architektur FACHMAGAZIN Ausgabe 5 2025
Vom Ende des linearen Denkens
Vom Ende des linearen Denkens
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FACHMAGAZIN
WISSEN, BILDUNG, INFORMATION FÜR DIE BAUWIRTSCHAFT
Erscheinungsort Vösendorf, Verlagspostamt 2331 Vösendorf. P.b.b. 02Z033056; ISSN: 1606-4550
05
www.architektur-online.com
Juni/Juli 2025
Kreislauffähig
bauen
© Einar Aslaksen
Kreisverwaltung
Mainz-Bingen
Ingelheim | DE
Design: UPPERCUT.at | Photos: © Rahel Welsen, Adobe Stock
Kontakt
HASSLACHER Gruppe
T +43 4769 22 49-0
info@hasslacher.com
hasslacher.com
www.architektur-online.com
3
Editorial
Vom Ende des linearen Denkens
Wer baut, gestaltet nicht nur Raum, sondern auch Zukunft. In einer Zeit ökologischer
Krisen ist klar: Die herkömmliche Bauwirtschaft funktioniert nicht mehr. Sie
verschwendet Ressourcen, produziert Abfall und externalisiert die wahren Kosten
auf Umwelt, Gesellschaft und kommende Generationen. Kreislauffähiges Bauen ist
daher keine Option – es ist eine Notwendigkeit.
„Abfall ist ein Designfehler“ – dieser Satz
bringt die Misere auf den Punkt. Jahrzehntelang
wurde geplant, als gäbe es kein Morgen.
Materialien wurden verschwendet, untrennbar
verbunden und Gebäude für den
Abriss konzipiert. Das Resultat: Wertvolle
Rohstoffe landen auf Deponien und sind
praktisch unwiederbringlich verloren. Doch
es geht auch anders. Und Projekte aus ganz
Europa zeigen, wie.
Ob das Holzhochhaus TRÆ in Aarhus, das
demontierbare Bürogebäude HasleTre in
Oslo oder das zirkuläre Bürgerzentrum
MittenIm in Niederwerrn – sie alle stehen
für ein neues Verständnis von Architektur:
Gebäude als Materiallager, als wandelbare
Systeme mit verlängerter Nutzungsdauer.
Flexibilität wird dabei zum Schlüssel
– nicht nur für Räume, sondern auch für
Lebenszyklen. Das Projekt Lumi in Uppsala
etwa beweist, dass selbst vermeintlich unbrauchbare
Bestandsbauten durch Wiederverwendung
und kreative Umnutzung neue
Relevanz gewinnen können.
Doch echte Kreislaufwirtschaft geht weiter.
Sie verlangt nach politischen Rahmenbedingungen,
die ökologische Wahrheiten
abbilden: Ressourcenverbrauch und
CO 2 -Emissionen müssen über Materialien
und Bauweisen hinweg objektiv vergleichbar
sein und ein faires Preisschild tragen.
Geschäftsmodelle müssen sich wandeln –
weg vom Abriss, hin zum Rückbau und zur
Wiederverwertung. Die ökologische Intelligenz
eines Gebäudes darf sich nicht länger
allein an Zertifikaten bemessen, sondern
muss sich auch in seiner Langlebigkeit,
Reparierbarkeit, Adaptierbarkeit und Rückbaufähigkeit
zeigen.
Ein oft vernachlässigter Aspekt: der Boden.
Jede versiegelte Fläche ist eine verlorene
Ressource. Wer heute baut, sollte den Boden
nicht nur als Träger, sondern als Teil
des Ökosystems begreifen. Kreislauffähiges
Bauen beginnt nicht bei der Fassade, sondern
am Fundament – im wörtlichen wie im
übertragenen Sinn.
Die Berichte in diesem Heft zeigen, dass
kreislauffähige Architektur keine Zukunftsvision
mehr ist, sondern bereits heute realisierbar.
Doch damit aus Pionierprojekten
ein neuer Standard wird, braucht es Mut –
von Planer:innen, Bauherr:innen, Politik und
Wirtschaft. Es braucht ein neues Denken.
Denn nur wer das Ende des linearen Bauens
akzeptiert, kann den Anfang einer neuen
Baukultur gestalten: ökologisch, sozial, ökonomisch
und kreislauffähig.
Andreas Laser
Kompletter,
vielfältiger,
nachhaltiger,
gemeinsamer
geht eben
alles leichter.
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dann Bauder.
Ein kluges Dach denkt voraus und weiß über Klima-Veränderungen und
extreme Wetter. Unsere Nutzdächer sind Komplettlösungen, die Wasser
speichern, es ableiten, Flächen entsiegeln, Energie erzeugen und
damit Städte fit für die Zukunft machen. Das ist heimische Qualität vom
Dachspezialisten, der auf eine gemeinsame, bessere Zukunft baut.
Und das seit 40 Jahren in Österreich.
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architektur FACHMAGAZIN
4
Inhalt
Editorial 03
Start 06
Supertecture
Magazin 12
Brandschutz als Klimafaktor 22
Mit weniger Ressourcen 24
für mehr Menschen bauen
Interview mit Dipl.-Ing. Bernd Köhler /
Werner Sobek AG
Sozial nachhaltig 28
& kreislaufgerecht
MittenIm / Niederwerrn /
Schlicht Lamprecht Kern
Architektur Stadtplanung
Ein Hochhaus als Materiallager 34
Bürogebäude TRÆ /
Aarhus, Dänemark / Lendager
Natur-Bausatz 40
Bürogebäude HasleTre /
Oslo / Oslotre
Zu neuem Leben erweckt 46
Bürogebäude Lumi /
Uppsala, Schweden / White Arkitekter
Robust und reflektiert 52
Landwirtschaftliche Fachschule Winklhof /
Oberalm, Salzburg / PLOV Architekten
Vom Schulabbruch 58
zum sozialen Wohnraum
Social housing 2104 /
Palma de Mallorca / HARQUITECTES
Bodenversiegelung 64
Naturstein 68
Produkt News 78
edv 106
Aufmaß-Apps:
3D-Scanner für die Hosentasche
28
52
40
46
58
34
MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER Laser Verlag GmbH; Ortsstraße 212/2/5, 2331 Vösendorf, Österreich
CHEFREDAKTION Andreas Laser (andreas.laser@laserverlag.at) • REDAKTION DI Linda Pezzei, Edina Obermoser, Roland Kanfer, DI Marian Behaneck
LTG. PRODUKTREDAKTION Nicolas Paga (nicolas.paga@laserverlag.at) Tel.: +43-1-869 5829-14 • RESSORT WETTBEWERBE Roland Kanfer (wettbewerbe@architektur-online.com)
GRAFISCHE GESTALTUNG & WEB Andreas Laser • LEKTORAT Mag. Heidrun Schwinger • DRUCK maxmedia GmbH
GESCHÄFTSLEITUNG Silvia Laser (silvia.laser@laserverlag.at)
ABONNEMENTS Abonnement (jeweils 8 Ausgaben/Jahr): € 109,- / Ausland: € 133,-, bei Vorauszahlung direkt ab Verlag n Studentenabonnement (geg. Vorlage einer gültigen Inskriptionsbestätigung):
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EINZELHEFTPREIS € 15,- / Ausland € 20,- • ABOSERVICE office@laserverlag.at
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UID-Nr. ATU52668304; DVR 0947 270; FN 199813 v; • ISSN: 1606-4550
Mit ++ gekennzeichnete Beiträge und Fotos sind entgeltliche Einschaltungen. Die Redaktion haftet nicht für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos. Berichte, die nicht von einem Mitglied der Redaktion gekennzeichnet
sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Das Magazin und alle in ihm enthaltenen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt.
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architektur FACHMAGAZIN
6
Start
Architektur ist
eine Superkraft
Architektur als Werkzeug für sozialen Wandel - dieser Überzeugung folgt das junge
Kollektiv Supertecture. Mit experimentellen Entwürfen, recycelten Materialien
und einem kollaborativen Planungsprozess entstehen weltweit Bildungsbauten,
Gemeinschaftszentren und Modellprojekte für eine gerechtere Baukultur.
Text: Linda Pezzei Fotos: Alexander Bernhardi
Nicht in Berlin, Wien oder Zürich, sondern in Kaufbeuren
sitzt ein umtriebiges, gemeinnütziges Architekturkollektiv.
Supertecture hat es sich zur Aufgabe
gemacht, soziale, ökologische und gestalterische
Ziele miteinander zu verbinden. In Ländern wie Nepal,
Tansania und Honduras – und zunehmend auch
in Deutschland – realisiert das Team partizipative
Bauprojekte aus recycelten Materialien. Architektur
entsteht hier im engen Dialog mit lokalen Gemeinschaften,
meist unter Einbindung von Studierenden,
jungen Architekt:innen und Handwerker:innen. u
Supertecture – aus Bayern in die Welt
Das gemeinnützige, internationale Architekturkollektiv mit Sitz in Kaufbeuren
wird von jungen Architekturschaffenden, Ingenieur:innen und Designer:innen
getragen. Die Initiative versteht Architektur als transformative Kraft, die gesellschaftlichen
Wandel ermöglichen kann. In enger Zusammenarbeit mit lokalen
Gemeinschaften entstehen weltweit Projekte wie Schulen, Kindergärten und
Gemeinschaftshotels – immer unter Verwendung regionaler und recycelter Materialien.
Ein zentrales Konzept ist das „Room-House“-Prinzip, bei dem jeder
Raum als eigenständiges Projekt von einem jungen Planer entworfen wird. Supertecture
verfolgt einen Open-Source-Ansatz: Alle Bauprojekte sind öffentlich
zugänglich und sollen zur Nachahmung anregen.
Die tragenden Wände des Soil House bestehen aus handgeformtem
Lehm aus der Baugrube und lokalem Bambus.
Das Badezimmer im Bottle House wurde aus 30.000 recycelten
Bierflaschen gebaut, die gemeinschaftlich gesammelt und vor Ort
verarbeitet wurden.
Die Gemeinschaftsküche im Brick House wurde aus dem
Ziegelbruch von Erdbebenruinen errichtet.
www.architektur-online.com
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Magazin
Räume weiter denken –
mit LinLoop
Von wandlungsfähigen Bürokonzepten über nachhaltigen Neubau bis
zukunftsgerechte Bestandssanierung: Wir schaffen den (Lin)Loop – mit
zirkulären Systemprodukten und Ausbaukonzepten von Lindner.
austria@Lindner-Group.com
www.Lindner-Group.com
architektur FACHMAGAZIN
8
Start
Vier neue Räume – gebaut aus gespendeten „Erdbeben“-Ziegeln, Lehm, Bambus, Stroh, Steinen, Felsplatten und
700 recycelten Fenstern – zeigen innovative Wege des Wiederverwendens und zirkulären Bauens in Nepal.
Mit „2upertecture“ verfolgt das Kollektiv in Deutschland
die Weiterentwicklung dieses Ansatzes als Reallabor
für zirkuläres Bauen. Hier entstehen neue
Projekte, die Kreislaufwirtschaft, Vorfertigung und
Wiederverwendung von Materialien im Kontext sozialer
Einrichtungen und gemeinwohlorientierter Architektur
erproben. Anstelle klassischer Hierarchien
setzt das offene Netzwerk auf kollektive Verantwortung,
gemeinsames Lernen und kreative Zusammenarbeit.
Die Entwürfe entstehen oft vor Ort, im Austausch
mit Nutzer:innen und lokalen Akteur:innen
– getreu dem Leitsatz: form follows availability. Supertecture
versteht sich dabei als Plattform, die architektonische
Utopien konkret werden lässt – sinnstiftend,
reproduzierbar und gestalterisch konsequent.
