BOKU Magazin 03/2025
Editorial 3 Wie und wo wir morgen bauen werden 4 Klimaanpassung und Wohnpolitik 6 Zukunft bauen 10 Automatisierter Betonbau 12 Biobasierte Wände aus dem 3D-Drucker 14 KRAISBAU: Vom Abfall zur Ressource 16 Zukunft braucht Zirkularität 20 Prefab.Facade für thermische Sanierung 22 Citizen Science und Bauvorhaben 24 Kreislaufwirtschaft für Wasser, Energie und Grünraum 26 Wenn Holz und Papier zu Sensoren werden 28 Nachhaltige Infrastruktur im Klimawandel 30 Beton-Recycling 35 Prüflabor: Ziehen, drücken und biegen 40 Sanieren statt stagnieren 41 Vertikales Grün für kühlere Gebäude 46 Kinderuni: Wissenschaft erleben 48 EPICUR: Vision einer European University 50 Hybride Lehr- und Lernsettings 54 Der BISC-E Wettbewerb 57 Awareness Days 2025: Save the date 58 Ein Grund zum Feiern: 20 Jahre Ko-Stelle 61 Buch: Water Is Life 62 Buch: Der Goldschakal 64 Buch: The Danube River and The Western Black Sea Coast 65 Splitter 66 Forschung hautnah erleben 68 Master-Infotage 70 Der BOKU-Nachhaltigkeitstag 2025 71 Kooperative Forschungsinfrastrukturen an der BOKU 72 Changemaker*innen-Frühstück der BOKU:BASE 74 DOC BEST 76 Forschung FAQ: ERC Grants 78 Navigating Brussels 79 Tagesmütter am Bauernhof 80 Inge Dirmhirn Förderpreis und Stipendium 81 Strategische Kooperation BOKU/Umweltbundesamt 82
Editorial 3
Wie und wo wir morgen bauen werden 4
Klimaanpassung und Wohnpolitik 6
Zukunft bauen 10
Automatisierter Betonbau 12
Biobasierte Wände aus dem 3D-Drucker 14
KRAISBAU: Vom Abfall zur Ressource 16
Zukunft braucht Zirkularität 20
Prefab.Facade für thermische Sanierung 22
Citizen Science und Bauvorhaben 24
Kreislaufwirtschaft für Wasser, Energie und Grünraum 26
Wenn Holz und Papier zu Sensoren werden 28
Nachhaltige Infrastruktur im Klimawandel 30
Beton-Recycling 35
Prüflabor: Ziehen, drücken und biegen 40
Sanieren statt stagnieren 41
Vertikales Grün für kühlere Gebäude 46
Kinderuni: Wissenschaft erleben 48
EPICUR: Vision einer European University 50
Hybride Lehr- und Lernsettings 54
Der BISC-E Wettbewerb 57
Awareness Days 2025: Save the date 58
Ein Grund zum Feiern: 20 Jahre Ko-Stelle 61
Buch: Water Is Life 62
Buch: Der Goldschakal 64
Buch: The Danube River and
The Western Black Sea Coast 65
Splitter 66
Forschung hautnah erleben 68
Master-Infotage 70
Der BOKU-Nachhaltigkeitstag 2025 71
Kooperative Forschungsinfrastrukturen an der BOKU 72
Changemaker*innen-Frühstück der BOKU:BASE 74
DOC BEST 76
Forschung FAQ: ERC Grants 78
Navigating Brussels 79
Tagesmütter am Bauernhof 80
Inge Dirmhirn Förderpreis und Stipendium 81
Strategische Kooperation BOKU/Umweltbundesamt 82
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Nr. 3 / 9 2025
ISSN: 2224-7416
Bastlerhit
Zukunft
Wie wir morgen
bauen werden
→ Klimaanpassung braucht
gerechte Wohnpolitik
→ Wände aus dem 3D-Drucker
→ Vom Abfall zur Bauressource
In dieser
Ausgabe
Editorial 3
Wie und wo wir morgen bauen werden 4
Klimaanpassung und Wohnpolitik 6
Zukunft bauen 10
Automatisierter Betonbau 12
Biobasierte Wände aus dem 3D-Drucker 14
KRAISBAU: Vom Abfall zur Ressource 16
Zukunft braucht Zirkularität 20
Prefab.Facade für thermische Sanierung 22
Citizen Science und Bauvorhaben 24
Kreislaufwirtschaft für Wasser,
Energie und Grünraum 26
Wenn Holz und Papier zu Sensoren werden 28
Nachhaltige Infrastruktur im Klimawandel 30
Beton-Recycling 35
Prüflabor: Ziehen, drücken und biegen 40
Sanieren statt stagnieren 41
Vertikales Grün für kühlere Gebäude 46
Kinderuni: Wissenschaft erleben 48
EPICUR: Vision einer European University 50
Hybride Lehr- und Lernsettings 54
Der BISC-E Wettbewerb 57
Awareness Days 2025: Save the date 58
Ein Grund zum Feiern: 20 Jahre Ko-Stelle 61
Buch: Water Is Life 62
Buch: Der Goldschakal 64
Buch: The Danube River and
The Western Black Sea Coast 65
Splitter 66
Forschung hautnah erleben 68
Master-Infotage 70
Der BOKU-Nachhaltigkeitstag 2025 71
Kooperative Forschungsinfrastrukturen
an der BOKU 72
Changemaker*innen-Frühstück der BOKU:BASE 74
DOC BEST 76
Forschung FAQ: ERC Grants 78
Navigating Brussels 79
Tagesmütter am Bauernhof 80
Inge Dirmhirn Förderpreis und Stipendium 81
Strategische Kooperation
BOKU/Umweltbundesamt 82
Eine sozial-ökologische Klimaanpassung in Städten
braucht gerechte Wohnpolitik 6
Im geplanten Quartier „Am Kempelenpark“ in Wien-Favoriten werden
mittels technischer Innovationen und klarer Qualitätskriterien
Wasser, Energie und Grünräume gemeinsam gedacht 26
Auch in diesem Jahr nimmt die BOKU wieder gut sichtbar
an „ORANGE THE WORLD – 16 Tage gegen Gewalt an Frauen
und Mädchen“ teil 58
BOKU Ko-Stelle, ZOOM VP_Delugan Meissl Associated Architects
Zukunft bauen
BOKU/Georg Wilke
Sehr geehrte Leser*innen,
liebe Studierende und Kolleg*innen!
Eva Schulev-Steindl
Rektorin
„Wie werden wir morgen bauen?“ Das ist weit mehr als eine technische oder planerische Fragestellung.
Sie berührt die Grundlagen unseres Zusammenlebens: Wo wir wohnen, wie wir arbeiten, wie wir uns
bewegen und welche Spuren wir dabei in unserer Umwelt hinterlassen. Der Baubereich zählt weltweit
zu den größten Verursachern von Emissionen, Ressourcenverbrauch und Abfällen, bietet aber zugleich
enorme Ansatzpunkte für nachhaltige Veränderungen. Ob es um die Kreislaufwirtschaft im Gebäudesektor
geht, um innovative Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, um die Begrünung unserer Städte
oder um neue Formen der Raumplanung: Die BOKU ist vorne dabei und sieht sich als Impulsgeberin für
diese Transformation.
Unsere Forschenden entwickeln biobasierte Wände aus Nebenströmen der Holzindustrie, nachhaltige
Sanierungskonzepte sowie natürliche Beschattung für den Gebäudebestand und Roboter fertigen ressourcenschonende
Betonstrukturen. Neue Bewertungsinstrumente machen Kreislauffähigkeit messbar
und bei Quartiersentwicklungen werden Wasser, Energie und Grünflächen gemeinsam gedacht.
Gleichzeitig widmen wir uns den sozialen Dimensionen des Bauens – wie den Fragen nach Hitzeschutz
in Städten oder nach gerecht verteilten Grünräumen für alle Bevölkerungsgruppen. Es zeigt sich: Nachhaltiges
Bauen bedeutet technologische Innovation und soziale Verantwortung.
Für unsere Studierenden eröffnen diese Themenfelder einzigartige Lernräume und Perspektiven, die sich
in unseren Studiengängen wiederfinden. Sie können erleben, wie Forschung direkt auf die drängenden
Probleme unserer Zeit antwortet – und wie wichtig es ist, Disziplinen zusammenzuführen. Technik, Ökologie,
Wirtschaft und Gesellschaft müssen ineinandergreifen, wenn wir Zukunft bauen wollen. Das Thema
Bauen betrifft uns alle und eine nachhaltige Transformation wird nur gelingen, wenn wir gemeinsam neu
denken. Die Frage „Wie bauen wir morgen?“ ist deshalb zugleich eine Einladung: Lassen Sie uns nicht
warten, bis die Zukunft gebaut wird. Lassen Sie uns jetzt beginnen – nachhaltig, innovativ und verantwortungsvoll.
Denn darin liegt eine der besonderen Stärken der BOKU: Wir denken nicht in Schubladen,
sondern in Zusammenhängen.
Ich wünsche viel Vergnügen beim Lesen!
Eva Schulev-Steindl
Impressum
Medieninhaberin und Herausgeberin: BOKU University, Gregor-Mendel-Straße 33, 1180 Wien Chefredaktion: Bettina Fernsebner-Kokert Redaktion:
Hermine Roth Autor*innen: Astrid Allesch, Konrad Bergmeister, Barbara Birli, Lisa Bohunovsky, Matthias Braun, Julia Buchebner, Helin Cakmak, Daniel
Dörler, Johannes Ehrlinger, Lada Fialova, Michael Friesenecker, Peter Gappmaier, Maria Georgiades, Georg Gübitz, Olivier Guillaume, Mathias Hammerl,
Florian Heigl, Franziska Hesser, Johannes Hron, Marion Huber-Humer, Maximilian Klammer, Nora Korb, Natasa Kral, Benjamin Kromoser, Falk
Liebner, Mara Luef, Arunjunai Raj Mahendran, Alaudini Nurali, Christian Obinger, Thomas Pichler, Eva Ploss, Claudia Pretschuh, Ana Prslja, Elisabeth
Quendler, Lea Ranacher, Sara Reichenbach, Bernhard Reinholz, Martin Riegler. Matthäa Ritter-Wurnig, Maximilian Roitner, Romana Roschinsky, Mareike
Rosenbichler, Constanze Rzihacek, Stefan Salhofer, Mark Scherner, Alexandra Strauss-Sieberth, Alfred Strauss, Salme Taha Ali Mohamed, Thomas
Thaler, Marc Trattnig, Martin Tschikof, Christian Vihanek, Verena Vlajo, Paula Voigt, Klaus Voit, Krzysztof Wieczorek, Rupert Wimmer, Magdalena Wolf,
Selina Wyrwal, Oliver Zeman Grafik: Patricio Handl Coverfoto: freepik/8photo Druck: Druckerei Berger Auflage: 5.000 Erscheinungsweise: 4-mal jährlich
Blattlinie: Das BOKU Mag versteht sich als Informationsmedium für Angehörige, Absolvent*innen und Freund*innen der BOKU University und soll
die interne und externe Kommunikation fördern. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben die Meinung der
Autorin oder des Autors wieder und müssen mit der Auffassung der Redaktion nicht übereinstimmen. Redaktionelle
Bearbeitung und Kürzung von Beiträgen aus Platzgründen vorbehalten. Beiträge senden Sie bitte an:
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UZ24 „Schadstoffarme
Druckerzeugnisse“
UW 734
Dieses Produkt stammt
aus nachhaltig bewirtschafteten
Wäldern und
kontrollierten Quellen
3/2025 3
Wie und wo wir
morgen bauen werden
Von Gernot Stöglehner
Adobe Stock
Wie werden wir morgen bauen? Aus
raumplanerischer Sicht ist die wichtigste
Antwort darauf die Bedarfsfrage.
Denn nicht nur aus Perspektive des
Bodenverbrauchs, der Energie- und
Ressourceneffizienz, sondern auch
der knappen öffentlichen Haushalte
und der Leistbarkeit von Wohnraum
oder Betriebsstandorten ist schon
recht viel verbaut. Derzeit beträgt die
Flächeninanspruchnahme für Bauland
und Infrastruktur in etwa 5.700 Quadratkilometer.
Wir haben – in Laufmetern
pro Kopf gemessen – mit circa
14 Metern eines der größten Straßennetze
in Europa, in Deutschland sind
es rund 10 Laufmeter pro Kopf, in
der Schweiz 9. Für etwa 4,1 Millionen
Haushalte mit Hauptwohnsitzmeldung
sind rund 5 Millionen Wohneinheiten
gebaut. Daher muss zuerst die Frage
gestellt werden, warum denn weiter
gebaut werden soll und aus welchen
gesellschaftlichen und wirtschaftlichen
Entwicklungen neuer Raumbedarf
entsteht.
Darauf gibt es einige Antworten: zunächst
der demografische Wandel
und die damit verbundene Veränderung
der Haushaltsgrößen – mehr
Ein- und Zweipersonenhaushalte
brauchen mehr Wohnungen, der
Wohnraumbedarf pro Person steigt.
Die Wohnungen liegen nicht zwingend
dort, wo die Bevölkerung
wächst. Die Bevölkerungsprognosen
der Österreichischen Raumordnungskonferenz
zeigen, dass
zahlreiche, insbesondere ländliche
Regionen schrumpfen und einige
Ballungsräume wachsen werden.
Gleichzeitig werden durch die fortgesetzte
Bautätigkeit vielerorts in
den Randbereichen der Städte und
Ortschaften die Ortskerne entleert:
Die Bevölkerung zieht an den Ortsrand,
die Geschäfte sind im Einkaufszentren
auf ehemals grünen
Wiesen zu finden, Betriebe ändern
ihre Raumansprüche und übersiedeln
in neu erschlossene Gewerbegebiete.
Die Konsequenzen sind
mannigfaltig: Zunahme von Flächeninanspruchnahme
und Versiegelung,
Verlust von landwirtschaftlicher
Produktionsfläche und Lebens-
räumen für wildlebende Tiere und
Pflanzen, Verlust oder Veränderung
von Erholungsräumen, Eingriffe in
den Wasserhaushalt, Energie- und
Ressourcenverbrauch und damit
Ursachen von Klimakrise und Biodiversitätsverlust,
mehr Ausgesetztheit
gegenüber Naturgefahren, aber
auch mehr finanzielle Aufwendungen
sowohl für die öffentliche Hand
(im Wege der Infrastrukturbereitstellung
von Straße, Kanal, Wasser
etc.) als auch private Haushalte
(Stichwort leistbares Wohnen) und
Unternehmen (Stichwort leistbare
Betriebsstandorte), um nur einige
Aspekte zu nennen. Schlussfolgernd
kann also festgestellt werden, dass
Bauen wie bisher, das heißt auf der
„grünen Wiese“, nicht nur positive
Effekte wie die Schaffung von
Wohn- und Wirtschaftsraum sowie
Beschäftigung in der Bauwirtschaft
hat, sondern auch erhebliche negative
ökologische, soziale und ökonomische
Folgen, die zunehmend die
positiven Aspekte überwiegen. Es
gilt daher, genau zu hinterfragen, ob
insbesondere Neubauprojekte auf
4
3/2025
EyeEm
Eine wesentliche Säule der Bestandstransformation
ist die Innenentwicklung,
die eine Belebung der
Ortskerne und, wo angezeigt, eine
Erhöhung der Nutzungsintensität
des Baulandes bewirken soll. Das
bedeutet zum einen, mehr Raumfunktionen
insbesondere in die
Ortskerne zu bringen: Das fängt bei
der Wohnfunktion an, zum Beispiel
indem leerstehende Geschoße beziehungsweise
Objekte für Wohnraum
aktiviert werden, aber auch für
unternehmerische Nutzungen (etwa
Gastronomie, Büros, Geschäfte) und
öffentliche Einrichtungen (beispielsweise
medizinische Versorgung, Kinderbetreuung,
Schulen, Ämter). Diese
Funktionsmischung kann sowohl
innerhalb der Gebäude – Geschäfte,
Ordinationen etc. im Erdgeschoß,
Büros im 1. Stock, darüber Wohnen
– als auch zwischen den Gebäuden
erzielt werden. Damit verbunden ist
die Frage, in welcher Dichte gebaut
werden soll. Die belebten Ortskerne
weisen eine höhere Dichte und Nutzungsintensität
auf, sind leichter mit
öffentlichem Verkehr zu erschließen,
fördern aber auch die „aktive“
Mobilität, also das Zufußgehen und
Radfahren. In solchen funktionsgemischten
Strukturen, wo vieles rund
um die Wohnung in wenigen Minuten
zu erreichen ist, ist diese aktive
Mobilität einfach die logische und
bequemste Art der Fortbewegung.
Ein Weiter-wie-bisher geht am künftigen Bedarf
nach Wohnraum und Unternehmensstandorten
vorbei, wird erheblichen Leerstand insbesondere in
Innerortslagen produzieren und zunehmend unwirtschaftlicher
und weniger leistbar.
Schlussendlich besteht noch die
Frage, wie wir in Zukunft bauen.
Über Energie- und Ressourceneffizienz
wird in diesem Heft noch
viel berichtet, aus raumplanerischer
Sicht ist der Dichteaspekt besonders
relevant, und hier sowohl maßvolle
Mindest- als auch Höchstdichten.
Mindestdichten, um Effizienz
von Raumstrukturen zu gewährleisten,
um zum Beispiel öffentliche
Infrastruktur, Energienetze oder
öffentlichen Verkehr ökonomisch
sinnvoll bereitstellen zu können.
Maßvolle Höchstdichten, um eine
hohe Lebensqualität für alle zu
sichern, etwa indem im Wohnumfeld
ausreichend Grün- und Freiräume
errichtet werden können.
der grünen Wiese wirklich gebraucht
werden.
Damit kommen wir zur zweiten
wichtigen Frage: Wo sollen wir
bauen? Und hier ist die Antwort aus
Sicht einer nachhaltigen Raumentwicklung
eindeutig: in erster Linie
im Bestand, der durch Neu-, Zuund
Umbauten transformiert werden
soll. Dabei geht es zum einen darum,
den künftigen Infrastrukturbedarf
pro Einwohner*in beziehungsweise
Arbeitsplatz zu reduzieren.
Das gelingt nur, wenn wir in Zukunft
weitgehend mit dem bestehenden
Bauland und den bestehenden
Straßen auskommen. Zusätzliche
Gebäude sollen zu möglichst wenig
Erschließungsaufwand führen und
gleichzeitig die Wege kurz und die
Siedlungen kompakt halten. Wenn
dafür im Einzelfall eine Neuerschließung
von Bauland erforderlich ist,
soll an anderer Stelle eine Rückwidmung
von nicht erschlossenem
Bauland in Grünland stattfinden.
Das ist das Prinzip von Netto-Null-
Bodenverbrauch.
Die Raumansprüche der Menschen
werden sich auch in Zukunft ändern,
sodass weiter gebaut werden
wird. Jedenfalls stellt Raumplanung
wichtige Weichen, wie viele Umweltbelastungen,
Energie- und Ressourcenverbräuche
damit einhergehen
und welche finanziellen Aufwendungen
damit verbunden sind. Ein
Weiter-wie-bisher geht am künftigen
Bedarf an Wohnraum und Unternehmensstandorten
vorbei, wird
erheblichen Leerstand insbesondere
in Innerortslagen produzieren
und zunehmend unwirtschaftlicher
und weniger leistbar. Die Stoßrichtung
künftigen Bauens, soll dieses
nachhaltig sein, geht in Richtung
Bestandstransformation, das heißt
der Um- und Weiternutzung bestehender
Gebäude und öffentlicher
Infrastrukturen, möglichst innerhalb
der bestehenden Baulandgrenzen.
Univ.Prof. Dr. Gernot Stöglehner leitet
das Department für Landschaft, Wasser
und Infrastruktur.
3/2025 5
Michael Friesenecker
Neben flächendeckender Begrünung der Städte ist auch eine angepasste Wohnungspolitik erforderlich
Eine sozial-ökologische Klimaanpassung
in Städten braucht gerechte Wohnpolitik
Von Michael Friesenecker, Mark Scherner und Thomas Thaler
Die Effekte zunehmender Hitzewellen
im Zuge des Klimawandels
hängen eng mit Verstädterungstendenzen
sowie dem demografischen
und sozioökonomischen Wandel
zusammen. Beide Entwicklungen
prägen unsere globalisierte Gesellschaft.
Städte bleiben für einen großen
Teil der Bevölkerung aufgrund
von kultureller Vielfalt, Ausbildungsund
Jobmöglichkeiten und anderer
Gründe attraktiv. Gleichzeitig verschärfen
die verdichtete Bauweise
und stärkere Versiegelung in Städten
den Klimawandel und dessen Auswirkungen,
zu denen auch Hitzewellen
gehören.
Die gesundheitlichen Auswirkungen
dieser Hitzewellen zeigen sich in
Städten besonders deutlich. Längere
Hitzeperioden und eine Zunahme
von Tropennächten, bei denen die
Außentemperatur nicht unter 20°C
sinkt, erhöhen die Gesundheitsrisiken
für Stadtbewohner*innen.
Dabei spielen auch Wohnentscheidungen
eine Rolle, beispielsweise
ob man in Gebieten mit geringerer
Hitzebelastung oder in ausgeprägten
Hitzeinseln lebt. Während Hitze als
Kriterium bei der Wahl des Wohnortes
noch selten berücksichtigt wird,
wird dies in Zukunft immer wichtiger
werden.
Wie und wo wir wohnen, ist eng mit
der Organisation des Wohnungsmarktes
verknüpft. Ob ein Markt
stärker liberalisiert ist oder gemeinwohlorientiert
reguliert wird, prägt,
wie Menschen in der Stadt leben
und wo sie sich niederlassen können.
Eine wichtige Frage ist daher: Wie
kann eine Wohnungspolitik aussehen,
die eine sozial gerechte Klimawandelanpassung
hin zu nachhaltigen
und grünen Städten unterstützt?
Wohnbedingungen
sind entscheidend
In Städten sind neben Kindern,
Jugendlichen und älteren Menschen
vor allem einkommensschwache
Personen besonders von Hitzewellen
betroffen. Letzteren fehlen häufig
private Grünflächen und sie sind
aufgrund beengter Wohnverhältnisse
und schlecht isolierter oder
belüfteter Wohnungen extremen
Wohnraumtemperaturen ausgesetzt.
Gleichzeitig scheitern bau-
6
3/2025
Einkommensschwache Bewohner*innen sind stärker auf die
Kühlfunktion öffentlicher grüner und blauer Infrastruktur
angewiesen, die innerhalb von Städten ungleich verteilt ist.
liche Anpassungen gegenüber Hitze,
wie zum Beispiel Jalousien, Fassaden-
oder Innenhofbegrünung oder
Klimaanlagen, oft an den geringen
verfügbaren finanziellen Mitteln beziehungsweise
an der vertraglichen
Situation. Denn einkommensschwache
Haushalte leben überdurchschnittlich
oft in Mietverhältnissen.
Einkommensschwache Bewohner*innen
sind daher stärker auf die
Kühlfunktion öffentlicher grüner und
blauer Infrastruktur angewiesen,
die innerhalb von Städten ungleich
verteilt ist. Aufgrund ihrer finanziellen
Situation sind Haushalte mit
geringem Einkommen auch in ihrer
Wohnortwahl eingeschränkt. Häufig
kommen noch andere Diskriminierungen
auf dem Wohnungsmarkt,
beispielsweise nach Herkunft, hinzu.
Um dieser Ungleichverteilung und
den Klimawandelfolgen entgegenzuwirken,
haben Städte weltweit in die
Planung und Umsetzung von neuer
grüner und blauer Infrastruktur investiert.
Die Kehrseite: In manchen Städten
stiegen infolge solcher Aufwertungen
Mieten und Kaufpreise deutlich.
Die Menschen, die am stärksten von
den neuen Freiräumen profitieren
sollten, können sich das Wohnen in
deren Nähe nicht mehr leisten und
werden in heißere, weniger begrünte
Lagen verdrängt. Diese sogenannte
grüne Gentrifizierung tritt vor allem
dort auf, wo Wohnungsmärkte stark
liberalisiert sind. Stärker regulierte
Wohnungsmärkte können das Verdrängungsrisiko
durch die Schaffung
von grüner und blauer Infrastruktur
hingegen deutlich senken. Die Überschneidung
von städtischen Hitzeinseln
und Wohngebieten marginalisierter
und einkommensschwacher
Gruppen ist nämlich nicht in allen
Städten gleich ausgeprägt. Vor allem
sozial orientierte wohnungspolitische
Maßnahmen, wie eine Mietpreisregulierung
im privaten Mietwohnungssegment
(23 % des Wiener
Wohnungsbestands), oder öffentlicher
und gemeinnütziger Wohnungsbau
(43 % des Wiener Wohnungsbestands)
verringern räumliche und
soziale Ungleichheiten – oder verstärken
sie, wenn sie fehlen. In einer
Studie für Wien haben wir beispielsweise
festgestellt, dass jeder zusätzliche
Prozentanteil an sozialem
3/2025 7
Wohnbau in einer Nachbarschaft das
Risiko einer Gentrifizierung um vier
bis fünf Prozent verringert.
Zukünftige Wohnpolitik für
nachhaltige und grüne Städte
Während Verdrängungen durch
geschaffene grüne und blaue
Infrastruktur ein herausforderndes
Spannungsfeld darstellt, sind
massive Investitionen, um die Auswirkungen
des Klimawandels einzuschränken,
unumgänglich – es sei
denn, man nimmt den katastrophalen
gesellschaftlichen Schaden des
Klimawandels in Kauf. Wer das nicht
möchte, muss Klima- und Sozialpolitik
ganzheitlich und eng verzahnt
denken. Eine gerechte Wohnpolitik,
die eine sozial-ökologische Klimaanpassung
unterstützt, setzt zuerst
beim Bestand an und nimmt Verdrängungsrisiken
ernst.
Diese entstehen vor allem auf
zwei Wegen: Erstens durch gebäudebezogene
Investitionen (zum
Beispiel Dach- und Fassadenbegrünungen,
Entsiegelung von Innenhöfen,
Verschattung, energetische
Sanierungen), deren Kosten auf
die Mieter*innen überwälzt werden.
Zweitens durch Begrünungen
Ein weiterer Trend, der in den
letzten Jahren zur Verdrängung
einkommensschwacher Haushalte
beigetragen hat, ist die Praxis spekulativer
Immobilienentwickler*innen:
Sie lassen Wohnhäuser aus der
Gründerzeit absichtlich verfallen,
um sie anschließend zu entmieten,
abzureißen und neu zu errichten.
Denn beim privaten Neubau müssen
keine Mietpreisregulierungen eingehalten
werden, sodass die Wohnungen
teurer vermietet oder lukrativ
als Eigentumswohnungen verkauft
werden können. Ein zunehmender
Trend ist auch die sogenannte Parifizierung
von Gründerzeithäusern
– also die Aufteilung von Wohnhäusern
auf mehrere Wohnungseigenim
öffentlichen Raum, die durch
die Vermarktung von „Grün“ durch
Immobilienentwickler*innen den
Kaufpreis erhöhen oder die die Vermieter*innen
in begrünten Vierteln
als Grund für höhere Mieten heranziehen.
Beide Mechanismen treffen
Haushalte mit geringem Einkommen
am härtesten, da sie Mietsteigerungen
kaum abfedern können.
Wie unsere Untersuchungen zeigen,
kam es gerade im privaten, mietzinsregulierten
Altbausektor – der in
der Regel am dichtest bebaute und
hitzeanfälligste Bereich in Österreich
– in den vergangenen Jahren
zu erhöhten Verdrängungsrisiken.
Während Mietzinsregulierungen Verdrängungen
einkommensschwacher
Haushalte hemmten, haben die in
den 1990er-Jahren eingeführten
Lagezuschläge und die Befristung
von Mietverhältnissen im Mietrechtsgesetz
zusammen mit der
erhöhten Nachfrage der letzten zwei
Jahrzehnte eine überdurchschnittliche
Mobilität und Preissteigerungen
im Altbausegment begünstigt. Eine
Abschaffung der Befristung, die für
stabile Mietverhältnisse sorgt, sowie
eine Neuausrichtung der Mietpreisregulierung,
die exorbitante Miet-
steigerungen begrenzt – umgangssprachlich
auch „Mietpreisbremse“
genannt –, könnten die Bedingungen
schaffen, damit Begrünungen im
öffentlichen Raum und auf privaten
Grundstücken den „bestehenden“
Mieter*innen zugutekommen und
auch von diesen eingefordert werden
können. Unter diesen Voraussetzungen
ist auch eine öffentliche
Förderung von gebäudebezogenen
Maßnahmen wie Dach- und Fassadenbegrünungen
vertretbar.
8
3/2025
kungen auf einkommensschwache
Haushalte abfedern, beispielsweise
durch eine erhöhte Wohnbeihilfe
oder eine Mietpreisbremse im Zuge
von geförderten Begrünungen und
energetischen Sanierungen. Ähnliches
betrifft das freifinanzierte
Mietsegment der Nachkriegszeit.
Hier sollten Förderungen für Begrünung
und Hitzeschutz ausgebaut
werden, sofern sie an geeigneten
Mieter*innenschutz geknüpft werden
und nicht, wie es bei aktuellen
Förderungen der Fall ist, ohne diese
Bedingung. Parallel zu den Förderungen
braucht es Regulierungen,
die ausreichende Grünanteile auf
privaten Grundstücken sicherstellen,
etwa in Form eines Grünflächenfaktors,
der auch im Bestand und nicht
nur bei Neu- beziehungsweise Umwidmungen
angewendet wird.
tümer*innen mit entsprechenden
Eigentumsanteilen. Dies stellt eine
zusätzliche Herausforderung für die
notwendige sozial-ökologische Anpassung
unserer Städte dar. Denn
die damit verbundenen Eigentümergemeinschaften
bringen oftmals
komplexe Entscheidungsfindungen
mit sich, die nicht nur grundstücksbezogene
Begrünungen und Entsiegelungen
betreffen, sondern auch
energetische Sanierungen.
Der Abriss, die Umwandlung und
der Verkauf von (mietzinsregulierten)
Wohnhäusern müssen kritisch
überwacht und, wo nötig, reguliert
werden. Die Stadt Wien hat beispielsweise
für Gründerzeitbauten
eine Genehmigungspflicht für
Abrisse eingeführt. Das Ziel muss
generell darin bestehen, den gründerzeitlichen
Bestand zu erhalten,
Verschattungen zu ermöglichen
sowie Entsiegelungen und Begrünungen
zu forcieren. Wenn eine sozial-ökologische
Anpassung erreicht
werden soll, wird eine klare gesetzliche
Regelung der Kostenaufteilung
für Investitionskosten zwischen
Vermieter*innen und Mieter*innen
notwendig. Diese Kostenaufteilung
muss aber vor allem die Auswir-
Masterstudium
Landschaftsplanung und
Landschaftsarchitektur
Das Masterstudium Landschaftsplanung
und Landschaftsarchitektur
widmet sich
der Planung, Gestaltung und
Pflege von Landschaften und
Freiräumen im städtischen und
ländlichen Raum. Es vereint
planerische, gestalterische,
technische, ökologische und
sozioökonomische Ansätze, um
nachhaltige Lösungen zu entwickeln.
Absolvent*innen erlernen,
Planungsziele von der Konzeptphase
bis zur Umsetzung zu
gestalten und dabei die Bedürfnisse
von Mensch und Umwelt
zu berücksichtigen.
Der wirksamste Schutz gegen Verdrängung
ist und bleibt jedenfalls
der öffentliche und gemeinnützige
Wohnbau. Daher sollten Kommunen
und gemeinnützige Bauträger*innen
neben der Dekarbonisierung auch
die Klimawandelanpassung ihrer
Wohnungsbestände priorisieren. Sie
sollten dabei mit entsprechenden
Mitteln aus einer zweckgebundenen
Wohnbauförderung oder anderen
Förderungen unterstützt werden.
Dabei sollten vor allem gebäudebezogene
Maßnahmen inklusive energetischer
Sanierung als Hitzeschutz
sowie die Expansion und laufende
Pflege bestehender Grün- und
Freiräume im Vordergrund stehen.
