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Inhaltsübersicht / Aus der Redaktion
Nachrichten aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein 6
Jubiläum 25 Jahre durchblick14
Erinnerungen an Inge Göbel 36
73 Eier und 7 Pfund gute Butter 42
Pech mit Mäxchen 44
Em Peardsschdall - Im Pferdestall 46
Halbinsel Balkonien 48
Dumm gelaufen 50
Zahnarzt-Geschichten51
Tante Meta, das Schlitzohr 52
Das wundersame Gleichnis / Freche Elstern 53
Buchbesprechungen / Der Wettergott54
Hannelore Münch - Sie passt in keine Schublade 56
Wenn alle Brünnlein fließen 58
Ich will in der Eisdiele nicht zugeraucht werden 59
Nichtraucherschutz / Einschulung vor 65 Jahren 60
Kochseite 62
Der Halbmond auch über dem Siegerland / Begegnung auf Java64
Schön war die Zeit in der „Eintracht“ / Oldies von Oldies 66
„Lieber kaputt als sich selbst befuddeln“ 68
Venus von Weißenberg 70
Schreib mal wieder / Ex 71
Birlenbacher Elegie / Vom ZIVI zum BUFDI72
Geschichte74
.....er ist gefallen 76
Gedächtnistraining78
Hallo ICH, wer bist Du? 80
Haus Herbstzeitlos 88
Veranstaltungshinweise89
Rittergeschichten95
Leserbriefe96
Es fiel uns auf... / Lösungen / Zu guter Letzt / Impressum 98
Liebe Leserinnen und Leser, diese Ausgabe Ihres durchblick ist von unserem Jubiläum
geprägt! Sie halten die einhundertste Ausgabe des durchblick in Händen. Auf diesmal 100
Seiten haben wir uns wieder bemüht, ein breites Spektrum an Nachrichten, Unterhaltung
und Informationen zusammenzutragen.
Auf den Jubiläumsseiten 19–23 können Sie die Veränderungen Ihres durchblick an den
Titelbildern der vergangenen 25 Jahre erkennen. Die organisatorische Entwicklung wird
deutlich in dem Text von Kirsten Schwarz „Schon wieder ein Jubiläum“, auf den Seiten
16 und 17. Frau Schwarz, Historikerin aus Hilchenbach, begleitet den durchblick seit dem
20-jährigen Jubiläum im Jahr 2006. Sie hatte damals die Entwicklung unserer Zeitung beruflich
aufgearbeitet. Ihr Bericht ist sozusagen der Beitrag einer „Leserin mit Innenansichten“.
Besondere Freude haben uns die Grußworte der Gesundheitsministerin Barbara Steffens,
der Vorsitzenden des Landesseniorenvertretung Gaby Schnell und des Vorsitzenden
des Siegener Seniorenbeirats, Bernd Alberts, gemacht. Alle drei finden auf den Seiten 14
und 15 anerkennende Worte für die ehrenamtliche Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
die am Gelingen des Projekts durchblick beteiligt sind.
Auch unser Dank gilt vor allem den Kolleginnen und Kollegen, die nicht im „Rampenlicht“
stehen, die im Hintergrund dafür sorgen, dass alles “rund läuft“, dass die Verwaltungsarbeit
getan wird, dass die vielen Vereinsprojekte organisiert werden und dass Sie Ihre
Zeitung regelmäßig, pünktlich, viermal im Jahr in Ihrer Verteilstelle finden.
Wir wünschen Ihnen einen wunderschönen „goldenen Herbst“ und natürlich viel Freude
beim Lesen des neuen durchblick.
durchblick 3/2011 3
4 durchblick 3/2011
durchblick 3/2011 5
Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein
Fachbereichsspitze in den Ruhestand verabschiedet
„Lichtgestalten“ ganz in Weiß: Die neuen Ruheständler Horst Fischer (rechts) und
Agnes Juchem-Voets (Mitte) mit den Gratulanten Prof. Dr. Stefan Sell, Bürgermeister
Steffen Mues, dem 1.Beigeordneten Reinhold Baumeister und der Siegener Stadträtin
Babette Bammann (im Bild von links).
Siegen. Großer Bahnhof in der Weidenauer
Bismarckhalle: Mit Horst Fischer,
Leiter des Fachbereichs Soziales,
Familien, Jugend und Wohnen in der
Stadt Siegen, und seiner Stellvertreterin
und Abteilungsleiterin Agnes Juchems-
Voets wurden gleich zwei langjährige
Führungspersönlichkeiten der Verwaltung
in den Ruhestand verabschiedet.
Sicher ist der für beide „wohlverdient“
– obwohl sie noch eine eher kürzere
(Horst Fischer) bzw. längere (Agnes
Juchems-Voets) Haltbarkeitsdauer vor
sich hatten. Gleichwohl, der neue Lebensabschnitt
wurde auf jeden Fall „zur
rechten Zeit“ angetreten, wie Gastredner
Prof. Dr. Stefan Sell (Direktor vom
Institut für Bildungs- und Sozialpolitik
der FH Koblenz) betonte, indem er
schelmisch anmerkte: „Ihre Nachfolger
werden es wohl bis zum 75. Lebensjahr
in ihrem Beruf aushalten müssen.“
Nahezu 50 Jahre hat Horst Fischer
der Stadt Siegen „am Stück“ gedient,
hat nahezu alle Ämter und Dienststellen
durchlaufen und, wie Bürgermeister
Mues betonte, besonders in der Kämmerei
und beim Rechnungsprüfungsamt
6 durchblick 3/2011
Foto: Dr. Horst Bach
„gut aufgepasst“. Im April 1961 trat er
seine Verwaltungslehre an, 1985 wurde
er Jugendamts- und 1996 Fachbereichsleiter.
Als Städtischer Verwaltungsdirektor
unterschrieb Horst Fischer seinem
Chef Steffen Mues noch am „Tatort“
Bismarckhalle die Zurruhesetzungsurkunde.
Hier hatte Horst Fischer auch
vor 50 Jahren sein Vorstellungsgespräch
für eine Verwaltungslehre bei der Stadt
Siegen geführt.
Auch für Agnes Juchem-Voets gab es
nur Bestnoten in ihren Diestzeugnissen,
aus denen der Bürgermeister beispielhaft
vier Sätze zitierte. 34 Jahre war die
ausgewiesene Promlemlöserin in städtischen
Diensten, 15 Jahre stand sie an
der Spitze des Abteilung Soziale Dienste
(ASD). Die Anwesenheit zahlreicher
freier Träger und vieler Fachkräfte zeigte
insgesamt die Wertschätzung für Horst
Fischer und Agnes Juchems-Voets.
Auf gute
Nachbarschaft
Geisweid. Anfang Juli 2011 fanden von
der Kreissiedlungsgesellschaft (KSG)
organisierte „Aktionstage“ statt. Im
Servicebüro der KSG hatten HobbymalerInnen
Aquarelle, Acrylbilder und
Filzarbeiten ausgestellt. Auch selbst
hergestellter Modeschmuck wurde dort
zum Kauf angeboten. Für die Besucherinnen
und Besucher war es sehr beeindruckend,
was die Künstler geschaffen
hatten. Im Nachbarschaftscafé konnte
sich bei frischen Waffeln und Kaffee
gestärkt werden. Am nächsten Tag wurde
zum Sektfrühstück eingeladen, bevor
am Nachmittag die „Grillmeister“
das Feld beherrschten. Die Frauen steuerten
Salate und Nachspeisen bei. Die
unterschiedlichen Herkunftsländer der
Bewohner machten sich auch im Speiseangebot
bemerkbar. Neben schlesischen
Mohnklößen, (die eigentlich gar keine
Klöße sind), gab es eine Vielzahl von
Gerichten, die manch einem noch fremd
waren. Später präsentierte ein Nachbar
„Songs“ von Elvis. Presley. bla
Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein
Seniorenbeiratsvorsitzender Bernd Alberts wurde 70 Jahre alt
Siegen. Bernd Alberts, Vorsitzender
des Seniorenbeirates der Stadt Siegen,
beging am 9. August 2011 „in aller Stille“
seinen 70. Geburtstag. Großer Rummel
um seine Person ist dem gebürtigen
Klafelder, der immer ein „Mann der Tat“
gewesen ist, nämlich bis heute fremd.
Neun Jahre gehört Bernd Alberts
bereits dem Seniorengremium der
Krönchenstadt an. Seit vier Jahren ist
er dessen Vorsitzender und damit Nachfolger
des inzwischen zum Ehrenvorsitzenden
ernannten letzten Geisweider
Bürgermeisters Hans Berner.
„Helfende Hände“ hat der Geburtstagssenior
über 50 Jahre lang im Deut-
Gaby Schnell besucht Siegen
LSV-Vorsitzende an regionaler Altenarbeit interessiert
Siegen. Begeistert von den Alteneinrichtungen
und der Seniorenarbeit der Stadt
Siegen zeigte sich jetzt Gaby Schnell, die
Vorsitzende der Landesseniorenvertretung
NRW bei ihrem eintägigen Besuch
in der Krönchenstadt. Zunächst besuchte
sie die Regiestelle „Leben im Alter“ im
Rathaus Weidenau, wo ihr deren Leiterin
Astrid E.Schneider die großzügigen Beratungsräume
und die vielfältigen Seniorenangebote
der Regiestelle zeigte.
Beim anschließenden Erfahrungsaustausch
mit dem Vorstand des Seniorenbeirates
der Stadt Siegen kamen besonders
die Themen Altersarmut, Wohnen
im Quartier und Pflege zur Sprache.
Beiratsvorsitzender Bernd Alberts: „Wir
müssen uns vor allem um die älteren
Menschen kümmern,
die von der Grundhil-
Seniorenbeirat-Foto
feunterstützung der
Stadt leben oder als
verschämte Arme diese
gar nicht anfordern.“
Im „Haus Herbstzeitlos“
beeindruckte die
Landesvorsitzende die
Qualität und Verschiedenartigkeit
der dort
ansässigen Gruppen.
So konnte sie von der
Vorsitzende Maria Mücke
etwas über den Verein Altenhilfe e.V.
erfahren und sich in der Redaktion der
Seniorenzeitschrift „Durchblick“ über
die Entstehung verschiedener Publikationen
und Projekte informieren.
Im Gespräch mit dem Stadtoberhaupt
standen vor allem die Mitwirkungsmöglichkeiten
der Seniorenbeiräte (nur jede
3. Kommune in Nordrhein-Westfalen
hat eine solche Einrichtung) und deren
angestrebte Verankerung in der Gemeindeordnung
des Landes zur Diskussion.
Erfreut zeigte sich die Landesvorsitzende,
dass die Stadt Siegen inzwischen
den Seniorenbeirat gemeinsam mit dem
Integrationsrat und dem Behindertenbeirat
in die Hauptsatzung der Stadt
Siegen aufgenommen hat. hoba
Nach dem Besuch im Siegener Rathaus (von lks): Steffen Mues,
Gaby Schnell, Bernd Alberts sowie die Vorstandsmitglieder des
Seniorenbeirates, H. Plate, M. Horak und Dr. M. Czell.
schen Roten Kreuz bewiesen, wo er seit
1959 aktives Mitglied ist. „Führungspositionen“
waren ihm dabei auf den Leib
geschrieben: 15 Jahre wirkte der hauptberufliche
Großhandelskaufmann als
Bereitschaftsführer beim DRK Siegen-
Nord. Darüber hinaus war er viele Jahre
lang stellv. Kreisbereitschaftsführer und
Kreisbereitschaftsleiter für das Siegerland.
Das DRK dankte Bernd Alberts
für seine großen Verdienste u.a. mit der
Verleihung des goldenen Ehrenzeichens.
Das von ihm organisierte „Musikfest der
Nationen“ lockte im Jahre 1979 für wohltätige
DRK-Zwecke mehr als 12.000
Zuschauer in das ausverkaufte Klafelder
Hofbachstadion. In dieser Zeit wirkte
Bernd Alberts auch als Mitorganisator
beim Stadtteiljubiläum „900 Jahre Klafeld“
mit.
hoba
Nachruf
Am 16. Juni 2011 verstarb nach
langer, schwerer Krankheit ein
stets hilfsbereiter Freund und
Förderer des „durchblick“
Herr Rolf Kretzer
im Alter von 77 Jahren. Noch im
Januar konnten er und seine Frau
Giesela im Kreis ihrer Familie
und Freunde ihre goldene Hochzeit
feiern. Durch seinen Tod verlieren
wir einen in vieler Hinsicht
kompetenten Ansprechpartner,
der uns immer verlässlich mit Rat
und Tat zur Seite stand.
Wir werden seine liebenswerte
und menschliche Art, uns zu beraten
und zu unterstützen, vermissen
und sein Andenken in Ehren
halten.
Vorstand und Mitglieder von
durchblick-siegen
Information und Medien e.V.
Horst Mahle
1. Vorsitzender
Friedhelm Eickhoff
Redaktionsleiter
durchblick 3/2011 7
Foto: Dr. Horst Bach
Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein
Eindrucksvolle Tage in Berlin
AWO-Reisegruppe besuchte Hauptstadt
Siegen-Wittgenstein „Berlin ist eine
Reise wert“, lautete die einhellige Meinung
einer 30-köpfigen Gruppe des
AWO-Kreisverbandes, die im Rahmen
einer einwöchigen Studienreise die deutsche
Hauptstadt erkundete. Ausgehend
vom Robert-Tillmanns-Haus im Stadtteil
Zehlendorf, standen zahlreiche Besichtigungen
auf dem Programm. Interessante
Vorträge stimmten die Teilnehmer auf
die täglichen Exkursionen ein.
Bei jedem Schritt konnte die Reisegruppe
entdecken, wie grundlegend sich Berlin
in den letzten zwei Jahrzehnten verändert
hat. Zwischen Reichstag und Potsdamer
Platz ist viel Neues entstanden. Die Luft
der großen Politik schnupperten die Teilnehmer
im Bundestag und dem Abgeordnetenhaus.
Leider blieb ihnen der geplante
Besucher im Kanzleramt verwehrt, weil
Autorenfoto
Auf Spurensuche – die Reisegruppe informiert sich am Denkmal „Gleis 17“ über
das Schicksal der Juden in Berlin.
der französische Staatspräsident Nicolas
Sarkozy zu Gast war.
Der Besuch in den Hackeschen Höfen
und die Besichtigung des Denkmals
„Gleis 17“ vermittelten intensive Eindrücke
der jüdischen Geschichte. Auch
der Blick hinter die Mauern des ehemaligen
Stasi-Gefängnisses Hohenschönhausen
sorgte für beklemmende Gefühle.
„Wir haben in diesen Tagen mehr
von Berlin gesehen, als so mancher Einheimische“,
resümierte Reisebegleiterin
Hildegard Neumann am Ende der Tour.
Sie sorgte auch für ein abwechslungsreiches
Rahmenprogramm an den freien
Abenden. So wird den Teilnehmern der
Besuch der Tanzrevue „Yma“ im Friedrichstadtpalast,
die Las-Vegas-Feeling
an die Spree zaubert, noch lange in Erinnerung
bleiben. •
Schlüsselübergabe
Geisweid. Der Verein „ATEMPAUSE
Hüttental e.V. – ökumenischer Entlastungsdienst
für pflegende Angehörige“
hat am Hans-Böckler-Platz 9 im Servicebüro
der KSG im Wenscht ein neues
Zuhause gefunden. Der Verein bietet dort
eine regelmäßige Beratungsstunde an.
„Meine Kollegin oder ich werden jeden
Dienstag von 9.30 Uhr bis 11.00 Uhr im
Büro sein und für Beratungen zur Verfügung
stehen“, erklärt die Einsatzleiterin,
Frau Fritsche. ATEMPAUSE bietet pflegenden
Angehörigen von Menschen mit
Demenz eine Betreuung zu Hause oder in
der Betreuungsgruppe an. Ziel ist es, die
pflegenden Angehörigen zu entlasten. In
der Beratungsstunde können alle Fragen
rund um solche Einsätze und weiteren
Entlastungsmöglichkeiten geklärt werden.
Auch die Möglichkeiten der Finanzierung
solcher Einsätze können mit den
Einsatzleitungen besprochen werden.
„Es ist uns wichtig, die pflegenden Angehörigen
so zu entlasten, dass sie die Betreuung
zu Hause lange, aber vor allem
auch mit Freude, tun können. Wir wissen,
wie schwer das manchmal sein kann“, betont
Frau Jaschke von der Einsatzleitung.
Im Verein ist man sehr froh und dankbar,
dass die KSG die vorwiegend ehrenamtliche
Arbeit des Vereins so unterstützt. •
Autorenfoto
Gemütlich radeln
Geisweid. Im Frühjahr 2010 entschlossen
sich einige Besucher des MehrGenerationenHaus
(MGH) Geisweid dazu,
als Alternative zum Angebot des MGH:
„Mittwoch´s 3000 Schritte extra“ für
Wanderer, etwas für die Fahrradfahrer
anzubieten. Sofort wurden „Nägel mit
Köpfen“ gemacht und drei Fahrradfahrer
begannen dienstags unter dem Motto:
„3000 Radumdrehungen extra“ kleine
Radtouren zu unternehmen. Mittlerweile
ist die Zahl der Radler auf zehn angestiegen.
Da hier durchaus noch Platz für weitere
Radler ist, laden
die Pedalritter ein,
sich anzuschließen.
Abfahrt ist jeweils
dienstags um 17:00
Uhr am MGH Geisweid,
Obere Kaiserstraße
6. Gemütliche,
20 km kurze
Touren warten auf
die Teilnehmerinnen
und Teilnehmer.
Weitere Informationen erhalten Sie
bei Karl Heinz Grebe 0175/1977236
8 durchblick 3/2011
Autorenfoto
Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein
Wechsel im Kursana
Senioreneinrichtung unter neuer Leitung
Autorenfoto
Siegen. Dieter Weltermann-Kluwe (Bild
rechts) ist neuer Direktor das Kursana-
Domizils Theodor-Keßler-Haus. Der
45-Jährige übernahm die Leitung des
Hauses, nachdem die bisherige Direktorin
Annemarie Selbach nach langer,
schwerer Krankheit verstarb.
Der neue Einrichtungsleiter war zuvor
Pflegedienstleiter einer Kursana- Einrichtung
in Krefeld.
„Ich habe mir viel vorgenommen“,
umreißt der neue Direktor seine Arbeit
in der Siegener Einrichtung. Für ihn sei
selbstverständlich, die ständige Qualitätsverbesserung
der Altenpflege als Ziel
vor Augen zu haben: „Dabei können wir
hier auf der sehr guten Beurteilung durch
den medizinischen Dienst der Krankenkassen
(MDK) aufbauen.“ Individuelle
Zuwendung soll den Bewohnern mehr
Lebensqualität ermöglichen.
Für Weltermann-Kluwe zählt aber
nicht nur gute Betreuung und hervorragender
Service, sondern auch in der
Zufriedenheit der Mitarbeiter. „Ich
möchte, dass Pflege nicht nur schwer
ist, sondern auch Freude macht.“ Daher
sollen auch Lachen und gute Laune bestimmend
für das Arbeitsklima sein. •
Schenken mit „warmer Hand“
Vermögensübergabe an die nächste Generation
Autorenfoto
Michael Kringe, Rechtsanwalt und
Notar aus Wilnsdorf
Netphen/Kreuztal. Milliarden Euro
werden in den nächsten Jahrzehnten von
einer Generation auf die nächste weitergegeben.
Soll man mit „kalter“ Hand
vererben, oder mit „warmer“ Hand
(Übertragung in vorweggenommener
Erbfolge) sein Vermögen an die nächste
Generation weitergeben?
Wie sichere ich mich ab (Wohnrecht,
Nießbrauch und Pflege)? Wie kann ich
mich absichern, wenn ich als Übergeber
Sozialhilfe in Anspruch nehmen muss?
Wie werden Geschwister „abgefunden“?
Was tun, wenn der Übernehmer
sich überschuldet, scheiden lässt oder
selbst Sozialleistungen in Anspruch
nehmen muss (z.B.: Hartz IV)?
Die Zeiten, in denen man ohne größeres
Nachdenken sein Vermögen (und
damit sein Schicksal) in jüngere Hände
gibt, sind vorbei.
Gestaltungsfragen bei Überlassungsverträgen
mit der jüngeren Generation, aber
auch zwischen Ehepartnern, werden bei
dieser Veranstaltung der Seniorenservicestelle
Netphen und der Zukunftsinitiative
„Leben und Wohnen im Alter“ erörtert.
Der Referent ist seit Jahrzehnten als
Rechtsanwalt und Notar mit diesen Fragestellungen
beschäftigt.
Termine finden Sie in unseren Veranstaltungshinweisen.
15. 11. in Kreuztal
und 29. 11. in Netphen. •
durchblick 3/2011 9
Ihr Ansprechpartner:
Reiner Jakobs
Zukunftsinitiative
Siegen-Wittgenstein 2020
Programmleitung
„Leben und Wohnen im Alter“
Servicezentrum für soziale Beratung,
Betreuung und Prävention
Bismarckstr. 45, 57076 Siegen
0271/333-2720
E-Mail: lwa@siegen-wittgenstein.de
10 durchblick 3/2011
Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein
Siegener
Seniorenbeirat
Foto: Dr. Horst Bach
„Marktfrauen“
erfreut
Geisweid. Dankbar für den neuen Fußgängerüberweg
in der Dr.-Karl-Barich-
Straße zeigten sich jetzt fünf hochbetagte
Seniorinnen aus dem Geisweider
Drosselweg und seiner Umgebung.
Renate Pohl, Kläre Langenberg, Gisela
Holstein, Ute Amely und Magda
Schramm (im Bild von links) treffen
sich schon seit vielen Jahren jeden
Samstagmorgen an der Haltestelle am
kleinen Schwanenteich zur Einkaufstour
per Bus zum Klafelder Markt. Doch die
Überquerung der Straße wurde wegen
des zunehmenden Verkehrs zuletzt immer
gefährlicher. Nach über einjährigen
Bemühungen und unter Mithilfe von
Hans Amely, dem „Hans Dampf in allen
Gassen“ der Wenschtsiedlung, hat
die Stadt Siegen jetzt den neuen Zebrastreifen
geschaffen, der nun eine sicher
Überquerung der Straße zur Haltestelle
(im Hintergrund) ermöglicht. hoba
Siegen. Der Seniorenbeirat der Stadt
Siegen will in Zukunft noch näher bei
den älteren Menschen in der Krönchenstadt
sein.
So wurde bei der Juli-Beiratssitzung
mit großer Mehrheit einem Antrag
stattgegeben, ab sofort eine der jährlichen
Seniorenbeiratssitzungen in einer
Siegener Alteneinrichtung durchzuführen.
In der obligatorischen Fragestunde
stand noch einmal das vom Seniorenbeirat
bereits per Beschluss geforderte
Stimmrecht in den städtischen Ausschüssen
auf dem Prüfstand. Beiratsvorsitzender
Bernd Alberts berichtete
über die Bemühungen des Vorstandes
in diese Richtung. Als erster Schritt
müsse zunächst die Aufnahme der
Seniorenbeiräte in die Gemeindeordnung
des Landes Nordrhein-Westfalen
erfolgen. Dafür kämpft auch die Landesseniorenvertretung
(LSV), deren
Vorsitzende Gaby Schnell an der Beiratssitzung
teilnahm.
Polizeibesuch
Foto: Dr. Horst Bach
Weidenau. Über die Arbeit der Kreispolizeibehörde
informierte sich jetzt der
Arbeitskreis „Mobilität und Verkehr, Öffentliche
Sicherheit und Ordnung“ des
Seniorenbeirates der Stadt Siegen.
Im Hof des Polizeigebäudes begrüßte
Polizeidirektor Wilfried Bergmann
(3.v.re.) die Seniorenvertreter mit ihrem
Arbeitskreisleiter Helmut Plate (5.v.re.).
Anschließend erfolgten umfangreiche Informationen
über die vielfältigen Aufgaben
der Polizeibeamten. Drogen-, Alkohol-
und Medikamentenmissbrauch und
die damit zusammenhängenden Vergehen
weckten das besondere Interesse der Beiratsmitglieder.
Mit einer 60-prozentigen
Aufklärungsquote liege die gut vernetzte
Polizei des Kreises Siegen-Wittgenstein
im Land Nordrhein-Westfalen an vorderer
Stelle, so Polizeichef Bergmann.
Besonderes Interesse fanden auch
die Ausführungen von Hauptkommissar
Uwe Weinhold, der im technisch
mit höchsten Standards ausgestatteten
Schießkino diverse Stresssituationen
vorführte, denen sich die Polizeibeamten
täglich ausgesetzt sehen. hoba
Die Landesvorsitzende forderte die
Beiratsmitglieder dazu auf, sich zunächst
als „sachkundige Bürger“ von
den Parteien für die Wahl in einen
städtischen Ausschuss vorschlagen zu
lassen, um neben dem Rede- auch ein
Stimmrecht zu bekommen. Denn die
Seniorenarbeit müsse gerade vor dem
Hintergrund des demografischen Wandels
ein unverzichtbarer Schwerpunkt
auch in jeder Parteipolitik sein.
Erfreut nahmen die Beiratsmitglieder
zur Kenntnis, dass der Rat der Stadt
Siegen jetzt endlich die Erstellung
des vom Seniorenbeirat geforderten
Armutsberichts beschlossen hat. Die
Verwaltung will ihn im nächsten Jahr
auf den Weg bringen. Auch der Seniorenbeirat
will dann einen ausführlichen
Tätigkeitsbericht über die Wahlperiode
2007 – 2012 vorlegen.
Im Sommer des nächsten Jahres
steht in der Krönchenstadt nämlich die
Neuwahl des Seniorenbeirates an, die
erneut in Form einer Briefwahl durchgeführt
werden soll.
hoba
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Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein
„SafE“ für das kostbare Ehrenamt
AWO und Stadt Siegen eröffneten gemeinsame Agentur
Eine wichtige Kooperation für das
Ehrenamt sind die Arbeiterwohlfahrt
und die Stadt Siegen eingegangen.
In enger Zusammenarbeit wollen die
beiden Partner die neu eingerichtete
„Siegener Agentur für Ehrenamt“, kurz
„SAfE“, für alle am Ehrenamt Interessierte
betreiben.
Beratung, Vermittlung, Betreuung
und Begleitung von Ehrenamtlichen
stehen dabei ausdrücklich im Vordergrund.
„Wer zu uns kommt, kann nicht
nur erfahren, welche Einsatzmöglichkeiten
es in seinem Umfeld gibt,
sondern wird auch sehr individuell
während seiner Tätigkeit begleitet“,
betonen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
von „SAfE“.
Gleiches gilt natürlich auch für soziale
Einrichtungen oder Vereine, die
auf der Suche nach passender, ehrenamtlicher
Unterstützung sind. Die
„Siegener Agentur für das Ehrenamt“
versteht sich als Brücke zwischen potenziell
freiwillig Tätigen und gemeinwohlorientierten
Einrichtungen, die auf
deren Mitwirken angewiesen sind. Die
Abkürzung des Namens in „SAfE“ soll
die Assoziation zu etwas Kostbarem
wecken – so kostbar und wertvoll,
dass es in einem Safe gesichert werden
muss. Ziel ist es, eine Plattform
zu schaffen, Siegen gemeinschaftlich –
von Siegener Einwohnern für Siegener
Einwohner – den Rücken zu stärken
für die Herausforderungen des demographischen
Wandels.
In fast allen sozialen Bereichen des
öffentlichen Lebens in Siegen wird bereits
erfolgreich mit Ehrenamtlichen
gearbeitet. Für die Stadt Siegen, so
die Vorstellung der Akteure, will man
mit SAfE ein systematisches Ehrenamtsmanagement
entwickeln. Die Interessen
der freiwillig Tätigen und der
angesprochenen Institutionen müssen
aufeinander abgestimmt werden, um
den Motivationen, Bedürfnissen, Erwartungen
und Kompetenzen gerecht
zu werden. Dass in Siegen der Bedarf
an freiwilliger Tätigkeit höher als in
den Umlandkommunen anzusehen ist,
Foto: AWO Kreisverband Siegen
Bürgermeister Steffen Mues und AWO-Geschäftsführer Hans-Georg Fey
besiegeln die Kooperationsvereinbarung für die „Siegener Agentur für Ehrenamt“,
„SAfE“. Im Bild: von links Susanne Dettmann, Astrid E.
Schneider, Steffen Mues, Corinna Schleifenbaum, Hans-Georg Fey, Horst Kring,
Emethullah Hokkaömeroglu, Dirk Helmes
betont Astrid Schneider von der Stadt
Siegen: „Dort ist der gemeinschaftliche
Zusammenhalt meist größer und
die Angebotsstruktur oftmals transparenter,
weil überschaubarer, als in der
Stadt Siegen.“
SAfE versteht sich ausdrücklich als
trägerübergreifende und unabhängige
Anlaufstelle, die die Vermittlung für
oder in andere Verbände einschließt.
Gemeinnützige Organisationen, Vereine,
Kirchen und Verbände gehören zu
den wichtigsten Partnern einer Ehrenamtsagentur.
Seitens der AWO ist die
Integrationsagentur beteiligt, um Menschen
mit Zuwanderungsgeschichte
den Zugang
zum Ehrenamt in
Deutschland zu
erleichtern oder
neue Formen des
Engagements zu
fördern, die die
kulturellen Besonderheiten
der
Herkunftsländer
einbeziehen. Auf
eine weitere Besonderheit
sind
die Verantwort-
lichen besonders stolz: Mit Horst Kring
steht ein Ehrenamtlicher der AWO den
Interessenten als Ansprechpartner zur
Verfügung.
Kontakt kann man mit den Mitarbeitern
von SAfE sowohl über die Regiestelle
Leben im Alter 0271/404-2204
als auch über die AWO 0271/3386-
280 aufnehmen. Die Geschäftsstelle
des Wohlfahrtsverbandes, Koblenzer
Straße 136, und das Weidenauer Rathaus
werden Anlaufstellen für Interessierte
sein.
Corinna Schleifenbaum
durchblick 3/2011 13
Barbara Steffens
25 Jahre durchblick
Foto: MGEPA – Torsten Stecher
Zum 25-jährigen Jubiläum gratuliere ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
des„durchblick“ ganz herzlich. Seit 25 Jahren leistet die Zeitung auf
ehrenamtlicher Basis genau das, was auch gut gemachter, professioneller
Journalismus bieten sollte: unabhängige Berichterstattung, eine engagierte
Schreibe und – vor allem – ein feines Gespür für die Interessen und Belange
der Leserinnen und Leser. Die über die Jahre kräftig gestiegene Auflage –
inzwischen liegt sie bei rund 18.000 Exemplaren – zeigt, wie sehr der „durchblick“
mit seinen Themen den Nerv der älteren Menschen in Siegen und dem Kreis
Siegen-Wittgenstein trifft!
Der Erfolg des „durchblick“ zeigt aber noch etwas anderes: Viele Ältere
sind aktiv, mobil und wollen sich gesellschaftlich einbringen. Das gilt für
die Redaktion des „durchblick“ und auch für die Mehrheit seiner Leserinnen
und Leser. Wenn immer mehr Ältere aus eigenem Antrieb und ehrenamtlich
Verantwortung für die Gestaltung des Zusammenlebens übernehmen, dann
profitiert jede und jeder Einzelne, denn bürgerschaftliches Engagement macht Freude. Aber auch für die Gesellschaft
insgesamt ist es ein Gewinn, gerade in Zeiten des demografischen Wandels!
Die Landesregierung NRW will die Teilhabechancen älterer Menschen stärken und ihrem Recht auf
Selbstbestimmung Geltung verschaffen. Dabei setzen wir ganz zentral auf die Schaffung altersgerechter
Quartiere mit geeigneten Wohnformen, auch im Pflegefall, qualitativ hochwertigen und gut erreichbaren
Dienstleistungen in „Pantoffelnähe“, interessanter Kultur- und Freizeitangebote, Orten der Begegnung, auch
mit anderen Generationen, und – last but not least – Möglichkeiten zur gesellschaftlichen und politischen
Teilhabe. Dazu gehören vor allem Mitwirkungs- und Stimmrechte für Ältere in politischen Gremien. Ich würde
mir wünschen, dass diese Notwendigkeit von noch mehr Kommunen in NRW erkannt wird.
Die Landesregierung unterstützt die Städte und Gemeinden bei alldem durch einen „Masterplan Quartier“,
den wir gemeinsam mit den Kommunen auf den Weg bringen werden. Mehr Teilhabechancen im Quartier
bringen ein gutes Stück mehr Lebensqualität für Ältere! Darum freue ich mich sehr, dass der „durchblick“ mit
uns an einem Strang zieht. Den Leserinnen und Lesern wünsche ich weiter viel Freude an dieser Zeitung, dem
Redaktionsteam viele gute Ideen bei der Gestaltung und Produktion des Blattes.
Barbara Steffens
Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter
des Landes Nordrhein-Westfalen
14 durchblick 3/2011
25 Jahre durchblick
Was macht die seit über 20 Jahren erscheinende Zeitschrift durchblick für
viele Menschen in Siegen, im Kreis Siegen-Wittgenstein und darüber hinaus
so lesenswert? Was macht diesen Erfolg der Zeitschrift aus? Darauf gibt es,
wie kann es anders sein, vielfältige und unterschiedliche Antworten. Den einen
gefallen bestimmte Beiträge aus den Rubriken, andere schätzen Information
sowie Unterhaltung, mancher erkennt sich in den Beiträgen wieder, den einen
interessieren die Anzeigen, wieder andere fühlen sich mit der Zeitschrift heimatlich
verbunden und manchem strukturiert die turnusmäßig erscheinende
Zeitschrift den Jahresverlauf und damit die Zeit. Für viele Leserinnen und Leser
ist es ganz sicher das Bündel all dessen was durchblick so attraktiv macht.
Als Vorsitzende der ehrenamtlich tätigen Landesseniorenvertretung mit derzeit
152 kommunalen Mitgliedern in Nordrhein-Westfalen besteht die Qualität
von durchblick gerade darin, dass sie nicht nur gute Beiträge liefert, sondern,
dass sie von ehrenamtlich engagierten Menschen gemacht und in Umlauf gebracht
wird. Damit ist durchblick ein lebendiges Medium, ohne Umschweife
glaubwürdig, von Menschen für Menschen. Stets ist daher erkennbar, spürbar und sogar hörbar, dass hier Leute
am Werk sind, die Spaß an ihrem Wirken haben und denen bewusst ist, dass ihr Tun für andere bedeutsam ist.
Damit gewinnen sie Leserinnen und Leser, weil diese verlässlich einen guten durchblick bekommen und die
Macher erfahren immer wieder neu, dass sie gebraucht werden, mitgestalten können und gehört werden.
Und noch etwas ist besonders erwähnenswert, was durchblick anbelangt. Die Zeitschrift hat eine Geschichte,
in der es immer Weiterentwicklung gab und gibt, verbunden oft mit Personen, die in besonderer Weise für
die Zeitschrift eintraten. Immer aber war diese Zeitschrift auch eine, die die Stadt und der Kreis wollten. Vor
dem Hintergrund einer solch ermöglichenden Haltung und daraus folgenden tatkräftigen Unterstützungen
und Förderungen kann ehrenamtliches Engagement gute Früchte tragen. Damit ist durchblick auch ein gutes
Beispiel für praktizierte Teilhabe: Stadt und Kreis ermöglichen, wahren dabei Unabhängigkeit der Zeitschrift
und gewinnen damit Menschen für die Belange in ihrem kommunalen Umfeld. Öffentliche Aufgaben in dieser
Form zu gestalten, ist wegweisend für die kommunale Seniorenpolitik.
Allen, die durchblick ermöglichen, machen, unterstützen und verbreiten sei auch an dieser Stelle mit Wertschätzung
herzlich gedankt! Der Stadt, dem Kreis mit den Menschen aller Lebensalter in Siegen und Siegen-
Wittgenstein wünsche ich weiterhin einen so guten durchblick!
Ihre Gaby Schnell
Gaby Schnell,
Vorsitzende der Landesseniorenvertretung NRW
durchblick 3/2011 15
25 Jahre durchblick
Bernd Alberts
Vorsitzender des Siegener Seniorenbeirats
Durchblick, eine bemerkenswerte, beliebte und außergewöhnliche Publikation
für ältere Menschen und …nicht nur für diese, feiert Jubiläum.
Der Seniorenbeirat der Stadt Siegen gratuliert dazu und sagt: Danke,
dass es diese Zeitschrift gibt.
Mit dem durchblick schafft das Redaktionsteam nunmehrseit 25 Jahren
eine Zeitung, die unterhaltsam und informativ ist und kritisch die
Belange der älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger in den Blickpunkt
rückt. Stetig steigende Auflagezahlen und ein immer größer werdendes
Verbreitungsgebiet sind ein Beweis dafür, wie beliebt durchblick mittlerweile
bei allen Bevölkerungsschichten ist.
Der Seniorenbeirat wünscht den ehrenamtlichen Mitarbeitern, dass
die positive Entwicklung anhält. Für die Zukunft viel Erfolg bei ihrem
verantwortungsvollen Bemühen, den Leserinnen und Lesern eine anspruchsvolle
Lektüre zu bieten.
Bernd Alberts
Redaktionsmitglieder seit 1986
Autschbach, Antje 1/1993 – 2/1993
Assmann, Helmut 1/1986 – 3/1998
Becker, Gabi 4/1991 – 4/1992
Becker-Bürger, Ruth 2/1996 – 3/1996
Born, Hans 1/1986 – 2/1989
Bernshausen, Ulrich 4/1989 – 4/1992
Busch, Friedhelm 2/1988 – 3/1988
Deußen, Renate 4/1989 – 1/1991
Dürbecke, Eleonore 3/1991 – 3/2002
Flender, Manfred 4/1990 – 2/1998
Fuchs, Margret 1/1986 – 2/1990
Gebhard, Hans-Peter 1/2009 – 4/2010
Gerst, Dieter 1/2004 – 1/2010
Maria Anspach seit 4-2002
Thomas Benauer seit 4-2003
Helmut Drabe seit 1-2009
Ingrid Drabe seit 1-2009
Helga Düringer seit 1-2011
Friedhelm Eickhoff seit 1-2002
Friedrich Fischer seit 2-2008
Göbel, Inge 2/1997 – 2/2011
Grimm, Erna 1/1988 – 3/1992
Grimm, Wolfgang 1/1988 – 4/1998
Hanz, Elisabeth 1/1996 – 3/2006
Heinrich, Helmut 1/1988 – 3/1988
Jung, Raimund 1/1989 – 2/1990
Ketteler, Inge 1/1986 – 4/1992
Köhler, Heinz 3/2004 – 3/2006
Korbach, Else 4/1990 – 1/1995
Kraus, Leonhard 1/1990 – 3/2002
Kühn, Gerald 1/1986 – 4/1998
Meinerzhagen, Doris 1/2003 – 3/2003
Möller, Erika 2/1995 – 3/2002
Aktive Redakteure
Eberhard Freundt seit 1-2004
Gerda Greis seit 1-2006
Eva-Maria Herrmann seit 2-2011
Dorothea Istock seit 2-2002
Erich Kerkhoff seit 3-2003
Gottfried Klör seit 3-2007
Erika Krumm seit 1-1999
Möller, Joachim 1/1986 – 3/2002
Mücke, Helga 4/1993 – 2/1995
Nitz, Renate 2/1987 – 3/1988
Preis, Heinz 1/1996 – 3/1996
Röwer, Will 2/1991 – 3/2001
Redaktionsleiter 1993 – 1998
Ruback, Christel 1/1986 – 4/1992
Redaktionsleiterin 1986 - 1992
Schleifenbaum, Gisela4/1993 – 4/1993
Velleuer, Jörg 1/1986 – 4/1987
Völkel, Sabine 1/2006 – 3/2010
Wilhelm, Eckhard 4/1998 – 4/2001
Redaktionsleiter 1998 – 2001
Brigitte Lanko seit 1-2010
Horst Mahle seit 3-2005
Tessie Reeh seit 3-2007
Helga Siebel-Achenbach seit 3-2004
Agnes Spar seit 3-2007
Peter Spar seit 3-2007
Ulli Weber seit 3-2008
16 durchblick 3/2011
25 Jahre durchblick
„Wieder ein Jubiläum“
25 Jahre journalistische Arbeit für Senioren
Kirsten Schwarz,
Kunsthistorikerin
aus Hilchenbach
Bereits 5 Jahre ist es her, dass ich die Freude hatte,
zusammen mit der Redaktion des ‚durchblick’
eine Sonderausgabe der Zeitschrift zum 20. Geburtstag
zu erstellen. Damals war ich sehr beeindruckt
von dem Engagement der Mitarbeiter, eine informative,
unterhaltende und vor allem qualitativ hochwertige Senioren-Zeitschrift
herauszubringen. Nun steht erneut ein
Jubiläum an – 25 Jahre ‚durchblick’! Damit zählt sie
zu den am längsten bestehenden Senioren-Zeitschriften
Deutschlands, deren Zahl stetig wächst. Einiges hat sich
in den letzten 5 Jahren verändert, der hohe Anspruch
jedoch nie.
Viele neue Themen kamen hinzu, so verwies die Redaktion
2007 auf das Problem der Rentner mit Migrations-
Hintergrund, die zwar häufig noch im Familienverbund
leben, aber bei allen Senioren-Themen mit berücksichtigt
werden müssten. Überhaupt ist, nach wie vor, die
sozial-politische Ausrichtung des ‚durchblick’ sein Markenzeichen.
Auch wenn in den letzten Jahren verstärkt
Wert auf den Unterhaltungs-Aspekt gelegt wurde, so kamen
die Informationen in diesem Bereich schon durch
das kontinuierlich Anwachsen der Seitenzahl nie zu kurz.
Ob kommunaler Seniorenbeirat, politische Verbände,
Krankenkassen oder die Alten-Berichte der Familienminister,
man berichtet kritisch über deren Aktivitäten und
alle die Senioren betreffenden Neuerungen. Lebenswerte
Wohn- und Lebensbedingungen im Alter, ehrenamtliches
Autorenfoto
Engagement der Senioren selbst und die Veränderungen
im Leitbild des Alterns sind Themen, die immer wieder
angesprochen werden.
Der Wandel des Altersbildes in der Gesellschaft wird
sowohl in den Medien als auch in der Selbstwahrnehmung
der Älteren registriert. So entstanden Artikel über das neue
Bild der aktiven Großeltern, über sportbegeisterte Senioren
oder die Rock-’n’-Roll-Begeisterung vieler älterer
Menschen, die mit dieser Musik aufwuchsen. Es muss
mittlerweile unterschieden werden zwischen aktiven Senioren,
die ihr Leben nach der Arbeit selbst gestalten und
den Hochbetagten, die immer mehr Hilfen in Anspruch
nehmen müssen.
Beiden Gruppen fühlt sich der ‚durchblick’ als Sprachrohr
verpflichtet. Wenden sich die Reiseberichte, die vorgestellten
Freizeit- und Kursangebote sowie die angesprochenen
Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements an
die jüngeren, belastbaren Senioren, so wird ebenso Wert
darauf gelegt, Hochbetagten und Pflegebedürftigen mit
gut recherchierten Artikeln zu Wohnprojekten, behördlichen
Hilfen und neuen Gesetzen und Regelungen eine
Orientierung im immer schwerer zu bewältigenden Alltag
zu geben. Ein bewegender Artikel beschäftigte sich mit
dem psychologischen Nutzen von Tierbesuchen im Altersheim.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der
Bericht eines ‚jüngeren’ Paares’, welches auf einer Senioren-Fahrt
ein über 80-jähriges Ehepaar kennen lernte und
so Einblicke in diese Generation erhielt. Denn aufgrund
der hohen Lebenserwartung in unserer Gesellschaft besteht
die Gruppe jetziger Rentner aus zwei verschiedenen
Generationen mit völlig anderem Hintergrund, etwa vor
und nach dem Krieg Geborene. Zu diesem Themenbereich
gehört auch der immer bedeutender werdende Umgang
mit Computern und den neuen Medien, deren Akzeptanz
bei den Jüngeren sehr groß ist. Computerkurse für Ältere
werden in den letzten Jahren häufig angeboten und finden
viel Zulauf.
