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Nr. 2/2003
18. Jahrgang
• MEINUNGEN
• INFORMATIONEN
• KRITISCHES
• PERSPEKTIVEN
•
Inhaltsübersicht
Seite
Aus der Redaktion ........... 3
Abenteuerlicher Sprachunterricht 4
Organisierte Seniorenreisen .... 6
Plauen - echt spitze .......... 7
Gespräch auf der Wiese . ...... 8
Unser Dackel . . .. . ..... .. . . . 9
Ende des Zweiten Weltkrieges . 10
Richtige Hautpflege
bei Diabetis . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Gefangenengeschichten ...... 12
Geschichte Israels . .......... 13
Das ganze Leben ist ein Theater 14
Rubens im Spiegel der Presse . 16
Siegener Bürgergeschichte .. .. 17
Freundschaft verbindet . ...... 18
Marias Krimi .............. 20
Dina Herters Vermächtnis . .... 21
Aktiv und bewegt älter werden. 21
Service Wohnen .. . ...... .. . 22
Wohnformen im Alter .. .... .. 23
Grundsicherung . ........... 24
Peinlich ................... 25
Gefährliches Wohnen ... ..... 26
Eine wahre Begebenheit ....... 28
Aus dem Seniorenbeirat ...... 29
Der historische Dracula ..... . 30
Der Lauf der Zeit .......... . 32
Schreibwerkstatt .. . ...... ... 32
Kleinanzeigen/Impressum . . . . 33
Leserbriefe .... . ... . .. .. .. . 34
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durch
blick
Aus der Redaktion
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
nun liegt Ihnen die Sommerausgabe des
durchblick vor, bunt und abwechslungsreich
soll er wie eine Sommerwiese sein, lassen Sie
sich entführen in ein schwedisches Märchen
und gruseln Sie sich bei der Geschichte Draculas.
Beides ist niedergeschrieben von unserer
Redakteurin, der „Fachfrau für Historisches“.
Erst vor zehn Jahren kam Dorothea
Istock als Spätaussiedlerin aus Siebenbürgen
nach Deutschland. Sie ist hier schnell heimisch
Dorothea Istock
geworden und hat bis zu ihrer Pensionierung
als Diplom-Chemikerin an der Uni-Gesamthochschule
Siegen gearbeitet. Heute geht sie ihren Hobbys – Fotografieren,
Volkstanz, Lesen, und Schreiben nach, engagiert sich aktiv in der Siegener
evangelischen Kirche. Für den durchblick, schreibt sie die Abhandlungen über
historische Vorgänge. Sei es nun in dieser Ausgabe die „blutrünstige“ Geschichte
vom wallachischen Dracula oder in den vergangenen Ausgaben z. B.
der Beitrag über die Universität Wittenberg-Halle oder den viel beachteten
Artikel über Feste und Feiertage.
Ganz nah am Datum des 59. Jahrestages der Kapitulation, hat uns Elisabeth
Hanz ihr persönliches Erleben aus dieser Zeit geschildert. Erschütternd sind
die Erinnerungen, vielleicht auch, weil sie so dicht an dem Geschehen unserer
Zeit sind. Unvorstellbar eigentlich, dass die Menschen vermeintlich nichts aus
der Geschichte, nichts aus den Grausamkeiten
lernen. Der Krieg mit seiner verrohenden
Wirkung, gebiert ständig Entsetzliches, immer
wieder berichten die Medien über Vergewaltigungen,
Folterungen und fürchterlichen Morden,
wobei die Peiniger aus allen Kulturkreisen
stammen.
Elisabeth Hanz
An diesem Beitrag wird wieder einmal
deutlich, wozu sich manche Menschen in Extremsituationen
verführen lassen. Leider auch
heute noch, im Jahr 2003.
Hoffnung macht uns hingegen Elisabeth’s zweiter Beitrag „Freundschaft
verbindet“, hierin schreibt sie über Freunde: „Sie helfen, heilen, dienen und
sorgen, sie hören zu, geben Rat und machen uns zu einem besseren Menschen!“
Die Redaktion des durchblick wünscht Ihnen sonnige Tage, gemütliche
Abende und erholsame Spaziergänge in lauer Sommerluft, aber jetzt erst einmal
viel Freude beim Lesen Ihres neuen durchblick.
Ihr
Friedhelm Eickhoff
verantw. Redakteur
2/2003 3
durch
blick
Reisen
Abenteuerlicher Sprachunterricht
Beim Studieren meines Reiseführers Apa Guides
Ecuador fiel mir eine Anzeige einer Individual
Sprachenschule auf. Eine Stunde Einzelunterricht in
Spanisch kostete nur 2 US-$. Für Unterkunft und
Verpflegung in einer Familie kamen 3 US-$ hinzu.
Schnell nahm ich schriftlichen Kontakt mit der
Schule auf. Die Antwort ließ nicht lange auf sich
warten. Mein Alter, 53 Jahre, ohne Vorkenntnisse in
Spanisch, sei kein Hinderungsgrund aufgenommen
zu werden. Die Fluggesellschaft KLM in Amsterdam
war der günstigste Anbieter für den Flug nach Quito.
An einem schwülen Augusttag trat ich meine elfstündige
Flugreise nach Quito, das am Fuße des
2 794 m hohen Pinchincha Berges liegt, an.
Auf dem langen Trip hatte ich genug Zeit, mir
alles in rosaroten Farben auszumalen.
Pünktlich um 5.30 Uhr beim Landeanflug auf
Quito grüßten mich die hohen, schneebedeckten Berge,
die Vulkane Chimborazo 6 310 m und Cotopasci
5 897 m in der erwachenden Morgensonne.
Alle Formalitäten waren rasch erledigt. Ich nahm
mir viel Zeit, um mein erstes Foto zu machen.
Einheimische Schule
Nun hielt ich Ausschau nach einem Mitarbeiter
der Sprachenschule, der mich vom Flughafen abholen
sollte. Nachdem ich 1 Std. frierend gewartet hatte,
entschloss ich mich ein Taxi zu nehmen. Ich zeigte
dem Fahrer die Adresse und los ging die Fahrt. Als
wir an der Schule angekommen waren, traf mich der
Schock. Ich wollte nicht glauben, was ich da sah.
Eine verbarrikadierte Wellblechgarage und keine
Menschenseele weit und breit. Der Taxifahrer fuhr
weiter und mit ihm meine Kamera.
Mein Koffer diente mir als Sitzplatz. Den Rucksack
hielt ich fest im Arm. An mir gingen ärmlich gekleidete
Menschen vorüber und starrten mich an. Ein
flaues Gefühl in der Magengegend befiel mich. Um
9.00 Uhr kam endlich ein Auto vorgefahren. Es war
der Direktor persönlich. Durch seine Gestik glaubte
ich, eine Entschuldigung erkannt zu haben. Verständigen
konnten wir uns nicht. Die englische
Sprache half auch nicht weiter.
Statt Worten folgten Taten. Mein Gepäck wurde
ins Auto geladen, dann fuhren wir zu der Familie, bei
der ich 5 Wochen verbringen sollte.
Meine Gastgeberin hieß Linda und ihre beiden
erwachsenen Kinder Maria und Juan. Die Begrüßung
war sehr distanziert. Lag es vielleicht an der
Verständigungsschwierigkeit? Die Freude, die ich
erwartet hatte, blieb aus. Auch meine Gastgeschenke
wurden nicht sonderlich beachtet. Nachdem ich mein
Zimmer bezogen hatte, zeigte mir Linda die übrige
Wohnung. Es war alles sehr einfach ausgestattet. Ich
freute mich sehr, eine warme Dusche nehmen zu
können, denn nach der langen Reise tat diese Erfrischung
sehr gut. Um 17.00 Uhr wurde ich zum
Abendessen gebeten. Außer mir saß keiner am Tisch.
Mir wurde eine Bohnensuppe mit wenigen Kartoffelstücken,
ohne Fleisch, aber mit viel Brühe
serviert. Ach, hätte ich doch nur ein Stück Brot
gehabt. Mein Magen war noch so leer.
Wie heißt es doch: „Der Mensch lebt nicht vom
Brot allein“, also zeigte ich Linda die Adresse der
Schule und mimte mit viel Gestik den Autobus. Sie
lachte und holte den Kalender herbei. Der nächste
Tag war ein Feiertag, kein Unterricht. Müde begab
ich mich auf mein Zimmer und schlief mit den ersten
Eindrücken ein. Am anderen Morgen erwachte ich so
gegen 8.30 Uhr. Kein Kaffeeduft durchströmte die
Wohnung. Als ich in die Küche kam, war Linda
gerade damit beschäftigt, einen Muckefuck zu
kochen. Eine Blechtasse, gefüllt mit heißem,
schwarzem Kaffee stand auf dem Tisch, ohne Bei-
4 2/2003
durch
blick
Reisen
Schüler der Sprachenschule
lage. Vorsichtig deutete ich Linda an, dass ich etwas
zu essen wünschte. Ein paar alte Kekse waren schnell
zur Hand. Ich nahm mir vor, bei der nächsten, sich
bietenden Gelegenheit etwas Essbares für mich
einzukaufen. Ich musste ja schließlich bei Kräften
bleiben, um zu lernen. So gegen 11 Uhr kam mit
Handzeichen die Frage, ob ich für eine Autotour
bereit sei. Nichts lieber als das. Außer der Sprache
wollte ich doch auch das Land und die Leute kennen
lernen. Nachdem das Auto aufgetankt war, natürlich
auf meine Kosten, fuhren wir los. Außerhalb Quitos
wurden die Straßen immer schlechter. Nach 1 Std.
Fahrt wollte unser alter Renault einfach nicht weiter.
Es wurde lautstark palavert, was zu tun sei. Bald
nahte Hilfe aus dem Dorf. Eine alte Zinkwanne
wurde herbeigeschleppt. Das gesamte Benzin wurde
abgelassen. Die brennende Zigarette im Mundwinkel
eines Helfers brachte mir das Fürchten bei.
Schnell entfernte ich mich von dem Ort, weil ich
jeden Moment eine Explosion befürchtete. In der
Nähe spielten Kinder. Ich gesellte mich dazu und
spielte Hüpfekästchen und Abheben mit ihnen.
Inzwischen war es Nachmittag geworden. Wir kamen
in einem mittelalterlichen Dorf an. Es gab keine
befestigten Straßen. Ein Graben vor den Häusern
nahm die Abwässer auf. Menschen und Tiere waren
verwahrlost und verschmutzt. Ein Bild des Elends.
Vor einem größeren Haus hielten wir an. Man deutete
mir an, dass wir hier essen wollten. Ich dachte
gleich, hier wirst du dir sicher einen Magen- und
Darm-Infekt einfangen. Zu meiner großen Überraschung
war die Gaststube relativ sauber. Ich trank einen
Schnaps vor dem Essen, um einem Infekt vorzubeugen.
Das Gericht schmeckte köstlich. Das gebratene
Hähnchen mit Reis, Bohnen und Gemüse war
sehr scharf gewürzt. Danach war wieder ein Schnaps
(Tequilla) fällig. Die Rechnung wurde mir ebenfalls
serviert.
Erst einige Zeit später habe ich erfahren, dass Linda
nach dem Essen ihre Verwandten besucht hat. Sie
ging dorthin allein. Sie wollte mir sicher nicht zeigen,
in welch ärmlichen Verhältnissen sie leben müssen.
Spät, in der Dunkelheit, erreichten wir Quito.
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2/2003 5
durch
blick
Reisen
Organisierte Seniorenreisen
Anlässlich des Deutschen Seniorentags (6. bis 8.
Okt. 03) plant das Seniorenbüro der Stadt Siegen
gemeinsam mit ALTERAktiv Siegen e.V. und dem
durchblick eine eintägige Fahrt nach Hannover. Gemeinsam
laden sie zu einer Busfahrt am 7. Oktober ein.
Angesprochen sind interessierte Einzelpersonen sowie
Gruppen und Verbände im Kreis Siegen-Wittgenstein.
• Das Verantwortungsbewusstsein von Senioren für
Missstände zu schärfen und zu deren Abhilfe zu
motivieren.
Die weite Palette der Möglichkeiten in Europa –
insbesondere auf dem Hintergrund der Erweiterung
– aufzuzeigen, die eine aktive Lebensgestaltung und
freiwilliges Engagement bis ins hohe Alter eröffnen.
Veranstalter des Seniorentags ist die Bundesarbeitsgemeinschaft
der Seniorenorganisationen
(BAGSO), unter deren Dach gegenwärtig 79 bundesweit
tätige Seniorenorganisationen zusammengeschlossen
sind. Alle drei Jahre richtet die BAGSO
mit den angeschlossenen Verbänden den Deutschen
Seniorentag jeweils in einem anderen Bundesland
aus. Mit Blick auf andere europäische Länder und die
Erweiterung der Union setzt der 7. Deutsche Seniorentag
in diesem Jahr in Hannover folgende Ziele:
• Die Leistungen zu verdeutlichen, die ältere
Menschen für das Allgemeinwohl erbringen.
• Ein neues Verständnis des Alterns zu fördern, das
die sozialen und wirtschaftlichen Potenziale
älterer Menschen intensiver nutzt.
• Die Voraussetzungen für eine stärkere Beteiligung
Älterer am gesellschaftlichen Leben sowie den
Erhalt ihrer Selbstständigkeit in den Ländern der
Europäischen Union zu verbessern.
• Die Solidarität zwischen Alten und Jungen durch
beispielhafte Modelle im In- und Ausland zu festigen.
Eine weitere organisierte durchblick-Leserreise
ist für den 3. und 4. November 2003 geplant. An
diesen Tagen findet die Senioren-Messe NRW
(„vitactiv“) in Essen statt. Vom Siegener Seniorenbüro
wurde ein gemeinsamer Stand angemeldet für
den durchblick, das Internetcafé (Senecafé), den
Seniorenbeirat und die Seniorenhilfe.
Das Programm der vitactiv 2003 steht unter dem
Motto „Alter hat viele Gesichter“. Geplant sind Präsentationen
zu thematischen Schwerpunkten wie
Bürgerengagement, Neue Medien, Leben aktiv u. a.
(Bitte hier abtrennen und an den durchblick · Leserreisen · Marienborner Str. 151 · 57072 Siegen senden)
Ich melde mich und
Tagesreisen an:
Personen für folgende
• Busfahrt für 40 Euro zum „Deutschen
Seniorentag“ nach Hannover, am Dienstag, dem
7. Oktober 2003
• Busfahrt für 20 Euro zur Seniorenmesse vitactiv
nach Essen, am Montag dem 3. November 2003,
• oder am Dienstag, dem 4. November
Über Abfahrtszeiten und Abfahrtsorte in Ihrer
Nähe werden Sie rechtzeitig informiert.
