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Nr. 2/2003

18. Jahrgang

• MEINUNGEN

• INFORMATIONEN

• KRITISCHES

• PERSPEKTIVEN

Inhaltsübersicht

Seite

Aus der Redaktion ........... 3

Abenteuerlicher Sprachunterricht 4

Organisierte Seniorenreisen .... 6

Plauen - echt spitze .......... 7

Gespräch auf der Wiese . ...... 8

Unser Dackel . . .. . ..... .. . . . 9

Ende des Zweiten Weltkrieges . 10

Richtige Hautpflege

bei Diabetis . . . . . . . . . . . . . . . . . 11

Gefangenengeschichten ...... 12

Geschichte Israels . .......... 13

Das ganze Leben ist ein Theater 14

Rubens im Spiegel der Presse . 16

Siegener Bürgergeschichte .. .. 17

Freundschaft verbindet . ...... 18

Marias Krimi .............. 20

Dina Herters Vermächtnis . .... 21

Aktiv und bewegt älter werden. 21

Service Wohnen .. . ...... .. . 22

Wohnformen im Alter .. .... .. 23

Grundsicherung . ........... 24

Peinlich ................... 25

Gefährliches Wohnen ... ..... 26

Eine wahre Begebenheit ....... 28

Aus dem Seniorenbeirat ...... 29

Der historische Dracula ..... . 30

Der Lauf der Zeit .......... . 32

Schreibwerkstatt .. . ...... ... 32

Kleinanzeigen/Impressum . . . . 33

Leserbriefe .... . ... . .. .. .. . 34


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So wird bei uns gearbeitet

Mit derzeit 15 Wohnund

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zählt die Alloheim Senioren­

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individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Betreuung. Trotz modernster Ausstattung garantiert unsere biografie- und

milieuorientierte Arbeit unseren Bewohnern, dass sie sich sicher und zu Hause fühlen. Da ein wesentliches Ziel unserer

Arbeit der Erhalt bzw. der Aufbau ihrer Kommunikationsfähigkeit ist, beziehen wir gerne die Angehörigen in unsere

Arbeit ein. Die hauseigene Küche mit Wahlmenü-Service und unsere täglich geöffnete Cafeteria tragen mit dazu bei,

dass sich unsere Bewohner rundum wohl fühlen.

Für individuelle Informations- und Beratungsgespräche - auf Wunsch auch gerne bei Ihnen zu Hause - stehen wir

Ihnen gerne zur Verfügung. Rufen Sie uns an. Wir informieren Sie gerne!

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durch

blick

Aus der Redaktion

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

nun liegt Ihnen die Sommerausgabe des

durchblick vor, bunt und abwechslungsreich

soll er wie eine Sommerwiese sein, lassen Sie

sich entführen in ein schwedisches Märchen

und gruseln Sie sich bei der Geschichte Draculas.

Beides ist niedergeschrieben von unserer

Redakteurin, der „Fachfrau für Historisches“.

Erst vor zehn Jahren kam Dorothea

Istock als Spätaussiedlerin aus Siebenbürgen

nach Deutschland. Sie ist hier schnell heimisch

Dorothea Istock

geworden und hat bis zu ihrer Pensionierung

als Diplom-Chemikerin an der Uni-Gesamthochschule

Siegen gearbeitet. Heute geht sie ihren Hobbys – Fotografieren,

Volkstanz, Lesen, und Schreiben nach, engagiert sich aktiv in der Siegener

evangelischen Kirche. Für den durchblick, schreibt sie die Abhandlungen über

historische Vorgänge. Sei es nun in dieser Ausgabe die „blutrünstige“ Geschichte

vom wallachischen Dracula oder in den vergangenen Ausgaben z. B.

der Beitrag über die Universität Wittenberg-Halle oder den viel beachteten

Artikel über Feste und Feiertage.

Ganz nah am Datum des 59. Jahrestages der Kapitulation, hat uns Elisabeth

Hanz ihr persönliches Erleben aus dieser Zeit geschildert. Erschütternd sind

die Erinnerungen, vielleicht auch, weil sie so dicht an dem Geschehen unserer

Zeit sind. Unvorstellbar eigentlich, dass die Menschen vermeintlich nichts aus

der Geschichte, nichts aus den Grausamkeiten

lernen. Der Krieg mit seiner verrohenden

Wirkung, gebiert ständig Entsetzliches, immer

wieder berichten die Medien über Vergewaltigungen,

Folterungen und fürchterlichen Morden,

wobei die Peiniger aus allen Kulturkreisen

stammen.

Elisabeth Hanz

An diesem Beitrag wird wieder einmal

deutlich, wozu sich manche Menschen in Extremsituationen

verführen lassen. Leider auch

heute noch, im Jahr 2003.

Hoffnung macht uns hingegen Elisabeth’s zweiter Beitrag „Freundschaft

verbindet“, hierin schreibt sie über Freunde: „Sie helfen, heilen, dienen und

sorgen, sie hören zu, geben Rat und machen uns zu einem besseren Menschen!“

Die Redaktion des durchblick wünscht Ihnen sonnige Tage, gemütliche

Abende und erholsame Spaziergänge in lauer Sommerluft, aber jetzt erst einmal

viel Freude beim Lesen Ihres neuen durchblick.

Ihr

Friedhelm Eickhoff

verantw. Redakteur

2/2003 3


durch

blick

Reisen

Abenteuerlicher Sprachunterricht

Beim Studieren meines Reiseführers Apa Guides

Ecuador fiel mir eine Anzeige einer Individual

Sprachenschule auf. Eine Stunde Einzelunterricht in

Spanisch kostete nur 2 US-$. Für Unterkunft und

Verpflegung in einer Familie kamen 3 US-$ hinzu.

Schnell nahm ich schriftlichen Kontakt mit der

Schule auf. Die Antwort ließ nicht lange auf sich

warten. Mein Alter, 53 Jahre, ohne Vorkenntnisse in

Spanisch, sei kein Hinderungsgrund aufgenommen

zu werden. Die Fluggesellschaft KLM in Amsterdam

war der günstigste Anbieter für den Flug nach Quito.

An einem schwülen Augusttag trat ich meine elfstündige

Flugreise nach Quito, das am Fuße des

2 794 m hohen Pinchincha Berges liegt, an.

Auf dem langen Trip hatte ich genug Zeit, mir

alles in rosaroten Farben auszumalen.

Pünktlich um 5.30 Uhr beim Landeanflug auf

Quito grüßten mich die hohen, schneebedeckten Berge,

die Vulkane Chimborazo 6 310 m und Cotopasci

5 897 m in der erwachenden Morgensonne.

Alle Formalitäten waren rasch erledigt. Ich nahm

mir viel Zeit, um mein erstes Foto zu machen.

Einheimische Schule

Nun hielt ich Ausschau nach einem Mitarbeiter

der Sprachenschule, der mich vom Flughafen abholen

sollte. Nachdem ich 1 Std. frierend gewartet hatte,

entschloss ich mich ein Taxi zu nehmen. Ich zeigte

dem Fahrer die Adresse und los ging die Fahrt. Als

wir an der Schule angekommen waren, traf mich der

Schock. Ich wollte nicht glauben, was ich da sah.

Eine verbarrikadierte Wellblechgarage und keine

Menschenseele weit und breit. Der Taxifahrer fuhr

weiter und mit ihm meine Kamera.

Mein Koffer diente mir als Sitzplatz. Den Rucksack

hielt ich fest im Arm. An mir gingen ärmlich gekleidete

Menschen vorüber und starrten mich an. Ein

flaues Gefühl in der Magengegend befiel mich. Um

9.00 Uhr kam endlich ein Auto vorgefahren. Es war

der Direktor persönlich. Durch seine Gestik glaubte

ich, eine Entschuldigung erkannt zu haben. Verständigen

konnten wir uns nicht. Die englische

Sprache half auch nicht weiter.

Statt Worten folgten Taten. Mein Gepäck wurde

ins Auto geladen, dann fuhren wir zu der Familie, bei

der ich 5 Wochen verbringen sollte.

Meine Gastgeberin hieß Linda und ihre beiden

erwachsenen Kinder Maria und Juan. Die Begrüßung

war sehr distanziert. Lag es vielleicht an der

Verständigungsschwierigkeit? Die Freude, die ich

erwartet hatte, blieb aus. Auch meine Gastgeschenke

wurden nicht sonderlich beachtet. Nachdem ich mein

Zimmer bezogen hatte, zeigte mir Linda die übrige

Wohnung. Es war alles sehr einfach ausgestattet. Ich

freute mich sehr, eine warme Dusche nehmen zu

können, denn nach der langen Reise tat diese Erfrischung

sehr gut. Um 17.00 Uhr wurde ich zum

Abendessen gebeten. Außer mir saß keiner am Tisch.

Mir wurde eine Bohnensuppe mit wenigen Kartoffelstücken,

ohne Fleisch, aber mit viel Brühe

serviert. Ach, hätte ich doch nur ein Stück Brot

gehabt. Mein Magen war noch so leer.

Wie heißt es doch: „Der Mensch lebt nicht vom

Brot allein“, also zeigte ich Linda die Adresse der

Schule und mimte mit viel Gestik den Autobus. Sie

lachte und holte den Kalender herbei. Der nächste

Tag war ein Feiertag, kein Unterricht. Müde begab

ich mich auf mein Zimmer und schlief mit den ersten

Eindrücken ein. Am anderen Morgen erwachte ich so

gegen 8.30 Uhr. Kein Kaffeeduft durchströmte die

Wohnung. Als ich in die Küche kam, war Linda

gerade damit beschäftigt, einen Muckefuck zu

kochen. Eine Blechtasse, gefüllt mit heißem,

schwarzem Kaffee stand auf dem Tisch, ohne Bei-

4 2/2003


durch

blick

Reisen

Schüler der Sprachenschule

lage. Vorsichtig deutete ich Linda an, dass ich etwas

zu essen wünschte. Ein paar alte Kekse waren schnell

zur Hand. Ich nahm mir vor, bei der nächsten, sich

bietenden Gelegenheit etwas Essbares für mich

einzukaufen. Ich musste ja schließlich bei Kräften

bleiben, um zu lernen. So gegen 11 Uhr kam mit

Handzeichen die Frage, ob ich für eine Autotour

bereit sei. Nichts lieber als das. Außer der Sprache

wollte ich doch auch das Land und die Leute kennen

lernen. Nachdem das Auto aufgetankt war, natürlich

auf meine Kosten, fuhren wir los. Außerhalb Quitos

wurden die Straßen immer schlechter. Nach 1 Std.

Fahrt wollte unser alter Renault einfach nicht weiter.

Es wurde lautstark palavert, was zu tun sei. Bald

nahte Hilfe aus dem Dorf. Eine alte Zinkwanne

wurde herbeigeschleppt. Das gesamte Benzin wurde

abgelassen. Die brennende Zigarette im Mundwinkel

eines Helfers brachte mir das Fürchten bei.

Schnell entfernte ich mich von dem Ort, weil ich

jeden Moment eine Explosion befürchtete. In der

Nähe spielten Kinder. Ich gesellte mich dazu und

spielte Hüpfekästchen und Abheben mit ihnen.

Inzwischen war es Nachmittag geworden. Wir kamen

in einem mittelalterlichen Dorf an. Es gab keine

befestigten Straßen. Ein Graben vor den Häusern

nahm die Abwässer auf. Menschen und Tiere waren

verwahrlost und verschmutzt. Ein Bild des Elends.

Vor einem größeren Haus hielten wir an. Man deutete

mir an, dass wir hier essen wollten. Ich dachte

gleich, hier wirst du dir sicher einen Magen- und

Darm-Infekt einfangen. Zu meiner großen Überraschung

war die Gaststube relativ sauber. Ich trank einen

Schnaps vor dem Essen, um einem Infekt vorzubeugen.

Das Gericht schmeckte köstlich. Das gebratene

Hähnchen mit Reis, Bohnen und Gemüse war

sehr scharf gewürzt. Danach war wieder ein Schnaps

(Tequilla) fällig. Die Rechnung wurde mir ebenfalls

serviert.

Erst einige Zeit später habe ich erfahren, dass Linda

nach dem Essen ihre Verwandten besucht hat. Sie

ging dorthin allein. Sie wollte mir sicher nicht zeigen,

in welch ärmlichen Verhältnissen sie leben müssen.

Spät, in der Dunkelheit, erreichten wir Quito.

Siegen · Sandstraße

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2/2003 5


durch

blick

Reisen

Organisierte Seniorenreisen

Anlässlich des Deutschen Seniorentags (6. bis 8.

Okt. 03) plant das Seniorenbüro der Stadt Siegen

gemeinsam mit ALTERAktiv Siegen e.V. und dem

durchblick eine eintägige Fahrt nach Hannover. Gemeinsam

laden sie zu einer Busfahrt am 7. Oktober ein.

Angesprochen sind interessierte Einzelpersonen sowie

Gruppen und Verbände im Kreis Siegen-Wittgenstein.

• Das Verantwortungsbewusstsein von Senioren für

Missstände zu schärfen und zu deren Abhilfe zu

motivieren.

Die weite Palette der Möglichkeiten in Europa –

insbesondere auf dem Hintergrund der Erweiterung

– aufzuzeigen, die eine aktive Lebensgestaltung und

freiwilliges Engagement bis ins hohe Alter eröffnen.

Veranstalter des Seniorentags ist die Bundesarbeitsgemeinschaft

der Seniorenorganisationen

(BAGSO), unter deren Dach gegenwärtig 79 bundesweit

tätige Seniorenorganisationen zusammengeschlossen

sind. Alle drei Jahre richtet die BAGSO

mit den angeschlossenen Verbänden den Deutschen

Seniorentag jeweils in einem anderen Bundesland

aus. Mit Blick auf andere europäische Länder und die

Erweiterung der Union setzt der 7. Deutsche Seniorentag

in diesem Jahr in Hannover folgende Ziele:

• Die Leistungen zu verdeutlichen, die ältere

Menschen für das Allgemeinwohl erbringen.

• Ein neues Verständnis des Alterns zu fördern, das

die sozialen und wirtschaftlichen Potenziale

älterer Menschen intensiver nutzt.

• Die Voraussetzungen für eine stärkere Beteiligung

Älterer am gesellschaftlichen Leben sowie den

Erhalt ihrer Selbstständigkeit in den Ländern der

Europäischen Union zu verbessern.

• Die Solidarität zwischen Alten und Jungen durch

beispielhafte Modelle im In- und Ausland zu festigen.

Eine weitere organisierte durchblick-Leserreise

ist für den 3. und 4. November 2003 geplant. An

diesen Tagen findet die Senioren-Messe NRW

(„vitactiv“) in Essen statt. Vom Siegener Seniorenbüro

wurde ein gemeinsamer Stand angemeldet für

den durchblick, das Internetcafé (Senecafé), den

Seniorenbeirat und die Seniorenhilfe.

Das Programm der vitactiv 2003 steht unter dem

Motto „Alter hat viele Gesichter“. Geplant sind Präsentationen

zu thematischen Schwerpunkten wie

Bürgerengagement, Neue Medien, Leben aktiv u. a.

