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Inhaltsübersicht / Aus der Redaktion

Nachrichten aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein 6

Jubiläum 25 Jahre durchblick14

Erinnerungen an Inge Göbel 36

73 Eier und 7 Pfund gute Butter 42

Pech mit Mäxchen 44

Em Peardsschdall - Im Pferdestall 46

Halbinsel Balkonien 48

Dumm gelaufen 50

Zahnarzt-Geschichten51

Tante Meta, das Schlitzohr 52

Das wundersame Gleichnis / Freche Elstern 53

Buchbesprechungen / Der Wettergott54

Hannelore Münch - Sie passt in keine Schublade 56

Wenn alle Brünnlein fließen 58

Ich will in der Eisdiele nicht zugeraucht werden 59

Nichtraucherschutz / Einschulung vor 65 Jahren 60

Kochseite 62

Der Halbmond auch über dem Siegerland / Begegnung auf Java64

Schön war die Zeit in der „Eintracht“ / Oldies von Oldies 66

„Lieber kaputt als sich selbst befuddeln“ 68

Venus von Weißenberg 70

Schreib mal wieder / Ex 71

Birlenbacher Elegie / Vom ZIVI zum BUFDI72

Geschichte74

.....er ist gefallen 76

Gedächtnistraining78

Hallo ICH, wer bist Du? 80

Haus Herbstzeitlos 88

Veranstaltungshinweise89

Rittergeschichten95

Leserbriefe96

Es fiel uns auf... / Lösungen / Zu guter Letzt / Impressum 98

Liebe Leserinnen und Leser, diese Ausgabe Ihres durchblick ist von unserem Jubiläum

geprägt! Sie halten die einhundertste Ausgabe des durchblick in Händen. Auf diesmal 100

Seiten haben wir uns wieder bemüht, ein breites Spektrum an Nachrichten, Unterhaltung

und Informationen zusammenzutragen.

Auf den Jubiläumsseiten 19–23 können Sie die Veränderungen Ihres durchblick an den

Titelbildern der vergangenen 25 Jahre erkennen. Die organisatorische Entwicklung wird

deutlich in dem Text von Kirsten Schwarz „Schon wieder ein Jubiläum“, auf den Seiten

16 und 17. Frau Schwarz, Historikerin aus Hilchenbach, begleitet den durchblick seit dem

20-jährigen Jubiläum im Jahr 2006. Sie hatte damals die Entwicklung unserer Zeitung beruflich

aufgearbeitet. Ihr Bericht ist sozusagen der Beitrag einer „Leserin mit Innenansichten“.

Besondere Freude haben uns die Grußworte der Gesundheitsministerin Barbara Steffens,

der Vorsitzenden des Landesseniorenvertretung Gaby Schnell und des Vorsitzenden

des Siegener Seniorenbeirats, Bernd Alberts, gemacht. Alle drei finden auf den Seiten 14

und 15 anerkennende Worte für die ehrenamtliche Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

die am Gelingen des Projekts durchblick beteiligt sind.

Auch unser Dank gilt vor allem den Kolleginnen und Kollegen, die nicht im „Rampenlicht“

stehen, die im Hintergrund dafür sorgen, dass alles “rund läuft“, dass die Verwaltungsarbeit

getan wird, dass die vielen Vereinsprojekte organisiert werden und dass Sie Ihre

Zeitung regelmäßig, pünktlich, viermal im Jahr in Ihrer Verteilstelle finden.

Wir wünschen Ihnen einen wunderschönen „goldenen Herbst“ und natürlich viel Freude

beim Lesen des neuen durchblick.

durchblick 3/2011 3


4 durchblick 3/2011


durchblick 3/2011 5


Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein

Fachbereichsspitze in den Ruhestand verabschiedet

„Lichtgestalten“ ganz in Weiß: Die neuen Ruheständler Horst Fischer (rechts) und

Agnes Juchem-Voets (Mitte) mit den Gratulanten Prof. Dr. Stefan Sell, Bürgermeister

Steffen Mues, dem 1.Beigeordneten Reinhold Baumeister und der Siegener Stadträtin

Babette Bammann (im Bild von links).

Siegen. Großer Bahnhof in der Weidenauer

Bismarckhalle: Mit Horst Fischer,

Leiter des Fachbereichs Soziales,

Familien, Jugend und Wohnen in der

Stadt Siegen, und seiner Stellvertreterin

und Abteilungsleiterin Agnes Juchems-

Voets wurden gleich zwei langjährige

Führungspersönlichkeiten der Verwaltung

in den Ruhestand verabschiedet.

Sicher ist der für beide „wohlverdient“

– obwohl sie noch eine eher kürzere

(Horst Fischer) bzw. längere (Agnes

Juchems-Voets) Haltbarkeitsdauer vor

sich hatten. Gleichwohl, der neue Lebensabschnitt

wurde auf jeden Fall „zur

rechten Zeit“ angetreten, wie Gastredner

Prof. Dr. Stefan Sell (Direktor vom

Institut für Bildungs- und Sozialpolitik

der FH Koblenz) betonte, indem er

schelmisch anmerkte: „Ihre Nachfolger

werden es wohl bis zum 75. Lebensjahr

in ihrem Beruf aushalten müssen.“

Nahezu 50 Jahre hat Horst Fischer

der Stadt Siegen „am Stück“ gedient,

hat nahezu alle Ämter und Dienststellen

durchlaufen und, wie Bürgermeister

Mues betonte, besonders in der Kämmerei

und beim Rechnungsprüfungsamt

6 durchblick 3/2011

Foto: Dr. Horst Bach

„gut aufgepasst“. Im April 1961 trat er

seine Verwaltungslehre an, 1985 wurde

er Jugendamts- und 1996 Fachbereichsleiter.

Als Städtischer Verwaltungsdirektor

unterschrieb Horst Fischer seinem

Chef Steffen Mues noch am „Tatort“

Bismarckhalle die Zurruhesetzungsurkunde.

Hier hatte Horst Fischer auch

vor 50 Jahren sein Vorstellungsgespräch

für eine Verwaltungslehre bei der Stadt

Siegen geführt.

Auch für Agnes Juchem-Voets gab es

nur Bestnoten in ihren Diestzeugnissen,

aus denen der Bürgermeister beispielhaft

vier Sätze zitierte. 34 Jahre war die

ausgewiesene Promlemlöserin in städtischen

Diensten, 15 Jahre stand sie an

der Spitze des Abteilung Soziale Dienste

(ASD). Die Anwesenheit zahlreicher

freier Träger und vieler Fachkräfte zeigte

insgesamt die Wertschätzung für Horst

Fischer und Agnes Juchems-Voets.

Auf gute

Nachbarschaft

Geisweid. Anfang Juli 2011 fanden von

der Kreissiedlungsgesellschaft (KSG)

organisierte „Aktionstage“ statt. Im

Servicebüro der KSG hatten HobbymalerInnen

Aquarelle, Acrylbilder und

Filzarbeiten ausgestellt. Auch selbst

hergestellter Modeschmuck wurde dort

zum Kauf angeboten. Für die Besucherinnen

und Besucher war es sehr beeindruckend,

was die Künstler geschaffen

hatten. Im Nachbarschaftscafé konnte

sich bei frischen Waffeln und Kaffee

gestärkt werden. Am nächsten Tag wurde

zum Sektfrühstück eingeladen, bevor

am Nachmittag die „Grillmeister“

das Feld beherrschten. Die Frauen steuerten

Salate und Nachspeisen bei. Die

unterschiedlichen Herkunftsländer der

Bewohner machten sich auch im Speiseangebot

bemerkbar. Neben schlesischen

Mohnklößen, (die eigentlich gar keine

Klöße sind), gab es eine Vielzahl von

Gerichten, die manch einem noch fremd

waren. Später präsentierte ein Nachbar

„Songs“ von Elvis. Presley. bla


Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein

Seniorenbeiratsvorsitzender Bernd Alberts wurde 70 Jahre alt

Siegen. Bernd Alberts, Vorsitzender

des Seniorenbeirates der Stadt Siegen,

beging am 9. August 2011 „in aller Stille“

seinen 70. Geburtstag. Großer Rummel

um seine Person ist dem gebürtigen

Klafelder, der immer ein „Mann der Tat“

gewesen ist, nämlich bis heute fremd.

Neun Jahre gehört Bernd Alberts

bereits dem Seniorengremium der

Krönchenstadt an. Seit vier Jahren ist

er dessen Vorsitzender und damit Nachfolger

des inzwischen zum Ehrenvorsitzenden

ernannten letzten Geisweider

Bürgermeisters Hans Berner.

„Helfende Hände“ hat der Geburtstagssenior

über 50 Jahre lang im Deut-

Gaby Schnell besucht Siegen

LSV-Vorsitzende an regionaler Altenarbeit interessiert

Siegen. Begeistert von den Alteneinrichtungen

und der Seniorenarbeit der Stadt

Siegen zeigte sich jetzt Gaby Schnell, die

Vorsitzende der Landesseniorenvertretung

NRW bei ihrem eintägigen Besuch

in der Krönchenstadt. Zunächst besuchte

sie die Regiestelle „Leben im Alter“ im

Rathaus Weidenau, wo ihr deren Leiterin

Astrid E.Schneider die großzügigen Beratungsräume

und die vielfältigen Seniorenangebote

der Regiestelle zeigte.

Beim anschließenden Erfahrungsaustausch

mit dem Vorstand des Seniorenbeirates

der Stadt Siegen kamen besonders

die Themen Altersarmut, Wohnen

im Quartier und Pflege zur Sprache.

Beiratsvorsitzender Bernd Alberts: „Wir

müssen uns vor allem um die älteren

Menschen kümmern,

die von der Grundhil-

Seniorenbeirat-Foto

feunterstützung der

Stadt leben oder als

verschämte Arme diese

gar nicht anfordern.“

Im „Haus Herbstzeitlos“

beeindruckte die

Landesvorsitzende die

Qualität und Verschiedenartigkeit

der dort

ansässigen Gruppen.

So konnte sie von der

Vorsitzende Maria Mücke

etwas über den Verein Altenhilfe e.V.

erfahren und sich in der Redaktion der

Seniorenzeitschrift „Durchblick“ über

die Entstehung verschiedener Publikationen

und Projekte informieren.

Im Gespräch mit dem Stadtoberhaupt

standen vor allem die Mitwirkungsmöglichkeiten

der Seniorenbeiräte (nur jede

3. Kommune in Nordrhein-Westfalen

hat eine solche Einrichtung) und deren

angestrebte Verankerung in der Gemeindeordnung

des Landes zur Diskussion.

Erfreut zeigte sich die Landesvorsitzende,

dass die Stadt Siegen inzwischen

den Seniorenbeirat gemeinsam mit dem

Integrationsrat und dem Behindertenbeirat

in die Hauptsatzung der Stadt

Siegen aufgenommen hat. hoba

Nach dem Besuch im Siegener Rathaus (von lks): Steffen Mues,

Gaby Schnell, Bernd Alberts sowie die Vorstandsmitglieder des

Seniorenbeirates, H. Plate, M. Horak und Dr. M. Czell.

schen Roten Kreuz bewiesen, wo er seit

1959 aktives Mitglied ist. „Führungspositionen“

waren ihm dabei auf den Leib

geschrieben: 15 Jahre wirkte der hauptberufliche

Großhandelskaufmann als

Bereitschaftsführer beim DRK Siegen-

Nord. Darüber hinaus war er viele Jahre

lang stellv. Kreisbereitschaftsführer und

Kreisbereitschaftsleiter für das Siegerland.

Das DRK dankte Bernd Alberts

für seine großen Verdienste u.a. mit der

Verleihung des goldenen Ehrenzeichens.

Das von ihm organisierte „Musikfest der

Nationen“ lockte im Jahre 1979 für wohltätige

DRK-Zwecke mehr als 12.000

Zuschauer in das ausverkaufte Klafelder

Hofbachstadion. In dieser Zeit wirkte

Bernd Alberts auch als Mitorganisator

beim Stadtteiljubiläum „900 Jahre Klafeld“

mit.

hoba

Nachruf

Am 16. Juni 2011 verstarb nach

langer, schwerer Krankheit ein

stets hilfsbereiter Freund und

Förderer des „durchblick“

Herr Rolf Kretzer

im Alter von 77 Jahren. Noch im

Januar konnten er und seine Frau

Giesela im Kreis ihrer Familie

und Freunde ihre goldene Hochzeit

feiern. Durch seinen Tod verlieren

wir einen in vieler Hinsicht

kompetenten Ansprechpartner,

der uns immer verlässlich mit Rat

und Tat zur Seite stand.

Wir werden seine liebenswerte

und menschliche Art, uns zu beraten

und zu unterstützen, vermissen

und sein Andenken in Ehren

halten.

Vorstand und Mitglieder von

durchblick-siegen

Information und Medien e.V.

Horst Mahle

1. Vorsitzender

Friedhelm Eickhoff

Redaktionsleiter

durchblick 3/2011 7

Foto: Dr. Horst Bach


Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein

Eindrucksvolle Tage in Berlin

AWO-Reisegruppe besuchte Hauptstadt

Siegen-Wittgenstein „Berlin ist eine

Reise wert“, lautete die einhellige Meinung

einer 30-köpfigen Gruppe des

AWO-Kreisverbandes, die im Rahmen

einer einwöchigen Studienreise die deutsche

Hauptstadt erkundete. Ausgehend

vom Robert-Tillmanns-Haus im Stadtteil

Zehlendorf, standen zahlreiche Besichtigungen

auf dem Programm. Interessante

Vorträge stimmten die Teilnehmer auf

die täglichen Exkursionen ein.

Bei jedem Schritt konnte die Reisegruppe

entdecken, wie grundlegend sich Berlin

in den letzten zwei Jahrzehnten verändert

hat. Zwischen Reichstag und Potsdamer

Platz ist viel Neues entstanden. Die Luft

der großen Politik schnupperten die Teilnehmer

im Bundestag und dem Abgeordnetenhaus.

Leider blieb ihnen der geplante

Besucher im Kanzleramt verwehrt, weil

Autorenfoto

Auf Spurensuche – die Reisegruppe informiert sich am Denkmal „Gleis 17“ über

das Schicksal der Juden in Berlin.

der französische Staatspräsident Nicolas

Sarkozy zu Gast war.

Der Besuch in den Hackeschen Höfen

und die Besichtigung des Denkmals

„Gleis 17“ vermittelten intensive Eindrücke

der jüdischen Geschichte. Auch

der Blick hinter die Mauern des ehemaligen

Stasi-Gefängnisses Hohenschönhausen

sorgte für beklemmende Gefühle.

„Wir haben in diesen Tagen mehr

von Berlin gesehen, als so mancher Einheimische“,

resümierte Reisebegleiterin

Hildegard Neumann am Ende der Tour.

Sie sorgte auch für ein abwechslungsreiches

Rahmenprogramm an den freien

Abenden. So wird den Teilnehmern der

Besuch der Tanzrevue „Yma“ im Friedrichstadtpalast,

die Las-Vegas-Feeling

an die Spree zaubert, noch lange in Erinnerung

bleiben. •

Schlüsselübergabe

Geisweid. Der Verein „ATEMPAUSE

Hüttental e.V. – ökumenischer Entlastungsdienst

für pflegende Angehörige“

hat am Hans-Böckler-Platz 9 im Servicebüro

der KSG im Wenscht ein neues

Zuhause gefunden. Der Verein bietet dort

eine regelmäßige Beratungsstunde an.

„Meine Kollegin oder ich werden jeden

Dienstag von 9.30 Uhr bis 11.00 Uhr im

Büro sein und für Beratungen zur Verfügung

stehen“, erklärt die Einsatzleiterin,

Frau Fritsche. ATEMPAUSE bietet pflegenden

Angehörigen von Menschen mit

Demenz eine Betreuung zu Hause oder in

der Betreuungsgruppe an. Ziel ist es, die

pflegenden Angehörigen zu entlasten. In

der Beratungsstunde können alle Fragen

rund um solche Einsätze und weiteren

Entlastungsmöglichkeiten geklärt werden.

Auch die Möglichkeiten der Finanzierung

solcher Einsätze können mit den

Einsatzleitungen besprochen werden.

„Es ist uns wichtig, die pflegenden Angehörigen

so zu entlasten, dass sie die Betreuung

zu Hause lange, aber vor allem

auch mit Freude, tun können. Wir wissen,

wie schwer das manchmal sein kann“, betont

Frau Jaschke von der Einsatzleitung.

Im Verein ist man sehr froh und dankbar,

dass die KSG die vorwiegend ehrenamtliche

Arbeit des Vereins so unterstützt. •

Autorenfoto

Gemütlich radeln

Geisweid. Im Frühjahr 2010 entschlossen

sich einige Besucher des MehrGenerationenHaus

(MGH) Geisweid dazu,

als Alternative zum Angebot des MGH:

„Mittwoch´s 3000 Schritte extra“ für

Wanderer, etwas für die Fahrradfahrer

anzubieten. Sofort wurden „Nägel mit

Köpfen“ gemacht und drei Fahrradfahrer

begannen dienstags unter dem Motto:

„3000 Radumdrehungen extra“ kleine

Radtouren zu unternehmen. Mittlerweile

ist die Zahl der Radler auf zehn angestiegen.

Da hier durchaus noch Platz für weitere

Radler ist, laden

die Pedalritter ein,

sich anzuschließen.

Abfahrt ist jeweils

dienstags um 17:00

Uhr am MGH Geisweid,

Obere Kaiserstraße

6. Gemütliche,

20 km kurze

Touren warten auf

die Teilnehmerinnen

und Teilnehmer.

Weitere Informationen erhalten Sie

bei Karl Heinz Grebe 0175/1977236

8 durchblick 3/2011

Autorenfoto


Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein

Wechsel im Kursana

Senioreneinrichtung unter neuer Leitung

Autorenfoto

Siegen. Dieter Weltermann-Kluwe (Bild

rechts) ist neuer Direktor das Kursana-

Domizils Theodor-Keßler-Haus. Der

45-Jährige übernahm die Leitung des

Hauses, nachdem die bisherige Direktorin

Annemarie Selbach nach langer,

schwerer Krankheit verstarb.

Der neue Einrichtungsleiter war zuvor

Pflegedienstleiter einer Kursana- Einrichtung

in Krefeld.

„Ich habe mir viel vorgenommen“,

umreißt der neue Direktor seine Arbeit

in der Siegener Einrichtung. Für ihn sei

selbstverständlich, die ständige Qualitätsverbesserung

der Altenpflege als Ziel

vor Augen zu haben: „Dabei können wir

hier auf der sehr guten Beurteilung durch

den medizinischen Dienst der Krankenkassen

(MDK) aufbauen.“ Individuelle

Zuwendung soll den Bewohnern mehr

Lebensqualität ermöglichen.

Für Weltermann-Kluwe zählt aber

nicht nur gute Betreuung und hervorragender

Service, sondern auch in der

Zufriedenheit der Mitarbeiter. „Ich

möchte, dass Pflege nicht nur schwer

ist, sondern auch Freude macht.“ Daher

sollen auch Lachen und gute Laune bestimmend

für das Arbeitsklima sein. •

Schenken mit „warmer Hand“

Vermögensübergabe an die nächste Generation

Autorenfoto

Michael Kringe, Rechtsanwalt und

Notar aus Wilnsdorf

Netphen/Kreuztal. Milliarden Euro

werden in den nächsten Jahrzehnten von

einer Generation auf die nächste weitergegeben.

Soll man mit „kalter“ Hand

vererben, oder mit „warmer“ Hand

(Übertragung in vorweggenommener

Erbfolge) sein Vermögen an die nächste

Generation weitergeben?

Wie sichere ich mich ab (Wohnrecht,

Nießbrauch und Pflege)? Wie kann ich

mich absichern, wenn ich als Übergeber

Sozialhilfe in Anspruch nehmen muss?

Wie werden Geschwister „abgefunden“?

Was tun, wenn der Übernehmer

sich überschuldet, scheiden lässt oder

selbst Sozialleistungen in Anspruch

nehmen muss (z.B.: Hartz IV)?

Die Zeiten, in denen man ohne größeres

Nachdenken sein Vermögen (und

damit sein Schicksal) in jüngere Hände

gibt, sind vorbei.

Gestaltungsfragen bei Überlassungsverträgen

mit der jüngeren Generation, aber

auch zwischen Ehepartnern, werden bei

dieser Veranstaltung der Seniorenservicestelle

Netphen und der Zukunftsinitiative

„Leben und Wohnen im Alter“ erörtert.

Der Referent ist seit Jahrzehnten als

Rechtsanwalt und Notar mit diesen Fragestellungen

beschäftigt.

Termine finden Sie in unseren Veranstaltungshinweisen.

15. 11. in Kreuztal

und 29. 11. in Netphen. •

durchblick 3/2011 9


Ihr Ansprechpartner:

Reiner Jakobs

Zukunftsinitiative

Siegen-Wittgenstein 2020

Programmleitung

„Leben und Wohnen im Alter“

Servicezentrum für soziale Beratung,

Betreuung und Prävention

Bismarckstr. 45, 57076 Siegen

0271/333-2720

E-Mail: lwa@siegen-wittgenstein.de

10 durchblick 3/2011


Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein

Siegener

Seniorenbeirat

Foto: Dr. Horst Bach

„Marktfrauen“

erfreut

Geisweid. Dankbar für den neuen Fußgängerüberweg

in der Dr.-Karl-Barich-

Straße zeigten sich jetzt fünf hochbetagte

Seniorinnen aus dem Geisweider

Drosselweg und seiner Umgebung.

Renate Pohl, Kläre Langenberg, Gisela

Holstein, Ute Amely und Magda

Schramm (im Bild von links) treffen

sich schon seit vielen Jahren jeden

Samstagmorgen an der Haltestelle am

kleinen Schwanenteich zur Einkaufstour

per Bus zum Klafelder Markt. Doch die

Überquerung der Straße wurde wegen

des zunehmenden Verkehrs zuletzt immer

gefährlicher. Nach über einjährigen

Bemühungen und unter Mithilfe von

Hans Amely, dem „Hans Dampf in allen

Gassen“ der Wenschtsiedlung, hat

die Stadt Siegen jetzt den neuen Zebrastreifen

geschaffen, der nun eine sicher

Überquerung der Straße zur Haltestelle

(im Hintergrund) ermöglicht. hoba

Siegen. Der Seniorenbeirat der Stadt

Siegen will in Zukunft noch näher bei

den älteren Menschen in der Krönchenstadt

sein.

So wurde bei der Juli-Beiratssitzung

mit großer Mehrheit einem Antrag

stattgegeben, ab sofort eine der jährlichen

Seniorenbeiratssitzungen in einer

Siegener Alteneinrichtung durchzuführen.

In der obligatorischen Fragestunde

stand noch einmal das vom Seniorenbeirat

bereits per Beschluss geforderte

Stimmrecht in den städtischen Ausschüssen

auf dem Prüfstand. Beiratsvorsitzender

Bernd Alberts berichtete

über die Bemühungen des Vorstandes

in diese Richtung. Als erster Schritt

müsse zunächst die Aufnahme der

Seniorenbeiräte in die Gemeindeordnung

des Landes Nordrhein-Westfalen

erfolgen. Dafür kämpft auch die Landesseniorenvertretung

(LSV), deren

Vorsitzende Gaby Schnell an der Beiratssitzung

teilnahm.

Polizeibesuch

Foto: Dr. Horst Bach

Weidenau. Über die Arbeit der Kreispolizeibehörde

informierte sich jetzt der

Arbeitskreis „Mobilität und Verkehr, Öffentliche

Sicherheit und Ordnung“ des

Seniorenbeirates der Stadt Siegen.

Im Hof des Polizeigebäudes begrüßte

Polizeidirektor Wilfried Bergmann

(3.v.re.) die Seniorenvertreter mit ihrem

Arbeitskreisleiter Helmut Plate (5.v.re.).

Anschließend erfolgten umfangreiche Informationen

über die vielfältigen Aufgaben

der Polizeibeamten. Drogen-, Alkohol-

und Medikamentenmissbrauch und

die damit zusammenhängenden Vergehen

weckten das besondere Interesse der Beiratsmitglieder.

Mit einer 60-prozentigen

Aufklärungsquote liege die gut vernetzte

Polizei des Kreises Siegen-Wittgenstein

im Land Nordrhein-Westfalen an vorderer

Stelle, so Polizeichef Bergmann.

Besonderes Interesse fanden auch

die Ausführungen von Hauptkommissar

Uwe Weinhold, der im technisch

mit höchsten Standards ausgestatteten

Schießkino diverse Stresssituationen

vorführte, denen sich die Polizeibeamten

täglich ausgesetzt sehen. hoba

Die Landesvorsitzende forderte die

Beiratsmitglieder dazu auf, sich zunächst

als „sachkundige Bürger“ von

den Parteien für die Wahl in einen

städtischen Ausschuss vorschlagen zu

lassen, um neben dem Rede- auch ein

Stimmrecht zu bekommen. Denn die

Seniorenarbeit müsse gerade vor dem

Hintergrund des demografischen Wandels

ein unverzichtbarer Schwerpunkt

auch in jeder Parteipolitik sein.

Erfreut nahmen die Beiratsmitglieder

zur Kenntnis, dass der Rat der Stadt

Siegen jetzt endlich die Erstellung

des vom Seniorenbeirat geforderten

Armutsberichts beschlossen hat. Die

Verwaltung will ihn im nächsten Jahr

auf den Weg bringen. Auch der Seniorenbeirat

will dann einen ausführlichen

Tätigkeitsbericht über die Wahlperiode

2007 – 2012 vorlegen.

Im Sommer des nächsten Jahres

steht in der Krönchenstadt nämlich die

Neuwahl des Seniorenbeirates an, die

erneut in Form einer Briefwahl durchgeführt

werden soll.

hoba

durchblick 3/2011 11


Partner in Sachen Weiterbildung

700

VHS-Kurse

im Kreisgebiet von September 2011

bis Januar 2012

17 Kurse

Englisch für Ältere

Vom Einseigerkurs bis zu Fortgeschrittenen

Siegen-Wittgenstein

Unsere Volkshochschule

in Bad Berleburg, Bad Laasphe, Burbach, Erndtebrück, Freudenberg,

Hilchenbach, Kreuztal, Netphen, Neunkirchen und Wilnsdorf

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Feldenkrais, Meditation, etc.


Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein

„SafE“ für das kostbare Ehrenamt

AWO und Stadt Siegen eröffneten gemeinsame Agentur

Eine wichtige Kooperation für das

Ehrenamt sind die Arbeiterwohlfahrt

und die Stadt Siegen eingegangen.

In enger Zusammenarbeit wollen die

beiden Partner die neu eingerichtete

„Siegener Agentur für Ehrenamt“, kurz

„SAfE“, für alle am Ehrenamt Interessierte

betreiben.

Beratung, Vermittlung, Betreuung

und Begleitung von Ehrenamtlichen

stehen dabei ausdrücklich im Vordergrund.

„Wer zu uns kommt, kann nicht

nur erfahren, welche Einsatzmöglichkeiten

es in seinem Umfeld gibt,

sondern wird auch sehr individuell

während seiner Tätigkeit begleitet“,

betonen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

von „SAfE“.

Gleiches gilt natürlich auch für soziale

Einrichtungen oder Vereine, die

auf der Suche nach passender, ehrenamtlicher

Unterstützung sind. Die

„Siegener Agentur für das Ehrenamt“

versteht sich als Brücke zwischen potenziell

freiwillig Tätigen und gemeinwohlorientierten

Einrichtungen, die auf

deren Mitwirken angewiesen sind. Die

Abkürzung des Namens in „SAfE“ soll

die Assoziation zu etwas Kostbarem

wecken – so kostbar und wertvoll,

dass es in einem Safe gesichert werden

muss. Ziel ist es, eine Plattform

zu schaffen, Siegen gemeinschaftlich –

von Siegener Einwohnern für Siegener

Einwohner – den Rücken zu stärken

für die Herausforderungen des demographischen

Wandels.

In fast allen sozialen Bereichen des

öffentlichen Lebens in Siegen wird bereits

erfolgreich mit Ehrenamtlichen

gearbeitet. Für die Stadt Siegen, so

die Vorstellung der Akteure, will man

mit SAfE ein systematisches Ehrenamtsmanagement

entwickeln. Die Interessen

der freiwillig Tätigen und der

angesprochenen Institutionen müssen

aufeinander abgestimmt werden, um

den Motivationen, Bedürfnissen, Erwartungen

und Kompetenzen gerecht

zu werden. Dass in Siegen der Bedarf

an freiwilliger Tätigkeit höher als in

den Umlandkommunen anzusehen ist,

Foto: AWO Kreisverband Siegen

Bürgermeister Steffen Mues und AWO-Geschäftsführer Hans-Georg Fey

besiegeln die Kooperationsvereinbarung für die „Siegener Agentur für Ehrenamt“,

„SAfE“. Im Bild: von links Susanne Dettmann, Astrid E.

Schneider, Steffen Mues, Corinna Schleifenbaum, Hans-Georg Fey, Horst Kring,

Emethullah Hokkaömeroglu, Dirk Helmes

betont Astrid Schneider von der Stadt

Siegen: „Dort ist der gemeinschaftliche

Zusammenhalt meist größer und

die Angebotsstruktur oftmals transparenter,

weil überschaubarer, als in der

Stadt Siegen.“

SAfE versteht sich ausdrücklich als

trägerübergreifende und unabhängige

Anlaufstelle, die die Vermittlung für

oder in andere Verbände einschließt.

Gemeinnützige Organisationen, Vereine,

Kirchen und Verbände gehören zu

den wichtigsten Partnern einer Ehrenamtsagentur.

Seitens der AWO ist die

Integrationsagentur beteiligt, um Menschen

mit Zuwanderungsgeschichte

den Zugang

zum Ehrenamt in

Deutschland zu

erleichtern oder

neue Formen des

Engagements zu

fördern, die die

kulturellen Besonderheiten

der

Herkunftsländer

einbeziehen. Auf

eine weitere Besonderheit

sind

die Verantwort-

lichen besonders stolz: Mit Horst Kring

steht ein Ehrenamtlicher der AWO den

Interessenten als Ansprechpartner zur

Verfügung.

Kontakt kann man mit den Mitarbeitern

von SAfE sowohl über die Regiestelle

Leben im Alter 0271/404-2204

als auch über die AWO 0271/3386-

280 aufnehmen. Die Geschäftsstelle

des Wohlfahrtsverbandes, Koblenzer

Straße 136, und das Weidenauer Rathaus

werden Anlaufstellen für Interessierte

sein.

Corinna Schleifenbaum

durchblick 3/2011 13


Barbara Steffens

25 Jahre durchblick

Foto: MGEPA – Torsten Stecher

Zum 25-jährigen Jubiläum gratuliere ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

des„durchblick“ ganz herzlich. Seit 25 Jahren leistet die Zeitung auf

ehrenamtlicher Basis genau das, was auch gut gemachter, professioneller

Journalismus bieten sollte: unabhängige Berichterstattung, eine engagierte

Schreibe und – vor allem – ein feines Gespür für die Interessen und Belange

der Leserinnen und Leser. Die über die Jahre kräftig gestiegene Auflage –

inzwischen liegt sie bei rund 18.000 Exemplaren – zeigt, wie sehr der „durchblick“

mit seinen Themen den Nerv der älteren Menschen in Siegen und dem Kreis

Siegen-Wittgenstein trifft!

Der Erfolg des „durchblick“ zeigt aber noch etwas anderes: Viele Ältere

sind aktiv, mobil und wollen sich gesellschaftlich einbringen. Das gilt für

die Redaktion des „durchblick“ und auch für die Mehrheit seiner Leserinnen

und Leser. Wenn immer mehr Ältere aus eigenem Antrieb und ehrenamtlich

Verantwortung für die Gestaltung des Zusammenlebens übernehmen, dann

profitiert jede und jeder Einzelne, denn bürgerschaftliches Engagement macht Freude. Aber auch für die Gesellschaft

insgesamt ist es ein Gewinn, gerade in Zeiten des demografischen Wandels!

Die Landesregierung NRW will die Teilhabechancen älterer Menschen stärken und ihrem Recht auf

Selbstbestimmung Geltung verschaffen. Dabei setzen wir ganz zentral auf die Schaffung altersgerechter

Quartiere mit geeigneten Wohnformen, auch im Pflegefall, qualitativ hochwertigen und gut erreichbaren

Dienstleistungen in „Pantoffelnähe“, interessanter Kultur- und Freizeitangebote, Orten der Begegnung, auch

mit anderen Generationen, und – last but not least – Möglichkeiten zur gesellschaftlichen und politischen

Teilhabe. Dazu gehören vor allem Mitwirkungs- und Stimmrechte für Ältere in politischen Gremien. Ich würde

mir wünschen, dass diese Notwendigkeit von noch mehr Kommunen in NRW erkannt wird.

Die Landesregierung unterstützt die Städte und Gemeinden bei alldem durch einen „Masterplan Quartier“,

den wir gemeinsam mit den Kommunen auf den Weg bringen werden. Mehr Teilhabechancen im Quartier

bringen ein gutes Stück mehr Lebensqualität für Ältere! Darum freue ich mich sehr, dass der „durchblick“ mit

uns an einem Strang zieht. Den Leserinnen und Lesern wünsche ich weiter viel Freude an dieser Zeitung, dem

Redaktionsteam viele gute Ideen bei der Gestaltung und Produktion des Blattes.

Barbara Steffens

Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter

des Landes Nordrhein-Westfalen

14 durchblick 3/2011


25 Jahre durchblick

Was macht die seit über 20 Jahren erscheinende Zeitschrift durchblick für

viele Menschen in Siegen, im Kreis Siegen-Wittgenstein und darüber hinaus

so lesenswert? Was macht diesen Erfolg der Zeitschrift aus? Darauf gibt es,

wie kann es anders sein, vielfältige und unterschiedliche Antworten. Den einen

gefallen bestimmte Beiträge aus den Rubriken, andere schätzen Information

sowie Unterhaltung, mancher erkennt sich in den Beiträgen wieder, den einen

interessieren die Anzeigen, wieder andere fühlen sich mit der Zeitschrift heimatlich

verbunden und manchem strukturiert die turnusmäßig erscheinende

Zeitschrift den Jahresverlauf und damit die Zeit. Für viele Leserinnen und Leser

ist es ganz sicher das Bündel all dessen was durchblick so attraktiv macht.

Als Vorsitzende der ehrenamtlich tätigen Landesseniorenvertretung mit derzeit

152 kommunalen Mitgliedern in Nordrhein-Westfalen besteht die Qualität

von durchblick gerade darin, dass sie nicht nur gute Beiträge liefert, sondern,

dass sie von ehrenamtlich engagierten Menschen gemacht und in Umlauf gebracht

wird. Damit ist durchblick ein lebendiges Medium, ohne Umschweife

glaubwürdig, von Menschen für Menschen. Stets ist daher erkennbar, spürbar und sogar hörbar, dass hier Leute

am Werk sind, die Spaß an ihrem Wirken haben und denen bewusst ist, dass ihr Tun für andere bedeutsam ist.

Damit gewinnen sie Leserinnen und Leser, weil diese verlässlich einen guten durchblick bekommen und die

Macher erfahren immer wieder neu, dass sie gebraucht werden, mitgestalten können und gehört werden.

Und noch etwas ist besonders erwähnenswert, was durchblick anbelangt. Die Zeitschrift hat eine Geschichte,

in der es immer Weiterentwicklung gab und gibt, verbunden oft mit Personen, die in besonderer Weise für

die Zeitschrift eintraten. Immer aber war diese Zeitschrift auch eine, die die Stadt und der Kreis wollten. Vor

dem Hintergrund einer solch ermöglichenden Haltung und daraus folgenden tatkräftigen Unterstützungen

und Förderungen kann ehrenamtliches Engagement gute Früchte tragen. Damit ist durchblick auch ein gutes

Beispiel für praktizierte Teilhabe: Stadt und Kreis ermöglichen, wahren dabei Unabhängigkeit der Zeitschrift

und gewinnen damit Menschen für die Belange in ihrem kommunalen Umfeld. Öffentliche Aufgaben in dieser

Form zu gestalten, ist wegweisend für die kommunale Seniorenpolitik.

Allen, die durchblick ermöglichen, machen, unterstützen und verbreiten sei auch an dieser Stelle mit Wertschätzung

herzlich gedankt! Der Stadt, dem Kreis mit den Menschen aller Lebensalter in Siegen und Siegen-

Wittgenstein wünsche ich weiterhin einen so guten durchblick!

Ihre Gaby Schnell

Gaby Schnell,

Vorsitzende der Landesseniorenvertretung NRW

durchblick 3/2011 15


25 Jahre durchblick

Bernd Alberts

Vorsitzender des Siegener Seniorenbeirats

Durchblick, eine bemerkenswerte, beliebte und außergewöhnliche Publikation

für ältere Menschen und …nicht nur für diese, feiert Jubiläum.

Der Seniorenbeirat der Stadt Siegen gratuliert dazu und sagt: Danke,

dass es diese Zeitschrift gibt.

Mit dem durchblick schafft das Redaktionsteam nunmehrseit 25 Jahren

eine Zeitung, die unterhaltsam und informativ ist und kritisch die

Belange der älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger in den Blickpunkt

rückt. Stetig steigende Auflagezahlen und ein immer größer werdendes

Verbreitungsgebiet sind ein Beweis dafür, wie beliebt durchblick mittlerweile

bei allen Bevölkerungsschichten ist.

Der Seniorenbeirat wünscht den ehrenamtlichen Mitarbeitern, dass

die positive Entwicklung anhält. Für die Zukunft viel Erfolg bei ihrem

verantwortungsvollen Bemühen, den Leserinnen und Lesern eine anspruchsvolle

Lektüre zu bieten.

Bernd Alberts

Redaktionsmitglieder seit 1986

Autschbach, Antje 1/1993 – 2/1993

Assmann, Helmut 1/1986 – 3/1998

Becker, Gabi 4/1991 – 4/1992

Becker-Bürger, Ruth 2/1996 – 3/1996

Born, Hans 1/1986 – 2/1989

Bernshausen, Ulrich 4/1989 – 4/1992

Busch, Friedhelm 2/1988 – 3/1988

Deußen, Renate 4/1989 – 1/1991

Dürbecke, Eleonore 3/1991 – 3/2002

Flender, Manfred 4/1990 – 2/1998

Fuchs, Margret 1/1986 – 2/1990

Gebhard, Hans-Peter 1/2009 – 4/2010

Gerst, Dieter 1/2004 – 1/2010

Maria Anspach seit 4-2002

Thomas Benauer seit 4-2003

Helmut Drabe seit 1-2009

Ingrid Drabe seit 1-2009

Helga Düringer seit 1-2011

Friedhelm Eickhoff seit 1-2002

Friedrich Fischer seit 2-2008

Göbel, Inge 2/1997 – 2/2011

Grimm, Erna 1/1988 – 3/1992

Grimm, Wolfgang 1/1988 – 4/1998

Hanz, Elisabeth 1/1996 – 3/2006

Heinrich, Helmut 1/1988 – 3/1988

Jung, Raimund 1/1989 – 2/1990

Ketteler, Inge 1/1986 – 4/1992

Köhler, Heinz 3/2004 – 3/2006

Korbach, Else 4/1990 – 1/1995

Kraus, Leonhard 1/1990 – 3/2002

Kühn, Gerald 1/1986 – 4/1998

Meinerzhagen, Doris 1/2003 – 3/2003

Möller, Erika 2/1995 – 3/2002

Aktive Redakteure

Eberhard Freundt seit 1-2004

Gerda Greis seit 1-2006

Eva-Maria Herrmann seit 2-2011

Dorothea Istock seit 2-2002

Erich Kerkhoff seit 3-2003

Gottfried Klör seit 3-2007

Erika Krumm seit 1-1999

Möller, Joachim 1/1986 – 3/2002

Mücke, Helga 4/1993 – 2/1995

Nitz, Renate 2/1987 – 3/1988

Preis, Heinz 1/1996 – 3/1996

Röwer, Will 2/1991 – 3/2001

Redaktionsleiter 1993 – 1998

Ruback, Christel 1/1986 – 4/1992

Redaktionsleiterin 1986 - 1992

Schleifenbaum, Gisela4/1993 – 4/1993

Velleuer, Jörg 1/1986 – 4/1987

Völkel, Sabine 1/2006 – 3/2010

Wilhelm, Eckhard 4/1998 – 4/2001

Redaktionsleiter 1998 – 2001

Brigitte Lanko seit 1-2010

Horst Mahle seit 3-2005

Tessie Reeh seit 3-2007

Helga Siebel-Achenbach seit 3-2004

Agnes Spar seit 3-2007

Peter Spar seit 3-2007

Ulli Weber seit 3-2008

16 durchblick 3/2011


25 Jahre durchblick

„Wieder ein Jubiläum“

25 Jahre journalistische Arbeit für Senioren

Kirsten Schwarz,

Kunsthistorikerin

aus Hilchenbach

Bereits 5 Jahre ist es her, dass ich die Freude hatte,

zusammen mit der Redaktion des ‚durchblick’

eine Sonderausgabe der Zeitschrift zum 20. Geburtstag

zu erstellen. Damals war ich sehr beeindruckt

von dem Engagement der Mitarbeiter, eine informative,

unterhaltende und vor allem qualitativ hochwertige Senioren-Zeitschrift

herauszubringen. Nun steht erneut ein

Jubiläum an – 25 Jahre ‚durchblick’! Damit zählt sie

zu den am längsten bestehenden Senioren-Zeitschriften

Deutschlands, deren Zahl stetig wächst. Einiges hat sich

in den letzten 5 Jahren verändert, der hohe Anspruch

jedoch nie.

Viele neue Themen kamen hinzu, so verwies die Redaktion

2007 auf das Problem der Rentner mit Migrations-

Hintergrund, die zwar häufig noch im Familienverbund

leben, aber bei allen Senioren-Themen mit berücksichtigt

werden müssten. Überhaupt ist, nach wie vor, die

sozial-politische Ausrichtung des ‚durchblick’ sein Markenzeichen.

Auch wenn in den letzten Jahren verstärkt

Wert auf den Unterhaltungs-Aspekt gelegt wurde, so kamen

die Informationen in diesem Bereich schon durch

das kontinuierlich Anwachsen der Seitenzahl nie zu kurz.

Ob kommunaler Seniorenbeirat, politische Verbände,

Krankenkassen oder die Alten-Berichte der Familienminister,

man berichtet kritisch über deren Aktivitäten und

alle die Senioren betreffenden Neuerungen. Lebenswerte

Wohn- und Lebensbedingungen im Alter, ehrenamtliches

Autorenfoto

Engagement der Senioren selbst und die Veränderungen

im Leitbild des Alterns sind Themen, die immer wieder

angesprochen werden.

Der Wandel des Altersbildes in der Gesellschaft wird

sowohl in den Medien als auch in der Selbstwahrnehmung

der Älteren registriert. So entstanden Artikel über das neue

Bild der aktiven Großeltern, über sportbegeisterte Senioren

oder die Rock-’n’-Roll-Begeisterung vieler älterer

Menschen, die mit dieser Musik aufwuchsen. Es muss

mittlerweile unterschieden werden zwischen aktiven Senioren,

die ihr Leben nach der Arbeit selbst gestalten und

den Hochbetagten, die immer mehr Hilfen in Anspruch

nehmen müssen.

Beiden Gruppen fühlt sich der ‚durchblick’ als Sprachrohr

verpflichtet. Wenden sich die Reiseberichte, die vorgestellten

Freizeit- und Kursangebote sowie die angesprochenen

Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements an

die jüngeren, belastbaren Senioren, so wird ebenso Wert

darauf gelegt, Hochbetagten und Pflegebedürftigen mit

gut recherchierten Artikeln zu Wohnprojekten, behördlichen

Hilfen und neuen Gesetzen und Regelungen eine

Orientierung im immer schwerer zu bewältigenden Alltag

zu geben. Ein bewegender Artikel beschäftigte sich mit

dem psychologischen Nutzen von Tierbesuchen im Altersheim.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der

Bericht eines ‚jüngeren’ Paares’, welches auf einer Senioren-Fahrt

ein über 80-jähriges Ehepaar kennen lernte und

so Einblicke in diese Generation erhielt. Denn aufgrund

der hohen Lebenserwartung in unserer Gesellschaft besteht

die Gruppe jetziger Rentner aus zwei verschiedenen

Generationen mit völlig anderem Hintergrund, etwa vor

und nach dem Krieg Geborene. Zu diesem Themenbereich

gehört auch der immer bedeutender werdende Umgang

mit Computern und den neuen Medien, deren Akzeptanz

bei den Jüngeren sehr groß ist. Computerkurse für Ältere

werden in den letzten Jahren häufig angeboten und finden

viel Zulauf.

