my life_Ausgabe 15.09.2025_Vorableseprobe für WAVE Kunden
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Ein Geschenk Ihrer Apotheke
16 | 15. August 2025 B
MEDIZIN
10 SEITEN DOSSIER
Gut leben trotz
chronischer Leiden
Von Diabetes bis
Parkinson: Was Betroffenen
den Alltag erleichtert
Erwiesen: So wichtig
ist Ergotherapie in der
Behandlung
Adipositas: Warum
innovative Wirkstoffe per
Spritze helfen können
Superstar Darm
Studien belegen, wie das Mikrobiom Psyche, Gehirn und sogar das Herz beeinflusst
Mit Ernährung & Früherkennung das Risiko für Darmtumoren senken
Bewegung, Stressreduktion & Co.: Der beste Schutz für den Dirigenten im Bauch
Rundum gesunde Haut
Top-Pflege für strapazierte Füße,
Knitterfältchen und Reibeisenhaut
Sommer, Sonne, Eisdesserts!
Erfrischend und selbst gemacht.
Naschen unbedingt erlaubt!
Wellness für die Augen
Besser sehen – ein neues Trainings-
Programm schärft Ihren Blick
INHALT
16
Der Dirigent im Bauch
Seine Bakterien beeinflussen die
Verdauung ebenso wie das Immunsystem,
deshalb ist Gesundheit des
Darms wichtig. Was man dafür tun kann
GESUNDHEIT
6 Magazin
Aktuelles aus Medizin,
Wellness und Ernährung
16 Der Dirigent im Bauch
22 Das Blut bekommt sein Fett weg
Ein komplexes Verfahren hilft bei
Fettstoffwechselstörungen. Tut es
das auch bei Long COVID?
26 Grüne Fitmacher
Basilikum, Petersilie, Eisenkraut –
Mutter Natur schenkt uns viele
schmackhafte Energielieferanten
28 DOSSIER
Chronische Krankheiten
Welche Strategien und Hilfen
Betroffenen das Leben mit MS,
Diabetes, Hypertonie & Co.
erleichtern. Plus: Neue Hoffnung
bei Adipositas
46 Besser essen, besser schlafen
Wer auf seine Ernährung achtet,
legt den Grundstein für eine
wirklich erholsame Nachtruhe
12
Pflege für Problemzonen
Ob Hornhaut, trockene Stellen
oder gar störende Pickel – mit den
richtigen Produkten kommt die Haut
wieder in Balance
54 Mit den Augen einer Frau
Die weibliche Bevölkerung ist
deutlich häufiger von Glaukom,
grauer Star & Co. betroffen
56 Den Blick schärfen
Wie Wellness und Zeit im Freien
eine gute Sicht fördern
66 Operation? Nicht immer nötig!
Die richtigen Hilfsmittel können
Schmerzen effektiv gegensteuern
68 Arbeiten, wo andere urlauben
Mirjam Zurborg-Brendel führt die
„Insel-Apotheke“ auf Borkum mit
viel Herz. My Life hat sie besucht
BEAUTY
12 Pflege für Problemzonen
LIFESTYLE
40 Köstliche Schätze aus dem Ozean
Das schmeckt nach Meer! Mit
Garnelen und Muscheln genießen
wir das Ferienfeeling zu Hause
48
Sommerliche Eisdesserts
Nichts schmeckt jetzt so gut wie ein
kühlendes Johannisbeer-Joghurt-Eis am
Stiel. Die fruchtige Himbeer-Eistorte (o.)
ist ebenfalls herrlich erfrischend
48 Sommerliche Eisdesserts
52 Welcome to London!
Sightseeing, shoppen, schlemmen:
Die pulsierende britische Hauptstadt
lässt keine Wünsche offen
62 Wundervolle Blütenpracht
Ihre zarten Lila- und Grüntöne
machen Hortensien zum Star von
Sträußen und Deko-Kränzen
WOHLFÜHLEN
58 Entspannung für Vielsitzer
Einseitige Haltung belastet Arme,
Schultern, Rücken. Diese Übungen
beugen Schmerzen vor
RUBRIKEN
3 Editorial, Stiftungsbeirat
38 Kommentar
70 Glücks-Kalender
72 Kreuzworträtsel, Sudoku
74 Vorschau, Impressum
FOTOS TITEL: GETTY IMAGES/ISTOCK (3); STOCKFOOD/FRIEDRICH STRAUSS INHALT: GETTY IMAGES/ISTOCK; SHUTTERSTOCK; STOCKFOOD/IRINA MELIUKH
4 my life 16/2025
Wildbienen
nisten direkt
unter unseren
Füßen.
Noch kein
Sandarium zu Hause?
HIER SCANNEN
und Anleitung ansehen
Drei Viertel unserer rund 580 heimischen
Wildbienenarten sind sogenannte Bodennister.
Das heißt, sie nisten im Erdreich, in Steilwänden
oder auch Abbruchkanten. Von den Wildbienen
selbstgegrabene Hohlräume dienen als Brutkammern
für ihren Nachwuchs. Bewuchsfreie, sandige
Bodenstellen sind daher ein Muss im eigenen
Bienengarten.“
#beebetter-Experten-Team
#beebetter ist die Insektenschutzinitiative des BurdaVerlag mit der auch Sie zum Insektenschützer werden können.
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2 my life 16/2025
BEAUTY
Das Dekolleté ist
sehr häufig der
Sonne ausgesetzt.
Um langfristig
Knitterfältchen zu
vermeiden, sollte
man unbedingt
Sonnenschutz
auftragen!
Dr. med. univ.
Elisabeth Zott
Die
Unterschenkel
besitzen eine
geringe Dichte
an Talgdrüsen,
die unsere
Haut mit Fett
versorgen
Dr. med.
Peter Weisenseel
12 my life 16/2025
Schutzmantel Glatte,
ebenmäßige Haut – das
wünschen wir uns
besonders an Armen,
Beinen und Füßen
Von Knitterfältchen bis Hornhaut
Die beste Pflege
für Problemzonen
→
Kälte, Sonne, Reibung oder Hormone –
unsere Haut reagiert auf viele äußere
und innere Einflüsse empfindlich. Besonders
häufig betroffen sind Beine, Oberarme, Dekolleté
und Füße. Hautprobleme an Körperpartien
jenseits des Gesichts sind nicht nur
weit verbreitet, sondern oft auch leicht behandelbar
– mit der passenden Pflege und gezielten
Wirkstoffen. Dermatologin Dr. Elisabeth
Zott und Dermatologe Dr. Peter Weisenseel
erklären in My Life, was wirklich hilft.
▶ Trockene Haut an den Beinen
Ob trockene Schienbeine, Reibeisenhaut oder Pickel am Rücken –
mit den passenden Wirkstoffen und dem richtigen Hautwissen
sorgt man für rundum gesunde und geschmeidige Haut
Die Ursache: Wirkt die Haut fahl und schuppig,
fehlen ihr Fett und Feuchtigkeit. Vor allem
die Schienbeine sind oft staubtrocken. „Die
Unterschenkel besitzen eine geringe Dichte
an Talgdrüsen, die unsere Haut mit Fett versorgen“,
weiß Dr. Peter Weisenseel, Facharzt
für Dermatologie und Allergologie vom Dermatologikum
Hamburg. Häufiges Rasieren,
trockene Luft und enge, kratzige Kleidung begünstigen
den „Dürrezustand“.
Das hilft: Peelings können kleine Hautschüppchen
entfernen. Übertreiben sollte man es
aber nicht, da die Haut sonst weiter austrocknet
und gereizt wird. Ein- bis zweimal pro Woche
genügt. Die Körperpflege passt man am
besten den Jahreszeiten und dem Hauttyp an:
Im Winter tun reichhaltige Produkte mit
einem hohen Fettanteil gut (haben eine buttrige,
eher feste Konsistenz), im Sommer leichtere
Lotions (eher flüssige Konsistenz). Hautexperte
Dr. Weisenseel empfiehlt Produkte
mit feuchtigkeitsspendenden Inhaltsstoffen
wie Urea (in einer Konzentration von fünf bis
zehn Prozent), Glycerin oder Ceramiden. Auch
gut für trockene Haut: Vitamin E oder Sheabutter.
Natürliche Öle wie Kokosöl und Arganöl
sorgen zudem für tollen Glow.
▶ Reibeisenhaut an den Oberarmen
Die Ursache: Die kleinen verhärteten und
meist roten Pickelchen nennt man Keratosis
pilaris. „Dabei verhornt die Haut an den Öffnungen
der Haarfollikel stärker. Die Veranlagung
dafür ist angeboren“, sagt Dr. Peter Weisenseel.
In den kühleren Jahreszeiten treten
die Verhornungen stärker auf, weil die Haut
dann trockener ist. Aus medizinischer Sicht
sind sie jedoch harmlos.
Das hilft: Auf keinen Fall sollte man sie mit groben
Peelings abrubbeln, da sich die Pickelchen
entzünden können. Dr. Weisenseel rät stattdessen
zu salicylsäure- und harnstoffhal tigen
Produkten, die sanft exfolieren und die Haut
mit Feuchtigkeit versorgen. „Auch rezeptpflichtige
Cremes mit Retinoiden, Vitamin-Aähnlichen
Wirkstoffen, glätten die Haut effektiv“,
sagt er. Gute Aussicht: „Im Laufe des
Lebens gehen die Verhornungen meist zurück.“
▶ Knitterfalten am Dekolleté
Die Ursache: Die Haut ist hier besonders dünn
und besitzt wenig Talgdrüsen, deshalb bilden
sich schnell Fältchen. Hinzu kommt: Das Dekolleté
(und auch der Hals) werden beim Eincremen
oft vergessen. „Gerade beim Sonnenschutz
ist das problematisch, weil das
Dekolleté sehr häufig der Sonne ausgesetzt
ist“, erklärt Dr. Elisabeth Zott, Fachärztin für
Dermatologie aus München.
Das hilft: Zusätzlich zu konsequentem, hohem
Lichtschutz ist es sinnvoll, das Dekolleté ➡
Im Laufe
des Lebens
gehen die
Verhornungen
meist zurück
Dr. med.