Grünraum kann durch entsprechende
Maßnahmen auch zur Sensibilisierung
und Aktivierung der Bewohner*innen
genutzt werden. Dies
zeigen erfolgreiche Beispiele von
Gartenbeeten für Bewohner*innen
und Gemeinschaftsgärten in jüngsten
Wohnbauten.
Kurzum: Neben einer flächendeckenden
Begrünung unserer Städte,
mit Fokus auf einkommensschwache
und von Hitze geplagte Gebiete
mit wenig grüner und blauer Infrastruktur,
braucht es eine angepasste
Wohnungspolitik. Diese muss die
Verdrängungsrisiken einkommensschwacher
Haushalte ernst nehmen
und minimieren.
Dr. Michael Friesenecker ist wissenschaftlicher
Mitarbeiter, Mark Scherner,
MA Universitätsassistent und Priv.-Doz.
MMag. Thomas Thaler, PhD stellvertretender
Leiter am Institut für Landschaftsplanung.
3/2025 9
Zukunft Bauen
Wie das Institute of Green Civil Engineering an der BOKU mit Grundlagenund
angewandter Forschung aktiv zur nachhaltigen Weiterentwicklung
der Bauwirtschaft beiträgt – ein Porträt des IGCE.
Von Benjamin Kromoser und Sara Reichenbach
Das Roboterlabor ist ein
Herzstück des Institute of
Green Civil Engineering (IGCE)
Kaum eine Branche steht derzeit
vor größeren Herausforderungen
als das Bauwesen: Weltweit sind
die Herstellung und der Betrieb von
Gebäuden und Infrastruktur für
einen erheblichen Teil der ausgestoßenen
Treibhausgasemissionen,
der verbrauchten Energie und des
Feststoffmülls verantwortlich. Es
handelt sich daher um einen der
einflussreichsten Sektoren, um den
anthropogenen Umwelteinfluss zu
reduzieren und einen Beitrag zum
dringend notwendigen Klima- und
allgemein Umweltschutz zu leisten.
Gleichzeitig kämpft die Branche
mit veralteten Methoden, einem
immer akuter werdenden Fachkräftemangel,
einer insgesamt niedrigen
Produktivität und momentan
auch, daraus resultierend, mit einer
schlechten Konjunktur.
An der BOKU forscht das Team des
Institute of Green Civil Engineering
(IGCE) an wissenschaftlichen Grundlagen
sowie innovativen, praxisorientierten
Themen, um Lösungen für
diese Herausforderungen bereitstellen
zu können. Das Institut widmet
sich der nachhaltigen Transformation
des Bauwesens mit dem Ziel,
natürliche Ressourcen, insbesondere
im Hochbau, möglichst effizient
10
3/2025
und verantwortungsvoll zu nutzen,
den Umwelteinfluss allgemein zu
reduzieren und aktiv zur Etablierung
einer realen Kreislaufwirtschaft im
Sektor beizutragen. Im Zentrum der
Forschung stehen die Entwicklung
zukunftsweisender Bauweisen, digitale
Entwurfs- und Produktionsprozesse,
die ökologische Optimierung
von Tragstrukturen mit besonderem
Fokus auf die Materialien Beton und
Holz sowie die Weiterentwicklung
innovativer Baustoffe und Bauverfahren.
Neben einem zentralen
Fokus auf einer hohen wissenschaftlichen
Qualität zeichnet sich
das Institut durch umfassendes
Praxiswissen inklusive Handwerkswissen
aus.
Die Zukunft des Bauens entsteht an
der BOKU: exzellente interdisziplinäre
Grundlagenforschung kombiniert mit
einer praxisrelevanten anwendungsorientierten
Forschung sowie eine
Begleitung bis zur Anwendung.
Ein zentrales Forschungsinstrument
und explizite Stärke des IGCE sind
experimentelle Untersuchungen in
den institutseigenen Laboren (Prüfund
auch Roboterlabor) auf Material-,
Bauteil- und Prozessebene.
Das Profil des IGCE beschäftigt sich
zusammengefasst mit folgenden
fünf Schwerpunktbereichen:
1. Hochbau
2. Holzbau
3. Automatisiertes Bauen
4. Nachhaltiges Gestalten
und Bauen
5. Kreislaufgerechtes Bauen
Eng verknüpft:
Forschung und Lehre
Neben dem Engagement in der
Forschung ist das IGCE umfassend
in der universitären Lehre engagiert.
Studierende der Bachelorstudienrichtung
Umweltingenieurwissenschaften,
Umwelt- und Bioressourcenmanagement,
Holz- und
Naturfasertechnologie sowie der
Masterstudien Kulturtechnik und
Wasserwirtschaft, des englischsprachigen
Masterprogramms Green
Civil Engineering und der Docschool
Build.Nature werden einerseits
grundlagenorientiert und zudem in
den relevanten Bereichen praxisnah
ausgebildet. Projektbasierte Formate,
die Integration der institutseigenen
Labore und Kooperationen mit
der Industrie prägen das didaktische
Konzept. Besonders hervorzuheben
ist die Betreuung von Bachelor- und
Masterarbeiten im direkten Kontext
aktueller Forschungsprojekte.
Ein engagiertes Team
für den Wandel
Hinter den Aktivitäten des IGCE
steht ein engagiertes, diverses, interdisziplinäres
und internationales
Team rund um Benjamin Kromoser,
das sich motiviert und voller
Energie der Frage widmet, wie das
Bauwesen zukunftsfähig, nachhaltig
und ressourcenschonend gestaltet
werden kann.
Vorschau: Forschung zum Weiterlesen
Im Folgenden stellen wir ausgewählte
Forschungsprojekte des IGCE
näher vor:
• Automatisierter Betonbau: digitale,
robotergestützte Fertigung
mit wiederverwendbaren Schalungssystemen
• Biowall: 3D-gedruckte Wände
aus nachwachsenden Ressourcen
• KRAISBAU: neue Wege für die
Wiederverwendung von Bauteilen
• ZiFa: ein Bewertungstool für die
Stadt Wien
Fotos: BOKU
• Prefab.Facade: effiziente Sanierung
durch modulare Vorfertigung
Die Zukunft des Bauens entsteht an
der BOKU: exzellente interdisziplinäre
Grundlagenforschung kombiniert
mit einer praxisrelevanten anwendungsorientierten
Forschung sowie
eine Begleitung bis zur Anwendung.
Benjamin Kromoser
Sara Reichenbach
Univ.Prof. DI Dr. Benjamin Kromoser leitet
das Institute of Green Civil Engineering,
DI in Dr. in Sara Reichenbach ist stellvertretende
Institutsleiterin.
3/2025 11
Fotos: Peter Gappmaier
Produktion von 8 m langen strukturoptimierten Trägern bei der Projektpartnerfirma (Kirchdorfer Industries GmbH)
Weniger Material, höhere Präzision:
Automatisierter Betonbau
Von Peter Gappmaier, Sara Reichenbach und Benjamin Kromoser
Am IGCE arbeiten Forschende an
der vollständigen Automatisierung
der Herstellung strukturoptimierter
Betonfertigteile. Die zentrale Idee
dabei: Konstruktiv nicht benötigtes
Material einzusparen und die im
Zuge der Optimierung entstehenden
bionischen Strukturen automatisiert
herzustellen. Dadurch können die
CO₂-Emissionen signifikant gesenkt
werden.
Strukturoptimierung, in diesem Fall
Topologieoptimierung, ist in der angewandten
Praxis mit umfassendem
notwendigem Grundlagenwissen
und viel Arbeitsaufwand verbunden.
Dies macht eine Anwendung in der
Praxis schwierig, da einerseits die
Spezialist*innen dafür fehlen und
andererseits der Aufwand für Bauteile
aus günstigen Rohstoffen mit
geringen Produktionszahlen, wie
das im Bauwesen der Fall ist, vergleichsweise
hoch ist. Deshalb wird
momentan am Institut unter anderem
mithilfe von numerischen und
experimentellen Untersuchungen an
der Entwicklung einer vereinfachten
Optimierungsstrategie geforscht.
Die Umsetzung der Geometrien wäre
mit herkömmlicher Schalungstechnik
kaum wirtschaftlich. Deshalb
wird aktuell von den Forschenden
ein neues Schalungssystem, das
robotergestützt montiert und demontiert
werden kann, entwickelt.
Das System besteht aus einer Vielzahl
standardisierter Bauteile mit
unterschiedlichen Kombinationsmöglichkeiten.
Aktuell können damit
kreisförmige, rechteckige, dreieckige
und hexagonale Aussparungen
geschalt werden. Das innovative
Schalungssystem befindet sich der-
zeit noch im Prototypenstadium,
wurde jedoch bereits erfolgreich
in Klein- und Großlaborversuchen
getestet. Aufbauend auf den positiven
Ergebnissen der Simulationen
und der ersten Fertigungsversuche
konnten großformatige Träger mit
innenliegenden Hohlräumen hergestellt
werden. Die Träger zeigten
in ersten Belastungstests, dass eine
Materialreduktion ohne Einbußen
bei der maximalen Tragfähigkeit und
Steifigkeit möglich ist.
Darauf aufbauend eröffnen die
Forschungsergebnisse aus dem
Roboterlabor der BOKU neue Perspektiven
für die Bauindustrie: Durch
die geometrische Optimierung der
Fertigteile lässt sich der Materialverbrauch
(Beton) um bis zu 30 %
senken. Der hohe Automatisierungsgrad
adressiert zudem den
12
3/2025
Neu entwickeltes Greifsystem und Schalungssystem in Anwendung im
IGCE Roboterlabor
3D-gedruckte Schalungssystem-Prototypen im Test in
Kombination mit einem Greifsystem
Die zentrale Idee: Konstruktiv nicht benötigtes Material
einzusparen und die im Zuge der Optimierung entstehenden
bionischen Strukturen automatisiert herzustellen.
Fachkräftemangel, indem körperlich
belastende Tätigkeiten durch
robotergestützte Prozesse ersetzt
werden. Gleichzeitig steigt die Präzision,
was zu einer signifikanten
Qualitätssteigerung und einer deutlichen
Reduktion der Fehlerquote
führt. Ein besonderer Mehrwert
ergibt sich aus der Wiederverwendbarkeit
der Schalungselemente
– ein ökonomisch wie ökologisch
entscheidender Vorteil. Dank ihrer
Modularität und digitalen Steuerung
lässt sich die Schalung flexibel an
unterschiedliche Bauteilgeometrien
anpassen und stellt somit eine vielversprechende
Alternative zu konventionellen
Schalungslösungen dar.
Das Projekt ist ein Paradebeispiel
für Forschung mit hoher zukünftiger
Relevanz für die Praxis. Die nächste
Entwicklungsphase fokussiert auf
die Weiterentwicklung und industrielle
Skalierung des Schalungssystems,
um vollständig automatisierte
Produktionszellen realisieren zu
können. Ziel ist es, den automatisierten
Betonbau nicht nur als
akademisches Experiment, sondern
als reale Alternative in der Baubranche
zu etablieren – besonders
in der Fertigteilindustrie, wo Flexibilität,
Präzision und Effizienz entscheidend
sind. Die Verbindung von
Strukturmechanik, additiver Fertigung
und Industrierobotik macht
diesen Ansatz zu einem richtungsweisenden
Beitrag zur klimabewussten,
ressourceneffizienten und
zukunftssicheren Bauwirtschaft.
DI Peter Gappmaier, B.Sc ist wissenschaftlicher
Projektmitarbeiter am IGCE.
Masterstudium Green
Building Engineering
Mit einem interdisziplinären Ansatz
adressiert das Ingenieur-
Masterprogramm alle relevanten
Bereiche, die für die Planung,
Bemessung und Beurteilung der
nachhaltigen Gebäude von morgen
notwendig sind. Erfolgreiche
Absolvent*innen verfügen über ein
umfassendes Wissen hinsichtlich
Konstruktion, der verwendeten
Materialien sowie der Energiekonzepte
bis hin zum Rückbau und
Recycling. Alle, die daran interessiert
sind, als Ingenieur*in einen
aktiven Beitrag zu leisten und den
Bausektor nachhaltiger zu gestalten,
sind hier richtig!
KONTAKT
greenbuildingengineering@boku.ac.at
3/2025 13
3DP Biowalls: Nachhaltiges Bauen mit
biobasierten 3D-gedruckten Wänden
Von Bernhard Reinholz, Sara Reichenbach, Alaudini Nurali, Falk Liebner, Ana Prslja, Rupert Wimmer
und Benjamin Kromoser
Fotos: Bernhard Reinholz
Die Wand aus dem
3D-Drucker: vom
industriellen Abfall
zur wertvollen
Ressource für die
Bauwirtschaft
Als nachwachsender Rohstoff bietet
Holz bei entsprechender Anwendung
ökologische Vorteile. Die Rohstoffausnutzung
bei konstruktiv eingesetzten
Holzprodukten ist jedoch
vergleichsweise gering und ein erheblicher
Teil der bei der Herstellung
anfallenden Nebenprodukte wird
thermisch verwertet. Das temporär
gespeicherte CO 2
wird somit wieder
freigesetzt, anstatt stofflich gebunden
zu bleiben.
Genau hier setzt das Forschungsprojekt
3DP Biowalls (Additive manufacturing
of fully-recyclable wall
systems made from renewable materials,
FFG THINK.WOOD) an. Durch
intelligente Symbiose von einem neu
entwickelten biobasierten, kreislauffähigen
Materialkonzept mit digitaler
Fertigungstechnologie entsteht eine
neue Baupraxis – ressourcenschonend
und umweltverträglich, aber
dennoch wirtschaftlich attraktiv.
Drei Institute der BOKU – das IGCE,
das Institut für Chemie nachwachsender
Rohstoffe sowie das
Institut für Holztechnologie und
Nachwachsende Rohstoffe – bündeln
im Rahmen des Projekts ihre
Kompetenzen. Gemeinsam mit den
Industriepartnern AustroCel Hallein
GmbH, Rubner Holzindustrie GmbH
und ROBOTIX Automatisierungstechnik
GmbH sowie der Swedish
University of Agricultural Sciences
als wissenschaftliche Partner:in wird
die Herstellung von Wandelementen
aus biobasierten Materialien mittels
additiver Fertigung erforscht und
erprobt.
Die für das Projekt eingesetzten
Rohstoffe stammen großteils aus
Nebenströmen der Papier- und Holzverarbeitungsindustrie.
Ganz konkret
wird so aus Lignin, Stärke und Sägespänen
ein Biokomposit, welches
nicht nur vollständig aus nachwachsenden
Quellen stammt, sondern
zudem kreislauffähig ist. Durch
Zugabe von geeigneten Additiven
lassen sich die Eigenschaften des
Biokomposits hinsichtlich Verarbeitung,
Festigkeit und Feuchteverhalten
anpassen. Auf diese Weise wird
industrieller „Abfall“ zur wertvollen
Ressource für die Baubranche.
Die additive Fertigung – insbesondere
der allgemein bekannte 3D-Druck
– bietet für das Bauwesen ein enormes
Innovationspotenzial. Sie ermöglicht
die Realisierung komplexer
Geometrien, minimiert gleichzeitig
Materialverluste und verkürzt Bauzeiten.
Im Rahmen von 3DP Biowalls
wird ein robotergestütztes Produktionsverfahren
entwickelt, mit dem
Wandbauteile mit einer Dicke von
bis zu 250 mm automatisiert hergestellt
werden können. Die Fertigung
erfolgt dabei schichtweise, wodurch
der Einsatz zusätzlicher Schalungen
oder Formen entfällt.
Ein zentrales Merkmal des Projekts
ist die unabhängige Entwicklung des
additiven Fertigungswerkzeugs –
also des 3D-Druckkopfes – vom Trägersystem,
beispielsweise in aktuellen
Versuchen ein Industrieroboter.
Diese modulare und flexible Systemarchitektur
eröffnet eine Vielzahl an
Produktionsszenarien: Sie reicht von
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3/2025
Das „3DP Biowalls“-Team
Masterstudium Holztechnologie
und Management
Kann sich auch im Freien sehen lassen: ein Wandabschnitt im Originalmaßstab
der vorgefertigten Wandproduktion
in stationären Fertigungshallen bis
hin zur direkten Umsetzung auf der
Baustelle mittels mobiler robotischer
Systeme. Je nach zugrunde
liegenden Rahmenbedingungen, wie
beispielsweise der Zugänglichkeit
des Baustandortes, lassen sich so
auf den spezifischen Fall optimierte
Lösungen anbieten.
Als technologischer Meilenstein
wurde ein Demonstrator im Originalmaßstab
gefertigt. Ein Wandabschnitt
mit den Abmessungen 2 Meter
mal 1,1 Meter und einer Dicke von
25 Zentimetern demonstriert das
Potenzial der entwickelten Technologie.
Dieser Prototyp dient sowohl
als Anschauungsobjekt für Stakeholder*innen
aus Forschung, Industrie
und Politik als auch als Grundlage
für weiterführende wissenschaftliche
Untersuchungen und technologische
Optimierung.
3DP Biowalls steht exemplarisch
für ein neues Verständnis im Bauwesen:
ressourcenschonend, digital
und biobasiert. Es zeigt eindrucksvoll,
wie durch die Verbindung
von Automatisierung und Nutzung
nachwachsender Rohstoffe neue
Standards im nachhaltigen Bauen
gesetzt werden können. Aktuell befindet
sich die Thematik noch im
Bereich der Grundlagenforschung,
doch schon jetzt zeigt sich das
enorme Transformationspotenzial.
Langfristig könnten derartige Lösungen
entscheidend zur Reduktion von
Emissionen, Rohstoffverbrauch und
Bauabfällen beitragen und gleichzeitig
neue wirtschaftliche Impulse für
die Bauindustrie setzen.
DI Bernhard Reinholz ist wissenschaftlicher
Projektmitarbeiter am IGCE,
Alaudini Nurali, MSc. ist wissenschaftlicher
Projektmitarbeiter am Institut für
Chemie nachwachsender Rohstoffe, wo
auch Assoc.Prof. Dipl.-Chem. Dr. Falk
Liebner forscht und lehrt. Univ.Prof. DI
Dr. Rupert Wimmer und Ana Prslja, MSc.
forschen beide am Institut für Holztechnologie
und Nachwachsende Rohstoffe.
Das Masterstudium Holztechnologie
bietet eine fundierte Ausbildung
in der nachhaltigen Nutzung
und Verarbeitung von Holz.
Schwerpunkte sind innovative
Technologien, Materialwissenschaften
und die Entwicklung
von Holzprodukten. Das Studium
kombiniert ingenieur-, natur- und
wirtschaftswissenschaftliche Ansätze,
um den Lebenszyklus von
Holzprodukten – von Rohstoffgewinnung
bis Recycling – zu
optimieren. Absolvent*innen sind
für Forschung, Entwicklung, Produktion
und Management bestens
qualifiziert.
Masterstudium
Green Chemistry
Das Masterstudium „Green Chemistry“,
das die BOKU, die TU Wien
und die Universität Wien gemeinsam
anbieten, hat zum Ziel, führende
Expert*innen in transdisziplinären
Aspekten auszubilden, um
einen ganzheitlichen Ansatz für
ein neues Verständnis der Chemie
auf dem Weg zu einer nachhaltigen
Industrie und Gesellschaft zu
entwickeln.
3/2025 15
Vom Abfall zur Ressource
KRAISBAU
Mit hochqualitativer Forschung zur Etablierung
von Wiederverwendung als Standard im Bauwesen
Von Maximilian Klammer
und Benjamin Kromoser
Wie bauen wir in Zukunft?
Diese scheinbar einfache Frage führt
direkt ins Zentrum eines grundlegenden
Wandels in der Bauwirtschaft:
weg vom linearen Denken
– hin zum zirkulären Bauen. Das von
der FFG geförderte BMIMI (vormals
BMK) Leitprojekt KRAISBAU beschäftigt
sich in der ganzen Breite damit,
Kreislaufwirtschaft im Bauwesen
zu implementieren. Ein besonderer
Fokus liegt auf dem Einsatz
von künstlicher Intelligenz (KI), um
Prozesse datenbasiert zu unterstützen
und neue digitale Werkzeuge zur
Bewertung und Planung der Wiederverwendung
zu erproben.
Technische Kernaufgaben sind die
Sanierung, Reuse auf Komponentenebene
sowie das Baustoffrecycling.
Eine Schlüsselfunktion hat das Institute
of Green Civil Engineering (IGCE)
mit der Leitung des Arbeitspaketes,
das sich auf systemischer Ebene
damit befasst, welche strategischen
Entscheidungen auf technischer
Ebene entlang der Wertschöpfungskette
getroffen werden müssen, um
Wiederverwendung großflächig zu
ermöglichen. Es wurden Untersuchungen
durchgeführt, die von der
Bewertung der Degradation über die
systematische Erfassung typischer
Bauteilaufbauten bis hin zur Ableitung
eines ReUse-Entscheidungsmodells
reichen.
Warum das wichtig ist?
Rund 25 bis 30 % des gesamten Abfallaufkommens
entfallen in der EU
auf Bau- und Abbruchabfälle. Ein Teil
davon wird recycelt, doch die direkte
Wiederverwendung von Bauteilen
bleibt die Ausnahme. Im Unterschied
zur Sanierung oder zum Recycling
fehlt es an praktischer Umsetzung.
Dabei bietet die Wiederverwendung
klare ökologische Vorteile, da energieintensive
Aufbereitungsprozesse
entfallen und die im Bauteil gespeicherte
graue Energie erhalten bleibt.
Genau hier setzt die Arbeit des IGCE
an: mit einem strukturierten Framework,
das nicht nur analysiert, was
wiederverwendbar ist, sondern auch,
wie und unter welchen Bedingungen
dies wirtschaftlich und ökologisch
sinnvoll geschieht.
Was macht das IGCE
im Projekt KRAISBAU?
Im Fokus des vom IGCE geleiteten
Forschungsteils steht die Frage, wie
die Wiederverwendung von Bauteilen
und Materialien künftig fester
16
3/2025
Abb. 1: Matrix zur Wiederverwendbarkeit –
Gegenüberstellung von Materialwert (IST-Zustand)
und Aufbereitungsaufwand
(abhängig von SOLL-Nutzung). Die Matrix
liefert eine erste Einschätzung zur Wiederverwendungstauglichkeit
von Bauteilen
Wiederverwendung ist keine Frage des Bauchgefühls,
sondern des Kontexts, der Qualität und der Planbarkeit.
Bestandteil der Baupraxis werden
kann. Das Team analysiert entlang
der gesamten Wertschöpfungskette,
wo die entscheidenden Hebel liegen.
Dabei werden sowohl bestehende
Gebäude als auch zukünftige Bauwerke
in den Blick genommen. Ziel
ist es, herauszufinden, welche Bauteile
und Materialien sich grundsätzlich
für die Wiederverwendung eignen,
wie sich ihr Zustand im Laufe
der Zeit verändert und wann sie in
brauchbarer Qualität zur Verfügung
stehen. Um diese Informationen
verlässlich zu erfassen, entwickelt
das IGCE automatisierte Verfahren
zur Gebäudeaufnahme, die neben
der Geometrie auch Materialien und
deren Zustand dokumentieren.
In einem Reallabor mit Demonstrationsobjekten
werden konkrete
Methoden für die Wiederverwendung
getestet. Dazu zählen die Analyse
und Auswahl geeigneter Bauteile,
die Demontage sowie die Integration
in neue Entwürfe. Ergänzend
entstehen Planungsgrundsätze, die
Wiederverwendung von Anfang an
berücksichtigen. Diese sollen es
ermöglichen, fundierte Entscheidungen
zwischen Wiederverwendung,
Recycling und Sanierung zu treffen.
Dabei spielen sowohl technische als
auch ökologische und wirtschaftliche
Aspekte eine Rolle.
Alle Erkenntnisse münden in eine
Matrix zur Wiederverwendbarkeit
(Abbildung 1). Sie bewertet Bauteile
anhand ihres Materialwerts und des
nötigen Aufbereitungsaufwands und
zeigt, ob eine direkte Wiederverwendung
möglich ist, sich eine Aufbereitung
lohnt oder nur eine eingeschränkte
Nutzung sinnvoll erscheint.
Wie funktioniert die Bewertung?
Wiederverwendung ist keine Frage
des Bauchgefühls, sondern des
Kontexts, der Qualität und der Planbarkeit.
Das IGCE entwickelt hierfür
eine mehrstufige, digital gestützte
Bewertungsmethodik zur Beurteilung
einzelner Bauteile innerhalb
eines konkreten Gebäudes mit dem
Ziel, daraus perspektivisch einen
anwendbaren Standard zu entwickeln.
Der Ablauf beginnt mit einer
automatisierten, Building-Information-Modeling
(BIM)-gestützten
Analyse der Expositionslage, gefolgt
von geometrie- und oberflächenbasierten
Verfahren zur Erkennung von
typischen Schadensbildern. In einem
weiteren Schritt kommen nichtinvasive
Prüfverfahren wie Ultraschall
oder Radar zum Einsatz, um die Genauigkeit
der Bewertung zu erhöhen
3/2025 17
Abb. 2: Stufen der Bauteilprüfung – mit zunehmender Datentiefe steigt die Präzision, die Breite der Anwendbarkeit sinkt
jedoch. Das Framework kombiniert beide Ansätze je nach Kontext
– ohne die Bauteile zu beschädigen.
Ziel ist es, den konkreten Zustand
eines Gebäudes oder einzelner Bauteile
systematisch zu erfassen und
darauf aufbauend zu entscheiden,
ob sich der Erhalt, der Rückbau zur
Wiederverwendung oder ein Abbruch
mit Recycling wirtschaftlich
und ökologisch rechtfertigen lässt.
Die zuvor beschriebene Matrix zur
Wiederverwendbarkeit kann in
diesen Entscheidungsprozess eingebunden
werden – insbesondere,
wenn es darum geht, das Potenzial
eines gesamten Gebäudes zu
bewerten. Während die Matrix auf
einer abstrakten Ebene Materialwert
und Aufbereitungsaufwand ins Verhältnis
setzt, liefert die mehrstufige
Analyse konkrete Daten zum Zustand
einzelner Bauteile, die wiederum
in die Matrix einspeisen können.
Der ermittelte Bauteilzustand bildet
somit eine zentrale Komponente des
IST-Werts in der Matrix.
Zur Bewertung kommt ein gestufter
Analyseansatz zum Einsatz (Abbildung
2):
• BIM-gestützte Expositionsanalysen
liefern erste Hinweise auf
potenzielle Schadenszonen.
• Geometrie- und Oberflächenanalysen
mit Fotos oder Scans erlauben
die Erkennung von Verformungen,
Rissen oder Ablösungen.
• Nichtinvasive Prüfverfahren wie
Ultraschall oder Radar ermöglichen
eine genauere Einschätzung –
ohne das Bauteil zu beschädigen.
• Invasive Detailanalysen kommen
nur bei Bedarf zum Einsatz, etwa
bei tragenden Betonbauteilen.
Die Datenbank dahinter:
Wissen als Grundlage
Ein weiteres zentrales Ziel ist die
Entwicklung einer strukturierten
Datenbankarchitektur, die auf dem
IFC-Standard basiert und Bauteile
systematisch und mehrdimensional
erfassbar macht. Die Struktur folgt
dabei einer klaren Hierarchie: Sie
beginnt auf der Ebene des Standorts
und führt maßstäblich nach
unten – über das Gebäude und die
Nutzungseinheit bis hin zu einzelnen
Bauteilen, Schichten und Materialien.
Das Besondere ist, dass es
sich um mehrere parallele, miteinander
verknüpfbare Datensätze
handelt. Diese können Informationen
wie Lage, Nutzung, Herstellung,
Klimaexposition, Zustand oder
Wartungshistorie enthalten – und
ermöglichen dadurch eine flexible,
projektübergreifende Modellierung.
Die Datenbank dient nicht nur der
Dokumentation, sondern bildet die
Grundlage für automatisierte Bewertungen,
Vergleiche zwischen
Bauwerken sowie die Ableitung einer
prognostizierten Restlebensdauer
gemäß ISO 15686. Sie ist somit ein
zentrales Werkzeug, um Informationen
über Bauteile langfristig nutzbar
zu machen und ReUse-Entscheidungen
datenbasiert zu unterstützen.
Ausblick: Von der Forschung
zur Anwendung
Eine zentrale Erkenntnis aus unserer
Arbeit ist: Wiederverwendung wird
sich nur dann großflächig durchsetzen,
wenn sie nicht nur ökologisch
sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich
konkurrenzfähig ist. Dazu braucht
es gezielte Effizienzsteigerungen,
insbesondere durch Digitalisierung,
Standardisierung und den Einsatz
datenbasierter Werkzeuge wie
KI-gestützte Klassifikations- und
Entscheidungsmodelle. Prozesse wie
die Rückbauplanung, die Erfassung
von Materialströmen oder die Entscheidung
zwischen ReUse, Recycling
und Sanierung müssen entlang
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3/2025
Abb. 3: Strukturierung einer Datenbank zur Dokumentation von GBT – Modell zur systematischen Erfassung von Gebäudebauteilen
(GBT) inklusive Kontextinformationen wie Nutzung, Klimaexposition, Wartungshistorie oder Herstellung
Wiederverwendung wird sich nur dann großflächig
durchsetzen, wenn sie nicht nur ökologisch sinnvoll,
sondern auch wirtschaftlich konkurrenzfähig ist.
der gesamten Wertschöpfungskette
neu gedacht und systematisch
verzahnt werden. Dabei zeigt sich:
ReUse scheitert nicht an der Technik,
sondern an der fehlenden Verbindung
zwischen Planung, Normung
und Umsetzungspraxis.
Im nächsten Schritt wird die Bewertungslogik
in digitale Planungsumgebungen
integriert (BIM) und
mit einem Entscheidungsbaum
verknüpft, der Bauteile automatisch
klassifizieren kann. Parallel dazu wird
die Matrix in Pilotprojekten getestet
– gemeinsam mit Partner*innen aus
Wissenschaft, Planung und Entsorgung.
Ein besonderer Fokus liegt dabei
auf der Tragstruktur von Gebäuden.
Diese macht nicht nur den größten
Materialanteil aus, sondern ist in der
Regel besonders langlebig und enthält
erhebliche Mengen an gebundener
grauer Energie. Häufig endet ihre
Nutzung nicht aus technischer Notwendigkeit,
sondern weil das Gebäude
anderweitig obsolet wird – hier
liegt ein enormes ReUse-Potenzial.
Aktuell arbeitet das IGCE an mehreren
neuralgischen Fragestellungen:
Zum einen wird im Bereich der
automatisierten Gebäudeerfassung
daran geforscht, Bauteilaufbauten
in BIM-Modellen automatisch zu erkennen
und zuzuordnen. Zum anderen
wird die Anwendung wellenbasierter
Prüfverfahren erprobt – etwa
zur nichtinvasiven Abschätzung der
Druckfestigkeit von Vollziegeln. Im
Laufe der Projektzeit sollen weitere
dieser zentralen ReUse-Themen
identifiziert, analysiert und in exemplarischer
Tiefe bearbeitet werden.
Ziel ist es, diese Leuchtturmansätze
auf andere Materialien, Bauteiltypen
oder Anwendungsfälle übertragbar
zu machen – als Best Practices für
die Skalierung von Wiederverwendung
im Bauwesen.
Das Team und die
Projektlandschaft
In enger Zusammenarbeit mit zahlreichen
Projektpartner*innen aus
Forschung, Wirtschaft, Planung und
Verwaltung entwickelt das Team
um Benjamin Kromoser und Maximilian
Klammer die methodischen
Grundlagen für eine neue Praxis des
Bauens – zukunftsfit, ressourcenschonend
und digital anschlussfähig.
Dass Kreislaufwirtschaft im Bauwesen
Realität werden kann, zeigt
sich nicht nur in der Technik: Auch
Bildung, Kommunikation, Recht
und Politik sind zentrale Hebel für
den Wandel. Genau deshalb ist das
Projekt KRAISBAU breit aufgestellt –
von wissenschaftlicher Analyse bis
zur gesellschaftlichen Vermittlung.
Denn nur wenn alle Ebenen mitgedacht
werden, kann Wiederverwendung
zum neuen Standard werden.