Aktuell wird in Nepal gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung
der dritte Bauabschnitt eines Kindergartens
realisiert. Parallel dazu entstehen in Deutschland
mehrere Projekte, darunter eine zirkuläre Siedlung,
die Gestaltung eines Parkplatzes unter dem zentralen
Konzept der Wiederverwendung sowie die Innenarchitektur
von Speiseräumen für eine soziale Einrichtung.
Darüber hinaus kuratiert das Kollektiv die
Vortragsreihe „SUPERCIRCLE 25“, die Pionier:innen
des zirkulären Bauens eine Bühne bietet. Ob auf der
Baustelle oder im Diskurs: Supertecture versteht Architektur
als kollektiven Prozess, der zum Mitdenken,
Mitbauen und Mitverändern einlädt – kreativ, radikal
zirkulär und zutiefst menschlich.
u
„Supertecture steht für radikal zirkuläre Architektur – kollektiv gedacht, sozial
gestaltet, aus dem gebaut, was längst da ist. Wir verwenden Bauen als Werkzeug
für Empowerment, Gemeinschaft und Klimagerechtigkeit. Unser Antrieb: mit kreativen,
kollektiven Ansätzen und radikaler Wiederverwendung eine gerechtere
und ressourcenschonende Baukultur gestalten und etablieren.”
Supertecture
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9
Magazin
Weniger Rahmen
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architektur FACHMAGAZIN
10
Start
Design Built: Studierende des BC! Labs der Hochschule Biberach testen zirkuläre
Bauprozesse im Maßstab 1:1 – praxisnahes Lernen direkt auf der Baustelle.
Das Kircheninventar der Kirche Zu den Acht Seligkeiten in
Füssen wird derzeit ausgebaut – darunter rund 400 m 2 Mahagoniparkett,
das für eine weitere Nutzung vorgesehen ist.
Nachgefragt:
Was bedeutet für euch „verantwortungsvolles Bauen“
im globalen Kontext?
Verantwortungsvolles Bauen bedeutet für Supertecture,
Architekturprojekte zu realisieren, die ökologisch
nachhaltig, sozial gerecht und kulturell sensibel
sind. Dazu gehören die Verwendung lokaler und recycelter
Materialien, die Einbindung der Gemeinschaft
in den Bauprozess und die Förderung von Bildung
und Empowerment durch Architektur. Supertecture
will Mut machen, neue Wege zu gehen, bestehende
Denkmuster zu hinterfragen und durch kreative Zusammenarbeit
Architektur als aktive Form des gesellschaftlichen
Wandels zu leben.
Eure Projekte wirken oft wie gebaute Utopien –
poetisch, pragmatisch, politisch. Wie haltet ihr diese
Balance?
Das Gleichgewicht entsteht durch einen Ansatz, der
Kreativität mit Funktionalität verbindet. Supertecture
nutzt vorhandene Ressourcen und Materialien – unser
Motto: „form follows availability“ – und entwickelt
daraus Designs, die sowohl ästhetisch ansprechend
als auch praktisch und ressourcenschonend sind.
Gleichzeitig reflektieren die Projekte soziale und politische
Themen, indem sie auf lokale Bedürfnisse und
Bedingungen eingehen und Gemeinschaften stärken.
Was habt ihr auf euren Baustellen in Nepal, Tansania
oder Honduras über Zusammenarbeit und Gestaltung
gelernt?
Die Arbeit in verschiedenen Ländern hat gezeigt, wie
wichtig partizipative Prozesse und kulturelle Sensibilität
sind. In Nepal beispielsweise wurden nach dem
Erdbeben 2015 gespendete Ziegel für den Bau einer
Schule verwendet, was nicht nur Ressourcen schonte,
sondern auch die Gemeinschaft in den Wiederaufbau
einbezog. Was für die einen Abfall ist, kann für
andere zum Rohstoff werden.
Wie organisiert ihr euch als Kollektiv –
wer entscheidet was?
Supertecture arbeitet als demokratisches Kollektiv,
in dem Entscheidungen gemeinsam getroffen werden.
Die Organisation legt Wert auf Gleichberechtigung,
Unabhängigkeit und Chancengleichheit, wobei
alle Mitglieder in den Entscheidungsprozess einbezogen
werden.
Welche Rolle spielt Gestaltung in einem Kontext, in
dem soziale und ökologische Fragen oft drängender
erscheinen?
Für Supertecture ist Design ein Mittel, um soziale
und ökologische Herausforderungen anzugehen. Mit
gestalterischer Konsequenz und kindlicher Neugier
entwickeln wir einfache, radikale und reproduzierbare
Lösungen, die nicht nur funktionieren, sondern
berühren, zum Nachdenken anregen und zur Nachahmung
inspirieren. Dabei verstehen wir Schönheit
nicht als Luxus, sondern als Ausdruck von Sinn,
Haltung und Wertschätzung von Ressourcen. Unsere
Projekte erzählen Geschichten – von Solidarität,
Umnutzung und einer neuen Baukultur. Die Ästhetik,
die dabei entsteht, ist bewusst, farbenfroh und
bedeutungsvoll: Sie schafft Aufmerksamkeit, öffnet
Räume für Dialog und macht die Idee einer zirkulären
Architektur konkret und erlebbar.
•
Mitmachen bei Supertecture
Supertecture steht jungen Changemakern offen, die Praxis mit Sinn verbinden
möchten. Wer im Studium oder danach Lust auf einen kreativen, hands-on Zugang
zu Architektur hat – und offen ist für kulturellen Austausch, improvisiertes
Bauen und ungewöhnliche Materialien – kann sich als Fellow bewerben.
Projekte finden weltweit statt, jeweils in engem Dialog mit lokalen Partnern.
Weitere Infos & Bewerbung:
supertecture.com/join
Belgium The Netherlands Luxembourg France United Kingdom Germany Switzerland Austria Italy Spain Portugal Poland Czech Republic
www.architektur-online.com
11
Magazin
NEUE EDITION
3. & 4. SEPT 2025
STADTHALLE GRAZ
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FACHEVENT FÜR ARCHITEKT*INNEN,
INNENARCHITEKT*INNEN UND ANDERE
PLANER*INNEN MIT SCHWERPUNKT
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architektur FACHMAGAZIN
12
Magazin
Hotspot für
Architektur & Design
Am 3. und 4. September 2025 feiert ARCHITECT@WORK seine Premiere in Graz
– ein neuer Meilenstein in der österreichischen Architektur- und Designszene.
Die Stadthalle Graz bietet den idealen Rahmen für das kompakte und kuratierte
Messekonzept, das für höchste Qualität und Inspiration steht. Auch in Graz erwartet
die Besucher ein sorgfältig ausgewähltes Produktspektrum, ein spannendes
Vortragsprogramm sowie ein inspirierendes Rahmenprogramm.
Das Leitthema dieser Ausgabe lautet
„Transformation“ – ein hochaktuelles Thema
im Kontext des Klimawandels und neuer
Baukulturen. Der Künstler Clemens Hollerer
greift diesen Gedanken mit seiner Installation
„Blessed burden“ auf und präsentiert
ein Kunstwerk, das sich mit Wandel und
psychologischen Räumen im Umbruch auseinandersetzt.
Im Vortragsprogramm widmen sich renommierte
Expertinnen und Experten diesem
Leitmotiv. Fabian Hörmann vom Studio
YR22 eröffnet mit spannenden Einblicken in
neue Materialkulturen. Juri Troy spricht im
Anschluss über die Entwicklung von klassischen
Büros hin zu flexiblen Arbeitswelten.
Michael Salvi vom Architekturbüro Schenker
Salvi Weber beleuchtet die Möglichkeiten
und Herausforderungen der Transformation
im Bestand.
Am zweiten Veranstaltungstag setzt sich
das Programm mit weiteren spannenden
Beiträgen fort. Mark Jenewein von LOVE
architecture and urbanism präsentiert unter
dem Titel „Transformation à la Love“ seine
Perspektive auf Wandel und Innovation.
Barbara Poberschnigg vom Studio Lois lädt
mit ihrem Vortrag „Denk mal“ zum Innehalten
und Reflektieren ein. Abschließend erklärt
Andreas Henter von Tp3 Architekten,
warum die Idee der Reparatur zunehmend
zur Haltung in der Architektur wird.
Ein besonderes Highlight der Veranstaltung
ist die Materialschau der Plattform revalu.
Gezeigt werden CO 2 -reduzierte Werkstoffe,
die zu einer ressourcenschonenden
Bauzukunft inspirieren und neue Wege im
nachhaltigen Bauen aufzeigen.
Freier und schneller Eintritt erfolgt mit dem
Code AKPRG36 über www.architectatwork.at
ARCHITECT@WORK Graz
3. & 4. September
13:00 bis 20:00 Uhr
Stadthalle Graz
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Magazin
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architektur FACHMAGAZIN
14
Magazin
Zurück in die Zukunft
Wie ein Gründerzeithaus in Wien zum Pilotprojekt für kreislauffähige Sanierung wird –
und was das mit EU-Taxonomie, Materialpässen und Ziegelwänden zu tun hat.
Text: Linda Pezzei Rendering: expressiv Fotos: Bernhard Schramm Photography, Sedlak Immobilien
Die Van-der-Nüll-Gasse 22 im 10. Wiener
Bezirk ist ein Gründerzeithaus von 1885,
das im Rahmen des Pilotprojekts VDN22 zur
Blaupause für zirkuläres und nachhaltiges
Bauen werden soll. Die Sedlak Immobilien
GmbH testet gemeinsam mit der Baufirma
DI Sedlak GmbH, SCALE und Digital Findet
Stadt, wie sich ein sanierungsbedürftiger
Altbau konsequent nach den Kriterien der
EU-Taxonomie modernisieren lässt – inklusive
Materialwiederverwendung, BIM-gestützter
Dokumentation, digitaler Gebäuderessourcenpässe
und rückbaufähiger
Planung. Gefördert von WieNeu+ wird hier
erstmals ein historisches Gebäude ganzheitlich
kreislauffähig gedacht, von der
Analyse der Baustoffe bis hin zu innovativen
Rückbaukonzepten. Das Projekt ist
damit ein zukunftsweisendes Testfeld für
die Bauwende und nachhaltige Stadtentwicklung.
Im Interview sprechen Simone
Grassauer, Nachhaltigkeitsbeauftragte, und
Margarete Berl, Projektleiterin bei Sedlak
Immobilien, über die Herausforderungen
und Chancen des Vorhabens.
Was war der entscheidende Impuls, das
Gründerzeithaus in der Van-der-Nüll-Gasse
22 als Pilotprojekt für eine kreislauffähige
Sanierung im Sinne der EU-Taxonomie
auszuwählen? Welche Kriterien haben
letztlich zur Standortwahl geführt?
Simone Grassauer: Wir haben nach einem
geeigneten Bestandsgebäude für die Umsetzung
unseres Konzepts gesucht. Die
Van-der-Nüll-Gasse bot sich an, da sich das
Gründerzeithaus bereits im Bestand der
Sedlak Immobilien befand und sanierungsbedürftig
war. Pragmatisch betrachtet ging
es uns primär darum, überhaupt ein sanierungsbedürftiges
Gebäude zu finden, an
dem wir unseren Ansatz erproben konnten.
Wie können möglichst viele Materialien
aus dem Bestand wiederverwendet werden
und wie werden Unsicherheiten bei alten
Baustoffen gehandhabt?
Margarete Berl: Wir haben eine umfassende
Bestandsaufnahme inklusive Schad- und
Störstoffanalyse durchgeführt. Der Terrazzoboden
bleibt im Objekt, denn die Bestanderhaltung
hat hier Vorrang. Ziegel werden
vor Ort als einfache Trennwände wiederverwendet,
jedoch nicht für statisch relevante
oder technisch anspruchsvolle Bauteile.