(Bitte hier abtrennen und an den durchblick · Leserreisen · Marienborner Str. 151 · 57072 Siegen senden)

Ich melde mich und

Tagesreisen an:

Personen für folgende

• Busfahrt für 40 Euro zum „Deutschen

Seniorentag“ nach Hannover, am Dienstag, dem

7. Oktober 2003

• Busfahrt für 20 Euro zur Seniorenmesse vitactiv

nach Essen, am Montag dem 3. November 2003,

• oder am Dienstag, dem 4. November

Über Abfahrtszeiten und Abfahrtsorte in Ihrer

Nähe werden Sie rechtzeitig informiert.

Meine Anschrift:

Name/Vorname

Straße

PLZ/Ort

Telefon

E-Mail

Unterschrift:

Anmelden können Sie sich auch unter den Telefonnummern Seniorenbüro 02 71/4 04-13 34 sowie dienstags

ab 15 Uhr beim durchblick unter 02 71-6 16 47 oder per E-Mail: info@senioren.de

6 2/2003


durch

blick

Reisen

Stadterlebnis in

der klingenden Ferienregion Vogtland

Höhepunkte 2003

Plauener Spitzenfest – 11. bis 13. 7. 2003:

Stadtfest rund um die berühmte Plauener Spitze

Nabucco – 29. 6./1. 7./3. 7.:

spektakuläres Opernspektakel auf der amphietheaterähnlichen

Freilichtbühne im landschaftlich reizvollen

Stadtparkgelände (Gruppenpreise möglich)

Seit 1990 sind Siegen und das vogtländische Plauen

Partnerstädte. Kennen Sie die Spitzen-Stadt im

Südwesten Sachsens? Drei Gründe gibt es, die in die

bezaubernde Mittelgebirgslandschaft des Vogtlandes

eingebettete Stadt zu besuchen:

1. Plauener Spitze, die weltbekannte kostbare filigrane

Textilkunst mit jahrzehntelanger Tradition und

zeitloser Schönheit, vom Grand Prix zur Weltausstellung

in Paris im Jahre 1900 bis hin zu modernen Kollektionen.

Plauen besitzt das einzige Spitzenmuseum

Deutschlands...

2. Die einzigartigen Brückenbauten in Plauen

und im Vogtland sind steinerne Zeitzeugen der Kunst

einstiger Baumeister. Die Friedensbrücke in Plauen ist

mit 90 m Spannweite die am weitesten gespannte Steinbogenbrücke

Europas; weitere Anziehungspunkte in

der Region sind die beiden „Schwestern“ Göltzschtalund

Elstertalbrücke.

3. Die Lage Plauens in der klingenden Ferienregion

Vogtland, zu der auch die Region des Musikinstrumentenbaus

rund um Markneukirchen und Klingenthal

gehört, und im Vierländereck – Euroregion Sachsen,

Tschechien, Thüringen und Bayern.

Plauen ist eine Stadt voller Originalität und einnehmender

Herzlichkeit mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten

wie z. B. das Alte Rathaus mit seinem Renaissancegiebel

und das im neoklassizistischen Stil erbaute

Vogtland Theater.

Festival Mitte Europa – 20. 7. bis 7. 9. 2003:

(genaue Termine auf Anfrage): „Kultur verbindet

Deutschland und die Tschechische Republik, das

deutsche Volk untereinander und das Ausland mit

einem anspruchsvollen und gleichzeitig farbigen wie

attraktiven Programm in einer der schönsten Regionen

Europas“

Weihnachtsmarkt – 28. 11. bis 21. 12. 2003

Zu diesen und natürlich auch vielen weiteren

Veranstaltungen freuen sich die Plauener Hotels,

Sie als Gast begrüßen zu dürfen.

Übernachtung/Frühstück im ***- oder

****-Sterne-Hotel im Stadtzentrum von Plauen

Preise für Einzelreisende:

Einzelzimmer von 56,00 bis 69,00 pp. P.

Doppelzimmer von 33,00 bis 52,00 p. P.

Preise für Gruppen:

Einzelzimmer von 41,00 bis 44,00 p. P.

Doppelzimmer von 26,00 bis 31,00 p. P.

Natürlich bieten unsere Hotels auch spezielle

Pauschalangebote z. B. in Verbindung mit einem

Theaterbesuch, einer geführten Vogtlandfahrt oder

einer Wanderung in die wunderschöne Umgebung

von Plauen. Bitte wenden Sie sich an die Tourist-Information

Plauen, um nähere Auskünfte zu erhalten.

Tel.: 0 37 41/1 94 33; Fax: 0 37 41/2 91-10 59,

E-Mail: touristinfo@plauen.de, http://www.plauen.de

(Bitte hier abtrennen und an die Tourist-Information Plauen · Unterer Graben 1 · 08523 Plauen senden)

Ich bitte um Zusendung von:

Meine Anschrift:

allgemeinen Informationen zur Stadt Plauen

Name/Vorname

❑ Veranstaltungshinweisen

für die Zeit vom

bis

❑ konkretes Übernachtungsangebot für

Personen, in der Zeit vom bis

Anmerkungen:

Straße

PLZ/Ort

Telefon

E-Mail

2/2003 7


durch

blick

Poesie

Gespräch auf der Wiese

An einem schönen Sommertag um die Mittagszeit

war große Stille am Waldrand. Die Vögel hatten ihre

Köpfe unter die Flügel gesteckt und alles ruhte. Da

streckte der Buchfink sein Köpfchen hervor und

fragte: „Was ist eigentlich das Leben?“ Alle waren

betroffen über diese schwierige Frage. Im großen

Bogen flog der Buchfink über die weite Wiese und

kehrte zu seinem Ast im Schatten des Baumes zurück.

Die Heckenrose entfaltete gerade ihre Knospe und

schob behutsam ein Blatt ums andere heraus. Sie

sprach: „Das Leben ist eine Entwicklung.“

Weniger tief veranlagt war der Schmetterling. Er

flog von einer Blume zur anderen, naschte da und

dort und sagte: „Das Leben ist lauter Freude und Sonnenschein.“

Drunten im Gras mühte sich eine Ameise mit einem

Strohhalm, zehnmal größer als sie selbst, und

sagte: „Das Leben ist nichts anderes als Mühsal und

Arbeit.“

Geschäftig kam eine Biene von der honighaltigen

Blume auf der Wiese zurück und meinte dazu: „Nein,

das Leben ist ein Wechsel von Arbeit und Vergnügen.“

Wo so weise Reden geführt wurden, steckte auch

der Maulwurf seinen Kopf aus der Erde und brummte:

„Das Leben? Es ist ein Kampf im Dunkeln.“

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Nun hätte es fast einen Streit gegeben, wenn nicht

ein feiner Regen eingesetzt hätte, der sagte: „Das Leben

besteht aus Tränen, nichts als Tränen.“ Dann zog

er weiter zum Meer. Dort brandeten die Wogen und

warfen sich mit aller Gewalt gegen die Felsen und

stöhnten: „Das Leben ist ein stets vergebliches

Ringen nach Freiheit.“

Hoch über ihnen zog majestätisch der Adler seine

Kreise. Er frohlockte: „Das Leben ist ein Streben

nach oben.“

Nicht weit vom Ufer entfernt stand eine Weide.

Sie hatte der Sturm schon zur Seite gebogen. Sie sagte:

„Das Leben ist ein Sichneigen unter eine höhere

Macht.“ Dann kam die Nacht.

Mit lautlosen Flügeln glitt der Uhu über die Wiese

dem Wald zu und krächzte: „Das Leben heißt: die

Gelegenheit nutzen, wenn andere schlafen.“ Und

schließlich wurde es still in Wald und Wiese.

Nach einer Weile kam ein junger Mann des Wegs.

Er setzte sich müde ins Gras, streckte dann alle viere

von sich und meinte erschöpft vom vielen Tanzen

und Trinken: „Das Leben ist das ständige Suchen

nach Glück und eine lange Kette von Enttäuschungen.“

Auf einmal stand die Morgenröte in ihrer vollen

Pracht auf und sprach: „Wie ich, die Morgenröte, der

Beginn des neuen Tages bin, so ist das Leben der

Anbruch der Ewigkeit!“

Ein schwedisches Märchen

8 2/2003


durch

blick

Tierisches

Unser Dackel

Von Inge Göbel

Wir haben einen großen Freund,

das ist ein kleiner Hund,

der ist in Treue uns vereint

und das zehn Jahre rund.

Als liebliches Geschenk, so saß

er plötzlich auf der Matte

und machte manches Eckchen nass,

bis man ihn sauber hatte.

Sein kleines Köpfchen lernte schnell,

was er so machen sollte,

und mürrisch heiseres Gebell

sagte uns, wenn er’s nicht wollte.

Er fraß und schlief und spielte viel,

man sah ihn hier und da,

jedoch am besten ihm gefiel...

der Hausschuh von Papa.

Gar lustig war es anzusehn,

wie er die Pfötchen schmiss,

und wie er beim Spazierengehn

an seinem Leinchen riss.

Das Halsband, das war ihm ein Graus,

und wenn er’s gar nicht mochte,

dann zog er einfach’s Köpfchen raus

und sah uns an... und lachte!

Er war so putzig anzusehn,

so reizend und so zierlich.

Als er ein halbes Jahr alt war,

war er – beinah – manierlich.

Er wusste jetzt, was sich geziemt,

und wo er hingehörte,

so wurd er langsam – nach und nach –

zu der Familienzierde.

Papa erkor er sich zum Herrn,

den er von Herzen liebte,

mit dem er beim Spaziergang gern

auf Schäferhund trainierte.

Geschäft und Auto und das Haus

behütete er richtig.

Er meldete, wenn Kundschaft kam,

er wurde wirklich tüchtig.

Er konnte alles voll verstehn,

wenn wir uns unterhielten,

an seinem Köpfchen konnt man’s sehn,

und wie die Öhrchen spielten.

Als dann ein Enkelkindchen kam,

wurd er nicht eifersüchtig,

er nahm sich richtig seiner an

und wurd als Wächter wichtig.

Und als das Baby von Mama

wurd auf den Arm genommen,

ist unser Dackel ungesehn

mal rasch ins Bett gesprungen.

Das Bett, das war und ist ein Ort,

in dem er wohl sich fühlt,

doch nur wenn’s richtig mollig warm

und nicht wenn’s unterkühlt.

Sonst ist er brav, hat nie gemopst,

nie was vom Tisch geklaut,

und auf die Couch wird nur gehopst,

wenn Papa es erlaubt.

Dort liegt sein Deckchen schon bereit,

Herrchen und sein Wauwau,

da sitzen sie und schaun zu zweit

des Abends „Tagesschau“.

Doch gibt es dort nichts mehr zu sehn,

sind Hund und Herrchen müde,

sieht man die zwei ins „Kistchen“ gehn,

das Herrchen und sein Rüde.

Arbeitsgruppe

ALTERAktiv

Siegen

Ausdruck einer Lebensweise

für Menschen im dritten Lebensalter.

Besuchen Sie unsere Homepage

www.senioren-siegen.de,

dort erfahren Sie mehr über uns

und unsere Ziele.

Kontaktadresse:

Erich Kerkhoff, Im Wolfseifen 68

57072 Siegen, Tel. 02 71/3 72 08 18

2/2003 9


durch

blick

Historisches

Ende des Zweiten Weltkrieges

Der Krieg ist aus! Wie aus weiter Ferne klingen

die Worte in meinem Ohr. O weh, mein Kopf, er

schmerzt. Der Genuss des Portweins, den die jungen

Soldaten aus Frankreich mitgebracht hatten, zeigte

seine Nachwirkung. Wo waren die Soldaten abgeblieben?

Langsam dämmerte es, als Vater ein wiederholtes

Mal sagte: „Kind, nun komm, der Krieg ist

aus.“ Ein paar schwache Glühbirnen und eine feuchte

Betondecke nahmen Gestalt an und boten ein

unfreundliches Bild. Mühselig wickelte ich mich aus

einer alten Decke und bemerkte die Menschen, die

auf dem Weg zum Ausgang des Bunkers waren. Als

ich aus dem diffusen Licht des Bunkers kam, stand

ich plötzlich in einem herrlich strahlenden Sonnentag,

wie ich ihn nie mehr in meinem späteren Leben

empfunden habe.

Frieden, Freiheit, keine Platzangst mehr zu haben

und die Sirenen nicht mehr zu hören, empfanden alle

wie eine Erlösung. Andere Gedanken schlichen

sich ein. Mussten wir doch noch Angst haben? Die

erste Hiobsbotschaft ging wie ein Lauffeuer durch

unser Dorf. Eine Vergewaltigung in einem anderen

Bunker. In unserem 4 000-Einwohner-Dorf arbeiteten

allein 1 500 russische Gefangene in einem kriegswichtigen

Bergwerk. Aber die Amerikaner würden

schon auf uns aufpassen ...

Zunächst wollten wir alle erst einmal nach Hause.

Erschöpft kamen wir an und froren trotz des warmen

Tages. Das war klar – wir waren hungrig und

übernächtigt und hatten keine warme Kleidung.

Wir wohnten nah am Wald und konnten uns immer

Holz holen, um zu kochen oder auch um uns zu

wärmen. Schnell knisterte das Feuer im Herd und gab

wohlige Wärme und auch etwas Gemütlichkeit ab. Es

wurde auch gekocht: Kartoffeln, Steckrüben und

etwas gepökeltes Fleisch.

Wir hatten gerade diesen Luxus genossen, da klingelte

es an der Tür. Ein Freund meines Vaters bat für

sich und seine Familie um Obdach. Die Amerikaner

hatten sich im Ort die schönsten Häuser ausgesucht,

um dort die Kommandantur zu errichten. Für meine

Eltern war klar, dass sie die fünfköpfige Familie

freundlich aufnahmen. Ich fand das ausgesprochen

prima, da ich mit zwei gleichaltrigen Mädchen alles

Erlebte besprechen konnte. An sich war unser Haus

schon randvoll besetzt durch eine evakuierte Familie

aus dem Ruhrgebiet. Alles ging ziemlich reibungslos

und dauerte auch nicht lang. Unsere Gastfamilie durfte

sich in Ruhe alles aus ihrem Haus holen und die

Amerikaner halfen auch freundlich dabei. Uns jungen

Mädchen bot man Schokolade an, wenn wir sie

besuchen würden. „I do not understand“ war immer

unsere Antwort. Etwas englischen Unterricht hatten

wir bei einer Ursulinenschwester genommen.

Unser Leben hatte sich nun schlagartig verändert.

Es gab neue Lebensmittelkarten und die Rationen

waren eher kleiner als im Krieg. Die großen Vorräte

waren soweit verbraucht und auch zu alt. Selbst im

Zucker entdeckte ich Würmer. In langen Schlangen

standen wir vor den Läden und mussten das Wasser

an den ersten Tagen aus der Lenne holen. An unser

Immunsystem wurden große Anforderungen gestellt

und manch einer blieb dabei auf der Strecke. Ab

18.00 Uhr durften wir nicht mehr aus dem Haus.

Sperrstunde. Alles verlief soweit ruhig, solange wir

unter der Aufsicht der Amerikaner waren. In fast allen

Fällen ...

Doch dann kam der Tag, den wir wohl kaum

vergessen sollten. Es war der Tag, als die Engländer

die Amerikaner ablösten. Wir waren einen Tag ohne

Aufsicht, als es zum Eklat kam. Ohne die Ordnungsmacht

nutzten die Russen die Gelegenheit,

den Hass, der sich in all den Jahren durch die Grausamkeit

an ihnen aufgespeichert hatte, loszuwerden.

Es kam zu unkontrollierbaren Übergriffen.

