicht, wie lange er mich begleiten würde. Was ich damals
in den 1980er Jahren von Albrecht Müller-Schöll, Gründungsdirektor
der Diakonischen Akademie Deutschland
(DAD), hörte, wurde über die Jahre für mich zu einer Leitfrage:
Wie gehen wir eigentlich miteinander um, wenn
wir führen? Aus dieser Frage entstand mein Weg mit Management
in sozialen Organisationen (MSO).
Die vier Säulen eines werteorientierten
Führungsverständnisses
Besonders geprägt haben mich die vier Prinzipien, die Albrecht
Müller-Schöll für die Führung in diakonischen Einrichtungen
formulierte: Partizipation, Transparenz, Nachvollziehbarkeit
sowie Flexibilität und Korrigierbarkeit.
Gemeinsam mit Priepke entwickelte er daraus das Bild
der vier Säulen: Meditation, Kommunikation, produktive
Teamarbeit und partizipatives Management.
Für mich war dieses Modell nie nur Theorie, sondern ein
Wertekompass des Sozialmanagements: wer sich selbst
reflektiert (Meditation), wer mit Mitarbeitende in einen
echten Dialog tritt (Kommunikation), Wer kreative Methoden
nutzt, um Motivation und Zusammenarbeit zu
fördern (proaktive Teamarbeit), der kann schließlich auch
partizipative Führung im Sinne eines christlich-diakonischen
Verständnisses leben. Dieses Bild gab mir all die
Jahre Orientierung – als Lehrtrainer, als Coach, und in den
vielen Veränderungen, die das Sozialmanagement und
die MSO-Kurse durchlaufen haben.
Selbstreflexion und Praxisnähe: Die Anfangsjahre
der Fortbildung
Begrüßung der Teilnehmenden
In den 1980er-Jahren waren die Managementseminare an
der DAD stark von Selbstreflexion geprägt. Dazu kamen
kleine Tools zur Ziel- und Projektplanung, zur Entscheidungsfindung
oder Problemlösung. „Harte“ Managementmethoden
spielten dagegen kaum eine Rolle – mit
Ausnahme der Betriebswirtschaft, mit der viele Teilnehmende
ohnehin fremdelten.
Die Fortbildung bestand damals aus zehn fünftägigen
Seminaren über drei Jahre hinweg. Teilnehmende kamen
aus den unterschiedlichsten Feldern der Sozialen Arbeit:
von der Drogenberatung bis zur Reha-Klinik, vom Strafvollzug
bis zur Bildungsarbeit. Später kamen mit Einführung
der Pflegeversicherung auch Pflegekräfte hinzu, die
sich für Leitungsaufgaben qualifizieren wollten.
Diese Vielfalt war prägend. Unterschiedliche Berufsbiografien,
Träger und Traditionen trafen aufeinander. So
saß die Mitarbeiterin aus der Drogenberatung neben
dem Ergotherapeuten einer Reha-Klinik und der Theologin
aus der Diakonie. Die Sozialarbeiterin aus dem Strafvollzug
diskutierte mit einem Qualitätsbeauftragten aus
einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung und einer
Fachkraft der stationären Pflege. Gerade diese Mischung
machte den Austausch wertvoll: man lernte voneinander,
erhielt Einblicke in fremde Praxisfelder und gewann Perspektiven,
die im Alltag so kaum möglich gewesen wären.
Ein bisschen Ruhm gehört auch dazu.
Neue Anforderungen – und ein neues Selbstverständnis
von Führung
Mit der Zeit verschoben sich die inhaltlichen Schwerpunkte.
Organisationslehre, Organisationsentwicklung
und Mitarbeiterführung rückten stärker in den Mittelpunkt.
Führungskräfte mussten sich zunehmend auch mit
Themen wie Qualitätsmanagement, Arbeitsrecht, Controlling,
Marketing und Fundraising auseinandersetzen.
Wirtschaftliches Denken und strategisches Handeln traten
neben die Werteorientierung. Dies zeigte sich auch
in der Umbenennung der Weiterbildung in „Management
in sozialen Organisationen (MSO)“ und in der Anbindung
an die Führungsakademie für Kirche und Diakonie.
Auch die Teilnehmendengruppen veränderten sich. Waren
sie anfangs meist männlich dominiert, stellte sich im
Laufe der Zeit von selbst ein ausgewogenes Verhältnis
ein. Ebenso verschoben sich die Zeitpunkte der Teilnahme:
Früher waren es oft Mitarbeitende, die sich auf ihre
Løsung 2026 | Seite 96
Seminar-Action
erste Leitungsaufgabe vorbereiteten, heute kommen
auch erfahrene Führungskräfte, die ihre Rolle reflektieren
und weiterentwickeln wollen. Ein Vorstand brachte es
treffend auf den Punkt: „Ich bin hier, um mein Führen und
Leiten zu reflektieren – gar nicht so sehr, um viel Neues
zu lernen.“
Heute umfasst die Weiterbildung ein breites Spektrum
an Themen: neben dem klassischen Managementwissen
auch systemische Organisationsentwicklung, moderne
Personalführung, Change-Management, agile Ansätze,
strategische Ausrichtung und Prozessoptimierung. Vermittelt
werden praxisnahe Kompetenzen auf normativer,
strategischer und operativer Ebene – immer in Bezug auf
die aktuellen Herausforderungen sozialer Organisationen.
Auch das Lernkonzept wurde angepasst. Die persönliche
Begegnung in den Präsenzseminaren bleibt ein zentrales
Element. Ergänzt wird sie inzwischen durch Online-Tage,
den Austausch über digitale Lerntools sowie kleine, flexibel
nutzbare „Lern-Nuggets“, die Teilnehmende selbstgesteuert
von zu Hause aus bearbeiten können.