Die positive Beurteilung des wissenschaftlichen Projektes
‚Fosible’ in einem Artikel, welches die soziale Interaktion
älterer Menschen mittels neuer Informationsund
Kommunikationsmittel fördern möchte, verwundert
vor diesem Hintergrund nicht. Auch in der ‚durchblick’-
Redaktion geht nichts mehr ohne Computer und regelmäßige
Hinweise auf seniorenrelevante Seiten im Internet
sind willkommene Anregungen für die computerkundige
Leserschaft. Einige humorvolle und selbstironische Artikel
wiesen aber auch auf die ‚Tücke des Objekts’ hin.
Zur subjektiven Meinungsäußerung gehören die Rubriken
‚Kommentar´ und ‚Meckerecke’, in denen sich die
Mitarbeiter der Zeitung über verschiedene Ärgernisse Luft
durchblick 3/2011 17
25 Jahre durchblick
machen und Missstände anprangern. Die Themen sind sehr
verschieden und können sowohl gesellschaftskritisch als
auch ereignisbezogen sein.
Immer wieder werden Interviews mit unterschiedlichen
Personen geführt, so werden der Leserschaft ungefiltert
Ansichten und Meinungen Verantwortlicher vorgestellt,
um sich so leichter eine eigene Meinung bilden zu können.
Es wurden Sportler, Leiter seniorenbezogener Projekte und
Organisationen und – vor den Wahlen – politische Kandidaten
befragt. Den unmittelbaren Eindruck einer Person im
Interview einzufangen, erfordert professionelle Vorbereitung
und Einfühlungsvermögen.
Der Unterhaltungsaspekt spielt bei der Ausgestaltung
der Zeitschrift eine weiterhin wichtige Rolle. Besonders
die vielfältigen Erfahrungsberichte aus Kindheit, Jugend
oder den Begebenheiten im Alltag haben ein begeistertes
Publikum gefunden, wie die positiven Leserbriefe beweisen.
Wenn die humorvollen wie bewegenden Geschichten
dazu noch sehr gut geschrieben sind, ist der Geschmack
des Publikums genau getroffen. Ebenso positiv werden die
mundartlichen Artikel aufgenommen. Es wird heute bekannt,
welch große soziologische Bedeutung die Erhaltung
der Mundart und ihre Lebendigkeit für die Identifikation
mit einer Region hat. Siegerländer Platt ist ganz klar ein –
neudeutsch – ‚Alleinstellungsmerkmal’.
Doch auch viel Nachdenkliches findet, im weitesten
Sinne, Platz in der Kategorie Unterhaltung. Denn auch
wer Anregungen zum Nachdenken erhält und so neue Einsichten
gewinnt, fühlt sich ‚gut unterhalten’. An den vielen
Diskussionsbeiträgen gerade zu den philosophischen Themen
wird klar, dass die Leserschaft die anspruchsvollen
Essays zu schätzen weiß. An der großen Bandbreite der
unterhaltenden Beiträge zeigt sich die ebenso differenzierte
Leserschaft. Diese unter einen Hut zu bringen und zu einer
großen Zahl von Stammlesern zu gelangen, ist dem ‚durchblick’
in 25 Jahren sehr gut gelungen. Ein besonderes Augenmerk
verdienen auch die historischen Abhandlungen
im ‚durchblick’. Ob Regionalgeschichte oder Zeitläufte,
immer sind sie hervorragend recherchiert und geben einen
tiefen Einblick in historische Zusammenhänge. Auch vor
Tabu-Themen, die in letzter Zeit zaghaft in den Medien
angesprochen werden, schreckt das Redaktionsteam nicht
zurück. Behutsam und fundiert berichtete man bisher über
Sexualität im Alter (Buchbesprechung), Alters-Suizid,
künstliche Ernährung Sterbender und illegale Pflegekräfte
aus Osteuropa.
Regionalgeschichtlich spannend sind auch die in den
letzten Jahren erschienenen Artikel zu Siegerländer Persönlichkeiten,
die auch im Rentenalter ein Vorbild an Aktivität
und Engagement darstellen. Liebevoll und umfangreich,
wie in den Regionalzeitungen nicht möglich, werden hier
Menschen hervorgehoben, die durch ihre Tätigkeiten im
Siegerland eine Würdigung verdienen.
Alle Rubriken erscheinen unregelmäßig, denn, so
hebt es der leitende Redakteur hervor, die Arbeit aller
Mitarbeiter ist nach wie vor ehrenamtlich und fußt auf
dem Prinzip der Freiwilligkeit – jeder kann, keiner muss.
Umso höher ist die aufgebrachte Disziplin der Mitarbeiter
zu bewerten, fast alle Rubriken in jeder Ausgebe zu
bedienen. Denn auch die Redaktionsarbeit selbst hat in
den letzten Jahren an Komplexität gewonnen und fand
zeitweise unter schwierigen finanziellen Bedingungen
statt. Viele Neuerungen wurden eingeführt, so 2009 die
Hörbücher mit Auszügen aus den einzelnen Ausgaben
für Sehbehinderte. Seit 2007 ist die Redaktion verantwortlich
für die Gesamtgestaltung des ‚durchblick’, somit
ist nun eine eigene Bildredaktion für die visuelle
Gestaltung jeder Ausgabe zuständig. Dies macht sich
positiv bemerkbar in einer größeren Anzahl an illustrierenden
Fotografien und ansprechenden Hintergrundgestaltungen.
Natürlich ist der ‚durchblick’, der die neuen
Medien nicht scheut, sondern bewusst nutzt, auch im
Internet vertreten, mit der kompletten aktuellen Ausgabe.
Im ersten Heft 2010 wurde dann eine weitere weitreichende
Veränderung angekündigt, der ‚durchblick’ wird
nun kreisweit verteilt und um einige Seiten, erweitert um
lokalen Themen aus den Städten und Gemeinden Platz
zu bieten. Im Impressum macht dann der Hinweis ‚gemeinnützige
Autorenzeitschrift’ klar, dass ein Schritt in
die Unabhängigkeit getan wurde.
Die Beharrlichkeit der Mitarbeiter, ‚ihre’ Zeitschrift
trotz aller Widrigkeiten wie finanzielle Probleme und Auslagerung
des Büros wegen Umbaus auch in den letzten 5
Jahren kontinuierlich erscheinen zu lassen, verdient große
Anerkennung. Ohne ein freundschaftliches und offenes Arbeitsklima
wären diese Anstrengungen sicher nicht möglich
gewesen. Dies wurde auch deutlich in zwei Artikeln vergangener
Ausgaben, die den großen Spaß an der redaktionellen
Arbeit hervorhoben.
Der ‚durchblick’ hat sich in den letzten 5 Jahren auch
durch die steigende Auflagenzahl von nun 18.000 Exemplaren
zu einer Publikumszeitschrift im besten Sinne entwickelt.
Eine fachlich hohe Kompetenz, ehrenamtliches
Engagement und das große Spektrum an Themen, ohne
beliebig zu werden, kennzeichnet die nun seit 25 Jahren
erscheinende Senioren-Zeitschrift des Siegerlandes.
Treffend und nicht besser zu formulieren schließe
ich meine Ausführungen mit den Worten ihres Lesers
Dr. Harald Simon (4/2007):
“ …(sehr gut hat mir d. V.) die interessante Mischung
bzw. Vielfalt der Themen gefallen, die das Motto Seniorität
in einer neuen Perspektive erscheinen lässt, nämlich (welt-)
erfahren und heimatverbunden, klug und wissensdurstig,
lebendig und persönlich – alles Eigenschaften, die es wert
sind, auch an Nicht-Senioren weitervermittelt zu werden.“
Kirsten Schwarz
18 durchblick 3/2011
durchblick 3/2011 19
20 durchblick 3/2011
durchblick 3/2011 21
22 durchblick 3/2011
Kollage: Agnes Spar
durchblick 3/2011 23
25 Jahre durchblick
24 durchblick 3/2011
durchblick 3/2011 25
25 Jahre durchblick
Aus der Redaktion
Innenansichten (aus durchblick 3/2006 und 3/2007)
Redaktionsarbeit
Dunkle Schwaden Zigarettenrauchs wabern durch
den Raum. Männer mit aufgelösten Krawatten
reden aufeinander ein. Kaffeetassen klimpern. So
ungefähr zeigen amerikanische Filme meistens die Redaktion
einer Zeitung.
Ganz so geht es bei uns nicht zu. Zwar klappern am
Anfang der Sitzung auch bei uns die Kaffeetassen, surrt der
Automat, singen die Computer leise vor sich hin. Wir, die
Redakteure, sitzen um einen großen Tisch. Vor uns unsere
Arbeitsakten. Wir machen eine neue Zeitung. Ein Bild wird
gezeigt. Es soll unser Titelbild werden. Jasager - Ablehner -
Diskussionen. Gut, es wird genommen. Wer schreibt die Titelgeschichte?
Ja, ich mach`s. Wieviel Seiten brauchst Du?
Zwei plus Bilder. In Ordnung. Das Raster wird eingerichtet.
Was ist auch in drei Monaten noch beschreibenswert? Literatur!
Ja, ich werde eine Buchbeschreibung machen. Zwei
Seiten. Geht klar. Die Spalte Unterhaltung. Drei Redakteure
sind vorwiegend dafür zuständig. Gut, ich schreibe
über „Dieses“. Das hatten wir schon mal, also verworfen.
Wir brauchen etwas Lustiges. Unsere Leser sollen auch
schmunzeln. Gut, ich baue einen neuen Bericht. Eine Seite
plus Bild. Marias Krimi läuft schon lange, also auch heute.
Wir müssen auch über „Jenes“ berichten, ganz wichtig.
Ja, aber nicht so lang. Höchstens drei Seiten. Die Werbung
muss untergebracht werden.
Inzwischen ist der Geräuschpegel ziemlich hoch. Unser
Chef greift zu seiner Rassel. Damit bekommt er seine Bande
wieder für kurze Zeit ruhiggestellt. Dann geht es weiter.
Bitte, kann ich noch eine Tasse Kaffee bekommen? Klar,
ich koche neuen.
Die Spalten im Raster füllen sich. Die Türe geht auf.
Ein Besucher kommt. Er will einmal an unserer Sitzung
teilnehmen. Er ist willkommen. Einen Kaffee bekommt
er auch.
Wir arbeiten weiter. Jeder kommt zu Wort. Jeder teilt
seine Arbeitsabsichten mit. Das Telefon klingelt. Ein Kunde
will eine Anzeige aufgeben. Er bittet um einen Besuch
in seiner Firma. Der Termin wird festgelegt. Die Akquise
erfordert große, gute Arbeit, die vorwiegend von unserem
Chef erledigt wird.
Wir brauchen noch etwas für die Spalte „Reisen“. Nach
einiger Zeit ist auch die belegt. Eine Seite des Gedächtnistraining
kommt immer gut an. Wichtig ist natürlich der
jeweilige Beitrag über Alter und Gesellschaft. Jedes Mal,
wenn wir eine neue Zeitung machen, dasselbe Thema: „Wir
benötigen eigentlich mehr Seiten“. Es bieten sich noch eine
Anzahl guter Berichte an. Ethische Betrachtungen, Geschichten
aus dem Siegerland, Aufklärung usw. Auf der
letzten Seite: Impressum, Leserbriefe. Es könnten gerne
mehr sein. Wir würden uns freuen, denn wir machen unsere
Arbeit gerne und ehrenamtlich.
Nun kommt noch der Termin für den Redaktionsschluss.
Alle stöhnen. Jedes Mal. Trotzdem sind die Artikel zur
rechten Zeit am rechten Ort. Jedes Mal! Dann geht die Zeitung
in Druck. Hoffentlich kommt sie bei unseren Lesern
gut an. Schließlich gilt all unsere Mühe nur ihnen.
Inge Göbel
db-Collage Gottfried Klör
26 durchblick 3/2011
25 Jahre durchblick
Mein geliebter „durchblick“
Ich schreibe, also bin ich. Ein wenig vermessen, aber ich
hätte es mir nie träumen lassen. In der Schule schrieb
ich gute Aufsätze, verschickte Briefe mit total verschachtelten
Sätzen an meine Freundinnen, die diese, oft
genug, nicht verstanden und führte Tagebuch über Jahre.
Dem Spiel mit der Sprache war ich schon immer verfallen.
Mit kleinen Schritten näherte ich mich vor etwa zwölf
Jahren der Veröffentlichung meines Gedankengutes. Der
„durchblick“ bot und bietet mir die Plattform.
Ein engagiertes Team hat zwanglos zueinandergefunden,
um eigene Erlebnisse, Betrachtungen, Themen, die im
Trend liegen und aktuelle Ereignisse in Worte zu fassen und
sie einer interessierten Leserschaft näherzubringen. Es hat
sich herauskristallisiert, dass jeder einzelne von uns seine
speziellen Neigungen hat und für sich Schwerpunkte setzt,
Übergriffe sind erlaubt, der Anspruch recht hoch.
Der Häuptling der Autoren-Gang ist Friedhelm Eickhoff,
dem es großen Spaß macht, die Zeitung aus dem Material,
welches wir ihm liefern, zu gestalten und ihr den
letzten Schliff zu geben. Seine neueste Leidenschaft ist die
ausgefeilte Bebilderung der Artikel, womit er uns manchmal
fast zur Verzweiflung treibt, wenn beim besten Willen
kein passendes Foto aufzutreiben ist oder der Artikel sich
nicht sonderlich gut für eines eignet.
Zweimal im Monat, jeweils am ersten und dritten Dienstag
– Änderungen vorbehalten – sind Redaktionssitzungen.
Nach Verabschiedung einer Ausgabe findet ein Nachruf
auf letztere statt, d.h., wir überlegen, was wir verbessern
könnten oder diskutieren, wo etwas total falsch oder sehr
gut gelaufen ist. Eine große Mappe wird aufgeschlagen
mit Leserbriefen, die uns als Echo zugegangen sind, mit
wichtigen Informationen, Terminen und geplanten Veranstaltungen.
Jeder dritte Dienstag ist auch der Öffentlichkeit
zugänglich, und wir freuen uns immer, wenn sich jemand
für unsere Tätigkeit interessiert. Irgendwann steigt
die Spannung dann wieder, denn die neue Ausgabe geht in
die Planung. Themen werden angerissen, einer der Autoren
greift vielleicht das eine oder das andere auf, manche
Vorschläge fallen auch unter den Tisch, weil keiner sich
angesprochen fühlt.
Mit Kreide wird auf einer großen Tafel vermerkt, wer
über was zu schreiben gedenkt und wie viel Seiten der
einzelne für sich beansprucht. Manchmal reicht der Platz
nicht aus und die Zeitung muss um einige Seiten erweitert
werden. Die Vielfalt der vorgemerkten Berichte erlaubt es,
in etwa ein Gleichgewicht zu schaffen zwischen ernsten,
humorvollen, besinnlichen oder aktuellen Geschichten. Die
Köpfe der Autoren rauchen, da sie auch dieses Mal den
Erwartungen ihrer Leser wieder entsprechen wollen. Wenn
dem Chef alle Berichte vorliegen, das Textgerüst erstellt ist,
um das sich dann Werbung und Fotos ranken, wird Korrektur
gelesen, und die Zeitung geht in Druck. Die neue Ausgabe
ist fertig, die Erregung abgeklungen, der Chef leicht
erschöpft.
Alltag kehrt ein, denn die ca. 1600 Exemplare wollen
verteilt werden. Auf diesem Gebiet sind Helga und ich ein
fast unschlagbares Team, natürlich nicht die einzigen, die
in dieser Mission unterwegs sind, sondern weitere Autoren
und liebe Menschen von außen. Es ergab sich einmal im
Rahmen dieser Aktion folgende bizarre Geschichte: man
hatte uns versichert, die Zeitungen lägen zum Verteilen bereit
im untersten Flur des Hauses Herbstzeitlos. Als Helga
und ich dort eintrafen, durften wir feststellen, dass unser
Chef den größten Teil der heißen Ware noch im Sprinter
durch die Stadt spazieren fuhr. Die Zeit drängte, da einige
unserer Anlaufstellen, als da sind Sparkassen und Arztpraxen,
mittags ihre Tempel schließen. Es lagerte ein Stapel
von Kartons vor Ort, nicht für uns vorgesehen, aber noch
nicht abgeholt. Zwangsläufig mussten wir uns an diesem
Stapel vergreifen. Jede Minute war ja mit Nachschub zu
rechnen. Das Fatale an der Sache: der Stapel reichte nicht.
Helga wusste Rat. Sie hatte in den Redaktionsräumen einige
dort leicht versteckte Kartons erspäht, und ohne groß
Gedanken daran zu verschwenden, warum die wohl –
ausgerechnet – dort abgelegt wurden, griffen wir zu und
freuten uns diebisch.
In Geisweid hatten wir schon excellente Arbeit geleistet,
als mit unseren Augen etwas nicht zu stimmen
schien. Entgegen kam uns nämlich, in seinem Sprinter,
der Chef höchstpersönlich. Die Begegnung konnte kein
Zufall sein. Irgendwie erinnerte mich die Verfolgungsjagd
an die Schnitzeljagden, die wir in unserer Jugend durch
die Stadt veranstalteten. Er signalisierte uns, anzuhalten.
Als beide Wagen auf dem nächst gelegenen Parkplatz sich
gegenüberstanden, entstieg er in höchster Erregung seinem
Gefährt. Die Kartons, die wir aus den Redaktionsräumen
entfernt hatten, wären uns fast zum Verhängnis
geworden. Es waren die Exemplare, die eingetütet und
für den Versand fertig gemacht werden, d.h., es wird kein
Werbematerial eingelegt. Letzteres ist aber unerlässlich
für unsere Leser aus Siegen und näherer Umgebung, weil
sehr wichtig für die Auftraggeber. Da der Chef im Besitz
einer Verteilerliste ist, hatte er, mit fliegenden Fahnen,
einige unserer Anlaufstellen schon abgeklappert, um vor
denen mit der „falschen Ware“ zu warnen. Just diese Orte
hatten wir noch nicht beliefert, auch lagen die verhängnisvollen
Kartons als Bodensatz zuunterst und waren unberührt,
so, als hätten wir geahnt, dass sie zum Sprengsatz
werden könnten. Als Versöhnungsgeste lud der Chef uns
zu einem Kaffee ein.
Erika Krumm
durchblick 3/2011 27
25 Jahre durchblick
25 Jahre „durchblick“ –
ein Rückblick auf das Zeitgeschehen
Das „Silberjubiläum“ des durchblick bietet aus Sicht
der Redaktion Anlass zu einem Rückblick auf das
Zeitgeschehen seit 1986. Auch wenn das Datum
eines familiären Ereignisses – die Geburt eines Enkelkindes
oder ein Todesfall – individuell alles andere überlagern
kann, gibt es zeitgeschichtliche Daten, die das eigene wie
das kollektive Bewusstsein dauerhaft beeinflussen.
Gemeint ist die Erinnerung an Ereignisse auf weltweiter
politischer Ebene, im Bereich der Kultur, der Wirtschaft,
des Sports, der Umwelt usw.
Eine Auswahl:
Anno 1986
Am 28. Januar 1986 explodiert die US-Raumfähre „Challenger“
nur 73 Sekunden nach ihrem Start
Kernkraftanlage Tschernobyl: am 26. April ereignet sich der bislang
schwerste Unfall in der Geschichte der Kernenergie
Anno 1987
Die Affäre um den CDU-Politiker Uwe Barschel und seinen ungeklärten
Tod erschüttert die Bundesrepublik.
Nach 127 Prozesstagen werden die beiden ehemaligen FDP-
Bundeswirtschaftsminister Graf Lambsdorff und Friederichs der
Steuerhinterziehung schuldig gesprochen
Anno 1988
Flugzeugabsturz über Lockerbie, sowjet. Rückzug aus Afghanistan
Mit Franz Josef Strauß stirbt eine der prägenden Figuren der deutschen
Nachkriegsgeschichte.
Anno 1989
DDR-Bürger besetzen westdeutsche Vertretungen in Ost-Berlin
und Prag, um ihre Ausreise zu erzwingen.
Am 9. November verkündet SED-Sprecher Schabowski die Öffnung
der Grenze zur BRD. Öffnung des Brandenburger Tors.
Anno 1990
Die Volkskammer beschließt den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik,
Auflösung der DDR und Wiedervereinigung
Deutschland wird Fußball-Weltmeister
Anno 1991
In den Ötztaler Alpen wird die Leiche eines Mannes gefunden,
der vor rund 10.000 Jahren starb.
Eine UNO-Streitmacht unter Führung der USA erobert Kuwait
von den irakischen Truppen zurück.
Anno 1992
Ein Stadtteil von Sarajevo wird seit acht Monaten von den Serben
belagert. Brot und Brennmaterial sind knapp.
Olympische Sommerspiele in Barcelona
Es starben: Marlene Dietrich, Willy Brandt, Alexander Dubcek,
Heinz Galinski und Karl Carstens.
Anno 1993
Jürgen W. Möllemann, Björn Engholm, Günther Krause, Max
Streibl, Rudolf Seiters und andere Politiker legen ihre Ämter nieder.
Die neuen Postleitzahlen werden eingeführt.
Steffi Graf siegt in Wimbledon.
Anno 1994
Nach zehnjähriger Amtszeit als Bundespräsident übergibt Richard
von Weizsäcker an Roman Herzog
Mai: Der Tunnel unter dem Ärmelkanal von Calais nach Folkestone
wird erröffnet
Anno 1995
Deutsche Soldaten auf dem Balkan: 50 Jahre nach Kriegsende
werden deutsche Soldaten erstmals im Rahmen einer internationalen
Friedensmission (nach Bosnien) entsandt.
Tschetschenien-Krise: Russland hindert die Republik Tschetschenien
mit Waffengewalt an der Selbstständigkeit.
Das Sportjahr 1995: Borussia Dortmund, Steffi Graf und Franziska
van Almsick heißen die Gewinner des Jahres 1995.
Anno 1996
Streit um die Rechtschreibreform: Die 1994 beschlossene Rechtschreibreform
führt zu heftigen Diskussionen („Murks“, „Unsinn).
Der größte Börsengang der europäischen Wirtschaftsgeschichte:
Die Telekom geht an die Börse
William Jefferson Clinton schafft es, für eine zweite Amtszeit
wiedergewählt zu werden.
Anno 1997
Tod von Prinzessin Diana ist das Medienereignis des Jahres 1997.
Oder-Hochwasser: Zuerst verlieren in Polen und der Tschechischen
Republik mehr als 100 Menschen im Hochwasser ihr
Leben, dann kommt das Wasser auch nach Deutschland.
Mutter Teresa ist gestorben
Anno 1998
Am 27. September endet die 16 Jahre dauernde Kanzlerschaft
von Helmut Kohl, mit Gerhard Schröder hält eine neue Politikergeneration
Einzug in Bonn
Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Bill Clinton wegen
Lewinsky-Affäre
Guildo Horn kann den Grand Prix zwar nicht gewinnen, aber sein
Beitrag („Piep, Piep, Piep“) ist unvergessen.
Anno 1999
1999 feiert die Bundesrepublik Deutschland ihren 50. Geburtstag
Rücktritt von Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine und Ernennung
von Hans Eichel zu seinem Nachfolger
Johannes Rau wird Bundespräsident.
Anno 2000
Entdeckung BSE-infizierter Rinder auch in Deutschland
Mit Angela Merkel stellt die CDU als erste große Partei eine Frau
an ihre Spitze
Das große Sportereignis des Jahres 2000 sind die Olympischen
Spiele in Sydney.
Anno 2001
Die Anschläge in New York und Washington haben das Gesicht
der Welt verändert. Der weltweite Anti-Terrorkampf der USA und
ihrer Verbündeten beginnt.
Abschied von Hannelore Kohl, Regine Hildebrandt, Anthony
Quinn und George Harrison – Menschen, die alle kannten oder
zu kennen glaubten.
Auf und Ab der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Weltmeister
Michael Schumacher, Lance Armstrong siegt bei der Tour
de France und der FC Bayern in der Champions League.
28 durchblick 3/2011
25 Jahre durchblick
Anno 2002
Das Jahr 2002 wird von zwei entscheidenden Neuerungen bestimmt:
Die Erweiterung der Europäischen Union gen Osten und
Einführung der gemeinsamen europäischen Währung Euro.
Das Hochwassser an Elbe, Mulde, Havel und Donau fordert 20
Todesopfer, macht Zehntausende obdachlos und richtet Milliardenschäden
an.
Der wohl spektakulärste Rücktritt des Jahres: Rudolf Scharping,
will trotz Poolbilderschwierigkeiten und Herrenausstattergeschichten
nicht selbst vom Amt des Bundesverteidigungsministers
lassen. Er wird nach einer kurzen Sitzung des SPD-Parteipräsidiums
am Morgen des 18. Juli entlassen.
Anno 2003
Am 20. März verkündet US-Präsident Bush den Beginn des Irak-
Krieges.
In Frankreich forderte die Hitzewelle tausende Opfer, Klimaforscher
halten den Jahrhundertsommer für ein ernsthaftes Anzeichen
der voranschreitenden Erderwärmung.
Anno 2004
Der Krieg im Irak forderte mehr amerikanische Opfer als im Jahr
zuvor und die Gründe für diesen Krieg werden immer unklarer.
Die Hartz-IV-Reform ängstigte die Bürger, und die Tradition der
Montagsdemonstrationen lebt auf.
Der Ölpreis erreicht ein 20-Jahres-Hoch. Krisen in Russland, dem
Nahen Osten und ein erhöhter weltweiter Bedarf lässt die Preise
nach oben schnellen.
Am 2. September: bricht in der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar
ein Brand aus. Totalverlust von 50.000 Werken.
Am 26. Dezember 2004 löst ein Erdbeben den Tsunami in Asien
aus. Mehr als 200.000 Menschen sterben, fast zwei Millionen
Menschen verlieren ihr Hab und Gut.
Anno 2005
1. März: Die Bundesagentur für Arbeit gibt einen neuen Nachkriegsrekord
bei den Arbeitslosenzahlen bekannt. Im Februar
waren danach 5,216 Millionen Menschen ohne Job.
Am 2. April dieses Jahres stirbt Papst Johannes Paul II. 17 Tage
nach seinem Tod wählen die zum Konklave versammelten
Kardinäle den Deutschen Joseph Kardinal Ratzinger zum neuen
Kirchenoberhaupt.
Am 18. September wird vorzeitig ein neuer Bundestag gewählt.
Union und SPD einigen sich auf eine große Koalition.
Anno 2006
Die Vogelgrippe erreicht Deutschland.
Während der Fußball-Weltmeisterschaft präsentiert sich Deutschland
als weltoffener Gastgeber.
Durch Hartz IV verschärft sich die Situation für viele Menschen.
22. 9.: Auf einer Teststrecke im Emsland fährt die Magnetschwebebahn
Transrapid auf einen Wartungswagen auf. Bei dem Unglück
sterben 23 Menschen.
Anno 2007
Der Orkan „Kyrill“ hinterlässt abgedeckte Häuser und abgeknickte
Bäume.
Neue CSU-Spitze – Edmund Stoiber gibt seine Ämter ab. Erwin
Huber wird neuer CSU-Chef, neuer Landesvater Günther
Beckstein.
Der deutschen Frauennationalmannschaft gelingt mit einem
2:0-Finalsieg gegen Brasilien die Titelverteidigung bei einer
Frauenfußball-WM.
Etwa fünf Millionen Menschen sind auf Hartz IV-Leistungen
angewiesen. Gleichzeitig gibt es in Deutschland immer mehr
Millionäre.
Anno 2008
Die Krise auf dem US-Immobilienmarkt hat globale Ausmaße
erreicht. Milliardenschwere Rettungspakete für Industrie und
Banken sollen den Kollaps verhindern.
Die hessische SPD-Spitzenkandidatin Ypsilanti startete als Hoffnungsträgerin
der Sozialdemokratie, brach ihr Wahlversprechen
und bescherte ihrer Partei damit eine Dauerkrise.
„Yes we can“: Bei der Wahl am 4. November gewinnt Barack
Obama mit seiner Botschaft vom Wandel.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Klaus Zumwinkel und
hunderte weiterer Verdächtiger wegen Steuerhinterziehung.
Anno 2009
Karstadt, Schiesser, Quelle: In der Wirtschaftskrise geraten viele
Unternehmen in eine schwere Krise.
In der neuen Bundesregierung stellt die CDU neben Bundeskanzlerin
Merkel sieben Minister, die FDP fünf und die CSU drei.
Die Selbsttötung des Nationaltorwarts Robert Enke, der jahrelang
an Depressionen litt, bewegt das Land.
Im April erschüttert ein schweres Beben die italienische Stadt
L‘Aquila. Rund 300 Bewohner sterben, Zehntausende werden
obdachlos.
Von Mexiko breitet sich die Schweinegrippe über die ganze Welt
aus – trotz umfangreicher Schutzmaßnahmen.
Anno 2010
Schock über das verheerende Erdbeben in Haiti, bei dem rund
230.000 Menschen in dem armen Karibikstaat den Tod fanden.
Zehntausende Fans in den südafrikanischen Stadien und Hunderttausende
Menschen beim Public-Viewing in Deutschland fiebern
mit bei der Fußball-WM
„Es war mir eine Ehre, Deutschland als Bundespräsident zu dienen“,
sagt Horst Köhler am Vormittag des 31. Mai.
Im Protest gegen „Stuttgart 21“ zeigt sich ein neues Selbstbewusstsein
der Bürger. Dies spürt man u.a. auch im Protest gegen
die schwarz-gelbe Atompolitik.
Und 2011
Das schwere Erdbeben vom 11. März und der folgende Tsunami
lösten Störungen in mehreren japanischen AKW aus. Im Reaktorkomplex
Fukushima Daiichi zerstörten Explosionen Teile der
Reaktoren, Radioaktivität gelangte in die Umgebung. Seitdem
sind Arbeiter vor Ort damit beschäftigt, die nukleare Katastrophe
einzudämmen.
Am Horn von Afrika herrscht die schlimmste Trockenheit der
vergangenen 60 Jahre.
Ganz Norwegen trauert um die Opfer der Terroranschläge in Oslo
und Utöya.
Die Finanzkrise verschiedener europäischer Staaten bleibt bestehen.
Erich Kerkhoff
durchblick 3/2011 29
25 Jahre durchblick
Flüchtling, und schon ein Haus
1961 – 2011 …. was sind schon 50 Jahre
Glücklicher Vater: Otto Herrmann mit seinen Kindern vor seinem Haus
Autorenfoto
„Was sind schon 50 Jahre auf dieser schönen Welt,
wenn man im Herzen jung bleibt und den Humor behält“,
sang schon die 2005 verstorbene Ilse Werner.
Diese Zahl ist ein Jubiläum. „Fünfzig Jahre“, man
feiert einen 50. Geburtstag, eine 50 jährige Zugehörigkeit,
einen Jahrestag und ähnliches.
Mit dem Beginn des neuen Jahres gingen mir unzählige
Dinge durch den Kopf, auch wie schnell doch die Zeit
vergangen war. Es wirkt sich teilweise erschreckend aus,
wenn man zurückdenkt. Von damals spricht man heute! Ja,
damals war das Jahr 2000 noch in weiter Ferne. Mein Opa
hatte mir vom Jahrhundertwechsel 1899 auf 1900 erzählt.
Er hatte noch den „ollen“ Kaiser Wilhelm II. erlebt und
sprach von Bismarck, dem eisernen Kanzler, der nicht weit
entfernt von ihm, in Schönhausen an der Elbe aufgewachsen
war.
In meinem Geburtsjahr 1947 erlosch offiziell das Land
Preußen. Dessen überlieferte Tugenden, die ich seit Kindesbeinen
von meinem Opa übermittelt bekam, blieben mir
bis heute erhalten.
Vor 50 Jahren begann mit dem Ende der Volksschule
meine Jugend. Vierzehnjährig fühlte man sich erwachsen
und selbstständig, wusste zwar nichts, glaubte aber alles
zu wissen! Heute nennt man diese Phase bei einem Mädel
zuweilen „Zickenalter“. Ich weiß nicht mehr, ob ich damals
auch eine „Pubertierende“ war? Irgendwie verlief alles so,
wie man es von mir erwartete und verlangte.
Noch während meiner letzten Schulmonate verstarb unser
Vater. Damit änderte sich plötzlich alles für mich. Es
wurde keine unbeschwerte Jugend, es ging ins Leben. In der
Berufsberatung hörte ich Namen von Betrieben, aber eine
Vorstellung über einen Beruf hatte ich wohl nicht. „Blumen-Hadem“
war mir ein Begriff. Sie hatten Kränze zu Vatis
Beerdigung geliefert. Dort stellte ich mich vor und eine
mütterliche nette Dame nahm sich meiner an. Dina Hadem
erkannte in ersten Gesprächen, dass eine Gärtnereiausbildung
wohl nicht das Richtige für mich sei. Sie verwies mich
an eine Schneidermeisterin. Zu ihr kam ich in die Lehre.
Bei drei jüngeren Geschwistern und den allgemeinen ärmlichen
Lebensumständen war es sinnvoll, nähen zu lernen,
und das entsprach auch Muttis Vorstellungen.
Am 13. August 1961, es war ein Sonntag, hörten wir
die unglaublichen Nachrichten im Radio. Man baute in
Berlin eine Mauer, zog Stacheldraht und es entstand ein
Todesstreifen. Die Heimat war verloren und wir waren hier
Fremde, waren „Ostzonen“-Flüchtlinge. Niemand aus der
alten vertrauten Familie, wie Großeltern, Onkel und Tanten
konnten uns besuchen, sie waren eingesperrt!
In schlimmer Erinnerung jener Jahre blieben mir Aussagen
des Kanzlers Adenauer, der häufig erwähnte: „An
30 durchblick 3/2011
25 Jahre durchblick
der Elbe beginnt Sibirien“. Die Elbe, ein Teil meiner Heimat…
das fand ich ungeheuerlich! Vati verehrte Politiker
wie Kurt Schumacher und Carlo Schmidt. Wie sehr hatte er
sich gefreut, dass ein Kennedy in Amerika Präsident wurde.
Auf den Tag genau zwei Jahre nach Vatis Tod wurde John
F. Kennedy am 22. November 1963 in Dallas ermordet.
Schon während der Zeit meiner Lehre musste ich einen
Teil von Vatis Aufgaben übernehmen. Ich schrieb Anträge,
übernahm Behördengänge... und es gab viel, was bei uns
zu erledigen war.
Mutti versorgte unser Kleingetier und den Garten. Wir
hatten Kaninchen, Hühner, Enten, eine Ziege. Es gab auch
einen Acker für Kartoffeln und Roggen.
„Flüchtlinge, aber schon ein Haus“, hieß es sehr häufig.
Man sprach darüber nicht immer wohlwollend!
Wie sah es aus? Vati hatte sich als ehemals selbstständiger
Landwirt um eine Nebenerwerbsstätte bemüht. Haus
mit Garten und kleiner Landwirtschaft. Wir hatten ein
Haus, ohne Möbel, ohne Wäsche, ohne Hausrat. Das Wenige,
was wir besaßen, war spärlich zusammengesucht oder
gespendet. Wir waren arm, aber wir hatten uns! Eigentlich
waren alle unsere Nachbarn ebenso arm, deshalb fiel es uns
Kindern nicht einmal auf. Langsam integrierten wir uns,
wir schafften uns ein „Zuhause“.
Erlebte Eindrücke aus dieser Zeit sind heute bereits Historie.
Es war die Zeit des „kalten Krieges“. Wir erinnern uns
an die Kuba-Krise, Kennedy hielt seine berühmte „Berliner“
Rede. Er traf sich zu einem Gipfel mit Chruschtschow
in Wien. Unvergessen auch die Bilder von Chruschtschow,
der bei einer Sitzung der UNO, um auf sich aufmerksam zu
machen, mit seinem Schuh auf ein Pult hämmerte.
Abends standen wir auf der Straße und suchten den
Sputnik am Himmel. Nach dem Hund Laika flog Jury Gagarin
als erster Mensch durchs All. Robert Kennedy wurde
ermordet, und es stimmte uns wieder traurig. In Amerika
wüteten die Rassenkonflikte. Martin Luther King träumte
seinen Traum, den auch er mit dem Leben bezahlte.
Der „Prager Frühling“ blieb im Gedächtnis. Und wie oft
glaubten wir, es bräche der dritte Weltkrieg aus! Die 68er-
Bewegung fand ich nicht so spannend, ebenso wenig interessierten
mich die Beatles.
Wir sahen die ersten Menschen auf dem Mond… ein
kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Sprung für
die Menschheit! So formulierte es Neil Armstrong, als
er als erster Mensch seinen Fuß auf die Mondoberfläche
setzte. Die Nachrichten kamen plötzlich in Farbe in unsere
Stube. Das Wahlrecht wurde auf 18 Jahre herabgesetzt.
Ich machte den Führerschein und konnte mir dann auch
meinen ersten alten Käfer kaufen.Das Siegerland erlebte
die Stahlkrise. Die A 45, die Sauerlandlinie, wurde gebaut.
Waghalsige technische Konstruktionen sahen wir, als sich
die Brücken langsam über die Täler spannten. Es entstanden
zwei Talsperren in der Nähe und man baute in Siegen
eine Uni. Im fernen Kapstadt wurde einem Menschen
erstmals ein Herz transplantiert. Das Bild einer großen
Geste ging um die Welt, der Kniefall von Willy Brand in
Warschau. Willy Brand traf Willi Stoph in Erfurt, und wir
konnten auch wieder in die Heimat fahren.
Mit großem Interesse verfolgte ich die Reformpläne von
Willy Brandt und ganz besonders seine Vorstellungen von
einer anderen Ostpolitik. Seit seiner Kanzlerschaft fühlte
ich mich anerkannt. Ich bezeichne es oft noch als „meinen
Start als Bundesbürger“. Es entwickelte sich der Drang in
mir, etwas schaffen zu wollen. Eine kleine Reiseschreibmaschine
war der Aufbruch für einen neuen Berufsweg im
kaufmännischen Bereich. Ohne jedwede Vorkenntnisse,
dafür oft mit verständnisvollen Menschen, die mir bei den
„naiven Gedanken einer Unwissenden“ halfen.
Seit der Passierschein-Regelung gab es am 12. April
eines jeden Jahres ein Familientreffen in Märkischheide
(Mark Brandenburg) zu Opas Geburtstag. Schon zeitig
nach dem Jahreswechsel wurde geplant. Die Einreise und
der Aufenthalt in der DDR mussten beantragt werden. Es
war allemal eine Aufregung. In Helmstedt-Marienborn
passierten wir die innerdeutsche Grenze per Auto. Sobald
wir Wolfsburg hinter uns hatten, kramte Mutti das „Neue
Deutschland“ aus einer Tasche und las emsig mit vorgetäuschtem
Interesse. Von einem Jahr zum anderen blieb eine
alte Zeitung im Fahrzeug. Manchmal fuhren wir auch mit
dem Interzonenzug, dessen Grenzstation Marienborn-Oebisfelde
war. Fürchterlich waren die Kontrollen der Grenzbeamten,
herrlich die Fahrten mit den alten Dampfloks, die
man dann nach und nach aus dem Verkehr zog. Es sind
„Erlebnisreisen“ geblieben – „weißt du noch?“ – aber
durchblick 3/2011 31
25 Jahre durchblick
damals war es bitterer Ernst. Ärgerlich war der Zwangsumtausch,
wie auch die Straßenbenutzungsgebühren, die eine
Zeit lang erhoben wurden.
1974 wurde Helmut Schmidt Kanzler und mit ihm verbinde
ich die Zeit meiner finanziellen „Sicherheit“, mit ihr
verbunden aber auch die erste Ölkrise, Sonntagsfahrverbot
und leere Autobahnen. Dann Baader-Meinhoff! Wer erinnert
sich nicht an die Namen und deren Taten? Ich hatte den
Sinn der Bausparanlagen entdeckt, begann, unser Haus zu
renovieren und nahm meinen ersten und letzten Kredit auf,
um in eine Heizung zu investieren. Mit Mutti zusammen
lauschte ich namhaften Opernsängern, die in Gastauftritten
bei örtlichen Chören einen kleinen Teil von Kultur ins Siegerländer
Leben brachten. Heinz Hoppe erlebten wir gleich
mehrfach, Gottlob Frick, Kurt Böhme und, unvergessen,
Hermann Prey.
Seit 1980 ärgert mich die Umstellung der Uhren von
Sommer- auf Winterzeit. Während Nicole von „ein bisschen
Frieden“ sang, blieb mir der 1. 10. 1982 im Gedächtnis
und die Feststellung von Frau Hamm-Brücher zum Kanzlerwechsel:
„Er hat es nicht verdient, so gegangen zu werden,
und er hat es nicht verdient, so ins Amt zu kommen“,
Helmut Schmidt ging und Helmut Kohl kam.
Lange Zeit hatte ich mich mit Rentendingen für unsere
Mutti auseinandergesetzt, daraus resultierte mein Interesse
an einer Zeitschrift, die plötzlich in Siegener Geschäften
auslag. „durchblick“ nannte sie sich und sie befasste sich
mit den Problemen einer älter werdenden Gesellschaft: Bei
meinen Einkäufen besuchte ich zuweilen die Geschäftsstelle
in Kaan-Marienborn und gab dort auch meine ersten Leserbriefe
ab.
Das erste Handy kam auf den Markt. Wir erlebten die
Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.
Ja und dann? Wer hätte es für möglich gehalten? Montagsdemos
in der alten Heimat. Meine Tante Gerda schickte
ein Bild von einem „brennenden Panzer“. In Wittenberge an
der Elbe hatten Senioren einen zum Mahnmal umfunktionierten
Sowjetpanzer mit brennenden Kerzen in ein Lichtermeer
verwandelt.
Die Mauer fiel, die Grenze war offen, ich hätte es in meinem
Leben nicht mehr erwartet! Willy Brandt sagte: „Nun
wächst zusammen, was zusammen gehört“. Berlin wurde
wieder deutsche Hauptstadt. Und es ist gut so.
Die letzten 20 Jahre brachten uns die Deutsche Einheit,
einen Tunnel unter dem Ärmelkanal nach England und
durch Windows öffnete sich auch für uns das digitale Fenster.
Die Welt rückte noch mehr zusammen.
Das man heute mit einer Währung bezahlen kann, daran
wurde in den vergangenen fünfzig Jahren gewirkt. Wir
bezahlen seit 10 Jahren mit dem Euro und denken oftmals
noch sehr wehmütig an die gute alte Mark zurück. Was
uns als „segensreich“ prophezeit wurde, entpuppt sich mehr
und mehr als trügerisch.
Fünfzig gelebte Jahre – nur ein kleiner Hauch in der
großen Weltgeschichte – haben wir, jeder auf seine Weise,
miterlebt.
Eva-Maria Herrmann
Lob des Jenseits
von Horst Becker
Ich möchte allzu gern im Jenseits weilen,
mir ist zwar klar: ich lebte dann nicht mehr.
Das wäre mir egal, denk ich bisweilen.
Es wäre alles leicht und nicht so schwer.
Ich brauchte mich um niemanden zu sorgen.
Und niemand kümmerte sich mehr um mich.
Es gäb kein Heute mehr, kein Gestern und kein Morgen.
Vielleicht wär ich im Jenseits nicht einmal mehr ich?
Es wär doch interessant, das Jenseits zu erfahren.
„Erleben“ kann man es ja dann nicht mehr.
Das „Ewig-Leben“ völlig neu gewahren.
Das Bisher-Leben kennt man schon zu sehr.
Das Leben war zwar schön, und manchmal auch beschissen.
Die ganze blöde Welt macht viel kaputt.
Ich kann den ganzen Krempel wirklich missen.
Im Jenseits ist es sicher schön und gut.
Man braucht im Jenseits jedenfalls nicht leiden.
Ob man sich freuen kann, das weiß ich nicht.
Natürlich muss man sich im Jenseits auch bescheiden.
Die Bibel sagt: So schlimm ist es da nicht.
Man sagt sogar,: es sei dort paradiesisch.
Was paradiesisch ist, bleibt ungewiss.
