Baumeister 9/2025
Kreisläufe
Kreisläufe
Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!
Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.
Der schonende Abriss mehrerer
benachbarter Gebäude
liefert dem Projekt „Abfallströme“,
die die Planerinnen
und Planer in wiederverwendete
Rohstoffe umwandeln
konnten. Ziegel, Naturstein und
Glasscheiben wurden etwa
wiederverwendet, andere Rohstoffe
als Bodenbelag recycelt.
Blick von der Avenue de
la Couronne auf den neuen
Geländezugang mit Aufzugstürmchen
Wiederverwendung ist das neue Zauberwort in der grünen
Bauwende: Wenn wir schon bauen beziehungsweise
umbauen müssen, dann doch wenigstens mit Materialien
und Bauteilen, die nicht eigens neu geschaffen werden
müssen, sondern die bereits ein (oder mehrere) Leben hinter
sich haben. Dass das meist schwer mit den gültigen
Vorschriften, Normen und Gewährleistungspf lichten in Einklang
zu bringen ist, weiß wohl jeder praktizierende
Architekt. Umso wichtiger sind gute Beispiele – wie dieses in
Brüssel, wo sich die Auftraggeberinnen und das umfangreiche
Planungsteam einig waren, dass mit dem Umbau einer
ehemaligen Polizeikaserne ein Musterbeispiel für zirkuläres
Bauen entstehen soll.
Etwas südlich von Brüssel findet sich eine typisch belgische
Vorstadtlandschaft. Hier mischen sich Ein- und Mehrfamilienhäuser
mit großen, grünen Boulevards des 19. Jahrhunderts,
dazwischen verstreut liegen schlichte Gewerbebauten,
üppige Stadtparks und große historische Baukomplexe
wie die über 100 Jahre alte Akademie für die Nationale
Gendarmerie am Boulevard Général Jacques. Die Akademie
besteht aus einem beeindruckenden, vollständig ummauerten,
fast vier Hektar großen Komplex mit einem heterogenen
Mix unterschiedlichster Gebäude, manche mit monumentalisierenden
Neo-Renaissance-Fassaden, andere
mit den schlichten Hüllen des Bauwirtschaftsfunktionalismus
der 1960er- und 1970er-Jahre. Zuletzt nutzte die Bundespolizei
einen Teil des Geländes, während nebenan bereits
Nachnutzungsszenarien entwickelt wurden.
KASERNEN-RECYCLING
Denn dort liegt der große Campus der Brüsseler Universitäten:
die niederländisch- und englischsprachige Vrije Universiteit
Brussel (VUB) und die französischsprachige Université
libre de Bruxelles (ULB), deren Doppelexistenz
ein Abbild der komplexen belgischen Kulturlandschaft aus
flämischer und wallonischer Gemeinschaft ist. Zusammen
mit der Stadtentwicklungsbehörde beauftragten die Universitäten
2018 ein Team aus mehreren belgischen Planungsbüros,
um aus den Gendarmeriekasernen ein lebendiges,
gemischtes Stadtquartier mit einem universitären Mittelpunkt
zu machen. Ein erster Abschnitt des Projekts ist 2024
abgeschlossen worden. Es ist der Abschnitt für die Universitäten
mit Mitarbeiterbüros, Forschungs- und Vorlesungsräumen,
einem Studiensaal und einer Empfangs- und
Veranstaltungshalle. Diese Gebäude sind mittlerweile in
Betrieb.
Der Gesamtauftrag umfasst allerdings 26 Bestandsgebäude
mit etwa 56.000 Quadratmetern Geschossfläche, von
denen aktuell 18 umgenutzt werden sollen. Der Plan sieht
eine Mischung aus Einfamilienhäusern und Geschosswohnungen
vor, dazu 600 Apartments für Studierende, Sozialbauwohnungen,
ein Supermarkt in der ehemaligen Reithalle
sowie 2.500 Quadratmeter öffentlicher Raum, mit dem
WEITER
49