Einzelheiten hierzu möchte ich dem Leser und auch

mir selbst ersparen. Meine Feder sträubt sich dies

niederzuschreiben. Mein Schwager wurde Zeuge,

als die Russen jemand überwältigten, den die

Amerikaner retten konnten. Auch in den Wäldern

wurden ermordete Soldaten aufgefunden. Es wurden

einige ältere Männer verpflichtet, die Leichen

zu begraben. Es war sehr schlimm für sie. Da wir

direkt am Waldrand wohnten, ergab es sich öfter,

dass mich einer der Soldaten, die auf der Flucht

waren, ansprach. Ich erschreckte jedes Mal meine

Eltern, wenn ich glaubte, wieder mal einen mit nach

Hause nehmen zu müssen. „Kind, du bringst uns in

Teufels Küche!“ Welche Strafen zu erwarten waren,

das wusste auch ich. Ich erinnerte meine Mutter

dann immer daran, dass es mein Bruder sein könnte,

von dem wir seit langer Zeit nur einen Funkspruch

aus Le Havre bekommen hatten. Die Offensive am

Atlantik hatte viele Opfer gefordert. Dann wurde

meine Mutter ganz still und sie hatte einen Platz,

wo sich diese Menschen ausschlafen konnten und

etwas Warmes zu essen bekamen.

Elisabeth Hanz

10 2/2003


durch

blick

Kolumne

Richtige Hautpflege bei Diabetes

Sabine Vollwerth

Erhöhter

Blutzuckerspiegel

bei Diabetikern

bringt es

mit sich, dass

kleine Gefäße

vor allem im

Bereich der Augen

und der

Füße Schaden

nehmen. Der

Zucker kristallisiert

in ihnen

aus, die Gefäße

verengen sich

und die Durchblutung

wird

blockiert.

Im schlimmsten Fall droht das Erblinden. Im

Bereich der Beine und Füße können kleine Verletzungen

nur sehr schwer verheilen.

Offene Stellen mit massiven Entzündungen, Eiter

und Rötungen bleiben über lange Zeit ein Problem.

Viele Diabetiker/innen müssen Amputationen hinnehmen,

ohne dass meist die Naturheilkunde überhaupt

zum Einsatz kam. Sicher ist das A und O ein

gut eingestellter Blutzucker und eine Vollwertkost,

die fettarm und reich an Gemüse ist.

Da Diabetiker/innen eine große Menge an Zink

täglich über den Urin verlieren und auch Insulin

nur mit Zink zusammen wirken kann, ist die Nahrungsergänzung

mit einem Zinkpräparat dringend

erforderlich. Sind bereits offene Stellen an den Beinen

oder Füßen vorhanden, lohnt sich die Verwendung

verschiedener Pflanzen zur Wundbehandlung.

Regelmäßige Bäder mit Zinnkraut (Schachtelhalm)

und Brennesselkraut reinigen und entgiften. Im

Anschluss an das Bad empfiehlt sich eine Wundauflage

mit Spitzwegerichsalbe. Darüber kommt

zur Befestigung eine Kompresse mit einer Mullbinde.

Neben Spitzwegerich hat sich für das

gesunde Hautgewebe und die Wundränder auch

Rosmarinsalbe bewährt. Diese fördert die Durchblutung

und beugt Entzündungen vor. Die tägliche

Anwendung liefert auch das notwendige Fett für

die oft sehr trockene Haut. Rosmarin belebt und

steigert den Blutdruck, so dass Menschen mit erhöhtem

Blutdruck die Salbe nicht großflächig anwenden

sollten.

Sehr häufig werden Verletzungen an den Füßen

oder Beinen nur schwer von den Betroffenen wahrgenommen,

da viele Diabetiker/innen unter einer

Polyneuropathie leiden. Hierunter versteht man, dass

Nerven geschädigt sind, so dass das Empfinden in

den Beinen beeinträchtigt ist. Dieser Vorgang beginnt

schleichend und die ersten Symptome treten erst bei

fortgeschrittener Schädigung der Nerven auf.

Die Betroffenen haben das Gefühl, auf Watte zu

laufen.

Hierdurch entsteht eine Gangunsicherheit, die

leicht zu Stürzen führt.

Ameisenlaufen und Taubheitsgefühle an den

Unterschenkeln verhindern, dass Wunden und

Verletzungen frühzeitig bemerkt werden.

Es sei denn, man weiß, worauf zu achten ist.

Ihre

Sabine Vollwerth

(Apothekerin)

Zink ist ein wichtiges Spurenelement, wenn es um

die Wundheilung geht.

2/2003 11


durch

blick

Historisches

Gefangenengeschichten aus früheren Jahrhunderten –

Vom Verbrecher zum Christuszeugen

Ein überwältigend hohes Aufgebot an bewaffneter

Polizei rollt seit über 16 Monaten an Verhandlungstagen

mit Blaulicht zum Rotlichtprozess und garantiert

beim Transport der Gefangenen zum Gericht für

öffentliche Sicherheit.

Ein historischer Rückblick auf die Stärke der

Polizei im Siegener Kreisgebiet zu Zeiten von

Preußens Gloria zeigt da beim Stöbern in Archiven

im Vergleich zur Gegenwart eine bemerkenswerte

Wandlung auf: Die Exekutive wurde im Kreisgebiet

um 1850 von 15 Polizeidienern und sechs Gendarmen

bewältigt. Für die Stadt waren drei der

Im Vergleich zu früheren Rechtsverordnungen im

Fürstentum Siegen waren die Regelungen allerdings

noch human. In einem Erlass von 1765 hieß es noch:

„Wegen Ehebruchs mit einer Ehefrau soll die Mannsperson

mit dem Schwerte oder Wasser hingerichtet

werden.“ (Siehe Abbildung). Frauen wurden laut

Gesetz in solchen Fällen „gefänglich bestraft“.

Beispiele mit Daten und Fakten sind allerdings nicht

aufzuspüren.

Mit der Bewachung von Gefangenen, die mit der

Eisenbahn nach Hamm, Arnsberg, Herborn und

Münster in Gefängnisse oder Zuchthäuser gebracht

Polizeidiener zuständig, außerdem ein Gendarm zu

Fuß und einer zu Ross.

Dabei hätten Hundertschaften mit der Festnahme

von Gesetzesbrechern alle Hände voll zu tun gehabt,

wenn sie den preußischen Verordnungen gründlich

gefolgt wären. Es gab da Arreststrafen für Beamtenbeleidigung,

Traubendiebstahl, Möhrenausrupfen

oder „Vernachlässigung der Reinigung eines öffentlichen

Ofenrohrs“. Sechs Monate hinter Gitter

„wegen qualifizierter Misshandlung eines Kaufmanns

durch Maulschellen“ wurden 1825 einem

städtischen Nachtwächter aufgebrummt.

werden mussten, war der Polizeieinsatz hoffnungslos

überfordert. Der Transport verschaffte den „Kriminalverbrechern“

eine Fülle von Chancen zur

Flucht in die Freiheit: Für einen Fall, der Gefangenengeschichte

machte, sorgte 1855 der landesweit

bekannt gewordene Lithograph August Michel aus

Siegen, dem spätere Biographien ein Denkmal gesetzt

haben; (siehe Siegerländer Persönlichkeitenund

Geschlechter-Lexikon).

Als dieser Michel, wegen Falschmünzerei zu 15

Jahren Haft verurteilt, auf dem Siegener Bahnhof

an seinen Bewacher gefesselt seinen Abtransport

12 2/2003


durch

blick

Historisches

erwarten musste, befreite er sich durch einen

„eisensprengenden Griff in die Fesseln“.

Überliefert wird in einem Lebensbild des Autors

Adolf Kühn: „Der bärenstarke Michel packte sich

nun einen neben ihm stehenden Fuhrmann, und

warf ihn auf den Gendarmen.“

Auf ähnliche Weise hatte er sich schon einmal

vom festen Griff eines Polizisten befreit, den er mit

einem Bürgermeister zusammenstoßen ließ. Seine

Freiheit war – nach der Flucht aus dem Bahnhof –

von kurzer Dauer. Ganz Siegen war auf den Beinen,

um den wilden Michel wieder einzufangen, was

schließlich auch gelang. Inhaftiert zersägte er bald

danach die Gitter seines Zellenfensters mit einer im

dichten Haar versteckten Feile, durchschwamm

einen winterlich kalten Fluss und streifte viele

Wochen durch die Wälder. Im Siegerland warnten

die Mütter laut Überlieferung in den Kinderstuben:

„Wenn ihr nicht brav seid, kommt der

Michel.“

Fern der Heimat schließlich festgenommen,

konnte der prominenteste Siegener Kriminelle

noch einmal entwischen. Er entsprang dem fahrenden

Zug, nachdem er seinen Bewacher durch Hinweis

auf ein hübsches Mädchen abgelenkt hatte,

wurde aber bald endgültig gefasst.

In seiner Zelle wurde der wilde Michel durch

Gespräche mit einem mutigen Pfarrer und durch die

Freundschaft mit dem als „kleiner Menschenfreund“

bekannt gewordenen Reichsgrafen Prinz

von Salm Horstmar zum gläubigen Christen gewandelt.

Nach zehn Jahren Haft vom König begnadigt,

lebte er noch weitere Jahrzehnte als Wiegemeister

auf der Rolandhütte in Weidenau. Er wurde eine

führende Persönlichkeit der Siegener Erweckungsbewegung.

Alle liebten „Ohm Michel“. Eine große

Schar trauriger Siegener folgte im April 1900

seinem Sarg.

Trotz des glücklichen Endes dieser Geschichte

klingt ein Polizeibericht von 1855 nicht sehr glaubwürdig,

in dem es heißt: „Die Sicherheit der Person

im Kreis Siegen ist so groß, wie wohl nirgendwo im

Preußenstaat.“

Maria Anspach

Die Geschichte Israels

Von unserem Mitarbeiter Uri Shaham

Die Veröffentlichung unseres Mitarbeiters Uri

Shaham aus Israel liegt uns jetzt komplett vor. Sie ist

so umfangreich geworden, dass wir unsere Leserinnen

und Leser, bei dem jetzigen Umfang der Veröffentlichung,

noch Lesestoff für einige Jahre bieten

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Interessierten den gesamten Text zum Selbstkostenpreis

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Redaktion durchblick

Leserservice

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Agil wie keine Generation zuvor

„50plus geht online“ erleichtert

Senioren den Einstieg ins Netz

Senioren von heute sind agil, mobil und vielseitig

interessiert. Unter den Internet-Neulingen stellen sie

die am stärksten wachsende Gruppe dar. Jeder sechste

Nutzer ist bereits über 50 Jahre und zählt zu den so

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Neulinge mit dem Titel „Mehrwert Internet, 10

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Sprache die Grundlagen und Begriffe des World

Wide Web und zeigt dessen Nutzen und Chancen für

jedermann auf. „Die 50plus-Generation ist neugierig,

hat Zeit und nutzt die Vorteile der neuen Technologien.

Internet macht ihr Leben bequemer und interessanter“,

so Erhard Hackler, geschäftsführender

Vorstand der Deutschen Seniorenliga.

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Seniorenliga e.V., Gotenstraße 164, in 53175 Bonn oder

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2/2003 13


Das ganze Leben ist ein Theater

Sagt man! Und ich kann mich dieser Feststellung

nicht entziehen. Aber mir fehlt das Rüstzeug.

Die große Weltenbühne – Völker und ihre Reiche

tauchen auf und gehen unter – Regierungsformen

überleben sich selbst – Menschen bauen auf und die

Zerstörung durch Menschenhand folgt auf dem Fuße.

Der Mensch korrigiert die Natur und entkorrigiert, da

sich seine Utopien als totale Fehlplanung erweisen.

Jeder spielt seinen Part, widmet sich einer Art Beschäftigungstherapie,

ohne dass der Weltenlauf groß

Notiz davon nähme.

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Artikel

schreibe. Den Ausschlag gab ein Gespräch mit einer

Bekannten. Wir stellten fest, dass wir uns im Älterwerden

immer

mehr danach sehnen,

noch wahrgenommen

und

beachtet zu werden,

noch eine

Rolle zu spielen,

Anerkennung und

Zuwendung zu

erheischen, wenn

auch immer nur

für kurze Zeit.

Ich trat von der

beruflichen Bühne

ab und suchte eine

neue Plattform,

um mich darstellen

zu können.

Meine Leidenschaft galt schon immer dem Film

und dem Theater. Es ging mir, natürlich, um Inhalte,

aber ich habe auch die Diven beneidet und tue es noch

um das Leben, welches sie führten. Die Glitzerwelt,

in der die Sterne und Sternchen aufblitzen und verlöschen,

hat etwas Verführerisches für mich. Diese

Welt des Scheins, die uns für Stunden eine Kostprobe

davon geben kann, was Kunst ist oder nicht ist. Ich

wagte nicht einmal davon zu träumen, diese Bretter

zu betreten.

Ich wählte den Beruf der Krankenschwester.

Ein größerer Kontrast zwischen zwei Welten ist

kaum vorstellbar. Meine Sehnsucht nach allem

Schönen wuchs ins Unermessliche. Heute erhielt

durch

blick

Kultur

ich eine Karte mit dem tröstlichen Spruch: Wenn

du dir die Fähigkeit erhältst, Schönes zu erkennen,

wirst du nie alt. In unserem Theaterstück „Grauburgunder“

spricht unsere Sängerin den rührenden

Satz: Im Alter nimmt der Wunsch nach Schönheit

zu. Wohl, weil der Glanz des Äußeren so allmählich

verblasst. Die Ausstrahlung muss jetzt von

innen kommen.

Es ergab sich, dass in Siegen die Einrichtung eines

Senioren-Theaters diskutiert wurde. Regte sich

da ein uraltes Verlangen in mir? War es, endlich, eine

Möglichkeit, aus mir herauszutreten? Aber, wie

war das doch mit dem Alter? Wollte ich mich noch in

der Öffentlichkeit präsentieren? Hatte ich, in Gedanken,

nicht schon oft dafür plädiert, man möge in Europa

für ältere Frauen die Pflicht einführen, Schleier

zu tragen? Mir kam eine zündende Idee: Es könnte

Therapie für mich sein. Ich werde immer bedürftiger,

und mein

Selbstbewusstsein

schwindet

dahin. Warum

mir nicht wieder

ein Stück

Freiheit erkämpfen?

Warum

nicht endlich

lernen, mit

dem Leben etwas

spielerischer

umzugehen?

Ich betrat

die Bühne des

Senioren-Theaters

in Siegen.

Seniorentheater „SenTheSie“ – Aufführung während des Altstadtfestes

Meine Vorstellungen

waren hemmungslos. Klassische Rollen

schwebten mir vor. Drama, Tragödie. Ich sah es ein,

dass die Ernüchterung folgen musste.

Mit mir bestiegen 17 Frauen und ein Mann den

Ring. Der männliche Ritter ergriff schon recht bald

die Flucht. Ihm folgte ein wahrer Held, die Säule unseres

Unterfangens. Die Gruppe dünnte aus, aber der

harte Kern blieb.

Beziehungsgeschädigt, bin ich nie in den Hafen

der Ehe eingelaufen. Es gab, also, abgesehen von der

zeitweiligen Rolle einer Geliebten oder Partnerin, nie

eine der unzähligen Rollen, in die andere schlüpfen.

Ich spielte immer nur mich selbst. Ich muss mich je-

14 2/2003


durch

blick

Kultur

den Tag neu erfinden und bin einfach manchmal leer,

wenn ich nicht immer wieder neue Anregungen bekomme.