Es heißt nur, es sei anders als auf Erden:
Ein neues Leben ohne Finsternis.
Ich bin im Diesseits noch total befangen.
Doch möchte ich allzu gern im Jenseits sein.
Dann wär ich weg! Ich hätt' den Tod umgangen.
Das wär fein.
32 durchblick 3/2011
durchblick 3/2011 33
Autorenfoto
Foto: Tessie Reeh
Helga Siebel-Achenbach: Hausfrau mit ihren
vier Kindern 1971
Familie und Beruf: Chantal Schulte aus Wilnsdorf
an ihrem „Homeoffice“ -Arbeitsplatz.
Die Zeiten ändern sich!
Frauenrolle im Wandel
Als ich geboren wurde, war mein Bruder eineinhalb
Jahre alt und meine Mutter war Hausfrau und blieb
es auch bis an ihr Lebensende. Das war zu der Zeit
weder eine Frage noch ein Thema in der Gesellschaft. Und
so ging es auch viele Jahre unverändert weiter. Viele Frauen
gaben nach der Geburt ihres ersten Kindes ihren Beruf auf,
verzichteten auf ihr eigenes Einkommen und vielleicht auch
auf eine eigene Karriere. Dieses Wort Karriere war allerdings
bis Ende der 40er Jahre für die Laufbahn einer Frau noch
unbekannt. Sie kümmerte sich ausschließlich um Kinder und
Haushalt und war damit in der Regel auch zufrieden. Die
bereits seitens der Frau eingezahlten Beiträge in die Rentenkasse
fürs Alter ließ man ruhen oder auch oft auszahlen, um
sich Dinge für die Haushaltsgründung anzuschaffen.
Ausnahmen hat es natürlich immer schon gegeben. Elisabeth
Schwarzhaupt wird 1961, unter Bundeskanzler Konrad
Adenauer, zur ersten Bundesministerin für das Gesundheitswesen
gewählt. Sie war damit auch die erste Frau, die
das Amt eines Bundesministeriums bekleidete. Annemarie
Renger wird 1972 unsere erste weibliche Bundestagspräsidentin.
Nicht unerwähnt lassen möchte ich natürlich auch
noch unsere heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel, die
uns bereits in der zweiten Wahlperiode regiert.
Als ich dann heiratete, machte ich es meiner Mutter
gleich. Nach eineinhalb Jahren wurde der erste Nachwuchs
geboren – jedoch zur Überraschung aller erblickte nicht nur
ein Kind, sondern gleich zwei gesunde Mädchen das Licht
der Welt. Die Medizin war noch nicht so weit fortgeschritten,
dass man durch Ultraschall der werdenden Mutter dieses
Ereignis hätte früher mitteilen können. Das war auch gut so,
denn so ging ich unwissend der Geburt entgegen. Die ersten
Waschmaschinen kamen gerade zu der Zeit auf den Markt
und wir, die junge Familie, gingen das Risiko ein, ein solches
Gerät aus der „Null-Serie“ zu erwerben. Wir hatten uns nicht
verkauft, – denn diese Maschine hatte ununterbrochen Arbeit
zu leisten und konnte und durfte einfach nicht aussetzen.
Die später entwickelten „Pampers“ – einmal benutzen und
dann weg – waren noch lange nicht in Sicht. Der Tag war für
mich nun sehr ausgefüllt, denn zwei Säuglinge hatten alle
vier Stunden Hunger und mussten trockengelegt werden. Die
Väter dieser Generation waren an dieser Aktion nicht beteiligt,
das war ausschließliches Privileg der Frauen.
Ich war eine sehr glückliche Mutter und Hausfrau und
sehnte mich mit keinem Gedanken zurück in die Arbeitswelt.
Abgesehen davon – wo wäre noch Zeit für die Ausübung
eines Berufes gewesen? Die Kinder einer Tagesmutter
geben? Auch so etwas gab es ja noch nicht, und ich hätte
das auch für alles in der Welt nicht getan.
Nach drei Jahren wurde noch ein Mädchen geboren
und ein Jahr später endlich ein Junge. Ich hatte nun einen
„Fulltime-Job“, wie man das heute nennt. Ich war nicht die
einzige Mutter, die drei, vier oder noch mehr Kinder großzuziehen
hatte.
Die geburtenreichen Jahrgänge füllten bald die Schulbänke,
es waren zu wenig Lehrer für den Unterricht da, und
auch Ausbildungsplätze und Universitäten reichten kaum
aus, um die zahlreichen heranwachsenden Jugendlichen
aufzunehmen.
In den sechziger Jahren kam dann die „Anti-Baby-Pille“
auf den Markt. So peu à peu wurden auch bald weniger
Kinder geboren. Nach einigen Jahren sprach man vom „Pillenknick“.
Die Frauen hatten nun die Möglichkeit, selbst
zu bestimmen, wie groß die Familie werden soll. Das Wort
„Familienplanung“ wird geboren.
Frauen wollen nach der Babypause wieder zurück in den
Beruf, ein eigenes Einkommen haben, am pulsierenden Arbeitsleben
teilnehmen. Aber wohin mit dem Nachwuchs? Es
werden mehr Kindergärten gebaut, Kinderbetreuungsstätten
und Ganztagsschulen mit Essenversorgung eingerichtet.
Gerne werden die Kinder auch einer Tagesmutter anvertraut,
zunächst stundenweise, halbtags oder später auch länger. Die
traditionell mit dem Wort Hausfrau verbundenen KKK’s
„Küche, Kinder, Kirche“ haben ausgedient. Jetzt können die
jungen Frauen mehr für ihren eigenen Beruf tun, obwohl die
zusätzliche Belastung zunächst noch ausschließlich auf ihren
Schultern ausgetragen wird. Aber auch das ändert sich mit
den Jahren. Immer mehr Väter nehmen an der Entwicklung
ihrer Sprösslinge aktiv teil, sie wollen eine engere Beziehung
34 durchblick 3/2011
25 Jahre durchblick
Karrieren für Frauen sind heute leichter:
Christa Schuppler, Bürgermeisterin in Wilnsdorf
Foto: Hartmut Reeh
zu ihnen, und nicht mehr ausschließlich nur der Ernährer der
Familie sein. Wie wir immer öfter hören und auch lesen, nehmen
heute Väter eine berufliche Auszeit und die gesetzliche
Elternzeit in Anspruch.
Frauen werden selbstbewusster, streben nach höherer
Ausbildung und vor allem nach finanzieller Unabhängigkeit.
Teilweise haben wir in den letzten Jahren mehr weibliche
als männliche Studenten an den Universitäten. Sie
führen ihre akademische Ausbildung weitestgehend auch
zu einem Abschluss. Nach einem langen und kostspieligen
Studium möchten Frauen natürlich auch ins Berufsleben
einsteigen und sich bewähren. Kinder werden später geboren,
man kann es ja planen. Die „Ein-Kind-Ehen“ werden
immer beliebter. Natürlich steigen auch die Ansprüche in
den Familien. Ein Jahresurlaub wird zur Selbstverständlichkeit,
ein verlängerter Wochenendtrip, vor allem um die
sogenannten „Brückentage“ herum, ist bei einigen Familien
nicht mehr wegzudenken. Der Stau auf den Autobahnen
wird gerne in Kauf genommen.
Mehr und mehr streben Frauen danach, auch in Führungspositionen
ihr Können zu beweisen. Sie wollen Karriere
machen. Frauen finden sich zunehmend mehr in den
Chefetagen von Politik, Wissenschaft, Medien und auch
Wirtschaft wieder, aber sie haben es nicht leicht in diesen
Positionen. Sie stehen sehr unter Beobachtung und können
sich weniger Fehler erlauben als Männer. Es gibt zu wenig
weibliche Vorbilder, an denen sie sich orientieren können.
Um einen sehr wichtigen Punkt haben die weiblichen
Arbeitnehmerinnen noch zu kämpfen: Gleiches Geld für
gleiche Leistung! Ich glaube bestimmt, dass der Kampf der
Geschlechterrollen um die bestbezahltesten Jobs noch lange
dauern wird. Traditionelle Werte wie Ehe und Familie drohen
zu zerfallen, stattdessen steigen die kinderlosen Singlehaushalte
in der Statistik. Alleinerziehende Mütter oder Väter
sind fast schon die Regel. Sie verbinden sich vielfach in neue
Lebensgemeinschaften, wie zu „Patchwork“- Familien.
So haben sich Stellung und Struktur der Frau in Familie
und Gesellschaft in den letzten fünfzig Jahren meines Lebens
sehr verändert, und es wird sich auch in der Zukunft
noch einiges tun.
Helga Siebel-Achenbach
durchblick 3/2011 35
Erinnerungen an Inge Göbel
Am 14. Mai ist unsere dienstälteste Redakteurin Inge
Göbel unerwartet gestorben. Wir informierten Sie
kurz in unserer letzten Ausgabe darüber.
Inge Göbel hatte sich im Dezember letztes Jahr einer
Rückenoperation unterziehen müssen, die nach ersten Annahmen
zu einer Querschnittslähmung führte. Dieser Verdacht
bestätigte sich nur zum Teil. In der anschließenden,
viermonatigen Reha in Bad Berleburg konnte Sie so weit
therapiert werden, dass die Nerven in ihren Beinen wieder
eingeschränkt funktionierten, sie aber auf den Rollstuhl angewiesen
geblieben wäre. Zum Ende ihrer Reha erkrankte
sie an einem hartnäckigen Virus, der in einem Siegener
Krankenhaus nicht mehr erfolgreich behandelt werden
konnte
Auf den nächsten Seiten haben wir Texte von Inge Göbel
zusammengestellt, die eine Übersicht ihrer Arbeiten
darstellen sollen. In loser Folge werden wir weitereTexte
aus alten Veröffentlichungen wiederholen. •
db-Foto
Hallo, wie geht´s?
durchblick 2-2001
Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie oft
diese Frage an Sie gerichtet wurde und wie oft Sie
diese Frage selbst gestellt haben? Vermutlich nicht.
Und wenn auch, Sie könnten keine Antwort darauf geben.
Diese Frage: „Wie geht es Dir…?“ sollte eigentlich unserem
Gegenüber zeigen, dass wir an seinem Wohlbefinden interessiert
sind, uns Gedanken über ihn machen. Aber, oh weh,
nichts dergleichen geht in uns vor. Wir rattern eine Floskel
herunter, ohne eine echte Antwort zu erwarten. Vielmehr als
ein „Danke gut“ – „So lala – 3 bis 4“ oder „könnte besser sein“
käme sowieso nicht zurück.
Warum fragen wir also überhaupt? Schulterzucken!!! Neulich
wollte ich es aber wissen und antwortete auf die an mich
gestellte Frage: „Wie geht es Dir“? dass ich mich seit einiger
Zeit gar nicht wohlfühlte, Schmerzen hätte, beim Arzt war,
Medikamente bekam, die nicht halfen usw. Mein Gegenüber
war sichtlich verblüfft. So ausführlich hatte er es gar nicht wissen
wollen. Das merkte ich. Er stieg von einem Fuß auf den
anderen und als ich dann auch noch von Röntgenaufnahmen
erzählen wollte, fiel ihm mit einem raschen Blick auf die Armbanduhr
ein, dass er leider, leider gar keine Zeit mehr hätte.
Gewiss hätten wir demnächst mal ein Stündchen, um uns zu
unterhalten – und fort war er. Das war es also: Im Grunde
bestand gar kein wirkliches Interesse an meinem Befinden.
Ich hatte mich nicht getäuscht. Nun ritt mich aber der Teufel.
Ich zog das gleiche Spielchen mit einem anderen Bekannten
noch mal durch – und der hatte Zeit, viel Zeit. Er fragte mich:
„Wie geht es Dir“? Kaum hatte ich den Versuch gestartet, ihm
etwas zu erzählen, legte er bereits los. Ja, das kenne ich, hatte
ich auch mal, natürlich viel schlimmer, von einem Arzt zum
anderen, Medikamente, die mich umhauten, ein halbes Jahr
gedoktert, gelitten wie ein Hund, dachte, mein letztes Stündchen
hätte geschlagen … Der Redefluss meines Gegenübers
war nicht zu stoppen. Nun stieg ich von einem Fuß auf den
anderen, doch ich musste mir die schlimmen Krankengeschichten
von seinen Verwandten, Freunden und Nachbarn
anhören, die eigentlich schon gar nicht mehr auf der Welt sein
dürften. Als ich ungeduldig auf die Uhr schaute, war mein Unterhalter
bereits so in Rage, dass ihm Schaum vor dem Mund
stand. Sein Repertoire an beispiellosen Krankengeschichten
war unerschöpflich. Nach zwei Ausreißversuchen wurde ich
am Ärmel festgehalten, dann ergab ich mich in mein Schicksal.
Ich hatte die Geister selbst gerufen, die ich nun nicht los
wurde!! Letztendlich weiß ich nicht mehr, wie lange ich von
ihm beschlagnahmt war, bin mir auch nicht mehr sicher, ob er
mich, oder ich ihn gefragt hatte: „Wie geht´s…! Die Moral von
der Geschicht? „Frag ich, oder frag ich nicht“?! •
36 durchblick 3/2011
Unser Dackel
durchblick 2-2003
Als dann ein Enkelkindchen kam
wurd’ er nicht eifersüchtig,
er nahm sich richtig seiner an
und wurd’ als Wächter wichtig.
Wir haben einen großen Freund,
das ist ein kleiner Hund,
der ist in Treue uns vereint
und das zehn Jahre rund.
Als liebliches Geschenk, so saß
er plötzlich auf der Matte
und machte manches Eckchen nass,
bis man ihn sauber hatte.
Sein kleines Köpfchen lernte schnell,
was er so machen sollte,
und mürrisch heiseres Gebell
sagte uns, wenn er’s nicht wollte.
Er fraß und schlief und spielte viel,
man sah ihn hier und da,
jedoch am besten ihm gefiel…
der Hausschuh von Papa.
Gar lustig war es anzusehn,
wie er die Pfötchen schmiss
und wie er beim Spazierengehn
an seinem Leinchen riss.
Das Halsband, das war ihm ein Graus,
und wenn er’s gar nicht mochte,
dann zog er einfach’s Köpfchen raus
und sah uns an… und lachte!
Er war so putzig anzusehn,
so reizend und so zierlich.
Als er ein halbes Jahr alt war,
war er – beinah – manierlich.
Er wusste jetzt, was sich geziemt
und wo er hingehörte,
so wurd’ er langsam – nach und nach -
zu der Familienzierde.
Papa erkor er sich zum Herrn,
den er von Herzen liebte,
mit dem er beim Spaziergang gern
auf Schäferhund trainierte.
Geschäft und Auto und das Haus
behütete er richtig.
Er meldete, wenn Kundschaft kam,
er wurde wirklich tüchtig.
Er konnte alles voll verstehn,
wenn wir uns unterhielten,
an seinem Köpfchen konnt’ man’s sehn
und wie die Öhrchen spielten.
Und als das Baby von Mama
wurd’ auf den Arm genommen
ist unser Dackel ungesehn
mal rasch ins Bett gesprungen.
Das Bett, das war und ist ein Ort,
in dem er sich wohl fühlt,
doch nur wenn’s richtig mollig warm
und nicht wenn’s unterkühlt.
Sonst ist er brav, hat nie gemopst,
nie was vom Tisch geklaut
und auf die Couch wird nur gehopst,
wenn Papa es erlaubt.
Dort liegt sein Deckchen schon bereit,
Herrchen und sein Wauwau,
da sitzen sie und schaun zu zweit
des Abends „Tagesschau“.
Doch gibt es dort nichts mehr zu sehn
sind Hund und Herrchen müde,
sieht man die zwei ins „Kistchen“ gehn,
das Herrchen und sein Rüde.
Adieu, geliebte D-Mark
durchblick 4-2001
Ein wenig traurig lasse ich die Münzen durch meine
Finger gleiten, schön und vertraut fühlen
sie sich an und meine Gedanken gehen
weit zurück, sehr weit.
1948 … Die D-Mark kam in unser
Leben. „Mit Dir kam die Zeit
der Fülle nach langen Jahren der
Entbehrungen. Wir hatten so viel
Nachholbedarf und so viele Wünsche.
Du warst für uns der Garant,
dass es nun aufwärts ging. Du warst
der Startschuss des „In-die-Händespuckens“.
Die Arbeit lohnte sich
wieder und wir konnten uns manches
leisten. Wäsche, Kleidung, Möbel,
Waschmaschine, Kühlschrank und all
die vielen kleinen elektrischen Helfer zogen
in unseren Haushalt ein. Ja, auch unser erstes
Auto wurde von Dir bezahlt, wenn auch auf Raten. Es
waren die „fetten“ Jahre, denn durch all die kulinarischen
Genüsse, die wir uns nun wieder gönnen konnten, nahmen
wir an Leibesfülle zu und bald war jeder dritte
Bundesbürger laut Statistik zu fett.
Damals hat uns das kaum gestört,
der Schlankheitswahn kam ja erst viel
später. Wir waren Genießer und Verbraucher
und ließen den „Rubel“, –
sprich, die D- Mark – rollen. Voller
Vertrauen in Dich finanzierten
wir mit Dir unsere Eigenheime.
In unseren Auslandsurlauben waren
wir gern gesehene Gäste mit
Dir und wir waren stolz auf unsere
„harte“ Währung. Alles in allem:
Wir hatten eine glückliche Zeit zusammen.
Nun müssen wir uns trennen.
ADIEU, liebe D-Mark. Ich glaube, wir
werden Dich vermissen“. •
durchblick 3/2011 37
Mein
Computer
und ich
durchblick 1-2001
Ich kam zu ihm wie die Jungfrau zum Kinde. Meine
Kinder schenkten ihn mir mit den Worten: „Mutter, du
darfst dich dem Neuen nicht verschließen, darfst den
Anschluss nicht verlieren.“ Dann trugen sie das Ungetüm in
mein Büro. Es bestand aus vier Teilen. Das erste kannte ich,
ein Bildschirm, wie ein Fernseher, dann eine Tastatur, wie
eine Schreibmaschine, aber dann: ein viereckiger Blechkasten:
den PC. „Das ist sein Herz, Mutter“, deutete man mir
an und stellte auf sein Herz ein ebenso großes letztes Teil,
den Drucker. Die Teile wurden allesamt mit einigen Kabeln
verbunden und dieser Kabelsalat gefiel mir schon gar nicht.
Oh wei, oh wei, so viel Technik.
Ich muss wohl
ziemlich verängstigt
dreingeschaut haben,
denn sie munterten
mich mit den Worten
auf „Du schaffst das
schon, Mutter“. Gaben
mir noch ein kleines
Heftchen in die Hand
und dann waren wir
beide alleine – mein
Computer und ich.
Ich glotzte ihn an, er
glotzte zurück. Na,
dann zeig mal, was du
kannst, schien er zu sagen.
Mutig drückte ich
den Einschalter am Bildschirm und etwas gefühlvoller den
Knopf an seinem Herzen. Ich werde liebevoll mit ihm umgehen,
dachte ich. Man kann ja nicht wissen, wie er reagiert,
immerhin hat er ein Herz.
Ein ganz kurzes, leises Klicken und schon erschienen
Buchstaben, Worte und Bilder auf dem Schirm
und ver schwanden genauso schnell, wie sie gekommen
waren. Darin tanzte eine kleine Eieruhr. Hätte sie ein
Röckchen angehabt, ich hätte sie glatt für eine Ballerina
gehalten, so elegant und leicht bewegte sie sich.
Ich hätte ihr gerne noch ein Weilchen zugeschaut, aber
sie verschwand, wie von Geisterhand weggewischt.
Danach wurde der Bildschirm zu einem weißen Blatt
Schreibpapier. Ich staunte. Nur nicht zeigen, dass du
von seiner Schnelligkeit beeindruckt bist, dachte ich,
sonst bildet er sich noch was ein.
Nun stellte ich die Tastatur auf den Schreibtisch – und
da hing sie dran, die sogenannte „Maus“. Komischer Name
für ein Plastikding. Sah nicht aus wie eine Maus, fühlte sich
nicht an wie eine Maus, blieb ganz ruhig liegen, als ich
sie berührte. Eine Maus wäre weggehuscht. Warum also
Maus, warum nicht Katze, Hund oder Dromedar, alles hätte
genauso wenig gepasst wie „Maus“. Ich berührte sie nur
ganz zart, aber die war so feinfühlig, die reagierte sofort,
indem sie mir etwas auf den Bildschirm zauberte, was ich
nur schwer verstehen konnte. „Windows herunterfahren
und schließen“ stand da. OK, Windows waren Fenster, das
wusste ich. Musste man, wenn man mit dem Computer arbeiten
wollte, die Fenster schließen? Ich stand auf, schloss
das Fenster und ließ auch noch ein wenig die Jalousien herunter,
das machte das Ganze ein wenig intimer, aber nicht
leichter. Vor mir auf dem Bildschirm eine Unmenge Kreuze,
Kreise, Punkte, aber ich wollte doch nur das weiße Blatt
wiederhaben, was beim Anheben der Tastatur verschwunden
war. Aber wie??? Nachdem ich 10 Minuten in dem kleinen
Heftchen studiert hatte, kam ich mir noch blöder vor
als zuvor, und das war
schon nicht wenig
gewesen. Vielleicht
muss ich mit ihm reden,
mich vorstellen.
Er kannte mich ja
noch gar nicht. Also
sagte ich brav und
freundlich: „Guten
Tag, lieber Computer,
ich bin Inge Göbel und
ich möchte mit dir arbeiten!“
Schwups,
da hatte wohl wieder
mein Finger auf der
Maus gezuckt, und
ich bekam als Antwort
von ihm ein noch größeres
Verwirrspiel auf dem Bildschirm angezeigt. Au, au,
dachte ich, der liebt mich nicht, mit dem wird es schwierig.
Trotzdem blieb ich freundlich und versuchte sogar, ihn anzulächeln.
Wenig beeindruckt blieb er bei seiner Zeichensprache
und sah – ehrlich gesagt – etwas überheblich auf
mich herab.
Gut, dachte ich, DER Computer ist männlich, und Männer
hören gerne kleine Schmeicheleien, damit hatte ich so
meine Erfahrungen. „Du bist ein tolles Ding“, sagte ich zu
ihm, „ich bewundere dein Können und dein schnelles Reaktionsvermögen,
von dir kann ich bestimmt viel lernen“.
Der Erfolg gab mir recht, er legte mir den Finger auf die
richtige Taste und zack, war mein Schreibblatt wieder da.
„Danke“ sagte ich, „sehr freundlich von dir“. Er schien zu
lächeln und ich legte los.
38 durchblick 3/2011
Er hatte eine schöne Handschrift, nur ein wenig
klein. Ich musste immer den Kopf in den Nacken legen
und die Augen zukneifen, um das auf dem Bildschirm
lesen zu können, was ich in die Tastatur geschlagen hatte.
Nach einiger Zeit hatte ich ein Schiefhälschen und
meine Augen brannten. Gleichzeitig beflügelte mich
aber ein Hochgefühl, wie ich es seit meiner bestandenen
Fahrprüfung nicht mehr gehabt hatte. Er tat, was ich
wollte! „Na“, sagte ich, „es geht doch“! Aber ich hatte
das Gefühl, als würde er antworten: „Warte nur ab, ich
bin voller Überraschungen“.
Damit sollte ich mich nicht getäuscht haben, aber
vorläufig ging es zügig weiter. Ich hatte meinen Artikel
fertig, fand auch das Zeichen für „Speichern“ und
druckte mit der Maus ab. Ein kurzes, leises Geräusch in
seinem Herzen. Sonst tat er nichts. Sollte das denn schon
alles sein? Sollte er wirklich so schnell… nein, das war
unglaublich. Ich hatte eine Stunde geschrieben und er
speicherte das in seinem klugen Köpfchen binnen einer
einzigen Sekunde? Meine Bewunderung für ihn ging in
Ehrfurcht über. Jetzt schaltete ich den Drucker ein. Ich
schob ein Blatt Papier in die vorgesehenen Schienen und
er zog es gefräßig tiefer in sich hinein, Sofort nachdem
ich das Zeichen „Drucken“ auch nur kurz berührt hatte,
legte er los, raaaat, sssst, raaaat, sssst, wie von Geisterhand
fegte das Ding über das Papier und nach höchstens
20-30 Sekunden war alles, was ich geschrieben hatte,
fein säuberlich schwarz auf weiß gedruckt.
Wie schon gesagt, die Schrift war sehr klein, aber
mit einer Lupe konnte man alles lesen. „Kannst du
denn nicht größer schreiben, damit es besser lesbar
ist“ fragte ich ihn, aber da war er auch schon wieder
beleidigt. Das zeigte er mir, als ich ihn abschalten
wollte. „Nein“! stand auf dem Bildschirm. „Sie können
den Computer nicht ausschalten, Sie müssen erst
noch die Programme ordnen“. Oh weh, dachte ich,
der hält aber auf Distanz. Während ich ihn die ganze
Zeit über geduzt hatte, siezte er mich. Siedend heiß
schoss mir durch den Kopf, dass der Volksmund sagt:
Man kann eher „Du“ sagen, als „Sie“. Ich schwor mir,
ihn beim nächsten Mal mit Herr Computer anzureden,
aber nun wollte ich ihn ausschalten. Er dachte nicht
daran, sich ausschalten zu lassen. Ich versuchte es mit
mehreren Tasten und Pfeilen, er blieb stur.
Langsam stieg der Zorn in mir hoch. „Wenn du jetzt
nicht auf der Stelle ausgehst, ziehe ich dir einfach den
Stecker raus, dann kannst du gar nicht mehr“, schrie ich
ihn an. Sein überlegenes Grinsen aber sagte mir, dass
ich dann der Dumme sei, alles wäre gelöscht, meine
ganze Arbeit umsonst. Ich erkannte, er saß am längeren
Hebel. Eine Weile saß ich verzweifelt vor meiner neuen
Errungenschaft und verfluchte die Technik im Allgemeinen
und meinen Computer im Besonderen. Nun
wagte ich auch nicht mehr, noch mehr Knöpfe zu drücken.
Ich würde ein heilloses Durcheinander erzeugen.
Meine Hochstimmung ging über Zorn in Niedergeschlagenheit
über. Er geht nicht aus. Fast hätte ich geheult,
aber da zeigte er sich als Mann liebevoll und hilfsbereit.
Er konnte wohl auch keine Frau weinen sehen. Irgendwie
legte er mir den Finger auf die richtige Taste, ich
drückte ab… und… „Sie können den Computer jetzt
ausschalten“ stand da. Ich tat es rasch, damit er es sich
nicht noch einmal anders überlegte, denn dass er voller
Überraschungen war, hatte ich begriffen.
Inzwischen sind zwei Monate vergangen. Er begrüßt
mich mit „Hallo Inge“, was mich jedesmal
freut. Ich gehe sehr liebevoll mit ihm um. Er hat
mir dann eine größere Schrift gegeben. Ich kann
ihn ein- und ausschalten, ohne sein Innenleben
durcheinanderzubringen. Er schreibt, speichert
und druckt dafür sehr ordentlich, macht mich behutsam
auf Fehler aufmerksam, ohne mir zu
nahe zu treten. Dafür streichle ich ihn manchmal
zärtlich über sein schönes, glattes Gehäuse.
Man könnte sagen „Wir haben uns
aneinander gewöhnt und lassen jedem seine
Macken“.
Ich glaube, so können wir zusammen alt
werden. •
durchblick 3/2011 Hintergrundaquarell: Brigitte Lanko / Foto: www.wikipedia.de 39
Gesellschaft
73 Eier und 7 Pfund gute Butter
Geschenke zur goldenen Hochzeit Anno 1946
Johanna und Friedrich Vitt, Goldhochzeitspaar 1946
Unsere Leserin Helga Wohlleben aus Kaan-Marienborn
fand beim Sortieren alter Unterlagen eine außergewöhnliche
Auflistung. Es handelt sich um die
Geschenkliste ihrer Großeltern Friedrich und Johanna Vitt,
die am 15. Februar 1946 ihre goldene Hochzeit feierten. Diese
wurde in einem Behelfsheim begangen, da das Wohnhaus
beim Bombenangriff auf Kaan in Schutt und Asche gefallen
war. Aber was heißt Feier in dieser Zeit? Es war ein Kommen
und Gehen an diesem Tag. Das dürftig beheizte Holzhaus
war immer voller Menschen, die gratulieren wollten.
Obwohl in diesem Nachkriegsjahr keiner was zu verschenken
hatte, kamen die Verwandten, Freunde und Nachbarn
doch nicht mit leeren Händen. Was da in Zeiten der
Not alles zusammengetragen wurde, zeigt der Abdruck
eines Teiles der Geschenkliste:
Man vergleiche da einmal mit heutigen Geschenken bei
Familienfeiern! Diese Auflistung zeigt, dass zum Beispiel
insgesamt 73 Eier und etwa sieben Pfund Butter geschenkt
wurden. Man fragt sich, wie konnten diese wertvollen Lebensmittel
zu der Zeit ohne Kühlschrank aufbewahrt werden?
Auffällig ist, dass die Geschenke fast nur aus Lebensmitteln
bestanden. In diesem Nachkriegsjahr eine Kostbarkeit!
Um sich diese Zeit ein wenig in Erinnerung zu rufen –
sofern man das heute überhaupt noch kann – muss man sich
vergegenwärtigen, dass die schrecklichen Bombenangriffe
auf Siegen im Dezember 1944 und auf Kaan-Marienborn
am 1. Februar 1945 erfolgt waren. Zur Zeit der goldenen
Hochzeit des Ehepaares Vitt war seitdem gerade mal ein
Jahr vergangen. Über den furchtbaren Fliegerangriff auf
Kaan-Marienborn (wie auf den Stadtteil Hain) fand Helga
Wohlleben im Nachlass ihrer Tante einen Bericht, den diese
wohl kurze Zeit nach dem Geschehen verfasst hat. Lassen
wir hier eine damals unmittelbar Betroffene einmal selbst
zu Wort kommen (wir veröffentlichen einen Teil des Berichtes,
wie er original aufgeschrieben wurde):
Tagsüber war, wie die Zeit vorher, wieder Fliegeralarm
gewesen. Nicht einmal, fünf- bis sechsmal ertönte die
Sirene und warnte.
Durch den Angriff auf Siegen am 16. Dez. 1944 waren
wir doch alle etwas ängstlich und aufgeregt geworden. Siegen
lag in Schutt und Asche, die Straßen waren kaum zu
begehen, nur schmale Wege führten über Steine und Schutt.
So war es denn Februar geworden. Abends um ½ 7 kam
Voralarm und bald hinterher akute Luftgefahr.
Hedwig war die erste, die in den Keller gehen wollte und
sagte zu mir, komm doch gleich mit, dann kommen die Eltern
schon hinterher. Alles Bitten unsererseits, doch gleich
mitzukommen, blieb ohne Erfolg. Kaum waren wir im Keller,
auch Alfred mit Frau und Kindern, hörten wir schon die
ersten Flugzeuge. Mit dem kam auch unsere Mutter mit
Mantel und Schuhen die Kellertreppe herab. Vater ebenfalls
in einer dünnen Arbeitsjacke und Hausschuhen. Auf mein
Fragen, wo denn sein Mantel sei, sagte er: „Oben, aber gleich
gehen wir auch wieder rauf“. Wir standen im Keller, Vater
und ich gleich am Fuß der Kellertreppe. Die anderen saßen
auf einer schmalen Bank, welche ich aus einem Küchensofagestell
mit dem Backbrett drüber gelegt, hergerichtet
hatte. Wir standen und warteten, der Sand rieselte aus dem
Kellergewölbe
langsam
herab.
Lina schrie
immer wieder:
„Wir sind
verloren, hier
kommen wir
nicht wieder
raus“. Es brauste
und krachte
über uns, auf
einmal fiel
durch das
Kellerfenster,
welches halbverbaut
durch
den Splitterschutz
war,
Feuerschein.
Foto: Archiv Wohlleben
Alfred ging
aus dem Keller,
um einmal
nachzusehen.
Nach kurzer
Zeit rief er:
„Martha, komm
42 durchblick 3/2011
Gesellschaft
einmal rauf“. Hedwig schloss sich gleich an, doch als sie
die Flammen überall sah, warf sie ihren schönen Opossumkragen
ab. Ich stand an der Treppe, die oben ins Haus führt.
Ganz schief hing sie, dass mir ängstlich war, hinaufzugehen.
Alfred stand im Schlafzimmer der Eltern und schüttete Wasser
über die brennenden Betten. Auf dem Flur stand ja damals
immer Sand und Wasser bereit. Er wandte sich mir zu und
sagte: „Das hat keinen Zweck mehr, wir müssen alles lassen
und aus dem Keller gehen, sonst kommen wir nicht mehr aus
dem Haus heraus“.
So gingen wir schnell runter und holten alle aus dem Keller,
die Eltern waren damals schon 76 und 77 Jahre alt. Hermann
war 6 Jahre alt, Helmut ½ Jahr. So standen wir mit den
Eltern auf der Straße und Alfred sagte : „Vater und Mutter habe
ich in den Garten geführt, jetzt wollen Lina und ich sehen,
noch etwas aus den unteren Räumen zu retten“: Sie fingen
auch gleich damit an aus den Fenstern nach der Gartenseite
Bettzeug und Kinderbettchen zu reichen. Lina schichtete die
Sachen auf der kleinen Bleiche zusammen. Vater und Mutter
stiegen an der höchsten Stelle des Gartenzaunes über auf die
Straße. Hedwig und ich kamen mit den beiden Kleinen zu
ihnen, sahen noch einmal an unserem schönen alten Haus in
die Höhe und sahen, wie die Flammen aus allen Fenstern des
oberen Stockwerks schlugen. In der offenen Speicherschale
flatterten die Windeln von Flammen umgeben.
Ja, wohin nun? Überall Flammen, straßauf und straßab.
Ein Windstoß setzte die geretteten Sachen, die im Garten
lagen, in Brand. Wir gingen den kleinen Weg zwischen
Wirts und Bäcker Daubs, der in die Felder zum Forst führt,
hinauf. Lina war, mit dem kleinen Helmut im Arm, auf
Anraten eines Soldaten, in den Stollen Vitts gegenüber
gegangen. Hermann hielt sich zu uns und weinte immer
nach seiner Mutter. Von Alfred war nichts zu sehen, Hedwig
führte Mutter, sie hatte Mantel,
Pelz und Schuhe an. Vater
ging an meiner Seite, im
Keller lag eine braune alte
Wolldecke, die hatte er sich
um die Schultern gelegt. Er
konnte schlecht gehen über
die Felder in dem Schneematsch.
Dann verlor er auch
noch einen Hausschuh, auf
den Strümpfen ging es dann
weiter. Es waren auch andere
Leute den Forst hinaufgelaufen.
Ein kriegsgefangener
Franzose, der bei Schülers
Leo im Saal lag, wollte Vater
seine Holzpantinen geben,
leider waren sie zu klein.
Wir gingen weiter und kamen
unterdessen in das erste
Haus der Siedlung am Forst
(Wilhelm Nöh). Da hatte Vater
keinen Pantoffel mehr. Oh, wie war das furchtbar, in dem
fremden Haus zu sitzen, in einer von fremden Menschen vollgestopften
Küche. Das Gerede, die Unruhe, die Dunkelheit,
der Einzelflieger, der immerzu auftauchte, umherbrauste und
schoss, es ist nicht zu beschreiben. Mutter saß still auf einem
Stuhl. Es dauerte nicht lange, da wurde ihr übel und sie musste
brechen. Alfred kam und frug gleich, ob wir noch zusammen
wären, Lina sei mit den Kleinen bei Klapperts in den Stollen
gegangen, weil das Schneewasser in dem Stollen bei Vitts floss
und alle raus mussten. Er suchte an einem Kinderfläschchen
und etwas Milch für Helmut, welche Frau Nöh auch bereitwillig
gab. Er hat dieselbe dann bei Alts August auf der Glut des
Hauses gewärmt und Helmut war fürs erste zufrieden.
Wie spät es in der Nacht war, weiß ich nicht. Durch den
Feuerschein trat keine Dunkelheit ein. Ab und zu gingen
wir vor das Haus und sahen von der Höhe das Flammenmeer
von Kaan.
An dieser Stelle unterbrechen wir den Erlebnisbericht
von „Tante Martha“, der sicher einen unmittelbaren Eindruck
des Geschehens von der Kriegszeit liefert. Denkbar
wäre die Fortsetzung im nächsten durchblick.
Am 1. Februar 1945 luden 450 Bomben ihre vernichtende
Last auf den Ort und seine Gemarkung und vernichteten
innerhalb kurzer Zeit das alte Dorf mit seinen
beschaulichen Fachwerkhäusern, mit Kirche und Kapelle,
mit seinen Industrieanlagen und am schlimmsten das Leben
vieler Menschen. 350 Gebäude wurden vollständig oder
teilweise zerstört. Viele Menschen wurden obdachlos, 24
Tote waren zu beklagen.
Manche unserer Leser werden sich sicher auch noch an
die schrecklichen Fliegerangriffe erinnern; schön wäre es,
wenn Sie der Redaktion schriftlich oder per E-Mail einmal
ihre Erinnerungen mitteilen würden. Horst Mahle
durchblick 3/2011 43
Unterhaltung
Pech mit Mäxchen
oder: mein Führerschein
Die ersten Erfahrungen in Sachen Führerschein
machte ich während meiner Lehrzeit. Meine Meisterin,
gerade 40 Jahre alt geworden, kam eines Tages
in die Werkstatt und verkündete, „Mädels, ich habe mich
zum Führerschein angemeldet“. Es war eigentlich nichts Besonderes,
denn es gehörte schon zur Allgemeinbildung eine
„Erlaubnis zum Führen eines Kraftfahrzeuges“ zu besitzen.
Zweimal in der Woche besuchte sie fortan den theoretischen
Unterricht und jeweils an den folgenden Vormittagen wurden
uns Lehrlingen die besprochenen Verkehrsregeln nahegebracht.
Wir diskutierten und „fuhren“ einzelne Situationen
des Straßenverkehrs nach, indem wir sie mit Schere, Stecknadeln
und Schneiderkreide nachstellten. Etwas aufregender
verliefen dann die ersten Fahrstunden. Zwar hatte unsere
Meisterin dank der elektrischen Nähmaschine schon ein wenig
das Fußgefühl des Gaspedals intus, wie sie es glaubte,
aber der Umgang mit Kupplung, Bremse und Gaspedal in der
jeweilig zu betätigenden Situation wurde doch schwieriger
als erwartet. Die anfängliche, euphorische Energie verflog
nach und nach und als dann nach einiger Zeit die Prüfung
anstand, war die Begeisterung niedergedrückt und total auf
dem Nullpunkt angekommen.
Es konnte nicht anders sein! Sie fiel durch und erklärte
uns unter Tränen die Tragik des missglückten Prüfungstages.
Dieses schicksalhafte Fiasko erlebte sie ein zweites
- und gar ein drittes Mal und somit blieb meine Meisterin
für den Rest ihres Lebens ohne Führerschein, ohne Auto,
dafür aber um viele Erfahrungen reicher, die sie seitdem mit
mehreren Fahrlehrern erlebt hatte.
Irgendwie hatte sich wohl eine nachhaltig wirkende, negative
Meinung in meinem Hinterkopf erhalten über eine
Gattung Mann, die sich Fahrlehrer nannte! Zudem war es
Kochs Ecke, jene starkbefahrene Kreuzung in Siegen, vor
der ich einen ungeheuren Respekt hatte.
Meine Lehre lag lange hinter mir, als eines Tages eine
Arbeitskollegin erwähnte, „ich habe mich in der Fahrschule
angemeldet“. Es kam noch besser als ich hörte, „nein, nicht in
Siegen. Ich fahre nach Haiger, das ist doch wesentlich günstiger
für mich“. Das ließ sich hören und spontan war ich dabei.
Wieder ging es um die Theorie, und es war eigentlich
alles gut zu verstehen. Das Fahren, naja! Es war nicht wie
mit der elektrischen Nähmaschine, hier musste sich irgendwie
gefühlsmäßig anders an die Fußbetätigung herangetastet
werden! Die ersten Fahrstunden absolvierte ich bei
einem jungen Aushilfslehrer, der eigentlich Soldat war. Mit
ihm lernte ich die Einbahnstraßen rund um den Schlossberg
in Dillenburg kennen. Anfahren am Berg, rechts vor
links, alles wunderbar, und er meinte nach einigen Wochen,
ich könne mich zur Prüfung anmelden lassen. In den letzten
Übungsstunden vor der Prüfung und …da war wieder
das alte „Klischee“ aus der Lehrzeit. Der bisher so nette,
freundliche Inhaber der Fahrschule entpuppte sich als Sadist
allererster Güte. Bei ihm machte ich alles total falsch.
Ich kam heulend und vollkommen demotiviert nach Hause.
Mit tausend Ängsten saß ich an einem Freitag im Februar
sehr früh im Prüfungsraum des TÜV Dillenburg. Vor mir
die Unterlagen des schriftlichen Teils und ich machte meine
Kreuze … an Stellen, wo sie nicht hin gehörten. Durchgefallen!
Ich fuhr niedergeschlagen mit dem Zug nach Siegen.
Während meine Kollegin fortan freudig mit dem eigenen
Auto zur Arbeit fuhr, dachte ich mit Schrecken an die
nächste Prüfung. Jede Fahrstunde wurde eine Last, es war
schlimm und meinen Fahrlehrer konnte ich einfach nicht
mehr leiden. Für Mai war die nächste Prüfung angesagt
und mit der Aussicht, endlich von diesem üblen Gesellen
befreit zu sein, nahm ich all meinen Mut zusammen. In der
letzten Stunde vor der Prüfung holte er zu einer letzten Boshaftigkeit
aus. Ich lernte den Sportplatz in Haiger kennen.
Dort ließ er mich 45 Minuten nur im Kreis fahren, weil ich
angeblich kein Gefühl für Rechts- oder Linkskurven hatte.
Ich hätte den Kerl vergiften mögen. Ich war ärgerlich, zornig
und vollkommen deprimiert.
Um nun alle Kreuze wirklich an die richtige Stelle zu
setzen, hatte ich ein ganzes Wochenende alle verfügbaren
Fragebogen zigmal bearbeitet. Niemand sollte etwas von
der anstehenden Prüfung erfahren. Innerhalb der Familie
täuschte ich sogar arge Zahnschmerzen vor. Ich gab an, ich
müsse am frühen Morgen zum Zahnarzt fahren. In Wirklichkeit
hatte ich die Fahrprüfung vor mir.
Überglücklich hielt ich wenige Stunden später das Papier
in Händen. Allerdings gab mir der Fahrlehrer noch ein paar
mahnende Worte mit auf den Weg. „Sie kaufen sich am besten
ein Fahrrad, denn Auto fahren lernen Sie nie“!
Es mag sogar sein, dass er damals nicht ganz Unrecht
hatte, denn, ich war eine recht ängstliche Anfängerin. Nun
hatte ich zwar einen Führerschein, aber bis zu einem eigenen
Auto dauerte es noch ein paar Jahre. Dafür musste erst
44 durchblick 3/2011
Unterhaltung
wieder gespart werden. Irgendwann bekam ich einen alten
dunkelblauen Käfer und ich nannte ihn „Mäxchen“. Von der
Technik keine Ahnung war ich froh und dankbar, wenn mein
Mäxchen rollte, mich nicht im Stich ließ und keine Macken
auftraten. Oft, sehr oft, leuchtete es am Armaturenbrett „rot“
auf und es bedeutete Alarm. Nervosität, Zittern, Herzklopfen
und tückische Situationen, all das erlebte ich mit diesem Auto,
das teilweise mehr Öl als Benzin brauchte.
Meine Erlebnisse als Fahranfängerin nannte man oft
„drehbuchreif“. So amüsiert man sich heute teilweise noch
über eine dieser Episoden. Ich war morgens auf dem Weg
zur Arbeit, als ich plötzlich im Bereich der Rödger Kirche
ein dumpfes Geräusch vernahm. Ich beugte mich verschreckt
lauschend vor, merkte aber schon, dass das Lenkrad eigenartig
nach rechts zogt. Ein Geistesblitz „oh je, oh je, der Reifen“!
