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db 04-2011 WEB

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Nr. 4/2011

25. Jahrgang

kostenlos

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Atemlos bis zur

letzten Zeile

-

Gemeinnützige Autorenzeitschrift

... nicht nur für Senior;en

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MEINUNGEN

INFORMATIONEN

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Inhaltsübersicht / Aus der Redaktion

Nachrichten aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein 6

De Gresdachsgeschechde of Sejener Blatt 14

Hohner-Sobbe / Das verschlossene Zimmer 15

Tante Metas Nikolausüberrachung 16

Weihnachten / Onkel Hermann 17

O Tannenbaum 18

Sechs Frauen und (k)eine Weihnachtsgans / Himmels-Kapriolen 19

Luftangriff auf Siegen / Kriegskinder 20

Der Kommentar 21

Reinigungspartner / Erzgruben, Eisenhütten und Hauberg 22

Für sich, für uns, für alle 24

Lokalzeit Südwestfalen 25

Sieger und Besiegte 26

Eine Reise mit Hindernissen 27

Warten auf die Straßenbahn 28

Ich bin nicht „Aller-Welts-Oma“! 29

Atemlos bis zur letzten Zeile 32

Das Schafott auf dem Hasengarten 34

Vorgestellt 40

Gedanken auf Abwegen 42

„handeln erwünscht“ 44

Willi Otto Hahnenstein geb. am 19.9.1911 47

Got gedocht! / Hussbotz 48

Gefährlicher Müll 49

Mitbestimmung: 50

„Mittagessen“ 51

Gedächtnistraining 52

Selbstbestimmt leben... 54

Gedanken über Ethik in der Medizin 56

Veranstaltungshinweise 63

Leserbriefe 72

Es fiel uns auf... / Lösungen / Zu guter Letzt / Impressum 74

Der große Zuspruch, den wir zu unserem 25-jährigen Jubiläum von Ihnen, liebe

Leserinnen und Leser, in vielfältiger Form erhalten haben, hat uns sehr gefreut. Er

stärkt unseren Anspruch, weiterhin dazu beizutragen, die Aktivitäten älterer Menschen

in der Stadt Siegen und im Kreis Siegen-Wittgenstein sichtbar zu machen.

Geholfen hat uns bei diesem Bemühen auch die ausführliche Berichterstattung in

den lokalen Ausgaben der Westfälische Rundschau, Westfalenpost, Siegerlandkurier

und in der WDR-Lokalzeit Südwestfalen! Für die anerkennenden Grußworte

der Ministerin Barbara Steffens, der Landesvorsitzenden der Seniorenvereinigung,

Gaby Schnell, und des Seniorenbeiratsvorsitzenden Bernd Alberts, die wir in unserer

Jubiläumsausgabe abgedruckt hatten, bedanken wir uns ebenfalls ganz herzlich. All

diese Aufmerksamkeiten sollen uns weiterhin Ansporn sein.

Unsere langjährige Kollegin Dorothea Istock ist im September aus dem Redaktionsteam

ausgeschieden, sie hat ihren Wohnsitz in den Frankfurter Raum verlegt. Frau

Istock ist ein leuchtendes Beispiel für gelungene Integration. 1991 kam sie als Spätaussiedlerin

nach Siegen, begann in der Uni eine Tätigkeit als Chemikerin und beteiligte

sich gleichzeitig ehrenamtlich in vielen, vor allem kirchlichen Organisationen. Seit

2002 gehörte Dorothea Istock zu unserer Redaktion. Den durchblick bereicherte sie vor

allem mit heimatkundlichen Artikeln, die sie sorgfältig und gewissenhaft recherchierte.

Wir wünschen Ihnen schöne Weihnachtstage, ein gutes neues Jahr und natürlich

viel Freude beim Le sen des neuen durchblick.

GSS

Gesundheits-Service

Siegen

Näher am Menschen

Die Dienstleistung von Mensch zu

Mensch ist die Hauptaufgabe der

etwa 400 Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter in unseren Wohn- und

Pflegeeinrichtungen

Marienheim Weidenau

Haus St. Elisabeth Netphen

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Haus Mutter Teresa Niederfischb.

Wir als christliche Organisation

haben es uns zur Aufgabe gemacht,

älteren Menschen ein behagliches

Zuhause zu geben, in dem sie Lebensqualität

und Freude im Alter

finden.

GSS Wohn- und Pflegeeinrichtungen,

Kampenstraße 51, 57072 Siegen,

Telefon: (0271) 231-2104 oder unter

www.marienkrankenhaus.com

Der GSS Gesundheits-Service Siegen ist ein Unternehmen

der St. Marien-Krankenhaus Siegen gem. GmbH

durchblick 4/2011 25 Jahre durchblick 3


Kultur erleben und mit allen Sinnen genießen – Hilchenbach bietet dazu viele Gelegenheiten.

In einer Zeit, in der von den Menschen immer größere Flexibilität und Leistungsfähigkeit verlangt wird, bietet ein erstklassiges Kulturangebot

einen wertvollen Ausgleich für Geist und Seele. Theater, Konzerte und Kabarett vermitteln Kunst als ganz persönliches Erlebnis.

3. Dezember

„Classic Brass“

widmet sich voller

Enthusiasmus dem

reichen Schatz kompositorischen

Schaffens

alter Meister

24. Januar

Freiheit!?

Vince Ebert, macht sich

mit seinem neuen Bühnenprogramm

ganz

unkonventionell auf

die Suche danach.

9. Februar

Altweiberfrühling

Auf der Grundlage dieses

erfolgreichen Films

hat Stefan Vögel ein

einfühlsames Theaterstück

verfasst.

1. März

Verbrennungen

Mouawad‘s Inzenierung

zeigt, wie durch Krieg,

die Seelen der Menschen

nicht wieder zu heilende

Verletzungen erleiden.

Gebrüder Busch-Theater, Bernhard-Weiss-Platz 6, Hilchenbach-Dahlbruch

Karten erhältlich im Bürgerbüro Hilchenbach, Tel. 02733/288-134, Gebrüder-Busch-Kreis, Tel. 02733/53350

Weitere Infos und Buchungsmöglichkeiten: www.gebrueder-busch-kreis.de und www.proticket.de


… der besondere Wintermarkt

bis 15. Januar


Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein

Wohnraum

gesucht !

Fernweh

AWO-Reisen 2012

Siegen. In einem gemeinsamen Appell

bittet die Stadt Siegen, die Universität,

das Studentenwerk und die AStA Wohnraum

für Studenten zur Verfügung zu

stellen! „Es gebe“, so Bürgermeister

Mues, „sicherlich viele Eigentümer,

deren Einliegerwohnung nicht genutzt

sei, die sich angesichts der Wohnraumnot

aber überlegen könnten, einen Studenten

als Mieter aufzunehmen“.

Auch ehemalige Kinderzimmer in

geräumigen Wohnungen und Häusern

sind für die Studierenden „kleine Paradiese“

im Vergleich zu den Notbetten,

die das Studentenwerk in begrenztem

Umfang und nur für begrenzte Zeit zur

Verfügung stellen kann.

Auch AStA-Vorsitzender Julian Hopmann

machte die Dringlichkeit des

Wohnraumbedarfs deutlich: In Kommilitonenkreisen

würden zur Zeit noch

Sofas und Matratzen zur Verfügung gestellt.

Das sei aber auf Dauer natürlich

kein Zustand.

Wer ein Zimmer, eine Wohnung oder

ein Haus für Studierende oder studentische

Wohngemeinschaften zur Verfügung

stellen will, kann sich an folgende

Ansprechpartner wenden.

Universität Siegen, International Office

(Akademisches Auslandsamt), Zimmervermittlung

0271/740-3904

Siegen. Das Museum für Gegenwartskunst

Siegen widmet dem Katalanen

Antoni Tàpies mit der Ausstellung eine

Retrospektive auf sein beeindruckendes

künstlerisches Lebenswerk. Zu sehen sind

47 Gemälde des Rubenspreisträgers aus

über sieben Jahrzehnten. Viele der Werke

werden das erste Mal in Deutschland präsentiert.

Die Ausstellung ist bis 19. Febr.

2012 zu sehen, bevor sie anschließend ins

Art Museum nach Reykjavík geht.

Autorenfoto

Foto: Helmut Drabe

Siegen-Wittgenstein. Auch im Jahr

2012 organisiert der AWO-Kreisverband

Siegen-Wittgenstein/Olpe eine

breite Palette von „Reisen mit Herz“, die

besonders für Menschen in der zweiten

Lebenshälfte geeignet sind.

Der neue Reisekatalog bietet wieder eine

reichhaltige Auswahl von Urlaubszie-

Bündnis für Demokratie

Seniorenbeirat tritt bei

len an. Von den Bergen im Süden bis zu

den Küsten im Norden finden Reisebegeisterte

tolle Angebote. Wie gewohnt

werden alle Fahrten von ehrenamtlichen

Reisebegleitern betreut. Bestellt werden

kann der druckfrische Katalog beim

AWO-Kreisverband in 57072 Siegen,

Koblenzer Str. 136 0271-3386132

Siegen. Der Seniorenbeirat der Stadt

Siegen ist jetzt dem „Siegener Bündnis

für Demokratie“ beigetreten. Nach

teilweise kontroverser Diskussion im

großen Saal des Gemeinnützigen

Pflege- und Begegnungszentrums

Christofferhaus in der Friedrich-Wilhelm-Straße

fand der von den Vorstandsmitgliedern

Michael Horak und

Dr. Horst Bach eingebrachte Antrag

mit 10 Ja-Stimmen eine deutliche

Mehrheit. Drei Beiratsmitglieder votierten

gegen den Beitritt, drei enthielten

sich der Stimme.

Damit wird der Seniorenbeirat sich

erstmals offiziell an den „Gehdenken“-

Veranstaltungen

zur

Erinnerung

an die Bombardierung

Siegens am

16. Dezember

1944 beteiligen. Mehr als ein Dutzend

Bewohner des Christofferhauses

und deren Angehörige verfolgten mit

Interesse den Ablauf der umfangreichen

Tagesordnung dieser erstmals

außerhalb der Siegener Rathäuser

veranstalteten Seniorenbeiratssitzung.

Auch ein Vorleseprojekt in den Kindergärten

und Grundschulen der

Krönchenstadt zum Thema „Altersbilder“

wurde beschlossen, ebenso die

Durchführung einer eintägigen Klausurtagung

des Beirats im Frühjahr des

nächsten Jahres.

Zu Beginn der Sitzung hatte Familienrichter

a.D. Reiner Capito über das Thema

„Vorsorgevollmacht

und

Patienverfügung“

referiert.

hoba

6 25 Jahre durchblick 4/2011


Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein

Zwei neue Beratungsbroschüren

Stellten die Broschüre vor. Susanne Dettmann,

Astrid E.Schneider und Babette Bammann. (v. li.)

Krautheim. Wie breit muss eine Tür

sein? Was bedeutet Barrierefreiheit in

Zentimetern? Antwort auf diese Fragen

gibt es in der neuen Beratungsbroschüre

„ABC Barrierefreies Bauen“ Bundesverband

Selbsthilfe Körperbehinderter e.V.

Auf über 130 Seiten werden wichtige

Begriffe der DIN-Norm 18040-1 anhand

leicht verständlicher Grafiken und Beispiele

erklärt. Jeder mit einem Bauvorhaben

soll nach Vorstellung der Herausgeber

nach einer kurzen Lektüre Lebensräume

gestalten können, die ohne fremde Hilfe

zugänglich und nutzbar sind.

Auch in der Vielzahl von Finanzierungsmöglichkeiten

gibt die Broschüre

Aufschluss darüber, wer Fördermittel

erteilt und welche für den Leser in Frage

kommen. Um die eigene Planung auf

die Schnelle zu überprüfen, liegt hinter

der letzten Seite eine handliche Check-

Foto: Dr. Horst Bach

liste bei, welche die wichtigsten

Punkte der Broschüre knapp zusammenfasst.

Die Broschüre gibt es gegen

eine Schutzgebühr von fünf

Euro beim Bundesverband

06294-4281-70

Siegen. Im Rathaus Weidenau

stellte die Stadt Siegen das neue

Handbuch „Aktiv & gesund –

älter werden in Siegen“ vor. Da

kam Ernst Göckus mit seiner weltumspannenden

Selbstverteidigungsgruppe „International

Combat Arts“ gerade richtig, um

eines der vielen Sportangebote für ältere

Menschen in der Krönchenstadt vorzustellen.

Marlene Stettner warb für den Erwerb

des Sportabzeichens, der an vielen Orten

Siegens möglich ist.

Ansonsten wiesen Astrid E. Schneider

von der städtischen Regiestelle und ihre

Mitarbeiterin Susanne Dettmann auf die

große Vielfältigkeit („Der Mix macht`s“)

der Sportangebote für Ältere in Siegen

hin. Ein wichtiger Baustein zur Erhaltung

bzw. Verbesserung der Gesundheit sei da

die regelmäßige Bewegung.

Die zuständige Beigeordnete, Stadträtin

Babette Bammann, hob neben den

Gesundheitssportangeboten auch die

umfangreichen Kultur- und Bildungsangebote

in der Krönchenstadt hervor.

Die Broschüre, die für jeden Stadtteil

die Angebote separat aufgelistet hat, beinhaltet

neben den Sportangeboten auch

Hinweise für eine gesunde Ernährung

und „15 Tipps für gesundes Älterwerden“.

Sie liegt in den Siegener Rathäusern

und den üblichen „Anlaufstellen“

im Stadtgebiet wie Sparkassen, Banken

und Apotheken aus.

hoba

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Donnerstag: 15.00 - 17.00 Uhr

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sowie nach Vereinbarung.

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Siegen. Unter Inkontinenz versteht man

das Unvermögen, den Harn oder/und

Stuhl willkürlich zu halten. – Nur: man

spricht nicht darüber! „Ursachen, Diagnostik,

Therapie und Versorgungsmöglichkeiten

müssten in der Öffentlichkeit

mehr diskutiert werden“, so Brigitte Voß,

Leiterin der Selbsthilfegruppe Kontinenz.

Damit der erste Schritt zum Arzt nicht

so schwer fällt, hat die Senioren Service

Stelle der Stadt Siegen Kontinenz-Beratungssprechstunden

eingerichtet.

Brigitte Voßhoff, Leiterin der Kontinenz-Selbsthilfegruppe,

steht in verschiedenen

Siegener Einrichtungen für

ein beratendes Gespräch zur Verfügung.

Genaue Termine entnehmen Sie bitte dem

Veranstaltungsteil dieser Ausgabe.

4/2011 25 Jahre durchblick 7


Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein

Senior enbeirat eine Männerdomäne?

Siegen. Der Anteil der Frauen im Seniorenbeirat

der Stadt Siegen entspricht

nicht dem Anteil der über 60-jährigen

Frauen in der Krönchenstadt. Darauf

wies jetzt Vorstandsmitglied Dr. Horst

Bach (Geisweid) in einer Beiratssitzung

hin. So gab es am am 30.6.2011 unter

den 26.835 Siegener Einwohnern über

60 Jahre 11.601 Männer (43,45 %) und

15.174 Frauen (56,55 %).

In dem im Jahre 2007 gewählten Seniorenbeirat

beträgt die aktuelle Frauenquote

aber nur 27,59 %. Im Vorstand

beträgt sie derzeit gar nur 20 %: In den

vergangenen knapp 15 Jahren konnten

Frauen jeweils „nur“ eine stellvertretende

Vorsitzende in dem Führungsgremium

stellen. Die Ursachen hierfür sollen

noch erforscht werden.

Während viele

Frauen im Seniorenalter

sich ansonsten

doch sehr

stark ehrenamtlich

engagieren,

scheint der Seniorenbeirat

eher eine

Männerdomäne

zu sein. Es wurde

aber auch darauf

Foto: Dr. Horst Bach

hingewiesen, dass gerade die Frauen im

Zuge des demografischen Wandels vermehrt

häusliche Pflegeleistungen erbringen

müssen, so dass ihnen die Zeit für ein

politisches und soziales Engagement im

Seniorenbeirat fehlt.

hoba

„Kultursensible Pflege“ braucht Dolmetscher

Eindrucksvoller „Begehungstag“ des Seniorennetzwerkes

Senioren aus vier Nationen informierten sich im

Fliednerheim über die Pflegesituation im Alter.

Foto: Dr. Horst Bach

Siegen. Mit einem „Begehungstag“ hat

das von Alfonso López García geleitete

Interkulturelle Seniorennetzwerk jetzt vor

allem älteren Menschen mit Migrationshintergrund

die Gelegenheit gegeben, sich

im Fritz-Fries-Seniorenzentrum Rosterberg

und im Weidenauer

Fliednerheim über die Situation

älterer pflegebedürftiger

Migrantinnen und Migranten

zu informieren.

In beiden Einrichtungen wurden

die Gäste aus vier Nationen

ausführlich beraten. Ziel

der eintägigen Veranstaltung

war es, Personen mit und ohne

Migrationsgeschichte über

verschiedene Möglichkeiten

der Seniorenhilfe und Seniorenpflege

in Siegen zu informieren. „Wir

wollen unsere Mitbürger mit Migrationshintergrund

ermutigen, sich selbst mit der

Planung ihrer Zukunft im Alter auseinanderzusetzen“,

so Diplom-Sozialarbeiter

i.R. Alfonso López García.

Besonders eindrucksvoll geschah dies

im Fliednerheim, wo Einrichtungsleiter

Gerhard Ziel und sein Mitarbeiterteam

konkrete Tagesabläufe im Leben älterer

Heimbewohner mit Migrationshintergrund

schilderten. Nach wie vor sei die

sprachliche Verständigung ein besonderes

Problem. Gerhard Ziel appellierte

in diesem Zusammenhang an hilfsbereite

Menschen mit verschiedenen

Sprachkenntnissen, sich als ehrenamtliche

Dolmetscher im Fliednerheim zur

Verfügung zu stellen, um bei der „kultursensiblen“

Pflege die Fachkräfte zu

unterstützen. Niemand solle alleingelassen

werden. So werden auch ständig

Bettlägerige im Fliednerheim mit einer

individuellen Tagesstruktur gefordert

und gefördert.

hoba

8 25 Jahre durchblick 4/2011


Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein

Taschengeldbörse

Vorteil für Jung und Alt

Siegen-Wittgenstein. Die Taschengeldbörse

des Siegen-Wittgensteiner Vereins

ALTERAktiv besteht seit einem Jahr.

Zeit für eine Zwischenbilanz. Die Börse

ist dafür gedacht, dass sich Jugendliche

mit leichten Hauswirtschaftsarbeiten ihr

Taschengeld aufbessern können. Bei den

Tätigkeiten muss es sich um geringfügige

Hilfeleistungen für Ältere und/oder Familien

handeln. Die mindestens 13 Jahre

alten Schülerinnen und Schüler helfen für

etwa fünf Euro Stundenlohn bei Einkäufen,

bei der Versorgung von Haustieren,

übernehmen Gartenarbeiten, helfen bei

kleinen Problemen mit dem Computer

usw. Sie dürfen maximal zwei Stunden

pro Tag beschäftigt werden. Die Arbeiten

können einmalig, gelegentlich oder auch

regelmäßig als Minijob vereinbart werden.

Regelmäßig ausgeführte Tätigkeiten

im Privathaushalt müssen natürlich angemeldet

werden, dabei hilft aber ALTER

Aktiv. Für die Jugendlichen besteht somit

Unfallversversicherungsschutz bereits

auf dem Weg zur Arbeitsstelle.

Bisher wurden etwa 100 Schüler/innen

durchaus erfolgreich an ca. 60 Seniorenhaushalte

vermittelt. „Der Bedarf wächst

zunehmend auf beiden Seiten“, berichtet

Camilla Stettner, Ansprechpartnerin

und zuständig für die Taschengeldbörse.

„Weiteres Ziel der Vermittlungsstelle ist,

dass sich ‚Alt und Jung‘ besser kennenlernen,

dass Jugendliche erfahren, wie

die Alten ticken. Die Alten lernen, wie

die Jungen so drauf sind“, so Stettner

weiter. Die Vermittlungsstelle führt neben

Senioren auch Familien und Berufstätige

mit den Schülern zusammen und

berät bei allen aufkommenden Fragen.

Näheres unter 0271/2339425 bla

Malgruppe sucht Nachwuchs

Gegenseitige Hilfe ?????

In den Malstunden geht es sehr gesellig zu

Siegen. Vor einigen Jahren haben sich

Seniorinnen und Senioren zusammengefunden,

um gemeinsam ihrem Hobby,

dem Malen, nachzugehen. Im städtischen

Begegnungszentrum „Haus

Herbstzeitlos“ fanden die Rentner ihr

Domizil.

Jeder kann dort frei malen, wie

und was er möchte, in Aquarell- oder

Acrylfarbe, mit Stiften oder Kohle.

„Die Motive sind frei gewählt. Erfahrungen

werden ausgetauscht

und die

fertigen Bilder

werden gemeinsam

besprochen“ berichtet

Horst Voigt,

ältester Teilnehmer

des Malclubs.

Jeder lernt dort

vom anderen. „Das

Wesentliche ist

nicht, sich zu einer

„Frida Kahlo“

zu entwickeln,

viel wichtiger ist

Freude am Tun

und vor allem, gemeinsam mit anderen

zu arbeiten.“ Genau das hat das

jüngste Gruppenmitglied, Maria Koll,

zur Teilnahme motiviert. Karl-Heinz

Tenoort 0271/37387, Sprecher der aktiven

Malgruppe, weist darauf hin, dass

noch einige Plätze an den Maltischen

frei sind. Interessierte sind herzlich

willkommen! Termine finden Sie im

Veranstaltungsteil dieser durchblick-

Ausgabe (ab Seite 60).

bla

Foto: Brigitte Lanko

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Besucher freudig am Leben teilnehmen.

Jeder Gast bekommt die Hilfe, die er - unter

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4/2011 25 Jahre durchblick 9


SeniorenServiceStellen des Kreises Siegen-Wittgenstein

Bad Berleburg

Holger Homrighausen 02751/923-268

Poststr. 42 57319 Bad Berleburg

h_homrighausen@bad-berleburg.de

Mo-Mi. u. Fr. 8.30-12.30 Uhr und 14.00-16.00 Uhr

Do. 8.30-12.30 Uhr und 14.00-18.00 Uhr

Stadt Siegen

Manuela Krafft 0271/404-2200

Weidenauer Str. 211-215 57076 Siegen

m_krafft@siegen.de

Mo-Fr. 8.00-12.00 Uhr

Gemeinde Erndtebrück

Udo Schneider 02753/605-124

Talstr. 27 57339 Erndtebrück

u_schneider@erndtebrueck.de

Mo-Fr 8.00-12.00 Uhr u. Do 14.00-16.00

Stadt Freudenberg

Heike Weigel 02734/43-174

Mórer Platz 157258 Freudenberg

h_weigel@freudenberg-stadt.de

Mo-Fr 8.00-12.30 Uhr

Di 14.00-16.00 Uhr u. Do14.00-17.00 Uhr

Stadt Bad Laasphe

Gisela Homrighause 02752/909-153

Mühlenstr. 20 57334 Bad Laasphe

g_homrighause@bad-laasphe.de

Mo, Di, Mi, Fr. 8.30-12.00 Uhr

Do. 14.00-17.00 Uhr

Stadt Kreuztal

Helga Rother 02732/51-314

Siegenerstr. 5 572223 Kreuztal

h_rother@kreuztal.de

Mo-Fr. 8.30-12.00 Uhr

Gemeinde Burbach

Christine Sahm 02736/45-56

Eicher Weg 13 57299 Burbach

c_sahm@burbach-siegerland.de

Mo-Fr. 8.30-12.00 Uhr

Stadt Hilchenbach

Annette Kreutz 02733/288-117

Marktstr. 13 57271 Hilchenbach

a_kreutz@hilchenbach.de

Mo-Fr. 8.30-12.00 Uhr

Stadt Netphen

Eva Vitt 02738/603-145

Amtsstr. 6 57250 Netphen

e_vitt@netphen.de

Mo-Fr. 8.30-12.00 Uhr

Ihr Ansprechpartner:

Reiner Jakobs

Zukunftsinitiative

Siegen-Wittgenstein 2020

Gemeinde Wilnsdorf

Jutta Schmidt 02739/802-129

Marktplatz 1 57234 Wilnsdorf

j_schmidt@wilnsdorf.de

Mo-Fr. 8.30-12.00 Uhr

Programmleitung

„Leben und Wohnen im Alter“

Servicezentrum für soziale Beratung,

Betreuung und Prävention

Gemeinde Neunkirchen

Bettina Großhaus-Lutz 02735/767-207

Bahnhofstr. 3 57290 Neunkirchen

b_grosshaus-lutz@neunkirchen-siegerland.de

Mo-Fr. 8.30-12.00 Uhr

Bismarckstr. 45,

57076 Siegen

0271/333-2720 • E-Mail:

lwa@siegen-wittgenstein.de

Stadt Siegen

SeniorenServiceStellen

Weidenau Rathaus

Weidenauer Str. 211-215

Mo - Fr. 8 - 12 Uhr 0271/404-2208

Geisweid Bürgerhaus

Obere Kaiserstr. 6

Mo + Mi. 10 - 12 Uhr 0271/23392519

Siegen Ost - Haus Herbstzeitlos

Marienborner Str. 151

Mo + Mi. 10 - 12 Uhr 0271/3846108

Eiserfeld - Sparkasse

Eiserfelder Str. 474

Di + Do. 10 - 12 Uhr 0271/80937825

Honoraranwalt der

Verbraucherzentrale

NRW

VertrauensAnwalt

Mitglied im AnwaltVerein

Arbeitsgemeinschaft der

Fachanwälte für Arbeitsrecht

Dipl. Soz. Michael Kringe - Rechtsanwalt und Notar

57234 Wilnsdorf, Rathausstraße 1

02739 - 1049

info@rechtsanwalt-kringe.de

10 25 Jahre durchblick 4/2011


Siegen. Nach langer Zeit war es wieder

so weit... Das Seniorenbegegnungszentrum

in der Marienborner Straße 151

öffnete seine Türen, damit alle Interessierten

bei entspannter Atmosphäre

einen schönen Tag verbringen konnten.

Für Spaß und gute Laune sorgte vor

allem das abwechslungsreiche Programm,

welches hauptsächlich durch

die Gruppen des Hauses gestaltet wurde.

Auch die „Regiestelle Leben im Alter“

der Stadt Siegen und die Ehrenamtsagentur

„SAfE“, eine Kooperation

der Stadt Siegen und der AWO Siegen-

Wittgenstein/Olpe, waren vertreten.

Eröffnet wurde der Tag um 11 Uhr

zunächst von der Leiterin der Regiestelle,

Frau Astrid E. Schneider, die

nach einer kurzen Begrüßung das Wort

an den stellvertretenden Bürgermeister

der Stadt Siegen, Herrn Jens Kamieth,

abgab.

Dieser stellte das Haus kurz vor und

fasste zusammen, was sich in den letzten

ca. 14 Jahren verändert und entwickelt

hat. Aus anfänglich vier Gruppen,

die alle auch jetzt noch aktiv sind, sind

inzwischen zwanzig Gruppen mit über

80 Freizeit-, Bildungs- und Kulturveranstaltungen

im Monat geworden. Hier

können ältere Menschen etwas für sich,

etwas für andere und etwas mit anderen

gemeinsam tun. Die Aktivitäten im Haus

Herbstzeitlos sind vielfältig, ebenso wie

das Motto des Hauses „Graue Haare –

Buntes Leben“ – davon konnten sich die

Besucher/innen beim Tag der offenen

Tür überzeugen.

Erst im letzten Jahr wurde das Haus

komplett saniert und im Frühsommer

dieses Jahres mit einem Aufzug versehen,

der nun bestaunt und benutzt werden

konnte.

Außerdem hatten die Gäste die Möglichkeit,

die verschiedenen Infostände

zu besuchen, die sich alle mit Themen

des Alters beschäftigten. Dort standen

fachkundige Vertreter/innen der einzelnen

Gruppen und Vereine, bei denen

man sich informieren und austauschen

konnte, z.B. die Selbsthilfegruppen

„Asthma“ und „Kontinenz“ sowie das

Trauercafé der „Ambulanten ökumenischen

Hospizhilfe e.V.“.

Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein

„Tag der offenen Tür im Haus Herbstzeitlos“

ein Bericht von Valeska Breuer

Autorenfoto

Siegens zweiter Bürgermeister, Jens Kamieth, eröffnete den „Tag der offenen Tür.“

Anke Berg 2.v.lks. betreut seit 2 Jahren hauptberuflich die Seniorenbegegnungsstätte

Um einen Eindruck von der Arbeit

der Gruppen zu gewinnen, konnten die

Besucher/innen alle Räume des Hauses

erkunden und sich bei Fragen direkt an

die Ansprechpartner dort wenden.

Die Gruppe des „Mittagstisch für

Senioren“ sorgte mit einem deftig leckeren

Eintopf für Abwechslung und

lud zum gemütlichen Zusammensitzen

ein.

Mit viel Liebe und Mühe wurde

auch das Kuchenbuffet gezaubert,

welches ausschließlich aus Spenden

der Gruppen bestand und vom Team

des „Sonntagscafés unter der Linde“

organisiert wurde.

Highlights waren einzelne Vorführungen

der Gruppen, die zum Mitmachen

und Kennenlernen einluden. Beispielsweise

konnte man sich mit der

Spieleconsole „Wii“ vertraut machen,

die vom Computertreff „Senecafé“ zur

Verfügung gestellt wurde, eine Vorführung

der Selbstverteidigungsgruppe

anschauen oder auch direkt bei der

Schnupperstunde der Sitzgymnastik

mitmachen.

Auch die „Live“- Aquarellmalerei der

Malgruppe und die musikalischen Einlagen

von Walter Lebschy wurden mit

Interesse verfolgt, ebenso wie die selbst

hergestellten Filme, die der Film- und

Videoclub Siegerland zeigte, der in diesem

Jahr immerhin sein 50jähriges Jubiläum

feiert.

Kurz gesagt war der „Tag der offenen

Tür“, bei dem sogar das herbstlich-sonnige

Wetter mitspielte, ein sehr erfolgreicher

und gelungener Tag mit circa

200 Gästen.

An dieser Stelle soll vor allem den

Gestaltern und Helfern des Hauses noch

einmal ein „Dankeschön“ ausgesprochen

werden, denn ohne sie hätte der

„Tag der offenen Tür“ in diesem Rahmen

nicht stattfinden können.

Der durchblick

als Hör-CD

Siegen. Jede neue Ausgabe des durchblick

erhalten Sie auch als Tonträger.

Die CD, mit unterhaltsamen, ausgewählten

Texten werden für 5 Euro das

Stück verkauft. Die Abspielzeit beträgt

ca. 60 Min. Zu beziehen sind die Scheiben

beim Verein durchblick-siegen e.V.

57074 Siegen, Marienborner Str. 151

Im ABO werden vier Tonträger pro Jahr

porto- und verpackungsfrei, also ohne

Aufpreis, bequem ins Haus geliefert.

4/2011 25 Jahre durchblick 11


Neunkirchen. „Durchweg positiv

war die Resonanz auf den

1. Neunkirchener Seniorentag“,

so die Seniorenberaterin

Bettina Großhaus-Lutz: „Die

Aussteller waren begeistert von

dem großen Interesse, und die

vielen Gäste von dem bunten

Programm.“

Einen abwechslungsreichen

Mix aus Unterhaltung und Information

hatte das Team der

Senioren-Service-Stelle um

Großhaus-Lutz für die Veranstaltung

zusammengestellt.

Ob Modenschau, Fachvortrag

oder Gedächtnistraining – jeder

konnte seinen Interessen entsprechend

auswählen und die Veranstaltungen

im Otto-Reiffenrath-Haus bzw.

im Ratssaal besuchen.

Bürgermeister Bernhard Baumann

wies in seiner Eröffnungsrede darauf

Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein

Erfolgreich gestartet:

1. Neunkirchener Seniorentag

Stephanie Woltering und Bettina Großhaus-

Lutz (von links) am Stand der Senioren-

Service-Stelle.

hin, dass das Älterwerden leider häufig

negativ behaftet sei, es aber auch vielerlei

Chancen böte. Das Ehrenamt sei

eine solche Möglichkeit: Wer sich engagiere,

könne seine Freizeit nicht nur

Foto: Autorenfoto

besser strukturieren, sondern auch von

seiner Arbeit profitieren.

Wie viel Spaß es macht, selbst initiativ

zu werden, konnten die Zuschauer

der Modenschau beobachten. Die Models

–alles „reifere“ Damen – waren mit

großer Freude dabei, und es gelang ihnen

mit ihrem Spaß und ihrer Natürlichkeit

ein großes Publikum zu erfreuen.

Gleiches galt für die Seniorengymnastik:

Die 12 Teilnehmerinnen waren

so motiviert, dass sie ihre Darbietung

außerhalb des Otto-Reiffenrath-Hauses

gleich noch einmal zeigten.

Für die Besucher, die sich vornehmlich

informieren wollten, gab es Wissenswertes

über Wohnen und Sicherheit

im Alter. Nach diesem gelungenen Start

ist für Bettina Großhaus-Lutz klar: „Im

kommenden Jahr steht zwar wieder der

Familientag auf dem Programm, aber

2013 wird es ganz sicher den 2. Seniorentag

geben.“

Burbach. Unter dieser Überschrift fanden

fünf Veranstaltungen statt. Das Älterwerden

stellt alle Menschen vor eine

besondere Herausforderung, eine dieser

Herausforderungen war das Thema der

ersten Veranstaltung: „Gemeinsam lernen

für Menschen mit Demenz“.

Eine Woche später kamen rund 170

Senioren zum dritten Seniorenfrühstück

in das Dorfgemeinschaftshaus

nach Würgendorf, das von der Arbeitsgemeinschaft

Seniorenfrühstück organisiert

wurde. Das gesunde Frühstück

mit viel Obst und Gemüse passte zum

Vortrag von Bärbel Altland-Neuser, Referentin

der AOK. Neben ausgewogener

Ernährung hilft auch Bewegung, um im

Alter fit zu bleiben. Hierzu hatte Edeltraut

Kruschwitz, Übungsleiterin beim

TV Würgendorf, ein kleines Bewegungsprogramm

zusammengestellt, das

gemeinsam absolviert wurde.

Das Highlight der Thementage war

sicher der Vortrag mit Henning Scherf,

dem langjährigen Bremer Bürgermeister.

„FRÜHER schon an SPÄTER denken“

Burbacher Thementage waren gut besucht

„Ich bin der Lange aus Bremen“, so

begrüßte Henning Scherf die Zuhörer in

der ev. Kirche am Römer in Burbach.

Seit 24 Jahren lebt Henning Scherf

mit seiner Frau in einer ungewöhnlichen

Wohngemeinschaft, über die er ausgiebig

berichtete. Seine Gedanken zum

Altern beziehen sich nicht nur auf das

Wohnen. Scherf sieht in der Generation

der Älteren auch die Basis für das

klassische ehrenamtliche Engagement

unserer Gesellschaft. „Es gibt für jeden

die passende Aufgabe. Geben Sie Ihre

Erfahrungen weiter und lassen Sie andere,

auch die jüngere Generation, daran

teilhaben“, so lautete sein Apell an die

zahlreichen Zuhörer.

Unter dem Veranstaltungsmotto

fand am Samstag, 5. November, ein

Informationstag zu den Themen „Gesundheitsvorsorge,

Prävention, Pflege

und Wohnen“ statt, initiiert vom „Gesundheitsforum

Burbach“. Vorträge,

Mitmach-Aktionen und ein attraktives

Rahmenprogramm luden zu dieser

kurzweiligen Veranstaltung in das Bürgerhaus

Burbach ein.

So waren die Zielsetzungen des Thementages:

Betroffene und Interessierte

über aktuelle Angebote, Neuigkeiten und

Entwicklungen

zu informieren.

Regionale Anbieter

berieten

an Informationsständen

und nützliche

Alltagshilfen

wurden an

diesem Tag

vorgestellt und

demonstriert.

Die Angebote

und Vorträge

waren sehr

vielseitig und

somit konnte

sich jeder umfassend

informieren.

12 25 Jahre durchblick 4/2011

Foto: Autorenfoto

Henning Scherf in

der ev. Römer-Kirche


Die Redaktion

Nach dem Bericht in der WDR-Lokalzeit,

anlässlich unseres 25-jährigen

Jubiläums, beanstandete eine Leserin

in ihrem Leserbrief: „Zu obiger Sendung möchte

ich Ihnen sagen, dass ich sehr enttäuscht war.

Enttäuscht deshalb, weil Sie sich nicht persönlich

vorgestellt haben...“.

Das können wir leicht ändern, dürfen dabei aber

ausdrücklich darauf hinweisen, dass zum Gelingen

des Projekts durchblick viele weitere Menschen,

viele weitere Gesichter notwendig sind! Erst

das Zusammenspiel aller Beteiligten sorgt dafür,

dass der durchblick immer wieder neu erscheinen

kann – und das nun schon seit 25 Jahren!

Aber was wären wir ohne Sie, ohne unsere

Leser? Lassen Sie uns diese Gelegenheit nutzen,

um auch Ihnen einmal danke zu sagen, danke

für Ihr andauerndes Interesse!

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen schöne

Weihnachten und ein gutes Jahr 2012!