Die positive Beurteilung des wissenschaftlichen Projektes

‚Fosible’ in einem Artikel, welches die soziale Interaktion

älterer Menschen mittels neuer Informationsund

Kommunikationsmittel fördern möchte, verwundert

vor diesem Hintergrund nicht. Auch in der ‚durchblick’-

Redaktion geht nichts mehr ohne Computer und regelmäßige

Hinweise auf seniorenrelevante Seiten im Internet

sind willkommene Anregungen für die computerkundige

Leserschaft. Einige humorvolle und selbstironische Artikel

wiesen aber auch auf die ‚Tücke des Objekts’ hin.

Zur subjektiven Meinungsäußerung gehören die Rubriken

‚Kommentar´ und ‚Meckerecke’, in denen sich die

Mitarbeiter der Zeitung über verschiedene Ärgernisse Luft

durchblick 3/2011 17


25 Jahre durchblick

machen und Missstände anprangern. Die Themen sind sehr

verschieden und können sowohl gesellschaftskritisch als

auch ereignisbezogen sein.

Immer wieder werden Interviews mit unterschiedlichen

Personen geführt, so werden der Leserschaft ungefiltert

Ansichten und Meinungen Verantwortlicher vorgestellt,

um sich so leichter eine eigene Meinung bilden zu können.

Es wurden Sportler, Leiter seniorenbezogener Projekte und

Organisationen und – vor den Wahlen – politische Kandidaten

befragt. Den unmittelbaren Eindruck einer Person im

Interview einzufangen, erfordert professionelle Vorbereitung

und Einfühlungsvermögen.

Der Unterhaltungsaspekt spielt bei der Ausgestaltung

der Zeitschrift eine weiterhin wichtige Rolle. Besonders

die vielfältigen Erfahrungsberichte aus Kindheit, Jugend

oder den Begebenheiten im Alltag haben ein begeistertes

Publikum gefunden, wie die positiven Leserbriefe beweisen.

Wenn die humorvollen wie bewegenden Geschichten

dazu noch sehr gut geschrieben sind, ist der Geschmack

des Publikums genau getroffen. Ebenso positiv werden die

mundartlichen Artikel aufgenommen. Es wird heute bekannt,

welch große soziologische Bedeutung die Erhaltung

der Mundart und ihre Lebendigkeit für die Identifikation

mit einer Region hat. Siegerländer Platt ist ganz klar ein –

neudeutsch – ‚Alleinstellungsmerkmal’.

Doch auch viel Nachdenkliches findet, im weitesten

Sinne, Platz in der Kategorie Unterhaltung. Denn auch

wer Anregungen zum Nachdenken erhält und so neue Einsichten

gewinnt, fühlt sich ‚gut unterhalten’. An den vielen

Diskussionsbeiträgen gerade zu den philosophischen Themen

wird klar, dass die Leserschaft die anspruchsvollen

Essays zu schätzen weiß. An der großen Bandbreite der

unterhaltenden Beiträge zeigt sich die ebenso differenzierte

Leserschaft. Diese unter einen Hut zu bringen und zu einer

großen Zahl von Stammlesern zu gelangen, ist dem ‚durchblick’

in 25 Jahren sehr gut gelungen. Ein besonderes Augenmerk

verdienen auch die historischen Abhandlungen

im ‚durchblick’. Ob Regionalgeschichte oder Zeitläufte,

immer sind sie hervorragend recherchiert und geben einen

tiefen Einblick in historische Zusammenhänge. Auch vor

Tabu-Themen, die in letzter Zeit zaghaft in den Medien

angesprochen werden, schreckt das Redaktionsteam nicht

zurück. Behutsam und fundiert berichtete man bisher über

Sexualität im Alter (Buchbesprechung), Alters-Suizid,

künstliche Ernährung Sterbender und illegale Pflegekräfte

aus Osteuropa.

Regionalgeschichtlich spannend sind auch die in den

letzten Jahren erschienenen Artikel zu Siegerländer Persönlichkeiten,

die auch im Rentenalter ein Vorbild an Aktivität

und Engagement darstellen. Liebevoll und umfangreich,

wie in den Regionalzeitungen nicht möglich, werden hier

Menschen hervorgehoben, die durch ihre Tätigkeiten im

Siegerland eine Würdigung verdienen.

Alle Rubriken erscheinen unregelmäßig, denn, so

hebt es der leitende Redakteur hervor, die Arbeit aller

Mitarbeiter ist nach wie vor ehrenamtlich und fußt auf

dem Prinzip der Freiwilligkeit – jeder kann, keiner muss.

Umso höher ist die aufgebrachte Disziplin der Mitarbeiter

zu bewerten, fast alle Rubriken in jeder Ausgebe zu

bedienen. Denn auch die Redaktionsarbeit selbst hat in

den letzten Jahren an Komplexität gewonnen und fand

zeitweise unter schwierigen finanziellen Bedingungen

statt. Viele Neuerungen wurden eingeführt, so 2009 die

Hörbücher mit Auszügen aus den einzelnen Ausgaben

für Sehbehinderte. Seit 2007 ist die Redaktion verantwortlich

für die Gesamtgestaltung des ‚durchblick’, somit

ist nun eine eigene Bildredaktion für die visuelle

Gestaltung jeder Ausgabe zuständig. Dies macht sich

positiv bemerkbar in einer größeren Anzahl an illustrierenden

Fotografien und ansprechenden Hintergrundgestaltungen.

Natürlich ist der ‚durchblick’, der die neuen

Medien nicht scheut, sondern bewusst nutzt, auch im

Internet vertreten, mit der kompletten aktuellen Ausgabe.

Im ersten Heft 2010 wurde dann eine weitere weitreichende

Veränderung angekündigt, der ‚durchblick’ wird

nun kreisweit verteilt und um einige Seiten, erweitert um

lokalen Themen aus den Städten und Gemeinden Platz

zu bieten. Im Impressum macht dann der Hinweis ‚gemeinnützige

Autorenzeitschrift’ klar, dass ein Schritt in

die Unabhängigkeit getan wurde.

Die Beharrlichkeit der Mitarbeiter, ‚ihre’ Zeitschrift

trotz aller Widrigkeiten wie finanzielle Probleme und Auslagerung

des Büros wegen Umbaus auch in den letzten 5

Jahren kontinuierlich erscheinen zu lassen, verdient große

Anerkennung. Ohne ein freundschaftliches und offenes Arbeitsklima

wären diese Anstrengungen sicher nicht möglich

gewesen. Dies wurde auch deutlich in zwei Artikeln vergangener

Ausgaben, die den großen Spaß an der redaktionellen

Arbeit hervorhoben.

Der ‚durchblick’ hat sich in den letzten 5 Jahren auch

durch die steigende Auflagenzahl von nun 18.000 Exemplaren

zu einer Publikumszeitschrift im besten Sinne entwickelt.

Eine fachlich hohe Kompetenz, ehrenamtliches

Engagement und das große Spektrum an Themen, ohne

beliebig zu werden, kennzeichnet die nun seit 25 Jahren

erscheinende Senioren-Zeitschrift des Siegerlandes.

Treffend und nicht besser zu formulieren schließe

ich meine Ausführungen mit den Worten ihres Lesers

Dr. Harald Simon (4/2007):

“ …(sehr gut hat mir d. V.) die interessante Mischung

bzw. Vielfalt der Themen gefallen, die das Motto Seniorität

in einer neuen Perspektive erscheinen lässt, nämlich (welt-)

erfahren und heimatverbunden, klug und wissensdurstig,

lebendig und persönlich – alles Eigenschaften, die es wert

sind, auch an Nicht-Senioren weitervermittelt zu werden.“

Kirsten Schwarz

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durchblick 3/2011 19


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Kollage: Agnes Spar

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25 Jahre durchblick

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25 Jahre durchblick

Aus der Redaktion

Innenansichten (aus durchblick 3/2006 und 3/2007)

Redaktionsarbeit

Dunkle Schwaden Zigarettenrauchs wabern durch

den Raum. Männer mit aufgelösten Krawatten

reden aufeinander ein. Kaffeetassen klimpern. So

ungefähr zeigen amerikanische Filme meistens die Redaktion

einer Zeitung.

Ganz so geht es bei uns nicht zu. Zwar klappern am

Anfang der Sitzung auch bei uns die Kaffeetassen, surrt der

Automat, singen die Computer leise vor sich hin. Wir, die

Redakteure, sitzen um einen großen Tisch. Vor uns unsere

Arbeitsakten. Wir machen eine neue Zeitung. Ein Bild wird

gezeigt. Es soll unser Titelbild werden. Jasager - Ablehner -

Diskussionen. Gut, es wird genommen. Wer schreibt die Titelgeschichte?

Ja, ich mach`s. Wieviel Seiten brauchst Du?

Zwei plus Bilder. In Ordnung. Das Raster wird eingerichtet.

Was ist auch in drei Monaten noch beschreibenswert? Literatur!

Ja, ich werde eine Buchbeschreibung machen. Zwei

Seiten. Geht klar. Die Spalte Unterhaltung. Drei Redakteure

sind vorwiegend dafür zuständig. Gut, ich schreibe

über „Dieses“. Das hatten wir schon mal, also verworfen.

Wir brauchen etwas Lustiges. Unsere Leser sollen auch

schmunzeln. Gut, ich baue einen neuen Bericht. Eine Seite

plus Bild. Marias Krimi läuft schon lange, also auch heute.

Wir müssen auch über „Jenes“ berichten, ganz wichtig.

Ja, aber nicht so lang. Höchstens drei Seiten. Die Werbung

muss untergebracht werden.

Inzwischen ist der Geräuschpegel ziemlich hoch. Unser

Chef greift zu seiner Rassel. Damit bekommt er seine Bande

wieder für kurze Zeit ruhiggestellt. Dann geht es weiter.

Bitte, kann ich noch eine Tasse Kaffee bekommen? Klar,

ich koche neuen.

Die Spalten im Raster füllen sich. Die Türe geht auf.

Ein Besucher kommt. Er will einmal an unserer Sitzung

teilnehmen. Er ist willkommen. Einen Kaffee bekommt

er auch.

Wir arbeiten weiter. Jeder kommt zu Wort. Jeder teilt

seine Arbeitsabsichten mit. Das Telefon klingelt. Ein Kunde

will eine Anzeige aufgeben. Er bittet um einen Besuch

in seiner Firma. Der Termin wird festgelegt. Die Akquise

erfordert große, gute Arbeit, die vorwiegend von unserem

Chef erledigt wird.

Wir brauchen noch etwas für die Spalte „Reisen“. Nach

einiger Zeit ist auch die belegt. Eine Seite des Gedächtnistraining

kommt immer gut an. Wichtig ist natürlich der

jeweilige Beitrag über Alter und Gesellschaft. Jedes Mal,

wenn wir eine neue Zeitung machen, dasselbe Thema: „Wir

benötigen eigentlich mehr Seiten“. Es bieten sich noch eine

Anzahl guter Berichte an. Ethische Betrachtungen, Geschichten

aus dem Siegerland, Aufklärung usw. Auf der

letzten Seite: Impressum, Leserbriefe. Es könnten gerne

mehr sein. Wir würden uns freuen, denn wir machen unsere

Arbeit gerne und ehrenamtlich.

Nun kommt noch der Termin für den Redaktionsschluss.

Alle stöhnen. Jedes Mal. Trotzdem sind die Artikel zur

rechten Zeit am rechten Ort. Jedes Mal! Dann geht die Zeitung

in Druck. Hoffentlich kommt sie bei unseren Lesern

gut an. Schließlich gilt all unsere Mühe nur ihnen.

Inge Göbel

db-Collage Gottfried Klör

26 durchblick 3/2011


25 Jahre durchblick

Mein geliebter „durchblick“

Ich schreibe, also bin ich. Ein wenig vermessen, aber ich

hätte es mir nie träumen lassen. In der Schule schrieb

ich gute Aufsätze, verschickte Briefe mit total verschachtelten

Sätzen an meine Freundinnen, die diese, oft

genug, nicht verstanden und führte Tagebuch über Jahre.

Dem Spiel mit der Sprache war ich schon immer verfallen.

Mit kleinen Schritten näherte ich mich vor etwa zwölf

Jahren der Veröffentlichung meines Gedankengutes. Der

„durchblick“ bot und bietet mir die Plattform.

Ein engagiertes Team hat zwanglos zueinandergefunden,

um eigene Erlebnisse, Betrachtungen, Themen, die im

Trend liegen und aktuelle Ereignisse in Worte zu fassen und

sie einer interessierten Leserschaft näherzubringen. Es hat

sich herauskristallisiert, dass jeder einzelne von uns seine

speziellen Neigungen hat und für sich Schwerpunkte setzt,

Übergriffe sind erlaubt, der Anspruch recht hoch.

Der Häuptling der Autoren-Gang ist Friedhelm Eickhoff,

dem es großen Spaß macht, die Zeitung aus dem Material,

welches wir ihm liefern, zu gestalten und ihr den

letzten Schliff zu geben. Seine neueste Leidenschaft ist die

ausgefeilte Bebilderung der Artikel, womit er uns manchmal

fast zur Verzweiflung treibt, wenn beim besten Willen

kein passendes Foto aufzutreiben ist oder der Artikel sich

nicht sonderlich gut für eines eignet.

Zweimal im Monat, jeweils am ersten und dritten Dienstag

– Änderungen vorbehalten – sind Redaktionssitzungen.

Nach Verabschiedung einer Ausgabe findet ein Nachruf

auf letztere statt, d.h., wir überlegen, was wir verbessern

könnten oder diskutieren, wo etwas total falsch oder sehr

gut gelaufen ist. Eine große Mappe wird aufgeschlagen

mit Leserbriefen, die uns als Echo zugegangen sind, mit

wichtigen Informationen, Terminen und geplanten Veranstaltungen.

Jeder dritte Dienstag ist auch der Öffentlichkeit

zugänglich, und wir freuen uns immer, wenn sich jemand

für unsere Tätigkeit interessiert. Irgendwann steigt

die Spannung dann wieder, denn die neue Ausgabe geht in

die Planung. Themen werden angerissen, einer der Autoren

greift vielleicht das eine oder das andere auf, manche

Vorschläge fallen auch unter den Tisch, weil keiner sich

angesprochen fühlt.

Mit Kreide wird auf einer großen Tafel vermerkt, wer

über was zu schreiben gedenkt und wie viel Seiten der

einzelne für sich beansprucht. Manchmal reicht der Platz

nicht aus und die Zeitung muss um einige Seiten erweitert

werden. Die Vielfalt der vorgemerkten Berichte erlaubt es,

in etwa ein Gleichgewicht zu schaffen zwischen ernsten,

humorvollen, besinnlichen oder aktuellen Geschichten. Die

Köpfe der Autoren rauchen, da sie auch dieses Mal den

Erwartungen ihrer Leser wieder entsprechen wollen. Wenn

dem Chef alle Berichte vorliegen, das Textgerüst erstellt ist,

um das sich dann Werbung und Fotos ranken, wird Korrektur

gelesen, und die Zeitung geht in Druck. Die neue Ausgabe

ist fertig, die Erregung abgeklungen, der Chef leicht

erschöpft.

Alltag kehrt ein, denn die ca. 1600 Exemplare wollen

verteilt werden. Auf diesem Gebiet sind Helga und ich ein

fast unschlagbares Team, natürlich nicht die einzigen, die

in dieser Mission unterwegs sind, sondern weitere Autoren

und liebe Menschen von außen. Es ergab sich einmal im

Rahmen dieser Aktion folgende bizarre Geschichte: man

hatte uns versichert, die Zeitungen lägen zum Verteilen bereit

im untersten Flur des Hauses Herbstzeitlos. Als Helga

und ich dort eintrafen, durften wir feststellen, dass unser

Chef den größten Teil der heißen Ware noch im Sprinter

durch die Stadt spazieren fuhr. Die Zeit drängte, da einige

unserer Anlaufstellen, als da sind Sparkassen und Arztpraxen,

mittags ihre Tempel schließen. Es lagerte ein Stapel

von Kartons vor Ort, nicht für uns vorgesehen, aber noch

nicht abgeholt. Zwangsläufig mussten wir uns an diesem

Stapel vergreifen. Jede Minute war ja mit Nachschub zu

rechnen. Das Fatale an der Sache: der Stapel reichte nicht.

Helga wusste Rat. Sie hatte in den Redaktionsräumen einige

dort leicht versteckte Kartons erspäht, und ohne groß

Gedanken daran zu verschwenden, warum die wohl –

ausgerechnet – dort abgelegt wurden, griffen wir zu und

freuten uns diebisch.

In Geisweid hatten wir schon excellente Arbeit geleistet,

als mit unseren Augen etwas nicht zu stimmen

schien. Entgegen kam uns nämlich, in seinem Sprinter,

der Chef höchstpersönlich. Die Begegnung konnte kein

Zufall sein. Irgendwie erinnerte mich die Verfolgungsjagd

an die Schnitzeljagden, die wir in unserer Jugend durch

die Stadt veranstalteten. Er signalisierte uns, anzuhalten.

Als beide Wagen auf dem nächst gelegenen Parkplatz sich

gegenüberstanden, entstieg er in höchster Erregung seinem

Gefährt. Die Kartons, die wir aus den Redaktionsräumen

entfernt hatten, wären uns fast zum Verhängnis

geworden. Es waren die Exemplare, die eingetütet und

für den Versand fertig gemacht werden, d.h., es wird kein

Werbematerial eingelegt. Letzteres ist aber unerlässlich

für unsere Leser aus Siegen und näherer Umgebung, weil

sehr wichtig für die Auftraggeber. Da der Chef im Besitz

einer Verteilerliste ist, hatte er, mit fliegenden Fahnen,

einige unserer Anlaufstellen schon abgeklappert, um vor

denen mit der „falschen Ware“ zu warnen. Just diese Orte

hatten wir noch nicht beliefert, auch lagen die verhängnisvollen

Kartons als Bodensatz zuunterst und waren unberührt,

so, als hätten wir geahnt, dass sie zum Sprengsatz

werden könnten. Als Versöhnungsgeste lud der Chef uns

zu einem Kaffee ein.

Erika Krumm

durchblick 3/2011 27


25 Jahre durchblick

25 Jahre „durchblick“ –

ein Rückblick auf das Zeitgeschehen

Das „Silberjubiläum“ des durchblick bietet aus Sicht

der Redaktion Anlass zu einem Rückblick auf das

Zeitgeschehen seit 1986. Auch wenn das Datum

eines familiären Ereignisses – die Geburt eines Enkelkindes

oder ein Todesfall – individuell alles andere überlagern

kann, gibt es zeitgeschichtliche Daten, die das eigene wie

das kollektive Bewusstsein dauerhaft beeinflussen.

Gemeint ist die Erinnerung an Ereignisse auf weltweiter

politischer Ebene, im Bereich der Kultur, der Wirtschaft,

des Sports, der Umwelt usw.

Eine Auswahl:

Anno 1986

Am 28. Januar 1986 explodiert die US-Raumfähre „Challenger“

nur 73 Sekunden nach ihrem Start

Kernkraftanlage Tschernobyl: am 26. April ereignet sich der bislang

schwerste Unfall in der Geschichte der Kernenergie

Anno 1987

Die Affäre um den CDU-Politiker Uwe Barschel und seinen ungeklärten

Tod erschüttert die Bundesrepublik.

Nach 127 Prozesstagen werden die beiden ehemaligen FDP-

Bundeswirtschaftsminister Graf Lambsdorff und Friederichs der

Steuerhinterziehung schuldig gesprochen

Anno 1988

Flugzeugabsturz über Lockerbie, sowjet. Rückzug aus Afghanistan

Mit Franz Josef Strauß stirbt eine der prägenden Figuren der deutschen

Nachkriegsgeschichte.

Anno 1989

DDR-Bürger besetzen westdeutsche Vertretungen in Ost-Berlin

und Prag, um ihre Ausreise zu erzwingen.

Am 9. November verkündet SED-Sprecher Schabowski die Öffnung

der Grenze zur BRD. Öffnung des Brandenburger Tors.

Anno 1990

Die Volkskammer beschließt den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik,

Auflösung der DDR und Wiedervereinigung

Deutschland wird Fußball-Weltmeister

Anno 1991

In den Ötztaler Alpen wird die Leiche eines Mannes gefunden,

der vor rund 10.000 Jahren starb.

Eine UNO-Streitmacht unter Führung der USA erobert Kuwait

von den irakischen Truppen zurück.

Anno 1992

Ein Stadtteil von Sarajevo wird seit acht Monaten von den Serben

belagert. Brot und Brennmaterial sind knapp.

Olympische Sommerspiele in Barcelona

Es starben: Marlene Dietrich, Willy Brandt, Alexander Dubcek,

Heinz Galinski und Karl Carstens.

Anno 1993

Jürgen W. Möllemann, Björn Engholm, Günther Krause, Max

Streibl, Rudolf Seiters und andere Politiker legen ihre Ämter nieder.

Die neuen Postleitzahlen werden eingeführt.

Steffi Graf siegt in Wimbledon.

Anno 1994

Nach zehnjähriger Amtszeit als Bundespräsident übergibt Richard

von Weizsäcker an Roman Herzog

Mai: Der Tunnel unter dem Ärmelkanal von Calais nach Folkestone

wird erröffnet

Anno 1995

Deutsche Soldaten auf dem Balkan: 50 Jahre nach Kriegsende

werden deutsche Soldaten erstmals im Rahmen einer internationalen

Friedensmission (nach Bosnien) entsandt.

Tschetschenien-Krise: Russland hindert die Republik Tschetschenien

mit Waffengewalt an der Selbstständigkeit.

Das Sportjahr 1995: Borussia Dortmund, Steffi Graf und Franziska

van Almsick heißen die Gewinner des Jahres 1995.

Anno 1996

Streit um die Rechtschreibreform: Die 1994 beschlossene Rechtschreibreform

führt zu heftigen Diskussionen („Murks“, „Unsinn).

Der größte Börsengang der europäischen Wirtschaftsgeschichte:

Die Telekom geht an die Börse

William Jefferson Clinton schafft es, für eine zweite Amtszeit

wiedergewählt zu werden.

Anno 1997

Tod von Prinzessin Diana ist das Medienereignis des Jahres 1997.

Oder-Hochwasser: Zuerst verlieren in Polen und der Tschechischen

Republik mehr als 100 Menschen im Hochwasser ihr

Leben, dann kommt das Wasser auch nach Deutschland.

Mutter Teresa ist gestorben

Anno 1998

Am 27. September endet die 16 Jahre dauernde Kanzlerschaft

von Helmut Kohl, mit Gerhard Schröder hält eine neue Politikergeneration

Einzug in Bonn

Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Bill Clinton wegen

Lewinsky-Affäre

Guildo Horn kann den Grand Prix zwar nicht gewinnen, aber sein

Beitrag („Piep, Piep, Piep“) ist unvergessen.

Anno 1999

1999 feiert die Bundesrepublik Deutschland ihren 50. Geburtstag

Rücktritt von Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine und Ernennung

von Hans Eichel zu seinem Nachfolger

Johannes Rau wird Bundespräsident.

Anno 2000

Entdeckung BSE-infizierter Rinder auch in Deutschland

Mit Angela Merkel stellt die CDU als erste große Partei eine Frau

an ihre Spitze

Das große Sportereignis des Jahres 2000 sind die Olympischen

Spiele in Sydney.

Anno 2001

Die Anschläge in New York und Washington haben das Gesicht

der Welt verändert. Der weltweite Anti-Terrorkampf der USA und

ihrer Verbündeten beginnt.

Abschied von Hannelore Kohl, Regine Hildebrandt, Anthony

Quinn und George Harrison – Menschen, die alle kannten oder

zu kennen glaubten.

Auf und Ab der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Weltmeister

Michael Schumacher, Lance Armstrong siegt bei der Tour

de France und der FC Bayern in der Champions League.

28 durchblick 3/2011


25 Jahre durchblick

Anno 2002

Das Jahr 2002 wird von zwei entscheidenden Neuerungen bestimmt:

Die Erweiterung der Europäischen Union gen Osten und

Einführung der gemeinsamen europäischen Währung Euro.

Das Hochwassser an Elbe, Mulde, Havel und Donau fordert 20

Todesopfer, macht Zehntausende obdachlos und richtet Milliardenschäden

an.

Der wohl spektakulärste Rücktritt des Jahres: Rudolf Scharping,

will trotz Poolbilderschwierigkeiten und Herrenausstattergeschichten

nicht selbst vom Amt des Bundesverteidigungsministers

lassen. Er wird nach einer kurzen Sitzung des SPD-Parteipräsidiums

am Morgen des 18. Juli entlassen.

Anno 2003

Am 20. März verkündet US-Präsident Bush den Beginn des Irak-

Krieges.

In Frankreich forderte die Hitzewelle tausende Opfer, Klimaforscher

halten den Jahrhundertsommer für ein ernsthaftes Anzeichen

der voranschreitenden Erderwärmung.

Anno 2004

Der Krieg im Irak forderte mehr amerikanische Opfer als im Jahr

zuvor und die Gründe für diesen Krieg werden immer unklarer.

Die Hartz-IV-Reform ängstigte die Bürger, und die Tradition der

Montagsdemonstrationen lebt auf.

Der Ölpreis erreicht ein 20-Jahres-Hoch. Krisen in Russland, dem

Nahen Osten und ein erhöhter weltweiter Bedarf lässt die Preise

nach oben schnellen.

Am 2. September: bricht in der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar

ein Brand aus. Totalverlust von 50.000 Werken.

Am 26. Dezember 2004 löst ein Erdbeben den Tsunami in Asien

aus. Mehr als 200.000 Menschen sterben, fast zwei Millionen

Menschen verlieren ihr Hab und Gut.

Anno 2005

1. März: Die Bundesagentur für Arbeit gibt einen neuen Nachkriegsrekord

bei den Arbeitslosenzahlen bekannt. Im Februar

waren danach 5,216 Millionen Menschen ohne Job.

Am 2. April dieses Jahres stirbt Papst Johannes Paul II. 17 Tage

nach seinem Tod wählen die zum Konklave versammelten

Kardinäle den Deutschen Joseph Kardinal Ratzinger zum neuen

Kirchenoberhaupt.

Am 18. September wird vorzeitig ein neuer Bundestag gewählt.

Union und SPD einigen sich auf eine große Koalition.

Anno 2006

Die Vogelgrippe erreicht Deutschland.

Während der Fußball-Weltmeisterschaft präsentiert sich Deutschland

als weltoffener Gastgeber.

Durch Hartz IV verschärft sich die Situation für viele Menschen.

22. 9.: Auf einer Teststrecke im Emsland fährt die Magnetschwebebahn

Transrapid auf einen Wartungswagen auf. Bei dem Unglück

sterben 23 Menschen.

Anno 2007

Der Orkan „Kyrill“ hinterlässt abgedeckte Häuser und abgeknickte

Bäume.

Neue CSU-Spitze – Edmund Stoiber gibt seine Ämter ab. Erwin

Huber wird neuer CSU-Chef, neuer Landesvater Günther

Beckstein.

Der deutschen Frauennationalmannschaft gelingt mit einem

2:0-Finalsieg gegen Brasilien die Titelverteidigung bei einer

Frauenfußball-WM.

Etwa fünf Millionen Menschen sind auf Hartz IV-Leistungen

angewiesen. Gleichzeitig gibt es in Deutschland immer mehr

Millionäre.

Anno 2008

Die Krise auf dem US-Immobilienmarkt hat globale Ausmaße

erreicht. Milliardenschwere Rettungspakete für Industrie und

Banken sollen den Kollaps verhindern.

Die hessische SPD-Spitzenkandidatin Ypsilanti startete als Hoffnungsträgerin

der Sozialdemokratie, brach ihr Wahlversprechen

und bescherte ihrer Partei damit eine Dauerkrise.

„Yes we can“: Bei der Wahl am 4. November gewinnt Barack

Obama mit seiner Botschaft vom Wandel.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Klaus Zumwinkel und

hunderte weiterer Verdächtiger wegen Steuerhinterziehung.

Anno 2009

Karstadt, Schiesser, Quelle: In der Wirtschaftskrise geraten viele

Unternehmen in eine schwere Krise.

In der neuen Bundesregierung stellt die CDU neben Bundeskanzlerin

Merkel sieben Minister, die FDP fünf und die CSU drei.

Die Selbsttötung des Nationaltorwarts Robert Enke, der jahrelang

an Depressionen litt, bewegt das Land.

Im April erschüttert ein schweres Beben die italienische Stadt

L‘Aquila. Rund 300 Bewohner sterben, Zehntausende werden

obdachlos.

Von Mexiko breitet sich die Schweinegrippe über die ganze Welt

aus – trotz umfangreicher Schutzmaßnahmen.

Anno 2010

Schock über das verheerende Erdbeben in Haiti, bei dem rund

230.000 Menschen in dem armen Karibikstaat den Tod fanden.

Zehntausende Fans in den südafrikanischen Stadien und Hunderttausende

Menschen beim Public-Viewing in Deutschland fiebern

mit bei der Fußball-WM

„Es war mir eine Ehre, Deutschland als Bundespräsident zu dienen“,

sagt Horst Köhler am Vormittag des 31. Mai.

Im Protest gegen „Stuttgart 21“ zeigt sich ein neues Selbstbewusstsein

der Bürger. Dies spürt man u.a. auch im Protest gegen

die schwarz-gelbe Atompolitik.

Und 2011

Das schwere Erdbeben vom 11. März und der folgende Tsunami

lösten Störungen in mehreren japanischen AKW aus. Im Reaktorkomplex

Fukushima Daiichi zerstörten Explosionen Teile der

Reaktoren, Radioaktivität gelangte in die Umgebung. Seitdem

sind Arbeiter vor Ort damit beschäftigt, die nukleare Katastrophe

einzudämmen.

Am Horn von Afrika herrscht die schlimmste Trockenheit der

vergangenen 60 Jahre.

Ganz Norwegen trauert um die Opfer der Terroranschläge in Oslo

und Utöya.

Die Finanzkrise verschiedener europäischer Staaten bleibt bestehen.

Erich Kerkhoff

durchblick 3/2011 29


25 Jahre durchblick

Flüchtling, und schon ein Haus

1961 – 2011 …. was sind schon 50 Jahre

Glücklicher Vater: Otto Herrmann mit seinen Kindern vor seinem Haus

Autorenfoto

„Was sind schon 50 Jahre auf dieser schönen Welt,

wenn man im Herzen jung bleibt und den Humor behält“,

sang schon die 2005 verstorbene Ilse Werner.

Diese Zahl ist ein Jubiläum. „Fünfzig Jahre“, man

feiert einen 50. Geburtstag, eine 50 jährige Zugehörigkeit,

einen Jahrestag und ähnliches.

Mit dem Beginn des neuen Jahres gingen mir unzählige

Dinge durch den Kopf, auch wie schnell doch die Zeit

vergangen war. Es wirkt sich teilweise erschreckend aus,

wenn man zurückdenkt. Von damals spricht man heute! Ja,

damals war das Jahr 2000 noch in weiter Ferne. Mein Opa

hatte mir vom Jahrhundertwechsel 1899 auf 1900 erzählt.

Er hatte noch den „ollen“ Kaiser Wilhelm II. erlebt und

sprach von Bismarck, dem eisernen Kanzler, der nicht weit

entfernt von ihm, in Schönhausen an der Elbe aufgewachsen

war.

In meinem Geburtsjahr 1947 erlosch offiziell das Land

Preußen. Dessen überlieferte Tugenden, die ich seit Kindesbeinen

von meinem Opa übermittelt bekam, blieben mir

bis heute erhalten.

Vor 50 Jahren begann mit dem Ende der Volksschule

meine Jugend. Vierzehnjährig fühlte man sich erwachsen

und selbstständig, wusste zwar nichts, glaubte aber alles

zu wissen! Heute nennt man diese Phase bei einem Mädel

zuweilen „Zickenalter“. Ich weiß nicht mehr, ob ich damals

auch eine „Pubertierende“ war? Irgendwie verlief alles so,

wie man es von mir erwartete und verlangte.

Noch während meiner letzten Schulmonate verstarb unser

Vater. Damit änderte sich plötzlich alles für mich. Es

wurde keine unbeschwerte Jugend, es ging ins Leben. In der

Berufsberatung hörte ich Namen von Betrieben, aber eine

Vorstellung über einen Beruf hatte ich wohl nicht. „Blumen-Hadem“

war mir ein Begriff. Sie hatten Kränze zu Vatis

Beerdigung geliefert. Dort stellte ich mich vor und eine

mütterliche nette Dame nahm sich meiner an. Dina Hadem

erkannte in ersten Gesprächen, dass eine Gärtnereiausbildung

wohl nicht das Richtige für mich sei. Sie verwies mich

an eine Schneidermeisterin. Zu ihr kam ich in die Lehre.

Bei drei jüngeren Geschwistern und den allgemeinen ärmlichen

Lebensumständen war es sinnvoll, nähen zu lernen,

und das entsprach auch Muttis Vorstellungen.

Am 13. August 1961, es war ein Sonntag, hörten wir

die unglaublichen Nachrichten im Radio. Man baute in

Berlin eine Mauer, zog Stacheldraht und es entstand ein

Todesstreifen. Die Heimat war verloren und wir waren hier

Fremde, waren „Ostzonen“-Flüchtlinge. Niemand aus der

alten vertrauten Familie, wie Großeltern, Onkel und Tanten

konnten uns besuchen, sie waren eingesperrt!

In schlimmer Erinnerung jener Jahre blieben mir Aussagen

des Kanzlers Adenauer, der häufig erwähnte: „An

30 durchblick 3/2011


25 Jahre durchblick

der Elbe beginnt Sibirien“. Die Elbe, ein Teil meiner Heimat…

das fand ich ungeheuerlich! Vati verehrte Politiker

wie Kurt Schumacher und Carlo Schmidt. Wie sehr hatte er

sich gefreut, dass ein Kennedy in Amerika Präsident wurde.

Auf den Tag genau zwei Jahre nach Vatis Tod wurde John

F. Kennedy am 22. November 1963 in Dallas ermordet.

Schon während der Zeit meiner Lehre musste ich einen

Teil von Vatis Aufgaben übernehmen. Ich schrieb Anträge,

übernahm Behördengänge... und es gab viel, was bei uns

zu erledigen war.

Mutti versorgte unser Kleingetier und den Garten. Wir

hatten Kaninchen, Hühner, Enten, eine Ziege. Es gab auch

einen Acker für Kartoffeln und Roggen.

„Flüchtlinge, aber schon ein Haus“, hieß es sehr häufig.

Man sprach darüber nicht immer wohlwollend!

Wie sah es aus? Vati hatte sich als ehemals selbstständiger

Landwirt um eine Nebenerwerbsstätte bemüht. Haus

mit Garten und kleiner Landwirtschaft. Wir hatten ein

Haus, ohne Möbel, ohne Wäsche, ohne Hausrat. Das Wenige,

was wir besaßen, war spärlich zusammengesucht oder

gespendet. Wir waren arm, aber wir hatten uns! Eigentlich

waren alle unsere Nachbarn ebenso arm, deshalb fiel es uns

Kindern nicht einmal auf. Langsam integrierten wir uns,

wir schafften uns ein „Zuhause“.

Erlebte Eindrücke aus dieser Zeit sind heute bereits Historie.

Es war die Zeit des „kalten Krieges“. Wir erinnern uns

an die Kuba-Krise, Kennedy hielt seine berühmte „Berliner“

Rede. Er traf sich zu einem Gipfel mit Chruschtschow

in Wien. Unvergessen auch die Bilder von Chruschtschow,

der bei einer Sitzung der UNO, um auf sich aufmerksam zu

machen, mit seinem Schuh auf ein Pult hämmerte.

Abends standen wir auf der Straße und suchten den

Sputnik am Himmel. Nach dem Hund Laika flog Jury Gagarin

als erster Mensch durchs All. Robert Kennedy wurde

ermordet, und es stimmte uns wieder traurig. In Amerika

wüteten die Rassenkonflikte. Martin Luther King träumte

seinen Traum, den auch er mit dem Leben bezahlte.

Der „Prager Frühling“ blieb im Gedächtnis. Und wie oft

glaubten wir, es bräche der dritte Weltkrieg aus! Die 68er-

Bewegung fand ich nicht so spannend, ebenso wenig interessierten

mich die Beatles.

Wir sahen die ersten Menschen auf dem Mond… ein

kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Sprung für

die Menschheit! So formulierte es Neil Armstrong, als

er als erster Mensch seinen Fuß auf die Mondoberfläche

setzte. Die Nachrichten kamen plötzlich in Farbe in unsere

Stube. Das Wahlrecht wurde auf 18 Jahre herabgesetzt.

Ich machte den Führerschein und konnte mir dann auch

meinen ersten alten Käfer kaufen.Das Siegerland erlebte

die Stahlkrise. Die A 45, die Sauerlandlinie, wurde gebaut.

Waghalsige technische Konstruktionen sahen wir, als sich

die Brücken langsam über die Täler spannten. Es entstanden

zwei Talsperren in der Nähe und man baute in Siegen

eine Uni. Im fernen Kapstadt wurde einem Menschen

erstmals ein Herz transplantiert. Das Bild einer großen

Geste ging um die Welt, der Kniefall von Willy Brand in

Warschau. Willy Brand traf Willi Stoph in Erfurt, und wir

konnten auch wieder in die Heimat fahren.

Mit großem Interesse verfolgte ich die Reformpläne von

Willy Brandt und ganz besonders seine Vorstellungen von

einer anderen Ostpolitik. Seit seiner Kanzlerschaft fühlte

ich mich anerkannt. Ich bezeichne es oft noch als „meinen

Start als Bundesbürger“. Es entwickelte sich der Drang in

mir, etwas schaffen zu wollen. Eine kleine Reiseschreibmaschine

war der Aufbruch für einen neuen Berufsweg im

kaufmännischen Bereich. Ohne jedwede Vorkenntnisse,

dafür oft mit verständnisvollen Menschen, die mir bei den

„naiven Gedanken einer Unwissenden“ halfen.

Seit der Passierschein-Regelung gab es am 12. April

eines jeden Jahres ein Familientreffen in Märkischheide

(Mark Brandenburg) zu Opas Geburtstag. Schon zeitig

nach dem Jahreswechsel wurde geplant. Die Einreise und

der Aufenthalt in der DDR mussten beantragt werden. Es

war allemal eine Aufregung. In Helmstedt-Marienborn

passierten wir die innerdeutsche Grenze per Auto. Sobald

wir Wolfsburg hinter uns hatten, kramte Mutti das „Neue

Deutschland“ aus einer Tasche und las emsig mit vorgetäuschtem

Interesse. Von einem Jahr zum anderen blieb eine

alte Zeitung im Fahrzeug. Manchmal fuhren wir auch mit

dem Interzonenzug, dessen Grenzstation Marienborn-Oebisfelde

war. Fürchterlich waren die Kontrollen der Grenzbeamten,

herrlich die Fahrten mit den alten Dampfloks, die

man dann nach und nach aus dem Verkehr zog. Es sind

„Erlebnisreisen“ geblieben – „weißt du noch?“ – aber

durchblick 3/2011 31


25 Jahre durchblick

damals war es bitterer Ernst. Ärgerlich war der Zwangsumtausch,

wie auch die Straßenbenutzungsgebühren, die eine

Zeit lang erhoben wurden.

1974 wurde Helmut Schmidt Kanzler und mit ihm verbinde

ich die Zeit meiner finanziellen „Sicherheit“, mit ihr

verbunden aber auch die erste Ölkrise, Sonntagsfahrverbot

und leere Autobahnen. Dann Baader-Meinhoff! Wer erinnert

sich nicht an die Namen und deren Taten? Ich hatte den

Sinn der Bausparanlagen entdeckt, begann, unser Haus zu

renovieren und nahm meinen ersten und letzten Kredit auf,

um in eine Heizung zu investieren. Mit Mutti zusammen

lauschte ich namhaften Opernsängern, die in Gastauftritten

bei örtlichen Chören einen kleinen Teil von Kultur ins Siegerländer

Leben brachten. Heinz Hoppe erlebten wir gleich

mehrfach, Gottlob Frick, Kurt Böhme und, unvergessen,

Hermann Prey.

Seit 1980 ärgert mich die Umstellung der Uhren von

Sommer- auf Winterzeit. Während Nicole von „ein bisschen

Frieden“ sang, blieb mir der 1. 10. 1982 im Gedächtnis

und die Feststellung von Frau Hamm-Brücher zum Kanzlerwechsel:

„Er hat es nicht verdient, so gegangen zu werden,

und er hat es nicht verdient, so ins Amt zu kommen“,

Helmut Schmidt ging und Helmut Kohl kam.

Lange Zeit hatte ich mich mit Rentendingen für unsere

Mutti auseinandergesetzt, daraus resultierte mein Interesse

an einer Zeitschrift, die plötzlich in Siegener Geschäften

auslag. „durchblick“ nannte sie sich und sie befasste sich

mit den Problemen einer älter werdenden Gesellschaft: Bei

meinen Einkäufen besuchte ich zuweilen die Geschäftsstelle

in Kaan-Marienborn und gab dort auch meine ersten Leserbriefe

ab.

Das erste Handy kam auf den Markt. Wir erlebten die

Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.

Ja und dann? Wer hätte es für möglich gehalten? Montagsdemos

in der alten Heimat. Meine Tante Gerda schickte

ein Bild von einem „brennenden Panzer“. In Wittenberge an

der Elbe hatten Senioren einen zum Mahnmal umfunktionierten

Sowjetpanzer mit brennenden Kerzen in ein Lichtermeer

verwandelt.

Die Mauer fiel, die Grenze war offen, ich hätte es in meinem

Leben nicht mehr erwartet! Willy Brandt sagte: „Nun

wächst zusammen, was zusammen gehört“. Berlin wurde

wieder deutsche Hauptstadt. Und es ist gut so.

Die letzten 20 Jahre brachten uns die Deutsche Einheit,

einen Tunnel unter dem Ärmelkanal nach England und

durch Windows öffnete sich auch für uns das digitale Fenster.

Die Welt rückte noch mehr zusammen.

Das man heute mit einer Währung bezahlen kann, daran

wurde in den vergangenen fünfzig Jahren gewirkt. Wir

bezahlen seit 10 Jahren mit dem Euro und denken oftmals

noch sehr wehmütig an die gute alte Mark zurück. Was

uns als „segensreich“ prophezeit wurde, entpuppt sich mehr

und mehr als trügerisch.

Fünfzig gelebte Jahre – nur ein kleiner Hauch in der

großen Weltgeschichte – haben wir, jeder auf seine Weise,

miterlebt.

Eva-Maria Herrmann

Lob des Jenseits

von Horst Becker

Ich möchte allzu gern im Jenseits weilen,

mir ist zwar klar: ich lebte dann nicht mehr.

Das wäre mir egal, denk ich bisweilen.

Es wäre alles leicht und nicht so schwer.

Ich brauchte mich um niemanden zu sorgen.

Und niemand kümmerte sich mehr um mich.

Es gäb kein Heute mehr, kein Gestern und kein Morgen.

Vielleicht wär ich im Jenseits nicht einmal mehr ich?

Es wär doch interessant, das Jenseits zu erfahren.

„Erleben“ kann man es ja dann nicht mehr.

Das „Ewig-Leben“ völlig neu gewahren.

Das Bisher-Leben kennt man schon zu sehr.

Das Leben war zwar schön, und manchmal auch beschissen.

Die ganze blöde Welt macht viel kaputt.

Ich kann den ganzen Krempel wirklich missen.

Im Jenseits ist es sicher schön und gut.

Man braucht im Jenseits jedenfalls nicht leiden.

Ob man sich freuen kann, das weiß ich nicht.

Natürlich muss man sich im Jenseits auch bescheiden.

Die Bibel sagt: So schlimm ist es da nicht.

Man sagt sogar,: es sei dort paradiesisch.

Was paradiesisch ist, bleibt ungewiss.

Es heißt nur, es sei anders als auf Erden:

Ein neues Leben ohne Finsternis.

Ich bin im Diesseits noch total befangen.

Doch möchte ich allzu gern im Jenseits sein.

Dann wär ich weg! Ich hätt' den Tod umgangen.

Das wär fein.

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durchblick 3/2011 33


Autorenfoto

Foto: Tessie Reeh

Helga Siebel-Achenbach: Hausfrau mit ihren

vier Kindern 1971

Familie und Beruf: Chantal Schulte aus Wilnsdorf

an ihrem „Homeoffice“ -Arbeitsplatz.

