Alt- und Neuhebräisch
Dies ist das erste und bisher einzige Lehrbuch, in dem die beiden Varianten des Hebräischen, die sich zum Teil deutlich voneinander unterscheiden, zusammen und zudem nur mit dem lateinischen Alphabet vermittelt werden. Es kann als ein Ergänzungsbuch vor allem denen dienen, die Theologie studieren oder schon als Prediger tätig sind, aber auch denen, die in Israel nicht nur die üblichen Touristenausdrücke sprechen wollen.
Dies ist das erste und bisher einzige Lehrbuch, in dem die beiden Varianten des Hebräischen, die sich zum Teil deutlich voneinander unterscheiden, zusammen und zudem nur mit dem lateinischen Alphabet vermittelt werden. Es kann als ein Ergänzungsbuch vor allem denen dienen, die Theologie studieren oder schon als Prediger tätig sind, aber auch denen, die in Israel nicht nur die üblichen Touristenausdrücke sprechen wollen.
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Alt- und Neuhebräisch
(mit lateinischen Buchstaben)
Inhaltsverzeichnis
Der Autor 1
Vorwort 2
Die Umschreibung des hebräischen Alphabets 6
Die Aussprache 13
Die Substantive (Hauptwörter) 16
Der Dual (Die Zweizahl) 22
Der bestimmte und unbestimmte Artikel 26
Die Kasus (Fälle) 30
Dieses und jenes 42
Die Adjektive (Eigenschaftswörter) 44
Wichtige Adjektive 50
Die Farben 52
Die Steigerung der Adjektive 53
Das Adverb (Umstandswort) 57
Ortsadverbien 59
Die Personalpronomina (Die persönlichen Fürwörter) 60
Die Possessivpronomina (Die besitzanzeigenden Fürwörter) 82
Sein und Haben 87
Die übrigen Verben 93
Das Präsens (Die Gegenwart) 98
Die Verneinung im Präsens 108
Das Imperfekt (Die Vergangenheit) 111
Das Futur (Die Zukunft) 118
Die Consecutio temporum 123
Die Modalverben 127
Die Infinitive (Grundformen der Verben) 130
Fragen und Antworten 138
Die Relativpronomina 141
Konditional und Konjunktiv 147
Der Imperativ (Die Befehlsformen) 149
Die Konjunktionen (Bindewörter) 155
Die Präpositionen (Verhältniswörter) 157
Die Zahlen 167
Die Bruchzahlen 177
Die Uhrzeit 178
Die Wochentage 181
Die Monatsnamen 181
Das Datum 183
Die wichtigsten jüdischen Feiertage 183
Die Religionen 185
Die Zeiteinheiten 187
Zeitausdrücke 189
Zeitadverbien 190
Die Jahreszeiten 191
Die Himmelsrichtungen 191
Länder, Regionen, Nationen und Sprachen 192
Lockere Slang-Ausdrücke 199
Biblische Namen 200
Das hebräische Denken 204
- Die sieben Modi 204
- Das Waw-Imperfekt 212
- Der Jussiv 212
Quellenangaben 215
Der Autor
Ich wurde 1953 in Zürich geboren. Mein Vater war ein Schweizer
und meine Mutter eine Finnin - mein Vorname, der genau Hans
bedeutet, weist darauf hin -, aber ich bin nach ihrer frühen
Scheidung abseits von ihnen an verschiedenen Orten der
Kantone Zürich und Appenzell aufgewachsen. Den
Familiennamen Stump habe ich von einem nordbadischen
Urgrossvater, der irgendwann zwischen 1870 und 1885 in die
Schweiz eingewandert und in Zürich hängen geblieben ist.
Meine besondere Begabung für Sprachen hat sich in den
Schuljahren noch nicht gezeigt, sondern erst viel später, aber
dann umso stärker. So spreche ich heute zehn romanische und
sieben germanische Sprachen ziemlich gut, und zudem habe ich
sehr gute Grundkenntnisse der slawischen, baltischen,
keltischen und finno-ugrischen Sprachen. Als Zugabe kommen
auch noch Latein sowie Alt- und Neugriechisch und Albanisch.
1
Vorwort
Alt- und Neuhebräisch mit lateinischen Buchstaben - was genau
ist damit gemeint? Und warum überhaupt ein solches Buch,
welches weltweit das erste dieser Art ist? Da über diese beiden
Sprachen schon so viele Lehrbücher erschienen sind, von denen
fast alle auch noch sehr gut geraten sind, scheint es wirklich
überflüssig zu sein, ein weiteres zu schreiben.
An dieser Stelle möchte ich betonen, dass dieses Buch kein
Lehrbuch im klassischen Sinn, sondern nur ein Ergänzungsbuch
ist, das dazu beitragen soll, die ganz anders geartete Denkweise
dieser doppelt vertretenen semitischen Sprache im Vergleich zu
den meisten europäischen zu verstehen. Zudem hat es sicher
seinen Reiz, die zum Teil deutlichen Unterschiede zwischen der
klassischen Sprache des Hebräischen, die ich in diesem Buch
meistens Bibelhebräisch nenne, und dem heutigen
Neuhebräischen ausführlich zu sehen. Jemand hat es vor vielen
Jahren einmal etwas überspitzt, aber treffend so ausgedrückt:
Man kann heute im Stil einer Kirchenpredigt kein Bier bestellen.
Nach neusten Angaben wird das Hebräische heute nur von
etwas mehr als neun Millionen Menschen als Muttersprache oder
genauer bestbeherrschte Sprache verwendet, obwohl es in der
ganzen Welt nach verschiedenen Angaben etwa vierzehn
Millionen Juden gibt. Damit gehört es weltweit gesehen eher zu
den kleinen Sprachen; auch in Europa, das mit knapp hundert
Sprachen als der sprachenärmste gilt, würde es das Hebräische
nur knapp unter die zwanzig meistgesprochenen schaffen, aber
nicht unter die Top Ten. Ausserhalb Israels sind die Kenntnisse
dieser Sprache immer noch spärlich gesät; noch heute können
sie fast nur die Rabbiner und ein paar christliche Theologen. In
Israel, wo heute seit wenigen Jahren mehr als die Hälfte aller
Juden wohnt - vorher standen jahrzehntelang die USA auf dem
2
ersten Platz -, lernen natürlich alle diese Sprache schon im
Kindergarten.
Diese Fixierung auf Israel, wo es als einziges Land möglich ist,
Hebräisch auch offiziell aktiv zu sprechen, drückt sich in den
persönlichen Kontakten wie in einem Spiegelbild aus: Während
die Araber auch nach meinen eigenen Erfahrungen überall
begeistert sind, wenn jemand sich in ihrer Sprache versucht - und
spricht man noch so schlecht -, halten sich die Juden ziemlich
bedeckt und wechseln schnell einmal auf Englisch, wenn sie
erkennen, dass jemand ihre Sprache nicht gut genug beherrscht,
ja, es ist nicht einmal garantiert, dass sie auch dann Hebräisch
sprechen wollen, wenn jemand diese Sprache gut spricht. Da ich
früher viele Jahre lang in evangelikalen Kreisen verkehrte, in
denen die Juden immer nur als die Guten und die meisten Araber
immer nur als die Bösen galten, überraschte es mich sehr, als
ich während meiner ersten Israel-Reise erlebte, dass die Araber
viel freundlicher waren als die Juden, von denen sich nicht
wenige nicht nur reserviert, sondern teilweise auch überheblich
und arrogant verhielten - wie übrigens auch in meinem Geburtsund
Wohnort Zürich, wo schon vor vierzig Jahren erstaunlich
viele Israelis wohnten und ich nur einen von ihnen als freundlich
und nicht überheblich erlebte.
Wie schwer es war, zu ihnen auch sprachlich einen richtigen
Zugang zu bekommen, ohne das Gefühl zu erleben, von ihnen
nicht richtig akzeptiert und deshalb ausgegrenzt zu werden,
konnte oder genauer musste ich selber vor mehr als vierzig
Jahren auch sehen und hören, als eine damalige Bekannte von
mir, die fliessend Hebräisch sprach und ein ganzes Jahr lang
extra in Israel verbracht hatte, um es vor Ort selber zu lernen, in
meiner Begleitung zwei Israelis begegnete. Obwohl sie
minutenlang nur von Jesus Christus sprach, hörten die beiden
schweigend zu, aber am Schluss sagte einer von ihnen nur kurz
«nice to meet you» - und schon waren sie wieder weg.
3
Allerdings kann oder genauer muss diese Erfahrung auch in
vielen anderen Ländern gemacht werden, in denen Englisch
faktisch die Zweitsprache ist, so auch in den Niederlanden, im
Baltikum und in allen nordischen Staaten, sogar in Finnland, wo
ich vor einem halben Jahrhundert auch unter den jungen Leuten
noch solche getroffen habe, die kein Englisch konnten oder das,
was sie einmal gelernt hatten, inzwischen nicht mehr wussten.
Tatsächlich ist es in diesen Teilen Europas sehr schwierig, die
Landessprachen richtig anzuwenden, weil eben auch dort
genauso wie in Israel schnell einmal auf Englisch umgestellt wird,
das man dort nach meinem Wissen schon im Kindergarten
unterrichtet - dort noch spielerisch und erst ab dem Beginn der
Grundschule mit Noten. In diesem Bereich sind diese Länder am
weitesten fortgeschritten, was aber für die Touristen, die sich in
den Landessprachen versuchen wollen, nicht nur gut ist. Wie es
heute in Israel steht, weiss ich nicht genau, aber ich habe auf
meiner ersten Israel-Reise tatsächlich noch Kinder von vier bis
sechs Jahren getroffen, die kein Wort Englisch verstanden, das
sie offensichtlich noch nicht gelernt hatten.
Dieses Buch soll nur diesen zwei Zielen dienen: Da ich das
hebräische Alphabet zwar gut lesen kann, wenn die
Vokalzeichen mitgeschrieben werden, aber mit meinen
beschränkten technischen Mitteln auf meinem Laptop nicht
schreiben kann, berücksichtige ich es hier nicht. Ich beschränke
mich wie oben angedeutet darauf, die ganz andere Denkweise
dieser semitischen Sprache aufzuzeigen, was vor allem auch
jenen helfen kann, die Theologie studieren. Es erfüllt also einen
ähnlichen Zweck wie mein Buch «Lehrbuch des
Altgriechischen», das ich schon vor mehreren Jahren
veröffentlicht habe und das neben der klassischen Sprache der
griechischen Denker auch die Sprache des Neuen Testaments
behandelt, die sich ebenfalls in verschiedenen Punkten von der
klassischen unterscheidet.
4
Dazu konzentriere ich mich auf die mündliche Verständigung, so
dass es für all jene, die sich hier durcharbeiten, möglich ist,
einfache Gespräche zu führen. Darum geht es ja in erster Linie:
Um eine einfache Verständigung auf möglichst einfache Weise,
denn je mehr Menschen auf möglichst einfache Weise diese
faszinierende Sprache kennen lernen, ohne dass man ständig
auf Englisch ausweichen muss, desto mehr kommt das allen
zugute. Deshalb ist die Beherrschung des Alphabets zumindest
für den mündlichen Gebrauch weniger wichtig; in einem Kibbuz,
an einem Lagerfeuer in der Wüste oder in einer Hütte auf dem
Hermon, wo es im Winter schneit und es sogar ein Ski-Zentrum
gibt, das allerdings auf libanesischem Territorium liegt, wird
niemand danach gefragt, wie gut er oder sie Hebräisch schreiben
kann, wenn er oder sie schon bei den ersten Kontakten gute
mündliche Kenntnisse vorweist. Allerdings bedeutet das nicht,
dass man ganz auf das Alphabet verzichten kann. Wer diese
Sprache wirklich gut lernen will, kommt nicht darum herum, auch
dieses zu lernen, das im Vergleich zum benachbarten
Arabischen, das ebenfalls auf vielen Plakaten gesehen werden
kann, aber nicht allzu schwer ist.
5
Die Umschreibung des hebräischen Alphabets
Da ich in diesem Buch das lateinische Alphabet verwende, weise
ich noch auf verschiedene Einzelheiten hin, die für das
Verständnis der Umschreibung unerlässlich sind.
Die insgesamt 26 Buchstaben des Alphabets, die keinen
Unterschied zwischen einer Gross- und Kleinschreibung kennen,
lauten so, wobei ich hinten auch den Zahlenwert aufführe, den
die Israeliten genauso wie die Griechen und Römer für jeden
Buchstaben verwendeten:
Alef - ein stummer Laut 1
Bet - b 2 *
Wet - v, w 2 *
Gimel - g 3
Dalet - d 4
He bzw. Hej - h 5
Waw - v, w; o, u 6
Sajin - schwaches «s» 7
Chet - ch 8
Tet - t (nicht behaucht) 9
Jod - i, j 10
Kaf - k (nicht behaucht) 20 *
Chaf - ch 20 *
Lamed - l 30
Mem - m 40
6
Zahlenwert
Nun - n 50
Samech - scharfes «s», 60
hier «ss» geschrieben
Ajin - ein stummer Laut 70
Pe bzw. Pej - p (nicht 80 *
behaucht)
Fe bzw. Fej - f 80 *
Zade bzw. Tsade - z, hier 90
(«ts» geschrieben)
Kof bzw. Kuf - k (nicht 100
behaucht)
Resch - r 200
Schin - sch 300 *
Sin - scharfes «s», hier 300 *
«s» geschrieben
(also nicht wie Samech)
Taw - t (nicht behaucht) 400
Dazu kommen noch fünf, die nur am Ende eines Satzes stehen
und von diesen mit dem Zusatznamen Sofit abgeleitet werden:
Chaf, Men, Nun, Fej und Zadek.
* Diese Buchstaben werden gleich geschrieben, so dass sie beim
Lesen eines Textes, der keine Vokalzeichen enthält, nur bei sehr
guten Kenntnissen der Sprache auseinandergehalten werden
können:
7
Bet und Wet
Kaf und Chaf
Pej und Fej
Schin und Sin
Da sie den gleichen Zahlenwert enthalten, führe ich sie hier alle
zusammen auf.
Mit Vokalzeichen sieht es so aus:
Bet mit einem Punkt in der Mitte, Wet ohne Punkt
Kaf mit einem Punkt in der Mitte, Chaf ohne Punkt
Pej mit einem Punkt in der Mitte, Fej ohne Punkt
Schin mit einem Punkt rechts oben
Sin mit einem Punkt links oben
Zudem noch dies: Waw mit einem Punkt oben = o
Waw mit einem Punkt links = u
Das Gleiche gilt auch für die Schreibschrift, die im Gegensatz zur
Druckschrift steht - ähnlich wie früher bei uns die
«Schnurschrift», die allerdings immer mehr zurückgeht, weil sie
nicht mehr in allen Schulen gelehrt wird - und in Israel vor allem
auf Werbeplakaten ebenfalls viel gesehen werden kann. Dabei
habe ich diese eine Erfahrung gemacht: Was ich auffallend oft
als «Pide» geschrieben las, weil über dem vermeintlichen Vokal
«i», der in Wirklichkeit ein «o» war, auch noch ein Punkt stand,
bedeutete in Wirklichkeit «Schalom», meinte damit also Frieden.
Das Waw kann je nach Wortzusammenhang ein Konsonant (v,
8
w) oder ein Vokal (o, u) sein; mit Vokalzeichen ist es natürlich
viel leichter, diese vier Varianten auseinanderzuhalten. Leider
wird die punktierte Schrift nur in der Dichtersprache und in
Lehrbüchern verwendet, weil ja davon ausgegangen werden
kann, dass die meisten mit dieser Sprache aufwachsen und
damit sowieso wissen, welches Wort gemeint ist. Ähnlich verhält
es sich mit dem arabischen Alphabet, das in Israel ebenfalls
überall gesehen werden kann, dagegen nicht mit dem
Persischen und Kurdischen, das ausser in der Türkei ebenfalls
mit arabischen Buchstaben geschrieben wird. Trotzdem können
die Araber die Unterschiede sofort erkennen, wenn sie ein Buch
oder eine Zeitung in einer anderen Sprache sehen. So kannte
ich einmal einen Kollegen aus Ägypten, zu dem ich viel Kontakt
hatte. Als ich ihm einmal eine persische Zeitung zeigte, weil ich
das testen wollte, erkannte er sie sofort und ohne Zögern als eine
solche.
Immerhin ist erwähnenswert, dass das hebräische Alphabet
zwar fast immer unpunktiert geschrieben wird, dass aber das
Waw bei den Vokalen «o» und «u» sowie das Jod (‘) bei den
Vokalen «i» und «j» zusätzlich eingefügt werden, wenn keine
Vokalzeichen stehen, zum Beispiel bei diesen Wörtern:
bóker Morgen arucha Mahlzeit
lo ihm * baruch gesegnet
matoss Flugzeug schulchan Tisch
* Dagegen steht bei «lo» (nein) hinter dem Lamed ein Alef.
Bei bekannten Eigennamen und bei häufigen Wörtern wird auf
diese Hilfestellung jedoch verzichtet:
Moses = Mósche (Mem - Schin mit Punkt - He)
9
Jakob = Ja’akov (Jod - Ajin - Kof - Wet)
Salomo = Sch’lómo (Schin mit Punkt - Lamed - Mem - He)
kol (Kaf, Lamed, Alef)
= ganz, alle
po (Pe, He)
= hier
rosch (Resch, Alef, Schin mit Punkt) = Kopf
In der Wortmitte - aber nur dort - wird das Waw verdoppelt:
misvada = Koffer
(geschrieben: Mem - Sajin - 2x Waw - Dalet - He)
Der Vokal «i» wird meistens mit einem Jod geschrieben:
kisse Stuhl pina Ecke
kibel er bekam visa Visum
Wenn nach dem «i» aber ein Konsonant folgt, unter dem ein
sogenanntes Schwa (‘) steht, fällt dieses weg:
liknot kaufen michtav Brief
Der Konsonant «j», der so wie in vielen anderen Sprachen auch
im Hebräischen als ein solcher gilt, wird in der Wortmitte
ebenfalls verdoppelt:
tajar
Tourist
Hier gelten die beiden Jod hintereinander als ein Vokal, dagegen
nicht dann, wenn ein Jod am Wortanfang oder am Wortende
steht:
10
jom Tag germani deutsch
Nicht nur «lo» wird mit zwei verschiedenen Buchstaben dahinter
geschrieben, sondern umgekehrt auch der deutsche Konsonant
«k»:
kol (mit Kaf) = Stimme
kol (mit Kof) = alle, ganz
Dabei muss noch auf weitere Einzelheiten geachtet werden:
kol ha-jom = der ganze Tag, den ganzen Tag
kol jom = jeder Tag, jeden Tag
kol ha-jamim = alle Tage (jamim = Mehrzahl)
ha-kol = alles
Eine kleine Hilfestellung kommt in diesem Buch auch von mir: Da
im Deutschen «ai» und «ei» gleich ausgesprochen werden,
schreibe ich das letztere, das im Hebräischen wie im englischen
«way» ausgesprochen wird, immer «éi», erst recht dann, wenn
es betont wird.
Am Schluss dieses Kapitels kann sicher auch der Hinweis
dienen, dass die beiden Buchstaben Alef und Ajin, die als
stumme Laute bezeichnet werden, verschiedene Funktionen
erfüllen: Während das Alef meistens am Anfang eines Wortes
steht, aber viele Male vorkommt - zum Beispiel im Wort «aní»,
das «ich» bedeutet -, kommt das Ajin meistens im Wortinneren
vor, aber manchmal auch am Wortanfang, zum Beispiel beim
Wort «ir» (Stadt). Im Wortinneren drückt es den gleichen
Knacklaut aus, der auch im deutschen Wort «beenden» so
11
ausgesprochen wird.
Im Ausdruck «El AL» für die israelische Fluggesellschaft
kommen beide zusammen vor: Vor «El» steht das Alef und vor
«Al» das Ajin.
Noch etwas zu den oben aufgeführten Zahlenwerten: Während
die Griechen ihr ganzes Alphabet verwendeten - siehe in meinem
Buch «Lehrbuch des Altgriechischen» -, kannten die Römer nur
die sieben Ziffern I (1), V (5), X (10), L (50), C (100), D (500) und
M (1'000), mit denen sie ihre Zahlen zusammensetzten.
Allerdings kamen sie damit nur bis zur Zahl 4'999, so dass sie
von der Zahl 5'000 an aufwärts trotzdem «quinque milia» usw.
schreiben mussten, während es die Griechen bis zur Zahl
900'999 schafften. Das war deshalb möglich, weil ihr eigentliches
Schlüsselwort «myriádes» war (10'000), mit dem wie viel weiter
zählen konnten. So kommt im letzten Buch der Bibel der
Ausdruck «dis’chiliádes myriádon» vor, was locker übersetzt
«20’000 mal 10’000» bedeutet und darauf hinweist, dass in einer
fernen Zukunft einmal ein Heer, das nicht weniger als 200
Millionen Soldaten zählt, in Richtung Israel marschieren wird.
Ein paar Beispiele für diese Zahlenwerte, die im Gegensatz zu
den Griechen und Römern nicht schon zu Beginn der Geschichte
der Israeliten aufkamen, sondern erst in der Spätzeit des Alten
Testaments, also in der gleichen Zeit wie bei den beiden anderen
Völkern:
11 = Alef und Jod (1 + 10)
111 = Alef, Jod und Kof (1 + 10 + 100)
500 = Kof und Taw (100 + 400)
999 = Tet + Tsade + Kof + Taw + Taw
(9 + 90 + 100 + 400 + 400)
12
Im Gegensatz zu den Griechen und Römern, bei denen die
grösste Ziffer immer vor der nächstkleineren stand (im Latein: 11
= XI, 111 = CXI, 999 = DCCCCLXXXXVIIII, zu DCMXCIX
verkürzt), verhielt es sich bei den Israeliten also umgekehrt.
Für das Verständnis des Hebräischen sind diese Zahlenwerte
nicht wichtig, sie stehen hier nur zur Abrundung des
Gesamtbildes.
Die Aussprache
Da ich in diesem Buch auf das hebräische Alphabet wie oben
erwähnt nicht näher eingehe und das mit meinen beschränkten
technischen Mitteln auch nicht könnte, führe ich hier nur die
entscheidenden Unterschiede in der Aussprache auf.
Im Gegensatz zum Bibelhebräischen gibt es heute den starken
charakteristischen Kehllaut, der im Arabischen, wo er immer
noch vorkommt, Ajin genannt und in der deutschen Umschrift mit
* geschrieben wird, nicht mehr. Nach den Worten der oben
erwähnten Bekannten, die fliessend Hebräisch sprach,
verwendeten ihn im letzten Jahrhundert nur noch die
jemenitischen Juden, aber in den mehr als vierzig Jahren seither
ist so viel geschehen, dass nicht mehr angenommen werden
kann, dass im Jemen noch heute Juden leben. Dagegen gibt es
immer noch den schwachen Kehllaut - eben das oben erwähnte
hebräische Ajin, das wie «beenden» ausgeprochen wird und den
ich hier gleich wie in anderen Lehrbüchern mit einem Apostroph
(‘) schreibe. Das gilt auch dann, wenn er zwischen zwei
Konsonanten steht; dann wird anstelle des Knacklauts ein
schwach angedeutetes «e» ausgesprochen, das aber auch
stumm bleiben kann, und in einem schnellen Gespräch
verschwindet es genauso wie das «’» selber sowieso fast immer.
13
Da der Konsonant «h» der einzige hebräische Hauchlaut ist - im
Gegensatz zum Arabischen, das immer noch ein besonders
starkes aufweist, das in der deutschen Umschreinung meistens
H geschrieben wird -, gibt es keine Schwierigkeiten, diese
Sprache mit dem lateinischen Alphabet zu schreiben. Der
grösste Unterschied besteht im Konsonanten «r»; er ist
gewissermassen das Kennzeichen dafür, ob jemand in Israel
aufgewachsen ist oder nicht. Diese Menschen, die nach der dort
wachsenden Kaktusfeige Zabar (oder Tsabar) noch heute
Zabarim bzw. Tsabarim und auf Deutsch «Sabras» oder
«Sabres» genannt werden, sprechen das «r» wie im
norddeutschen Sprachraum sowie im Französischen und
Dänischen wie ein Zäpfchen-r aus. Dagegen sprechen die
Juden, die von anderen Ländern her eingewandert sind, und
auch die Araber - sowohl die israelischen als auch die von den
anderen Ländern - diesen Konsonanten wie ein gerolltes «r» aus,
also wie im süddeutschen Sprachraum und in den romanischen
Sprachen mit Ausnahme des Französischen.
Da die meisten hebräischen Wörter auf der letzten Silbe betont
werden, schreibe ich einen Akzent nur dort, wo das nicht zutrifft:
gadol (m.) = gross
anáchnu = wir
káma = wie viel láma = warum
Da ich schon die Aussprache-Unterschiede zwischen den
«Sabras» und den Eingewanderten erwähnt habe, ist noch
etwas klarzustellen: Die jahrhundertelangen Unterschiede
zwischen den Aschkenasen (Aschkenasim) und Sepharden
(Seffardim), wie sie genannt wurden, bestehen seit der
Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 nicht mehr so scharf,
ja, sie verschwinden allmählich sogar, seitdem wegen der
poltiischen Ereignisse - um es einmal so auszudrücken - immer
mehr Juden von überall her eingewandert sind. Während die
14
Aschkenasen jene waren, die in Europa (mit Ausnahme der
Iberischen Halbinsel), in Afrika (mit Ausnahme des Nordens) und
in Amerika lebten, waren die Sepharden jene, die auf der
Iberischen Halbinsel, in Nordafrika und im ganzen Nahen Osten
lebten.
Wichtig zu wissen ist auch, dass die Zionisten, die im Jahr 1948
den Staat Israel gründeten, nicht nur Aschkenasen waren, wie
das noch heute behauptet wird, sondern auch viele Sabras in
ihren Reihen hatten.
Zu den ersteren gehörten von den noch heute bekanntesten
diese: David Ben-Gurion, Chaim Weizmann, Levi Eschkol, Golda
Meir, Menachem Begin, Jits’chak Schamir, Schimon Peres,
Chaim Herzog (im nordirischen Belfast geboren der einzige
Westeuropäer) und Abba Eban aus Südafrika, der einzige Nicht-
Europäer in diesem Kreis.
Zu den bekanntesten Sabras gehörten diese: Mosche Dajan,
Jits’chak Rabin und Ariel Scharon.
Natürlich fehlt hier der eine oder andere bekannte Name, aber
die oben aufgeführten sind nun einmal jene, an die ich selber
mich am besten erinnere.
15
Die Substantive (Hauptwörter)
Einzahl
Im Gegensatz zum Altgriechischen, aber auch zum Sanskrit und
zu den slawischen Sprachen sowie zum Deutschen gibt es im
Hebräischen kein sächliches Geschlecht.
Durch einen kleinen «Trick» kann erkannt werden, ob ein Wort
männlich oder weiblich ist, weil die meisten männlichen auf
einem Konsonanten und die meisten weiblichen auf dem Vokal
«a» enden, und teilweise können von den männlichen sogar
direkt die weiblichen gebildet werden:
DE: Mann Frau Tourist Touristin
HB: isch ischa tajer tajéret
DE: Soldat
HB: chajal
Soldatin
chajélet
DE: Haus Stadt Land Staat
HB: bájit îr árets (f.) medina *
Das Wort «bájit» wird nur so geschrieben, aber fast immer wie
«báit» ausgesprochen; damit ist es mit dem arabischen Wort
identisch.
Allerdings funktioniert dieser «Trick» nicht immer, vor allem nicht
dann, wenn ein Wort, das ein natürliches weibliches Wesen
anzeigt, wie ein männliches auf einem Konsonanten endet:
DE: Vater Mutter Sohn Tochter
16
HB: av, ába em, íma ben bat
DE: Bruder Schwester Kind
HB: ach achot jéled
* Dieses Wort habe ich hier auch deshalb aufgeführt, damit
erkannt werden kann, dass es zwischen dem Hebräischen und
Arabischen manchmal auch Wörter gibt, die fast identisch sind,
aber verschiedene Bedeutungen haben:
medina = Staat (HB) - Stadt (AR, in den Dialekten -
in der Hochsprache «madîna»)
Der Konsonant «t» kommt in den weiblichen Wörtern nur in
Verbindung mit anderen Wörtern vor und steht meistens vor
einem Vokal:
DE: Staat Israel
HB: Medinat Jissra’el
Staat Deutschland
Medinat Germánia
Dieses «t» ist noch der letzte Rest der bibelhebräischen
Konstruktion des Genitivs, der im Gegensatz zum
Neuhebräischen nicht das Universalwort «schel» verwendet,
sondern eine Zusammensetzung von zwei Wörtern, die als
«Status constructus» bezeichnet wird, wie wir weiter unten noch
sehen werden.
Bei festen Begriffen stehen aber beide Substantive oder
Eigennamen unverändert direkt nebeneinander, dann ist vom
«Status absolutus» die Rede:
DE: Stadt Gottes Volk Gottes Stadt Jerusalem
17
HB: Ir Elohim Am Elohim Ir Jeruschalájim *
Aber:
Béit Elohim, Béit El (gleiche Bedeutung - daraus wurde später
der Ort Bethel)
Béit lechem (Haus des Brotes bzw. Brothaus - daraus wurde
später Bethlehem)
* Die Wörter, die auf «-ájim» enden, werden zwar so
geschrieben, aber fast immer wie «áim» ausgesprochen, so auch
in den beiden oft vorkommenden Zahlwörtern «schnáim» und
«schtáim», die für die männliche und weibliche Zahl 2 stehen.
Anstelle von «Elohim» wird von den Juden aber schon seit vielen
Jahrhunderten viel mehr das Wort «Adonai» verwendet, das
zwar vom Wort «adon» (Herr) stammt, aber nicht «meine
Herren» bedeutet und trotzdem ein versteckter Hinweis auf die
göttliche Dreieinigkeit sein könnte, die so aber nirgendwo in der
Bibel erwähnt wird. Für «meine Herren» wird «rabotái»
verwendet, das von «rab» bzw. «rav» (Meister) stammt; das
weltbekannte Wort «Rabbi» heisst also wörtlich «mein Meister».
Dieses «rabotai» kann heute vor allem im Ausdruck «g’virotai ve
rabotai!» (meine Damen und Herren!) oft gehört werden.
Wenn ein Besitz angezeigt wird, verändert sich «adon» in der
ersten Person Einzahl zu «adoni», wobei auch hier die letzte
Silbe betont wird. Als der Jünger Thomas erkannte, dass Jesus
wahrhaftig von den Toten auferstanden war, kniete er vor ihm
nieder und sagte laut: «Adoni ve Eli! - Mein Herr und mein Gott!»
Diese Begegnung soll Thomas derart bewegt haben, dass er
später bis nach Indien reiste, um das Evangelium dort zu
verbreiten; noch heute gibt es dort die sogenannten Thomas-
Christen, die sich auf ihn berufen.
18
Das Wort Adonai kommt auch daher, weil das Hebräische nach
der Zerstreuung der Israeliten nach Assyrien und Babylon vor
allem vom Aramäischen, das noch vor dem Griechischen die
allgemeine Umgangssprache zwischen allen nahöstlichen
Völkern geworden war, immer mehr verdrängt wurde und bald
nur noch in den Synagogen gehört werden konnte. Um das Wort,
das heute nur noch JHWH geschrieben wird, nicht aus Versehen
falsch auszusprechen, wurde dieses Adonai viel mehr verwendet
als Jehova, das vor allem in Europa und Amerika aufkam und
von dem wir heute wissen, dass dies auch keine richtige
Übersetzung ist.
In einem der berühmtesten Bibelsätze kommen Adonai und
Elohim sogar zusammen vor:
Höre, oh Israel, der Herr ist unser Gott, der einzige Gott!
Sch’ma, Jíssra’el, Adonai Elohéinu Adonai echad!
Elohéinu (unser Gott) ist eine Mehrzahlform, weil Elohim formal
eine solche ist, was ebenfalls ein versteckter Hinweis auf die
göttliche Dreieinigkeit sein könnte.
Da das «a» oft auch wie ein Laut ausgesprochen wird, der einem
«o» nahekommt, kann der obige Satz auch so gehört werden:
Sch’ma, Jíssro’el, Adonoi Elohéinu Adonoi echod!
Daneben gibt es in der Bibel noch andere immer wieder
vorkommende Wörter für Gott: El (wie oben bei Bethlehem),
Eloah, El-Eljon und El-Schaddai, ja, sogar El Elohéi Jíssra’el.
Insgesamt gibt es mehr als zwanzig Gottesnamen; wer sie alle
lesen will, kann im Internet unter «Namen Gottes» nachschauen.
Neben Adonai, mit dem man auf jeden Fall immer richtig fährt,
gibt es auch den Ausdruck «Ha-Schem», der eigentlich «der
19
Name» bedeutet, aber deutlich genug darauf hinweist, wer damit
gemeint ist.
In den deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften, die sich
nur an die Juden richten, kommt auch noch die neutrale
Ausdrucksweise «G’tt» vor.
Weiter unten werde ich darauf noch etwas näher eingehen. Das
betrifft vor allem den Genitiv, der im heutigen Hebräischen
meistens mit «schel» umschrieben wird, wenn keine festen
Begriffe wie Jerusalem vorkommen:
das Haus des Ministers = ha-bájit schel ha-ssar
Im Bibelhebräischen würde es so heissen: Béit ha-ssar, also
auch mit Artikel
Mehrzahl
Hier ist es einfach, weil die meisten Mehrzahlwörter regelmässig
gebildet werden:
männlich: -im
weiblich: -ot
DE: Männer Frauen Städte Staaten
HB: anaschim naschim * orim medinot
DE: Söhne Töchter Brüder Schwestern
HB: banim banot achim achajot
DE: Mütter Kinder Häuser Länder
HB: imahot jeladim batim ártsot
20
DE: Soldaten Soldatinnen Touristen Touristinnen
HB: chajalim chajalot tajarim tajarot
Bei «chajalot» und «tajarot» verändert sich das «e» der Einzahl
zu «a» in der Mehrzahl:
chajélet - chajalot
tajéret - tajarot
Es gibt auch bemerkenswerte Ausnahmen, bei denen die
männliche Mehrzahlform «-ot» ist:
DE: Väter
HB: avot
Zudem gibt es Wörter nur in der Mehrzahl:
DE: Eltern
HB: horim
* Das weibliche Mehrzahlwort «naschim» gehört zu den wenigen
Ausnahmen. Da der Vokal «a» wie oben angedeutet in vielen
Wörtern manchmal auch wie ein «o» ausgesprochen wird,
schreibt man dementsprechend auch die jüdische
Frauenvereininung, die in vielen Städten vorkommt, mit
«Chevras Noschim».