Fazit: ReUse beginnt mit Struktur
KRAISBAU zeigt: Wiederverwendung
ist kein Sonderfall, sondern eine Frage
der richtigen Werkzeuge. Mit dem
neuartigen Framework legt das IGCE
die Basis für eine praxisnahe, technisch
fundierte und ökologisch sinnvolle
Wiederverwendung von Bauteilen
– und lädt zur Mitgestaltung ein.
Wir wissen heute sehr genau, was
es braucht, damit Wiederverwendung
gelingen kann. Was noch fehlt,
ist ein Weg zur breiten Umsetzung.
Klar ist: Kreislaufwirtschaft im Bauwesen
kann einen entscheidenden
Beitrag zum Klimaschutz leisten –
und damit zu einer zukunftsfähigen,
lebenswerten Welt für uns alle.
Maximilian Klammer, MArch. MSc. ist
wissenschaftlicher Projektmitarbeiter am
IGCE.
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Zukunft braucht Zirkularität
Der Zirkularitätsfaktor (ZiFa 1.0) als Grundlage für die Bewertung
der Kreislauffähigkeit von neuen und bestehenden Gebäuden
Von Benjamin Kromoser, Mathias Hammerl, Marion Huber-Humer, Stefan Salhofer und Astrid Allesch
Bei ZiFa wird die
Kreislauffähigkeit
von Gebäuden in ihrer
Gesamtheit gedacht.
Eine nachhaltige Transformation des
Bauwesens kann nur dann gelingen,
wenn Kreislaufwirtschaft als Grundprinzip
verstanden und gelebt wird.
Mit dem Zirkularitätsfaktor ZiFa 1.0
wurde im Auftrag der Stadt Wien
ein neues, praxisnahes Instrument
entwickelt, um genau diesen Wandel
mess- und gestaltbar zu machen.
Der vom Institute of Green
Civil Engineering (IGCE) in enger
Zusammenarbeit mit dem Institut
für Abfall- und Kreislaufwirtschaft
wissenschaftlich entwickelte Bewertungsrahmen
bietet erstmals eine
systematische Möglichkeit, die Kreislauffähigkeit
von Gebäuden zu erfassen
und vergleichbar zu machen.
Ein Werkzeug für die Planungsund
Bewertungspraxis
Der ZiFa 1.0 wurde im Rahmen des
Programms DoTank Circular City
Wien 2020–2030 als Teil einer zukunftsorientierten
Stadtentwicklungspolitik
konzipiert. Der Leitfaden
definiert acht unterschiedliche
zentrale Bewertungsindikatoren
sowie insgesamt 31 Sub-Indikatoren
(siehe Abbildung 1). Der Ansatz
ist inspiriert von der Abfallhierarchie
der EU-Abfallrahmenrichtlinie.
Je weiter unten man sich bei den
Indikatoren befindet, desto größer
ist der Aufwand der Maßnahme.
Ziel ist es, bereits in der Planungsphase
fundierte Aussagen über das
zirkuläre Potenzial eines Gebäudes
treffen zu können.
Das Besondere am ZiFa: Der Fokus
liegt nicht auf einzelnen Teilaspekten
der Kreislauffähigkeit von
Gebäuden sondern es wird versucht
die Thematik möglichst gesamtheitlich
zu betrachten. Damit geht der
ZiFa 1.0 über bestehende Bewertungssysteme
hinaus und öffnet
damit neue Perspektiven.
Die Entwicklung
Basierend auf einer systematischen
Analyse bestehender Bewertungssysteme
und Zertifizierungsmodelle
wurde ein eigens abgestimmtes
Indikatorenset entwickelt, das sich
an europäischen Vorgaben wie der
EU-Taxonomie, der Abfallhierarchie
und den Zielen der Kreislaufwirtschaftsstrategie
der Stadt Wien
orientiert.
Der partizipative Entwicklungsprozess
setzte bewusst auf Praxiseinbindung:
Architekturbüros, Bauträger*innen,
Verwaltungsstellen und
verschiedene Stakeholder der Stadt
Wien waren aktiv eingebunden. So
entstand ein Orientierungsleitfaden,
der sich nicht nur auf theoretische
Grundlagen stützt, sondern auch die
Anforderungen und Bedingungen aus
dem Alltag der Planung und Umsetzung
berücksichtigt.
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3/2025
Abb. 1: Bewertungsindikatoren des ZiFa 1.0.
Das Besondere am ZiFa: Der Fokus liegt nicht auf einzelnen Teilaspekten
der Kreislauffähigkeit von Gebäuden sondern es wird
versucht die Thematik möglichst gesamtheitlich zu betrachten.
Vom Papier in die Praxis
Die Veröffentlichung vom ZiFa 1.0
im April 2024 markiert einen wichtigen
Meilenstein. Derzeit werden
im Rahmen von Folgeaktivitäten
erste Pilotprojekte begleitet, um
die Anwendbarkeit der ZiFa-Indikatoren
in der Praxis zu testen. Dabei
geht es nicht nur um die technische
Umsetzung, sondern auch
um Fragen der Kommunikation,
Dokumentation und Integration in
bestehende Genehmigungs- und
Vergabeverfahren.
Der Ausblick ist klar formuliert:
In den kommenden Jahren soll
auf Basis dieser Erfahrungen eine
Version ZiFa 2.0 entstehen, die auf
weitere Gebäudetypen anwendbar
ist und als möglicher Standard in
Planungsrichtlinien und Förderinstrumente
einfließen kann. Die Stadt
Wien hat sich zum Ziel gesetzt, ab
2030 zirkuläres Bauen zum Standard
zu machen – Der ZiFa ist ein
zentrales Werkzeug auf diesem
Weg.
Zirkularität als
Gestaltungsauftrag
Für das IGCE ist der ZiFa 1.0 mehr
als ein Bewertungsrahmen – es
ist eine wissenschaftlich fundierte
Definition, was Kreislauffähigkeit
im Bauen bedeutet und damit eine
wesentliche Basis für aktuell laufende
und zukünftige Forschungsaktivitäten.
Zirkularität wird nicht
als Einschränkung verstanden,
sondern als Potential, um das Bauwesen
zukunftssicher zu machen.
Die Erfahrungen aus dem ZiFa
fließen am IGCE direkt in andere
Forschungsprojekte ein. Auch in
der Lehre zeigt sich der Mehrwert:
Studierende des Masterprogramms
Green Civil Engineering lernen, was
kreislaufgerechtes Bauen bedeutet
und wie ist eine Umsetzung in der
Praxis möglich zu erhöhen.
LINK
https://www.wien.gv.at/spezial/studien/
mdbd/orientierungsleitfadenzirkularitaetsfaktor2024.pdf
DI Dr. Mathias Hammerl ist Universitätsassistent
am IGCE, Univ.Prof. in Dr. in
Marion Huber-Humer, Ao.Univ.Prof. Dr.
Stefan Salhofer und Dr. in Astrid Allesch
forschen und lehren am Institut für Abfall-
und Kreislaufwirtschaft.
3/2025 21
Maria Georgiades
Prefab.Facade
Innovative Lösungen für die thermische Gebäudesanierung
Von Maria Georgiades, Natasa Kral, Matthias Braun und Benjamin Kromoser
Im Fokus des Prefab.Facade-Projektes
(FFG 58402961) steht die
Entwicklung von Grundlagen für seriell
vorgefertigte Fassadensysteme,
insbesondere aus nachwachsenden
Rohstoffen. Der durchgängige digitale
Planungs- und Fertigungsprozess
gliedert sich in drei zentrale Bereiche:
die 3D-basierte Bestandsaufnahme
und Segmentierung, die
automatisierte Vorfertigung von
Holzriegelelementen sowie die
montageoptimierte Umsetzung
am Bestand. Eine ökologische und
ökonomische Bewertung begleitet
alle Schritte, um das Potenzial der
entwickelten Systeme quantifizierbar
zu machen. Die abgebildete
Prozessgrafik veranschaulicht den
strukturierten Ablauf von der Erfassung
bis zur Montage.
Digitale Prozesskette: Bestandsaufnahme
und Segmentierung
Sanierung beginnt mit dem genauen
Blick auf den Bestand. Jedes
Gebäude ist anders – in Geometrie,
Material und Zustand. Um maßgeschneiderte
Fassadenelemente
vorfertigen zu können, braucht es
präzise Daten. Hier setzt die digitale
Prozesskette an. Die digitale Erfassung
und Planung stellt die erste
Phase des im Projekt abgebildeten
Gesamtprozesses dar. Ziel ist es,
bestehende Gebäudegeometrien
präzise zu erfassen, systemrelevant
zu analysieren und daraus Planungsgrundlagen
für die serielle Vorfertigung
von Fassadenelementen in
Holzriegelbauweise abzuleiten.
22
3/2025
Grafik Natasa Kral
Sanierung beginnt mit dem genauen Blick auf den Bestand.
Jedes Gebäude ist anders – in Geometrie, Material und
Zustand. Um maßgeschneiderte Fassadenelemente
vorfertigen zu können, braucht es präzise Daten.
metrische Planung anpassbarer
Fassadenelemente, deren Geometrie
und Anschlussdetails an automatisierte
Fertigungsprozesse in Holzriegelbauweise
angepasst werden.
Begleitend wird eine Typologisierung
des Gebäudebestands vorgenommen,
um ein standardisiertes
System von Fassadensegmenten
und Konstruktionsdetails zu ermöglichen.
Die daraus abgeleiteten
Modul- und Detailkataloge sollen
nicht nur Planung und Fertigung
vereinfachen, sondern auch eine
fundierte ökologische und ökonomische
Bewertung ermöglichen.
Automatisierung in der Vorfertigung
von Holzriegelelementen
Im Anschluss an die digitale Bestandsaufnahme
und Segmentierung
Untersucht werden verschiedene
Methoden der geometrischen Bestandsaufnahme
– darunter terrestrisches
Laserscanning (TLS),
Photogrammetrie und mobile Scansysteme.
Den Schwerpunkt bildet
die Punktwolken-basierte 3D-Erfassung
mittels TLS, gefolgt von einem
Reverse-Engineering-Prozess, in
dem relevante Systemparameter extrahiert
und für die weitere Planung
aufbereitet werden. Besondere Relevanz
haben dabei Informationen zur
Fassadengeometrie, Lage der „Null-
Position“ für vorgefertigte Elemente
sowie mögliche Toleranzen der Ausgleichsschicht.
Ziel ist es, aus den
erhobenen Daten belastbare Modelle
für die weitere Segmentierung
und Standardisierung abzuleiten
– etwa durch Abweichungsanalysen,
3D-Meshes oder Grid-Modelle. Auf
dieser Grundlage erfolgt die paraerfolgt
die Umsetzung in vorgefertigte
Fassadenelemente aus Holzriegelkonstruktion.
Um die Serienfertigung
dieser Elemente effizient und
wirtschaftlich zu gestalten, wird im
Projekt die Integration von Industrierobotern
in die Fertigung erforscht.
Die Vorteile einer automatisierten
Vorfertigung liegen auf der Hand:
Durch die Verlagerung der Produktion
in eine kontrollierte Umgebung
lassen sich Qualität, Zeit und Kosten
verlässlicher steuern. Aktuell erfolgt
die Fertigung von Holzrahmenelementen
jedoch größtenteils manuell
– häufig mit begrenzter Effizienz
und hohem Fachkräftebedarf.
Industrieroboter können hier Entlastung
schaffen, insbesondere bei
wiederkehrenden Arbeitsschritten
wie Positionierung, Verbindung oder
Zuschnitt.
3/2025 23
Ein Schwerpunkt der Forschung
liegt auf der Erhöhung der Flexibilität:
Roboter sollen unterschiedliche
Fertigungsprozesse durch Werkzeugwechsel
und parametrisches
Design ausführen können. So kann
der Fertigungsablauf an geänderte
Geometrien oder Elementgrößen
angepasst werden, ohne dass der
Programmcode manuell überarbeitet
werden muss. Die Steuerung erfolgt
über eine Online-Roboteranbindung
mittels COMPAS_RRC.
Gleichzeitig stellen natürliche
Materialvariationen im Holz – etwa
Maßtoleranzen – besondere Herausforderungen
an die Präzision. Ergänzend
werden daher Sensorlösungen
untersucht, um adaptive Rückkopplung
in die Fertigung zu integrieren.
Ein weiterer zentraler Aspekt ist die
Optimierung der Verbindungstechnologien:
Ziel ist es, Holzverbindungen
zu nutzen, die es ermöglichen,
Bauteile direkt und ohne zusätzliche
Verbindungsmittel miteinander zu
koppeln – und dadurch Arbeitsschritte
zu reduzieren.
Im Rahmen experimenteller Untersuchungen
im Roboterlabor der
BOKU wird die technische Machbarkeit
analysiert: Prozessparameter,
Durchlaufzeiten und Materialverhalten
werden systematisch erfasst,
um realistische Potenziale zur Automatisierung
in kleinen und mittleren
Fertigungsbetrieben aufzuzeigen.
Montage vorgefertigter
Fassadenelemente
Den Abschluss der Prozesskette
bildet die Montage der vorgefertigten
Holzriegelelemente am Bestandsgebäude.
In einer realitätsnahen
Versuchsumgebung – den Außenwänden
des erweiterten Roboterlabors
in Groß-Enzersdorf – wurden
Fassadenelemente mit unterschiedlichen
Beplankungen (Holz, Aluminium,
Aluminium-Verbund, Photovoltaik,
Ziegel) montiert. So konnte
der gesamte Ablauf von der digitalen
Bestandsaufnahme über Planung und
Fertigung bis hin zur Montage praktisch
erprobt und evaluiert werden.
Fassadenelemente mit unterschiedlichen Beplankungen (Holz, Aluminium, Aluminium-
Verbund, Photovoltaik, Ziegel)
Die Planung der Montage basierte
auf präzisen 3D-Laserscandaten, die
eine exakte Anpassung der Elemente
an die vorhandene Geometrie
des Bestands ermöglichten. Detailanschlüsse
und Segmentierungen
wurden vorab definiert und in der
Vorfertigung gezielt umgesetzt. Ein
zentrales Ziel war es, die manuelle
Nacharbeit auf der Baustelle zu
minimieren.
Vor Ort wurden vorbereitende Maßnahmen
wie das Einmessen der
Montagepunkte und das Herstellen
eines Lasteinleitungssockels durchgeführt.
Die eigentliche Montage
erfolgte in wenigen, klar definierten
Schritten – ein wesentlicher Beitrag
zur Verkürzung von Bauzeiten und
zur Reduktion von Fehlerquellen.
Die Montageversuche lieferten wichtige
Erkenntnisse zur praktischen
Umsetzbarkeit des entwickelten
Gesamtsystems und verdeutlichen
das Potenzial serieller Sanierungsansätze
im realen Kontext.
Vernetzung von
Forschung und Lehre
Das Projekt Prefab.Facade wurde
nicht nur im Rahmen angewandter
Forschung umgesetzt, sondern gezielt
in die universitäre Lehre an der
BOKU integriert. In mehreren Masterlehrveranstaltungen
– darunter
Sustainable Design and Construction
wie auch Digital Design and Automated
Construction – setzten sich
Studierende mit den Herausforderungen
und Potenzialen serieller
Sanierung, digitaler Planung und
automatisierter Vorfertigung auseinander.
Aus dem Projektkontext heraus entstand
zudem eine Masterarbeit zur
ökologischen Bewertung verschiedener
Systeme zur thermischen Fassadensanierung.
Diese Verbindung von
Forschung und Lehre ermöglicht es,
zentrale Inhalte wie Digitalisierung,
Nachhaltigkeit und ressourceneffizientes
Bauen nicht nur theoretisch
zu vermitteln, sondern im realen
Anwendungsbezug praxisnah weiterzuentwickeln.
KONSORTIUM
DI in Maria Georgiades, DI in Natasa Kral
und DI Dr. Matthias Braun sind wissenschaftliche
Mitarbeiter*innen am IGCE.
Matthias Braun
24
3/2025
→ Citizen Science
Citizen Science und Bauvorhaben
Von Daniel Dörler und Florian Heigl
Verity Harrison
Große, aber auch kleinere Bauvorhaben
benötigen oft lange Planungszeiten,
da viele verschiedene
Faktoren und unterschiedliche
Perspektiven einfließen müssen.
Gerade Citizen-Science-Projekte
und deren Ergebnisse haben das
Potenzial, sowohl wissenschaftliche
Expertise als auch lokales Wissen
in solche Bauvorhaben einfließen
zu lassen.
Ein paar konkrete Beispiele
Projekt Roadkill
Das Projekt Roadkill der BOKU
University liefert Daten zu überfahrenen
Wirbeltieren in Österreich,
einige davon sind auch geschützt.
Die niederösterreichische Umweltanwaltschaft
nutzt diese Daten seit
diesem Jahr, um zu evaluieren, ob
geschützte Arten durch Bauvorhaben
beeinflusst werden.
Urbane Hitzegeschichten
Hitze ist in der Stadt ein immer
wichtigeres Thema. Die Technische
Universität Wien hat ein Projekt
durchgeführt, das individuelle Hitzeerfahrungen
vulnerabler Gruppen
gesammelt hat. So kann das Projekt
Einblicke in die soziale Dimension
von Hitze auf Stadtebene bieten.
Auf dieser Grundlage können
Empfehlungen für eine nachhaltige
Stadtentwicklung bei steigenden
Temperaturen um eine soziale
Dimension erweitert und in die
Planung integriert werden.
Wiener Gebäudebrüter
Das Projekt der MA 22 erfasst mithilfe
von Bürger*innen die Brutplätze
an Gebäuden brütender Vogelarten
und stellt diese Information
im Internet zur Verfügung, damit sie
so sichtbar und bei Bauvorhaben
berücksichtigt werden können. Nur
durch den Schutz der Brutplätze
können Vogelarten wie Mauersegler,
deren Ankunft in Wien den Sommer
ankündigt, langfristig erhalten
werden.
Wie man sieht, bietet Citizen
Science also zusätzlich zu wissenschaftlichen
Daten auch die
Möglichkeit, Planungsprozesse bei
Bauvorhaben zu beeinflussen.
LINK
Weitere Projekte zum Mitforschen auf
Österreich forscht: www.citizen-science.at
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querkraft architekten - Patrizia Bagienski-Grandits
Im geplanten Quartier „Am Kempelenpark“ in Wien-Favoriten werden mittels technischer Innovationen und klarer Qualitätskriterien
Wasser, Energie und Grünräume gemeinsam gedacht.
lieBeKlima: Kreislaufwirtschaft für Wasser,
Energie und Grünraum im Quartier
Von Bernhard Pucher
Wenn über Kreislaufwirtschaft im
Wohnbau gesprochen wird, denken
wir zuerst an Baustoffe oder die
Wiederverwendung von Gebäudeteilen.
Eine der wichtigsten Ressourcen
für das tägliche Leben bleibt dabei
jedoch oft unbeachtet: das Wasser.
Wasser und die darin enthaltene
Energie sind zentrale Ressourcen,
die auch im Kreislauf geführt werden
können, aber oft vergessen werden.
Gründe dafür liegen einerseits
im bestehenden Planungsprozess,
andererseits in einer Skepsis gegenüber
Wasserwiederverwendung und
ihrem Mehrwert. Besonders deutlich
wird diese Schwachstelle in
der aktuellen Quartiersentwicklung:
Wasser- und Energiesysteme sowie
Begrünung und Freiräume werden
getrennt geplant, meist für jedes
Gebäude einzeln. Was fehlt, ist ein
integrativer Ansatz.
Genau hier setzt das Projekt
lieBeKlima an. Es hat untersucht,
wie Wasser, Energie und Grünraum
integrativ in eine kreislauffähige
Stadtentwicklung eingebunden
werden können. Neben dem Institut
für Siedlungswasserbau, Industriewasserwirtschaft
und Gewässerschutz
(BOKU) waren STC Development
GmbH, e7 energy innovation
& engineering, Grünplan, realitylab
und GRÜNSTATTGRAU an diesem
von der FFG finanzierten Sondierungsprojekt
beteiligt. Am Beispiel
des Wiener Quartiers „Am Kempelenpark“
im 10. Bezirk wurde
erforscht, wie sich durch die Verknüpfung
von Wasser-, Energie- und
Grünrauminfrastrukturen Synergien
erzeugen lassen. Das Ziel: klimaresiliente
Quartiere, die Ressourcen
schonen und zugleich Lebensqualität
schaffen.
Besonders wichtig ist dabei die Rolle
der grünen Infrastruktur. Sie kühlt
durch Verdunstung, managt Regenwasser
und verbessert die Luftqualität.
Doch ohne ausreichende
Bewässerung bleiben diese Effekte
aus. Forschende sprechen hier von
einer „doppelten Wasserlücke“: Bei
Hitzewellen steigt der Bedarf, während
gleichzeitig weniger Trinkwasser
verfügbar ist. Regenwassernutzung
allein kann diese Lücke nicht schließen,
da diese Ressource in langen
Trockenperioden nicht vorhanden
ist und eine Speicherung über lange
Zeiträume kaum möglich ist. Bisher
wird in Österreich häufig Trinkwasser
für die Bewässerung eingesetzt, was
die Nachhaltigkeit von Begrünungsmaßnahmen
infragestellt.
Eine verlässliche Alternative bietet
die Wasserwiederverwendung direkt
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3/2025
Wohnen, arbeiten und leben im Grünen
Mit dem Projekt „Am Kempelenpark“ entsteht in Wien-Favoriten ein
neues Stadtquartier, das wohnen, arbeiten, lernen und Erholung im
Grünen auf innovative Weise verbindet. Auf dem ehemals gewerblich
genutzten Areal entwickelt die STC Immobiliengruppe in enger Abstimmung
mit der Stadt Wien und den gemeinnützigen Bauträgern WBV-
GPA, Frieden und Heimat Österreich ein lebendiges, von großzügigen
Grünflächen geprägtes modernes und vielfältig genutztes Viertel. Es
entstehen rund 1100 Wohnungen, vielfältige Büro- und Gewerbeflächen,
eine Ganztagesvolksschule sowie ein über ein Hektar großer, öffentlich
zugänglicher Park mit Altbaumbestand. Der Baustart für den Gewerbebauplatz
sowie für zwei der drei geförderten Bauplätze ist für Ende
2026 vorgesehen, parallel dazu ist für 2026 auch der kreislauforientierte
Rückbau der Bestandsgebäude des ehemaligen Siemens-Areals geplant.
Zur Projekt-Website: https://amkempelenpark.at
Masterstudium Kulturtechnik
und Wasserwirtschaft
Die nachhaltige Bewirtschaftung
von Wasser- und Bodenressourcen
zählt zu den zentralen Herausforderungen
des 21. Jahrhunderts.
Das Studium vermittelt Kenntnisse
in der Hydrologie, der Wasserwirtschaft
und im Gewässerschutz, im
Verkehrswesen, der Bautechnik,
der Geotechnik und im Landmanagement.
Studiere Kulturtechnik
und Wasserwirtschaft, um
zur Gestaltung zukunftsfähiger
Lebensräume beizutragen und die
Bewältigung globaler Herausforderungen
wie Klimawandel, Urbanisierung
und Ressourcenschutz zu
unterstützen.
im Quartier. Vor allem Grauwasser
(Abwasser ohne Toilettenanteil) ist
interessant, da es kontinuierlich
anfällt, sich vor Ort einfach aufbereiten
lässt und zusätzlich die Rückgewinnung
von Wärmeenergie ermöglicht.
So kann Wasser nicht nur
mehrfach genutzt, sondern auch als
Energiequelle erschlossen werden.
Für die Umsetzung braucht es jedoch
integrative Planung, Forschung
zu markttauglichen Systemen sowie
klare Vorgaben zur Qualitätssicherung
in Ausschreibung, Bau und Betrieb
neuer Quartiere.
Für die Analyse zum Wasserbedarf
wurde im Kempelenpark eine Potenzialanalyse
durchgeführt. Sie zeigt,
dass Regenwasser etwa 70 Prozent
des Bewässerungsbedarfs decken
kann, jedoch nur rund 10 Prozent
des gesamten Brauchwasserbedarfs
(etwa für die Toilettenspülung).
Grauwasser hingegen fällt
kontinuierlich an und reicht aus, um
Bewässerung und WC-Spülungen
vollständig zu versorgen (Annahme:
3000 Personen vor Ort). Dies kann
finanzielle Einsparungen erzielen, da
sich die Kosten für Trink- und Abwassergebühren
deutlich reduzieren.
Auch Energie lässt sich aus urbanen
Wassersystemen gewinnen: Wärme
aus Grauwasser kann über Wärmetauscher
rückgewonnen und in Energienetzen
verteilt werden. Solche
Niedertemperaturnetze, kombiniert
mit Wärmepumpen, sind besonders
effizient. Gleichzeitig können
Photovoltaikmodule auf begrünten
Dächern Strom liefern, während die
Begrünung die Module kühlt und deren
Effizienz steigert. Diese Synergien
machen Quartiere widerstandsfähiger
gegen Klimafolgen, fördern
eine nachhaltige Ressourcennutzung
und tragen dazu bei, die Betriebskosten
langfristig zu senken.
In der Praxis stoßen innovative Konzepte
jedoch auf Hindernisse. In den
Co-Creation-Workshops mit Bauträger*innen,
Planer*innen und Behörden
wurden die zentralen Barrieren
deutlich: Unsicherheiten bei Hygieneanforderungen,
fehlende rechtliche
Rahmenbedingungen, Investitionshürden
im geförderten Wohnbau
und Fragen der Akzeptanz durch die
Nutzer*innen. Um diesen Herausforderungen
zu begegnen, entwickelte
lieBeKlima Qualitätskataloge
für Wohnbau, Gewerbe und Quartiersebene
sowie eine Roadmap zur
Qualitätssicherung. Diese Instrumente
sollen gewährleisten, dass neue
Wasser- und Energielösungen nicht
nur in der Planung berücksichtigt,
sondern auch im Bau und langfristigen
Betrieb konsequent umgesetzt
und überprüfbar verankert werden.
Eine Analyse der Strategien zur Klimawandelanpassung
in Österreich
zeigt, dass vorhandene Dokumente
das Potenzial einer Brauchwasserversorgung
grundsätzlich erkennen,
jedoch bleibt vor allem in Leitfäden
der Bundesländer das Thema oft
vage. Die Folge ist eine Lücke zwischen
Vision und Praxis. lieBeKlima
zeigt, wie diese geschlossen werden
kann – mit technischen Innovationen,
klaren Qualitätskriterien und
dem Mut, Wasser, Energie und Grünräume
gemeinsam zu denken.
Link zum Endbericht
https://nachhaltigwirtschaften.at/de/sdz/projekte/
liebeklima.php#publications
Link zur Publikation
„Nutzungsorientierte Verwendung
urbaner Wasserressourcen
– Visionen, Potenziale
und Herausforderungen“
https://link.springer.com/article/10.1007/
s00506-023-00932-6
DI Dr. Bernhard Pucher ist stellvertretender
Leiter des Instituts für Siedlungswasserbau,
Industriewasserwirtschaft und
Gewässerschutz.
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Wenn Holz und Papier
zu Sensoren werden
Von Lea Ranacher, Arunjunai Raj Mahendran, Claudia Pretschuh, Franziska Hesser und Martin Riegler
Holz, das selbst Schäden meldet,
und Papier, das Feuchtigkeit oder
Bewegungen registriert – was klingt
wie eine Zukunftsvision, wird im
Forschungsprojekt i³Sense bereits
Realität. Gemeinsam mit der BOKU
University entwickelt die österreichische
Forschungseinrichtung
Wood K plus biobasierte Sensoren
für Anwendungen im Holzbau, in der
Mobilität und in der Produktion.
Die Sensoren können Feuchtigkeit,
Dehnung, Rissausbreitung sowie das
Aushärtungsverhalten von Klebstoffen
und Kunststoffen messen. Ihr
entscheidender Vorteil: Sie sind umweltfreundlicher
als herkömmliche
Systeme und lassen sich nahtlos
in Materialien integrieren, wodurch
sich völlig neue Anwendungsfelder
eröffnen.
Holz als aktiver Baustoff
Am Universitäts- und Forschungszentrum
Tulln (UFT) arbeiten
Wissenschaftler*innen daran, Holz
selbst zum Sensor zu machen. Die
Vision: Das Material sendet Signale
aus, sobald es zu einem schädigenden
Wassereintritt kommt. Diese
Signale gilt es zu messen.
„Wir wollen Holz von einem passiven
Baustoff in einen aktiven Partner verwandeln,
der seinen Zustand selbst
überwacht“, erklärt Martin Riegler,
Teamleiter bei Wood K plus. Falls
die Signale nicht ausreichen, kann
der Holzquerschnitt auch leitfähig
gemacht werden – ein Bereich, den
Wolfgang Gindl-Altmutter, Leiter des
Instituts für Holztechnologie und
Nachwachsende Rohstoffe, beforscht.
Um die Holzoberfläche elektrisch
leitfähig zu machen, setzt Martin
Biobasierte Sensoren sollen Holz melden lassen, sobald Wasser eintritt.
Riegler die laserinduzierte Graphitisierung
(LIG) ein. So entstehen
präzise, skalierbare Sensoren, die
externe Messsysteme ersetzen können
– und das mit deutlich weniger
Abfallstoffen und nachhaltigeren
End-of-Life-Optionen.
Auch die Klebefugen werden als
Sensoren genutzt, indem der Klebstoff
elektrisch leitfähig gemacht
wird. Dies ermöglicht eine flächige
Feuchtemessung in den Bauteilen
im Gegensatz zu den konventionellen
Sensoren, die punktuell messen.
Hierzu betreut Johannes Konnerth
am Institut für Holztechnologie und
Nachwachsende Rohstoffe eine
Dissertation. Des Weiteren lassen
Impedanzmessungen an Holz, Rückschlüsse
auf die Art und Weise der
Wassereinlagerung in Holz zu. Die
dafür nötigen Forschungsarbeiten
werden von Institutsleiterin Helga
Lichtenegger vom Institut für Physik
und Materialwissenschaft in einer
betreuten Dissertation durchgeführt.
Smarte Papiersensoren
Neben Holz rückt auch Papier ins
Zentrum der Forschung. Papiersensoren
sind leicht, kostengünstig,
imprägnierbar – und damit ideal
für Einweg-Anwendungen, etwa im
Gesundheitswesen, im Umweltmonitoring
oder in der Lebensmittelsicherheit.
28
3/2025
Übersicht über die entwickelten Sensoren im Projekt i 3 Sense
Herstellungsverfahren
Trägermaterial/Materialien
Messtechnologie und Parameter
Mögliche Anwendungsgebiete
Leitfähige Klebefuge
Leitfähiger Klebstoff auf Holz
Elektrischer Widerstand
Holzwerkstoffe für Bauanwendungen
Fotos: BOKU, Wood K Plus
Herstellungsverfahren
Trägermaterial/Materialien
Messtechnologie und Parameter
Mögliche Anwendungsgebiete
LaserInduzierte Graphitisierung
Lasern auf Holz ohne Vorbehandlung
Elektrischer Widerstand und Kapazität
Div. Holzbauanwendungen
Herstellungsverfahren
Trägermaterial/Materialien
Messtechnologie und Parameter
Mögliche Anwendungsgebiete
Siebdruckverfahren
Dünnes, poröses Papier und leitfähige Tinte
Dehnung, Feuchtigkeit, Risse
Composite z. B. Unterboden im Auto,
Beladung LKW, Aushärtungsverhalten
Produktion, Klebefuge im Holzbau
Herstellungsverfahren
Trägermaterial
Messtechnologie und Parameter
Mögliche Anwendungsgebiete
3D-Druck
Papier
Dehnung, Feuchtigkeit
Dehnungssensor in Verbundwerkstoffen,
Überwachung des Feuchtigkeitsgehalts im Holz
Herstellungsverfahren
Trägermaterial/Materialien
Messtechnologie und Parameter
Mögliche Anwendungsgebiete
Sticken
Zellulosebasiertes Textil mit leitfähigem
Garn Dehnung
Alle Verbundwerkstoffanwendungen
mit imprägnierten Dehnungssensoren
„Wir machen Papier smart, sodass
es Bewegung, Feuchtigkeit und Risse
wahrnimmt. Damit können Schäden
rechtzeitig erkannt und verhindert
werden“, sagt Arunjunai Raj Mahendran,
Leiter von i³Sense.
