db 04-2011 WEB
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Nr. 4/2011
25. Jahrgang
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Atemlos bis zur
letzten Zeile
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Gemeinnützige Autorenzeitschrift
... nicht nur für Senior;en
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MEINUNGEN
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Inhaltsübersicht / Aus der Redaktion
Nachrichten aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein 6
De Gresdachsgeschechde of Sejener Blatt 14
Hohner-Sobbe / Das verschlossene Zimmer 15
Tante Metas Nikolausüberrachung 16
Weihnachten / Onkel Hermann 17
O Tannenbaum 18
Sechs Frauen und (k)eine Weihnachtsgans / Himmels-Kapriolen 19
Luftangriff auf Siegen / Kriegskinder 20
Der Kommentar 21
Reinigungspartner / Erzgruben, Eisenhütten und Hauberg 22
Für sich, für uns, für alle 24
Lokalzeit Südwestfalen 25
Sieger und Besiegte 26
Eine Reise mit Hindernissen 27
Warten auf die Straßenbahn 28
Ich bin nicht „Aller-Welts-Oma“! 29
Atemlos bis zur letzten Zeile 32
Das Schafott auf dem Hasengarten 34
Vorgestellt 40
Gedanken auf Abwegen 42
„handeln erwünscht“ 44
Willi Otto Hahnenstein geb. am 19.9.1911 47
Got gedocht! / Hussbotz 48
Gefährlicher Müll 49
Mitbestimmung: 50
„Mittagessen“ 51
Gedächtnistraining 52
Selbstbestimmt leben... 54
Gedanken über Ethik in der Medizin 56
Veranstaltungshinweise 63
Leserbriefe 72
Es fiel uns auf... / Lösungen / Zu guter Letzt / Impressum 74
Der große Zuspruch, den wir zu unserem 25-jährigen Jubiläum von Ihnen, liebe
Leserinnen und Leser, in vielfältiger Form erhalten haben, hat uns sehr gefreut. Er
stärkt unseren Anspruch, weiterhin dazu beizutragen, die Aktivitäten älterer Menschen
in der Stadt Siegen und im Kreis Siegen-Wittgenstein sichtbar zu machen.
Geholfen hat uns bei diesem Bemühen auch die ausführliche Berichterstattung in
den lokalen Ausgaben der Westfälische Rundschau, Westfalenpost, Siegerlandkurier
und in der WDR-Lokalzeit Südwestfalen! Für die anerkennenden Grußworte
der Ministerin Barbara Steffens, der Landesvorsitzenden der Seniorenvereinigung,
Gaby Schnell, und des Seniorenbeiratsvorsitzenden Bernd Alberts, die wir in unserer
Jubiläumsausgabe abgedruckt hatten, bedanken wir uns ebenfalls ganz herzlich. All
diese Aufmerksamkeiten sollen uns weiterhin Ansporn sein.
Unsere langjährige Kollegin Dorothea Istock ist im September aus dem Redaktionsteam
ausgeschieden, sie hat ihren Wohnsitz in den Frankfurter Raum verlegt. Frau
Istock ist ein leuchtendes Beispiel für gelungene Integration. 1991 kam sie als Spätaussiedlerin
nach Siegen, begann in der Uni eine Tätigkeit als Chemikerin und beteiligte
sich gleichzeitig ehrenamtlich in vielen, vor allem kirchlichen Organisationen. Seit
2002 gehörte Dorothea Istock zu unserer Redaktion. Den durchblick bereicherte sie vor
allem mit heimatkundlichen Artikeln, die sie sorgfältig und gewissenhaft recherchierte.
Wir wünschen Ihnen schöne Weihnachtstage, ein gutes neues Jahr und natürlich
viel Freude beim Le sen des neuen durchblick.
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Siegen
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Mensch ist die Hauptaufgabe der
etwa 400 Mitarbeiterinnen und
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Kultur erleben und mit allen Sinnen genießen – Hilchenbach bietet dazu viele Gelegenheiten.
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einen wertvollen Ausgleich für Geist und Seele. Theater, Konzerte und Kabarett vermitteln Kunst als ganz persönliches Erlebnis.
3. Dezember
„Classic Brass“
widmet sich voller
Enthusiasmus dem
reichen Schatz kompositorischen
Schaffens
alter Meister
24. Januar
Freiheit!?
Vince Ebert, macht sich
mit seinem neuen Bühnenprogramm
ganz
unkonventionell auf
die Suche danach.
9. Februar
Altweiberfrühling
Auf der Grundlage dieses
erfolgreichen Films
hat Stefan Vögel ein
einfühlsames Theaterstück
verfasst.
1. März
Verbrennungen
Mouawad‘s Inzenierung
zeigt, wie durch Krieg,
die Seelen der Menschen
nicht wieder zu heilende
Verletzungen erleiden.
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… der besondere Wintermarkt
bis 15. Januar
Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein
Wohnraum
gesucht !
Fernweh
AWO-Reisen 2012
Siegen. In einem gemeinsamen Appell
bittet die Stadt Siegen, die Universität,
das Studentenwerk und die AStA Wohnraum
für Studenten zur Verfügung zu
stellen! „Es gebe“, so Bürgermeister
Mues, „sicherlich viele Eigentümer,
deren Einliegerwohnung nicht genutzt
sei, die sich angesichts der Wohnraumnot
aber überlegen könnten, einen Studenten
als Mieter aufzunehmen“.
Auch ehemalige Kinderzimmer in
geräumigen Wohnungen und Häusern
sind für die Studierenden „kleine Paradiese“
im Vergleich zu den Notbetten,
die das Studentenwerk in begrenztem
Umfang und nur für begrenzte Zeit zur
Verfügung stellen kann.
Auch AStA-Vorsitzender Julian Hopmann
machte die Dringlichkeit des
Wohnraumbedarfs deutlich: In Kommilitonenkreisen
würden zur Zeit noch
Sofas und Matratzen zur Verfügung gestellt.
Das sei aber auf Dauer natürlich
kein Zustand.
Wer ein Zimmer, eine Wohnung oder
ein Haus für Studierende oder studentische
Wohngemeinschaften zur Verfügung
stellen will, kann sich an folgende
Ansprechpartner wenden.
Universität Siegen, International Office
(Akademisches Auslandsamt), Zimmervermittlung
0271/740-3904
Siegen. Das Museum für Gegenwartskunst
Siegen widmet dem Katalanen
Antoni Tàpies mit der Ausstellung eine
Retrospektive auf sein beeindruckendes
künstlerisches Lebenswerk. Zu sehen sind
47 Gemälde des Rubenspreisträgers aus
über sieben Jahrzehnten. Viele der Werke
werden das erste Mal in Deutschland präsentiert.
Die Ausstellung ist bis 19. Febr.
2012 zu sehen, bevor sie anschließend ins
Art Museum nach Reykjavík geht.
Autorenfoto
Foto: Helmut Drabe
Siegen-Wittgenstein. Auch im Jahr
2012 organisiert der AWO-Kreisverband
Siegen-Wittgenstein/Olpe eine
breite Palette von „Reisen mit Herz“, die
besonders für Menschen in der zweiten
Lebenshälfte geeignet sind.
Der neue Reisekatalog bietet wieder eine
reichhaltige Auswahl von Urlaubszie-
Bündnis für Demokratie
Seniorenbeirat tritt bei
len an. Von den Bergen im Süden bis zu
den Küsten im Norden finden Reisebegeisterte
tolle Angebote. Wie gewohnt
werden alle Fahrten von ehrenamtlichen
Reisebegleitern betreut. Bestellt werden
kann der druckfrische Katalog beim
AWO-Kreisverband in 57072 Siegen,
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Siegen. Der Seniorenbeirat der Stadt
Siegen ist jetzt dem „Siegener Bündnis
für Demokratie“ beigetreten. Nach
teilweise kontroverser Diskussion im
großen Saal des Gemeinnützigen
Pflege- und Begegnungszentrums
Christofferhaus in der Friedrich-Wilhelm-Straße
fand der von den Vorstandsmitgliedern
Michael Horak und
Dr. Horst Bach eingebrachte Antrag
mit 10 Ja-Stimmen eine deutliche
Mehrheit. Drei Beiratsmitglieder votierten
gegen den Beitritt, drei enthielten
sich der Stimme.
Damit wird der Seniorenbeirat sich
erstmals offiziell an den „Gehdenken“-
Veranstaltungen
zur
Erinnerung
an die Bombardierung
Siegens am
16. Dezember
1944 beteiligen. Mehr als ein Dutzend
Bewohner des Christofferhauses
und deren Angehörige verfolgten mit
Interesse den Ablauf der umfangreichen
Tagesordnung dieser erstmals
außerhalb der Siegener Rathäuser
veranstalteten Seniorenbeiratssitzung.
Auch ein Vorleseprojekt in den Kindergärten
und Grundschulen der
Krönchenstadt zum Thema „Altersbilder“
wurde beschlossen, ebenso die
Durchführung einer eintägigen Klausurtagung
des Beirats im Frühjahr des
nächsten Jahres.
Zu Beginn der Sitzung hatte Familienrichter
a.D. Reiner Capito über das Thema
„Vorsorgevollmacht
und
Patienverfügung“
referiert.
hoba
6 25 Jahre durchblick 4/2011
Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein
Zwei neue Beratungsbroschüren
Stellten die Broschüre vor. Susanne Dettmann,
Astrid E.Schneider und Babette Bammann. (v. li.)
Krautheim. Wie breit muss eine Tür
sein? Was bedeutet Barrierefreiheit in
Zentimetern? Antwort auf diese Fragen
gibt es in der neuen Beratungsbroschüre
„ABC Barrierefreies Bauen“ Bundesverband
Selbsthilfe Körperbehinderter e.V.
Auf über 130 Seiten werden wichtige
Begriffe der DIN-Norm 18040-1 anhand
leicht verständlicher Grafiken und Beispiele
erklärt. Jeder mit einem Bauvorhaben
soll nach Vorstellung der Herausgeber
nach einer kurzen Lektüre Lebensräume
gestalten können, die ohne fremde Hilfe
zugänglich und nutzbar sind.
Auch in der Vielzahl von Finanzierungsmöglichkeiten
gibt die Broschüre
Aufschluss darüber, wer Fördermittel
erteilt und welche für den Leser in Frage
kommen. Um die eigene Planung auf
die Schnelle zu überprüfen, liegt hinter
der letzten Seite eine handliche Check-
Foto: Dr. Horst Bach
liste bei, welche die wichtigsten
Punkte der Broschüre knapp zusammenfasst.
Die Broschüre gibt es gegen
eine Schutzgebühr von fünf
Euro beim Bundesverband
06294-4281-70
Siegen. Im Rathaus Weidenau
stellte die Stadt Siegen das neue
Handbuch „Aktiv & gesund –
älter werden in Siegen“ vor. Da
kam Ernst Göckus mit seiner weltumspannenden
Selbstverteidigungsgruppe „International
Combat Arts“ gerade richtig, um
eines der vielen Sportangebote für ältere
Menschen in der Krönchenstadt vorzustellen.
Marlene Stettner warb für den Erwerb
des Sportabzeichens, der an vielen Orten
Siegens möglich ist.
Ansonsten wiesen Astrid E. Schneider
von der städtischen Regiestelle und ihre
Mitarbeiterin Susanne Dettmann auf die
große Vielfältigkeit („Der Mix macht`s“)
der Sportangebote für Ältere in Siegen
hin. Ein wichtiger Baustein zur Erhaltung
bzw. Verbesserung der Gesundheit sei da
die regelmäßige Bewegung.
Die zuständige Beigeordnete, Stadträtin
Babette Bammann, hob neben den
Gesundheitssportangeboten auch die
umfangreichen Kultur- und Bildungsangebote
in der Krönchenstadt hervor.
Die Broschüre, die für jeden Stadtteil
die Angebote separat aufgelistet hat, beinhaltet
neben den Sportangeboten auch
Hinweise für eine gesunde Ernährung
und „15 Tipps für gesundes Älterwerden“.
Sie liegt in den Siegener Rathäusern
und den üblichen „Anlaufstellen“
im Stadtgebiet wie Sparkassen, Banken
und Apotheken aus.
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Siegen. Unter Inkontinenz versteht man
das Unvermögen, den Harn oder/und
Stuhl willkürlich zu halten. – Nur: man
spricht nicht darüber! „Ursachen, Diagnostik,
Therapie und Versorgungsmöglichkeiten
müssten in der Öffentlichkeit
mehr diskutiert werden“, so Brigitte Voß,
Leiterin der Selbsthilfegruppe Kontinenz.
Damit der erste Schritt zum Arzt nicht
so schwer fällt, hat die Senioren Service
Stelle der Stadt Siegen Kontinenz-Beratungssprechstunden
eingerichtet.
Brigitte Voßhoff, Leiterin der Kontinenz-Selbsthilfegruppe,
steht in verschiedenen
Siegener Einrichtungen für
ein beratendes Gespräch zur Verfügung.
Genaue Termine entnehmen Sie bitte dem
Veranstaltungsteil dieser Ausgabe.
4/2011 25 Jahre durchblick 7
Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein
Senior enbeirat eine Männerdomäne?
Siegen. Der Anteil der Frauen im Seniorenbeirat
der Stadt Siegen entspricht
nicht dem Anteil der über 60-jährigen
Frauen in der Krönchenstadt. Darauf
wies jetzt Vorstandsmitglied Dr. Horst
Bach (Geisweid) in einer Beiratssitzung
hin. So gab es am am 30.6.2011 unter
den 26.835 Siegener Einwohnern über
60 Jahre 11.601 Männer (43,45 %) und
15.174 Frauen (56,55 %).
In dem im Jahre 2007 gewählten Seniorenbeirat
beträgt die aktuelle Frauenquote
aber nur 27,59 %. Im Vorstand
beträgt sie derzeit gar nur 20 %: In den
vergangenen knapp 15 Jahren konnten
Frauen jeweils „nur“ eine stellvertretende
Vorsitzende in dem Führungsgremium
stellen. Die Ursachen hierfür sollen
noch erforscht werden.
Während viele
Frauen im Seniorenalter
sich ansonsten
doch sehr
stark ehrenamtlich
engagieren,
scheint der Seniorenbeirat
eher eine
Männerdomäne
zu sein. Es wurde
aber auch darauf
Foto: Dr. Horst Bach
hingewiesen, dass gerade die Frauen im
Zuge des demografischen Wandels vermehrt
häusliche Pflegeleistungen erbringen
müssen, so dass ihnen die Zeit für ein
politisches und soziales Engagement im
Seniorenbeirat fehlt.
hoba
„Kultursensible Pflege“ braucht Dolmetscher
Eindrucksvoller „Begehungstag“ des Seniorennetzwerkes
Senioren aus vier Nationen informierten sich im
Fliednerheim über die Pflegesituation im Alter.
Foto: Dr. Horst Bach
Siegen. Mit einem „Begehungstag“ hat
das von Alfonso López García geleitete
Interkulturelle Seniorennetzwerk jetzt vor
allem älteren Menschen mit Migrationshintergrund
die Gelegenheit gegeben, sich
im Fritz-Fries-Seniorenzentrum Rosterberg
und im Weidenauer
Fliednerheim über die Situation
älterer pflegebedürftiger
Migrantinnen und Migranten
zu informieren.
In beiden Einrichtungen wurden
die Gäste aus vier Nationen
ausführlich beraten. Ziel
der eintägigen Veranstaltung
war es, Personen mit und ohne
Migrationsgeschichte über
verschiedene Möglichkeiten
der Seniorenhilfe und Seniorenpflege
in Siegen zu informieren. „Wir
wollen unsere Mitbürger mit Migrationshintergrund
ermutigen, sich selbst mit der
Planung ihrer Zukunft im Alter auseinanderzusetzen“,
so Diplom-Sozialarbeiter
i.R. Alfonso López García.
Besonders eindrucksvoll geschah dies
im Fliednerheim, wo Einrichtungsleiter
Gerhard Ziel und sein Mitarbeiterteam
konkrete Tagesabläufe im Leben älterer
Heimbewohner mit Migrationshintergrund
schilderten. Nach wie vor sei die
sprachliche Verständigung ein besonderes
Problem. Gerhard Ziel appellierte
in diesem Zusammenhang an hilfsbereite
Menschen mit verschiedenen
Sprachkenntnissen, sich als ehrenamtliche
Dolmetscher im Fliednerheim zur
Verfügung zu stellen, um bei der „kultursensiblen“
Pflege die Fachkräfte zu
unterstützen. Niemand solle alleingelassen
werden. So werden auch ständig
Bettlägerige im Fliednerheim mit einer
individuellen Tagesstruktur gefordert
und gefördert.
hoba
8 25 Jahre durchblick 4/2011
Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein
Taschengeldbörse
Vorteil für Jung und Alt
Siegen-Wittgenstein. Die Taschengeldbörse
des Siegen-Wittgensteiner Vereins
ALTERAktiv besteht seit einem Jahr.
Zeit für eine Zwischenbilanz. Die Börse
ist dafür gedacht, dass sich Jugendliche
mit leichten Hauswirtschaftsarbeiten ihr
Taschengeld aufbessern können. Bei den
Tätigkeiten muss es sich um geringfügige
Hilfeleistungen für Ältere und/oder Familien
handeln. Die mindestens 13 Jahre
alten Schülerinnen und Schüler helfen für
etwa fünf Euro Stundenlohn bei Einkäufen,
bei der Versorgung von Haustieren,
übernehmen Gartenarbeiten, helfen bei
kleinen Problemen mit dem Computer
usw. Sie dürfen maximal zwei Stunden
pro Tag beschäftigt werden. Die Arbeiten
können einmalig, gelegentlich oder auch
regelmäßig als Minijob vereinbart werden.
Regelmäßig ausgeführte Tätigkeiten
im Privathaushalt müssen natürlich angemeldet
werden, dabei hilft aber ALTER
Aktiv. Für die Jugendlichen besteht somit
Unfallversversicherungsschutz bereits
auf dem Weg zur Arbeitsstelle.
Bisher wurden etwa 100 Schüler/innen
durchaus erfolgreich an ca. 60 Seniorenhaushalte
vermittelt. „Der Bedarf wächst
zunehmend auf beiden Seiten“, berichtet
Camilla Stettner, Ansprechpartnerin
und zuständig für die Taschengeldbörse.
„Weiteres Ziel der Vermittlungsstelle ist,
dass sich ‚Alt und Jung‘ besser kennenlernen,
dass Jugendliche erfahren, wie
die Alten ticken. Die Alten lernen, wie
die Jungen so drauf sind“, so Stettner
weiter. Die Vermittlungsstelle führt neben
Senioren auch Familien und Berufstätige
mit den Schülern zusammen und
berät bei allen aufkommenden Fragen.
Näheres unter 0271/2339425 bla
Malgruppe sucht Nachwuchs
Gegenseitige Hilfe ?????
In den Malstunden geht es sehr gesellig zu
Siegen. Vor einigen Jahren haben sich
Seniorinnen und Senioren zusammengefunden,
um gemeinsam ihrem Hobby,
dem Malen, nachzugehen. Im städtischen
Begegnungszentrum „Haus
Herbstzeitlos“ fanden die Rentner ihr
Domizil.
Jeder kann dort frei malen, wie
und was er möchte, in Aquarell- oder
Acrylfarbe, mit Stiften oder Kohle.
„Die Motive sind frei gewählt. Erfahrungen
werden ausgetauscht
und die
fertigen Bilder
werden gemeinsam
besprochen“ berichtet
Horst Voigt,
ältester Teilnehmer
des Malclubs.
Jeder lernt dort
vom anderen. „Das
Wesentliche ist
nicht, sich zu einer
„Frida Kahlo“
zu entwickeln,
viel wichtiger ist
Freude am Tun
und vor allem, gemeinsam mit anderen
zu arbeiten.“ Genau das hat das
jüngste Gruppenmitglied, Maria Koll,
zur Teilnahme motiviert. Karl-Heinz
Tenoort 0271/37387, Sprecher der aktiven
Malgruppe, weist darauf hin, dass
noch einige Plätze an den Maltischen
frei sind. Interessierte sind herzlich
willkommen! Termine finden Sie im
Veranstaltungsteil dieser durchblick-
Ausgabe (ab Seite 60).
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Foto: Brigitte Lanko
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Siegen. Nach langer Zeit war es wieder
so weit... Das Seniorenbegegnungszentrum
in der Marienborner Straße 151
öffnete seine Türen, damit alle Interessierten
bei entspannter Atmosphäre
einen schönen Tag verbringen konnten.
Für Spaß und gute Laune sorgte vor
allem das abwechslungsreiche Programm,
welches hauptsächlich durch
die Gruppen des Hauses gestaltet wurde.
Auch die „Regiestelle Leben im Alter“
der Stadt Siegen und die Ehrenamtsagentur
„SAfE“, eine Kooperation
der Stadt Siegen und der AWO Siegen-
Wittgenstein/Olpe, waren vertreten.
Eröffnet wurde der Tag um 11 Uhr
zunächst von der Leiterin der Regiestelle,
Frau Astrid E. Schneider, die
nach einer kurzen Begrüßung das Wort
an den stellvertretenden Bürgermeister
der Stadt Siegen, Herrn Jens Kamieth,
abgab.
Dieser stellte das Haus kurz vor und
fasste zusammen, was sich in den letzten
ca. 14 Jahren verändert und entwickelt
hat. Aus anfänglich vier Gruppen,
die alle auch jetzt noch aktiv sind, sind
inzwischen zwanzig Gruppen mit über
80 Freizeit-, Bildungs- und Kulturveranstaltungen
im Monat geworden. Hier
können ältere Menschen etwas für sich,
etwas für andere und etwas mit anderen
gemeinsam tun. Die Aktivitäten im Haus
Herbstzeitlos sind vielfältig, ebenso wie
das Motto des Hauses „Graue Haare –
Buntes Leben“ – davon konnten sich die
Besucher/innen beim Tag der offenen
Tür überzeugen.
Erst im letzten Jahr wurde das Haus
komplett saniert und im Frühsommer
dieses Jahres mit einem Aufzug versehen,
der nun bestaunt und benutzt werden
konnte.
Außerdem hatten die Gäste die Möglichkeit,
die verschiedenen Infostände
zu besuchen, die sich alle mit Themen
des Alters beschäftigten. Dort standen
fachkundige Vertreter/innen der einzelnen
Gruppen und Vereine, bei denen
man sich informieren und austauschen
konnte, z.B. die Selbsthilfegruppen
„Asthma“ und „Kontinenz“ sowie das
Trauercafé der „Ambulanten ökumenischen
Hospizhilfe e.V.“.
Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein
„Tag der offenen Tür im Haus Herbstzeitlos“
ein Bericht von Valeska Breuer
Autorenfoto
Siegens zweiter Bürgermeister, Jens Kamieth, eröffnete den „Tag der offenen Tür.“
Anke Berg 2.v.lks. betreut seit 2 Jahren hauptberuflich die Seniorenbegegnungsstätte
Um einen Eindruck von der Arbeit
der Gruppen zu gewinnen, konnten die
Besucher/innen alle Räume des Hauses
erkunden und sich bei Fragen direkt an
die Ansprechpartner dort wenden.
Die Gruppe des „Mittagstisch für
Senioren“ sorgte mit einem deftig leckeren
Eintopf für Abwechslung und
lud zum gemütlichen Zusammensitzen
ein.
Mit viel Liebe und Mühe wurde
auch das Kuchenbuffet gezaubert,
welches ausschließlich aus Spenden
der Gruppen bestand und vom Team
des „Sonntagscafés unter der Linde“
organisiert wurde.
Highlights waren einzelne Vorführungen
der Gruppen, die zum Mitmachen
und Kennenlernen einluden. Beispielsweise
konnte man sich mit der
Spieleconsole „Wii“ vertraut machen,
die vom Computertreff „Senecafé“ zur
Verfügung gestellt wurde, eine Vorführung
der Selbstverteidigungsgruppe
anschauen oder auch direkt bei der
Schnupperstunde der Sitzgymnastik
mitmachen.
Auch die „Live“- Aquarellmalerei der
Malgruppe und die musikalischen Einlagen
von Walter Lebschy wurden mit
Interesse verfolgt, ebenso wie die selbst
hergestellten Filme, die der Film- und
Videoclub Siegerland zeigte, der in diesem
Jahr immerhin sein 50jähriges Jubiläum
feiert.
Kurz gesagt war der „Tag der offenen
Tür“, bei dem sogar das herbstlich-sonnige
Wetter mitspielte, ein sehr erfolgreicher
und gelungener Tag mit circa
200 Gästen.
An dieser Stelle soll vor allem den
Gestaltern und Helfern des Hauses noch
einmal ein „Dankeschön“ ausgesprochen
werden, denn ohne sie hätte der
„Tag der offenen Tür“ in diesem Rahmen
nicht stattfinden können.
Der durchblick
als Hör-CD
Siegen. Jede neue Ausgabe des durchblick
erhalten Sie auch als Tonträger.
Die CD, mit unterhaltsamen, ausgewählten
Texten werden für 5 Euro das
Stück verkauft. Die Abspielzeit beträgt
ca. 60 Min. Zu beziehen sind die Scheiben
beim Verein durchblick-siegen e.V.
57074 Siegen, Marienborner Str. 151
Im ABO werden vier Tonträger pro Jahr
porto- und verpackungsfrei, also ohne
Aufpreis, bequem ins Haus geliefert.
4/2011 25 Jahre durchblick 11
Neunkirchen. „Durchweg positiv
war die Resonanz auf den
1. Neunkirchener Seniorentag“,
so die Seniorenberaterin
Bettina Großhaus-Lutz: „Die
Aussteller waren begeistert von
dem großen Interesse, und die
vielen Gäste von dem bunten
Programm.“
Einen abwechslungsreichen
Mix aus Unterhaltung und Information
hatte das Team der
Senioren-Service-Stelle um
Großhaus-Lutz für die Veranstaltung
zusammengestellt.
Ob Modenschau, Fachvortrag
oder Gedächtnistraining – jeder
konnte seinen Interessen entsprechend
auswählen und die Veranstaltungen
im Otto-Reiffenrath-Haus bzw.
im Ratssaal besuchen.
Bürgermeister Bernhard Baumann
wies in seiner Eröffnungsrede darauf
Nachrichten aus Siegen-Wittgenstein
Erfolgreich gestartet:
1. Neunkirchener Seniorentag
Stephanie Woltering und Bettina Großhaus-
Lutz (von links) am Stand der Senioren-
Service-Stelle.
hin, dass das Älterwerden leider häufig
negativ behaftet sei, es aber auch vielerlei
Chancen böte. Das Ehrenamt sei
eine solche Möglichkeit: Wer sich engagiere,
könne seine Freizeit nicht nur
Foto: Autorenfoto
besser strukturieren, sondern auch von
seiner Arbeit profitieren.
Wie viel Spaß es macht, selbst initiativ
zu werden, konnten die Zuschauer
der Modenschau beobachten. Die Models
–alles „reifere“ Damen – waren mit
großer Freude dabei, und es gelang ihnen
mit ihrem Spaß und ihrer Natürlichkeit
ein großes Publikum zu erfreuen.
Gleiches galt für die Seniorengymnastik:
Die 12 Teilnehmerinnen waren
so motiviert, dass sie ihre Darbietung
außerhalb des Otto-Reiffenrath-Hauses
gleich noch einmal zeigten.
Für die Besucher, die sich vornehmlich
informieren wollten, gab es Wissenswertes
über Wohnen und Sicherheit
im Alter. Nach diesem gelungenen Start
ist für Bettina Großhaus-Lutz klar: „Im
kommenden Jahr steht zwar wieder der
Familientag auf dem Programm, aber
2013 wird es ganz sicher den 2. Seniorentag
geben.“
Burbach. Unter dieser Überschrift fanden
fünf Veranstaltungen statt. Das Älterwerden
stellt alle Menschen vor eine
besondere Herausforderung, eine dieser
Herausforderungen war das Thema der
ersten Veranstaltung: „Gemeinsam lernen
für Menschen mit Demenz“.
Eine Woche später kamen rund 170
Senioren zum dritten Seniorenfrühstück
in das Dorfgemeinschaftshaus
nach Würgendorf, das von der Arbeitsgemeinschaft
Seniorenfrühstück organisiert
wurde. Das gesunde Frühstück
mit viel Obst und Gemüse passte zum
Vortrag von Bärbel Altland-Neuser, Referentin
der AOK. Neben ausgewogener
Ernährung hilft auch Bewegung, um im
Alter fit zu bleiben. Hierzu hatte Edeltraut
Kruschwitz, Übungsleiterin beim
TV Würgendorf, ein kleines Bewegungsprogramm
zusammengestellt, das
gemeinsam absolviert wurde.
Das Highlight der Thementage war
sicher der Vortrag mit Henning Scherf,
dem langjährigen Bremer Bürgermeister.
„FRÜHER schon an SPÄTER denken“
Burbacher Thementage waren gut besucht
„Ich bin der Lange aus Bremen“, so
begrüßte Henning Scherf die Zuhörer in
der ev. Kirche am Römer in Burbach.
Seit 24 Jahren lebt Henning Scherf
mit seiner Frau in einer ungewöhnlichen
Wohngemeinschaft, über die er ausgiebig
berichtete. Seine Gedanken zum
Altern beziehen sich nicht nur auf das
Wohnen. Scherf sieht in der Generation
der Älteren auch die Basis für das
klassische ehrenamtliche Engagement
unserer Gesellschaft. „Es gibt für jeden
die passende Aufgabe. Geben Sie Ihre
Erfahrungen weiter und lassen Sie andere,
auch die jüngere Generation, daran
teilhaben“, so lautete sein Apell an die
zahlreichen Zuhörer.
Unter dem Veranstaltungsmotto
fand am Samstag, 5. November, ein
Informationstag zu den Themen „Gesundheitsvorsorge,
Prävention, Pflege
und Wohnen“ statt, initiiert vom „Gesundheitsforum
Burbach“. Vorträge,
Mitmach-Aktionen und ein attraktives
Rahmenprogramm luden zu dieser
kurzweiligen Veranstaltung in das Bürgerhaus
Burbach ein.
So waren die Zielsetzungen des Thementages:
Betroffene und Interessierte
über aktuelle Angebote, Neuigkeiten und
Entwicklungen
zu informieren.
Regionale Anbieter
berieten
an Informationsständen
und nützliche
Alltagshilfen
wurden an
diesem Tag
vorgestellt und
demonstriert.
Die Angebote
und Vorträge
waren sehr
vielseitig und
somit konnte
sich jeder umfassend
informieren.
12 25 Jahre durchblick 4/2011
Foto: Autorenfoto
Henning Scherf in
der ev. Römer-Kirche
Die Redaktion
Nach dem Bericht in der WDR-Lokalzeit,
anlässlich unseres 25-jährigen
Jubiläums, beanstandete eine Leserin
in ihrem Leserbrief: „Zu obiger Sendung möchte
ich Ihnen sagen, dass ich sehr enttäuscht war.
Enttäuscht deshalb, weil Sie sich nicht persönlich
vorgestellt haben...“.
Das können wir leicht ändern, dürfen dabei aber
ausdrücklich darauf hinweisen, dass zum Gelingen
des Projekts durchblick viele weitere Menschen,
viele weitere Gesichter notwendig sind! Erst
das Zusammenspiel aller Beteiligten sorgt dafür,
dass der durchblick immer wieder neu erscheinen
kann – und das nun schon seit 25 Jahren!
Aber was wären wir ohne Sie, ohne unsere
Leser? Lassen Sie uns diese Gelegenheit nutzen,
um auch Ihnen einmal danke zu sagen, danke
für Ihr andauerndes Interesse!
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen schöne
Weihnachten und ein gutes Jahr 2012!
Maria Anspach
im db seit 4/2002
Thomas Benauer
im db seit 4/2003
Helmuth Drabe
im db seit 1/2007
Ingrid Drabe
im db seit 1/2007
Ingrid Düringer
im db seit 1/2011
Friedhelm Eickhoff
im db seit 1/2002
Friedrich Fischer
im db seit 2/2008
Eberhard Freundt
im db seit 1/2004
Hubertus Freundt
im db ab 4/2011
Gerda Greis
im db seit 1/2006
Eva-Maria Herrmann
im db seit 2/2011
Erich Kerkhoff
im db seit 3/2003
Gottfried Klör
im db seit 3/2007
Erika Krumm
im db seit 1/1999
Brigitte Lanko
im db seit 1/2010
Horst Mahle
im db seit 3/2005
Tessie Reeh
im db seit 3/2007
Helga Siebel-Achenbach
im db seit 3/2004
Agnes Spar
im db seit 3/2007
Peter Spar
im db seit 3/2007
Ulli Weber
im db seit 2/2008
4/2011 25 Jahre durchblick 13
Weihnachten
De Gressdachsgeschechde of Sejener Blatt
So häd se de Gohde Lowis dä Gläine em Huss emmer verzealt
Ho, ier Kennercher, well ech ou die Geschechde
verzealn, wie et Gressdkennche of de Ear komme
es. Et woar en der Zitt, wi der Kaiser Augustus et
Sä hadde. On die, die et Sä ha, die gugge doch emmer wi
se noch me Gäld endriwe konn. On du les hä usschälln,
dat all Li sech scheatze lose sonn. Dobet woar gemaint,
dat sech rondsröm de Mänsche of
e Babier enträ solle bet allem wat
se so ha: Fäller, Wese, Haubearch,
Ke on Schofe on alles. Dat do dä
Driwes nuer, em zo gucke, dat de
Li de Schdoiern och ackerat bezalde
on sech net defoar dreckde. On
de Mänsche all mossde dohin go on
sech enträ lohse, wo ear Seppschaft
her woar.
Uss däm Grond hät sech och
der Josef of der Wäch gemacht. Hä
hadde als Zemmerma sin Usskomme en Nazareth. Do woar
hä derhaim. Hä mossde enof no Bethlehem. Do woar ganz
freher der Kenich David derhaim gewäse on met däm woar
hä ewer sewe orrer achd Äcke ferwant. Hä nohm dat Mariche
met. Wann ier maint, die zwai wearn beschdat gewäse, dat
es net a däm. Die Jongfer woar grad am aheawe on schoa
zemmlich decke. Dat Kend woar awer net fa däm Josef.
Konn et jo och net, die zwai woarn jo nuer ferschbroche. Et
Marieche schwatte derfa, dat Kend wear fam Helje Gaist.
Die Geschechde hät och geschdemmt, sost stönn et jo net so
en der Schreft.
Dat dä Josef dat Marieche met nohm, woar fillechts en
Dommeräj – et woar jo kuert foar Gressdach on dusse woar
en rächte Källe on se woarn ze Foos dä wire, wire Wäch onnerwäjens.
Awer die ahle Brofede hadde zo earer Zitt schoa
broffezäjt, dat dat Kend en Bethlehem of de Ear komme soll
on dearwäje mossde dat Mariche äwe met. Die zwai hadden
en Eassel derbi, dä schläppde dat ganze Zich, dat se met
genomme hadde. Dä Schossewäch woar wahne schleecht
on metonner doen däm Marieche all Gnoche weh. Da sadde
ät sech of dat Dier on lehs sech drä.
We se ahkomme sin, woar grad der Helje Owend. En
däm ganze Bethlehem onn dremerem fonne se kai Huss
meh met `ner fräie Schdoab. Alles woar schwickefoll. On
schdällt ou foar: Henne am Änn mossde die zwai en nem
Schdall descher de Oasse on de Easseln schlofe. Ah Schloafe
woar awer earscht emohl net ze dänke. Kumm hadden
sech dat Marieche on dä Josef gesatt, do kom ät och schoa
nerer. Dat Kend woar e Jengelche on die fresch gebackene
Mamme weckelte dä Klaj en Wenneln, dat de Wearmde
a en kom. On derno lähde ät dat Weckelkend en nen
Foorerdroch, dä woar grad lear.