Meine Anschrift:
Name/Vorname
Straße
PLZ/Ort
Telefon
Unterschrift:
Anmelden können Sie sich auch unter den Telefonnummern Seniorenbüro 02 71/4 04-13 34 sowie dienstags
ab 15 Uhr beim durchblick unter 02 71-6 16 47 oder per E-Mail: info@senioren.de
6 2/2003
durch
blick
Reisen
Stadterlebnis in
der klingenden Ferienregion Vogtland
Höhepunkte 2003
Plauener Spitzenfest – 11. bis 13. 7. 2003:
Stadtfest rund um die berühmte Plauener Spitze
Nabucco – 29. 6./1. 7./3. 7.:
spektakuläres Opernspektakel auf der amphietheaterähnlichen
Freilichtbühne im landschaftlich reizvollen
Stadtparkgelände (Gruppenpreise möglich)
Seit 1990 sind Siegen und das vogtländische Plauen
Partnerstädte. Kennen Sie die Spitzen-Stadt im
Südwesten Sachsens? Drei Gründe gibt es, die in die
bezaubernde Mittelgebirgslandschaft des Vogtlandes
eingebettete Stadt zu besuchen:
1. Plauener Spitze, die weltbekannte kostbare filigrane
Textilkunst mit jahrzehntelanger Tradition und
zeitloser Schönheit, vom Grand Prix zur Weltausstellung
in Paris im Jahre 1900 bis hin zu modernen Kollektionen.
Plauen besitzt das einzige Spitzenmuseum
Deutschlands...
2. Die einzigartigen Brückenbauten in Plauen
und im Vogtland sind steinerne Zeitzeugen der Kunst
einstiger Baumeister. Die Friedensbrücke in Plauen ist
mit 90 m Spannweite die am weitesten gespannte Steinbogenbrücke
Europas; weitere Anziehungspunkte in
der Region sind die beiden „Schwestern“ Göltzschtalund
Elstertalbrücke.
3. Die Lage Plauens in der klingenden Ferienregion
Vogtland, zu der auch die Region des Musikinstrumentenbaus
rund um Markneukirchen und Klingenthal
gehört, und im Vierländereck – Euroregion Sachsen,
Tschechien, Thüringen und Bayern.
Plauen ist eine Stadt voller Originalität und einnehmender
Herzlichkeit mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten
wie z. B. das Alte Rathaus mit seinem Renaissancegiebel
und das im neoklassizistischen Stil erbaute
Vogtland Theater.
Festival Mitte Europa – 20. 7. bis 7. 9. 2003:
(genaue Termine auf Anfrage): „Kultur verbindet
Deutschland und die Tschechische Republik, das
deutsche Volk untereinander und das Ausland mit
einem anspruchsvollen und gleichzeitig farbigen wie
attraktiven Programm in einer der schönsten Regionen
Europas“
Weihnachtsmarkt – 28. 11. bis 21. 12. 2003
Zu diesen und natürlich auch vielen weiteren
Veranstaltungen freuen sich die Plauener Hotels,
Sie als Gast begrüßen zu dürfen.
Übernachtung/Frühstück im ***- oder
****-Sterne-Hotel im Stadtzentrum von Plauen
Preise für Einzelreisende:
Einzelzimmer von 56,00 bis 69,00 pp. P.
Doppelzimmer von 33,00 bis 52,00 p. P.
Preise für Gruppen:
Einzelzimmer von 41,00 bis 44,00 p. P.
Doppelzimmer von 26,00 bis 31,00 p. P.
Natürlich bieten unsere Hotels auch spezielle
Pauschalangebote z. B. in Verbindung mit einem
Theaterbesuch, einer geführten Vogtlandfahrt oder
einer Wanderung in die wunderschöne Umgebung
von Plauen. Bitte wenden Sie sich an die Tourist-Information
Plauen, um nähere Auskünfte zu erhalten.
Tel.: 0 37 41/1 94 33; Fax: 0 37 41/2 91-10 59,
E-Mail: touristinfo@plauen.de, http://www.plauen.de
(Bitte hier abtrennen und an die Tourist-Information Plauen · Unterer Graben 1 · 08523 Plauen senden)
Ich bitte um Zusendung von:
Meine Anschrift:
❑
allgemeinen Informationen zur Stadt Plauen
Name/Vorname
❑ Veranstaltungshinweisen
für die Zeit vom
bis
❑ konkretes Übernachtungsangebot für
Personen, in der Zeit vom bis
Anmerkungen:
Straße
PLZ/Ort
Telefon
2/2003 7
durch
blick
Poesie
Gespräch auf der Wiese
An einem schönen Sommertag um die Mittagszeit
war große Stille am Waldrand. Die Vögel hatten ihre
Köpfe unter die Flügel gesteckt und alles ruhte. Da
streckte der Buchfink sein Köpfchen hervor und
fragte: „Was ist eigentlich das Leben?“ Alle waren
betroffen über diese schwierige Frage. Im großen
Bogen flog der Buchfink über die weite Wiese und
kehrte zu seinem Ast im Schatten des Baumes zurück.
Die Heckenrose entfaltete gerade ihre Knospe und
schob behutsam ein Blatt ums andere heraus. Sie
sprach: „Das Leben ist eine Entwicklung.“
Weniger tief veranlagt war der Schmetterling. Er
flog von einer Blume zur anderen, naschte da und
dort und sagte: „Das Leben ist lauter Freude und Sonnenschein.“
Drunten im Gras mühte sich eine Ameise mit einem
Strohhalm, zehnmal größer als sie selbst, und
sagte: „Das Leben ist nichts anderes als Mühsal und
Arbeit.“
Geschäftig kam eine Biene von der honighaltigen
Blume auf der Wiese zurück und meinte dazu: „Nein,
das Leben ist ein Wechsel von Arbeit und Vergnügen.“
Wo so weise Reden geführt wurden, steckte auch
der Maulwurf seinen Kopf aus der Erde und brummte:
„Das Leben? Es ist ein Kampf im Dunkeln.“
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Nun hätte es fast einen Streit gegeben, wenn nicht
ein feiner Regen eingesetzt hätte, der sagte: „Das Leben
besteht aus Tränen, nichts als Tränen.“ Dann zog
er weiter zum Meer. Dort brandeten die Wogen und
warfen sich mit aller Gewalt gegen die Felsen und
stöhnten: „Das Leben ist ein stets vergebliches
Ringen nach Freiheit.“
Hoch über ihnen zog majestätisch der Adler seine
Kreise. Er frohlockte: „Das Leben ist ein Streben
nach oben.“
Nicht weit vom Ufer entfernt stand eine Weide.
Sie hatte der Sturm schon zur Seite gebogen. Sie sagte:
„Das Leben ist ein Sichneigen unter eine höhere
Macht.“ Dann kam die Nacht.
Mit lautlosen Flügeln glitt der Uhu über die Wiese
dem Wald zu und krächzte: „Das Leben heißt: die
Gelegenheit nutzen, wenn andere schlafen.“ Und
schließlich wurde es still in Wald und Wiese.
Nach einer Weile kam ein junger Mann des Wegs.
Er setzte sich müde ins Gras, streckte dann alle viere
von sich und meinte erschöpft vom vielen Tanzen
und Trinken: „Das Leben ist das ständige Suchen
nach Glück und eine lange Kette von Enttäuschungen.“
Auf einmal stand die Morgenröte in ihrer vollen
Pracht auf und sprach: „Wie ich, die Morgenröte, der
Beginn des neuen Tages bin, so ist das Leben der
Anbruch der Ewigkeit!“
Ein schwedisches Märchen
8 2/2003
durch
blick
Tierisches
Unser Dackel
Von Inge Göbel
Wir haben einen großen Freund,
das ist ein kleiner Hund,
der ist in Treue uns vereint
und das zehn Jahre rund.
Als liebliches Geschenk, so saß
er plötzlich auf der Matte
und machte manches Eckchen nass,
bis man ihn sauber hatte.
Sein kleines Köpfchen lernte schnell,
was er so machen sollte,
und mürrisch heiseres Gebell
sagte uns, wenn er’s nicht wollte.
Er fraß und schlief und spielte viel,
man sah ihn hier und da,
jedoch am besten ihm gefiel...
der Hausschuh von Papa.
Gar lustig war es anzusehn,
wie er die Pfötchen schmiss,
und wie er beim Spazierengehn
an seinem Leinchen riss.
Das Halsband, das war ihm ein Graus,
und wenn er’s gar nicht mochte,
dann zog er einfach’s Köpfchen raus
und sah uns an... und lachte!
Er war so putzig anzusehn,
so reizend und so zierlich.
Als er ein halbes Jahr alt war,
war er – beinah – manierlich.
Er wusste jetzt, was sich geziemt,
und wo er hingehörte,
so wurd er langsam – nach und nach –
zu der Familienzierde.
Papa erkor er sich zum Herrn,
den er von Herzen liebte,
mit dem er beim Spaziergang gern
auf Schäferhund trainierte.
Geschäft und Auto und das Haus
behütete er richtig.
Er meldete, wenn Kundschaft kam,
er wurde wirklich tüchtig.
Er konnte alles voll verstehn,
wenn wir uns unterhielten,
an seinem Köpfchen konnt man’s sehn,
und wie die Öhrchen spielten.
Als dann ein Enkelkindchen kam,
wurd er nicht eifersüchtig,
er nahm sich richtig seiner an
und wurd als Wächter wichtig.
Und als das Baby von Mama
wurd auf den Arm genommen,
ist unser Dackel ungesehn
mal rasch ins Bett gesprungen.
Das Bett, das war und ist ein Ort,
in dem er wohl sich fühlt,
doch nur wenn’s richtig mollig warm
und nicht wenn’s unterkühlt.
Sonst ist er brav, hat nie gemopst,
nie was vom Tisch geklaut,
und auf die Couch wird nur gehopst,
wenn Papa es erlaubt.
Dort liegt sein Deckchen schon bereit,
Herrchen und sein Wauwau,
da sitzen sie und schaun zu zweit
des Abends „Tagesschau“.
Doch gibt es dort nichts mehr zu sehn,
sind Hund und Herrchen müde,
sieht man die zwei ins „Kistchen“ gehn,
das Herrchen und sein Rüde.
Arbeitsgruppe
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Ausdruck einer Lebensweise
für Menschen im dritten Lebensalter.
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dort erfahren Sie mehr über uns
und unsere Ziele.
Kontaktadresse:
Erich Kerkhoff, Im Wolfseifen 68
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2/2003 9
durch
blick
Historisches
Ende des Zweiten Weltkrieges
Der Krieg ist aus! Wie aus weiter Ferne klingen
die Worte in meinem Ohr. O weh, mein Kopf, er
schmerzt. Der Genuss des Portweins, den die jungen
Soldaten aus Frankreich mitgebracht hatten, zeigte
seine Nachwirkung. Wo waren die Soldaten abgeblieben?
Langsam dämmerte es, als Vater ein wiederholtes
Mal sagte: „Kind, nun komm, der Krieg ist
aus.“ Ein paar schwache Glühbirnen und eine feuchte
Betondecke nahmen Gestalt an und boten ein
unfreundliches Bild. Mühselig wickelte ich mich aus
einer alten Decke und bemerkte die Menschen, die
auf dem Weg zum Ausgang des Bunkers waren. Als
ich aus dem diffusen Licht des Bunkers kam, stand
ich plötzlich in einem herrlich strahlenden Sonnentag,
wie ich ihn nie mehr in meinem späteren Leben
empfunden habe.
Frieden, Freiheit, keine Platzangst mehr zu haben
und die Sirenen nicht mehr zu hören, empfanden alle
wie eine Erlösung. Andere Gedanken schlichen
sich ein. Mussten wir doch noch Angst haben? Die
erste Hiobsbotschaft ging wie ein Lauffeuer durch
unser Dorf. Eine Vergewaltigung in einem anderen
Bunker. In unserem 4 000-Einwohner-Dorf arbeiteten
allein 1 500 russische Gefangene in einem kriegswichtigen
Bergwerk. Aber die Amerikaner würden
schon auf uns aufpassen ...
Zunächst wollten wir alle erst einmal nach Hause.
Erschöpft kamen wir an und froren trotz des warmen
Tages. Das war klar – wir waren hungrig und
übernächtigt und hatten keine warme Kleidung.
Wir wohnten nah am Wald und konnten uns immer
Holz holen, um zu kochen oder auch um uns zu
wärmen. Schnell knisterte das Feuer im Herd und gab
wohlige Wärme und auch etwas Gemütlichkeit ab. Es
wurde auch gekocht: Kartoffeln, Steckrüben und
etwas gepökeltes Fleisch.
Wir hatten gerade diesen Luxus genossen, da klingelte
es an der Tür. Ein Freund meines Vaters bat für
sich und seine Familie um Obdach. Die Amerikaner
hatten sich im Ort die schönsten Häuser ausgesucht,
um dort die Kommandantur zu errichten. Für meine
Eltern war klar, dass sie die fünfköpfige Familie
freundlich aufnahmen. Ich fand das ausgesprochen
prima, da ich mit zwei gleichaltrigen Mädchen alles
Erlebte besprechen konnte. An sich war unser Haus
schon randvoll besetzt durch eine evakuierte Familie
aus dem Ruhrgebiet. Alles ging ziemlich reibungslos
und dauerte auch nicht lang. Unsere Gastfamilie durfte
sich in Ruhe alles aus ihrem Haus holen und die
Amerikaner halfen auch freundlich dabei. Uns jungen
Mädchen bot man Schokolade an, wenn wir sie
besuchen würden. „I do not understand“ war immer
unsere Antwort. Etwas englischen Unterricht hatten
wir bei einer Ursulinenschwester genommen.
Unser Leben hatte sich nun schlagartig verändert.
Es gab neue Lebensmittelkarten und die Rationen
waren eher kleiner als im Krieg. Die großen Vorräte
waren soweit verbraucht und auch zu alt. Selbst im
Zucker entdeckte ich Würmer. In langen Schlangen
standen wir vor den Läden und mussten das Wasser
an den ersten Tagen aus der Lenne holen. An unser
Immunsystem wurden große Anforderungen gestellt
und manch einer blieb dabei auf der Strecke. Ab
18.00 Uhr durften wir nicht mehr aus dem Haus.
Sperrstunde. Alles verlief soweit ruhig, solange wir
unter der Aufsicht der Amerikaner waren. In fast allen
Fällen ...
Doch dann kam der Tag, den wir wohl kaum
vergessen sollten. Es war der Tag, als die Engländer
die Amerikaner ablösten. Wir waren einen Tag ohne
Aufsicht, als es zum Eklat kam. Ohne die Ordnungsmacht
nutzten die Russen die Gelegenheit,
den Hass, der sich in all den Jahren durch die Grausamkeit
an ihnen aufgespeichert hatte, loszuwerden.
Es kam zu unkontrollierbaren Übergriffen.
