db01-2005 web
Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!
Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.
urc
-
IC
Nr. 1/2005
20. Jahrgang
1 1
-
... nicht nur für Senioren
MEINUNGEN
KRITISCHES
IN FORMATIONEN
PERSPEKTIVEN
ZUM MITNEHMEN KOSTENLOS
EL
,·i
WIR LÖSEN
IHRE
SEHPROBLEME
9f?.!~~w~~f~!!
Weidenauer Str. 173 • 57076 Siegen
Tel. 0271/44022-23
Seit 1985
Pflege zu Hause
Statt _llftenlieim e. o/.
Verein für individuelle Betreuung im Nter
Grundpflege
Behandlungspflege
Haushaltshilfe
Pflege dementer u.
psychisch kranker Menschen
Pflegevertretung
Beratung- Kassenabrechnung
24- Std. Bereitschaft
Hochstr. 30A / 57076 Siegen/ Tel 0271/790830
Mo - Fr 11 .00 - 13.00 Uhr/ www.stattaltenhelm.de
. Mit der richtigen Energie für unsere Region.
Als 1hr Lieferant für Siegen und Netphen sind wir hier
vor Ort jederzeit schnell für Sie da. Wir geben lhnen
die Sicherheit, bestens versorgt zu sein.
Erdgas, die moderne
Energie, umweltfreundlich
und
sicher ...
Siegener Versorgungsbetriebe GmbH • Morleystroße 29-37 • 57072 Siegen
Telefon 0271 3307-0 • Fox 0271 3307-112 • www.svb-siegen.de • E-Moil: info@svb-siegen.de
Das neue Programm ist da!
letzt abholen!
In den Rathäusern, Bürgerbüros,
bei Sparkassen, Banken, im Buchund
Zeitschriftenhandel.
In vielen Geschäften.
Info 0271/23288-0
Aus der Redaktion
Inhaltsübersicht:
Seite
Aus der Redaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
Eine Nacht im Forsthaus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
Schalttafelwärter, Gussputzer, Stütze und Co. . . . . . . . . . . . . . . . . 5
Die große Flut . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
Ein Kampf für die Freiheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
Philosophie zum Schmunzeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
Die eingebildete Kranke? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Ostersymphonie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Kunstschätze unter amerikanischem Schutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
Mai 1945 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
Feuerteppich auf Kaan . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
KulturPur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
Kartoffel(tor)tour – Not macht mobil . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
Zwei Frauen in Usbekistan allein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
Ein eindrucksvolles Erlebnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
Diskriminierendes Zerrbild . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Der alte Tisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
Frankfurt ist nicht immer gleich Frankfurt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
Marias Krimi – Der Tod führt Regie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
Drogenhandel – einmal anders . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
Das „Lebendige Haus“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
Mit Würde alt sein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
Zukunftsinitiative Siegen-Wittgenstein 2020 . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
Deutsche Schreibschrift . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
Gedächtnistraining . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
Neuanfang mit 57 Jahren!!! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
Leserbriefe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
Kleinanzeigen/Impressum/Zu guter Letzt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
Der letzte durchblick hat erfreulich große Resonanz gefunden, an vielen Verteilerstellen
war die Zeitung bereits nach weniger als 14 Tagen vergriffen, obwohl wir knapp 7500
Exemplare nur in Siegen ausgeliefert hatten. Das Titelbild zum 60. Jahrestag der Bombardierung
Siegens wurde von Hermann Wilhelm entworfen, der im Internetcafé des städtischen
Seniorenzentrums „Haus Herbstzeitlos“ ehrenamtlich unterrichtet. Sein Spezialgebiet
ist die Bildbearbeitung.
Auch in dieser Ausgabe beschäftigen wir uns noch einmal mit dem Kriegsende vor 60
Jahren. Titelgeschichte ist aber die Verfilmung der aufregenden Lebensgeschichte Kerstin
Camerons aus Burbach. Nachdem die beiden Siegerländer Journalisten Dieter Gerst und
Kalle Schlabach den Fall im Frühjahr 2001 quasi aufgerollt hatten, setzte eine Welle öffentlichen
Interesses ein. So meldeten sich u. a. Politiker und zahlreiche Medien. Bis zum
glücklichen Ausgang des dramatischen Geschehens hatten die beiden Journalisten engen
Kontakt zu der Familie Kerstin Camerons. Speziell ihr Bruder Wolfgang Lößer hielt das
Team Gerst/Schlabach stets auf dem Laufenden.
Ihnen viel Freude beim Lesen des neuen durchblick.
Ihr Friedhelm Eickhoff
verantw. Redakteur
FRITZ W. FELLER
GmbH
• Verkauf und Verlegung
von Bodenbelägen
• PVC – Teppich –
Naturbeläge
Harkortstraße 14
57072 Siegen
Telefon (02 71) 4 28 90
Telefax (02 71) 4 30 27
Titelbild: Kalle Schlabach (SZ)
durchblick 1/2005 3
Philosophisches
Eine Nacht im Forsthaus
Als junger Industriekaufmann, ich war so zwischen 25
und 30 Jahr alt, verdiente ich den Lebensunterhalt für meine
damals noch junge Familie für einige Zeit als Repräsentant
einer heute nicht mehr existierenden amerikanischen
Fluggesellschaft. Eines Tages führten mich meine
beruflichen Verpflichtungen auch ins schöne Sauerland.
Dort lebte „Onkel Alfred“, der Bruder meines im Krieg
gefallenen Schwiegervaters. Onkel Alfred war Förster und
wohnte, wie sollte es anders sein, in einem am Waldrand
gelegenen alten Forsthaus. Dort kehrte ich ein, um zu übernachten.
die an der Wand hingen und mich anschauten, gute Nacht,
legte mich hin und löschte das Licht. Es war stockdunkel
im Zimmer. Ich war sehr müde, den ganzen Tag im Auto
unterwegs und die vielen Kundenbesuche, kein Wunder.
Gleichmäßig und ruhig
hörte ich es,Ticktack,Ticktack.
Meine Gedanken kreisten noch bei dem einen und anderen
Kundengespräch und ich dachte schon an den morgigen
Tag, als ich es hörte. Völlig unerwartet, laut und deutlich.
Meine ganze Aufmerksamkeit war in der Dunkelheit
mit einem Schlag auf dieses Geräusch gerichtet. Ticktack,
Ticktack. Gleichmäßig und ruhig hörte ich es, Ticktack,
Ticktack. Ja, es war eine große alte Standuhr, die in der
Ecke stand und dieses lästige Ticktack verursachte. Das
hat mir gerade noch gefehlt, ich bin hundemüde und nun
dieses störende Geräusch. Wie soll ich dabei einschlafen?
Ich hörte, was blieb mir anderes übrig, weiter zu.
Ticktack, Ticktack. Und immer und immer wieder,
Ticktack, Ticktack. Seltsam, habe nie gewusst, dass das
Ticken einer Uhr so laut sein kann. Zum Verrücktwerden.
Langsam, ganz langsam aber wurde ich ruhiger. Ich ließ
es einfach geschehen, hörte nur noch zu. Und je aufmerksamer
ich zuhörte, je mehr ich mich auf dieses
Ticktack einließ, umso entspannter wurde ich. Eigenartig.
Das also ist die Zeit, dachte ich. Ich sah sie nicht, kein Ziffernblatt,
keine Zeiger, keine Bewegung des Pendels,
Je mehr ich der Zeit zuhörte,
sie gleichzeitig dabei auch immer
intensiver spürte, umso gelassener
und ruhiger wurde ich.
Siegerländer Forsthaus
Ich wurde von Tante und Onkel gut bewirtet. Es gab
ein deftiges, wohlschmeckendes Abendessen. Dabei wurde,
wie das so üblich ist, wenn man bei Verwandten zu Besuch
ist, über alle Neuigkeiten, die es im Verwandtenkreis
so gab, ausführlich gesprochen. Als es zum Schlafen ging,
wurde ich ins Jagdzimmer geführt. Dort stand eine alte
Liege, die als Nachtlager diente. Das Zimmer war voller
Jagdtrophäen. Fast alle Tiere, die unsere Wälder bewohnen,
waren vertreten. Ich zog mich aus, hing meinen Anzug
säuberlich über einen Stuhl, ging für die abendliche
Toilette ins Bad nebenan, kam wieder, sagte allen Tieren,
nichts. Ich hörte sie nur. Noch nie zuvor hatte ich bewusst
„Zeit gehört“. Geräusche, Stimmen, Musik ja, aber
Zeit? Meistens habe ich doch keine, renne hinter ihr her,
verplane sie und lasse mich von ihr hetzen. Aber jetzt,
jetzt war das völlig anders. Je mehr ich der Zeit zuhörte,
sie gleichzeitig dabei auch immer intensiver spürte, umso
gelassener und ruhiger wurde ich. Ein angenehmes,
wohliges, vertrauensvolles Gefühl stellte sich ein. Ich ließ
mich fallen, fallen in diesen ruhigen und gleichmäßigen
Rhythmus des Ticktack. Und dann, ganz allmählich, erfuhr
ich etwas, das ich gar nicht so richtig beschreiben
kann. Aus dem vorher lästigen und nervigen Geräusch
wurde ein majestätischer Klang, ruhig, erhaben und würdevoll.
Wie auf sanften Schwingen wurde ich fortgetragen,
tauchte ein in einen unendlichen Ozean des Friedens
und für den Augenblick nur schien es mir, als spürte ich
einen kleinen Hauch göttlicher Ewigkeit. Das ➤
4 durchblick 1/2005
Philosophisches
Ticktack hatte mich hinausgetragen aus der Zeit und ich
fühlte eine tiefe, wunderbare, zeitlose Geborgenheit. Nur
noch ganz schwach, wie aus weiter, weiter Ferne, hörte
ich den Lärm, das Hetzen und Jagen der Welt da draußen.
Wie fremd kam mir diese, unsere Welt auf einmal vor. Was
sind wir Menschen doch für Narren. Wir paddeln hektisch
an der Oberfläche unseres Daseins und erkennen viel zu
selten die tief in uns verankerte, nie versiegende Kraftquelle
unseres wahren Lebens.
Ein zeitverrücktes Narrenschiff ist diese Welt. Und ich,
ich verschwand in einem Gefühl großer Ruhe und tiefem
Frieden für wenige Stunden aus dieser Welt und fiel in einen
festen und gesunden Schlaf. Vielen Dank, du alte
Standuhr, im Jagdzimmer des alten Forsthauses von „Onkel
Alfred“ im Sauerland für diese kostbare, unvergessliche
Erfahrung.
Eberhard Freundt
Schalttafelwärter, Gussputzer,
Stütze und Co.
wie sich Berufsbezeichnungen und Registereintragungen
ändern.
Vor einigen Wochen fiel mir ein altes Einwohnerbuch
der Stadt Siegen und des Siegerlandes, Jahrgang 1935, in
die Hand. Auf rund 700 Seiten sind dort alle Einwohner
nicht nur des Siegerlandes, sondern auch des Kreises Altenkirchen
verzeichnet. Heutzutage reichte das wohl nicht
einmal, um auch nur die Einwohner der Kernstadt Siegen
wiederzugeben.
Überschaubar war die Einwohnerzahl, die nach Straßen
und Hausnummern geordnet mit ihren Berufen aufgelistet
sind.
Auch lang ausgestorbene Berufe werden wieder in Erinnerung
gerufen, wenn man den Hammerschmied, den
Blechpolierer oder das Servierfräulein in trauter Eintracht
wiederfindet mit dem Hilfsbremser, dem Telegrafen-Leitungsaufseher
oder der Totenfrau. Funktionsbezeichnungen,
über die wir heute nur schmunzeln können, wie den
Wanderdekoraten oder den Reichsbankobergeldzähler,
aber auch das berühmte Milchmädchen gab es im Siegerland.
Nicht unerwähnt bleiben sollen aber auch der Melker,
der Leimsiedermeister, der Darmschleimer oder die
Milchausträgerin. 70 Jahre ist es erst her und doch scheint
das alte Einwohnerbuch mit seinen Eintragungen aus einer
vollkommen anderen, längst vergessenen Zeit zu stammen.
Bei unserer immer schneller dahineilenden wirtschaftlichen
Entwicklung wird es sicherlich keine 70 Jahre dauern,
bis über unsere heutigen Berufsbezeichnungen
gelächelt wird.
Michael Kringe
Kolleß und Partner
Wirtschaftsprüfer · Vereidigte Buchprüfer
Steuerberater · Rechtsanwälte
Generationswechsel
verbunden mit
• ausgewogener Testamentsgestaltung
• Schenkungen zu Lebzeiten
• Unternehmens- und Vermögensnachfolge
• der Errichtung von Stiftungen
sollten sorgfältig durchdacht und geplant werden.
Dazu bieten wir Ihnen in allen rechtlichen und steuerlichen
Fragen sowie in der organisatorischen Abwicklung und
Vermögensverwaltung durch angeschlossene Gesellschaften
Hilfe aus einer Hand.
Wir sind in Nordrhein-Westfalen auch in Ihrer Nähe:
57078 Siegen-Geisweid, Sohlbacher Str. 87 u. 98
Telefon 02 71/88 00-50, Fax 02 71/8 80 06 00
57258 Freudenberg, Mórer Platz 4
Telefon 0 27 34/43 36-0, Fax 0 27 34/43 36-25
57234 Wilnsdorf, Rathausstr. 18
Telefon 0 27 39/30 39-0, Fax 0 27 39/30 39-25
E-Mail: info.kup@kolless.de
Serviceagentur für Senioren
Reinhard Daub
Meist sind es nur die „kleinen Dinge des Lebens“, die
das Leben erschweren, weil man sie nicht mehr so gut
bewältigen kann.
Wir erledigen, begleiten, vereinbaren,
beraten, vermitteln.
NUTZEN SIE UNSERE HILFE!
Serviceagentur für Senioren Reinhard Daub
Koblenzer Straße 5 · 57072 Siegen · Telefon 02 71/2 31 64 06
Telefax 02 71/2 31 64 67 · E-Mail beratungsiegen@aol.com
Seniorengerechte
Telefone und
Notrufgeräte
Ein frohes
Weihnachtsfest und
ein glückliches &
gesundes Jahr 2005!
Telekommunikation • Informationstechnik
Kommunikationsnetze • Sicherungsanlagen
Beratung • Planung • Verkauf
UKOTEC Horst Urbatzka Telefon: 0271/ 3 13 47 45
Seelbacher Weg 12 Fax: 07 21/1 51 55 29 59
57072 Siegen Mobil: 0172/6 72 58 47
E-Mail: info@ukotec.de · Internet: www.ukotec.de
durchblick 1/2005 5
Valdivia liegt nahe an Chiles Pazifikküste, auf der Mitte
des lang gestreckten Landes. Vor den Toren der 120-Tausend-Einwohner-Stadt
findet sich ein Hinweis auf Johann
Moritz, den Fürsten von Nassau-Oranien. Auf einem Denkmal
wird daran erinnert, dass hier vor über 350 Jahren
holländische Schiffe aufkreuzten. Im Auftrag von Johann
Moritz erkundeten die Kapitäne damals den Seeweg nach
Ostasien, betätigten sich als Piraten und versuchten, spanische
Siedlungen zu überfallen. Aber nicht dieses Ereignis
hat die Geschichte der Stadt geprägt.
Am 22. Mai 1960, geschah
hier und in den
südlicher gelegenen Provinzen
Chiles das stärkste
Erd- und Seebeben seit
Menschengedenken,
stärker als das Beben
vom 26. Dezember 2004
im Indischen Ozean. Die
Folgewirkungen dieser
Katastrophe führten zu
einer bis heute andauernden
Verbindung nach Siegen,
vor allem zur Pfarrgemeinde
St. Peter und
Paul.
Aus aller Welt
Die große Flut
Chilenische Pazifikküste – Erinnerung an die große Flutwelle
Westküste der USA zahlreiche Opfer und richteten große
Schäden an. In Chile waren mehr als 2.000 Tote und 3.000
Verletzte zu beklagen. Dazu wurden 2 Millionen Menschen
obdachlos, es entstand ein Schaden von 550 Millionen US-
Dollar allein in Südchile.
Während derartige Ereignisse heute unmittelbar vom
Fernsehen und über das Internet verbreitet werden und man
sich weltweit „ein Bild machen“ kann, war die damalige Katastrophe
schnell aus den Schlagzeilen verschwunden. Für
viele der in Valdivia obdachlos
gewordenen Menschen
begann jedoch ein
andauernder Leidensweg.
Von der Regierung wurden
ihnen provisorische Unterkünfte
zugewiesen, die
sich bald zu großen Slums
entwickelten. Wer es
irgendwie schaffte, baute
sich in der zerstörten Stadt
eine neue Existenz auf.
Dafür zogen andere, ärmere,
in die provisorischen
Siedlungen und diese entwickelten
sich schnell zu
sozialen Brennpunkten.
Bereits am Tag zuvor hatten starke Erschütterungen das
mittlere Chile heimgesucht. Erdbeben geschehen in Chile
sehr häufig, daher beruhigte man sich rasch. Die Dramatik
der folgenden Ereignisse wurde von einer Augenzeugin festgehalten.
Die junge Frau befand sich an diesem schönen
sonnigen Sonntag als Besucherin auf einem im Hafen liegenden
Schiff.
Um 15.10 Uhr trat ein erstes Beben auf, dessen Zentrum
vor der Küste lag. Nach etwa 10 Minuten begann das Wasser
im Hafen heftig zu steigen, obgleich Ebbe war. Bald war
der höchste jemals erreichte Wasserstand überschritten, die
Häuser am Ufer, überwiegend in Holzbauweise errichtet,
standen unter Wasser, lösten sich von ihren Fundamenten
und wurden von der Flut hochgehoben. Plötzlich wich das
Meer erschreckend schnell zurück und die auftretende Strömung
riss Häuser, Dächer und viele Boote mit sich. Die Augenzeugin
erinnert sich: „Ein unvergessliches Bild war es,
als wir in den vorbeischwimmenden Häusern noch Leute
beobachten konnten. Niemand kann sich ein Bild davon
machen, wie diese verzweifelten Gesichter aus den Fenstern
herausblickten ...“
Die bis zu 24 Meter hohen Tsunami-Flutwellen erreichten
alle Küsten des Pazifischen Ozeans. Sie forderten
auf Hawaii, auf den Philippinen, in Japan sowie an der
Nach dem Militärputsch von General Pinochet nahm
dort die Armut weiter zu; denn der Staat überließ die Menschen
weitgehend ihrem Schicksal. Anstatt die Ursachen
der Armut zu bekämpfen, kauften Pinochet und seine Helfer
immer mehr Waffen im Ausland und setzten diese ein,
um die Folgen der Armut zu bekämpfen. Im Widerstand gegen
diese einseitige, oft verbrecherische Politik wurden
viele Menschen ermordet, andere mussten fliehen und andernorts
Asyl suchen.
Mitglieder der Siegener Pfarrgemeinde St. Peter und
Paul wurden in den 70er Jahren mit der Situation in Valdivia
konfrontiert. Daraus entstand eine andauernde Verbindung
– zunächst mit dem Ziel, den dort lebenden Kindern
zu helfen und den Familien eine Hilfe zur Selbsthilfe zu
vermitteln.
Nach der Flutkatastrophe vom 26. Dezember 2004 wurde
die Weltgemeinschaft aufgerufen, den Überlebenden
Hilfe für einen Neuanfang zu bieten. Den entwurzelten
Menschen muss neue Hoffnung vermittelt werden, so dass
sie in ihrer Heimat bleiben können. Unabhängig von allen
ethischen Aspekten zeigt die Geschichte Valdivias, dass
dies auch aus wirtschaftlichen Gründen der bessere Weg
ist.
Erich Kerkhoff
6 durchblick 1/2005
Anzeige
Saturn:
Erfolg dank niedriger Preise
Seit 13 Jahren ist SATURN in Siegen ansässig –
Jedes Jahr mehr zufriedene Kunden
Mit einem breit gefächerten Sortiment
ist Saturn der Spezialist für
alle Elektronikbereiche. Dabei gilt
der Anspruch, die erste Adresse
aller Anbieter zu sein. Den
Führungsanspruch in Sachen Auswahl
und Kompetenz setzt Saturn
in Siegen auf Verkaufsflächen von
über 2000 qm und in Weidenau
von über 2750 qm um.
Mehrere Tausend Kunden frequentieren
täglich jedes Geschäft der
Marke Saturn. Diese hohe Käuferakzeptanz
verdankt Saturn neben der
großen Produktpalette einer aktiven
Preispolitik, die auf Dauertiefpreise
setzt. Kleine Preise werden durch
Größe ermöglicht: Dank seines Volumens
kann Saturn zu vergleichsweise
günstigen Konditionen einkaufen.
Die Mitarbeiter
Der Mitarbeiter, seine Kreativität
und Initiative stehen in der Saturn-
Unternehmensphilosophie im Mittelpunkt.
Die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter durchlaufen kontinuierliche
Trainingsprogramme, um ein
qualifiziertes Serviceangebot sicherzustellen.
Verantwortungsbereitschaft
und Teamfähigkeit werden
verstärkt gefördert.
Service
Serviceleistungen aller Art haben
bei Saturn einen besonders
hohen Stellenwert so ist z. B. ein
umfangreicher Kundendienst einer
der Eckpfeiler des Fachmarktkonzepts.
Ein Reparatur- und Lieferservice
steht in jedem Markt bereit,
der auf Wunsch auch die Montage
von Elektrogeräten zu Hause vornimmt.
durchblick 1/2005 7
Aus aller Welt
„Kein Himmel über Afrika“
Kerstin Cameron: Eine Frau kämpft für ihre Freiheit
Dramatischer Lebensabschnitt einer Burbacherin verfilmt – Veronica Ferres in der Hauptrolle
Burbach/Arusha. Es ist stickig. Wie ein Würfel steht
die Luft in dem kleinen Raum (etwa 1,20 x 2 m). Lässt
kaum Platz zum Atmen. Alle zwei Tage eine kleine Schüssel
mit Waschwasser. Die Toilette ist ein alter Eimer. Das
Essen teilen sich Menschen und Ratten. Ab und zu kommt
auch eine Schlange herein. Der kleine Raum ist von außen
verriegelt: eine Gefängniszelle. Mitten in Arusha. Das ist
ein kleines Nest im afrikanischen Tansania. In dem Gefängnis
eine verzweifelte Frau: Kerstin Cameron (geborene
Lößer, heute 44 Jahre, Berufspilotin). Kerstin Cameron
kommt aus Burbach. Sie steht unter schwerem Verdacht:
Sie soll ihren neuseeländischen Mann Cliff Cameron, verwegener
Buschpilot und nach und nach dem Alkohol
verfallen, mit einer Neun-Millimeter-Pistole in seinem Bett
erschossen haben. Der Burbacherin, die stets ihre Unschuld
beteuerte, droht der Galgen. Im Mai 2001 stellt sich dann
endgültig heraus: Kerstin Cameron ist unschuldig. Sie wird
freigesprochen. Ihr Mann hat eindeutig die Waffe gegen
sich selbst gerichtet und seinem weitgehend verpfuschten
Leben ein Ende gesetzt.