Statt herkömmlicher Polymersensoren
kommen Zellulose und nachhaltige
leitfähige Tinten zum Einsatz.
Erste Tests mit pflanzenbasierter
Kohletinte zeigen: Sie ist nicht nur
ökologisch vorteilhafter als Silber
oder Kupfer, sondern auch funktional
geeignet. Zusätzlich wird das
Verfahren durch 3D-Druck ergänzt,
der ohne Lösungsmittel auskommt
und eine hohe Designflexibilität ermöglicht.
Nachhaltigkeit im Fokus
Die Forschung verfolgt ein klares
Ziel: Sensoren zu entwickeln, die
mit minimalem Energieeinsatz,
geringem Abfall und aus nachhaltigen
Materialien gefertigt werden.
Dazu gehört auch eine umfassende
Lebenszyklusanalyse. „Wir prüfen
schon während der Entwicklung
mögliche Umweltauswirkungen, um
negative Effekte frühzeitig zu vermeiden“,
betont Teamleiterin Franziska
Hesser von Wood K plus.
Damit setzt i³Sense ein starkes Signal:
Die Materialien von morgen sind
nicht nur intelligent – sie sind auch
nachhaltig.
Masterstudium Holztechnologie
und Management
Das Masterstudium Holztechnologie
bietet eine fundierte
Ausbildung in der nachhaltigen
Nutzung und Verarbeitung von
Holz. Schwerpunkte sind innovative
Technologien, Materialwissenschaften
und die Entwicklung
von Holzprodukten. Das Studium
kombiniert ingenieur-, natur- und
wirtschaftswissenschaftliche
Ansätze, um den Lebenszyklus
von Holzprodukten – von Rohstoffgewinnung
bis Recycling –
zu optimieren. Absolvent*innen
sind für Forschung, Entwicklung,
Produktion und Management
bestens qualifiziert.
3/2025 29
Naturgefahren begegnen, Natur nutzen
Nachhaltige Infrastruktur im Klimawandel
Von Alfred Strauss
Adobe Stock
Durch den Klimawandel nimmt neben Lawinenabgängen auch die Zahl der Hangrutschungen zu
Der Klimawandel führt im alpinen
Raum zunehmend zu extremen Wetterereignissen
wie Starkregen, intensiver
Schneeschmelze, Lawinen,
Muren und Hangrutschungen. Diese
Naturgefahren stellen erhebliche
Herausforderungen für die strukturelle
Zuverlässigkeit und Nutzungsdauer
von Infrastrukturbauwerken
dar, insbesondere aufgrund der
komplexen Topografie und schwieriger
geotechnischer Verhältnisse.
Am Institut für Konstruktiven Ingenieurbau
(KOIN) der BOKU University
werden Infrastruktursysteme
im alpinen Raum hinsichtlich ihrer
Belastbarkeit unter veränderten
klimatischen Bedingungen systematisch
analysiert. Im Fokus stehen
dabei klimabedingte Einwirkungen
wie intensivierte Niederschläge,
häufigere Frost-Tau-Wechsel sowie
die Zunahme dynamischer Prozesse
wie Steinschlag oder Muren. Diese
wirken sich direkt auf Ingenieurbauwerke
– etwa Brücken, Tunnel oder
Schutzsysteme – aus und beeinflussen
zudem Alterungsprozesse
wie Kriechen, Schwinden, Ermüdung
oder Korrosion von Materialien und
Infrastrukturen.
Für die realitätsnahe Bewertung
solcher klimatisch beeinflussten
Einwirkungen setzen die Forschen-
den am KOIN-Institut innovative
numerische Verfahren und probabilistische
Modellierungen ein. Diese
erlauben es, Risiken zu quantifizieren,
strukturelle Sicherheitsreserven
zu bewerten sowie die verbleibende
Nutzungsdauer zu prognostizieren.
Integrative Risiko-Modelle
Neben den klassischen Methoden
ist es unser Ziel, unsere Ingenieurmodelle
unter Einbeziehen naturbasierter
Lösungen (Nature-based
Solutions, NbS) zu überdenken und
zu erweitern. Maßnahmen wie Aufforstung,
die Vegetationsstabilisierung
von Hängen oder hydrologische
30
3/2025
und hydraulische Interaktionen
mit Infrastrukturen betrachten wir
nicht isoliert, sondern in integrative
Risiko- und Einwirkungsmodelle
eingebettet. Diese Forschungsvorhaben
treiben wir in Projekten wie
dem Horizon IMSAFE-Projekt, dem
Horizon Nature Demo-Projekt sowie
dem FFG Green Digital Twin-Projekt
voran – insbesondere mit dem Ziel
der Kombination technischer und
ökologischer Strategien zur Minderung
klimabedingter Risiken.
Bei diesen Forschungsvorhaben stellen
wir uns erwartungsgemäß großen
Herausforderungen – insbesondere
liegt die Schwierigkeit in der methodischen
Abbildung solcher interdisziplinären
Ansätze. Naturbasierte
Maßnahmen erfordern spezifische
Bewertungsprozesse, um ihre Wirkung
auf strukturelle Integrität, Sicherheit
sowie Lebens- und Nutzungsdauer
quantifizierbar zu machen. Erste methodische
Konzepte haben wir hierzu
institutsintern gemeinsam mit unseren
Partnerinstituten und europäischen
Partner*innen im Rahmen des
Horizon Nature Demo-Projekts entwickelt.
Der nächste Schritt ist nun
die Übertragung und Erprobung dieser
Ansätze in nationalen Anwendungen
etwa anhand von Demonstratoren im
alpinen, aber auch allgemeinen europäischen
Raum.
Wie wir auch sehen können, belegen
jüngste Hochwasserereignisse im
Großraum Wien sowie europaweit
mit steigenden Schadenssummen
die Dringlichkeit unseres Ansatzes.
Erfahrungen aus Forschung und Praxis
zeigen deutlich: Die Verknüpfung
ingenieurtechnischer und ökologischer
Methoden ist keine optionale
Ergänzung, sondern ein notwendiger
Bestandteil zukunftsfähiger Infrastrukturplanung.
Sie trägt entscheidend
zur Steigerung der Resilienz,
zur Verlängerung der Lebensdauer
und zur ökonomischen Nachhaltigkeit
von Bauwerken bei – insbesondere
in sensiblen alpinen Regionen.
Es zeigt sich somit: Nur durch die
Kombination ingenieurtechnischer
Bild 1: Klimawandelfolgen: Hochwasser, Temperatur- und Meeresspiegelanstieg
Bild 2: Interaktion von Naturgefahrenprozessen aus Einzugsgebieten und Infrastrukturen.
Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU) 6
und ökologischer Ansätze lassen
sich Infrastrukturen langfristig
widerstandsfähig und ökonomisch
nachhaltig gestalten. Integrative
Planung, adaptive Maßnahmen
und fundiertes Wissen über klimabedingte
Belastungen bilden die
Grundlage zukunftsfähiger Infrastrukturen.
Bis 2080 nehmen Hochwasserereignisse
in Europa deutlich zu und
werden räumlich sowie zeitlich variabler.
Höhere Temperaturen führen
zu erhöhten Materialspannungen,
beispielsweise in Schienen, während
der Meeresspiegelanstieg Küstenregionen
durch Überschwemmungen
und Erosion gefährdet.
Direkte und indirekte Klimafolgen
Wie eingangs bereits dargestellt,
bringen extreme Wetterlagen wie
Starkregen, Hochwasser, Hitzeperioden,
starke Schneefälle, Stürme
oder lang anhaltende Dürrephasen
unsere Infrastrukturen zunehmend
unter Druck. Einige dieser Effekte
wirken sich direkt auf die physische
Substanz aus, während andere
vor allem die Funktionalität und
Nutzbarkeit beeinträchtigen. Zu
den direkten Belastungen zählen
hydraulische Effekte, etwa Auskolkungen
an Brückenfundamenten
durch Hochwasser, thermische
Beanspruchungen, die Verformungen
oder Materialermüdung infolge
hoher Temperaturen verursachen,
3/2025 31
Bild 3: Nature-Based Considerations im Kontext von ingenieurbiologischen Überlegungen zum Schutz von
Infrastrukturen und als Grundlage für adaptive Sicherheitsformate klassischer Infrastrukturen
sowie mechanische Überlastungen
durch Schneelasten oder Winddruck
auf Tragwerke und Versorgungsleitungen.
Indirekt zeigen sich Klimafolgen
durch Verkehrsunterbrechungen infolge
überfluteter oder beschädigter
Verkehrswege, Einschränkungen in
der Versorgungsinfrastruktur durch
Ausfälle von Strom-, Wasser- oder
Telekommunikationsleitungen,
ökonomische Verluste durch Betriebsstörungen
und erhöhte Wartungsanforderungen
sowie durch
Gefährdungen der öffentlichen
Sicherheit bei Ausfall kritischer Verbindungsachsen.
Klimawandelszenarien und Expositionsveränderungen
Um Infrastrukturen langfristig widerstandsfähig
zu gestalten, ist es
entscheidend, nicht nur aktuelle
Belastungen zu betrachten, sondern
auch die zukünftige Entwicklung extremer
Wetterereignisse im Zuge des
Klimawandels einzubeziehen. Hierfür
dienen etablierte Klimaszenarien
wie die Representative Concentration
Pathways (RCP 4.5, RCP 8.5).
Bereits bei moderaten Szenarien
lässt sich eine signifikante Zunahme
der Exposition gegenüber Extremereignissen
erkennen. Das Risiko
steigt nicht nur durch höhere Mittelwerte,
sondern vor allem durch eine
größere Variabilität der Ereignisse,
quantifiziert durch den Variationskoeffizienten
(CoV). Dies bedeutet,
dass extreme Ereignisse, wie ein
50-jährliches Hochwasser oder eine
100-jährliche Schneelast, künftig
häufiger und intensiver auftreten
können. Klassische Lastannahmen
und Wiederkehrperioden müssen
daher risikoadaptiv dynamisch
überprüft und gegebenenfalls neu
definiert werden.
Internationale Zusammenarbeit
Die Bewältigung dieser Herausforderungen
erfordert nicht nur
lokale Maßnahmen, sondern auch
internationale Zusammenarbeit. So
wurde 2017 die Task Group „Climate
Change and Structures“ der International
Association for Bridge and
Structural Engineering (IABSE) gegründet.
Diese Expertengruppe, an
der das KOIN Institut beteiligt ist,
entwickelt wissenschaftlich fundierte
Grundlagen für eine klimaresiliente
Auslegung und Erhaltung
von Infrastrukturen. Dabei stehen
folgende Schwerpunkte im Fokus:
• Skalenabhängigkeit klimatischer
Einwirkungen (lokal bis global)
• Auswahl, Parametrisierung und
Kalibrierung probabilistischer
Lastmodelle
• Interaktionen zwischen natürlichen
Klimaeinflüssen und
anthropogenen Faktoren (Urbanisierung,
Landnutzung)
• Analyse der Robustheit, Redundanz
und Adaptierbarkeit bestehender
Tragwerkskonzepte
• Entwicklung praxisnaher Anpassungsstrategien
wie vorausschauende
Dimensionierung,
kontinuierliches Monitoring und
Frühwarnsysteme
Die internationale Zusammenarbeit
liefert nicht nur methodische
Grundlagen, sondern auch praxisrelevante
Empfehlungen für Planer*innen,
Betreiber*innen und Behörden.
Ziel ist es, bestehende Sicherheitskonzepte
weiterzuentwickeln und
die Resilienz der Infrastrukturen
langfristig zu sichern – im Einklang
mit den Erkenntnissen zu direkten,
indirekten und zukünftigen klimabedingten
Belastungen.
Neue Planungsrealitäten und
adaptive Sicherheitsformate
Die zuvor skizzierten Erkenntnisse
zu direkten, indirekten und zukünftigen
klimabedingten Belastungen
machen deutlich: Klassische Bemessungsgrundlagen
im Infrastruk-
32
3/2025
Bild 4: Innovative Methoden zur Analyse klimadynamischer Prozesse und Schadensmechanismen sowie deren Integration in neuartige Belastungsmodelle
für graue Infrastrukturen am Beispiel von Sperranlagen
tur- und Ingenieurbau geraten zunehmend
an ihre Grenzen. Konzepte
wie das „100-jährliche Schneelastereignis“
oder „50-jährliche Hochwasser“
verlieren an Aussagekraft,
da Extremereignisse häufiger und
intensiver auftreten. Dies erfordert
die Einführung dynamischer, risikoadaptiver
Sicherheitsformate, die
Unsicherheiten systematisch berücksichtigen.
Ein anschauliches Beispiel ist die
Dauerhaftigkeit von Stahlbeton:
Klimabedingte Änderungen der
Feuchte- und CO₂-Konzentration
beschleunigen die Karbonatisierung
– besonders bei CO₂-reduzierten
Betonen mit veränderter Porenstruktur.
Klassische Normen greifen hier
nur eingeschränkt. Performance-basierte
und probabilistische Ansätze,
wie sie im fib Model Code 2020
vorgeschlagen werden, erlauben eine
realistischere Bewertung der Lebensdauer.
Ergänzende Prüfmethoden,
etwa Gaspermeabilitätsanalysen oder
feuchtegeführte Karbonatisierungstests,
wie sie derzeit Forschungsgruppen
am KOIN-Institut durchführen,
liefern belastbare Daten und
fließen in die europäische Normungsarbeit
(zum Beispiel CEN/TC250) ein.
Flussbrücken sind zunehmend von
Auskolkungen bei Hochwasser betroffen,
Tunnel werden potenziell
neuen hydrologischen und hydraulischen
Szenarien bei Starkregen
und veränderten Grundwasserständen
ausgesetzt und Schneelasten
in hochalpinen Regionen nehmen
zu, obwohl sie in mittleren Lagen
abnehmen. Unsere Forschung greift
diese Entwicklungen auf und leitet
daraus notwendige Anpassungen für
Bemessung und Sicherheitskonzepte
– sogenannte klimadynamische
Sicherheitskonzepte – ab. Damit
wird ein direkter Bezug zu den zuvor
erläuterten klimabedingten Belastungen
für Infrastrukturen hergestellt.
In diesen Sicherheitskonzepten
müssen aber auch mindernde
Maßnahmen berücksichtigt werden,
insbesondere die Kombination
klassischer ingenieurtechnischer Ansätze
mit naturbasierten Lösungen
(NbS), siehe Bild 3. Beispiele hierfür
sind Aufforstungen zur Hangstabilisierung
oder landschaftsplanerische
Schutzmaßnahmen. Ihre volle
Wirkung entfalten diese Maßnahmen
jedoch nur, wenn sie integrativ geplant
und ingenieurtechnisch bewertet
werden.
Solche Vorhaben können jedoch
nur auf europäischer Ebene beziehungsweise
im Rahmen größerer
Forschungsinitiativen erfolgreich
umgesetzt werden. In unserem Fall
sind dies das Horizon Nature Demo-
Projekt, das Horizon IMSAFE-Projekt
und das Green Digital Twin-Projekt,
die unter Federführung des
KOIN-Instituts innovative Sicherheitskonzepte
entwickeln. Durch
die Kombination von numerischer
Modellierung, Monitoringdaten und
probabilistischen Verfahren wird
erstmals die Schutzwirkung naturbasierter
Maßnahmen objektiv
quantifiziert – sowohl in Bezug auf
strukturelle Integrität, Lebensdauer
als auch Widerstandsfähigkeit
gegenüber Extremereignissen.
Dies ergänzt die risikobasierten und
klimadynamischen Methoden der
Ingenieurplanung und erlaubt eine
integrierte Bewertung von technischen
und naturbasierten Strategien.
Insgesamt verdeutlichen diese Beispiele,
dass adaptive Sicherheitsformate
keine theoretischen Konzepte
bleiben, sondern reale Planungsanforderungen
widerspiegeln, die direkt
auf den Herausforderungen aufbauen.
Sie zeigen, wie Ingenieurplanung
und naturbasierte Ansätze kombiniert
werden können, um Infrastrukturen
langfristig widerstandsfähig
gegenüber den Folgen des Klimawandels
zu gestalten.
3/2025 33
Ingenieurwissenschaften im
Wandel: das BOKU-Profil
Adobe Stock
Die Bewältigung klimabedingter
Risiken erfordert internationale Kooperation,
interdisziplinäres Denken
und innovative Methoden. Die BOKU
positioniert sich mit dem KOIN-Institut
als Vorreiterin in der Verbindung
klassischer Ingenieurmethoden
mit naturbasierten Lösungen und
datenbasierten Entscheidungsmodellen.
Beispiele hierfür sind die
Mitarbeit in der IABSE Task Group
„Climate Change and Structures“,
die Entwicklung adaptiver Bemessungskonzepte
sowie innovativer
Monitoring- und Instandhaltungsstrategien.
Damit bietet die BOKU ideale Rahmenbedingungen
für eine zukunftsorientierte
Ingenieurausbildung:
Studierende erlernen, technische
Präzision mit systematischem
Klimawissen und praxisnahen Anpassungsstrategien
zu verbinden.
Die kontinuierliche Abstimmung von
Forschung, Praxis und internationalen
Partnerschaften gewährleistet,
dass Absolvent*innen bestens auf
die Planung und Sicherung resilienter
Infrastrukturen vorbereitet sind.
Doch Erkenntnisse allein genügen
nicht. Ingenieur*innen brauchen ein
systemisches Verständnis, das technische
Expertise mit ökologischer
Intelligenz verbindet. Studien- und
Lehrpläne müssen adaptiv, digital
und naturbezogen gestaltet sein.
Nur so lassen sich Unsicherheiten
verstehen, natürliche Prozesse
aktiv integrieren und nachhaltige
Lösungen entwickeln. Wie in Bild 4
am Beispiel von Sperranlagen dargestellt,
werden innovative Methoden
zur Analyse klimadynamischer
Prozesse und Schadensmechanismen
genutzt, um diese Ansätze in
neuartige Belastungsmodelle für
graue Infrastrukturen zu integrieren.
Gleichzeitig zeigt dies, dass solche
Konzepte auch in den Lehrplänen
behandelt werden sollten, damit
Studierende von Anfang an lernen,
Forschungserkenntnisse praxisnah
und systemisch umzusetzen.
Fazit
Integrative Risiko-Modelle sollen helfen, Naturkatastrophen einzudämmen
Resiliente Infrastrukturen entstehen
aus der integrativen Kombination
von Technik und Natur. Nur interdisziplinär
und kooperativ entwickelte
Strategien ermöglichen eine wissenschaftlich
fundierte, technisch umsetzbare
und ökologisch wirksame
Gestaltung klimafester Infrastrukturen.
Schlussfolgerung
Integratives Denken für resilienten
Ingenieurbau
Die zuvor skizzierten Entwicklungen
– von den klimabedingten
Herausforderungen für Stahlbeton
und Hochwasserschutz bis hin zu
adaptiven Sicherheitsformaten und
naturbasierten Lösungen – machen
deutlich: Der Schutz und die Weiterentwicklung
unserer Infrastruktur
im Klimawandel erfordern ein
grundlegendes Umdenken in Ausbildung
und Praxis der Ingenieurwissenschaften.
Adaptive, risikobasierte
Methoden, probabilistische Modelle
und kontinuierliches Monitoring
zeigen, dass Infrastrukturplanung
heute nicht mehr isoliert, sondern
integrativ gedacht werden muss.
Gleichzeitig machen Fallstudien zu
Flussbrücken, Tunneln und hochalpinen
Schneelasten deutlich, dass
technische Lösungen allein nicht
ausreichen. Naturbasierte Maßnahmen
wie Aufforstungen, bepflanzte
Rückhaltebecken oder landschaftsplanerische
Schutzmaßnahmen
müssen systematisch in die Planung
und Bewertung einbezogen werden.
Wie in Bild 4 am Beispiel von
Sperranlagen dargestellt, lassen
sich diese Ansätze in neuartige Belastungsmodelle
für graue Infrastrukturen
integrieren – ein Ansatz,
der auch in die Lehrpläne einfließen
sollte, um Studierende auf die realen,
komplexen Herausforderungen
vorzubereiten.
Hochschulen wie die BOKU University
übernehmen hier eine Schlüsselrolle:
Sie schaffen Bildungsräume, in
denen Studierende lernen, technische
Präzision, probabilistische Analysen
und naturbasierte Konzepte zu
verbinden. So werden Ingenieur*innen
befähigt, unsere Infrastruktur
und Lebensräume nicht nur zu
schützen, sondern gemeinsam mit
der Natur nachhaltig, resilient und
zukunftsweisend zu gestalten.
Univ.Prof. DI Dr. Alfred Strauss leitet das
Institut für Konstruktiven Ingenieursbau
(KOIN).
34
3/2025
Thomas Pichler
Aufbereitung von Abbruchbeton
Ressourcenoptimiertes Bauen mit Beton
Verwertung von rezyklierter Gesteinskörnung aus Altbeton
Von Johannes Hron, Klaus Voit, Thomas Pichler, Oliver Zeman und Konrad Bergmeister
Der weltweite Verbrauch an Sand,
Kies und gebrochener Gesteinskörnung
liegt gemäß einer Schätzung
des UN Environment Programme
bei etwa 40 bis 50 Mrd. Tonnen pro
Jahr. Davon entfallen allein auf die
Bauindustrie rund 30 Mrd. Tonnen.
Gleichzeitig ist das Bauwesen für
etwa ein Drittel der globalen CO2-
Emissionen verantwortlich. Ein
wesentlicher Faktor hierfür ist der
Baustoff Beton, der aufgrund seiner
breiten Anwendung – geschuldet
seiner hohen Dauerhaftigkeit,
Festigkeit, sehr guten Verfügbarkeit
der Ressourcen und seiner günstigen
Herstellung – sowie der damit
verbundenen hohen Produktionsmengen
erheblich zur Ressourcennutzung
und Emissionsbelastung
beiträgt.
Jährlich werden global etwa 4 Mrd.
Tonnen Zement produziert, während
für die Betonherstellung rund 28
Mrd. Tonnen Gesteinskörnung und
2,8 Mrd. Tonnen Wasser benötigt
werden. In Österreich beträgt der
Gesamtverbrauch an Gesteinskörnungen
etwa 100 Mio. Tonnen. Jährlich
werden etwa 10 Mio. m³ Transportbeton,
4 Mio. m³ Fertigteilbeton
und 1 Mio. m³ Beton aus Baustellenmischanlagen
produziert.
Sekundärbaustoffe
Diese Materialressourcen werden
in Bauwerken über deren gesamte
Lebensdauer hinweg gebunden und
fallen nach Erreichen der Lebensdauer
im Falle eines Rückbaus als
Abfall wieder an, stellen aber gleichzeitig
auch eine wichtige Quelle für
Sekundärbaustoffe dar. Nach dem
3/2025 35
Bauen mit Beton ermöglicht. Dies
umfasst die Schonung von natürlichen
Ressourcen wie Sand und Kies,
eine Verringerung von Transportwegen
bei Aufbereitung und Verwertung
vor Ort („urban mining“), die
Vermeidung von Deponievolumen
durch Verwertung anstelle von Entsorgung
und Deponierung sowie eine
mögliche CO2-Speicherung im Zuge
der Beaufschlagung des Altbetons
mit CO2.
Fertig hergestellte rezyklierte Gesteinskörnung
Ende der Lebensdauer von Bauwerken
ist es somit entscheidend, die
darin enthaltenen Materialien einer
Verwertung zuzuführen.
Im Idealfall wird der Betonbruch
aufbereitet und als Gesteinskörnung
für die Herstellung von Recycling-
Beton verwendet. Dieses Verfahren
trägt nicht nur zur Ressourcenschonung
bei, sondern reduziert auch
die Umweltbelastungen, die mit der
Gewinnung und Verarbeitung von
Primärrohstoffen verbunden sind.
Recycling-Beton ist daher ein zentraler
Baustein für nachhaltiges Bauen
und eine zirkuläre Bauwirtschaft.
Mineralische Abfälle aus Bau- und
Abbrucharbeiten, Bodenaushub und
Baggergut machen dabei etwa 38 %
des gesamten Abfallaufkommens
in der EU aus. In Österreich stellen
Aushubmaterialien und Abfälle aus
dem Bauwesen mit rund 46,1 Mio.
Tonnen bzw. 12,5 Mio. Tonnen die
größten Anteile des gesamten Abfallaufkommens
dar.
Angesichts der begrenzten Verfügbarkeit
natürlicher Rohstoffe und
der steigenden Nachfrage nach
Baustoffen sowie geänderter gesetzlicher
Rahmenbedingungen (in
Österreich gilt seit dem Jahr 2024
ein Deponierungsverbot für Beton,
Asphalt und Straßenaufbruch)
gewinnt die Wiederverwertung von
Beton zunehmend an Bedeutung.
Die Vorteile von Betonrecycling
liegen dabei auf der Hand, da es ein
ressourcen- und klimaschonenderes
Demgegenüber gibt es auch einige
Herausforderungen, insbesondere,
dass die rezyklierte Gesteinskörnung
aus Altbeton zeitgerecht am jeweiligen
Bedarfsort in ausreichender
Menge und Qualität zur Verfügung
steht und letztendlich die gewünschten
Frisch- und Festbetoneigenschaften
mit der rezyklierten
Gesteinskörnung gewährleistet
werden können. Eine besondere Herausforderung
ist dabei die Sicherstellung
der gewünschten Verarbeitbarkeit
des Frischbetons gerade
bei hohen Recyclingraten aufgrund
der stark saugenden Eigenschaften
des Betonbruches, da auch der alte,
poröse Zementstein des ursprünglichen
Betons noch in der rezyklierten
Gesteinskörnung enthalten ist.
Angesichts des hohen Material- und
Energieverbrauchs sowie der Abfallmengen
im Bauwesen wird sich
das Bauen der Zukunft im Kontext
der Herausforderungen des Klimawandels
grundlegend von den heute
etablierten Bauprozessen unterscheiden.
Insbesondere die verwendeten
Baustoffe stehen im Fokus
eines Wandels hin zu höherer Klimaeffizienz
und Ressourcenschonung.
Trotz der ökologischen und ökonomischen
Vorteile bestehen im
DACH-Raum weiterhin normative
Einschränkungen, die den Einsatz
von Recycling-Beton reglementieren.
Diese Regelwerke definieren unter
anderem die zulässigen Anteile von
Recycling-Gesteinskörnungen sowie
die Anforderungen an deren Qualität
und Einsatzbereiche und stellen
sicher, dass die technischen Eigenschaften
und die Sicherheit von
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3/2025
Bauwerken auch bei der Verwendung
von Recycling-Beton gewährleistet
bleiben.
Johannes Hron
Sehr hohe Qualität
Dennoch sind weitere Anpassungen
und Innovationen notwendig, um
die Akzeptanz und Verbreitung von
Recycling-Beton zu fördern und die
Bauwirtschaft nachhaltiger zu gestalten.
Diese Herausforderungen
sind an der BOKU am Institut für
Konstruktiven Ingenieurbau und am
Institut für Angewandte Geologie
Inhalt mehrerer laufender Forschungsprojekte.
Zahlreiche aktuelle
Beispiele und Studien zeigen,
dass unter Verwendung geeigneter
Aufbereitungstechniken Recyclinggesteinskörnungen
mit sehr hoher
Qualität hergestellt werden können.
Dadurch ergeben sich sehr hohe
mögliche Verwertungsraten (Verwendung
von bis zu 100 % rezyklierter
Gesteinskörnung), womit die
Herstellung qualitativ hochwertiger
Betone – bei Abstimmung beziehungsweise
Optimierung der Betonrezepturen
– möglich wird. Dies
wirkt sich nicht nur positiv auf den
Ressourcenverbrauch, sondern auch
auf die Klimabilanz des Baustoffs
aus.
Abbildung 2: Beton-/Zement-Kohlenstoffkreislauf
Im Zuge des laufenden Forschungsprojekts
Upcycling & CO2 Storage am
Institut für Konstruktiven Ingenieurbau
wird auch die Möglichkeit der
CO2-Speicherung durch sogenannte
Zwangskarbonatisierung der rezyklierten
Gesteinskörnung untersucht.
Ein beachtlicher Teil (circa zwei
Drittel) der CO2-Emissionen, die bei
der Zementherstellung entstehen,
entstammt der chemischen Umwandlung
von Kalkstein in Kalziumoxid
beim Brennprozess. Ein Teil
dieses prozessbedingt freigesetzten
CO2 kann durch den im erhärteten
Zementstein vorliegenden Portlandit
(chemisch Ca(OH)2) im Laufe der
Lebensdauer einer Betonstruktur
wieder aufgenommen werden. Es
entsteht somit in gewisser Weise ein
Zement-/Beton-Kohlenstoff-Kreislauf.
Für das Voranschreiten der Karbonatisierung
sind insbesondere die
Umgebungsbedingungen (CO2-Konzentration,
Feuchtigkeit, Temperatur,
Exposition) sowie die Zusammensetzung
des Zements und Betons
(insbesondere Diffusionswiderstand)
ausschlaggebend.
Die natürlich ablaufende Karbonatisierung
ist ein Prozess, der sich
über viele Jahrzehnte beziehungsweise
die ganze Lebensdauer des
Betonbauwerks erstreckt. Dies führt
dazu, dass am Ende der Lebensdauer
eines Betonbauteils, also dem
Zeitpunkt des Abbruchs, noch große
innenliegende Anteile der Betonstruktur
nicht karbonatisiert sind
und im Zuge des Abbruchs einer
Exposition durch die Atmosphäre
ausgesetzt werden. Durch die beim
Abbruch entstehende Oberflächenvergrößerung
und das Erzeugen einer
künstlichen, für die Karbonatisierung
idealen Umgebung kann dieser Prozess
deutlich beschleunigt werden.
Zur Untersuchung des Karbonatisierungspotenzials
wurde am Institut
für Konstruktiven Ingenieurbau eine
eigens gebaute und in mehreren
Schritten optimierte Versuchsanlage
aufgebaut. Hauptziel war es, mit einem
möglichst geringen Energieeintrag
die CO2-Beaufschlagung durchzuführen.
Aus diesem Grund wurde
darauf verzichtet, für die künstliche
Atmosphäre, in der die Karbonatisierung
stattfindet, eine Druck- oder
Temperatursteigerung vorzusehen.
Die Untersuchungen finden somit bei
Raumtemperatur bei 100 % CO2-Konzentration
und über eine Dauer von
zwölf Stunden statt.
3/2025 37
Abbildung 3: Erzielte CO 2
-Speicherung in Bezug auf die ursprüngliche Trockenmasse des Abbruchbetons für verschiedene
Kornfraktionen. © Johannes Hron; Daten aus FP Upcycling&CO2 Storage
Da das in der gleichen Zeit erreichbare
Zwangskarbonatisierungspotenzial
stark von der Korngröße des
aufbereiteten Abbruchbetons abhängig
ist, wurden Versuche an unterschiedlichen
Korngrößen durchgeführt
(vgl. Abbildung 3). Dabei wird
deutlich, dass eine hohe CO2-Speicherung
bei feinen Kornfraktionen
erzielt werden kann. Die Angaben
in Abbildung 3 beziehen sich immer
auf die ursprüngliche Trockenmasse
des Abbruchbetons. Im Gegensatz
dazu war bei den gröberen Kornfraktionen
nur eine deutlich niedrigere
CO2-Aufnahme möglich. Dies kann
einerseits auf die stark vergrößerte
reaktive Oberfläche bei feinen Kornfraktionen
zurückgeführt werden
und andererseits auf den Umstand,
dass sich im Zuge der Aufbereitung
die Zementanteile tendenziell in
den feineren Kornfraktionen anreichern
und somit mehr Ca(OH)2 für
die Karbonatisierungsreaktion zur
Verfügung steht. Die dargestellten
Ergebnisse wurden an rezyklierter
Gesteinskörnung aus einem Beton
sehr hoher Qualität (vor allem
hoher Diffusionswiderstand) erzielt.
In vergleichenden Untersuchungen
an Betonbruch von Standard-Beton
üblicher Hochbaurestmassen konnte
eine CO2-Speicherung von bis zu
circa 3,7 % bei den feinen Fraktionen
erreicht werden.