21
Der Dual (Die Zweizahl)
Das ist ebenfalls eines der Markenzeichen nicht nur des
Hebräischen und Arabischen, sondern aller semitischen
Sprachen. Von den heutigen bekannten Sprachen kennen nur
noch das Sanskrit und in Europa die beiden kleinen slawischen
Sprachen Slowenisch und Sorbisch, das früher mehr Wendisch
genannt wurde, den Dual.
Wie es der Name andeutet, kommt der Dual dann zum Zug,
wenn eine Zweizahl ausgedrückt wird:
zwei Augen = beide Augen
zwei Hände = beide Hände
Allerdings wird der Dual auch dann verwendet, wenn es sich
nicht um Paarteile des Körpers handelt:
zwei Männer, zwei Frauen, zwei Söhne, zwei Töchter,
zwei Brüder, zwei Schwestern
usw.
Sogar bei Zeitangaben kommt er vor:
zwei Stunden, zwei Tage, zwei Wochen, zwei Monate, zwei
Jahre
Der Dual, der immer von der Einzahl ausgehend gebildet wird,
endet im Hebräischen auf «-ájim», der wie oben erwähnt «-áim»
ausgesprochen wird, aber die Geschlechter bleiben stets gleich:
DE: Auge - Augen - Hand - Hände -
die beiden Augen
HB: ájin (f.) - ejnájim
die beiden Hände
jad (f.) - jadájim
22
DE: Bein - Beine -
die beiden Beine
HB: régel (f.) - raglájim
Es gibt bei eindeutigen Dualwörtern, die Körperteile ausdrücken,
tatsächlich nur Dualformen.
Wie oben erwähnt kann der Dual auch dann verwendet werden,
wenn es sich nicht um eine natürliche Zweizahl handelt, und
zudem für Zeitangaben:
DE: zwei Männer zwei Frauen zwei Städte zwei Staaten
HB: ischájim naschájim irájim medinatájim
DE: zwei Väter zwei Mütter zwei Kinder zwei Häuser
HB: avájim imájim jeledájim bajitájim
DE: zwei Söhne zwei Töchter zwei Brüder zwei Schwestern
HB: b’nájim batájim achájim achotájim
DE: eine Stunde ein Tag eine Woche
HB: scha’a jom schavú’a
DE: zwei Stunden zwei Tage zwei Wochen
HB: scha’ájim jomájim schavájim
23
DE: ein Monat
HB: chódesch
ein Jahr
schana
DE: zwei Monate
HB: chodschájim
zwei Jahre
schanájim
Es ist also auch möglich, von Wörtern wie «Staat» einen Dual zu
bilden. Das ist im Fall von «medinatájim», dem das arabische
«daulatân» entspricht - von der Einzahl «daula» abgeleitet -,
auch deshalb wissenswert, weil im Nahen Osten schon seit
vielen Jahrzehnten immer wieder von einer Zwei-Staaten-
Lösung für Palästina geredet wird.
Wenn anstelle des Duals die «normalen» Mehrzahlformen
zusammen mit der Zahl 2 verwendet werden - was im heutigen
Hebräischen in der Umgangssprache möglich ist -, muss genau
darauf geschaut werden, ob ein Wort männlich oder weiblich ist,
und zudem kommt auch hier der Unterschied zwischen dem
Status absolutus und dem Status constructus zum Zug:
zwei
Aber:
zwei Männer
zwei Frauen
schnájim (schnáim, m.)
schtájim (schtáim, f.)
schnéi anaschim
schtéi naschim
Bei den höheren Zweierzahlen kommt der Dual noch in den
Zahlen 200 und 2'000 vor, allerdings werden beide
unregelmässig gebildet:
24
100 = mé’a 200 = matájim (matáim)
1'000 = élef 2'000 = alpájim (alpáim)
Die Zahl 2'000 kommt als bekanntestes Beispiel im Ausdruck
«sch’not alpájim» (2'000 Jahre) in der «Hatikva» vor, der
israelischen Nationalhymne. Da auch dieses in dichterischer
Form verfasst wurde, die bekanntlich viel mehr Freiheiten
zulässt, steht nicht nur «alpájim» hinter dem Substantiv, was
eigentlich nicht ganz korrekt ist, sondern aus Rhythmusgründen
auch noch «sch’not» anstelle von «schanot»; zudem habe ich
sogar in Lehrbüchern auch schon «schanim» gesehen.
Von der Zahl drei an aufwärts stellt sich das kleine Problem mit
dem Dual nicht mehr, aber auch dann bestehen die Unterschiede
zwischen einer männlichen und einer weiblichen Zahlvariante
immer noch, wie wir weiter unten noch sehen werden:
drei Männer
drei Frauen
usw.
schloscha anaschim
schalosch naschim
Es gibt auch noch Dualwörter bei Dingen, die zwar einheitlich
sind, aber als Doppelheit gesehen werden:
Brille
Fahrrad
Hose, Hosen
Schuhe
Socken
mischkafájim (mischkafáim)
ofanájim (ofanáim)
michnassájim (michnassáim)
na’alájim (na’aláim) - Einzahl: na’ala
garbájim (garbáim) - Einzahl: garba
Sogar hier gibt es Dualendungen: májim - Wasser
25
schamájim - Himmel
Der bestimmte und unbestimmte Artikel
Einzahl, unbestimmter Artikel
Dieser wird nicht verwendet, wenn keine Betonung vorliegt:
DE: ein Mann eine Frau ein Kind ein Land
HB: isch ischá jeled árets, érets *
* Der Unterschied zwischen «árets» und «érets» besteht vor
allem darin, dass das erstere in Zusammensetzungen verwendet
wird (ha-árets), während das letztere mehr als Begriff auch
alleinstehen kann:
das Land Israel (als biblische Verheissung) = Erets Jíssra’el
im Land Israel = ba-árets Jíssra’el
Bei einer Betonung wird das Wort «eins» aber mitverwendet,
zudem wird zwischen männlich und weiblich unterschieden. Im
Gegensatz zu allen anderen Grundzahlen stehen diese hinter
dem Wort, auf das sie sich beziehen, und nicht vorn:
DE: ein Mann eine Frau ein Kind ein Land
HB: isch echad ischa achat jéled echad árets achat
Das Wort «echad» wird oft auch wie «echod» ausgesprochen,
wie wir im oben erwähnten Bibelsatz gesehen haben:
Sch’ma, Jíssra’el, Adonai Elohéinu Adonai echad!
Sch’ma, Jíssro’el, Adonoi Elohéinu Adonoi echod!
26
Mehrzahl, unbestimmter Artikel
Wie oben gesehen werden kann, wird die Mehrzahl bei den
meisten Wörtern regelmässig gebildet. Im Gegensatz zu einem
Teil der romanischen Sprachen, in denen es einen
unbestimmten Artikel auch in der Mehrzahl gibt, kennt das
Hebräische so etwas nicht:
Deutsch: Männer Frauen Kinder
Französisch: des hommes des femmes des enfants
Italienisch: degli uomini delle donne dei bambini
Katalanisch: uns homes unes dones uns nens
Spanisch: unos hombres unas mujeres unos niños
Portugiesisch: uns homes umas mulheres umas crianças
Rumänisch: nishte om nishte doamne nishte copi
Im Französischen und Italienischen sind diese Mehrzahlformen
mit denen im Genitiv identisch, während in den drei iberischen
Sprachen ein «de» davorsteht». Dagegen wird im Rumänischen
«nishte», das im Nominativ und Akkusativ steht, im Genitiv und
Dativ durch «unor» ersetzt; es ist die einzige romanische
Sprache, in der nicht nur die bestimmten Artikel hinten
angehängt werden, sondern auch die im Latein vorhandenen
Doppelkonstruktionen - zum Beispiel bei «feminae», welches
das Einzahlwort für eine Frau im Genitiv und Dativ ist - zum Teil
immer noch erhalten geblieben sind.
Einzahl, bestimmter Artikel
Auch hier ist es einfach, aber es gibt zwei Varianten: Wenn auf
den bestimmten Artikel direkt ein «a» folgt, kann vor allem im
Neuhebräischen aus akustischen Gründen auch «he-«
27
zumindest ausgesprochen werden, während bei allen anderen
«ha-« steht. Für die Schriftsprache spielt das keine Rolle, weil
«ha-« und «he-« gleich geschrieben werden, wenn keine
Vokalzeichen vorkommen:
DE: der Mann die Frau das Haus die Stadt
HB: ha-isch ha-ischa ha-bájit ha-ir
DE: das Kind der Staat das Land das Auge
HB: ha-jéled ha-medina ha-árets, ha-ájin,
he-árets he-ájin
DE: der Vater die Mutter der Sohn die Tochter
HB: ha-av, ha-ába ha-íma ha-ben ha-bat
DE: der Bruder die Schwester die Hand
HB: ha-ach, ha-achot, ha-jad
he-ach he-achot
Mehrzahl, bestimmter Artikel
Hier gelten die genau gleichen Regeln wie in der Einzahl:
DE: die Männer die Frauen die Häuser die Städte
HB: ha-anaschim, ha-naschim ha-batim ha-irot
he-anaschim
DE: die Kinder die Staaten die Länder die Augen
28
HB: ha-jeladim ha-medinot ha-ártsot, ha-einájim
he-ártsot
(Dual)
DE: die Väter die Mütter die Söhne die Töchter
HB: ha-avot, ha-ímahot ha-banim ha-banot
he-avot
DE: die Brüder die Schwestern die Hände
HB: ha-achim, ha-achajot, ha-jadájim
he-achim he-achajot (Dual)
Dual, bestimmter Artikel
DE: die beiden Männer die beiden Frauen die beiden Häuser
HB: ha-anaschájim, ha-naschájim ha-bajitájim
he-anaschájim
(ha-baitáim)
DE: die beiden Kinder die beiden Städte die beiden Staaten
HB: ha-jeladájim ha-irájim ha-medinatájim
DE: die beiden Länder die beiden Väter die beiden Mütter
HB: ha-ártsájim, ha-avájim, ha-ímajim
he-ártsájim he-avájim
DE: die beiden Söhne
die beiden Töchter
29
HB: ha-benájim
ha-batájim
DE: die beiden Brüder
HB: ha-achájim,
he-achájim
die beiden Schwestern
ha-achotájim,
he-achotájim
Die Kasus (Fälle)
Was in den meisten europäischen Sprachen unter einem Kasus
verstanden wird, der zum Teil sogar mehr als zehnfach vertreten
ist - vor allem im Finnischen, Estnischen und Ungarischen -,
kommt im Hebräischen auf diese Art nicht vor. Es gibt zwar in der
Denkweise das, was in den meisten europäischen Sprachen
unter einem Fall verstanden wird, doch er wird ganz anders
ausgedrückt - auf eine Weise, die viel leichter ist als im
Deutschen, wenn zum Beispiel an die nicht weniger als sieben
Varianten bei einem Mann gedacht wird:
der Mann, des Mannes, dem Mann, den Mann
die Männer, der Männer, den Männern
a) Bei der Bildung des Genitivs kommen die beiden Varianten
zum Zug, die ich oben kurz erwähnt habe: Einerseits der Status
absolutus und andererseits der Status constructus. Im ersteren
bleibt das vordere Wort unverändert, während im letzteren im
vorderen Wort ein Buchstabenwechsel stattfindet, der am
meisten an den sogenannten Stufenwechsel in den finnougrischen
Sprachen erinnert (siehe in meinem Buch «Lehrbuch
des Estnischen und Finnischen», das ich schon vor mehreren
30
Jahren veröffentlicht habe). Allerdings kommt dieser
Buchstabenwechsel nur bei den männlichen Wörtern vor - aber
längst nicht bei allen -, während bei den weiblichen, von denen
fast alle auf «-a» enden, einfach ein «t» angehängt wird:
Ein paar einfache Beispiele:
Status absolutus
Status constructus
ein Mann Gottes isch Elohim isch Elohim
eine Frau Gottes ischa Elohim ischat Elohim
Männer anaschim anaschéi
Männer Gottes
anaschéi Elohim
Frauen naschim naschéi
Frauen Gottes
naschéi Elohim
Da das Mehrzahlwort für eine Frau ebenfalls auf «-im» endet,
muss als Ausnahme auch hier der Status constructus verwendet
werden.
Weitere Beispiele:
ein Wort davar Worte, Wörter d’varim
das Wort ha-davar die Worte ha-d’varim
AH: ein/das d’war Elohim die Worte G. d’varéi Elohim
Wort Gottes
NH: das W. G. ha-davar Elohim ha-d’varim E.
ein Haus bájit Häuser batim
das Haus ha-bájit die Häuser ha-batim
31
AH: ein/das béit Elohim Häuser Gottes, batéi Elohim
Haus Gottes,
das Gotteshaus
die Gotteshäuser
NH: das H. G. ha-bájit Elohim ha-batim
Elohim
Anstelle von Elohim kann immer auch Adonai gesagt und
geschrieben werden.
Allerdings bleibt der Status constructus nicht nur auf das
Bibelhebräische beschränkt. Im Neuhebräischen kann er immer
noch verwendet werden, wobei die beiden Teile durch einen
Bindestrich abgestrennt werden und der bestimmte Artikel in der
Umschreibung mit dem zweiten Substantiv zusammenfällt;
zugleich fällt der bestimmte Artikel ganz vorn weg:
das Ende der Reise
die Einwohner der Stadt
die Ferientage
die Lichter der Stadt
die Kaffeehäuser
die Bierflaschen
die Kartoffeln
der Stadtpark
das Flugticket
ssof-ha-n’ssi’a (Ende von Reise)
toschavéi-ha’ir (E. von Stadt)
j’méi-choschesch (Tage von F.)
orot-ha’ir (Lichter von Stadt)
batéi-kafe (Häuser von Kaffee)
bakbukéi-bira (Flaschen von Bier)
tapuchéi-adama (Äpfel von Erde)
gan-ha’ir (Park von Stadt)
kartiss-ha-tissa (Ticket von Flug)
Allerdings gibt es auch Ausnahmen, bei denen weder vorn noch
hinten ein bestimmter Artikel steht:
32
das Taschengeld
das Speisezimmer
die Schule
késsef-kiss (Geld von Tasche)
chadar-óchel (Zimmer von Essen)
béit-sséfer (Haus des Buches)
Bei den weiblichen Wörtern sieht es so aus:
das Frühstück
aruchat-bóker (Mahlzeit von Morgen)
die Imbissecke
pinat-óchel (Ecke von Essen)
Manchmal kommt hinten auch der bestimmte Artikel vor:
die Kriegsjahre
sch’not-hamilchama
die Imbissecken pinot-ha’óchel
In einem Zweifelsfall ist die Umschreibung mit «schel» immer
richtig, aber sie ist eben viel länger und damit auch etwas
umständlicher:
ha-ssof schel ha-n’ssi’a
usw.
ha-toschavim schel ha-ir
Der häufigste Status constructus ist auch der bekannteste, weil
er im Alten Testament unzählige Male vorkommt:
ein Sohn Gottes
Söhne
(die) Söhne Gottes
Söhne Israels
ben Elohim
banim
b’néi Elohim
b’néi Jíssra’el
33
Da «ben» sinngemäss auch ein Kind bedeutet, hat sich in den
deutschen Übersetzungen schon vor Jahrhunderten der
Ausdruck «Kinder Israel» eingebürgert.
Auch die umgekehrte Variante mit Elohim ist möglich:
der Gott Israels
der Gott der Hoffnung
der Gott des Lichts
Elohéi Jíssra’el
Elohéi tikva
Elohéi or
Das Wort «horim» für «Eltern» steht im Bibelhebräischen
ebenfalls im Status constructus:
DE: Die Eltern von Josef waren Jakob und Rahel (bzw. Rachel).
AH: Horéi Josef hem haju Ja’akov ve Rachel. *
NH: Ha-horim schel Josef haju Ja’akov ve Rachel.
* Was in der Einzahl «hu» (er) und «hi» (sie) sind, ist im
Bibelhebräischen das Mehrzahlwort «hem», das ebenso wie das
weibliche «hen» direkt nach dem Satzsubjekt steht. Im
Neuhebräischen können sie immer noch verwendet werden - vor
allem dann, wenn eine Einleitung etwas lang ausfällt -, aber sie
sind nicht obligatorisch.
Ebenfalls unverändert wie «ben» bleibt das Wort «mélech»
(König):
ein/der König von Israel mélech Jíssra’el
Dagegen kommt der Status constructus in der Mehrzahl wieder
vor:
(die) Könige
(die) Könige Israels
m’lachim
m’lachéi Jíssra’el
34
Ein weiteres Wort, das in der Einzahl unveränderlich bleibt, ist
«am» (Volk), das mit einem Ajin eingeleitet wird. Der Ausruf «Am
Jíssra’el chái!» (Das Volk Israel lebt!) ist heute vor allem durch
ein besonderes Lied weltbekannt geworden; dabei wird
«Jíssra’el» vor allem in einem schnellen Gespräch und auch in
diesem Lied oft auch nur wie «Issra’el» ausgesprochen. In der
Mehrzahl wird mehr «anaschim», also die Mehrzahlform für
einen Mann verwendet, aber dann sind andere Völker gemeint:
anaschéi ha-olam = ha-anaschim schel ha-olam = die Völker der
Welt
Dagegen wird von «am» das Adjektiv «amami» abgeleitet, das
mit «Volks-« übersetzt werden kann:
chag amami = Volksfest
Das weibliche Wort lautet dementsprechend «amamit»:
knessija amamit = Volkskirche
Der bekannteste Status constructus für ein weibliches Substantiv
ist die offizielle Bezeichnung für Israel:
medina
Medinat Jíssra’el
Staat
Staat Israel
Auch der bei den Katholiken und Orthodoxen übliche Ausdruck
«Mutter Gottes», mit dem die Jungfrau Maria gemeint ist, kann
auf diese Weise gebildet werden:
ima
Imat Elohim
Mutter
Mutter Gottes
35
Obwohl im hebräischen Alphabet wie oben erwähnt nicht
zwischen Klein- und Grossschreibung unterschieden wird,
schreibe ich hier «Medinat» und «Imat», weil es feste Begriffe
sind.
Mit diesem «Modell» können auch alle anderen Genitive gebildet
werden, wenn das erste Wort auf «-im» oder «-a» endet. Wie gut
gesehen werden kann, schliesst der erste Teil dieser Genitiv-
Konstruktionen im Bibelhebräischen sowohl einen unbestimmten
als auch einen bestimmten Artikel mit ein.
Bei den Eigennamen verändern sich die männlichen im
Bibelhebräischen nicht, während bei den weiblichen wieder ein
«t» angehängt werden kann:
Adam war der Mann Evas.
Adam hu haja Chavat isch.
Eva war die Frau Adams.
Chava hi hajta Adam ischa.
Dagegen wird im Neuhebräischen der bestimmte Artikel in
beiden Genitiv-Teilen verwendet, allerdings nicht für Wörter wie
Elohim oder Adonai und auch nicht immer für Jíssra’el:
die Söhne
die Söhne Gottes
die Söhne Israels
der Mann Evas
die Frau Adams
ha-banim
ha-banim Elohim
ha-banim Jíssra’el
ha-adam schel Chava
ha-ischa schel Adam
Schel ist also das Universalwort für den Genitiv. Im
Neuhebräischen wird fast nur dieses Wort verwendet, für das es
zudem in jeder einzelnen Person noch eine eigene Variante gibt,
aber ich gehe erst weiter unten im entsprechenden Kapitel näher
36
auf diese ein. Immerhin liefert auch dieses häufig verwendete
Wort eine Erklärung dafür, dass die heutigen Israelis die Sprache
viel schneller reden, als es ihre israelitischen Vorfahren taten,
soweit wir das heute wissen. Die Sätze sind eben viel länger als
die im Bibelhebräischen, so dass die antiken Israeliten die
Israelis fast nicht verstehen würden, aber natürlich auch wegen
der vielen modernen Wörter wie ein Flugzeug oder ein
Computer, die es im Altertum noch nicht gab.
Da drängt sich eine Parallele zum Alt- und Neugriechischen auf,
allerdings mit einem deutlichen Unterschied: Die heutigen
Griechen sprechen zwar auch sehr schnell, aber sie
verschlucken im Gegensatz zu den Israelis so viele Silben wie
möglich, so dass auch ihre antiken Vorfahren sie fast nicht
verstehen könnten. Wer mehr darüber wissen will, kann in
meinen beiden Büchern «Lehrbuch des Altgriechischen» und
«Lehrbuch des Neugriechischen» nachschauen.
Um den Status constructus, um den es hier hauptsächlich geht,
richtig in den Griff zu bekommen, bleibt nichts anderes übrig, als
möglichst viel in der Bibel zu lesen. Das sollte für jene, die das
Alphabet kennen, nicht allzu schwierig sein, weil auch dieses
Buch mit Vokalzeichen geschrieben wird.
b) Auch im Dativ wird zwischen einem Status absolutus und
einem Status constructus unterschieden, aber das Schlüsselwort
lautet hier im Bibelhebräischen meistens «le», während vor den
Eigennamen meistens «el» mit Alef steht, das zudem durch
einen Bindestrich mit diesem verbunden wird. Auch «le» hat für
jede einzelne Person eine eigene Variante, wie wir weiter unten
noch sehen werden.
Gott gab Adam und Eva viel Liebe.
AH: Elohim (hu) natan el-Adam ve el-Chava harbe ahava. *
37
(Natan Elohim …)
NH: Elohim natan le’Adam ve le’Chava harbe ahava.
* Nach «Elohim» wird das Füllwort «hu» oft weggelassen.
In der Bibel ist es zwar üblich, dass das Verb vor dem Wort steht,
auf das es sich bezieht, aber die obige Variante ist nicht falsch:
Im Anfang schuf Gott …
B’reschit bara Elohim …
Zudem ist zu beachten, dass Elohim zwar ein Mehrzahlwort ist,
aber immer in der Einzahl konjugiert wird.
Wenn ein Substantiv mit einem bestimmten Artikel verbunden
wird, fällt dieser mit ihm zusammen und lautet damit «la»:
Gott gab dem Menschen viel Liebe.
Elohim hu natan la-adam harbe ahava.
Gott gab den Männern und Frauen viel Liebe.
Elohim hu natan la-anaschim ve la-naschim harbe ahava.
Bei zwei Substantiven gibt es wieder deutliche Unterschiede,
weil dann nochmals der Status constructus zum Zug kommt:
DE: Gott gab den Kindern Israel viel Liebe.
AH: Natan Elohim hu harbe ahava l’bnéi Jíssra’el.
NH: Elohim natan harbe ahava la-banim Jíssra’el.
c) Noch leichter ist es im Akkusativ, wo das Schlüsselwort immer
«et» lautet, aber nur vor einem bestimmten Artikel und zudem
38
immer vor einem Eigennamen:
Gott liebte die Welt und die Menschen.
Elohim hu ahav et ha-olam ve et ha-adamim.
Adam liebte Eva und Eva liebte Adam.
Adam hu ahav et Chava ve Chava hi ahva et Adam.
Hier sind beide männlichen hebräischen Varianten identisch,
aber nur in der Vergangenheit; in der Gegenwart unterscheiden
sich die Verben:
DE: Gott liebt die Welt immer noch.
AH: Elohim jihov et ha-olam tamid od.
NH: Elohim ohev et ha-olam tamid od.
Bei einem weiblichen Substantiv gelten die gleichen Regeln, nur
die Verbformen unterscheiden sich etwas:
DE: Der Mann liebt die Frau und die Frau liebt den Mann.
AH: Ha-adam jihov et ha-ischa ve ha-ischa tihov et ha-isch.
NH: Ha-adam ohev et ha-ischa ve ha-ischa ohévet et ha-isch.
Auf die entscheidenen Unterschiede (jihov - tihov, ohev - ohévet)
gehe ich weiter unten noch näher ein.
Das Akkusativwort «et» wird im Bibelhebräischen auch dann
verwendet, wenn das Subjekt, auf das es sich bezieht, mit einem
Possessivpronomen verbunden wird, was sich auch im
berühmtesten Satz im Neuen Testament zeigt:
39
Denn Gott hat die Welt so geliebt, dass Er Seinen eingeborenen
Sohn gab …
Ki-chacha ahav ha-Elohim et ha-olam ed-ascher datan et-b’no
et-j’chido …
Am meisten fällt auf, dass das «et» hier auch vor dem Adjektiv
steht, also gleich zweimal vorkommt, aber im Neuhebräischen
muss beide Male «ha» verwendet werden, wobei das «et» vor
dem Adjektiv wegfällt:
… et ha-ben ha-j’chido …
Zu beachten ist, dass der bestimmte Artikel in diesem Satz auch
vor Elohim steht, aber das ist nicht immer so. Wer genau wissen
will, was wann und warum kommt, muss das Alte Testament und
das Bibelhebräische bis in alle Einzelheiten kennen.
Hier wird «sein» also hinter «ben» gehängt, wobei es auch hier
wieder eine Buchstabenverschiebung gibt:
ben - b’no
Akkusativ: et ha-ben - et-b’no
Im Bibelhebräischen fällt der bestimmte Artikel auch hier
genauso wie im Dativ mit dem Possessivpronomen zusammen,
während im Neuhebräischen wieder das oben erwähnte
Universalwort «schel» zum Zug kommt:
ben - ha-ben schelo
Akkusativ: et ha-ben schelo
Auch wenn zwei Substantive im Akkusativ stehen, wird «et»
meistens nicht verwendet, wenn der bestimmte Artikel nicht
vorkommt. Ich schreibe «meistens», weil ich die andere Variante
auch schon so geschrieben sah:
40
Wir wollen Liebe und Frieden.
Anáchnu rotsim ahava uschalom. *
Wir wollen Frieden und Liebe.
Anáchnu rotsim schalom ve-ahava.
* Vor einem «sch» steht aus lautlichen Gründen nie «ve» für
«und», sondern ein «u».
Wie in allen anderen Sprachen, in denen zwischen männlich und
weiblich unterschieden wird, bekommt auch im Hebräischen die
männliche Variante den Vorzug, wenn beide im gleichen Satz
erscheinen. Dieser Brauch war schon im Altertum so und ist bis
heute erhalten geblieben.
Da im Neuhebräischen in der Gegenwart nur vier Varianten
vorkommen, muss erst recht genau darauf geschaut werden. Der
gleiche Satz lautet dann, wenn nur Frauen und Mädchen unter
sich allein sind, dementsprechend so:
Anáchnu rotsot ahava uschalom.
Anáchnu rotsot schalom ve-ahava.
Sobald auch nur ein einziger kleiner Junge sich inmitten vieler
Frauen und Mädchen befindet, kommt «rotsim» zum Zug:
Anáchnu rotsim ahava uschalom.
Anáchnu rotsim schalom ve-ahava.
41
Dieses und jenes
Die sieben Demonstrativpronomina bzw. hinweisenden
Fürwörter, wie sie in der Fachsprache genannt werden, sind
diese:
ha-se (Sg. m.), ha-sot (Sg. f.), ha-éle (Pl. m.+f.) -
ha-hu (Sg. m.), ha-hi (Sg. f.); ha-hem (Pl. m.), ha-hen (Pl. f.)
Da diese Wörter im hebräischen Alphabet gleich wie der
bestimmte Artikel geschrieben werden, schreibe ich sie hier im
Gegensatz zu anderen Lehrbüchern nicht in einem einzigen
Wort, sondern getrennt.
Im Gegensatz zu fast allen europäischen Sprachen stehen sie
immer hinter den Wörtern, auf die sie sich direkt beziehen:
dieser Mann
diese Frau
ha-isch ha-se
ha-ischa ha-sot
diese Männer
diese Frauen
ha-anaschim ha-éle
ha-naschim ha-éle
jener Mann
jene Frau
ha-isch ha-hu
ha-ischa ha-hi
jene Männer
jene Frauen
ha-anaschim ha-hem
ha-naschim ha-hen
42
Die Wörter hinter dem zweiten bestimmten Artikel (hu, hi, hem,
hen) entsprechen den Personalpronomina, auf die ich weiter
unten noch näher eingehen werde (er, sie - sie, Pl.).
In den Kasus verhält es sich genau gleich:
der Mann dieser Frau
ha-isch schel ha-ischa ha-sot
die Frau dieses Mannes
ha-ischa schel ha-isch ha-se
die Söhne und Töchter dieser Männer und Frauen
ha-banim ve ha-banot schel ha-anaschim ve ha-naschim ha-éle
die Eltern dieser und jener Kinder
ha-horim schel ha-jeladim ha-éle ve ha-hem
Ich liebe diesen Mann.
Ani ohev (m.) et ha-isch ha-se.
Ani ohévet (f.) et ha-isch ha-se.
Ich liebe diese Frau.
Ani ohev (m.) et ha-ischa ha-sot.
Ani ohévet (f.) et ha-ischa ha-sot.
Im Bibelhebräischen verändern sich nur die Verben. Anstelle der
modernen Varianten «ohev» und «ohévet» stehen «ahávti» und
«ehov», aber in beiden Geschlechtern gleich. Während das
erstere formal ein Perfekt ist, das bis in die Gegenwart reichen
kann, ist das letztere ein Imperfekt, das sowohl für die Gegenwart
43
als auch für die Zukunft stehen kann. Weiter unten gehe ich im
Spezialkapitel über die Verben noch näher darauf ein.
Ich liebe diesen Mann.
Ahávti et ha-isch ha-se. - Ehov et ha-isch ha-se.
Ich liebe diese Frau.
Ahávti et ha-ischa ha-sot. - Ehov et ha-ischa ha-sot.
Die Adjektive (Eigenschaftswörter)
In diesem Bereich ist es auch noch einfach, weil alle Adjektive
regelmässig gebildet werden, und auch diese stehen genauso
wie die Demonstrativpronomina immer hinter den Wörtern, auf
sie sie sich beziehen.
Als «Paradewörter» stelle ich hier die Adjektive von «gross» und
«schön» vor, weil sie für zwei verschiedene Gruppen stehen.
Mit dem unbestimmten Artikel steht das Adjektiv unverändert
dahinter:
DE: ein grosser Mann
HB: isch gadol
ein schöner Mann
isch jafe
DE: eine grosse Frau
HB: ischa g’dola
eine schöne Frau
ischa jafa
DE: grosse Männer
HB: anaschim g’dolim
44
schöne Männer
anaschim jafim
DE: grosse Frauen
HB: naschim g’dolot
schöne Frauen
naschim jafot
Mit dem bestimmten Artikel muss auch vor dem Adjektiv ein
solcher stehen:
DE: der grosse Mann
HB: ha-isch ha-gadol
der schöne Mann
ha-isch ha-jafe
DE: die grossen Männer
HB: ha-anaschim ha-g’dolim
die schönen Männer
ha-anaschim ha-jafim
DE: die grossen Frauen
HB: ha-naschim ha-g’dolot
die schönen Frauen
ha-naschim ha-jafot
DE: die zwei grossen Männer
HB: ha-anaschájim ha-g’dolim
die zwei schönen Männer
ha-anaschájim ha-jafim
DE: die zwei grossen Frauen
HB: ha-naschájim ha-g’dolot
die zwei schönen Frauen
ha-naschájim ha-jafot
Im Gegensatz zum Arabischen gibt es im Hebräischen bei den
Adjektiven keine Dualformen.
Zwei wichtige Einzelheiten können schon hier deutlich gesehen
werden:
45
a) Im Gegensatz zum Deutschen und zu vielen anderen
Sprachen muss auch vor dem Adjektiv sowohl in der Einzahl als
auch in der Mehrzahl immer der bestimmte Artikel stehen, weil
dann, wenn dieser fehlt, etwas ganz anderes ausgedrückt wird:
ha-isch ha-gadol
ha-isch ha-gadol ha-se
ha-ischa ha-g’dola
ha-ischa ha-g’dola ha-sot
Aber: ha-isch gadol
ha-isch ha-se gadol
ha-ischa g’dola
ha-ischa ha-sot g’dola
ha-anaschim ha-g’dolim
ha-anaschim ha-g’dolim ha-éle
ha-naschim ha-g’dolot
ha-naschim ha-g’dolot ha-éle
Aber: ha-anaschim g’dolim
der grosse Mann
dieser grosse Mann
die grosse Frau
diese grosse Frau
der Mann ist gross
dieser Mann ist gross
die Frau ist gross
diese Frau ist gross
die grossen Männer
diese grossen Männer
die grossen Frauen
diese grossen Frauen
die Männer sind gross
ha-anaschim ha-éle g’dolim diese Männer sind gross
ha-naschim g’dolot
ha-naschim ha-éle g’dolot
die Frauen sind gross
diese Frauen sind gross
b) Auch bei den Eigennamen muss vor jedem einzelnen Adjektiv
der bestimmte Artikel stehen, wenn keine Satzaussage vorliegt:
die grosse und schöne Ursula
Hans liebt die grosse und
schöne Ursula.
46
Ursula ha-gadola ve ha-jafa
Hans ohev et Ursula
ha-g’dola ve ha-jafa.
Hans gibt der grossen und
schönen Ursula viel Liebe.
Aber:
Ursula ist gross und schön.
Hans noten le’Ursula
ha-g’dola ve ha-jafa harbe
ahava.
Ursula g’dola ve jafa.
Es muss also deshalb so genau unterschieden werden, weil es
in beiden Sprachen für das Grundverb «sein» keine eigene
Konjugation gibt - genauso wenig wie auch im Russischen,
Ukrainischen und Weissrussischen als bekanntesten Beispielen.
In der Vergangenheit und Zukunft kommen sie dagegen vor, wie
wir weiter unten noch sehen werden.
Die Adjektive sind immer regelmässig, also auch im Dual, mit
dem sie wie oben erwähnt identisch sind:
DE: die grossen Männer
HB: ha-anaschim ha-g’dolim
die zwei grossen Männer
ha-anaschájim g’dolim
DE: die grossen Frauen
HB: ha-naschim g’dolot
die zwei grossen Frauen
ha-naschájim g’dolot
Wie diese Beispiele zeigen, gibt es im Hebräischen zwei
Gruppen von Adjektiven:
gross gadol - g’dola schön jafe - jafa
In der Mehrzahl sind aber alle gleich regelmässig:
g’dolim - g’dolot
47
jafim - jafot
Wenn beide Geschlechter im gleichen Satz erscheinen,
bekommt auch hier die männliche Variante genauso wie oben
gesehen bei «rotsim» den Vorzug:
Die grossen Männer und Frauen hier sind schön.
Ha-anaschim ve ha-naschim ha-g’dolim hine jafim.