Warum kapitulieren die Männer? Ich bekomme,

auf Anfrage, dürftige Ausreden: Ich möchte keine

Rolle spielen oder Männer haben Angst, Gefühle zu

zeigen und Panik vor dem Versagen. Sollte die Frau

doch das stärkere Geschlecht sein?

Die wöchentlichen Theaterproben verkamen

zum besseren Debattierclub. Wir übten ein paar

Sketche, die Spass machten. Dann wieder Leerlauf.

Es wurde erst richtig spannend, und eine wahre Katharsis

vollzog sich bei jedem Einzelnen als der Entschluss

reifte, ein eigenes Stück zu erarbeiten, in

dem jeder die von ihm gewünschte Rolle spielen

durfte. Wir konnten schöpferisch tätig sein. Ein Leben

lang bin ich Menschen hinterhergelaufen, die

kreativ sind. Alle erschienen vollzählig zu den Proben,

die Arbeit schweißte uns zusammen, und es

entstand ein Ensemble, welches diesen Namen auch

verdient. Wir wurden einander sehr wichtig. Die

Vorstellung, im Lÿz aufzutreten, elektrisierte uns.

Panik brach aus, da die Zeit bis zum ersten Auftritt

nur so dahinschmolz. Fieberhaft wurden Kostüme

zusammengestellt, z. T. auch genäht. Wir waren detailversessen,

was das Bühnenbild betraf. Nur, was

passierte mit dem Inhalt? Die Texte saßen nicht, immer

wieder wurden Änderungen vorgenommen. Es

gab Konflikte, gelöste und ungelöste. Zuerst beharrte

ich auf meiner Interpretation meines Textes,

öffnete mich, jedoch mit der Zeit und bekam ein Gefühl

dafür, wie ich mit dem Text spielen kann, er ist

nicht starr und kompromisslos. Ich kann ihn benutzen

wie ein Instrument. Ich war begeistert und bin

unserer Theater-Pädagogin dankbar dafür, dass sie

mich dorthin geführt hat. Ich wurde mir der Sprache

wieder bewusst. Es ist auch im Alltag spannend,

deutlich und mit Betonung zu sprechen. Das gesprochene

Wort wird dadurch viel lebendiger und

auch gewichtiger, sowohl für mich selbst als auch

für meinen Gesprächspartner. Es hat mich immer

schon gestört, wenn Menschen die Zähne nicht voneinander

bekommen.

Wir waren erfolgreich mit unserem Stück und

sind sehr stolz. Nachhaltig beeindruckt hat mich ein

Moment, in dem mich meine Partnerin auf der Bühne

entsetzt ansah, sie wusste im Text nicht weiter.

Die Augen weiteten sich vor Schreck, das Gesicht

war blutleer, sie fing an zu zittern. Diese Erfahrung

ist sehr wichtig, damit man lernt, damit umzugehen.

Im Herbst gehen wir auf Tournee, und ich wünsche

mir, dass ich das freie Agieren auf der Bühne

auch in den Alltag zu transponieren vermag.

Liebäugeln nicht auch Sie mit einem Aufbruch ins

Reich der gespielten Träume oder des geträumten

Spielens?

Erika Krumm

Szenenbild aus „Grauburgunder“

2/2003 15


durch

blick

Siegerland

Im Perter-Paul-Rubens-Monat:

Rubens im Spiegel der Presse

Der Geburtstag von Peter Paul Rubens jährt sich

am 28. Juni zum 426. Mal. Zum fünften Mal geht es

vom 27. bis zum 29. Juni rund in Siegens Oberstadt.

Über 40 Musik-, Tanz- und Theatergruppen aus der

Region machen zwischen Oberem Schloss und Marktplatz

mit ihrem Angebot auf sich aufmerksam. Ritter,

Räuber, Gaukler, Bogenschützen und „alte Handwerksleut“

holen das Mittelalter vorübergehend in

die Gegenwart. Im Innenhof des Oberen Schlosses

wird Shakespeares Sommernachtstraum mit eingeblendeten

Siegener Highlights erneut aufgeführt.

Natürlich wieder dabei ist Rubens höchstpersönlich

im vollen Ornat, nicht geklont, sondern

gedoubelt. Ein Pfarrer aus Siegen übernahm schon

auf den vergangenen Festen die Rolle des Großen

Sohns, der seiner Geburtsstadt allerdings nie einen

Hauch von Interesse oder Zuneigung gezeigt hat.

Das muss wohl akzeptiert werden im Hinblick auf

die Umstände, die mit seiner Geburt und frühen

Kindheit zusammenhängen. Nun hat die Stadt

gründlich nachgeholt, was in der Historie versäumt

worden war. Unsere Vorfahren haben noch bis ins

19. Jahrhundert hinein schamvoll verschwiegen,

dass der kleine Peter Paul in Siegen geboren wurde,

weil sein Vater - wegen Ehebruchs mit Prinzessin

Anna von Sachsen - mit seiner Familie in die

fürstliche Residenzstadt verbannt worden war.

Ein erstes großes Jubelfest liegt bereits 26 Jahre

zurück. Damals, im Juni 1977, war die von Hermann

Kuhmichel geschaffene Büste des Malerfürsten

aus dem Rubenssaal, und auch sein dort

ausgestelltes Selbstportrait, bundesweit neben Presseveröffentlichungen

zu finden, Wer bis dahin noch

nicht wusste, wo die Wiege von PPR gestanden hat,

der wurde aufgeklärt. Dabei wurde die für Siegen

folgenreiche Vorgeschichte keineswegs totgeschwiegen.

So schrieben damals die Stuttgarter Nachrichten:

„Vor 400 Jahren in Siegen geächtet, heute hoch

geehrt.“ Das Hamburger Abendblatt titelte: „Mit

einem großen Skandal fing es an. So wurde Siegen

zur Rubensstadt.“ Und dann wurde im Abendblatt

vom Leder gezogen: „Von dem Knaben, der vor 400

Jahren am 28. Juni 1577 in Siegen geboren wurde und

sie als Kleinkind verließ, wollten die Bürger nichts

wissen. Peter Paul Rubens, der später weltberühmte

Maler, durfte nicht einmal in der Kirche getauft werden.

Sein Vater war für alle, die Bescheid wussten,

ein geächteter Schwerverbrecher. Er hatte mit der

Gattin Wilhelm des Schweigers Ehebruch begangen,

ein mit dem Tode bedrohtes Verbrechen. Die Siegener

mieden die Familie Rubens wie die Pest.“ Versöhnlicher

äußerte sich die Frankfurter Abendpost:

„Wenn ein Seitensprung heute noch als Verbrechen

geahndet würde, die Sünder müssten in den Gefängnissen

gestapelt werden. Ein Sonderfall.“ Der

Rheinische Merkur vermerkte, nicht ganz korrekt informiert:

„In der gleichen nassauischen Stadt Siegen,

von wo Wilhelm der Schweiger zur Befreiung der

Nordprovinzen der Niederlande auszog, hat auch das

Barockgenie seine Bahn begonnen.“

Die „Welt“ sah die Geburt von Rubens so, wie

wohl heute auch die meisten Bürger unserer Stadt:

„Dass der flämische Malerfürst vor 400 Jahren in

Siegen geboren wurde, war vielleicht ein Zufall,

bestimmt aber für die Stadt ein Glücksfall. Die

Rubenssammlung im Städtischen Museum kann sich

sehen lassen.“ Die „Zeit“ zitiert aus einem Brief, den

Peter Paul Rubens im Jahr 1637 an einen Freund

geschrieben hat: „Ich habe eine große Liebe für die

Stadt Köln, wo ich bis zum zehnten Lebensjahr

erzogen wurde, und seit Jahren fühle ich oft den

Wunsch, sie wieder zu sehen.“ Fazit der „Zeit“: „Von

Siegen ist nie die Rede. Der Maler hat die Geschichte

seiner Geburt erfolgreich verdrängt, wenn er sie denn

gekannt hat.“ Die „Berliner Zeitung“ stellte bedeutungsvoll

fest: „das Elternhaus in Siegen/Westfalen

schuf bereits die Grundlage seiner späteren enormen

Bildung.“ Und Fritz Busch, einer der vier genialen

Brüder, die wie Rubens in Siegen geboren wurden,

hier aber auch ihre Kindheit verlebten, schrieb in

seinem Buch „Erinnerungen eines Musikers“: „Wir

spielten oft vor dem Rathaus, in dem Peter Paul

Rubens geboren wurde.“

Es ist anzunehmen, dass die publizierten kleinen

Irrtümer durch die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt

Siegen inzwischen aufgeklärt sind. Die deutschen

und ausländischen Zeitungen, die dem Flamen zum

400. Geburtstag ihre Reverenz erwiesen, kamen am

Geburtsort Siegen nicht vorbei und stürzten sich auf

die einst skandalumwitterte Vorgeschichte. Als Werbefaktor

genutzt dürfte das Barockgenie die Stadt

vermutlich bekannter gemacht haben, als alle

Schmelzöfen und eisernen Relikte der Vergangenheit

zuvor.

Wenn Rubens heute herabsteigen könnte aus den

Gefilden der Unsterblichen, dann wäre er sicherlich

zufrieden mit seiner gewandelten Stadt, die so stolz

auf ihn ist.

Maria Anspach

16 1/2003


Der Siegener Marktplatz, mit einigen Unterbrechungen

immer noch um Rathaus und Krönchenkirche

etabliert, ist das volkstümliche, merkantile

Kommunikationszentrum der Stadt geblieben, auf

dem durch 12 Jahrhunderte die Geschichte der Bürger,

der Händler und Käufer „zu Markte getragen“

wurde:

Die Konditionen für Marktbesucher und Standinhaber

haben sich durch die Jahrhunderte geändert. In

der Gegenwart orientieren sich die Kaufleute an der

Marktordnung, die von der Arnsberger Regierung

festgelegt wurde.

durch

blick

Siegerland

Siegener Bürgergeschichte

– über 12 Jahrhunderte „zu Markte getragen“

In der Nassauischen Zeit war die Marktordnung

der Zünfte geprägt von Gründlichkeit und unerbittlicher

Strenge. Heute ist man nur noch gründlich. Hatte

im 17. Jahrhundert ein Bäcker einen „Missback“

gebacken, so musste er das Brot für drei Weißpfennige

den Armen verkaufen. Wer außerhalb der Marktgrenzen

verkaufte, den bestrafte die Polizei mit

Knüppelschlägen. Furcht Erregendes steht im vergilbten

„Gesetzbuch für Nassauische Lande“ von

1760: „Wenn nicht wegen der Verletzung des Marktfriedens

ohnehin auf die Hinrichtung oder eine andere

derselben gleichkommende Strafe erkannt wird,

muß der Schuldige jedenfalls mit Zuchthaus bestraft

werden.“

Im Mittelalter wurde die Ware der Händler vor

den Fenstern ausgebreitet oder auf Karren durch die

Gassen gerollt. Hausschlachtungen waren angesagt.

Was heute an Fleisch, Fisch, Geflügel abgewogen in

Kühlschränke und Gefriertruhen wandert, wurde oft

als Lebendgewicht ins bürgerlich-bäuerliche Anwesen

getrieben, bevor es in der Speisekammer oder im

Rauchfang landete.

Eine geschichtliche Betrachtung von Dr. Hans

Kruse beschreibt den Markt in jener Zeit: „In der Krämergasse,

wo die Höker und Kaufleute saßen, unter

dem Rathaus, wo die Bänke der Metzger und Bäcker

standen, am Kornmarkt, wo der Kornhandel vor sich

ging und am Saumarkt, wo die Schweine zusammengetrieben

wurden, herrschte lebhaftes Getriebe.“

Die Chronik des Siegener Marktes haben Generationen

von Marktmeistern und Stadtschreibern auf

vergilbtem Papier niedergelegt.

Moderner Marktstand heute

So berichtet eine Stadtrechnung aus dem Jahr

1609, wie die Hoheiten vom Schloss an der bürgerlichen

Alltäglichkeit teilnahmen: „Folgender Tags auf

Martini war Ihre hochfürstliche Durchlaucht, die

Gemahlin des Grafen Hyazinth allhier uffm Rathaus,

um das Markt zu besehen und hat Confect gekauft,

pro ein Gulden, 21 Albus.“

Der Markt in Siegen, fast so alt wie die Stadt

selbst, hat trotz vielfältiger Wandlungen seinen Charakter

als Mittelpunkt geschäftigen Gemeinwesens

behalten. Der Philosoph Diogenes hat den Marktplatz

von Athen mit der Laterne abgeleuchtet, um den

Geist seiner Stadt aufzuspüren. Es wird behauptet,

dass er ihn gefunden hat; in Siegen hätte er ihn wahrscheinlich

auch aufgestöbert.

Besuchen Sie das

Senec@fé

Maria Anspach

das Internetcafé für Senioren

im Haus Herbstzeitlos in Siegen,

Kaan-Marienborner Straße 151.

Öffnungszeiten:

Montag: 14.00–18.00 Uhr

Mittwoch: 9.00–12.00 Uhr

sowie nach vorheriger Terminabsprache

2/2003 17


durch

blick

Philosophisches

Freundschaft verbindet

· ·

·

Der Besuch zweier alter Freundinnen gab mir die

Anregung zu einer kleinen Betrachtung. Nachdem

die beiden Lieben sich verabschiedet hatten, nahm

ich mir ein kürzlich geschenktes Büchlein in die

Hand.

Freundschaft verbindet

Nachdenklich schlug ich die erste Seite von Joan

Chittister mit diesem Titel auf. Man braucht viele

Freunde, um ein Buch über Freundschaft zu schreiben,

so las ich es auf der ersten Seite.

Eine kleine persönliche Betrachtung

Mit dem Wort Freund bin ich bis vor einem Jahr

leichthin umgegangen. Außergewöhnliche Schicksalsschläge

oder Krankheiten lehren umzudenken.

In diesen Zeiten werden Freunde besonders wichtig.

Wir bekommen eine bessere Antenne für die

wahren oder so genannten Freundschaften. Wie

singt Milva: „Du hast so viele Freunde, Menschenkenntnis

hast du nicht.“ In Notzeiten stellen wir erstaunt

fest, da sind Freunde, wo wir sie nicht erwartet

hätten und umgekehrt, von denen wir es bis

jetzt annahmen und wir enttäuscht feststellen, die

sind es ja nicht. Leichthin wird der Begriff Freund

angewandt in einer Vielzahl von Bedeutungen. Er

steht für Bekannte, gute Kontakte, Reisebekanntschaften,

Zweck- oder Interessengemeinschaften.

Wenn George Eliot Recht hat, ist Freundschaft

mehr als ein Element gesellschaftlichen Lebens.

Dann ist sie eine spirituelle Kraft, die die Seele

berührt. Dieser Ausspruch verdeutlicht, dass bei

den tiefsten Freundschaften eine Seelenverwandtschaft

besteht. Solche Freundschaften sind ein Geschenk

des Himmels. Mögen sich Gegensätze anziehen,

sie sind kein gutes Fundament für eine Verbindung.

Wie lernen wir unsere wahren Freunde erkennen?

Sie helfen, heilen, dienen und sorgen. Unaufgefordert

sind sie da und machen unsere Probleme

zu den ihrigen. Sie hören dir zu und geben dir einen

Rat. Sie stellen nicht dauernd alles in Frage. Es

sind die Menschen, auf deren Hilfe man zählen und

sich verlassen kann. Sie sind immer zu dem richtigen

Zeitpunkt da und machen uns damit oft zu einem

besseren Menschen, helfen unsere Welt erträglicher

zu machen.