Die Zeiten ändern sich!

Frauenrolle im Wandel

Als ich geboren wurde, war mein Bruder eineinhalb

Jahre alt und meine Mutter war Hausfrau und blieb

es auch bis an ihr Lebensende. Das war zu der Zeit

weder eine Frage noch ein Thema in der Gesellschaft. Und

so ging es auch viele Jahre unverändert weiter. Viele Frauen

gaben nach der Geburt ihres ersten Kindes ihren Beruf auf,

verzichteten auf ihr eigenes Einkommen und vielleicht auch

auf eine eigene Karriere. Dieses Wort Karriere war allerdings

bis Ende der 40er Jahre für die Laufbahn einer Frau noch

unbekannt. Sie kümmerte sich ausschließlich um Kinder und

Haushalt und war damit in der Regel auch zufrieden. Die

bereits seitens der Frau eingezahlten Beiträge in die Rentenkasse

fürs Alter ließ man ruhen oder auch oft auszahlen, um

sich Dinge für die Haushaltsgründung anzuschaffen.

Ausnahmen hat es natürlich immer schon gegeben. Elisabeth

Schwarzhaupt wird 1961, unter Bundeskanzler Konrad

Adenauer, zur ersten Bundesministerin für das Gesundheitswesen

gewählt. Sie war damit auch die erste Frau, die

das Amt eines Bundesministeriums bekleidete. Annemarie

Renger wird 1972 unsere erste weibliche Bundestagspräsidentin.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich natürlich auch

noch unsere heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel, die

uns bereits in der zweiten Wahlperiode regiert.

Als ich dann heiratete, machte ich es meiner Mutter

gleich. Nach eineinhalb Jahren wurde der erste Nachwuchs

geboren – jedoch zur Überraschung aller erblickte nicht nur

ein Kind, sondern gleich zwei gesunde Mädchen das Licht

der Welt. Die Medizin war noch nicht so weit fortgeschritten,

dass man durch Ultraschall der werdenden Mutter dieses

Ereignis hätte früher mitteilen können. Das war auch gut so,

denn so ging ich unwissend der Geburt entgegen. Die ersten

Waschmaschinen kamen gerade zu der Zeit auf den Markt

und wir, die junge Familie, gingen das Risiko ein, ein solches

Gerät aus der „Null-Serie“ zu erwerben. Wir hatten uns nicht

verkauft, – denn diese Maschine hatte ununterbrochen Arbeit

zu leisten und konnte und durfte einfach nicht aussetzen.

Die später entwickelten „Pampers“ – einmal benutzen und

dann weg – waren noch lange nicht in Sicht. Der Tag war für

mich nun sehr ausgefüllt, denn zwei Säuglinge hatten alle

vier Stunden Hunger und mussten trockengelegt werden. Die

Väter dieser Generation waren an dieser Aktion nicht beteiligt,

das war ausschließliches Privileg der Frauen.

Ich war eine sehr glückliche Mutter und Hausfrau und

sehnte mich mit keinem Gedanken zurück in die Arbeitswelt.

Abgesehen davon – wo wäre noch Zeit für die Ausübung

eines Berufes gewesen? Die Kinder einer Tagesmutter

geben? Auch so etwas gab es ja noch nicht, und ich hätte

das auch für alles in der Welt nicht getan.

Nach drei Jahren wurde noch ein Mädchen geboren

und ein Jahr später endlich ein Junge. Ich hatte nun einen

„Fulltime-Job“, wie man das heute nennt. Ich war nicht die

einzige Mutter, die drei, vier oder noch mehr Kinder großzuziehen

hatte.

Die geburtenreichen Jahrgänge füllten bald die Schulbänke,

es waren zu wenig Lehrer für den Unterricht da, und

auch Ausbildungsplätze und Universitäten reichten kaum

aus, um die zahlreichen heranwachsenden Jugendlichen

aufzunehmen.

In den sechziger Jahren kam dann die „Anti-Baby-Pille“

auf den Markt. So peu à peu wurden auch bald weniger

Kinder geboren. Nach einigen Jahren sprach man vom „Pillenknick“.

Die Frauen hatten nun die Möglichkeit, selbst

zu bestimmen, wie groß die Familie werden soll. Das Wort

„Familienplanung“ wird geboren.

Frauen wollen nach der Babypause wieder zurück in den

Beruf, ein eigenes Einkommen haben, am pulsierenden Arbeitsleben

teilnehmen. Aber wohin mit dem Nachwuchs? Es

werden mehr Kindergärten gebaut, Kinderbetreuungsstätten

und Ganztagsschulen mit Essenversorgung eingerichtet.

Gerne werden die Kinder auch einer Tagesmutter anvertraut,

zunächst stundenweise, halbtags oder später auch länger. Die

traditionell mit dem Wort Hausfrau verbundenen KKK’s

„Küche, Kinder, Kirche“ haben ausgedient. Jetzt können die

jungen Frauen mehr für ihren eigenen Beruf tun, obwohl die

zusätzliche Belastung zunächst noch ausschließlich auf ihren

Schultern ausgetragen wird. Aber auch das ändert sich mit

den Jahren. Immer mehr Väter nehmen an der Entwicklung

ihrer Sprösslinge aktiv teil, sie wollen eine engere Beziehung

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25 Jahre durchblick

Karrieren für Frauen sind heute leichter:

Christa Schuppler, Bürgermeisterin in Wilnsdorf

Foto: Hartmut Reeh

zu ihnen, und nicht mehr ausschließlich nur der Ernährer der

Familie sein. Wie wir immer öfter hören und auch lesen, nehmen

heute Väter eine berufliche Auszeit und die gesetzliche

Elternzeit in Anspruch.

Frauen werden selbstbewusster, streben nach höherer

Ausbildung und vor allem nach finanzieller Unabhängigkeit.

Teilweise haben wir in den letzten Jahren mehr weibliche

als männliche Studenten an den Universitäten. Sie

führen ihre akademische Ausbildung weitestgehend auch

zu einem Abschluss. Nach einem langen und kostspieligen

Studium möchten Frauen natürlich auch ins Berufsleben

einsteigen und sich bewähren. Kinder werden später geboren,

man kann es ja planen. Die „Ein-Kind-Ehen“ werden

immer beliebter. Natürlich steigen auch die Ansprüche in

den Familien. Ein Jahresurlaub wird zur Selbstverständlichkeit,

ein verlängerter Wochenendtrip, vor allem um die

sogenannten „Brückentage“ herum, ist bei einigen Familien

nicht mehr wegzudenken. Der Stau auf den Autobahnen

wird gerne in Kauf genommen.

Mehr und mehr streben Frauen danach, auch in Führungspositionen

ihr Können zu beweisen. Sie wollen Karriere

machen. Frauen finden sich zunehmend mehr in den

Chefetagen von Politik, Wissenschaft, Medien und auch

Wirtschaft wieder, aber sie haben es nicht leicht in diesen

Positionen. Sie stehen sehr unter Beobachtung und können

sich weniger Fehler erlauben als Männer. Es gibt zu wenig

weibliche Vorbilder, an denen sie sich orientieren können.

Um einen sehr wichtigen Punkt haben die weiblichen

Arbeitnehmerinnen noch zu kämpfen: Gleiches Geld für

gleiche Leistung! Ich glaube bestimmt, dass der Kampf der

Geschlechterrollen um die bestbezahltesten Jobs noch lange

dauern wird. Traditionelle Werte wie Ehe und Familie drohen

zu zerfallen, stattdessen steigen die kinderlosen Singlehaushalte

in der Statistik. Alleinerziehende Mütter oder Väter

sind fast schon die Regel. Sie verbinden sich vielfach in neue

Lebensgemeinschaften, wie zu „Patchwork“- Familien.

So haben sich Stellung und Struktur der Frau in Familie

und Gesellschaft in den letzten fünfzig Jahren meines Lebens

sehr verändert, und es wird sich auch in der Zukunft

noch einiges tun.

Helga Siebel-Achenbach

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Erinnerungen an Inge Göbel

Am 14. Mai ist unsere dienstälteste Redakteurin Inge

Göbel unerwartet gestorben. Wir informierten Sie

kurz in unserer letzten Ausgabe darüber.

Inge Göbel hatte sich im Dezember letztes Jahr einer

Rückenoperation unterziehen müssen, die nach ersten Annahmen

zu einer Querschnittslähmung führte. Dieser Verdacht

bestätigte sich nur zum Teil. In der anschließenden,

viermonatigen Reha in Bad Berleburg konnte Sie so weit

therapiert werden, dass die Nerven in ihren Beinen wieder

eingeschränkt funktionierten, sie aber auf den Rollstuhl angewiesen

geblieben wäre. Zum Ende ihrer Reha erkrankte

sie an einem hartnäckigen Virus, der in einem Siegener

Krankenhaus nicht mehr erfolgreich behandelt werden

konnte

Auf den nächsten Seiten haben wir Texte von Inge Göbel

zusammengestellt, die eine Übersicht ihrer Arbeiten

darstellen sollen. In loser Folge werden wir weitereTexte

aus alten Veröffentlichungen wiederholen. •

db-Foto

Hallo, wie geht´s?

durchblick 2-2001

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie oft

diese Frage an Sie gerichtet wurde und wie oft Sie

diese Frage selbst gestellt haben? Vermutlich nicht.

Und wenn auch, Sie könnten keine Antwort darauf geben.

Diese Frage: „Wie geht es Dir…?“ sollte eigentlich unserem

Gegenüber zeigen, dass wir an seinem Wohlbefinden interessiert

sind, uns Gedanken über ihn machen. Aber, oh weh,

nichts dergleichen geht in uns vor. Wir rattern eine Floskel

herunter, ohne eine echte Antwort zu erwarten. Vielmehr als

ein „Danke gut“ – „So lala – 3 bis 4“ oder „könnte besser sein“

käme sowieso nicht zurück.

Warum fragen wir also überhaupt? Schulterzucken!!! Neulich

wollte ich es aber wissen und antwortete auf die an mich

gestellte Frage: „Wie geht es Dir“? dass ich mich seit einiger

Zeit gar nicht wohlfühlte, Schmerzen hätte, beim Arzt war,

Medikamente bekam, die nicht halfen usw. Mein Gegenüber

war sichtlich verblüfft. So ausführlich hatte er es gar nicht wissen

wollen. Das merkte ich. Er stieg von einem Fuß auf den

anderen und als ich dann auch noch von Röntgenaufnahmen

erzählen wollte, fiel ihm mit einem raschen Blick auf die Armbanduhr

ein, dass er leider, leider gar keine Zeit mehr hätte.

Gewiss hätten wir demnächst mal ein Stündchen, um uns zu

unterhalten – und fort war er. Das war es also: Im Grunde

bestand gar kein wirkliches Interesse an meinem Befinden.

Ich hatte mich nicht getäuscht. Nun ritt mich aber der Teufel.

Ich zog das gleiche Spielchen mit einem anderen Bekannten

noch mal durch – und der hatte Zeit, viel Zeit. Er fragte mich:

„Wie geht es Dir“? Kaum hatte ich den Versuch gestartet, ihm

etwas zu erzählen, legte er bereits los. Ja, das kenne ich, hatte

ich auch mal, natürlich viel schlimmer, von einem Arzt zum

anderen, Medikamente, die mich umhauten, ein halbes Jahr

gedoktert, gelitten wie ein Hund, dachte, mein letztes Stündchen

hätte geschlagen … Der Redefluss meines Gegenübers

war nicht zu stoppen. Nun stieg ich von einem Fuß auf den

anderen, doch ich musste mir die schlimmen Krankengeschichten

von seinen Verwandten, Freunden und Nachbarn

anhören, die eigentlich schon gar nicht mehr auf der Welt sein

dürften. Als ich ungeduldig auf die Uhr schaute, war mein Unterhalter

bereits so in Rage, dass ihm Schaum vor dem Mund

stand. Sein Repertoire an beispiellosen Krankengeschichten

war unerschöpflich. Nach zwei Ausreißversuchen wurde ich

am Ärmel festgehalten, dann ergab ich mich in mein Schicksal.

Ich hatte die Geister selbst gerufen, die ich nun nicht los

wurde!! Letztendlich weiß ich nicht mehr, wie lange ich von

ihm beschlagnahmt war, bin mir auch nicht mehr sicher, ob er

mich, oder ich ihn gefragt hatte: „Wie geht´s…! Die Moral von

der Geschicht? „Frag ich, oder frag ich nicht“?! •

36 durchblick 3/2011


Unser Dackel

durchblick 2-2003

Als dann ein Enkelkindchen kam

wurd’ er nicht eifersüchtig,

er nahm sich richtig seiner an

und wurd’ als Wächter wichtig.

Wir haben einen großen Freund,

das ist ein kleiner Hund,

der ist in Treue uns vereint

und das zehn Jahre rund.

Als liebliches Geschenk, so saß

er plötzlich auf der Matte

und machte manches Eckchen nass,

bis man ihn sauber hatte.

Sein kleines Köpfchen lernte schnell,

was er so machen sollte,

und mürrisch heiseres Gebell

sagte uns, wenn er’s nicht wollte.

Er fraß und schlief und spielte viel,

man sah ihn hier und da,

jedoch am besten ihm gefiel…

der Hausschuh von Papa.

Gar lustig war es anzusehn,

wie er die Pfötchen schmiss

und wie er beim Spazierengehn

an seinem Leinchen riss.

Das Halsband, das war ihm ein Graus,

und wenn er’s gar nicht mochte,

dann zog er einfach’s Köpfchen raus

und sah uns an… und lachte!

Er war so putzig anzusehn,

so reizend und so zierlich.

Als er ein halbes Jahr alt war,

war er – beinah – manierlich.

Er wusste jetzt, was sich geziemt

und wo er hingehörte,

so wurd’ er langsam – nach und nach -

zu der Familienzierde.

Papa erkor er sich zum Herrn,

den er von Herzen liebte,

mit dem er beim Spaziergang gern

auf Schäferhund trainierte.

Geschäft und Auto und das Haus

behütete er richtig.

Er meldete, wenn Kundschaft kam,

er wurde wirklich tüchtig.

Er konnte alles voll verstehn,

wenn wir uns unterhielten,

an seinem Köpfchen konnt’ man’s sehn

und wie die Öhrchen spielten.

Und als das Baby von Mama

wurd’ auf den Arm genommen

ist unser Dackel ungesehn

mal rasch ins Bett gesprungen.

Das Bett, das war und ist ein Ort,

in dem er sich wohl fühlt,

doch nur wenn’s richtig mollig warm

und nicht wenn’s unterkühlt.

Sonst ist er brav, hat nie gemopst,

nie was vom Tisch geklaut

und auf die Couch wird nur gehopst,

wenn Papa es erlaubt.

Dort liegt sein Deckchen schon bereit,

Herrchen und sein Wauwau,

da sitzen sie und schaun zu zweit

des Abends „Tagesschau“.

Doch gibt es dort nichts mehr zu sehn

sind Hund und Herrchen müde,

sieht man die zwei ins „Kistchen“ gehn,

das Herrchen und sein Rüde.

Adieu, geliebte D-Mark

durchblick 4-2001

Ein wenig traurig lasse ich die Münzen durch meine

Finger gleiten, schön und vertraut fühlen

sie sich an und meine Gedanken gehen

weit zurück, sehr weit.

1948 … Die D-Mark kam in unser

Leben. „Mit Dir kam die Zeit

der Fülle nach langen Jahren der

Entbehrungen. Wir hatten so viel

Nachholbedarf und so viele Wünsche.

Du warst für uns der Garant,

dass es nun aufwärts ging. Du warst

der Startschuss des „In-die-Händespuckens“.

Die Arbeit lohnte sich

wieder und wir konnten uns manches

leisten. Wäsche, Kleidung, Möbel,

Waschmaschine, Kühlschrank und all

die vielen kleinen elektrischen Helfer zogen

in unseren Haushalt ein. Ja, auch unser erstes

Auto wurde von Dir bezahlt, wenn auch auf Raten. Es

waren die „fetten“ Jahre, denn durch all die kulinarischen

Genüsse, die wir uns nun wieder gönnen konnten, nahmen

wir an Leibesfülle zu und bald war jeder dritte

Bundesbürger laut Statistik zu fett.

Damals hat uns das kaum gestört,

der Schlankheitswahn kam ja erst viel

später. Wir waren Genießer und Verbraucher

und ließen den „Rubel“, –

sprich, die D- Mark – rollen. Voller

Vertrauen in Dich finanzierten

wir mit Dir unsere Eigenheime.

In unseren Auslandsurlauben waren

wir gern gesehene Gäste mit

Dir und wir waren stolz auf unsere

„harte“ Währung. Alles in allem:

Wir hatten eine glückliche Zeit zusammen.

Nun müssen wir uns trennen.

ADIEU, liebe D-Mark. Ich glaube, wir

werden Dich vermissen“. •

durchblick 3/2011 37


Mein

Computer

und ich

durchblick 1-2001

Ich kam zu ihm wie die Jungfrau zum Kinde. Meine

Kinder schenkten ihn mir mit den Worten: „Mutter, du

darfst dich dem Neuen nicht verschließen, darfst den

Anschluss nicht verlieren.“ Dann trugen sie das Ungetüm in

mein Büro. Es bestand aus vier Teilen. Das erste kannte ich,

ein Bildschirm, wie ein Fernseher, dann eine Tastatur, wie

eine Schreibmaschine, aber dann: ein viereckiger Blechkasten:

den PC. „Das ist sein Herz, Mutter“, deutete man mir

an und stellte auf sein Herz ein ebenso großes letztes Teil,

den Drucker. Die Teile wurden allesamt mit einigen Kabeln

verbunden und dieser Kabelsalat gefiel mir schon gar nicht.

Oh wei, oh wei, so viel Technik.

Ich muss wohl

ziemlich verängstigt

dreingeschaut haben,

denn sie munterten

mich mit den Worten

auf „Du schaffst das

schon, Mutter“. Gaben

mir noch ein kleines

Heftchen in die Hand

und dann waren wir

beide alleine – mein

Computer und ich.

Ich glotzte ihn an, er

glotzte zurück. Na,

dann zeig mal, was du

kannst, schien er zu sagen.

Mutig drückte ich

den Einschalter am Bildschirm und etwas gefühlvoller den

Knopf an seinem Herzen. Ich werde liebevoll mit ihm umgehen,

dachte ich. Man kann ja nicht wissen, wie er reagiert,

immerhin hat er ein Herz.

Ein ganz kurzes, leises Klicken und schon erschienen

Buchstaben, Worte und Bilder auf dem Schirm

und ver schwanden genauso schnell, wie sie gekommen

waren. Darin tanzte eine kleine Eieruhr. Hätte sie ein

Röckchen angehabt, ich hätte sie glatt für eine Ballerina

gehalten, so elegant und leicht bewegte sie sich.

Ich hätte ihr gerne noch ein Weilchen zugeschaut, aber

sie verschwand, wie von Geisterhand weggewischt.

Danach wurde der Bildschirm zu einem weißen Blatt

Schreibpapier. Ich staunte. Nur nicht zeigen, dass du

von seiner Schnelligkeit beeindruckt bist, dachte ich,

sonst bildet er sich noch was ein.

Nun stellte ich die Tastatur auf den Schreibtisch – und

da hing sie dran, die sogenannte „Maus“. Komischer Name

für ein Plastikding. Sah nicht aus wie eine Maus, fühlte sich

nicht an wie eine Maus, blieb ganz ruhig liegen, als ich

sie berührte. Eine Maus wäre weggehuscht. Warum also

Maus, warum nicht Katze, Hund oder Dromedar, alles hätte

genauso wenig gepasst wie „Maus“. Ich berührte sie nur

ganz zart, aber die war so feinfühlig, die reagierte sofort,

indem sie mir etwas auf den Bildschirm zauberte, was ich

nur schwer verstehen konnte. „Windows herunterfahren

und schließen“ stand da. OK, Windows waren Fenster, das

wusste ich. Musste man, wenn man mit dem Computer arbeiten

wollte, die Fenster schließen? Ich stand auf, schloss

das Fenster und ließ auch noch ein wenig die Jalousien herunter,

das machte das Ganze ein wenig intimer, aber nicht

leichter. Vor mir auf dem Bildschirm eine Unmenge Kreuze,

Kreise, Punkte, aber ich wollte doch nur das weiße Blatt

wiederhaben, was beim Anheben der Tastatur verschwunden

war. Aber wie??? Nachdem ich 10 Minuten in dem kleinen

Heftchen studiert hatte, kam ich mir noch blöder vor

als zuvor, und das war

schon nicht wenig

gewesen. Vielleicht

muss ich mit ihm reden,

mich vorstellen.

Er kannte mich ja

noch gar nicht. Also

sagte ich brav und

freundlich: „Guten

Tag, lieber Computer,

ich bin Inge Göbel und

ich möchte mit dir arbeiten!“

Schwups,

da hatte wohl wieder

mein Finger auf der

Maus gezuckt, und

ich bekam als Antwort

von ihm ein noch größeres

Verwirrspiel auf dem Bildschirm angezeigt. Au, au,

dachte ich, der liebt mich nicht, mit dem wird es schwierig.

Trotzdem blieb ich freundlich und versuchte sogar, ihn anzulächeln.

Wenig beeindruckt blieb er bei seiner Zeichensprache

und sah – ehrlich gesagt – etwas überheblich auf

mich herab.

Gut, dachte ich, DER Computer ist männlich, und Männer

hören gerne kleine Schmeicheleien, damit hatte ich so

meine Erfahrungen. „Du bist ein tolles Ding“, sagte ich zu

ihm, „ich bewundere dein Können und dein schnelles Reaktionsvermögen,

von dir kann ich bestimmt viel lernen“.

Der Erfolg gab mir recht, er legte mir den Finger auf die

richtige Taste und zack, war mein Schreibblatt wieder da.

„Danke“ sagte ich, „sehr freundlich von dir“. Er schien zu

lächeln und ich legte los.

38 durchblick 3/2011


Er hatte eine schöne Handschrift, nur ein wenig

klein. Ich musste immer den Kopf in den Nacken legen

und die Augen zukneifen, um das auf dem Bildschirm

lesen zu können, was ich in die Tastatur geschlagen hatte.

Nach einiger Zeit hatte ich ein Schiefhälschen und

meine Augen brannten. Gleichzeitig beflügelte mich

aber ein Hochgefühl, wie ich es seit meiner bestandenen

Fahrprüfung nicht mehr gehabt hatte. Er tat, was ich

wollte! „Na“, sagte ich, „es geht doch“! Aber ich hatte

das Gefühl, als würde er antworten: „Warte nur ab, ich

bin voller Überraschungen“.

Damit sollte ich mich nicht getäuscht haben, aber

vorläufig ging es zügig weiter. Ich hatte meinen Artikel

fertig, fand auch das Zeichen für „Speichern“ und

druckte mit der Maus ab. Ein kurzes, leises Geräusch in

seinem Herzen. Sonst tat er nichts. Sollte das denn schon

alles sein? Sollte er wirklich so schnell… nein, das war

unglaublich. Ich hatte eine Stunde geschrieben und er

speicherte das in seinem klugen Köpfchen binnen einer

einzigen Sekunde? Meine Bewunderung für ihn ging in

Ehrfurcht über. Jetzt schaltete ich den Drucker ein. Ich

schob ein Blatt Papier in die vorgesehenen Schienen und

er zog es gefräßig tiefer in sich hinein, Sofort nachdem

ich das Zeichen „Drucken“ auch nur kurz berührt hatte,

legte er los, raaaat, sssst, raaaat, sssst, wie von Geisterhand

fegte das Ding über das Papier und nach höchstens

20-30 Sekunden war alles, was ich geschrieben hatte,

fein säuberlich schwarz auf weiß gedruckt.

Wie schon gesagt, die Schrift war sehr klein, aber

mit einer Lupe konnte man alles lesen. „Kannst du

denn nicht größer schreiben, damit es besser lesbar

ist“ fragte ich ihn, aber da war er auch schon wieder

beleidigt. Das zeigte er mir, als ich ihn abschalten

wollte. „Nein“! stand auf dem Bildschirm. „Sie können

den Computer nicht ausschalten, Sie müssen erst

noch die Programme ordnen“. Oh weh, dachte ich,

der hält aber auf Distanz. Während ich ihn die ganze

Zeit über geduzt hatte, siezte er mich. Siedend heiß

schoss mir durch den Kopf, dass der Volksmund sagt:

Man kann eher „Du“ sagen, als „Sie“. Ich schwor mir,

ihn beim nächsten Mal mit Herr Computer anzureden,

aber nun wollte ich ihn ausschalten. Er dachte nicht

daran, sich ausschalten zu lassen. Ich versuchte es mit

mehreren Tasten und Pfeilen, er blieb stur.

Langsam stieg der Zorn in mir hoch. „Wenn du jetzt

nicht auf der Stelle ausgehst, ziehe ich dir einfach den

Stecker raus, dann kannst du gar nicht mehr“, schrie ich

ihn an. Sein überlegenes Grinsen aber sagte mir, dass

ich dann der Dumme sei, alles wäre gelöscht, meine

ganze Arbeit umsonst. Ich erkannte, er saß am längeren

Hebel. Eine Weile saß ich verzweifelt vor meiner neuen

Errungenschaft und verfluchte die Technik im Allgemeinen

und meinen Computer im Besonderen. Nun

wagte ich auch nicht mehr, noch mehr Knöpfe zu drücken.

Ich würde ein heilloses Durcheinander erzeugen.

Meine Hochstimmung ging über Zorn in Niedergeschlagenheit

über. Er geht nicht aus. Fast hätte ich geheult,

aber da zeigte er sich als Mann liebevoll und hilfsbereit.

Er konnte wohl auch keine Frau weinen sehen. Irgendwie

legte er mir den Finger auf die richtige Taste, ich

drückte ab… und… „Sie können den Computer jetzt

ausschalten“ stand da. Ich tat es rasch, damit er es sich

nicht noch einmal anders überlegte, denn dass er voller

Überraschungen war, hatte ich begriffen.

Inzwischen sind zwei Monate vergangen. Er begrüßt

mich mit „Hallo Inge“, was mich jedesmal

freut. Ich gehe sehr liebevoll mit ihm um. Er hat

mir dann eine größere Schrift gegeben. Ich kann

ihn ein- und ausschalten, ohne sein Innenleben

durcheinanderzubringen. Er schreibt, speichert

und druckt dafür sehr ordentlich, macht mich behutsam

auf Fehler aufmerksam, ohne mir zu

nahe zu treten. Dafür streichle ich ihn manchmal

zärtlich über sein schönes, glattes Gehäuse.

Man könnte sagen „Wir haben uns

aneinander gewöhnt und lassen jedem seine

Macken“.

Ich glaube, so können wir zusammen alt

werden. •

durchblick 3/2011 Hintergrundaquarell: Brigitte Lanko / Foto: www.wikipedia.de 39




Gesellschaft

73 Eier und 7 Pfund gute Butter

Geschenke zur goldenen Hochzeit Anno 1946

Johanna und Friedrich Vitt, Goldhochzeitspaar 1946

Unsere Leserin Helga Wohlleben aus Kaan-Marienborn

fand beim Sortieren alter Unterlagen eine außergewöhnliche

Auflistung. Es handelt sich um die

Geschenkliste ihrer Großeltern Friedrich und Johanna Vitt,

die am 15. Februar 1946 ihre goldene Hochzeit feierten. Diese

wurde in einem Behelfsheim begangen, da das Wohnhaus

beim Bombenangriff auf Kaan in Schutt und Asche gefallen

war. Aber was heißt Feier in dieser Zeit? Es war ein Kommen

und Gehen an diesem Tag. Das dürftig beheizte Holzhaus

war immer voller Menschen, die gratulieren wollten.

Obwohl in diesem Nachkriegsjahr keiner was zu verschenken

hatte, kamen die Verwandten, Freunde und Nachbarn

doch nicht mit leeren Händen. Was da in Zeiten der

Not alles zusammengetragen wurde, zeigt der Abdruck

eines Teiles der Geschenkliste:

Man vergleiche da einmal mit heutigen Geschenken bei

Familienfeiern! Diese Auflistung zeigt, dass zum Beispiel

insgesamt 73 Eier und etwa sieben Pfund Butter geschenkt

wurden. Man fragt sich, wie konnten diese wertvollen Lebensmittel

zu der Zeit ohne Kühlschrank aufbewahrt werden?

Auffällig ist, dass die Geschenke fast nur aus Lebensmitteln

bestanden. In diesem Nachkriegsjahr eine Kostbarkeit!

Um sich diese Zeit ein wenig in Erinnerung zu rufen –

sofern man das heute überhaupt noch kann – muss man sich

vergegenwärtigen, dass die schrecklichen Bombenangriffe

auf Siegen im Dezember 1944 und auf Kaan-Marienborn

am 1. Februar 1945 erfolgt waren. Zur Zeit der goldenen

Hochzeit des Ehepaares Vitt war seitdem gerade mal ein

Jahr vergangen. Über den furchtbaren Fliegerangriff auf

Kaan-Marienborn (wie auf den Stadtteil Hain) fand Helga

Wohlleben im Nachlass ihrer Tante einen Bericht, den diese

wohl kurze Zeit nach dem Geschehen verfasst hat. Lassen

wir hier eine damals unmittelbar Betroffene einmal selbst

zu Wort kommen (wir veröffentlichen einen Teil des Berichtes,

wie er original aufgeschrieben wurde):

Tagsüber war, wie die Zeit vorher, wieder Fliegeralarm

gewesen. Nicht einmal, fünf- bis sechsmal ertönte die

Sirene und warnte.

Durch den Angriff auf Siegen am 16. Dez. 1944 waren

wir doch alle etwas ängstlich und aufgeregt geworden. Siegen

lag in Schutt und Asche, die Straßen waren kaum zu

begehen, nur schmale Wege führten über Steine und Schutt.

So war es denn Februar geworden. Abends um ½ 7 kam

Voralarm und bald hinterher akute Luftgefahr.

Hedwig war die erste, die in den Keller gehen wollte und

sagte zu mir, komm doch gleich mit, dann kommen die Eltern

schon hinterher. Alles Bitten unsererseits, doch gleich

mitzukommen, blieb ohne Erfolg. Kaum waren wir im Keller,

auch Alfred mit Frau und Kindern, hörten wir schon die

ersten Flugzeuge. Mit dem kam auch unsere Mutter mit

Mantel und Schuhen die Kellertreppe herab. Vater ebenfalls

in einer dünnen Arbeitsjacke und Hausschuhen. Auf mein

Fragen, wo denn sein Mantel sei, sagte er: „Oben, aber gleich

gehen wir auch wieder rauf“. Wir standen im Keller, Vater

und ich gleich am Fuß der Kellertreppe. Die anderen saßen

auf einer schmalen Bank, welche ich aus einem Küchensofagestell

mit dem Backbrett drüber gelegt, hergerichtet

hatte. Wir standen und warteten, der Sand rieselte aus dem

Kellergewölbe

langsam

herab.

Lina schrie

immer wieder:

„Wir sind

verloren, hier

kommen wir

nicht wieder

raus“. Es brauste

und krachte

über uns, auf

einmal fiel

durch das

Kellerfenster,

welches halbverbaut

durch

den Splitterschutz

war,

Feuerschein.

Foto: Archiv Wohlleben

Alfred ging

aus dem Keller,

um einmal

nachzusehen.

Nach kurzer

Zeit rief er:

„Martha, komm

42 durchblick 3/2011


Gesellschaft

einmal rauf“. Hedwig schloss sich gleich an, doch als sie

die Flammen überall sah, warf sie ihren schönen Opossumkragen

ab. Ich stand an der Treppe, die oben ins Haus führt.

Ganz schief hing sie, dass mir ängstlich war, hinaufzugehen.

Alfred stand im Schlafzimmer der Eltern und schüttete Wasser

über die brennenden Betten. Auf dem Flur stand ja damals

immer Sand und Wasser bereit. Er wandte sich mir zu und

sagte: „Das hat keinen Zweck mehr, wir müssen alles lassen

und aus dem Keller gehen, sonst kommen wir nicht mehr aus

dem Haus heraus“.

So gingen wir schnell runter und holten alle aus dem Keller,

die Eltern waren damals schon 76 und 77 Jahre alt. Hermann

war 6 Jahre alt, Helmut ½ Jahr. So standen wir mit den

Eltern auf der Straße und Alfred sagte : „Vater und Mutter habe

ich in den Garten geführt, jetzt wollen Lina und ich sehen,

noch etwas aus den unteren Räumen zu retten“: Sie fingen

auch gleich damit an aus den Fenstern nach der Gartenseite

Bettzeug und Kinderbettchen zu reichen. Lina schichtete die

Sachen auf der kleinen Bleiche zusammen. Vater und Mutter

stiegen an der höchsten Stelle des Gartenzaunes über auf die

Straße. Hedwig und ich kamen mit den beiden Kleinen zu

ihnen, sahen noch einmal an unserem schönen alten Haus in

die Höhe und sahen, wie die Flammen aus allen Fenstern des

oberen Stockwerks schlugen. In der offenen Speicherschale

flatterten die Windeln von Flammen umgeben.

Ja, wohin nun? Überall Flammen, straßauf und straßab.

Ein Windstoß setzte die geretteten Sachen, die im Garten

lagen, in Brand. Wir gingen den kleinen Weg zwischen

Wirts und Bäcker Daubs, der in die Felder zum Forst führt,

hinauf. Lina war, mit dem kleinen Helmut im Arm, auf

Anraten eines Soldaten, in den Stollen Vitts gegenüber

gegangen. Hermann hielt sich zu uns und weinte immer

nach seiner Mutter. Von Alfred war nichts zu sehen, Hedwig

führte Mutter, sie hatte Mantel,

Pelz und Schuhe an. Vater

ging an meiner Seite, im

Keller lag eine braune alte

Wolldecke, die hatte er sich

um die Schultern gelegt. Er

konnte schlecht gehen über

die Felder in dem Schneematsch.

Dann verlor er auch

noch einen Hausschuh, auf

den Strümpfen ging es dann

weiter. Es waren auch andere

Leute den Forst hinaufgelaufen.

Ein kriegsgefangener

Franzose, der bei Schülers

Leo im Saal lag, wollte Vater

seine Holzpantinen geben,

leider waren sie zu klein.

Wir gingen weiter und kamen

unterdessen in das erste

Haus der Siedlung am Forst

(Wilhelm Nöh). Da hatte Vater

keinen Pantoffel mehr. Oh, wie war das furchtbar, in dem

fremden Haus zu sitzen, in einer von fremden Menschen vollgestopften

Küche. Das Gerede, die Unruhe, die Dunkelheit,

der Einzelflieger, der immerzu auftauchte, umherbrauste und

schoss, es ist nicht zu beschreiben. Mutter saß still auf einem

Stuhl. Es dauerte nicht lange, da wurde ihr übel und sie musste

brechen. Alfred kam und frug gleich, ob wir noch zusammen

wären, Lina sei mit den Kleinen bei Klapperts in den Stollen

gegangen, weil das Schneewasser in dem Stollen bei Vitts floss

und alle raus mussten. Er suchte an einem Kinderfläschchen

und etwas Milch für Helmut, welche Frau Nöh auch bereitwillig

gab. Er hat dieselbe dann bei Alts August auf der Glut des

Hauses gewärmt und Helmut war fürs erste zufrieden.

Wie spät es in der Nacht war, weiß ich nicht. Durch den

Feuerschein trat keine Dunkelheit ein. Ab und zu gingen

wir vor das Haus und sahen von der Höhe das Flammenmeer

von Kaan.

An dieser Stelle unterbrechen wir den Erlebnisbericht

von „Tante Martha“, der sicher einen unmittelbaren Eindruck

des Geschehens von der Kriegszeit liefert. Denkbar

wäre die Fortsetzung im nächsten durchblick.

Am 1. Februar 1945 luden 450 Bomben ihre vernichtende

Last auf den Ort und seine Gemarkung und vernichteten

innerhalb kurzer Zeit das alte Dorf mit seinen

beschaulichen Fachwerkhäusern, mit Kirche und Kapelle,

mit seinen Industrieanlagen und am schlimmsten das Leben

vieler Menschen. 350 Gebäude wurden vollständig oder

teilweise zerstört. Viele Menschen wurden obdachlos, 24

Tote waren zu beklagen.

Manche unserer Leser werden sich sicher auch noch an

die schrecklichen Fliegerangriffe erinnern; schön wäre es,

wenn Sie der Redaktion schriftlich oder per E-Mail einmal

ihre Erinnerungen mitteilen würden. Horst Mahle

durchblick 3/2011 43


Unterhaltung

Pech mit Mäxchen

oder: mein Führerschein

Die ersten Erfahrungen in Sachen Führerschein

machte ich während meiner Lehrzeit. Meine Meisterin,

gerade 40 Jahre alt geworden, kam eines Tages

in die Werkstatt und verkündete, „Mädels, ich habe mich

zum Führerschein angemeldet“. Es war eigentlich nichts Besonderes,

denn es gehörte schon zur Allgemeinbildung eine

„Erlaubnis zum Führen eines Kraftfahrzeuges“ zu besitzen.

Zweimal in der Woche besuchte sie fortan den theoretischen

Unterricht und jeweils an den folgenden Vormittagen wurden

uns Lehrlingen die besprochenen Verkehrsregeln nahegebracht.

Wir diskutierten und „fuhren“ einzelne Situationen

des Straßenverkehrs nach, indem wir sie mit Schere, Stecknadeln

und Schneiderkreide nachstellten. Etwas aufregender

verliefen dann die ersten Fahrstunden. Zwar hatte unsere

Meisterin dank der elektrischen Nähmaschine schon ein wenig

das Fußgefühl des Gaspedals intus, wie sie es glaubte,

aber der Umgang mit Kupplung, Bremse und Gaspedal in der

jeweilig zu betätigenden Situation wurde doch schwieriger

als erwartet. Die anfängliche, euphorische Energie verflog

nach und nach und als dann nach einiger Zeit die Prüfung

anstand, war die Begeisterung niedergedrückt und total auf

dem Nullpunkt angekommen.

Es konnte nicht anders sein! Sie fiel durch und erklärte

uns unter Tränen die Tragik des missglückten Prüfungstages.

Dieses schicksalhafte Fiasko erlebte sie ein zweites

- und gar ein drittes Mal und somit blieb meine Meisterin

für den Rest ihres Lebens ohne Führerschein, ohne Auto,

dafür aber um viele Erfahrungen reicher, die sie seitdem mit

mehreren Fahrlehrern erlebt hatte.

Irgendwie hatte sich wohl eine nachhaltig wirkende, negative

Meinung in meinem Hinterkopf erhalten über eine

Gattung Mann, die sich Fahrlehrer nannte! Zudem war es

Kochs Ecke, jene starkbefahrene Kreuzung in Siegen, vor

der ich einen ungeheuren Respekt hatte.

Meine Lehre lag lange hinter mir, als eines Tages eine

Arbeitskollegin erwähnte, „ich habe mich in der Fahrschule

angemeldet“. Es kam noch besser als ich hörte, „nein, nicht in

Siegen. Ich fahre nach Haiger, das ist doch wesentlich günstiger

für mich“. Das ließ sich hören und spontan war ich dabei.

Wieder ging es um die Theorie, und es war eigentlich

alles gut zu verstehen. Das Fahren, naja! Es war nicht wie

mit der elektrischen Nähmaschine, hier musste sich irgendwie

gefühlsmäßig anders an die Fußbetätigung herangetastet

werden! Die ersten Fahrstunden absolvierte ich bei

einem jungen Aushilfslehrer, der eigentlich Soldat war. Mit

ihm lernte ich die Einbahnstraßen rund um den Schlossberg

in Dillenburg kennen. Anfahren am Berg, rechts vor

links, alles wunderbar, und er meinte nach einigen Wochen,

ich könne mich zur Prüfung anmelden lassen. In den letzten

Übungsstunden vor der Prüfung und …da war wieder

das alte „Klischee“ aus der Lehrzeit. Der bisher so nette,

freundliche Inhaber der Fahrschule entpuppte sich als Sadist

allererster Güte. Bei ihm machte ich alles total falsch.

Ich kam heulend und vollkommen demotiviert nach Hause.

Mit tausend Ängsten saß ich an einem Freitag im Februar

sehr früh im Prüfungsraum des TÜV Dillenburg. Vor mir

die Unterlagen des schriftlichen Teils und ich machte meine

Kreuze … an Stellen, wo sie nicht hin gehörten. Durchgefallen!

Ich fuhr niedergeschlagen mit dem Zug nach Siegen.

Während meine Kollegin fortan freudig mit dem eigenen

Auto zur Arbeit fuhr, dachte ich mit Schrecken an die

nächste Prüfung. Jede Fahrstunde wurde eine Last, es war

schlimm und meinen Fahrlehrer konnte ich einfach nicht

mehr leiden. Für Mai war die nächste Prüfung angesagt

und mit der Aussicht, endlich von diesem üblen Gesellen

befreit zu sein, nahm ich all meinen Mut zusammen. In der

letzten Stunde vor der Prüfung holte er zu einer letzten Boshaftigkeit

aus. Ich lernte den Sportplatz in Haiger kennen.

Dort ließ er mich 45 Minuten nur im Kreis fahren, weil ich

angeblich kein Gefühl für Rechts- oder Linkskurven hatte.

Ich hätte den Kerl vergiften mögen. Ich war ärgerlich, zornig

und vollkommen deprimiert.

Um nun alle Kreuze wirklich an die richtige Stelle zu

setzen, hatte ich ein ganzes Wochenende alle verfügbaren

Fragebogen zigmal bearbeitet. Niemand sollte etwas von

der anstehenden Prüfung erfahren. Innerhalb der Familie

täuschte ich sogar arge Zahnschmerzen vor. Ich gab an, ich

müsse am frühen Morgen zum Zahnarzt fahren. In Wirklichkeit

hatte ich die Fahrprüfung vor mir.

Überglücklich hielt ich wenige Stunden später das Papier

in Händen. Allerdings gab mir der Fahrlehrer noch ein paar

mahnende Worte mit auf den Weg. „Sie kaufen sich am besten

ein Fahrrad, denn Auto fahren lernen Sie nie“!

Es mag sogar sein, dass er damals nicht ganz Unrecht

hatte, denn, ich war eine recht ängstliche Anfängerin. Nun

hatte ich zwar einen Führerschein, aber bis zu einem eigenen

Auto dauerte es noch ein paar Jahre. Dafür musste erst

44 durchblick 3/2011


Unterhaltung

wieder gespart werden. Irgendwann bekam ich einen alten

dunkelblauen Käfer und ich nannte ihn „Mäxchen“. Von der

Technik keine Ahnung war ich froh und dankbar, wenn mein

Mäxchen rollte, mich nicht im Stich ließ und keine Macken

auftraten. Oft, sehr oft, leuchtete es am Armaturenbrett „rot“

auf und es bedeutete Alarm. Nervosität, Zittern, Herzklopfen

und tückische Situationen, all das erlebte ich mit diesem Auto,

das teilweise mehr Öl als Benzin brauchte.

Meine Erlebnisse als Fahranfängerin nannte man oft

„drehbuchreif“. So amüsiert man sich heute teilweise noch

über eine dieser Episoden. Ich war morgens auf dem Weg

zur Arbeit, als ich plötzlich im Bereich der Rödger Kirche

ein dumpfes Geräusch vernahm. Ich beugte mich verschreckt

lauschend vor, merkte aber schon, dass das Lenkrad eigenartig

nach rechts zogt. Ein Geistesblitz „oh je, oh je, der Reifen“!

Also Fuß vom Gaspedal, langsam fahren, die Warnbeleuchtung

einschalten, so waren meine Gedankengänge. Ich

passierte die Eremitage, dann weiter bis zum Lindenbergsportplatz…

und alle Fahrzeuge die mich überholten, hupten

wie irre und zeigten auf Vorderrad, aus dem so langsam

die Luft entwich. Ich wurde zappelig, „ihr Blödmänner,“

schimpfte ich vor mich hin, „ich weiß doch längst, dass ich

einen Platten habe“. Auf den Gedanken anzuhalten, mein

Auto abzustellen, kam ich einfach nicht. Ganz sicher hätte

mich jemand von den hupenden Kameraden mit in die Stadt

genommen. Im Gebiet des Lindenberg-Friedhofs waren etliche

Schulkinder unterwegs, die mir fröhlich winkend und

laut schreiend artikulierten, was ich längst wusste. Der Weg

zur Arbeitsstelle bis Weidenau kam mir an diesem Tage

ganz entsetzlich lang vor und die immer wieder hupenden

Hinweise machten mich eigentlich immer trotziger in meiner

verkehrten Handlungsweise.