Gipskartonplatten sollen ebenfalls wiederverwendet
werden, allerdings nur dort, wo
keine speziellen Anforderungen bestehen.
Welche Daten werden dokumentiert und wie
wird sichergestellt, dass sie aktuell bleiben?
Simone Grassauer: Im digitalen Gebäudepass
sind alle verwendeten Materialien vollständig
abgebildet, die gesamte Schlussdokumentation
ist enthalten. Zudem erstellen
wir ein Handbuch für den Betreiber, um die
Aktualität über den gesamten Lebenszyklus
hinweg zu gewährleisten, beispielsweise bei
Wartungsarbeiten oder Umbauten. Der Pass
ist mit gängigen IFC-Modellen kompatibel.
Wie verändern Rückbau- und Wiederverwendungskonzepte
die Planung und
Zusammenarbeit?
Margarete Berl: Bereits in der Entwurfsphase
haben wir auf Demontierbarkeit geachtet.
Geschossdecken, Fenster, Fassade, Installationen
– alles wurde zirkulär gedacht. Das
hat intensive Abstimmungen erfordert. Die
integrale Planung mit Architekten, Fachplanern,
Haustechnikern, Bauphysikern, SCALE
und der Baufirma war dafür essenziell.
Simone Grassauer, Nachhaltigkeitsbeauftragte
bei Sedlak und Geschäftsführerin
von SCALE, verantwortlich für die Umsetzung
der Kreislaufstrategie.
Margarete Berl, Projektleiterin bei Sedlak
Immobilien, begleitet die Umsetzung der
Sanierung in der Van-der-Nüll-Gasse.
www.architektur-online.com
Magazin
So soll sie künftig aussehen: Die sanierte Fassade mit moderner
Aufstockung in der Van-der-Nüll-Gasse 22 in Wien-Favoriten.
Welche zirkulären Baustoffe
wurden gezielt getestet?
Simone Grassauer Wir hätten gerne Lehmbauplatten
und Hanf eingesetzt, doch die
Kosten waren zu hoch. Stattdessen setzen
wir auf die Wiederverwendung vorhandener
Gipskartonplatten, Ziegel und sogar funktionsfähiges
Fensterglas, das zu Isolierglas
weiterverarbeitet werden soll – ein innovativer
Testlauf.
Wie genau unterstützt BIM die Kreislauffähigkeit
und wo liegen die Hürden?
Margarete Berl: BIM bildet die Grundlage
für Risiko- und Potenzialanalysen, Ökobilanzierung
und den Gebäuderessourcenpass.
Die Digitalisierung des Bestands
bleibt jedoch aufwändig. Ein Beispiel hierfür
sind Punktwolken-Scans, die per se keine
große Herausforderung wären, hätten wir
von Anfang an die geeignete Software gehabt,
um die Bauteilöffnungen einpflegen
zu können. Letztlich musste dies manuell
und in zeitintensiver Arbeit erfolgen. u
architektur FACHMAGAZIN
16
Magazin
Arbeiten mit dem, was da ist, heißt behutsam mit dem Bestand umgehen.
Was ist die EU-Taxonomie?
Die EU-Taxonomie ist ein zentrales Instrument
zur Umsetzung des Green
Deal. Sie definiert, welche wirtschaftlichen
Aktivitäten als ökologisch nachhaltig
gelten. Für den Bau- und Immobiliensektor
bedeutet das: Nur wer bestimmte
technische Bewertungskriterien erfüllt
– etwa zur Ressourceneffizienz, Rückbau-
und Recyclingfähigkeit – darf sein
Projekt als „nachhaltig“ bezeichnen. Die
Kriterien sind seit Juni 2023 in einem
delegierten Rechtsakt der EU verankert.
Ziel ist es, Investitionen gezielt in grüne
Projekte zu lenken.
Mehr dazu unter:
www.dgnb.de/taxonomie
Wie wird die Zielquote für Wiederverwendung
und Recycling kontrolliert?
Simone Grassauer: Wir dokumentieren alles
über die Nachweise der Entsorgungsfirmen.
Zusätzlich haben wir mit SCALE
ein Abfallbewirtschaftungskonzept erstellt,
das Trennvorgaben, Nachweise und Recyclingquoten
festlegt. Diese Daten fließen
wiederum ins BIM-Modell zurück.
Wie hat sich die Zusammenarbeit mit
externen Partnern verändert?
Margarete Berl: SCALE war durchgehend
in die Projektbesprechungen eingebunden
und hat alle Beteiligten zum Thema Kreislaufwirtschaft
geschult. Die Zusammenarbeit
war von Beginn an auf Augenhöhe und
sehr konstruktiv.
Was müsste sich Ihrer Meinung nach ändern,
damit die kreislauffähige Sanierung vom
Leuchtturm- zum Standardmodell wird?
Simone Grassauer: Entscheidend wären
Förderungen für Kreislaufwirtschaft – analog
zur thermischen Sanierung. In Wien wird
das Thema bei Vergaben bereits berücksichtigt,
es fehlen jedoch noch klare Kriterien,
die konkret definieren, was Kreislauffähigkeit
bedeutet. Mit definierten Vorgaben
könnte die kreislauffähige Sanierung zum
Standard werden.
Was war die wichtigste Erkenntnis und was
würden Sie heute anders machen?
Margarete Berl: Eine kreislauffähige Sanierung
funktioniert nur mit integraler Planung
und einem gemeinsamen Verständnis aller
Beteiligten. Eine „Lean-Moderation” hätte
dabei geholfen, dieses Verständnis früher
herzustellen. Außerdem sollten die Ziele zur
Kreislaufwirtschaft gemeinsam vor Projektstart
konkretisiert werden.
•
www.architektur-online.com
Nachhaltigkeit mit
integraler Planung
Kreislauffähiges Bauen ist mehr als ein Trend – es
ist eine Haltungsfrage. Die DELTA Gruppe mit dem
Architektur-Bereich Delta Pods Architects setzt auf
nachhaltige Lösungen, die den gesamten Lebenszyklus
eines Gebäudes mitdenken.
Der Campus Gesundheit-Bildung am Krankenhaus
der Barmherzigen Schwestern Ried in Oberösterreich,
entwickelt am DELTA-Standort Wels, steht exemplarisch
für diese Haltung. Mit integraler Planung
wurde hier ein Bildungsbau geschaffen, der nicht nur
durch Energieeffizienz, sondern auch durch flexible
Nutzungskonzepte überzeugt – und so zukünftige
Anforderungen mitdenkt. Ein weiteres Leuchtturmprojekt
ist als „Zentrum für den Menschen im Alter“
das Projekt „Die Elisabethinen Wien-Mitte“ mit dem
Franziskus Spital im 3. Wiener Bezirk. Es wurde kürzlich
ausgezeichnet mit dem FIABCI Austria Award
2024 in der Kategorie „Bauen im Bestand“. In enger
Abstimmung mit allen Beteiligten konnte ein sensibler
Umbau bei laufendem Betrieb realisiert werden –
nachhaltig, wirtschaftlich und menschlich.
Das DELTA Consulting-Team begleitet Projekte von
Beginn an mit strategischer Beratung, Stakeholder-Management,
Nutzungskonzepten und ESG-Kriterien.
So entstehen Gebäude, die nicht nur funktionieren,
sondern Sinn stiften – heute und morgen.
DELTA Gruppe
T +43 (0)50 756 0
office@delta.at
www.delta.at
www.delta.at/dienstleistungen/integrale-beratung/
17
Die Elisabethinen Wien-Mitte mit Franziskus Spital
Campus Gesundheit-Bildung am Krankenhaus
der Barmherzigen Schwestern Ried
Magazin
© Schreyer David
© Schreyer David
Mehr Info hier
AKTION
V E R T I K A L E
NETZMARKISEN
VON 15. MAI BIS 30. SEPTEMBER 2025
architektur FACHMAGAZIN
18
Magazin
Das zusammen mit dem benachbarten Loftflügel thermisch bauteilaktivierte
Haus Schneewittchen ist der höchste Mietwohnturm Wiens.
Flächensparend und energieeffizient
Die Bauprojekte Schneewittchen und Loftflügel sowie Nordbahnhof III im Wiener
Nordbahnviertel zeigen eindrucksvoll, wie mit Beton die aktuellen Bauaufgaben
gelöst werden können.
Mit 295 Wohneinheiten auf 29 Geschossen, einer
Bruttogeschossfläche von 34.000 m 2 und einer
Gebäudehöhe von 100 Metern ist das Hochhaus
Schneewittchen das höchste Mietwohngebäude
Wiens und steht exemplarisch für flächensparendes
Bauen mit Beton. Als stabiler, robuster und langlebiger
Baustoff eignet sich Beton hervorragend für
platzsparenden, mehrgeschossigen Wohnbau sowie
für multifunktionale Gebäude mit ober- und unterirdischen
Ebenen. Hier wie auch im benachbarten
Loftflügel mit zusätzlichen 32 Wohneinheiten wurden
die Betondecken in den Wohnungen thermisch aktiviert.
Die Wärme- und Kälteversorgung erfolgt über
die Fernwärme bzw. Fernkälte Wien.
Das Nordbahnviertel überzeugt aber nicht nur mit
energieeffizientem Wohnbau, sondern auch mit klimafitten
Außenräumen. Bereits 2021 wurde die Bruno-Marek-Allee
zum ersten Klimaboulevard Wiens
erklärt. Und auch die Wohnanlage Nordbahnhof III
samt ihrem Freiraumkonzept wurde bereits mehrfach
ausgezeichnet, unter anderem mit dem Greenpass-Zertifikat
in Gold. Auch hier spielt der Baustoff
Beton eine zentrale Rolle. Helle Betonpflastersteine
in Kombination mit versickerungsfähigen Flächen
wirken nach dem Schwammstadt-Prinzip: Sie regulieren
das Regenwassermanagement und helfen Flä-
chen zu entsiegeln. Zusammen mit 41 neu gepflanzten
Bäumen sorgt dieses Konzept dafür, dass sich
die gefühlte Außentemperatur an Hitzetagen in der
Wohnanlage, im Vergleich zu vollversiegelten Flächen,
um bis zu 14 Grad reduzieren kann.
In der Wohnanlage Nordbahnhof III wurde das Konzept
„Freiraum auf Wohnungsebene“ umgesetzt.
Beton Dialog
Österreich
kontakt@betondialog.at
www.betondialog.at
Fotos: Katharina Fröschl-Roßboth/BDÖ
BIS
EINSCHLIESSLICH
GEBÄUDEKLASSE 5
R
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Magazin
© Holcim Österreich, R. Tanzer
„Building for Tomorrow“: Beim Austrian World Summit
der Schwarzenegger Climate Initiative präsentierte Holcim
Innovationen für eine klimafitte Bauzukunft.
EPDs und Innovationen für
Nachhaltigkeit und Transparenz
Auf dem Weg zu einem klimafitten Bausektor sind verlässliche Daten und durchgängige
Transparenz entlang der Wertschöpfungskette unerlässlich. Mit der Einführung
von Umwelt-Produktdeklarationen (EPDs) für sämtliche Betonprodukte
setzt Holcim Österreich ein starkes Zeichen in Richtung Dekarbonisierung. Die
neuen „On Demand EPDs“ werden ab Sommer 2025 verfügbar sein und ergänzen
die bereits seit Ende 2023 vorliegenden EPDs für das gesamte Zementportfolio.
Die Vielseitigkeit von Beton – von hochfesten Rezepturen
über Sichtbeton bis hin zu CO 2 -optimierten
Varianten – macht ihn auch im nachhaltigen Bauen
zu einem Schlüsselwerkstoff. Gerade weil Beton in so
vielen Varianten eingesetzt wird, ist die Transparenz
seiner Umweltwirkungen essenziell. Mit den auf dem
Austrian World Summit vorgestellten „On Demand
EPDs“ stellt Holcim ein Instrument bereit, das sowohl
ökologische Vergleichbarkeit schafft als auch flexibel
auf projektspezifische Anforderungen reagiert.