Freispruch erster Güteklasse
Der Freispruch im Mai 2001 ist einer der allerersten Güteklasse:
Ihre Unschuld ist erwiesen. Kerstin Cameron darf
das Verlies sofort verlassen. Sie geht. Aber nicht als gebrochene
Frau, nicht als niedergeknüppelte Persönlichkeit.
Nein. Erhobenen Hauptes verlässt sie die Stätte, wo sie oft
verzweifelte, aber immer mit Hoffnung erfüllt war. Später
arbeitet sie diesen finsteren Lebensabschnitt in einem Buch
auf. Titel: „Kein Himmel über Afrika.“ Untertitel: „Eine
Frau kämpft um ihre Freiheit.“ Ein Tatsachenroman, der
sich rasch in oberen Bereichen den Bestsellerlisten festbeißt.
Und genau dieses Buch liest Deutschlands berühmte
Schauspielerin Veronica Ferres. Ein Stoff für sie. Rasch
steht für sie fest: Sie will die Burbacherin Kerstin Cameron
verkörpern.
Auch die ARD ist begeistert. Umgehend werden die
Vorbereitungen für die Dreharbeiten in Afrika getroffen.
Und was dabei herauskam? Immerhin ein dreistündiges
Epos. In Kürze wird gesendet.
Kerstin Cameron, die
inzwischen ihren ersten
Wohnsitz nach Afrika verlegt
hat („Die Liebe zu diesem
Land ist trotz allem
ungebrochen“), hatte Mitspracherecht
beim Verfassen
des Drehbuches.
Kerstin Cameron mit ihren Kindern Lachlan (links) und Tell in ihrem Burbacher Haus
an der Heister wenige Tage nach der Entlassung aus dem Gefängnis von Arusha.
Und: Die Burbacherin ist einem von ihren Schwiegereltern
angezettelten Komplott zum Opfer gefallen. Die Camerons,
eine angesehene Familie mit Verbindungen in
höchste Regierungskreise, konnten es wohl nicht verwinden,
einen Selbstmörder in der Familie zu haben. Die Familienehre
steht auf dem Spiel. Geschickt nutzten die Camerons
korrupte Polizei- und Justizkreise, um Kerstin
Cameron einen Mord anzuhängen. Zwar keine tolle Sache,
passt aber besser ins Familienbild.
Derbe
Schicksalsschläge
Von Schicksalsschlägen
ist die Burbacherin wahrlich
nicht verschont geblieben.
Vor allen Dingen der
Tod ihres Vaters machte ihr
zu schaffen. Jener Mann,
der seine Tochter oft im Gefängnis
besuchte, und der
gemeinsam mit der Familie
alle Hebel in Bewegung setzte, afrikanische Behörden von
der Unschuld seiner Tochter zu überzeugen. Ja, es waren die
Familie und viele, viele Freunde, die Kerstin Cameron in
diesen schweren Stunden ihres Lebens beistanden. Kerstin
Cameron: „Ohne die Fürsprache dieser Menschen hätte
mich sicherlich der Mut verlassen.“ Kerstin Cameron hat
einen Hilfsverein gegründet, der Frauen in afrikanischen
Gefängnissen unterstützen will. Frauen haben dort kaum
Rechte. Einen riesigen Erfolg verbuchte die Burba-
8 durchblick 1/2005
➤
Aus aller Welt
cherin vor einiger Zeit: Sie
schaffte es, die 42-jährige Kenianerin
Alice (Mutter von fünf
Kindern) aus der Todeszelle zu
holen. Sie war mit einem Tansanier
verheiratet, den der Herzkasper
ereilte. Durch falsche Anschuldigungen
wurde Alice ins
Gefängnis geworfen und unter
Mordanklage gestellt. Kerstin
Cameron gelang es, der Frau einen
Anwalt zu besorgen. Und im
Prozess stellte sich dann heraus:
Alice war völlig unschuldig.
Nach drei Jahren Haft in der Todeszelle
kam die Kenianerin
endlich frei. Kerstin Cameron:
„Wer kein Geld für einen Anwalt
hat oder für die Prozesskosten
aufkommen kann, bleibt im
Knast, so unschuldig er auch
sein mag.“ So ist das in Tansania
– unter dem Kilimandscharo,
der Zugspitze Afrikas.
Kerstin Cameron inmitten von Familienangehörigen und Freunden kurz nach dem
Freispruch, der in Burbach gefeiert wurde.
Joschka Fischer setzte sich ein
Direkt nach dem Tode des kantigen Draufgängers Cliff
Cameron hatten Sachverständige eindeutig festgestellt,
dass sich der Buschpilot und Betreiber einer Charterfluggesellschaft,
die offenbar von finanziellen Schwierigkeiten
gebeutelt wurde, im Schlafzimmer der Eheleute selbst die
Kugel verabreicht hatte. Dennoch kam es später unter kuriosen
Umständen zur Mordanklage. Die internationale
Presse berichtete. Politiker (an der Spitze Außenminister
Joschka Fischer) setzten sich für die Burbacherin ein. Die
neuseeländische Gazette „Sunday Star Times“ berichtete,
dass es womöglich neuseeländische Politiker gewesen seien,
die im Interesse der Eltern und des Bruders von Cliff
Cameron ihren Einfluss in Tansania geltend gemacht hätten.
Dazu habe auch der ehemalige neuseeländische Außenminister
Don McKinnon gehört, dessen enger Freund und
Parteikollege Bill Birch den Wahlkreis der Camerons im
Parlament vertrete. Und: Für diesen Bill Birch leistete Senior
Cameron Wahlkampfarbeit. Das Blatt schrieb weiter,
dass der große Einfluss der Familie Cameron auch darin begründet
sein könnte, dass einer ihrer weiteren Söhne, nämlich
Lachlan Cameron, in Neuseeland als ehemaliger Rugby-National-Crack
eine regelrechte Sportikone sei.
Übrigens: Nach der Überführung des Leichnams von
Tansania in seine Heimat, stellten neuseeländische Pathologen
eindeutig fest, dass alle Untersuchungen auf Selbstmord
hindeuteten. Neuseeländische Regierungsvertreter
äußerten sich später dahingehend, dass es der Familie Cameron
wohl darum gegangen sei, die Vorwürfe, Cliff Cameron
habe nicht nur finanzielle, sondern auch charakterliche
und psychische Probleme gehabt, zu entkräften.
Bangen bis zum Schluss
Bis zum Schluss der Gerichtsverhandlung bangten Familie
und Freunde um das Leben der Burbacherin. Und
dann endlich die Erlösung: Freispruch! Unter Freudentränen
fallen sich Kerstin Cameron, ihr Vater und ihre Kinder
vor der Anklagebank in die Arme. Und Kerstin Cameron
zieht nach dem Urteil einen sofortigen Schlussstrich. Nicht
einmal mehr holt sie ihre Sachen aus dem Gefängnis: „Ich
verschenke sie an diejenigen, die dort zurückbleiben müssen.“
Nicht einen Fuß will sie mehr in das „düstere und
stinkende Frauengefängnis“ setzen. Ein Ort, in dem sie
über ein Jahr lang zwischen Trennungsschmerz, Hoffnung
und Todesangst gelebt hat. Sie lässt die enge Zelle zurück.
Dieses etwa 2,5 Quadratmeter kleine Geviert. Und draußen
scheint die Sonne. Kerstin Cameron atmet tief durch. Saugt
die Freiheit in sich ein. Sie ist hellwach. Ein böser Traum
ist zu Ende. Das Leben wartet auf eine Frau, die nie aufgab.
Der erste Tag nach der Gefangenschaft ist für Kerstin
Cameron wie ein Rausch. Sie sagt: „Das ist so, als kommst
du aus dem Urlaub, aus dem Krankenhaus oder von irgendwo
weit weg zurück.“ Kerstin Cameron, eine starke
Frau zwischen Freiheit, Gefühlen und Plänen. Nicht nur der
Film, in dem Veronica Ferres Kerstin Cameron ist. Da ist
auch das Ringen um einen humaneren Strafvollzug in afrikanischen
Gefängnissen. Eine Lebensaufgabe.
Dieter Gerst
durchblick 1/2005 9
Unterhaltung
Philosophie zum Schmunzeln
In jedem Philosophieren liegt ein elementares Bedürfnis,
den Dingen dieser Welt auf den Grund zu gehen, sie zu
analysieren und zu hinterfragen. Dies gilt auch für ganz alltägliche
Ereignisse, wie sie auch heute noch im ländlichen
Siegerland zu beobachten sind, nämlich:
Ein Huhn überquert die Straße.
Die philosophisch schwer wiegende Frage
dazu lautet: Warum?
Dazu einige analytische Antwortversuche
aus berufenen Mündern.
Grundschullehrerin Um auf die andere Straßenseite zu
kommen.
Platon Für ein bedeutendes Gut.
Aristoteles Es ist die Natur von Hühnern, Straßen zu
überqueren.
Karl Marx Es war historisch unvermeidlich.
George W. Bush Dies war ein unprovozierter Akt des
internationalen Terrorismus und wir behalten uns gegen
das Huhn jede Maßnahme vor, die geeignet ist, die nationale
Sicherheit der Vereinigten Staaten sowie die Werte von
Demokratie und Rechtgläubigkeit zu verteidigen.
Johannes Rau Ich glaube, das Huhn hat uns auf eine
ganz bestimmte ruhige Art und Weise gezeigt, dass es gerade
in einer Zeit, die so viele Menschen nachdenklich
macht – ich erlebe das in meinen Gesprächen immer wieder
– darauf ankommt, eine Straße nicht als etwas Trennendes
zu begreifen, sondern als etwas, das die Herzen der
Menschen zueinander führen kann.
Ronald Reagen Hab ich vergessen.
Captain James T. Kirk vom Raumschiff Enterprise
Um dahin zu gehen, wo noch nie zuvor ein Huhn gewesen ist.
Hippokrates Wegen eines Überschusses an Trägheit in
der Bauchspeicheldrüse.
Martin Luther King Jr. Ich sehe eine Welt, in der alle
Hühner frei sein werden, Straßen zu überqueren, ohne dass
ihre Motive in Frage gestellt werden.
Moses Und der Herr sprach zu dem Huhn „Du sollst
die Straße überqueren“ und das Huhn überquerte die
Straße, und es gab großes Frohlocken.
Helmut Kohl Ich habe dem Huhn mein Ehrenwort gegeben,
seine staatsbürgerlichen Gründe für das Überqueren
der Straße nicht in aller Öffentlichkeit breitzutreten.
Bill Clinton Ich war zu keiner Zeit mit diesem Huhn allein.
Machiavelli Das Entscheidende ist, dass das Huhn die
Straße überquert hat. Wer interessiert sich für den Grund?
Die Überquerung der Straße rechtfertigt jegliche möglichen
Motive.
Gerhard Schröder Ich sach das jetzt mal so – wahrscheinlich
hat das Huhn auf der anderen Straßenseite eine
ruhige Hand mit Futter entdeckt. Basta!
Sigmund Freud Die Tatsache, dass Sie sich überhaupt
mit der Frage beschäftigen, dass das Huhn die Straße überquerte,
offenbart Ihre unterschwellige sexuelle Unsicherheit.
Bill Gates Ich habe gerade das neue Huhn 2005 herausgebracht,
das nicht nur die Straße überqueren, sondern
auch Eier legen und ausbrüten kann.
Pfarrer Jürgen Fliege Die Frage ist nicht „Warum
überquerte das Huhn die Straße?“, sondern „Wer überquerte
die Straße zur gleichen Zeit, den wir in unserer Hast
übersehen haben, während wir das Huhn beobachteten?“
Edmund Stoiber Der – ähhh – die Huhn hat, wie ich
meine, und wie die Auffassung einer Mehr- bzw. Vielzahl
von Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern, gerade auch
hier in Bayern, aber ebenso in den neuen alten Bundesländern
zeigt, so bin ich geneigt anzunehmen, dem Bundeskanzler
und hier insbesondere der Bundesregierung, die
es ja versäumt hat, in der Gesetzgebung und gegenüber den
Vereinigten Staaten auf die Richtung einzugehen, mithin
nicht erstaunen ähh zu vermitteln vermag.
Charles Darwin Hühner wurden über eine große Zeitspanne
von der Natur in der Art ausgewählt, Straßen zu
überqueren.
Albert Einstein Ob das Huhn die Straße überquert hat
oder die Straße sich unter dem Huhn bewegte, hängt von
Ihrem Referenzrahmen ab.
Dieter Bohlen Also ich find das nur absolut meeegageil,
wie das Huhn das da so gemacht hat. Rattenscharf. ➤
10 durchblick 1/2005
®
Unterhaltung
Buddha Mit dieser Frage verleugnest du deine eigene
Hühnernatur.
Hemingway Um zu sterben. Im Regen.
Boris Becker Bin ich schon drüber, äh?
Arnold Schwarzenegger Bewaigung is dies wichtigste.
Das Haindl tuat jouggen, jouggen, jouggen.
Woody Allen Die Frage ist nicht, warum das Huhn die
Straße überquert hat, die Frage ist, muss es sich auf der
anderen Seite rasieren?
Reinhold Messner Es handelt sich hier nicht um ein
Huhn, sondern um eine besonders kleine Ausprägung des
Yeti, der mir gefolgt ist, um hier andere Lebensformen und
Landschaften zu erforschen. Nächstes Jahr versuche ich,
dieselbe Straße in wenigen Minuten ohne technische Hilfsmittel
zu überqueren.
Wenn Sie, liebe Leserin und lieber Leser, sich an der Analyse,
warum das Huhn die Straße überquert, beteiligen wollen,
so können Sie dies gerne tun. Schreiben Sie uns Ihre
Gründe, wir werden sie in der nächsten Ausgabe veröffentlichen.
Den obigen Text habe ich vor einiger Zeit über einen
UNI-Verteiler per E-Mail erhalten.
Eberhard Freundt
Die eingebildete Kranke ?
Fall ich durch das Raster,
hab auch keinen Zaster,
bin zu gesund für eine Pflegestufe,
auf eine REHA ich mich nun berufe,
bin zu krank für eine Kur,
oh, was mach ich da denn nur?
Versuche nun zu reklamieren,
muss halt alles
durchprobieren,
da war ich dann total entsetzt,
so hat der Doktor mich verletzt.
Ich bekam sogar das Flattern
als er mich fragt:
„Wollen Sie sich eine Kur ergattern?“
Elisabeth Hanz
Ostersymphonie
Der Osterglocken süßer Klang
durchdringt die lauen Frühlingslüfte
Wie Harfenspiel und Elfgesang.
Zur Melodie am Wiesenhang
Entströmen ersten Blüten-Düfte.
Mit zarten Stimmchen tiriliern
Die Lerchen jauchzend in den Morgen.
Die Luft durchschwingt ein Musiziern,
ein fröhlich-buntes Jubiliern
im Sonnenschein – bar aller Sorgen.
Und Bienensummen tönt hinein
In diese Frühlingsmelodie.
Doch horch! – Von fern, ganz hell und fein,
vollendet – wie Kristall so rein –
der Kinder Sang die Symphonie.
Hans Schuffenhauer
Neuerscheinung
» Bergmannskuh & Himbeerspat «
Neuerscheinung
Wolfgang Stössel
Der Siegerländer Bergbau. Das Erklärbuch.
Bergmannskuh
&
Himbeerspat
Der Siegerländer Bergbau
Das Erklärbuch
Authentische Schilderungen ehemaliger Bergleute. Spannende Reportagen.
180 Farb- und Schwarz-Weiß-Fotos. Seltene Untertage-Aufnahmen.
Lustige Illustrationen. Für Kinder und Erwachsene! Preis: nur € 14,80
Ebenfalls neu: Poster „Siegerland-Eisenland“ mit historischen Bildern.
Weiterhin erhältlich sind unsere beliebten Kartensets: „Erzgruben des Siegerlandes“,
„Grubenlampen des Siegerlandes“ und „Mineralien des Siegerlandes“, jeweils mit 10 Postkarten.
Alle Artikel erhältlich in Buchhandel, Fotoladen-Galerie, Siegen, Alte Poststraße, oder ( + Versandkosten) direkt
beim Verlag amadeusmedien, Sebastian-Kneipp-Straße 8, 57518 Betzdorf. Tel. 02741/973129, Fax: 02741/973130.
durchblick 1/2005 11
Im ausgebauten Hainer Stollen des ehemaligen Bergwerks
Alte Silberkaute in Siegen waren im Zweiten Weltkrieg
in Tag und Nacht streng bewachten Räumen Kunstgegenstände
von unschätzbarem Wert verborgen. Die Stadt
Siegen und Alfred Fißmer, der 26 Jahre, von 1919 bis 1945,
ihr Oberbürgermeister war, haben sich das Verdienst erworben,
in den letzten Kriegsjahren entscheidend zur Sicherung
eines großen Teiles des westdeutschen Kunstbesitzes
beigetragen zu haben. Die 1944 begonnene Bergung
der Kunstschätze lief als „streng geheim“.
Als 1944 die alliierten Truppen die deutsche Westgrenze
überschritten und der Bombenhagel auf Aachen, Köln,
Trier und Essen so stark wurde, dass um die Bewahrung der
Kunstschätze dieser Städte größte Besorgnis entstand, begannen
die Bahntransporte nach Siegen. Der Provinzialbehörde
des Rheinlandes erschien zu jenem Zeitpunkt
Siegen als der geeignete Ort für eine bombensichere Verlagerung.
Oberbürgermeister Fißmer erklärte sich sofort
bereit, nach Kräften zu helfen, die rheinischen Kunstschätze
vor der Zerstörung zu bewahren.
Bei Kriegsende befanden sich im unterirdischen Bunker
unter anderem folgende hervorragende Kunstschätze:
der Aachener Domschatz einschließlich des Karls-Schreins
mit den Gebeinen Karls des Großen,
der Münsterschatz aus Essen
einschließlich der Gold-Madonna,
der Kirchenschatz aus Siegburg
einschließlich der berühmten
Schreine, Bestände aus dem
Beethoven-Haus in Bonn, 44 Kisten
des Bonner Landesmuseums, die Bestände des Suermond-
Museums Aachen, Kunstwerke aus den Kölner Kirchen,
u.a. aus Maria im Kapitol, Maria in Lyskirchen, St. Kunibert,
St. Andreas, Bestände aus dem Kölner Wallraf-Richartz-Museum
und dem Schnütgen-Museum, die Domschätze
aus Trier, Altäre, Messgeräte, Gewänder, Bilder,
kirchliche und weltliche Kunstgegenstände.
Die Verhandlungen über die Herrichtung des Hainer
Stollens für die Bergung der Kunstschätze wurden bereits
am 1. August 1944 abgeschlossen. Die Bauarbeiten begannen
sofort anschließend. Unter anderem musste in den Stollen
eine besondere Lüftungsanlage eingebaut werden, eine
Heizungsanlage wurde gelegt, eine Feuchtigkeitsregulierung
geschaffen. Die Transporte mit den Kunstgütern liefen
dann im August und September 1944. Mit dem Landesoberbaurat
Theodor Wildeman aus Bonn wurde ein
erfahrener Sachverständiger nach Siegen entsandt, der die
Kunstschätze ständig zu überwachen hatte und Ende Dezember
1944 ganz nach Siegen übersiedelte. Die Stadt Siegen
stellte eine Polizeiwache ab, die die wertvollen Schätze
Tag und Nacht zu bewachen hatte.
Aus dem Siegerland
Siegen 2. April 1945: Kunstschätze unter amerikanischem Schutz
Bei Kriegsende befanden sich
im unterirdischen Bunker
hervorragende Kunstschätze
Mit 2.230 m 2 Grundfläche bot das Stollensystem des
Hainer Stollens neben den vielen Luftschutzstollen, Hochbunkern
und Tiefbunkern 3.000 Schutzplätze für einen Teil
der Siegener Bevölkerung. 35 Meter starker Fels bot Schutz
gegen Bomben und Feuer.
Ab Ende 1944 gab es Bestrebungen auf höchster Ebene,
angesichts der herannahenden Front, die Kunstschätze
aus dem Hainer Stollen weiter ostwärts nach Mitteldeutschland
zu verlagern. Über diese Ereignisse berichtet
Theodor Wildemans Tochter Cornelia Meyer-Wildeman:
„SS-Offiziere hatten – angeblich im Auftrag der Regierung
– bei meinem Vater und dem Oberbürgermeister von Siegen
die Öffnung des Kunstschutz-Stollens und Abtransport
des Inhalts Richtung Osten verlangt. Der Zielort wurde
nicht genannt. Mein Vater verweigerte die Herausgabe, und
Oberbürgermeister Fißmer konnte glaubhaft nachweisen,
dass er weder Lastwagen noch Treibstoff zur Verfügung
hatte. Darum wollten die Herren sich kümmern und meldeten
sich bei meinem Vater wieder an. An diesem Morgen
sagte mein Vater zu mir: „...jetzt geht es um meinen Kopf.
Setz dich versteckt in den Nebenraum und schreib mit!“
Sie kamen ohne Lastwagen (diese sollten in drei Tagen
kommen) und verlangten von meinem Vater Stollen-Zutritt
und Herausgabe mit unmissverständlichem Hinweis auf die
Folgen erneuter Weigerung. Da
wurde mein Vater ganz deutlich:
„Solange ich lebe, gebe ich in eine
Unsicherheit nichts heraus. Ich trage
die Verantwortung vor Volk und
Geschichte. Ich werde den deutschen
Kulturbesitz nur vor der Öffentlichkeit
an Fachleute der Westmächte übergeben, die
dann die Verantwortung für ihre unbeschadete Erhaltung
und Rückführung übernehmen müssen.“ „Sind Sie sich
klar, Herr Wildeman, welches Urteil Ihre erneute Weigerung
für Sie bedeutet?“ Vaters Stimme zitterte: „Oh ja. Aber
wie ich Ihnen sagte, nur über meine Leiche!“ „Übermorgen
sind wir da - mit den Lastwagen. Überlegen Sie sich,
was Sie tun!“ Dann brach die Front zusammen. In letzter
Minute waren die Kunstschätze gerettet.
Die Amerikaner hatten im Oktober 1944 in Aachen von
einem Depot mit Kulturgütern in Siegen erfahren. Als die
amerikanischen Truppen auf Siegen vorrückten, erhielten
sie Funksprüche mit Einzelheiten über den Inhalt des
Depots.
Das 13. Inf.-Reg. der 8. Inf.-Div. der 1. US-Armee landete
am 4. Juli 1944 auf Utah Beach in der Normandie in
Nordwestfrankreich. Nachdem Köln erobert war, wurde
dem Regiment eine kurze Erholungspause gewährt. Am 29.