Einzelheiten hierzu möchte ich dem Leser und auch
mir selbst ersparen. Meine Feder sträubt sich dies
niederzuschreiben. Mein Schwager wurde Zeuge,
als die Russen jemand überwältigten, den die
Amerikaner retten konnten. Auch in den Wäldern
wurden ermordete Soldaten aufgefunden. Es wurden
einige ältere Männer verpflichtet, die Leichen
zu begraben. Es war sehr schlimm für sie. Da wir
direkt am Waldrand wohnten, ergab es sich öfter,
dass mich einer der Soldaten, die auf der Flucht
waren, ansprach. Ich erschreckte jedes Mal meine
Eltern, wenn ich glaubte, wieder mal einen mit nach
Hause nehmen zu müssen. „Kind, du bringst uns in
Teufels Küche!“ Welche Strafen zu erwarten waren,
das wusste auch ich. Ich erinnerte meine Mutter
dann immer daran, dass es mein Bruder sein könnte,
von dem wir seit langer Zeit nur einen Funkspruch
aus Le Havre bekommen hatten. Die Offensive am
Atlantik hatte viele Opfer gefordert. Dann wurde
meine Mutter ganz still und sie hatte einen Platz,
wo sich diese Menschen ausschlafen konnten und
etwas Warmes zu essen bekamen.
Elisabeth Hanz
10 2/2003
durch
blick
Kolumne
Richtige Hautpflege bei Diabetes
Sabine Vollwerth
Erhöhter
Blutzuckerspiegel
bei Diabetikern
bringt es
mit sich, dass
kleine Gefäße
vor allem im
Bereich der Augen
und der
Füße Schaden
nehmen. Der
Zucker kristallisiert
in ihnen
aus, die Gefäße
verengen sich
und die Durchblutung
wird
blockiert.
Im schlimmsten Fall droht das Erblinden. Im
Bereich der Beine und Füße können kleine Verletzungen
nur sehr schwer verheilen.
Offene Stellen mit massiven Entzündungen, Eiter
und Rötungen bleiben über lange Zeit ein Problem.
Viele Diabetiker/innen müssen Amputationen hinnehmen,
ohne dass meist die Naturheilkunde überhaupt
zum Einsatz kam. Sicher ist das A und O ein
gut eingestellter Blutzucker und eine Vollwertkost,
die fettarm und reich an Gemüse ist.
Da Diabetiker/innen eine große Menge an Zink
täglich über den Urin verlieren und auch Insulin
nur mit Zink zusammen wirken kann, ist die Nahrungsergänzung
mit einem Zinkpräparat dringend
erforderlich. Sind bereits offene Stellen an den Beinen
oder Füßen vorhanden, lohnt sich die Verwendung
verschiedener Pflanzen zur Wundbehandlung.
Regelmäßige Bäder mit Zinnkraut (Schachtelhalm)
und Brennesselkraut reinigen und entgiften. Im
Anschluss an das Bad empfiehlt sich eine Wundauflage
mit Spitzwegerichsalbe. Darüber kommt
zur Befestigung eine Kompresse mit einer Mullbinde.
Neben Spitzwegerich hat sich für das
gesunde Hautgewebe und die Wundränder auch
Rosmarinsalbe bewährt. Diese fördert die Durchblutung
und beugt Entzündungen vor. Die tägliche
Anwendung liefert auch das notwendige Fett für
die oft sehr trockene Haut. Rosmarin belebt und
steigert den Blutdruck, so dass Menschen mit erhöhtem
Blutdruck die Salbe nicht großflächig anwenden
sollten.
Sehr häufig werden Verletzungen an den Füßen
oder Beinen nur schwer von den Betroffenen wahrgenommen,
da viele Diabetiker/innen unter einer
Polyneuropathie leiden. Hierunter versteht man, dass
Nerven geschädigt sind, so dass das Empfinden in
den Beinen beeinträchtigt ist. Dieser Vorgang beginnt
schleichend und die ersten Symptome treten erst bei
fortgeschrittener Schädigung der Nerven auf.
Die Betroffenen haben das Gefühl, auf Watte zu
laufen.
Hierdurch entsteht eine Gangunsicherheit, die
leicht zu Stürzen führt.
Ameisenlaufen und Taubheitsgefühle an den
Unterschenkeln verhindern, dass Wunden und
Verletzungen frühzeitig bemerkt werden.
Es sei denn, man weiß, worauf zu achten ist.
Ihre
Sabine Vollwerth
(Apothekerin)
Zink ist ein wichtiges Spurenelement, wenn es um
die Wundheilung geht.
2/2003 11
durch
blick
Historisches
Gefangenengeschichten aus früheren Jahrhunderten –
Vom Verbrecher zum Christuszeugen
Ein überwältigend hohes Aufgebot an bewaffneter
Polizei rollt seit über 16 Monaten an Verhandlungstagen
mit Blaulicht zum Rotlichtprozess und garantiert
beim Transport der Gefangenen zum Gericht für
öffentliche Sicherheit.
Ein historischer Rückblick auf die Stärke der
Polizei im Siegener Kreisgebiet zu Zeiten von
Preußens Gloria zeigt da beim Stöbern in Archiven
im Vergleich zur Gegenwart eine bemerkenswerte
Wandlung auf: Die Exekutive wurde im Kreisgebiet
um 1850 von 15 Polizeidienern und sechs Gendarmen
bewältigt. Für die Stadt waren drei der
Im Vergleich zu früheren Rechtsverordnungen im
Fürstentum Siegen waren die Regelungen allerdings
noch human. In einem Erlass von 1765 hieß es noch:
„Wegen Ehebruchs mit einer Ehefrau soll die Mannsperson
mit dem Schwerte oder Wasser hingerichtet
werden.“ (Siehe Abbildung). Frauen wurden laut
Gesetz in solchen Fällen „gefänglich bestraft“.
Beispiele mit Daten und Fakten sind allerdings nicht
aufzuspüren.
Mit der Bewachung von Gefangenen, die mit der
Eisenbahn nach Hamm, Arnsberg, Herborn und
Münster in Gefängnisse oder Zuchthäuser gebracht
Polizeidiener zuständig, außerdem ein Gendarm zu
Fuß und einer zu Ross.
Dabei hätten Hundertschaften mit der Festnahme
von Gesetzesbrechern alle Hände voll zu tun gehabt,
wenn sie den preußischen Verordnungen gründlich
gefolgt wären. Es gab da Arreststrafen für Beamtenbeleidigung,
Traubendiebstahl, Möhrenausrupfen
oder „Vernachlässigung der Reinigung eines öffentlichen
Ofenrohrs“. Sechs Monate hinter Gitter
„wegen qualifizierter Misshandlung eines Kaufmanns
durch Maulschellen“ wurden 1825 einem
städtischen Nachtwächter aufgebrummt.
werden mussten, war der Polizeieinsatz hoffnungslos
überfordert. Der Transport verschaffte den „Kriminalverbrechern“
eine Fülle von Chancen zur
Flucht in die Freiheit: Für einen Fall, der Gefangenengeschichte
machte, sorgte 1855 der landesweit
bekannt gewordene Lithograph August Michel aus
Siegen, dem spätere Biographien ein Denkmal gesetzt
haben; (siehe Siegerländer Persönlichkeitenund
Geschlechter-Lexikon).
Als dieser Michel, wegen Falschmünzerei zu 15
Jahren Haft verurteilt, auf dem Siegener Bahnhof
an seinen Bewacher gefesselt seinen Abtransport
12 2/2003
durch
blick
Historisches
erwarten musste, befreite er sich durch einen
„eisensprengenden Griff in die Fesseln“.
Überliefert wird in einem Lebensbild des Autors
Adolf Kühn: „Der bärenstarke Michel packte sich
nun einen neben ihm stehenden Fuhrmann, und
warf ihn auf den Gendarmen.“
Auf ähnliche Weise hatte er sich schon einmal
vom festen Griff eines Polizisten befreit, den er mit
einem Bürgermeister zusammenstoßen ließ. Seine
Freiheit war – nach der Flucht aus dem Bahnhof –
von kurzer Dauer. Ganz Siegen war auf den Beinen,
um den wilden Michel wieder einzufangen, was
schließlich auch gelang. Inhaftiert zersägte er bald
danach die Gitter seines Zellenfensters mit einer im
dichten Haar versteckten Feile, durchschwamm
einen winterlich kalten Fluss und streifte viele
Wochen durch die Wälder. Im Siegerland warnten
die Mütter laut Überlieferung in den Kinderstuben:
„Wenn ihr nicht brav seid, kommt der
Michel.“
Fern der Heimat schließlich festgenommen,
konnte der prominenteste Siegener Kriminelle
noch einmal entwischen. Er entsprang dem fahrenden
Zug, nachdem er seinen Bewacher durch Hinweis
auf ein hübsches Mädchen abgelenkt hatte,
wurde aber bald endgültig gefasst.
In seiner Zelle wurde der wilde Michel durch
Gespräche mit einem mutigen Pfarrer und durch die
Freundschaft mit dem als „kleiner Menschenfreund“
bekannt gewordenen Reichsgrafen Prinz
von Salm Horstmar zum gläubigen Christen gewandelt.
Nach zehn Jahren Haft vom König begnadigt,
lebte er noch weitere Jahrzehnte als Wiegemeister
auf der Rolandhütte in Weidenau. Er wurde eine
führende Persönlichkeit der Siegener Erweckungsbewegung.
Alle liebten „Ohm Michel“. Eine große
Schar trauriger Siegener folgte im April 1900
seinem Sarg.
Trotz des glücklichen Endes dieser Geschichte
klingt ein Polizeibericht von 1855 nicht sehr glaubwürdig,
in dem es heißt: „Die Sicherheit der Person
im Kreis Siegen ist so groß, wie wohl nirgendwo im
Preußenstaat.“
Maria Anspach
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2/2003 13
Das ganze Leben ist ein Theater
Sagt man! Und ich kann mich dieser Feststellung
nicht entziehen. Aber mir fehlt das Rüstzeug.
Die große Weltenbühne – Völker und ihre Reiche
tauchen auf und gehen unter – Regierungsformen
überleben sich selbst – Menschen bauen auf und die
Zerstörung durch Menschenhand folgt auf dem Fuße.
Der Mensch korrigiert die Natur und entkorrigiert, da
sich seine Utopien als totale Fehlplanung erweisen.
Jeder spielt seinen Part, widmet sich einer Art Beschäftigungstherapie,
ohne dass der Weltenlauf groß
Notiz davon nähme.
Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Artikel
schreibe. Den Ausschlag gab ein Gespräch mit einer
Bekannten. Wir stellten fest, dass wir uns im Älterwerden
immer
mehr danach sehnen,
noch wahrgenommen
und
beachtet zu werden,
noch eine
Rolle zu spielen,
Anerkennung und
Zuwendung zu
erheischen, wenn
auch immer nur
für kurze Zeit.
Ich trat von der
beruflichen Bühne
ab und suchte eine
neue Plattform,
um mich darstellen
zu können.
Meine Leidenschaft galt schon immer dem Film
und dem Theater. Es ging mir, natürlich, um Inhalte,
aber ich habe auch die Diven beneidet und tue es noch
um das Leben, welches sie führten. Die Glitzerwelt,
in der die Sterne und Sternchen aufblitzen und verlöschen,
hat etwas Verführerisches für mich. Diese
Welt des Scheins, die uns für Stunden eine Kostprobe
davon geben kann, was Kunst ist oder nicht ist. Ich
wagte nicht einmal davon zu träumen, diese Bretter
zu betreten.
Ich wählte den Beruf der Krankenschwester.
Ein größerer Kontrast zwischen zwei Welten ist
kaum vorstellbar. Meine Sehnsucht nach allem
Schönen wuchs ins Unermessliche. Heute erhielt
durch
blick
Kultur
ich eine Karte mit dem tröstlichen Spruch: Wenn
du dir die Fähigkeit erhältst, Schönes zu erkennen,
wirst du nie alt. In unserem Theaterstück „Grauburgunder“
spricht unsere Sängerin den rührenden
Satz: Im Alter nimmt der Wunsch nach Schönheit
zu. Wohl, weil der Glanz des Äußeren so allmählich
verblasst. Die Ausstrahlung muss jetzt von
innen kommen.
Es ergab sich, dass in Siegen die Einrichtung eines
Senioren-Theaters diskutiert wurde. Regte sich
da ein uraltes Verlangen in mir? War es, endlich, eine
Möglichkeit, aus mir herauszutreten? Aber, wie
war das doch mit dem Alter? Wollte ich mich noch in
der Öffentlichkeit präsentieren? Hatte ich, in Gedanken,
nicht schon oft dafür plädiert, man möge in Europa
für ältere Frauen die Pflicht einführen, Schleier
zu tragen? Mir kam eine zündende Idee: Es könnte
Therapie für mich sein. Ich werde immer bedürftiger,
und mein
Selbstbewusstsein
schwindet
dahin. Warum
mir nicht wieder
ein Stück
Freiheit erkämpfen?
Warum
nicht endlich
lernen, mit
dem Leben etwas
spielerischer
umzugehen?
Ich betrat
die Bühne des
Senioren-Theaters
in Siegen.
Seniorentheater „SenTheSie“ – Aufführung während des Altstadtfestes
Meine Vorstellungen
waren hemmungslos. Klassische Rollen
schwebten mir vor. Drama, Tragödie. Ich sah es ein,
dass die Ernüchterung folgen musste.
Mit mir bestiegen 17 Frauen und ein Mann den
Ring. Der männliche Ritter ergriff schon recht bald
die Flucht. Ihm folgte ein wahrer Held, die Säule unseres
Unterfangens. Die Gruppe dünnte aus, aber der
harte Kern blieb.
Beziehungsgeschädigt, bin ich nie in den Hafen
der Ehe eingelaufen. Es gab, also, abgesehen von der
zeitweiligen Rolle einer Geliebten oder Partnerin, nie
eine der unzähligen Rollen, in die andere schlüpfen.
Ich spielte immer nur mich selbst. Ich muss mich je-
14 2/2003
durch
blick
Kultur
den Tag neu erfinden und bin einfach manchmal leer,
wenn ich nicht immer wieder neue Anregungen bekomme.
Warum kapitulieren die Männer? Ich bekomme,
auf Anfrage, dürftige Ausreden: Ich möchte keine
Rolle spielen oder Männer haben Angst, Gefühle zu
zeigen und Panik vor dem Versagen. Sollte die Frau
doch das stärkere Geschlecht sein?
Die wöchentlichen Theaterproben verkamen
zum besseren Debattierclub. Wir übten ein paar
Sketche, die Spass machten. Dann wieder Leerlauf.
Es wurde erst richtig spannend, und eine wahre Katharsis
vollzog sich bei jedem Einzelnen als der Entschluss
reifte, ein eigenes Stück zu erarbeiten, in
dem jeder die von ihm gewünschte Rolle spielen
durfte. Wir konnten schöpferisch tätig sein. Ein Leben
lang bin ich Menschen hinterhergelaufen, die
kreativ sind. Alle erschienen vollzählig zu den Proben,
die Arbeit schweißte uns zusammen, und es
entstand ein Ensemble, welches diesen Namen auch
verdient. Wir wurden einander sehr wichtig. Die
Vorstellung, im Lÿz aufzutreten, elektrisierte uns.