Grundlage dafür ist die langjährige Zusammenarbeit
mit dem US-amerikanischen Umwelt-Startup Climate
Earth. Dessen Business-Intelligence-Lösungen
liefern verifizierte und zertifizierte EPDs für jede
einzelne Betonrezeptur – standardisiert wie auch
maßgeschneidert – automatisiert und in Echtzeit. So
lassen sich mehrere hundert bestehende Betonsorten
ebenso wie individuelle Mischungen auf Knopfdruck
transparent abbilden.
Mit diesem Schritt stärkt Holcim nicht nur die Nachvollziehbarkeit
ökologischer Kennwerte, sondern
unterstützt Planer:innen und Bauherr:innen gezielt
dabei, fundierte Entscheidungen für nachhaltige
Bauprojekte zu treffen – etwa gemäß den Anforderungen
von BREEAM, LEED oder DGNB.
Dies ist nur ein Beispiel wie Holcim die Dekarbonisierung
der Bauwirtschaft vorantreibt, indem es sein
Innovationsmanagement gezielt mit Startups verknüpft.
Diese Kooperationen bringen neue Ansätze
für nachhaltige Materialien, CO 2 -Reduktion und digitale
Lösungen in die Branche. Startups wie Sublime
Systems und Paebbl entwickeln Technologien, die
den CO 2 -Fußabdruck von Zement und Beton deutlich
senken – etwa durch alternative Produktionsprozesse
oder dauerhafte CO 2 -Speicherung in mineralischen
Baustoffen. Auch konkrete Anwendungen
solcher Technologien finden bereits statt. In Wien
hat Holcim gemeinsam mit dem Schweizer Startup
neustark eine CO 2 -Speicheranlage im Betonwerk Alberner
Hafen in Betrieb genommen. Dabei wird CO 2
im Beton-Waschwasser dauerhaft gebunden – ein innovativer
Schritt, der künftig auf weitere Standorte
ausgeweitet werden soll.
Darüber hinaus wurde Holcim Österreich bereits Ende
2024 mit dem Platin-Standard im CSC-Zertifizierungssystem
(Concrete Sustainability Council) ausgezeichnet
– und erreichte dabei die weltweit zweithöchste
Bewertung nach dem aktuellen System 3.0. Auch diese
Auszeichnung kann direkt in gängige Nachhaltigkeitszertifizierungen
von Gebäuden einfließen.
Holcim
(Österreich) GmbH
T+43 (0)1 588 89-0
www.holcim.at
architektur FACHMAGAZIN
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Brandschutz
Brandschutz
als Klimafaktor
Wie nachhaltig kann Brandschutz sein? In einer gemeinsamen Studie haben das
Ingenieurbüro Hoyer Brandschutz und ATP sustain untersucht, welchen Einfluss
unterschiedliche Brandschutzkonzepte auf die CO 2 -Bilanz von Gebäuden haben.
Im Interview erklären Michael Haugeneder (ATP sustain) und Werner Hoyer-Weber
(Hoyer Brandschutz), warum anlagentechnische Lösungen wie Sprinkleranlagen
nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich Vorteile bieten – und wie sich die
zukünftige Baupraxis im Sinne des Klimaschutzes verändern könnte.
Sie haben in einer Studie untersucht, wie
sich unterschiedliche Brandschutzmaßnahmen
auf die CO 2 -Bilanz im Neubau
auswirken. Mit welchem Ergebnis?
Werner Hoyer-Weber: Wir wollten wissen,
welche Rolle der Brandschutz in puncto
„grünes“ Bauen einnimmt und seinen ökologischen
Fußabdruck bewertbar machen.
Dafür haben wir für ein geplantes Bürogebäude
mit einer BGF von über 10.000 m²
zwei Brandschutzkonzepte erstellt: Variante
1 hat sich auf baulichen Brandschutz und
kleine Brandabschnitte fokussiert, in Variante
2 gab es eine Sprinkleranlage und größere
Brandabschnitte. ATP sustain hat im
Anschluss die Auswirkungen beider Konzepte
auf die roten und grauen Emissionen
sowie auf den Energieverbrauch berechnet.
Die Ergebnisse waren klar: Variante 2 hat in
allen untersuchten Punkten besser abgeschnitten,
auch bei der Recyclingfähigkeit
der Baumaterialien. Im Gesamtlebenszyklus
des Gebäudes waren die CO 2 -Emissionen
um rund fünf Prozent niedriger. Es gibt also
das Potenzial bei gleichbleibendem Sicherheitsniveau
im Brandschutz die CO 2 -Emissionen
durch Fokus auf anlagentechnische
Maßnahmen deutlich zu verringern.
Werner Hoyer-Weber (Hoyer Brandschutz, Geschäftsführer) und
Michael Haugeneder (ATP sustain, Mitglied der Geschäftsleitung)
Wie kann man denn im Brandschutz Einfluss
auf die Ökobilanz eines Gebäudes nehmen?
Michael Haugeneder: Stellschrauben sind
vor allem die masseintensiven Bauteile, die
meist den größten Hebel in der Ökobilanz
darstellen. Auf der anderen Seite geht es
um Bauteile, die nicht sortenrein zerlegbar
sind. So sind beim baulichen Brandschutz
Feuerschutzplatten, Spachtelmassen oder
Anstriche von ihrer Grundeigenschaft her
so aufgebracht, dass sie sich auch unter
Extremsituationen nicht ablösen oder trennen.
Damit werden aber sogar Baustoffe wie
Holz ökobilanztechnisch schlechter, weil sie
nicht mehr trennbar sind. Auch Holzoberflächen,
die zur brandschutztechnischen
Ertüchtigung behandelt werden, sind in der
Ökobilanz damit schlecht. Der anlagentechnische
Brandschutz bietet in puncto Klimaschutz
den entscheidenden Vorteil, dass
mineralische und auch biogene Baustoffe
keine besondere Behandlung oder Verkleidung
benötigen, da sie in Kombination die
Brandschutzanforderungen erfüllen.
Was bedeutet das für die
Brandschutzplanung?
Hoyer-Weber: Ich würde empfehlen Variantenbetrachtungen
durchzuführen. Dabei
sollten alle Maßnahmen in die Überlegungen
einfließen in Form einer Gegenüberstellung,
wie das Brandschutzkonzept mit
Fokus auf baulichen Maßnahmen im Vergleich
zu einem Konzept mit anlagentechnischen
Maßnahmen aussieht.
© Robert Tober
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23
Brandschutz
Warum stellt gerade der anlagentechnische
Brandschutz eine Möglichkeit dar,
den Materialeinsatz zu reduzieren?
Haugeneder: Wenn nur brandschutztechnische
Anforderungen an ein Bauteil gestellt
werden und keine weiteren bauphysikalischen
wie Schall- oder Wärmeschutz, können
– sofern die brandschutztechnische
Anforderung an den Bauteil durch anlagentechnischen
Brandschutz reduziert werden
kann – Materialien verwendet werden, die in
der Ökobilanz nicht mehr so masseintensiv
sind und sich darin positiv auswirken.
Wie wäre eine Reduktion des Primärressourcenverbrauchs
im Brandschutz
möglich?
Haugeneder: Man sollte überlegen, wie
Re-Use-Materialien in Zukunft mehr zum
Einsatz kommen können – aber in Kombination
mit anlagentechnischen Einrichtungen.
Denn derzeit ist die größte Herausforderung,
dass bei Re-Use von tragenden
Bauteilen wie Decken oder Unterzügen die
Nachweisführung hinsichtlich der Erfüllung
der statischen Anforderungen im Brandfall
unter Umständen nicht gegeben ist. In
Kombination mit Anlagentechnik wird die
Belastung des Re-Use-Bauteils im Brandfall
aber drastisch reduziert und man kann
davon ausgehen, dass dieser standhält. Der
Einsatz von Re-Use Materialien ist einer der
wesentlichsten Hebel in der Reduktion von
Primärressourcen. Wir sehen dies bei Bestandsertüchtigungen,
die durch anlagentechnischen
Brandschutz oftmals in ihrer
ursprünglichen Gestaltung bleiben können,
während gleichzeitig höhere Gesamtanforderungen
dadurch erfüllt werden.
Werden Brandschutzkonzepte, die eine
CO 2 -Bilanz berücksichtigen, bei Ihnen
angefragt?
Hoyer-Weber: Bis jetzt wird das Thema
Nachhaltigkeit noch nicht aktiv von Kunden
an uns herangetragen. Die Studie ist eine
Eigeninitiative, um den Aspekt der Ökobilanz
im Brandschutz sichtbar zu machen
und uns als Planungsbüros auch selbstkritisch
zu hinterfragen. Es würde uns aber
sehr freuen, wenn künftig mehr Überlegungen
in diese Richtung angestellt werden.
Downloads
Whitepaper „Mehr Sprinkler für den Klimaschutz?“
www.hoyer-brandschutz.at/umwelt
Lebenszyklus-Wertindex (LZWi) – Nutzungs- und materialbedingte Emissionen:
Für eine ganzheitliche Vergleichbarkeit von Bestand und Neubau
www.ogni.at/wp-content/uploads/LZWi-Positionspapier.pdf
Weitere Infos
www.hoyer-brandschutz.at
www.atp-sustain.ag
Haugeneder: Derzeit ist bauordnungsrechtlich
keine Öko- oder CO 2 -Bilanz gefordert,
aber im Hinblick auf den Green Deal
der EU und die veränderten Anforderungen
im Sinne des Klimaschutzes wird die Ökobilanz
bereits in der EPBD gefordert und bald
in der OIB RL 6 und damit in der Bauordnung
auftauchen. Dies wird auch im GEG
seinen Platz finden. Die Ökobilanz ist ein
maßgebliches Instrument in der Bauwirtschaft,
um im Sinne des Klimaschutzes lenkend
einzugreifen. Ziel ist, dass der Energieausweis
für die Baueinreichung ab 2026
durch einen LCA-Ausweis abgelöst wird.
Damit finden auch die grauen Emissionen in
der Berechnung Niederschlag und CO 2 -reduzierte
Bauweisen werden in Kombination
mit anlagentechnischem Brandschutz
gegebenenfalls Pflicht, um überhaupt eine
Baugenehmigung zu erhalten. Eine noch
zu nehmende Hürde sind die Bestandsmaterialien,
da diese in einer Ökobilanz nicht
oder nur unzureichend richtig abgebildet
werden. Dazu haben wir gemeinsam mit der
ÖGNI und weiteren Partnern den Lebenszyklus-Wertindex
entwickelt: eine Form der
Ökobilanz, die anwendbar auf Bestand, Sanierung
und Neubau ist.
architektur FACHMAGAZIN
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Kreislauffähig bauen
Mit weniger Ressourcen
für mehr Menschen bauen
Interview mit Dipl.-Ing. Bernd Köhler (Werner Sobek AG)
Interview: Edina Obermoser
Mit Fokus auf nachhaltiges Engineering und Design will das
Büro des namensgebenden, deutschen Architekten und Ingenieurs
Werner Sobek in seinen Projekten atemberaubende
Schönheit mit den Interessen kommender Generationen
verbinden. Bernd Köhler ist seit 2016 Teil des Teams und
stellvertretender Vorsitzender des Fachausschusses Ressourceneffizienz
des VDI (Verein Deutscher Ingenieure e.V.).
Mit uns spricht er über zirkuläre Architektur und das übergeordnete
Ziel, mit weniger Ressourcen für mehr Menschen
zu bauen. Außerdem berichtet der Nachhaltigkeitsexperte
über Herausforderungen und Chancen von kreislauffähigen
Ansätzen – und gibt anhand von konkreten Projekten
Einblicke in die Praxis.