Peter Weisenseel,
Facharzt für
Dermatologie und
Allergologie vom Dermatologikum
Hamburg
16/2025 my life
13
GESUNDHEIT
Eng gefaltet Bis zu
acht Meter Länge
hätten Dünn- und
Dickdarm, würde
man sie ausrollen.
Der letzte Abschnitt
heißt Mastdarm
oder Rektum
3000
Menschen in Deutschland erkranken
jedes Jahr neu an der entzündlichen
Colitis ulcerosa. Beim Reizdarmsyndrom
liegt keine Entzündung vor. Mal ist
es von Durchfall, mal von Verstopfung
geprägt, mal geht es hin und her
Der Dirigent
im Bauch
Unser Darm ist ein komplexes System: Er beherbergt unzählige Bakterien und ist von einem
dichten Nervensystem durchzogen. Seine Gesundheit wirkt sich maßgeblich auf unser
Wohlbefinden aus – und wir können aktiv dazu beitragen, dass es ihm gut geht
16 my life 16/2025
→
Unser Klogang, findet die Ärztin
Dr. Giulia Enders, „ist eine
Meisterleistung“. Noch immer gilt
ihr Bestseller „Darm mit Charme“
als maßgebend für den lange überfälligen
Tabubruch zu allem, was
mit dem Darm zusammenhängt.
Wie symphonisch doch beim Stuhlgang
die Schließmuskeln zusammenarbeiten!
Zuvor aber hat die
Substanz, die es loszuwerden gilt,
fünfeinhalb bis acht Meter Transportweg
hinter sich. So lang ist der
Darm des Menschen. Normalerweise
dauert die Reise einen bis drei
Tage. Zu Beginn übernimmt der Dünndarm den
Nahrungsbrei vom Magen, dann der Dickdarm.
Ständig wird er geprüft, ihm dieser und jener
Nährstoff entzogen, der Rest eingeweicht oder
auch getrocknet und weitergereicht. So geschieht
das ein Leben lang mit insgesamt geschätzt
30 Tonnen organischen Materials.
Superstar. Zugleich fungiert der platzsparend
im Bauch gefaltete Entsorgungsbetrieb
als Dirigent im Körper. Nicht erst seit Dr. Enders
weiß man um das komplexe Geflecht aus
Nervenzellen, das den Gastrointestinaltrakt
durchzieht und die Verdauung organisiert.
Das ist keine simple Leistung, und so liegt die
Zahl der Bauchneuronen höher als im Rückenmark.
Dazu kommen Myriaden von Mikroorganismen,
vor allem im Dickdarm. Bei der
Geburt, wenn er den Geburtskanal passiert,
besiedeln sie den Menschen. Mit der Zeit bilden
sie ein einzigartiges Mikrobiom, früher
Darmflora genannt. Rund 2 000 verschiedene
Darmbakterien sind bekannt, aber nur ein
Zehntel von ihnen kommt bei jedem Menschen
vor. Zu den Einflussfaktoren – Gene, Ernährung,
Umwelt, Medikamente – legt die Forschung
im Wochentakt ebenso erstaunliche
Erkenntnisse vor wie zu den Auswirkungen
des Mikrobioms. Der Darm wurde zum Superstar
der Humanmedizin. Mit dem Gehirn steht
er in einem ständigen Austausch. Die Hauptverbindung
heißt Vagusnerv. Vom Schädel
durch den Hals, die Brusthöhle und die Speiseröhre
führt er in den Bauchraum. Drüsen, die
im oberen Abschnitt des Dünndarms sitzen,
stehen via Vagusnerv in Kontakt mit dem
Mikrobenmasse
Eingefärbte
Aufnahme einer
Stuhlprobe im
Rasterelektronenmikroskop
Emotionszentrum, der Amygdala. Forscher
aus New York und Tübingen
wiesen jüngst nach, dass sich bei
Angstzuständen die Bakterienzusammensetzung
im Darm verändert.
Das mag erklären, warum
Psychostress die Wahrscheinlichkeit
von Infektionskrankheiten
erhöht.
Symbiose. Umgekehrt wurzelt
manche Hirnerkrankung im
Darm. Studien zeigten Zusammenhänge
unter anderem zu Parkinson.
Schlechte Bakterien im
Darm produzieren ein Protein,
das andere Proteine – genannt Alpha-Synuclein
– dazu bringt, sich fehlerhaft zu falten.
Dieser Fehler liegt der Bewegungsstörung zugrunde.
Zum Glück ist Dysbiose, also die Besiedelung
des Darms mit schädlichen Bakterien,
die Ausnahme. Schließlich wollen die
kleinen Mitbewohner in Symbiose mit uns leben.
Woraus ein gesundes Mikrobiom besteht,
weiß niemand genau. Es kommt jedenfalls auf
die Vielfalt an. Gesichert ist außerdem, dass
Bifidobakterien zu den am häufigsten vorkommenden
Wohltätern im Verdauungstrakt
zählen. Sie und Laktobazillen helfen, Krankheitserreger
abzuwehren. Nützliche Darmbakterien
bilden Vitamine und die wichtigen kurzkettigen
Fettsäuren, fördern die Verdauung
und beeinflussen das Hungergefühl.
Transfer. Vor allem seine Fähigkeit, das Immunsystem
seines Wirts zu stärken, hat den
Zoo in den Eingeweiden zu einem Hoffnungsträger
im Kampf gegen schwere Krankheiten
gemacht. Ein Team um die Ärzte und Wissenschaftler
Prof. Dirk Haller von der Technischen
Universität München und Dr. Tobias
Schwerd von der Ludwig-Maximilians-Universität
verabreicht jungen Patienten, die an der
chronischen Darmentzündung Morbus Crohn
leiden, zusätzlich zu einer Spezialnahrung Teile
eines gesunden Mikrobioms. Die Methode
heißt Stuhltransfer. „Jeder Spender durchläuft
rund 50 Tests“, sagt Dr. Schwerd. Im Labor
werde die Probe aufgeschwemmt, die Mikroben
getrennt und in eine Kapsel verpackt.
„Wir hoffen, dass der Transfer die oft
zeitlich begrenzten Erfolge herkömmlicher ➡
Überall, wo ich mich
aufhalte, muss eine
Toilette in der Nähe
sein. Ich lebe in Angst
vor neuen Schüben
Sandy Naumann (32) leidet
seit zehn Jahren an Colitis
ulcerosa, neben Morbus
Crohn eine häufige chronische
Darmentzündung. Es begann
mit blutigen Durchfällen.
Zum Glück erhielt die Mutter
eines Kindes aus Meißen
rasch die Diagnose. Neben
Arzneimitteln lindern
Nahrungsergänzungsmittel,
verträgliche Kost und etwas
Sport ihre Krankheit.
Sie isst sehr regelmäßig,
bevorzugt Leichtes, „eher
Fisch als Gulasch“. Speziell
helfen ihr Ballaststoffe in
Form von Flohsamenschalen
16/2025 my life
17
Die Zahl der jungen
Erwachsenen mit
Darmkrebs steigt.
Ich rate: Seht euch
euren Stuhl an!
Michael Kecht (36) war
28 Jahre alt und frisch Vater,
als er im Stuhl rote Schlieren
sah. Zwei Ärzte wiegelten ab.
Dennoch unterzog sich
der Pharmareferent aus
Berchtesgaden, dessen
Großvater an Darmkrebs
gestorben war, einer
Koloskopie. Nach der
Diagnose entfernten Ärzte
30 Zentimeter von seinem
Organ. Kontrollen zeigten
neue Polypen. Kecht
bleibt zuversichtlich.
Er bevorzugt Obst, Gemüse
und Fermentiertes,
vermeidet Zucker und arbeitet
für die Stiftung Junge
Erwachsene mit Krebs
➡ Therapien verstetigt“, so Dr. Schwerd. Am
Universitätsspital Zürich plant der Gastroenterologe
Prof. Michael Scharl gemeinsam mit
Kardiologen Ähnliches zur Stärkung kranker
Herzen. Denn es gibt auch eine Darm-Herz-
Achse. Die „fäkale Mikrobiota-Transplantation“,
wie er sie nennt, „soll vorrangig die Fettwerte
im Blut verbessern, die Blutgefäße
elastischer machen und auf diese
Weise das Herz entlasten“,
sagt Prof. Scharl. Er will rund 20
Patienten in eine erste Studie
aufnehmen.
Es lohnt sich, dem Darm Gutes
zu tun – wie genau, erfahren
Sie in den ersten vier der folgenden
Kapitel. Das fünfte widmet
sich der Krebsgefahr in diesem
Organ. In Deutschland
sank die Zahl der Darmkrebs-
Neuerkrankungen leicht auf zuletzt
rund 55 000 pro Jahr. Das
Leiden zählt aber weiterhin zu
den häufigsten Tumorarten.
Außerdem nimmt es laut internationalen
Statistiken unter
jungen Menschen zu.
Den März hat die Felix Burda
Stiftung, benannt nach dem
1999 jung verstorbenen Sohn
von Verleger Hubert Burda (im
BurdaVerlag erscheinen neben
My Life u. a. FOCUS und Bunte), zum Darmkrebsmonat
ausgerufen. Alles, was dem gesunden
Mikrobiom nützt, verringert auch dieses
Risiko. Aber bei kaum einer anderen Tumorart
zeigen Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen
eine derartig gute Wirkung. Rechtzeitig
erkannt, ist Darmkrebs zu nahezu 100 Prozent
heilbar.
1
Ernährung:
So lassen sich die Darmbakterien
gezielt füttern
Vor allem Apotheken bieten rezeptfrei zahlreiche
„Präbiotika“ und „Probiotika“ an. Präbiotika
versorgen den Darm mit Nährstoffen,
die wie ein Dünger auf die guten Bakterien
wirken sollen, Probiotika enthalten lebendige
Mikroorganismen. Damit ahmen die Produkte
eine darmfreundliche Ernährung nach. Gut
kann es für manche Menschen auch sein, direkt
eine gesunde Kost für Darm und Mikrobiom
zu wählen.