Maria Anspach

im db seit 4/2002

Thomas Benauer

im db seit 4/2003

Helmuth Drabe

im db seit 1/2007

Ingrid Drabe

im db seit 1/2007

Ingrid Düringer

im db seit 1/2011

Friedhelm Eickhoff

im db seit 1/2002

Friedrich Fischer

im db seit 2/2008

Eberhard Freundt

im db seit 1/2004

Hubertus Freundt

im db ab 4/2011

Gerda Greis

im db seit 1/2006

Eva-Maria Herrmann

im db seit 2/2011

Erich Kerkhoff

im db seit 3/2003

Gottfried Klör

im db seit 3/2007

Erika Krumm

im db seit 1/1999

Brigitte Lanko

im db seit 1/2010

Horst Mahle

im db seit 3/2005

Tessie Reeh

im db seit 3/2007

Helga Siebel-Achenbach

im db seit 3/2004

Agnes Spar

im db seit 3/2007

Peter Spar

im db seit 3/2007

Ulli Weber

im db seit 2/2008

4/2011 25 Jahre durchblick 13


Weihnachten

De Gressdachsgeschechde of Sejener Blatt

So häd se de Gohde Lowis dä Gläine em Huss emmer verzealt

Ho, ier Kennercher, well ech ou die Geschechde

verzealn, wie et Gressdkennche of de Ear komme

es. Et woar en der Zitt, wi der Kaiser Augustus et

Sä hadde. On die, die et Sä ha, die gugge doch emmer wi

se noch me Gäld endriwe konn. On du les hä usschälln,

dat all Li sech scheatze lose sonn. Dobet woar gemaint,

dat sech rondsröm de Mänsche of

e Babier enträ solle bet allem wat

se so ha: Fäller, Wese, Haubearch,

Ke on Schofe on alles. Dat do dä

Driwes nuer, em zo gucke, dat de

Li de Schdoiern och ackerat bezalde

on sech net defoar dreckde. On

de Mänsche all mossde dohin go on

sech enträ lohse, wo ear Seppschaft

her woar.

Uss däm Grond hät sech och

der Josef of der Wäch gemacht. Hä

hadde als Zemmerma sin Usskomme en Nazareth. Do woar

hä derhaim. Hä mossde enof no Bethlehem. Do woar ganz

freher der Kenich David derhaim gewäse on met däm woar

hä ewer sewe orrer achd Äcke ferwant. Hä nohm dat Mariche

met. Wann ier maint, die zwai wearn beschdat gewäse, dat

es net a däm. Die Jongfer woar grad am aheawe on schoa

zemmlich decke. Dat Kend woar awer net fa däm Josef.

Konn et jo och net, die zwai woarn jo nuer ferschbroche. Et

Marieche schwatte derfa, dat Kend wear fam Helje Gaist.

Die Geschechde hät och geschdemmt, sost stönn et jo net so

en der Schreft.

Dat dä Josef dat Marieche met nohm, woar fillechts en

Dommeräj – et woar jo kuert foar Gressdach on dusse woar

en rächte Källe on se woarn ze Foos dä wire, wire Wäch onnerwäjens.

Awer die ahle Brofede hadde zo earer Zitt schoa

broffezäjt, dat dat Kend en Bethlehem of de Ear komme soll

on dearwäje mossde dat Mariche äwe met. Die zwai hadden

en Eassel derbi, dä schläppde dat ganze Zich, dat se met

genomme hadde. Dä Schossewäch woar wahne schleecht

on metonner doen däm Marieche all Gnoche weh. Da sadde

ät sech of dat Dier on lehs sech drä.

We se ahkomme sin, woar grad der Helje Owend. En

däm ganze Bethlehem onn dremerem fonne se kai Huss

meh met `ner fräie Schdoab. Alles woar schwickefoll. On

schdällt ou foar: Henne am Änn mossde die zwai en nem

Schdall descher de Oasse on de Easseln schlofe. Ah Schloafe

woar awer earscht emohl net ze dänke. Kumm hadden

sech dat Marieche on dä Josef gesatt, do kom ät och schoa

nerer. Dat Kend woar e Jengelche on die fresch gebackene

Mamme weckelte dä Klaj en Wenneln, dat de Wearmde

a en kom. On derno lähde ät dat Weckelkend en nen

Foorerdroch, dä woar grad lear.

En Äcke wäch fa däm Schdall woarn of ner Wehs Schöfern,

die hadde Nachtschecht on mossde of ear Schofe bassgäwe.

All die Zitt woar et schdell rem on dem, nuer af on zo

blähkte en där Disterichkait e Schof. Awer of aimol woar e

gloares Lecht remhear, dat woar so gräll, dat et dä Schöfern

en de Auge weh do. Uss däm Lecht hoarte se de harte

Schdemm fa nem Ängel, dä

säde: „Ier mossd kän Angstschessern

sin. Ech moss ou

on der ganze Ear wat Gores

beschdälln. Grad es en

Bethlehem der Messias geboarn

wurn. Dä broffezäjte

Kenich es komme on ier

konnt dat Kend en Wenneln

Foto: Agnes Spar

geweckelt em Foorerdroch

fenne.” On en Masse Ängelcher

fladderte of aimol

remhear on die songe fa`m Frere of der Ear, juchzte noch e

bessje on of aimol hadde se sech och schoa werrer huerdich

no doawe foart gemacht.

Dä Schöfern woar no däm Schandal ganz annersch.

„Sell dat da schdemme?”, frogde se sech onnerenai. Awer

einer, dä net ganz on gar dernäwer woar, mäinte: „Mier

mosse hällob no Bethlehem go on schbekeliern, ob dat all

so es, we et dä Ängel gesäht hät.” On schdandebe sin se

lossgerannt on hadde ganz fergässe, dat se of die Schofe

bassgäwe mossde. On we die Oasse bollesich bröllde, die

Easseln hart gresche on dat Weckelkend bläkte, hadden se

dä Schdall och schwinn gefonne on och geseh, dat all Sache

so woarn, wie et der Ängel gesäd hadde. Se wenschte fel

Glecke on ferzealte däm Marieche on däm Josef wat se earläwt

on fa däm Ängel gehoard hadde. Wie se werrer zerecke

of`m Wäch no ear Schohfe woarn, konne se de Schnudde

gar net me hale on se mossde all Li, dän se begänten, die

Geschechde ferzealn.

Wie dä Klaj fam Marieche acht Dach alt woar, do gräje

dä Name Jesus. Kuert derno kohme dräj Keniche uss däm

Moarjeland. Et sä ner och, dat wearn dräj wisse Männer gewease,

awer ech glauwe dat net. Wie konn et da dräj wisse

Männer sin, wann ainer fa dä Dräj e Schwarzer eas? Mer

sit dä Böma jo jedes Joar, wänn die Dräj foar der Hussdier

schdo on senge on fochdeln. Die Keniche woarn henner

nem Schdearn hear gemacht on dä blef hoarscharf öwer

däm Schdall en Bethlehem schdo on do wossde se, dat se

et gefonne hadde. Die dräj Keniche brochde däm Klaj gore

Sache bät: Gold on Weihrauch. On da och noch Mürre. Wat

dat for e Zich eas, dat ha ech awer fergässe.

So, ier Kennercher, itz konnd er nuss go on en Schnema

bouwe.

Ulli Weber

14 25 Jahre durchblick 4/2011


Weihnachten

Hohner-Sobbe

Gressdachs-Sobbe

Min ainzichsder Onkel, d’r Brorer fa minner

Modder, woar als zwaitjengsder met seks

Märercher ofgewase. Ferwearnt bes henne

gäje fa dä Wibsli, wollden di da emo wesse, ob hä och

en rechdijer Mannskalle wär, on so sollde hä foar de

kommende Gressdache sin earschdes Ho schlachde. Sost

hadde hä emmer nuer d’rnäwer geschdanne on zogeguckt,

doch itzend woar hä gefrogt. Min Groasmodder

säde da noch: „Nemm dat Glai met, alt genoch erret

met Fenne, da waiset och, daddat all so sin moss wi’et

es - ainer läbt fam annern. On em Schdelle hät si gewess

gedocht, da mosse, da bliwt äm niks annerschdes

ewerich, wann dat Gai d’rnäwer schdeat.

Ech geng och met en d’r Honerschdall hennerm

Huss. Woar darre Gewemmel, als mier do ren komen.

De Honer fladschden wi well emhear, on min Onkel

hadde sin lewe Noat, dat Ho ze packe ze grijje, wat ze

full woar, genoch Äjjer ze lä, on derwäje am Gressdach

em Sobbedebbe schwemme sollde.

Bi däm ganze Gewearr schdolberde hä da noch, fel

en d’r Dräck, gräj awer dat fulle Ho ze fasse, scherrelde

e bessje a däm Dier rem, doch et reschde äm werrer uss

de Hänn on grotschde benomme zwescher sinne Bain

duerch. Hä spurdete schwinn henner hear on dat Ho

fergos, sech ze wearn.

Of aimo brellde ech da wi ferreckt. Ai Ho heng m’r

en de Hoarn on les foar ludder Angst och noch wat falln.

„Scherrel d’r Kobb hin on hear on do’en no onne!”

Däm Ho woar dat net rächt, et fel ronner on duermelde

duerch d’r Honerschdall zo dänn annern. Ech moss net

glecklich ussgese’ ha, min Onkel säde: „Wedde itz end

Huss?” „Ich bleibe bei dir!” Woar dä fro!

No schdonn hä mem Hackebailche foarm Hauglotz,

fäst en d’r lenke Hand e Ho wat flejje woll on neme

konn on och net soll. Itz feng d’r Giggel a ze krä,

on dat Ho a ze gwikse. „No mossde dra glauwe”, säde

min Onkel on schlog schwinn so fäsde zo, darret

om Hauglotz grachde. D’r Kobb fel ronner, dat Ho

awer bewäjde sech noch, gledschde äm uss d’r Hand,

flog aimol one Kobb em os rem, on da woar dä ganze

Schbok foarbi.

Min Onkel on ech, mier zwai sogen os ferdaddert a

on ha am earschde Gressdach nuer end Sobbe-Debbe

rengeguckt.

Gerda Greis

Das verschlossene

Zimmer

Geheimnisvoll, wie jedes Jahr,

war bestimmt das Christkind da,

und Kinder gucken immer noch

gerne mal durchs Schlüsselloch.

Doch wenn das Weihnachtsglöckchen klingt,

drinnen schon ein Englein singt,

öffnet sich die Tür ganz weit,

so ist es stets zur Weihnachtszeit.

Dort steht der große Tannenbaum,

reich geschmückt füllt er den Raum,

glanzvoll bunte Kugeln blitzen,

Lametta ziert die Tannenspitzen.

Darunter liegt ganz zart und fein

das Kind in einer Krippe klein

auf Stroh mit seinem goldnen Schein.

Maria und Josef sind bereit

es zu beschützen jederzeit.

Die Hirten kamen von dem Feld

und haben Gaben aufgestellt.

So ist und bleibt die Tradition

viele hundert Jahre schon!

Und wieder liegt auch in der Luft

Lebkuchen-, Zimt- und Mandelduft.

Wenn angezündet alle Kerzen

und Friede kehrt in uns`re Herzen,

singen wir dann froh im Chor

altbekannte Weihnachtslieder vor.

Frohe Weihnachten!

Helga Düringer

4/2011 25 Jahre durchblick 15


Weihnachten

Tante Metas Nikolausüberraschung

Seit Onkel Herbert diese Narbe an der Schläfe hat,

essen er und Tante Meta in der Weihnachtszeit nur

noch trockene Kekse. Das war früher anders. Wenn

man die beiden so sieht, stabil, rosig und gut genährt,

dann vermutet man richtig, dass sie allem Essbaren, und

im Besonderen den Spezialitäten in der Vorweihnachtszeit,

nicht abgeneigt sind. Da gab es immer Tante Metas

„Schneekugeln“, ein Traum aus Schokolade, Zucker und

Kokosraspeln.

Doch alles änderte sich an einem Nikolaustag. Frühmorgens

tappte Onkel Herbert gähnend und frierend durchs

Treppenhaus. Grund war Arthur, der junge Hund, den die

beiden sich vor wenigen Tagen zugelegt hatten. Onkel

Herberts Pflicht war es, sofort nach dem Wachwerden mit

dem Kleinen in den Garten zu gehen, damit sich dieser dort

erleichtern konnte. Onkel Herbert war gegen diese Hunde-

Anschaffung, weil er ungebunden bleiben wollte. Doch

Tante Meta setzte wieder einmal mehr ihren Willen durch

und so erledigte Onkel Herbert allmorgendlich diese unangenehme

Pflicht. Er warf den Mantel über seinen Schlafanzug

und ging Richtung Heizung, wo seine vorgewärmten

Winterstiefel standen, die er gestern Abend, nachdem Tante

Meta schon schlief, dort hingestellt hatte… Was er nicht

wusste… dass Tante Meta vorher heimlich eine süße Nikolausüberraschung

in einen seiner Stiefel legte…

Arthur hüpfte schon schwanzwedelnd um Onkel Herbert

herum. Das Zwicken in seinem rundlichen Bauch

signalisierte, dass es höchste Zeit war, in den Garten zu

kommen. Hatte er doch die ganze Nacht über in seinem

Körbchen ausgeharrt und sich nicht von dem „Schneekugelduft“,

der aus Onkel Herberts Stiefel drang, verführen

lassen. Also ergriff Onkel Herbert den ersten Stiefel und

schob seinen Fuß hinein. Im nächsten Augenblick stieß

er ein „äää“ aus und versuchte auf einem Bein hüpfend,

durch wildes Schütteln, den Stiefel wieder vom Fuß zu

bekommen. Doch der Fuß hatte die inzwischen völlig

aufgeweichte Serviette schon durchstoßen, mit der die

„Schneekugeln“ umwickelt waren. Es legte sich eine

warme, weiche klebrige Masse um seine Zehen.

Sein erster Gedanke galt natürlich nicht der Nikolausüberraschung,

sondern er hegte den Verdacht, das Arthur

sich auf recht unappetitliche Weise in seinem Stiefel vergessen

hatte. So versuchte er nun weiter durch Hüpfen

und Schütteln den Stiefel loszuwerden. Und es gelang ihm

auch. Der Stiefel flog im hohen Bogen davon und knallte

schwungvoll gegen den Flurspiegel. Der laute Knall verschreckte

den Welpen so sehr, dass dieser die mühsam aufrechterhaltene

Kontrolle über seine Blase verlor. In dem so

entstandenen Bächlein landete Onkel Herbert, immer noch

auf einem Bein hüpfend, und verlor die Balance. Im Fallen

riss er den schon ohnehin schiefhängenden Flurspiegel von

Foto: Tessie Reeh / Fotolia

der Wand. Dieser zersprang in viele Stücke. Eines davon

traf Onkel Herbert an der Schläfe und hatte zur Folge, dass

er dort eine Narbe zurückbehielt.

Arthur blieb glücklicherweise unverletzt und begann

nach einigen Schrecksekunden, hingebungsvoll Onkel Herberts

Fuß abzuschlecken. Allerdings wurde er schnell von

Tante Meta verscheucht, die durch den Lärm aufgeschreckt

die Treppe herunter eilte.

„Schneekugeln“ sind nun wirklich nichts für einen jungen

Hundemagen.

Seit diesem Vorfall begnügen sich Tante Meta und Onkel

Herbert in der Adventszeit nur noch mit schokoladefreien

Keksen.

Ulla D’Amico

16 25 Jahre durchblick 4/2011


Weihnachten

Weihnachten

Woran denken wir, wenn die Zeit gekommen ist

und wenn wir dieses Wort aussprechen, vielleicht

an glückliches Kinderlächeln, an einen

geschmückten Tannenbaum, an weiße Kerzen, an Süßigkeiten,

die in den Zweigen hingen

und an denen wir uns nicht vor

dem Heiligen Abend vergehen

durften. An Lametta, das man

heute wohl kaum noch kennt, an

den Duft grüner Zweige und gebratener

Äpfel, die in der Röhre

des Kachelofens schmorten. Weit

in die Vergangenheit schweifen

unsere Gedanken und holen die

Erinnerungen der Kindheitstage

zurück, als sei das Weihnachtsfest

nur eine Angelegenheit für Kinder.

Die Zeit hat sich geändert.

Selbst der Tannenbaum sieht heute

anders aus. Nur rotbackige Äpfel, und wenn man näher

kommt, stellt man fest, dass sie aus Plastik sind.

Wenn die Geschenke nicht elektronisch

gesteuert werden, genügen sie häufig

nicht mehr den Ansprüchen.

Und der eigentliche Gedanke, dass es da ein Kind gab,

das uns den Frieden und die Liebe bringen sollte, tritt in den

Hintergrund. Und wenn die Geschenke nicht elektronisch

gesteuert werden, genügen sie nicht mehr den Ansprüchen.

aber wohl nur für den, der sie sehen will.

Foto: Wickipedia

Die Zeit hat sich geändert und

man braucht nicht darüber zu

streiten, ob es damals besser war

als heute, es ist alles nur anders.

Aber damals wie heute hat

auch die Weihnachtszeit manchmal

eine dunkle Seite, vor allem

dann, wenn man, nicht wie heute,

nicht in Frieden leben kann.

Und Not und Elend und großes

Leid bleiben auch dann, wenn

es weihnachtet, und doch wird

manchmal gerade in schlimmer

Zeit die Hand Gottes sichtbar,

Johannes Buhl

Onkel Hermann

von Lieselotte Wesely

Wenn sich das Jahr neigt und stiller wird, schaut

man gerne durch die Fenster der Erinnerung.

Dabei taucht Onkel Hermann in meinem

Gedächtnis auf. Er war ein Glücksfall für uns Kinder,

obwohl er kein „richtiger“, kein verwandter Onkel war.

Tante Ilse, die Schwester meiner Mutter, hatte ihn zu

uns ins Haus gebracht und nannte ihn „mein Verehrer“.

Onkel Hermann stellte jedenfalls unsere verwandten Onkel

weit in den Schatten. Er war in einer Kunsthandlung

tätig, wohin er gut passte, weil er selbst eine Art Künstler

war. Er brachte uns Hummelbilder mit, und wir hatten

bald eine Galerie davon und prahlten damit vor unseren

Freunden.

Noch besser gefiel es uns, dass Onkel Hermann auch

malen konnte und uns ganze Geschichten aufs Papier zauberte.

Farbstifte hatte er immer bei sich. War einer von uns

verdrießlich oder traurig, malte ihm Onkel Hermann eine

lustige Figur oder ein Fabelwesen auf die Hände, den Arm

oder auf die Stirn. Die Kunstwerke wurden am Abend nur

unter Protestgeschrei wieder abgewaschen.

Manchmal führte uns Onkel Hermann in den Eispalast.

Diese Leckerei bekamen wir gewöhnlich vom Eismann, der

mit seinem Wagen laut schellend durch die Straßen fuhr.

Dann gab es Eis in einer Waffeltüte für zehn Pfennige. Aber

aus Silberbechern, die der Kellner an Marmortischchen

brachte, wurde das Eisessen zu einem festlichen Akt.

Dann, irgendwann, kam Tante Ilse alleine, ohne Onkel

Hermann, zu uns. Sie hatten sich zerstritten, erfuhren wir.

Und das Schlimmste: Tante Ilse machte keine Anstalten,

diesen Zustand zu ändern.

Später heiratete sie einen Uhrmacher. Der hatte nur wenige

Haare, aber ein Uhren- und ein Lebensmittelgeschäft.

Letzteres musste Tante Ilse besorgen und den großen Haushalt

dazu. Sie klagte oft über zu viel Arbeit. Sie tat uns aber

nicht leid. Zwar verhalf uns ihr Uhrmacher zur ersten Armbanduhr

unseres Lebens; für Onkel Hermann, den sie uns

genommen hatte, hätten wir sie gerne hergegeben. Von den

Wechselfällen irdischen Lebens, die uns Menschen manchmal

arg mitspielen, wussten wir damals noch nichts.

4/2011 25 Jahre durchblick 17


Weihnachten

O Tannenbaum

Helma knöpfte den Mantel zu, prüfte, ob sie ein Taschentuch

hatte und steckte das Kleingeld für den

Klingelbeutel ein. „Mama, vor Tante Emmas und

auch vor Onkel Hermanns Kellertür steht ein Weihnachtsbaum,

bei uns steht noch keiner. Und heute ist schon der

vierte Advent.“ Wenn wir kamen, waren die Bäume jedes

Mal ausverkauft.

Auf dem Weg zur Kirche musste Helma über den Marktplatz

und sah die an Mauer und Zaun gelehnten Blautannen,

Fichten und Kiefern. „Komisch. Zu Hause hatte es geheißen:

‚Wenn wir kamen, waren die Bäume immer alle weg.‘

Jetzt sind viele da, doch keine Käufer.“ Sie ging langsamer

weiter und traf ihre Freundin. „Ob ich eben Bescheid sage,

dass neue Tannenbäume geliefert wurden?“ „Dann kommst

du zu spät.“ „Ich könnte ja einfach schwänzen!?“ „Als

Konfirmandin – noch dazu

am Goldenen Sonntag?“

Das Stillsitzen im Gottesdienst

fiel Helma heute besonders

schwer. „Hoffentlich

haben sie gleich noch Tannenbäume“,

flüsterte sie ihrer

Freundin zu. „Die sind doch

froh, wenn alle weg sind.“

Ein Räuspern der Gemeindeschwester

am Anfang der

Bankreihe ließ die Mädchen

verstummen. Helma vergrub

ihre Hände mit gedrückten

Daumen und gestreckten

kleinen Fingern in den Manteltaschen.

Die Predigt schien

kein Ende zu nehmen.

Sonst standen die Mädchen

vorm Portal noch

schwätzend und kichernd

zusammen, bevor sie sich

trennten, doch heute rannte

Helma sofort zu den Nadelbäumen

hinüber und begutachtete

sie. So richtig gefiel ihr keiner. Sie war einen

großen, dichten Baum gewöhnt, hier standen jedoch nur

noch kleine krumme und spillerige. Sie ging langsam zum

Ausgang und murmelte: „Es sind ja noch ein paar Tage bis

zum Heiligen Abend. Vielleicht werden morgen bessere

ausgestellt“ und hörte den Händler zu einer unentschlossenen

Kundin sagen: „Wir sind nur noch heute hier.“

Helma kehrte um und schlenderte wieder an den Christbäumen

entlang. Als der Verkäufer neben ihr einen Baum

aufstampfte, zuckte sie zusammen. Er lächelte sie an,

drückte die Zweige herunter und drehte die Tanne langsam.

„Vier Mark.“

In der Mitte war der Baum sehr licht, seine Spitze gebrochen

und unten auch ein Zweig geknickt. „Mit Kugeln, Lametta

und Leckereien geschmückt wird er hübsch sein“, pries

der Verkäufer seine Ware an. Die Angst, Weihnachten ohne

Baum feiern zu müssen, ließ sie kaufen. Der Händler kassierte

und legte ein Stück Zeitung zum Anfassen an den Stamm.

Mal trug Helma die Tanne rechts, mal links, aber stets

mit weit ausgestrecktem Arm, da der Sonntagsmantel nicht

schmutzig werden durfte. Das Papier zerriss bald, die Hände

verklebten dadurch harzig, wurden immer kälter und der

Baum mit jedem Schritt schwerer.

Zuhause öffnete ihr Vater die Tür, stutzte und rief:

„Helene!“ Helmas Mutter schaute übers Treppengeländer

zu ihnen herunter, nahm die Lesebrille ab und fragte: „Was

ist das denn?“ „Ein Tannenbaum“,

strahlte Helma. Ihr

Vater nahm den Baum, sang:

„O Tannenbaum...“, und stieg

damit die Treppe hinunter.

Helma folgte ihm. Bedächtig

drehte er den Schlüssel, schaltete

das Licht an und stieß die

Tür weit auf. Sofort kullerten

Tränen über Helmas Wangen,

denn in der Ecke neben

dem alten Schrank lehnte eine

große, schlank und gerade gewachsene

Tanne.

Tante Meta, deren Augen

und Ohren im Haus nichts

verborgen blieb, öffnete die

Korridortür. „Warum weint

das Kind?“ „Sie glaubte“, antwortete

Helmas Mutter, „wir

hätten noch keinen Baum und

kaufte auf dem Rückweg von

der Kirche einen. Jetzt haben

wir zwei.“

Tante Meta stieg langsam

die Kellertreppe hinunter und begutachtete den Baum. „Wir

haben noch keinen. Der hätte genau die richtige Größe für

uns. Was hast du dafür bezahlt?“ „Vier Mark.“. „Vier Mark

für das Gerippe!“ Doch dann folgte: „Geschmückt sieht er

bestimmt ganz gut aus. Ich kaufe ihn dir ab.“ Helma atmete

tief und trocknete die Tränen, denn das Loch in ihrer Taschengeldkasse

würde wieder ausgefüllt werden.

Oben umarmte sie wegen der misslungenen Weihnachtsüberraschung

mit schlechtem Gewissen ihre Mama,

doch die tröstete ihre Tochter.

Wilma Frohne

Foto: fotolia.com

18 25 Jahre durchblick 4/2011


Sechs Frauen und

(k)eine

Weihnachtsgans

Weihnachten

Kinder fragen Großmütter gerne über die Vergangenheit

aus. So war es auch bei mir, wenn ich meine

Oma abends vor dem Einschlafen bat, mir eine

Geschichte von früher zu erzählen.

Sie tat es gern und ich hörte ihr aufmerksam zu, bis ich

einschlief. Es waren wahre Begebenheiten, so auch diese

Geschichte aus dem Jahre 1944.

Der Krieg hatte grausame Spuren hinterlassen und war

noch nicht zu Ende. Die schlimmsten Ereignisse sparte sie

auf Grund meines Alters bei ihren Schilderungen aus; aber

sie erzählte mir die Geschichte von der Weihnachtsgans!

In ihrem kleinen Bauernhaus lebten zu der Zeit sechs

Frauen. Drei Frauen waren aus dem Osten geflohen und

suchten Zuflucht auf dem Bauernhof, das alte Tantchen,

welches einmal als Haushälterin dort Arbeit fand und bis zu

ihrem Lebensende Wohnrecht genoss, meine Großmutter

und meine Mutter, die mit mir schwanger war. So verschieden

auch ihre Jahrgänge waren, hatten alle doch ganz ähnliche

Schicksale zu tragen. Alle waren Kriegerwitwen. Zwei

hatten ihre Männer im Ersten Weltkrieg verloren, die anderen

drei Frauen im Zweiten Weltkrieg. So schweißte sie ihr Erlebtes

besonders zusammen. Sechs Frauen, die Hunger litten

und alles teilten, was auf dem Lande noch aufzutreiben war.

Weihnachten 1944 stand vor der Tür, und sie hatten trotz

aller Missstände einen großen Plan. Sie besaßen eine Gans, die

sie schon monatelang aufzogen, fütterten und sogar stopften,

damit sie bis Weihnachten recht fett war. Die Frauen aus dem

Osten kannten sich damit besonders gut aus und waren täglich

damit beschäftigt, die Gans so gut es ging zu versorgen.

Alle freuten sich auf das Fest mit dem großen Gänsebraten!

Meine Oma konnte schlachten, wunderbar kochen

und braten, alles war perfekt vorbereitet. Die Vorfreude war

Foto: Gottfried Klör

riesig, doch dabei sollte es wohl auch bleiben! Man hatte

die Gans, damit sie auch im Freien Futter zu sich nahm, in

ein kleines Grasgärtchen hinter der Scheune gesperrt und

ihr auch ab und zu Auslauf gegeben. Eine der Frauen hatte

sie sogar getauft und so bekam sie den Namen „Lisa“.

„Lisa“ watschelte gut genährt über den Hof und alle

waren begeistert. Dann kam der große Tag, an dem „Lisa“

geschlachtet werden sollte, doch zum Entsetzen der vom

Hunger geplagten Frauen war „Lisa“ nicht mehr auffindbar.

Gemeinsam machten sie sich auf die Suche und riefen die

Gans, die „Lisa“ hieß, doch „Lisa“ tauchte nicht mehr auf.

Nach stundenlanger Suche und Tieffliegerbeschuß war klar,

alle Mühe war vergebens, „Lisa“ blieb verschwunden.

Da kam ein Nachbar vom Bahnhof und erzählte, dass ein

Hamsterer mit einem Rucksack in den Zug gestiegen sei,

aus dem eine Gans ihren langen Hals herausreckte. Da war

alles klar, das muss wohl unsere „Lisa“ gewesen sein!Alle

haben bitterlich geweint und mussten auch an diesem Weihnachtsfest

auf den ersehnten Gänsebraten verzichten.

Auch heute gibt es immer wieder Kriege und notleidende

Menschen auf der Welt und es nimmt kein Ende. Sind

wir nicht heute oft undankbar beim Schlemmen? Besonders

an den Weihnachtsfeiertagen muss ich immer wieder an

diese Geschichte denken.

Helga Düringer

Himmels-Kapriolen

Der Himmel scheint heut durchgedreht,

ist zickenhaft und sehr labil.

Die Wolkenbänke, abgeweht,

entladen sich immens stabil.

Der Abendlärm ist längst verstummt,

nur Regentropfen trommeln weit.

Wer sich jetzt wagt, der geht vermummt,

noch tapfer durch die Dunkelheit,

mit Hund, der seine Fährte kennt,

(er führt sein Herrchen an der Leine)

nimmt nun Reißaus und überrennt

verschmähend seine Lieblingssteine.

Ein Schneegestöber bester Sorte

das Dunkel schnell mit Weiß versieht.

Der Überraschte, hier vor Orte,

schnellstens in Geschütztes flieht.

Das Ganze hinter Glas betrachtet,

lach ich im Warmen unverhohlen,

im Bett, mit Buch,

die Zeit missachtend,

pfeif ich auf Himmels-Kapriolen.

Edith Maria Bürger

4/2011 25 Jahre durchblick 19


Historisches

Luftangriff auf Siegen

Erlebt vor 67 Jahren am 16. Dezember 1944

Es war ein winterlich klarer,

sonniger Tag weit

nach der Mittagszeit,

als am 16. Dezember 1944 die

Sirenen heulten. Vor-Alarm.

Ich rannte auf die Straße und

schaute zum Himmel. Wieder

Sirenengeheul. Voll-Alarm.

Bei diesem ersten aufkommenden

Heulton wurde es lebendig

auf der Straße. Menschen

hasteten und rannten

keuchend, mit dem Notwendigsten

an Gepäck beladen, ihre

kleinen Kinder auf den Armen

und auch noch im Kinderwagen, in den Charlotten-Bunker.

Ein Tunnel, der eigentlich als Gleisanschluss für eine in

der Nähe gelegene Firma zum Bahnhof Eintracht gedacht

war. Es fehlten nur noch die Schienen. Als Bunker genutzt,

gab er zu der Zeit der Luftangriffe unwahrscheinlich vielen

Menschen Schutz. Auch das Rote Kreuz mit Ärzten und

Helfern war dort stationiert, ebenfalls eine behelfsmäßige

Zahnarztpraxis.

Unsere Wohnung lag in direkter Nähe des Bunkereingangs.

Meine kleinere Schwester, wie auch viele andere

Kinder und ältere Menschen, hielten sich oft den ganzen

Tag über dort auf. Einige Anwohner hatten eiserne Bettgestelle

im vorderen Teil aufgestellt, vollbeladen mit Bettzeug,

Bekleidung und vor allem mit Lebensmitteln und

Haushaltgegenständen – wir auch.

Nach dem letzten Heulton der Sirenen stand ich noch

auf der Straße vor unserem Küchenfenster im Parterre

und rief so laut ich konnte mehrmals nach meiner Mutter.

Schwerhörig wie sie war und immer darauf bedacht, schnell

noch etwas erledigen zu müssen, wusste ich, auch wenn sie

dich hört, kommt sie, wann sie will. Und jetzt das Dröhnen

der feindlichen Flugzeuge im Anflug. Immer aufgeregter

und lauter wurde mein Schreien. Es war zwecklos. Meine

Mutter kam nicht. Lauf! Lauf in den Bunker, riefen mir die

noch vorbeieilenden Nachbarn zu.

Foto: Bundesarchiv

Ich stand wie versteinert

da, sah oben im

gleißenden Sonnenlicht

den Flugzeugverband

silbrig glänzend direkt

über mir – und, meine

Mutter kam immer noch

nicht. Eine Frau rannte

an mir vorbei, ihre Arme

grotesk durch die Luft

schwenkend, das Haar

zerzaust, den Mantel offen,

rief sie in einem fort,

während sie weiter rannte,

rannte und rannte: „Mein

Kind! Mein Kind! Mein Kind!” „Was ist mit Ihrem Kind?”

„Da hinten, da unten, im Sportwagen, da auf der Straße!”

Ohne ihr Kind war sie einfach weiter gelaufen. Panik! Das

war die reine nackte Angst.

Immer noch stand ich da, den Blick nach oben gerichtet,

und als habe ich auf etwas gewartet, öffneten sich bei den

ersten Flugzeugen die Ladeluken. In regelmäßigem Gleichmaß

fielen dann die Bomben heraus, eine nach der anderen,

den winterlichen Sonnenschein auf der Oberfläche mitnehmend.

Ich war fasziniert – bis die erste Bombe zur Explosion

kam. Meine Erstarrung wich und ich rannte, rannte und

rannte, gerade noch früh genug, ehe die Bunkertüren hinter

mir geschlossen wurden – ohne meine Mutter.

Ein Trümmerhaufen aus Schutt und Asche, das war einmal

die schöne alte Krönchenstadt Siegen. Nachbarn hatten

das von seiner Mutter verlassene Kind in einen schützenden

Keller geholt, meine Mutter hatte es nur noch bis

zur Haustüre geschafft. Eine Brandbombe fiel ihr fast vor

die Füße. Es war ein Blindgänger. Noch auf der Haustürtreppe

stehend, verspürte sie plötzlich eine Erschütterung

wie ein dumpfer Aufschlag. Mit dem Gefühl, hier stimmt

etwas nicht, rannte sie nach oben und fand auf dem Speicher

ebenfalls eine Blindgänger-Brandbombe. Sie nahm die

Bombe und warf sie aus dem Dachfenster auf die Straße.

Der Blindgänger blieb, was er war! Gerda Greis

Wir,

die mit dem

Henkelmann

Geborenen….

Kriegskinder

von Miriam Kiep

Er war ja nötig,

um alles zu sammeln,

Brot und Knöpfe, Papier

und er wuchs mit,

immer weiter

Brot und Knöpfe, Papier

Tränen

Jetzt, im Alter,

so fest mit

dem Körper verwachsen

in Wind und Wetter

ist er rostig

und schmerzt

voller Löcher

durch die alles fällt

das Brot, die Knöpfe

und das Papier

und die Tränen tropfen

stetig

heraus.

20 25 Jahre durchblick 4/2011


Der Kommentar

Novemberstimmung

Langsam schließt sich wieder ein Jahresring. Der

November schlich sich wie eine „graue Eminenz“

in unseren Alltag. Die Tage wurden früher dunkel

und der Himmel verhüllte sich zunehmend in Nebel. Nur

Kindern, den Kleinen, konnten diese trüben Stimmungen

nichts anhaben. Sie durften abends ihre bunten Laternen anzünden

und teils kräftig schrill oder piepsig schräg, die im

Kindergarten geübten Liedchen singen. Und! Sankt Martin

hoch zu Ross ist ein Höhepunkt geblieben.

Wie in jedem Jahr zog es wieder zahlreiche Shopping- und

Kaufsüchtige über unsere Landesgrenzen, dorthin, wo Allerheiligen

nicht als Feiertag gilt. Und doch war ja eigentlich der

November als der Monat der Besinnung und des Gedenkens

gedacht. So sollte am 31. Oktober das Wirken um die Reformation

wachgehalten bleiben. Aber in unserer Hektik wurde

Martin Luther vergessen und – wie der Buß- und Bettag –

schon vor langer Zeit der Pflegeversicherung geopfert. Nun

ja, diese beiden Tage wurden viel früher schon bei nasskaltem

Wetter auch zum Kuss- und Bett-Tag umfunktioniert. Und wie

verliefen die weiteren Gedenktage des Monats? Wir mussten

66 Jahre nach Kriegsende wieder

Gefallene beklagen! Und

das, „wo doch deutsche Soldaten

nie wieder an Kriegshandlungen

in einem fremden

Land teilnehmen sollten“ …

so oder ähnlich klang es

doch einmal! Wir mussten

den „Wahl-Verspreche(n)rn

gedenken“. Denn nicht nur

die politische Europa-Euro-

Euphorie ist längst vernebelt.

Naja und was bleibt von

den überlieferten Dingen, die

altbewährt zum Wohle aller

Heute von

Eva-Maria Herrmann

begangen, gelebt und geachtet wurden? Besinnung?

Advents- und Weihnachtszauber? Ach ja, es stand ja schon

lange vor dem kalendarischen Herbstbeginn in den Läden.