Panik brach aus, da die Zeit bis zum ersten Auftritt
nur so dahinschmolz. Fieberhaft wurden Kostüme
zusammengestellt, z. T. auch genäht. Wir waren detailversessen,
was das Bühnenbild betraf. Nur, was
passierte mit dem Inhalt? Die Texte saßen nicht, immer
wieder wurden Änderungen vorgenommen. Es
gab Konflikte, gelöste und ungelöste. Zuerst beharrte
ich auf meiner Interpretation meines Textes,
öffnete mich, jedoch mit der Zeit und bekam ein Gefühl
dafür, wie ich mit dem Text spielen kann, er ist
nicht starr und kompromisslos. Ich kann ihn benutzen
wie ein Instrument. Ich war begeistert und bin
unserer Theater-Pädagogin dankbar dafür, dass sie
mich dorthin geführt hat. Ich wurde mir der Sprache
wieder bewusst. Es ist auch im Alltag spannend,
deutlich und mit Betonung zu sprechen. Das gesprochene
Wort wird dadurch viel lebendiger und
auch gewichtiger, sowohl für mich selbst als auch
für meinen Gesprächspartner. Es hat mich immer
schon gestört, wenn Menschen die Zähne nicht voneinander
bekommen.
Wir waren erfolgreich mit unserem Stück und
sind sehr stolz. Nachhaltig beeindruckt hat mich ein
Moment, in dem mich meine Partnerin auf der Bühne
entsetzt ansah, sie wusste im Text nicht weiter.
Die Augen weiteten sich vor Schreck, das Gesicht
war blutleer, sie fing an zu zittern. Diese Erfahrung
ist sehr wichtig, damit man lernt, damit umzugehen.
Im Herbst gehen wir auf Tournee, und ich wünsche
mir, dass ich das freie Agieren auf der Bühne
auch in den Alltag zu transponieren vermag.
Liebäugeln nicht auch Sie mit einem Aufbruch ins
Reich der gespielten Träume oder des geträumten
Spielens?
Erika Krumm
Szenenbild aus „Grauburgunder“
2/2003 15
durch
blick
Siegerland
Im Perter-Paul-Rubens-Monat:
Rubens im Spiegel der Presse
Der Geburtstag von Peter Paul Rubens jährt sich
am 28. Juni zum 426. Mal. Zum fünften Mal geht es
vom 27. bis zum 29. Juni rund in Siegens Oberstadt.
Über 40 Musik-, Tanz- und Theatergruppen aus der
Region machen zwischen Oberem Schloss und Marktplatz
mit ihrem Angebot auf sich aufmerksam. Ritter,
Räuber, Gaukler, Bogenschützen und „alte Handwerksleut“
holen das Mittelalter vorübergehend in
die Gegenwart. Im Innenhof des Oberen Schlosses
wird Shakespeares Sommernachtstraum mit eingeblendeten
Siegener Highlights erneut aufgeführt.
Natürlich wieder dabei ist Rubens höchstpersönlich
im vollen Ornat, nicht geklont, sondern
gedoubelt. Ein Pfarrer aus Siegen übernahm schon
auf den vergangenen Festen die Rolle des Großen
Sohns, der seiner Geburtsstadt allerdings nie einen
Hauch von Interesse oder Zuneigung gezeigt hat.
Das muss wohl akzeptiert werden im Hinblick auf
die Umstände, die mit seiner Geburt und frühen
Kindheit zusammenhängen. Nun hat die Stadt
gründlich nachgeholt, was in der Historie versäumt
worden war. Unsere Vorfahren haben noch bis ins
19. Jahrhundert hinein schamvoll verschwiegen,
dass der kleine Peter Paul in Siegen geboren wurde,
weil sein Vater - wegen Ehebruchs mit Prinzessin
Anna von Sachsen - mit seiner Familie in die
fürstliche Residenzstadt verbannt worden war.
Ein erstes großes Jubelfest liegt bereits 26 Jahre
zurück. Damals, im Juni 1977, war die von Hermann
Kuhmichel geschaffene Büste des Malerfürsten
aus dem Rubenssaal, und auch sein dort
ausgestelltes Selbstportrait, bundesweit neben Presseveröffentlichungen
zu finden, Wer bis dahin noch
nicht wusste, wo die Wiege von PPR gestanden hat,
der wurde aufgeklärt. Dabei wurde die für Siegen
folgenreiche Vorgeschichte keineswegs totgeschwiegen.
So schrieben damals die Stuttgarter Nachrichten:
„Vor 400 Jahren in Siegen geächtet, heute hoch
geehrt.“ Das Hamburger Abendblatt titelte: „Mit
einem großen Skandal fing es an. So wurde Siegen
zur Rubensstadt.“ Und dann wurde im Abendblatt
vom Leder gezogen: „Von dem Knaben, der vor 400
Jahren am 28. Juni 1577 in Siegen geboren wurde und
sie als Kleinkind verließ, wollten die Bürger nichts
wissen. Peter Paul Rubens, der später weltberühmte
Maler, durfte nicht einmal in der Kirche getauft werden.
Sein Vater war für alle, die Bescheid wussten,
ein geächteter Schwerverbrecher. Er hatte mit der
Gattin Wilhelm des Schweigers Ehebruch begangen,
ein mit dem Tode bedrohtes Verbrechen. Die Siegener
mieden die Familie Rubens wie die Pest.“ Versöhnlicher
äußerte sich die Frankfurter Abendpost:
„Wenn ein Seitensprung heute noch als Verbrechen
geahndet würde, die Sünder müssten in den Gefängnissen
gestapelt werden. Ein Sonderfall.“ Der
Rheinische Merkur vermerkte, nicht ganz korrekt informiert:
„In der gleichen nassauischen Stadt Siegen,
von wo Wilhelm der Schweiger zur Befreiung der
Nordprovinzen der Niederlande auszog, hat auch das
Barockgenie seine Bahn begonnen.“
Die „Welt“ sah die Geburt von Rubens so, wie
wohl heute auch die meisten Bürger unserer Stadt:
„Dass der flämische Malerfürst vor 400 Jahren in
Siegen geboren wurde, war vielleicht ein Zufall,
bestimmt aber für die Stadt ein Glücksfall. Die
Rubenssammlung im Städtischen Museum kann sich
sehen lassen.“ Die „Zeit“ zitiert aus einem Brief, den
Peter Paul Rubens im Jahr 1637 an einen Freund
geschrieben hat: „Ich habe eine große Liebe für die
Stadt Köln, wo ich bis zum zehnten Lebensjahr
erzogen wurde, und seit Jahren fühle ich oft den
Wunsch, sie wieder zu sehen.“ Fazit der „Zeit“: „Von
Siegen ist nie die Rede. Der Maler hat die Geschichte
seiner Geburt erfolgreich verdrängt, wenn er sie denn
gekannt hat.“ Die „Berliner Zeitung“ stellte bedeutungsvoll
fest: „das Elternhaus in Siegen/Westfalen
schuf bereits die Grundlage seiner späteren enormen
Bildung.“ Und Fritz Busch, einer der vier genialen
Brüder, die wie Rubens in Siegen geboren wurden,
hier aber auch ihre Kindheit verlebten, schrieb in
seinem Buch „Erinnerungen eines Musikers“: „Wir
spielten oft vor dem Rathaus, in dem Peter Paul
Rubens geboren wurde.“
Es ist anzunehmen, dass die publizierten kleinen
Irrtümer durch die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt
Siegen inzwischen aufgeklärt sind. Die deutschen
und ausländischen Zeitungen, die dem Flamen zum
400. Geburtstag ihre Reverenz erwiesen, kamen am
Geburtsort Siegen nicht vorbei und stürzten sich auf
die einst skandalumwitterte Vorgeschichte. Als Werbefaktor
genutzt dürfte das Barockgenie die Stadt
vermutlich bekannter gemacht haben, als alle
Schmelzöfen und eisernen Relikte der Vergangenheit
zuvor.
Wenn Rubens heute herabsteigen könnte aus den
Gefilden der Unsterblichen, dann wäre er sicherlich
zufrieden mit seiner gewandelten Stadt, die so stolz
auf ihn ist.
Maria Anspach
16 1/2003
Der Siegener Marktplatz, mit einigen Unterbrechungen
immer noch um Rathaus und Krönchenkirche
etabliert, ist das volkstümliche, merkantile
Kommunikationszentrum der Stadt geblieben, auf
dem durch 12 Jahrhunderte die Geschichte der Bürger,
der Händler und Käufer „zu Markte getragen“
wurde:
Die Konditionen für Marktbesucher und Standinhaber
haben sich durch die Jahrhunderte geändert. In
der Gegenwart orientieren sich die Kaufleute an der
Marktordnung, die von der Arnsberger Regierung
festgelegt wurde.
durch
blick
Siegerland
Siegener Bürgergeschichte
– über 12 Jahrhunderte „zu Markte getragen“
In der Nassauischen Zeit war die Marktordnung
der Zünfte geprägt von Gründlichkeit und unerbittlicher
Strenge. Heute ist man nur noch gründlich. Hatte
im 17. Jahrhundert ein Bäcker einen „Missback“
gebacken, so musste er das Brot für drei Weißpfennige
den Armen verkaufen. Wer außerhalb der Marktgrenzen
verkaufte, den bestrafte die Polizei mit
Knüppelschlägen. Furcht Erregendes steht im vergilbten
„Gesetzbuch für Nassauische Lande“ von
1760: „Wenn nicht wegen der Verletzung des Marktfriedens
ohnehin auf die Hinrichtung oder eine andere
derselben gleichkommende Strafe erkannt wird,
muß der Schuldige jedenfalls mit Zuchthaus bestraft
werden.“
Im Mittelalter wurde die Ware der Händler vor
den Fenstern ausgebreitet oder auf Karren durch die
Gassen gerollt. Hausschlachtungen waren angesagt.
Was heute an Fleisch, Fisch, Geflügel abgewogen in
Kühlschränke und Gefriertruhen wandert, wurde oft
als Lebendgewicht ins bürgerlich-bäuerliche Anwesen
getrieben, bevor es in der Speisekammer oder im
Rauchfang landete.
Eine geschichtliche Betrachtung von Dr. Hans
Kruse beschreibt den Markt in jener Zeit: „In der Krämergasse,
wo die Höker und Kaufleute saßen, unter
dem Rathaus, wo die Bänke der Metzger und Bäcker
standen, am Kornmarkt, wo der Kornhandel vor sich
ging und am Saumarkt, wo die Schweine zusammengetrieben
wurden, herrschte lebhaftes Getriebe.“
Die Chronik des Siegener Marktes haben Generationen
von Marktmeistern und Stadtschreibern auf
vergilbtem Papier niedergelegt.
Moderner Marktstand heute
So berichtet eine Stadtrechnung aus dem Jahr
1609, wie die Hoheiten vom Schloss an der bürgerlichen
Alltäglichkeit teilnahmen: „Folgender Tags auf
Martini war Ihre hochfürstliche Durchlaucht, die
Gemahlin des Grafen Hyazinth allhier uffm Rathaus,
um das Markt zu besehen und hat Confect gekauft,
pro ein Gulden, 21 Albus.“
Der Markt in Siegen, fast so alt wie die Stadt
selbst, hat trotz vielfältiger Wandlungen seinen Charakter
als Mittelpunkt geschäftigen Gemeinwesens
behalten. Der Philosoph Diogenes hat den Marktplatz
von Athen mit der Laterne abgeleuchtet, um den
Geist seiner Stadt aufzuspüren. Es wird behauptet,
dass er ihn gefunden hat; in Siegen hätte er ihn wahrscheinlich
auch aufgestöbert.
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2/2003 17
durch
blick
Philosophisches
Freundschaft verbindet
· ·
·
Der Besuch zweier alter Freundinnen gab mir die
Anregung zu einer kleinen Betrachtung. Nachdem
die beiden Lieben sich verabschiedet hatten, nahm
ich mir ein kürzlich geschenktes Büchlein in die
Hand.
Freundschaft verbindet
Nachdenklich schlug ich die erste Seite von Joan
Chittister mit diesem Titel auf. Man braucht viele
Freunde, um ein Buch über Freundschaft zu schreiben,
so las ich es auf der ersten Seite.
Eine kleine persönliche Betrachtung
Mit dem Wort Freund bin ich bis vor einem Jahr
leichthin umgegangen. Außergewöhnliche Schicksalsschläge
oder Krankheiten lehren umzudenken.
In diesen Zeiten werden Freunde besonders wichtig.
Wir bekommen eine bessere Antenne für die
wahren oder so genannten Freundschaften. Wie
singt Milva: „Du hast so viele Freunde, Menschenkenntnis
hast du nicht.“ In Notzeiten stellen wir erstaunt
fest, da sind Freunde, wo wir sie nicht erwartet
hätten und umgekehrt, von denen wir es bis
jetzt annahmen und wir enttäuscht feststellen, die
sind es ja nicht. Leichthin wird der Begriff Freund
angewandt in einer Vielzahl von Bedeutungen. Er
steht für Bekannte, gute Kontakte, Reisebekanntschaften,
Zweck- oder Interessengemeinschaften.
Wenn George Eliot Recht hat, ist Freundschaft
mehr als ein Element gesellschaftlichen Lebens.
Dann ist sie eine spirituelle Kraft, die die Seele
berührt. Dieser Ausspruch verdeutlicht, dass bei
den tiefsten Freundschaften eine Seelenverwandtschaft
besteht. Solche Freundschaften sind ein Geschenk
des Himmels. Mögen sich Gegensätze anziehen,
sie sind kein gutes Fundament für eine Verbindung.
Wie lernen wir unsere wahren Freunde erkennen?
Sie helfen, heilen, dienen und sorgen. Unaufgefordert
sind sie da und machen unsere Probleme
zu den ihrigen. Sie hören dir zu und geben dir einen
Rat. Sie stellen nicht dauernd alles in Frage. Es
sind die Menschen, auf deren Hilfe man zählen und
sich verlassen kann. Sie sind immer zu dem richtigen
Zeitpunkt da und machen uns damit oft zu einem
besseren Menschen, helfen unsere Welt erträglicher
zu machen.
Wie finde ich so einen Freund? Den findet man
nicht, dem begegnet man.
„Unser Leben ist das Schicksal unserer Begegnungen“
(volkstümliches Sprichwort).
Die sonntägliche Veranstaltung des Seniorenbeirates
„Tanztee“ findet jetzt im „Si-Haus“ in Siegen-Geisweid
statt.
Gehe ich 66 Jahre zurück, da sah ich meine erste
Freundin. Das zweite Schuljahr begann. Etwas scheu
stand inmitten unserer Klasse (72 Jungen und
Mädchen) Ricarda. Sie war die Neue und schön wie
aus dem Bilderbuch. Spontan dachte ich, die möchtest
du zur Freundin haben. Sie ist es bis auf den heutigen
Tag geblieben. Etwas später wurde Lilli die
Dritte im Bunde. Wie sagt eine afrikanische Spruchweisheit:
„Wir pflanzten ein kleines Bäumchen der
Freundschaft, heute ist es zu einem großen Baum gewachsen.“
Vertieft hat sich unsere Beziehung durch
lebenslange gemeinsame Erlebnisse, Anliegen und
ähnliche Aufgaben.
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durch
blick
Marias Krimi
Das Eigentor
„Bitte reichen Sie mir meinen Nerz!“
Seit Adalbert Krückmeier eine Stelle als Aushilfskellner
im Café auf der Düsseldorfer Königsallee
bekommen hatte, konnte er sich auch selber wieder
aushelfen, besser als je zuvor. Hier, wo die
elegante Gesellschaft dicht an dicht um kleine Tische
saß und die Garderobenständer überladen an den
Wänden standen, hatte er für seine bemerkenswerte
Fingerfertigkeit ein breites Betätigungsfeld.