En Äcke wäch fa däm Schdall woarn of ner Wehs Schöfern,
die hadde Nachtschecht on mossde of ear Schofe bassgäwe.
All die Zitt woar et schdell rem on dem, nuer af on zo
blähkte en där Disterichkait e Schof. Awer of aimol woar e
gloares Lecht remhear, dat woar so gräll, dat et dä Schöfern
en de Auge weh do. Uss däm Lecht hoarte se de harte
Schdemm fa nem Ängel, dä
säde: „Ier mossd kän Angstschessern
sin. Ech moss ou
on der ganze Ear wat Gores
beschdälln. Grad es en
Bethlehem der Messias geboarn
wurn. Dä broffezäjte
Kenich es komme on ier
konnt dat Kend en Wenneln
Foto: Agnes Spar
geweckelt em Foorerdroch
fenne.” On en Masse Ängelcher
fladderte of aimol
remhear on die songe fa`m Frere of der Ear, juchzte noch e
bessje on of aimol hadde se sech och schoa werrer huerdich
no doawe foart gemacht.
Dä Schöfern woar no däm Schandal ganz annersch.
„Sell dat da schdemme?”, frogde se sech onnerenai. Awer
einer, dä net ganz on gar dernäwer woar, mäinte: „Mier
mosse hällob no Bethlehem go on schbekeliern, ob dat all
so es, we et dä Ängel gesäht hät.” On schdandebe sin se
lossgerannt on hadde ganz fergässe, dat se of die Schofe
bassgäwe mossde. On we die Oasse bollesich bröllde, die
Easseln hart gresche on dat Weckelkend bläkte, hadden se
dä Schdall och schwinn gefonne on och geseh, dat all Sache
so woarn, wie et der Ängel gesäd hadde. Se wenschte fel
Glecke on ferzealte däm Marieche on däm Josef wat se earläwt
on fa däm Ängel gehoard hadde. Wie se werrer zerecke
of`m Wäch no ear Schohfe woarn, konne se de Schnudde
gar net me hale on se mossde all Li, dän se begänten, die
Geschechde ferzealn.
Wie dä Klaj fam Marieche acht Dach alt woar, do gräje
dä Name Jesus. Kuert derno kohme dräj Keniche uss däm
Moarjeland. Et sä ner och, dat wearn dräj wisse Männer gewease,
awer ech glauwe dat net. Wie konn et da dräj wisse
Männer sin, wann ainer fa dä Dräj e Schwarzer eas? Mer
sit dä Böma jo jedes Joar, wänn die Dräj foar der Hussdier
schdo on senge on fochdeln. Die Keniche woarn henner
nem Schdearn hear gemacht on dä blef hoarscharf öwer
däm Schdall en Bethlehem schdo on do wossde se, dat se
et gefonne hadde. Die dräj Keniche brochde däm Klaj gore
Sache bät: Gold on Weihrauch. On da och noch Mürre. Wat
dat for e Zich eas, dat ha ech awer fergässe.
So, ier Kennercher, itz konnd er nuss go on en Schnema
bouwe.
Ulli Weber
14 25 Jahre durchblick 4/2011
Weihnachten
Hohner-Sobbe
Gressdachs-Sobbe
Min ainzichsder Onkel, d’r Brorer fa minner
Modder, woar als zwaitjengsder met seks
Märercher ofgewase. Ferwearnt bes henne
gäje fa dä Wibsli, wollden di da emo wesse, ob hä och
en rechdijer Mannskalle wär, on so sollde hä foar de
kommende Gressdache sin earschdes Ho schlachde. Sost
hadde hä emmer nuer d’rnäwer geschdanne on zogeguckt,
doch itzend woar hä gefrogt. Min Groasmodder
säde da noch: „Nemm dat Glai met, alt genoch erret
met Fenne, da waiset och, daddat all so sin moss wi’et
es - ainer läbt fam annern. On em Schdelle hät si gewess
gedocht, da mosse, da bliwt äm niks annerschdes
ewerich, wann dat Gai d’rnäwer schdeat.
Ech geng och met en d’r Honerschdall hennerm
Huss. Woar darre Gewemmel, als mier do ren komen.
De Honer fladschden wi well emhear, on min Onkel
hadde sin lewe Noat, dat Ho ze packe ze grijje, wat ze
full woar, genoch Äjjer ze lä, on derwäje am Gressdach
em Sobbedebbe schwemme sollde.
Bi däm ganze Gewearr schdolberde hä da noch, fel
en d’r Dräck, gräj awer dat fulle Ho ze fasse, scherrelde
e bessje a däm Dier rem, doch et reschde äm werrer uss
de Hänn on grotschde benomme zwescher sinne Bain
duerch. Hä spurdete schwinn henner hear on dat Ho
fergos, sech ze wearn.
Of aimo brellde ech da wi ferreckt. Ai Ho heng m’r
en de Hoarn on les foar ludder Angst och noch wat falln.
„Scherrel d’r Kobb hin on hear on do’en no onne!”
Däm Ho woar dat net rächt, et fel ronner on duermelde
duerch d’r Honerschdall zo dänn annern. Ech moss net
glecklich ussgese’ ha, min Onkel säde: „Wedde itz end
Huss?” „Ich bleibe bei dir!” Woar dä fro!
No schdonn hä mem Hackebailche foarm Hauglotz,
fäst en d’r lenke Hand e Ho wat flejje woll on neme
konn on och net soll. Itz feng d’r Giggel a ze krä,
on dat Ho a ze gwikse. „No mossde dra glauwe”, säde
min Onkel on schlog schwinn so fäsde zo, darret
om Hauglotz grachde. D’r Kobb fel ronner, dat Ho
awer bewäjde sech noch, gledschde äm uss d’r Hand,
flog aimol one Kobb em os rem, on da woar dä ganze
Schbok foarbi.
Min Onkel on ech, mier zwai sogen os ferdaddert a
on ha am earschde Gressdach nuer end Sobbe-Debbe
rengeguckt.
Gerda Greis
Das verschlossene
Zimmer
Geheimnisvoll, wie jedes Jahr,
war bestimmt das Christkind da,
und Kinder gucken immer noch
gerne mal durchs Schlüsselloch.
Doch wenn das Weihnachtsglöckchen klingt,
drinnen schon ein Englein singt,
öffnet sich die Tür ganz weit,
so ist es stets zur Weihnachtszeit.
Dort steht der große Tannenbaum,
reich geschmückt füllt er den Raum,
glanzvoll bunte Kugeln blitzen,
Lametta ziert die Tannenspitzen.
Darunter liegt ganz zart und fein
das Kind in einer Krippe klein
auf Stroh mit seinem goldnen Schein.
Maria und Josef sind bereit
es zu beschützen jederzeit.
Die Hirten kamen von dem Feld
und haben Gaben aufgestellt.
So ist und bleibt die Tradition
viele hundert Jahre schon!
Und wieder liegt auch in der Luft
Lebkuchen-, Zimt- und Mandelduft.
Wenn angezündet alle Kerzen
und Friede kehrt in uns`re Herzen,
singen wir dann froh im Chor
altbekannte Weihnachtslieder vor.
Frohe Weihnachten!
Helga Düringer
4/2011 25 Jahre durchblick 15
Weihnachten
Tante Metas Nikolausüberraschung
Seit Onkel Herbert diese Narbe an der Schläfe hat,
essen er und Tante Meta in der Weihnachtszeit nur
noch trockene Kekse. Das war früher anders. Wenn
man die beiden so sieht, stabil, rosig und gut genährt,
dann vermutet man richtig, dass sie allem Essbaren, und
im Besonderen den Spezialitäten in der Vorweihnachtszeit,
nicht abgeneigt sind. Da gab es immer Tante Metas
„Schneekugeln“, ein Traum aus Schokolade, Zucker und
Kokosraspeln.
Doch alles änderte sich an einem Nikolaustag. Frühmorgens
tappte Onkel Herbert gähnend und frierend durchs
Treppenhaus. Grund war Arthur, der junge Hund, den die
beiden sich vor wenigen Tagen zugelegt hatten. Onkel
Herberts Pflicht war es, sofort nach dem Wachwerden mit
dem Kleinen in den Garten zu gehen, damit sich dieser dort
erleichtern konnte. Onkel Herbert war gegen diese Hunde-
Anschaffung, weil er ungebunden bleiben wollte. Doch
Tante Meta setzte wieder einmal mehr ihren Willen durch
und so erledigte Onkel Herbert allmorgendlich diese unangenehme
Pflicht. Er warf den Mantel über seinen Schlafanzug
und ging Richtung Heizung, wo seine vorgewärmten
Winterstiefel standen, die er gestern Abend, nachdem Tante
Meta schon schlief, dort hingestellt hatte… Was er nicht
wusste… dass Tante Meta vorher heimlich eine süße Nikolausüberraschung
in einen seiner Stiefel legte…
Arthur hüpfte schon schwanzwedelnd um Onkel Herbert
herum. Das Zwicken in seinem rundlichen Bauch
signalisierte, dass es höchste Zeit war, in den Garten zu
kommen. Hatte er doch die ganze Nacht über in seinem
Körbchen ausgeharrt und sich nicht von dem „Schneekugelduft“,
der aus Onkel Herberts Stiefel drang, verführen
lassen. Also ergriff Onkel Herbert den ersten Stiefel und
schob seinen Fuß hinein. Im nächsten Augenblick stieß
er ein „äää“ aus und versuchte auf einem Bein hüpfend,
durch wildes Schütteln, den Stiefel wieder vom Fuß zu
bekommen. Doch der Fuß hatte die inzwischen völlig
aufgeweichte Serviette schon durchstoßen, mit der die
„Schneekugeln“ umwickelt waren. Es legte sich eine
warme, weiche klebrige Masse um seine Zehen.
Sein erster Gedanke galt natürlich nicht der Nikolausüberraschung,
sondern er hegte den Verdacht, das Arthur
sich auf recht unappetitliche Weise in seinem Stiefel vergessen
hatte. So versuchte er nun weiter durch Hüpfen
und Schütteln den Stiefel loszuwerden. Und es gelang ihm
auch. Der Stiefel flog im hohen Bogen davon und knallte
schwungvoll gegen den Flurspiegel. Der laute Knall verschreckte
den Welpen so sehr, dass dieser die mühsam aufrechterhaltene
Kontrolle über seine Blase verlor. In dem so
entstandenen Bächlein landete Onkel Herbert, immer noch
auf einem Bein hüpfend, und verlor die Balance. Im Fallen
riss er den schon ohnehin schiefhängenden Flurspiegel von
Foto: Tessie Reeh / Fotolia
der Wand. Dieser zersprang in viele Stücke. Eines davon
traf Onkel Herbert an der Schläfe und hatte zur Folge, dass
er dort eine Narbe zurückbehielt.
Arthur blieb glücklicherweise unverletzt und begann
nach einigen Schrecksekunden, hingebungsvoll Onkel Herberts
Fuß abzuschlecken. Allerdings wurde er schnell von
Tante Meta verscheucht, die durch den Lärm aufgeschreckt
die Treppe herunter eilte.
„Schneekugeln“ sind nun wirklich nichts für einen jungen
Hundemagen.
Seit diesem Vorfall begnügen sich Tante Meta und Onkel
Herbert in der Adventszeit nur noch mit schokoladefreien
Keksen.
Ulla D’Amico
16 25 Jahre durchblick 4/2011
Weihnachten
Weihnachten
Woran denken wir, wenn die Zeit gekommen ist
und wenn wir dieses Wort aussprechen, vielleicht
an glückliches Kinderlächeln, an einen
geschmückten Tannenbaum, an weiße Kerzen, an Süßigkeiten,
die in den Zweigen hingen
und an denen wir uns nicht vor
dem Heiligen Abend vergehen
durften. An Lametta, das man
heute wohl kaum noch kennt, an
den Duft grüner Zweige und gebratener
Äpfel, die in der Röhre
des Kachelofens schmorten. Weit
in die Vergangenheit schweifen
unsere Gedanken und holen die
Erinnerungen der Kindheitstage
zurück, als sei das Weihnachtsfest
nur eine Angelegenheit für Kinder.
Die Zeit hat sich geändert.
Selbst der Tannenbaum sieht heute
anders aus. Nur rotbackige Äpfel, und wenn man näher
kommt, stellt man fest, dass sie aus Plastik sind.
Wenn die Geschenke nicht elektronisch
gesteuert werden, genügen sie häufig
nicht mehr den Ansprüchen.
Und der eigentliche Gedanke, dass es da ein Kind gab,
das uns den Frieden und die Liebe bringen sollte, tritt in den
Hintergrund. Und wenn die Geschenke nicht elektronisch
gesteuert werden, genügen sie nicht mehr den Ansprüchen.
aber wohl nur für den, der sie sehen will.
Foto: Wickipedia
Die Zeit hat sich geändert und
man braucht nicht darüber zu
streiten, ob es damals besser war
als heute, es ist alles nur anders.
Aber damals wie heute hat
auch die Weihnachtszeit manchmal
eine dunkle Seite, vor allem
dann, wenn man, nicht wie heute,
nicht in Frieden leben kann.
Und Not und Elend und großes
Leid bleiben auch dann, wenn
es weihnachtet, und doch wird
manchmal gerade in schlimmer
Zeit die Hand Gottes sichtbar,
Johannes Buhl
Onkel Hermann
von Lieselotte Wesely
Wenn sich das Jahr neigt und stiller wird, schaut
man gerne durch die Fenster der Erinnerung.
Dabei taucht Onkel Hermann in meinem
Gedächtnis auf. Er war ein Glücksfall für uns Kinder,
obwohl er kein „richtiger“, kein verwandter Onkel war.
Tante Ilse, die Schwester meiner Mutter, hatte ihn zu
uns ins Haus gebracht und nannte ihn „mein Verehrer“.
Onkel Hermann stellte jedenfalls unsere verwandten Onkel
weit in den Schatten. Er war in einer Kunsthandlung
tätig, wohin er gut passte, weil er selbst eine Art Künstler
war. Er brachte uns Hummelbilder mit, und wir hatten
bald eine Galerie davon und prahlten damit vor unseren
Freunden.
Noch besser gefiel es uns, dass Onkel Hermann auch
malen konnte und uns ganze Geschichten aufs Papier zauberte.
Farbstifte hatte er immer bei sich. War einer von uns
verdrießlich oder traurig, malte ihm Onkel Hermann eine
lustige Figur oder ein Fabelwesen auf die Hände, den Arm
oder auf die Stirn. Die Kunstwerke wurden am Abend nur
unter Protestgeschrei wieder abgewaschen.
Manchmal führte uns Onkel Hermann in den Eispalast.
Diese Leckerei bekamen wir gewöhnlich vom Eismann, der
mit seinem Wagen laut schellend durch die Straßen fuhr.
Dann gab es Eis in einer Waffeltüte für zehn Pfennige. Aber
aus Silberbechern, die der Kellner an Marmortischchen
brachte, wurde das Eisessen zu einem festlichen Akt.
Dann, irgendwann, kam Tante Ilse alleine, ohne Onkel
Hermann, zu uns. Sie hatten sich zerstritten, erfuhren wir.
Und das Schlimmste: Tante Ilse machte keine Anstalten,
diesen Zustand zu ändern.
Später heiratete sie einen Uhrmacher. Der hatte nur wenige
Haare, aber ein Uhren- und ein Lebensmittelgeschäft.
Letzteres musste Tante Ilse besorgen und den großen Haushalt
dazu. Sie klagte oft über zu viel Arbeit. Sie tat uns aber
nicht leid. Zwar verhalf uns ihr Uhrmacher zur ersten Armbanduhr
unseres Lebens; für Onkel Hermann, den sie uns
genommen hatte, hätten wir sie gerne hergegeben. Von den
Wechselfällen irdischen Lebens, die uns Menschen manchmal
arg mitspielen, wussten wir damals noch nichts.
4/2011 25 Jahre durchblick 17
Weihnachten
O Tannenbaum
Helma knöpfte den Mantel zu, prüfte, ob sie ein Taschentuch
hatte und steckte das Kleingeld für den
Klingelbeutel ein. „Mama, vor Tante Emmas und
auch vor Onkel Hermanns Kellertür steht ein Weihnachtsbaum,
bei uns steht noch keiner. Und heute ist schon der
vierte Advent.“ Wenn wir kamen, waren die Bäume jedes
Mal ausverkauft.
Auf dem Weg zur Kirche musste Helma über den Marktplatz
und sah die an Mauer und Zaun gelehnten Blautannen,
Fichten und Kiefern. „Komisch. Zu Hause hatte es geheißen:
‚Wenn wir kamen, waren die Bäume immer alle weg.‘
Jetzt sind viele da, doch keine Käufer.“ Sie ging langsamer
weiter und traf ihre Freundin. „Ob ich eben Bescheid sage,
dass neue Tannenbäume geliefert wurden?“ „Dann kommst
du zu spät.“ „Ich könnte ja einfach schwänzen!?“ „Als
Konfirmandin – noch dazu
am Goldenen Sonntag?“
Das Stillsitzen im Gottesdienst
fiel Helma heute besonders
schwer. „Hoffentlich
haben sie gleich noch Tannenbäume“,
flüsterte sie ihrer
Freundin zu. „Die sind doch
froh, wenn alle weg sind.“
Ein Räuspern der Gemeindeschwester
am Anfang der
Bankreihe ließ die Mädchen
verstummen. Helma vergrub
ihre Hände mit gedrückten
Daumen und gestreckten
kleinen Fingern in den Manteltaschen.
Die Predigt schien
kein Ende zu nehmen.
Sonst standen die Mädchen
vorm Portal noch
schwätzend und kichernd
zusammen, bevor sie sich
trennten, doch heute rannte
Helma sofort zu den Nadelbäumen
hinüber und begutachtete
sie. So richtig gefiel ihr keiner. Sie war einen
großen, dichten Baum gewöhnt, hier standen jedoch nur
noch kleine krumme und spillerige. Sie ging langsam zum
Ausgang und murmelte: „Es sind ja noch ein paar Tage bis
zum Heiligen Abend. Vielleicht werden morgen bessere
ausgestellt“ und hörte den Händler zu einer unentschlossenen
Kundin sagen: „Wir sind nur noch heute hier.“
Helma kehrte um und schlenderte wieder an den Christbäumen
entlang. Als der Verkäufer neben ihr einen Baum
aufstampfte, zuckte sie zusammen. Er lächelte sie an,
drückte die Zweige herunter und drehte die Tanne langsam.
„Vier Mark.“
In der Mitte war der Baum sehr licht, seine Spitze gebrochen
und unten auch ein Zweig geknickt. „Mit Kugeln, Lametta
und Leckereien geschmückt wird er hübsch sein“, pries
der Verkäufer seine Ware an. Die Angst, Weihnachten ohne
Baum feiern zu müssen, ließ sie kaufen. Der Händler kassierte
und legte ein Stück Zeitung zum Anfassen an den Stamm.
Mal trug Helma die Tanne rechts, mal links, aber stets
mit weit ausgestrecktem Arm, da der Sonntagsmantel nicht
schmutzig werden durfte. Das Papier zerriss bald, die Hände
verklebten dadurch harzig, wurden immer kälter und der
Baum mit jedem Schritt schwerer.
Zuhause öffnete ihr Vater die Tür, stutzte und rief:
„Helene!“ Helmas Mutter schaute übers Treppengeländer
zu ihnen herunter, nahm die Lesebrille ab und fragte: „Was
ist das denn?“ „Ein Tannenbaum“,
strahlte Helma. Ihr
Vater nahm den Baum, sang:
„O Tannenbaum...“, und stieg
damit die Treppe hinunter.
Helma folgte ihm. Bedächtig
drehte er den Schlüssel, schaltete
das Licht an und stieß die
Tür weit auf. Sofort kullerten
Tränen über Helmas Wangen,
denn in der Ecke neben
dem alten Schrank lehnte eine
große, schlank und gerade gewachsene
Tanne.
Tante Meta, deren Augen
und Ohren im Haus nichts
verborgen blieb, öffnete die
Korridortür. „Warum weint
das Kind?“ „Sie glaubte“, antwortete
Helmas Mutter, „wir
hätten noch keinen Baum und
kaufte auf dem Rückweg von
der Kirche einen. Jetzt haben
wir zwei.“
Tante Meta stieg langsam
die Kellertreppe hinunter und begutachtete den Baum. „Wir
haben noch keinen. Der hätte genau die richtige Größe für
uns. Was hast du dafür bezahlt?“ „Vier Mark.“. „Vier Mark
für das Gerippe!“ Doch dann folgte: „Geschmückt sieht er
bestimmt ganz gut aus. Ich kaufe ihn dir ab.“ Helma atmete
tief und trocknete die Tränen, denn das Loch in ihrer Taschengeldkasse
würde wieder ausgefüllt werden.
Oben umarmte sie wegen der misslungenen Weihnachtsüberraschung
mit schlechtem Gewissen ihre Mama,
doch die tröstete ihre Tochter.
Wilma Frohne
Foto: fotolia.com
18 25 Jahre durchblick 4/2011
Sechs Frauen und
(k)eine
Weihnachtsgans
Weihnachten
Kinder fragen Großmütter gerne über die Vergangenheit
aus. So war es auch bei mir, wenn ich meine
Oma abends vor dem Einschlafen bat, mir eine
Geschichte von früher zu erzählen.
Sie tat es gern und ich hörte ihr aufmerksam zu, bis ich
einschlief. Es waren wahre Begebenheiten, so auch diese
Geschichte aus dem Jahre 1944.
Der Krieg hatte grausame Spuren hinterlassen und war
noch nicht zu Ende. Die schlimmsten Ereignisse sparte sie
auf Grund meines Alters bei ihren Schilderungen aus; aber
sie erzählte mir die Geschichte von der Weihnachtsgans!
In ihrem kleinen Bauernhaus lebten zu der Zeit sechs
Frauen. Drei Frauen waren aus dem Osten geflohen und
suchten Zuflucht auf dem Bauernhof, das alte Tantchen,
welches einmal als Haushälterin dort Arbeit fand und bis zu
ihrem Lebensende Wohnrecht genoss, meine Großmutter
und meine Mutter, die mit mir schwanger war. So verschieden
auch ihre Jahrgänge waren, hatten alle doch ganz ähnliche
Schicksale zu tragen. Alle waren Kriegerwitwen. Zwei
hatten ihre Männer im Ersten Weltkrieg verloren, die anderen
drei Frauen im Zweiten Weltkrieg. So schweißte sie ihr Erlebtes
besonders zusammen. Sechs Frauen, die Hunger litten
und alles teilten, was auf dem Lande noch aufzutreiben war.
Weihnachten 1944 stand vor der Tür, und sie hatten trotz
aller Missstände einen großen Plan. Sie besaßen eine Gans, die
sie schon monatelang aufzogen, fütterten und sogar stopften,
damit sie bis Weihnachten recht fett war. Die Frauen aus dem
Osten kannten sich damit besonders gut aus und waren täglich
damit beschäftigt, die Gans so gut es ging zu versorgen.
Alle freuten sich auf das Fest mit dem großen Gänsebraten!
Meine Oma konnte schlachten, wunderbar kochen
und braten, alles war perfekt vorbereitet. Die Vorfreude war
Foto: Gottfried Klör
riesig, doch dabei sollte es wohl auch bleiben! Man hatte
die Gans, damit sie auch im Freien Futter zu sich nahm, in
ein kleines Grasgärtchen hinter der Scheune gesperrt und
ihr auch ab und zu Auslauf gegeben. Eine der Frauen hatte
sie sogar getauft und so bekam sie den Namen „Lisa“.
„Lisa“ watschelte gut genährt über den Hof und alle
waren begeistert. Dann kam der große Tag, an dem „Lisa“
geschlachtet werden sollte, doch zum Entsetzen der vom
Hunger geplagten Frauen war „Lisa“ nicht mehr auffindbar.
Gemeinsam machten sie sich auf die Suche und riefen die
Gans, die „Lisa“ hieß, doch „Lisa“ tauchte nicht mehr auf.
Nach stundenlanger Suche und Tieffliegerbeschuß war klar,
alle Mühe war vergebens, „Lisa“ blieb verschwunden.
Da kam ein Nachbar vom Bahnhof und erzählte, dass ein
Hamsterer mit einem Rucksack in den Zug gestiegen sei,
aus dem eine Gans ihren langen Hals herausreckte. Da war
alles klar, das muss wohl unsere „Lisa“ gewesen sein!Alle
haben bitterlich geweint und mussten auch an diesem Weihnachtsfest
auf den ersehnten Gänsebraten verzichten.
Auch heute gibt es immer wieder Kriege und notleidende
Menschen auf der Welt und es nimmt kein Ende. Sind
wir nicht heute oft undankbar beim Schlemmen? Besonders
an den Weihnachtsfeiertagen muss ich immer wieder an
diese Geschichte denken.
Helga Düringer
Himmels-Kapriolen
Der Himmel scheint heut durchgedreht,
ist zickenhaft und sehr labil.
Die Wolkenbänke, abgeweht,
entladen sich immens stabil.
Der Abendlärm ist längst verstummt,
nur Regentropfen trommeln weit.
Wer sich jetzt wagt, der geht vermummt,
noch tapfer durch die Dunkelheit,
mit Hund, der seine Fährte kennt,
(er führt sein Herrchen an der Leine)
nimmt nun Reißaus und überrennt
verschmähend seine Lieblingssteine.
Ein Schneegestöber bester Sorte
das Dunkel schnell mit Weiß versieht.
Der Überraschte, hier vor Orte,
schnellstens in Geschütztes flieht.
Das Ganze hinter Glas betrachtet,
lach ich im Warmen unverhohlen,
im Bett, mit Buch,
die Zeit missachtend,
pfeif ich auf Himmels-Kapriolen.
Edith Maria Bürger
4/2011 25 Jahre durchblick 19
Historisches
Luftangriff auf Siegen
Erlebt vor 67 Jahren am 16. Dezember 1944
Es war ein winterlich klarer,
sonniger Tag weit
nach der Mittagszeit,
als am 16. Dezember 1944 die
Sirenen heulten. Vor-Alarm.
Ich rannte auf die Straße und
schaute zum Himmel. Wieder
Sirenengeheul. Voll-Alarm.
Bei diesem ersten aufkommenden
Heulton wurde es lebendig
auf der Straße. Menschen
hasteten und rannten
keuchend, mit dem Notwendigsten
an Gepäck beladen, ihre
kleinen Kinder auf den Armen
und auch noch im Kinderwagen, in den Charlotten-Bunker.
Ein Tunnel, der eigentlich als Gleisanschluss für eine in
der Nähe gelegene Firma zum Bahnhof Eintracht gedacht
war. Es fehlten nur noch die Schienen. Als Bunker genutzt,
gab er zu der Zeit der Luftangriffe unwahrscheinlich vielen
Menschen Schutz. Auch das Rote Kreuz mit Ärzten und
Helfern war dort stationiert, ebenfalls eine behelfsmäßige
Zahnarztpraxis.
Unsere Wohnung lag in direkter Nähe des Bunkereingangs.
Meine kleinere Schwester, wie auch viele andere
Kinder und ältere Menschen, hielten sich oft den ganzen
Tag über dort auf. Einige Anwohner hatten eiserne Bettgestelle
im vorderen Teil aufgestellt, vollbeladen mit Bettzeug,
Bekleidung und vor allem mit Lebensmitteln und
Haushaltgegenständen – wir auch.
Nach dem letzten Heulton der Sirenen stand ich noch
auf der Straße vor unserem Küchenfenster im Parterre
und rief so laut ich konnte mehrmals nach meiner Mutter.
Schwerhörig wie sie war und immer darauf bedacht, schnell
noch etwas erledigen zu müssen, wusste ich, auch wenn sie
dich hört, kommt sie, wann sie will. Und jetzt das Dröhnen
der feindlichen Flugzeuge im Anflug. Immer aufgeregter
und lauter wurde mein Schreien. Es war zwecklos. Meine
Mutter kam nicht. Lauf! Lauf in den Bunker, riefen mir die
noch vorbeieilenden Nachbarn zu.
Foto: Bundesarchiv
Ich stand wie versteinert
da, sah oben im
gleißenden Sonnenlicht
den Flugzeugverband
silbrig glänzend direkt
über mir – und, meine
Mutter kam immer noch
nicht. Eine Frau rannte
an mir vorbei, ihre Arme
grotesk durch die Luft
schwenkend, das Haar
zerzaust, den Mantel offen,
rief sie in einem fort,
während sie weiter rannte,
rannte und rannte: „Mein
Kind! Mein Kind! Mein Kind!” „Was ist mit Ihrem Kind?”
„Da hinten, da unten, im Sportwagen, da auf der Straße!”
Ohne ihr Kind war sie einfach weiter gelaufen. Panik! Das
war die reine nackte Angst.
Immer noch stand ich da, den Blick nach oben gerichtet,
und als habe ich auf etwas gewartet, öffneten sich bei den
ersten Flugzeugen die Ladeluken. In regelmäßigem Gleichmaß
fielen dann die Bomben heraus, eine nach der anderen,
den winterlichen Sonnenschein auf der Oberfläche mitnehmend.
Ich war fasziniert – bis die erste Bombe zur Explosion
kam. Meine Erstarrung wich und ich rannte, rannte und
rannte, gerade noch früh genug, ehe die Bunkertüren hinter
mir geschlossen wurden – ohne meine Mutter.
Ein Trümmerhaufen aus Schutt und Asche, das war einmal
die schöne alte Krönchenstadt Siegen. Nachbarn hatten
das von seiner Mutter verlassene Kind in einen schützenden
Keller geholt, meine Mutter hatte es nur noch bis
zur Haustüre geschafft. Eine Brandbombe fiel ihr fast vor
die Füße. Es war ein Blindgänger. Noch auf der Haustürtreppe
stehend, verspürte sie plötzlich eine Erschütterung
wie ein dumpfer Aufschlag. Mit dem Gefühl, hier stimmt
etwas nicht, rannte sie nach oben und fand auf dem Speicher
ebenfalls eine Blindgänger-Brandbombe. Sie nahm die
Bombe und warf sie aus dem Dachfenster auf die Straße.
Der Blindgänger blieb, was er war! Gerda Greis
Wir,
die mit dem
Henkelmann
Geborenen….
Kriegskinder
von Miriam Kiep
Er war ja nötig,
um alles zu sammeln,
Brot und Knöpfe, Papier
und er wuchs mit,
immer weiter
Brot und Knöpfe, Papier
Tränen
Jetzt, im Alter,
so fest mit
dem Körper verwachsen
in Wind und Wetter
ist er rostig
und schmerzt
voller Löcher
durch die alles fällt
das Brot, die Knöpfe
und das Papier
und die Tränen tropfen
stetig
heraus.
20 25 Jahre durchblick 4/2011
Der Kommentar
Novemberstimmung
Langsam schließt sich wieder ein Jahresring. Der
November schlich sich wie eine „graue Eminenz“
in unseren Alltag. Die Tage wurden früher dunkel
und der Himmel verhüllte sich zunehmend in Nebel. Nur
Kindern, den Kleinen, konnten diese trüben Stimmungen
nichts anhaben. Sie durften abends ihre bunten Laternen anzünden
und teils kräftig schrill oder piepsig schräg, die im
Kindergarten geübten Liedchen singen. Und! Sankt Martin
hoch zu Ross ist ein Höhepunkt geblieben.
Wie in jedem Jahr zog es wieder zahlreiche Shopping- und
Kaufsüchtige über unsere Landesgrenzen, dorthin, wo Allerheiligen
nicht als Feiertag gilt. Und doch war ja eigentlich der
November als der Monat der Besinnung und des Gedenkens
gedacht. So sollte am 31. Oktober das Wirken um die Reformation
wachgehalten bleiben. Aber in unserer Hektik wurde
Martin Luther vergessen und – wie der Buß- und Bettag –
schon vor langer Zeit der Pflegeversicherung geopfert. Nun
ja, diese beiden Tage wurden viel früher schon bei nasskaltem
Wetter auch zum Kuss- und Bett-Tag umfunktioniert. Und wie
verliefen die weiteren Gedenktage des Monats? Wir mussten
66 Jahre nach Kriegsende wieder
Gefallene beklagen! Und
das, „wo doch deutsche Soldaten
nie wieder an Kriegshandlungen
in einem fremden
Land teilnehmen sollten“ …
so oder ähnlich klang es
doch einmal! Wir mussten
den „Wahl-Verspreche(n)rn
gedenken“. Denn nicht nur
die politische Europa-Euro-
Euphorie ist längst vernebelt.
Naja und was bleibt von
den überlieferten Dingen, die
altbewährt zum Wohle aller
Heute von
Eva-Maria Herrmann
begangen, gelebt und geachtet wurden? Besinnung?
Advents- und Weihnachtszauber? Ach ja, es stand ja schon
lange vor dem kalendarischen Herbstbeginn in den Läden.
Verkehrte Welt! Nein! …es ist einfach nicht mehr, wie
es einst mal war. Schade
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Siegen
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4/2011 25 Jahre durchblick 21
Historisches
Erzgruben, Eisenhütten und Hauberge
Historische Ausstellung in der Sparkasse
Im Kundenzentrum Morleystraße der Sparkasse Siegen
war vier Wochen lang eine heimatgeschichtliche
Ausstellung zu sehen. Unter dem Titel „Im Land der
Erzgruben, Eisenhütten und Hauberge“ waren 70 großformatige
Arbeiten des Betzdorfer Fotografen Peter Wellers
(1868–1940) ausgestellt. Zur Zeit Wellers „boomte“ der
Bergbau an oberer und mittlerer Sieg – viele tausend Bergleute
fanden hier Arbeit. Der Hobbyfotograf konnte sich
vom Haldenjungen der Grube Bindweide zum Bürobeamten
der Kruppschen Bergverwaltung hocharbeiten. Es verwundert
also nicht, dass er dem Bergbau seine besondere
Aufmerksamkeit schenkte. Die Fotografien sind alle kurz
vor oder während des Ersten Weltkrieges bei Streifzügen
durch Wellers Heimat rund um Betzdorf und durch das ganze
Siegerland entstanden.
Neben den Anlagen von Berg- und Hüttenwerken hielt
Weller auch Arbeitsvorgänge im Bergwerk, in der Landwirtschaft
und im Hauberg fest. Besonders beeindruckend sind
die „Innenansichten“, die die Bergleute bei ihrer schweren
und gefährlichen Arbeit zeigen, besonders aber auch der
Wolfgang
Suttner,
Kreiskulturreferent
als interessierter
Besucher
der
Ausstellung
Foto: Dr. Horst Bach
Einsatz von Frauen und Kindern, die als „Erzengel“ vor
den Röstöfen und an der Sortieranlage arbeiten mussten.
Die Ausstellung ist sicher ein wichtiges Dokument der
Siegerländer Wirtschaftsgeschichte aus der Zeit Anfang
des 20. Jahrhunderts. Der Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein
hat zum Thema einen repräsentativen Bildband
aufgelegt.
Horst Mahle
Stadtreinigung Siegen
Die Stadtreinigung ist
neben der allgemeinen
Sauberkeit zuständig
für die Müllabfuhr,
die Abfallberatung die
Straßenreinigung und
den Schneeräumdienst.
Indirekt organisiert sie die
Entsorgung von Altpapier,
Altglas und Wertstoffen
(gelber Sack).
Den Großteil der
Müllabfuhr führt die Stadt
mit eigenem Personal
und eigenen Fahrzeugen
durch. Hierzu zählt auch
die Entsorgung des
Restmülls, des Sperrmülls
und der Bioabfälle für
etwa 60.000 Haushalte.
Um unnötige Abfälle zu vermeiden
können wir alle bei unseren täglichen
Einkäufen darauf achten, Produkte in
Einwegverpackungen zu vermeiden.
