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Alt- und Neuhebräisch

Dies ist das erste und bisher einzige Lehrbuch, in dem die beiden Varianten des Hebräischen, die sich zum Teil deutlich voneinander unterscheiden, zusammen und zudem nur mit dem lateinischen Alphabet vermittelt werden. Es kann als ein Ergänzungsbuch vor allem denen dienen, die Theologie studieren oder schon als Prediger tätig sind, aber auch denen, die in Israel nicht nur die üblichen Touristenausdrücke sprechen wollen.

Dies ist das erste und bisher einzige Lehrbuch, in dem die beiden Varianten des Hebräischen, die sich zum Teil deutlich voneinander unterscheiden, zusammen und zudem nur mit dem lateinischen Alphabet vermittelt werden. Es kann als ein Ergänzungsbuch vor allem denen dienen, die Theologie studieren oder schon als Prediger tätig sind, aber auch denen, die in Israel nicht nur die üblichen Touristenausdrücke sprechen wollen.

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Alt- und Neuhebräisch

(mit lateinischen Buchstaben)

Inhaltsverzeichnis

Der Autor 1

Vorwort 2

Die Umschreibung des hebräischen Alphabets 6

Die Aussprache 13

Die Substantive (Hauptwörter) 16

Der Dual (Die Zweizahl) 22

Der bestimmte und unbestimmte Artikel 26

Die Kasus (Fälle) 30

Dieses und jenes 42

Die Adjektive (Eigenschaftswörter) 44

Wichtige Adjektive 50

Die Farben 52

Die Steigerung der Adjektive 53

Das Adverb (Umstandswort) 57

Ortsadverbien 59

Die Personalpronomina (Die persönlichen Fürwörter) 60

Die Possessivpronomina (Die besitzanzeigenden Fürwörter) 82

Sein und Haben 87

Die übrigen Verben 93

Das Präsens (Die Gegenwart) 98


Die Verneinung im Präsens 108

Das Imperfekt (Die Vergangenheit) 111

Das Futur (Die Zukunft) 118

Die Consecutio temporum 123

Die Modalverben 127

Die Infinitive (Grundformen der Verben) 130

Fragen und Antworten 138

Die Relativpronomina 141

Konditional und Konjunktiv 147

Der Imperativ (Die Befehlsformen) 149

Die Konjunktionen (Bindewörter) 155

Die Präpositionen (Verhältniswörter) 157

Die Zahlen 167

Die Bruchzahlen 177

Die Uhrzeit 178

Die Wochentage 181

Die Monatsnamen 181

Das Datum 183

Die wichtigsten jüdischen Feiertage 183

Die Religionen 185

Die Zeiteinheiten 187

Zeitausdrücke 189

Zeitadverbien 190

Die Jahreszeiten 191

Die Himmelsrichtungen 191


Länder, Regionen, Nationen und Sprachen 192

Lockere Slang-Ausdrücke 199

Biblische Namen 200

Das hebräische Denken 204

- Die sieben Modi 204

- Das Waw-Imperfekt 212

- Der Jussiv 212

Quellenangaben 215


Der Autor

Ich wurde 1953 in Zürich geboren. Mein Vater war ein Schweizer

und meine Mutter eine Finnin - mein Vorname, der genau Hans

bedeutet, weist darauf hin -, aber ich bin nach ihrer frühen

Scheidung abseits von ihnen an verschiedenen Orten der

Kantone Zürich und Appenzell aufgewachsen. Den

Familiennamen Stump habe ich von einem nordbadischen

Urgrossvater, der irgendwann zwischen 1870 und 1885 in die

Schweiz eingewandert und in Zürich hängen geblieben ist.

Meine besondere Begabung für Sprachen hat sich in den

Schuljahren noch nicht gezeigt, sondern erst viel später, aber

dann umso stärker. So spreche ich heute zehn romanische und

sieben germanische Sprachen ziemlich gut, und zudem habe ich

sehr gute Grundkenntnisse der slawischen, baltischen,

keltischen und finno-ugrischen Sprachen. Als Zugabe kommen

auch noch Latein sowie Alt- und Neugriechisch und Albanisch.

1


Vorwort

Alt- und Neuhebräisch mit lateinischen Buchstaben - was genau

ist damit gemeint? Und warum überhaupt ein solches Buch,

welches weltweit das erste dieser Art ist? Da über diese beiden

Sprachen schon so viele Lehrbücher erschienen sind, von denen

fast alle auch noch sehr gut geraten sind, scheint es wirklich

überflüssig zu sein, ein weiteres zu schreiben.

An dieser Stelle möchte ich betonen, dass dieses Buch kein

Lehrbuch im klassischen Sinn, sondern nur ein Ergänzungsbuch

ist, das dazu beitragen soll, die ganz anders geartete Denkweise

dieser doppelt vertretenen semitischen Sprache im Vergleich zu

den meisten europäischen zu verstehen. Zudem hat es sicher

seinen Reiz, die zum Teil deutlichen Unterschiede zwischen der

klassischen Sprache des Hebräischen, die ich in diesem Buch

meistens Bibelhebräisch nenne, und dem heutigen

Neuhebräischen ausführlich zu sehen. Jemand hat es vor vielen

Jahren einmal etwas überspitzt, aber treffend so ausgedrückt:

Man kann heute im Stil einer Kirchenpredigt kein Bier bestellen.

Nach neusten Angaben wird das Hebräische heute nur von

etwas mehr als neun Millionen Menschen als Muttersprache oder

genauer bestbeherrschte Sprache verwendet, obwohl es in der

ganzen Welt nach verschiedenen Angaben etwa vierzehn

Millionen Juden gibt. Damit gehört es weltweit gesehen eher zu

den kleinen Sprachen; auch in Europa, das mit knapp hundert

Sprachen als der sprachenärmste gilt, würde es das Hebräische

nur knapp unter die zwanzig meistgesprochenen schaffen, aber

nicht unter die Top Ten. Ausserhalb Israels sind die Kenntnisse

dieser Sprache immer noch spärlich gesät; noch heute können

sie fast nur die Rabbiner und ein paar christliche Theologen. In

Israel, wo heute seit wenigen Jahren mehr als die Hälfte aller

Juden wohnt - vorher standen jahrzehntelang die USA auf dem

2


ersten Platz -, lernen natürlich alle diese Sprache schon im

Kindergarten.

Diese Fixierung auf Israel, wo es als einziges Land möglich ist,

Hebräisch auch offiziell aktiv zu sprechen, drückt sich in den

persönlichen Kontakten wie in einem Spiegelbild aus: Während

die Araber auch nach meinen eigenen Erfahrungen überall

begeistert sind, wenn jemand sich in ihrer Sprache versucht - und

spricht man noch so schlecht -, halten sich die Juden ziemlich

bedeckt und wechseln schnell einmal auf Englisch, wenn sie

erkennen, dass jemand ihre Sprache nicht gut genug beherrscht,

ja, es ist nicht einmal garantiert, dass sie auch dann Hebräisch

sprechen wollen, wenn jemand diese Sprache gut spricht. Da ich

früher viele Jahre lang in evangelikalen Kreisen verkehrte, in

denen die Juden immer nur als die Guten und die meisten Araber

immer nur als die Bösen galten, überraschte es mich sehr, als

ich während meiner ersten Israel-Reise erlebte, dass die Araber

viel freundlicher waren als die Juden, von denen sich nicht

wenige nicht nur reserviert, sondern teilweise auch überheblich

und arrogant verhielten - wie übrigens auch in meinem Geburtsund

Wohnort Zürich, wo schon vor vierzig Jahren erstaunlich

viele Israelis wohnten und ich nur einen von ihnen als freundlich

und nicht überheblich erlebte.

Wie schwer es war, zu ihnen auch sprachlich einen richtigen

Zugang zu bekommen, ohne das Gefühl zu erleben, von ihnen

nicht richtig akzeptiert und deshalb ausgegrenzt zu werden,

konnte oder genauer musste ich selber vor mehr als vierzig

Jahren auch sehen und hören, als eine damalige Bekannte von

mir, die fliessend Hebräisch sprach und ein ganzes Jahr lang

extra in Israel verbracht hatte, um es vor Ort selber zu lernen, in

meiner Begleitung zwei Israelis begegnete. Obwohl sie

minutenlang nur von Jesus Christus sprach, hörten die beiden

schweigend zu, aber am Schluss sagte einer von ihnen nur kurz

«nice to meet you» - und schon waren sie wieder weg.

3


Allerdings kann oder genauer muss diese Erfahrung auch in

vielen anderen Ländern gemacht werden, in denen Englisch

faktisch die Zweitsprache ist, so auch in den Niederlanden, im

Baltikum und in allen nordischen Staaten, sogar in Finnland, wo

ich vor einem halben Jahrhundert auch unter den jungen Leuten

noch solche getroffen habe, die kein Englisch konnten oder das,

was sie einmal gelernt hatten, inzwischen nicht mehr wussten.

Tatsächlich ist es in diesen Teilen Europas sehr schwierig, die

Landessprachen richtig anzuwenden, weil eben auch dort

genauso wie in Israel schnell einmal auf Englisch umgestellt wird,

das man dort nach meinem Wissen schon im Kindergarten

unterrichtet - dort noch spielerisch und erst ab dem Beginn der

Grundschule mit Noten. In diesem Bereich sind diese Länder am

weitesten fortgeschritten, was aber für die Touristen, die sich in

den Landessprachen versuchen wollen, nicht nur gut ist. Wie es

heute in Israel steht, weiss ich nicht genau, aber ich habe auf

meiner ersten Israel-Reise tatsächlich noch Kinder von vier bis

sechs Jahren getroffen, die kein Wort Englisch verstanden, das

sie offensichtlich noch nicht gelernt hatten.

Dieses Buch soll nur diesen zwei Zielen dienen: Da ich das

hebräische Alphabet zwar gut lesen kann, wenn die

Vokalzeichen mitgeschrieben werden, aber mit meinen

beschränkten technischen Mitteln auf meinem Laptop nicht

schreiben kann, berücksichtige ich es hier nicht. Ich beschränke

mich wie oben angedeutet darauf, die ganz andere Denkweise

dieser semitischen Sprache aufzuzeigen, was vor allem auch

jenen helfen kann, die Theologie studieren. Es erfüllt also einen

ähnlichen Zweck wie mein Buch «Lehrbuch des

Altgriechischen», das ich schon vor mehreren Jahren

veröffentlicht habe und das neben der klassischen Sprache der

griechischen Denker auch die Sprache des Neuen Testaments

behandelt, die sich ebenfalls in verschiedenen Punkten von der

klassischen unterscheidet.

4


Dazu konzentriere ich mich auf die mündliche Verständigung, so

dass es für all jene, die sich hier durcharbeiten, möglich ist,

einfache Gespräche zu führen. Darum geht es ja in erster Linie:

Um eine einfache Verständigung auf möglichst einfache Weise,

denn je mehr Menschen auf möglichst einfache Weise diese

faszinierende Sprache kennen lernen, ohne dass man ständig

auf Englisch ausweichen muss, desto mehr kommt das allen

zugute. Deshalb ist die Beherrschung des Alphabets zumindest

für den mündlichen Gebrauch weniger wichtig; in einem Kibbuz,

an einem Lagerfeuer in der Wüste oder in einer Hütte auf dem

Hermon, wo es im Winter schneit und es sogar ein Ski-Zentrum

gibt, das allerdings auf libanesischem Territorium liegt, wird

niemand danach gefragt, wie gut er oder sie Hebräisch schreiben

kann, wenn er oder sie schon bei den ersten Kontakten gute

mündliche Kenntnisse vorweist. Allerdings bedeutet das nicht,

dass man ganz auf das Alphabet verzichten kann. Wer diese

Sprache wirklich gut lernen will, kommt nicht darum herum, auch

dieses zu lernen, das im Vergleich zum benachbarten

Arabischen, das ebenfalls auf vielen Plakaten gesehen werden

kann, aber nicht allzu schwer ist.

5


Die Umschreibung des hebräischen Alphabets

Da ich in diesem Buch das lateinische Alphabet verwende, weise

ich noch auf verschiedene Einzelheiten hin, die für das

Verständnis der Umschreibung unerlässlich sind.

Die insgesamt 26 Buchstaben des Alphabets, die keinen

Unterschied zwischen einer Gross- und Kleinschreibung kennen,

lauten so, wobei ich hinten auch den Zahlenwert aufführe, den

die Israeliten genauso wie die Griechen und Römer für jeden

Buchstaben verwendeten:

Alef - ein stummer Laut 1

Bet - b 2 *

Wet - v, w 2 *

Gimel - g 3

Dalet - d 4

He bzw. Hej - h 5

Waw - v, w; o, u 6

Sajin - schwaches «s» 7

Chet - ch 8

Tet - t (nicht behaucht) 9

Jod - i, j 10

Kaf - k (nicht behaucht) 20 *

Chaf - ch 20 *

Lamed - l 30

Mem - m 40

6

Zahlenwert


Nun - n 50

Samech - scharfes «s», 60

hier «ss» geschrieben

Ajin - ein stummer Laut 70

Pe bzw. Pej - p (nicht 80 *

behaucht)

Fe bzw. Fej - f 80 *

Zade bzw. Tsade - z, hier 90

(«ts» geschrieben)

Kof bzw. Kuf - k (nicht 100

behaucht)

Resch - r 200

Schin - sch 300 *

Sin - scharfes «s», hier 300 *

«s» geschrieben

(also nicht wie Samech)

Taw - t (nicht behaucht) 400

Dazu kommen noch fünf, die nur am Ende eines Satzes stehen

und von diesen mit dem Zusatznamen Sofit abgeleitet werden:

Chaf, Men, Nun, Fej und Zadek.

* Diese Buchstaben werden gleich geschrieben, so dass sie beim

Lesen eines Textes, der keine Vokalzeichen enthält, nur bei sehr

guten Kenntnissen der Sprache auseinandergehalten werden

können:

7


Bet und Wet

Kaf und Chaf

Pej und Fej

Schin und Sin

Da sie den gleichen Zahlenwert enthalten, führe ich sie hier alle

zusammen auf.

Mit Vokalzeichen sieht es so aus:

Bet mit einem Punkt in der Mitte, Wet ohne Punkt

Kaf mit einem Punkt in der Mitte, Chaf ohne Punkt

Pej mit einem Punkt in der Mitte, Fej ohne Punkt

Schin mit einem Punkt rechts oben

Sin mit einem Punkt links oben

Zudem noch dies: Waw mit einem Punkt oben = o

Waw mit einem Punkt links = u

Das Gleiche gilt auch für die Schreibschrift, die im Gegensatz zur

Druckschrift steht - ähnlich wie früher bei uns die

«Schnurschrift», die allerdings immer mehr zurückgeht, weil sie

nicht mehr in allen Schulen gelehrt wird - und in Israel vor allem

auf Werbeplakaten ebenfalls viel gesehen werden kann. Dabei

habe ich diese eine Erfahrung gemacht: Was ich auffallend oft

als «Pide» geschrieben las, weil über dem vermeintlichen Vokal

«i», der in Wirklichkeit ein «o» war, auch noch ein Punkt stand,

bedeutete in Wirklichkeit «Schalom», meinte damit also Frieden.

Das Waw kann je nach Wortzusammenhang ein Konsonant (v,

8


w) oder ein Vokal (o, u) sein; mit Vokalzeichen ist es natürlich

viel leichter, diese vier Varianten auseinanderzuhalten. Leider

wird die punktierte Schrift nur in der Dichtersprache und in

Lehrbüchern verwendet, weil ja davon ausgegangen werden

kann, dass die meisten mit dieser Sprache aufwachsen und

damit sowieso wissen, welches Wort gemeint ist. Ähnlich verhält

es sich mit dem arabischen Alphabet, das in Israel ebenfalls

überall gesehen werden kann, dagegen nicht mit dem

Persischen und Kurdischen, das ausser in der Türkei ebenfalls

mit arabischen Buchstaben geschrieben wird. Trotzdem können

die Araber die Unterschiede sofort erkennen, wenn sie ein Buch

oder eine Zeitung in einer anderen Sprache sehen. So kannte

ich einmal einen Kollegen aus Ägypten, zu dem ich viel Kontakt

hatte. Als ich ihm einmal eine persische Zeitung zeigte, weil ich

das testen wollte, erkannte er sie sofort und ohne Zögern als eine

solche.

Immerhin ist erwähnenswert, dass das hebräische Alphabet

zwar fast immer unpunktiert geschrieben wird, dass aber das

Waw bei den Vokalen «o» und «u» sowie das Jod (‘) bei den

Vokalen «i» und «j» zusätzlich eingefügt werden, wenn keine

Vokalzeichen stehen, zum Beispiel bei diesen Wörtern:

bóker Morgen arucha Mahlzeit

lo ihm * baruch gesegnet

matoss Flugzeug schulchan Tisch

* Dagegen steht bei «lo» (nein) hinter dem Lamed ein Alef.

Bei bekannten Eigennamen und bei häufigen Wörtern wird auf

diese Hilfestellung jedoch verzichtet:

Moses = Mósche (Mem - Schin mit Punkt - He)

9


Jakob = Ja’akov (Jod - Ajin - Kof - Wet)

Salomo = Sch’lómo (Schin mit Punkt - Lamed - Mem - He)

kol (Kaf, Lamed, Alef)

= ganz, alle

po (Pe, He)

= hier

rosch (Resch, Alef, Schin mit Punkt) = Kopf

In der Wortmitte - aber nur dort - wird das Waw verdoppelt:

misvada = Koffer

(geschrieben: Mem - Sajin - 2x Waw - Dalet - He)

Der Vokal «i» wird meistens mit einem Jod geschrieben:

kisse Stuhl pina Ecke

kibel er bekam visa Visum

Wenn nach dem «i» aber ein Konsonant folgt, unter dem ein

sogenanntes Schwa (‘) steht, fällt dieses weg:

liknot kaufen michtav Brief

Der Konsonant «j», der so wie in vielen anderen Sprachen auch

im Hebräischen als ein solcher gilt, wird in der Wortmitte

ebenfalls verdoppelt:

tajar

Tourist

Hier gelten die beiden Jod hintereinander als ein Vokal, dagegen

nicht dann, wenn ein Jod am Wortanfang oder am Wortende

steht:

10


jom Tag germani deutsch

Nicht nur «lo» wird mit zwei verschiedenen Buchstaben dahinter

geschrieben, sondern umgekehrt auch der deutsche Konsonant

«k»:

kol (mit Kaf) = Stimme

kol (mit Kof) = alle, ganz

Dabei muss noch auf weitere Einzelheiten geachtet werden:

kol ha-jom = der ganze Tag, den ganzen Tag

kol jom = jeder Tag, jeden Tag

kol ha-jamim = alle Tage (jamim = Mehrzahl)

ha-kol = alles

Eine kleine Hilfestellung kommt in diesem Buch auch von mir: Da

im Deutschen «ai» und «ei» gleich ausgesprochen werden,

schreibe ich das letztere, das im Hebräischen wie im englischen

«way» ausgesprochen wird, immer «éi», erst recht dann, wenn

es betont wird.

Am Schluss dieses Kapitels kann sicher auch der Hinweis

dienen, dass die beiden Buchstaben Alef und Ajin, die als

stumme Laute bezeichnet werden, verschiedene Funktionen

erfüllen: Während das Alef meistens am Anfang eines Wortes

steht, aber viele Male vorkommt - zum Beispiel im Wort «aní»,

das «ich» bedeutet -, kommt das Ajin meistens im Wortinneren

vor, aber manchmal auch am Wortanfang, zum Beispiel beim

Wort «ir» (Stadt). Im Wortinneren drückt es den gleichen

Knacklaut aus, der auch im deutschen Wort «beenden» so

11


ausgesprochen wird.

Im Ausdruck «El AL» für die israelische Fluggesellschaft

kommen beide zusammen vor: Vor «El» steht das Alef und vor

«Al» das Ajin.

Noch etwas zu den oben aufgeführten Zahlenwerten: Während

die Griechen ihr ganzes Alphabet verwendeten - siehe in meinem

Buch «Lehrbuch des Altgriechischen» -, kannten die Römer nur

die sieben Ziffern I (1), V (5), X (10), L (50), C (100), D (500) und

M (1'000), mit denen sie ihre Zahlen zusammensetzten.

Allerdings kamen sie damit nur bis zur Zahl 4'999, so dass sie

von der Zahl 5'000 an aufwärts trotzdem «quinque milia» usw.

schreiben mussten, während es die Griechen bis zur Zahl

900'999 schafften. Das war deshalb möglich, weil ihr eigentliches

Schlüsselwort «myriádes» war (10'000), mit dem wie viel weiter

zählen konnten. So kommt im letzten Buch der Bibel der

Ausdruck «dis’chiliádes myriádon» vor, was locker übersetzt

«20’000 mal 10’000» bedeutet und darauf hinweist, dass in einer

fernen Zukunft einmal ein Heer, das nicht weniger als 200

Millionen Soldaten zählt, in Richtung Israel marschieren wird.

Ein paar Beispiele für diese Zahlenwerte, die im Gegensatz zu

den Griechen und Römern nicht schon zu Beginn der Geschichte

der Israeliten aufkamen, sondern erst in der Spätzeit des Alten

Testaments, also in der gleichen Zeit wie bei den beiden anderen

Völkern:

11 = Alef und Jod (1 + 10)

111 = Alef, Jod und Kof (1 + 10 + 100)

500 = Kof und Taw (100 + 400)

999 = Tet + Tsade + Kof + Taw + Taw

(9 + 90 + 100 + 400 + 400)

12


Im Gegensatz zu den Griechen und Römern, bei denen die

grösste Ziffer immer vor der nächstkleineren stand (im Latein: 11

= XI, 111 = CXI, 999 = DCCCCLXXXXVIIII, zu DCMXCIX

verkürzt), verhielt es sich bei den Israeliten also umgekehrt.

Für das Verständnis des Hebräischen sind diese Zahlenwerte

nicht wichtig, sie stehen hier nur zur Abrundung des

Gesamtbildes.

Die Aussprache

Da ich in diesem Buch auf das hebräische Alphabet wie oben

erwähnt nicht näher eingehe und das mit meinen beschränkten

technischen Mitteln auch nicht könnte, führe ich hier nur die

entscheidenden Unterschiede in der Aussprache auf.

Im Gegensatz zum Bibelhebräischen gibt es heute den starken

charakteristischen Kehllaut, der im Arabischen, wo er immer

noch vorkommt, Ajin genannt und in der deutschen Umschrift mit

* geschrieben wird, nicht mehr. Nach den Worten der oben

erwähnten Bekannten, die fliessend Hebräisch sprach,

verwendeten ihn im letzten Jahrhundert nur noch die

jemenitischen Juden, aber in den mehr als vierzig Jahren seither

ist so viel geschehen, dass nicht mehr angenommen werden

kann, dass im Jemen noch heute Juden leben. Dagegen gibt es

immer noch den schwachen Kehllaut - eben das oben erwähnte

hebräische Ajin, das wie «beenden» ausgeprochen wird und den

ich hier gleich wie in anderen Lehrbüchern mit einem Apostroph

(‘) schreibe. Das gilt auch dann, wenn er zwischen zwei

Konsonanten steht; dann wird anstelle des Knacklauts ein

schwach angedeutetes «e» ausgesprochen, das aber auch

stumm bleiben kann, und in einem schnellen Gespräch

verschwindet es genauso wie das «’» selber sowieso fast immer.

13


Da der Konsonant «h» der einzige hebräische Hauchlaut ist - im

Gegensatz zum Arabischen, das immer noch ein besonders

starkes aufweist, das in der deutschen Umschreinung meistens

H geschrieben wird -, gibt es keine Schwierigkeiten, diese

Sprache mit dem lateinischen Alphabet zu schreiben. Der

grösste Unterschied besteht im Konsonanten «r»; er ist

gewissermassen das Kennzeichen dafür, ob jemand in Israel

aufgewachsen ist oder nicht. Diese Menschen, die nach der dort

wachsenden Kaktusfeige Zabar (oder Tsabar) noch heute

Zabarim bzw. Tsabarim und auf Deutsch «Sabras» oder

«Sabres» genannt werden, sprechen das «r» wie im

norddeutschen Sprachraum sowie im Französischen und

Dänischen wie ein Zäpfchen-r aus. Dagegen sprechen die

Juden, die von anderen Ländern her eingewandert sind, und

auch die Araber - sowohl die israelischen als auch die von den

anderen Ländern - diesen Konsonanten wie ein gerolltes «r» aus,

also wie im süddeutschen Sprachraum und in den romanischen

Sprachen mit Ausnahme des Französischen.

Da die meisten hebräischen Wörter auf der letzten Silbe betont

werden, schreibe ich einen Akzent nur dort, wo das nicht zutrifft:

gadol (m.) = gross

anáchnu = wir

káma = wie viel láma = warum

Da ich schon die Aussprache-Unterschiede zwischen den

«Sabras» und den Eingewanderten erwähnt habe, ist noch

etwas klarzustellen: Die jahrhundertelangen Unterschiede

zwischen den Aschkenasen (Aschkenasim) und Sepharden

(Seffardim), wie sie genannt wurden, bestehen seit der

Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 nicht mehr so scharf,

ja, sie verschwinden allmählich sogar, seitdem wegen der

poltiischen Ereignisse - um es einmal so auszudrücken - immer

mehr Juden von überall her eingewandert sind. Während die

14


Aschkenasen jene waren, die in Europa (mit Ausnahme der

Iberischen Halbinsel), in Afrika (mit Ausnahme des Nordens) und

in Amerika lebten, waren die Sepharden jene, die auf der

Iberischen Halbinsel, in Nordafrika und im ganzen Nahen Osten

lebten.

Wichtig zu wissen ist auch, dass die Zionisten, die im Jahr 1948

den Staat Israel gründeten, nicht nur Aschkenasen waren, wie

das noch heute behauptet wird, sondern auch viele Sabras in

ihren Reihen hatten.

Zu den ersteren gehörten von den noch heute bekanntesten

diese: David Ben-Gurion, Chaim Weizmann, Levi Eschkol, Golda

Meir, Menachem Begin, Jits’chak Schamir, Schimon Peres,

Chaim Herzog (im nordirischen Belfast geboren der einzige

Westeuropäer) und Abba Eban aus Südafrika, der einzige Nicht-

Europäer in diesem Kreis.

Zu den bekanntesten Sabras gehörten diese: Mosche Dajan,

Jits’chak Rabin und Ariel Scharon.

Natürlich fehlt hier der eine oder andere bekannte Name, aber

die oben aufgeführten sind nun einmal jene, an die ich selber

mich am besten erinnere.

15


Die Substantive (Hauptwörter)

Einzahl

Im Gegensatz zum Altgriechischen, aber auch zum Sanskrit und

zu den slawischen Sprachen sowie zum Deutschen gibt es im

Hebräischen kein sächliches Geschlecht.

Durch einen kleinen «Trick» kann erkannt werden, ob ein Wort

männlich oder weiblich ist, weil die meisten männlichen auf

einem Konsonanten und die meisten weiblichen auf dem Vokal

«a» enden, und teilweise können von den männlichen sogar

direkt die weiblichen gebildet werden:

DE: Mann Frau Tourist Touristin

HB: isch ischa tajer tajéret

DE: Soldat

HB: chajal

Soldatin

chajélet

DE: Haus Stadt Land Staat

HB: bájit îr árets (f.) medina *

Das Wort «bájit» wird nur so geschrieben, aber fast immer wie

«báit» ausgesprochen; damit ist es mit dem arabischen Wort

identisch.

Allerdings funktioniert dieser «Trick» nicht immer, vor allem nicht

dann, wenn ein Wort, das ein natürliches weibliches Wesen

anzeigt, wie ein männliches auf einem Konsonanten endet:

DE: Vater Mutter Sohn Tochter

16


HB: av, ába em, íma ben bat

DE: Bruder Schwester Kind

HB: ach achot jéled

* Dieses Wort habe ich hier auch deshalb aufgeführt, damit

erkannt werden kann, dass es zwischen dem Hebräischen und

Arabischen manchmal auch Wörter gibt, die fast identisch sind,

aber verschiedene Bedeutungen haben:

medina = Staat (HB) - Stadt (AR, in den Dialekten -

in der Hochsprache «madîna»)

Der Konsonant «t» kommt in den weiblichen Wörtern nur in

Verbindung mit anderen Wörtern vor und steht meistens vor

einem Vokal:

DE: Staat Israel

HB: Medinat Jissra’el

Staat Deutschland

Medinat Germánia

Dieses «t» ist noch der letzte Rest der bibelhebräischen

Konstruktion des Genitivs, der im Gegensatz zum

Neuhebräischen nicht das Universalwort «schel» verwendet,

sondern eine Zusammensetzung von zwei Wörtern, die als

«Status constructus» bezeichnet wird, wie wir weiter unten noch

sehen werden.

Bei festen Begriffen stehen aber beide Substantive oder

Eigennamen unverändert direkt nebeneinander, dann ist vom

«Status absolutus» die Rede:

DE: Stadt Gottes Volk Gottes Stadt Jerusalem

17


HB: Ir Elohim Am Elohim Ir Jeruschalájim *

Aber:

Béit Elohim, Béit El (gleiche Bedeutung - daraus wurde später

der Ort Bethel)

Béit lechem (Haus des Brotes bzw. Brothaus - daraus wurde

später Bethlehem)

* Die Wörter, die auf «-ájim» enden, werden zwar so

geschrieben, aber fast immer wie «áim» ausgesprochen, so auch

in den beiden oft vorkommenden Zahlwörtern «schnáim» und

«schtáim», die für die männliche und weibliche Zahl 2 stehen.

Anstelle von «Elohim» wird von den Juden aber schon seit vielen

Jahrhunderten viel mehr das Wort «Adonai» verwendet, das

zwar vom Wort «adon» (Herr) stammt, aber nicht «meine

Herren» bedeutet und trotzdem ein versteckter Hinweis auf die

göttliche Dreieinigkeit sein könnte, die so aber nirgendwo in der

Bibel erwähnt wird. Für «meine Herren» wird «rabotái»

verwendet, das von «rab» bzw. «rav» (Meister) stammt; das

weltbekannte Wort «Rabbi» heisst also wörtlich «mein Meister».

Dieses «rabotai» kann heute vor allem im Ausdruck «g’virotai ve

rabotai!» (meine Damen und Herren!) oft gehört werden.

Wenn ein Besitz angezeigt wird, verändert sich «adon» in der

ersten Person Einzahl zu «adoni», wobei auch hier die letzte

Silbe betont wird. Als der Jünger Thomas erkannte, dass Jesus

wahrhaftig von den Toten auferstanden war, kniete er vor ihm

nieder und sagte laut: «Adoni ve Eli! - Mein Herr und mein Gott!»

Diese Begegnung soll Thomas derart bewegt haben, dass er

später bis nach Indien reiste, um das Evangelium dort zu

verbreiten; noch heute gibt es dort die sogenannten Thomas-

Christen, die sich auf ihn berufen.

18


Das Wort Adonai kommt auch daher, weil das Hebräische nach

der Zerstreuung der Israeliten nach Assyrien und Babylon vor

allem vom Aramäischen, das noch vor dem Griechischen die

allgemeine Umgangssprache zwischen allen nahöstlichen

Völkern geworden war, immer mehr verdrängt wurde und bald

nur noch in den Synagogen gehört werden konnte. Um das Wort,

das heute nur noch JHWH geschrieben wird, nicht aus Versehen

falsch auszusprechen, wurde dieses Adonai viel mehr verwendet

als Jehova, das vor allem in Europa und Amerika aufkam und

von dem wir heute wissen, dass dies auch keine richtige

Übersetzung ist.

In einem der berühmtesten Bibelsätze kommen Adonai und

Elohim sogar zusammen vor:

Höre, oh Israel, der Herr ist unser Gott, der einzige Gott!

Sch’ma, Jíssra’el, Adonai Elohéinu Adonai echad!

Elohéinu (unser Gott) ist eine Mehrzahlform, weil Elohim formal

eine solche ist, was ebenfalls ein versteckter Hinweis auf die

göttliche Dreieinigkeit sein könnte.

Da das «a» oft auch wie ein Laut ausgesprochen wird, der einem

«o» nahekommt, kann der obige Satz auch so gehört werden:

Sch’ma, Jíssro’el, Adonoi Elohéinu Adonoi echod!

Daneben gibt es in der Bibel noch andere immer wieder

vorkommende Wörter für Gott: El (wie oben bei Bethlehem),

Eloah, El-Eljon und El-Schaddai, ja, sogar El Elohéi Jíssra’el.

Insgesamt gibt es mehr als zwanzig Gottesnamen; wer sie alle

lesen will, kann im Internet unter «Namen Gottes» nachschauen.

Neben Adonai, mit dem man auf jeden Fall immer richtig fährt,

gibt es auch den Ausdruck «Ha-Schem», der eigentlich «der

19


Name» bedeutet, aber deutlich genug darauf hinweist, wer damit

gemeint ist.

In den deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften, die sich

nur an die Juden richten, kommt auch noch die neutrale

Ausdrucksweise «G’tt» vor.

Weiter unten werde ich darauf noch etwas näher eingehen. Das

betrifft vor allem den Genitiv, der im heutigen Hebräischen

meistens mit «schel» umschrieben wird, wenn keine festen

Begriffe wie Jerusalem vorkommen:

das Haus des Ministers = ha-bájit schel ha-ssar

Im Bibelhebräischen würde es so heissen: Béit ha-ssar, also

auch mit Artikel

Mehrzahl

Hier ist es einfach, weil die meisten Mehrzahlwörter regelmässig

gebildet werden:

männlich: -im

weiblich: -ot

DE: Männer Frauen Städte Staaten

HB: anaschim naschim * orim medinot

DE: Söhne Töchter Brüder Schwestern

HB: banim banot achim achajot

DE: Mütter Kinder Häuser Länder

HB: imahot jeladim batim ártsot

20


DE: Soldaten Soldatinnen Touristen Touristinnen

HB: chajalim chajalot tajarim tajarot

Bei «chajalot» und «tajarot» verändert sich das «e» der Einzahl

zu «a» in der Mehrzahl:

chajélet - chajalot

tajéret - tajarot

Es gibt auch bemerkenswerte Ausnahmen, bei denen die

männliche Mehrzahlform «-ot» ist:

DE: Väter

HB: avot

Zudem gibt es Wörter nur in der Mehrzahl:

DE: Eltern

HB: horim

* Das weibliche Mehrzahlwort «naschim» gehört zu den wenigen

Ausnahmen. Da der Vokal «a» wie oben angedeutet in vielen

Wörtern manchmal auch wie ein «o» ausgesprochen wird,

schreibt man dementsprechend auch die jüdische

Frauenvereininung, die in vielen Städten vorkommt, mit

«Chevras Noschim».