Verkehrte Welt! Nein! …es ist einfach nicht mehr, wie

es einst mal war. Schade

Gutschein

Für einen kostenlosen Hörtest und

kostenloses Probetragen eines

Hörgeräts

Foto: Gottfried Klör

Kreuztal

Roonstr. 2 0 27 32 - 55 39 77

Siegen

Im Gebäude der Sparkasse Weidenau

Weidenauer Str. 167 02 71 - 7 41 17 05

4/2011 25 Jahre durchblick 21


Historisches

Erzgruben, Eisenhütten und Hauberge

Historische Ausstellung in der Sparkasse

Im Kundenzentrum Morleystraße der Sparkasse Siegen

war vier Wochen lang eine heimatgeschichtliche

Ausstellung zu sehen. Unter dem Titel „Im Land der

Erzgruben, Eisenhütten und Hauberge“ waren 70 großformatige

Arbeiten des Betzdorfer Fotografen Peter Wellers

(1868–1940) ausgestellt. Zur Zeit Wellers „boomte“ der

Bergbau an oberer und mittlerer Sieg – viele tausend Bergleute

fanden hier Arbeit. Der Hobbyfotograf konnte sich

vom Haldenjungen der Grube Bindweide zum Bürobeamten

der Kruppschen Bergverwaltung hocharbeiten. Es verwundert

also nicht, dass er dem Bergbau seine besondere

Aufmerksamkeit schenkte. Die Fotografien sind alle kurz

vor oder während des Ersten Weltkrieges bei Streifzügen

durch Wellers Heimat rund um Betzdorf und durch das ganze

Siegerland entstanden.

Neben den Anlagen von Berg- und Hüttenwerken hielt

Weller auch Arbeitsvorgänge im Bergwerk, in der Landwirtschaft

und im Hauberg fest. Besonders beeindruckend sind

die „Innenansichten“, die die Bergleute bei ihrer schweren

und gefährlichen Arbeit zeigen, besonders aber auch der

Wolfgang

Suttner,

Kreiskulturreferent

als interessierter

Besucher

der

Ausstellung

Foto: Dr. Horst Bach

Einsatz von Frauen und Kindern, die als „Erzengel“ vor

den Röstöfen und an der Sortieranlage arbeiten mussten.

Die Ausstellung ist sicher ein wichtiges Dokument der

Siegerländer Wirtschaftsgeschichte aus der Zeit Anfang

des 20. Jahrhunderts. Der Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein

hat zum Thema einen repräsentativen Bildband

aufgelegt.

Horst Mahle

Stadtreinigung Siegen

Die Stadtreinigung ist

neben der allgemeinen

Sauberkeit zuständig

für die Müllabfuhr,

die Abfallberatung die

Straßenreinigung und

den Schneeräumdienst.

Indirekt organisiert sie die

Entsorgung von Altpapier,

Altglas und Wertstoffen

(gelber Sack).

Den Großteil der

Müllabfuhr führt die Stadt

mit eigenem Personal

und eigenen Fahrzeugen

durch. Hierzu zählt auch

die Entsorgung des

Restmülls, des Sperrmülls

und der Bioabfälle für

etwa 60.000 Haushalte.

Um unnötige Abfälle zu vermeiden

können wir alle bei unseren täglichen

Einkäufen darauf achten, Produkte in

Einwegverpackungen zu vermeiden.

Jeder Einzelne kann durch sorgfältige

Auswahl von Waren dazu beitragen,

die Umwelt zu schonen und Geld für die

immer aufwändigere Abfallentsorgung

zu sparen.

Straßenreinigung

Neben der Reinigung

bestimmter Straßen ist die

Abteilung Stadtreinigung

für die Säuberung der

städtischen Grundstücke,

die Reinigung der Fußgängerzonen

und die

Leerung von über 2.000 im

Stadtgebiet aufgestellten

Papierkörben zuständig.

Winterdienst

Im Winter hält die Stadtreinigung

nicht nur die

Fahrbahnen schneefrei,

auch der Winterdienst auf

den Gehwegen an städtischen

Liegenschaften gehört

zum Aufgabenbereich.

Müllabfuhr

In Zeiten knapper werdender Rohstoffe ist es besonders

wichtig, Abfälle getrennt zu sammeln und einer

ökologisch unbedenklichen Verwertung zuzuführen.

Auf diese Weise tragen wir alle ein Stück dazu bei, die

natürlichen Ressourcen zu schonen bzw. eine erneute

Verwertung zu sichern.

Altpapier

Die Entsorgung von

Altpapier ist auf ein privates

Unternehmen übertragen, das

im Auftrag der Stadt Siegen

eine Wiederverwertung sicherstellt.

Altglas / Plastik

Die Entsorgung von

Altglas und Plastik (Gelber

Sack) erfolgt im Rahmen

des Dualen Systems

Deutschland (DSD). Hier

wird die Stadt Siegen lediglich

durch die Bereitstellung

der Wertstoffdepotstandorte

und die Veröffentlichung der

Abfuhrtermine tätig.

Abfallberatung

Weitere Informationen zu

den Themen Stadtreinigung

und Müllabfuhr erhalten Sie

unter:

Stadt Siegen

Stadtreinigung

57074 Siegen

Fludersbach 56

Telefon 0271 / 404-0

www.siegen.de

22 25 Jahre durchblick 4/2011


Kreisverband

Siegen-Wittgenstein/Olpe

Sozialstation

Pflege zu Hause

Unser Angebot im Überblick:

15 Jahre Erfahrung bei Leistungen in

der Grund- und Behandlungspflege

(von der Hilfe bei der Körperpflege bis

hin zu ärztlich verordneten Leistungen)

Hauswirtschaftliche Hilfe

(z.B. Reinigung der Wohnung, Kochen,

gemeinsame Einkäufe, Arztbesuche,

Behördengänge u. a.)

Kurse für pflegende Angehörige

zu wichtigen Themen rund um die

Pflege zu Hause

Rund um die Uhr erreichbar

Eine ausgebildete Wundmanagerin

versorgt verschiedenste Wunden professionell

und nach neuesten Erkenntnissen

Auf die Pflege langzeitbeatmeter

Patienten sind wir spezialisiert

Wir betreuen und unterstützen demenziell

erkrankte Menschen und

ihre Angehörigen

Für mehr Sicherheit in den eigenen

vier Wänden sorgt unser Hausnotrufsystem

AWO-Kreisverband Siegen-Wittgenstein/Olpe

MDK Ergebnis:

„Sehr gut

in der Pflege“

Sozialstation

Tel. 0271 / 89061 - 11

– Pflege zu Hause Fax 0271 / 89061 - 21

Am Sohlbach 18 www.awo-siegen.de

57078 Siegen

pflege@awo-siegen.de

4/2011 25 Jahre durchblick 23

(Dezember 2010)


Für sich, für uns, für alle.

Alfonso Lopez Garcia für Engagement ausgezeichnet

Ehrenamtliches Engagement

tut einfach

gut – nicht

nur denen, für die man

sich engagiert, sondern

auch dem ehrenamtlich

Tätigen selbst. Und es

darf zu Recht stolz machen.

Diese Erfahrung

durfte kürzlich Alfonso

Lopez Garcia machen,

Siegener mit spanischen

Wurzeln und unter anderem

Koordinator des

Alfonso Lopez Garcia „Interkulturellen Seniorennetzwerks

Siegen“.

In Köln wurde Lopez Garcia jetzt von der für Pflege und

Alter zuständigen Ministerin, Barbara Steffens, für sein außerordentliches

ehrenamtliches Engagement für Menschen

mit Zuwanderungsgeschichte ausgezeichnet; die Urkunde

wurde von Staatssekretärin Marlis Bredehorst überreicht.

Die Staatssekretärin betonte, dass Migrantinnen und Migranten

der ersten Generation sich von Anfang an engagiert

hätten – in den Gewerkschaften, den Migranten-Selbsthilfeorganisationen,

in Kirchen- oder Moscheegemeinden sowie

in kommunalen Migrantenvertretungen; es werde Zeit,

dieses Engagement stärker in den Fokus zu rücken.

Alfonso Lopez Garcia, Jahrgang 1943, kam im Alter

von zwanzig Jahren aus seinem Heimatland Spanien nach

Deutschland. Hier war er bis zu seiner Pensionierung als

Sozialarbeiter tätig. Doch auch im Ruhestand ist der temperamentvolle

und aktive Spanier kaum zu bremsen. Er setzt

sich für die Belange von Migranten und für ein Miteinander

der über 130 Nationen in Siegen ein. Die Liste seiner

ehrenamtlichen Tätigkeiten ist lang:

Foto: Gottfried Klör

Gesellschaft

Alfonso Lopez Garcia ist Vorsitzender der spanischsprachigen

katholischen Gemeinde Siegen, Gründungsmitglied

und ehemaliger Vorsitzender des seit 1984 bestehenden

Ausländerbeirates (seit 2004 Integrationsrat) der Stadt Siegen

sowie Mitglied im Seniorenbeirat der Stadt Siegen; seit

über 20 Jahren ist Lopez Garcia Mitgestalter des Siegener

Freundschaftsfestes im Park des Oberen Schlosses, und er

leitet außerdem vom Rathaus Weidenau ausgehend eine

Seniorenwandergruppe, den „3000-Schritte-Spaziergang“.

Sein jüngstes Projekt ist das 2008 gegründete „Interkulturelle

Seniorennetzwerk Siegen“ zur Förderung der Integration

von zugewanderten älteren Menschen in Siegen,

dessen Leitung in seinen erfahrenen Händen liegt und das

auch schon Früchte trägt: Seit Oktober 2009 gibt es den

„Interkulturellen Singkreis“, den Lopez Garcia nicht nur

initiiert hat, sondern in dem er – wie sollte es anders sein –

natürlich auch selbst stimmgewaltig mitsingt.

Neben all diesen ehrenamtlichen Tätigkeiten bleibt ihm

auch noch Zeit für seine

Familie; Lopez Garcia, seit

35 Jahren verheiratet, ist

stolzer Vater dreier Söhne

und ein hingebungsvoller

Großvater.

Alfonso Lopez Garcia ist

beispielgebend für die

gesellschaftliche Partizipation

von Menschen mit

Zuwanderungsgeschichte

und die Ehrung, die ihm

am 19. Oktober in Köln

zuteil wurde, eine wohlverdiente

Anerkennung

für sein außerordentliches

Engagement. Anke Berg

Staatssekretärin Marlis Bredehorst

überreichte Garcia

die Urkunde für sein ehrenamtliches

Engagement

Foto: Landesregierung NRW

Ihr Partner fürs

Wohnen und Bauen

24 25 Jahre durchblick 4/2011


Foto: Tessie Reeh

Lokalzeit Südwestfalen

zu Besuch beim durchblick

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens unserer Autorenzeitung

durchblick besuchte uns der WDR

mit seiner „Lokalzeit Südwestfalen“ in unserer

Redaktion im städtischen Begegnungszentrum „Haus

Herbstzeitlos“ in der Siegener Marienborner Straße.

Zur Feier des Tages hatten wir uns richtig angestrengt

und unseren großen Besprechungstisch nett

herausgeputzt, ausnahmsweise mit einer leichten Organza-Tischdecke

geschmückt, passend zur Farbe unseres

Kaffee-Services. Ein paar farblich abgestimmte

Teelichter mit kleinen brennenden Kerzen warfen etwas

Licht auf den sonst so nüchtern aussehenden großen

Bürotisch. Eines unserer Redaktionsmitglieder brachte

auch noch einen fast warmen „Zwetschgenkuchen“

mit, frisch gebacken von seiner Ehefrau. Nun standen

wir empfangsbereit da und pünktlich um 15 Uhr betraten

drei sehr nette Herren, WDR-Redakteur Thomas

Reichenau, ein Kameramann und ein Tontechniker des

Fernsehens, unseren Redaktionsraum.

Sie hatten zuvor bereits einen Termin mit unserer Redakteurin

Erika Krumm wahrgenommen, die in der Jubiläumsausgabe

unserer Zeitung einen Beitrag mit dem

Titel „Birlenbacher Elegie – Portrait einer Straße“ geschrieben

hatte. Diesen Artikel nahm die Lokalzeit zum

Anlass, Erika Krumm in ihrem Wohnumfeld zu filmen

und genauer zu befragen, warum sie ihre Wohnstraße

eher kritisch sieht.

Seit 1986 wird die Zeitung durchblick herausgegeben

und in diesen 25 Jahren hat sich vieles geändert. Das Fernsehteam

hatte sofort einen Blick für das sich im Laufe

der Jahre veränderte „Layout“ der Zeitung, spiegelte sich

darin doch sichtbar die Entwicklung der Seniorenzeitung

wider. Das war sehr deutlich in der dann am 13. 9. gesendeten

Fernsehaufzeichnung zu sehen. Darin wurde eine

Redaktionssitzung gefilmt, wie wir sie immer abhalten:

Begrüßung, Besprechung der vorliegenden Post, insbesondere

von Leserbriefen, organisatorische Fragen, Themenvorschläge

für die nächste Zeitung. Nach eingehender

Diskussion wurden die einzelnen Beiträge bestimmt

und auf einer großen Tafel festgehalten: „Damit nichts

unter den Tisch fällt“, wie der Studiomoderator in seiner

Anmoderation anmerkte. In der Regel werden ca. 68–76

Seiten mit Kurznachrichten, Gedichten, Veranstaltungen,

vor allem aber Autorenbeiträgen ausgefüllt. Natürlich

sind auch einige Seiten für Werbeanzeigen reserviert, mit

deren Erlös der Mammutanteil der Druckkosten finanziert

werden muss.

Sobald die derzeit 17 000 Zeitungen gedruckt sind, beginnt

die Belieferung der ca. 400 Verteilstellen im Kreis

Siegen-Wittgenstein.

Jede und jeder unserer Leserinnen und Leser konnte in

dem dreiminütigen Fernsehbeitrag eine Vorstellung davon

bekommen, wie unsere ehrenamtliche Arbeit abläuft, die

wir immer wieder mit viel Begeisterung und großem Engagement

durchführen. Offen sind wir für tatkräftige Mitarbeit

und natürlich für Ihre Anregungen, auch in Form

von Leserbriefen.

Helga Siebel-Achenbach

4/2011 25 Jahre durchblick 25


Historisches

Sieger und Besiegte

Eben war der unselige Krieg beendet. Hermann Hesse

hatte zum Friedensschluss aus der Schweiz zum besiegten

deutschen Volk gesprochen. ,,Wollet hoffen,

liebet, und die Erde hört euch wieder.“ Wunderbare Worte!

Ich, die junge Studentin, habe sieben Wochen in Typhusquarantäne

in einer bayrischen Stadt verbracht, hatte mich

durchgeschlagen mit Feldarbeit, Einsatz als Dolmetscherin

bei den Siegern und indem ich Ami-Liebchen Englisch

lehrte. Nun treckte ich, es war Juni 1945, heimwärts

nach Norden. Mit mir auf der Landstraße in der gleichen

Richtung Flüchtlinge und Evakuierte, entgegengesetzt der

Nachschub der Amerikaner.

Oft überfielen mich Mutlosigkeit, Hunger und Erschöpfung.

Würde ich meine Heimat je wiedersehen? Noch so

viele hunderte Kilometer lagen vor mir. Noch war ich in der

amerikanischen Zone. Da fiel ich eines Tages, übermüdet und

entkräftet, in den Straßengraben. An mir vorbei rauschten

Jeeps mit übermütigen Amis: ,,Kleines Fräulein“, riefen sie,

„steig ein, du sollst es gut bei uns haben.“ ,,Ihr könnt mich

mal“, dachte ich und döste wieder ein. Doch da hielt ein

Jeep dicht neben mir, und eine warme Stimme weckte mich:

,,Little girl, please, come here!“ Über mir sah ich das herzlich-besorgte

Antlitz eines hohen amerikanischen Offiziers.

,,are you hungry poor young lady?“ Er und sein Adjutant

ließen sofort einen Regen von Lebensmitteln auf mich herab:

Schokolade, Weißbrot, Pulverkaffee, Dosenmilch, Zucker,

Dosenfleisch, Mais in Dosen, Apfelsinen und zum Schluss

auch noch Lucky Strikes. ,,That's all we have.“ Und dann

setzte der freundliche Offizier hinzu: ,,Ich habe eine Tochter

in deinem Alter. Wenn ich mir vorstelle, sie würde ebenso

elend wie du an der Straße liegen – mein Herz tut mir weh.

Ihr deutschen Frauen und Mädchen habt doch mit dem Krieg

gar nichts zu tun, und nun müsst ihr so leiden.“

Er beugte sich noch einmal wie segnend über mich, ich

stammelte Dankesworte. Dann fuhr der Jeep wieder an. Bis

heute kann ich das liebevolle Gesicht eines unserer Sieger,

die menschlich mit mir verfuhren, nicht vergessen.

Einmal dolmetschte ich bei einer ,,Fraternization“, der

amerikanische Besatzer wollte seinen Wirtsleuten, in deren

Haus er einquartiert war, menschlich näher kommen. Wir

saßen ganz gemütlich beim Kaffee zusammen. Da stand der

gut aussehende amerikanische Offizier auf, hielt eine Rede,

und am Ende machte er mir einen vollendeten Heiratsantrag.

Wobei er nicht nur seinen Zivilberuf nannte, sondern

auch seinen Verdienst in Dollar. Ich war stumm vor Überraschung.

So einen komischen Heiratsantrag hatte ich noch

nie bekommen. Dann aber, obwohl ich zu der Zeit solo war,

antwortete ich zartfühlend: ,,Sie müssen verstehen, dass ich

Ihren ehrenvollen Antrag nicht annehmen kann, aber ich

bin leider schon verlobt.“ Elisabeth Hengstenberg

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MÖCHTE NICHT

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Die reinste Freude

26 25 Jahre durchblick 4/2011


Eine Reise

mit Hindernissen.

Foto: Hubertus Freundt

Ein Ehepaar aus meiner Nachbarschaft hier in Freudenberg

war zur Hochzeit des Sohnes nach Borkum

eingeladen. Da die Eltern nicht mehr so ganz jung

sind, beschloss die Familie, Mutter und Vater an den Zug

nach Köln zu bringen, damit sie ganz entspannt und ohne

Aufregung der Feier entgegensehen konnten.

Die Tochter hatte den Auftrag, sich um die entsprechenden

Reiseunterlagen wie Fahrkarten, Abfahrzeiten und

die Umsteigverbindungen zu kümmern. Die Reise sollte

von Köln über Münster, Emden und von dort mit der Fähre

nach Borkum gehen. Schon sehr früh packte die Tochter ihre

Eltern mit dem Reisegepäck in ihr Auto und fuhr über die

Autobahn zum Hauptbahnhof nach Köln los – man wollte

vor der Abfahrt noch gemütlich zusammen frühstücken.

Doch daraus wurde leider nichts, denn schon bald wartete

ein ziemlicher Stau auf der Autobahn auf die Reisenden – das

gemeinsame Frühstück wurde gestrichen. Leider erreichten

sie den Hauptbahnhof Köln einige Minuten zu spät, der Zug

hatte nicht gewartet – dieses Mal war der Zug pünktlich und

die Fahrgäste zu spät, eben mal anders.

Die Aufregung war groß! Was nun! Geschlossen gingen

Eltern und Tochter zum Reisezentrum und berichteten von

ihrem Pech. Ein freundlicher Bahnbeamter meinte: „Kein

Problem, wir werden eine Lösung finden“

Wichtig war für die Senioren, einen durchgehenden Zug

nach Emden zu bekommen. Es dauerte nicht lange und der

Bahnbeamte hatte eine neue Bahnverbindung gefunden –

es gab neue Fahrkarten mit Platzreservierungen und neue

Reiseunterlagen. Zwanzig Minuten später saßen die älteren

Herrschaften nun endlich in ihrem Zug Richtung Emden, leider

ohne Frühstück, aber gut versorgt mit Proviant, den die

Tochter noch schnell besorgt hatte. Entspannt genossen die

Eheleute ihre erste gemeinsame Bahnfahrt. Sie fuhren durch

das Ruhrgebiet, Münster, Osnabrück, Bremen und dann hielt

der Zug in Hamburg. Da wurden sie nervös und meinten, das

sei die falsche Richtung. Der herbeigerufene Schaffner bestätigte

ihren Verdacht und sagte ganz ruhig: „Falls Sie nach

Emden wollen, hätten Sie in Münster umsteigen müssen, das

hier ist der falsche Zug!“ Wieder große Aufregung, doch der

Schaffner behielt die Ruhe, nahm sie mit bis Itzehoe, stellte

ihnen weitere Fahrscheine aus und setzte sie wieder in einen

Zug zurück nach Hamburg. Dort angekommen, sollten

sie an der vorderen Waggontür aussteigen und ein Beamter

mit roter Mütze würde sie in Empfang nehmen, gab er den

beiden Senioren mit auf den Weg. Zurück in Hamburg stand

tatsächlich der Beamte mit roter Mütze an besagter Stelle

und nahm die Herrschaften in Empfang. Und wieder gab es

kein Problem. Der Beamte nahm das Gepäck der beiden Reisenden,

führte sie durch eine Unterführung auf einen neuen

Bahnsteig und schon bald saßen sie wieder in einem anderen

Zug und der fuhr nun wirklich nach Emden. Das erste Ziel

war bald erreicht, aber die Aufregungen gingen weiter, denn

das letzte Schiff nach Borkum hatte bereits das Festland verlassen,

denn auch Fähren zu den Inseln haben ihren Zeitplan,

und der richtet sich nach den Gezeiten.

Nun kam endlich das „Handy“ des Rentners zum Einsatz.

Er rief seinen Sohn an und erzählte seine Erlebnisse. Der Sohn

beruhigte die Eltern und bat sie dort zu bleiben, wo sie sind,

er melde sich wieder. Nach einigen Minuten fuhr ein Taxi vor,

lud die Herrschaften ein und brachte sie in das nächst gelegene

Hotel. Der Sohn hatte zwischenzeitlich alles für sie organisiert.

Sehr erschöpft und immer noch den aufregenden Tag vor Augen,

versuchte das Ehepaar zu schlafen – sie waren ja noch

nicht auf der Insel, und die Trauung war für den nächsten Tag

um zehn Uhr angesagt. Pünktlich zur verabredeten Uhrzeit

stand das Taxi am nächsten Morgen wieder vor dem Hotel und

brachte die Senioren zum Schiffsanlegeplatz. Das Schiff musste

sich natürlich wieder nach der Tide richten und erreichte

die Insel Borkum um elf Uhr. Das Brautpaar hatte sich schon

nach der Ankunftszeit des Schiffes erkundigt und die Trauung

um eine Stunde verschieben lassen. Der Standesbeamte hatte

natürlich großes Verständnis für die Notsituation und meinte

sehr entspannt: „Kein Problem, dann verschieben wir die

Trauung um eine Stunde.“

Nur drei Stunden konnten die Eltern an der Hochzeitsfeier

teilnehmen, dann traten sie schon wieder die Heimreise

an. Doch dieses Mal kam das Schiff mit Verspätung auf dem

Festland an – der Zug hatte gewartet. Die weitere Reise verlief

dann ohne Zwischenfälle. Die Tochter nahm ihre Eltern

in Köln erleichtert in Empfang.

Auf meine persönliche Frage an die Senioren, ob das nun

ihre erste und letzte Fahrt mit dem Zug gewesen sei, sagten

beide übereinstimmend: „Ganz im Gegenteil, wir haben so

viel Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit auf der Reise erfahren,

dass wir jederzeit wieder die Bahn benutzen werden.“

Helga Siebel-Achenbach

4/2011 25 Jahre durchblick 27


Gesellschaft

Warten auf die Straßenbahn.

Aus dem verfallenen Herrschaftshaus schlüpfte ein Kind.

Der Blick auf die Zeittafel sagte mir, dass die Straßenbahn

sich noch Zeit ließ. Es war zehn Uhr

morgens. Die Sonne lachte fröhlich vom Himmel

herunter, und es war angenehm in der frühsommerlichen

Luft, auch wenn mich Ungeduld beschleichen wollte, denn

ich hatte in der Stadt zu tun und musste meine Verabredung

einhalten. Aber da stand ich nun einmal, hatte Muße und

ließ meine Augen wandern.

Die alten Häuser auf der anderen Straßenseite hinterließen

keinen vorteilhaften Eindruck. Ein Kolonialwarenladen,

die Aufschrift schon verwittert, Villen, mehrstöckig,

deren Glanz entschwundener Zeiten nur noch zu

ahnen war, Balkone mit verrosteten Gittern. Um die einst

beeindruckenden schmiedeeisernen Torflügel zur Auffahrt

der schräg gegenüberliegenden Villa rankten sich

Weinblätter. Wie lange mochten sie nicht mehr geöffnet

worden sein, um Fahrzeugen die Aufwärtsschräge zum

Hof freizumachen? Die hohen Fenster der oberen Etagen

brachten Erinnerungen an fröhliche Feste, Gelächter und

Gläserklirren. Die kleineren Fenster im Souterrain führten

wohl einstmals zu den Bedienstetenräumen und wiesen

jetzt einfache Gardinen auf.

Auf meiner Seite begrenzten zwei Meter hohe Staketenzäune

den breiten Bürgersteig und verloren sich am Ende

der Lindenallee. Hinter dem Zaun wohltuend verborgen,

Wirtschaftsbetriebe, ein Kohlenhändler, „Weber“, wie einem

Firmenschild zu entnehmen war, daneben das weite

Gelände der städtischen Wasserwerke, mit kleinen Gärten,

die sich bis zum Zaun zogen, dahinter bis zum Maschinenhaus

ein weites Feld mit Rohren aller Art und Größe.

Foto: Tessie Reeh / Fotolia

Noch ruhte mein Blick auf den trostlosen

Fassaden schäbiger Eleganz, da öffnete

sich plötzlich an der Auffahrt des

schräg gegenüberliegenden Herrschaftshauses

im Souterrain eine Seitentür und ein

Kind schlüpfte heraus, ein kleiner Junge mit

bis auf die Schultern fallenden blonden Haaren,

gekleidet in ein reinlich wirkendes hellblaues

Hemdchen mit langen Ärmeln, eine

beige Hose, deren Beine sich über die Waden

krausten, gehalten von Hosenträgern,

die gar nicht zu dem fast mädchenhaften

Gesicht passten. Die Füße steckten in hellen

Sandalen und dünnen braunen Strümpfchen.

Die lichten Haare wurden von einem kleinen

blauen Mützchen teilweise abgedeckt.

Ernsthaft und leise schloss er die Tür und

schritt bedächtig bis zum Bürgersteig, wo

er, den Kopf vorgebeugt, um das schmiedeeiserne

Tor herum, nach beiden Seiten

die Straße auf- und niedersah. Er sah zu mir

herüber, ließ seinen Blick aber gleich weiterschweifen und

nach Interessanterem Ausschau halten. Noch nicht alt genug,

um in die Schule zu gehen, er langweilte sich.

Ein Radfahrer klapperte über das Steinpflaster, ein

DKW ratterte in langsamem Tempo vorüber und hinterließ

eine Wolke von verbranntem Benzin und Öl. Eben steckte

der Bub eine Hand in die Hosentasche, da wurde sein

Blick starr. Er blickte auf die andere Straßenseite. Irgendetwas

fesselte ihn. Zögernd zog er die Hand langsam aus

der Tasche und stieg von der Treppe, auf der er stand, auf

den Bürgersteig, verharrte, immer den Blick weiter auf den

einen Punkt gerichtet, so, als habe er nicht richtig gesehen.

Dann setzte er sich in Bewegung und fing an zu laufen, quer

über die Straße in Richtung seines Zielpunktes.

Entsetzt huschte mein Blick in beide Straßenrichtungen,

aber es gab keine Gefahr.

Etwas lag vor dem Staketenzaun, bewegte sich. Da kniete

er sich auch schon nieder, streckte seine dünnen Arme aus

und schöpfte dieses Etwas ganz behutsam in seine hohlen

Handflächen. Langsam richtete er sich auf und drehte sich

herum, den Blick immer auf die Hände gerichtet. Da sah

ich es, ein kleiner brauner Vogel, der den gelb geränderten

Schnabel aufriss und flatternd versuchte, sich aus seinem

Gefängnis zu befreien. Aber der Junge hielt ihn zart und

sicher in den gewölbten Handflächen und strebte mit verhaltener

Eile auf die andere Straßenseite zu, mühte sich, auf

nichts sonst achtend, als auf seine Hände, die Stufen zum

Eingang der Wohnung hinauf und verschwand hinter der

Wohnungstür. Er hatte einen Schatz nach Hause getragen.

Was wohl aus ihm geworden ist? Johannes Buhl

28 25 Jahre durchblick 4/2011


Gesellschaft

Ich bin nicht „Aller Welts OMA“ !

Oh, ich finde es wunderbar, wenn meine jüngste Enkelin

mir „Oma! Oma!“ rufend entgegenrennt und

in meine Arme fällt. Wir sehen uns nicht so häufig,

da ist die gegenseitige Freude besonders groß. Und wenn

die beiden „Großen“ meine Aufmerksamkeit heischend

„Oma, Oma“ rufen, dann stört mich das sicher überhaupt

nicht, im Gegenteil: Ich genieße es, wenn ich für meine Enkelinnen

die Oma, die „Ober-Mama“ sein darf, ihre Große-

Mutter. Das ist mein Platz in der Hierarchie meiner Familie,

meiner Familie.

Damit ist eigentlich schon fast alles gesagt und auch

mein Zorn erklärt, wenn mich völlig fremde Menschen als

„die Oma“ bezeichnen, selbst wenn ein Jemand einen anderen

Jemand freundlich auffordert, „der Oma“ doch mal

zu helfen oder Platz zu machen und was es sonst noch für

Nettigkeiten gibt, trotzdem: Ich bin nicht ihre Oma! Und

wenn ich es höre, entgegne ich: „Ich wüsste nicht, dass wir

miteinander verwandt sind!“

Leider ist es bei uns allgemeiner Sprachgebrauch, auch

von durchaus sprachbewussten Menschen, von älteren und

alten Menschen einfach als von der Oma und dem Opa zu

reden, in der Siegerländer Variante: „die Omma“ und „der

Obba“. Das ist in der Regel überhaupt nicht böse gemeint,

eher, wenn auch ein wenig herablassend, freundlich, aber

es bedeutet die Einordnung in eine bestimmten „Klasse“

unserer Gesellschaft. Auch das müsste mich nicht stören,

wenn damit nicht eine geheime, manchmal auch ganz offene

Abwertung einherginge:

Die Omas

und die Opas sind eigentlich

„außen vor“.

Sie gehören zwar noch

irgendwie dazu, aber

eher am Rande und auf

dem Abstellgleis, „mega

out“, nicht wirklich

ernst zu nehmen.

Was verbinden die

Menschen denn – eher

unbewusst – mit dem

Begriff „Oma“? Vielleicht

macht das ein

Spruch deutlich, den

meine Freundin immer

dann loslässt, wenn ich

Klamotten anprobiere,

die ihr nicht „gefallen“:

Es kommt dann

ihrerseits ein heftiges: „Nä!! Da drin siehst du aus wie ’ne

Oma, das kannst du in 10 Jahren anziehen!“ Wie bitte?? Ich

bin ja auch eine Oma (sie übrigens auch!). Nein, gemeint ist

damit etwas ganz anderes: Es macht dich unattraktiv, sieht

langweilig aus, unscheinbar und was sonst noch alles. Wie

eine Oma auszusehen kommt eben nicht gut.

Wir stecken offensichtlich mit drin in dieser „Aller-

Welts-Oma“-Geschichte und gestalten sie mit, indem wir

das Spiel mitspielen und um Gottes Willen nicht aussehen

wollen wie das, was wir doch sind: Menschen, die ihr Leben

bewältigt haben mit all ihrer Kraft und Energie, die viel

geleistet haben, Verantwortung getragen und jede Menge an

guten und schlechten Erfahrungen gemacht haben, Schicksalsschläge

ertragen haben. Menschen, die dieses Leben

geprägt und auch gezeichnet hat. Warum darf man uns das

nicht ansehen? Dass wir uns nicht missverstehen: Ich finde

schon, dass ältere Menschen auf ihr Äußeres achten sollen,

sich pflegen und auch attraktiv kleiden und damit ihre

eigene Würde und ihren Wert unterstreichen, sich so auch

selbst wertschätzen.

Andere Kulturen ehren ihre alten Menschen und achten

auf deren Würde, bringen ihnen Wertschätzung, Respekt

und Anerkennung entgegen. Das ist in unserer Kultur wohl

eher nicht der Fall. Wenn ich also hier für „alle Welt“ einfach

die Oma bin, ist das sicher kein Ehrentitel. Vielleicht

ist es an den „Omas“ und „Opas“ selbst, da was dran zu

drehen?

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Kultur

Atemlos bis zur letzten Zeile

– es darf auch mal ein Krimi sein

Hinter jeder Häkelgardine lauern Abgründe.

Kommissar Wallander, Miss Marple, Hercule Poirot,

Commissario Brunetti, Inspector Linley oder

Kommissar Kluftinger sind alle unsere Freunde,

mit denen wir viele Lesestunden verbringen. Neuerdings

auch die elfjährige Flavia de Luce. Auf der Spur des Verbrechens

lassen sie uns in eine andere Welt tauchen. In andere

Länder oder Landschaften. In andere soziale Schichten.

Wir Leser nehmen teil an einer spannenden Jagd nach dem

Mörder und dem Warum? Wir versuchen das Rätsel schon

vor Ende des Buchs zu lösen. Doch der Autor schickt uns

meist in ein Labyrinth von Verdächtigen und Motiven. Was

treibt den Täter an? Gier, Eifersucht, Neid, Rache, ist er

psychisch gestört? Oft liegt das Motiv in der Vergangenheit,

in unbezahlten Rechnungen des Lebens. Bei näherer

Beschäftigung mit dem Thema lässt sich unterscheiden –

meist im englischsprachigen Raum – zwischen Thriller (die

härtere Gangart des Krimis, der an den Nerven zerrt und

schlaflose Nächte bereitet) und Mystery, ein Roman, der

das Rätsel um ein Verbrechen löst, oder „Cosy crime“ (gemütlicher

Krimi), der etwa wie bei Agatha Christie im ländlichen

Raum Miss Marple auf Verbrecherjagd schickt nach

dem Motto: „Hinter jeder Häkelgardine lauern Abgründe“.

In amerikanischen Krimis, etwa bei John Grisham, ist

immer Action angesagt. Man erfährt einiges über das Innenleben

von Rechtsanwaltskanzleien, politischen Parteien

oder Banken und Firmen. Meist geht es um Machtmissbrauch,

organisierte Kriminalität, Korruption und letztendlich

um Geld und Gier. Viele Hürden muss der Held

nehmen, bis es zu einem Happy

End kommt. Dan Brown arrangiert

seine Romane, die wahrhaft

mysteriös sind, zu Kurztrips nach

London, Paris oder Washington.

Atemlos ist der Leser immer neuen

Geheimnissen auf der Spur und

wird mit dem Helden wie bei einer

Schnitzeljagd von einem Rätsel

zum nächsten gejagt. Dan Brown

verliert sich in vielfältiger Symbolik,

wobei er sich bei der Antike,

im Christentum oder der Freimaurerei

bedient.

Interessant ist ja auch, dass

Donna Leon (die Autorin der

Brunetti-Romane) eine Amerikanerin

ist, die sich in Venedig inzwischen

sicher besser auskennt

als manch Einheimischer. Ebenso

hat sich ihr Landsmann Martin

Walker in Europa verliebt und

schreibt Krimis, in denen der Polizist Bruno Courrèges im

Feinschmeckerland Frankreich (Périgord) ermittelt. Der

Leser erfährt viel über Weinbau, gestopfte Entenleber, Trüffel

und andere Delikatessen.

Anders sind da Bücher aus Nordeuropa. Die Krimis aus

Skandinavien zeigen oft ein düsteres, schwermütiges Szenario,

etwa bei Stieg Larsson oder Henning Mankell, wo

es immer wieder zu roher Gewalt und Brutalität kommt.

Manche Täter sind sadistische Psychopathen, die ohne Empathie,

Gewissen und Verantwortung handeln. Der Leser

schaut in tiefe seelische Abgründe. Er ist entsetzt, verstört

und gleichzeitig fasziniert. Diese Thriller sind keine gute

Bettlektüre, das Grauen schleicht sich in unsere Träume.

Vergnüglicher sind da englische Krimis. Da ist der Leser

in guter Gesellschaft, die englische Queen liest angeblich

auch ab und zu einen gepflegten Kriminalroman von P.D.

James. Agatha Christie und Edgar Wallace haben würdige

Nachfolger der spannenden Lektüre gefunden: Elisabeth

George etwa schickt Inspector Linley – ein eleganter Snob

mit einer „Stiff upper lip“ – und seine Mitarbeiterin Barbara

Heavers, eine eher unscheinbare aber clevere Person,

in London und auf dem englischen Land ins Rennen. Hier

wird in prekären sozialen Schichten ermittelt oder aber in

der Upper class, in den besten Kreisen. Man erfährt viel

über das Klassensystem, Standesdünkel, Multikulti, englische

Exzentrik und allerlei Gewohnheiten der Briten.

Außerdem lassen sich mit dieser Lektüre wunderbar die

Englisch-Kenntnisse auffrischen.

32 25 Jahre durchblick 4/2011

Foto: Hartmut Reeh


Kultur

Seit Kurzem sind Krimi-Fans auch mit dem kanadischen

Autor Alan Bradley und seiner elfjährigen Protagonistin

Flavia de Luce dem Verbrechen im England der 50er-Jahre

auf der Spur (sein Debüt-Roman: Tod im Gurkenbeet).

Charmant und witzig ermittelt die zauberhafte Flavia vom

Landgut Buckshaw aus in ihrer Umgebung und kommt

auch Geheimnissen ihrer eigenen Familie auf den Grund.