Wie finde ich so einen Freund? Den findet man

nicht, dem begegnet man.

„Unser Leben ist das Schicksal unserer Begegnungen“

(volkstümliches Sprichwort).

Die sonntägliche Veranstaltung des Seniorenbeirates

„Tanztee“ findet jetzt im „Si-Haus“ in Siegen-Geisweid

statt.

Gehe ich 66 Jahre zurück, da sah ich meine erste

Freundin. Das zweite Schuljahr begann. Etwas scheu

stand inmitten unserer Klasse (72 Jungen und

Mädchen) Ricarda. Sie war die Neue und schön wie

aus dem Bilderbuch. Spontan dachte ich, die möchtest

du zur Freundin haben. Sie ist es bis auf den heutigen

Tag geblieben. Etwas später wurde Lilli die

Dritte im Bunde. Wie sagt eine afrikanische Spruchweisheit:

„Wir pflanzten ein kleines Bäumchen der

Freundschaft, heute ist es zu einem großen Baum gewachsen.“

Vertieft hat sich unsere Beziehung durch

lebenslange gemeinsame Erlebnisse, Anliegen und

ähnliche Aufgaben.

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2/2003 19


durch

blick

Marias Krimi

Das Eigentor

„Bitte reichen Sie mir meinen Nerz!“

Seit Adalbert Krückmeier eine Stelle als Aushilfskellner

im Café auf der Düsseldorfer Königsallee

bekommen hatte, konnte er sich auch selber wieder

aushelfen, besser als je zuvor. Hier, wo die

elegante Gesellschaft dicht an dicht um kleine Tische

saß und die Garderobenständer überladen an den

Wänden standen, hatte er für seine bemerkenswerte

Fingerfertigkeit ein breites Betätigungsfeld.

Mancher stattliche Schein, ein silbernes Zigarettenetui,

parfümierte Seidenschals und sogar ein Ehering

waren so ganz unbemerkt in seinen Besitz

geraten. Aber auf die Dauer wollte der Taschendieb-

Profi nicht nur mit Brosamen zufrieden sein. Es

gelüstete ihn nach größeren Brocken.

Ganz durch Zufall kam Adalbert auf den Trick mit

der Perlenkette. Das Serviermädchen Lola trug um

ihren weißen Hals eine billige Kette, die er ihr im

Kaufhaus per Selbstbedienung besorgt hatte. Sie war

fast gar nicht von den schimmernden Colliers zu unterscheiden,

die Adalbert an seinen vornehmen weiblichen

Gästen bewundern konnte. Im Warenhaus besorgte

er sich auf die ihm vertraute Weise mehrere der

Schmuckstücke in verschiedenen Längen. Sein Trick

war ziemlich simpel: Während man einer Dame in

den Mantel hilft und mit ihr plaudert, löst sich „ganz

zufällig“ der Kettenverschluss. Beim Bemühen, das

herabgleitende Prachtstück wieder zu befestigen,

wird ein kleiner Tausch vorgenommen.

Beim ersten Versuch ging alles schief. Die rundliche

Dame, der Adalbert in den Ozelot half, während

er mit einer Hand an dem Kettenschloss nestelte,

hauchte errötend: „Nicht doch, mein Mann beobachtet

uns.“ Bei einem weiteren Versuch ging der Verschluss

nicht auf. Beim dritten Ansatz handelte es

sich bei näherer Betrachtung um preiswerten Modeschmuck.

Aber dann sah Adalbert sie: die Traumfrau,

die ganz große Dame und die ganz große Chance. Ihr

tizianrotes Haar fiel weich über die weißen Schultern,

und ihre umwerfende Figur steckte wie in einem Futteral

im schwarzen Samtgewand. Im wirkungsvollen

Kontrast dazu trug sie eine Perlenkette, die sich erfreulich

weit abwärts verfolgen ließ.

Adalbert wunderte sich, dass ein so bezauberndes

Wesen ohne Begleitung erschien. Die Schöne trank

einen Tee, aß ein Erdbeertörtchen, rauchte eine

Zigarette und winkte: „Bitte zahlen.“ Adalbert erhielt

ein nobles Trinkgeld. Dann forderte die Lady ihn direkt

zu seinem Vorhaben auf: „Bitte reichen Sie mir

meinen Nerz“, sagte sie mit melodischem Timbre und

zeigte auf das kostbare, silbergrau schimmernde

Pelzjuwel, das unmittelbar hinter seinem Stuhl auf

dem Bügel am Garderobenhaken auf sich aufmerksam

machte. Jetzt war Adalbert überzeugt, nach

seiner Pechserie einen Volltreffer landen zu können.

Er ahnte nicht, dass er gezielt ein Eigentor schießen

sollte.

Der Trick gelang diesmal hervorragend. Der

Tausch klappte ohne Panne. Das kostbare Stück ruhte

in Adalberts Hand und rutschte in die Hosentasche.

Die Traumfrau sah ihn aus meergrünen Augen an.

„Bringen Sie mich jetzt bitte schnell zum Wagen“,

flüsterte sie. Adalbert folgte ihr begeistert und half ihr

in den schnittigen Sportwagen. Bevor sie auf den

Gashebel drückte, rief sie ihm mit keineswegs mehr

melodischer Stimme zu: „Du Anfänger. Die Kette ist

zwar echt, aber zweite Wahl. Der Trick ist billig. Der

Nerz ist allerdings teuer, sehr sehr teuer.“ Sie brauste

los. Verwirrt und fassungslos blieb Adalbert zurück.

Hinter ihm schrie eine überschnappende Stimme.

„Diebe, mein Nerz! Der Kerl hat meinen Nerz gestohlen

und im Wagen abtransportieren lassen.“ Die

Polizei erkannte Adalbert als „Ganoven-Bertie“ auf

Anhieb. Dass für den Nerzdiebstahl eine ihm weit

überlegene Kollegin verantwortlich war, nützte ihm

nichts. Ein Griff in seine Tasche förderte die Perlenketten

ans Licht, die er „bei der Arbeit“ immer bei

sich trug, und eine davon war echt.

Maria Anspach

20 2/2003


durch

blick

Frauen

Dina Herters Vermächtnis:

„Es muss

mehr getan werden

für ältere

Menschen.“

Es kommt vor,

dass ein einziger

guter Gedanke,

eine sinnvolle

Idee, über Jahrzehnte

hinaus segensreiche

Folgen

zeigt. Vor

35 Jahren erfüllte

sich die Siegenerin

Dina Herter

den Wunsch, ihr

Vermögen von

220 000 Mark

testamentarisch dem städtischen Siegener Altenheim

Theodor-Kessler-Heim zu vermachen. „Die Bewohnerinnen

und Bewohner sollen ab und zu ein Viertelchen

auf mein Wohl trinken“, hatte sie dem Testamentsvollstrecker

1968 – ein Jahr vor ihrem Tod –

gesagt und damit gleich angedeutet, welche Bedingungen

mit ihrem Vermächtnis verbunden sind.

Seitdem erfüllt der Vorstand der Stiftung, deren

Vorsitzender der jeweilige Leiter des städtischen

Sozialamtes ist, ganz im Sinn der Stifterin die Auflage,

das Leben der Heimbewohner mit kleinen Freuden

zu bereichern, die Abwechslung in ihren Alltag

bringen. Dina Herters Devise lautete: „Es muss mehr

getan werden für ältere Menschen, auch fürs Herz.“

Das gilt noch immer als Herausforderung. Seit dem

Umzug in das „Seniorenzentrum Kursana – Theodor-

Kessler-Haus“ am Witschert hat sich daran nichts

geändert.

Das erste Geschenk der Dina-Herter-Stiftung

nahmen die Heimbewohner Weihnachten 1971 in

Empfang: eine Flasche Wein, ein Geldgeschenk und

eine kleine Überraschung für jeden.

Das in Wertpapieren angelegte Vermögen ermöglicht

heute außer dem „Viertelchen“ und den Weihnachtsüberraschungen

ein erweitertes Spektrum der

Angebote. Am Nikolaustag, dem ganz persönlichen

Geschenktag im Seniorenzentrum, werden jeweils

besprochene Wünsche der Bewohner erfüllt. Da ist

dann Vorfreude angesagt. Die „helfenden Frauen“

unter Leitung von Frau Zingler betreuen die jeweiligen

Unternehmungen. Es gibt kleine Feste an

Geburtstagen und zu sonstigen besonderen Anlässen

und ein großes Fest mit buntem Unterhaltungsprogramm

am Geburtstag der Stifterin.

Dina Herter, Tochter des Lokomotivführers Engelhard

Maechler und seiner Frau Henriette Wurm,

wurde 1883 in Siegen geboren. 1923 heiratete sie in

Stuttgart den Generaloberarzt Dr. Gustav Herter, der

mit der reichen New Yorker Familie Herter verwandt

war. Er starb 1945. Nach seinem Tod lebte Dina Herter

in Stuttgart zunächst von geringen Mieteinnahmen.

Ihren Wertpapierbesitz konnte sie nach der

Währungsreform erheblich vergrößern. Die Bestimmung,

die Erträge testamentarisch älteren Menschen

in ihrer Geburtsstadt zukommen zu lassen, entsprach

ihren von Freunden geschilderten Charaktereigenschaften:

Großzügigkeit, Hilfsbereitschaft, Einfühlungsvermögen

und Humor.

Sie liebte ihren großen Garten, Spaziergänge, Geselligkeit

und eben ab und zu einen guten Wein. Dina

Herter starb am 15. November 1969 in Stuttgart,

wo sie ihre letzte Ruhestätte fand. In Siegen bleibt ihr

ein Denkmal, das in der Dankbarkeit und Freude der

alten Menschen lebendig ist.

Aktiv und bewegt älter

werden in Siegen

Eine handliche Informations-Kladde, in der –

übersichtlich gegliedert – die sportlichen Möglichkeiten

älterer Menschen in unserer Stadt

erfasst sind. Unterteilt in sechs Stadtbezirke, und

alphabetisch geordnet, finden die Interessierten

einfach und schnell ihr passendes sportliches Angebot.

Dazu schreibt die Seniorenbeauftragte der Stadt

Siegen, Frau Astrid E. Schneider, in ihrem Vorwort:

Sie können aus mehr als 120 Kursen wählen

und Ihr persönliches Freizeit und Fitnessprogramm

zusammenstellen. Die neue Broschüre

zeigt die Fülle der sportlichen Angebote, die Seniorinnen

und Senioren in dieser Stadt wahrnehmen

können. Diesen wichtigen Service ermöglichen

neben dem Seniorenbüro, der Sport- und Bäderabteilung

und dem Seniorenbeirat der Stadt Siegen,

zahlreiche Vereine sowie private und freie

Träger und andere Organisationen. All dies trägt

dazu bei, dass die älteren Menschen in dieser Stadt

beweglich bleiben und so ein mehr an Lebensqualität

genießen können.

Maria Anspach

2/2003 21


durch

blick

Wohnen

„Service Wohnen“

– ein Lichtblick für Senioren

Einmal im Monat arbeite ich im DRK-Altenheim

in Neunkirchen in der Beschäftigungstherapie. Mit

12–15 Bewohnern bereite ich ein Mittagessen. Die

Senioren sind begeistert mitarbeiten zu können, weil

sie an diesem Tage echte Hausmannskost bekommen.

Während meiner Arbeit fiel mir eine alte Dame besonders

positiv auf. Sie war geistig sehr rege, machte

öfter witzige Sprüche und ging mir flink zur Hand.

Eines Tages überraschte sie mich mit der Aussage

„Morgen ist mein großer Tag. Ich ziehe um in mein

neues Heim ins Zentrum Service Wohnen.“ Neugierig

wie ich war, kündigte ich ihr meinen Besuch an.

Ich wurde konfrontiert mit der Problematik ihrer Generation.

81 Jahre alt, mit 20 geheiratet, ihr Mann

war Berufssoldat. Während des Krieges wurde ihre

Wohnung von Bomben zerstört. Sie evakuierte in den

Harz und fand bei Verwandten Unterschlupf. Nach

dem Krieg kehrten sie und ihr Mann nach Hannover,

ihrer Geburtsstadt zurück. 1990 verstarb ihr Mann,

Bis dahin lebte sie mit ihm und ihren zwei Kindern

erst zur Miete, später dann in einer Eigentumswohnung

zusammen. Diese Wohnung behielt sie bis zu

ihrer schweren Erkrankung im Jahr 2002. Dann musste

sie ins DRK-Pflegeheim nach Neunkirchen ziehen.

Dort verbrachte sie ein halbes Jahr, bis eine Wohnung

im „Service Wohnen“ frei wurde. Ich

fragte sie, ob ihr der Wohnungswechsel nicht schwer

gefallen sei, schließlich hatte sie ja ihre lieb gewonnenen

Freunde und ihre gewohnte Umgebung aufgegeben,

um völlig neu zu beginnen. Ihre Antwort kam

sehr spontan: „Es war die beste Entscheidung meines

Lebens.“ Nachdem ich ihre Wohnung von 59 qm

Größe angeschaut hatte, habe ich mich mit ihr gefreut.

Sie ist nie mehr allein. Im Haus ist immer ein

Ansprechpartner, der auch bei Ängsten und Nöten zu

helfen weiß. Mit einem Aufzug lassen sich die Etagen

mühelos überwinden. In jedem Zimmer ist eine

Notglocke angebracht, die mit dem Seniorenzentrum

verbunden ist. In der eigenen Küche können Mahlzeiten

zubereitet werden oder nach Lust und Laune

im Seniorenzentrum im Speisesaal eingenommen

werden. Auch sonst kann man jeglichen angebotenen

Service in Anspruch nehmen. Dazu gehören: Raumund

Wäschepflege, ein Fahrdienst nach Voranmeldung.

Nicht zu vergessen die vielen Veranstaltungen,

die man besuchen kann, wenn man gesellig beieinander

sein möchte. Man hat jederzeit die Möglichkeit,

sich in seine eigenen vier Wände zurückzuziehen,

um seinen privaten Bedürfnissen nachzugehen.

Unabhängigkeit und Selbstständigkeit können so

„Service Wohnen“

– Die beste Entscheidung meines Lebens

lange wie möglich aufrechterhalten bleiben. Bei

kurzzeitiger Erkrankung steht der ambulante Krankendienst

zur Verfügung. Das Essen kann auf

Wunsch in die Wohnung gebracht werden. Es wird

Hilfe geleistet bei Behördengängen wie auch beim

Ausfüllen von Antragsformularen.

Alle diese Leistungen sind für jeden erschwinglich.

Die Höhe der Rente ist kein Hinderungsgrund.

Die Grundmiete ist gestaffelt nach dem Einkommen

der jeweiligen Person und liegt zwischen 4,09

Euro und 8,26 Euro je qm Wohnfläche.

Die Nebenkosten wie Heizung, Wasser, Müllabfuhr

etc. betragen zzt. 3,00 Euro je qm.

Für die Grundversorgung, dazu gehören: Hausnotruf,

Allgemeine Pflege und Vermittlungsdienste,

und Persönliche Hilfe wird eine Pauschale von zzt.

70,00 Euro pro Person und Monat erhoben.