„Ballaststoffe sind gut für uns“ – darüber sei
sich die Wissenschaft einig, meint der Berliner
Internist und Naturheilkundler Prof. Andreas
Michalsen. Ballaststoffe im Essen machen satt,
75 %
der Darmkrebsfälle
können durch
Vorsorgekoloskopie
früh erkannt oder
verhindert werden,
ergibt eine aktuelle
Auswertung aus
dem Deutschen
Krebsforschungszentrum.
Auch
Stuhltests helfen,
frühe Stadien
zu entdecken
setzen aber wenig Fett an. Außerdem unterstützen
sie das Heer der Verdauungshelfer. Der
in Cambridge tätige Forscher Dr. Alexandre
Almeida identifizierte in einer kürzlich in
„Nature Microbiology“ veröffentlichten Studie
135 Mikrobenarten, die Krankheitserreger im
Darm abwehren. Dr. Almeidas Rat: „Wer etwa
Gemüse, Bohnen und Vollkornprodukte und
damit Ballaststoffe isst, schafft
die Grundlage dafür, dass Bakterien
im Darm schützende Fettsäuren
herstellen.“
Mikrobiom-Experte Prof. Nicola
Segata von der Universität
Trient verglich Stuhlproben
von knapp 2 2000 Menschen,
unterteilt nach Veganern, Vegetariern
und Omnivoren, also
Allesessern. Letztere wiesen die
größte Vielfalt in ihrem Bakterienzoo
auf. Der Anteil an gesundheitsfördernden
Darmbewohnern
stieg aber mit der
Menge an Gemüse, die ein Individuum
zu sich nahm. Insofern
waren Veganer doch im Vorteil.
Fisch und Fleisch sind im
Sinn der Darmgesundheit nicht
verboten, sollten jedoch eher
den kleineren Teil der Kalorien
ausmachen. Gleichzeitig warnen
Mediziner vor vegetarischem
Selbstbetrug. Mit gesalzenen Pommes
mit Ketchup und Mayonnaise können die Helfer
im Bauch wenig anfangen. Vor allem viel
rotes und hoch verarbeitetes Fleisch wie etwa
Wurst erhöht das Risiko, an Krebs zu erkranken,
und belastet auch Herz und Kreislauf.
Vielfalt. Als wahre Darmfreunde gelten fermentierte
Lebensmittel, wie Sauerkraut, Kimchi,
Kefir, vielerlei Joghurt und Käse. Beim
Herstellen verwendete oder bereits vorhandene
Bakterien und Pilze haben sie haltbar gemacht.
Isst man reichlich davon, erhöht sich
die Bakterienvielfalt im Darm.
Übrigens deutet einiges darauf hin, dass
Bio-Produkte aus dieser Kategorie die noch
gesündere Wahl sind.
2
Stress vermeiden:
Wie wir dem Darm helfen können,
effektiv zu arbeiten
Alt, aber gut ist der Hinweis, dass langsames,
bedächtiges Essen die Verdauung fördert.
Einerseits wird man auf diese Art schneller
satt, spart also Kalorien. Andererseits setzt
Stress das Verdauungssystem unter Druck.
Unter seinem Einfluss kommt es leichter zu
18 my life 16/2025
150000
Menschen in
Deutschland leben
mit einem Stoma,
einem künstlichen
Darmausgang.
Bei rund 70 Prozent
von ihnen ist Krebs
die Ursache, bei
einigen eine schwere
Entzündung
Entzündungen. Auch das nicht
entzündungsbedingte Reizdarmsyndrom,
an dem rund 20 Prozent
der Menschen zumindest
zeitweise leiden, hat in vielen
Fällen mit Dauerhektik im Alltag
zu tun. Wie der Name schon
andeutet, reagiert der Darmtrakt
überempfindlich, Blähungen,
Verstopfung, Durchfall und
Schmerzen treten wechselweise
auf. Ein Expertenrat lautet,
dass keine Hauptmahlzeit kürzer
als 20 Minuten dauern sollte.
Außerdem hatte Oma nicht
unrecht mit ihren Ermahnungen.
Jeder Bissen sollte vor dem
Schlucken ausführlich – ein
häufiges zitiertes Minimum
liegt bei 15-mal – zerkaut werden.
Durch den Speichel bewirkt das auch eine
Art Vorverdauung.
Zellgift. Alkohol beeinflusst den gesamten
Gastrointestinaltrakt, von der Speiseröhre bis
zum Dickdarm, und das nicht allein in seiner
Eigenschaft als Zellgift. Unter seiner Einwirkung
kann sich der ringförmige Muskel, der
den Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre
verhindert, zu sehr entspannen. Das
begünstigt Sodbrennen. Größere und hochprozentige
Mengen Alkohol überlasten die
Mikroben im Darm. Schließlich fördert auch
Alkohol Entzündungen. Ein kleiner, möglicher
Ausgleich liegt darin, dass Bier und andere alkoholische
Getränke fermentiert sind.
Zucker mögen die Darmbakterien, solange es
nicht zu viel wird. Hormonforscher Prof. Wataru
Ogawa von der Universität Kobe in Japan
beobachtete, wie die Mikroben aus Glukose
jene kurzkettigen Fettsäuren herstellen, die der
menschliche Körper in vielerlei Hinsicht benötigt.
Wer aber Zucker so zu sich nimmt, dass er
schnell ins Blut geht, unterstützt die schlechten
Bakterien. Epidemiologen am Albert Einstein
College of Medicine in New York fanden
in Stuhlproben entsprechende Hinweise. Probanden,
die mehr als zwei Limonaden pro Tag
tranken, wiesen Stoffwechselwerte auf, die
einer Vorstufe von Diabetes nahekommen. Mit
dem Zusammenhang zwischen Übergewicht
und den Darmbewohnern tut sich die medizinische
Forschung noch schwer. Sie ist sich uneinig,
was von den beiden die Ursache und was
die Wirkung ist.
Zuletzt prüfte eine Forschergruppe, ob ein
gesundes Mikrobiom beim Abnehmen hilft.
30 Probanden zwischen 18 und 45 Jahren ernährten
sich drei Wochen lang extrem ballaststoffreich.
Die Diät, die in ländlichen
Regionen Papua-Neuguineas
verbreitet ist, umfasst Bohnen,
Süßkartoffeln, Gurken,
Kohl, Topinambur, Erbsen und
Zwiebeln. Die Kost sollte „eine
ursprüngliche, nicht industrialisierte
Ernährungsweise nachahmen“,
so Studienleiter Prof.
Jens Walter, der an der irischen
Universität Cork forscht. Die –
im Fachjournal „Cell“ veröffentlichten
– Ergebnisse: Bifidobakterien
vermehrten sich, während
entzündungsfördernde Mikroben
zurückgingen. Deutlich hätten
sich bei den Probanden jene
Werte verbessert, die mit Herz-
Kreislauf-Problemen und Diabetes
verbunden seien, ergänzt
Co-Forscher Prof. Stephan Bischoff von der
Universität Hohenheim. Sie nahmen leicht ab,
vor allem aber verbesserten sich Blutfett- und
Blutzuckerwerte.
3
Vorsicht bei Antibiotika:
Sie können die Darmflora
niederwalzen
Antibiotika töten nicht nur schädliche Bakterien
ab, sondern auch Teile des nützlichen Mikrobioms.
Geschieht dies, antwortet der Darm
häufig mit Durchfall, Verstopfung und Blähungen.
Manchmal fällt der Schaden so groß
aus, dass es Monate dauert, bis die Mikrobenkultur
wieder in Ordnung ist. Ebenso können
andere Gruppen von Medikamenten, darunter
Mittel gegen Entzündungen, gegen Magensäure,
gegen Diabetes und Antidepressiva, tendenziell
den Darm schwächen.
Der Verdauungsschlauch ist ein Grund, kritisch
nachzufragen, ob man Antibiotika einnehmen
soll. Wenn ja, dann sollten Patienten
sich an die empfohlene Dosierung und Einnahmedauer
halten – dieser Ratschlag senkt
bekanntlich die Gefahr, dass Keime resistent
werden, das Problem also wieder und wieder
auftritt. Ob es sinnvoll ist, gleichzeitig oder
unmittelbar nach einer Antibiotikabehandlung
probiotischen Joghurt und Kefir zu löffeln
oder entsprechende Kapseln zu kaufen,
sollte man mit dem Arzt klären. Manche Medikamente
scheinen sich zum Beispiel schlecht
mit Calcium zu vertragen.
Abwehr. Dabei können Darmmikroben
Antibiotika womöglich überflüssig machen.
Eine neue, etwas komplizierte Erkenntnis gelang
Forschern am Helmholtz-Zentrum für
Infektionsforschung in Braunschweig. Sie ➡
Ich sei zu jung, hieß
es. Doch war ich
penetrant. Schließlich
gab es Darmkrebs
in der Familie
Kerstin Mannes (42)
bekam vor zwölf Jahren
unregelmäßigen Stuhlgang.
Der erste Arzt, den sie nach
drei Monaten aufsuchte,
beruhigte. Sie sei zu jung.
Mannes dachte daran,
dass Darmkrebs in ihrer
Familie aufgetreten war. Vier
Monate später hatte sie die
Diagnose – früh genug.
Zwar folgten Radio- und
Chemotherapie, aber ein
dauerhafter künstlicher
Darmausgang blieb ihr
erspart. Seit über fünf Jahren
ist die Yogalehrerin aus dem
Raum München krebsfrei.
Sie meidet Zucker, Weizen
und Laktose
16/2025 my life
19
GESUNDHEIT
Gefragte Methode
In den vergangenen
Jahren sind Dutzende
Apheresezentren
entstanden. Die
medizinische
Reinigungsbranche
boomt. Zwei Mal pro
in etwa dreistündiger
Sitzung wälzen
die Maschinen das
Blut um
22 my life 16/2025
Komplexe Anwendung
Hier bekommt das
Blut sein Fett weg
Die maschinelle Reinigung des Blutes, die Apherese, hilft bei schweren Störungen des
Fettstoffwechsels. Manche erhoffen sich davon auch Heilung für Long COVID und Schutz vor
Demenz – oder ein längeres Leben. Was kann die Behandlung wirklich?