März 1945, 5 Uhr morgens, verließ das Regiment Köln im
LKW-Transport und rückte am 30. März 1945 bis Sie- ➤
12 durchblick 1/2005
Aus dem Siegerland
Amerikanischer Frontsoldat mit Aachener Kopie der Reichskrone am 3. April 1945 im Hainer Kunstschutzstollen
in Siegen. Im Hintergrund die einzigartigen hölzernen Türflügel von St. Maria im Kapitol in Köln aus dem Jahre 1065.
Sie schildern in farbig gefasster Schnitzarbeit das Leben Christi von der Geburt bis zum Pfingstwunder.
US Army Photo
gen-Eisern vor. Am 1. April 1945 begann der Angriff auf
Siegen. An diesem Tag warfen deutsche Jagdbomber Bomben
ab und griffen im Tiefflug mit Bordwaffen an, verfehlten
aber die amerikanischen Truppen.
Am 2. April 1945 besetzten US-Truppen einen Teil der
Stadt Siegen, und zwar das Gebiet südlich der Sieg, in dem
die Befehlsstelle des Oberbürgermeisters im Kaisergartenbunker
und der Hainer Kunstschutz-Stollen lagen. Soldaten
des 13. Inf.-Reg. posierten am 3. April 1945 vor den
Kunstschätzen im Stollen.
Alfred Fißmer: „Als der amerikanische Kommandant
mit seinem Adjutanten bei meiner Befehlsstelle (Bunker
Kaisergarten) vorfuhr, verlangte sein Adjutant, ich sollte
ihn sofort zu dem Bunker führen, in welchem die geraubten
Schätze untergebracht seien. Ich verbat mir diese Bemerkung
mit dem Hinweis, dass es sich nicht um geraubte
Schätze handelte, sondern um solche der katholischen Kirchen,
die sie mir anvertraut hätten und über die auch nur
diese verfügen könnten. Ich hatte dann aber an den Kommandanten
eine herzliche Bitte, mir zum Schutze eine starke
Bewachung mit Maschinengewehren zur Verfügung zu
stellen, da ich befürchten müsse, dass die Insassen des benachbarten
Russenlagers nur auf den Augenblick warteten,
wo sie das Lager stürmen könnten. Er versprach mir dann,
die Garantie dafür zu übernehmen, dass in kurzer Zeit die
Schätze unter militärischer Bewachung an die Eigentümer
zurückerstattet würden. Letzteres ist geschehen. Soweit ich
weiß, ist keins der wertvollen Stücke verloren gegangen
noch beschädigt.“
Am 1./2. April 1945 reisten die amerikanischen Kunstschutzoffiziere
Walker Hancock und George Stout mit dem
Aachener Domvikar Erich Stephany in einem Jeep von Aachen
nach Siegen, wo erbittert gekämpft wurde, um ➤
durchblick 1/2005 13
Aus dem Siegerland
sich ein Bild vom Zustand der Aachener Kunstschätze zu
machen. Am 2. April 1945 betraten sie den Hainer Stollen
und wurden von dem völlig überraschten Stollenwart mit
„Heil Hitler“ begrüßt.
George Stout schildert die Geschehnisse wie folgt: „Der
Stollen war etwa einen Meter achtzig breit und zweieinhalb
Meter hoch, gewölbt und roh behauen. Kaum hatten wir uns
vom Eingang entfernt, hüllte uns Dampf ein, und unsere Taschenlampen
leuchteten nur als schwache Punkte durch die
Düsternis. Es befanden sich Menschen darin. Ich dachte zuerst,
wir würden sie bald hinter uns lassen, es handle sich
um ein paar Versprengte, die sich hier in Sicherheit gebracht
hatten. Doch wir ließen sie nicht hinter uns. Wir gingen
fast einen halben Kilometer, weitere Stollen zweigten
ab. Die ganze Zeit gingen wir auf einem Pfad von kaum
mehr als einen halben Meter. Den Rest nahmen zusammengedrängte
Menschen ein. Sie standen, sie saßen auf
Bänken oder auf Steinen. Sie lagen auf Feldbetten oder auf
Tragen. Es war die Bevölkerung der Stadt, alle, die nicht
hatten fliehen können. Gestank lag in der feuchten Luft –
Babys schrien jämmerlich. Wir waren die ersten Amerikaner,
die Menschen zu Gesicht bekamen, und man hatte ihnen
zweifellos gesagt, wir seien Wilde. In den blassen,
schmutzigen Gesichtern, die im Taschenlampenschein auftauchten,
stand nichts als Furcht und Hass. Uns voran ging
das angsteinflößende Wort, kaum lauter als Flüstern: Amerikaner.
Das war das Ungewöhnliche an diesem Vorfall: der
Hass und die Furcht in den hunderten von Herzen, hautnah
um uns herum, und wir das Ziel.“
In einem verschlossenen Raum mit Backsteinmauern
und Betonboden, etwa 60 mal 9 Meter, fanden die amerikanischen
Kunstschutzoffiziere und der Aachener Domvikar
die unersetzbaren Kunstschätze.
Über den Radiosender Luxemburg der amerikanischen
Armee wurde im April 1945 gemeldet: „In der Stadt Siegen
gelang es nicht, die Stadt ohne Widerstand zu übergeben,
obwohl Oberbürgermeister Fißmer zweimal versuchte,
den Kommandanten der Garnison zu bewegen, mit
seinen Truppen die Stadt zu verlassen.“ (Stefan Heym: Reden
an den Feind, München 1995). Während der Kämpfe
um die Stadt Siegen fielen in der Zeit vom 31. März bis
7. April 1945 insgesamt 119 deutsche Soldaten. Die Zahl
der gefallenen Amerikaner ist nicht bekannt.
In einem amerikanischen Dokument heißt es: „In der
kritischen Schlacht um Siegen wurden neunzehn Gegenangriffe
zurückgeschlagen.“
Die amerikanische Armee hatte im April/Mai 1945 den
Hainer Stollen zu einem „Kunstmuseum“ der 8. Infanterie-
Division umfunktioniert, das für die Besatzungstruppen zu
einer militärtouristischen Attraktion wurde. Das „Museum“
bestand bis Ende Mai 1945.
Die Inschrift auf der Hinweistafel lautet: Golden Arrow/
ART MUSEUM / Siegen Copper Mine / Europe’s Art Treasures
/ RESTORED / Paintings of the / OLD MASTERS/
Rembrandt – Reubens – Van Dyck Delacroix – Van Gogh
– Holbein / Bones and Crown of / CHARLEMAGNE /
Original Music of / BEETHOVEN / Discovered and Guarded
by / 8th INFANTRY DIVISION.
Der Siegener Diplom-Handelslehrer Walter Hilbert notierte
am 25. Mai 1945 in sein Tagebuch: „Ich hätte nie geglaubt,
dass ich in meinem Leben Karl den Großen auf einem
Handwagen fahren würde. Der Gedanke wäre mir absurd erschienen.
Heute habe ich es in Wirklichkeit getan. Seine Verpackung
war schwer, 8 Zentner, sein leibliches Gewicht wahrscheinlich
nach mehr als 11 Jahrhunderten ein Federgewicht.
Einige der großen Rubensgemälde waren beschädigt. Sie
hatten ursprünglich in einem Eiserfelder Stollen gestanden
und unter der Feuchtigkeit gelitten. Als besondere Kostbarkeit
zeigte mir der Kustos des Aachener Doms die alte deutsche
Kaiserkrone und den Reichsapfel. Den Reichsapfel
durfte ich in die Hand nehmen – ein erhebendes Gefühl.
Der Kustos erzählte weiter, dass die Kunstschätze kurz
vor dem amerikanischen Einmarsch abtransportiert werden
sollten. Er habe sich geweigert, weil die Straßen unsicher
seien. Daraufhin sei ihre Zerstörung durch Sprengung
vorgesehen gewesen. Er habe auch dagegen Schutzmaßnahmen
ergriffen. Italienische Arbeiter der Hainer Hütte
hätten ihm Hilfe zugesagt, die Sprengung zu verhindern.“
Siegen erlitt von Dezember 1944 bis März 1945 mehr
als zehn schwere Bombenangriffe. Der Zerstörungsgrad
von Siegen betrug über 82 Prozent. Es wurden auch bunkerbrechende
Bomben von 5.500 kg, von den Briten „Tallboys“
genannt, auf Siegen abgeworfen. In Weidenau erhielten
mindestens zwei Luftschutzstolleneingänge
Bombentreffer. Der Eingang am Lohgraben und die beiden
Eingänge des Hainer Stollens, in dessen Stollensystem damals
Tausende Menschen Schutz suchten und in dessen
Kammern die Kunstschätze untergebracht waren, blieben
glücklicherweise von Bombentreffern verschont.
Es grenzt an ein Wunder, dass die überaus wertvollen
Kunstschätze im Hainer Stollen alle schlimmen Geschehnisse
und auch den unter Leitung von Captain Hancock gemeinsam
durch Amerikaner, Engländer, Franzosen und
Deutsche durchgeführten Rücktransport in die Heimatstädte
nahezu unbeschadet überstanden.
Hans-Martin Flender
Literatur: Dr. F. Philippi, Siegener Urkundenbuch, 1. Abt., Siegen 1887.
Eighth Infantry Division, A Combat History by Regiments und Special
Units, o.O. 1946. Hans-Martin Flender: Der Raum Siegen im Zweiten
Weltkrieg, Siegen 1979. Hans-Martin Flender: Hauptziel Siegen, Siegen
1994. Lynn H. Nicholas: Der Raub der Europa. Das Schicksal europäischer
Kunstwerke im Dritten Reich, München 1995. Walter I. Farmer:
Die Bewahrer des Erbes. Das Schicksal deutscher Kulturgüter am Ende
des Zweiten Weltkrieges, Berlin 2002.
14 durchblick 1/2005
Kriegsende
Mai 1945
blank geputzten Stiefeln zu einem kleinen Jungen. Der
drückte sich verängstigt an seine Mutter. Mit einem breiten
Lächeln zog der Soldat eine runde Dose aus seiner Uniformjacke
und reichte sie dem Kind. „Chocolat“, sagte er. Zögernd
nahm das Kind das Geschenk und die Mutter lächelte
verlegen. Der Bann war gebrochen. Nun – wenn sie
Kindern Schokolade schenken, werden sie uns wohl nicht
die Hälse durchschneiden. Langsam wich die angespannte
Angst von den Menschen. Mit fester Stimme und in perfektem
Deutsch gab der Offizier Anweisungen, an die ich
mich nicht mehr erinnere. Nur eines weiß ich noch:
Keiner durfte vorläufig den Bunker verlassen. Das war für
mich wie ein Fanal. Ich musste hier raus! Ich schlich nach
vorne und konnte den Bunker ungesehen verlassen. So
schnell ich konnte rannte ich zu einem nahe gelegenen Haus
und versteckte mich hinter der Haustüre. Warum ich das tat
und wie lange ich dort stand, weiß ich nicht mehr, aber was
ich dann erlebte, werde ich mein Leben lang nicht vergessen.
Durch einen Spalt in der Türe sah ich deutsche Soldaten – die
sich in einem Seitenarm des Bunkers in Sicherheit gebracht
hatten – mit erhobenen Händen auf die Straße kommen. Ihre
Uniformen waren dreckig und ihre schmutzigen Gesichter
waren gezeichnet von Kampf, Entbehrung und Hoffnungslosigkeit.
Der Anblick dieser Männer ließ mich – eine Sechzehnjährige
– die Sinnlosigkeit dieses verlorenen Krieges
klaren Auges erkennen und diese Erkenntnis traf mich wie
ein Keulenschlag. Ganz langsam ging ich in die Hocke,
schlug die Hände vors Gesicht und weinte, weinte, weinte.
Befreit habe ich mich damals nicht gefühlt – nein – nur
besiegt.
Inge Göbel
Unsere Zukunft sah nicht rosig aus, aber wir packten sie
an. Im September 1945 trug ich bereits stolz mein selbstgenähtes
Kleid (aus drei verschiedenen Stoffen).
„Mit sechzehn hat man noch Träume.“ Ein bekanntes
Lied aus den Neunzigern. Träume? Die hatten wir vielleicht
auch, aber sie wurden von einer immer unerträglicher werdenden
Wirklichkeit erdrückt. Seit sechs Jahren war Krieg.
Als er begann, war ich zehn und nun – 1945 – sechzehn Jahre
alt. Diese Jahre waren geprägt von Verzicht, Hunger,
Bombennächten und von Todesanzeigen gefallener Soldaten,
die ganze Zeitungsseiten füllten. Total ausgebombt lebten
wir seit drei Monaten im Bunker, einem großen Stollen.
Tag und Nacht saßen wir – Jung und Alt – auf Holzbänken.
Unser einziges Licht kam von Karbidlampen. Ca. achthundert
Menschen hielten sich hier auf. In den letzten Kriegstagen,
als in unserer Stadt bereits gekämpft wurde, durften
wir nur noch für eine Stunde den Bunker verlassen, um uns
draußen – auf aus Trümmersteinen und Blechen gebauten
Feuerstellen – etwas Reis zu kochen, den man uns austeilte.
Tag für Tag flüchteten mehr Menschen in den Bunker und
immer neue Parolen gingen von Mund zu Mund. „Die Amerikaner
kommen mit Riesenpanzern.“ Manchmal hörten wir
ihr Dröhnen. Angst machte sich breit. Was würde uns erwarten?
Was sind das für Menschen? Wir lernten „Ich ergebe
mich“ in englischer Sprache. Die Spannung, die in der
Luft hing, war spürbar – und dann kamen „Sie“, ein kleiner
Trupp amerikanischer Soldaten, angeführt von einem Offizier.
Auffallend für mich war die gepflegte Sauberkeit, die
von ihnen ausging. Die sahen absolut nicht aus wie Krieger!
Es war totenstill im Bunker, nur die Schritte dieser fremden
Soldaten waren zu hören. Dann ging ein dunkelhäutiger mit
Informieren
Sie sich!
durchblick 1/2005 15
Am Abend des 1. Februar 1945 fiel ein Feuerteppich auf
den alten Ortskern von Kaan und machte ihn fast dem Erdboden
gleich. 282 Bombenflugzeuge der Royal Air Force
warfen ihre zerstörerische Last, 1306 Bomben, über dem
Zielgebiet Siegen ab. Der Gemeindeteil Marienborn blieb
von verheerenden Schäden fast verschont und wurde doch
mitten in seinem Lebensnerv getroffen, in Kaan.
Die Stadt Siegen, in der
es nach dem Großangriff
im Dezember 1944 kaum
noch etwas zu verschonen
gab, wurde am Rande
erneut heimgesucht. Das
strategische Ziel war der
Verschiebe-Bahnhof. Bombardiert
wurden außerdem
Weidenau, Buschhütten,
Kreuztal, Netphen, Wilnsdorf,
Gernsdorf, Flammersbach,
Rudersdorf und
Anzhausen. Ein Lancaster-
Bomber stürzte über Beienbach
ab.
Noch wenige Wochen
vor der totalen Kapitulation
begannen die Bürger des
zu 80 Prozent zerstörten
Gemeindeteils Kaan ihre
Häuser wieder aufzubauen, erst überwiegend als Behelfsheime,
später mit Hilfe der zögernd freigegebenen, knappen
Mittel unter Regie der Militärregierung. Aus einer
blühenden Industriegemeinde wurde nach und nach – aus
heutiger Sicht – ein zusammengehöriger, blühender Stadtteil,
der seinen eigenen Charakter durch die Eingemeindung
nicht verloren hat.
Jedoch im Februar 1945 sah das kleine Kaan der Stadt
Siegen, die sechs Wochen zuvor mir ihrem historischen
Kern in Schutt und Asche gelegt worden war, zum Verwechseln
ähnlich.
Die schwärzeste Stunde in der Geschichte von Kaan-
Marienborn begann an diesem Schicksalstag vor 60 Jahren
mit dem Voralarm um 18.40 Uhr. Zeitzeugen haben in verschiedenen
Veröffentlichungen geschildert, wie sie das Inferno
erlebt und überlebt haben. Manche, die den Wiederaufbau
mitgestaltet haben, hielten damals ihre Erinnerung
fest.
Der verstorbene Schreinermeister Albert Schröder, von
1949 bis zur Eingemeindung 1966 Gemeindedirektor und
langjähriger Bürgermeister von Kaan Marienborn, gehörte
Siegerland
Feuerteppich auf Kaan
Mahnmal auf dem Alten Friedhof in Kaan-Marienborn
gestaltet von der Siegener Bildhauerin Ruth Fey.
der in fünf Unterkünften stationierten Luftschutzeinheit an,
die nach Angriffen ausrückte, um zu retten, was noch zu retten
war. In einem 1985 mit der Autorin geführten Gespräch
hat der damals 81-Jährige seine „ins Gedächtnis eingebrannten
Eindrücke“ geschildert: „Ich hatte einen freien
Abend und war zu Hause, als es mit dem Voralarm losging.
Kurz nach dem akuten Alarm, wir hatten gerade den Stollen
erreicht, folgte ein Bersten,
Krachen, Dröhnen.
Es war die Hölle.“
Als alles vorbei war,
suchten die Menschen in
dem sich ausbreitenden
Flammenmeer, was ihnen
geblieben war. Albert
Schröder half beim Löschen
der Flammen, die
auch sein eigenes Haus bedrohten:
Er zog die traurige
Bilanz: „Wir hatten
natürlich mit zwei
Löschwagen kaum eine
Chance. Was ohnehin zerstört
war, brannte und loderte
in den Ruinen noch
am nächsten Tag. Ich
machte die Stalltür auf und
sagte der Kuh: Mach, dass
du wegkommst.“ Albert
Schröder gehörte zu der Abteilung der Feuerwehr, die ihre
Fahrzeuge am Stollen hinter der Eintracht untergebracht
hatten. Zu der Luftschutzeinheit zählte außerdem eine Sanitätskolonne
und ein Instandsetzungskommando. Schröder
hatte damals sechs obdachlose Familien in seinem bald
wieder bewohnbaren Haus untergebracht.
Zu den von den Bomben betroffenen Menschen gehörte
auch ein Siegener Geschäftsmann, damals 15 Jahre alt,
dessen Eindrücke die Spur des Schreckens noch sichtbar
machen konnten: „Es war grauenhaft. Ein Junge aus meiner
Schule lag tot mit Angehörigen auf der Straße vor seinem
Haus. Auf dem Weg zu unserem brennenden Haus sah
ich lettische Frauen, die sich in der Nähe der Firma Holz-
Irle in einen Splittergraben gerettet hatten. Alle waren tot.
Ein Mann musste tot geborgen werden, weil er unterwegs
einen Herzschlag erlitten hatte. Das lässt sich vielleicht verdrängen,
nie vergessen.“
Was den Siegenern die Bunker bedeuteten, waren den
Bürgern von Kaan die Stollen, in denen sie oft Tage und
Nächte verbrachten. Im Gemeindehaus wurde ein Notquartier
und provisorisches Lazarett für die Verletzten eingerichtet,
denen noch zu helfen war. 24 Tote forderte ➤
16 durchblick 1/2005
Siegerland
der Angriff. Über die Hälfte der 350 Häuser wurden total
zerstört, darunter die 144 Jahre alte Kapelle.
1948 waren 72 Wohnhäuser wieder intakt, 100 Wohnungen
konnten bezogen werden. Bis 1954 waren 90 Prozent
aller Gebäudeschäden behoben. Bis auf das eindrucksvolle,
von der Siegener Bildhauerin Ruth Fey gestaltete
Mahnmal auf dem Friedhof in Kaan erinnert nichts
mehr an die Spur der Zerstörung, die der Angriff hinterlassen
hatte. Und darum ist es wichtig, dass es noch Zeitzeugen
gibt, die sich erinnern und einen schleichenden Verdrängungsprozess
durch ihre Berichte verhindern können.
Maria Anspach
Das internationale Musik- und Theaterfestival KulturPur 2005
Das internationale Musik- und Theaterfestival Kultur-
Pur (12.–16. Mai 2005, über Pfingsten), romantisch gelegen
in Hilchenbach-Lützel, auf dem Giller, zieht jährlich
mehr als 50.000 Besucher aus ganz Deutschland in seinen
Bann. Eine Beliebtheit, die es sicherlich seinem familiären
Charme verdankt, der idyllischen Lage an einem der
schönsten Plätze Westfalens und der imposanten Kulisse
der Zelttheaterstadt. Vor allem aber, weil es die Veranstalter
jedes Jahr über Pfingsten verstehen, hochkarätige Showstars
mitten in die südwestfälische Natur zu holen. Wo sich
sonst Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen, begeisterten
bisher u. a. Juliette Gréco, Gilbert Bécaud oder Milva das
Publikum des größten naturnahen Festivals in Deutschland
und schufen eine Tradition, die KulturPur 2005 nun zum
15. Mal ins Licht internationaler Produktionen rückt.
Zum Redaktionsschluss durften allerdings erst zwei der
über 100 KulturPur-Künstler verraten werden: Marianne
Rosenberg wird die populärsten Songs aus ihrer über 30-
jährigen Karriere neu (er)finden. Marianne Faithfull zählt
zu den Legenden der Rockgeschichte: Das wird ein weiterer
TopAct von KulturPur 2005 sein.
Aber selbst wer einfach nur relaxen will, kann dabei das
meist kostenlose Rahmen- und Tagesprogramm für die
ganze Familie genießen. KulturPur ist mit einer im Vorverkauf
erworbenen Eintrittskarte über kostenlose Bus &
Bahn-Verbindungen erreichbar. Infos gibt es Anfang April
im Internet unter www.siwikultur.de oder unter der Info-
Nummer 0271/333-2451.
Der Vorverkauf ist vom 18. April bis 10. Mai.
durchblick 1/2005 17
Aus dem Siegerland
Kartoffel(tor)tour – Not macht mobil
Am 7. Mai verkündete ein amerikanischer Lautsprecherwagen
auch in Siegen das Ende des Zweiten Weltkriegs
in Europa. Am 8. Mai erfuhr es die Weltöffentlichkeit. Der
Krieg ist aus. Eine amerikanische Siegesparade marschierte
am 9. Mai am Kölner Tor auf.
Unterrichtete Nachhilfeschüler
gegen Zink-Mülleimer
Bild von Dr. Erich Franz
Der mühselige Alltag
zwischen Trümmern und
Wiederaufbau hatte begonnen.
In der Weidenauer Alleestraße
hausten wir – meine
Eltern, mein Bruder und
ich – vergleichsweise noch
mit Komfort in der nur zum
Teil zerstörten, mit Holzfaserplatten
an der Fensterfront
abgedichteten Küche.
Auf dem Flur unterrichtete
mein Vater einen Nachhilfeschüler
gegen „harte
Währung“: einen verzinkten
Mülleimer, als begehrtes
Tauschobjekt für Hamsterfahrten.