Die Kosten für Essen betragen zzt.: Frühstück:

2,25 Euro, Mittagessen: 3,70 Euro, Kuchen + Kaffee:

1,45 Euro, Abendessen: 2,85 Euro.

Diese Leistungen können nach Wunsch in Anspruch

genommen werden.

Ich hoffe, mit meinen Ausführungen einigen Menschen

Mut gemacht zu haben, ohne Angst in die

vierte Lebensphase zu gehen.

Doris Meinerzhagen

22 2/2003


durch

blick

Wohnen

Wohnformen im Alter

Das kennen viele ältere Bauherren: Nach erfolgter

Rückzahlung der Hypothekendarlehen kommt die

Bewilligung zur Löschung der Grundschuld. Die Sache

wird von einem Notar schnell und reibungslos erledigt

– wenn ihm der Grundschuldbrief vorgelegt

wird. Erstaunlicherweise geht der aber vielen Siegerländern

„angeblich verloren“ – so jedenfalls heißt

es dann in der gerichtlich angeordneten (teuren) öffentlichen

Suchaktion. Warum ist dieses Verfahren

im hiesigen Gerichtsbezirk so überdurchschnittlich

oft erforderlich? Die Beobachtung zeigt, dass fast jedes

Haus im Siegerland im Laufe der Jahre mindestens

einmal an-, um- oder ausgebaut wird. Gelegentlich

kommen alle drei Absichten zusammen.

Offenbar beabsichtigen viele Menschen, eine vorhandene

Grundbucheintragung zur Absicherung weiterer

Planungen bzw. künftiger Darlehen erneut in

Anspruch zu nehmen. Wenn der Grundschuldbrief

sich dann wieder finden lässt …

Ebenso wichtig wie eine Finanzierungsgrundlage

ist die Planungsabsicht, also eine realistische und

dauerhaft tragfähige Vorstellung von der angestrebten

Wohnform. Schließlich möchte jeder Mensch seine

Wohn- und Lebensverhältnisse so gestalten, dass

ein selbstbestimmtes Wohnen auch im Alter möglich

ist. Viele wollen in der Familie alt werden, lebenslang

bei den eigenen Kindern wohnen und sich womöglich

von denen auch pflegen lassen. Aber das erweist

sich zunehmend als Illusion. Dem individuellen Gesundheitszustand

entsprechend gibt es dazu auch

mehrere Alternativen:

• das selbstständige Wohnen, eventuell im

Single-Haushalt,

• das „Wohndorf“ für ältere Menschen,

• gemeinsames Altwerden mit einem Partner/einer

Partnerin auf Mallorca, mit dem

Wohnwagen etc.,

• das betreute Wohnen,

• die ambulante Pflege,

• das Tagespflege-Altenheim,

• das Altenpflegewohnheim,

• selbst organisierte Wohngemeinschaften älterer

Erwachsener, eventuell gemeinsam mit

jüngeren Menschen.

Audi Zentrum Siegen

Leimbachstraße 165 · 57074 Siegen

Tel. 02 71/23 44 60 · Fax 02 71/2 34 46-11 · www.audi-zentrum-siegen.de

Hier dreht sich alles um Audi.

Und um Sie.

Von Audi dürfen Sie immer das Besondere erwarten:

mehr Service, mehr Auswahl, mehr Kompetenz. Deshalb finden

Sie bei uns nicht nur die komplette Audi-Modellpalette sowie den

Audi-Shop mit Zubehör und Accessoires, sondern auch eine große

Auswahl an Gebrauchtwagen, inklusive hochwertiger Geschäftsund

Jahreswagen der AUDI AG. Und weil sich bei uns außer um

Audi auch alles um Sie dreht, können Sie sich auf persönliche Beratung

und Betreuung ebenso verlassen wie auf unseren hoch

professionellen Audi-Service. Überzeugen Sie sich selbst. Über

60 hoch motivierte und qualifizierte Mitarbeiter stehen Ihnen mit

Rat und Tat zur Seite.

2/2003 23


durch

blick

Wohnen

Wohnformen im Alter

Wie im durchblick Nr. 1/2003 angekündigt, wird

das Thema „Wohnen im Alter – altersgerechtes Wohnen“

für die Redaktion ein zentrales Thema bleiben.

Eine besondere Herausforderung sehen wir unter der

Überschrift „selbst organisierte Wohngemeinschaften

älterer Erwachsener“, denn das ist die offenbar

anspruchsvollste Form des Wohnens im Alter. Allerdings

erfordert sie eine Sensibilisierung, Ermutigung

und vor allem Information der angesprochenen Menschen

im Siegerland. Dafür bieten sich praktische

Beispiele (Modellprojekte) ebenso an wie Unterstützungsangebote

des Bundes und Programme des

Landes NRW.

Gemeinsam mit dem AlterAktiv Siegen e.V. bleibt

die durchblick-Redaktion „am Thema“. In einem

nächsten Schritt werden wir entsprechende Erfahrungen

der Regionalbüros „Neue Wohnformen im

Alter“ (Köln und Bochum) verfügbar machen. Dazu

laden wir interessierte Personen in das „Haus Herbstzeitlos“

ein. Termine: Mo. von 14 bis 18 Uhr, Mi. von

9 bis 12 Uhr.

Modellwohnanlage Haus Mobile, Köln

Erich Kerkhoff

Grundsicherung

Viele Menschen scheuen in einer finanziellen

Notlage den Gang zum Sozialamt. Zum einen ist es

die Befürchtung, dass Angehörige wegen ihrer Unterhaltspflicht

in Anspruch genommen werden könnten,

zum anderen ist es die Angst davor, diese Notlage

zugeben zu müssen. Hier wird die neue bedarfsorientierte

Grundsicherung die Lage der Betroffenen

verbessern.

Anspruch auf diese Leistung haben Personen,

• die ihren Wohnsitz in Deutschland haben,

• die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenem

Einkommen und Vermögen, bzw. aus dem

Einkommen und Vermögen des (nicht getrennt

lebenden) Partners finanzieren können,

• die das 65. Lebensjahr vollendet haben oder

aus medizinischen Gründen dauerhaft voll

erwerbsgemindert sind, (wobei der Bezug

einer Rente wegen Alters oder voller Erwerbsminderung

nicht vorausgesetzt wird),

• deren Einkünfte eine bestimmte Höhe nicht

überschreiten (derzeit 844 Euro).

Zum Einkommen und Vermögen gerechnet werden

zum Beispiel:

• Renten, Pensionen, Erwerbseinkommen,

Wohngeld-Einkünfte aus Vermietung und

Verpachtung, Wohnrechten, Unterhalt, usw.,

• Haus- und Grundvermögen, Pkws, Wertpapiere,

Rückkaufwerte von Lebens- und Sterbeversicherungen,

Guthaben auf Konten bei

Sparkassen, Banken, Bausparkassen und

dergleichen, (wobei Geldbeträge bei Alleinstehenden

bis zu einem Betrag von 2301 Euro

und bei Verheirateten/Lebenspartnern von

2915 Euro nicht berücksichtigt werden).

Keinen Leistungsanspruch haben

• Personen, wenn das Einkommen der Kinder

oder Eltern jährlich einen Betrag von

100 000 Euro übersteigt,

• Personen, die ihre Bedürftigkeit innerhalb

der letzten zehn Jahre vorsätzlich oder grob

fahrlässig herbeigeführt haben,

• ausländische Staatsangehörige, die Leistungen

nach dem Asylbewerberleistungsgesetz

erhalten.

Die Leistungen der Grundsicherung beginnen mit

der Antragstellung. Nachzahlungen erfolgen nicht!

24 2/2003


durch

blick

Wohnen/Grundsicherung

Grundsicherung-Berechnungsbeispiele:

Eine Alleinstehende

mit einer Miete in Höhe von 250 Euro, Heizkosten von 50 Euro und einer Rente von 218,58 Euro

(Eigenanteil für Kranken- und Pflegeversicherung 18,58 Euro) hat einen Grundsicherungsbedarf von:

Bedarf für eine Alleinstehende Hier können sie ihre

Regelsatz Haushaltungsvorstand 293,00

Zuschlag von 15 % 43,95

Miete 250,00

Heizkosten 50,00

Kranken- u. Pflegeversicherungsbeitrag entfällt

Mehrbedarf von 20 % wegen Merkmal G entfällt

im Schwerbehindertenausweis

Grundsicherungsleistung vor der 636,95

Einkommensberücksichtigung

Abzüglich Renteneinkommen nach Abzug des eigenen 200,00

Beitragsanteils

Ergibt einen Grundsicherungsanspruch von 436,95

Zahlen eintragen

Für nicht getrennt lebende Ehegatten oder Partner

(beide sind über 65 Jahre alt) mit einer Miete von 300,00 Euro, Heizkosten von 66 Euro, Renten

von 655,74 Euro und 327,87 Euro (Eigenanteil für Kranken- und Pflegeversicherund 55,74

und 27,84 Euro) besteht ein Grundsicherungsbedarf von:

Bedarf für Lebensgemeinschaften 1. Person 2. Person Hier können Sie Ihr

Haushaltungs- Haushalts- Zahlen eintragen

vorstand angehörige 1. Person 2. Person

Regelsatz Haushaltungsvorstand bzw. 293,00 234,00

Haushaltsangehöriger

Zuschlag von 15 % des Regelsatzes 43,95 43,95

Haushaltungsvorstand

Unterkunftskosten (für jeden anteilig) 150,00 150,00

Heizkosten (für jeden anteilig) 33,00 33,00

Kranken- u. Pflegeversicherung entfällt

Mehrbedarf von 20 % wegen Merkmal G entfällt

im Schwerbehindertenausweis

Bedarfssumme 519,95 460,95

abzüglich Renteneinkommen nach 600,00 300,00

Abzug des Beitragsanteils

ergibt einen Überschuss von 80,05

ergibt einen ungedeckten Bedarf von 160,95

abzüglich Überschuss beim Partner 80,05

ergibt einen Grundsicherungsanspruch von 0,00 80,90

2/2003 25


durch

blick

Wohnen

„Gefährliches Wohnen“

Tipps

Zum Silvesterabend gehört für viele Menschen

alljährlich die Fernsehsendung: „Diner for One“.

Es sind zwei Personen, deren Verhalten bei den Zuschauern

große Heiterkeit auslösen. Da ist die ältere

englische Lady – sie gibt für ihre verstorbenen Freunde

eine Party – und der Butler. Immer wieder umrundet

er den gedeckten Tisch, schenkt alkoholische

Getränke aus und prostet seiner Lady reihum mit

allen Gläsern zu. Zur

Raumausstattung gehört ein

am Boden liegendes Tigerfell,

über dessen Kopf der

Butler nach jeder Runde immer

wieder stolpert.

Viele ältere Erwachsene

haben derartige „Stolperfallen“

in ihrer Wohnung – selten

lösen sie die Heiterkeit

aus, wie beim Diner for One.

Im günstigen Fall erschweren

sie den Alltag, führen

aber oft auch zu Unfällen mit

dauerhaften Beeinträchtigungen.

Pro Jahr verletzen

sich 400 000 der über 65-

Jährigen bei Stürzen. Und

zwar ernsthaft. Von 6 625

Opfern tödlicher Unfälle in

Heim und Freizeit sind 5 198

älter als 65 Jahre. Das sind

78 Prozent! (1)

Da die meisten Menschen

im Alter in der bisherigen

Wohnung bleiben

wollen, werden viele Stolperfallen

erst dann wirksam

oder besonders gefährlich.

Daher sollte man mögliche

Beeinträchtigungen frühzeitig

wahrnehmen und entsprechende

Veränderungen

vornehmen. Wer Anpassungen

(„Enthinderungen“)

vornehmen will oder eine altengerechte

Wohnung sucht,

sollte daher auf viele Details

achten. Für diesen Zweck

hat die Firma HEWI eine

Checkliste entwickelt, der

die folgenden Hinweise entnommen

sind:

Barrierefreies Wohnen bedeutet, dass Sie komfortabler

und sicherer leben, wenn sich Ihre körperliche

Verfassung ändert. Wohnraumanpassungen

können bisweilen von der Steuer abgesetzt

werden oder über die Pflegeversicherung bezuschusst

werden.

Das Haus

mit dem großen Service!

• Beratungs-Service

zu Hause gratis

• Nähservice

• Dekorieren

durch Fachkräfte

• Gardinen-, Wasch-

& Änderungsservice

• Wir verlegen

Teppichböden

• Kettelservice

Siegen-Geisweid • Marktstraße 29

Tel. 02 71/8 30 41 • www.mackenbach.de

26 2/2003


durch

blick

Wohnen

Checkliste

Küche & Bad

• Ist die Ausstattung Ihrer Küche bequem und

sicher?

• Sind alle elektronischen Anzeigen gut

erkennbar?

• Ist die Arbeitsfläche komfortabel für Sie oder

würden Sie lieber im Sitzen in der Küche

hantieren?

• Sind die Türdrücker/-griffe ergonomisch und

leicht zu greifen?

• Sind die Türen breit genug, um im Krankheitsfall

auch mit einem Rollstuhl in die Räume

zu gelangen?

• Können Sie die Armaturen/Wasserhähne gut

bedienen?

• Fällt es Ihnen leicht, in die Badewanne zu

steigen?

• Gibt es eine Möglichkeit, sich in der Wanne

zu setzen?

• Sind die Griffe/Handtuchhalter über und

neben Wanne und Dusche stabil genug, um

sich festzuhalten?

• Hat Ihr Bad eine ebenerdige Dusche?

• Haben Sie einen Duschsitz?

• Lässt sich die Brause bequem in der Höhe

verstellen?

• Sind im Bad Stützgriffe, wo Sie welche

benötigen: z. B. neben WC und Waschtisch?

• Haben Sie einen ergonomischen Waschtisch,

vor dem Sie bequem sitzen können?

• Ist der Spiegel flexibel in der Höhe verstellbar,

so dass Sie sich darin auch im Sitzen

sehen können?

• Gibt es ausreichend Ablageflächen für

Waschutensilien?

• Entsprechen die angebrachten Produkte ergonomischen

Anforderungen? Haben sie

keine scharfen Kanten, sondern abgerundete

Formen?

• Ist das WC für Sie hoch genug angebracht?

• Sind die Armaturen mit einem Verbrühschutz

ausgestattet?

• Gibt es Stolperfallen, wie z. B. rutschige

Matten in Ihrem Bad?

• Schließt die Badezimmertür von außen?

Schränke und Stauräume

• Können Sie Schränke bequem erreichen?

• Ist die Waschmaschine dort untergebracht,

wo Sie gut arbeiten können?

• Ist die Höhe der Tür- und Schrankgriffe für

Sie optimal gewählt?

• Gibt es ausreichend Bewegungsflächen?

Licht und elektronische Sicherheitssysteme

• Lassen sich die Lichtschalter bequem bedienen?

• Sind Lichtschalter in der für Sie bequemen

Höhe angebracht?

• Verfügen Sie über ausreichend Lichtquellen?

• Haben Sie ausreichend Nachtlicht zur

Orientierung?

• Benötigen Sie Verlängerungskabel? Wenn ja:

• Sind sie so angebracht, dass sie nicht zur

Stolperfalle werden?

• Verfügen Sie über ein Alarmsystem?

• Können Sie Ihr Telefon im Notfall erreichen?

• Ist Ihre Haustürklingel in jedem Bereich der

Wohnung/des Hauses gut hörbar?

Flur und Garten

• Sind im Flur Handläufe angebracht?