Manchmal erinnern Passagen ein wenig an die Welt des

Harry Potter. So auch ihr von Onkel Tar geerbtes Chemie-

Labor, das ihr für die eigenen chemischen Experimente

und v.a. als Zufluchtsort und zum Nachdenken über den

aktuellen Fall dient. Aber Flavia ist eine Einzelkämpferin,

immer wieder muss sie sich gegen ihre älteren Schwestern

Daphne (Daffy) und Ophelia (Feely) trickreich wehren:

Zickenkrieg in den 50er-Jahren. Wir schauen in das Bildungsbürgertum

der Mitte des letzten Jahrhunderts. Die

ländliche Idylle trügt.

So ist es auch in Bayern. Das Autorenduo Klüpfel/

Kobr nahm sich vor einigen Jahren das Allgäu und seine

Einwohner vor und schuf in der Figur des etwas umständlichen

Kommissars Kluftinger eine Kultfigur. Mit

seiner Frau Erika und seinem Widerpart, dem agilen Dr.

Langhammer, blicken wir auch in sein Familienleben mit

allen Widrigkeiten. Seine Lieblingsspeise: Kässpatzen.

Und wir kennen bald auch seine kleinen menschlichen

Schwächen, die ihn so sympathisch machen. Köstlich zu

lesen, wie er etwa zum ersten Mal in einer Sushi-Bar zu

Gast ist oder wie der Computer immer wieder sein Feind

ist. So landet er bei einer dienstlichen Recherche auf

sehr zwielichtigen Porno-Seiten. Wenn man heute auf

die Hompepage „Kluftinger“ schaut, gibt es inzwischen

einen Fanclub, einen Blog und das volle Merchandising-

Programm mit Kluftinger-Artikeln: vom Brettspiel bis

zum Klufti-Kochbuch kann man alles bestellen. Ein Buch

wurde bis heute verfilmt. Aber wie bei den meisten Verfilmungen

ist es auch hier, der Kino- oder Fernseh-Krimi

ist oft enttäuschend gegenüber den eigenen Vorstellungen

und dem Vergnügen beim Lesen. Die eigene Phantasie

malt sich doch vieles ganz anders aus.

Bei den deutschen Krimi-Autoren darf man natürlich

Ingrid Noll nicht vergessen. Wie Rosamunde Pilcher auch,

begann Ingrid Noll erst nach dem 60. Geburtstag mit der

Schriftstellerei und wurde schon mit ihrem ersten Roman

„Der Hahn ist tot“ sehr erfolgreich. Meist dreht sich die

Handlung ihrer Romane um Frauen, die ihre Liebhaber

oder Ehemänner möglichst raffiniert umbringen. Aber „Selige

Witwen“ ist nur ein Buchtitel, Ingrid Noll lebt immer

noch mit ihrem Ehemann zusammen in Weinheim.

Subtil und raffiniert sind auch die Bücher von Martin

Suter, der die Leser in die snobistische Welt der schweizerischen

Manager und Siegelringträger entführt. Auf gehobenem

Niveau geht es auch hier nur um Gier, Fälschung

und Verrat. Etwa um eine Kunstfälschung eines Felix-Vallotton-Gemäldes,

das in eine Auktion geht (im Roman „Der

letzte Weynfeldt“). Vorher hatte Martin Suter höchst amüsante

und satirische Kolumnen über die „Business Class“,

die Chefetagen großer Unternehmen, geschrieben und den

Managern nicht immer schmeichelhaft den Spiegel vorgehalten.

Natürlich gibt es auch einen Spezialisten für das Siegerland:

den schrulligen Privatdetektiv Tristan Irle. Ralf

Strackbein beschreibt in den Irle-Romanen liebevoll seine

Heimatstadt und verfolgt rund ums Krönchen das Verbrechen.

Diese Regional-Krimis boomen und immer neue

deutsche Städte und Gegenden von Hamburg bis zum Bodensee

werden zur Bühne von Kriminalromanen.

Andere deutsche Autoren, wie Uli Wickert z.B., der ja

auch viele Jahre beruflich in Frankreich als Korrespondent

tätig war, hat in seinen Romanen Paris zum Mittelpunkt

gemacht.

Auffallend ist, dass viele Krimi-Autoren erst im reiferen

Alter mit dem Schreiben beginnen, also ihre „Ernte“ einfahren:

ihr Insider-Wissen über Verlage, Kirche, Kunsthandel,

Universitäten, Theater usw; ihre Menschenkenntnis, selbst

Beobachtetes oder Erlebtes, Recherchiertes und Phantasie

natürlich wird zu spannenden Geschichten verwoben, oft

subtil inszeniert. Wie die Bestseller-Listen beweisen, dem

Leser ist die Einordnung in ernsthafte oder triviale Literatur

egal. Hauptsache: atemlos bis zur letzten Zeile.

Tessie Reeh

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Liebe und Hass,

Treue und Verrat vor

der Kulisse der Hohenselbachsburg.

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4/2011 25 Jahre durchblick 33


Historisches

Das Schafott auf dem Hasengarten

Es begann mit Schmerz und Zorn und endete mit Entsetzen und Wut

Hinter dem Hexenturm beginnt der hintere Teil des Schlossparks.

Opa, stimmt es, dass früher beim Oberen Schloss jemandem

der Kopf abgeschlagen worden ist? Unser

Geschichtslehrer hat das gesagt.“

„Ja, Jörg, das stimmt. Der Mann hieß Friedrich Flender

und stammte aus Weidenau.“

„War das ein Mörder? Oder was hatte er für ein Verbrechen

begangen?“

„Nein, Friedrich Flender war weder ein Mörder noch

hatte er ein Verbrechen begangen. Im Gegenteil: Dass man

ihm auf Befehl des damaligen Fürsten Wilhelm Hyazinth

den Kopf abschlug, das war ein Verbrechen.“

„Boah! Der Fürst ein Verbrecher! Ist ja voll krass! Wie

konnte das denn passieren?“

„Das Ganze ist eine lange Geschichte, die mit Schmerz

und Zorn begann und mit Entsetzen und Wut endete. So

etwas kann nicht mit wenigen Worten erklärt werden.“

„Ey, Opa, kannst du mir die lange Geschichte nicht einmal

erzählen? Wenn wir in der nächsten Geschichtsstunde

das Thema wieder behandeln, dann weiß ich mehr als die

anderen und bekomme vielleicht eine gute Note.“

„Ich finde es prima, dass ihr in der Schule auch die Vergangenheit

unseres schönen Siegerlandes behandelt und ich

will gerne etwas für deine Noten tun. Am Samstag gehen

wir beide zum Oberen Schloss und ich erzähle dir von den

alten Zeiten.“

Bis zum Samstag sind es noch ein paar Tage. Jörgs Großvater

nimmt sich vor, sein etwas angestaubtes Wissen bis

dahin aufzufrischen. Schnell entdeckt er, dass dies gar nicht

so einfach ist. In seinem Bücherregal stehen

etliche Heimatbücher mit Geschichten

aus früheren Zeiten. Was er in diesen über

den Fürsten Wilhelm Hyazinth findet, kann

zum größeren Teil ins Reich der Fabeln

und der Ammenmärchen verwiesen werden.

So soll der Fürst seinen 15-jährigen

Sohn Franz Joseph, der tatsächlich im

eigenen Bett im Oberen Schloss an einer

schweren Krankheit verstarb, während einer

Treibjagd im Rödger Wald erschossen

haben. Neben einigem anderen rankt sich

auch über das Ende des Herrschers eine

Legende. Im Siegener Flurstück „Stummes

Loch“ habe ihn mitsamt seinem Vierspänner

während eines Gewitters der Teufel

geholt, heißt es.

Weil Jörgs Großvater mit der Zeit geht,

schaut er auch ins Internet und findet unter

anderem bei Wikipedia viele Nennungen.

Doch – oh weh! – was die Glaubwürdigkeit

der Angaben über die in der Stadt Siegen einst herrschenden

Grafen und Fürsten anbelangt, ist es beim ansonsten

doch recht zuverlässigen Online-Lexikon leider nicht

weit her. Jahreszahlen und sonstige Daten für bestimmte

Ereignisse sind mal so und mal anders notiert, teils hanebüchene

Behauptungen stehen im krassen Widerspruch zu

dem, was an anderer Stelle steht. Also noch einmal an den

Bücherschrank. Und er wird fündig. Im Büchlein „Friedrich

Flender vor der Hardt“ von Hermann Böttger und in

Heinrich von Achenbachs „Geschichte der Stadt Siegen“

findet er vieles von dem, wonach er sucht. Als sich Jörg

und sein Großvater am Samstag auf den Weg zum Siegberg

machen, fühlt sich der Ältere gut vorbereitet.

Beide durchqueren den wie immer wohlgestalteten

Schlosspark, passieren den Hexenturm und nehmen ganz

am Ende Platz auf einer der zahlreichen Bänke.

„Wie bei vielen Ereignissen muss man auch bei dieser

Geschichte Ursache und Anlass unterscheiden“, beginnt der

Großvater und ergänzt: „Bevor wir auf die eigentlichen Geschehnisse

kommen, kann ich dir daher einige historische

Vorbemerkungen nicht ersparen. Dass alles so kam, wie es

kam, liegt nämlich zu einem Teil auch an den ständigen Erbteilungen,

die das einst so große Haus Nassau in viele kleine

Grafschaften zersplitterten. Du musst wissen, dass der Besitz

des Adelsgeschlechts ursprünglich von der Siegquelle

bis zur Mündung des Mains hinter Wiesbaden reichte. Die

Nassauer hatten damit durchaus europäische Bedeutung.

Als Graf Johann VI., der mit drei Ehefrauen insgesamt 20

34 25 Jahre durchblick 4/2011

Autorenfoto


Historisches

Unbekannter Maler: Johann

VII. – der Mittlere

(Siegerlandmuseum)

Kinder hatte und den man

später ‚den Älteren’ nannte,

im Jahr 1606 starb, folgte

erneut eine bedeutsame Teilung.

Fünf Söhne erbten den

noch recht ansehnlichen Besitz,

der in jener Zeit an der

Lahn endete. Nassau-Siegen

fiel an Johann VII., die Grafschaften

in Dillenburg, Beilstein,

Hadamar und Diez an

vier Brüder.“

„Welche Städte und Dörfer

zählten denn zu Nassau-

Siegen?“, unterbricht ihn

Jörg.

„Von der Größe her entsprach

Nassau-Siegen in etwa dem späteren Kreis Siegen.

Damit war die Grafschaft dennoch so klein, dass durch

die von den Untertanen zu zahlenden Steuern die Existenz

der Grafenfamilie kaum zu sichern war. Eine weitere Teilung

war somit nicht zu verantworten. Angesichts seiner

zu diesem Zeitpunkt bereits sechs erbberechtigter Söhne

verfasste Graf Johann VII., genannt ‚der Mittlere’, deshalb

gleich nach seinem Amtsantritt ein Testament. In diesem

legte er fest, dass nach seinem Tod der älteste Sohn, Johann

Ernst, die gesamte Grafschaft erhalten solle und eine weitere

Teilung demnach nicht in Frage kam.“

„Waren die anderen Söhne denn damit einverstanden?“,

will Jörg wissen.

„Sie sahen wohl ein, dass es wenig Sinn machte, wenn

jeder von ihnen drei oder vier Dörfer erben würde; auch

sollten sie Abfindungen erhalten, die so hoch waren, dass

alle ihre Zustimmung gaben.“

„Was hat das denn alles mit Friedrich

Flender und dessen Hinrichtung zu tun?“

„Warte ab“, sagt der Großvater und

ergänzt, dass der letzte Wille von Johann

dem Mittleren nicht das letzte Wort in

dieser Angelegenheit war und dass dieser

Jahre später das Testament änderte.

„Welchen Grund hatte der mittlere

Johann denn hierfür?“

„Johann Ernst, als sein ältester Sohn

der auserkorene Erbe, starb überraschend

und nun war eigentlich der zweitälteste

Sohn, Johann VIII., genannt ‚der Jüngere’,

Nachfolger vom Mittleren. Doch

ausgerechnet dieser war zum Entsetzen

seiner gesamten Familie zum katholischen

Glauben übergetreten. Die

Grafenfamilie und die Einwohner der

Grafschaft waren nämlich schon seit

zwei Generationen reformiert. Johann

der Mittlere befürchtete, dass sein Sohn

das gesamte Siegerland wieder katholisch machen würde.

Dieser versprach zwar, jedem seinen Glauben zu lassen,

doch seinen Vater überzeugte das nicht. Ganz leer ausgehen

lassen wollte und konnte der Mittlere seinen Ältesten aber

nicht und so bestimmte er in einem neuen ‚letzten Willen’,

dass nach seinem Tod die Grafschaft in drei Teile aufzuteilen

sei. Und so kam es, dass Johann der Jüngere das Amt

Netphen, die Pfarreien Rödgen und Wilnsdorf sowie die

Orte Kaan, Bürbach, Volnsberg, Weidenau und Eiserfeld

sowie das Obere Schloss erbte. Das nördliche Siegerland

fiel an Graf Wilhelm, das westliche an Graf Johann Moritz.

Die Stadt Siegen blieb ungeteilt und gehörte jedem zu

einem Drittel.“

„Ey, Opa, kannst du dir vorstellen, dass es mir von den

vielen Johanns im Kopf schwirrt?“

„Das glaube ich gerne. Man war damals bei der Namengebung

nicht so einfallsreich wie heutzutage, dazu musste

man stets auf die Namen der Taufpaten Rücksicht nehmen.

Aber wenn du dir merkst, dass Johann der Ältere in der

Grafenfamilie der Opa war, Johann der Mittlere der Papa

und Johann der Jüngere der Sohn, dann müsste es für dich

einfacher werden.“

„Du hast vorhin gesagt, dass das ganze Siegerland kaum

die Grafenfamilie ernähren konnte. Wie ging das denn nun

mit einem Drittel?“

„Gute Frage, Jörg! Dass jemand sein Testament ändert,

das kommt vor. Man kann bei einem solchen Geschehnis

davon ausgehen, dass es hinterher Gewinner und Verlierer

gibt. Als Johann der Mittlere sein aus einem doch sehr

sinnvollen Grund verfasstes Testament änderte, traf dies

so nicht zu, denn eigentlich gab es hinterher nur Verlierer.

Die Änderung sorgte bei seinen Nachkommen für Ärger,

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4/2011 25 Jahre durchblick 35


Historisches

Van Dijk: Johann

VIII. – der Jüngere

(Siegerlandmuseum)

letztlich gar zu kriegerischen

Handlungen. Endlose 120 Jahre

lang kehrte keine Ruhe in Nassau-

Siegen ein. Alle Einzelheiten hier

zu behandeln, würde viel zu weit

führen. Eine Tatsache ist aber,

dass Schmerz und Zorn nicht nur

in den Schlössern, sondern auch

bei den Untertanen stets allgegenwärtig

blieben.“

„Hat der Jüngere denn – wie

von seinem Vater befürchtet – in

seinem winzigen Land den katholischen

Glauben wieder eingeführt?“

„Er hatte zwischenzeitlich nach

einem entsprechenden Einspruch

gegen die Gültigkeit des Testaments ein kaiserliches Mandat

erwirkt, das ihn vorläufig sogar zum Alleinherrscher

in ganz Nassau-Siegen machte. Drei Jahre nach seinem

Amtsantritt befahl er, dass im Siegerland alle reformierten

Prediger abzusetzen seien. Alle

Anno 1652 wurden die

Grafschaften in Nassau-

Siegen Fürstentümer

Siegerländer hatten von nun an

dem katholischen Gottesdienst

beizuwohnen. Das war im Jahr

1626, also während des 30-jährigen

Kriegs und zu einer Zeit,

als der katholische Kaiser gerade

die Oberhand hatte. Als der ‚Westfälische Friede’, von dem

du sicherlich auch schon gehört hast, anno 1648 geschlossen

wurde, verordnete ein neuer Kaiser die erneute Dreiteilung

des Landes. Johann der Jüngere war zwischenzeitlich

gestorben und dessen Sohn Johann Franz Desideratus hatte

das Regiment im kleinen Herrschaftsgebiet übernommen.

Dieses nannte der Siegerländer Volksmund hinterher ‚das

katholische Land’ und auch ‚das Johannland’.“

„Nach allem was du mir erzählt hast, konnte die Grafenfamilien

sich nun nicht mehr allzu viel leisten“, stellt

Jörg fest.

„Ja, eigentlich war das angesichts der wenigen Steuerpflichtigen

auch so“, bekräftigt der Großvater, „aber sie

ließen sich etwas ganz einfaches einfallen. Die Steuern

wurden erhöht und so konnten sie trotzdem größere Sprünge

machen. Das Johannland war übrigens seit November

1652 keine Grafschaft mehr. Der Kaiser hatte die Regenten

in Nassau-Siegen in den Reichsfürstenstand erhoben und so

gab es bei uns winzig kleine Fürstentümer.“

„Cool! War denn ein Fürst mehr als ein Graf?“, fragt

Jörg wissbegierig.

„So ist es. Ein Graf hatte im Hochadel den niedrigsten

Rang. Ihm stand die Anrede ‚Hochgeboren’ zu. Ein Fürst

stand rangmäßig eine Stufe höher und wurde mit ‚Durchlaucht’

angeredet.

Aber zurück zum Thema! Im Jahr 1699 starb Fürst Johann

Franz Desideratus und dessen Sohn Wilhelm Hyazinth,

gleichzeitig Enkel von Johann dem Jüngeren, wurde

der neue Fürst und damit Chef im Oberen Schloss.“

„Wow!“, freut sich Jörg, „endlich kommen wir zum

Mörder. Der muss doch etwas an der Backe gehabt haben.“

Der Großvater kann dem nur zustimmen: „Schon seine

Zeitgenossen hatten große Schwierigkeiten, seinen Charakter

klar zu definieren. In höheren Kreisen wurde er als

wunderlicher Mann eingestuft. Und tatsächlich meinten

viele Höhergestellte, dass er einen Sprung in der Schüssel

habe. Ohne Zweifel verfügte er dennoch über viel geistige

Kraft und sprach mehrere Fremdsprachen. Andererseits

wollte er sich weder Gesetz noch Ordnung unterwerfen,

war selbstgefällig und hochmütig, dazu brauste er immer

wieder bei den geringsten Anlässen jähzornig auf. Sogar

dem Kaiser gegenüber trat er mit großer Zügellosigkeit auf,

wenn dieser wegen seiner Gewalttätigkeit Schritte gegen

ihn einleiten musste.“

„Das ist ja der Hammer! Er war also assimäßig zu allem

fähig?“

„Ja, dies vor allem wenn er seine Herrscherrechte verletzt

glaubte. Das hatte sicherlich mit einer völlig falschen Erziehung

zu tun. Er erfuhr wenig

von dem, was mit der Regierung

eines Landes zu tun hat. Wenn

Wilhelm Hyazinth heutzutage

vor Gericht gestellt würde, dann

hätte sein Anwalt mit Sicherheit

das Argument einer schweren

Kindheit parat und würde mildernde Umstände beantragen.

Seine eigene Mutter starb früh und er war noch keine

drei Jahre alt, da heiratete sein Vater eine der Hofdamen

der Verstorbenen. Bitter beklagte sich Wilhelm Hyazinth

stets darüber, dass die nicht standesgemäße böse Stiefmutter

ihn quäle und

ihre eigenen Söhne

unentwegt bevorzuge.

Die Erziehung

sei in seinen

ersten Lebensjahren

einem tölpelhaften

Bedienten

überlassen worden,

so der Vorwurf seinem

Vater gegenüber.

Mir diesem

stritt er im Übrigen

ständig und einmal

so massiv über eine

Schmälerung

seines prinzlichen

Gehalts, dass die

Sache zur Beurteilung

an den Reichshofrat

nach Wien

ging.“

Wilhelm Hyazinth

(Siegerlandmuseum)

36 25 Jahre durchblick 4/2011


Historisches

„Wenn der Alte so wenig blechte, konnte sich der Sohn

ja schon früh auf die geringen Steuern in seinem Johannland

einstellen.“

„Man sollte meinen, dass im Oberen Schloss eine sparsame

Hofhaltung angesagt sein würde – aber die Wahrheit

sah anders aus. Als der Fürst nach dem Tod seines Vaters

die Regentschaft übernahm, blies für die nur 800 Steuerpflichtigen

im Johannland gleich ein anderer Wind. Mehr

und mehr beklagten sich die Untertanen darüber, dass der

Fürst zehnmal mehr Abgaben als sein Vater erhob. Es war

endlich kaum noch zu ertragen und die empörten Untertanen

wurden zornig und immer zorniger.“

„Gab es einen Grund für diese totale Geldgeilheit?“,

fragt Jörg.

„Es erscheint kurios“, so der Großvater, „aber auch diese

hing wieder mit Erbschaften zusammen. Du hast sicher

schon einmal etwas von Wilhelm von Oranien gehört, der

im 16. Jahrhundert eine große Rolle beim Kampf der Niederländer

gegen die spanischen Herrschaft spielte und den

man ‚den Schweigsamen’ und später ‚den Schweiger’ nannte.

Dieser war ein Bruder von Johann dem Älteren und hatte

als Zwölfjähriger das reiche Fürstentum Oranien an der

südlichen Rhone durch das Vermächtnis eines Verwandten

geerbt. In diesem Geschlecht gab es eine Bestimmung,

wonach in dem Fall, dass irgendwann kein männlicher

Nachkomme mehr vorhanden sei, der oranische Besitz an

das Geschlecht Johann des Älteren übergehen solle. Der

letzte männliche Nachkomme Wilhelm von Oraniens war

der sehr kränkliche und kinderlose Wilhelm III., der neben

anderen Titeln auch den des Königs von England innehatte.

Der älteste Nachkomme von Johann dem Älteren indes war

Wilhelm Hyazinth. Und so ging dieser felsenfest und nicht

ganz zu Unrecht davon aus, dass ihm über kurz oder lang

das Erbe in Frankreich zufallen würde.“

„Dass er hierauf Bock hatte, kann ich mir denken. Dann

hätte er ausgesorgt gehabt.“

„Richtig! Als Wilhelm III. tatsächlich 1702 starb, trieb

der Fürst in Erwartung der sicher erscheinenden Erbschaft

sogleich einen noch höheren Aufwand als bislang schon,

übernahm den Titel ‚Prinz von Oranien’ und ließ sich mit

‚Hoheit’ und ‚königliche Hoheit’ anreden. Wer das nicht beachtete,

der konnte im Kerker landen. Wo er sich von nun an

aufhielt, sollte er stets umgeben sein von zwei adligen Gesellschaftern,

zwei Kammerdienern, zwei Sekretären, vier

Lakaien, einem Hofmeister, einem Koch sowie mehreren

Bedienungen. Seiner Frau nebst Sohn wurde ein ähnlicher

Hofstaat zugewiesen. Er war sich sicher, dass er angesichts

der reichen Erbschaft nun einen glänzenden Hof unterhalten

und ein behagliches Leben führen könne.“

„Das wäre eine echt geile Sache für ihn gewesen. Aber

ich vermute, dass irgendetwas schiefging.“

„Jörg, du bist ein Schnellmerker. Ich will es kurz machen,

denn neben Wilhelm Hyazinth gab es weitere vermeintliche

Erben. Wilhelm III. hatte in seinem Testament

seinen gesamten Besitz dem Haus Nassau-Diez vermacht,

dazu meldete auch der König

von Preußen Ansprüche

an. Der Siegener Fürst reiste

nach Paris, um bei Ludwig

XIV. gegenüber den Mitbewerbern

Unterstützung zu

erhalten. Doch das erwies

sich als schlechte Idee,

denn das Resultat war, dass

der Sonnenkönig das Fürstentum

Oranien der Krone

Frankreich einverleibte.

Wilhelm Hyazinth suchte

danach beim Papst und bei

den meisten europäischen

Höfen Unterstützung. Die

Reisekosten für die große

Rechtsanwaltskanzlei

Dr. Buß & Coll.

Dr. jur. Annette Buß

Autorenfoto

Delegation und das Geld für aufwendige Geschenke für

seine Gastgeber stiegen schier ins Unermessliche. Das alles

war von den Untertanen bei weitem nicht zu leisten. Auch

die bei einem Frankfurter Bankhaus geliehenen 20.000

Reichstaler, wofür er die Dörfer Wilnsdorf und Wilgersdorf

zum Pfand gab, erwiesen sich nur als Tropfen auf den

heißen Stein. Und er hätte das ganze Johannland verkauft

– wenn ein Käufer zur Stelle gewesen wäre.“

„Wehrten sich die Untertanen denn nicht gegen den

Schwachmaaten?“, forscht Jörg nach.

„Nun“, bekommt er zur Antwort, „die insgesamt trotz

allem besonnene Johannländer Bevölkerung beklagte sich

bitterlich über die allwöchentlichen Zusatzsteuern, ‚Schatzungen’

genannt, die durch keineswegs zimperlich vorgehende

Schlosssoldaten eingetrieben wurden. Aber ein Dämon,

der mit dem Dolch zum Tyrannen geschlichen wäre,

fand sich nicht. Doch die Unterdrückten verfassten endlich

Klageschriften an den kaiserlichen Hof nach Wien. Hauptklageführer

waren Johann Wiegel aus Oberdielfen, Adam

Gerhard aus Affholderbach, Johannes Stötzel aus Eschenbach,

Henrich Scheffer aus Dreisbach, Johann Ebert Schütte

aus Müßnershütten, David Kieffel aus Wilnsdorf sowie

die Weidenauer Johannes Truppach, Johann Thomas

Tätigkeitsschwerpunkt

- Erbrecht

- Familienrecht

- Erstellung von

Patientenverfügungen

Denkmal auf dem

Weidenauer Friedrich-

Flender-Platz

4/2011 25 Jahre durchblick 37


Historisches

Gedenktafel auf dem Hasengarten

sowie die Brüder Friedrich und Johann Jakob Flender. Endlich

beauftragte der Kaiser eine Kommission des Kölner

Domkapitels mit der Untersuchung der Siegener Zustände.“

„Das war ja wohl auch total angesagt. Und – haben die

Kölner alles gecheckt?“

„Ehe die Kommission eintraf, geschah der Mord. Der

Fürst vermutete in Weidenau den Mittelpunkt der Widerstandsbewegung

und gab den Befehl zur Festnahme von

Johann Ebert Schütte sowie Johann Jakob und Friedrich

Flender. Die beiden Ersteren rochen beim Anrücken der

Schlosssoldaten den Braten, sprangen ins Wasser der Ferndorf,

flohen ans andere Ufer nach Boschgotthardshütten

und waren damit im sicheren Ausland. Letzterer indes war

bei der Feldarbeit, bemerkte die Häscher wohl zu spät und

wurde gefangen aufs Obere Schloss gebracht.“

„So ein Shit!“, schimpft Jörg. „War dieser Flender denn

der große Boss beim Widerstand?“

„Friedrich Flender, der nach dem Standort seines Hauses

den Beinamen ‚vor der Hardt’ führte, gehörte zu einer der

angesehensten Weidenauer Familien, von denen die meisten

dem reformierten Glaubensbekenntnis treu geblieben

waren. Schon seine Vorfahren waren Anteilseigner des

Hardter Hammers, einer Schmiedefabrik. Er besuchte bis

zu seinem 16. Lebensjahr die Siegener Lateinschule, ging

dann aber ab um im elterlichen Betrieb als Hammerschmied

zu arbeiten. Da der Weidenauer eine über den Normalfall

hinausgehende Schulbildung besaß, außerdem als Fabrik-

Mitbesitzer einer der Hauptbetroffenen war, hatte auch er

– sicherlich nicht zuletzt nach entsprechenden Bitten seiner

Bekannten – über die despotischen Geldeintreibungen Beschwerde

geführt. Er kann aber kaum als Haupträdelsführer

bezeichnet werden.“

Jörg hat noch eine Frage: „Spielten auch religiöse Gründe

eine Rolle?“

„Da Friedrich Flender und seine Verwandtschaft im katholischen

Land nach wie vor dem reformierten Glauben

anhingen, erhielt er irgendwann den Status eines Märtyrers,

denn es wurde später lange Zeit im Siegerland behauptet,

dass er wegen seiner Religion festgenommen worden sei.

Autorenfoto

Dies lässt sich aber nirgendwo belegen, zudem litten die

Katholiken in gleichem Maße wie die Andersgläubigen an

der Geld- und Machtgier des Gewaltherrschers.“

„Nach der Gefangennahme geschah der Mord, oder…?“

„Schon im Jahr zuvor hatte der Fürst verkünden lassen,

dass jedem, der die Auflagen zahlen könne, dies aber nicht

wolle, der Kopf abgeschlagen würde. Nun wollte er durch

einen gewaltsamen Akt den sich verstärkenden Widerstand

niederschlagen und ein abschreckendes Beispiel geben.

Eine Untersuchung gab es nicht, eine auch damals schon

zwingend vorgeschriebene Gerichtsverhandlung mit einem

abschließenden Urteil ebenfalls nicht.

Gleich da vorne auf dem so genannten Hasengarten ließ

der Fürst ein Schafott errichten und drei Tage nach der Gefangennahme

schlug der Scharfrichter dem Unglücklichen

am 29. März 1707 den Kopf ab. Diesen steckte man auf

dem Bollwerk oberhalb des Marburger Tors auf eine hohe

Stange mit dem Gesicht nach Weidenau gewendet. Anderntags

wurden still und heimlich Flenders Körper und Kopf

an der Mauer des Weidenauer Friedhofs unter die Erde gebracht.

An der Stange wurde ein hölzerner Kopf befestigt,

der aus großer Entfernung zu sehen war.“

„Jetzt war bei allen anderen doch sicher mächtig Bammel

angesagt?“, vermutet der Junge.

„Na klar Jörg, die Hinrichtung hatte überall im Johannland

Entsetzen hervorgerufen. Manch einer flüchtete ins

Ausland oder suchte Schutz beim reformierten Fürsten im

Unteren Schloss. Auch in Köln war das Geschehnis rasch

bekannt geworden und so traf nach etlichen Tagen die schon

zuvor mit der Untersuchung betraute Kommission nebst

starker militärischer Begleitung ein. Wilhelm Hyazinth gab

sich anfangs großspurig, machte sich dann aber schleunigst

und feige aus dem Staub und floh nach Hadamar. In der

Friedrich Flenders Abschiedsbrief, bei d

Passagen weggelassen wurden, hat folg

„Hertz Liebe Haus Frau Cattarina Flenderin,

gemahl bis in den Dot, welche sterb stundte mir

worden. So nun ja es sollte volbracht werden, da ic

Augenblick Gottes und Ihrer Hoheitt Gnadt mich

versichert weis im Hertzen kein Arges noch Bößes

Regirung sondern über die schwäre undt große neue

oder mehr nicht als der geringsten Underthanen ein

diesem zeittlichen Leben uns nicht wieder sehen, d

Verstand zu überwinden, auch gudte Acht auff die 3

damit sie christlich aufferzogen werden undt der him

pt und sonders Verpfleger sein würdt.

Vale 1707 den 29. Mertz allen Freunden gude Na

38 25 Jahre durchblick 4/2011


Stadt Siegen feierten die Bürger und die Bauern aus der

Umgebung ein spontanes Freudenfest. Die Kommission

übernahm für die nächsten vier Jahre das Kommando im

Johannland und ließ als Sofortmaßnahme den Körper von

Friedrich Flender ausgraben und der Ermordete erhielt unter

riesiger Beteiligung der Siegerländer Bevölkerung ein

christliches Begräbnis.“

„Dann sind wir jetzt wohl am Ende und können den

Abflug machen?“

„Noch nicht ganz, es gibt noch eine wichtige Sache. Vor

ungefähr 100 Jahren wurde in Weidenau ein Haus abgebrochen.

In diesem hatte einst die Witwe Friedrich Flenders

gewohnt. Beim Abbruch fand sich in einem Geheimfach

ein zu Herzen gehender Abschiedsbrief, den der Getötete

wenige Stunden vor der Hinrichtung geschrieben hatte und

der die große innere Kraft des bescheidenen und aufrechten

Mannes belegt. Der 32-Jährige hoffte zu diesem Zeitpunkt

im Bewusstsein seiner Unschuld noch auf fürstliche Gnade,

ging aber wohl doch schon davon aus, dass diese Hoffnung

vergeblich sein würde. Ich habe den Brieftext dabei und

werde ihn dir gleich vorlesen. Er versichert hierin seiner

Katharina Liebe bis in den Tod und bittet sie, alles mit Geduld

und Verstand zu überwinden. Wichtig war ihm auch,

dass ihm kein todeswürdiges Delikt zur Last gelegt werden

könne, sondern dass er lediglich wie jeder andere gegen die

finanziellen Auflagen geklagt habe. Dazu bittet er sie, die

älteste Tochter Godelieb und die erst kurz zuvor geborenen

Zwillinge Johannes und Marie Elisabeth in christlichem

Glauben zu erziehen. Außerdem sind am Schluss noch etliche

geschäftliche Anmerkungen enthalten, die zum Teil

für uns heute unverständlich sind.“

Nachdem der Großvater den Brief vorgelesen und

noch ergänzt hat, dass Fürst Wilhelm Hyazinth vier Jahre

nach dem Mord noch

em die geschäftlichen

enden Wortlaut:

ich verbleibe Euerer Eheanheutte

ist angekündiget

h doch noch bis zum letzten

getröste, so dass ich mich

gegen die Gnädigste Hohe

Ufflagen geklaget, weniger

er. Bitte also, wenn wier in

ieses alles mit Gedult und

unmündige Kinder haben,

mlische Vatter Euerer samcht.

Historisches

Friederich Flender.“

einmal eine Zeitlang das

Regiment am Oberen

Schloss übernahm, bald

aber wieder in gewohnter

Weise seine Untertanen

finanziell ruinierte und

erst 1723 vom Kaiser

endgültig abgesetzt wurde,

verlassen die beiden

ihre Bank. Ehe sie sich

auf den Heimweg machen,

schauen sie sich

noch die vielen Dokumente

aus der einstigen

Zeit im Siegerland-Museum

und in dessen Umfeld

an. Wenn der zuletzt

ganz still gewordene Jörg

jetzt nicht zu seiner guten

Note kommt…

Ulli Weber

Alter Geschlecht Monatsbeitrag in Euro

45 Frauen

Männer

55 Frauen

Männer

65 Frauen

Männer

75 Frauen

Männer

Genau so einzigartig

wie der Mensch ist,

so sollte auch seine

Bestattung sein.

Vorsorge

Absicherung für den letzten Weg

8,94

11,53

12,24

15,82

19,45

24,82

40,50

48,63

12,89

16,79

17,84

23,21

28,63

36,70

60,18

72,38

TÜV SÜD geprüfte Service-Qualität

seit 3 Jahren in Folge

für den Geltungsbereich:

16,84

22,03

23,44

30,59

37,81

48,56

79,86

96,14

Versicherungssumme 3.000 4.500 6.000

Quelle: Ideal Sterbe-Geld 2011

4/2011 25 Jahre durchblick 39


Ein Leben ohne Chor kann sich Gerhard Engel eig

er im Chor der St. Peter und Paul Kirche, wo er s

Begeisterung für Kirchenmusik begleitet ihn sei

durch Hören, Sehen und Verstehen später selbst Chorle

spruchsvolle Aufgabe.

Weitere Stationen seiner Dirigententätigkeit sind: 19

St. Peter und Paul, Siegen, der bis 1990 bestanden hat, 19

2000 bis heute Kirchenchor St. Marien, Freudenberg.

Chormusik in einer christlichen Kirche ist kein Selb

schen Messe bzw. des Gottesdienstes. Sie ordnet sich de

Sinne an. So wie auch der feierliche Rahmen der Kirche

Glasfenstern und Wänden, die kunstvoll gestalteten Altä

Lob Gottes.

Zu Gerhard Engels liebsten musikalischen Erinnerun

im Salzburger Dom, dem Paderborner Dom und dem Do

des Oratoriums „Der Messias“ von Georg Friedrich Hä

Besonders schätzt er außerdem die Musik von Felix Men

und Joseph Haydn.

Zur Person:

1936 in Siegen geboren, verheiratet, 5 Kinder

Beruf: Abgeschlossenes BWL-Studium Außendienst

Von 1974 bis 2002 als Anzeigen- und Werbeberater b

40 25 Jahre durchblick ck

4/2011


entlich gar nicht vorstellen. Schon seit 1956 singt

eit 1970 auch als Vize-Chorleiter fungiert. Seine

n Leben lang. So musikalisch vorgebildet, ist er

iter geworden, eine verantwortungsvolle und an-

76 Gründung und Leitung eines Kinderchores in

90 bis Ende 1999 Kirchenchor St. Matthias, Deuz,

stzweck. Er dient der Mitgestaltung der katholim

Ablauf des Messerituals unter und spricht die

narchitektur, die bunten Gewänder, die Bilder an

re und der Duft des Weihrauchs. Alles dient zum

gen gehört die Gestaltung der Gemeindemessen

m zu Mainz. Nicht zu vergessen, die Aufführung

ndel in der Kirche St. Peter und Paul in Siegen.

delssohn-Bartholdy, Wolfgang Amadeaus Mozart

tätigkeit für mehrere Markenartikel-Firmen.

ei der Siegener Zeitung

Collage: Gottfried Klör, Text: Tessie Reeh

4/2011 25

Jahre durchblick ck

41


Philosophisches

Gedanken auf Abwegen

Walther von der Vogelweide, Lyriker des Mittelalters

(Abb. Große Heidelberger Liederhandschrift um 1300)

Ich saß auf einem Steine und schlug Bein über Beine......