Not macht mobil: Nach
der Bekanntgabe, dass die
Haferbestände der Wellersberg-Kaserne
für die Bevölkerung freigegeben wurden,
startete mein Bruder per Fahrrad erwartungsvoll zur „Hafer-Ernte.“
Aber Hundertschaften hungriger Siegener waren
schneller gewesen. Nur noch eine feuchte Masse bedeckte
auf dem freigegebenen Kasernengelände den
Boden. Bruder Peter füllte eine organisierte Holzkiste mit
dem „Haferbrei“ und schob den mit der Kiste beladenen
Drahtesel nach Hause. Die Enttäuschung war groß. Aber
es gab noch Brennesselspinat und „Schmatzbeckel“, die
aus geriebenen rohen Kartoffeln, nach Siegerländer Sparrezept
auf gusseiserner Platte gebacken wurden. Die Familienzuteilung
der Militärregierung für eine Woche – zum
Beispiel auf überlieferter Bekanntmachung 700 Gramm
Fleisch, ein halbes Pfund Fett, ein halbes Pfund Gries und
drei Pfund Brot – war nach zwei Tagen verbraucht.
Nach tagelangen Versuchen, durch Trocknen und Rösten
noch etwas Essbares vom Hafer zu retten, erschien am
Amtshaus die Verfügung: „Alle Hafermengen aus Kasernenbestand
sind zu melden.“ Mein Vater meldete sich und
wurde verpflichtet, den Bestand – unabhängig von der
muffigen Beschaffenheit des Korns – sicherzustellen.
Am Rand der Weidenauer Wilhelmstraße und in unserer
Alleestraße haben wir mit Nachbarskindern „Betteln“
gespielt. Das war natürlich kein richtiges Spiel im Frühsommer
1945, wenn wir vor haltenden Militärwagen versuchten,
mit ausdrucksvollen Blicken irgendetwas Essbares
zu ergattern. Aber dieses Betteln nach Spielregeln
machte Spaß: Die gesamte Ausbeute wurde schließlich zusammengelegt
und verlost. Die Teilnehmer wurden je nach
Beute-Erfolg mit Pluspunkten bewertet, die Reinschmidts
Karl-Heinz in ein Schulheft eintrug. Das Ergebnis war bei
mir ziemlich kümmerlich. Immerhin, in einem Fall, an den
ich mich erinnere, konnte ich eine runde Blechdose mit bitterer
Cola-Schokolade und viele Päckchen Brausepulver
abliefern, auch irgendetwas Grünes, das an den Zähnen
klebte. Das war wohl meine erste Begegnung mit Kaugummi,
der seinen Siegeszug in „Germany“ damals schon
hinter sich hatte. Satt machte das alles nicht.
Meine Eltern beschlossen, als „Beschaffungsmaßnahme“
mit unserem Leiterwagen eine Hamsterfahrt ins Hessische
oder zum Westerwald zu riskieren. Transportmittel
– außer den Beinen – waren noch nicht wieder in Betrieb
oder nicht zu bezahlen.
Auszüge aus dem Tagebuch meines Vaters über die ersten
Nachkriegswochen geben unter anderem Einblick in
den verzweifelten Kampf um drei Zentner Kartoffeln, in
drei Tagestouren im Hessischen erobert und nach Siegen
gebracht:
30. Mai 1945: „Nach zügiger Tour ab frühem Morgen
überrascht uns hinter Wilnsdorf auf dem Weg zur „Kalten
Eiche“ die erste Panne. Nach gutem Anfang – 60 Pfund Kartoffeln
gegen unser Opernglas – streikt der Wagen. Ein Reifen
ist platt. Jetzt ist Lastenausgleich erforderlich. Die Hälfte
der Ladung wird im Rucksack verpackt. Der Rest bleibt
im Wagen. Wir schlürfen weiter mit dem „Plattfuß“ wie auf
Filzpantinen. Nach etwa drei Stunden erreichen wir im
Schneckentempo die erste Höhe und es geht abwärts. Uns
folgen rollende Kartoffeln, die beim Verladen aus einem
Sack gekullert sind. Wir landen in Haiger-Seelbach. Ein
freundlicher Bauer mit ganz kleinem Anwesen bietet uns
Flickzeug für den Wagen, ein Nachtquartier in der geräumigen
Küche und köstliche Butterbrote. Am nächsten Vormittag
– der Reifen hat wieder Luft – wechseln wir herüber
nach Steinbach, das abseits der großen Straße liegt. Jetzt
treffen wir nach langer Strecke bergab nur auf Dorfbewohner,
die an unseren Tauschobjekten nicht interessiert sind.
Dann aber gelingt auf einem stattlichen Gehöft der große
Coup: eineinhalb Zentner Kartoffeln für Peters silberne Uhr,
ein Zentner für Marias Taufbecher und Schulmappe.
Nun geht es glücklich mit Aufwind zurück Richtung
Haiger-Seelbach. Es geht endlos über die Landstraße. Der
Weg führt nun in immer neuen Wellen steil aufwärts. Dass
die Straße rechts und links mit leeren Verpflegungspaketen
der Amis übersät ist, bringt uns unseren Hunger leb- ➤
18 durchblick 1/2005
Philosophie
haft in Erinnerung. Macht nichts, wir haben drei Zentner
Kartoffeln – und auf geht’s wieder am Wald entlang. Aber
dann der nächste Schock. Der Reifen macht wieder
schlapp, aber diesmal ist die Lage hoffnungslos. Was nun?
Jetzt wird die gesamte kostbare Last in einer Waldbodenvertiefung
verbuddelt und sorgfältig mit Zweigen bedeckt.
Ein stabileres Vehikel tut Not. Wir müssen zurück. Mit
klapprigen leeren Wagen und müden Füßen – auf endlos erscheinendem
Rückweg – kommen wir wieder über Haigerseelbach
und Wilnsdorf am Abend des zweiten Tages in
Weidenau bei den Kindern an, mit leerem Wagen und leerem
Magen. Natürlich gibt es vom „Depot“ abgezweigte
Kartoffeln, sogar ein Stück Speck als bäuerliche Zugabe.
Am nächsten Morgen bekomme ich im Geisweider Eisenwerk
von Herrn Weber einen stabilen Werksleiterwagen.
Dann geht es wieder los, zweimal hoch über die Berge
und über die Höhe der „Kalten Eiche“. Wir kommen
weit hinter Haiger-Seelbach zu der Stelle, an der wir unseren
Schatz verbuddelt haben. Oh, Freude, da liegt er noch
unversehrt und unverzehrt.
immer wieder mehrere Meter zurück. Wir machen Pause,
blockieren die ungeplante Abwärtsfahrt mit Holz; „Nicht
schlapp machen“ heißt die Parole, immer in Etappen. Bis
zur Försterei „Kalte Eiche“ sind es noch vier Kilometer auf
holprigem Waldweg. Müssen wir aufgeben? Ein Bauer in
Steinbach hatte uns den Rat gegeben, einen Ochsen vorzuspannen.
Ein Zugochse stehe im Stall, aber seine Leute seien
nicht erreichbar. Wie viel tauglicher als der Mensch kann
unter Umständen so ein Ochse sein! Aber wir müssen über
die Höhe.
Mit dem Mut der Verzweiflung setzen wir die Tortour
fort. Nach zwei Stunden ist die Hälfte des Aufstiegs geschafft.
Das letzte steile Stück bis zur Höhe „Kalte Eiche“
steht noch bevor, aber da geht nun gar nichts mehr. Der Wagen
rührt sich nicht mehr vom Fleck. Da gibt es nur eine
Lösung: Die Hälfte der Ladung wird nach bewährtem Muster
wieder im Wald verstaut. Die restliche Last wird hochgeschleppt
und auf der Höhe im Forsthaus „Kalte Eiche“
gelagert. Dann wird die zweite Hälfte geholt. Endlich ist
alles oben!
Nun geht es steil abwärts. Der Wagen mit seiner schweren
Last drängt mit Gewalt voran. Vorn stemme ich mich
gegen den Wagen, hinten hält „Mutter Courage“ ihn mit aller
Kraft am Seil fest, das ich um die kostbare Last gewickelt
habe. Streckenweise im Rutschen und völlig außer
Atem kommen wir schneller als gedacht in Wilnsdorf an.
Die Sperrstunde, festgesetzt auf 21.30 Uhr, naht. Gleichzeitig
bricht ein gewaltiges Gewitter los. Ein mitfühlender
Bauer bietet uns samt Wagen und Kartoffeln ein Nachtquartier.
Wir schnaufen nur noch: Danke!
Der nächste Weg zurück nach Siegen am Morgen geht
wieder über steile Höhen, also wählen wir die Strecke über
Eiserfeld, sechs Kilometer weiter, aber ohne Steigung.
Kurz vor den ersten Häusern von Siegen begegnet uns auf
der Eiserfelder Straße von den Heidenberg-Kasernen kommend,
ein Trupp russischer Soldaten. Wir hören von anderen
Hamsterern mit Ladung, dass alle mühsam eroberten
Habseligkeiten beschlagnahmt werden sollen. Auch wir
werden angehalten.
Verschiebung der Werte: Drei Zentner Kartoffeln von solchen
Wagen wurden gegen Silberuhr, Ledermappe und
silbernem Taufbecher abgegeben.
Wir laden auf und müssen uns tüchtig ins Geschirr legen.
Die Eisenstraße hat es in sich. Jetzt wiegt die Last drei
Zentner und auch der stabile Wagen hat sein Schwergewicht.
Es geht bald wieder steil bergauf. Der Wagen rollt
Hier verliert meine Ilse ihre bisher mühsam bewahrte
Fassung. Hemmungslos schluchzend sitzt sie im Chausseegraben.
Da naht die Rettung in Gestalt eines britischen
Militärwagens. Angesichts des Menschenauflaufs auf der
Straße hält der Fahrer an und fragt nach dem Grund der Ansammlung.
Als die Engländer hören, worum es geht, gibt
es eine kurze Verhandlung mit den Russen – und schon räumen
die den Weg und lassen uns freie Bahn. Das waren nun
unsere „Todfeinde“. Am frühen Abend landen wir in der
Alleestraße bei den Kindern, mit müden, kaputten Gliedern,
drei Zentnern Kartoffeln und dem Blick nach vorn.
Es wird weitergehen.
Maria Anspach
durchblick 1/2005 19
Reisen
Zwei Frauen in Usbekistan allein
Wer kennt Usbekistan? Und wer dieses Land kennt,
wird vielleicht nicht ohne Weiteres zu zweit dorthin reisen.
Aber eine Freundin und ich entschlossen uns, das Abenteuer
zu wagen. Wir waren beide zusammen mit einer Reisegruppe
schon einmal dort gewesen und hatten den
Wunsch, Usbekistan gründlicher zu besichtigen. Sie hatte
dort eine Bekannte, die an einer Schule in Samarkand
Deutsch unterrichtete, ich verließ mich auf meine zugegebenermaßen
dürftigen Russischkenntnisse. Ein Flugticket
war schnell besorgt, per Internet ein Hotelzimmer für die
ersten Tage in Taschkent reserviert, und schon saßen wir im
Flugzeug und reisten dem Orient entgegen.
Usbekistan gehörte wie die anderen Länder Mittelasiens
70 Jahre zur Sowjetunion und war von der Ideologie
der sowjetischen
Machthaber
geprägt.
Sie hatten diesen
Ländern
ihre Identität
genommen, die
Religion und
die Sprache unterdrückt
und
die Wirtschaft
auf die Bedürfnisse
der
Sowjetunion
ausgerichtet.
Gräberstadt Sha-i-Sinda in Samarkand
Aber nach dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums besann
sich das Land wieder auf seine jahrtausendalte Kultur.
Durch dieses Gebiet ging die berühmte Seidenstraße,
Buchara und Samarkand waren der Sitz von Kunst und
Wissenschaft und ihre Bauten, Moscheen, Paläste und Medresen
gehören zum Weltkulturerbe. Schon Alexander der
Große weilte auf seinen Feldzügen in diesem Gebiet.
Wir begannen unsere Besichtigungen in Taschkent, der
Hauptstadt des Landes. Die Altstadt ist vor einigen Jahrzehnten
durch ein Erdbeben größtenteils zerstört worden,
auf den Trümmern hat man eine neue Stadt mit erstaunlich
modernen Gebäuden errichtet. Man hat sich von dem sowjetischen
Zuckerbäckerstil abgewendet und versucht, der
Architektur ein islamisches Gepräge zu geben. Taschkent
ist mittlerweile eine Millionenstadt, neben europäisch gekleideten
Menschen sieht man Bewohner in traditioneller
Tracht. Auf den Straßen bewegt sich ein buntes Völkergemisch
und man hört alle Sprachen Mittelasiens. Leider wird
das Land von einem Präsidenten regiert, der aus der sowjetischen
Nomenklatura hervorgegangen ist, obwohl es
nominell eine Demokratie ist, herrschen Willkür und Ausbeutung,
und der große Reichtum an Erdöl und Erdgas
kommt nicht dem Volk zugute.
Ein erstes Abenteuer und die Nagelprobe für mein Russisch
war die Besorgung von Fahrkarten für die Eisenbahn
nach Samarkand. Auch der Zug, noch aus der Sowjetzeit,
war ein Erlebnis. Auf der neunstündigen Fahrt bekamen wir
einen ersten Eindruck von der Größe des Landes. Von
freundlichen Mitreisenden mit Nahrung versorgt, erreichten
wir Samarkand mit vielstündiger Verspätung weit nach
Mitternacht und waren froh, von einer Landsfrau abgeholt
zu werden. Samarkand ist neben Buchara das Paradebeispiel
für eine orientalische Stadt. In diesen beiden Städten
befinden sich die schönsten Baudenkmäler aus dem Mittelalter.
Der Registan ist einer der prächtigsten Plätze der
islamischen Welt. Außerhalb der eigentlichen Stadt liegt die
Nekropole Sha-i-Sinda, eine Gruppe von Grabmälern mit
herrlichen Beispielen für die Kunst der Fliesenmalerei.
In einem
Kuppelbau in
der Altstadt
befindet sich
das Grab von
Tamerlan, einer
der großen
Gestalten der
Weltgeschichte.
Sein Reich
erstreckte sich
von China und
Indien bis
Melonenmarkt in Samarkand
nach Mesopotamien
und
Ungarn. Er herrschte mit unvorstellbarer Grausamkeit, aber
versammelte in seiner Hauptstadt die besten Künstler und
Baumeister und verwandelte Samarkand in die größte und
schönste Stadt seiner Zeit. Im heutigen Usbekistan gilt Tamerlan
oder Timur, wie er dort genannt wird, als Nationalheld.
Seine Denkmäler ersetzen die Statuen der Sowjetführer.
Unsere Weiterreise nach Buchara bewerkstelligten wir
in einem Privattaxi, das recht mitgenommen aussah, aber
für die Strecke von 600 Kilometern auch nur 50 kostete.
Unterwegs lud uns der Fahrer an einem beliebten Picknickplatz
im Gebirge zu Schaschlik ein, aber das Geld, das
ein korrupter Polizist unterwegs kassierte, nahm er uns am
Ziel wieder ab.
Buchara ist noch ursprünglicher als Samarkand, seine
Moscheen und Medresen werden von der gewaltigen Burg
des Emirs überragt, der noch bis ins 20. Jahrhundert brutal
herrschte und Fremde einkerkerte. Für Touristen ist es
ein besonderes Vergnügen, in den Basaren zu stöbern und
die eine oder andere Kostbarkeit nach fleißigem Feilschen
zu erwerben, wovon wir reichlich Gebrauch machten. Aus
Buchara stammte Avicenna, der berühmteste Arzt und ➤
20 durchblick 1/2005
Philosoph des Mittelalters, das
ganze Gebiet gehörte zum persichen
Kulturkreis.
Aus der Wüstenstadt Buchara
flogen wir in das fruchtbare
Ferganatal im Osten den Landes.
Er wird im Norden von des Bergen
des Tienschan, im Süden
und Osten von der Kette des
Aleigebirges eingerahmt, deren
höchste Gipfel 7000 Meter erreichen.
Gegen die kalten Nordwinde
abgeschirmt und durch
ein ausgedehntes Kanalsystem
bewässert, ist es der Obst- und
Gemüsegarten Usbekistans und,
dank der Plantagen von Maulbeerbäumen,
das Zentrum der
Seidenindustrie. Es war ganz
leicht, überall Quartier in Privathäusern
und kleinen Pensionen
zu bekommen, die freundliche
Bevölkerung war sehr hilfsbereit,
und die Fahrten von Ort zu
Ort mit Privatautos und öffent-
Reisen
Für die Touristen ist es ein besonderes Vergnügen
in den Basaren zu stöbern.
lichen Bussen waren nicht nur
preiswert, sondern auch unterhaltsam.
Fahren Sie mal mit mindestens
20 Personen und deren
Gepäck sowie Kleinvieh in einem
Minibus. Der Palast von Kokand,
erst vor l00 Jahren erbaut, wirkte
wie ein Bau aus Tausend und
einer Nacht. Das Ferganatal verlässt
man durch einen nur 9 Kilometer
breiten Durchbruch des
Syr-Darja. Für die 300 Kilometer
bis Taschkent brauchten wir nahezu
9 Stunden, da wir einen hohen
Pass überwinden mussten.
Unsere Reise nach Usbekistan
war ein großes Erlebnis, wir haben
viel gesehen, haben viele Einblicke
in das Leben der Usbeken
bekommen und mehr erfahren, als
wir auf einer geführten Gruppenreise
mitbekommen hätten. Es
macht Mut, das eine oder andere
Land auf diese Weise zu bereisen.
Marie H. Mildner
durchblick 1/2005 21
Elisabeth
Hilfe für Kenia
Um mir einen Jugendtraum zu erfüllen, fuhr ich mit
meinem Mann 1989 in das Hochland von Kenia. Wir wollten
einen uns bekannten Priester Father Silverius besuchen,
der uns schon über lange Jahre wiederholt um einen Besuch
bat.
Schon in der ersten Nacht sah ich mich gezwungen, das
Missionshospital nicht als Besucherin, sondern als Patientin
aufzusuchen. So konnte ich meine ersten Erfahrungen
von Missionsarbeit am eigenen Leibe erleben. Ein eindruckvolles
Erlebnis.
Schon in der ersten Nacht sah ich mich gezwungen, das Missionshospital nicht
als Besucherin, sondern als Patientin aufzusuchen.
Um mich wieder fit zu machen, verabreichten
mir die netten Schwestern ein
undefinierbar aussehendes Getränk.
Nachdem ich dieses zu mir genommen
hatte, wurde mir aufgrund des grässlichen
Geschmackes, wie ich schon vermutete,
bestätigt, dass es sich um Rinderblut
in Milch gehandelt hatte. Analog
des bekannten Werbeslogans „RED
BULL ® verleiht Flügel“ besserte sich
mein Befinden bald darauf. Tief beeindruckt
hat mich die menschliche Betreuung
in der kleinen Klinik, tief erschüttert
dagegen die spärliche
medizinische Ausstattung, was Geräte
und Medikamente betraf. Bei meiner
Entlassung gab mir der indische Arzt einige
in Zeitungspapier eingewickelte
Tabletten (Valium) und den Ratschlag
mit auf den Weg „no tourism, lady!“
Unser Reiseziel war die Missionsstation in Nyeri, zu der
unter anderem auch die pädagogische Hochschule in Kamwenja
gehörte, an der unser Freund Theologie und Pädagogik
lehrte.
Die Ankunft verlief doch anders als geplant. War es die
Aufregung, die beschwerliche Reise oder die Klimaumstellung
– was auch immer.
Senioren-Hotline
4041334
montags von 9.00 bis 16.00 Uhr
Wir kümmern uns
Seniorenbeirat der Stadt Siegen
Nach 2 Tagen schlug ich den gut gemeinten Rat in den
Wind und schaute mir Land und Leute an.
Im Verlauf der nächsten Jahre haben wir immer wieder
Medikamente und medizinische Hilfsgüter gesammelt.
Dank der großzügigen Hilfe eines Herrn, der alles für uns
regelte, wurden diese nach Kenia versendet.
Bei einer weiteren Reise nach Kenia wurden wir von
dem Ehepaar Müller begleitet. Cilly Müller hatte schon immer
regen Anteil an unseren Sammelaktionen genommen.
Ihr kam die großartige Idee, für diese Missionsstation einen
Hilfeverein ins Leben zu rufen. Die erste Aktion startete sie
auf einem Basar anlässlich eines Stadtfestes in Lennestadt-
Altenhundem. Cilly Müller ist die Begründerin des inzwischen
eingetragenen Vereins „Keniafreunde“. Er ist in den
letzten Jahren stark gewachsen und etabliert. Ihm ist die
Verwirklichung eines Wasserprojektes, die Anschaffung eines
Land Rovers für die Betreuung der Blinden in Meru, die
von dem Christoffel Blindenhilfswerk unterstützt werden,
zu verdanken. Außerdem engagieren sie sich Patenschaften
und Waisen. Ein Hauptanliegen ist jetzt die AIDS-Hilfe.
Meinem Sohn Michael gelang es, „aktion medeor“ für
die Unterstützung des Missionskrankenhauses zu gewinnen.
Der renommierte Verein beliefert in Notfällen das
Hospital mit Medikamenten und sonstigen Hilfsgütern.
22 durchblick 1/2005
Muss das so sein?
Diskriminierendes Zerrbild
Unter der Rubrik „Kreditlimit“ steht auf meinem Kontoauszug
vom 12. Januar eine andere Zahl als früher. Ohne
weitere Rückspache wurde meine Kreditwürdigkeit auf fast
ein Drittel der Höhe der monatlichen Rente begrenzt. Die
erste Vermutung: Das hat mit meinem Alter zu tun!
Sehen die Siegerländer Bankmanager in meinem fortgeschrittenen
Lebensalter ein Kreditrisiko? Oder haben sie
in eigenem Interesse vorsorglich gehandelt? Es war zu erwarten,
dass im Januar 05 ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz
verabschiedet wird. Diskriminierende Ansinnen
hätten dann kaum noch Chancen gehabt. Und es ist
diskriminierend, wenn Banken und Versicherungen sich
weigern, Kredit- oder andere Verträge mit Menschen abzuschließen,
nur weil diese ein bestimmtes Alter erreicht
haben.
Der Blick über den Tellerrand zeigt, dass es auch anders
geht. In den USAsind alle über 40-Jährigen schon seit 1967
gegen Altersdiskriminierung geschützt. Vergleichbare Gesetze
gibt es in zahlreichen europäischen Staaten. Einer entsprechenden
Richtlinie der Europäischen Union folgend,
hätte auch Deutschland bis Dezember 2003 ein umfassendes
Antidiskriminierungsgesetz vorlegen müssen. Aber der
im Deutschen Bundestag vorgelegte Entwurf des Gesetzes
wurde verzögert, zerredet und schließlich im Januar 2005
als „zu umständlich, zu bürokratisch“ zurückgewiesen.
Folglich können ältere Arbeitnehmer – zum Beispiel – auch
künftig von Fortbildungsangeboten ausgeschlossen oder
gegen ihren Willen vorzeitig „freigesetzt“ werden. Liegt
hier einer der Gründe, dass Deutschland mit nur 37 Prozent
der über 55-jährigen Erwerbstätigen europäisches Schlusslicht
ist?