Drei Konstanten – und was ich davon mitnehme
Trotz aller Veränderungen gibt es einige Konstanten, die
MSO bis heute ausmachen. So gab es von Anfang an feste
Lern- und Transfergruppen, die sich regelmäßig auch zwischen
den Seminaren treffen – oft in den Einrichtungen
der Gruppenmitglieder. Viele dieser Gruppen bestehen
weit über das Kursende hinaus. Auch geschieht die inhaltliche
Gestaltung immer in Abstimmung mit der Gruppe
– Raum für aktuelle Themenwünsche ist damit explizit
gewünscht. Und, ganz wichtig: Jedes Seminar wird von
einem festen Leitungsteam begleitet. Diese kontinuierliche
Begleitung bietet den Teilnehmenden nicht nur Unterstützung
in fachlichen und karrierebezogenen Fragen,
sondern fördert auch ein intensives gemeinsames Lernen
– und hat nicht selten zu langjährigen freundschaftlichen
Kontakten geführt.
Für mich spiegeln diese Konstanten etwas Grundsätzliches:
dass Lernen am besten dort gelingt, wo Verbindlichkeit
und Freiheit, Struktur und Offenheit zusammenspielen.
Rückblick – vier persönliche Aspekte
Wenn ich auf 35 Jahre MSO zurückblicke, bleiben für mich
vier Dinge besonders bedeutsam:
1. Die Balance von Selbständigkeit und Zugehörigkeit.
Ich konnte frei gestalten und gleichzeitig in
einem verlässlichen Rahmen arbeiten.
Diese Kombination hat mir immer entsprochen.
2. Die Erfahrung, dass Werte Alltag sind.
Respekt, Verlässlichkeit und Begegnung auf
Augenhöhe sind keine abstrakten Ideale.
Sie haben sich im Miteinander bewährt –
auch dort, wo sie in Frage gestellt wurden.
3. Das lebenslange Lernen. Ich habe immer wieder
Neues aufgenommen, weitergedacht und
weitergegeben. Besonders wertvoll war dabei
der Austausch mit den Teilnehmenden, die mit
ihren Erfahrungen und Fragen meinen eigenen
Horizont erweitert haben.
4. Die Menschen. Viele Begegnungen sind mir
in Erinnerung geblieben, einige haben sich zu
Freundschaften entwickelt. Das Vertrauen und
die Zusammenarbeit in Kursleitungsteams,
die Gespräche mit Teilnehmenden, die gemeinsame
Reflexion – all das hat MSO für mich ausgemacht.
Mein Fazit
MSO war für mich nie nur ein Fortbildungsprogramm. Es
war ein Ort, an dem Lernen, Werte und Gemeinschaft zusammengekommen
sind. Ich habe dort fachlich gearbeitet,
aber auch persönlich viel gewonnen.
Es war eine Schule des Miteinanders, ein Raum, in dem
sich berufliche Entwicklung und persönliche Haltung verbinden
konnten. Rückblickend empfinde ich dafür vor allem
Dankbarkeit: für die Freiheiten, die ich hatte; für die
Werte, die mich getragen haben; für das Lernen, das nie
aufgehört hat – und für die Menschen, die diesen Weg
mit mir gegangen sind. Alles zusammen macht für mich
den Kern von MSO aus: eine bereichernde Zeit, die mich
geprägt hat und die ich nicht missen möchte.
Ihr Uwe Lapp
Uwe A. Lapp
Personalentwicklung & Coaching
Seit über 35 Jahren prägt Uwe Lapp die Weiterbildung
„Management in sozialen Organisationen
(MSO)“ an der Akademie für Kirche und Diakonie –
angefangen mit seinem ersten Kurs im geschichtsträchtigen
November 1989 in Berlin. Wer mehr zu
dieser Geschichte hören möchte, sollte ihn am besten
selbst fragen. Seine Leidenschaft für das Lehren
und Begleiten von Menschen hat er früh entdeckt
und ist ihr seither treu geblieben.
Er studierte Erziehungswissenschaft, Psychologie,
Soziologie und Erwachsenenbildung an der Universität
Tübingen sowie Diakoniewissenschaft in
Heidelberg. Ergänzend qualifizierte er sich als Lehrtrainer
für Sozialmanagement und als TQM-Auditor.
Lehraufträge führten ihn unter anderem an
die Universität Tübingen, die Fachhochschule Ludwigsburg,
die Berufsakademie Stuttgart, die Duale
Hochschule Baden-Württemberg und die Evangelische
Fachschule für Organisation und Führung in
Schwäbisch Hall. Darüber hinaus ist er als Dozent
nicht nur bei der Akademie für Kirche und Diakonie
tätig, sondern auch an Einrichtungen wie der Sächsischen
Sozialakademie Chemnitz, dem Bildungswerk
der Evangelisch-Methodistischen Kirche oder
dem Sozialpädagogischen Fortbildungszentrum
des Landes Rheinland-Pfalz.
Neben der Lehre begleitet Uwe Lapp als Coach und
Berater soziale Einrichtungen, Landkreise und Kommunalverwaltungen
bei Fragen von Führung, Personal-
und Organisationsentwicklung. Dabei arbeitet
er mit Menschen aus allen Fachbereichen und Ebenen
– und begegnet ihnen immer mit derselben
Freundlichkeit, Offenheit und Neugier.
Sein breites Wissen, seine Empathie und sein klarer,
pragmatischer Blick auf die Herausforderungen des
Führungsalltags machen ihn zu einem geschätzten
Kollegen und Ansprechpartner. Uwe Lapp steht für
praxisnahe Qualifizierung, kontinuierliche Beratung
– und dafür, dass Lernen und Führen immer auch
menschlich bleiben dürfen. Für diese lange Weggemeinschaft
sind wir als akd Uwe Lapp sehr dankbar!