Ein Hauch von Endlichkeit lag schon über der Natur,

ein letztes Aufbäumen in einer alles verschlingenden

Farbenpracht vor dem Vergehen. Der ganze Vorgang mit

einem unendlichen Gleichmut. Aber sie wird wiederkommen,

sammelt Saft und Kraft, um uns einen neuen Frühling

zu bescheren. Altweibersommer, eine sicherlich schillernde

Bezeichnung für diesen herrlichen Jahresabschnitt, jedoch

auch ein wenig provokant, frivol und schmerzhaft, wenn

sie den Älteren unterstellt, dass auch sie noch einmal Rad

schlagen und ihr Gefieder aufplustern vor dem endgültigen

Ableben. Und wie ist es um deren „Come back“ bestellt?

Das Licht nimmt ab. Hin und wieder weht ein noch

grünes Blatt an mir vorüber, ein Gruß aus sommerlichen Tagen,

ein momento mori - Symbol der Vergänglichkeit. Die

letzten wärmenden Sonnenstrahlen legen sich über mein

melancholisches Gemüt. „Leuchtende Tage, nicht weinen,

dass sie vorüber, lächeln, dass sie gewesen (Konfuzius).

Wikipedia

An den vergangenen Abenden übernahm ein Vollmond

den Tag mit einem fahlen, kalten und verstörenden Licht,

das Weltgeschehen zog in dunklen Wolkengebilden an ihm

vorüber. Die Vorstellung eines indifferenten Universums,

im gebrechlichen, oft überheblichen Ich noch ein fernes

Ich suchen. Die Eulen der Minerva beginnen erst in der

Dämmerung ihren Flug.

Ich glaube, es gibt kaum einen Stoff auf diesem Planeten,

aus dem man mehr erschaffen könnte, als aus der Welt der

Gedanken. Manchmal ziehen sie wie Segelschiffchen ihre

Bahn, heute eilen sie, sie überschlagen sich fast. Der Körper

wird im Alter poröser, durchlässiger, die Stimmigkeit des

Lebens nimmt ab, der Wind der Zeit wird stürmischer. Die

Zeit verdichtet sich. Ich erfahre ja die Welt immer hauptsächlich

über mich. Wie ich sie denke, so zeigt sie sich mir.

Meine Gedanken sind heute wie schwere Wurfgeschosse,

sie durchdringen jede Zelle meines Körpers, aber ich bin ihr

Schöpfer und trage die Verantwortung, finde jedoch den

Knopf nicht, um sie abzuschalten. Ich möchte einen Vorhang

herablassen, um sie dahinter zu verbergen. Sie kreisen

um die vielen Verluste im Verlauf jeden Lebens. Kann man

eine Gewinn-Verlust-Rechnung aufstellen? Manchmal nähre

ich die Überzeugung, es gäbe eine Schicksalswaage, die

für eine gewisse Balance sorgt. Manchmal ist ein Gewinn

auch ein Verlust und ein Verlust entpuppt sich als Gewinn.

Die nackte Angst vor weiteren Verlusten, welcher Art auch

immer, brennt sich in meine Seele. Sehnsüchte bleiben in

den Büschen hängen, werden wie Fetzen zu mir zurück geweht.

Leben im Alter heißt Leben am Limit, eine Existenz

führen auf Abruf, eine zeitliche Zäsur, die zur Vergangenheit

gewordene Zukunft. Zeit ist knapp, und es geht darum, sie

angenehm zu entsorgen. Wir versuchen, so las ich einmal,

die Zeiten zu überleben, in denen wir leben. Das Ende denken.

Ich halte Ausschau nach dem Amt für finale Angelegenheiten.

Sollte der Glaube dort beheimatet sein und das Zepter

schwingen? Die erbarmungswürdige menschliche Kreatur

vor ihrem Fall. Den Überblick verlieren als älterer Mensch

in einem Dasein, in dem die Welt sich langsam auflöst und

verflüchtigt in ein nur teilweise verständliches Spiel von Zeichen

und Codes, gefühltes Wissen in einer undurchsichtigen

komplexen und doch geisterhaft funktionierenden Welt.

Der Sack voller Verluste neben mir. Ich lecke mir die

Wunden, die sie geschlagen haben und bebrüte noch einmal,

wie eine Glucke, schon längst gelegte Eier. Selbst

Niederlagen erscheinen mir im späten Licht wie Verluste,

Krankheit und letztendlich auch das Sterben mit einbezogen,

im vollen Bewusstsein dieser Absurdität. Das Erinnern

ist lückenhaft, zum großen Teil rekonstruiert, denn das Gedächtnis

ist keine Festplatte, auf der Erlebtes gespeichert

wird, sondern das Gehirn ist in Fächer aufgeteilt, die allerdings

unter einander agieren. Daher vielleicht auch die

42 25 Jahre durchblick 4/2011


Philosophisches

Bezeichnung des Schubladendenkens! Von Ereignissen und

Erlebnissen werden nur Schnipsel gespeichert.

In jungen Jahren findet sich häufig ein Ersatz für erlittene

Verluste, im Alter sind es dann die Ersatzteile für

Zähne, Haare und Gelenke. Die Verluste beginnen bei der

überwiegenden Zahl der Menschen mit den Milchzähnen,

enden, wenn man Pech hat, mit dem Verlust des Verstandes,

spätestens aber mit dem Ableben. Alles Verlieren dazwischen

reiht sich auf, wie an einer kürzeren oder längeren

Perlenschnur. Angeblich kann ich alles, was mir widerfährt,

in einer Weise fühlen, formen, verwandeln und nutzen, so

dass ich davon profitiere, egal ob es sich um Verluste ideeller

oder materieller Natur handelt. Was ein Verlust ist und

was er für den Einzelnen bedeutet, stellt sich unterschiedlich

dar.

Robert Schumann hat ein

Stück komponiert mit dem Titel:

„Erster Verlust“. Es geht um

ein Vögelchen seiner Tochter. Er

fütterte es mit Grießklößchen und

das hat dem Vögelchen den Garaus

gemacht.

Kurt Biedenkopf empfand den

Verlust von Karl-May-Büchern,

die er auf der Flucht zurücklassen

musste, als das bis dahin größte

Missgeschick. Das war 1992.

Jens Peter Jakobsen führt aus:

„Der Glaube an einen lenkenden

strafenden Gott ist die letzte Illusion

der Menschheit, wenn auch

die verloren geht, dann ist er klüger

geworden, aber auch reicher,

glücklicher“?

„Freunde, ich habe einen Tag

verloren“, klagt Titus, nachdem

er einen Tag lang nichts Denkwürdiges

vollbracht hatte.

„Meistens lehrt uns erst der

Verlust über den Wert der Dinge.“

(Schopenhauer)

„Während wir durchs Leben

gehen, halten wir nach dem fehlenden

Teil unseres Ichs Ausschau.

Manchmal haben wir Glück und

erkennen in jemand anderen unser

verloren gegangenes Stück

Selbst.“ (Paulo Coelho)

„Wo ist die Weisheit, die wir im

Wissen und das Wissen, welches

wir in der Information verloren

haben?“, fragt T. S. Eliotz.

„Dinge hinausschieben, damit

bestiehlt man die Gegenwart“.

(Seneca)

„Nichts riskieren heißt, einen nicht abschätzbaren Verlust

hinzunehmen“. (Theo Lehmann)

„Wie viel geht nicht auf so langem Weg verloren, Gesundheit,

Kraft, selbst Neigung und Fähigkeit, Einfaches

zu genießen, dessen Duft am leichtesten verflüchtigt, eben

weil er der Feinste ist.“ (Alexander von Villers)

Allem die Krone auf setzt Nietzsche: „Es gibt Verluste,

welche der Seele eine Erhabenheit mitteilen, bei der sie sich

des Jammerns enthält und sich, wie unter hohen, schwarzen

Zypressen, schweigend ergeht.“

Fest steht, ohne Kompensation, Verwandlung und Sublimierung

ist die menschliche Existenz nicht auszuhalten.

Erika Krumm

4/2011 25 Jahre durchblick 43


„handeln erwünscht“

leben im Überfluss

Collage: Agnes und Peter Spar

Die biblischen Worte: „Unser täglich Brot gib uns heute“ müssten in unserer Zeit wohl lauten:

„Unser täglich Brot und unseren täglichen Sprit gib uns heute“

Die Erde ist groß genug für die Bedürfnisse eines jeden

Mahatma Gandhi

Menschen, aber nicht für seine Gier.

Wer in den letzten Wochen begleitet von den warmen

Sonnenstrahlen der Herbstsonne durch

unsere Natur wanderte, erlebte seine Umwelt

sicher glücklich und zufrieden. Es war ein Altweibersommer,

wie wir ihn uns lange wünschten. Die letzten Blumen

brachten noch einmal ihre volle Blütenpracht hervor und

auch der Wald fing Farben des Herbstes ein.

Nach einem verregneten Frühjahr und Sommer hatte sich

die Kraft der Natur durchgesetzt und somit segensreich für

unsere Bedürfnisse gesorgt. In großen Mengen und ausreichend

plünderten die Vögel die roten Kirschen. Es grüßten

und erstrahlten die zahlreichen weit leuchtenden Apfelbäume,

und unter der schweren Last der Früchte brachen teils

übervolle Äste der Pflaumenbäume ab. In den Gärten wuchsen

und gediehen aromatische Beeren an den Sträuchern.

Selbst an Waldesrändern konnte man üppige Wilderdbeeren,

Him- und Brombeeren naschen. Die Natur hatte in diesem

Jahr ihr Füllhorn in einem reichen Übermaß über uns geschüttet.

Ja, und auch die Landwirtschaftsverbände berichteten

über sehr gute und ertragreiche Ernteergebnisse.

Doch was tun wir Menschen? Wir stöhnen und klagen.

Allerorts wurden die Fragen laut: „Willst du noch Äpfel

haben, kannst du noch Pflaumen gebrauchen?“ und dann

der Nachsatz: „Ich kann sie nicht mehr sehen“ oder „ich

habe mich daran satt gesehen“.

Wenn es doch so einfach wäre mit dem Begriff satt. Wir

können uns satt essen!

Abends, wenn wir es uns gemütlich gemacht haben,

mit gesättigtem Bauch in unseren Sesseln sitzen, erreichen

uns Bilder von ausgemergelten Menschen, darunter eine

Vielzahl an kleinen Kindern, die mit großen Augen in unsere

Wohnstuben schauen. Es macht betroffen. Doch im

Allgemeinen hören wir schon gar nicht mehr hin, wenn

der Sprecher der Nachrichten – mit dem Hinweis auf ein

Spendenkonto –, auf die entsetzliche Not in Worten und

Bildern aufmerksam macht.

Ja, so wird man an dieser Stelle sagen: Was soll das?

Was helfen unsere vollen Obstbäume den armen Hungernden

am Horn von Afrika? Wir können doch keinen Pflaumentransport

in die Dürre- und Hungergebiete schicken!

Es hinterlässt irgendwo einen faden Nachgeschmack,

wenn man sich mit den Gegebenheiten unserer vom Konsum

geprägten „Denkweise“ beschäftigt. Können wir eigentlich

noch anders leben? Muss das so sein? Wer bestimmt

darüber?

44 25 Jahre durchblick 4/2011


Gesellschaft

Die übervollen Bäume sind ja nur ein kleines

Beispiel dessen, was wir tagtäglich erleben

und hinnehmen. Inwieweit tragen wir mit dazu

bei, dass Teile dieser Erde, in der doch alle

Menschen ein Recht auf Leben haben, maßlos

ausgebeutet und sinnlos zerstört werden? Als sei

es von jeher so gewesen!

Während an unseren Bäumen das Obst nicht

genutzt wird und langsam vor sich hingammelt

und verfault, werden tagtäglich zusätzliche neue

Früchte aus aller Herren Länder in unsere Geschäfte

gebracht. Sie sind wahrscheinlich vom

Aussehen makellos, aber sind sie deshalb wertvoller

als die heimischen Obstsorten?

Wie lange wissen wir schon, dass wir in unserer

Wegwerf- und Überflussgesellschaft unser

eigenes Umfeld belasten? Wie häufig werden wir

darauf hingewiesen, dass die Menschen in den

Dürregebieten dieser Welt mit einem Bruchteil

unseres Überflusses ihr Leben fristen könnten. Es wurden

Organisationen für Menschenrechte, eine Welthungerhilfe

gegründet, und die UNO gibt es auch noch! Große Namen

von edler Bedeutung mit großen Aufgaben. Die Namen

sind uns bekannt, aber den hungernden Menschen fehlt der

Zugang, fehlt eine Lobby.

Die Ökonomen kommen dann sofort mit dem Schlagwort

der „sozialen Marktwirtschaft“, daraus resultierend

mit dem Hinweis: „Ja, wir müssen produzieren, schließlich

ist es doch der Sinn eines marktwirtschaftlichen, globalen

Wirtschaftssystems, usw. usw.“ Studierte Experten erklären

in Talkrunden „den Wandel der Zeit“! Es sind überwiegend

die gleichen „Fachleute“, die uns Bürgern ihre (oftmals bezahlte)

Meinung zu den Themen exzessiv und mit überaus

wichtigem Gehabe „aufschwatzen“.

In vielen Dingen bedarf es eigentlich nur eines kleinen

Rückblicks auf die Werte, die schon für unsere Vorfahren

galten. Ein Leben geprägt vom gesunden Menschenverstand.

Sind wir wirklich alle in diesem entsetzlichen System

so gefangen, dass wir auf Gedeih und Verderb weiter dieses

zügellose, maßlos-unsinnige Gebaren mitmachen müssen?

Spätestens hier kommt der Einwand, dass das Angebot ausschließlich

nach der Nachfrage geregelt wird!

Daher sei es dringend geboten, dies auch nach der Orientierung

des Marktes vorzunehmen. Ebenso wird diese

Strategie des Konsumdenkens auch unter dem Aspekt des

Arbeitsmarktes gesehen. Mit dem Wegfall von tausenden

Arbeitsplätzen argumentieren überwiegend die Unternehmen,

für die Gewinn an erster Stelle steht.

„Unser täglich Brot gib uns heute“.

Eigentlich müsste es einen Aufschrei, eine Wutbürger-

Mentalität in der Bevölkerung hervorrufen, wenn daran gearbeitet

und geforscht wird, wie man aus lebensnotwendigem

Getreide - mit vollwertigen Nährstoffen – Kraftstoffe

für unsere Mobilität produziert. Oder: Es als das „große

Non-plus-ultra“ preist, wenn man sogar Nahrungsmittel als

Kaufhaus Werbung vom 9. 10. 2011 im SWA

pelletähnliche Brennstoffe verheizt. Ist es nicht eine Verhöhnung

angesichts der hungernden Menschen? Warum

denken wir nicht daran? Wir als Kunden an den Ladentheken

sollten wenigstens den Versuch wagen, ein klein wenig

die Dinge anders zu lenken. Wir als Verbraucher sollten

unsere Kaufkraft, als Macht gegen dieses schlimme, nach

(Gier)- Gewinndenken ausgerichtete Warenangebot abwägen

und es ganz einfach ablehnen.

Man braucht im Winter bei Eis und Schnee keine erntefrischen

roten Erdbeeren.

Wer heute für den Haushalt einkauft, wird schon an der

Brottheke mit einem Überangebot in runder-, ovaler-, dreieckiger-,

laibähnlicher- oder wie auch immer gestalteter

Brotformen, mit vielen verschiedenen Getreidesorten der

unterschiedlichsten Inhaltsstoffe konfrontiert. Nicht nur das:

Es darf ebenso unter den Brötchen in reichhaltigen Varianten

gewählt werden. Und es sind beileibe keine kleinen Mengen,

die dort dem Kunden dargeboten werden. Die Regale und

Körbe müssen stets gefüllt vor den Augen des Kunden gut

sichtbar, eben dem Gaumen anregend, – vor allem: kauffördernd

präsentiert werden. Die gleiche Fülle bietet sich innerhalb

der Warengruppen in den Frischeabteilungen wie Obst

und Gemüse, den Molkereiprodukten, usw. usw.

Sehr oft wird dann im Hintergrund der soziale Aspekt

dieses Überangebotes genannt. Alles was vom Vortag übrig

bleibt, wird der „TAFEL“ zur Verfügung gestellt und das

sei ja nun wirklich eine sehr vernünftige, sinnvoll und auch

christlich-solidarisch vertretbare Sache!

Und just bot das Siegener Warenhaus „Real“ Mitte Oktober

zu Gunsten der „Tafel“ einen Floh- oder Schnäppchenmarkt

– mit zusätzlicher großer Tombola an. Unter

dem Slogan „handeln erwünscht“ wurde geworben und es

stand wörtlich geschrieben: Das schon „über 90 Geschäfte,

Bäckereien und Großmärkte spenden regelmäßig ihre

Überschussware an die Siegener ‚Tafel‘. Hierbei handelt es

sich ausschließlich um einwandfreie Lebensmittel, die

4/2011 25 Jahre durchblick 45


Gesellschaft

noch verwertet werden können. Sie werden aussortiert, bevor

sie verderben. Meistens steht das Ablaufdatum kurz bevor

oder es ist Saisonware, wie z. B. Weihnachten“.

Aber damit nicht genug. Es steht weiter im Text „So

schafft die Siegener Tafel eine Brücke zwischen Überfluss

und Mangel: qualitativ einwandfreie

Lebensmittel, die sonst im

Müll landen würden, und verteilt

diese an sozial und wirtschaftlich

Benachteiligte“. Die Aussage am

Anfang: „die Tafeln in Deutschland

haben eine Bewegung in

Gang gesetzt, die nicht mehr zu

stoppen ist“, usw. usw.!

Ist das nicht skandalös? Und die Krux der Sache: Man

glaubt diesen „betriebswirtschaftlich ausgebildeten, teils

studierten Scharlatanen“!

Was ist sozial? Parteien werben mit Begriffen wie:

christlich-sozial, christlich-demokratisch und sozial-demokratisch.

Sozial steht für gemeinnützig, wohltätig, uneigennützig

und vor allem menschlich. Wie viel Leid könnte

in sinnvolle Hilfe für die wirklich Hungernden dieser Welt

umgewandelt werden, wenn die Preise auf den Weltmärkten

nach sozialen Maßstäben ausgerichtet würden? An eine

„Tafel“ für den afrikanischen Kontinent denken nicht mal

Der Wahnsinn der

Überproduktion hat

viele Lobbyisten

die Menschen der verschiedenen Glaubensrichtungen. „Es

gibt doch die Hilfsorganisationen“, kommt als Entschuldigung.

Ach ja und „zu allen Zeiten gab es schon immer

Reiche und Arme, kam es schon immer zu Hungersnöten“.

Der Wahnsinn des Überproduzierens hat viele Lobbyisten.

Anlässlich des Erntedankfestes

wurde in einigen Predigten

und Kommentaren angemerkt

und ermahnt, dass wir mit unserer

Nahrung sorgsamer umgehen

mögen. Es würden zunehmend

Lebensmittel eingekauft, die

dann – verpackt, teils noch ungeöffnet

- verdorben in der Mülltonne landen. Unter diesem

Aspekt ist davon auszugehen, dass es einer gewissen Klientel

von Menschen zu gut geht. Dem gegenüber beklagt

man eine stetig zunehmende Zahl von Haushalten, die in

die Verschuldung geraten. Es ist eine Schraube ohne Ende.

Die Zahl derer, die noch die entbehrungsreiche Kriegsund

Nachkriegszeit, den Beginn des wirtschaftlichen Wachsens

miterlebt hatten, wird mit den Jahren geringer.

Den zuvor erwähnten Slogan „handeln erwünscht“ sollten

wir wirklich beherzigen und mithelfen, dem irrsinnigen

Überfluss ein Ende zu setzen.

Eva-Maria Herrmann

46 25 Jahre durchblick 4/2011


Personen

Willi Otto Hahnenstein geb. am 19.09.1911

Zum 100. Geburtstag eines angesehenen Siegener Bürgers

Der Jubilar

ist auch im

hohen Alter

noch geistig rüstig

und erinnert sich genau

an die Zeit vor etwa

70 Jahren. Damals

wohnte er bei seinen

Eltern in der Nordstraße.

Heute wohnt

er im Haus seiner

Tochter und seines

Schwiegersohnes in

Willi Otto Hahnenstein Kaan Marienborn,

Grimbergstraße 22.

Er war viele Jahre bei

der SIEMAG (jetzt

SMS) in Dahlbruch als Industrie-Kaufmann tätig und hat

in jungen Jahren noch Briefe geschrieben für den bekannten

Chef dieses Unternehmens, Bernhard Weiss. Zuletzt nach

seinem 99. Geburtstag wurde er – wie jährlich – von der

Firmenleitung abgeholt zur Jubilar-Feier, an der er neben

dem jetzigen Vorstandsvorsitzenden Dr. Heinrich Weiss bevorzugt

Platz nehmen konnte.

Hier die Aufzeichnungen des hochdramatischen Geschehens

kurz nach dem ersten schweren Bombenangriff

auf Siegen am 16. Dezember 1944, der allen damals

jugendlichen Mitbürgern nachhaltig im Gedächtnis geblieben

ist. – Willi Hahnenstein war damals als Soldat

an der Ostfront verwundet worden und aus einem Feld-

Lazarett kommend zur Nachbehandlung nach Gießen in

ein Wehrmacht-Lazarett verlegt worden. Dort erfuhr er

von dem Luftangriff auf seine Vaterstadt Siegen. Er konnte

trotz eines noch geschienten Arms mit der Bahn nach

Siegen gelangen; in der Dramatik des Geschehens ohne

bürokratische Urlaubserteilung; denn er war ja noch verwundeter

Frontsoldat.

In Siegen angekommen, wollte er nach Hause und fand

zu seinem Entsetzen und innerlich schwer getroffen, seinen

durch den Bombenangriff zu Tode gekommenen Vater

vor dem Weidenauer Krankenhaus auf der Straße liegen,

buchstäblich nur mit einer Zeitung bedeckt. Die Bergung

der vielen Toten konnte ja nicht sofort von den Hilfskräften

bewältigt werden. Als treuer Sohn und tatkräftiger Mann

gelang es ihm endlich – nach verzweifelten Bemühungen

– einen Schreiner ausfindig zu machen für einen Sarg und

überdies einen einfachen Wagen (Autos gab es ja nicht

mehr) mit einem Pferd bespannt, um seinen Vater in Ehren

zu Grabe zu fahren.

Autorenfoto

Es war der Wunsch seinen Vaters gewesen, auf dem

Friedhof in Gosenbach beerdigt zu werden. Dazu musste er

sich zunächst Wagen und Pferd aus Gosenbach holen. Ein

weiter Weg zu Fuß von Weidenau nach Gosenbach. Eine

neue aufreibende Schwierigkeit kam hinzu. Die Witterung

ergab leichten Schneefall und das Pferd rutschte dermaßen

in der Glätte aus, dass seine Hufe mit Sackleinen umwickelt

werden mussten. Immer neue Probleme und Hürden;

wer kann das aushalten? Schließlich konnte er mühsam und

langsam, seinen toten Vater auf dem Wagen, den Rückweg

zum Gosenbacher Friedhof antreten, doch in der Nähe

der Eisenbahnbrücke am Kaisergarten ertönte ein „HALT“

und zwei Uniformierte mit Stahlhelm und blankem Messingschild

an einer Kette auf der Brust hielten ihn an. Feldgendarmen

(so hießen damals Militärpolizisten – heutzutage

Feldjäger). Willi Hahnenstein trug freilich auch seine

Uniform mit Dienstpistole am Gurt. Weiterfahrt gestoppt.

Ausweispapiere verlangt. Willi H. erläuterte, innerlich

erregt, dass er seinen toten Vater zur Beerdigung fahren

wolle. Als es dennoch (zu viele) Fragen gab, sah unser Vetter

das nicht mehr ein und er schrie aufgebracht, indem

er die Pistole aus dem Futteral zog „Wenn ihr mich jetzt

nicht durchlasst, dann schieße ich...“ Jeder ältere Mitbürger,

der die damalige Zeit erlebt hat weiß, welch hohes

Risiko, selbst erschossen zu werden, unser Vetter einging,

als er seine Pistole zog. Aber, Gott sei Dank, der Älteste

der beiden Feldgendarmen behielt die Nerven und sagte

ruhig: „Jetzt mach mal halblang, wir haben ja auch unsere

Pflichten – aber jetzt sieh zu, dass du weiter kommst.“ Es

konnte weitergehen und nach einer langen und schwierigen

letzten Reise seines Vaters konnte er ihn schließlich ehrenvoll

auf dem Friedhof in Gosenbach bestatten. So etwa

ist das dramatische Geschehen für Willi Hahnenstein vor

fast 70 Jahren abgelaufen. Er sagt noch heute, dass er mit

seiner Nervenkraft völlig am Ende gewesen sei; übrigens

sind Feldjäger im Vorrang, auch wenn der Kontrollierte den

gleichen Rang hat.

Soviel von seiner eigenen Erzählung. Jeder Leser wird

verstehen, wie erschöpft und enttäuscht ein redlicher

Mensch gewesen sein musste, der mehr als seine Pflicht

erfüllt hatte. Unser Vetter Willi Hahnenstein hat trotz allem

Geschehen und einem erfahrungsreichen Leben bis heute

sein gesundes Gottvertrauen behalten. Eine Enkelin und

zwei Urenkel wissen und werden nicht vergessen, mit allen

Familienangehörigen, was sie von einem solchen (Ur)-

Großvater zu halten haben, der auch mit 100 Jahren immer

noch Lebensmut ausstrahlt und diesen auch an andere Menschen

weiter vermittelt.

Ulrich Hahnenstein

(Vetter 2.Grades von Willi Otto Hahnenstein)

4/2011 25 Jahre durchblick 47


Mundart

Got gedocht !

Sonndachsässe – Doffelns-Glease

En de 80-zicher Joarn, em foarige Joarhondert, konn

m‘r emo en d‘r Zirung läse, darren lesdiger Hussma

fresche Doffeln zom Wäsche en de Wäschmaschin

schdobbde, em se da, wi m‘r hozedach sät, gesondheitsbewosst

met d‘r Schal ze genese, glich woal awer och, em

sech de Arwet mem Schealn ze schbarn.- Got gedocht!

Em 1960 rem mainde min Fadder, hä hädde wat erfonne.

Wann et bi os d‘rhaim Doffelnsglease gob, härre minner

Modder emmer geholfe, dänn rächt arwets‘ofwennich erret,

bes de Doffelnskoggeln om Däller läjje. Em no schwinn

got drij Doffelnsgerewenes ze grijje – rechdich drij moss

dat sinn – gob min Fadder dat Gereb en e Linnetsäckelche.

Schdramm zogebonne wuer dat da so rechdech duerch on

duerch ussgegwätscht en ner al Wäscheschleuder, di sost

foar niks me ze gebr‘uche woar. – Got gedocht!

Onnerm Ussgoss fa d‘r Schleuder feng en Schoddel de

Doffelnsbre of, di da en Zittlang dren schdo bleb. Doffelnsschdärke

sadde sech ab on kom hennerhear werrer onner dat ussgedreckde

Gereb. Och e bessje Bre werrer d‘rzo. Wat itzend

noch fälde woarn Salz, Äjjer on gerewene Zwebbeln. Dat alles

met am Dach foarhear gekochde on zergwätschde Gegwallde

(Pellkartoffeln) merrenanner fermengt. – Got gemacht!

Fa däm Gemadsch wuern decke Koggeln geformt. En

groase Debber met fast kochendem Salzwasser mossden de

Glease da noch 20 Minudde ze‘ (ziehen – nicht kochen),

sobal se schwemmend hoch komen. Merrem Schäbbläffel

(Schöpflöffel – gelöchert) uss d‘r Bre genomme, of d‘r Däller

gelät, d‘rzo Roatgrutt on Suerbrore woarn de Glease e

Sonndachsässe. Hennerhear gob'et en noch Wa‘choller –

d‘r B‘uch ze foll!. – Got geschmackt!

Gerda Greis

Hussbotz

Hussbotz woar a‘gesät. „Ho sin de Lambe dra”, gräj

ech fa minner Modder ze hearn. „Dat es niks foar

dech, dat mache ech!”, säde se, on: „M‘r fänge en

d‘r Keche a!” Ech duerfde zogucke, hadde alt d‘r Botzaimer

met fel „Immi” em warme Wasser schoa parat, d‘rzo

en Schdol foar d‘r Kechedesch geschdallt. Min Modder,

gelengisch wi se woar, huerdich of d‘r Schdol droff, da of

os glaine Desch, em glich merrem groase Labbe d‘rearscht

d‘r Lambescherm grendlich afzewäsche.

Wail si arich schlecht hearn konn – als Glaikend hadde

min Modder de Masern gehatt – derwäje hadde ech ear

zemlich laut zogerofe: „Gef achde met dinnem nasse Lab-

Handarbeiten

Ihr Fachgeschäft in Siegen für den Bereich:

• Stricken

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• Heimtextilien

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• und vieles mehr!

Inh. Karin Tillner

Löhrstraße 20 · 57072 Siegen

Telefon: (0271) 52539

be, sall‘ech net lewer d‘r Schdrom abschdälln?” „Ech wais

warrech do!” Maisdens hadde se jo och rächt, doch merrem

o‘gore Gedanke woar mier os Fluer lewer als de Keche.

Da gobet och schoa en wane Gnall. Ain Bleck en de Keche

–min Modder woar neme ze se‘. Om Kechedesch logen

nuer de Schbleddern fa d‘r Biern uss d‘r Lambe. Si mossde

ewer d‘r Desch rewer henne ronner gesackt sinn, sos om

Botzaimer, dä zwescher d‘m engebaute Wandschrank onnerm

Fesder on d‘m Desch schdonn.

Mem Kobb woar se noch gäje de Schewedier fam däm

Wandchrank geschlä on guckde mech no met arich ferschlaierde

Auge a. En Zitt lang bleb min Modder of d‘m Aimer

setze, beschdemmt och, wail si benomme em Kobb woar fa

däm Schdromschlach. Me als gelonge soj dat uss, si so zesamegedreckt

of‘em Botzaimer setze ze se‘ – si woar jo och

net grad hoch gewase met eare ainhonnertonseksonfofzich

cm. Ech ha da fergäwens fersocht, det Lache ze ferbisse,

konn awer och en earem Gesechde e komisch Grinse erkenn.

Et duerde net lank, min Modder rabbelde sech hoch,

scherrelde d‘r Kobb e parmol hin on hear, on säde nuer:

„Ech br‘uch izend en dobbelde Wa‘choller!”

Usser nem nasse Hennerdail, no‘e par Dach en oarndliche

Granz bondicher Fläcke a ner bewossder Schdäll,

woar niks zereckegeblewe, och net en earem Kobb. Ech

hadde schoa gedocht on gehofft, dä Schdromschlach hädde

minner Modder fiellaicht got gedo on si kenn itz bässer

hearn – domet woar awer niks. – Schotzengel? Orrer

Glecke gehat!

Gerda Greis

48 25 Jahre durchblick 4/2011


Gesellschaft

Gefährlicher Müll

Von Wilma Frohne

Gelbe Müllsäcke säumten die Bürgersteige

oder dekorierten die

Vorgärten. – Gelbe-Säcke-Tag!

Ich fuhr über die lange Hauptstraße

und sah, wie ein Müllsack von einer Windbö

vom Stapel gerissen wurde. Sie ließ ihn

über den Bürgersteig rollen, um einen Laternenpfahl

kreisen und dann neben parkenden

Autos an der Straßenseite liegen.

Mit dem nächsten Windstoß rutschte er

langsam an mehreren abgestellten Autos

entlang. Es sah aus, als hätte ihn keines

haben wollen und jedes ihn mit einem

kleinen Schubs etwas weiter beförderte.

Mein Herz klopfte. „Hoffentlich kommt

der Sack nicht unter meine Räder“, dachte

ich und starrte wie hypnotisiert auf ihn

und das bunte Innenleben, das durch seine

dünne Haut schimmerte. „Hoffentlich

bleibt er da, wo er jetzt ist!“ Er blieb auch

an der Stelle liegen, doch der Wind drehte

ihn quer zur Fahrbahn. Ich wich über die gepflasterte Markierung

in der Straßenmitte aus.

Mein rechtes Vorderrad traf trotzdem den Müllsack. Er

zerplatzte mit einem Knall. Im Rückspiegel sah ich, wie

sich der Abfall auf der Straße verteilte. Es war mir peinlich.

„Du hast ja versucht den Sack zu umfahren“, beruhigte ich

mich. „Der Müll bleibt bestimmt nicht lange da liegen, zumindest

nicht so zusammen. Der Wind wird die runden Teile

wegrollen und die bunten Tüten als Drachen steigen lassen.

Den Rest verteilen die Autos.“ Dann erschrak ich. „Was ist,

wenn Flaschen im Sack gewesen sind? Es soll ja kein Glas

hinein, aber wie oft wird nicht so gesammelt wie gesammelt

werden soll? – Oder eine Blechdose den Reifen ritzte? Wie

schnell kann durch einen auf die Fahrbahn gewehten Müllsack,

besonders im Berufsverkehr, ein Unfall passieren. Die

Städtischen Fahrzeuge haben tausende Säcke abzuholen und

können nicht morgens um sieben überall sein.“

Der Wind ließ trockenes Laub tanzen und Papierfetzen

durch die Luft segeln. Meine Augen beobachteten

den Straßenverkehr – meine Ohren horchten angespannt

auf die Fahrgeräusche. „Reagiert das Auto wirklich genau

wie vorher?“ Ich schüttelte den Kopf. „Das Steuerrad vibriert

mehr.“ Ich schwitzte. Doch dann fiel mir ein, dass

die asphaltierte Straße vorhin zu Ende war und danach

Katzenkopfpflaster begonnen hatte. Meine Verkrampfung

löste sich. Auf der Autobahn fuhr ich zügig, aber irgendwie

bremsbereiter als sonst und hielt das Steuerrad sehr fest.

Daheim erzählte ich sofort von dem überfahrenen Müllsack.

Mein Mann legte beruhigend den Arm um mich, sah

Foto: Hubertus Freundt

Ich wich über die gepflasterte Markierung in der Straßenmitte aus.

sich mit mir zusammen den Reifen an und sagte: „Er ist

ok. – Aber immer geht so was bestimmt nicht harmlos aus.“

„Und wer ist dann bei einem verursachten Unfall Schuld?“

Er zuckte die Schultern. „Wer kann schon beweisen, dass

ein Autoreifen platzte, weil ihn der Inhalt eines Müllsackes

beschädigt hat und dadurch später der Unfall passierte!?“

Ich atmete tief, trank einen Schluck Saft und war froh,

zuhause zu sein.

4/2011 25 Jahre durchblick 49


Gesellschaft

Mitbestimmung

Seniorenbeirat nimmt Ministerin beim Wort

Barbara Steffens

NRW-Ministerin für

Gesundheit, Pflege

und Alter

Die ersten knallharten Aussagen,

die drei Vertreter des neu gegründeten

Siegener Jugendparlamentes

im Rat der Krönchenstadt

äußerten, waren: „Ohne Moos nix

los“ und „Wir wollen mitbestimmen“.

Die Jungs wissen offenbar

schon ganz genau, wo`s lang

geht. Hatten sie doch deutlich

gemacht, was heutzutage auch in

der Politik eine Selbstverständlichkeit

ist: Gute Arbeit kostet

Geld. Und: Mit Ehre und Ehrenkranz

auf dem Haupt allein lässt

sich nicht leben, erst recht nicht

arbeiten. Das Pendant zum Jugendparlament, der Seniorenbeirat

der Stadt Siegen, ist da ebenfalls auf einem guten Weg.

Hat er doch deutliche Zeichen in Richtung mehr Selbstbestimmung,

Mitwirkung und Demokratie gesetzt.

So ist es dem Beirat gelungen, erstmals auf einer separaten

städtischen Haushaltsstelle eigenverantwortlich seine (geringen)

Ausgaben zu tätigen. Und in Richtung mehr Mitbestimmung

sind die Senioren ebenfalls aktiv geworden: Die Forderung

nach einem Stimmrecht in den städtischen Ausschüssen

soll zunächst über die Verankerung der Seniorenbeiräte in der

Gemeindeordnung des Landes Nordrhein-Westfalen angestrebt

werden. Die Aufnahme in die Hauptsatzung der Stadt

Siegen ist vor wenigen Monaten erfolgt. Die Verfolgung sozialpolitischer

Ziele ist inzwischen in den Richtlinien festgeschrieben

worden. Damit wurde deutlich: Der Seniorenbeirat

versteht sich als ein politisches Organ. Da kam die Steilvorlage

gerade recht, die Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit,

Emanzipation, Pflege und Alter (MGEPA) in Nordrhein-Westfalen,

dem Seniorenbeirat im Jubiläumsheft der Seniorenzeitschrift

vor wenigen Wochen zuspielte. Die Landesregierung

Dr. Horst Bach

Pressesprecher des

Seniorenbeirates der

Stadt Siegen

NRW wolle die Teilhabechancen

älterer Menschen stärken und ihrem

Recht auf Selbstbestimmung

Geltung verschaffen, ließ die Ministerin

in ihrem Grußwort verlauten

und schob zur Freude aller

Beiratsmitglieder gleich nach:

„Dazu gehören vor allem Mitwirkungs-

und Stimmrechte für Ältere

in politischen Gremien.“ Der

Seniorenbeirat der Stadt Siegen

mit seinem Streben nach verbesserten

Mitwirkungs- und Stimmrechten

wurde von der Ministerin

als Vorbild hingestellt: „Ich würde

mir wünschen, dass diese Notwendigkeit von noch mehr

Kommunen in NRW erkannt wird.“

Dennoch: Der Worte sind genug gefallen, allein wir wollen

Taten sehn... dachte man sich beim Siegener Seniorenbeirat

und fragte über den hauseigenen Pressesprecher gleich bei

der Ministerin nach, wie ihre Aussagen im durchblick denn

zu deuten seien. Mit anderen Worten: Der Seniorenbeirat will

„Butter bei die Fische“! Welcher Weg sollte von den Seniorenbeiräten

eingeschlagen werden, um die Aufnahme in die

Gemeindeordnung zu erreichen? Sind schon entsprechende

Versuche gestartet worden? Wie ist die Meinung der Regierungsparteien

zu diesem Thema? Können Sie ihre Vorstellungen

vom „Stimmrecht in den politischen Gremien“ näher

erläutern? Diese Fragen wurden der Ministerin gestellt, die

dann auch prompt persönlich antwortete.