Ha-anaschim ve ha-naschim ha-g’dolim po jafim
(zwei Wörter für «hier»: hine, po)
Im Bibelhebräischen wird der Status constructus auch für die
Adjektive verwendet, dafür fehlt der bestimmte Artikel:
ein grosser Sohn Israels,
der grosse Sohn Israels
grosse Söhne Israels,
die grossen Söhne Israels
eine grosse Tochter Israels,
die grosse Tochter Israels
grosse Töchter Israels,
die grossen Töchter Israels
ben g’dol Jíssra’el
b’néi g’doléi Jíssra’el
bat g’dolat Jíssra’el
banot g’dolot Jíssra’el
Die weiblichen Wörter stehen in der Mehrzahl meistens nicht im
Status constructus, aber es gibt auch wenige Ausnahmen.
Hier kommt eine kleine Tabelle für vier Adjektive, die in der Bibel
besonders häufig vorkommen:
St. abs. St. con. St. abs. St.con.
tov (gut) tov (m.) tov tova (f.) tovat
tovim tovéi tovot tovot
48
gadol (gross) gadol g’dol g’dola g’dolat
g’dolim g’doléi g’dolot g’dolot
katan (klein) katan k’tan k’tana k’tanat
k’tanim k’tanéi k’tanot k’tanot
jaschar (recht) jaschar je’schar je’schara ji’schrat
je’scharim jisch’réi je’scharot jisch’rot
Wenn etwas mit «sehr» ausgedrückt wird, steht «me’od» immer
hinter den Adjektiven:
Dieser Mann ist sehr gross.
Ha-isch ha-se gadol me’od.
Diese Frau ist sehr gross.
Ha-ischa ha-sot g’dola me’od.
Diese Männer sind sehr gross.
Ha-anaschim ha-éle g’dolim me’od.
Diese Frauen sind sehr gross.
Ha-naschim ha-éle g’dolot me’od.
Das gilt auch dann, wenn «me’od» nicht direkt mit einem Adjektiv
verbunden wird:
Ursula ist sehr gross, aber Hans liebt sie sehr - und Ursula liebt
Hans auch.
Ursula (hi) g’dola me’od, aval Hans ohev ota me’od - ve Ursula
ohévet et Hans gam.
49
Wichtige Adjektive
Hier führe ich eine Liste der häufigsten Adjektive auf, die
Gegensätze ausdrücken. Dabei beschränke ich mich auf die
männlichen Varianten und führe nur dort, wo die weiblichen sich
nicht mit «-a» ableiten lassen, auch diese auf:
billig sol teuer jakar
breit rachav eng, tsar
schmal
frisch tari, tarit alt jaschan
glatt chalak rauh m’chusspass
gross gadol, g’dola klein katan
gut tov schlecht ra, ra’a
hart kasche, kascha weich rach, racha
heiss cham kalt kar
(glühend heiss
cham me’od, lohet)
hell bahir dunkel kehe, keha
(sehr hell
bahir-as)
hoch gawóa, gawóat niedrig namuch
tief
amok
interessant m’anijen uninteres- bilti-anijen
sant
jung tsa’ir alt saken, sakna
(Mensch, Tier)
klar bahir dunkel kehe, keha
50
lang aroch kurz katsar
leuchtend bahir-as glanzlos, amum
matt, trüb
mager rase, rasa dick schamen,
scham’na
neu chadasch alt (Ding) jaschan
richtig holem, nachon falsch scheker,
lo nachon
rund agol kugelrund kaduri,
kadurit
rutschig chalak rauh m’chusspass
sauber naki schmutzig, m’luchach
unrein
scharf chad stumpf kehe, keha
schnell mahir langsam iti, itit
schön jafe, jafa hässlich mag’il, m’choar
schwer kaved, kav’da leicht kal
(Gewicht)
seicht radud tief amok
spitz chad stumpf kehe, keha
stark chasak schwach chalasch
süss matok bitter mar, mara
sauer chamuts
trocken jawesch feucht, nass lach
51
voll male, mala leer rejk, rejka
warm cham kalt kar
Die Farben
blau
braun
bronzefarben
bunt
dunkelblau
gelb
grün
hellblau
karmesinrot
orange-gelb
purpurrot
rosarot
rot
schwarz
vielfarbig
violett
weiss
kachol
chum
arod/aroda b’tséva ha-bróntsa
ssassgoni, ssassgonit
kachol-kehe, kachol-keha
tsahov
jarok
tachol
schani, schanit
tafos
argaman, argamna
varod
adom
schachor
sassgoni, ssassgonit (wie «bunt»)
ssagol
lavan, lav’na
52
Die Steigerung der Adjektive
Auch hier gibt es in beiden Sprachen deutliche Unterschiede:
Während im Bibelhebräischen das Adjektiv unverändert bleibt,
weil es eine Konstruktion kennt, die auch in vielen ostasiatischen
Sprachen vorkommt - im Sinn von: er ist gross im Vergleich zu
mir -, wird die Steigerung im Neuhebräischen mit «joter» (mehr)
und «hachi» (am meisten) umschrieben. Dabei steht im
Bibelhebräischen je nach Zusammenhang auch der bestimmte
Artikel, aber beiden gemeinsam ist das Schlüsselwort «min»
(als), für das es bei jedem einzelnen Personalpronomen auch
noch eigene Varianten gibt.
Im Komparativ, wie die erste Steigerungsstufe in der
Fachsprache heisst, sieht die Steigerung so aus:
DE: Jesus ist grösser als dieser Prophet.
AH: Jeschúa hu gadol ha-navi ha-se.
NH: Jeschúa joter gadol mi ha-navi ha-se.
Schwieriger wird es, wenn nicht genau bestimmt werden kann,
ob es sich um ein männliches oder weibliches Wesen handelt.
Dann können «hu» oder «hi» auch weggelassen werden:
DE: Deutschland ist grösser als Israel.
AH: Germánia hi ha-g’dola mi Jíssra’el.
NH: Germánia joter g’dola mi Jíssra’el.
Hier ist «Germánia» eindeutig ein weibliches Wort, deshalb wird
«hi» verwendet.
53
DE: Jerusalem ist kleiner als Tel Aviv.
AH: Jeruschalájim katan min Tel Aviv.
NH: Jeruschalájim joter katan min Tel Aviv.
DE: Ursula ist grösser als Elena, aber Elena ist stärker.
AH: Ursula hi g’dola min Elena, aval Elena hi chasaka.
NH: Ursula joter g’dola min Elena, aval Elena joter chasaka.
DE: Ursula und Elena sind grösser als Hans, aber sie lieben ihn.
AH: Ursula hi ve Elena hi g’dolot min Hans, aval jiht’vúhu. *
NH: Ursula ve Elena joter g’dolot min Hans, aval hen ohvot oto.
DE: Hans ist kleiner als Ursula und Elena, doch er liebt sie.
AH: Hans hu katan min Ursula ve Elena, aval hu jihóvhen. *
NH: Hans joter katan min Ursula ve Elena, aval hu ohev otan.
* Gerade hier können die Unterschiede zwischen den beiden
Hebräisch-Varianten deutlicher als anderswo gesehen werden,
vor allem bei den angehängten Personalpronomina, auf die ich
weiter unten noch näher eingehe.
Wenn mehrere Eigennamen vorkommen, steht nur nach dem
ersten, der den Satz einleitet, ein «hu» oder «hi».
Im Superlativ, wie die zweite Steigerungsstufe in der
Fachsprache genannt wird, sieht es so aus:
DE: Jesus ist der grösste Prophet von allen.
54
AH: Jeschúa hu ha-navi ha-g’dol mi kol.
NH: Jeschúa ha-navi ha-gadol b’joter mi kol. *
Jeschúa ha-navi hachi gadol mi kol.
* Diese Variante gilt grammatikalisch als korrekter, aber die
untere kommt in der Umgangssprache viel mehr vor.
DE: Jesus war der grösste von allen Männern.
AH: Jeschúa hu haja ha-g’dol mi kol ha-anaschim. *
NH: Jeschúa haja ha-gadol b’joter mi kol.
Jeschúa haja hachi gadol schel kol ha-anaschim.
* Nach «kol» muss immer der bestimmte Artikel verwendet
werden, wenn «alle» ausgedrückt wird.
DE: Russland ist das grösste Land der Welt.
AH: Rússia hi ha-árets ha-g’dola ha-olam. *
NH: Rússia ha-árets ha-g’dola b’joter schel ha-olam. **
Rússia ha-árets hachi g’dola schel ha-olam.
* Auch hier kann bei «ha-g’dol» der Status constructus nochmals
deutlich gesehen werden.
** Hier gilt das Gleiche wie oben: Die obere Variante gilt
grammatikalisch als korrekter, aber die untere kommt in der
Umgangssprache viel mehr vor.
Verglichen wird mit «kach» und «k’mo»:
55
Polen ist so gross wie Deutschand.
Polónia kach g’dola k’mo Germánia.
Israel ist nur so gross wie Hessen.
Jíssra’el rak kach gadol k’mo Héssen.
Das Wort «k’mo» gehört zu den Wörtern, für die es in allen
Personen eigene Formen gibt, wie wir weiter unten noch sehen
werden:
Sie ist so gross wie ich - und ich bin so gross wie sie.
Hi kach g’dola kamóni - ve ani kach gadol (m.)/g’dola (f.) kamóna.
Die vollständige «Deklination» lautet so:
kamóni (1. P. Sg., m.+f.)
kamócha (2. P. Sg. m.)
kamoch (2. P. Sg. f.)
kamóhu (3. P. Sg. m.)
kamóha (3. P. Sg. f.)
kamónu (1. P. Pl., m.+f.)
k’mochem (2. P. Pl. m.)
k’mochen (2. P. Pl. f.)
k’mohem (3. Pl. Pl. m.)
k’mohen (3. P. Pl. f.)
Weiter unten gehe ich im Spezialkapitel über die Präpositionen
noch einmal darauf ein.
56
Das Adverb (Umstandswort)
Mit diesem Wort wird ausgedrückt, auf welche Weise etwas
getan wird. Für einmal hat das Hebräische mit dem Deutschen
gemeinsam, dass das Adverb mit dem entsprechenden Adjektiv
identisch ist, wobei nur das männliche verwendet wird:
Der Mann ist schnell.
Ha-isch mahir.
Der Mann geht schnell.
Ha-isch holech mahir.
Die Männer sind schnell.
Ha-anaschim mahirim.
Die Männer gehen schnell.
Ha-anaschim holchim mahir.
Die Frau ist schnell.
Ha-ischa mahira.
Die Frau geht schnell.
Ha-ischa holéchet mahir.
Die Frauen sind schnell.
Ha-naschim mahirot.
Die Frauen gehen schnell.
Ha-naschim holchot mahir.
Der Mann ist schön.
Ha-isch jafe.
Der Mann schreibt schön.
Ha-isch kotev jafe.
Die Männer sind schön.
Ha-anaschim jafim.
Die Männer schreiben schön.
Ha-anaschim kotvim jafe.
57
Die Frau ist schön.
Ha-ischa jafa.
Die Frau schreibt schön.
Ha-ischa kotévet jafe.
Die Frauen sind schön.
Ha-naschim jafot.
Die Frauen schreiben schön.
Ha-naschim kotvot jafe.
Bei der Steigerung verhält es sich gleich wie bei den Adjektiven:
Der Mann geht schneller. Der Mann geht am schnellsten.
Ha-isch holech joter mahir. Ha-isch holech hachi mahir.
Die Frau schreibt schöner.
Ha-ischa kotévet joter jafe.
Die Frau schreibt am schönsten.
Ha-ischa kotévet hachi jafe.
Es gibt zwar ein paar wenige Ausnahmen von Adverbien, die
nicht mit dem männlichen Adjektiv gebildet werden, aber um
diese zu finden, muss man mit der Lupe suchen - und um diese
herauszuhören, besteht beim schnellen Redeschwall der Israelis
untereinander sowieso keine Chance. Deshalb kann diese
Variante immer verwendet werden, man wird auf jeden Fall auch
so verstanden.
58
Ortsadverbien
Da diese Gruppe von Wörtern nirgendwo richtig untergebracht
werden kann, werden sie in der Fachsprache meistens als
Ortsadverbien bezeichnet:
dort
hier
links, linkerhand,
auf der linken Seite
nach links
rechts, techterhand,
auf der rechten Seite
nach rechts
nahe bei …
oben, oberhalb
überall
unten
unterhalb
scham
hine, po
smol, b’tsad smol
smóla
jamin, b’tsad jamin
jamína
karov le …
l’mala
b’chol makom
(wörtlich: in jedem Ort)
l’máta
mitáchat
Dazu gibt es noch Zeitadverbien (manchmal, nie, oft usw.), auf
die ich erst weiter unten näher eingehen werde.
59
Die Personalpronomina
(Die persönlichen Fürwörter)
Nominativ: Dativ: Akkusativ:
ich ani mir li mich oti
du (m.) ata dir (m.) l’cha dich (m.) otcha
du (f.) at dir (f.) lach dich (f.) otach
er, es hu ihm lo ihn, es oto
sie hi ihr la sie ota
wir anáchnu uns lánu uns otánu
ihr (m.) atem euch (m.) lachem euch (m.) etchem
ihr (f.) aten euch (f.) lachen euch (f.) etchen
sie (m.) hem ihnen (m.) lahem sie (m.) otam
sie (f.) hen ihnen (f.) lahen sie (f.) otan
Im Gegensatz zum Arabischen gibt es im Hebräischen hier keine
Dualwörter, auch nicht im Bibelhebräischen.
Ein Höflichkeitswort wie «Sie» gibt es nicht; es wird überall und
mit allen geduzt, auch auf den Ämtern. Im Kontakt mit Leuten von
ganz oben - zum Beispiel mit Ministerinnen und Ministern -
können allenfalls noch «g’virti» (meine Dame) und «adoni» (mein
Herr) und am besten ohne Mitbenützung von Namen gesagt
werden, aber es ist nicht direkt vorgeschrieben.
Hier scheren nur die beiden Akkusativ-Wörter der zweiten
Person Mehrzahl (etchem, etchen - also nicht diese: atchem,
atchen; otchem, otchen) ein wenig aus der Reihe, ansonsten ist
alles regelmässig.
60
Anstelle von «man» wird das männliche Mehrzahlwort
verwendet, aber ohne Personalpronomen:
hem kotvim = sie schreiben
kotvim = man schreibt
Bei der Anwendung unterscheiden sich die beiden Hebräisch-
Varianten deutlich: Während die Personalprononomina im
Neuhebräischen zwar auch immer hinten, aber von den
entsprechenden Verben getrennt stehen, werden sie im
Bibelhebräischen mit dem entsprechenden Verb verbunden, wie
die Übersicht unten mit den Verben «lieben» und «schreiben»
zeigt:
Neuhebräisch:
Bibelhebräisch:
ich liebe dich ani ohev otach ahávtiach, ehóvach *
(Mann zur Frau)
(Mann zur Frau)
ani ohévet otcha ahávticha, ehóvcha *
(Frau zum Mann)
(Frau zum Mann)
* Die beiden Varianten im Bibelhebräischen stehen für die zwei
verschiedenen Denkarten in dieser Sprache. Während die
vordere in der Fachspache zwar als Perfekt bezeichnet wird,
aber auch mit unserem Imperfekt und Plusquamperfekt
ausgedrückt werden kann, heisst die hintere zwar Imperfekt,
aber sie hat mit dem Imperfekt, wie wir es verstehen, nichts zu
tun. Sie drückt viel mehr eine nicht abgeschlossene Zeitform aus,
also kann sie sowohl im Präsens (Gegenwart) als auch im Futur
(Zukunft) stehen. Da das obige Perfekt ähnlich wie im
Altgriechischen auch eine Zeitform ausdrückt, die zwar in der
Vergangenheit begonnen hat, aber sich immer noch bis auf die
Gegenwart auswirkt, ist auch die vordere Variante korrekt. In der
heutigen Zeit genügen die neuhebräischen Ausdrücke, die von
61
einer althebräischen Partizipialform abgeleitet worden sind, aber
es ist wichtig, von der Existenz dieser beiden antiken
Konjugationen wenigstens zu wissen.
Genau gleich wie die obigen Beispiele funktionieren auch die
anderen Kombinationen:
ich (m.) liebe ihn ani ohev oto ahávtihu,
ehóvhu *
ich (f.) liebe ihn ani ohévet oto wie oben
ich (m.) liebe sie ani ohev ota ahávtihi,
ehóvhi
ich (f.) liebe sie ani ohévet ota wie oben
ich (m.) liebe euch (m.) ani ohev etchem
ahávtichem,
ehóvchem
ich (f.) liebe euch (m.) ani ohévet etchem wie oben
ich (m.) liebe euch (f.) ani ohev etchen ahávtichen,
ehóvchen
ich (f.) liebe euch (f.) ani ohévet etchen wie oben
ich (m.) liebe sie (m.) ani ohev otam ahávtihem,
ehóvhem
ich (f.) liebe sie (m.) ani ohévet otam wie oben
ich (m.) liebe sie (f.) ani ohev otan ahávtihen,
ehóvhen
ich (f.) liebe sie (f.) ani ohévet otan wie oben
Allerdings ist anzumerken, dass in der Bibel für die dritte Person
männlich oft auch «oto» frei hinter der Verbform vorkommt. Hier
62
würden die beiden Varianten so lauten:
ahávti oto, jehov oto
Auch die drei anderen Wörter der dritten Person (ota, otam, otan)
könnten so verwendet werden, aber wer solche finden will, muss
sehr viel lesen; ich selber habe in der Bibel keine gesehen.
Dagegen kann «oti» (mich) manchmal auch noch gefunden
werden, aber ich führe es hier nicht auf, weil es zu unregelmässig
vorkommt.
In den anderen Personen sieht es so aus:
du (m.) liebst mich ata ohev oti ahávtani,
tihóvni
du (f.) liebst mich at ohévet oti ahávt’ni,
tih’vínu
du (m.) liebst ihn ata ohev oto ahávtahu,
tihóvhu
du (f.) liebst ihn at ohévet oto ahávt’hu,
tih’víhu
du (m.) liebst sie ata ohev ota ahávtahi,
tihóvhi
du (f.) liebst sie at ohévet ota ahávt’hi,
tih’víhi
du (m.) liebst uns ata ohev otánu ahávtanu,
tihóvnu
du (f.) liebst uns at ohévet otánu ahávt’nu,
63
tih’vínu
du (m.) liebst sie ata ohev otam ahávta-otam,
(m.)
tihóvotam
du (f.) liebst sie at ohévet otam ahávtotam,
(m.)
tih’ví-otam
du (m.) liebst sie ata ohev otan ahávta-otan,
(f.)
tihóvotan
du (f.) liebst sie at ohévet otan ahávtotan,
(f.)
tih’ví-otan
er liebt mich hu ohev oti ahávtani,
jihóvni
er liebt dich (m.) hu ohev otcha ahávtat’cha,
jihóvt’cha
er liebt dich (f.) hu ohev otach ahávtatach,
jihóvtach
er liebt ihn hu ohev oto ahávtahu,
jihóvhu
er liebt sie hu ohev ota ahávtahi,
jihóvhi
er liebt uns hu ohev otánu ahávtanu,
jihóvnu
er liebt euch (m.) hu ohev etchem ahávtachem,
jihóvchem
64
er liebt euch (f.) hu ohev etchen ahávtachen,
jihóvchen
er liebt sie (m.) hu ohev otam ahávta-otam,
jihóvotam
er liebt sie (f.) hu ohev otan ahávta-otan,
jihóvotan
sie liebt mich hi ohévet oti ahávt’ni,
tihóvni
sie liebt dich (m.) hi ohévet otcha ahávt’cha,
tihóvt’cha
sie liebt dich (f.) hi ohévet otach ahávtach,
tihóvtach
sie liebt ihn hi ohévet oto ahávt’hu,
tihóvhu
sie liebt sie hi ohévet ota ahávt’hi,
tihóvhi
sie liebt uns hi ohévet otánu ahávt’nu,
tihóvnu
sie liebt euch (m.) hi ohévet etchem ahávt’chem,
tihóvchem
sie liebt euch (f.) hi ohévet etchen ahávt’chen,
tihóvchen
65
sie liebt sie (m.) hi ohévet otam ahávt’hem,
tihóvhem
sie liebt sie (f.) hi ohévet otan ahávt’hen,
tihóvhen
wir (m.) lieben anáchnu ohvim otcha ahávnut’cha,
dich (m.)
nihóvt’cha
wir (f.) lieben anáchnu ohvot otcha wie oben
dich (m.)
wir (m.) lieben anáchnu ohvim otach ahávnutach,
dich (f.)
nihóvtach
wir (f.) lieben anáchnu ohvot otach wie oben
dich (f.)
wir (m.) lieben anáchnu ohvim oto ahávnuhu,
ihn
nihóvhu
wir (f.) lieben anáchnu ohvot oto wie oben
ihn
wir (m.) lieben sie anáchnu ohvim ota ahávnuhi,
nihóvhi
wir (f.) lieben sie anáchnu ohvot ota wie oben
wir (m.) lieben anáchnu ohvim etchem ahávnuchem,
euch (m.)
nihóvchem
wir (f.) lieben anáchnu ohvot etchem wie oben
euch (m.)
66
wir (m.) lieben anáchnu ohvim etchen ahávnuchen,
euch (f.)
nihóvchen
wir (f.) lieben anáchnu ohvot etchen wie oben
euch (f.)
wir (m.) lieben anáchnu ohvim otam ahávnuhem,
sie (m.)
nihóvhem
wir (f.) lieben anáchnu ohvot otam wie oben
sie (m.)
wir (m.) lieben anáchnu ohvim otan ahávnuhen,
sie (f.)
nihóvhen
wir (f.) lieben anáchnu ohvot otan wie oben
sie (f.)
ihr (m.) liebt mich atem ohvim oti
ahavtémni,
tih’vúni
ihr (f.) liebt mich aten ohvot oti ahavténni,
tih’vúni
ihr (m.) liebt ihn atem ohvim oto ahavtémhu,
tih’vúhu
ihr (f.) liebt ihn aten ohvot oto ahavténhu,
tih’vúhu
ihr (m.) liebt sie atem ohvim ota ahavtémhi,
tih’vúhi
67
ihr (f.) liebt sie aten ohvot ota ahavténhi,
tih’vúhi
ihr (m.) liebt uns atem ohvim otánu ahavtémnu,
tih’vúnu
ihr (f.) liebt uns aten ohvot otánu ahavténnu,
tih’vúnu
ihr (m.) liebt atem ohvim otam ahavtémhem,
sie (m.)
tih’vúhem
ihr (f.) liebt aten ohvot otam ahavténhem,
sie (m.)
tih’vúhem
ihr (m.) liebt atem ohvim otan ahavtémhen,
sie (f.)
tih’vúhen
ihr (f.) liebt aten ohvot otan ahavténhen,
sie (f.)
tih’vúhen
sie (m.) lieben hem ohvim oti ahvúni,
mich
jih’vúni
sie (f.) lieben hen ohvot oti wie oben
mich
sie (m.) lieben hem ohvim otcha ahvút’cha,
dich (m.)
jih’vút’cha
sie (f.) lieben hen ohvot otcha wie oben
dich (m.)
68
sie (m.) lieben hem ohvim otach ahvútach,
dich (f.)
jih’vútach
sie (f.) lieben hen ohvot otach wie oben
dich (f.)
sie (m.) lieben hem ohvim oto ahvúhu,
ihn
jih’vúhu
sie (f.) lieben ihn hen ohvot oto wie oben
sie (m.) lieben sie hem ohvim ota
ahvúhi,
jih’vúhi
sie (f.) lieben sie hen ohvot ota wie oben
sie (m.) lieben hem ohvim otánu ahvúnu,
uns
jih’vúnu
sie (f.) lieben uns hen ohvot otánu wie oben
sie (m.) lieben hem ohvim etchem ahvúchem,
euch (m.)
jih’vúchem
sie (f.) lieben hen ohvot etchem wie oben
euch (m.)
sie (m.) lieben hem ohvim etchen ahvúchen,
euch (f.)
jih’vúchen
sie (f.) lieben hen ohvot etchen wie oben
euch (f.)
sie (m.) lieben hem ohvim otam ahvúhem,
sie (m.)
jih’vúhem
sie (f.) lieben sie (m.) hen ohvot otam wie oben
69
sie (m.) lieben hem ohvim otan ahvúhen,
sie (f.)
jih’vúhen
sie (f.) lieben sie (f.) hen otvot otan wie oben
Ein Vergleich mit dem Arabischen, das eine ähnliche Struktur
aufweist, zeigt uns, dass vor allem die Dialekte viel leichter sind,
weil dort sowohl in der Gegenwart als auch in der zweiten und
dritten Person Mehrzahl nicht zwischen männlich und weiblich
unterschieden wird. Dafür wird das im Hocharabischen umso
mehr getan, und zudem gibt es in der zweiten und dritten Person
Mehrzahl auch hier einen Dual, der aber leicht zu bilden ist.
Die Grundwörter im Nominativ sind diese, wobei ich neben
denen im Hocharabischen, die links stehen, auch die im
ägyptischen Dialekt aufführe, der heute immerhin von einem
Drittel aller Araber gesprochen wird:
ich anâ ána
du (m.) ánta ínta
du (f.) ánti ínti
er, es húwwa húwwa
sie híyya híyya
wir náHnu íHna
ihr (m.) ántum íntu
ihr (f.) ántunna íntu
ihr (Dual) ántumâ -
sie (m.) hum húmma
sie (f.) húnna húnna
sie (Dual) húmâ -
70
â = langes «a»
H = doppeltes «h», das es im Neuhebräischen nicht mehr gibt
Der obige Satz «ich liebe dich» usw., auf den ich mich hier allein
beschränke, sieht in beiden Sprachen so aus und lässt ebenfalls
grosse Unterschiede erkennen:
ich liebe dich (m.) anâ uHíbbuka ána aHíbbak
ich liebe dich (f.) anâ uHíbbuki ána aHíbbik
ich liebe ihn anâ uHíbbuhu ána aHíbbu
ich liebe sie anâ uHíbbuhâ ána aHíbbha
ich liebe euch (m.) anâ uHíbbukum ána aHíbbkum
ich liebe euch (f.) anâ uHíbbukunna wie oben
ich liebe euch (Dual) anâ uHíbbukumâ -
ich liebe sie (m.) anâ uHíbbuhum ána aHíbbhum
ich liebe sie (f.) anâ uHíbbuhunna wie oben
ich liebe sie (Dual) anâ uHíbbuhumâ -
Im Ägyptischen und auch in den anderen arabischen Dialekten
wird in der zweiten und dritten Person Mehrzahl wie oben
erwähnt also nicht zwischen männlich und weiblich
unterschieden.
Im Dativ sieht es genau gleich aus, nur wird «oti» usw. durch «li»
usw. ersetzt. Als Paradeverb dient hier «schreiben»:
ich (m.) schreibe dir (m.) ani kotev l’cha katávtil’cha,
71
echtóvl’cha
ich (f.) schreibe dir (m.) ani kotévet l’cha wie oben
ich (m.) schreibe dir (f.) ani kotev lach katávtilach,
echtóvlach
ich (f.) schreibe dir (f.) ani kotévet lach wie oben
ich (m.) schreibe ihm ani kotev lo katávtilo,
echtóvlo
ich (f.) schreibe ihm ani kotévet lo wie oben
ich (m.) schreibe ihr ani kotev la katávtila,
echtóvla
ich (f.) schreibe ihr ani kotévet la wie oben
ich (m.) schreibe uns ani kotev lánu katávtinu,
echtóvnu
ich (f.) schreibe uns ani kotévet lánu wie oben
ich (m.) schreibe euch ani kotev lachem katávtichem,
(m.)
echtóvchem
ich (f.) schreibe euch ani kotévet lachem wie oben
(m.)
ich (m.) schreibe euch ani kotev lachen katávtichen,
(f.)
echtóvchen
ich (f.) schreibe euch ani kotévet lachen wie oben
(f.)
ich (m.) schreibe ihnen ani kotev lahem katávtihem,
(m.)
echtóvhem
ich (f.) schreibe ihnen (m.) ani kotévet lahem wie oben
72
ich (m.) schreibe ihnen ani kotev lahen katávtihen,
(f.)
echtóvhen
ich (f.) schreibe ihnen ani kotévet lahen wie oben
(f.)
du (m.) schreibst mir ata kotev li katávtali,
tichtóvli
du (f.) schreibst mir at kotévet li katávt’li,
ticht’víli
du (m.) schreibst ihm ata kotev lo katávtalo,
tichtóvlo
du (f.) schreibst ihm at kotévet lo katávt’lo,
ticht’vílo
du (m.) schreibst ihr ata kotev la katávtala,
tichtóvla
du (f.) schreibst ihr at kotévet la katávt’la,
ticht’víla
du (m.) schreibst uns ata kotev lánu katávtanu,
tichtóvnu
du (f.) schreibst uns at kotévet lánu katávt’nu,
ticht’vínu
du (m.) schreibst ihnen ata kotev lahem katávtahem,
(m.)
tichtóvhem
73
du (m.) schreibst ihnen ata kotev lahen katávtahen,
(f.)
tichtóvhen
du (f.) schreibst ihnen at kotévet lahem katávt’hem,
(m.)
ticht’víhem
du (f.) schreibst ihnen at kotévet lahen katávt’hen,
(f.)
ticht’víhen
er schreibt mir hu kotev li katávli,
jichtóvli
er schreibt dir (m.) hu kotev l’cha katávl’cha,
jichtóvl’cha
er schreibt dir (f.) hu kotev lach katávlach,
jichtóvlach
er schreibt ihm hu kotev lo katávlo,
jichtóvlo
er schreibt ihr hu kotev la katávla,
jichtóvla
er schreibt uns hu kotev lánu katávnu,
jichtóvnu
er schreibt euch (m.) hu kotev lachem katávchem,
jichtóvchem
er schreibt euch (f.) hu kotev lachen katávchen,
jichtóvchen
74
er schreibt ihnen (m.) hu kotev lahem katávhem,
jichtóvhem
er schreibt ihnen (f.) hu kotev lahen katávhen,
jichtóvhen
sie schreibt mir hi kotévet li katváli,
tichtóvli
sie schreibt dir (m.) hi kotévet l’cha katvál’cha,
tichtóvl’cha
sie schreibt dir (f.) hi kotévet lach katválach,
tichtóvlach
sie schreibt ihm hi kotévet lo katválo,
tichtóvlo
sie schreibt ihr hi kotévet la katvála,
tichtóvla
sie schreibt uns hi kotévet lánu katvánu,
tichtóvnu
sie schreibt euch (m.) hi kotévet lachem katváchem,
tichtóvchem
sie schreibt euch (f.) hi kotévet lachen katváchen,
tichtóvchen
sie schreibt ihnen (m.) hi kotévet lahem katváhem,
tichtóvhem
75
sie schreibt ihnen (f.) hi kotévet lahen katváhen,
tichtóvhen
wir (m.) schreiben dir anáchnu kotvim l’cha katávnul’cha,
(m.)
nichtóvl’cha
wir (f.) schreiben dir anáchnu kotvot l’cha wie oben
(m.)
wir (m.) schreiben dir anáchnu kotvim lach katávnulach,
(f.)
nichtóvlach
wir (f.) schreiben dir anáchnu kotvot lach wie oben
(f.)
wir (m.) schreiben ihm anáchnu kotvim lo katávnulo,
nichtóvlo
wir (f.) schreiben ihm anáchnu kotvot lo wie oben
wir (m.) schreiben ihr anáchnu kotvim la katávnula,
nichtóvla
wir (f.) schreiben ihr anáchnu kotvot la wie oben
wir (m.) schreiben anáchnu kotvim lachem katávnuchem,
euch (m.)
nichtóvchem
wir (f.) schreiben anáchnu kotvot lachem wie oben
euch (m.)
wir (m.) schreiben anáchnu kotvim lachen katávnuchen,
euch (f.)
nichtóvchen
76
wir (f.) schreiben anáchnu kotvot lachen wie oben
euch (f.)
wir (m.) schreiben anáchnu kotvim lahem katávnuhem,
ihnen (m.)
nichtóvhem
wir (f.) schreiben anáchnu kotvot lahem wie oben
ihnen (m.)
wir (m.) schreiben anáchnu kotvim lahen katávnuhen,
ihnen (f.)
nichtóvhen
wir (f.) schreiben anáchnu kotvot lahen wie oben
ihnen (f.)
ihr (m.) schreibt mir atem kotvim li katavtémli,
ticht’vúli
ihr (f.) schreibt mir aten kotvot li katavténli,
ticht’vúli
ihr (m.) schreibt ihm atem kotvim lo katavtémlo,
ticht’vúlo
ihr (f.) schreibt ihm aten kotvot lo katavténlo,
ticht’vúlo
ihr (m.) schreibt ihr atem kotvim la katavtémla,
ticht’vúla
ihr (f.) schreibt ihr aten kotvot la katavténla,
ticht’vúla
77
ihr (m.) schreibt uns atem kotvim lánu katavtémnu,
ticht’vúnu
ihr (f.) schreibt uns aten kotvot lánu katavténnu,
ticht’vúnu
ihr (m.) schreibt atem kotvim lahem katavtémhem,
ihnen (m.)
ticht’vúhem
ihr (m.) schreibt atem kotvim lahen katavtémhen,
ihnen (f.)
ticht’vúhen
ihr (f.) schreibt aten kotvot lahem katavténhem,
ihnen (m.)
ticht’vúhem
ihr (f.) schreibt aten kotvot lahen katavténhen,
ihnen (f.)
ticht´vúhen
sie (m.) schreiben hem kotvim li katvúli,
mir
jicht’vúli
sie (f.) schreiben hen kotvot li wie oben
mir
sie (m.) schreiben hem kotvim l’cha katvúl’cha,
dir (m.)
jicht’vúl’cha
sie (f.) schreiben hen kotvot l’cha wie oben
dir (m.)
sie (m.) schreiben hem kotvim lach katvúlach,
dir (f.)
jicht’vúlach
78
sie (f.) schreiben hen kotvot lach wie oben
dir (f.)
sie (m.) schreiben hem kotvim lo katvúlo,
ihm
jicht’vúlo
sie (f.) schreiben hen kotvot lo wie oben
ihm
sie (m.) schreiben hem kotvim la katvúla,
ihr
jicht’vúla
sie (f.) schreiben hen kotvot la wie oben
ihr
sie (m.) schreiben hem kotvim lánu katvúnu,
uns
jicht’vúnu
sie (f.) schreiben hen kotvot lánu wie oben
uns
sie (m.) schreiben hem kotvim lachem katvúchem,
euch (m.)
jicht’vúchem
sie (f.) schreiben hen kotvot lachem wie oben
euch (m.)
sie (m.) schreiben hem kotvim lachen katvúchen,
euch (f.)
jicht’vúchen
sie (f.) schreiben hen kotvot lachen wie oben
euch (f.)
sie (m.) schreiben hem kotvim lahem katvúhem,
ihnen (m.)
jicht’vúhem
79
sie (f.) schreiben hen kotvot lahem wie oben
ihnen (m.)
sie (m.) schreiben hem kotvim lahen katvúhen,
ihnen (f.)
jicht’vúhen
sie (f.) schreiben hen kotvot lahen wie oben
ihnen (f.)