© Janine Kyofsky
Das Büro Werner Sobek beschäftigt
sich seit Jahren mit zukunftsweisenden
Konzepten des nachhaltigen
Bauens. Was bedeutet für Sie
konkret „zirkuläres Bauen“ – und wo
sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen
in der Umsetzung?
Zirkuläres Bauen ist eine von mehreren
Nachhaltigkeitsstrategien,
die wir anwenden, um unser übergeordnetes
Ziel zu erreichen, nämlich
mit weniger Ressourcen für
mehr Menschen bauen zu können.
Die Herausforderung besteht darin,
dies nicht als singuläre Aufgabe,
sondern im Wechselspiel mit anderen
Fragestellungen zu sehen.
Eine der größten Herausforderungen
ist es zu unterscheiden, welche
Art des Bauens den größten Effekt
hat, den Ressourcenverbrauch zu
senken. Muss ich beispielsweise ein
Bauwerk bzw. Bauteil darauf auslegen,
möglichst langlebig zu sein -
oder muss ich von einer temporären
Nutzung ausgehen und den Schwerpunkt
auf eine leichtere Wiederverwendbarkeit
setzen?
Wie hat sich Ihrer Erfahrung nach
das Bewusstsein für die Kreislauffähigkeit
von Materialien in der
Bauwirtschaft in den letzten Jahren
verändert – und welche Rolle spielt
dabei der regulatorische Rahmen?
Bauwerke sind in der Regel Investitionsgüter,
bei denen man von einer
langlebigen Nutzung ausgehen muss.
Es ist jedoch diese Langlebigkeit,
die meist die Illusion hervorruft, es
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Kreislauffähig bauen
© Zooey Braun
Mit 330 Wohnungen in sechs Gebäuden soll
das Plusenergie-Quartier P18 in Holzmodulbauweise
in Sachen nachhaltiges und
serielles Bauen neue Maßstäbe setzen. Das
Projekt in Stuttgart-Bad Cannstatt basiert
auf den Aktivhaus-Modulen des Büros.
bestehe kein immanentes Problem.
Dass das Bauwesen maßgeblich für
den globalen Ressourcenverbrauch
und das globale Abfallaufkommen
verantwortlich ist, ist eine Tatsache,
die sehr lange ignoriert wurde.
Inzwischen ist die Kreislauffähigkeit
zur Reduktion des Ressourcenverbrauchs
ein Kriterium, das im Bauwesen
von Bauschaffenden bewusst
abgefragt wird. Was noch fehlt, ist
eine allgemeine Baukultur, bei der
sich Regelprozesse für die Kreislaufwirtschaft
flächendeckend etabliert
haben. Dies gilt es sowohl zu fördern
als auch einzufordern. An einer Mindestquote
für Recycling führt kein
Weg vorbei. Dabei geht es insbesondere
um die stoffliche Verwertung
von Baumaterialien und den proaktiven
Erhalt von Bausubstanz.
Bei Ihrem Projekt P18 wurden rund
90 % der verwendeten Materialien
so ausgewählt, dass sie wiederverwendet
oder recycelt werden
können. Welche konkreten Entscheidungen
oder Prozesse waren
dafür notwendig?
Man muss sich mit den inhärenten
Eigenschaften von Baustoffen beschäftigen,
um das jeweilige Material
an der richtigen Stelle verwenden zu
können. Daraus ergibt sich ein funktionaler
Einsatz, bei dem Materialien
nicht einer Nutzung zugeordnet
werden, die eine Kombination von
unterschiedlichen Materialien erforderlich
macht – was eine sortenreine
Trennung am Ende der Nutzung erschwert.
Die modulare Holzständerbauweise
von P18 macht eine einfache
Demontage möglich und schafft
damit die Grundvoraussetzungen,
um die einzelnen Materialien sortenrein
nach Ablauf der Nutzung entnehmen
zu können.
Des Weiteren ist es essenziell, dass
eine gute Dokumentation vorhanden
ist. Dabei gilt es insbesondere, Themen
wie die stoffliche Zusammensetzung
der Bauteile, deren Fügung und
den selektiven Rückbau zur Extraktion
von Ressourcen miteinzubeziehen.
Das Projekt wurde als Plusenergiequartier
realisiert. Inwiefern lassen
sich energetische Nachhaltigkeit
und Materialkreisläufe sinnvoll miteinander
verbinden – oder stehen
sie im Zielkonflikt?
Energieverbrauch und Materialverbrauch
sind zwei unterschiedliche
Themen. Trotzdem ist bei beiden
die Reduktion von klimaschädlichen
Emissionen eines der wichtigsten
Ziele. Während der Materialverbrauch
und die damit verbundenen
Emissionen im Wesentlichen bei der
Erstellung eines Gebäudes entstehen,
fallen die Emissionen, die mit
dem Energieverbrauch verbunden
sind, v.a. im Betrieb eines Gebäudes
an. Wichtig ist, dass die Emissionen
in Summe reduziert werden.
Wie gelingt es Ihrem Büro, schon
in der Planungsphase die späteren
Rückbau- und Wiederverwendungsszenarien
mitzudenken? Gibt es
spezielle Methoden oder digitale
Tools, mit denen Sie arbeiten? u
architektur FACHMAGAZIN
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Kreislauffähig bauen
© Zooey Braun
Auf dem Campus der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt
(Empa) kombiniert die Experimentaleinheit Urban Mining & Recycling (UMAR) als
Teil des Forschungsgebäudes NEST ansprechende Architektur und einen verantwortlichen
Umgang mit natürlichen Ressourcen.
Es ist wichtig, sich möglichst früh
mit der angestrebten Bauweise zu
beschäftigen. Wenn man beispielsweise
umweltrelevante Daten in die
BIM-Modelle integriert, kann man
die Auswirkungen bestimmter Konstellationen
bereits in einer frühen
Planungsphase eruieren. So lassen
sich die Weichen schon sehr früh für
nachhaltiges Bauen stellen. Darüber
hinaus ist die Beschäftigung mit der
Fügung der Bauteile eine wesentliche
Voraussetzung für einen kreislaufgerechten
Entwurf – ein Punkt, der
deshalb keinesfalls erst am Ende des
Prozesses betrachtet werden darf.
Mit der Experimentaleinheit Urban
Mining & Recycling (UMAR) wurde
auf dem Empa-Campus ein radikal
zirkulärer Prototyp realisiert. Was
waren die wichtigsten Learnings aus
diesem Projekt – auch im Hinblick
auf Skalierbarkeit für den Wohnoder
Bürobau?
Ein Leuchtturmprojekt wie
NEST-UMAR dient in erster Linie
dazu, Vorurteile abzubauen und positive
Impulse zu liefern, wie wir zukünftig
bauen wollen. Dazu gehört
auch, sich von vermeintlichen Standards
zu verabschieden. Dass wir
unsere gebaute Umwelt teilweise nur
noch durch deren Oberflächen erfahren
können, ist eine Entwicklung, die
eher zu einer Entkopplung von ihr
führt. Wir brauchen mehr Interesse
und Neugier für die Beschaffenheit
unserer gebauten Umwelt.
Nach diesem Ansatz sind Baumaterialien,
Bauelemente oder Bauprodukte
nicht länger anonym. Sie haben
einen Ursprung und bestenfalls auch
ein Nutzungs- und Verwertungsziel.
Mit zunehmender Bedeutung des
Werterhalts von verbauten Materialien
wird auch das Wissen um die
Extraktion und Weiterverwendung
von Baumaterialien zunehmen. Dies
ist nicht allein neuen Materialien und
Bauprodukten vorbehalten, sondern
kann auch auf traditionelle Bauweisen
übertragen werden.
Inwiefern verändert ein solches experimentelles
Projekt wie UMAR die
interne Planungskultur oder auch
das Mindset der Projektbeteiligten –
von Architekt:innen über Auftraggeber:innen
bis hin zu Nutzer:innen?
Beim Projekt NEST-UMAR wurden
viele Materialien bereits ausgewählt,
bevor man sie einer eindeutigen Bestimmung
zuordnete. Dies geschah
parallel zu den konzeptionellen Vorstellungen,
wie man die Forschungseinheit
bauen wollte. Dies bedeutet
nicht, dass die verwendeten Materialien
den Entwurf diktierten, sondern
dass ein Zusammenspiel zwischen
Material und Funktion erfolgte. Wenn
beispielsweise in einem Entwurf wiederverwendete
Bauteile eingesetzt
werden sollen, dann ist die Beschaf-
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Kreislauffähig bauen
fung dieser Bauteile ein wesentlicher
Bestandteil des Planungs- und Bauprozesses.
Auch die Verwendung
von Rezyklaten – sprich Ressourcen,
die bereits im Umlauf waren – setzt
eine entsprechende Planung (und
Verfügbarkeit) voraus. Die Frage
nach dem richtigen Material lässt
sich nicht hintanstellen, wenn man
kreislaufgerecht bauen möchte.
Mit UMAR beschäftigen Sie sich mit
Recycling-Baustoffen. Können Sie
einen Einblick in deren Potenzial
geben und welche Materialien oder
Innovationen halten Sie derzeit für
besonders vielversprechend im
Hinblick auf echte Kreislauffähigkeit
im Bauwesen?
Im Sinne einer Reduktion des Ressourcenverbrauchs
ist das beste Material
jenes, das man nicht braucht.
Das bedeutet, dass der Umgang
mit Bestandsgebäuden und der Erhalt
von Bausubstanz eine immer
wichtigere Rolle einnehmen wird.
Dabei ist es wichtig, zwischen Potenzial
und praktischer Umsetzung
zu unterscheiden. Die Hürden einer
erfolgreichen Umsetzung sind oft
nicht funktionelle oder technische
Belange, sondern der allgemeine
Wunsch, ein Neuprodukt ohne Makel
zu bekommen. Dabei kann man sich
auch an den lebendigen Oberflächen
von Materialien erfreuen: die kleinen
Kratzer bei metallischen Oberflächen,
offenporige changierende
Holzoberflächen, Kupferbleche mit
unterschiedlichen Graden der Oxidation
oder die körnige Beschaffenheit
von Lehmputzen. Es geht nicht
darum, Qualitätsstandards herabzusetzen,
sondern Alternativen zu den
glatten, makellosen Oberflächen zu
schaffen, die oft nicht in Würde altern.
Die Frage, wie ein Bauwerk oder
Bauteil gut altert, wird bislang noch
viel zu wenig betrachtet.
© Zooey Braun
Wenn Sie sich den Gebäudebestand
der Zukunft vorstellen: Welche Rolle
spielen rückbaufähige Konstruktionen,
sortenreine Trennbarkeit und
modulare Systeme – und wie können
diese schon heute in der Architekturpraxis
verankert werden?
Meiner Meinung nach wird sich die
gebaute Umwelt der nahen Zukunft
nicht wesentlich von der jetzigen
unterscheiden: Bauten mit unterschiedlichem
Alter und diversen
Bauarten, die unterschiedlichen Anforderungen
gerecht werden müssen.
Allerdings wird der Umfang und
die Qualität der Dokumentation zu
diesen Bauten zunehmen, damit sich
die urbane Mine besser nutzen lässt
– weil auch die Notwendigkeit, diese
verwenden zu müssen, steigt.
Was müsste aus Ihrer Sicht geschehen
– politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich
– damit zirkuläres Bauen
vom ambitionierten Einzelfall zum
breit etablierten Standard wird?
