Perlen auf einer Kette von Hügeln - Egotrip

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Perlen auf einer Kette von Hügeln

Die "Strada Romantica" zwischen Alba und Genua

Auf eine "romantische Straße" können mehrere Länder in Europa verweisen, unter anderen Deutschland

und Italien, wo sie "Strada Romantica" heißt. Sie ist zwar kürzer als ihr deutsches Gegenstück, deshalb

jedoch um keinen Deut weniger attraktiv als jene. Wer das Piemont besucht, sollte sich die Gelegenheit,

diese Route kennenzulernen, nicht entgehen lassen.

Die "Strada Romantica" (bitte zoomen)

Die "Strada Romantica" beginnt in Vezza d´Alba wenige Kilometer

nordwestlich von Alba und endet in Camerana kurz vor dem Meer

südwestlich von Genua. Man kann sie zwar auch in der Gegenrichtung

befahren, doch die Beschreibungen des Tourismusbüros schlagen diese

Richtung vor. Besonders sportliche Reisende können die "Strada" auch vom

Fahrrad aus erleben, und sicher wird eine solche Fahrt ein unvergessliches

Erlebnis sein. Dabei sind allerdings die Höhenunterschiede zwischen

dreihundert und knapp neunhundert Metern zu beachten. Außerdem geht es

zwischen den Dörfern jeweils hinunter ins Tal, das sich durchaus noch

wesentlich tiefer befinden kann.

Mit dem Auto geht es nördlich von Alba erst Richtung Turin auf einer viel

befahrenen Straße, dann biegt die Route auf eine ruhige Nebenstraße ab, die sich in langen, später engen

Kurven den Berg hinauf nach Vezza d`Alba windet. Der Ort selbst wirkt an diesem Karfreitag etwas

verschlafen, obwohl die Geschäfte geöffnet haben. Auf dem großen Marktplatz stellen wir den Wagen ab

und steigen die letzten Gassen hinauf zum alten Ortskern. Dort erhebt sich ein mächtiger Felsen, den

man wegen dauernder Steinschlaggefahr schon teiweise einbetonieren musste. Dadurch erhält der Fels

eine seltsam glatte Oberfläche. Unterhalb des sicherlich dreißig Meter hohen Felsmassivs drängen sich

Kirche, ein alter Palast, der derzeit aufwendig renoviert wird, und die Häuser der Altstadt aneinander und

an den Felsen. Vom Vorplatz des Palasts genießt man bereits einen weiten Blick auf die Höhen und Täler

der Umgebung. Doch das ist nicht genug: als wir zur nächsten Station weiterfahren wollen, entdecken wir

eine kleine Straße zum hoch gelegenen Friedhof mit einem großzügigen Parkplatz. Von dort aus führt ein

Fußweg steil bergauf zum Felsplateau, sozusagen auf der einfachen "Westroute". Als wir schließlich auf

dieser Plattform verschnaufen, öffnet sich uns ein noch grandioserer Blick als vorher, der nun auch nicht

mehr von Gebäuden oder eben dem Felsen verstellt ist. Man fühlt sich hier fast wie auf der Zugspitze, nur

dass die umgebende Landschaft lieblicher und "näher dran" ist.

Blick auf Vezza d'Alba

Da die "Strada" insgesamt elf Ortschaften

umfasst, heißt es weiterziehen. Die nächste

Station lautet Magliano Alfieri, wo die

Familie Alfieri über lange Zeit ihren

Stammsitz gehabt hat. Der Ort liegt nur

wenige Kilometer östlich von Vezza d´Alba,

und die Fahrt würde nur wenige Minuten

benötigen, wenn auf dem Wege dorthin nicht

ein Markt seine Stände aufgeschlagen hätte.

So wird unsere Fahrt abrupt unterbrochen,

und sie findet erst ihre Fortsetzung,

nachdem ein paar Schuhe ihren Besitzer

gewechselt haben. Danach geht es schnell.

Magliano Alfieri liegt - wie die meisten

anderen Orte - ebenfalls auf einem Hügel. Von dort blickt das Schloss der Alfieris, das nun öffentlichen

Aufgaben dient, weit in die Landschaft. Der Zugang ist wegen umfangreicher Bauarbeiten leider gesperrt,

und so schauen wir uns ein wenig die unmittelbare Umgebung des Schlosses an. Auf einem Hügel

oberhalb des Schlosses hat man eine provisorische Aussichtsplattform errichtet, von der aus man in

verschiedene Richtungen blicken kann. Doch das Schloss und andere Gebäude versperren einen

Rundumblick, und so verlassen wir diese Station wieder, um die nächste aufzusuchen.

©Internet-Magazin „Egotrip“ - www.egotrip.de – April 2011


Ein malerisches Haus in Neive

Die heißt Neive und stellt angeblich eins der

schönsten Dörfer des Piemont dar. Die

Auffahrt auf den Hügel - wo sonst könnte so

ein Dorf auch liegen? - gestaltet sich wegen

der komplizierten Straßenführung etwas

schwierig, aber schließlich können wir das

Auto auf einem kleinen Platz am Rande der

Altstadt parken. Schon die ersten Eindrücke

zeigen, das dieses Dorf seinen Ruf zu Recht

trägt. Hier scheint auch städtebaulich die

Zeit stehengeblieben zu sein. Kleine,

schmale Häuser im Stil des 18. oder 19.