In beiden Sprachen muss also sowohl beim Akkusativ als auch
beim Dativ ganz genau darauf geschaut werden, dass man die
richtigen Endungen erwischt, damit keine Missverständnisse
aufkommen können. Wenigstens sind in den beiden
Konjugationen im Bibelhebräischen die Verbformen der dritten
Person Mehrzahl identisch, dazu auch noch jene der zweiten
Person Einzahl in der Futurzeit. Die männliche Person Einzahl
ist mit der weiblichen Person Einzahl in der Futurzeit immer
identisch, sie werden auch gleich geschrieben. Das gilt auch für
alle anderen Verben.
Im Arabischen sehen die Konjugationen von «ich schreibe dir»
usw. in der Hochsprache und im Ägyptischen so aus:
ich schreibe dir (m.) anâ áktubuka ána áktibak
ich schreibe dir (f.) anâ áktubuki ána áktibik
ich schreibe ihm anâ áktubuhu ána áktibu
ich schreibe ihr anâ áktubuhâ ána áktibha
ich schreibe uns anâ áktubunâ ána áktibna
ich schreibe euch (m.) anâ áktubukum ána áktibkum
ich schreibe euch (f.) anâ áktubukunna wie oben
80
ich schreibe euch anâ áktubukumâ -
(Dual)
ich schreibe ihnen (m.) anâ áktubuhum ána áktibhum
ich schreibe ihnen (f.) anâ áktubuhunna wie oben
ich schreibe ihnen anâ áktubuhumâ -
(Dual)
Wie gut gesehen werden kann, sind im Arabischen die
angehängten Pronomina im Dativ mit denen im Akkusativ im
Gegensatz zum Hebräischen völlig identisch.
Wer diese ganzen Verbentabellen mit Hunderten von Nuancen
gründlich anschaut, kann sicher gut verstehen, warum Elieser
Ben Jehuda, der als der hauptsächliche Erschaffer der
neuhebräischen Sprache gilt, und jene Pioniere der Alijah - der
massenhaften Einwanderung der Juden ab der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts -, die etwas zu sagen hatten, gerade in
diesem Bereich die grösste Sprachreform durchführten. Im
heutigen Staat Israel, wo nach den Worten von Leuten, die lange
dort gelebt haben, das ganze Leben schnell und
dementsprechend gestresst abläuft - nicht zuletzt auch wegen
der ständigen Kriegsgefahr und der immer wieder
vorkommenden Kämpfe, die das ganze Land und die ganze
Bevölkerung stark einspannen -, sind die jetzigen
Präsensformen viel einfacher als die beiden biblischen
Ausdrucksarten zu bewältigen, aber es muss natürlich auch hier
ganz genau hingehört werden. Trotzdem gilt auch hier: Je kürzer,
desto besser - das war ebenfalls einer der Gründe, warum das
Englische, das von allen Weltsprachen am einfachsten zu lernen
ist, als einzige in allen Kontinenten die Sprache Nummer eins
geworden ist. Mit so vielen grammatikalischen und phonetischen
81
Wendungen, wie sie das Französische, Spanische und
Portugiesische, geschweige denn das Arabische und
Chinesische aufweisen, wäre diese weltweite Verbreitung nicht
möglich gewesen.
Wenigstens hat die Aufführung auch der bibelhebräischen
Varianten einen grossen Vorteil gebracht: Da diese mit dem
heutigen Imperfekt und Futur identisch sind, ist in diesem Buch
ein gutes Stück der neuhebräischen Verbenwelt bereits
behandelt worden.
Die Possessivpronomina
(Die besitzanzeigenden Fürwörter)
Das vertiefte Eingehen auf die Personalpronomina im vorherigen
Kapitel hat neben dem Vorteil, dass schon jetzt bekannt ist, wie
das Imperfekt und Futur im Neuhebräischen aussehen, noch
einen weiteren gebracht: Die Possessivpronomina bzw. die
besitzanzeigenden Fürwörter haben im Bibelhebräischen die
gleiche Konstruktion, und auch hier sind sie im Arabischen mit
den obigen deckungsgleich.
Im Neuhebräischen werden vor allem bei den zwei- und
mehrsilbigen Wörtern meistens die Personalformen von «schel»
verwendet, aber das antike Anhängen ist vor allem bei kurzen
Wörtern immer noch oft zu höten, was das Verstehen für die
Fremdsprachigen zusätzlich erschwert.
Als Modell verwende ich hier das Wort «kol» (Stimme), das
sowohl in der Bibel viel vorkommt als auch im heutigen Israel in
den Alltagsgesprächen oft gehört werden kann. Im Gegensatz zu
«kol», das «alle» und «jeder» bedeutet, wird dieses nicht mit
einem Kaf, sondern mit einem Kof bzw. Kuf geschrieben:
82
meine Stimme ha-kol scheli koli
deine Stimme (m.) ha-kol schel’cha kol’cha
deine Stimme (f.) ha-kol schelach kolech
seine Stimme ha-kol schelo kolo
ihre Stimme ha-kol schela kola
unsere Stimme ha-kol schelánu kolénu
eure Stimme (m.) ha-kol schelachem kolchem
eure Stimme (f.) ha-kol schelachen kolchen
ihre Stimme (m.) ha-kol schelahem kolam
ihre Stimme (f.) ha-kol schelahen kolan
meine Stimmen ha-kolim scheli kolái *
deine Stimmen (m.) ha-kolim schel’cha koléicha
deine Stimmen (f.) ha-kolim schelach koléiach
seine Stimmen ha-kolim schelo koláiv
ihre Stimmen ha-kolim schela koléiha
unsere Stimmen ha-kolim schelánu koléinu
eure Stimmen (m.) ha-kolim schelachem koléichem
eure Stimmen (f.) ha-kolim schelachen koléichen
ihre Stimmen (m.) ha-kolim schelahem koléihem
ihre Stimmen (f.) ha-kolim schelahen koléihen
* Die Endung des Mehrzahlworts «kolái» ist mit der in den
Wörtern Adonai und Rabotai (meine Herren) identisch.
83
Am meisten ist der kleine Unterschied in den beiden Varianten
der ersten Person Mehrzahl zu beachten:
kolénu - koléinu
Das «é» ist das Markenzeichen für die Einzahl und das «éj» für
die Mehrzahl, zudem auch für die anderen Personen in der
Mehrzahl mit Ausnahme der dritten Person Einzahl. Das ist auch
eine Erklärung dafür, dass das häufige Bibelwort «Elohéjnu»
(unser Gott), das eine versteckte Anspielung auf die göttliche
Dreinigkeit sein könnte, mit einem «éj» geschrieben wird.
Im Zweifelsfall ist die neuhebräische Variante in der Mitte immer
die richtige, aber es ist wichtig, auch die alttestamentliche, die
noch heute manchmal gehört und gelesen werden kann,
wenigstens zu kennen.
Das Wort «kol» ist auch deshalb als Modell gut geeignet, weil
auch im Bibelhebräischen nicht genau unterschieden werden
musste, ob es im Status absolutus oder im Status constructus
stand. Anders verhlt es sich beim Wort «davar» (Wort):
mein Wort d’vari meine Worte d’varái
dein Wort (m.) d’var’cha deine Worte (m.) d’varéicha
dein Wort (f.) d’arach deine Worte (f.) d’varéiach
sein Wort d’varo seine Worte d’varáiv
ihr Wort d’vara ihre Worte d’varéiha
unser Wort d’varénu unsere Worte d’varéinu
euer Wort (m.) d’varchem eure Worte (m.) d’varéichem
euer Wort (f.) d’varchen eure Worte (f.) d’varéichen
ihr Wort (m.) d’varam ihre Worte (m.) d’varéihem
ihr Wort (f.) d’varan ihre Worte (f.) d’varéihen
84
Auch hier sind die oben erwähnten kleinen Unterschiede vor
allem in der ersten Person Mehrzahl zu beachten:
d’varénu - d’varéinu
Noch zwei weitere Beispiele, in dem auch ein weibliches Wort
vorkommt, bei dem der Status constructus wie genauso bei allen
anderen, die in der Grundform auf einem «-a» enden, durch ein
«t» gekennzeichnet wird.
suss (Hengst, Pferd)
sussa (Stute)
mein Pferd sussi meine Stute sussati
dein Pferd (m.) suss’cha deine Stute (m.) sussat’cha
dein Pferd (f.) sussach deine Stute (f.) sussatach
sein Pferd susso seine Stute sussato
ihr Pferd sussa ihre Stute sussata
unser Pferd sussénu unsere Stute sussaténu
euer Pferd (m.) suss’chem eure Stute (m.) sussatchem
euer Pferd (f.) suss’chen eure Stute (f.) sussatchen
ihr Pferd (m.) sussam ihre Stute (m.) sussatam
ihr Pferd (m.) sussan ihre Stute (f.) sussatan
meine Pferde sussái meine Stuten sussotái
deine Pferde (m.) susséicha deine Stuten (m.) sussotéicha
deine Pferde (f.) susséiach deine Stuten (f.) sussotéiach
seine Pferde sussáin seine Stuten sussotáiv
ihre Pferde susséia ihre Stuten sussotéiha
unsere Pferde susséinu unsere Stuten sussotéinu
85
eure Pferde (m.) susséichem eure Stuten (f.) sussotéichem
eure Pferde (f.) susséichen eure Stuten (m.) sussotéichen
ihre Pferde (m.) susséihem ihre Stuten (m.) sussotéihem
ihre Pferde (f.) susséihen ihre Stuten (f.) sussotéihen
Noch ein Musterbeispiel für ein Wort, das nur in der Einzahl
vorkommt, und im Neuhebräischen viel mehr verwendet wird als
in der Sprache des Altertums:
ahava = Liebe
meine Liebe ha-ahava scheli ahavati
deine Liebe (m.) ha-ahava schel’cha ahavatcha
deine Liebe (f.) ha-ahava schelach ahavatach
seine Liebe ha-ahava schelo ahavato
ihre Liebe ha-ahava schela ahavata
unsere Liebe ha-ahava schelánu ahavaténu
eure Liebe (m.) ha-ahava schelachem ahavat’chem
eure Liebe (f.) ha-ahava schelachen ahavat’chen
ihre Liebe (m.) ha-ahava schelahem ahavat’hem
ihre Liebe (f.) ha-ahava schelahen ahavat’hen
Da hier der bestimmte Artikel direkt vor einem «a» steht, kann
auch «he-« ausgesprochen werden. In der Schriftsprache spielt
das wie oben erwähnt keine grosse Rolle, weil beide Varianten
gleich aussehen, wenn keine Vokalzeichen geschrieben werden.
Auch bei den Possessivpronomina muss das Akkusativwort «et»
immer mitverwendet werden, und gerade auch hier können wir
86
gut sehen, wie stark sich die beiden hebräischen Varianten
manchmal unterscheiden:
DE: Gott gab der Welt seine grosse Liebe.
AH: Datan Elohim la-olam et ahavato et-g’dola.
Elohim datan la-olam et ahavato et-g’dola.
NH: Elohim datan la-olam et ha-ahava ha-g’dola schelo.
Da «scheli» usw. im Neuhebräischen auch die Funktion eines
Genitivs erfüllt, kommen auch solche Sätze vor:
Wessen Buch ist das?
Schel mi ha-sséfer ha-se? Se scheli.
Das/es ist meines. Nein, seines.
Lo, (se) schelo.
Sein und Haben
Da das Hebräische wie bisher gesehen ganz anders aufgebaut
ist als die bekannten europäischen Sprachen, die von den
meisten gelernt werden, halte ich es erst jetzt für sinnvoll, näher
in die Verbenwelt einzutauchen, die wir in Verbindung mit den
vielen möglichen Kombinationen von Personalpronomina bereits
ein wenig kennen gelernt haben.
Wie schon weiter oben gesehen werden kann, gibt es im
Hebräischen im Präsens bzw. in der Gegenwart keine eigene
Konjugation von «sein». Allerdings kommt sie im Sinn von «da
sein» trotzdem vor, aber nur in den beiden dritten Personen,
indem die Personalsuffixe mit «jesch» verbunden werden:
jéschno er ist da ába jéschno = Vater ist da
87
jéschna sie ist da ima jéschna = Mutter ist da
jéschnam sie (m.) sind da ha-horim scheli jéschnam =
jéschnan sie (f.) sind da meine Eltern sind da
Für «haben» gibt es in der Gegenwart ebenfalls keine eigene
Konjugation. Diese wird mit der Formel «jesch +
Personalpronomen im Dativ» im Sinn von «bei mir ist» usw.
umschrieben:
ich habe
du (m.) hast
du (f.) hast
er/es hat
sie hat
wir haben
ihr (m.) habt
ihr (f.) habt
sie (m.) haben
sie (f.) haben
jesch li
jesch l’cha
jesch lach
jesch lo
jesch la
jesch lánu
jesch lachem
jesch lachen
jesch lahem
jesch lahen
Bei einer Verneinung wird sowohl für «sein» als auch für
«haben» eine Konstruktion verwendet, die für jede einzelne
Person etwas anders aussieht und von den bekannten Sprachen
am meisten an die keltischen sowie ans Finnische und Samische
bzw. Lappische erinnert, wo ähnlich verneint wird.
So sieht die personalisierte «Deklination» im Finnischen aus, das
hier etwas einfacher ist, weil es nicht so wie das Samische in der
Mehrzahl noch sechs Dualformen kennt:
88
ich bin nicht usw. = en ole, et ole, ei ole, emme ole, ette ole,
eivät ole
Im Hebräischen ist es sogar noch einfacher, weil das
Personalpronomen bei «sein» in der entsprechenden Verbform
selber schon eingepackt wird. In den beiden dritten Personen
kann der Sinn von «nicht da sein», dessen bejahte Variante ich
oben schon aufgeführt habe, ebenfalls ausgedrückt werden:
ich bin nicht
du (m.) bist nicht
du (f.) bist nicht
er/es ist nicht (da)
sie ist nicht (da)
wir sind nicht
ihr (m.) seid nicht
ihr (f.) seid nicht
sie (m.) sind nicht (da)
sie (f.I sind nicht (da)
éini, éinei, einéni
éincha
éinech
éino, éinenu
éina, éinena
éinenu, einénu
éinchem
éinchen
éinam
éinan
Das gilt aber nicht für «haben», wo nur «éjn» zusammen mit dem
Dativpronomen verwendet wird:
ich habe nicht
du (m.) hast nicht
du (f.) hast nicht
er/es hat nicht
sie hat nicht
éin li
éin l’cha
éin lach
éin lo
éin la
89
wir haben nicht
ihr (m.) habt nicht
ihr (f.) habt nicht
sie (m.) haben nicht
sie (f.) haben nicht
éin lánu
éin lachem
éin lachen
éin lahem
éin lahen
In der Konjugation von «nicht sein» fällt auf, dass der Hauptvokal
in der zweiten Person Einzahl sowie in der ersten und zweiten
Person Mehrzahl nicht ein «a» ist, sondern ein «e»:
éinech, éinenu, einénu, éinchem, éinchen
Zudem verschiebt sich die Betonung auf den vordersten Vokal,
nur bei «ejnéni» habe ich schon alle drei Varianten gehört.
Bei «sein» richten sich die Adjektive weiter nach dem
Geschlecht:
du (m.) bist nicht gut
du (f.) bist nicht gut
sie (m.) sind nicht gut
sie (f.) sind nicht gut
éincha tov
éinech tova
éinam tovim
éinan tovot
In der Umgangssprache kann anstelle dieser Personalendungen
oft auch nur «lo» gehört werden, was in der Schriftsprache aber
immer noch als nicht korrekt gilt; so kommen diese Ausdrücke in
der Bibel überhaupt nicht vor.
Die obigen Beispiele lauten so:
ata lo tov, at lo tova - hem lo tovim, hen lo tovot
90
Das Wort «éjn», das bei «haben» auch in der Umgangssprache
nie ersetzt wird, ist in der Einzahl und Mehrzahl identisch:
ich habe kein Kind
ich habe keine Kinder
éin li jéled
éin li jeladim
In der Vergangenheit und in der Zukunft gibt es auch für «sein»
eigene Konjugationen. Es sind die gleichen wie in der Bibel:
ich war
du (m.) warst
du (f.) warst
er/es war
sie war
wir waren
ihr (m.) wart
ihr (f.) wart
sie waren
hajíti
hajíta
hajit
haja
hajta
hajínu
hajítem
hajíten
haju (m.+f.)
ich werde sein ehje
du (m.) wirst sein tihje (t’hije) *
du (f.) wirst sein tihi (t’hiji)
er/es wird sein jihje (jehje)
sie wird sein tihje (t’hije) *
wir werden sein nihje
ihr werdet sein tihju (m.+f.)
sie werden sein jihju (m.+f.)
91
* Die Varianten in Klammern gelten als solche im gehobenen Stil.
Bei «haben» wird in beiden Zeiten die gleiche Konjugation wie
bei «sein» verwendet. Allerdings richten sich die nachfolgenden
Wörter nach den entsprechenden Personen in der Einzahl und
Mehrzahl:
ich hatte
ich werde haben
haja li
jihje li
Aber: ich hatte viel Arbeit = hajíta li harbe avoda
(avoda = weiblich, deshalb hajíta)
wir werden Kinder haben = jihju lánu jeladim
(jeladim = Merzahl, also jihju)
Im Gegensatz zur Gegenwart ist die Verneinung in diesen beiden
Zeiten kinderleicht, weil einfach nur ein «lo» vorangestellt wird,
und hier ist es immer korrekt:
ich war nicht
ich werde nicht sein
ich hatte nicht
ich werde nicht haben
lo hajíti
lo ehje
lo haja li
lo jihje li
Aber: ich hatte keine Arbeit = lo hajíta li avoda
ich hatte nicht viel Arbeit = lo hajíta li harbe avoda
wir werden keine Kinder haben = lo jihju lánu jeladim
92
Im Gegensatz zu vielen anderen Sprachen gibt es im
Hebräischen für «sein» und «haben» nur diese drei Zeiten, also
zum Beispiel keine Konditional- und Konjunktivformen.
Die übrigen Verben
Jetzt kommen wir zum eigentlichen Herzstück des Hebräischen.
Was wir bisher gesehen haben, war zwar auch schon viel, aber
nur ein kleiner Teil dessen, was die Verbenwelt zu bieten hat.
Was das Hebräische genauso wie das Arabische und die
anderen semitischen Sprachen von den uns bekannten
westlichen Sprachen unterscheidet, ist die Tatsache, dass die
Verben mit vielen Substantiven verwoben sind.
Fast alle Verben - zu den Ausnahmen gehören die oben
aufgeführten Konjugationen von «haben» und «sein» - haben ein
Gerüst mit drei Konsonanten, auf dem viele andere Wörter
gebaut sind, die ähnliche, aber eben andere Bedeutungen
haben.
Als Paradeverb verwende ich in diesem Buch die Wortvarianten
von «schreiben», die auch in allen anderen Lehrbüchern
zuvorderst stehen.
Das Gerüst ist dieses: K - T - V
Das bezieht sich auf das Wort «katav», die dritte Person Einzahl
(er schrieb, er hat geschrieben, er hatte geschrieben).
Sowohl im Hebräischen als auch im Arabischen und in den
anderen semitischen Sprachen werden alle Verben in der
männlichen Vergangenheitsform der dritten Person Einzahl
aufgeführt. Sie stehen also anstelle der Infinitive, wie die
Grundformen der Verben in der Fachsprache genannt werden,
93
aber es gibt auch im Hebräischen Infinitive, die allerdings anders
funktionieren als in den uns bekannten westlichen Sprachen.
Zudem kann schon hier gesehen werden, dass es zumindest für
unsere Denkweise, die im Hebräischen Kal oder Pa’al genannt
wird - weiter unten werde ich noch näher darauf eingehen -, nur
eine einzige Vergangenheitsform gibt. Es wird also nicht
zwischen Imperfekt, Perfekt und Plusquamperfekt
unterschieden, so dass es logisch ist, dass auch das fehlt, was
wir im Französischen als Passé simple, im Italienischen als
Passato remoto oder im Spanischen als Pasado definido
kennen. Zudem gibt es formal auch keinen Konditional und
keinen Konjunktiv; diese beiden werden durch das Präsens und
Imperfekt gebildet, wobei in bejahten Sätzen «lu» und in
verneinten «lulé» ganz vorn stehen, wie wir weiter unten noch
sehen werden.
Das Gerüst für «katav» (er schrieb) ist also K -T- V.
Rund herum sind ähnlich einem Christbaum, wo sich Kugeln und
Schokoladenstücke anhängen lassen, bis zu zehn Wörter oder
sogar noch mehr möglich, die sich davon ableiten lassen:
katav
kotev
kotévet
echtov
jichtov
tichtov
nichtov
lichtov
ticht’vu
(er) schrieb
(er) schreibt
(sie) schreibt
ich werde schreiben
(er) wird schreiben
du (m.) wirst schreiben
sie wird schreiben
wir werden schreiben
schreiben (Infinitiv)
ihr werdet schreiben
94
jicht’vu
k’tav
k’tovet
katava
michtav
hitkatvut
sie werden schreiben
Schrift
Adresse, Anschrift
Artikel
Brief
Briefwechsel
Die Konjugationen in den drei Grundzeiten, die ich im obigen
Kapitel vorgestellt habe, sehen bei «schreiben» so aus:
ich (m.) schreibe
ich (f.) schreibe
du (m.) schreibst
du (f.) schreibst
er/es schreibt
sie schreibt
wir (m.) schreiben
wir (f.) schreiben
ihr (m.) schreibt
ihr (f.) schreibt
sie (m.) schreiben
sie (f.) schreiben
ani kotev
ani kotévet
ata kotev
at kotévet
hu kotev
hi kotévet
anáchnu kotvim
anáchnu kotvot
atem kotvim
aten kotvot
hem kotvim
hen kotvot
ich schrieb
du (m.) schriebst
du (f.) schriebst
katávti
katávta
katavt
95
er/es schrieb
sie schrieb
wir schrieben
ihr (m.) schriebet
ihr (f.) schriebet
sie schrieben
katav
katva
katávnu
katávtem
katávten
katvu (m.+f.)
ich werde schreiben
du (m.) wirst schreiben
du (f.) wirst schreiben
er/es wird schreiben
sie wird schreiben
wir werden schreiben
ihr werdet schreiben
sie werden schreiben
echtov
tichtov
ticht’vi
jichtov
tichtov
nichtov
ticht’vu (m.+f.)
jicht’vu (m.+f.)
Da ich schon oben gezeigt habe, wie diese Verbformen mit den
Personalpronomina verbunden werden, und zudem gerade das
Verb «schreiben» verwendet habe, gehe ich jetzt nicht nochmals
näher darauf ein.
Ein weiteres Wortgerüst ist dieses:
L - M – D
lamad (er) lernte
lomed (er) lernt
96
lomédet
m’lamed
elmad
jilmad
tilmad
nilmad
lilmod
limud
limudim
talmud
m’lumad
talmid
talmida
(sie) lernt
er lehrt
ich werde lernen
er wird lernen
sie wird lernen
wir werden lernen
lernen, studieren
(das) Lernen
Studium
Lehre, Talmud
Gelehrter
Schüler
Schülerin
Die Konjugationen in den drei Grundzeiten sehen bei «lernen»
so aus:
Präsens: Imperfekt: Futur:
ani lomed (m.) lamád’ti elmad
ani lomédet (f.) (m.+f.) (m.+f.)
ata lomed (m.) lamád’ta (m.) tilmad (m.)
at lomédet (f.) lamád’t (f.) tilm’di (f.)
hu lomed lamad (m.) jilmad (m.)
hi lomédet lamda (f.) tilmad (f.)
anáchnu lomdim (m.) lamádnu nilmad
anáchnu lomdot (f.) (m.+f.) (m.+f.)
97
atem lomdim (m.) lamad’tem (m.) tilm’du
aten lomdot (f.) lamad’ten (f.) (m.+f.)
hem lomdim (m.) lamdu jilm’du
hen lomdot (f.) (m.+f.) (m.+f.)
Nach diesem Schema werden auch alle anderen Verben
gebildet, die so wie «schreiben» und «lernen» zur gleichen
Gruppe gehören. Es gibt jedoch nicht weniger als sieben
verschiedene Gruppen, die in ein paar Lehrbüchern - aber nicht
in allen - als Konjugationen bezeichnet werden, aber nicht mit
denen in den bekannten westlichen Sprachen verglichen werden
können, und sich in den Wortstämmen deutlich unterscheiden,
aber fast alle gehören der ersten und zweiten Konjugation an.
Das Präsens (Die Gegenwart)
Die erste Konjugation (Pa’al)
Die Kennzeichen dieser Konjugation sind bei fast allen Verben
die beiden Vokale «a» in der dritten Person Einzahl der
Vergangenheit, wie wir das oben bei «katav» und «lamad»
gesehen haben. Deshalb wird die Konjugation in der
Fachsprache «Pa’al» genannt, aber ich habe auch schon Kal und
Qal so geschrieben angetroffen. Alle Verben, die dieser
Konjugation angehören, drücken eine aktive Handlung aus.
Das Gerüst sieht wie oben bei «schreiben» bei den meisten,
aber eben nicht bei allen, so aus:
männlich: Konsonant - o - Konsonant - ev, el, en
98
weiblich: Konsonant - o - Konsonant - évet, élet, énet
Zu dieser Konjugation gehören die meisten Verben, von denen
die häufigsten diese sind:
achal ass halach ging
ahav liebte jaschan schlief
amad stand katav schrieb
amar sagte lamad lernte
asav verliess machar verkaufte
avad arbeitete natan gab
chasar kehrte zurück patach öffnete
chaschav dachte schatav wusch
Obwohl ich die Verbformen von «ahav» und «katav» weiter oben
im Zusammenhang mit den Pronomina bereits in alle
Einzelheiten zerlegt habe, führe ich sie hier in Kurzform
zusammen mit «lamad» und den anderen regelmässigen
Konjugationen, die ich hier berücksichtige, noch einmal auf:
achal (ass) ochel (m.), ochlim (m.),
ochélet (f.)
ochlot (f.)
ahav (liebte) ohev, ohévet ohvim, ohvot
amad (stand) omed, omédet omdim, omdot
amar (sagte) omer, oméret omrim, omrot
asav (verliess) osev, osévet osvim, osvot
avad (arbeitete) oved, ovédet ovdim, ovdot
99
chasar (kehrte choser, choséret chosrim, chosrot
zurück)
chaschav choschev, choschvim,
(dachte) choschévet choschvot
halach (ging) holech, holéchet holchim, holchot
jaschan (schlief) joschen, joschénet joschnim, joschnot
katav (schrieb) kotev, kotévet kotvim, kotvot
lamad (lernte) lomed, lomédet lomdim, lomdot
machar mocher, mochéret mochrim, mochrot
(verkaufte)
natan (gab) noten, noténet notim, notot
patach (öffnete) potech, potéchet potchim, potchot
schatach (wusch) schotech,
schotchim, schotchot
schotéchet
All diese Verben haben gemeinsam, dass in der Mehrzahl das
zweite «a» wegfällt.
Bis hierher ist es noch einfach, aber es gibt schon in der ersten
Konjugation bei denen, die im Stammwort auf einem Vokal
enden, in der Einzahl unregelmässige Konjugationen, während
sie in der Mehrzahl regelmässig sind:
kana (kaufte) kone (m.), kona (f.) konim (m.), konot (f.)
kara (lesen) kore, koret * kor’im, kor’ot
lasa (legen, sam, sama samim, samot
stellen)
100
ra’a (sah) ro’e, ro’a ro’im, ro’ot
scha’al (fragte) scho’el, scho’élet scho’alim, scho’alot
schara (sang) schire, schira schirim, schirot
schata (trank) schote, schota schotim, schotot
* Vorsicht: Die weibliche Form ist in der Einzahl nicht «kora»,
sondern «korét». Zudem hat dieses Verb zwei Funktionen:
Ani kore iton.
Ani kore et ha-iton.
Aber: Ani kore l’Dália.
Anáchnu korim la Dália.
Ich lese eine Zeitung.
Ich lese die Zeitung.
Ich rufe Daliah.
Wir nennen sie Daliah.
Für «lesen» wird also der Akkusativ und für «nennen» und
«rufen» der Dativ verwendet.
Bei diesen beiden Verben ist sogar alles unregelmässig:
jada (wusste) jodé’a (m.), jod’im (m.),
jodá’at (f.)
jod’ot (f.)
lakach (nahm) loké’ach (m.), lokchim (m.),
lokáchat (f.) lokchot (f.) *
Die Verbformen von «wissen» bedeuten auch «können», wenn
von Sprachkenntnissen die Rede ist:
Ani jodé’a ivrit ve germanit. - Ich kann Hebräisch und Deutsch.
* Das «ch» wird im münlichen Gebrauch und erst recht in einem
schnellen Gespräch nicht ausgesprochen.
Dazu kommen noch zwei Verben, die in der Grundform einsilbig
101
sind und zur ersten Konjugation gezählt werden:
ba (kam) ba (m.), ba’a (f.) ba’im (m.), ba’ot (f.)
gar (wohnte) gar (m.), gara (f.) garim (m.), garot (f.)
Die dritte Person Einzahl, dessen männliche Variante auch hier
als Grundform des Verbs gilt, ist in der Gegenwart und
Vergangenheit identisch. Meistens kann nur mit Hilfe eines
Zeitworts erkannt werden, welche Zeit gemeint ist:
Er kommt heute.
Sie kommt heute.
Er kommt morgen.
Sie kommt morgen.
Er ist gestern angekommen.
Sie ist gestern angekommen.
Hu ba ha-jom.
Hi ba’a ha-jom.
Hu ba machar.
Hi ba’a machar.
Hu ba etmol.
Hi ba’a etmol.
Ähnlich wie in den romanischen Sprachen ist für den zweiten
Beispielsatz streng genommen nur die Zukunftsform, auf die ich
weiter unten auch noch eingehe, wirklich korrekt, aber auch hier
hält sich die Umgangssprache nicht immer an die feine
Grammatik. Das Futur kommt zwar auch in der heutigen
Schriftsprache vor, aber nicht so häufig wie in der Bibel. Wie wir
gesehen haben, ist diese Zeit eine der beiden Varianten, mit der
die Gegenwart ausgedrückt wurde:
ich liebe dich = ani ahávtach, ani ehóvtach (Mann zur Frau)
ani ahávtcha, ani ehóvtcha (Frau zum Mann)
Wie oben erwähnt wird für «man» nur die männliche
Mehrzahlform verwendet:
102
man sagt = omrim
man trinkt hier viel = schotim harbe po
Die zweite Konjugation (Pi’el)
Die Kennzeichen dieser Konjugation sind bei fast allen Verben
die beiden Vokale «i» und «e» in der dritten Person Einzahl der
Vergangenheit; deshalb wird die Konjugation in der Fachsprache
«Pi’el» genannt. Während die Verben dieser Konjugation im
Bibelhebräischen als solche gelten, die eine besonders intensive
Handlung ausdrücken - weiter unten werde ich auf diese
entscheidenden feinen Unterschiede noch näher eingehen -,
drücken sie im Neuhebräischen wie in der ersten Konjugation
eine gewöhnliche Handlung aus.
Das Gerüst sieht hier so aus:
männlich: Konsonant - i - Konsonant - e, er, en
weiblich : Konsonant - i - Konsonant - éret, énet
Zu dieser Konjugation gehören diese Verben:
bikel bekommen, empfangen, erhalten
biker besuchte hismin lud ein
chika wartete hissbir erklärte
diber sprach nischek küsste
her’a zeigte tiken reparierte
hevi brachte tsilem fotografierte
Das Präsens wird dadurch gebildet, dass vorn «m’-« angehängt
wird und der vorderste Vokal sich zu einem «a» verändert, und
103
die Mehrzahlformen werden auch hier dadurch gebildet, dass der
zweite Vokal der Grundform wegfällt und die zwei Endungen «-
im» und «-ot» an die Wortwurzel gehängt werden:
bikel (bekam)
biker (besuchte)
diber (sprach)
tiken (reparierte)
m’bakel, m’bakélet - m’baklim, m’baklot
m’baker, m’bakéret - m’bakrim, m’bakrot
m’daber, m’dabéret - m’dabrim, m’dabrot
m’taken, m’takénet - m’taknim, m’taknot
tsilem (fotografierte) m’tsalem, m’tsalémet - m’tsalim, m’tsalot
Auch in dieser Konjugation sind nicht alle Verben regelmässig:
chika (wartete)
m’chake, m’chaka - m’chakim, m’chakot
* Das Verb «biker» (besuchte) hat ähnlich wie «kara» (las -
nannte, rief) in der ersten Konjugation zwei verschiedene
Funktionen, doch der Unterschied liegt nicht in »le», sondern in
«b’» und «ba» sowie «étsel»:
Wir besuchen Israel.
Wir besuchen die Stadt.
Wir besuchen Daliah.
Wir besuchen die Eltern.
Anáchnu m’bakrim b’Jíssra’el.
Anáchnu m’bakrim ba-ir.
Anáchnu m’bakrim étsel Dália.
Anáchnu m’bakrim étsel
ha-horim.
Bei Orten und Gebäuden benützt man also «b’» und «ba»,
während bei Personen - ob mit Eigennamen oder nicht - immer
«étsel» (bei) zum Zug kommt. Auch dieses Wort verändert sich,
wenn es mit einem Personalpronomen verbunden wird, wie wir
weiter unten noch sehen werden.
104
Die dritte Konjugation (Hif’il)
Die Kennzeichen dieser Konjugation, die deutlich weniger
vorkommt als die erste und zweite, sind die beiden Vokale «i» in
der dritten Person Einzahl der Vergangenheit; deshalb wird die
Konjugation in der Fachsprache «Hif’il» genannt. Sie wird vor
allem im Sinn von «beginnen» und «veranlassen» sowie
«machen lassen» verwendet.
hitchil (begann) matchil (m.), matchilim (m.),
matchila (f.)
matchilot (f.)
Zu dieser Konjugation gehört auch das Verb «verstehen»,
obwohl die beiden Vokale in der dritten Person Einzahl
derVergangenheit anders lauten: e – i
hévin (verstand) mévin (m.), m’vinim (m.),
m’vina (f.)
m’vinot (f.)