Es ist schwierig, mit Sicherheit vorherzusagen,
was wirklichen, flächendeckenden
Fortschritt erzeugen
wird. Die Vielzahl an Herausforderungen,
denen wir im Bauwesen gegenüberstehen,
lässt einen oft daran
zweifeln, dass ein wirklicher Wandel
möglich ist. Wir dürfen aber nicht die
Lust am Bauen verlieren. Denn wie
wollen wir Werte erhalten, wenn wir
uns an diesen Werten nicht erfreuen
können? Dies ist nicht nur komplexen
Bauvorhaben vorbehalten, sondern
kann und muss auch im Kleinen
umgesetzt werden.
•
© Felix Heisel
Recyclierte und recyclingfähige Materialien
machen die Experimentaleinheit UMAR
zum temporären Materiallager und Materiallabor.
Die verwendeten Recycling-Baustoffe
wurden aus bestehenden Kreisläufen
entnommen oder für die künftige Verwendung
in biologischen und technischen
Kreisläufen aufbereitet.
architektur FACHMAGAZIN
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Kreislauffähig bauen
Sozial nachhaltig &
kreislaufgerecht
MittenIm / Niederwerrn / Schlicht Lamprecht Kern Architektur Stadtplanung
Text: Edina Obermoser Fotos: Stefan Meyer
Um dem Aussterben des Ortskerns entgegenzuwirken,
startete das Büro Schlicht Lamprecht Kern Architektur
Stadtplanung im Auftrag der Gemeinde Niederwerrn
ein Projekt zur Neubelebung des Zentrums. Unter dem
Titel MittenIm setzte man dabei zunächst ein Ensemble
aus zwei Neubauten, revitalisierten Bestandsgebäuden,
Außenflächen und einem zentralen Dorfplatz um. Das
neue Herzstück der unterfränkischen Gemeinde bildet
mit dem zirkulären Bürgerzentrum ein Haus, das weitgehend
aus recycelten Materialien besteht. Essenziell
für die Umsetzung waren die Mittel der Städtebauförderung,
mit der der Bund Transformationsprojekte im
ländlichen Raum finanziell unterstützt.
Begonnen wurde mit der Entwicklung des neuen
Ortskerns bereits 2014. Ein nachhaltiges Nutzungskonzept
sollte das zunehmend von Leerständen
geprägte Zentrum der 9.500-Einwohner-Gemeinde
nordwestlich von Schweinfurt wieder in einen lebendigen
Ort verwandeln. In Form eines integrierten
städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK)
und diversen Beteiligungsformaten interessierte
man sich damals zunächst für die Wünsche der Bürger.
Im Anschluss kaufte bzw. tauschte man – dank
persönlichem und weitsichtigem Engagement der
Bürgermeisterin und des Architektur- und Stadtplanungsbüros
– die erforderlichen Grundstücke, um
das Projekt realisieren zu können. Im Zuge dessen
wurden unter anderem leerstehende Gebäude revitalisiert,
Parzellen umgenutzt und Eigentum in barrierefreien
Wohnraum getauscht. Im Sommer 2024
konnte die neue Ortsmitte von Niederwerrn schließlich
eingeweiht werden. Neben dem Neubau mit einem
Veranstaltungssaal, Vereinsräumen und einem
Bürgercafé umfasst das Ensemble auch ein umgebautes
Wohnhaus und ein historisches Scheunengebäude.
Ein Dorfplatz in Hanglage sowie begrünte
Außenräume – darunter ein Bauerngarten und einladende
Sitzstufen mit Platz für Outdoor-Veranstaltungen
– verbinden die einzelnen Bauten mit dem
angrenzenden Bestand.
u
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29
Schlicht Lamprecht Kern Architektur Stadtplanung
Ein neues Netz aus Wegen
und Plätzen verbindet
den Altort und das Siedlungsgebiet.
Unter den
Plätzen für Markt, Plantanz
und den Sitzstufen
sind Zisternen, ebenso
verläuft hier die Versorgung
aller Gebäude über
die neue Energiescheune.
architektur FACHMAGAZIN
30
Kreislauffähig bauen
Recyclingbeton trifft Holz
Im Fokus des Projekts stand abgesehen von der sozialen
Nachhaltigkeit auch das Thema Kreislaufwirtschaft,
weshalb man hauptsächlich auf recyceltes
Material setzte. Das Herzstück des Zentrums bildet
das neue Bürgerzentrum, das sich aus zwei Baukörpern
mit Satteldach zusammensetzt. Diese legen
sich, in Längsrichtung leicht versetzt, aneinander und
orientieren sich so an der kleinteiligen Struktur der
Umgebung. Ziel des Entwurfs war es, „ein Haus aus
Holz und ein Haus aus Stein zu bauen“, schildert das
Planerteam die Inspiration für die Materialität. Sowohl
der westliche Trakt als auch Fundament und Sockel
des zweiten Gebäuderiegels aus Holz wurden in Recyclingbeton
umgesetzt. Für die massiven Bauteile kam
das Abbruchmaterial einer rund 50 km entfernten Brücke
bei Würzburg zum Einsatz. Die ehemalige Talbrücke
Rothof wurde 2019 rückgebaut und in einem nahegelegenen
Recyclingwerk aufbereitet. Nun fertigte
man aus den rund 700 Kubikmetern sämtliche Betonelemente
des Neubaus und konnte dadurch sogar
Kosten einsparen. Die kurzen Transportwege wirkten
sich ebenfalls positiv auf den CO 2 -Fußabdruck des
Projekts aus. Um dem Beton die gewünschte steinerne
Optik zu verleihen, bearbeitete man diesen mit traditionellen
Handwerkstechniken wie Scharrieren und
Spitzen. Die manuelle Einwirkung legt die Körnung
des Zuschlags frei und verändert zudem die Farbe
des Recyclingwerkstoffs, wodurch die Oberflächen einen
einzigartig lebendigen Charakter erhalten. Auch
sonst finden sich an den Fassaden typische Elemente
regionaler Baustile wie geringe Dachüberstände und
Gewände um die Fenster wieder und integrieren das
Ensemble behutsam in die bestehende Dorfstruktur.
Auch beim Haus aus Holz spielte die Materialwahl eine
wichtige Rolle: Anstelle von mineralischen Dämmstoffen
entschied man sich für Holzwolle und verzichtete
außerdem weitgehend auf Klebstoffe und Folien.
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31
Schlicht Lamprecht Kern Architektur Stadtplanung
Neubau als kollektiver Treffpunkt
Der Zutritt zum neuen Bürgerzentrum erfolgt über
den Holzbau. Durch das Foyer gelangen Besucher
hier in den Bürgersaal mit Platz für bis zu 100 Personen.
Im angrenzenden Gebäude untergebracht, öffnet
sich dieser mit bodentiefen Fenstern zum Dorfplatz
und dem Museum. Eine skulpturale Treppe lädt
mit Sitzstufen zum Verweilen ein und führt weiter ins
obere Geschoss, in dem sich zwei Multifunktionsräume
für Vereinstreffen, Trauungen und andere Events
sowie ein Café befinden. In beiden Trakten des Neubaus
prägen die konstruktiven Elemente auch das
Design: Im Haus aus Stein ergänzen Holzeinbauten
und -böden die Sichtbetonoberflächen um warme
Akzente. Im Massivholzbau sorgen die unverkleideten
Fichten- und Eschenhölzer ebenfalls für eine angenehme
Atmosphäre.
u
Im Inneren des neuen Bürgerzentrums kam
man dem Wunsch nach Orten des Zusammenkommens
und der generationsübergreifenden
Begegnung nach.
architektur FACHMAGAZIN
32
Kreislauffähig bauen
Altbestand neu belebt
Ein altes Fachwerkhaus wurde im Zuge der Umbaumaßnahmen
zum Museum umfunktioniert. Dafür
entkernte das Planerteam aus Schweinfurt den Bau
vollständig und ersetzte eine marode Außenwand
durch großflächige Verglasungen. Wie durch ein
Schaufenster können Passanten auch abseits der
Öffnungszeiten die Exponate – eine Mischung aus
Alltagsgegenständen der Betreiberfamilie eines örtlichen
Lebensmittelladens – bestaunen.
Bei der sogenannten Energiescheune handelt es sich
ebenfalls um ein historisches Bestandsgebäude. Die
Scheune aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
wurde behutsam transformiert und gibt fortan als
Informations-Hub bzw. kleines Nahwärmekraftwerk
Einblicke in nachhaltige Energiekonzepte. Für die
Ausbesserungsarbeiten an den Fassaden verwendete
man Backsteinklinker eines rückgebauten Stalls
und verpackte die verschiedenen Zeitschichten
dann einheitlich hinter einer geschlämmten Außenhülle.
Über der Sockelzone aus Recyclingbeton dienen
im Inneren die sägerauen Schalungsbretter des
Betons als Wandverkleidung. In eingestellten Boxen
befinden sich in dem Gebäude alle technischen Anlagen
für die Energieerzeugung des Ensembles – von
Wärmepumpe und Pelletsheizung bis hin zu Photovoltaik-Modulen
auf dem Dach.
Die Sammlung im Museum entstand im Laufe des
letzten Jahrhunderts durch die Betreiberfamilie
eines örtlichen Lebensmittelladens. Das Einzelhändlerpaar
beherbergte diese in ihrem eigenen
Keller und stiftete die Stücke dann der Gemeinde.
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Legende
33
1. Bürgersaal
7. Technikboxen auf Gewölbekeller
9. Trausaal / Vereinsraum
14. Ladenmuseum
15. Gewölbekeller
16. Altortpfad
Schlicht Lamprecht Kern Architektur Stadtplanung
7
7 7
7
15
16
Scheune Bestand
Neubau Bürgerhaus
17
9
9
9
14
14
1
1
15 15 15
12 13
10
10 10
16
9
11
11
Fachwerkhaus Bestand
Legende
9. Trausaal / Vereinsraum
10. Bürgercafe´
11. Küche
12. Müllraum
13. Lager
14. Ladenmuseum
16. Altortpfad
17. Außenbereich Cafe´
14
Zukunftsgerichtetes Projekt
mit Modellcharakter
Gemeinsam mit der zur Gemeindebibliothek umgenutzten
Synagoge im Süden und dem östlichen Museum
fasst das nördlich positionierte Bürgerzentrum
den neuen Dorfplatz ein. Da sich die Bevölkerung
mehr Außenbereiche wünschte, sahen Schlicht Lamprecht
Kern Architekten weitere Freiräume an der
frischen Luft vor, die in Kooperation mit dem Landschaftsarchitekturbüro
Dietz und Partner konzipiert
wurden. Unter dem Dorfplatz wird in Zisternen das
Regenwasser der umliegenden Gebäude für die Bewässerung
der Grünflächen gesammelt, sämtliche
Bereiche sind außerdem barrierefrei umgesetzt. Bäume
und Pflanzen spenden in den heißen Sommermonate
Schatten, sorgen in Kombination mit Klimasteinen
für ein positives Mikroklima und Wasserbecken
laden künftig zum Abkühlen ein.