• Gibt es farbige oder ertastbare Orientierungshilfen

im Treppenhaus?

• Entsprechen die Treppenstufen der Größe

Ihrer Füße?

• Wäre eine Rampe als Zugang zum Haus für

Sie nützlich?

• Ist der Eingangsbereich zum Haus ausreichend

beleuchtet?

• Verfügt das Gebäude über einen bequem zu

erreichenden Parkplatz?

• Lässt sich die Garage per Fernbedienung

öffnen?

Erich Kerkhoff

(1) Zahlenangaben von der Landesarbeitsgemeinschaft

Wohnberatung NRW, c/o Kreuzviertel-Verein,

Kreuzstraße 61, 44139 Dortmund, www.wohnberatungsstellen.de

Weitere Informationen:

Gesellschaft für Gerontotechnik (0 23 71) 9 5950,

HEWI-Servicetelefon (01 30) 13 41 36 bzw. im

Internet unter www.hewi.de

Produkte, die als Hilfsmittel gelten, können bei

Bedarf ärztlich verordnet werden.

Pflegeversicherung für Senioren

Die BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der

Senioren-Organisation e.V.) empfiehlt:

Selekta 3-D-PflegeVorsorge der Thuringia

Generali Versicherungen

➤ ohne Gesundheitsprüfung

➤ bis Eintrittsalter 70 möglich

Informationen bei: Anja und Michael Freundt

Telefon: 02 71/31 70 82

2/2003 27


durch

blick

Wohnen

Dieser Beitrag von Heinz Göbel aus Ferndorf

wurde uns von der „Kreuztaler Seniorenpost“

zur Verfügung gestellt.

Eine wahre Begebenheit

„Er“ hatte die 65 erreicht und musste den Dienst

in andere Hände gehen lassen.

„Er“ zog von seinem Beschäftigungsort fort und

ließ sich mit seiner Frau in deren Heimat in der Nähe

von Frankfurt nieder.

Dort hatte die Frau das Haus von ihrer Mutter

geerbt, das aber zurzeit noch von der alten Dame

alleine bewohnt wurde. Bestes Einvernehmen

auch seine Frau begann die Beschwernisse des Altseins

zu spüren. Der Gedanke lag nahe, dass es

schwierig werden würde. Ob man da selbst noch in

der Lage wäre, den dann anstehenden Anforderungen

zu genügen?

Mit Mutter wurde das Problem zum wievielten

Male besprochen. Man war sich einig, in dem Vorhaben,

zunächst einmal ein oder zwei Heime oder

Pensionen aufzusuchen und sich über die Bedingungen

einer Aufnahme beraten zu lassen.

Ein Haus im schönen Taunus schien den Vorstellungen

zu entsprechen. Freundliche Bedienung,

schöne Zimmer und Aufenthaltsräume fanden

Zustimmung und die Bezahlung einschließlich aller

zunächst. Die Mutter dachte aber noch nicht daran,

Teile ihrer Alleinherrschaft aufzugeben. Und auch

die Kinder, die ihre Unabhängigkeit in häuslichen

und familiären Angelegenheiten ungehindert von

jeglicher Bevormundung gelebt hatten, fanden es

ganz in Ordnung, dass man zwar in ein und demselben

Haus mit anderen lebte, aber dennoch eine

gewisse Distanz wahren konnte. Das ging viele Jahr

ganz gut.

Aber ein Blick in die Zukunft ließ Schwierigkeiten

erkennen. „Er“ konnte nicht mehr so gut, und

Nebenkosten sollte sich in zumutbaren Grenzen

halten.

Man fühlte sich bestens beraten und ging auf das

Auto auf dem nahen Parkplatz zu. Da wurde die alte

Dame plötzlich unruhig. Irgendwie fühlte sie sich

doch für das Wohlergehen ihrer Tochter verantwortlich.

Die Vorstellung, eines Tages wieder allein in

ihrem großen Haus wohnen zu müssen, veranlasste

sie sehr energisch zu sagen:

„Ihr wollt doch wohl nicht in diesem Haus

wohnen?“

28 2/2003


durch

blick

Aus dem Seniorenbeirat

Fehlende Hausnummern

Der Seniorenbeirat weist schon seit Jahren auf den

Missstand fehlender Hausnummern im Stadtgebiet

hin. Er unterstützt die dringende Forderung der Rettungsdienste,

der Taxi-Unternehmen und der Polizei,

dass Hausbesitzer verpflichtet sind, sehr gut lesbare

Hausnummern anzubringen. Das schließt auch die

Bitte ein, vorhandene Hausnummern-Schilder von

Pflanzenbewuchs zu befreien und wie zu beobachten,

diese nicht seitlich oder sogar hinter dem Haus anzubringen.

Es muss doch jedem Verantwortlichen klar sein,

dass langes Suchen, besonders in der Nacht, zu

unnötigen Verzögerungen führt und unter Umständen

lebensrettende Maßnahmen in Frage stellt. Sanitäter

und Ärzte berichten, dass zuweilen Anrufer

die bestellten Rettungsdienste nicht einmal vor dem

Haus erwarten und einweisen. Oftmals erschwert eine

ungenügende Beleuchtung das schnelle Auffinden

der Hilfsbedürftigen.

Die Mitglieder des Seniorenbeirats machen dort,

wo es ihnen auffällt, die Hausbesitzer auf den Mangel

aufmerksam und appellieren gleichzeitig an die

Mitbürger, die Arbeit der Rettungsdienste, Feuerwehr

usw. nicht zu erschweren.

Seniorenbeirat kommt zu Ihnen

Jeweils zum Erscheinungstermin des „durchblick“

gibt der Seniorenbeirat den interessierten Bürgern

Rechenschaft über seine geleistete Arbeit. Auf

den Wochenmärkten Siegen, Weidenau und Geisweid

nehmen die Beiratsmitglieder zu ihren Fragen und

ihrer Kritik Stellung, nehmen ihre Anregungen, entgegen

und stehen Rede und Antwort. Sie versuchen

unbürokratisch, gewissenhaft und vor allem verlässlich

dort zu helfen, wo es ihnen möglich ist. Finden

werden Sie den Seniorenbeirat an einem großen Informationsstand,

der dann auch den neuen durchblick

für Sie bereit hält. Die Termine erfahren Sie

kurzfristig in Ihrer Tageszeitung.

Informationsstand des Seniorenbeirates

auf dem Wochenmarkt in Weidenau

Peinlich – Peinlich

„Kann man sich denn auf nichts und niemand

mehr verlassen?“ „Alles muss man kontrollieren,

nicht mal am Grab hört das auf!“

Wütend schmiss der junge Mann die Rechnung

des Friedhofgärtners, die gerade mit der Post

gekommen war, auf den Tisch und rannte zum

Telefon. Er wählte die Nummer des Friedhofgärtners.

„Denen werde ich jetzt aber mal die

Leviten lesen, so was darf doch einfach nicht

vorkommen, es ist pietätlos, schnaufte er noch,

als sich am anderen Ende der Leitung eine

freundliche Frauenstimme meldete. „Kann ich

etwas für Sie tun?“, fragte die Dame. „Ja“, sagte

der junge Mann erregt. „Sie sollten vielleicht

mal als Erstes Ihre Werbung ändern – Grabpflege

ist Vertrauenssache – Ich jedenfalls kann

Ihnen mein Vertrauen nicht mehr geben. Seine

Stimme wurde hochtönig, so wütend war er.

Nun drängte die Dame ihn, ihr doch zu sagen,

was ihn so in Rage brächte. „Natürlich“, sagte

der Mann und schlug mit den Fingern auf die

Rechnung, die er in der Hand hielt, „ich gab

Ihnen den Auftrag, das Grab meiner Mutter: –

Frau Margot Schmitt – zu bepflanzen und nun

habe ich hier die Rechnung über die Grabbepflanzung

einer – Roswitha Caluna“. Er

wollte noch weiter sprechen, aber am anderen

Ende der Leitung brach lautes Gelächter aus.

Der junge Mann war platt, aber sie lachte und

lachte. Dann fing sie sich und sagte: „Nein,

nein, Herr Schmitt, natürlich haben wir das

Grab Ihrer Mutter bepflanzt. Roswitha Caluna

heißt die Blume, die nun das Grab Ihrer Mutter

ziert.“

Oh je, war das peinlich! Gottlob konnte man

das verdutzte und rot anlaufende Gesicht des jungen

Mannes nicht durchs Telefon sehen. Er stotterte

Worte der Entschuldigung, welche die

Dame, immer noch lachend, entgegennahm.

Inge Göbel

2/2003 29


durch

blick

Historisches

Der historische Dracula – Vlad Tepes,

der Pfähler

In Bram Stokers Dracula-Roman findet sich eine

Passage, die auf das historische Vorbild des berühmten

Blut saugenden Grafen verweist. Da heißt es: „Er

muss tatsächlich jener Wojwode (Fürst) Dracula gewesen

sein, der sich in den Türkenkriegen berühmt

gemacht hat.Wenn sich das wirklich so verhält, dann

war er kein gewöhnlicher Mann. Denn damals und

noch Jahrhunderte später wurde er als der klügste und

geschickteste, aber auch als der tapferste der Söhne

des Landes jenseits der Wälder gerühmt.“Als Land

jenseits der Wälder ist Transylvanien gemeint, als Ort

vielfältigen Vampirglaubens und merkwürdiger

Bräuche.

Stoker spielt mit seiner Bemerkung an auf den

Fürsten Vlad III. Draculea (1431–1477), der wegen

seiner selbst für diese Zeit außergewöhnlichen Grausamkeit

auch „Pfahlwojwode“ oder der „Pfähler“

(Tepes) genannt wurde.

Das Pfählen – die in seiner Zeit häufig angewandte

Vollzugsart der Todesstrafe an Verbrechern – hat

nicht Vlad der Pfähler eingeführt, sie bestand sowohl

vorher als auch später. Vlad Tepes war ein Sohn des

walachischen Fürsten Vlad II. Dracul (Drache, 1435

–1447) und nannte sich selbst Draculea (Sohn des

Drachen). Den Namen „Dracul“ verdankte sein Vater

Der wallachische Dracula

dem deutschen Kaiser, der ihn zum Drachenritter, das

heißt zum Türkenbekämpfer geschlagen hatte.

Vlad III. Draculea oder Vlad der Pfähler (Tepes)

war kein Blutsauger und auch kein Bluttrinker, aber

er eignete sich hervorragend, um zum Vampir gemacht

zu werden. Schon sein Aussehen wirkte erschreckend

und kalt. „Er war nicht sehr groß, aber untersetzt

und muskulös. Er hatte eine Adlernase,

geblähte Nasenflügel, ein rötlich mageres Gesicht, in

dem die sehr langen Wimpern große, weit offene,

grüne Augen umschatteten, schwarze, buschige Brauen

gaben ihnen einen drohenden Ausdruck. Er trug

einen Schnurrbart. Breit ausladende Schläfen ließen

seinen Kopf noch mächtiger erscheinen. Eine rote

Samtmütze von Perlensträngen umwunden und einen

rubinbesetzten Goldstern, in dem der Federschmuck

befestigt ist, bedeckt seinen Kopf, von dem schwarze

gekräuselte Locken hingen.“ So wird Vlad Tepes von

einem deutschen Maler in einem Ölgemälde dargestellt.

Das Bild befindet sich auf Schloss Ambras bei

Innsbruck. Dieses Porträt, das einen hohen Grad an

Authentizität besitzt, fehlt in keinem rumänischen

Geschichtsbuch.

Vlad der Pfähler hat dreimal den Thron der

Walachei innegehabt. Über seine erste, sehr kurze

Herrschaft ist wenig bekannt. Von größter Bedeutung

war jedoch seine zweite Regierungszeit

(1456–1462). Vorher hatte Fürst Vlad sich im Exil auf

Reisen quer durch Europa aufgehalten. Durch seine

Reisen während des Exils hatte er sich vor allem auf

den Gebieten der Kriegskunst und der Politik eine

fundierte Bildung angeeignet. Seinen Ruf als erbitterter

Kämpfer gegen die Türken verschaffte Draculea

sich ab 1460. Schon sein Vater hatte mit den

Truppen des Osmanischen Reiches, das im 15. Jahrhundert

den Balkan beherrschte, heftige Kämpfe ausgefochten.

Das Fürstentum Walachei wurde den Türken

tributpflichtig. Weil Vlad Tepes den Tribut an

den Osmanensultan verweigerte, schickte der Sultan

eine Gesandschaft an den walachischen Hof. Als die

türkische Gruppe mit ihren prächtigen Turbanen vor

Vlad Tepes erschienen, fragte er sie, warum sie nicht

die Turbane vor ihm zögen. Sie entgegneten, dass es

in ihrem Land Sitte sei, den Turban sogar vor dem

Sultan aufzuhalten. Darauf erwiderte der Walachenfürst,

dann wolle er sie in dieser Sitte bestätigen. Er

ließ die Türken von seiner Leibwache ergreifen und

ihnen die Turbane mit Nägeln am Kopf festnageln.

Danach schickte er die Gesandten mit der Bemerkung,

er lasse sich in seinem Land keine fremden Sitten

aufzwingen, zu ihrem Sultan zurück. Er wusste

genau, was dieser Affront gegen die Türken für sein

weiteres politisches Schicksal bedeuten konnte und

30 2/2003


durch

blick

Historisches

sah sich nach Bündnispartnern um. Leider war er Zeit

seines Fürstenlebens nur auf sich gestellt. Das mag

einer der Gründe dafür gewesen sein, dass Vlad innen-

und außenpolitisch so unbarmherzig durchgriff

und vor seinen grausamen Folter- und Hinrichtungsmethoden

nicht Halt machte.

Mit Mut und militärischer Begabung führte er mit

Erfolg zahlreiche Kriege gegen die verhassten Truppen

des Osmanischen Reiches. Mit eigener Hand

wütete er gegen seine türkischen Gefangenen, indem

er sie grausam verstümmelte und ihre Überreste auf

Pfählen aufspießen ließ.

Vlad der Pfähler war mithin der erste rumänische

Fürst, der die Türken in ihrem eigenen Gebiet mit

Heeresmacht bekämpfte und sich nicht nur auf die

Verteidigung seines Landes beschränkte.

Auch im eigenen Land verübte der Fürst Grausamkeiten,

wenn er es für nötig hielt, zum Erhalt der

Ordnung und zum Schutz des Rechtes. Auf alten Holzschnitten

ist es noch zu sehen, wie der Walachenfürst

genussvoll unter den wegen Verrat gepfählten Bojaren

(Großbauern) zu speisen pflegte. Als ihn sein Mundschenk

einmal bei einer solchen Gelegenheit fragte, ob

ihm denn der Geruch der Toten nicht beim Essen

störe, ließ Vlad Tepes auch ihn pfählen.

Um die Jahreswende 1476/1477 fiel ein starkes

türkisches Kontingent in die Walachei ein. Das walachische

Militär wurde völlig überrumpelt. Dabei fand

auch der „Pfähler“ sein Ende. Sein Kopf, der einst der

Schrecken der Türken gewesen war, wurde nach

Konstantinopel geschickt und dort auf einen Pfahl

gespießt öffentlich zur Schau gestellt. Sein Leib wurde

in einer kleinen Klosterkirche in der Nähe von

Bukarest bestattet.