21


Der Dual (Die Zweizahl)

Das ist ebenfalls eines der Markenzeichen nicht nur des

Hebräischen und Arabischen, sondern aller semitischen

Sprachen. Von den heutigen bekannten Sprachen kennen nur

noch das Sanskrit und in Europa die beiden kleinen slawischen

Sprachen Slowenisch und Sorbisch, das früher mehr Wendisch

genannt wurde, den Dual.

Wie es der Name andeutet, kommt der Dual dann zum Zug,

wenn eine Zweizahl ausgedrückt wird:

zwei Augen = beide Augen

zwei Hände = beide Hände

Allerdings wird der Dual auch dann verwendet, wenn es sich

nicht um Paarteile des Körpers handelt:

zwei Männer, zwei Frauen, zwei Söhne, zwei Töchter,

zwei Brüder, zwei Schwestern

usw.

Sogar bei Zeitangaben kommt er vor:

zwei Stunden, zwei Tage, zwei Wochen, zwei Monate, zwei

Jahre

Der Dual, der immer von der Einzahl ausgehend gebildet wird,

endet im Hebräischen auf «-ájim», der wie oben erwähnt «-áim»

ausgesprochen wird, aber die Geschlechter bleiben stets gleich:

DE: Auge - Augen - Hand - Hände -

die beiden Augen

HB: ájin (f.) - ejnájim

die beiden Hände

jad (f.) - jadájim

22


DE: Bein - Beine -

die beiden Beine

HB: régel (f.) - raglájim

Es gibt bei eindeutigen Dualwörtern, die Körperteile ausdrücken,

tatsächlich nur Dualformen.

Wie oben erwähnt kann der Dual auch dann verwendet werden,

wenn es sich nicht um eine natürliche Zweizahl handelt, und

zudem für Zeitangaben:

DE: zwei Männer zwei Frauen zwei Städte zwei Staaten

HB: ischájim naschájim irájim medinatájim

DE: zwei Väter zwei Mütter zwei Kinder zwei Häuser

HB: avájim imájim jeledájim bajitájim

DE: zwei Söhne zwei Töchter zwei Brüder zwei Schwestern

HB: b’nájim batájim achájim achotájim

DE: eine Stunde ein Tag eine Woche

HB: scha’a jom schavú’a

DE: zwei Stunden zwei Tage zwei Wochen

HB: scha’ájim jomájim schavájim

23


DE: ein Monat

HB: chódesch

ein Jahr

schana

DE: zwei Monate

HB: chodschájim

zwei Jahre

schanájim

Es ist also auch möglich, von Wörtern wie «Staat» einen Dual zu

bilden. Das ist im Fall von «medinatájim», dem das arabische

«daulatân» entspricht - von der Einzahl «daula» abgeleitet -,

auch deshalb wissenswert, weil im Nahen Osten schon seit

vielen Jahrzehnten immer wieder von einer Zwei-Staaten-

Lösung für Palästina geredet wird.

Wenn anstelle des Duals die «normalen» Mehrzahlformen

zusammen mit der Zahl 2 verwendet werden - was im heutigen

Hebräischen in der Umgangssprache möglich ist -, muss genau

darauf geschaut werden, ob ein Wort männlich oder weiblich ist,

und zudem kommt auch hier der Unterschied zwischen dem

Status absolutus und dem Status constructus zum Zug:

zwei

Aber:

zwei Männer

zwei Frauen

schnájim (schnáim, m.)

schtájim (schtáim, f.)

schnéi anaschim

schtéi naschim

Bei den höheren Zweierzahlen kommt der Dual noch in den

Zahlen 200 und 2'000 vor, allerdings werden beide

unregelmässig gebildet:

24


100 = mé’a 200 = matájim (matáim)

1'000 = élef 2'000 = alpájim (alpáim)

Die Zahl 2'000 kommt als bekanntestes Beispiel im Ausdruck

«sch’not alpájim» (2'000 Jahre) in der «Hatikva» vor, der

israelischen Nationalhymne. Da auch dieses in dichterischer

Form verfasst wurde, die bekanntlich viel mehr Freiheiten

zulässt, steht nicht nur «alpájim» hinter dem Substantiv, was

eigentlich nicht ganz korrekt ist, sondern aus Rhythmusgründen

auch noch «sch’not» anstelle von «schanot»; zudem habe ich

sogar in Lehrbüchern auch schon «schanim» gesehen.

Von der Zahl drei an aufwärts stellt sich das kleine Problem mit

dem Dual nicht mehr, aber auch dann bestehen die Unterschiede

zwischen einer männlichen und einer weiblichen Zahlvariante

immer noch, wie wir weiter unten noch sehen werden:

drei Männer

drei Frauen

usw.

schloscha anaschim

schalosch naschim

Es gibt auch noch Dualwörter bei Dingen, die zwar einheitlich

sind, aber als Doppelheit gesehen werden:

Brille

Fahrrad

Hose, Hosen

Schuhe

Socken

mischkafájim (mischkafáim)

ofanájim (ofanáim)

michnassájim (michnassáim)

na’alájim (na’aláim) - Einzahl: na’ala

garbájim (garbáim) - Einzahl: garba

Sogar hier gibt es Dualendungen: májim - Wasser

25

schamájim - Himmel


Der bestimmte und unbestimmte Artikel

Einzahl, unbestimmter Artikel

Dieser wird nicht verwendet, wenn keine Betonung vorliegt:

DE: ein Mann eine Frau ein Kind ein Land

HB: isch ischá jeled árets, érets *

* Der Unterschied zwischen «árets» und «érets» besteht vor

allem darin, dass das erstere in Zusammensetzungen verwendet

wird (ha-árets), während das letztere mehr als Begriff auch

alleinstehen kann:

das Land Israel (als biblische Verheissung) = Erets Jíssra’el

im Land Israel = ba-árets Jíssra’el

Bei einer Betonung wird das Wort «eins» aber mitverwendet,

zudem wird zwischen männlich und weiblich unterschieden. Im

Gegensatz zu allen anderen Grundzahlen stehen diese hinter

dem Wort, auf das sie sich beziehen, und nicht vorn:

DE: ein Mann eine Frau ein Kind ein Land

HB: isch echad ischa achat jéled echad árets achat

Das Wort «echad» wird oft auch wie «echod» ausgesprochen,

wie wir im oben erwähnten Bibelsatz gesehen haben:

Sch’ma, Jíssra’el, Adonai Elohéinu Adonai echad!

Sch’ma, Jíssro’el, Adonoi Elohéinu Adonoi echod!

26


Mehrzahl, unbestimmter Artikel

Wie oben gesehen werden kann, wird die Mehrzahl bei den

meisten Wörtern regelmässig gebildet. Im Gegensatz zu einem

Teil der romanischen Sprachen, in denen es einen

unbestimmten Artikel auch in der Mehrzahl gibt, kennt das

Hebräische so etwas nicht:

Deutsch: Männer Frauen Kinder

Französisch: des hommes des femmes des enfants

Italienisch: degli uomini delle donne dei bambini

Katalanisch: uns homes unes dones uns nens

Spanisch: unos hombres unas mujeres unos niños

Portugiesisch: uns homes umas mulheres umas crianças

Rumänisch: nishte om nishte doamne nishte copi

Im Französischen und Italienischen sind diese Mehrzahlformen

mit denen im Genitiv identisch, während in den drei iberischen

Sprachen ein «de» davorsteht». Dagegen wird im Rumänischen

«nishte», das im Nominativ und Akkusativ steht, im Genitiv und

Dativ durch «unor» ersetzt; es ist die einzige romanische

Sprache, in der nicht nur die bestimmten Artikel hinten

angehängt werden, sondern auch die im Latein vorhandenen

Doppelkonstruktionen - zum Beispiel bei «feminae», welches

das Einzahlwort für eine Frau im Genitiv und Dativ ist - zum Teil

immer noch erhalten geblieben sind.

Einzahl, bestimmter Artikel

Auch hier ist es einfach, aber es gibt zwei Varianten: Wenn auf

den bestimmten Artikel direkt ein «a» folgt, kann vor allem im

Neuhebräischen aus akustischen Gründen auch «he-«

27


zumindest ausgesprochen werden, während bei allen anderen

«ha-« steht. Für die Schriftsprache spielt das keine Rolle, weil

«ha-« und «he-« gleich geschrieben werden, wenn keine

Vokalzeichen vorkommen:

DE: der Mann die Frau das Haus die Stadt

HB: ha-isch ha-ischa ha-bájit ha-ir

DE: das Kind der Staat das Land das Auge

HB: ha-jéled ha-medina ha-árets, ha-ájin,

he-árets he-ájin

DE: der Vater die Mutter der Sohn die Tochter

HB: ha-av, ha-ába ha-íma ha-ben ha-bat

DE: der Bruder die Schwester die Hand

HB: ha-ach, ha-achot, ha-jad

he-ach he-achot

Mehrzahl, bestimmter Artikel

Hier gelten die genau gleichen Regeln wie in der Einzahl:

DE: die Männer die Frauen die Häuser die Städte

HB: ha-anaschim, ha-naschim ha-batim ha-irot

he-anaschim

DE: die Kinder die Staaten die Länder die Augen

28


HB: ha-jeladim ha-medinot ha-ártsot, ha-einájim

he-ártsot

(Dual)

DE: die Väter die Mütter die Söhne die Töchter

HB: ha-avot, ha-ímahot ha-banim ha-banot

he-avot

DE: die Brüder die Schwestern die Hände

HB: ha-achim, ha-achajot, ha-jadájim

he-achim he-achajot (Dual)

Dual, bestimmter Artikel

DE: die beiden Männer die beiden Frauen die beiden Häuser

HB: ha-anaschájim, ha-naschájim ha-bajitájim

he-anaschájim

(ha-baitáim)

DE: die beiden Kinder die beiden Städte die beiden Staaten

HB: ha-jeladájim ha-irájim ha-medinatájim

DE: die beiden Länder die beiden Väter die beiden Mütter

HB: ha-ártsájim, ha-avájim, ha-ímajim

he-ártsájim he-avájim

DE: die beiden Söhne

die beiden Töchter

29


HB: ha-benájim

ha-batájim

DE: die beiden Brüder

HB: ha-achájim,

he-achájim

die beiden Schwestern

ha-achotájim,

he-achotájim

Die Kasus (Fälle)

Was in den meisten europäischen Sprachen unter einem Kasus

verstanden wird, der zum Teil sogar mehr als zehnfach vertreten

ist - vor allem im Finnischen, Estnischen und Ungarischen -,

kommt im Hebräischen auf diese Art nicht vor. Es gibt zwar in der

Denkweise das, was in den meisten europäischen Sprachen

unter einem Fall verstanden wird, doch er wird ganz anders

ausgedrückt - auf eine Weise, die viel leichter ist als im

Deutschen, wenn zum Beispiel an die nicht weniger als sieben

Varianten bei einem Mann gedacht wird:

der Mann, des Mannes, dem Mann, den Mann

die Männer, der Männer, den Männern

a) Bei der Bildung des Genitivs kommen die beiden Varianten

zum Zug, die ich oben kurz erwähnt habe: Einerseits der Status

absolutus und andererseits der Status constructus. Im ersteren

bleibt das vordere Wort unverändert, während im letzteren im

vorderen Wort ein Buchstabenwechsel stattfindet, der am

meisten an den sogenannten Stufenwechsel in den finnougrischen

Sprachen erinnert (siehe in meinem Buch «Lehrbuch

des Estnischen und Finnischen», das ich schon vor mehreren

30


Jahren veröffentlicht habe). Allerdings kommt dieser

Buchstabenwechsel nur bei den männlichen Wörtern vor - aber

längst nicht bei allen -, während bei den weiblichen, von denen

fast alle auf «-a» enden, einfach ein «t» angehängt wird:

Ein paar einfache Beispiele:

Status absolutus

Status constructus

ein Mann Gottes isch Elohim isch Elohim

eine Frau Gottes ischa Elohim ischat Elohim

Männer anaschim anaschéi

Männer Gottes

anaschéi Elohim

Frauen naschim naschéi

Frauen Gottes

naschéi Elohim

Da das Mehrzahlwort für eine Frau ebenfalls auf «-im» endet,

muss als Ausnahme auch hier der Status constructus verwendet

werden.

Weitere Beispiele:

ein Wort davar Worte, Wörter d’varim

das Wort ha-davar die Worte ha-d’varim

AH: ein/das d’war Elohim die Worte G. d’varéi Elohim

Wort Gottes

NH: das W. G. ha-davar Elohim ha-d’varim E.

ein Haus bájit Häuser batim

das Haus ha-bájit die Häuser ha-batim

31


AH: ein/das béit Elohim Häuser Gottes, batéi Elohim

Haus Gottes,

das Gotteshaus

die Gotteshäuser

NH: das H. G. ha-bájit Elohim ha-batim

Elohim

Anstelle von Elohim kann immer auch Adonai gesagt und

geschrieben werden.

Allerdings bleibt der Status constructus nicht nur auf das

Bibelhebräische beschränkt. Im Neuhebräischen kann er immer

noch verwendet werden, wobei die beiden Teile durch einen

Bindestrich abgestrennt werden und der bestimmte Artikel in der

Umschreibung mit dem zweiten Substantiv zusammenfällt;

zugleich fällt der bestimmte Artikel ganz vorn weg:

das Ende der Reise

die Einwohner der Stadt

die Ferientage

die Lichter der Stadt

die Kaffeehäuser

die Bierflaschen

die Kartoffeln

der Stadtpark

das Flugticket

ssof-ha-n’ssi’a (Ende von Reise)

toschavéi-ha’ir (E. von Stadt)

j’méi-choschesch (Tage von F.)

orot-ha’ir (Lichter von Stadt)

batéi-kafe (Häuser von Kaffee)

bakbukéi-bira (Flaschen von Bier)

tapuchéi-adama (Äpfel von Erde)

gan-ha’ir (Park von Stadt)

kartiss-ha-tissa (Ticket von Flug)

Allerdings gibt es auch Ausnahmen, bei denen weder vorn noch

hinten ein bestimmter Artikel steht:

32


das Taschengeld

das Speisezimmer

die Schule

késsef-kiss (Geld von Tasche)

chadar-óchel (Zimmer von Essen)

béit-sséfer (Haus des Buches)

Bei den weiblichen Wörtern sieht es so aus:

das Frühstück

aruchat-bóker (Mahlzeit von Morgen)

die Imbissecke

pinat-óchel (Ecke von Essen)

Manchmal kommt hinten auch der bestimmte Artikel vor:

die Kriegsjahre

sch’not-hamilchama

die Imbissecken pinot-ha’óchel

In einem Zweifelsfall ist die Umschreibung mit «schel» immer

richtig, aber sie ist eben viel länger und damit auch etwas

umständlicher:

ha-ssof schel ha-n’ssi’a

usw.

ha-toschavim schel ha-ir

Der häufigste Status constructus ist auch der bekannteste, weil

er im Alten Testament unzählige Male vorkommt:

ein Sohn Gottes

Söhne

(die) Söhne Gottes

Söhne Israels

ben Elohim

banim

b’néi Elohim

b’néi Jíssra’el

33


Da «ben» sinngemäss auch ein Kind bedeutet, hat sich in den

deutschen Übersetzungen schon vor Jahrhunderten der

Ausdruck «Kinder Israel» eingebürgert.

Auch die umgekehrte Variante mit Elohim ist möglich:

der Gott Israels

der Gott der Hoffnung

der Gott des Lichts

Elohéi Jíssra’el

Elohéi tikva

Elohéi or

Das Wort «horim» für «Eltern» steht im Bibelhebräischen

ebenfalls im Status constructus:

DE: Die Eltern von Josef waren Jakob und Rahel (bzw. Rachel).

AH: Horéi Josef hem haju Ja’akov ve Rachel. *

NH: Ha-horim schel Josef haju Ja’akov ve Rachel.

* Was in der Einzahl «hu» (er) und «hi» (sie) sind, ist im

Bibelhebräischen das Mehrzahlwort «hem», das ebenso wie das

weibliche «hen» direkt nach dem Satzsubjekt steht. Im

Neuhebräischen können sie immer noch verwendet werden - vor

allem dann, wenn eine Einleitung etwas lang ausfällt -, aber sie

sind nicht obligatorisch.

Ebenfalls unverändert wie «ben» bleibt das Wort «mélech»

(König):

ein/der König von Israel mélech Jíssra’el

Dagegen kommt der Status constructus in der Mehrzahl wieder

vor:

(die) Könige

(die) Könige Israels

m’lachim

m’lachéi Jíssra’el

34


Ein weiteres Wort, das in der Einzahl unveränderlich bleibt, ist

«am» (Volk), das mit einem Ajin eingeleitet wird. Der Ausruf «Am

Jíssra’el chái!» (Das Volk Israel lebt!) ist heute vor allem durch

ein besonderes Lied weltbekannt geworden; dabei wird

«Jíssra’el» vor allem in einem schnellen Gespräch und auch in

diesem Lied oft auch nur wie «Issra’el» ausgesprochen. In der

Mehrzahl wird mehr «anaschim», also die Mehrzahlform für

einen Mann verwendet, aber dann sind andere Völker gemeint:

anaschéi ha-olam = ha-anaschim schel ha-olam = die Völker der

Welt

Dagegen wird von «am» das Adjektiv «amami» abgeleitet, das

mit «Volks-« übersetzt werden kann:

chag amami = Volksfest

Das weibliche Wort lautet dementsprechend «amamit»:

knessija amamit = Volkskirche

Der bekannteste Status constructus für ein weibliches Substantiv

ist die offizielle Bezeichnung für Israel:

medina

Medinat Jíssra’el

Staat

Staat Israel

Auch der bei den Katholiken und Orthodoxen übliche Ausdruck

«Mutter Gottes», mit dem die Jungfrau Maria gemeint ist, kann

auf diese Weise gebildet werden:

ima

Imat Elohim

Mutter

Mutter Gottes

35


Obwohl im hebräischen Alphabet wie oben erwähnt nicht

zwischen Klein- und Grossschreibung unterschieden wird,

schreibe ich hier «Medinat» und «Imat», weil es feste Begriffe

sind.

Mit diesem «Modell» können auch alle anderen Genitive gebildet

werden, wenn das erste Wort auf «-im» oder «-a» endet. Wie gut

gesehen werden kann, schliesst der erste Teil dieser Genitiv-

Konstruktionen im Bibelhebräischen sowohl einen unbestimmten

als auch einen bestimmten Artikel mit ein.

Bei den Eigennamen verändern sich die männlichen im

Bibelhebräischen nicht, während bei den weiblichen wieder ein

«t» angehängt werden kann:

Adam war der Mann Evas.

Adam hu haja Chavat isch.

Eva war die Frau Adams.

Chava hi hajta Adam ischa.

Dagegen wird im Neuhebräischen der bestimmte Artikel in

beiden Genitiv-Teilen verwendet, allerdings nicht für Wörter wie

Elohim oder Adonai und auch nicht immer für Jíssra’el:

die Söhne

die Söhne Gottes

die Söhne Israels

der Mann Evas

die Frau Adams

ha-banim

ha-banim Elohim

ha-banim Jíssra’el

ha-adam schel Chava

ha-ischa schel Adam

Schel ist also das Universalwort für den Genitiv. Im

Neuhebräischen wird fast nur dieses Wort verwendet, für das es

zudem in jeder einzelnen Person noch eine eigene Variante gibt,

aber ich gehe erst weiter unten im entsprechenden Kapitel näher

36


auf diese ein. Immerhin liefert auch dieses häufig verwendete

Wort eine Erklärung dafür, dass die heutigen Israelis die Sprache

viel schneller reden, als es ihre israelitischen Vorfahren taten,

soweit wir das heute wissen. Die Sätze sind eben viel länger als

die im Bibelhebräischen, so dass die antiken Israeliten die

Israelis fast nicht verstehen würden, aber natürlich auch wegen

der vielen modernen Wörter wie ein Flugzeug oder ein

Computer, die es im Altertum noch nicht gab.

Da drängt sich eine Parallele zum Alt- und Neugriechischen auf,

allerdings mit einem deutlichen Unterschied: Die heutigen

Griechen sprechen zwar auch sehr schnell, aber sie

verschlucken im Gegensatz zu den Israelis so viele Silben wie

möglich, so dass auch ihre antiken Vorfahren sie fast nicht

verstehen könnten. Wer mehr darüber wissen will, kann in

meinen beiden Büchern «Lehrbuch des Altgriechischen» und

«Lehrbuch des Neugriechischen» nachschauen.

Um den Status constructus, um den es hier hauptsächlich geht,

richtig in den Griff zu bekommen, bleibt nichts anderes übrig, als

möglichst viel in der Bibel zu lesen. Das sollte für jene, die das

Alphabet kennen, nicht allzu schwierig sein, weil auch dieses

Buch mit Vokalzeichen geschrieben wird.

b) Auch im Dativ wird zwischen einem Status absolutus und

einem Status constructus unterschieden, aber das Schlüsselwort

lautet hier im Bibelhebräischen meistens «le», während vor den

Eigennamen meistens «el» mit Alef steht, das zudem durch

einen Bindestrich mit diesem verbunden wird. Auch «le» hat für

jede einzelne Person eine eigene Variante, wie wir weiter unten

noch sehen werden.

Gott gab Adam und Eva viel Liebe.

AH: Elohim (hu) natan el-Adam ve el-Chava harbe ahava. *

37


(Natan Elohim …)

NH: Elohim natan le’Adam ve le’Chava harbe ahava.

* Nach «Elohim» wird das Füllwort «hu» oft weggelassen.

In der Bibel ist es zwar üblich, dass das Verb vor dem Wort steht,

auf das es sich bezieht, aber die obige Variante ist nicht falsch:

Im Anfang schuf Gott …

B’reschit bara Elohim …

Zudem ist zu beachten, dass Elohim zwar ein Mehrzahlwort ist,

aber immer in der Einzahl konjugiert wird.

Wenn ein Substantiv mit einem bestimmten Artikel verbunden

wird, fällt dieser mit ihm zusammen und lautet damit «la»:

Gott gab dem Menschen viel Liebe.

Elohim hu natan la-adam harbe ahava.

Gott gab den Männern und Frauen viel Liebe.

Elohim hu natan la-anaschim ve la-naschim harbe ahava.

Bei zwei Substantiven gibt es wieder deutliche Unterschiede,

weil dann nochmals der Status constructus zum Zug kommt:

DE: Gott gab den Kindern Israel viel Liebe.

AH: Natan Elohim hu harbe ahava l’bnéi Jíssra’el.

NH: Elohim natan harbe ahava la-banim Jíssra’el.

c) Noch leichter ist es im Akkusativ, wo das Schlüsselwort immer

«et» lautet, aber nur vor einem bestimmten Artikel und zudem

38


immer vor einem Eigennamen:

Gott liebte die Welt und die Menschen.

Elohim hu ahav et ha-olam ve et ha-adamim.

Adam liebte Eva und Eva liebte Adam.

Adam hu ahav et Chava ve Chava hi ahva et Adam.

Hier sind beide männlichen hebräischen Varianten identisch,

aber nur in der Vergangenheit; in der Gegenwart unterscheiden

sich die Verben:

DE: Gott liebt die Welt immer noch.

AH: Elohim jihov et ha-olam tamid od.

NH: Elohim ohev et ha-olam tamid od.

Bei einem weiblichen Substantiv gelten die gleichen Regeln, nur

die Verbformen unterscheiden sich etwas:

DE: Der Mann liebt die Frau und die Frau liebt den Mann.

AH: Ha-adam jihov et ha-ischa ve ha-ischa tihov et ha-isch.

NH: Ha-adam ohev et ha-ischa ve ha-ischa ohévet et ha-isch.

Auf die entscheidenen Unterschiede (jihov - tihov, ohev - ohévet)

gehe ich weiter unten noch näher ein.

Das Akkusativwort «et» wird im Bibelhebräischen auch dann

verwendet, wenn das Subjekt, auf das es sich bezieht, mit einem

Possessivpronomen verbunden wird, was sich auch im

berühmtesten Satz im Neuen Testament zeigt:

39


Denn Gott hat die Welt so geliebt, dass Er Seinen eingeborenen

Sohn gab …

Ki-chacha ahav ha-Elohim et ha-olam ed-ascher datan et-b’no

et-j’chido …

Am meisten fällt auf, dass das «et» hier auch vor dem Adjektiv

steht, also gleich zweimal vorkommt, aber im Neuhebräischen

muss beide Male «ha» verwendet werden, wobei das «et» vor

dem Adjektiv wegfällt:

… et ha-ben ha-j’chido …

Zu beachten ist, dass der bestimmte Artikel in diesem Satz auch

vor Elohim steht, aber das ist nicht immer so. Wer genau wissen

will, was wann und warum kommt, muss das Alte Testament und

das Bibelhebräische bis in alle Einzelheiten kennen.

Hier wird «sein» also hinter «ben» gehängt, wobei es auch hier

wieder eine Buchstabenverschiebung gibt:

ben - b’no

Akkusativ: et ha-ben - et-b’no

Im Bibelhebräischen fällt der bestimmte Artikel auch hier

genauso wie im Dativ mit dem Possessivpronomen zusammen,

während im Neuhebräischen wieder das oben erwähnte

Universalwort «schel» zum Zug kommt:

ben - ha-ben schelo

Akkusativ: et ha-ben schelo

Auch wenn zwei Substantive im Akkusativ stehen, wird «et»

meistens nicht verwendet, wenn der bestimmte Artikel nicht

vorkommt. Ich schreibe «meistens», weil ich die andere Variante

auch schon so geschrieben sah:

40


Wir wollen Liebe und Frieden.

Anáchnu rotsim ahava uschalom. *

Wir wollen Frieden und Liebe.

Anáchnu rotsim schalom ve-ahava.

* Vor einem «sch» steht aus lautlichen Gründen nie «ve» für

«und», sondern ein «u».

Wie in allen anderen Sprachen, in denen zwischen männlich und

weiblich unterschieden wird, bekommt auch im Hebräischen die

männliche Variante den Vorzug, wenn beide im gleichen Satz

erscheinen. Dieser Brauch war schon im Altertum so und ist bis

heute erhalten geblieben.

Da im Neuhebräischen in der Gegenwart nur vier Varianten

vorkommen, muss erst recht genau darauf geschaut werden. Der

gleiche Satz lautet dann, wenn nur Frauen und Mädchen unter

sich allein sind, dementsprechend so:

Anáchnu rotsot ahava uschalom.

Anáchnu rotsot schalom ve-ahava.

Sobald auch nur ein einziger kleiner Junge sich inmitten vieler

Frauen und Mädchen befindet, kommt «rotsim» zum Zug:

Anáchnu rotsim ahava uschalom.

Anáchnu rotsim schalom ve-ahava.

41


Dieses und jenes

Die sieben Demonstrativpronomina bzw. hinweisenden

Fürwörter, wie sie in der Fachsprache genannt werden, sind

diese:

ha-se (Sg. m.), ha-sot (Sg. f.), ha-éle (Pl. m.+f.) -

ha-hu (Sg. m.), ha-hi (Sg. f.); ha-hem (Pl. m.), ha-hen (Pl. f.)

Da diese Wörter im hebräischen Alphabet gleich wie der

bestimmte Artikel geschrieben werden, schreibe ich sie hier im

Gegensatz zu anderen Lehrbüchern nicht in einem einzigen

Wort, sondern getrennt.

Im Gegensatz zu fast allen europäischen Sprachen stehen sie

immer hinter den Wörtern, auf die sie sich direkt beziehen:

dieser Mann

diese Frau

ha-isch ha-se

ha-ischa ha-sot

diese Männer

diese Frauen

ha-anaschim ha-éle

ha-naschim ha-éle

jener Mann

jene Frau

ha-isch ha-hu

ha-ischa ha-hi

jene Männer

jene Frauen

ha-anaschim ha-hem

ha-naschim ha-hen

42


Die Wörter hinter dem zweiten bestimmten Artikel (hu, hi, hem,

hen) entsprechen den Personalpronomina, auf die ich weiter

unten noch näher eingehen werde (er, sie - sie, Pl.).

In den Kasus verhält es sich genau gleich:

der Mann dieser Frau

ha-isch schel ha-ischa ha-sot

die Frau dieses Mannes

ha-ischa schel ha-isch ha-se

die Söhne und Töchter dieser Männer und Frauen

ha-banim ve ha-banot schel ha-anaschim ve ha-naschim ha-éle

die Eltern dieser und jener Kinder

ha-horim schel ha-jeladim ha-éle ve ha-hem

Ich liebe diesen Mann.

Ani ohev (m.) et ha-isch ha-se.

Ani ohévet (f.) et ha-isch ha-se.

Ich liebe diese Frau.

Ani ohev (m.) et ha-ischa ha-sot.

Ani ohévet (f.) et ha-ischa ha-sot.

Im Bibelhebräischen verändern sich nur die Verben. Anstelle der

modernen Varianten «ohev» und «ohévet» stehen «ahávti» und

«ehov», aber in beiden Geschlechtern gleich. Während das

erstere formal ein Perfekt ist, das bis in die Gegenwart reichen

kann, ist das letztere ein Imperfekt, das sowohl für die Gegenwart

43


als auch für die Zukunft stehen kann. Weiter unten gehe ich im

Spezialkapitel über die Verben noch näher darauf ein.

Ich liebe diesen Mann.

Ahávti et ha-isch ha-se. - Ehov et ha-isch ha-se.

Ich liebe diese Frau.

Ahávti et ha-ischa ha-sot. - Ehov et ha-ischa ha-sot.

Die Adjektive (Eigenschaftswörter)

In diesem Bereich ist es auch noch einfach, weil alle Adjektive

regelmässig gebildet werden, und auch diese stehen genauso

wie die Demonstrativpronomina immer hinter den Wörtern, auf

sie sie sich beziehen.

Als «Paradewörter» stelle ich hier die Adjektive von «gross» und

«schön» vor, weil sie für zwei verschiedene Gruppen stehen.

Mit dem unbestimmten Artikel steht das Adjektiv unverändert

dahinter:

DE: ein grosser Mann

HB: isch gadol

ein schöner Mann

isch jafe

DE: eine grosse Frau

HB: ischa g’dola

eine schöne Frau

ischa jafa

DE: grosse Männer

HB: anaschim g’dolim

44

schöne Männer

anaschim jafim


DE: grosse Frauen

HB: naschim g’dolot

schöne Frauen

naschim jafot

Mit dem bestimmten Artikel muss auch vor dem Adjektiv ein

solcher stehen:

DE: der grosse Mann

HB: ha-isch ha-gadol

der schöne Mann

ha-isch ha-jafe

DE: die grossen Männer

HB: ha-anaschim ha-g’dolim

die schönen Männer

ha-anaschim ha-jafim

DE: die grossen Frauen

HB: ha-naschim ha-g’dolot

die schönen Frauen

ha-naschim ha-jafot

DE: die zwei grossen Männer

HB: ha-anaschájim ha-g’dolim

die zwei schönen Männer

ha-anaschájim ha-jafim

DE: die zwei grossen Frauen

HB: ha-naschájim ha-g’dolot

die zwei schönen Frauen

ha-naschájim ha-jafot

Im Gegensatz zum Arabischen gibt es im Hebräischen bei den

Adjektiven keine Dualformen.

Zwei wichtige Einzelheiten können schon hier deutlich gesehen

werden:

45


a) Im Gegensatz zum Deutschen und zu vielen anderen

Sprachen muss auch vor dem Adjektiv sowohl in der Einzahl als

auch in der Mehrzahl immer der bestimmte Artikel stehen, weil

dann, wenn dieser fehlt, etwas ganz anderes ausgedrückt wird:

ha-isch ha-gadol

ha-isch ha-gadol ha-se

ha-ischa ha-g’dola

ha-ischa ha-g’dola ha-sot

Aber: ha-isch gadol

ha-isch ha-se gadol

ha-ischa g’dola

ha-ischa ha-sot g’dola

ha-anaschim ha-g’dolim

ha-anaschim ha-g’dolim ha-éle

ha-naschim ha-g’dolot

ha-naschim ha-g’dolot ha-éle

Aber: ha-anaschim g’dolim

der grosse Mann

dieser grosse Mann

die grosse Frau

diese grosse Frau

der Mann ist gross

dieser Mann ist gross

die Frau ist gross

diese Frau ist gross

die grossen Männer

diese grossen Männer

die grossen Frauen

diese grossen Frauen

die Männer sind gross

ha-anaschim ha-éle g’dolim diese Männer sind gross

ha-naschim g’dolot

ha-naschim ha-éle g’dolot

die Frauen sind gross

diese Frauen sind gross

b) Auch bei den Eigennamen muss vor jedem einzelnen Adjektiv

der bestimmte Artikel stehen, wenn keine Satzaussage vorliegt:

die grosse und schöne Ursula

Hans liebt die grosse und

schöne Ursula.

46

Ursula ha-gadola ve ha-jafa

Hans ohev et Ursula

ha-g’dola ve ha-jafa.


Hans gibt der grossen und

schönen Ursula viel Liebe.

Aber:

Ursula ist gross und schön.

Hans noten le’Ursula

ha-g’dola ve ha-jafa harbe

ahava.

Ursula g’dola ve jafa.

Es muss also deshalb so genau unterschieden werden, weil es

in beiden Sprachen für das Grundverb «sein» keine eigene

Konjugation gibt - genauso wenig wie auch im Russischen,

Ukrainischen und Weissrussischen als bekanntesten Beispielen.

In der Vergangenheit und Zukunft kommen sie dagegen vor, wie

wir weiter unten noch sehen werden.

Die Adjektive sind immer regelmässig, also auch im Dual, mit

dem sie wie oben erwähnt identisch sind:

DE: die grossen Männer

HB: ha-anaschim ha-g’dolim

die zwei grossen Männer

ha-anaschájim g’dolim

DE: die grossen Frauen

HB: ha-naschim g’dolot

die zwei grossen Frauen

ha-naschájim g’dolot

Wie diese Beispiele zeigen, gibt es im Hebräischen zwei

Gruppen von Adjektiven:

gross gadol - g’dola schön jafe - jafa

In der Mehrzahl sind aber alle gleich regelmässig:

g’dolim - g’dolot

47

jafim - jafot


Wenn beide Geschlechter im gleichen Satz erscheinen,

bekommt auch hier die männliche Variante genauso wie oben

gesehen bei «rotsim» den Vorzug:

Die grossen Männer und Frauen hier sind schön.

Ha-anaschim ve ha-naschim ha-g’dolim hine jafim.