Altersdiskriminierung berührt langfristig gewachsene
gesellschaftspolitische Vorstellungen und ist einer gesetzlichen
Regelung nur bedingt zugänglich. Aber das Thema
muss im öffentlichen Bewusstsein einen anderen Stellenwert
einnehmen.
Übrigens sprechen ganz einfache Zahlen gegen die Vorgehensweise
meiner Bank: Nur 1,3 Prozent der über 65-
Jährigen beziehen Sozialhilfe. Nein, ich gehöre nicht dazu.
Erich Kerkhoff
SCHÖNER WOHNEN
Unser Service
ganz speziell für Sie:
3xSIEGEN
ZENTRUM
... Sandstr. 80 + 86
... Emilienstr. 9
Tel.: 0271-232550
Kaffee & Freundlichkeit:
Wir nehmen uns Zeit für Sie und Ihre Fragen. Sie sind
jederzeit eingeladen. Eine leckere Tasse Kaffee in
freundlicher Umgebung wartet schon auf Sie.
Vor-Ort-Beratung:
Wir beraten Sie gern und jederzeit bei Ihnen zu Hause in
gewohnter Umgebung. Natürlich kostenlos und unverbindlich.
Lieferservice:
Selbstverständlich werden Ihre neuen Möbel von uns
ausgeliefert und „fix und fertig“ montiert.
Matratzenservice:
Ob hart oder weich: Wir haben die richtige Matratze für
Ihren Rücken und Ihre Bandscheiben. Viele Federkernmatratzen
und Lattenroste sofort lieferbar.
Kostenloser Abhol- und Bringservice:
Sollten Sie keine Fahrmöglichkeit zu uns haben, holen wir
Sie selbstverständlich gern und kostenlos von zu Hause ab.
Anruf genügt.
Leben. Wohnen. Einrichten.
OLPE
STACHELAU
... direkt an der B 54
Tel.: 02761-94560
www.moebel-hb.de • e-mail: info@moebel-hb.de • Geöffnet: ... Mo-Fr 9.30-19.00 ... Sa 9.30-18.00
durchblick 1/2005 23
Sie wollen mich loswerden, ich habe nur noch eine Galgenfrist
in dieser Familie und in diesem Haus. Ich habe es
mit anhören müssen, als die Frau zu ihrem Mann sagte, ich
sei schäbig und ich passte nicht mehr zu ihnen. Ja, schäbig
finde ich, dass sie das in meinem Beisein sagte und dabei
auch noch geruhsam ihre Hände auf meine Platte legte. Der
Mann war nicht direkt ihrer Meinung, aber dann holte die
Frau Papier und Bleistift und sie haben auf mir herumgerechnet.
Ich musste alles mit anhören, es war grausam, wie
die Frau über mich redete. Unansehnlich und alt sei ich und
sie müsste sich vor der Nachbarin schämen, die längst einen
neuen Tisch hätte, in dessen glänzender Oberfläche man sich
spiegeln könnte. Welch ein Quatsch, spiegeln in einem Tisch,
dafür gibt es schließlich die Spiegel. Ein Tisch ist etwas
Handfestes. Mein Gott, was habe ich alles in dieser Familie
ertragen müssen. Ich weiß noch genau wie es war, als ich damals
zu ihnen kam. Ich war ein Geschenk von der Oma, die
so einen großen Tisch nicht mehr brauchte. Alle waren glücklich.
Vor Freude haben sie mit Fäusten auf mir herumgetrommelt.
Nun haben wir alle genug Platz am Tisch, haben
sie gesagt und der Kleinste hat seinen Kopf auf mich gelegt
und mir einen ziemlich nassen Kuss aufgedrückt. Mit mir kamen
auch noch acht Holzstühle, die sahen recht schön aus,
waren aber nicht stabil. Der erste brach unter der Last von
Tante Marie zusammen. Der zweite ging bald aus dem Leim
und die anderen folgten bald, einer nach dem anderen. Sapperlot
– was schweife ich zu den Stühlen ab? Die haben eben
nichts getaugt, aber hier geht es schließlich um mich. Ich bin
nicht wacklig oder baufällig, ich bin bestens im Schuss, stehe
auf vier festen Beinen und könnte noch lange Dienst tun,
wenn nur dieser Wahn nach Schönheit nicht so vordergründig
wäre. Sicher, ich bin gewiss nicht schön, und ich weiß
nicht, ob ich jemals schön war, aber ich war jederzeit parat,
egal für was man mich auch brauchte. Aber was zählt heute
schon Verlässlichkeit und Treue? Wenn ich zurückschaue
Unterhaltung
Der alte Tisch
Am schönsten waren immer die Mahlzeiten, wenn alle um mich herum
saßen und erzählten.
werde ich ganz traurig. Ich gehöre einfach zu dieser Familie.
Alle Babys wurden auf mir gewickelt. Mit ihrem süßen
Brei haben sie mich bekleckert. Später haben sie mich mit
Buntstiften bekritzelt und der dicke dunkle Fleck oben rechts
auf meiner Platte stammt von einem umgestoßenen Tintenfass.
Das dunkelbraune Mal unten links hat mir ein heißes
Bügeleisen auf den Leib gebrannt. Damals wollte die Frau
ihr Missgeschick vor ihrem Mann vertuschen und hat mich
mit scharfen stinkenden Mitteln und einer harten Bürste bearbeitet.
Die Tortour hat echt weh getan –, aber was tut ein
braver Tisch? Er schweigt! Am schönsten waren immer die
Mahlzeiten, wenn alle um mich herum saßen
und erzählten. Auf diese Weise erfuhr ich vieles,
was draußen passierte und konnte mir darüber
eine eigene Meinung bilden. Dafür nahm ich
dann in Kauf, dass sie öfters mal tierisch heiße
Schüsseln direkt auf meinem Buckel abstellten.
Auch bei solch schmerzhaften Sachen war ich
immer geduldig. Ich habe nicht einmal gewackelt.
Doch – halt –, einmal habe ich nicht nur
gewackelt, da bin ich sogar etwas in die Höhe
gesprungen. Mensch, da war was los! Das war,
als die älteste Tochter nachts nicht nach Hause
gekommen war und der Vater am anderen Morgen
seine große, feste Faust auf mich niederschlug.
Gebrüllt hat er wie ein Stier und wahnsinnig
geschimpft. Ich hab nur verstanden, dass
er sie dafür für viel zu jung hielt. Wofür, das
weiß ich nicht, aber es muss etwas ganz
Schlimmes gewesen sein, denn so aufregend getobt
hat er vorher noch nie. Später hat das Mädchen seinen
Kopf auf meine Platte gelegt und ich spürte ihre heißen, salzigen
Tränen auf meinem Holz. Ja, manches war früher einfach
schöner. Da saßen sie um mich herum und haben ganze
Abende gespielt. Die Kinder liebten „Monopoli“ und
„Mensch ärgere dich nicht“. Vater hatte seine Skatfreunde
und die kloppten – je später der Abend, je heftiger – ihre Karten
auf meine Platte und Bierkränze waren am nächsten Tag
meine Zierde. Früher saßen die Frau und ich auch schon mal
nachmittags zusammen. Sie nähte oder stopfte Strümpfe. Ich
denke gerne an diese Stunden, die so erholsam waren,
zurück. Turbulenter ging es an den Festtagen zu. Leckere Geburtstagstorten
wurden auf mir dekoriert und dann natürlich
aufgegessen. Ostern wurden traditionsgemäß Eier geköpft
und zu Mittag gab es immer Lammbraten. Wie viele Weihnachtsbäume
habe ich getragen. Vater, Mutter und die Kinder
haben so schön zusammen gesungen. Der Kleinste trug
ein Gedicht auf, der Kerzenschein hüllte die Wohnung in ein
wunderbares Licht und unter dem Baum stand die Krippe mit
dem goldenen Stern. Nachdem die Geschenke ausgepackt
waren, fand man unter mir das ganze Geschenkpapier. Manches
Stück, was noch brauchbar war, holte Mutti wieder raus
und bügelte es fürs nächste Weihnachtsfest glatt. Sehr interessant
war auch immer der Tag, an dem der Mann der
24 durchblick 1/2005
➤
Unterhaltung
Frau das Geld gab. Dann kochte sie sich erst mal eine extra
starke Tasse Kaffee, legte das Geld zu verschiedenen Häufchen
zusammen, schrieb alles in ein Büchlein, nahm von
dem einen Häufchen etwas ab, legte es zu einem anderen,
hob wieder irgendwo etwas ab, legte es erneut irgendwo
drauf, dann wieder angenommen, wieder woanders zugelegt
usw. Ich habe bis heute dieses Spielchen nicht verstanden,
aber es hing wohl viel von der Genauigkeit ab, denn die Frau
machte dabei stets ein ganz wichtiges Gesicht. Vier kleine
Scheinbündelchen wanderten jedesmal in ein Kästchen im
Küchenschrank. Am anderen Morgen bekam jedes Kind eines
der Bündelchen, wofür es sich freundlich bedankte.
Ja, ja, ich habe mich schon wie ein Familienmitglied
gefühlt – und nun so ein Ende. Ich bin so traurig! Warum
können Tische nicht heulen? Ich würde es sofort tun. Mein
Schluchzen hörte man bestimmt bis ins Nachbardorf. Vielleicht
fände sich dort jemand, der mich vor dem Zerschreddern
retten könnte. Oh, ich darf gar nicht dran denken.
Rohe Gesellen werden mich ergreifen und in ein
riesiges eisernes Maul werfen, aus dem es kein Entrinnen
gibt. An meiner Stelle wird dann so ein polierter Schönling
stehen und an mich – ihren guten, alten Freund denkt keiner
mehr!
Inge Göbel
Komplettpflege
Liebevolle, zuverlässige und meisterliche
Grabpflege
Dauerhafte Grabpflege – günstiger als Sie denken.
Auf allen Friedhöfen im Raum Siegen und Umgebung.
Mehr Leistung inklusive
Urnengrab ohne saisonale Bepflanzung 50,00 € Regelmäßige Säuberungen mind. 20 Pflegegänge
Urnengrab mit 3 saisonalen Bepflanzungen 80,00 € Entfernen von Laub im Okt. und Nov. alle 10-14 Tage
Einzelgrab ohne saisonale Bepflanzung 80,00 € Mehrfacher Rückschnitt der Bepflanzung
Einzelgrab mit 3 saisonalen Bepflanzungen 150,00 € Versorgung der Dauerbepflanzung mit Dünger
Reinigung vor dem Grab
Grabkammer ohne saisonale Bepflanzung 95,00 € Reinigung des Grabsteins
Grabkammer mit 3 saisonalen Bepflanzungen 165,00 € Zuverlässiger Gießservice
Angleichen von Graberde bei Bedarf
Doppelgrab ohne saisonale Bepflanzung 145,00 € Umfeldreinigung
Doppelgrab mit 3 saisonalen Bepflanzungen 225,00 € Aufbringen von Wildschreck bei Bedarf
Frühjahrsbepflanzung *
Dreiergrab ohne saisonale Bepflanzung 180,00 € Sommerbepflanzung*
Dreiergrab mit 3 saisonalen Bepflanzungen 260,00 € Herbstbepflanzung mit Edeltanneneindeckung*
Graberde und Dünger auf dem Pflanzbeet *
Preise pro Pflegejahr für 2005 inkl. 16% MwSt.
Preise für Grabstätten mit Sondergrößen auf Anfrage.
*Leistungen bei Pflege mit drei Bepflanzungen.
Testen Sie unsere meisterliche Komplettpflege für dauerhaft schöne Gräber.
Weitere Leistungen sind:
Würdevolle Erstherrichtung der Grabstätte nach der Beisetzung
inkl. provisorischer Grabeinfassung und Erdauffüllung.
Neugestaltung von Grabstätten mit ausführlicher Beratung.
Kostengünstige und wirkungsvolle Bepflanzungsänderungen.
Vorsorgeverträge für Dauergrabpflege
Vertragspartner der Gesellschaft für Dauergrabpflege.
Rufen Sie an, wir beraten Sie gerne ausführlich über die Vorteile der Dauergrabpflege
Tel. 0271/4889921 Otto Taupadel GmbH Morgenstr.1
Fax 0271/4889923 Meisterbetrieb und Friedhofsgärtnerei seit 1911 57076 Siegen
www.grabpflege-siegen.de
durchblick 1/2005 25
Ich erwartete Besuch, zwei Damen aus Irland, Toxy und
Hannah, die eine aus Kerry, die andere aus Cork. Gesehen
hatten wir uns zum letzten Mal in London vor 43 Jahren,
kennen gelernt während unserer gemeinsamen Ausbildung
als Krankenschwester eben dort. Nach Erlangen des internationalen
Diploms trennten sich unsere Wege. Ich verließ
die Stadt an der Themse und kehrte nach Deutschland
zurück. Der Kontakt zu Toxy erschöpfte sich in den obligatorischen
Weihnachtsgrüßen, zu Hannah brach er ganz
ab.
Im vergangenen Jahr fragte
Toxy bei Hannah an, ob sie
sich eine Reise zu mir nach
Deutschland vorstellen könnte.
Offensichtlich konnte sie.
Der Versuch, terminlich zu
einander zu finden, erstreckte
sich über Monate. Ergebnis:
Dezember. Für mich eine
Horror-Vorstellung, nichts als
Kälte und Dunkelheit. Die
beiden schienen entzückt, sie
hatten von verschiedenen
Seiten gehört, dass der Dezember
ein schöner deutscher
Monat sei (vielleicht wegen
der üppigen Weihnachtsbeleuchtung).
8.12.–15.12. Spannung und freudige Erwartung. Pech,
dass jüngere Freundinnen, im Besitz eines Autos, zu dem
Zeitpunkt in Urlaub weilten. Seniorinnen kann ich eine lange
Fahrt, vielleicht auf unbekannter Strecke, eine Rückkehr
in der Dunkelheit nicht zumuten. Ich selbst besitze keinen
Wagen mehr und wollte sie doch so gerne am Flughafen
empfangen. Auch lagen Flughäfen, Fluggesellschaften und
alles, was damit zusammenhängt, schon Jahre außerhalb
meines Erlebnisbereiches, ich war schon lange nicht mehr
geflogen. Das ganze Hin und Her der Überlegungen hatte
mich mürbe gemacht. Ich informierte mich also nicht
gründlich genug. Ich akzeptierte gedankenlos: Landung des
Fliegers mit den beiden Damen an Bord um 15 Uhr mitteleuropäischer
Zeit in Frankfurt.
Die Damen hatten über Internet gebucht, Frankfurt war
für sie der Inbegriff von Deutschland schlechthin, ob noch
ein Wort davor oder dahinter war nicht ausschlaggebend. Es
war ihr erster Deutschlandbesuch, Sprachkenntnisse außer
der eigenen Muttersprache keine. Für mich war Kerry plus
Cork = Dublin. Von dort musste also die Maschine kommen.
Ich setzte mich morgens in den Zug und löste, völlig ignorant,
ein NRW-Ticket. Kurz hinter Gießen nahte dann das
Reisen
Frankfurt ist nicht immer gleich Frankfurt
Dabei die gleichnamige Stadt an der Oder ganz außen vor gelassen
Mit Toxy beim Einkaufen.
Ungemach zum ersten Mal in der Gestalt eines Kontrolleurs.
„Meine Dame, das Land NRW haben sie schon seit
geraumer Zeit verlassen.“ Die Fahrt wurde, auch ohne
Strafgebühr, beachtlich teuer.
Um 13 Uhr war ich am Flughafen, informierte und orientierte
mich und stand um 15 Uhr korrekt positioniert vor
den Toren von Deck B1. Ich bewegte mich im Takt der Wartenden
auf und ab. Nach und nach fand jeder seinen ergänzenden
Part. Es tröpfelten noch einige Nachzügler durch
das Gate, ich aber wartete
vergeblich. Ein Wechselbad
der Gefühle, mein Zustand
letztendlich desolat. Die
Maschine war ordnungsgemäß
gelandet, aus Dublin
kommend, Landezeit exakt
15 Uhr. Ich ließ sie ausrufen.
Niemand meldete sich. Völlig
hilflos bestieg ich den
Zug zurück nach Siegen.
Die Hoffnung eilte mir
voraus, sie könnten, unter
welchen Umständen auch
immer, vor mir dort angekommen
sein. Meine Wohnungstür
schmückte kein
Hinweis. Meinem Anrufbeantworter
näherte ich mich
ohne zu große Erwartungen,
doch hatte er drei Nachrichten gespeichert. Die erste
stammte von Toxy. Sie lautete: „Erika, wir sind hier, und
wo bist du?“ Ich fühlte mich auf den Arm genommen. Die
zweite kam von Hannah. Sie versuchte verzweifelt, mir in
ihrem besten und breitesten irischen Dialekt, den ich 43
Jahre nicht vernommen hatte, eine Nr. durchzugeben. Ich
verstand nicht. Der letzte Anruf erhellte das Dunkel. Er
kam aus Koblenz, Bahnhofsmission, mit der Bitte um
Rückruf, ohne Angabe der Telefonnummer. Die besorgte
ich mir bei der Auskunft. Ein freundlicher, älterer Herr am
anderen Ende der Leitung teilte mir mit, dass er die beiden
Irinnen soeben in den Zug über Troisdorf nach Siegen gesetzt
habe, Ankunft 22.50 Uhr. Es entspann sich folgendes
Gespräch: (ich) wie kommen die beiden denn nach Koblenz?
(er) wie würden sie denn fahren? (ich) ja, über Dillenburg,
Gießen. (er) ach, sie würden obenrum fahren? Ich
begriff nicht und bedankte mich überschwenglich für seine
Hilfsbereitschaft. Ich aß eine Kleinigkeit, löschte meinen
Durst und setzte mich erneut in Richtung Bahnhof in
Bewegung. Ich hatte mir eingebildet, jetzt könne nichts
mehr schiefgehen. Irrtum. Der Bahnsteig, auf dem ich
stand, war der angegebene. Die Zeit der Ankunft nahte,
aber es erfolgte weder eine Ansage noch fuhr ein Zug ➤
26 durchblick 1/2005
ein. Es gab noch einen einsamen Herrn auf diesem Bahnsteig,
den nichts als Bahnbeamten auswies. Es war aber einer.
Er teilte mir mit, jedoch nur auf Anfrage, dass dieser
Zug heute voraussichtlich auf einem anderen Gleis einfahren
werde. Das tat er dann auch, er stand schon dort. Toxy
hatte mich zuerst erspäht und wohl zu Hannah gesagt:
„Wäre es nicht wundervoll, wenn die elegante, blonde Erscheinung
da vorne Erika
Reisen
„Ich hätte ihm mein ganzes
Geld gegeben, wenn er es
verlangt hätte.“
wäre?“ ( es sind nicht meine
Worte, sondern ihre).
Die Freude war unvorstellbar
groß und Tränen der
Rührung flossen uns die
Wangen runter. Bei Essen und Trinken, Cognac und Whiskey,
versuchten wir, den Ariadne-Faden zu entwirren. Ich
war zu unbedarft, sie redeten immer von Frankfurt-Khan,
und mir war dort kein Nebenflughafen ein Begriff. Erst
zwei Tage später klärte mich ein Bekannter auf. Es handelte
sich um den Frachtflughafen Frankfurt-Hahn, im Hunsrück
(vielleicht hatte ich in grauer Vorzeit schon mal davon
gehört). Die beiden waren also mit Rhyan-Air geflogen. So
standen wir 120 km voneinander entfernt und warteten aufeinander.
Dort hatte man ihnen empfohlen (wer auch immer)
mit der Taxe nach Koblenz zu fahren. Es gab weitere
Verwicklungen auf Grund mangelnder Sprachkenntnisse,
bis Fügung sie die Bahnhofsmission finden ließ.
schon, und sie wurden noch mit einem Lunchpaket beglückt.
Der zum Chauffeur ernannte junge Mann stieg in
seinen Wagen und musste feststellen, dass die Scheibenwischanlage
nicht ordnungsgemäß funktionierte. Ein Ersatzwagen
schien nicht verfügbar zu sein. Nach kurzer Bedenkzeit
beschloss er, die Fahrt anzutreten. Ich versuche,
mir diese Reise, nach den Schilderungen der beiden, vorzustellen:
winterliches Dunkel, Frost, Eis auf den
Straßen, dichter Verkehr. Sicht nur durch ein
Guckloch gegeben. Die Damen wurden dieser
sportlichen Herausforderung nicht gerecht. Sie
standen Todesängste aus. Mehrere Male parkte
der Fahrer auf dem Seitenstreifen. Hannah stieg
aus und befreite die Windschutzscheibe von dem gröbsten
Schmutz, der Fahrer vertiefte sich in seine Skizze, die er
aus dem Internet gezogen, aber nicht gründlich studiert hatte.
Sie erreichten den Flieger mit Müh und Not. Eine vierstündige
Irrfahrt für Euro 150,-.
Toxys abschließender Kommentar offenbart die ganze
Katastrophe: „Ich hätte ihm mein ganzes Geld gegeben,
wenn er es verlangt hätte, aus Dankbarkeit dafür, dass wir
das Auto lebend verlassen konnten.“ Ich frage mich, wie
weit meine Person eine derartige Verkettung unglücklicher
Umstände auf sich gezogen hat.
Erika Krumm
Ich brachte sie noch zu ihrem Hotel. Die Rezeption lag
im Dunkel. Wir benutzten einen Seiteneingang. Ich hatte
die Schlüssel. Sie waren im Dachgeschoss untergebracht,
in einem sehr schönen Zimmer. Wir gingen überglücklich
auseinander. Auf dem Weg nach unten hatte ich mich, irgendwie,
vertan. Alles sah so anders aus. Ich irrte durch die
Gänge, sämtliche Türen, sowohl nach innen als auch nach
außen, waren verschlossen. Ich geriet in Panik. Nahm der
Spuk denn gar kein Ende? Mir fiel ein, dass an der Rezeption
ein weiterer Zugang durch die Tiefgarage erwähnt wurde.
Mit völlig ausgedörrter Kehle und zitternden Knien
stieg ich weitere Stufen hinab und durfte auch bald feststellen,
dass ich den Lift anstatt bei „U“ bei „E“ verlassen
hatte. Gerettet. Um 1.3o Uhr war ich endlich zu Hause.
KNEBEL
BAD & HEIZUNG
Beratung · Planung ·Verkauf
Friedrich-Wilhelm-Straße 147–173
57074 Siegen-Fludersbach
Telefon (02 71) 23 22 80
Telefax (02 71) 5 29 15
www.hse-knebel.de
Nachdem die beiden Irinnen eine Woche lang frostige,
gesunde Siegerländer Luft geschnuppert hatten, und die
Siegener Einkaufsmeile ausgiebig besichtigt und genutzt
hatten, übertraf eine traumatische Abreise bei weitem die
Tragikomödie der Anreise. Morgenstund hat Gold im
Mund, sagt uns ein Sprichwort. Aber, wenn ein Flugzeug
so zeitig von einem so entfernt liegenden Flughafen abzuheben
gedenkt, wie erreicht man dieses Ziel dann mit öffentlichen
Verkehrsmitteln?