Also Fuß vom Gaspedal, langsam fahren, die Warnbeleuchtung
einschalten, so waren meine Gedankengänge. Ich
passierte die Eremitage, dann weiter bis zum Lindenbergsportplatz…
und alle Fahrzeuge die mich überholten, hupten
wie irre und zeigten auf Vorderrad, aus dem so langsam
die Luft entwich. Ich wurde zappelig, „ihr Blödmänner,“
schimpfte ich vor mich hin, „ich weiß doch längst, dass ich
einen Platten habe“. Auf den Gedanken anzuhalten, mein
Auto abzustellen, kam ich einfach nicht. Ganz sicher hätte
mich jemand von den hupenden Kameraden mit in die Stadt
genommen. Im Gebiet des Lindenberg-Friedhofs waren etliche
Schulkinder unterwegs, die mir fröhlich winkend und
laut schreiend artikulierten, was ich längst wusste. Der Weg
zur Arbeitsstelle bis Weidenau kam mir an diesem Tage
ganz entsetzlich lang vor und die immer wieder hupenden
Hinweise machten mich eigentlich immer trotziger in meiner
verkehrten Handlungsweise.
Endlich hatte ich die Haardter Brücke erreicht, atmete
tief durch und stellte mein Mäxchen bei der Tankstelle in
der Weidenauer Straße ab. Mit dem Hinweis, „es würde
sich gleich jemand darum kümmern“, begab ich mich zu
meinem Arbeitsplatz ins Autohaus Walter Schneider, auf
der gegenüberliegenden Straßenseite. Dort kam ich verspätet
an und berichtete von meinem Pech. „Na, ist nicht so
schlimm, da fahren wir gleich hin und wechseln das Rad“,
tröstete ein Kollege. „Nee, brauchen wir nicht, das Auto
ist schon hier, steht drüben an der Tankstelle“, konnte ich
voller Stolz erklären. Was ich nun gar nicht verstand, es verschlug
den Männern die Sprache! „Du bist doch nicht etwa
vom Rödgen bis hier mit dem kaputten Reifen gefahren“,
schüttelten sie ganz entgeistert den Kopf.
Der Seniorchef, der mich am anderen Tag auf diese Sache
ansprach, sagte nur noch „Herrmännchen, das dürfen
Sie keinem Menschen erzählen“!
Inzwischen habe ich meinen Führerschein 40 Jahre und
die Sache mit dem platten Reifen ist heute noch ein Anlass,
über die alten Zeiten zu lachen. Eva-Maria Herrmann
durchblick 3/2011 45
Em Peardsschdall
Got em Forer
Sylke woar fa glai of met Pearern ofgewase, kom
met dä Dierer got zerächde, hadde se gearn on woar
me em Peardsschdall a’zedreffe, als em Huss. Dat
hadde sech och nom Erwasewearn net geännert. De Arwet
em Schdall woar ät gewont on genauso de Pearer ze fläje,
si a d’r Longe ze laire, em se en Bewägong ze hale. Det
scheansde Geschänk foar all de Arwet woar da en „Ussrett”
en de ländliche Emgäjend. Darr’es me als e got Gefel om
Peardsrecke duerch de Fäller, Wese on Wäller ze schdraife,
de Sonn on d’r Wend ze feln, de Räjedrobbe ze schbüern.
Fräjj sin en on met d’r Naduer, det Läwe erläwe, aifach
glecklich sin. On hennerhear wuern da de Pearer noch ferwearnt
merrem „Schdeckelche Zuck’r”, Muerrn gehorden
awer äweso zom Ferwearnprogramm d’rzo wi lewefolle
Schdraichelainhaide.
No moss m’r wesse, darr em Engang fam Peardsschdall,
näwer ner groase Schiwedier, e glai Holzdebbe merrem
Däckel schdonn, en däm emmer e par Muerrn foar de Pearer
ofgehoawe wuern.
Earjendwann emo, det Sylke kom grad fa nem Ussrett
zerecke, woll sinnem Lewelingspeard fa dä Muerrn wat gä,
do fel äm da of, dat dä Holzdäckel so’e besje a’gegnabbert
uss’sog. Schoa merrem o’gore Gefel hoab ät da zemlich
foarsechdich dä Däckel a, on glich drof fel äm d’r Däckel
schoa werrer uss d’r Hand of de Äer. Nä, nä, dat gerret
net, dat ka aifach net sinn, darr’es wi en nem Horror-Film.
Seks glaine, koggelronne Gnobbauge guckden ängstlich,
wi erschdarrt, zo äm hoch. Nuer noch e par Räsde fa
de Muerrn woarn ze se, on en werrerlicher Geroch kom
uss däm Debbe russ. Miesjer, dräj glaine Miesjer logen
do wi hingegladscht, fast o’bewäglich näwernanner, deck
on prall, wi ofgebompt, de Fesjer met dä kuerze Gralln a
dä gnubbeliche Baincher bewägden sech langsam wi zom
Wenke, d’rzo fladderden de Schwänzcher ofgeräjt hin on
hear. Follgeschdobbt mit Muerrn sogen di dräj Miesjer en
däm Debbe wi dollpatschige glaine „Monster” uss. Du lewe
Zitt, wat ka m’r do da nuer do?
Earjendwi wearn Miesjer jo emmer em de Äcke gebrocht
– met Schbäck fängt m’r ... doch det Sylke konn
se net embränge, ät woll di dräj läwe loase, di sogen en
earer Helfsloasigkait och noch sogpossierlich uss, dat ät
dänn aifach niks a’do konn. No kuerzem Ewerlä geng ät
met däm Holzdebbe a de Böschong am Änn fa d’r Wes,
schdelbde (kippen) det Debbe em, on de follgefrässene
Miesjer rollden schwearfällig of de Wes. He logen da di
dräj, o’bewäglich, ai fa dänn om B’uch, di zwo annern om
Recke, wackelden met de Baincher, on kai Miesje konn
sech end Gebesch ferdrecke. Ja, wä d’r Hals net foll grijje
ka, dä hät d’r B’uch ze decke.
„Wänn di dräj arme „Kreatuern” so he läjje bliewe, healt
se de Katz”, dochde det Sylke on schubsde da huerdich ai
Miesje nom annern de Böschong ronner. Wi glaine Koggeln
puerzelden di dräj lamesöderich (langsam) no onne
end dechde Geschdrepp ren – on foart woarn se, wuern
neme gese’! Secherlich sin di follgefrässene Miesjer net
ferhongert, dänn itzend mosseden se’, em werrer of de
Baincher ze komme, earscht emol „Diät” läwe, on da wearn
se sech werrer wat ze frässe soche mosse em ze ewerläwe
– falls de Katz se foarhear net doch geroche hät.
Et woarn emol dräj Miejer, di hadden em Schlaraffeland
geläbt – on wänn se net geschdorwe sin, da läwe se emmer
noch. – On ech hadde en d’r Nacht en Draum – dräj rosaroare
Miesjer sojen uss wi Kuscheldiercher merrem Gnobb
em Oar.
Gerda Greis
46 durchblick 3/2011
Im Pferdestall
Gut im Futter
Foto: Gottfried Klör
Sylke, mit Pferden von klein auf vertraut, war mehr im
Pferdestall anzutreffen als im Haus. Das hatte sich auch
nach dem Erwachsenwerden nicht geändert. Stallarbeit
war sie gewöhnt, genau so die Pferde zu pflegen, sie an
der Longe zu führen, um sie in Bewegung zu halten. Die
schönste Belohnung für all die Arbeit war dann ein Ausritt
in die ländliche Umgebung. Ein herrliches Gefühl, auf dem
Rücken eines Pferdes durch Felder, Wiesen und Wälder zu
streifen, Sonne und Wind zu fühlen, den Regen zu spüren.
Freiheit in und mit der Natur, ein unwiederbringliches
Wohlfühlerlebnis für Mensch und Tier. Nach solchen Ausritten
wurden die Pferde dann noch verwöhnt mit dem sogenannten
„Stückchen Zucker”, auch Möhren, sowie liebevolle
Streicheleinheiten gehörten zum Verwöhnprogramm.
Nun muss man wissen, dass im Pferdestall, direkt am
Eingang, links neben einer hohen Schiebetür, ein nicht allzu
großer Holztopf mit Deckel stand, in dem immer einige
Möhren für die Pferde gelagert wurden.
Und eines Tages, Sylke kam gerade von einem ihrer Ausritte
zurück, wollte sie aus eben diesem Topf eine Möhre für
ihr Lieblingspferd nehmen, da bemerkte sie, dass der Rand
des Holzdeckels ein wenig angeknabbert aussah. Schon mit
einem irgendwie unguten Gefühl hob sie dann auch langsam
den Deckel an und gleich darauf fiel er ihr schon wieder aus
der Hand. Oh nein, das gibt es nicht, das darf nicht sein! In
ihrem Kopf erschien ein Science-Fiction-Film.
Sechs kleine, kugelrunde Knopfaugen schauten ängstlich,
wie erstarrt, zu ihr hoch. Nur noch wenige Möhrenreste
waren zu sehen, und ein widerlicher Geruch stieg ihr
in die Nase. Mäuse! Drei niedliche, kleine Mäuschen lagen
da wie hingeklascht, fast unbeweglich nebeneinander, dick
und prall, wie aufgepumpt, die Füßchen mit den kleinen
Krallen an den dick angeschwollenen Beinchen bewegten
sich im Rhythmus, als ob sie winken wollten, und die
Schwänzchen flatterten aufgeregt hin und her. Vollgestopft
mit Möhren sahen die drei Mäuschen wie putzige kleine
Monster aus. Oh je, oh je, und – was nun tun?
Im Allgemeinen entsorgt man Mäuse auf irgend eine Art
und Weise – mit Speck fängt man . . . doch umbringen, nein,
das kam nicht infrage, dazu sahen die drei in ihrer Hilfslosigkeit
viel zu possierlich aus, das konnte Sylke ihnen
nicht antun. So nahm sie dann den Holztopf, ging damit zu
der Böschung am Ende der Wiese und ließ die drei vollgefressenen
Mäuse einfach aus dem Topf herauspurzeln. Da
lagen sie nun, die eine auf dem Bauch, die beiden anderen
auf dem Rücken, und keine von ihnen war imstande, sich
auch nur ein wenig fortzubewegen oder überhaupt im Gebüsch
zu verschwinden, so wie Sylke es sich gedacht hatte.
„Wenn die drei armen Kreaturen hier so frei herumliegen”,
ging es ihr durch den Kopf, „dann holt sie die Katze”, und
so schubste sie ganz schnell eine Maus nach der anderen die
Böschung hinunter. Wie kleine Kugeln kullerten sie ganz
gemütlich nach unten, verschwanden im dichten Gestrüpp
– und wurden nicht mehr gesehen.
Verhungert sind diese drei überfressenen Mäuse sicherlich
nicht, denn die selbstverordnete Diät wegen Unbeweglichkeit
wird sie wieder auf die Beinchen gebracht haben,
um dann eine neue Nahrungsquelle zum Überleben zu suchen
– falls die Katze sie vorher nicht doch erwischt hat.
Es waren einmal drei Mäuse, die hatten im Schlaraffenland
gelebt – und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben
sie noch heute. – Und ich habe in der Nacht von niedlichen,
rosa-roten Mäusen geträumt – als kuschelige „Steiftiere”
mit Knopf im Ohr.
Gerda Greis
durchblick 3/2011 47
Halbinsel
von Wilma
Hallo Lina,
sei herzlich gegrüßt von Deiner Lisabeth, der Besitzerin einer Halbinsel.
Hoffentlich geht es Dir und Paul gut.
Mir geht es, seit es draußen wieder grünt und blüht, besser.
Du weißt ja, dass mir nach Hermanns plötzlichem Tod die Wohnung am Stadtpark
ohne ihn leer und riesig vorkam. Jetzt habe ich ein kleines Apartment. In zehn Minuten
bin ich zu Fuß in der Innenstadt. Eine gute Busverbindung besteht ebenfalls. Der
Abschied fiel mir aber schwer und auch die Entscheidung, welche Möbel ich behalten
und welche ich abgeben sollte. Wie viele Erinnerungen doch jedes Möbelstück birgt!
Tröstlich ist, dass mir meine alten Freunde treu geblieben sind. Wir spielen nach wie
vor einmal in der Woche zusammen Karten und treffen uns zum Wandern.
Das Verreisen hat sich wegen der kleinen Witwenrente ebenfalls erledigt. Und allein!?
Dadurch bleiben mir allerdings die Aufregungen wegen Anschlüsse an Bus und
Bahn sowie Warten vor Abfertigungsschaltern erspart. Man muss alles nur von der
richtigen Seite sehen! Kofferpacken fand ich immer lästig. Bei meinen Kurztrips ist es
sowieso nicht mehr erforderlich. Buch, Brille und Sitzkissen reichen dafür, denn nach
dem Öffnen der Balkontür sind es nur noch zwei Schritte zu meinem Erholungsort.
Im Schaukelstuhl wippend erschnuppere ich dort den Duft der Blüten, lausche dem
Vogelgezwitscher, dem Geflüster der Blätter und segle manchmal mit den weißen Wolken
über den blauen Himmel gegen Süden. Zu meinen Träumen zaubert das Klickern
der Perlenschnüre an der Balkontür und Schlecken von Eis unterm Sonnenschirm
mediterranes Gefühl. Das Gaukeln der Schmetterlinge trägt auch dazu bei. Sie landen
auf den Balkonblumen, nuckeln Nektar aus den Blüten und sitzen hinterher mit
ausgebreiteten Flügeln auf einem Blatt. Ob sie dann schlafen? Angst vor Bienen und
Hummeln habe ich kaum noch. Sie wollen ja nur zu den Blüten. Bei ihrem Anflug erstarre
ich trotzdem sicherheitshalber, um sie ja nicht zu irritieren.
Durch die Nähe des Baches schwirren oft Libellen heran und sonnen sich auf der
warmen steinernen Balkonbrüstung. Die Maserung in ihren durchsichtigen und wie
Perlmutt schimmernden Flügeln ist dann gut zu erkennen. Der lange Schwanz ihres
gegliederten Körpers wirkt wie ein gefährlicher Stachel, dabei stechen sie überhaupt
nicht, machen nur nervös durch ihre Schnelligkeit. Einmal rief ein Kuckuck. Natürlich
zählte ich und erfuhr, dass ich 150 Jahre alt werde. Ob ich so lange finanziell gut
versorgt bin, ist fraglich, denn einen Cent hatte ich nicht in der Tasche und die Rentenkasse
ist ja schon ziemlich schmal.
Zurzeit erfreut mich ein blühendes Rapsfeld. Schon während der Obstbaumblüte
öffneten sich die ersten Knospen. Jetzt ist das Feld gelb. Zum Glück habe ich keine Pollenallergie.
Der Blütenstaub, den der Wind herüberträgt, ist allerdings unangenehm.
Um nicht selbst gelb gefleckt zu werden, ist vor jedem „Ausflug“ dieses grieselige Zeug
48 durchblick 3/2011
Balkonien
Frohne
von Tisch und Stuhl zu wischen.
Spätestens in vier Wochen ist
es jedoch vorbei. Dann wiegen
sich die Kornähren auf dem
Feld dahinter im Wind und es
gleicht einem wogenden Meer.
Wir haben hier aber keinen
Ozean und keinen Fluss, sondern
nur einen Bach. Auf dessen anderer Seite
zieht sich ein Laub- bzw. Nadelwald den Hügel
hinauf, der großzügig Berg genannt wird. Strommasten
und Überlandleitungen unterbrechen die unterschiedlichen Grüntöne
des Waldes. Schade. Aber was wären wir ohne Elektrizität!?
Kinder gibt es auch in der Nähe meiner Halbinsel. Auf dem Bolzplatz herrscht bei
jedem Wetter viel Leben. Ärger oder Begeisterung sind hier gut zu hören. Zwei kleine
Mädchen aus dem Nachbarhaus winken mir manchmal auf ihrem Weg zum Spielplatz
zu. Leider kann ich ihnen beim Spielen nicht zusehen, da der Platz verdeckt
wird von einem anderen Gebäude.
Übrigens züchte ich Sonnenblumen und Tomaten auf dem Balkon. Viele Früchte
werden nicht zu ernten sein. Die Pflanzen sollen eigentlich auch nur Mücken und
Fliegen abschrecken. Aber zu beobachten, wie die grünen Kugeln wachsen und sich
färben, ist ein erfreulicher Nebeneffekt. Die Sonnenblumen, die ich vorschriftsmäßig
dünge, werden hoffentlich nicht nur hoch, sondern bekommen auch große Blüten
mit vielen Kernen. Ernten werde ich davon ebenfalls nur wenige, denn in den
Obstbäumen und der Hainbuchenhecke, die das Motorengeräusch von der Straße
dämpfen, sind einige Vogelnester. Hoffentlich verschonen Elstern und die getigerte
Katze des Nachbarn Eier und Brut.
Meine Liebe, du siehst, ich habe nicht aufgegeben, wie die Marienblümchen. Sie
strecken, wenn der Duft des frisch gemähten Grases noch in der Luft liegt, auch
schon wieder ihre rosa bespitzten weißen Blüten der Sonne entgegen.
Puh, alles gerettet. Entschuldige bitte, dass der Brief ein par Flecken hat. Ein
Windstoß wirbelte die Perlenschnüre vor der Tür hoch, beutelte den Sonnenschirm
und schubste, während ich den Schirm rettete, die Schreibmappe vom Tisch. Jetzt ist
der Spuk schon vorbei. Sicherheitshalber fahre ich aber mit dem Bus zur Post und
hoffe, vielleicht schon an der Haltestelle, interessante Leute zu treffen.
Viele liebe Grüße, auch an Paul,
Deine Lisabeth
Foto: Tessie Reeh, Hintergrund Agnes Spar
durchblick 3/2011 49
Unterhaltung
Dumm gelaufen
Wie man in der wohlbekannten Erzählung „Die
verhexte Ziege” schon gleich auf der ersten
Seite nachlesen kann, gibt es im Jahresverlauf
vier große Unglückstage, an denen man sich in jeder Beziehung
vorsehen muss. So wurden Adam und Eva am
1. Januar gnadenlos aus dem Paradies vertrieben, am
1. April ging die Sintflut los, am 1. Juli sind Sodom und Gomorra
untergegangen und am 1. Oktober wurde der Teufel
vom Himmel zur Erde heruntergeworfen und treibt seither
allerlei Schabernack mit Mensch und Tier.
Dass der 16. September gleichfalls ein Unglückstag sein
soll, darüber steht nichts in den alten Überlieferungen. Aber
vielleicht in denen, die künftig verfasst werden. Und ein
lebender Beweis hierfür ist der Wettläufer Alessandro aus
dem Weißtal, kurz Alex genannt, dem just an diesem Spätsommertag
Unglaubliches widerfuhr.
Dabei hatte es zunächst für ihn ebenso wie für seine
sieben Mitstreiter aus dem Lauftreff wunderbar begonnen.
Gegen Mittag waren sie bei herrlichem Sonnenschein mit
dem eigens hierfür georderten Kleinbus rechtzeitig gestartet.
Alex saß am Steuer, machte ein Witzchen nach dem
anderen und schien gar nicht an den bevorstehenden Halbmarathon
zu denken. Alsdorf wurde nach einer guten halben
Stunde erreicht, die Formalitäten wie Beschaffung der
Startnummer und dergleichen waren rasch erledigt, und nun
standen alle nach dem Transport mit dem überfüllten Gliederbus
auf der Lipper Höhe mitten auf einem Wirtschaftsweg
in einer urwüchsigen Westerwälder Wald- und Wiesenlandschaft.
Der Start zum Halbmarathon erfolgt seit einigen
Jahren nämlich nicht mehr im Grenzörtchen Lippe, sondern
gut und gerne eintausend Meter außerhalb.
Das Warmlaufen hatte die Wettstreiter recht locker
gemacht und die weitaus meisten waren bei dieser Gelegenheit
noch rasch hinter die reichlich umherstehenden Büsche
gehuscht, um unnötigen Ballast organischer Art zu entsorgen.
Zweihundert Läufer warteten nun auf den Startschuss,
der in zwei oder drei Minuten erfolgen sollte. In diesem
Moment schlug das Schicksal erbarmungslos zu.
Alex, der schon im vergangenen Jahr ohne Probleme die
Strecke von der Lippe bis Alsdorf bewältigt hatte, verspürte
ganz plötzlich und quasi in letzter Sekunde ein menschliches
Bedürfnis. Ob es die Nervosität – sprich: das nun doch
noch einsetzende Rennfieber – war, oder ganz einfach der
Gedanke, möglichst leicht den ersten Anstieg zu meistern,
ließ sich im Nachhinein nicht mehr sagen. Jedenfalls trabte
er los und wollte eine Wiese passieren, um hinter einem
Strauch rasch sein Geschäft zu verrichten. Dabei übersah
er in der Eile leider einen Gullydeckel, der mitten auf der
Wiese sein einsames Dasein fristete.
Hat jemand aus der geneigten Leserschaft schon einmal
in der City-Galerie in einen Haufen Kuhmist getreten?
Kann gar nicht passieren, ganz klar! Ist einem schon einmal
im Wald beim Spazierengehen oder beim Joggen ein Känguru
begegnet? Natürlich nicht – wie soll ein solches Viech
in den Siegerländer Hauberg geraten?! Oder ist irgendeiner
auf der Autobahn schon einmal von einem Dampfer überholt
worden? Die Antwort erübrigt sich.
Und der Gullydeckel? Mitten auf der Wiese? Weitab der
menschlichen Behausungen? Im Ernst: Wer konnte dieses
an einem 16. September ahnen?!
Dummerweise hatte der Gullydeckel gleich zwei Nachteile:
Zum einen befand sich unter ihm ein Schacht, zum
anderen lag er nicht in der vorgesehenen Führung, sondern
bedeckte besagten Schacht nur zu etwas mehr als der Hälfte.
Ausgerechnet auf den lose über dem Hohlraum liegenden
Teil trat Alex, sackte mit seinem Bein sogleich ins Leere,
während der Deckel sich als Folge des Tritts und den Gesetzen
der Schwerkraft folgend in Bewegung setzte und
mit seiner Kante ein wenig Fleisch aus dem Schienbein des
Unglücklichen riss.
Der Engländer bringt mit der saloppen Formel „Shit
happens” derlei Ereignisse kurz und knapp genau auf den
Punkt.
Helfende Hände waren zum Glück in der Nähe,
schließlich ist das Austreten auf den letzten Drücker in
Läuferkreisen nicht ungewöhnlich. Der Halbmarathon
hatte sich für den leichenblassen Alex verständlicherweise
erledigt. Mit dem Starter fuhr er zurück nach Alsdorf in den
Zielbereich, wo ein Mediziner feststellte, dass es sich nur
um eine Fleischwunde handelte.
Dank dieser Diagnose konnte er einigermaßen gelassen
abwarten, bis irgendwann die sieben Lauffreundinnen und
-freunde nach und nach ins Ziel trudelten und sich mitfüh-
50 durchblick 3/2011
Zahnarzt-
Geschichten
Zum Zahnarzt gehn mit schweren Herzen
die meisten Leut nicht ohne Schmerzen.
Im Wartezimmer angekommen,
ist man schon immer ganz benommen!
Die Angst sitzt gleich auch schon im Nacken,
ohne den Zahn nur anzupacken.
Man hört schon mit gespitzten Ohren
den Arzt im andren Zimmer bohren!
„Ich bin`s noch nicht, denkt man im Stillen
und sammelt brav Geduld und Willen!
Doch kommt man bald selbst dann dran,
spielt man nur den starken Mann!
Nun sitzt man im Behandlungsstuhl,
mit Angst im Blick und tut ganz cool.
Der Doktor kennt nun kein Erbarmen,
er zieht den kranken Zahn dem Armen!
Man beißt dann gern auf feste Watte,
was man doch für Schmerzen hatte!
Er hilft uns nur, wie ein Erlöser,
der Zahnarzt ist und bleibt ein Böser!
Ist erst die Wange dick geschwollen,
wir seine Hilfe gerne wollen!
Bei Karies und einem Loch,
ich glaub, den Zahnarzt braucht man doch!
und wieder hat man nach dem Essen
das Zähneputzen ganz vergessen!
Es ist im Leben nun mal so,
wenn wir ihn meiden, sind wir froh,
doch hilft er wieder, tut es gut,
weil Heil in seinen Händen ruht!
Manchen muss er auch mal stutzen
und sagen: „Zähne muss man putzen!“
Denn bei allem Weh und Klag
liegt es oft am Zahnbelag!
Der Patient im Stuhle sitzt,
unnötig voller Panik schwitzt,
zu helfen ist man hier bereit,
zum Jammern bleibt da keine Zeit!
Ja, der Zahnarzt, das ist wahr,
hilft uns immer wunderbar!
Hat man ihn länger nicht gesehn,
man sollte doch freiwillig gehn!
Helga Düringer
Gesundheit
Der fünfjährige Joachim war mit
seiner Mutter auf dem Weg zum Zahnarzt
zur Kontrolluntersuchung. „Was
schauen uns die Leute, die uns begegnen,
so eigenartig an”, sagte die Mutter,
blieb stehen und sah zu ihrem Jungen
hin, der lachte nur und die Mutter ebenfalls
lachend: „Ich wusste doch, dass
da irgendwas nicht in Ordnung ist.”
Nach der Begrüßung im Wartezimmer
sah man nur freundlich aussehende
Patienten auf ihren Stühlen
sitzen. Später kam eine ältere Patientin
dazu, sah sich um, und ihr Gesichtsausdruck
erstarrte sichtlich, als sie Platz
nahm, und der Junge ab und zu lächelnd zu
ihr hin sah. Patienten kamen und gingen,
alle irgendwie erheitert.
Dann saß Joachim im Behandlungsstuhl.
Der Zahnarzt fragte: „Zur Kontrolle?” Ein
kurzes Nicken. „Du kennst das ja schon und
nun mach mal den Mund auf.” „Ohje”, so
der Zahnarzt laut lachend: „Ein wirkungsvoller
Spaß, dein Dracula-Gebiss, doch jetzt
– raus damit. „Später gingen Mutter und
Sohn wieder ins Wartezimmer zurück, um
ihre Mäntel zu holen, da meinte jemand belustigt:
„Als die ältere Frau zur Behandlung
ging, hat sie vor sich hin gemurmelt: „Nä,
warre arm Kend!” Gerda Greis
durchblick 3/2011 51
Unterhaltung
Tante Meta, das Schlitzohr
Der Restauranttest
Tante Meta wollte anlässlich ihres Geburtstages mit
uns in einem stadtbekannten Restaurant zum Essen
gehen. Wir sagten zu und machten uns keine Illusionen
über den Verlauf der Feier. Selbstsicher betrat sie
vor uns das Restaurant. Der ihr gut bekannte Ober reichte
die Speisekarten herum und fragte allgemein nach den Getränkewünschen.
Sofort antwortete
Tante Meta: „Das wissen wir noch
nicht, erst entscheiden wir, was wir
essen wollen.“ „Sehr wohl, gnädige
Frau“, antwortete er mit übertrieben
ruhiger Stimme.
„Können Sie uns etwas empfehlen?“,
fragte Tante Meta, während
sie die Speisekarte über ihren
Brillenrand studierte. „Das Lammfleisch
mit Gratin und“ ... doch
bevor er den Satz beenden konnte,
bestellte Tante Meta Schweinemedaillons
und bestimmte: „Meine
Nichte und ihr Mann nehmen
das Gleiche. Wir essen alle gerne
Schweinefleisch.“ Das war uns
neu. Aber, nun ja…..
Der Ober ließ sich durch nichts
aus der Ruhe bringen, selbst als sich
mein Mann über den viel zu kalten
Rotwein beschwerte und entschied:
„Bringen Sie für mich sofort einen
Weißwein“, schüttelte er nur
wortlos den Kopf, denn er, der von
vornherein einen milden Weißwein empfohlen hatte, sagte
mit Blick zu meiner Tante: „Sehr wohl, einen Weißwein,
für den Herrn.“ Alle weiteren Wünsche oder Änderungen
unseres Geburtstagskindes kommentierte er stets mit: „Sehr
wohl, gnädige Frau.“
Nur einmal brachte Tante Meta ihn fast aus der Fassung.
Sie behauptete, dass im Lokal irgendwie Durchzug wäre. Er
rannte schulterzuckend von Fenster zu Fenster, konnte aber
keinen Grund für ihre Beschwerde finden. Höflichst bot er
an, für das Dessert an einem anderen Tisch einzudecken.
Dieses konnten wir gerade noch verhindern, indem wir Tante
Meta eine Jacke umhingen. Sie vertilgte die Süßspeise,
ohne auch nur einmal aufzuschauen oder eine Bemerkung
zu machen.
Abschließend trank sie in einem Zug ihr Weinglas aus,
schnippte mit den Fingern in Richtung Ober und rief: „Die
Rechnung bitte!“
Sekunden später lag diese auf dem Tisch, so dass wir
alle die Summe lesen konnten. Der zu zahlende Betrag war
127,80 Euro. Tante Meta legte einhundertdreißig Euro in
Scheinen auf das Tablett. Der dankende Kellner gab zwei
Ein-Euro-Münzen zurück und suchte vergebens nach einer
Zwanzig-Cent-Münze. „Einen Augenblick bitte, mir sind
die kleinen Münzen ausgegangen“, sagte er zu unserer
Gastgeberin gewandt und ging zu einem Kollegen, um
dort das restliche Rückgeld
zu holen.
Wir wären fast vor Scham
im Boden versunken, als der
Ober zurückkehrte und unserer
lieben Tante Meta die
Münzen in ihr Portemonaie
fallen ließ.
Der Ober bedankte sich
höflichst für unseren Besuch
und vergewisserte sich, ob
wir denn auch alle zufrieden
nach Hause gehen würden,
während er unserer Tante in
den Mantel half. Danach holte
er noch ihren Schirm, den
sie hinter einem Vorhang deponiert
hatte.
Erst als der nette, freundliche
und geduldige Ober uns
die Ausgangstüre aufhielt
und allen einen guten Nachhauseweg
wünschte, erhellten
sich Tante Metas Augen.
„Ach, beinahe hätte ich ja was vergessen.“ Lachend griff sie
in ihre Manteltasche und drückte dem Ober einen Zwanzig-
Euro-Schein in die Hand und bedankte sich für seine gute
aufmerksame Arbeit.
Auf dem Weg zum Auto sagte Tante Meta augenzwinkernd:
„Er hat mal wieder meinen Test mit Auszeichnung
bestanden… er ist wirklich ein Könner seines Fachs. So
jemandem gebe ich gerne ein angemessenes Trinkgeld“.
„Ob er jemals so viel verdient hat?“, flüsterte mir mein
Mann ins Ohr. „Wie meinst du das?“, fragte ich neugierig.
„Ach ich hatte einfach Mitleid mit ihm und habe ihm schon
mal heimlich ein paar Scheine zugesteckt.“
In mich hineingrinsend stellte ich fest, dass mein Mann
wohl mit seiner Behauptung Recht hatte, denn auch ich hatte
im Hinblick auf unsere spezielle Gastgeberin dem Ober
beim Betreten des Lokals schon mal eine „Erschwerniszulage“
zukommen lassen.
Aber das bleibt mein Geheimnis.
Ulla D’Amico
Ein angemessenes Trinkgeld
52 durchblick 3/2011
Foto/Collage: Gottfried Klör
Gedichte
Beim vom Ribbeck auf Ribbeck
im Havelland,
im Garten einst ein Birnbaum stand.
Und dieser gute, alte Mann,
der ständig Neues sich ersann,
war stetig frohen Mutes
und tat den Kindern immer Gutes.
Ein jeder kennt ja die Geschichte,
von der ich heute nicht berichte.
Beim Bauer von Beck im Siegerland
auch ein Baum im Garten stand,
der ganz heimlich still und leise
zu Ehren kam auf andere Weise:
Sein altes Huhn legt heut kein Ei,
es zeigt auch keinen Willen.
Er nimmt es hin, wie dem auch sei,
und denkt sich nun im Stillen:
Wird es noch einmal überwintern
und legt vielleicht ein letztes Ei,
ich rupf ihm nicht den kahlen Hintern,
ich sage ihm ganz still: „Bye, bye!“
Das Huhn, das lange ihn schon kennt,
hat seine Traurigkeit vernommen,
es besinnt sich und es rennt,
die Augen drehend, ganz versonnen,
und windet sich in aller Qual,
die wirklich wird zur Quälerei
und legt im Lauf ein letztes Mal
ein wunderschönes weißes Ei.
Da liegt es nun lang ausgestreckt
mit glanzlosem Gefieder,
Das wundersame Gleichnis
Edith Maria Bürger
so plötzlich ist es nun verreckt
und hat sehr kalte Glieder.
Die Trauer, die ihn übermannt,
lässt ihn zum Spaten greifen,
er hat das Huhn so lang gekannt.
Und seine Blicke traurig schweifen
zum Hügel hinter seinem Haus,
zu dem das Huhn er trägt,
und sucht ein stilles Plätzchen aus,
das er fürs alte Huhn erwägt.
Woran er niemals hat gedacht,
es schlagen Wurzeln aus dem Haus.
So wächst nun mitten in der Nacht
ein kleiner Eierbaum heraus,
der verziert in aller Pracht,
mit dreißig Eiern an der Zahl.
Und plötzlich hört er mit Erstaunen
eine Stimme aus den Zweigen,
und mit einem dumpfen Raunen,
das sonst nur Geistern ist zu Eigen:
„He Alter, willste heut ein Ei?
Dann komm doch jeden Tag vorbei!“
Verwundert nimmt der Beck dies wahr
und greift sich fix ein Ei.
Dies Wunder scheint ihm wunderbar
und holt schnell seine Frau herbei.
Die steht nun ebenso erstaunt
vor diesem Eier-Wunderbaum,
und ihrem Mann ins Ohr nun raunt:
„Was sehe ich? Ich glaub es kaum!
Doch lieber Mann, es soll wohl sein,
es ist so wie vor vielen Jahren,
als der Ribbeck aus dem Totenschrein,
die goldnen Birnen ausgefahren!“
Der Bauer Beck kratzt sich ans Kinn,
ein Wandel sich in ihm vollzieht,
denn Neues trachtet ihm im Sinn,
und er die schönsten Bilder sieht.
Er setzt sich nun am nächsten Tag,
in seiner Art, so frank und frei,
auch wenn man es nicht glauben mag,
vor seinem Tor mit einem Ei.
Und ehe der Beck sich nun versieht,
gerät er fast ins Wanken,
'ne Schar von Kindern ihn umkniet,
die all ihm herzlich danken.
So geht nun Jahr um Jahr vorbei,
und die Eier leuchten weit und breit,
ein jedes Kind bekommt sein Ei,
und zwei sogar zur Osterzeit.
So spendet Freude noch immer die Hand,
des von Beck auf Beck im Siegerland.
Am Sonntagmorgen im Sonnenschein
setzten zwei Elstern sich artig fein
auf die Dachrinne vom Nachbarhaus
sahen keck-munter in die Welt hinaus.
Des Nachbarn Katze erspähte sie gleich
schlich heran und duckte sich weich
um behände auf das Dach zu springen.
Doch es wollt ihr nicht gelingen!
Die Elstern sahen von oben herab!
Unten mühte sich die Katze ab!
Ja! Und als wollten sie die Katze foppen,
als sannen sie nach! Um dies noch zu toppen!
Schon musste rasch die Katze springen
weil die Vögel sich auf leichten Schwingen
setzten sich plötzlich in den nahen Baum
schwadronierend-forsch. Doch kaum
wollte die Katze erklimmen den Stamm –
aber, sie einfach nicht von der Stelle kam!
Der Katze fiel es sichtlich schwer
es behinderte das Winterfell sie sehr.
Die Vögel würdevoll-stolz mit Pläsir
Freche Elstern
Eva Maria Herrmann
amüsierten sich über das Katzentier.
Ein kühner Sprung, mit letzter Kraft
war endlich dann der Baum geschafft.
Und jetzt! Verklemmt nun im Geäst
saß wieder mal die Katze fest!
Das Spielchen ging so hin und her
den Elstern fiel es gar nicht schwer
nach rechts, nach links umherzuhupfen
als beweglich-neckische Farbentupfen.
Die arme Katze saß elend gefangen,
ihr blieb ein sehnliches Verlangen,
während die Vögel laut triumphierten,
schadenfroh auf den Ästen marschierten.
Und die Moral von der Geschicht:
Du bist ein wirklich armer Wicht,
kommst mit dem dicken Fell nicht weit,
bei Vögeln im bunten Federkleid.
durchblick 3/2011 53
Buchbesprechungen
Dass deine Träume Wurzeln schlagen
Es gibt nicht nur den Jahreskreis mit seinen 365 Tagen,
sondern auch einen Lebenskreis, den wir beschreiben
mit Worten wie Jahresringe, Lebensfarben, Lebenslauf
oder auch Lebensträume. Diese besonderen Zeiten
werden in der CD „Dass deine Träume Wurzeln schlagen“
von Christoph Zehendner, Manfred Staiger und Heiko Wolf
aufgegriffen. Das Trio aus einem begabten Sänger und Texter
sowie einem Pianisten und einem Fotografen präsentiert
ein Album mit Bildband, das ermutigen und den Blick auf
das Wunder des eigenen Lebens freimachen will. Es gibt
ein Textheft mit Bildern dazu und besonders der Bildband
enthält wunderschöne Fotografien. Die Lebensweisheiten
und Impulse sind musikalisch in eingängige Popmelodien
gekleidet.
Christoph Zehendner, Manfred Staiger, Heiko Wolf:
„Dass deine Träume Wurzeln schlagen“. Lieder und Gebete
zu den Jahreszeiten des Lebens. Gerth Medien,
CD 17,99 €. Bildband mit weiteren Texten, 8,99 €.
Horst Mahle
Altwerden ist nichts für Feiglinge
Joachim Fuchsberger, Jahrgang 1927, der bekannte
und beliebte Schauspieler und Entertainer, gibt in seinem
Buch Einblick in sein Leben und Arbeiten, sein Denken
und Fühlen. Der Autor schreibt nicht wehklagend über
das Alter, sondern erfrischend nüchtern mit einem Augenzwinkern,
wie es sich anfühlt, alt zu werden.
„Auch das ist eine Alterseinsicht: Es muss nicht immer
mehr sein! Im Gegenteil – weniger ist oft mehr und macht
fröhlicher.“ Er schreibt von Freude und Leid, Glück und
Not, Erfolgen und Pleiten seines Lebens. Dadurch macht
er nachdenklich im Hinblick auf das eigene Leben und
Älterwerden.
Offen werden die Themen angesprochen: Ehe und Familie,
Liebe und Treue. Es geht aber auch um Krankheit
und Gesundheit, Sterben und Tod – die Familie hat im
vergangenen Jahr den einzigen Sohn durch Tod verloren.
Den christlichen Glauben betreffend ist er skeptisch,
zugleich aber bekennt er: „… letztendlich beneide ich die
Möglichkeit, sich mit allen Problemen einem Gott anzuvertrauen
mit der Überzeugung, dass dieser sich bemüht,
sie zu lösen. Wir Ungläubige haben es da wesentlich
schwerer.“ – Ein lesenswertes Buch!
Joachim Fuchsberger: Altwerden ist nichts für Feiglinge.
Gütersloher Verlagshaus; 224 Seiten; 19,99 €
Horst Mahle
So war es im Siegerland
Lieber Herr Abt, ich habe
Ihr herrliches Buch natürlich
schon gelesen, ... es
war ein Vergnügen! Einige Geschichten
haben mich sehr zum
Lachen gebracht, bei einigen war
Ihr „Schmunzelhumor“ zu spüren,
einige waren philosophisch,
einige sehr anrührend, manches
sehr weise... kurz, ich habe es genossen.
Anne Eickhoff
Sehr geehrter Herr Abt, heute habe ich ihr Buch, „So war
es im Siegerland“ fertig gelesen. Über einiges konnte ich
schmunzeln, über anderes nachdenken, aber eine Geschichte
hat mich besonders berührt: „Tsunami und die Reaktion der
Siegerländer“. Auch ich war eine der Helferinnen und kann
mich noch gut an die Freundlichkeit und Gastlichkeit erinnern,
an den türkischen Herrn, der in seiner Gemeinde gesammelt
hat, an Ihre Frau, die mit Leidenschaft für alle Essen zubereitet
hat... Mittlerweile wohne ich in Edmonton, Kanada. Meine
Mutter, die damals auch einen Tag zum Helfen kam, hat mir
Ihr Buch zugeschickt. Melanie und Sandy Schleith
„So war es im Siegerland“ - 50 Jahre Mäckes, erschienen
im durchblick- Verlag ISBN 978-3-9812018-4-0 82 Seiten für
12,80 € zu beziehen über den Buchhandel oder beim Verlag
Triga, der Verlag – Katalog – Leben
und Bewusstsein
Das Buch von Otto Abt liest sich sehr flüssig und unterhaltsam.
Mit der Einführung von einem schwer erziehbaren
Sohn fühlt man sich als Mutter sofort verbunden. Das
aus diesem Sohn ein weiser Sunan wird, lässt viele hoffen.
Es ist sehr amüsant, die Weisheit des Sunans zu verfolgen.
Als Muslima kennt man die Sira (Lebensgeschichte) des
Propheten und seine weisen Handlungen. Er ist Vorbild für
alle Muslime. So verhält sich der Sunan auch sehr vorbildlich
nach der Sunna des Propheten. Der Titel müsste besser
lauten: „Das ist der Islam“, den die islamophoben Lektüren
stellen mit Sicherheit nicht die islamische Religion dar, die
ja wörtlich übersetzt Frieden heißt. Eine Fußnote zum islamischen
Glaubensbekenntnis ‚Schahada‘ fehlt: Schahada
heißt „LA illah ila Allah Muhammad Rasul Allah“ = Es gibt
keinen Gott außer Allah und Muhammad ist sein Gesandter.
Man kann abschließend sagen, es ist eine interessante,
unterhaltsame Lektüre, die einen Beitrag zum gesellschaftlichen
Frieden ist. Wir brauchen mehr solcher Lektüren.
Danke Herr Abt!
Dr. Houaida Taraji
Frauenärztin und Vorstandsmitglied
der Islamische Gemeinschaft e.V. Köln
54 durchblick 3/2011
Wandulf, der Waldschmied
Buchbesprechungen
Dieses farbensprühende Historiengemälde aus der
Feder von Erfolgsschriftsteller Rudolf Utsch
führt zurück ins ausgehende Mittelalter. Im Land
der tausend Feuer, wie das Siegerland wegen seiner Eisengewinnung
damals hieß, regiert die Obrigkeit mit harter
Hand. Auch das Raubrittertum ist weit verbreitet. Der
junge Wandulf, ein angesehener und berühmter Schmied,
verliebt sich in die Tochter des gefürchteten Seelbacher
Ritters Henner. Doch diese Liebe hat keine Zukunft, zu
groß ist der Standesunterschied, wie Wandulf schmerzlich
erfahren muss.
Als Ritter Henner dann noch einen Hüttenmann, dem
eine neue Art des Eisenschmelzens gelungen ist, als „Hexenmeister“
einkerkern lässt, wird der enttäuschte Waldschmied
zum Rebellen. Listenreich und mutig bekämpft
er gemeinsam mit seinen Getreuen die Raubritter, bis er
durch Verrat in die Fänge des Seelbachers gerät. Doch das
Schicksal hält noch eine unerwartete Wendung bereit.
Auch dieser Roman von Rudolf Utsch zeichnet sich aus
durch treffende Milieu- und Charakterstudien, Detailgenauigkeit
und eine durchgehend fesselnde Darstellungskunst.
Geschickt hat der Autor Fantasie, Sagen und Überlieferungen
mit tatsächlichen Ereignissen – wie die Erstürmung und Zerstörung
der Hohenseelbachsburg bei Neunkirchen im Jahre
1352 – miteinander zu einem packenden Roman verwoben.
Wolfgang Stötzel
Der Wettergott
Helga Düringer
Lieber Petrus – mach es recht,
mach`s Wetter bloß nicht allzu schlecht,
denn ziehen ein paar Wolken auf,
schimpfen alle Leute drauf!