Neben der CO2-Speicherung treten
durch die Zwangskarbonatisierung
auch andere, die Eigenschaften
der rezyklierten Gesteinskörnung
beeinflussende Effekte auf. Durch
die Karbonatisierung des Rezyklats
konnte eine Erhöhung der Kornrohdichte
um ca. 5 % festgestellt
werden. Neben der Steigerung der
Kornrohdichte konnte eine signifikante
Reduktion der Wasseraufnahme
der rezyklierten Gesteinskörnung
nach der Karbonatisierung festgestellt
werden. Die Abnahme beträgt
zwischen 7 % und 25 % im Hinblick
auf die 10-minütige Wasseraufnahme
und zwischen 10 % und 14 % bei
der 24-Stunden-Wasseraufnahme
beim Vergleich von rezyklierter Gesteinskörnung
vor beziehungsweise
nach erfolgter Karbonatisierung.
Dies ist insbesondere für die Frischbetoneigenschaften
bei der Herstellung
von Beton mit rezyklierter
Gesteinskörnung von Bedeutung,
da durch die erhöhte Wasseraufnahme
im Vergleich zu natürlicher
Gesteinskörnung das Einstellen der
gewünschten Frischbetonkonsistenz
eine Herausforderung darstellt.
Durch eine in den Aufbereitungsprozess
integrierte Zwangskarbonatisierung
können diese negativen Effekte
abgemildert werden.
Die am Institut für Konstruktiven
Ingenieurbau sowie am Institut für
Angewandte Geologie derzeit im
Kompetenzfeld des Nachhaltigen
Bauens laufenden Forschungsprojekte
zeigen das hohe Potenzial
von Betonrecycling zur Ressourcenschonung.
Durch eine gezielte, in
den Aufbereitungsprozess integrierte
Zwangskarbonatisierung kann zusätzlich
zur Ressourcenschonung ein
Beitrag zur Reduktion der Klimawirkung
bei gleichzeitiger Verbesserung
der Eigenschaften der rezyklierten
Gesteinskörnung erzielt und so die
Akzeptanz dieses zukunftsrelevanten
Sekundärbaustoffes gefördert
werden.
Die Autoren forschen und lehren am
Institut für Konstruktiven Ingenieursbau
sowie am Institut für Angewandte Geologie
(Klaus Voit).
38
3/2025
Institut für Konstruktiven IIngenieurbau
Im Prüflabor werden experimentelle Untersuchungen mit höchsten Qualitätsansprüchen durchgeführt
Ziehen, drücken und biegen
Prüflabor und akkreditierte Prüfstelle am Institut
für Konstruktiven Ingenieurbau
Von Oliver Zeman und Johannes Hron
Am Institut für Konstruktiven Ingenieurbau
besteht seit Mitte der
1990er-Jahre ein mechanisches
Prüflabor zur experimentellen
Durchführung von Material- und
Bauteiluntersuchungen.
Seit dem Jahr 2006 ist das Prüflabor
eine akkreditierte Prüfstelle nach
ISO 17025 gemäß dem österreichischen
Akkreditierungsgesetz und
war damit die erste an der BOKU
angesiedelte akkreditierte Konformitätsbewertungsstelle.
Akkreditierung bedeutet in diesem
Sinne den Nachweis durch eine dritte
Stelle, dass eine Einrichtung als
kompetent angesehen wird, Konformitätsbewertungstätigkeiten
durchzuführen.
Wir sind als Prüflabor in
den Fachbereichen Betonbau und
Befestigungstechnik (Fachgebiet 1
beziehungsweise 33 gemäß der
Bauprodukteverordnung) akkreditiert
und unterliegen dadurch einem Begutachtungszyklus
durch die dafür
gesetzlich berufene Stelle Akkreditierung
Austria. Der aktuelle Akkreditierungsumfang
ist für Interessierte
öffentlich einsehbar:
https://www.bmwet.gv.at/Services/
Akkreditierung.html
Unser Ziel ist es, durch Prüftätigkeiten,
begleitende Lehrveranstaltungen
und eine angemessene
Publikationstätigkeit die Kompetenz
unserer Stelle und damit der BOKU
in den betreffenden Fachbereichen
sichtbar zu machen, was sich auch
in einer Vielzahl an experimentellen
Abschlussarbeiten zeigt.
Im Rahmen unserer Prüftätigkeiten
schaffen wir für den Lehr- und
Forschungsbetrieb eine breite
theoretische und praktische Erfahrungsbasis.
Die Ergebnisse unserer
Forschungstätigkeit und der Erfahrungen
aus unserer Prüftätigkeit
3/2025 39
Laborteam am Institut für Konstruktiven Ingenieurbau nach der erfolgreichen Wiederholungsbegutachtung 2025:
Oliver Zeman, Johannes Hron, Michael Schwenn, Duro Petricevic (v. l. n. r.)
möchten wir durch wissenschaftliche
Veröffentlichungen und Vorträge
der Fachöffentlichkeit sowie durch
Technologietransfer in die Forschung,
auch anderer Fachbereiche,
die Praxis sowie in nationale und
internationale Gremienarbeit einfließen
lassen.
Die Akkreditierung ermöglicht
uns als Prüflabor, experimentelle
Untersuchungen mit höchsten
Qualitätsansprüchen durchzuführen.
Voraussetzung ist ein eigenes
Labor-Qualitätsmanagementsystem,
dem unsere Stelle unterliegt. Alle
Prozesse und Verfahren laufen nach
strukturierten Vorgaben ab. Durch
die Anforderungen, die metrologische
Rückführbarkeit der Prüfmittel
und Messtechnik sicherstellen zu
können, erfolgen regelmäßige Kalibrierungen
der Messtechnik, die auf
einem risikobasierten Ansatz intern
beziehungsweise extern durch befugte
Stellen durchgeführt werden.
Diese Ausstattung kommt grundsätzlich
sämtlichen Forschungsvorhaben
zugute, die am Institut für
Konstruktiven Ingenieurbau und an
Instituten mit vergleichbaren Tätigkeitsbereichen
abgewickelt werden.
Konkret werden in unserem Prüflabor
folgende Untersuchungen
regelmäßig durchgeführt, wobei die
Aufzählung Forschungstätigkeiten
wie auch Prüfungen, die im akkreditierten
Bereich erfolgen, enthält:
> Prüfungen an Befestigungselementen
(Bestimmung der
Zug- und Querlasttragfähigkeiten,
Verhalten in Rissen etc.)
> Prüfungen an Gesteinskörnungen
(Zusammensetzung, Sieblinien
etc.)
> Prüfungen zur Bestimmung von
Frisch- und Festbetonparametern
(insbesondere Druck- und
Zugfestigkeiten, Elastizitätsmodul)
> Dauerhaftigkeitsuntersuchungen
an Befestigungen und an Festbeton
> Zug-, Druck- und Biegeversuche
an Werkstoffen und Bauteilen
LINK UND KONTAKT
https://boku.ac.at/lawi/koin/labor
Dr. Oliver Zeman leitet das Prüflabor,
DI Johannes Hron ist stellvertretender
Leiter.
40
3/2025
Sanieren statt stagnieren
Strategien für einen klimafitten Gebäudebestand
Von Magdalena Wolf und Constanze Rzihacek
Der Gebäudesektor ist ein zentraler
Hebel für den Klimaschutz: In
Österreich entfallen etwa ein Drittel
des Endenergieverbrauchs und rund
10 % der Treibhausgasemissionen
auf Gebäude. Besonders der Bestand
ist dabei entscheidend - rund
zwei Drittel aller Gebäude sind älter
als 50 Jahre und treten in eine Phase,
in der umfassende thermische
und energetische Sanierungen notwendig
werden.
Gerade in urbanen Räumen mit großvolumigem
Wohnbau stellen sich
hier komplexe Fragen: Wo findet man
Platz für erneuerbare Wärmequellen
wie Erdsondenfelder oder große Wärmespeicher?
Wie lassen sich effiziente
Niedertemperatursysteme in
bestehende Leitungsnetze integrieren
– und das bei laufendem Betrieb
mit tausenden Bewohner*innen?
Trotz dieser Herausforderungen entstehen
derzeit wegweisende Beispiele.
Leuchtturmprojekte zeigen,
dass auch Wohnanlagen großen
Maßstabs klimafit gemacht werden
können – durch die Kombination
aus Gebäudesanierung, innovativen
Wärmepumpensystemen und sozialwissenschaftlicher
Begleitung.
Das Institut für Verfahrens- und
Energietechnik der BOKU University
begleitet zwei dieser Projekte. Sie
dienen nicht nur der Dekarbonisierung
einzelner Wohnanlagen, sondern
liefern wertvolle Erkenntnisse
für den gesamten Gebäudebestand.
Sani60ies: Fassadenaktivierung
als Schlüssel für effiziente
Gebäude
Um den Gebäudebestand zu dekarbonisieren,
braucht es Alternativen
zu fossilen Heizsystemen. Neben
der Fernwärme gelten Wärmepumpen
als wichtigste Technologie
der Zukunft. Ihr effizienter Betrieb
erfordert jedoch Niedertemperatursysteme
wie Fußboden- oder
Wandheizungen. Diese arbeiten mit
niedrigen Vorlauftemperaturen und
passen ideal zur Funktionsweise
von Wärmepumpen. Die nachträgliche
Installation solcher Systeme
ist jedoch aufwendig: Sie erfordert
bauliche Eingriffe in den Wohnungen
und bringt für die Bewohner*innen
erhebliche Belastungen mit sich.
Konzept der Fassadenaktivierung
Hier setzt das Forschungs- und
Demonstrationsprojekt Sani60ies an.
Ziel ist es, ein Niedertemperatursystem
mit minimalinvasiven Maßnahmen
nachzurüsten. Der innovative
Ansatz: die thermische Aktivierung
der Gebäudehülle. Dazu werden Heizungsrohre
direkt in die Außenwand
eingelassen, mit Mörtel verspachtelt
und anschließend mit einem Wärmedämmverbundsystem
überdeckt.
3/2025 41
Magdalena Wolf
Die Rohre temperieren die Fassade, reduzieren
Wärmeverluste und unterstützen
die bestehende Heizanlage ohne Eingriffe
in die Wohnungen. Nach außen erscheint
die Fassade wie eine herkömmliche thermische
Sanierung, im Inneren wirkt sie
jedoch als großflächiges Niedertemperatursystem.
Die Vorteile auf einen Blick
Abbildung 1: Anbringung der Heizungsrohre in der Fassade in der Eichendorffgasse
Abbildung 2: Detailansicht der befestigten Kunststoffrohre in der Wand, die nachfolgend
mit Mörtel verputzt und mit einem Wärmedämmverbundsystem überdeckt
werden
• Effizienz im Winter
Die temperierte Fassade verhindert
Wärmeverluste und leitet zusätzliche
Wärme in den Innenraum – ein sogenannter
überkompensatorischer
Betrieb.
• Komforterhalt und minimale Eingriffe
Bestehende Radiatoren bleiben erhalten,
werden jedoch mit niedrigerer
Vorlauftemperatur betrieben. Zwar
reduziert sich dadurch ihre Wärmeleistung,
doch gleicht die Fassadenunterstützung
diesen Effekt aus – der
Wohnkomfort bleibt voll erhalten.
• Sommerliche Entwärmung
Die Fassade kann auch im Kühlbetrieb
eingesetzt werden. Mit Vorlauftemperaturen
von 17 bis 21 Grad wird Wärme
aus den Innenräumen abgeführt. Erste
Ergebnisse aus der Großen Neugasse
zeigen vielversprechende Erfolge.
• Breite Anwendbarkeit
Besonders geeignet für mehrgeschossige
Wohnbauten aus den 1950er- bis
1970er-Jahren mit einfachen Fassaden,
die noch nicht thermisch saniert sind.
Pilotprojekte in Wien
Das Demonstrationsprojekt Sani60ies wird
von der BOKU University in Kooperation
mit dem Institute of Building Research &
Innovation ZT-GmbH als Konsortialführung,
VASKO+Partner INGENIEURE als Planungspartner
und der Sozialbau AG als gemeinnützige
Wohnungsaktiengesellschaft
und Gebäudeeigentümerin umgesetzt.
Abbildung 3: Frontansicht des Gebäudes nach Fertigstellung der Arbeiten an der
Fassade in der Eichendorffgasse
Aktuell werden drei Demonstrationsobjekte
realisiert:
• Große Neugasse (4. Bezirk)
Seit zwei Jahren in Betrieb – liefert
erste belastbare Ergebnisse.
• Eichendorffgasse (19. Bezirk)
Inbetriebnahme Frühling 2025.
• Hackenberggasse (19. Bezirk)
Ebenfalls in Betrieb seit Frühling 2025.
42
3/2025
Philipp Stern
Abbildung 4: Projektteam bei der Begehung in der Technikzentrale der Eichendorffgasse kurz vor Inbetriebnahme der Anlage
Damit deckt das Projekt unterschiedliche
Bautypen der 1950er- bis
1970er-Jahre ab, die exemplarisch
für Teile des österreichischen Gebäudebestands
stehen.
Monitoring und Optimierung
Um die Effizienz des installierten
Systems zu überprüfen, wurden in
allen Objekten umfassende Monitoringsysteme
installiert. Neben
den Vor- und Rücklauftemperaturen
des Heizsystems werden auch die
Temperatur der einzelnen Fassadenheizkreise
sowie die Kerntemperatur
der Fassade aufgezeichnet. Zur
Erhebung der Wärmeströme wurden
Wärmemengenzähler installiert. Die
Daten ermöglichen eine detaillierte
Energiebilanz und unterstützen die
Optimierung des Betriebs.
Erste Ergebnisse zur
sommerlichen Entwärmung
Im Entwärmungsbetrieb lag die
Temperatur in der Fassade um rund
zwei Grad unterhalb der Raumtemperatur.
Dadurch floss Wärme aus
den Innenräumen in die Wand und
die Raumtemperatur sank spürbar.
Um den Effekt quantifizieren
zu können, wurden Messdaten mit
und ohne aktiven Kühlbetrieb unter
vergleichbaren klimatischen Bedingungen
– etwa Außentemperatur
und Sonneneinstrahlung – analysiert.
Das Ergebnis: Mit aktivierter
Entwärmung war die Raumtemperatur
im Schnitt um etwa 2 Grad
niedriger als im Vergleichszeitraum
ohne Kühlbetrieb. Deutlich wurde
auch, dass richtiges Nutzer*innenverhalten
– wie gezieltes Nachtlüften
oder Verschattung während des
Tages – das Innenraumklima stark
beeinflusst.
Forschung, Praxis, Zukunft
Sani60ies verbindet angewandte
Forschung mit konkreter Umsetzung.
Für die Gebäudetechnik liefert
das Projekt wichtige Erkenntnisse
über die langfristige Leistungsfähigkeit
von Fassadenheizungen. Für die
Baupraxis entsteht ein Sanierungsansatz,
der sich mit vertretbarem
Aufwand in vielen Gebäuden umsetzen
lässt. Die Idee hat zudem über
Wien hinaus Strahlkraft: In ganz
Europa stehen Millionen Gebäude
der Nachkriegszeit vor der Sanierung.
Die thermische Fassadenaktivierung
könnte zum Schlüssel
werden, um Wärmepumpen im
Bestand flächendeckend einzusetzen
– effizient, bewohner*innenfreundlich
und klimawirksam.
Alterlaa: Dekarbonisierung
einer „Stadt in der Stadt“
Der Wohnpark Alterlaa mit rund
3200 Wohneinheiten und etwa
9000 Bewohner*innen gilt bis heute
als Leuchtturmprojekt des sozialen
Wohnbaus in Wien. Errichtet
zwischen 1973 und 1985 nach den
Plänen des Architekten Harry Glück
durch die GESIBA, verkörpert Alterlaa
das Konzept einer „Stadt in
der Stadt“ mit Infrastruktur, Grün-
3/2025 43
Fotos: GESIBA
Abbildung 5: Blick über den Wohnpark Alterlaa
flächen und sozialem Leben unter
einem Dach. Würde man die Bewohnerschaft
als eigene Gemeinde
zählen, läge Alterlaa in der Größe
auf Rang 95 aller österreichischen
Städte.
Wie viele Gebäude seiner Zeit basiert
die Wärmeversorgung noch
auf fossilen Energieträgern. Derzeit
decken Gaskessel den Bedarf
an Raumwärme, Warmwasser und
Heizungswärme für den Betrieb der
charakteristischen Schwimmbäder.
Der jährliche Gasverbrauch beträgt
etwa 44 Gigawattstunden und der
Heizwärmebedarf liegt bei 60 kWh/
m²a. Damit verbunden ist ein jährlicher
Ausstoß von rund 11.000 Tonnen
CO₂-Äquivalent – eine erhebliche
Klimabelastung.
Ein Leuchtturm für
die Wärmewende
Mit dem Forschungsprojekt Decarb
Alt Erlaa sowie dem daran anschließenden
Umsetzungsprojekt JUNG
Erlaa soll nun demonstriert werden,
wie ein Wohnkomplex dieser Dimension
schrittweise dekarbonisiert
werden kann. Die Strategie beruht
auf zwei Eckpfeilern: einer thermischen
Ertüchtigung der Gebäudehülle
sowie der Umstellung der
Wärmeversorgung auf multivalente
Wärmepumpensysteme. Ziel ist es,
die Systemtemperaturen so weit
zu senken, dass die Wärmepumpen
effizient arbeiten, ohne dass die
Bewohner*innen Komforteinbußen
spüren.
Eckpfeiler 1: Sanierung
der Gebäudehülle
Die Verbesserungen konzentrieren
sich auf energetisch besonders
wirksame Bereiche: Dämmung
von Parapeten, Fensterstürzen
und Terrassenflanken, die Vervollständigung
der Kellerdeckendämmung
sowie der flächendeckende
Austausch der Fenster durch Dreifachverglasung.
Diese Maßnahmen
senken den Heizwärmebedarf
erheblich und bilden die Voraussetzung
für den effizienten
Betrieb der Wärmepumpen.
Eckpfeiler 2: Dekarbonisierung
des Heizsystems
Kern der zukünftigen Wärmeversorgung
ist ein groß dimensioniertes
Erdsondenfeld mit 750 Sonden zu
je 80 Metern Tiefe. Dieses versorgt
dezentrale Geothermie-Wärmepumpen
in den drei Wohnblöcken. Das
System ist bidirektional ausgelegt:
Im Winter liefert es Heizenergie, im
Sommer kann es zur Kühlung und
Entwärmung beitragen.
Ergänzend werden Abwasser- und
Abluft-Wärmerückgewinnungsanlagen
installiert, die sich durch ein
besonders günstiges Temperaturniveau
auszeichnen und eine effiziente
Warmwasserbereitung ermöglichen.
Auch diese Systeme werden
dezentral in den einzelnen Türmen
integriert. Ein engmaschiges Monitoring
mit Sensoren und Messgeräten
begleitet die Umsetzung.
Es dient nicht nur der Effizienzkontrolle,
sondern auch der Optimierung
im Betrieb und der Weitergabe
von Erfahrungen an vergleichbare
Projekte.
44
3/2025
Risikomanagement
von Anfang an
Bereits in der Sondierungsphase
wurde eine umfassende Risikoanalyse
nach der Methode der Fehlermöglichkeits-
und Einflussanalyse
(FMEA) durchgeführt. So konnten
kritische Punkte – von bautechnischen
Details bis hin zu betrieblichen
Fragen – frühzeitig adressiert
werden.
Die Menschen im Mittelpunkt
Die Dimension des Projekts erfordert
eine enge Einbindung der
Bewohner*innen. Neben Informationsveranstaltungen
werden
Dialogformate etabliert, um Erwartungen,
Befürchtungen und mögliche
Stolpersteine frühzeitig sichtbar
zu machen. Eine Musterwohnung
zeigt beispielhaft die umgesetzten
Sanierungsmaßnahmen und macht
Energieeffizienz konkret erfahrbar.
Abbildung 6: Schwimmbecken und Saunabereich im Dachgeschoss der Wohntürme
Klimawirksamkeit der
Sanierungsmaßnahmen
Mit den Maßnahmen soll der spezifische
Wärmeverbrauch von 44
auf rund 10 GWh/a sinken – eine
Reduktion um etwa 77 Prozent. Der
Heizwärmebedarf reduziert sich
auf 28 kWh/m²a. Dadurch können
jährlich mehr als 9000 Tonnen CO₂-
Äquivalent eingespart werden. Das
Projekt zeigt exemplarisch, dass
großvolumiger Wohnbau einen substanziellen
Beitrag zur Erreichung
der Klimaziele leisten kann.
Wissenschaftlich wird das Projekt
neben der BOKU University vom
Institute of Building Research &
Innovation ZT GmbH (Konsortialführung),
wohnbund:consult und
der GESIBA begleitet. Planung und
technische Umsetzung erfolgen
durch VPB Vernetzt Planen + Bauen,
Gebäudetechnik Kainer sowie Larix
Engineering.
Der Start der Umsetzungsphase ist
für 2026 vorgesehen, die Fertigstellung
bis 2029. Alterlaa ist damit
nicht nur ein architektonisches
Abbildung 7: Blick von unten auf die spannende und ausgeklügelte Architektur, basierend
auf Plänen von Harry Glück
Wahrzeichen des sozialen Wohnbaus,
sondern wird auch zu einem
Modell für klimafreundliche Bestandssanierung
im großen Maßstab.
Projektdaten
Sani60ies – Demonstration minimal
invasiver thermischer und energetischer
Sanierung klassischer
Wohnhausanlagen der 1950er- bis
1960er-Jahre, gefördert von der
österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft
im Zuge der
Ausschreibung „Stadt der Zukunft,
8. Ausschreibung 2021“, FFG-Nummer:
FO999889521
Decarb Alt Erlaa – Transformation
des Wohnparks Alt Erlaa zu einem
klimaneutralen Quartier, gefördert
von der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft
im
Zuge der Ausschreibung „Technologien
und Innovationen für die Klimaneutrale
Stadt 2023“, FFG-Nummer:
FO999913485
JUNG Erlaa – Transformation des
Wohnparks Alt Erlaa zum Leuchtturm
der Wärmewende, gefördert
von der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft
im
Zuge der Ausschreibung „Leuchttürme
der Wärmewende 2024“, FFG-
Nummer: FO999929078
Dr. in Magdalena Wolf ist Senior Lecturer,
DI in Constanze Rzihacek wissenschaftliche
Projektmitarbeiterin am Institut für
Verfahrens- und Energietechnik.
3/2025 45
GLASGrün: Vertikales Grün für kühlere
Gebäude und ein besseres Stadtklima
Von Salme Taha Ali Mohamed
RATAPLAN TZ GmbH
Briefer
Verschattung MPREIS in Söll
Mikroklimatische Messeinheit hinter dem Laub
Der steigende Energieverbrauch
durch überhitzte Gebäude, insbesondere
mit großflächigen Glasfassaden,
stellt Städte zunehmend
vor klimatische, ökologische und
wirtschaftliche Herausforderungen.
Ein Forschungsteam um Rosemarie
Stangl vom Institut für Ingenieurbiologie
und Landschaftsbau der
BOKU University hat im Rahmen des
Projekts GLASGrün gemeinsam mit
Partner*innen innovative, vertikale
Begrünungssysteme zur Vorverschattung
von Glasfassaden entwickelt
und erfolgreich getestet.
Mehr thermischer Komfort
durch Pflanzen
Im Fokus von GLASGrün steht die
Entwicklung nachrüstbarer Begrünungssysteme
für erd- bis eingeschossige
Glasfassaden, wie sie
typischerweise bei Büro- und Gewerbebauten
zu finden sind. Durch
standortangepasste Kletterpflanzen
sowie eigens konzipierte Kletterund
Rankhilfen sollen Glasflächen
im Sommer (Juni bis September)
effektiv verschattet werden mit
dem Ziel, die Oberflächentemperaturen
zu senken, das Raumklima
zu verbessern und den Kühlbedarf
spürbar zu reduzieren. „Pflanzen
sind wahre Alleskönner, wenn es um
die Anpassung an den Klimawandel
geht. Sie verbessern nicht nur das
Mikroklima und die Luftqualität,
sondern tragen aktiv zur Energieeffizienz
von Gebäuden bei“, erklärt
Projektleiterin Rosemarie Stangl.
Erprobung an Demonstrationsobjekten
in Wien und Tirol
Anhand zweier realisierter Demonstrationsobjekte
– dem MPREIS Bistro
Söll in Tirol (in Zusammenarbeit
mit dem Architekturbüro Rataplan
Architektur Zt GmbH) und dem
Büroobjekt TB Obkircher in Wien
(in Zusammenarbeit mit lichtblauwagner
Architekten) – wurde das
Projekt getestet. Dabei zeigten sich
eindrucksvolle Ergebnisse: „Schon
im dritten Standjahr lag die pflanzliche
Deckung bei über 90 %, die
solare Einstrahlung auf die Glasflächen
konnte im Sommer somit um
mehr als 90 % reduziert werden. Ergänzende
Messungen belegen auch
eine Erhöhung der Luftfeuchtigkeit
46
3/2025
um rund 10 % – ein entscheidender
Beitrag zur Verbesserung der thermischen
Behaglichkeit“, so Stangl.
Grünverschattungsfaktor
Katharina Mauss
Briefer
Erstmalig konnte aus den erhobenen
Daten ein sogenannter Grünverschattungsfaktor
(Fbs) abgeleitet
werden. Dieser macht den
Verschattungseffekt durch Pflanzen
quantifizierbar und vergleichbar mit
konventionellen technischen Sonnenschutzsystemen.
Damit schafft
GLASGrün die Basis, um Bauwerksbegrünung
künftig in energetischen
Gebäudeausweisen und Planungsrichtlinien
zu berücksichtigen.
BOKU-Forschung mit Weitblick
GLASGrün ist eingebettet in eine
umfassende Forschungsinitiative
des BOKU-Institutes für Ingenieurbiologie
und Landschaftsbau, die
sich der Messbarmachung von Begrünungseffekten
widmet. In den
Projekten HEDWIG und MARGRET
werden unter anderem bestehende
Vertikalbegrünungen sowie Dachbegrünungen
analysiert und unter
dem Lead von IBO in standardisierten
Prüfboxen die Wirkungen junger
Grünsysteme auf das Raumklima
und die Gebäudehülle untersucht.
Dabei entsteht eine fundierte
Datengrundlage, um Begrünung
künftig systematisch in Planungs-,
Bau- und Energieprozesse zu integrieren.
Grüne Infrastruktur als Schlüssel
zur klimagerechten Stadt
Das BOKU-Forschungsprojekt zeigt
eindrucksvoll: „Bauwerksbegrünung
ist nicht nur eine ästhetische Spielerei,
sondern ein entscheidendes
Element für zukunftsfähige Architektur.
Mit messbaren Effekten auf
die solare Einstrahlung, Luftfeuchtigkeit
und Innenraumsituation ist
vertikales Grün ein wirksames Mittel
gegen urbane Überhitzung – und
ein aktiver Beitrag zu mehr Lebensqualität
in unseren Städten“, so
Rosemarie Stangl abschließend. Die
Kennwerte von GLASGrün werden
RATAPLAN TZ GmbH
aktuell in einem Leitfaden zusammengefasst.
Das Projekt GLASGrün wurde gefördert
vom damaligen Bundesministerium
für Klimaschutz, Umwelt,
Energie, Mobilität, Innovation und
Technologie (BMK) sowie von der
Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft
(FFG) im Programm
„Stadt der Zukunft“.
Projektpartner*innen
Institut für soziale Ökologie,
BOKU University
Institut für Bauen und Ökologie
GmbH (IBO)
GRÜNSTATTGRAU Forschungsund
Innovations GmbH (GsG)
RATAPLAN-ARCHITEKTUR ZT GMBH
lichtblauwagner architekten
generalplaner ztgmbh
MPREIS Warenvertriebs GmbH
TB Obkircher OG
LINKS
HEDWIG
https://boku.ac.at/lawi/iblb/news-archiv/
projektstart-hedwig
MARGRET
www.aee-in-tec.at/project/margret-messtechni-sche-erfassung-begruenter-nichtbegruenter-objekte-zur-adaptierung-vonberechnungsmodellen/
Anna Briefer
3/2025 47
Wissenschaft erleben
Von Paulina Vogt
So begeisterten die Kinderunis junge Forscher*innen im Sommer 2025
KinderuniBOKU
KinderuniBOKU 2025 – Stabiles Bauen mit wenig Material
KinderuniBOKU 2025 – Umweltdetektive
KinderuniBOKU 2025
– Wie bekomme ich
Geld für meine Forschungsidee?
KinderuniBOKU 2025 – Können Hundenasen Giftpflanzen aufspüren?
KinderuniBOKU – seit 2009 ein
Standort der KinderuniWien
Gefühlt ist die zweite Juliwoche
immer die heißeste. Nicht so dieses
Jahr, denn es regnet seit dem Wochenende
in Strömen. Doch davon
lässt sich die Neugierde von über
700 Kindern nicht aufhalten.
Und so füllt sich das Ilse-Wallentin-
Haus am 7. Juli mit bunten Farben.
Blau sind die diesjährigen Kinder-
T-Shirts, ebenso jene der Lehrenden,
nur etwas dunkler gehalten.
Die T-Shirts des Organisationssowie
des Studierendenteams sind
rot oder gelb. Sie sollen den Kindern
Orientierung im Gewusel geben.
Bevor es um Punkt neun Uhr mit der
ersten Lehrveranstaltung losgeht,
werden die interaktiven Poster, die
als wissenswerter Zeitvertreib gedacht
sind, bestaunt. Diese werden
jedes Jahr von Studierenden erarbeitet
und stellen wissenschaftliche
Inhalte kindgerecht dar. 2025 geht es
auf den insgesamt acht Plakaten um
Bodenlebewesen, den Wasserkreislauf,
den Aufbau einer Schwammstadt,
barrierefreie Spielplätze, die
Herstellung von Sprudelwasser, die
Dichteanomalie des Wassers, Neophyten
in Wien und um „gute“ und
„schlechte“ Mikroorganismen.
Dann geht es auch schon los mit
der KinderuniBOKU 2025: Die Kinder
erfahren, was „Energiewende“ bedeutet,
tauchen ein in die grüne
Wunderwelt und lernen, wie eine
Hundenase funktioniert und sogar
Giftpflanzen erschnuppern kann.
Fragen, warum Bäume nicht bis in
den Himmel wachsen und wie wir
die Superkräfte von Pflanzen und
Tieren oder die Tricks der Natur nutzen
können, werden beantwortet.
Die jungen Forscher*innen beschäftigen
sich mit Strahlenschutz und
lernen, wie ein Sonnenhaus funktioniert.
Woher unser Essen kommt
und wie wir plastikfreier leben
können, wird ebenso behandelt wie
das Thema Klimawandel und wie
wir das Wetter fühlen, messen und
48
3/2025
KinderuniBOKU 2025
81 BOKU-Lehrende gestalteten 35
Lehrveranstaltungen mit insgesamt
790 Plätzen. Die KinderuniWien ist
ein gemeinsames Projekt von sechs
Wiener Universitäten, einer FH und
dem Kinderbüro der Universität
Wien: www.kinderuni.at
Michael Happl
Junge Uni Waldviertel – Geologie
Anlässlich der Kinder UNI Tulln,
die seit 2014 jeden August stattfindet,
hat die BOKU vom 18. bis
zum 22. August ans UFT geladen
und vermittelt, welche Aufgaben
eine Universität hat, wie Studieren
funktioniert und woran die Wissenschaftler*innen
gerade forschen.
Im Workshop mit Severin und Helga
Neira wurden Kürbisse zu Musikinstrumenten
und im Rollenspiel
erfuhren die Kinder, was Inklusion
bedeutet: www.naturimgarten.at/
kinderuni-tulln-2.html
Ein besonderes Projekt ist die
grenzübergreifende, zweisprachige
Junge Uni Waldviertel-Vysočina, die
2009 ins Leben und in die Region
gerufen wurde. BOKU-Lehrende beteiligten
sich ab 20. Juli an mehreren
Tagen in Raabs an der Thaya
mit Vorlesungen, Workshops und
interaktiven Stationen:
https://www.jungeuni-waldviertel.at
Junge Uni Waldviertel – Steine bestimmen
Junge Uni Waldviertel – Hochwasserschäden
kartieren
verstehen können. Auch erfahren
die Kinder, was es heißt, auf einem
Bauernhof zu arbeiten oder wie
Brückenbau funktioniert. Dann stellt
sich die Frage, worauf wir abfahren
oder wie wir von A nach B kommen,
auch im stolzen Alter von 80 Jahren.