Die vierte Konjugation (Hitpa’el)
Die Kennzeichen dieser Konjugation, die für reflexive bzw.
rückbezügliche Handlungen verwendet wird, sind die beiden
Vokale «a» und «e» in der dritten Person Einzahl der
Vergangenheit; deshalb wird die Konjugation in der Fachsprache
«Hitpa’el» genannt.
hitlabesch mitlabesch (m.), mitlabschim (m.),
(zog sich an) mitlabéschet (f.) mitlabschot (f.)
105
Die fünfte Konjugation (Nif’al)
Die Kennzeichen dieser Konjugation sind der Laut «ni-« und der
Vokal «a» in der dritten Person Einzahl der Vergangenheit;
deshalb wird die Konjugation in der Fachsprache «Nif’al»
genannt. Sie ist das passive Gegenstück zur ersten Konjugation:
nichtav nichtav (m.), nichtavim (m.),
(wird/wurde nichtévet (f.) nichtavot (f.)
geschrieben)
nischmar nischmar (m.), nischmarim (m.),
(wird/wurde nischméret (f.) nischmarot (f.)
behütet)
Die beiden dritten Personen sind in der Gegenwart und in der
Vergangenheit identisch.
Zu dieser Konjugation werden auch diese beiden Verben
gezählt:
motse (er findet)
pogesch (er trifft,
er begegnet)
nimtsa (er befindet sich)
nifgasch (er trifft sich mit …)
Die Verbformen für «betreten» und «eintreten» gehören
ebenfalls zu dieser Konjugation, obwohl sie eine aktive
Bedeutung haben:
nichnas (m.), nichnéset (f.) - nichnasim (m.), nichnasot (f.)
106
Die sechste Konjugation (Pu’al)
Die Kennzeichen dieser Konjugation sind die Vokale «u» und
«a» in der dritten Person Einzahl der Vergangenheit; deshalb
wird diese Konjugation in der Fachsprache «Pu’al» genannt. Sie
ist das passive Gegenstück zur zweiten Konjugation, kommt aber
nur selten vor. Im Gegensatz zu den anderen Konjugationen gibt
es keine Präsensformen, also nur solche des Imperfekts:
hu m’daber (er sprach)
hu m’kabel (er bekam)
hu m’lamed (er lehrte)
hu m’sader (er ordnete)
m’dubar (besprochen, vereinbart)
m’kubal (akzeptiert, üblich)
m’lumad (gelehrt, weise)
m’sudar (geordnet, ordentlich)
Da in dieser Konjugation im Gegensatz zu den anderen bisher
vorgestellten keine eigenen Präsensformen vorkommen und es
auf den ersten Blick nur Partizipien in Form von Adjektiven zu
geben scheint, empfiehlt es sich für die Fremdsprachigen nicht,
hier tiefer einzusteigen, aber es ist wichtig, von der Existenz
dieser besonderen Konjugation wenigstens zu wissen.
Die siebte Konjugation (Huf’al bzw. Hof’al)
Die Kennzeichen dieser Konjugation sind genauso wie in der
sechsten die Vokale «u» und «a» in der dritten Person Einzahl
der Vergangenheit; deshalb wird die Konjugation in der
Fachsprache «Huf’al» oder «Hof’al» genannt. Sie ist das passive
Gegenstück zur dritten Konjugation und kennt wie die sechste
keine eigenen Präsensformen:
hu masmin = er lädt ein (dritte Konjugation)
107
Die Partizipien für «eingeladen» sind in der siebten Konjugation
diese:
musman (m.),
musménet (f.)
musmanim (m.),
musmanot (f.)
Die Verneinung im Präsens
In einem verneinten Satz wird die Verwendung von «lo» heute
nicht mehr als so falsch wie in der Vergangenheit gesehen, aber
die «gehobenere» Variante mit «éjn» usw. ist immer noch
korrekter. Deshalb kommt in der offiziellen Schriftsprache fast
nur diese vor, aber «lo» wird in vielen Privatbriefen natürlich
immer noch geschrieben.
Als Paradebeispiel verwende ich auch hier wieder die Verben
«lieben» und «schreiben», die ich schon weiter oben bei der
Behandung der Personal- und Possessivpronomina in alle
Einzelteile zerlegt habe.
ich (m.) liebe nicht
ani ejnéni ohev, ani lo ohev
ich (m.) schreibe nicht
ani éjn kotev, ani lo kotev
ich (f.) liebe nicht
ich (f.) schreibe nicht
ani ejnéni ohev, * ani ejnéni kotev, *
ani lo ohévet
ani lo kotévet
du (m.) liebst nicht
ata éjncha ohev,
ata lo ohev
du (m.) schreibst nicht
ata éjncha kotev,
ata lo kotev
108
du (f.) liebst nicht
at éjnech ohev, at lo ohévet
du (f.) schreibst nicht
at éjnech kotev, at lo kotévet
er liebt nicht
hu éjno ohev, hu lo ohev
er schreibt nicht
hu éjno kotev, hu lo kotev
sie liebt nicht
hi éjna ohev, hi lo ohévet
sie schreibt nicht
hi éjna kotev, hi lo kotévet
wir (m.) lieben nicht
anáchnu éjnenu ohev,
anáchnu lo ohvim
wir (m.) schreiben nicht
anáchnu éjnenu kotev,
anáchnu lo kotvim
wir (f.) lieben nicht
wir (f.) schreiben nicht
anáchnu éjnenu ohev, * anáchnu éjnenu kotev, *
anáchnu lo ohvot
anáchnu lo kotvot
ihr (m.) liebt nicht
atem éjnchem ohev,
atem lo ohvim
ihr (m.) schreibt nicht
atem éjnchem kotev,
atem lo kotvim
ihr (f.) liebt nicht
aten éjnchen ohev,
aten lo ohvot
ihr (f.) schreibt nicht
aten éjnchen kotev,
aten lo kotvot
109
sie (m.) lieben nicht
hem éjnam ohev,
hem lo ohvim
sie (m.) schreiben nicht
hem éjnam kotev,
hem lo kotvim
sie (f.) lieben nicht
hen éjnan ohev,
hen lo ohvot
sie (f.) schreiben nicht
hen éjnan kotev,
hen lo kotvot
* Da das Präsens im Neuhebräischen bei «éjn» usw. nur die
männlichen Varianten verwendet (ohev, kotev) und es für die
beiden ersten Personen nur «ani» und «anáchnu» gibt, sind die
weiblichen Varianten hier mit den männlichen identisch.
Die auch im Hebräischen viel vorkommenden Wörter «nichts»
und «nie» usw. werden so verwendet:
Was machst du jetzt? - Nichts. - Jetzt mache ich nichts.
Ma ata ose achschav? - Lo k’lum. - Achschach ani lo ose k’lum.
Wann schreibst du dieses Buch? - Nie.
Matáj ata kotev et ha-sséfer ha-se? - Af pa’am.
Ich schreibe das nie. - Ani lo kotev et ha-se af pa’am.
Ich habe bis heute noch nie gestohlen.
Ani lo ganávti od af pa’am ad ha-jom.
110
Kommt er jetzt? - Noch nicht. - Wann denn? - Vielleicht nie.
Hu ba achschach? - Od lo. - Matáj biglal? - Uláj af pa’am.
Anstelle von «od» kann auch «adájin» verwendet werden, das
aber nicht so wie die Dual-Wörter verkürzt «adáin»
ausgesprochen wird, und das Gleiche gilt auch für «ki» bei
«biglal».
Das Imperfekt (Die Vergangenheit)
Wie oben schon erwähnt ist das hebräische Imperfekt formal mit
den beiden Zeiten identisch, die wir in den meisten westlichen
Sprachen als Perfekt (Vorgegenwart) und Plusquamperfekt
(Vorvergangenheit) kennen. Zudem kann es auch für den
Konditional und Konjunktiv verwendet werden, wie wir weiter
unten noch sehen werden.
Das Imperfekt unterscheidet sich im Neuhebräischen im
Vergleich zum Bibelhebräischen nur dadurch, dass in der
Umgangssprache das Personalpronomen (ani, ata, at usw.)
häufig mitverwendet wird, aber nicht in der Schriftsprache.
Das Imperfekt sieht in der ersten Konjugation bei den häufigsten
Verben, die ich in diesem Buch berücksichtige, so aus:
ich arbeitete ich ass ich dachte
usw. usw. usw.
avadáti achálti chaschávti
avadáta (m.) achálta (m.) chaschávta (m.)
avadat (f.) achalt (f.) chaschavt (f.)
avad (m.) achal (m.) chaschav (m.)
111
avda (f.) achla (f.) chaschva (f.)
avádnu achálnu chaschávnu
avadatem (m.) achaltem (m.) chaschavtem (m.)
avadaten (f.) achalten (f.) chaschavten (f.)
avdu (m.+f.) achlu (m.+f.) chaschvu (m.+f.
ich gab ich ging ich half
usw. usw. usw.
natánti haláchti asárti
natánta (m.) haláchta (m.) asárta (m.)
natant (f.) halacht (f.) asart (f.)
natan (m.) halach (m.) asar (m.)
natna (f.) halcha (f.) asra (f.)
natánnu haláchnu asárnu
natantem (m.) halachtem (m.) asartem (m.)
natanten (f.) halachten (f.) asarten (f.)
natnu (m.+f.) halchu (m.+f.) asru (m.+f.)
ich kaufte ich kehrte zurück ich las
usw. usw. usw.
kaníti chaschárti karáti
kaníta (m.) chaschárta (m.) karáta (m.)
kanit (f.) chaschart (f.) karat (f.)
kana (m.) chaschar (m.) kara (m.)
112
kanta (f.) chaschra (f.) karta (f.)
kanínu chaschárnu karátnu
kanitem (m.) chaschartem (m.) karavtem (m.)
kaniten (f.) chascharten (f.) karavten (f.)
kanu (m.+f.) chaschru (m.+f.) karu (m.+f.)
ich lernte ich liebte ich nahm
usw. usw. usw.
l’madáti ahávti lakáchti
l’madáta (m.) ahávta (m.) lakáchta (m.)
l’madat (f.) ahavt (f.) lakacht (f.)
lamad (m.) ahav (m.) lakach (m.)
lamda (f,) ahva (f.) lak’cha (f.)
l’madánu ahávnu lakáchnu
l’madatem (m.) ahavtem (m.) lakachtem (m.)
l’madaten (f.) ahavten (f.) lakachten (f.)
lamdu (m.+f.) ahvu (m.+f.) lak’chu (m.+f.)
ich schlief ich schrieb ich stand
usw. usw. usw.
jaschánti katávti amadáti
jaschánta (m.) katávta (m.) amadáta (m.)
jaschant (f.) katavt (f.) amadát (f.)
jaschan (m.) katav (m.) amad (m.)
113
jaschna (f.) katva (f.) amda (f.)
jaschánnu katávnu amádnu
jaschantem (m.) katavtem (m.) amad’tem (m.)
jaschanten (f.) katavten (f.) amad’ten (f.)
jaschnu (m.+f.) katvu (m.+f.) amdu (m.+f.)
ich verkaufte ich verliess ich wohnte
usw. usw. usw.
machárti asávti gárti
machárta (m.) asávta (m.) gárta (m.)
machart (f.) asavt (f.) gart (f.)
machar (m.) asav (m.) gar (m.) *
machra (f.) asva (f.) gara (f.) *
machárnu asávnu gárnu
machartem (m.) asavtem (m.) gartem (m.)
macharten (f.) asavten (f.) garten (f.)
machru (m.+f.) asvu (m.+f.) garu (m.+f.)
* Diese beiden Verbformen stimmen wie oben gesehen mit
denen im Präsens überein.
Fast alle Verben, die in der männlichen dritten Person Einzahl
auf «a + Konsonant» enden, werden genau gleich wie «ahav»
und «katav» konjugiert. Die wenigen Ausnahmen und auch jene,
für die ich keine Konjugation gefunden habe, werden hier nicht
aufgeführt. Wer wissen möchte, wie die eine oder andere
114
Konjugation bei den Verben aussehen könnte, auf die ich hier
nicht näher eingehe, kann weiter unten im Kapitel «Die Infinitive»
nachschauen, wo ich mehr als 120 aufführe.
In der zweiten Konjugation sieht das Imperfekt so aus:
ich bekam ich besuchte ich fotografierte
usw. usw. usw.
kibálti bikárti tsilárti
kibálta (m.) bikárta (m.) tsilárta (m.)
kibalt (f.) bikart (f.) tsilart (f.)
kibel (m.) biker (m.) tstilem (m.)
kibla (f.) bikra (f.) tsilma (f.)
kibálnu bikárnu tsilárnu
kibaltem (m.) bikartem (m.) tsilartem (m.)
kibalten (f.) bikarten (f.) tsilarten (f.)
kiblu (m.+f.) bikru (m.+f.) tsilru (m.+f.)
ich reparierte ich sprach ich wartete
usw. usw. usw.
tikánti dibárti chikíti
tikánta (m.) dibárta (m.) chikíta (m.)
tikant (f.) dibart (f.) chikit (f.)
tiken (m.) diber (m.) chika (m.)
tikna (f.) dibra (f.) chikta (f.)
tikánnu dibárnu chikínu
115
tikantem (m.) dibartem (m.) chikitem (m.)
tikanten (f.) dibarten (f.) chikiten (f.)
tiknu (m.+f.) dibru (m.+f.) chiku (m.+f.)
In der dritten Konjugation sieht das Imperfekt so aus:
ich begann ich hatte Erfolg ich kam an ich verstand
usw. usw. usw. usw.
hichálti hitsláchti higáti hevánti
hichálta (m.) hitsláchta (m.) higáta (m.) hevánta (m.)
hichalt (f.) hitsláchat (f.) higá’at (f.) hevant (f.)
hitchil (m.) hitslí’ach (m.) higí’a (m.) hevin (m.)
hitchíla (f.) hitslícha (f.) higí’a (f.) hevína (f.)
hitchálnu hitsláchnu higánu hevánu
hitchaltem (m.) hitslachtem (m.) higatem (m.) havantem (m.)
hitchalten (f.) hitslachten (f.) higaten (f.) havanten (f.)
hitchílu (m.+f.) hitslíchu (m.+f.) higí’u (m.+f.) hevínu (m.+f.)
Diese Konjugation ist nicht so regelmässig und damit auch nicht
so leicht wie die erste und zweite. So sind die Verbformen der
männlichen und weiblichen Person Einzahl bei «ankommen»
identisch, zudem ist die Betonung der Silben nicht überall so
regelmässig wie in der ersten und zweiten Konjugation. Dazu
kommt noch, dass der vorderste Vokal bei «verstehen» in den
beiden Varianten der zweiten Person sich von einem «e» in ein
«a» verändert.
116
Schliesslich gibt es noch je eine Konjugation in der vierten,
fünften und siebten:
ich zog mich an ich wurde behütet ich wurde eingeladen
(4. K.) (5. K.) (7. K.)
usw. usw. usw.
hitlabáschti nischmárti husmánti
hitlabáschta (m.) nischmárta (m.) husmánta (m.)
hitlabascht (f.) nischmart (f.) husmant (f.)
hitlabesch (m.) nischmar (m.) husman (m.)
hitlab’scha (f.) nischm’ra (f.) husm’na (f.)
hitlabáschnu nischmárnu husmánu
hitlabaschtem (m.) nischmartem (m.) husmantem (m.)
hitlabaschten (f.) nischmarten (f.) husmanten (f.)
hitlab’schu (m.+f.) nischm’ru (m.+f.) husm’nu (m.+f.)
Hier ist «nischmar» (er wurde behütet) mit der Präsensform
identisch.
Wie oben erwähnt gehören die meisten Verben zur ersten und
zweiten Konjugation, was es für all jene, die sich intensiv mit dem
Hebräischen beschäftigen wollen, sicher leichter macht.
Wie oben im Kapitel «Sein und Haben» erwähnt wird die
Verneinung dadurch gebildet, dass vor der Verbform einfach nur
ein «lo» steht:
lo natánti
lo lakáchti
usw.
ich gab nicht, ich habe nicht gegeben
ich nahm nicht, ich habe nicht genommen
117
Das Futur (Die Zukunft)
Da ich für diese Zeit, die im mündlichen Gebrauch wie oben
erwähnt nur selten vorkommt, nur wenige Konjugationen
gefunden habe, kann ich mich auf das Auflisten derselben
beschränken. Fast alle gehören zur ersten Konjugation, das sind
die folgenden:
ich werde aufstehen ich werde fahren
usw. usw. usw.
akum esa eten
ich werde geben
takum (m.) tisa (m.) titen (m.)
takúmi (f.) tis’i (f.) titni (f.)
jakum (m.) jisa (m.) jiten (m.)
takum (f.) tis’a (f.) titen (f.)
nakum nis’a niten
takúmu (m.+f.) tis’u (m.+f.) titnu (m.+f.)
jakúmu (m.+f.) jis’u (m.+f.) jitnu (m.+f.)
ich werde gehen ich werde hören ich werde kaufen
usw. usw. usw.
élech eschma ekne
télech (m.) tischma (m.) tikne (m.)
télchi (f.) tischmi (f.) tikni (f.)
jélech (m.) jischma (m.) jikne (m.)
télech (f.) tischma (f.) tikne (f.)
nélech nischma nikne
118
télchu (m.+f.) tischm’u (m.+f.) tiknu (m.+f.)
jélchu (m.+f.) jischm’u (m.+f.) jiknu (m.+f.)
ich werde kommen ich werde lernen ich werde lieben
usw. usw. usw.
ano elmad ehov
tavo (m.) tilmad (m.) tihov (m.)
tavó’i (f.) tilm’di (f.) tih’vi (f.)
javo (m.) jilmad (m.) jihov (m.)
tavo (f.) tilmad (f.) tihov (f.)
navo nilmad nihov
tavó’u tilm’du (m.+f.) tih’vu (m.+f.)
javó’u jilm’du (m.+f.) jih’vu (m.+f.)
ich werde machen ich werde nehmen ich werde öffnen
usw. usw. usw.
a’ase ekach eftach
ta’ase (m.) tikach (m.) tiftach (m.)
ta’asi (f.) tikchi (f.) tift’chi (f.)
ja’ase (m.) jikach (m.) jiftach (m.)
ta’ase (f.) tikach (f.) tiftach (f.)
na’ase nikach niftach
ta’asu (m.+f.) tikchu (m.+f.) tift’chu (m.+f.)
ja’asu (m.+f.) jikchu (m.+f.) jift’chu (m.+f.)
119
ich werde sehen ich werde schicken ich werde schliessen
usw. usw. usw.
er’e eschlach esgor
tir’e (m.) tischlach (m.) tisgor (m.)
tir’i (f.) tisch’lechi (f.) tisg’ri (f.)
jir’e (m.) jischlach (m.) jisgor (m.)
tir’e (f.) tischlach (f.) tisgor (f.)
nir’e nischlach nisgor
tir’u (m.+f.) tischl’chu (m.+f.) tisg’ru (m.+f.)
jir’u (m.+f.) jischl’chu (m.+f.) jisg’ru (m.+f.)
ich werde schreiben ich werde sitzen * ich werde wissen
usw. usw. usw.
echtov éschev éda
tichtov (m.) téschev (m.) téda (m.)
ticht’vi (f.) téschvi (f.) téd’i (f.)
jichtov (m.) jéschev (m.) jéda (m.)
tichtov (f.) téschev (f.) téda (f.)
nichtov néschev néda
ticht’vu (m.+f.) téschvu (m.+f.) tédu (m.+f.)
jicht’vu (m.+f.) jéschvu (m.+f.) jédu (m.+f.)
* Die Konjugation von «sitzen» ist mit jener von «sich setzen»
identisch: éschev = ich werde sitzen, ich werde mich setzen usw.
120
ich werde wohnen
usw.
agur
tagur (m.)
tagúri (f.)
jagur (m.)
tagur (m.)
nagur
tagúru (m.+f.)
jagúru (m.+f.)
ich werde sprechen (2. Konjugation)
usw.
adaber
t’daber (m.)
t’dabri (f.)
j’daber (m.)
t’daber (f.)
n’daber
t’dabru (m.+f.)
j’dabru (m.+f.)
ich werde beginnen
usw. (3. Konjugation)
usw.
atchil
tatchil (m.)
tatchili (f.)
jatchil (m.)
tatchil (f.)
natchil
tatchílu (m.+f.)
jatchílu (m.+f.)
ich werde mich anziehen
usw. (4. Konjugation)
etlabesch
titlabesch (m.)
titlabschi (f.)
jitlabesch (m.)
titlabesch (m.)
nitlabesch
titlabschu (m.+f.)
jitlabschu (m.+f.)
121
Für «sagen» gibt es im Futur zwei Konjugationen:
omar
agid
tomar (m.)
tagid (m.)
tomri (f.)
tagídi (f.)
jomar (m.)
jagid (m.)
tomar (f.)
tagid (f.)
nomar
nagid
tomru (m.+f.)
tagídu (m.+f.)
jomru (m.+f.)
jagídu (m.+f.)
Die links ausgeführte Konjugation kommt überwiegend in der
Bibel vor, während die rechts aufgeführte im Neuhebräischen viel
mehr verwendet wird.
Auch in diesen insgesamt 24 Konjugationen ist genauso wie im
Imperfekt eine gewisse Regelmässigkeit zu erkennen. Am
deutlichsten fällt auf, dass es in der Mehrzahl für beide
Geschlechter die gleichen Verformen gibt, dass die erste Person
Mehrzahl immer mit einem «n», die zweite Person Mehrzahl
immer mit einem «t» und die dritte Person Mehrzahl genauso wie
die in der Einzahl immer mit einem «j» beginnen. Auch hier ist
die weibliche dritte Person mit der männlichen zweiten Person
fast immer identisch.
Wie im Perfekt wird die Verneinung im Futur dadurch gebildet,
dass vor der Verbform einfach ein «lo» steht:
lo élech
lo echtov
ich werde nicht gehen
ich werde nicht schreiben
Im mündlichen Gebrauch können die Futurformen durch die im
Präsens ersetzt werden, wie wir oben schon gesehen haben:
122
ich komme heute oder morgen = ani ba ha-jom o machar
Eine der bekanntesten Futurformen kommt in der Bibel im ersten
Vers des weltberühmten Psalms 23 vor:
Adonai ro’i, lo ech’ssar. - Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts
mangeln.
Von den Fremdprachigen wird sowieso nicht erwartet, dass sie
auch die Zukunftformen beherrschen, von denen ich in diesem
Buch nur 24, also einen kleinen Teil, aufgeführt habe, aber es ist
wichtig, wenigstens zu wissen, dass es diese ebenfalls gibt.
Die Consecutio temporum
Wer Latein, eine moderne romanische Sprache oder Englisch
gelernt hat - das sind sicher fast alle, die dieses Buch
durcharbeiten -, erinnert sich bestimmt an die festen Regeln,
dass die verschiedenen Zeiten nicht beliebig verwendet werden
dürfen. Das gilt am meisten für die Vergangenheit, in der eine
Präsensform immer falsch ist, weil nur eine Zeit der
Vergangenheit oder ein Konditional oder Konjunktiv vorkommen
dürfen, aber auch der letztgenannte nie mit der Präsensform.
Im Gegensatz zu diesen Sprachen und zum Englischen, das seit
der erfolgreichen Invasion der Normannen im Jahr 1066 und der
Besetzung des heutigen Englands bekanntlich stark vom
Französischen beeinflusst und umgebaut worden ist, sind im
Hebräischen genauso wie im Deutschen, aber auch im
Griechischen so strenge Zeitgesetze unbekannt. Es herrscht
also auch hier eine erstaunliche Ausdrucksfreiheit:
123
Ich habe gehört, du kommst.
Ich habe gehört, du wirst kommen.
Ich habe gehört, du würdest kommen.
Dieser eine Satz, der im Deutschen noch je drei weitere im
Imperfekt und Plusquamperfekt zulässt (ich hörte, du kommst -
ich hatte gehört, du kommst usw.), sieht in den anderen
Sprachen so aus:
HB: Sch’ma’áti sche ata ba (m.). - Sch’ma’áti sche at ba’a (f.).
GR: Ekusa hóti érchosai (Präsens).
LT: Audivi ut venires (Konjunktiv Imperfekt).
FR : J’ai entendu que tu viendrais (Konditional Präsens).
IT : Ho audito che tu verresti (Konditional Präsens). *
ES : He oído que tú vendrias. (Konditional Präsens).
PO: Ouvi que tu virias (Konditional Präsens - Portugal).
Ouvi que você viria (Konditional Präsens - Brasilien).
EN: I heard you would come (Konditional Präsens).
* In vielen italienischen Dialekten - so auch im römischen - wird
hier «veniresti» anstatt das offizielle «verresti» gesagt.
Das war ein Beispielsatz für eine Gleichzeitigkeit, jetzt kommt
noch einer für eine Vorzeitigkeit:
Ich habe gehört, du bist gekommen/du seiest gekommen.
Ich hörte, du bist gekommen/du seiest gekommen.
HB: Sch’ma’áti sche ata higáta (m.).
Sch’ma’áti sche at higá’at (f.).
124
GR: Ekusa hóti êlthes (Aorist in Imperfektform) *
LT: Audivi ut venieras (Plusquamperfekt).
FR : J’ai entendu que tu étais venu (m.)/venue (f.).
IT : Ho audito che tu eri venuto (m.)/eri venuta (f.).
ES: He oído que tú habia venido (Plusquamperfekt)
PO: Ouvi que tu havias vindo (Plusquamperfekt - Portugal).
Ouvi que você havia vindo (Plusquamperfekt - Brasilien).
EN: I heard you had come (Plusquamperfekt).
* Im Altgriechischen ist der Aorist die meistverwendete
Ausdrucksweise der Vergangenheit, aber auch im
Neugriechischen hat sich in diesem Bereich nicht viel verändert.
Mehrere Verben haben nominell eine Form des Imperfekts, aber
sie drücken immer noch einen Aorist aus.
In den romanischen Sprachen und im Englischen wäre es hier
zwar möglich, auch ein Konditional Perfekt zu verwenden (ut
venisses, que tu serais venu/venue, che tu fossi venuto/venuta,
que tu habria venido, que tu haverias vindo, que você haveria
vindo), aber dann hätte die Satzaussage nicht mehr die gleiche
Bedeutung.
Während im Latein die Konjugation des Imperfekts (venirem,
venires usw.) in den heutigen romanischen Sprachen nicht mehr
vorkommt, hat die Konjugation des Plusquamperfekts
(venissem, venisses usw.) heute mit Ausnahme des
Französischen die Funktion eines Präsens, das es formal aber
immer noch gibt, weil es vom Vulgärlatein stammt:
ich will, dass du kommst = te venire volo (Klassische Sprache)
volo ut venias (Vulgärlatein)
je veux que tu viennes (FR)
125
voglio che tu venga (IT)
quiero que tú vengas (ES)
quero que tu venhas (PO)
quero que você venha (BR
wenn du doch kämst! = se tu venires! (Klassische Sprache)
se tu venisses! (Vulgärlatein)
si tu venais! (FR - Imperfekt!)
se tu venissi! (IT)
si tú vinieras! (ES) *
si tú vinieses! (ES) *
se tu viesses! (PO)
se você viesse! (BR)
im ata rak ba! im at rak ba’a! (HB)
(mit Indikativ - rak = bloss, nur)
Die Variante auf « -eses » usw., die mit den Schwestersprachen
verwandt ist und damit naheliegender wäre, kommt heute fast
nur in der Schriftsprache vor, während die auf «-eras» usw.
mündlich viel mehr verwendet wird, aber es gibt keine festen
Regeln.
Wer mehr darüber wissen will - so auch über den ACI (Akkusativ
mit Infinitiv) und den NCI (Nominativ mit Infinitiv), die in den
beiden antiken Sprachen in solchen Sätzen ebenfalls oft
vorkommen (so auch oben: te venire volo) -, kann in meinen drei
Büchern nachschauen:
Lehrbuch des Altgriechischen, Lehrbuch des Neugriechischen,
Lehrbuch des Vulgärlateins
126
Die Modalverben
Mit diesen Verben wird eine Fähigkeit, ein Wille, ein Wunsch und
eine Verpflichtung ausgedrückt:
können, müssen, sollen, wollen
Im Hebräischen gibt es nur drei, also wird nicht wie zum Beispiel
in den romanischen Sprachen zwischen zwei «können»
unterschieden:
Ich kann es tun (Möglichkeit). Ich kann schwimmen (Fähigkeit).
FR: Je peux le faire.
IT : Posso farlo.
ES: Puedo hacerlo.
PO: Posso fazê-lo.
Je sais nager.
So natare.
Sé nadar.
Sei nadar.
Die drei hebräischen Konjugationen lauten im Präsens so:
ich (m.) kann ani jachol
ich (f.) kann ani jach’la
du (m.) kannst ata jachol
du (f.) kannst at jach’la
er/es kann hu jachol
sie kann hi jach’la
wir (m.) können anáchnu j’cholim
wir (f.) können anáchnu j’cholot
ihr (m.) könnt atem j’cholim
127
ihr (f.) könnt
sie (m.) können
sie (f.) können
aten j’cholot
hem j’cholim
hen j’cholot
ich (m.) muss
ich (f.) muss
du (m.) musst
du (f.) musst
er/es muss
sie muss
wir (m.) müssen
wir (f.) müssen
ihr (m.) müsst
ihr (f.) müsst
sie (m.) müssen
sie (f.) müssen
ani tsarich
ani ts’richa
ata tsarich
at ts’richa
hu tsarich
hi ts’richa
anáchnu ts’richim
anáchnu ts’richot
atem ts’richim
aten ts’richot
hem ts’richim
hen ts’richot
ich (m.) will
ich (f.) will
du (m.) willst
du (f.) willst
er/es will
sie will
wir (m.) wollen
ani rotse
ani rotsa
ata rotse
at rotsa
hu rotse
hi rotsa
anáchnu rotsim
128
wir (f.) wollen
ihr (m.) wollt
ihr (f.) wollt
sie (m.) wollen
sie (f.) wollen
anáchnu rotsot
atem rotsim
aten rotsot
hem rotsim
hen rotsot
Auch die Verbformen von «lichol» (der Infinitiv von «müssen»,
der aber nur selten verwendet wird), haben wie ein paar andere
zwei verschiedene Funktionen, je nachdem, mit welchen
Wörtern sie verbunden werden:
Ani tsarich harbe késsef.
Tsarich harbe késsef.
Ich brauche viel Geld.
Man braucht viel Geld.
129
Die Infinitive (Grundformen der Verben)
Die oben aufgeführten Modalverben können nur dann sinnvoll
eingesetzt werden, wenn die entsprechenden Grundformen der
Verben bekannt sind, aber weil diese nicht so einfach wie in den
uns bekannten europäischen Sprachen zu bilden und zum Teil
sogar noch unregelmässig sind, widme ich ihnen hier ein eigenes
Kapitel.
Auch hier verwende ich das Paradeverb «schreiben»:
ich (m.) kann schreiben
ich (f.) kann schreiben
ich (m.) muss schreiben
ich (m.) muss schreiben
ich (m.) will schreiben
ich (f.) will schreiben
ani jachol lichtov
ani jach’la lichtov
ani tsarich lichtov
ani ts’richa lichtov
ani rotse lichtov
ani rotsa lichtov
Der Infinitiv heisst also «lichtov». Als solcher kann er nie an
einem Satzanfang stehen, wie wir das von unseren bekannten
westlichen Sprachen kennen:
Schlafen ist schön.
EN: Sleeping is beautiful.
(Oder besser: It’s beautiful to sleep).
NL: Slapen is mooi.
FR: Dormir est beau (Oder: Dormir - c’est beau).
IT : Dormire è bello.
ES: Dormir es hermoso.
130
Der Satz «lischon jafe» («lischon» ist der Infinitiv) wäre also völlig
falsch. Der Infinitiv darf im Hebräischen nur innerhalb eines
Satzes und immer nur zusammen mit einem Modalverb
verwendet werden:
Ich kann das Buch schreiben.
Ani jachal lichtov et ha-sséfer (m.).
Ani jach’la lichtov et ha-sséfer (f.).
Ich muss diesen Brief schreiben.
Ani tsarich lichtov et ha-michtav ha-se (m.).
Ani ts’richa lichtov et ha-michtav ha-se (f.).
Ich will ihr schreiben, dass ich sie liebe.
Ani rotse lichtov lach, sche ani ohev otach (m.).
Ich will ihm schreiben, dass ich ihn liebe.
Ani rotsa lichtov l’cha, sche ani ohévet otcha (f.).
In der hebräischen Schrift steht vor «sche» (dass) meistens kein
Komma.
Auf die gleiche Weise können auch alle anderen Sätze mit
Modalverben gebildet werden.
Nach dem Wort «efschar» (es ist möglich) steht ebenfalls der
Infinitiv:
Es ist möglich, diesen Brief zu schreiben.
Efschar lichtov et ha-michtav ha-se.
