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Baumeister 9/2025

Kreisläufe

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Der schonende Abriss mehrerer

benachbarter Gebäude

liefert dem Projekt „Abfallströme“,

die die Planerinnen

und Planer in wiederverwendete

Rohstoffe umwandeln

konnten. Ziegel, Naturstein und

Glasscheiben wurden etwa

wiederverwendet, andere Rohstoffe

als Bodenbelag recycelt.

Blick von der Avenue de

la Couronne auf den neuen

Geländezugang mit Aufzugstürmchen

Wiederverwendung ist das neue Zauberwort in der grünen

Bauwende: Wenn wir schon bauen beziehungsweise

umbauen müssen, dann doch wenigstens mit Materialien

und Bauteilen, die nicht eigens neu geschaffen werden

müssen, sondern die bereits ein (oder mehrere) Leben hinter

sich haben. Dass das meist schwer mit den gültigen

Vorschriften, Normen und Gewährleistungspf lichten in Einklang

zu bringen ist, weiß wohl jeder praktizierende

Architekt. Umso wichtiger sind gute Beispiele – wie dieses in

Brüssel, wo sich die Auftraggeberinnen und das umfangreiche

Planungsteam einig waren, dass mit dem Umbau einer

ehemaligen Polizeikaserne ein Musterbeispiel für zirkuläres

Bauen entstehen soll.

Etwas südlich von Brüssel findet sich eine typisch belgische

Vorstadtlandschaft. Hier mischen sich Ein- und Mehrfamilienhäuser

mit großen, grünen Boulevards des 19. Jahrhunderts,

dazwischen verstreut liegen schlichte Gewerbebauten,

üppige Stadtparks und große historische Baukomplexe

wie die über 100 Jahre alte Akademie für die Nationale

Gendarmerie am Boulevard Général Jacques. Die Akademie

besteht aus einem beeindruckenden, vollständig ummauerten,

fast vier Hektar großen Komplex mit einem heterogenen

Mix unterschiedlichster Gebäude, manche mit monumentalisierenden

Neo-Renaissance-Fassaden, andere

mit den schlichten Hüllen des Bauwirtschaftsfunktionalismus

der 1960er- und 1970er-Jahre. Zuletzt nutzte die Bundespolizei

einen Teil des Geländes, während nebenan bereits

Nachnutzungsszenarien entwickelt wurden.

KASERNEN-RECYCLING

Denn dort liegt der große Campus der Brüsseler Universitäten:

die niederländisch- und englischsprachige Vrije Universiteit

Brussel (VUB) und die französischsprachige Université

libre de Bruxelles (ULB), deren Doppelexistenz

ein Abbild der komplexen belgischen Kulturlandschaft aus

flämischer und wallonischer Gemeinschaft ist. Zusammen

mit der Stadtentwicklungsbehörde beauftragten die Universitäten

2018 ein Team aus mehreren belgischen Planungsbüros,

um aus den Gendarmeriekasernen ein lebendiges,

gemischtes Stadtquartier mit einem universitären Mittelpunkt

zu machen. Ein erster Abschnitt des Projekts ist 2024

abgeschlossen worden. Es ist der Abschnitt für die Universitäten

mit Mitarbeiterbüros, Forschungs- und Vorlesungsräumen,

einem Studiensaal und einer Empfangs- und

Veranstaltungshalle. Diese Gebäude sind mittlerweile in

Betrieb.

Der Gesamtauftrag umfasst allerdings 26 Bestandsgebäude

mit etwa 56.000 Quadratmetern Geschossfläche, von

denen aktuell 18 umgenutzt werden sollen. Der Plan sieht

eine Mischung aus Einfamilienhäusern und Geschosswohnungen

vor, dazu 600 Apartments für Studierende, Sozialbauwohnungen,

ein Supermarkt in der ehemaligen Reithalle

sowie 2.500 Quadratmeter öffentlicher Raum, mit dem

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