Jeder Einzelne kann durch sorgfältige
Auswahl von Waren dazu beitragen,
die Umwelt zu schonen und Geld für die
immer aufwändigere Abfallentsorgung
zu sparen.
Straßenreinigung
Neben der Reinigung
bestimmter Straßen ist die
Abteilung Stadtreinigung
für die Säuberung der
städtischen Grundstücke,
die Reinigung der Fußgängerzonen
und die
Leerung von über 2.000 im
Stadtgebiet aufgestellten
Papierkörben zuständig.
Winterdienst
Im Winter hält die Stadtreinigung
nicht nur die
Fahrbahnen schneefrei,
auch der Winterdienst auf
den Gehwegen an städtischen
Liegenschaften gehört
zum Aufgabenbereich.
Müllabfuhr
In Zeiten knapper werdender Rohstoffe ist es besonders
wichtig, Abfälle getrennt zu sammeln und einer
ökologisch unbedenklichen Verwertung zuzuführen.
Auf diese Weise tragen wir alle ein Stück dazu bei, die
natürlichen Ressourcen zu schonen bzw. eine erneute
Verwertung zu sichern.
Altpapier
Die Entsorgung von
Altpapier ist auf ein privates
Unternehmen übertragen, das
im Auftrag der Stadt Siegen
eine Wiederverwertung sicherstellt.
Altglas / Plastik
Die Entsorgung von
Altglas und Plastik (Gelber
Sack) erfolgt im Rahmen
des Dualen Systems
Deutschland (DSD). Hier
wird die Stadt Siegen lediglich
durch die Bereitstellung
der Wertstoffdepotstandorte
und die Veröffentlichung der
Abfuhrtermine tätig.
Abfallberatung
Weitere Informationen zu
den Themen Stadtreinigung
und Müllabfuhr erhalten Sie
unter:
Stadt Siegen
Stadtreinigung
57074 Siegen
Fludersbach 56
Telefon 0271 / 404-0
www.siegen.de
22 25 Jahre durchblick 4/2011
Kreisverband
Siegen-Wittgenstein/Olpe
Sozialstation
Pflege zu Hause
Unser Angebot im Überblick:
15 Jahre Erfahrung bei Leistungen in
der Grund- und Behandlungspflege
(von der Hilfe bei der Körperpflege bis
hin zu ärztlich verordneten Leistungen)
Hauswirtschaftliche Hilfe
(z.B. Reinigung der Wohnung, Kochen,
gemeinsame Einkäufe, Arztbesuche,
Behördengänge u. a.)
Kurse für pflegende Angehörige
zu wichtigen Themen rund um die
Pflege zu Hause
Rund um die Uhr erreichbar
Eine ausgebildete Wundmanagerin
versorgt verschiedenste Wunden professionell
und nach neuesten Erkenntnissen
Auf die Pflege langzeitbeatmeter
Patienten sind wir spezialisiert
Wir betreuen und unterstützen demenziell
erkrankte Menschen und
ihre Angehörigen
Für mehr Sicherheit in den eigenen
vier Wänden sorgt unser Hausnotrufsystem
AWO-Kreisverband Siegen-Wittgenstein/Olpe
MDK Ergebnis:
„Sehr gut
in der Pflege“
Sozialstation
Tel. 0271 / 89061 - 11
– Pflege zu Hause Fax 0271 / 89061 - 21
Am Sohlbach 18 www.awo-siegen.de
57078 Siegen
pflege@awo-siegen.de
4/2011 25 Jahre durchblick 23
(Dezember 2010)
Für sich, für uns, für alle.
Alfonso Lopez Garcia für Engagement ausgezeichnet
Ehrenamtliches Engagement
tut einfach
gut – nicht
nur denen, für die man
sich engagiert, sondern
auch dem ehrenamtlich
Tätigen selbst. Und es
darf zu Recht stolz machen.
Diese Erfahrung
durfte kürzlich Alfonso
Lopez Garcia machen,
Siegener mit spanischen
Wurzeln und unter anderem
Koordinator des
Alfonso Lopez Garcia „Interkulturellen Seniorennetzwerks
Siegen“.
In Köln wurde Lopez Garcia jetzt von der für Pflege und
Alter zuständigen Ministerin, Barbara Steffens, für sein außerordentliches
ehrenamtliches Engagement für Menschen
mit Zuwanderungsgeschichte ausgezeichnet; die Urkunde
wurde von Staatssekretärin Marlis Bredehorst überreicht.
Die Staatssekretärin betonte, dass Migrantinnen und Migranten
der ersten Generation sich von Anfang an engagiert
hätten – in den Gewerkschaften, den Migranten-Selbsthilfeorganisationen,
in Kirchen- oder Moscheegemeinden sowie
in kommunalen Migrantenvertretungen; es werde Zeit,
dieses Engagement stärker in den Fokus zu rücken.
Alfonso Lopez Garcia, Jahrgang 1943, kam im Alter
von zwanzig Jahren aus seinem Heimatland Spanien nach
Deutschland. Hier war er bis zu seiner Pensionierung als
Sozialarbeiter tätig. Doch auch im Ruhestand ist der temperamentvolle
und aktive Spanier kaum zu bremsen. Er setzt
sich für die Belange von Migranten und für ein Miteinander
der über 130 Nationen in Siegen ein. Die Liste seiner
ehrenamtlichen Tätigkeiten ist lang:
Foto: Gottfried Klör
Gesellschaft
Alfonso Lopez Garcia ist Vorsitzender der spanischsprachigen
katholischen Gemeinde Siegen, Gründungsmitglied
und ehemaliger Vorsitzender des seit 1984 bestehenden
Ausländerbeirates (seit 2004 Integrationsrat) der Stadt Siegen
sowie Mitglied im Seniorenbeirat der Stadt Siegen; seit
über 20 Jahren ist Lopez Garcia Mitgestalter des Siegener
Freundschaftsfestes im Park des Oberen Schlosses, und er
leitet außerdem vom Rathaus Weidenau ausgehend eine
Seniorenwandergruppe, den „3000-Schritte-Spaziergang“.
Sein jüngstes Projekt ist das 2008 gegründete „Interkulturelle
Seniorennetzwerk Siegen“ zur Förderung der Integration
von zugewanderten älteren Menschen in Siegen,
dessen Leitung in seinen erfahrenen Händen liegt und das
auch schon Früchte trägt: Seit Oktober 2009 gibt es den
„Interkulturellen Singkreis“, den Lopez Garcia nicht nur
initiiert hat, sondern in dem er – wie sollte es anders sein –
natürlich auch selbst stimmgewaltig mitsingt.
Neben all diesen ehrenamtlichen Tätigkeiten bleibt ihm
auch noch Zeit für seine
Familie; Lopez Garcia, seit
35 Jahren verheiratet, ist
stolzer Vater dreier Söhne
und ein hingebungsvoller
Großvater.
Alfonso Lopez Garcia ist
beispielgebend für die
gesellschaftliche Partizipation
von Menschen mit
Zuwanderungsgeschichte
und die Ehrung, die ihm
am 19. Oktober in Köln
zuteil wurde, eine wohlverdiente
Anerkennung
für sein außerordentliches
Engagement. Anke Berg
Staatssekretärin Marlis Bredehorst
überreichte Garcia
die Urkunde für sein ehrenamtliches
Engagement
Foto: Landesregierung NRW
Ihr Partner fürs
Wohnen und Bauen
24 25 Jahre durchblick 4/2011
Foto: Tessie Reeh
Lokalzeit Südwestfalen
zu Besuch beim durchblick
Anlässlich des 25-jährigen Bestehens unserer Autorenzeitung
durchblick besuchte uns der WDR
mit seiner „Lokalzeit Südwestfalen“ in unserer
Redaktion im städtischen Begegnungszentrum „Haus
Herbstzeitlos“ in der Siegener Marienborner Straße.
Zur Feier des Tages hatten wir uns richtig angestrengt
und unseren großen Besprechungstisch nett
herausgeputzt, ausnahmsweise mit einer leichten Organza-Tischdecke
geschmückt, passend zur Farbe unseres
Kaffee-Services. Ein paar farblich abgestimmte
Teelichter mit kleinen brennenden Kerzen warfen etwas
Licht auf den sonst so nüchtern aussehenden großen
Bürotisch. Eines unserer Redaktionsmitglieder brachte
auch noch einen fast warmen „Zwetschgenkuchen“
mit, frisch gebacken von seiner Ehefrau. Nun standen
wir empfangsbereit da und pünktlich um 15 Uhr betraten
drei sehr nette Herren, WDR-Redakteur Thomas
Reichenau, ein Kameramann und ein Tontechniker des
Fernsehens, unseren Redaktionsraum.
Sie hatten zuvor bereits einen Termin mit unserer Redakteurin
Erika Krumm wahrgenommen, die in der Jubiläumsausgabe
unserer Zeitung einen Beitrag mit dem
Titel „Birlenbacher Elegie – Portrait einer Straße“ geschrieben
hatte. Diesen Artikel nahm die Lokalzeit zum
Anlass, Erika Krumm in ihrem Wohnumfeld zu filmen
und genauer zu befragen, warum sie ihre Wohnstraße
eher kritisch sieht.
Seit 1986 wird die Zeitung durchblick herausgegeben
und in diesen 25 Jahren hat sich vieles geändert. Das Fernsehteam
hatte sofort einen Blick für das sich im Laufe
der Jahre veränderte „Layout“ der Zeitung, spiegelte sich
darin doch sichtbar die Entwicklung der Seniorenzeitung
wider. Das war sehr deutlich in der dann am 13. 9. gesendeten
Fernsehaufzeichnung zu sehen. Darin wurde eine
Redaktionssitzung gefilmt, wie wir sie immer abhalten:
Begrüßung, Besprechung der vorliegenden Post, insbesondere
von Leserbriefen, organisatorische Fragen, Themenvorschläge
für die nächste Zeitung. Nach eingehender
Diskussion wurden die einzelnen Beiträge bestimmt
und auf einer großen Tafel festgehalten: „Damit nichts
unter den Tisch fällt“, wie der Studiomoderator in seiner
Anmoderation anmerkte. In der Regel werden ca. 68–76
Seiten mit Kurznachrichten, Gedichten, Veranstaltungen,
vor allem aber Autorenbeiträgen ausgefüllt. Natürlich
sind auch einige Seiten für Werbeanzeigen reserviert, mit
deren Erlös der Mammutanteil der Druckkosten finanziert
werden muss.
Sobald die derzeit 17 000 Zeitungen gedruckt sind, beginnt
die Belieferung der ca. 400 Verteilstellen im Kreis
Siegen-Wittgenstein.
Jede und jeder unserer Leserinnen und Leser konnte in
dem dreiminütigen Fernsehbeitrag eine Vorstellung davon
bekommen, wie unsere ehrenamtliche Arbeit abläuft, die
wir immer wieder mit viel Begeisterung und großem Engagement
durchführen. Offen sind wir für tatkräftige Mitarbeit
und natürlich für Ihre Anregungen, auch in Form
von Leserbriefen.
Helga Siebel-Achenbach
4/2011 25 Jahre durchblick 25
Historisches
Sieger und Besiegte
Eben war der unselige Krieg beendet. Hermann Hesse
hatte zum Friedensschluss aus der Schweiz zum besiegten
deutschen Volk gesprochen. ,,Wollet hoffen,
liebet, und die Erde hört euch wieder.“ Wunderbare Worte!
Ich, die junge Studentin, habe sieben Wochen in Typhusquarantäne
in einer bayrischen Stadt verbracht, hatte mich
durchgeschlagen mit Feldarbeit, Einsatz als Dolmetscherin
bei den Siegern und indem ich Ami-Liebchen Englisch
lehrte. Nun treckte ich, es war Juni 1945, heimwärts
nach Norden. Mit mir auf der Landstraße in der gleichen
Richtung Flüchtlinge und Evakuierte, entgegengesetzt der
Nachschub der Amerikaner.
Oft überfielen mich Mutlosigkeit, Hunger und Erschöpfung.
Würde ich meine Heimat je wiedersehen? Noch so
viele hunderte Kilometer lagen vor mir. Noch war ich in der
amerikanischen Zone. Da fiel ich eines Tages, übermüdet und
entkräftet, in den Straßengraben. An mir vorbei rauschten
Jeeps mit übermütigen Amis: ,,Kleines Fräulein“, riefen sie,
„steig ein, du sollst es gut bei uns haben.“ ,,Ihr könnt mich
mal“, dachte ich und döste wieder ein. Doch da hielt ein
Jeep dicht neben mir, und eine warme Stimme weckte mich:
,,Little girl, please, come here!“ Über mir sah ich das herzlich-besorgte
Antlitz eines hohen amerikanischen Offiziers.
,,are you hungry poor young lady?“ Er und sein Adjutant
ließen sofort einen Regen von Lebensmitteln auf mich herab:
Schokolade, Weißbrot, Pulverkaffee, Dosenmilch, Zucker,
Dosenfleisch, Mais in Dosen, Apfelsinen und zum Schluss
auch noch Lucky Strikes. ,,That's all we have.“ Und dann
setzte der freundliche Offizier hinzu: ,,Ich habe eine Tochter
in deinem Alter. Wenn ich mir vorstelle, sie würde ebenso
elend wie du an der Straße liegen – mein Herz tut mir weh.
Ihr deutschen Frauen und Mädchen habt doch mit dem Krieg
gar nichts zu tun, und nun müsst ihr so leiden.“
Er beugte sich noch einmal wie segnend über mich, ich
stammelte Dankesworte. Dann fuhr der Jeep wieder an. Bis
heute kann ich das liebevolle Gesicht eines unserer Sieger,
die menschlich mit mir verfuhren, nicht vergessen.
Einmal dolmetschte ich bei einer ,,Fraternization“, der
amerikanische Besatzer wollte seinen Wirtsleuten, in deren
Haus er einquartiert war, menschlich näher kommen. Wir
saßen ganz gemütlich beim Kaffee zusammen. Da stand der
gut aussehende amerikanische Offizier auf, hielt eine Rede,
und am Ende machte er mir einen vollendeten Heiratsantrag.
Wobei er nicht nur seinen Zivilberuf nannte, sondern
auch seinen Verdienst in Dollar. Ich war stumm vor Überraschung.
So einen komischen Heiratsantrag hatte ich noch
nie bekommen. Dann aber, obwohl ich zu der Zeit solo war,
antwortete ich zartfühlend: ,,Sie müssen verstehen, dass ich
Ihren ehrenvollen Antrag nicht annehmen kann, aber ich
bin leider schon verlobt.“ Elisabeth Hengstenberg
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Die reinste Freude
26 25 Jahre durchblick 4/2011
Eine Reise
mit Hindernissen.
Foto: Hubertus Freundt
Ein Ehepaar aus meiner Nachbarschaft hier in Freudenberg
war zur Hochzeit des Sohnes nach Borkum
eingeladen. Da die Eltern nicht mehr so ganz jung
sind, beschloss die Familie, Mutter und Vater an den Zug
nach Köln zu bringen, damit sie ganz entspannt und ohne
Aufregung der Feier entgegensehen konnten.
Die Tochter hatte den Auftrag, sich um die entsprechenden
Reiseunterlagen wie Fahrkarten, Abfahrzeiten und
die Umsteigverbindungen zu kümmern. Die Reise sollte
von Köln über Münster, Emden und von dort mit der Fähre
nach Borkum gehen. Schon sehr früh packte die Tochter ihre
Eltern mit dem Reisegepäck in ihr Auto und fuhr über die
Autobahn zum Hauptbahnhof nach Köln los – man wollte
vor der Abfahrt noch gemütlich zusammen frühstücken.
Doch daraus wurde leider nichts, denn schon bald wartete
ein ziemlicher Stau auf der Autobahn auf die Reisenden – das
gemeinsame Frühstück wurde gestrichen. Leider erreichten
sie den Hauptbahnhof Köln einige Minuten zu spät, der Zug
hatte nicht gewartet – dieses Mal war der Zug pünktlich und
die Fahrgäste zu spät, eben mal anders.
Die Aufregung war groß! Was nun! Geschlossen gingen
Eltern und Tochter zum Reisezentrum und berichteten von
ihrem Pech. Ein freundlicher Bahnbeamter meinte: „Kein
Problem, wir werden eine Lösung finden“
Wichtig war für die Senioren, einen durchgehenden Zug
nach Emden zu bekommen. Es dauerte nicht lange und der
Bahnbeamte hatte eine neue Bahnverbindung gefunden –
es gab neue Fahrkarten mit Platzreservierungen und neue
Reiseunterlagen. Zwanzig Minuten später saßen die älteren
Herrschaften nun endlich in ihrem Zug Richtung Emden, leider
ohne Frühstück, aber gut versorgt mit Proviant, den die
Tochter noch schnell besorgt hatte. Entspannt genossen die
Eheleute ihre erste gemeinsame Bahnfahrt. Sie fuhren durch
das Ruhrgebiet, Münster, Osnabrück, Bremen und dann hielt
der Zug in Hamburg. Da wurden sie nervös und meinten, das
sei die falsche Richtung. Der herbeigerufene Schaffner bestätigte
ihren Verdacht und sagte ganz ruhig: „Falls Sie nach
Emden wollen, hätten Sie in Münster umsteigen müssen, das
hier ist der falsche Zug!“ Wieder große Aufregung, doch der
Schaffner behielt die Ruhe, nahm sie mit bis Itzehoe, stellte
ihnen weitere Fahrscheine aus und setzte sie wieder in einen
Zug zurück nach Hamburg. Dort angekommen, sollten
sie an der vorderen Waggontür aussteigen und ein Beamter
mit roter Mütze würde sie in Empfang nehmen, gab er den
beiden Senioren mit auf den Weg. Zurück in Hamburg stand
tatsächlich der Beamte mit roter Mütze an besagter Stelle
und nahm die Herrschaften in Empfang. Und wieder gab es
kein Problem. Der Beamte nahm das Gepäck der beiden Reisenden,
führte sie durch eine Unterführung auf einen neuen
Bahnsteig und schon bald saßen sie wieder in einem anderen
Zug und der fuhr nun wirklich nach Emden. Das erste Ziel
war bald erreicht, aber die Aufregungen gingen weiter, denn
das letzte Schiff nach Borkum hatte bereits das Festland verlassen,
denn auch Fähren zu den Inseln haben ihren Zeitplan,
und der richtet sich nach den Gezeiten.
Nun kam endlich das „Handy“ des Rentners zum Einsatz.
Er rief seinen Sohn an und erzählte seine Erlebnisse. Der Sohn
beruhigte die Eltern und bat sie dort zu bleiben, wo sie sind,
er melde sich wieder. Nach einigen Minuten fuhr ein Taxi vor,
lud die Herrschaften ein und brachte sie in das nächst gelegene
Hotel. Der Sohn hatte zwischenzeitlich alles für sie organisiert.
Sehr erschöpft und immer noch den aufregenden Tag vor Augen,
versuchte das Ehepaar zu schlafen – sie waren ja noch
nicht auf der Insel, und die Trauung war für den nächsten Tag
um zehn Uhr angesagt. Pünktlich zur verabredeten Uhrzeit
stand das Taxi am nächsten Morgen wieder vor dem Hotel und
brachte die Senioren zum Schiffsanlegeplatz. Das Schiff musste
sich natürlich wieder nach der Tide richten und erreichte
die Insel Borkum um elf Uhr. Das Brautpaar hatte sich schon
nach der Ankunftszeit des Schiffes erkundigt und die Trauung
um eine Stunde verschieben lassen. Der Standesbeamte hatte
natürlich großes Verständnis für die Notsituation und meinte
sehr entspannt: „Kein Problem, dann verschieben wir die
Trauung um eine Stunde.“
Nur drei Stunden konnten die Eltern an der Hochzeitsfeier
teilnehmen, dann traten sie schon wieder die Heimreise
an. Doch dieses Mal kam das Schiff mit Verspätung auf dem
Festland an – der Zug hatte gewartet. Die weitere Reise verlief
dann ohne Zwischenfälle. Die Tochter nahm ihre Eltern
in Köln erleichtert in Empfang.
Auf meine persönliche Frage an die Senioren, ob das nun
ihre erste und letzte Fahrt mit dem Zug gewesen sei, sagten
beide übereinstimmend: „Ganz im Gegenteil, wir haben so
viel Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit auf der Reise erfahren,
dass wir jederzeit wieder die Bahn benutzen werden.“
Helga Siebel-Achenbach
4/2011 25 Jahre durchblick 27
Gesellschaft
Warten auf die Straßenbahn.
Aus dem verfallenen Herrschaftshaus schlüpfte ein Kind.
Der Blick auf die Zeittafel sagte mir, dass die Straßenbahn
sich noch Zeit ließ. Es war zehn Uhr
morgens. Die Sonne lachte fröhlich vom Himmel
herunter, und es war angenehm in der frühsommerlichen
Luft, auch wenn mich Ungeduld beschleichen wollte, denn
ich hatte in der Stadt zu tun und musste meine Verabredung
einhalten. Aber da stand ich nun einmal, hatte Muße und
ließ meine Augen wandern.
Die alten Häuser auf der anderen Straßenseite hinterließen
keinen vorteilhaften Eindruck. Ein Kolonialwarenladen,
die Aufschrift schon verwittert, Villen, mehrstöckig,
deren Glanz entschwundener Zeiten nur noch zu
ahnen war, Balkone mit verrosteten Gittern. Um die einst
beeindruckenden schmiedeeisernen Torflügel zur Auffahrt
der schräg gegenüberliegenden Villa rankten sich
Weinblätter. Wie lange mochten sie nicht mehr geöffnet
worden sein, um Fahrzeugen die Aufwärtsschräge zum
Hof freizumachen? Die hohen Fenster der oberen Etagen
brachten Erinnerungen an fröhliche Feste, Gelächter und
Gläserklirren. Die kleineren Fenster im Souterrain führten
wohl einstmals zu den Bedienstetenräumen und wiesen
jetzt einfache Gardinen auf.
Auf meiner Seite begrenzten zwei Meter hohe Staketenzäune
den breiten Bürgersteig und verloren sich am Ende
der Lindenallee. Hinter dem Zaun wohltuend verborgen,
Wirtschaftsbetriebe, ein Kohlenhändler, „Weber“, wie einem
Firmenschild zu entnehmen war, daneben das weite
Gelände der städtischen Wasserwerke, mit kleinen Gärten,
die sich bis zum Zaun zogen, dahinter bis zum Maschinenhaus
ein weites Feld mit Rohren aller Art und Größe.
Foto: Tessie Reeh / Fotolia
Noch ruhte mein Blick auf den trostlosen
Fassaden schäbiger Eleganz, da öffnete
sich plötzlich an der Auffahrt des
schräg gegenüberliegenden Herrschaftshauses
im Souterrain eine Seitentür und ein
Kind schlüpfte heraus, ein kleiner Junge mit
bis auf die Schultern fallenden blonden Haaren,
gekleidet in ein reinlich wirkendes hellblaues
Hemdchen mit langen Ärmeln, eine
beige Hose, deren Beine sich über die Waden
krausten, gehalten von Hosenträgern,
die gar nicht zu dem fast mädchenhaften
Gesicht passten. Die Füße steckten in hellen
Sandalen und dünnen braunen Strümpfchen.
Die lichten Haare wurden von einem kleinen
blauen Mützchen teilweise abgedeckt.
Ernsthaft und leise schloss er die Tür und
schritt bedächtig bis zum Bürgersteig, wo
er, den Kopf vorgebeugt, um das schmiedeeiserne
Tor herum, nach beiden Seiten
die Straße auf- und niedersah. Er sah zu mir
herüber, ließ seinen Blick aber gleich weiterschweifen und
nach Interessanterem Ausschau halten. Noch nicht alt genug,
um in die Schule zu gehen, er langweilte sich.
Ein Radfahrer klapperte über das Steinpflaster, ein
DKW ratterte in langsamem Tempo vorüber und hinterließ
eine Wolke von verbranntem Benzin und Öl. Eben steckte
der Bub eine Hand in die Hosentasche, da wurde sein
Blick starr. Er blickte auf die andere Straßenseite. Irgendetwas
fesselte ihn. Zögernd zog er die Hand langsam aus
der Tasche und stieg von der Treppe, auf der er stand, auf
den Bürgersteig, verharrte, immer den Blick weiter auf den
einen Punkt gerichtet, so, als habe er nicht richtig gesehen.
Dann setzte er sich in Bewegung und fing an zu laufen, quer
über die Straße in Richtung seines Zielpunktes.
Entsetzt huschte mein Blick in beide Straßenrichtungen,
aber es gab keine Gefahr.
Etwas lag vor dem Staketenzaun, bewegte sich. Da kniete
er sich auch schon nieder, streckte seine dünnen Arme aus
und schöpfte dieses Etwas ganz behutsam in seine hohlen
Handflächen. Langsam richtete er sich auf und drehte sich
herum, den Blick immer auf die Hände gerichtet. Da sah
ich es, ein kleiner brauner Vogel, der den gelb geränderten
Schnabel aufriss und flatternd versuchte, sich aus seinem
Gefängnis zu befreien. Aber der Junge hielt ihn zart und
sicher in den gewölbten Handflächen und strebte mit verhaltener
Eile auf die andere Straßenseite zu, mühte sich, auf
nichts sonst achtend, als auf seine Hände, die Stufen zum
Eingang der Wohnung hinauf und verschwand hinter der
Wohnungstür. Er hatte einen Schatz nach Hause getragen.
Was wohl aus ihm geworden ist? Johannes Buhl
28 25 Jahre durchblick 4/2011
Gesellschaft
Ich bin nicht „Aller Welts OMA“ !
Oh, ich finde es wunderbar, wenn meine jüngste Enkelin
mir „Oma! Oma!“ rufend entgegenrennt und
in meine Arme fällt. Wir sehen uns nicht so häufig,
da ist die gegenseitige Freude besonders groß. Und wenn
die beiden „Großen“ meine Aufmerksamkeit heischend
„Oma, Oma“ rufen, dann stört mich das sicher überhaupt
nicht, im Gegenteil: Ich genieße es, wenn ich für meine Enkelinnen
die Oma, die „Ober-Mama“ sein darf, ihre Große-
Mutter. Das ist mein Platz in der Hierarchie meiner Familie,
meiner Familie.
Damit ist eigentlich schon fast alles gesagt und auch
mein Zorn erklärt, wenn mich völlig fremde Menschen als
„die Oma“ bezeichnen, selbst wenn ein Jemand einen anderen
Jemand freundlich auffordert, „der Oma“ doch mal
zu helfen oder Platz zu machen und was es sonst noch für
Nettigkeiten gibt, trotzdem: Ich bin nicht ihre Oma! Und
wenn ich es höre, entgegne ich: „Ich wüsste nicht, dass wir
miteinander verwandt sind!“
Leider ist es bei uns allgemeiner Sprachgebrauch, auch
von durchaus sprachbewussten Menschen, von älteren und
alten Menschen einfach als von der Oma und dem Opa zu
reden, in der Siegerländer Variante: „die Omma“ und „der
Obba“. Das ist in der Regel überhaupt nicht böse gemeint,
eher, wenn auch ein wenig herablassend, freundlich, aber
es bedeutet die Einordnung in eine bestimmten „Klasse“
unserer Gesellschaft. Auch das müsste mich nicht stören,
wenn damit nicht eine geheime, manchmal auch ganz offene
Abwertung einherginge:
Die Omas
und die Opas sind eigentlich
„außen vor“.
Sie gehören zwar noch
irgendwie dazu, aber
eher am Rande und auf
dem Abstellgleis, „mega
out“, nicht wirklich
ernst zu nehmen.
Was verbinden die
Menschen denn – eher
unbewusst – mit dem
Begriff „Oma“? Vielleicht
macht das ein
Spruch deutlich, den
meine Freundin immer
dann loslässt, wenn ich
Klamotten anprobiere,
die ihr nicht „gefallen“:
Es kommt dann
ihrerseits ein heftiges: „Nä!! Da drin siehst du aus wie ’ne
Oma, das kannst du in 10 Jahren anziehen!“ Wie bitte?? Ich
bin ja auch eine Oma (sie übrigens auch!). Nein, gemeint ist
damit etwas ganz anderes: Es macht dich unattraktiv, sieht
langweilig aus, unscheinbar und was sonst noch alles. Wie
eine Oma auszusehen kommt eben nicht gut.
Wir stecken offensichtlich mit drin in dieser „Aller-
Welts-Oma“-Geschichte und gestalten sie mit, indem wir
das Spiel mitspielen und um Gottes Willen nicht aussehen
wollen wie das, was wir doch sind: Menschen, die ihr Leben
bewältigt haben mit all ihrer Kraft und Energie, die viel
geleistet haben, Verantwortung getragen und jede Menge an
guten und schlechten Erfahrungen gemacht haben, Schicksalsschläge
ertragen haben. Menschen, die dieses Leben
geprägt und auch gezeichnet hat. Warum darf man uns das
nicht ansehen? Dass wir uns nicht missverstehen: Ich finde
schon, dass ältere Menschen auf ihr Äußeres achten sollen,
sich pflegen und auch attraktiv kleiden und damit ihre
eigene Würde und ihren Wert unterstreichen, sich so auch
selbst wertschätzen.
Andere Kulturen ehren ihre alten Menschen und achten
auf deren Würde, bringen ihnen Wertschätzung, Respekt
und Anerkennung entgegen. Das ist in unserer Kultur wohl
eher nicht der Fall. Wenn ich also hier für „alle Welt“ einfach
die Oma bin, ist das sicher kein Ehrentitel. Vielleicht
ist es an den „Omas“ und „Opas“ selbst, da was dran zu
drehen?
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Kultur
Atemlos bis zur letzten Zeile
– es darf auch mal ein Krimi sein
Hinter jeder Häkelgardine lauern Abgründe.
Kommissar Wallander, Miss Marple, Hercule Poirot,
Commissario Brunetti, Inspector Linley oder
Kommissar Kluftinger sind alle unsere Freunde,
mit denen wir viele Lesestunden verbringen. Neuerdings
auch die elfjährige Flavia de Luce. Auf der Spur des Verbrechens
lassen sie uns in eine andere Welt tauchen. In andere
Länder oder Landschaften. In andere soziale Schichten.
Wir Leser nehmen teil an einer spannenden Jagd nach dem
Mörder und dem Warum? Wir versuchen das Rätsel schon
vor Ende des Buchs zu lösen. Doch der Autor schickt uns
meist in ein Labyrinth von Verdächtigen und Motiven. Was
treibt den Täter an? Gier, Eifersucht, Neid, Rache, ist er
psychisch gestört? Oft liegt das Motiv in der Vergangenheit,
in unbezahlten Rechnungen des Lebens. Bei näherer
Beschäftigung mit dem Thema lässt sich unterscheiden –
meist im englischsprachigen Raum – zwischen Thriller (die
härtere Gangart des Krimis, der an den Nerven zerrt und
schlaflose Nächte bereitet) und Mystery, ein Roman, der
das Rätsel um ein Verbrechen löst, oder „Cosy crime“ (gemütlicher
Krimi), der etwa wie bei Agatha Christie im ländlichen
Raum Miss Marple auf Verbrecherjagd schickt nach
dem Motto: „Hinter jeder Häkelgardine lauern Abgründe“.
In amerikanischen Krimis, etwa bei John Grisham, ist
immer Action angesagt. Man erfährt einiges über das Innenleben
von Rechtsanwaltskanzleien, politischen Parteien
oder Banken und Firmen. Meist geht es um Machtmissbrauch,
organisierte Kriminalität, Korruption und letztendlich
um Geld und Gier. Viele Hürden muss der Held
nehmen, bis es zu einem Happy
End kommt. Dan Brown arrangiert
seine Romane, die wahrhaft
mysteriös sind, zu Kurztrips nach
London, Paris oder Washington.
Atemlos ist der Leser immer neuen
Geheimnissen auf der Spur und
wird mit dem Helden wie bei einer
Schnitzeljagd von einem Rätsel
zum nächsten gejagt. Dan Brown
verliert sich in vielfältiger Symbolik,
wobei er sich bei der Antike,
im Christentum oder der Freimaurerei
bedient.
Interessant ist ja auch, dass
Donna Leon (die Autorin der
Brunetti-Romane) eine Amerikanerin
ist, die sich in Venedig inzwischen
sicher besser auskennt
als manch Einheimischer. Ebenso
hat sich ihr Landsmann Martin
Walker in Europa verliebt und
schreibt Krimis, in denen der Polizist Bruno Courrèges im
Feinschmeckerland Frankreich (Périgord) ermittelt. Der
Leser erfährt viel über Weinbau, gestopfte Entenleber, Trüffel
und andere Delikatessen.
Anders sind da Bücher aus Nordeuropa. Die Krimis aus
Skandinavien zeigen oft ein düsteres, schwermütiges Szenario,
etwa bei Stieg Larsson oder Henning Mankell, wo
es immer wieder zu roher Gewalt und Brutalität kommt.
Manche Täter sind sadistische Psychopathen, die ohne Empathie,
Gewissen und Verantwortung handeln. Der Leser
schaut in tiefe seelische Abgründe. Er ist entsetzt, verstört
und gleichzeitig fasziniert. Diese Thriller sind keine gute
Bettlektüre, das Grauen schleicht sich in unsere Träume.
Vergnüglicher sind da englische Krimis. Da ist der Leser
in guter Gesellschaft, die englische Queen liest angeblich
auch ab und zu einen gepflegten Kriminalroman von P.D.
James. Agatha Christie und Edgar Wallace haben würdige
Nachfolger der spannenden Lektüre gefunden: Elisabeth
George etwa schickt Inspector Linley – ein eleganter Snob
mit einer „Stiff upper lip“ – und seine Mitarbeiterin Barbara
Heavers, eine eher unscheinbare aber clevere Person,
in London und auf dem englischen Land ins Rennen. Hier
wird in prekären sozialen Schichten ermittelt oder aber in
der Upper class, in den besten Kreisen. Man erfährt viel
über das Klassensystem, Standesdünkel, Multikulti, englische
Exzentrik und allerlei Gewohnheiten der Briten.
Außerdem lassen sich mit dieser Lektüre wunderbar die
Englisch-Kenntnisse auffrischen.
32 25 Jahre durchblick 4/2011
Foto: Hartmut Reeh
Kultur
Seit Kurzem sind Krimi-Fans auch mit dem kanadischen
Autor Alan Bradley und seiner elfjährigen Protagonistin
Flavia de Luce dem Verbrechen im England der 50er-Jahre
auf der Spur (sein Debüt-Roman: Tod im Gurkenbeet).
Charmant und witzig ermittelt die zauberhafte Flavia vom
Landgut Buckshaw aus in ihrer Umgebung und kommt
auch Geheimnissen ihrer eigenen Familie auf den Grund.
Manchmal erinnern Passagen ein wenig an die Welt des
Harry Potter. So auch ihr von Onkel Tar geerbtes Chemie-
Labor, das ihr für die eigenen chemischen Experimente
und v.a. als Zufluchtsort und zum Nachdenken über den
aktuellen Fall dient. Aber Flavia ist eine Einzelkämpferin,
immer wieder muss sie sich gegen ihre älteren Schwestern
Daphne (Daffy) und Ophelia (Feely) trickreich wehren:
Zickenkrieg in den 50er-Jahren. Wir schauen in das Bildungsbürgertum
der Mitte des letzten Jahrhunderts. Die
ländliche Idylle trügt.
So ist es auch in Bayern. Das Autorenduo Klüpfel/
Kobr nahm sich vor einigen Jahren das Allgäu und seine
Einwohner vor und schuf in der Figur des etwas umständlichen
Kommissars Kluftinger eine Kultfigur. Mit
seiner Frau Erika und seinem Widerpart, dem agilen Dr.
Langhammer, blicken wir auch in sein Familienleben mit
allen Widrigkeiten. Seine Lieblingsspeise: Kässpatzen.