→
Stefan Zimmer* (56) rettet gerade sein
Leben. Er liegt in einem Behandlungsstuhl
im Uniklinikum Dresden. In beiden Armen
stecken Schläuche, die zu einer Maschine
führen. Durch die Schläuche pulst sein Blut.
Herr Zimmer trägt Kopfhörer und ein gemütliches
Shirt. Er hat die Augen geschlossen.
„Herr Zimmer, hören Sie mich?“
Keine Reaktion. Noch einmal, mit Anklopfen:
„Herr Zimmer?!“
Zimmer öffnet die Augen und nimmt den
Kopfhörer ab. „Tschuldigung, ich höre eine
Klaviersonate von Haydn. Ziemlich laut.“
„Sie scheinen sich hier wie zu Hause zu
fühlen.“
Zimmer nickt. „Ich komme jetzt ja schon
seit ein paar Jahren jede Woche hierher.“
Reinigung. Mit 38 Jahren hatte Zimmer
einen Herzinfarkt. Mehrere Adern zu, fünf
Stents am Herzen. Diagnose: genetisch bedingte
Fettstoffwechselstörung. Seitdem geht
er zur Blutwäsche, das Fachwort dafür ist
Apherese. Dresden hat das größte universitäre
Apheresezentrum Deutschlands. Hier stehen
40 Maschinen, 170 Patienten kommen pro
Woche, knapp 10 000 pro Jahr. In den Maschinen
werden Fette und an ihnen haftende Proteine
aus dem Blut gefiltert. Entzündungsmarker
sind dabei und auch Mikroplastik. In
den Auffanggläsern sieht man orange Pampe
und schwarze Schlieren. Kein schönes Bild.
„Viele unserer Patienten würden ohne Apherese
nicht mehr leben“, sagt Prof. Stefan Bornstein,
Chef der Dresdner Blutwäsche-Abtei-
* Name von der Redaktion geändert
lung und Direktor der Inneren Medizin.
Blutwäsche gibt es seit etwa 40 Jahren in
Deutschland. Zunächst wurde das Verfahren
vor allem eingesetzt, um Menschen mit einem
gestörten Fettstoffwechsel das Leben zu
retten. „Fettgesteuerte Proteine sind höchstgefährlich“,
sagt Prof. Bornstein, „sie führen zu
Verkalkungen der Herzklappen und Herzkranzgefäße.“
Vorbeugung. Nach Herzinfarkt und Schlaganfall
gibt es einer Studie der Uni Dresden
zufolge nach Lipoprotein-Apherese in fast
80 Prozent aller Fälle keine weiteren Ereignisse
mehr. Stefan Zimmer ist Beispiel dafür. Seit
er wöchentlich an Prof. Bornsteins Geräten
sitzt, gibt sein Herz Ruhe.
Wirkung oder Placebo-Effekt?
Mittlerweile brummen die Blutwaschmaschinen
mit den Doppelfiltersystemen auch, um
bei vielen weiteren Leiden zu helfen. In den
vergangenen Jahren haben in Deutschland
Dutzende von medizinischen „Waschsalons“
eröffnet. Oftmals versprechen sie Linderung
etwa bei Post-COVID-Erkrankungen.
Ob das funktioniert, ist umstritten. Es gibt
zwar positive Fallberichte, aber es könnte sich
dabei um Placebo-Effekte handeln. „Wenn ich
5000, 8000, 10000 Euro aus eigener Tasche
für eine Therapie bezahlt habe, dann hilft diese
auch“, sagte Prof. Tobias Welte, der mittlerweile
verstorbene ehemalige Direktor der Klinik
für Pneumologie an der Medizinischen Hochschule
Hannover 2022 dem „Ärzteblatt“. ➡
Viele unserer
Patienten
würden ohne
Apherese nicht
mehr leben
Prof. Dr. med.
Stefan R. Bornstein,
Direktor der
Medizinischen Klinik und
Poliklinik III sowie des
Zentrums für Innere
Medizin, Uniklinikum Carl
Gustav Carus Dresden
16/2025 my life
23
DOSSIER
CHRONISCHE KRANKHEITEN
28 Strategien Für Betroffene
kommt es vor allem darauf an,
den Alltag zu vereinfachen
34 Hoffnungsträger Die
„Abnehmspritze“ unter der Lupe
KURSE & MODERNE TECHNIK
Wieder leichter
leben
Die Diagnose einer chronischen Erkrankung
ändert alles. Zum Glück gibt es immer mehr Wege, um
das Krankheits-Management zu vereinfachen
Zusammenhalt
Unterstützung von
Familie und Freunden
hilft dabei, eine
Erkrankung auch
psychisch zu bewältigen
→
Knapp 54 Prozent der deutschen Bevölkerung
geben laut RKI an, von einer
chronischen Erkrankung betroffen zu sein.
Es sind Krankheiten wie Multiple Sklerose,
Diabetes, Parkinson, Adipositas, Hypertonie,
Krebs, Lungenleiden oder Depressionen. Je
älter, desto häufiger leiden Menschen an einer
Krankheit, die bleibt – bei über 45-Jährigen
sind es schon fast 60 Prozent. Viele Betroffene
sind multimorbid, das heißt, sie haben mehrere
Erkrankungen, die die Lebensqualität stark
beeinträchtigen können. Vor allem die Gestaltung
des Alltags mit teils vielen Medikamenten,
aber auch die psychische Gesunderhaltung
ist schwierig. Denn die Krankheit stresst
– und dieser Stress hat wieder ungute Auswirkungen
auf die Krankheit.
Einschnitt. Schon die Diagnosestellung zu
Beginn kann die Patienten stark belasten,
werden sie doch plötzlich aus dem gewohnten
Leben katapultiert, weiß Prof. Bernhard Kulzer.
Der Psychologische Psychotherapeut und
Fachpsychologe Diabetes befasst sich mit der
Wirkung von Diabetes auf die Psyche und
leitet das Forschungsinstitut der Diabetes-
Akademie Bad Mergentheim. Betroffene reagieren
unterschiedlich auf die Diagnose: ➡
Positiv ist:
Es überwiegt
die Zahl der
Menschen,
die gut mit
Diabetes leben
Prof. Dr. phil. Dipl.-Psych.
Bernhard Kulzer,
Fachpsychologe Diabetes,
Psychologischer
Physiotherapeut und Leiter
der Diabetes-Akademie
Bad Mergentheim
16/2025 my life
29
DOSSIER CHRONISCHE KRANKHEITEN
Vor- und Nachteile Kleine Sensoren am Arm erleichtern das Messen der
Blutzuckerwerte. Die dauerhafte Überwachung kann aber auch Stress fördern
54 %
der deutschen
Bevölkerung
sind von einer
chronischen
Erkrankung
betroffen
Ca.
Gut zu wissen
➡ „Bei Menschen mit Typ 1 ist dies oft ein dramatisches
Ereignis. Dass dies eine chronische
Erkrankung ist, die man lebenslang hat, muss
man erst verarbeiten. Viele sind aber auch entlastet,
endlich einen Namen für ihre Beschwerden
zu haben.“ Auch die Umstellung ins neue
Leben gehe jeder anders an. „Positiv ist: Es
überwiegt die Zahl der Menschen, die gut mit
Diabetes leben. Tatsächlich aber erfordert diese
Krankheit eine gewisse Selbstreflexion, eine
besondere Wahrnehmung eigener Bedürfnisse
sowie die Fähigkeit, auf Dinge zu verzichten
und Handlungskonsequenzen vorherzusehen.
Das sind Fähigkeiten, die nicht jeder mitbringt.
Es gibt Menschen, die leben chaotisch – und sie
gehen in der Regel auch chaotisch mit der
Krankheit um“, so Prof. Kulzer.
Zudem versuchen viele, ihre Krankheit zu
verdrängen; dies kann bei Typ-2-Diabetes eine
Zeit lang möglich sein. Der Experte: „Es ist
auch für diese Betroffenen nicht schön zu erfahren,
krank zu sein, aber viele schütteln das
ab. Zwar sollen Erkrankte ihren Lebensstil
Kontakt Bei chronischen Erkrankungen
ist es ideal, sich weitere Hilfe zu suchen,
etwa in Online-Communitys. Diese funktionieren
wie Selbsthilfegruppen, sind
aber ortsunabhängig. Betroffene finden
hier Rückhalt, Information und Miteinander.
Auch für Angehörige lohnen sich
die Vernetzung sowie Weiterbildungskurse,
wie die Angehörigenstunden in
Diabetesschulungsprogrammen.
Technik Es gibt heute Unterstützungssysteme
für viele Krankheiten, wie die
ändern, aber wir wissen aus Studien, dass viele
das nicht tun, obwohl darin eine riesige Chance
bestünde, da man Typ 2 rückgängig machen
kann.“ Betroffene bekommen in aller Regel
keine Blutzuckermessstreifen oder Systeme
zur kontinuierlichen Glukosemessung verordnet.
Das heißt, sie sehen nicht, wie ihre Glukosewerte
sind. „Am Anfang steht eine Medikation,
die man morgens einnimmt – und
dann vergisst man den Diabetes wieder. Erst
wenn vielleicht doch Insulin ins Spiel kommt,
gehen die Emotionen hoch. Man muss nun
den Blutzucker messen, sieht die Glukoseschwankungen
und bekommt erstmals mit,
dass man krank ist.“ Für viele beginnt die
Krankheitsbelastung also erst, wenn es ans
Insulinspritzen geht.
Verzerrte Wahrnehmung
Dazu kommt die Rolle des Umfelds. Es hat
gerade bei der psychischen Krankheitsbewältigung
einen großen Einfluss. „Personen mit
Typ 1 bekommen viel mehr als Menschen mit
Typ 2 eine Krankenrolle zugesprochen. Sie
werden für ihr Schicksal bemitleidet, man
sorgt sich. Betroffenen mit Typ 2 unterstellt
man oft eine Art Charakterschwäche: Sie
haben zu viel gegessen, sich zu wenig bewegt
und bekommen nun die Folge mangelnder
Disziplin zu spüren,“ so Prof. Kulzer.