131
Die häufigsten Infinitive sind diese, wobei ich das Grundwort -
also die dritte Person Einzahl der Vergangenheit, von der die
meisten Präsensformen leicht gebildet werden können - hinten
ebenfalls aufführe:
la’amod stehen amad
la’anot beantworten ana
la’asor helfen asar
la’asov verlassen asav
la’assot begehen, machen assa
tun, verüben
la’atof einwickeln atav
la’avod arbeiten avad
lachschov denken, nachdenken chaschav
lachsor wiederholen, chasar
zurückkehren, zurückkommen
lada’at wissen jad’a
lagur wohnen gar
lahaross zerstören harass
lakáchat nehmen lakach
laléchet gehen halach
larédet aussteigen jarad
lariv streiten rav
lasset tragen nassa
latet geben natan
lavo kommen ba
132
laset hinausgehen jasa
lasum fasten sam
le’ajem drohen, bedrohen lijem
le’ascher erlauben, genehmigen, ischer
gestatten, gewähren
l’chajech lächeln chijech
l’chakot warten chika
l’chapess suchen chipess
l’chassen impfen chissun
l’chate desinfizieren chita
l’chaved ehren, verehren chibed
l’chaven beabsichtigen kiven
l’daber reden, sprechen diber
le’echol essen achal
le’ehov lieben ahav
l’fater entlassen piter
l’fatpet plaudern pitpet
l’ha’adif vorziehen he’edif
l’ha’arich beurteilen, verlängern he’erich
l’ha’aschim beschuldigen he’eschim
l’hachlif wechseln hichlif
l’hafría belästigen hifría
l’hafssik aufhören hifssik
l’hagí’a ankommen higí’a
133
l’hagid sagen higid
l’ha’ir befeuchten he’ir
l’hakim aufstellen hikim
l’hakir kennen hikir
l’hakot schlagen hika
l’hamir Geld wechseln himir (késsef)
(késsef)
l’hargisch fühlen hirgisch
l’harot zeigen her’a
l’harschot erlauben, genehmigen, hirscha
gestatten, gewähren
l’hasbir erklären hisbir
l’hasmin bestellen, einladen hismin
l’hasskim zustimmen hisskim
l’hatchil anfangen, beginnen hitchil
l’hatslí’ach Erfolg haben, gelingen hitslí’ach
l’havi bringen hevi
l’havin verstehen hévin
l’hasía anbieten hisía
l’hidalek entzünden nidlak
l’hiraga beruhigen hiraga
l’hischamer behütet werden nischmar
l’hischtagé’a verrückt werden
hischtagé’a
l’hitbadeach scherzen, spassen hitpadeach
134
l’hitlabesch sich anziehen hitlabesch
l’hochlach beweisen hochlach
l’kabel bekommen, erhalten, kibel
erlangen
l’lamed lehren, unterrichten, limed
unterweisen
l’nakot putzen, reinigen nika
l’naschek küssen nischek
l’nassot versuchen nissa
l’schabé’ach loben schibach
l’schachrer befreien schichrer
l’schaker lügen schiker
l’schalem zahlen, bezahlen schilem
l’scharet dienen, bedienen schiret
l’ssajem absolvieren, beenden ssijem
l’ssameach erfreuen ssimeach
l’ssarev verweigern ssirev
l’ssovev drehen ssavar
l’talfen telefonieren tilfen
l’tapel behandeln tipel
l’vakesch bitten bikesch
l’vaschel kochen bischel
l’vater verzichten viter
l’vasé’a ausführen bisé’a
135
l’salem fotografieren silem
lichol können jachol
lichtov schreiben katav
lifto’ach öffnen patach
lignov stehlen ganav
liknot kaufen kana
likro lesen kara
lilbosch tragen (Kleider) lavasch
lilmod lernen, studieren lamad
limso finden masa
limso chen gefallen masa chen
linssó’a fahren nassa
lir’ot sehen ra’a
lirschom registrieren rascham
lischkoach vergessen schachach
lischló’ach schicken, senden schalach
lischlot beherrschen schalat
lischm’óa hören
lischol fragen scha’al
lischon schlafen jaschan
lischtov waschen schatav
lischtok schweigen schatak
lischtot trinken schata
lisroa pflanzen sar’a
136
lisrok werfen sarak
liss’chor handeln ssachar
liss’chov schleppen ssachav
lissloach entschuldigen, vergeben, ssalach
verzeihen
lit’ot Fehler begehen ta’a
livchor wählen bachar
livdok prüfen badak
livnot bauen bana
livróach fliehen, flüchten barach
lis’chok lachen sachak
Am deutichsten ist zu erkennen, dass sämtliche Infinitive mit
einem «l» beginnen. Das zu wissen kann für jene, die sich mit
einem hebräischen Text herumschlagen - und erst recht dann,
wenn er keine Vokalzeichen enthält - sicher nützlich sein.
Natürlich wird es für die Fremdsprachigen und sogar für die
gelernten Theologen kaum jemals möglich sein, diese mehr als
120 Infinitive mitsamt ihren «Imperfekt-Zwillingen» - also
insgesamt fast 250 Wörter - für immer im Gedächtnis zu
speichern, es sei denn, jemand lebt so wie die oben erwähnte
Bekannte längere Zeit in Israel und wendet dort die Sprache
täglich an. Da ich aber weiss, dass es möglich ist, meine im
Google unter «Yumpu Juha Stump» aufgeladenen Bücher auch
auf einem Handy zu lesen, kann jemand, der ein Wort gerade
nicht weiss, jederzeit schnell nachschauen.
137
Fragen und Antworten
Im Gegensatz zum Deutschen und zu vielen anderen Sprachen
wird im Hebräischen in einem Fragesatz nichts umgestellt. Es
genügt, den Ton gegen das Satzende etwas anzuheben:
Kommst du?
Ata ba? (m.)
At ba’a? (f.)
Kommst du nicht?
Ata éjncha ba? - Ata lo ba?
At éjnech ba? - At lo ba’a?
Kannst du kommen?
Ata jachol lavo? (m.)
At jach’la lavo? (f.)
Kannst du nicht kommen?
Ata éjncha jachol lavo?
Ata lo jachol lavo?
At éjnech jachol lavo?
At lo jach’la lavo?
Ja, ich komme.
Ken, aní ba.
Ken, ani ba’a.
Nein, ich komme nicht.
Lo, ani éjncha ba. - Lo, ani lo ba.
Lo, ani éjnech ba.
Lo, ani lo ba’a.
Auch hier wird immer nur die männliche dritte Person der Einzahl
verwendet, wenn mit «éjn’cha» und «éjnech» geantwortet wird:
Ata éjncha ba? - At éjnech ba?
Ata éjncha jachol lavo? - At éjnech jachol lavo?
Lo, ani éjncha ba. - Lo, ani éjnech ba.
138
Es gibt jedoch ein Fragewort, das verwendet werden kann, aber
im Gegensatz zu vielen anderen Sprachen, in denen ein solches
Wort zum Kennzeichnen eines Fragesatzes obligatorisch ist,
nicht unbedingt notwendig ist. Es lautet «ha’im».
Kommst du? Kommst du nicht? Kannst du kommen?
Ha’im ata ba? Ha’im ata éjncha ba? Ha’im ata jachol lavo?
Ha’im at ba’a? Ha’im at éjnech ba? Ha’im at jach’la lavo?
Im Gegensatz zum Personalpronomen, das immer vorn stehen
muss, kann ein Substantiv oder Eigenname auch hinter dem
Verb stehen, wenn der Satz nicht allzu lang ist:
Kommt dein Sohn auch?
Ba ha-ben schel’cha gam?
Ba ha-ben schelach gam?
Kommt Daliah oder nicht?
Ba’a Dália o lo?
Sogar bei einer Verneinung ist das möglich:
Kommt dein Sohn nicht? Kommt Daliah nicht?
Ejncha ba ha-ben schel’cha? Ejnech ba Dália?
Ejncha ba ha-ben schelach? Lo ba Dália?
Lo ba ha-ben schel’cha?
Lo ba ha-ben schelach?
Die häufigsten Fragewörter sind in alfabetischer Reihenfolge
diese:
wann?
warum? weshalb?
matáj?
láma?
139
weswegen? wieso?
was?
wem?
wen?
wer?
wessen?
wie?
wie viel?
wo?
wodurch?
woher?
wohin?
womit?
wozu?
ma?
l’ni?
et-ni?
ni?
schel ni?
ech? ejch?
káma?
efo? ejfo?
im-ma?
me’efo? me’ejfo?
le’an?
im-ma?
l’ma?
Dazu kommt auch noch «nachon?» (nicht wahr?).
140
Die Relativpronomina
Im Vergleich zu vielen anderen bekannten Sprachen, die je nach
Anzahl Kasus mehr als bis zu fünfzehn Varianten allein in der
Einzahl aufweisen - der Rekordhalter ist hier das Finnische, das
es zusammen mit den Mehrzahlformen gleich auf fast dreissig
bringt -, ist es im Hebräischen erfrischend einfach. Es gibt nur
deren drei, von denen zwei in beiden Geschechtern sowie in der
Einzahl und Mehrzahl identisch sind.
Die beiden lauten «ascher» und «sche», die im Nominativ,
Akkusativ und sogar Dativ identisch sind. Das letztere bedeutet
wie oben gesehen auch «dass» und wird gleich geschrieben.
Zudem fällt es im Schriftbild genauso wie der bestimmte Artikel
«ha», der als dritte Variante möglich ist, mit dem nachfolgenden
Wort zusammen.
Wie in den romanischen Sprachen, in denen ein Komma nur
dann verwendet wird, wenn man eine bestimmte Aussage näher
beschreibt, kommt auch im Hebräischen in den Relativsätzen
kein Komma vor:
Das ist der Mann, der diese Frau sehr liebt.
Se ha-isch ascher ohev me’od et ha-ischa ha-sot.
Se ha-isch sche’ohev me’od et ha-ischa ha-sot.
Se ha-isch ha’ohev me’od et ha-ischa ha-sot.
Das ist die Frau, die diesen Mann sehr liebt.
Sot ha-ischa ascher ohévet me’od et ha-isch ha-se.
Sot ha-ischa sche’ohévet me’od et ha-isch ha-se.
Sot ha-ischa ha’ohévet me’od et ha-isch ha-se.
141
Das sind die Männer, die diese Frau sehr lieben.
Ha-éle ha-anaschim ascher ohvim me’od et ha-ischa ha-sot.
Ha-éle ha-anaschin sche’ohvim me’od et ha-ischa ha-sot.
Ha-éle ha-anaschim ha’ohvim me’od et ha-ischa ha-sot.
Das sind die Frauen, die diesen Mann sehr lieben.
Ha-éle ha-naschim ascher ohvot me’od et ha-isch ha-se.
Ha-éle ha-naschim sche’ohvot me’od et ha-isch ha-se.
Ha-éle ha-naschim ha’ohvot me’od et ha-isch ha-se.
Im Akkusativ müssen die entsprechenden Personalsuffixe direkt
nach dem Verb stehen:
Das ist der Mann, den diese Frau sehr liebt.
Se ha-isch ascher ha-ischa ha-sot ohévet oto me’od.
Se ha-isch sche’ha-ischa ha-sot ohévet oto me’od.
Se ha-isch ha’ha-ischa ha-sot ohévet oto me’od.
Das ist die Frau, die dieser Mann sehr liebt.
Sot ha-ischa ascher ha-isch ha-se ohev ota me’od.
Sot ha-ischa sche’ha-isch ha-se ohev ota me’od.
Se ha-ischa ha’ha-isch ha-se ohev ota me’od.
Das sind die Männer, die diese Frau sehr liebt.
Ha-éle ha-anaschim ascher ha-ischa ha-sot ohévet otam me’od.
Ha-éle ha-anaschim sche’ha-ischa ha-sot ohévet otam me’od.
142
Ha-éle ha-anaschim ha’ha-ischa ha-sot ohévet otam me’od.
Das sind die Frauen, die dieser Mann sehr liebt.
Ha-éle ha-naschim ascher ha-isch ha-se ohev otan me’od.
Ha-éle ha-naschim sche’ha-isch ha-se ohev otan me’od.
Ha-éle ha-naschim ha’ha-isch ha-se ohev otan me’od.
Hans ist der Mann, den Ursula sehr liebt.
Hans (hu) ha-isch ascher Ursula ohévet oto me’od.
Hans (hu) ha-isch sche’Ursula ohévet oto me’od.
Hans (hu) ha-isch ha’Ursula ohévet oto me’od.
Ursula ist die Frau, die Hans sehr liebt.
Ursula (hi) ha-ischa ascher Hans ohev ota me’od.
Ursula (hi) ha-ischa sche’Hans ohev ota me’od.
Ursula (hi) ha-ischa ha’Hans ohev ota me’od.
Er ist der Mann, den ich sehr liebe.
Hu ha-isch ascher ani ohévet oto me’od.
Hu ha-isch sche’ani ohévet oto me’od.
Hu ha-isch ha’ani ohévet oto me’od.
Sie ist die Frau, die ich sehr liebe.
Hi ha-ischa ascher ani ohev ota me’od.
143
Hi ha-ischa sche’ani ohev ota e’od.
Hi ha-ischa ha-ani ohev ota me’od.
Nach Eigennamen können die Personalpronomina, die in der
Bibel fast immer vorkommen, ebenfalls mitverwendet werden:
Hans (hu) …
Ursula (hi) …
Streng genommen enthält ein solcher Satz einen eigenen
kleinen Satz innerhalb eines grösseren Satzgefüges:
Das ist der Mann … er liebt diese Frau sehr.
Sie ist die Frau … ich liebe sie sehr.
In einem der Lehrbücher, die ich ganz unten noch vorstelle, steht
zwar geschrieben, dass die Personalsuffixe im Akkusativ (oto,
ota, otam, otan) auch wegfallen können, aber ich halte es für
besser, wenn sie immer mitverwendet werden, weil damit
allfällige Missverständnisse vermieden werden können.
Auch im Dativ müssen die entsprechenden Personalsuffixe
direkt nach dem Verb stehen - und diesmal dürfen sie im
Gegensatz zum Akkusativ nicht wegfallen:
Das ist der Mann, dem ich das Buch gegeben habe.
Se ha-isch ascher natáti lo et ha-sséfer.
Se ha-isch sche’natáti lo et ha-sséfer.
Se ha-isch ha’natáti lo et ha-sséfer.
Das ist die Frau, der ich das Buch gegeben habe.
144
Sot ha-ischa ascher natáti la et ha-sséfer.
Sot ha-ischa sche’natáti la et ha-sséfer.
Sot ha-ischa ha’natáti la et ha-sséfer.
Das sind die Männer, denen ich die Bücher gegeben habe.
Ha-éle ha-anaschim ascher natáti lahem et ha-ss’farim.
Ha-éle ha-anaschim sche’natáti lahem et ha-ss’farim.
Ha-éle ha-anaschim ha’natáti lahem et ha-ss’farim.
Das sind die Frauen, denen ich die Bücher gegeben habe.
Ha-éle ha-naschim ascher natáti lahen et ha-ss’farim.
Ha-éle ha-naschim sche’natáti lahen et ha-ss’farim.
Ha-éle ha-naschim ha’natáti lahen et ha-ss’farim.
Ursula ist die Frau, der Hans viel Liebe gibt.
Ursula (hi) ha-ischa ascher Hans noten la harbe ahava.
Ursula (hi) ha-ischa sche’Hans noten la harbe ahava.
Ursula (hi) ha-ischa ha’Hans noten la harbe ahava.
Hans ist der Mann, dem Ursula viel Liebe gibt.
Hans (hu) ha-isch ascher Ursula noténet lo harbe ahava.
Hans (hu) ha-isch sche’Ursula noténet lo harbe ahava.
Hans (hu) ha-isch ha’Ursula noténet lo harbe ahava.
145
Streng genommen enthält auch der Dativ einen eigenen kleinen
Satz innerhalb eines grösseren Satzgefüges:
Das ist der Mann … ich habe ihm das Buch gegeben.
Das sind die Frauen … ich habe ihnen die Bücher gegeben.
Im Genitiv ist es ein wenig schwieriger, weil die im
Bibelhebräischen allein vorkommenden Possessivsuffixe immer
mitverwendet werden müssen:
Das ist der Mann, dessen Schwester ich sehr liebe.
Se ha-isch ascher achoto ani ohev me’od.
Se ha-isch sche’achoto ani ohev me’od.
Se ha-isch ha’achoto ani ohev me’od.
Das ist die Frau, deren Bruder ich sehr liebe.
Sot ha-ischa ascher acho ani ohévet me’od.
Sot ha-ischa sche’acho ani ohévet me’od.
Sot ha-ischa ha’acho ani ohévet me’od.
Das sind die Kinder, deren Eltern wir immer lieben.
Ha-éle ha-jeladim ascher horéihem anáchnu ohvim tamid.
Ha-éle ha-jeladim sche’horéihem anáchnu ohvim tamid.
Ha-éle ha-jeladim ha-horéihem anáchnu ro’im.
Mit einer personifizierten Präposition - auf diese werde ich weiter
unten noch näher eingehen - sieht es so aus:
Der Mann, bei dem ich wohne, arbeitet in der Stadt.
146
Ha-isch ascher etslo ani gar oved ba-ir.
Ha-isch sche’etslo ani gar oved ba-ir.
Ha-isch ha-etslo ani gar oved ba-ir.
Die Frau, mit der ich gehe, hat dir einen Brief geschrieben.
Ha-ischa ascher ita ani holech katavt lach (f.) michtav.
Ha-ischa sche’ita ani holech katavt lach (f.) michtav.
Ha-ischa ha-ita ani holech katavt lach (f.) michtav.
Konditional und Konjunktiv
Weiter oben habe ich geschrieben, dass es im Hebräischen
formal nicht das gibt, was wir unter einem Konditional und einem
Konjunktiv verstehen - aber eben nur formal. Sinngemäss
kommen diese beiden Zeiten trotzdem vor, wenn sie mit drei
bestimmten Konjunktionen bzw. Bindewörtern eingeleitet
werden.
Sätze mit «im», das im Gegensatz zum gleich lautenden anderen
Wort «im», das «mit» bedeutet, werden nicht mit einem Alef,
sondern mit einem Ajin geschrieben:
Wenn wir Zeit haben, gehen wir ins Kino.
Im jesch lánu sman, anáchnu holchim la-kolnó’a.
Dieser Satz steht zwar im Indikativ, aber er kann auch so gemeint
sein:
Falls wir Zeit haben …
147
Um einen Konditional oder Konjunktiv auszudrücken, die im
Hebräischen formal identisch sind, gibt es diese drei Wörter:
lu, ilu, lulé
Dabei lautet die Formel «Imperfekt von ‘sein’ + Präsens des
Verbs»:
Wenn mein Vater wollte, würden wir nach Amerika reisen.
Wenn mein Vater gewollt hätte, wären wir nach Amerika gereist.
Lu ába scheli haja rotse, hajínu nos’im le’Amerika.
Gerade bei diesen zwei möglichen Varianten kann gut gesehen
werden, dass der Konditonal und der Konjunktiv sowohl in der
Gegenwart als auch in der Vergangenheit stehen können.
Anstelle von «rotse» kann auch das Imperfekt-Wort «ratsa»
verwendet werden, wobei «haja» dann wegfällt; dabei kommt
«ilu» mehr zum Zug als «lu», aber es gibt dafür keine bestimmten
Regeln.
Der gleiche Satz wie oben lautet dann so:
Ilu ába scheli ratsa, hajínu ros’im le’Amerika.
Wenn ein Konditional oder ein Konjunktiv verneint werden, wird
«lulé» verwendet, wobei dann das typische Verneinungswort
«lo» wegfällt:
Wäre mein Vater nicht krank, würden wir ins Kino gehen.
Wäre mein Vater nicht krank gewesen, wären wir ins Kino
gegangen.
Lulé ába scheli haja chole, hajínu holchim la-kolnó’a.
148
Der Imperativ (Die Befehlsformen)
Jetzt wird es wieder einfach: Um eine Aufforderung oder einen
Befehl auszudrücken, genügt es, die Futurformen der zweiten
Person Einzahl und Mehrzahl anzuwenden, und die zweite gute
Nachricht ist, dass es nur wenige Ausnahmen gibt:
schreib (m.)! tichtov! schreib mir! tichtov li!
schreib (f.)! ticht’vi! schreib mir! tichtvi li!
schreibt! ticht’vu! schreibt uns! ticht’vu lánu!
Bei einem verneinten Imperativ kommt jedoch nicht das bereits
bekannte «lo» für die Verben zum Einsatz, sondern «al», aber
sonst verändert sich nichts:
schreib mir nicht!
schreibt uns nicht!
al tichtov li! (m.)
al ticht’vu li! (f.)
al ticht’vu lánu!
Auch bei einem Imperativ in der ersten Person Mehrzahl werden
die Futurformen verwendet:
schreiben wir ihm (nicht)!
schreiben wir ihr (nicht)!
(al) nichtov lo!
(al) nichtov la!
In den beiden dritten Personen kommt wieder das schon
bekannte «sche», das sowohl «dass» bedeutet als auch für ein
Relativpronomen verwendet werden kann, zum Zug. Dabei
können auch noch die Personalpronomina stehen, was vor allem
in der Mehrzahl sinnvoll ist, weil dort in beiden Geschlechtern die
149
gleiche Verbform verwendet wird. Das Verneinungswort «al»
steht genau dazwischen:
er soll (nicht) schreiben!
sie soll (nicht) schreiben!
sie (m.) sollen (nicht) schreiben!
sie (f.) sollen (nicht) schreiben!
sche (al) tichtov!
schehu (al) tichtov!
sche (al) ticht’vi!
schehi (al) ticht’vi!
sche (al) ticht’vu!
schehem (al) ticht’vu!
sche (al) ticht’vu!
schehen (al) ticht’vu!
Dieses «sche» erinnert an die Imperativ-Konstruktion in den
romanischen Sprachen, wo ebenfalls «dass» verwendet wird,
aber von einem formal «echten» Konjunktiv gefolgt werden
muss:
er soll (nicht) kommen! = qu’il (ne) vienne (pas)! - Französisch
che lui (non) venga! - Italienisch
cha el (nu) vegna! - Engadinisch
che issu (no) bengat! - Sardisch
que ell (no) vingui! - Katalanisch
que él (no) venga! - Spanisch
que ele (não) venha! - Portugiesisch
Das franzözische «ne … pas» wird in der Fachsprache als
Mantelverneinung bezeichnet. In der Umgangssprache wird das
«ne» allerdings fast immer weggelassen.
150
Weitere häufig vorkommende Verben lauten im Imperativ so:
hatchel! - tatchil! (m.) beginn! fang an!
beginnen Sie! fangen Sie an!
hatchíli! - tatchíli! (f.) wie oben
hatchílu! - tatchílu! beginnt! fangt an!
beginnen Sie! fangen Sie an!
hikanes! - tikanes! (m.)
hikansi! - tikansi! (f.)
hikansu! - tikansu!
tritt ein! treten Sie ein!
wie oben
tretet ein! treten Sie ein!
hitrachets! - titrachets! (m.) wasch dich! waschen Sie sich!
hitrachatsi! - titrachatsi! (f.) wie oben
hitrachatsu! - titrachatsu! wascht euch! waschen Sie sich!
r’e! - tir’e! (m.)
r’i! - tir’i! (f.)
r’u! - tir’u!
schau mal! sieh mal!
schauen Sie mal! sehen Sie mal!
wie oben
schaut mal! seht mal!
schauen Sie mal! sehen Sie mal!
sch’ma! (m.)
schim’i! (f.)
schim’u!
hör! Hören Sie!
wie oben
hört! hören Sie!
151
t’daber! daber! (m.)
t’dabri! dabri! (f.)
t’dabru! dabru!
n’daber!
sprich! sprechen Sie!
wie oben
sprecht! sprechen Sie!
sprechen wir!
tilmad! l’mad! (m.)
tilm’di! limdi! (f.)
tilm’du! limdu!
lerne! lernen Sie!
wie oben
lernt! lernen Sie!
Für diese Verben werden meistens die verkürzten Varianten
verwendet:
bo! (m.) - bó’i! (f.)
bó’u!
komm! kommen Sie!
kommt! kommen Sie!
lech! (m.) - l’chi! (f.)
l’chu!
nelech!
geh! gehen Sie!
geht! gehen Sie!
gehen wir!
kach! (m.) - k’chi! (f.)
k’chu!
nimm! nehmen Sie!
nehmt! nehmen Sie!
ruts! (m.) - rútsi! (f.)
rútsu!
lauf! laufen Sie!
lauft! laufen Sie!
152
sa! (m.) - s’i! (f.)
s’u!
fahr! fahren Sie!
fahrt! fahren Sie!
schev! (m.) - sch’vi! (f.)
sch’vu!
setz dich! setzen Sie sich!
setzt euch! setzen Sie sich!
sim! (m.) - sími! (f.)
símu!
lege! legen Sie!
legt! legen Sie!
ten! (m.) - t’ni! (f.)
t’nu!
gib! geben Sie!
gebt! geben Sie!
Für den Imperativ von «sagen» gibt es drei verschiedene
Verben:
emor! - haged! - tagid! (m.)
imri! - hagídi! - tagídi! (f.)
imru! - hagídu! - tagídu! (Pl.)
Allerdings kommt die oberste Variante mit «emor» usw. in der
heutigen Umgangssprache fast nie vor, sie kann vor allem in der
Bibel häufig gelesen werden.
Auch für «sein» und «haben» gibt es eigene Imperativformen:
heje! - tihje! (m.) sei! seien Sie!
haji! - tihji! (f.)
wie oben
153
heju! - tihju! (Pl.)
haji ahava lachem l’kol!
seid! seien Sie!
habt Liebe für alle!
Auch hier richtet sich die Imperativform nach dem Obekt, um das
es geht, hier also das weibliche Wort «ahava».
Verschiedene direkte oder auch nur indirekte Imperative werden
auch öffentlich so geschrieben:
b’vakascha na l’hikanes!
na lo l’hikanes!
na lo l’daber!
bitte eintreten!
treten Sie bitte ein!
bitte nicht eintreten!
bitte nicht betreten!
(also das Gegenteil von oben)
bitte nicht sprechen!
Das Verneinungswort ist hier also wieder «lo» und nicht «al».
Dieser Ruf kann manchmal auch gehört werden:
hatsílu! - Hilfe! Zu Hilfe!
Wörtlich heisst es «rettet!», die erste Person lautet im Präsens
«ani matsil» (m.) bzw. «ani matsíli» (f.).
154
Die Konjunktionen (Bindewörter)
aber
aval
als
ka’ascher, k’sche
auch
gam
bevor
lifnéj sche …
bis
ad sche …
bloss (nur) rak
da
mikévan sche …
dass ki (AH), sche- *
denn
ki
entweder … oder o … o
nachdem acharéj sche …
nur
rak
ob
im
obwohl
lamrot sche …
oder
o
sondern
éla
weil
ki, mikévan sche …, mipnéj sche …
und ve, u **
weil
ki
um zu
kedéj
wie
k’mo
155
* Dieses Wort wird in der Schriftsprache immer direkt mit dem
nachfolgenden verbunden:
Du weisst, dass ich dich liebe.
Ata jodé’a sche-ani ohévet otcha. (Frau zum Mann)
At jodá’at sche-ani ohev otach. (Mann zur Frau)
Allerdings gehören «jodé’a» und «jodá’at» zu den wenigen
Verben, bei denen das Personalpronomen auch hinten stehen
kann:
Jodé’a ata sche-ani ohévet otcha.
Jodá’at at sche-ani ohev otach.
** Nach einer alten Faustregel wird «u» anstelle von «ve»
verwendet, wenn diese vier Konsonanten folgen:
b, v, m, p
Dann wird das «b» zu einem «v», während das «p» sich in ein
«f» verwandelt:
Daniel und Mirjam = Daniel uMirjam (nicht «D. ve Mirjam»)
Allerdings wird diese Regel im mündlichen Gebrauch nicht immer
eingehalten, zudem habe ich auch im Bibelhebräischen solche
Sätze gesehen:
… und Frieden
… uschalom
(also nicht «veschalom» wie in einem obigen Beispielsatz)
156
Die Präpositionen (Verhältniswörter)
Die drei häufigsten und damit auch wichtigsten sind diese:
an, in nach, zu aus, seit, von
Unbestimmt: b’ l’, le- mi-
Bestimmt: ba- la- mi-
Die beiden ganz rechts sind also identisch.
Die genaue Unterscheidung zwischen unbestimmt und bestimmt
ist wichtig, weil sich auch die Bedeutungen verändern. Wenn nur
ein Land oder ein Ort ohne nähere Angabe verwendet wird, steht
die unbestimmte Variante, während bei einer genauen
Ortsangabe die bestimmte zum Zug kommt; dabei stehen die
Adjektive hinten immer noch mit dem bestimmten Artikel:
b’árets
b’arets jafa
b’Jíssra’el
biRuschaláim *
b’Mitsráim
b’Jarden
in einem Land
in einem schönen Land
in Israel
in Jerusalem
in Ägypten
in Jordanien (aber auch: im Jordan)
* Diese Verbindung wird unregelmässig gebildet.
Aber: ba-árets
ba-árets ha-jafa
ba-árets ha-sot
im Land
im schönen Land
in diesem Land
157
ba-árets ha-jafa ha-sot in diesem schönen Land
ba-ártsot
in den Ländern
ba-ártsot ha-jafot in den schönen Ländern
ba-ártsot ha-éle in diesen Ländern
ba-ártsot ha-jafot ha-éle in diesen schönen Ländern
le’árets * in ein Land la-árets ins Land, in das Land
le’ártsot in Länder la-ártsot in die Länder
le’Jíssra’el nach Israel
le’Jeruschaláim nach Jerusalem
le’Mitsráim nach Ägypten
le’Jarden
nach Jordanien, zum Jordan
* Auch diese Verbindung wird unregelmässig gebildet.
Ich gehe zu Daliah, zur schönen Frau, die ich sehr liebe.
Ani holech l’Dália, la-ischa ha-jafa ascher ani ohev me’od.
Wir gehen in ein schönes Land und in eine schöne Stadt.
Anáchnu holchim le’arets jafa ve le-ir jafe.
Wir gehen nach Jerusalem ins schöne Restaurant «Schalom».
Anáchnu holchim le’Jeruschaláim la-miss’ada ha-jafa
«Schalom».
(Hier steht «la-miss’ada», weil es ein bestimmtes Restaurant ist.)
158
Beim Ausruf «Gott sei Dank!», der auch bei uns immer noch viel
zu hören ist, steht im Gegensatz zu den anderen Eigennamen
(wie hier bei l’Dália) die Präposition «la», weil Gott als etwas
Bestimmtes gilt:
Toda la’El!
Dabei kommt hier «El» viel mehr vor als das übliche Elohim, das
natürlich auch gesagt werden kann.
Daneben gibt es noch zwei weitere weltbekannte Ausrufe:
l’hitra’ot! lehitra’ot! = auf Wiedersehen!
l’chái! lechái!
= Prost! Prosit! Zum Wohl!
(wörtliich: Auf das Leben!)
Seit dem Altertum ist noch bis heute das Wort «ártsa» erhalten
geblieben, mit dem das Land Israel gemeint ist. Es erfüllt eine
ähnliche Funktion wie einst das Wort «Urbs» (Stadt) für die
Römer - deshalb auch der Ausdruck «Urbi et Orbi» (der Stadt
und dem Erdkreis), wenn der Papst vor dem Petersplatz eine
Rede hält - und das Wort «Polí» (grossgeschrieben) noch heute
für die Griechen, wenn sie Konstantinopel bzw. das heutige
Istanbul meinen. Kleingeschrieben bedeutet «polí» nur
irgendeine Stadt.
Wir gehen nach Israel.
Anáchnu holchim le’Jíssra’el.
Anáchnu holchim ártsa.
Anáchnu holchot ártsa. (nur Frauen)
mi-Jíssra’el aus Israel mi-Ruschaláim * aus Jerusalem
mi-Mitsráim aus Ägypten mi-Jarden aus Jordanien
159
* Auch hier wird wie bei «biRuschaláim» verkürzt, aber auch die
längere Variante «mi-Jeruschaláim» kann verwendet werden.
Wir kommen von Israel, von der schönen Stadt Haifa.
Anáchnu ba’im mi-Jíssra’el, mi-ha-ir ha-jafe Chéifa.
Anáchnu ba’ot … (nur Frauen und Mädchen)
Ich komme von Daliah, (von) der schönen Frau, die hier wohnt.
Aní ba mi-Dália, mi ha-ischa ha-jafa, ascher gar po (Mann).
Aní ba’at … (Frau oder Mädchen).
Ich lese aus einem guten Buch.
Aní lomed mi-sséfer tov (Mann).
Aní lomédet … (Frau oder Mädchen)
Wir lesen aus guten Büchern.
Anáchnu lomdim mi-ss’farim tovim.
Anáchnu lomdot … (nur Frauen und Mädchen).
In der hebräischen Schrift werden diese Präpositionen immer mit
dem nachfolgenden Wort zusammengeschrieben, als wären sie
ein einziges.
Die übrigen Präpositionen, die keinen Unterschied zwischen
unbestimmt und bestimmt kennen, solange sie nur mit einem
Substantiv oder einem Eigennamen verbunden werden, sind
diese:
160
auf
al
bei
étsel
bis
ad
drin, in betoch
fern
rachok
für
bischvil
hinter, acharéi *
nach
mit
im (mit Alef)
nahe
karov
neben al-jad
über
me’al (auch: al)
unter
táchat
unterhalb mitáchat
vor
lifnéi
wegen biglal
weit
rachok
wie
k’mo
zwischen ben
* Das Wort «acharéj» ist mit dem im vorherigen Kapitel
aufgeführten Wort für «nachher» identisch.
Wenn diese Präpositionen mit einem Personalpronomen
verbunden werden, verändern sich auch diese hinten zu den
161
entsprechenden genauen Ausdrücken. Das hat das Hebräische
nicht nur mit dem Arabischen, sondern auch mit dem Finnischen
und Ungarischen und sogar mit den keltischen Sprachen
gemeinsam; die letztgenannten sind wiederum die einzige
Sprachfamilie innerhalb des sogenannten indogermanischen
bzw. indeuropäischen Sprachraums, die diese Konstruktion
kennt.
Die Präpositionen, die ich hier aufführe, sind in alfabetischer
Reihenfolge diese:
auf, bei, für, gegen, in, mit, nach, neben, ohne, über, von, vor,
wie, zu
Obwohl es möglich ist, für «über» auch die Formen von «auf» zu
verwenden, führe ich sie hier getrennt auf:
auf = al bei = étsel für = bischvil
auf mir bei mir für mich
usw. usw. usw.
alái etsli bischvili
alécha (m.) etsl’cha (m.) bischvilcha (m.)
aláich (f.) etslech (f.) bischvilech (f.)
alav (m.) etslo (m.) bischvilo (m.)
aléiha (f.) etsla (f.) bischvila (f.)
aléinu etslénu bischvilénu
aléichem (m.) * etsl’chem (m.) bischvilchem (m.)
aléichen (f.) etsl’chen (f.) bischvilchen (f.)
aléihem (m.) etslam (m.) bischvilam (m.)
aléihen (f.) etslan (f.) bischvilan (f.)
162
gegen = néged in = b’ mit = im
gegen mich in mich/in mir mit mir
usw. usw. usw.
negdi bi imi (AH), iti (NH)
negd’cha (m.) b’cha (m.) imcha (m.), itcha (m.)
negdech (f.) bach (f.) imach (f.), itach (f.)
negdo (m.) bo (m.) imo (m.), ito (f.)
negda (f.) ba (f.) ima (f.), ita (f.)
negdénu bánu imánu, itánu
negd’chem (m.) bachem (m.) imchem (m.), itchem
negd’chen (f.) bachen (f.) imchen (m.), itchen
negdam (m.) bahem (m.) imam (m.), itam (m.)
negdan (f.) bahen (f.) iman (m.), itan (f.)
nach = acharéj neben = al-jad ohne = bli
nach mir neben mir ohne mich
usw. usw. usw.
acharái ** al-jadi bil’adái
acharéicha (m.) al-jadcha (m.) bil’adéicha (m.)
acharáich (f.) al-jadech (f.) bil’adáich (f.)
acharav (m.) al-jado (m.) bil’adav (m.)
acharéiha (f.) al-jada (f.) bil’adéiha (f.)
acharéinu al-jadénu bil’adéinu
acharéichem (m.) al-jadchem (m.) bil’adéichem (m.)