Auch in die Faszination Fassadenbegrünung
können die Besucher*innen
eintauchen und ausprobieren, wie
sie selbst mit wenig Material stabil
bauen können und ob Böden mittels
KI klassifiziert werden können.
Außerdem wird erklärt, womit in
der Arktis geforscht wird, und zum
Schluss verrät eine Fee den Kindern,
wie sie Geld für ihre Forschungsideen
bekommen können.
Nicht nur an der Türkenschanze
herrscht reges Treiben. Auch dieses
Jahr ist die Knödelhütte im 14. Bezirk
wieder Einsatzort der Lehrveranstaltung
„Woher kommen die jungen
Bäume?“. Am Standort Muthgasse
werden hilfreiche Mikroorganismen
in unserem Essen genauer unter
die Lupe genommen und die Kinder
können sich im Chemie-Labor als
Umweltdetektiv*innen betätigen.
Neu ist in diesem Jahr der Wertheimsteinpark
dabei, in dem der
Krottenbach begutachtet wird.
Wir bedanken uns sehr herzlich
bei allen, die bei den Kinderunis
im Sommer 2025 mitgemacht
haben!
KinderuniBOKU 2025 – Am Stadtbach
im Wertheimsteinpark
Paula Voigt ist studentische Mitarbeiterin
bei der KinderuniBOKU.
3/2025 49
→ EPICUR
Vision einer European
University – EPICUR
European Universities vereinen Forschung und Lehre,
um Europas zukünftige Herausforderungen gemeinsam anzugehen.
Von Verena Vlajo, Helin Cakmak, Nora Korp und Alexandra Strauss-Sieberth
BOKU/Christoph Gruber
Im Jahr 2017 stellte der französische
Staatspräsident Emmanuel Macron
in einer Rede an der Sorbonne
Université die Idee vor, European
Universities als Orte zu schaffen,
an denen die europäischen Werte in
gemeinsamer Forschung, Lehre und
Austausch gelebt werden sollen.
Diese Idee wurde von der EU-Kommission
und dem Europäischen Rat
aufgegriffen und konkretisiert.
„Europäische Hochschulen“:
Vision für die Zukunft der
Forschung und Bildung
Die Initiative der European Universities
ist eine langfristige Vision, die
folgende Schlüsselelemente umfasst:
• eine gemeinsame, langfristige
Strategie für Bildung und die Verbindung
zu Forschung, Innovation
und zur Gesellschaft
• ein europäischer, „interuniversitärer“
digitaler Hochschulcampus
• ein Angebot an gemeinsamen,
flexiblen und innovativen Curricula
• flexible Lernmöglichkeiten und
alternative Lernwege für Lernende
in allen Lebensphasen, Disziplinen
und Sektoren
• interdisziplinäres Lernen in europäischen
Teams von Studierenden
und Wissenschaftler*innen mit
Fokus auf die gesellschaftlichen
Herausforderungen
Darüber hinaus sollten die European
Universities schrittweise ihre Fähigkeit
ausbauen, als Modelle guter
Praxis zu fungieren, um die Qualität,
internationale Wettbewerbsfähigkeit
und Attraktivität der europäischen
Hochschullandschaft weiter zu
steigern. 1
Wege zu zukunftsfähigen
Modellen der Zusammenarbeit
Im Rahmen dieser Zusammenarbeit
werden verschiedene innovative und
strukturelle Modelle zur Umsetzung
der langfristigen Vision erprobt.
Diese Modelle haben das Potenzial,
die institutionelle Zusammenarbeit
zwischen Hochschuleinrichtungen
zu verändern und auf eine neue
Ebene zu heben.
Die Allianzhochschulen bündeln
Ressourcen und eigene Stärken, um
50
3/2025
Rektorin Eva Schulev-Steindl
BOKU/Georg Wilke
BOKU goes Europe – gemeinsam Zukunft gestalten mit EPICUR
Die BOKU ist mittendrin im europäischen Uni-Geschehen – und das mit voller Überzeugung!
Als Teil der European University Alliance EPICUR setzt sie ein starkes Zeichen
für internationale Zusammenarbeit, Innovation und Nachhaltigkeit.
Gemeinsam mit acht weiteren Universitäten aus ganz Europa baut die BOKU an einem
lebendigen, offenen Campus über Ländergrenzen hinweg.
Das Ziel: neue Wege in Forschung, Lehre und Weiterbildung zu gehen – und dabei die
Stärken der BOKU gezielt in einem europäischen Kontext einzubringen.
EPICUR macht’s möglich: Ob innovative Lehrformate, flexible Austauschmöglichkeiten
oder gezielte Unterstützung für junge Forscher*innen – die Allianz schafft Raum für
Ideen, Austausch und echte Kooperationen. Und sie gibt der BOKU die Chance, ihre
Rolle als Vorreiterin im Bereich der nachhaltigen Transformation europaweit weiter auszubauen.
Über Förderformate wie Seed Funding und die EPICUR Hubs entstehen spannende
neue Forschungsprojekte – oft initiiert von Nachwuchswissenschaftler*innen, die internationale
Netzwerke aufbauen und gemeinsam an Lösungen für die großen Herausforderungen
unserer Zeit arbeiten.
Für Studierende, Forschende und Mitarbeitende bedeutet EPICUR: Teil eines dynamischen
europäischen Netzwerks werden, neue Perspektiven gewinnen – und die Zukunft
der Hochschulbildung aktiv mitgestalten. Europa denkt vernetzt – wir auch.
einen „europäischen Campus“ zu
entwickeln. Sie etablieren gemeinschaftliche
Governance-Strukturen,
entwickeln Studienangebote und
Microcredentials, realisieren kreative
Projekte mit der Gesellschaft
und schaffen insbesondere neue
Mobilitätsformate und -strukturen.
So soll mindestens 50 % ihrer
Studierenden eine Mobilitätserfahrung
ermöglicht werden – sei es
physisch, virtuell oder hybrid. Das
Ziel besteht darin, einen Austausch
zwischen den Partnereinrichtungen
für Studierende, Forschende und
Verwaltungspersonal zu ermöglichen.
1
EPICUR im Detail
,,European Partnership for an Innovative
Campus Unifying Regions‘‘:
EPICUR zählt zu den 17 Pilot-Allianzen
im Rahmen der EU-Initiative
„European Universities“ (Erasmus+).
EPICUR besteht aus neun Universitäten
in Europa: der Universität für
Bodenkultur Wien (AUT), der Universität
Straßburg (FRA), der Universität
Haute-Alsace (FRA), dem
Karlsruher Institut für Technologie
(DEU), der Albert-Ludwigs-Universität
Freiburg (DEU), der Universität
Süddänemark (DNK), der Aristoteles-Universität
Thessaloniki (GRC),
der Universität Amsterdam (NLD)
und der Adam-Mickiewicz-Universität
(POL). 2
Die EPICUR-Allianz vernetzt 307.000
Studierende, 44.000 Akademiker*innen,
Forschende und administratives
Personal sowie 109
Fakultäten. Neben Englisch werden
sechs weitere Sprachen gesprochen.
3
Kernziele von EPICUR:
1. Entwicklung und Ausweitung von
EPICUR-Lehr- und Lernformaten
2. Förderung von Forschung und Innovation
über nationale Grenzen
hinweg
3. Vorantreiben des gesellschaftlichen
Engagements
4. Förderung der digitalen Transformation
5. Erreichen grenzenloser Mobilität
6. Entwicklung inklusiver und agiler
Governance-Strukturen 3
3/2025 51
Ziele für eine zukunftsorientierte
Forschung und Bildung
Die Vision, eine neue Generation kreativer
und gut ausgebildeter Europäer*innen
über Ländergrenzen hinweg
zusammenzubringen, die sich mit unterschiedlichen
Sprachen den aktuellen
gesellschaftlichen Herausforderungen
unserer Zeit stellen, sowie ein transdisziplinärer
Ansatz im Rahmen mobiler
und innovativer Lehr- und Lernformate
bilden das Fundament der European
University Alliance. 4
Außerdem zielt EPICUR darauf ab, ein
einzigartiges Umfeld für interdisziplinäre
Lehre und Forschung zu schaffen. 5
Dabei sind die digitale Transformation
von Lehrformaten und die Förderung
der Mobilität der Studierenden zentrale
Prioritäten. Die Herausforderung besteht
darin, auf der Grundlage des Konzepts
der inklusiven Exzellenz einen neuen
pädagogischen Ansatz zu entwickeln. 2
Es stehen vor allem kurze Austauschformate
in Präsenz – wie Summer Schools
– sowie digitale oder hybride Lehrformate
im Vordergrund, die es zulassen,
dass sich Studierende via Remote Access
im europäischen Raum vernetzen
können.
Doris Damyanovic, Vizerektorin für Lehre, Weiterbildung und Studierende
BOKU/Christoph Gruber
EPICUR ist ein wegweisendes Beispiel für die Zukunft der europäischen Hochschulbildung.
Als Vizerektorin für Lehre sehe ich in EPICUR eine einzigartige Chance, die Internationalisierung
und Interdisziplinarität in der BOKU-Lehre zu stärken. Durch die enge
Zusammenarbeit von Universitäten aus verschiedenen europäischen Ländern schaffen
wir nicht nur neue Möglichkeiten für Studierende, sondern auch für Lehrende, innovative
und grenzüberschreitende Bildungsformate zu entwickeln und anzubieten.
EPICUR ermöglicht uns, Studierende auf die Herausforderungen einer globalisierten
Welt vorzubereiten, indem wir ihnen Zugang zu einem vielfältigen europäischen Bildungsraum
bieten. Die Förderung von interkultureller Kompetenz und digitalem Lernen
sind dabei zentrale Elemente, die die Lehre nachhaltig bereichern.
Für die BOKU University bedeutet die Teilnahme an EPICUR, dass wir unsere Lehrangebote
weiterentwickeln und international sichtbarer machen können. Gleichzeitig
profitieren wir von einem intensiven Austausch mit unseren Partneruniversitäten, der
uns hilft, Best Practices zu identifizieren und gemeinsam neue Standards in der Hochschulbildung
zu setzen.
Ich bin überzeugt, dass EPICUR nicht nur die akademische Mobilität stärkt, sondern
auch einen wichtigen Beitrag zur Förderung eines europäischen Bewusstseins leistet.
Es ist ein Projekt, das zeigt, wie wir durch Zusammenarbeit und Innovation die Lehre
zukunftsfähig gestalten können.
52
3/2025
Nina Eisenmenger
Wissenschaftliche Forschung in EPICUR
Universitäre Forschung hat nicht nur hohe akademische und gesellschaftliche Relevanz,
sondern ist auch das Fundament für erfolgreiche akademische Lehre. Daher widmet
sich EPICUR neben dem starken Fokus auf Bildung und Lehre auch der Forschung.
Die Schwerpunkte der EPICUR-Forschungsaktivitäten liegen auf der Förderung von
Jungwissenschaftler*innen im Aufbau von internationalen Netzwerken (zum Beispiel
über die EPICUR Hubs oder die EPICommunity) und in niederschwelliger Unterstützung
von Forschungsarbeit und -anträgen, zum Beispiel durch das Format des EPICUR Seed
Funding. Durch die europäische Vernetzung erhalten Wissenschaftler*innen innerhalb
der EPICUR-Allianz außerdem Zugang zu den vielfältigen Forschungsinfrastrukturen
(Labors, Bibliotheken, Archive, Daten und Hochleistungsrechner etc.) an den jeweiligen
Partneruniversitäten.
Aktuelle umwelt- und gesellschaftspolitische Herausforderungen zeigen, dass es innovative
Forschungsansätze braucht, die in inter- und transdisziplinären Teams über
historisch gewachsene wissenschaftliche Grenzen hinausdenken. Challenge-based
research ist ein weiterer Fokus von EPICUR. Forschung zur Nachhaltigkeitstransformation
steht in der Allianz gerade im Fokus, passend zur Kernexpertise der BOKU. Junge
Köpfe, challenge-based research und innovative Formate sollen den Grundstein für
bahnbrechende Forschung ermöglichen, die dann in forschungsgeleiteter Lehre an die
Studierenden vermittelt wird.
Mehrsprachigkeit und Inklusion sollen die
europäische sprachliche Vielfalt festigen und
gleichzeitig allen den Zugang zu Universitätsstudien
ermöglichen. Das Sprachkursangebot
von EPICUR bietet dafür eine gute Basis.
Auch die Forschung soll von der Verbindung der
Partnerunis profitieren. Durch das neue Angebot
des Seed Fundings, einer Anschubfinanzierung
von kleinen Lehr- und Forschungsprojekten,
werden vor allem Jungforscher*innen unterstützt,
sich international zu vernetzen und ihre
Forschung voranzutreiben.
LITERATUR
1 https://eu.daad.de/infos-fuer-hochschulen/programmlinien/
foerderung-von-hochschulkooperationen/europaeischehochschulen/de/66020-europaeische-hochschulen
2 https://archive.epicur.education/our-alliance
3 https://boku.ac.at/epicur/epicur-european-university
4 www.international.uni-freiburg.de/de/epicur?set_language=de
5 https://de.unistra.fr/startseite/ueber-uns/dereuropaeische-hochschulverbund-epicur
LINKS
EPICUR Hubs
https://epicur.edu.eu/research/epicur-hubs
EPICUR Community
www.epicommunity.auth.gr
Seed Funding
https://epicur.edu.eu/research/epicur-seed-funding-scheme
3/2025 53
→ Didaktik
Hybride Lehr- und Lernsettings
Von Alexandra Strauss-Sieberth, Verena Vlajo
Virtuelle Lehr- und Lernformate
haben die universitäre Lehre seit der
COVID-19-Pandemie nachhaltig verändert.
Hybride Lehr- und Lernsettings,
bei denen Studierende sowohl
vor Ort als auch online an Lehrveranstaltungen
teilnehmen können,
bieten neue Möglichkeiten, die Lehre
flexibler, individueller und inklusiver
zu gestalten.
Hybrides Lehr- und Lernsetting:
Kombination aus Präsenz und
Online
Ein hybrides Lehr- und Lernsetting
zeichnet sich dadurch aus,
dass Studierende sowohl physisch
im Hörsaal als auch virtuell über
digitale Plattformen wie Zoom an
einer Lehrveranstaltung teilnehmen
können. Dies erfordert den Einsatz
moderner Technologien, wie einer
studierendenzentrierten Hörsaaltechnik,
sowie ein gut durchdachtes
didaktisches Lehr- und Lernkonzept,
um eine gleichwertige Lernerfahrung
und aktive Teilnahme für beide Studierendengruppen
zu gewährleisten.
Vorteile eines hybriden Lehr- und
Lernsettings: Flexibilität, Inklusion
und digitale Kompetenz
Hybride Lehr- und Lernformate bieten
eine hohe Flexibilität, da Studierende
unabhängig von ihrem Standort
an Lehrveranstaltungen teilnehmen
können. Sie erhöhen die Reichweite
und Zugänglichkeit, wodurch eine
inklusivere Lehre ermöglicht wird, die
auf die Bedürfnisse unterschiedlicher
Statement EPICUR
Die größte Herausforderung bei der Entwicklung und Ausführung des
hybriden Lernraums war sicherlich, die Tätigkeiten der verschiedenen
involvierten Abteilungen zu koordinieren (FM, BOKU IT, Didaktik, EPICUR)
und dabei das Budget und die Timeline im Auge zu behalten. Da die
abteilungsübergreifende Zusammenarbeit aber im Sinne des BOKU-Spirit
sehr gut lief, konnten etwaige Hürden und Hindernisse früh erkannt
und gut umschifft werden, weil wirklich alle an einem Strang gezogen
haben. Vielen Dank daher an die involvierten Abteilungen und Kolleg*innen,
ohne euch wäre das alles nicht so geschmeidig gelaufen!
Durch den Raum werden die internationale Sichtbarkeit und Vernetzung,
aber auch die Innovation in der Lehre maßgeblich gestärkt. Für die Zusammenarbeit
in EPICUR ist der Raum essenziell, da nun gezielt Lehrveranstaltungen
angeboten werden können, in denen innovative und auch
experimentelle Lehrformate mit Einbindung der Partnerunis und deren
Studierenden möglich sind. Die technischen Möglichkeiten des Raumes
sind wirklich super und die BOKU ist damit ein kleines Stückerl mehr
„future proof“ geworden.
Statement BOKU-IT/AV-Technik
Dank der Zusammenarbeit von EPICUR, Lehre sowie Bau- und Projektmanagement
konnte nun auch ein Seminarraum mit Technik für hybride
Lehrformate ausgestattet werden. Der neu ausgestattete Seminarraum
im Ilse-Walentin-Haus ist ein weiterer Erfolg in der Weiterentwicklung
der technischen Infrastruktur. Er fügt sich nahtlos in die Homogenisierungsstrategie
der BOKU-IT ein, die eine einheitliche Ausstattung in
sämtlichen zentral verwalteten Lehrräumen verfolgt. Die eingesetzten
Geräte wie Kamera, Mikrofon und Mediensteuerung entsprechen den
Standards, die bereits in allen Hörsälen installiert sind. Aus Sicht der
BOKU-IT sind vor allem der Wiedererkennungswert der Technik und
ein einheitliches Handling für die Vortragenden wichtig. Der gewohnte
technische Aufbau sorgt somit für Sicherheit im Umgang mit hybriden
(Lehr-)Formaten. Die Integration in das bestehende technische Konzept
wird eine langfristige Wartbarkeit, Zukunftsfähigkeit und Skalierbarkeit
weiterer hybrider Räume an der BOKU gewährleisten.
54
3/2025
Der neue hybride Seminarraum
im Ilse-Wallentin-Haus
BOKU/Christoph Gruber
Lernender eingeht. Dies ist besonders
vorteilhaft für internationale Studierende
oder Personen mit Behinderung.
Gleichzeitig fördern sie die
Entwicklung digitaler Kompetenzen,
die in einer zunehmend digitalisierten
Welt essenziell sind.
Balance zwischen Präsenz
und Online
Hybride Lehr- und Lernsettings
bringen trotz ihrer Vorteile auch
Herausforderungen für die Lehrenden
mit sich. Die technische
Ausstattung muss zuverlässig
funktionieren, um eine reibungslose
Interaktion zwischen Präsenz- und
Online-Teilnehmenden zu ermöglichen.
Zudem besteht die Gefahr,
dass eine der beiden Gruppen
– häufig die Online-Teilnehmenden
– weniger in die Lehrveranstaltung
eingebunden wird. Eine gut
strukturierte Lehreinheit nach dem
Prinzip des Constructive Alignment
ist erforderlich, um Lernergebnisse,
Prüfungsformate sowie Lehr- und
Lernmethoden optimal aufeinander
abzustimmen. Der Einsatz von Tools
wie Breakout-Räume, Umfragesoftware
und digitale Whiteboards
kann dazu beitragen, die Interaktion
zwischen den Teilnehmenden zu
fördern. Dies gewährleistet ein kohärentes
und effektives Lernerlebnis
für die Studierenden. Besonders
in der hybriden Lehre, die Präsenzund
Online-Elemente kombiniert,
ist diese Abstimmung entschei-
3/2025 55
Statement Didaktik
Die wertschätzende und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der
IT Hörsaaltechnik und FM Architekten war einzigartig und hat einen
klaren Mehrwert für die zukunftsorientierte Lehre an der BOKU geschaffen.
Die Herausforderung bestand darin, einen studierendenzentrierten
Seminarraum zu entwickeln, obwohl Technik und Architektur traditionell
stark lehrendenzentriert ausgerichtet sind. Durch intensive Recherche,
sorgfältige Planung und zahlreiche konstruktive Gespräche konnten die
unterschiedlichen Perspektiven erfolgreich zusammengeführt werden.
Das Ergebnis ist ein Seminarraum, der das Beste aus allen drei Welten –
Technik, Architektur und Didaktik – vereint. Hybride Lehr- und Lernsettings
bieten Lehrenden die Möglichkeit, ihre Lehrveranstaltungen flexibler und
inklusiver zu gestalten. Sie ermöglichen es, die Vorteile von Präsenz- und
Online-Lernen zu kombinieren und so den unterschiedlichen Bedürfnissen
der Studierenden und Lehrenden gerecht zu werden. Mit der richtigen Vorbereitung
und den passenden Tools können Lehrende die Vorteile dieser
Formate optimal nutzen und gleichzeitig die Herausforderungen meistern.
In Zukunft könnten technologische Innovationen wie Virtual Reality oder
künstliche Intelligenz hybride Formate weiter bereichern und die Lehre
noch interaktiver gestalten.
dend, um in beiden Lernumgebungen
die gleichen Lernergebnisse zu
erreichen.
Hybrider Seminarraum
ILWA SE 25
Im Rahmen des EU-Projektes
EPICUR wurde ein hybrider, studierendenzentrierter
Seminarraum
im Ilse-Wallentin-Haus (Seminarraum
ILWA SE 25) geschaffen, der
innovative Lehr- und Lernformate
unterstützt. Die Umsetzung
erfolgte in Zusammenarbeit mit
FM Architekten, AV-Technik und
LE Didaktik. Der Raum ist speziell
darauf ausgelegt, hybride Lehrund
Lernmethoden zu fördern
und eine flexible Nutzung für
Präsenz- und Online-Teilnehmende
zu ermöglichen.
Das flexible Raumkonzept und sogenannte
„Meeting OWLs“ ermöglichen
es, auch Gruppenarbeiten
virtuell zu gestalten. Ziel ist es, eine
moderne, interaktive Lernumgebung
zu schaffen, die den Anforderungen
einer zukunftsorientierten Hochschulbildung
gerecht wird.
Statement Architekten
Der Seminarraum SR-25
wurde in einen modernen,
hybriden Lernraum umgestaltet
und mit neuen
Tischen sowie flexiblen
Trennwänden ausgestattet.
Um eine vielseitige Nutzung
und unterschiedliche Aufstellmöglichkeiten
zu gewährleisten,
sind die Möbel
mit Rollen versehen. Somit
kann kurzerhand zwischen
Kleingruppen-, Vortragsund
Besprechungssituationen
variiert werden.
In Zusammenarbeit mit
einem Akustikplaner wurden
die Trennwände der
Raumgröße entsprechend
dimensioniert und schaffen
für jeden Bedarf eine angemessene
Raumakustik.
Je nach Aufstellung werden
sie aneinandergezippt oder
platzsparend ineinandergeschoben.
Einige der Elemente
wurden zusätzlich mit
Whiteboard-Tafeln ausgestattet,
sodass sie nicht nur
als Akustikmaßnahme dienen,
sondern auch kreatives
Arbeiten unterstützen.
Zudem hat eine Elektrofirma
neue Stromanschlüsse
und die notwendige Infrastruktur
für die medientechnischen
Anlagen geschaffen.
Die Entscheidungen für die
einzelnen Maßnahmen wurden
gemeinsam mit allen
Projektbeteiligten getroffen,
um den Raum optimal an
die hybriden Anforderungen
anzupassen.
56
3/2025
→ Lehre
Paluboard
GrüngeDACHt schnell gemacht
Von Selina Wyrwal
BOKU/Christoph Gruber
Das engagierte Team bei der Preisverleihung des BISC-E Wettbewerbs. Der Start-up Preis 2025 wird dem
Paluboard-Team im September 2025 verliehen
Drei Studierende, eine gemeinsame Vision: Städte
nachhaltiger und Dächer grüner zu gestalten. Entstanden
ist daraus das Paluboard – ein leichtes, plastikfreies
Substratpanel für extensive Dachbegrünung.
Entwickelt wurde die Idee in Hannes’ WG-Küche in Kiel,
wo für das Start-up Planterial GmbH mit Küchengeräten
die ersten Prototypen des Paluboards hergestellt
wurden.
Im Rahmen der Sustainability Challenge 2024 haben
wir uns als Team kennengelernt und das Konzept
weiterentwickelt. Das Paluboard besteht aus Paludibiomasse,
also aus Pflanzen, die auf wiedervernässten
Moorflächen wachsen. Es ersetzt herkömmliche
Substrate wie Blähton oder Steinwolle, die in der
konventionellen Dachbegrünung verwendet werden.
Das Ergebnis: Es ist ressourcenschonend, hat einen
geringen CO₂-Footprint und ist einfach zu verlegen. Es
reduziert den Schichtaufbau herkömmlicher Gründachsysteme
und ermöglicht damit eine schnelle, leichtere
und nachhaltigere Installation. Neben ökologischen
Vorteilen wie Wasserretention, Biodiversitätsförderung
und Klimaanpassung bietet das Produkt auch neue
wirtschaftliche Perspektiven für Landwirt*innen. Durch
die Nutzung von Paludikultur – ausschließlich aus
wiedervernässten Moorflächen – wird ein aktiver Beitrag
zu Bodenschutz und Kreislaufwirtschaft geleistet.
Wir sind ein interdisziplinäres Team bestehend aus
Studierenden der Universität Wien, TU Wien und BOKU.
Aktuell arbeiten wir intensiv an zukünftigen Pilotprojekten
sowie an der Weiterentwicklung unseres
Prototyps. Ein besonderer Ort für unsere Arbeit ist die
BOKU:BASE – ein Raum, in dem wir an der Weiterentwicklung
arbeiten können und der wertvollen fachlichen
Austausch mit anderen Start-ups ermöglicht.
Paluboard zeigt, wie interdisziplinäre Zusammenarbeit,
wissenschaftliche Innovation und unternehmerisches
Denken zu konkreten Lösungen für zentrale Nachhaltigkeitsfragen
führen können.
Mit unserem Produkt möchten wir die Dachbegrünung
neu denken und einen wichtigen Beitrag zu resilienten
Städten leisten.
KONTAKT
selina.wyrwal@gmail.com
moin@planterial.de
LINKS
Paluboard: planterial.de
Lehrveranstaltung „Sustainability Challenge“:
https://sc.rce-vienna.at/projekte/projekte-2024-2025/paluboard/
BOKU:BASE: https://base.boku.ac.at/
BISC-E: https://short.boku.ac.at/bisc-e
BOKU Start-up Preis: https://short.boku.ac.at/2og4dy
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→ Gender & Diversity
BOKU Ko-Stelle
Auch in diesem Jahr nimmt die BOKU wieder gut sichtbar an „ORANGE THE WORLD – 16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“ teil
Save the Date!
Awareness Days 2025
Von Matthäa Ritter-Wurnig
Auch in diesem Jahr lädt die BOKU
wieder herzlich zu den Awareness
Days ein, die vom 10. bis zum
27. November 2025 stattfinden
werden. Mit einem abwechslungsreichen
Programm aus Workshops,
Vorträgen, interaktiven Diskussionen
und künstlerischen Formaten
setzen wir erneut ein starkes
Zeichen für Diversität, Gleichstellung
und Inklusion – alles, was eine
Antidiskriminierungskultur und eine
soziale Teilhabe stärkt. Die Awareness
Days bieten eine wertvolle Gelegenheit,
sich intensiv mit diesen
Themen auseinanderzusetzen, neue
Perspektiven zu gewinnen und gemeinsam
an einer gerechteren und
inklusiveren Zukunft zu arbeiten.
Themenschwerpunkte
und Highlights 2025
Das Programm der Awareness Days
2025 ist so vielfältig wie die Themen,
die es behandelt. Hier ein
Überblick über die geplanten Veranstaltungen:
• Österreichische Gebärdensprache
(ÖGS):
Ein besonderer Schwerpunkt
liegt in diesem Jahr wieder auf
der Förderung von Barrierefreiheit
und der Sensibilisierung für
psychische Gesundheit. So wird
58
3/2025
Flyer Workshop Bontu Guschke
beispielsweise der beliebte Basiskurs
zur Österreichischen Gebärdensprache
(ÖGS) sowie das
ÖGS-Cafe in Kooperation mit der
TU Wien erneut angeboten. Der
Kurs richtet sich an Mitarbeitende
und bietet eine Einführung
in die Gehörlosenkultur sowie
praktische Kommunikationsfähigkeiten.
Eingeladen sind alle,
die mehr über die Gebärdensprache
und die Gehörlosenkultur
erfahren wollen oder wissen
möchten, wie sie ihre Kommunikation
mit gehörlosen Menschen
verbessern können.
• Mental Health und
psychische Krisen:
Zu diesen wichtigen Themen
werden in Kooperation mit der
Personalentwicklung, der Didaktik,
den Doc-Schools oder
der ÖH zielgruppenspezifische
Workshops angeboten, die den
Fokus auf Vernetzung, Sensibilisierung
für mentale Gesundheit
und die Entwicklung von
Kompetenzen im Umgang mit
herausfordernden Situationen
legen werden.
• ORANGE THE WORLD – 16 Tage
gegen Gewalt an Frauen und
Mädchen:
Ein zentrales Thema der Awareness
Days ist auch in diesem
Jahr die Kampagne „Orange
the World – 16 Tage gegen Gewalt
an Frauen und Mädchen“.
Am 25. November wird vor dem
Wilhelm-Exner-Haus eine Fahne
gehisst, um ein sichtbares Zeichen
gegen geschlechterbasierte
Gewalt zu setzen. Diese UN-
Kampagne, die jährlich zwischen
dem 25. November, dem „Internationalen
Tag gegen Gewalt an
Frauen“, und dem 10. Dezember,
dem „Internationalen Menschenrechtstag“,
stattfindet, macht
auf eine der am weitesten verbreiteten
Menschenrechtsverletzungen
aufmerksam.
• Vortrag zur Intersektion zwischen
Sexismus und Rassismus:
Im Rahmen der Awareness Days
wird das Thema geschlechterbasierte
Gewalt auch in Form eines
3/2025 59
→ Gender & Diversity
Vortrags aufgegriffen, der sich mit den Schnittstellen von
Sexismus und Rassismus im Hochschulkontext beschäftigt.
Am 27. November wird Bontu Guschke unter dem Titel „Who
Gets to Feel Safe? Who Gets to Speak Up? Understanding and
Addressing the Intersections of Sexism and Racism in Higher
Education“ referieren. Die Moderation übernimmt Josephine
Apraku. Wir freuen uns sehr, dass wir diese beiden renommierten
Expertinnen für die Veranstaltung gewinnen konnten.
Der Vortrag findet online statt und wird durch ein Schriftdolmetsch
ins Deutsche barrierefrei gestaltet.
• Partizipativer Kunst-Workshop:
Ein besonders kreativer Programmpunkt ist der partizipative
Kunst-Workshop, der unter dem Motto „Wäre eine gendergerechtere
Welt auch eine nachhaltigere Welt?“ steht. In diesem
zweitägigen Workshop arbeiten Künstler*innen gemeinsam
mit den Teilnehmenden an einem Kunstwerk, das die Themen
Gender und Nachhaltigkeit miteinander verbindet. Der Workshop
lädt dazu ein, kreative Ansätze für gesellschaftliche
Herausforderungen zu entwickeln, die Ergebnisse werden in
einer Installation präsentiert.
Weitere Programmpunkte
Neben diesen Highlights wird es auch 2025 wieder zahlreiche
weitere Veranstaltungen geben. Dazu gehört neben verschiedenen
Austauschformaten und Netzwerktreffen, die Raum für
Diskussionen und persönliche Gespräche bieten sollen, auch die
Jubiläumsveranstaltung der Koordinationsstelle für Gleichstellung,
Diversität und Behinderung am 24. November.
Teilnahme und Anmeldung
Die Awareness Days stehen allen Interessierten offen – Studierenden,
Lehrenden und Mitarbeitenden der BOKU sowie externen
Gästen. Für einige Veranstaltungen, insbesondere Workshops
und Kurse, ist eine vorherige Anmeldung erforderlich, um die
Teilnahme zu sichern. Die Anmeldung erfolgt über die Website
der Koordinationsstelle. Einige Kurse werden im BOKU-Trainingspass
angerechnet.