Und wir kennen bald auch seine kleinen menschlichen
Schwächen, die ihn so sympathisch machen. Köstlich zu
lesen, wie er etwa zum ersten Mal in einer Sushi-Bar zu
Gast ist oder wie der Computer immer wieder sein Feind
ist. So landet er bei einer dienstlichen Recherche auf
sehr zwielichtigen Porno-Seiten. Wenn man heute auf
die Hompepage „Kluftinger“ schaut, gibt es inzwischen
einen Fanclub, einen Blog und das volle Merchandising-
Programm mit Kluftinger-Artikeln: vom Brettspiel bis
zum Klufti-Kochbuch kann man alles bestellen. Ein Buch
wurde bis heute verfilmt. Aber wie bei den meisten Verfilmungen
ist es auch hier, der Kino- oder Fernseh-Krimi
ist oft enttäuschend gegenüber den eigenen Vorstellungen
und dem Vergnügen beim Lesen. Die eigene Phantasie
malt sich doch vieles ganz anders aus.
Bei den deutschen Krimi-Autoren darf man natürlich
Ingrid Noll nicht vergessen. Wie Rosamunde Pilcher auch,
begann Ingrid Noll erst nach dem 60. Geburtstag mit der
Schriftstellerei und wurde schon mit ihrem ersten Roman
„Der Hahn ist tot“ sehr erfolgreich. Meist dreht sich die
Handlung ihrer Romane um Frauen, die ihre Liebhaber
oder Ehemänner möglichst raffiniert umbringen. Aber „Selige
Witwen“ ist nur ein Buchtitel, Ingrid Noll lebt immer
noch mit ihrem Ehemann zusammen in Weinheim.
Subtil und raffiniert sind auch die Bücher von Martin
Suter, der die Leser in die snobistische Welt der schweizerischen
Manager und Siegelringträger entführt. Auf gehobenem
Niveau geht es auch hier nur um Gier, Fälschung
und Verrat. Etwa um eine Kunstfälschung eines Felix-Vallotton-Gemäldes,
das in eine Auktion geht (im Roman „Der
letzte Weynfeldt“). Vorher hatte Martin Suter höchst amüsante
und satirische Kolumnen über die „Business Class“,
die Chefetagen großer Unternehmen, geschrieben und den
Managern nicht immer schmeichelhaft den Spiegel vorgehalten.
Natürlich gibt es auch einen Spezialisten für das Siegerland:
den schrulligen Privatdetektiv Tristan Irle. Ralf
Strackbein beschreibt in den Irle-Romanen liebevoll seine
Heimatstadt und verfolgt rund ums Krönchen das Verbrechen.
Diese Regional-Krimis boomen und immer neue
deutsche Städte und Gegenden von Hamburg bis zum Bodensee
werden zur Bühne von Kriminalromanen.
Andere deutsche Autoren, wie Uli Wickert z.B., der ja
auch viele Jahre beruflich in Frankreich als Korrespondent
tätig war, hat in seinen Romanen Paris zum Mittelpunkt
gemacht.
Auffallend ist, dass viele Krimi-Autoren erst im reiferen
Alter mit dem Schreiben beginnen, also ihre „Ernte“ einfahren:
ihr Insider-Wissen über Verlage, Kirche, Kunsthandel,
Universitäten, Theater usw; ihre Menschenkenntnis, selbst
Beobachtetes oder Erlebtes, Recherchiertes und Phantasie
natürlich wird zu spannenden Geschichten verwoben, oft
subtil inszeniert. Wie die Bestseller-Listen beweisen, dem
Leser ist die Einordnung in ernsthafte oder triviale Literatur
egal. Hauptsache: atemlos bis zur letzten Zeile.
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4/2011 25 Jahre durchblick 33
Historisches
Das Schafott auf dem Hasengarten
Es begann mit Schmerz und Zorn und endete mit Entsetzen und Wut
Hinter dem Hexenturm beginnt der hintere Teil des Schlossparks.
Opa, stimmt es, dass früher beim Oberen Schloss jemandem
der Kopf abgeschlagen worden ist? Unser
Geschichtslehrer hat das gesagt.“
„Ja, Jörg, das stimmt. Der Mann hieß Friedrich Flender
und stammte aus Weidenau.“
„War das ein Mörder? Oder was hatte er für ein Verbrechen
begangen?“
„Nein, Friedrich Flender war weder ein Mörder noch
hatte er ein Verbrechen begangen. Im Gegenteil: Dass man
ihm auf Befehl des damaligen Fürsten Wilhelm Hyazinth
den Kopf abschlug, das war ein Verbrechen.“
„Boah! Der Fürst ein Verbrecher! Ist ja voll krass! Wie
konnte das denn passieren?“
„Das Ganze ist eine lange Geschichte, die mit Schmerz
und Zorn begann und mit Entsetzen und Wut endete. So
etwas kann nicht mit wenigen Worten erklärt werden.“
„Ey, Opa, kannst du mir die lange Geschichte nicht einmal
erzählen? Wenn wir in der nächsten Geschichtsstunde
das Thema wieder behandeln, dann weiß ich mehr als die
anderen und bekomme vielleicht eine gute Note.“
„Ich finde es prima, dass ihr in der Schule auch die Vergangenheit
unseres schönen Siegerlandes behandelt und ich
will gerne etwas für deine Noten tun. Am Samstag gehen
wir beide zum Oberen Schloss und ich erzähle dir von den
alten Zeiten.“
Bis zum Samstag sind es noch ein paar Tage. Jörgs Großvater
nimmt sich vor, sein etwas angestaubtes Wissen bis
dahin aufzufrischen. Schnell entdeckt er, dass dies gar nicht
so einfach ist. In seinem Bücherregal stehen
etliche Heimatbücher mit Geschichten
aus früheren Zeiten. Was er in diesen über
den Fürsten Wilhelm Hyazinth findet, kann
zum größeren Teil ins Reich der Fabeln
und der Ammenmärchen verwiesen werden.
So soll der Fürst seinen 15-jährigen
Sohn Franz Joseph, der tatsächlich im
eigenen Bett im Oberen Schloss an einer
schweren Krankheit verstarb, während einer
Treibjagd im Rödger Wald erschossen
haben. Neben einigem anderen rankt sich
auch über das Ende des Herrschers eine
Legende. Im Siegener Flurstück „Stummes
Loch“ habe ihn mitsamt seinem Vierspänner
während eines Gewitters der Teufel
geholt, heißt es.
Weil Jörgs Großvater mit der Zeit geht,
schaut er auch ins Internet und findet unter
anderem bei Wikipedia viele Nennungen.
Doch – oh weh! – was die Glaubwürdigkeit
der Angaben über die in der Stadt Siegen einst herrschenden
Grafen und Fürsten anbelangt, ist es beim ansonsten
doch recht zuverlässigen Online-Lexikon leider nicht
weit her. Jahreszahlen und sonstige Daten für bestimmte
Ereignisse sind mal so und mal anders notiert, teils hanebüchene
Behauptungen stehen im krassen Widerspruch zu
dem, was an anderer Stelle steht. Also noch einmal an den
Bücherschrank. Und er wird fündig. Im Büchlein „Friedrich
Flender vor der Hardt“ von Hermann Böttger und in
Heinrich von Achenbachs „Geschichte der Stadt Siegen“
findet er vieles von dem, wonach er sucht. Als sich Jörg
und sein Großvater am Samstag auf den Weg zum Siegberg
machen, fühlt sich der Ältere gut vorbereitet.
Beide durchqueren den wie immer wohlgestalteten
Schlosspark, passieren den Hexenturm und nehmen ganz
am Ende Platz auf einer der zahlreichen Bänke.
„Wie bei vielen Ereignissen muss man auch bei dieser
Geschichte Ursache und Anlass unterscheiden“, beginnt der
Großvater und ergänzt: „Bevor wir auf die eigentlichen Geschehnisse
kommen, kann ich dir daher einige historische
Vorbemerkungen nicht ersparen. Dass alles so kam, wie es
kam, liegt nämlich zu einem Teil auch an den ständigen Erbteilungen,
die das einst so große Haus Nassau in viele kleine
Grafschaften zersplitterten. Du musst wissen, dass der Besitz
des Adelsgeschlechts ursprünglich von der Siegquelle
bis zur Mündung des Mains hinter Wiesbaden reichte. Die
Nassauer hatten damit durchaus europäische Bedeutung.
Als Graf Johann VI., der mit drei Ehefrauen insgesamt 20
34 25 Jahre durchblick 4/2011
Autorenfoto
Historisches
Unbekannter Maler: Johann
VII. – der Mittlere
(Siegerlandmuseum)
Kinder hatte und den man
später ‚den Älteren’ nannte,
im Jahr 1606 starb, folgte
erneut eine bedeutsame Teilung.
Fünf Söhne erbten den
noch recht ansehnlichen Besitz,
der in jener Zeit an der
Lahn endete. Nassau-Siegen
fiel an Johann VII., die Grafschaften
in Dillenburg, Beilstein,
Hadamar und Diez an
vier Brüder.“
„Welche Städte und Dörfer
zählten denn zu Nassau-
Siegen?“, unterbricht ihn
Jörg.
„Von der Größe her entsprach
Nassau-Siegen in etwa dem späteren Kreis Siegen.
Damit war die Grafschaft dennoch so klein, dass durch
die von den Untertanen zu zahlenden Steuern die Existenz
der Grafenfamilie kaum zu sichern war. Eine weitere Teilung
war somit nicht zu verantworten. Angesichts seiner
zu diesem Zeitpunkt bereits sechs erbberechtigter Söhne
verfasste Graf Johann VII., genannt ‚der Mittlere’, deshalb
gleich nach seinem Amtsantritt ein Testament. In diesem
legte er fest, dass nach seinem Tod der älteste Sohn, Johann
Ernst, die gesamte Grafschaft erhalten solle und eine weitere
Teilung demnach nicht in Frage kam.“
„Waren die anderen Söhne denn damit einverstanden?“,
will Jörg wissen.
„Sie sahen wohl ein, dass es wenig Sinn machte, wenn
jeder von ihnen drei oder vier Dörfer erben würde; auch
sollten sie Abfindungen erhalten, die so hoch waren, dass
alle ihre Zustimmung gaben.“
„Was hat das denn alles mit Friedrich
Flender und dessen Hinrichtung zu tun?“
„Warte ab“, sagt der Großvater und
ergänzt, dass der letzte Wille von Johann
dem Mittleren nicht das letzte Wort in
dieser Angelegenheit war und dass dieser
Jahre später das Testament änderte.
„Welchen Grund hatte der mittlere
Johann denn hierfür?“
„Johann Ernst, als sein ältester Sohn
der auserkorene Erbe, starb überraschend
und nun war eigentlich der zweitälteste
Sohn, Johann VIII., genannt ‚der Jüngere’,
Nachfolger vom Mittleren. Doch
ausgerechnet dieser war zum Entsetzen
seiner gesamten Familie zum katholischen
Glauben übergetreten. Die
Grafenfamilie und die Einwohner der
Grafschaft waren nämlich schon seit
zwei Generationen reformiert. Johann
der Mittlere befürchtete, dass sein Sohn
das gesamte Siegerland wieder katholisch machen würde.
Dieser versprach zwar, jedem seinen Glauben zu lassen,
doch seinen Vater überzeugte das nicht. Ganz leer ausgehen
lassen wollte und konnte der Mittlere seinen Ältesten aber
nicht und so bestimmte er in einem neuen ‚letzten Willen’,
dass nach seinem Tod die Grafschaft in drei Teile aufzuteilen
sei. Und so kam es, dass Johann der Jüngere das Amt
Netphen, die Pfarreien Rödgen und Wilnsdorf sowie die
Orte Kaan, Bürbach, Volnsberg, Weidenau und Eiserfeld
sowie das Obere Schloss erbte. Das nördliche Siegerland
fiel an Graf Wilhelm, das westliche an Graf Johann Moritz.
Die Stadt Siegen blieb ungeteilt und gehörte jedem zu
einem Drittel.“
„Ey, Opa, kannst du dir vorstellen, dass es mir von den
vielen Johanns im Kopf schwirrt?“
„Das glaube ich gerne. Man war damals bei der Namengebung
nicht so einfallsreich wie heutzutage, dazu musste
man stets auf die Namen der Taufpaten Rücksicht nehmen.
Aber wenn du dir merkst, dass Johann der Ältere in der
Grafenfamilie der Opa war, Johann der Mittlere der Papa
und Johann der Jüngere der Sohn, dann müsste es für dich
einfacher werden.“
„Du hast vorhin gesagt, dass das ganze Siegerland kaum
die Grafenfamilie ernähren konnte. Wie ging das denn nun
mit einem Drittel?“
„Gute Frage, Jörg! Dass jemand sein Testament ändert,
das kommt vor. Man kann bei einem solchen Geschehnis
davon ausgehen, dass es hinterher Gewinner und Verlierer
gibt. Als Johann der Mittlere sein aus einem doch sehr
sinnvollen Grund verfasstes Testament änderte, traf dies
so nicht zu, denn eigentlich gab es hinterher nur Verlierer.
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4/2011 25 Jahre durchblick 35
Historisches
Van Dijk: Johann
VIII. – der Jüngere
(Siegerlandmuseum)
letztlich gar zu kriegerischen
Handlungen. Endlose 120 Jahre
lang kehrte keine Ruhe in Nassau-
Siegen ein. Alle Einzelheiten hier
zu behandeln, würde viel zu weit
führen. Eine Tatsache ist aber,
dass Schmerz und Zorn nicht nur
in den Schlössern, sondern auch
bei den Untertanen stets allgegenwärtig
blieben.“
„Hat der Jüngere denn – wie
von seinem Vater befürchtet – in
seinem winzigen Land den katholischen
Glauben wieder eingeführt?“
„Er hatte zwischenzeitlich nach
einem entsprechenden Einspruch
gegen die Gültigkeit des Testaments ein kaiserliches Mandat
erwirkt, das ihn vorläufig sogar zum Alleinherrscher
in ganz Nassau-Siegen machte. Drei Jahre nach seinem
Amtsantritt befahl er, dass im Siegerland alle reformierten
Prediger abzusetzen seien. Alle
Anno 1652 wurden die
Grafschaften in Nassau-
Siegen Fürstentümer
Siegerländer hatten von nun an
dem katholischen Gottesdienst
beizuwohnen. Das war im Jahr
1626, also während des 30-jährigen
Kriegs und zu einer Zeit,
als der katholische Kaiser gerade
die Oberhand hatte. Als der ‚Westfälische Friede’, von dem
du sicherlich auch schon gehört hast, anno 1648 geschlossen
wurde, verordnete ein neuer Kaiser die erneute Dreiteilung
des Landes. Johann der Jüngere war zwischenzeitlich
gestorben und dessen Sohn Johann Franz Desideratus hatte
das Regiment im kleinen Herrschaftsgebiet übernommen.
Dieses nannte der Siegerländer Volksmund hinterher ‚das
katholische Land’ und auch ‚das Johannland’.“
„Nach allem was du mir erzählt hast, konnte die Grafenfamilien
sich nun nicht mehr allzu viel leisten“, stellt
Jörg fest.
„Ja, eigentlich war das angesichts der wenigen Steuerpflichtigen
auch so“, bekräftigt der Großvater, „aber sie
ließen sich etwas ganz einfaches einfallen. Die Steuern
wurden erhöht und so konnten sie trotzdem größere Sprünge
machen. Das Johannland war übrigens seit November
1652 keine Grafschaft mehr. Der Kaiser hatte die Regenten
in Nassau-Siegen in den Reichsfürstenstand erhoben und so
gab es bei uns winzig kleine Fürstentümer.“
„Cool! War denn ein Fürst mehr als ein Graf?“, fragt
Jörg wissbegierig.
„So ist es. Ein Graf hatte im Hochadel den niedrigsten
Rang. Ihm stand die Anrede ‚Hochgeboren’ zu. Ein Fürst
stand rangmäßig eine Stufe höher und wurde mit ‚Durchlaucht’
angeredet.
Aber zurück zum Thema! Im Jahr 1699 starb Fürst Johann
Franz Desideratus und dessen Sohn Wilhelm Hyazinth,
gleichzeitig Enkel von Johann dem Jüngeren, wurde
der neue Fürst und damit Chef im Oberen Schloss.“
„Wow!“, freut sich Jörg, „endlich kommen wir zum
Mörder. Der muss doch etwas an der Backe gehabt haben.“
Der Großvater kann dem nur zustimmen: „Schon seine
Zeitgenossen hatten große Schwierigkeiten, seinen Charakter
klar zu definieren. In höheren Kreisen wurde er als
wunderlicher Mann eingestuft. Und tatsächlich meinten
viele Höhergestellte, dass er einen Sprung in der Schüssel
habe. Ohne Zweifel verfügte er dennoch über viel geistige
Kraft und sprach mehrere Fremdsprachen. Andererseits
wollte er sich weder Gesetz noch Ordnung unterwerfen,
war selbstgefällig und hochmütig, dazu brauste er immer
wieder bei den geringsten Anlässen jähzornig auf. Sogar
dem Kaiser gegenüber trat er mit großer Zügellosigkeit auf,
wenn dieser wegen seiner Gewalttätigkeit Schritte gegen
ihn einleiten musste.“
„Das ist ja der Hammer! Er war also assimäßig zu allem
fähig?“
„Ja, dies vor allem wenn er seine Herrscherrechte verletzt
glaubte. Das hatte sicherlich mit einer völlig falschen Erziehung
zu tun. Er erfuhr wenig
von dem, was mit der Regierung
eines Landes zu tun hat. Wenn
Wilhelm Hyazinth heutzutage
vor Gericht gestellt würde, dann
hätte sein Anwalt mit Sicherheit
das Argument einer schweren
Kindheit parat und würde mildernde Umstände beantragen.
Seine eigene Mutter starb früh und er war noch keine
drei Jahre alt, da heiratete sein Vater eine der Hofdamen
der Verstorbenen. Bitter beklagte sich Wilhelm Hyazinth
stets darüber, dass die nicht standesgemäße böse Stiefmutter
ihn quäle und
ihre eigenen Söhne
unentwegt bevorzuge.
Die Erziehung
sei in seinen
ersten Lebensjahren
einem tölpelhaften
Bedienten
überlassen worden,
so der Vorwurf seinem
Vater gegenüber.
Mir diesem
stritt er im Übrigen
ständig und einmal
so massiv über eine
Schmälerung
seines prinzlichen
Gehalts, dass die
Sache zur Beurteilung
an den Reichshofrat
nach Wien
ging.“
Wilhelm Hyazinth
(Siegerlandmuseum)
36 25 Jahre durchblick 4/2011
Historisches
„Wenn der Alte so wenig blechte, konnte sich der Sohn
ja schon früh auf die geringen Steuern in seinem Johannland
einstellen.“
„Man sollte meinen, dass im Oberen Schloss eine sparsame
Hofhaltung angesagt sein würde – aber die Wahrheit
sah anders aus. Als der Fürst nach dem Tod seines Vaters
die Regentschaft übernahm, blies für die nur 800 Steuerpflichtigen
im Johannland gleich ein anderer Wind. Mehr
und mehr beklagten sich die Untertanen darüber, dass der
Fürst zehnmal mehr Abgaben als sein Vater erhob. Es war
endlich kaum noch zu ertragen und die empörten Untertanen
wurden zornig und immer zorniger.“
„Gab es einen Grund für diese totale Geldgeilheit?“,
fragt Jörg.
„Es erscheint kurios“, so der Großvater, „aber auch diese
hing wieder mit Erbschaften zusammen. Du hast sicher
schon einmal etwas von Wilhelm von Oranien gehört, der
im 16. Jahrhundert eine große Rolle beim Kampf der Niederländer
gegen die spanischen Herrschaft spielte und den
man ‚den Schweigsamen’ und später ‚den Schweiger’ nannte.
Dieser war ein Bruder von Johann dem Älteren und hatte
als Zwölfjähriger das reiche Fürstentum Oranien an der
südlichen Rhone durch das Vermächtnis eines Verwandten
geerbt. In diesem Geschlecht gab es eine Bestimmung,
wonach in dem Fall, dass irgendwann kein männlicher
Nachkomme mehr vorhanden sei, der oranische Besitz an
das Geschlecht Johann des Älteren übergehen solle. Der
letzte männliche Nachkomme Wilhelm von Oraniens war
der sehr kränkliche und kinderlose Wilhelm III., der neben
anderen Titeln auch den des Königs von England innehatte.
Der älteste Nachkomme von Johann dem Älteren indes war
Wilhelm Hyazinth. Und so ging dieser felsenfest und nicht
ganz zu Unrecht davon aus, dass ihm über kurz oder lang
das Erbe in Frankreich zufallen würde.“
„Dass er hierauf Bock hatte, kann ich mir denken. Dann
hätte er ausgesorgt gehabt.“
„Richtig! Als Wilhelm III. tatsächlich 1702 starb, trieb
der Fürst in Erwartung der sicher erscheinenden Erbschaft
sogleich einen noch höheren Aufwand als bislang schon,
übernahm den Titel ‚Prinz von Oranien’ und ließ sich mit
‚Hoheit’ und ‚königliche Hoheit’ anreden. Wer das nicht beachtete,
der konnte im Kerker landen. Wo er sich von nun an
aufhielt, sollte er stets umgeben sein von zwei adligen Gesellschaftern,
zwei Kammerdienern, zwei Sekretären, vier
Lakaien, einem Hofmeister, einem Koch sowie mehreren
Bedienungen. Seiner Frau nebst Sohn wurde ein ähnlicher
Hofstaat zugewiesen. Er war sich sicher, dass er angesichts
der reichen Erbschaft nun einen glänzenden Hof unterhalten
und ein behagliches Leben führen könne.“
„Das wäre eine echt geile Sache für ihn gewesen. Aber
ich vermute, dass irgendetwas schiefging.“
„Jörg, du bist ein Schnellmerker. Ich will es kurz machen,
denn neben Wilhelm Hyazinth gab es weitere vermeintliche
Erben. Wilhelm III. hatte in seinem Testament
seinen gesamten Besitz dem Haus Nassau-Diez vermacht,
dazu meldete auch der König
von Preußen Ansprüche
an. Der Siegener Fürst reiste
nach Paris, um bei Ludwig
XIV. gegenüber den Mitbewerbern
Unterstützung zu
erhalten. Doch das erwies
sich als schlechte Idee,
denn das Resultat war, dass
der Sonnenkönig das Fürstentum
Oranien der Krone
Frankreich einverleibte.
Wilhelm Hyazinth suchte
danach beim Papst und bei
den meisten europäischen
Höfen Unterstützung. Die
Reisekosten für die große
Rechtsanwaltskanzlei
Dr. Buß & Coll.
Dr. jur. Annette Buß
Autorenfoto
Delegation und das Geld für aufwendige Geschenke für
seine Gastgeber stiegen schier ins Unermessliche. Das alles
war von den Untertanen bei weitem nicht zu leisten. Auch
die bei einem Frankfurter Bankhaus geliehenen 20.000
Reichstaler, wofür er die Dörfer Wilnsdorf und Wilgersdorf
zum Pfand gab, erwiesen sich nur als Tropfen auf den
heißen Stein. Und er hätte das ganze Johannland verkauft
– wenn ein Käufer zur Stelle gewesen wäre.“
„Wehrten sich die Untertanen denn nicht gegen den
Schwachmaaten?“, forscht Jörg nach.
„Nun“, bekommt er zur Antwort, „die insgesamt trotz
allem besonnene Johannländer Bevölkerung beklagte sich
bitterlich über die allwöchentlichen Zusatzsteuern, ‚Schatzungen’
genannt, die durch keineswegs zimperlich vorgehende
Schlosssoldaten eingetrieben wurden. Aber ein Dämon,
der mit dem Dolch zum Tyrannen geschlichen wäre,
fand sich nicht. Doch die Unterdrückten verfassten endlich
Klageschriften an den kaiserlichen Hof nach Wien. Hauptklageführer
waren Johann Wiegel aus Oberdielfen, Adam
Gerhard aus Affholderbach, Johannes Stötzel aus Eschenbach,
Henrich Scheffer aus Dreisbach, Johann Ebert Schütte
aus Müßnershütten, David Kieffel aus Wilnsdorf sowie
die Weidenauer Johannes Truppach, Johann Thomas
Tätigkeitsschwerpunkt
- Erbrecht
- Familienrecht
- Erstellung von
Patientenverfügungen
Denkmal auf dem
Weidenauer Friedrich-
Flender-Platz
4/2011 25 Jahre durchblick 37
Historisches
Gedenktafel auf dem Hasengarten
sowie die Brüder Friedrich und Johann Jakob Flender. Endlich
beauftragte der Kaiser eine Kommission des Kölner
Domkapitels mit der Untersuchung der Siegener Zustände.“
„Das war ja wohl auch total angesagt. Und – haben die
Kölner alles gecheckt?“
„Ehe die Kommission eintraf, geschah der Mord. Der
Fürst vermutete in Weidenau den Mittelpunkt der Widerstandsbewegung
und gab den Befehl zur Festnahme von
Johann Ebert Schütte sowie Johann Jakob und Friedrich
Flender. Die beiden Ersteren rochen beim Anrücken der
Schlosssoldaten den Braten, sprangen ins Wasser der Ferndorf,
flohen ans andere Ufer nach Boschgotthardshütten
und waren damit im sicheren Ausland. Letzterer indes war
bei der Feldarbeit, bemerkte die Häscher wohl zu spät und
wurde gefangen aufs Obere Schloss gebracht.“
„So ein Shit!“, schimpft Jörg. „War dieser Flender denn
der große Boss beim Widerstand?“
„Friedrich Flender, der nach dem Standort seines Hauses
den Beinamen ‚vor der Hardt’ führte, gehörte zu einer der
angesehensten Weidenauer Familien, von denen die meisten
dem reformierten Glaubensbekenntnis treu geblieben
waren. Schon seine Vorfahren waren Anteilseigner des
Hardter Hammers, einer Schmiedefabrik. Er besuchte bis
zu seinem 16. Lebensjahr die Siegener Lateinschule, ging
dann aber ab um im elterlichen Betrieb als Hammerschmied
zu arbeiten. Da der Weidenauer eine über den Normalfall
hinausgehende Schulbildung besaß, außerdem als Fabrik-
Mitbesitzer einer der Hauptbetroffenen war, hatte auch er
– sicherlich nicht zuletzt nach entsprechenden Bitten seiner
Bekannten – über die despotischen Geldeintreibungen Beschwerde
geführt. Er kann aber kaum als Haupträdelsführer
bezeichnet werden.“
Jörg hat noch eine Frage: „Spielten auch religiöse Gründe
eine Rolle?“
„Da Friedrich Flender und seine Verwandtschaft im katholischen
Land nach wie vor dem reformierten Glauben
anhingen, erhielt er irgendwann den Status eines Märtyrers,
denn es wurde später lange Zeit im Siegerland behauptet,
dass er wegen seiner Religion festgenommen worden sei.
Autorenfoto
Dies lässt sich aber nirgendwo belegen, zudem litten die
Katholiken in gleichem Maße wie die Andersgläubigen an
der Geld- und Machtgier des Gewaltherrschers.“
„Nach der Gefangennahme geschah der Mord, oder…?“
„Schon im Jahr zuvor hatte der Fürst verkünden lassen,
dass jedem, der die Auflagen zahlen könne, dies aber nicht
wolle, der Kopf abgeschlagen würde. Nun wollte er durch
einen gewaltsamen Akt den sich verstärkenden Widerstand
niederschlagen und ein abschreckendes Beispiel geben.
Eine Untersuchung gab es nicht, eine auch damals schon
zwingend vorgeschriebene Gerichtsverhandlung mit einem
abschließenden Urteil ebenfalls nicht.
Gleich da vorne auf dem so genannten Hasengarten ließ
der Fürst ein Schafott errichten und drei Tage nach der Gefangennahme
schlug der Scharfrichter dem Unglücklichen
am 29. März 1707 den Kopf ab. Diesen steckte man auf
dem Bollwerk oberhalb des Marburger Tors auf eine hohe
Stange mit dem Gesicht nach Weidenau gewendet. Anderntags
wurden still und heimlich Flenders Körper und Kopf
an der Mauer des Weidenauer Friedhofs unter die Erde gebracht.
An der Stange wurde ein hölzerner Kopf befestigt,
der aus großer Entfernung zu sehen war.“
„Jetzt war bei allen anderen doch sicher mächtig Bammel
angesagt?“, vermutet der Junge.
„Na klar Jörg, die Hinrichtung hatte überall im Johannland
Entsetzen hervorgerufen. Manch einer flüchtete ins
Ausland oder suchte Schutz beim reformierten Fürsten im
Unteren Schloss. Auch in Köln war das Geschehnis rasch
bekannt geworden und so traf nach etlichen Tagen die schon
zuvor mit der Untersuchung betraute Kommission nebst
starker militärischer Begleitung ein. Wilhelm Hyazinth gab
sich anfangs großspurig, machte sich dann aber schleunigst
und feige aus dem Staub und floh nach Hadamar. In der
Friedrich Flenders Abschiedsbrief, bei d
Passagen weggelassen wurden, hat folg
„Hertz Liebe Haus Frau Cattarina Flenderin,
gemahl bis in den Dot, welche sterb stundte mir
worden. So nun ja es sollte volbracht werden, da ic
Augenblick Gottes und Ihrer Hoheitt Gnadt mich
versichert weis im Hertzen kein Arges noch Bößes
Regirung sondern über die schwäre undt große neue
oder mehr nicht als der geringsten Underthanen ein
diesem zeittlichen Leben uns nicht wieder sehen, d
Verstand zu überwinden, auch gudte Acht auff die 3
damit sie christlich aufferzogen werden undt der him
pt und sonders Verpfleger sein würdt.
Vale 1707 den 29. Mertz allen Freunden gude Na
38 25 Jahre durchblick 4/2011
Stadt Siegen feierten die Bürger und die Bauern aus der
Umgebung ein spontanes Freudenfest. Die Kommission
übernahm für die nächsten vier Jahre das Kommando im
Johannland und ließ als Sofortmaßnahme den Körper von
Friedrich Flender ausgraben und der Ermordete erhielt unter
riesiger Beteiligung der Siegerländer Bevölkerung ein
christliches Begräbnis.“
„Dann sind wir jetzt wohl am Ende und können den
Abflug machen?“
„Noch nicht ganz, es gibt noch eine wichtige Sache. Vor
ungefähr 100 Jahren wurde in Weidenau ein Haus abgebrochen.
In diesem hatte einst die Witwe Friedrich Flenders
gewohnt. Beim Abbruch fand sich in einem Geheimfach
ein zu Herzen gehender Abschiedsbrief, den der Getötete
wenige Stunden vor der Hinrichtung geschrieben hatte und
der die große innere Kraft des bescheidenen und aufrechten
Mannes belegt. Der 32-Jährige hoffte zu diesem Zeitpunkt
im Bewusstsein seiner Unschuld noch auf fürstliche Gnade,
ging aber wohl doch schon davon aus, dass diese Hoffnung
vergeblich sein würde. Ich habe den Brieftext dabei und
werde ihn dir gleich vorlesen. Er versichert hierin seiner
Katharina Liebe bis in den Tod und bittet sie, alles mit Geduld
und Verstand zu überwinden. Wichtig war ihm auch,
dass ihm kein todeswürdiges Delikt zur Last gelegt werden
könne, sondern dass er lediglich wie jeder andere gegen die
finanziellen Auflagen geklagt habe. Dazu bittet er sie, die
älteste Tochter Godelieb und die erst kurz zuvor geborenen
Zwillinge Johannes und Marie Elisabeth in christlichem
Glauben zu erziehen. Außerdem sind am Schluss noch etliche
geschäftliche Anmerkungen enthalten, die zum Teil
für uns heute unverständlich sind.“
Nachdem der Großvater den Brief vorgelesen und
noch ergänzt hat, dass Fürst Wilhelm Hyazinth vier Jahre
nach dem Mord noch
em die geschäftlichen
enden Wortlaut:
ich verbleibe Euerer Eheanheutte
ist angekündiget
h doch noch bis zum letzten
getröste, so dass ich mich
gegen die Gnädigste Hohe
Ufflagen geklaget, weniger
er. Bitte also, wenn wier in
ieses alles mit Gedult und
unmündige Kinder haben,
mlische Vatter Euerer samcht.
Historisches
Friederich Flender.“
einmal eine Zeitlang das
Regiment am Oberen
Schloss übernahm, bald
aber wieder in gewohnter
Weise seine Untertanen
finanziell ruinierte und
erst 1723 vom Kaiser
endgültig abgesetzt wurde,
verlassen die beiden
ihre Bank. Ehe sie sich
auf den Heimweg machen,
schauen sie sich
noch die vielen Dokumente
aus der einstigen
Zeit im Siegerland-Museum
und in dessen Umfeld
an. Wenn der zuletzt
ganz still gewordene Jörg
jetzt nicht zu seiner guten
Note kommt…
Ulli Weber
Alter Geschlecht Monatsbeitrag in Euro
45 Frauen
Männer
55 Frauen
Männer
65 Frauen
Männer
75 Frauen
Männer
Genau so einzigartig
wie der Mensch ist,
so sollte auch seine
Bestattung sein.
Vorsorge
Absicherung für den letzten Weg
8,94
11,53
12,24
15,82
19,45
24,82
40,50
48,63
12,89
16,79
17,84
23,21
28,63
36,70
60,18
72,38
TÜV SÜD geprüfte Service-Qualität
seit 3 Jahren in Folge
für den Geltungsbereich:
16,84
22,03
23,44
30,59
37,81
48,56
79,86
96,14
Versicherungssumme 3.000 4.500 6.000
Quelle: Ideal Sterbe-Geld 2011
4/2011 25 Jahre durchblick 39
Ein Leben ohne Chor kann sich Gerhard Engel eig
er im Chor der St. Peter und Paul Kirche, wo er s
Begeisterung für Kirchenmusik begleitet ihn sei
durch Hören, Sehen und Verstehen später selbst Chorle
spruchsvolle Aufgabe.
Weitere Stationen seiner Dirigententätigkeit sind: 19
St. Peter und Paul, Siegen, der bis 1990 bestanden hat, 19
2000 bis heute Kirchenchor St. Marien, Freudenberg.
Chormusik in einer christlichen Kirche ist kein Selb
schen Messe bzw. des Gottesdienstes. Sie ordnet sich de
Sinne an. So wie auch der feierliche Rahmen der Kirche
Glasfenstern und Wänden, die kunstvoll gestalteten Altä
Lob Gottes.
Zu Gerhard Engels liebsten musikalischen Erinnerun
im Salzburger Dom, dem Paderborner Dom und dem Do
des Oratoriums „Der Messias“ von Georg Friedrich Hä
Besonders schätzt er außerdem die Musik von Felix Men
und Joseph Haydn.
Zur Person:
1936 in Siegen geboren, verheiratet, 5 Kinder
Beruf: Abgeschlossenes BWL-Studium Außendienst
Von 1974 bis 2002 als Anzeigen- und Werbeberater b
40 25 Jahre durchblick ck
4/2011
entlich gar nicht vorstellen. Schon seit 1956 singt
eit 1970 auch als Vize-Chorleiter fungiert. Seine
n Leben lang. So musikalisch vorgebildet, ist er
iter geworden, eine verantwortungsvolle und an-
76 Gründung und Leitung eines Kinderchores in
90 bis Ende 1999 Kirchenchor St. Matthias, Deuz,
stzweck. Er dient der Mitgestaltung der katholim
Ablauf des Messerituals unter und spricht die
narchitektur, die bunten Gewänder, die Bilder an
re und der Duft des Weihrauchs. Alles dient zum
gen gehört die Gestaltung der Gemeindemessen
m zu Mainz. Nicht zu vergessen, die Aufführung
ndel in der Kirche St. Peter und Paul in Siegen.
delssohn-Bartholdy, Wolfgang Amadeaus Mozart
tätigkeit für mehrere Markenartikel-Firmen.
ei der Siegener Zeitung
Collage: Gottfried Klör, Text: Tessie Reeh
4/2011 25
Jahre durchblick ck
41
Philosophisches
Gedanken auf Abwegen
Walther von der Vogelweide, Lyriker des Mittelalters
(Abb. Große Heidelberger Liederhandschrift um 1300)
Ich saß auf einem Steine und schlug Bein über Beine......