Nach wohlklingenden „Honigspenden“ für die Seniorenpolitik

im Allgemeinen und den Seniorenbeirat der Stadt Siegen

im Besonderen folgte sodann die Feststellung: „Sehr geehrter

Herr Dr. Bach!... Ich kann sehr gut verstehen, dass Sie

sich eine rechtliche Verankerung von Seniorenvertretungen

in der Gemeindeordnung des Landes Nordrhein-Westfalen

wünschen. Auch ich und viele andere Mitglieder des Landtags

Nordrhein-Westfalen haben sich in den letzten Jahren

dafür eingesetzt.“ Soweit so gut. Dann jedoch der einschränkende

Nachsatz: „Eine entsprechende Gesetzesänderung

würde aber bedeuten, dass das Land den Städten und Gemeinden

die Kosten für die örtlichen Seniorenvertretungen

erstatten muss. Angesichts der – Ihnen bekannten – Lage

der öffentlichen Finanzen wird dies auf absehbare Zeit nach

meiner Einschätzung nicht umsetzbar sein. Kommunen sind

aber gut beraten diese Strukuturen vor Ort freiwillig einzurichten.“

Die gute Nachricht: Die Zeit der angeblich (für die

Seniorenarbeit) mageren Jahre ist absehbar. Es werden auch

wieder fette Jahre kommen. Also gilt es weiter zu kämpfen

und sich gemeinsam mit der Landesseniorenvertretung NRW

50 25 Jahre durchblick 4/2011


Gesellschaft

dafür einzusetzen, dass die Seniorenbeiräte in der Gemeindeordnung

des Landes Nordrhein-Westfalen eine gesetzliche

Verankerung bekommen. Jetzt sind vor allem die derzeitigen

Regierungsparteien gefragt.

Die Teilhabe älterer Menschen am gesellschaftlichen

Leben für besonders wichtig zu erachten, gleichzeitig aber

kein Geld für deren Vertretungen bereitzustellen nach dem

Motto „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“, geht einfach

nicht. Und diese Lasten einfach auf die Kommunen

abzuschieben, ist ebenfalls schlechter Stil. Liegt es daran,

dass viele Kommunen in NRW noch keine Seniorenbeiräte

gebildet haben? Insgesamt 154 soll es davon nach aktueller

Auskunft des Ministeriums landesweit geben. Das Land will

nicht zahlen, viele Kommunen können nicht zahlen. Da kann

man wohl noch lange auf die flächendeckende Einrichtung

von Seniorenbeiräten in Nordrhein-Westfalen warten. Hier

herrscht also Handlungsbedarf, wenn die NRW-Regierung

ihre Seniorenpolitik, wie von der Ministerin beschrieben,

ernst nehmen und vorantreiben will. Wer nun gehofft hätte,

die Landesseniorenvertretung (LSV), die nach den in Siegen

geäußerten Worten ihrer Vorsitzenden Gaby Schnell „im

Ministerium ein- und ausgeht“, würde hier massiv ihren Einfluss

geltend machen, sieht sich getäuscht. Dieses Gremium

scheint politisch in Handlungsunfähigkeit zu erstarren, wenn

man den Besuchern der Mitgliederversammlungen Glauben

schenken darf.

Auch eine gemeinsame Presseerklärung von Landesseniorenvertretungen

und dem Städte- und Gemeindebund

NRW vom 01.08.2011 enthält beim genauen Lesen eher

Allgemeinplätze und pauschale Lobpreisungen des ehrenamtlichen

Engagements der Seniorenvertretungen, denn

konkrete Handlungsmuster für mehr Mitbestimmung der

Älteren. Gesetzgeberische Aktivitäten seien „aktuell“ noch

nicht vonnöten, heißt es da. Auch der Hinweis auf die „begrenzten

finanziellen Ressourcen“ fehlt nicht (hätte man

etwas anderes von Städten und Gemeinden erwartet?).

Stattdessen wird „eine noch umfassendere Abstimmung der

seniorenpolitischen Schwerpunkte der jeweiligen haupt- und

ehrenamtlichen Akteure“ eingefordert. Die Jungs vom Jugendparlament

würden da wieder sagen: „Ohne Moos nix

los.“ Eine wirkungsvolle seniorenpolitische Mitbestimmung

ist noch lange nicht in trockenen Tüchern.

Es besteht die Gefahr, dass wichtige seniorenpolitische

Themen zu reinen Worthülsen verkommen. So scheint es

auch mit dem Thema „Altersarmut“ zu gehen, das inzwischen

allerorts im Munde ist. Taten kann man weit und breit

aber keine erkennen. Auch hiervon kann der Seniorenbeirat

der Stadt Siegen ein Lied singen. Im NRW-Seminar des

Städte- und Gemeindebundes „Seniorenpolitische Konzepte:

Leitlinien und Erfolgsbedingungen“ am 24. November in

Münster sollen unter Beteiligung der Landesseniorenvertretung

NRW und auch des Seniorenbeirates der Stadt Siegen

gemeinsam seniorenpolitische Positionen vertiefend behandelt

werden. Der durchblick wird in seiner nächsten Ausgabe

über die Tagungsergebnisse berichten. Dr. Horst Bach

Foto: Dr. Horst Bach

Senioren-Mittagstisch

Eine Erfolgsgeschichte

Das 400. Mittagessen für Senioren wurde jetzt im

Haus Herbstzeitlos verabreicht. Karin Piorkowski

und ihr Team freuten sich ebenso wie Anke Berg

von der städtischen Regiestelle Leben im Alter und Kassenwartin

Rotraud Ewert, dass dieser an jedem Donnerstag zu

günstigen Preisen (Essen 3,50 €, Wasser frei, Wein 0,50 €)

verabreichte Mittagstisch so gut angenommen wird.

Das 400. Essen konnte Ingrid Hirsch-Röhl in Empfang

nehmen. „Aber nur, weil sie immer als Letzte kommt“, hieß

es aus der herbstzeitlosen Küche. Beklagt wurde lediglich

die geringe Anzahl von männlichen Essensteilnehmern:

„Die Männer haben offenbar noch zu viel Scheu sich von

fremden Frauen bekochen zu lassen,“ so Karin Piorkowski.

„Dabei tut ihnen doch einmal in der Woche eine richtige

Mahlzeit mit Gemüse, Fisch oder Fleisch sicher gut.“

Der Speisezettel liest sich in der Tat wirklich so, dass

einem das Wasser im Munde zusammenläuft. Es ist auch

immer ein vegetarisches Gericht dabei. So gab es am ersten

Oktober-Donnerstag wahlweise einen Siegerländer Hirtentopf

oder Siegerländer Klöße mit Zwiebeln. Dazu einen leckeren

Pflaumenkuchen mit Sahne zum Dessert.

An den übrigen Donnerstagen im Oktober wurden

u.a. auch Maultaschen in Sahnesoße, Schweinebraten mit

„decke Duffeln“, Pizza und Reibekuchen mit Apfelmus

feilgeboten. Dabei weist Anke Berg besonders darauf hin,

dass der Mittagstisch im Haus Herbstzeitlos sich als ein

Angebot für ältere Menschen versteht, die gern in Gesellschaft

essen und ein paar schöne Stunden miteinander verbringen

möchten. Denn nach den Gaumenfreuden besteht

noch die Gelegenheit zum Schmökern in der hauseigenen

Bücherei.

Horst Bach

Unser Bild zeigt die „guten Mittagstischgeister“ des Hauses

Herbstzeitlos (von links): Doris Ludes, Ingeborg Priolo,

Monika Thielmann und Karin Piorkowski.

4/2011 25 Jahre durchblick 51


Gedächtnistraining

Gedicht

Formulieren Sie aus den folgenden Wörtern ein

Gedicht das sich reimt:

Mutter, Kutter, Vater, Kater

_________________________Mutter

____

____

____________

____

____

_______Kut

ter.

_________________________V ater

_________________________Kat

er.

Si

e trai

aini

nier

en : Kreat

ativ

ivit

ität

ät, Wo

rtfi

find

ndun

g, Form

ul

ieru

ng

Wie geht es weiter?

Sprichwörter

1. Wie man in den Wald hinein ruft, …

2. Morgenstund hat …

3.

Wer andern eine Grube gräbt, …

4.

Ein gut

utes

Gew

issen …

5. Ohne Fleiß, …

6. Was du heute kannst besorge

n, …

7. Mach es wie

die

Sonnenuhr, …

Gleiche Buchstaben – Alliteration

Bi

lden

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öglich

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Sätze, in den

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Logische Aufgabe

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Henner

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Martin

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Wochentag

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en logisches Denken,

Denkflexibili

litä

tät

52 25 Jahre durchblick 4/2011


Lösungen auf Seite 74

Wer trägt welche Kleidung?

Versuchen Sie sich folgende Angaben

einzuprägen.

Anna trägt ein rotes Kleid.

Michael hat schwarze Schuhe.

Agnes hat einen gelben

Hut

auf

dem

Kop

opf.

Lenas Hand

ndtasche

ist grün ge

streift.

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ein

braunes

Porte

temonnaie.

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hat

rot

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ete Ho

senträger.

Klaus Jacke ist blau.

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7. FROST

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OBOE

10. RAST

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Gedächtnistrainerinn

Anja Freundt

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Stress mit den Ohren?

Viel hören - Wenig verstehen?

Von diesem Problem mit dem Gehör ist annähernd jeder

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und Verwechselung bei Neben

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4/2011 25 Jahre durchblick 53


Gesellschaft

Selbstbestimmt leben...

wer möchte das nicht?

Auch im Alter noch aktiv und selbstbestimmt, hier auf dem Bild zum Film

„Dinosaurier“ zwar nicht legal, dafür aber phantasivoll und kreativ

Wir wissen alle, dass jede Form der Selbstbestimmung

auch ihre Grenzen hat. Aber auch wenn

uns viele Vorgaben eingrenzen, es gibt doch für

jeden auch immer einen „Spielraum“, in dem er sein Leben

selbst bestimmen und gestalten kann. Selbstbestimmt, das

heißt auch, dass ich selbst immer wieder neu die Grenzen

meines „Spielraumes“ ausloten und prüfen muss, ob ich sie

möglicherweise sogar erweitern kann?

Je nach Temperament und Charakter werden wir sehr

unterschiedlich mit den uns gegebenen Möglichkeiten umgehen

und auch, subjektiv betrachtet, mehr oder weniger

Zur Sicherheit!

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Filmfoto

zufrieden mit dem Ergebnis leben. Ja, in

manchen Bereichen richten wir uns sogar

gut ein in unserer Fremdbestimmtheit,

weil es bequem ist, weil wir uns wohl fühlen,

es unseren Bedürfnissen nach Fürsorge

entgegenkommt. Das ist in Ordnung,

denn letzten Endes bestimmen wir ja auch

da selbst, von wem und wodurch wir uns

„fremd“ bestimmen lassen wollen.

Was wir aber mit zunehmendem Alter

fürchten, ist eine Situation, in der wir

plötzlich und ungewollt von der Hilfe

anderer abhängig werden und andere,

vielleicht sogar fremde Menschen, Entscheidungen

für uns und über uns treffen.

Also stellt sich doch die Frage: Selbstbestimmt

leben, ja, aber bis wann?

Es ist nur zu verständlich, dass wir

diese Vorstellung verdrängen. Die rationale Auseinandersetzung

mit einer so stark emotional belasteten Situation ist

nicht leicht und erfordert viel Mut, weil sie Angst macht:

Angst, der Willkür anderer ausgeliefert zu sein

Angst, nicht mehr Herr meiner Sinne zu sein

Angst vor dem Verlust meiner Würde

Angst, mich zu verlieren,

usw., usw.

Unterschwellig begleitet sie fast jeden von uns, diese

Angst. Wir wollen uns die Konsequenzen einer solchen

Situation nicht vorstellen, deshalb schieben wir die Auseinandersetzung

damit weit von uns.

Aber diese Angst zu akzeptieren, sich ihr zu stellen,

indem ich auch da den Spielraum meiner Möglichkeiten

auslote und nutze und Vorsorge treffe, entlastet und kann

mehr Gelassenheit schenken.

Um eine solche Lage vorausschauend und selbstbestimmt

zu gestalten, kann ich selbst einiges tun, z. B.:

• eine Patientenverfügung ausstellen für die Situation,

dass ich einmal nicht mehr in der Lage bin, selbst bei

klarem Bewusstsein und Verstand meinen Willen mitzuteilen,

insbesondere was medizinische Behandlungen

und lebensverlängernde Maßnahmen betrifft.

• eine Vorsorgevollmacht ausstellen auf eine oder mehrere

Personen meines Vertrauens, mit denen ich meine

Wünsche und Vorstellungen ausführlich besprochen habe,

die meinen Willen dann umsetzen können, wenn ich

selbst dazu nicht mehr in der Lage bin.

54 25 Jahre durchblick 4/2011


Gesellschaft

Gebe ich damit nicht doch meine Selbstbestimmung auf?

Nein! Die Patientenverfügung kommt ja erst dann zum Tragen,

wenn ich persönlich nicht mehr ansprechbar bin und/

oder aus anderen Gründen (z.B. hochgradige Demenz) tatsächlich

nichts mehr selbst entscheiden kann. Bis dahin aber,

entscheide ich auch in Krisensituationen immer selbst.

Die Vorsorgevollmacht hat im Falle der eben beschriebenen

Situation die Funktion, dafür zu sorgen, dass die

Patientenverfügung auch umgesetzt wird. Zum anderen

berechtigt sie den Bevollmächtigten, einen (genau schriftlich

festgelegten) Teil meiner Angelegenheiten – immer

in Absprache mit mir – nach meinen Vorstellungen und

Wünschen für mich zu regeln, wenn ich aufgrund von Behinderungen,

oder fehlender Mobilität, selbst nicht mehr

dazu in der Lage bin. Der Bevollmächtigte ist also „mein

verlängerter Arm“.

Warum liegt mir dieses Thema so am Herzen? In über

20 Jahren Berufserfahrung in der stationären Altenhilfe ist

mir deutlich geworden, wie wichtig es ist, Dinge für sich

selbst mit Menschen des Vertrauens zu regeln, so lange man

dazu noch in der Lage ist.

Und gerade erlebe ich es wieder aktuell im Freundeskreis,

wie schwierig und kompliziert eine Situation wird, wenn im

akuten Geschehen – ein plötzlich notwenig werdender Klinikaufenthalt

mit unklarem Ausgang – weit reichende Entscheidungen

getroffen werden, und aus dem Stand Hilfen

organisiert werden müssen. Wohl dem, der sich dann auf ein

intaktes soziales Umfeld wie die Familie oder einen entsprechend

flexiblen Freundeskreis verlassen kann. Aber noch

viel besser: Man vorher miteinander redet und für die Beteiligten

klar ist, was im Notfall geschehen soll, und wer für

was zuständig ist. Das gibt Sicherheit für alle Betroffenen.

Deshalb mein Appell: rechtzeitig selbstbestimmt vorsorgen!

Natürlich beschäftigen wir uns hier vorsorgend mit einer

Lage, die wir noch nicht kennen, weil wir sie noch nicht

erlebt haben (Patientenverfügung). Wir können also nicht

sicher sein, ob wir in der akuten Situation noch die gleichen

Vorstellungen und Wünsche haben wie zur Zeit der

Verfassung einer Patientenverfügung. Deshalb sollte eine

Patientenverfügung auch immer wieder überdacht und aktualisiert

werden.

Auch wissen wir nicht, ob der einmal Bevollmächtigte

im Ernstfall immer noch unser Vertrauen besitzt. Aber Vorsorgevollmachten

können jederzeit widerrufen, geändert

und ergänzt werden. Beim zuständigen Gericht registriert,

erspart eine Vorsorgevollmacht im Notfall die Einrichtung

einer Betreuung.

Also keine Sorge, ich lege mich mit meiner Patientenverfügung

und meiner Vorsorgevollmacht nicht „ein für allemal“

fest, aber ich sollte meine derzeitigen Vorstellungen

und Wünsche schriftlich so festlegen, dass sie im akuten

Fall auch für die handelnden Personen wie Ärzte und die

bevollmächtigte Vertrauensperson eine rechtlich abgesicherte

Grundlage bildet, für mich nach meinem selbstbestimmten

Willen zu handeln.

Anne Alhäuser

www.diakonie-sw.de

Altenzentrum Freudenberg

✆ 0 27 34 27 70

Lagemannstraße 24

57258 Freudenberg

Sophienheim

✆ 02 71 6 60 30

Südstraße 11

57074 Siegen

Haus Obere Hengsbach

✆ 02 71 77 01 90

Hengsbachstraße 156

57080 Siegen

Fliedner-Heim

✆ 02 71 4 88 40

Luisenstraße 15

57076 Siegen

Haus Höhwäldchen

✆ 0 27 39 47 80

Höhwäldchen 3

57234 Wilnsdorf

Verlassen

die alte Behausung,

zu groß, zu leer,

zu schwer

die Last.

51 Seniorenwohnungen

24 Seniorenwohnungen

12 Plätze für Demenzpatienten

Seniorenresidenz Känerbergstr.

26 Seniorenwohnungen

2 Seniorenwohungen

12 Kurzzeitpflegeplätze

Übergänge

von Anne Alhäuser

Alle

sind sie gegangen,

sind fort.

Warum

noch bleiben?

Den Auszug

wagen

und ankommen

zu Hause,

bei mir.

4/2011 25 Jahre durchblick 55


Essay

Gedanken über Ethik in der Medizin

von Dr. Wolfgang Bauch

Tempelanlage und Wirkungsstätte von Hippokrates

Vor mehr als 2500 Jahren hat Hippokrates auf der

Insel Kos gelebt und dort Medizin gelehrt, hat

ethische Grundsätze beschrieben, die heute noch

Gültigkeit haben und Maßstab für ärztliches Handeln sind.

Er hat den Menschen in seiner Ganzheit gesehen, hat Leib

und Seele behandelt, ist in die Häuser seiner Patienten gegangen

und hat so auch das Umfeld seiner Kranken in den

Behandlungs plan mit einbezogen, hat aber auch die Anforderungen

an den Arzt, den Behandler, beschrieben.

Der Autor dieses Artikels ist auf der Insel Kos gewesen

und hat den Ort besucht, an dem Hippokrates gelebt und gelehrt

hat. Die Atmosphäre dort war anrührend, wenn man bedenkt,

hier hat der Urvater der Medizin gearbeitet, hat seine

Patienten behandelt, seinen Studenten seine Kenntnisse und

Gedanken weitergegeben und hat als erster praktisch einen

Moralkodex erstellt und verbreitet. Je der Raum des Tempels,

der öffentlichen Gebäude, hatte noch seine besondere

Ausstrahlung, dass man die Ruhe durch auch noch so leises

Sprechen nicht zu stören wagte, dass man sich seiner banalen

Gedanken schämte angesichts der noch grundlegenden und

bis heute noch gültigen Wahrheiten und Erkenntnisse. Auch

der Ölbaum am Brunnen in der Ortsmitte, knorrig und weit

ausholend, steht noch. Hier soll sich Hippokrates im Schatten

ausgeruht und seinen Durst gelöscht haben.

Hippokrates hat eine Ethik begründet, die uns auch heute

noch Maßstab sein soll. Das griechische Wort Ethik bedeutet

„Sitte, sittliche Gesinnung, auch innere Haltung“, ist

also immer mit einem po sitiven Inhalt und Wert versehen.

Das Gegenteil heißt „unethisch“. Er hat also eine Lehre

begrün det, die uns heute noch Maßstab sein soll. Aber die

Wissenschaft, die Technik und das Denken haben die bisher

allgemein gültigen Maßstäbe und Dimensionen gesprengt

und überschritten, dass wir glauben und annehmen, alle

Grenzen überwinden und allein das Individuum in den Vordergrund

stellen zu dürfen, das sich rücksichtslos verwirklichen

zu können glaubt. Hier muss das Tempo ge drosselt

werden, wir müssen zurückschalten und uns an Maßstäbe

Foto: Dr. Wolfgang Bauch

und Regeln halten, die die Inter essen, Bedürfnisse, Ansprüche

und Rechte unseres Nachbarn berücksichtigen. Wir

können zwar vieles, sollten aber nicht alles dürfen, sollten

Maßstäbe, Richtlinien und Grenzen haben und beachten,

sollten das Anderssein unseres Nächsten respektieren, ihn

darin bestärken, mit ihm in harmonischer Gemeinschaft

den Lebensweg gehen, in der ja alle Glieder zusammen

den Organismus unseres Lebens, des Lebensgefühls und

auch des Leidens darstellen.

Ein guter Arzt hat medizinische Erfahrung und hat auch

Lebenserfahrung, beides zusammen ge nommen befähigt

ihn, seinen Patienten bei allen möglichen Krankheiten

hilfreich zur Seite zu stehen. Eine Halsentzündung, ein

verstauchter Fuß sind nicht schwer zu behandeln. Der Arzt

kann aber auch mit Problemen konfrontiert werden, die

nicht einfach mit einem ja oder nein lösbar sind, die ihn an

Grenzen seines medizinischen Verstehens bringen, die er

nicht lösen kann, die ihn in Konflikte mit seinem Arztsein

bringen. Er selber braucht Beratung. In dieser Situation gibt

es Ethikkommissionen, im Bund, in den Ländern, in den

Krankenhäusern. Es gibt in den Krankenhäusern Ethikbeauftragte,

die von der Geschäftsführung berufen werden,

die ein Fortbildungsprogramm für das Haus entwickeln und

Ansprechpartner für die Patienten, für Ratsuchende, Angehörige

und Mitarbeiter sind. Weiter gibt es ein Ethikforum

auf der Ebene des Trägers, das ethische Fragestellungen

von grundsätzlicher übergeordneter Bedeutung erörtert

(Patientenverfügungen, Organtransplantation), und letztlich

gibt es noch das Ethikkonzil, das bei Konflikten im

Arbeitsbereich des Hauses tätig wird.

Das also sind Gremien, die sich mit Machbarem und Verantwortbarem

in der Medizin befassen, die neben dem Patienten

stehen, die aber auch dem Arzt den Rücken und das

Gewissen stärken, die vermitteln zwischen dem Möglichen

und dem Sinnvollen. Sie stellen Richtlinien auf, sie setzen

Maßstäbe, bewegen sich oft genug in Grenzbereichen, sind

aber immer die sittliche Autorität, setzen Grenzpfähle zwischen

Wunschdenken und Vertretbarem, immer in ruhigem

Einvernehmen mit dem gesamten Gremium.

Die Ethik in unserem Leben umfasst alle Begebenheiten

von der Geburt bis zum Tode und die Ethik in der Medizin

beginnt schon in der vorgeburtlichen Zeit, der Propädeutik,

und begleitet uns bis in die Thanatologie. * Es sind also alles

Grenzsituationen menschlichen Lebens, Probleme, die

nicht neu sind, Probleme und Fragen, die nicht mit einem

einfachen „ja“ oder „nein“ beantwortet werden kön nen,

und Antworten, deren Richtigkeit nicht immer gleich erkennbar

ist.

Ethisches Denken und ethisches Handeln sollten Richtschnur

für jeden Arzt und Lehrer in einem medizinischen

* Wissenschaft vom Tod, vom Sterben und der Bestattung

56 25 Jahre durchblick 4/2011


Essay

Hörsaal, und auf den

Stationen der Klinik unüberwindbare

Schwelle

sein. Seine Liebe zu den

hilfesuchenden Kranken

sollte immerzu spürbar

werden. Als großes Vorbild

könnte hier Albert

Schweitzer gelten, der

in Dankbarkeit seinen

ihm anvertrauten Menschen

immer zur Seite

stand. Er war dankbar

für das Geschenk, das

ihm gegeben wurde,

und gab es gerne weiter.

Aber vielleicht fehlte

ihm der Stachel, etwas

wikipedia

Neues, bisher nicht Übliches, zu wagen. Diesen Stachel hatte

Prof. Barnard, er wagte etwas bisher nie da Gewesenes

und war damit teilweise auch erfolgreich. Schließlich musste

ja die Herz-Kreislauffunktion des eigentlich verstorbenen

Herzspenders künstlich am Leben gehalten werden, und was

aus dem Empfänger werden würde, wusste man damals auch

nicht so recht. Der Empfänger lebte noch 18 Tage. Damals

ein großes Wagnis, ein teilweise gelun genes Experiment.

Barnard überschritt einfach alle damals gültigen und anerkannten

Grenzen. Aber wo wären wir heute, wenn er es damals

nicht getan hätte?

Im folgenden Text im Hinblick auf die Ethik sollen nur

einige wenige Aspekte und Bereiche des ärztlichen Handelns

und Denkens gestreift werden, eine umfassende Darstellung

der Probleme dürfte wohl niemals möglich sein, allein schon

wegen des rasanten Fortschritts der Technik, der zwangsweise

ein Umdenken in der Ethik nach sich zieht, auch mit

der Gefahr, dass man einfach etwas großzügiger wird. Umso

wichtiger bleibt dann die Ethik, die immer auf der Verantwortbarkeit

verharren muss.

Zu den abzuhandelnden

Themen gehören die

Transplantationsmedizin,

die in unserem Zeitalter

im mer bedeutsamer wird,

die Praeimplantationsdiagnostik,

die jetzt erst im

Bundestag behandelt und

in einem Gesetz festgeschrieben

wurde, ebenso

wie die Patientenverfügung,

die ebenfalls immer

wichtiger wird und

auch gesetzlich unserer

Hippokrates,

Urvater der Medizin

wikipedia

Albert Schweitzer,

Missionar und Arzt

Zeit angepasst wurde. Die

vielfältigen Probleme,

die Demenzkranke haben

und in unsere Gesellschaft bringen, werden kurz angesprochen,

und die Pro bleme der Magensonde und des Sterbens in

der Palliativstation oder im Hospiz werden geschildert und

unter ethischen Gesichtspunkten bewertet.

Allgemeine Gedanken über Ethik

In seiner Ausbildungszeit hat der Arzt Erkenntnisse über

Krankheiten erworben, Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen

erfahren und in sich aufgenommen. Er hat

damit, also aus diesen Erkenntnissen, Richtlinien für sein

ärztliches Handeln gewonnen. Aber diese Richtlinien und

Ergebnisse wissenschaftlicher Forschungen sind zwar notwendig

für sein verantwortungsvolles Handeln als Arzt, aber

sie sind nicht ausreichend. Die Medizin ist eine Handlungswissenschaft,

das Wissen darum und die Beratung des von

Krankheit bedrohten Menschen sollen nur dabei helfen, die

Probleme des Kranken zu erkennen und zu behandeln, oft genug

ist aber das nicht ausreichend, es bleiben Fragen, Fragen

nach dem „Sollen wir das tun?“, „Dürfen wir das tun oder

müssen wir sogar dieses oder jenes tun?“

Zur Beantwortung dieser Fragen muss sich der Arzt an

ethischen Werten orientieren, denen er verpflichtet ist und die

seine Entscheidungen bestimmen sollen. Und diese Werte

sind der Orientierung durch Wissen und Erfahrung übergeordnet.

Ein spezifisches ärztliches Ethos oder eine spezifische

Ethik gibt es nicht, weil allgemein anerkannte oder

als verpflichtend erachtete ethische Werte wie die Wahrheit

von Aussagen, Schutz des Schwachen, Erhaltung des Lebens

auch in Bereichen des ärztlichen Handelns ohnehin Geltung

haben müssen. Aber: Häufig haben ärztliches Sagen und Tun

Auswirkungen auf die Lebensplanung und den Lebensablauf

eines anderen Menschen, und deshalb hat die Ethik für den

Arzt eine besondere Stellung. Angesichts seiner Lebensbeeinträchtigung

oder Lebensbedrohung gewährt der Kranke

Einblicke in persönliche Lebensbereiche, zu den Fragen nach

Leid und Glück, Angst und Hoffnung, Schuld, Vergebung,

Sinnlosigkeit und Sinnfindung. Die Beantwortung dieser

Fragen geht über den Bereich rational – wissenschaftlicher

Erkenntnisse hinaus und fordert vom Arzt persönliche Zuwendung

zum Kranken, Einfühlungsvermögen und die Verpflichtung

gegenüber kritisch überdachten ethischen Orientierungswerten.

Die Persönlichkeit des Arztes, seine berufliche Erfahrung,

seine menschliche Einstellung zu seinem Beruf und

seine ethische innere Basis bedingen seinen Arbeitsalltag.

Stichpunktartig seien einige Themen hier erwähnt, in denen

die ethische Einstellung des Arztes eine wichtige Rolle spielt.

So stehen obenan die Verpflichtung des Arztes zur Erlangung

bestmöglichen Wissens, die Aufklärung und Beratung des

Kranken über diagnostische und therapeutische Maßnahmen,

die Technisierung und Spezialisierung, die Aufklärung

eines Kranken über die ungünstige Prognose seiner Krankheit,

die Behandlungsbegrenzung, der Behandlungsabbruch

oder die Sterbebegleitung und vieles mehr.

4/2011 25 Jahre durchblick 57


Essay

Siegener Hozpizgebäude am Stilling Krankenhaus

Hospiz und Palliativmedizin und Sterben in Würde

Das Heilen von Krankheiten war in der Medizin immer

das führende Motiv, besonders in der mo dernen Medizin.

Ideen werden begeistert aufgenommen und in großem Rahmen

verbreitet. Ziel war stets die Heilung, auch bei weit

fortgeschrittenen, damals eigentlich unheilbaren, oft tödlich

verlaufenden Erkrankungen. In radikalen Eingriffen wurden

die Menschen verstümmelt, und die anschließende Bestrahlungstherapie

sorgte dann noch dafür, dass die Wunden auch

äußerlich nicht zur Heilung kamen. Als Beispiele seien genannt

der Brustkrebs der Frauen und der Enddarmkrebs. Man

wusste es damals nicht besser, wollte es sicher gut machen.

Die Menschen litten, hatten Angst vor dem Sterben, sie wurden

allein gelassen.

Dann kamen die Idee von der Palliativmedizin und die

Hospizidee, die die Menschen schützend im Sterben begleiteten.

Die Idee wurde vor etwa 20 Jahren entwickelt.

Sie wollte eine ganzheitliche Behandlung der Kranken bei

fortgeschrittenen und weiter fortschreitenden Krankheiten

mit begrenzter Lebenserwartung verwirklichen, wollte die

Kranken auffangen und mit einem schützenden, wärmenden

Mantel umhüllen (Pallium = der Mantel) und das Gefühl

der Geborgenheit vermitteln. Die Palliativmedizin wurde

u.a. gegründet, weil man die weitgehende Vernachlässi gung

Sterbender, vor allem sterbender Krebspatienten, erkannt

hatte. Die Entwicklung hatte dazu geführt, dass Ärzte und

Behandlungsteams für die ganzheitliche Wahrnehmung

dieser Schwerst kranken blind geworden waren. So wurde

die Palliativmedizin eine Opposition gegen die Trennung

von Heilung und Fürsor ge, gegen die Spaltung von Körper,

Geist und Seele, gegen die Spaltung von Kranken und deren

Familien, gegen die Trennung von klinischer Objektivität

und Mitgefühl, und vor allem gegen die Trennung der

verschiedenen klinischen Fachdisziplinen. Die Palliativmedizin

ist also die praktische Kritik an dem Diktat, dass wissenschaftliche

Medizin, effiziente Arbeit und einfühlsamer

Beistand für leidende Menschen Verpflichtungen darstellen,

die sich gegenseitig ausschließen. Um zwei besondere

Leistungen für die Kranken bemüht sich die Palliativmedizin

in erster Linie: um die Befreiung

Kranker und Sterbender von quälenden Schmerzen,

hartnäckigen Symptomen wie Not von Körper und

Seele. Die zweite Leistung ist, die Sehnsucht und

die quälenden Fragen des sterbenden Menschen zu

erfühlen und erspüren und diesen einen Raum zu

geben. Das Palliativteam, die Ärzte, Schwestern

und Pfleger, müssen eine besondere wissenschaftliche

und klinische Wahrnehmung für die Situation

dieser Schwerstkranken haben und müssen dieses

erahnen aus Gesten, aus Mimik, ohne Worte, die

oft vernichtenden Schmerzen, das Unwohlsein, die

Ver zweiflung, Schlaflosigkeit, Müdigkeit, die Ängste,

die Freuden, die Sorgen, die Schuldgefühle, die

Unsicherheit, die Befürch tungen und vieles mehr.

Da, wo der Arzt einfach so sagt „ich kann ihnen

nicht mehr helfen“, gerade da beginnt die große verantwortungsvolle

Tätigkeit in der Palliativmedizin.

Im Zusammenhang mit dem Sterben und dem Tod besteht

in der Palliativmedizin folgende Zielsetzung:

Foto: Diakonie Südwestfalen

• „Denen, die noch nicht sterben müssen, leben zu helfen,

und zwar so vollständig, wie es ih nen möglich ist;

• Denen, die nicht mehr leben können, zu helfen, zur rechten

Zeit zu sterben, nicht zu früh und nicht zu spät;

• Denen, die jetzt sterben müssen und im Sterben liegen, zu

helfen, mit Würde und in Frieden zu sterben;

• Denen, die nach dem Tode eines geliebten Menschen

vom Verlustgefühl überwältigt werden, zu helfen, durch

ihre Trauer zu wachsen und zu reifen;“

Diese Komplexe bilden den Rahmen der Ethik in der

Palliativmedizin. Die enormen Fortschritte in der Medizintechnik

mit den unglaublichen Interventionsmöglichkeiten

verleiten den Mediziner, zu hoch zu greifen, seine Grenzen

nicht mehr zu erkennen. Hier helfen nur die ethischen Grundwerte

in der Medizin, die an die Verantwortlichkeit des Menschen

appellieren.

Es mag immer wieder Unsicherheiten geben, ob und

wann lebensverlängernde Maßnahmen z.B. forciert oder beendet

werden müssen, „kann ich das? darf ich das? muss ich

das oder darf ich das nicht? Erwartet das der Schwerstkranke

oder welches ist sein Wunsch? „Welchen Druck üben die

Angehörigen im Hintergrund aus?“ Es ist ein großes Feld,

das sich da auf tut, das immer wichtiger wird, weil wir unserer

Umwelt nicht mehr gewachsen sind, weil wir wie der

Zauberlehrling vieles anstoßen, aber dann den fortlaufenden

Mechanismus nicht mehr zügeln können.

In der Palliativmedizin werden Entscheidungen immer

im Team getroffen. In diesem Team steht an erster Stelle der

Patient selber, dann weiter der Arzt, die Schwestern und die

Pfleger, zusammen mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern, den

Seelsorgern und Psychotherapeuten und letztlich natürlich

auch die Angehörigen. Kriterien für das weitere Procedere

58 25 Jahre durchblick 4/2011


Essay

sind die fachliche und menschliche Erfahrung, die Logik,

die Empathie und vor allem der mündlich geäußerte oder

schriftlich niedergelegte Wille des Kranken, der letztlich

ausschlaggebend ist. Dann wird eben die medizinische Behandlung

(außer der Schmerztherapie) eingestellt, dann hört

die künstliche Ernährung auf, auf Wunsch wird natürlich die

Flüssigkeitszufuhr fortgeführt. Jetzt wird die Pflege intensiviert.

Es gilt nicht, eine Verlängerung des Lebens um jeden

Preis zu erreichen, es gilt, die Lebensqualität, gleichermaßen

auch für die Angehörigen, zu erlangen. Es geht nicht darum,

dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben zu

geben. Die Wünsche, Ziele und das Befinden stehen im Vordergrund,

die Kernbedürfnisse des kranken und sterbenden

Menschen nicht allein gelassen zu werden, sondern an einem

vertrauten Ort zu sein inmitten vertrauter Menschen, nicht

unter starken Schmerzen leiden zu müssen und nicht nur in

Frieden sterben sondern bis zuletzt leben zu können.

Ein Sterben in Würde, z.B. im Hospiz oder auf der Palliativstation,

ist an verschiedene unerlässliche Voraussetzungen

gebunden wie etwa die Beziehung zu den das Sterben

begleitenden Menschen, den Ärzten, den Schwestern

und Pflegern und nicht zuletzt zu den Angehörigen. Die vier

grundle genden Eigenschaften authentischer menschlicher

Beziehungen sind: die Autonomie, die Klarheit, die Glaubwürdigkeit

und die Menschlichkeit. In diesem Zusammenhang

heißt Menschlichkeit: jeder Einzelne ist einmalig, in

seiner persönlichen Lebensgeschichte verschieden, sodass

auch jeder Mensch seinen individuellen Weg aus dem Leben

ins Sterben hat, und jeder hat dementsprechend auch seine

eigene Würde. Mit Würde sterben bedeutet zum einen, ohne

übertriebene Geschäftigkeit und Mühe zu sterben, Sterben

in Würde heißt, sterben ohne quälende Schmerzen, Sterben

in Würde heißt, sterben in einer Umgebung, die auch des

Sterbens würdig ist, Sterben in Würde bedeutet, kranke und

sterbende Menschen begegnen ihren Ärzten und Krankenschwestern

einfach und vollständig als Menschen. Hier ist

das persönliche Mitgefühl die richtige Voraussetzung für

den Palliativ-Mediziner in der Auseinandersetzung mit dem

Tode. Sterben in Würde heißt auch, mit offenen Augen zu

sterben, das Sterben zu akzeptieren, jetzt und so, wie es ist.