Der Arzt weiß: Typ-2-Diabetes hat in der
Öffentlichkeit nicht den besten Ruf, Erkrankte
finden leider wenig Unterstützung. „Die
Menschen erleben eine Stigmatisierung, die
dazu führt, dass viele sich nicht trauen zu
sagen, dass sie krank sind.“ Fatal, denn für jede
chronische Krankheit gelte: „Je selbstbewusster
man sie in sein Lebenskonzept integriert
und Behandlungsroutinen entwickelt, desto
eher kommt man damit zurecht.“ Wer dies
nicht tue, werde irgendwann von ihr eingeholt.
„Integriert man die Krankheit nie richtig
ins Leben, wird man immer wieder Schwierigkeiten
haben. Sie kommt quasi durch die Hintertür
wieder herein, meist über die Psyche.“
Innerer Druck. Tatsächlich sei der Disstress,
also die krankheitsbezogenen Belastungen,
der Hauptgrund dafür, warum etwa Depressionen
und Angststörungen bei
Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung
(CGM) für Diabetiker. Sie
helfen, den Glukoseverlauf besser unter
Kontrolle zu haben und ermöglichen,
dem Anstieg und Abfall des Zuckers
rechtzeitig entgegenzuwirken.
30 my life 16/2025
chronischen Leiden so häufig sind – sie kommen
etwa doppelt so oft vor wie in der Allgemeinbevölkerung.
„Betroffene merken oft erst
mit der Zeit, wie belastend die Krankheit ist.
Am Anfang geht man mit Optimismus an ihre
Bewältigung, aber man merkt irgendwann, wie
hoch die Energiekosten sind. Ein ‚Urlaub‘ vom
Diabetes ist nicht möglich, ständig muss man
die Therapie umsetzen, mit- und vorausdenken“,
sagt der Experte. Die Unbeschwertheit
des Lebens sei zu einem gewissen Teil weg.
Viele denken auch an die Folgeerkrankungen
und machen sich Vorwürfe, wenn die Werte
mal nicht gut sind. „Oft entsteht das Gefühl,
das Leben sei zu komplex und die Krankheit
habe Macht über einen. Auch die Abhängigkeit
von anderen, etwa von Ärzten, ist für chronisch
Betroffene nicht leicht“, sagt Prof. Kulzer.
Umgang. Neue Technologien haben bei
chronischen Krankheiten oft bahnbrechende
Wirkung und erleichtern das Leben enorm –
bei Diabetes etwa die digitalen Glukosemesssysteme.
Aber auch hier gelte: Das Leben damit
muss erprobt werden. „Sonst können sie
zu einer Belastung werden, weil man mit Glukosewerten
bombardiert wird. Das kann einen
Perfektionswillen erzeugen, die Werte immer
im Griff zu haben – und damit Druck.“ Ärzte
schätzen – so Prof. Kulzer –, dass es bei jedem
vierten Nutzer moderner Technologien zu
neuen Belastungen kommt. Man muss daher
lernen, mit ihnen gut umzugehen, damit sie
als der Vorteil empfunden werden, der sie
auch sind.
Überwachungsdrang nimmt zu
So einen Perfektionswillen sehen Experten
auch bei anderen chronischen Erkrankungen.
Die Münchner Psychoonkologin Dr. Angela
Grigelat weiß, dass an Krebs Erkrankte sich
oft unter Druck setzen und versuchen, alles zu
tun, damit die Krankheit nicht mehr wiederkommt.
Sie sagt: „Es kann seelisch guttun,
sich mit den eigenen Einflussmöglichkeiten
zu beschäftigen, etwa dem Lebensstil. Das
gibt das Gefühl, selbst etwas in der Hand zu
haben und das Rezidivrisiko zu verringern,
etwa über Ernährung und Bewegung sowie die
Nachsorge.“ Sie warnt aber auch: „Zu viel
Verantwortung für den Krankheitsverlauf zu
übernehmen, erzeugt Stress und ist nicht hilfreich
für das herausfordernde Leben unter
dem Damoklesschwert der Ungewissheit.“ Als
Expertin mit langjähriger Erfahrung möchte
sie vermitteln, nach der Therapie „nicht nur
möglichst viel Sicherheit und Kontrolle zu
suchen, denn das ist meist vergeblich. Es geht
eher darum, und das ist meine Aufgabe als
Psychoonkologin, zu lernen, die Ungewissheit
über die Zukunft anzunehmen und sich darauf
konzentrieren zu können, das Leben nach
dem Krebs erfüllend zu gestalten.“
Fortbildung. Das heißt: Das A und O für ein
gutes Leben mit einer chronischen Krankheit
ist Wissen! Bei Diabetes etwa eine Schulung,
um Strategien zu lernen, wie man die Therapie
gut umsetzt. Zudem gibt Prof. Kulzer Patienten
den Begriff „energiesparendes Diabetesmanagement“
mit. Also: „Wenn Sie Auto fahren,
beschäftigen Sie sich auch nicht ständig
damit, wann Sie den Fuß vom Gas nehmen
und schalten, sondern Sie unterhalten sich,
hören Radio. Sie verschwenden wenig Energie
auf gewisse Entscheidungsnöte, es laufen
Routinen ab – und das ist gut so.“ Wer seinen
Diabetes ebenfalls so angeht, schont die Psyche,
meint er. Man agiert wie ein Pilot, der geübt
hat, was er in einer Situation zu tun hat,
und nicht in Emotionen festhängt. Trainierte
Handlungsabläufe einzusetzen, sei der entscheidende
Punkt, um gut zu handeln.
Wissen stärkt das Selbstbewusstsein
Ein hilfreiches Begleitprogramm für alle an
chronischen Krankheiten leidenden Menschen
bietet die Initiative INSEA aktiv an. Das
Programm will Betroffene und Angehörige
unterstützen, die Krankheit besser ins Leben
zu integrieren. Die kostenlosen Kurse sind
bundesweit buchbar auf insea-aktiv.de/inseakurstermine.
Dr. Gabriele Seidel von der Medizinischen
Hochschule Hannover, die bis vor
Kurzem die natio nale Koordinierungsstelle ➡
Chronisch Erkrankte
in verschiedenen Bevölkerungsgruppen
Frauen
39,8 %
Männer
28,1 %
Frauen
74,7 %
18–29 Jahre ≥ 80 Jahre
Es kann seelisch
guttun, sich mit
den eigenen
Einflussfaktoren
zu beschäftigen,
so etwa dem
Lebensstil
Dr. phil. Dipl.-Psych.
Angela Grigelat,
Psychologische
Psychotherapeutin und
Psychoonkologin
mit eigener Praxis
in München
Männer
71 %
Quelle: Gesundheitsberichterstattung „Chronisches Kranksein (ab 18 Jahren)“,
Robert Koch-Institut, 2025
16/2025 my life
31
DOSSIER CHRONISCHE KRANKHEITEN
15 %
ihres Ausgangsgewichts
verlieren adipöse Anwender
von Semaglutid
durchschnittlich
innerhalb eines Jahres
Quelle: Arzneimittelkommission
der deutschen Ärzteschaft
2/3
des verlorenen
Gewichts landen
ein Jahr nach
dem Absetzen
von Semaglutid
wieder auf den
Rippen
Quelle: Studie
der University of
Liverpool
54 %
der stark
Übergewichtigen
fühlen sich
psychisch stark
belastet
Quelle: Umfrage von
Civey im Auftrag des
Pharmaunternehmens
Lilly Deutschland
Sattmacher
Semaglutid ist eine
mögliche Wunderwaffe
gegen Adipositas
HOFFNUNG BEI ADIPOSITAS?
Die Spritze
zum Abnehmen
Der Hype um Ozempic, Wegovy & Co. bestimmt nach wie vor die Schlagzeilen.
Welche Wirkstoffe die Pfunde purzeln lassen, welche Nebenwirkungen es gibt
und was die Forschung für die nahe Zukunft verspricht
→
Ein paar Piekse – und alle Abnehmsorgen
wären passé. Klingt traumhaft!
Vor allem für die fast 25 Prozent der stark
übergewichtigen Menschen in Deutschland.
Sie stehen oft unter enormem Druck abzunehmen,
54 Prozent von ihnen fühlen sich psychisch
stark belastet, so das Ergebnis einer
Umfrage von Civey im Auftrag des Pharmaunternehmens
Lilly Deutschland. Dazu kommt,
dass der entgleiste Energiehaushalt mit einem
hohen Risiko von koronarer Herzkrankheit,
Diabetes, Arthrose oder Gicht einhergeht.
Kleiner Magen, kleine Portionen
Bei Adipositas handelt es sich um eine komplexe
chronische Erkrankung. Während traditionelle
Ansätze zur Gewichtsreduktion wie
Diäten und Bewegung oft wenig bringen, gibt
es medizinische Lösungen, die Unterstützung
bieten können. Lange galt die bariatrische
Operation, bei welcher der Magen verkleinert
oder per Bypass umgangen wird, als Mittel der
Wahl für schwer adipöse oder bereits an Folgeerkrankungen
leidende Patienten, bei denen
alle anderen Maßnahmen versagt hatten.
Umstellung. Das Prinzip dieser Operation:
Der Magen kann die einst gewohnte Menge an
Speisen nicht mehr fassen, daher setzen Völlegefühl
und Sättigung schneller ein. Es gilt
dann, neue Essregeln zu beachten: kleine Portionen,
gut kauen und trinken nur vor und
zwischen den Mahlzeiten. Die Betroffenen verlieren
deutlich an Gewicht und lassen damit
viele gesundheitliche Probleme hinter sich.
Mit den Abnehmspritzen sind nun neue, einfacher
anzuwendende Player auf dem Markt,
die ohne Operation und deren Nachwirkungen
zu einer starken Gewichtsreduktion führen.
Es scheint so leicht – und genau das hört
sich so verlockend an. Injektionslösungen mit
Wirkstoffen wie Semaglutid oder Liraglutid
wirken wie das Darmhormon GLP-1: Als sogenannte
GLP-1-Analoga erhöhen sie die Insulinmenge,
welche die Bauchspeicheldrüse als
Reaktion auf die Nahrungsaufnahme freisetzt.
Das hilft bei der Kontrolle des Blutzuckerspiegels.