An der Rezeption wusste man Rat. „Wir unterhalten einen
Service, der jeden Gast, zu jeder Stunde, an jeden gewünschten
Ort bringt“. Gesagt, getan. Die beiden Damen
wurden pünktlich geweckt, der Morgenkaffee duftete
durchblick 1/2005 27
Marias Krimi
Der Tod führt Regie
„Sie können den Rütland leider nicht spielen“, sagte Regisseur
Mark Bonstein bedauernd zu seinem Gegenüber.
„Peter Beckmann übernimmt die Rolle wieder. Er ist wieder
gesund. Sie können den Wirt spielen. Der Part ist noch
frei, dafür müssen Sie nur zwei Sätze Text lernen.“
Udo Lippich, der sich nicht für Ersatz, sondern für die
wesentlich bessere, geradezu ideale Besetzung des Jerry
Rütland hielt, schien diese Mitteilung nicht aus der Fassung
zu bringen. Aber das schien eben nur so. „In Ordnung, ich
bin ja nur Ersatzmann, ich spiele den Wirt, erwiderte er somit
äußerlich locker und gefasst, innerlich tobte es in ihm.
Er hatte zwar für möglich gehalten, dass der viel bekanntere
Schauspieler Peter Beckmann versuchen würde, ihm,
dem begabten und verkannten Udo Lippich, die Traumrolle
wieder wegzunehmen, aber das wollte er sich nicht gefallen
lassen. Der Gedanke – „nur über meine Leiche“ – sollte
sich als prophetisch erweisen.
hatte Udo Lippich in den letzten Wochen in Vertretung
Beckmanns mehrfach wiederholen müssen, weil sie ein
Kernstück des Films sein sollte. Der Inhalt des Drehbuchs
war schlicht und einprägsam: Auf Jerry Rütland, einen Anwalt
mit Herz und Verstand, der sich weigert, einen ebenso
prominenten wie korrupten Politiker vor Gericht zu
verteidigen, wird ein Mordanschlag verübt. Der Anwalt
wird nach dem Streitgespräch mit dem Politiker vor seiner
Kanzlei und vor der offenen Fahrstuhltür aus dem Hintergrund
von einem Messer getroffen und stürzt in das Innere
des Aufzugs. Während die Tür sich schließt, bricht er
stöhnend zusammen. Zu hören ist nur noch der abwärts
fahrende Lift.
So geschah es bei den neuen Aufnahmen mit dem wieder
genesenen Star Peter Beckmann als Anwalt mit Zivilcourage.
Als der verhasste Konkurrent in der Rolle des Jerry
mit Schmerzensschrei im halb geöffneten Fahrstuhl zusammenbrach,
kam Udo Lippich ein Gedanke, der ihn nicht
mehr losließ. Beckmann tot im Fahrstuhl, er kann die Rolle
nicht mehr spielen: Das könnte Wirklichkeit werden. Im
Gegensatz zu dem Filmhelden pflegte Udo Lippich enge
Kontakte zur Unterwelt. Sein unrühmlichster Freund war
Richard Rinke, bei Kennern der Szene als „Killer-Rick“ bekannt.
„Tausend Euro hättest du schnell verdient, wenn du
mitmachst.“ Dieses Angebot machte Lippich Richard Rinke
in dessen Nachtbar, noch vor der nächsten Probe zu
„Der Tod führt Regie“. Killer-Rick schätzte solche Angebote.
Er ließ sich genau in den Plan des Auftraggebers einführen.
„Es ist ganz einfach“, erklärte ihm der Schauspieler.
„Das Haus ist unverschlossen. Die Proben beginnen
um acht. Die Fahrstuhlszene ist zwischen 10 Uhr und
10.30 Uhr angesetzt. Das läuft alles nach Zeitplan. Du versteckst
dich hinter der Plastikplane, die immer in dem
großen Lastenaufzug liegt.“
„Wenn Sie den Fahrstuhl holen, gibt es eine tolle Überraschung.“
Für den nächsten Tag wurden die Proben für den Film
„Der Tod führt Regie“ wieder mit Beckmann in der Hauptrolle
angesetzt. Gedreht wurde außerhalb der Studios in einem
leer stehenden Hochhaus mit Aufzug. Diese Szene
Und Lippich ging weiter ins Detail: „Während Beckmann
als Jerry den Fahrstuhl kommen lässt, trifft ihn das
Messer aus der Requisite laut Drehbuch in den Rücken. Er
stürzt schreiend in den Aufzug, die Tür schließt sich automatisch.“
Aufmunternd klopfte Lippich dem Killer auf die
Schulter: „Dann bist du dran, Rick. Du kommst aus dem
Versteck und erstichst ihn. Dann setzt du dich im dritten
Stockwerk ab. Dort ist kein Mensch. Das Haus steht leer.
Alle bleiben in der achten Etage, wo gedreht wird. Um
Beckmann wird man sich erst kümmern, wenn er nicht wieder
hochkommt. Wenn sie den Fahrstuhl holen, gibt es dann
eine tolle Überraschung.“
Killer-Rick war sofort einverstanden und versprach – bei
500 Euro Anzahlung – den Auftrag wunschgemäß zu erledigen.
Der nächste Drehtag wurde als Termin festgesetzt. ➤
28 durchblick 1/2005
Marias Krimi
An dem verabredeten Stichtag verfolgte der Schauspieler,
der bei den Drehtagen immer dabei war, mit prickelnder
Spannung Beckmanns Spiel. Zweifellos war der Kollege
ein guter Jerry. Der Dialog mit dem korrupten Politiker
in seiner Kanzlei war brillant. Aber er würde ihn in den
Schatten stellen und zwar für alle Zeiten, in den Schatten
des Todes. Lippich konnte seine Erregung kaum verbergen,
als Beckmann den Raum verließ und zum Fahrstuhl ging.
Da, plötzlich – nein, das durfte nicht sein – Beckmann griff
sich ans Herz und taumelte in die Arme des Darstellers, der
den Messerwerfer spielte. Einen Arzt her, brüllte der
Regisseur und jemand lief zum Telefon. „Nein, keinen Arzt
bitte“, stöhnte der Schauspieler „Ich habe diese Anfälle
öfter. Den Jerry wollte ich trotzdem spielen, aber es geht
nicht – ich gebe auf.“
„In Ordnung“, sagte Regisseur Bonstein knapp und
schluckte seine Enttäuschung herunter. „Schonen Sie
sich.“ Dann wandte er sich abrupt an Udo Lippich: „Nun
ist ihr Einsatz doch noch gekommen. Spielen können Sie,
und die Rolle kennen Sie. Also: Ab sofort übernehmen
Sie endgültig den Jerry. Nach einer Pause drehen wir weiter.“
Schicksal, Krankheit oder Unfall: Wer darf für Sie zur Bank gehen,
im Krankenhaus entscheiden oder Ihre Versicherungen regeln?
Ohne entsprechende Vorsorge weder Ehepartner noch Verwandte
oder engste Freunde!
Über Ihre Vorsorgemöglichkeiten kann ich Sie beraten:
- Vorsorgevollmachten, Patienten- oder Betreuungsverfügungen
- Betreuungsrecht, tätig auch als Berufsbetreuer
- auch erbrechtliche Beratung und Nachlassabwicklungen
Rechtsanwältin Tanja Wagener
Siegen, Graf-Luckner-Str. 85
Telefon: 0271 / 250 340 2
Gardinen
zu Hause wohl fühlen
In Lippichs Kopf rasten die Gedanken durcheinander.
Er stellte sich vor, was Killer-Rick sagen würde, wenn er
statt des ausersehenen Opfers plötzlich seinen Auftraggeber
vor sich sehen würde. Dumm gucken würde der. 500 Euro
Anzahlung waren zwar futsch, aber das Ziel des Plans war
bereits jetzt erreicht.
Nach kurzer Pause ging es mit der zweiten Besetzung
an den Start: Klappe auf. Jetzt kam die Liftszene, etwas
später als geplant. Jeder Ton, jede Geste war Lippich vertraut.
Als er zum Fahrstuhl ging, fühlte er den Aufprall des
nach ihm geworfenen Messers aus den Requisiten. Er
brach im sich schließenden Fahrstuhl drehbuchgerecht zusammen.
Abwärts fahrend und am Boden liegend sah er
die Umrisse des Killers, die sich unter der Zeltplane markierten:
„Komm raus Rick“, rief er munter. „Kleine Regieänderung.
Der Mord erübrigt sich. Steck dein Messer weg.“ Er
sah dem Mann, der auf ihn zukam, erst ins Gesicht, als der
ihm seine Waffe zielstrebig auf die Herzgegend richtete.
„Hilfe“, schrie er entsetzt. „Ich bin doch nicht ...“ Die Folgen
des Messerstichs unterbrachen jede weitere Konversation.
Siegen-Geisweid · Marktstraße 29
Telefon 02 71/8 30 41
www.mackenbach.de
Zur selben Zeit saß Killer-Rick zwei Nebenstraßen weiter
mit einem Vertrauten in der Kneipe „Zur gelben Ente“
und sah auf die Uhr. „Carlo muss gleich kommen“, sagte
er beiläufig. „Auf den ist Verlass. Ich werde den Spanier
öfter für mich arbeiten lassen. Der versteht zwar kein Wort
Deutsch, aber sein Handwerk versteht er vortrefflich.“
Maria Anspach
durchblick 1/2005 29
Uns allen ist bekannt, mit welcher Skrupellosigkeit die
Drogenmafia ihr schmutziges Geschäft betreibt, das Tausenden
von Abhängigen Gesundheit oder das Leben kostet.
Nahezu unbekannt ist den meisten aber eine andere,
ebenso perfide Form des Drogenhandels, allerdings mit legalen
Drogen, nämlich dem Handel mit Arzneimitteln. Hier
ist der Vertrieb und Verkauf gefälschter Medikamente gemeint.
Brutal werden auch bei diesem Geschäft bewusst
Gesundheitsschäden und der Tod unschuldiger Menschen
in Kauf genommen.
Folgende Szene: Sie haben sich eine Lungenentzündung
zugezogen. Was nun?
Ihr Hausarzt verordnet Ihnen ein Antibiotikum nebst etwas
zur Fiebersenkung und gegen den quälenden Husten.
Ein Familienmitglied besorgt die Medikamente aus der
Apotheke. Ärgerlich ist in diesem Zusammenhang der neuerdings
auf das Rezept zu entrichtende Obolus, mit dem Sie
unser Gesundheitssystem sanieren helfen. Auf eines aber
können Sie sich in unserem Lande fest verlassen: Da, wo
„Penicillin“ oder „Aspirin“ draufsteht, da ist auch Penicillin
und Aspirin drin! Das ist doch selbstverständlich, werden
Sie denken! Bei uns schon, aber dies ist nicht überall
so. Stellen Sie sich vor, Sie leben in Afrika, irgendwo in
Äquatornähe oder in Kambodscha. Hier könnte das Szenarium
folgendermaßen ablaufen:
Sie sind auch dort erkrankt. Der Gesundheitshelfer erkennt
auch Ihre Lungenentzündung und verordnet Ihnen die
gleichen Medikamente wie Ihr Hausarzt. Mit dem von Ihnen
und Ihren Angehörigen zusammengeliehenen Geld erstehen
Sie die empfohlenen Medikamente
(100% Zuzahlung
bei Kauf). Nach deren
Einnahme sinkt das Fieber
etwas, der Husten bessert
sich ebenfalls, aber einige
Tage später verschlechtert
sich Ihr Zustand rapide und
Sie sterben.
Warum? Nun, das verordnete
Antibiotikum war
unwirksam; eine Fälschung,
als „Wirkstoff“
enthielt es vielleicht Mehl
oder Backpulver, dem etwas
zur Fiebersenkung
beigemischt wurde. Sie
sind einem gewissenlosen
Medikamentenfälscher
zum Opfer gefallen.
Gesundheit
Drogenhandel – einmal anders
Der Handel mit gefälschten Arzneimitteln ist ein weltumspannender
und äußerst lukrativer Markt.
Die „Essential Drug Monitor Organisation“ der WHO
schätzt das finanzielle Volumen auf etwa 5–10% des Welt-
Pharmahandels, somit auf ca. 20–50 Mrd. Dollar. Die bevorzugten
Handelsregionen sind Afrika und viele Länder
Lateinamerikas und Asiens.
Gefälscht werden vor allem Antibiotika, Malaria- oder
Tbc-Medikamente; alles Präparate, die hohen Gewinn versprechen,
da sie zum einen teuer sind und zum anderen
über einen längeren Zeitraum verabreicht werden müssen.
Neuerdings wird auch ein schwungvoller Handel mit
AIDS-Präparaten betrieben.
Sehr gut untersucht ist der Handel mit Anti-Malaria-
Präparaten. Eine Untersuchung von 300 Medikamenten,
die in Afrika auf dem Markt waren, ergab, dass 75% der
Chinin- und 40% der Chloroquinpräparate keinerlei Wirkstoff
enthielten. Auch aus Ländern in Asien wie Kambodscha
oder Vietnam und Indonesien wird über Medikamenten-Fälschungen
in großem Stil berichtet. Ein Patient,
der ein solches wirkstofffreies Präparat bei Malaria tropica
einnimmt, wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
versterben. Besonders perfide sind solche
Fälschungen, die keinerlei Wirkstoff enthalten, denen aber
eine kleine Menge Schmerz- oder fiebersenkender Mittel
beigemischt wurde. Dadurch verspürt der Kranke eine
leichte Besserung, das Fieber sinkt, die Schmerzen werden
erträglicher, was den Patienten im Glauben wiegt, das
richtige Medikament einzunehmen und mehr davon zu
kaufen.
Besonders perfide sind solche Fälschungen, die keinerlei Wirkstoffe
enthalten.
Am längsten bekannt
ist allerdings
die Fälschung von
Antibiotika, was uns
allenfalls aus dem
Film „Der Dritte
Mann“ bekannt ist.
Die skrupellosen
Fälscher gehen dabei
ganz systematisch
vor: Gefälscht werden
außer dem Wirkstoff
auch der Herstellername,
die
Chargennummer und
Verpackung, ebenso
wie der Nachweis
über Qualitätskontrollen.
➤
30 durchblick 1/2005
Fachleute unterscheiden 4 Formen der falschen Medikamentenproduktion:
1. Die Nachahmung eines
Arzneimittels. Es enthält
zwar den Wirkstoff, aber
häufig ist die Zusammensetzung,
die Galenik, verändert,
dadurch wird das
Medikament im Körper
nicht entsprechend freigesetzt
und in seiner Wirksamkeit eingeschränkt.
2. Manche der gefälschten Präparate enthalten einen
mit anderen Substanzen gestreckten und qualitativ
verschlechterten Wirkstoff. Neben der verminderten
Wirksamkeit besteht dann zusätzlich die Gefahr der Resistenzbildung
auf die zu bekämpfenden Krankheitserreger,
die sich dann ungehindert im Körper vermehren
können. Auch dies ist lebensgefährlich.
3. Wieder andere „Präparate“ enthalten keinerlei Wirksubstanz,
stattdessen Mehl, Backpulver oder Farbstoff,
eine besonders primitive Form von Fälschung.
4. Besonders gefährlich erweist sich eine andere Gruppe
von „Medikamenten“, die anstatt der deklarierten Arznei
Schad- oder gar Giftstoffe enthalten, etwa Arsen,
Schwermetalle oder Frostschutzmittel.
Hauptsachlich sind es die Präparate der 3. Gruppe, die
in großen Mengen im Straßenhandel der 3. Welt vertrieben
werden. Bevor das Versagen solcher Medikamente dem Patienten
offenkundig wird, sind die Substanzen aus dem
Handel genommen, um bald darauf in anderer Aufmachung
mit neuem Namen wieder aufzutauchen. Die
Straßenhändler selbst haben meist keine Ahnung, was sie
anbieten.
Wie ist dem Problem der Arzneimittelfälschung beizukommen?
Die Sammlung von Medikamenten in unserem
Lande bei Ärzten und Apothekern und die Versendung über
private Hilfsaktionen ist sehr löblich, aber löst mit Sicherheit
nicht das Problem einer adäquaten Medikamentenversorgung
für die Menschen in den Entwicklungsländern.
Solche Aktivitäten sind eher ein Tropfen auf den heißen
Stein, aber besser als gar nichts. Siehe den Artikel von
Elisabeth Hanz auf Seite 30 (Drogenhandel…) in dieser
Ausgabe des Durchblicks. Der ehemalige US-Präsident
Clinton gründete eine Stiftung, die sich für die Versorgung
von Entwicklungsländern mit verbilligten Medikamenten
zur AIDS-Bekämpfung einsetzt.
Vor allen aber muss die Kontrolle des Arzneimittelvertriebes
in den Staaten der 3. Welt verbessert werden. Diese
ist häufig sehr unzureichend. Zum einen wegen dem
Gesundheit
Mangel an geeignetem Personal, zum anderen wegen des
sog. „brain-train“, der Auswanderung oder Abwanderung
ausgebildeter Ärzte und Apotheker aus ihrem Entwicklungsland
in andere,
Eine bedeutende Rolle spielt Korruption
und die gewissenlose Bereicherung der
Kontrolleure und Politiker an dem Handel
mit Arzneifälschungen.
wohlhabendere Regionen.
Eine bedeutende
Rolle spielen
aber auch Korruption
und die gewissenlose
Bereicherung
der zuständigen
Kontrolleure und einflussreicher Politiker an dem Handel
mit Arznei-Fälschungen. Hier gilt es gemeinsam mit den
Entwicklungsdiensten der Industrieländer, der Pharmaindustrie,
der WHO und den kirchlichen und anderen privaten
Entwicklungsorganisationen massiv zu intervenieren
und solche Vorfälle an die Öffentlichkeit zu bringen.
In einigen Ländern zeigt sich zumindest ansatzweise ein
Erfolg der nationalen Medikamentenbehörden, die den Mut
aufbrachten, die meist auch politisch sehr einflussreichen
Drogenfälscher zu entlarven und deren Namen publik zu
machen und sogar öffentlich beschlagnahmte Fälschungen
zu verbrennen. In Nigeria wurde z. B. durch mutige Menschen
eine solche, für die Organisatoren mit Sicherheit
lebensgefährliche Kampagne gegen die Fälscher gestartet.
Vor fast 10 Jahren wurde bei uns in Deutschland ein
„Pharmadialog“ zwischen den christlichen Kirchen und
dem Verband der forschenden Pharmaindustrie ins Leben
gerufen, der nach anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten
Vorschläge unterbreitet, wie die Arzneimittelversorgung
der 3. Welt verbessert werden kann.
Die katholische und evangelische
Kirche hat in Tansania ein Institut zur
Medikamentenkontrolle eingerichtet.
Es bleibt aber noch viel zu tun, dem gewissenlosen Treiben
der Medikamentenfälscher Einhalt zu gebieten und der
Bevölkerung in den unterentwickelten Ländern eine qualitativ
und quantitativ ausreichende Versorgung an Medikamenten
zu ermöglichen, wie sie für uns eine Selbstverständlichkeit
ist.
(Angeregt zu diesem Artikel wurde der Autor durch
einen Vortrag von Prof. Klaus Fleischer, dem ehemaligen
Chefarzt der Tropenklinik an der Missionsärztlichen Klinik
Würzburg anlässlich der 50-Jahr-Feier zur Gründung
des Missionsärztlichen Institutes. Die Fakten und Zahlen
des Artikels stammen aus dem WHO-Report 2003 sowie
dem Amerikanischen Journal für Tropenkrankheiten.)
Heinz Köhler
durchblick 1/2005 31
Aus dem Siegerland
Das „Lebendige Haus“
Gemeinschaftliche und zukunftsweisende Wohnformen
Das „Lebendige Haus“, das in Siegen am Hang des
Häuslingberges im ehemaligen Christofferhaus entsteht, ist
ein reelles neuzeitliches Wohnprojekt, das ein generationenübergreifendes
Wohn- und Lebensmodell anstrebt.
Zielsetzung des Wohnprojektes sind nachbarschaftliche
Kontakte und gemeinschaftliches Handeln durch gegenseitige
Hilfe in einer Mehr-Generationen-Gemeinschaft,
um ein aktives Alter und den Kontakt zwischen Alt und
Jung zu fördern. Es soll eine Struktur entstehen, die stark
gemeinschaftlich ausgerichtet ist und unterschiedliche Lebensentwürfe
bietet. Die Menschen, die in dem Haus leben,
sollen sich gegenseitig unterstützen in den Angelegenheiten
des Alltags. Durch ein soziales Netz des gegenseitigen
Austausches wird auch bei Hilfsbedürftigkeit durch Behinderung,
Alter oder Krankheit die Integration in der Gemeinschaft
und der Verbleib in der eigenen Wohnung ermöglicht.
In diesem Sinne und im Geiste einer
anthroposophischen Christen-Gemeinschaft entstand der
Initiativkreis für dieses Wohnprojekt. Das Wohnprojekt ist
offen für jeden. Seit den ersten Anfängen, als sich die Initiative
für das „Lebendige Haus“ im April 2002 formierte,
mussten viele Fragen und Probleme geklärt werden, aber
es ging stetig voran. Im Dezember 2004 wurde die Bauund
Wohngenossenschaft „Lebendiges Leben“ gegründet,
die Trägerin des Projektes ist. Im Laufe des Jahres soll die
Genossenschaft die Immobilie vom Sozialwerk der Christen-Gemeinschaft
kaufen. Danach können die Aus- und
Umbauarbeiten des Hauses beginnen. Außen wird das Haus
mit Balkonen und Terrassen ausgestattet. Im Übrigen bleibt
das wohlvertraute äußere Erscheinungsbild des Gebäudes
unangetastet. Innen wird das Haus in Neuzustand gemäß
heutigen Erfordernissen versetzt. Neu ist die funktionelle
Aufteilung des Gebäudes. Fast 1500 qm Wohnraum sollen
entstehen, insgesamt 23 Wohnungen
für Einzelpersonen,
Paare und Familien, die kleinste
mit 23 qm, die größte mit
130 qm Wohnfläche. Die
Wohnräume werden sich über
drei Etagen erstrecken. Es ist
vorgesehen und erwünscht,
dass zusammen mit den künftigen
Bewohnern/innen die
Ausstattung der Wohnungen
nach ihren individuellen
Wünschen und Möglichkeiten
geplant wird. Die Wohnungen
bieten die bauliche
Voraussetzung für eine individuelle
Lebensführung, eingebunden
in eine gewählte
Nachbarschaft. Im Gemeinschaftsbereich
stehen multifunktional
nutzbare Räume zur Verfügung für Begegnung,
Verpflegung, gemeinsame Aktivitäten, Veranstaltungen.
Die Wege zu den Gemeinschaftseinrichtungen sind eben
angelegt, damit insbesondere ältere und gehbehinderte
Menschen ohne Mühe am gemeinsamen Leben teilnehmen
können.
Der Tageslauf, die Wochen-, Monats- und Jahresübersicht
für das Haus wird in verschiedenen „Zentralen“ zusammengestellt.