Endlich hatte ich die Haardter Brücke erreicht, atmete

tief durch und stellte mein Mäxchen bei der Tankstelle in

der Weidenauer Straße ab. Mit dem Hinweis, „es würde

sich gleich jemand darum kümmern“, begab ich mich zu

meinem Arbeitsplatz ins Autohaus Walter Schneider, auf

der gegenüberliegenden Straßenseite. Dort kam ich verspätet

an und berichtete von meinem Pech. „Na, ist nicht so

schlimm, da fahren wir gleich hin und wechseln das Rad“,

tröstete ein Kollege. „Nee, brauchen wir nicht, das Auto

ist schon hier, steht drüben an der Tankstelle“, konnte ich

voller Stolz erklären. Was ich nun gar nicht verstand, es verschlug

den Männern die Sprache! „Du bist doch nicht etwa

vom Rödgen bis hier mit dem kaputten Reifen gefahren“,

schüttelten sie ganz entgeistert den Kopf.

Der Seniorchef, der mich am anderen Tag auf diese Sache

ansprach, sagte nur noch „Herrmännchen, das dürfen

Sie keinem Menschen erzählen“!

Inzwischen habe ich meinen Führerschein 40 Jahre und

die Sache mit dem platten Reifen ist heute noch ein Anlass,

über die alten Zeiten zu lachen. Eva-Maria Herrmann

durchblick 3/2011 45


Em Peardsschdall

Got em Forer

Sylke woar fa glai of met Pearern ofgewase, kom

met dä Dierer got zerächde, hadde se gearn on woar

me em Peardsschdall a’zedreffe, als em Huss. Dat

hadde sech och nom Erwasewearn net geännert. De Arwet

em Schdall woar ät gewont on genauso de Pearer ze fläje,

si a d’r Longe ze laire, em se en Bewägong ze hale. Det

scheansde Geschänk foar all de Arwet woar da en „Ussrett”

en de ländliche Emgäjend. Darr’es me als e got Gefel om

Peardsrecke duerch de Fäller, Wese on Wäller ze schdraife,

de Sonn on d’r Wend ze feln, de Räjedrobbe ze schbüern.

Fräjj sin en on met d’r Naduer, det Läwe erläwe, aifach

glecklich sin. On hennerhear wuern da de Pearer noch ferwearnt

merrem „Schdeckelche Zuck’r”, Muerrn gehorden

awer äweso zom Ferwearnprogramm d’rzo wi lewefolle

Schdraichelainhaide.

No moss m’r wesse, darr em Engang fam Peardsschdall,

näwer ner groase Schiwedier, e glai Holzdebbe merrem

Däckel schdonn, en däm emmer e par Muerrn foar de Pearer

ofgehoawe wuern.

Earjendwann emo, det Sylke kom grad fa nem Ussrett

zerecke, woll sinnem Lewelingspeard fa dä Muerrn wat gä,

do fel äm da of, dat dä Holzdäckel so’e besje a’gegnabbert

uss’sog. Schoa merrem o’gore Gefel hoab ät da zemlich

foarsechdich dä Däckel a, on glich drof fel äm d’r Däckel

schoa werrer uss d’r Hand of de Äer. Nä, nä, dat gerret

net, dat ka aifach net sinn, darr’es wi en nem Horror-Film.

Seks glaine, koggelronne Gnobbauge guckden ängstlich,

wi erschdarrt, zo äm hoch. Nuer noch e par Räsde fa

de Muerrn woarn ze se, on en werrerlicher Geroch kom

uss däm Debbe russ. Miesjer, dräj glaine Miesjer logen

do wi hingegladscht, fast o’bewäglich näwernanner, deck

on prall, wi ofgebompt, de Fesjer met dä kuerze Gralln a

dä gnubbeliche Baincher bewägden sech langsam wi zom

Wenke, d’rzo fladderden de Schwänzcher ofgeräjt hin on

hear. Follgeschdobbt mit Muerrn sogen di dräj Miesjer en

däm Debbe wi dollpatschige glaine „Monster” uss. Du lewe

Zitt, wat ka m’r do da nuer do?

Earjendwi wearn Miesjer jo emmer em de Äcke gebrocht

– met Schbäck fängt m’r ... doch det Sylke konn

se net embränge, ät woll di dräj läwe loase, di sogen en

earer Helfsloasigkait och noch sogpossierlich uss, dat ät

dänn aifach niks a’do konn. No kuerzem Ewerlä geng ät

met däm Holzdebbe a de Böschong am Änn fa d’r Wes,

schdelbde (kippen) det Debbe em, on de follgefrässene

Miesjer rollden schwearfällig of de Wes. He logen da di

dräj, o’bewäglich, ai fa dänn om B’uch, di zwo annern om

Recke, wackelden met de Baincher, on kai Miesje konn

sech end Gebesch ferdrecke. Ja, wä d’r Hals net foll grijje

ka, dä hät d’r B’uch ze decke.

„Wänn di dräj arme „Kreatuern” so he läjje bliewe, healt

se de Katz”, dochde det Sylke on schubsde da huerdich ai

Miesje nom annern de Böschong ronner. Wi glaine Koggeln

puerzelden di dräj lamesöderich (langsam) no onne

end dechde Geschdrepp ren – on foart woarn se, wuern

neme gese’! Secherlich sin di follgefrässene Miesjer net

ferhongert, dänn itzend mosseden se’, em werrer of de

Baincher ze komme, earscht emol „Diät” läwe, on da wearn

se sech werrer wat ze frässe soche mosse em ze ewerläwe

– falls de Katz se foarhear net doch geroche hät.

Et woarn emol dräj Miejer, di hadden em Schlaraffeland

geläbt – on wänn se net geschdorwe sin, da läwe se emmer

noch. – On ech hadde en d’r Nacht en Draum – dräj rosaroare

Miesjer sojen uss wi Kuscheldiercher merrem Gnobb

em Oar.

Gerda Greis

46 durchblick 3/2011


Im Pferdestall

Gut im Futter

Foto: Gottfried Klör

Sylke, mit Pferden von klein auf vertraut, war mehr im

Pferdestall anzutreffen als im Haus. Das hatte sich auch

nach dem Erwachsenwerden nicht geändert. Stallarbeit

war sie gewöhnt, genau so die Pferde zu pflegen, sie an

der Longe zu führen, um sie in Bewegung zu halten. Die

schönste Belohnung für all die Arbeit war dann ein Ausritt

in die ländliche Umgebung. Ein herrliches Gefühl, auf dem

Rücken eines Pferdes durch Felder, Wiesen und Wälder zu

streifen, Sonne und Wind zu fühlen, den Regen zu spüren.

Freiheit in und mit der Natur, ein unwiederbringliches

Wohlfühlerlebnis für Mensch und Tier. Nach solchen Ausritten

wurden die Pferde dann noch verwöhnt mit dem sogenannten

„Stückchen Zucker”, auch Möhren, sowie liebevolle

Streicheleinheiten gehörten zum Verwöhnprogramm.

Nun muss man wissen, dass im Pferdestall, direkt am

Eingang, links neben einer hohen Schiebetür, ein nicht allzu

großer Holztopf mit Deckel stand, in dem immer einige

Möhren für die Pferde gelagert wurden.

Und eines Tages, Sylke kam gerade von einem ihrer Ausritte

zurück, wollte sie aus eben diesem Topf eine Möhre für

ihr Lieblingspferd nehmen, da bemerkte sie, dass der Rand

des Holzdeckels ein wenig angeknabbert aussah. Schon mit

einem irgendwie unguten Gefühl hob sie dann auch langsam

den Deckel an und gleich darauf fiel er ihr schon wieder aus

der Hand. Oh nein, das gibt es nicht, das darf nicht sein! In

ihrem Kopf erschien ein Science-Fiction-Film.

Sechs kleine, kugelrunde Knopfaugen schauten ängstlich,

wie erstarrt, zu ihr hoch. Nur noch wenige Möhrenreste

waren zu sehen, und ein widerlicher Geruch stieg ihr

in die Nase. Mäuse! Drei niedliche, kleine Mäuschen lagen

da wie hingeklascht, fast unbeweglich nebeneinander, dick

und prall, wie aufgepumpt, die Füßchen mit den kleinen

Krallen an den dick angeschwollenen Beinchen bewegten

sich im Rhythmus, als ob sie winken wollten, und die

Schwänzchen flatterten aufgeregt hin und her. Vollgestopft

mit Möhren sahen die drei Mäuschen wie putzige kleine

Monster aus. Oh je, oh je, und – was nun tun?

Im Allgemeinen entsorgt man Mäuse auf irgend eine Art

und Weise – mit Speck fängt man . . . doch umbringen, nein,

das kam nicht infrage, dazu sahen die drei in ihrer Hilfslosigkeit

viel zu possierlich aus, das konnte Sylke ihnen

nicht antun. So nahm sie dann den Holztopf, ging damit zu

der Böschung am Ende der Wiese und ließ die drei vollgefressenen

Mäuse einfach aus dem Topf herauspurzeln. Da

lagen sie nun, die eine auf dem Bauch, die beiden anderen

auf dem Rücken, und keine von ihnen war imstande, sich

auch nur ein wenig fortzubewegen oder überhaupt im Gebüsch

zu verschwinden, so wie Sylke es sich gedacht hatte.

„Wenn die drei armen Kreaturen hier so frei herumliegen”,

ging es ihr durch den Kopf, „dann holt sie die Katze”, und

so schubste sie ganz schnell eine Maus nach der anderen die

Böschung hinunter. Wie kleine Kugeln kullerten sie ganz

gemütlich nach unten, verschwanden im dichten Gestrüpp

– und wurden nicht mehr gesehen.

Verhungert sind diese drei überfressenen Mäuse sicherlich

nicht, denn die selbstverordnete Diät wegen Unbeweglichkeit

wird sie wieder auf die Beinchen gebracht haben,

um dann eine neue Nahrungsquelle zum Überleben zu suchen

– falls die Katze sie vorher nicht doch erwischt hat.

Es waren einmal drei Mäuse, die hatten im Schlaraffenland

gelebt – und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben

sie noch heute. – Und ich habe in der Nacht von niedlichen,

rosa-roten Mäusen geträumt – als kuschelige „Steiftiere”

mit Knopf im Ohr.

Gerda Greis

durchblick 3/2011 47


Halbinsel

von Wilma

Hallo Lina,

sei herzlich gegrüßt von Deiner Lisabeth, der Besitzerin einer Halbinsel.

Hoffentlich geht es Dir und Paul gut.

Mir geht es, seit es draußen wieder grünt und blüht, besser.

Du weißt ja, dass mir nach Hermanns plötzlichem Tod die Wohnung am Stadtpark

ohne ihn leer und riesig vorkam. Jetzt habe ich ein kleines Apartment. In zehn Minuten

bin ich zu Fuß in der Innenstadt. Eine gute Busverbindung besteht ebenfalls. Der

Abschied fiel mir aber schwer und auch die Entscheidung, welche Möbel ich behalten

und welche ich abgeben sollte. Wie viele Erinnerungen doch jedes Möbelstück birgt!

Tröstlich ist, dass mir meine alten Freunde treu geblieben sind. Wir spielen nach wie

vor einmal in der Woche zusammen Karten und treffen uns zum Wandern.

Das Verreisen hat sich wegen der kleinen Witwenrente ebenfalls erledigt. Und allein!?

Dadurch bleiben mir allerdings die Aufregungen wegen Anschlüsse an Bus und

Bahn sowie Warten vor Abfertigungsschaltern erspart. Man muss alles nur von der

richtigen Seite sehen! Kofferpacken fand ich immer lästig. Bei meinen Kurztrips ist es

sowieso nicht mehr erforderlich. Buch, Brille und Sitzkissen reichen dafür, denn nach

dem Öffnen der Balkontür sind es nur noch zwei Schritte zu meinem Erholungsort.

Im Schaukelstuhl wippend erschnuppere ich dort den Duft der Blüten, lausche dem

Vogelgezwitscher, dem Geflüster der Blätter und segle manchmal mit den weißen Wolken

über den blauen Himmel gegen Süden. Zu meinen Träumen zaubert das Klickern

der Perlenschnüre an der Balkontür und Schlecken von Eis unterm Sonnenschirm

mediterranes Gefühl. Das Gaukeln der Schmetterlinge trägt auch dazu bei. Sie landen

auf den Balkonblumen, nuckeln Nektar aus den Blüten und sitzen hinterher mit

ausgebreiteten Flügeln auf einem Blatt. Ob sie dann schlafen? Angst vor Bienen und

Hummeln habe ich kaum noch. Sie wollen ja nur zu den Blüten. Bei ihrem Anflug erstarre

ich trotzdem sicherheitshalber, um sie ja nicht zu irritieren.

Durch die Nähe des Baches schwirren oft Libellen heran und sonnen sich auf der

warmen steinernen Balkonbrüstung. Die Maserung in ihren durchsichtigen und wie

Perlmutt schimmernden Flügeln ist dann gut zu erkennen. Der lange Schwanz ihres

gegliederten Körpers wirkt wie ein gefährlicher Stachel, dabei stechen sie überhaupt

nicht, machen nur nervös durch ihre Schnelligkeit. Einmal rief ein Kuckuck. Natürlich

zählte ich und erfuhr, dass ich 150 Jahre alt werde. Ob ich so lange finanziell gut

versorgt bin, ist fraglich, denn einen Cent hatte ich nicht in der Tasche und die Rentenkasse

ist ja schon ziemlich schmal.

Zurzeit erfreut mich ein blühendes Rapsfeld. Schon während der Obstbaumblüte

öffneten sich die ersten Knospen. Jetzt ist das Feld gelb. Zum Glück habe ich keine Pollenallergie.

Der Blütenstaub, den der Wind herüberträgt, ist allerdings unangenehm.

Um nicht selbst gelb gefleckt zu werden, ist vor jedem „Ausflug“ dieses grieselige Zeug

48 durchblick 3/2011


Balkonien

Frohne

von Tisch und Stuhl zu wischen.

Spätestens in vier Wochen ist

es jedoch vorbei. Dann wiegen

sich die Kornähren auf dem

Feld dahinter im Wind und es

gleicht einem wogenden Meer.

Wir haben hier aber keinen

Ozean und keinen Fluss, sondern

nur einen Bach. Auf dessen anderer Seite

zieht sich ein Laub- bzw. Nadelwald den Hügel

hinauf, der großzügig Berg genannt wird. Strommasten

und Überlandleitungen unterbrechen die unterschiedlichen Grüntöne

des Waldes. Schade. Aber was wären wir ohne Elektrizität!?

Kinder gibt es auch in der Nähe meiner Halbinsel. Auf dem Bolzplatz herrscht bei

jedem Wetter viel Leben. Ärger oder Begeisterung sind hier gut zu hören. Zwei kleine

Mädchen aus dem Nachbarhaus winken mir manchmal auf ihrem Weg zum Spielplatz

zu. Leider kann ich ihnen beim Spielen nicht zusehen, da der Platz verdeckt

wird von einem anderen Gebäude.

Übrigens züchte ich Sonnenblumen und Tomaten auf dem Balkon. Viele Früchte

werden nicht zu ernten sein. Die Pflanzen sollen eigentlich auch nur Mücken und

Fliegen abschrecken. Aber zu beobachten, wie die grünen Kugeln wachsen und sich

färben, ist ein erfreulicher Nebeneffekt. Die Sonnenblumen, die ich vorschriftsmäßig

dünge, werden hoffentlich nicht nur hoch, sondern bekommen auch große Blüten

mit vielen Kernen. Ernten werde ich davon ebenfalls nur wenige, denn in den

Obstbäumen und der Hainbuchenhecke, die das Motorengeräusch von der Straße

dämpfen, sind einige Vogelnester. Hoffentlich verschonen Elstern und die getigerte

Katze des Nachbarn Eier und Brut.

Meine Liebe, du siehst, ich habe nicht aufgegeben, wie die Marienblümchen. Sie

strecken, wenn der Duft des frisch gemähten Grases noch in der Luft liegt, auch

schon wieder ihre rosa bespitzten weißen Blüten der Sonne entgegen.

Puh, alles gerettet. Entschuldige bitte, dass der Brief ein par Flecken hat. Ein

Windstoß wirbelte die Perlenschnüre vor der Tür hoch, beutelte den Sonnenschirm

und schubste, während ich den Schirm rettete, die Schreibmappe vom Tisch. Jetzt ist

der Spuk schon vorbei. Sicherheitshalber fahre ich aber mit dem Bus zur Post und

hoffe, vielleicht schon an der Haltestelle, interessante Leute zu treffen.

Viele liebe Grüße, auch an Paul,

Deine Lisabeth

Foto: Tessie Reeh, Hintergrund Agnes Spar

durchblick 3/2011 49


Unterhaltung

Dumm gelaufen

Wie man in der wohlbekannten Erzählung „Die

verhexte Ziege” schon gleich auf der ersten

Seite nachlesen kann, gibt es im Jahresverlauf

vier große Unglückstage, an denen man sich in jeder Beziehung

vorsehen muss. So wurden Adam und Eva am

1. Januar gnadenlos aus dem Paradies vertrieben, am

1. April ging die Sintflut los, am 1. Juli sind Sodom und Gomorra

untergegangen und am 1. Oktober wurde der Teufel

vom Himmel zur Erde heruntergeworfen und treibt seither

allerlei Schabernack mit Mensch und Tier.

Dass der 16. September gleichfalls ein Unglückstag sein

soll, darüber steht nichts in den alten Überlieferungen. Aber

vielleicht in denen, die künftig verfasst werden. Und ein

lebender Beweis hierfür ist der Wettläufer Alessandro aus

dem Weißtal, kurz Alex genannt, dem just an diesem Spätsommertag

Unglaubliches widerfuhr.

Dabei hatte es zunächst für ihn ebenso wie für seine

sieben Mitstreiter aus dem Lauftreff wunderbar begonnen.

Gegen Mittag waren sie bei herrlichem Sonnenschein mit

dem eigens hierfür georderten Kleinbus rechtzeitig gestartet.

Alex saß am Steuer, machte ein Witzchen nach dem

anderen und schien gar nicht an den bevorstehenden Halbmarathon

zu denken. Alsdorf wurde nach einer guten halben

Stunde erreicht, die Formalitäten wie Beschaffung der

Startnummer und dergleichen waren rasch erledigt, und nun

standen alle nach dem Transport mit dem überfüllten Gliederbus

auf der Lipper Höhe mitten auf einem Wirtschaftsweg

in einer urwüchsigen Westerwälder Wald- und Wiesenlandschaft.

Der Start zum Halbmarathon erfolgt seit einigen

Jahren nämlich nicht mehr im Grenzörtchen Lippe, sondern

gut und gerne eintausend Meter außerhalb.

Das Warmlaufen hatte die Wettstreiter recht locker

gemacht und die weitaus meisten waren bei dieser Gelegenheit

noch rasch hinter die reichlich umherstehenden Büsche

gehuscht, um unnötigen Ballast organischer Art zu entsorgen.

Zweihundert Läufer warteten nun auf den Startschuss,

der in zwei oder drei Minuten erfolgen sollte. In diesem

Moment schlug das Schicksal erbarmungslos zu.

Alex, der schon im vergangenen Jahr ohne Probleme die

Strecke von der Lippe bis Alsdorf bewältigt hatte, verspürte

ganz plötzlich und quasi in letzter Sekunde ein menschliches

Bedürfnis. Ob es die Nervosität – sprich: das nun doch

noch einsetzende Rennfieber – war, oder ganz einfach der

Gedanke, möglichst leicht den ersten Anstieg zu meistern,

ließ sich im Nachhinein nicht mehr sagen. Jedenfalls trabte

er los und wollte eine Wiese passieren, um hinter einem

Strauch rasch sein Geschäft zu verrichten. Dabei übersah

er in der Eile leider einen Gullydeckel, der mitten auf der

Wiese sein einsames Dasein fristete.

Hat jemand aus der geneigten Leserschaft schon einmal

in der City-Galerie in einen Haufen Kuhmist getreten?

Kann gar nicht passieren, ganz klar! Ist einem schon einmal

im Wald beim Spazierengehen oder beim Joggen ein Känguru

begegnet? Natürlich nicht – wie soll ein solches Viech

in den Siegerländer Hauberg geraten?! Oder ist irgendeiner

auf der Autobahn schon einmal von einem Dampfer überholt

worden? Die Antwort erübrigt sich.

Und der Gullydeckel? Mitten auf der Wiese? Weitab der

menschlichen Behausungen? Im Ernst: Wer konnte dieses

an einem 16. September ahnen?!

Dummerweise hatte der Gullydeckel gleich zwei Nachteile:

Zum einen befand sich unter ihm ein Schacht, zum

anderen lag er nicht in der vorgesehenen Führung, sondern

bedeckte besagten Schacht nur zu etwas mehr als der Hälfte.

Ausgerechnet auf den lose über dem Hohlraum liegenden

Teil trat Alex, sackte mit seinem Bein sogleich ins Leere,

während der Deckel sich als Folge des Tritts und den Gesetzen

der Schwerkraft folgend in Bewegung setzte und

mit seiner Kante ein wenig Fleisch aus dem Schienbein des

Unglücklichen riss.

Der Engländer bringt mit der saloppen Formel „Shit

happens” derlei Ereignisse kurz und knapp genau auf den

Punkt.

Helfende Hände waren zum Glück in der Nähe,

schließlich ist das Austreten auf den letzten Drücker in

Läuferkreisen nicht ungewöhnlich. Der Halbmarathon

hatte sich für den leichenblassen Alex verständlicherweise

erledigt. Mit dem Starter fuhr er zurück nach Alsdorf in den

Zielbereich, wo ein Mediziner feststellte, dass es sich nur

um eine Fleischwunde handelte.

Dank dieser Diagnose konnte er einigermaßen gelassen

abwarten, bis irgendwann die sieben Lauffreundinnen und

-freunde nach und nach ins Ziel trudelten und sich mitfüh-

50 durchblick 3/2011


Zahnarzt-

Geschichten

Zum Zahnarzt gehn mit schweren Herzen

die meisten Leut nicht ohne Schmerzen.

Im Wartezimmer angekommen,

ist man schon immer ganz benommen!

Die Angst sitzt gleich auch schon im Nacken,

ohne den Zahn nur anzupacken.

Man hört schon mit gespitzten Ohren

den Arzt im andren Zimmer bohren!

„Ich bin`s noch nicht, denkt man im Stillen

und sammelt brav Geduld und Willen!

Doch kommt man bald selbst dann dran,

spielt man nur den starken Mann!

Nun sitzt man im Behandlungsstuhl,

mit Angst im Blick und tut ganz cool.

Der Doktor kennt nun kein Erbarmen,

er zieht den kranken Zahn dem Armen!

Man beißt dann gern auf feste Watte,

was man doch für Schmerzen hatte!

Er hilft uns nur, wie ein Erlöser,

der Zahnarzt ist und bleibt ein Böser!

Ist erst die Wange dick geschwollen,

wir seine Hilfe gerne wollen!

Bei Karies und einem Loch,

ich glaub, den Zahnarzt braucht man doch!

und wieder hat man nach dem Essen

das Zähneputzen ganz vergessen!

Es ist im Leben nun mal so,

wenn wir ihn meiden, sind wir froh,

doch hilft er wieder, tut es gut,

weil Heil in seinen Händen ruht!

Manchen muss er auch mal stutzen

und sagen: „Zähne muss man putzen!“

Denn bei allem Weh und Klag

liegt es oft am Zahnbelag!

Der Patient im Stuhle sitzt,

unnötig voller Panik schwitzt,

zu helfen ist man hier bereit,

zum Jammern bleibt da keine Zeit!

Ja, der Zahnarzt, das ist wahr,

hilft uns immer wunderbar!

Hat man ihn länger nicht gesehn,

man sollte doch freiwillig gehn!

Helga Düringer

Gesundheit

Der fünfjährige Joachim war mit

seiner Mutter auf dem Weg zum Zahnarzt

zur Kontrolluntersuchung. „Was

schauen uns die Leute, die uns begegnen,

so eigenartig an”, sagte die Mutter,

blieb stehen und sah zu ihrem Jungen

hin, der lachte nur und die Mutter ebenfalls

lachend: „Ich wusste doch, dass

da irgendwas nicht in Ordnung ist.”

Nach der Begrüßung im Wartezimmer

sah man nur freundlich aussehende

Patienten auf ihren Stühlen

sitzen. Später kam eine ältere Patientin

dazu, sah sich um, und ihr Gesichtsausdruck

erstarrte sichtlich, als sie Platz

nahm, und der Junge ab und zu lächelnd zu

ihr hin sah. Patienten kamen und gingen,

alle irgendwie erheitert.

Dann saß Joachim im Behandlungsstuhl.

Der Zahnarzt fragte: „Zur Kontrolle?” Ein

kurzes Nicken. „Du kennst das ja schon und

nun mach mal den Mund auf.” „Ohje”, so

der Zahnarzt laut lachend: „Ein wirkungsvoller

Spaß, dein Dracula-Gebiss, doch jetzt

– raus damit. „Später gingen Mutter und

Sohn wieder ins Wartezimmer zurück, um

ihre Mäntel zu holen, da meinte jemand belustigt:

„Als die ältere Frau zur Behandlung

ging, hat sie vor sich hin gemurmelt: „Nä,

warre arm Kend!” Gerda Greis

durchblick 3/2011 51


Unterhaltung

Tante Meta, das Schlitzohr

Der Restauranttest

Tante Meta wollte anlässlich ihres Geburtstages mit

uns in einem stadtbekannten Restaurant zum Essen

gehen. Wir sagten zu und machten uns keine Illusionen

über den Verlauf der Feier. Selbstsicher betrat sie

vor uns das Restaurant. Der ihr gut bekannte Ober reichte

die Speisekarten herum und fragte allgemein nach den Getränkewünschen.

Sofort antwortete

Tante Meta: „Das wissen wir noch

nicht, erst entscheiden wir, was wir

essen wollen.“ „Sehr wohl, gnädige

Frau“, antwortete er mit übertrieben

ruhiger Stimme.

„Können Sie uns etwas empfehlen?“,

fragte Tante Meta, während

sie die Speisekarte über ihren

Brillenrand studierte. „Das Lammfleisch

mit Gratin und“ ... doch

bevor er den Satz beenden konnte,

bestellte Tante Meta Schweinemedaillons

und bestimmte: „Meine

Nichte und ihr Mann nehmen

das Gleiche. Wir essen alle gerne

Schweinefleisch.“ Das war uns

neu. Aber, nun ja…..

Der Ober ließ sich durch nichts

aus der Ruhe bringen, selbst als sich

mein Mann über den viel zu kalten

Rotwein beschwerte und entschied:

„Bringen Sie für mich sofort einen

Weißwein“, schüttelte er nur

wortlos den Kopf, denn er, der von

vornherein einen milden Weißwein empfohlen hatte, sagte

mit Blick zu meiner Tante: „Sehr wohl, einen Weißwein,

für den Herrn.“ Alle weiteren Wünsche oder Änderungen

unseres Geburtstagskindes kommentierte er stets mit: „Sehr

wohl, gnädige Frau.“

Nur einmal brachte Tante Meta ihn fast aus der Fassung.

Sie behauptete, dass im Lokal irgendwie Durchzug wäre. Er

rannte schulterzuckend von Fenster zu Fenster, konnte aber

keinen Grund für ihre Beschwerde finden. Höflichst bot er

an, für das Dessert an einem anderen Tisch einzudecken.

Dieses konnten wir gerade noch verhindern, indem wir Tante

Meta eine Jacke umhingen. Sie vertilgte die Süßspeise,

ohne auch nur einmal aufzuschauen oder eine Bemerkung

zu machen.

Abschließend trank sie in einem Zug ihr Weinglas aus,

schnippte mit den Fingern in Richtung Ober und rief: „Die

Rechnung bitte!“

Sekunden später lag diese auf dem Tisch, so dass wir

alle die Summe lesen konnten. Der zu zahlende Betrag war

127,80 Euro. Tante Meta legte einhundertdreißig Euro in

Scheinen auf das Tablett. Der dankende Kellner gab zwei

Ein-Euro-Münzen zurück und suchte vergebens nach einer

Zwanzig-Cent-Münze. „Einen Augenblick bitte, mir sind

die kleinen Münzen ausgegangen“, sagte er zu unserer

Gastgeberin gewandt und ging zu einem Kollegen, um

dort das restliche Rückgeld

zu holen.

Wir wären fast vor Scham

im Boden versunken, als der

Ober zurückkehrte und unserer

lieben Tante Meta die

Münzen in ihr Portemonaie

fallen ließ.

Der Ober bedankte sich

höflichst für unseren Besuch

und vergewisserte sich, ob

wir denn auch alle zufrieden

nach Hause gehen würden,

während er unserer Tante in

den Mantel half. Danach holte

er noch ihren Schirm, den

sie hinter einem Vorhang deponiert

hatte.

Erst als der nette, freundliche

und geduldige Ober uns

die Ausgangstüre aufhielt

und allen einen guten Nachhauseweg

wünschte, erhellten

sich Tante Metas Augen.

„Ach, beinahe hätte ich ja was vergessen.“ Lachend griff sie

in ihre Manteltasche und drückte dem Ober einen Zwanzig-

Euro-Schein in die Hand und bedankte sich für seine gute

aufmerksame Arbeit.

Auf dem Weg zum Auto sagte Tante Meta augenzwinkernd:

„Er hat mal wieder meinen Test mit Auszeichnung

bestanden… er ist wirklich ein Könner seines Fachs. So

jemandem gebe ich gerne ein angemessenes Trinkgeld“.

„Ob er jemals so viel verdient hat?“, flüsterte mir mein

Mann ins Ohr. „Wie meinst du das?“, fragte ich neugierig.

„Ach ich hatte einfach Mitleid mit ihm und habe ihm schon

mal heimlich ein paar Scheine zugesteckt.“

In mich hineingrinsend stellte ich fest, dass mein Mann

wohl mit seiner Behauptung Recht hatte, denn auch ich hatte

im Hinblick auf unsere spezielle Gastgeberin dem Ober

beim Betreten des Lokals schon mal eine „Erschwerniszulage“

zukommen lassen.

Aber das bleibt mein Geheimnis.

Ulla D’Amico

Ein angemessenes Trinkgeld

52 durchblick 3/2011

Foto/Collage: Gottfried Klör


Gedichte

Beim vom Ribbeck auf Ribbeck

im Havelland,

im Garten einst ein Birnbaum stand.

Und dieser gute, alte Mann,

der ständig Neues sich ersann,

war stetig frohen Mutes

und tat den Kindern immer Gutes.

Ein jeder kennt ja die Geschichte,

von der ich heute nicht berichte.

Beim Bauer von Beck im Siegerland

auch ein Baum im Garten stand,

der ganz heimlich still und leise

zu Ehren kam auf andere Weise:

Sein altes Huhn legt heut kein Ei,

es zeigt auch keinen Willen.

Er nimmt es hin, wie dem auch sei,

und denkt sich nun im Stillen:

Wird es noch einmal überwintern

und legt vielleicht ein letztes Ei,

ich rupf ihm nicht den kahlen Hintern,

ich sage ihm ganz still: „Bye, bye!“

Das Huhn, das lange ihn schon kennt,

hat seine Traurigkeit vernommen,

es besinnt sich und es rennt,

die Augen drehend, ganz versonnen,

und windet sich in aller Qual,

die wirklich wird zur Quälerei

und legt im Lauf ein letztes Mal

ein wunderschönes weißes Ei.

Da liegt es nun lang ausgestreckt

mit glanzlosem Gefieder,

Das wundersame Gleichnis

Edith Maria Bürger

so plötzlich ist es nun verreckt

und hat sehr kalte Glieder.

Die Trauer, die ihn übermannt,

lässt ihn zum Spaten greifen,

er hat das Huhn so lang gekannt.

Und seine Blicke traurig schweifen

zum Hügel hinter seinem Haus,

zu dem das Huhn er trägt,

und sucht ein stilles Plätzchen aus,

das er fürs alte Huhn erwägt.

Woran er niemals hat gedacht,

es schlagen Wurzeln aus dem Haus.

So wächst nun mitten in der Nacht

ein kleiner Eierbaum heraus,

der verziert in aller Pracht,

mit dreißig Eiern an der Zahl.

Und plötzlich hört er mit Erstaunen

eine Stimme aus den Zweigen,

und mit einem dumpfen Raunen,

das sonst nur Geistern ist zu Eigen:

„He Alter, willste heut ein Ei?

Dann komm doch jeden Tag vorbei!“

Verwundert nimmt der Beck dies wahr

und greift sich fix ein Ei.

Dies Wunder scheint ihm wunderbar

und holt schnell seine Frau herbei.

Die steht nun ebenso erstaunt

vor diesem Eier-Wunderbaum,

und ihrem Mann ins Ohr nun raunt:

„Was sehe ich? Ich glaub es kaum!

Doch lieber Mann, es soll wohl sein,

es ist so wie vor vielen Jahren,

als der Ribbeck aus dem Totenschrein,

die goldnen Birnen ausgefahren!“

Der Bauer Beck kratzt sich ans Kinn,

ein Wandel sich in ihm vollzieht,

denn Neues trachtet ihm im Sinn,

und er die schönsten Bilder sieht.

Er setzt sich nun am nächsten Tag,

in seiner Art, so frank und frei,

auch wenn man es nicht glauben mag,

vor seinem Tor mit einem Ei.

Und ehe der Beck sich nun versieht,

gerät er fast ins Wanken,

'ne Schar von Kindern ihn umkniet,

die all ihm herzlich danken.

So geht nun Jahr um Jahr vorbei,

und die Eier leuchten weit und breit,

ein jedes Kind bekommt sein Ei,

und zwei sogar zur Osterzeit.

So spendet Freude noch immer die Hand,

des von Beck auf Beck im Siegerland.

Am Sonntagmorgen im Sonnenschein

setzten zwei Elstern sich artig fein

auf die Dachrinne vom Nachbarhaus

sahen keck-munter in die Welt hinaus.

Des Nachbarn Katze erspähte sie gleich

schlich heran und duckte sich weich

um behände auf das Dach zu springen.

Doch es wollt ihr nicht gelingen!

Die Elstern sahen von oben herab!

Unten mühte sich die Katze ab!

Ja! Und als wollten sie die Katze foppen,

als sannen sie nach! Um dies noch zu toppen!

Schon musste rasch die Katze springen

weil die Vögel sich auf leichten Schwingen

setzten sich plötzlich in den nahen Baum

schwadronierend-forsch. Doch kaum

wollte die Katze erklimmen den Stamm –

aber, sie einfach nicht von der Stelle kam!

Der Katze fiel es sichtlich schwer

es behinderte das Winterfell sie sehr.

Die Vögel würdevoll-stolz mit Pläsir

Freche Elstern

Eva Maria Herrmann

amüsierten sich über das Katzentier.

Ein kühner Sprung, mit letzter Kraft

war endlich dann der Baum geschafft.

Und jetzt! Verklemmt nun im Geäst

saß wieder mal die Katze fest!

Das Spielchen ging so hin und her

den Elstern fiel es gar nicht schwer

nach rechts, nach links umherzuhupfen

als beweglich-neckische Farbentupfen.

Die arme Katze saß elend gefangen,

ihr blieb ein sehnliches Verlangen,

während die Vögel laut triumphierten,

schadenfroh auf den Ästen marschierten.

Und die Moral von der Geschicht:

Du bist ein wirklich armer Wicht,

kommst mit dem dicken Fell nicht weit,

bei Vögeln im bunten Federkleid.

durchblick 3/2011 53


Buchbesprechungen

Dass deine Träume Wurzeln schlagen

Es gibt nicht nur den Jahreskreis mit seinen 365 Tagen,

sondern auch einen Lebenskreis, den wir beschreiben

mit Worten wie Jahresringe, Lebensfarben, Lebenslauf

oder auch Lebensträume. Diese besonderen Zeiten

werden in der CD „Dass deine Träume Wurzeln schlagen“

von Christoph Zehendner, Manfred Staiger und Heiko Wolf

aufgegriffen. Das Trio aus einem begabten Sänger und Texter

sowie einem Pianisten und einem Fotografen präsentiert

ein Album mit Bildband, das ermutigen und den Blick auf

das Wunder des eigenen Lebens freimachen will. Es gibt

ein Textheft mit Bildern dazu und besonders der Bildband

enthält wunderschöne Fotografien. Die Lebensweisheiten

und Impulse sind musikalisch in eingängige Popmelodien

gekleidet.

Christoph Zehendner, Manfred Staiger, Heiko Wolf:

„Dass deine Träume Wurzeln schlagen“. Lieder und Gebete

zu den Jahreszeiten des Lebens. Gerth Medien,

CD 17,99 €. Bildband mit weiteren Texten, 8,99 €.

Horst Mahle

Altwerden ist nichts für Feiglinge

Joachim Fuchsberger, Jahrgang 1927, der bekannte

und beliebte Schauspieler und Entertainer, gibt in seinem

Buch Einblick in sein Leben und Arbeiten, sein Denken

und Fühlen. Der Autor schreibt nicht wehklagend über

das Alter, sondern erfrischend nüchtern mit einem Augenzwinkern,

wie es sich anfühlt, alt zu werden.

„Auch das ist eine Alterseinsicht: Es muss nicht immer

mehr sein! Im Gegenteil – weniger ist oft mehr und macht

fröhlicher.“ Er schreibt von Freude und Leid, Glück und

Not, Erfolgen und Pleiten seines Lebens. Dadurch macht

er nachdenklich im Hinblick auf das eigene Leben und

Älterwerden.

Offen werden die Themen angesprochen: Ehe und Familie,

Liebe und Treue. Es geht aber auch um Krankheit

und Gesundheit, Sterben und Tod – die Familie hat im

vergangenen Jahr den einzigen Sohn durch Tod verloren.

Den christlichen Glauben betreffend ist er skeptisch,

zugleich aber bekennt er: „… letztendlich beneide ich die

Möglichkeit, sich mit allen Problemen einem Gott anzuvertrauen

mit der Überzeugung, dass dieser sich bemüht,

sie zu lösen. Wir Ungläubige haben es da wesentlich

schwerer.“ – Ein lesenswertes Buch!

Joachim Fuchsberger: Altwerden ist nichts für Feiglinge.

Gütersloher Verlagshaus; 224 Seiten; 19,99 €

Horst Mahle

So war es im Siegerland

Lieber Herr Abt, ich habe

Ihr herrliches Buch natürlich

schon gelesen, ... es

war ein Vergnügen! Einige Geschichten

haben mich sehr zum

Lachen gebracht, bei einigen war

Ihr „Schmunzelhumor“ zu spüren,

einige waren philosophisch,

einige sehr anrührend, manches

sehr weise... kurz, ich habe es genossen.

Anne Eickhoff

Sehr geehrter Herr Abt, heute habe ich ihr Buch, „So war

es im Siegerland“ fertig gelesen. Über einiges konnte ich

schmunzeln, über anderes nachdenken, aber eine Geschichte

hat mich besonders berührt: „Tsunami und die Reaktion der

Siegerländer“. Auch ich war eine der Helferinnen und kann

mich noch gut an die Freundlichkeit und Gastlichkeit erinnern,

an den türkischen Herrn, der in seiner Gemeinde gesammelt

hat, an Ihre Frau, die mit Leidenschaft für alle Essen zubereitet

hat... Mittlerweile wohne ich in Edmonton, Kanada. Meine

Mutter, die damals auch einen Tag zum Helfen kam, hat mir

Ihr Buch zugeschickt. Melanie und Sandy Schleith

„So war es im Siegerland“ - 50 Jahre Mäckes, erschienen

im durchblick- Verlag ISBN 978-3-9812018-4-0 82 Seiten für

12,80 € zu beziehen über den Buchhandel oder beim Verlag

Triga, der Verlag – Katalog – Leben

und Bewusstsein

Das Buch von Otto Abt liest sich sehr flüssig und unterhaltsam.

Mit der Einführung von einem schwer erziehbaren

Sohn fühlt man sich als Mutter sofort verbunden. Das

aus diesem Sohn ein weiser Sunan wird, lässt viele hoffen.

Es ist sehr amüsant, die Weisheit des Sunans zu verfolgen.

Als Muslima kennt man die Sira (Lebensgeschichte) des

Propheten und seine weisen Handlungen. Er ist Vorbild für

alle Muslime. So verhält sich der Sunan auch sehr vorbildlich

nach der Sunna des Propheten. Der Titel müsste besser

lauten: „Das ist der Islam“, den die islamophoben Lektüren

stellen mit Sicherheit nicht die islamische Religion dar, die

ja wörtlich übersetzt Frieden heißt. Eine Fußnote zum islamischen

Glaubensbekenntnis ‚Schahada‘ fehlt: Schahada

heißt „LA illah ila Allah Muhammad Rasul Allah“ = Es gibt

keinen Gott außer Allah und Muhammad ist sein Gesandter.

Man kann abschließend sagen, es ist eine interessante,

unterhaltsame Lektüre, die einen Beitrag zum gesellschaftlichen

Frieden ist. Wir brauchen mehr solcher Lektüren.

Danke Herr Abt!

Dr. Houaida Taraji

Frauenärztin und Vorstandsmitglied

der Islamische Gemeinschaft e.V. Köln

54 durchblick 3/2011


Wandulf, der Waldschmied

Buchbesprechungen

Dieses farbensprühende Historiengemälde aus der

Feder von Erfolgsschriftsteller Rudolf Utsch

führt zurück ins ausgehende Mittelalter. Im Land

der tausend Feuer, wie das Siegerland wegen seiner Eisengewinnung

damals hieß, regiert die Obrigkeit mit harter

Hand. Auch das Raubrittertum ist weit verbreitet. Der

junge Wandulf, ein angesehener und berühmter Schmied,

verliebt sich in die Tochter des gefürchteten Seelbacher

Ritters Henner. Doch diese Liebe hat keine Zukunft, zu

groß ist der Standesunterschied, wie Wandulf schmerzlich

erfahren muss.

Als Ritter Henner dann noch einen Hüttenmann, dem

eine neue Art des Eisenschmelzens gelungen ist, als „Hexenmeister“

einkerkern lässt, wird der enttäuschte Waldschmied

zum Rebellen. Listenreich und mutig bekämpft

er gemeinsam mit seinen Getreuen die Raubritter, bis er

durch Verrat in die Fänge des Seelbachers gerät. Doch das

Schicksal hält noch eine unerwartete Wendung bereit.

Auch dieser Roman von Rudolf Utsch zeichnet sich aus

durch treffende Milieu- und Charakterstudien, Detailgenauigkeit

und eine durchgehend fesselnde Darstellungskunst.

Geschickt hat der Autor Fantasie, Sagen und Überlieferungen

mit tatsächlichen Ereignissen – wie die Erstürmung und Zerstörung

der Hohenseelbachsburg bei Neunkirchen im Jahre

1352 – miteinander zu einem packenden Roman verwoben.

Wolfgang Stötzel

Der Wettergott

Helga Düringer

Lieber Petrus – mach es recht,

mach`s Wetter bloß nicht allzu schlecht,

denn ziehen ein paar Wolken auf,

schimpfen alle Leute drauf!

Lässt Du Regentropfen fallen,

behagen sie noch längst nicht allen,

ob Regen oder Sonnenschein,

der Mensch wird nie zufrieden sein!

Liegt auf den Wiesen Morgentau,

ist das Klima gar zu rau,

so hat wohl jede Wetterlage,

immer einen Grund zur Klage!

Im Frühling ist es noch zu kühl,

im Sommer wieder furchtbar schwül,

im Herbst zu starke Stürme toben,

den Winter wird man auch nicht loben!

Fön lässt die Migräne drücken,

Feuchtigkeit schlägt in den Rücken,

schlechtes Wetter für die Glieder,

Du siehst, da haben wir es wieder!

Wenn wir auf trocknes Wetter hoffen

lässt Du glatt die Schleusen offen,

oh Petrus, mach es allen recht,

Dein Wetter ist fast immer schlecht!

Doch ist es einmal umgekehrt,

wird sich sicher auch beschwert,

Du hast beständig Deine Last,

weil jeder andres Wetter hasst!

So bist Du stets an allem Schuld,

doch, lieber Petrus, hab Geduld,

in Wahrheit bist Du doch ein Retter,

was wären wir denn – ohne Wetter!?

durchblick 3/2011 55


Engagiert, emanzipiert, selbstbewusst und fit wie ein

Turnschuh kommt Hanne Münch zu Fuß in die durchblick-Redaktion.

Immer in Bewegung ist ihr Motto. Während

des Gesprächs läuft sie im Redaktionsraum

herum, setzt sich rücklings auf den Stuhl,

Kaffee: nein danke. Kein Stillstand. Vorbilder

hat sie nicht. Aber soziale Verantwortung

hat sie aus ihrer beruflich

aktiven Zeit als Krankenschwester

mit in den „Ruhestand“ seit 2005

genommen.