163
acharéichen (f.) al-jadchen (f.) bil’adéichen (f.)
acharéihem (m.) al-jadam (m.) bil’adéihem (m.)
acharéihen (f.) al-jadan (f.) bil’adéihen (f.)
von = min (mi-) *** zu = el
von mir
zu mir
usw.
usw.
miméni
elái
mimcha (m.) eléicha (m.)
mimech (f.) eláich (f.)
miménu (m.) elav (m.)
miména (f.) eléiha (f.)
miménu
eléinu
mikem (m.) aléichem (m.) *
miken (f.) aléichen (f.) *
méhem (m.) *** aléihem (m.) *
méhen (f.) ** aléihen (f.) *
Die personalisierten Präpositionen von «al» (auf) und «el» (zu)
sind in der zweiten und dritten Person Mehrzahl identisch.
Zu beachten sind auch die verschiedenen Lautverschiebungen,
zum Beispiel bei «bli» (ohne) und «étsel» (bei):
bli - bil’adái, bil’adéicha usw.
étsel - etsli, etsl’cha usw.
164
Zudem muss genau geschaut werden, ob die betonte Silbe im
Wortinneren ein «é» oder ein «éi» ist.
Es kann sicher helfen, auch zu wissen, welche Präpositionen mit
einem Alef und welche mit einem Ajin geschrieben werden.
Mit Alef: acharéi, el, étsel, imi/iti
Mit Ajin: al, al-jad
* Das Wort «aléichem», das oft auch «aléchem» ausgesprochen
wird, ist durch das Lied «Schalom aléichem» (Friede über euch)
weltbekannt geworden und entspricht dem ebenso bekannten
arabischen «Salam alaikum». Dieses wiederum darf angeblich
nur unter den Moslems so verwendet werden, aber ich habe
selber festgestellt, dass das bei denen viel lockerer gesehen
wird; schliesslich sind es auch für sie positive Worte. Das Wort
«aléchem», das in diesem Lied meistens so gesungen wird, ist
eigentlich eine verballhornte Form und deshalb nicht ganz
korrekt. Der arabische Ausdruck «Salam alaikum» ist auch eine
Erklärung dafür, dass viele Moslems in ihren Kommentaren oft
«Friede sei über ihm» miteinflechten, wenn sie von jemandem
schreiben, der für sie als heilig gilt.
** Dieses Wort kann auch «mir nach!» bedeuten und wurde vor
allem in der Armee immer wieder verwendet, so auch von den
meisten Offizieren, die in einem Krieg vorangingen und nicht so,
wie ich es bei militärischen Übungen selbst erlebt habe, ihre
Untergebenen vorschickten und von hinten zuschauten. Auch
das ist eine Erklärung dafür, warum in der israelischen Armee
auffallend viele Offiziere umkamen, vor allem viele
Kommandanten der Panzertruppen, die ihre Leute oft sogar mit
offenen Luken anführten und damit gut sichtbare Ziele waren.
*** Vor den Kehllauten, vor einem «h» sowie vor einem Alef und
165
Ajin wird die Kurzform «mi-« durch «me-« ersetzt:
miGermánia = von Deutschland
meHungária = von Ungarn
Auch das Wort «l’vad» (allein) wird auf diese Weise in allen
Personen verwendet. Allerdings kommt es in der
Umgangssprache oft auch allein vor, was grammatikalisch aber
nicht als korrekt gilt.
ich allein, du allein usw.
l’vadi
l’vadcha (m.)
l’vadech (f.)
l’vado
l’vada
l’vadénu
l’vadchem (m.)
l’vadchen (f.)
l’vadam (m.)
l’vadan (f.)
Ich gehe allein.
Ani holech l’vadi. (m.)
Ani holéchet l’vadi. (f.)
Wir reisen allein.
Anáchnu nos’im l’vadénu.
Anáchnud nos’ot l’vadénu
(nur Frauen oder Mädchen).
166
Die Zahlen
Bis jetzt war es insgesamt noch einfach, aber jetzt geht es zum
ersten Mal so richtig ans Eingemachte. Die hebräischen Zahlen
sind mit dem männlichen und weiblichen Geschlecht genauso
wie die im Arabischen und Aramäischen eines der
Markenzeichen der semitischen Sprachen und übertreffen sogar
die Schwierigkeiten in den slawischen Sprachen, wo es in allen
Zahlen eine voll entwickelte Deklination gibt, am krassesten im
Russischen und Polnischen.
In den semitischen Sprachen gibt es zwar keine solchen
Konjugationen, aber die Schwierigkeiten liegen auf einer
anderen Ebene. Wer Latein und Altgriechisch gelernt hat, weiss
sicher noch, dass im ersteren bis zur Zahl Drei und im letzteren
sogar bis zur Zahl Vier zwischen männlich und weiblich
unterschieden wird, und in fast allen romanischen Sprachen gilt
das immerhin noch bis zur Zahl Zwei. In den semitischen
Sprachen gibt es aber für fast alle Zahlen - mit Ausnahme der
grossen runden wie 100 oder 1'000 - sowohl eine männliche als
auch eine weibliche Variante, die aber zum Glück ebenfalls leicht
gelernt werden können.
Die Kardinalzahlen Die Ordinalzahlen
(Die Grundzahlen) (Die Ordnungszahlen)
0 éfess -
1 echad (m.) - achat (f.) rischon (m.) - rischona (f.)
2 sch’nájim - sch’tájim * scheni - sch’nija
(sch’náim - sch’táim)
3 sch’loscha schalosch * sch’lischi - sch’lischit
167
4 arba’a - arba r’vi’i - r’vi’it
5 chamischa - chamesch chamischi - chamischit
6 schischa - schesch schischi - schischit
7 schiv’a - schéva schvi’i - schvi’it
8 sch’móna - sch’móne sch’mini - sch’minit
9 tisch’a - téscha t’schi’i - t’schi’it
10 assara - ésser assiri - assirit
11 achád-assar - ha-achád-assar -
achát-essre
ha-achát-essre
12 sch’néim-assar - ha-sch’néim-assar -
sch’téim-essre
ha-sch’téim-essre
13 sch’loschá-assar, ha-sch’loschá-assar -
sch’lósch-essre
ha-sch’lósch-essre
14 arba’á-assar - ha-arba’á-assar -
arbá-essre
ha-arbá-essre
15 chamischá-assar - ha-chamischá-assar -
chamésch-essre
ha-chamésch-essre
16 schischá-assar - ha-schischá-assar -
schésch-essre
he-schésch-essre
17 schiv’á-assar - ha-schiv’á-assar -
sch’vá-essre
ha-sch’vá-essre
18 sch’móna-assar - ha-sch’móna-assar -
sch’móne-essre
ha-sch’móne-essre
19 tisch’á-assar - ha-tisch’á-assar -
168
t’schá-essre ha-t’schá-essre
20 essrim ha-essrim
21 essrim v’echad - ha-essrim v’echad -
essrim v’achat
ha-essrim v’achat
22 essrim uschnájim - ha-essrim uschnájim -
essrim uschtájim
ha-essrim uschtájim
23 essrim uschloscha - ha-essrim uschloscha -
essrim v’schalosch ha-essrim v’schalosch
24 essrim v’arba’a - ha-essrim v’arba’a -
essrim v’arba
ha-essrim v’arba
25 essrim vachamischa - ha-essrim vachamischa -
essrim v’chamesch ha-essrim v’chamesch
26 essrim v’schischa - ha-essrim v’schischa -
essrim vaschesch
ha-essrim vaschesch
27 essrim v’schiv’a - ha-essrim v’schiv’a -
essrim vaschéva
ha-essrim vaschéva
28 essrim usch’móna - ha-essrim usch’móna -
essrim usch’móne
ha-essrim usch’móne
29 essrim v’tisch’a - ha-essrim v’tisch’a -
essrim vatéscha
ha-essrim vatéscha
30 sch’loschim ha-sch’loschim
31 sch’loschim v’echad - ha-sch’loschim v’echad -
sch’loschim v’achat ha-sch’loschim v’achat
32 sch’loschim usch’nájim - ha-sch’loschim usch’nájim -
169
sch’loschim usch’tájim ha-sch’loschim usch’tájim
40 arba’im ha-arba’im
50 chamischim ha-chamischim
60 schischim ha-schlischim
70 schiv’im ha-schiv’im
80 sch’monim ha-sch’monim
90 tisch’im ha-tisch’im
100 mé’a ha-mé’a
101 mé’a v’echad - ha-mé’a v’echad -
mé’a v’achat
ha-mé’a v’achat
102 mé’a usch’nájim - ha-mé’a usch’nájim -
mé’a usch’tájim
ha-mé’a usch’tájim
110 mé’a v’assara - ha-mé’a v’assara -
mé’a v’ésser
ha-mé’a v’ésser
111 mé’a v’achád-assar - ha-mé’a v’achád-assar -
mé’a v’achát-essre ha-mé’a v’achát-essre
112 mé’a v’sch’néim-assar - ha-mé’a v’sch’néim-assar -
mé’a v’sch’téim-essre ha-mé’a v’sch’téim-essre
200 matájim (matáim) ha-matájim (ha-matáim)
201 matájim v’echad - ha-matájim v’echad -
matájim v’achat
ha-matájim v’achat
202 matájim usch’nájim - ha-matájim usch’nájim -
matájim usch’tájim ha-matájim usch’tájim
usw.
usw.
170
300 sch’losch mé’ot ha-sch’losch mé’ot
400 arba mé’ot ha-arba mé’ot
500 chamesch mé’ot ha-chamesch mé’ot
600 schesch mé’ot ha-schesch mé’ot
700 sch’va mé’ot ha-sch’va mé’ot
800 sch’móne mé’ot ha-sch’móne mé’ot
900 t’scha mé’ot ha-t’scha mé’ot
1'000 élef ha-élef
2'000 alpájim (alpáim) ha-alpájim (he-alpáim)
3'000 sch’loschet alafim ha-sch’loschet alafim
4'000 arba’at alafim ha-arba’at alafim
5'000 chaméschet alafim ha-chaméschet alafim
6'000 schéschet alafim ha-schéschet alafim
7'000 schiv’at alafim ha-schiv’at alafim
8'000 schmonat alafim ha-schmonat alafim
9'000 tisch’at alafim ha-tisch’at alafim
10'000 asséret alafim ha-asséret alafim
11'000 achád-assar élef - ha-achád-assar élef -
achát-essre élef
ha-achát-essre élef
100'000 mé’a élef ha-mé’a élef
200'000 matájim élef ha-matájim élef
1 Million miljon ha-biljon
2 Millionen sch’néj miljonim ha-sch’néj miljonim
1 Milliarde miljard ha-miljard
171
2 Milliarden schn’néi miljardim ha-sch’néi miljardim
1 Billion biljon ha-biljon
2 Billionen sch’néi biljonim ha-sch’néi biljonim
1 Trillion triljon ha-triljon
2 Trillionen sch’néj triljonim ha-sch’néj triljonim
Von der Zahl 11'000 an aufwärts werden die Tausenderzahlen
nicht mit «alafim», sondern mit «élef» gezählt.
Bei «alafim» taucht in Verbindung mit anderen Wörtern wieder
der Status constructus auf:
alafim
alféi tajarim
Tausende
Tausende von Touristen
Das gilt aber nicht für das Wort «mé’ot»:
mé’ot
Hunderte
mé’ot tajarim Hunderte von Touristen
Bemerkenswert ist die männlich-weibliche Kombination der
Zahlen von 3'000 bis 10'000.
* Hier verwende ich den Apostroph nur deshalb, damit bei «sch»
genau gesehen werden kann, wie die Zahlen geschrieben
werden - mit zwei Punkten unter dem betreffenden Konsonanten
-, und dass es wichtig ist, die ständigen Wechsel von einer Zahl
mit einem Apostroph zu einer anderen ohne einen solchen
einzuprägen. Auf die Aussprache wirkt sich das nicht aus:
172
sch’náim = schnáim
sch’loscha = schloscha
sch’táim = schtáim
t’scha mé’ot = tscha mé’ot
Bei der Zahl 2 stehen die Substantive, die sich auf sie beziehen,
wie oben gesehen im Status constructus:
zwei Männer
sch’nei anaschim
zwei Frauen
sch’tei naschim
Da die weiblichen Zahlen kürzer als die männlichen sind,
verwendet man bei einer Aufzählung fast immer nur diese:
achat, schtáim, schalosch, arba, chamesch, schesch, schéva,
schmóne, téscha, ésser
Auch aus diesem Grund gibt es bei den Hunderter- und
Tausenderzahlen von 300 an aufwärts nur noch die weibliche
Variante, die zum Teil noch verkürzt wird:
schalosch sch’losch mé’ot sch’losch alafim
arba arba mé’ot arba alafim
chamesch chamesch mé’ot chamesch alafim
schesch schesch mé’ot schesch alafim
schéva sch’va mé’ot sch’va alafim
sch’móne sch’móne mé’ot sch’móne alafim
téscha t’scha mé’ot t’scha alafim
Bei den Zehner- und Einerzahlen wird dagegen immer zwischen
173
den beiden Geschlechtern unterschieden, wie die obigen
Beispiele zeigen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Sprachen sind die
Ordnungszahlen nicht viel schwerer als die Grundzahlen zu
bilden, weil bei den weiblichen Varianten von 3 bis 9 einfach ein
«t» an die männlichen gehängt wird und zudem von der Zahl 11
an aufwärts einfach die bestimmten Artikel «ha» und «he»
vorangestellt werden - das letztere wie oben gesehen vor allem
im mündlichen Gebrauch dann, wenn direkt darauf ein «a» folgt.
Die Wörter für «der/die erste» und «der/die zweite» gehören zu
den beiden einzigen Ausnahmen.
Gemeinsam ist allen Ordnungszahlen, dass auch bei ihnen
genau darauf geachtet werden muss, wann ein bestimmter
Artikel notwendig ist und wann nicht:
erster Tag
jom rischon
der erste Tag
ha-jom ha-rischon
zweiter Tag
jom scheni
der zweite Tag
ha-jom ha-scheni
erste Tage
jamim rischonim
die ersten Tage
ha-jamim ha-rischonim
Im biblischen Schöpfungsbericht steht «jom rischon» usw.;
folglich sind die Übersetzungen, die «der erste Tag» usw.
anstelle von «erster Tag» usw. lauten, streng genommen falsch.
174
In Verbindung mit einem Possessivpronomen kann auch die
biblische Variante verwendet werden, ja, sie ist sogar besser,
weil viel kürzer:
mein erster Brief = michtavi ha-rischon,
ha-michtav ha-rischon scheli
Bei «sséfer» Buch verändern sich die Buchstaben im
Wortinneren ein wenig:
mein erstes Buch = ssifri ha-rischon,
ha-sséfer ha-rischon scheli
meine ersten Bücher = ssifréi ha-rischonim,
ha-ssifrim ha-rischonim scheli
Auch hier kommt in der Mehrzahl wieder der Status constructus
zum Zug.
Ich schreibe mein erstes Buch.
AH: Katávti et ssifri et-rischon.
Echtov et ssifri et-rischon.
NH: Ani kotév/kotévet et ha-sséfer ha-rischon scheli.
Ich schreibe meine ersten Bücher.
AH: Katávti et ssifrái et-rischonim.
Echtov et ssifrái et-rischonim.
NH: Ani kotev/kotévet et ha-sifrim ha-rischonim scheli.
175
Addiert und subtrahiert wird auf diese Weise:
3 + 4 = 7 schalosch ve’arba noten (gibt) schéva
7 - 3 = 4 schéva pachot (weniger) schalosch noten arba
Es wird zwar mit den kürzeren weiblichen Varianten gerechnet,
aber das Verb steht auch hier in der männlichen Form.
Auf das Vervielfältigen und Dividieren verzichte ich, weil diese
Formen viel komplizierter zu bilden sind als in den meisten
anderen Sprachen und auch mit dem zusammenhängen, was ich
ganz unten in einem eigenen Kapitel unter dem Titel «Das
hebräische Denken» behandle.
Bei einer Mengenangabe werden «wenig» und «viel» sowie «die
meisten» so verwendet:
Ich habe nur wenig Geld, doch er hat viel (Geld).
Jesch li rak k’sat késsef, aval jesch lo harbe (késsef).
Hier gibt es nur wenige Kinder, aber dort gibt es viele.
Po jesch rak k’saf jeladim, aval scham jesch harbe.
Die meisten Frauen lieben Kinder.
Rov ha-naschim ohvot et-jeladim.
Aber: Die meisten lieben Kinder.
Ha-rov ohvim et-jeladim.
(ohvim = alle gemeint)
176
Während «k’sat» und «harbe» sowohl in der Einzahl als auch in
der Mehrzahl unverändert bleiben, muss vor dem Wort «rov»,
das eigentlich «Mehrheit» bedeutet, immer der bestimmte Artikel
stehen, wenn das nachfolgende Substantiv unbestimmt ist.
Wenn nach dem Alter einer Person gefragt wird, kommt immer
noch ein Ausdruck zum Zug, der seit dem Altertum erhalten
geblieben ist:
Wie alt bist du? Wie alt sind Sie?
Ben káma ata? Bat káma at?
Ich bin dreissigjährig. - Ani ben essrim, ani bat essrim.
Wie alt seid ihr? Wie alt sind Sie?
Banim káma atem? Banot káma aten?
Wir sind dreissigjährig. - Anáchnu banim essrim,
anáchnu banot essrim.
Die Bruchzahlen
Hälfte chatsi, chétsi, machatsit *
Drittel
sch’lisch
zwei Drittel schn’néi sch’lischim
Viertel
réva
zwei Viertel sch’néi r’va’im
drei Viertel sch’loscha r’va’im, schlóschet riv’éj
Fünftel
chamischia
177
vier Fünftel
Zehntel
Hundertstel
Tausendstel
arba chamischiot
assirit
méjit
alpit
Dutzend
halbes Dutzend
zehn Dutzend
Zehner
ein Paar
tressar, trejssar
chatsi tressar, chatsi trejssar
ésser tressar, ésser trejssar
assirija
sug
Die Uhrzeit
Hier ist es erstaunlich einfach. Wie in vielen anderen Sprachen
drehrt sich die Uhrzeit um eine erste und eine zweite Hälfte.
Wie spät ist es?
Ma ha’scha’a?
Es ist zwei Uhr.
Ha-scha’a schtáim.
Es ist zehn Minuten nach zwei.
Es ist Viertel nach zwei.
Ha-scha’a schtáim ve’ésser dakot. Ha-scha’a schtáim varéva.
Es ist zwanzig nach zwei.
Ha-scha’a schtáim ve’essrim.
Es ist halb drei.
Ha-scha’a schtáim vechétsi.
Und jetzt kommt der Wechsel nach dreissig Minuten:
178
Es ist zwanzig vor drei.
Ha-scha’a essrim l’schalosch.
Es ist Viertel vor drei.
Ha-scha’a réva l’schalosch.
Es ist zehn vor drei.
Ha-scha’a ésser l’schalosch.
Es ist genau drei Uhr.
Ha-scha’a schalosch
b’dijuk.
Hier kommen die weiblichen Varianten zum Zug, weil die Zahlen
sich auf das weibliche Wort «scha’a» beziehen.
Die Wörter «chatsi» und «chétsi», die beide «halb» bedeuten,
werden verschieden verwendet:
«Chatsi» steht vor einer Zeit- oder Mengenangabe:
eine halbe Stunde
ein halber Schekel
chatsi scha’a
chatsi schékel
Dagegen steht «chétsi» nach einer Zeit- oder Mengenangabe:
Es ist halb sechs. Ha-scha’a chamesch vachétsi.
eineinhalb Schekel schékel vachétsi
halb und halb chétsi-chétsi
Wie hier gesehen werden kann, unterscheidet «chatsi» nicht
zwischen einem männlichen und weiblichen Wort.
Die Mehrzahl von Schekel lautet «sch’kalim», folglich im Status
constructus «sch’kaléi».
179
Vor «réva» (ein Viertel) und «chétsi» steht für «und» anstelle von
«ve» das deutlicher zu hörende «va»:
Es ist Viertel nach drei.
Es ist halb vier.
Ha-scha’a schalosch varéva.
Ha-scha’a schalosch vachétsi.
Noch ein paar Zeitausdrücke:
um zehn Uhr morgens b’scha’a ésser ba-bóker
um zwölf Uhr mittags b’scha’a schtéim-essré
ba-tsóhoraim
um drei Uhr nachmittags b’scha’a schalosch
acharéi-hatsóhoraim
um acht Uhr abends b’scha’a schmóne ba-érev
um zwölf Uhr nachts b’scha’a schtéim-essré ba-láila
um Mitternacht
b’chtsot
In diesem Kapitel schreibe ich «schtáim» usw. so, wie sie
tatsächlich ausgesprochen werden, erst recht bei einem
schnellen Wortwechsel.
Es ist also nicht so schwer wie im humoristischen Büchlein
«Drehn Sie sich um, Frau Lot!» von Ephraim Kischon, in dem in
einem Kapitel dieser Satz steht: Schon nach drei oder vier
Jahren ist ein Neueinwanderer in der Lage, jemanden zu fragen:
«Bitte sagen Sie mir, wie spät es ist, aber womöglich auf
Englisch!» Immerhin ist Hebräisch nach seinen natürlich nicht
ganz ernst gemeinten Worten fast so leicht wie Chinesisch und
zudem die einzige Muttersprache, welche die Mütter von ihren
Kindern lernen.
180
Die Wochentage
Sonntag jom rischon jom álef
Montag jom scheni jom bet
Dienstag jom schlischi jom gímel
Mittwoch jom revi’i jom dálet
Donnerstag jom chamischi jom hej
Freitag jom schischi jom waw
Samstag schabat, jom schabat
am Sonntag ba-jom rischon b’jom álef
am Montag ba-jom scheni b’jom bet
usw. usw. usw.
Wie es schon die Zahlen hinter «jom» anzeigen, gilt auch im
Hebräischen der Sonntag genauso wie in vielen anderen
Sprachen als der erste Wochentag.
Die zweite Variante rechts, die sich nach dem hebräischen
Alphabet richtet, wird vor allem in der Amts- und
Verkehrssprache verwendet.
Die Monatsnamen
Auch hier gibt es zwei Varianten: Links stehen die weltweit
bekannten, die auch in Israel im internationalen Verkehr
verwendet werden, und rechts die religiösen, die von Babylon
181
stammen und vor allem unter den Ultraorthodoxen in Gebrauch
sind:
januar
februar
mars
april
maj
júni
júli
avgust
septémber
október
novémber
detsémber
Tischre (September - Oktober)
Cheschvan (Oktober - November)
Kisslev (November - Dezember)
Tevet (Dezember - Januar)
Sch’vat (Januar - Februar)
Adar (Februar - März)
Nissan (März - April)
Ijar (April - Mai)
Ssivan (Mai - Juni)
Tamus (Juni - Juli)
Av (Juli - August)
Elul (August - September)
Der erste Monat ist in der jüdischen Religion also der
Übergangsmonat September-Oktober - wie das auch bei den
Römern war, bis Julius Cäsar den Kalender so umstülpte, dass
dann der März der erste Monat des Jahres wurde, während die
Monate September, Oktober, November und Dezember dann als
der siebte, achte, neunte und zehnte des Jahres galten (deshalb
auch diese Namen im Latein).
Gerade deshalb, weil der Tischre auf unseren September und
Oktober fällt, wird der jüdische Neujahrstag, der «Rosch Ha-
Schana» genannt wird, immer in unserem Herbst gefeiert.
182
Das Datum
Welcher Tag ist heute?
Welches Datum ist heute?
Heute ist der 22. Oktober
des Jahres 2023.
Heute ist der zehnte Tag
des Nissan.
Eise jom ha-jom?
Ma ha-jom?
Káma ha-jom ba-chódesch?
Ha-jom essrim uschnáim
b’október schnat alpáim essrim
uschloscha.
Ha-jom tischa b’nissan.
Beim Datum werden die männlichen Zahlen verwendet, weil sie
sich auf das männliche Wort «jom» (Tag) beziehen.
Die wichtigsten jüdischen Feiertage
Chanúkka
Jom Ha-Atsma’ut
Chanukka bzw. Fest der Lichter
(Achttägiges Fest zur Erinnerung an die
Einweihung des zweiten Tempels im
Jahr 164 v. Chr., beginnt immer am 25.
des Monats Kislev)
Unabhängigkeitstag
(am 14. Mai bzw. 4. Ijar)
183
Jom Ha-Sikkaron
Jom Ha-Schóa
ve Ha-G’vura
Jom Kippur
Lag ba-ómer
Péssach
Purim
Rosch Ha-Schana
Schavu’ot
Tischa B’av
Gedenktag für die Gefallenen
(am 15. Mai bzw. 5. Ijar)
Schoa-Gedenktag bzw.
Holocaust-Gedenktag, aber auch
Gedenktag für die Widerstandskämpfer
Versöhnungstag
Pfingsten (aber mit anderer Bedeutung,
ist immer der 33. Tag zwischen Ostern
und Erntefest)
Ostern (aber ohne Jesus Christus)
Purim
Neujahr
Erntefest
neunter Tag im Monat Aw
(Juli/August)
Da auch die Israeliten ihren Kalender genauso wie später die
Moslems nach der Umlaufzeit des Mondes um die Erde und nicht
nach der Umlaufzeit der Erde um die Sonne richeten,
verschieben sich die religiösen Feiertage jedes Jahr ein wenig.
Der Unabhängigkeitstag und der Gedenktag für die Gefallenen
sind jedoch immer am 14. Und 15. Mai.
Der Sabbat, der vom Sonnenuntergang des Freitags bis zum
Sonnenuntergang des Samstags dauert, ist auch für die
Nichtreligiösen immer ein Feiertag. Der meistverwendete
Ausdruck, mit dem man sich gegenseitig einen guten Sabbat
wünscht, lautet «Schabat schalom!»
184
Die Religionen
Gott
El, Eloa, Elohim, El-Schadái
(und mehr als zwanzig weitere Wörter)
Religion
dat (f.)
religiös
dati, datit
ultrareligiös
charedi, charedit
Messias
maschíach
Prophet
navi
Prophetin
n’vija
Jude
jehúdi
Jüdin
jehudija
Rabbiner
rab, rav
Synagoge
béit k’nésset
Kippa
kipa (Pl. kipot)
Gebetsriemen t’filin
Morgengebet schacharit
Mittagsgebet min’cha
Abendgebet ma’ariv
Tempel
béit mik’dasch
Klagemauer kotel ha-ma’aravi (Westmauer)
Frauenabteilung esrat naschim
(in den Synagogen und an der Klagemauer)
Altes Testament tanach (thora, k’tuvim, n’vi’im)
185
Neues Testament
Psalm
Jesus
Jesus Christus
Erlöser, Retter
Evangelium
Christ
Christin
Apostel
Apostelgeschichte
Priester
Priesterin
Pfarrer
Pfarrerin
Altar
Kirche
Grabeskirche
Moslem
Muslimin
Islam
islamisch
Imam
Moschee
Schrein
b’rit ha-chadascha
mis’mor
Jéschu, Jeschúa
Jéschu Christos, Jeschúa Christos
moschía
b’sora (ha-chadascha)
notsri
notsrija, ischa notsrit
sch’lich
ma’aséi ha-sch’lichim
kohen, komer
kohénet
komer
koméret
mis’béiach
k’nessija
k’nessijat ha-kéver
muslemi
muslemija, ischa muslemit
islam
islami, islamit
imam
miss’gad
mik’dasch
186
Felsendom
miss’gad hasséla
Al-Aksa-Moschee miss’gad el-Aksa
Natürlich gibt es noch viel mehr Wörter, die den Bereich Religion
umfassen - allein in der jüdischen Religion noch mehrere
Dutzend andere. Da der Zweck dieses Buches in erster Linie
darin besteht, die Denkweise und die Strukturen des
Hebräischen zu vermitteln, führe ich hier nur die wichtigsten und
häufigsten auf und verzichte auf lange Listen von Wörtern, die
anderswo leicht gefunden werden können.
Jesus Christus ist der Sohn Gottes und der Erlöser der Welt.
AH: Jeschúa hu Ben Elohim ve Moschía ha-olam.
NH: Jeschúa ha-Ben (schel) Elohim ve ha-Moschía schel haolam.
Für die Moslems ist Mohammed der Prophet Gottes.
Li-muslemim Mohámmed navi Elohim.
Die Zeiteinheiten
halbe Sekunde
Sekunde
Sekunden
zwei Sekunden
halbe Minute
chatsi sch’nija
sch’nija
sch’nijot
sch’niáim
chatsi daka
187
Minute
Minuten
zwei Minuten
halbe Stunde
Stunde
Stunden
zwei Stunden
halber Tag
Tag
Tage
zwei Tage
halbe Woche
Woche
Wochen
zwei Wochen
halber Monat
Monat
Monate
zwei Monate
halbes Jahr
Jahr
Jahre
zwei Jahre
Jahrhundert
daka
dakot
dakáim
chatsi scha’a
scha’a
scha’ot
sch’atájim («sche’atáim»)
chatsi jom
jom
jamim
jomáim
chatsi schavú’a
schavú’a (m.)
schvú’ot
schvu’áim
chatsi chódesch
chódesch
chodaschim
chodascháim
chatsi schana
schana
schanim, schanot, schnot
schanáim
mé’a schanim
188
Morgen
Nachmittag
Abend
Nacht
guten Tag!
guten Morgen!
guten Abend!
gute Nacht!
bóker
tsóhoraim
érev
láila (m.)
bóker tov!
érev tov!
láila tov!
Anstelle dieser Ausdrücke kann das weltbekannte Wort
«schalom» als Universalgruss und auch Universalabschiedswort
sogar nachts immer verwendet werden.
heute
morgen
übermorgen
gestern
vorgestern
Zeitausdrücke
ha-jom
machar
mochorotáim
etmol
schilschom
diese Woche
nächste Woche
letzte Woche
ha-schavúa
ba-schavúa ha-ba
ba-schavúa sche’avar
diesen Monat
ha-chódesch
189
nächsten Monat
letzten Monat
ba-chódesch ha-ba
ba-chódesch sche’avar
dieses Jahr
nächstes Jahr
letztes Jahr
ha-schana
ha-schana ha-ba’a
ha-schana sche’avra (avra = weiblich)
vor einigen Sekunden
vor einigen Minuten
vor einigen Stunden
vor einigen Tagen
vor einigen Wochen
vor einigen Monaten
vor einigen Jahren
lifnéi schn’nijot acharot
lifnéi dakot acharot
lifnéi scha’ot acharot
lifnéi jamim achadim
lifnéi schavu’ot achadim
lifnéi chodaschim achadim
lifnéi schanot achadot
Zeitadverbien
bald
früh
jetzt
(bis jetzt
manchmal
nachher
niemals
od me’at
mukdam
achschav
ad achschav)
lif’amim - le’itim, lifrakim
acharéi
af pa’am - me’odi, le’olam lo, me’olam lo
190
oft
spät
vorher
zuerst
zuletzt
t’kufot - le’itim krovot
me’uchar
lifnéi
kódem
acharon
Die Varianten vor dem Querstrich kommen häufiger vor und sind
deshalb mehr zu empfehlen.
Die Jahreszeiten
Jahreszeit ona (Pl. onot)
Frühling aviv * im Frühling ba-aviv
Sommer kájits im Sommer ba-kájits
Herbst stav im Herbst ba-stav
Winter chórev im Winter ba-chórev
Von diesem Wort stammt bekanntlich der Name der heutigen
Stadt Tel Aviv ab: Hügel des Frühlings oder Frühlingshügel.
Die Himmelsrichtungen
Norden tsafon im Norden ba-tsafon
Osten mitsrach im Osten ba-mitsrach
Süden darom im Süden ba-darom
Westen ma’arav im Westen ba-ma’arav
191
Länder, Regionen, Nationalitäten und Sprachen
Da die meisten geografischen Namen im Hebräischen mit denen
im Deutschen fast identisch sind, verzichte ich in diesem Buch
auf lange Wörterlisten, wie ich sie in den meisten anderen
Sprachlehrbüchern geschrieben habe. Wer wissen will, wie das
eine oder andere Wort aussieht, kann im Google unter
«Armenian Lexilogos» nachschauen, wo über das Kreuz hinweg
in fast 200 Sprachen alles Mögliche gefunden werden kann.
Leider werden die meisten hebräischen Wörter ohne
Vokalzeichen aufgeführt, aber wenn es wirklich nicht anders
geht, können auch die englischen Namen verwendet werden, die
in ganz Israel natürlich ebenfalls verstanden werden.
Wichtig zu wissen ist jedoch, dass der männlichen Endung «-i»
immer die weibliche «-it» entspricht:
ein Israeli jissra’eli eine Israelin jissra’elija,
ischa
jissraelit
ein Jude jehúdi eine Jüdin jehudija,
ischa
jehúdit
ein Hebräer ivri eine Hebräerin ivrija,
ischa
ivrit
ein Aramäer arami eine Aramäerin aramija,
ischa
aramit
192
ein Araber aravi eine Araberin aravija,
ischa
aravit
ein Druse drusi eine Drusin drusija,
ischa
drusit
ein Ägypter mitsri eine Ägypterin mitsrija,
ischa
mitsrit
ein Deutscher germani eine Deutsche germanija,
ischa
germanit
ein Engländer angli eine Engländerin anglija,
ischa
anglit
ein Franzose tsarfi eine Französin tsarfija,
ischa
tsarfit
ein Amerikaner amerikani eine Amerikanerin amerikanija,
ischa
amerikanit
ein Russe russi eine Russin russija,
ischa
russit
193
Da die vordere weibliche Variante, die ich auch schon so gelesen
habe, mit den Ländernamen akustisch fast identisch ist
(Germánia - germanija, Rússia - russija), ist die Umschreibung
mit «ischa + Endung -it» mehr zu empfehlen, um allfällige
Missverständnisse zu vermeiden, und tatsächlich wird sie auch
viel mehr verwendet.
Die männliche Variante «isch + Endung -i» ist eigentlich auch
korrekt, aber sie kommt viel weniger vor:
jissraeli, isch jissraeli = ein Israeli, ein israelischer Mann
aravi, isch aravi
usw.