Semaglutid aktiviert zudem neuronale
Regelkreise im Gehirn, die für die Hungerregulation
verantwortlich sind. Innerhalb eines
Jahres verlieren Anwender im Schnitt 15 Prozent
ihres Ausgangsgewichts.
„Dank dieser Medikamente bietet sich nun
eine Alternative zur meist unumkehrbaren
bariatrischen OP“, sagt Prof. Baptist Gallwitz,
Pressesprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft
e. V. Beim Wirkstoff Semaglutid berichten
Patienten, dass sie viel schneller und
über einen langen Zeitraum satt sind, sodass
sie sich unwillkürlich maßvollere Portionsgrößen
angewöhnen.
Weniger Gewicht? Ein Kinderspiel
Wohl kein Medikament – von Viagra vielleicht
abgesehen – hat je so eingeschlagen wie die
Wirkstoffe aus der GLP-1-Analoga-Gruppe.
Dass Prominente wie Adele, Elon Musk oder
Kim Kardashian ihre Abnehmerfolge öffentlich
auf Semaglutid zurückführten, löste ➡
Für den Fall, dass
man die Spritze
absetzt, fehlen
uns noch die
Erfahrungen
Prof. Dr. med.
Baptist Gallwitz,
Lehrbeauftragter Innere
Medizin IV am Universitätsklinikum
Tübingen sowie
Pressesprecher der
Deutschen Diabetes
Gesellschaft e. V. (DDG)
16/2025 my life
35
GESUNDHEIT
LEICHT & NÄHRSTOFFREICH
Besser essen,
besser schlafen
Wer vor dem Schlafen nicht mehr schlemmt, kann auf eine geruhsame
Nacht hoffen. Doch es gibt noch viele weitere Ernährungs-Stellschrauben,
die für nachhaltige Erholung sorgen, weiß die My Life-Expertin
★ MY L
FO L G E
IFE-SER
besser
IE ★
essen
gesund
bleiben
3 5 : GUTER SCHLAF
Essen Sie nicht
zu schnell, sonst
kann ihr Körper
nicht rechtzeitig
signalisieren, wenn
er satt ist
Prof. Dr. med. Julia
Seiderer-Nack,
Fachärztin für Innere
Medizin mit
den Schwerpunkten
Ernährungsmedizin und
ganzheitliche Therapie
praxis-seiderer.de
→
Menstruation, Schwangerschaft,
Menopause: Gründe dafür, dass
Frauen einen empfindlicheren Schlaf
als Männer haben, gibt es viele.
Vor allem die Wechseljahre sorgen
für eine Änderung der
Schlafzyklen, „denn die Hormone
Östrogen und Progesteron gehen jetzt stetig
zurück. Dabei sind sie es, die einen entscheidenden
Beitrag für eine erholsame Nachtruhe
leisten“, erklärt Prof. Julia Seiderer-Nack. Auch
das Risiko, eine Schlafstörung zu entwickeln,
ist bei Frauen erhöht – und damit die Gefahr
von Herz-Kreislauf-Problemen, Demenz und
Depression.
Die Qualität des Schlafes lässt sich oft schon
durch einfache Maßnahmen wie Abendroutinen,
Verzicht aufs Handy oder ein abgedunkeltes
Zimmer verbessern. Aber auch die Ernährung
spielt eine wichtige Rolle. Wer etwa
kurz vor dem Zubettgehen eine üppige Mahlzeit
zu sich nimmt, hat schlechte Karten für
einen erholsamen Schlaf. Das liegt am Biorhythmus
unseres Magen-Darmtrakts, denn
auch er will in der Nacht zurückfahren.
„Die späte Verdauungsarbeit hält uns länger
wach, denn der Körper kurbelt den Stoffwechsel
an und schüttet zudem Botenstoffe aus,
die die Produktion des Schlafhormons
Melatonin noch verzögern“,
erklärt die Internistin aus München.
Der unschöne Nebeneffekt:
Schlafmangel kann zu Übergewicht
führen. Aktuellen Studien
zufolge haben müde Menschen
eher Appetit auf hochkalorische
Lebensmittel. „Zudem steigert
spätes Essen das Risiko für
Typ-2-Diabetes und weitere
Stoffwechselerkrankungen“,
sagt Prof. Seiderer-Nack.
Die optimale Abendmahlzeit
sollte mindestens zwei, besser drei Stunden
vor dem Schlaf eingenommen werden, sättigend
und bekömmlich sein – denn so kommt
sie rechtzeitig vor dem Zubettgehen im Dünndarm
an. Ideal ist gegartes Gemüse mit etwas
Eiweiß, also beispielsweise Fisch, Soja oder
Quark. Rohkost oder Salat am Abend dagegen
kann Gärprozesse im Magen-Darmtrakt begünstigen
und damit schlafstörende Blähungen
und Völlegefühle hervorrufen.
Die richtigen Hormone zur rechten Zeit
In der Nacht ist die Konzentration von Melatonin
im Körper um ein Vielfaches erhöht. Daher
können sich alle Nahrungsmittel, die viel
Melatonin enthalten, schlaffördernd auswirken.
„Gute pflanzliche Lieferanten sind beispielsweise
Weintrauben, Sauerkirschen, Erdbeeren,
Kiwis, Pfeffer, Tomaten, Pilze und
Nüsse, tierische Quellen sind unter anderem
Milch, Eier und Fisch“, zählt Prof. Seiderer-
Nack auf.
Lebensmittel, die die Aminosäure Tryptophan
beinhalten, sollen ebenfalls die
Nachtruhe fördern. Denn aus ihr kann
der Körper im Zwischenhirn das
Schlafhormon Melatonin selbst herstellen.
Reich an Tryptophan sind
FOTOS: FOTOLIA; SHUTTERSTOCK (4); ADOBE STOCK (4); B URDAFOOD.NET/MATHIAS NEUBAUER; PR
46 my life 16/2025
5
für einen
guten Schlaf
➊ Eine gute Abendroutine
hilft: Eine Stunde
vor der Nachtruhe kein
Handy oder Arbeit, dafür
Entspannung, leichte
Bewegung und dann ein
abgedunkeltes Zimmer
➋ Weniger ist mehr:
Ein leichtes frühes Abendessen
ist deutlich schlaffördernder
als eine üppige
Mahlzeit mit Alkohol
spät am Abend
➌ Beruhigung aus der
Natur: Tees und Zubereitungen
mit Baldrian,
Passionsblume, Hopfen,
Melisse oder Kamille
helfen der Nachtruhe
➍ Magnesium und
B-Vitamine helfen unserem
Nervensystem bei der
Entspannung – gute Lieferanten
sind Vollkornprodukte,
Hülsenfrüchte,
Nüsse, Mandeln und
Pistazien
➎ Tryptophanreiche
Lebensmittel wie Eier,
Thunfisch, Cashew- und
Sonnenblumenkerne oder
Grünkohl können die Bildung
wichtiger Hormone
unterstützen
unter anderem Eier, Thunfisch,
Cashew- und Sonnenblumenkerne,
Grünkohl und Kräutertees. Die viel
beschworene „heiße Milch mit Honig“
streichelt zwar die Seele und enthält
ebenfalls Tryptophan, allerdings in
so geringer Konzentration, dass es nicht
ausreicht, um schneller einzuschlafen.
„Greifen Sie lieber zu einem warmen
Kräutertee, beispielsweise mit Baldrian. Er
kann beruhigend wirken und die Einschlafzeit
verkürzen“, sagt Prof. Seiderer-Nack. Aber besser
erst eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen
trinken, weil Baldrianwurzel die Reaktionsfähigkeit
beeinflusst. Auch die Passionsblume
wirkt beruhigend, angstlösend und entspannend
und fördert so eine regenerierende, gesunde
Nachtruhe. Als sanfte Helfer gelten daneben
Melisse, Kamille und Hopfen.
Nährstoffe für die Nerven,
Mediterranes fürs Mikrobiom
Mehrere Studien bestätigen außerdem: Ein
angespanntes Nervensystem benötigt genügend
B-Vitamine, etwa aus Vollkornprodukten
und Hülsenfrüchten, sowie Magnesium.
„Nicht umsonst gilt Magnesium als ,Entspannungsmineral‘.
Frauen sollten davon etwa
300 mg pro Tag aufnehmen“, so die Ernährungsexpertin.
Vor allem (getrocknete) Bananen
sowie Paranüsse, Mandeln und Pistazien
sind reich an diesem Mineralstoff.
„Als potenziell schlaffördernd
gelten auch Vitamin D
und das Spurenelement Zink,
ZUTATEN
4 Lachsfilets (à 150 g) Salz
Pfeffer 50 g Sesam 200 g
Quinoa (ersatzw. Bulgur) 200 g
Erbsen (TK) 400 g Blumenkohl
½ Ananas (ca. 800 g) 3 EL
Rapsöl 200 g Kirschtomaten
Für das Dressing: 100 ml Orangensaft
1 TL Senf 2 EL weißer
Balsamico-Essig 2 EL Sesamöl
Salz Pfeffer
1. Lachs abbrausen, trocken
tupfen, salzen und pfeffern. Im
Sesam wenden.
2. Quinoa in einem Sieb abbrausen,
nach Packungsangabe garen.
Erbsen die letzten 5 Minuten
mitkochen, alles abgießen. Blumenkohl
waschen, putzen und in
kleine Röschen teilen. Ananas
schälen, längs halbieren, Strunk
entfernen. Ananas in Stücke
schneiden.
das nachweislich an der Schlafregulation
beteiligt ist. Ob eine gezielte
Zufuhr sinnvoll ist, muss aber
noch durch Studien nachgewiesen
werden.“
Wie bei so vielen gesundheitlichen
Problemen spricht auch bei schlechtem
Schlaf viel für eine mediterrane Kost.
Mehrere Studien wiesen nach, dass Menschen,
die viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte,
Nüsse, Vollkornprodukte und Olivenöl sowie
Fisch und Milchprodukte in Maßen zu sich
nahmen, leichter ein- und besser durchschlafen.
„Möglicherweise liegt das an den positiven
Effekten der Mittelmeerküche auf unser
Darmmikrobiom“, sagt Prof. Seiderer-Nack.