Das vollständige Programm sowie aktuelle Informationen und
Anmeldemöglichkeiten zu den Awareness Days 2025 werden ab
Herbst auf der Website der Koordinationsstelle veröffentlicht.
Gemeinsam für Vielfalt und Inklusion
Die Awareness Days sind eine Einladung, sich aktiv mit den Themen
Gleichstellung, Diversität und Antidiskriminierung auseinanderzusetzen.
Sie bieten Raum für Austausch, Weiterbildung und
Inspiration, um gemeinsam an einer gerechteren und inklusiveren
Gesellschaft zu arbeiten. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme
und darauf, gemeinsam mit Ihnen ein Zeichen für Vielfalt und
Chancengerechtigkeit zu setzen!
Im Jahr 2025 feiert die Koordinationsstelle
für Gleichstellung, Diversität und
Behinderung ihr 20-jähriges Bestehen
– ein Meilenstein, der die langjährige
Arbeit für Chancengerechtigkeit, Inklusion
und Diversität an der BOKU
würdigt. Dieses Jubiläum möchten wir
gemeinsam mit Ihnen am 24. November
feiern und laden herzlich zu einem
besonderen Programm ein, das sowohl
virtuell als auch vor Ort stattfindet.
Virtuelles Jubiläum –
eine eigene Webpage zum Feiern
Das Herzstück der Feierlichkeiten
bildet eine eigens gestaltete Jubiläums-Webpage,
die die Geschichte und
Bedeutung der Koordinationsstelle in
den vergangenen zwei Jahrzehnten
beleuchtet. Auf dieser Seite werden
verschiedene Stakeholder*innen zu
Wort kommen, die die Arbeit der Koordinationsstelle
aus unterschiedlichen
Perspektiven würdigen. Persönliche
Statements der Rektorin, des Betriebsrats,
der ÖH und weiterer Akteur*innen
werden die Bedeutung dieser Einrichtung
unterstreichen.
Ein besonderes Highlight der Webpage
ist der Jubiläumsfilm, der unter
dem Motto „120 Jahre KO-Stelle“ nicht
nur die Vergangenheit und Gegenwart
beleuchtet, sondern auch eine Vision
für die Zukunft eröffnet. Der Film lässt
verschiedene BOKU-Angehörige zu Wort
kommen und zeigt ein Bild, eine Vision,
einen Ort, der aus all den Menschen besteht,
die die Arbeit der Koordinationsstelle
geprägt haben. Ergänzt wird das
virtuelle Angebot durch die Veröffentlichung
der neuen Diversitätsstrategie der
BOKU, die anlässlich des Jubiläums präsentiert
wird. Diese Strategie zeigt die
zukünftigen Ziele und Visionen der Koordinationsstelle
auf und unterstreicht
ihre Bedeutung für die Universität.
Darüber hinaus bietet die Webpage die
Möglichkeit, persönliche Glückwünsche
und Botschaften zu hinterlassen. So
können alle, die sich mit der Koordinationsstelle
verbunden fühlen, Teil
dieser besonderen Feier werden und
ihre Wertschätzung ausdrücken.
60
3/2025
20 Jahre Koordinationsstelle für
Gleichstellung, Diversität und
Behinderung – ein Grund zum Feiern!
Das Team der
Koordinationsstelle
hat Grund zum Feiern:
Ela Posch, Matthäa
Ritter-Wurnig, Ruth
Scheiber-Herzog und
Alina Mantzavinatos (v. l.)
BOKU Ko-Stelle
Open House –
gemeinsam feiern vor Ort
Neben dem virtuellen Programm
laden wir Sie am Jubiläumstag zu
einem analogen Teil der Feier ein.
Von 14 bis 16 Uhr öffnet der Festsaal
seine Türen für ein Open House, bei
dem alle herzlich willkommen sind,
mitzufeiern und sich auszutauschen.
Im Festsaal wollen wir gemeinsam
in festlichem Rahmen auf 20 Jahre
Engagement für Gleichstellung und
Diversität anstoßen. Bei Kaffee, Torte
und Sekt haben Sie die Gelegenheit,
mit anderen Gästen ins Gespräch zu
kommen. Die neue Diversitätsstrategie
der BOKU wird vor Ort verteilt
und bietet einen Einblick in die
zukünftigen Ziele und Visionen der
Koordinationsstelle.
Ein weiteres Highlight des Open
House ist die Ausstellung des partizipativ
gestalteten Kunstwerks,
das im Rahmen der Awareness Days
2025 entstanden ist. Dieses Kunstwerk
verbindet die Themen Gender
und Nachhaltigkeit auf kreative
Weise und lädt dazu ein, über die
Schnittstelle von beidem nachzudenken.
Zudem wird der Jubiläumsfilm
vor Ort gezeigt, der die
Geschichte der Koordinationsstelle
lebendig macht und unsere Vision
von „120 Jahre Koordinationsstelle“
eindrucksvoll darstellt.
Ein Grund zum Feiern –
ein Blick in die Zukunft
Das 20-jährige Jubiläum der Koordinationsstelle
ist nicht nur ein
Anlass, um auf die Erfolge der vergangenen
Jahre zurückzublicken,
sondern auch, um die Bedeutung
ihrer Arbeit in der heutigen Zeit und
in Zukunft zu betonen. Gerade in
einer Welt, die zunehmend von Diversität
und Inklusion geprägt ist, in
der diese Errungenschaften jedoch
gleichzeitig auch politisch infrage
gestellt werden, bleibt die Koordinationsstelle
ein unverzichtbarer
Bestandteil der BOKU.
Wir freuen uns darauf, diesen besonderen
Tag mit Ihnen zu feiern
– sei es virtuell auf unserer Jubiläums-Webpage
oder vor Ort im Festsaal.
Gemeinsam möchten wir auf
die vergangenen 20 Jahre zurückblicken,
die Gegenwart würdigen und
die kommenden 100 Jahre willkommen
heißen. Lassen Sie uns gemeinsam
die Zukunft gestalten!
Save the Date: 20 Jahre
Koordinationsstelle –
feiern Sie mit uns!
Jubiläums-
Homepage
3/2025 61
Helmut Habersack bei der Präsentation seines Buches im Hauptquartier der UNESCO in Paris
Wasser ist Leben
UNESCO-Buch WATER IS LIFE von Helmut Habersack anlässlich des
50-jährigen Bestehens des Zwischenstaatlichen Hydrologischen
Programms (IHP) und 60 Jahre UNESCO-Wasserwissenschaften
Wasser ist Leben. Daher ist es von größter Bedeutung
für uns Menschen, eine sichere Trinkwasserversorgung
zu haben, vor Überschwemmungen und Dürren im Zuge
des Klimawandels geschützt zu sein; aber ebenso groß
ist seine Bedeutung für Nutzungen wie Wasserkraft oder
Schifffahrt und Ökologie.
Als globale Anlaufstelle für Wasserfragen feierte die
UNESCO am 11. Juni im Headquarter in Paris das 50-jährige
Jubiläum des Zwischenstaatlichen Hydrologischen
Programms (IHP) und 60 Jahre Wasserwissenschaften
bei der UNESCO.
Die UNESCO hat 1975 das IHP ins Leben gerufen, um
die Wasserwissenschaft und eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung
voranzutreiben. Als einzige zwischenstaatliche
Initiative der Vereinten Nationen, die sich
dem Thema Wasser widmet, setzt sich das IHP unter
anderem für die Sicherung der Trinkwasserversorgung,
den Hochwasserschutz, den Erhalt der Gletscher sowie
die Verbesserung der Wasserqualität ein. Dazu bringt
das Programm führende Wissenschaftler*innen und
politische Entscheidungsträger*innen zusammen, um
Wissen in Maßnahmen umzusetzen, mit denen diese
lebenswichtige Ressource besser verstanden, geschützt
und bewirtschaftet werden kann.
Mit einem einzigartigen Netzwerk aus 29 spezialisierten
Wasserzentren, 79 Universitätslehrstühlen, 18 Flagship
Initiatives und nationalen Komitees in 194 Mitgliedstaaten
treibt das UNESCO-IHP Innovationen voran, stärkt
die Governance und gewährleistet die Wassersicherheit
für künftige Generationen.
Helmut Habersack vom Institut für Wasserbau, Hydraulik
und Fließgewässerforschung der BOKU präsentierte
in Paris als Global Chair des Intergovernmental Council
des IHP das von ihm verfasste Buch „Water is Life“, das
in Kooperation mit Edition Lammerhuber entstand und
von ÖAW, BMFWF, BMLUK und BMEIA unterstützt wurde.
Die BOKU ist damit nicht nur Teil der Rückschau auf fünf
Jahrzehnte wissenschaftlichen und politischen Engagements
für nachhaltiges Wassermanagement, sondern
auch aktiv an der Gestaltung der Zukunft im Umgang mit
globalen Wasserherausforderungen beteiligt.
Die 192 Seiten starke Publikation zeigt die Entwicklung
des IHP in den vergangenen 50 Jahren und stellt die
Wasserfamilie vor, einschließlich der Flaggschiff-Initiativen,
Wasserzentren und Lehrstühle. UNESCO WATER
SCIENCES deckt alle relevanten Themen des IHP IX
(2022–2029) mit dem Strategieplan „Wissenschaft für
62
3/2025
Der Colorado River ist einer der wichtigsten Wasserwege Nordamerikas und erstreckt sich über eine Länge von etwa 2330 Kilometern
von den schneebedeckten Rocky Mountains bis zum Golf von Kalifornien. Er ist ein wichtiger Lieferant von Wasserkraft, mit riesigen
Staudämmen wie dem Hoover Dam und dem Glen Canyon Dam, die Strom für Millionen von Menschen erzeugen, er ist eine wichtige
Wasserquelle für über 40 Millionen Menschen und versorgt große landwirtschaftliche Regionen. Die Mündung des Colorado River wird
aufgrund der Nutzung nicht mehr vom Flusslauf dominiert, sondern vom Ein- und Ausströmen des Meerwassers aus dem Golf von Kalifornien,
wodurch das charakteristische dendritische Entwässerungsmuster entsteht, das auf dem Satellitenbild zu sehen ist
eine wassersichere Welt in einer sich verändernden Umwelt“
ab.
Das Buch ist in drei Hauptkapitel gegliedert: Wasser
ist Leben, Risiken, Lösungen. Das erste Kapitel untersucht
sowohl die tiefgreifende Bedeutung als auch die
Schönheit des Wassers. Flüsse dienen als Symbol für
die immense Kraft, aber auch für die Verletzlichkeit des
Wassers auf der Erde. Erstmals veröffentlichte Fotos von
Flüssen aus dem Weltraum zeigen die atemberaubende
Vielfalt unserer Lebensadern, die uns mit Trinkwasser
versorgen, unsere Wirtschaft stützen und Lebensraum
für unzählige Arten bieten.
Trotz der grundlegenden Bedeutung von Wasser bedrohen
zunehmende Risiken diese lebenswichtige Ressource.
Das zweite Kapitel „Risiken“ befasst sich mit
den Herausforderungen durch den Klimawandel und die
Landnutzung, die zu verheerenden Überschwemmungen
und Dürren beitragen. Das Abschmelzen der Gletscher
und die Wasserknappheit gefährden eine stetig wachsende
Weltbevölkerung. Zusätzliche Bedrohungen wie
Wasser- und Plastikverschmutzung, die Industrialisierung
von Flüssen und die Übernutzung des Grundwassers
gefährden die Zukunft der Menschheit.
Es gibt jedoch Hoffnung. Das dritte Kapitel „Lösungen“
zeigt Strategien und Initiativen auf, mit denen diese
Risiken gemindert werden können. Die UNESCO-Wasserwissenschaften
spielen eine zentrale Rolle bei der
Bündelung wissenschaftlicher Erkenntnisse, um diese
Lösungen zu identifizieren und umzusetzen. Dies wird
anhand der UNESCO-Wasserfamilie veranschaulicht, zu
der die IHP-Flagship-Initiativen, Wasserinstitute und
-zentren sowie Wasserlehrstühle gehören, die alle einen
unschätzbaren Beitrag zur Sicherung einer nachhaltigen
Wasserzukunft leisten.
Helmut Habersack
WATER IS LIFE
50 Years of the Intergovernmental
Hydrological Programme
60 Years of Water Sciences at UNESCO
27 x 27 cm, 192 Seiten, 265 Fotos
Englisch. Hardcover, Leinen gebunden
„French Fold“-Schutzumschlag
ISBN 978-3-903462-23-6
EUR 49,90, Juni 2025
Edition Lammerhuber, eoVision, Maxar Technologies, bereitgestellt von European Space Imaging, 2025
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Einblicke in
das Leben des
Goldschakals
Die Autorin Jennifer Hatlauf spannt den Bogen zwischen Wissenschaft
und Praxis
Haben Sie schon einmal einen Goldschakal gesehen?
Das ist tatsächlich auch in Ihrer Heimatregion möglich!
Der Goldschakal ist ein mittelgroßer Verwandter der
Hunde, der sich in den letzten Jahrzehnten auf natürliche
Weise in Europa ausbreitet. Das ruft gemischte
Reaktionen hervor: Einige betrachten das Tier als
Bereicherung der Biodiversität, während andere es als
potenzielles Problem für Nutztiere oder Wildbestände
sehen. Es wird viel behauptet – aber was ist wirklich
dran? Um dieses Wildtier besser zu verstehen, bietet
die Reihe einen umfassenden Einblick in das Leben des
Goldschakals. Das Buch von BOKU-Forscherin Jennifer
Hatlauf spannt den Bogen zwischen Wissenschaft und
Praxis und bietet neben umfassenden Informationen
auch viel Zusatzmaterial:
Band 1 behandelt unter anderem
wildtierökologische Aspekte wie
• Verbreitung und Lebensräume
• Biologie und Anatomie
• Nahrungsspektrum und Jagd
• Verhalten, Fortpflanzung und Kommunikation
und ist ein Standardwerk für Naturinteressierte,
Jäger*innen und alle, die mehr über den Goldschakal
erfahren möchten.
Die Wildtierökologin Dr. Jennifer Hatlauf beschäftigt
sich seit vielen Jahren mit Goldschakalen und ihrer
Ausbreitung. Sie initiierte 2015 das erste auf diese
Tierart fokussierte Forschungsprogramm in Europa an
der BOKU University am Institut für Wildbiologie und
Jagdwirtschaft und arbeitet in mehreren internationalen
Gremien zum Thema. Sie bringt nun ihr Wissen
aus zahlreichen Fachartikeln und ihre Erfahrung aus
Forschungsreisen gemeinsam mit dem Wissenschaftsvermittler
Dr. Robert Krickl einem breiteren Publikum
nahe.
Jennifer Hatlauf
DER GOLDSCHAKAL
Lebenskünstler auf leisen Pfoten
17 x 24 cm, 264 Seiten, Hardcover
ISBN 978-3-903532-00-7 (Band 1)
35 Euro
Kontakt: office@goldschakal.at
Buchpräsentation: 5. 11. 2025 um 17:00 Uhr
Aula im Schwackhöfer-Haus, Peter-Jordan-Straße 82
Moderation: Univ.Prof. Dr. Klaus Hackländer
Buchbestellung online unter: www.aureus.co.at
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Buchneuerscheinung mit BOKU-Beteiligung
The Danube River and
The Western Black Sea Coast
Complex Transboundary Management
Der von den international anerkannten Expert*innen
Jürg Bloesch, Bernd Cyffka, Thomas Hein, Cristina Sandu
und Nike Sommerwerk herausgegebene Band The
Danube River and The Western Black Sea Coast: Complex
Transboundary Management ist Teil der renommierten
Elsevier-Reihe „Ecohydrology from Catchment
to Coast“, die sich mit den größten Flüssen der Welt
beschäftigt.
Dieses umfassende Buch befasst sich mit dem Einzugsgebiet
der Donau, dem zweitgrößten Fluss in Europa,
und der angrenzenden westlichen Schwarzmeerküste.
Es behandelt eingehend das komplexe Zusammenspiel
zwischen natürlichen und gesellschaftlichen Prozessen,
wobei ein besonderer Schwerpunkt auf einer typischen
Donau-Fischart, den Stören, liegt, die die komplizierten
Verbindungen zwischen Meer und Fluss veranschaulichen.
Das Buch enthält eine informative Einleitung mit dem
Titel „Theory and Practice – Science meets Management“
und eine umfassende Zusammenfassung mit
einem Ausblick mit dem Titel „Towards a sustainability
approach for the socio-ecological system“. Diese Kapitel
bilden den Rahmen für die drei Hauptteile des Buches,
die in 15 Kapitel unterteilt sind.
Diese Kapitel behandeln ausgewählte wissenschaftliche
Aspekte, die wichtigsten Belastungen und die Umsetzung
der Wasserwirtschaft sowie Visionen für eine
nachhaltige Zukunft im Donaueinzugsgebiet und an der
westlichen Schwarzmeerküste.
Wissenschaftler*innen der BOKU sind mit Thomas Hein
als Herausgeber wesentlich für das Buch verantwortlich,
insgesamt acht BOKU-Forscher*innen haben als Autor*innen
in insgesamt sechs der 17 Kapitel zu folgenden
Themengebieten wesentlich beigetragen: Einleitung,
Sedimente, sozialökologische Perspektiven, Ökosystemleistungen,
die Rolle von Auen sowie Ausblick.
Edition: 1
Paperback, 300 pages
ISBN 9780443186868
£115.00 / $150.00 / €130.00
April 2025
3/2025 65
→ Splitter
„Materialwelten“ mit
BOKU-Beteiligung
Die neue Dauerausstellung „Materialwelten“ im
Technischen Museum Wien lädt auf rund 3000 Quadratmetern
dazu ein, Materialien in all ihren Facetten
zu entdecken – von der Rohstoffgewinnung bis zum
Recycling. An 13 Themeninseln mit über 400 Exponaten
wird sichtbar, wie sehr Materialien unseren Alltag
prägen. Auch Forschende der BOKU University haben
ihre Expertise eingebracht.
BOKU University
Friederike Frieß in
UN-Expertengremium
berufen
Mit großer fachlicher Anerkennung wurde Friederike
Frieß, Senior Researcher am Institut für Sicherheitsund
Risikowissenschaften der BOKU University, von
UN-Generalsekretär António Guterres in ein neu eingerichtetes
unabhängiges wissenschaftliches Expertengremium
berufen. Dieses Gremium soll die physischen,
gesellschaftlichen und ökologischen Folgen
eines möglichen Einsatzes von Kernwaffen auf lokaler,
regionaler und globaler Ebene untersuchen.
Der Auftrag des internationalen Gremiums, das aus
21 international renommierten Wissenschaftler*innen
unterschiedlicher Fachrichtungen besteht, ist
von höchster Relevanz: Es ist das erste umfassende
UN-Gutachten zu den Auswirkungen eines Atomkrieges
seit der letzten Querschnittsstudie im Jahr 1988.
Die Analyse wird unter anderem die Auswirkungen auf
die öffentliche Gesundheit, globale sozioökonomische
Systeme, Landwirtschaft und Ökosysteme beleuchten
– sowohl in den unmittelbaren Tagen und Wochen
nach einem nuklearen Ereignis als auch mit Blick auf
die langfristigen Folgen über Jahrzehnte hinweg. Der
Abschlussbericht wird der UN-Generalversammlung
im Jahr 2027 vorgelegt.
Im Bereich „Kunststoffe“ zeigt die Ausstellung zukunftsweisende
Wege des Recyclings. Ziel ist es,
Kunststoffe bereits beim Design so zu gestalten, dass
sie leichter wiederverwertet werden können. Doris
Ribitsch und Georg Gübitz vom Institut für Umweltbiotechnologie
an der BOKU forschen an Mikroorganismen,
die Kunststoffe mithilfe von Enzymen abbauen.
Diese Enzyme zerlegen Plastik in seine Grundbausteine
– und ermöglichen es, daraus neue Kunststoffe
herzustellen, ganz ohne Qualitätsverlust. Zu sehen
sind unter anderem Kosmetikverpackungen aus 100 %
recyceltem PET sowie essbare oder kompostierbare
Verpackungen aus Algen.
Mehr Infos zur Ausstellung:
technischesmuseum.at/ausstellung/
materialwelten
Georg Gübitz und
Doris Ribitsch
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BOKU-Staffel beim Vienna
City Marathon 2025
Am 6. April war es wieder so weit: Der Vienna City
Marathon (VCM) lockte tausende Laufbegeisterte aus
aller Welt in die österreichische Hauptstadt. Mit dabei
war auch ein engagiertes Staffelteam der BOKU, das
mit sportlichem Einsatz und Teamgeist die Universität
würdig repräsentierte.
Auszeichnung für
Christian Dorninger
Renommierter Bina-Agarwal-Preis
Christian Dorninger vom Institut für Soziale Ökologie
ist in Oslo mit dem renommierten Bina-Agarwal-Preis
ausgezeichnet worden. „Seine Arbeit ist
nicht nur ein bedeutender Beitrag zur Ökologischen
Ökonomie, sondern hatte auch Einfluss, der
über den akademischen Bereich hinausgeht. Seine
Forschungsergebnisse flossen auch in das Hintergrundpapier
für den Bericht der UNCTAD über die am
wenigsten entwickelten Länder 2022 ein“, hieß es in
der Begründung der Jury.
Der Bina-Agarwal-Preis ist ein internationaler Preis,
der alle zwei Jahre für herausragende Forschungsleistungen
im Bereich der Ökologischen Ökonomie
an Wissenschaftler*innen unter 45 Jahren (Männer)
beziehungsweise unter 48 Jahren (Frauen) verliehen
wird.
Der Preis wurde von der International Society for Ecological
Economics (ISEE) ins Leben gerufen, um wegweisende
intellektuelle Beiträge auf dem Gebiet der
Ökologischen Ökonomie zu würdigen, die heute von
entscheidender Bedeutung für die weltweiten Bemühungen
um die Verbesserung des menschlichen Wohlergehens
und der ökologischen Nachhaltigkeit unter
Wahrung der sozialen Gerechtigkeit ist. Der Preis ehrt
junge Wissenschaftler*innen, die einen bedeutenden
Beitrag zu diesem interdisziplinären Gebiet geleistet
haben, wobei der Schwerpunkt auf den Entwicklungsund
am wenigsten entwickelten Ländern liegt.
Link zur Preisverleihung
https://isee-degrowth2025.no/recordings1/awardsceremony
Das Team setzte sich aus Mitarbeiter*innen des
Forschungsservice und der Rechtsabteilung zusammen:
Martina Ragoner, Manuel Orasch und Constanze
Hartmann (alle Forschungsservice) sowie Tanja Valenta
(Rechtsabteilung) gingen gemeinsam an den Start.
Mit viel Motivation und monatelanger Vorbereitung
stellten sie sich der Herausforderung und meisterten
die Strecke mit Bravour: Mit einer Zeit von 04:07:09
unterboten sie den bisherigen BOKU-Staffel-Rekord
um 20 Sekunden.
Die Teilnahme des BOKU-Teams am VCM 2025 zeigt
einmal mehr, dass die Universität nicht nur in Forschung
und Lehre, sondern auch im sportlichen
Bereich aktiv ist. Der Vienna City Marathon bot eine
ideale Plattform, um einige Werte der BOKU – Engagement,
Zusammenarbeit und Ausdauer – auf eine ganz
besondere Weise zu leben und sichtbar zu machen.
Wir gratulieren dem Team herzlich zu dieser Leistung
und freuen uns schon auf die nächsten sportlichen
Abenteuer der BOKU-Community!
Martina Ragoner und
Manuel Orasch
Constanze Hartmann
und Tanja Valenta
3/2025 67
Forschung an der BOKU
University hautnah erleben
Von Johannes Ehrlinger, Mara Luef und Marc Trattnig
BOKU4you
Schüler*innen modellieren einen Versuch im Wasserbaulabor
Klimawandel, knappe Ressourcen,
die grüne Transformation der
Industrie: Der Handlungsbedarf ist
groß und die Nachfrage nach Life-
Sciences-Expert*innen noch größer.
Doch was bedeutet es, eine*r von
diesen Expert*innen zu sein und wie
wird man das? Diese Frage kann ein
Besuch in der Wirkungsstätte von
Absolvent*innen der BOKU oder an
der Universität selbst beantworten.
Von der Klimawandelanpassung im
öffentlichen Raum über das Recycling
von Häusern bis hin zur biotechnologischen
Produktion von
Medikamenten: Forscher*innen und
Absolvent*innen der BOKU University
sind in allen zukunftswirksamen
Fachbereichen tätig. Im Projekt
Wissen|schafft|Zukunft geben sie
Schulklassen Einblick in ihre Arbeit
– sei es bei der Exkursion ins BOKU
Wasserbaulabor an der Donau, auf
den Straßen der Stadt oder in der
eigenen Schule.
BOKU-Programm für Schulen
Das Programmangebot von
Wissen|schafft|Zukunft umfasst
derzeit 32 verschiedene Exkursionen,
Workshops und Vorträge und
richtet sich an Schüler*innen der
9. bis 13. Schulstufe. Ziel ist es,
Schüler*innen der Oberstufenklassen
für die BOKU-Themen zu
begeistern, Wissen zu vermitteln
und die zukunftsorientierten Stu-
dienrichtungen durch spannende
Angebote und interessante Werdegänge
von BOKU-Absolvent*innen
bekannt zu machen. Die BOKU ist
die einzige Universität in Österreich,
die ihre gesamte Forschung
und Lehre auf Life Sciences ausgerichtet
hat – diese Spezialisierung
macht die BOKU University zu einer
der führenden Universitäten für Life
Sciences in Europa.
Themen, die Absolven*tinnen
und Schüler*innen begeistern
Ob Klimaschutz, nachhaltige
Stadtentwicklung oder der Schutz
einzigartiger Naturflächen – die
Themen, die heute Schüler*in-
68
3/2025
Vortrag im Bundesund
Realgymnasium Erlgasse
Schüler*innen auf Exkursion bei Helmut Habersack im BOKU-Wasserbaulabor
nen bewegen, sind genau jene, an
denen unsere Absolvent*innen
tagtäglich arbeiten. Sie gestalten
in den Magistratsabteilungen
der Stadt Wien eine lebenswerte
Zukunft, engagieren sich im Biosphärenpark
Wienerwald oder
bringen ihr Know-how in Unternehmen
der Privatwirtschaft ein.
Im Projekt Wissen|schafft|Zukunft
geben sie gemeinsam mit Lehrenden
der BOKU spannende Einblicke
in diese Berufsfelder, direkt und
praxisnah in den Klassenzimmern,
an der BOKU oder mitten in den
Projektgebieten vor Ort. So werden
Forschung, Lehre und Karrierechancen
lebendig miteinander
verknüpft.
Wer selbst gerade dabei ist, den
nächsten Karriereschritt zu setzen,
sollte sich den Masterinfo- und
Karrieretag „Dein Master. Deine
Stadt. Deine Zukunft.“ mit der
Stadt Wien am 12. November 2025
(13–18 Uhr, Ilse-Wallentin-Haus,
Seminarraum 29) vormerken. Dort
warten spannende Perspektiven in
den vielfältigen Handlungsfeldern
der BOKU – von Forschung über
Verwaltung bis zur Privatwirtschaft
– mitten in einer Stadt, die nachhaltige
Innovation lebt.
https://short.boku.ac.at/
WissenSchafftZukunft
Sie sind Lehrende*r oder Absolvent*in
der BOKU und möchten
sich am Projekt Wissen|schafft|
Zukunft beteiligen?
Wir freuen uns immer über neue
Beiträge – besonders aus den Bundesländern!
Mit Ihren Kursangeboten
für Schüler*innen geben Sie
Einblicke in aktuelle Fachthemen
und zeigen praxisnahe Berufswege
auf. So tragen Sie dazu bei,
junge Menschen für Ihre Disziplin
zu begeistern und den Austausch
zwischen Schule, Universität und
Berufswelt zu stärken.
Schreiben Sie uns:
boku4you@boku.ac.at
3/2025 69
Am 29. Oktober starten
wieder die Masterinfotage
an der BOKU University
Masterinfotage an der BOKU University
Von Mara Luef
Nach dem Bachelor ist vor dem Master! Wer
gerade dabei ist, den nächsten Karriereschritt
zu planen oder direkt in ein neues Masterstudium
zu starten, sollte sich die Mittwoche in
den kommenden Monaten vormerken. Jeweils
an einem Mittwoch im Monat werden verschiedene
Masterstudien der BOKU University vorgestellt
und Interessierte erhalten spannende
Einblicke in Studieninhalte, Forschungsschwerpunkte
und Karrierechancen. Studierende,
Absolvent*innen und Lehrende berichten aus
erster Hand und beantworten Fragen rund um
das Studium. Organisiert und begleitet wird die
Veranstaltungsreihe von BOKU4you, der Studienwahlberatung
der Universität.
Ein besonderes Highlight der Masterinfotage
wird der kombinierte Masterinfo- und Karrieretag
mit der Stadt Wien „Dein Master. Deine
Stadt. Deine Zukunft.“ sein. Dieser findet am
12. November 2025 im Ilse-Wallentin-Haus,
Seminarraum 29 statt und vereint die inhaltliche
Vorstellung der Masterprogramme mit
Einblicken und Erfahrungsberichten von Absolvent*innen
dieser Studien, die bei der Stadt
Wien angestellt sind. Parallel dazu bieten
Infostände der Stadt Wien persönliche Beratung
zu Einstiegsmöglichkeiten, Praktika und
Karrierewegen. Zum Abschluss lädt die BOKU
University zu einem Wein-Ausklang und informellen
Austausch ein.
KOMMENDE VERANSTALTUNGEN
Termine Ort Vorgestellte Masterstudien
29. 10. 2025 Schwack- Applied Limnology
14–18 Uhr höferhaus, Limnology & Wetland Management
Seminar- Natural Resources Management and
raum 06 Ecological Engineering (NARMEE)
Environmental Science. Soil, Water,
Biodiversity (EnvEuro)
International Master in Soils
and Global Change (IMSOGLO)
12. 11. 2025 Ilse-Wallentin- Landschaftsplanung und
13–18 Uhr Haus, Seminar- Landschaftsarchitektur
raum 29 Umwelt- und Bioressourcenmanagement
Water Management and
Environmental Engineering
Kulturtechnik und Wasserwirtschaft
17. 12. 2025 Schwack- Phytomedizin
14–18 Uhr höferhaus, European Master in Animal Breeding
Seminar- and Genetics (EMABG)
raum 06 Animal Biodiversity and Genomics
Nutzpflanzenwissenschaften
Nutztierwissenschaften
70
3/2025
BOKU Nachhaltigkeitstag 2025
Renaturierung und Biodiversität im Fokus
Von Julia Buchebner und Lisa Bohunovsky
BOKU Nachhaltigkeitspreis:
Jetzt noch
schnell einreichen!
Im Rahmen der Abendveranstaltung werden
auch wieder die BOKU Nachhaltigkeitspreise
in vier Kategorien vergeben:
1. Forschung – Dissertationen,
Publikationen, Forschungsprojekte
2. Forschung – Masterarbeiten
3. Bildung für nachhaltige
Entwicklung
4. Ökologische und soziale
Verantwortung
Am 13. November 2025 ist es wieder so weit: Die BOKU lädt zum
jährlichen Nachhaltigkeitstag, diesmal unter dem Motto „Renaturierung
und Biodiversität: Nachhaltige Lösungen für morgen“. Damit
widmet sich der Tag einem der drängendsten Themen unserer Zeit:
dem Schutz und der Wiederherstellung der biologischen Vielfalt. Die
biologische Vielfalt ist essenziell für stabile Ökosysteme und das
menschliche Wohlergehen. Doch Klimawandel, Lebensraumverlust
und menschliche Aktivitäten bedrohen weltweit unzählige Arten. Der
BOKU Nachhaltigkeitstag 2025 widmet sich diesen Herausforderungen,
setzt ein Zeichen für die Bedeutung proaktiver Maßnahmen zur
Erhaltung von Ökosystemen und zeigt konkrete Handlungsoptionen
auf – lokal wie global.
Ein Tag voller Inspiration und Austausch
Der Nachhaltigkeitstag ist seit 2015 ein fester Bestandteil der BOKU
Nachhaltigkeitsstrategie. Er bietet ein vielfältiges Programm aus
wissenschaftlichen Vorträgen, interaktiven Workshops, spannenden
Diskussionen und der feierlichen Verleihung der BOKU Nachhaltigkeitspreise.