Lässt Du Regentropfen fallen,
behagen sie noch längst nicht allen,
ob Regen oder Sonnenschein,
der Mensch wird nie zufrieden sein!
Liegt auf den Wiesen Morgentau,
ist das Klima gar zu rau,
so hat wohl jede Wetterlage,
immer einen Grund zur Klage!
Im Frühling ist es noch zu kühl,
im Sommer wieder furchtbar schwül,
im Herbst zu starke Stürme toben,
den Winter wird man auch nicht loben!
Fön lässt die Migräne drücken,
Feuchtigkeit schlägt in den Rücken,
schlechtes Wetter für die Glieder,
Du siehst, da haben wir es wieder!
Wenn wir auf trocknes Wetter hoffen
lässt Du glatt die Schleusen offen,
oh Petrus, mach es allen recht,
Dein Wetter ist fast immer schlecht!
Doch ist es einmal umgekehrt,
wird sich sicher auch beschwert,
Du hast beständig Deine Last,
weil jeder andres Wetter hasst!
So bist Du stets an allem Schuld,
doch, lieber Petrus, hab Geduld,
in Wahrheit bist Du doch ein Retter,
was wären wir denn – ohne Wetter!?
durchblick 3/2011 55
Engagiert, emanzipiert, selbstbewusst und fit wie ein
Turnschuh kommt Hanne Münch zu Fuß in die durchblick-Redaktion.
Immer in Bewegung ist ihr Motto. Während
des Gesprächs läuft sie im Redaktionsraum
herum, setzt sich rücklings auf den Stuhl,
Kaffee: nein danke. Kein Stillstand. Vorbilder
hat sie nicht. Aber soziale Verantwortung
hat sie aus ihrer beruflich
aktiven Zeit als Krankenschwester
mit in den „Ruhestand“ seit 2005
genommen.
Schon immer verstand sie es,
zwischen Familie, Beruf und Ehrenamt
zu jonglieren und alles
„unter einen Hut“ zu bekommen.
Heute im Ruhestand, als
Ehefrau mit Kindern und
Enkelkindern, „bloß keine
Hunde“, Haus und Garten
müsste sie eigentlich ein ausgefülltes
Leben haben. Aber
Hanne Münch ist ehrenamtlich
unterwegs seit 20 Jahren
und mehr, das heißt: auch neben
ihrem Beruf als Krankenschwester
im Kreiskrankenhaus
Siegen: bei der AWO, bei
der Diakonie im Fliednerheim
als Gottesdienstbetreuerin, bei
der Siegener Tafel und beim
Besuchsdienst in Krankenhäusern
(den Namen „grüne Damen lehnt sie
ab). Dazu kam ihre ehrenamtliche Tätigkeit
1991 in Albanien. Später im Team der medizinischen
Dienste seit 1996 mit Dr. Frank, später mit
56 durchblick Foto/Collage: Gottfried 3/2011 Klör
Dr. Löwendorf und Dr. Eisfeld erst in Brasilien, dann in Ecuador. Vor
Ansteckung hatte sie während ihrer elf erfolgreichen Auslandseinsätze
keine Furcht. So spricht sie auch perfekt Englisch, und um vor Ort zu
Recht zu kommen Portugiesisch und Spanisch. Gern erinnert sie sich
auch an ihren ersten größeren Auslandsaufenthalt in Amerika 1968/69,
wo ihr Mann als Wissenschaftler und sie unentgeltlich in einer Kinderklinik
tätig waren. Eine Würdigung ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit gab
es bisher nicht, dies würde sie auch ablehnen. So legt sie auch großen
Wert darauf, ihre Privatsphäre zu schützen.
Als Motto bezeichnet Hannelore Münch: den Kindern schon möglichst
früh soziales Engagement und da sein für andere vorleben und
weitergeben. Ein Zurücklehnen und Genießen des Ruhestands kann sich
Frau Münch nicht vorstellen. Bewegung ist alles, so wie ihre Hobbys
Schwimmen, Fahrradfahren und Laufen.
Zur Person:
Jahrgang: 1940
Geburtsort: bei Bremerhaven,
seit 1978 ist Siegen ihr Lebensmittelpunkt
Beruf: Krankenschwester, Ausbildung in Göttingen
zur Kinderkrankenschwester, dann zur
OP-Schwester, später für die Intensivstation
qualifiziert
Tessie Reeh
durchblick 3/2011 57
Energie
Wenn alle Brünnlein fließen
Aus Wasser wird Strom – SVB geht neue Wege
Wasserkraftwerk an der Edertalsperre
Foto: Gottfried Klör
Seit einigen Monaten ist es möglich, auch von den
Siegener Versorgungsbetrieben Strom aus regenerativen
Quellen zu beziehen. Der örtliche Nahversorger
springt dabei nicht auf eine, durch den Reaktorunfall
in Fukushima ausgelöste Ökowelle, sein Angebot besteht
bereits seit Dezember des letzten Jahres. Wir wollten Näheres
erfahren und haben die SVB dazu befragt. Peter Weil,
Vertriebsleiter der Versorgungsbetriebe, beantwortete unsere
Fragen.
durchblick: Guten Tag Herr Weil, Ihr altes Kundenzentrum
ist ja eine riesige Baustelle geworden! Investieren
Sie hier bereits die Gewinne aus Ihrer neuen Produktlinie
Ökostrom?
Weil: (lacht) Wenn das mal so schnell ginge... aber Spaß
beiseite. Wir sind als Regionalversorger für Gas, Wasser und
nun auch für Strom, unseren Kunden gegenüber verpflichtet.
durchblick: Was heißt das?
Weil: Das bedeutet, dass unsere Kundinnen und Kunden
hier bei uns eine persönliche Ansprache und gute Beratung
in einem angenehmen Umfeld erfahren sollen. Dafür vergrößern
wir das Servicezentrum. Durch den Umzug der
Verbraucherzentrale in die Siegener Friedrichstraße bot
sich der Umbau regelrecht an.
durchblick: Bevor wir über Ihr neues Angebot Ökostrom
sprechen, sagen Sie uns doch kurz, wer sich hinter
der SVB, den Siegener Versorgungsbetrieben, versteckt.
Weil: Die SVB gehören zu genau 74,9% der Stadt Siegen,
die Rhenag AG hält 24,9% und 0,2% befinden sich im
Besitz der Delbrück Bethmann Maffei AG Frankfurt. Die
Aufsplittung kommt daher, weil die SVB nach der Gebietsreform
in den 70-er Jahren ihr Einzugsgebiet erweitern konnte
und damalige Versorger mit ins Boot nahm. Wenn Sie die
Zahlen also gegeneinander halten, können wir sagen, dass
die SVB sich zum überwiegenden Teil im Besitz der Stadt
Siegen und somit im Besitz ihrer Bürger befindet.
durchblick: Haben Sie den Eindruck, dass Ihren Kunden
bewusst ist, dass sie durch ihre Gemeinde „Miteigentümer“
der städtischen Versorgungsbetriebe sind?
Weil: Doch ja, viele unserer Abnehmer wissen das wohl,
wir merken das ja auch an der erfolgreichen Einführung des
Ökostroms.
durchblick: Haben Sie von der Stadt Siegen ausreichende
Unterstützung bei der Neueinführung Ihres Produktes
Ökostrom erfahren?
Weil: Ja, das kann ich ohne jede Einschränkung sagen!
Von der Verwaltung, wie auch von der Politik sind unsere
Aktivitäten hilfreich begleitet worden. Die Stadt als mehrheitlicher
Anteilseigner hätte ja unsere Aktivitäten im Bereich
Stromversorgung auch verhindern können. Nein, wir
haben große Zustimmung erfahren.
durchblick: Bezieht die Stadt Siegen denn ihren Strom
nun von ihrem eigenen Versorgungsbetrieb?
58 durchblick 3/2011
Energie
Weil: Die Stadt Siegen ist durch bestehende Verträge
gebunden und muss darüber hinaus benötigte Leistungen
europaweit ausschreiben. Da könnten wir mit unserem
Angebot derzeit nicht mithalten. Unabhängig davon wollen
wir zunächst die kleineren Haushalte in unserem Einzugsgebiet,
das mittlerweile den gesamten Kreis Siegen-
Wittgenstein umfasst, bedienen. Wir glauben auch, dass
es für uns besser ist, langsam zu wachsen, so dass wir die
Entwicklung noch selbst steuern können. Wir erfahren ja
in diesen Tagen, dass auch Energieanbieter nicht vor einer
Insolvenz gefeit sind.
durchblick: Was ist das Besondere an dem von Ihnen
angebotenen Ökostrom?
Weil: Wir beziehen unseren Strom derzeit ausschließlich
von dem Laufwasserkraftwerk an der Eder-Talsperre.
„Derzeit“ bedeutet: Wir sind auch auf der Suche bzw. stehen
in Verhandlungen mit anderen Laufwasserkraftwerken.
Die Kapazitäten aus dieser Art Stromerzeugung ist in
unserer Region natürlich begrenzt. Um aber unser Garantieversprechen
auf lieferbaren Ökostrom auch künftig halten
zu können, werden wir gelegentlich Strom aus anderen
Laufwasserkraftwerken zukaufen müssen.
durchblick: Sie sprechen von Laufwasserkraftwerken,
ist Strom aus Wasserkraft nicht immer Ökostrom?
Weil: In gewisser Weise schon. In Laufwasserkraftwerken
werden Generatoren zur Stromerzeugung über eine
Turbine direkt vom Fließwasser angetrieben. In einem
Speicherkraftwerk wird Strom in abnahmeschwachen
Zeiten dazu verwendet. Wasser in einen höher gelegenen
Speicher zu pumpen, der bei erhöhtem Strombedarf abgelassen
wird und dabei über Turbinen den stromerzeugenden
Generator antreibt. Bei solchen Kraftwerken kommt es oft
vor, dass konventionell erzeugter Strom dazu genutzt wird,
den Wasserspeicher zu füllen. Hier wird, wenn Sie so wollen,
Atomstrom zu Ökostrom „veredelt". Das ist aber nicht
das, was wir wollen.
durchblick: Soweit wir informiert sind, befindet sich
das Wasserkraftwerk am Edersee, von dem Sie ja Ihren
Ökostrom beziehen, im Besitz des Atomstromriesen „eon“.
Weil: Das ist richtig. Vergessen Sie dabei aber nicht, dass
„eon“ auch im Bereich der Wasserkraft ein Riese ist. Durch
die Kontrolle der Netzagentur ist gewährleistet, dass die verkaufte
Menge Ökostrom auch ökologisch produziert wird.
Was aus der Steckdose kommt, ist ja einfach nur elektrische
Energie, wichtig ist, wie die Energie hergestellt wird, die ins
Netz kommt! Ich sagte ja schon, dass wir auch mit anderen
Ökostromanbietern im Gespräch sind. Lassen Sie uns noch
etwas Zeit, die Liste unserer Lieferanten wird größer.
durchblick: Da fällt uns der bildhafte Vergleich mit
einem großen See ein, der von verschiedenen Stromerzeugungsarten
gespeist wird. Je mehr Ökostrom nun in diesen
See fließt, je sauberer und umweltfreundlicher ist die Qualität
des Wassers, sprich des Stroms.
Weil: Ja, dem Vergleich kann ich mich anschließen.
durchblick: Warum haben Sie sich eigentlich auf das
heiß umkämpfte Feld der Stromanbieter gewagt?
Weil: Der Wunsch ist von unseren Wasser- und Gaskunden
an uns herangetragen worden. Viele von denen würden
gerne auch ihren Strom über uns beziehen. Hier trägt sicher
unsere schon immer kundenorientierte Geschäftspolitik ihre
Früchte. Bei uns stehen Ihnen Menschen mit Rat und Tat
zu Seite und wir helfen und beraten auch vor Ort, in den
Haushaltungen unserer Kunden.
durchblick: Sind Sie bei Reklamationen auch so kundenfreundlich?
Weil: Selbstverständlich, Sie können Ihre Reklamationen
telefonisch oder selbst in unserer Verwaltungsstelle
loswerden, wir haben kundenfreundliche Öffnungszeiten
und Mitarbeiter kümmern sich persönlich um Ihr Anliegen.
Abgesehen davon, verzichten wir auf Vorauszahlungen und
langfristige Lieferverträge, denn wir wollen zufriedene Partner.
Übrigens: unsere Lieferverträge monatlich kündbar.
durchblick: Ganz neu im Gespräch sind ja dezentrale,
kleine „Kraft-Wärme-Versorgungseinheiten“, wie gut sind
Sie in dem Bereich aufgestellt?
Weil: Gut..., in Kürze geht unser erstes Minikraftwerk in
Betrieb, in diesem Wärme-Stromkraftwerk werden gleich
zwei Energiequellen erschlossen. Wir versorgen damit den
Wohnpark Am Häusling, mit Wärme und Elektrizität. Insgesamt
versorgen wir so 24 Eigentumswohnungen. Der
dort produzierte, aber nicht benötigte Strom geht dann als
Ökostrom ins allgemeine Stromnetz.
durchblick: Kann sich eine Familie mit geringem Einkommen
Ihren Ökostrom überhaupt leisten?
Weil: Ja, selbstverständlich. Wir bieten Ökostrom zu
wettbewerbsfähgen Preisen an. Etliche Anbieter sind mit
ihrem überwiegend aus
fossilen Energieträgern,
also Kohle, Öl und Gas
oder aus Atomkraft erzeugten
Strom teurer.
durchblick: Noch
eine letzte Frage. Wohin
fließen eigentlich Ihre
Gewinne?
Weil: Den weitaus
größten Anteil erhält
die Stadt Siegen. Der
Gewinn kommt somit
wieder der Allgemeinheit
zu Gute. euwe
SVB-Foto
Peter Weil, Vertriebsleiter der
Siegener Versorgungsbetriebe
durchblick 3/2011 59
Interview
„Ich will in der Eisdiele nicht zugeraucht werden.“
Ministerpräsidentin zum Thema Nichtraucherschutzgesetz
Weg wir zur Verbesserung des Gesundheitsschutzes gehen
können. In diesem Bericht werden Lösungen und Handlungsoptionen,
die sich aus der Evaluation des geltenden
Nichtraucherschutzgesetzes ergeben, vorgestellt.
Ministerpräsidentin
Hannelore
Kraft nach
ihrer Rede beim
Jahresempfang
der Siegener
Industrie- und
Handelskammer
Foto: Dr. Horst Bach
NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD)
zur Verbesserung des Nichtraucherschutzgesetzes,
im kurzen Gespräch mit dem durchblick, das bereits
im Januar geführt wurde.
db: Die neue rot-grüne Landesregierung und insbesondere
Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Bündnis90/
Grüne) haben zu Beginn ihrer Amtsübernahme vehement von
einer Verbesserung des derzeit gültigen Nichtraucherschutzgesetzes
gesprochen. Geschehen ist bisher noch nichts.
Hannelore Kraft: Wir haben in der vergangenen Woche
erstmals im Kabinett über die Situation beraten. Fakt ist,
dass das derzeit gültige Gesetz zum Ende des vergangenen
Jahres wie gesetzlich vorgesehen auf seine Umsetzung hin
überprüft worden ist. Der entsprechende Evaluierungsbericht
liegt jetzt vor und wird von der zuständigen Ministerin
im Februar dem Parlament vorgetragen.
db: An welche konkreten Verbesserungen denken Sie? Im
Koalitionsvertrag steht, dass insbesondere die ausufernden
Ausnahmeregelungen kritisch überprüft werden sollen.
Hannelore Kraft: Es gibt zu viele Schlupflöcher, mit
denen in der Gastronomie gegen den Sinn des Gesetzes
verstoßen wird. Es kann zum Beispiel doch nicht sein, dass
die Gäste einer Eisdiele, sowohl Erwachsene wie Kinder,
von Rauchern zugequalmt werden. Das will ich auch nicht.
Hier muss schnellstens Abhilfe geschaffen werden.
db: Welcher Weg führt zum Ziel?
Hannelore Kraft: Auf der Grundlage des Evaluierungsberichtes
werden wir im Ausschuss für Gesundheit, Soziales
und Integration sowie im Plenum diskutieren, welchen
db: Können Sie schon einige dieser Lösungen und
Handlungsoptionen nennen?
Hannelore Kraft: Das Rauchen an sich wird dem Menschen
durch das Gesetz ja nicht generell untersagt, sondern
ihm werden nur Schranken gesetzt. Der gesetzliche Eingriff
in die freie Persönlichkeitsentfaltung von Raucherinnen
und Rauchern ist aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes
gerechtfertigt und notwendig. Die Gefahren
des Passivrauchens werden leider immer noch unterschätzt.
Die vielfältigen Ausnahmeregelungen in der Gastronomie
schaffen Ungerechtigkeiten und Wettbewerbsverzerrungen.
Sie müssen daher weg. Die Akzeptanz eines Gesetzes ist
u.a. auch davon abhängig, dass Verstöße gegen die gesetzlichen
Bestimmungen auch geahndet werden. Zur Zeit
erschweren die Ausnahmeregelungen noch die Arbeit der
Ordnungsämter.
Das Gespräch führte Dr. Horst Bach.
Zur weiteren Information
Die „Sichtweise“ des Ausschuss für Arbeit, Gesundheit,
Soziales und Integration hat dieser übrigens bereits in seiner
Sitzung am 22. 9. 2010 laut Protokoll wie folgt deutlich
gemacht: „Das, was wir im Bereich des aktuellen Nichtraucherschutzgesetzes
heute an Auswüchsen und Wildwuchs
haben, darf auf keinen Fall bestehen bleiben. ...Dass außen
an Türen von Cafés, Eisdielen und Bäckereien ein Raucherklubschild
hängt, wurde von uns vielfältig auch im Ministerium
dokumentiert. Diese Auswüchse an Raucherklubs, die
es mittlerweile gibt, sind auch von dem „Deutscher Hotelund
Gaststättenverband“ (DEHOGA) nicht gewollt gewesen.
Wir haben hier einen Wildwuchs, der in einem ersten
Schritt schnell eingedämmt werden muss, wozu sogar der
DEHOGA beitragen will.“
Gesundheitsministerin Barbara Steffens hat bereits
am 26. August des vergangenen Jahres auf eine Frage im
Hinblick auf den „Wildwuchs“ in Raucherklubs, stets offen
stehende Trenntüren in der Speisegastronomie sowie
zahlreiche rauchgeschwängerte Sport- und Jugendheime
per Brief an den Autor dieses Berichtes geantwortet: „Niemand
darf mit seinem Qualm andere gegen ihren Willen
gefährden. Rücksicht nehmen muss wieder einen anderen
Stellenwert in unserer Gesellschaft bekommen. Dafür
werde ich mich einsetzen.“
Dr. Horst Bach
60 durchblick 3/2011
Nichtraucherschutz
Jedem Tierchen sein Blessierchen
Man schneidert stets neue Gesetze,
sie sind die reinste Bürgerhetze.
Mancher Wirt macht dadurch Pleite,
doch oben sitzen nur Gescheite!
Macht Euch doch nicht in die Hose,
das gibt doch wieder Arbeitslose!
Sogar die Kneipe an der Ecke,
dient dem Nichtraucher zum Zwecke,
dabei geht der dort gar nicht hin,
wo liegt denn da der wahre Sinn?
Die Raucher suchen stets das Weite,
weil man die Nichtraucher befreite.
An jeder Bar, an jedem Ort,
schickt man nun die Raucher fort.
Auch im Flugzeug, in der Bahn,
haben wir den Raucherwahn!
Raucher, Menschen zweiter Klasse,
bittet kräftig man zur Kasse.
Sie dürfen hohe Steuern zahlen,
für die auferlegten Qualen!
Der Raucher ist ein armer Hund,
er lebt gefährlich – ungesund.
Nichtraucher mit dickem Bauch,
stellt Euch vor, die sterben auch!
Ich find es ziemlich übertrieben,
drum hab ich das Gedicht geschrieben!
Helga Düringer
Einschulung vor 65 Jahren
Cäcilienschüler feierten frohes Wiedersehen
Gruppenbild vor der St.-Josephs-Kirche: Der Entlassjahrgang 1954 der Klafelder
Cäcilienschule
Mit einem festlichen Gottesdienst in der St.-Josephs-
Kirche feierten jetzt 17 ehemalige Schülerinnen und
Schüler der Klafelder Cäcilienschule ein frohes Wiedersehen.
Sie alle gehörten dem Einschulungsjahrgang 1946
an, mussten also vor nunmehr 65 Jahren als „i-Dötzchen“
vor ihren ersten Klassenlehrerin, dem jungen „Frollein“
Pawlizek, antreten. Später übernahm dann Junglehrer
Kunibert Schneider die Klasse, der diese im Jahre 1954
denn auch „geistig gut vorbereitet ins Leben entließ“,
wie die beiden Organisatoren Karlfried
Diehl und Edeltraud Hanke
einmütig betonten.
An den späteren Rektor der Weidenauer
Jung-Stilling-Schule sowie
die bereits verstorbenen Klassenkameraden
erinnerte denn auch Pfarrer
Karl-Hans Köhle bei seiner Predigt
in eindrucksvollen Worten.
Es war noch die harte und entbehrungsreiche
Nachkriegszeit mit
Quäkerspeise und kalten Klassenräumen,
die erst durch die von den
Kindern mitgebrachten Briketts
und Holzscheite angemessen aufgewärmt
wurden. Auch Lederranzen
gab es noch nicht zu kaufen, vielmehr
trugen die meisten Kinder ihre
Schulutensilien in Papptornistern
aus zusammengepresstem Altpapier
und Kartonagen auf dem Rücken.
Diese Behelfsranzen wiesen natürlich
bei starken Regengüssen schnell
Auflösungserscheinungen auf. Geschäftsmann Wilhelm
Bender in der Weidenauer Herrenfeldstraße bot damals
u.a. solche Papptornister feil.
Bei der Nachfeier im benachbarten Kolpinghaus wurde
noch so manche Anekdote aus gemeinsamen Schülertagen
zum Besten gegeben. Sieben Jahre lang hatte man
sich zuletzt nicht mehr gesehen, jetzt wurde das nächste
Klassentreffen für das Jahr 2013 vereinbart.
Dr. Horst Bach
Foto:Horst Bach
durchblick 3/2011 61
Sejjerlänner Doffelnsglease
Rezepduer
foar 8 Lie
6 kg Doffeln
dofa
2 kg gekocht
4 kg gerewe
2 Äjjdodder
1 kg Zwebbeln
300 g dearrer Schbäck
Salz on Päffer
Zutaten:
für 8 Personen
„Werbung“ hennerem fa os
of äjene Kosde
6 kg Kartoffeln
davon
2 kg. gekocht und
4 kg gerieben.
2 Eidotter
1 kg Zwiebeln und
300 gr: gräuchert. Speck
Salz und Pfeffer
En „Freudenberg-Oberhäuslingen“ ka m'r em
Gasthuss „Althaus“ de „Sejjerlänner Gleassjer“ of
dä Karde fenne, wo m'r wat ze ässe on ze drenke beschdälln
ka. Fa mondachs bes donnersdachs kocht
de „Chefin“, det Hoffmanns Ursula, de „Sejjerlänner
Doffelnsglease“ sälwer. Foar dat „Traditionelle
Ässe“ mosse sech awer emmer foarher acht Lie
amäln onner dä Nommer: 02734 / 1880.
Foto:Gottfried Klör
62 durchblick 3/2011
Siegerländer Kartoffelklößchen
Die Herstellung:
Es wurden mit Vorliebe dicke Kartoffeln
geschält, da sich diese besser
auf der Kartoffelreibe reiben ließen.
Das Geriebene wurde in einer großen
Schüssel aufgefangen und in einen eigens
dafür angefertigten Leinensack
geschüttet. Um die Masse möglichst
trocken zu bekommen, wurde der
Sack ausgewrungen.
Die übrig gebliebene Flüssigkeit
wurde dann in einem Gefäß ca. 2–3
Tage stehen gelassen, da sich nach
dieser Zeit auf dem Boden des Gefäßes
die so genannte Kartoffelstärke
absetzte. Diese wurde auf einen Teller
ausgebreitet und zum Trocknen
in die Nähe des Ofens gestellt. (Die
Kartoffelstärke war hervorragend geeignet,
um Stehkragen, Manschetten
des Sonntagshemdes und alle weiteren
kleine Wäscheteile zu stärken).
Die fast trockene Kartoffelmasse
wurde dann mit den am Vortag
übriggebliebenen Salzkartoffeln im
Verhältnis 1:3 entsprechend unter
Zugabe von Salz, Pfeffer und 2 Eigelb
zu Brei verarbeitet. Aus diesem
wurden kleine Klößchen von 1,5 – 2
cm geformt.
Auf dem Herd befand sich zwischenzeitlich
ein großer Topf mit
Wasser, Salz wurde dem zugegeben,
zum Kochen gebracht, und die vorgefertigten
Klößchen mit Hilfe eines
Schaumlöffels in das siedende Wasser
gegeben. Es durften aber nicht
zu viele reingegeben werden, da die
Wahrscheinlichkeit bestand, dass diese
dann zusammenklebten.
Gar waren die Klößchen, wenn sie
vom Topfboden nach oben aufgestiegen
waren. Im Anschluss wurden sie
zum Abtropfen auf einen Durchschlag
gegeben. (Die Kloßbrühe wurde am
nächsten Tag durch Beigabe von
Graupen, Reis oder auch Kartoffeln
mit den entsprechenden Gewürzzugaben
zu einer hervorragenden Suppe
verarbeitet).
Zwischenzeitlich befand sich die
schmiedeeiserne Bratpfanne, in der
Schweineschmalz, kleine magere
Speckwürfel und klein geschnittene
Zwiebeln hineingegeben wurde,
auf dem Herd. Nachdem die Pfanne
entsprechend erhitzt und der Speck
mit den Zwiebeln ausgelassen war,
wurden die vorbereiteten Klößchen
in der Pfanne gebraten, bis diese
goldgelb und kross waren.
Das Ritual des Klöße essen:
Im Regelfall saßen zu früheren
Zeiten zwei bis drei Generationen
am Mittagstisch. Die fertig gebratenen
Kartoffelklößchen wurden
dann mit der Pfanne auf den Küchentisch
gestellt. Es kamen keine
Teller auf den Tisch, sondern es erhielt
jeder eine Gabel, sei es Opa,
Oma, Papa, Mama und/oder Kinder,
und alle aßen direkt aus der Pfanne.
Die besten Klößchen waren die,
die mit Speck und Zwiebeln kross
angebraten waren, sie wurden von
jedem am liebsten gegessen. Man
nahm einen Kloß in den Mund,
nahm den zweiten auf die Gabel und
der dritte, der noch in der Pfanne
lag, wurde schon ins Auge gefasst.
Opa oder Vater achteten darauf, dass
beim Zugreifen immer der Mund
leer war.
Im Regelfall blieben keine Klöße
übrig.
Nach dem Essen war es üblich,
dass Opa und Vater aus einem Sejjerlänner
Glonk (Siegerländer
Krug) echten Oechelhäuser oder
klaren Schnaps zu sich nahmen.
Oma und Mutter tranken meistens
Lindes oder Kathreiner Kaffee. Die
Kinder bekamen Milch oder Zitronenlimonade,
wenn es die finanzielle
Lage zuließ, die Limo wurde in
einer Gleckerwasserfläsche (Kugelflasche)
gereicht.
Siegerländer Klößchen wurden
am liebsten im Herbst, nach der Kartoffelernte,
gegessen.
Werner Müller-Späth
Übersetzungen ins Siegerländer Platt: Gerda Greis
durchblick 3/2011 63
Der Halbmond auch über dem Siegerland
Muslime auf urchristlichem Boden
Zunächst wäre es vielleicht
gut, nach der Bedeutung
des Christentums für
uns zu selbst fragen: Inwieweit
werden wir wirklich
noch von dieser, unserer
Religion getragen und bestimmt?
Inwieweit können
wir noch christlich-abendländische
Tradition für uns
beanspruchen?
Religion
Doch beginnen wir mit
einem Zitat eines muslimischen
Islam-Wissenschaftlers
zu den Anfängen
des Islams: „Neue
Forschungsergebnisse zur
Entstehungszeit des Islam
enthüllen, dass Khadijah,
die erste Frau des Propheten
Mohammed, eine Christin
war und dass sie vom
Propheten als Christin anerkannt
wurde. 1) In dem
selben Aufsatz steht: Mit
Moschee in Kreuztal
ihr war Mohammed dreißig
Jahre in einer Einehe bis zu ihrem Tod verbunden. Der Prophet
liebte und verehrte sie sehr und verglich sie als einzige
Frau mit der Jungfrau Maria, indem er ihr den Namen
die Reine verlieh. Des Weiteren erfahren wir aus anderer
Quelle, dass Khadijah ihn ermunterte, aufs Neue zu der
Höhle zu gehen, wo er seine Offenbarungen vom Engel
Gottes erhielt, die später im Koran niedergeschrieben wurden.
2) Diese kurzen Andeutungen mögen genügen, um über
das Feindbild „Islam“ in
der Vorstellung mancher
christlicher Abendländer
etwas nachzudenken.
Kehren wir nach Europa
zurück. Das Wissen
der großen christlichen
Kirchenlehrer und Philosophen
gründete damals
überwiegend auf
den philosophischen
Erkenntnissen der alten
Griechen (vergl. die
umfassenden Veröffentlichungen
von Prof. Dr.
Josef Pieper ). Ihre
Schriften wurden von
islamischen Wissenschaftlern
gesammelt,
ins Arabische und anschließend
von christlichen
Mönchen ins Lateinische
übersetzt und
so dem Abendland erst
zugänglich gemacht.
Oder nehmen wir die
Gedichte unserer Minnesänger, auf die wir zu Recht stolz
sind. Man nimmt an, dass die Vorbilder für diese Dichtkunst
in Persien und Arabien liegen. 3)
Natürlich waren wir Europäer dankbar für den Kaffee,
und auch Abnehmer der Gewürze aus dem zum Teil islamischen
Orient, für die man allerdings früher sehr viel
zahlen musste (4 Gramm Gold für 1 Gramm Pfeffer; nach
Foto: Gottfried Klör
64 durchblick 3/2011
Religion
Prof. Dr. Kurt Tauchmann, Köln). Aus vielen dieser fernöstlichen
Kostbarkeiten stellten später unsere christlichen
Klosterbrüder Medizin her.
Gehen wir in die neuere Zeit: Der Preußenkönig Friedrich
Wilhelm der I. (Regent von 1713 - 1740) ließ für seine
türkischen Soldaten muslimischen Glaubens zum Dank für
ihre Hilfe eine Moschee in Berlin erbauen. 4)
Man mag nun einwenden, wie passen in dieses positive
Bild von Geben und Nehmen die Eroberungskriege der
Araber und auch die der Europäer, z.B. in den Kreuzzügen?
Die neusten Forschungen ergeben: Es waren in der Regel
hauptsächlich sehr grausame Machtkriege, bei denen man
die Eigeninteressen mit dem Anliegen der Religion verschleierte,
was allerdings schon zur damaligen Zeit nicht
alle erkannten. Jedoch muss man zur Beurteilung wissen,
dass seinerzeit oft christliche Soldaten auf beiden Seiten
gegeneinander gekämpft haben. 5)
Das christliche Abendland sähe ohne den Einfluss des
Islam anders aus. Man sollte daher davon absehen, diese
beiden Religionen gegeneinander auszuspielen, was nach
dem eben Angedeuteten wenig sinnvoll ist.
Neben den Gemeinsamkeiten gibt es auch beträchtliche
Unterschiede. Es wäre für keine der beiden Religionen förderlich,
sie zu verschweigen. Doch für die Werte des Anderen
sollte man offen sein, sie respektieren und damit tolerieren.
Empfinden wir uns gleichsam als unterschiedliche
Geschwister einer großen Familie der Gläubigen, die von
beiden Seiten lernbereit, behutsam aufeinanderzugehen.
Nur auf diese Weise kann ein gegenseitig befruchtendes,
wenn auch durchaus kritisches Nebeneinander bestehen.
Sind damit die Schwierigkeiten der Muslime und
Christen aus dem Wege geräumt? Auf keinen Fall. Die
Gläubigen verschiedener Religionen stammen oft aus verschiedenen
Kulturkreisen mit all ihren Eigenarten. Nehmen
wir nur als Beispiel das Rollenverhältnis zwischen Mann
und Frau: Bei den Vertretern beider Religionen rund um das
Mittelmeer herrschen andere Regeln als bei uns. Oder ein
zusätzliches Beispiel aus einem erzkonservativ islamischen
Gebiet, dem der Minangkabau auf Sumatra. Dort herrscht
strenges Matriarchat.
Als Kind haben wir noch die nicht ganz richtige Übersetzung
des Engelschores zur Weihnachtszeit nach Lukas
kennen gelernt: „Friede den Menschen auf Erden, die guten
Willens sind.“
Möge im Laufe der Zeit dieser Frieden all denen zu Teil
werden, die guten Willens sind.
Otto Abt
1) (Aus einer Abhandlung von Dr. Luthfi Assyaukanie; ems 1/2008, Seite 14; ISSN 1863-3064). 2) (Nach
Annemarie Schimmel: Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen: Der Islam; Patmos-Verlag, 1998, Seite 34;
ISBN 3-491-72359-0). 3) (Vergl. Gabriele Crespi: Die Araber in Europa, Belser Verlag Stuttgart, 1992; ISBN
3-7630-1743-7 Seite 306-313). 4) Siehe Internet unter „Preußen und Islam“; Vortrag von Volker Tschapke;
Seite 4. 5) (Vergl.: Franco Cardini „Europa und der Islam - Geschichte eines Mißverständisses“ C.H. Beck,
München, 2000, ISBN 3-406-51096-5 Seite 22 und Sigrid Hunke: „Allah ist ganz anders- Enthüllung von
1001 Vorurteilen über die Araber“ Horizonte Verlag ISBN 3-926116-25-0 ; dritte Auflage 1991, Seite 37)
6) Schreibweise nach Annemarie Schimmel; wörtlich übersetzt: „So Gott will“. 7) Aus: Otto Abt: Schon
schimmert Licht-Gedichte, Göttert-Verlag Diepenau ISBN 3-929793-95-4; S.71
Tieneke Parartini Abt
Begegnung auf Java
von Otto Abt
Kleine Hütte am Reisfeld.
Das Wasser gluckert und plätschert.
Die Schatten der Halme spielen mit ihm.
Hühner scharren gackernd im Hof.
Mit mühsamem Schritte zieh ich
in der Hitze vorbei.
Eine Frau lächelt scheu,
bittet mich zu sich zum Tee.
Ängstlicher Gruß der Kinder.
Drinnen im dämmrigen Licht
liegt geduldig der todkranke Mann.
Zwei größere Töchter mühen sich
auf den Feldern des Nachbarn.
Quälende Armut.
Die Bäuerin lächelt mich an:
Gott bestimmt unseren Weg.
Sein Wille geschehe: Inschallah! 6)
Botschaft vom Himmel für mich
der sucht seinen Weg?
Kleine Hütte am Reisfeld.
Das Wasser gluckert und plätschert.
Die Schatten der Halme spielen mit ihm.
Hühner scharren gackernd im Hof. 7)
durchblick 3/2011 65
Erinnerung
Schön war die Zeit – in der „Eintracht“
Platz der großen Feste
Wenn Schnee lag, vergnügten sich
die Kinder mit Schlittenfahrten
Dort, wo
heute die
Siegerlandhalle
steht, befand
sich ein großer,
romantischer
Stadtpark, der
sich „Eintracht“
nannte. Umgeben
von einem hohen,
schmiedeeisernen
Zaun und
herrschaftlichen
Portalen, lud er
die Bürger zum
Flanieren, Feiern,
Entspannen und
Erholen ein.
Die Eintracht war mit ihrem dichten Baumbestand, vor
allem Kastanienbäumen, die grüne Lunge des Stadtteils
„Hammerhütte“. Es gab reichlich Bänke, einen Löschteich
und sogar einen Spielplatz für die Kleinsten mit Schaukeln,
Karussell und Sandkasten. Auch größere Kinder konnten
sich dort austoben, denn in einer notdürftigen Baracke war
ein Kinderhort untergebracht.
So bot die Eintracht für alle Platz, von den Kindern bis
zu den Senioren. Zu der Zeit besuchte ich die Hammerhütter
Schule an der Koblenzer Straße und nach den Schulaufgaben
trafen sich die Schüler in der Eintracht.
Autorenfoto
Meine Großmutter saß oft auf einer der Bänke und
handarbeitete. Ab und zu lief ich zu ihr, um zu erzählen,
wie hoch ich schon schaukeln konnte. Manchmal gab sie
mir fünf Pfennige, wofür ich mir im gegenüberliegenden
kleinen Laden Negergeld kaufte. Das war für mich der absolute
Höhepunkt des Tages!
Ja, schön war die Zeit, obwohl es in den umliegenden
Straßen noch viele Kriegsruinen gab, und der Aufbau nur
schleppend voranging. Der Krieg war überstanden, man
hatte nicht viel, und trotzdem schienen die Menschen, meiner
Erinnerung nach, zufriedener als heute.
Sie freuten sich auf großartige Schützenfeste, die auch
in der Eintracht gefeiert wurden. Wenn der Vogel auf dem
Oberen Schloss geschossen war, der Schützenzug sich durch
die Stadt in Bewegung setzte und der Hofstaat Einzug hielt,
stürmten hunderte begeisterte Menschen die geschmückten
Straßen. Nachdem der Zug mit Pauken und Trompeten die
Eintracht erreicht hatte, spielte dort eine Kapelle auf. Auf der
kleinen hölzernen Tanzfläche gab es bald schon Gedränge.
Dort wurde gefeiert bis in die Nacht, manchmal auch bis zum
frühen Morgen!
Die Menschen hatten den Bunker, der auch in der Eintracht
lag, für einige Stunden vergessen, wollten nach vorne
schauen und endlich mal wieder fröhlich sein!
Auch im Winter hatte die Eintracht ihren besonderen Reiz.
Wenn Schnee lag, vergnügten sich die Kinder mit Schlittenfahrten
vom steilen Hang des hinteren Rosterberges hinab
in Richtung Koblenzer Straße. Unermüdlich zog man den
Schlitten immer wieder den Berg hinauf, um sich erneut auf
die Abfahrt zu freuen. Auch
manche Schneeballschlacht
wurde ausgetragen und auf
dem zugefrorenen Löschteich
konnte sogar auf
Schlittschuhen geübt
werden.Abends fiel man
danach hundemüde ins Bett.
Ja, schön war die Zeit in der
Eintracht!
Schon bald, das
Wirtschaftswunder war in
vollem Gange, wurde im
Jahre 1961 die „Siegerlandhalle“
erbaut. Dadurch
musste dieser historische
Stadtpark größtenteils
weichen, schade!
Ich denke voller Wehmut
an diese Zeit zurück.
Helga Düringer
66 durchblick 3/2011
Aus dem Siegerland
Oldies von Oldies
Jazzsession der Senioren
Foto: Hartmut Reeh
Seit 37 Jahren treffen sich einmal jährlich Siegerländer Jazzmusiker, um es noch mal richtig krachen zu lassen.
Organisator und Ansprechpartner: der „Benjamin“ der fidelen Truppe, Günther Hamich, links im Bild, mit Bass
Seit 37 Jahren treffen sich am Abend vor Himmelfahrt
alte Siegerländer Musiker, diesmal im „Kesselchen“
in Trupbach, um ihrem Hobby zu frönen:
dem Jazz, Swing und Dixieland. Die Truppe kennt sich seit
Jahrzehnten, und wenn die „Mitglieder“ auch in die Jahre
gekommen sind, die heiße Liebe zu schrägen Rhythmen
ist geblieben. Die Musiker sind meist Freizeitmusiker und
haben in den verschiedensten Gruppen und Bands in und
um Siegen gespielt.
Höhepunkte waren Auftritte im legendären Siegerländer
Jazz-Club der 50er und 60er Jahre. Legende ist etwa Benno
Dietrich als Schlagzeuger. Einige der flotten Senioren
sind heute noch in verschiedenen Formationen auf Tour.
Beliebt sind seit Jahren ihre Sonntagnachmittagskonzerte
im Siegener Schlossgarten oder die Auftritte der Herdorfer
„Dixie-Friends“. Organisiert wird das Treffen von Günther
Hamich, Benno Dietrich (beide Bass bzw. Schlagzeug) und
Hermann Pamp (Keyboard). Das jährliche Treffen bietet
genug Stoff für den Gedankenaustausch und für die Rückschau.
Henry Heidecke etwa durfte sogar einmal im Orchester
Hugo Strasser mitspielen.
Die Freizeitmusiker sind heute im Alter zwischen 50
und 85 und freuen sich auf „Nachwuchs“, um die alte Riege
aufzufrischen.
Am Abend vor Himmelfahrt wurde noch einmal richtig
improvisiert: Viele brachten ihr Instrument mit: Bass, Akkordeon,
Posaune, Gitarre, Banjo, Saxophon, und legten
Foto: Hartmut Reeh
los. Sichtlich lebten die Oldies beim Klang von Jazz und
Dixieland auf. Der 85-jährige Otto Helsper etwa ließ es
noch einmal „rocken“ und seine Begeisterung steckte sofort
alle Zuhörer an. Mit seinem Banjo und weiteren Instrumenten
tingelt er noch gelegentlich durchs Siegerland.
Peter Beel, der Mann mit dem Susaphon (dem riesigen
Blasinstrument der amerikanischen Marschmusik) war
diesmal nicht dabei. Vielleicht nächstes Jahr wieder, beim
Jour Fixe der alten Jazzer.
Tessie Reeh
Der 85-jährige Otto Helsper spielt wie eh und je Gitarre,
Banjo und andere Instrumente; bei öffentlichen Auftritten
seiner Band ist er immer dabei.
durchblick 3/2011 67
Aktivität
„Lieber kaputt, als sich selbst befuddeln“
Udo Siebel im „Alleingang“ von Görlitz nach Aachen
Udo allein im Wald. So lautete vierzig Tage lang
das Lebens- und Überlebensmotto von Udo Siebel.
Dann war es geschafft: Der 70-jähriger Rentner
aus Salchendorf bei Deuz hatte die 1.050 Kilometer
auf dem „Wanderweg der Deutschen Einheit“ von Görlitz
nach Aachen völlig
alleine bewältigt.
Der durchblick hat
den rüstigen Senior
besucht.
Die Laufschuhe
sind dem ehemaligen
Techniker gleichsam
mit in die Wiege gelegt
worden. Udo
Siebel ist ein echter
„Düzzer“, erst vor
zwei Jahren ist er
ins benachbarte Salchendorf
umgezogen.
Schon von Kindesbeinen
an wollte
er nur eins: Laufen,
laufen, laufen. So
weit die Füße tragen.
Als er Ostern
1947 in die Deuzer
Volksschule
bei Rektor Julius
Schenk eingeschult
wurde, hörte der kleine Udo gerne den Wandererzählungen
des Lehrer aus dem Riesengebirge zu. „Der Mann hat mir
die Lust zum Waldlauf vermittelt“, erinnert sich Udo Siebel
rückblickend. Später bekam er den jungen Pädagogen
Willi Schene zum Klassenlehrer, und dieser Fußballenthusiast
und Vorsitzende des TuS Deuz wollte doch partout
das angehende „Laufwunder“ zum Spiel mit dem runden
Leder animieren: „Du bist ein talentierter Fußballspieler“,
mit diesen Worten lockte der „Herr Lehrer“ und spätere
Rektor Willi Schene seinen Schüler dann tatsächlich als
Knabenspieler (so hießen damals die heutigen C-Junioren)
zum TuS Deuz.
Trotz vierzigjähriger Vereinstreue jagte Udo Siebel
nur selten dem runden Leder nach. Vielmehr setzte er seinen
ganzen sportlichen Ehrgeiz für seine Spezialdisziplin
„Waldlauf“ ein. Heute würde man Udo Siebel als einen ausgezeichneten
„Crossläufer“ bezeichnen. Denn Auszeichnungen
sammelte der junge Deuzer am Fließband:
Im Jahre 1964 wurde er Westdeutscher Meister im Langlauf
der „Flachlandklasse“, wie man auf einer Urkunde
nachlesen kann. Mehrmals gewann Udo Siebel in den fünfziger
und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts
zudem Waldlauf- Kreismeisterschaften für seinen Heimatverein
TuS Deuz.