Mancher stattliche Schein, ein silbernes Zigarettenetui,
parfümierte Seidenschals und sogar ein Ehering
waren so ganz unbemerkt in seinen Besitz
geraten. Aber auf die Dauer wollte der Taschendieb-
Profi nicht nur mit Brosamen zufrieden sein. Es
gelüstete ihn nach größeren Brocken.
Ganz durch Zufall kam Adalbert auf den Trick mit
der Perlenkette. Das Serviermädchen Lola trug um
ihren weißen Hals eine billige Kette, die er ihr im
Kaufhaus per Selbstbedienung besorgt hatte. Sie war
fast gar nicht von den schimmernden Colliers zu unterscheiden,
die Adalbert an seinen vornehmen weiblichen
Gästen bewundern konnte. Im Warenhaus besorgte
er sich auf die ihm vertraute Weise mehrere der
Schmuckstücke in verschiedenen Längen. Sein Trick
war ziemlich simpel: Während man einer Dame in
den Mantel hilft und mit ihr plaudert, löst sich „ganz
zufällig“ der Kettenverschluss. Beim Bemühen, das
herabgleitende Prachtstück wieder zu befestigen,
wird ein kleiner Tausch vorgenommen.
Beim ersten Versuch ging alles schief. Die rundliche
Dame, der Adalbert in den Ozelot half, während
er mit einer Hand an dem Kettenschloss nestelte,
hauchte errötend: „Nicht doch, mein Mann beobachtet
uns.“ Bei einem weiteren Versuch ging der Verschluss
nicht auf. Beim dritten Ansatz handelte es
sich bei näherer Betrachtung um preiswerten Modeschmuck.
Aber dann sah Adalbert sie: die Traumfrau,
die ganz große Dame und die ganz große Chance. Ihr
tizianrotes Haar fiel weich über die weißen Schultern,
und ihre umwerfende Figur steckte wie in einem Futteral
im schwarzen Samtgewand. Im wirkungsvollen
Kontrast dazu trug sie eine Perlenkette, die sich erfreulich
weit abwärts verfolgen ließ.
Adalbert wunderte sich, dass ein so bezauberndes
Wesen ohne Begleitung erschien. Die Schöne trank
einen Tee, aß ein Erdbeertörtchen, rauchte eine
Zigarette und winkte: „Bitte zahlen.“ Adalbert erhielt
ein nobles Trinkgeld. Dann forderte die Lady ihn direkt
zu seinem Vorhaben auf: „Bitte reichen Sie mir
meinen Nerz“, sagte sie mit melodischem Timbre und
zeigte auf das kostbare, silbergrau schimmernde
Pelzjuwel, das unmittelbar hinter seinem Stuhl auf
dem Bügel am Garderobenhaken auf sich aufmerksam
machte. Jetzt war Adalbert überzeugt, nach
seiner Pechserie einen Volltreffer landen zu können.
Er ahnte nicht, dass er gezielt ein Eigentor schießen
sollte.
Der Trick gelang diesmal hervorragend. Der
Tausch klappte ohne Panne. Das kostbare Stück ruhte
in Adalberts Hand und rutschte in die Hosentasche.
Die Traumfrau sah ihn aus meergrünen Augen an.
„Bringen Sie mich jetzt bitte schnell zum Wagen“,
flüsterte sie. Adalbert folgte ihr begeistert und half ihr
in den schnittigen Sportwagen. Bevor sie auf den
Gashebel drückte, rief sie ihm mit keineswegs mehr
melodischer Stimme zu: „Du Anfänger. Die Kette ist
zwar echt, aber zweite Wahl. Der Trick ist billig. Der
Nerz ist allerdings teuer, sehr sehr teuer.“ Sie brauste
los. Verwirrt und fassungslos blieb Adalbert zurück.
Hinter ihm schrie eine überschnappende Stimme.
„Diebe, mein Nerz! Der Kerl hat meinen Nerz gestohlen
und im Wagen abtransportieren lassen.“ Die
Polizei erkannte Adalbert als „Ganoven-Bertie“ auf
Anhieb. Dass für den Nerzdiebstahl eine ihm weit
überlegene Kollegin verantwortlich war, nützte ihm
nichts. Ein Griff in seine Tasche förderte die Perlenketten
ans Licht, die er „bei der Arbeit“ immer bei
sich trug, und eine davon war echt.
Maria Anspach
20 2/2003
durch
blick
Frauen
Dina Herters Vermächtnis:
„Es muss
mehr getan werden
für ältere
Menschen.“
Es kommt vor,
dass ein einziger
guter Gedanke,
eine sinnvolle
Idee, über Jahrzehnte
hinaus segensreiche
Folgen
zeigt. Vor
35 Jahren erfüllte
sich die Siegenerin
Dina Herter
den Wunsch, ihr
Vermögen von
220 000 Mark
testamentarisch dem städtischen Siegener Altenheim
Theodor-Kessler-Heim zu vermachen. „Die Bewohnerinnen
und Bewohner sollen ab und zu ein Viertelchen
auf mein Wohl trinken“, hatte sie dem Testamentsvollstrecker
1968 – ein Jahr vor ihrem Tod –
gesagt und damit gleich angedeutet, welche Bedingungen
mit ihrem Vermächtnis verbunden sind.
Seitdem erfüllt der Vorstand der Stiftung, deren
Vorsitzender der jeweilige Leiter des städtischen
Sozialamtes ist, ganz im Sinn der Stifterin die Auflage,
das Leben der Heimbewohner mit kleinen Freuden
zu bereichern, die Abwechslung in ihren Alltag
bringen. Dina Herters Devise lautete: „Es muss mehr
getan werden für ältere Menschen, auch fürs Herz.“
Das gilt noch immer als Herausforderung. Seit dem
Umzug in das „Seniorenzentrum Kursana – Theodor-
Kessler-Haus“ am Witschert hat sich daran nichts
geändert.
Das erste Geschenk der Dina-Herter-Stiftung
nahmen die Heimbewohner Weihnachten 1971 in
Empfang: eine Flasche Wein, ein Geldgeschenk und
eine kleine Überraschung für jeden.
Das in Wertpapieren angelegte Vermögen ermöglicht
heute außer dem „Viertelchen“ und den Weihnachtsüberraschungen
ein erweitertes Spektrum der
Angebote. Am Nikolaustag, dem ganz persönlichen
Geschenktag im Seniorenzentrum, werden jeweils
besprochene Wünsche der Bewohner erfüllt. Da ist
dann Vorfreude angesagt. Die „helfenden Frauen“
unter Leitung von Frau Zingler betreuen die jeweiligen
Unternehmungen. Es gibt kleine Feste an
Geburtstagen und zu sonstigen besonderen Anlässen
und ein großes Fest mit buntem Unterhaltungsprogramm
am Geburtstag der Stifterin.
Dina Herter, Tochter des Lokomotivführers Engelhard
Maechler und seiner Frau Henriette Wurm,
wurde 1883 in Siegen geboren. 1923 heiratete sie in
Stuttgart den Generaloberarzt Dr. Gustav Herter, der
mit der reichen New Yorker Familie Herter verwandt
war. Er starb 1945. Nach seinem Tod lebte Dina Herter
in Stuttgart zunächst von geringen Mieteinnahmen.
Ihren Wertpapierbesitz konnte sie nach der
Währungsreform erheblich vergrößern. Die Bestimmung,
die Erträge testamentarisch älteren Menschen
in ihrer Geburtsstadt zukommen zu lassen, entsprach
ihren von Freunden geschilderten Charaktereigenschaften:
Großzügigkeit, Hilfsbereitschaft, Einfühlungsvermögen
und Humor.
Sie liebte ihren großen Garten, Spaziergänge, Geselligkeit
und eben ab und zu einen guten Wein. Dina
Herter starb am 15. November 1969 in Stuttgart,
wo sie ihre letzte Ruhestätte fand. In Siegen bleibt ihr
ein Denkmal, das in der Dankbarkeit und Freude der
alten Menschen lebendig ist.
Aktiv und bewegt älter
werden in Siegen
Eine handliche Informations-Kladde, in der –
übersichtlich gegliedert – die sportlichen Möglichkeiten
älterer Menschen in unserer Stadt
erfasst sind. Unterteilt in sechs Stadtbezirke, und
alphabetisch geordnet, finden die Interessierten
einfach und schnell ihr passendes sportliches Angebot.
Dazu schreibt die Seniorenbeauftragte der Stadt
Siegen, Frau Astrid E. Schneider, in ihrem Vorwort:
Sie können aus mehr als 120 Kursen wählen
und Ihr persönliches Freizeit und Fitnessprogramm
zusammenstellen. Die neue Broschüre
zeigt die Fülle der sportlichen Angebote, die Seniorinnen
und Senioren in dieser Stadt wahrnehmen
können. Diesen wichtigen Service ermöglichen
neben dem Seniorenbüro, der Sport- und Bäderabteilung
und dem Seniorenbeirat der Stadt Siegen,
zahlreiche Vereine sowie private und freie
Träger und andere Organisationen. All dies trägt
dazu bei, dass die älteren Menschen in dieser Stadt
beweglich bleiben und so ein mehr an Lebensqualität
genießen können.
Maria Anspach
2/2003 21
durch
blick
Wohnen
„Service Wohnen“
– ein Lichtblick für Senioren
Einmal im Monat arbeite ich im DRK-Altenheim
in Neunkirchen in der Beschäftigungstherapie. Mit
12–15 Bewohnern bereite ich ein Mittagessen. Die
Senioren sind begeistert mitarbeiten zu können, weil
sie an diesem Tage echte Hausmannskost bekommen.
Während meiner Arbeit fiel mir eine alte Dame besonders
positiv auf. Sie war geistig sehr rege, machte
öfter witzige Sprüche und ging mir flink zur Hand.
Eines Tages überraschte sie mich mit der Aussage
„Morgen ist mein großer Tag. Ich ziehe um in mein
neues Heim ins Zentrum Service Wohnen.“ Neugierig
wie ich war, kündigte ich ihr meinen Besuch an.
Ich wurde konfrontiert mit der Problematik ihrer Generation.
81 Jahre alt, mit 20 geheiratet, ihr Mann
war Berufssoldat. Während des Krieges wurde ihre
Wohnung von Bomben zerstört. Sie evakuierte in den
Harz und fand bei Verwandten Unterschlupf. Nach
dem Krieg kehrten sie und ihr Mann nach Hannover,
ihrer Geburtsstadt zurück. 1990 verstarb ihr Mann,
Bis dahin lebte sie mit ihm und ihren zwei Kindern
erst zur Miete, später dann in einer Eigentumswohnung
zusammen. Diese Wohnung behielt sie bis zu
ihrer schweren Erkrankung im Jahr 2002. Dann musste
sie ins DRK-Pflegeheim nach Neunkirchen ziehen.
Dort verbrachte sie ein halbes Jahr, bis eine Wohnung
im „Service Wohnen“ frei wurde. Ich
fragte sie, ob ihr der Wohnungswechsel nicht schwer
gefallen sei, schließlich hatte sie ja ihre lieb gewonnenen
Freunde und ihre gewohnte Umgebung aufgegeben,
um völlig neu zu beginnen. Ihre Antwort kam
sehr spontan: „Es war die beste Entscheidung meines
Lebens.“ Nachdem ich ihre Wohnung von 59 qm
Größe angeschaut hatte, habe ich mich mit ihr gefreut.
Sie ist nie mehr allein. Im Haus ist immer ein
Ansprechpartner, der auch bei Ängsten und Nöten zu
helfen weiß. Mit einem Aufzug lassen sich die Etagen
mühelos überwinden. In jedem Zimmer ist eine
Notglocke angebracht, die mit dem Seniorenzentrum
verbunden ist. In der eigenen Küche können Mahlzeiten
zubereitet werden oder nach Lust und Laune
im Seniorenzentrum im Speisesaal eingenommen
werden. Auch sonst kann man jeglichen angebotenen
Service in Anspruch nehmen. Dazu gehören: Raumund
Wäschepflege, ein Fahrdienst nach Voranmeldung.
Nicht zu vergessen die vielen Veranstaltungen,
die man besuchen kann, wenn man gesellig beieinander
sein möchte. Man hat jederzeit die Möglichkeit,
sich in seine eigenen vier Wände zurückzuziehen,
um seinen privaten Bedürfnissen nachzugehen.
Unabhängigkeit und Selbstständigkeit können so
„Service Wohnen“
– Die beste Entscheidung meines Lebens
lange wie möglich aufrechterhalten bleiben. Bei
kurzzeitiger Erkrankung steht der ambulante Krankendienst
zur Verfügung. Das Essen kann auf
Wunsch in die Wohnung gebracht werden. Es wird
Hilfe geleistet bei Behördengängen wie auch beim
Ausfüllen von Antragsformularen.
Alle diese Leistungen sind für jeden erschwinglich.
Die Höhe der Rente ist kein Hinderungsgrund.
Die Grundmiete ist gestaffelt nach dem Einkommen
der jeweiligen Person und liegt zwischen 4,09
Euro und 8,26 Euro je qm Wohnfläche.
Die Nebenkosten wie Heizung, Wasser, Müllabfuhr
etc. betragen zzt. 3,00 Euro je qm.
Für die Grundversorgung, dazu gehören: Hausnotruf,
Allgemeine Pflege und Vermittlungsdienste,
und Persönliche Hilfe wird eine Pauschale von zzt.
70,00 Euro pro Person und Monat erhoben.
Die Kosten für Essen betragen zzt.: Frühstück:
2,25 Euro, Mittagessen: 3,70 Euro, Kuchen + Kaffee:
1,45 Euro, Abendessen: 2,85 Euro.
Diese Leistungen können nach Wunsch in Anspruch
genommen werden.
Ich hoffe, mit meinen Ausführungen einigen Menschen
Mut gemacht zu haben, ohne Angst in die
vierte Lebensphase zu gehen.
Doris Meinerzhagen
22 2/2003
durch
blick
Wohnen
Wohnformen im Alter
Das kennen viele ältere Bauherren: Nach erfolgter
Rückzahlung der Hypothekendarlehen kommt die
Bewilligung zur Löschung der Grundschuld. Die Sache
wird von einem Notar schnell und reibungslos erledigt
– wenn ihm der Grundschuldbrief vorgelegt
wird. Erstaunlicherweise geht der aber vielen Siegerländern
„angeblich verloren“ – so jedenfalls heißt
es dann in der gerichtlich angeordneten (teuren) öffentlichen
Suchaktion. Warum ist dieses Verfahren
im hiesigen Gerichtsbezirk so überdurchschnittlich
oft erforderlich? Die Beobachtung zeigt, dass fast jedes
Haus im Siegerland im Laufe der Jahre mindestens
einmal an-, um- oder ausgebaut wird. Gelegentlich
kommen alle drei Absichten zusammen.