Schon immer verstand sie es,

zwischen Familie, Beruf und Ehrenamt

zu jonglieren und alles

„unter einen Hut“ zu bekommen.

Heute im Ruhestand, als

Ehefrau mit Kindern und

Enkelkindern, „bloß keine

Hunde“, Haus und Garten

müsste sie eigentlich ein ausgefülltes

Leben haben. Aber

Hanne Münch ist ehrenamtlich

unterwegs seit 20 Jahren

und mehr, das heißt: auch neben

ihrem Beruf als Krankenschwester

im Kreiskrankenhaus

Siegen: bei der AWO, bei

der Diakonie im Fliednerheim

als Gottesdienstbetreuerin, bei

der Siegener Tafel und beim

Besuchsdienst in Krankenhäusern

(den Namen „grüne Damen lehnt sie

ab). Dazu kam ihre ehrenamtliche Tätigkeit

1991 in Albanien. Später im Team der medizinischen

Dienste seit 1996 mit Dr. Frank, später mit

56 durchblick Foto/Collage: Gottfried 3/2011 Klör


Dr. Löwendorf und Dr. Eisfeld erst in Brasilien, dann in Ecuador. Vor

Ansteckung hatte sie während ihrer elf erfolgreichen Auslandseinsätze

keine Furcht. So spricht sie auch perfekt Englisch, und um vor Ort zu

Recht zu kommen Portugiesisch und Spanisch. Gern erinnert sie sich

auch an ihren ersten größeren Auslandsaufenthalt in Amerika 1968/69,

wo ihr Mann als Wissenschaftler und sie unentgeltlich in einer Kinderklinik

tätig waren. Eine Würdigung ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit gab

es bisher nicht, dies würde sie auch ablehnen. So legt sie auch großen

Wert darauf, ihre Privatsphäre zu schützen.

Als Motto bezeichnet Hannelore Münch: den Kindern schon möglichst

früh soziales Engagement und da sein für andere vorleben und

weitergeben. Ein Zurücklehnen und Genießen des Ruhestands kann sich

Frau Münch nicht vorstellen. Bewegung ist alles, so wie ihre Hobbys

Schwimmen, Fahrradfahren und Laufen.

Zur Person:

Jahrgang: 1940

Geburtsort: bei Bremerhaven,

seit 1978 ist Siegen ihr Lebensmittelpunkt

Beruf: Krankenschwester, Ausbildung in Göttingen

zur Kinderkrankenschwester, dann zur

OP-Schwester, später für die Intensivstation

qualifiziert

Tessie Reeh

durchblick 3/2011 57


Energie

Wenn alle Brünnlein fließen

Aus Wasser wird Strom – SVB geht neue Wege

Wasserkraftwerk an der Edertalsperre

Foto: Gottfried Klör

Seit einigen Monaten ist es möglich, auch von den

Siegener Versorgungsbetrieben Strom aus regenerativen

Quellen zu beziehen. Der örtliche Nahversorger

springt dabei nicht auf eine, durch den Reaktorunfall

in Fukushima ausgelöste Ökowelle, sein Angebot besteht

bereits seit Dezember des letzten Jahres. Wir wollten Näheres

erfahren und haben die SVB dazu befragt. Peter Weil,

Vertriebsleiter der Versorgungsbetriebe, beantwortete unsere

Fragen.

durchblick: Guten Tag Herr Weil, Ihr altes Kundenzentrum

ist ja eine riesige Baustelle geworden! Investieren

Sie hier bereits die Gewinne aus Ihrer neuen Produktlinie

Ökostrom?

Weil: (lacht) Wenn das mal so schnell ginge... aber Spaß

beiseite. Wir sind als Regionalversorger für Gas, Wasser und

nun auch für Strom, unseren Kunden gegenüber verpflichtet.

durchblick: Was heißt das?

Weil: Das bedeutet, dass unsere Kundinnen und Kunden

hier bei uns eine persönliche Ansprache und gute Beratung

in einem angenehmen Umfeld erfahren sollen. Dafür vergrößern

wir das Servicezentrum. Durch den Umzug der

Verbraucherzentrale in die Siegener Friedrichstraße bot

sich der Umbau regelrecht an.

durchblick: Bevor wir über Ihr neues Angebot Ökostrom

sprechen, sagen Sie uns doch kurz, wer sich hinter

der SVB, den Siegener Versorgungsbetrieben, versteckt.

Weil: Die SVB gehören zu genau 74,9% der Stadt Siegen,

die Rhenag AG hält 24,9% und 0,2% befinden sich im

Besitz der Delbrück Bethmann Maffei AG Frankfurt. Die

Aufsplittung kommt daher, weil die SVB nach der Gebietsreform

in den 70-er Jahren ihr Einzugsgebiet erweitern konnte

und damalige Versorger mit ins Boot nahm. Wenn Sie die

Zahlen also gegeneinander halten, können wir sagen, dass

die SVB sich zum überwiegenden Teil im Besitz der Stadt

Siegen und somit im Besitz ihrer Bürger befindet.

durchblick: Haben Sie den Eindruck, dass Ihren Kunden

bewusst ist, dass sie durch ihre Gemeinde „Miteigentümer“

der städtischen Versorgungsbetriebe sind?

Weil: Doch ja, viele unserer Abnehmer wissen das wohl,

wir merken das ja auch an der erfolgreichen Einführung des

Ökostroms.

durchblick: Haben Sie von der Stadt Siegen ausreichende

Unterstützung bei der Neueinführung Ihres Produktes

Ökostrom erfahren?

Weil: Ja, das kann ich ohne jede Einschränkung sagen!

Von der Verwaltung, wie auch von der Politik sind unsere

Aktivitäten hilfreich begleitet worden. Die Stadt als mehrheitlicher

Anteilseigner hätte ja unsere Aktivitäten im Bereich

Stromversorgung auch verhindern können. Nein, wir

haben große Zustimmung erfahren.

durchblick: Bezieht die Stadt Siegen denn ihren Strom

nun von ihrem eigenen Versorgungsbetrieb?

58 durchblick 3/2011


Energie

Weil: Die Stadt Siegen ist durch bestehende Verträge

gebunden und muss darüber hinaus benötigte Leistungen

europaweit ausschreiben. Da könnten wir mit unserem

Angebot derzeit nicht mithalten. Unabhängig davon wollen

wir zunächst die kleineren Haushalte in unserem Einzugsgebiet,

das mittlerweile den gesamten Kreis Siegen-

Wittgenstein umfasst, bedienen. Wir glauben auch, dass

es für uns besser ist, langsam zu wachsen, so dass wir die

Entwicklung noch selbst steuern können. Wir erfahren ja

in diesen Tagen, dass auch Energieanbieter nicht vor einer

Insolvenz gefeit sind.

durchblick: Was ist das Besondere an dem von Ihnen

angebotenen Ökostrom?

Weil: Wir beziehen unseren Strom derzeit ausschließlich

von dem Laufwasserkraftwerk an der Eder-Talsperre.

„Derzeit“ bedeutet: Wir sind auch auf der Suche bzw. stehen

in Verhandlungen mit anderen Laufwasserkraftwerken.

Die Kapazitäten aus dieser Art Stromerzeugung ist in

unserer Region natürlich begrenzt. Um aber unser Garantieversprechen

auf lieferbaren Ökostrom auch künftig halten

zu können, werden wir gelegentlich Strom aus anderen

Laufwasserkraftwerken zukaufen müssen.

durchblick: Sie sprechen von Laufwasserkraftwerken,

ist Strom aus Wasserkraft nicht immer Ökostrom?

Weil: In gewisser Weise schon. In Laufwasserkraftwerken

werden Generatoren zur Stromerzeugung über eine

Turbine direkt vom Fließwasser angetrieben. In einem

Speicherkraftwerk wird Strom in abnahmeschwachen

Zeiten dazu verwendet. Wasser in einen höher gelegenen

Speicher zu pumpen, der bei erhöhtem Strombedarf abgelassen

wird und dabei über Turbinen den stromerzeugenden

Generator antreibt. Bei solchen Kraftwerken kommt es oft

vor, dass konventionell erzeugter Strom dazu genutzt wird,

den Wasserspeicher zu füllen. Hier wird, wenn Sie so wollen,

Atomstrom zu Ökostrom „veredelt". Das ist aber nicht

das, was wir wollen.

durchblick: Soweit wir informiert sind, befindet sich

das Wasserkraftwerk am Edersee, von dem Sie ja Ihren

Ökostrom beziehen, im Besitz des Atomstromriesen „eon“.

Weil: Das ist richtig. Vergessen Sie dabei aber nicht, dass

„eon“ auch im Bereich der Wasserkraft ein Riese ist. Durch

die Kontrolle der Netzagentur ist gewährleistet, dass die verkaufte

Menge Ökostrom auch ökologisch produziert wird.

Was aus der Steckdose kommt, ist ja einfach nur elektrische

Energie, wichtig ist, wie die Energie hergestellt wird, die ins

Netz kommt! Ich sagte ja schon, dass wir auch mit anderen

Ökostromanbietern im Gespräch sind. Lassen Sie uns noch

etwas Zeit, die Liste unserer Lieferanten wird größer.

durchblick: Da fällt uns der bildhafte Vergleich mit

einem großen See ein, der von verschiedenen Stromerzeugungsarten

gespeist wird. Je mehr Ökostrom nun in diesen

See fließt, je sauberer und umweltfreundlicher ist die Qualität

des Wassers, sprich des Stroms.

Weil: Ja, dem Vergleich kann ich mich anschließen.

durchblick: Warum haben Sie sich eigentlich auf das

heiß umkämpfte Feld der Stromanbieter gewagt?

Weil: Der Wunsch ist von unseren Wasser- und Gaskunden

an uns herangetragen worden. Viele von denen würden

gerne auch ihren Strom über uns beziehen. Hier trägt sicher

unsere schon immer kundenorientierte Geschäftspolitik ihre

Früchte. Bei uns stehen Ihnen Menschen mit Rat und Tat

zu Seite und wir helfen und beraten auch vor Ort, in den

Haushaltungen unserer Kunden.

durchblick: Sind Sie bei Reklamationen auch so kundenfreundlich?

Weil: Selbstverständlich, Sie können Ihre Reklamationen

telefonisch oder selbst in unserer Verwaltungsstelle

loswerden, wir haben kundenfreundliche Öffnungszeiten

und Mitarbeiter kümmern sich persönlich um Ihr Anliegen.

Abgesehen davon, verzichten wir auf Vorauszahlungen und

langfristige Lieferverträge, denn wir wollen zufriedene Partner.

Übrigens: unsere Lieferverträge monatlich kündbar.

durchblick: Ganz neu im Gespräch sind ja dezentrale,

kleine „Kraft-Wärme-Versorgungseinheiten“, wie gut sind

Sie in dem Bereich aufgestellt?

Weil: Gut..., in Kürze geht unser erstes Minikraftwerk in

Betrieb, in diesem Wärme-Stromkraftwerk werden gleich

zwei Energiequellen erschlossen. Wir versorgen damit den

Wohnpark Am Häusling, mit Wärme und Elektrizität. Insgesamt

versorgen wir so 24 Eigentumswohnungen. Der

dort produzierte, aber nicht benötigte Strom geht dann als

Ökostrom ins allgemeine Stromnetz.

durchblick: Kann sich eine Familie mit geringem Einkommen

Ihren Ökostrom überhaupt leisten?

Weil: Ja, selbstverständlich. Wir bieten Ökostrom zu

wettbewerbsfähgen Preisen an. Etliche Anbieter sind mit

ihrem überwiegend aus

fossilen Energieträgern,

also Kohle, Öl und Gas

oder aus Atomkraft erzeugten

Strom teurer.

durchblick: Noch

eine letzte Frage. Wohin

fließen eigentlich Ihre

Gewinne?

Weil: Den weitaus

größten Anteil erhält

die Stadt Siegen. Der

Gewinn kommt somit

wieder der Allgemeinheit

zu Gute. euwe

SVB-Foto

Peter Weil, Vertriebsleiter der

Siegener Versorgungsbetriebe

durchblick 3/2011 59


Interview

„Ich will in der Eisdiele nicht zugeraucht werden.“

Ministerpräsidentin zum Thema Nichtraucherschutzgesetz

Weg wir zur Verbesserung des Gesundheitsschutzes gehen

können. In diesem Bericht werden Lösungen und Handlungsoptionen,

die sich aus der Evaluation des geltenden

Nichtraucherschutzgesetzes ergeben, vorgestellt.

Ministerpräsidentin

Hannelore

Kraft nach

ihrer Rede beim

Jahresempfang

der Siegener

Industrie- und

Handelskammer

Foto: Dr. Horst Bach

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD)

zur Verbesserung des Nichtraucherschutzgesetzes,

im kurzen Gespräch mit dem durchblick, das bereits

im Januar geführt wurde.

db: Die neue rot-grüne Landesregierung und insbesondere

Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Bündnis90/

Grüne) haben zu Beginn ihrer Amtsübernahme vehement von

einer Verbesserung des derzeit gültigen Nichtraucherschutzgesetzes

gesprochen. Geschehen ist bisher noch nichts.

Hannelore Kraft: Wir haben in der vergangenen Woche

erstmals im Kabinett über die Situation beraten. Fakt ist,

dass das derzeit gültige Gesetz zum Ende des vergangenen

Jahres wie gesetzlich vorgesehen auf seine Umsetzung hin

überprüft worden ist. Der entsprechende Evaluierungsbericht

liegt jetzt vor und wird von der zuständigen Ministerin

im Februar dem Parlament vorgetragen.

db: An welche konkreten Verbesserungen denken Sie? Im

Koalitionsvertrag steht, dass insbesondere die ausufernden

Ausnahmeregelungen kritisch überprüft werden sollen.

Hannelore Kraft: Es gibt zu viele Schlupflöcher, mit

denen in der Gastronomie gegen den Sinn des Gesetzes

verstoßen wird. Es kann zum Beispiel doch nicht sein, dass

die Gäste einer Eisdiele, sowohl Erwachsene wie Kinder,

von Rauchern zugequalmt werden. Das will ich auch nicht.

Hier muss schnellstens Abhilfe geschaffen werden.

db: Welcher Weg führt zum Ziel?

Hannelore Kraft: Auf der Grundlage des Evaluierungsberichtes

werden wir im Ausschuss für Gesundheit, Soziales

und Integration sowie im Plenum diskutieren, welchen

db: Können Sie schon einige dieser Lösungen und

Handlungsoptionen nennen?

Hannelore Kraft: Das Rauchen an sich wird dem Menschen

durch das Gesetz ja nicht generell untersagt, sondern

ihm werden nur Schranken gesetzt. Der gesetzliche Eingriff

in die freie Persönlichkeitsentfaltung von Raucherinnen

und Rauchern ist aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes

gerechtfertigt und notwendig. Die Gefahren

des Passivrauchens werden leider immer noch unterschätzt.

Die vielfältigen Ausnahmeregelungen in der Gastronomie

schaffen Ungerechtigkeiten und Wettbewerbsverzerrungen.

Sie müssen daher weg. Die Akzeptanz eines Gesetzes ist

u.a. auch davon abhängig, dass Verstöße gegen die gesetzlichen

Bestimmungen auch geahndet werden. Zur Zeit

erschweren die Ausnahmeregelungen noch die Arbeit der

Ordnungsämter.

Das Gespräch führte Dr. Horst Bach.

Zur weiteren Information

Die „Sichtweise“ des Ausschuss für Arbeit, Gesundheit,

Soziales und Integration hat dieser übrigens bereits in seiner

Sitzung am 22. 9. 2010 laut Protokoll wie folgt deutlich

gemacht: „Das, was wir im Bereich des aktuellen Nichtraucherschutzgesetzes

heute an Auswüchsen und Wildwuchs

haben, darf auf keinen Fall bestehen bleiben. ...Dass außen

an Türen von Cafés, Eisdielen und Bäckereien ein Raucherklubschild

hängt, wurde von uns vielfältig auch im Ministerium

dokumentiert. Diese Auswüchse an Raucherklubs, die

es mittlerweile gibt, sind auch von dem „Deutscher Hotelund

Gaststättenverband“ (DEHOGA) nicht gewollt gewesen.

Wir haben hier einen Wildwuchs, der in einem ersten

Schritt schnell eingedämmt werden muss, wozu sogar der

DEHOGA beitragen will.“

Gesundheitsministerin Barbara Steffens hat bereits

am 26. August des vergangenen Jahres auf eine Frage im

Hinblick auf den „Wildwuchs“ in Raucherklubs, stets offen

stehende Trenntüren in der Speisegastronomie sowie

zahlreiche rauchgeschwängerte Sport- und Jugendheime

per Brief an den Autor dieses Berichtes geantwortet: „Niemand

darf mit seinem Qualm andere gegen ihren Willen

gefährden. Rücksicht nehmen muss wieder einen anderen

Stellenwert in unserer Gesellschaft bekommen. Dafür

werde ich mich einsetzen.“

Dr. Horst Bach

60 durchblick 3/2011


Nichtraucherschutz

Jedem Tierchen sein Blessierchen

Man schneidert stets neue Gesetze,

sie sind die reinste Bürgerhetze.

Mancher Wirt macht dadurch Pleite,

doch oben sitzen nur Gescheite!

Macht Euch doch nicht in die Hose,

das gibt doch wieder Arbeitslose!

Sogar die Kneipe an der Ecke,

dient dem Nichtraucher zum Zwecke,

dabei geht der dort gar nicht hin,

wo liegt denn da der wahre Sinn?

Die Raucher suchen stets das Weite,

weil man die Nichtraucher befreite.

An jeder Bar, an jedem Ort,

schickt man nun die Raucher fort.

Auch im Flugzeug, in der Bahn,

haben wir den Raucherwahn!

Raucher, Menschen zweiter Klasse,

bittet kräftig man zur Kasse.

Sie dürfen hohe Steuern zahlen,

für die auferlegten Qualen!

Der Raucher ist ein armer Hund,

er lebt gefährlich – ungesund.

Nichtraucher mit dickem Bauch,

stellt Euch vor, die sterben auch!

Ich find es ziemlich übertrieben,

drum hab ich das Gedicht geschrieben!

Helga Düringer

Einschulung vor 65 Jahren

Cäcilienschüler feierten frohes Wiedersehen

Gruppenbild vor der St.-Josephs-Kirche: Der Entlassjahrgang 1954 der Klafelder

Cäcilienschule

Mit einem festlichen Gottesdienst in der St.-Josephs-

Kirche feierten jetzt 17 ehemalige Schülerinnen und

Schüler der Klafelder Cäcilienschule ein frohes Wiedersehen.

Sie alle gehörten dem Einschulungsjahrgang 1946

an, mussten also vor nunmehr 65 Jahren als „i-Dötzchen“

vor ihren ersten Klassenlehrerin, dem jungen „Frollein“

Pawlizek, antreten. Später übernahm dann Junglehrer

Kunibert Schneider die Klasse, der diese im Jahre 1954

denn auch „geistig gut vorbereitet ins Leben entließ“,

wie die beiden Organisatoren Karlfried

Diehl und Edeltraud Hanke

einmütig betonten.

An den späteren Rektor der Weidenauer

Jung-Stilling-Schule sowie

die bereits verstorbenen Klassenkameraden

erinnerte denn auch Pfarrer

Karl-Hans Köhle bei seiner Predigt

in eindrucksvollen Worten.

Es war noch die harte und entbehrungsreiche

Nachkriegszeit mit

Quäkerspeise und kalten Klassenräumen,

die erst durch die von den

Kindern mitgebrachten Briketts

und Holzscheite angemessen aufgewärmt

wurden. Auch Lederranzen

gab es noch nicht zu kaufen, vielmehr

trugen die meisten Kinder ihre

Schulutensilien in Papptornistern

aus zusammengepresstem Altpapier

und Kartonagen auf dem Rücken.

Diese Behelfsranzen wiesen natürlich

bei starken Regengüssen schnell

Auflösungserscheinungen auf. Geschäftsmann Wilhelm

Bender in der Weidenauer Herrenfeldstraße bot damals

u.a. solche Papptornister feil.

Bei der Nachfeier im benachbarten Kolpinghaus wurde

noch so manche Anekdote aus gemeinsamen Schülertagen

zum Besten gegeben. Sieben Jahre lang hatte man

sich zuletzt nicht mehr gesehen, jetzt wurde das nächste

Klassentreffen für das Jahr 2013 vereinbart.

Dr. Horst Bach

Foto:Horst Bach

durchblick 3/2011 61


Sejjerlänner Doffelnsglease

Rezepduer

foar 8 Lie

6 kg Doffeln

dofa

2 kg gekocht

4 kg gerewe

2 Äjjdodder

1 kg Zwebbeln

300 g dearrer Schbäck

Salz on Päffer

Zutaten:

für 8 Personen

„Werbung“ hennerem fa os

of äjene Kosde

6 kg Kartoffeln

davon

2 kg. gekocht und

4 kg gerieben.

2 Eidotter

1 kg Zwiebeln und

300 gr: gräuchert. Speck

Salz und Pfeffer

En „Freudenberg-Oberhäuslingen“ ka m'r em

Gasthuss „Althaus“ de „Sejjerlänner Gleassjer“ of

dä Karde fenne, wo m'r wat ze ässe on ze drenke beschdälln

ka. Fa mondachs bes donnersdachs kocht

de „Chefin“, det Hoffmanns Ursula, de „Sejjerlänner

Doffelnsglease“ sälwer. Foar dat „Traditionelle

Ässe“ mosse sech awer emmer foarher acht Lie

amäln onner dä Nommer: 02734 / 1880.

Foto:Gottfried Klör

62 durchblick 3/2011


Siegerländer Kartoffelklößchen

Die Herstellung:

Es wurden mit Vorliebe dicke Kartoffeln

geschält, da sich diese besser

auf der Kartoffelreibe reiben ließen.

Das Geriebene wurde in einer großen

Schüssel aufgefangen und in einen eigens

dafür angefertigten Leinensack

geschüttet. Um die Masse möglichst

trocken zu bekommen, wurde der

Sack ausgewrungen.

Die übrig gebliebene Flüssigkeit

wurde dann in einem Gefäß ca. 2–3

Tage stehen gelassen, da sich nach

dieser Zeit auf dem Boden des Gefäßes

die so genannte Kartoffelstärke

absetzte. Diese wurde auf einen Teller

ausgebreitet und zum Trocknen

in die Nähe des Ofens gestellt. (Die

Kartoffelstärke war hervorragend geeignet,

um Stehkragen, Manschetten

des Sonntagshemdes und alle weiteren

kleine Wäscheteile zu stärken).

Die fast trockene Kartoffelmasse

wurde dann mit den am Vortag

übriggebliebenen Salzkartoffeln im

Verhältnis 1:3 entsprechend unter

Zugabe von Salz, Pfeffer und 2 Eigelb

zu Brei verarbeitet. Aus diesem

wurden kleine Klößchen von 1,5 – 2

cm geformt.

Auf dem Herd befand sich zwischenzeitlich

ein großer Topf mit

Wasser, Salz wurde dem zugegeben,

zum Kochen gebracht, und die vorgefertigten

Klößchen mit Hilfe eines

Schaumlöffels in das siedende Wasser

gegeben. Es durften aber nicht

zu viele reingegeben werden, da die

Wahrscheinlichkeit bestand, dass diese

dann zusammenklebten.

Gar waren die Klößchen, wenn sie

vom Topfboden nach oben aufgestiegen

waren. Im Anschluss wurden sie

zum Abtropfen auf einen Durchschlag

gegeben. (Die Kloßbrühe wurde am

nächsten Tag durch Beigabe von

Graupen, Reis oder auch Kartoffeln

mit den entsprechenden Gewürzzugaben

zu einer hervorragenden Suppe

verarbeitet).

Zwischenzeitlich befand sich die

schmiedeeiserne Bratpfanne, in der

Schweineschmalz, kleine magere

Speckwürfel und klein geschnittene

Zwiebeln hineingegeben wurde,

auf dem Herd. Nachdem die Pfanne

entsprechend erhitzt und der Speck

mit den Zwiebeln ausgelassen war,

wurden die vorbereiteten Klößchen

in der Pfanne gebraten, bis diese

goldgelb und kross waren.

Das Ritual des Klöße essen:

Im Regelfall saßen zu früheren

Zeiten zwei bis drei Generationen

am Mittagstisch. Die fertig gebratenen

Kartoffelklößchen wurden

dann mit der Pfanne auf den Küchentisch

gestellt. Es kamen keine

Teller auf den Tisch, sondern es erhielt

jeder eine Gabel, sei es Opa,

Oma, Papa, Mama und/oder Kinder,

und alle aßen direkt aus der Pfanne.

Die besten Klößchen waren die,

die mit Speck und Zwiebeln kross

angebraten waren, sie wurden von

jedem am liebsten gegessen. Man

nahm einen Kloß in den Mund,

nahm den zweiten auf die Gabel und

der dritte, der noch in der Pfanne

lag, wurde schon ins Auge gefasst.

Opa oder Vater achteten darauf, dass

beim Zugreifen immer der Mund

leer war.

Im Regelfall blieben keine Klöße

übrig.

Nach dem Essen war es üblich,

dass Opa und Vater aus einem Sejjerlänner

Glonk (Siegerländer

Krug) echten Oechelhäuser oder

klaren Schnaps zu sich nahmen.

Oma und Mutter tranken meistens

Lindes oder Kathreiner Kaffee. Die

Kinder bekamen Milch oder Zitronenlimonade,

wenn es die finanzielle

Lage zuließ, die Limo wurde in

einer Gleckerwasserfläsche (Kugelflasche)

gereicht.

Siegerländer Klößchen wurden

am liebsten im Herbst, nach der Kartoffelernte,

gegessen.

Werner Müller-Späth

Übersetzungen ins Siegerländer Platt: Gerda Greis

durchblick 3/2011 63


Der Halbmond auch über dem Siegerland

Muslime auf urchristlichem Boden

Zunächst wäre es vielleicht

gut, nach der Bedeutung

des Christentums für

uns zu selbst fragen: Inwieweit

werden wir wirklich

noch von dieser, unserer

Religion getragen und bestimmt?

Inwieweit können

wir noch christlich-abendländische

Tradition für uns

beanspruchen?

Religion

Doch beginnen wir mit

einem Zitat eines muslimischen

Islam-Wissenschaftlers

zu den Anfängen

des Islams: „Neue

Forschungsergebnisse zur

Entstehungszeit des Islam

enthüllen, dass Khadijah,

die erste Frau des Propheten

Mohammed, eine Christin

war und dass sie vom

Propheten als Christin anerkannt

wurde. 1) In dem

selben Aufsatz steht: Mit

Moschee in Kreuztal

ihr war Mohammed dreißig

Jahre in einer Einehe bis zu ihrem Tod verbunden. Der Prophet

liebte und verehrte sie sehr und verglich sie als einzige

Frau mit der Jungfrau Maria, indem er ihr den Namen

die Reine verlieh. Des Weiteren erfahren wir aus anderer

Quelle, dass Khadijah ihn ermunterte, aufs Neue zu der

Höhle zu gehen, wo er seine Offenbarungen vom Engel

Gottes erhielt, die später im Koran niedergeschrieben wurden.

2) Diese kurzen Andeutungen mögen genügen, um über

das Feindbild „Islam“ in

der Vorstellung mancher

christlicher Abendländer

etwas nachzudenken.

Kehren wir nach Europa

zurück. Das Wissen

der großen christlichen

Kirchenlehrer und Philosophen

gründete damals

überwiegend auf

den philosophischen

Erkenntnissen der alten

Griechen (vergl. die

umfassenden Veröffentlichungen

von Prof. Dr.

Josef Pieper ). Ihre

Schriften wurden von

islamischen Wissenschaftlern

gesammelt,

ins Arabische und anschließend

von christlichen

Mönchen ins Lateinische

übersetzt und

so dem Abendland erst

zugänglich gemacht.

Oder nehmen wir die

Gedichte unserer Minnesänger, auf die wir zu Recht stolz

sind. Man nimmt an, dass die Vorbilder für diese Dichtkunst

in Persien und Arabien liegen. 3)

Natürlich waren wir Europäer dankbar für den Kaffee,

und auch Abnehmer der Gewürze aus dem zum Teil islamischen

Orient, für die man allerdings früher sehr viel

zahlen musste (4 Gramm Gold für 1 Gramm Pfeffer; nach

Foto: Gottfried Klör

64 durchblick 3/2011


Religion

Prof. Dr. Kurt Tauchmann, Köln). Aus vielen dieser fernöstlichen

Kostbarkeiten stellten später unsere christlichen

Klosterbrüder Medizin her.

Gehen wir in die neuere Zeit: Der Preußenkönig Friedrich

Wilhelm der I. (Regent von 1713 - 1740) ließ für seine

türkischen Soldaten muslimischen Glaubens zum Dank für

ihre Hilfe eine Moschee in Berlin erbauen. 4)

Man mag nun einwenden, wie passen in dieses positive

Bild von Geben und Nehmen die Eroberungskriege der

Araber und auch die der Europäer, z.B. in den Kreuzzügen?

Die neusten Forschungen ergeben: Es waren in der Regel

hauptsächlich sehr grausame Machtkriege, bei denen man

die Eigeninteressen mit dem Anliegen der Religion verschleierte,

was allerdings schon zur damaligen Zeit nicht

alle erkannten. Jedoch muss man zur Beurteilung wissen,

dass seinerzeit oft christliche Soldaten auf beiden Seiten

gegeneinander gekämpft haben. 5)

Das christliche Abendland sähe ohne den Einfluss des

Islam anders aus. Man sollte daher davon absehen, diese

beiden Religionen gegeneinander auszuspielen, was nach

dem eben Angedeuteten wenig sinnvoll ist.

Neben den Gemeinsamkeiten gibt es auch beträchtliche

Unterschiede. Es wäre für keine der beiden Religionen förderlich,

sie zu verschweigen. Doch für die Werte des Anderen

sollte man offen sein, sie respektieren und damit tolerieren.

Empfinden wir uns gleichsam als unterschiedliche

Geschwister einer großen Familie der Gläubigen, die von

beiden Seiten lernbereit, behutsam aufeinanderzugehen.

Nur auf diese Weise kann ein gegenseitig befruchtendes,

wenn auch durchaus kritisches Nebeneinander bestehen.

Sind damit die Schwierigkeiten der Muslime und

Christen aus dem Wege geräumt? Auf keinen Fall. Die

Gläubigen verschiedener Religionen stammen oft aus verschiedenen

Kulturkreisen mit all ihren Eigenarten. Nehmen

wir nur als Beispiel das Rollenverhältnis zwischen Mann

und Frau: Bei den Vertretern beider Religionen rund um das

Mittelmeer herrschen andere Regeln als bei uns. Oder ein

zusätzliches Beispiel aus einem erzkonservativ islamischen

Gebiet, dem der Minangkabau auf Sumatra. Dort herrscht

strenges Matriarchat.

Als Kind haben wir noch die nicht ganz richtige Übersetzung

des Engelschores zur Weihnachtszeit nach Lukas

kennen gelernt: „Friede den Menschen auf Erden, die guten

Willens sind.“

Möge im Laufe der Zeit dieser Frieden all denen zu Teil

werden, die guten Willens sind.

Otto Abt

1) (Aus einer Abhandlung von Dr. Luthfi Assyaukanie; ems 1/2008, Seite 14; ISSN 1863-3064). 2) (Nach

Annemarie Schimmel: Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen: Der Islam; Patmos-Verlag, 1998, Seite 34;

ISBN 3-491-72359-0). 3) (Vergl. Gabriele Crespi: Die Araber in Europa, Belser Verlag Stuttgart, 1992; ISBN

3-7630-1743-7 Seite 306-313). 4) Siehe Internet unter „Preußen und Islam“; Vortrag von Volker Tschapke;

Seite 4. 5) (Vergl.: Franco Cardini „Europa und der Islam - Geschichte eines Mißverständisses“ C.H. Beck,

München, 2000, ISBN 3-406-51096-5 Seite 22 und Sigrid Hunke: „Allah ist ganz anders- Enthüllung von

1001 Vorurteilen über die Araber“ Horizonte Verlag ISBN 3-926116-25-0 ; dritte Auflage 1991, Seite 37)

6) Schreibweise nach Annemarie Schimmel; wörtlich übersetzt: „So Gott will“. 7) Aus: Otto Abt: Schon

schimmert Licht-Gedichte, Göttert-Verlag Diepenau ISBN 3-929793-95-4; S.71

Tieneke Parartini Abt

Begegnung auf Java

von Otto Abt

Kleine Hütte am Reisfeld.

Das Wasser gluckert und plätschert.

Die Schatten der Halme spielen mit ihm.

Hühner scharren gackernd im Hof.

Mit mühsamem Schritte zieh ich

in der Hitze vorbei.

Eine Frau lächelt scheu,

bittet mich zu sich zum Tee.

Ängstlicher Gruß der Kinder.

Drinnen im dämmrigen Licht

liegt geduldig der todkranke Mann.

Zwei größere Töchter mühen sich

auf den Feldern des Nachbarn.

Quälende Armut.

Die Bäuerin lächelt mich an:

Gott bestimmt unseren Weg.

Sein Wille geschehe: Inschallah! 6)

Botschaft vom Himmel für mich

der sucht seinen Weg?

Kleine Hütte am Reisfeld.

Das Wasser gluckert und plätschert.

Die Schatten der Halme spielen mit ihm.

Hühner scharren gackernd im Hof. 7)

durchblick 3/2011 65


Erinnerung

Schön war die Zeit – in der „Eintracht“

Platz der großen Feste

Wenn Schnee lag, vergnügten sich

die Kinder mit Schlittenfahrten

Dort, wo

heute die

Siegerlandhalle

steht, befand

sich ein großer,

romantischer

Stadtpark, der

sich „Eintracht“

nannte. Umgeben

von einem hohen,

schmiedeeisernen

Zaun und

herrschaftlichen

Portalen, lud er

die Bürger zum

Flanieren, Feiern,

Entspannen und

Erholen ein.

Die Eintracht war mit ihrem dichten Baumbestand, vor

allem Kastanienbäumen, die grüne Lunge des Stadtteils

„Hammerhütte“. Es gab reichlich Bänke, einen Löschteich

und sogar einen Spielplatz für die Kleinsten mit Schaukeln,

Karussell und Sandkasten. Auch größere Kinder konnten

sich dort austoben, denn in einer notdürftigen Baracke war

ein Kinderhort untergebracht.

So bot die Eintracht für alle Platz, von den Kindern bis

zu den Senioren. Zu der Zeit besuchte ich die Hammerhütter

Schule an der Koblenzer Straße und nach den Schulaufgaben

trafen sich die Schüler in der Eintracht.

Autorenfoto

Meine Großmutter saß oft auf einer der Bänke und

handarbeitete. Ab und zu lief ich zu ihr, um zu erzählen,

wie hoch ich schon schaukeln konnte. Manchmal gab sie

mir fünf Pfennige, wofür ich mir im gegenüberliegenden

kleinen Laden Negergeld kaufte. Das war für mich der absolute

Höhepunkt des Tages!

Ja, schön war die Zeit, obwohl es in den umliegenden

Straßen noch viele Kriegsruinen gab, und der Aufbau nur

schleppend voranging. Der Krieg war überstanden, man

hatte nicht viel, und trotzdem schienen die Menschen, meiner

Erinnerung nach, zufriedener als heute.

Sie freuten sich auf großartige Schützenfeste, die auch

in der Eintracht gefeiert wurden. Wenn der Vogel auf dem

Oberen Schloss geschossen war, der Schützenzug sich durch

die Stadt in Bewegung setzte und der Hofstaat Einzug hielt,

stürmten hunderte begeisterte Menschen die geschmückten

Straßen. Nachdem der Zug mit Pauken und Trompeten die

Eintracht erreicht hatte, spielte dort eine Kapelle auf. Auf der

kleinen hölzernen Tanzfläche gab es bald schon Gedränge.

Dort wurde gefeiert bis in die Nacht, manchmal auch bis zum

frühen Morgen!

Die Menschen hatten den Bunker, der auch in der Eintracht

lag, für einige Stunden vergessen, wollten nach vorne

schauen und endlich mal wieder fröhlich sein!

Auch im Winter hatte die Eintracht ihren besonderen Reiz.

Wenn Schnee lag, vergnügten sich die Kinder mit Schlittenfahrten

vom steilen Hang des hinteren Rosterberges hinab

in Richtung Koblenzer Straße. Unermüdlich zog man den

Schlitten immer wieder den Berg hinauf, um sich erneut auf

die Abfahrt zu freuen. Auch

manche Schneeballschlacht

wurde ausgetragen und auf

dem zugefrorenen Löschteich

konnte sogar auf

Schlittschuhen geübt

werden.Abends fiel man

danach hundemüde ins Bett.

Ja, schön war die Zeit in der

Eintracht!

Schon bald, das

Wirtschaftswunder war in

vollem Gange, wurde im

Jahre 1961 die „Siegerlandhalle“

erbaut. Dadurch

musste dieser historische

Stadtpark größtenteils

weichen, schade!

Ich denke voller Wehmut

an diese Zeit zurück.

Helga Düringer

66 durchblick 3/2011


Aus dem Siegerland

Oldies von Oldies

Jazzsession der Senioren

Foto: Hartmut Reeh

Seit 37 Jahren treffen sich einmal jährlich Siegerländer Jazzmusiker, um es noch mal richtig krachen zu lassen.

Organisator und Ansprechpartner: der „Benjamin“ der fidelen Truppe, Günther Hamich, links im Bild, mit Bass

Seit 37 Jahren treffen sich am Abend vor Himmelfahrt

alte Siegerländer Musiker, diesmal im „Kesselchen“

in Trupbach, um ihrem Hobby zu frönen:

dem Jazz, Swing und Dixieland. Die Truppe kennt sich seit

Jahrzehnten, und wenn die „Mitglieder“ auch in die Jahre

gekommen sind, die heiße Liebe zu schrägen Rhythmen

ist geblieben. Die Musiker sind meist Freizeitmusiker und

haben in den verschiedensten Gruppen und Bands in und

um Siegen gespielt.

Höhepunkte waren Auftritte im legendären Siegerländer

Jazz-Club der 50er und 60er Jahre. Legende ist etwa Benno

Dietrich als Schlagzeuger. Einige der flotten Senioren

sind heute noch in verschiedenen Formationen auf Tour.

Beliebt sind seit Jahren ihre Sonntagnachmittagskonzerte

im Siegener Schlossgarten oder die Auftritte der Herdorfer

„Dixie-Friends“. Organisiert wird das Treffen von Günther

Hamich, Benno Dietrich (beide Bass bzw. Schlagzeug) und

Hermann Pamp (Keyboard). Das jährliche Treffen bietet

genug Stoff für den Gedankenaustausch und für die Rückschau.

Henry Heidecke etwa durfte sogar einmal im Orchester

Hugo Strasser mitspielen.

Die Freizeitmusiker sind heute im Alter zwischen 50

und 85 und freuen sich auf „Nachwuchs“, um die alte Riege

aufzufrischen.

Am Abend vor Himmelfahrt wurde noch einmal richtig

improvisiert: Viele brachten ihr Instrument mit: Bass, Akkordeon,

Posaune, Gitarre, Banjo, Saxophon, und legten

Foto: Hartmut Reeh

los. Sichtlich lebten die Oldies beim Klang von Jazz und

Dixieland auf. Der 85-jährige Otto Helsper etwa ließ es

noch einmal „rocken“ und seine Begeisterung steckte sofort

alle Zuhörer an. Mit seinem Banjo und weiteren Instrumenten

tingelt er noch gelegentlich durchs Siegerland.

Peter Beel, der Mann mit dem Susaphon (dem riesigen

Blasinstrument der amerikanischen Marschmusik) war

diesmal nicht dabei. Vielleicht nächstes Jahr wieder, beim

Jour Fixe der alten Jazzer.

Tessie Reeh

Der 85-jährige Otto Helsper spielt wie eh und je Gitarre,

Banjo und andere Instrumente; bei öffentlichen Auftritten

seiner Band ist er immer dabei.

durchblick 3/2011 67


Aktivität

„Lieber kaputt, als sich selbst befuddeln“

Udo Siebel im „Alleingang“ von Görlitz nach Aachen

Udo allein im Wald. So lautete vierzig Tage lang

das Lebens- und Überlebensmotto von Udo Siebel.

Dann war es geschafft: Der 70-jähriger Rentner

aus Salchendorf bei Deuz hatte die 1.050 Kilometer

auf dem „Wanderweg der Deutschen Einheit“ von Görlitz

nach Aachen völlig

alleine bewältigt.

Der durchblick hat

den rüstigen Senior

besucht.

Die Laufschuhe

sind dem ehemaligen

Techniker gleichsam

mit in die Wiege gelegt

worden. Udo

Siebel ist ein echter

„Düzzer“, erst vor

zwei Jahren ist er

ins benachbarte Salchendorf

umgezogen.

Schon von Kindesbeinen

an wollte

er nur eins: Laufen,

laufen, laufen. So

weit die Füße tragen.

Als er Ostern

1947 in die Deuzer

Volksschule

bei Rektor Julius

Schenk eingeschult

wurde, hörte der kleine Udo gerne den Wandererzählungen

des Lehrer aus dem Riesengebirge zu. „Der Mann hat mir

die Lust zum Waldlauf vermittelt“, erinnert sich Udo Siebel

rückblickend. Später bekam er den jungen Pädagogen

Willi Schene zum Klassenlehrer, und dieser Fußballenthusiast

und Vorsitzende des TuS Deuz wollte doch partout

das angehende „Laufwunder“ zum Spiel mit dem runden

Leder animieren: „Du bist ein talentierter Fußballspieler“,

mit diesen Worten lockte der „Herr Lehrer“ und spätere

Rektor Willi Schene seinen Schüler dann tatsächlich als

Knabenspieler (so hießen damals die heutigen C-Junioren)

zum TuS Deuz.

Trotz vierzigjähriger Vereinstreue jagte Udo Siebel

nur selten dem runden Leder nach. Vielmehr setzte er seinen

ganzen sportlichen Ehrgeiz für seine Spezialdisziplin

„Waldlauf“ ein. Heute würde man Udo Siebel als einen ausgezeichneten

„Crossläufer“ bezeichnen. Denn Auszeichnungen

sammelte der junge Deuzer am Fließband:

Im Jahre 1964 wurde er Westdeutscher Meister im Langlauf

der „Flachlandklasse“, wie man auf einer Urkunde

nachlesen kann. Mehrmals gewann Udo Siebel in den fünfziger

und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts

zudem Waldlauf- Kreismeisterschaften für seinen Heimatverein

TuS Deuz.

Später betrieb er

dann seinen Lieblingssport

bei der

neugegründeten

Skigilde des SGV,

dem er seit seinem

16. Lebensjahr angehört,

und wo er

sowohl auf Skiern

als auch ohne

Bretter die Wälder

in nah und fern

„durchforstete“.

Udo Siebel mit Wanderschuhen vor dem Willkommenstransparent seiner

Salchendorfer Nachbarn.

Doch sein

größtes Erfolgserlebnis

hatte Udo

Siebel sich ausgerechnet

für seinen

70. Geburtstag am

Dienstag nach Ostern,

dem 26. April

2011, aufgespart.

Da machte sich

der agile Salchendorfer

nämlich per pedes auf den 1.050 Kilometer langen

„Wanderweg der Deutschen Einheit“, der von Görlitz an

der polnischen Grenze bis in die alte Kaiserstadt Aachen

führt. Bereits am Ostersonntag war Udo Siebel mit Gattin

Ingrid im Opel Corsa aus dem Johannland nach Görlitz

gereist, um von dort zwei Tage später zur vierzigtägigen

Wanderung quer durch Deutschland aufzubrechen. Am 10.

Juni nahm ihn seine Frau am Ortseingangsschild der Domstadt

wieder wohlbehalten in Empfang. Geschafft!

Für Udo Siebel war ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen.

„Die Idee hatte ich schon lange,“ berichtet Udo

Siebel gut erholt beim durchblick-Besuch in seiner Salchendorfer

Wohnung Am Hewig 24. Die Hausbewohner

haben ihn hier mit einem großen Transparent begrüßt und

beglückwünscht. „Auslöser der großen Wanderung war für

mich ein Schild im Sauerland ,Wanderweg der Deutschen

Einheit – von Görlitz bis Aachen'. Das hat mich regelrecht

fasziniert.“

68 durchblick 3/2011

Foto: Dr. Horst Bach


Aktivität

Ein Jahr Vorbereitungszeit war vonnöten. Udo Siebel

hat die lange Wegstrecke durch 12 deutsche Mittelgebirge,

die ansonsten nur in kleinen und größeren Gruppen

angegangen wird, ganz allein zurückgelegt. Mit einem 11

kg schweren Rucksack auf dem Rücken, einem einzigen

Paar robuster Wanderschuhe und einem Paar Hausschuhe

für den Aufenthalt in den am Wege liegenden Pensionen.