MittenIm revitalisiert den Ort als neues Gemeindezentrum
nicht nur, sondern setzt auch ein Zeichen
für die Kreislaufwirtschaft im Bausektor. Dank mutiger
Entscheidungen macht die kleine Kommune vor,
wie sich zukunftsgerichtete Projekte dieser Art auch
im ländlichen Raum umsetzen lassen und animiert so
hoffentlich weitere Gemeinden zur Nachahmung. •
Legende
7
7 7
7
8
8
16
5
3
3
4 3 3
1 18
6
2
2
1. Bürgersaal
2. Foyer mit Teeküche
3. Sanitär
4. Lager
5. Technik
6. Putzraum
7. Technikboxen auf Gewölbekeller
8. Ausstellungsfläche
15. Gewölbekeller
16. Altortpfad
18. Platz Plantanz
15
15
1. Bürgersaal
2. Foyer mit Teeküche
3. Sanitär
4. Lager
5. Technik
6. Putzraum
7. Technikboxen auf Gewölbekeller
8. Ausstellungsfläche
9. Trausaal / Vereinsraum
10. Bürgercafé
11. Küche
12. Müllraum
13. Lager
14. Ladenmuseum
15. Gewölbekeller
16. Altortpfad
17. Außenbereich Café
18. Platz Plantanz
MittenIm
Niederwerrn, Landkreis Schweinfurt
Bauherr:
Planung:
Tragwerksplanung:
Landschaftsarchitektur:
Energieberatung:
Gesamtenergiekonzept:
Gemeinde Niederwerrn
Schlicht Lamprecht Kern Architektur Stadtplanung
Joachim Ingenieure
Dietz und Partner Landschaftsarchitekten
Mai Bauphysik
IfE – Institut für Energietechnik
Planungsbeginn: 2019 (ISEK: 2014, Grunderwerb Gemeinde ab 2016)
Baubeginn: 2022
Fertigstellung: Sommer 2024 (1. Bauabschnitt), 2025 (2. Bauabschnitt)
Baukosten: 5,3 Mio. € (Neubau und Bestand), 1,1 Mio. € (Freianlagen) brutto
– teils finanziert durch Mittel der Städtebauförderung im
Rahmen des Programms „Sozialer Zusammenhalt“
www.schlichtlamprechtkern.de
„Zirkuäres Bauen gelingt durch einen vielfältigen
Umgang mit dem Bestand: durch
Lesen und Respektieren des Vorhandenen,
durch achtsames Weiterdenken und nicht
zuletzt durch eine verantwortungsvolle Haltung
und Planung. Hierzu zählt der Wille zur
Transformation historischer und ortsbildprägender
Gebäude ebenso wie zur kreislaufgerechten
Materialverwendung.
Schlicht Lamprecht Kern
Architektur Stadtplanung
architektur FACHMAGAZIN
34
Kreislauffähig bauen
www.architektur-online.com
35
Lendager
Ein Hochhaus
als Materiallager
Bürogebäude TRÆ / Aarhus, Dänemark / Lendager
Text: Andreas Laser Fotos: Anders Nymann Wejse, Velkendt
Das Gebäudeensemble – bestehend aus einem 20-geschossigen
Turm und zwei flankierenden sechsgeschossigen
Bauten – wurde mit dem Ziel konzipiert,
den CO2-Fußabdruck nicht nur durch nachwachsende
Materialien zu senken, sondern auch durch eine
konsequent zirkuläre Materialstrategie. Der Entwurf
zeigt, dass ambitionierte Nachhaltigkeitskonzepte
auch bei großen, komplexen Bauaufgaben möglich
sind – vorausgesetzt, sie werden von Beginn an architektonisch
mitgedacht und gestalterisch ernst
genommen. TRÆ wurde dabei bewusst ohne klassische
Nachhaltigkeitszertifikate realisiert. Statt auf
standardisierte Bewertungssysteme zu setzen, entwickelte
das Projektteam ein maßgeschneidertes
Konzept, das stärker auf soziale, gesundheitliche
und klimatische Faktoren fokussiert. Dieser Ansatz
eröffnete Freiheiten, etwa bei der Auswahl nicht zertifizierter
Rezyklate oder innovativer Materialien, die
in regulären Verfahren oft nicht zugelassen sind.
In der Sydhavn von Aarhus steht seit Kurzem ein neues
Wahrzeichen der Kreislaufwirtschaft: TRÆ, entworfen vom
dänischen Architekturbüro Lendager, ist mit 20 Geschossen
und knapp 80 Metern Höhe nicht nur Dänemarks höchstes
Holzgebäude – es ist auch ein bemerkenswertes Pionierprojekt
für zirkuläres Bauen im großen Maßstab, das den
Anspruch stellt, gängige Vorstellungen von Nachhaltigkeit
zu hinterfragen. Es steht für eine Architektur, die sich
nicht allein an energetischen Kennwerten oder Zertifikaten
misst, sondern an der Fähigkeit, Ressourcen zu schonen,
Materialien im Kreislauf zu führen und lebenswerte urbane
Räume zu schaffen.
Ort der Arbeit und Begegnung
Das Nutzungskonzept von TRÆ ist primär auf gewerbliche
Zwecke ausgerichtet. Die Flächen in den
Obergeschossen dienen überwiegend als Büroarbeitsplätze,
während die Erdgeschosszonen Raum
für gewerbliche und gemeinschaftlich nutzbare
Funktionen bieten. Cafés, soziale Treffpunkte und
offene Werkstattbereiche wurden bewusst integriert,
um das Gebäude ebenso als Arbeitsort, wie auch als
Bestandteil des öffentlichen Stadtraums zu etablieren.
Der Entwurf unterstützt dabei unterschiedliche
Nutzungsformen: Einzelbüros, offene Arbeitslandschaften,
Veranstaltungsräume und Begegnungsflächen
können flexibel organisiert werden. Die drei
Baukörper gruppieren sich um ein begrüntes, öffentlich
zugängliches Plateau, das als verbindendes Element
zwischen Innen- und Außenraum wirkt. Über
die skulptural angelegte Fußgängerbrücke „Gåslange“
ist das Areal mit der benachbarten Hochbahntrasse
„The Coal Bridge“ verknüpft und in das städtische
Wegenetz eingebunden.
u
architektur FACHMAGAZIN
36
Kreislauffähig bauen
Hoch hinaus mit Holz
Die Tragstruktur von TRÆ basiert auf massiven
CLT-Deckenelementen und Brettschichtholzstützen,
ergänzt durch CO2-reduzierte Betonkerne, die
den Anforderungen an Brandschutz, Robustheit und
Erdbebensicherheit gerecht werden. Die größte planerische
Herausforderung war die Entwicklung eines
modularen Systems, das die doppelspannenden Eigenschaften
der CLT-Platten statisch optimal nutzt
– also deren Fähigkeit, Lasten in zwei Richtungen abzutragen.
Dies setzte eine hochpräzise Abstimmung
von Raster, Stützenpositionen und Plattengrößen
voraus – erschwert durch die geschwungene Gebäudeform
und variable Nutzungsanforderungen.
Ziel war eine Konstruktion, die mit möglichst wenig
Stahl und Beton auskommt, ohne Kompromisse bei
Stabilität, Raumqualität oder Flexibilität einzugehen.
Das Ergebnis ist ein hybrides System mit hoher Vorelementierung,
schneller Montage – und gestalterischer
Klarheit.
www.architektur-online.com
37
Lendager
Ressourcen im Kreislauf
TRÆ wäre kein Vorzeigeprojekt der Kreislaufwirtschaft,
wenn es sich lediglich auf den nachwachsenden
Rohstoff Holz verlassen würde. Tatsächlich
basiert der gesamte Entwurf auf einer stringenten
Materialstrategie des Weiterverwendens, Transformierens
und Dokumentierens. Fenster aus Rückbauten,
recycelte Aluminiumbleche, alte Windkraftflügel
als Sonnenschutz, Bodenbeläge aus Abfallholz,
Akustikplatten aus Textilresten und PET-Flaschen
wirken in keiner Weise provisorisch. Sämtliche Materialien
sind harmonisch aufeinander abgestimmt und
etablieren so eine neue Ästhetik des Rezyklats.
Folglich wurden die Sekundärmaterialien nicht versteckt,
sondern als Teil der architektonischen Identität
verstanden. Patina, Gebrauchsspuren oder Materialbrüche
erzählen Geschichten vom Ursprung, statt
ihn zu tilgen. Das Gebäude wird so selbst zu einem
Erlebnissraum zirkulären Gestaltens – ein Ort, an
dem Materialgeschichte sichtbar bleibt.
Ein weiteres Beispiel ist die landschaftsarchitektonische
Strategie: Sämtliche Bäume auf dem Gelände
stammen aus dem kommunalen Bestand von Aarhus
und wurden vor der drohenden Fällung gerettet – als
sogenannte Adoptivbäume, die nun in einem neuen
ökologischen Kontext Wurzeln schlagen dürfen. u
Unregelmäßigkeiten und Patina der recycelten Fassadenelemente sind Teil des architektonischen
Konzepts und machen Materialkreisläufe sichtbar. Die begrünten
Dachterrassen bieten Rückzugsorte für die Gebäudenutzer:innen und ergänzen die
vertikale Gliederung um qualitätsvolle Freiräume.
architektur FACHMAGAZIN
38
Kreislauffähig bauen
Die Innenräume sind mit
Materialien aus Sekundärnutzung
ausgestattet
– darunter Böden und
Wandverkleidungen aus
Restholz und Akustikelemente
aus recyceltem
PET und Textil.
Rückbau, Wandel, Weiterverwendung
Die zirkuläre Denkweise endet bei TRÆ nicht mit der
Fertigstellung – sie setzt sich in der baulichen Reversibilität
fort. Sowohl die tragende Holzkonstruktion als
auch die Holzrahmenkonstruktion der Fassadenelemente
sind mit lösbaren Verbindungen ausgeführt.
Alle Stützen und Decken bestehen aus Bauteilen in
Standardabmessungen, die lediglich auf die Gebäudekrümmung
abgestimmt wurden – eine bewusste
Entscheidung zugunsten der Wiederverwendbarkeit.
Darüber hinaus liegt für alle eingebauten Komponenten
eine umfassende Dokumentation in Form eines
Betriebs- und Wartungshandbuchs vor. Dieses dient
sowohl der Instandhaltung als auch explizit dem späteren
Rückbau oder der Transformation.
Die Innenräume sind darüber hinaus so konzipiert,
dass sie flexibel bespielt, umgebaut oder angepasst
werden können – ein wichtiger Aspekt für die langfristige
Nutzbarkeit und damit für die ökologische
Lebensdauer des Gebäudes.
,
²
www.architektur-online.com
39
Lendager
1
T1
Geteiltes Wissen, multiplizierbare Lösungen
Der besondere Wert von TRAE reicht weit über
das Gebäude selbst hinaus, da es Material- und
Konstruktionswissen offenlegt und weiterführt.
Drei Etagen sind als „Living Labs“ konzipiert – reale
Testfelder, auf denen Produkte, Materialien und
Konstruktionen unter Alltagsbedingungen erprobt
werden können. Darüber hinaus wurde der gesamte
Planungs- und Bauprozess systematisch dokumentiert:
Von der Brandschutzstrategie über die Verarbeitung
von Altmaterialien bis zur Wirtschaftlichkeit
einzelner Maßnahmen.
Diese Offenheit macht TRÆ zu einem skalierbaren
Modell: Die Prinzipien – etwa der modulare Holzbau,
die systematische Wiederverwendung, die dokumentierte
Rückbaubarkeit – sind auf andere Projekte
übertragbar. Damit ist TRÆ weit mehr als ein singuläres
Experiment. Es fungiert vielmehr als praktischer
Prototyp für eine Bauwirtschaft, die Verantwortung
nicht delegiert, sondern selbst gestaltet. •
T2
T3
-
TRÆ
Aarhus, Dänemark
Bauherr:
Planung:
Tragwerksplanung /
Ingenieurleistungen:
Öffentliche Partner:
Planungsbeginn: 2018
Fertigstellung: 2024
Höhe:
78 Meter
Geschosse: 20
Gesamtfläche: 14.650 m 2
www.lendager.com
PFA Ejendomme / Kilden & Hindby
Lendager
Artelia (vormals MOE)
Stadtverwaltung Aarhus, Realdania
© Maria Albrechtsen Mortensen
Die zentralen Erkenntnisse des ProjektsTRÆ
• Zirkuläres Design kann wirtschaftlich wettbewerbsfähig sein.
• Abfallmaterialien können als vollwertige architektonische
Komponenten dienen.
• Hochhäuser aus Holz erfordern neue Strategien in Statik,
Brandschutz und Akustik.