Offenbar beabsichtigen viele Menschen, eine vorhandene
Grundbucheintragung zur Absicherung weiterer
Planungen bzw. künftiger Darlehen erneut in
Anspruch zu nehmen. Wenn der Grundschuldbrief
sich dann wieder finden lässt …
Ebenso wichtig wie eine Finanzierungsgrundlage
ist die Planungsabsicht, also eine realistische und
dauerhaft tragfähige Vorstellung von der angestrebten
Wohnform. Schließlich möchte jeder Mensch seine
Wohn- und Lebensverhältnisse so gestalten, dass
ein selbstbestimmtes Wohnen auch im Alter möglich
ist. Viele wollen in der Familie alt werden, lebenslang
bei den eigenen Kindern wohnen und sich womöglich
von denen auch pflegen lassen. Aber das erweist
sich zunehmend als Illusion. Dem individuellen Gesundheitszustand
entsprechend gibt es dazu auch
mehrere Alternativen:
• das selbstständige Wohnen, eventuell im
Single-Haushalt,
• das „Wohndorf“ für ältere Menschen,
• gemeinsames Altwerden mit einem Partner/einer
Partnerin auf Mallorca, mit dem
Wohnwagen etc.,
• das betreute Wohnen,
• die ambulante Pflege,
• das Tagespflege-Altenheim,
• das Altenpflegewohnheim,
• selbst organisierte Wohngemeinschaften älterer
Erwachsener, eventuell gemeinsam mit
jüngeren Menschen.
Audi Zentrum Siegen
Leimbachstraße 165 · 57074 Siegen
Tel. 02 71/23 44 60 · Fax 02 71/2 34 46-11 · www.audi-zentrum-siegen.de
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Und um Sie.
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Audi-Shop mit Zubehör und Accessoires, sondern auch eine große
Auswahl an Gebrauchtwagen, inklusive hochwertiger Geschäftsund
Jahreswagen der AUDI AG. Und weil sich bei uns außer um
Audi auch alles um Sie dreht, können Sie sich auf persönliche Beratung
und Betreuung ebenso verlassen wie auf unseren hoch
professionellen Audi-Service. Überzeugen Sie sich selbst. Über
60 hoch motivierte und qualifizierte Mitarbeiter stehen Ihnen mit
Rat und Tat zur Seite.
2/2003 23
durch
blick
Wohnen
Wohnformen im Alter
Wie im durchblick Nr. 1/2003 angekündigt, wird
das Thema „Wohnen im Alter – altersgerechtes Wohnen“
für die Redaktion ein zentrales Thema bleiben.
Eine besondere Herausforderung sehen wir unter der
Überschrift „selbst organisierte Wohngemeinschaften
älterer Erwachsener“, denn das ist die offenbar
anspruchsvollste Form des Wohnens im Alter. Allerdings
erfordert sie eine Sensibilisierung, Ermutigung
und vor allem Information der angesprochenen Menschen
im Siegerland. Dafür bieten sich praktische
Beispiele (Modellprojekte) ebenso an wie Unterstützungsangebote
des Bundes und Programme des
Landes NRW.
Gemeinsam mit dem AlterAktiv Siegen e.V. bleibt
die durchblick-Redaktion „am Thema“. In einem
nächsten Schritt werden wir entsprechende Erfahrungen
der Regionalbüros „Neue Wohnformen im
Alter“ (Köln und Bochum) verfügbar machen. Dazu
laden wir interessierte Personen in das „Haus Herbstzeitlos“
ein. Termine: Mo. von 14 bis 18 Uhr, Mi. von
9 bis 12 Uhr.
Modellwohnanlage Haus Mobile, Köln
Erich Kerkhoff
Grundsicherung
Viele Menschen scheuen in einer finanziellen
Notlage den Gang zum Sozialamt. Zum einen ist es
die Befürchtung, dass Angehörige wegen ihrer Unterhaltspflicht
in Anspruch genommen werden könnten,
zum anderen ist es die Angst davor, diese Notlage
zugeben zu müssen. Hier wird die neue bedarfsorientierte
Grundsicherung die Lage der Betroffenen
verbessern.
Anspruch auf diese Leistung haben Personen,
• die ihren Wohnsitz in Deutschland haben,
• die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenem
Einkommen und Vermögen, bzw. aus dem
Einkommen und Vermögen des (nicht getrennt
lebenden) Partners finanzieren können,
• die das 65. Lebensjahr vollendet haben oder
aus medizinischen Gründen dauerhaft voll
erwerbsgemindert sind, (wobei der Bezug
einer Rente wegen Alters oder voller Erwerbsminderung
nicht vorausgesetzt wird),
• deren Einkünfte eine bestimmte Höhe nicht
überschreiten (derzeit 844 Euro).
Zum Einkommen und Vermögen gerechnet werden
zum Beispiel:
• Renten, Pensionen, Erwerbseinkommen,
Wohngeld-Einkünfte aus Vermietung und
Verpachtung, Wohnrechten, Unterhalt, usw.,
• Haus- und Grundvermögen, Pkws, Wertpapiere,
Rückkaufwerte von Lebens- und Sterbeversicherungen,
Guthaben auf Konten bei
Sparkassen, Banken, Bausparkassen und
dergleichen, (wobei Geldbeträge bei Alleinstehenden
bis zu einem Betrag von 2301 Euro
und bei Verheirateten/Lebenspartnern von
2915 Euro nicht berücksichtigt werden).
Keinen Leistungsanspruch haben
• Personen, wenn das Einkommen der Kinder
oder Eltern jährlich einen Betrag von
100 000 Euro übersteigt,
• Personen, die ihre Bedürftigkeit innerhalb
der letzten zehn Jahre vorsätzlich oder grob
fahrlässig herbeigeführt haben,
• ausländische Staatsangehörige, die Leistungen
nach dem Asylbewerberleistungsgesetz
erhalten.
Die Leistungen der Grundsicherung beginnen mit
der Antragstellung. Nachzahlungen erfolgen nicht!
24 2/2003
durch
blick
Wohnen/Grundsicherung
Grundsicherung-Berechnungsbeispiele:
Eine Alleinstehende
mit einer Miete in Höhe von 250 Euro, Heizkosten von 50 Euro und einer Rente von 218,58 Euro
(Eigenanteil für Kranken- und Pflegeversicherung 18,58 Euro) hat einen Grundsicherungsbedarf von:
Bedarf für eine Alleinstehende Hier können sie ihre
Regelsatz Haushaltungsvorstand 293,00
Zuschlag von 15 % 43,95
Miete 250,00
Heizkosten 50,00
Kranken- u. Pflegeversicherungsbeitrag entfällt
Mehrbedarf von 20 % wegen Merkmal G entfällt
im Schwerbehindertenausweis
Grundsicherungsleistung vor der 636,95
Einkommensberücksichtigung
Abzüglich Renteneinkommen nach Abzug des eigenen 200,00
Beitragsanteils
Ergibt einen Grundsicherungsanspruch von 436,95
Zahlen eintragen
Für nicht getrennt lebende Ehegatten oder Partner
(beide sind über 65 Jahre alt) mit einer Miete von 300,00 Euro, Heizkosten von 66 Euro, Renten
von 655,74 Euro und 327,87 Euro (Eigenanteil für Kranken- und Pflegeversicherund 55,74
und 27,84 Euro) besteht ein Grundsicherungsbedarf von:
Bedarf für Lebensgemeinschaften 1. Person 2. Person Hier können Sie Ihr
Haushaltungs- Haushalts- Zahlen eintragen
vorstand angehörige 1. Person 2. Person
Regelsatz Haushaltungsvorstand bzw. 293,00 234,00
Haushaltsangehöriger
Zuschlag von 15 % des Regelsatzes 43,95 43,95
Haushaltungsvorstand
Unterkunftskosten (für jeden anteilig) 150,00 150,00
Heizkosten (für jeden anteilig) 33,00 33,00
Kranken- u. Pflegeversicherung entfällt
Mehrbedarf von 20 % wegen Merkmal G entfällt
im Schwerbehindertenausweis
Bedarfssumme 519,95 460,95
abzüglich Renteneinkommen nach 600,00 300,00
Abzug des Beitragsanteils
ergibt einen Überschuss von 80,05
ergibt einen ungedeckten Bedarf von 160,95
abzüglich Überschuss beim Partner 80,05
ergibt einen Grundsicherungsanspruch von 0,00 80,90
2/2003 25
durch
blick
Wohnen
„Gefährliches Wohnen“
Tipps
Zum Silvesterabend gehört für viele Menschen
alljährlich die Fernsehsendung: „Diner for One“.
Es sind zwei Personen, deren Verhalten bei den Zuschauern
große Heiterkeit auslösen. Da ist die ältere
englische Lady – sie gibt für ihre verstorbenen Freunde
eine Party – und der Butler. Immer wieder umrundet
er den gedeckten Tisch, schenkt alkoholische
Getränke aus und prostet seiner Lady reihum mit
allen Gläsern zu. Zur
Raumausstattung gehört ein
am Boden liegendes Tigerfell,
über dessen Kopf der
Butler nach jeder Runde immer
wieder stolpert.
Viele ältere Erwachsene
haben derartige „Stolperfallen“
in ihrer Wohnung – selten
lösen sie die Heiterkeit
aus, wie beim Diner for One.
Im günstigen Fall erschweren
sie den Alltag, führen
aber oft auch zu Unfällen mit
dauerhaften Beeinträchtigungen.
Pro Jahr verletzen
sich 400 000 der über 65-
Jährigen bei Stürzen. Und
zwar ernsthaft. Von 6 625
Opfern tödlicher Unfälle in
Heim und Freizeit sind 5 198
älter als 65 Jahre. Das sind
78 Prozent! (1)
Da die meisten Menschen
im Alter in der bisherigen
Wohnung bleiben
wollen, werden viele Stolperfallen
erst dann wirksam
oder besonders gefährlich.
Daher sollte man mögliche
Beeinträchtigungen frühzeitig
wahrnehmen und entsprechende
Veränderungen
vornehmen. Wer Anpassungen
(„Enthinderungen“)
vornehmen will oder eine altengerechte
Wohnung sucht,
sollte daher auf viele Details
achten. Für diesen Zweck
hat die Firma HEWI eine
Checkliste entwickelt, der
die folgenden Hinweise entnommen
sind:
Barrierefreies Wohnen bedeutet, dass Sie komfortabler
und sicherer leben, wenn sich Ihre körperliche
Verfassung ändert. Wohnraumanpassungen
können bisweilen von der Steuer abgesetzt
werden oder über die Pflegeversicherung bezuschusst
werden.
Das Haus
mit dem großen Service!
• Beratungs-Service
zu Hause gratis
• Nähservice
• Dekorieren
durch Fachkräfte
• Gardinen-, Wasch-
& Änderungsservice
• Wir verlegen
Teppichböden
• Kettelservice
Siegen-Geisweid • Marktstraße 29
Tel. 02 71/8 30 41 • www.mackenbach.de
26 2/2003
durch
blick
Wohnen
Checkliste
Küche & Bad
• Ist die Ausstattung Ihrer Küche bequem und
sicher?
• Sind alle elektronischen Anzeigen gut
erkennbar?
• Ist die Arbeitsfläche komfortabel für Sie oder
würden Sie lieber im Sitzen in der Küche
hantieren?
• Sind die Türdrücker/-griffe ergonomisch und
leicht zu greifen?
• Sind die Türen breit genug, um im Krankheitsfall
auch mit einem Rollstuhl in die Räume
zu gelangen?
• Können Sie die Armaturen/Wasserhähne gut
bedienen?
• Fällt es Ihnen leicht, in die Badewanne zu
steigen?
• Gibt es eine Möglichkeit, sich in der Wanne
zu setzen?
• Sind die Griffe/Handtuchhalter über und
neben Wanne und Dusche stabil genug, um
sich festzuhalten?
• Hat Ihr Bad eine ebenerdige Dusche?
• Haben Sie einen Duschsitz?
• Lässt sich die Brause bequem in der Höhe
verstellen?
• Sind im Bad Stützgriffe, wo Sie welche
benötigen: z. B. neben WC und Waschtisch?
• Haben Sie einen ergonomischen Waschtisch,
vor dem Sie bequem sitzen können?
• Ist der Spiegel flexibel in der Höhe verstellbar,
so dass Sie sich darin auch im Sitzen
sehen können?
• Gibt es ausreichend Ablageflächen für
Waschutensilien?
• Entsprechen die angebrachten Produkte ergonomischen
Anforderungen? Haben sie
keine scharfen Kanten, sondern abgerundete
Formen?
• Ist das WC für Sie hoch genug angebracht?
• Sind die Armaturen mit einem Verbrühschutz
ausgestattet?
• Gibt es Stolperfallen, wie z. B. rutschige
Matten in Ihrem Bad?
• Schließt die Badezimmertür von außen?
Schränke und Stauräume
• Können Sie Schränke bequem erreichen?
• Ist die Waschmaschine dort untergebracht,
wo Sie gut arbeiten können?
• Ist die Höhe der Tür- und Schrankgriffe für
Sie optimal gewählt?
• Gibt es ausreichend Bewegungsflächen?
Licht und elektronische Sicherheitssysteme
• Lassen sich die Lichtschalter bequem bedienen?
• Sind Lichtschalter in der für Sie bequemen
Höhe angebracht?
• Verfügen Sie über ausreichend Lichtquellen?
• Haben Sie ausreichend Nachtlicht zur
Orientierung?
• Benötigen Sie Verlängerungskabel? Wenn ja:
• Sind sie so angebracht, dass sie nicht zur
Stolperfalle werden?
• Verfügen Sie über ein Alarmsystem?
• Können Sie Ihr Telefon im Notfall erreichen?
• Ist Ihre Haustürklingel in jedem Bereich der
Wohnung/des Hauses gut hörbar?
Flur und Garten
• Sind im Flur Handläufe angebracht?
• Gibt es farbige oder ertastbare Orientierungshilfen
im Treppenhaus?
• Entsprechen die Treppenstufen der Größe
Ihrer Füße?
• Wäre eine Rampe als Zugang zum Haus für
Sie nützlich?
• Ist der Eingangsbereich zum Haus ausreichend
beleuchtet?
• Verfügt das Gebäude über einen bequem zu
erreichenden Parkplatz?
• Lässt sich die Garage per Fernbedienung
öffnen?
Erich Kerkhoff
(1) Zahlenangaben von der Landesarbeitsgemeinschaft
Wohnberatung NRW, c/o Kreuzviertel-Verein,
Kreuzstraße 61, 44139 Dortmund, www.wohnberatungsstellen.de
Weitere Informationen:
Gesellschaft für Gerontotechnik (0 23 71) 9 5950,
HEWI-Servicetelefon (01 30) 13 41 36 bzw. im
Internet unter www.hewi.de
Produkte, die als Hilfsmittel gelten, können bei
Bedarf ärztlich verordnet werden.