Offenbar ist die Darm-Hirn-Achse maßgeblich
an unserem Schlafverhalten beteiligt.
Doch es kommt nicht nur darauf an, was wir
zu uns nehmen, auch das Wie spielt eine wichtige
Rolle: „Essen Sie grundsätzlich nicht zu
schnell, sonst kann ihr Körper nicht rechtzeitig
signalisieren, wenn er satt ist“, sagt Prof.
Seiderer-Nack. Die unerwünschte Folge: Wir
nehmen deutlich mehr Kalorien zu uns, als
wir verbrauchen können.
Und was ist mit dem Mythos, ein Glas Rotwein
am Abend würde uns besser schlummern
lassen? „Alkohol kann zwar tatsächlich das
Einschlafen beschleunigen. Allerdings um den
Preis, dass die Schlafqualität deutlich abnimmt
– der Tiefschlaf wird stärker,
der erholsame REM-Schlaf leidet. Ich
rate daher eindeutig zum Kräutertee“,
sagt die Ernährungsexpertin. ❰
Ananas-Quinoa-Salat mit Sesam-Lachs
3. 1 EL Öl in einer Pfanne erhitzen,
Blumenkohlröschen darin
unter gelegentlichem Wenden
10 Minuten braten, Ananas dazugeben,
kurz weiterbraten.
4. Tomaten waschen, halbieren
oder vierteln. Für das Dressing
Orangensaft mit Senf und Essig
verrühren, Sesamöl unterschlagen.
Das Dressing mit Salz und
Pfeffer würzen.
5. Restliches Rapsöl (2 EL) in
einer Pfanne erhitzen und den
Lachs darin rundum ca. 10 Minuten
braten. Alle Salatzutaten
mischen, mit dem Dressing beträufeln.
Den Lachs in Stücke
zupfen und darauf anrichten.
16/2025 my life
47
GESUNDHEIT
Gesamtheitlich Werden die Sehmuskeln immer wieder bewusst gefordert, bleiben sie stark. Die richtigen Nährstoffe helfen ebenfalls
DANK TRAINING & ENTSPANNUNG
Den Blick schärfen
Wellness steigert das Wohlbefinden – auch das der Augen: My Life-Autorin Isabelle Fuhrmann
hat ein Konzept getestet, das die Sehkraft in Balance halten soll
➡ Stress kann das
Sehvermögen
beeinträchtigen,
was wiederum zu
mehr Stress führt
→
Die Oase für die Augen thront 300 Meter
über dem Vorarlberg-Örtchen Lochau
bei Bregenz am Bodensee. Vier Sterne, große
Glasfronten, Rundum-Terrasse. „Heilsame
Architektur“, die sich in bewaldete Hügel des
Bregenzer Hausbergs Pfänder schmiegt. Und
mit einer atemberaubenden Aussicht lockt –
auf Wiesen mit Obstbäumen, auf Boote, die
wie Miniaturspielzeuge auf dem Wasser treiben,
und auf die Alpen, die sich am Horizont
auftürmen.
Auszeit. „Wir leben hier mit dem Berg im
Rücken, der Kraft gibt, und dem Weitblick
über den See“, schwärmt Diana Sicher-Fritsch.
Sie leitet mit ihrem Mann Thomas Fritsch das
„MentalSpa-Resort Fritsch am Berg“. Wer
hierherkommt, sucht nach Entspannung für
Körper und Geist, tauscht den Alltag gegen
eine Auszeit mit Wellness und Naturerlebnissen.
Dazu erstellte Diana ein ganzheitliches
Gesundheitskonzept – OASE –, veröffentlichte
darüber ein Buch und erhielt die Auszeichnung
„Best Spa Manager in Europe“.
Und jetzt also Augen-Wellness. Nach dem
Empfang mit einem „Seh-Saft“, einem nach
Minze schmeckenden Vitamincocktail, sitze
ich im samtgrünen Ohrensessel und lausche
Diana Sicher-Fritsch, weshalb auch die Sehorgane
eine solche Auszeit brauchen. Ich
lerne: Haben die Augen Stress, hat es auch
das Gehirn. Die Konzentration lässt nach, die
unangenehmen Folgen sind Kopfschmerzen
und psychischer Druck.
Die Expertin warnt vor einem Teufelskreis:
„Der Stress kann das Sehvermögen beeinträchtigen,
was wiederum zu mehr Stress führt.“
56 my life 16/2025
FOTOS: GETTY IMAGES/ISTOCK; PRIVAT (3)
Was dann helfen soll, sind persönliche Beratung
und Sehtraining, „etwa für Sehkraft und
Fokussierung, fürs Sichtfeld und für die Entspannung,
Elemente aus der Lichttherapie und
Ernährungsinfos sowie eine ,Blick Balance‘-
Massage“, kündigt die Gesundheitsexpertin an,
die auch eine Biofeedback-Ausbildung und
einen Master in psychosozialer Beratung hat.
„Natürlich können wir keinen Besuch beim
Augenarzt ersetzen“, fügt sie gleich hinzu. Daran,
dass ich ihre Power-Point-Präsentation nur
schwer ohne Brille lesen kann, wird sich nach
den zwei Tagen also nichts ändern. Aber man
kann eine Verschlechterung verhindern oder
zumindest hinauszögern. Sinnvoll für mich,
klebt mein Blick doch mindestens acht Stunden
pro Tag an Bildschirmen – oft sogar mehr.
Herausforderung für die Muskeln
Bei der persönlichen Beratung überrascht
mich Diana Sicher-Fritsch mit einem Hilfsmittel,
das im Nu eine scharfe Sicht zaubert:
eine schwarze Plastikbrille, mit kleinen Löchern
durchsiebt, eine Rasterbrille. Blickt man
hindurch, wird die Sicht sofort besser. „Man
kann sie immer für Notfälle dabeihaben“,
schlägt sie vor.
Üben. Und nun müssen meine Augen arbeiten.
Denn die Muskulatur lässt sich trainieren
und dehnen, dadurch wird das Sichtfeld weiter.
„Das erleichtert zum Beispiel auch das Einparken,
man muss den Hals nicht so stark drehen“,
sagt Diana. Dazu halte ich zwei mikadoartige
Holzstäbe in jeder Hand, auf denen
Buchstaben eingraviert sind. Nun muss der
Blick hin- und herwandern, damit ich diese ablesen
kann. Auch kleine Kugeln, die auf einer
gespannten Schnur vor meiner Nase aufgereiht
sind, soll ich fixieren, eine nach der anderen.
Erst ganz in der Nähe, dann etwas weiter
weg, schließlich geht der Blick aus dem Fenster
in den Wald, dann wieder zurück. Damit soll
sich die Sichtschärfe auf verschiedene Distanzen
anpassen. Bei einer Übung schneide ich
ganz schlecht ab: 3D-Figuren aus wild gemusterten
Bildern erkennen. „Aber auch das lässt
sich trainieren“, versichert mir Diana.
Die Natur öffnet die Augen
Angenehm ist die Gesichtsmassage: Mit sanftem
Druck und einer kühlen Creme kreisen
die Finger der Masseurin um Augen, Wangen,
Kiefer. „Sie sind sehr verspannt“, stellt sie fest.
Doch ich fühle mich schon gelöster und freue
mich auf die „Achtsamkeitswanderung“. Thomas
Fritsch führt durch die Natur seiner Heimat.
Häufig geht es steil bergauf. Wurzelige
Waldwege wechseln sich mit Pfaden über Wiesen
ab, welche die Sicht auf den Bodensee freigeben.
Allein dafür hat sich das Augentraining
bereits gelohnt.
Passend zum Wellness-Thema, ist auch das
Abendmenü auf Ernährung für die Sehkraft
abgestimmt. Eine Creme aus weißen Bohnen
und Bärlauch liefert Vitamin A und E, Provitamin
A und Lutein, das Lachssteak Proteine
und Omega-3-Fettsäuren. All diese Nährstoffe
schützen die Zellen, stärken die Netzhaut,
kräftigen Sehnen, Bänder und Muskeln. Das
lerne ich von der Ernährungsberaterin Eva
Brunner-Wildauer, die Gesundheitsinfos zu
jedem Gang gibt. Küchenchef Franz Fritsch
sorgt dafür, dass die Speisen nicht nur die
Augen stärken, sondern auch schmecken.
Wohlfühlen. Kurz vor der Abreise am
nächsten Morgen soll der Blick noch nach innen
gehen – bei einer Klangschalenmeditation.
Fast zu schade, dabei die Lider geschlossen
zu halten, denn auch in diesem Raum
geben große Fenster den Blick auf den nahen
Wald frei. Dann schlafe ich bei den mal dumpf,
mal hell tönenden Metallklängen fast ein.
Nicht nur meine Augen sind entspannt, als
mich schließlich ein Taxi wieder ins Tal hinunterbringt,
Richtung Bahnhof, Richtung
Alltag. Bereichert mit neuen Eindrücken und
gewappnet mit nährstoffreichem Bio-Leinöl
und Sichtstäben für das Training zu Hause. So
können meine Büroaugen jederzeit eine Auszeit
bekommen.
❰
1 Sitzung Redakteurin
Isabelle Fuhrmann liest
Gesundheitsexpertin
Diana Sicher-Fritsch
kleine Buchstaben auf
den Sichtstäben vor.
Das soll die Augenmuskeln
stärken und
das Sichtfeld erweitern
2 Aussicht Die schönste
Übung: die Augen weit
über die Wiesen am
Hang des Bregenzer
Hausbergs Pfänder wandern
lassen – bis zu den
Schweizer Alpen hinüber
3 Fokus Mehrere kleine
Kugeln, aufgereiht auf
einer langen Schnur,
werden nacheinander
mit dem Blick fixiert
Die Reportage entstand mit freundlicher Unterstützung von „MentalSpa-Resort Fritsch am Berg“
16/2025 my life
57
WOHLFÜHLEN
1
Variante des Unterarmstützes
Gut für: Förderung der schrägen Bauchmuskulatur, Mobilisierung
und Kräftigung von Wirbelsäule und Schultergürtel.