Später betrieb er
dann seinen Lieblingssport
bei der
neugegründeten
Skigilde des SGV,
dem er seit seinem
16. Lebensjahr angehört,
und wo er
sowohl auf Skiern
als auch ohne
Bretter die Wälder
in nah und fern
„durchforstete“.
Udo Siebel mit Wanderschuhen vor dem Willkommenstransparent seiner
Salchendorfer Nachbarn.
Doch sein
größtes Erfolgserlebnis
hatte Udo
Siebel sich ausgerechnet
für seinen
70. Geburtstag am
Dienstag nach Ostern,
dem 26. April
2011, aufgespart.
Da machte sich
der agile Salchendorfer
nämlich per pedes auf den 1.050 Kilometer langen
„Wanderweg der Deutschen Einheit“, der von Görlitz an
der polnischen Grenze bis in die alte Kaiserstadt Aachen
führt. Bereits am Ostersonntag war Udo Siebel mit Gattin
Ingrid im Opel Corsa aus dem Johannland nach Görlitz
gereist, um von dort zwei Tage später zur vierzigtägigen
Wanderung quer durch Deutschland aufzubrechen. Am 10.
Juni nahm ihn seine Frau am Ortseingangsschild der Domstadt
wieder wohlbehalten in Empfang. Geschafft!
Für Udo Siebel war ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen.
„Die Idee hatte ich schon lange,“ berichtet Udo
Siebel gut erholt beim durchblick-Besuch in seiner Salchendorfer
Wohnung Am Hewig 24. Die Hausbewohner
haben ihn hier mit einem großen Transparent begrüßt und
beglückwünscht. „Auslöser der großen Wanderung war für
mich ein Schild im Sauerland ,Wanderweg der Deutschen
Einheit – von Görlitz bis Aachen'. Das hat mich regelrecht
fasziniert.“
68 durchblick 3/2011
Foto: Dr. Horst Bach
Aktivität
Ein Jahr Vorbereitungszeit war vonnöten. Udo Siebel
hat die lange Wegstrecke durch 12 deutsche Mittelgebirge,
die ansonsten nur in kleinen und größeren Gruppen
angegangen wird, ganz allein zurückgelegt. Mit einem 11
kg schweren Rucksack auf dem Rücken, einem einzigen
Paar robuster Wanderschuhe und einem Paar Hausschuhe
für den Aufenthalt in den am Wege liegenden Pensionen.
Die Suche nach geeigneten Unterkünften wurde von der
Heimat aus durch Sohn Axel (43) gemanagt. Der tauchte
übrigens völlig unverhofft am Ende der Reise als willkommener
Begleiter seines Vaters zu einer Tageswanderung im
Bergischen Land auf. „Mein Sohn war nach dem einen Tag
völlig platt und hatte wegen des zügigen Tempos Krämpfe
in den Beinen“, verrät Udo Siebel. Er selbst hat die insgesamt
40 Tagesetappen mit jeweils 25 bis 30 km Länge
„einigermaßen problemlos“ bewältigt. Gleichwohl gesteht
er im echten Siegerländer Tonfall ein: „An manchem Abend
war ich oft knitterkaputt.“
Gewandert wurde immer von Sonntag bis Freitag. Am
Samstag hatte Udo Siebel jeweils einen „Hausarbeitstag“
eingelegt mit Reinigung der Kleidung und Provianteinkäufen
für die nächste Woche. Immer dabei: die Wasserflasche,
die unterwegs ständig aufgefüllt wurde, nicht selten aus recht
„unübersichtlichen“ Quellen. Ans Aufgeben hat Udo Siebel
nur einmal gedacht, als im Thüringer Wald dichtes Schneegestöber
die Wanderwege unkenntlich machte. „Ansonsten
waren die Wege gut ausgeschildert, besonders am Rennsteig
und im Sauerland“, erzählte Udo Siebel. „Das ist wirklich
einmalig! Nur die schier endlosen Fichtenwälder am Rennsteig
waren manchmal unheimlich. Stundenlang im Wald,
ohne einem Menschen zu begegnen, nur mit Kompass und
Wanderkarte, da ist man froh, wenn man nach Stunden einmal
einem Förster begegnet.“ Nur einmal hat sich Udo Siebel
verirrt, ist plötzlich in der Tschechei gelandet.
Großes Lob zollt der Siegerländer den Bewohnern der
ehemaligen DDR ob ihrer großen Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft.
Besichtigungen der Schönheiten und Sehenswürdigkeiten
am Rande der Wanderwege war für den Langstreckenmann
tabu, denn: „Das war keine Urlaubsreise,
sondern eine harte sportliche Tour und Tortur für mich
selbst, die mich viel Überwindungskraft und Selbstdisziplin
kostete.“ Angebote, besonders schwere Wegstrecken
mit Taxi oder Bus zurückzulegen, lehnte Udo Siebel mit
Siegerländer Sturheit ab: „Ich will mich doch nicht selbst
befuddeln.“ Dann lieber am Abend „knitterkaputt“ ins Bett.
Udo Siebel – ein in der Tat wahres und wandelndes Vorbild
für Generationen.
Erst am Schluss des Gesprächs erwähnte er übrigens seine
vor fünf Jahren überstandene Krebserkrankung. Umso
mehr erfreut ihn und seine Familie die „frohe Botschaft“
am Ende von 1.050 Wanderkilometern quer durch Deutschland:
„The winner is – Udo Siebel“. Dr. Horst Bach
durchblick 3/2011 69
Unterhaltung
Venus von Weißenberg
zieht die Füße vom Gas
In früheren Zeiten, als zum Beispiel Pferdefuhrwerke
die Szene auf den Straßen beherrschten, war das Wort
„Tempolimit” noch völlig unbekannt. Erst als das Automobil
mehr und mehr Einzug hielt, befasste man sich zum
Schutz der Verkehrsteilnehmer mit Grenzwerten für die
Geschwindigkeit von Fahrzeugen. Inzwischen gehört die
Einhaltung dieser Grenzwerte zur Vermeidung von Strafen
zu den alltäglichen Bemühungen. Wohl beinahe jeder, der
regelmäßig das Steuer eines Autos bedient, ist nämlich von
der Kamera in einem Starenkasten oder von einer Polizeistreife
schon einmal bei einer Übertretung der zulässigen
Höchstgeschwindigkeit erwischt worden.
Die meisten der auf frischer
Tat ertappten Sünder
zahlen verärgert, aber klaglos,
die fällige Strafe, andere
sind so sehr zur Weißglut
gebracht und geraten dermaßen
außer sich, dass sie
in Leserbriefen so oder so
ähnlich ihren Zorn äußern:
„Ich habe nur aus Versehen
einmal ganz kurz mit dem
Fuß etwas zu kräftig aufs
Gas getreten, und schon haben
mich die Wegelagerer
geblitzt. Dabei fahre ich gewöhnlich
immer innerhalb
der zulässigen Grenzen.
Außerdem war es an einer
Stelle, die völlig ungefährlich
ist. Die 20 € Bußgeld
dienen doch nur zur Füllung
des Stadtsäckels.”
Viele Gemeinden vertrauen
freilich schon lange
nicht mehr nur auf das Geblitze,
sondern haben zur
Senkung der Durchfahrtsgeschwindigkeit
andere
Maßnahmen ergriffen. Da werden mitten auf der Fahrbahn
Blumenbeete mit hohen Randsteinen eingerichtet, mit
Pollern und Barrieren wird die Fahrbahn eingeengt, Straßenschikanen
in der Höhe und in der Breite zwingen zum
Langsamfahren, auch wird der Bau winziger Kreisverkehre
ungefähr alle hundert Meter immer beliebter.
Als ich jüngst mit einer in etlichen Autos untergebrachten
Wandergruppe zum Startpunkt einer Rothaarsteig-
Etappe unterwegs war, entdeckte ich beim Passieren von
Weißenberg – sozusagen als Ei des Kolumbus – die Lösung,
die alle beschriebenen Maßnahmen zur Reduzierung der
Geschwindigkeit völlig überflüssig macht und zur Nachahmung
nur empfohlen werden kann.
Weißenberg ist ein zur Gemeinde Liebenscheid gehörendes
schönes Westerwalddorf. In vielen Wanderführern
wird der Ort und sein die Kompassnadel beeinflussender
Ketzerstein erwähnt, doch in keinem wird bislang die attraktivste
Sehenswürdigkeit auch nur mit einer einzigen
Silbe genannt. Direkt an der Durchgangsstraße hat nämlich
ein offensichtlich betuchter Mitbürger eine goldfarbene
Statue in seinem Garten
aufgestellt. Diese würde sicherlich
kaum einem Motorisierten
auffallen, wenn
es sich nicht um einen
weiblichen Körper ohne
jegliches Kleidungsstück
handelte.
Beim Anblick der lebensgroßen
Figur mit ihren
schwellenden Formen öffneten
sich bei unseren Fahrern
die Pupillen ganz weit,
die Köpfe wendeten sich
mehr und mehr, damit einhergehend
gingen automatisch
die Füße von den Gaspedalen.
Auch die Blicke
der Mitfahrenden richteten
sich nach entsprechenden
Fingerzeigen (…Ooohhh!
Guckt! Guckt doch mal!...)
hin zum Kunstwerk. Und
weil das Standbild – wenn
man aus Richtung Rabenscheid
kommt – kurz hinter
dem Ortseingang platziert
ist, könnte diese Lage vielleicht
der Hintergrund für
die Aufstellung sein. Um ja kein Detail zu übersehen, überschreitet
seither im Westerwalddorf Weißenberg kein Autound
Motorradfahrer mehr die vorgeschriebene Geschwindigkeit
– im Gegenteil: Alle fahren so langsam, dass die
einheimischen Treckerlenker nur noch in verkehrsarmen
Tageszeiten schnell auf ihre Äcker und Wiesen kommen.
Wir werden gespannt beobachten, ob die Weißenberger
Venus künftig auch für andere Orte beispielgebend
sein wird.
Ulli Weber
70 durchblick 3/2011
Angemerkt
Briefe schreiben , in der heutigen Zeit … wer macht
das denn noch ? E-Mail, SMS und Co.laufen ihm
den Rang ab.
Wie war das doch früher so schön, auf den Briefträger
zu warten und den ersehnten Liebesbrief des Liebsten
dann eeeeeeeeeendlich in Händen zu halten. Den immer
und immer wieder lesen zu können, ihn dann mit einem
rosaroten Bändchen versehen, zu den anderen zu packen,
um ihn dann noch mal und noch mal zu lesen.
Nichts gegen den heutigen Fortschritt von E-Mail, SMS
und Co. Ich nutze ihn sehr gerne und oft, denn es ist ein
guter Fortschritt der „kurzen Wege“, beruflich und so.
Ich meine mehr, dass was ein „richtiger Brief“, von
Hand geschrieben, so transportieren kann. Was so alles
mitschwingt, das schafft die modernste Kommunikation
nicht wirklich.
Ich erlebe es immer wieder, dass der handgeschriebene
Brief so viel Freude bereiten kann. Da sind die erfreulichen
Briefe zum Geburtstag, zur Geburt, zur Taufe oder der Gruß
zum Trauerfall, gehört ganz besonders dazu. Auch der Gruß
mal so zwischendurch wird gerne gelesen. „Ich denke gerade
an Dich und schicke ein paar liebe Grüße über alle
Berge.“ Das ist doch Nahrung pur für die Seele.
Schreib mal wieder
von Inge Krause
Klar, nicht jedem ist die Gabe des Briefschreibens
gegeben. Das muss auch nicht zwingend so sein, doch
wer sie hat, die Gabe, der möge nicht damit geizen, denn
manche „vertrocknete Wüste“ lechzt nach ein paar lieben,
von Hand geschriebenen Worten. Es ist wie Überleben
in der Wüste.
Und es muss ja auch nicht gleich ein „ganzer“ Brief sein.
Es reicht auch mal ein Kärtchen völlig aus. Und Karten,
davor möchte ich hier auch warnen, denn wer einmal in den
Sog des Kartenkaufens geraten ist, ist eventuell rettungslos
verloren.
So ist es mir vor Jahren ergangen. Ich kann heute kaum
an einem Kartenständer vorübergehen, ohne wieder eine
neue, schöne Karte zu entdecken.
Selbst im Urlaub, wenn ich wieder mal einem Kartenständer
verfallen bin, sagt mein Mann. „Nicht schon wieder
Karten!“. Doch er lässt mich dann ganz im Rausch des Kartenkaufens
verweilen. Dafür dank ich ihm sehr. Er schaut
derweilen nach anderen Urlaubs-Erinnerungen.
Seien Sie ermutigt, es wieder mal zu tun. Schreib mal
wieder(!), der Mitmensch freut sich – wetten?!
Inge Krause
Ex
von Horst Feger
Am Anfang war der „Ex-Kanzler“, dann u. a. der
„Ex-Schalker“ und nun der „Ex-Mann“, die
„Ex-Frau“ oder – noch schlichter und schlimmer
– mein oder meine, sein oder seine, ihr oder ihre
„Ex“. Wenn die Studenten schon ehedem ihr Bier „auf
ex“ tranken, so gaben sie sich gebildet und wussten vermutlich,
was das kleine lateinische Wörtchen bedeutete;
zumindest war ihnen klar, dass man es tunlichst
nicht auf lebende Personen anwenden sollte, pflegt es
doch eine fatale Verwandtschaft zum „Exitus“ aus der
Fachsprache der Mediziner zu besitzen.
Der mit der Mode gehende Sprecher und Schreiber
weiß vielleicht nicht immer, was er dem „Ex-Freund“
oder der „Ex-Freundin“ nicht nur sprachlich antut; jedenfalls
versetzt er sie absichtlich oder fahrlässig in
das Reich der nicht mehr wirklich Existierenden, denen
die Lebensberechtigung entzogen wird, wenn die Liebe
abhandengekommen ist.
Jedoch am schlimmsten unter den Ehemaligen hat es
„den Ex“ oder „die Ex“ getroffen, denn mit ihm oder ihr
wird schon in Gedanken und dann in Worten und häufig
auch in Taten ganz kurzer Prozess gemacht.
Sollte man nicht diese Menschen vernichtende
Kurzwortstrategie aus dem Sprachgebrauch voll und
ganz extrahieren? •
durchblick 3/2011 71
Aus dem Siegerland
Birlenbacher Elegie
Portrait einer Straße
Es ist die Straße, in der ich lebe, präziser ausgedrückt,
in der ich wohne, denn mein Leben spielt sich überwiegend
außerhalb ab. Warum immer nur Prachtstraßen
Tribut zollen, ich versuche es einmal mit einer, die keinerlei
ästhetische Reize, kein Flair vorzuweisen hat. Sie zieht
sich wie ein breites, trostloses Band, von Geiweid durch den
gleichnamigen Ort, letzterer am Birlenbach gelegen, der munter
in die Ferndorf plätschert, bis nach Langenholdinghausen.
Birlenbach, ein im Norden von Siegen gelegener Stadtteil,
wird 1461 zum ersten Mal in den Chroniken erwähnt.
Er erstreckt sich von Geisweid bis Langenholdinghausen,
eingebettet in eine
hügelige, waldreiche
Landschaft. Seine bis
heute berühmteste
Persönlichkeit war der
Kugelstoßer Heinfried
Birlenbach. Ein internationales
Renommee
genießen eine Flanschenfabrik
und der
Holzhandel. Die im
Geisweider Teil der
Birlenbacher Straße
gelegene Firma Pickhan
erwarb sich Bekanntheit,
sicher nur
für Eingeweihte, unter
anderem dadurch, dass
sie viele Skulpturen aus Blech und Stahl für Richard Serra, einen
der berühmtesten noch lebenden amerikanischen Bildhauer,
anfertigte.
Birlenbach ist keineswegs ausschließlich ein hässlicher
Ort, mein Blick ist nur getrübt durch den Stempel, den die
Straße mir aufdrückt. Warum erschrecken uns hässliche
Dörfer mehr als hässliche Städte? Vielleicht, weil wir in
ihnen noch das vormoderne Idyll suchen, was wir von den
Metropolen niemals erwarten. Die Zeit steht nirgends still,
wo sie errichtet, vernichtet sie auch.
Diese meine Straße, durch mein Schlüsselloch gesehen,
durch das ich auch auf die Welt schaue, hat kein Gesicht,
nichts, was die Seele streichelt. Ich bin nicht angekommen,
aber ich bleibe. Der Tag umfasst hier mehr Nichtsein als Sein.
Alles Häuser in der 2. Reihe, hier und da ein dekoratives Versatzstück,
vom Verfall bedrohte Altkleider-Container.
Seit 10 Jahren ist die Straße mir zum Schicksal geworden,
von dem Moment an, in dem ich mich nicht mehr im
Besitz eines Autos befand. Die Verkehrsanbindung ist mangelhaft,
ich nehme die Straße unter meine Füße, bei Wind
und Wetter, kenne die Beschaffenheit des Bodens auf jedem
Quadratmeter. Sie ist wie eine Zeitschleife, ihre Eintönigkeit
und Unaufgeregtheit hängen schwer an meinen Füßen.
Die Gedanken verarmen, die Lebenskurve kriecht, zeigt die
Brüchigkeit unserer Existenz, ohne Ziel, ohne Belohnung.
Der lange Weg nach Haus. Er ist zu meinem genetischen
Code geworden, ich muss meine Zustandsbeschreibung
neu denken. Der Fahrtwind der großen Laster fächelt durch
mein Haar, das Auge sucht Halt in dieser Steinwüste.
Wenn ich die steile Auffahrt zum Anwesen meines Vermieters
hinabsteige, das Haus liegt, vornehm zurückversetzt,
auf einer kleinen Anhöhe,
fällt mein Blick als erstes
auf die Anzeigetafel einer
Tankstelle, hier verändert
sich wenigstens oft etwas,
wenn auch die Benzinpreise
mich nicht sonderlich
tangieren. Dann stoße
ich auf eine Reklametafel,
auf der die angepriesenen
Produkte in langen Abständen
wechseln. Fußgänger
begegnen mir selten. Ein
recht schwergewichtiger
Türke, der verzweifelt versucht,
seine Leibesfülle
hinter dem Lenkrad seines
Autos unterzubringen, sagt
oft: „Du immer laufen, viel laufen, warum?“ Ich bin die Ikone
der Straße, nichts, worauf man sich etwas einbilden könnte.
Am Anfang der Birlenbacher Straße steht als „Wahrzeichen“
McDonald's. Ein Badeinrichter mit dem vielversprechenden
Firmennamen Schnell und Co. schließt sich an.
Zwei Imbissstuben, Ersatz für eine Szenekneipe, machen
sich gegenseitig Konkurrenz. Es gibt den Getränkeshop mit
dem originellen Namen „Dursty“. Das Technologie-Zentrum
liegt auf einer Anhöhe, und das TZ-Restaurant bemüht sich
mit häufigen Ü-30-Partys und einmal im Monat begleitet die
Dinierenden ein Klavierspieler auf dem Flügel: Wunschkonzert.
Als das Nonplusultra wäre das Casino zu erwähnen,
welches seit etwa zwei Jahren existiert. Orchideen, hin und
wieder hinter den Fenstern, dürften als Ausdruck höchster
Vornehmheit gelten. Der Gebrauchtwagenhändler hat jetzt
einen Elektrozaun um sein Grundstück errichtet, sicher ein
Zeichen dafür, dass es doch nicht so friedlich hier zugeht, wie
ich dachte. Um Mitternacht, wenn die Umgrenzungen verschwinden,
ihnen ihre Schärfe genommen wird, wirkt alles
anheimelnder. Es gibt einen PC-Profi, und mit dem „Gourmet-Tempel“
Aldi schließt sich der Kreis. Danach verläuft
Foto: Gottfried Klör
72 durchblick 3/2011
Aus dem Siegerland
die Straße zunächst einmal im Nirgendwo. Die Einöde wird
hier und da unterbrochen durch angedeutete Vorgärten, in
denen Rosen Duft zu verströmen scheinen, aus denen Hortensiensträucher
grüßen, in denen Ringelblumen sich kräuseln
oder tief lila und weiße Fuchsschwänze sich gegenseitig
zunicken. Vereinzelte Bäume, einige angeordnet wie in einer
Choreografie, wiegen ihr Laubwerk im Wind.
Ich bewerte mit meinen Gedankenspielen nicht die
Menschen, die hier wohnen, Fassaden trügen oft, denn
hin und wieder spielt man hinter einem geöffneten Fenster
Klaviermusik von Chopin. Ein wunderschönes Blumenbeet
erinnert an den Zaubergarten, den Max Liebermann sich um
seine Villa am Wannsee anlegen ließ, und den wir nachempfunden
auf dem Dach eines Bonner Museums genießen
durften. Einen Hauch von Exotik verbreitet das Krächzen
eines Papageis, der einem meiner Mitmieter gehört.
Meine Wohnung ist mir heilig. Wie lange diese Straße,
die wie ein Kahlschlag durch meine Seelenlandschaft geht,
vielleicht Metapher für trostlose Phasen im Leben eines
jeden Menschen, für mich noch schicksalsträchtig sein
wird, weiß ich nicht. Das eigene Dasein unterscheidet sich
nicht wesentlich vom Kreisen der Motte ums Licht. Erst im
Älterwerden spürt man, dass das Leben nicht selbstverständlich
ist.
Erika Krumm
Gesellschaft
Vom ZIVI zum BUFDI?
Das Angebot des durchblick lautet seit 25 Jahren
„…nicht nur für Senioren“. Wer sind die heutigen
Senioren? Jedenfalls sind sie aktiver und mobiler
denn je, im Vergleich mit der vorigen Generation haben
sie eine um annähernd 10 Jahre längere Lebenserwartung.
Älteren Menschen im Jahr 2011 bieten sich völlig neue
Chancen für ein sinnerfülltes Leben, aber auch Herausforderungen,
die einen wörtlich genommenen „Ruhestand“
kaum zulassen. Denn eine moderne Bürgergesellschaft ist
ohne das ehrenamtliche Engagement ihrer Bürger und Bürgerinnen
heute nicht mehr denkbar. Dabei ist der Beitrag
der älteren Generation von wachsender Bedeutung und in
vielen Bereichen auch nicht mehr wegzudenken.
Glücklicherweise sind Menschen in Deutschland nach
Beendigung ihrer Berufstätigkeit immer häufiger daran interessiert,
Verantwortung für andere zu übernehmen: Umfragen
zufolge derzeit 37%. Vielfach stellt sich jedoch die
Frage nach den Möglichkeiten und Formen eines ehrenamtlichen
Einsatzes älterer Menschen. Zwar wendet sich das
am 1. Juli 2011 in Kraft getretene Bundesfreiwilligengesetz
ausdrücklich an alle Generationen, aber es erreicht die Älteren
nur unzureichend. Außerdem ist es für Menschen in
der nachberuflichen Phase nicht leicht, die mit dem Gesetz
verbundenen Bedingungen und Verpflichtungen zu akzeptieren.
Unklar ist auch, wo Bewerbungen möglich sind, welche
Qualifikationen vorausgesetzt werden und wie es um
Fortbildung und Begleitung bei ihrer Tätigkeit bestellt ist.
Das neu geschaffene Bundesfreiwilligengesetz, auch bekannt
unter der Bezeichnung „BUFDI“ ersetzt den bisherigen
Zivildienst für Wehrpflichtige, aber nicht jeder Dienst der bisher
von jungen „ZIVIS“ ausgeübt wurde, ist auch für ältere
Menschen geeignet. Deshalb muss es darum gehen, die Lebenserfahrungen
und das Einfühlungsvermögen der Älteren
mit den Angeboten anzusprechen. Gleichzeitig ist darauf zu
achten, dass dieser neue Dienst die bisher ehrenamtlich geleistete
Arbeit nicht gefährdet.
Erich Kerkhoff
(Der Autor ist Mitglied der verbandsübergreifenden Fachkommission „Freiwilliges
Engagement und gesellschaftliche Teilhabe“)
durchblick 3/2011 73
7.30
Uhr
Sie saß
am Küchentisch.
Die
Sonne lugte
vorsichtig zum
Fenster herein.
Der Kaffee hatte
gut geschmeckt und
die Lebensgeister etwas
geweckt. Sie hatte
ein Marmeladenbrot
gegessen und sich vorgenommen,
doch den Zahnarzt
nochmal aufzusuchen, das Gebiss
passte einfach nicht. Wenn
sie auf einer Seite kaute, lösten
sich die Zähne auf der anderen Seite
etwas. Ob sich das noch lohnt, sagte
sie wieder laut, für Ernst hätte ich
ein schönes Gebiss haben wollen,
aber für das bisschen Kauen… Die
Zeitung lag vor ihr, der politische
Teil interessierte sie nicht mehr. Seit
vielen Jahren ging sie nicht mehr
wählen, die Politiker waren doch
alle Verbrecher, und nichts war
wirklich besser geworden. Sie überflog
noch den Lokalteil. Die Sparkasse
sollte abgerissen werden, und
da sollte dann ein Einkaufszentrum
entstehen. Sie hatte noch erlebt, als
damals das Feuerwehrhaus abgerissen
wurde, damit die Sparkasse gebaut
werden konnte. Ich werde wohl
langsam los müssen, sonst schaffe
ich es nicht bis Mittag, dachte sie
mit Blick auf die Uhr.
Geschichte
von Doris Wimmi Bieber
9.30 Uhr
Es war noch morgenkühl als sie
losging. Den Stock nahm sie nicht mit,
morgens ging es immer besser mit dem
Laufen. Vielleicht treffe ich ja die Greta,
dachte sie, dann könnten wir beim
Back-Shop noch einen Kaffee trinken.
Greta war nicht da, und die wenigen Lebensmittel
hatte sie dann gekauft. Obwohl
sie gerne nochmal ein Schnitzel gegessen
hätte, nahm sie die frische Bratwurst,
wegen der Zähne. Blumenkohl gab
es schon in Röschen geschnitten
und geputzt, eine kleine
Portion, extra für Singles
und dann fand
sie auch noch geschälte
Kartoffel
im
Glas.
12.30 Uhr
Sie hatte gegessen und gespült, die
Küche in Ordnung gebracht. Der Müll
lohnte sich noch nicht. Eigentlich
hatte sie nicht viel zu tun. Damals,
als der Ernst noch da war, gab
es immer was, der war auch
im Haushalt so unbeholfen
gewesen, aber den Kaffee,
den hatte er immer gemacht.
Seit einiger Zeit
kam auch zweimal in
der Woche eine Putzfrau,
ihre Tochter
bestand darauf.
Inge rief an. „Mutti, ich habe d
aber weißt du, am Wochenende, da
und ich, wir sehen uns doch so we
gefragt, ob ich mit ihm auf diese
mitfahre. Ich komme dann näch
de, ist doch nicht so schlimm,
sie ohne einmal Luft zu holen.
so, Kind, es ist alles gut“, sagte
es dir wirklich gut, Mama, son
me ich natürlich doch“, fra
noch. „Nein, nein, du muss
deinem Mann fahren, ja da
bis nächstes Wochenende“
sagte sie. „Tschüs Mutti!“
„Tschüs Kind!“ Ein
kurzes Gespräch,
aber Inge war
auch immer in
Eile.
D
sahen. Sie saß im Sessel u
Kasse kann ich ja sagen, sie s
6.30
Uhr
Die Vögel,
zwitscherten schon
länger und sie war davon aufgewacht. Sie wollte die Augen
noch nicht öffnen, warum mussten diese Tiere nur so früh
schon lärmen, sie schlief doch so schlecht. Erst mal die Brille, dachte
sie, alles sah verschwommen aus. Langsam nahm sie das Zimmer wahr,
die Decke, die Lampe. Sie lag auf dem Rücken wie ein Käfer, die Gelenk
schmerzten. Sie reckte und streckte sich ein bisschen, war wie eingerostet
Knöchel und Knie taten weh, wenn sie ruhig lag, die anderen Gelenke, wen
bewegte. Als der Ernst noch da war, gab es einen Grund, morgens aufzustehen.
mit Stöhnen setzte sie sich auf die Bettkante. O weh, hoffentlich schaffe ich es
zur Toilette, sagte sie laut zu sich selbst.
14.00 Uhr
ich doch nicht geweckt,
s klappt nicht. Rainer
nig und er hat mich
Messe nach Köln
stes Wochenenoder?“,
sagte
„ Mach das
sie. „Geht
st komgte
sie
t mit
nn
,
15.30 Uhr
Irgendwas muss ich aber heute noch
machen, ich roste ja noch total ein,
dachte sie. Luise rief noch an und
erzählte von ihrer neuen Bekanntschaft.
Ein netter älterer Herr und
er fährt noch Auto und bei schönem
Wetter wollten sie mal rausfahren.
Sie hatte ihn im Park
kennengelernt. Sie ging ins
Schlafzimmer und öffnete den
Kleiderschrank, die meisten
Sachen von Ernst hingen
oder lagen noch da. Sie holte
sich einen blauen Müllsack
und machte ihn voll.
Inge kann ihn am Wochenende
mitnehmen.
Sie dachte an Ernst,
wie sie sich kennengelernt
hatten, es
war eine gute Ehe
gewesen. Und Inge
war ein fröhliches
Kind, sie
hatten sich gut
verstanden, es
Kasse liegengelassen
und Tage später hatte er
noch da gehangen.
Die Verkäuferin war
freundlich und machte
ihr einen schönen
Strauß für 20 Euro.
Sie gab ihr noch
ein Tütchen Blumenfrisch,
damit
sollten die
gab nicht oft
Streit.
Blumen länger
halten.
16.30
Uhr
Der blaue Müllsack stand
im Flur. Es war früh genug,
und sie würde sich noch eine
Freude machen. Sie zog
die Jacke über und nahm
den Stock. Sie wollte sich
den schönen Blumenstrauß
kaufen, den sie am Morgen
gesehen hatte. Jetzt, wo Inge
nicht kam… und sie war doch
so fleißig gewesen. In ihrem
Portemonnaie waren noch 40
Euro, der Blumenladen war
gleich um die Ecke. Nachmittags
taten die Knie so weh,
mit dem Stock fühlte sie sich
sicherer, obwohl er auch
hinderlich war. Manchmal
hatte sie ihn auch an der
18.30
Uhr
D e r
Strauß stand im
Wohnzimmer auf
dem runden Tisch
mit der Häkeldecke.
Sie legte das Kirschkernsäckchen,
das immer auf dem
Schrank parat lag, in die Mikrowelle,
um es dann mit ins Wohnzimmer
zu nehmen und auf ihre Knie
zu legen. Inge hatte ihr die Mikrowelle
zu Weihnachten geschenkt, eine praktische
Sache. Vor dem Abendessen legte sie noch ein
wenig die Beine hoch, machte den Fernseher an
und schaltete den Ton aus.
Die Wärme auf den Knien tat ihr gut, und der Blumenstrauß
erinnerte sie an Paul.
Warum sie gerade jetzt an Paul dachte? Er hatte ihr oft
Blumen geschenkt, die er bei seiner Tante im Garten einfach gepflückt
hatte. Damals hatten sie sich heimlich getroffen, abends hatte er mit
seinem alten Fahrrad am Wald hinter den Büschen gewartet und sie waren dann lachend
zum Fluss gefahren. Sie auf der Stange. Paul war immer lustig und oft hatte er den Arm um ihre
Schultern gelegt und gesagt: „Du hast die schönsten Augen die ich je gesehen habe. Wenn du die jetzt sehen
könntest, wie die strahlen.“ Dann hatten sie noch eine Zigarette geraucht, bevor sie wieder nach Hause musste.
ie Mutter war damals gegen Paul, er sei nicht der Richtige. Sein Vater sei ein Hallodri. Sie tat alles, damit sie sich nicht mehr
nd dachte an Paul. Den hätte ich gerne zum Mann gehabt, dachte sie. Und morgen hole ich mir Zigaretten, der Frau an der
eien für meine Tochter.
e
. Die
n sie sie
Langsam und
noch rechtzeitig
Die Tochter fand die Mutter am Samstagmorgen. Inge hatte
sich mit Rainer gestritten und dann trotzig zu ihm gesagt: „Dann fahre ich eben zu meiner
Mutter!“ „Dann fahr doch“, hatte er sie angeschrien.
Der Fernseher lief, und die Mutter lag friedlich mit einem Lächeln im Gesicht im Sessel.
Der Arzt stellte später Herzstillstand fest. Die Todeszeit wäre ungefähr Mittwochabend oder
Donnerstagmorgen gewesen. •
Foto/Collage: Gottfried Klör
Letztes Beisammensein......, Abschied für immer
Er stand etwas breitbeinig auf der alten Bank, auf der
schon die Urgroßmutter sich an heißen Tagen im
Schatten des Kastanienbaumes frische Luft zugefächelt
hatte, hielt sich an den spitzen Stelzen des Bretterzaunes
fest und plapperte freundlich den vorbeigehenden
Männern etwas zu. Ihre Sprache verstand er nicht, er war
vier Jahre alt, und wenn er danach gefragt wurde, warum
wohl immer, bog er den Daumen in die Hohlhand und zeigte
stolz vier Finger. Die Männer waren blass, abgemagert, die
farblosen Jacken hingen schlaff an ihren gesenkten Schultern
herunter, die Hosen schlackerten um ihre stelzigen Beine,
die Füße steckten in abgewetzten Schuhen.
Sie redeten leise miteinander, die Sprache verstand er
nicht, deswegen redete er auch mit ihnen in einer Sprache,
die ihm gerade einfiel, die auch sie nicht verstanden, aber
er wollte doch wenigstens auf sich aufmerksam machen
und ihnen zeigen, dass er auch etwas zu sagen und Interesse
an ihnen hatte. Aber sie blieben ungerührt, reagierten
nicht, blieben stumm, nahmen keine Notiz von ihm. Wenige
blickten zu ihm herüber, sie konnten nicht lächeln,
ihr Blick war stumm, die Augen waren tief und leer, ohne
Glanz. Sie gingen einfach vorüber, einem Ziel zu, wie jeden
Tag, immer zur gleichen Zeit, mit der gleichen Stumpfheit,
Erinnerung
… er ist gefallen,
wir müssen ihn doch aufheben.
Autorenfoto
Niedergeschlagenheit, die er durch sein Geplapper auch
nicht durchbrechen konnte
Und dann waren da noch einige Männer in ordentlicher
Kleidung, mit strengem Blick, einer Mütze und einem Ledergürtel
um den sich vorwölbenden Bauch, mit glänzend
gewichsten schwarzen Schuhen. Sie gingen am Rande. Die
blassen Mageren hatten offensichtlich vor den Dicken mit
den sengenden Augen Angst und hielten sich möglichst entfernt
von ihnen. Und schon war der Pulk vorbei, wie immer,
wie jeden Mittag, wie immer, bei Regen, bei Sonnenschein.
Er ging vorbei, wie ein Geisterschwarm, schwoll an und
nahm schnell wieder ab. Immer stand er auf der Bank, redete
freundlich mit ihnen, jedenfalls sollte sein Geplapper
sich freundlich anhören, aber niemand antwortete, niemand
lächelte zurück. Konnten die Männer das nicht mehr? Es
ging alles schnell vorbei, wie ein Geisterschwarm, schwoll
an und auch schnell wieder ab, nichts ist gewesen. Nach
einiger Zeit kam der Pulk zurück, ging in die andere Richtung,
aber unverändert, abgestumpft, hohlwangig, stumm,
mit tiefliegenden Augen, die ihre Umgebung nicht wahrnahmen,
an jedem Tag, bei jedem Wetter, denn auch da sah
er`s durch die beschlagenen Fensterscheiben.
Er hatte gesehen, dass am Ende der Straße ein großes
Haus gebaut worden war, aus hellem Holz, er hatte die
vielen Bretter, die dicken Balken gesehen, die Menschen,
die hämmerten und sägten, die herumschrieen und in ständiger
Unruhe waren. Das riesige Haus war schnell fertig,
stand da, hell, wie eine Burg, was es ja in Wirklichkeit
war, eine Kaserne für die polnischen Zwangsarbeiter, die
streng bewacht unter ständiger Aufsicht und Kontrolle zur
Arbeit getrieben wurden und selbst in der kurzen Freizeit
am Abend oder an den Wochenenden in ihrem Holzhaus
eingesperrt blieben.
Niemand wusste, wo und wie sie her kamen, wo ihr
Zuhause war, wie ihre Frauen ohne sie lebten, ihre Kinder
nach ihnen riefen und doch ohne Nachricht blieben. Er
wollte aber doch nur freundlich zu ihnen sein, mit ihnen
reden, sie fragen, warum ihre Gesichter so traurig aussahen,
warum sie nicht einmal wenigstens lächeln konnten,
sie ihm nicht antworteten, wo er doch so herzlich zu ihnen
sprach und so gerne mehr über sie wissen wollte. Aber
nein. Sie gingen stumm mit nach vorne gebeugtem Kopf
müde an ihm vorbei und wussten nicht, ob sie am morgigen
Tage überhaupt noch einmal zu ihrer Arbeitsstelle, zu ihrer
Schlafstelle gehen würden. Sie kannten sicher noch nicht
einmal den Namen des Ortes ihrer Verschleppung.
Und dann war irgendwann noch der Tag, an dem die
beiden Männer mit den Hüten und den langen grauen Mänteln
kamen. Er, kurze Hosen mit Latz, Söckchen, Seppel-
76 durchblick 3/2011
Erinnerung
hut mit Feder, stand natürlich
wieder auf der zerschlissenen
Bank und wartete auf die geisterhaften,
fast stummen Männer.
Die beiden Männer mit den
langen Mänteln zögerten etwas,
nahmen aus der Aktentasche
einen Zettel, lasen ihn und nickten.
Dann kamen sie auf unser
Haus zu, gingen an ihm vorbei,
ohne ihn zu beachten. Sie
waren groß, dünn, auch blass,
schienen müde, die Gesichter
sagten nichts, die Backenknochen
traten deutlich hervor. Die
beiden rochen nach Zigaretten.
Sie klopften an die Haustüre,
die Großmutter öffnete,
und nach wenigen Worten, die
er nicht verstand, gingen sie
zusammen ins Haus. Sollte er
hinterhergehen? Neugierig war
er schon, was sie wohl wollten?
Er entschloss sich, zu warten
und auf dem Hof zu spielen. Es
dauerte lange. Nichts tat sich. Dann ging die Tür auf. Sie
kamen. Die Großmutter begleitete sie zum Gartentor. Die
blassen Männer hatten keinen Blick für ihn. Großmutter
sah traurig aus, er dachte, sie sei verheult, wollte aber nicht
fragen, sie nicht ansprechen. Bis sie zu ihm kam, ihn in die
Arme nahm, ihn drückte, aber immer noch stumm blieb.
Ein Vibrieren in ihr spürte er. Im Wohnzimmer redete niemand,
alle drückten ihn, aber niemand sagte etwas. Was soll
das? Irgendetwas Furchtbares muss passiert sein, er konnte
sich aber nichts vorstellen.
In den Tagen danach wurde in dem Hause wenig geredet,
aber alle gingen nett und freundlich miteinander um.
Irgendwann, wenig später, kam dann das Wort auf „er ist
gefallen“.Was das zu bedeuten hatte, war ihm nicht klar,
Foto: wikipedia.de
Ewige Ruhe. Soldatenfriedhof Witebsk in Weißrussland
aber es musste etwas Schlimmes sein. Immer öfter hörte
er diesen Satz, er spürte, irgendetwas musste mit seinem
„Vati“ geschehen sein. Immer, wenn die Rede auf seinen
geliebten „Vati“, den er eigentlich sehr selten gesehen hatte,
aber wenn er dann einmal zu Hause war, hatte er immer
schön mit ihm gespielt und hatte immer Zeit für ihn. Und
jetzt ist er „gefallen“.
Da kam ihm wenige Tage später der richtige Gedanke,
der eigentlich naheliegend war. Warum kommt denn
niemand darauf? „ Mutti, Mutti“ rief er, – er hatte immer
„Mutti“ und „Vati“ gesagt –, „komm schnell, wir müssen
gehen und Vati aufheben, er ist doch gefallen“. Sie brach in
hemmungsloses Weinen aus....
Dr. Wolfgang Bauch
durchblick 3/2011 77
Gedächtnistraining
Logische Folgen
Wie geht es weiter?
1. DD9-FF8-........
2. 19-22-20-23-......
3. 6-3-X-8-4-W-.......
Sie trainieren: Logisches Denken,
Wahrnehmung, Denkflexibilität
Deutschebundesländer
Kennen Sie alle 16 Bundesländer?
Wie heißen ihre Hauptstädte?
Sie trainieren: Allgemeinwissen,
Wahrnehmung, Langzeitgedächtnis
Konzentriertes Lesen,
lesen Sie rückwärts, ein Gedicht von:
MihcaoJ ztanlegniR
thcidegrebmetpeS
fpuZ rid nie nehcklöW sua med ssiewnekloW,
sad hcrud ned neginnos lemmiH tetierhcs.
dnU ekcümhcs ned tuH, red hcid tetielgeb,
tim menie nenürg sieR.
ekcetsreV hcid luaf ni eid ellüF red resärG,
s`liew tutlhow, s`liew tmmorf.
dnU tsib ud nie resälbakinomrahdnuM,
dnu tsah du enie ieb rid, nnad leips, saw rid
tmmok.
dnU ssal enied neidoleM neknel
nov med nenebegegierf fpuzegnekolW.
ssigreV hcid. sE llos nied nekneD
thcin retiew nehcier sla nie fpuhrefpühsarG.
Lustiges Rätsel
1. Wer ist der höflichste Fisch?
2. Wer ist der klebrigste Vogel?
3. Wer ist ein schwerhöriger Vogel?
4. Welche Eidechse kann nicht sehen?
Sie trainieren: Denkflexibilität
Herbstkette
Bilden Sie eine Wortkette mit Hilfe von Begriffen,
die zum Thema „Herbst“ passen. Lassen
Sie dabei jedes Folgewort mit dem Buchstaben
des vorangegangenen Wortes beginnen.
Wie lang wird Ihre Kette?
Beispiel: Laub – Bratapfel – Laterne ...
Sie trainieren: Wortfindung, assoziatives Denken
78 durchblick 3/2011
Lösungen auf Seite 98
Kennen Sie das Gegenteil?
z. B.: rund – eckig
dick_________________________
spät_________________________
objektiv______________________
fortschrittlich_________________
schreien _____________________
füllen________________________
loben________________________
Armut_______________________
Riese________________________
Ordnung_____________________
Sie trainieren: Wortfindung,
Konzentration, assoziatives Denken
Kofferpacken
Sie sind von einer Europareise zurückgekehrt
und haben einen Koffer voller
Souvenirs im Gepäck. Prägen Sie sich
ein, was Sie von wo mitgebracht haben.
1. aus Frankreich einen rosa Eiffelturm
2. aus England eine Krone
3. aus Italien eine Tüte Nudeln
4. aus Dänemark ein Knäckebrot
5. aus der Schweiz einen Wanderstock
6. aus Belgien Pralinen
7. aus Spanien einen Strohhut
8. aus Weißrussland Handschuhe
9. aus Polen eine CD mit Polkamusik
10. aus Kroatien eine Flasche Wein
Decken Sie nun die 10 Souvenirs ab und
schreiben Sie sie aus Ihrem Gedächtnis
auf. Schwieriger wird es, wenn Sie erst
einen Moment warten und z. B. erst eine
andere Aufgabe lösen.
Sie trainieren: Merkfähigkeit, Konzentration
Die Übungen wurden
zusammengestellt von:
Gedächtnistrainerin
Anja Freundt
Mitglied im Bundesverband
für Gedächtnistraining
Am Witschert 26 a
57072 Siegen
0271-317082
durchblick 3/2011 79
Essay
Hallo ICH, wer bist Du?
Gedanken über die rätselhafte Existenz meines ICH
Zu Risiken und Nebenwirkungen...