Durch seine Kämpfe gegen die Türken hat Vlad

der Pfähler dazu beigetragen, dass die Walachei nicht

in das gleiche Abhängigkeitsverhältnis wie die Gebiete

südlich der Donau geriet und somit der rumänische

Staat der Walachei weiter bestehen konnte,

was letzlich wesentlich war für die eigenständige

Entwicklung des rumänischen Volkes. Deshalb wird

auch heute seiner anerkennend gedacht.

Vlad Tepes hat durch seine Taten bei den Zeitgenossen

und in der Geschichtsschreibung besonders

tiefe Eindrücke hinterlassen. Noch zu seinen Lebzeiten

wurde er zur Sagengestalt. In Wiegendrucken

wurde die Kunde von seinen Schreckenstaten verbreitet,

in Chroniken wurden Geschehnisse im

Zusammenhang mit ihm verzeichnet. Auch auf das

Gebiet der Horror-Literatur und des Films haben diese

Eindrücke übergegriffen. Er war das historische

Vorbild für Stokers Roman „Dracula“. Seine Gestalt

geistert durch Filme und blutrünstige Phantastereien.

Sein Schloss weiß man hinter den Karpaten in Transsylvanien.

Dabei war der historische Dracula Vlad

III. Tepes ja eigentlich weder transsylvanischer Graf

noch finsterer Wiedergänger, sondern Fürst der

Walachei, wenn auch zugegebenermaßen ein extrem

grausamer Herrscher. Seine Burg war auch nicht in

Transsylvanien, sondern in der Walachei.

In Österreich gibt es gemalte Darstellungen des

walachischen Fürsten Dracula/Vlad Tepes. Ein Ölgemälde,

das dem schon erwähnten Porträt von Ambras

sehr ähnlich ist, befindet sich im Münzkabinett

des Kunsthistorischen Museums in Wien. Ein lebensgroßes

Bildnis befindet sich auf Burg Forchtenstein

im Burgenland aus der Esterhazyschen Ahnengalerie.

Auch auf mittelalterlichen Altarmalereien ist der

Vlad Tepes mit der typischen Perlenschnur-Mütze

dargestellt. Ein entsprechendes Porträt aus der Zeit

um 1462 befindet sich auf einem Altarflügel in der

Kirche Maria am Gestade in Wien. Auf diesem Altarflügel

ist die Kreuzigung Christi zu sehen, wo Vlad

Tepes auf der rechten Seite des Kreuzes hinter der am

Kreuzfuß knienden Maria Magdalena im Disput mit

einem Juden dargestellt ist. Bei der Beschäftigung

mit diesem Thema stellte sich heraus, dass Vlad der

Pfähler überraschenderweise auch in der zeitgenössischen

Altarmalerei dargestellt wurde.

Es ist interessant, das Bild dieses Woiwoden auf

Altarbildern zu sehen. Er verfolgte die Türken, die

Feinde Christi und war durch sein Leben selbst ein

Feind Christi.

Quellen:

Achim Kelschebach; „Thales Themenheft Nr. 92“

Gernot Nussbächer: „Urkunden und Chroniken“

Dorothea Istock

Senioren-Hotline

montags von 9.00 bis 16.00 Uhr

Wir kümmern uns

Seniorenbeirat der Stadt Siegen

2/2003 31


durch

blick

Unterhaltung

Der Lauf der Zeit

Ich stehe stolz in dem Rondell

bin ja das neuste Modell

beäugt von manchem Herrn

wer hätte mich nicht gern

Ich bin schön, ich bin jung

lackiert und hoch poliert

bin schnell und habe auch viel Schwung

mein Preis jedoch schockiert

Da kommt sie schon die junge Dame

fragt nicht nach Preis noch Geld

das hat sie, dafür bürgt ihr Name

und schon werd ich für sie bestellt

Sie denkt, wie schön, dass es dich gibt

und fährt durch Wald und Flur

ich merke auch, dass sie mich liebt

und sucht mit mir ‘ne heiße Spur

Ein netter Mann

er macht mich an

jedoch umsonst ist sein Bestreben

leider bin ich schon vergeben

Wie schnell vergehen doch die Jahre

der Lack, der bröckelt ab

manchmal ich nun langsam fahre

und mache oft auch schlapp

Jetzt werd ich häufig repariert

und bin nicht mehr so schön

damit sie sich auch nicht blamiert

sagt sie Aufwiedersehen

Nun steh ich wieder im Verkauf

ob mich noch jemand will

denk, das ist der Weltenlauf

und werd dabei ganz still

Und wieder kommt der nette Herr

sagt, du bist ein tolles Ding

ein Oldtimer von selt’nem Wert

und schaut mich an verklärt

Willst du mich haben

solltest du nicht lange fragen

zu schade ist es um die Zeit

schon bald kommt die Vergangenheit

Elisabeth Hanz

durchblick-Schreibwerkstatt

in Zusammenarbeit mit der VHS Siegen

Einladung zum Schreiben im Haus Herbstzeitlos

„Für mich erhebt sich die Frage, wann andere

Menschen den Gedanken aufgeben, sie seien Dichter:

Als Kinder denken wir uns doch alle Geschichten

aus und schreiben sie auf. Das Rätsel besteht

nicht darin, dass einige auch noch schreiben,

sondern dass die anderen damit aufhören.“ (William

Stafford)

Den Spaß am Schreiben wiederfinden, neu entdecken

oder weiterentwickeln – dafür wird in dieser

Schreibwerkstatt Raum und Zeit sein. Die Teilnehmer/innen

werden Anregungen bekommen,

ihre Gedanken, Gefühle und Fantasien spazieren

gehen zu lassen und, vielleicht überrascht, erleben,

wie die unterschiedlichsten Texte dabei entstehen.

Geschichten sind nämlich überall! In uns, in Kopf,

Herz und Bauch! Um uns, in Haus und Garten, auf

Straßen und Wegen, in Wald und Wiesen, in Wolken

und Sonne…Wir müssen sie nur entdecken,

aufdecken, finden. Dann können wir Freude am

Schreiben haben, das Befreiende dabei erleben und

vielleicht wie C. Bay Lewis feststellen: „Wir

schreiben nicht, um verstanden zu werden, wir

schreiben, um zu verstehen.“

Die Schreibwerkstatt beginnt am 8. Oktober.

Bis zum 3. Dezember 2003 gibt es acht Termine,

immer mittwochs von 15.30 bis 17 Uhr.

Anmeldungen sind möglich beim durchblick und

bei der VHS Siegen.

Ursula Adler

32 2/2003


durch

blick

Kleinanzeigen

Wer kennt Jan Herremans?

Jan Herremans

als 17-jähriger

Der ehemalige belgische

Soldat Jan Herremans

war in den Jahren

1957/58 mit dem Bataillon

„Bevrijding“ in

Siegen stationiert. Jetzt

ist der 63-jährige beim

Seniorennet in Belgien

tätig und versucht – mit

Hilfe des Internet – eine

alte Bekanntschaft wieder aufzufrischen. Mit

einer entsprechenden Anfrage wandte Herremans

sich an die von der AlterAktiv Siegen e.V. gehaltene

e-Mail-Adresse info@senioren-si.de. Die Jugendfreundin

von Jan Herremans hieß Inge – er

vermutet, dass sie jetzt verheiratet ist. Jedenfalls

möchte er in allen Ehren einen Kontakt mit ihrer

Familie aufnehmen, zumal er in diesem Jahr noch

mit seiner Familie einen Besuch in Siegen plant.

Nach der Erinnerung von Jan Herremans wohnte

Inge damals in der Elisabethstraße.

Der AlterAktiv Siegen e.V. bittet besagte Inge oder

andere Personen um Mitteilung, wenn sie Erinnerungen

mit Jan Herremans austauschen wollen.

Weitere Informationen: Tel.: 02 71 - 3 72 08 18,

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An jedem 1. und 3. Dienstag im Monat führt diese

Gruppe eine Kurzwanderung von max. 2 – 3

Std. und 12 km durch.

Treffpunkt, Wanderbeginn und Wanderziel werden

kurzfristig festgelegt und sind unter folgenden

Rufnummern zu erfragen:

02 71/39 08 98 Frau Stein

02 71/7 38 82 Frau Tonnsen

02 71/8 42 19 Frau Ullrich

02 71/5 48 70 Herr Helmrath

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unsere kleine Sophie (2 Jahre) aufpassen kann. Wir

wohnen in Eiserfeld und können Sie holen und

zurückbringen. Chiffre Sophie

Prostata-Selbsthilfegruppe

durch

blick

Redaktion: Marienborner Str. 151, 57074 Siegen

Tel.+ Fax 02 71/6 1647 Mobil: 01 60/95 98 74 06

E-Mail: durchblick-siegen@gmx.de

Öffnungszeiten: dienstags von 15.00 bis 17.00

Herausgeber: Stadt Siegen

Der Bürgermeister – Seniorenbüro

Redaktion: Maria Anspach, Friedhelm Eickhoff

(verantw.), Inge Göbel, Elisabeth Hanz, Dorothea

Istock, Erich Kerkhoff, Erika Krumm, Doris Meinertzhagen.

Geschäftsführung: Friedhelm Eickhoff

An dieser Ausgabe haben ferner mitgewirkt:

Elke Strunk, Uri Shaham, Israel; Sabine Vollwerth,

Horst Mahle, Astrid E. Schneider, Helga Siebel-

Achenbach, Sabine Rambusch, Jürgen Ritter

Fotos/ Zeichnungen / Graphik: D. Meinertzhagen,

F. Eickhoff, M. Anspach, I. Göbel, E. Kerkhoff,

Erscheinungsweise: März, Juni, Sept., Dezember

Gesamtherstellung:

Vorländer, Obergraben 39, 57072 Siegen

Siegerland

ist noch offen für Interessenten. Informationen

unter Tel.-Nr. 0 27 35-52 60

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Ausgabe ist der 30. Juli 2003.

Gestaltung: A. Münker, S. Schäfer (Vorländer)

Auflage: 6000. Der durchblick wird kostenlos verteilt.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben

nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Redaktion behält sich vor, eingesandte

Beiträge und Leserbriefe zu kürzen. Unverlangte

Beiträge werden nicht zurückgeschickt.

Für unsere Anzeigenkunden gilt die Preisliste

5/2002.

2/2003 33


durch

blick

Leserbriefe

Tagebuchnotizen 1/03

Als eifrige Leserin des durchblicks hat mich diesmal

der Bericht „Aus den letzten Tagen des Krieges

im Siegerland“ sehr berührt.

Beim Lesen war die Erinnerung wieder da und ich

spürte förmlich die feuchte Kälte, die langsam den

Körper hochkroch, die undefinierbaren Gerüche der

auf engstem Raum zusammengepferchten Menschen

in „meinem Bunker“ in Geisweid auf dem ehemaligen

Gelände der Birlenbacher Hütte.

Ich gehöre sicher nicht zu den Menschen, die in

der Vergangenheit leben, doch so ganz vergessen

kann und sollte man die Zeit nicht, denn es war die

Zeit, in der wir alle arm waren und sehr bescheiden

leben mussten; sicher empfehlenswert, sich auch daran

nochmals zu erinnern.

Renate Titze, Siegen

Darminkontinenz 1/03

Als Selbsthilfegruppe für Menschen mit künstlichem

Darmausgang oder Blasenausgang (Stoma) haben

wir den obigen Artikel mit großem Interesse gelesen.

Auch ein Stoma ist für Betroffene wie auch

Nichtbetroffene ein sehr großes Tabuthema. Wir

möchten darauf hinweisen, dass sich unsere Selbsthilfegruppe

jeden 2. Dienstag im Monat bei der IKK

in Siegen am Löhrtor 10–12 trifft. Ansprechpartner

sind, für Frauen: Frau Böcking, Tel. 02 71-5 74 51; für

Männer: Herr Heinbach, 02 71-7 6460.

Hiltrud Böcking, Siegen

Sehschwäche

Ich möchte Sie auf das Problem der Sehschwäche

aufmerksam machen, dass viele Menschen betrifft.

Meine Mutter (90), geistig hellwach, aber durch

ihre Sehkraft so eingeschränkt, dass sie kaum noch

lesen kann. Der vom Augenarzt angeratene Gebrauch

einer Lupe war nicht hilfreich. Zufällig erfuhr sie,

dass es bei Optikern Lesegeräte gibt, die auch auf

Antrag von den Krankenkassen bezahlt werden. Mit

diesem mittlerweile von ihr erworbenen Gerät kann

sie wieder lesen. Ihre Lebensqualität wurde dadurch

enorm gesteigert. Für mich ist unverständlich, dass

diese Möglichkeit nicht vom Augenarzt erwähnt wurde.

Es würde mich freuen, wenn Sie über dieses Problem

berichten würden.

Helga Volz, Siegen

Wir freuen uns sehr über jeden Leserbrief!

Ob Samuel Hahnemann der alleinige Erfinder der

Homöopathie ist, scheint in Anbetracht seines großen

Vorbildes Paracelsus äußerst fragwürdig. Das großartigste

Vorbild aller Ärzte war neben dieser Tätigkeit

Alchemist und konnte seine Medizinen spagyrisch

herstellen. Spagyrische Essenzen sind nach meinen

Erfahrungen besser und nebenwirkunsfreier als

homöopathische Mittel.

Was aber nicht in den Apotheken zu bekommen

ist, das wäre die Hatha-Yogatherapie nach Dr. med

Oskar Hammer, der natürliche Weg zur Gesundheit.

Yoga ist keine Sekte oder gar Sportart, sondern eine

natürliche Entspannungs- und Atemtechnik, auch von

alten Menschen erlernbar, so dass man ohne jede

„Allheilmittel“ auskommt!

Im Reich der tibetanischen Hunzas gibt es keine

Apotheken, sondern viele Hundertjährige, die nie eine

Medizin genommen haben! Ich hoffe, bei ihren

Lesern den Glauben an die Selbsthilfe der eigenen

Gesundheit angesprochen zu haben.

Mit freundlichem Lesergruß

Erwin Iberl, Siegen

Zu guter Letzt:

„durchblick“ 1/03, (Leserbrief gekürzt)

Das Titelbild, gar nicht lustig, denn manche Seniorinnen

brechen sich dabei den Oberschenkelhals.

Seite 2: Werbung, für eine Seniorenzeitschrift keinerlei

Empfehlung. Seite 3: keine Fachleute, das sagt der

Schreibstil. Seite 4: Vier Seiten Frühling, für die

Nachteile des Frühjahres keine Silbe! Seite 11: Apothekenwerbung,

ist das astrein mit der Gesetzgebung?

Seite 15: „Verlorene Eier …“, dabei sind Eier

Cholesterinheber! Seite 16: Uri Shaham „Die Stämme

…“ historisch deckt sich sein Geschreibe nicht

ganz mit der Bibel...Seite 18: ohne Werbung wären

die Senioren-Beirats-Mitteilungen glaubhafter. Seite

20: Sind auch die Autorenrechte berücksichtigt? Seite

25: Sollte die Redaktion nicht komplett an der

Schreibwerkstatt teilnehmen? Seite 28: Na endlich;

Gesundheit, aber hat die Redaktion Angst vor dem Internet?

Da sind auch Hinweise zu vielen anderen Themen!

Dr. Carl Radaz, Siegen (zzt. Teneriffa)

(Anmerk. der Redaktion: Wir wünschen unserem

Leser auf Teneriffa, dass die Sonne nicht zu warm,

der Himmel nicht zu blau, das Gras nicht zu grün und

der Strand nicht zu sandig ist.)

34 2/2003


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