So geht’s: In der Plank-Position starten: Ellbogen unterhalb
der Schultern, Rumpf angespannt, Nacken lang. Unterarme
nach innen drehen, sodass beide parallel übereinander auf
dem Boden aufliegen. Einatmen, einen Arm vom Boden lösen
und nach oben aufdrehen. Der gesamte Körper folgt der
Bewegung und öffnet sich zu einer Seite, Füße werden dabei
hintereinander aufgestellt. Mit dem Ausatmen wieder in die
Anfangsposition kommen. Nach jeder Wiederholung Seite
wechseln. Wichtig: auf einen stabilen Rumpf achten.
Anzahl: 8 Wiederholungen je Seite à drei Runden.
Schultern
Arme, Hände,
Entspannung
für Vielsitzer
Einseitige Belastung sorgt schnell für Verspannungen. Physiotherapeutin Vanessa Lämmle
zeigt Bewegungsimpulse für zu Hause, um Schmerzen vorzubeugen
→
Laut dem aktuellen DKV-Report
sitzen Deutsche im Durchschnitt
554 Minuten am Tag – das sind
über neun Stunden. Zu wenige raffen
sich regelmäßig zu einer Sporteinheit
auf, und wenn doch, dann schaffen sie
vielleicht 30 bis 60 Minuten am Stück.
„Das Verhältnis von Bewegung zu
Sitzen ist miserabel. Ideal wäre mehr
Bewegungsvariation über den Tag
verteilt“, erklärt Physiotherapeutin Vanessa
Lämmle. Ein guter Anfang für
Menschen mit Bürojob ist laut Lämmle
ein höhenverstellbarer Schreibtisch
mit einem höhenverstellbaren Hocker.
Neben Rücken und Nacken leiden aber
auch Arme, Schultern und Hände
oft unter der eintönigen Haltung –
nicht von ungefähr kommen Mausarm
oder Sehnenscheidenentzündung. „Die
Arme sind anfällig für Verschleißerkrankungen.
Durch die anatomischen
Gegebenheiten und die oft einseitige
Belastung sind Beschwerden,
ausgehend von den Weichteilen wie
Sehnen oder Schleimbeutel, und Verletzungen
häufiger“, weiß Lämmle.
Kräftigung. Umso wichtiger ist es,
auch diese Körperpartien zu mobilisieren
und nachhaltig zu stärken. Wie das
gelingt, zeigt die Physiotherapeutin mit
acht Bewegungs impulsen für den Alltag.
Manche eignen sich sogar fürs Büro
oder unterwegs, etwa Übungen 6 und 7.
Auch Übung 4 lässt sich gut sitzend
durchführen.
Vorsorge. Die Expertin betont: „Mit
abwechslungsreicher Bewegung kann
man vielen Schmerzen vorbeugen,
sodass man gar nicht erst in physiotherapeutische
Behandlung muss.“ So
entstand die Idee zu ihrem Instagram-
Account: Unter @muskelundverstand
liefert Lämmle weitere Tipps und
Sport-Anleitungen für zu Hause. ❰
58 my life 16/2025
2
Mobilisation der
Schulterblätter
Gut bei: Schmerzen und Verspannungen
im hinteren Schulter- und
Nackenbereich, eingeschränkter
Schulterblattbeweglichkeit.
So geht’s: Hüftbreit mit aufgerichteter
Wirbelsäule aufstellen,
Knie sind minimal gebeugt. Dabei
Bauchnabel sanft nach innen in
Richtung Wirbelsäule ziehen.
Arme auf Schulterhöhe bringen
und einen Oberarm über den
anderen legen. Nun Unterarme
ineinander verschränken und
Handflächen (soweit möglich)
aufeinanderlegen.
Einatmen, dabei Schulterblätter
und Unterarme nach vorn, weg
vom Körper ziehen und unter
diesem Zug nach oben bewegen.
Ausatmen, Arme dabei so weit wie
möglich nach unten bewegen.
Anzahl: 6 Wiederholungen
je Seite (oben liegender Arm
wechselt), drei Runden.
Schulteröffnung
Gut bei: Rundrücken, „Geierhals“, Bewegungseinschränkungen der
Schultern, Schmerzen und Verspannungen im vorderen Schulterund
Brustbereich (mit Ausstrahlungen in den Arm).
So geht’s: Kleines Handtuch einmal der Länge nach zusammenfalten
und eng aufrollen. Auf den Rücken legen, Beine in einer angenehmen
Position aufstellen und das zusammengerollte Handtuch der Länge
nach unter der Brustwirbelsäule und zwischen den Schulterblättern
positionieren. Arme in einer U-Haltung (90°-Winkel in Schulter- und
3
Ellbogengelenken) ablegen. Nun Scheitelpunkt nach oben ziehen,
Wirbelsäule aufrichten, Nacken wird lang und Kinn herangezogen
(Doppelkinn). Zusätzlich Schulterblätter in Richtung Wirbelsäule
beziehungsweise Handtuch ziehen, um den Brustbereich und die
Schultergelenke weiter zu öffnen. Einatmen, Arme so weit wie möglich
nach oben bewegen, Unterarme bleiben, so gut es geht, am
Boden. Ausatmen, Arme so weit wie möglich nach unten bewegen.
Anzahl: 8 Wiederholungen à drei Runden.
16/2025 my life
59
GESUNDHEIT
THERAPEUTISCHE HILFSMITTEL
STATT SKALPELL
Operation?
Nicht immer nötig!
Von Tennisarm bis Gangstörungen: Wann
Bewegung, spezielle Geräte und neue Behandlungsformen
den chirurgischen Eingriff ersetzen können
→
Manchmal führt kein Weg an einer
Operation vorbei. Doch nicht alle der
fast 16 Millionen Eingriffe, die pro Jahr in
Deutschland stattfinden, sind auch notwendig.
In bestimmten Fällen kann schon eine gezielte
Kombination aus Bewegung, Hilfsmitteln oder
konservativer Therapie verhindern, dass es
überhaupt zur OP kommt.
Es gibt wirksame Alternativen
Am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder
Trier wird zum Beispiel „orthopädisches Gärtnern“
angeboten. Dabei handelt es sich um eine
medizinisch orientierte Form der Gartenarbeit,
die durch ergonomisches Arbeiten, knieschonende
Techniken und gezielte Bewegung zur
Prävention und Therapie orthopädischer Beschwerden
beiträgt. Das Ziel: die körperliche
Gesundheit und Beweglichkeit zu fördern. Das
Sonnenlicht regt zudem die Produktion von
Vitamin D an. Auch bei Rückenleiden gibt
es oft wirksame Alternativen. So bilden
sich etwa 90 Prozent der Bandscheibenvorfälle
von selbst zurück.
Geräte wie ein Wackelbrett
oder Balance-Board
(großes Foto) trainieren die Rückenmuskulatur,
schulen das Gleichgewicht und entlasten so die
Bandscheiben. Außerdem können gezielte Behandlungen
wie Physiotherapie, Wärmeanwendungen,
Osteopathie helfen, den Einsatz des
Skalpells zu vermeiden.
Trotz aller Alternativen gilt: Nicht jede OP
lässt sich umgehen. Wichtig ist, Beschwerden
frühzeitig ernst zu nehmen und individuell abklären
zu lassen.
❰
▶ Tennisarm und Co.
Sich wiederholende Bewegungen des Unterarms, nicht nur
beim Sport, sondern etwa auch bei der Computerarbeit, können
zu einem schmerzenden Tennisarm oder Golfer-Ellenbogen
führen. Ellenbogenspangen sollen am Übergang zwischen
Muskel und Sehne für Druckentlastung sorgen, die Reizung
lindern. Im Sanitätsfachhandel sind sie in Einheitsgröße erhältlich,
auch ohne ein Rezept vom Orthopäden (ca. 50 Euro).
▶ Karpaltunnelsyndrom
Es äußert sich häufig durch Taubheitsgefühle, unangenehmes
Kribbeln und Unbeweglichkeit in den Fingern. Gegen den
eingeklemmten Nerv im unteren Teil des Handgelenks, dem
Karpaltunnel, sollen Dehnbandagen als sanfte OP-Alternative
helfen. Sie müssen oft nur eine Stunde am Tag getragen
werden. Einige Kassen erstatten die Kosten, wenn diese
Bandagen ärztlich verordnet wurden.
FOTOS: SHUTTERSTOCK; PR (5)
66 my life 16/2025
▶ Chronische Wunden
Sie sind für Betroffene sehr belastend,
in einigen Fällen, etwa beim
diabetischen Fuß, droht sogar eine
Amputation. Die Kaltplasma-Therapie
kann helfen. Eine Wundauflage,
das Coldplasma-Patch, wird auf
die verletzte Stelle gelegt und
produziert kaltes, gasförmiges Plasma. Es wirkt entzündungshemmend
und regt die Neubildung von Gefäßen an. Mehrere
Kliniken setzen das Patch ein, u. a. in Bochum und Karlsruhe.
Ca. 90 %
der Bandscheibenvorfälle
bilden
sich von
selbst zurück
▶ Migräne
Der Kopfschmerz wird oft mit speziellen Tabletten wie Triptanen
bekämpft. Nun gibt es eine Alternative, die einer Handytasche
ähnelt. Bei einer Attacke legt man das Neuromodulations-Armband
(ca. 250 €, keine Kassenleistung) um den
Oberarm. Es stimuliert die dort verlaufenden Nerven, das
Hirn soll so angeregt werden, Serotonin und Noradrenalin
auszuschütten, was typische Migränebeschwerden lindert.
▶ Gangstörungen
Nach einem Schlaganfall oder Bandscheibenvorfall kann es
zu Bewegungsstörungen beim Gehen kommen, etwa der
Fußheberschwäche. Eine Orthese steuert Fuß sowie Knöchel
und soll die Sicherheit beim Gehen (Kasse zahlt zum Beispiel
bei Schlaganfall) verbessern. Zwar fördert die Bandage nicht
direkt die Heilung, hilft als Gehhilfe aber zusätzlich zur Reha
dabei, die Beweglichkeit des Fußes wiederherzustellen.
Mit dem Balance-Bord
lässt sich die Rumpfmuskulatur
stärken
16/2025 my life
67
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