Es gibt eine Hauszentrale, eine Fahrtenzentrale,
eine Kulturzentrale, wo die Belange des Hauses
geregelt werden, wie technische Probleme, Fahrtenwünsche,
Hilfe, die gebraucht wird und Hilfe, die angeboten
werden kann. In der Kulturzentrale werden alle Veranstaltungen
im Hause geplant wie Feste, Vorträge, Konzerte,
aber auch kleinere Aktivitäten wie Lesen, Basteln, Spielen,
Malen, Tanzen, Musizieren in kleineren Gruppen. Bei aller
Gemeinschaft und Gemeinsamkeit bleibt doch für jeden
Einzelnen so viel Privatsphäre, wie es jeder möchte. „Das
Bedürfnis des Nachbarn nach Ruhe und Rückzug wahrzunehmen
und zu respektieren ist eine der wichtigsten Übungen
für alle Bewohner/innen des Hauses“, so Senta Monien,
Ansprechpartnerin des Wohnprojekts. Hinter der Vision
des „Lebendigen Hauses“ als ein Zusammenleben von Jung
und Alt, Familien und Einzelpersonen, die sich begegnen
Erfahrungen austauschen, Anregungen und Hilfe finden,
steht die Erkenntnis, dass ältere Menschen für das Funktionieren
unseres gesellschaftlichen Miteinanders unverzichtbar
sind und das ältere Menschen den Bezug zu jüngeren
Generationen brauchen. Ältere Menschen bringen
Lebenserfahrung mit. Für die Kinder lassen sie die Vergangenheit
lebendig werden. Kindern tut es gut, andere
Welten kennen zu lernen. Für die Eltern, besonders für ➤
Kirche der Christengemeinschaft mit einem Teil des Christofferhauses.
32 durchblick 1/2005
Aus dem Siegerland
allein erziehende Mütter, können sie eine Entlastung sein
und in einer vertrauensvollen Beziehung hilfreiche Begleiter
sein. Umgekehrt genießen ältere Menschen die Vitalität
und Neugier der Kinder, durch die sie ein Stück weit an der
Zukunft teilhaben. Naturerfahrung mit Kindern im benachbarten
Wald und im Garten des Hauses gibt den älteren
Menschen eine höhere Lebenszufriedenheit und ein all-
gemeines Wohlgefühl. Den Kindern kann auf diese Weise
eine ökologische Lebensweise beigebracht werden.
Zum Schluss sei gesagt, dass die Bewohner/innen des
„Lebendigen Hauses“ neue Wege gehen und zukunftsweisende
Modelle für die gesamte Gesellschaft an.
Dorothea Istock
Die Qualität einer Gesellschaft bemisst sich daran, ob
und wie sie in der Lage ist, alle ihre Glieder zu einem
Ganzen zu fügen und niemanden an den Rand zu drängen
oder gar überflüssig zu machen. Das Letzte trifft als Lebensgefühl
mehr und mehr auf die betagten Menschen in
den hoch zivilisierten Kulturen zu. Die vielen bekannten
Negativformeln brauchen hier nicht wiederholt werden, da
sie für uns nicht infrage kommen – denn im „Lebendigen
Haus“ lebt ein Bewusstsein für das Menschenleben als
Ganzes, und es ist selbstverständlich, dass jeder Lebensabschnitt
seine Bedeutung, Aufgaben, Herausforderungen
und Ziele hat. Das gilt für das Alter im selben Maße wie für
jede andere Lebensepoche. Warum fällt es dem heutigen
modernen Menschen so schwer zu erkennen, wie wichtig
gerade der letzte Lebensabschnitt für die Biographie ist?
Gilt es doch in dieser Zeit die reifen Früchte einzusammeln,
Mit Würde alt sein
um sie für sich und die Zukunft fruchtbar zu machen – auch
gerade über den Tod hinaus. Welche schöne Lebensluft
weht doch um weise gewordene alte Menschen, die wieder
Zeit haben, die Dinge aus einer gelebten erfahrenen Perspektive
zu überblicken. Und welche Achtung gebietet ein
äußerlich gebrechlich werdender Mensch, der nun lernen
muss, sein Leben mit physischen Hindernissen zu bewältigen.
Dabei soll er nicht alleine gelassen werden, sondern
es sind alle aufgerufen, ihn einzubetten in Unterstützung
und Verständnis seiner Situation. Dann reift ein jeder und
wächst, und ist das nicht etwas Kostbares: aneinander reifen
und wachsen – der eine in das Leben hinein, der andere aus
dem Leben heraus in ein neues Leben. So schließt sich ein
Kreis und öffnet sich zum nächsten. Und wer es vermag,
bemerkt die Begegnung mit den Vorangegangenen.
Rita Schmidt
Unser Sparangebot:
Einfach den Gutschein bei
BEST CARWASH einlösen und
doppelt strahlen: Geld gespart
und das Auto perfekt sauber.
BEST Komplett
Rundum perfekt gepflegt.
• Superschaum-Wäsche mit Spezial-Textil
• Glanzpolitur
• Heißkonservierung
• Unterbodenwäsche
• Unterbodenkonservierung
BEST Exklusiv
Sichtbar mehr Glanz und Schutz.
• Polymer-Lackversiegelung
• Wie-neu-Glanzeffekt
• Schutz gegen aggressive
Umwelteinflüsse
-40%
Angebot ist nur einmalig und bei Abgabe bei der unten genannten BEST CARWASH Filiale sowie in Kreuztal bis zum 30.04.2005 gültig.
€ 9, 90 statt € 16, 50
Wir bringen Ihr Auto
mit Sicherheit zum Strahlen!
Hier abschneiden
Schon ab Euro 7,50 können Sie bei uns mit einem perfekten Waschergebnis inklusive
praktischer Service-Leistungen wie manueller Vorreinigung und Endkontrolle,
19 kostenlosen Staubsaugerplätzen und Gratis-Kaffee und -Tee rechnen.
Weitere komfortable Zusatzleistungen:
•Scheibenreinigung*
•Innenraumreinigung*
•Sonderleistungen nach Wunsch!*
*Preise finden Sie an unserer Anlage.
BEST CARWASH
Jürgen Spies
Stahlwerkstr. 4
57078 Siegen
Tel. 0271/87 02 87
Öffnungszeiten:
Mo.– Sa. 8:00 –18:00 Uhr
Do.+ Fr. bis 19:00 Uhr
www.bestcarwash-si.de
Die reinste Freude
durchblick 1/2005 33
Wohnen im Alter
Zukunftsinitiative Siegen-Wittgenstein 2020 – „Leben und Wohnen im Alter“
Niemand kann in die Zukunft gucken. Trotzdem oder
gerade deswegen planen Politik und Verwaltung des Kreises
Siegen-Wittgenstein die Zukunftsinitiative Siegen-
Wittgenstein 2020 – Leben und Wohnen im Alter. Es geht
um die Gestaltung der Lebens- und Wohnverhältnisse der
Menschen, die im Jahr 2020 alt sind. Dazu äußert sich Helmut
Kneppe, Sozialdezernent des Kreises Siegen-Wittgenstein.
db: Herr Kneppe, können Sie in die Zukunft sehen?
Kneppe: Natürlich nicht. Aber es lässt sich vorhersagen,
wie der Altersaufbau im Jahr 2020 ist, wie viele Menschen
im Kreis Siegen-Wittgenstein dann älter als 60 Jahre
sind, älter als 80 Jahre usw. Schließlich ist heute schon
bekannt, wie viele Menschen im Kreis Siegen-Wittgenstein
wohnen und wie die Verteilung in den 11 Kommunen ist.
Diese Daten unterliegen zwar gewissen Abweichungen –
gemeint sind Zu- und Fortzüge, Sterbefälle etc. – bieten
aber insgesamt eine gute Planungsgrundlage.
db: Planen Sie bestimmte Wohn- und Lebensformen
für die Alten des Jahres 2020 oder entsprechende Richtlinien?
Kneppe: Im Gegenteil. Mit der Zukunftsinitiative 2020
wollen Politik und Verwaltung im Kreis Siegen-Wittgenstein
dazu beitragen, dass gute Voraussetzungen für eine
möglichst lebenslange Selbstbestimmung älterer und alter
Menschen gegeben sind. Umfrageergebnisse bestätigen,
dass „Selbstbestimmung“ fast identisch ist mit dem
Wunsch nach einem Leben in der eigenen Wohnung, buchstäblich
in der „gewohnten“ Umgebung. Das wollen wir
fördern.
db: Wo liegen die Probleme?
Kneppe: Nach jüngsten Prognosen des Landesamtes für
Datenverarbeitung und Statistik ist davon auszugehen, dass
die Altersgruppe der über 60-Jährigen in NRW im Jahr 2020
einen Anteil von 28,2 Prozent an der Gesamtbevölkerung
hat. In der weiteren Entwicklung werden die über 60-Jährigen
ein Drittel der Bevölkerung darstellen. Die Demografen
sprechen von einem „dreifachen Altern“ – gemeint ist
die Zunahme des absoluten und relativen Anteils der Altenbevölkerung
sowie eine steigende Zahl hochaltriger Menschen.
Die volkswirtschaftlichen Folgen dieser Entwicklungen
addieren sich, sie werden ab 2010 drastisch spürbar.
Daher müssen wir schon jetzt fragen, was das zum Beispiel
für die Pflege bedeutet. Etwa, wie viele Pflegeplätze in Heimen,
Wohn- und Hausgemeinschaften oder anderen Modellen
vorgehalten werden müssen. Dabei ist zu bedenken,
dass die Sozialversicherungen nicht alles bezahlen können.
Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
db: Was wollen Sie erreichen?
Kneppe: Der demografische Wandel und der Wunsch
der Menschen, auch im Alter und bei Pflegebedürftigkeit
in der eigenen Wohnung leben zu wollen, müssen sich in
der Wohnungs- und Sozialpolitik niederschlagen. Es wird
deshalb zunehmend wichtig sein, neue und zusätzliche
Hilfs- und Beratungsangebote für pflegebedürftige und ältere
Menschen im normalen Wohnungsbau zu verankern.
Es muss Wohnraum für alle Lebenslagen zur Verfügung
stehen. Außerdem ist zu wünschen, dass die Alten des Jahres
2020 sich in sozialen Netzen aufgehoben fühlen, in Netzen,
die sie zweckmäßigerweise schon jetzt knüpfen sollten.
Angesichts der Veränderung der familiären Strukturen
wird das Engagement in diesem Bereich für Jung und Alt
zu einem wichtigen Bestandteil sozialer Vorsorge.
db: Welche Unterstützung bieten Sie?
Kneppe: Vor allem im ländlich strukturierten Bereich
des Kreises Siegen-Wittgenstein ist Wohnraumanpassung
ein drängendes Thema. Daher wird so schnell wie möglich
eine qualifizierte, für Ratsuchende kostenfreie Wohnberatung
angeboten. In einem „Probelauf“ soll dieses Angebot
zunächst in Hilchenbach und Bad Berleburg gemacht werden,
bei entsprechender Nachfrage dann auch in anderen
Kommunen des Kreises Siegen-Wittgenstein. Aber es geht
nicht ohne ehrenamtlich-bürgerschaftliches Engagement.
Daher unterstützt der Kreis ein Fortbildungsangebot des
Vereins ALTERAktiv Siegen. Damit sind Menschen angesprochen,
die sich befähigen lassen wollen, als ehrenamtlich
tätige Seniorenbegleiterinnen oder -begleiter tätig zu
werden. Auf diesem Weg sollen professionelle Beratungsinstanzen
unterstützt und ergänzt werden. Es ist zu erwarten,
dass Seniorenbegleiterinnen und -begleiter vorpflegerische
und pflegeergänzende Aufgaben übernehmen,
womöglich im Rahmen von Initiativen und Selbsthilfegruppen.
Ich bin davon überzeugt, dass dies wesentlich dazu
beitragen kann, den Verbleib im eigenen Zuhause zu
sichern.
Das Gespräch führte Erich Kerkhoff
Vor ca. 15 Jahren war die Stadt Siegen die erste Kommune
im Kreis Siegen-Wittgenstein, die auf der Grundlage
einer Altenhilfeplanung hauptamtliche Seniorenarbeit
installierte und seither durch hohen finanziellen und personellen
Einsatz ehrenamtliches Engagement und Teilhabemöglichkeiten
unterstützt. Zu nennen ist hier insbesondere:
das Haus Herbstzeitlos, mit all seinen Gruppen und
Vereinen, die Seniorenzeitung „durchblick“ und der Seniorenbeirat.
In der nächsten Ausgabe des durchblick werden
wir umfassend die Ziele und Konsequenzen der Seniorenpolitik
aus Sicht der Stadt Siegen ausführlich darstellen.
34 durchblick 1/2005
Historisches
Deutsche Schreibschrift
„... unzustellbar zurück!“ Mit diesem Vermerk kam der
Brief an eine ältere Verwandte an mich zurück.
Ich hatte mich beim Schreiben der Adresse der deutschen
Schreibschrift bedient. Offenbar konnten die Zusteller diese
nicht mehr lesen. „ Können Sie uns bitte eine Abschrift
des Testaments in lateinischer Schrift zusenden.“ Mit dieser
Bitte bat mich das Gericht, dem ich ein handschriftlich
in deutscher Schreibschrift verfasstes Testament eingereicht
hatte, um eine lesbare Abschrift. Diejenigen, die der
deutschen Schreibschrift nicht ratlos gegenüberstehen,
werden mit der Zeit immer weniger. Ich fürchte, viele wissen
nicht einmal mehr, wie diese Schrift aussieht. Kein
Wunder, wurde die deutsche Schreibschrift doch schon ab
1941 (als Judenlettern abgestempelt) aus dem Unterricht
verbannt zugunsten der lateinischen (Normal-)Schrift.
Bis dahin standen sich beide Schriften gleichrangig gegenüber.
Kein Wunder, dass in der Praxis kaum eine
Schriftart in reiner Form geschrieben wurde. Meist wurde
eine Mischform geschrieben. Die einzelnen Worte enthielten
sowohl deutsche wie auch lateinische Buchstaben, je
nachdem, was sich gerade flüssig an den vorhergehenden
Buchstaben anschließen ließ. Man schaue sich nur einmal
alte Stammbücher an, die eine wahre Fundgrube dieser „gemischten
Schreibweise“ darstellen.
Ich (Jahrgang 1947) habe deutsche Schreibschrift noch
in der Schule gelernt. Im Fach „Schönschreiben“. Das gab
es damals noch! Ob es „Sütterlin“
war, weiß ich nicht
mehr. „Sütterlin“, nach einem
der vielen Schriftreformer
des 19. Jh. (Ludwig Sütterlin
1865 – 1917) benannt,
war gleichsam der Sammelbegriff
für eine Vielzahl
deutscher Schriften. Sie wurde
vor allem bekannt, weil
sie ab 1914 zunächst versuchsweise,
später, ab 1924
in Preußen zur verbindlichen
Schulschrift erklärt wurde.
häufig Unterschriften geleistet werden. Viele der angestellten
Kollegen und der Vorgesetzten hatten beeindruckende
Unterschriften. Dem mit der lateinischen
Schulschrift etwas entgegenzusetzen, war schwer. Bis die
Idee geboren wurde, den Namen in deutscher Schreibschrift
zu verfassen. Und zu meiner Überraschung lief die
Unterschrift nun sehr flüssig. Vor allem: Es war etwas Besonderes.
Alleinstellungsmerkmal nennt man das ja wohl
heute.
Später hat mir die Kenntnis der deutschen Schrift gute
Dienste geleistet bei der „Übersetzung“ eines ca. 450
Jahre alten Aktenfragments über einen Hexenprozess im
Siegerland, die ich anlässlich eines Beitrags zur Festschrift
„50 Jahre Landgericht Siegen“ im Stadtarchiv
fand.
Aber auch beruflich (als Rechtsanwalt und Notar) hatte
ich häufig mit deutsch geschriebenen Schriftstücken wie
Testamenten, Stammbüchern und Verträgen zu tun und
konnte diese Dokumente problemlos lesen.
Ich selbst schreibe bis heute ein Gemisch aus lateinischer
und deutscher Schrift ... wenn ich dennoch ohne
Schreibmaschine und Computer schreibe.
Michael Kringe
Mich hat die deutsche
Schreibschrift bis heute begleitet.
Nicht nur, weil noch
viele der Älteren zumindest
die oben erwähnte Mischschrift
schrieben, sondern
auch aus Gründen, die ich mir
als junger Volksschüler nicht
hatte träumen lassen.
Es begann mit der Bankkaufmannslehre.
Es mussten
durchblick 1/2005 35
Gedächtnistraining
„Ei, bin ich denn darum 80 Jahre alt geworden, dass ich immer dasselbe denken soll?
Ich strebe vielmehr, täglich etwas anderes, Neues zu denken, um nicht langweilig zu werden.
Man muss sich immerfort verändern, erneuern, verjüngen, um nicht zu verstocken.“
Goethe
Bilderrätsel
In diesem Rahmen,
der aus lauter
Buchstaben besteht,
sind 11 Tiernamen
enthalten.
Wer entdeckt sie
alle?
Versteckte
Blumen
Bringen Sie die
Buchstaben der
Blüten jeweils in
die richtige Reihenfolge.
Es ergeben
sich dann
Blumennamen.
Ergänzung zu
Jungennamen:
1. . . . . . . . . see
2. . . . . motor
3. . . . . eits
4. . . . . . ver
5. . . . . . nette
6. . . . . . . . . jagd
7. . . . . . silie
8. . . . . . . sgans
9. . . . . . . . . iner
10. . . . . wurst
Ergänzung zu
Mädchennamen:
1. . . . . . rie
2. . . . . nda
3. . . . . . cron
4. . . . . . kraut
5. . . . kurierung
6. . . . . ley
7. . . . . . rine
8. . . . . . sheim
9. . . . . . bogen
10. . . . . denz
Welche Blumen werden hier gesucht?
1. Wonnemonatsklingen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
2. kleine/zweite Mutter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3. Handwerkstitel einer Baumansammlung . . . . . . . . . .
4. Mooreierblüte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
5. männliches Geflügelbein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
6. Monatstasse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
7. Winterniederschlagsschelle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
8. arbeitsame Elisabeth . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
9. Pappkarton-Getreidestengel . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
10.Türöffnerpflanze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Sprichwörter
Setzen Sie bei den folgenden Sprichwörtern jeweils den
passenden Vogelnamen ein.
1. Ein blindes ... findet auch mal ein Korn.
2. ..., ick hör’ dir trapsen.
3. Besser ein ... in der Hand als eine ... auf dem Dach.
4. Eine ... macht noch keinen Sommer.
5. ... nach Athen tragen.
6. Da lachen ja die ...
7. Er schimpft wie ein ...
8. Die diebische ...
9. Da brat mir einer einen ...
10.Hol’s der ...
11.Nach dem kräht kein ... mehr.
12.Die ... pfeifen es schon von den Dächern.
13.Er ist der ... im Korb.
14.Was dem einen sin ..., ist dem anderen sin ...
15.Einem den roten ... auf das Dach setzen.
16.Wer anderen eine ... gräbt fällt selbst hinein.
17.Des Nachts sind alle ... grau.
Material des © Bundesverband Gedächtnistraining e.V. 57462 Olpe.
Auflösung auf Seite 42
36 durchblick 1/2005
Antonie Theresia Dell
aus Wilnsdorf hat sich mit
ihrem neuen Unternehmen
„Individuelles PC-
Training 50+“ die Aufgabe
gestellt, Lebensältere
beim Einstieg in die virtuelle
Welt des Computers
zu begleiten. Schritt für
Schritt, im Lerntempo des
Einzelnen, erfolgt der Unterricht.
Ziel ihrer Arbeit ist es, Frauen und besonders älteren
Menschen den PC und die Anwendungsprogramme nahe zu
bringen. Über den Gebrauch der neuen Medien erwirbt man
sich mehr Unabhängigkeit und größere Kommunikationsfähigkeit.
So können bei nachlassender Mobilität auch viele
Einkäufe, Behördengänge, Bankgeschäfte, Informationssuche
usw. von zu Hause aus erledigt werden. Dies
eröffnet für viele ganz neue Perspektiven und auch neue
Hobbys. Digitale Fotografie, Ahnenforschung und vieles
mehr lassen sich mit dem Computer leicht ausführen.
Aus dem Seniorenbeirat
Neuanfang mit 57 Jahren!!!
„Traun Sie sich – an den PC“
Angeregt wurde Antonie Dell durch die Arbeit des Vereins
AlterAktiv e.V. in Siegen, in dessen Internetcafé
(Senec@fe). Hier betreut sie schon seit einiger Zeit, gemeinsam
mit weiteren Mitgliedern des Vereins, ehrenamtlich
Senioren beim Arbeiten am Computer.
Wer die neuen Medien zunächst einmal „schnuppern“
möchte, ist im Haus Herbstzeitlos; Marienborner Str. 151,
herzlich willkommen.
durchblick 1/2005 37
Werbung
Vorher wissen,
was nachher
rauskommt!
Fragen Sie
unsere Werbepartner
nach
Festpreisen.
Individuelle
Fassadengestaltung
Dekorative Raumgestaltung
Vollwärmeschutz
Schnell,
sauber,
zuverlässig!
Über dem Garten 18
57223 Kreuztal
Telefon
0 27 32/59 19 75
MElfers01@aol.com
Krämer & Bender
Ganz
einfach
mit nur einem
Tastendruck!
Rolläden nie mehr mit der Hand
raufziehen. Einfach automatisch.
Fachbetrieb Rolladen- und Jalousiebauer
Ausstellung: Siegen, Spandauer Str. 32
AUTOMATISCHE
Jetzt Rolläden nachrüsten mit elektrischer
Steuerung. Beruhigt in den Urlaub fahren.
Rufen sie uns an. Wir beraten Sie gern. Tel. 0271/6 20 42
Zu Top-Nettopreisen
● Alu-Gelenkarmmarkisen
● Markisen-Neubespannungen
● Terrassen-Schirme
● Party-Zeltverleih
Dieter Bingel
Knopstraße 4
57074 Siegen
Tel./Fax 02 71/6 20 80
38 durchblick 1/2005
Wer heute Wert auf eine zeitgemäße Heizung legt, kommt an Olsberg
Elektro Wärmespeichern kaum vorbei. Denn was vor vielen Jahren schon gut war,
ist heute natürlich technisch wie optisch noch attraktiver. Tauschen Sie Ihre alte
Wärmespeicheranlage jetzt gegen die modernen Wärmespeicher CARAT von Olsberg.
Ihr Olsberg Partner vor Ort berät Sie gern:
Firma Elektro Oelke
Inhaber H. Oelke
Am Vogelsang 35 a · 57076 Siegen
Telefon 02 71/3135795 · Telefax 02 71 / 3 03 25 83
Telefon 02 71 / 4 17 90 · Mobil 01 71 / 5 86 00 12
mail: elektro.oelke@gmx.de
Ihr Partner fürs
Wohnen und Bauen
Hören mit Autopilot
Innovationssprung in der Hörgeräteentwicklung,
neuste Hörsysteme setzen auf
künstliche Intelligenz. Akustikermeister Marcus
Brungs hat dafür gesorgt, dass solche
Systeme jetzt auch in Siegen und Kreuztal
verfügbar sind.