Sie haben eine Erfahrung mit Uwe Lapp gemacht,
die Sie gern teilen möchten? Schreiben Sie uns!
info@a-kd.net
Freie Vorträge und Vorstellung von Arbeitsergebnissen sind Pflichtübungen
Kapitän, mein Kapitän. Uwe Lapp
Ein Flip Chart-Ausschnitt aus dem MSO Kurs
Løsung 2026 | Seite 98
Pflege menschengerecht gestalten
Der Pflegebedarf der Zukunft steigt, leider auch der Fachkräftemangel
in diesen Feldern. Die Nutzung von digitalen
Technologien ist nötig, sie muss aber auch achtsam
reflektiert werden. Menschengerechte Pflege achtet auf
die spirituelle Dimension des Menschseins. Sie kennt die
pluralen Bedarfe und weiß, dass es entsprechend plurale
Konzepte und differenzierte Kompetenzen braucht. Und
sie reflektiert Fragen nach dem menschenwürdigen Leben
und Sterben auf der Höhe der Zeit und nicht nur im
Blick auf hochaltrige Menschen.
Unser Angebot in diesem Feld beinhaltet Themen wie
Spiritual/Existential Care interprofessionell – SpECi, den
fachlich kompetenten Umgang mit FASD, das neue integrative
Celler Modell „Sterbende begleiten lernen" zur
Vorbereitung von ehrenamtlich Arbeitenden in der Sterbebegleitung
oder Palliative Care für Kinder und Jugendliche.
Unsere Studienleiterin Dr. Gabriele Beckert gestaltet dieses
Themenfeld seit vielen Jahren mit großer Kompetenz
und in vielfältiger Vernetzung. So kooperieren wir u.a. mit
unterschiedlichen Fachreferaten der Diakonie Deutschland,
der Malteser Hospizarbeit und FASD Deutschland.
Løsung 2026 | Seite 100
Spiritual Care & Existential Care
Ein interprofessionelles
Schulungsangebot für
Gesundheitsfachkräfte
Von Dr. Astrid Giebel
Vor über 40 Jahren habe ich Krankenpflege in einem konfessionellen
Krankenhaus in Hamburg gelernt, lange vor
den Anfängen der Hospiz- und Palliativ-Care-Bewegung
in den 1990er Jahren in Deutschland. Es wurde damals für
selbstverständlich gehalten, dass Sterbende, um weitere
Patientinnen oder Bewohner in Mehrbettzimmern ´nicht
zu stören`, ins Badezimmer geschoben wurden. Auszubildende
in der Pflege – also auch ich, noch keine 20 Jahre
alt, 500 km von Zuhause weg – wurden neben die Sterbenden
gesetzt und sollten diesen beistehen. Es waren
traumatische Situationen darunter, in denen es mir die
Sprache verschlug. Menschen seelisch beistehen in existenziellen
Situationen, Worte finden, die Schwerkranken
und Sterbenden Trost und Hoffnung, Halt und Kraft geben
angesichts Verlust und Abschied, war seitdem beruflich
für mich ein mitlaufender roter Faden. Auf einem
Gesundheitskongress 2009 lernte ich Stefanie Joerres,
Referentin des Deutschen Evangelischen Krankenhausverbandes
kennen und wir entdeckten uns als Verbündete
im Thema Spiritualität in der Pflege. Kurzentschlossen
planten wir einen Pflegekongress, der 2010 im ICC Berlin
mit 300 Teilnehmenden stattfand. Gemeinsam mit der
Dipl.-Pflegepädagogin Dr. Gabriele Beckert und weiteren
Beteiligten konzipierten wir dann ein Curriculum Spiritual
Reinigungsarbeiten auf dem Zentralfriedhof Wien. Fotos: Robert Wieczorek, 2024
& Existential Care für Pflegekräfte, das unter dem Namen
DiakonieCare veröffentlicht und mit ESF-Fördermitteln
2010-2012 in 11 diakonischen Einrichtungen bundesweit
erprobt wurde. Prof. Tim Hagemann von der Fachhochschule
der Diakonie erstellte als Arbeitspsychologe eine
Wirkstudie mit positiven, die gesundheitsfördernden Aspekte
belegenden Ergebnissen. In zwei Bänden Geistesgegenwärtig
Pflegen, 1: Grundlegungen und Werkstattberichte
sowie 2: Studien und Projektergebnisse wurden
die zahlreichen Erkenntnisse gebündelt. Weitere Kreise
zog das Anliegen, Spiritual & Existential Care im Gesundheitswesen
zu verankern, als die Deutsche Gesellschaft
für Palliativmedizin (DGP), der Deutsche Hospiz- und
PalliativVerband, die Diakonie Deutschland mit der Caritas
ein interprofessionelles Curriculum SpECi (siehe
www.speci-deutschland.de) für alle Gesundheitsberufe
in den Jahren 2017-2019 entwickelte und an 7 Projektstandorten
mit Fördermitteln der Stiftung Wohlfahrtspflege
NRW – unter wissenschaftlicher Forschung durch
Prof. Arndt Büssing – in den Jahren 2020-2024 erprobte.
Hierzu ist ein Handbuch SpECi erschienen; die 50 Beiträge
kostenlos abrufbar unter https://link.springer.com/
book/10.1007/978-3-662-67742-1. Das von der DGP zer-
tifizierte Curriculum Spiritual & Existential Care interprofessionell
wird auch in der akd angeboten. Eine Kursteilnehmerin,
Chefärztin Eva Reumkens berichtet in einem
Podcast davon, wie sie in ihrer Palliativklinik Sterbende
seitdem spirituell und existenziell begleitet: https://
www.podcast.de/podcast/3382055/ueber-das-endegespraeche-ueber-tod-sterben-und-sinn-des-lebens.