Ein Hauch von Endlichkeit lag schon über der Natur,
ein letztes Aufbäumen in einer alles verschlingenden
Farbenpracht vor dem Vergehen. Der ganze Vorgang mit
einem unendlichen Gleichmut. Aber sie wird wiederkommen,
sammelt Saft und Kraft, um uns einen neuen Frühling
zu bescheren. Altweibersommer, eine sicherlich schillernde
Bezeichnung für diesen herrlichen Jahresabschnitt, jedoch
auch ein wenig provokant, frivol und schmerzhaft, wenn
sie den Älteren unterstellt, dass auch sie noch einmal Rad
schlagen und ihr Gefieder aufplustern vor dem endgültigen
Ableben. Und wie ist es um deren „Come back“ bestellt?
Das Licht nimmt ab. Hin und wieder weht ein noch
grünes Blatt an mir vorüber, ein Gruß aus sommerlichen Tagen,
ein momento mori - Symbol der Vergänglichkeit. Die
letzten wärmenden Sonnenstrahlen legen sich über mein
melancholisches Gemüt. „Leuchtende Tage, nicht weinen,
dass sie vorüber, lächeln, dass sie gewesen (Konfuzius).
Wikipedia
An den vergangenen Abenden übernahm ein Vollmond
den Tag mit einem fahlen, kalten und verstörenden Licht,
das Weltgeschehen zog in dunklen Wolkengebilden an ihm
vorüber. Die Vorstellung eines indifferenten Universums,
im gebrechlichen, oft überheblichen Ich noch ein fernes
Ich suchen. Die Eulen der Minerva beginnen erst in der
Dämmerung ihren Flug.
Ich glaube, es gibt kaum einen Stoff auf diesem Planeten,
aus dem man mehr erschaffen könnte, als aus der Welt der
Gedanken. Manchmal ziehen sie wie Segelschiffchen ihre
Bahn, heute eilen sie, sie überschlagen sich fast. Der Körper
wird im Alter poröser, durchlässiger, die Stimmigkeit des
Lebens nimmt ab, der Wind der Zeit wird stürmischer. Die
Zeit verdichtet sich. Ich erfahre ja die Welt immer hauptsächlich
über mich. Wie ich sie denke, so zeigt sie sich mir.
Meine Gedanken sind heute wie schwere Wurfgeschosse,
sie durchdringen jede Zelle meines Körpers, aber ich bin ihr
Schöpfer und trage die Verantwortung, finde jedoch den
Knopf nicht, um sie abzuschalten. Ich möchte einen Vorhang
herablassen, um sie dahinter zu verbergen. Sie kreisen
um die vielen Verluste im Verlauf jeden Lebens. Kann man
eine Gewinn-Verlust-Rechnung aufstellen? Manchmal nähre
ich die Überzeugung, es gäbe eine Schicksalswaage, die
für eine gewisse Balance sorgt. Manchmal ist ein Gewinn
auch ein Verlust und ein Verlust entpuppt sich als Gewinn.
Die nackte Angst vor weiteren Verlusten, welcher Art auch
immer, brennt sich in meine Seele. Sehnsüchte bleiben in
den Büschen hängen, werden wie Fetzen zu mir zurück geweht.
Leben im Alter heißt Leben am Limit, eine Existenz
führen auf Abruf, eine zeitliche Zäsur, die zur Vergangenheit
gewordene Zukunft. Zeit ist knapp, und es geht darum, sie
angenehm zu entsorgen. Wir versuchen, so las ich einmal,
die Zeiten zu überleben, in denen wir leben. Das Ende denken.
Ich halte Ausschau nach dem Amt für finale Angelegenheiten.
Sollte der Glaube dort beheimatet sein und das Zepter
schwingen? Die erbarmungswürdige menschliche Kreatur
vor ihrem Fall. Den Überblick verlieren als älterer Mensch
in einem Dasein, in dem die Welt sich langsam auflöst und
verflüchtigt in ein nur teilweise verständliches Spiel von Zeichen
und Codes, gefühltes Wissen in einer undurchsichtigen
komplexen und doch geisterhaft funktionierenden Welt.
Der Sack voller Verluste neben mir. Ich lecke mir die
Wunden, die sie geschlagen haben und bebrüte noch einmal,
wie eine Glucke, schon längst gelegte Eier. Selbst
Niederlagen erscheinen mir im späten Licht wie Verluste,
Krankheit und letztendlich auch das Sterben mit einbezogen,
im vollen Bewusstsein dieser Absurdität. Das Erinnern
ist lückenhaft, zum großen Teil rekonstruiert, denn das Gedächtnis
ist keine Festplatte, auf der Erlebtes gespeichert
wird, sondern das Gehirn ist in Fächer aufgeteilt, die allerdings
unter einander agieren. Daher vielleicht auch die
42 25 Jahre durchblick 4/2011
Philosophisches
Bezeichnung des Schubladendenkens! Von Ereignissen und
Erlebnissen werden nur Schnipsel gespeichert.
In jungen Jahren findet sich häufig ein Ersatz für erlittene
Verluste, im Alter sind es dann die Ersatzteile für
Zähne, Haare und Gelenke. Die Verluste beginnen bei der
überwiegenden Zahl der Menschen mit den Milchzähnen,
enden, wenn man Pech hat, mit dem Verlust des Verstandes,
spätestens aber mit dem Ableben. Alles Verlieren dazwischen
reiht sich auf, wie an einer kürzeren oder längeren
Perlenschnur. Angeblich kann ich alles, was mir widerfährt,
in einer Weise fühlen, formen, verwandeln und nutzen, so
dass ich davon profitiere, egal ob es sich um Verluste ideeller
oder materieller Natur handelt. Was ein Verlust ist und
was er für den Einzelnen bedeutet, stellt sich unterschiedlich
dar.
Robert Schumann hat ein
Stück komponiert mit dem Titel:
„Erster Verlust“. Es geht um
ein Vögelchen seiner Tochter. Er
fütterte es mit Grießklößchen und
das hat dem Vögelchen den Garaus
gemacht.
Kurt Biedenkopf empfand den
Verlust von Karl-May-Büchern,
die er auf der Flucht zurücklassen
musste, als das bis dahin größte
Missgeschick. Das war 1992.
Jens Peter Jakobsen führt aus:
„Der Glaube an einen lenkenden
strafenden Gott ist die letzte Illusion
der Menschheit, wenn auch
die verloren geht, dann ist er klüger
geworden, aber auch reicher,
glücklicher“?
„Freunde, ich habe einen Tag
verloren“, klagt Titus, nachdem
er einen Tag lang nichts Denkwürdiges
vollbracht hatte.
„Meistens lehrt uns erst der
Verlust über den Wert der Dinge.“
(Schopenhauer)
„Während wir durchs Leben
gehen, halten wir nach dem fehlenden
Teil unseres Ichs Ausschau.
Manchmal haben wir Glück und
erkennen in jemand anderen unser
verloren gegangenes Stück
Selbst.“ (Paulo Coelho)
„Wo ist die Weisheit, die wir im
Wissen und das Wissen, welches
wir in der Information verloren
haben?“, fragt T. S. Eliotz.
„Dinge hinausschieben, damit
bestiehlt man die Gegenwart“.
(Seneca)
„Nichts riskieren heißt, einen nicht abschätzbaren Verlust
hinzunehmen“. (Theo Lehmann)
„Wie viel geht nicht auf so langem Weg verloren, Gesundheit,
Kraft, selbst Neigung und Fähigkeit, Einfaches
zu genießen, dessen Duft am leichtesten verflüchtigt, eben
weil er der Feinste ist.“ (Alexander von Villers)
Allem die Krone auf setzt Nietzsche: „Es gibt Verluste,
welche der Seele eine Erhabenheit mitteilen, bei der sie sich
des Jammerns enthält und sich, wie unter hohen, schwarzen
Zypressen, schweigend ergeht.“
Fest steht, ohne Kompensation, Verwandlung und Sublimierung
ist die menschliche Existenz nicht auszuhalten.
Erika Krumm
4/2011 25 Jahre durchblick 43
„handeln erwünscht“
leben im Überfluss
Collage: Agnes und Peter Spar
Die biblischen Worte: „Unser täglich Brot gib uns heute“ müssten in unserer Zeit wohl lauten:
„Unser täglich Brot und unseren täglichen Sprit gib uns heute“
Die Erde ist groß genug für die Bedürfnisse eines jeden
Mahatma Gandhi
Menschen, aber nicht für seine Gier.
Wer in den letzten Wochen begleitet von den warmen
Sonnenstrahlen der Herbstsonne durch
unsere Natur wanderte, erlebte seine Umwelt
sicher glücklich und zufrieden. Es war ein Altweibersommer,
wie wir ihn uns lange wünschten. Die letzten Blumen
brachten noch einmal ihre volle Blütenpracht hervor und
auch der Wald fing Farben des Herbstes ein.
Nach einem verregneten Frühjahr und Sommer hatte sich
die Kraft der Natur durchgesetzt und somit segensreich für
unsere Bedürfnisse gesorgt. In großen Mengen und ausreichend
plünderten die Vögel die roten Kirschen. Es grüßten
und erstrahlten die zahlreichen weit leuchtenden Apfelbäume,
und unter der schweren Last der Früchte brachen teils
übervolle Äste der Pflaumenbäume ab. In den Gärten wuchsen
und gediehen aromatische Beeren an den Sträuchern.
Selbst an Waldesrändern konnte man üppige Wilderdbeeren,
Him- und Brombeeren naschen. Die Natur hatte in diesem
Jahr ihr Füllhorn in einem reichen Übermaß über uns geschüttet.
Ja, und auch die Landwirtschaftsverbände berichteten
über sehr gute und ertragreiche Ernteergebnisse.
Doch was tun wir Menschen? Wir stöhnen und klagen.
Allerorts wurden die Fragen laut: „Willst du noch Äpfel
haben, kannst du noch Pflaumen gebrauchen?“ und dann
der Nachsatz: „Ich kann sie nicht mehr sehen“ oder „ich
habe mich daran satt gesehen“.
Wenn es doch so einfach wäre mit dem Begriff satt. Wir
können uns satt essen!
Abends, wenn wir es uns gemütlich gemacht haben,
mit gesättigtem Bauch in unseren Sesseln sitzen, erreichen
uns Bilder von ausgemergelten Menschen, darunter eine
Vielzahl an kleinen Kindern, die mit großen Augen in unsere
Wohnstuben schauen. Es macht betroffen. Doch im
Allgemeinen hören wir schon gar nicht mehr hin, wenn
der Sprecher der Nachrichten – mit dem Hinweis auf ein
Spendenkonto –, auf die entsetzliche Not in Worten und
Bildern aufmerksam macht.
Ja, so wird man an dieser Stelle sagen: Was soll das?
Was helfen unsere vollen Obstbäume den armen Hungernden
am Horn von Afrika? Wir können doch keinen Pflaumentransport
in die Dürre- und Hungergebiete schicken!
Es hinterlässt irgendwo einen faden Nachgeschmack,
wenn man sich mit den Gegebenheiten unserer vom Konsum
geprägten „Denkweise“ beschäftigt. Können wir eigentlich
noch anders leben? Muss das so sein? Wer bestimmt
darüber?
44 25 Jahre durchblick 4/2011
Gesellschaft
Die übervollen Bäume sind ja nur ein kleines
Beispiel dessen, was wir tagtäglich erleben
und hinnehmen. Inwieweit tragen wir mit dazu
bei, dass Teile dieser Erde, in der doch alle
Menschen ein Recht auf Leben haben, maßlos
ausgebeutet und sinnlos zerstört werden? Als sei
es von jeher so gewesen!
Während an unseren Bäumen das Obst nicht
genutzt wird und langsam vor sich hingammelt
und verfault, werden tagtäglich zusätzliche neue
Früchte aus aller Herren Länder in unsere Geschäfte
gebracht. Sie sind wahrscheinlich vom
Aussehen makellos, aber sind sie deshalb wertvoller
als die heimischen Obstsorten?
Wie lange wissen wir schon, dass wir in unserer
Wegwerf- und Überflussgesellschaft unser
eigenes Umfeld belasten? Wie häufig werden wir
darauf hingewiesen, dass die Menschen in den
Dürregebieten dieser Welt mit einem Bruchteil
unseres Überflusses ihr Leben fristen könnten. Es wurden
Organisationen für Menschenrechte, eine Welthungerhilfe
gegründet, und die UNO gibt es auch noch! Große Namen
von edler Bedeutung mit großen Aufgaben. Die Namen
sind uns bekannt, aber den hungernden Menschen fehlt der
Zugang, fehlt eine Lobby.
Die Ökonomen kommen dann sofort mit dem Schlagwort
der „sozialen Marktwirtschaft“, daraus resultierend
mit dem Hinweis: „Ja, wir müssen produzieren, schließlich
ist es doch der Sinn eines marktwirtschaftlichen, globalen
Wirtschaftssystems, usw. usw.“ Studierte Experten erklären
in Talkrunden „den Wandel der Zeit“! Es sind überwiegend
die gleichen „Fachleute“, die uns Bürgern ihre (oftmals bezahlte)
Meinung zu den Themen exzessiv und mit überaus
wichtigem Gehabe „aufschwatzen“.
In vielen Dingen bedarf es eigentlich nur eines kleinen
Rückblicks auf die Werte, die schon für unsere Vorfahren
galten. Ein Leben geprägt vom gesunden Menschenverstand.
Sind wir wirklich alle in diesem entsetzlichen System
so gefangen, dass wir auf Gedeih und Verderb weiter dieses
zügellose, maßlos-unsinnige Gebaren mitmachen müssen?
Spätestens hier kommt der Einwand, dass das Angebot ausschließlich
nach der Nachfrage geregelt wird!
Daher sei es dringend geboten, dies auch nach der Orientierung
des Marktes vorzunehmen. Ebenso wird diese
Strategie des Konsumdenkens auch unter dem Aspekt des
Arbeitsmarktes gesehen. Mit dem Wegfall von tausenden
Arbeitsplätzen argumentieren überwiegend die Unternehmen,
für die Gewinn an erster Stelle steht.
„Unser täglich Brot gib uns heute“.
Eigentlich müsste es einen Aufschrei, eine Wutbürger-
Mentalität in der Bevölkerung hervorrufen, wenn daran gearbeitet
und geforscht wird, wie man aus lebensnotwendigem
Getreide - mit vollwertigen Nährstoffen – Kraftstoffe
für unsere Mobilität produziert. Oder: Es als das „große
Non-plus-ultra“ preist, wenn man sogar Nahrungsmittel als
Kaufhaus Werbung vom 9. 10. 2011 im SWA
pelletähnliche Brennstoffe verheizt. Ist es nicht eine Verhöhnung
angesichts der hungernden Menschen? Warum
denken wir nicht daran? Wir als Kunden an den Ladentheken
sollten wenigstens den Versuch wagen, ein klein wenig
die Dinge anders zu lenken. Wir als Verbraucher sollten
unsere Kaufkraft, als Macht gegen dieses schlimme, nach
(Gier)- Gewinndenken ausgerichtete Warenangebot abwägen
und es ganz einfach ablehnen.
Man braucht im Winter bei Eis und Schnee keine erntefrischen
roten Erdbeeren.
Wer heute für den Haushalt einkauft, wird schon an der
Brottheke mit einem Überangebot in runder-, ovaler-, dreieckiger-,
laibähnlicher- oder wie auch immer gestalteter
Brotformen, mit vielen verschiedenen Getreidesorten der
unterschiedlichsten Inhaltsstoffe konfrontiert. Nicht nur das:
Es darf ebenso unter den Brötchen in reichhaltigen Varianten
gewählt werden. Und es sind beileibe keine kleinen Mengen,
die dort dem Kunden dargeboten werden. Die Regale und
Körbe müssen stets gefüllt vor den Augen des Kunden gut
sichtbar, eben dem Gaumen anregend, – vor allem: kauffördernd
präsentiert werden. Die gleiche Fülle bietet sich innerhalb
der Warengruppen in den Frischeabteilungen wie Obst
und Gemüse, den Molkereiprodukten, usw. usw.
Sehr oft wird dann im Hintergrund der soziale Aspekt
dieses Überangebotes genannt. Alles was vom Vortag übrig
bleibt, wird der „TAFEL“ zur Verfügung gestellt und das
sei ja nun wirklich eine sehr vernünftige, sinnvoll und auch
christlich-solidarisch vertretbare Sache!
Und just bot das Siegener Warenhaus „Real“ Mitte Oktober
zu Gunsten der „Tafel“ einen Floh- oder Schnäppchenmarkt
– mit zusätzlicher großer Tombola an. Unter
dem Slogan „handeln erwünscht“ wurde geworben und es
stand wörtlich geschrieben: Das schon „über 90 Geschäfte,
Bäckereien und Großmärkte spenden regelmäßig ihre
Überschussware an die Siegener ‚Tafel‘. Hierbei handelt es
sich ausschließlich um einwandfreie Lebensmittel, die
4/2011 25 Jahre durchblick 45
Gesellschaft
noch verwertet werden können. Sie werden aussortiert, bevor
sie verderben. Meistens steht das Ablaufdatum kurz bevor
oder es ist Saisonware, wie z. B. Weihnachten“.
Aber damit nicht genug. Es steht weiter im Text „So
schafft die Siegener Tafel eine Brücke zwischen Überfluss
und Mangel: qualitativ einwandfreie
Lebensmittel, die sonst im
Müll landen würden, und verteilt
diese an sozial und wirtschaftlich
Benachteiligte“. Die Aussage am
Anfang: „die Tafeln in Deutschland
haben eine Bewegung in
Gang gesetzt, die nicht mehr zu
stoppen ist“, usw. usw.!
Ist das nicht skandalös? Und die Krux der Sache: Man
glaubt diesen „betriebswirtschaftlich ausgebildeten, teils
studierten Scharlatanen“!
Was ist sozial? Parteien werben mit Begriffen wie:
christlich-sozial, christlich-demokratisch und sozial-demokratisch.
Sozial steht für gemeinnützig, wohltätig, uneigennützig
und vor allem menschlich. Wie viel Leid könnte
in sinnvolle Hilfe für die wirklich Hungernden dieser Welt
umgewandelt werden, wenn die Preise auf den Weltmärkten
nach sozialen Maßstäben ausgerichtet würden? An eine
„Tafel“ für den afrikanischen Kontinent denken nicht mal
Der Wahnsinn der
Überproduktion hat
viele Lobbyisten
die Menschen der verschiedenen Glaubensrichtungen. „Es
gibt doch die Hilfsorganisationen“, kommt als Entschuldigung.
Ach ja und „zu allen Zeiten gab es schon immer
Reiche und Arme, kam es schon immer zu Hungersnöten“.
Der Wahnsinn des Überproduzierens hat viele Lobbyisten.
Anlässlich des Erntedankfestes
wurde in einigen Predigten
und Kommentaren angemerkt
und ermahnt, dass wir mit unserer
Nahrung sorgsamer umgehen
mögen. Es würden zunehmend
Lebensmittel eingekauft, die
dann – verpackt, teils noch ungeöffnet
- verdorben in der Mülltonne landen. Unter diesem
Aspekt ist davon auszugehen, dass es einer gewissen Klientel
von Menschen zu gut geht. Dem gegenüber beklagt
man eine stetig zunehmende Zahl von Haushalten, die in
die Verschuldung geraten. Es ist eine Schraube ohne Ende.
Die Zahl derer, die noch die entbehrungsreiche Kriegsund
Nachkriegszeit, den Beginn des wirtschaftlichen Wachsens
miterlebt hatten, wird mit den Jahren geringer.
Den zuvor erwähnten Slogan „handeln erwünscht“ sollten
wir wirklich beherzigen und mithelfen, dem irrsinnigen
Überfluss ein Ende zu setzen.
Eva-Maria Herrmann
46 25 Jahre durchblick 4/2011
Personen
Willi Otto Hahnenstein geb. am 19.09.1911
Zum 100. Geburtstag eines angesehenen Siegener Bürgers
Der Jubilar
ist auch im
hohen Alter
noch geistig rüstig
und erinnert sich genau
an die Zeit vor etwa
70 Jahren. Damals
wohnte er bei seinen
Eltern in der Nordstraße.
Heute wohnt
er im Haus seiner
Tochter und seines
Schwiegersohnes in
Willi Otto Hahnenstein Kaan Marienborn,
Grimbergstraße 22.
Er war viele Jahre bei
der SIEMAG (jetzt
SMS) in Dahlbruch als Industrie-Kaufmann tätig und hat
in jungen Jahren noch Briefe geschrieben für den bekannten
Chef dieses Unternehmens, Bernhard Weiss. Zuletzt nach
seinem 99. Geburtstag wurde er – wie jährlich – von der
Firmenleitung abgeholt zur Jubilar-Feier, an der er neben
dem jetzigen Vorstandsvorsitzenden Dr. Heinrich Weiss bevorzugt
Platz nehmen konnte.
Hier die Aufzeichnungen des hochdramatischen Geschehens
kurz nach dem ersten schweren Bombenangriff
auf Siegen am 16. Dezember 1944, der allen damals
jugendlichen Mitbürgern nachhaltig im Gedächtnis geblieben
ist. – Willi Hahnenstein war damals als Soldat
an der Ostfront verwundet worden und aus einem Feld-
Lazarett kommend zur Nachbehandlung nach Gießen in
ein Wehrmacht-Lazarett verlegt worden. Dort erfuhr er
von dem Luftangriff auf seine Vaterstadt Siegen. Er konnte
trotz eines noch geschienten Arms mit der Bahn nach
Siegen gelangen; in der Dramatik des Geschehens ohne
bürokratische Urlaubserteilung; denn er war ja noch verwundeter
Frontsoldat.
In Siegen angekommen, wollte er nach Hause und fand
zu seinem Entsetzen und innerlich schwer getroffen, seinen
durch den Bombenangriff zu Tode gekommenen Vater
vor dem Weidenauer Krankenhaus auf der Straße liegen,
buchstäblich nur mit einer Zeitung bedeckt. Die Bergung
der vielen Toten konnte ja nicht sofort von den Hilfskräften
bewältigt werden. Als treuer Sohn und tatkräftiger Mann
gelang es ihm endlich – nach verzweifelten Bemühungen
– einen Schreiner ausfindig zu machen für einen Sarg und
überdies einen einfachen Wagen (Autos gab es ja nicht
mehr) mit einem Pferd bespannt, um seinen Vater in Ehren
zu Grabe zu fahren.
Autorenfoto
Es war der Wunsch seinen Vaters gewesen, auf dem
Friedhof in Gosenbach beerdigt zu werden. Dazu musste er
sich zunächst Wagen und Pferd aus Gosenbach holen. Ein
weiter Weg zu Fuß von Weidenau nach Gosenbach. Eine
neue aufreibende Schwierigkeit kam hinzu. Die Witterung
ergab leichten Schneefall und das Pferd rutschte dermaßen
in der Glätte aus, dass seine Hufe mit Sackleinen umwickelt
werden mussten. Immer neue Probleme und Hürden;
wer kann das aushalten? Schließlich konnte er mühsam und
langsam, seinen toten Vater auf dem Wagen, den Rückweg
zum Gosenbacher Friedhof antreten, doch in der Nähe
der Eisenbahnbrücke am Kaisergarten ertönte ein „HALT“
und zwei Uniformierte mit Stahlhelm und blankem Messingschild
an einer Kette auf der Brust hielten ihn an. Feldgendarmen
(so hießen damals Militärpolizisten – heutzutage
Feldjäger). Willi Hahnenstein trug freilich auch seine
Uniform mit Dienstpistole am Gurt. Weiterfahrt gestoppt.
Ausweispapiere verlangt. Willi H. erläuterte, innerlich
erregt, dass er seinen toten Vater zur Beerdigung fahren
wolle. Als es dennoch (zu viele) Fragen gab, sah unser Vetter
das nicht mehr ein und er schrie aufgebracht, indem
er die Pistole aus dem Futteral zog „Wenn ihr mich jetzt
nicht durchlasst, dann schieße ich...“ Jeder ältere Mitbürger,
der die damalige Zeit erlebt hat weiß, welch hohes
Risiko, selbst erschossen zu werden, unser Vetter einging,
als er seine Pistole zog. Aber, Gott sei Dank, der Älteste
der beiden Feldgendarmen behielt die Nerven und sagte
ruhig: „Jetzt mach mal halblang, wir haben ja auch unsere
Pflichten – aber jetzt sieh zu, dass du weiter kommst.“ Es
konnte weitergehen und nach einer langen und schwierigen
letzten Reise seines Vaters konnte er ihn schließlich ehrenvoll
auf dem Friedhof in Gosenbach bestatten. So etwa
ist das dramatische Geschehen für Willi Hahnenstein vor
fast 70 Jahren abgelaufen. Er sagt noch heute, dass er mit
seiner Nervenkraft völlig am Ende gewesen sei; übrigens
sind Feldjäger im Vorrang, auch wenn der Kontrollierte den
gleichen Rang hat.
Soviel von seiner eigenen Erzählung. Jeder Leser wird
verstehen, wie erschöpft und enttäuscht ein redlicher
Mensch gewesen sein musste, der mehr als seine Pflicht
erfüllt hatte. Unser Vetter Willi Hahnenstein hat trotz allem
Geschehen und einem erfahrungsreichen Leben bis heute
sein gesundes Gottvertrauen behalten. Eine Enkelin und
zwei Urenkel wissen und werden nicht vergessen, mit allen
Familienangehörigen, was sie von einem solchen (Ur)-
Großvater zu halten haben, der auch mit 100 Jahren immer
noch Lebensmut ausstrahlt und diesen auch an andere Menschen
weiter vermittelt.
Ulrich Hahnenstein
(Vetter 2.Grades von Willi Otto Hahnenstein)
4/2011 25 Jahre durchblick 47
Mundart
Got gedocht !
Sonndachsässe – Doffelns-Glease
En de 80-zicher Joarn, em foarige Joarhondert, konn
m‘r emo en d‘r Zirung läse, darren lesdiger Hussma
fresche Doffeln zom Wäsche en de Wäschmaschin
schdobbde, em se da, wi m‘r hozedach sät, gesondheitsbewosst
met d‘r Schal ze genese, glich woal awer och, em
sech de Arwet mem Schealn ze schbarn.- Got gedocht!
Em 1960 rem mainde min Fadder, hä hädde wat erfonne.
Wann et bi os d‘rhaim Doffelnsglease gob, härre minner
Modder emmer geholfe, dänn rächt arwets‘ofwennich erret,
bes de Doffelnskoggeln om Däller läjje. Em no schwinn
got drij Doffelnsgerewenes ze grijje – rechdich drij moss
dat sinn – gob min Fadder dat Gereb en e Linnetsäckelche.
Schdramm zogebonne wuer dat da so rechdech duerch on
duerch ussgegwätscht en ner al Wäscheschleuder, di sost
foar niks me ze gebr‘uche woar. – Got gedocht!
Onnerm Ussgoss fa d‘r Schleuder feng en Schoddel de
Doffelnsbre of, di da en Zittlang dren schdo bleb. Doffelnsschdärke
sadde sech ab on kom hennerhear werrer onner dat ussgedreckde
Gereb. Och e bessje Bre werrer d‘rzo. Wat itzend
noch fälde woarn Salz, Äjjer on gerewene Zwebbeln. Dat alles
met am Dach foarhear gekochde on zergwätschde Gegwallde
(Pellkartoffeln) merrenanner fermengt. – Got gemacht!
Fa däm Gemadsch wuern decke Koggeln geformt. En
groase Debber met fast kochendem Salzwasser mossden de
Glease da noch 20 Minudde ze‘ (ziehen – nicht kochen),
sobal se schwemmend hoch komen. Merrem Schäbbläffel
(Schöpflöffel – gelöchert) uss d‘r Bre genomme, of d‘r Däller
gelät, d‘rzo Roatgrutt on Suerbrore woarn de Glease e
Sonndachsässe. Hennerhear gob'et en noch Wa‘choller –
d‘r B‘uch ze foll!. – Got geschmackt!
Gerda Greis
Hussbotz
Hussbotz woar a‘gesät. „Ho sin de Lambe dra”, gräj
ech fa minner Modder ze hearn. „Dat es niks foar
dech, dat mache ech!”, säde se, on: „M‘r fänge en
d‘r Keche a!” Ech duerfde zogucke, hadde alt d‘r Botzaimer
met fel „Immi” em warme Wasser schoa parat, d‘rzo
en Schdol foar d‘r Kechedesch geschdallt. Min Modder,
gelengisch wi se woar, huerdich of d‘r Schdol droff, da of
os glaine Desch, em glich merrem groase Labbe d‘rearscht
d‘r Lambescherm grendlich afzewäsche.
Wail si arich schlecht hearn konn – als Glaikend hadde
min Modder de Masern gehatt – derwäje hadde ech ear
zemlich laut zogerofe: „Gef achde met dinnem nasse Lab-
Handarbeiten
Ihr Fachgeschäft in Siegen für den Bereich:
• Stricken
• Sticken
• Heimtextilien
• Meterware für Tischwäsche
• Geschenkartikel
• und vieles mehr!
Inh. Karin Tillner
Löhrstraße 20 · 57072 Siegen
Telefon: (0271) 52539
be, sall‘ech net lewer d‘r Schdrom abschdälln?” „Ech wais
warrech do!” Maisdens hadde se jo och rächt, doch merrem
o‘gore Gedanke woar mier os Fluer lewer als de Keche.
Da gobet och schoa en wane Gnall. Ain Bleck en de Keche
–min Modder woar neme ze se‘. Om Kechedesch logen
nuer de Schbleddern fa d‘r Biern uss d‘r Lambe. Si mossde
ewer d‘r Desch rewer henne ronner gesackt sinn, sos om
Botzaimer, dä zwescher d‘m engebaute Wandschrank onnerm
Fesder on d‘m Desch schdonn.
Mem Kobb woar se noch gäje de Schewedier fam däm
Wandchrank geschlä on guckde mech no met arich ferschlaierde
Auge a. En Zitt lang bleb min Modder of d‘m Aimer
setze, beschdemmt och, wail si benomme em Kobb woar fa
däm Schdromschlach. Me als gelonge soj dat uss, si so zesamegedreckt
of‘em Botzaimer setze ze se‘ – si woar jo och
net grad hoch gewase met eare ainhonnertonseksonfofzich
cm. Ech ha da fergäwens fersocht, det Lache ze ferbisse,
konn awer och en earem Gesechde e komisch Grinse erkenn.
Et duerde net lank, min Modder rabbelde sech hoch,
scherrelde d‘r Kobb e parmol hin on hear, on säde nuer:
„Ech br‘uch izend en dobbelde Wa‘choller!”
Usser nem nasse Hennerdail, no‘e par Dach en oarndliche
Granz bondicher Fläcke a ner bewossder Schdäll,
woar niks zereckegeblewe, och net en earem Kobb. Ech
hadde schoa gedocht on gehofft, dä Schdromschlach hädde
minner Modder fiellaicht got gedo on si kenn itz bässer
hearn – domet woar awer niks. – Schotzengel? Orrer
Glecke gehat!
Gerda Greis
48 25 Jahre durchblick 4/2011
Gesellschaft
Gefährlicher Müll
Von Wilma Frohne
Gelbe Müllsäcke säumten die Bürgersteige
oder dekorierten die
Vorgärten. – Gelbe-Säcke-Tag!
Ich fuhr über die lange Hauptstraße
und sah, wie ein Müllsack von einer Windbö
vom Stapel gerissen wurde. Sie ließ ihn
über den Bürgersteig rollen, um einen Laternenpfahl
kreisen und dann neben parkenden
Autos an der Straßenseite liegen.
Mit dem nächsten Windstoß rutschte er
langsam an mehreren abgestellten Autos
entlang. Es sah aus, als hätte ihn keines
haben wollen und jedes ihn mit einem
kleinen Schubs etwas weiter beförderte.
Mein Herz klopfte. „Hoffentlich kommt
der Sack nicht unter meine Räder“, dachte
ich und starrte wie hypnotisiert auf ihn
und das bunte Innenleben, das durch seine
dünne Haut schimmerte. „Hoffentlich
bleibt er da, wo er jetzt ist!“ Er blieb auch
an der Stelle liegen, doch der Wind drehte
ihn quer zur Fahrbahn. Ich wich über die gepflasterte Markierung
in der Straßenmitte aus.
Mein rechtes Vorderrad traf trotzdem den Müllsack. Er
zerplatzte mit einem Knall. Im Rückspiegel sah ich, wie
sich der Abfall auf der Straße verteilte. Es war mir peinlich.
„Du hast ja versucht den Sack zu umfahren“, beruhigte ich
mich. „Der Müll bleibt bestimmt nicht lange da liegen, zumindest
nicht so zusammen. Der Wind wird die runden Teile
wegrollen und die bunten Tüten als Drachen steigen lassen.
Den Rest verteilen die Autos.“ Dann erschrak ich. „Was ist,
wenn Flaschen im Sack gewesen sind? Es soll ja kein Glas
hinein, aber wie oft wird nicht so gesammelt wie gesammelt
werden soll? – Oder eine Blechdose den Reifen ritzte? Wie
schnell kann durch einen auf die Fahrbahn gewehten Müllsack,
besonders im Berufsverkehr, ein Unfall passieren. Die
Städtischen Fahrzeuge haben tausende Säcke abzuholen und
können nicht morgens um sieben überall sein.“
Der Wind ließ trockenes Laub tanzen und Papierfetzen
durch die Luft segeln. Meine Augen beobachteten
den Straßenverkehr – meine Ohren horchten angespannt
auf die Fahrgeräusche. „Reagiert das Auto wirklich genau
wie vorher?“ Ich schüttelte den Kopf. „Das Steuerrad vibriert
mehr.“ Ich schwitzte. Doch dann fiel mir ein, dass
die asphaltierte Straße vorhin zu Ende war und danach
Katzenkopfpflaster begonnen hatte. Meine Verkrampfung
löste sich. Auf der Autobahn fuhr ich zügig, aber irgendwie
bremsbereiter als sonst und hielt das Steuerrad sehr fest.
Daheim erzählte ich sofort von dem überfahrenen Müllsack.
Mein Mann legte beruhigend den Arm um mich, sah
Foto: Hubertus Freundt
Ich wich über die gepflasterte Markierung in der Straßenmitte aus.
sich mit mir zusammen den Reifen an und sagte: „Er ist
ok. – Aber immer geht so was bestimmt nicht harmlos aus.“
„Und wer ist dann bei einem verursachten Unfall Schuld?“
Er zuckte die Schultern. „Wer kann schon beweisen, dass
ein Autoreifen platzte, weil ihn der Inhalt eines Müllsackes
beschädigt hat und dadurch später der Unfall passierte!?“
Ich atmete tief, trank einen Schluck Saft und war froh,
zuhause zu sein.
4/2011 25 Jahre durchblick 49
Gesellschaft
Mitbestimmung
Seniorenbeirat nimmt Ministerin beim Wort
Barbara Steffens
NRW-Ministerin für
Gesundheit, Pflege
und Alter
Die ersten knallharten Aussagen,
die drei Vertreter des neu gegründeten
Siegener Jugendparlamentes
im Rat der Krönchenstadt
äußerten, waren: „Ohne Moos nix
los“ und „Wir wollen mitbestimmen“.