„Das neue System ‚Bionic‘ liefert einen so
natürlichen Klang, wie er bisher noch nicht erreicht
worden ist“, sagt Brungs begeistert. Hörkomfort
und Sprachverständlichkeit können jetzt
auch in schwierigen Hörsituationen auf höchstem
Niveau gewährleistet werden. Weil „Bionic“ nach
Fuzzy-Logic-Regeln arbeitet, die denen des Gehirns
sehr ähnlich sind, fügt sich das System fast
organisch in den Hörprozess ein. Das Gehirn
kann die verstärkten Signale besonders gut verstehen,
weil der Klang bei der Bearbeitung durch
das neue Hörgerät in all seinen Nuancen ohne
Qualitätsverlust erhalten bleibt. Entwickelt wurde
das „Bionic“ von einem der erfahrensten Hörsystemhersteller
Deutschlands. Besonders beeindruckt
Marcus Brungs, wie sich das neue
Gerät flexibel den Umweltgeräuschen anpasst.
„Das ist wie bei einem Autopiloten, der
immer den richtigen und schnellsten Weg
findet“, erklärt er begeistert.
Farbenfroh hören.
Jetzt neu bei uns – überzeugen Sie sich selbst.
Siegen Im Gebäude der Sparkasse Weidenau
Weidenauer Str. 167 · Tel.: 02 71/7 41 17 05
Kreuztal
Roonstr. 2 · Tel.: 0 27 32/55 39 77
ADRO TM ist ein eingetragenes Warenzeichen
der Dynamic Hearing Pty Ltd.
durchblick 1/2005 39
Leserbriefe
durchblick 3-2004
Den Artikel von Eberhard Freundt „Der Mensch – Investor
seiner Lebenszeit“ habe ich mit Interesse gelesen und habe
sehr viel für mein (unser aller) Leben entdeckt. Unser Leben
könnte noch wertvoller sein, als es vielleicht schon ist,
würden wir mit der uns geschenkten Zeit besser umgehen.
Ihr Artikel ist des Nachdenkens wert. Einer im Raum stehenden
Frage gehen Sie allerdings nicht nach. Wer schreibt
den Menschen jeden Morgen weitere 24 Stunden auf deren
Lebenszeitkonto gut? Als Christ weiß ich, dass Gott meinem
Leben Anfang und Ende setzt. Weiterhin viel Freude
bei der Redaktionsarbeit. Erich Wendel, per E-Mail
durchblick 4-2004
Sehr geehrte Frau Göbel,
ich las die kleine Weihnachtsgeschichte auf Seite 31,
unter der Ihr Name steht. Leider wird da von Ihnen kurz
und entstellt eine wunderbare estländische Geschichte
wiedergegeben ohne Quellenangabe. Die vollständige Geschichte
stammt aus dem Buch „Ja, damals...“ von Else
Hueck-Dehio und ist erschienen im Eugen-Salzer-Verlag,
Heilbronn. Man sollte sich nicht mit fremden Federn
schmücken! Ich wünsche Ihnen und der gesamten Redaktion
noch eine gute Adventszeit, frohe Weihnachten und ein
gutes neues Jahr! Renate Müller, 57072 Siegen
Anm. der Redaktion: Sehr geehrte Frau Müller, Ihre Anmerkung
ist völlig berechtigt, nur trifft hier Frau Göbel keine
Schuld! Sie hat diese Geschichte ohne Namenszeichen
als Datensatz zum Druck eingereicht, dabei wurde ein der
Diskette beigelegter Hinweis auf die Urheberschaft von mir
übersehen. Als dann der Artikel fertig gesetzt war, jedoch
der Autor fehlte, hatte ich angenommen, es handelt sich um
einen Artikel von Frau Göbel. Ich bitte das Versehen zu entschuldigen.
Friedhelm Eickhoff, verantw. Redakteur
Ein herzliches Dankeschön für Ihre Zeitung, auf die wir uns
schon tagelang vor dem Erscheinen freuen. Gerade habe ich
noch einmal die Beiträge zum 16. Dez. 1944 gelesen. Ich
war damals sieben Jahre alt und saß mit meinen Eltern im
Bunker in der Juliusstraße. Mit Lastwagen wurden wir nach
dem Angriff ins Sauerland zu Verwandten gebracht und
konnten erst 1955 nach Siegen zurückkehren. Ich danke
Frau Anspach, Eberhard Freundt und den anderen Mitarbeitern
des durchblick für die interessanten Beiträge und
wünsche Ihnen allen gesegnete Weihnachten und ein friedvolles
gutes 2005!
Helga Kötting, Siegen
Hallo, verehrte Redaktionsmitglieder,
Ihre Zeitschrift bekam ich kürzlich auf dem Weihnachtsmarkt
am Sozialhäuschen. Ein sehr gutes Magazin – meine ich.
Dieter Weber, – per E-Mail
Liebe Redaktion!
Ein Exemplar des neuen durchblick habe ich meiner Freundin
Anna in Berlin geschickt. Hier ihr Kommentar dazu:
„…danke, dass du mir diese wunderbare Zeitung geschickt
hast. ich habe schon sehr viele Zeitungen ums Älterwerden
gesehen. Diese ist außergewöhnlich und verdient Anerkennung.
Der Inhalt hat nicht den Charakter von Überzogenem,
sondern ist natürlich intelligent und dem Älterwerden angemessen.
Ich freue mich sehr, so viel gute Botschaften von
Siegen zu lesen. Danke Antonie. Liebe Grüße von Anna“
Mit herzlichen Grüßen Antonie Dell, Wilnsdorf
Meine 92-jährige Mutter stammt aus der Hundgasse und ich
wurde vor mehr als 60 Jahren auf der Sieghütte im Sieghütter
Hauptweg geboren. Das Geburtshaus von meinem
Vater steht noch heuer in der Weidenauer Heinrichstraße.
Dieses wollte ich Sie wissen lassen, damit Sie meine Worte
verstehen können, ich bin nun schon seit 1957 nicht mehr
wohnhaft in Siegen, aber mit Leib und Seele bin ich sehr
heimatverbunden und reise somit mehrmals im Jahr für 5–
10 Tage auf ein Besuchs- und Besichtigungsurlaub in meine
Geburts- und Vaterstadt. Bei meiner letzten Reise war ich
auch auf dem Weihnachtsmarkt, wo ich Ihre Ausgabe
4/2004 erhalten habe. Ich würde mich sehr über die regelmäßige
Zusendung Ihrer Zeitung freuen. Die Artikel: „16.
Dezember vor 60 Jahren – Siegener erinnern sich:“ von Maria
Anspach und „Die letzte Kriegsweihnacht“ von Inge Göbel
sind sehr gut geschrieben. Mir ist beim Lesen alles wieder
so richtig vor Augen geführt und ins Gedächtnis
zurückgeholt worden. Gerne hätten wir ja auch einmal den
Gesundes Bräunen
auch für problematische Haut.
Nie wieder Sonnenbrand!
Sensoren messen die Empfindlichkeit
der Haut und steuern automatisch die Bräunungsleistung.
Ihr Sonnenstudio mit Feeling…
Hagener Str. 125
57072 Siegen
Tel. 02 71-2 31 73 57
➤
40 durchblick 1/2005
Internet
mit Hand geschriebenen Artikel „Die letzten Kriegstage in
Siegen“ gelesen, doch selbst meine Mutter, die in der Schule
noch Sütterlin-Schrift gelernt hat, war nicht in der Lage,
diesen in deutscher Handschrift verfassten Artikel zu lesen.
Er ist viel zu klein und zu undeutlich geschrieben. Sie sollten
doch in Zukunft daran denken, dass auch ältere „Sejjerlänner“
Ihre Hefte lesen, die oftmals nicht mehr das beste
Sehvermögen haben. Mit freundlichen Grüßen aus der Ferne
Karl-Heinrich Stracke, Badbergen/Groß-Mimmelage
Anlässlich eines Besuches Ihrer schönen Stadt kam ich in den
Besitz Ihres inhaltsreichen Heftes 4/2004. Ich möchte Ihr Angebot
annehmen und bitten, mir den „durchblick“ regelmäßig
zuzusenden. Meine Vorfahren waren Bergleute und ich selbst
habe von 1939 bis 1969 in Biersdorf bzw. in Daaden gelebt und
habe die Grube Füsseberg noch ausgiebig in Erinnerung. Der
„durchblick“ hat viele Erinnerungen in mir wachgerufen.
Mit freundlichem Glückauf Fritz Thielen, Altenkirchen
Mehrkosten bei „Sortis“
Abzocke, ein anderes Wort fällt mir nicht ein. Der Hersteller
Pfizer akzeptiert den vorgeschriebenen Höchstpreis für
Medikamente nicht und wälzt die Mehrkosten auf die betroffenen
Patienten ab. Somit kostet eine 50er-Packung jetzt
14,98 mehr. Das ist eine Zuzahlung, die ich für mich nicht
akzeptieren kann. Ich werde mir von meinem Arzt ein anderes
und gleichwertiges Medikament verschreiben lassen. Gut
wäre es, wenn die Ärzte schon bei der Verschreibung eines
solchen Medikamentes die Patienten auf solche Zuzahlungen
aufmerksam machen würde. Renate Titze, Siegen
Für 2005 wünsche ich dem durchblick weiterhin viel Erfolg!
Seit der ersten Ausgabe 1986 habe ich viele Jahre am durchblick
mitgearbeitet und verfolge mit viel Interesse die Weiterentwicklung.
Und so möchte ich mich heute ganz besonders
für die letzte Ausgabe bedanken, denn so vielseitig,
interessant und informativ habe ich mir den durchblick immer
gewünscht. Stellte auch fest, wie schnell der durchblick
an den Ausgabestellen dieses Mal vergriffen war. Und schon
immer wollte ich mich bei Frau Inge Göbel bedanken für den
Artikel zum Seniorenjahr 1999, in dem sich mein Jahrgang
so richtigt wiederfindet. Oft lese ich diesen Artikel im Kreise
Gleichaltriger mit viel Beifall vor. Nicht nur ihre lebendigen
Artikel, sondern auch Beiträge von Frau Krumm und
Frau Hanz gefielen mir in den letzten Jahren besonders. Und
so möchte ich mich bei allen Redaktionsmitgliedern bedanken:
für die vielen Stunden, die sie opfern an Artikeln zu feilen,
Recherchen anzustellen, Annoncen zu werben; für die
vielen Redaktionsstunden von der Erstellung des Layouts bis
zur Austeilung der Zeitung. Ich weiß, mit wie viel Arbeit diese
ehrenamtliche Tätigkeit verbunden ist und wünsche Ihnen,
dass die Begeisterung und Freude, mit der wir damals – ohne
journalistische Vorbildung – die Zeitung ins Leben riefen,
Ihnen erhalten bleibt.
Inge Ketteler, Siegen
16. Dezember 1944 vor 60 Jahren – Siegener erinnern sich:
Im Zeitzeugenbericht der Bildhauerin Gertrud Vogd-Giebeler
hat mich ein Satz besonders beeindruckt: „Der absurde,
sinnlose „Heldentod“ von vier Söhnen hatte wohl die Tränen
der Eltern versiegen lassen.“ Was am 16. Dezember 1944
noch geschah: Am Morgen des 16. Dezember 1944 begann
die kriegsverlängernde Ardennenoffensive. Bereits nach einer
Woche, bevor die Maas erreicht wurde, musste die Ardennenoffensive
als misslungen betrachtet werden. Zwar gelang
zunächst der Einbruch auf der ganzen Angriffsfront in
die amerikanischen Stellungen, der Gegenschlag der Alliierten
warf jedoch den Angreifer, unter hohen Verlusten auf
beiden Seiten, wieder zurück. Am Nachmittag des 16. Dezember
1944 wurde die Rubensstadt Siegen durch einen britischen
Bombenangriff in Schutt und Asche gelegt. Ebenfalls
am 16. Dezember 1944 schlug eine V2-Rakete in das voll
besetzte Rex-Kino der Rubensstadt Antwerpen ein. 561
Menschen wurden getötet und 291 Menschen schwer verletzt.
Churchill ließ am 8. März 1944 eine halbe Million
Milzbrandbomben in den USA bestellen, so schreibt Jörg
Friedrich in seinem Buch „Der Brand“. „Lassen Sie mich unbedingt
wissen“, schrieb Churchill an den Ausschuss für bakteriologische
Kriegsführung, „wann sie zur Verfügung stehen.
Wir sollten es als eine erste Lieferung betrachten.“ Wir
können von Glück sagen, dass die Milzbrandbomben nicht
zum Einsatz kamen. Nie wieder Krieg, ein frommer
Wunsch?
Hans-Martin Flender, Siegen
• Nutzen Sie unseren Berater- und Eventservice
• Nordic Walking Kurse speziell für Senioren und Seniorinnen
• Gewichtmanagement
• Kostenlose Beratung
Fit im Alter
Lebensqualität gewinnen
Die Revolution in
der Nahrungsmittelergänzung
Alles rund um den Sport finden Sie bei uns auf 1000 m 2 Verkaufsfläche.
www.sport-langenbach.de
durchblick 1/2005 41
Kleinanzeigen/Impressum
Private Anzeigen bis vier Zeilen veröffentlichen wir
kostenlos. Anzeigenschluss für die nächste Ausgabe ist der
30. April 2005.
Fahrräder auch älter für Rumänien gesucht. Wardenbach,
Tel. 0 27 39/72 16 od. 0 27 39/89 14 00
Grammophone, Schellackplatten, alte Musikgeräte usw.
kauft, sammelt und tauscht: Lothar Stock, Van-Kinsbergen-
Ring 17, 57290 Neunkirchen, Tel. 0 27 35/52 60
Verteiler gesucht Wer hat alle drei Monate einige Stunden
Zeit, ehrenamtlich den durchblick an Apotheken, Sparkassen
und Ärzte zu verteilen? Wir freuen uns über jede
Hilfe. Tel. 4 04/13 34.
Stoma-Selbsthilfegruppe (künstl. Blasen- und Darmausgang)
Siegen und Umgebung lädt zu Gruppenstunden
und zum Erfahrungsaustausch ein. Informationen: Tel. Siegen
5 74 51.
Prostata-Selbsthilfegruppe Siegerland ist noch offen für
Interessenten. Informationen unter Tel. Nr. 0 27 35/52 60.
Modelleisenbahn gesucht „Märklin Mini Club“, sowie
passendes Zubehör (Gleise, Weichen, Wagen und Loks, etc.)
auch defekt. Telefon 0 27 38/68 88 52.
Auflösung der Rätsel auf Seite 36
Bilderrätsel: Hase, Seelöwe, Löwe, Wespe, Specht, Tiger, Erpel, Pelikan,
Antilope, Esel, Elch.
Blumen: 1. Maiglöckchen, 2. Stiefmütterchen, 3. Waldmeister, 4. Sumpfdotterblume,
5. Hahnenfuß, 6. Märzenbecher, 7. Schneeglöckchen,
8. Fleißiges Lieschen, 9. Schachtelhalm, 10. Schlüsselblume.
Ergänzungen Jungennamen: Wolfgang.see, Otto.motor, Jens.eits,
Hanno.ver, Mario.nette, Hubertus.jagd, Martin.sgans, Bernhard.iner,
Hans.wurst.
Ergänzungen Mädchennamen: Lotte.rie, Vera.nda, Maria.cron, Heide.-
kraut, Eva.kuierung, Lore.ley, Marga.rine, Hilde.sheim, Ellen.bogen,
Resi.denz.
Sprichwörter: 1. Huhn, 2. Nachtigall, 3. Spatz, Taube, 4. Schwalbe,
5. Eule, 6. Hühner, 7. Rohrspatz, 8. Elster, 9. Storch, 10. Kuckuck,
11. Hahn, 12. Spatzen, 13. Hahn, 14. Uhl, Nachtigall, 15. Hahn., 16. Grube,
17. Spatzen
Versteckte Blumen: Mimose, Rose, Maiglöckchen, Aster, Gladiole,
Clivia, Seerose, Rittersporn.
Zu guter Letzt
Erstaunte Leserinnen und Leser nahmen in der letzten Ausgabe
wahr, dass eine hiesige Kanzlei verteidigte Buchprüfer
beschäftigt. Was müssen das wohl für kämpferische
Burschen sein, die sich so schützen lassen müssen? In derselben
Anzeige wurden die harten Jungens in Freundenberg
angesiedelt, vielleicht um sie zu besänftigen? Wir wissen
es nicht, was wir wissen, ist, dass der Setzer unserer
Druckerei gleich zweimal hingelangt hat, aus vereidigte
machte er verteidigte und aus Freudenberg – Freundenberg.
Mit den Redakteuren haben auch die Mitarbeiter der betroffenen
Firma Kolleß und Partner geschmunzelt.
durchblick
Redaktion:
Marienborner Str. 151 · 57074 Siegen
Tel. + Fax 02 71/ 6 16 47 · Mobil: 01 71/ 6 20 64 13
E-Mail: redaktion@durchblick-siegen.de
Internet: www.durchblick-siegen.de
Öffnungszeiten:
montags von 9.00 bis 12.00 Uhr
dienstags von 9.00 bis 12.00 Uhr
und von 14.00 bis 17.00 Uhr
Herausgeber:
durchblick-siegen Information und Medien e.V., im Auftrag der
Stadt Siegen – Seniorenbüro
Redaktion:
Maria Anspach; Friedhelm Eickhoff (verantw.); Eberhardt Freundt;
Dieter Gerst; Inge Göbel; Elisabeth Hanz; Dorothea Istock; Erich
Kerkhoff; Erika Krumm; Heinz Köhler
An dieser Ausgabe haben ferner mitgewirkt:
Waltraud Bänfer; Horst Mahle; Astrid E. Schneider; Helga Siebel-
Achenbach; Barbara Kerkhoff; Anke Könnecker; Thomas Benauer;
Michael Kringe; Hans Schuffenhauer; Hans-Martin Flender; Ursel
Amos; Rita Schmidt; Marie H. Mildner
Fotos/Zeichnungen/Graphik:
E. Kerkhoff; F. Eickhoff; I. Göbel; E. Hanz; SATURN; Kalle
Schlabach SZ (Titel); H.-M. Flender; H. Wilhelm; D. Gerst;
E. Krumm; M. Anspach; H. Köhler; D. Istock; A. Dell; Marie H.
Mildner
Gestaltung:
Kathrin Hillebrand
Gesamtherstellung:
Vorländer · Obergraben 39 · 57072 Siegen
Verteilung:
Waltraud Bänfer Ltg. alle Redakteure; U. Schneider; E. Gottwald;
J. Mieter; H. Siebel Achenbach; Fritz Fischer; Rolf Kretzer; Paul
Jochum; W. Scheffer; Herbert Mengeringhausen; F. Flötmann; Dieter
Wardenbach
Erscheinungsweise:
März, Juni, September, Dezember
Auflage:
8000. Der durchblick liegt kostenlos bei den Sparkassen, Apotheken,
Arztpraxen, den Zeitungsverlagen der City-Galerie, in Geschäften
des Siegerlandzentrums und in öffentlichen Gebäuden aus. Für die
Postzustellung berechnen wir für vier Ausgaben jährlich 8 Euro. Namentlich
gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung
der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, eingesandte
Beiträge und Leserbriefe zu kürzen. Unverlangte Beiträge
werden nicht zurückgeschickt. Für unsere Anzeigenkunden gilt die
Preisliste 6/2004.
42 durchblick 1/2005
Awo
/ '
~ leniotenvetpfleg,11,g tägßeh f tiseh gekoeht!
-~ Wir bieten Ihnen bis zu 4 Wochen im voraus günstige Menüs in verschiedenen
Kostformen zur Auswahl an. Wir liefern montags bis freitags täglich frisch gekocht
ins Haus. Zum Wochenende erhalten Sie Ihre Menüs als Tiefkühlkost.
lt11fe11 lie IIIIS a11
•. Arbeiterwohlfahrt Fahrbarer Mittagstisch, Weiherdamm 3, 57250 Netphen-Deuz OZ737 / SOS -161
Nullbarrieren für mehr Hygienesicherheit,
mehr Bequemli~hkeit und höhere Lebensqualität
Ihre Spezialisten für barrierefreies Bauen und Wohnen
B
Der Leistungsverbund im Handwerk
für's Leben
®
• Information über Finanzierungs- und
Fördermöglichkeiten
• Bearbeitung der Antragsverfahren
• Übernahme von Behördengängen
• Fotorealistische Computerplanung
• individuell zugeschnittene Baumaßnahmen
• Realisierung Ihres Bauvorhabens aus einer Hand
• Hilfsmittelberatung und -lieferung
• regelmäßige Informationsveranstaltungen
Ihre Partner im Leistungsverbund:
-
ERWIN
RÜBSAMEN
GMBH lnh.: Karl-Friedrich Bublitz
Heizung • Sanitär • Bauklempnerei
Hauptstr. 100 • 57074 Siegen-Kaan-Marienborn
Fon: (0271) 6611 60 • www.ruebsamen.de
Mehr Infos zu BAVITA unter
www.senioren-sie~
Die barrierefreie Bauweise ist modern und . .
innovativ
Helsbachstraße 74 • 57080 Siegen
Fon: (0271) 38 52 28 • www.fliesen-baer.de
Liese & Schwarz GmbH
Innenausbau + Modernisierungen
Schall-, Wärme- und Brandschutz
Ferndorfsteg 29 • 57078 Siegen
Fon: (0271) 8 30 88
www.liese-und-schwarz.de
Sparkassen-Finanzgruppe
Glas- und
Gebäudereinigung
GmbH
Friedrich-Wilhelm-Straße 1 M
5707 4 Siegen
Telefon (02 71) 3716 91
Telefax (02 71) 37 29 19
Mobil 01 77-8 08 22 79
Sauberkeit und Hygiene sind unentbehrliche Bereiche unserer Lebensqualität
Ihr kompetenter Partner in Sachen Reinigung
für Glas, Teppichboden, Polster, Dachrinnen und Fassaden
Hausmeisterdienste
• Absaugen und Reinigen von Gehwegen
• Düngen und Mähen von Rasenflächen
• Entrümpelungen und Wohnungsauflösungen
Schädlingsbekämpfung und Desinfektion
• Schadnagerbekämpfung (Ratten, Mäuse)
• Umsetzung von artengeschützten Insekten (z. B. Hornissen}
• Wespen-, Schaben-, Ameisen-, Insekten-, Mottenbekämpfung usw.
• Taubenvergrämung
• Holz- und Bautenschutz
Verleih von Hub- und Arbeitsbühnen
• Sie sparen Kosten, indem Sie Wartungsarbeiten selbst ausführen
oder ausführen lassen
• Sie arbeiten sicher in großen Höhen
• Ideal zur Reinigung von Dächern, Fassaden und Regenrinnen