Im
Anhören rolle ich meinen roten Faden auf, glücklich über
den Schatz am Ende.
Dr. Astrid Giebel
Stabstelle Theologie
beim Präsidenten der
Diakonie Deutschland, Berlin.
>> Link
Løsung 2026 | Seite 102
Die (un)sichtbare Behinderung
Von Gisela Michalowski
ein Mann und ich träumten schon in der Jugend
von einer Großfamilie, die sich aus
eigenen, Pflege- und Adoptivkindern zusammensetzt.
Als ich, schwanger mit meinem dritten Kind,
die Anfrage erhielt, ein Kind aufzunehmen, dachte ich sehr
naiv: Das kannst du wohl. Wir wurden Eltern eines dreijährigen
Jungen, der unser Herz im Sturm eroberte. Er sah aus
wie Michel aus Lönneberger.
Dieses Kind wurde uns vom Sozialarbeiter übergeben mit
den Worten: “Mit viel Liebe und Zuversicht bekommt ihr
das schon hin!“
Wir haben unseren Sohn aufgenommen mit Hoffnungen
und Wünschen für seine Zukunft, gaben ihm Liebe und hatten
Zuversicht, aber die Realität war anders:
Fotos in diesem Artikel ähnelten unseren Mädchen. Somit
machten wir uns auf den Weg zur Diagnostik. Die Mädchen
wurden diagnostiziert, die eine erhielt die Diagnose FAS,
die andere pFAS. Ich suchte dringend nach Austausch und
Unterstützung, weil unser Alltag auf einmal den Charakter
eines Lebens auf der Achterbahn hatte.
Nach langem Suchen entdeckten wir FASD Deutschland
e.V. Viele der Berichte dort ergaben Parallelen zu unserem
Sohn. Wir stellten unseren Sohn bei einem FASD erfahrenen
Diagnostiker vor und er erhielt die Diagnose FAS. Danach
begann ich, aktiv im Verein mitzuarbeiten und bin seit
2005 die Vorsitzende des Vereines FASD Deutschland e.V..
FASD Deutschland e.V. bietet
Nach der Eingewöhnungszeit stellten wir fest, dass irgendetwas
mit dem Kind nicht stimmte:
• er lernte nicht aus Erfahrungen,
• machte Dinge immer und immer wieder
(gegen den Tisch rennen),
• er gedieh nicht, obwohl er ein guter Esser war,
• und und und...
Hier mal ein Beispiel aus unserem Alltag: Als Sozialpädagogin
versuchte ich, meinen Sohn mit vielen Erklärungen,
warum und wieso dieses oder jenes jetzt notwendig ist, zu
erziehen. Wie z.B beim Zähneputzen. „Würdest du bitte ins
Bad gehen und dir die Zähne putzen, damit du keinen Karies
bekommst.“ Mein Sohn schaute mich fragend an. Mein
Mann, Soldat, kam vorbei, sagte in zwei kurzen Sätzen zu
ihm: „Ins Bad! Zähne putzen!“ und unser Sohn wusste, was
er zu tun hatte. Er brauchte offensichtlich die klare Ansage,
ohne Erklärungen, die er nicht verstand.
Wir suchten Hilfe und Unterstützung bei Psychologen, Beratungsstellen
und Ärzten. Junior bekam viele Diagnosen,
wie ADHS, Trauma, Bindungsstörungen. Jeder versuchte,
uns zu helfen. Es scheiterte häufig an den Besonderheiten
unseres Sohnes. In den Selbsthilfegruppen für Pflegeeltern
oder der ADHS Gruppe fühlte ich mich unpassend,
weil mein Sohn anders war als die anderen. In der Zwischenzeit
hatten wir kurzfristig im Jahr 1995 zwei Mädchen
aufgenommen, die 7 und 18 Monate alt waren. In einer Zeitung
für Pflegeeltern war kurze Zeit später ein Bericht über
Kinder mit FASD (Fetale Alkoholspektrumstörung). Die
• Internetpräsenz mit aktuellen
Informationen www.fasd-deutschland.de
• Informationsmaterial und Literatur
• Seminare und Schulungen
• Austauschgruppen in den sozialen Medien
• Jährlich zweitägige Fachtagung in jeweils
einem anderen Bundesland
• Wochenenden für Erwachsene mit FASD
und ihre Bezugspersonen
• Familienfreizeiten
• Hilfe und Beratung für Familien
• familiären Charakter - „endlich Menschen,
die verstehen, wovon man spricht“
Die Notlage des Kindes ist Auslöser für die Notlage der Familien.
Die Schädigungen durch den mütterlichen Alkoholkonsum
sind irreparabel. Es gibt keine Heilung. Man kann
nur lernen, sie anzunehmen und damit umzugehen.
Für mich ist es ein großes Anliegen, dass es Fortbildungen
zum Thema FASD gibt, vor allem auch eine Ausbildung zur
FASD Fachkraft, damit diese informiert sind über die Auswirkungen
des vorgeburtlichen Alkoholkonsums. Wissen
über die Entstehung der FASD, die Diagnostik des FASD,
Hilfen und Unterstützung, hier auch Wissen über Sozialrechtliches,
Heil-und Hilfsmittel für die Menschen mit
FASD und deren Bezugspersonen muss vermittelt werden.
Gisela Michalowski,
Dipl. Soz. Päd., Vorsitzende FASD Deutschland e.V.