Pflegeversicherung für Senioren
Die BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der
Senioren-Organisation e.V.) empfiehlt:
Selekta 3-D-PflegeVorsorge der Thuringia
Generali Versicherungen
➤ ohne Gesundheitsprüfung
➤ bis Eintrittsalter 70 möglich
Informationen bei: Anja und Michael Freundt
Telefon: 02 71/31 70 82
2/2003 27
durch
blick
Wohnen
Dieser Beitrag von Heinz Göbel aus Ferndorf
wurde uns von der „Kreuztaler Seniorenpost“
zur Verfügung gestellt.
Eine wahre Begebenheit
„Er“ hatte die 65 erreicht und musste den Dienst
in andere Hände gehen lassen.
„Er“ zog von seinem Beschäftigungsort fort und
ließ sich mit seiner Frau in deren Heimat in der Nähe
von Frankfurt nieder.
Dort hatte die Frau das Haus von ihrer Mutter
geerbt, das aber zurzeit noch von der alten Dame
alleine bewohnt wurde. Bestes Einvernehmen
auch seine Frau begann die Beschwernisse des Altseins
zu spüren. Der Gedanke lag nahe, dass es
schwierig werden würde. Ob man da selbst noch in
der Lage wäre, den dann anstehenden Anforderungen
zu genügen?
Mit Mutter wurde das Problem zum wievielten
Male besprochen. Man war sich einig, in dem Vorhaben,
zunächst einmal ein oder zwei Heime oder
Pensionen aufzusuchen und sich über die Bedingungen
einer Aufnahme beraten zu lassen.
Ein Haus im schönen Taunus schien den Vorstellungen
zu entsprechen. Freundliche Bedienung,
schöne Zimmer und Aufenthaltsräume fanden
Zustimmung und die Bezahlung einschließlich aller
zunächst. Die Mutter dachte aber noch nicht daran,
Teile ihrer Alleinherrschaft aufzugeben. Und auch
die Kinder, die ihre Unabhängigkeit in häuslichen
und familiären Angelegenheiten ungehindert von
jeglicher Bevormundung gelebt hatten, fanden es
ganz in Ordnung, dass man zwar in ein und demselben
Haus mit anderen lebte, aber dennoch eine
gewisse Distanz wahren konnte. Das ging viele Jahr
ganz gut.
Aber ein Blick in die Zukunft ließ Schwierigkeiten
erkennen. „Er“ konnte nicht mehr so gut, und
Nebenkosten sollte sich in zumutbaren Grenzen
halten.
Man fühlte sich bestens beraten und ging auf das
Auto auf dem nahen Parkplatz zu. Da wurde die alte
Dame plötzlich unruhig. Irgendwie fühlte sie sich
doch für das Wohlergehen ihrer Tochter verantwortlich.
Die Vorstellung, eines Tages wieder allein in
ihrem großen Haus wohnen zu müssen, veranlasste
sie sehr energisch zu sagen:
„Ihr wollt doch wohl nicht in diesem Haus
wohnen?“
28 2/2003
durch
blick
Aus dem Seniorenbeirat
Fehlende Hausnummern
Der Seniorenbeirat weist schon seit Jahren auf den
Missstand fehlender Hausnummern im Stadtgebiet
hin. Er unterstützt die dringende Forderung der Rettungsdienste,
der Taxi-Unternehmen und der Polizei,
dass Hausbesitzer verpflichtet sind, sehr gut lesbare
Hausnummern anzubringen. Das schließt auch die
Bitte ein, vorhandene Hausnummern-Schilder von
Pflanzenbewuchs zu befreien und wie zu beobachten,
diese nicht seitlich oder sogar hinter dem Haus anzubringen.
Es muss doch jedem Verantwortlichen klar sein,
dass langes Suchen, besonders in der Nacht, zu
unnötigen Verzögerungen führt und unter Umständen
lebensrettende Maßnahmen in Frage stellt. Sanitäter
und Ärzte berichten, dass zuweilen Anrufer
die bestellten Rettungsdienste nicht einmal vor dem
Haus erwarten und einweisen. Oftmals erschwert eine
ungenügende Beleuchtung das schnelle Auffinden
der Hilfsbedürftigen.
Die Mitglieder des Seniorenbeirats machen dort,
wo es ihnen auffällt, die Hausbesitzer auf den Mangel
aufmerksam und appellieren gleichzeitig an die
Mitbürger, die Arbeit der Rettungsdienste, Feuerwehr
usw. nicht zu erschweren.
Seniorenbeirat kommt zu Ihnen
Jeweils zum Erscheinungstermin des „durchblick“
gibt der Seniorenbeirat den interessierten Bürgern
Rechenschaft über seine geleistete Arbeit. Auf
den Wochenmärkten Siegen, Weidenau und Geisweid
nehmen die Beiratsmitglieder zu ihren Fragen und
ihrer Kritik Stellung, nehmen ihre Anregungen, entgegen
und stehen Rede und Antwort. Sie versuchen
unbürokratisch, gewissenhaft und vor allem verlässlich
dort zu helfen, wo es ihnen möglich ist. Finden
werden Sie den Seniorenbeirat an einem großen Informationsstand,
der dann auch den neuen durchblick
für Sie bereit hält. Die Termine erfahren Sie
kurzfristig in Ihrer Tageszeitung.
Informationsstand des Seniorenbeirates
auf dem Wochenmarkt in Weidenau
Peinlich – Peinlich
„Kann man sich denn auf nichts und niemand
mehr verlassen?“ „Alles muss man kontrollieren,
nicht mal am Grab hört das auf!“
Wütend schmiss der junge Mann die Rechnung
des Friedhofgärtners, die gerade mit der Post
gekommen war, auf den Tisch und rannte zum
Telefon. Er wählte die Nummer des Friedhofgärtners.
„Denen werde ich jetzt aber mal die
Leviten lesen, so was darf doch einfach nicht
vorkommen, es ist pietätlos, schnaufte er noch,
als sich am anderen Ende der Leitung eine
freundliche Frauenstimme meldete. „Kann ich
etwas für Sie tun?“, fragte die Dame. „Ja“, sagte
der junge Mann erregt. „Sie sollten vielleicht
mal als Erstes Ihre Werbung ändern – Grabpflege
ist Vertrauenssache – Ich jedenfalls kann
Ihnen mein Vertrauen nicht mehr geben. Seine
Stimme wurde hochtönig, so wütend war er.
Nun drängte die Dame ihn, ihr doch zu sagen,
was ihn so in Rage brächte. „Natürlich“, sagte
der Mann und schlug mit den Fingern auf die
Rechnung, die er in der Hand hielt, „ich gab
Ihnen den Auftrag, das Grab meiner Mutter: –
Frau Margot Schmitt – zu bepflanzen und nun
habe ich hier die Rechnung über die Grabbepflanzung
einer – Roswitha Caluna“. Er
wollte noch weiter sprechen, aber am anderen
Ende der Leitung brach lautes Gelächter aus.
Der junge Mann war platt, aber sie lachte und
lachte. Dann fing sie sich und sagte: „Nein,
nein, Herr Schmitt, natürlich haben wir das
Grab Ihrer Mutter bepflanzt. Roswitha Caluna
heißt die Blume, die nun das Grab Ihrer Mutter
ziert.“
Oh je, war das peinlich! Gottlob konnte man
das verdutzte und rot anlaufende Gesicht des jungen
Mannes nicht durchs Telefon sehen. Er stotterte
Worte der Entschuldigung, welche die
Dame, immer noch lachend, entgegennahm.
Inge Göbel
2/2003 29
durch
blick
Historisches
Der historische Dracula – Vlad Tepes,
der Pfähler
In Bram Stokers Dracula-Roman findet sich eine
Passage, die auf das historische Vorbild des berühmten
Blut saugenden Grafen verweist. Da heißt es: „Er
muss tatsächlich jener Wojwode (Fürst) Dracula gewesen
sein, der sich in den Türkenkriegen berühmt
gemacht hat.Wenn sich das wirklich so verhält, dann
war er kein gewöhnlicher Mann. Denn damals und
noch Jahrhunderte später wurde er als der klügste und
geschickteste, aber auch als der tapferste der Söhne
des Landes jenseits der Wälder gerühmt.“Als Land
jenseits der Wälder ist Transylvanien gemeint, als Ort
vielfältigen Vampirglaubens und merkwürdiger
Bräuche.
Stoker spielt mit seiner Bemerkung an auf den
Fürsten Vlad III. Draculea (1431–1477), der wegen
seiner selbst für diese Zeit außergewöhnlichen Grausamkeit
auch „Pfahlwojwode“ oder der „Pfähler“
(Tepes) genannt wurde.
Das Pfählen – die in seiner Zeit häufig angewandte
Vollzugsart der Todesstrafe an Verbrechern – hat
nicht Vlad der Pfähler eingeführt, sie bestand sowohl
vorher als auch später. Vlad Tepes war ein Sohn des
walachischen Fürsten Vlad II. Dracul (Drache, 1435
–1447) und nannte sich selbst Draculea (Sohn des
Drachen). Den Namen „Dracul“ verdankte sein Vater
Der wallachische Dracula
dem deutschen Kaiser, der ihn zum Drachenritter, das
heißt zum Türkenbekämpfer geschlagen hatte.
Vlad III. Draculea oder Vlad der Pfähler (Tepes)
war kein Blutsauger und auch kein Bluttrinker, aber
er eignete sich hervorragend, um zum Vampir gemacht
zu werden. Schon sein Aussehen wirkte erschreckend
und kalt. „Er war nicht sehr groß, aber untersetzt
und muskulös. Er hatte eine Adlernase,
geblähte Nasenflügel, ein rötlich mageres Gesicht, in
dem die sehr langen Wimpern große, weit offene,
grüne Augen umschatteten, schwarze, buschige Brauen
gaben ihnen einen drohenden Ausdruck. Er trug
einen Schnurrbart. Breit ausladende Schläfen ließen
seinen Kopf noch mächtiger erscheinen. Eine rote
Samtmütze von Perlensträngen umwunden und einen
rubinbesetzten Goldstern, in dem der Federschmuck
befestigt ist, bedeckt seinen Kopf, von dem schwarze
gekräuselte Locken hingen.“ So wird Vlad Tepes von
einem deutschen Maler in einem Ölgemälde dargestellt.
Das Bild befindet sich auf Schloss Ambras bei
Innsbruck. Dieses Porträt, das einen hohen Grad an
Authentizität besitzt, fehlt in keinem rumänischen
Geschichtsbuch.
Vlad der Pfähler hat dreimal den Thron der
Walachei innegehabt. Über seine erste, sehr kurze
Herrschaft ist wenig bekannt. Von größter Bedeutung
war jedoch seine zweite Regierungszeit
(1456–1462). Vorher hatte Fürst Vlad sich im Exil auf
Reisen quer durch Europa aufgehalten. Durch seine
Reisen während des Exils hatte er sich vor allem auf
den Gebieten der Kriegskunst und der Politik eine
fundierte Bildung angeeignet. Seinen Ruf als erbitterter
Kämpfer gegen die Türken verschaffte Draculea
sich ab 1460. Schon sein Vater hatte mit den
Truppen des Osmanischen Reiches, das im 15. Jahrhundert
den Balkan beherrschte, heftige Kämpfe ausgefochten.
Das Fürstentum Walachei wurde den Türken
tributpflichtig. Weil Vlad Tepes den Tribut an
den Osmanensultan verweigerte, schickte der Sultan
eine Gesandschaft an den walachischen Hof. Als die
türkische Gruppe mit ihren prächtigen Turbanen vor
Vlad Tepes erschienen, fragte er sie, warum sie nicht
die Turbane vor ihm zögen. Sie entgegneten, dass es
in ihrem Land Sitte sei, den Turban sogar vor dem
Sultan aufzuhalten. Darauf erwiderte der Walachenfürst,
dann wolle er sie in dieser Sitte bestätigen. Er
ließ die Türken von seiner Leibwache ergreifen und
ihnen die Turbane mit Nägeln am Kopf festnageln.
Danach schickte er die Gesandten mit der Bemerkung,
er lasse sich in seinem Land keine fremden Sitten
aufzwingen, zu ihrem Sultan zurück. Er wusste
genau, was dieser Affront gegen die Türken für sein
weiteres politisches Schicksal bedeuten konnte und
30 2/2003
durch
blick
Historisches
sah sich nach Bündnispartnern um. Leider war er Zeit
seines Fürstenlebens nur auf sich gestellt. Das mag
einer der Gründe dafür gewesen sein, dass Vlad innen-
und außenpolitisch so unbarmherzig durchgriff
und vor seinen grausamen Folter- und Hinrichtungsmethoden
nicht Halt machte.
Mit Mut und militärischer Begabung führte er mit
Erfolg zahlreiche Kriege gegen die verhassten Truppen
des Osmanischen Reiches. Mit eigener Hand
wütete er gegen seine türkischen Gefangenen, indem
er sie grausam verstümmelte und ihre Überreste auf
Pfählen aufspießen ließ.
Vlad der Pfähler war mithin der erste rumänische
Fürst, der die Türken in ihrem eigenen Gebiet mit
Heeresmacht bekämpfte und sich nicht nur auf die
Verteidigung seines Landes beschränkte.
Auch im eigenen Land verübte der Fürst Grausamkeiten,
wenn er es für nötig hielt, zum Erhalt der
Ordnung und zum Schutz des Rechtes. Auf alten Holzschnitten
ist es noch zu sehen, wie der Walachenfürst
genussvoll unter den wegen Verrat gepfählten Bojaren
(Großbauern) zu speisen pflegte. Als ihn sein Mundschenk
einmal bei einer solchen Gelegenheit fragte, ob
ihm denn der Geruch der Toten nicht beim Essen
störe, ließ Vlad Tepes auch ihn pfählen.
Um die Jahreswende 1476/1477 fiel ein starkes
türkisches Kontingent in die Walachei ein. Das walachische
Militär wurde völlig überrumpelt. Dabei fand
auch der „Pfähler“ sein Ende. Sein Kopf, der einst der
Schrecken der Türken gewesen war, wurde nach
Konstantinopel geschickt und dort auf einen Pfahl
gespießt öffentlich zur Schau gestellt. Sein Leib wurde
in einer kleinen Klosterkirche in der Nähe von
Bukarest bestattet.
Durch seine Kämpfe gegen die Türken hat Vlad
der Pfähler dazu beigetragen, dass die Walachei nicht
in das gleiche Abhängigkeitsverhältnis wie die Gebiete
südlich der Donau geriet und somit der rumänische
Staat der Walachei weiter bestehen konnte,
was letzlich wesentlich war für die eigenständige
Entwicklung des rumänischen Volkes. Deshalb wird
auch heute seiner anerkennend gedacht.
Vlad Tepes hat durch seine Taten bei den Zeitgenossen
und in der Geschichtsschreibung besonders
tiefe Eindrücke hinterlassen. Noch zu seinen Lebzeiten
wurde er zur Sagengestalt. In Wiegendrucken
wurde die Kunde von seinen Schreckenstaten verbreitet,
in Chroniken wurden Geschehnisse im
Zusammenhang mit ihm verzeichnet. Auch auf das
Gebiet der Horror-Literatur und des Films haben diese
Eindrücke übergegriffen. Er war das historische
Vorbild für Stokers Roman „Dracula“. Seine Gestalt
geistert durch Filme und blutrünstige Phantastereien.