Ha-anaschim ve ha-naschim ha-g’dolim po jafim

(zwei Wörter für «hier»: hine, po)

Im Bibelhebräischen wird der Status constructus auch für die

Adjektive verwendet, dafür fehlt der bestimmte Artikel:

ein grosser Sohn Israels,

der grosse Sohn Israels

grosse Söhne Israels,

die grossen Söhne Israels

eine grosse Tochter Israels,

die grosse Tochter Israels

grosse Töchter Israels,

die grossen Töchter Israels

ben g’dol Jíssra’el

b’néi g’doléi Jíssra’el

bat g’dolat Jíssra’el

banot g’dolot Jíssra’el

Die weiblichen Wörter stehen in der Mehrzahl meistens nicht im

Status constructus, aber es gibt auch wenige Ausnahmen.

Hier kommt eine kleine Tabelle für vier Adjektive, die in der Bibel

besonders häufig vorkommen:

St. abs. St. con. St. abs. St.con.

tov (gut) tov (m.) tov tova (f.) tovat

tovim tovéi tovot tovot

48


gadol (gross) gadol g’dol g’dola g’dolat

g’dolim g’doléi g’dolot g’dolot

katan (klein) katan k’tan k’tana k’tanat

k’tanim k’tanéi k’tanot k’tanot

jaschar (recht) jaschar je’schar je’schara ji’schrat

je’scharim jisch’réi je’scharot jisch’rot

Wenn etwas mit «sehr» ausgedrückt wird, steht «me’od» immer

hinter den Adjektiven:

Dieser Mann ist sehr gross.

Ha-isch ha-se gadol me’od.

Diese Frau ist sehr gross.

Ha-ischa ha-sot g’dola me’od.

Diese Männer sind sehr gross.

Ha-anaschim ha-éle g’dolim me’od.

Diese Frauen sind sehr gross.

Ha-naschim ha-éle g’dolot me’od.

Das gilt auch dann, wenn «me’od» nicht direkt mit einem Adjektiv

verbunden wird:

Ursula ist sehr gross, aber Hans liebt sie sehr - und Ursula liebt

Hans auch.

Ursula (hi) g’dola me’od, aval Hans ohev ota me’od - ve Ursula

ohévet et Hans gam.

49


Wichtige Adjektive

Hier führe ich eine Liste der häufigsten Adjektive auf, die

Gegensätze ausdrücken. Dabei beschränke ich mich auf die

männlichen Varianten und führe nur dort, wo die weiblichen sich

nicht mit «-a» ableiten lassen, auch diese auf:

billig sol teuer jakar

breit rachav eng, tsar

schmal

frisch tari, tarit alt jaschan

glatt chalak rauh m’chusspass

gross gadol, g’dola klein katan

gut tov schlecht ra, ra’a

hart kasche, kascha weich rach, racha

heiss cham kalt kar

(glühend heiss

cham me’od, lohet)

hell bahir dunkel kehe, keha

(sehr hell

bahir-as)

hoch gawóa, gawóat niedrig namuch

tief

amok

interessant m’anijen uninteres- bilti-anijen

sant

jung tsa’ir alt saken, sakna

(Mensch, Tier)

klar bahir dunkel kehe, keha

50


lang aroch kurz katsar

leuchtend bahir-as glanzlos, amum

matt, trüb

mager rase, rasa dick schamen,

scham’na

neu chadasch alt (Ding) jaschan

richtig holem, nachon falsch scheker,

lo nachon

rund agol kugelrund kaduri,

kadurit

rutschig chalak rauh m’chusspass

sauber naki schmutzig, m’luchach

unrein

scharf chad stumpf kehe, keha

schnell mahir langsam iti, itit

schön jafe, jafa hässlich mag’il, m’choar

schwer kaved, kav’da leicht kal

(Gewicht)

seicht radud tief amok

spitz chad stumpf kehe, keha

stark chasak schwach chalasch

süss matok bitter mar, mara

sauer chamuts

trocken jawesch feucht, nass lach

51


voll male, mala leer rejk, rejka

warm cham kalt kar

Die Farben

blau

braun

bronzefarben

bunt

dunkelblau

gelb

grün

hellblau

karmesinrot

orange-gelb

purpurrot

rosarot

rot

schwarz

vielfarbig

violett

weiss

kachol

chum

arod/aroda b’tséva ha-bróntsa

ssassgoni, ssassgonit

kachol-kehe, kachol-keha

tsahov

jarok

tachol

schani, schanit

tafos

argaman, argamna

varod

adom

schachor

sassgoni, ssassgonit (wie «bunt»)

ssagol

lavan, lav’na

52


Die Steigerung der Adjektive

Auch hier gibt es in beiden Sprachen deutliche Unterschiede:

Während im Bibelhebräischen das Adjektiv unverändert bleibt,

weil es eine Konstruktion kennt, die auch in vielen ostasiatischen

Sprachen vorkommt - im Sinn von: er ist gross im Vergleich zu

mir -, wird die Steigerung im Neuhebräischen mit «joter» (mehr)

und «hachi» (am meisten) umschrieben. Dabei steht im

Bibelhebräischen je nach Zusammenhang auch der bestimmte

Artikel, aber beiden gemeinsam ist das Schlüsselwort «min»

(als), für das es bei jedem einzelnen Personalpronomen auch

noch eigene Varianten gibt.

Im Komparativ, wie die erste Steigerungsstufe in der

Fachsprache heisst, sieht die Steigerung so aus:

DE: Jesus ist grösser als dieser Prophet.

AH: Jeschúa hu gadol ha-navi ha-se.

NH: Jeschúa joter gadol mi ha-navi ha-se.

Schwieriger wird es, wenn nicht genau bestimmt werden kann,

ob es sich um ein männliches oder weibliches Wesen handelt.

Dann können «hu» oder «hi» auch weggelassen werden:

DE: Deutschland ist grösser als Israel.

AH: Germánia hi ha-g’dola mi Jíssra’el.

NH: Germánia joter g’dola mi Jíssra’el.

Hier ist «Germánia» eindeutig ein weibliches Wort, deshalb wird

«hi» verwendet.

53


DE: Jerusalem ist kleiner als Tel Aviv.

AH: Jeruschalájim katan min Tel Aviv.

NH: Jeruschalájim joter katan min Tel Aviv.

DE: Ursula ist grösser als Elena, aber Elena ist stärker.

AH: Ursula hi g’dola min Elena, aval Elena hi chasaka.

NH: Ursula joter g’dola min Elena, aval Elena joter chasaka.

DE: Ursula und Elena sind grösser als Hans, aber sie lieben ihn.

AH: Ursula hi ve Elena hi g’dolot min Hans, aval jiht’vúhu. *

NH: Ursula ve Elena joter g’dolot min Hans, aval hen ohvot oto.

DE: Hans ist kleiner als Ursula und Elena, doch er liebt sie.

AH: Hans hu katan min Ursula ve Elena, aval hu jihóvhen. *

NH: Hans joter katan min Ursula ve Elena, aval hu ohev otan.

* Gerade hier können die Unterschiede zwischen den beiden

Hebräisch-Varianten deutlicher als anderswo gesehen werden,

vor allem bei den angehängten Personalpronomina, auf die ich

weiter unten noch näher eingehe.

Wenn mehrere Eigennamen vorkommen, steht nur nach dem

ersten, der den Satz einleitet, ein «hu» oder «hi».

Im Superlativ, wie die zweite Steigerungsstufe in der

Fachsprache genannt wird, sieht es so aus:

DE: Jesus ist der grösste Prophet von allen.

54


AH: Jeschúa hu ha-navi ha-g’dol mi kol.

NH: Jeschúa ha-navi ha-gadol b’joter mi kol. *

Jeschúa ha-navi hachi gadol mi kol.

* Diese Variante gilt grammatikalisch als korrekter, aber die

untere kommt in der Umgangssprache viel mehr vor.

DE: Jesus war der grösste von allen Männern.

AH: Jeschúa hu haja ha-g’dol mi kol ha-anaschim. *

NH: Jeschúa haja ha-gadol b’joter mi kol.

Jeschúa haja hachi gadol schel kol ha-anaschim.

* Nach «kol» muss immer der bestimmte Artikel verwendet

werden, wenn «alle» ausgedrückt wird.

DE: Russland ist das grösste Land der Welt.

AH: Rússia hi ha-árets ha-g’dola ha-olam. *

NH: Rússia ha-árets ha-g’dola b’joter schel ha-olam. **

Rússia ha-árets hachi g’dola schel ha-olam.

* Auch hier kann bei «ha-g’dol» der Status constructus nochmals

deutlich gesehen werden.

** Hier gilt das Gleiche wie oben: Die obere Variante gilt

grammatikalisch als korrekter, aber die untere kommt in der

Umgangssprache viel mehr vor.

Verglichen wird mit «kach» und «k’mo»:

55


Polen ist so gross wie Deutschand.

Polónia kach g’dola k’mo Germánia.

Israel ist nur so gross wie Hessen.

Jíssra’el rak kach gadol k’mo Héssen.

Das Wort «k’mo» gehört zu den Wörtern, für die es in allen

Personen eigene Formen gibt, wie wir weiter unten noch sehen

werden:

Sie ist so gross wie ich - und ich bin so gross wie sie.

Hi kach g’dola kamóni - ve ani kach gadol (m.)/g’dola (f.) kamóna.

Die vollständige «Deklination» lautet so:

kamóni (1. P. Sg., m.+f.)

kamócha (2. P. Sg. m.)

kamoch (2. P. Sg. f.)

kamóhu (3. P. Sg. m.)

kamóha (3. P. Sg. f.)

kamónu (1. P. Pl., m.+f.)

k’mochem (2. P. Pl. m.)

k’mochen (2. P. Pl. f.)

k’mohem (3. Pl. Pl. m.)

k’mohen (3. P. Pl. f.)

Weiter unten gehe ich im Spezialkapitel über die Präpositionen

noch einmal darauf ein.

56


Das Adverb (Umstandswort)

Mit diesem Wort wird ausgedrückt, auf welche Weise etwas

getan wird. Für einmal hat das Hebräische mit dem Deutschen

gemeinsam, dass das Adverb mit dem entsprechenden Adjektiv

identisch ist, wobei nur das männliche verwendet wird:

Der Mann ist schnell.

Ha-isch mahir.

Der Mann geht schnell.

Ha-isch holech mahir.

Die Männer sind schnell.

Ha-anaschim mahirim.

Die Männer gehen schnell.

Ha-anaschim holchim mahir.

Die Frau ist schnell.

Ha-ischa mahira.

Die Frau geht schnell.

Ha-ischa holéchet mahir.

Die Frauen sind schnell.

Ha-naschim mahirot.

Die Frauen gehen schnell.

Ha-naschim holchot mahir.

Der Mann ist schön.

Ha-isch jafe.

Der Mann schreibt schön.

Ha-isch kotev jafe.

Die Männer sind schön.

Ha-anaschim jafim.

Die Männer schreiben schön.

Ha-anaschim kotvim jafe.

57


Die Frau ist schön.

Ha-ischa jafa.

Die Frau schreibt schön.

Ha-ischa kotévet jafe.

Die Frauen sind schön.

Ha-naschim jafot.

Die Frauen schreiben schön.

Ha-naschim kotvot jafe.

Bei der Steigerung verhält es sich gleich wie bei den Adjektiven:

Der Mann geht schneller. Der Mann geht am schnellsten.

Ha-isch holech joter mahir. Ha-isch holech hachi mahir.

Die Frau schreibt schöner.

Ha-ischa kotévet joter jafe.

Die Frau schreibt am schönsten.

Ha-ischa kotévet hachi jafe.

Es gibt zwar ein paar wenige Ausnahmen von Adverbien, die

nicht mit dem männlichen Adjektiv gebildet werden, aber um

diese zu finden, muss man mit der Lupe suchen - und um diese

herauszuhören, besteht beim schnellen Redeschwall der Israelis

untereinander sowieso keine Chance. Deshalb kann diese

Variante immer verwendet werden, man wird auf jeden Fall auch

so verstanden.

58


Ortsadverbien

Da diese Gruppe von Wörtern nirgendwo richtig untergebracht

werden kann, werden sie in der Fachsprache meistens als

Ortsadverbien bezeichnet:

dort

hier

links, linkerhand,

auf der linken Seite

nach links

rechts, techterhand,

auf der rechten Seite

nach rechts

nahe bei …

oben, oberhalb

überall

unten

unterhalb

scham

hine, po

smol, b’tsad smol

smóla

jamin, b’tsad jamin

jamína

karov le …

l’mala

b’chol makom

(wörtlich: in jedem Ort)

l’máta

mitáchat

Dazu gibt es noch Zeitadverbien (manchmal, nie, oft usw.), auf

die ich erst weiter unten näher eingehen werde.

59


Die Personalpronomina

(Die persönlichen Fürwörter)

Nominativ: Dativ: Akkusativ:

ich ani mir li mich oti

du (m.) ata dir (m.) l’cha dich (m.) otcha

du (f.) at dir (f.) lach dich (f.) otach

er, es hu ihm lo ihn, es oto

sie hi ihr la sie ota

wir anáchnu uns lánu uns otánu

ihr (m.) atem euch (m.) lachem euch (m.) etchem

ihr (f.) aten euch (f.) lachen euch (f.) etchen

sie (m.) hem ihnen (m.) lahem sie (m.) otam

sie (f.) hen ihnen (f.) lahen sie (f.) otan

Im Gegensatz zum Arabischen gibt es im Hebräischen hier keine

Dualwörter, auch nicht im Bibelhebräischen.

Ein Höflichkeitswort wie «Sie» gibt es nicht; es wird überall und

mit allen geduzt, auch auf den Ämtern. Im Kontakt mit Leuten von

ganz oben - zum Beispiel mit Ministerinnen und Ministern -

können allenfalls noch «g’virti» (meine Dame) und «adoni» (mein

Herr) und am besten ohne Mitbenützung von Namen gesagt

werden, aber es ist nicht direkt vorgeschrieben.

Hier scheren nur die beiden Akkusativ-Wörter der zweiten

Person Mehrzahl (etchem, etchen - also nicht diese: atchem,

atchen; otchem, otchen) ein wenig aus der Reihe, ansonsten ist

alles regelmässig.

60


Anstelle von «man» wird das männliche Mehrzahlwort

verwendet, aber ohne Personalpronomen:

hem kotvim = sie schreiben

kotvim = man schreibt

Bei der Anwendung unterscheiden sich die beiden Hebräisch-

Varianten deutlich: Während die Personalprononomina im

Neuhebräischen zwar auch immer hinten, aber von den

entsprechenden Verben getrennt stehen, werden sie im

Bibelhebräischen mit dem entsprechenden Verb verbunden, wie

die Übersicht unten mit den Verben «lieben» und «schreiben»

zeigt:

Neuhebräisch:

Bibelhebräisch:

ich liebe dich ani ohev otach ahávtiach, ehóvach *

(Mann zur Frau)

(Mann zur Frau)

ani ohévet otcha ahávticha, ehóvcha *

(Frau zum Mann)

(Frau zum Mann)

* Die beiden Varianten im Bibelhebräischen stehen für die zwei

verschiedenen Denkarten in dieser Sprache. Während die

vordere in der Fachspache zwar als Perfekt bezeichnet wird,

aber auch mit unserem Imperfekt und Plusquamperfekt

ausgedrückt werden kann, heisst die hintere zwar Imperfekt,

aber sie hat mit dem Imperfekt, wie wir es verstehen, nichts zu

tun. Sie drückt viel mehr eine nicht abgeschlossene Zeitform aus,

also kann sie sowohl im Präsens (Gegenwart) als auch im Futur

(Zukunft) stehen. Da das obige Perfekt ähnlich wie im

Altgriechischen auch eine Zeitform ausdrückt, die zwar in der

Vergangenheit begonnen hat, aber sich immer noch bis auf die

Gegenwart auswirkt, ist auch die vordere Variante korrekt. In der

heutigen Zeit genügen die neuhebräischen Ausdrücke, die von

61


einer althebräischen Partizipialform abgeleitet worden sind, aber

es ist wichtig, von der Existenz dieser beiden antiken

Konjugationen wenigstens zu wissen.

Genau gleich wie die obigen Beispiele funktionieren auch die

anderen Kombinationen:

ich (m.) liebe ihn ani ohev oto ahávtihu,

ehóvhu *

ich (f.) liebe ihn ani ohévet oto wie oben

ich (m.) liebe sie ani ohev ota ahávtihi,

ehóvhi

ich (f.) liebe sie ani ohévet ota wie oben

ich (m.) liebe euch (m.) ani ohev etchem

ahávtichem,

ehóvchem

ich (f.) liebe euch (m.) ani ohévet etchem wie oben

ich (m.) liebe euch (f.) ani ohev etchen ahávtichen,

ehóvchen

ich (f.) liebe euch (f.) ani ohévet etchen wie oben

ich (m.) liebe sie (m.) ani ohev otam ahávtihem,

ehóvhem

ich (f.) liebe sie (m.) ani ohévet otam wie oben

ich (m.) liebe sie (f.) ani ohev otan ahávtihen,

ehóvhen

ich (f.) liebe sie (f.) ani ohévet otan wie oben

Allerdings ist anzumerken, dass in der Bibel für die dritte Person

männlich oft auch «oto» frei hinter der Verbform vorkommt. Hier

62


würden die beiden Varianten so lauten:

ahávti oto, jehov oto

Auch die drei anderen Wörter der dritten Person (ota, otam, otan)

könnten so verwendet werden, aber wer solche finden will, muss

sehr viel lesen; ich selber habe in der Bibel keine gesehen.

Dagegen kann «oti» (mich) manchmal auch noch gefunden

werden, aber ich führe es hier nicht auf, weil es zu unregelmässig

vorkommt.

In den anderen Personen sieht es so aus:

du (m.) liebst mich ata ohev oti ahávtani,

tihóvni

du (f.) liebst mich at ohévet oti ahávt’ni,

tih’vínu

du (m.) liebst ihn ata ohev oto ahávtahu,

tihóvhu

du (f.) liebst ihn at ohévet oto ahávt’hu,

tih’víhu

du (m.) liebst sie ata ohev ota ahávtahi,

tihóvhi

du (f.) liebst sie at ohévet ota ahávt’hi,

tih’víhi

du (m.) liebst uns ata ohev otánu ahávtanu,

tihóvnu

du (f.) liebst uns at ohévet otánu ahávt’nu,

63

tih’vínu


du (m.) liebst sie ata ohev otam ahávta-otam,

(m.)

tihóvotam

du (f.) liebst sie at ohévet otam ahávtotam,

(m.)

tih’ví-otam

du (m.) liebst sie ata ohev otan ahávta-otan,

(f.)

tihóvotan

du (f.) liebst sie at ohévet otan ahávtotan,

(f.)

tih’ví-otan

er liebt mich hu ohev oti ahávtani,

jihóvni

er liebt dich (m.) hu ohev otcha ahávtat’cha,

jihóvt’cha

er liebt dich (f.) hu ohev otach ahávtatach,

jihóvtach

er liebt ihn hu ohev oto ahávtahu,

jihóvhu

er liebt sie hu ohev ota ahávtahi,

jihóvhi

er liebt uns hu ohev otánu ahávtanu,

jihóvnu

er liebt euch (m.) hu ohev etchem ahávtachem,

jihóvchem

64


er liebt euch (f.) hu ohev etchen ahávtachen,

jihóvchen

er liebt sie (m.) hu ohev otam ahávta-otam,

jihóvotam

er liebt sie (f.) hu ohev otan ahávta-otan,

jihóvotan

sie liebt mich hi ohévet oti ahávt’ni,

tihóvni

sie liebt dich (m.) hi ohévet otcha ahávt’cha,

tihóvt’cha

sie liebt dich (f.) hi ohévet otach ahávtach,

tihóvtach

sie liebt ihn hi ohévet oto ahávt’hu,

tihóvhu

sie liebt sie hi ohévet ota ahávt’hi,

tihóvhi

sie liebt uns hi ohévet otánu ahávt’nu,

tihóvnu

sie liebt euch (m.) hi ohévet etchem ahávt’chem,

tihóvchem

sie liebt euch (f.) hi ohévet etchen ahávt’chen,

tihóvchen

65


sie liebt sie (m.) hi ohévet otam ahávt’hem,

tihóvhem

sie liebt sie (f.) hi ohévet otan ahávt’hen,

tihóvhen

wir (m.) lieben anáchnu ohvim otcha ahávnut’cha,

dich (m.)

nihóvt’cha

wir (f.) lieben anáchnu ohvot otcha wie oben

dich (m.)

wir (m.) lieben anáchnu ohvim otach ahávnutach,

dich (f.)

nihóvtach

wir (f.) lieben anáchnu ohvot otach wie oben

dich (f.)

wir (m.) lieben anáchnu ohvim oto ahávnuhu,

ihn

nihóvhu

wir (f.) lieben anáchnu ohvot oto wie oben

ihn

wir (m.) lieben sie anáchnu ohvim ota ahávnuhi,

nihóvhi

wir (f.) lieben sie anáchnu ohvot ota wie oben

wir (m.) lieben anáchnu ohvim etchem ahávnuchem,

euch (m.)

nihóvchem

wir (f.) lieben anáchnu ohvot etchem wie oben

euch (m.)

66


wir (m.) lieben anáchnu ohvim etchen ahávnuchen,

euch (f.)

nihóvchen

wir (f.) lieben anáchnu ohvot etchen wie oben

euch (f.)

wir (m.) lieben anáchnu ohvim otam ahávnuhem,

sie (m.)

nihóvhem

wir (f.) lieben anáchnu ohvot otam wie oben

sie (m.)

wir (m.) lieben anáchnu ohvim otan ahávnuhen,

sie (f.)

nihóvhen

wir (f.) lieben anáchnu ohvot otan wie oben

sie (f.)

ihr (m.) liebt mich atem ohvim oti

ahavtémni,

tih’vúni

ihr (f.) liebt mich aten ohvot oti ahavténni,

tih’vúni

ihr (m.) liebt ihn atem ohvim oto ahavtémhu,

tih’vúhu

ihr (f.) liebt ihn aten ohvot oto ahavténhu,

tih’vúhu

ihr (m.) liebt sie atem ohvim ota ahavtémhi,

tih’vúhi

67


ihr (f.) liebt sie aten ohvot ota ahavténhi,

tih’vúhi

ihr (m.) liebt uns atem ohvim otánu ahavtémnu,

tih’vúnu

ihr (f.) liebt uns aten ohvot otánu ahavténnu,

tih’vúnu

ihr (m.) liebt atem ohvim otam ahavtémhem,

sie (m.)

tih’vúhem

ihr (f.) liebt aten ohvot otam ahavténhem,

sie (m.)

tih’vúhem

ihr (m.) liebt atem ohvim otan ahavtémhen,

sie (f.)

tih’vúhen

ihr (f.) liebt aten ohvot otan ahavténhen,

sie (f.)

tih’vúhen

sie (m.) lieben hem ohvim oti ahvúni,

mich

jih’vúni

sie (f.) lieben hen ohvot oti wie oben

mich

sie (m.) lieben hem ohvim otcha ahvút’cha,

dich (m.)

jih’vút’cha

sie (f.) lieben hen ohvot otcha wie oben

dich (m.)

68


sie (m.) lieben hem ohvim otach ahvútach,

dich (f.)

jih’vútach

sie (f.) lieben hen ohvot otach wie oben

dich (f.)

sie (m.) lieben hem ohvim oto ahvúhu,

ihn

jih’vúhu

sie (f.) lieben ihn hen ohvot oto wie oben

sie (m.) lieben sie hem ohvim ota

ahvúhi,

jih’vúhi

sie (f.) lieben sie hen ohvot ota wie oben

sie (m.) lieben hem ohvim otánu ahvúnu,

uns

jih’vúnu

sie (f.) lieben uns hen ohvot otánu wie oben

sie (m.) lieben hem ohvim etchem ahvúchem,

euch (m.)

jih’vúchem

sie (f.) lieben hen ohvot etchem wie oben

euch (m.)

sie (m.) lieben hem ohvim etchen ahvúchen,

euch (f.)

jih’vúchen

sie (f.) lieben hen ohvot etchen wie oben

euch (f.)

sie (m.) lieben hem ohvim otam ahvúhem,

sie (m.)

jih’vúhem

sie (f.) lieben sie (m.) hen ohvot otam wie oben

69


sie (m.) lieben hem ohvim otan ahvúhen,

sie (f.)

jih’vúhen

sie (f.) lieben sie (f.) hen otvot otan wie oben

Ein Vergleich mit dem Arabischen, das eine ähnliche Struktur

aufweist, zeigt uns, dass vor allem die Dialekte viel leichter sind,

weil dort sowohl in der Gegenwart als auch in der zweiten und

dritten Person Mehrzahl nicht zwischen männlich und weiblich

unterschieden wird. Dafür wird das im Hocharabischen umso

mehr getan, und zudem gibt es in der zweiten und dritten Person

Mehrzahl auch hier einen Dual, der aber leicht zu bilden ist.

Die Grundwörter im Nominativ sind diese, wobei ich neben

denen im Hocharabischen, die links stehen, auch die im

ägyptischen Dialekt aufführe, der heute immerhin von einem

Drittel aller Araber gesprochen wird:

ich anâ ána

du (m.) ánta ínta

du (f.) ánti ínti

er, es húwwa húwwa

sie híyya híyya

wir náHnu íHna

ihr (m.) ántum íntu

ihr (f.) ántunna íntu

ihr (Dual) ántumâ -

sie (m.) hum húmma

sie (f.) húnna húnna

sie (Dual) húmâ -

70


â = langes «a»

H = doppeltes «h», das es im Neuhebräischen nicht mehr gibt

Der obige Satz «ich liebe dich» usw., auf den ich mich hier allein

beschränke, sieht in beiden Sprachen so aus und lässt ebenfalls

grosse Unterschiede erkennen:

ich liebe dich (m.) anâ uHíbbuka ána aHíbbak

ich liebe dich (f.) anâ uHíbbuki ána aHíbbik

ich liebe ihn anâ uHíbbuhu ána aHíbbu

ich liebe sie anâ uHíbbuhâ ána aHíbbha

ich liebe euch (m.) anâ uHíbbukum ána aHíbbkum

ich liebe euch (f.) anâ uHíbbukunna wie oben

ich liebe euch (Dual) anâ uHíbbukumâ -

ich liebe sie (m.) anâ uHíbbuhum ána aHíbbhum

ich liebe sie (f.) anâ uHíbbuhunna wie oben

ich liebe sie (Dual) anâ uHíbbuhumâ -

Im Ägyptischen und auch in den anderen arabischen Dialekten

wird in der zweiten und dritten Person Mehrzahl wie oben

erwähnt also nicht zwischen männlich und weiblich

unterschieden.

Im Dativ sieht es genau gleich aus, nur wird «oti» usw. durch «li»

usw. ersetzt. Als Paradeverb dient hier «schreiben»:

ich (m.) schreibe dir (m.) ani kotev l’cha katávtil’cha,

71

echtóvl’cha


ich (f.) schreibe dir (m.) ani kotévet l’cha wie oben

ich (m.) schreibe dir (f.) ani kotev lach katávtilach,

echtóvlach

ich (f.) schreibe dir (f.) ani kotévet lach wie oben

ich (m.) schreibe ihm ani kotev lo katávtilo,

echtóvlo

ich (f.) schreibe ihm ani kotévet lo wie oben

ich (m.) schreibe ihr ani kotev la katávtila,

echtóvla

ich (f.) schreibe ihr ani kotévet la wie oben

ich (m.) schreibe uns ani kotev lánu katávtinu,

echtóvnu

ich (f.) schreibe uns ani kotévet lánu wie oben

ich (m.) schreibe euch ani kotev lachem katávtichem,

(m.)

echtóvchem

ich (f.) schreibe euch ani kotévet lachem wie oben

(m.)

ich (m.) schreibe euch ani kotev lachen katávtichen,

(f.)

echtóvchen

ich (f.) schreibe euch ani kotévet lachen wie oben

(f.)

ich (m.) schreibe ihnen ani kotev lahem katávtihem,

(m.)

echtóvhem

ich (f.) schreibe ihnen (m.) ani kotévet lahem wie oben

72


ich (m.) schreibe ihnen ani kotev lahen katávtihen,

(f.)

echtóvhen

ich (f.) schreibe ihnen ani kotévet lahen wie oben

(f.)

du (m.) schreibst mir ata kotev li katávtali,

tichtóvli

du (f.) schreibst mir at kotévet li katávt’li,

ticht’víli

du (m.) schreibst ihm ata kotev lo katávtalo,

tichtóvlo

du (f.) schreibst ihm at kotévet lo katávt’lo,

ticht’vílo

du (m.) schreibst ihr ata kotev la katávtala,

tichtóvla

du (f.) schreibst ihr at kotévet la katávt’la,

ticht’víla

du (m.) schreibst uns ata kotev lánu katávtanu,

tichtóvnu

du (f.) schreibst uns at kotévet lánu katávt’nu,

ticht’vínu

du (m.) schreibst ihnen ata kotev lahem katávtahem,

(m.)

tichtóvhem

73


du (m.) schreibst ihnen ata kotev lahen katávtahen,

(f.)

tichtóvhen

du (f.) schreibst ihnen at kotévet lahem katávt’hem,

(m.)

ticht’víhem

du (f.) schreibst ihnen at kotévet lahen katávt’hen,

(f.)

ticht’víhen

er schreibt mir hu kotev li katávli,

jichtóvli

er schreibt dir (m.) hu kotev l’cha katávl’cha,

jichtóvl’cha

er schreibt dir (f.) hu kotev lach katávlach,

jichtóvlach

er schreibt ihm hu kotev lo katávlo,

jichtóvlo

er schreibt ihr hu kotev la katávla,

jichtóvla

er schreibt uns hu kotev lánu katávnu,

jichtóvnu

er schreibt euch (m.) hu kotev lachem katávchem,

jichtóvchem

er schreibt euch (f.) hu kotev lachen katávchen,

jichtóvchen

74


er schreibt ihnen (m.) hu kotev lahem katávhem,

jichtóvhem

er schreibt ihnen (f.) hu kotev lahen katávhen,

jichtóvhen

sie schreibt mir hi kotévet li katváli,

tichtóvli

sie schreibt dir (m.) hi kotévet l’cha katvál’cha,

tichtóvl’cha

sie schreibt dir (f.) hi kotévet lach katválach,

tichtóvlach

sie schreibt ihm hi kotévet lo katválo,

tichtóvlo

sie schreibt ihr hi kotévet la katvála,

tichtóvla

sie schreibt uns hi kotévet lánu katvánu,

tichtóvnu

sie schreibt euch (m.) hi kotévet lachem katváchem,

tichtóvchem

sie schreibt euch (f.) hi kotévet lachen katváchen,

tichtóvchen

sie schreibt ihnen (m.) hi kotévet lahem katváhem,

tichtóvhem

75


sie schreibt ihnen (f.) hi kotévet lahen katváhen,

tichtóvhen

wir (m.) schreiben dir anáchnu kotvim l’cha katávnul’cha,

(m.)

nichtóvl’cha

wir (f.) schreiben dir anáchnu kotvot l’cha wie oben

(m.)

wir (m.) schreiben dir anáchnu kotvim lach katávnulach,

(f.)

nichtóvlach

wir (f.) schreiben dir anáchnu kotvot lach wie oben

(f.)

wir (m.) schreiben ihm anáchnu kotvim lo katávnulo,

nichtóvlo

wir (f.) schreiben ihm anáchnu kotvot lo wie oben

wir (m.) schreiben ihr anáchnu kotvim la katávnula,

nichtóvla

wir (f.) schreiben ihr anáchnu kotvot la wie oben

wir (m.) schreiben anáchnu kotvim lachem katávnuchem,

euch (m.)

nichtóvchem

wir (f.) schreiben anáchnu kotvot lachem wie oben

euch (m.)

wir (m.) schreiben anáchnu kotvim lachen katávnuchen,

euch (f.)

nichtóvchen

76


wir (f.) schreiben anáchnu kotvot lachen wie oben

euch (f.)

wir (m.) schreiben anáchnu kotvim lahem katávnuhem,

ihnen (m.)

nichtóvhem

wir (f.) schreiben anáchnu kotvot lahem wie oben

ihnen (m.)

wir (m.) schreiben anáchnu kotvim lahen katávnuhen,

ihnen (f.)

nichtóvhen

wir (f.) schreiben anáchnu kotvot lahen wie oben

ihnen (f.)

ihr (m.) schreibt mir atem kotvim li katavtémli,

ticht’vúli

ihr (f.) schreibt mir aten kotvot li katavténli,

ticht’vúli

ihr (m.) schreibt ihm atem kotvim lo katavtémlo,

ticht’vúlo

ihr (f.) schreibt ihm aten kotvot lo katavténlo,

ticht’vúlo

ihr (m.) schreibt ihr atem kotvim la katavtémla,

ticht’vúla

ihr (f.) schreibt ihr aten kotvot la katavténla,

ticht’vúla

77


ihr (m.) schreibt uns atem kotvim lánu katavtémnu,

ticht’vúnu

ihr (f.) schreibt uns aten kotvot lánu katavténnu,

ticht’vúnu

ihr (m.) schreibt atem kotvim lahem katavtémhem,

ihnen (m.)

ticht’vúhem

ihr (m.) schreibt atem kotvim lahen katavtémhen,

ihnen (f.)

ticht’vúhen

ihr (f.) schreibt aten kotvot lahem katavténhem,

ihnen (m.)

ticht’vúhem

ihr (f.) schreibt aten kotvot lahen katavténhen,

ihnen (f.)

ticht´vúhen

sie (m.) schreiben hem kotvim li katvúli,

mir

jicht’vúli

sie (f.) schreiben hen kotvot li wie oben

mir

sie (m.) schreiben hem kotvim l’cha katvúl’cha,

dir (m.)

jicht’vúl’cha

sie (f.) schreiben hen kotvot l’cha wie oben

dir (m.)

sie (m.) schreiben hem kotvim lach katvúlach,

dir (f.)

jicht’vúlach

78


sie (f.) schreiben hen kotvot lach wie oben

dir (f.)

sie (m.) schreiben hem kotvim lo katvúlo,

ihm

jicht’vúlo

sie (f.) schreiben hen kotvot lo wie oben

ihm

sie (m.) schreiben hem kotvim la katvúla,

ihr

jicht’vúla

sie (f.) schreiben hen kotvot la wie oben

ihr

sie (m.) schreiben hem kotvim lánu katvúnu,

uns

jicht’vúnu

sie (f.) schreiben hen kotvot lánu wie oben

uns

sie (m.) schreiben hem kotvim lachem katvúchem,

euch (m.)

jicht’vúchem

sie (f.) schreiben hen kotvot lachem wie oben

euch (m.)

sie (m.) schreiben hem kotvim lachen katvúchen,

euch (f.)

jicht’vúchen

sie (f.) schreiben hen kotvot lachen wie oben

euch (f.)

sie (m.) schreiben hem kotvim lahem katvúhem,

ihnen (m.)

jicht’vúhem

79


sie (f.) schreiben hen kotvot lahem wie oben

ihnen (m.)

sie (m.) schreiben hem kotvim lahen katvúhen,

ihnen (f.)

jicht’vúhen

sie (f.) schreiben hen kotvot lahen wie oben

ihnen (f.)