Das diesjährige Programm umfasst unter anderem:
• Keynote von Alice Vadrot (Institut für Politikwissenschaften,
Universität Wien), die der Frage nachgehen wird, wie es gelingen
kann, von kleinen, lokalen Biodiversitätsprojekten in die Breite zu
kommen und damit etwas im großen Maßstab zu ändern.
• Bäuerinnen-Kabarett „Miststücke“, das mit Humor und Tiefgang
den Vormittag bereichert.
• 2 x 5 Parallelsessions, die sich spezifischen Aspekten des
Schwerpunktthemas widmen, zum Beispiel Partizipation in Biodiversitätsprojekten
oder Berufsbilder im Bereich Biodiversität.
Hier treffen wissenschaftliche Erkenntnisse auf praktische Anwendungen.
• Interaktive Workshops und Ausstellungen, die zum Mitmachen
und Diskutieren einladen.
Die Gewinner*innen dürfen sich über
Preisgelder von bis zu 1000 Euro sowie
eine handgefertigte Lehmtrophäe von
einem BOKU-Alumni freuen. Die Einreichfrist
endet am 26. September 2025 – eine
Einreichung geht sich also noch aus! Alle
Informationen finden Sie unter: boku.ac.at/
nachhaltigkeit/boku-nachhaltigkeitspreis
Gemeinsam für eine nachhaltige
Zukunft
Der Nachhaltigkeitstag zeigt die BOKU als
Vorreiterin in Nachhaltigkeitsforschung
und -bildung und macht deutlich: Nachhaltigkeit
ist eine Chance, neue Wege zu
gehen, kreative Lösungen zu entwickeln
und gemeinsam eine lebenswerte Zukunft
zu gestalten. Seien Sie dabei und lassen
Sie sich inspirieren!
Wenn Sie für Ihre Lehrveranstaltung die
Möglichkeit sehen, integrieren Sie doch
den BOKU Nachhaltigkeitstag in Ihren
Semesterplan und geben den Studierenden
damit die Möglichkeit, die Breite an
Beiträgen der BOKU zu Biodiversität und
Renaturierung zu erleben.
Hier geht es
zum Programm
3/2025 71
Starke Forschung braucht
starke Infrastruktur
Kooperative Forschungsinfrastrukturen an der BOKU
Von Christian Obinger
Die BOKU University verfolgt das
Ziel, exzellente Forschung und Lehre
mit gesellschaftlicher Verantwortung
zu verbinden. Ein zentrales Element
dieser Entwicklung ist der gezielte
Ausbau kooperativer Forschungsinfrastrukturen.
Die Grundlage für
dieses strategische Vorhaben bilden
der Gesamtösterreichische Universitätsentwicklungsplan
(GUEP 2025–
2030) sowie der Entwicklungsplan
2030 der BOKU. Im Systemziel 2 des
GUEP 2025–2030 ist festgehalten,
dass die Grundlage für exzellente
und wettbewerbsfähige Forschung
eine leistungsfähige, serviceorientierte
und internationalen Standards
entsprechende Forschungsinfrastruktur
ist, die universitäts- und
standortübergreifend anzuschaffen
und kooperativ zu nutzen ist. Die
BOKU University hat bereits 2019
begonnen, diesen Weg zu beschreiten
und BOKU Core Facilities zu
etablieren.
BOKU Core Facilities bündeln modernste
wissenschaftliche Geräte,
Technologien und Kompetenzen, um
sie innerhalb der Universität sowie
externen Partner*innen zur Verfügung
zu stellen. Zudem fungieren Core
Facilities als Orte des wissenschaftlichen
Austauschs und der Vernetzung
von Forscher*innen aus verschiedenen
Disziplinen und schaffen
klare Qualitätsstandards, einheitliche
Methodenprotokolle und standardisierte
Datenerfassung.
Die Mitarbeiter*innen der Core
Facilities sind spezialisierte Wissenschaftler*innen
und Techniker*innen
und bieten intensive
methodische Unterstützung.
Die Core Facilities der BOKU stehen
nicht nur der Forschung, sondern
auch der universitären Lehre zur
Verfügung. Studierende erhalten
Zugang zu modernsten Technologien
und lernen den Umgang mit
Geräten, die sonst nur in spezialisierten
Forschungseinrichtungen
oder der Industrie verfügbar
wären. Dies fördert eine praxisnahe
Ausbildung und macht die Absolvent*innen
der BOKU auf dem
Arbeitsmarkt besonders wettbewerbsfähig.
Auch in der Drittmittelakquise wirkt
sich eine gebündelte und sichtbare
Infrastruktur positiv aus. Projekte
mit Beteiligung von Core Facilities
sind durch die vorhandene Infrastruktur
oft besser positioniert –
etwa im Rahmen von EU-Projekten,
FFG-Initiativen oder Forschungskooperationen
mit der Industrie.
Ein weiterer Vorteil der kooperativen
Infrastruktur liegt in der
nachhaltigen Nutzung von Ressourcen.
Durch die gemeinsame
Nutzung von Geräten und Laborflächen
wird nicht nur der ökologische
Fußabdruck reduziert, sondern
auch eine langfristige Investitionssicherheit
geschaffen. Die gezielte
Weiterentwicklung der BOKU Core
Facilities entlang der im Entwicklungsplan
2030 definierten Kompetenzfelder
schafft Klarheit über
Prioritäten und Investitionsbedarfe.
Mit Stand August 2025 sind an der
BOKU acht Core Facilities etabliert:
• Biomolecular & Cellular Analysis
https://boku.ac.at/cf/bmca
• Food & Bio Processing
https://boku.ac.at/cf/fbp
• Multiscale Imaging
https://boku.ac.at/cf/msi
• BioIndustrial Pilot Plant
https://boku.ac.at/cf/bipp
• Mass Spectrometry
https://boku.ac.at/cf/ms
• Analysis of Lignocellulosics
https://boku.ac.at/cf/alice
• Bioactive Molecules – Screening
and Analysis
https://boku.ac.at/cf/bmosa
• Bioinformatics
https://boku.ac.at/cf/binf
In diesen Einrichtungen wurde bereits
die Gerätebuchungssoftware
PPMS (Pasteur Platform Management
System) flächendeckend eingeführt
und mit den Buchhaltungs- und
72
3/2025
BOKU University
BOKU Core Facilities bündeln modernste wissenschaftliche
Geräte, Technologien und Kompetenzen, um sie innerhalb der
Universität sowie externen Partner*innen zur Verfügung zu stellen.
Fakturierungssystemen der BOKU
verknüpft, um die Rechnungslegung
für die verschiedenen Förder- und
Auftraggeber*innen zu vereinfachen.
Aktuell wird an der Etablierung
der BOKU Core Facility Landscape
Innovation Lab gearbeitet. Diese
Einrichtung hat das Ziel, raum- und
landschaftsbezogene Forschung
innovativ voranzutreiben und die
BOKU in diesem Forschungsbereich
sichtbar zu stärken.
Die Umsetzung einer weiteren CF im
Bereich Materialcharakterisierung
am Standort Türkenschanze wird
2026 in Angriff genommen.
Die BOKU hat sich im EP 2030 verpflichtet,
Forschungsinfrastrukturen
in den Bereichen Agrarwissenschaften
sowie Wald- und Bodenwissenschaften
zu etablieren bzw.
auszubauen. Aus den Standorten
Versuchswirtschaft Groß-Enzersdorf
und Lehrforstzentrum Rosalia sollen
die kooperativen Forschungsinfrastrukturen
BOKU Research & Training
Farm sowie BOKU Research &
Training Forest entwickelt werden.
Für beide Infrastrukturen wird die
Vernetzung mit europäischen Infrastrukturen
essenziell sein, um qualitativ
hohe Standards zu sichern,
Messmethoden und -technologien
nachhaltig weiterzuentwickeln und
den Zugang zu den Daten im Sinne
von Open Science zu ermöglichen.
Es ist das Ziel, beide BOKU-Forschungsinfrastrukturen
im Rahmen
von ESFRI – European Strategy
Forum on Research Infrastructures –
in die europäische Infrastruktur
für ökologische Langzeitforschung
– eLTER RI, Integrated European
Long-Term Ecosystem, critical zone
and socio-ecological system Research
Infrastructure – zu integrieren.
LINKS
BOKU Core Facilities
https://boku.ac.at/cf
ESFRI European Strategy Forum
on Research Infrastructures
www.esfri.eu
GUEP 2025–2030 –
Gesamtösterreichischer
Universitätsentwicklungsplan
Entwicklungsplan 2030
der BOKU
Univ.Prof. Mag. Dr. Christian Obinger ist
Vizerektor für Forschung und Innovation.
3/2025 73
Gemeinsam statt einsam:
Wege zu leistbarem,
solidarischem Wohnen
Changemaker*innen-Frühstück
der BOKU:BASE
Von Maximilian Roitner
Am 11. Juni 2025 lud die BOKU:BASE
zum Changemaker*innen-Frühstück
unter dem Motto „Gemeinsam
statt einsam: Wege zu leistbarem,
solidarischem Wohnen“. Bei Croissants
und Kaffee diskutierten rund
15 Teilnehmende über die Frage, wie
solidarisches, klimagerechtes und
gemeinschaftliches Wohnen jenseits
der klassischen Eigentumslogik
möglich sein kann – und was es
dafür braucht.
Nach einer kurzen Begrüßung und
einem interaktiven Einstieg zur
Frage „Was bedeutet Solidarität im
Wohnen für euch?“ stellten sich
zwei inspirierende Wohninitiativen
vor:
SchloR – Schöner leben ohne
Rendite ist ein selbstverwaltetes
Wohn- und Kulturprojekt in Wien-
Simmering. Organisiert im habiTAT-
Netzwerk, setzt SchloR auf kollektives
Nutzungseigentum statt Privateigentum
und schafft niederschwellige
Räume für kreatives Arbeiten,
soziales Miteinander und kulturellen
Austausch. Das Projekt versteht sich
als konkrete Utopie für ein gutes
Leben jenseits von Profitlogik und
Spekulation.
Living for Future ist ein junger Verein,
der mit seinem unverkäuflichen
Wohnhausprojekt langfristig günstigen
und ökologisch nachhaltigen
Wohnraum schaffen will. Wohnen
wird hier als gemeinschaftliche
Praxis verstanden – mit Fokus auf
klimagerechtes Bauen, solidarische
Nachbarschaft und bewussten
Alltag. Im anschließenden Gespräch
wurden viele praktische und
strukturelle Fragen behandelt: Wie
startet man ein gemeinschaftliches
Wohnprojekt? Welche Rolle spielen
Finanzierung, Eigentumsstrukturen
oder das Mietshäuser Syndikat?
Wie wird der Alltag organisiert, wer
trifft Entscheidungen – und wie
lassen sich Konflikte, Machtverhältnisse
oder Ausschlüsse reflektieren?
Besonders spannend war die
Auseinandersetzung mit politischen
und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen:
Welche Rolle könnten
gemeinwohlorientierte Wohnformen
in der Stadtentwicklung der Zukunft
spielen? Was müsste sich auf
Ebene von Politik und Förderung
ändern, um solidarisches Wohnen
breiter möglich zu machen? Die
offene, wertschätzende Atmosphäre
der Gesprächsrunde ermöglichte
nicht nur tiefgehende Diskussionen,
sondern auch persönliche Auseinandersetzung
mit eigenen Wohn-
74
3/2025
BOKU:BASE
Changemaker*innen-Frühstück der BOKU:BASE
bedürfnissen, Visionen und ganz
konkreten nächsten Schritten. Die
Abschlussrunde zeigte: Viele Teilnehmende
gingen inspiriert und mit
dem Wunsch nach mehr Vernetzung
und Austausch nach Hause. Wohnen
ist mehr als ein Dach über dem Kopf
– es ist auch eine Frage des Miteinanders.
Die BOKU:BASE ist Katalysator für
nachhaltige Ideen, die über den
Hörsaal hinaus Wirkung entfalten.
Sie versteht sich als Inkubator für
Projekte, die ökologisch und gesellschaftlich
relevant sind, und bildet
eine Brücke zwischen Forschung,
Lehre und Gründungspraxis. Zum
Angebot zählen Formate rund
um die Sustainable Development
Goals, in denen Studierende Ideen
in interdisziplinären Teams weiterentwickeln
können – ergänzt durch
Co-Working-Spaces und ein starkes
Netzwerk. Forschende erhalten
Unterstützung bei geistigem Eigentum
– von der Erfindungsmeldung
bis zur Spin-off-Gründung. An den
Standorten Türkenschanze, Muthgasse
und Tulln ermöglichen modern
ausgestattete Labore und Core
Facilities das Testen und Umsetzen
von Prototypen. Das Team begleitet
Studierende und Forschende individuell
– von der Idee bis zum eigenen
Projekt. Wer sich einbringen
möchte, findet über Kurse, Formate
wie die BASE:academy oder das
Changemaker*innen-Frühstück und
offene Labortage einen unkomplizierten
Einstieg. Die BOKU:BASE ist
ein lebendiges Ökosystem, in dem
mutige Ideen wachsen, sich vernetzen
und nachhaltig gedeihen – für
eine zukunftsfähige Welt.
KONTAKT BOKU:BASE
Labs & Infrastructure
Dr. in Doris Schmidt MSc
doris.schmidt@boku.ac.at
Research & Intellectual Property
Mag. a Michaela Amstötter-Visotschnig
michaela.amstoetter-visotschnig@boku.ac.at
Manuel Orasch LL.M.
manuel.orasch@boku.ac.at
Education & Sustainable Development
Mag. Michael Ambros
michael.ambros@boku.ac.at
LINKS
BOKU:BASE Website
BOKU:BASE LinkedIn
3/2025 75
→ ERA/HEU
ELLS
DOC BEST: Agrar- und
Lebensmittelsysteme neu denken
Innovative Wege der Doktoratsausbildung zur Lösung komplexer Herausforderungen
Von Romana Roschinsky, Alexandra Strauss-Sieberth, Christian Vihanek, Krzysztof Wieczorek
Die Lebensmittelsicherheit steht,
im Kontext des Klimawandels, vor
großen Herausforderungen und
ist ein zukunftsweisendes Thema
in der Landwirtschaft, da sie die
nachhaltige Produktion, Qualität
und Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln
für eine wachsende
Weltbevölkerung sicherstellen
muss. Die Produktion von landwirtschaftlichen
Produkten, deren
Lagerung, Verarbeitung und der
anschließende Vertrieb von
Lebensmitteln sowie die Nachfrage
und der Konsum durch Haushalte
stellen essenzielle Parameter
innerhalb von Agrar- und Lebensmittelsystemen
dar. Fundiertes
Wissen und Kompetenzen zum
Gestalten in diesem Bereich sichern
nachhaltige Kreislaufsysteme, eine
76
3/2025
Eckdaten DOC BEST
Dauer: 36 Monate
Förderungssumme – Budgetanteil
BOKU: 71.383 Euro
BOKU-Verantwortliche:
Romana Roschinsky, Rektorat,
Koordination Strategische Projekte
Alexandra Strauss-Sieberth,
Lehrentwicklung, E-Learning und Didaktik
Christian Vihanek, Forschungsservice,
DocService
Krzysztof Wieczorek, Department für Agrarwissenschaften,
Institut für Pflanzenschutz
https://short.boku.ac.at/ells.html
Die europäische Universitätsallianz Euroleague for Life Sciences
(ELLS) engagiert sich für die Weiterentwicklung der Lebenswissenschaften
im Sinne der Nachhaltigkeit, indem sie transformative
Bildung, weltführende Forschung und eine tiefgreifende gesellschaftliche
Einbindung fördert. Die Kernaktivitäten dieses Netzwerkes aus
13 internationalen Universitäten – gemeinsames Lehren und Lernen,
Mobilität sowie die Entwicklung gemeinsamer Programme – bereiten
Studierende und Mitarbeitende darauf vor, als Gestalter*innen des
Wandels in nachhaltigen Agrar- und Ernährungssystemen in Europa
und weltweit zu wirken.
Durch die gemeinsame Nutzung von Ressourcen, wechselseitiges
Lernen und institutionelle Zusammenarbeit stärkt ELLS die akademische
Exzellenz und globale Wettbewerbsfähigkeit ihrer Mitgliedsuniversitäten
und schafft zugleich eine starke kollektive Identität
im Einklang mit dem europäischen Green Deal und den Sustainable
Development Goals.
www.euroleague-study.org/en
gesunde Lebensweise und zufriedene
Konsument*innen.
Basierend auf dieser Überlegung
haben acht ELLS-Universitäten
einen Erasmus+-Projektantrag mit
dem Titel „DOC BEST: Doctorate
Challenge Based Education for Sustainable
Transformation“ verfasst
und erfolgreich um Förderung durch
die Europäische Kommission eingereicht.
Von wesentlicher Bedeutung
für das Projekt sind die Weiterentwicklung
einer europäisch angelegten
Doktoratsausbildung sowie die
Ausbildung einer neuen Generation
von „scientists for society“.
Innovative Doktoratsausbildung
als Antwort auf die Bewältigung
zukünftiger Probleme
Um eine nachhaltige Transformation
der Agrar- und Lebensmittelsysteme
gewährleisten zu können, sollen
transversale Kompetenzen in der
Doktoratsausbildung verstärkt gewichtet
werden. Folgerichtig sollen
Doktorand*innen ihre neu erworbenen
Kompetenzen nutzen, um diese
Eigenschaften in ihre Forschungsarbeit
einfließen zu lassen.
Lösungswege in den Agrar- und Lebensmittelsystemen
wissenschaftlich
und didaktisch aufzubereiten
sowie die Erarbeitung eines Leitfadens
für einen transdisziplinären
Ansatz in der Doktoratsausbildung
sind Maßgaben dieses 36-monatigen
Projektprogramms. Des Weiteren
ist ein erklärtes Projektziel,
diese Erkenntnisse einer interessierten
Öffentlichkeit, beispielsweise
in Form einer Datenbank
oder von Weiterbildungskursen, zur
Verfügung zu stellen.
Ein Augenmerk auf den Ausbau
von Challenge-Based-Learning
(CBL) als didaktisches Konzept
in Kursformaten
Das Projekt DOC BEST gliedert sich
in vier Arbeitspakete, die sich mit
verschiedenen Aspekten der Agrarund
Umweltwissenschaften befassen.
Im Rahmen des Projekts wird
an der Entwicklung einer transdisziplinären
Doktoratsausbildung
gearbeitet, an der Förderung der
Zusammenarbeit in Forschung und
Ausbildung sowie an der Vermittlung
von transversalen Kompetenzen
an Wissenschaftler*innen und
Doktorand*innen zur Bewältigung
komplexer gesellschaftlicher Herausforderungen.
Die BOKU University
wird insbesondere in jenem
Arbeitspaket eine koordinierende
Rolle einnehmen, das sich auf
Challenge-Based-Learning fokussieren
wird. Basierend auf einer
universitätsübergreifenden Analyse
eines bestehenden Portfolios sollen
die Entwicklung und Implementierung
von drei einwöchigen Kursen
vorangetrieben werden, an denen
jeweils bis zu 25 Doktoratsstudierende
teilnehmen können. Eine anschließende
Evaluierung dieser drei
Kursformate, die als Pilotversuch
konzipiert sind, bildet die Grundlage
für die Weiterentwicklung von
zukunftsweisenden Lehr- und Lernformaten
in der Doktoratsausbildung
durch die ELLS-Universitäten.
3/2025 77
→ Forschung FAQ
ERC Grants
Novelties for Work Programs 2026 & 2027
By Olivier Guillaume
Shutterstock
The ERC WP 2026, adopted in July 2025, introduces
key changes. Proposal structures have been revised to
reduce redundancies between B1 and B2. The two parts
are now called Part I (formerly B1): a 5-page document
outlining the scientific idea and objectives, and Part
II (formerly B2): a 7-page document (reduced from 14
pages) focused on implementation and methodology.
Evaluators will now assess research feasibility in Part II
(step 2) instead of Part I.
Funding remains unchanged (Euro 1.5M for ERC StG,
Euro 2.0M for ERC CoG, Euro 2.5M for ERC AdG, and Euro10M
for ERC SyG). However, additional funding (Euro
1M) can now include personal costs and specific relocation
expenses for applicants moving to the EU or an
Associated Country are now extended to up to Euro 2M.
For the Synergy Grant, Part II is now 10 pages (down
from 14) and must detail implementation and collaborative
arrangements. Eligibility rules for resubmissions
have also changed: applications rejected with a “B” at
step 1 are ineligible for the next year’s call.
Looking ahead to WP 2027, eligibility windows will
expand: ERC Starting (0-10 years post-PhD) and ERC
Consolidator (5-15 years post-PhD). A new “ERC Super
Grant”, larger than the Advanced Grant, will be introduced
for individual researchers at or moving to EU
host institutions. So be prepared!
Upcoming Deadlines
ERC Starting: 14 October 2025
ERC Synergy: 5 November 2025
ERC Consolidator: 13 January 2026
We, the Project Support Team, have set-up an ERC
Mentoring Program to support your ERC application.
So now, let´s make your ERC!
LINK
ERC Work Program 2026
https://erc.europa.eu/news-events/news/erc-work-programme-
2026-adopted
CONTACT
Dr. Olivier Guillaume
Research Support, Innovation and Technology
Transfer, Pre-award support
olivier.guillaume@boku.ac.at
78
3/2025
Participants of the “Navigating Brussels 2025” in European Parliament
Patrik Toula
Navigating Brussels 2025
A course for late PhDs and early PostDocs
staying at a crossroad of decisions for to do
By Lada Fialova
Finishing PhD or early PostDoc is
a critical point at which a young
researcher must decide on her/his
next career path. Continue research
career with the view of moving every
few years until reaching a permanent
position? Go to industry with
more stable conditions but less
freedom? Quit research completely?
These topics and much more were
discussed at the 6 th training Navigating
Brussels with ELLS 2025:
How can the EU help you develop
your scientific career, organized by
eight ELLS* universities (BOKU,
SLU, UHOH, SGGW, CZU, UGHENT,
L’ Institut Agro, WUR) in Brussels.
Tips on career options in- and outside
science, funding opportunities
and practical workshops on proposal
writing for those who want to
stay in science, were accompanied
by visits of the European Parliament
and the ERC Executive Agency, an
administrative body of the most
prestigious European funding program
in excellent science.
Workshop
The highlight of this year were
discussions with an alumnus of
this training who succeeded to
get a position at European Commission,
and MSCA Postdoctoral
Fellowships- and ERC grantees. The
vibrant, international atmosphere
fostered peer exchange and lasting
professional connections across
disciplines and countries.
The next event will be organized in
June 2026. Don´t miss the oppor-
tunity to extend your network, start
new collaborations, friendships,
and investigate your future career
options. Calls for participants will be
open beginning of January 2026.
* ELLS Euroleague for Life Sciences
www.euroleague-study.org/en
CONTACT
DI in Lada Fialova, MA PhD
Research Support, Innovation
& Technology Transfer
lada.fialova@boku.ac.at
3/2025 79
Arbeitssituation der
Tagesmütter am Bauernhof
Von Mareike Rosenbichler und Elisabeth Quendler
Eine Karriere zu machen und sich
im Job entfalten zu können, ist in
der heutigen Zeit nicht ausschließlich
Männern vorbehalten. Immer
mehr Frauen ergreifen die Chance
und steigen die Karriereleiter hinauf.
Dabei ist es für eine Vielzahl der
Frauen – die auch Mütter sind – unerlässlich,
eine geeignete Betreuung
für ihren Nachwuchs zu finden. Erwünscht
ist eine Kinderbetreuung,
die flexibel genug für variierende
Arbeitszeiten ist sowie Betreuung im
familiären Rahmen mit genug Abwechslung
und Naturerlebnis bietet.
Ein Beispiel ist das Projekt Tagesbetreuung
am Bauernhof, welches
zum Ziel hat, die Tageskinder von
Bäuerinnen oder Tagesmüttern mit
landwirtschaftlichem Lebensumfeld
auf deren landwirtschaftlichen Betrieben
betreuen zu lassen.
Der derzeitige Forschungsstand zur
Tagesbetreuung von Kindern am
Bauernhof ist in Niederösterreich
sowie in anderen Bundesländern
Österreichs ausbaufähig und wissenschaftlich
nicht untersucht. Der
Fokus dieser Arbeit liegt auf der
Tagesbetreuung von Kindern auf
Bauernhöfen, insbesondere im Aufgaben-
und Aufenthaltsumfeld sowie
im daraus entstehenden Mehrwert
durch gesteigerten Naturbezug
für Kinder.
Dabei wurden die Tätigkeitsfelder
der Tagesmütter während der Betreuung
und im Allgemeinen sowie
auch die Kindersicherheit am Hof
beleuchtet. Die Analyse dieser Aspekte
wie auch des aus dieser Form
der Betreuung resultierenden Mehrwerts
wurde mittels qualitativer Befragung
durchgeführt. Dafür wurden
repräsentativ acht Tagesmütter, die
Tagesbetreuung auf ihren Bauernhöfen
in Niederösterreich anbieten,
interviewt.
Die Ergebnisse zeigten, dass den
Probandinnen wichtig war, den Kindern
eine sichere und freie Umgebung
zu bieten, in welcher sie in familiärer
Atmosphäre betreut werden
können. Trotz der verbesserungswürdigen
Entlohnung dieses Berufsfeldes
erledigen die Tagesmütter
ihren Job sehr gerne, da ihnen die
Vermittlung von bäuerlichen und gesellschaftlichen
Werten ein Anliegen
ist. Sie sehen es als ihre Aufgabe,
den Kindern in ihren frühen Jahren
Wege zu zeigen, um den Faktor Natur
mit allen Facetten und Vorteilen
als vertraut und allgegenwärtig auf
ihren Lebensweg mitzugeben.
Mareike Rosenbichler
Mareike Rosenbichler
DI in Mareike Rosenbichler war Dirmhirn-
Stipendiatin 2023/24 und hat ihre Masterarbeit
im Dezember 2024 am Institut für
Landtechnik abgeschlossen.
80
3/2025
Inge Dirmhirn
Förderpreis
Ausschreibung des Inge Dirmhirn Förderpreises für
gender- und/oder diversitätsspezifische Bachelor-,
Master-/Diplomarbeiten und Dissertationen an der
Universität für Bodenkultur Wien 2025
Inge Dirmhirn Award for gender- and/or diversity-specific
Bachelor‘s, Master‘s/Diploma theses and dissertations
at BOKU University 2025
Der Preis in der Höhe von insgesamt 3000 Euro
(jeweils 500 Euro für eine bereits approbierte Bachelorarbeit,
1000 Euro für eine bereits approbierte
Master-/Diplomarbeit und 1500 Euro für eine approbierte
Dissertation) wird im Wege des Arbeitskreises
für Gleichbehandlungsfragen ausgeschrieben und an
Studierende bzw. Absolvent*innen der BOKU verliehen.
Eingereicht werden können abgeschlossene Bachelor-,
Master-/Diplomarbeiten und Dissertationen. Das
Thema der Arbeit muss gender- und/oder diversitätsspezifische
Themen mit BOKU-relevantem Inhalt
aufweisen. Besonders begrüßt werden deutsch- oder
englischsprachige Arbeiten mit kreativen Ansätzen,
die insbesondere interdisziplinär ausgerichtet sind
und über den Durchschnitt guter Forschung hinausragen.
Die Verleihung des entsprechenden akademischen
Grades muss im Zeitraum 1.1.2023 bis 15.11.2025
(Datum des Verleihungsbescheids) erfolgt sein.
Anträge auf Verleihung des Preises können bis spätestens
15. November 2025 per E-Mail eingereicht
werden.
Antragsformular und Richtlinien
https://short.boku.ac.at/dirmhirn-foerderpreis
Application form and guidelines
https://short.boku.ac.at/en_dirmhirn-foerderpreis
Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen BOKU
Equal Opportunities Working Party BOKU
akglboku@boku.ac.at
Inge Dirmhirn
Stipendium
Ausschreibung des Inge Dirmhirn Stipendiums zur
Förderung einer Masterarbeit an der Universität für
Bodenkultur Wien 2025
Inge Dirmhirn Scholarship to support a Master‘s
thesis at BOKU University 2025
Der Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen
BOKU vergibt das Inge Dirmhirn Stipendium in
Höhe von bis zu 2400 Euro zur Förderung der Erstellung
einer Masterarbeit an der Universität für
Bodenkultur Wien.
Das Stipendium dient zur finanziellen Unterstützung
einer Masterarbeit mit dem Ziel, die Arbeit
in konzentrierter Weise durchführen zu können.
Weiters soll mit dem Stipendium die Mobilität
von Nachwuchswissenschaftler*innen gefördert
werden.
Zur Bewerbung eingeladen sind alle an der BOKU
zu einem Masterstudium zugelassenen Studierenden.
Die Masterarbeit in deutscher oder englischer
Sprache muss spätestens mit 1. Februar 2026 begonnen
und innerhalb eines Jahres positiv beurteilt
werden.
Das Inge Dirmhirn Stipendium wird für genderund/oder
diversitätsspezifische Themen mit BOKUrelevantem
Inhalt ausgeschrieben.
Anträge auf Zuerkennung des Stipendiums können
bis spätestens 15. November 2025 per E-Mail eingereicht
werden.
Antragsformular und Richtlinien
https://short.boku.ac.at/dirmhirn-stipendium
Application form and guidelines
https://short.boku.ac.at/en_dirmhirn-stipendium
3/2025 81
→ Strategische Kooperation BOKU–Umweltbundesamt
Vision 2028+
Zukunftsbild für Österreichs Landwirtschaft
und den ländlichen Raum
Von Martin Tschikof, Barbara Birli und Georg Gübitz
Sollten Land- und Forstwirt*innen
für die Bereitstellung von Ökosystemleistungen
(ÖSL) entlohnt
werden? Diese Forderung findet sich
in der Vision 2028+ „Zukunftsbild
für Österreichs Landwirtschaft und
den ländlichen Raum“ des BMLUK.
Politische Instrumente wie das
Agrarumweltprogramm ÖPUL fördern
zwar umweltschonende Bewirtschaftungsmaßnahmen,
schaffen
aber kaum Anreize darüber hinaus.
Mit dem Ziel, den gesellschaftlichen
Wert von ÖSL zu honorieren und zusätzliche
Einkommensmöglichkeiten
zu schaffen, organisierten die BAB,
BOKU, HBLFA Raumberg-Gumpenstein
und das Umweltbundesamt im
Juni 2025 einen wissenschaftlichen
Workshop. Hochkarätige Expert*innen
präsentierten und diskutierten
Methoden zur ÖSL-Quantifizierung
und monetären Bewertung sowie
politische und privatwirtschaftliche
Instrumente der Umsetzung, um
daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten.
Wir freuen uns auf vertiefende
Dialoge.
Weiters bieten im Bereich Klima,
Energie und Mobilität Horizon Europe
(Cluster 5) und das österreichische
Klimaforschungsprogramm
ACRP diesen Herbst und Winter
wieder attraktive Fördermöglichkeiten
für gemeinsame Projekte.
Unsere Jubiläumsveranstaltung
zum 20-jährigen Bestehen der
Strategischen Kooperation
BOKU–Umweltbundesamt bietet
Gelegenheit, unter dem Leitsatz
„Transformation durch Kooperation
– Strategien für morgen“
Themen zu vertiefen. In spannenden
Vorträgen, Diskussionsrunden
und interaktiven Workshops wird
zur Vernetzung zwischen Mitarbeiter*innen
beider Institutionen
und darüber hinaus angeregt. Wir
bitten alle Interessierten, sich den
10. Dezember 2025 dafür vorzumerken!
Für Ideen oder Fragen zu Kooperationen
mit dem Umweltbundesamt
stehe ich gerne zur Verfügung.
Martin Tschikof
KONTAKT
Dr. Martin Tschikof
Koordinierungsstelle der Strategischen
Kooperation BOKU–Umweltbundesamt
martin.tschikof@umweltbundesamt.at
LINK
http://short.boku.ac.at/fos_stratkoopbokuu
Daniel Pelz
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3/2025