Sein Schloss weiß man hinter den Karpaten in Transsylvanien.
Dabei war der historische Dracula Vlad
III. Tepes ja eigentlich weder transsylvanischer Graf
noch finsterer Wiedergänger, sondern Fürst der
Walachei, wenn auch zugegebenermaßen ein extrem
grausamer Herrscher. Seine Burg war auch nicht in
Transsylvanien, sondern in der Walachei.
In Österreich gibt es gemalte Darstellungen des
walachischen Fürsten Dracula/Vlad Tepes. Ein Ölgemälde,
das dem schon erwähnten Porträt von Ambras
sehr ähnlich ist, befindet sich im Münzkabinett
des Kunsthistorischen Museums in Wien. Ein lebensgroßes
Bildnis befindet sich auf Burg Forchtenstein
im Burgenland aus der Esterhazyschen Ahnengalerie.
Auch auf mittelalterlichen Altarmalereien ist der
Vlad Tepes mit der typischen Perlenschnur-Mütze
dargestellt. Ein entsprechendes Porträt aus der Zeit
um 1462 befindet sich auf einem Altarflügel in der
Kirche Maria am Gestade in Wien. Auf diesem Altarflügel
ist die Kreuzigung Christi zu sehen, wo Vlad
Tepes auf der rechten Seite des Kreuzes hinter der am
Kreuzfuß knienden Maria Magdalena im Disput mit
einem Juden dargestellt ist. Bei der Beschäftigung
mit diesem Thema stellte sich heraus, dass Vlad der
Pfähler überraschenderweise auch in der zeitgenössischen
Altarmalerei dargestellt wurde.
Es ist interessant, das Bild dieses Woiwoden auf
Altarbildern zu sehen. Er verfolgte die Türken, die
Feinde Christi und war durch sein Leben selbst ein
Feind Christi.
Quellen:
Achim Kelschebach; „Thales Themenheft Nr. 92“
Gernot Nussbächer: „Urkunden und Chroniken“
Dorothea Istock
Senioren-Hotline
montags von 9.00 bis 16.00 Uhr
Wir kümmern uns
Seniorenbeirat der Stadt Siegen
2/2003 31
durch
blick
Unterhaltung
Der Lauf der Zeit
Ich stehe stolz in dem Rondell
bin ja das neuste Modell
beäugt von manchem Herrn
wer hätte mich nicht gern
Ich bin schön, ich bin jung
lackiert und hoch poliert
bin schnell und habe auch viel Schwung
mein Preis jedoch schockiert
Da kommt sie schon die junge Dame
fragt nicht nach Preis noch Geld
das hat sie, dafür bürgt ihr Name
und schon werd ich für sie bestellt
Sie denkt, wie schön, dass es dich gibt
und fährt durch Wald und Flur
ich merke auch, dass sie mich liebt
und sucht mit mir ‘ne heiße Spur
Ein netter Mann
er macht mich an
jedoch umsonst ist sein Bestreben
leider bin ich schon vergeben
Wie schnell vergehen doch die Jahre
der Lack, der bröckelt ab
manchmal ich nun langsam fahre
und mache oft auch schlapp
Jetzt werd ich häufig repariert
und bin nicht mehr so schön
damit sie sich auch nicht blamiert
sagt sie Aufwiedersehen
Nun steh ich wieder im Verkauf
ob mich noch jemand will
denk, das ist der Weltenlauf
und werd dabei ganz still
Und wieder kommt der nette Herr
sagt, du bist ein tolles Ding
ein Oldtimer von selt’nem Wert
und schaut mich an verklärt
Willst du mich haben
solltest du nicht lange fragen
zu schade ist es um die Zeit
schon bald kommt die Vergangenheit
Elisabeth Hanz
durchblick-Schreibwerkstatt
in Zusammenarbeit mit der VHS Siegen
Einladung zum Schreiben im Haus Herbstzeitlos
„Für mich erhebt sich die Frage, wann andere
Menschen den Gedanken aufgeben, sie seien Dichter:
Als Kinder denken wir uns doch alle Geschichten
aus und schreiben sie auf. Das Rätsel besteht
nicht darin, dass einige auch noch schreiben,
sondern dass die anderen damit aufhören.“ (William
Stafford)
Den Spaß am Schreiben wiederfinden, neu entdecken
oder weiterentwickeln – dafür wird in dieser
Schreibwerkstatt Raum und Zeit sein. Die Teilnehmer/innen
werden Anregungen bekommen,
ihre Gedanken, Gefühle und Fantasien spazieren
gehen zu lassen und, vielleicht überrascht, erleben,
wie die unterschiedlichsten Texte dabei entstehen.
Geschichten sind nämlich überall! In uns, in Kopf,
Herz und Bauch! Um uns, in Haus und Garten, auf
Straßen und Wegen, in Wald und Wiesen, in Wolken
und Sonne…Wir müssen sie nur entdecken,
aufdecken, finden. Dann können wir Freude am
Schreiben haben, das Befreiende dabei erleben und
vielleicht wie C. Bay Lewis feststellen: „Wir
schreiben nicht, um verstanden zu werden, wir
schreiben, um zu verstehen.“
Die Schreibwerkstatt beginnt am 8. Oktober.
Bis zum 3. Dezember 2003 gibt es acht Termine,
immer mittwochs von 15.30 bis 17 Uhr.
Anmeldungen sind möglich beim durchblick und
bei der VHS Siegen.
Ursula Adler
32 2/2003
durch
blick
Kleinanzeigen
Wer kennt Jan Herremans?
Jan Herremans
als 17-jähriger
Der ehemalige belgische
Soldat Jan Herremans
war in den Jahren
1957/58 mit dem Bataillon
„Bevrijding“ in
Siegen stationiert. Jetzt
ist der 63-jährige beim
Seniorennet in Belgien
tätig und versucht – mit
Hilfe des Internet – eine
alte Bekanntschaft wieder aufzufrischen. Mit
einer entsprechenden Anfrage wandte Herremans
sich an die von der AlterAktiv Siegen e.V. gehaltene
e-Mail-Adresse info@senioren-si.de. Die Jugendfreundin
von Jan Herremans hieß Inge – er
vermutet, dass sie jetzt verheiratet ist. Jedenfalls
möchte er in allen Ehren einen Kontakt mit ihrer
Familie aufnehmen, zumal er in diesem Jahr noch
mit seiner Familie einen Besuch in Siegen plant.
Nach der Erinnerung von Jan Herremans wohnte
Inge damals in der Elisabethstraße.
Der AlterAktiv Siegen e.V. bittet besagte Inge oder
andere Personen um Mitteilung, wenn sie Erinnerungen
mit Jan Herremans austauschen wollen.
Weitere Informationen: Tel.: 02 71 - 3 72 08 18,
Doppelkopf-Partner gesucht
Suchen nettes Paar zum Skat oder Dopppelkopf.
Wir, Anfang 60, in Rente, wohnen in Trupbach. Tel.
02 71-37 08 56 Wir freuen uns über jeden Anruf.
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Muiskgeräte usw. kauft, sammelt und tauscht: Lothar
Stock, Van-Kinsbergen-Ring 17, 57290 Neunkirchen
Tel. 0 27 35/52 60
Wandergruppe „Die Gemächlichen“
An jedem 1. und 3. Dienstag im Monat führt diese
Gruppe eine Kurzwanderung von max. 2 – 3
Std. und 12 km durch.
Treffpunkt, Wanderbeginn und Wanderziel werden
kurzfristig festgelegt und sind unter folgenden
Rufnummern zu erfragen:
02 71/39 08 98 Frau Stein
02 71/7 38 82 Frau Tonnsen
02 71/8 42 19 Frau Ullrich
02 71/5 48 70 Herr Helmrath
Liebe Oma gesucht, die gelegentlich auf
unsere kleine Sophie (2 Jahre) aufpassen kann. Wir
wohnen in Eiserfeld und können Sie holen und
zurückbringen. Chiffre Sophie
Prostata-Selbsthilfegruppe
durch
blick
Redaktion: Marienborner Str. 151, 57074 Siegen
Tel.+ Fax 02 71/6 1647 Mobil: 01 60/95 98 74 06
E-Mail: durchblick-siegen@gmx.de
Öffnungszeiten: dienstags von 15.00 bis 17.00
Herausgeber: Stadt Siegen
Der Bürgermeister – Seniorenbüro
Redaktion: Maria Anspach, Friedhelm Eickhoff
(verantw.), Inge Göbel, Elisabeth Hanz, Dorothea
Istock, Erich Kerkhoff, Erika Krumm, Doris Meinertzhagen.
Geschäftsführung: Friedhelm Eickhoff
An dieser Ausgabe haben ferner mitgewirkt:
Elke Strunk, Uri Shaham, Israel; Sabine Vollwerth,
Horst Mahle, Astrid E. Schneider, Helga Siebel-
Achenbach, Sabine Rambusch, Jürgen Ritter
Fotos/ Zeichnungen / Graphik: D. Meinertzhagen,
F. Eickhoff, M. Anspach, I. Göbel, E. Kerkhoff,
Erscheinungsweise: März, Juni, Sept., Dezember
Gesamtherstellung:
Vorländer, Obergraben 39, 57072 Siegen
Siegerland
ist noch offen für Interessenten. Informationen
unter Tel.-Nr. 0 27 35-52 60
Private Anzeigen bis vier Zeilen veröffentlichen
wir kostenlos Anzeigenschluss für die nächste
Ausgabe ist der 30. Juli 2003.
Gestaltung: A. Münker, S. Schäfer (Vorländer)
Auflage: 6000. Der durchblick wird kostenlos verteilt.
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben
nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.
Die Redaktion behält sich vor, eingesandte
Beiträge und Leserbriefe zu kürzen. Unverlangte
Beiträge werden nicht zurückgeschickt.
Für unsere Anzeigenkunden gilt die Preisliste
5/2002.
2/2003 33
durch
blick
Leserbriefe
Tagebuchnotizen 1/03
Als eifrige Leserin des durchblicks hat mich diesmal
der Bericht „Aus den letzten Tagen des Krieges
im Siegerland“ sehr berührt.
Beim Lesen war die Erinnerung wieder da und ich
spürte förmlich die feuchte Kälte, die langsam den
Körper hochkroch, die undefinierbaren Gerüche der
auf engstem Raum zusammengepferchten Menschen
in „meinem Bunker“ in Geisweid auf dem ehemaligen
Gelände der Birlenbacher Hütte.
Ich gehöre sicher nicht zu den Menschen, die in
der Vergangenheit leben, doch so ganz vergessen
kann und sollte man die Zeit nicht, denn es war die
Zeit, in der wir alle arm waren und sehr bescheiden
leben mussten; sicher empfehlenswert, sich auch daran
nochmals zu erinnern.
Renate Titze, Siegen
Darminkontinenz 1/03
Als Selbsthilfegruppe für Menschen mit künstlichem
Darmausgang oder Blasenausgang (Stoma) haben
wir den obigen Artikel mit großem Interesse gelesen.
Auch ein Stoma ist für Betroffene wie auch
Nichtbetroffene ein sehr großes Tabuthema. Wir
möchten darauf hinweisen, dass sich unsere Selbsthilfegruppe
jeden 2. Dienstag im Monat bei der IKK
in Siegen am Löhrtor 10–12 trifft. Ansprechpartner
sind, für Frauen: Frau Böcking, Tel. 02 71-5 74 51; für
Männer: Herr Heinbach, 02 71-7 6460.
Hiltrud Böcking, Siegen
Sehschwäche
Ich möchte Sie auf das Problem der Sehschwäche
aufmerksam machen, dass viele Menschen betrifft.
Meine Mutter (90), geistig hellwach, aber durch
ihre Sehkraft so eingeschränkt, dass sie kaum noch
lesen kann. Der vom Augenarzt angeratene Gebrauch
einer Lupe war nicht hilfreich. Zufällig erfuhr sie,
dass es bei Optikern Lesegeräte gibt, die auch auf
Antrag von den Krankenkassen bezahlt werden. Mit
diesem mittlerweile von ihr erworbenen Gerät kann
sie wieder lesen. Ihre Lebensqualität wurde dadurch
enorm gesteigert. Für mich ist unverständlich, dass
diese Möglichkeit nicht vom Augenarzt erwähnt wurde.
Es würde mich freuen, wenn Sie über dieses Problem
berichten würden.
Helga Volz, Siegen
Wir freuen uns sehr über jeden Leserbrief!
Ob Samuel Hahnemann der alleinige Erfinder der
Homöopathie ist, scheint in Anbetracht seines großen
Vorbildes Paracelsus äußerst fragwürdig. Das großartigste
Vorbild aller Ärzte war neben dieser Tätigkeit
Alchemist und konnte seine Medizinen spagyrisch
herstellen. Spagyrische Essenzen sind nach meinen
Erfahrungen besser und nebenwirkunsfreier als
homöopathische Mittel.
Was aber nicht in den Apotheken zu bekommen
ist, das wäre die Hatha-Yogatherapie nach Dr. med
Oskar Hammer, der natürliche Weg zur Gesundheit.
Yoga ist keine Sekte oder gar Sportart, sondern eine
natürliche Entspannungs- und Atemtechnik, auch von
alten Menschen erlernbar, so dass man ohne jede
„Allheilmittel“ auskommt!
Im Reich der tibetanischen Hunzas gibt es keine
Apotheken, sondern viele Hundertjährige, die nie eine
Medizin genommen haben! Ich hoffe, bei ihren
Lesern den Glauben an die Selbsthilfe der eigenen
Gesundheit angesprochen zu haben.
Mit freundlichem Lesergruß
Erwin Iberl, Siegen
Zu guter Letzt:
„durchblick“ 1/03, (Leserbrief gekürzt)
Das Titelbild, gar nicht lustig, denn manche Seniorinnen
brechen sich dabei den Oberschenkelhals.
Seite 2: Werbung, für eine Seniorenzeitschrift keinerlei
Empfehlung. Seite 3: keine Fachleute, das sagt der
Schreibstil. Seite 4: Vier Seiten Frühling, für die
Nachteile des Frühjahres keine Silbe! Seite 11: Apothekenwerbung,
ist das astrein mit der Gesetzgebung?
Seite 15: „Verlorene Eier …“, dabei sind Eier
Cholesterinheber! Seite 16: Uri Shaham „Die Stämme
…“ historisch deckt sich sein Geschreibe nicht
ganz mit der Bibel...Seite 18: ohne Werbung wären
die Senioren-Beirats-Mitteilungen glaubhafter. Seite
20: Sind auch die Autorenrechte berücksichtigt? Seite
25: Sollte die Redaktion nicht komplett an der
Schreibwerkstatt teilnehmen? Seite 28: Na endlich;
Gesundheit, aber hat die Redaktion Angst vor dem Internet?
Da sind auch Hinweise zu vielen anderen Themen!
Dr. Carl Radaz, Siegen (zzt. Teneriffa)
(Anmerk. der Redaktion: Wir wünschen unserem
Leser auf Teneriffa, dass die Sonne nicht zu warm,
der Himmel nicht zu blau, das Gras nicht zu grün und
der Strand nicht zu sandig ist.)
34 2/2003
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