In beiden Sprachen muss also sowohl beim Akkusativ als auch

beim Dativ ganz genau darauf geschaut werden, dass man die

richtigen Endungen erwischt, damit keine Missverständnisse

aufkommen können. Wenigstens sind in den beiden

Konjugationen im Bibelhebräischen die Verbformen der dritten

Person Mehrzahl identisch, dazu auch noch jene der zweiten

Person Einzahl in der Futurzeit. Die männliche Person Einzahl

ist mit der weiblichen Person Einzahl in der Futurzeit immer

identisch, sie werden auch gleich geschrieben. Das gilt auch für

alle anderen Verben.

Im Arabischen sehen die Konjugationen von «ich schreibe dir»

usw. in der Hochsprache und im Ägyptischen so aus:

ich schreibe dir (m.) anâ áktubuka ána áktibak

ich schreibe dir (f.) anâ áktubuki ána áktibik

ich schreibe ihm anâ áktubuhu ána áktibu

ich schreibe ihr anâ áktubuhâ ána áktibha

ich schreibe uns anâ áktubunâ ána áktibna

ich schreibe euch (m.) anâ áktubukum ána áktibkum

ich schreibe euch (f.) anâ áktubukunna wie oben

80


ich schreibe euch anâ áktubukumâ -

(Dual)

ich schreibe ihnen (m.) anâ áktubuhum ána áktibhum

ich schreibe ihnen (f.) anâ áktubuhunna wie oben

ich schreibe ihnen anâ áktubuhumâ -

(Dual)

Wie gut gesehen werden kann, sind im Arabischen die

angehängten Pronomina im Dativ mit denen im Akkusativ im

Gegensatz zum Hebräischen völlig identisch.

Wer diese ganzen Verbentabellen mit Hunderten von Nuancen

gründlich anschaut, kann sicher gut verstehen, warum Elieser

Ben Jehuda, der als der hauptsächliche Erschaffer der

neuhebräischen Sprache gilt, und jene Pioniere der Alijah - der

massenhaften Einwanderung der Juden ab der zweiten Hälfte

des 19. Jahrhunderts -, die etwas zu sagen hatten, gerade in

diesem Bereich die grösste Sprachreform durchführten. Im

heutigen Staat Israel, wo nach den Worten von Leuten, die lange

dort gelebt haben, das ganze Leben schnell und

dementsprechend gestresst abläuft - nicht zuletzt auch wegen

der ständigen Kriegsgefahr und der immer wieder

vorkommenden Kämpfe, die das ganze Land und die ganze

Bevölkerung stark einspannen -, sind die jetzigen

Präsensformen viel einfacher als die beiden biblischen

Ausdrucksarten zu bewältigen, aber es muss natürlich auch hier

ganz genau hingehört werden. Trotzdem gilt auch hier: Je kürzer,

desto besser - das war ebenfalls einer der Gründe, warum das

Englische, das von allen Weltsprachen am einfachsten zu lernen

ist, als einzige in allen Kontinenten die Sprache Nummer eins

geworden ist. Mit so vielen grammatikalischen und phonetischen

81


Wendungen, wie sie das Französische, Spanische und

Portugiesische, geschweige denn das Arabische und

Chinesische aufweisen, wäre diese weltweite Verbreitung nicht

möglich gewesen.

Wenigstens hat die Aufführung auch der bibelhebräischen

Varianten einen grossen Vorteil gebracht: Da diese mit dem

heutigen Imperfekt und Futur identisch sind, ist in diesem Buch

ein gutes Stück der neuhebräischen Verbenwelt bereits

behandelt worden.

Die Possessivpronomina

(Die besitzanzeigenden Fürwörter)

Das vertiefte Eingehen auf die Personalpronomina im vorherigen

Kapitel hat neben dem Vorteil, dass schon jetzt bekannt ist, wie

das Imperfekt und Futur im Neuhebräischen aussehen, noch

einen weiteren gebracht: Die Possessivpronomina bzw. die

besitzanzeigenden Fürwörter haben im Bibelhebräischen die

gleiche Konstruktion, und auch hier sind sie im Arabischen mit

den obigen deckungsgleich.

Im Neuhebräischen werden vor allem bei den zwei- und

mehrsilbigen Wörtern meistens die Personalformen von «schel»

verwendet, aber das antike Anhängen ist vor allem bei kurzen

Wörtern immer noch oft zu höten, was das Verstehen für die

Fremdsprachigen zusätzlich erschwert.

Als Modell verwende ich hier das Wort «kol» (Stimme), das

sowohl in der Bibel viel vorkommt als auch im heutigen Israel in

den Alltagsgesprächen oft gehört werden kann. Im Gegensatz zu

«kol», das «alle» und «jeder» bedeutet, wird dieses nicht mit

einem Kaf, sondern mit einem Kof bzw. Kuf geschrieben:

82


meine Stimme ha-kol scheli koli

deine Stimme (m.) ha-kol schel’cha kol’cha

deine Stimme (f.) ha-kol schelach kolech

seine Stimme ha-kol schelo kolo

ihre Stimme ha-kol schela kola

unsere Stimme ha-kol schelánu kolénu

eure Stimme (m.) ha-kol schelachem kolchem

eure Stimme (f.) ha-kol schelachen kolchen

ihre Stimme (m.) ha-kol schelahem kolam

ihre Stimme (f.) ha-kol schelahen kolan

meine Stimmen ha-kolim scheli kolái *

deine Stimmen (m.) ha-kolim schel’cha koléicha

deine Stimmen (f.) ha-kolim schelach koléiach

seine Stimmen ha-kolim schelo koláiv

ihre Stimmen ha-kolim schela koléiha

unsere Stimmen ha-kolim schelánu koléinu

eure Stimmen (m.) ha-kolim schelachem koléichem

eure Stimmen (f.) ha-kolim schelachen koléichen

ihre Stimmen (m.) ha-kolim schelahem koléihem

ihre Stimmen (f.) ha-kolim schelahen koléihen

* Die Endung des Mehrzahlworts «kolái» ist mit der in den

Wörtern Adonai und Rabotai (meine Herren) identisch.

83


Am meisten ist der kleine Unterschied in den beiden Varianten

der ersten Person Mehrzahl zu beachten:

kolénu - koléinu

Das «é» ist das Markenzeichen für die Einzahl und das «éj» für

die Mehrzahl, zudem auch für die anderen Personen in der

Mehrzahl mit Ausnahme der dritten Person Einzahl. Das ist auch

eine Erklärung dafür, dass das häufige Bibelwort «Elohéjnu»

(unser Gott), das eine versteckte Anspielung auf die göttliche

Dreinigkeit sein könnte, mit einem «éj» geschrieben wird.

Im Zweifelsfall ist die neuhebräische Variante in der Mitte immer

die richtige, aber es ist wichtig, auch die alttestamentliche, die

noch heute manchmal gehört und gelesen werden kann,

wenigstens zu kennen.

Das Wort «kol» ist auch deshalb als Modell gut geeignet, weil

auch im Bibelhebräischen nicht genau unterschieden werden

musste, ob es im Status absolutus oder im Status constructus

stand. Anders verhlt es sich beim Wort «davar» (Wort):

mein Wort d’vari meine Worte d’varái

dein Wort (m.) d’var’cha deine Worte (m.) d’varéicha

dein Wort (f.) d’arach deine Worte (f.) d’varéiach

sein Wort d’varo seine Worte d’varáiv

ihr Wort d’vara ihre Worte d’varéiha

unser Wort d’varénu unsere Worte d’varéinu

euer Wort (m.) d’varchem eure Worte (m.) d’varéichem

euer Wort (f.) d’varchen eure Worte (f.) d’varéichen

ihr Wort (m.) d’varam ihre Worte (m.) d’varéihem

ihr Wort (f.) d’varan ihre Worte (f.) d’varéihen

84


Auch hier sind die oben erwähnten kleinen Unterschiede vor

allem in der ersten Person Mehrzahl zu beachten:

d’varénu - d’varéinu

Noch zwei weitere Beispiele, in dem auch ein weibliches Wort

vorkommt, bei dem der Status constructus wie genauso bei allen

anderen, die in der Grundform auf einem «-a» enden, durch ein

«t» gekennzeichnet wird.

suss (Hengst, Pferd)

sussa (Stute)

mein Pferd sussi meine Stute sussati

dein Pferd (m.) suss’cha deine Stute (m.) sussat’cha

dein Pferd (f.) sussach deine Stute (f.) sussatach

sein Pferd susso seine Stute sussato

ihr Pferd sussa ihre Stute sussata

unser Pferd sussénu unsere Stute sussaténu

euer Pferd (m.) suss’chem eure Stute (m.) sussatchem

euer Pferd (f.) suss’chen eure Stute (f.) sussatchen

ihr Pferd (m.) sussam ihre Stute (m.) sussatam

ihr Pferd (m.) sussan ihre Stute (f.) sussatan

meine Pferde sussái meine Stuten sussotái

deine Pferde (m.) susséicha deine Stuten (m.) sussotéicha

deine Pferde (f.) susséiach deine Stuten (f.) sussotéiach

seine Pferde sussáin seine Stuten sussotáiv

ihre Pferde susséia ihre Stuten sussotéiha

unsere Pferde susséinu unsere Stuten sussotéinu

85


eure Pferde (m.) susséichem eure Stuten (f.) sussotéichem

eure Pferde (f.) susséichen eure Stuten (m.) sussotéichen

ihre Pferde (m.) susséihem ihre Stuten (m.) sussotéihem

ihre Pferde (f.) susséihen ihre Stuten (f.) sussotéihen

Noch ein Musterbeispiel für ein Wort, das nur in der Einzahl

vorkommt, und im Neuhebräischen viel mehr verwendet wird als

in der Sprache des Altertums:

ahava = Liebe

meine Liebe ha-ahava scheli ahavati

deine Liebe (m.) ha-ahava schel’cha ahavatcha

deine Liebe (f.) ha-ahava schelach ahavatach

seine Liebe ha-ahava schelo ahavato

ihre Liebe ha-ahava schela ahavata

unsere Liebe ha-ahava schelánu ahavaténu

eure Liebe (m.) ha-ahava schelachem ahavat’chem

eure Liebe (f.) ha-ahava schelachen ahavat’chen

ihre Liebe (m.) ha-ahava schelahem ahavat’hem

ihre Liebe (f.) ha-ahava schelahen ahavat’hen

Da hier der bestimmte Artikel direkt vor einem «a» steht, kann

auch «he-« ausgesprochen werden. In der Schriftsprache spielt

das wie oben erwähnt keine grosse Rolle, weil beide Varianten

gleich aussehen, wenn keine Vokalzeichen geschrieben werden.

Auch bei den Possessivpronomina muss das Akkusativwort «et»

immer mitverwendet werden, und gerade auch hier können wir

86


gut sehen, wie stark sich die beiden hebräischen Varianten

manchmal unterscheiden:

DE: Gott gab der Welt seine grosse Liebe.

AH: Datan Elohim la-olam et ahavato et-g’dola.

Elohim datan la-olam et ahavato et-g’dola.

NH: Elohim datan la-olam et ha-ahava ha-g’dola schelo.

Da «scheli» usw. im Neuhebräischen auch die Funktion eines

Genitivs erfüllt, kommen auch solche Sätze vor:

Wessen Buch ist das?

Schel mi ha-sséfer ha-se? Se scheli.

Das/es ist meines. Nein, seines.

Lo, (se) schelo.

Sein und Haben

Da das Hebräische wie bisher gesehen ganz anders aufgebaut

ist als die bekannten europäischen Sprachen, die von den

meisten gelernt werden, halte ich es erst jetzt für sinnvoll, näher

in die Verbenwelt einzutauchen, die wir in Verbindung mit den

vielen möglichen Kombinationen von Personalpronomina bereits

ein wenig kennen gelernt haben.

Wie schon weiter oben gesehen werden kann, gibt es im

Hebräischen im Präsens bzw. in der Gegenwart keine eigene

Konjugation von «sein». Allerdings kommt sie im Sinn von «da

sein» trotzdem vor, aber nur in den beiden dritten Personen,

indem die Personalsuffixe mit «jesch» verbunden werden:

jéschno er ist da ába jéschno = Vater ist da

87


jéschna sie ist da ima jéschna = Mutter ist da

jéschnam sie (m.) sind da ha-horim scheli jéschnam =

jéschnan sie (f.) sind da meine Eltern sind da

Für «haben» gibt es in der Gegenwart ebenfalls keine eigene

Konjugation. Diese wird mit der Formel «jesch +

Personalpronomen im Dativ» im Sinn von «bei mir ist» usw.

umschrieben:

ich habe

du (m.) hast

du (f.) hast

er/es hat

sie hat

wir haben

ihr (m.) habt

ihr (f.) habt

sie (m.) haben

sie (f.) haben

jesch li

jesch l’cha

jesch lach

jesch lo

jesch la

jesch lánu

jesch lachem

jesch lachen

jesch lahem

jesch lahen

Bei einer Verneinung wird sowohl für «sein» als auch für

«haben» eine Konstruktion verwendet, die für jede einzelne

Person etwas anders aussieht und von den bekannten Sprachen

am meisten an die keltischen sowie ans Finnische und Samische

bzw. Lappische erinnert, wo ähnlich verneint wird.

So sieht die personalisierte «Deklination» im Finnischen aus, das

hier etwas einfacher ist, weil es nicht so wie das Samische in der

Mehrzahl noch sechs Dualformen kennt:

88


ich bin nicht usw. = en ole, et ole, ei ole, emme ole, ette ole,

eivät ole

Im Hebräischen ist es sogar noch einfacher, weil das

Personalpronomen bei «sein» in der entsprechenden Verbform

selber schon eingepackt wird. In den beiden dritten Personen

kann der Sinn von «nicht da sein», dessen bejahte Variante ich

oben schon aufgeführt habe, ebenfalls ausgedrückt werden:

ich bin nicht

du (m.) bist nicht

du (f.) bist nicht

er/es ist nicht (da)

sie ist nicht (da)

wir sind nicht

ihr (m.) seid nicht

ihr (f.) seid nicht

sie (m.) sind nicht (da)

sie (f.I sind nicht (da)

éini, éinei, einéni

éincha

éinech

éino, éinenu

éina, éinena

éinenu, einénu

éinchem

éinchen

éinam

éinan

Das gilt aber nicht für «haben», wo nur «éjn» zusammen mit dem

Dativpronomen verwendet wird:

ich habe nicht

du (m.) hast nicht

du (f.) hast nicht

er/es hat nicht

sie hat nicht

éin li

éin l’cha

éin lach

éin lo

éin la

89


wir haben nicht

ihr (m.) habt nicht

ihr (f.) habt nicht

sie (m.) haben nicht

sie (f.) haben nicht

éin lánu

éin lachem

éin lachen

éin lahem

éin lahen

In der Konjugation von «nicht sein» fällt auf, dass der Hauptvokal

in der zweiten Person Einzahl sowie in der ersten und zweiten

Person Mehrzahl nicht ein «a» ist, sondern ein «e»:

éinech, éinenu, einénu, éinchem, éinchen

Zudem verschiebt sich die Betonung auf den vordersten Vokal,

nur bei «ejnéni» habe ich schon alle drei Varianten gehört.

Bei «sein» richten sich die Adjektive weiter nach dem

Geschlecht:

du (m.) bist nicht gut

du (f.) bist nicht gut

sie (m.) sind nicht gut

sie (f.) sind nicht gut

éincha tov

éinech tova

éinam tovim

éinan tovot

In der Umgangssprache kann anstelle dieser Personalendungen

oft auch nur «lo» gehört werden, was in der Schriftsprache aber

immer noch als nicht korrekt gilt; so kommen diese Ausdrücke in

der Bibel überhaupt nicht vor.

Die obigen Beispiele lauten so:

ata lo tov, at lo tova - hem lo tovim, hen lo tovot

90


Das Wort «éjn», das bei «haben» auch in der Umgangssprache

nie ersetzt wird, ist in der Einzahl und Mehrzahl identisch:

ich habe kein Kind

ich habe keine Kinder

éin li jéled

éin li jeladim

In der Vergangenheit und in der Zukunft gibt es auch für «sein»

eigene Konjugationen. Es sind die gleichen wie in der Bibel:

ich war

du (m.) warst

du (f.) warst

er/es war

sie war

wir waren

ihr (m.) wart

ihr (f.) wart

sie waren

hajíti

hajíta

hajit

haja

hajta

hajínu

hajítem

hajíten

haju (m.+f.)

ich werde sein ehje

du (m.) wirst sein tihje (t’hije) *

du (f.) wirst sein tihi (t’hiji)

er/es wird sein jihje (jehje)

sie wird sein tihje (t’hije) *

wir werden sein nihje

ihr werdet sein tihju (m.+f.)

sie werden sein jihju (m.+f.)

91


* Die Varianten in Klammern gelten als solche im gehobenen Stil.

Bei «haben» wird in beiden Zeiten die gleiche Konjugation wie

bei «sein» verwendet. Allerdings richten sich die nachfolgenden

Wörter nach den entsprechenden Personen in der Einzahl und

Mehrzahl:

ich hatte

ich werde haben

haja li

jihje li

Aber: ich hatte viel Arbeit = hajíta li harbe avoda

(avoda = weiblich, deshalb hajíta)

wir werden Kinder haben = jihju lánu jeladim

(jeladim = Merzahl, also jihju)

Im Gegensatz zur Gegenwart ist die Verneinung in diesen beiden

Zeiten kinderleicht, weil einfach nur ein «lo» vorangestellt wird,

und hier ist es immer korrekt:

ich war nicht

ich werde nicht sein

ich hatte nicht

ich werde nicht haben

lo hajíti

lo ehje

lo haja li

lo jihje li

Aber: ich hatte keine Arbeit = lo hajíta li avoda

ich hatte nicht viel Arbeit = lo hajíta li harbe avoda

wir werden keine Kinder haben = lo jihju lánu jeladim

92


Im Gegensatz zu vielen anderen Sprachen gibt es im

Hebräischen für «sein» und «haben» nur diese drei Zeiten, also

zum Beispiel keine Konditional- und Konjunktivformen.

Die übrigen Verben

Jetzt kommen wir zum eigentlichen Herzstück des Hebräischen.

Was wir bisher gesehen haben, war zwar auch schon viel, aber

nur ein kleiner Teil dessen, was die Verbenwelt zu bieten hat.

Was das Hebräische genauso wie das Arabische und die

anderen semitischen Sprachen von den uns bekannten

westlichen Sprachen unterscheidet, ist die Tatsache, dass die

Verben mit vielen Substantiven verwoben sind.

Fast alle Verben - zu den Ausnahmen gehören die oben

aufgeführten Konjugationen von «haben» und «sein» - haben ein

Gerüst mit drei Konsonanten, auf dem viele andere Wörter

gebaut sind, die ähnliche, aber eben andere Bedeutungen

haben.

Als Paradeverb verwende ich in diesem Buch die Wortvarianten

von «schreiben», die auch in allen anderen Lehrbüchern

zuvorderst stehen.

Das Gerüst ist dieses: K - T - V

Das bezieht sich auf das Wort «katav», die dritte Person Einzahl

(er schrieb, er hat geschrieben, er hatte geschrieben).

Sowohl im Hebräischen als auch im Arabischen und in den

anderen semitischen Sprachen werden alle Verben in der

männlichen Vergangenheitsform der dritten Person Einzahl

aufgeführt. Sie stehen also anstelle der Infinitive, wie die

Grundformen der Verben in der Fachsprache genannt werden,

93


aber es gibt auch im Hebräischen Infinitive, die allerdings anders

funktionieren als in den uns bekannten westlichen Sprachen.

Zudem kann schon hier gesehen werden, dass es zumindest für

unsere Denkweise, die im Hebräischen Kal oder Pa’al genannt

wird - weiter unten werde ich noch näher darauf eingehen -, nur

eine einzige Vergangenheitsform gibt. Es wird also nicht

zwischen Imperfekt, Perfekt und Plusquamperfekt

unterschieden, so dass es logisch ist, dass auch das fehlt, was

wir im Französischen als Passé simple, im Italienischen als

Passato remoto oder im Spanischen als Pasado definido

kennen. Zudem gibt es formal auch keinen Konditional und

keinen Konjunktiv; diese beiden werden durch das Präsens und

Imperfekt gebildet, wobei in bejahten Sätzen «lu» und in

verneinten «lulé» ganz vorn stehen, wie wir weiter unten noch

sehen werden.

Das Gerüst für «katav» (er schrieb) ist also K -T- V.

Rund herum sind ähnlich einem Christbaum, wo sich Kugeln und

Schokoladenstücke anhängen lassen, bis zu zehn Wörter oder

sogar noch mehr möglich, die sich davon ableiten lassen:

katav

kotev

kotévet

echtov

jichtov

tichtov

nichtov

lichtov

ticht’vu

(er) schrieb

(er) schreibt

(sie) schreibt

ich werde schreiben

(er) wird schreiben

du (m.) wirst schreiben

sie wird schreiben

wir werden schreiben

schreiben (Infinitiv)

ihr werdet schreiben

94


jicht’vu

k’tav

k’tovet

katava

michtav

hitkatvut

sie werden schreiben

Schrift

Adresse, Anschrift

Artikel

Brief

Briefwechsel

Die Konjugationen in den drei Grundzeiten, die ich im obigen

Kapitel vorgestellt habe, sehen bei «schreiben» so aus:

ich (m.) schreibe

ich (f.) schreibe

du (m.) schreibst

du (f.) schreibst

er/es schreibt

sie schreibt

wir (m.) schreiben

wir (f.) schreiben

ihr (m.) schreibt

ihr (f.) schreibt

sie (m.) schreiben

sie (f.) schreiben

ani kotev

ani kotévet

ata kotev

at kotévet

hu kotev

hi kotévet

anáchnu kotvim

anáchnu kotvot

atem kotvim

aten kotvot

hem kotvim

hen kotvot

ich schrieb

du (m.) schriebst

du (f.) schriebst

katávti

katávta

katavt

95


er/es schrieb

sie schrieb

wir schrieben

ihr (m.) schriebet

ihr (f.) schriebet

sie schrieben

katav

katva

katávnu

katávtem

katávten

katvu (m.+f.)

ich werde schreiben

du (m.) wirst schreiben

du (f.) wirst schreiben

er/es wird schreiben

sie wird schreiben

wir werden schreiben

ihr werdet schreiben

sie werden schreiben

echtov

tichtov

ticht’vi

jichtov

tichtov

nichtov

ticht’vu (m.+f.)

jicht’vu (m.+f.)

Da ich schon oben gezeigt habe, wie diese Verbformen mit den

Personalpronomina verbunden werden, und zudem gerade das

Verb «schreiben» verwendet habe, gehe ich jetzt nicht nochmals

näher darauf ein.

Ein weiteres Wortgerüst ist dieses:

L - M – D

lamad (er) lernte

lomed (er) lernt

96


lomédet

m’lamed

elmad

jilmad

tilmad

nilmad

lilmod

limud

limudim

talmud

m’lumad

talmid

talmida

(sie) lernt

er lehrt

ich werde lernen

er wird lernen

sie wird lernen

wir werden lernen

lernen, studieren

(das) Lernen

Studium

Lehre, Talmud

Gelehrter

Schüler

Schülerin

Die Konjugationen in den drei Grundzeiten sehen bei «lernen»

so aus:

Präsens: Imperfekt: Futur:

ani lomed (m.) lamád’ti elmad

ani lomédet (f.) (m.+f.) (m.+f.)

ata lomed (m.) lamád’ta (m.) tilmad (m.)

at lomédet (f.) lamád’t (f.) tilm’di (f.)

hu lomed lamad (m.) jilmad (m.)

hi lomédet lamda (f.) tilmad (f.)

anáchnu lomdim (m.) lamádnu nilmad

anáchnu lomdot (f.) (m.+f.) (m.+f.)

97


atem lomdim (m.) lamad’tem (m.) tilm’du

aten lomdot (f.) lamad’ten (f.) (m.+f.)

hem lomdim (m.) lamdu jilm’du

hen lomdot (f.) (m.+f.) (m.+f.)

Nach diesem Schema werden auch alle anderen Verben

gebildet, die so wie «schreiben» und «lernen» zur gleichen

Gruppe gehören. Es gibt jedoch nicht weniger als sieben

verschiedene Gruppen, die in ein paar Lehrbüchern - aber nicht

in allen - als Konjugationen bezeichnet werden, aber nicht mit

denen in den bekannten westlichen Sprachen verglichen werden

können, und sich in den Wortstämmen deutlich unterscheiden,

aber fast alle gehören der ersten und zweiten Konjugation an.

Das Präsens (Die Gegenwart)

Die erste Konjugation (Pa’al)

Die Kennzeichen dieser Konjugation sind bei fast allen Verben

die beiden Vokale «a» in der dritten Person Einzahl der

Vergangenheit, wie wir das oben bei «katav» und «lamad»

gesehen haben. Deshalb wird die Konjugation in der

Fachsprache «Pa’al» genannt, aber ich habe auch schon Kal und

Qal so geschrieben angetroffen. Alle Verben, die dieser

Konjugation angehören, drücken eine aktive Handlung aus.

Das Gerüst sieht wie oben bei «schreiben» bei den meisten,

aber eben nicht bei allen, so aus:

männlich: Konsonant - o - Konsonant - ev, el, en

98


weiblich: Konsonant - o - Konsonant - évet, élet, énet

Zu dieser Konjugation gehören die meisten Verben, von denen

die häufigsten diese sind:

achal ass halach ging

ahav liebte jaschan schlief

amad stand katav schrieb

amar sagte lamad lernte

asav verliess machar verkaufte

avad arbeitete natan gab

chasar kehrte zurück patach öffnete

chaschav dachte schatav wusch

Obwohl ich die Verbformen von «ahav» und «katav» weiter oben

im Zusammenhang mit den Pronomina bereits in alle

Einzelheiten zerlegt habe, führe ich sie hier in Kurzform

zusammen mit «lamad» und den anderen regelmässigen

Konjugationen, die ich hier berücksichtige, noch einmal auf:

achal (ass) ochel (m.), ochlim (m.),

ochélet (f.)

ochlot (f.)

ahav (liebte) ohev, ohévet ohvim, ohvot

amad (stand) omed, omédet omdim, omdot

amar (sagte) omer, oméret omrim, omrot

asav (verliess) osev, osévet osvim, osvot

avad (arbeitete) oved, ovédet ovdim, ovdot

99


chasar (kehrte choser, choséret chosrim, chosrot

zurück)

chaschav choschev, choschvim,

(dachte) choschévet choschvot

halach (ging) holech, holéchet holchim, holchot

jaschan (schlief) joschen, joschénet joschnim, joschnot

katav (schrieb) kotev, kotévet kotvim, kotvot

lamad (lernte) lomed, lomédet lomdim, lomdot

machar mocher, mochéret mochrim, mochrot

(verkaufte)

natan (gab) noten, noténet notim, notot

patach (öffnete) potech, potéchet potchim, potchot

schatach (wusch) schotech,

schotchim, schotchot

schotéchet

All diese Verben haben gemeinsam, dass in der Mehrzahl das

zweite «a» wegfällt.

Bis hierher ist es noch einfach, aber es gibt schon in der ersten

Konjugation bei denen, die im Stammwort auf einem Vokal

enden, in der Einzahl unregelmässige Konjugationen, während

sie in der Mehrzahl regelmässig sind:

kana (kaufte) kone (m.), kona (f.) konim (m.), konot (f.)

kara (lesen) kore, koret * kor’im, kor’ot

lasa (legen, sam, sama samim, samot

stellen)

100


ra’a (sah) ro’e, ro’a ro’im, ro’ot

scha’al (fragte) scho’el, scho’élet scho’alim, scho’alot

schara (sang) schire, schira schirim, schirot

schata (trank) schote, schota schotim, schotot

* Vorsicht: Die weibliche Form ist in der Einzahl nicht «kora»,

sondern «korét». Zudem hat dieses Verb zwei Funktionen:

Ani kore iton.

Ani kore et ha-iton.

Aber: Ani kore l’Dália.

Anáchnu korim la Dália.

Ich lese eine Zeitung.

Ich lese die Zeitung.

Ich rufe Daliah.

Wir nennen sie Daliah.

Für «lesen» wird also der Akkusativ und für «nennen» und

«rufen» der Dativ verwendet.

Bei diesen beiden Verben ist sogar alles unregelmässig:

jada (wusste) jodé’a (m.), jod’im (m.),

jodá’at (f.)

jod’ot (f.)

lakach (nahm) loké’ach (m.), lokchim (m.),

lokáchat (f.) lokchot (f.) *

Die Verbformen von «wissen» bedeuten auch «können», wenn

von Sprachkenntnissen die Rede ist:

Ani jodé’a ivrit ve germanit. - Ich kann Hebräisch und Deutsch.

* Das «ch» wird im münlichen Gebrauch und erst recht in einem

schnellen Gespräch nicht ausgesprochen.

Dazu kommen noch zwei Verben, die in der Grundform einsilbig

101


sind und zur ersten Konjugation gezählt werden:

ba (kam) ba (m.), ba’a (f.) ba’im (m.), ba’ot (f.)

gar (wohnte) gar (m.), gara (f.) garim (m.), garot (f.)

Die dritte Person Einzahl, dessen männliche Variante auch hier

als Grundform des Verbs gilt, ist in der Gegenwart und

Vergangenheit identisch. Meistens kann nur mit Hilfe eines

Zeitworts erkannt werden, welche Zeit gemeint ist:

Er kommt heute.

Sie kommt heute.

Er kommt morgen.

Sie kommt morgen.

Er ist gestern angekommen.

Sie ist gestern angekommen.

Hu ba ha-jom.

Hi ba’a ha-jom.

Hu ba machar.

Hi ba’a machar.

Hu ba etmol.

Hi ba’a etmol.

Ähnlich wie in den romanischen Sprachen ist für den zweiten

Beispielsatz streng genommen nur die Zukunftsform, auf die ich

weiter unten auch noch eingehe, wirklich korrekt, aber auch hier

hält sich die Umgangssprache nicht immer an die feine

Grammatik. Das Futur kommt zwar auch in der heutigen

Schriftsprache vor, aber nicht so häufig wie in der Bibel. Wie wir

gesehen haben, ist diese Zeit eine der beiden Varianten, mit der

die Gegenwart ausgedrückt wurde:

ich liebe dich = ani ahávtach, ani ehóvtach (Mann zur Frau)

ani ahávtcha, ani ehóvtcha (Frau zum Mann)

Wie oben erwähnt wird für «man» nur die männliche

Mehrzahlform verwendet:

102


man sagt = omrim

man trinkt hier viel = schotim harbe po

Die zweite Konjugation (Pi’el)

Die Kennzeichen dieser Konjugation sind bei fast allen Verben

die beiden Vokale «i» und «e» in der dritten Person Einzahl der

Vergangenheit; deshalb wird die Konjugation in der Fachsprache

«Pi’el» genannt. Während die Verben dieser Konjugation im

Bibelhebräischen als solche gelten, die eine besonders intensive

Handlung ausdrücken - weiter unten werde ich auf diese

entscheidenden feinen Unterschiede noch näher eingehen -,

drücken sie im Neuhebräischen wie in der ersten Konjugation

eine gewöhnliche Handlung aus.

Das Gerüst sieht hier so aus:

männlich: Konsonant - i - Konsonant - e, er, en

weiblich : Konsonant - i - Konsonant - éret, énet

Zu dieser Konjugation gehören diese Verben:

bikel bekommen, empfangen, erhalten

biker besuchte hismin lud ein

chika wartete hissbir erklärte

diber sprach nischek küsste

her’a zeigte tiken reparierte

hevi brachte tsilem fotografierte

Das Präsens wird dadurch gebildet, dass vorn «m’-« angehängt

wird und der vorderste Vokal sich zu einem «a» verändert, und

103


die Mehrzahlformen werden auch hier dadurch gebildet, dass der

zweite Vokal der Grundform wegfällt und die zwei Endungen «-

im» und «-ot» an die Wortwurzel gehängt werden:

bikel (bekam)

biker (besuchte)

diber (sprach)

tiken (reparierte)

m’bakel, m’bakélet - m’baklim, m’baklot

m’baker, m’bakéret - m’bakrim, m’bakrot

m’daber, m’dabéret - m’dabrim, m’dabrot

m’taken, m’takénet - m’taknim, m’taknot

tsilem (fotografierte) m’tsalem, m’tsalémet - m’tsalim, m’tsalot

Auch in dieser Konjugation sind nicht alle Verben regelmässig:

chika (wartete)

m’chake, m’chaka - m’chakim, m’chakot

* Das Verb «biker» (besuchte) hat ähnlich wie «kara» (las -

nannte, rief) in der ersten Konjugation zwei verschiedene

Funktionen, doch der Unterschied liegt nicht in »le», sondern in

«b’» und «ba» sowie «étsel»:

Wir besuchen Israel.

Wir besuchen die Stadt.

Wir besuchen Daliah.

Wir besuchen die Eltern.

Anáchnu m’bakrim b’Jíssra’el.

Anáchnu m’bakrim ba-ir.

Anáchnu m’bakrim étsel Dália.

Anáchnu m’bakrim étsel

ha-horim.

Bei Orten und Gebäuden benützt man also «b’» und «ba»,

während bei Personen - ob mit Eigennamen oder nicht - immer

«étsel» (bei) zum Zug kommt. Auch dieses Wort verändert sich,

wenn es mit einem Personalpronomen verbunden wird, wie wir

weiter unten noch sehen werden.

104


Die dritte Konjugation (Hif’il)

Die Kennzeichen dieser Konjugation, die deutlich weniger

vorkommt als die erste und zweite, sind die beiden Vokale «i» in

der dritten Person Einzahl der Vergangenheit; deshalb wird die

Konjugation in der Fachsprache «Hif’il» genannt. Sie wird vor

allem im Sinn von «beginnen» und «veranlassen» sowie

«machen lassen» verwendet.

hitchil (begann) matchil (m.), matchilim (m.),

matchila (f.)

matchilot (f.)

Zu dieser Konjugation gehört auch das Verb «verstehen»,

obwohl die beiden Vokale in der dritten Person Einzahl

derVergangenheit anders lauten: e – i

hévin (verstand) mévin (m.), m’vinim (m.),

m’vina (f.)

m’vinot (f.)