Bevor Sie diesen Beitrag lesen, sollten Sie wissen,
dass er zu einer möglichen Verwirrtheit führen
kann, denn er beschäftigt sich mit der Frage, wer
Sie denn eigentlich sind. Ja Sie, der Sie sich, wie alle Menschen,
als ein ICH verstehen. Und, werden Sie fragen, was
ist daran so irritierend? Eigentlich nichts, nur, dass es Sie,
als ein ICH verstanden, wissenschaftlich gesehen, gar nicht
gibt. Ja, Sie haben
richtig gelesen.
Laut moderner
Hirnforschung
gibt es keine Stelle
im Gehirn oder
sonst einen Ort in
unserem Körper,
wo das ICH zu
Hause und zu finden
ist.
Unser ICH,
so die Aussagen
der Hirnforscher,
hat keine aus
sich selbst heraus
unabhängige,
eigene Existenz
und ist „nur“ ein
substanzloses,
geistig-körperliches
Konstrukt.
Wir erfinden
(konstruieren)
uns sozusagen
tagtäglich immer
wieder selbst. 1)
Und obwohl wir
uns als ein ICH
täglich erfahren
und damit ohne Zweifel existent sind, ist unser ICH, trotz
modernster wissenschaftlicher Methoden, nicht nachweisbar.
Weder mithilfe einer Computertomografie (CT), einer
Magnetresonanztomografie (MRT) noch einer Positronenemissionstomografie
(PET) oder anderer nuklearmedizinischer
Verfahren, die selbst kleinste Teilchen im Körper
ausfindig machen: Nirgendwo ein ICH zu finden.
Wo also steckt unser ICH? Sollte unser ICH nur eine
aus der Evolution hervorgegangene, allein dem Überleben
nützliche, raffinierte Vorspiegelung von etwas sein, das es
in Wirklichkeit gar nicht gibt? Unterliegen wir, Sie und ich,
hier einer großen Selbsttäuschung? Ist unser ICH nur ein
trügerisches Scheinbild, das Ergebnis reiner illusionär-hartnäckiger
Gedankenvorstellungen, ein zufälliges, blindes
Zusammenspiel von Nervenzellen in unserem Gehirn und
damit wissenschaftlich nicht nachweisbar? Wenn das so ist,
warum um alles in der Welt, nehmen wir uns dann so wichtig?
Dabei kommt mir der Gedanke, dass viele Menschen in
unserer heutigen Zeit so etwas wie „wissenschaftsgläubig“
geworden sind. Sie glauben zwar nicht mehr an das, was
Theologen oder
auch Philosophen
zu sagen haben,
sondern für sie
sind nur Aussagen
der Wissenschaften
über ihre
Erkenntnisse, so
etwas wie das
„Amen in der Kirche“.
Um an etwas
zu „glauben»
muss für sie alles
wissenschaftlich
erklärbar und begründbar
sein,
verifizierbar oder
auch falsifizierbar.
Hier stellt
sich mir die Frage,
wie sieht es
bei diesen Menschen
mit ihrem
Glauben an ihr
ICH aus, wenn es
die Wissenschaftler,
wie hier die
Neurologen und
Biologen, doch
substanziell nicht nachweisen können? Müssen diese Menschen
demzufolge nicht auch an der Existenz ihres eigenen
ICH zweifeln und ihr ICH, also sich selbst, für eine Illusion
halten, obwohl es sie existenziell gibt?
Deshalb, bevor Sie anfangen zu lesen: Zu Risiken und
Nebenwirkungen fragen Sie.......ja wen eigentlich? Arzt
und Apotheker helfen hier vermutlich auch nicht weiter und
welche Fakultät könnte hier weiterhelfen, die Psychologie,
die Neurologie, die Biologie, die Philosophie oder gar die
Theologie? Oder alle zusammen? Schaun wir mal und versuchen,
dem Geheimnis ICH ein klein wenig auf die Spur
Fotocollage: Gottfried Klör
80 durchblick 3/2011
Essay
zu kommen, denn in dem Augenblick, in dem ich diese
Zeilen schreibe, laufen immerhin 6.977.824.900 Menschen
auf dieser Erde mit einem ICH herum.
Das Ich-Denkmal des Künstlers Hans Traxler steht im
Frankfurter Grüngürtel und zählt zum Genre der Komischen
Kunst. Unter dem Kontext „Jeder Mensch ist
einzigartig“ wird der Besucher animiert, den Sockel zu
besteigen und sich fotografieren zu lassen.
Mein ICH: unbestimmt und unauffindbar?
Die Erkenntnis darüber, dass unser ICH nur ein zerbrechliches,
psychologisch/biochemisches Konstrukt ist,
das aus sich selbst heraus nicht existieren kann und mit dem
Tod, dem Erlöschen von Geist und Körper, unwiderruflich
zugrunde geht, ist nicht neu und wird schon seit vielen
Jahren nicht nur von den Naturwissenschaften vertreten.
Erstaunlich ist für mich nur, dass so viele Menschen so
leicht darüber hinweggehen, ohne einmal ernsthaft darüber
nachzudenken, was diese Aussage für ihre eigene Lebenseinstellung
und ihr eigenes Menschenbild wirklich bedeutet
und ich vermute, dass auch dieser Beitrag wenig daran ändern
wird. Dabei ist die Frage „Wer bin ICH?“ so alt, wie
die Menschheit denken kann und nicht ohne Grund stand
schon vor 2500 Jahren an einer Säule des griechischen
Apollontempel die mahnende Inschrift: „Erkenne dich
selbst.“ Ich denke, im Kontext der Erkenntnisse moderner
Wissenschaften wie Neurologie und Biologie, sollte diese
Mahnung neu in unsere heutige Zeit übertragen werden.
Insbesondere auch deshalb, weil uns diese beiden Wissenschaften
vor Augen führen, wie unbestimmt, zerbrechlich
und wandelbar unser ICH ist. Wir glauben ja immer, wir
blieben ein Leben lang, wer wir sind und unser ICH wäre
unveränderbar nach dem Motto: ICH bin ICH und ICH bleibe
ICH. Egal, was mit mir passiert, positiv wie negativ. Ich
kann zwar meine Meinung ändern und meine Einstellung,
ich kann mein Wissen und damit meinen Lebenshorizont
erweitern, ich kann durch äußere Einwirkungen körperliche
Gebrechen und geistige Behinderungen erleiden, es
können in meinem Leben viele Dinge passieren, die mich
verändern, aber, so meine intuitive Vorstellung, bleibe ICH
doch immer dasselbe ICH, so etwas wie ein „unzerstörbares
Gravitationszentrum meiner Persönlichkeit.“ 1)
Foto: wikipedia.de
Auch in der über zweitausendjährigen Philosophiegeschichte
des Abendlandes war für die meisten Philosophen
die Existenz eines ICH, „das sich mehr oder weniger erfolgreich
mit den Dingen dieser Welt herumschlägt“ 6) , eine
unumstößliche Selbstverständlichkeit. So unterschied der
deutsche Philosoph Gottlieb Fichte (1762-1814) in seiner
Subjektphilosophie streng zwischen einem reinen ICH und
einem Nicht-ICH, wobei zum Nicht-ICH alles räumlich
Gegenständliche gehört. Für den französischen Philosophen
Rene Descartes (1596-1650) kann der Mensch an der
Wirklichkeit aller Dinge dieser Welt zweifeln, nur an einem
nicht, an seinem eigenen Denken und Dasein. So stammt
von ihm die bekannte Aussage: „Ich denke, also bin ich“.
Aber ist das wirklich so? Ist unser innerstes ICH unzerstörbar?
Müsste diese Aussage von Descartes aufgrund der
Erkenntnisse der Hirnforschung heute nicht abgewandelt
werden in: „Es denkt, hier wär ein ICH“? Sollte es aber
so ein zentrales ICH geben, aus welcher Substanz besteht
es dann, und wo im Körper ist es zu finden? Gehen wir
dieser spannenden Frage einmal nach und folgen zunächst
den Ausführungen, besser gesagt einer Argumentation,
von Tenzin Gyatso, dem 14. Dalai Lama, in seinem 2007
erschienenen Buch „Das Leben tiefer verstehen –Erkenne
dich selbst und lebe gelassener.“ 2) In diesem Buch baut
der Dalai Lama dem Leser für die Frage nach dem ICH so
etwas wie eine logische Argumentationskette auf, wie sie
im Buddhismus bei der Suche nach der Wahrheit häufig angewandt
wird, denn es geht dem Buddhismus im Gegensatz
zu den meisten anderen Religionen in erster Linie darum,
durch Argumente und logisches Denken zu überzeugen und
nicht durch dogmatisch festgezurrte Glaubenssätze. Durch
diese Grundposition hat der Buddhismus auch keinerlei
Berührungsängste mit den modernen Wissenschaften. Im
Gegenteil. So haben sich beispielsweise buddhistische
durchblick 3/2011 81
Essay
Mönche, vom Dalai Lama höchstpersönlich ausgewählt, vor
Jahren schon bereit erklärt, in Magnetresonanztomografen
(MRT) zu meditieren, um das neurologische und biologische
Verhalten des Gehirns der Probanden während der Meditation
zu beobachten, mit interessanten und überraschenden
Ergebnissen. Aber ich schweife ab. Kehren wir zurück zur,
nennen wir sie ICH-Argumentation des Dalai Lamas.
Das buddhistische ICH
Bei der Suche nach dem ICH weist der Dalai Lama zunächst
auf die paradoxe Gegebenheit seiner eigenen Person
hin und schreibt:
„Beispielsweise muss das ICH des Dalai Lama irgendwo
in dem Bereich zu finden sein, wo sich auch mein Körper
befindet. Es ist klar, dass dieses ICH nirgendwo anders gefunden
werden kann. Doch wenn wir in diesem Bereich suchen,
dann können wir kein ICH finden, das aus sich selbst
heraus existiert. Dennoch ist der Dalai Lama ein Mann,
ein Mönch, ein Tibeter, jemand der sprechen, trinken, essen
und schlafen kann. Das ist ein ausreichender Beweis dafür,
dass er existiert, obwohl er im Licht logischer ( = wissenschaftlicher
d. V.) Untersuchungen nicht gefunden werden
kann. Dies bedeutet, dass nichts gefunden werden kann,
das dieses ICH ist, was aber nicht heißt, dass dieses ICH
nicht existiert. Die Nichtexistenz dieses ICH anzunehmen,
wäre unsinnig. Das ICH existiert eindeutig, doch wenn es
existiert und nicht gefunden werden kann, dann müssen wir
sagen, dass es in Abhängigkeit von Gedanken entsteht. Das
ICH kann auf keine andere Weise postuliert werden...Nirgendwo
im Körper und im Geist, die die Grundlage für das
ICH bilden, können wir dieses ICH finden. Daher ist das
ICH nicht aus eigener Kraft erschaffen, sondern die Kraft
anderer Bedingungen, nämlich seinen Ursachen, seinen
Bestandteilen und dem begrifflichen Denken.“ 2)
Bei der Auflösung dieses scheinbaren ICH-Paradoxon
spielen für den Dalai Lama drei Aspekte eine entscheidende
Rolle: das Denken in Begriffen, die wechselseitige Abhängigkeit
aller Phänomene und das Erkennen von inhärenter
Existenz. Gemeint ist damit eine Existenz, die unabhängig
von anderen Phänomenen nur aus sich selbst heraus begründet
ist. Er macht dies am einfachen Beispiel eines Tisches
fest. Ein Tisch (= Begriff) hängt von seinen Bestandteilen
ab (= Abhängigkeit). Ohne Bestandteile wie Beine
und Tischplatte etc. gibt es keinen Tisch, aber keines dieser
Bestandteile selbst ist ein Tisch. Erst durch das begriffliche
Denken d. h. in Abhängigkeit von Gedanken, werden diese
Dinge zu einem Tisch. Der Tisch existiert also, obwohl
er unserem Geist als unabhängig erscheint, nicht aus sich
selbst heraus und hat somit keine inhärente Existenz.
Ein anderes, bekanntes Beispiel ist der Begriff „Wald“,
der im abendländischen Mittelalter unter dem „Universalienstreit“
geführt wurde. Man kann sagen „das ist ein Wald“,
aber in Wirklichkeit gibt es nichts, das ein „Wald“ wäre – es
gibt nur eine große Anzahl dicht zusammenstehender einzelner
Bäume. „Wald“ ist somit nur ein begrifflicher Name,
keine Wirklichkeit. Für den Dalai Lama ist es wichtig zu
erkennen, dass auch unser ICH nur dem Namen nach und
nicht so existiert, wie wir es mit unserem Geist wahrnehmen,
nämlich als unabhängig und aus sich selbst heraus
(= inhärent) existierend. Um dies zu verdeutlichen, nennt
er Situationen, wo diese trügerische Annahme besonders
spürbar wird. Beispielsweise dann, wenn wir von einem
anderen Menschen für etwas beschuldigt werden, dass wir
gar nicht getan haben und uns rechtfertigen: ICH habe das
nicht getan. Oder wenn wir etwas Gutes vollbracht haben
und stolz auf uns sind. Immer dann erfahren wir unser ICH
so, als ob es aus eigener Kraft heraus bestehen würde.
Das Gleiche gilt bei der Wahrnehmung unseres Körpers
und dem Körperverhalten. Wenn wir z. B. etwas Wichtiges
vergessen haben, schieben wir es auf unser schlechtes Gedächtnis.
Wir trennen unser ICH von unseren körperlichen
Eigenschaften ab und damit erscheint unser ICH als ein
von Körper und Geist unabhängiges Wesen, was einer logischen
(wissenschaftlichen) Betrachtungsweise aber nicht
standhält. Es gibt für den Dalai Lama kein aus sich selbst
heraus existierende ICH, sondern lediglich ein, wie er es
nennt, „bloßes“ oder auch „einfaches“ ICH, das in Abhängigkeit
von Geist und Körper gründet. Das ICH ist nur
durch das begriffliche Denken des Menschen und in Abhängigkeit
von Geist und Körper verursacht und etabliert;
es entsteht nicht durch sein eigenes Wesen. Noch einmal
der Dalai Lama:
„Der Geist erschafft die Welt. Das ist der Grund, warum
die buddhistischen Schriften immer wieder sagen, dass
das ICH und alle anderen Phänomene nur durch die Kraft
begrifflichen Denkens existieren. Obwohl das ICH in Abhängigkeit
von Geist und Körper besteht, sind Geist und
Körper nicht das ICH, noch ist das ICH der Geist und Körper.
Das ICH wird in Abhängigkeit von Geist und Körper
82 durchblick 3/2011
hervorgebracht, aber innerhalb von Geist und Körper gibt
es nichts, was das ICH wäre. Das ICH und alle anderen
Phänomene werden nur durch den Geist erschaffen. Wenn
Sie dies verstehen, dann bekommen Sie eine Ahnung davon,
dass Menschen nicht in und aus sich selbst heraus existieren.
Sie sind nur etwas in Abhängigkeit Entstandenes.“ 2)
Um die Ausführungen des Dalai Lamas mit einem anschaulichen
buddhistischen Beispiel noch zu verdeutlichen:
Das Spiegelbild eines Gesichtes wird in Abhängigkeit
von einem Spiegel wahrgenommen und existiert,
obwohl es alle Merkmale eines Gesichtes aufweist,
jedoch nicht wirklich als Gesicht.
Genauso existiert die begriffliche Auffassung eines ICH
in Abhängigkeit von Geist und Körper.
Und wie das Spiegelbild eines Gesichtes,
existiert das ICH nicht wirklich aus sich selbst heraus. 2)
Essay
Wichtig ist für den Dalai Lama, dass wir bei der Untersuchung,
unser ICH finden zu wollen, es aber nicht finden
können, nicht in die Falle des Nihilismus – der Überzeugung
von der Nichtigkeit alles Bestehenden – hineinlaufen, denn
was wir nicht finden können, ist lediglich das völlig unabhängige
(inhärent existierende) ICH. Ganz im Gegenteil.
Dieses tiefe Erkennen, dass unser ICH, wie alle anderen
Phänomene dieser Welt auch, nur in Verbindung von Geist
und Körper und dem begrifflichen Denken hervorgebracht
wird, führt nach buddhistischer Überzeugung zu einem
wahren und echten Mitgefühl allen Menschen gegenüber.
Belassen wir es bei diesen Ausführungen, eine philosophisch-religiöse
Position von einer der weisesten Religionsformen
der Menschheit, aber nicht ohne noch den kurzen
Hinweis auf die Reinkarnationslehre (Wiedergeburt)
im Buddhismus zu geben, die besagt, dass bei jeder neuen
Geburt, im Gegensatz zur Seelenwanderung im Hinduismus,
immer auch ein neues ICH geboren wird. Dieses neue
ICH ist allerdings behaftet mit dem „Karma“ aller vorangegangenen
Leben. (Erläuterung siehe Fußnote 4)
wikipedia.de
Historische Darstellung: Holzschnitt aus Hans von Gersdorffs
„Feldbuch der Wundarzney“ (1517) Behandlung einer
Schädelwunde. Zugeschriebener Künstler: Hans Wechtlin
Kehren wir von dieser interessanten, für manche Leserin
und Leser sicherlich etwas theoretischen und vielleicht
auch befremdlichen Betrachtungsweise zurück zu einem
ICH, wie wir es kennen und erleben, oder sollte ich sagen:
Mit dem wir uns Tag für Tag herumschlagen (müssen)? Mir
geht es wenigstens so. Es gibt Tage, da bin ich (ist das ICH)
prima drauf, da ist das Leben lebenswert, bunt und schön
und ich (das ICH) könnte Bäume ausreißen. Dann wiederum
gibt es Tage, an denen das Leben wie hinter einem
Grauschleier verschwindet und mich (das ICH) schon die
Fliege an der Wand ärgert. Eine überzeugende Erklärung
für diese gegensätzlichen Empfindungen (Bewusstseinszustände)
habe ich nicht. Jeder von uns kennt das doch: Man
ärgert sich manchmal (das ICH) über sich selbst und weiß
nicht so recht, warum. Wie heißt es im Volksmund: Keiner
kann über seinen eigenen Schatten springen. Richtig, denn
hinter diesem Schatten verbirgt sich die vom Dalai Lama
zuvor genannte Abhängigkeit des ICH von Geist und Körper.
Und wo ist diese Abhängigkeit gegeben, wo der Ort,
in dem Geist und Körper zusammenfinden, sich gegenseitig
bestimmen und beeinflussen: das Gehirn. Damit sind
wir, wenn es um die Frage nach der rätselhaften Existenz
unseres ICH geht, bei dem wohl wichtigsten Organ angekommen,
denn nur dort ist es, wenn überhaupt, ausfindig zu
machen. Aber keine Angst, ich werde nun nicht den komplizierten
anatomischen Aufbau des Gehirns versuchen
Hochleistungszentrale Gehirn
durchblick 3/2011 83
Essay
zu beschreiben, um das ICH zu finden, dazu fehlt mir die
Fachkompetenz. Deshalb nur einige Überlegungen zu unserem
landläufig genannten „Oberstübchen“ Vorab aber noch
ein für diesen Beitrag zu beachtender Zwischenruf.
Zwischenruf
Wenn wir, Sie und ich, über unser Gehirn nachdenken, so können
wir es natürlich immer nur mit unserem Gehirn tun, womit sonst? Das
bedeutet, unser Gehirn denkt sozusagen über sich selbst nach. Für
mich eine durchaus erstaunliche und bemerkenswerte Feststellung,
offenbart sie doch die geistigen Fesseln menschlicher Subjektivität.
Wir Menschen können nie rein objektiv über uns (und die Welt)
nachdenken und urteilen, auch nicht über unser Gehirn. Alles Wissen
und alle Erkenntnisse des Menschen, ob naturwissenschaftlich oder
geisteswissenschaftlich, sind mit dem Problem der Subjektivität und
einer an die Natur gebundenen Abhängigkeit behaftet. Der Mensch
kann niemals eine geistig objektive Position außerhalb von sich selbst
einnehmen, nie ein vollkommen unabhängiger Beobachter sein, so
wie es z. B. ein Außerirdischer könnte, wenn es ihn denn geben würde.
Wir Menschen sind und bleiben, trotz aller eindrucksvollen naturwissenschaftlichen
Erkenntnisse, unseren großartigen technologischen
Errungenschaften und trotz der imposanten Leistungen unseres
Gehirns, in all unserem Denken und Handeln immer Kinder der Natur
und dieser Erde. Geist und Körper unterliegen immer den „irdischen“
Gesetzmäßigkeiten von Ursache und Wirkung. So auch das ICH und
die Erkundung nach ihm.
Obwohl die Hirnforschung in den letzten Jahrzehnten
erhebliche Fortschritte gemacht hat, ist unser Gehirn in
vielerlei Hinsicht noch unerforscht, rätselhaft, ja sogar geheimnisvoll.
Mit jeder neuen Erkenntnis wächst nicht nur
das wissenschaftliche Wissen, sondern auch das Staunen
über die großartige Leistungsfähigkeit und Plastizität dieses
etwas über ein Kilogramm schweren und nicht besonders
ansehnlichen grau/weißen Organs in unserem Kopf
mit sage und schreibe 100 Milliarden Nervenzellen, Neuronen
genannt, die alle in irgendeiner Form miteinander
interagieren. Dabei war und ist unser Gehirn, wie der eine
oder andere Mitmensch vielleicht noch denken mag, kein
von Anfang an fertig geformtes Organ – wann immer auch
der Anfang (eine Schöpfung?) gewesen sein mag –, sondern
es hat eine sehr lange evolutionäre Entwicklungszeit
hinter sich, bis es zu dem wurde, was es heute in unseren
Köpfen ist: ein hochkomplexes und sensibles Transformationskraftwerk
zwischen Körper und Geist und umgekehrt.
Kein Hirnforscher kann sagen, ob und wann diese biologische
Entwicklung endgültig abgeschlossen ist und welche
Folgen das immer feinere Eingreifen des Menschen in die
Hirnprozesse in Zukunft haben wird. Der Mensch hat im
Rahmen von Neurologie und Neurochirurgie damit begonnen,
die Möglichkeiten des Gehirns, bedingt durch seine
hohe Plastizität, auszuloten, um in erster Linie pathogen
auftretende Veränderungen zu behandeln. Er hat sozusagen
die Weiterentwicklung seines Gehirns mit in die Hand genommen.(Das
Gehirn entwickelt sich sozusagen selbst weiter,
siehe Zwischenruf). An dieser Stelle sei, ohne Horrorszenarien
an die Wand zu malen, die Frage nach der Zukunft
erlaubt. Wohin geht die Entwicklungsreise des Gehirns und
zwangsläufig verbunden mit ihr, in welche Richtung entwickelt
sich dabei der Mensch, auch unter Berücksichtigung
der Gentechnik und ihren zukünftigen Möglichkeiten, geistig
wie körperlich (Stichworte: elektrochemische Hirnimplantate
/ Präimplantationsdiagnostik etc.)?
In seinem Buch „Atem des Lebens“ 5) vergleicht der
Theologe Eugen Drewermann die Architektur und Evolution
des Gehirns mit einer gewaltigen Kathedrale, die
im Verlauf von Jahrhunderten in immer neuen Anläufen
erweitert, überbaut und umgestaltet wurde. Ein schöner
Vergleich, nur mit dem einen Unterschied, dass die Evolution
dazu Jahrmillionen gebraucht hat. Für den bekannten
und im Jahr 2005 verstorbenen Hirnforscher Detlef Linke
liegt in unserem Gehirn sogar der „Schlüssel zur Unendlichkeit“.
Aber wie das so ist, ob in der freien Natur, oder
in den von Menschenhand entwickelten Technologien, wie
z. B. elektronische Speichermedien, eine immer größere
Leistungsfähigkeit ist meist nur durch eine immer feinere
und leichtere Struktur des materiellen Leistungsträgers
möglich. Jedoch haben diese immer feineren Strukturen
ihren Preis in einer oft höheren Empfindlichkeit und damit
Anfälligkeit in Bezug auf Störungen und Fehlverhalten. Bei
unserer biologischen Hochleistungs- und Kommandozentrale,
dem Gehirn, verhält es sich genauso. Schon kleinste
Veränderungen oder Schwankungen können für den Betroffenen,
sozusagen den Besitzer des Gehirns, fatale Folgen
nach sich ziehen, körperlich, geistig und auch seelisch, in
positiver wie negativer Hinsicht. Damit sind wir wieder
beim, für Sigmund Freud „armen Wesen ICH“, das, hin
und her gerissen zwischen „Es“ und „Über-Ich“, in diesem
riesigen elektrochemischen Neuronen-Labyrinth irgendwo
sein Dasein fristet und diese leicht eintretenden Verletzlichkeiten
unmittelbar zu spüren bekommt. Um einmal zu
verdeutlichen, wie gravierend solche ICH-Veränderungen
sein können, und beispielhaft für unzählige andere Fälle,
eine interessante und dem wirklichen Leben entnommene
Begebenheit aus England, aus dem Buch „ICH, wie wir uns
selbst erfinden“ 1) .
84 durchblick 3/2011
Essay
Unser ICH:
verletzbar, wandlungsfähig
und zerbrechlich
Da war der 51-jährige britische Ex-
Sträfling und heroinsüchtige Bauarbeiter
T. McHugh, bei dem, hervorgerufen durch
eine kleine Blutung im Gehirn, eine völlige
Umgestaltung seines ICH stattfand. Für die
Wissenschaft so etwas wie eine revolutionäre
Herausforderung. Was war passiert? Als
McHugh einen stechenden Kopfschmerz
verspürte, saß er gerade auf dem Klo. In
der Notfallaufnahme entdeckten die Ärzte
ein Aneurysma, eine geplatzte Arterie im
Vorderhirn hatte zwei kleine Blutgerinnsel
verursacht. Die Arterie wurde geklammert
und bei den nachfolgenden allgemeinen
neuropsychologischen Tests konnten keine
größeren Ausfälle festgestellt werden.
McHugh wurde bereits 10 Tage später wieder
nach Hause entlassen. Dort geschah für
ihn die Revolution seines ICH.
Ungefähr zwei Wochen nach der Notoperation begann
McHugh Gedichte und Verse zu schreiben. Zwar kein Goethe,
Schiller oder Shakespeare, aber durchaus interessante
Gedanken. Dann fing er an zu malen und zu zeichnen. Auf
Hunderte von Blättern zeichnete er mit Bleistift eigenartig
asymmetrisch geformte Gesichter und Figuren. Aber damit
nicht genug, er bemalte mit bunter Pastellkreide die Wände
seiner Wohnung, tapezierte sie mit seinen Werken, darunter
eine Reproduktion von van Goghs Selbstbildnis mit
abgeschnittenem Ohr. Und wenn er nicht malte, erstellte
er Tonfiguren oder war anderweitig kreativ tätig, wie z. B.
aus Vogelfedern einen Schmetterling herzustellen. Eine
ungeheure Veränderung war eingetreten, waren früher die
Tattoos an seinen Oberarmen doch der einzige Zutritt zur
bildenden Kunst.
Inzwischen ist aus dem nach eigener Einschätzung einst
jähzornigen und aggressiven Schläger ein kreativ besessener
Künstler geworden, der seine weiblichen Seiten entdeckt
hat und ununterbrochen, zehn Stunden am Tag malt,
knetet oder schreibt. Heute ist McHugh auf regionaler
Ebene ein anerkannter Künstler, der in Galerien ausstellt.
Originalton McHugh: „Es ist wie ein Ausbruch des Ätna....
Was auch immer in meinem Hirn passiert ist, ich finde es
absolut fantastisch ... Mein Leben ist 100 Prozent besser
geworden.“
Soweit McHugh und seine Ich-Verwandlung, denn
nichts anderes hat in seinem Hirn stattgefunden. Sie
wirft die Frage auf, was bedeutet es eigentlich für unser
Selbstverständnis und unsere Einstellung zu uns selbst und
zu jedem Einzelnen von uns, wenn eine minimale körperliche
Verletzung (materiell) im Gehirn die Persönlichkeit
eines Menschen (geistig) so nachhaltig verändern kann?
Foto/Collage: BMBF www.idw.online.der
In unserem Gehirn, dem hochkomplexen und sensiblen Transformationskraftwerk
zwischen Geist und Körper, ist trotz modernster Hirnforschung
kein ICH zu finden. „Gott sei Dank“ muss man sagen, denn was würden
die Hirnforscher wohl mit dem ICH alles anstellen, wenn sie es denn
finden würden? So bleibt es weiter ein großes Geheimnis.
Wie ist es zu beurteilen, wenn binnen weniger Sekunden,
nur durch wenige Kubikzentimeter Blut an falscher Stelle
im Gehirn, eine derartige Veränderung eintritt, für die
Verhaltenstherapeuten, Psychologen oder Erzieher, wenn
überhaupt erreichbar, Jahre benötigen? Wirft solch eine
Persönlichkeitsveränderung nicht viele Frage im Zusammenhang
mit unserem allgemeingültigen Menschenbild
auf, wie z. B. die Frage nach dem freien Willen? Hat der
Existenzphilosoph Arthur Schopenhauer nicht recht, wenn
er sagt: „Der Mensch kann zwar tun was er will, aber nicht
wollen, was er will?“
Dieses Beispiel steht für die ungezählten Fälle, wo sich
solche oder ähnliche ICH-Veränderungen vollzogen haben.
Mit Absicht habe ich einen positiven ICH-Wandel gewählt,
wohl wissend, dass es leider auch viele Fälle gibt, wo bedingt
durch pathologisch-substanzielle Abweichungen im
Gehirn, erhebliche Wahrnehmungsstörungen des eige-
durchblick 3/2011 85
nen ICH in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen
auftreten. Da gibt es Menschen, die sich selbst amputieren,
weil das amputiere Glied nicht zu ihrem ICH gehört, Menschen,
die ihr ICH verloren haben und sich nur noch in der
dritten Person wahrnehmen, oder wahrhaft „philosophische
Zombies“ 1) , die fest davon überzeugt sind, sie seien bereits
tot. Eine der häufigsten und uns bekanntesten Veränderungen
in der Persönlichkeitsstruktur tritt mit der Alzheimererkrankung
auf, eine Form von Demenz. Jeder von uns
kennt die Folgen dieser schrecklichen und schicksalhaften
Erkrankung, bei der die Pflege und Betreuung der Betroffenen
für die Angehörigen die Grenze ihrer Belastbarkeit oft
übersteigt. Zu sehen und zu erleben, wie sich die Persönlichkeit
(das ICH) eines geliebten Menschen langsam Tag
für Tag verändert und schwindet, verlangt den Angehörigen
alles ab an Zuneigung und Liebe. Eugen Drewermann hat
dies sehr schön zum Ausdruck gebracht, wenn er schreibt:
„Es ist erschütternd
für
alle Beteiligten,
den unaufhaltsamen
Verfall einer
geliebten, einst
geistig hochstehenden
Persönlichkeit im Verlauf der Alzheimererkrankung
miterleben zu müssen, so als seien von einem ehemals
prachtvollen Schloss nur noch Ruinen übriggeblieben, deren
Gemäuer von Besuch zu Besuch immer deutlicher seine
Auflösung zeigt. Und erneut stellt sich die Frage, was unser
Menschsein ausmacht, wenn bestimmte genetische und
physiologische Ursachen all das zerstören können, was wir
gemeinhin als Persönlichkeit, Geist oder Seele bezeichnen
– wenn Augenblicke entstehen, in denen der andere gar
nicht mehr als selbst (= ICH, d. V.) anwesend ist, sondern
nur mehr unsere eigene Erinnerung aus den verbliebenen
„Mauerresten“ die Schönheit und Größe des einstigen
„Gebäudes“ rekonstruieren lässt ... dass man einen Menschen,
der an der Alzheimererkrankung leidet, in der erinnernden
Vorstellung, im Traum, sich gewissermaßen immer
wieder neu erschaffen muss, um mit ihm verbunden zu
bleiben.“ 5)
Essay
„Kein ICH,
keine Probleme“
Ich hoffe, dass mit diesen wenigen Ausführungen deutlich
wurde, wie zerbrechlich unser ICH ist und wie vielseitig
ICH-Erkrankungen bis hin zu einer ICH-Zerstörung
sein können. Als Beispiel sei nur das weite Krankheitsbild
der Schizophrenie genannt und, nicht zu vergessen,
die ganze Problematik einer Drogenabhängigkeit, die
die Strukturen des Gehirns und damit des ICH nachhaltig
verändern. Wenn man die unzähligen menschlichen
Schicksale dahinter sieht und das damit verbundene Leid,
so möchte man einer Kernaussage des Buddhismus zustimmen,
die da lautet:
„Kein ICH, keine Probleme“
Eine Zwischenbetrachtung zum Schluss
Im ersten Absatz habe ich Sie ermuntert, mich bei der
gedanklichen Suche nach der geheimnisvollen Existenz unseres
ICH zu begleiten. Wir konnten (zusammen mit dem
Dalai Lama) feststellen, dass es schwierig ist, unser ICH in
uns überhaupt zu orten und das es „in der Welt der Hirnforschung
kein ICH gibt, das man irgendwo auf einer Karte
des Gehirns einzeichnen könnte.“ 6) Damit kann die Hirnforschung
aber nicht den Beweis antreten, dass es kein ICH
gibt, „sondern dass unser gefühltes ICH ein unglaublich
komplizierter Vorgang im Gehirn ist, so faszinierend, dass
wir nach wie vor allen Grund haben, darüber zu staunen.“ 6)
Wir haben aber auch gesehen, dass dieses, von unserer
Hochleistungszentrale Gehirn entwickelte ICH-Gefühl in
seiner substanziellen und geistigen Struktur sehr anfällig
und zerbrechlich ist, wie es die genannten Beispiele
aus der Praxis belegen. Und, so möchte ich
zum Schluss fragen: Haben wir etwas gefunden,
dass uns dem Geheimnis ICH ein klein wenig
näher bringt? Ich denke NEIN, denn ich habe
mit meinen Gedanken nur ein klein wenig an der
Oberfläche des ICH gekratzt. Was ich damit meine
ist, dass ich dem ICH, von den Praxisbeispielen
einer ICH-Erkrankung vielleicht einmal abgesehen, sozusagen
noch gar kein Leben eingehaucht habe. Denn was
ist denn das ICH? Was verbirgt sich hinter diesem ICH?
Doch ein Mensch, ausgestattet mit einem Selbstbewusstsein,
ein Individuum mit seinen Fähigkeiten und Neigungen,
eine Persönlichkeit mit einer eigenen Biografie und
ihren gegensätzlichen Empfindungen von Liebe und Hass,
Freude und Leid. Nach dem ICH zu fragen ist immer auch
die Frage nach dem „Menschsein“. Was bedeutet es in dieser
rastlosen, von Angst getriebenen und voller Leid und
Elend durchzogenen Welt, ein Mensch zu sein? Ein Mensch
mit all seinen Wünschen und Hoffnungen, seinen Sorgen
und Ängsten, seiner Verzweiflung und Not, in schweren
Zeiten einen festen Halt zu finden, auf der Suche nach einem
Fixstern, dem er im Bewusstsein seiner Endlichkeit
folgen kann? Viele grundsätzliche Lebensfragen, die auf
eine Antwort warten, wenn es denn auf sie eine gibt. Aber
dazu mehr, so Gott will, in einer der nächsten durchblick-
Ausgaben. Bis dahin wünsche ich Ihnen ein rundum „gutes
ICH-Gefühl.“
Eberhard Freundt
1)
Werner Siefer / Christian Weber: ICH wie wir uns selbst erfinden Campus-
Verlag. 2) Dalai Lama: Das Leben tiefer verstehen – Erkenne dich selbst und lebe
gelassener – Herder-Verlag. 3) inhärent = innewohnend, eigen, eingewurzelt, aus
sich selbst heraus. 4) Karma = [Sanskrit »Tat«] das (Karman), zentraler Begriff des
Hinduismus, Buddhismus und Dschainismus; bezeichnet das universelle Gesetz,
nach dem jedes Dasein kausale Folge eines früheren Daseins ist; der Mensch bestimmt
durch seine Handlungen, in welcher Daseinsform (z.B. Pflanze, Tier) oder
Kaste er wiedergeboren wird. Kreislauf und Erlösung: indische Philosophie und
Religion. (c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001. 5) Eugen
Drewermann: „Atem des Lebens“ Band 1: das Gehirn, Patmos-Verlag. 6) Richard
David Brecht, „Wer bin ich und wenn ja wie viele?“ Goldmannverlag
86 durchblick 3/2011
Essay
durchblick 3/2011 87
Veranstaltungen im Seniorenzentrum der Stadt Siegen
Seniorenhilfe Siegen e.V.
Telefon 02 71/ 6 61 03 35
durchblick e.V.
02 71/6 16 47 + 01 71/6 20 64 13
AlterAktiv e.V. Siegen-Wittgenstein
Senecafé 02 71/ 2 50 32 39
SeniorenServiceStelle 0271 / 3 84 61 08
montags
10:00 -12:00 Sprechstunde der
Seniorenhilfe
09:00 -12:00 SeniorenServiceStelle
geöffnet 0271 / 3846108
10:00 -12:00 Werkstatt geöffnet
14:00 -18:00 ALTERAktiv
Senecafé
dienstags
10:00 -12:00 Sprechstunde der
Seniorenhilfe
10:00 -12:00 Redaktionsbüro des
durchblick geöffnet
10:00 -12:00 Malgruppe
18:00 -20:00 durchblick-Photo-Shop-
Club (für Fortgeschrittene)
Haus Herbstzeitlos
57074 Siegen, Marienborner Str. 151
Café „Unter der Linde“ 02 71 / 5 64 10
Englischkurse 02 71 / 8 74 39
oder 02 71 / 2 50 15 00
Film- und Video-Club 027 32/1 24 60
mittwochs
10:00 -12:00 Redaktionsbüro des
durchblick geöffnet
09:00 -12:00 SeniorenServiceStelle
geöffnet 0271 / 3846108
09:00 -12:00 ALTERAktiv
Senecafé
15:00 -17:00 Singen mit der
Seniorenhilfe
15:00 -17:00 Handarbeiten mit der
Seniorenhilfe
15:00 -17:00 Werkstatt geöffnet
14:00 -18:00 ALTERAktiv
Senecafé
19:00 -21:00 Regenbogentreff
19:30 -22:30 Film und Videoclub
Gedächtnistraining071 / 8 49 99
Lesepaten 02739 / 22.90
Malgruppe 0271 / 3 73 87
Selbstverteidigung 0160 / 30 18 67
SeniorenTheaterSiegen0271 / 5 65 28
Trauercafé 0271/ 5 34 46
Wahlverwandte0271 / 2 38 01 08
Werkstatt 02 71 / 6 27 76
donnerstags
09:30 - 10:30 Selbstverteidigung
10:00 - 12:00 Sprechstunde der
Seniorenhilfe
10:00 - 12:00 Redaktionsbüro des
durchblick geöffnet
12:30 - 14:00 Mittagstisch für Ältere,
Vortagsanmeld. bis 12 Uhr
0271- 404-2200
15.30 -16:45 „Easy Conversation“
Englischstunde
freitags
10:00 - 12:00 Sprechstunde der
Seniorenhilfe
samstags
09:00 - 12:00 Wandergruppe
der Seniorenhilfe
Wegen möglicher Änderungen einzelner Termine (Ferien, Krankheit usw.) empfiehlt sich die telefonische Anfrage.
ALTERAktiv-Computerkurse
und Englischkurse
auf telefonische Anfrage
Das Haus Herbstzeitlos befindet sich auf dem Gelände der alten „Hainer Schule“, Ecke Marienborner Straße / Blumenstraße
Anfahrt: Ab Hauptbahnhof, ZOB Bussteig B 1-2: Linien R 12, R 13, R 17, L 109 (Bushaltest, Blumenstraße). Parkplatz: Kostenlos am Haus
„Wandern und Schauen, Hobby mit Tempo 3“
Kneppe/Gottschalk (79516/79154)
14.00 Uhr ab Weidenau Finanzamt
18.00 Uhr Rückkehr
- 13.09 Hitzendumicke
- 27.09 Dauersberg *
- 11.10 Lahnhof, Rundweg
- 25.10 Hilchenbach, Vorspanneiche
- 08.11 Nenkersdorf-Grissenb.-Deuz
- 22.11 Abschlusswanderung*
Fugler (Tel. 870315/870305)
14.00 Uhr ab Geisweid, Klaf. Markt
18.00 Uhr Rückkehr
- 13.09 Saalhausen
- 27.09 Berleburg Laibach
- 11.10 Attendorn Roscheid
- 25.10 Wilnsdorf Rudersdorf
- 08.11 Stünzel
- 22.11 Ausklang-Obersetzen
Fritz/Hartzer (Tel. 42616/75801)
13.45 Uhr ab Wdn., Humboldt-Pl.
14.00 Uhr ab Weidenau, A.d. Hütten
18.00 Uhr Rückkehr
- 06.09 Ginsberger Heide
- 20.09 Saalhausen
- 04.10 Böminghausen
- 18.10 In der Zinse
- 01.11 Gut Vorwald
- 15.11 Dörnschlade
- 29.11 Helgersdorf
Hövelmann/Flender (75980/82733)
14.00 Uhr Abfahrt Weidenau, Bhf.
14.15 Uhr Abf. Marktpl. Geisweid
18.00 Uhr Rückkehr
- 06.09 Lahnhof
- 20.09 Dermbach
- 04.10 Rehringhausen
- 18.10 Helgersdorf
- 01.11 Hilchenbach
- 15.11 Wilgersdorf
- 29.11 Abschluss Dillnhütten *
*
Anmeldung erforderlich
88 durchblick 3/2011
Veranstaltungshinweise
Backestage
im Siegerland
September 2011
Sa. 03./ 13-17 Uhr, Sgn.-Bürbach
03./ 15-22 Uhr, Netph.- Nenkersdorf
03./ 14-16 Uhr, Netph.-Salchendorf
03./ ab 13 Uhr, Netph.- Helgersdorf
So. 04./ 11-16 Uhr, Hof Ginsberg
Mi. 07./ 16-19 Uhr, Fbg.-Hohenhain
Do. 08./ 11-13 Uhr, Burb.-Nd.dresselndf.
08./ 10-19 Uhr, Burb.-Holzhausen
Fr. 09./ 10-19 Uhr, Burb.-Holzhausen
Sa. 10./ 09-11 Uhr, Burb.-Wahlbach
Fr. 16./ ab 07 Uhr, Fbg.- Heisberg
Sa. 17./ ab 07 Uhr, Fbg.- Heisberg
So. 18./ 10-13 Uhr, Fbg.-Alchen
Mi.
Sa.
Fr.
21./ 16-19 Uhr, Fbg.-Hohenhain
24./ ab 11 Uhr, Fbg.-Oberheuslingen
24./ 09-15 Uhr, Sgn.-Setzen
24./ 06-12 Uhr, Burb.-Alte Vogtei
24./ 13-16 Uhr, Sgn.-Birlenbach
30./ ab 15 Uhr, Fbg.- Niederndorf
Oktober 2011
Sa. 01./ 11-17 Uhr, Neunk.- Struthütten
01./ 13-14 Uhr, Burb.- Lützeln
01./ 14-16 Uhr, Netph.- Salchendorf
So. 02./ 11-18 Uhr, Fbg.- Oberheuslingen
02./ 13-14 Uhr, Burb.- Lützeln
Mi. 05./ 16-19 Uhr, Fbg.- Hohenhain
Di 11./ 11-13 Uhr, Burb.- Nd.dresselndf.
Sa. 15./ ab 11 Uhr, Fbg.- Oberholzklau
Mi. 19./ 16-19 Uhr, Fbg.- Hohenhain
Do. 27./ 10-19 Uhr, Burb.- Holzhausen
Fr. 28./ 10-19 Uhr, Burb.- Holzhausen
28./ 11-15 Uhr, Fbg.- Oberheuslingen
Sa. 29./ 11-15 Uhr, Fbg.- Oberheuslingen
29./ 09-15 Uhr, Sgn.- Setzen
29./ 06-12 Uhr, Burb.- Alte Vogtei
November 2011
Mi. 02./ 16-19 Uhr, Fbg.- Hohenhain
Fr. 04./ ab 15 Uhr, Fbg.- Niederndorf
Sa. 05./ 14-16 Uhr, Netph.- Salchendorf
05./ ab 13 Uhr, Netph.- Helgersdorf
Mi. 16./ 16-19 Uhr, Fbg.- Hohenhain
Fr. 18./ 11-13 Uhr, Burb.- Nd.dresselndf.