Die Jungs wissen offenbar
schon ganz genau, wo`s lang
geht. Hatten sie doch deutlich
gemacht, was heutzutage auch in
der Politik eine Selbstverständlichkeit
ist: Gute Arbeit kostet
Geld. Und: Mit Ehre und Ehrenkranz
auf dem Haupt allein lässt
sich nicht leben, erst recht nicht
arbeiten. Das Pendant zum Jugendparlament, der Seniorenbeirat
der Stadt Siegen, ist da ebenfalls auf einem guten Weg.
Hat er doch deutliche Zeichen in Richtung mehr Selbstbestimmung,
Mitwirkung und Demokratie gesetzt.
So ist es dem Beirat gelungen, erstmals auf einer separaten
städtischen Haushaltsstelle eigenverantwortlich seine (geringen)
Ausgaben zu tätigen. Und in Richtung mehr Mitbestimmung
sind die Senioren ebenfalls aktiv geworden: Die Forderung
nach einem Stimmrecht in den städtischen Ausschüssen
soll zunächst über die Verankerung der Seniorenbeiräte in der
Gemeindeordnung des Landes Nordrhein-Westfalen angestrebt
werden. Die Aufnahme in die Hauptsatzung der Stadt
Siegen ist vor wenigen Monaten erfolgt. Die Verfolgung sozialpolitischer
Ziele ist inzwischen in den Richtlinien festgeschrieben
worden. Damit wurde deutlich: Der Seniorenbeirat
versteht sich als ein politisches Organ. Da kam die Steilvorlage
gerade recht, die Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit,
Emanzipation, Pflege und Alter (MGEPA) in Nordrhein-Westfalen,
dem Seniorenbeirat im Jubiläumsheft der Seniorenzeitschrift
vor wenigen Wochen zuspielte. Die Landesregierung
Dr. Horst Bach
Pressesprecher des
Seniorenbeirates der
Stadt Siegen
NRW wolle die Teilhabechancen
älterer Menschen stärken und ihrem
Recht auf Selbstbestimmung
Geltung verschaffen, ließ die Ministerin
in ihrem Grußwort verlauten
und schob zur Freude aller
Beiratsmitglieder gleich nach:
„Dazu gehören vor allem Mitwirkungs-
und Stimmrechte für Ältere
in politischen Gremien.“ Der
Seniorenbeirat der Stadt Siegen
mit seinem Streben nach verbesserten
Mitwirkungs- und Stimmrechten
wurde von der Ministerin
als Vorbild hingestellt: „Ich würde
mir wünschen, dass diese Notwendigkeit von noch mehr
Kommunen in NRW erkannt wird.“
Dennoch: Der Worte sind genug gefallen, allein wir wollen
Taten sehn... dachte man sich beim Siegener Seniorenbeirat
und fragte über den hauseigenen Pressesprecher gleich bei
der Ministerin nach, wie ihre Aussagen im durchblick denn
zu deuten seien. Mit anderen Worten: Der Seniorenbeirat will
„Butter bei die Fische“! Welcher Weg sollte von den Seniorenbeiräten
eingeschlagen werden, um die Aufnahme in die
Gemeindeordnung zu erreichen? Sind schon entsprechende
Versuche gestartet worden? Wie ist die Meinung der Regierungsparteien
zu diesem Thema? Können Sie ihre Vorstellungen
vom „Stimmrecht in den politischen Gremien“ näher
erläutern? Diese Fragen wurden der Ministerin gestellt, die
dann auch prompt persönlich antwortete.
Nach wohlklingenden „Honigspenden“ für die Seniorenpolitik
im Allgemeinen und den Seniorenbeirat der Stadt Siegen
im Besonderen folgte sodann die Feststellung: „Sehr geehrter
Herr Dr. Bach!... Ich kann sehr gut verstehen, dass Sie
sich eine rechtliche Verankerung von Seniorenvertretungen
in der Gemeindeordnung des Landes Nordrhein-Westfalen
wünschen. Auch ich und viele andere Mitglieder des Landtags
Nordrhein-Westfalen haben sich in den letzten Jahren
dafür eingesetzt.“ Soweit so gut. Dann jedoch der einschränkende
Nachsatz: „Eine entsprechende Gesetzesänderung
würde aber bedeuten, dass das Land den Städten und Gemeinden
die Kosten für die örtlichen Seniorenvertretungen
erstatten muss. Angesichts der – Ihnen bekannten – Lage
der öffentlichen Finanzen wird dies auf absehbare Zeit nach
meiner Einschätzung nicht umsetzbar sein. Kommunen sind
aber gut beraten diese Strukuturen vor Ort freiwillig einzurichten.“
Die gute Nachricht: Die Zeit der angeblich (für die
Seniorenarbeit) mageren Jahre ist absehbar. Es werden auch
wieder fette Jahre kommen. Also gilt es weiter zu kämpfen
und sich gemeinsam mit der Landesseniorenvertretung NRW
50 25 Jahre durchblick 4/2011
Gesellschaft
dafür einzusetzen, dass die Seniorenbeiräte in der Gemeindeordnung
des Landes Nordrhein-Westfalen eine gesetzliche
Verankerung bekommen. Jetzt sind vor allem die derzeitigen
Regierungsparteien gefragt.
Die Teilhabe älterer Menschen am gesellschaftlichen
Leben für besonders wichtig zu erachten, gleichzeitig aber
kein Geld für deren Vertretungen bereitzustellen nach dem
Motto „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“, geht einfach
nicht. Und diese Lasten einfach auf die Kommunen
abzuschieben, ist ebenfalls schlechter Stil. Liegt es daran,
dass viele Kommunen in NRW noch keine Seniorenbeiräte
gebildet haben? Insgesamt 154 soll es davon nach aktueller
Auskunft des Ministeriums landesweit geben. Das Land will
nicht zahlen, viele Kommunen können nicht zahlen. Da kann
man wohl noch lange auf die flächendeckende Einrichtung
von Seniorenbeiräten in Nordrhein-Westfalen warten. Hier
herrscht also Handlungsbedarf, wenn die NRW-Regierung
ihre Seniorenpolitik, wie von der Ministerin beschrieben,
ernst nehmen und vorantreiben will. Wer nun gehofft hätte,
die Landesseniorenvertretung (LSV), die nach den in Siegen
geäußerten Worten ihrer Vorsitzenden Gaby Schnell „im
Ministerium ein- und ausgeht“, würde hier massiv ihren Einfluss
geltend machen, sieht sich getäuscht. Dieses Gremium
scheint politisch in Handlungsunfähigkeit zu erstarren, wenn
man den Besuchern der Mitgliederversammlungen Glauben
schenken darf.
Auch eine gemeinsame Presseerklärung von Landesseniorenvertretungen
und dem Städte- und Gemeindebund
NRW vom 01.08.2011 enthält beim genauen Lesen eher
Allgemeinplätze und pauschale Lobpreisungen des ehrenamtlichen
Engagements der Seniorenvertretungen, denn
konkrete Handlungsmuster für mehr Mitbestimmung der
Älteren. Gesetzgeberische Aktivitäten seien „aktuell“ noch
nicht vonnöten, heißt es da. Auch der Hinweis auf die „begrenzten
finanziellen Ressourcen“ fehlt nicht (hätte man
etwas anderes von Städten und Gemeinden erwartet?).
Stattdessen wird „eine noch umfassendere Abstimmung der
seniorenpolitischen Schwerpunkte der jeweiligen haupt- und
ehrenamtlichen Akteure“ eingefordert. Die Jungs vom Jugendparlament
würden da wieder sagen: „Ohne Moos nix
los.“ Eine wirkungsvolle seniorenpolitische Mitbestimmung
ist noch lange nicht in trockenen Tüchern.
Es besteht die Gefahr, dass wichtige seniorenpolitische
Themen zu reinen Worthülsen verkommen. So scheint es
auch mit dem Thema „Altersarmut“ zu gehen, das inzwischen
allerorts im Munde ist. Taten kann man weit und breit
aber keine erkennen. Auch hiervon kann der Seniorenbeirat
der Stadt Siegen ein Lied singen. Im NRW-Seminar des
Städte- und Gemeindebundes „Seniorenpolitische Konzepte:
Leitlinien und Erfolgsbedingungen“ am 24. November in
Münster sollen unter Beteiligung der Landesseniorenvertretung
NRW und auch des Seniorenbeirates der Stadt Siegen
gemeinsam seniorenpolitische Positionen vertiefend behandelt
werden. Der durchblick wird in seiner nächsten Ausgabe
über die Tagungsergebnisse berichten. Dr. Horst Bach
Foto: Dr. Horst Bach
Senioren-Mittagstisch
Eine Erfolgsgeschichte
Das 400. Mittagessen für Senioren wurde jetzt im
Haus Herbstzeitlos verabreicht. Karin Piorkowski
und ihr Team freuten sich ebenso wie Anke Berg
von der städtischen Regiestelle Leben im Alter und Kassenwartin
Rotraud Ewert, dass dieser an jedem Donnerstag zu
günstigen Preisen (Essen 3,50 €, Wasser frei, Wein 0,50 €)
verabreichte Mittagstisch so gut angenommen wird.
Das 400. Essen konnte Ingrid Hirsch-Röhl in Empfang
nehmen. „Aber nur, weil sie immer als Letzte kommt“, hieß
es aus der herbstzeitlosen Küche. Beklagt wurde lediglich
die geringe Anzahl von männlichen Essensteilnehmern:
„Die Männer haben offenbar noch zu viel Scheu sich von
fremden Frauen bekochen zu lassen,“ so Karin Piorkowski.
„Dabei tut ihnen doch einmal in der Woche eine richtige
Mahlzeit mit Gemüse, Fisch oder Fleisch sicher gut.“
Der Speisezettel liest sich in der Tat wirklich so, dass
einem das Wasser im Munde zusammenläuft. Es ist auch
immer ein vegetarisches Gericht dabei. So gab es am ersten
Oktober-Donnerstag wahlweise einen Siegerländer Hirtentopf
oder Siegerländer Klöße mit Zwiebeln. Dazu einen leckeren
Pflaumenkuchen mit Sahne zum Dessert.
An den übrigen Donnerstagen im Oktober wurden
u.a. auch Maultaschen in Sahnesoße, Schweinebraten mit
„decke Duffeln“, Pizza und Reibekuchen mit Apfelmus
feilgeboten. Dabei weist Anke Berg besonders darauf hin,
dass der Mittagstisch im Haus Herbstzeitlos sich als ein
Angebot für ältere Menschen versteht, die gern in Gesellschaft
essen und ein paar schöne Stunden miteinander verbringen
möchten. Denn nach den Gaumenfreuden besteht
noch die Gelegenheit zum Schmökern in der hauseigenen
Bücherei.
Horst Bach
Unser Bild zeigt die „guten Mittagstischgeister“ des Hauses
Herbstzeitlos (von links): Doris Ludes, Ingeborg Priolo,
Monika Thielmann und Karin Piorkowski.
4/2011 25 Jahre durchblick 51
Gedächtnistraining
Gedicht
Formulieren Sie aus den folgenden Wörtern ein
Gedicht das sich reimt:
Mutter, Kutter, Vater, Kater
_________________________Mutter
____
____
____________
____
____
_______Kut
ter.
_________________________V ater
_________________________Kat
er.
Si
e trai
aini
nier
en : Kreat
ativ
ivit
ität
ät, Wo
rtfi
find
ndun
g, Form
ul
ieru
ng
Wie geht es weiter?
Sprichwörter
1. Wie man in den Wald hinein ruft, …
2. Morgenstund hat …
3.
Wer andern eine Grube gräbt, …
4.
Ein gut
utes
Gew
issen …
5. Ohne Fleiß, …
6. Was du heute kannst besorge
n, …
7. Mach es wie
die
Sonnenuhr, …
Gleiche Buchstaben – Alliteration
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52 25 Jahre durchblick 4/2011
Lösungen auf Seite 74
Wer trägt welche Kleidung?
Versuchen Sie sich folgende Angaben
einzuprägen.
Anna trägt ein rotes Kleid.
Michael hat schwarze Schuhe.
Agnes hat einen gelben
Hut
auf
dem
Kop
opf.
Lenas Hand
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ist grün ge
streift.
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temonnaie.
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hat
rot
gepunkt
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senträger.
Klaus Jacke ist blau.
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4/2011 25 Jahre durchblick 53
Gesellschaft
Selbstbestimmt leben...
wer möchte das nicht?
Auch im Alter noch aktiv und selbstbestimmt, hier auf dem Bild zum Film
„Dinosaurier“ zwar nicht legal, dafür aber phantasivoll und kreativ
Wir wissen alle, dass jede Form der Selbstbestimmung
auch ihre Grenzen hat. Aber auch wenn
uns viele Vorgaben eingrenzen, es gibt doch für
jeden auch immer einen „Spielraum“, in dem er sein Leben
selbst bestimmen und gestalten kann. Selbstbestimmt, das
heißt auch, dass ich selbst immer wieder neu die Grenzen
meines „Spielraumes“ ausloten und prüfen muss, ob ich sie
möglicherweise sogar erweitern kann?
Je nach Temperament und Charakter werden wir sehr
unterschiedlich mit den uns gegebenen Möglichkeiten umgehen
und auch, subjektiv betrachtet, mehr oder weniger
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Filmfoto
zufrieden mit dem Ergebnis leben. Ja, in
manchen Bereichen richten wir uns sogar
gut ein in unserer Fremdbestimmtheit,
weil es bequem ist, weil wir uns wohl fühlen,
es unseren Bedürfnissen nach Fürsorge
entgegenkommt. Das ist in Ordnung,
denn letzten Endes bestimmen wir ja auch
da selbst, von wem und wodurch wir uns
„fremd“ bestimmen lassen wollen.
Was wir aber mit zunehmendem Alter
fürchten, ist eine Situation, in der wir
plötzlich und ungewollt von der Hilfe
anderer abhängig werden und andere,
vielleicht sogar fremde Menschen, Entscheidungen
für uns und über uns treffen.
Also stellt sich doch die Frage: Selbstbestimmt
leben, ja, aber bis wann?
Es ist nur zu verständlich, dass wir
diese Vorstellung verdrängen. Die rationale Auseinandersetzung
mit einer so stark emotional belasteten Situation ist
nicht leicht und erfordert viel Mut, weil sie Angst macht:
Angst, der Willkür anderer ausgeliefert zu sein
Angst, nicht mehr Herr meiner Sinne zu sein
Angst vor dem Verlust meiner Würde
Angst, mich zu verlieren,
usw., usw.
Unterschwellig begleitet sie fast jeden von uns, diese
Angst. Wir wollen uns die Konsequenzen einer solchen
Situation nicht vorstellen, deshalb schieben wir die Auseinandersetzung
damit weit von uns.
Aber diese Angst zu akzeptieren, sich ihr zu stellen,
indem ich auch da den Spielraum meiner Möglichkeiten
auslote und nutze und Vorsorge treffe, entlastet und kann
mehr Gelassenheit schenken.
Um eine solche Lage vorausschauend und selbstbestimmt
zu gestalten, kann ich selbst einiges tun, z. B.:
• eine Patientenverfügung ausstellen für die Situation,
dass ich einmal nicht mehr in der Lage bin, selbst bei
klarem Bewusstsein und Verstand meinen Willen mitzuteilen,
insbesondere was medizinische Behandlungen
und lebensverlängernde Maßnahmen betrifft.
• eine Vorsorgevollmacht ausstellen auf eine oder mehrere
Personen meines Vertrauens, mit denen ich meine
Wünsche und Vorstellungen ausführlich besprochen habe,
die meinen Willen dann umsetzen können, wenn ich
selbst dazu nicht mehr in der Lage bin.
54 25 Jahre durchblick 4/2011
Gesellschaft
Gebe ich damit nicht doch meine Selbstbestimmung auf?
Nein! Die Patientenverfügung kommt ja erst dann zum Tragen,
wenn ich persönlich nicht mehr ansprechbar bin und/
oder aus anderen Gründen (z.B. hochgradige Demenz) tatsächlich
nichts mehr selbst entscheiden kann. Bis dahin aber,
entscheide ich auch in Krisensituationen immer selbst.
Die Vorsorgevollmacht hat im Falle der eben beschriebenen
Situation die Funktion, dafür zu sorgen, dass die
Patientenverfügung auch umgesetzt wird. Zum anderen
berechtigt sie den Bevollmächtigten, einen (genau schriftlich
festgelegten) Teil meiner Angelegenheiten – immer
in Absprache mit mir – nach meinen Vorstellungen und
Wünschen für mich zu regeln, wenn ich aufgrund von Behinderungen,
oder fehlender Mobilität, selbst nicht mehr
dazu in der Lage bin. Der Bevollmächtigte ist also „mein
verlängerter Arm“.
Warum liegt mir dieses Thema so am Herzen? In über
20 Jahren Berufserfahrung in der stationären Altenhilfe ist
mir deutlich geworden, wie wichtig es ist, Dinge für sich
selbst mit Menschen des Vertrauens zu regeln, so lange man
dazu noch in der Lage ist.
Und gerade erlebe ich es wieder aktuell im Freundeskreis,
wie schwierig und kompliziert eine Situation wird, wenn im
akuten Geschehen – ein plötzlich notwenig werdender Klinikaufenthalt
mit unklarem Ausgang – weit reichende Entscheidungen
getroffen werden, und aus dem Stand Hilfen
organisiert werden müssen. Wohl dem, der sich dann auf ein
intaktes soziales Umfeld wie die Familie oder einen entsprechend
flexiblen Freundeskreis verlassen kann. Aber noch
viel besser: Man vorher miteinander redet und für die Beteiligten
klar ist, was im Notfall geschehen soll, und wer für
was zuständig ist. Das gibt Sicherheit für alle Betroffenen.
Deshalb mein Appell: rechtzeitig selbstbestimmt vorsorgen!
Natürlich beschäftigen wir uns hier vorsorgend mit einer
Lage, die wir noch nicht kennen, weil wir sie noch nicht
erlebt haben (Patientenverfügung). Wir können also nicht
sicher sein, ob wir in der akuten Situation noch die gleichen
Vorstellungen und Wünsche haben wie zur Zeit der
Verfassung einer Patientenverfügung. Deshalb sollte eine
Patientenverfügung auch immer wieder überdacht und aktualisiert
werden.
Auch wissen wir nicht, ob der einmal Bevollmächtigte
im Ernstfall immer noch unser Vertrauen besitzt. Aber Vorsorgevollmachten
können jederzeit widerrufen, geändert
und ergänzt werden. Beim zuständigen Gericht registriert,
erspart eine Vorsorgevollmacht im Notfall die Einrichtung
einer Betreuung.
Also keine Sorge, ich lege mich mit meiner Patientenverfügung
und meiner Vorsorgevollmacht nicht „ein für allemal“
fest, aber ich sollte meine derzeitigen Vorstellungen
und Wünsche schriftlich so festlegen, dass sie im akuten
Fall auch für die handelnden Personen wie Ärzte und die
bevollmächtigte Vertrauensperson eine rechtlich abgesicherte
Grundlage bildet, für mich nach meinem selbstbestimmten
Willen zu handeln.
Anne Alhäuser
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die alte Behausung,
zu groß, zu leer,
zu schwer
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Seniorenresidenz Känerbergstr.
26 Seniorenwohnungen
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12 Kurzzeitpflegeplätze
Übergänge
von Anne Alhäuser
Alle
sind sie gegangen,
sind fort.
Warum
noch bleiben?
Den Auszug
wagen
und ankommen
zu Hause,
bei mir.
4/2011 25 Jahre durchblick 55
Essay
Gedanken über Ethik in der Medizin
von Dr. Wolfgang Bauch
Tempelanlage und Wirkungsstätte von Hippokrates
Vor mehr als 2500 Jahren hat Hippokrates auf der
Insel Kos gelebt und dort Medizin gelehrt, hat
ethische Grundsätze beschrieben, die heute noch
Gültigkeit haben und Maßstab für ärztliches Handeln sind.
Er hat den Menschen in seiner Ganzheit gesehen, hat Leib
und Seele behandelt, ist in die Häuser seiner Patienten gegangen
und hat so auch das Umfeld seiner Kranken in den
Behandlungs plan mit einbezogen, hat aber auch die Anforderungen
an den Arzt, den Behandler, beschrieben.
Der Autor dieses Artikels ist auf der Insel Kos gewesen
und hat den Ort besucht, an dem Hippokrates gelebt und gelehrt
hat. Die Atmosphäre dort war anrührend, wenn man bedenkt,
hier hat der Urvater der Medizin gearbeitet, hat seine
Patienten behandelt, seinen Studenten seine Kenntnisse und
Gedanken weitergegeben und hat als erster praktisch einen
Moralkodex erstellt und verbreitet. Je der Raum des Tempels,
der öffentlichen Gebäude, hatte noch seine besondere
Ausstrahlung, dass man die Ruhe durch auch noch so leises
Sprechen nicht zu stören wagte, dass man sich seiner banalen
Gedanken schämte angesichts der noch grundlegenden und
bis heute noch gültigen Wahrheiten und Erkenntnisse. Auch
der Ölbaum am Brunnen in der Ortsmitte, knorrig und weit
ausholend, steht noch. Hier soll sich Hippokrates im Schatten
ausgeruht und seinen Durst gelöscht haben.
Hippokrates hat eine Ethik begründet, die uns auch heute
noch Maßstab sein soll. Das griechische Wort Ethik bedeutet
„Sitte, sittliche Gesinnung, auch innere Haltung“, ist
also immer mit einem po sitiven Inhalt und Wert versehen.
Das Gegenteil heißt „unethisch“. Er hat also eine Lehre
begrün det, die uns heute noch Maßstab sein soll. Aber die
Wissenschaft, die Technik und das Denken haben die bisher
allgemein gültigen Maßstäbe und Dimensionen gesprengt
und überschritten, dass wir glauben und annehmen, alle
Grenzen überwinden und allein das Individuum in den Vordergrund
stellen zu dürfen, das sich rücksichtslos verwirklichen
zu können glaubt. Hier muss das Tempo ge drosselt
werden, wir müssen zurückschalten und uns an Maßstäbe
Foto: Dr. Wolfgang Bauch
und Regeln halten, die die Inter essen, Bedürfnisse, Ansprüche
und Rechte unseres Nachbarn berücksichtigen. Wir
können zwar vieles, sollten aber nicht alles dürfen, sollten
Maßstäbe, Richtlinien und Grenzen haben und beachten,
sollten das Anderssein unseres Nächsten respektieren, ihn
darin bestärken, mit ihm in harmonischer Gemeinschaft
den Lebensweg gehen, in der ja alle Glieder zusammen
den Organismus unseres Lebens, des Lebensgefühls und
auch des Leidens darstellen.
Ein guter Arzt hat medizinische Erfahrung und hat auch
Lebenserfahrung, beides zusammen ge nommen befähigt
ihn, seinen Patienten bei allen möglichen Krankheiten
hilfreich zur Seite zu stehen. Eine Halsentzündung, ein
verstauchter Fuß sind nicht schwer zu behandeln. Der Arzt
kann aber auch mit Problemen konfrontiert werden, die
nicht einfach mit einem ja oder nein lösbar sind, die ihn an
Grenzen seines medizinischen Verstehens bringen, die er
nicht lösen kann, die ihn in Konflikte mit seinem Arztsein
bringen. Er selber braucht Beratung. In dieser Situation gibt
es Ethikkommissionen, im Bund, in den Ländern, in den
Krankenhäusern. Es gibt in den Krankenhäusern Ethikbeauftragte,
die von der Geschäftsführung berufen werden,
die ein Fortbildungsprogramm für das Haus entwickeln und
Ansprechpartner für die Patienten, für Ratsuchende, Angehörige
und Mitarbeiter sind. Weiter gibt es ein Ethikforum
auf der Ebene des Trägers, das ethische Fragestellungen
von grundsätzlicher übergeordneter Bedeutung erörtert
(Patientenverfügungen, Organtransplantation), und letztlich
gibt es noch das Ethikkonzil, das bei Konflikten im
Arbeitsbereich des Hauses tätig wird.
Das also sind Gremien, die sich mit Machbarem und Verantwortbarem
in der Medizin befassen, die neben dem Patienten
stehen, die aber auch dem Arzt den Rücken und das
Gewissen stärken, die vermitteln zwischen dem Möglichen
und dem Sinnvollen. Sie stellen Richtlinien auf, sie setzen
Maßstäbe, bewegen sich oft genug in Grenzbereichen, sind
aber immer die sittliche Autorität, setzen Grenzpfähle zwischen
Wunschdenken und Vertretbarem, immer in ruhigem
Einvernehmen mit dem gesamten Gremium.
Die Ethik in unserem Leben umfasst alle Begebenheiten
von der Geburt bis zum Tode und die Ethik in der Medizin
beginnt schon in der vorgeburtlichen Zeit, der Propädeutik,
und begleitet uns bis in die Thanatologie. * Es sind also alles
Grenzsituationen menschlichen Lebens, Probleme, die
nicht neu sind, Probleme und Fragen, die nicht mit einem
einfachen „ja“ oder „nein“ beantwortet werden kön nen,
und Antworten, deren Richtigkeit nicht immer gleich erkennbar
ist.
Ethisches Denken und ethisches Handeln sollten Richtschnur
für jeden Arzt und Lehrer in einem medizinischen
* Wissenschaft vom Tod, vom Sterben und der Bestattung
56 25 Jahre durchblick 4/2011
Essay
Hörsaal, und auf den
Stationen der Klinik unüberwindbare
Schwelle
sein. Seine Liebe zu den
hilfesuchenden Kranken
sollte immerzu spürbar
werden. Als großes Vorbild
könnte hier Albert
Schweitzer gelten, der
in Dankbarkeit seinen
ihm anvertrauten Menschen
immer zur Seite
stand. Er war dankbar
für das Geschenk, das
ihm gegeben wurde,
und gab es gerne weiter.
Aber vielleicht fehlte
ihm der Stachel, etwas
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Neues, bisher nicht Übliches, zu wagen. Diesen Stachel hatte
Prof. Barnard, er wagte etwas bisher nie da Gewesenes
und war damit teilweise auch erfolgreich. Schließlich musste
ja die Herz-Kreislauffunktion des eigentlich verstorbenen
Herzspenders künstlich am Leben gehalten werden, und was
aus dem Empfänger werden würde, wusste man damals auch
nicht so recht. Der Empfänger lebte noch 18 Tage. Damals
ein großes Wagnis, ein teilweise gelun genes Experiment.
Barnard überschritt einfach alle damals gültigen und anerkannten
Grenzen. Aber wo wären wir heute, wenn er es damals
nicht getan hätte?
Im folgenden Text im Hinblick auf die Ethik sollen nur
einige wenige Aspekte und Bereiche des ärztlichen Handelns
und Denkens gestreift werden, eine umfassende Darstellung
der Probleme dürfte wohl niemals möglich sein, allein schon
wegen des rasanten Fortschritts der Technik, der zwangsweise
ein Umdenken in der Ethik nach sich zieht, auch mit
der Gefahr, dass man einfach etwas großzügiger wird. Umso
wichtiger bleibt dann die Ethik, die immer auf der Verantwortbarkeit
verharren muss.
Zu den abzuhandelnden
Themen gehören die
Transplantationsmedizin,
die in unserem Zeitalter
im mer bedeutsamer wird,
die Praeimplantationsdiagnostik,
die jetzt erst im
Bundestag behandelt und
in einem Gesetz festgeschrieben
wurde, ebenso
wie die Patientenverfügung,
die ebenfalls immer
wichtiger wird und
auch gesetzlich unserer
Hippokrates,
Urvater der Medizin
wikipedia
Albert Schweitzer,
Missionar und Arzt
Zeit angepasst wurde. Die
vielfältigen Probleme,
die Demenzkranke haben
und in unsere Gesellschaft bringen, werden kurz angesprochen,
und die Pro bleme der Magensonde und des Sterbens in
der Palliativstation oder im Hospiz werden geschildert und
unter ethischen Gesichtspunkten bewertet.
Allgemeine Gedanken über Ethik
In seiner Ausbildungszeit hat der Arzt Erkenntnisse über
Krankheiten erworben, Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen
erfahren und in sich aufgenommen. Er hat
damit, also aus diesen Erkenntnissen, Richtlinien für sein
ärztliches Handeln gewonnen. Aber diese Richtlinien und
Ergebnisse wissenschaftlicher Forschungen sind zwar notwendig
für sein verantwortungsvolles Handeln als Arzt, aber
sie sind nicht ausreichend. Die Medizin ist eine Handlungswissenschaft,
das Wissen darum und die Beratung des von
Krankheit bedrohten Menschen sollen nur dabei helfen, die
Probleme des Kranken zu erkennen und zu behandeln, oft genug
ist aber das nicht ausreichend, es bleiben Fragen, Fragen
nach dem „Sollen wir das tun?“, „Dürfen wir das tun oder
müssen wir sogar dieses oder jenes tun?“
Zur Beantwortung dieser Fragen muss sich der Arzt an
ethischen Werten orientieren, denen er verpflichtet ist und die
seine Entscheidungen bestimmen sollen. Und diese Werte
sind der Orientierung durch Wissen und Erfahrung übergeordnet.
Ein spezifisches ärztliches Ethos oder eine spezifische
Ethik gibt es nicht, weil allgemein anerkannte oder
als verpflichtend erachtete ethische Werte wie die Wahrheit
von Aussagen, Schutz des Schwachen, Erhaltung des Lebens
auch in Bereichen des ärztlichen Handelns ohnehin Geltung
haben müssen. Aber: Häufig haben ärztliches Sagen und Tun
Auswirkungen auf die Lebensplanung und den Lebensablauf
eines anderen Menschen, und deshalb hat die Ethik für den
Arzt eine besondere Stellung. Angesichts seiner Lebensbeeinträchtigung
oder Lebensbedrohung gewährt der Kranke
Einblicke in persönliche Lebensbereiche, zu den Fragen nach
Leid und Glück, Angst und Hoffnung, Schuld, Vergebung,
Sinnlosigkeit und Sinnfindung. Die Beantwortung dieser
Fragen geht über den Bereich rational – wissenschaftlicher
Erkenntnisse hinaus und fordert vom Arzt persönliche Zuwendung
zum Kranken, Einfühlungsvermögen und die Verpflichtung
gegenüber kritisch überdachten ethischen Orientierungswerten.
Die Persönlichkeit des Arztes, seine berufliche Erfahrung,
seine menschliche Einstellung zu seinem Beruf und
seine ethische innere Basis bedingen seinen Arbeitsalltag.
Stichpunktartig seien einige Themen hier erwähnt, in denen
die ethische Einstellung des Arztes eine wichtige Rolle spielt.
So stehen obenan die Verpflichtung des Arztes zur Erlangung
bestmöglichen Wissens, die Aufklärung und Beratung des
Kranken über diagnostische und therapeutische Maßnahmen,
die Technisierung und Spezialisierung, die Aufklärung
eines Kranken über die ungünstige Prognose seiner Krankheit,
die Behandlungsbegrenzung, der Behandlungsabbruch
oder die Sterbebegleitung und vieles mehr.
4/2011 25 Jahre durchblick 57
Essay
Siegener Hozpizgebäude am Stilling Krankenhaus
Hospiz und Palliativmedizin und Sterben in Würde
Das Heilen von Krankheiten war in der Medizin immer
das führende Motiv, besonders in der mo dernen Medizin.
Ideen werden begeistert aufgenommen und in großem Rahmen
verbreitet. Ziel war stets die Heilung, auch bei weit
fortgeschrittenen, damals eigentlich unheilbaren, oft tödlich
verlaufenden Erkrankungen. In radikalen Eingriffen wurden
die Menschen verstümmelt, und die anschließende Bestrahlungstherapie
sorgte dann noch dafür, dass die Wunden auch
äußerlich nicht zur Heilung kamen. Als Beispiele seien genannt
der Brustkrebs der Frauen und der Enddarmkrebs. Man
wusste es damals nicht besser, wollte es sicher gut machen.
Die Menschen litten, hatten Angst vor dem Sterben, sie wurden
allein gelassen.
Dann kamen die Idee von der Palliativmedizin und die
Hospizidee, die die Menschen schützend im Sterben begleiteten.
Die Idee wurde vor etwa 20 Jahren entwickelt.
Sie wollte eine ganzheitliche Behandlung der Kranken bei
fortgeschrittenen und weiter fortschreitenden Krankheiten
mit begrenzter Lebenserwartung verwirklichen, wollte die
Kranken auffangen und mit einem schützenden, wärmenden
Mantel umhüllen (Pallium = der Mantel) und das Gefühl
der Geborgenheit vermitteln. Die Palliativmedizin wurde
u.a. gegründet, weil man die weitgehende Vernachlässi gung
Sterbender, vor allem sterbender Krebspatienten, erkannt
hatte. Die Entwicklung hatte dazu geführt, dass Ärzte und
Behandlungsteams für die ganzheitliche Wahrnehmung
dieser Schwerst kranken blind geworden waren. So wurde
die Palliativmedizin eine Opposition gegen die Trennung
von Heilung und Fürsor ge, gegen die Spaltung von Körper,
Geist und Seele, gegen die Spaltung von Kranken und deren
Familien, gegen die Trennung von klinischer Objektivität
und Mitgefühl, und vor allem gegen die Trennung der
verschiedenen klinischen Fachdisziplinen. Die Palliativmedizin
ist also die praktische Kritik an dem Diktat, dass wissenschaftliche
Medizin, effiziente Arbeit und einfühlsamer
Beistand für leidende Menschen Verpflichtungen darstellen,
die sich gegenseitig ausschließen. Um zwei besondere
Leistungen für die Kranken bemüht sich die Palliativmedizin
in erster Linie: um die Befreiung
Kranker und Sterbender von quälenden Schmerzen,
hartnäckigen Symptomen wie Not von Körper und
Seele. Die zweite Leistung ist, die Sehnsucht und
die quälenden Fragen des sterbenden Menschen zu
erfühlen und erspüren und diesen einen Raum zu
geben. Das Palliativteam, die Ärzte, Schwestern
und Pfleger, müssen eine besondere wissenschaftliche
und klinische Wahrnehmung für die Situation
dieser Schwerstkranken haben und müssen dieses
erahnen aus Gesten, aus Mimik, ohne Worte, die
oft vernichtenden Schmerzen, das Unwohlsein, die
Ver zweiflung, Schlaflosigkeit, Müdigkeit, die Ängste,
die Freuden, die Sorgen, die Schuldgefühle, die
Unsicherheit, die Befürch tungen und vieles mehr.
Da, wo der Arzt einfach so sagt „ich kann ihnen
nicht mehr helfen“, gerade da beginnt die große verantwortungsvolle
Tätigkeit in der Palliativmedizin.
Im Zusammenhang mit dem Sterben und dem Tod besteht
in der Palliativmedizin folgende Zielsetzung:
Foto: Diakonie Südwestfalen
• „Denen, die noch nicht sterben müssen, leben zu helfen,
und zwar so vollständig, wie es ih nen möglich ist;
• Denen, die nicht mehr leben können, zu helfen, zur rechten
Zeit zu sterben, nicht zu früh und nicht zu spät;
• Denen, die jetzt sterben müssen und im Sterben liegen, zu
helfen, mit Würde und in Frieden zu sterben;
• Denen, die nach dem Tode eines geliebten Menschen
vom Verlustgefühl überwältigt werden, zu helfen, durch
ihre Trauer zu wachsen und zu reifen;“
Diese Komplexe bilden den Rahmen der Ethik in der
Palliativmedizin. Die enormen Fortschritte in der Medizintechnik
mit den unglaublichen Interventionsmöglichkeiten
verleiten den Mediziner, zu hoch zu greifen, seine Grenzen
nicht mehr zu erkennen. Hier helfen nur die ethischen Grundwerte
in der Medizin, die an die Verantwortlichkeit des Menschen
appellieren.