Sterben in Würde heißt letztlich auch mit einem offenem und

unvoreingenommenem Geist hinüberzugehen.

Auch der junge Mensch, der eigentlich das ganze Leben

mit seinen Freuden, Erfolgen und Misserfolgen noch vor sich

haben sollte, hat das Recht und den Anspruch, in Würde zu

sterben, auch wenn es für die Umgebung nicht so einfach

einsichtig ist. Der demente Mensch, der seine Umwelt nicht

mehr versteht, der sicher auch seine Verdienste im Leben hinter

sich hat, jetzt aber in einer ihm völlig fremden Welt lebt,

hat das Recht auf ein würdevolles Sterben. Gerade wie diese

Würde auf die sie begleitenden und betreuenden Menschen

ausstrahlt, ist ein Erleben, das diese nie vergessen werden,

das sie formt und immer begleitet.

In diesem Moment soll alle Technik ausgeschaltet sein,

hier muss man erkennen, dass das biologi sche Leben kein

absoluter erstrebenswerter Wert am Ende ist, hier soll der

Schmerz ausreichend medikamentös beherrscht werden ohne

das Bewusstsein zu trüben, allerdings mit dem Wissen

aller Beteiligten, auch der Angehörigen, dass eine hochdosierte

Schmerztherapie gering lebensverkür zend wirken

kann, ohne dass man hier von einer aktiven Sterbehilfe sprechen

kann. Dieses Vorgehen ist eindeutig juristisch abgeklärt

und ethisch gerechtfertigt. Auch in dieser Situation behält

der Sterbende auf seinem Weg seine Würde, es bleibt der

aufrichtige menschliche Kontakt, die beson dere Kommunikation

mit dem Menschen in seiner Einzigartigkeit. Auch der

Alkoholiker, der zuletzt nur noch auf der Straße gelebt hatte.

Warum hat er das wohl? In diesem Moment sind alle Menschen

gleich, das Rollenspiel hat endgültig aufgehört. Alle

Masken und Einstellungen sind abgefallen, es zählt nur noch

der persönliche Kontakt von einem Menschen zum anderen.

Ethik und Chemotherapie

Es fällt schwer, die Worte Chemotherapie und Ethik im

selben Atemzug zu nennen, aber gerade die Chemotherapie

hat in der modernen Medizin eine besondere Wertigkeit

erhalten und wird als Monotherapie eingesetzt, wenn die

anderen Behandlungsmöglichkeiten nicht mehr indiziert

sind wegen des fortgeschrittenen Stadiums der Tumorkrankheit,

oder sie wird in Kombination mit den anderen bisherigen

Therapieoptionen, der Bestrahlung und der Operation,

parallel oder sequentiell eingesetzt. Chemotherapie heißt, es

wird eine Substanz eingesetzt, die in den Stoffwechsel anderer

Zellen eingreift und diese Zellen an der Vermehrung,

der Teilung hindert. Und das ist das ethische Problem, weil

diese Substanzen nicht generell zwischen Gut und Böse unterscheiden

können, man weiß nur, dass diese Substanzen

tendenziell die bösartigen Zellen intensiver angreifen,

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4/2011 25 Jahre durchblick 59


Essay

weil sie einen anderen schnelleren Stoffwechsel haben und

dadurch für die Chemotherapeutika oder in diesem Zusammenhang

die Zytostatika besser abgreifbar werden. So ist es

gelungen, chemische Substanzen zu entwickeln, die gezielt

an ganz bestimmten Stellen des Stoffwechsels der Tumorzelle

angreifen und andere gesunde Gewebezellen wegen ihres

anderen Stoffwechsels zumindest nicht so stark schädigen

und nicht zum Absterben bringen. Der Weg bis zu diesen

Erkenntnissen war sehr lang und schwierig, es hat damals

vielen Tieren in den klinischen Versuchen das Leben genommen,

und hat auch viele Kranke das Leben gekostet, weil der

Umgang mit diesen neuen Substanzen noch nicht so erforscht

war. Bis eine derartige Substanz, ein Chemotherapeutikum

oder Zytostatikum, auf den Markt

Die Pharmaindustrie

ist nicht unbedingt der

Freund der Patienten

kommt, ist ein langer Weg zurückgelegt

worden, auf dem verschiedene

Ethikkommissionen,

der Bundes, der Länder, der verschiedenen

Ärztekammern und

der Fachschaften der Ärzte aktiv

tätig gewesen sind. Zum Schutze

der Patienten wurden von diesen Ethikkommissionen strenge

Regeln aufgestellt, die die Indikationen exakt regulieren, die

Einfluss haben auf die Dosierung, die Dauer der Behandlung

und die Einschränkungen, z.B. welche Patientengruppen von

der Behandlung ausgeschlossen werden müssen.

So werden strenge Behandlungsschemata erarbeitet und

eng gefasste Richtlinien herausgegeben und deren Einhalten

kontrolliert. Die Pharmaindustrie ist nicht unbedingt der

Freund der Patienten, sie ist in erster Linie gewinnorientiert,

handelt aber natürlich verantwortungsbewusst. Die Kommissionen

greifen hier etwas bremsend ein, sind unabhängig

und unbestechlich als Wächter von Ethik und Moral.

Auch nachdem alle Versuche im Reagenzglas und mit den

Tieren nach Ansicht der Pharmaforscher erfolgreich abgeschlossen

sind und die Substanz am Kranken ausprobiert

werden soll, spielen Ethik kommissionen eine wichtig Rolle,

sie haben strenge Regeln aufgestellt über deren Einhalten

sie auch gewissenhaft wachen. Aber selbst dann, wenn alle

diese Hürden genommen sind und das Medikament offiziell

zugelassen wird und auf den Markt kommt, setzt sich das

„Großexperiment“ in Gang, die Substanz wird schlagartig

tausendfach verordnet, und hier können sich dann noch

solche Nebenwirkungen zeigen, die die Weiterverordnung

nicht vertretbar machen, sodass das Medikament sofort vom

Markt genommen werden muss.

Um es noch einmal zu sagen: bei der Krebstherapie gibt

es prinzipiell drei Optionen: die Operation, die Bestrahlung

und die Chemotherapie. Im individuellen Fall können auch

alle drei Möglichkeiten miteinander kombiniert werden.

Das ist abhängig von dem Charakter des Tumors (schnelles

Wachstum, frühzeitige Streuung) und der Erfahrung des

Therapeuten und seinem Verantwortungsbewusstsein. Weitere

Kriterien bezüglich der Therapieentscheidung sind das

Alter des Kranken – Kind oder alter Mensch – und der Allgemeinzustand

des Patienten – Operabilität. Ein bestimmtes

Chemotherapeutikum wirkt zwar immer gleich, aber der

Stoffwechsel bei einem jungen oder alten Menschen ist anders,

der Abbau, die Ausscheidung oder die Speicherung des

Medikaments, auch kann man bestimmte Nebenwirkungen

bei einem Kind nicht ohne weiteres akzeptieren. Chemotherapie

ist immer toxisch, der Einsatz ist immer riskant und

kann unvorhersehbar tödlich sein. Hier kommt es sehr auf

den Therapeuten und sein Team an, Erfahrung und ethisches

Handeln sind gefragt.

Im Zeitalter der Hochtechnologie ist das Vertrauen der

Menschen in die integere Berufsausübung des Arztes ein hohes

Gut. Die Fortschritte der Technik und der Medizin werfen

Fragen auf, die die traditionelle

Kosten/Schadensabwägung

schwer bis unmöglich

machen, und sie erfordern

Antworten, die nur im Team

gefunden werden können, und

in dieses Team gehören auch

Soziologen, Theologen und

z.B. auch Juristen. Die Entscheidungen, die hier getroffen

werden müssen, sind nicht immer medizinisch-technischer

Art, sie gehen heran an das Leben selbst, an die Moral, die

Ethik, die Vernunft und an die Politik. Chemotherapie hat

vielen Menschen entscheidend geholfen, hat sie gesund, ihr

Leben wieder erträglich gemacht, ihr Leben verlängert, aber

auch schon mal entscheidend verkürzt.

Ethik und Demenz

Der Arzt, der seinem Patienten mitteilt, er habe eine Demenz,

lädt sich eine große Verantwortung auf, weil er mit

dieser Diagnose das Leben seines Patienten grundlegend

verändert und in eine Richtung lenkt, die sich als Einbahnstraße

erweist.Wenn er als Hausarzt den Menschen kennt,

der ihm gerade gegenüber sitzt, ist es um so schwerer als

wenn er als Facharzt durch verschiedene Tests die Richtigkeit

seiner Diagnose beweist und damit einfach einen Auftrag

erfüllt zu haben glaubt. Also kommt auf den Hausarzt

die schwere Aufgabe zu, seinen Patienten auf dem weiteren

Weg zu begleiten.

Man weiß inzwischen, es gibt verschiedene Formen von

Demenz, die nicht immer unbedingt etwas mit dem Alter zu

tun haben müssen, die auch ganz unterschiedlich zu behandeln

sind und auch gewiss eine unterschiedliche Prognose haben.

Die Demenz vom Alzheimer-Typ ist eine Krankheit des Alters

und je älter ein Mensch wird, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit,

dass er an dieser Alzheimer-Demenz erkrankt. Diese

Wahrscheinlichkeit ist im Alter von 100 Jahren 100%. Also:

alt zu werden ist nicht immer ein Segen, es ist nicht festgelegt,

bis zu welchem Alter das Alter ein geseg netes ist.

Nachdem die Diagnose jetzt sicher ist, beginnt die gewaltige

ethische Herausforderung: für den Betroffenen, wie

er das neue Wissen um seine Zukunft mit zunehmender

60 25 Jahre durchblick 4/2011


Essay

Hilfsbedürftigkeit verkraftet, für die Familie, die die unermessliche

Verantwortung, die jetzt gleich auf sie zu kommt,

tragen muss, und für den mitfühlenden Arzt, der den Weg

mit dem Kranken und seinen Angehörigen gemeinsam gehen

und lenken muss. Durch die Diagnosestellung werden

jetzt plötzlich die signifikanten Verhaltensstörungen in den

letzten Monaten erklärbar, die Unsicherheiten sind beseitigt,

aber die Sicherheit über den weiteren Lebensweg ist nicht

unbedingt ermutigend. Er muss den Angehörigen und vor

allem seinem Patienten beratend zur Seite stehen, ihnen offen

und nicht beschönigend die Wahrheit sagen, aber auch

nicht nur negativ, schwarz malen, obwohl er ja aus seiner

beruflichen Erfahrung die Verläufe kennt. Er soll Sicherheit

und Mut geben, in Krisen immer da sein, sich zusammen mit

den Betroffenen über kleine Erfolge freuen. Er wird sagen,

dass die Medikamente die Krankheit nicht heilen, allenfalls

die Verschlimmerung der Symptome verzögern oder abmildern.

Er wird für eine gute Pflege sorgen, für das Umfeld und

wird allen Mut machen. Er wird ehrliche Auskünfte ohne Beschönigung

geben, wird auf die menschlichen Helfer mehr

hinweisen als auf die Wirksamkeit der Medikamente hoffen.

Aber jetzt sind die Menschen aus dem Umfeld des Kranken

wichtig, die Familie, die Nachbarn, die Freunde, der Horror

der Demenz muss abgewendet, die Angst vor der Zukunft,

das Ungewisse, der Dämon muss vertrieben werden. Es soll

nicht eine zusätzliche Stigmatisierung des Kranken erfolgen,

er ist nach seinen Fähigkeiten ein vollwertiges Mitglied seiner

Familie, als Mensch behält er seine Würde bis das Herz

zu schlagen aufhört.

Die ärztlich-ethische Verantwortung besteht jetzt darin,

den Kranken menschlich-hilfreich zu begleiten, nachdem

die Diagnose einfühlsam mitgeteilt worden war. Wichtig

ist, nicht einer medikalisierenden Tendenz nachzugeben,

sondern das Augenmerk auf die Lebens- und Befindlichkeitsumstände

zu lenken. Bei der weitgehend bestehenden

medikamentösen Therapieresistenz ist es wichtig, für eine

vernünftige Pflege zu sorgen und sich um enge Vernetzung

von Medizin und Pflegewissenschaft zu bemühen, denn neben

der Medizin sind jetzt gefordert die Pflegewissenschaft,

die Soziologie, die Psychologie, die Philosophie und die

Theologie. Der Dialog zwischen den genannten Disziplinen

ist unerlässlich.

Auch die sogenannte Öffentlichkeit steht in der Verantwortung.

Durch ungeeignete Bilder und Begriffe wird die

Demenz dämonisiert, die Betroffenen werden zusätzlich

stigmatisiert. Die Menschen werden abseits in den Schatten

gestellt und geraten in einen allgemeinen Horror vor

der Demenz. Der Verfall im Alter wird als eine menschlich

unerträgliche Störung dargestellt, als etwas Inhumanes, das

alles Lebenswerk vernichtet. Hier zeigt sich nochmals die

wichtige Rolle des vertrauten erfahrenen Hausarztes, der

aber dennoch in diesen Situationen an die Grenzen seiner

Fähigkeiten kommt. Für ihn kann jetzt eine ethische Beratung

durch ein ortsansässiges Ethik-Fachgremium von Wichtigkeit

sein. Sind demente Menschen im Endstadium ihrer

Krankheit noch Personen mit Personenwürde? Es gibt Philosophierichtungen,

die die Definition des Personenbegriffes

von ihrer Denk-, Erkenntnis-, Handlungs- und Sprachfähigkeit

abhängig machen oder die Menschenwürde an ein biologisch

ordentlich funktionierendes Gehirn koppeln. Seele,

Geist, Gemüt sollen bestimmungsgemäß funktionieren. Bei

Embryonen und Babies ist dieses ebenfalls nicht gegeben. Es

wird ihnen eben der Schutz der Gesellschaft entzogen, der

mit der Anerkennung eines Wesens als Person mit Würde

gegeben ist.

Patientenverfügung

Nach verständlicherweise jahrelangen Diskussionen ist

vom Bundesministerium für Justiz – auch hier wurde die

Ethikkommission der Bundesärztekammer mit eingeschaltet

– eine umfassende Patientenverfügung verabschiedet

worden, die den Umgang mit Kranken regelt, wenn sie situationsbedingt

ihre Vorstellungen über beabsichtigte, notwendige

medizinische Maßnahmen selber nicht vorbringen

können. Jede medizinische Handlung setzt die Einwilligung

des Patienten nach angemessener Aufklärung voraus. Die

Menschenwürde, das allgemeine Persönlichkeitsrecht, das

Recht auf Selbstbestimmung und das Recht auf Leben und

auf körperliche Unversehrtheit sind immer Ziele und Grenzen

jeder medizinischen Eingriffe gewesen und sollten auch

die Basis und Voraussetzung für die neue Patientenverfügung

sein.

Die Möglichkeiten der modernen Medizin werden immer

umfangreicher und undurchschaubarer und die Werteorientierung

wird immer differenzierter. Es ist sinnvoll, vorab, das

heißt, bevor der Behandlungsfall also auch bevor der Verlust

der Einwilligungsfähigkeit der betreffenden Person eintritt,

eine Patientenverfügung niederzuschreiben. Jede Person

kann selbständig eine derartige Verfügung allein verfassen.

Sinnvoll erscheint es, dieses wichtige Schriftstück mit einer

vertrautren Person aufzusetzen, oder die Hilfe und Beratung

des Hausarztes in Anspruch zu nehmen. So kann verhindert

werden, dass wesentliche Aussagen vergessen, und unberücksichtigt

bleiben. Der später Behandelnde kann exakt und

zweifelsfrei die Wünsche des Patienten erfüllen.

Ethik und die Magensonde

Ein sehr schwieriges ethisches Problem ist die Anlage

einer Magensonde bei einem schluckunfähigem Patienten.

Ursache der Schluckunfähigkeit können sein: mechanisch

bedingte Schluckstörungen (Krankheiten des Mundes, des

Rachens, der Speiseröhre oder des Magens) durch Tumore,

Verätzungen, Vernarbungen, Verletzungen oder Operationen

im Gesichtsbereich). Es kann sich um nervenbedingte

Schluckstörungen mit Gefahr der Aspiration handeln (z.B.

Zustand nach Schlaganfall). Es können Bewusstseinsstörungen

oder bestimmte Formen der Unterernährung z.B. bei

Krebsleiden sein.

4/2011 25 Jahre durchblick 61


Essay

Die Sonde hat den Vorteil der guten Bilanzierung von

Kalorien und Flüssigkeitsmenge, die Dauer der Nahrungsaufnahme

ist kurz, es können Medikamente über die

Sonde verabreicht werden, aber es fehlt die persönliche

Zuneigung und Begleitung beim Essen, es fehlt die soziale

und persönliche Bindung zu dem Menschen, der z.B. füttern

müsste, gemeinsames Essen hat schließlich auch eine soziale

Funktion, es fehlt der angenehme Geschmack, der das Wasser

im Munde zusammenlaufen lässt, es fehlt die Vorfreude

auf das Essen, es fehlt der Duft aus der Küche, der freudig

den Magen schon auf das Essen vorbereitet.

Zweifellos ist die Anlage einer Magensonde ein wesentlicher

therapeutischer Fortschritt. Doch sollte die Indikation

zur operativen Anlage dieser Sonde strenger gestellt werden.

Personalmangel und Pflegeerleichterung in den Altersheimen

gehören nicht zu den Indikationen. Im Hospiz haben

natürlich die Gäste auch oft Magensonden oder werden anderweitig

z.B. durch Infusionen künstlich ernährt.

Hier ist die Situation aber völlig anders, das Denken über

die Notwendigkeit der Sonde hat sich geändert, die Indikationsstellung

ist eine andere. Früher war man der Meinung,

die Sondenernährung könne auch in dieser Situation Hospiz

die Lebenserwartung verlängern, das emotionale Wohlbefinden

erhalten und die körperliche Schwäche bessern. Diese

Annahmen sind zwischenzeitlich eindeutig widerlegt worden.

Die Minderung der Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeit

ist ein Teil des natürlichen Sterbeprozesses, Durst

und Hungergefühl haben hier eine völlig andere Wertigkeit.

Außerdem ist hier zu beachten, ob bezüglich der künstlichen

Ernährung in einer Patientenverfügung konkrete Aussagen

gemacht worden sind.

Der Patient muss eingewilligt haben, die Anlage einer

Magensonde ist ein ärztlicher Eingriff in die Integrität des

Körpers und das Legen einer Sonde stellt in diesem Zusammenhang

eine lebensverlängernde Maßnahme dar, die ausdrücklich

vom Patienten verlangt worden sein muss, andernfalls

handelt es sich um ein Rechtsvergehen, das heißt, wenn

der Wunsch des Patienten nicht ausdrücklich berücksichtigt

worden ist. Im Hospiz bestehen diesbezüglich praktisch nie

Probleme beim Einstellen der künstlichen Ernährung, es wird

immer mit den Angehörigen und mit dem Gast, so weit er

selber noch aktiv an der Entscheidung teilnehmen kann, besprochen.

Hunger- und Durstgefühl sind in der Sterbephase

immer schwer zu beurteilen, gute Pflege, Mundpflege, Befeuchten

der Zunge sind oft besser als 500 Kalorien durch die

Sonde. Wenn der Gast im Hospiz das Essen und Trinken verweigert,

signalisiert er nicht unbedingt dadurch, dass er nicht

mehr leben möchte, allerdings ist der Umkehrschluss, also

die Verabfolgung einer Zwangsernährung, ebenso problematisch.

Das Legen einer Magensonde ist immer schwierig, die

Entscheidung muss immer personen- und situationsbezogen

getroffen werden.

Es gibt sicher zahlreiche, logisch nachvollziehbare Begründungen

für das Anlegen einer Magensonde, wenn

krankheitsbedingt der normale Schluckakt nicht mehr

möglich ist. Es kann aber auch durchaus einmal möglich

sein, dass die Magensonde wieder entfernt werden kann,

wenn sich die ursächliche Krankheit gebessert hat, wenn

z.B. der Patient nach dem Schlaganfall das Schlucken wieder

gelernt hat. Die Magensonde war also in diesem Falle sehr

hilfreich gewesen.

Das sogenannte Wachkoma ist eine unerlässliche Indikation

für eine Magensonde. Das Wachkoma ist eine schwere

Funktionsstörung des Gehirns, wo z.B. bei einem Unfall

große Anteile des Gehirns zerstört worden sind. Der Patient ist

scheinbar wach, liegt mit offenen Augen da, der Blick ist starr

geradeaus oder gleitet hin und her ohne Fixationspunkt. Anfassen,

Ansprechen, Vorhalten von Gegenständen bleiben ohne

Reaktion, es sind keine Flucht- oder Abwehrreaktionen zu provozieren.

Vegetative Elementarfunktionen sind erhalten, dazu

gehört z.B. der Schluckreflex (nicht immer), dennoch ist die

Nahrungsverwertung erheblich gemindert, sodass die Kranken

bald hochgradig abmagern und dementsprechend künstlich

ernährt werden müssen. Dieser Zustand kann über sehr viele

Jahre anhalten, der Kranke kann aber aus seinem Wachkoma

erwachen, wobei dann immer erhebliche Defizite bleiben, der

Patient ist dauerhaft schwerst hirngeschädigt. Nach den Grundsätzen

der Bundesärztekammer ist ein Wachkomapatient zwar

ein nicht einwilligungsfähiger, aber auch kein sterbender Patient

und muss nach den Grundsätzen der medizinischen Ethik

mittels einer Magensonde ernährt werden.

Ein schwieriges Problem ist der Demenzkranke und

die Magensonde. Alle vorhandenen Studien bezüglich der

künstlichen Ernährung bei fortgeschrittener Demenz haben

keine Hinweise dafür gegeben, dass die durch diese Maßnahme

angestrebten Therapieziele erreicht werde können. Es

zeigen sich keine Hinweise auf eine Lebensverlängerung,

eine Verbesserung des Ernährungszustandes, Verbesserung

der Lebensqualität, Verbesserung der Wundheilung von Geschwüren

durch aufliegen. Daher wurde schon vor Jahren der

Leitsatz ausgesprochen: das Missverhältnis zwischen Vorteilen

und Nachteilen der künstlichen Ernährung begründet

die Empfehlung, dass künstliche Ernährung bei Patienten mit

fortgeschrittener Demenz nicht angewendet werden soll.

Es sind nur wenige Situationen angesprochen worden,

in denen es um die Frage der Sinnhaftigkeit der Anlage

einer Magensonde ging. Eigentlich kann man keine Regeln

oder Gebrauchsanweisungen aufstellen, es wird immer

viele Unabwägbarkeiten geben. Ist es eine medizinisch

sinnvolle und angemessene Maßnahme, geht es um eine

Therapiebegrenzung, geht es um Lebensqualität oder etwa

um Sterbehilfe? Viele unbewusste Wertungen schwingen

mit. Vorabgeklärt werden müssen die naturwissenschaftlichen

Aspekte, die Vorsituation muss geklärt werden, die

gegenwärtige Befindlichkeit und besonders die Zielsetzung.

Die Selbstbestimmung darf nicht außer acht gelassen

werden (Frage der Patientenverfügung). Entscheidung

für oder gegen eine Sonde wird immer schwierig bleiben.

Es ist nur zu hoffen, dass hier das Wohl des Patienten das

einzige Kriterium bleiben wird.

62 25 Jahre durchblick 4/2011


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Wir haben die passenden Veranstaltungen für Sie:

Programm 2011/2012

Programm

2011/2012

August 2011 - Juli 2012

Englisch für Ältere (verschiedene Stufen)

Computerkurse für Ältere (Grundlagen, Internet, E-Mail u. a.)

Vorträge | Café-Zeit im KrönchenCenter

und vieles Andere mehr.

VHS Siegen, KrönchenCenter, Markt 25, 57072 Siegen

www.vhs-siegen.de

Telefon: 0271 404-3000

Neujahrskonzerte

Ganz klassisch und virtuos ins neue Jahr

starten können Sie auch 2012 nach bekannter

Tradition mit der Philharmonie

Südwestfalen. Bei feiner Klassik mit dem

gut aufgelegten Ensemble der Philharmonie

Südwestfalen dürfen Sie sich entspannt

zurücklehnen und den spritzigen Interpretationen

der Polkas, Balletten, Opern und

Walzern lauschen. Im Konzert erklingen u.

a. Werke von Jacques Offenbach, Rossini/

Respighi und Johann Strauß, dirigiert von

Giulino Betta und Russell N. Harris.

So. 1.1. / 16 und 20 Uhr im

Apollo-Theater Siegen

(auch 10. und 11.1.)

Mo. 2.1. / 20 Uhr in der

Stadthalle Betzdorf

Mi. 3.1. / 20 Uhr in der Aula

des Städtischen Gymnasiums

Bad Laasphe

Do. 4.1. / 20 Uhr im Bürgerhaus

am Markt

Sa. 7.1. /19 Uhr in der Festhalle

Wilnsdorf

So. 8.1. / 17 Uhr in der Stadthalle

Kreuztal

64 durchblick 4/2011


Veranstaltungshinweise

Weihnachtsmärkte

im Siegerland

Dezember 2011

bis 23.12. täglich, in Siegen,

Bahnhofstraße bis Schlossplatz,

Unteres Schloss.

bis 8.1.2012 täglich, „Winterzauber“

im Innenhof der Sparkasse

Siegen, Morleystraße.

bis 23. 12. täglich in Weidenau,

Siegerlandzentrum.

Fr., 2. Laasphe, „Weihnachtsmarkt

auf Schloss Wittgenstein“,

von 17-22 Uhr.

Fr. 2. Kreuztal Weihnachtsmarkt

„Lichterglanz im Park“, 16–22 Uhr,

Sa. 14–22 Uhr, So.11–19 Uhr,

Dreslers Park

Sa., 3. Bad Laasphe-Herbertshausen

ab 16 Uhr auf dem Schützenplatz

Sa., 3. Feudinger Weihnachtsmarkt

ab 15 Uhr, In der Gasse

Sa., 3. Freudenberg, Weihnachtsmarkt

im „Alter Flecken“, 15–21 Uhr

auch So. 11–18 Uhr

Sa., 3. Freudenberg, „Sterncafé“

Weihnachtsmarkt von 15–21 Uhr,

Alte Schmiede, Am Silberstern

auch Sonntag, 4.12. / 11–18 Uhr

Sa., 3. Erndtebrück, „30. Adventsmarkt“,

„Im Teich“, auch So., 4.12.

Sa., 3. Netphen Weihnachtsmarkt

in der Ortsmitte, auch So., 4.12.

So., 4. Burbach,Weihnachtsmarkt,

mit großem Bücherflohmarkt von

11–18 Uhr, in der Ortsmitte / Nassauische

Straße

Do., 8. Hachenburg, „Nostalgischer

Weihnachtsmarkt“ ab 11 Uhr in der

Innenstadt, bis Sonntag, 11.12.

Sa., 10. Hilchenbach, „Chresdagsmärktche“

auf dem Marktplatz,

14–22 Uhr, auch So., 11–19 Uhr

Sa., 10. Bad Berleburg, „Weihnachtszeitreise“,

14–22 Uhr, an

verschiedenen Plätzen, auch So.,

11.12. 11–19 Uhr.

Sa., 10. Niederlaaspher „Weihnachtsmärktchen“,

ab 15 Uhr, Auf

dem Brückenplatz

Vermittlung

von Wohnpartnerschaften

Die Koordinierungsstelle „Wohnpartnerschaften“

beim Verein ALTERAktiv sucht ältere Menschen,

die Wohnraum zur Verfügung stellen können und

Hilfe oder Begleitung bei Haus- und Gartenarbeit,

beim Einkauf u.ä. benötigen oder wünschen. Sie

vermittelt junge Menschen als MieterInnen, die

tatkräftig Unterstützung leisten und so ihre Mietkosten reduzieren wollen.

Als Faustregel gilt: Eine Stunde Hilfe im Monat für einen Quadratmeter

Wohnraum plus Nebenkosten.

Wenn Sie interessiert sind, wenden Sie sich an:

ALTERAktiv Siegen-Wittgenstein e.V.

Geschäftsstelle / Seniorenbüro

57074 Siegen, St Johann-Str. 7

Tel.: 02 71/2 34 60 66

Fax: 02 71/2 34 60 77

E-Mail: wohnpartnerschaft@senioren-si.de

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öffentlich geförderte Wohnungen – mit Wohnberechtigungsschein

Wir informieren Sie gerne, bitte sprechen Sie

Frau Gruner, Durchwahl 4895115, E-Mail: ggruner@wgh-siegen.de oder

Frau Stauf, Durchwahl 4895111, E-Mail: jstauf@wgh-siegen.de, an.

WGH

Wohnungsgenossenschaft

Hüttental eG

57076 Siegen-Weidenau · Jahnstraße 45

Tel. 02 71/48 95 10 · Fax 02 71/4 89 51 51

www.wgh-siegen.de

durchblick 4/2011 65


Veranstaltungshinweise

Dezember 2011

1. Donnerstag

10:00 Ausstellungsforum: ZeitSpuren

Haus Oranienstraße, Siegen (bis 15. 1.)

20:00 Konzert mit dem Ensemble

Hélios Quartett (Paris), Apollo-Theater

2. Freitag

10:00 Trauercafé, der Hospizhilfe Siegen

e.V. Haus Herbstzeitlos Siegen

20:00 Weihnachtskonzert mit der Philharmonie

Südwestfalen, Dirigat: Evan

Christ,Apollo-Theater (auch am 3.12.)

20:00 Stepp-Show: Lord of the Dance,

Siegerlandhalle Siegen

20:00 Jazzclub Oase: Soul Affair, Kulturhaus

Lÿz, Siegen, St.-Johann-Str. 7

3. Samstag

20:00 Frank Sauer Vom Tellerwäscher

zum Geschirrspüler, Kulturhaus Lÿz,

20:00 Konzert: The London Quartet

mit Christmas Special, Heimhof-Theater,

Burbach

18:00 Konzert: Blechbläserquintett,

Classic Brass, Ev. Kirche Hilchenbach

4. Sonntag

10.30 Benefizkonzert: Weihnachtsmatinee

Nussknacker, im Schloss Bad

Berleburg

15:00 Trauercafé – Café Regenbogen,

Haus Ernsdorf, Ernsdorferstr. 3, Kreuztal

19:00 Westernfilm in der Kurbelkiste:

True Grit, Kulturhaus Lÿz, Siegen

5. Montag

9:30 Gedächtnistraining, Begegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos, Siegen

6. Dienstag

10:00 Kreativ-Gruppe DeutscherHausfrauenBund,

Haus Herbstzeitlos Siegen

14:30 Adventfeier der Seniorenwandergruppen

der Stadt Siegen, Bismarkhalle

Siegen-Weidenau

14:30 AlterAktiv: Lesepaten, Haus

Herbstzeitlos, Siegen Marienborner Str.

19:00 SeniorenTheaterSiegen: Die

Siegener Stadtmusikanten, Kulturhaus

Lÿz, Siegen

7. Mittwoch

14:00 KSG-Offenes-Café, Fichtenweg 5,

Siegen-Geisweid, Im Wenscht

19:30 Gesprächskreis für pflegende

Angehörige, Diakoniestation Kreuztal,

Anmeld. vor mittags ℡ 02732-582470

19:30 Russische Weihnacht Konzert

mit den Zarewitsch Don Kosaken, Bad

Berleburg - Kath. Kirche St. Marien

8. Donnerstag

15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,

Seniorenbegegnungsstätte Haus

Herbstzeitlos, Siegen

20:00 Forum-Siegen-Vortrag: Armut

als soziales Problem: Zum Umgang mit

Armut im demokratischen Wohlfahrtsstaat,

Kulturhaus Lÿz, Siegen

9. Freitag

19:30 Weihnachtskonzert mit dem Vokalquintett

Berlin, Schloss Berleburg

20:00 Konzert mit Ernie Watts European

Quartet, Jazzclub Oase, Kulturhaus

Lÿz, Siegen St.-Johann-Straße 7

10. Samstag

20:00 Comedyabend mit Maddin

Schneider Lach oder Stirb, Kulturhaus

Lÿz, Siegen St.-Johann-Straße 7

20:00 Rock'n'Roll mit Lucy in the Sky,

Festhalle Wilnsdorf, Rathausstraße

20:00 Nuhr unter uns Kabarett von

und mit Dieter Nuhr, Siegerlandhalle

Siegen

11. Sonntag

10:45 Matinée-Konzert für Flöte und

Orgel, Katholische Kirche St. Joseph

Weidenau

20:00 Lesung mit Ralf Sotscheck:

Christstollen mit Guinness, Kulturhaus

Lÿz, Siegen St.-Johann-Straße 7

12. Montag

10:00 Frühstückstreff, AWO Begegnungsstätte

Siegen, Rosterstr. 186

10:00 Trauercafé, der Hospizhilfe

Siegen e.V. Seniorenbegegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos Siegen

16:00 KSG-Café im Wenscht: Lesepaten,

Siegen-Geisweid, Fichtenweg 5

Classic Brass -

Konzert zur Weihnachtszeit

Das seit 1991 erfolgreiche, international

besetzte Bläserquintett mit Jürgen Gröblehner

gastiert mit Werken alter Meister

Samstag, 3. Dezember ab 18 Uhr in der

Evangelischen Kirche in Hilchenbach.

14. Mittwoch

16:00 Backestag, Frdb.-Hohenhain

14:30 KSG-Café: Kochstudio International,

Siegen-Geisweid, Fichtenweg 5

20:00 Schauspiel: Rain Man, Hilchenbach-Dahlbruch,

Gebr.-Busch-Theater

15. Donnerstag

15:15 KSG-Café im Wenscht: Seniorentreff

mit Programm, Siegen-Geisweid,

Fichtenweg 5

20:00 LÿzMixVarieté: Kabarett, Musik,

Akrobatik und Zauberei, Kulturhaus

Lÿz, Siegen St.-Johann-Straße 7

16.Freitag

20:00 Martin Luther King Konzert:

Ich habe einen Traum, Apollo Siegen

17. Samstag

9:00 Backestag: Siegen-Setzen

17:00 Konzert: Inspiration Weihnachten,

Ev. Kirche Hilchenbach, (auch 18.12.)

Dienstag, 6. Dez. 19 Uhr SeniorenTheaterSiegen: Die Siegener Stadtmusikanten.

Eine sauköstliche Satire auf das Seniorenleben. Kulturhaus Lÿz, Siegen

66 durchblick 4/2011

Veranstalterfoto Veranstalterfoto


19:00 Siegener Christmas Comedy:

Kartoffelfreuden VIII, Kulturhaus Lÿz,

18. Sonntag

14:30 Café unter der Linde, Seniorenbegegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos

15:00 Trauercafé, der Hospizhilfe Siegen

e.V., Kindergarten Freudenberg,

Oranienstraße 25

18:00 Comedy mit Nickelodeon:

Christmas Dinner for Two, Stadthalle

Kreuztal, Am Erbstollen 7

19. Montag

14:00 KSG - Café Im Wenscht: Malen/

Basteln für Erwachsene, Siegen-Geisweid,

Fichtenweg 5

14:30 Gedächtnistraining, Seniorenbegegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos

Siegen, Marienborner Str. 151

20. Dienstag

19:30 Treffen Wohnprojekt: Wahlverwandte,

Haus Herbstzeitlos, Siegen

22. Donnerstag

15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,

Seniorenbegegnungsstätte Haus

Herbstzeitlos Siegen, Marienborner Str.

26. Montag

14:30 AWO-Seniorentreff: Kaffeekränzchen,

AWO Begegnungsstätte

Siegen, Rosterstraße 186

14:30 Gedächtnistraining, Seniorenbegegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos

18:00 Weihnachtskonzert bei Kerzenschein

mit dem Bach-Chor Siegen,

Martinikirche Siegen

27. Dienstag

20:00 Kabarett mit Weigand & Genähr,

Wer zuerst oben is, Kulturhaus

Lÿz, Siegen (täglich bis 30.12.)

28. Mittwoch

16:00 Backestag: Freudenb.-Hohenhain

19:00 Russisches Staatsballett tanzt

Schwanensee, Siegerlandhalle Siegen

29. Donnerstag

20:00 Konzert mit der Philharmonie

Südwestfalen, Dirigat: Christian Kluxen,

Gebr.-Busch-Theater, Hi.-Dahlbruch

31. Samstag

19:30 Barockkonzert zur Silvesternacht

mit der Philharmonie Südwestfalen,

Ev.Kirche Hilchenbach 19.00 und

22.15 Let's Have A Party Eine musikalische

Jahrhundertrevue von und mit

Tankred Schleinschock, Apollo-Theater

Siegen, Morleystr. 1

Veranstaltungshinweise

Wer zuerst oben is...