Jahrhunderts säumen die mit Kopfstein

gepflasterten engen Gassen, die zwar für

Autos nicht gesperrt sind, die Durchfahrt

aber deutlich behindern. Da es im alten

Ortskern auf dem Hügel kaum Parkplätze gibt, findet man hier auch kaum touristischen Verkehr. Kleine

Kapellen und eng ineinander geschachtelte Häuser prägen das Ortsbild, am zentralen Marktplatz gibt es

ein Café, das aber aufgrund seiner Schlichtheit wohl eher für einheimische Besucher als für

Touristenströme gedacht ist. Von der ehemaligen Burg ist nur der Uhrturm erhalten geblieben, und das

schöne Holzportal der Kirche Dan Michele ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Ansonsten bietet ein

Spaziergang durch den Dorf viele optische Reize, die man nciht versäumen wollte.

Weiter geht die Fahrt nach Treiso, dem nächsten Dorf auf einem Hügel. MIttlerweile ist die Mittagszeit

gekommen, Zeit für eine kleine Vesper. Treiso sieht auf den ersten Blick wenig spektakulär aus. Man

kann zwar von diesem Plateau aus in alle Richtungen auf die Landschaft schauen, aber der Ort selbst

bietet sonst keine besonderen Reize. Wäre da nicht das Restaurant am Marktplatz, das im ersten

Augenblick wie ein typischer italienischer Gasthof aussieht, nach dem Eintreten jedoch seine wahren

Qualitäten zeigt. Nicht nur ist das Restaurant selbst in einem ausgesprochen modernen Design gestaltet,

sondern darüber geht die breite Glasfront hinaus auf ein Tal, das sich durch eine besondere Weite

auszeichnet. Vor der Glasfront kann man im Freien Antipasti und Prosecco genießen und dabei den

spektakulären Ausblick genießen. Dieser Ort kam uns zur Mittagszeit gerade recht, und so genießen wir

seine besonderen Vorzüge in vollen Zügen.

Blick auf die Landschaft der "Strada

Romantica"

Die Fahrt zum nächsten Ort der "Strada

Romantica", Trezzo Tinella, führt uns weiter

nach Osten in die bewaldeten Hügel hinein.

Hier ist es deutlich einsamer als in den

Orten nahe Alba. Über kurvenreiche

Nebenstraßen kämpfen wir uns förmlich bis

zu diesem kleinen Ort vor, der uns dafür mit

weiteren schönen Ausblicken auf die

Landschaft belohnt. Hier sieht man am

Horizont auch zum ersten Mal die imposante

Kette der Westalpen, die heute jedoch leider

durch den starken Dunst nur schwach zu

sehen ist.

Je weiter man auf der "Strada Romantica" nach Süden vordringt, desto höher - und damit einsamer -

liegen die Orte auf den Bergen. Benevello, das sich fast in direkter Sichtweite von Trezzo Tinella befindet,

hat dem Nachbarort bereits über dreihundert Meter an Höhe "voraus". Entsprechend muss man sich die

Berge hinaufkurbeln und auch hinunter, da sich zwischen den einzelnen Erhebungen tiefe Täler befinden.

Die Fahrt nach Benevello folgt einem langen, hoch gelegenen Bergkamm, der bereits den Charakter einer

Panoramastraße besitzt. Dem setzt dann die Aussicht vom Platz vor dem historischen Schloss noch die

Krone auf. Jetzt liegen kaum noch höhere Erhebungen zwischen dem Aussichtspunkt und den Seealpen,

und bei guter Sicht muss der Blick wahrhaftig grandios sein. Wir erahnen heute jedoch nur die grauen

Umrisse und die weiten Schneeflächen der Berge.

©Internet-Magazin „Egotrip“ - www.egotrip.de – April 2011


Unsere Tour der "Strada Romantica" endet vorzeitig in Sinio, der siebenten Etappe, da der einbrechende

Abend und die dunklen Regenwolken über den westlichen Bergen nichts Gutes versprechen. So nehmen

wir von Sinio nur noch einen peripheren Eindruck mit und beschließen, bei Gelegenheit die Tour noch

einmal vollständig zu absolvieren. Hierfür sollte man allerdings mindestens zwei volle Tage mit

Übernachtung in einem der Orte einplanen, besser noch drei.

Für uns endet damit der Kurzbesuch im Piemont. Doch bevor wir zur nächsten Station aufbrechen, heißt

es, ausreichend Barolo, Barbera d'Alba und Barbaresco bunkern, auf dass wir zu Hause nicht Durst leiden.

Morgen geht es dann weiter an den Comer See.

Frank und Barbara Raudszus

©Internet-Magazin „Egotrip“ - www.egotrip.de – April 2011

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