Es mag immer wieder Unsicherheiten geben, ob und
wann lebensverlängernde Maßnahmen z.B. forciert oder beendet
werden müssen, „kann ich das? darf ich das? muss ich
das oder darf ich das nicht? Erwartet das der Schwerstkranke
oder welches ist sein Wunsch? „Welchen Druck üben die
Angehörigen im Hintergrund aus?“ Es ist ein großes Feld,
das sich da auf tut, das immer wichtiger wird, weil wir unserer
Umwelt nicht mehr gewachsen sind, weil wir wie der
Zauberlehrling vieles anstoßen, aber dann den fortlaufenden
Mechanismus nicht mehr zügeln können.
In der Palliativmedizin werden Entscheidungen immer
im Team getroffen. In diesem Team steht an erster Stelle der
Patient selber, dann weiter der Arzt, die Schwestern und die
Pfleger, zusammen mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern, den
Seelsorgern und Psychotherapeuten und letztlich natürlich
auch die Angehörigen. Kriterien für das weitere Procedere
58 25 Jahre durchblick 4/2011
Essay
sind die fachliche und menschliche Erfahrung, die Logik,
die Empathie und vor allem der mündlich geäußerte oder
schriftlich niedergelegte Wille des Kranken, der letztlich
ausschlaggebend ist. Dann wird eben die medizinische Behandlung
(außer der Schmerztherapie) eingestellt, dann hört
die künstliche Ernährung auf, auf Wunsch wird natürlich die
Flüssigkeitszufuhr fortgeführt. Jetzt wird die Pflege intensiviert.
Es gilt nicht, eine Verlängerung des Lebens um jeden
Preis zu erreichen, es gilt, die Lebensqualität, gleichermaßen
auch für die Angehörigen, zu erlangen. Es geht nicht darum,
dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben zu
geben. Die Wünsche, Ziele und das Befinden stehen im Vordergrund,
die Kernbedürfnisse des kranken und sterbenden
Menschen nicht allein gelassen zu werden, sondern an einem
vertrauten Ort zu sein inmitten vertrauter Menschen, nicht
unter starken Schmerzen leiden zu müssen und nicht nur in
Frieden sterben sondern bis zuletzt leben zu können.
Ein Sterben in Würde, z.B. im Hospiz oder auf der Palliativstation,
ist an verschiedene unerlässliche Voraussetzungen
gebunden wie etwa die Beziehung zu den das Sterben
begleitenden Menschen, den Ärzten, den Schwestern
und Pflegern und nicht zuletzt zu den Angehörigen. Die vier
grundle genden Eigenschaften authentischer menschlicher
Beziehungen sind: die Autonomie, die Klarheit, die Glaubwürdigkeit
und die Menschlichkeit. In diesem Zusammenhang
heißt Menschlichkeit: jeder Einzelne ist einmalig, in
seiner persönlichen Lebensgeschichte verschieden, sodass
auch jeder Mensch seinen individuellen Weg aus dem Leben
ins Sterben hat, und jeder hat dementsprechend auch seine
eigene Würde. Mit Würde sterben bedeutet zum einen, ohne
übertriebene Geschäftigkeit und Mühe zu sterben, Sterben
in Würde heißt, sterben ohne quälende Schmerzen, Sterben
in Würde heißt, sterben in einer Umgebung, die auch des
Sterbens würdig ist, Sterben in Würde bedeutet, kranke und
sterbende Menschen begegnen ihren Ärzten und Krankenschwestern
einfach und vollständig als Menschen. Hier ist
das persönliche Mitgefühl die richtige Voraussetzung für
den Palliativ-Mediziner in der Auseinandersetzung mit dem
Tode. Sterben in Würde heißt auch, mit offenen Augen zu
sterben, das Sterben zu akzeptieren, jetzt und so, wie es ist.
Sterben in Würde heißt letztlich auch mit einem offenem und
unvoreingenommenem Geist hinüberzugehen.
Auch der junge Mensch, der eigentlich das ganze Leben
mit seinen Freuden, Erfolgen und Misserfolgen noch vor sich
haben sollte, hat das Recht und den Anspruch, in Würde zu
sterben, auch wenn es für die Umgebung nicht so einfach
einsichtig ist. Der demente Mensch, der seine Umwelt nicht
mehr versteht, der sicher auch seine Verdienste im Leben hinter
sich hat, jetzt aber in einer ihm völlig fremden Welt lebt,
hat das Recht auf ein würdevolles Sterben. Gerade wie diese
Würde auf die sie begleitenden und betreuenden Menschen
ausstrahlt, ist ein Erleben, das diese nie vergessen werden,
das sie formt und immer begleitet.
In diesem Moment soll alle Technik ausgeschaltet sein,
hier muss man erkennen, dass das biologi sche Leben kein
absoluter erstrebenswerter Wert am Ende ist, hier soll der
Schmerz ausreichend medikamentös beherrscht werden ohne
das Bewusstsein zu trüben, allerdings mit dem Wissen
aller Beteiligten, auch der Angehörigen, dass eine hochdosierte
Schmerztherapie gering lebensverkür zend wirken
kann, ohne dass man hier von einer aktiven Sterbehilfe sprechen
kann. Dieses Vorgehen ist eindeutig juristisch abgeklärt
und ethisch gerechtfertigt. Auch in dieser Situation behält
der Sterbende auf seinem Weg seine Würde, es bleibt der
aufrichtige menschliche Kontakt, die beson dere Kommunikation
mit dem Menschen in seiner Einzigartigkeit. Auch der
Alkoholiker, der zuletzt nur noch auf der Straße gelebt hatte.
Warum hat er das wohl? In diesem Moment sind alle Menschen
gleich, das Rollenspiel hat endgültig aufgehört. Alle
Masken und Einstellungen sind abgefallen, es zählt nur noch
der persönliche Kontakt von einem Menschen zum anderen.
Ethik und Chemotherapie
Es fällt schwer, die Worte Chemotherapie und Ethik im
selben Atemzug zu nennen, aber gerade die Chemotherapie
hat in der modernen Medizin eine besondere Wertigkeit
erhalten und wird als Monotherapie eingesetzt, wenn die
anderen Behandlungsmöglichkeiten nicht mehr indiziert
sind wegen des fortgeschrittenen Stadiums der Tumorkrankheit,
oder sie wird in Kombination mit den anderen bisherigen
Therapieoptionen, der Bestrahlung und der Operation,
parallel oder sequentiell eingesetzt. Chemotherapie heißt, es
wird eine Substanz eingesetzt, die in den Stoffwechsel anderer
Zellen eingreift und diese Zellen an der Vermehrung,
der Teilung hindert. Und das ist das ethische Problem, weil
diese Substanzen nicht generell zwischen Gut und Böse unterscheiden
können, man weiß nur, dass diese Substanzen
tendenziell die bösartigen Zellen intensiver angreifen,
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4/2011 25 Jahre durchblick 59
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weil sie einen anderen schnelleren Stoffwechsel haben und
dadurch für die Chemotherapeutika oder in diesem Zusammenhang
die Zytostatika besser abgreifbar werden. So ist es
gelungen, chemische Substanzen zu entwickeln, die gezielt
an ganz bestimmten Stellen des Stoffwechsels der Tumorzelle
angreifen und andere gesunde Gewebezellen wegen ihres
anderen Stoffwechsels zumindest nicht so stark schädigen
und nicht zum Absterben bringen. Der Weg bis zu diesen
Erkenntnissen war sehr lang und schwierig, es hat damals
vielen Tieren in den klinischen Versuchen das Leben genommen,
und hat auch viele Kranke das Leben gekostet, weil der
Umgang mit diesen neuen Substanzen noch nicht so erforscht
war. Bis eine derartige Substanz, ein Chemotherapeutikum
oder Zytostatikum, auf den Markt
Die Pharmaindustrie
ist nicht unbedingt der
Freund der Patienten
kommt, ist ein langer Weg zurückgelegt
worden, auf dem verschiedene
Ethikkommissionen,
der Bundes, der Länder, der verschiedenen
Ärztekammern und
der Fachschaften der Ärzte aktiv
tätig gewesen sind. Zum Schutze
der Patienten wurden von diesen Ethikkommissionen strenge
Regeln aufgestellt, die die Indikationen exakt regulieren, die
Einfluss haben auf die Dosierung, die Dauer der Behandlung
und die Einschränkungen, z.B. welche Patientengruppen von
der Behandlung ausgeschlossen werden müssen.
So werden strenge Behandlungsschemata erarbeitet und
eng gefasste Richtlinien herausgegeben und deren Einhalten
kontrolliert. Die Pharmaindustrie ist nicht unbedingt der
Freund der Patienten, sie ist in erster Linie gewinnorientiert,
handelt aber natürlich verantwortungsbewusst. Die Kommissionen
greifen hier etwas bremsend ein, sind unabhängig
und unbestechlich als Wächter von Ethik und Moral.
Auch nachdem alle Versuche im Reagenzglas und mit den
Tieren nach Ansicht der Pharmaforscher erfolgreich abgeschlossen
sind und die Substanz am Kranken ausprobiert
werden soll, spielen Ethik kommissionen eine wichtig Rolle,
sie haben strenge Regeln aufgestellt über deren Einhalten
sie auch gewissenhaft wachen. Aber selbst dann, wenn alle
diese Hürden genommen sind und das Medikament offiziell
zugelassen wird und auf den Markt kommt, setzt sich das
„Großexperiment“ in Gang, die Substanz wird schlagartig
tausendfach verordnet, und hier können sich dann noch
solche Nebenwirkungen zeigen, die die Weiterverordnung
nicht vertretbar machen, sodass das Medikament sofort vom
Markt genommen werden muss.
Um es noch einmal zu sagen: bei der Krebstherapie gibt
es prinzipiell drei Optionen: die Operation, die Bestrahlung
und die Chemotherapie. Im individuellen Fall können auch
alle drei Möglichkeiten miteinander kombiniert werden.
Das ist abhängig von dem Charakter des Tumors (schnelles
Wachstum, frühzeitige Streuung) und der Erfahrung des
Therapeuten und seinem Verantwortungsbewusstsein. Weitere
Kriterien bezüglich der Therapieentscheidung sind das
Alter des Kranken – Kind oder alter Mensch – und der Allgemeinzustand
des Patienten – Operabilität. Ein bestimmtes
Chemotherapeutikum wirkt zwar immer gleich, aber der
Stoffwechsel bei einem jungen oder alten Menschen ist anders,
der Abbau, die Ausscheidung oder die Speicherung des
Medikaments, auch kann man bestimmte Nebenwirkungen
bei einem Kind nicht ohne weiteres akzeptieren. Chemotherapie
ist immer toxisch, der Einsatz ist immer riskant und
kann unvorhersehbar tödlich sein. Hier kommt es sehr auf
den Therapeuten und sein Team an, Erfahrung und ethisches
Handeln sind gefragt.
Im Zeitalter der Hochtechnologie ist das Vertrauen der
Menschen in die integere Berufsausübung des Arztes ein hohes
Gut. Die Fortschritte der Technik und der Medizin werfen
Fragen auf, die die traditionelle
Kosten/Schadensabwägung
schwer bis unmöglich
machen, und sie erfordern
Antworten, die nur im Team
gefunden werden können, und
in dieses Team gehören auch
Soziologen, Theologen und
z.B. auch Juristen. Die Entscheidungen, die hier getroffen
werden müssen, sind nicht immer medizinisch-technischer
Art, sie gehen heran an das Leben selbst, an die Moral, die
Ethik, die Vernunft und an die Politik. Chemotherapie hat
vielen Menschen entscheidend geholfen, hat sie gesund, ihr
Leben wieder erträglich gemacht, ihr Leben verlängert, aber
auch schon mal entscheidend verkürzt.
Ethik und Demenz
Der Arzt, der seinem Patienten mitteilt, er habe eine Demenz,
lädt sich eine große Verantwortung auf, weil er mit
dieser Diagnose das Leben seines Patienten grundlegend
verändert und in eine Richtung lenkt, die sich als Einbahnstraße
erweist.Wenn er als Hausarzt den Menschen kennt,
der ihm gerade gegenüber sitzt, ist es um so schwerer als
wenn er als Facharzt durch verschiedene Tests die Richtigkeit
seiner Diagnose beweist und damit einfach einen Auftrag
erfüllt zu haben glaubt. Also kommt auf den Hausarzt
die schwere Aufgabe zu, seinen Patienten auf dem weiteren
Weg zu begleiten.
Man weiß inzwischen, es gibt verschiedene Formen von
Demenz, die nicht immer unbedingt etwas mit dem Alter zu
tun haben müssen, die auch ganz unterschiedlich zu behandeln
sind und auch gewiss eine unterschiedliche Prognose haben.
Die Demenz vom Alzheimer-Typ ist eine Krankheit des Alters
und je älter ein Mensch wird, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit,
dass er an dieser Alzheimer-Demenz erkrankt. Diese
Wahrscheinlichkeit ist im Alter von 100 Jahren 100%. Also:
alt zu werden ist nicht immer ein Segen, es ist nicht festgelegt,
bis zu welchem Alter das Alter ein geseg netes ist.
Nachdem die Diagnose jetzt sicher ist, beginnt die gewaltige
ethische Herausforderung: für den Betroffenen, wie
er das neue Wissen um seine Zukunft mit zunehmender
60 25 Jahre durchblick 4/2011
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Hilfsbedürftigkeit verkraftet, für die Familie, die die unermessliche
Verantwortung, die jetzt gleich auf sie zu kommt,
tragen muss, und für den mitfühlenden Arzt, der den Weg
mit dem Kranken und seinen Angehörigen gemeinsam gehen
und lenken muss. Durch die Diagnosestellung werden
jetzt plötzlich die signifikanten Verhaltensstörungen in den
letzten Monaten erklärbar, die Unsicherheiten sind beseitigt,
aber die Sicherheit über den weiteren Lebensweg ist nicht
unbedingt ermutigend. Er muss den Angehörigen und vor
allem seinem Patienten beratend zur Seite stehen, ihnen offen
und nicht beschönigend die Wahrheit sagen, aber auch
nicht nur negativ, schwarz malen, obwohl er ja aus seiner
beruflichen Erfahrung die Verläufe kennt. Er soll Sicherheit
und Mut geben, in Krisen immer da sein, sich zusammen mit
den Betroffenen über kleine Erfolge freuen. Er wird sagen,
dass die Medikamente die Krankheit nicht heilen, allenfalls
die Verschlimmerung der Symptome verzögern oder abmildern.
Er wird für eine gute Pflege sorgen, für das Umfeld und
wird allen Mut machen. Er wird ehrliche Auskünfte ohne Beschönigung
geben, wird auf die menschlichen Helfer mehr
hinweisen als auf die Wirksamkeit der Medikamente hoffen.
Aber jetzt sind die Menschen aus dem Umfeld des Kranken
wichtig, die Familie, die Nachbarn, die Freunde, der Horror
der Demenz muss abgewendet, die Angst vor der Zukunft,
das Ungewisse, der Dämon muss vertrieben werden. Es soll
nicht eine zusätzliche Stigmatisierung des Kranken erfolgen,
er ist nach seinen Fähigkeiten ein vollwertiges Mitglied seiner
Familie, als Mensch behält er seine Würde bis das Herz
zu schlagen aufhört.
Die ärztlich-ethische Verantwortung besteht jetzt darin,
den Kranken menschlich-hilfreich zu begleiten, nachdem
die Diagnose einfühlsam mitgeteilt worden war. Wichtig
ist, nicht einer medikalisierenden Tendenz nachzugeben,
sondern das Augenmerk auf die Lebens- und Befindlichkeitsumstände
zu lenken. Bei der weitgehend bestehenden
medikamentösen Therapieresistenz ist es wichtig, für eine
vernünftige Pflege zu sorgen und sich um enge Vernetzung
von Medizin und Pflegewissenschaft zu bemühen, denn neben
der Medizin sind jetzt gefordert die Pflegewissenschaft,
die Soziologie, die Psychologie, die Philosophie und die
Theologie. Der Dialog zwischen den genannten Disziplinen
ist unerlässlich.
Auch die sogenannte Öffentlichkeit steht in der Verantwortung.
Durch ungeeignete Bilder und Begriffe wird die
Demenz dämonisiert, die Betroffenen werden zusätzlich
stigmatisiert. Die Menschen werden abseits in den Schatten
gestellt und geraten in einen allgemeinen Horror vor
der Demenz. Der Verfall im Alter wird als eine menschlich
unerträgliche Störung dargestellt, als etwas Inhumanes, das
alles Lebenswerk vernichtet. Hier zeigt sich nochmals die
wichtige Rolle des vertrauten erfahrenen Hausarztes, der
aber dennoch in diesen Situationen an die Grenzen seiner
Fähigkeiten kommt. Für ihn kann jetzt eine ethische Beratung
durch ein ortsansässiges Ethik-Fachgremium von Wichtigkeit
sein. Sind demente Menschen im Endstadium ihrer
Krankheit noch Personen mit Personenwürde? Es gibt Philosophierichtungen,
die die Definition des Personenbegriffes
von ihrer Denk-, Erkenntnis-, Handlungs- und Sprachfähigkeit
abhängig machen oder die Menschenwürde an ein biologisch
ordentlich funktionierendes Gehirn koppeln. Seele,
Geist, Gemüt sollen bestimmungsgemäß funktionieren. Bei
Embryonen und Babies ist dieses ebenfalls nicht gegeben. Es
wird ihnen eben der Schutz der Gesellschaft entzogen, der
mit der Anerkennung eines Wesens als Person mit Würde
gegeben ist.
Patientenverfügung
Nach verständlicherweise jahrelangen Diskussionen ist
vom Bundesministerium für Justiz – auch hier wurde die
Ethikkommission der Bundesärztekammer mit eingeschaltet
– eine umfassende Patientenverfügung verabschiedet
worden, die den Umgang mit Kranken regelt, wenn sie situationsbedingt
ihre Vorstellungen über beabsichtigte, notwendige
medizinische Maßnahmen selber nicht vorbringen
können. Jede medizinische Handlung setzt die Einwilligung
des Patienten nach angemessener Aufklärung voraus. Die
Menschenwürde, das allgemeine Persönlichkeitsrecht, das
Recht auf Selbstbestimmung und das Recht auf Leben und
auf körperliche Unversehrtheit sind immer Ziele und Grenzen
jeder medizinischen Eingriffe gewesen und sollten auch
die Basis und Voraussetzung für die neue Patientenverfügung
sein.
Die Möglichkeiten der modernen Medizin werden immer
umfangreicher und undurchschaubarer und die Werteorientierung
wird immer differenzierter. Es ist sinnvoll, vorab, das
heißt, bevor der Behandlungsfall also auch bevor der Verlust
der Einwilligungsfähigkeit der betreffenden Person eintritt,
eine Patientenverfügung niederzuschreiben. Jede Person
kann selbständig eine derartige Verfügung allein verfassen.
Sinnvoll erscheint es, dieses wichtige Schriftstück mit einer
vertrautren Person aufzusetzen, oder die Hilfe und Beratung
des Hausarztes in Anspruch zu nehmen. So kann verhindert
werden, dass wesentliche Aussagen vergessen, und unberücksichtigt
bleiben. Der später Behandelnde kann exakt und
zweifelsfrei die Wünsche des Patienten erfüllen.
Ethik und die Magensonde
Ein sehr schwieriges ethisches Problem ist die Anlage
einer Magensonde bei einem schluckunfähigem Patienten.
Ursache der Schluckunfähigkeit können sein: mechanisch
bedingte Schluckstörungen (Krankheiten des Mundes, des
Rachens, der Speiseröhre oder des Magens) durch Tumore,
Verätzungen, Vernarbungen, Verletzungen oder Operationen
im Gesichtsbereich). Es kann sich um nervenbedingte
Schluckstörungen mit Gefahr der Aspiration handeln (z.B.
Zustand nach Schlaganfall). Es können Bewusstseinsstörungen
oder bestimmte Formen der Unterernährung z.B. bei
Krebsleiden sein.
4/2011 25 Jahre durchblick 61
Essay
Die Sonde hat den Vorteil der guten Bilanzierung von
Kalorien und Flüssigkeitsmenge, die Dauer der Nahrungsaufnahme
ist kurz, es können Medikamente über die
Sonde verabreicht werden, aber es fehlt die persönliche
Zuneigung und Begleitung beim Essen, es fehlt die soziale
und persönliche Bindung zu dem Menschen, der z.B. füttern
müsste, gemeinsames Essen hat schließlich auch eine soziale
Funktion, es fehlt der angenehme Geschmack, der das Wasser
im Munde zusammenlaufen lässt, es fehlt die Vorfreude
auf das Essen, es fehlt der Duft aus der Küche, der freudig
den Magen schon auf das Essen vorbereitet.
Zweifellos ist die Anlage einer Magensonde ein wesentlicher
therapeutischer Fortschritt. Doch sollte die Indikation
zur operativen Anlage dieser Sonde strenger gestellt werden.
Personalmangel und Pflegeerleichterung in den Altersheimen
gehören nicht zu den Indikationen. Im Hospiz haben
natürlich die Gäste auch oft Magensonden oder werden anderweitig
z.B. durch Infusionen künstlich ernährt.
Hier ist die Situation aber völlig anders, das Denken über
die Notwendigkeit der Sonde hat sich geändert, die Indikationsstellung
ist eine andere. Früher war man der Meinung,
die Sondenernährung könne auch in dieser Situation Hospiz
die Lebenserwartung verlängern, das emotionale Wohlbefinden
erhalten und die körperliche Schwäche bessern. Diese
Annahmen sind zwischenzeitlich eindeutig widerlegt worden.
Die Minderung der Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeit
ist ein Teil des natürlichen Sterbeprozesses, Durst
und Hungergefühl haben hier eine völlig andere Wertigkeit.
Außerdem ist hier zu beachten, ob bezüglich der künstlichen
Ernährung in einer Patientenverfügung konkrete Aussagen
gemacht worden sind.
Der Patient muss eingewilligt haben, die Anlage einer
Magensonde ist ein ärztlicher Eingriff in die Integrität des
Körpers und das Legen einer Sonde stellt in diesem Zusammenhang
eine lebensverlängernde Maßnahme dar, die ausdrücklich
vom Patienten verlangt worden sein muss, andernfalls
handelt es sich um ein Rechtsvergehen, das heißt, wenn
der Wunsch des Patienten nicht ausdrücklich berücksichtigt
worden ist. Im Hospiz bestehen diesbezüglich praktisch nie
Probleme beim Einstellen der künstlichen Ernährung, es wird
immer mit den Angehörigen und mit dem Gast, so weit er
selber noch aktiv an der Entscheidung teilnehmen kann, besprochen.
Hunger- und Durstgefühl sind in der Sterbephase
immer schwer zu beurteilen, gute Pflege, Mundpflege, Befeuchten
der Zunge sind oft besser als 500 Kalorien durch die
Sonde. Wenn der Gast im Hospiz das Essen und Trinken verweigert,
signalisiert er nicht unbedingt dadurch, dass er nicht
mehr leben möchte, allerdings ist der Umkehrschluss, also
die Verabfolgung einer Zwangsernährung, ebenso problematisch.
Das Legen einer Magensonde ist immer schwierig, die
Entscheidung muss immer personen- und situationsbezogen
getroffen werden.
Es gibt sicher zahlreiche, logisch nachvollziehbare Begründungen
für das Anlegen einer Magensonde, wenn
krankheitsbedingt der normale Schluckakt nicht mehr
möglich ist. Es kann aber auch durchaus einmal möglich
sein, dass die Magensonde wieder entfernt werden kann,
wenn sich die ursächliche Krankheit gebessert hat, wenn
z.B. der Patient nach dem Schlaganfall das Schlucken wieder
gelernt hat. Die Magensonde war also in diesem Falle sehr
hilfreich gewesen.
Das sogenannte Wachkoma ist eine unerlässliche Indikation
für eine Magensonde. Das Wachkoma ist eine schwere
Funktionsstörung des Gehirns, wo z.B. bei einem Unfall
große Anteile des Gehirns zerstört worden sind. Der Patient ist
scheinbar wach, liegt mit offenen Augen da, der Blick ist starr
geradeaus oder gleitet hin und her ohne Fixationspunkt. Anfassen,
Ansprechen, Vorhalten von Gegenständen bleiben ohne
Reaktion, es sind keine Flucht- oder Abwehrreaktionen zu provozieren.
Vegetative Elementarfunktionen sind erhalten, dazu
gehört z.B. der Schluckreflex (nicht immer), dennoch ist die
Nahrungsverwertung erheblich gemindert, sodass die Kranken
bald hochgradig abmagern und dementsprechend künstlich
ernährt werden müssen. Dieser Zustand kann über sehr viele
Jahre anhalten, der Kranke kann aber aus seinem Wachkoma
erwachen, wobei dann immer erhebliche Defizite bleiben, der
Patient ist dauerhaft schwerst hirngeschädigt. Nach den Grundsätzen
der Bundesärztekammer ist ein Wachkomapatient zwar
ein nicht einwilligungsfähiger, aber auch kein sterbender Patient
und muss nach den Grundsätzen der medizinischen Ethik
mittels einer Magensonde ernährt werden.
Ein schwieriges Problem ist der Demenzkranke und
die Magensonde. Alle vorhandenen Studien bezüglich der
künstlichen Ernährung bei fortgeschrittener Demenz haben
keine Hinweise dafür gegeben, dass die durch diese Maßnahme
angestrebten Therapieziele erreicht werde können. Es
zeigen sich keine Hinweise auf eine Lebensverlängerung,
eine Verbesserung des Ernährungszustandes, Verbesserung
der Lebensqualität, Verbesserung der Wundheilung von Geschwüren
durch aufliegen. Daher wurde schon vor Jahren der
Leitsatz ausgesprochen: das Missverhältnis zwischen Vorteilen
und Nachteilen der künstlichen Ernährung begründet
die Empfehlung, dass künstliche Ernährung bei Patienten mit
fortgeschrittener Demenz nicht angewendet werden soll.
Es sind nur wenige Situationen angesprochen worden,
in denen es um die Frage der Sinnhaftigkeit der Anlage
einer Magensonde ging. Eigentlich kann man keine Regeln
oder Gebrauchsanweisungen aufstellen, es wird immer
viele Unabwägbarkeiten geben. Ist es eine medizinisch
sinnvolle und angemessene Maßnahme, geht es um eine
Therapiebegrenzung, geht es um Lebensqualität oder etwa
um Sterbehilfe? Viele unbewusste Wertungen schwingen
mit. Vorabgeklärt werden müssen die naturwissenschaftlichen
Aspekte, die Vorsituation muss geklärt werden, die
gegenwärtige Befindlichkeit und besonders die Zielsetzung.
Die Selbstbestimmung darf nicht außer acht gelassen
werden (Frage der Patientenverfügung). Entscheidung
für oder gegen eine Sonde wird immer schwierig bleiben.
Es ist nur zu hoffen, dass hier das Wohl des Patienten das
einzige Kriterium bleiben wird.
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64 durchblick 4/2011
Veranstaltungshinweise
Weihnachtsmärkte
im Siegerland
Dezember 2011
bis 23.12. täglich, in Siegen,
Bahnhofstraße bis Schlossplatz,
Unteres Schloss.
bis 8.1.2012 täglich, „Winterzauber“
im Innenhof der Sparkasse
Siegen, Morleystraße.
bis 23. 12. täglich in Weidenau,
Siegerlandzentrum.
Fr., 2. Laasphe, „Weihnachtsmarkt
auf Schloss Wittgenstein“,
von 17-22 Uhr.
Fr. 2. Kreuztal Weihnachtsmarkt
„Lichterglanz im Park“, 16–22 Uhr,
Sa. 14–22 Uhr, So.11–19 Uhr,
Dreslers Park
Sa., 3. Bad Laasphe-Herbertshausen
ab 16 Uhr auf dem Schützenplatz
Sa., 3. Feudinger Weihnachtsmarkt
ab 15 Uhr, In der Gasse
Sa., 3. Freudenberg, Weihnachtsmarkt
im „Alter Flecken“, 15–21 Uhr
auch So. 11–18 Uhr
Sa., 3. Freudenberg, „Sterncafé“
Weihnachtsmarkt von 15–21 Uhr,
Alte Schmiede, Am Silberstern
auch Sonntag, 4.12. / 11–18 Uhr
Sa., 3. Erndtebrück, „30. Adventsmarkt“,
„Im Teich“, auch So., 4.12.
Sa., 3. Netphen Weihnachtsmarkt
in der Ortsmitte, auch So., 4.12.
So., 4. Burbach,Weihnachtsmarkt,
mit großem Bücherflohmarkt von
11–18 Uhr, in der Ortsmitte / Nassauische
Straße
Do., 8. Hachenburg, „Nostalgischer
Weihnachtsmarkt“ ab 11 Uhr in der
Innenstadt, bis Sonntag, 11.12.
Sa., 10. Hilchenbach, „Chresdagsmärktche“
auf dem Marktplatz,
14–22 Uhr, auch So., 11–19 Uhr
Sa., 10. Bad Berleburg, „Weihnachtszeitreise“,
14–22 Uhr, an
verschiedenen Plätzen, auch So.,
11.12. 11–19 Uhr.
Sa., 10. Niederlaaspher „Weihnachtsmärktchen“,
ab 15 Uhr, Auf
dem Brückenplatz
Vermittlung
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beim Verein ALTERAktiv sucht ältere Menschen,
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öffentlich geförderte Wohnungen – mit Wohnberechtigungsschein
Wir informieren Sie gerne, bitte sprechen Sie
Frau Gruner, Durchwahl 4895115, E-Mail: ggruner@wgh-siegen.de oder
Frau Stauf, Durchwahl 4895111, E-Mail: jstauf@wgh-siegen.de, an.
WGH
Wohnungsgenossenschaft
Hüttental eG
57076 Siegen-Weidenau · Jahnstraße 45
Tel. 02 71/48 95 10 · Fax 02 71/4 89 51 51
www.wgh-siegen.de
durchblick 4/2011 65
Veranstaltungshinweise
Dezember 2011
1. Donnerstag
10:00 Ausstellungsforum: ZeitSpuren
Haus Oranienstraße, Siegen (bis 15. 1.)
20:00 Konzert mit dem Ensemble
Hélios Quartett (Paris), Apollo-Theater
2. Freitag
10:00 Trauercafé, der Hospizhilfe Siegen
e.V. Haus Herbstzeitlos Siegen
20:00 Weihnachtskonzert mit der Philharmonie
Südwestfalen, Dirigat: Evan
Christ,Apollo-Theater (auch am 3.12.)
20:00 Stepp-Show: Lord of the Dance,
Siegerlandhalle Siegen
20:00 Jazzclub Oase: Soul Affair, Kulturhaus
Lÿz, Siegen, St.-Johann-Str. 7
3. Samstag
20:00 Frank Sauer Vom Tellerwäscher
zum Geschirrspüler, Kulturhaus Lÿz,
20:00 Konzert: The London Quartet
mit Christmas Special, Heimhof-Theater,
Burbach
18:00 Konzert: Blechbläserquintett,
Classic Brass, Ev. Kirche Hilchenbach
4. Sonntag
10.30 Benefizkonzert: Weihnachtsmatinee
Nussknacker, im Schloss Bad
Berleburg
15:00 Trauercafé – Café Regenbogen,
Haus Ernsdorf, Ernsdorferstr. 3, Kreuztal
19:00 Westernfilm in der Kurbelkiste:
True Grit, Kulturhaus Lÿz, Siegen
5. Montag
9:30 Gedächtnistraining, Begegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos, Siegen
6. Dienstag
10:00 Kreativ-Gruppe DeutscherHausfrauenBund,
Haus Herbstzeitlos Siegen
14:30 Adventfeier der Seniorenwandergruppen
der Stadt Siegen, Bismarkhalle
Siegen-Weidenau
14:30 AlterAktiv: Lesepaten, Haus
Herbstzeitlos, Siegen Marienborner Str.
19:00 SeniorenTheaterSiegen: Die
Siegener Stadtmusikanten, Kulturhaus
Lÿz, Siegen
7. Mittwoch
14:00 KSG-Offenes-Café, Fichtenweg 5,
Siegen-Geisweid, Im Wenscht
19:30 Gesprächskreis für pflegende
Angehörige, Diakoniestation Kreuztal,
Anmeld. vor mittags ℡ 02732-582470
19:30 Russische Weihnacht Konzert
mit den Zarewitsch Don Kosaken, Bad
Berleburg - Kath. Kirche St. Marien
8. Donnerstag
15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,
Seniorenbegegnungsstätte Haus
Herbstzeitlos, Siegen
20:00 Forum-Siegen-Vortrag: Armut
als soziales Problem: Zum Umgang mit
Armut im demokratischen Wohlfahrtsstaat,
Kulturhaus Lÿz, Siegen
9. Freitag
19:30 Weihnachtskonzert mit dem Vokalquintett
Berlin, Schloss Berleburg
20:00 Konzert mit Ernie Watts European
Quartet, Jazzclub Oase, Kulturhaus
Lÿz, Siegen St.-Johann-Straße 7
10. Samstag
20:00 Comedyabend mit Maddin
Schneider Lach oder Stirb, Kulturhaus
Lÿz, Siegen St.-Johann-Straße 7
20:00 Rock'n'Roll mit Lucy in the Sky,
Festhalle Wilnsdorf, Rathausstraße
20:00 Nuhr unter uns Kabarett von
und mit Dieter Nuhr, Siegerlandhalle
Siegen
11. Sonntag
10:45 Matinée-Konzert für Flöte und
Orgel, Katholische Kirche St. Joseph
Weidenau
20:00 Lesung mit Ralf Sotscheck:
Christstollen mit Guinness, Kulturhaus
Lÿz, Siegen St.-Johann-Straße 7
12. Montag
10:00 Frühstückstreff, AWO Begegnungsstätte
Siegen, Rosterstr. 186
10:00 Trauercafé, der Hospizhilfe
Siegen e.V. Seniorenbegegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos Siegen
16:00 KSG-Café im Wenscht: Lesepaten,
Siegen-Geisweid, Fichtenweg 5
Classic Brass -
Konzert zur Weihnachtszeit
Das seit 1991 erfolgreiche, international
besetzte Bläserquintett mit Jürgen Gröblehner
gastiert mit Werken alter Meister
Samstag, 3. Dezember ab 18 Uhr in der
Evangelischen Kirche in Hilchenbach.
14. Mittwoch
16:00 Backestag, Frdb.-Hohenhain
14:30 KSG-Café: Kochstudio International,
Siegen-Geisweid, Fichtenweg 5
20:00 Schauspiel: Rain Man, Hilchenbach-Dahlbruch,
Gebr.-Busch-Theater
15. Donnerstag
15:15 KSG-Café im Wenscht: Seniorentreff
mit Programm, Siegen-Geisweid,
Fichtenweg 5
20:00 LÿzMixVarieté: Kabarett, Musik,
Akrobatik und Zauberei, Kulturhaus
Lÿz, Siegen St.-Johann-Straße 7
16.Freitag
20:00 Martin Luther King Konzert:
Ich habe einen Traum, Apollo Siegen
17. Samstag
9:00 Backestag: Siegen-Setzen
17:00 Konzert: Inspiration Weihnachten,
Ev. Kirche Hilchenbach, (auch 18.12.)
Dienstag, 6. Dez. 19 Uhr SeniorenTheaterSiegen: Die Siegener Stadtmusikanten.
Eine sauköstliche Satire auf das Seniorenleben. Kulturhaus Lÿz, Siegen
66 durchblick 4/2011
Veranstalterfoto Veranstalterfoto
19:00 Siegener Christmas Comedy:
Kartoffelfreuden VIII, Kulturhaus Lÿz,
18. Sonntag
14:30 Café unter der Linde, Seniorenbegegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos
15:00 Trauercafé, der Hospizhilfe Siegen
e.V., Kindergarten Freudenberg,
Oranienstraße 25
18:00 Comedy mit Nickelodeon:
Christmas Dinner for Two, Stadthalle
Kreuztal, Am Erbstollen 7
19. Montag
14:00 KSG - Café Im Wenscht: Malen/
Basteln für Erwachsene, Siegen-Geisweid,
Fichtenweg 5
14:30 Gedächtnistraining, Seniorenbegegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos
Siegen, Marienborner Str. 151
20. Dienstag
19:30 Treffen Wohnprojekt: Wahlverwandte,
Haus Herbstzeitlos, Siegen
22. Donnerstag
15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,
Seniorenbegegnungsstätte Haus
Herbstzeitlos Siegen, Marienborner Str.