Die vierte Konjugation (Hitpa’el)

Die Kennzeichen dieser Konjugation, die für reflexive bzw.

rückbezügliche Handlungen verwendet wird, sind die beiden

Vokale «a» und «e» in der dritten Person Einzahl der

Vergangenheit; deshalb wird die Konjugation in der Fachsprache

«Hitpa’el» genannt.

hitlabesch mitlabesch (m.), mitlabschim (m.),

(zog sich an) mitlabéschet (f.) mitlabschot (f.)

105


Die fünfte Konjugation (Nif’al)

Die Kennzeichen dieser Konjugation sind der Laut «ni-« und der

Vokal «a» in der dritten Person Einzahl der Vergangenheit;

deshalb wird die Konjugation in der Fachsprache «Nif’al»

genannt. Sie ist das passive Gegenstück zur ersten Konjugation:

nichtav nichtav (m.), nichtavim (m.),

(wird/wurde nichtévet (f.) nichtavot (f.)

geschrieben)

nischmar nischmar (m.), nischmarim (m.),

(wird/wurde nischméret (f.) nischmarot (f.)

behütet)

Die beiden dritten Personen sind in der Gegenwart und in der

Vergangenheit identisch.

Zu dieser Konjugation werden auch diese beiden Verben

gezählt:

motse (er findet)

pogesch (er trifft,

er begegnet)

nimtsa (er befindet sich)

nifgasch (er trifft sich mit …)

Die Verbformen für «betreten» und «eintreten» gehören

ebenfalls zu dieser Konjugation, obwohl sie eine aktive

Bedeutung haben:

nichnas (m.), nichnéset (f.) - nichnasim (m.), nichnasot (f.)

106


Die sechste Konjugation (Pu’al)

Die Kennzeichen dieser Konjugation sind die Vokale «u» und

«a» in der dritten Person Einzahl der Vergangenheit; deshalb

wird diese Konjugation in der Fachsprache «Pu’al» genannt. Sie

ist das passive Gegenstück zur zweiten Konjugation, kommt aber

nur selten vor. Im Gegensatz zu den anderen Konjugationen gibt

es keine Präsensformen, also nur solche des Imperfekts:

hu m’daber (er sprach)

hu m’kabel (er bekam)

hu m’lamed (er lehrte)

hu m’sader (er ordnete)

m’dubar (besprochen, vereinbart)

m’kubal (akzeptiert, üblich)

m’lumad (gelehrt, weise)

m’sudar (geordnet, ordentlich)

Da in dieser Konjugation im Gegensatz zu den anderen bisher

vorgestellten keine eigenen Präsensformen vorkommen und es

auf den ersten Blick nur Partizipien in Form von Adjektiven zu

geben scheint, empfiehlt es sich für die Fremdsprachigen nicht,

hier tiefer einzusteigen, aber es ist wichtig, von der Existenz

dieser besonderen Konjugation wenigstens zu wissen.

Die siebte Konjugation (Huf’al bzw. Hof’al)

Die Kennzeichen dieser Konjugation sind genauso wie in der

sechsten die Vokale «u» und «a» in der dritten Person Einzahl

der Vergangenheit; deshalb wird die Konjugation in der

Fachsprache «Huf’al» oder «Hof’al» genannt. Sie ist das passive

Gegenstück zur dritten Konjugation und kennt wie die sechste

keine eigenen Präsensformen:

hu masmin = er lädt ein (dritte Konjugation)

107


Die Partizipien für «eingeladen» sind in der siebten Konjugation

diese:

musman (m.),

musménet (f.)

musmanim (m.),

musmanot (f.)

Die Verneinung im Präsens

In einem verneinten Satz wird die Verwendung von «lo» heute

nicht mehr als so falsch wie in der Vergangenheit gesehen, aber

die «gehobenere» Variante mit «éjn» usw. ist immer noch

korrekter. Deshalb kommt in der offiziellen Schriftsprache fast

nur diese vor, aber «lo» wird in vielen Privatbriefen natürlich

immer noch geschrieben.

Als Paradebeispiel verwende ich auch hier wieder die Verben

«lieben» und «schreiben», die ich schon weiter oben bei der

Behandung der Personal- und Possessivpronomina in alle

Einzelteile zerlegt habe.

ich (m.) liebe nicht

ani ejnéni ohev, ani lo ohev

ich (m.) schreibe nicht

ani éjn kotev, ani lo kotev

ich (f.) liebe nicht

ich (f.) schreibe nicht

ani ejnéni ohev, * ani ejnéni kotev, *

ani lo ohévet

ani lo kotévet

du (m.) liebst nicht

ata éjncha ohev,

ata lo ohev

du (m.) schreibst nicht

ata éjncha kotev,

ata lo kotev

108


du (f.) liebst nicht

at éjnech ohev, at lo ohévet

du (f.) schreibst nicht

at éjnech kotev, at lo kotévet

er liebt nicht

hu éjno ohev, hu lo ohev

er schreibt nicht

hu éjno kotev, hu lo kotev

sie liebt nicht

hi éjna ohev, hi lo ohévet

sie schreibt nicht

hi éjna kotev, hi lo kotévet

wir (m.) lieben nicht

anáchnu éjnenu ohev,

anáchnu lo ohvim

wir (m.) schreiben nicht

anáchnu éjnenu kotev,

anáchnu lo kotvim

wir (f.) lieben nicht

wir (f.) schreiben nicht

anáchnu éjnenu ohev, * anáchnu éjnenu kotev, *

anáchnu lo ohvot

anáchnu lo kotvot

ihr (m.) liebt nicht

atem éjnchem ohev,

atem lo ohvim

ihr (m.) schreibt nicht

atem éjnchem kotev,

atem lo kotvim

ihr (f.) liebt nicht

aten éjnchen ohev,

aten lo ohvot

ihr (f.) schreibt nicht

aten éjnchen kotev,

aten lo kotvot

109


sie (m.) lieben nicht

hem éjnam ohev,

hem lo ohvim

sie (m.) schreiben nicht

hem éjnam kotev,

hem lo kotvim

sie (f.) lieben nicht

hen éjnan ohev,

hen lo ohvot

sie (f.) schreiben nicht

hen éjnan kotev,

hen lo kotvot

* Da das Präsens im Neuhebräischen bei «éjn» usw. nur die

männlichen Varianten verwendet (ohev, kotev) und es für die

beiden ersten Personen nur «ani» und «anáchnu» gibt, sind die

weiblichen Varianten hier mit den männlichen identisch.

Die auch im Hebräischen viel vorkommenden Wörter «nichts»

und «nie» usw. werden so verwendet:

Was machst du jetzt? - Nichts. - Jetzt mache ich nichts.

Ma ata ose achschav? - Lo k’lum. - Achschach ani lo ose k’lum.

Wann schreibst du dieses Buch? - Nie.

Matáj ata kotev et ha-sséfer ha-se? - Af pa’am.

Ich schreibe das nie. - Ani lo kotev et ha-se af pa’am.

Ich habe bis heute noch nie gestohlen.

Ani lo ganávti od af pa’am ad ha-jom.

110


Kommt er jetzt? - Noch nicht. - Wann denn? - Vielleicht nie.

Hu ba achschach? - Od lo. - Matáj biglal? - Uláj af pa’am.

Anstelle von «od» kann auch «adájin» verwendet werden, das

aber nicht so wie die Dual-Wörter verkürzt «adáin»

ausgesprochen wird, und das Gleiche gilt auch für «ki» bei

«biglal».

Das Imperfekt (Die Vergangenheit)

Wie oben schon erwähnt ist das hebräische Imperfekt formal mit

den beiden Zeiten identisch, die wir in den meisten westlichen

Sprachen als Perfekt (Vorgegenwart) und Plusquamperfekt

(Vorvergangenheit) kennen. Zudem kann es auch für den

Konditional und Konjunktiv verwendet werden, wie wir weiter

unten noch sehen werden.

Das Imperfekt unterscheidet sich im Neuhebräischen im

Vergleich zum Bibelhebräischen nur dadurch, dass in der

Umgangssprache das Personalpronomen (ani, ata, at usw.)

häufig mitverwendet wird, aber nicht in der Schriftsprache.

Das Imperfekt sieht in der ersten Konjugation bei den häufigsten

Verben, die ich in diesem Buch berücksichtige, so aus:

ich arbeitete ich ass ich dachte

usw. usw. usw.

avadáti achálti chaschávti

avadáta (m.) achálta (m.) chaschávta (m.)

avadat (f.) achalt (f.) chaschavt (f.)

avad (m.) achal (m.) chaschav (m.)

111


avda (f.) achla (f.) chaschva (f.)

avádnu achálnu chaschávnu

avadatem (m.) achaltem (m.) chaschavtem (m.)

avadaten (f.) achalten (f.) chaschavten (f.)

avdu (m.+f.) achlu (m.+f.) chaschvu (m.+f.

ich gab ich ging ich half

usw. usw. usw.

natánti haláchti asárti

natánta (m.) haláchta (m.) asárta (m.)

natant (f.) halacht (f.) asart (f.)

natan (m.) halach (m.) asar (m.)

natna (f.) halcha (f.) asra (f.)

natánnu haláchnu asárnu

natantem (m.) halachtem (m.) asartem (m.)

natanten (f.) halachten (f.) asarten (f.)

natnu (m.+f.) halchu (m.+f.) asru (m.+f.)

ich kaufte ich kehrte zurück ich las

usw. usw. usw.

kaníti chaschárti karáti

kaníta (m.) chaschárta (m.) karáta (m.)

kanit (f.) chaschart (f.) karat (f.)

kana (m.) chaschar (m.) kara (m.)

112


kanta (f.) chaschra (f.) karta (f.)

kanínu chaschárnu karátnu

kanitem (m.) chaschartem (m.) karavtem (m.)

kaniten (f.) chascharten (f.) karavten (f.)

kanu (m.+f.) chaschru (m.+f.) karu (m.+f.)

ich lernte ich liebte ich nahm

usw. usw. usw.

l’madáti ahávti lakáchti

l’madáta (m.) ahávta (m.) lakáchta (m.)

l’madat (f.) ahavt (f.) lakacht (f.)

lamad (m.) ahav (m.) lakach (m.)

lamda (f,) ahva (f.) lak’cha (f.)

l’madánu ahávnu lakáchnu

l’madatem (m.) ahavtem (m.) lakachtem (m.)

l’madaten (f.) ahavten (f.) lakachten (f.)

lamdu (m.+f.) ahvu (m.+f.) lak’chu (m.+f.)

ich schlief ich schrieb ich stand

usw. usw. usw.

jaschánti katávti amadáti

jaschánta (m.) katávta (m.) amadáta (m.)

jaschant (f.) katavt (f.) amadát (f.)

jaschan (m.) katav (m.) amad (m.)

113


jaschna (f.) katva (f.) amda (f.)

jaschánnu katávnu amádnu

jaschantem (m.) katavtem (m.) amad’tem (m.)

jaschanten (f.) katavten (f.) amad’ten (f.)

jaschnu (m.+f.) katvu (m.+f.) amdu (m.+f.)

ich verkaufte ich verliess ich wohnte

usw. usw. usw.

machárti asávti gárti

machárta (m.) asávta (m.) gárta (m.)

machart (f.) asavt (f.) gart (f.)

machar (m.) asav (m.) gar (m.) *

machra (f.) asva (f.) gara (f.) *

machárnu asávnu gárnu

machartem (m.) asavtem (m.) gartem (m.)

macharten (f.) asavten (f.) garten (f.)

machru (m.+f.) asvu (m.+f.) garu (m.+f.)

* Diese beiden Verbformen stimmen wie oben gesehen mit

denen im Präsens überein.

Fast alle Verben, die in der männlichen dritten Person Einzahl

auf «a + Konsonant» enden, werden genau gleich wie «ahav»

und «katav» konjugiert. Die wenigen Ausnahmen und auch jene,

für die ich keine Konjugation gefunden habe, werden hier nicht

aufgeführt. Wer wissen möchte, wie die eine oder andere

114


Konjugation bei den Verben aussehen könnte, auf die ich hier

nicht näher eingehe, kann weiter unten im Kapitel «Die Infinitive»

nachschauen, wo ich mehr als 120 aufführe.

In der zweiten Konjugation sieht das Imperfekt so aus:

ich bekam ich besuchte ich fotografierte

usw. usw. usw.

kibálti bikárti tsilárti

kibálta (m.) bikárta (m.) tsilárta (m.)

kibalt (f.) bikart (f.) tsilart (f.)

kibel (m.) biker (m.) tstilem (m.)

kibla (f.) bikra (f.) tsilma (f.)

kibálnu bikárnu tsilárnu

kibaltem (m.) bikartem (m.) tsilartem (m.)

kibalten (f.) bikarten (f.) tsilarten (f.)

kiblu (m.+f.) bikru (m.+f.) tsilru (m.+f.)

ich reparierte ich sprach ich wartete

usw. usw. usw.

tikánti dibárti chikíti

tikánta (m.) dibárta (m.) chikíta (m.)

tikant (f.) dibart (f.) chikit (f.)

tiken (m.) diber (m.) chika (m.)

tikna (f.) dibra (f.) chikta (f.)

tikánnu dibárnu chikínu

115


tikantem (m.) dibartem (m.) chikitem (m.)

tikanten (f.) dibarten (f.) chikiten (f.)

tiknu (m.+f.) dibru (m.+f.) chiku (m.+f.)

In der dritten Konjugation sieht das Imperfekt so aus:

ich begann ich hatte Erfolg ich kam an ich verstand

usw. usw. usw. usw.

hichálti hitsláchti higáti hevánti

hichálta (m.) hitsláchta (m.) higáta (m.) hevánta (m.)

hichalt (f.) hitsláchat (f.) higá’at (f.) hevant (f.)

hitchil (m.) hitslí’ach (m.) higí’a (m.) hevin (m.)

hitchíla (f.) hitslícha (f.) higí’a (f.) hevína (f.)

hitchálnu hitsláchnu higánu hevánu

hitchaltem (m.) hitslachtem (m.) higatem (m.) havantem (m.)

hitchalten (f.) hitslachten (f.) higaten (f.) havanten (f.)

hitchílu (m.+f.) hitslíchu (m.+f.) higí’u (m.+f.) hevínu (m.+f.)

Diese Konjugation ist nicht so regelmässig und damit auch nicht

so leicht wie die erste und zweite. So sind die Verbformen der

männlichen und weiblichen Person Einzahl bei «ankommen»

identisch, zudem ist die Betonung der Silben nicht überall so

regelmässig wie in der ersten und zweiten Konjugation. Dazu

kommt noch, dass der vorderste Vokal bei «verstehen» in den

beiden Varianten der zweiten Person sich von einem «e» in ein

«a» verändert.

116


Schliesslich gibt es noch je eine Konjugation in der vierten,

fünften und siebten:

ich zog mich an ich wurde behütet ich wurde eingeladen

(4. K.) (5. K.) (7. K.)

usw. usw. usw.

hitlabáschti nischmárti husmánti

hitlabáschta (m.) nischmárta (m.) husmánta (m.)

hitlabascht (f.) nischmart (f.) husmant (f.)

hitlabesch (m.) nischmar (m.) husman (m.)

hitlab’scha (f.) nischm’ra (f.) husm’na (f.)

hitlabáschnu nischmárnu husmánu

hitlabaschtem (m.) nischmartem (m.) husmantem (m.)

hitlabaschten (f.) nischmarten (f.) husmanten (f.)

hitlab’schu (m.+f.) nischm’ru (m.+f.) husm’nu (m.+f.)

Hier ist «nischmar» (er wurde behütet) mit der Präsensform

identisch.

Wie oben erwähnt gehören die meisten Verben zur ersten und

zweiten Konjugation, was es für all jene, die sich intensiv mit dem

Hebräischen beschäftigen wollen, sicher leichter macht.

Wie oben im Kapitel «Sein und Haben» erwähnt wird die

Verneinung dadurch gebildet, dass vor der Verbform einfach nur

ein «lo» steht:

lo natánti

lo lakáchti

usw.

ich gab nicht, ich habe nicht gegeben

ich nahm nicht, ich habe nicht genommen

117


Das Futur (Die Zukunft)

Da ich für diese Zeit, die im mündlichen Gebrauch wie oben

erwähnt nur selten vorkommt, nur wenige Konjugationen

gefunden habe, kann ich mich auf das Auflisten derselben

beschränken. Fast alle gehören zur ersten Konjugation, das sind

die folgenden:

ich werde aufstehen ich werde fahren

usw. usw. usw.

akum esa eten

ich werde geben

takum (m.) tisa (m.) titen (m.)

takúmi (f.) tis’i (f.) titni (f.)

jakum (m.) jisa (m.) jiten (m.)

takum (f.) tis’a (f.) titen (f.)

nakum nis’a niten

takúmu (m.+f.) tis’u (m.+f.) titnu (m.+f.)

jakúmu (m.+f.) jis’u (m.+f.) jitnu (m.+f.)

ich werde gehen ich werde hören ich werde kaufen

usw. usw. usw.

élech eschma ekne

télech (m.) tischma (m.) tikne (m.)

télchi (f.) tischmi (f.) tikni (f.)

jélech (m.) jischma (m.) jikne (m.)

télech (f.) tischma (f.) tikne (f.)

nélech nischma nikne

118


télchu (m.+f.) tischm’u (m.+f.) tiknu (m.+f.)

jélchu (m.+f.) jischm’u (m.+f.) jiknu (m.+f.)

ich werde kommen ich werde lernen ich werde lieben

usw. usw. usw.

ano elmad ehov

tavo (m.) tilmad (m.) tihov (m.)

tavó’i (f.) tilm’di (f.) tih’vi (f.)

javo (m.) jilmad (m.) jihov (m.)

tavo (f.) tilmad (f.) tihov (f.)

navo nilmad nihov

tavó’u tilm’du (m.+f.) tih’vu (m.+f.)

javó’u jilm’du (m.+f.) jih’vu (m.+f.)

ich werde machen ich werde nehmen ich werde öffnen

usw. usw. usw.

a’ase ekach eftach

ta’ase (m.) tikach (m.) tiftach (m.)

ta’asi (f.) tikchi (f.) tift’chi (f.)

ja’ase (m.) jikach (m.) jiftach (m.)

ta’ase (f.) tikach (f.) tiftach (f.)

na’ase nikach niftach

ta’asu (m.+f.) tikchu (m.+f.) tift’chu (m.+f.)

ja’asu (m.+f.) jikchu (m.+f.) jift’chu (m.+f.)

119


ich werde sehen ich werde schicken ich werde schliessen

usw. usw. usw.

er’e eschlach esgor

tir’e (m.) tischlach (m.) tisgor (m.)

tir’i (f.) tisch’lechi (f.) tisg’ri (f.)

jir’e (m.) jischlach (m.) jisgor (m.)

tir’e (f.) tischlach (f.) tisgor (f.)

nir’e nischlach nisgor

tir’u (m.+f.) tischl’chu (m.+f.) tisg’ru (m.+f.)

jir’u (m.+f.) jischl’chu (m.+f.) jisg’ru (m.+f.)

ich werde schreiben ich werde sitzen * ich werde wissen

usw. usw. usw.

echtov éschev éda

tichtov (m.) téschev (m.) téda (m.)

ticht’vi (f.) téschvi (f.) téd’i (f.)

jichtov (m.) jéschev (m.) jéda (m.)

tichtov (f.) téschev (f.) téda (f.)

nichtov néschev néda

ticht’vu (m.+f.) téschvu (m.+f.) tédu (m.+f.)

jicht’vu (m.+f.) jéschvu (m.+f.) jédu (m.+f.)

* Die Konjugation von «sitzen» ist mit jener von «sich setzen»

identisch: éschev = ich werde sitzen, ich werde mich setzen usw.

120


ich werde wohnen

usw.

agur

tagur (m.)

tagúri (f.)

jagur (m.)

tagur (m.)

nagur

tagúru (m.+f.)

jagúru (m.+f.)

ich werde sprechen (2. Konjugation)

usw.

adaber

t’daber (m.)

t’dabri (f.)

j’daber (m.)

t’daber (f.)

n’daber

t’dabru (m.+f.)

j’dabru (m.+f.)

ich werde beginnen

usw. (3. Konjugation)

usw.

atchil

tatchil (m.)

tatchili (f.)

jatchil (m.)

tatchil (f.)

natchil

tatchílu (m.+f.)

jatchílu (m.+f.)

ich werde mich anziehen

usw. (4. Konjugation)

etlabesch

titlabesch (m.)

titlabschi (f.)

jitlabesch (m.)

titlabesch (m.)

nitlabesch

titlabschu (m.+f.)

jitlabschu (m.+f.)

121


Für «sagen» gibt es im Futur zwei Konjugationen:

omar

agid

tomar (m.)

tagid (m.)

tomri (f.)

tagídi (f.)

jomar (m.)

jagid (m.)

tomar (f.)

tagid (f.)

nomar

nagid

tomru (m.+f.)

tagídu (m.+f.)

jomru (m.+f.)

jagídu (m.+f.)

Die links ausgeführte Konjugation kommt überwiegend in der

Bibel vor, während die rechts aufgeführte im Neuhebräischen viel

mehr verwendet wird.

Auch in diesen insgesamt 24 Konjugationen ist genauso wie im

Imperfekt eine gewisse Regelmässigkeit zu erkennen. Am

deutlichsten fällt auf, dass es in der Mehrzahl für beide

Geschlechter die gleichen Verformen gibt, dass die erste Person

Mehrzahl immer mit einem «n», die zweite Person Mehrzahl

immer mit einem «t» und die dritte Person Mehrzahl genauso wie

die in der Einzahl immer mit einem «j» beginnen. Auch hier ist

die weibliche dritte Person mit der männlichen zweiten Person

fast immer identisch.

Wie im Perfekt wird die Verneinung im Futur dadurch gebildet,

dass vor der Verbform einfach ein «lo» steht:

lo élech

lo echtov

ich werde nicht gehen

ich werde nicht schreiben

Im mündlichen Gebrauch können die Futurformen durch die im

Präsens ersetzt werden, wie wir oben schon gesehen haben:

122


ich komme heute oder morgen = ani ba ha-jom o machar

Eine der bekanntesten Futurformen kommt in der Bibel im ersten

Vers des weltberühmten Psalms 23 vor:

Adonai ro’i, lo ech’ssar. - Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts

mangeln.

Von den Fremdprachigen wird sowieso nicht erwartet, dass sie

auch die Zukunftformen beherrschen, von denen ich in diesem

Buch nur 24, also einen kleinen Teil, aufgeführt habe, aber es ist

wichtig, wenigstens zu wissen, dass es diese ebenfalls gibt.

Die Consecutio temporum

Wer Latein, eine moderne romanische Sprache oder Englisch

gelernt hat - das sind sicher fast alle, die dieses Buch

durcharbeiten -, erinnert sich bestimmt an die festen Regeln,

dass die verschiedenen Zeiten nicht beliebig verwendet werden

dürfen. Das gilt am meisten für die Vergangenheit, in der eine

Präsensform immer falsch ist, weil nur eine Zeit der

Vergangenheit oder ein Konditional oder Konjunktiv vorkommen

dürfen, aber auch der letztgenannte nie mit der Präsensform.

Im Gegensatz zu diesen Sprachen und zum Englischen, das seit

der erfolgreichen Invasion der Normannen im Jahr 1066 und der

Besetzung des heutigen Englands bekanntlich stark vom

Französischen beeinflusst und umgebaut worden ist, sind im

Hebräischen genauso wie im Deutschen, aber auch im

Griechischen so strenge Zeitgesetze unbekannt. Es herrscht

also auch hier eine erstaunliche Ausdrucksfreiheit:

123


Ich habe gehört, du kommst.

Ich habe gehört, du wirst kommen.

Ich habe gehört, du würdest kommen.

Dieser eine Satz, der im Deutschen noch je drei weitere im

Imperfekt und Plusquamperfekt zulässt (ich hörte, du kommst -

ich hatte gehört, du kommst usw.), sieht in den anderen

Sprachen so aus:

HB: Sch’ma’áti sche ata ba (m.). - Sch’ma’áti sche at ba’a (f.).

GR: Ekusa hóti érchosai (Präsens).

LT: Audivi ut venires (Konjunktiv Imperfekt).

FR : J’ai entendu que tu viendrais (Konditional Präsens).

IT : Ho audito che tu verresti (Konditional Präsens). *

ES : He oído que tú vendrias. (Konditional Präsens).

PO: Ouvi que tu virias (Konditional Präsens - Portugal).

Ouvi que você viria (Konditional Präsens - Brasilien).

EN: I heard you would come (Konditional Präsens).

* In vielen italienischen Dialekten - so auch im römischen - wird

hier «veniresti» anstatt das offizielle «verresti» gesagt.

Das war ein Beispielsatz für eine Gleichzeitigkeit, jetzt kommt

noch einer für eine Vorzeitigkeit:

Ich habe gehört, du bist gekommen/du seiest gekommen.

Ich hörte, du bist gekommen/du seiest gekommen.

HB: Sch’ma’áti sche ata higáta (m.).

Sch’ma’áti sche at higá’at (f.).

124


GR: Ekusa hóti êlthes (Aorist in Imperfektform) *

LT: Audivi ut venieras (Plusquamperfekt).

FR : J’ai entendu que tu étais venu (m.)/venue (f.).

IT : Ho audito che tu eri venuto (m.)/eri venuta (f.).

ES: He oído que tú habia venido (Plusquamperfekt)

PO: Ouvi que tu havias vindo (Plusquamperfekt - Portugal).

Ouvi que você havia vindo (Plusquamperfekt - Brasilien).

EN: I heard you had come (Plusquamperfekt).

* Im Altgriechischen ist der Aorist die meistverwendete

Ausdrucksweise der Vergangenheit, aber auch im

Neugriechischen hat sich in diesem Bereich nicht viel verändert.

Mehrere Verben haben nominell eine Form des Imperfekts, aber

sie drücken immer noch einen Aorist aus.

In den romanischen Sprachen und im Englischen wäre es hier

zwar möglich, auch ein Konditional Perfekt zu verwenden (ut

venisses, que tu serais venu/venue, che tu fossi venuto/venuta,

que tu habria venido, que tu haverias vindo, que você haveria

vindo), aber dann hätte die Satzaussage nicht mehr die gleiche

Bedeutung.

Während im Latein die Konjugation des Imperfekts (venirem,

venires usw.) in den heutigen romanischen Sprachen nicht mehr

vorkommt, hat die Konjugation des Plusquamperfekts

(venissem, venisses usw.) heute mit Ausnahme des

Französischen die Funktion eines Präsens, das es formal aber

immer noch gibt, weil es vom Vulgärlatein stammt:

ich will, dass du kommst = te venire volo (Klassische Sprache)

volo ut venias (Vulgärlatein)

je veux que tu viennes (FR)

125


voglio che tu venga (IT)

quiero que tú vengas (ES)

quero que tu venhas (PO)

quero que você venha (BR

wenn du doch kämst! = se tu venires! (Klassische Sprache)

se tu venisses! (Vulgärlatein)

si tu venais! (FR - Imperfekt!)

se tu venissi! (IT)

si tú vinieras! (ES) *

si tú vinieses! (ES) *

se tu viesses! (PO)

se você viesse! (BR)

im ata rak ba! im at rak ba’a! (HB)

(mit Indikativ - rak = bloss, nur)

Die Variante auf « -eses » usw., die mit den Schwestersprachen

verwandt ist und damit naheliegender wäre, kommt heute fast

nur in der Schriftsprache vor, während die auf «-eras» usw.

mündlich viel mehr verwendet wird, aber es gibt keine festen

Regeln.

Wer mehr darüber wissen will - so auch über den ACI (Akkusativ

mit Infinitiv) und den NCI (Nominativ mit Infinitiv), die in den

beiden antiken Sprachen in solchen Sätzen ebenfalls oft

vorkommen (so auch oben: te venire volo) -, kann in meinen drei

Büchern nachschauen:

Lehrbuch des Altgriechischen, Lehrbuch des Neugriechischen,

Lehrbuch des Vulgärlateins

126


Die Modalverben

Mit diesen Verben wird eine Fähigkeit, ein Wille, ein Wunsch und

eine Verpflichtung ausgedrückt:

können, müssen, sollen, wollen

Im Hebräischen gibt es nur drei, also wird nicht wie zum Beispiel

in den romanischen Sprachen zwischen zwei «können»

unterschieden:

Ich kann es tun (Möglichkeit). Ich kann schwimmen (Fähigkeit).

FR: Je peux le faire.

IT : Posso farlo.

ES: Puedo hacerlo.

PO: Posso fazê-lo.

Je sais nager.

So natare.

Sé nadar.

Sei nadar.

Die drei hebräischen Konjugationen lauten im Präsens so:

ich (m.) kann ani jachol

ich (f.) kann ani jach’la

du (m.) kannst ata jachol

du (f.) kannst at jach’la

er/es kann hu jachol

sie kann hi jach’la

wir (m.) können anáchnu j’cholim

wir (f.) können anáchnu j’cholot

ihr (m.) könnt atem j’cholim

127


ihr (f.) könnt

sie (m.) können

sie (f.) können

aten j’cholot

hem j’cholim

hen j’cholot

ich (m.) muss

ich (f.) muss

du (m.) musst

du (f.) musst

er/es muss

sie muss

wir (m.) müssen

wir (f.) müssen

ihr (m.) müsst

ihr (f.) müsst

sie (m.) müssen

sie (f.) müssen

ani tsarich

ani ts’richa

ata tsarich

at ts’richa

hu tsarich

hi ts’richa

anáchnu ts’richim

anáchnu ts’richot

atem ts’richim

aten ts’richot

hem ts’richim

hen ts’richot

ich (m.) will

ich (f.) will

du (m.) willst

du (f.) willst

er/es will

sie will

wir (m.) wollen

ani rotse

ani rotsa

ata rotse

at rotsa

hu rotse

hi rotsa

anáchnu rotsim

128


wir (f.) wollen

ihr (m.) wollt

ihr (f.) wollt

sie (m.) wollen

sie (f.) wollen

anáchnu rotsot

atem rotsim

aten rotsot

hem rotsim

hen rotsot

Auch die Verbformen von «lichol» (der Infinitiv von «müssen»,

der aber nur selten verwendet wird), haben wie ein paar andere

zwei verschiedene Funktionen, je nachdem, mit welchen

Wörtern sie verbunden werden:

Ani tsarich harbe késsef.

Tsarich harbe késsef.

Ich brauche viel Geld.

Man braucht viel Geld.

129


Die Infinitive (Grundformen der Verben)

Die oben aufgeführten Modalverben können nur dann sinnvoll

eingesetzt werden, wenn die entsprechenden Grundformen der

Verben bekannt sind, aber weil diese nicht so einfach wie in den

uns bekannten europäischen Sprachen zu bilden und zum Teil

sogar noch unregelmässig sind, widme ich ihnen hier ein eigenes

Kapitel.

Auch hier verwende ich das Paradeverb «schreiben»:

ich (m.) kann schreiben

ich (f.) kann schreiben

ich (m.) muss schreiben

ich (m.) muss schreiben

ich (m.) will schreiben

ich (f.) will schreiben

ani jachol lichtov

ani jach’la lichtov

ani tsarich lichtov

ani ts’richa lichtov

ani rotse lichtov

ani rotsa lichtov

Der Infinitiv heisst also «lichtov». Als solcher kann er nie an

einem Satzanfang stehen, wie wir das von unseren bekannten

westlichen Sprachen kennen:

Schlafen ist schön.

EN: Sleeping is beautiful.

(Oder besser: It’s beautiful to sleep).

NL: Slapen is mooi.

FR: Dormir est beau (Oder: Dormir - c’est beau).

IT : Dormire è bello.

ES: Dormir es hermoso.

130


Der Satz «lischon jafe» («lischon» ist der Infinitiv) wäre also völlig

falsch. Der Infinitiv darf im Hebräischen nur innerhalb eines

Satzes und immer nur zusammen mit einem Modalverb

verwendet werden:

Ich kann das Buch schreiben.

Ani jachal lichtov et ha-sséfer (m.).

Ani jach’la lichtov et ha-sséfer (f.).

Ich muss diesen Brief schreiben.

Ani tsarich lichtov et ha-michtav ha-se (m.).

Ani ts’richa lichtov et ha-michtav ha-se (f.).

Ich will ihr schreiben, dass ich sie liebe.

Ani rotse lichtov lach, sche ani ohev otach (m.).

Ich will ihm schreiben, dass ich ihn liebe.

Ani rotsa lichtov l’cha, sche ani ohévet otcha (f.).

In der hebräischen Schrift steht vor «sche» (dass) meistens kein

Komma.

Auf die gleiche Weise können auch alle anderen Sätze mit

Modalverben gebildet werden.

Nach dem Wort «efschar» (es ist möglich) steht ebenfalls der

Infinitiv:

Es ist möglich, diesen Brief zu schreiben.

Efschar lichtov et ha-michtav ha-se.