Die Suche nach geeigneten Unterkünften wurde von der

Heimat aus durch Sohn Axel (43) gemanagt. Der tauchte

übrigens völlig unverhofft am Ende der Reise als willkommener

Begleiter seines Vaters zu einer Tageswanderung im

Bergischen Land auf. „Mein Sohn war nach dem einen Tag

völlig platt und hatte wegen des zügigen Tempos Krämpfe

in den Beinen“, verrät Udo Siebel. Er selbst hat die insgesamt

40 Tagesetappen mit jeweils 25 bis 30 km Länge

„einigermaßen problemlos“ bewältigt. Gleichwohl gesteht

er im echten Siegerländer Tonfall ein: „An manchem Abend

war ich oft knitterkaputt.“

Gewandert wurde immer von Sonntag bis Freitag. Am

Samstag hatte Udo Siebel jeweils einen „Hausarbeitstag“

eingelegt mit Reinigung der Kleidung und Provianteinkäufen

für die nächste Woche. Immer dabei: die Wasserflasche,

die unterwegs ständig aufgefüllt wurde, nicht selten aus recht

„unübersichtlichen“ Quellen. Ans Aufgeben hat Udo Siebel

nur einmal gedacht, als im Thüringer Wald dichtes Schneegestöber

die Wanderwege unkenntlich machte. „Ansonsten

waren die Wege gut ausgeschildert, besonders am Rennsteig

und im Sauerland“, erzählte Udo Siebel. „Das ist wirklich

einmalig! Nur die schier endlosen Fichtenwälder am Rennsteig

waren manchmal unheimlich. Stundenlang im Wald,

ohne einem Menschen zu begegnen, nur mit Kompass und

Wanderkarte, da ist man froh, wenn man nach Stunden einmal

einem Förster begegnet.“ Nur einmal hat sich Udo Siebel

verirrt, ist plötzlich in der Tschechei gelandet.

Großes Lob zollt der Siegerländer den Bewohnern der

ehemaligen DDR ob ihrer großen Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft.

Besichtigungen der Schönheiten und Sehenswürdigkeiten

am Rande der Wanderwege war für den Langstreckenmann

tabu, denn: „Das war keine Urlaubsreise,

sondern eine harte sportliche Tour und Tortur für mich

selbst, die mich viel Überwindungskraft und Selbstdisziplin

kostete.“ Angebote, besonders schwere Wegstrecken

mit Taxi oder Bus zurückzulegen, lehnte Udo Siebel mit

Siegerländer Sturheit ab: „Ich will mich doch nicht selbst

befuddeln.“ Dann lieber am Abend „knitterkaputt“ ins Bett.

Udo Siebel – ein in der Tat wahres und wandelndes Vorbild

für Generationen.

Erst am Schluss des Gesprächs erwähnte er übrigens seine

vor fünf Jahren überstandene Krebserkrankung. Umso

mehr erfreut ihn und seine Familie die „frohe Botschaft“

am Ende von 1.050 Wanderkilometern quer durch Deutschland:

„The winner is – Udo Siebel“. Dr. Horst Bach

durchblick 3/2011 69


Unterhaltung

Venus von Weißenberg

zieht die Füße vom Gas

In früheren Zeiten, als zum Beispiel Pferdefuhrwerke

die Szene auf den Straßen beherrschten, war das Wort

„Tempolimit” noch völlig unbekannt. Erst als das Automobil

mehr und mehr Einzug hielt, befasste man sich zum

Schutz der Verkehrsteilnehmer mit Grenzwerten für die

Geschwindigkeit von Fahrzeugen. Inzwischen gehört die

Einhaltung dieser Grenzwerte zur Vermeidung von Strafen

zu den alltäglichen Bemühungen. Wohl beinahe jeder, der

regelmäßig das Steuer eines Autos bedient, ist nämlich von

der Kamera in einem Starenkasten oder von einer Polizeistreife

schon einmal bei einer Übertretung der zulässigen

Höchstgeschwindigkeit erwischt worden.

Die meisten der auf frischer

Tat ertappten Sünder

zahlen verärgert, aber klaglos,

die fällige Strafe, andere

sind so sehr zur Weißglut

gebracht und geraten dermaßen

außer sich, dass sie

in Leserbriefen so oder so

ähnlich ihren Zorn äußern:

„Ich habe nur aus Versehen

einmal ganz kurz mit dem

Fuß etwas zu kräftig aufs

Gas getreten, und schon haben

mich die Wegelagerer

geblitzt. Dabei fahre ich gewöhnlich

immer innerhalb

der zulässigen Grenzen.

Außerdem war es an einer

Stelle, die völlig ungefährlich

ist. Die 20 € Bußgeld

dienen doch nur zur Füllung

des Stadtsäckels.”

Viele Gemeinden vertrauen

freilich schon lange

nicht mehr nur auf das Geblitze,

sondern haben zur

Senkung der Durchfahrtsgeschwindigkeit

andere

Maßnahmen ergriffen. Da werden mitten auf der Fahrbahn

Blumenbeete mit hohen Randsteinen eingerichtet, mit

Pollern und Barrieren wird die Fahrbahn eingeengt, Straßenschikanen

in der Höhe und in der Breite zwingen zum

Langsamfahren, auch wird der Bau winziger Kreisverkehre

ungefähr alle hundert Meter immer beliebter.

Als ich jüngst mit einer in etlichen Autos untergebrachten

Wandergruppe zum Startpunkt einer Rothaarsteig-

Etappe unterwegs war, entdeckte ich beim Passieren von

Weißenberg – sozusagen als Ei des Kolumbus – die Lösung,

die alle beschriebenen Maßnahmen zur Reduzierung der

Geschwindigkeit völlig überflüssig macht und zur Nachahmung

nur empfohlen werden kann.

Weißenberg ist ein zur Gemeinde Liebenscheid gehörendes

schönes Westerwalddorf. In vielen Wanderführern

wird der Ort und sein die Kompassnadel beeinflussender

Ketzerstein erwähnt, doch in keinem wird bislang die attraktivste

Sehenswürdigkeit auch nur mit einer einzigen

Silbe genannt. Direkt an der Durchgangsstraße hat nämlich

ein offensichtlich betuchter Mitbürger eine goldfarbene

Statue in seinem Garten

aufgestellt. Diese würde sicherlich

kaum einem Motorisierten

auffallen, wenn

es sich nicht um einen

weiblichen Körper ohne

jegliches Kleidungsstück

handelte.

Beim Anblick der lebensgroßen

Figur mit ihren

schwellenden Formen öffneten

sich bei unseren Fahrern

die Pupillen ganz weit,

die Köpfe wendeten sich

mehr und mehr, damit einhergehend

gingen automatisch

die Füße von den Gaspedalen.

Auch die Blicke

der Mitfahrenden richteten

sich nach entsprechenden

Fingerzeigen (…Ooohhh!

Guckt! Guckt doch mal!...)

hin zum Kunstwerk. Und

weil das Standbild – wenn

man aus Richtung Rabenscheid

kommt – kurz hinter

dem Ortseingang platziert

ist, könnte diese Lage vielleicht

der Hintergrund für

die Aufstellung sein. Um ja kein Detail zu übersehen, überschreitet

seither im Westerwalddorf Weißenberg kein Autound

Motorradfahrer mehr die vorgeschriebene Geschwindigkeit

– im Gegenteil: Alle fahren so langsam, dass die

einheimischen Treckerlenker nur noch in verkehrsarmen

Tageszeiten schnell auf ihre Äcker und Wiesen kommen.

Wir werden gespannt beobachten, ob die Weißenberger

Venus künftig auch für andere Orte beispielgebend

sein wird.

Ulli Weber

70 durchblick 3/2011


Angemerkt

Briefe schreiben , in der heutigen Zeit … wer macht

das denn noch ? E-Mail, SMS und Co.laufen ihm

den Rang ab.

Wie war das doch früher so schön, auf den Briefträger

zu warten und den ersehnten Liebesbrief des Liebsten

dann eeeeeeeeeendlich in Händen zu halten. Den immer

und immer wieder lesen zu können, ihn dann mit einem

rosaroten Bändchen versehen, zu den anderen zu packen,

um ihn dann noch mal und noch mal zu lesen.

Nichts gegen den heutigen Fortschritt von E-Mail, SMS

und Co. Ich nutze ihn sehr gerne und oft, denn es ist ein

guter Fortschritt der „kurzen Wege“, beruflich und so.

Ich meine mehr, dass was ein „richtiger Brief“, von

Hand geschrieben, so transportieren kann. Was so alles

mitschwingt, das schafft die modernste Kommunikation

nicht wirklich.

Ich erlebe es immer wieder, dass der handgeschriebene

Brief so viel Freude bereiten kann. Da sind die erfreulichen

Briefe zum Geburtstag, zur Geburt, zur Taufe oder der Gruß

zum Trauerfall, gehört ganz besonders dazu. Auch der Gruß

mal so zwischendurch wird gerne gelesen. „Ich denke gerade

an Dich und schicke ein paar liebe Grüße über alle

Berge.“ Das ist doch Nahrung pur für die Seele.

Schreib mal wieder

von Inge Krause

Klar, nicht jedem ist die Gabe des Briefschreibens

gegeben. Das muss auch nicht zwingend so sein, doch

wer sie hat, die Gabe, der möge nicht damit geizen, denn

manche „vertrocknete Wüste“ lechzt nach ein paar lieben,

von Hand geschriebenen Worten. Es ist wie Überleben

in der Wüste.

Und es muss ja auch nicht gleich ein „ganzer“ Brief sein.

Es reicht auch mal ein Kärtchen völlig aus. Und Karten,

davor möchte ich hier auch warnen, denn wer einmal in den

Sog des Kartenkaufens geraten ist, ist eventuell rettungslos

verloren.

So ist es mir vor Jahren ergangen. Ich kann heute kaum

an einem Kartenständer vorübergehen, ohne wieder eine

neue, schöne Karte zu entdecken.

Selbst im Urlaub, wenn ich wieder mal einem Kartenständer

verfallen bin, sagt mein Mann. „Nicht schon wieder

Karten!“. Doch er lässt mich dann ganz im Rausch des Kartenkaufens

verweilen. Dafür dank ich ihm sehr. Er schaut

derweilen nach anderen Urlaubs-Erinnerungen.

Seien Sie ermutigt, es wieder mal zu tun. Schreib mal

wieder(!), der Mitmensch freut sich – wetten?!

Inge Krause

Ex

von Horst Feger

Am Anfang war der „Ex-Kanzler“, dann u. a. der

„Ex-Schalker“ und nun der „Ex-Mann“, die

„Ex-Frau“ oder – noch schlichter und schlimmer

– mein oder meine, sein oder seine, ihr oder ihre

„Ex“. Wenn die Studenten schon ehedem ihr Bier „auf

ex“ tranken, so gaben sie sich gebildet und wussten vermutlich,

was das kleine lateinische Wörtchen bedeutete;

zumindest war ihnen klar, dass man es tunlichst

nicht auf lebende Personen anwenden sollte, pflegt es

doch eine fatale Verwandtschaft zum „Exitus“ aus der

Fachsprache der Mediziner zu besitzen.

Der mit der Mode gehende Sprecher und Schreiber

weiß vielleicht nicht immer, was er dem „Ex-Freund“

oder der „Ex-Freundin“ nicht nur sprachlich antut; jedenfalls

versetzt er sie absichtlich oder fahrlässig in

das Reich der nicht mehr wirklich Existierenden, denen

die Lebensberechtigung entzogen wird, wenn die Liebe

abhandengekommen ist.

Jedoch am schlimmsten unter den Ehemaligen hat es

„den Ex“ oder „die Ex“ getroffen, denn mit ihm oder ihr

wird schon in Gedanken und dann in Worten und häufig

auch in Taten ganz kurzer Prozess gemacht.

Sollte man nicht diese Menschen vernichtende

Kurzwortstrategie aus dem Sprachgebrauch voll und

ganz extrahieren? •

durchblick 3/2011 71


Aus dem Siegerland

Birlenbacher Elegie

Portrait einer Straße

Es ist die Straße, in der ich lebe, präziser ausgedrückt,

in der ich wohne, denn mein Leben spielt sich überwiegend

außerhalb ab. Warum immer nur Prachtstraßen

Tribut zollen, ich versuche es einmal mit einer, die keinerlei

ästhetische Reize, kein Flair vorzuweisen hat. Sie zieht

sich wie ein breites, trostloses Band, von Geiweid durch den

gleichnamigen Ort, letzterer am Birlenbach gelegen, der munter

in die Ferndorf plätschert, bis nach Langenholdinghausen.

Birlenbach, ein im Norden von Siegen gelegener Stadtteil,

wird 1461 zum ersten Mal in den Chroniken erwähnt.

Er erstreckt sich von Geisweid bis Langenholdinghausen,

eingebettet in eine

hügelige, waldreiche

Landschaft. Seine bis

heute berühmteste

Persönlichkeit war der

Kugelstoßer Heinfried

Birlenbach. Ein internationales

Renommee

genießen eine Flanschenfabrik

und der

Holzhandel. Die im

Geisweider Teil der

Birlenbacher Straße

gelegene Firma Pickhan

erwarb sich Bekanntheit,

sicher nur

für Eingeweihte, unter

anderem dadurch, dass

sie viele Skulpturen aus Blech und Stahl für Richard Serra, einen

der berühmtesten noch lebenden amerikanischen Bildhauer,

anfertigte.

Birlenbach ist keineswegs ausschließlich ein hässlicher

Ort, mein Blick ist nur getrübt durch den Stempel, den die

Straße mir aufdrückt. Warum erschrecken uns hässliche

Dörfer mehr als hässliche Städte? Vielleicht, weil wir in

ihnen noch das vormoderne Idyll suchen, was wir von den

Metropolen niemals erwarten. Die Zeit steht nirgends still,

wo sie errichtet, vernichtet sie auch.

Diese meine Straße, durch mein Schlüsselloch gesehen,

durch das ich auch auf die Welt schaue, hat kein Gesicht,

nichts, was die Seele streichelt. Ich bin nicht angekommen,

aber ich bleibe. Der Tag umfasst hier mehr Nichtsein als Sein.

Alles Häuser in der 2. Reihe, hier und da ein dekoratives Versatzstück,

vom Verfall bedrohte Altkleider-Container.

Seit 10 Jahren ist die Straße mir zum Schicksal geworden,

von dem Moment an, in dem ich mich nicht mehr im

Besitz eines Autos befand. Die Verkehrsanbindung ist mangelhaft,

ich nehme die Straße unter meine Füße, bei Wind

und Wetter, kenne die Beschaffenheit des Bodens auf jedem

Quadratmeter. Sie ist wie eine Zeitschleife, ihre Eintönigkeit

und Unaufgeregtheit hängen schwer an meinen Füßen.

Die Gedanken verarmen, die Lebenskurve kriecht, zeigt die

Brüchigkeit unserer Existenz, ohne Ziel, ohne Belohnung.

Der lange Weg nach Haus. Er ist zu meinem genetischen

Code geworden, ich muss meine Zustandsbeschreibung

neu denken. Der Fahrtwind der großen Laster fächelt durch

mein Haar, das Auge sucht Halt in dieser Steinwüste.

Wenn ich die steile Auffahrt zum Anwesen meines Vermieters

hinabsteige, das Haus liegt, vornehm zurückversetzt,

auf einer kleinen Anhöhe,

fällt mein Blick als erstes

auf die Anzeigetafel einer

Tankstelle, hier verändert

sich wenigstens oft etwas,

wenn auch die Benzinpreise

mich nicht sonderlich

tangieren. Dann stoße

ich auf eine Reklametafel,

auf der die angepriesenen

Produkte in langen Abständen

wechseln. Fußgänger

begegnen mir selten. Ein

recht schwergewichtiger

Türke, der verzweifelt versucht,

seine Leibesfülle

hinter dem Lenkrad seines

Autos unterzubringen, sagt

oft: „Du immer laufen, viel laufen, warum?“ Ich bin die Ikone

der Straße, nichts, worauf man sich etwas einbilden könnte.

Am Anfang der Birlenbacher Straße steht als „Wahrzeichen“

McDonald's. Ein Badeinrichter mit dem vielversprechenden

Firmennamen Schnell und Co. schließt sich an.

Zwei Imbissstuben, Ersatz für eine Szenekneipe, machen

sich gegenseitig Konkurrenz. Es gibt den Getränkeshop mit

dem originellen Namen „Dursty“. Das Technologie-Zentrum

liegt auf einer Anhöhe, und das TZ-Restaurant bemüht sich

mit häufigen Ü-30-Partys und einmal im Monat begleitet die

Dinierenden ein Klavierspieler auf dem Flügel: Wunschkonzert.

Als das Nonplusultra wäre das Casino zu erwähnen,

welches seit etwa zwei Jahren existiert. Orchideen, hin und

wieder hinter den Fenstern, dürften als Ausdruck höchster

Vornehmheit gelten. Der Gebrauchtwagenhändler hat jetzt

einen Elektrozaun um sein Grundstück errichtet, sicher ein

Zeichen dafür, dass es doch nicht so friedlich hier zugeht, wie

ich dachte. Um Mitternacht, wenn die Umgrenzungen verschwinden,

ihnen ihre Schärfe genommen wird, wirkt alles

anheimelnder. Es gibt einen PC-Profi, und mit dem „Gourmet-Tempel“

Aldi schließt sich der Kreis. Danach verläuft

Foto: Gottfried Klör

72 durchblick 3/2011


Aus dem Siegerland

die Straße zunächst einmal im Nirgendwo. Die Einöde wird

hier und da unterbrochen durch angedeutete Vorgärten, in

denen Rosen Duft zu verströmen scheinen, aus denen Hortensiensträucher

grüßen, in denen Ringelblumen sich kräuseln

oder tief lila und weiße Fuchsschwänze sich gegenseitig

zunicken. Vereinzelte Bäume, einige angeordnet wie in einer

Choreografie, wiegen ihr Laubwerk im Wind.

Ich bewerte mit meinen Gedankenspielen nicht die

Menschen, die hier wohnen, Fassaden trügen oft, denn

hin und wieder spielt man hinter einem geöffneten Fenster

Klaviermusik von Chopin. Ein wunderschönes Blumenbeet

erinnert an den Zaubergarten, den Max Liebermann sich um

seine Villa am Wannsee anlegen ließ, und den wir nachempfunden

auf dem Dach eines Bonner Museums genießen

durften. Einen Hauch von Exotik verbreitet das Krächzen

eines Papageis, der einem meiner Mitmieter gehört.

Meine Wohnung ist mir heilig. Wie lange diese Straße,

die wie ein Kahlschlag durch meine Seelenlandschaft geht,

vielleicht Metapher für trostlose Phasen im Leben eines

jeden Menschen, für mich noch schicksalsträchtig sein

wird, weiß ich nicht. Das eigene Dasein unterscheidet sich

nicht wesentlich vom Kreisen der Motte ums Licht. Erst im

Älterwerden spürt man, dass das Leben nicht selbstverständlich

ist.

Erika Krumm

Gesellschaft

Vom ZIVI zum BUFDI?

Das Angebot des durchblick lautet seit 25 Jahren

„…nicht nur für Senioren“. Wer sind die heutigen

Senioren? Jedenfalls sind sie aktiver und mobiler

denn je, im Vergleich mit der vorigen Generation haben

sie eine um annähernd 10 Jahre längere Lebenserwartung.

Älteren Menschen im Jahr 2011 bieten sich völlig neue

Chancen für ein sinnerfülltes Leben, aber auch Herausforderungen,

die einen wörtlich genommenen „Ruhestand“

kaum zulassen. Denn eine moderne Bürgergesellschaft ist

ohne das ehrenamtliche Engagement ihrer Bürger und Bürgerinnen

heute nicht mehr denkbar. Dabei ist der Beitrag

der älteren Generation von wachsender Bedeutung und in

vielen Bereichen auch nicht mehr wegzudenken.

Glücklicherweise sind Menschen in Deutschland nach

Beendigung ihrer Berufstätigkeit immer häufiger daran interessiert,

Verantwortung für andere zu übernehmen: Umfragen

zufolge derzeit 37%. Vielfach stellt sich jedoch die

Frage nach den Möglichkeiten und Formen eines ehrenamtlichen

Einsatzes älterer Menschen. Zwar wendet sich das

am 1. Juli 2011 in Kraft getretene Bundesfreiwilligengesetz

ausdrücklich an alle Generationen, aber es erreicht die Älteren

nur unzureichend. Außerdem ist es für Menschen in

der nachberuflichen Phase nicht leicht, die mit dem Gesetz

verbundenen Bedingungen und Verpflichtungen zu akzeptieren.

Unklar ist auch, wo Bewerbungen möglich sind, welche

Qualifikationen vorausgesetzt werden und wie es um

Fortbildung und Begleitung bei ihrer Tätigkeit bestellt ist.

Das neu geschaffene Bundesfreiwilligengesetz, auch bekannt

unter der Bezeichnung „BUFDI“ ersetzt den bisherigen

Zivildienst für Wehrpflichtige, aber nicht jeder Dienst der bisher

von jungen „ZIVIS“ ausgeübt wurde, ist auch für ältere

Menschen geeignet. Deshalb muss es darum gehen, die Lebenserfahrungen

und das Einfühlungsvermögen der Älteren

mit den Angeboten anzusprechen. Gleichzeitig ist darauf zu

achten, dass dieser neue Dienst die bisher ehrenamtlich geleistete

Arbeit nicht gefährdet.

Erich Kerkhoff

(Der Autor ist Mitglied der verbandsübergreifenden Fachkommission „Freiwilliges

Engagement und gesellschaftliche Teilhabe“)

durchblick 3/2011 73


7.30

Uhr

Sie saß

am Küchentisch.

Die

Sonne lugte

vorsichtig zum

Fenster herein.

Der Kaffee hatte

gut geschmeckt und

die Lebensgeister etwas

geweckt. Sie hatte

ein Marmeladenbrot

gegessen und sich vorgenommen,

doch den Zahnarzt

nochmal aufzusuchen, das Gebiss

passte einfach nicht. Wenn

sie auf einer Seite kaute, lösten

sich die Zähne auf der anderen Seite

etwas. Ob sich das noch lohnt, sagte

sie wieder laut, für Ernst hätte ich

ein schönes Gebiss haben wollen,

aber für das bisschen Kauen… Die

Zeitung lag vor ihr, der politische

Teil interessierte sie nicht mehr. Seit

vielen Jahren ging sie nicht mehr

wählen, die Politiker waren doch

alle Verbrecher, und nichts war

wirklich besser geworden. Sie überflog

noch den Lokalteil. Die Sparkasse

sollte abgerissen werden, und

da sollte dann ein Einkaufszentrum

entstehen. Sie hatte noch erlebt, als

damals das Feuerwehrhaus abgerissen

wurde, damit die Sparkasse gebaut

werden konnte. Ich werde wohl

langsam los müssen, sonst schaffe

ich es nicht bis Mittag, dachte sie

mit Blick auf die Uhr.

Geschichte

von Doris Wimmi Bieber

9.30 Uhr

Es war noch morgenkühl als sie

losging. Den Stock nahm sie nicht mit,

morgens ging es immer besser mit dem

Laufen. Vielleicht treffe ich ja die Greta,

dachte sie, dann könnten wir beim

Back-Shop noch einen Kaffee trinken.

Greta war nicht da, und die wenigen Lebensmittel

hatte sie dann gekauft. Obwohl

sie gerne nochmal ein Schnitzel gegessen

hätte, nahm sie die frische Bratwurst,

wegen der Zähne. Blumenkohl gab

es schon in Röschen geschnitten

und geputzt, eine kleine

Portion, extra für Singles

und dann fand

sie auch noch geschälte

Kartoffel

im

Glas.

12.30 Uhr

Sie hatte gegessen und gespült, die

Küche in Ordnung gebracht. Der Müll

lohnte sich noch nicht. Eigentlich

hatte sie nicht viel zu tun. Damals,

als der Ernst noch da war, gab

es immer was, der war auch

im Haushalt so unbeholfen

gewesen, aber den Kaffee,

den hatte er immer gemacht.

Seit einiger Zeit

kam auch zweimal in

der Woche eine Putzfrau,

ihre Tochter

bestand darauf.

Inge rief an. „Mutti, ich habe d

aber weißt du, am Wochenende, da

und ich, wir sehen uns doch so we

gefragt, ob ich mit ihm auf diese

mitfahre. Ich komme dann näch

de, ist doch nicht so schlimm,

sie ohne einmal Luft zu holen.

so, Kind, es ist alles gut“, sagte

es dir wirklich gut, Mama, son

me ich natürlich doch“, fra

noch. „Nein, nein, du muss

deinem Mann fahren, ja da

bis nächstes Wochenende“

sagte sie. „Tschüs Mutti!“

„Tschüs Kind!“ Ein

kurzes Gespräch,

aber Inge war

auch immer in

Eile.

D

sahen. Sie saß im Sessel u

Kasse kann ich ja sagen, sie s

6.30

Uhr

Die Vögel,

zwitscherten schon

länger und sie war davon aufgewacht. Sie wollte die Augen

noch nicht öffnen, warum mussten diese Tiere nur so früh

schon lärmen, sie schlief doch so schlecht. Erst mal die Brille, dachte

sie, alles sah verschwommen aus. Langsam nahm sie das Zimmer wahr,

die Decke, die Lampe. Sie lag auf dem Rücken wie ein Käfer, die Gelenk

schmerzten. Sie reckte und streckte sich ein bisschen, war wie eingerostet

Knöchel und Knie taten weh, wenn sie ruhig lag, die anderen Gelenke, wen

bewegte. Als der Ernst noch da war, gab es einen Grund, morgens aufzustehen.

mit Stöhnen setzte sie sich auf die Bettkante. O weh, hoffentlich schaffe ich es

zur Toilette, sagte sie laut zu sich selbst.


14.00 Uhr

ich doch nicht geweckt,

s klappt nicht. Rainer

nig und er hat mich

Messe nach Köln

stes Wochenenoder?“,

sagte

„ Mach das

sie. „Geht

st komgte

sie

t mit

nn

,

15.30 Uhr

Irgendwas muss ich aber heute noch

machen, ich roste ja noch total ein,

dachte sie. Luise rief noch an und

erzählte von ihrer neuen Bekanntschaft.

Ein netter älterer Herr und

er fährt noch Auto und bei schönem

Wetter wollten sie mal rausfahren.

Sie hatte ihn im Park

kennengelernt. Sie ging ins

Schlafzimmer und öffnete den

Kleiderschrank, die meisten

Sachen von Ernst hingen

oder lagen noch da. Sie holte

sich einen blauen Müllsack

und machte ihn voll.

Inge kann ihn am Wochenende

mitnehmen.

Sie dachte an Ernst,

wie sie sich kennengelernt

hatten, es

war eine gute Ehe

gewesen. Und Inge

war ein fröhliches

Kind, sie

hatten sich gut

verstanden, es

Kasse liegengelassen

und Tage später hatte er

noch da gehangen.

Die Verkäuferin war

freundlich und machte

ihr einen schönen

Strauß für 20 Euro.

Sie gab ihr noch

ein Tütchen Blumenfrisch,

damit

sollten die

gab nicht oft

Streit.

Blumen länger

halten.

16.30

Uhr

Der blaue Müllsack stand

im Flur. Es war früh genug,

und sie würde sich noch eine

Freude machen. Sie zog

die Jacke über und nahm

den Stock. Sie wollte sich

den schönen Blumenstrauß

kaufen, den sie am Morgen

gesehen hatte. Jetzt, wo Inge

nicht kam… und sie war doch

so fleißig gewesen. In ihrem

Portemonnaie waren noch 40

Euro, der Blumenladen war

gleich um die Ecke. Nachmittags

taten die Knie so weh,

mit dem Stock fühlte sie sich

sicherer, obwohl er auch

hinderlich war. Manchmal

hatte sie ihn auch an der

18.30

Uhr

D e r

Strauß stand im

Wohnzimmer auf

dem runden Tisch

mit der Häkeldecke.

Sie legte das Kirschkernsäckchen,

das immer auf dem

Schrank parat lag, in die Mikrowelle,

um es dann mit ins Wohnzimmer

zu nehmen und auf ihre Knie

zu legen. Inge hatte ihr die Mikrowelle

zu Weihnachten geschenkt, eine praktische

Sache. Vor dem Abendessen legte sie noch ein

wenig die Beine hoch, machte den Fernseher an

und schaltete den Ton aus.

Die Wärme auf den Knien tat ihr gut, und der Blumenstrauß

erinnerte sie an Paul.

Warum sie gerade jetzt an Paul dachte? Er hatte ihr oft

Blumen geschenkt, die er bei seiner Tante im Garten einfach gepflückt

hatte. Damals hatten sie sich heimlich getroffen, abends hatte er mit

seinem alten Fahrrad am Wald hinter den Büschen gewartet und sie waren dann lachend

zum Fluss gefahren. Sie auf der Stange. Paul war immer lustig und oft hatte er den Arm um ihre

Schultern gelegt und gesagt: „Du hast die schönsten Augen die ich je gesehen habe. Wenn du die jetzt sehen

könntest, wie die strahlen.“ Dann hatten sie noch eine Zigarette geraucht, bevor sie wieder nach Hause musste.

ie Mutter war damals gegen Paul, er sei nicht der Richtige. Sein Vater sei ein Hallodri. Sie tat alles, damit sie sich nicht mehr

nd dachte an Paul. Den hätte ich gerne zum Mann gehabt, dachte sie. Und morgen hole ich mir Zigaretten, der Frau an der

eien für meine Tochter.

e

. Die

n sie sie

Langsam und

noch rechtzeitig

Die Tochter fand die Mutter am Samstagmorgen. Inge hatte

sich mit Rainer gestritten und dann trotzig zu ihm gesagt: „Dann fahre ich eben zu meiner

Mutter!“ „Dann fahr doch“, hatte er sie angeschrien.

Der Fernseher lief, und die Mutter lag friedlich mit einem Lächeln im Gesicht im Sessel.

Der Arzt stellte später Herzstillstand fest. Die Todeszeit wäre ungefähr Mittwochabend oder

Donnerstagmorgen gewesen. •

Foto/Collage: Gottfried Klör


Letztes Beisammensein......, Abschied für immer

Er stand etwas breitbeinig auf der alten Bank, auf der

schon die Urgroßmutter sich an heißen Tagen im

Schatten des Kastanienbaumes frische Luft zugefächelt

hatte, hielt sich an den spitzen Stelzen des Bretterzaunes

fest und plapperte freundlich den vorbeigehenden

Männern etwas zu. Ihre Sprache verstand er nicht, er war

vier Jahre alt, und wenn er danach gefragt wurde, warum

wohl immer, bog er den Daumen in die Hohlhand und zeigte

stolz vier Finger. Die Männer waren blass, abgemagert, die

farblosen Jacken hingen schlaff an ihren gesenkten Schultern

herunter, die Hosen schlackerten um ihre stelzigen Beine,

die Füße steckten in abgewetzten Schuhen.

Sie redeten leise miteinander, die Sprache verstand er

nicht, deswegen redete er auch mit ihnen in einer Sprache,

die ihm gerade einfiel, die auch sie nicht verstanden, aber

er wollte doch wenigstens auf sich aufmerksam machen

und ihnen zeigen, dass er auch etwas zu sagen und Interesse

an ihnen hatte. Aber sie blieben ungerührt, reagierten

nicht, blieben stumm, nahmen keine Notiz von ihm. Wenige

blickten zu ihm herüber, sie konnten nicht lächeln,

ihr Blick war stumm, die Augen waren tief und leer, ohne

Glanz. Sie gingen einfach vorüber, einem Ziel zu, wie jeden

Tag, immer zur gleichen Zeit, mit der gleichen Stumpfheit,

Erinnerung

… er ist gefallen,

wir müssen ihn doch aufheben.

Autorenfoto

Niedergeschlagenheit, die er durch sein Geplapper auch

nicht durchbrechen konnte

Und dann waren da noch einige Männer in ordentlicher

Kleidung, mit strengem Blick, einer Mütze und einem Ledergürtel

um den sich vorwölbenden Bauch, mit glänzend

gewichsten schwarzen Schuhen. Sie gingen am Rande. Die

blassen Mageren hatten offensichtlich vor den Dicken mit

den sengenden Augen Angst und hielten sich möglichst entfernt

von ihnen. Und schon war der Pulk vorbei, wie immer,

wie jeden Mittag, wie immer, bei Regen, bei Sonnenschein.

Er ging vorbei, wie ein Geisterschwarm, schwoll an und

nahm schnell wieder ab. Immer stand er auf der Bank, redete

freundlich mit ihnen, jedenfalls sollte sein Geplapper

sich freundlich anhören, aber niemand antwortete, niemand

lächelte zurück. Konnten die Männer das nicht mehr? Es

ging alles schnell vorbei, wie ein Geisterschwarm, schwoll

an und auch schnell wieder ab, nichts ist gewesen. Nach

einiger Zeit kam der Pulk zurück, ging in die andere Richtung,

aber unverändert, abgestumpft, hohlwangig, stumm,

mit tiefliegenden Augen, die ihre Umgebung nicht wahrnahmen,

an jedem Tag, bei jedem Wetter, denn auch da sah

er`s durch die beschlagenen Fensterscheiben.

Er hatte gesehen, dass am Ende der Straße ein großes

Haus gebaut worden war, aus hellem Holz, er hatte die

vielen Bretter, die dicken Balken gesehen, die Menschen,

die hämmerten und sägten, die herumschrieen und in ständiger

Unruhe waren. Das riesige Haus war schnell fertig,

stand da, hell, wie eine Burg, was es ja in Wirklichkeit

war, eine Kaserne für die polnischen Zwangsarbeiter, die

streng bewacht unter ständiger Aufsicht und Kontrolle zur

Arbeit getrieben wurden und selbst in der kurzen Freizeit

am Abend oder an den Wochenenden in ihrem Holzhaus

eingesperrt blieben.

Niemand wusste, wo und wie sie her kamen, wo ihr

Zuhause war, wie ihre Frauen ohne sie lebten, ihre Kinder

nach ihnen riefen und doch ohne Nachricht blieben. Er

wollte aber doch nur freundlich zu ihnen sein, mit ihnen

reden, sie fragen, warum ihre Gesichter so traurig aussahen,

warum sie nicht einmal wenigstens lächeln konnten,

sie ihm nicht antworteten, wo er doch so herzlich zu ihnen

sprach und so gerne mehr über sie wissen wollte. Aber

nein. Sie gingen stumm mit nach vorne gebeugtem Kopf

müde an ihm vorbei und wussten nicht, ob sie am morgigen

Tage überhaupt noch einmal zu ihrer Arbeitsstelle, zu ihrer

Schlafstelle gehen würden. Sie kannten sicher noch nicht

einmal den Namen des Ortes ihrer Verschleppung.

Und dann war irgendwann noch der Tag, an dem die

beiden Männer mit den Hüten und den langen grauen Mänteln

kamen. Er, kurze Hosen mit Latz, Söckchen, Seppel-

76 durchblick 3/2011


Erinnerung

hut mit Feder, stand natürlich

wieder auf der zerschlissenen

Bank und wartete auf die geisterhaften,

fast stummen Männer.

Die beiden Männer mit den

langen Mänteln zögerten etwas,

nahmen aus der Aktentasche

einen Zettel, lasen ihn und nickten.

Dann kamen sie auf unser

Haus zu, gingen an ihm vorbei,

ohne ihn zu beachten. Sie

waren groß, dünn, auch blass,

schienen müde, die Gesichter

sagten nichts, die Backenknochen

traten deutlich hervor. Die

beiden rochen nach Zigaretten.

Sie klopften an die Haustüre,

die Großmutter öffnete,

und nach wenigen Worten, die

er nicht verstand, gingen sie

zusammen ins Haus. Sollte er

hinterhergehen? Neugierig war

er schon, was sie wohl wollten?

Er entschloss sich, zu warten

und auf dem Hof zu spielen. Es

dauerte lange. Nichts tat sich. Dann ging die Tür auf. Sie

kamen. Die Großmutter begleitete sie zum Gartentor. Die

blassen Männer hatten keinen Blick für ihn. Großmutter

sah traurig aus, er dachte, sie sei verheult, wollte aber nicht

fragen, sie nicht ansprechen. Bis sie zu ihm kam, ihn in die

Arme nahm, ihn drückte, aber immer noch stumm blieb.

Ein Vibrieren in ihr spürte er. Im Wohnzimmer redete niemand,

alle drückten ihn, aber niemand sagte etwas. Was soll

das? Irgendetwas Furchtbares muss passiert sein, er konnte

sich aber nichts vorstellen.

In den Tagen danach wurde in dem Hause wenig geredet,

aber alle gingen nett und freundlich miteinander um.

Irgendwann, wenig später, kam dann das Wort auf „er ist

gefallen“.Was das zu bedeuten hatte, war ihm nicht klar,

Foto: wikipedia.de

Ewige Ruhe. Soldatenfriedhof Witebsk in Weißrussland

aber es musste etwas Schlimmes sein. Immer öfter hörte

er diesen Satz, er spürte, irgendetwas musste mit seinem

„Vati“ geschehen sein. Immer, wenn die Rede auf seinen

geliebten „Vati“, den er eigentlich sehr selten gesehen hatte,

aber wenn er dann einmal zu Hause war, hatte er immer

schön mit ihm gespielt und hatte immer Zeit für ihn. Und

jetzt ist er „gefallen“.

Da kam ihm wenige Tage später der richtige Gedanke,

der eigentlich naheliegend war. Warum kommt denn

niemand darauf? „ Mutti, Mutti“ rief er, – er hatte immer

„Mutti“ und „Vati“ gesagt –, „komm schnell, wir müssen

gehen und Vati aufheben, er ist doch gefallen“. Sie brach in

hemmungsloses Weinen aus....

Dr. Wolfgang Bauch

durchblick 3/2011 77


Gedächtnistraining

Logische Folgen

Wie geht es weiter?

1. DD9-FF8-........

2. 19-22-20-23-......

3. 6-3-X-8-4-W-.......

Sie trainieren: Logisches Denken,

Wahrnehmung, Denkflexibilität

Deutschebundesländer

Kennen Sie alle 16 Bundesländer?

Wie heißen ihre Hauptstädte?

Sie trainieren: Allgemeinwissen,

Wahrnehmung, Langzeitgedächtnis

Konzentriertes Lesen,

lesen Sie rückwärts, ein Gedicht von:

MihcaoJ ztanlegniR

thcidegrebmetpeS

fpuZ rid nie nehcklöW sua med ssiewnekloW,

sad hcrud ned neginnos lemmiH tetierhcs.

dnU ekcümhcs ned tuH, red hcid tetielgeb,

tim menie nenürg sieR.

ekcetsreV hcid luaf ni eid ellüF red resärG,

s`liew tutlhow, s`liew tmmorf.

dnU tsib ud nie resälbakinomrahdnuM,

dnu tsah du enie ieb rid, nnad leips, saw rid

tmmok.

dnU ssal enied neidoleM neknel

nov med nenebegegierf fpuzegnekolW.

ssigreV hcid. sE llos nied nekneD

thcin retiew nehcier sla nie fpuhrefpühsarG.

Lustiges Rätsel

1. Wer ist der höflichste Fisch?

2. Wer ist der klebrigste Vogel?

3. Wer ist ein schwerhöriger Vogel?

4. Welche Eidechse kann nicht sehen?

Sie trainieren: Denkflexibilität

Herbstkette

Bilden Sie eine Wortkette mit Hilfe von Begriffen,

die zum Thema „Herbst“ passen. Lassen

Sie dabei jedes Folgewort mit dem Buchstaben

des vorangegangenen Wortes beginnen.

Wie lang wird Ihre Kette?

Beispiel: Laub – Bratapfel – Laterne ...

Sie trainieren: Wortfindung, assoziatives Denken

78 durchblick 3/2011


Lösungen auf Seite 98

Kennen Sie das Gegenteil?

z. B.: rund – eckig

dick_________________________

spät_________________________

objektiv______________________

fortschrittlich_________________

schreien _____________________

füllen________________________

loben________________________

Armut_______________________

Riese________________________

Ordnung_____________________

Sie trainieren: Wortfindung,

Konzentration, assoziatives Denken

Kofferpacken

Sie sind von einer Europareise zurückgekehrt

und haben einen Koffer voller

Souvenirs im Gepäck. Prägen Sie sich

ein, was Sie von wo mitgebracht haben.

1. aus Frankreich einen rosa Eiffelturm

2. aus England eine Krone

3. aus Italien eine Tüte Nudeln

4. aus Dänemark ein Knäckebrot

5. aus der Schweiz einen Wanderstock

6. aus Belgien Pralinen

7. aus Spanien einen Strohhut

8. aus Weißrussland Handschuhe

9. aus Polen eine CD mit Polkamusik

10. aus Kroatien eine Flasche Wein

Decken Sie nun die 10 Souvenirs ab und

schreiben Sie sie aus Ihrem Gedächtnis

auf. Schwieriger wird es, wenn Sie erst

einen Moment warten und z. B. erst eine

andere Aufgabe lösen.

Sie trainieren: Merkfähigkeit, Konzentration

Die Übungen wurden

zusammengestellt von:

Gedächtnistrainerin

Anja Freundt

Mitglied im Bundesverband

für Gedächtnistraining

Am Witschert 26 a

57072 Siegen

0271-317082

durchblick 3/2011 79


Essay

Hallo ICH, wer bist Du?

Gedanken über die rätselhafte Existenz meines ICH

Zu Risiken und Nebenwirkungen...

Bevor Sie diesen Beitrag lesen, sollten Sie wissen,

dass er zu einer möglichen Verwirrtheit führen

kann, denn er beschäftigt sich mit der Frage, wer

Sie denn eigentlich sind. Ja Sie, der Sie sich, wie alle Menschen,

als ein ICH verstehen. Und, werden Sie fragen, was

ist daran so irritierend? Eigentlich nichts, nur, dass es Sie,

als ein ICH verstanden, wissenschaftlich gesehen, gar nicht

gibt. Ja, Sie haben

richtig gelesen.

Laut moderner

Hirnforschung

gibt es keine Stelle

im Gehirn oder

sonst einen Ort in

unserem Körper,

wo das ICH zu

Hause und zu finden

ist.

Unser ICH,

so die Aussagen

der Hirnforscher,

hat keine aus

sich selbst heraus

unabhängige,

eigene Existenz

und ist „nur“ ein

substanzloses,

geistig-körperliches

Konstrukt.

Wir erfinden

(konstruieren)

uns sozusagen

tagtäglich immer

wieder selbst. 1)

Und obwohl wir

uns als ein ICH

täglich erfahren

und damit ohne Zweifel existent sind, ist unser ICH, trotz

modernster wissenschaftlicher Methoden, nicht nachweisbar.

Weder mithilfe einer Computertomografie (CT), einer

Magnetresonanztomografie (MRT) noch einer Positronenemissionstomografie

(PET) oder anderer nuklearmedizinischer

Verfahren, die selbst kleinste Teilchen im Körper

ausfindig machen: Nirgendwo ein ICH zu finden.

Wo also steckt unser ICH? Sollte unser ICH nur eine

aus der Evolution hervorgegangene, allein dem Überleben

nützliche, raffinierte Vorspiegelung von etwas sein, das es

in Wirklichkeit gar nicht gibt? Unterliegen wir, Sie und ich,

hier einer großen Selbsttäuschung? Ist unser ICH nur ein

trügerisches Scheinbild, das Ergebnis reiner illusionär-hartnäckiger

Gedankenvorstellungen, ein zufälliges, blindes

Zusammenspiel von Nervenzellen in unserem Gehirn und

damit wissenschaftlich nicht nachweisbar? Wenn das so ist,

warum um alles in der Welt, nehmen wir uns dann so wichtig?

Dabei kommt mir der Gedanke, dass viele Menschen in

unserer heutigen Zeit so etwas wie „wissenschaftsgläubig“

geworden sind. Sie glauben zwar nicht mehr an das, was

Theologen oder

auch Philosophen

zu sagen haben,

sondern für sie

sind nur Aussagen

der Wissenschaften

über ihre

Erkenntnisse, so

etwas wie das

„Amen in der Kirche“.