26. Montag
14:30 AWO-Seniorentreff: Kaffeekränzchen,
AWO Begegnungsstätte
Siegen, Rosterstraße 186
14:30 Gedächtnistraining, Seniorenbegegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos
18:00 Weihnachtskonzert bei Kerzenschein
mit dem Bach-Chor Siegen,
Martinikirche Siegen
27. Dienstag
20:00 Kabarett mit Weigand & Genähr,
Wer zuerst oben is, Kulturhaus
Lÿz, Siegen (täglich bis 30.12.)
28. Mittwoch
16:00 Backestag: Freudenb.-Hohenhain
19:00 Russisches Staatsballett tanzt
Schwanensee, Siegerlandhalle Siegen
29. Donnerstag
20:00 Konzert mit der Philharmonie
Südwestfalen, Dirigat: Christian Kluxen,
Gebr.-Busch-Theater, Hi.-Dahlbruch
31. Samstag
19:30 Barockkonzert zur Silvesternacht
mit der Philharmonie Südwestfalen,
Ev.Kirche Hilchenbach 19.00 und
22.15 Let's Have A Party Eine musikalische
Jahrhundertrevue von und mit
Tankred Schleinschock, Apollo-Theater
Siegen, Morleystr. 1
Veranstaltungshinweise
Wer zuerst oben is...
„Wenn Ursel, Christa
Weigands Paraderolle,
in der roten Strickjacke
und mit Dutt auf
Platt laut ‚prakteziert‘,
kommen der zugereiste
Herr Genähr (Vorname:
Bernd-Michael) und
das heimische Publikum
aus dem Staunen kaum
heraus.“(Siegener Zeitung)
Vorstellungen vom
27. 12. bis 30. 12. jeweils
ab 20 Uhr im
Kulturhaus Lÿz Siegen,
St.-Johann-Straße 18,
Januar 2012
durchblick 4/2011 67
Veranstalterfoto
1. Sonntag Neujahr
10:00 Ausstellung: ZeitSpuren Haus
Oranienstraße, Siegen (bis 15. Januar)
16:00 Neujahrskonzert (sie Seite 60)
18:00 Orgelkonzert zum neuen Jahr,
Martinikirche Siegen
20:00 Neujahrskonzert (sie Seite 60)
3. Dienstag
10:00 Kreativ-Gruppe DeutscherHausfrauenBund,
Seniorenbegegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos, Siegen
14:30 Alter Aktiv: Lesepaten, Begegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos, Siegen
4. Mittwoch
14:00 KSG-Offenes-Café im
Wenscht, Fichtenweg 5, Siegen-
Geisweid
19:30 Gesprächskreis für pflegende
Angehörige, Diakoniestation
Kreuztal, Anmeldung vormittags
02732-582470
20:00 Neujahrskonzert (sie Seite 60)
5. Donnerstag
15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,
Seniorenbegegnungsstätte Haus
Herbstzeitlos, Siegen
20:00 Neujahrskonzert (sie Seite 60)
7. Samstag
19:00 Neujahrskonzert (sie Seite 60)
20:00 Kabarett: Sebastian Pufpaff
mit der Frage Warum! Kulturhaus
Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 189
8. Sonntag
17:00 Neujahrskonzert (sie Seite 60)
19:00 Film: Almanya – Willkommen
in Deutschland, Kurbelkiste im Kulturhaus
Lÿz, Siegen, St.-Johann-Str.
9. Montag
10:00 Trauercafé, der Hospizhilfe
Siegen e.V. Seniorenbegegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos
Siegen, Marienborner Str. 151
10:00 Frühstückstreff, AWO Begegnungsstätte,
Rosterstr. 186, Siegen
16:00 KSG-Café im Wenscht: Lesepatin,
Siegen-Geisweid, Fichtenweg 5
10. Dienstag
19:30 Treffen: Wohnprojekt Wahlverwandte,
Seniorenbegegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos, Siegen
20:00 Neujahrskonzert (sie Seite 60)
18. Dezember, 18 Uhr, Comedy mit Nickelodeon:
Christmas Dinner for Two,
Stadthalle Kreuztal, Am Erbstollen 7
Veranstalterfoto
Veranstaltungshinweise
Januar 2012
20.1. ab 20 Uhr: Kabarett mit Matthias
Egersdörfer: Ich mein's doch nur gut!
11. Mittwoch
14:30 KSG-Café: Kochstudio International,
Siegen-Geisweid,Fichtenweg 5
20:00 Kabarett: Weigand & Genähr,
Wer zuerst oben is, Kulturhaus Lÿz,
Siegen (täglich bis 12.01.)
20:00 Neujahrskonzert (sie Seite 60)
12. Donnerstag
20:00 Forum Siegen Vortrag: Menschen
ohne Wohnung = Menschen ohne
Würde? Kulturhaus Lÿz, Siegen
13. Freitag
20:00 Jazzclub Oase: Richard Bargel &
Klaus "Major" Heuser Band, Men in
Blues, Kulturhaus Lÿz, Siegen
20:00 Kulturforum, Martin C. Herberg
Gitarren Total, Altes Feuerwehrgerätehaus,
Netphen, St. Petersplatz
Veranstalterfoto
14. Samstag
20:00 Jazzclub Oase: JazzConference
meets Timo Böcking Projekt, Kulturhaus
Lÿz, Siegen, St.-Johann-Straße 18
15. Sonntag
15:00 Trauercafé, der Hospizhilfe Siegen
e.V. Kindergarten Freudenberg,
Oranienstraße 25
17:00 Multivision-Vortrag von Heiko
Beyer: Irland-Zauber der grünen Insel
Stadthalle Kreuztal
14:30 Café unter der Linde Begegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos, Siegen
16. Montag
14:00 KSG Café im Wenscht: Malen/
Basteln für Erwachsene, Siegen-Geisweid,
Fichtenweg 5
14:30 Gedächtnistraining, Begegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos, Siegen
17. Dienstag
19:30 Treffen Wohnprojekt: Wahlverwandte,
Seniorenbegegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos Siegen.
20:00 Stepp-Show: Magic of the Dance,
Siegerlandhalle Siegen, Koblenzer Str.
19. Donnerstag
15:00 Literaturcafé Seniorenbegegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos, Siegen
15:15 KSG-Café im Wenscht: Seniorentreff
mit Programm, Siegen-Geisweid,
Fichtenweg 5
20:00 Theater: Woyzeck von Georg
Bücher, Apollo-Theater, Siegen
20:00 Forum-Siegen Vortrag: Kinderarmut
in Deutschland, Kulturhaus Lÿz
20. Freitag
20:00 Kabarett mit Fatih Cevikkollu:
Fatih Unser, Stadthalle Kreuztal
20:00 Kabarett mitMatthias Egersdörfer:
Ich mein's doch nur gut! Kulturhaus
Lÿz, Siegen, St.-Johann-Straße 18
21. Samstag
20:00 Lesung mit Hellmuth Karasek,
Im Paradies gibt's keine roten Ampeln!
Kulturhaus Lÿz, Siegen, St.-Johann-Str.
20:00 Theater Subito mit dem Krimi:
Rotecke, Heimhof-Theater, Burbach
22. Sonntag
19:00 Film: I Killed My Mother, Kurbelkiste
im Kulturhaus Lÿz, Siegen
19:00 Bernhard Hoecker: Wikihoëcker
Bad Berleburg, Bürgerhaus am Markt
23. Montag
14:30 Gedächtnistraining, Seniorenbegegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos
Siegen, Marienborner Str. 151
14:30 AWO-Seniorentreff: Kaffeekränzchen,
AWO Begegnungsstätte
Siegen, Rosterstr. 186
19:00 Treffen der Selbsthilfegruppe
Asthma, Haus Herbstzeitlos, Siegen
24. Dienstag
20:00 Kabarett: Freiheit ist alles, Gebrüder-Busch-Theater
Hilchenbach
26. Donnerstag
19:00 Theater: Thibault Schiemann in
Fünf Mal schwarze Katze, Kulturhaus
Lÿz, Siegen, St.-Johann-Straße 18
Veranstalterfoto
Irland-Zauber der
grünen Insel
Irland machen die
Geschichten aus,
und von denen gibt
es genug zu erzählen,
von einem Land
am Rande Europas,
das sich trotz der
rasanten wirtschaftlichen
Entwicklung
seine Ursprünglichkeit
bewahren konnte.
Denn nach wie
vor gilt: Die grüne
Insel verzaubert!
Multivision-Vortrag
von Heiko Beyer,
15. Januar
ab 17 Uhr,
Stadthalle Kreuztal
68 durchblick 4/2011
Veranstaltungshinweise
20.00 Forum-Siegen Vortrag: Armut
und das Bürgerrecht auf Bildung, Kulturhaus
Lÿz, Siegen, St.-Johann-Str. 18,
27. Freitag
20:00 Multivision-Vortrag: Norwegen
per Hurtigrute, Ev. Jugendheim,
Erndtebrück
20:00 Theater: Der Bräutigam meiner
Frau, Adolf-Saenger-Halle Wilnsd.-Niederdielfen,
Augraben 9 (auch So. 17 Uhr)
28. Samstag
19.00 Theater der Uni-&Hochschule
der Künste Bern mit: Romio und Julieta.
Und Pickelhäring, Kulturhaus Lÿz Siegen,
St.-Johann-Straße 18
20:00 Kabarett mit Kämmer & Rübhausen:
Es ist Zeit für Plan B., Kreuztal,
Weiße Villa, Dreslers Park
20:00 Kabarett: Alfons mit Die Rückkehr
der Kampfgiraffen, Heimhof-Theater,
Burbach
30. Montag
14:30 Gedächtnistraining, Begegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos, Siegen
20.00 Der Seefahrer, Schauspiel von
Conor McPherson ,Apollo-Theater Siegen.
Februar 2012
Samstag, 28 Januar 20 Uhr, Politisches
Kabarett mit Kämmer & Rübhausen:
Es ist Zeit für Plan B
Kreuztal, Weiße Villa, Dreslers Park
1. Mittwoch
14:00 KSG-Offenes-Café im Wenscht,
Siegen-Geisweid, Fichtenweg 5
19:30 Gesprächskreis für pflegende
Angehörige, Diakoniestation Kreuztal,
Anmeldung vormittags 02732-582470
2. Donnerstag
15:00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,
Haus Herbstzeitlos, Siegen
19.00 Burghofbühne Dinslaken: Liebesbriefe
an Hitler, Kulturhaus Lÿz Siegen.
20.00 Forum-Siegen Vortag: Armut und
Solidarität in der Weltgesellschaft, Kulturhaus
Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18
3. Freitag
20.00 Kulturforum: Konzert mit Jürgen
Schwab Heute noch Folk, Blues, Pop
und Jazz. Altes Feuerwehrgerätehaus
Netphen, St. Petersplatz
20:00 Kabarett mit Richard Rogler:
Stimmung, Stadthalle Kreuztal
20:00 Kabarett mit Daubs Melanie: Das
Jubiläums-Programm, Kulturhaus Lÿz,
Siegen (auch am 10.02.)
20:00 Konzert: Kerstin Stahl&Gerd Moos,
Heimspiel, Heimhof-Theater, Burbach
5. Sonntag
15:00 Trauercafé - Café Regenbogen,
Haus Ernsdorf, Kreuztal, Ernsdorferstr. 3
19:00 Film: Four Lions, Kurbelkiste im
Kulturhaus Lÿz Siegen, St.-Johann-Str.
6. Montag
9:30 Gedächtnistraining, Begegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos, Siegen
7. Dienstag
10:00 Kreativ-Gruppe Deutscher HausfrauenBund,
Haus Herbstzeitlos, Siegen
14:30 AlterAktiv: Lesepaten, Begegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos, Siegen
8. Mittwoch
14:30 KSG-Café im Wenscht: Kochstudio
International, Siegen-Geisweid,
Fichtenweg 5
9. Donnerstag
20:00 Theater: Altweiberfrühling, Gebrüder-Busch-Theater
Hilchenbach
20:00 Back Home, Konzert mit Judith
Adarkwah & Friends, Jazzclub Oase im
Kulturhaus Lÿz, Siegen
10. Freitag
20:00 Theater: Der Kontrabass von
Patrick Süskind. mit Jan
Becker, Apollo-Theater
Siegen, Morleystr. 1
11. Samstag
20:00 Lesung: Alissa
Walser, Immer ich!
Kulturhaus Lÿz, Sgn.
20:00 Jazzkonzert:
Thomas Reis, Gibt's ein
Leben über 40, Heimhof-Theater,
Burbach
12. Sonntag
17:00 Multimediashow
von Petra und
Gerhard Zwerger-
Schoner: Australien,
Stadthalle Kreuztal,
Am Erbstollen 7
18.00 Konzert: Trio
Anima Vocalis, Nikolaikirche
Siegen
13. Montag
10:00 Trauercafé, der
Hospizhilfe Siegen
e.V. Haus Herbstzeitlos,
Siegen
10:00 Frühstückstreff, AWO Begegnungsstätte
Rosterstr. 186, Siegen
16:00 KSG-Café im Wenscht: Lesepatin,
Siegen-Geisweid, Fichtenweg 5
14. Dienstag
20.00 Kammermusik mit dem Xyrion
Trio, Geb.-Busch-Theater Hilchenbach
15. Mittwoch
20.00 Konzert mit den Swinging Elephants
Makin` Whoopee Kulturhaus
Lÿz Siegen, St.-Johann-Straße 18
9. Februar 20:00: Back Home, Konzert mit Judith
Adarkwah & Friends, Jazzclub Oase im Kulturhaus
Lÿz, Siegen
Veranstalterfoto
durchblick 4/2011 69
Veranstaltungshinweise
Februar 2012
Freitag, 17. Februar 20 Uhr KreuztalKultur:
Musik Comedy: Mit
Schirm, Charme und Cellone, Stadthalle
Kreuztal, Am Erbstollen 7
16. Donnerstag
15:15 KSG-Café im Wenscht: Seniorentreff
mit Programm, Siegen-Geisweid,
Fichtenweg 5
15:00 Literaturcafé Seniorenbegegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos Siegen
17. Freitag
20:00 KreuztalKultur: Musik Comedy:
Mit Schirm, Charme und Cellone,
Stadthalle Kreuztal, Am Erbstollen 7
1. Donnerstag
15:00 Literaturcafé Seniorenbegegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos Siegen
20:00 Lesung: Die Enden der Welt mit
Roger Willemsen, Stadthalle Kreuztal
20.00 Schauspiel von Wajdi Mouawad:
Verbrennungen, Gebrüder-Busch-Theater-Hilchenbach-Dahlbruch
2. Freitag
20:00 Jazzkonzert mit dem Cécile Verny
Quartet: Keep some secrets within,
Kulturhaus Lÿz, Siegen
3. Samstag
20:00 Konzert mit Satin Blue - Folk-,
Blues- und Jazzband, Kulturhaus Lÿz,
Veranstalterfoto
18. Samstag
20:00 Kabarett mit Matthias Deutschmann,
Deutsche, wollt ihr ewig leben?
Kulturhaus Lÿz Siegen, St.-Johann-Str.
19. Sonntag
11.00 Kunst- & Handwerkermarkt Der
Markt der schönen Dinge Siegerlandhalle
Siegen (auch Sonntag)
14:30 Café unter der Linde, Seniorenbegegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos,
Siegen, Marienborner Str. 151
15:00 Trauercafé, der Hospizhilfe Siegen
e.V. Kindergarten Freudenberg,
Oranienstrasse 25
19:00 Film: Du sollst nicht lieben, Kurbelkiste
im Kulturhaus Lÿz, Siegen
20. Montag
14:30 Gedächtnistraining, Begegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos, Siegen,
19:00 Treffen der Selbsthilfegruppe
Asthma, Haus Herbstzeitlos, Siegen
14:00 KSG-Café im Wenscht: Malen/
Basteln für Erwachsene, Siegen Geisweid,
Fichtenweg 5
21. Dienstag
19:30 Treffen Wohnprojekt: Wahlverwandte,
Seniorenbegegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos, Siegen
20:00 Komödie: Familie Malentes 99
Lufxtballons, Apollo Theater, Siegen
20.00 Kulturforum Lesung: Shakespeare
zwischen Äpfeln und Nüssen in
der Rumpelkammer Altes Feuerwehrgerätehaus,
Netphen, St. Petersplatz
Vorschau März 2012
20:00 Konzert: Mr. Boogie Woogie,
Heimhof-Theater, Burbach
20.00 Kabarett mit Urban Priol Wie im
Film, Siegerlandhalle, Siegen
4. Sonntag
18.00 Die große Peter Kraus Revue:
Für immer in Jeans 2012 Siegerlandhalle
Siegen, Koblenzer Str. 151
19:00 Film: In einer besseren Welt,
Kurbelkiste im Kulturhaus Lÿz, Siegen,
St.-Johann-Str. 18
9. Freitag
20.00 Konzert mit der WDR-Big-Band
Oase im Kulturhaus Lÿz, Siegen St.-
Johann-Straße 18
23. Donnerstag
20.00 Kleine Bühne Seelbach, Schwank:
Nichts als Kuddelmuddel Kulturhaus
Lÿz, (auch 24., 25., 26.)
24. Freitag
20:00 Kabarett mit Wilfried Schmickler:
Weiter, Stadthalle Kreuztal
20.00 Schauspiel mit Musik, Die Harry
Belafonte Story, Apollo-Theater Siegen,
Morleystr. 1
25. Samstag
10:00 Messe: Gesundheit Siegen, Siegerlandhalle,
Siegen (auch Sonntag)
20:00 Konzert: Rigmor Gustafsson &
Trio, Stadthalle Kreuztal
20:00 Kulturforum Theater: Der Bräutigam
meiner Frau,Georg-Heimann-
Halle Netphen, Jahnstraße
26. Sonntag
17:00 Chorkonzert mit der Philharmonie
Südwestfalen unter der Leitung von Ulrich
Stötzel, Haardter Kirche Weidenau
27. Montag
14:30 Gedächtnistraining, Begegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos, Siegen,
Marienborner Straße 151
14:30 AWO-Seniorentreff: Kaffeekränzchen,
AWO Begegnungsstätte
Rosterstr. 186, Siegen
19:00 Treffen der Selbsthilfegruppe
Asthma, Seniorenbegegnungsstätte
Haus Herbstzeitlos, Siegen
28. Dienstag
20.00 Schauspiel mit der der Neuen
Studiobühne der Uni Siegen: Krankheit
der Jugend, Kulturhaus Lÿz Siegen, St.-
Johann-Str. 18 (auch am 29.)
10. Samstag
20.00 KreuztalKultur: Kabarett mit
Martina Schwarzmann: Wer Glück hat,
kommt Stadthalle Kreuztal, Am Erbstollen
20.00 Kabarett mit Tobias Mann: Durch
den Wind. Und wieder zurück. Kulturhaus
Lÿz, St.-Johann-Str. 18, Siegen
„Verbrennungen“ Do. 1.3. in Hilchenbach
70 durchblick 4/2011
Veranstalterfoto
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4/2011 25 Jahre durchblick 71
Leserbriefe
Leserbrief-Anmerkung Liebe Leserinnen, liebe Leser,
über die zahlreichen Reaktionen, ob per Brief, Email, Fax
oder Telefon auf meine beiden Artikel „Auf der Suche nach
der „(Alters) Weisheit“ und „Hallo ICH, wer bist Du?“ und
die darin bekundeten eigenen Meinungen, Ergänzungen und
Anregungen, habe ich mich sehr gefreut und möchte mich,
auch im Namen meiner Redaktionskolleginnen und Kollegen,
auf diesem Weg für das gezeigte Interesse herzlich
bedanken. Mir ist bewusst, und das zeigen Ihre einzelnen
wichtigen Hinweise und Kommentare, dass beide, sowohl
die Frage nach der Weisheit als auch die nach dem ICH
sehr komplexe Themenbereiche sind, die aus unterschiedlichen
Sichtweisen heraus betrachtet werden können. Betrachte
ich sie z.B. vorwiegend philosophisch, theologisch,
psychologisch, wissenschaftlich, überwiegend historisch,
oder in rein humanistischer Hinsicht. Es liegt sicherlich im
Interesse des jeweils Einzelnen, hier seinen persönlichen
Schwerpunkt zu setzen. Meine Intention war es lediglich
über beide Themen einmal zum Nachdenken anzuregen,
dabei aber die Sichtweise offen zu lassen. Die verschieden
gelagerten Leserbriefe scheinen dies zu bestätigen.
Eberhard Freundt
db 3/2011 Hallo ICH
Lieber Herr Freundt, da haben Sie sich aber ein schweres
Thema ausgesucht! Wer kennt denn überhaupt dieses ICH?
Offensichtlich doch nur die Deutschen!? Wer hat aber etwas
ähnliches? ik/ich (mhd), ih (ahd), ik (got), I (engl), je (fr),
ego (lat), ejo (gr), ja (rus). – oder: Ich J.Ch Jesus Christus.
– Moses fragt Jahve auf dem Berg Sinai: Wer bist du? Ich
bin der ICH - Bin.
Die physisch-medizinischen Suchwege bleiben offensichtlich
ohne Erfolg. – Der Dalai Lama ist ein Mensch
unserer Zeit. Das ICH wird heute nicht mehr angezweifelt,
aber wo ist es. – Wenn man bei Buddha (560–480 v.Ch.)
sucht, so gibt es dort kein ICH. Über seine Lehren gibt
es, wie bei Christus, nichts selbst Geschriebenes. Alle Erscheinungen
seiner Welt sind vergänglich. Das Leben ist
leidvoll. Mit dem Tode geht er ins selige Nirwana ein. Das
Inkarnationsrad einer Wiedergeburt ist für ihn schrecklich,
auch in der Hölle oder als Tier. – Über nachtodliches und
vorgeburtliches Leben eines Menschen wussten Platon und
Sokrates schon Bescheid.
Der Mensch hat seinen physischen Leib, einen unsichtbaren
Lebensleib für lebenswichtige Steuerungen wie Atmen,
Blutkreislauf, Ernährung und einen Seelenleib für
Seelenregungen wie Sympathie/Antipathie, Lust/Unlust,
Wünsche/Begierden u.a. (auch bei Tieren). Aber wie ist das
mit dem ICH? Das hat offensichtlich eine Sonderstellung
beim Menschen. Jahve wusste wohl darüber Bescheid, nur
aber Moses noch nicht!
Der Philosophisch-Anthroposophische Verlag Goetheanum-Dornach
gibt jährlich zu Ostern einen Sternkalender
mit kosmischen Daten heraus, z.B. für 2011 mit dem Hinweis:
„1978 Jahre nach des ICH-Geburt durch das Mysterium
von Golgatha“. – Hier liegt eine geisteswissenschaftliche
Aussage vor. – Man muss feststellen, dass das Ich zu
Moses Zeiten für den Menschen noch nicht präsent war,
aber 33 n. Ch. wurde es geboren. Die Ich Anlage wurde dem
Menschen schon lange vor Moses eingeimpft. Die Zeit vor
der Sintflut mit Noah ist etwa die Zeit.
Heute sagt Fritz mit drei Jahren schon „Ich will dieses
haben“, ohne sich dessen bewusst zu sein. Er sagt auch
„Fritz will dieses haben“. – Mit 16 -18 Jahren wird er sich
seines „Ichs“ bewusster. – Aber wo ist es? Bei Tage wird
es für sein ICH angewendet. Nachts hat seine Seele keine
Wünsche o.a. – Das ICH schweigt auch. Es ist nicht mit
der Physis und der Seele verknüpft! - Dieses „Über-ICH“
oder höhere ICH ist Zuschauer, das lenkt und leitet. Sein
Tages-Ich ist das niedere Ich, der Abglanz des HÖHEREN
ICH. Nur so ist es verständlich. -– Machen wir dazu eine
Ergänzung zu Buddhas Nirwana: Das menschliche ICH ist
die „neue“ übersinnlich geistige Wesenheit, die im menschlichen
Blut wirkt. – Das HÖHERE ICH ist die „ewige Entelechie“
des Menschen nach Goethe. Es kann die Spur von
meinen Erdentagen nicht in Äonen untergehen. – Das HÖ-
HERE ICH führt den Menschen mit „seinem“ Engel über
alle vergangenen und folgenden Inkarnationen.
Hartmut Gerkan, Siegen
db 3/2011 Birlenbacher Elegie
Sehr geehrte Frau Krumm, ich lese den Durchblick stets
mit großem Interesse und diesmal besonders Ihren Artikel
über die Birlenbacher Straße. Ich muss unbedingt darauf
reagieren, wenn mir auch leider Ihre Gabe des Schreibens
völlig fehlt.
Auch in meinem Leben spielt diese Straße eine große
Rolle. Habe meine Kindheit von 1938–1950 dort verbracht.
Es war die schönste Straße der Welt für mich. Selbstverständlich
erlebte ich alles auch „nur“ als Fußgängerin.
Damals war dort, wo heute der Imbiss ist, unser Metzger
(Husmann). Ein ganzes Stück weiter oben war ein Lebensmittelladen
mit Bäckerei (Müller). Meine ersten 5 Schuljahre
konnte ich auch dort verbringen, nur wenige Schritte
von zu Hause. Wir Kinder konnten wunderbar auf der Straße
spielen, es kam ja kein Auto. Hatte mal ein Loch im
Kopf, mal fehlte ein Schneidezahn (leider ein Bleibender).
Sonntags war in Birlenbach „Sonntagschule“ bei Onkel
Karl und Tante Lenchen. Man kann es heute nicht mehr
glauben, aber ich habe im Birlenbach, der damals noch von
Wald und Wiesen umgeben war, das Schwimmen gelernt!
Und, und, und.... Wenn ich heute mit dem Auto durch diese
Straße fahre, sind meine Gedanken immer in der Vergangenheit
bei so schönen Erinnerungen.
Helga Volz, Siegen
db 3/2011 Mich erreichten heute drei Exemplare Ihres Magazins
durchblick, worüber ich mich sehr gefreut habe, und
dieses Lesegold ich in den kommenden Tagen aufmerksam
studieren werde. Selbstverständlich bin ich sehr neugierig,
72 25 Jahre durchblick 4/2011
Leserbriefe
und so überflog ich leserlich schon mal
und bin begeistert – Sie Lieben leisten da
ja wirklich eine ganz erstaunliche Arbeit!
Ich erlaube mir, noch heute einem Mitgefangenen
ein Exemplar zu reichen, der
sich ganz sicher ebenfalls freuen und Ihr
Magazin studieren wird. Darüber hinaus
werde ich einem Sicherungsverwahrten
ein Exemplar reichen lassen – der sich
ganz sicher ebenfalls freuen wird. Wenn
Sie sich das leisten könnten, ein „Geschenk-Abo“
zu bewilligen, reichte ein
Exemplar, denn wir reichen uns Zeitungen
und Magazine untereinander
weiter. Verzeihen Sie mir meine sprichwörtliche
Art, aber ich möchte ganz frei
sagen was ich denke: Ihr Magazin ist
Zeugnis dafür, welches Potential unsere
altersreifen Volksgeschwister haben. Da finden sich einige
lebenserfahrene Landsleute zusammen, jede/r leistet seinen
Beitrag, und heraus kommt solch ein Magazin, was – und
das nahm ich so bereits beim „leserlichen Überfliegen“ zur
Kenntnis –andere mir bekannte Magazine, die fett bezahlte
Schreiblinge haben, qualitativ um Welten in den Schatten
stellt. Völlig zu recht fördert die Stadt Siegen Sie Lieben,
offensichtlich wohlwissend warum sie das tut…! So viel
für heute, denn ich hoffe ja, dass jemand bei Ihnen den
Mut oder die „Größe“ hat, diesem „Knasti“ seine Fragen
zu beantworten. „Welche Fragen?“ Die stehen in meinem
vorhergehenden Brief. Herzliche Grüße nach Siegen Ihr
Norbert Andreas Konrad
db 3/2011 Zu Deinem Silbernen – sprich 25-jährigen noch
verspätet meine herzlichsten Glückwünsche. Anlass für
mich war das Jubiläum, Rückschau zu halten, die Jahre
passieren zu lassen, da ich viel Interessantes, Lesenswertes
durch dieses Blatt erfahren habe. Dank auch an alle Mitarbeiter!
In einer Hinsicht wurde ich allerdings bitter enttäuscht:
„Durchblick – nicht nur für Senioren“ nennt sich
das Viertel-Jahresblatt. Die Verbindung von Durchblick
und Senioren hat für mich den Anschein erweckt, man
könne davon ausgehen, dass mit zunehmendem Alter der
Durchblick im eigenen Leben zu erreichen sei: vorausgesetzt,
dass man sich auch regelmäßig Ihre Zeitung zu Gemüte
führt. Nun beides ist eingetreten: regelmäßiges Lesen
Ihres Blattes, und ich selbst gehöre seit langem der Bevölkerungsgruppe
der Senioren an. Aber das Enttäuschende
ist, ich habe bislang keinen Durchblick gewonnen – weder
durch das eine noch durch das andere, im Gegenteil: nicht
nur fehlt mir mehr und mehr der Durchblick, sondern ich
hab auch manchmal Sorge, dass ich auch den Überblick
verliere.– Und dass im Alter, der Ausblick (in die Zukunft)
ebenfalls nicht rosig ausfällt, muss ich nicht weiter erklären.
Aber fahren Sie um Himmels Willen fort, bei den Menschen
Hoffnungen zu wecken. Dass sich nicht alle erfüllen,
Kein Feinstaubfilt er
nöti g !
DIREKT VOM HERSTELLER
haben wir Alten im Leben längst erfahren und wissen, damit
umzugehen. Was wären wir dagegen ohne Hoffnung?
Andy Knabe, Siegen
...nicht nur für Senioren
Hallo liebe Redaktion des Durchblick, den "Untertitel"
des regelmäßig erscheinenden Heftes nehme ich
schon seit langem zum Anlass, mir die Zeitung intensiv
durchzulesen. Ich finde es erstaunlich und toll, mit welcher
Attraktivität sie die Menschen dazu einladen, sich mit
dem Leben der Senioren zu beschäftigen. Dieses gilt ja im
Wesentlichen für den regionalen Bereich des Siegerlandes
(also hinsichtlich Ereignissen, Berichten etc.), bietet aber
auch für den interessierten Leser (zu dem Kreis 50plus
gehöre ich seit neuestem) viele informative Einblicke,
Einsichten und Anregungen. Gleichzeitig kann ich Ihnen
allen zu 25-Jahren durchblick nur gratulieren und freue
mich schon jetzt auf die nächste Ausgabe, die übrigens
hier im St. Marien-Krankenhaus in großer Auflage regelmäßig
verteilt bzw. ausgelegt wird. Wenn ich mal etwas
für Sie tun kann, fragen Sie ruhig nach, wir sind gemäß
unserem Leitbild stets „Näher am Menschen“! In diesem
Sinn verbleibt mit freundlichem Gruß
H. Goubeaud, Siegen
WDR-Sendung z. „25“-Jubiläum
Zu obiger Sendung möchte ich Ihnen sagen, dass ich
sehr enttäuscht war. Enttäuscht deshalb, weil Sie sich nicht
persönlich vorgestellt und Ihr Ressort mitgeteilt haben.
Diese einmalige Gelegenheit haben Sie vertan! Zum Zweiten
fand ich die Sendezeit vom WDR viel zu kurz, da hätte
man einen anderen Beitrag später senden können! Beim
nächsten Jubiläum wird keiner mehr von Ihnen dabei sein.
Daher meine Empfehlung: Stellen Sie sich mit Foto im
nächsten Heft vor, damit jeder Leser weiß, wer in dem
jeweiligen Beitrag „zu einem spricht“. Mit freundlichen
Grüßen
Ulrike Schmidt, Siegen
4/2011 25 Jahre durchblick 73
Unterhaltung / Impressum
Es fiel uns auf …
…dass es einen Zusammenhang zwischen Zahnpflege
und Herzproblemen gibt. Wer seine Zähne vernachlässigt,
riskiert nicht nur schlechten Atem. Auch das
Herzinfarktrisiko, Rücken- und Gelenkschmerzen sowie
Diabetes nehmen zu. Eine Studie in Schottland hat
bewiesen, dass die entstehenden Bakterien die Blutgefäße
angreifen.
…dass Schokolade gut fürs Herz ist. Zwar weiß man,
dass durch Essen von zu viel Schokolade Übergewicht
verstärkt wird; andererseits senken Kakaoprodukte
die Wahrscheinlichkeit für Herzinfarkt und Schlaganfall.
Das ergab eine britische Studie mit 114.000 Teilnehmern.
Zu verdanken ist dies den enthaltenen Flavonoiden,
die in dunkler Schokolade mehr enthalten sind
als in heller.
…dass Lachen die Blutgefäße fit hält. Der Volksmund
hat Recht: Lachen ist die beste Medizin. In einer Studie
wurden Teilnehmern entweder ein lustiger oder
ein dramatischer Film gezeigt. Es zeigten sich Unterschiede
im Gefäßdurchmesser zwischen jenen, die
herzhaft gelacht hatten, und jenen, die ein spannender
Film in Stress versetzt hatte. Lachen erweitert die
Blutgefäße und verbessert den Blutfluss, Stress hat
den gegenteiligen Effekt.
homa
Gedächtnistraining: Lösungen von Seite: Seite 78/79
Sprichwörter: 1. So schallt es wieder zurück, 2. Gold im Mund, 3. fällt
selbst hinein, 4. ist ein sanftes Ruhekissen, 5. kein Preis, 6. das verschiebe
nicht auf morgen, 7. zähl´die heiteren Stunden nur. Logische Aufgabe:
Peter – 30 € - Samstag; Henner – 40 € - Donnerstag; Frieder – 80 € - Freitag;
Martin – 60 € - Sonntag. Wortspiele:WINTERFROST
Zu guter Letzt:
Frohes Neues Jahr!
von Helga Düringer
Nun ist es da, das neue Jahr
und alles ist wie`s vorher war
es bringt uns Glück,
es bringt uns Leid,
wie eh und je, in jeder Zeit!
Man wünsche sich Gerechtigkeit,
geteiltes Glück - geteiltes Leid,
zu tragen ist man dann bereit,
was kommt, mit viel mehr Leichtigkeit,
wie eh und je, zu jeder Zeit!
durchblick
Gemeinnützige Autorenzeitschrift
für das Siegerland und Wittgenstein
Herausgeber: durchblick-siegen Information und Medien e.V.
Anschrift der Redaktion:
„Haus Herbstzeitlos“, Marienborner Str. 151, 57074 Siegen
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(Sprecher auf CD-Beilage)
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An dieser Ausgabe haben ferner mitgewirkt:
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Mahle; Dieter Haas; Werner Müller-Späth; Maximilian Lutz; Herbert
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74 25 Jahre durchblick 4/2011
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Wir möchten den Weg der Feuerbestattung eines Verstorbenen in unserem Hause bewusst begleiten.
Als einziges Krematorium in Deutschland haben wir daher
eine eigene Zeremonie der Feuerbestattung entwickelt.
Wir führen diese Zeremonie für jeden Verstorbenen durch.
Sie als Angehörige erhalten von uns ein einzigartiges und
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Anonymität einer Feuerbestattung aufheben soll.
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Im Rahmen unseres Trauerforums werden in regelmäßigen
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