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Løsung 2026 | Seite 104
Das Celler Modell und die
digitale Werkzeugkiste
Dr. Gabriele Beckert interviewt Elizabeth Schmidt- Pabst
(E.S.-P.), Leiterin des Ambulanten Lazarus Hospizdienstes,
und Daniela Bredlow (D.B.), Koordinatorin des Ehrenamtes
des Simeon Hospizes der Johannesstift Diakonie, rund um
das Celler Modell und die Rolle der digitalen Werkzeugkiste
in der Begleitung Ehrenamtlicher im Hospiz.
Das Celler Modell ist ein etabliertes Qualifizierungsangebot
für Menschen, die sich ehrenamtlich als Sterbebegleiter:innen
engagieren möchten. Es umfasst drei aufeinander
aufbauende Phasen: einen Grundkurs (Einführung und
Grundlagen), eine Praxisphase (erste begleitete Erfahrungen
mit Reflexion) und einen Vertiefungskurs (Stärkung
und Entwicklung der eigenen Rolle). Der Grundkurs orientiert
sich an einer Weggeschichte, in der Zuhören, Mitgehen
und Bleiben zentrale Motive sind. Im Vertiefungskurs
wird der Blick noch einmal auf die Erfahrungen, die man
während der Praxisphase erlebt hat, gelegt und die persönlichen
Erfahrungen reflektiert und die persönliche Haltung
weiterentwickelt.
Das Celler Modell richtet sich an Menschen, die bereit
sind, sich auf das Leben und das Sterben einzulassen. Die
biblischen Geschichten, die dem Kurs inhaltlich zugrunde
liegen, verstehen sich dabei als Impulse zum Nachdenken
und Reflektieren. Das Modell ist ökumenisch getragen. Es
ist geeignet für die Begleitung Erwachsener, aber auch,
nach der Überarbeitung, in der Kinder- und Jugendhospizarbeit
anwendbar.
E.S.-P.: Ich bin Elizabeth Schmidt-Pabst, auch gelernte
Krankenschwester, Bachelor of Nursing mit dem Schwerpunkt
Beratung und auch Trauerbegleiterin. Seit 13 Jahren
arbeite ich als Koordinatorin im Ambulanten Lazarus
Hospizdienst, seit drei Jahren in leitender Funktion. Vor 2
Jahren habe ich auch die Weiterbildung zum Celler Modell,
damals noch an der Bundesakademie für Kirche und
Diakonie, absolviert. Ehrenamtliche bilde ich seit 10 Jahren
aus, mir war wichtig, dass Celler Modell als Basis für
die Ausbildung zu kennen.
GB: Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten sehen
Sie in der ambulanten und stationären Hospizarbeit
im Celler Modell?
D.B.: Das Celler Modell ist für uns die Basis der Ehrenamtsqualifizierung.
Es verbindet fachliche Inhalte mit der
Reflexion der eigenen Biografie und Haltung. Dabei lege
ich Wert auf bestimmte Module, die für den stationären
Bereich besonders wichtig sind, wie z.B. die Module
„Zuhören“, „Verstehen“ des Grundkurses und die Module
„helfen“, „deuten“, wachsen“ und „losgehen“ im Vertiefungskurs,
vor allem praktische Übungen fördern die
Selbsterfahrung. Einige Ehrenamtliche unterschätzen die
Aufgabe und gehen davon aus, dass ihre persönlichen
Erfahrungen, ausreichend sind. Bei uns haben die Ehrenamtlichen
den Vorteil, dass sie nie alleine sind, sie haben
immer Zugriff auf eine Pflegefachkraft.
Hauptamtlichen haben immer die Möglichkeit die Ehrenamtlichen
zu erreichen und ihre Dienste in Anspruch zu
nehmen. Manchmal werden Hauptamtliche auch Ehrenamtliche
oder Gäste Ehrenamtliche. Wir haben einen Ehrenamtlichen,
der mit der Diagnose Prostata-Karzinom zu
uns kam und die Erkrankung überlebt hat und jetzt bei
uns als Ehrenamtlicher tätig ist.
E.S.-P.: Ohne Ehrenamtliche gäbe es uns nicht! Wir Hauptamtlichen
im Hospizdienst haben die Aufgabe Ehrenamtliche
zu schulen und sie dann an schwerstkranken und
sterbende Menschen zu vermitteln.
GB: Wie bewerten Sie den Mehrwert digitaler Lernund
Kommunikationsformen in der Vorbereitung
und Begleitung von Ehrenamtlichen? Die Diakonie
Deutschland, vertreten durch Frau Dr. Ataie, hat die
digitale Werkzeugkiste entwickelt, kommt sie schon
bei Ihnen zum Einsatz?
E.S.-P.: Sehr hoch, unsere Ehrenamtlichen legen großen
Wert auf Nachhaltigkeit, sie möchten keine Materialien
ausgedruckt bekommen. Wichtig ist ihnen auch die Wahrung
der eigenen Autonomie und ihrer Freiheit die Unterlagen
nach ihren Bedürfnissen zu sichten und durchzuarbeiten.
D.B.: Das ist bei mir ganz anders, unsere Ehrenamtlichen
möchten den Papierausdruck, sie machen sich darauf ihre
Notizen. Sie sind i.d.R. schon im Ruhestand und noch an
die analoge Arbeit gewöhnt. Wir sind dabei, die Tools der
digitalen Werkzeugkiste in das Curriculum des Celler Modells
einzuarbeiten und gespannt, wie der nächste Kurs
im Oktober damit umgehen wird. Die Digitale Werkzeugkiste
wird zukünftig die Vermittlung theoretischer Inhalte
ergänzen und hoffentlich auch den Austausch zwischen
den Ehrenamtlichen fördern.
pizarbeit und Digitalisierung könnte die Kommunikation
unterstützen, vor allem auch im interkulturellen Kontext.