131


Die häufigsten Infinitive sind diese, wobei ich das Grundwort -

also die dritte Person Einzahl der Vergangenheit, von der die

meisten Präsensformen leicht gebildet werden können - hinten

ebenfalls aufführe:

la’amod stehen amad

la’anot beantworten ana

la’asor helfen asar

la’asov verlassen asav

la’assot begehen, machen assa

tun, verüben

la’atof einwickeln atav

la’avod arbeiten avad

lachschov denken, nachdenken chaschav

lachsor wiederholen, chasar

zurückkehren, zurückkommen

lada’at wissen jad’a

lagur wohnen gar

lahaross zerstören harass

lakáchat nehmen lakach

laléchet gehen halach

larédet aussteigen jarad

lariv streiten rav

lasset tragen nassa

latet geben natan

lavo kommen ba

132


laset hinausgehen jasa

lasum fasten sam

le’ajem drohen, bedrohen lijem

le’ascher erlauben, genehmigen, ischer

gestatten, gewähren

l’chajech lächeln chijech

l’chakot warten chika

l’chapess suchen chipess

l’chassen impfen chissun

l’chate desinfizieren chita

l’chaved ehren, verehren chibed

l’chaven beabsichtigen kiven

l’daber reden, sprechen diber

le’echol essen achal

le’ehov lieben ahav

l’fater entlassen piter

l’fatpet plaudern pitpet

l’ha’adif vorziehen he’edif

l’ha’arich beurteilen, verlängern he’erich

l’ha’aschim beschuldigen he’eschim

l’hachlif wechseln hichlif

l’hafría belästigen hifría

l’hafssik aufhören hifssik

l’hagí’a ankommen higí’a

133


l’hagid sagen higid

l’ha’ir befeuchten he’ir

l’hakim aufstellen hikim

l’hakir kennen hikir

l’hakot schlagen hika

l’hamir Geld wechseln himir (késsef)

(késsef)

l’hargisch fühlen hirgisch

l’harot zeigen her’a

l’harschot erlauben, genehmigen, hirscha

gestatten, gewähren

l’hasbir erklären hisbir

l’hasmin bestellen, einladen hismin

l’hasskim zustimmen hisskim

l’hatchil anfangen, beginnen hitchil

l’hatslí’ach Erfolg haben, gelingen hitslí’ach

l’havi bringen hevi

l’havin verstehen hévin

l’hasía anbieten hisía

l’hidalek entzünden nidlak

l’hiraga beruhigen hiraga

l’hischamer behütet werden nischmar

l’hischtagé’a verrückt werden

hischtagé’a

l’hitbadeach scherzen, spassen hitpadeach

134


l’hitlabesch sich anziehen hitlabesch

l’hochlach beweisen hochlach

l’kabel bekommen, erhalten, kibel

erlangen

l’lamed lehren, unterrichten, limed

unterweisen

l’nakot putzen, reinigen nika

l’naschek küssen nischek

l’nassot versuchen nissa

l’schabé’ach loben schibach

l’schachrer befreien schichrer

l’schaker lügen schiker

l’schalem zahlen, bezahlen schilem

l’scharet dienen, bedienen schiret

l’ssajem absolvieren, beenden ssijem

l’ssameach erfreuen ssimeach

l’ssarev verweigern ssirev

l’ssovev drehen ssavar

l’talfen telefonieren tilfen

l’tapel behandeln tipel

l’vakesch bitten bikesch

l’vaschel kochen bischel

l’vater verzichten viter

l’vasé’a ausführen bisé’a

135


l’salem fotografieren silem

lichol können jachol

lichtov schreiben katav

lifto’ach öffnen patach

lignov stehlen ganav

liknot kaufen kana

likro lesen kara

lilbosch tragen (Kleider) lavasch

lilmod lernen, studieren lamad

limso finden masa

limso chen gefallen masa chen

linssó’a fahren nassa

lir’ot sehen ra’a

lirschom registrieren rascham

lischkoach vergessen schachach

lischló’ach schicken, senden schalach

lischlot beherrschen schalat

lischm’óa hören

lischol fragen scha’al

lischon schlafen jaschan

lischtov waschen schatav

lischtok schweigen schatak

lischtot trinken schata

lisroa pflanzen sar’a

136


lisrok werfen sarak

liss’chor handeln ssachar

liss’chov schleppen ssachav

lissloach entschuldigen, vergeben, ssalach

verzeihen

lit’ot Fehler begehen ta’a

livchor wählen bachar

livdok prüfen badak

livnot bauen bana

livróach fliehen, flüchten barach

lis’chok lachen sachak

Am deutichsten ist zu erkennen, dass sämtliche Infinitive mit

einem «l» beginnen. Das zu wissen kann für jene, die sich mit

einem hebräischen Text herumschlagen - und erst recht dann,

wenn er keine Vokalzeichen enthält - sicher nützlich sein.

Natürlich wird es für die Fremdsprachigen und sogar für die

gelernten Theologen kaum jemals möglich sein, diese mehr als

120 Infinitive mitsamt ihren «Imperfekt-Zwillingen» - also

insgesamt fast 250 Wörter - für immer im Gedächtnis zu

speichern, es sei denn, jemand lebt so wie die oben erwähnte

Bekannte längere Zeit in Israel und wendet dort die Sprache

täglich an. Da ich aber weiss, dass es möglich ist, meine im

Google unter «Yumpu Juha Stump» aufgeladenen Bücher auch

auf einem Handy zu lesen, kann jemand, der ein Wort gerade

nicht weiss, jederzeit schnell nachschauen.

137


Fragen und Antworten

Im Gegensatz zum Deutschen und zu vielen anderen Sprachen

wird im Hebräischen in einem Fragesatz nichts umgestellt. Es

genügt, den Ton gegen das Satzende etwas anzuheben:

Kommst du?

Ata ba? (m.)

At ba’a? (f.)

Kommst du nicht?

Ata éjncha ba? - Ata lo ba?

At éjnech ba? - At lo ba’a?

Kannst du kommen?

Ata jachol lavo? (m.)

At jach’la lavo? (f.)

Kannst du nicht kommen?

Ata éjncha jachol lavo?

Ata lo jachol lavo?

At éjnech jachol lavo?

At lo jach’la lavo?

Ja, ich komme.

Ken, aní ba.

Ken, ani ba’a.

Nein, ich komme nicht.

Lo, ani éjncha ba. - Lo, ani lo ba.

Lo, ani éjnech ba.

Lo, ani lo ba’a.

Auch hier wird immer nur die männliche dritte Person der Einzahl

verwendet, wenn mit «éjn’cha» und «éjnech» geantwortet wird:

Ata éjncha ba? - At éjnech ba?

Ata éjncha jachol lavo? - At éjnech jachol lavo?

Lo, ani éjncha ba. - Lo, ani éjnech ba.

138


Es gibt jedoch ein Fragewort, das verwendet werden kann, aber

im Gegensatz zu vielen anderen Sprachen, in denen ein solches

Wort zum Kennzeichnen eines Fragesatzes obligatorisch ist,

nicht unbedingt notwendig ist. Es lautet «ha’im».

Kommst du? Kommst du nicht? Kannst du kommen?

Ha’im ata ba? Ha’im ata éjncha ba? Ha’im ata jachol lavo?

Ha’im at ba’a? Ha’im at éjnech ba? Ha’im at jach’la lavo?

Im Gegensatz zum Personalpronomen, das immer vorn stehen

muss, kann ein Substantiv oder Eigenname auch hinter dem

Verb stehen, wenn der Satz nicht allzu lang ist:

Kommt dein Sohn auch?

Ba ha-ben schel’cha gam?

Ba ha-ben schelach gam?

Kommt Daliah oder nicht?

Ba’a Dália o lo?

Sogar bei einer Verneinung ist das möglich:

Kommt dein Sohn nicht? Kommt Daliah nicht?

Ejncha ba ha-ben schel’cha? Ejnech ba Dália?

Ejncha ba ha-ben schelach? Lo ba Dália?

Lo ba ha-ben schel’cha?

Lo ba ha-ben schelach?

Die häufigsten Fragewörter sind in alfabetischer Reihenfolge

diese:

wann?

warum? weshalb?

matáj?

láma?

139


weswegen? wieso?

was?

wem?

wen?

wer?

wessen?

wie?

wie viel?

wo?

wodurch?

woher?

wohin?

womit?

wozu?

ma?

l’ni?

et-ni?

ni?

schel ni?

ech? ejch?

káma?

efo? ejfo?

im-ma?

me’efo? me’ejfo?

le’an?

im-ma?

l’ma?

Dazu kommt auch noch «nachon?» (nicht wahr?).

140


Die Relativpronomina

Im Vergleich zu vielen anderen bekannten Sprachen, die je nach

Anzahl Kasus mehr als bis zu fünfzehn Varianten allein in der

Einzahl aufweisen - der Rekordhalter ist hier das Finnische, das

es zusammen mit den Mehrzahlformen gleich auf fast dreissig

bringt -, ist es im Hebräischen erfrischend einfach. Es gibt nur

deren drei, von denen zwei in beiden Geschechtern sowie in der

Einzahl und Mehrzahl identisch sind.

Die beiden lauten «ascher» und «sche», die im Nominativ,

Akkusativ und sogar Dativ identisch sind. Das letztere bedeutet

wie oben gesehen auch «dass» und wird gleich geschrieben.

Zudem fällt es im Schriftbild genauso wie der bestimmte Artikel

«ha», der als dritte Variante möglich ist, mit dem nachfolgenden

Wort zusammen.

Wie in den romanischen Sprachen, in denen ein Komma nur

dann verwendet wird, wenn man eine bestimmte Aussage näher

beschreibt, kommt auch im Hebräischen in den Relativsätzen

kein Komma vor:

Das ist der Mann, der diese Frau sehr liebt.

Se ha-isch ascher ohev me’od et ha-ischa ha-sot.

Se ha-isch sche’ohev me’od et ha-ischa ha-sot.

Se ha-isch ha’ohev me’od et ha-ischa ha-sot.

Das ist die Frau, die diesen Mann sehr liebt.

Sot ha-ischa ascher ohévet me’od et ha-isch ha-se.

Sot ha-ischa sche’ohévet me’od et ha-isch ha-se.

Sot ha-ischa ha’ohévet me’od et ha-isch ha-se.

141


Das sind die Männer, die diese Frau sehr lieben.

Ha-éle ha-anaschim ascher ohvim me’od et ha-ischa ha-sot.

Ha-éle ha-anaschin sche’ohvim me’od et ha-ischa ha-sot.

Ha-éle ha-anaschim ha’ohvim me’od et ha-ischa ha-sot.

Das sind die Frauen, die diesen Mann sehr lieben.

Ha-éle ha-naschim ascher ohvot me’od et ha-isch ha-se.

Ha-éle ha-naschim sche’ohvot me’od et ha-isch ha-se.

Ha-éle ha-naschim ha’ohvot me’od et ha-isch ha-se.

Im Akkusativ müssen die entsprechenden Personalsuffixe direkt

nach dem Verb stehen:

Das ist der Mann, den diese Frau sehr liebt.

Se ha-isch ascher ha-ischa ha-sot ohévet oto me’od.

Se ha-isch sche’ha-ischa ha-sot ohévet oto me’od.

Se ha-isch ha’ha-ischa ha-sot ohévet oto me’od.

Das ist die Frau, die dieser Mann sehr liebt.

Sot ha-ischa ascher ha-isch ha-se ohev ota me’od.

Sot ha-ischa sche’ha-isch ha-se ohev ota me’od.

Se ha-ischa ha’ha-isch ha-se ohev ota me’od.

Das sind die Männer, die diese Frau sehr liebt.

Ha-éle ha-anaschim ascher ha-ischa ha-sot ohévet otam me’od.

Ha-éle ha-anaschim sche’ha-ischa ha-sot ohévet otam me’od.

142


Ha-éle ha-anaschim ha’ha-ischa ha-sot ohévet otam me’od.

Das sind die Frauen, die dieser Mann sehr liebt.

Ha-éle ha-naschim ascher ha-isch ha-se ohev otan me’od.

Ha-éle ha-naschim sche’ha-isch ha-se ohev otan me’od.

Ha-éle ha-naschim ha’ha-isch ha-se ohev otan me’od.

Hans ist der Mann, den Ursula sehr liebt.

Hans (hu) ha-isch ascher Ursula ohévet oto me’od.

Hans (hu) ha-isch sche’Ursula ohévet oto me’od.

Hans (hu) ha-isch ha’Ursula ohévet oto me’od.

Ursula ist die Frau, die Hans sehr liebt.

Ursula (hi) ha-ischa ascher Hans ohev ota me’od.

Ursula (hi) ha-ischa sche’Hans ohev ota me’od.

Ursula (hi) ha-ischa ha’Hans ohev ota me’od.

Er ist der Mann, den ich sehr liebe.

Hu ha-isch ascher ani ohévet oto me’od.

Hu ha-isch sche’ani ohévet oto me’od.

Hu ha-isch ha’ani ohévet oto me’od.

Sie ist die Frau, die ich sehr liebe.

Hi ha-ischa ascher ani ohev ota me’od.

143


Hi ha-ischa sche’ani ohev ota e’od.

Hi ha-ischa ha-ani ohev ota me’od.

Nach Eigennamen können die Personalpronomina, die in der

Bibel fast immer vorkommen, ebenfalls mitverwendet werden:

Hans (hu) …

Ursula (hi) …

Streng genommen enthält ein solcher Satz einen eigenen

kleinen Satz innerhalb eines grösseren Satzgefüges:

Das ist der Mann … er liebt diese Frau sehr.

Sie ist die Frau … ich liebe sie sehr.

In einem der Lehrbücher, die ich ganz unten noch vorstelle, steht

zwar geschrieben, dass die Personalsuffixe im Akkusativ (oto,

ota, otam, otan) auch wegfallen können, aber ich halte es für

besser, wenn sie immer mitverwendet werden, weil damit

allfällige Missverständnisse vermieden werden können.

Auch im Dativ müssen die entsprechenden Personalsuffixe

direkt nach dem Verb stehen - und diesmal dürfen sie im

Gegensatz zum Akkusativ nicht wegfallen:

Das ist der Mann, dem ich das Buch gegeben habe.

Se ha-isch ascher natáti lo et ha-sséfer.

Se ha-isch sche’natáti lo et ha-sséfer.

Se ha-isch ha’natáti lo et ha-sséfer.

Das ist die Frau, der ich das Buch gegeben habe.

144


Sot ha-ischa ascher natáti la et ha-sséfer.

Sot ha-ischa sche’natáti la et ha-sséfer.

Sot ha-ischa ha’natáti la et ha-sséfer.

Das sind die Männer, denen ich die Bücher gegeben habe.

Ha-éle ha-anaschim ascher natáti lahem et ha-ss’farim.

Ha-éle ha-anaschim sche’natáti lahem et ha-ss’farim.

Ha-éle ha-anaschim ha’natáti lahem et ha-ss’farim.

Das sind die Frauen, denen ich die Bücher gegeben habe.

Ha-éle ha-naschim ascher natáti lahen et ha-ss’farim.

Ha-éle ha-naschim sche’natáti lahen et ha-ss’farim.

Ha-éle ha-naschim ha’natáti lahen et ha-ss’farim.

Ursula ist die Frau, der Hans viel Liebe gibt.

Ursula (hi) ha-ischa ascher Hans noten la harbe ahava.

Ursula (hi) ha-ischa sche’Hans noten la harbe ahava.

Ursula (hi) ha-ischa ha’Hans noten la harbe ahava.

Hans ist der Mann, dem Ursula viel Liebe gibt.

Hans (hu) ha-isch ascher Ursula noténet lo harbe ahava.

Hans (hu) ha-isch sche’Ursula noténet lo harbe ahava.

Hans (hu) ha-isch ha’Ursula noténet lo harbe ahava.

145


Streng genommen enthält auch der Dativ einen eigenen kleinen

Satz innerhalb eines grösseren Satzgefüges:

Das ist der Mann … ich habe ihm das Buch gegeben.

Das sind die Frauen … ich habe ihnen die Bücher gegeben.

Im Genitiv ist es ein wenig schwieriger, weil die im

Bibelhebräischen allein vorkommenden Possessivsuffixe immer

mitverwendet werden müssen:

Das ist der Mann, dessen Schwester ich sehr liebe.

Se ha-isch ascher achoto ani ohev me’od.

Se ha-isch sche’achoto ani ohev me’od.

Se ha-isch ha’achoto ani ohev me’od.

Das ist die Frau, deren Bruder ich sehr liebe.

Sot ha-ischa ascher acho ani ohévet me’od.

Sot ha-ischa sche’acho ani ohévet me’od.

Sot ha-ischa ha’acho ani ohévet me’od.

Das sind die Kinder, deren Eltern wir immer lieben.

Ha-éle ha-jeladim ascher horéihem anáchnu ohvim tamid.

Ha-éle ha-jeladim sche’horéihem anáchnu ohvim tamid.

Ha-éle ha-jeladim ha-horéihem anáchnu ro’im.

Mit einer personifizierten Präposition - auf diese werde ich weiter

unten noch näher eingehen - sieht es so aus:

Der Mann, bei dem ich wohne, arbeitet in der Stadt.

146


Ha-isch ascher etslo ani gar oved ba-ir.

Ha-isch sche’etslo ani gar oved ba-ir.

Ha-isch ha-etslo ani gar oved ba-ir.

Die Frau, mit der ich gehe, hat dir einen Brief geschrieben.

Ha-ischa ascher ita ani holech katavt lach (f.) michtav.

Ha-ischa sche’ita ani holech katavt lach (f.) michtav.

Ha-ischa ha-ita ani holech katavt lach (f.) michtav.

Konditional und Konjunktiv

Weiter oben habe ich geschrieben, dass es im Hebräischen

formal nicht das gibt, was wir unter einem Konditional und einem

Konjunktiv verstehen - aber eben nur formal. Sinngemäss

kommen diese beiden Zeiten trotzdem vor, wenn sie mit drei

bestimmten Konjunktionen bzw. Bindewörtern eingeleitet

werden.

Sätze mit «im», das im Gegensatz zum gleich lautenden anderen

Wort «im», das «mit» bedeutet, werden nicht mit einem Alef,

sondern mit einem Ajin geschrieben:

Wenn wir Zeit haben, gehen wir ins Kino.

Im jesch lánu sman, anáchnu holchim la-kolnó’a.

Dieser Satz steht zwar im Indikativ, aber er kann auch so gemeint

sein:

Falls wir Zeit haben …

147


Um einen Konditional oder Konjunktiv auszudrücken, die im

Hebräischen formal identisch sind, gibt es diese drei Wörter:

lu, ilu, lulé

Dabei lautet die Formel «Imperfekt von ‘sein’ + Präsens des

Verbs»:

Wenn mein Vater wollte, würden wir nach Amerika reisen.

Wenn mein Vater gewollt hätte, wären wir nach Amerika gereist.

Lu ába scheli haja rotse, hajínu nos’im le’Amerika.

Gerade bei diesen zwei möglichen Varianten kann gut gesehen

werden, dass der Konditonal und der Konjunktiv sowohl in der

Gegenwart als auch in der Vergangenheit stehen können.

Anstelle von «rotse» kann auch das Imperfekt-Wort «ratsa»

verwendet werden, wobei «haja» dann wegfällt; dabei kommt

«ilu» mehr zum Zug als «lu», aber es gibt dafür keine bestimmten

Regeln.

Der gleiche Satz wie oben lautet dann so:

Ilu ába scheli ratsa, hajínu ros’im le’Amerika.

Wenn ein Konditional oder ein Konjunktiv verneint werden, wird

«lulé» verwendet, wobei dann das typische Verneinungswort

«lo» wegfällt:

Wäre mein Vater nicht krank, würden wir ins Kino gehen.

Wäre mein Vater nicht krank gewesen, wären wir ins Kino

gegangen.

Lulé ába scheli haja chole, hajínu holchim la-kolnó’a.

148


Der Imperativ (Die Befehlsformen)

Jetzt wird es wieder einfach: Um eine Aufforderung oder einen

Befehl auszudrücken, genügt es, die Futurformen der zweiten

Person Einzahl und Mehrzahl anzuwenden, und die zweite gute

Nachricht ist, dass es nur wenige Ausnahmen gibt:

schreib (m.)! tichtov! schreib mir! tichtov li!

schreib (f.)! ticht’vi! schreib mir! tichtvi li!

schreibt! ticht’vu! schreibt uns! ticht’vu lánu!

Bei einem verneinten Imperativ kommt jedoch nicht das bereits

bekannte «lo» für die Verben zum Einsatz, sondern «al», aber

sonst verändert sich nichts:

schreib mir nicht!

schreibt uns nicht!

al tichtov li! (m.)

al ticht’vu li! (f.)

al ticht’vu lánu!

Auch bei einem Imperativ in der ersten Person Mehrzahl werden

die Futurformen verwendet:

schreiben wir ihm (nicht)!

schreiben wir ihr (nicht)!

(al) nichtov lo!

(al) nichtov la!

In den beiden dritten Personen kommt wieder das schon

bekannte «sche», das sowohl «dass» bedeutet als auch für ein

Relativpronomen verwendet werden kann, zum Zug. Dabei

können auch noch die Personalpronomina stehen, was vor allem

in der Mehrzahl sinnvoll ist, weil dort in beiden Geschlechtern die

149


gleiche Verbform verwendet wird. Das Verneinungswort «al»

steht genau dazwischen:

er soll (nicht) schreiben!

sie soll (nicht) schreiben!

sie (m.) sollen (nicht) schreiben!

sie (f.) sollen (nicht) schreiben!

sche (al) tichtov!

schehu (al) tichtov!

sche (al) ticht’vi!

schehi (al) ticht’vi!

sche (al) ticht’vu!

schehem (al) ticht’vu!

sche (al) ticht’vu!

schehen (al) ticht’vu!

Dieses «sche» erinnert an die Imperativ-Konstruktion in den

romanischen Sprachen, wo ebenfalls «dass» verwendet wird,

aber von einem formal «echten» Konjunktiv gefolgt werden

muss:

er soll (nicht) kommen! = qu’il (ne) vienne (pas)! - Französisch

che lui (non) venga! - Italienisch

cha el (nu) vegna! - Engadinisch

che issu (no) bengat! - Sardisch

que ell (no) vingui! - Katalanisch

que él (no) venga! - Spanisch

que ele (não) venha! - Portugiesisch

Das franzözische «ne … pas» wird in der Fachsprache als

Mantelverneinung bezeichnet. In der Umgangssprache wird das

«ne» allerdings fast immer weggelassen.

150


Weitere häufig vorkommende Verben lauten im Imperativ so:

hatchel! - tatchil! (m.) beginn! fang an!

beginnen Sie! fangen Sie an!

hatchíli! - tatchíli! (f.) wie oben

hatchílu! - tatchílu! beginnt! fangt an!

beginnen Sie! fangen Sie an!

hikanes! - tikanes! (m.)

hikansi! - tikansi! (f.)

hikansu! - tikansu!

tritt ein! treten Sie ein!

wie oben

tretet ein! treten Sie ein!

hitrachets! - titrachets! (m.) wasch dich! waschen Sie sich!

hitrachatsi! - titrachatsi! (f.) wie oben

hitrachatsu! - titrachatsu! wascht euch! waschen Sie sich!

r’e! - tir’e! (m.)

r’i! - tir’i! (f.)

r’u! - tir’u!

schau mal! sieh mal!

schauen Sie mal! sehen Sie mal!

wie oben

schaut mal! seht mal!

schauen Sie mal! sehen Sie mal!

sch’ma! (m.)

schim’i! (f.)

schim’u!

hör! Hören Sie!

wie oben

hört! hören Sie!

151


t’daber! daber! (m.)

t’dabri! dabri! (f.)

t’dabru! dabru!

n’daber!

sprich! sprechen Sie!

wie oben

sprecht! sprechen Sie!

sprechen wir!

tilmad! l’mad! (m.)

tilm’di! limdi! (f.)

tilm’du! limdu!

lerne! lernen Sie!

wie oben

lernt! lernen Sie!

Für diese Verben werden meistens die verkürzten Varianten

verwendet:

bo! (m.) - bó’i! (f.)

bó’u!

komm! kommen Sie!

kommt! kommen Sie!

lech! (m.) - l’chi! (f.)

l’chu!

nelech!

geh! gehen Sie!

geht! gehen Sie!

gehen wir!

kach! (m.) - k’chi! (f.)

k’chu!

nimm! nehmen Sie!

nehmt! nehmen Sie!

ruts! (m.) - rútsi! (f.)

rútsu!

lauf! laufen Sie!

lauft! laufen Sie!

152


sa! (m.) - s’i! (f.)

s’u!

fahr! fahren Sie!

fahrt! fahren Sie!

schev! (m.) - sch’vi! (f.)

sch’vu!

setz dich! setzen Sie sich!

setzt euch! setzen Sie sich!

sim! (m.) - sími! (f.)

símu!

lege! legen Sie!

legt! legen Sie!

ten! (m.) - t’ni! (f.)

t’nu!

gib! geben Sie!

gebt! geben Sie!

Für den Imperativ von «sagen» gibt es drei verschiedene

Verben:

emor! - haged! - tagid! (m.)

imri! - hagídi! - tagídi! (f.)

imru! - hagídu! - tagídu! (Pl.)

Allerdings kommt die oberste Variante mit «emor» usw. in der

heutigen Umgangssprache fast nie vor, sie kann vor allem in der

Bibel häufig gelesen werden.

Auch für «sein» und «haben» gibt es eigene Imperativformen:

heje! - tihje! (m.) sei! seien Sie!

haji! - tihji! (f.)

wie oben

153


heju! - tihju! (Pl.)

haji ahava lachem l’kol!

seid! seien Sie!

habt Liebe für alle!

Auch hier richtet sich die Imperativform nach dem Obekt, um das

es geht, hier also das weibliche Wort «ahava».

Verschiedene direkte oder auch nur indirekte Imperative werden

auch öffentlich so geschrieben:

b’vakascha na l’hikanes!

na lo l’hikanes!

na lo l’daber!

bitte eintreten!

treten Sie bitte ein!

bitte nicht eintreten!

bitte nicht betreten!

(also das Gegenteil von oben)

bitte nicht sprechen!

Das Verneinungswort ist hier also wieder «lo» und nicht «al».

Dieser Ruf kann manchmal auch gehört werden:

hatsílu! - Hilfe! Zu Hilfe!

Wörtlich heisst es «rettet!», die erste Person lautet im Präsens

«ani matsil» (m.) bzw. «ani matsíli» (f.).

154


Die Konjunktionen (Bindewörter)

aber

aval

als

ka’ascher, k’sche

auch

gam

bevor

lifnéj sche …

bis

ad sche …

bloss (nur) rak

da

mikévan sche …

dass ki (AH), sche- *

denn

ki

entweder … oder o … o

nachdem acharéj sche …

nur

rak

ob

im

obwohl

lamrot sche …

oder

o

sondern

éla

weil

ki, mikévan sche …, mipnéj sche …

und ve, u **

weil

ki

um zu

kedéj

wie

k’mo

155


* Dieses Wort wird in der Schriftsprache immer direkt mit dem

nachfolgenden verbunden:

Du weisst, dass ich dich liebe.

Ata jodé’a sche-ani ohévet otcha. (Frau zum Mann)

At jodá’at sche-ani ohev otach. (Mann zur Frau)

Allerdings gehören «jodé’a» und «jodá’at» zu den wenigen

Verben, bei denen das Personalpronomen auch hinten stehen

kann:

Jodé’a ata sche-ani ohévet otcha.

Jodá’at at sche-ani ohev otach.

** Nach einer alten Faustregel wird «u» anstelle von «ve»

verwendet, wenn diese vier Konsonanten folgen:

b, v, m, p

Dann wird das «b» zu einem «v», während das «p» sich in ein

«f» verwandelt:

Daniel und Mirjam = Daniel uMirjam (nicht «D. ve Mirjam»)

Allerdings wird diese Regel im mündlichen Gebrauch nicht immer

eingehalten, zudem habe ich auch im Bibelhebräischen solche

Sätze gesehen:

… und Frieden

… uschalom

(also nicht «veschalom» wie in einem obigen Beispielsatz)

156


Die Präpositionen (Verhältniswörter)

Die drei häufigsten und damit auch wichtigsten sind diese:

an, in nach, zu aus, seit, von

Unbestimmt: b’ l’, le- mi-

Bestimmt: ba- la- mi-

Die beiden ganz rechts sind also identisch.

Die genaue Unterscheidung zwischen unbestimmt und bestimmt

ist wichtig, weil sich auch die Bedeutungen verändern. Wenn nur

ein Land oder ein Ort ohne nähere Angabe verwendet wird, steht

die unbestimmte Variante, während bei einer genauen

Ortsangabe die bestimmte zum Zug kommt; dabei stehen die

Adjektive hinten immer noch mit dem bestimmten Artikel:

b’árets

b’arets jafa

b’Jíssra’el

biRuschaláim *

b’Mitsráim

b’Jarden

in einem Land

in einem schönen Land

in Israel

in Jerusalem

in Ägypten

in Jordanien (aber auch: im Jordan)

* Diese Verbindung wird unregelmässig gebildet.

Aber: ba-árets

ba-árets ha-jafa

ba-árets ha-sot

im Land

im schönen Land

in diesem Land

157


ba-árets ha-jafa ha-sot in diesem schönen Land

ba-ártsot

in den Ländern

ba-ártsot ha-jafot in den schönen Ländern

ba-ártsot ha-éle in diesen Ländern

ba-ártsot ha-jafot ha-éle in diesen schönen Ländern

le’árets * in ein Land la-árets ins Land, in das Land

le’ártsot in Länder la-ártsot in die Länder

le’Jíssra’el nach Israel

le’Jeruschaláim nach Jerusalem

le’Mitsráim nach Ägypten

le’Jarden

nach Jordanien, zum Jordan

* Auch diese Verbindung wird unregelmässig gebildet.

Ich gehe zu Daliah, zur schönen Frau, die ich sehr liebe.

Ani holech l’Dália, la-ischa ha-jafa ascher ani ohev me’od.

Wir gehen in ein schönes Land und in eine schöne Stadt.

Anáchnu holchim le’arets jafa ve le-ir jafe.

Wir gehen nach Jerusalem ins schöne Restaurant «Schalom».

Anáchnu holchim le’Jeruschaláim la-miss’ada ha-jafa

«Schalom».

(Hier steht «la-miss’ada», weil es ein bestimmtes Restaurant ist.)

158


Beim Ausruf «Gott sei Dank!», der auch bei uns immer noch viel

zu hören ist, steht im Gegensatz zu den anderen Eigennamen

(wie hier bei l’Dália) die Präposition «la», weil Gott als etwas

Bestimmtes gilt:

Toda la’El!

Dabei kommt hier «El» viel mehr vor als das übliche Elohim, das

natürlich auch gesagt werden kann.

Daneben gibt es noch zwei weitere weltbekannte Ausrufe:

l’hitra’ot! lehitra’ot! = auf Wiedersehen!

l’chái! lechái!

= Prost! Prosit! Zum Wohl!

(wörtliich: Auf das Leben!)

Seit dem Altertum ist noch bis heute das Wort «ártsa» erhalten

geblieben, mit dem das Land Israel gemeint ist. Es erfüllt eine

ähnliche Funktion wie einst das Wort «Urbs» (Stadt) für die

Römer - deshalb auch der Ausdruck «Urbi et Orbi» (der Stadt

und dem Erdkreis), wenn der Papst vor dem Petersplatz eine

Rede hält - und das Wort «Polí» (grossgeschrieben) noch heute

für die Griechen, wenn sie Konstantinopel bzw. das heutige

Istanbul meinen. Kleingeschrieben bedeutet «polí» nur

irgendeine Stadt.

Wir gehen nach Israel.

Anáchnu holchim le’Jíssra’el.

Anáchnu holchim ártsa.

Anáchnu holchot ártsa. (nur Frauen)

mi-Jíssra’el aus Israel mi-Ruschaláim * aus Jerusalem

mi-Mitsráim aus Ägypten mi-Jarden aus Jordanien

159


* Auch hier wird wie bei «biRuschaláim» verkürzt, aber auch die

längere Variante «mi-Jeruschaláim» kann verwendet werden.

Wir kommen von Israel, von der schönen Stadt Haifa.

Anáchnu ba’im mi-Jíssra’el, mi-ha-ir ha-jafe Chéifa.

Anáchnu ba’ot … (nur Frauen und Mädchen)

Ich komme von Daliah, (von) der schönen Frau, die hier wohnt.

Aní ba mi-Dália, mi ha-ischa ha-jafa, ascher gar po (Mann).

Aní ba’at … (Frau oder Mädchen).

Ich lese aus einem guten Buch.

Aní lomed mi-sséfer tov (Mann).

Aní lomédet … (Frau oder Mädchen)

Wir lesen aus guten Büchern.

Anáchnu lomdim mi-ss’farim tovim.

Anáchnu lomdot … (nur Frauen und Mädchen).

In der hebräischen Schrift werden diese Präpositionen immer mit

dem nachfolgenden Wort zusammengeschrieben, als wären sie

ein einziges.

Die übrigen Präpositionen, die keinen Unterschied zwischen

unbestimmt und bestimmt kennen, solange sie nur mit einem

Substantiv oder einem Eigennamen verbunden werden, sind

diese:

160


auf

al

bei

étsel

bis

ad

drin, in betoch

fern

rachok

für

bischvil

hinter, acharéi *

nach

mit

im (mit Alef)

nahe

karov

neben al-jad

über

me’al (auch: al)

unter

táchat

unterhalb mitáchat

vor

lifnéi

wegen biglal

weit

rachok

wie

k’mo

zwischen ben

* Das Wort «acharéj» ist mit dem im vorherigen Kapitel

aufgeführten Wort für «nachher» identisch.

Wenn diese Präpositionen mit einem Personalpronomen

verbunden werden, verändern sich auch diese hinten zu den

161


entsprechenden genauen Ausdrücken. Das hat das Hebräische

nicht nur mit dem Arabischen, sondern auch mit dem Finnischen

und Ungarischen und sogar mit den keltischen Sprachen

gemeinsam; die letztgenannten sind wiederum die einzige

Sprachfamilie innerhalb des sogenannten indogermanischen

bzw. indeuropäischen Sprachraums, die diese Konstruktion

kennt.

Die Präpositionen, die ich hier aufführe, sind in alfabetischer

Reihenfolge diese:

auf, bei, für, gegen, in, mit, nach, neben, ohne, über, von, vor,

wie, zu

Obwohl es möglich ist, für «über» auch die Formen von «auf» zu

verwenden, führe ich sie hier getrennt auf:

auf = al bei = étsel für = bischvil

auf mir bei mir für mich

usw. usw. usw.

alái etsli bischvili

alécha (m.) etsl’cha (m.) bischvilcha (m.)

aláich (f.) etslech (f.) bischvilech (f.)

alav (m.) etslo (m.) bischvilo (m.)

aléiha (f.) etsla (f.) bischvila (f.)

aléinu etslénu bischvilénu

aléichem (m.) * etsl’chem (m.) bischvilchem (m.)

aléichen (f.) etsl’chen (f.) bischvilchen (f.)

aléihem (m.) etslam (m.) bischvilam (m.)

aléihen (f.) etslan (f.) bischvilan (f.)

162


gegen = néged in = b’ mit = im

gegen mich in mich/in mir mit mir

usw. usw. usw.

negdi bi imi (AH), iti (NH)

negd’cha (m.) b’cha (m.) imcha (m.), itcha (m.)

negdech (f.) bach (f.) imach (f.), itach (f.)

negdo (m.) bo (m.) imo (m.), ito (f.)

negda (f.) ba (f.) ima (f.), ita (f.)

negdénu bánu imánu, itánu

negd’chem (m.) bachem (m.) imchem (m.), itchem

negd’chen (f.) bachen (f.) imchen (m.), itchen

negdam (m.) bahem (m.) imam (m.), itam (m.)

negdan (f.) bahen (f.) iman (m.), itan (f.)

nach = acharéj neben = al-jad ohne = bli

nach mir neben mir ohne mich

usw. usw. usw.

acharái ** al-jadi bil’adái

acharéicha (m.) al-jadcha (m.) bil’adéicha (m.)

acharáich (f.) al-jadech (f.) bil’adáich (f.)

acharav (m.) al-jado (m.) bil’adav (m.)

acharéiha (f.) al-jada (f.) bil’adéiha (f.)

acharéinu al-jadénu bil’adéinu

acharéichem (m.) al-jadchem (m.) bil’adéichem (m.)