„Wenn Ursel, Christa

Weigands Paraderolle,

in der roten Strickjacke

und mit Dutt auf

Platt laut ‚prakteziert‘,

kommen der zugereiste

Herr Genähr (Vorname:

Bernd-Michael) und

das heimische Publikum

aus dem Staunen kaum

heraus.“(Siegener Zeitung)

Vorstellungen vom

27. 12. bis 30. 12. jeweils

ab 20 Uhr im

Kulturhaus Lÿz Siegen,

St.-Johann-Straße 18,

Januar 2012

durchblick 4/2011 67

Veranstalterfoto

1. Sonntag Neujahr

10:00 Ausstellung: ZeitSpuren Haus

Oranienstraße, Siegen (bis 15. Januar)

16:00 Neujahrskonzert (sie Seite 60)

18:00 Orgelkonzert zum neuen Jahr,

Martinikirche Siegen

20:00 Neujahrskonzert (sie Seite 60)

3. Dienstag

10:00 Kreativ-Gruppe DeutscherHausfrauenBund,

Seniorenbegegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos, Siegen

14:30 Alter Aktiv: Lesepaten, Begegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos, Siegen

4. Mittwoch

14:00 KSG-Offenes-Café im

Wenscht, Fichtenweg 5, Siegen-

Geisweid

19:30 Gesprächskreis für pflegende

Angehörige, Diakoniestation

Kreuztal, Anmeldung vormittags

02732-582470

20:00 Neujahrskonzert (sie Seite 60)

5. Donnerstag

15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,

Seniorenbegegnungsstätte Haus

Herbstzeitlos, Siegen

20:00 Neujahrskonzert (sie Seite 60)

7. Samstag

19:00 Neujahrskonzert (sie Seite 60)

20:00 Kabarett: Sebastian Pufpaff

mit der Frage Warum! Kulturhaus

Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 189

8. Sonntag

17:00 Neujahrskonzert (sie Seite 60)

19:00 Film: Almanya – Willkommen

in Deutschland, Kurbelkiste im Kulturhaus

Lÿz, Siegen, St.-Johann-Str.

9. Montag

10:00 Trauercafé, der Hospizhilfe

Siegen e.V. Seniorenbegegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos

Siegen, Marienborner Str. 151

10:00 Frühstückstreff, AWO Begegnungsstätte,

Rosterstr. 186, Siegen

16:00 KSG-Café im Wenscht: Lesepatin,

Siegen-Geisweid, Fichtenweg 5

10. Dienstag

19:30 Treffen: Wohnprojekt Wahlverwandte,

Seniorenbegegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos, Siegen

20:00 Neujahrskonzert (sie Seite 60)

18. Dezember, 18 Uhr, Comedy mit Nickelodeon:

Christmas Dinner for Two,

Stadthalle Kreuztal, Am Erbstollen 7

Veranstalterfoto


Veranstaltungshinweise

Januar 2012

20.1. ab 20 Uhr: Kabarett mit Matthias

Egersdörfer: Ich mein's doch nur gut!

11. Mittwoch

14:30 KSG-Café: Kochstudio International,

Siegen-Geisweid,Fichtenweg 5

20:00 Kabarett: Weigand & Genähr,

Wer zuerst oben is, Kulturhaus Lÿz,

Siegen (täglich bis 12.01.)

20:00 Neujahrskonzert (sie Seite 60)

12. Donnerstag

20:00 Forum Siegen Vortrag: Menschen

ohne Wohnung = Menschen ohne

Würde? Kulturhaus Lÿz, Siegen

13. Freitag

20:00 Jazzclub Oase: Richard Bargel &

Klaus "Major" Heuser Band, Men in

Blues, Kulturhaus Lÿz, Siegen

20:00 Kulturforum, Martin C. Herberg

Gitarren Total, Altes Feuerwehrgerätehaus,

Netphen, St. Petersplatz

Veranstalterfoto

14. Samstag

20:00 Jazzclub Oase: JazzConference

meets Timo Böcking Projekt, Kulturhaus

Lÿz, Siegen, St.-Johann-Straße 18

15. Sonntag

15:00 Trauercafé, der Hospizhilfe Siegen

e.V. Kindergarten Freudenberg,

Oranienstraße 25

17:00 Multivision-Vortrag von Heiko

Beyer: Irland-Zauber der grünen Insel

Stadthalle Kreuztal

14:30 Café unter der Linde Begegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos, Siegen

16. Montag

14:00 KSG Café im Wenscht: Malen/

Basteln für Erwachsene, Siegen-Geisweid,

Fichtenweg 5

14:30 Gedächtnistraining, Begegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos, Siegen

17. Dienstag

19:30 Treffen Wohnprojekt: Wahlverwandte,

Seniorenbegegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos Siegen.

20:00 Stepp-Show: Magic of the Dance,

Siegerlandhalle Siegen, Koblenzer Str.

19. Donnerstag

15:00 Literaturcafé Seniorenbegegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos, Siegen

15:15 KSG-Café im Wenscht: Seniorentreff

mit Programm, Siegen-Geisweid,

Fichtenweg 5

20:00 Theater: Woyzeck von Georg

Bücher, Apollo-Theater, Siegen

20:00 Forum-Siegen Vortrag: Kinderarmut

in Deutschland, Kulturhaus Lÿz

20. Freitag

20:00 Kabarett mit Fatih Cevikkollu:

Fatih Unser, Stadthalle Kreuztal

20:00 Kabarett mitMatthias Egersdörfer:

Ich mein's doch nur gut! Kulturhaus

Lÿz, Siegen, St.-Johann-Straße 18

21. Samstag

20:00 Lesung mit Hellmuth Karasek,

Im Paradies gibt's keine roten Ampeln!

Kulturhaus Lÿz, Siegen, St.-Johann-Str.

20:00 Theater Subito mit dem Krimi:

Rotecke, Heimhof-Theater, Burbach

22. Sonntag

19:00 Film: I Killed My Mother, Kurbelkiste

im Kulturhaus Lÿz, Siegen

19:00 Bernhard Hoecker: Wikihoëcker

Bad Berleburg, Bürgerhaus am Markt

23. Montag

14:30 Gedächtnistraining, Seniorenbegegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos

Siegen, Marienborner Str. 151

14:30 AWO-Seniorentreff: Kaffeekränzchen,

AWO Begegnungsstätte

Siegen, Rosterstr. 186

19:00 Treffen der Selbsthilfegruppe

Asthma, Haus Herbstzeitlos, Siegen

24. Dienstag

20:00 Kabarett: Freiheit ist alles, Gebrüder-Busch-Theater

Hilchenbach

26. Donnerstag

19:00 Theater: Thibault Schiemann in

Fünf Mal schwarze Katze, Kulturhaus

Lÿz, Siegen, St.-Johann-Straße 18

Veranstalterfoto

Irland-Zauber der

grünen Insel

Irland machen die

Geschichten aus,

und von denen gibt

es genug zu erzählen,

von einem Land

am Rande Europas,

das sich trotz der

rasanten wirtschaftlichen

Entwicklung

seine Ursprünglichkeit

bewahren konnte.

Denn nach wie

vor gilt: Die grüne

Insel verzaubert!

Multivision-Vortrag

von Heiko Beyer,

15. Januar

ab 17 Uhr,

Stadthalle Kreuztal

68 durchblick 4/2011


Veranstaltungshinweise

20.00 Forum-Siegen Vortrag: Armut

und das Bürgerrecht auf Bildung, Kulturhaus

Lÿz, Siegen, St.-Johann-Str. 18,

27. Freitag

20:00 Multivision-Vortrag: Norwegen

per Hurtigrute, Ev. Jugendheim,

Erndtebrück

20:00 Theater: Der Bräutigam meiner

Frau, Adolf-Saenger-Halle Wilnsd.-Niederdielfen,

Augraben 9 (auch So. 17 Uhr)

28. Samstag

19.00 Theater der Uni-&Hochschule

der Künste Bern mit: Romio und Julieta.

Und Pickelhäring, Kulturhaus Lÿz Siegen,

St.-Johann-Straße 18

20:00 Kabarett mit Kämmer & Rübhausen:

Es ist Zeit für Plan B., Kreuztal,

Weiße Villa, Dreslers Park

20:00 Kabarett: Alfons mit Die Rückkehr

der Kampfgiraffen, Heimhof-Theater,

Burbach

30. Montag

14:30 Gedächtnistraining, Begegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos, Siegen

20.00 Der Seefahrer, Schauspiel von

Conor McPherson ,Apollo-Theater Siegen.

Februar 2012

Samstag, 28 Januar 20 Uhr, Politisches

Kabarett mit Kämmer & Rübhausen:

Es ist Zeit für Plan B

Kreuztal, Weiße Villa, Dreslers Park

1. Mittwoch

14:00 KSG-Offenes-Café im Wenscht,

Siegen-Geisweid, Fichtenweg 5

19:30 Gesprächskreis für pflegende

Angehörige, Diakoniestation Kreuztal,

Anmeldung vormittags 02732-582470

2. Donnerstag

15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,

Haus Herbstzeitlos, Siegen

19.00 Burghofbühne Dinslaken: Liebesbriefe

an Hitler, Kulturhaus Lÿz Siegen.

20.00 Forum-Siegen Vortag: Armut und

Solidarität in der Weltgesellschaft, Kulturhaus

Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18

3. Freitag

20.00 Kulturforum: Konzert mit Jürgen

Schwab Heute noch Folk, Blues, Pop

und Jazz. Altes Feuerwehrgerätehaus

Netphen, St. Petersplatz

20:00 Kabarett mit Richard Rogler:

Stimmung, Stadthalle Kreuztal

20:00 Kabarett mit Daubs Melanie: Das

Jubiläums-Programm, Kulturhaus Lÿz,

Siegen (auch am 10.02.)

20:00 Konzert: Kerstin Stahl&Gerd Moos,

Heimspiel, Heimhof-Theater, Burbach

5. Sonntag

15:00 Trauercafé - Café Regenbogen,

Haus Ernsdorf, Kreuztal, Ernsdorferstr. 3

19:00 Film: Four Lions, Kurbelkiste im

Kulturhaus Lÿz Siegen, St.-Johann-Str.

6. Montag

9:30 Gedächtnistraining, Begegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos, Siegen

7. Dienstag

10:00 Kreativ-Gruppe Deutscher HausfrauenBund,

Haus Herbstzeitlos, Siegen

14:30 AlterAktiv: Lesepaten, Begegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos, Siegen

8. Mittwoch

14:30 KSG-Café im Wenscht: Kochstudio

International, Siegen-Geisweid,

Fichtenweg 5

9. Donnerstag

20:00 Theater: Altweiberfrühling, Gebrüder-Busch-Theater

Hilchenbach

20:00 Back Home, Konzert mit Judith

Adarkwah & Friends, Jazzclub Oase im

Kulturhaus Lÿz, Siegen

10. Freitag

20:00 Theater: Der Kontrabass von

Patrick Süskind. mit Jan

Becker, Apollo-Theater

Siegen, Morleystr. 1

11. Samstag

20:00 Lesung: Alissa

Walser, Immer ich!

Kulturhaus Lÿz, Sgn.

20:00 Jazzkonzert:

Thomas Reis, Gibt's ein

Leben über 40, Heimhof-Theater,

Burbach

12. Sonntag

17:00 Multimediashow

von Petra und

Gerhard Zwerger-

Schoner: Australien,

Stadthalle Kreuztal,

Am Erbstollen 7

18.00 Konzert: Trio

Anima Vocalis, Nikolaikirche

Siegen

13. Montag

10:00 Trauercafé, der

Hospizhilfe Siegen

e.V. Haus Herbstzeitlos,

Siegen

10:00 Frühstückstreff, AWO Begegnungsstätte

Rosterstr. 186, Siegen

16:00 KSG-Café im Wenscht: Lesepatin,

Siegen-Geisweid, Fichtenweg 5

14. Dienstag

20.00 Kammermusik mit dem Xyrion

Trio, Geb.-Busch-Theater Hilchenbach

15. Mittwoch

20.00 Konzert mit den Swinging Elephants

Makin` Whoopee Kulturhaus

Lÿz Siegen, St.-Johann-Straße 18

9. Februar 20:00: Back Home, Konzert mit Judith

Adarkwah & Friends, Jazzclub Oase im Kulturhaus

Lÿz, Siegen

Veranstalterfoto

durchblick 4/2011 69


Veranstaltungshinweise

Februar 2012

Freitag, 17. Februar 20 Uhr KreuztalKultur:

Musik Comedy: Mit

Schirm, Charme und Cellone, Stadthalle

Kreuztal, Am Erbstollen 7

16. Donnerstag

15:15 KSG-Café im Wenscht: Seniorentreff

mit Programm, Siegen-Geisweid,

Fichtenweg 5

15:00 Literaturcafé Seniorenbegegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos Siegen

17. Freitag

20:00 KreuztalKultur: Musik Comedy:

Mit Schirm, Charme und Cellone,

Stadthalle Kreuztal, Am Erbstollen 7

1. Donnerstag

15:00 Literaturcafé Seniorenbegegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos Siegen

20:00 Lesung: Die Enden der Welt mit

Roger Willemsen, Stadthalle Kreuztal

20.00 Schauspiel von Wajdi Mouawad:

Verbrennungen, Gebrüder-Busch-Theater-Hilchenbach-Dahlbruch

2. Freitag

20:00 Jazzkonzert mit dem Cécile Verny

Quartet: Keep some secrets within,

Kulturhaus Lÿz, Siegen

3. Samstag

20:00 Konzert mit Satin Blue - Folk-,

Blues- und Jazzband, Kulturhaus Lÿz,

Veranstalterfoto

18. Samstag

20:00 Kabarett mit Matthias Deutschmann,

Deutsche, wollt ihr ewig leben?

Kulturhaus Lÿz Siegen, St.-Johann-Str.

19. Sonntag

11.00 Kunst- & Handwerkermarkt Der

Markt der schönen Dinge Siegerlandhalle

Siegen (auch Sonntag)

14:30 Café unter der Linde, Seniorenbegegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos,

Siegen, Marienborner Str. 151

15:00 Trauercafé, der Hospizhilfe Siegen

e.V. Kindergarten Freudenberg,

Oranienstrasse 25

19:00 Film: Du sollst nicht lieben, Kurbelkiste

im Kulturhaus Lÿz, Siegen

20. Montag

14:30 Gedächtnistraining, Begegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos, Siegen,

19:00 Treffen der Selbsthilfegruppe

Asthma, Haus Herbstzeitlos, Siegen

14:00 KSG-Café im Wenscht: Malen/

Basteln für Erwachsene, Siegen Geisweid,

Fichtenweg 5

21. Dienstag

19:30 Treffen Wohnprojekt: Wahlverwandte,

Seniorenbegegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos, Siegen

20:00 Komödie: Familie Malentes 99

Lufxtballons, Apollo Theater, Siegen

20.00 Kulturforum Lesung: Shakespeare

zwischen Äpfeln und Nüssen in

der Rumpelkammer Altes Feuerwehrgerätehaus,

Netphen, St. Petersplatz

Vorschau März 2012

20:00 Konzert: Mr. Boogie Woogie,

Heimhof-Theater, Burbach

20.00 Kabarett mit Urban Priol Wie im

Film, Siegerlandhalle, Siegen

4. Sonntag

18.00 Die große Peter Kraus Revue:

Für immer in Jeans 2012 Siegerlandhalle

Siegen, Koblenzer Str. 151

19:00 Film: In einer besseren Welt,

Kurbelkiste im Kulturhaus Lÿz, Siegen,

St.-Johann-Str. 18

9. Freitag

20.00 Konzert mit der WDR-Big-Band

Oase im Kulturhaus Lÿz, Siegen St.-

Johann-Straße 18

23. Donnerstag

20.00 Kleine Bühne Seelbach, Schwank:

Nichts als Kuddelmuddel Kulturhaus

Lÿz, (auch 24., 25., 26.)

24. Freitag

20:00 Kabarett mit Wilfried Schmickler:

Weiter, Stadthalle Kreuztal

20.00 Schauspiel mit Musik, Die Harry

Belafonte Story, Apollo-Theater Siegen,

Morleystr. 1

25. Samstag

10:00 Messe: Gesundheit Siegen, Siegerlandhalle,

Siegen (auch Sonntag)

20:00 Konzert: Rigmor Gustafsson &

Trio, Stadthalle Kreuztal

20:00 Kulturforum Theater: Der Bräutigam

meiner Frau,Georg-Heimann-

Halle Netphen, Jahnstraße

26. Sonntag

17:00 Chorkonzert mit der Philharmonie

Südwestfalen unter der Leitung von Ulrich

Stötzel, Haardter Kirche Weidenau

27. Montag

14:30 Gedächtnistraining, Begegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos, Siegen,

Marienborner Straße 151

14:30 AWO-Seniorentreff: Kaffeekränzchen,

AWO Begegnungsstätte

Rosterstr. 186, Siegen

19:00 Treffen der Selbsthilfegruppe

Asthma, Seniorenbegegnungsstätte

Haus Herbstzeitlos, Siegen

28. Dienstag

20.00 Schauspiel mit der der Neuen

Studiobühne der Uni Siegen: Krankheit

der Jugend, Kulturhaus Lÿz Siegen, St.-

Johann-Str. 18 (auch am 29.)

10. Samstag

20.00 KreuztalKultur: Kabarett mit

Martina Schwarzmann: Wer Glück hat,

kommt Stadthalle Kreuztal, Am Erbstollen

20.00 Kabarett mit Tobias Mann: Durch

den Wind. Und wieder zurück. Kulturhaus

Lÿz, St.-Johann-Str. 18, Siegen

„Verbrennungen“ Do. 1.3. in Hilchenbach

70 durchblick 4/2011

Veranstalterfoto


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4/2011 25 Jahre durchblick 71


Leserbriefe

Leserbrief-Anmerkung Liebe Leserinnen, liebe Leser,

über die zahlreichen Reaktionen, ob per Brief, Email, Fax

oder Telefon auf meine beiden Artikel „Auf der Suche nach

der „(Alters) Weisheit“ und „Hallo ICH, wer bist Du?“ und

die darin bekundeten eigenen Meinungen, Ergänzungen und

Anregungen, habe ich mich sehr gefreut und möchte mich,

auch im Namen meiner Redaktionskolleginnen und Kollegen,

auf diesem Weg für das gezeigte Interesse herzlich

bedanken. Mir ist bewusst, und das zeigen Ihre einzelnen

wichtigen Hinweise und Kommentare, dass beide, sowohl

die Frage nach der Weisheit als auch die nach dem ICH

sehr komplexe Themenbereiche sind, die aus unterschiedlichen

Sichtweisen heraus betrachtet werden können. Betrachte

ich sie z.B. vorwiegend philosophisch, theologisch,

psychologisch, wissenschaftlich, überwiegend historisch,

oder in rein humanistischer Hinsicht. Es liegt sicherlich im

Interesse des jeweils Einzelnen, hier seinen persönlichen

Schwerpunkt zu setzen. Meine Intention war es lediglich

über beide Themen einmal zum Nachdenken anzuregen,

dabei aber die Sichtweise offen zu lassen. Die verschieden

gelagerten Leserbriefe scheinen dies zu bestätigen.

Eberhard Freundt

db 3/2011 Hallo ICH

Lieber Herr Freundt, da haben Sie sich aber ein schweres

Thema ausgesucht! Wer kennt denn überhaupt dieses ICH?

Offensichtlich doch nur die Deutschen!? Wer hat aber etwas

ähnliches? ik/ich (mhd), ih (ahd), ik (got), I (engl), je (fr),

ego (lat), ejo (gr), ja (rus). – oder: Ich J.Ch Jesus Christus.

– Moses fragt Jahve auf dem Berg Sinai: Wer bist du? Ich

bin der ICH - Bin.

Die physisch-medizinischen Suchwege bleiben offensichtlich

ohne Erfolg. – Der Dalai Lama ist ein Mensch

unserer Zeit. Das ICH wird heute nicht mehr angezweifelt,

aber wo ist es. – Wenn man bei Buddha (560–480 v.Ch.)

sucht, so gibt es dort kein ICH. Über seine Lehren gibt

es, wie bei Christus, nichts selbst Geschriebenes. Alle Erscheinungen

seiner Welt sind vergänglich. Das Leben ist

leidvoll. Mit dem Tode geht er ins selige Nirwana ein. Das

Inkarnationsrad einer Wiedergeburt ist für ihn schrecklich,

auch in der Hölle oder als Tier. – Über nachtodliches und

vorgeburtliches Leben eines Menschen wussten Platon und

Sokrates schon Bescheid.

Der Mensch hat seinen physischen Leib, einen unsichtbaren

Lebensleib für lebenswichtige Steuerungen wie Atmen,

Blutkreislauf, Ernährung und einen Seelenleib für

Seelenregungen wie Sympathie/Antipathie, Lust/Unlust,

Wünsche/Begierden u.a. (auch bei Tieren). Aber wie ist das

mit dem ICH? Das hat offensichtlich eine Sonderstellung

beim Menschen. Jahve wusste wohl darüber Bescheid, nur

aber Moses noch nicht!

Der Philosophisch-Anthroposophische Verlag Goetheanum-Dornach

gibt jährlich zu Ostern einen Sternkalender

mit kosmischen Daten heraus, z.B. für 2011 mit dem Hinweis:

„1978 Jahre nach des ICH-Geburt durch das Mysterium

von Golgatha“. – Hier liegt eine geisteswissenschaftliche

Aussage vor. – Man muss feststellen, dass das Ich zu

Moses Zeiten für den Menschen noch nicht präsent war,

aber 33 n. Ch. wurde es geboren. Die Ich Anlage wurde dem

Menschen schon lange vor Moses eingeimpft. Die Zeit vor

der Sintflut mit Noah ist etwa die Zeit.

Heute sagt Fritz mit drei Jahren schon „Ich will dieses

haben“, ohne sich dessen bewusst zu sein. Er sagt auch

„Fritz will dieses haben“. – Mit 16 -18 Jahren wird er sich

seines „Ichs“ bewusster. – Aber wo ist es? Bei Tage wird

es für sein ICH angewendet. Nachts hat seine Seele keine

Wünsche o.a. – Das ICH schweigt auch. Es ist nicht mit

der Physis und der Seele verknüpft! - Dieses „Über-ICH“

oder höhere ICH ist Zuschauer, das lenkt und leitet. Sein

Tages-Ich ist das niedere Ich, der Abglanz des HÖHEREN

ICH. Nur so ist es verständlich. -– Machen wir dazu eine

Ergänzung zu Buddhas Nirwana: Das menschliche ICH ist

die „neue“ übersinnlich geistige Wesenheit, die im menschlichen

Blut wirkt. – Das HÖHERE ICH ist die „ewige Entelechie“

des Menschen nach Goethe. Es kann die Spur von

meinen Erdentagen nicht in Äonen untergehen. – Das HÖ-

HERE ICH führt den Menschen mit „seinem“ Engel über

alle vergangenen und folgenden Inkarnationen.

Hartmut Gerkan, Siegen

db 3/2011 Birlenbacher Elegie

Sehr geehrte Frau Krumm, ich lese den Durchblick stets

mit großem Interesse und diesmal besonders Ihren Artikel

über die Birlenbacher Straße. Ich muss unbedingt darauf

reagieren, wenn mir auch leider Ihre Gabe des Schreibens

völlig fehlt.

Auch in meinem Leben spielt diese Straße eine große

Rolle. Habe meine Kindheit von 1938–1950 dort verbracht.

Es war die schönste Straße der Welt für mich. Selbstverständlich

erlebte ich alles auch „nur“ als Fußgängerin.

Damals war dort, wo heute der Imbiss ist, unser Metzger

(Husmann). Ein ganzes Stück weiter oben war ein Lebensmittelladen

mit Bäckerei (Müller). Meine ersten 5 Schuljahre

konnte ich auch dort verbringen, nur wenige Schritte

von zu Hause. Wir Kinder konnten wunderbar auf der Straße

spielen, es kam ja kein Auto. Hatte mal ein Loch im

Kopf, mal fehlte ein Schneidezahn (leider ein Bleibender).

Sonntags war in Birlenbach „Sonntagschule“ bei Onkel

Karl und Tante Lenchen. Man kann es heute nicht mehr

glauben, aber ich habe im Birlenbach, der damals noch von

Wald und Wiesen umgeben war, das Schwimmen gelernt!

Und, und, und.... Wenn ich heute mit dem Auto durch diese

Straße fahre, sind meine Gedanken immer in der Vergangenheit

bei so schönen Erinnerungen.

Helga Volz, Siegen

db 3/2011 Mich erreichten heute drei Exemplare Ihres Magazins

durchblick, worüber ich mich sehr gefreut habe, und

dieses Lesegold ich in den kommenden Tagen aufmerksam

studieren werde. Selbstverständlich bin ich sehr neugierig,

72 25 Jahre durchblick 4/2011


Leserbriefe

und so überflog ich leserlich schon mal

und bin begeistert – Sie Lieben leisten da

ja wirklich eine ganz erstaunliche Arbeit!

Ich erlaube mir, noch heute einem Mitgefangenen

ein Exemplar zu reichen, der

sich ganz sicher ebenfalls freuen und Ihr

Magazin studieren wird. Darüber hinaus

werde ich einem Sicherungsverwahrten

ein Exemplar reichen lassen – der sich

ganz sicher ebenfalls freuen wird. Wenn

Sie sich das leisten könnten, ein „Geschenk-Abo“

zu bewilligen, reichte ein

Exemplar, denn wir reichen uns Zeitungen

und Magazine untereinander

weiter. Verzeihen Sie mir meine sprichwörtliche

Art, aber ich möchte ganz frei

sagen was ich denke: Ihr Magazin ist

Zeugnis dafür, welches Potential unsere

altersreifen Volksgeschwister haben. Da finden sich einige

lebenserfahrene Landsleute zusammen, jede/r leistet seinen

Beitrag, und heraus kommt solch ein Magazin, was – und

das nahm ich so bereits beim „leserlichen Überfliegen“ zur

Kenntnis –andere mir bekannte Magazine, die fett bezahlte

Schreiblinge haben, qualitativ um Welten in den Schatten

stellt. Völlig zu recht fördert die Stadt Siegen Sie Lieben,

offensichtlich wohlwissend warum sie das tut…! So viel

für heute, denn ich hoffe ja, dass jemand bei Ihnen den

Mut oder die „Größe“ hat, diesem „Knasti“ seine Fragen

zu beantworten. „Welche Fragen?“ Die stehen in meinem

vorhergehenden Brief. Herzliche Grüße nach Siegen Ihr

Norbert Andreas Konrad

db 3/2011 Zu Deinem Silbernen – sprich 25-jährigen noch

verspätet meine herzlichsten Glückwünsche. Anlass für

mich war das Jubiläum, Rückschau zu halten, die Jahre

passieren zu lassen, da ich viel Interessantes, Lesenswertes

durch dieses Blatt erfahren habe. Dank auch an alle Mitarbeiter!

In einer Hinsicht wurde ich allerdings bitter enttäuscht:

„Durchblick – nicht nur für Senioren“ nennt sich

das Viertel-Jahresblatt. Die Verbindung von Durchblick

und Senioren hat für mich den Anschein erweckt, man

könne davon ausgehen, dass mit zunehmendem Alter der

Durchblick im eigenen Leben zu erreichen sei: vorausgesetzt,

dass man sich auch regelmäßig Ihre Zeitung zu Gemüte

führt. Nun beides ist eingetreten: regelmäßiges Lesen

Ihres Blattes, und ich selbst gehöre seit langem der Bevölkerungsgruppe

der Senioren an. Aber das Enttäuschende

ist, ich habe bislang keinen Durchblick gewonnen – weder

durch das eine noch durch das andere, im Gegenteil: nicht

nur fehlt mir mehr und mehr der Durchblick, sondern ich

hab auch manchmal Sorge, dass ich auch den Überblick

verliere.– Und dass im Alter, der Ausblick (in die Zukunft)

ebenfalls nicht rosig ausfällt, muss ich nicht weiter erklären.

Aber fahren Sie um Himmels Willen fort, bei den Menschen

Hoffnungen zu wecken. Dass sich nicht alle erfüllen,

Kein Feinstaubfilt er

nöti g !

DIREKT VOM HERSTELLER

haben wir Alten im Leben längst erfahren und wissen, damit

umzugehen. Was wären wir dagegen ohne Hoffnung?

Andy Knabe, Siegen

...nicht nur für Senioren

Hallo liebe Redaktion des Durchblick, den "Untertitel"

des regelmäßig erscheinenden Heftes nehme ich

schon seit langem zum Anlass, mir die Zeitung intensiv

durchzulesen. Ich finde es erstaunlich und toll, mit welcher

Attraktivität sie die Menschen dazu einladen, sich mit

dem Leben der Senioren zu beschäftigen. Dieses gilt ja im

Wesentlichen für den regionalen Bereich des Siegerlandes

(also hinsichtlich Ereignissen, Berichten etc.), bietet aber

auch für den interessierten Leser (zu dem Kreis 50plus

gehöre ich seit neuestem) viele informative Einblicke,

Einsichten und Anregungen. Gleichzeitig kann ich Ihnen

allen zu 25-Jahren durchblick nur gratulieren und freue

mich schon jetzt auf die nächste Ausgabe, die übrigens

hier im St. Marien-Krankenhaus in großer Auflage regelmäßig

verteilt bzw. ausgelegt wird. Wenn ich mal etwas

für Sie tun kann, fragen Sie ruhig nach, wir sind gemäß

unserem Leitbild stets „Näher am Menschen“! In diesem

Sinn verbleibt mit freundlichem Gruß

H. Goubeaud, Siegen

WDR-Sendung z. „25“-Jubiläum

Zu obiger Sendung möchte ich Ihnen sagen, dass ich

sehr enttäuscht war. Enttäuscht deshalb, weil Sie sich nicht

persönlich vorgestellt und Ihr Ressort mitgeteilt haben.

Diese einmalige Gelegenheit haben Sie vertan! Zum Zweiten

fand ich die Sendezeit vom WDR viel zu kurz, da hätte

man einen anderen Beitrag später senden können! Beim

nächsten Jubiläum wird keiner mehr von Ihnen dabei sein.

Daher meine Empfehlung: Stellen Sie sich mit Foto im

nächsten Heft vor, damit jeder Leser weiß, wer in dem

jeweiligen Beitrag „zu einem spricht“. Mit freundlichen

Grüßen

Ulrike Schmidt, Siegen

4/2011 25 Jahre durchblick 73


Unterhaltung / Impressum

Es fiel uns auf …

…dass es einen Zusammenhang zwischen Zahnpflege

und Herzproblemen gibt. Wer seine Zähne vernachlässigt,

riskiert nicht nur schlechten Atem. Auch das

Herzinfarktrisiko, Rücken- und Gelenkschmerzen sowie

Diabetes nehmen zu. Eine Studie in Schottland hat

bewiesen, dass die entstehenden Bakterien die Blutgefäße

angreifen.

…dass Schokolade gut fürs Herz ist. Zwar weiß man,

dass durch Essen von zu viel Schokolade Übergewicht

verstärkt wird; andererseits senken Kakaoprodukte

die Wahrscheinlichkeit für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Das ergab eine britische Studie mit 114.000 Teilnehmern.

Zu verdanken ist dies den enthaltenen Flavonoiden,

die in dunkler Schokolade mehr enthalten sind

als in heller.

…dass Lachen die Blutgefäße fit hält. Der Volksmund

hat Recht: Lachen ist die beste Medizin. In einer Studie

wurden Teilnehmern entweder ein lustiger oder

ein dramatischer Film gezeigt. Es zeigten sich Unterschiede

im Gefäßdurchmesser zwischen jenen, die

herzhaft gelacht hatten, und jenen, die ein spannender

Film in Stress versetzt hatte. Lachen erweitert die

Blutgefäße und verbessert den Blutfluss, Stress hat

den gegenteiligen Effekt.

homa

Gedächtnistraining: Lösungen von Seite: Seite 78/79

Sprichwörter: 1. So schallt es wieder zurück, 2. Gold im Mund, 3. fällt

selbst hinein, 4. ist ein sanftes Ruhekissen, 5. kein Preis, 6. das verschiebe

nicht auf morgen, 7. zähl´die heiteren Stunden nur. Logische Aufgabe:

Peter – 30 € - Samstag; Henner – 40 € - Donnerstag; Frieder – 80 € - Freitag;

Martin – 60 € - Sonntag. Wortspiele:WINTERFROST

Zu guter Letzt:

Frohes Neues Jahr!

von Helga Düringer

Nun ist es da, das neue Jahr

und alles ist wie`s vorher war

es bringt uns Glück,

es bringt uns Leid,

wie eh und je, in jeder Zeit!

Man wünsche sich Gerechtigkeit,

geteiltes Glück - geteiltes Leid,

zu tragen ist man dann bereit,

was kommt, mit viel mehr Leichtigkeit,

wie eh und je, zu jeder Zeit!

durchblick

Gemeinnützige Autorenzeitschrift

für das Siegerland und Wittgenstein

Herausgeber: durchblick-siegen Information und Medien e.V.

Anschrift der Redaktion:

„Haus Herbstzeitlos“, Marienborner Str. 151, 57074 Siegen

Telefon 0271 61647, Mobil: 0171-6206413

E-Mail: redaktion@durchblick-siegen.de

Internet: www.durchblick-siegen.de

Öffnungszeiten:

dienstags bis donnerstags von 10.00 bis 12.30 Uhr

dienstags auch von von 15.00 bis 17.00 Uhr

Redaktion:

Maria Anspach; Helga Düringer; Friedhelm Eickhoff (v.i.S.d.P.);

Fritz Fischer; Eberhard Freundt; Gerda Greis; Eva-Maria Herrmann;

Dorothea Istock; Erich Kerkhoff; Erika Krumm; Brigitte Lanko;

Horst Mahle; Helga Siebel-Achenbach; Ulli Weber

Bildredaktion:

Thomas Benauer; Friedhelm Eickhoff; Gottfried Klör (verantwortlich);

Tessie Reeh; Agnes Spar; Peter Spar

Hörbuch-Redaktion:

Thomas Benauer; Helmut Drabe (verantwortlich); Hubertus Freundt

(Sprecher auf CD-Beilage)

Veranstaltungskalender: Ingrid Drabe

Internet: Thomas Benauer

An dieser Ausgabe haben ferner mitgewirkt:

Anja Freundt; Dr. Horst Bach; Wilma Frohne; Edith Maria Bürger;

Ulrich Hahnenstein; Werner Müller-Späth; Dr. Wolfgang Bauch; Liselotte

Wesely; Miriam Kiep; Anke Berg; Elisabeth Hengstenberg;

Anne Alhäuser; Johannes Buhl; Ulla D'Amico;

Gestaltung, Satz und Layout:

db-Lektorat

Herstellung und Druck:

Vorländer, Obergraben 39, 57072 Siegen

Erscheinungsweise: März, Juni, September, Dezember

Verteilung:

Helga Siebel-Achenbach (Ltg.); Hannelore Münch; Paul Jochum;

Dr. Horst Bach; Helga Sperling; Helmut Drabe; Renate Tietze; Rotraud

Ewert; Ursula Gloger; Waltraud Gottschalk; Monika Müller; Christel

Mahle; Dieter Haas; Werner Müller-Späth; Maximilian Lutz; Herbert

Jäppche und alle Redakteure;

Auflage: 17 000 Der durchblick liegt kostenlos aus: In Sparkassen,

Apotheken, Arztpraxen und Zeitungsverlagen, in der City-Galerie,

in den Geschäften des Siegerlandzentrums und bei unseren Inserationskunden,

in öffentlichen Gebäuden und vielen sozialen Einrichtungen

der Wohlfahrtsverbände und Kirchen, in allen Rathäusern und

Senioren-Sercicestellen des Kreises Siegen-Wittgenstein. Für die

Postzustellung berechnen wir für vier Ausgaben jährlich 8 Euro.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die

Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, eingesandte

Beiträge und Leserbriefe zu kürzen. Unverlangte Beiträge

werden nicht zurückgeschickt.

Der Nachdruck ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers

gestattet.

Es gilt die Anzeigenpreisliste 11/2009.

Gefördert durch

die Stadt Siegen

und den Kreis

Siegen-Wittgenstein

74 25 Jahre durchblick 4/2011


U vt J-e1.., fl aus- lS-f- eL'vt Oif Jes-

/r Js-cLeJJ-- #ll~'1 W Leievt-

Wir möchten den Weg der Feuerbestattung eines Verstorbenen in unserem Hause bewusst begleiten.

Als einziges Krematorium in Deutschland haben wir daher

eine eigene Zeremonie der Feuerbestattung entwickelt.

Wir führen diese Zeremonie für jeden Verstorbenen durch.

Sie als Angehörige erhalten von uns ein einzigartiges und

persönliches Erinnerungsstück, das die bisherige

Anonymität einer Feuerbestattung aufheben soll.

Gerne können Sie an der Feuerbestattung Ihres Angehörigen

teilnehmen und Ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen

mit in die Zeremonie einbringen.

Im Rahmen unseres Trauerforums werden in regelmäßigen

Abständen Vorträge zu Themen wie Trauer, Tod und

Abschied gehalten, zu denen jeder herzlich eingeladen ist.

Termine, sowie weitere Informationen erhalten Sie auf unserer

Internetseite oder persönlich per Telefon

KREMATORIUM SIEGEN Frankfurter Straße 201 57074 Siegen Tel.: 0271/ 2502882

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gepflegter alter

Baumbestand

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der Ruhe

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(Friedhofshalle, Parkplätze,

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Bestattungsfragen,

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