Für unseren Bereich könnte eine App für die Vermittlung
von Begleitung und die Kommunikation mit den Ehrenamtlichen
sinnvoll sein.
D.B.: Das sehe ich auch, vielleicht würden dann jüngere
Ehrenamtliche auch den Weg zu uns finden.
Dr. Gabriele Beckert:
Vielen Dank für das Gespräch.
>> Link
Dr. Gabriele Beckert: Bitte stellen Sie sich kurz vor.
Wie sind Sie mit dem Celler Modell in Berührung gekommen?
D.B.: Ich bin Daniela Bredlow, gelernte Krankenschwester,
Qualitätsbeauftragte und Trauerbegleiterin. Seit fünf
Jahren bin ich Koordinatorin für Ehrenamtliche im Simeon
Hospiz der Johannesstift Diakonie. Vor einigen Jahren
habe ich die Weiterbildung zum Celler Modell, damals
noch an der Bundesakademie für Kirche und Diakonie,
absolviert und bilde seitdem Ehrenamtliche im Hospiz
danach aus. Seit drei Jahren bin ich auch als Dozentin für
die Multiplikatorenschulung bei der Akademie tätig.
E.S.-P.: Durch das Celler Modell lernen Ehrenamtliche die
Perspektiven verschiedener Akteure im Familiensystem
kennen, die ihnen in der Begleitung in der Häuslichkeit
zu Gute kommen. Im Vordergrund stehen auch bei mir die
Selbsterfahrungsübungen.
Dr. Gabriele Beckert: Wie erleben Sie die Zusammenarbeit
der hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitenden?
D.B.: Im stationären Hospiz sind die Ehrenamtlichen ein
fester Bestandteil des Teams, jeder kennt jeden. Die
E.S.-P.: Prima, das würde ich mir gerne ansehen. Die Ehrenamtlichen
im ambulanten Hospizdienst sind jünger,
die meisten sind noch berufstätig und bewegen sich fast
ausschließlich in der digitalen Welt.
D.B.: Wir laden dich dann rechtzeitig ein.
GB: Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung der
Hospizarbeit vor dem Hintergrund zunehmender Digitalisierung?
E.S.-P.: Ich sehe viele Vorteile, die Synthese zwischen Hos-
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Løsung 2026 | Seite 106
UNSERE ANGEBOTE
Biografische Screening Interviews, Fortbildung zu FASD
Online-Veranstaltung
Das neue integrative Celler Modell: „Sterbende begleiten lernen“
zur Vorbereitung von ehrenamtlich Arbeitenden in der Sterbebegleitung
Weiterbildung Celler Modell: Schulung für Kursleiter*innen
Die Digitale Werkzeugkiste in der Vorbereitung von Ehrenamtlichen in der
Sterbebegleitung
Die Vorteile von digitalem Lernen mit Präsenz verbinden
Fachkraft für Fetale Alkoholspektrumstörung (FASD)
Kooperative Weiterbildung mit FASD-Deutschland
Gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase
nach §132g Abs. 3 SGB V
Blended-learning-Weiterbildung mit Präsenz- und Online-Modulen
Qualität in der Pflege: Entdecken Sie das Diakonie-Siegel
Online-Veranstaltung in Kooperation mit dem Institut für
Qualitätsentwicklung und Gütesiegel in Kirche und Diakonie
Palliative Care für Kinder und Jugendliche 2026 - 2027
Weiterbildung
Spiritual/Existential Care interprofessionell – SpECi
für alle Berufsgruppen im Gesundheitswesen
Stress Stop – ein Gruppenangebot für Menschen mit FASD
Løsung 2026 | Seite 108
„Türöffner Grundbildung“
Im Rahmen des Themenfelds Gemeinwesen inklusiv fördern
ist die akd im Projekt GruBa mit Fortbildungen rund
um das Thema Grundbildung engagiert. Die Projektleiterin
Farina Wagner von der Universität Duisburg-Essen
beschreibt hier, worum es genau geht:
Türöffner Grundbildung: Zugänge schaffen, Teilhabe
ermöglichen
Frau M. ist 52 Jahre alt und arbeitet seit vielen Jahren in
einer Bäckerei. Schon als Schülerin hatte sie Mühe mit
Schriftsprache und entwickelte mit der Zeit Strategien,
um damit umzugehen. Sie bat Mitschüler*innen um Hilfe,
ihr Mann kümmerte sich später um ‚den Papierkram‘
oder sie fragte Kolleg*innen, ob sie ‚mal schnell‘ Formulare
ausfüllen können. Als ihre Tochter auszog und sie
begann, sich im Elterncafé einer Familienbildungseinrichtung
zu engagieren, merkte sie, dass Schriftsprache
wieder zum Hindernis wurde: Aushänge lesen, Mails beantworten,
sich in digitale Listen eintragen. Sie hat sich
einer Mitarbeiterin anvertraut und daraus ergab sich der
Hinweis auf einen Grundbildungskurs.
Die Kursleiterin machte gleich deutlich: Im Mittelpunkt
steht selbstbestimmte Teilhabe – nicht nur Lesen und
Schreiben lernen. Gemeinsam werden Wege gefunden,
mit Briefen und Mails umzugehen, Online-Banking sicher
zu nutzen, Messanger-Nachrichten zu verfassen oder
auch Kochrezepte zu lesen und gemeinsam nachzukochen.