Um an etwas

zu „glauben»

muss für sie alles

wissenschaftlich

erklärbar und begründbar

sein,

verifizierbar oder

auch falsifizierbar.

Hier stellt

sich mir die Frage,

wie sieht es

bei diesen Menschen

mit ihrem

Glauben an ihr

ICH aus, wenn es

die Wissenschaftler,

wie hier die

Neurologen und

Biologen, doch

substanziell nicht nachweisen können? Müssen diese Menschen

demzufolge nicht auch an der Existenz ihres eigenen

ICH zweifeln und ihr ICH, also sich selbst, für eine Illusion

halten, obwohl es sie existenziell gibt?

Deshalb, bevor Sie anfangen zu lesen: Zu Risiken und

Nebenwirkungen fragen Sie.......ja wen eigentlich? Arzt

und Apotheker helfen hier vermutlich auch nicht weiter und

welche Fakultät könnte hier weiterhelfen, die Psychologie,

die Neurologie, die Biologie, die Philosophie oder gar die

Theologie? Oder alle zusammen? Schaun wir mal und versuchen,

dem Geheimnis ICH ein klein wenig auf die Spur

Fotocollage: Gottfried Klör

80 durchblick 3/2011


Essay

zu kommen, denn in dem Augenblick, in dem ich diese

Zeilen schreibe, laufen immerhin 6.977.824.900 Menschen

auf dieser Erde mit einem ICH herum.

Das Ich-Denkmal des Künstlers Hans Traxler steht im

Frankfurter Grüngürtel und zählt zum Genre der Komischen

Kunst. Unter dem Kontext „Jeder Mensch ist

einzigartig“ wird der Besucher animiert, den Sockel zu

besteigen und sich fotografieren zu lassen.

Mein ICH: unbestimmt und unauffindbar?

Die Erkenntnis darüber, dass unser ICH nur ein zerbrechliches,

psychologisch/biochemisches Konstrukt ist,

das aus sich selbst heraus nicht existieren kann und mit dem

Tod, dem Erlöschen von Geist und Körper, unwiderruflich

zugrunde geht, ist nicht neu und wird schon seit vielen

Jahren nicht nur von den Naturwissenschaften vertreten.

Erstaunlich ist für mich nur, dass so viele Menschen so

leicht darüber hinweggehen, ohne einmal ernsthaft darüber

nachzudenken, was diese Aussage für ihre eigene Lebenseinstellung

und ihr eigenes Menschenbild wirklich bedeutet

und ich vermute, dass auch dieser Beitrag wenig daran ändern

wird. Dabei ist die Frage „Wer bin ICH?“ so alt, wie

die Menschheit denken kann und nicht ohne Grund stand

schon vor 2500 Jahren an einer Säule des griechischen

Apollontempel die mahnende Inschrift: „Erkenne dich

selbst.“ Ich denke, im Kontext der Erkenntnisse moderner

Wissenschaften wie Neurologie und Biologie, sollte diese

Mahnung neu in unsere heutige Zeit übertragen werden.

Insbesondere auch deshalb, weil uns diese beiden Wissenschaften

vor Augen führen, wie unbestimmt, zerbrechlich

und wandelbar unser ICH ist. Wir glauben ja immer, wir

blieben ein Leben lang, wer wir sind und unser ICH wäre

unveränderbar nach dem Motto: ICH bin ICH und ICH bleibe

ICH. Egal, was mit mir passiert, positiv wie negativ. Ich

kann zwar meine Meinung ändern und meine Einstellung,

ich kann mein Wissen und damit meinen Lebenshorizont

erweitern, ich kann durch äußere Einwirkungen körperliche

Gebrechen und geistige Behinderungen erleiden, es

können in meinem Leben viele Dinge passieren, die mich

verändern, aber, so meine intuitive Vorstellung, bleibe ICH

doch immer dasselbe ICH, so etwas wie ein „unzerstörbares

Gravitationszentrum meiner Persönlichkeit.“ 1)

Foto: wikipedia.de

Auch in der über zweitausendjährigen Philosophiegeschichte

des Abendlandes war für die meisten Philosophen

die Existenz eines ICH, „das sich mehr oder weniger erfolgreich

mit den Dingen dieser Welt herumschlägt“ 6) , eine

unumstößliche Selbstverständlichkeit. So unterschied der

deutsche Philosoph Gottlieb Fichte (1762-1814) in seiner

Subjektphilosophie streng zwischen einem reinen ICH und

einem Nicht-ICH, wobei zum Nicht-ICH alles räumlich

Gegenständliche gehört. Für den französischen Philosophen

Rene Descartes (1596-1650) kann der Mensch an der

Wirklichkeit aller Dinge dieser Welt zweifeln, nur an einem

nicht, an seinem eigenen Denken und Dasein. So stammt

von ihm die bekannte Aussage: „Ich denke, also bin ich“.

Aber ist das wirklich so? Ist unser innerstes ICH unzerstörbar?

Müsste diese Aussage von Descartes aufgrund der

Erkenntnisse der Hirnforschung heute nicht abgewandelt

werden in: „Es denkt, hier wär ein ICH“? Sollte es aber

so ein zentrales ICH geben, aus welcher Substanz besteht

es dann, und wo im Körper ist es zu finden? Gehen wir

dieser spannenden Frage einmal nach und folgen zunächst

den Ausführungen, besser gesagt einer Argumentation,

von Tenzin Gyatso, dem 14. Dalai Lama, in seinem 2007

erschienenen Buch „Das Leben tiefer verstehen –Erkenne

dich selbst und lebe gelassener.“ 2) In diesem Buch baut

der Dalai Lama dem Leser für die Frage nach dem ICH so

etwas wie eine logische Argumentationskette auf, wie sie

im Buddhismus bei der Suche nach der Wahrheit häufig angewandt

wird, denn es geht dem Buddhismus im Gegensatz

zu den meisten anderen Religionen in erster Linie darum,

durch Argumente und logisches Denken zu überzeugen und

nicht durch dogmatisch festgezurrte Glaubenssätze. Durch

diese Grundposition hat der Buddhismus auch keinerlei

Berührungsängste mit den modernen Wissenschaften. Im

Gegenteil. So haben sich beispielsweise buddhistische

durchblick 3/2011 81


Essay

Mönche, vom Dalai Lama höchstpersönlich ausgewählt, vor

Jahren schon bereit erklärt, in Magnetresonanztomografen

(MRT) zu meditieren, um das neurologische und biologische

Verhalten des Gehirns der Probanden während der Meditation

zu beobachten, mit interessanten und überraschenden

Ergebnissen. Aber ich schweife ab. Kehren wir zurück zur,

nennen wir sie ICH-Argumentation des Dalai Lamas.

Das buddhistische ICH

Bei der Suche nach dem ICH weist der Dalai Lama zunächst

auf die paradoxe Gegebenheit seiner eigenen Person

hin und schreibt:

„Beispielsweise muss das ICH des Dalai Lama irgendwo

in dem Bereich zu finden sein, wo sich auch mein Körper

befindet. Es ist klar, dass dieses ICH nirgendwo anders gefunden

werden kann. Doch wenn wir in diesem Bereich suchen,

dann können wir kein ICH finden, das aus sich selbst

heraus existiert. Dennoch ist der Dalai Lama ein Mann,

ein Mönch, ein Tibeter, jemand der sprechen, trinken, essen

und schlafen kann. Das ist ein ausreichender Beweis dafür,

dass er existiert, obwohl er im Licht logischer ( = wissenschaftlicher

d. V.) Untersuchungen nicht gefunden werden

kann. Dies bedeutet, dass nichts gefunden werden kann,

das dieses ICH ist, was aber nicht heißt, dass dieses ICH

nicht existiert. Die Nichtexistenz dieses ICH anzunehmen,

wäre unsinnig. Das ICH existiert eindeutig, doch wenn es

existiert und nicht gefunden werden kann, dann müssen wir

sagen, dass es in Abhängigkeit von Gedanken entsteht. Das

ICH kann auf keine andere Weise postuliert werden...Nirgendwo

im Körper und im Geist, die die Grundlage für das

ICH bilden, können wir dieses ICH finden. Daher ist das

ICH nicht aus eigener Kraft erschaffen, sondern die Kraft

anderer Bedingungen, nämlich seinen Ursachen, seinen

Bestandteilen und dem begrifflichen Denken.“ 2)

Bei der Auflösung dieses scheinbaren ICH-Paradoxon

spielen für den Dalai Lama drei Aspekte eine entscheidende

Rolle: das Denken in Begriffen, die wechselseitige Abhängigkeit

aller Phänomene und das Erkennen von inhärenter

Existenz. Gemeint ist damit eine Existenz, die unabhängig

von anderen Phänomenen nur aus sich selbst heraus begründet

ist. Er macht dies am einfachen Beispiel eines Tisches

fest. Ein Tisch (= Begriff) hängt von seinen Bestandteilen

ab (= Abhängigkeit). Ohne Bestandteile wie Beine

und Tischplatte etc. gibt es keinen Tisch, aber keines dieser

Bestandteile selbst ist ein Tisch. Erst durch das begriffliche

Denken d. h. in Abhängigkeit von Gedanken, werden diese

Dinge zu einem Tisch. Der Tisch existiert also, obwohl

er unserem Geist als unabhängig erscheint, nicht aus sich

selbst heraus und hat somit keine inhärente Existenz.

Ein anderes, bekanntes Beispiel ist der Begriff „Wald“,

der im abendländischen Mittelalter unter dem „Universalienstreit“

geführt wurde. Man kann sagen „das ist ein Wald“,

aber in Wirklichkeit gibt es nichts, das ein „Wald“ wäre – es

gibt nur eine große Anzahl dicht zusammenstehender einzelner

Bäume. „Wald“ ist somit nur ein begrifflicher Name,

keine Wirklichkeit. Für den Dalai Lama ist es wichtig zu

erkennen, dass auch unser ICH nur dem Namen nach und

nicht so existiert, wie wir es mit unserem Geist wahrnehmen,

nämlich als unabhängig und aus sich selbst heraus

(= inhärent) existierend. Um dies zu verdeutlichen, nennt

er Situationen, wo diese trügerische Annahme besonders

spürbar wird. Beispielsweise dann, wenn wir von einem

anderen Menschen für etwas beschuldigt werden, dass wir

gar nicht getan haben und uns rechtfertigen: ICH habe das

nicht getan. Oder wenn wir etwas Gutes vollbracht haben

und stolz auf uns sind. Immer dann erfahren wir unser ICH

so, als ob es aus eigener Kraft heraus bestehen würde.

Das Gleiche gilt bei der Wahrnehmung unseres Körpers

und dem Körperverhalten. Wenn wir z. B. etwas Wichtiges

vergessen haben, schieben wir es auf unser schlechtes Gedächtnis.

Wir trennen unser ICH von unseren körperlichen

Eigenschaften ab und damit erscheint unser ICH als ein

von Körper und Geist unabhängiges Wesen, was einer logischen

(wissenschaftlichen) Betrachtungsweise aber nicht

standhält. Es gibt für den Dalai Lama kein aus sich selbst

heraus existierende ICH, sondern lediglich ein, wie er es

nennt, „bloßes“ oder auch „einfaches“ ICH, das in Abhängigkeit

von Geist und Körper gründet. Das ICH ist nur

durch das begriffliche Denken des Menschen und in Abhängigkeit

von Geist und Körper verursacht und etabliert;

es entsteht nicht durch sein eigenes Wesen. Noch einmal

der Dalai Lama:

„Der Geist erschafft die Welt. Das ist der Grund, warum

die buddhistischen Schriften immer wieder sagen, dass

das ICH und alle anderen Phänomene nur durch die Kraft

begrifflichen Denkens existieren. Obwohl das ICH in Abhängigkeit

von Geist und Körper besteht, sind Geist und

Körper nicht das ICH, noch ist das ICH der Geist und Körper.

Das ICH wird in Abhängigkeit von Geist und Körper

82 durchblick 3/2011


hervorgebracht, aber innerhalb von Geist und Körper gibt

es nichts, was das ICH wäre. Das ICH und alle anderen

Phänomene werden nur durch den Geist erschaffen. Wenn

Sie dies verstehen, dann bekommen Sie eine Ahnung davon,

dass Menschen nicht in und aus sich selbst heraus existieren.

Sie sind nur etwas in Abhängigkeit Entstandenes.“ 2)

Um die Ausführungen des Dalai Lamas mit einem anschaulichen

buddhistischen Beispiel noch zu verdeutlichen:

Das Spiegelbild eines Gesichtes wird in Abhängigkeit

von einem Spiegel wahrgenommen und existiert,

obwohl es alle Merkmale eines Gesichtes aufweist,

jedoch nicht wirklich als Gesicht.

Genauso existiert die begriffliche Auffassung eines ICH

in Abhängigkeit von Geist und Körper.

Und wie das Spiegelbild eines Gesichtes,

existiert das ICH nicht wirklich aus sich selbst heraus. 2)

Essay

Wichtig ist für den Dalai Lama, dass wir bei der Untersuchung,

unser ICH finden zu wollen, es aber nicht finden

können, nicht in die Falle des Nihilismus – der Überzeugung

von der Nichtigkeit alles Bestehenden – hineinlaufen, denn

was wir nicht finden können, ist lediglich das völlig unabhängige

(inhärent existierende) ICH. Ganz im Gegenteil.

Dieses tiefe Erkennen, dass unser ICH, wie alle anderen

Phänomene dieser Welt auch, nur in Verbindung von Geist

und Körper und dem begrifflichen Denken hervorgebracht

wird, führt nach buddhistischer Überzeugung zu einem

wahren und echten Mitgefühl allen Menschen gegenüber.

Belassen wir es bei diesen Ausführungen, eine philosophisch-religiöse

Position von einer der weisesten Religionsformen

der Menschheit, aber nicht ohne noch den kurzen

Hinweis auf die Reinkarnationslehre (Wiedergeburt)

im Buddhismus zu geben, die besagt, dass bei jeder neuen

Geburt, im Gegensatz zur Seelenwanderung im Hinduismus,

immer auch ein neues ICH geboren wird. Dieses neue

ICH ist allerdings behaftet mit dem „Karma“ aller vorangegangenen

Leben. (Erläuterung siehe Fußnote 4)

wikipedia.de

Historische Darstellung: Holzschnitt aus Hans von Gersdorffs

„Feldbuch der Wundarzney“ (1517) Behandlung einer

Schädelwunde. Zugeschriebener Künstler: Hans Wechtlin

Kehren wir von dieser interessanten, für manche Leserin

und Leser sicherlich etwas theoretischen und vielleicht

auch befremdlichen Betrachtungsweise zurück zu einem

ICH, wie wir es kennen und erleben, oder sollte ich sagen:

Mit dem wir uns Tag für Tag herumschlagen (müssen)? Mir

geht es wenigstens so. Es gibt Tage, da bin ich (ist das ICH)

prima drauf, da ist das Leben lebenswert, bunt und schön

und ich (das ICH) könnte Bäume ausreißen. Dann wiederum

gibt es Tage, an denen das Leben wie hinter einem

Grauschleier verschwindet und mich (das ICH) schon die

Fliege an der Wand ärgert. Eine überzeugende Erklärung

für diese gegensätzlichen Empfindungen (Bewusstseinszustände)

habe ich nicht. Jeder von uns kennt das doch: Man

ärgert sich manchmal (das ICH) über sich selbst und weiß

nicht so recht, warum. Wie heißt es im Volksmund: Keiner

kann über seinen eigenen Schatten springen. Richtig, denn

hinter diesem Schatten verbirgt sich die vom Dalai Lama

zuvor genannte Abhängigkeit des ICH von Geist und Körper.

Und wo ist diese Abhängigkeit gegeben, wo der Ort,

in dem Geist und Körper zusammenfinden, sich gegenseitig

bestimmen und beeinflussen: das Gehirn. Damit sind

wir, wenn es um die Frage nach der rätselhaften Existenz

unseres ICH geht, bei dem wohl wichtigsten Organ angekommen,

denn nur dort ist es, wenn überhaupt, ausfindig zu

machen. Aber keine Angst, ich werde nun nicht den komplizierten

anatomischen Aufbau des Gehirns versuchen

Hochleistungszentrale Gehirn

durchblick 3/2011 83


Essay

zu beschreiben, um das ICH zu finden, dazu fehlt mir die

Fachkompetenz. Deshalb nur einige Überlegungen zu unserem

landläufig genannten „Oberstübchen“ Vorab aber noch

ein für diesen Beitrag zu beachtender Zwischenruf.

Zwischenruf

Wenn wir, Sie und ich, über unser Gehirn nachdenken, so können

wir es natürlich immer nur mit unserem Gehirn tun, womit sonst? Das

bedeutet, unser Gehirn denkt sozusagen über sich selbst nach. Für

mich eine durchaus erstaunliche und bemerkenswerte Feststellung,

offenbart sie doch die geistigen Fesseln menschlicher Subjektivität.

Wir Menschen können nie rein objektiv über uns (und die Welt)

nachdenken und urteilen, auch nicht über unser Gehirn. Alles Wissen

und alle Erkenntnisse des Menschen, ob naturwissenschaftlich oder

geisteswissenschaftlich, sind mit dem Problem der Subjektivität und

einer an die Natur gebundenen Abhängigkeit behaftet. Der Mensch

kann niemals eine geistig objektive Position außerhalb von sich selbst

einnehmen, nie ein vollkommen unabhängiger Beobachter sein, so

wie es z. B. ein Außerirdischer könnte, wenn es ihn denn geben würde.

Wir Menschen sind und bleiben, trotz aller eindrucksvollen naturwissenschaftlichen

Erkenntnisse, unseren großartigen technologischen

Errungenschaften und trotz der imposanten Leistungen unseres

Gehirns, in all unserem Denken und Handeln immer Kinder der Natur

und dieser Erde. Geist und Körper unterliegen immer den „irdischen“

Gesetzmäßigkeiten von Ursache und Wirkung. So auch das ICH und

die Erkundung nach ihm.

Obwohl die Hirnforschung in den letzten Jahrzehnten

erhebliche Fortschritte gemacht hat, ist unser Gehirn in

vielerlei Hinsicht noch unerforscht, rätselhaft, ja sogar geheimnisvoll.

Mit jeder neuen Erkenntnis wächst nicht nur

das wissenschaftliche Wissen, sondern auch das Staunen

über die großartige Leistungsfähigkeit und Plastizität dieses

etwas über ein Kilogramm schweren und nicht besonders

ansehnlichen grau/weißen Organs in unserem Kopf

mit sage und schreibe 100 Milliarden Nervenzellen, Neuronen

genannt, die alle in irgendeiner Form miteinander

interagieren. Dabei war und ist unser Gehirn, wie der eine

oder andere Mitmensch vielleicht noch denken mag, kein

von Anfang an fertig geformtes Organ – wann immer auch

der Anfang (eine Schöpfung?) gewesen sein mag –, sondern

es hat eine sehr lange evolutionäre Entwicklungszeit

hinter sich, bis es zu dem wurde, was es heute in unseren

Köpfen ist: ein hochkomplexes und sensibles Transformationskraftwerk

zwischen Körper und Geist und umgekehrt.

Kein Hirnforscher kann sagen, ob und wann diese biologische

Entwicklung endgültig abgeschlossen ist und welche

Folgen das immer feinere Eingreifen des Menschen in die

Hirnprozesse in Zukunft haben wird. Der Mensch hat im

Rahmen von Neurologie und Neurochirurgie damit begonnen,

die Möglichkeiten des Gehirns, bedingt durch seine

hohe Plastizität, auszuloten, um in erster Linie pathogen

auftretende Veränderungen zu behandeln. Er hat sozusagen

die Weiterentwicklung seines Gehirns mit in die Hand genommen.(Das

Gehirn entwickelt sich sozusagen selbst weiter,

siehe Zwischenruf). An dieser Stelle sei, ohne Horrorszenarien

an die Wand zu malen, die Frage nach der Zukunft

erlaubt. Wohin geht die Entwicklungsreise des Gehirns und

zwangsläufig verbunden mit ihr, in welche Richtung entwickelt

sich dabei der Mensch, auch unter Berücksichtigung

der Gentechnik und ihren zukünftigen Möglichkeiten, geistig

wie körperlich (Stichworte: elektrochemische Hirnimplantate

/ Präimplantationsdiagnostik etc.)?

In seinem Buch „Atem des Lebens“ 5) vergleicht der

Theologe Eugen Drewermann die Architektur und Evolution

des Gehirns mit einer gewaltigen Kathedrale, die

im Verlauf von Jahrhunderten in immer neuen Anläufen

erweitert, überbaut und umgestaltet wurde. Ein schöner

Vergleich, nur mit dem einen Unterschied, dass die Evolution

dazu Jahrmillionen gebraucht hat. Für den bekannten

und im Jahr 2005 verstorbenen Hirnforscher Detlef Linke

liegt in unserem Gehirn sogar der „Schlüssel zur Unendlichkeit“.

Aber wie das so ist, ob in der freien Natur, oder

in den von Menschenhand entwickelten Technologien, wie

z. B. elektronische Speichermedien, eine immer größere

Leistungsfähigkeit ist meist nur durch eine immer feinere

und leichtere Struktur des materiellen Leistungsträgers

möglich. Jedoch haben diese immer feineren Strukturen

ihren Preis in einer oft höheren Empfindlichkeit und damit

Anfälligkeit in Bezug auf Störungen und Fehlverhalten. Bei

unserer biologischen Hochleistungs- und Kommandozentrale,

dem Gehirn, verhält es sich genauso. Schon kleinste

Veränderungen oder Schwankungen können für den Betroffenen,

sozusagen den Besitzer des Gehirns, fatale Folgen

nach sich ziehen, körperlich, geistig und auch seelisch, in

positiver wie negativer Hinsicht. Damit sind wir wieder

beim, für Sigmund Freud „armen Wesen ICH“, das, hin

und her gerissen zwischen „Es“ und „Über-Ich“, in diesem

riesigen elektrochemischen Neuronen-Labyrinth irgendwo

sein Dasein fristet und diese leicht eintretenden Verletzlichkeiten

unmittelbar zu spüren bekommt. Um einmal zu

verdeutlichen, wie gravierend solche ICH-Veränderungen

sein können, und beispielhaft für unzählige andere Fälle,

eine interessante und dem wirklichen Leben entnommene

Begebenheit aus England, aus dem Buch „ICH, wie wir uns

selbst erfinden“ 1) .

84 durchblick 3/2011


Essay

Unser ICH:

verletzbar, wandlungsfähig

und zerbrechlich

Da war der 51-jährige britische Ex-

Sträfling und heroinsüchtige Bauarbeiter

T. McHugh, bei dem, hervorgerufen durch

eine kleine Blutung im Gehirn, eine völlige

Umgestaltung seines ICH stattfand. Für die

Wissenschaft so etwas wie eine revolutionäre

Herausforderung. Was war passiert? Als

McHugh einen stechenden Kopfschmerz

verspürte, saß er gerade auf dem Klo. In

der Notfallaufnahme entdeckten die Ärzte

ein Aneurysma, eine geplatzte Arterie im

Vorderhirn hatte zwei kleine Blutgerinnsel

verursacht. Die Arterie wurde geklammert

und bei den nachfolgenden allgemeinen

neuropsychologischen Tests konnten keine

größeren Ausfälle festgestellt werden.

McHugh wurde bereits 10 Tage später wieder

nach Hause entlassen. Dort geschah für

ihn die Revolution seines ICH.

Ungefähr zwei Wochen nach der Notoperation begann

McHugh Gedichte und Verse zu schreiben. Zwar kein Goethe,

Schiller oder Shakespeare, aber durchaus interessante

Gedanken. Dann fing er an zu malen und zu zeichnen. Auf

Hunderte von Blättern zeichnete er mit Bleistift eigenartig

asymmetrisch geformte Gesichter und Figuren. Aber damit

nicht genug, er bemalte mit bunter Pastellkreide die Wände

seiner Wohnung, tapezierte sie mit seinen Werken, darunter

eine Reproduktion von van Goghs Selbstbildnis mit

abgeschnittenem Ohr. Und wenn er nicht malte, erstellte

er Tonfiguren oder war anderweitig kreativ tätig, wie z. B.

aus Vogelfedern einen Schmetterling herzustellen. Eine

ungeheure Veränderung war eingetreten, waren früher die

Tattoos an seinen Oberarmen doch der einzige Zutritt zur

bildenden Kunst.

Inzwischen ist aus dem nach eigener Einschätzung einst

jähzornigen und aggressiven Schläger ein kreativ besessener

Künstler geworden, der seine weiblichen Seiten entdeckt

hat und ununterbrochen, zehn Stunden am Tag malt,

knetet oder schreibt. Heute ist McHugh auf regionaler

Ebene ein anerkannter Künstler, der in Galerien ausstellt.

Originalton McHugh: „Es ist wie ein Ausbruch des Ätna....

Was auch immer in meinem Hirn passiert ist, ich finde es

absolut fantastisch ... Mein Leben ist 100 Prozent besser

geworden.“

Soweit McHugh und seine Ich-Verwandlung, denn

nichts anderes hat in seinem Hirn stattgefunden. Sie

wirft die Frage auf, was bedeutet es eigentlich für unser

Selbstverständnis und unsere Einstellung zu uns selbst und

zu jedem Einzelnen von uns, wenn eine minimale körperliche

Verletzung (materiell) im Gehirn die Persönlichkeit

eines Menschen (geistig) so nachhaltig verändern kann?

Foto/Collage: BMBF www.idw.online.der

In unserem Gehirn, dem hochkomplexen und sensiblen Transformationskraftwerk

zwischen Geist und Körper, ist trotz modernster Hirnforschung

kein ICH zu finden. „Gott sei Dank“ muss man sagen, denn was würden

die Hirnforscher wohl mit dem ICH alles anstellen, wenn sie es denn

finden würden? So bleibt es weiter ein großes Geheimnis.

Wie ist es zu beurteilen, wenn binnen weniger Sekunden,

nur durch wenige Kubikzentimeter Blut an falscher Stelle

im Gehirn, eine derartige Veränderung eintritt, für die

Verhaltenstherapeuten, Psychologen oder Erzieher, wenn

überhaupt erreichbar, Jahre benötigen? Wirft solch eine

Persönlichkeitsveränderung nicht viele Frage im Zusammenhang

mit unserem allgemeingültigen Menschenbild

auf, wie z. B. die Frage nach dem freien Willen? Hat der

Existenzphilosoph Arthur Schopenhauer nicht recht, wenn

er sagt: „Der Mensch kann zwar tun was er will, aber nicht

wollen, was er will?“

Dieses Beispiel steht für die ungezählten Fälle, wo sich

solche oder ähnliche ICH-Veränderungen vollzogen haben.

Mit Absicht habe ich einen positiven ICH-Wandel gewählt,

wohl wissend, dass es leider auch viele Fälle gibt, wo bedingt

durch pathologisch-substanzielle Abweichungen im

Gehirn, erhebliche Wahrnehmungsstörungen des eige-

durchblick 3/2011 85


nen ICH in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen

auftreten. Da gibt es Menschen, die sich selbst amputieren,

weil das amputiere Glied nicht zu ihrem ICH gehört, Menschen,

die ihr ICH verloren haben und sich nur noch in der

dritten Person wahrnehmen, oder wahrhaft „philosophische

Zombies“ 1) , die fest davon überzeugt sind, sie seien bereits

tot. Eine der häufigsten und uns bekanntesten Veränderungen

in der Persönlichkeitsstruktur tritt mit der Alzheimererkrankung

auf, eine Form von Demenz. Jeder von uns

kennt die Folgen dieser schrecklichen und schicksalhaften

Erkrankung, bei der die Pflege und Betreuung der Betroffenen

für die Angehörigen die Grenze ihrer Belastbarkeit oft

übersteigt. Zu sehen und zu erleben, wie sich die Persönlichkeit

(das ICH) eines geliebten Menschen langsam Tag

für Tag verändert und schwindet, verlangt den Angehörigen

alles ab an Zuneigung und Liebe. Eugen Drewermann hat

dies sehr schön zum Ausdruck gebracht, wenn er schreibt:

„Es ist erschütternd

für

alle Beteiligten,

den unaufhaltsamen

Verfall einer

geliebten, einst

geistig hochstehenden

Persönlichkeit im Verlauf der Alzheimererkrankung

miterleben zu müssen, so als seien von einem ehemals

prachtvollen Schloss nur noch Ruinen übriggeblieben, deren

Gemäuer von Besuch zu Besuch immer deutlicher seine

Auflösung zeigt. Und erneut stellt sich die Frage, was unser

Menschsein ausmacht, wenn bestimmte genetische und

physiologische Ursachen all das zerstören können, was wir

gemeinhin als Persönlichkeit, Geist oder Seele bezeichnen

– wenn Augenblicke entstehen, in denen der andere gar

nicht mehr als selbst (= ICH, d. V.) anwesend ist, sondern

nur mehr unsere eigene Erinnerung aus den verbliebenen

„Mauerresten“ die Schönheit und Größe des einstigen

„Gebäudes“ rekonstruieren lässt ... dass man einen Menschen,

der an der Alzheimererkrankung leidet, in der erinnernden

Vorstellung, im Traum, sich gewissermaßen immer

wieder neu erschaffen muss, um mit ihm verbunden zu

bleiben.“ 5)

Essay

„Kein ICH,

keine Probleme“

Ich hoffe, dass mit diesen wenigen Ausführungen deutlich

wurde, wie zerbrechlich unser ICH ist und wie vielseitig

ICH-Erkrankungen bis hin zu einer ICH-Zerstörung

sein können. Als Beispiel sei nur das weite Krankheitsbild

der Schizophrenie genannt und, nicht zu vergessen,

die ganze Problematik einer Drogenabhängigkeit, die

die Strukturen des Gehirns und damit des ICH nachhaltig

verändern. Wenn man die unzähligen menschlichen

Schicksale dahinter sieht und das damit verbundene Leid,

so möchte man einer Kernaussage des Buddhismus zustimmen,

die da lautet:

„Kein ICH, keine Probleme“

Eine Zwischenbetrachtung zum Schluss

Im ersten Absatz habe ich Sie ermuntert, mich bei der

gedanklichen Suche nach der geheimnisvollen Existenz unseres

ICH zu begleiten. Wir konnten (zusammen mit dem

Dalai Lama) feststellen, dass es schwierig ist, unser ICH in

uns überhaupt zu orten und das es „in der Welt der Hirnforschung

kein ICH gibt, das man irgendwo auf einer Karte

des Gehirns einzeichnen könnte.“ 6) Damit kann die Hirnforschung

aber nicht den Beweis antreten, dass es kein ICH

gibt, „sondern dass unser gefühltes ICH ein unglaublich

komplizierter Vorgang im Gehirn ist, so faszinierend, dass

wir nach wie vor allen Grund haben, darüber zu staunen.“ 6)

Wir haben aber auch gesehen, dass dieses, von unserer

Hochleistungszentrale Gehirn entwickelte ICH-Gefühl in

seiner substanziellen und geistigen Struktur sehr anfällig

und zerbrechlich ist, wie es die genannten Beispiele

aus der Praxis belegen. Und, so möchte ich

zum Schluss fragen: Haben wir etwas gefunden,

dass uns dem Geheimnis ICH ein klein wenig

näher bringt? Ich denke NEIN, denn ich habe

mit meinen Gedanken nur ein klein wenig an der

Oberfläche des ICH gekratzt. Was ich damit meine

ist, dass ich dem ICH, von den Praxisbeispielen

einer ICH-Erkrankung vielleicht einmal abgesehen, sozusagen

noch gar kein Leben eingehaucht habe. Denn was

ist denn das ICH? Was verbirgt sich hinter diesem ICH?

Doch ein Mensch, ausgestattet mit einem Selbstbewusstsein,

ein Individuum mit seinen Fähigkeiten und Neigungen,

eine Persönlichkeit mit einer eigenen Biografie und

ihren gegensätzlichen Empfindungen von Liebe und Hass,

Freude und Leid. Nach dem ICH zu fragen ist immer auch

die Frage nach dem „Menschsein“. Was bedeutet es in dieser

rastlosen, von Angst getriebenen und voller Leid und

Elend durchzogenen Welt, ein Mensch zu sein? Ein Mensch

mit all seinen Wünschen und Hoffnungen, seinen Sorgen

und Ängsten, seiner Verzweiflung und Not, in schweren

Zeiten einen festen Halt zu finden, auf der Suche nach einem

Fixstern, dem er im Bewusstsein seiner Endlichkeit

folgen kann? Viele grundsätzliche Lebensfragen, die auf

eine Antwort warten, wenn es denn auf sie eine gibt. Aber

dazu mehr, so Gott will, in einer der nächsten durchblick-

Ausgaben. Bis dahin wünsche ich Ihnen ein rundum „gutes

ICH-Gefühl.“

Eberhard Freundt

1)

Werner Siefer / Christian Weber: ICH wie wir uns selbst erfinden Campus-

Verlag. 2) Dalai Lama: Das Leben tiefer verstehen – Erkenne dich selbst und lebe

gelassener – Herder-Verlag. 3) inhärent = innewohnend, eigen, eingewurzelt, aus

sich selbst heraus. 4) Karma = [Sanskrit »Tat«] das (Karman), zentraler Begriff des

Hinduismus, Buddhismus und Dschainismus; bezeichnet das universelle Gesetz,

nach dem jedes Dasein kausale Folge eines früheren Daseins ist; der Mensch bestimmt

durch seine Handlungen, in welcher Daseinsform (z.B. Pflanze, Tier) oder

Kaste er wiedergeboren wird. Kreislauf und Erlösung: indische Philosophie und

Religion. (c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001. 5) Eugen

Drewermann: „Atem des Lebens“ Band 1: das Gehirn, Patmos-Verlag. 6) Richard

David Brecht, „Wer bin ich und wenn ja wie viele?“ Goldmannverlag

86 durchblick 3/2011


Essay

durchblick 3/2011 87


Veranstaltungen im Seniorenzentrum der Stadt Siegen

Seniorenhilfe Siegen e.V.

Telefon 02 71/ 6 61 03 35

durchblick e.V.

02 71/6 16 47 + 01 71/6 20 64 13

AlterAktiv e.V. Siegen-Wittgenstein

Senecafé 02 71/ 2 50 32 39

SeniorenServiceStelle 0271 / 3 84 61 08

montags

10:00 -12:00 Sprechstunde der

Seniorenhilfe

09:00 -12:00 SeniorenServiceStelle

geöffnet 0271 / 3846108

10:00 -12:00 Werkstatt geöffnet

14:00 -18:00 ALTERAktiv

Senecafé

dienstags

10:00 -12:00 Sprechstunde der

Seniorenhilfe

10:00 -12:00 Redaktionsbüro des

durchblick geöffnet

10:00 -12:00 Malgruppe

18:00 -20:00 durchblick-Photo-Shop-

Club (für Fortgeschrittene)

Haus Herbstzeitlos

57074 Siegen, Marienborner Str. 151

Café „Unter der Linde“ 02 71 / 5 64 10

Englischkurse 02 71 / 8 74 39

oder 02 71 / 2 50 15 00

Film- und Video-Club 027 32/1 24 60

mittwochs

10:00 -12:00 Redaktionsbüro des

durchblick geöffnet

09:00 -12:00 SeniorenServiceStelle

geöffnet 0271 / 3846108

09:00 -12:00 ALTERAktiv

Senecafé

15:00 -17:00 Singen mit der

Seniorenhilfe

15:00 -17:00 Handarbeiten mit der

Seniorenhilfe

15:00 -17:00 Werkstatt geöffnet

14:00 -18:00 ALTERAktiv

Senecafé

19:00 -21:00 Regenbogentreff

19:30 -22:30 Film und Videoclub

Gedächtnistraining071 / 8 49 99

Lesepaten 02739 / 22.90

Malgruppe 0271 / 3 73 87

Selbstverteidigung 0160 / 30 18 67

SeniorenTheaterSiegen0271 / 5 65 28

Trauercafé 0271/ 5 34 46

Wahlverwandte0271 / 2 38 01 08

Werkstatt 02 71 / 6 27 76

donnerstags

09:30 - 10:30 Selbstverteidigung

10:00 - 12:00 Sprechstunde der

Seniorenhilfe

10:00 - 12:00 Redaktionsbüro des

durchblick geöffnet

12:30 - 14:00 Mittagstisch für Ältere,

Vortagsanmeld. bis 12 Uhr

0271- 404-2200

15.30 -16:45 „Easy Conversation“

Englischstunde

freitags

10:00 - 12:00 Sprechstunde der

Seniorenhilfe

samstags

09:00 - 12:00 Wandergruppe

der Seniorenhilfe

Wegen möglicher Änderungen einzelner Termine (Ferien, Krankheit usw.) empfiehlt sich die telefonische Anfrage.

ALTERAktiv-Computerkurse

und Englischkurse

auf telefonische Anfrage

Das Haus Herbstzeitlos befindet sich auf dem Gelände der alten „Hainer Schule“, Ecke Marienborner Straße / Blumenstraße

Anfahrt: Ab Hauptbahnhof, ZOB Bussteig B 1-2: Linien R 12, R 13, R 17, L 109 (Bushaltest, Blumenstraße). Parkplatz: Kostenlos am Haus

„Wandern und Schauen, Hobby mit Tempo 3“

Kneppe/Gottschalk (79516/79154)

14.00 Uhr ab Weidenau Finanzamt

18.00 Uhr Rückkehr

- 13.09 Hitzendumicke

- 27.09 Dauersberg *

- 11.10 Lahnhof, Rundweg

- 25.10 Hilchenbach, Vorspanneiche

- 08.11 Nenkersdorf-Grissenb.-Deuz

- 22.11 Abschlusswanderung*

Fugler (Tel. 870315/870305)

14.00 Uhr ab Geisweid, Klaf. Markt

18.00 Uhr Rückkehr

- 13.09 Saalhausen

- 27.09 Berleburg Laibach

- 11.10 Attendorn Roscheid

- 25.10 Wilnsdorf Rudersdorf

- 08.11 Stünzel

- 22.11 Ausklang-Obersetzen

Fritz/Hartzer (Tel. 42616/75801)

13.45 Uhr ab Wdn., Humboldt-Pl.

14.00 Uhr ab Weidenau, A.d. Hütten

18.00 Uhr Rückkehr

- 06.09 Ginsberger Heide

- 20.09 Saalhausen

- 04.10 Böminghausen

- 18.10 In der Zinse

- 01.11 Gut Vorwald

- 15.11 Dörnschlade

- 29.11 Helgersdorf

Hövelmann/Flender (75980/82733)

14.00 Uhr Abfahrt Weidenau, Bhf.

14.15 Uhr Abf. Marktpl. Geisweid

18.00 Uhr Rückkehr

- 06.09 Lahnhof

- 20.09 Dermbach

- 04.10 Rehringhausen

- 18.10 Helgersdorf

- 01.11 Hilchenbach

- 15.11 Wilgersdorf

- 29.11 Abschluss Dillnhütten *

*

Anmeldung erforderlich

88 durchblick 3/2011


Veranstaltungshinweise

Backestage

im Siegerland

September 2011

Sa. 03./ 13-17 Uhr, Sgn.-Bürbach

03./ 15-22 Uhr, Netph.- Nenkersdorf

03./ 14-16 Uhr, Netph.-Salchendorf

03./ ab 13 Uhr, Netph.- Helgersdorf

So. 04./ 11-16 Uhr, Hof Ginsberg

Mi. 07./ 16-19 Uhr, Fbg.-Hohenhain

Do. 08./ 11-13 Uhr, Burb.-Nd.dresselndf.

08./ 10-19 Uhr, Burb.-Holzhausen

Fr. 09./ 10-19 Uhr, Burb.-Holzhausen

Sa. 10./ 09-11 Uhr, Burb.-Wahlbach

Fr. 16./ ab 07 Uhr, Fbg.- Heisberg

Sa. 17./ ab 07 Uhr, Fbg.- Heisberg

So. 18./ 10-13 Uhr, Fbg.-Alchen

Mi.

Sa.

Fr.

21./ 16-19 Uhr, Fbg.-Hohenhain

24./ ab 11 Uhr, Fbg.-Oberheuslingen

24./ 09-15 Uhr, Sgn.-Setzen

24./ 06-12 Uhr, Burb.-Alte Vogtei

24./ 13-16 Uhr, Sgn.-Birlenbach

30./ ab 15 Uhr, Fbg.- Niederndorf

Oktober 2011

Sa. 01./ 11-17 Uhr, Neunk.- Struthütten

01./ 13-14 Uhr, Burb.- Lützeln

01./ 14-16 Uhr, Netph.- Salchendorf

So. 02./ 11-18 Uhr, Fbg.- Oberheuslingen

02./ 13-14 Uhr, Burb.- Lützeln

Mi. 05./ 16-19 Uhr, Fbg.- Hohenhain

Di 11./ 11-13 Uhr, Burb.- Nd.dresselndf.

Sa. 15./ ab 11 Uhr, Fbg.- Oberholzklau

Mi. 19./ 16-19 Uhr, Fbg.- Hohenhain

Do. 27./ 10-19 Uhr, Burb.- Holzhausen

Fr. 28./ 10-19 Uhr, Burb.- Holzhausen

28./ 11-15 Uhr, Fbg.- Oberheuslingen

Sa. 29./ 11-15 Uhr, Fbg.- Oberheuslingen

29./ 09-15 Uhr, Sgn.- Setzen

29./ 06-12 Uhr, Burb.- Alte Vogtei

November 2011

Mi. 02./ 16-19 Uhr, Fbg.- Hohenhain

Fr. 04./ ab 15 Uhr, Fbg.- Niederndorf

Sa. 05./ 14-16 Uhr, Netph.- Salchendorf

05./ ab 13 Uhr, Netph.- Helgersdorf

Mi. 16./ 16-19 Uhr, Fbg.- Hohenhain

Fr. 18./ 11-13 Uhr, Burb.- Nd.dresselndf.

Mo. 21./ 10-15 Uhr, Burb.- Holzhausen

Di. 22./ 10-19 Uhr, Burb.- Holzhausen

Do. 24./ 10-19 Uhr, Burb.- Holzhausen

Fr. 25./ 10-19 Uhr, Burb.- Holzhausen

Sa. 26./ ab 11 Uhr, Fbg.- Oberholzklau

26./ 09-15 Uhr, Sgn.- Setzen

Mi. 30./ 16-19 Uhr, Fbg.- Hohenhain

Dezember 2011

Fr. 02./ ab-07 Uhr, Fbg. Heisberg (bis 4.12.)

Sa. 03./ 13-17 Uhr, Sgn. Bürbach

durchblick 3/2011 89


Veranstaltungshinweise

September 2011

3. Samstag

15:00 Kunstsommer 2011, Dago Koblenzer:

Spaltungen, Lagerraumausstellung,

Siegen, Siegstraße hinter Nr.: 96

20:45 Siegener Open air Kino: Eat,

Ptay, Love, Schlossplatz Unteres

Schloss Siegen

4. Sonntag

15:00 Trauercafé - Café Regenbogen

Haus Ernsdorf, Ernsdorfer Str. 3 Kreuztal

16:00 Sonntagnachmittag um 4 im

Schlossgarten Siegen, mit dem Siegener

Blasorchester

5. Montag

10:00 Kartoffelfest und 25 Jahre Wanderheim,

Netphen

15:00 DRK-Altenclubtreffen in Niederschelden,

Bürgerhaus, Auf der Burg

16:00 „Ohne Altersbeschränkung“ Die

Eleganz der Madame Michel, Viktoria

Filmtheater, Hilchenbach-Dahlbruch

6. Dienstag

10:00 Kreativ-Gruppe Deutscher Hausfrauenbund,

Haus Herbstzeitlos Siegen

14:30 Alter Aktiv: Lesepaten, Haus

Herbstzeitlos, Siegen

7. Mittwoch

14:00 KSG-Offenes-Café, Siegen-

Geisweid, Fichtenweg 5, Im Wenscht

19:30 Gesprächskreis für pflegende

Angehörige, Diakoniestation

Kreuztal, Anm. vormittags

02732-582470

20:00 Kabarett: Von und mit Dieter

Nuhr, Kulturhaus Lÿz Siegen

8. Donnerstag

10:00 Messe: bauen & wohnen

Siegerlandhalle Siegen bis 11.09.

9. Freitag

17:00 VHS-Vortrag von Dr.

Harald Groß: Edelkrebse in

NRW, Alte Schule Burbach-

Holzhausen

19:00 Ausstellung von Anja

Manderbach und Steffen Meier:

Querfeldein Städtische Galerie

Haus Seel, Siegen

10. Samstag

11.00 Kartoffelbratfest in Freudenberg-

Oberholzklau

14:00 VHS-Wanderung: Märchen und

Sagenweg Bad-Laasphe, ab P. des ehemaligen

Minigolfpl., Sebastian-Kneipp-Str.