163


acharéichen (f.) al-jadchen (f.) bil’adéichen (f.)

acharéihem (m.) al-jadam (m.) bil’adéihem (m.)

acharéihen (f.) al-jadan (f.) bil’adéihen (f.)

von = min (mi-) *** zu = el

von mir

zu mir

usw.

usw.

miméni

elái

mimcha (m.) eléicha (m.)

mimech (f.) eláich (f.)

miménu (m.) elav (m.)

miména (f.) eléiha (f.)

miménu

eléinu

mikem (m.) aléichem (m.) *

miken (f.) aléichen (f.) *

méhem (m.) *** aléihem (m.) *

méhen (f.) ** aléihen (f.) *

Die personalisierten Präpositionen von «al» (auf) und «el» (zu)

sind in der zweiten und dritten Person Mehrzahl identisch.

Zu beachten sind auch die verschiedenen Lautverschiebungen,

zum Beispiel bei «bli» (ohne) und «étsel» (bei):

bli - bil’adái, bil’adéicha usw.

étsel - etsli, etsl’cha usw.

164


Zudem muss genau geschaut werden, ob die betonte Silbe im

Wortinneren ein «é» oder ein «éi» ist.

Es kann sicher helfen, auch zu wissen, welche Präpositionen mit

einem Alef und welche mit einem Ajin geschrieben werden.

Mit Alef: acharéi, el, étsel, imi/iti

Mit Ajin: al, al-jad

* Das Wort «aléichem», das oft auch «aléchem» ausgesprochen

wird, ist durch das Lied «Schalom aléichem» (Friede über euch)

weltbekannt geworden und entspricht dem ebenso bekannten

arabischen «Salam alaikum». Dieses wiederum darf angeblich

nur unter den Moslems so verwendet werden, aber ich habe

selber festgestellt, dass das bei denen viel lockerer gesehen

wird; schliesslich sind es auch für sie positive Worte. Das Wort

«aléchem», das in diesem Lied meistens so gesungen wird, ist

eigentlich eine verballhornte Form und deshalb nicht ganz

korrekt. Der arabische Ausdruck «Salam alaikum» ist auch eine

Erklärung dafür, dass viele Moslems in ihren Kommentaren oft

«Friede sei über ihm» miteinflechten, wenn sie von jemandem

schreiben, der für sie als heilig gilt.

** Dieses Wort kann auch «mir nach!» bedeuten und wurde vor

allem in der Armee immer wieder verwendet, so auch von den

meisten Offizieren, die in einem Krieg vorangingen und nicht so,

wie ich es bei militärischen Übungen selbst erlebt habe, ihre

Untergebenen vorschickten und von hinten zuschauten. Auch

das ist eine Erklärung dafür, warum in der israelischen Armee

auffallend viele Offiziere umkamen, vor allem viele

Kommandanten der Panzertruppen, die ihre Leute oft sogar mit

offenen Luken anführten und damit gut sichtbare Ziele waren.

*** Vor den Kehllauten, vor einem «h» sowie vor einem Alef und

165


Ajin wird die Kurzform «mi-« durch «me-« ersetzt:

miGermánia = von Deutschland

meHungária = von Ungarn

Auch das Wort «l’vad» (allein) wird auf diese Weise in allen

Personen verwendet. Allerdings kommt es in der

Umgangssprache oft auch allein vor, was grammatikalisch aber

nicht als korrekt gilt.

ich allein, du allein usw.

l’vadi

l’vadcha (m.)

l’vadech (f.)

l’vado

l’vada

l’vadénu

l’vadchem (m.)

l’vadchen (f.)

l’vadam (m.)

l’vadan (f.)

Ich gehe allein.

Ani holech l’vadi. (m.)

Ani holéchet l’vadi. (f.)

Wir reisen allein.

Anáchnu nos’im l’vadénu.

Anáchnud nos’ot l’vadénu

(nur Frauen oder Mädchen).

166


Die Zahlen

Bis jetzt war es insgesamt noch einfach, aber jetzt geht es zum

ersten Mal so richtig ans Eingemachte. Die hebräischen Zahlen

sind mit dem männlichen und weiblichen Geschlecht genauso

wie die im Arabischen und Aramäischen eines der

Markenzeichen der semitischen Sprachen und übertreffen sogar

die Schwierigkeiten in den slawischen Sprachen, wo es in allen

Zahlen eine voll entwickelte Deklination gibt, am krassesten im

Russischen und Polnischen.

In den semitischen Sprachen gibt es zwar keine solchen

Konjugationen, aber die Schwierigkeiten liegen auf einer

anderen Ebene. Wer Latein und Altgriechisch gelernt hat, weiss

sicher noch, dass im ersteren bis zur Zahl Drei und im letzteren

sogar bis zur Zahl Vier zwischen männlich und weiblich

unterschieden wird, und in fast allen romanischen Sprachen gilt

das immerhin noch bis zur Zahl Zwei. In den semitischen

Sprachen gibt es aber für fast alle Zahlen - mit Ausnahme der

grossen runden wie 100 oder 1'000 - sowohl eine männliche als

auch eine weibliche Variante, die aber zum Glück ebenfalls leicht

gelernt werden können.

Die Kardinalzahlen Die Ordinalzahlen

(Die Grundzahlen) (Die Ordnungszahlen)

0 éfess -

1 echad (m.) - achat (f.) rischon (m.) - rischona (f.)

2 sch’nájim - sch’tájim * scheni - sch’nija

(sch’náim - sch’táim)

3 sch’loscha schalosch * sch’lischi - sch’lischit

167


4 arba’a - arba r’vi’i - r’vi’it

5 chamischa - chamesch chamischi - chamischit

6 schischa - schesch schischi - schischit

7 schiv’a - schéva schvi’i - schvi’it

8 sch’móna - sch’móne sch’mini - sch’minit

9 tisch’a - téscha t’schi’i - t’schi’it

10 assara - ésser assiri - assirit

11 achád-assar - ha-achád-assar -

achát-essre

ha-achát-essre

12 sch’néim-assar - ha-sch’néim-assar -

sch’téim-essre

ha-sch’téim-essre

13 sch’loschá-assar, ha-sch’loschá-assar -

sch’lósch-essre

ha-sch’lósch-essre

14 arba’á-assar - ha-arba’á-assar -

arbá-essre

ha-arbá-essre

15 chamischá-assar - ha-chamischá-assar -

chamésch-essre

ha-chamésch-essre

16 schischá-assar - ha-schischá-assar -

schésch-essre

he-schésch-essre

17 schiv’á-assar - ha-schiv’á-assar -

sch’vá-essre

ha-sch’vá-essre

18 sch’móna-assar - ha-sch’móna-assar -

sch’móne-essre

ha-sch’móne-essre

19 tisch’á-assar - ha-tisch’á-assar -

168


t’schá-essre ha-t’schá-essre

20 essrim ha-essrim

21 essrim v’echad - ha-essrim v’echad -

essrim v’achat

ha-essrim v’achat

22 essrim uschnájim - ha-essrim uschnájim -

essrim uschtájim

ha-essrim uschtájim

23 essrim uschloscha - ha-essrim uschloscha -

essrim v’schalosch ha-essrim v’schalosch

24 essrim v’arba’a - ha-essrim v’arba’a -

essrim v’arba

ha-essrim v’arba

25 essrim vachamischa - ha-essrim vachamischa -

essrim v’chamesch ha-essrim v’chamesch

26 essrim v’schischa - ha-essrim v’schischa -

essrim vaschesch

ha-essrim vaschesch

27 essrim v’schiv’a - ha-essrim v’schiv’a -

essrim vaschéva

ha-essrim vaschéva

28 essrim usch’móna - ha-essrim usch’móna -

essrim usch’móne

ha-essrim usch’móne

29 essrim v’tisch’a - ha-essrim v’tisch’a -

essrim vatéscha

ha-essrim vatéscha

30 sch’loschim ha-sch’loschim

31 sch’loschim v’echad - ha-sch’loschim v’echad -

sch’loschim v’achat ha-sch’loschim v’achat

32 sch’loschim usch’nájim - ha-sch’loschim usch’nájim -

169


sch’loschim usch’tájim ha-sch’loschim usch’tájim

40 arba’im ha-arba’im

50 chamischim ha-chamischim

60 schischim ha-schlischim

70 schiv’im ha-schiv’im

80 sch’monim ha-sch’monim

90 tisch’im ha-tisch’im

100 mé’a ha-mé’a

101 mé’a v’echad - ha-mé’a v’echad -

mé’a v’achat

ha-mé’a v’achat

102 mé’a usch’nájim - ha-mé’a usch’nájim -

mé’a usch’tájim

ha-mé’a usch’tájim

110 mé’a v’assara - ha-mé’a v’assara -

mé’a v’ésser

ha-mé’a v’ésser

111 mé’a v’achád-assar - ha-mé’a v’achád-assar -

mé’a v’achát-essre ha-mé’a v’achát-essre

112 mé’a v’sch’néim-assar - ha-mé’a v’sch’néim-assar -

mé’a v’sch’téim-essre ha-mé’a v’sch’téim-essre

200 matájim (matáim) ha-matájim (ha-matáim)

201 matájim v’echad - ha-matájim v’echad -

matájim v’achat

ha-matájim v’achat

202 matájim usch’nájim - ha-matájim usch’nájim -

matájim usch’tájim ha-matájim usch’tájim

usw.

usw.

170


300 sch’losch mé’ot ha-sch’losch mé’ot

400 arba mé’ot ha-arba mé’ot

500 chamesch mé’ot ha-chamesch mé’ot

600 schesch mé’ot ha-schesch mé’ot

700 sch’va mé’ot ha-sch’va mé’ot

800 sch’móne mé’ot ha-sch’móne mé’ot

900 t’scha mé’ot ha-t’scha mé’ot

1'000 élef ha-élef

2'000 alpájim (alpáim) ha-alpájim (he-alpáim)

3'000 sch’loschet alafim ha-sch’loschet alafim

4'000 arba’at alafim ha-arba’at alafim

5'000 chaméschet alafim ha-chaméschet alafim

6'000 schéschet alafim ha-schéschet alafim

7'000 schiv’at alafim ha-schiv’at alafim

8'000 schmonat alafim ha-schmonat alafim

9'000 tisch’at alafim ha-tisch’at alafim

10'000 asséret alafim ha-asséret alafim

11'000 achád-assar élef - ha-achád-assar élef -

achát-essre élef

ha-achát-essre élef

100'000 mé’a élef ha-mé’a élef

200'000 matájim élef ha-matájim élef

1 Million miljon ha-biljon

2 Millionen sch’néj miljonim ha-sch’néj miljonim

1 Milliarde miljard ha-miljard

171


2 Milliarden schn’néi miljardim ha-sch’néi miljardim

1 Billion biljon ha-biljon

2 Billionen sch’néi biljonim ha-sch’néi biljonim

1 Trillion triljon ha-triljon

2 Trillionen sch’néj triljonim ha-sch’néj triljonim

Von der Zahl 11'000 an aufwärts werden die Tausenderzahlen

nicht mit «alafim», sondern mit «élef» gezählt.

Bei «alafim» taucht in Verbindung mit anderen Wörtern wieder

der Status constructus auf:

alafim

alféi tajarim

Tausende

Tausende von Touristen

Das gilt aber nicht für das Wort «mé’ot»:

mé’ot

Hunderte

mé’ot tajarim Hunderte von Touristen

Bemerkenswert ist die männlich-weibliche Kombination der

Zahlen von 3'000 bis 10'000.

* Hier verwende ich den Apostroph nur deshalb, damit bei «sch»

genau gesehen werden kann, wie die Zahlen geschrieben

werden - mit zwei Punkten unter dem betreffenden Konsonanten

-, und dass es wichtig ist, die ständigen Wechsel von einer Zahl

mit einem Apostroph zu einer anderen ohne einen solchen

einzuprägen. Auf die Aussprache wirkt sich das nicht aus:

172


sch’náim = schnáim

sch’loscha = schloscha

sch’táim = schtáim

t’scha mé’ot = tscha mé’ot

Bei der Zahl 2 stehen die Substantive, die sich auf sie beziehen,

wie oben gesehen im Status constructus:

zwei Männer

sch’nei anaschim

zwei Frauen

sch’tei naschim

Da die weiblichen Zahlen kürzer als die männlichen sind,

verwendet man bei einer Aufzählung fast immer nur diese:

achat, schtáim, schalosch, arba, chamesch, schesch, schéva,

schmóne, téscha, ésser

Auch aus diesem Grund gibt es bei den Hunderter- und

Tausenderzahlen von 300 an aufwärts nur noch die weibliche

Variante, die zum Teil noch verkürzt wird:

schalosch sch’losch mé’ot sch’losch alafim

arba arba mé’ot arba alafim

chamesch chamesch mé’ot chamesch alafim

schesch schesch mé’ot schesch alafim

schéva sch’va mé’ot sch’va alafim

sch’móne sch’móne mé’ot sch’móne alafim

téscha t’scha mé’ot t’scha alafim

Bei den Zehner- und Einerzahlen wird dagegen immer zwischen

173


den beiden Geschlechtern unterschieden, wie die obigen

Beispiele zeigen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Sprachen sind die

Ordnungszahlen nicht viel schwerer als die Grundzahlen zu

bilden, weil bei den weiblichen Varianten von 3 bis 9 einfach ein

«t» an die männlichen gehängt wird und zudem von der Zahl 11

an aufwärts einfach die bestimmten Artikel «ha» und «he»

vorangestellt werden - das letztere wie oben gesehen vor allem

im mündlichen Gebrauch dann, wenn direkt darauf ein «a» folgt.

Die Wörter für «der/die erste» und «der/die zweite» gehören zu

den beiden einzigen Ausnahmen.

Gemeinsam ist allen Ordnungszahlen, dass auch bei ihnen

genau darauf geachtet werden muss, wann ein bestimmter

Artikel notwendig ist und wann nicht:

erster Tag

jom rischon

der erste Tag

ha-jom ha-rischon

zweiter Tag

jom scheni

der zweite Tag

ha-jom ha-scheni

erste Tage

jamim rischonim

die ersten Tage

ha-jamim ha-rischonim

Im biblischen Schöpfungsbericht steht «jom rischon» usw.;

folglich sind die Übersetzungen, die «der erste Tag» usw.

anstelle von «erster Tag» usw. lauten, streng genommen falsch.

174


In Verbindung mit einem Possessivpronomen kann auch die

biblische Variante verwendet werden, ja, sie ist sogar besser,

weil viel kürzer:

mein erster Brief = michtavi ha-rischon,

ha-michtav ha-rischon scheli

Bei «sséfer» Buch verändern sich die Buchstaben im

Wortinneren ein wenig:

mein erstes Buch = ssifri ha-rischon,

ha-sséfer ha-rischon scheli

meine ersten Bücher = ssifréi ha-rischonim,

ha-ssifrim ha-rischonim scheli

Auch hier kommt in der Mehrzahl wieder der Status constructus

zum Zug.

Ich schreibe mein erstes Buch.

AH: Katávti et ssifri et-rischon.

Echtov et ssifri et-rischon.

NH: Ani kotév/kotévet et ha-sséfer ha-rischon scheli.

Ich schreibe meine ersten Bücher.

AH: Katávti et ssifrái et-rischonim.

Echtov et ssifrái et-rischonim.

NH: Ani kotev/kotévet et ha-sifrim ha-rischonim scheli.

175


Addiert und subtrahiert wird auf diese Weise:

3 + 4 = 7 schalosch ve’arba noten (gibt) schéva

7 - 3 = 4 schéva pachot (weniger) schalosch noten arba

Es wird zwar mit den kürzeren weiblichen Varianten gerechnet,

aber das Verb steht auch hier in der männlichen Form.

Auf das Vervielfältigen und Dividieren verzichte ich, weil diese

Formen viel komplizierter zu bilden sind als in den meisten

anderen Sprachen und auch mit dem zusammenhängen, was ich

ganz unten in einem eigenen Kapitel unter dem Titel «Das

hebräische Denken» behandle.

Bei einer Mengenangabe werden «wenig» und «viel» sowie «die

meisten» so verwendet:

Ich habe nur wenig Geld, doch er hat viel (Geld).

Jesch li rak k’sat késsef, aval jesch lo harbe (késsef).

Hier gibt es nur wenige Kinder, aber dort gibt es viele.

Po jesch rak k’saf jeladim, aval scham jesch harbe.

Die meisten Frauen lieben Kinder.

Rov ha-naschim ohvot et-jeladim.

Aber: Die meisten lieben Kinder.

Ha-rov ohvim et-jeladim.

(ohvim = alle gemeint)

176


Während «k’sat» und «harbe» sowohl in der Einzahl als auch in

der Mehrzahl unverändert bleiben, muss vor dem Wort «rov»,

das eigentlich «Mehrheit» bedeutet, immer der bestimmte Artikel

stehen, wenn das nachfolgende Substantiv unbestimmt ist.

Wenn nach dem Alter einer Person gefragt wird, kommt immer

noch ein Ausdruck zum Zug, der seit dem Altertum erhalten

geblieben ist:

Wie alt bist du? Wie alt sind Sie?

Ben káma ata? Bat káma at?

Ich bin dreissigjährig. - Ani ben essrim, ani bat essrim.

Wie alt seid ihr? Wie alt sind Sie?

Banim káma atem? Banot káma aten?

Wir sind dreissigjährig. - Anáchnu banim essrim,

anáchnu banot essrim.

Die Bruchzahlen

Hälfte chatsi, chétsi, machatsit *

Drittel

sch’lisch

zwei Drittel schn’néi sch’lischim

Viertel

réva

zwei Viertel sch’néi r’va’im

drei Viertel sch’loscha r’va’im, schlóschet riv’éj

Fünftel

chamischia

177


vier Fünftel

Zehntel

Hundertstel

Tausendstel

arba chamischiot

assirit

méjit

alpit

Dutzend

halbes Dutzend

zehn Dutzend

Zehner

ein Paar

tressar, trejssar

chatsi tressar, chatsi trejssar

ésser tressar, ésser trejssar

assirija

sug

Die Uhrzeit

Hier ist es erstaunlich einfach. Wie in vielen anderen Sprachen

drehrt sich die Uhrzeit um eine erste und eine zweite Hälfte.

Wie spät ist es?

Ma ha’scha’a?

Es ist zwei Uhr.

Ha-scha’a schtáim.

Es ist zehn Minuten nach zwei.

Es ist Viertel nach zwei.

Ha-scha’a schtáim ve’ésser dakot. Ha-scha’a schtáim varéva.

Es ist zwanzig nach zwei.

Ha-scha’a schtáim ve’essrim.

Es ist halb drei.

Ha-scha’a schtáim vechétsi.

Und jetzt kommt der Wechsel nach dreissig Minuten:

178


Es ist zwanzig vor drei.

Ha-scha’a essrim l’schalosch.

Es ist Viertel vor drei.

Ha-scha’a réva l’schalosch.

Es ist zehn vor drei.

Ha-scha’a ésser l’schalosch.

Es ist genau drei Uhr.

Ha-scha’a schalosch

b’dijuk.

Hier kommen die weiblichen Varianten zum Zug, weil die Zahlen

sich auf das weibliche Wort «scha’a» beziehen.

Die Wörter «chatsi» und «chétsi», die beide «halb» bedeuten,

werden verschieden verwendet:

«Chatsi» steht vor einer Zeit- oder Mengenangabe:

eine halbe Stunde

ein halber Schekel

chatsi scha’a

chatsi schékel

Dagegen steht «chétsi» nach einer Zeit- oder Mengenangabe:

Es ist halb sechs. Ha-scha’a chamesch vachétsi.

eineinhalb Schekel schékel vachétsi

halb und halb chétsi-chétsi

Wie hier gesehen werden kann, unterscheidet «chatsi» nicht

zwischen einem männlichen und weiblichen Wort.

Die Mehrzahl von Schekel lautet «sch’kalim», folglich im Status

constructus «sch’kaléi».

179


Vor «réva» (ein Viertel) und «chétsi» steht für «und» anstelle von

«ve» das deutlicher zu hörende «va»:

Es ist Viertel nach drei.

Es ist halb vier.

Ha-scha’a schalosch varéva.

Ha-scha’a schalosch vachétsi.

Noch ein paar Zeitausdrücke:

um zehn Uhr morgens b’scha’a ésser ba-bóker

um zwölf Uhr mittags b’scha’a schtéim-essré

ba-tsóhoraim

um drei Uhr nachmittags b’scha’a schalosch

acharéi-hatsóhoraim

um acht Uhr abends b’scha’a schmóne ba-érev

um zwölf Uhr nachts b’scha’a schtéim-essré ba-láila

um Mitternacht

b’chtsot

In diesem Kapitel schreibe ich «schtáim» usw. so, wie sie

tatsächlich ausgesprochen werden, erst recht bei einem

schnellen Wortwechsel.

Es ist also nicht so schwer wie im humoristischen Büchlein

«Drehn Sie sich um, Frau Lot!» von Ephraim Kischon, in dem in

einem Kapitel dieser Satz steht: Schon nach drei oder vier

Jahren ist ein Neueinwanderer in der Lage, jemanden zu fragen:

«Bitte sagen Sie mir, wie spät es ist, aber womöglich auf

Englisch!» Immerhin ist Hebräisch nach seinen natürlich nicht

ganz ernst gemeinten Worten fast so leicht wie Chinesisch und

zudem die einzige Muttersprache, welche die Mütter von ihren

Kindern lernen.

180


Die Wochentage

Sonntag jom rischon jom álef

Montag jom scheni jom bet

Dienstag jom schlischi jom gímel

Mittwoch jom revi’i jom dálet

Donnerstag jom chamischi jom hej

Freitag jom schischi jom waw

Samstag schabat, jom schabat

am Sonntag ba-jom rischon b’jom álef

am Montag ba-jom scheni b’jom bet

usw. usw. usw.

Wie es schon die Zahlen hinter «jom» anzeigen, gilt auch im

Hebräischen der Sonntag genauso wie in vielen anderen

Sprachen als der erste Wochentag.

Die zweite Variante rechts, die sich nach dem hebräischen

Alphabet richtet, wird vor allem in der Amts- und

Verkehrssprache verwendet.

Die Monatsnamen

Auch hier gibt es zwei Varianten: Links stehen die weltweit

bekannten, die auch in Israel im internationalen Verkehr

verwendet werden, und rechts die religiösen, die von Babylon

181


stammen und vor allem unter den Ultraorthodoxen in Gebrauch

sind:

januar

februar

mars

april

maj

júni

júli

avgust

septémber

október

novémber

detsémber

Tischre (September - Oktober)

Cheschvan (Oktober - November)

Kisslev (November - Dezember)

Tevet (Dezember - Januar)

Sch’vat (Januar - Februar)

Adar (Februar - März)

Nissan (März - April)

Ijar (April - Mai)

Ssivan (Mai - Juni)

Tamus (Juni - Juli)

Av (Juli - August)

Elul (August - September)

Der erste Monat ist in der jüdischen Religion also der

Übergangsmonat September-Oktober - wie das auch bei den

Römern war, bis Julius Cäsar den Kalender so umstülpte, dass

dann der März der erste Monat des Jahres wurde, während die

Monate September, Oktober, November und Dezember dann als

der siebte, achte, neunte und zehnte des Jahres galten (deshalb

auch diese Namen im Latein).

Gerade deshalb, weil der Tischre auf unseren September und

Oktober fällt, wird der jüdische Neujahrstag, der «Rosch Ha-

Schana» genannt wird, immer in unserem Herbst gefeiert.

182


Das Datum

Welcher Tag ist heute?

Welches Datum ist heute?

Heute ist der 22. Oktober

des Jahres 2023.

Heute ist der zehnte Tag

des Nissan.

Eise jom ha-jom?

Ma ha-jom?

Káma ha-jom ba-chódesch?

Ha-jom essrim uschnáim

b’október schnat alpáim essrim

uschloscha.

Ha-jom tischa b’nissan.

Beim Datum werden die männlichen Zahlen verwendet, weil sie

sich auf das männliche Wort «jom» (Tag) beziehen.

Die wichtigsten jüdischen Feiertage

Chanúkka

Jom Ha-Atsma’ut

Chanukka bzw. Fest der Lichter

(Achttägiges Fest zur Erinnerung an die

Einweihung des zweiten Tempels im

Jahr 164 v. Chr., beginnt immer am 25.

des Monats Kislev)

Unabhängigkeitstag

(am 14. Mai bzw. 4. Ijar)

183


Jom Ha-Sikkaron

Jom Ha-Schóa

ve Ha-G’vura

Jom Kippur

Lag ba-ómer

Péssach

Purim

Rosch Ha-Schana

Schavu’ot

Tischa B’av

Gedenktag für die Gefallenen

(am 15. Mai bzw. 5. Ijar)

Schoa-Gedenktag bzw.

Holocaust-Gedenktag, aber auch

Gedenktag für die Widerstandskämpfer

Versöhnungstag

Pfingsten (aber mit anderer Bedeutung,

ist immer der 33. Tag zwischen Ostern

und Erntefest)

Ostern (aber ohne Jesus Christus)

Purim

Neujahr

Erntefest

neunter Tag im Monat Aw

(Juli/August)

Da auch die Israeliten ihren Kalender genauso wie später die

Moslems nach der Umlaufzeit des Mondes um die Erde und nicht

nach der Umlaufzeit der Erde um die Sonne richeten,

verschieben sich die religiösen Feiertage jedes Jahr ein wenig.

Der Unabhängigkeitstag und der Gedenktag für die Gefallenen

sind jedoch immer am 14. Und 15. Mai.

Der Sabbat, der vom Sonnenuntergang des Freitags bis zum

Sonnenuntergang des Samstags dauert, ist auch für die

Nichtreligiösen immer ein Feiertag. Der meistverwendete

Ausdruck, mit dem man sich gegenseitig einen guten Sabbat

wünscht, lautet «Schabat schalom!»

184


Die Religionen

Gott

El, Eloa, Elohim, El-Schadái

(und mehr als zwanzig weitere Wörter)

Religion

dat (f.)

religiös

dati, datit

ultrareligiös

charedi, charedit

Messias

maschíach

Prophet

navi

Prophetin

n’vija

Jude

jehúdi

Jüdin

jehudija

Rabbiner

rab, rav

Synagoge

béit k’nésset

Kippa

kipa (Pl. kipot)

Gebetsriemen t’filin

Morgengebet schacharit

Mittagsgebet min’cha

Abendgebet ma’ariv

Tempel

béit mik’dasch

Klagemauer kotel ha-ma’aravi (Westmauer)

Frauenabteilung esrat naschim

(in den Synagogen und an der Klagemauer)

Altes Testament tanach (thora, k’tuvim, n’vi’im)

185


Neues Testament

Psalm

Jesus

Jesus Christus

Erlöser, Retter

Evangelium

Christ

Christin

Apostel

Apostelgeschichte

Priester

Priesterin

Pfarrer

Pfarrerin

Altar

Kirche

Grabeskirche

Moslem

Muslimin

Islam

islamisch

Imam

Moschee

Schrein

b’rit ha-chadascha

mis’mor

Jéschu, Jeschúa

Jéschu Christos, Jeschúa Christos

moschía

b’sora (ha-chadascha)

notsri

notsrija, ischa notsrit

sch’lich

ma’aséi ha-sch’lichim

kohen, komer

kohénet

komer

koméret

mis’béiach

k’nessija

k’nessijat ha-kéver

muslemi

muslemija, ischa muslemit

islam

islami, islamit

imam

miss’gad

mik’dasch

186


Felsendom

miss’gad hasséla

Al-Aksa-Moschee miss’gad el-Aksa

Natürlich gibt es noch viel mehr Wörter, die den Bereich Religion

umfassen - allein in der jüdischen Religion noch mehrere

Dutzend andere. Da der Zweck dieses Buches in erster Linie

darin besteht, die Denkweise und die Strukturen des

Hebräischen zu vermitteln, führe ich hier nur die wichtigsten und

häufigsten auf und verzichte auf lange Listen von Wörtern, die

anderswo leicht gefunden werden können.

Jesus Christus ist der Sohn Gottes und der Erlöser der Welt.

AH: Jeschúa hu Ben Elohim ve Moschía ha-olam.

NH: Jeschúa ha-Ben (schel) Elohim ve ha-Moschía schel haolam.

Für die Moslems ist Mohammed der Prophet Gottes.

Li-muslemim Mohámmed navi Elohim.

Die Zeiteinheiten

halbe Sekunde

Sekunde

Sekunden

zwei Sekunden

halbe Minute

chatsi sch’nija

sch’nija

sch’nijot

sch’niáim

chatsi daka

187


Minute

Minuten

zwei Minuten

halbe Stunde

Stunde

Stunden

zwei Stunden

halber Tag

Tag

Tage

zwei Tage

halbe Woche

Woche

Wochen

zwei Wochen

halber Monat

Monat

Monate

zwei Monate

halbes Jahr

Jahr

Jahre

zwei Jahre

Jahrhundert

daka

dakot

dakáim

chatsi scha’a

scha’a

scha’ot

sch’atájim («sche’atáim»)

chatsi jom

jom

jamim

jomáim

chatsi schavú’a

schavú’a (m.)

schvú’ot

schvu’áim

chatsi chódesch

chódesch

chodaschim

chodascháim

chatsi schana

schana

schanim, schanot, schnot

schanáim

mé’a schanim

188


Morgen

Nachmittag

Abend

Nacht

guten Tag!

guten Morgen!

guten Abend!

gute Nacht!

bóker

tsóhoraim

érev

láila (m.)

bóker tov!

érev tov!

láila tov!

Anstelle dieser Ausdrücke kann das weltbekannte Wort

«schalom» als Universalgruss und auch Universalabschiedswort

sogar nachts immer verwendet werden.

heute

morgen

übermorgen

gestern

vorgestern

Zeitausdrücke

ha-jom

machar

mochorotáim

etmol

schilschom

diese Woche

nächste Woche

letzte Woche

ha-schavúa

ba-schavúa ha-ba

ba-schavúa sche’avar

diesen Monat

ha-chódesch

189


nächsten Monat

letzten Monat

ba-chódesch ha-ba

ba-chódesch sche’avar

dieses Jahr

nächstes Jahr

letztes Jahr

ha-schana

ha-schana ha-ba’a

ha-schana sche’avra (avra = weiblich)

vor einigen Sekunden

vor einigen Minuten

vor einigen Stunden

vor einigen Tagen

vor einigen Wochen

vor einigen Monaten

vor einigen Jahren

lifnéi schn’nijot acharot

lifnéi dakot acharot

lifnéi scha’ot acharot

lifnéi jamim achadim

lifnéi schavu’ot achadim

lifnéi chodaschim achadim

lifnéi schanot achadot

Zeitadverbien

bald

früh

jetzt

(bis jetzt

manchmal

nachher

niemals

od me’at

mukdam

achschav

ad achschav)

lif’amim - le’itim, lifrakim

acharéi

af pa’am - me’odi, le’olam lo, me’olam lo

190


oft

spät

vorher

zuerst

zuletzt

t’kufot - le’itim krovot

me’uchar

lifnéi

kódem

acharon

Die Varianten vor dem Querstrich kommen häufiger vor und sind

deshalb mehr zu empfehlen.

Die Jahreszeiten

Jahreszeit ona (Pl. onot)

Frühling aviv * im Frühling ba-aviv

Sommer kájits im Sommer ba-kájits

Herbst stav im Herbst ba-stav

Winter chórev im Winter ba-chórev

Von diesem Wort stammt bekanntlich der Name der heutigen

Stadt Tel Aviv ab: Hügel des Frühlings oder Frühlingshügel.

Die Himmelsrichtungen

Norden tsafon im Norden ba-tsafon

Osten mitsrach im Osten ba-mitsrach

Süden darom im Süden ba-darom

Westen ma’arav im Westen ba-ma’arav

191


Länder, Regionen, Nationalitäten und Sprachen

Da die meisten geografischen Namen im Hebräischen mit denen

im Deutschen fast identisch sind, verzichte ich in diesem Buch

auf lange Wörterlisten, wie ich sie in den meisten anderen

Sprachlehrbüchern geschrieben habe. Wer wissen will, wie das

eine oder andere Wort aussieht, kann im Google unter

«Armenian Lexilogos» nachschauen, wo über das Kreuz hinweg

in fast 200 Sprachen alles Mögliche gefunden werden kann.

Leider werden die meisten hebräischen Wörter ohne

Vokalzeichen aufgeführt, aber wenn es wirklich nicht anders

geht, können auch die englischen Namen verwendet werden, die

in ganz Israel natürlich ebenfalls verstanden werden.

Wichtig zu wissen ist jedoch, dass der männlichen Endung «-i»

immer die weibliche «-it» entspricht:

ein Israeli jissra’eli eine Israelin jissra’elija,

ischa

jissraelit

ein Jude jehúdi eine Jüdin jehudija,

ischa

jehúdit

ein Hebräer ivri eine Hebräerin ivrija,

ischa

ivrit

ein Aramäer arami eine Aramäerin aramija,

ischa

aramit

192


ein Araber aravi eine Araberin aravija,

ischa

aravit

ein Druse drusi eine Drusin drusija,

ischa

drusit

ein Ägypter mitsri eine Ägypterin mitsrija,

ischa

mitsrit

ein Deutscher germani eine Deutsche germanija,

ischa

germanit

ein Engländer angli eine Engländerin anglija,

ischa

anglit

ein Franzose tsarfi eine Französin tsarfija,

ischa

tsarfit

ein Amerikaner amerikani eine Amerikanerin amerikanija,

ischa

amerikanit

ein Russe russi eine Russin russija,

ischa

russit

193


Da die vordere weibliche Variante, die ich auch schon so gelesen

habe, mit den Ländernamen akustisch fast identisch ist

(Germánia - germanija, Rússia - russija), ist die Umschreibung

mit «ischa + Endung -it» mehr zu empfehlen, um allfällige

Missverständnisse zu vermeiden, und tatsächlich wird sie auch

viel mehr verwendet.

Die männliche Variante «isch + Endung -i» ist eigentlich auch

korrekt, aber sie kommt viel weniger vor:

jissraeli, isch jissraeli = ein Israeli, ein israelischer Mann

aravi, isch aravi

usw.