Für Frau M. war entscheidend, dass der Kurs im vertrauten
und geschützten Umfeld stattfand. Heute berichtet
sie, dass sie sich zum ersten Mal traut, eigenständig
Dokumente zu verfassen und zu versenden, sie sagt: „Ich
kann endlich zeigen, was ich kann, und muss mich nicht
mehr verstecken.“
So ähnlich hat eine Kursleiterin von ihrer Teilnehmerin
berichtet und solche persönlichen Geschichten zeigen,
was Grundbildung bedeuten und bewirken kann.
Mit der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und
Grundbildung (AlphaDekade) haben Bund und Länder
von 2016-2026 bereits wichtige Schritte unternommen,
um geringer Literalität in Deutschland entgegenzuwirken
und das Grundbildungsniveau insgesamt zu heben. Auch
die evangelische Erwachsenen- und Familienbildung
bringt sich in diesen Prozess ein, um „einen relevanten
Beitrag für mehr Bildungsgerechtigkeit und breitere Weiterbildungsbeteiligung
zu leisten“. Ihre niedrigschwelligen,
lebensweltorientierten Angebote eröffnen dabei
besonders geeignete Zugänge und Anschlüsse für die
Grundbildungsarbeit. Das hat sich unter anderem im
BMBF-Projekt der Evangelischen Fachstelle Grundbildung
und Alphabetisierung (GrubA) gezeigt, speziell in
den Mikroprojekten, die unterschiedliche Konzepte erprobt
haben.
Im Rahmen von GrubA wurde in Kooperation mit der Akademie
für Kirche und Diakonie die Online- Fortbildung
„Türöffner Grundbildung“ entwickelt, welche 2026 noch
einmal angeboten wird. Ziel ist es, das eigene pädagogische
Handeln mit dem Fokus Grundbildung weiterzuentwickeln.
Dabei werden unterschiedliche Lebenswelten
und Sozialräume berücksichtigt, um Angebote innerhalb
und außerhalb der eigenen Einrichtung zu gestalten. So
wird Grundbildungsarbeit zum Türöffner: Für mehr Teilhabe
und neue Chancen, sowohl für Menschen mit Grundbildungsbedarfen
als auch für die pädagogisch Tätigen.
Kontaktmobil (mit Genehmigung von Elisabeth Heckmeier, Erlangen)
Maria Loheide
14 Jahre Aufsichtsratsvorsitzende
der Akademie für Kirche und Diakonie
Familiencafé (mit Genehmigung von Julia Waterstradt, Berlin)
Løsung 2026 | Seite 110
Frau Loheide, 14 Jahre lang haben Sie als Aufsichtsratsvorsitzende
der akd und ihrer Vorläuferorganisationen
die Geschicke der Akademie wesentlich geprägt.
Im Herbst diesen Jahres scheiden Sie aus dieser Verantwortung
aus. Wie blicken Sie auf diese Zeit?
Es war eine sehr bewegte und lehrreiche Zeit mit vielen
Herausforderungen. Im Mittelpunkt stand immer die Frage
nach der Bedeutung und der Zukunftssicherung der
Akademie für Kirche und Diakonie. Wir haben die Aktiengesellschaft
Führungsakademie in die gGmbH Bundesakademie
überführt, Verträge aufgelöst, die Geschäftsführung
neu aufgestellt und verkleinert. Zudem mussten
Standortfragen geklärt und ungeeignete, teure Räumlichkeiten
aufgegeben werden. Besonders belastend war
die selbstgesteuerte Insolvenz vor anderthalb Jahren. Die
Akademie hat mir durchaus manche schlaflose Nacht bereitet.
Wie Sie es sagen, war es eine recht bewegte und auch
krisengeschüttelte Zeit. Was waren für sie die größten
Herausforderungen? Und was hat dazu beigetragen
dass diese Herausforderungen gut gestaltet werden
konnten?
Und unter uns – worauf hätten Sie in dieser Zeit getrost
verzichten können?
Wofür steht die akd aus Ihrer Sicht heute – und was
sollte sie in Zukunft beachten?
Die größte Herausforderung bestand darin, die Versäumnisse
und Fehler der Vergangenheit aufzuarbeiten. Immer
wieder traten neue Probleme zutage – große finanzielle
Schwierigkeiten, belastende Vorstandsverträge oder
schwierige Bindungen, etwa im Zusammenhang mit dem
Akademiehotel. Manchmal hatte ich das Gefühl, es könnten
noch weitere „Leichen im Keller“ liegen. Und das hat
sich leider häufiger bestätigt.
Was half, war das klare Bekenntnis von Kirche und Diakonie
zur Akademie als Ort der Begegnung und Qualifizierung.
Die Bereitschaft, in ihre Zukunft auch finanziell zu
investieren, war entscheidend. Ich erinnere mich gut an
ein vertrauliches Treffen mit Dr. Barrenstein (Beauftragter
der EKD für Führen und Leiten), Herrn Begrich (Finanzdezernent
der EKD) und Herrn Stockmeier (Präsident
der Diakonie Deutschland), bei dem wir erste Weichen
gestellt und den Entscheidungsgremien von Kirche und
Diakonie vorgelegt haben – nicht ahnend, was noch alles
auf uns zukommen würde. Wichtig war auch, dass die Gesellschafter
der Akademie treu geblieben sind.
Heute sehe ich die Akademie als unverzichtbaren Ort,
an dem Menschen für Führungsaufgaben in Kirche und
Diakonie gestärkt werden und gemeinsam Visionen und
Strategien entwickeln. Sie sollte eine Art „Kaderschmiede“
sein – nicht nur für Hauptamtliche, sondern auch für
Menschen in Aufsichtsgremien. Künftige Schwerpunkte
sollten zudem Themen sein, die gesellschaftlich und
kirchlich relevant sind: Demokratieförderung, der Umgang
mit sexualisierter Gewalt, Strategien für eine kleiner
werdende Kirche oder auch die Zukunft diakonischer
Unternehmen.