19:00 Stummfilm: Charly Chaplin, Moderne

Zeiten, Technikmus. Freudenberg

11. Sonntag

11.00 Kartoffelbratfest, in Wilnsdorf-

Anzhausen.

16:00 Sonntagnachmittag um 4 im

Schlossgarten Siegen, mit den „Herdorfer

Dixieland-Friends“

Mit The Yellow From Egg präsentiert das

Popacappellacomedy-Trio „Ganz schön Feist“

die erfolgreichsten Songs der Bandkarriere

30. 9. ab 20 Uhr im Kulturhaus Lyz, Siegen

Veranstalterfoto

12. Montag

10:00 Frühstückstreff, AWO Begegnungsstätte

Rosterstr. 186

10:00 Trauercafé, Hospizhilfe Siegen

e.V. Haus Herbstzeitlos Siegen

14:30 Senioren-Veranstaltung „Offenes

Singen“ Stadt Siegen, Bismarckhalle

16:00 KSG-Café: Lesepatin, Siegen-

Geisweid, Fichtenweg 5, Im Wenscht

14. Mittwoch

14:30 KSG-Café: Kochstudio International,

Siegen-Geisweid, Fichtenweg 5

18. Berleburger Literaturpflaster 2011 • ISLAND

• 11. 9 – 28. 10.

So. 11. 9. 2011 ab 14 Uhr

Der Tag des Islandpferdes – Reitplatz

im oberen Schlosspark,

Mo. 12. 9. zu den Öffnungszeiten

Bilder mit Geräusch v.Claus Sterneck.

Ausstellung: Landhaus Wittgenstein,

Lösserweg 24, Stadtbücherei,

Poststraße 42, Buchhandlung MankelMuth,

Poststraße 19. bis 21.10.

Di. 13. 9 2011 ab 18 Uhr

„Isländische Märchen“ von Katja

Heinzelmann Stadtbücherei, Poststr.

Mi. 14. 9. 2011 18 Uhr

Fotografisches Reisetagebuch -

Island, Ausstellung von Christine

Apler und Johanna Riedesel. Einführung:

Jutta Plaschke, Sparkasse

Wittgenstein, Poststr. bis 25.11.

Mo, 19. 9. 2011 ab 20 Uhr

Kriminacht Island

Amtsgericht, Im Herrengarten 5

Di. 20. 9. 2011 ab 20 Uhr

„Am liebsten fliege ich nachts“

Einführung in die isländische Literatur

von Halldór Guðmundsson,

Kur-Apotheke, Poststraße 15

Mi. 28. 9. 2011 ab 20 Uhr

Lesung: „Der gute Liebhaber“

Moderat.: Bettina Born, Cafeteria der

Odeborn Klinik, Am Schlosspark 11

Do. 29. 9 2011 ab 19 Uhr

Vernissage der Fotoausstellung: Michael

Agel „Island – abseits der

Wege“, Museum der Stadt Bad Berleburg,

Goetheplatz 3, bis 28. 10.

Sa. 1. 10 2011 ab 19.30 Uhr

Schlosskonzert:„Essence of North

– Island“ Gerður Gunnarsdóttir und

Claudio Puntin, Schloss Berleburg

Mo./Di. 3./4. 10. 2011 ab 20 Uhr

Mulitvisionsshow von Peter Fabel:

Island – Feuerinsel am Polarkreis

Aula des Johannes-

Althusius-Gymnasiums,

Im Herrengarten

Do. 6. 10. ab 20 Uhr

Lesung: Hallgrímur

Helgason „Eine

Frau bei 1000°“,

Moderation: Rikarde

Riedesel, Backstube

Café Wahl,

Poststraße 16

Fr. 7. 10. 2011 17 und 20 Uhr

101 Reykjavik Film von Hallgrímur

Helgason, Capitol Kino

Mo. 10. 10 2011 ab 20 Uhr

Lesung: Yrsa Sigurðardóttir „Geisterfjord“

Moderation: Rikarde

Riedesel, Schloss-Schänke,

Di. 11. 10 2011 ab 20 Uhr

Lesung: Kristof Magnusson

„Gebrauchsanweisung für

Island“ Sanitätshaus Kienzle,

Sählingstr.16

90 durchblick 3/2011

Veranstalterfoto


Veranstaltungshinweise

September 2011

15. Donnerstag

15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,

Haus Herbstzeitlos Siegen

15:15 KSG-Café: Seniorentreffen mit

Programm, Siegen-Geisweid, Fichtenweg

5, Im Wenscht

17. Samstag

10-17 Uhr Tag der geistigen Fitness

Bundesverband für Gedächtnistraining,

VHS, Krönchencenter, Siegen

12:00 3. Oldtimer-Motorradtreffen,

Technikmuseum Freudenberg, bis 18.

12:30 Brot-& Kartoffelfest, in Netphen-Beienbach

14:00 VHS-Wanderung: Der große

Ahlertsberg und seine Umgebung, ab

Ev. Kirche, Bad Laasphe-Banfe

20:00 Kabarett mit Rüdiger Hoffmann:

„Obwohl...!“ Stadthalle Kreuztal

14:00 Mittelaltermarkt, Bad Berleburg-Berghausen-Grünewald

bis 18.9.

20:00 50er Jahre Musical-Revue:

„Schwarz-Rot-Petticoat“, Heimhof-

Theater, Burbach-Würgendorf

18. Sonntag

10.00 Kartoffelbratfest in Netphen-

Afholderbach

10:00 Bach-Chor Siegen: Kantaten-

Gottesdienst, Martinikirche Siegen

14:30 „Café unter der Linde“, Haus

Herbstzeitlos, Siegen

19. Montag

14:00 KSG - Café: Malen/Basteln für

Erwachsene, Siegen-Geisweid, Fichtenweg

5, Im Wenscht

14:30 Gedächtnistraining, Haus

Herbstzeitlos, Siegen

20. Dienstag

19:30 Treffen Wohnprojekt: Wahlverwandte,

Haus Herbstzeitlos Siegen

22.Donnerstag

15:00 Trauercafé der Hospizhilfe Siegen

e.V., Haus Herbstzeitlos, Siegen

20:00 Kabarett: Andrea Bongers &

Katie Freudenschuss: Schuh Mädchen

Report, Weiße Villa, Dreslers Park

23. Freitag

20:00 Comedyabend mit Bademeister

Schaluppke, Heimhof-Theater Burbach-Würgendorf

24.Samstag

14:00 VHS-Wanderung: Das Osterholz

und seine Windkraftanlagen, ab:

Kirche, Bad Berleburg-Sassenhausen

25. Sonntag

11:00 37. Mineralienbörse, Siegerlandhalle

Siegen, Koblenzer Straße

19:00 Theatergastspiel: Iphigenie auf

Tauris, Bad Blb.-Bürgerhaus am Markt

26. Montag

14:30 Kaffeekränzchen, AWO Begegnungsstätte

Rosterstraße 186, Siegen

14:30 Gedächtnistreaining, Haus

Herbstzeitlos Siegen, Marienborner Str.

19:00 Selbsthilfegruppe Asthma, Haus

Herbstzeitlos, Siegen

Veranstalterfoto

Suyoen Kim, Violine, Solisten des Gebr.-

Busch-Konzerts am 29. Sept.

27. Dienstag

20:00 Kammermusik: Leipziger

Streichquartett und Saxophon, Hi.-

Dahlbruch, Geb.-Busch-Theater

29. Donnerstag

20:00 Sinfoniekonzert mit der Philharmonie

Südwestfalen, Dirigat: Christian

Kluxen, Gebrüder-Busch-Theater, Hilchenbach-Dahlbruch,

30. Freitag

20:00 Konzert mit der PhilSW: British

Proms, Dirigat: Russell N. Harris,

Apollo-Theater, Siegen

20:00 Musikcomedy: The Yellow From

Egg, mit der Gruppe „Ganz schön Feist“

Kulturhaus Lyz, St.-Johann-Str. Siegen

20:00 Hans-Albers-Revue mit Buffet:

Blonder Hans, leb wohl!, Spiegelzelt,

Erndtebrück

Oktober 2011

1. Samstag

20:00 Konzert: Pee Wee Ellis Assembly,

Jazzclub Oase Kulturhaus Lyz,

Siegen

2. Sonntag

15:00 Trauercafé ,,Café Regenbogen“

Haus Ernsdorf, Ernsdorfer Str. 3 Kreuztal

21:00 18. Siegener Orgelnacht, Martinikirche,

Siegen

3. Montag

11.00 Kartoffelfest, in Freudenberg-

Oberfischbach

15:00 DRK-Altenclubtreffen in Niederschelden,

Bürgerhaus, Auf der Burg

4. Dienstag

10:00 Kreativ-Gruppe Deutscher Hausfrauenbund,

Haus Herbstzeitlos, Siegen

14:30 Alter Aktiv: Lesepaten, Haus

Herbstzeitlos, Siegen

5. Mittwoch

14:00 KSG-Offenes-Café, Siegen-Geisweid,

Fichtenweg 5, Im Wenscht

19:30 Gesprächskreis für pflegende Angehörige,

Diakoniestation Kreuztal, Anm.

vormittags 02732-582470

6. Donnerstag

15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,

Haus Herbstzeitlos Siegen

7. Freitag

20:00 KreuztalKultur, Hennes Bender:

ERREGT! Stadthalle Kreuztal

20:00 Musik/Buchvorstellung Für 'ne

Moment mit Wolfgang Niedecken (BAB)

Kulturhaus Lyz, Siegen

8. Samstag

10:00 Messe: 7. Kreative Hobbywelt, Siegerlandhalle

Siegen, bis 9.10.

11:00 Kartoffelfest, in Hilchenbach-Ruckersfeld,

auch am 9.10.

14:00 VHS-Wanderung: Sagenhaftes... ab

P. Skihang Gr. Bonstein, Hessselbach

19:30 Tanzshow: Orientalische Nacht,

Festhalle Wilnsdorf, Rathausstraße

9. Sonntag

17:00 KreuztalKultur: Opern- und Operettengala,

Stadthalle Kreuztal

durchblick 3/2011 91


Veranstaltungshinweise

Oktober 2011

10. Montag

10:00 Trauercafé der Hospizhilfe Siegen

e.V., Haus Herbstzeitlos, Siegen

10:00 Frühstückstreff, AWO Begegnungsstätte,

Rosterstr. 186, Siegen

14:30 Seniorenveranstaltung der Stadt

Siegen: Goldener Herbst Bismarckhalle

16:00 KSG-Café: Lesepatin, Siegen-

Geisweid, Fichtenweg 5, Im Wenscht

11. Dienstag

19:30 Treffen: Wohnprojekt Wahlverwandte,

Haus Herbstzeitlos, Siegen

19:30 Lesung mit Jan Weiler: Mein Leben

als Mensch, Kreuztal, Weiße Villa,

Dreslers Park

19:00 VHS-Vortrag: Rund um das Handy,

KrönchenCenter, Markt 25, Siegen

12. Mittwoch

14:30 KSG-Café: Kochstudio International,

Siegen-Geisweid, Fichtenweg 5

13. Donnerstag

20:00 Konzert mit David Knopfer &

Harry Bogdanovs: Live And Acoustic,

Kreuztal, Weiße Villa, Dreslers Park

20:00 Kabarettabend mit Sebastian

Schnoy: Hauptsache Europa, Hilchenbach-Dahlbruch,

Gebr.-Busch-Theater

14. Freitag

20:00 Comedie mit Sissi Perlinger Gönn'

Dir 'ne Auszeit, Kulturhaus Lyz, Sgn.

15. Samstag

18:30 Worldmusic Konzert: mit Patrick

Bebey (Kamerun) KrönchenCenter, Sgn.

19:00 Rocknacht mit den Gruppen

Pink-Pulse und Pieps & Friends,

(Reinhard Conrads, Steve Tipping und

Band), Spiegelzelt Erndtebrück

16. Sonntag

14:30 „Café unter der Linde“ Haus

Herbstzeitlos, Siegen

17. Montag

14:00 KSG-Café: Malen/Basteln für

Erwachsene, Si.-Geisweid, Fichtenw.5

14:30 Gedächtnistraining, Haus

Herbstzeitlos, Siegen

19:00 VHS-Vortrag: Patientenverfügung,

Neunkirchen, Otto Reiffenrath-

Haus, Bahnhofstr. 1

18. Dienstag

20:00 Konzert mit Reinhard Mey, Siegerlandhalle,

Siegen

19:30 Treffen: Wohnprojekt Wahlverwandte,

Haus Herbstzeitlos, Siegen

19.Mittwoch

19:30 VHS-Vortrag: Kriminalfälle in

Wittgenstein im Spiegel der Jahrhunderte,

Bad Laasphe, Haus des Gastes

20. Donnerstag

15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,

Haus Herbstzeitlos, Siegen

15:15 KSG-Café: Seniroentreffen mit

Programm, Siegen-Geisweid, Fichtenweg

5, Im Wenscht

20:00 Konzert mit Al Di Meola & Peo

Alfonsi: Acoustic Guitars, Stadthalle

Kreuztal

PINK PULSE ist eine der wenigen deutschen Pink-Floyd-Tribute-Bands.

Eine kleine Sensation im Erndtebrücker Spiegelzelt, am 15 Oktober ab 19 Uhr

20:00 Schauspiel von Bertolt Brecht:

Die heilige Johanna der Schlachthöfe,

Hi.-Dahlbruch, Gebr.-Busch-Theater

21. Freitag

20:00 Kabarett mit Bruno Jonas: „...es

geht weiter!“ Stadthalle Kreuztal

22. Samstag

20:00 Orientalische Tanzgala: Ali Baba

im Wunderland, Siegerlandhalle, Siegen

14:00 Film- und Video-Club

Siegerland Landesfilmfestival

in Siegen-Geisweid, Hotel Haus

Patmos, auch Sonntag 10 Uhr

24. Montag

14:30 Gedächtnistraining, Haus

Herbstzeitlos, Siegen

14:30 Kaffeekränzchen, AWO Begegnungsstätte

Siegen, Rosterstr. 186

19:00 Selbsthilfegruppe Asthma ,Haus

Herbstzeitlos, Siegen

16:00 Kino ohne Altersbeschränkung:

OBEN, Viktoria Filmtheater, Hilchenbach-Dahlbruch

27. Donnerstag

15:00 Trauercafé der Hospizhilfe Siegen

e.V., Haus Herbstzeitlos, Siegen

29. Samstag

18:00 2. Nacht der alten Technik, Technikmuseum

Freudenberg

31. Montag

14:30 Gedächtnistraining, Haus

Herbstzeitlos, Siegen

92 durchblick 3/2011

Veranstalterfoto

Veranstalterfoto

Sissi Perlinger mit Ihrem Programm

Gönn´ Dir ´ne Auszeit!, am 14.10. ab 20

Uhr im Kulturhaus Lyz, Siegen


Veranstaltungshinweise

November 2011

1. Dienstag

10:00 Kreativ-Gruppe Deutscher

Hausfrauenbund, Haus Herbstzeitlos,

Marienborner Straße 151 Siegen-Hain

2. Mittwoch

14:00 KSG-Offenes-Café, Siegen-

Geisweid, Fichtenweg 5, Im Wenscht

3. Donnerstag

15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,

Haus Herbstzeitlos, Siegen

19:00 Ausstellung: Wer macht mit…?,

LWL Westfälisches Museumsamt, Museum

Bad Berleburg

5. Samstag

20:00 Lesung mit Jürgen von der Lippe:

Best of Eigenes, Kulturhaus Lÿz

Siegen, auch am 6.11.

6. Sonntag

15:00 Trauercafé ,,Café Regenbogen“

Haus Ernsdorf, Ernsdorferstr.3, Kreuztal

16:00 Herbstkonzert zum 85-jährigen

Jubiläum des Siegener Blasorchesters,

Siegerlandhalle, Siegen

17:00 Konzert: Intermezzo & ProVocale:

Das etwas andere Konzert, Turnund

Festhalle Kreuztal-Buschhütten

7. Montag

9:30 Gedächtnistraining, Haus Herbstzeitlos,

Siegen, Marienborner Str.

15:00 DRK-Altenclubtreffen in Niederschelden,

Bürgerhaus, Auf der Burg

8. Dienstag

14:30 Alter Aktiv: Lesepaten, Haus

Herbstzeitlos, Siegen

9. Mittwoch

14:30 KSG-Café: Kochstudio International“,

Siegen-Geisweid, Fichtenweg

5, Im Wenscht

10. Donnerstag

20:00 Sinfoniekonzert mit der Philharmonie

Südwestfalen, Gebrüder-Busch-

Theater Hilchenbach

11. Freitag

20:00 Konzert mit Reinhard Repkes:

Club der Toten Dichter: Eines Wunders

Melodie, Stadthalle Kreuztal

13. Sonntag

17:00 Herbstkonzert des Blasorchesters

Stadt Kreuztal e.V.: Filmmusik,

Stadthalle Kreuztal

14. Montag

10:00 Trauercafé der Hospizhilfe Siegen

e.V. Haus Herbstzeitlos, Siegen

10:00 Frühstückstreff, AWO Begegnungsstätte,

Rosterstr. 186, Siegen

15:00 VHS/Seniorenberatungsstelle-

Lesung mit Kaffee und Kuchen: Sieben

Minuten nach Mitternacht, Bad Laasphe

Haus des Gastes

16:00 KSG-Café: Lesepatin, Siegen-

Geisweid, Fichtenweg 5, Im Wenscht

15. Dienstag

19:00 VHS/SeniorenServiceStelle-

Vortrag von RA. u. Notar Michael

Kringe: Schenken mit „warmer Hand“,

Kreuztal, Weiße Villa, Dreslers Park

19:30 Treffen: Wohnprojekt Wahlverwandte,

Haus Herbstzeitlos, Siegen

20:00 Kammermusik: Quantett Johannes

Kobelt, Hilchenbach-Dahlbruch,

Gebrüder-Busch-Theater

17. Donnerstag

15:15 KSG-Café: Seniroentreffen mit

Programm, Siegen-Geisweid, Fichtenweg

5, Im Wenscht

15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,

Haus Herbstzeitlos Siegen

18. Freitag

20:00 KreuztalKultur: The Irish Folk

Festival 2011, Stadthalle Kreuztal

19. Samstag

20:00 Kabarett mit Horst Schroth: Was

weg ist, ist weg, Stadthalle Kreuztal

Horst Schroth,

Samstag

19. 11. ab

20 Uhr in der

Stadthalle

Kreuztal

Veranstalterfoto

20:00 VHS-Lesung mit Walter Renneisen:

Das Grauen überleben, Burbach-

Holzhausen, Ev. Gemeindehaus

20. Sonntag

14:30 „Café unter der Linde“, Haus

Herbstzeitlos, Siegen

21. Montag

14:30 Gedächtnistraining, Haus Herbstzeitlos,

Siegen, Marienborner Str.

19:00 Selbsthilfegruppe Asthma, Haus

Herbstzeitlos, Siegen

14:00 KSG-Café: Malen/Basteln für Erwachsene,

Si.-Geisweid, Fichtenweg 5

23. Mittwoch

19:30 Theatergastspiel: Buddenbrooks,

Bad Berleburg, Bürgerhaus am Markt

19:30 Vortrag mit Thomas Huber: Im

Vakuum der Zeit, Stadthalle Kreuztal

24. Donnerstag

15:00 Trauercafé der Hospizhilfe Siegen

e.V., Haus Herbstzeitlos, Siegen

20:00 Comedy mit Tom Gerhardt: Nackt

& In Farbe, Siegerlandhalle Siegen

20:00 Schauspiel: Iphigenie auf Tauris,

Hi.-Dahlbruch, Geb.-Busch-Theater

12. Samstag

20:00 Kabarett mit Ulan und Bator:

Wirrklichkeit, Kulturhaus Lyz, Siegen

Veranstalterfoto

„The Irish Folk Festival 2011”, Fr. 18. Nov. ab 20 Uhr in der Stadthalle Kreuztal

durchblick 3/2011 93


Veranstaltungshinweise

November 2011

26. Samstag

11:00 Weihnachtsmarkt, Bad Berleburg-Elsoff-Dorfplatz

bis 27.11.2011

11:00 Weihnachtsmarkt, Bad Berleburg-Diedenshausen

27. Sonntag 1. Advent

18:00 Konzert mit dem Bach Chor Siegen:

60 Jahre Martini-Orgel, Martinikirche,

Siegen

28. Montag

14:30 Gedächtnistraining, Haus Herbstzeitlos,

Siegen, Marienborner Str. 151

14:30 AWO-Seniorentreff: Kaffeekränzchen,

AWO-Begegnungsstätte

Rosterstr. 186, Siegen

19:00 Selbsthilfegruppe Asthma, Haus

Herbstzeitlos, Marienborner Straße 151

Siegen - Hain

29. Dienstag

19:00 VHS/SeniorenServiceStelle-Vortrag

mit RA. u. Notar Michael Kringe:

Schenken mit „warmer Hand“, Rathaus

Netphen

20:00 Konzert: Klavierabend mit Bernd

Glemser, Hilchenbach-Dahlbruch, Gebrüder-Busch-Theater

Vorschau

Dezember 2011

2. Freitag

20:00 Stepp-Show: Lord of the Dance,

Siegerlandhalle, Siegen

3. Samstag

11:00 Weihnachtsmarkt, Bad Berleburg-Arfeld-Arfetalstr.

9. Freitag

19:30 Weihnachtskonzert mit dem Vikalquintett

Berlin, Schloss Berleburg

14.Mittwoch

20:00 Schauspiel: Rain Man, Hilchenbach-Dahlbruch,

Gebr.-Busch-Theater


Unterhaltung

„Rittergeschichten“

von Jürgen Ritter

Jugend

forscht

Es war eine Elf-

Uhr-Messe kurz

nach dem Krieg,

immer öfter wurde noch

der Strom abgestellt

und wir Messdiener

Jürgen Ritter

wurden zum Blasebalgtreten

für die Orgel eingesetzt.

Wir lösten uns

ab, und bei einer dieser Pausen stand ich neben der Orgel,

um dem begabten Organisten zuzuschauen. Mich wunderte,

dass er mit dem Fuß auf die Pedale der Orgel trat

und das erweckte meine Neugier; folglich trat ich während

des Spiels auch mal auf eine Pedale, was natürlich außer

einem schrägen Ton auch eine Backpfeife des Organisten

nach sich zog.

Dass sich der Organist damit keinen Gefallen tat, merkte

er, als ich beim nächsten Blasebalgtreten so nach und

nach mit dem Treten aufhörte. Der Organist rang mit den

Händen und der Schweiß stand ihm auf der Stirn; dann

war nichts mehr zu hören.

Ich, 10 Jahre alt, besann mich eines Besseren und trat

wieder auf den Balg. Nach der Messe beschimpfte mich

der Organist und haute mir eine runter, so dass ich Nasenbluten

bekam. Das sah der Kaplan und gab mir sein

Taschentuch (welcher Junge hatte schon ein Taschentuch

und wenn, was für ein`s, dabei).

Die kontroverse Auseinandersetzung zwischen Organist

und Kaplan endete mit einer Entschuldigung und

wir wurden – fast – Freunde. •

db-Foto

Während eines Gottesdienstes (ich stand neben

meinem Vater) tauchte plötzlich dieser Buchhalter mit

dem Klingelbeutel auf. Das war meine Chance! Ich sagte

noch meinem Vater, dass jetzt etwas passieren würde und

schon schoss mein Knie von unten gegen den Klingelbeutel

aus Korb, und das eingesammelte Geld flog durch den

hinteren Teil der Kirche auf den Steinboden. Alle bückten

sich, um dem armen Buchhalter zu helfen, nur ich nicht.

Natürlich stellte mich mein Vater zur Rede und der sagte,

nachdem ich ihm die Vorgeschichte erzählt hatte: „Junge,

das hätte ich an Deiner Stelle auch so gemacht“. •

Wasserspiele

Mein Bruder Volker und ich hatten ziemlich viel

Unsinn im Kopf. Unter anderem, wir waren 11

und 9 Jahre alt, „stach uns wieder mal der Hafer“

und wir sahen aus dem Erkerfenster unseres Hauses,

wie die Menschen vor der Pfützengischt vorbeifahrender

Autos wegsprangen. Das beflügelte uns, noch einen

draufzusetzen, indem wir einen Eimer Wasser auf die

Menschen kippten; sie hatten ja über sich einen Schirm.

Dass dieser bei der Wucht des Wasseraufpralls zur Seite

„flog“, machte uns besonders viel Spaß. Dieser verging

uns, als uns Vater nach der Beschwerde einzelner zur Rede

stellte und eine gehörige Tracht Prügel verabreichte.

Schade, es war doch so lustig. •

Ausbeutung

Mein Freund Rolf-Dieter und ich wollten uns

während der Ferien ein paar Mark verdienen

und bekamen einen Job bei einem Bauunternehmen

für DM 1,00 pro Stunde. Nach drei Wochen gingen

wir erwartungsfroh zum Lohnbüro, doch der Buchhalter

beharrte nur auf einer Zahlung von 0,50 DM pro

Stunde, weil das so ausgemacht worden sei. Mein Freund

und ich rannten noch in Arbeitskleidung zum Arbeitsgericht

(ich kannte einen Richter) und der verhalf uns zu

den versprochenen Stundenlöhnen von DM 1,00.

durchblick 3/2011 95


Leserbriefe

db 2/2011 Suche nach (Alters) Weisheit

Die Lektüre Ihres Artikels „Auf der Suche nach der

(Alters-)Weisheit“ hat mir Freude bereitet, mich aber

auch nachdenklich gestimmt. Aus meiner Sicht kann ich

praktisch allem zustimmen, was sie schreiben. Allerdings

scheint mir ein Aspekt der Weisheit zu kurz zu kommen.

Für mich steht die Weisheit auf drei Säulen: der Intelligenz,

der Lebenserfahrung und der Güte. Letztere habe ich, ohne

auf Einzelheiten Ihrer Argumentation eingehen zu wollen,

fast ganz vermisst. Und dabei meine ich Güte nicht in Form

von unreflektierten altersmildem Verstehen und Verzeihen,

sondern von aktivem, freundlichen Auf- den-Anderen-Zugehen

und förderndem Helfen wollen Anerkennung von

Unterschieden und Grenzen. Ich wäre interessiert zu erfahren,

was Sie zu dieser Ergänzung der Weisheit meinen.

Dr. Frieder Kötz

Sie fragen „Besitzen Sie Altersweisheit?“ Ich sehe die Eule

auf den Brockhaus-Lexika. Mein erster Gedanke: Es scheint

nur die ‚Klugheit’ darin verborgen zu sein. Ich prüfte meine

23er Brockhaus-Ausgabe was fand ich? Einzeiler zu ‚Weise’:

Weise aus dem Morgenland. Weiter unter Weisheit, 1.)

Kurzfassung Platons Kardinal-Tugend zur Weisheit. 2.) umfangreiche

Darstellungen zum Alten Testament, einschließlich

Hinweise auf Salomo. Ich war in Delphi am ‚Apollo-Tempel’

‚Erkenne dich selbst’ In Athen fragte ich nach Sokrates Antwort:

‚Ich weiß, dass ich nichts weiß’. Seine Xantippe war

offensichtlich der gleichen Meinung. Ich ging weiter nach

Ephesus zur Celsus-Bücherei mit der ‚Weisheitsgöttin Sophia’

und dann fuhr ich noch nach Istanbul zur ‚Hagia Sophia’.

Offensichtlich ist die weibliche Seelenkomponente für diese

Frage rettete die Weisheit sie wieder.

Dazu nochmals „Sokrates (469-399aC) im Gespräch

mit Phaidros“: Einen Weisen zu nennen, mein Phaidros, das

scheint mir zu hoch zu sein und allein für einen Gott angemessen

zu sein. Aber „Freund der Weisheit“ oder Ähnliches

wäre entsprechender.

Nun aber zu den ‚Drei Weisen aus dem Morgenlande’ am

6.1.01aC auf dem Weg nach Bethlehem: Man glaubte an eine

Sternenführung bis zum ‚Stern von Bethlehem’. Kepler hatte

für 7aC den Doppelstern Jupiter/Saturn berechnet. Dieser

Termin passt nicht. Wer hat aber die Drei Weisen über eine

Reisezeit von 2–3 Monaten zum richtigen Ort geführt? – Sie

waren Schüler eines ganz Großen Weisen, dem Zarathustra.

Dieser wusste über die Ankunft und Zeitpunkt des Jesus

Christus von Bethlehem und war ‚Führer’ der drei Weisen.

Die Schülerzeit lag aber über 1000 Jahre zurück. Dazu ein

paar Extras. Goethe sagte: ‚Wer nicht von 3000 Jahren sich

weiß Rechenschaft zu geben, bleib im Dunkeln unerfahren,

mag von Tag zu Tage leben’. (Divan, Buch des Unmuts). Und

Lessing sagt dazu in ‚Erziehung des Menschengeschlechts’:

Warum sollte ich nicht so oft wiederkommen, als ich neue

Kenntnisse, neue Fähigkeiten zu erlangen geschickt bin? Und

was ich auf jetzt vergessen muss, habe ich denn das auf ewig

vergessen?..Ist nicht die ganze Ewigkeit mein? Also die drei

Weisen haben früher zur Zeit Zarathustras gelebt und haben

‚seinen’ Auftrag ausgeführt. Zarathustra betete Ahura Mazdao

auf der Sonne an. Vor der Sintflut gab es das Sonnenorakel, zu

dem auch Noah gehörte.

Thomas von Aquin (1224–1274): Meditation, das göttliche

Denken ist Handeln in Weisheit. Der letzte große Universalgelehrte

des ausklingenden Mittelalters, Nicolaus von Kues

(1401–1464), war Philosoph, Mathematiker, Astronom und

Kardinal. In Rom begegnet er auf dem Markt einem Laien

und Löffelschnitzer, der weder lesen noch schreiben konnte,

aber über eine viel intimere Kenntnis der geistigen Welt verfügte,

als er selbst. Kues verfasst darüber eine Schrift „Idiota

de sapienta (Der Laie über die Weisheit) „Gottes Bücher sind

die Quellen meiner Weisheit“.

Der Dreißigjährige Krieg war ein Religionskrieg in Mitteleuropa

mit unvorstellbaren Ausmaßen. Das 19. Jahrhundert

und früher, im Zeichen der Aufklärung, machte Religion

zur Illusion mit Marx, Engels und sogar Nietzsche, der den

Tod Gottes verkündet. Dostojewskiy zeigt im ‚Großinquisitor’

auf, dass Jesus Christus nicht mehr gefragt ist. Hitler

und Stalin haben Kultur- und Religionswerte rücksichtslos

mit Füßen getreten. Auch die Kardinaltugend der „Klugheit“

des Platon wird durch den Sündenfall in seiner Erkenntnisfähigkeit

und der Erkenntnis Gottes eingeschränkt. (Siehe

2. Vatikanisches Konzil). Die Symbolstatue „Weisheit“ von

Utrecht ist die Orientierung.

Das ist der Weisheit letzter Schluss: Nur der verdient sich

Freiheit, wie das Leben, der täglich sie erobern muss. (Goethe,

Faust II, Großer Vorhof des Palastes).

Hartmut Gerkan

Ihren interessanten Artikel über die Weisheit im „Durchblick“

habe ich mit Vergnügen gelesen. Ihrer Aufforderung

an die Leser, eigene Gedanken und Erfahrungen niederzuschreiben,

komme ich gern nach. Um mit den Erfahrungen

gleich anzufangen: Einem Menschen; den ich mit Fug und

Recht als ganz und gar Weisen –vergleichsweise Diogenes in

der Tonne – bezeichnen würde, bin ich in meinem langen Leben

nie begegnet, und ich glaube auch, dass dies in unserem

Kulturkreis – besonders heutzutage – kaum möglich ist: einen

Menschen zu treffen, der ausschließlich über den Begriff

„Weiser“ zu definieren ist. Wohl aber sind mir Menschen

begegnet, die in schwierigen Lebenssituationen in Gedanken

und Handlungen Weisheit erkennen ließen, und die ich

dar ob bewundert habe. Menschen mit verschiedenem Hintergrund

und verschiedenen Alters, z. B. ein 12-jähriger

Junge, dessen Erklärungen über seine Träume und Gott eine

wunderbare Weisheit für mich erkennen ließen.

Für mich beinhaltet Weisheit immer auch einen gewissen

Anteil an Kreativität, bzw. letztere ist eine wichtige Facette

von Weisheit. Folglich findet man sie selten bei erfolgreichen

Menschen: sie haben ja keinen Anlass, über den Sinn

des Lebens nachzudenken – es läuft ja doch alles für sie wie

96 durchblick 3/2011


Leserbriefe

geplant und gewünscht. Aber Menschen mit Problemen, Einschränkungen,

z. B. alte Menschen, Kinder und Behinderte

müssen viel Kreativität entwickeln, um ihr Leben annehmen

zu können und es gut zu finden. Und das Gelingen stellt für

mich auch eine Form von Weisheit dar. Lieber Herr Freundt.

Sollten Sie für sich selbst auch nach Weisheit streben (und

nicht nur nach Wissen über Weisheit trachten), sind Sie sicher

auf einem guten Weg – oder vielleicht sogar schon angekommen?

Letzteres wünscht Ihnen herzlich

Addy Knabe, Siegen

Für mich gehört zur Weisheit in jedem Fall Distanz

gegenüber sich selbst und gegenüber dem/den Anderen.

Um nicht in Selbstbezogenheit und eventuell Selbstmitleid

zu versinken, ist es sinnvoll, sein eigenes Denken

und Handeln immer wieder mit Abstand zu betrachten.

Vielleicht ist einem dann manchmal sogar ein humoriges

Augenzwinkern möglich! Und ebenso bei den Menschen

um uns herum hat Distanz mit Kühle oder Desinteresse

nichts zu tun. Vielmehr bewahrt sie uns davor, Erwartungen

an Andere zu haben, sie zu manipulieren, sie zu

be- oder verurteilen, sondern ihnen vielmehr mit gütiger

innerer Anteilnahme zu begegnen.

Nun mag es scheinen, dass eine solche Grundhaltung u.

U. zu äußerer Einsamkeit führen könnte. Ja, aber wir sind

doch „da“, aufmerksam und achtsam, den/die Anderen in

seinem/ihrem So-Sein begleitend. Und im Bewusstsein

des gemeinsamen Eingebettet-Seins in das grosße Ganze

des Lebens....

In der Hoffnung, dass meine Ansichten (Erfahrungen)

nicht zu sehr verklausuliert sind, grüße ich Sie aus den Niederlanden,

wünsche Ihnen eine anregende Diskussion mit

Ihren Lesern und weiterhin viel Erfolg bei der Gestaltung

des „durchblick“. Übrigens haben mich Ihre alten Fotos

„Kinder mit Teddy“ im neuen „durchblick“ so be- und gerührt,

dass ich Ihnen spontan dazu noch eines von mir zuschicken

möchte: mit etwa 3 Jahren (1946), blass und ernst,

mit dem Teddy als Halt, ein Kriegskind eben, wie so viele....

Anne Stötzel-Rinder, Vlissingen NL

Wie wir den Sinn dafür verlieren, nachzudenken, ob

der Fortschritt dieser schnelllebenden Zeit nicht oft auch

Rückschritt bedeutet? Altersweisheit hilft da nicht. So

bleibt uns Alten nur vorzuleben, Egoismus abzubauen,

dem Leben einen Sinn zu geben, und zu fragen, was wir

unseren Nachkommen einmal hinterlassen. In diesem Sinne

bin ich mit meiner Weisheit am Ende!

Inge Ketteler, Siegen?

Mich drängt es, Ihnen einmal für Ihre Redaktionsarbeit am

„Durchblick“ meine Anerkennung auszusprechen. Ich habe

mehrere Hefte dieser Zeitschrift gelesen. Sie bringen vielen

etwas auf regelmäßig hohem Niveau. Diese Mail ausgelöst

hat aber Ihr Essay „Auf der Suche nach der (Alters) Weisheit.“

Solch eine gründliche philosophische Arbeit kann man nicht

in einem kostenlos angebotenen Heft erwarten. Ich habe mich

gefreut und warte schon gespannt auf die nächste Ausgabe.

Albert Stahl, Wenden

db 2/2011 Ab auf die Insel

Zu dem von Frau Eva Maria Herrmann aufgeführten

Artikel möchte ich anmerken: Auf Langeoog gibt es keinen

Leuchtturm (S.21 rechts oben 7. Zeile). Es handelt sich um

den Wasserturm!

Brunhilde Braun

Mit großem Interesse habe ich das Essay über „Alters-Weisheit“

mehrmals gelesen. Es hat mich tagelang beschäftigt! Und,

wenn Weisheit von Wissen kommt, muss ich (83 Jahre) bei Altersweisheit

passen. So fällt es mir auch schwer, dazu Stellung

zu nehmen. Erst neulich fragte mich eine junge Frau, ob mit

dem Alter eine gewisse Gelassenheit eintritt? Ja, nicht nur das,

sondern auch Toleranz Andersdenkender zu üben! Aber auch

ein Erschrecken darüber, wie wir mit unserer Umwelt umgehen,

eine Wegwerfgesellschaft geworden sind, und Menschen

erzogen werden – sowohl beruflich, wie auch privat –,

Leistung zu bringen. Und diejenigen, die diese Leistung nicht

bringen, es selbstverständlich finden, den Sozialstaat in Anspruch

zu nehmen.

durchblick 3/2011 97


Unterhaltung / Impressum

Es fiel uns auf …

…dass Olivenöl Schlaganfälle verringern kann. Französische

Forscher fanden jetzt heraus, dass der Verzehr von

Olivenöl das Schlaganfallrisiko vor allem bei älteren Menschen

verringern kann. Wer Olvenöl zum Kochen, Backen

oder als Salatdressing verwendet, senkt das Risiko um 40%.

…dass ein blumiger Duft Frauen schlanker wirken

lässt. Forscher der Uni Bochum wollen herausgefunden haben,

dass Frauen, die blumige Düfte wie Jasmin oder Rose

tragen, von Männern bis zu sechs Kilo leichter geschätzt

werden. Heißt das nun für die Damen: Ab in die Parfümerie

statt ins Fitness-Studio?

…dass ein intelligentes Implantat Brüche heilt. Wollen

komplizierte Brüche nicht verwachsen, leiden die Patienten

monatelang unter Schmerzen. Ärzte haben nun ein „intelligentes“

Implantat für den Oberschenkel entwickelt, das

die Heilungschance erhöht. Es wird eine Metallplatte eingesetzt,

in die ein Elektronik-Chip eingebaut ist. Er liefert

per Funk Daten über den Knochenwuchs. homa

Gedächtnistraining: Lösungen von Seite: Seite 78/79

Lustige Rätsel: Bückling, Uhu, Taube, Blindschleiche. Logische Reihe:

DD9-FF8-HH7-JJ6-LL5..., 19-22-20-23-21-24-22-25..., 6-3-X-8-4-W-10-5-

V-12-6-U-14-7-T. Bundesländer: 1. Schleswig-Holstein/Kiel, 2.Hamburg/

Hamburg 3.Mecklenburg-Vorpommern/Schwerin, 4.Niedersachsen/

Hannover, 5. Bremen/

Bremen, 6.Brandenburg/

Potsdam, 7.Berlin/

Berlin, 8.Sachsen-Anhalt/

Magdeburg, 9.Nordrhein-

Westfalen/Düsseldorf,

10.Rheinland-Pfalz/

Mainz,11.Saarland/

Saarbrücken, 12.Hessen/

Wiesbaden, 13. Thüringen/

Erfurt, 14.Sachsen/Dresden,

15.Baden-Württemberg/

Stuttgart, 16. Bayern/

München. Gegenteile:

dumm, früh, subjektiv,

flüstern, leeren, tadeln,

Reichtum, Zwerg, Chaos.

Zu guter Letzt:

Konzentriertes Lesen:

Joachim Ringelnatz

Septembergedicht

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,

das durch den sonnigen Himmel schreitet.

Und schmücke den Hut, der dich begleitet,

mit einem grünen Reis.

Verstecke dich faul in die Fülle der Gräser,

weil´s wohltut, weil´s frommt.

Und bist du ein Mundharmonikabläser,

und hast du eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.

Und lass deine Melodien lenken

von dem freigegebenen Wolkengezupf.

Vergiss dich. Es soll dein Denken

nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf

Der Staatshaushalt muss ausgeglichen sein.

Die öffentlichen Schulden müssen verringert,

die Arroganz und Willkür der Behörden muss

gemäßigt und kontrolliert werden.

Die Zahlungen an ausländische

Regierungen müssen reduziert werden,

wenn der Staat nicht bankrott gehen soll.

Die Leute sollen wieder lernen, zu arbeiten,

statt auf öffentliche Rechnung zu leben.

Wenn Sie nun glauben, dieser Aufruf stamme von unserem

Finanzminister, Herrn Schäuble, so irren Sie gewaltig.

Schon 55 v. Chr. mahnte im alten Rom Marens Tullius

Cicero vor einer überbordenden Staatsverschuldung.

durchblick

Gemeinnützige Autorenzeitschrift

für das Siegerland und Wittgenstein

Herausgeber: durchblick-siegen Information und Medien e.V.

Anschrift der Redaktion:

„Haus Herbstzeitlos“, Marienborner Str. 151, 57074 Siegen

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Maria Anspach; Helga Düringer Friedhelm Eickhoff (v.i.S.d.P.); Fritz

Fischer; Eberhard Freundt; Inge Göbel ; Gerda Greis; Eva-Maria

Herrmann; Dorothea Istock; Erich Kerkhoff; Erika Krumm; Brigitte

Lanko; Horst Mahle; Helga Siebel-Achenbach, Ulli Weber;

Bildredaktion:

Thomas Benauer; Friedhelm Eickhoff; Gottfried Klör (verantwortlich.);

Tessie Reeh; Agnes Spar; Peter Spar

Hörbuch-Redaktion:

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(Sprecher auf CD-Beilage)

Veranstaltungskalender: Ingrid Drabe

Internet: Thomas Benauer

An dieser Ausgabe haben ferner mitgewirkt:

Anja Freundt; Dr. Horst Bach; Wilma Frohne; Edith Maria Bürger;

Wolfgang Stössel; Ulla D'Amico; Uwe Erwin Engelmann; Kirsten

Schwarz; Dr. Horst Becker; Corinna Schleifenbaum; Dr. Houaida

Taraji; Anne Eickhoff; Werner Müller-Späth; Otto Abt; Horst Feger;

Inge Krause; Doris Wimmer Bieber; Dr. Wolfgang Bauch; Jürgen Ritter

Gestaltung, Satz und Layout:

db-Lektorat

Herstellung und Druck:

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Erscheinungsweise: März, Juni, September, Dezember

Verteilung:

Helga Siebel-Achenbach (Ltg.); Hannelore Münch; Paul Jochum;

Dr. Horst Bach; Helga Sperling; Ingrid Drabe; Renate Tietze; Rotraud

Ewert; Ursula Gloger; Waltraud Gottschalk; Monika Müller; Christel

Mahle; Hubertus Freundt; Dieter Haas; Werner; Müller-Späth; Maximilian

Lutz; Herbert Jäppche und alle Redakteure;

Auflage: 18 000 Der durchblick liegt kostenlos aus: In Sparkassen,

Apotheken, Arztpraxen und Zeitungsverlagen, in der City-Galerie,

in den Geschäften des Siegerlandzentrums und bei unseren Inserationskunden,

in öffentlichen Gebäuden und vielen sozialen Einrichtungen

der Wohlfahrtsverbände und Kirchen, in allen Rathäusern und

Senioren-Sercicestellen des Kreises Siegen-Wittgenstein. Für die

Postzustellung berechnen wir für vier Ausgaben jährlich 8 Euro.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die

Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, eingesandte

Beiträge und Leserbriefe zu kürzen. Unverlangte Beiträge

werden nicht zurückgeschickt.

Der Nachdruck ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers

gestattet.

Es gilt die Anzeigenpreisliste 11/2009.

Gefördert durch

die Stadt Siegen

und den Kreis

Siegen-Wittgenstein

98 durchblick 3/2011


U vt J-e1.., fl aus- lS-f- eL'vt Oif Jes-

/r Js-cLeJJ-- #ll~'1 W Leievt-

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Als einziges Krematorium in Deutschland haben wir daher

eine eigene Zeremonie der Feuerbestattung entwickelt.

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Sie als Angehörige erhalten von uns ein einzigartiges und

persönliches Erinnerungsstück, das die bisherige

Anonymität einer Feuerbestattung aufheben soll.

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