= ein Araber, ein arabischer Mann
Die Mehrzahlwörter sind regelmässig und deshalb leichter zu
bilden:
die Israelis
die Israelinnen
die Juden
die Jüdinnen
die Hebräer
die Hebräerinnen
die Aramäer
die Aramäerinnen
die Araber
die Araberinnen
die Drusen
die Drusinnen
ha-jissra’elim
ha-jissra’eliot
ha-jehúdim
ha-jehudiot
ha-ivrim
ha-ivriot
ha-aramim
ha-aramiot
ha-aravim
ha-araviot
ha-drusim
ha-drusiot
194
die Ägypter
die Ägypterinnen
die Deutschen
die Engländer
die Engländerinnen
die Franzosen
die Französinnen
die Amerikaner
die Amerikanerinnen
die Russen
die Russinnen
ha-mitsrim
ha-mitsriot
ha-germanim (m.),
ha-germaniot (f.)
ha-anglim
ha-angliot
ha-tsarfim
ha-tsarfiot
ha-amerikanim
ha-amerikaniot
ha-russim
ha-russiot
Die männlichen Wörter können wie oben gesehen auch wie
Adjektive verwendet werden. Das bekannteste Beispiel kommt in
der israelischen Nationalhymne vor, wo schon im ersten Satz
«néfesch jehúdi» (jüdische Seele) steht. Im Arabischen, das
bekanntlich viele ähnliche Wörter hat, lautet es «nafs yahûdi».
Bei den weiblichen Wörtern enden die Adjektive aber auf «-it»,
diese Endung ersetzt also «-ija»:
Diese Frau ist eine Jüdin.
Diese Frau ist jüdisch.
Ha-ischa ha-sot jehudija.
Ha-ischa ha-sot jehúdit.
Am Schluss führe ich noch ein paar Wörter auf, die sich nicht
direkt vom Deutschen ableiten lassen:
England
Anglia («A» betont)
195
Frankreich
Vereinigte Staaten
(USA)
Russland
Alpen
Mittelmeer
See Genezareth
Totes Meer
Rotes Meer
Tsarfat
Artsot habrit
(«A» betont)
Rússia
Alpim
Jam hatichon
Jam Kinnéret
Jam hamélach
Jam Suf
Galiläa ha-Galil (mit dem Artikel!) *
Samaria
Schomron
Galiläer
galili (Pl. galilim)
Galiläerin
galilija (Pl. galiliot)
Samariter
schomri (Pl. schomrim)
Samariterin
schomrija (Pl. schomriot)
Judäa
Jehúda
Haifa
Chéifa
Jaffa
Jaffo
Nazareth
Nátsaret
Tiberias
T’vérija
(mein Lieblingsort in Israel)
Dementsprechend werden diese Sätze so ausgedrückt:
196
Wir wohnen in Galiäa.
Anáchnu garim ba-Galil.
Wir gehen nach Galiläa.
Anáchnu holchim la-Galil.
Dagegen:
Wir wohnen in Samarien.
Anáchnu garim b’Schomron.
Wir gehen nach Samarien.
Anáchnu holchim l’Schomron.
Wir wohnen in Judäa.
Anáchnu garim b’Jehúda.
Wir gehen nach Judäa.
Anáchnu holchim l’Jehúda.
Der Ausdruck «Jehúda uSchomron» (Judäa und Samaria), der
vor allem von den Ultraorthodoxen für das bis 1967 jordanische
Westjordanland bzw. für die sogenannte Westbank verwendet
wird, ist als Begriff in die Geschichte eingegangen. Dabei wurde
Samarien, von dem im Neuen Testament viel die Rede ist, schon
vor 2'000 Jahren von fast keinem Juden mehr besiedelt. Da die
Samariter, die heute mehr Samaritaner genannt werden, noch
heute nur die fünf Bücher Mose als göttlich inspiriert anerkennen
und sich seit der Verschleppung der Israeliten nach Assyrien
(Nordreich) und Babylon (Südreich) zudem mit anderen Völkern
vermischten, wurden sie von den Juden verachtet, aber die
Abneigung war gegenseitig. Die Feindschaft war sogar so
ausgepägt, dass fast alle Juden, die von Jerusalem nach Galiläa
oder umgekehrt reisten, lieber den langen Umweg in der Nähe
des Mittelmeers oder entlang des Jordans auf sich nahmen, als
eine Reise durch das hügelige Samarien zu riskieren, das zudem
als gefährlich galt. Dass Jesus seinerzeit dennoch durchreiste,
lag nicht nur daran, dass er auch den Leuten im betreffenden
Dorf die frohe Botschaft verkünden wollte, sondern auch an der
gefährlichen Lage, nachdem die Pharisäer gehört hatten, dass
197
er noch mehr Leute taufte und zu Jüngern machte als Johannes
der Täufer. So hielt er es im Interesse derer, die ihm nachfolgten,
zu ihrer Sicherheit für besser, direkt durch Samarien zu reisen,
und dabei spielte sicher auch mit, dass es auf den Umwegen in
der Nähe des Mittelmeers und entlang des Jordans immer mehr
römische Truppen gab als auf den weniger zugänglichen Hügeln
Judäas und Samarias.
Es war sicher kein Zufall, dass Jesus im Gleichnis vom guten
Samariter ausgerechnet einen Mann, der von diesem
verachteten Volk stammte, in den Vordergrund stellte, weil er
auch damit ausdrückte, dass die Samariter als Menschen nicht
schlechter waren als die Juden. Die ganze Geschichte zuvor
hatte das deutlich genug gezeigt; als Jesus auftrat, hatte er mit
den gleichen Problemen zu kämpfen, welche den ersten
Reformatoren mehr als 1'000 Jahre später ebenfalls zusetzten:
Ein Glaube, der nur noch auf alten Traditionen fusste, aber keine
innere Kraft mehr hatte. Was vor 2'000 Jahren ein Tieropfer war,
ohne dass wirklich geglaubt wurde, waren in späteren Zeiten die
kirchlichen Rituale im Ablasshandel und im Schlucken von
Hostien, mit dem man sich sein Seelenheil ebenfalls erwerben
konnte, wie das jahrhundertelang geglaubt und von oben
befohlen wurde. Dazu passt, dass im oben erwähnten Gleichnis
nicht zwei einfache Menschen am Verwundeten gleichgültig
vorbeigingen, sondern ein Priester und ein Levit, also zwei, die
aufgrund ihrer Bildung eigentlich hätten wissen müssen, dass in
ihrem heiligen Buch auch viel von Barmherzigkeit die Rede war.
Die Samariter bzw. Samaritaner sind nie ganz ausgestorben,
aber sie zählen heute nur noch knapp 1'000 Köpfe und sind
zudem in zwei Gruppen aufgespalten. Während die einen, die in
der Nähe von Tel Aviv wohnen, hebräischsprachig sind, leben
die anderen, die Arabisch sprechen, in der Nähe von Nablus.
Beide Gruppen haben gemeinsam, dass sie immer noch die
Tieropfer nach den Gesetzen praktizieren, die im dritten Buch
198
Mose niedergeschrieben sind, und dass der Berg Garizim, der
mit etwa 800 Metern fast so hoch ist wie Jerusalem, immer noch
ihr eigentliches Pilgerzentrum ist, wie das im Neuen Testament
im Johannes-Evangelium steht, als Jesus der Samariterin
begegnet.
Lockere Slang-Ausdrücke
Offiziell gelten sie zwar nicht als solche, aber ich bezeichne sie
hier so, weil sie viel gehört werden können. Das Jiddische, die
bekannte Mischung aus Deutsch und Hebräisch, die vor allem in
Osteuropa jahrhundertelang gesprochen und von vielen
Einwanderern schon vor der Gründung des Staates ins Land
gebracht wurde, prägt Israel heute nicht mehr so stark wie früher,
aber es haben sich immer noch viele Ausdrücke bis heute
gehalten:
broch
freier
mami
pecklech
schlepp
schluck
schmock
schwanz
sisse
etwas, das schiefgeht
jemand, der sich immer ausnützen lässt
keine Mutti, sondern ein Schätzchen
Rucksack beim Trampen
prall gefüllter Rucksack
ein Schluck (z. B. Wasser), wie es der Name sagt
jemand, der einem auf die Nerven geht
das Gleiche wie «schmock»
ähnlich wie «mami», aber noch intensiver
Dazu kommt noch das saloppe «lehít!» für das viel längere
«lehítra’ot» für «auf Wiedersehen!». Es nimmt eine ähnliche
199
Stellung ein wie die heute weltweit verwendeten «bye!» und «see
you!» oder wie das deutsche «man sieht sich». Auch das vom
Italienischen stammende «tschau!» hat sich wie «bye!» recht gut
eingebürgert, ja, sogar das weltbekannte «schalom!» kann nicht
nur bei einer Begrüssung, sondern auch bei einem Abschied
verwendet werden, wenn es nicht anders geht auch nachts.
Biblische Namen
Hier folgt noch eine Liste mit den bekanntesten biblischen
Namen, allerdings nur solche, die vom Deutschen deutlich
abweichen:
Männer:
Frauen:
Aaron Aharon Bathseba Bat-schéva
Abel Avel Eva Chava
Abner Avner Hanna Chana
Abraham Avraham Isebel Jiss’vel
Abram Avram Mirjam Mir’jam
Absalom Av’schalom Rahel Rachel
Ahab Ach’av Rebekka Rív’ka
Ahas
Achass
Asser Ascher Länder, Städte, Flüsse, Berge:
Baal Ba’al * Ägypten Mitsrájim
Babel Bavel Ägypter mitsri
Benjamin Binjamin Ammon Amon
Elia Elijáhu Ammoniter amoni
200
Elisa Elíscha Asdod Aschdod
Habakuk Chavakuk Askalon Aschkelon
Haggai Chagéj Assyrien Aschur
Ham Cham Assyrer aschuri
Haman Chaman Babel Bavel
Hesekiel J’ches’ke’el Babylon Bavel
Hiob Ijow Beerseba Be’er-schéva
Hiskia Chiss’kijáhu Bethel Béit-El
Hosea Hosché’a Bethlehem Béit-lechem
Isaak Jits’hak Chaldäer chass’dim
Ismael Jisch’ma’el Damaskus Damásse
Issaschar Jíssachar Euphrat P’rat, F’rat
Jakob Ja’akov Garizim G’risim
Jeremia Jir’m’ijáhu Gaza Asa
Jerobeam Jarav’am Gilead Gil’ad
Jesaja J’schaijáhu Gileaditer gil’adi
Joab Jo’av Gomorrha Amora
Joas Jo’asch Hebron Chev’ron
Jojada J’hojada Hermon Cher’mon
Josia Joschijáhu Horeb Chorev
Josua Jehoschúa Jericho Jericho
Juda Jehúda Jerusalem Jeruschalájim
Kaleb Kalev Jesreel Jiss’re’el
Kanaan K’na’an Jordan Jarden
201
Laban Lavan Kanaan K’na’an
Maleachi Mal’achi Kanaaniter k’na’ani
Manasse M’nasche Libanon L’vanon
Moses Mósche Megiddo M’gido
Nahum Nachum Midian M’dijan
Nebuka- N’vukadnétsar Midianiter m’dijani
dnezar Moab Mo’av
Nehemia N’chemíja Nil J’or
Noah No’ach Ninive Nin’ve
Obadja Ovádija Philister P’lisch’ti
Pharao Far’o Samarien Schom’ron
Rehabeam R’chav’am Samariter schom’roni
Ruben R’uven Sichem Schechem
Sacharja S’chárija Sidon Tsidon
Salomo Sch’lómo Sinai Ssinai
Samuel Sch’mú’el Sodom Ss’dom
Saul Scha’ul Tabor Tavor
Sebulon S’vulon Tigris Chidekel
Sem Schem Tyrus Tsor
Simeon Schim’on Zion Tsion
Simson Schim’schon
Zedekja Tsid’kijáhu
Zephanja Tsifánija
202
Noch ein paar bekannte Namen aus dem Neuen Testament:
Matthäus Matitijáhu Paulus Poloss
Markus Markoss Timotheus Timotioss
Lukas Lukass Titus Titoss
Johannes Jochanan Jakobus Ja’akov
Petrus Petross Judas Jehúda
* Vorsicht: Dieses Wort bedeutet auch «Ehemann».
Die auffallend vielen Unterschiede zwischen den hebräischen
Konsonanten «ch», «sch» und «v» zu den deutschen
Entsprechungen «h», «s» und «b» erklären sich mit den
Schwierigkeiten beim Übersetzen des hebräischen Urtextes. Als
Martin Luther und ein paar andere - er war nicht der Erste und
auch nicht der Einzige in dieser Zeit, wie das noch heute viele
glauben - das Alte Testament ins Deutsche übersetzten, war die
genaue Setzung der Vokalzeichen und auch der Punkte zum
Beispiel im Fe und Pe noch nicht so bekannt wie heute. Es rächte
sich, dass man zu den jüdischen Gelehrten und Rabbinern,
welche die genaue Aussprache noch kannten, so wenig Kontakt
wie möglich pflegen wollte. Als dann die korrekte hebräische
Aussprache allmählich bekannt wurde, hatten sich die deutschen
Wörter schon derart fest eingebürgert, dass man die Räder nicht
mehr zurückdrehen konnte und auch nicht mehr wollte.
Während die meisten hebräischen Namen unter den Juden
zumindest im internen Gebrauch immer noch kursieren, hat es
sich unter den anderen ergeben, dass viele Namen parallel
zueinander laufen. So kannte ich einst zwei Frauen, von denen
die eine Rachel und die andere Rahel hiess. Allerdings
bevorzugen die Juden immer noch Rachel, während Rahel fast
203
nur bei den Nicht-Juden vorkommt, die noch heute «Gójim»
(Heiden) genannt werden. Was bei den Hebräern und Israeliten
schon vor 2'000 Jahren die Gójim waren, sind die von den
Griechen genannten «Bárbaroi», mit dem alle Nicht-Griechen
gemeint waren, heute aber nicht mehr.
Das hebräische Denken
Was jetzt, am Ende dieses Buches, noch folgt, ist eine Zugabe,
die in die Welt der Antike führt und einen kleinen Einblick in die
Denkweise der Israeliten gibt.
Die sieben Modi
Bis jetzt war es noch einfach, auch wenn die Zahlen nicht leicht
zu lernen sind, und sogar die verschiedenen Zeiten sind nicht
schwer einzuprägen. Wer diese drei Grundzeiten Präsens,
Imperfekt und Futur beherrscht - aber diese und vor allem die
beiden erstgenannten müssen wirklich sitzen -, kann sich an den
Alltagsgesprächen in Israel und unter den Juden in der Diaspora
ohne grosse Probleme beteiligen. Dazu trägt sicher auch bei,
dass es solche Zeiten, die in den meisten europäischen
Sprachen als Futur II (als Vorzukunft), als Plusquamperfekt II
(Vorvergangenheit) sowie als Konditional I bzw. Konditional
Präsens, Konditonal II bzw. Konditonal Perfekt und als
Konjunktiv (gleich in vier verschiedenen Varianten) bezeichnet
werden, und zudem auch das Passiv, wie wir es kennen, im
Hebräischen nicht gibt - und abgesehen vom Konjunktiv, der dort
aber nur in einer Zeit vorkommt, auch im Arabischen nicht.
Gerade auch deshalb hat mir ein deutschsprachiger Israeli, der
beide Sprachen gut kannte, schon vor mehreren Jahrzehnten
gesagt, dass das Arabische im Vergleich zum Hebräischen
204
kinderleicht zu lernen sei, wenn man einmal vom Alphabet
absieht. Tatsächlich hat es immer auch deutschsprachige
Israelis gegeben; die bekannteste von allen war die vor allem in
den Sechziger- und Siebzigerjahren gefeierte Sängerin Daliah
Lavi, die mitten in den Holocaust-Jahren als Tochter einer Jüdin
aus Breslau in der Nähe von Haifa in einem deutschsprachigen
Kibbuz aufwuchs und ihre grössten Erfolge ausgerechnet in
Deutschland erlebte.
Das Fehlen der oben genannten Zeiten, die für uns als
selbstverständliche Bestandteile einer Sprache gelten, birgt
jedoch andere Nachteile. Was bei uns als Indikativ, Konditional
und Konjunktiv bekannt ist, kommt auf diese Weise im
Hebräischen nicht vor. Für die Verständigung im
Neuhebräischen spielt das keine grosse Rolle, aber wer das Alte
Testament, das die frommen Juden noch heute als Tanach
bezeichnen - mit der Thora oder genauer den fünf Büchern
Mose, mit den Nevi’im, also den fünfzehn Propheten, und den
Ketuvim, also den Geschichtsbüchern, zu denen auch die
Psalmen und die Bücher Salomos und das Buch Hiob gehören -
, wirklich verstehen will, kommt nicht darum herum, sich auch mit
den nicht weniger als sechs anderen Ausdrucksmodi zu
befassen, in denen fast alle Verben mit Ausnahme von «sein»
und «haben» konjugiert werden.
Auch für mich war es am Anfang nicht einfach, den Schlüssel
zum Eintritt in diese ganz anders geartete Verbenwelt zu öffnen,
aber jetzt, da ich weiss, wie diese Modi funktionieren, kann ich
Stück für Stück erklären, wie es geht.
Als Paradeverb verwende ich hier «katav», das die Grundform
des Verbs «schreiben» ist und auch in allen anderen Hebräisch-
Lehrbüchern zuerst vorgestellt wird, weil hier alles regelmässig
ist und zudem in allen Modi vorkommt.
205
Das Kal bzw. Qal
(auch Pa’al genannt)
Das ist der Modus, den ich oben näher vorgestellt habe und der
im Bibelhebräischen in den beiden Varianten Perfekt bzw.
Imperfekt und Imperfekt bzw. Futur vorkommt.
ich schrieb, katávti echtov
ich habe geschrieben katávta (m.) tichtov (m.)
ich hatte geschrieben, katavt (f.) ticht’vi (f.)
Ich werde geschrieben katav (m.) jichtov (m.)
haben kat’va (f.) tichtov (f.)
usw. katávnu nichtov
ich schreibe, katávtem (m.) ticht’vu (m.)
ich werde schreiben katávten (f.) tichtóvna (f.)
usw. kat’vu jicht’vu (m.)
tichtóvna (f.)
Das Nif’al
Das ist die Zeitform, die als Passiv des Kal bzw. Qal bzw. Pa’al
ebenfalls in den beiden Varianten Perfekt und Imperfekt
vorkommt:
es wurde geschrieben, nichtávti ekatev
es ist geschrieben worden, nichtávta (m.) tikatev (m.)
es war geschrieben nichtavt (f.) tikat’vi (f.)
worden, nichtav (m.) jikatev (m.)
es wird geschrieben nicht’va (f.) tikatev (f.)
worden sein nichtávnu nikatev
206
usw. nichtávtem (m.) tikat’vu (m.)
es wird geschrieben nichtávten (f.) tikat’vína (f.)
(werden) nicht’vu jikat’vu (m.)
usw.
tikat’vína (f.)
Das Pi’el
Diese Zeitform wird als besonders intensive Variante des Kal
bzw. Qal bzw. Pa’al bezeichnet und ist am schwersten zu
erklären.
ich habe geschrieben, kitávti echtav
ich hatte geschrieben, kitávta (m.) t’chatev (m.)
ich werde geschrieben kitavt (f.) t’chat’vi (f.)
haben kitev (m.) jechatev (m.)
usw. kit’va (f.) t’chatev (f.)
ich schreibe, kitávnu nichatev
ich werde schreiben kitávtem (m.) t’chat’vu (m.)
usw. kitávten (f.) t’chatívna (f.)
kit’vu
jichatev (m.)
t’chatívna (f.)
Das Pu’al
Das ist die Zeitform, die als Passiv des Pi’el ebenfalls in den
beiden Varianten Perfekt und Imperfekt vorkommt:
es wurde geschrieben kutávti echutav
usw. kutávta (m.) t’chutav (m.)
207
es wird geschrieben kutavt (f.) t’chut’vi (f.)
worden sein kutav (m.) jechutav (m.)
usw. kut’va (f.) t’chutav (f.)
es wird geschrieben kutévnu n’chutav
(werden) kutévtem (m.) t’chut’vu (m.)
usw. kutévten (f.) t’chutávna (f.)
kut’vu
jechut’vu (m.)
t’chutávna (f.)
Das Hif’il
Das ist die Zeitform, die im Sinn von «beginnen» und
«veranlassen» sowie «machen lassen» ebenfalls in den beiden
Varianten Perfekt und Imperfekt vorkommt:
ich veranlasste zu hichtávti echtiv
schreiben hichtávta (m.) techtiv (m.)
usw. hichtavt (f.) techtívi (f.)
ich veranlasse zu hichtiv (m.) jechtiv (m.)
schreiben hichtiva (f.) techtiv (f.)
usw. hichtávnu nechtiv
hichtávtem (m.)
hichtávten (f.)
hichtivu
techtívu (m.)
techtívna (f.)
jechtivu (m.)
techtívna (f.)
208
Das Hof’al
Dieser ist das passive Gegenstück zum Hif’il und kommt
ebenfalls in den beiden Varianten Perfekt und Imperfekt vor:
es wurde geschrieben hachtávti achtav
(z. B. auf Befehl) - hachtávta (m.) tachtav (m.)
es wird geschrieben hachtavt (f.) tacht’vi (f.)
(z. B. auf Befehl) hachtav (m.) jachtav (m.)
hacht’va (f.)
hachtávnu
hachtávtem (m.)
hachtávten (f.)
hacht’vu
tachtav (f.)
nachtev
tacht’vu (m.)
tachtívna (f.)
jacht’vu (m.)
tachtívna (f.)
Das Hitpa’el
Diese Zeitform steht für das, was in den meisten europäischen
Sprachen als reflexiv und reziprok bekannt ist und ebenfalls in
den beiden Varianten Perfekt und Imperfekt vorkommt:
ich schrieb mir selbst hitkatávti etkatev
wir schrieben einander hitkatávta (m.) titkatev (m.)
usw. hitkatavt (f.) titkat’vi (f.)
ich schreibe mir selbst hitkatav (m.) jitkatev (m.)
wir schreiben einander hitkat’va (f.) titkatev (f.)
usw. hitkatánu nitkatev
hitkatávtem (m.)
209
titkat’vu (m.)
hitkatávten (f.) titkatívna (f.)
hitkat’vu
jitkat’vu (m.)
titkatívna (f.)
Die imperfekten Konjugationen weisen in der dritten Person
Mehrzahl im Gegensatz zu den perfekten zwar eine Verborm
mehr auf, aber die weiblichen Verbformen der zweiten Person
sind mit den weiblichen der dritten Person identisch, so wie in der
Einzahl die männliche zweite Person mit der weiblichen identisch
ist und auch gleich geschrieben wird.
Hier ist noch anzumerken, dass es für diese sieben Modi mit den
je zwei Konjugationen auch noch andere Reihenfolgen gibt. So
ist in einem der Lehrbücher, die ich hier verwende, auch von
einer ersten bis siebten Konjugation die Rede. Im gleichen Buch
wird auch von einer «Menora der sieben Konjugationen»
geschrieben und auf einer entsprechenden Zeichnung der
Hitpa’el in der Mitte des Kronleuchters dargestellt, während die
drei Konjugationen, die alt aktiv gelten (Pa’al, Pi’el, Hif’il), links
und die drei anderen, die als passiv gelten (Nif’al, Pu’al, Hof’al),
rechts stehen. In den Lehrbüchern, die sich nur mit dem
Bibelhebräischen beschäftigen, wird sogar genauso wie in ein
paar «klassischen» Arabisch-Lehrbüchern diese Reihenfolge
eingehalten:
3. P. Sg. m. - 3. P. Sg. f. - 2. P. Sg. m. - 2. P. Sg. f. - 1. P. Sg.
3. P. Pl. m. - 3. P. Pl. f. - 2. P. Pl. m. - 2. P. Pl. f. - 1. P. Pl.
Trotz dieses formenreichen Gestrüpps sind ein paar
Gemeinsamkeiten zu erkennen, die als Eselsbrücken helfen
können. Erstens beginnen die imperfekten Modi zumindest in
den dritten Personen immer mit einem Jod und zweitens weisen
die perfekten Modi fast immer diese Vorsilben auf:
210
Pa’al (Kal)
Nif’al
Pi’el
Pu’al
Hif’il
Hof’al
Hitpa’el
katnichkitkuthichhachhit-
Anzumerken ist noch, dass es für das Pa’al, das Pi’el, das Hif’il
und das Hitpa’el, also für die aktiven Modi, dementsprechend
auch vier aktive Partizipien gibt:
kotev (Pa’al), m’chatev (Pi’el), machtiv (Hif’il), mitkatev (Hitpa’el)
Dazu gibt es für das Nif’al, das Pu’al und das Hof’al, also für die
drei passiven Modi, aber auch noch für das Pa’al diese vier
passiven Partizipien:
katuv (Pa’al), nichtav (Nif’al), m’chutav (Pu’al), machtav (Hof’al)
Aus dem Partizip des Pa’als (kotev) sind bei der Gestaltung des
Neuhebräischen die vier oben aufgeführten Verbformen gebildet
worden:
kotev, kotévet, kotvim, kotvot
Es gibt für fünf Modi - die beiden einzigen Ausnahmen sind das
Pu’al und das Hof’al - für die beiden zweiten Personen sogar je
vier Imperativformen, auf die ich hier aber nicht weiter eingehe.
211
Das Waw-Imperfekt
(bzw. Vav-Imperfekt)
Für das Bibelhebräische wird für diese Ausdrucksweise, die auch
als Narrativ bezeichnet wird - wobei dieses Wort wegen der
weltpolitischen Ereignisse in diesem Jahrhundert von seiner
ursprünglichen Bedeutung abgewichen ist -, noch dieser Begriff
verwendet, weil jeder Satz und jeder einzelne Ausdruck mit
einem Waw eingeleitet wird, der als «und» übersetzt werden
kann. Im Deutschen kennen wir diesen Ausdruck vor allem so:
Und Gott sah, dass es gut war. - Va-jar’a Elohim ki-tov.
(mit Bindestrichen)
Und Gott sprach: «Es werde Licht!» Und es ward Licht.
Va-jomer Elohim: «Jehi or!» Va-jehi-or (mit Bindestrichen).
Das Waw-Imperfekt wird also nur für die dritte Person Einzahl
verwendet. Natürlich kommt es auch im Neuhebräischen noch
vor, aber nicht mehr im gleichen «klassischen» Sinn. Ein paar
Verben verändern sich vorn ein wenig, wenn sie mit einem Waw
verbunden werden, aber viele nicht.
Der Jussiv
Wie es der Name, der vom lateinischen Wort «iubere» (befehlen)
abstammt, bereits andeutet, wird dieser Modus nur bei Befehlen
verwendet, doch anders als die eigentlichen Imperativ-Formen
kommt er nur in den beiden zweiten und dritten Personen vor.
Auch hier zeigen sich die Gegensätze zum Arabischen: Während
der Jussiv dort zumindest in der Hochsprache voll entwickelt mit
einer eigenen Konjugation in allen Personen vorkommt, aber
leicht zu bilden ist, kommt er sogar im Bibelhebräischen
gemessen an seiner Bedeutung nicht allzu viel vor.
212
Wer wissen will, wie er funktioniert, kann das am besten im
biblischen Schöpfungsbericht sehen, wo er gleich mehrmals
vorkommt, so auch im weltberühmten Satz «es werde Licht!»,
der hier «jehí or!» lautet.
Die zweite Jussivform, die genauso wie bei verschiedenen
Konjugationen in zwei Personen doppelt vorkommt, ist diese:
tehí tov! (m.)
tehí tová! (f.)
du sollst gut sein! mögest du gut sein!
sie soll gut sein! möge sie gut sein!
Auch im zweiten Buch Mose, wo dieser auf dem Berg Sinai von
Gott die zehn Gebote empfängt, kommt der Jussiv viel vor:
du sollst nicht töten!
= lo tirtsach!
du sollst nicht stehlen! = lo tig’nov!
Wenn ein solcher Befehl von Gott selber kommt, steht anstelle
von «al» immer «lo»; das ermöglicht es immerhin, erkennen zu
können, wann Er selber so spricht und wann nicht. Für den Satz
«du sollst nicht töten!» kann neben «al tirtsach!» auch «al tiktol!»
verwendet werden, wenn nur ein Mensch ihn ausspricht.
Noch weiter in dieses Grammatik-Gestrüpp einzusteigen, von
dem hier immer noch nicht alle Feinheiten vorkommen, halte ich
nicht für sinnvoll, weil das den Zugang zur Sprache nicht wirklich
erleichtert. Wer über diese sechs Zusatzmodi, die auch noch im
heutigen Hebräischen vorkommen, was das Verstehen dieser
Sprache zusätzlich erschwert, und auch über den Jussiv mehr
wissen will, kann in den vielen Tabellen in den Büchern
nachschauen, die ich ganz unten als Quellen aufführe.
213
Da die meisten Israeliten genauso einfache Menschen waren,
wie wir es heute sind, ist nicht anzunehmen, dass diese
Konjugationen mit Ausnahme des Kal bzw. Qal und des Nif’al,
das ein Passiv ausdrückt, sowie des Hitpa’el, das für reflexive
Verben verwendet wird, wirklich viel zum Zug kamen. Es ist
jedoch wichtig, von der Existenz dieser verschiedenen
Ausdrucksarten zu wissen.
214
Quellenangaben
Da ich nicht mit Hebräisch aufgewachsen bin und bis heute auch
nie für eine längere Zeit in Israel gelebt habe, liegt es nahe, dass
ich für das Verfassen dieses Buches auf verschiedene Quellen
angewiesen war.
Folgende Bücher und Büchlein, die ich verwendet habe, kann ich
sehr empfehlen:
Langenscheidts Praktisches Lehrbuch Hebräisch
Erstauflage 1996, seitdem mehrere Neuauflagen, Autor Dr.
Manuel Wiznitzer unter Mitarbeit von Dr. Barbara Linner. Dieses
Lehrbuch, das 235 Seiten enthält, ist für das Neuhebräische
eindeutig das bisher beste im deutschen Sprachraum und geht
zum Teil auch auf das Bibelhebräische ein. Der einzige Nachteil
sind die etwas unübersichtlichen Wörterlisten, die nur Kapitel für
Kapitel aufgeführt sind, aber nicht alles zusammen ganz hinten.
Tausend Worte Hebräisch
Erstauflage 1980, seitdem mehrere Neuauflagen, Autor Aharon
Rosen, Verlag Achiasaf in Jerusalem. Dieses Lehrbuch mit 264
Seiten, das sich fast ausschliesslich mit dem Neuhebräischen
beschäftigt und deshalb weniger «sprachwissenschaftlich» als
das oben erwähnte ist, geht zwar nicht in die grammatikalischen
Tiefen ein, aber es beschäftigt sich umso intensiver mit der
Schreibschrift, die gut zu kennen ebenfalls wichtig ist.
Zusammen mit dem Langenscheidts-Lehrbuch deckt es bereits
einen grossen Teil des ganzen Hebräisch-Spektrums ab, obwohl
es genauso wie das oben erwähnte am Schluss keine
übersichtlichen Wörterlisten aufweist.
215
Hebräisch Wort für Wort plus Wörterbuch mit über 10'000
Einträgen
Erstauflage 2013, Zweitauflage 2016, Autor Roberto Strauss,
Know-How-Verlag in Bielefeld. Dieses Lehrbuch enthält zwar
etwa 280 Seiten, aber der Grammatikteil, der bis zur Seite 94
reicht, ist insgesamt der gleiche wie im Vorgänger-Lehrbüchlein,
das schon im Jahr 1987 unter dem Namen «Hebräisch für
Globetrotter» im gleichen Verlag erschienen ist. Für den rein
touristischen Gebrauch ist dieses Lehrbuch am besten geeignet,
aber es ist mehrere hundert Gramm schwer, und das praktische
und leichte Globetrotter-Lehrbüchlein, das ich noch habe, wird
heute nicht mehr gedruckt.
Lehrbuch der hebräischen Sprache des Alten Testaments
Erstauflage 1978, Autor Ernst Jenni, Verlag Helbing &
Lichtenhahn in Basel und Stuttgart. Allerdings hat Ernst Jenni ein
Lehrbuch überarbeitet, das schon im Jahr 1873 (!) von W.
Hollenberg zum ersten Mal geschrieben und in späteren
Neuauflagen von J. Hollenberg, dem Bruder des oben
Genannten, sowie von K. Budde und W. Baumgartner nur wenig
verändert neu veröffentlicht wurde. Im Jahr 1971 wurde bereits
die 26. (!) Auflage gedruckt, was dafür spricht, dass dieses Buch
immer eine grosse Leserschaft hatte.
Dieses Lehrbuch, das 392 Seiten enthält und etwa ein halbes
Kilogramm wiegt, ist eindeutig das beste für das Bibelhebräische
im deutschen Sprachraum und enthält auch umfangreiche
Wörterlisten.
Althebräische Grammatik
Erstauflage 1969, Autor Klaus Beyer, Verlag Vandenhoeck &
Ruprecht in Göttingen. Wer sich besonders gern mit Grammatik
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und vor allem mit der althebräischen Phonetik beschäftigt, wird
hier gut bedient, auch wenn das Büchlein nur etwa 60 Seiten
aufweist, aber es enthält das Wichtigste.
Repetitorium der hebräischen Grammatik
Erstauflage 1966, Autor Dr. theol. Reiner-Friedemann Edel,
Ökumenischer Verlag Dr. R. F. Edel in Marburg. Dieses
Lehrbüchlein mit etwa 70 Seiten ist eine gute Ergänzung zum
oben erwähnten Buch und geht auch ein wenig auf die anderen
Alphabete im semitischen Sprachraum ein.
Hebräisch-Deutsche Vokabel-Lern- und Repetitionshefte
Erstauflage 1970, seitdem mehrere Neuauflagen, gleicher Autor
und gleicher Verlag wie oben. Während das Heft 1 den
hebräischen Teil enthält, sind die deutschen Übersetzungen im
Heft 2 zu finden. Beide Hefte enthalten nur je 16 Seiten, aber sie
enthalten in Kurzform das Wichtigste, und zudem werden auf der
letzten Seite noch andere Lehrbücher empfohlen. Ob diese und
auch das oben erwähnte Repetitorium allerdings noch erhältlich
sind, weiss ich nicht; immerhin ist seit den ersten
Veröffentlichungen schon mehr als ein halbes Jahrhundert
vergangen.
Biblical Hebrew
Erstauflage 1955, sechste Auflage 1981, Autor R. K. Harrison,
auch dies ein Lehrbuch aus der bekannten Reihe «Teach
Yourself Books». Wer gut Englisch kann, wird auch mit diesem
Buch, das etwa 205 Seiten und viele gute Übungssätze mit den
entsprechenden Übersetzungen in beide Sprachen enthält, gut
bedient, falls es überhaupt noch erhältlich ist.
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