Ein Alleinstellungsmerkmal der akd ist die Verbindung
von Zielgruppen der Kirche und der Diakonie.
Wie sehen Sie zukünftige Entwicklungsnotwendigkeiten
im Verhältnis dieser beiden? Und welche konkrete
Rolle könnte die akd dabei spielen?
Mir war es immer wichtig, gemeinsame Orte und abgestimmtes
Handeln von Kirche und Diakonie zu fördern
– nicht nur in der Akademie, sondern auch in anderen
Bereichen wie z.B. dem Beteiligungsforum sexualisierte
Gewalt. Ich bin überzeugt: Die Zukunft von Kirche und Diakonie
kann nur gemeinsam gelingen. Kirche sollte noch
stärker erkennen, welche Chancen im Bezug auf die Diakonie
liegen. Die Akademie kann hier Begegnungsort und
Impulsgeberin zugleich sein.
Aufsicht und Governance sind wichtige Themen geworden
auch in der kirchlichen Sozialwirtschaft. Sie
haben hier vielfältige Erfahrungen, nicht nur im Aufsichtsrat
der akd. Was ist aus Ihrer Sicht besonders
wichtig, um erfolgreich und verantwortungsbewusst
Aufsicht zu gestalten?
Zunächst braucht es Qualifizierung: Wer Verantwortung
in Aufsichtsgremien übernimmt, sollte gut vorbereitet
sein. Klarheit über die eigene Rolle ist entscheidend.
Aufsichtspositionen müssen nach Sachkompetenz besetzt
werden. Sie sind Ehrenämter, aber mit erheblichem
Arbeitsaufwand verbunden. Eine gründliche Vorbereitung
ist selbstverständlich. Außerdem sollten Gremien
vielfältig zusammengesetzt sein – in Bezug auf Alter,
Geschlecht und Erfahrungen. Langfristig wird auch über
angemessene Vergütung zu sprechen sein.
Als Vorständin Sozialpolitik der Diakonie Deutschland
haben Sie eine Fülle von Themen bearbeitet. Ein Thema,
das Sie auch mit Nachdruck und Leidenschaft in
die Akademie eingebracht haben, ist die Förderung
von Netzwerken für Frauen in Führung. Welche Bilanz
ziehen Sie hier?
Mehr Frauen in Führungspositionen – besonders auf den
obersten Ebenen – war mir ein zentrales Anliegen und
wird es auch weiter sein. In der Sozialwirtschaft arbeiten
rund 70 % Frauen, doch ihr Anteil in Spitzenpositionen ist
nach wie vor beschämend niedrig. Das muss sich ändern.
Das Netzwerk „Frauen in Führung in Kirche und Diakonie“
(FiF), das ich vor 13 Jahren mit Unterstützung anderer Frauen
gegründet habe, hat einiges bewirkt: Frauen haben
mit seiner Unterstützung Führungsämter erreicht, Krisen
gemeistert und Nachwuchs wurde gezielt gefördert. Die
Vernetzung mit Frauen aus Wirtschaft, Wissenschaft und
anderen Bereichen war bereichernd. Besonders stolz bin
ich auf die Einführung einer Quotenregelung in der Satzung
des EWDE – ein kleiner, aber überfälliger Schritt.
Ohne Quote geht es nicht, da sind sich Führungsfrauen
einig.
Sie sind im letzten Jahr in den Ruhestand gegangen
– wie so viele verantwortliche Personen in Diakonie
und Kirche und der Gesellschaft gerade. Nicht allen
scheint das leicht zu fallen, darauf haben auch Sie
schon an anderer Stelle hingewiesen - wie nehmen
Sie das wahr? Haben Sie Tipps, wie es gut gelingen
kann?
Ja, die Generation der Babyboomer verabschiedet sich
zunehmend. Ich erlebe meinen Ruhestand als großes
Geschenk. Ich habe immer gerne und leidenschaftlich
für Kirche und Diakonie gearbeitet, doch auch mein Leben
außerhalb war mir wichtig: Familie, Freundinnen und
Freunde, Bewegung, Kultur, Reisen – und mein kleiner
Garten, in dem ich Gemüse anbaue. Dafür habe ich jetzt
endlich mehr Zeit.
Wichtig finde ich, sich neue Ziele zu setzen und engagiert
zu bleiben – sei es in Projekten und sozialen Organisationen
wie bei mir oder ganz individuell: etwa durch künstlerisches
Arbeiten, wissenschaftliche Vertiefungen oder
das Lernen neuer Sprachen. So bleibt das Leben auch
nach dem Berufsende reich und erfüllend.
Die Fragen stellte Dr. Lars Charbonnier.
Maria Loheide
wurde 2011 in den Vorstand des Diakonischen Werkes
der Evangelischen Kirche in Deutschland gewählt und
war seit 2012 Vorständin des EWDE und für Sozialpolitik
der Diakonie Deutschland. Hier verantwortete sie
die sozialpolitische Lobbyarbeit der Diakonie auf Bundesebene.
Dazu vertrat sie die Diakonie in zahlreichen
kooperierenden Netzwerkorganisationen. Frau Loheide
war unter anderem Vizepräsidentin des Deutschen
Vereins für öffentliche und private Fürsorge, Vorsitzende
der Sozialkommissionen der Bundesarbeitsgemeinschaft
der Freien Wohlfahrtspflege und Vice
Chairperson im europäischen diakonischen Verbund
Eurodiaconia. Ihre Amtszeit endete mit dem Jahr 2024.
Løsung 2026 | Seite 112
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