= ein Araber, ein arabischer Mann

Die Mehrzahlwörter sind regelmässig und deshalb leichter zu

bilden:

die Israelis

die Israelinnen

die Juden

die Jüdinnen

die Hebräer

die Hebräerinnen

die Aramäer

die Aramäerinnen

die Araber

die Araberinnen

die Drusen

die Drusinnen

ha-jissra’elim

ha-jissra’eliot

ha-jehúdim

ha-jehudiot

ha-ivrim

ha-ivriot

ha-aramim

ha-aramiot

ha-aravim

ha-araviot

ha-drusim

ha-drusiot

194


die Ägypter

die Ägypterinnen

die Deutschen

die Engländer

die Engländerinnen

die Franzosen

die Französinnen

die Amerikaner

die Amerikanerinnen

die Russen

die Russinnen

ha-mitsrim

ha-mitsriot

ha-germanim (m.),

ha-germaniot (f.)

ha-anglim

ha-angliot

ha-tsarfim

ha-tsarfiot

ha-amerikanim

ha-amerikaniot

ha-russim

ha-russiot

Die männlichen Wörter können wie oben gesehen auch wie

Adjektive verwendet werden. Das bekannteste Beispiel kommt in

der israelischen Nationalhymne vor, wo schon im ersten Satz

«néfesch jehúdi» (jüdische Seele) steht. Im Arabischen, das

bekanntlich viele ähnliche Wörter hat, lautet es «nafs yahûdi».

Bei den weiblichen Wörtern enden die Adjektive aber auf «-it»,

diese Endung ersetzt also «-ija»:

Diese Frau ist eine Jüdin.

Diese Frau ist jüdisch.

Ha-ischa ha-sot jehudija.

Ha-ischa ha-sot jehúdit.

Am Schluss führe ich noch ein paar Wörter auf, die sich nicht

direkt vom Deutschen ableiten lassen:

England

Anglia («A» betont)

195


Frankreich

Vereinigte Staaten

(USA)

Russland

Alpen

Mittelmeer

See Genezareth

Totes Meer

Rotes Meer

Tsarfat

Artsot habrit

(«A» betont)

Rússia

Alpim

Jam hatichon

Jam Kinnéret

Jam hamélach

Jam Suf

Galiläa ha-Galil (mit dem Artikel!) *

Samaria

Schomron

Galiläer

galili (Pl. galilim)

Galiläerin

galilija (Pl. galiliot)

Samariter

schomri (Pl. schomrim)

Samariterin

schomrija (Pl. schomriot)

Judäa

Jehúda

Haifa

Chéifa

Jaffa

Jaffo

Nazareth

Nátsaret

Tiberias

T’vérija

(mein Lieblingsort in Israel)

Dementsprechend werden diese Sätze so ausgedrückt:

196


Wir wohnen in Galiäa.

Anáchnu garim ba-Galil.

Wir gehen nach Galiläa.

Anáchnu holchim la-Galil.

Dagegen:

Wir wohnen in Samarien.

Anáchnu garim b’Schomron.

Wir gehen nach Samarien.

Anáchnu holchim l’Schomron.

Wir wohnen in Judäa.

Anáchnu garim b’Jehúda.

Wir gehen nach Judäa.

Anáchnu holchim l’Jehúda.

Der Ausdruck «Jehúda uSchomron» (Judäa und Samaria), der

vor allem von den Ultraorthodoxen für das bis 1967 jordanische

Westjordanland bzw. für die sogenannte Westbank verwendet

wird, ist als Begriff in die Geschichte eingegangen. Dabei wurde

Samarien, von dem im Neuen Testament viel die Rede ist, schon

vor 2'000 Jahren von fast keinem Juden mehr besiedelt. Da die

Samariter, die heute mehr Samaritaner genannt werden, noch

heute nur die fünf Bücher Mose als göttlich inspiriert anerkennen

und sich seit der Verschleppung der Israeliten nach Assyrien

(Nordreich) und Babylon (Südreich) zudem mit anderen Völkern

vermischten, wurden sie von den Juden verachtet, aber die

Abneigung war gegenseitig. Die Feindschaft war sogar so

ausgepägt, dass fast alle Juden, die von Jerusalem nach Galiläa

oder umgekehrt reisten, lieber den langen Umweg in der Nähe

des Mittelmeers oder entlang des Jordans auf sich nahmen, als

eine Reise durch das hügelige Samarien zu riskieren, das zudem

als gefährlich galt. Dass Jesus seinerzeit dennoch durchreiste,

lag nicht nur daran, dass er auch den Leuten im betreffenden

Dorf die frohe Botschaft verkünden wollte, sondern auch an der

gefährlichen Lage, nachdem die Pharisäer gehört hatten, dass

197


er noch mehr Leute taufte und zu Jüngern machte als Johannes

der Täufer. So hielt er es im Interesse derer, die ihm nachfolgten,

zu ihrer Sicherheit für besser, direkt durch Samarien zu reisen,

und dabei spielte sicher auch mit, dass es auf den Umwegen in

der Nähe des Mittelmeers und entlang des Jordans immer mehr

römische Truppen gab als auf den weniger zugänglichen Hügeln

Judäas und Samarias.

Es war sicher kein Zufall, dass Jesus im Gleichnis vom guten

Samariter ausgerechnet einen Mann, der von diesem

verachteten Volk stammte, in den Vordergrund stellte, weil er

auch damit ausdrückte, dass die Samariter als Menschen nicht

schlechter waren als die Juden. Die ganze Geschichte zuvor

hatte das deutlich genug gezeigt; als Jesus auftrat, hatte er mit

den gleichen Problemen zu kämpfen, welche den ersten

Reformatoren mehr als 1'000 Jahre später ebenfalls zusetzten:

Ein Glaube, der nur noch auf alten Traditionen fusste, aber keine

innere Kraft mehr hatte. Was vor 2'000 Jahren ein Tieropfer war,

ohne dass wirklich geglaubt wurde, waren in späteren Zeiten die

kirchlichen Rituale im Ablasshandel und im Schlucken von

Hostien, mit dem man sich sein Seelenheil ebenfalls erwerben

konnte, wie das jahrhundertelang geglaubt und von oben

befohlen wurde. Dazu passt, dass im oben erwähnten Gleichnis

nicht zwei einfache Menschen am Verwundeten gleichgültig

vorbeigingen, sondern ein Priester und ein Levit, also zwei, die

aufgrund ihrer Bildung eigentlich hätten wissen müssen, dass in

ihrem heiligen Buch auch viel von Barmherzigkeit die Rede war.

Die Samariter bzw. Samaritaner sind nie ganz ausgestorben,

aber sie zählen heute nur noch knapp 1'000 Köpfe und sind

zudem in zwei Gruppen aufgespalten. Während die einen, die in

der Nähe von Tel Aviv wohnen, hebräischsprachig sind, leben

die anderen, die Arabisch sprechen, in der Nähe von Nablus.

Beide Gruppen haben gemeinsam, dass sie immer noch die

Tieropfer nach den Gesetzen praktizieren, die im dritten Buch

198


Mose niedergeschrieben sind, und dass der Berg Garizim, der

mit etwa 800 Metern fast so hoch ist wie Jerusalem, immer noch

ihr eigentliches Pilgerzentrum ist, wie das im Neuen Testament

im Johannes-Evangelium steht, als Jesus der Samariterin

begegnet.

Lockere Slang-Ausdrücke

Offiziell gelten sie zwar nicht als solche, aber ich bezeichne sie

hier so, weil sie viel gehört werden können. Das Jiddische, die

bekannte Mischung aus Deutsch und Hebräisch, die vor allem in

Osteuropa jahrhundertelang gesprochen und von vielen

Einwanderern schon vor der Gründung des Staates ins Land

gebracht wurde, prägt Israel heute nicht mehr so stark wie früher,

aber es haben sich immer noch viele Ausdrücke bis heute

gehalten:

broch

freier

mami

pecklech

schlepp

schluck

schmock

schwanz

sisse

etwas, das schiefgeht

jemand, der sich immer ausnützen lässt

keine Mutti, sondern ein Schätzchen

Rucksack beim Trampen

prall gefüllter Rucksack

ein Schluck (z. B. Wasser), wie es der Name sagt

jemand, der einem auf die Nerven geht

das Gleiche wie «schmock»

ähnlich wie «mami», aber noch intensiver

Dazu kommt noch das saloppe «lehít!» für das viel längere

«lehítra’ot» für «auf Wiedersehen!». Es nimmt eine ähnliche

199


Stellung ein wie die heute weltweit verwendeten «bye!» und «see

you!» oder wie das deutsche «man sieht sich». Auch das vom

Italienischen stammende «tschau!» hat sich wie «bye!» recht gut

eingebürgert, ja, sogar das weltbekannte «schalom!» kann nicht

nur bei einer Begrüssung, sondern auch bei einem Abschied

verwendet werden, wenn es nicht anders geht auch nachts.

Biblische Namen

Hier folgt noch eine Liste mit den bekanntesten biblischen

Namen, allerdings nur solche, die vom Deutschen deutlich

abweichen:

Männer:

Frauen:

Aaron Aharon Bathseba Bat-schéva

Abel Avel Eva Chava

Abner Avner Hanna Chana

Abraham Avraham Isebel Jiss’vel

Abram Avram Mirjam Mir’jam

Absalom Av’schalom Rahel Rachel

Ahab Ach’av Rebekka Rív’ka

Ahas

Achass

Asser Ascher Länder, Städte, Flüsse, Berge:

Baal Ba’al * Ägypten Mitsrájim

Babel Bavel Ägypter mitsri

Benjamin Binjamin Ammon Amon

Elia Elijáhu Ammoniter amoni

200


Elisa Elíscha Asdod Aschdod

Habakuk Chavakuk Askalon Aschkelon

Haggai Chagéj Assyrien Aschur

Ham Cham Assyrer aschuri

Haman Chaman Babel Bavel

Hesekiel J’ches’ke’el Babylon Bavel

Hiob Ijow Beerseba Be’er-schéva

Hiskia Chiss’kijáhu Bethel Béit-El

Hosea Hosché’a Bethlehem Béit-lechem

Isaak Jits’hak Chaldäer chass’dim

Ismael Jisch’ma’el Damaskus Damásse

Issaschar Jíssachar Euphrat P’rat, F’rat

Jakob Ja’akov Garizim G’risim

Jeremia Jir’m’ijáhu Gaza Asa

Jerobeam Jarav’am Gilead Gil’ad

Jesaja J’schaijáhu Gileaditer gil’adi

Joab Jo’av Gomorrha Amora

Joas Jo’asch Hebron Chev’ron

Jojada J’hojada Hermon Cher’mon

Josia Joschijáhu Horeb Chorev

Josua Jehoschúa Jericho Jericho

Juda Jehúda Jerusalem Jeruschalájim

Kaleb Kalev Jesreel Jiss’re’el

Kanaan K’na’an Jordan Jarden

201


Laban Lavan Kanaan K’na’an

Maleachi Mal’achi Kanaaniter k’na’ani

Manasse M’nasche Libanon L’vanon

Moses Mósche Megiddo M’gido

Nahum Nachum Midian M’dijan

Nebuka- N’vukadnétsar Midianiter m’dijani

dnezar Moab Mo’av

Nehemia N’chemíja Nil J’or

Noah No’ach Ninive Nin’ve

Obadja Ovádija Philister P’lisch’ti

Pharao Far’o Samarien Schom’ron

Rehabeam R’chav’am Samariter schom’roni

Ruben R’uven Sichem Schechem

Sacharja S’chárija Sidon Tsidon

Salomo Sch’lómo Sinai Ssinai

Samuel Sch’mú’el Sodom Ss’dom

Saul Scha’ul Tabor Tavor

Sebulon S’vulon Tigris Chidekel

Sem Schem Tyrus Tsor

Simeon Schim’on Zion Tsion

Simson Schim’schon

Zedekja Tsid’kijáhu

Zephanja Tsifánija

202


Noch ein paar bekannte Namen aus dem Neuen Testament:

Matthäus Matitijáhu Paulus Poloss

Markus Markoss Timotheus Timotioss

Lukas Lukass Titus Titoss

Johannes Jochanan Jakobus Ja’akov

Petrus Petross Judas Jehúda

* Vorsicht: Dieses Wort bedeutet auch «Ehemann».

Die auffallend vielen Unterschiede zwischen den hebräischen

Konsonanten «ch», «sch» und «v» zu den deutschen

Entsprechungen «h», «s» und «b» erklären sich mit den

Schwierigkeiten beim Übersetzen des hebräischen Urtextes. Als

Martin Luther und ein paar andere - er war nicht der Erste und

auch nicht der Einzige in dieser Zeit, wie das noch heute viele

glauben - das Alte Testament ins Deutsche übersetzten, war die

genaue Setzung der Vokalzeichen und auch der Punkte zum

Beispiel im Fe und Pe noch nicht so bekannt wie heute. Es rächte

sich, dass man zu den jüdischen Gelehrten und Rabbinern,

welche die genaue Aussprache noch kannten, so wenig Kontakt

wie möglich pflegen wollte. Als dann die korrekte hebräische

Aussprache allmählich bekannt wurde, hatten sich die deutschen

Wörter schon derart fest eingebürgert, dass man die Räder nicht

mehr zurückdrehen konnte und auch nicht mehr wollte.

Während die meisten hebräischen Namen unter den Juden

zumindest im internen Gebrauch immer noch kursieren, hat es

sich unter den anderen ergeben, dass viele Namen parallel

zueinander laufen. So kannte ich einst zwei Frauen, von denen

die eine Rachel und die andere Rahel hiess. Allerdings

bevorzugen die Juden immer noch Rachel, während Rahel fast

203


nur bei den Nicht-Juden vorkommt, die noch heute «Gójim»

(Heiden) genannt werden. Was bei den Hebräern und Israeliten

schon vor 2'000 Jahren die Gójim waren, sind die von den

Griechen genannten «Bárbaroi», mit dem alle Nicht-Griechen

gemeint waren, heute aber nicht mehr.

Das hebräische Denken

Was jetzt, am Ende dieses Buches, noch folgt, ist eine Zugabe,

die in die Welt der Antike führt und einen kleinen Einblick in die

Denkweise der Israeliten gibt.

Die sieben Modi

Bis jetzt war es noch einfach, auch wenn die Zahlen nicht leicht

zu lernen sind, und sogar die verschiedenen Zeiten sind nicht

schwer einzuprägen. Wer diese drei Grundzeiten Präsens,

Imperfekt und Futur beherrscht - aber diese und vor allem die

beiden erstgenannten müssen wirklich sitzen -, kann sich an den

Alltagsgesprächen in Israel und unter den Juden in der Diaspora

ohne grosse Probleme beteiligen. Dazu trägt sicher auch bei,

dass es solche Zeiten, die in den meisten europäischen

Sprachen als Futur II (als Vorzukunft), als Plusquamperfekt II

(Vorvergangenheit) sowie als Konditional I bzw. Konditional

Präsens, Konditonal II bzw. Konditonal Perfekt und als

Konjunktiv (gleich in vier verschiedenen Varianten) bezeichnet

werden, und zudem auch das Passiv, wie wir es kennen, im

Hebräischen nicht gibt - und abgesehen vom Konjunktiv, der dort

aber nur in einer Zeit vorkommt, auch im Arabischen nicht.

Gerade auch deshalb hat mir ein deutschsprachiger Israeli, der

beide Sprachen gut kannte, schon vor mehreren Jahrzehnten

gesagt, dass das Arabische im Vergleich zum Hebräischen

204


kinderleicht zu lernen sei, wenn man einmal vom Alphabet

absieht. Tatsächlich hat es immer auch deutschsprachige

Israelis gegeben; die bekannteste von allen war die vor allem in

den Sechziger- und Siebzigerjahren gefeierte Sängerin Daliah

Lavi, die mitten in den Holocaust-Jahren als Tochter einer Jüdin

aus Breslau in der Nähe von Haifa in einem deutschsprachigen

Kibbuz aufwuchs und ihre grössten Erfolge ausgerechnet in

Deutschland erlebte.

Das Fehlen der oben genannten Zeiten, die für uns als

selbstverständliche Bestandteile einer Sprache gelten, birgt

jedoch andere Nachteile. Was bei uns als Indikativ, Konditional

und Konjunktiv bekannt ist, kommt auf diese Weise im

Hebräischen nicht vor. Für die Verständigung im

Neuhebräischen spielt das keine grosse Rolle, aber wer das Alte

Testament, das die frommen Juden noch heute als Tanach

bezeichnen - mit der Thora oder genauer den fünf Büchern

Mose, mit den Nevi’im, also den fünfzehn Propheten, und den

Ketuvim, also den Geschichtsbüchern, zu denen auch die

Psalmen und die Bücher Salomos und das Buch Hiob gehören -

, wirklich verstehen will, kommt nicht darum herum, sich auch mit

den nicht weniger als sechs anderen Ausdrucksmodi zu

befassen, in denen fast alle Verben mit Ausnahme von «sein»

und «haben» konjugiert werden.

Auch für mich war es am Anfang nicht einfach, den Schlüssel

zum Eintritt in diese ganz anders geartete Verbenwelt zu öffnen,

aber jetzt, da ich weiss, wie diese Modi funktionieren, kann ich

Stück für Stück erklären, wie es geht.

Als Paradeverb verwende ich hier «katav», das die Grundform

des Verbs «schreiben» ist und auch in allen anderen Hebräisch-

Lehrbüchern zuerst vorgestellt wird, weil hier alles regelmässig

ist und zudem in allen Modi vorkommt.

205


Das Kal bzw. Qal

(auch Pa’al genannt)

Das ist der Modus, den ich oben näher vorgestellt habe und der

im Bibelhebräischen in den beiden Varianten Perfekt bzw.

Imperfekt und Imperfekt bzw. Futur vorkommt.

ich schrieb, katávti echtov

ich habe geschrieben katávta (m.) tichtov (m.)

ich hatte geschrieben, katavt (f.) ticht’vi (f.)

Ich werde geschrieben katav (m.) jichtov (m.)

haben kat’va (f.) tichtov (f.)

usw. katávnu nichtov

ich schreibe, katávtem (m.) ticht’vu (m.)

ich werde schreiben katávten (f.) tichtóvna (f.)

usw. kat’vu jicht’vu (m.)

tichtóvna (f.)

Das Nif’al

Das ist die Zeitform, die als Passiv des Kal bzw. Qal bzw. Pa’al

ebenfalls in den beiden Varianten Perfekt und Imperfekt

vorkommt:

es wurde geschrieben, nichtávti ekatev

es ist geschrieben worden, nichtávta (m.) tikatev (m.)

es war geschrieben nichtavt (f.) tikat’vi (f.)

worden, nichtav (m.) jikatev (m.)

es wird geschrieben nicht’va (f.) tikatev (f.)

worden sein nichtávnu nikatev

206


usw. nichtávtem (m.) tikat’vu (m.)

es wird geschrieben nichtávten (f.) tikat’vína (f.)

(werden) nicht’vu jikat’vu (m.)

usw.

tikat’vína (f.)

Das Pi’el

Diese Zeitform wird als besonders intensive Variante des Kal

bzw. Qal bzw. Pa’al bezeichnet und ist am schwersten zu

erklären.

ich habe geschrieben, kitávti echtav

ich hatte geschrieben, kitávta (m.) t’chatev (m.)

ich werde geschrieben kitavt (f.) t’chat’vi (f.)

haben kitev (m.) jechatev (m.)

usw. kit’va (f.) t’chatev (f.)

ich schreibe, kitávnu nichatev

ich werde schreiben kitávtem (m.) t’chat’vu (m.)

usw. kitávten (f.) t’chatívna (f.)

kit’vu

jichatev (m.)

t’chatívna (f.)

Das Pu’al

Das ist die Zeitform, die als Passiv des Pi’el ebenfalls in den

beiden Varianten Perfekt und Imperfekt vorkommt:

es wurde geschrieben kutávti echutav

usw. kutávta (m.) t’chutav (m.)

207


es wird geschrieben kutavt (f.) t’chut’vi (f.)

worden sein kutav (m.) jechutav (m.)

usw. kut’va (f.) t’chutav (f.)

es wird geschrieben kutévnu n’chutav

(werden) kutévtem (m.) t’chut’vu (m.)

usw. kutévten (f.) t’chutávna (f.)

kut’vu

jechut’vu (m.)

t’chutávna (f.)

Das Hif’il

Das ist die Zeitform, die im Sinn von «beginnen» und

«veranlassen» sowie «machen lassen» ebenfalls in den beiden

Varianten Perfekt und Imperfekt vorkommt:

ich veranlasste zu hichtávti echtiv

schreiben hichtávta (m.) techtiv (m.)

usw. hichtavt (f.) techtívi (f.)

ich veranlasse zu hichtiv (m.) jechtiv (m.)

schreiben hichtiva (f.) techtiv (f.)

usw. hichtávnu nechtiv

hichtávtem (m.)

hichtávten (f.)

hichtivu

techtívu (m.)

techtívna (f.)

jechtivu (m.)

techtívna (f.)

208


Das Hof’al

Dieser ist das passive Gegenstück zum Hif’il und kommt

ebenfalls in den beiden Varianten Perfekt und Imperfekt vor:

es wurde geschrieben hachtávti achtav

(z. B. auf Befehl) - hachtávta (m.) tachtav (m.)

es wird geschrieben hachtavt (f.) tacht’vi (f.)

(z. B. auf Befehl) hachtav (m.) jachtav (m.)

hacht’va (f.)

hachtávnu

hachtávtem (m.)

hachtávten (f.)

hacht’vu

tachtav (f.)

nachtev

tacht’vu (m.)

tachtívna (f.)

jacht’vu (m.)

tachtívna (f.)

Das Hitpa’el

Diese Zeitform steht für das, was in den meisten europäischen

Sprachen als reflexiv und reziprok bekannt ist und ebenfalls in

den beiden Varianten Perfekt und Imperfekt vorkommt:

ich schrieb mir selbst hitkatávti etkatev

wir schrieben einander hitkatávta (m.) titkatev (m.)

usw. hitkatavt (f.) titkat’vi (f.)

ich schreibe mir selbst hitkatav (m.) jitkatev (m.)

wir schreiben einander hitkat’va (f.) titkatev (f.)

usw. hitkatánu nitkatev

hitkatávtem (m.)

209

titkat’vu (m.)


hitkatávten (f.) titkatívna (f.)

hitkat’vu

jitkat’vu (m.)

titkatívna (f.)

Die imperfekten Konjugationen weisen in der dritten Person

Mehrzahl im Gegensatz zu den perfekten zwar eine Verborm

mehr auf, aber die weiblichen Verbformen der zweiten Person

sind mit den weiblichen der dritten Person identisch, so wie in der

Einzahl die männliche zweite Person mit der weiblichen identisch

ist und auch gleich geschrieben wird.

Hier ist noch anzumerken, dass es für diese sieben Modi mit den

je zwei Konjugationen auch noch andere Reihenfolgen gibt. So

ist in einem der Lehrbücher, die ich hier verwende, auch von

einer ersten bis siebten Konjugation die Rede. Im gleichen Buch

wird auch von einer «Menora der sieben Konjugationen»

geschrieben und auf einer entsprechenden Zeichnung der

Hitpa’el in der Mitte des Kronleuchters dargestellt, während die

drei Konjugationen, die alt aktiv gelten (Pa’al, Pi’el, Hif’il), links

und die drei anderen, die als passiv gelten (Nif’al, Pu’al, Hof’al),

rechts stehen. In den Lehrbüchern, die sich nur mit dem

Bibelhebräischen beschäftigen, wird sogar genauso wie in ein

paar «klassischen» Arabisch-Lehrbüchern diese Reihenfolge

eingehalten:

3. P. Sg. m. - 3. P. Sg. f. - 2. P. Sg. m. - 2. P. Sg. f. - 1. P. Sg.

3. P. Pl. m. - 3. P. Pl. f. - 2. P. Pl. m. - 2. P. Pl. f. - 1. P. Pl.

Trotz dieses formenreichen Gestrüpps sind ein paar

Gemeinsamkeiten zu erkennen, die als Eselsbrücken helfen

können. Erstens beginnen die imperfekten Modi zumindest in

den dritten Personen immer mit einem Jod und zweitens weisen

die perfekten Modi fast immer diese Vorsilben auf:

210


Pa’al (Kal)

Nif’al

Pi’el

Pu’al

Hif’il

Hof’al

Hitpa’el

katnichkitkuthichhachhit-

Anzumerken ist noch, dass es für das Pa’al, das Pi’el, das Hif’il

und das Hitpa’el, also für die aktiven Modi, dementsprechend

auch vier aktive Partizipien gibt:

kotev (Pa’al), m’chatev (Pi’el), machtiv (Hif’il), mitkatev (Hitpa’el)

Dazu gibt es für das Nif’al, das Pu’al und das Hof’al, also für die

drei passiven Modi, aber auch noch für das Pa’al diese vier

passiven Partizipien:

katuv (Pa’al), nichtav (Nif’al), m’chutav (Pu’al), machtav (Hof’al)

Aus dem Partizip des Pa’als (kotev) sind bei der Gestaltung des

Neuhebräischen die vier oben aufgeführten Verbformen gebildet

worden:

kotev, kotévet, kotvim, kotvot

Es gibt für fünf Modi - die beiden einzigen Ausnahmen sind das

Pu’al und das Hof’al - für die beiden zweiten Personen sogar je

vier Imperativformen, auf die ich hier aber nicht weiter eingehe.

211


Das Waw-Imperfekt

(bzw. Vav-Imperfekt)

Für das Bibelhebräische wird für diese Ausdrucksweise, die auch

als Narrativ bezeichnet wird - wobei dieses Wort wegen der

weltpolitischen Ereignisse in diesem Jahrhundert von seiner

ursprünglichen Bedeutung abgewichen ist -, noch dieser Begriff

verwendet, weil jeder Satz und jeder einzelne Ausdruck mit

einem Waw eingeleitet wird, der als «und» übersetzt werden

kann. Im Deutschen kennen wir diesen Ausdruck vor allem so:

Und Gott sah, dass es gut war. - Va-jar’a Elohim ki-tov.

(mit Bindestrichen)

Und Gott sprach: «Es werde Licht!» Und es ward Licht.

Va-jomer Elohim: «Jehi or!» Va-jehi-or (mit Bindestrichen).

Das Waw-Imperfekt wird also nur für die dritte Person Einzahl

verwendet. Natürlich kommt es auch im Neuhebräischen noch

vor, aber nicht mehr im gleichen «klassischen» Sinn. Ein paar

Verben verändern sich vorn ein wenig, wenn sie mit einem Waw

verbunden werden, aber viele nicht.

Der Jussiv

Wie es der Name, der vom lateinischen Wort «iubere» (befehlen)

abstammt, bereits andeutet, wird dieser Modus nur bei Befehlen

verwendet, doch anders als die eigentlichen Imperativ-Formen

kommt er nur in den beiden zweiten und dritten Personen vor.

Auch hier zeigen sich die Gegensätze zum Arabischen: Während

der Jussiv dort zumindest in der Hochsprache voll entwickelt mit

einer eigenen Konjugation in allen Personen vorkommt, aber

leicht zu bilden ist, kommt er sogar im Bibelhebräischen

gemessen an seiner Bedeutung nicht allzu viel vor.

212


Wer wissen will, wie er funktioniert, kann das am besten im

biblischen Schöpfungsbericht sehen, wo er gleich mehrmals

vorkommt, so auch im weltberühmten Satz «es werde Licht!»,

der hier «jehí or!» lautet.

Die zweite Jussivform, die genauso wie bei verschiedenen

Konjugationen in zwei Personen doppelt vorkommt, ist diese:

tehí tov! (m.)

tehí tová! (f.)

du sollst gut sein! mögest du gut sein!

sie soll gut sein! möge sie gut sein!

Auch im zweiten Buch Mose, wo dieser auf dem Berg Sinai von

Gott die zehn Gebote empfängt, kommt der Jussiv viel vor:

du sollst nicht töten!

= lo tirtsach!

du sollst nicht stehlen! = lo tig’nov!

Wenn ein solcher Befehl von Gott selber kommt, steht anstelle

von «al» immer «lo»; das ermöglicht es immerhin, erkennen zu

können, wann Er selber so spricht und wann nicht. Für den Satz

«du sollst nicht töten!» kann neben «al tirtsach!» auch «al tiktol!»

verwendet werden, wenn nur ein Mensch ihn ausspricht.

Noch weiter in dieses Grammatik-Gestrüpp einzusteigen, von

dem hier immer noch nicht alle Feinheiten vorkommen, halte ich

nicht für sinnvoll, weil das den Zugang zur Sprache nicht wirklich

erleichtert. Wer über diese sechs Zusatzmodi, die auch noch im

heutigen Hebräischen vorkommen, was das Verstehen dieser

Sprache zusätzlich erschwert, und auch über den Jussiv mehr

wissen will, kann in den vielen Tabellen in den Büchern

nachschauen, die ich ganz unten als Quellen aufführe.

213


Da die meisten Israeliten genauso einfache Menschen waren,

wie wir es heute sind, ist nicht anzunehmen, dass diese

Konjugationen mit Ausnahme des Kal bzw. Qal und des Nif’al,

das ein Passiv ausdrückt, sowie des Hitpa’el, das für reflexive

Verben verwendet wird, wirklich viel zum Zug kamen. Es ist

jedoch wichtig, von der Existenz dieser verschiedenen

Ausdrucksarten zu wissen.

214


Quellenangaben

Da ich nicht mit Hebräisch aufgewachsen bin und bis heute auch

nie für eine längere Zeit in Israel gelebt habe, liegt es nahe, dass

ich für das Verfassen dieses Buches auf verschiedene Quellen

angewiesen war.

Folgende Bücher und Büchlein, die ich verwendet habe, kann ich

sehr empfehlen:

Langenscheidts Praktisches Lehrbuch Hebräisch

Erstauflage 1996, seitdem mehrere Neuauflagen, Autor Dr.

Manuel Wiznitzer unter Mitarbeit von Dr. Barbara Linner. Dieses

Lehrbuch, das 235 Seiten enthält, ist für das Neuhebräische

eindeutig das bisher beste im deutschen Sprachraum und geht

zum Teil auch auf das Bibelhebräische ein. Der einzige Nachteil

sind die etwas unübersichtlichen Wörterlisten, die nur Kapitel für

Kapitel aufgeführt sind, aber nicht alles zusammen ganz hinten.

Tausend Worte Hebräisch

Erstauflage 1980, seitdem mehrere Neuauflagen, Autor Aharon

Rosen, Verlag Achiasaf in Jerusalem. Dieses Lehrbuch mit 264

Seiten, das sich fast ausschliesslich mit dem Neuhebräischen

beschäftigt und deshalb weniger «sprachwissenschaftlich» als

das oben erwähnte ist, geht zwar nicht in die grammatikalischen

Tiefen ein, aber es beschäftigt sich umso intensiver mit der

Schreibschrift, die gut zu kennen ebenfalls wichtig ist.

Zusammen mit dem Langenscheidts-Lehrbuch deckt es bereits

einen grossen Teil des ganzen Hebräisch-Spektrums ab, obwohl

es genauso wie das oben erwähnte am Schluss keine

übersichtlichen Wörterlisten aufweist.

215


Hebräisch Wort für Wort plus Wörterbuch mit über 10'000

Einträgen

Erstauflage 2013, Zweitauflage 2016, Autor Roberto Strauss,

Know-How-Verlag in Bielefeld. Dieses Lehrbuch enthält zwar

etwa 280 Seiten, aber der Grammatikteil, der bis zur Seite 94

reicht, ist insgesamt der gleiche wie im Vorgänger-Lehrbüchlein,

das schon im Jahr 1987 unter dem Namen «Hebräisch für

Globetrotter» im gleichen Verlag erschienen ist. Für den rein

touristischen Gebrauch ist dieses Lehrbuch am besten geeignet,

aber es ist mehrere hundert Gramm schwer, und das praktische

und leichte Globetrotter-Lehrbüchlein, das ich noch habe, wird

heute nicht mehr gedruckt.

Lehrbuch der hebräischen Sprache des Alten Testaments

Erstauflage 1978, Autor Ernst Jenni, Verlag Helbing &

Lichtenhahn in Basel und Stuttgart. Allerdings hat Ernst Jenni ein

Lehrbuch überarbeitet, das schon im Jahr 1873 (!) von W.

Hollenberg zum ersten Mal geschrieben und in späteren

Neuauflagen von J. Hollenberg, dem Bruder des oben

Genannten, sowie von K. Budde und W. Baumgartner nur wenig

verändert neu veröffentlicht wurde. Im Jahr 1971 wurde bereits

die 26. (!) Auflage gedruckt, was dafür spricht, dass dieses Buch

immer eine grosse Leserschaft hatte.

Dieses Lehrbuch, das 392 Seiten enthält und etwa ein halbes

Kilogramm wiegt, ist eindeutig das beste für das Bibelhebräische

im deutschen Sprachraum und enthält auch umfangreiche

Wörterlisten.

Althebräische Grammatik

Erstauflage 1969, Autor Klaus Beyer, Verlag Vandenhoeck &

Ruprecht in Göttingen. Wer sich besonders gern mit Grammatik

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und vor allem mit der althebräischen Phonetik beschäftigt, wird

hier gut bedient, auch wenn das Büchlein nur etwa 60 Seiten

aufweist, aber es enthält das Wichtigste.

Repetitorium der hebräischen Grammatik

Erstauflage 1966, Autor Dr. theol. Reiner-Friedemann Edel,

Ökumenischer Verlag Dr. R. F. Edel in Marburg. Dieses

Lehrbüchlein mit etwa 70 Seiten ist eine gute Ergänzung zum

oben erwähnten Buch und geht auch ein wenig auf die anderen

Alphabete im semitischen Sprachraum ein.

Hebräisch-Deutsche Vokabel-Lern- und Repetitionshefte

Erstauflage 1970, seitdem mehrere Neuauflagen, gleicher Autor

und gleicher Verlag wie oben. Während das Heft 1 den

hebräischen Teil enthält, sind die deutschen Übersetzungen im

Heft 2 zu finden. Beide Hefte enthalten nur je 16 Seiten, aber sie

enthalten in Kurzform das Wichtigste, und zudem werden auf der

letzten Seite noch andere Lehrbücher empfohlen. Ob diese und

auch das oben erwähnte Repetitorium allerdings noch erhältlich

sind, weiss ich nicht; immerhin ist seit den ersten

Veröffentlichungen schon mehr als ein halbes Jahrhundert

vergangen.

Biblical Hebrew

Erstauflage 1955, sechste Auflage 1981, Autor R. K. Harrison,

auch dies ein Lehrbuch aus der bekannten Reihe «Teach

Yourself Books». Wer gut Englisch kann, wird auch mit diesem

Buch, das etwa 205 Seiten und viele gute Übungssätze mit den

entsprechenden Übersetzungen in beide Sprachen enthält, gut

bedient, falls es überhaupt noch erhältlich ist.

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