Mo. 21./ 10-15 Uhr, Burb.- Holzhausen
Di. 22./ 10-19 Uhr, Burb.- Holzhausen
Do. 24./ 10-19 Uhr, Burb.- Holzhausen
Fr. 25./ 10-19 Uhr, Burb.- Holzhausen
Sa. 26./ ab 11 Uhr, Fbg.- Oberholzklau
26./ 09-15 Uhr, Sgn.- Setzen
Mi. 30./ 16-19 Uhr, Fbg.- Hohenhain
Dezember 2011
Fr. 02./ ab-07 Uhr, Fbg. Heisberg (bis 4.12.)
Sa. 03./ 13-17 Uhr, Sgn. Bürbach
durchblick 3/2011 89
Veranstaltungshinweise
September 2011
3. Samstag
15:00 Kunstsommer 2011, Dago Koblenzer:
Spaltungen, Lagerraumausstellung,
Siegen, Siegstraße hinter Nr.: 96
20:45 Siegener Open air Kino: Eat,
Ptay, Love, Schlossplatz Unteres
Schloss Siegen
4. Sonntag
15:00 Trauercafé - Café Regenbogen
Haus Ernsdorf, Ernsdorfer Str. 3 Kreuztal
16:00 Sonntagnachmittag um 4 im
Schlossgarten Siegen, mit dem Siegener
Blasorchester
5. Montag
10:00 Kartoffelfest und 25 Jahre Wanderheim,
Netphen
15:00 DRK-Altenclubtreffen in Niederschelden,
Bürgerhaus, Auf der Burg
16:00 „Ohne Altersbeschränkung“ Die
Eleganz der Madame Michel, Viktoria
Filmtheater, Hilchenbach-Dahlbruch
6. Dienstag
10:00 Kreativ-Gruppe Deutscher Hausfrauenbund,
Haus Herbstzeitlos Siegen
14:30 Alter Aktiv: Lesepaten, Haus
Herbstzeitlos, Siegen
7. Mittwoch
14:00 KSG-Offenes-Café, Siegen-
Geisweid, Fichtenweg 5, Im Wenscht
19:30 Gesprächskreis für pflegende
Angehörige, Diakoniestation
Kreuztal, Anm. vormittags
02732-582470
20:00 Kabarett: Von und mit Dieter
Nuhr, Kulturhaus Lÿz Siegen
8. Donnerstag
10:00 Messe: bauen & wohnen
Siegerlandhalle Siegen bis 11.09.
9. Freitag
17:00 VHS-Vortrag von Dr.
Harald Groß: Edelkrebse in
NRW, Alte Schule Burbach-
Holzhausen
19:00 Ausstellung von Anja
Manderbach und Steffen Meier:
Querfeldein Städtische Galerie
Haus Seel, Siegen
10. Samstag
11.00 Kartoffelbratfest in Freudenberg-
Oberholzklau
14:00 VHS-Wanderung: Märchen und
Sagenweg Bad-Laasphe, ab P. des ehemaligen
Minigolfpl., Sebastian-Kneipp-Str.
19:00 Stummfilm: Charly Chaplin, Moderne
Zeiten, Technikmus. Freudenberg
11. Sonntag
11.00 Kartoffelbratfest, in Wilnsdorf-
Anzhausen.
16:00 Sonntagnachmittag um 4 im
Schlossgarten Siegen, mit den „Herdorfer
Dixieland-Friends“
Mit The Yellow From Egg präsentiert das
Popacappellacomedy-Trio „Ganz schön Feist“
die erfolgreichsten Songs der Bandkarriere
30. 9. ab 20 Uhr im Kulturhaus Lyz, Siegen
Veranstalterfoto
12. Montag
10:00 Frühstückstreff, AWO Begegnungsstätte
Rosterstr. 186
10:00 Trauercafé, Hospizhilfe Siegen
e.V. Haus Herbstzeitlos Siegen
14:30 Senioren-Veranstaltung „Offenes
Singen“ Stadt Siegen, Bismarckhalle
16:00 KSG-Café: Lesepatin, Siegen-
Geisweid, Fichtenweg 5, Im Wenscht
14. Mittwoch
14:30 KSG-Café: Kochstudio International,
Siegen-Geisweid, Fichtenweg 5
18. Berleburger Literaturpflaster 2011 • ISLAND
• 11. 9 – 28. 10.
So. 11. 9. 2011 ab 14 Uhr
Der Tag des Islandpferdes – Reitplatz
im oberen Schlosspark,
Mo. 12. 9. zu den Öffnungszeiten
Bilder mit Geräusch v.Claus Sterneck.
Ausstellung: Landhaus Wittgenstein,
Lösserweg 24, Stadtbücherei,
Poststraße 42, Buchhandlung MankelMuth,
Poststraße 19. bis 21.10.
Di. 13. 9 2011 ab 18 Uhr
„Isländische Märchen“ von Katja
Heinzelmann Stadtbücherei, Poststr.
Mi. 14. 9. 2011 18 Uhr
Fotografisches Reisetagebuch -
Island, Ausstellung von Christine
Apler und Johanna Riedesel. Einführung:
Jutta Plaschke, Sparkasse
Wittgenstein, Poststr. bis 25.11.
Mo, 19. 9. 2011 ab 20 Uhr
Kriminacht Island
Amtsgericht, Im Herrengarten 5
Di. 20. 9. 2011 ab 20 Uhr
„Am liebsten fliege ich nachts“
Einführung in die isländische Literatur
von Halldór Guðmundsson,
Kur-Apotheke, Poststraße 15
Mi. 28. 9. 2011 ab 20 Uhr
Lesung: „Der gute Liebhaber“
Moderat.: Bettina Born, Cafeteria der
Odeborn Klinik, Am Schlosspark 11
Do. 29. 9 2011 ab 19 Uhr
Vernissage der Fotoausstellung: Michael
Agel „Island – abseits der
Wege“, Museum der Stadt Bad Berleburg,
Goetheplatz 3, bis 28. 10.
Sa. 1. 10 2011 ab 19.30 Uhr
Schlosskonzert:„Essence of North
– Island“ Gerður Gunnarsdóttir und
Claudio Puntin, Schloss Berleburg
Mo./Di. 3./4. 10. 2011 ab 20 Uhr
Mulitvisionsshow von Peter Fabel:
Island – Feuerinsel am Polarkreis
Aula des Johannes-
Althusius-Gymnasiums,
Im Herrengarten
Do. 6. 10. ab 20 Uhr
Lesung: Hallgrímur
Helgason „Eine
Frau bei 1000°“,
Moderation: Rikarde
Riedesel, Backstube
Café Wahl,
Poststraße 16
Fr. 7. 10. 2011 17 und 20 Uhr
101 Reykjavik Film von Hallgrímur
Helgason, Capitol Kino
Mo. 10. 10 2011 ab 20 Uhr
Lesung: Yrsa Sigurðardóttir „Geisterfjord“
Moderation: Rikarde
Riedesel, Schloss-Schänke,
Di. 11. 10 2011 ab 20 Uhr
Lesung: Kristof Magnusson
„Gebrauchsanweisung für
Island“ Sanitätshaus Kienzle,
Sählingstr.16
90 durchblick 3/2011
Veranstalterfoto
Veranstaltungshinweise
September 2011
15. Donnerstag
15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,
Haus Herbstzeitlos Siegen
15:15 KSG-Café: Seniorentreffen mit
Programm, Siegen-Geisweid, Fichtenweg
5, Im Wenscht
17. Samstag
10-17 Uhr Tag der geistigen Fitness
Bundesverband für Gedächtnistraining,
VHS, Krönchencenter, Siegen
12:00 3. Oldtimer-Motorradtreffen,
Technikmuseum Freudenberg, bis 18.
12:30 Brot-& Kartoffelfest, in Netphen-Beienbach
14:00 VHS-Wanderung: Der große
Ahlertsberg und seine Umgebung, ab
Ev. Kirche, Bad Laasphe-Banfe
20:00 Kabarett mit Rüdiger Hoffmann:
„Obwohl...!“ Stadthalle Kreuztal
14:00 Mittelaltermarkt, Bad Berleburg-Berghausen-Grünewald
bis 18.9.
20:00 50er Jahre Musical-Revue:
„Schwarz-Rot-Petticoat“, Heimhof-
Theater, Burbach-Würgendorf
18. Sonntag
10.00 Kartoffelbratfest in Netphen-
Afholderbach
10:00 Bach-Chor Siegen: Kantaten-
Gottesdienst, Martinikirche Siegen
14:30 „Café unter der Linde“, Haus
Herbstzeitlos, Siegen
19. Montag
14:00 KSG - Café: Malen/Basteln für
Erwachsene, Siegen-Geisweid, Fichtenweg
5, Im Wenscht
14:30 Gedächtnistraining, Haus
Herbstzeitlos, Siegen
20. Dienstag
19:30 Treffen Wohnprojekt: Wahlverwandte,
Haus Herbstzeitlos Siegen
22.Donnerstag
15:00 Trauercafé der Hospizhilfe Siegen
e.V., Haus Herbstzeitlos, Siegen
20:00 Kabarett: Andrea Bongers &
Katie Freudenschuss: Schuh Mädchen
Report, Weiße Villa, Dreslers Park
23. Freitag
20:00 Comedyabend mit Bademeister
Schaluppke, Heimhof-Theater Burbach-Würgendorf
24.Samstag
14:00 VHS-Wanderung: Das Osterholz
und seine Windkraftanlagen, ab:
Kirche, Bad Berleburg-Sassenhausen
25. Sonntag
11:00 37. Mineralienbörse, Siegerlandhalle
Siegen, Koblenzer Straße
19:00 Theatergastspiel: Iphigenie auf
Tauris, Bad Blb.-Bürgerhaus am Markt
26. Montag
14:30 Kaffeekränzchen, AWO Begegnungsstätte
Rosterstraße 186, Siegen
14:30 Gedächtnistreaining, Haus
Herbstzeitlos Siegen, Marienborner Str.
19:00 Selbsthilfegruppe Asthma, Haus
Herbstzeitlos, Siegen
Veranstalterfoto
Suyoen Kim, Violine, Solisten des Gebr.-
Busch-Konzerts am 29. Sept.
27. Dienstag
20:00 Kammermusik: Leipziger
Streichquartett und Saxophon, Hi.-
Dahlbruch, Geb.-Busch-Theater
29. Donnerstag
20:00 Sinfoniekonzert mit der Philharmonie
Südwestfalen, Dirigat: Christian
Kluxen, Gebrüder-Busch-Theater, Hilchenbach-Dahlbruch,
30. Freitag
20:00 Konzert mit der PhilSW: British
Proms, Dirigat: Russell N. Harris,
Apollo-Theater, Siegen
20:00 Musikcomedy: The Yellow From
Egg, mit der Gruppe „Ganz schön Feist“
Kulturhaus Lyz, St.-Johann-Str. Siegen
20:00 Hans-Albers-Revue mit Buffet:
Blonder Hans, leb wohl!, Spiegelzelt,
Erndtebrück
Oktober 2011
1. Samstag
20:00 Konzert: Pee Wee Ellis Assembly,
Jazzclub Oase Kulturhaus Lyz,
Siegen
2. Sonntag
15:00 Trauercafé ,,Café Regenbogen“
Haus Ernsdorf, Ernsdorfer Str. 3 Kreuztal
21:00 18. Siegener Orgelnacht, Martinikirche,
Siegen
3. Montag
11.00 Kartoffelfest, in Freudenberg-
Oberfischbach
15:00 DRK-Altenclubtreffen in Niederschelden,
Bürgerhaus, Auf der Burg
4. Dienstag
10:00 Kreativ-Gruppe Deutscher Hausfrauenbund,
Haus Herbstzeitlos, Siegen
14:30 Alter Aktiv: Lesepaten, Haus
Herbstzeitlos, Siegen
5. Mittwoch
14:00 KSG-Offenes-Café, Siegen-Geisweid,
Fichtenweg 5, Im Wenscht
19:30 Gesprächskreis für pflegende Angehörige,
Diakoniestation Kreuztal, Anm.
vormittags 02732-582470
6. Donnerstag
15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,
Haus Herbstzeitlos Siegen
7. Freitag
20:00 KreuztalKultur, Hennes Bender:
ERREGT! Stadthalle Kreuztal
20:00 Musik/Buchvorstellung Für 'ne
Moment mit Wolfgang Niedecken (BAB)
Kulturhaus Lyz, Siegen
8. Samstag
10:00 Messe: 7. Kreative Hobbywelt, Siegerlandhalle
Siegen, bis 9.10.
11:00 Kartoffelfest, in Hilchenbach-Ruckersfeld,
auch am 9.10.
14:00 VHS-Wanderung: Sagenhaftes... ab
P. Skihang Gr. Bonstein, Hessselbach
19:30 Tanzshow: Orientalische Nacht,
Festhalle Wilnsdorf, Rathausstraße
9. Sonntag
17:00 KreuztalKultur: Opern- und Operettengala,
Stadthalle Kreuztal
durchblick 3/2011 91
Veranstaltungshinweise
Oktober 2011
10. Montag
10:00 Trauercafé der Hospizhilfe Siegen
e.V., Haus Herbstzeitlos, Siegen
10:00 Frühstückstreff, AWO Begegnungsstätte,
Rosterstr. 186, Siegen
14:30 Seniorenveranstaltung der Stadt
Siegen: Goldener Herbst Bismarckhalle
16:00 KSG-Café: Lesepatin, Siegen-
Geisweid, Fichtenweg 5, Im Wenscht
11. Dienstag
19:30 Treffen: Wohnprojekt Wahlverwandte,
Haus Herbstzeitlos, Siegen
19:30 Lesung mit Jan Weiler: Mein Leben
als Mensch, Kreuztal, Weiße Villa,
Dreslers Park
19:00 VHS-Vortrag: Rund um das Handy,
KrönchenCenter, Markt 25, Siegen
12. Mittwoch
14:30 KSG-Café: Kochstudio International,
Siegen-Geisweid, Fichtenweg 5
13. Donnerstag
20:00 Konzert mit David Knopfer &
Harry Bogdanovs: Live And Acoustic,
Kreuztal, Weiße Villa, Dreslers Park
20:00 Kabarettabend mit Sebastian
Schnoy: Hauptsache Europa, Hilchenbach-Dahlbruch,
Gebr.-Busch-Theater
14. Freitag
20:00 Comedie mit Sissi Perlinger Gönn'
Dir 'ne Auszeit, Kulturhaus Lyz, Sgn.
15. Samstag
18:30 Worldmusic Konzert: mit Patrick
Bebey (Kamerun) KrönchenCenter, Sgn.
19:00 Rocknacht mit den Gruppen
Pink-Pulse und Pieps & Friends,
(Reinhard Conrads, Steve Tipping und
Band), Spiegelzelt Erndtebrück
16. Sonntag
14:30 „Café unter der Linde“ Haus
Herbstzeitlos, Siegen
17. Montag
14:00 KSG-Café: Malen/Basteln für
Erwachsene, Si.-Geisweid, Fichtenw.5
14:30 Gedächtnistraining, Haus
Herbstzeitlos, Siegen
19:00 VHS-Vortrag: Patientenverfügung,
Neunkirchen, Otto Reiffenrath-
Haus, Bahnhofstr. 1
18. Dienstag
20:00 Konzert mit Reinhard Mey, Siegerlandhalle,
Siegen
19:30 Treffen: Wohnprojekt Wahlverwandte,
Haus Herbstzeitlos, Siegen
19.Mittwoch
19:30 VHS-Vortrag: Kriminalfälle in
Wittgenstein im Spiegel der Jahrhunderte,
Bad Laasphe, Haus des Gastes
20. Donnerstag
15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,
Haus Herbstzeitlos, Siegen
15:15 KSG-Café: Seniroentreffen mit
Programm, Siegen-Geisweid, Fichtenweg
5, Im Wenscht
20:00 Konzert mit Al Di Meola & Peo
Alfonsi: Acoustic Guitars, Stadthalle
Kreuztal
PINK PULSE ist eine der wenigen deutschen Pink-Floyd-Tribute-Bands.
Eine kleine Sensation im Erndtebrücker Spiegelzelt, am 15 Oktober ab 19 Uhr
20:00 Schauspiel von Bertolt Brecht:
Die heilige Johanna der Schlachthöfe,
Hi.-Dahlbruch, Gebr.-Busch-Theater
21. Freitag
20:00 Kabarett mit Bruno Jonas: „...es
geht weiter!“ Stadthalle Kreuztal
22. Samstag
20:00 Orientalische Tanzgala: Ali Baba
im Wunderland, Siegerlandhalle, Siegen
14:00 Film- und Video-Club
Siegerland Landesfilmfestival
in Siegen-Geisweid, Hotel Haus
Patmos, auch Sonntag 10 Uhr
24. Montag
14:30 Gedächtnistraining, Haus
Herbstzeitlos, Siegen
14:30 Kaffeekränzchen, AWO Begegnungsstätte
Siegen, Rosterstr. 186
19:00 Selbsthilfegruppe Asthma ,Haus
Herbstzeitlos, Siegen
16:00 Kino ohne Altersbeschränkung:
OBEN, Viktoria Filmtheater, Hilchenbach-Dahlbruch
27. Donnerstag
15:00 Trauercafé der Hospizhilfe Siegen
e.V., Haus Herbstzeitlos, Siegen
29. Samstag
18:00 2. Nacht der alten Technik, Technikmuseum
Freudenberg
31. Montag
14:30 Gedächtnistraining, Haus
Herbstzeitlos, Siegen
92 durchblick 3/2011
Veranstalterfoto
Veranstalterfoto
Sissi Perlinger mit Ihrem Programm
Gönn´ Dir ´ne Auszeit!, am 14.10. ab 20
Uhr im Kulturhaus Lyz, Siegen
Veranstaltungshinweise
November 2011
1. Dienstag
10:00 Kreativ-Gruppe Deutscher
Hausfrauenbund, Haus Herbstzeitlos,
Marienborner Straße 151 Siegen-Hain
2. Mittwoch
14:00 KSG-Offenes-Café, Siegen-
Geisweid, Fichtenweg 5, Im Wenscht
3. Donnerstag
15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,
Haus Herbstzeitlos, Siegen
19:00 Ausstellung: Wer macht mit…?,
LWL Westfälisches Museumsamt, Museum
Bad Berleburg
5. Samstag
20:00 Lesung mit Jürgen von der Lippe:
Best of Eigenes, Kulturhaus Lÿz
Siegen, auch am 6.11.
6. Sonntag
15:00 Trauercafé ,,Café Regenbogen“
Haus Ernsdorf, Ernsdorferstr.3, Kreuztal
16:00 Herbstkonzert zum 85-jährigen
Jubiläum des Siegener Blasorchesters,
Siegerlandhalle, Siegen
17:00 Konzert: Intermezzo & ProVocale:
Das etwas andere Konzert, Turnund
Festhalle Kreuztal-Buschhütten
7. Montag
9:30 Gedächtnistraining, Haus Herbstzeitlos,
Siegen, Marienborner Str.
15:00 DRK-Altenclubtreffen in Niederschelden,
Bürgerhaus, Auf der Burg
8. Dienstag
14:30 Alter Aktiv: Lesepaten, Haus
Herbstzeitlos, Siegen
9. Mittwoch
14:30 KSG-Café: Kochstudio International“,
Siegen-Geisweid, Fichtenweg
5, Im Wenscht
10. Donnerstag
20:00 Sinfoniekonzert mit der Philharmonie
Südwestfalen, Gebrüder-Busch-
Theater Hilchenbach
11. Freitag
20:00 Konzert mit Reinhard Repkes:
Club der Toten Dichter: Eines Wunders
Melodie, Stadthalle Kreuztal
13. Sonntag
17:00 Herbstkonzert des Blasorchesters
Stadt Kreuztal e.V.: Filmmusik,
Stadthalle Kreuztal
14. Montag
10:00 Trauercafé der Hospizhilfe Siegen
e.V. Haus Herbstzeitlos, Siegen
10:00 Frühstückstreff, AWO Begegnungsstätte,
Rosterstr. 186, Siegen
15:00 VHS/Seniorenberatungsstelle-
Lesung mit Kaffee und Kuchen: Sieben
Minuten nach Mitternacht, Bad Laasphe
Haus des Gastes
16:00 KSG-Café: Lesepatin, Siegen-
Geisweid, Fichtenweg 5, Im Wenscht
15. Dienstag
19:00 VHS/SeniorenServiceStelle-
Vortrag von RA. u. Notar Michael
Kringe: Schenken mit „warmer Hand“,
Kreuztal, Weiße Villa, Dreslers Park
19:30 Treffen: Wohnprojekt Wahlverwandte,
Haus Herbstzeitlos, Siegen
20:00 Kammermusik: Quantett Johannes
Kobelt, Hilchenbach-Dahlbruch,
Gebrüder-Busch-Theater
17. Donnerstag
15:15 KSG-Café: Seniroentreffen mit
Programm, Siegen-Geisweid, Fichtenweg
5, Im Wenscht
15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,
Haus Herbstzeitlos Siegen
18. Freitag
20:00 KreuztalKultur: The Irish Folk
Festival 2011, Stadthalle Kreuztal
19. Samstag
20:00 Kabarett mit Horst Schroth: Was
weg ist, ist weg, Stadthalle Kreuztal
Horst Schroth,
Samstag
19. 11. ab
20 Uhr in der
Stadthalle
Kreuztal
Veranstalterfoto
20:00 VHS-Lesung mit Walter Renneisen:
Das Grauen überleben, Burbach-
Holzhausen, Ev. Gemeindehaus
20. Sonntag
14:30 „Café unter der Linde“, Haus
Herbstzeitlos, Siegen
21. Montag
14:30 Gedächtnistraining, Haus Herbstzeitlos,
Siegen, Marienborner Str.
19:00 Selbsthilfegruppe Asthma, Haus
Herbstzeitlos, Siegen
14:00 KSG-Café: Malen/Basteln für Erwachsene,
Si.-Geisweid, Fichtenweg 5
23. Mittwoch
19:30 Theatergastspiel: Buddenbrooks,
Bad Berleburg, Bürgerhaus am Markt
19:30 Vortrag mit Thomas Huber: Im
Vakuum der Zeit, Stadthalle Kreuztal
24. Donnerstag
15:00 Trauercafé der Hospizhilfe Siegen
e.V., Haus Herbstzeitlos, Siegen
20:00 Comedy mit Tom Gerhardt: Nackt
& In Farbe, Siegerlandhalle Siegen
20:00 Schauspiel: Iphigenie auf Tauris,
Hi.-Dahlbruch, Geb.-Busch-Theater
12. Samstag
20:00 Kabarett mit Ulan und Bator:
Wirrklichkeit, Kulturhaus Lyz, Siegen
Veranstalterfoto
„The Irish Folk Festival 2011”, Fr. 18. Nov. ab 20 Uhr in der Stadthalle Kreuztal
durchblick 3/2011 93
Veranstaltungshinweise
November 2011
26. Samstag
11:00 Weihnachtsmarkt, Bad Berleburg-Elsoff-Dorfplatz
bis 27.11.2011
11:00 Weihnachtsmarkt, Bad Berleburg-Diedenshausen
27. Sonntag 1. Advent
18:00 Konzert mit dem Bach Chor Siegen:
60 Jahre Martini-Orgel, Martinikirche,
Siegen
28. Montag
14:30 Gedächtnistraining, Haus Herbstzeitlos,
Siegen, Marienborner Str. 151
14:30 AWO-Seniorentreff: Kaffeekränzchen,
AWO-Begegnungsstätte
Rosterstr. 186, Siegen
19:00 Selbsthilfegruppe Asthma, Haus
Herbstzeitlos, Marienborner Straße 151
Siegen - Hain
29. Dienstag
19:00 VHS/SeniorenServiceStelle-Vortrag
mit RA. u. Notar Michael Kringe:
Schenken mit „warmer Hand“, Rathaus
Netphen
20:00 Konzert: Klavierabend mit Bernd
Glemser, Hilchenbach-Dahlbruch, Gebrüder-Busch-Theater
Vorschau
Dezember 2011
2. Freitag
20:00 Stepp-Show: Lord of the Dance,
Siegerlandhalle, Siegen
3. Samstag
11:00 Weihnachtsmarkt, Bad Berleburg-Arfeld-Arfetalstr.
9. Freitag
19:30 Weihnachtskonzert mit dem Vikalquintett
Berlin, Schloss Berleburg
14.Mittwoch
20:00 Schauspiel: Rain Man, Hilchenbach-Dahlbruch,
Gebr.-Busch-Theater
Unterhaltung
„Rittergeschichten“
von Jürgen Ritter
Jugend
forscht
Es war eine Elf-
Uhr-Messe kurz
nach dem Krieg,
immer öfter wurde noch
der Strom abgestellt
und wir Messdiener
Jürgen Ritter
wurden zum Blasebalgtreten
für die Orgel eingesetzt.
Wir lösten uns
ab, und bei einer dieser Pausen stand ich neben der Orgel,
um dem begabten Organisten zuzuschauen. Mich wunderte,
dass er mit dem Fuß auf die Pedale der Orgel trat
und das erweckte meine Neugier; folglich trat ich während
des Spiels auch mal auf eine Pedale, was natürlich außer
einem schrägen Ton auch eine Backpfeife des Organisten
nach sich zog.
Dass sich der Organist damit keinen Gefallen tat, merkte
er, als ich beim nächsten Blasebalgtreten so nach und
nach mit dem Treten aufhörte. Der Organist rang mit den
Händen und der Schweiß stand ihm auf der Stirn; dann
war nichts mehr zu hören.
Ich, 10 Jahre alt, besann mich eines Besseren und trat
wieder auf den Balg. Nach der Messe beschimpfte mich
der Organist und haute mir eine runter, so dass ich Nasenbluten
bekam. Das sah der Kaplan und gab mir sein
Taschentuch (welcher Junge hatte schon ein Taschentuch
und wenn, was für ein`s, dabei).
Die kontroverse Auseinandersetzung zwischen Organist
und Kaplan endete mit einer Entschuldigung und
wir wurden – fast – Freunde. •
db-Foto
Während eines Gottesdienstes (ich stand neben
meinem Vater) tauchte plötzlich dieser Buchhalter mit
dem Klingelbeutel auf. Das war meine Chance! Ich sagte
noch meinem Vater, dass jetzt etwas passieren würde und
schon schoss mein Knie von unten gegen den Klingelbeutel
aus Korb, und das eingesammelte Geld flog durch den
hinteren Teil der Kirche auf den Steinboden. Alle bückten
sich, um dem armen Buchhalter zu helfen, nur ich nicht.
Natürlich stellte mich mein Vater zur Rede und der sagte,
nachdem ich ihm die Vorgeschichte erzählt hatte: „Junge,
das hätte ich an Deiner Stelle auch so gemacht“. •
Wasserspiele
Mein Bruder Volker und ich hatten ziemlich viel
Unsinn im Kopf. Unter anderem, wir waren 11
und 9 Jahre alt, „stach uns wieder mal der Hafer“
und wir sahen aus dem Erkerfenster unseres Hauses,
wie die Menschen vor der Pfützengischt vorbeifahrender
Autos wegsprangen. Das beflügelte uns, noch einen
draufzusetzen, indem wir einen Eimer Wasser auf die
Menschen kippten; sie hatten ja über sich einen Schirm.
Dass dieser bei der Wucht des Wasseraufpralls zur Seite
„flog“, machte uns besonders viel Spaß. Dieser verging
uns, als uns Vater nach der Beschwerde einzelner zur Rede
stellte und eine gehörige Tracht Prügel verabreichte.
Schade, es war doch so lustig. •
Ausbeutung
Mein Freund Rolf-Dieter und ich wollten uns
während der Ferien ein paar Mark verdienen
und bekamen einen Job bei einem Bauunternehmen
für DM 1,00 pro Stunde. Nach drei Wochen gingen
wir erwartungsfroh zum Lohnbüro, doch der Buchhalter
beharrte nur auf einer Zahlung von 0,50 DM pro
Stunde, weil das so ausgemacht worden sei. Mein Freund
und ich rannten noch in Arbeitskleidung zum Arbeitsgericht
(ich kannte einen Richter) und der verhalf uns zu
den versprochenen Stundenlöhnen von DM 1,00.
durchblick 3/2011 95
Leserbriefe
db 2/2011 Suche nach (Alters) Weisheit
Die Lektüre Ihres Artikels „Auf der Suche nach der
(Alters-)Weisheit“ hat mir Freude bereitet, mich aber
auch nachdenklich gestimmt. Aus meiner Sicht kann ich
praktisch allem zustimmen, was sie schreiben. Allerdings
scheint mir ein Aspekt der Weisheit zu kurz zu kommen.
Für mich steht die Weisheit auf drei Säulen: der Intelligenz,
der Lebenserfahrung und der Güte. Letztere habe ich, ohne
auf Einzelheiten Ihrer Argumentation eingehen zu wollen,
fast ganz vermisst. Und dabei meine ich Güte nicht in Form
von unreflektierten altersmildem Verstehen und Verzeihen,
sondern von aktivem, freundlichen Auf- den-Anderen-Zugehen
und förderndem Helfen wollen Anerkennung von
Unterschieden und Grenzen. Ich wäre interessiert zu erfahren,
was Sie zu dieser Ergänzung der Weisheit meinen.
Dr. Frieder Kötz
Sie fragen „Besitzen Sie Altersweisheit?“ Ich sehe die Eule
auf den Brockhaus-Lexika. Mein erster Gedanke: Es scheint
nur die ‚Klugheit’ darin verborgen zu sein. Ich prüfte meine
23er Brockhaus-Ausgabe was fand ich? Einzeiler zu ‚Weise’:
Weise aus dem Morgenland. Weiter unter Weisheit, 1.)
Kurzfassung Platons Kardinal-Tugend zur Weisheit. 2.) umfangreiche
Darstellungen zum Alten Testament, einschließlich
Hinweise auf Salomo. Ich war in Delphi am ‚Apollo-Tempel’
‚Erkenne dich selbst’ In Athen fragte ich nach Sokrates Antwort:
‚Ich weiß, dass ich nichts weiß’. Seine Xantippe war
offensichtlich der gleichen Meinung. Ich ging weiter nach
Ephesus zur Celsus-Bücherei mit der ‚Weisheitsgöttin Sophia’
und dann fuhr ich noch nach Istanbul zur ‚Hagia Sophia’.
Offensichtlich ist die weibliche Seelenkomponente für diese
Frage rettete die Weisheit sie wieder.
Dazu nochmals „Sokrates (469-399aC) im Gespräch
mit Phaidros“: Einen Weisen zu nennen, mein Phaidros, das
scheint mir zu hoch zu sein und allein für einen Gott angemessen
zu sein. Aber „Freund der Weisheit“ oder Ähnliches
wäre entsprechender.
Nun aber zu den ‚Drei Weisen aus dem Morgenlande’ am
6.1.01aC auf dem Weg nach Bethlehem: Man glaubte an eine
Sternenführung bis zum ‚Stern von Bethlehem’. Kepler hatte
für 7aC den Doppelstern Jupiter/Saturn berechnet. Dieser
Termin passt nicht. Wer hat aber die Drei Weisen über eine
Reisezeit von 2–3 Monaten zum richtigen Ort geführt? – Sie
waren Schüler eines ganz Großen Weisen, dem Zarathustra.
Dieser wusste über die Ankunft und Zeitpunkt des Jesus
Christus von Bethlehem und war ‚Führer’ der drei Weisen.
Die Schülerzeit lag aber über 1000 Jahre zurück. Dazu ein
paar Extras. Goethe sagte: ‚Wer nicht von 3000 Jahren sich
weiß Rechenschaft zu geben, bleib im Dunkeln unerfahren,
mag von Tag zu Tage leben’. (Divan, Buch des Unmuts). Und
Lessing sagt dazu in ‚Erziehung des Menschengeschlechts’:
Warum sollte ich nicht so oft wiederkommen, als ich neue
Kenntnisse, neue Fähigkeiten zu erlangen geschickt bin? Und
was ich auf jetzt vergessen muss, habe ich denn das auf ewig
vergessen?..Ist nicht die ganze Ewigkeit mein? Also die drei
Weisen haben früher zur Zeit Zarathustras gelebt und haben
‚seinen’ Auftrag ausgeführt. Zarathustra betete Ahura Mazdao
auf der Sonne an. Vor der Sintflut gab es das Sonnenorakel, zu
dem auch Noah gehörte.
Thomas von Aquin (1224–1274): Meditation, das göttliche
Denken ist Handeln in Weisheit. Der letzte große Universalgelehrte
des ausklingenden Mittelalters, Nicolaus von Kues
(1401–1464), war Philosoph, Mathematiker, Astronom und
Kardinal. In Rom begegnet er auf dem Markt einem Laien
und Löffelschnitzer, der weder lesen noch schreiben konnte,
aber über eine viel intimere Kenntnis der geistigen Welt verfügte,
als er selbst. Kues verfasst darüber eine Schrift „Idiota
de sapienta (Der Laie über die Weisheit) „Gottes Bücher sind
die Quellen meiner Weisheit“.
Der Dreißigjährige Krieg war ein Religionskrieg in Mitteleuropa
mit unvorstellbaren Ausmaßen. Das 19. Jahrhundert
und früher, im Zeichen der Aufklärung, machte Religion
zur Illusion mit Marx, Engels und sogar Nietzsche, der den
Tod Gottes verkündet. Dostojewskiy zeigt im ‚Großinquisitor’
auf, dass Jesus Christus nicht mehr gefragt ist. Hitler
und Stalin haben Kultur- und Religionswerte rücksichtslos
mit Füßen getreten. Auch die Kardinaltugend der „Klugheit“
des Platon wird durch den Sündenfall in seiner Erkenntnisfähigkeit
und der Erkenntnis Gottes eingeschränkt. (Siehe
2. Vatikanisches Konzil). Die Symbolstatue „Weisheit“ von
Utrecht ist die Orientierung.
Das ist der Weisheit letzter Schluss: Nur der verdient sich
Freiheit, wie das Leben, der täglich sie erobern muss. (Goethe,
Faust II, Großer Vorhof des Palastes).
Hartmut Gerkan
Ihren interessanten Artikel über die Weisheit im „Durchblick“
habe ich mit Vergnügen gelesen. Ihrer Aufforderung
an die Leser, eigene Gedanken und Erfahrungen niederzuschreiben,
komme ich gern nach. Um mit den Erfahrungen
gleich anzufangen: Einem Menschen; den ich mit Fug und
Recht als ganz und gar Weisen –vergleichsweise Diogenes in
der Tonne – bezeichnen würde, bin ich in meinem langen Leben
nie begegnet, und ich glaube auch, dass dies in unserem
Kulturkreis – besonders heutzutage – kaum möglich ist: einen
Menschen zu treffen, der ausschließlich über den Begriff
„Weiser“ zu definieren ist. Wohl aber sind mir Menschen
begegnet, die in schwierigen Lebenssituationen in Gedanken
und Handlungen Weisheit erkennen ließen, und die ich
dar ob bewundert habe. Menschen mit verschiedenem Hintergrund
und verschiedenen Alters, z. B. ein 12-jähriger
Junge, dessen Erklärungen über seine Träume und Gott eine
wunderbare Weisheit für mich erkennen ließen.
Für mich beinhaltet Weisheit immer auch einen gewissen
Anteil an Kreativität, bzw. letztere ist eine wichtige Facette
von Weisheit. Folglich findet man sie selten bei erfolgreichen
Menschen: sie haben ja keinen Anlass, über den Sinn
des Lebens nachzudenken – es läuft ja doch alles für sie wie
96 durchblick 3/2011
Leserbriefe
geplant und gewünscht. Aber Menschen mit Problemen, Einschränkungen,
z. B. alte Menschen, Kinder und Behinderte
müssen viel Kreativität entwickeln, um ihr Leben annehmen
zu können und es gut zu finden. Und das Gelingen stellt für
mich auch eine Form von Weisheit dar. Lieber Herr Freundt.
Sollten Sie für sich selbst auch nach Weisheit streben (und
nicht nur nach Wissen über Weisheit trachten), sind Sie sicher
auf einem guten Weg – oder vielleicht sogar schon angekommen?
Letzteres wünscht Ihnen herzlich
Addy Knabe, Siegen
Für mich gehört zur Weisheit in jedem Fall Distanz
gegenüber sich selbst und gegenüber dem/den Anderen.
Um nicht in Selbstbezogenheit und eventuell Selbstmitleid
zu versinken, ist es sinnvoll, sein eigenes Denken
und Handeln immer wieder mit Abstand zu betrachten.
Vielleicht ist einem dann manchmal sogar ein humoriges
Augenzwinkern möglich! Und ebenso bei den Menschen
um uns herum hat Distanz mit Kühle oder Desinteresse
nichts zu tun. Vielmehr bewahrt sie uns davor, Erwartungen
an Andere zu haben, sie zu manipulieren, sie zu
be- oder verurteilen, sondern ihnen vielmehr mit gütiger
innerer Anteilnahme zu begegnen.
Nun mag es scheinen, dass eine solche Grundhaltung u.
U. zu äußerer Einsamkeit führen könnte. Ja, aber wir sind
doch „da“, aufmerksam und achtsam, den/die Anderen in
seinem/ihrem So-Sein begleitend. Und im Bewusstsein
des gemeinsamen Eingebettet-Seins in das grosße Ganze
des Lebens....
In der Hoffnung, dass meine Ansichten (Erfahrungen)
nicht zu sehr verklausuliert sind, grüße ich Sie aus den Niederlanden,
wünsche Ihnen eine anregende Diskussion mit
Ihren Lesern und weiterhin viel Erfolg bei der Gestaltung
des „durchblick“. Übrigens haben mich Ihre alten Fotos
„Kinder mit Teddy“ im neuen „durchblick“ so be- und gerührt,
dass ich Ihnen spontan dazu noch eines von mir zuschicken
möchte: mit etwa 3 Jahren (1946), blass und ernst,
mit dem Teddy als Halt, ein Kriegskind eben, wie so viele....
Anne Stötzel-Rinder, Vlissingen NL
Wie wir den Sinn dafür verlieren, nachzudenken, ob
der Fortschritt dieser schnelllebenden Zeit nicht oft auch
Rückschritt bedeutet? Altersweisheit hilft da nicht. So
bleibt uns Alten nur vorzuleben, Egoismus abzubauen,
dem Leben einen Sinn zu geben, und zu fragen, was wir
unseren Nachkommen einmal hinterlassen. In diesem Sinne
bin ich mit meiner Weisheit am Ende!
Inge Ketteler, Siegen?
Mich drängt es, Ihnen einmal für Ihre Redaktionsarbeit am
„Durchblick“ meine Anerkennung auszusprechen. Ich habe
mehrere Hefte dieser Zeitschrift gelesen. Sie bringen vielen
etwas auf regelmäßig hohem Niveau. Diese Mail ausgelöst
hat aber Ihr Essay „Auf der Suche nach der (Alters) Weisheit.“
Solch eine gründliche philosophische Arbeit kann man nicht
in einem kostenlos angebotenen Heft erwarten. Ich habe mich
gefreut und warte schon gespannt auf die nächste Ausgabe.
Albert Stahl, Wenden
db 2/2011 Ab auf die Insel
Zu dem von Frau Eva Maria Herrmann aufgeführten
Artikel möchte ich anmerken: Auf Langeoog gibt es keinen
Leuchtturm (S.21 rechts oben 7. Zeile). Es handelt sich um
den Wasserturm!
Brunhilde Braun
Mit großem Interesse habe ich das Essay über „Alters-Weisheit“
mehrmals gelesen. Es hat mich tagelang beschäftigt! Und,
wenn Weisheit von Wissen kommt, muss ich (83 Jahre) bei Altersweisheit
passen. So fällt es mir auch schwer, dazu Stellung
zu nehmen. Erst neulich fragte mich eine junge Frau, ob mit
dem Alter eine gewisse Gelassenheit eintritt? Ja, nicht nur das,
sondern auch Toleranz Andersdenkender zu üben! Aber auch
ein Erschrecken darüber, wie wir mit unserer Umwelt umgehen,
eine Wegwerfgesellschaft geworden sind, und Menschen
erzogen werden – sowohl beruflich, wie auch privat –,
Leistung zu bringen. Und diejenigen, die diese Leistung nicht
bringen, es selbstverständlich finden, den Sozialstaat in Anspruch
zu nehmen.
durchblick 3/2011 97
Unterhaltung / Impressum
Es fiel uns auf …
…dass Olivenöl Schlaganfälle verringern kann. Französische
Forscher fanden jetzt heraus, dass der Verzehr von
Olivenöl das Schlaganfallrisiko vor allem bei älteren Menschen
verringern kann. Wer Olvenöl zum Kochen, Backen
oder als Salatdressing verwendet, senkt das Risiko um 40%.
…dass ein blumiger Duft Frauen schlanker wirken
lässt. Forscher der Uni Bochum wollen herausgefunden haben,
dass Frauen, die blumige Düfte wie Jasmin oder Rose
tragen, von Männern bis zu sechs Kilo leichter geschätzt
werden. Heißt das nun für die Damen: Ab in die Parfümerie
statt ins Fitness-Studio?
…dass ein intelligentes Implantat Brüche heilt. Wollen
komplizierte Brüche nicht verwachsen, leiden die Patienten
monatelang unter Schmerzen. Ärzte haben nun ein „intelligentes“
Implantat für den Oberschenkel entwickelt, das
die Heilungschance erhöht. Es wird eine Metallplatte eingesetzt,
in die ein Elektronik-Chip eingebaut ist. Er liefert
per Funk Daten über den Knochenwuchs. homa
Gedächtnistraining: Lösungen von Seite: Seite 78/79
Lustige Rätsel: Bückling, Uhu, Taube, Blindschleiche. Logische Reihe:
DD9-FF8-HH7-JJ6-LL5..., 19-22-20-23-21-24-22-25..., 6-3-X-8-4-W-10-5-
V-12-6-U-14-7-T. Bundesländer: 1. Schleswig-Holstein/Kiel, 2.Hamburg/
Hamburg 3.Mecklenburg-Vorpommern/Schwerin, 4.Niedersachsen/
Hannover, 5. Bremen/
Bremen, 6.Brandenburg/
Potsdam, 7.Berlin/
Berlin, 8.Sachsen-Anhalt/
Magdeburg, 9.Nordrhein-
Westfalen/Düsseldorf,
10.Rheinland-Pfalz/
Mainz,11.Saarland/
Saarbrücken, 12.Hessen/
Wiesbaden, 13. Thüringen/
Erfurt, 14.Sachsen/Dresden,
15.Baden-Württemberg/
Stuttgart, 16. Bayern/
München. Gegenteile:
dumm, früh, subjektiv,
flüstern, leeren, tadeln,
Reichtum, Zwerg, Chaos.
Zu guter Letzt:
Konzentriertes Lesen:
Joachim Ringelnatz
Septembergedicht
Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
mit einem grünen Reis.
Verstecke dich faul in die Fülle der Gräser,
weil´s wohltut, weil´s frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser,
und hast du eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.
Und lass deine Melodien lenken
von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf
Der Staatshaushalt muss ausgeglichen sein.
Die öffentlichen Schulden müssen verringert,
die Arroganz und Willkür der Behörden muss
gemäßigt und kontrolliert werden.
Die Zahlungen an ausländische
Regierungen müssen reduziert werden,
wenn der Staat nicht bankrott gehen soll.
Die Leute sollen wieder lernen, zu arbeiten,
statt auf öffentliche Rechnung zu leben.
Wenn Sie nun glauben, dieser Aufruf stamme von unserem
Finanzminister, Herrn Schäuble, so irren Sie gewaltig.
Schon 55 v. Chr. mahnte im alten Rom Marens Tullius
Cicero vor einer überbordenden Staatsverschuldung.
durchblick
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98 durchblick 3/2011
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Als einziges Krematorium in Deutschland haben wir daher
eine eigene Zeremonie der Feuerbestattung entwickelt.
Wir führen diese Zeremonie für jeden Verstorbenen durch.
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