• Frühe, integrierte Zusammenarbeit ist entscheidend für
zirkuläre Innovation.
• Der Markt ist offen für zirkuläre, identitätsstiftende Projekte.
• Nachhaltigkeit muss von einer Option zur Grundlage werden.
• Skalierbare Wirkung erfordert offene Dokumentation.
• Eingebaute „Living Labs“ beschleunigen Materialinnovationen.
Anders Lendager, Creative Director
architektur FACHMAGAZIN
40
Kreislauffähig bauen
Natur-Bausatz
Bürogebäude HasleTre / Oslo / Oslotre
Text: Edina Obermoser Fotos: Einar Aslaksen, Dag Sandveen
www.architektur-online.com
41
Oslotre
Oslotre Architekten realisierten mit HasleTre ein Bürogebäude,
das den gesamten Lebenszyklus der verbauten
Materialien berücksichtigt. Wie ein Baukasten wurde das
Haus vollständig demontierbar und wiederverwendbar
umgesetzt. Das Projekt kombiniert traditionelle Handwerkskunst
mit modernen, industriellen Techniken,
verzichtet weitgehend auf Stahl und weist damit den Weg
in eine zirkuläre Holzbauzukunft.
Der Auftraggeber wünschte sich am Rande des Stadtzentrums
von Oslo ein nachhaltiges, vielseitiges und
innovatives Geschäftsgebäude, bei dem das Thema
Reuse im Fokus stehen sollte. Mit dem norwegischen
Büro war dafür schnell der ideale Partner gefunden.
Denn Oslotre fokussiert sich eigenen Angaben nach
auf Lösungen, die im Einklang mit der Natur stehen
und diese gezielt nutzen. Um den Vorgaben gerecht
zu werden, entschied sich das Planerteam beim Bau
des viergeschossigen Hauses, das sich über 3.000 m 2
erstreckt, für eine Holzkonstruktion und dachte dabei
sogar dessen künftigen Rückbau mit. „HasleTre
ist ein Pionierprojekt für nachhaltige Architektur, das
von der Notwendigkeit angetrieben wird, klimatische
Herausforderungen zu bekämpfen und eine resiliente
Zukunft zu gestalten“, beschreiben die Architekten
die Intention hinter dem Entwurf. Dass das mit
Bravour in die Tat umgesetzt werden konnte, zeigt
eine Reduktion der CO 2 -Emissionen um 60 %, eine
exzellente BREEAM NOR Zertifizierung und eine
Auszeichnung des Neubaus als Norwegens „Holzbau
des Jahres“.
u
architektur FACHMAGAZIN
42
Kreislauffähig bauen
Ressourcenschonendes Gesamtkonzept
Die Struktur des Bürogebäudes beruht auf einem
regelmäßigen Raster mit 5 x 5 Metern, welches im
Inneren eine flexible Grundrissgestaltung mit Einzelbüros,
offenen Arbeitslandschaften, Gemeinschaftszonen
und kleinen Räumen zulässt. Um eine
vollständige Zerlegbarkeit zu ermöglichen, wurde
der Neubau wie ein großes Baukastenset geplant.
Sowohl bei der Primär- als auch bei der Sekundärkonstruktion
wählte man in erster Linie Standardformate.
Horizontale Elemente wie Geschossdecken
bestehen wie die tragenden Wände und Stützen
komplett aus Holz. Für eine bessere Wiederverwendbarkeit
weisen sämtliche Bauteile möglichst wenig
Ausschnitte auf. Das reduzierte den Abfall durch
Materialverschnitt in der Produktion und erwies sich
zugleich als Vorteil in Hinblick auf das Transportvolumen
und in weiterer Folge auf die Montage. Der
kreislauffähige Ansatz erforderte ein Umdenken: Da
nur sortenrein rückbaubare Einzelteile einem späteren,
effizienten Re-Use-Szenario im Sinne des Cradle-to-Cradle-Prinzips
entsprechen, zog man anstelle
von Verbundwerkstoffen und Verklebungen reversible
Lösungen wie reine Holzverbindungen vor. So
kamen bei den Brettschichtholzstützen und -trägern
Dübel aus Buchenholz zum Einsatz. CLT-Wände und
-Bodenplatten beruhen auf X-fix-Verbindern, die ein
weitgehend stahlfreies System ermöglichen. Im Vergleich
zu herkömmlichen Betonbauten konnte der
Stahlverbrauch auf diese Weise um bis zu 80 % reduziert
werden. Durch die modulare Konstruktion,
die bei Bedarf einfache Anpassungen zulässt, wird
gleichzeitig die Langlebigkeit des Hauses erhöht.
Neben ihrer Beständigkeit und räumlichen Flexibilität
verkürzte die Holzbauweise zudem die Bauzeit: Die
Errichtung von HasleTre dauerte von Beginn bis zum
Einzug lediglich neun Monate. Um das Gebäude zum
Materiallager für kommende Generationen zu machen,
wurden außerdem alle Bauteile sorgfältig dokumentiert.
Die Zeichnungen für die Montage sollen
Oslotre zufolge dann beim Rückbau als Handbuch
für die Demontage dienen.
u
www.architektur-online.com
43
Oslotre
architektur FACHMAGAZIN
44
Kreislauffähig bauen
Die Innenräume prägt
nicht nur das Raster
der Holz-Tragstruktur,
sondern auch ein Mix aus
Upcycling-Möbeln und
Einbauten aus natürlichen,
biologisch abbaubaren
bzw. Abfallmaterialien.
Naturbasiert, recycelt & effizient
Während im Sockelgeschoss raumhohe Verglasungen
für lichtdurchflutete Räume sorgen, kleiden die
Lochfassaden der darüberliegenden Bürogeschosse
mit ihren großen Fensteröffnungen helle Holzschindel.
Künftig sollen die Ansichten dank Grünpflanzen
je nach Jahreszeit anders aussehen und ihre Farbe
ändern. Ein Garten mit Biotop bildet auf dem Dach
den krönenden Abschluss und lädt mit einer spektakulären
Aussicht zu entspannten Pausen ein.
Auch im Inneren des Gebäudes bestimmt das warme
Naturmaterial alle Bereiche: Von den Stützen und Trägern,
welche die Grundrisse sanft zonieren, bis hin zu
den unverkleideten Deckenuntersichten bzw. Wandflächen
und den Holzrahmen der Fenster. So wird der
nachhaltige Werkstoff zum wohnlichen Hintergrund
für das übrige Interior Design. Dazu kombinierten die
Architekten Materialien wie Kork und Wolle, verzichteten
aber auch hier auf Schrauben und verwendeten
stattdessen Holznägel. Die Palette an organischen
Baustoffen bestimmt nicht nur die Optik, sondern
wirkt sich aufgrund ihrer hygrothermischen Eigenschaften
auch positiv auf das Raumklima und letztlich
auf den Energieverbrauch aus. Holz, Kork und Wolle
regulieren die Luftfeuchtigkeit, sind zugleich aber
auch diffusionsoffen und fungieren als Hitzeschutz
im Sommer. Dadurch soll das Wohlbefinden steigen
und sogar die Konzentrationsfähigkeit der Nutzer am
Arbeitsplatz verbessert werden.
Bei der Inneneinrichtung des Bürobaus stand ebenfalls
das Thema Ressourcenschonung im Mittelpunkt:
Fast zwei Drittel der Möbel sind upgecycelte
Stücke. Beim Rest handelt es sich um biologisch
abbaubare Materialien oder Industrieabfälle (wie z. B.
weiterverarbeitetes Plastik aus dem Meer). Selbst die
Lüftungsaggregate, akustischen Deckenplatten und
Bodenbeläge werden in dem Neubau nicht zum ersten
Mal verbaut und passen perfekt in das nachhaltige
Gesamtkonzept des Hauses.
www.architektur-online.com
45
Oslotre
Regelgeschoss
Pilotprojekt mit Vorbildwirkung
Was am Ende simpel wirkt, war in der Umsetzung von
einigen Herausforderungen geprägt. Die Koordination
der progressiven Bauweise bzw. der Naturmaterialien
und der Erfüllung der örtlichen Regularien stellte
sich teilweise als Kraftakt für die Beteiligten heraus.
Mit viel Fingerspitzengefühl und Kommunikation gelang
es schließlich, die Vorteile von Demontage und
Reuse darzulegen und so breite Zustimmung für das
Reuse-Konzept von HasleTre zu erlangen. Ein Einsatz,
der sich gelohnt hat und im besten Fall als Pilotprojekt
viele weitere Bauvorhaben inspiriert. • EG
HasleTre
Oslo
Bauherr:
Planung:
Tragwerksplanung :
Holzbau:
Betonbau:
Landschaftsarchitektur:
Einbauten:
Möbel:
Höegh Eiendom
Oslotre
Sweco
Oslotre & NyStruktur
Norconsult
Grindaker
Interiørarkitektur & Design
Romlaboratori- et
Weitere Projektpartner:
Rambøl (HKLS), Ekom (Elektro), Engenius (Sanitär),
Multiconsult (Brandschutz, Akustik & BREEAM Zertifizierung),
F.M.Haaland, Splitkon
Nutzfläche: 3.000 m 2
Fertigstellung: 2023
Baukosten: 106 Mio. NOK (8,9 Mio. Euro, exkl. MwSt.)
www.oslotre.no
„Wir bei Oslotre haben eine Leidenschaft für Holz und die
Möglichkeiten, die es bietet. Wir schaffen biologische Architektur,
die Ästhetik, Funktionalität und zukunftsweisendes
Design mit großem Respekt vor der Natur verbindet. Wir
glauben, dass großartige Gebäude für die Ewigkeit gebaut
werden sollten.“
Oslotre
architektur FACHMAGAZIN
46
Kreislauffähig bauen
Zu neuem
Leben erweckt
Bürogebäude Lumi / Uppsala, Schweden / White Arkitekter
Text: Roland Kanfer Fotos: Måns Berg
www.architektur-online.com
47
White Arkitekter
Was tun mit einem schwerfälligen Verwaltungsbau aus den 1970er-Jahren, dessen
architektonische Qualitäten diskutierbar sind? In Uppsala stand genau diese
Frage im Raum, als die schwedische Lebensmittelbehörde ihre ehemaligen Büros
im Hugin-Komplex aufgab. Das Gebäude galt als nicht sanierungsfähig: zu geringe
Deckenhöhen, zu kleine Fenster, schlechte Dämmung, kein Bezug zur Straße. Die
Empfehlung lautete Abriss. Doch das Projekt Lumi beweist, dass auch vermeintlich
unbrauchbare Gebäude das Zeug zur Transformation haben – und zu einem architektonischen
Beitrag zur Klimawende werden können.
Lumi – lateinisch für „lichtdurchflutet“ – ist ein siebengeschossiges
Bürogebäude mit hellen, offenen
Räumen. Zusätzlich bietet eine Dachterrasse den
Beschäftigten Platz. Eine gläserne Eingangshalle,
die drei Baukörper verbindet, bringt Licht bis tief
ins Gebäude und fungiert zugleich als Verteil- und
Begegnungsraum. Das Projekt ist das dritte vom
schwedischen Developer Vasakronan als Generalübernehmer
entwickelte Gebäude in Södra City,
einem früher städtebaulich isolierten Bereich zwischen
dem Hauptbahnhof und dem Fluss Fyrisån.
Ziel des Immobilienunternehmens ist die Entwicklung
eines zukunftsfähigen, grünen Stadtquartiers,
das nicht nur funktional und wirtschaftlich ist, sondern
auch sozial sowie ökologisch und klimagerecht
gebaut. Die Lage ist gut: Das Entwicklungsgebiet
grenzt an Parks und ein neues grünes Band Uppsalas
an und liegt nahe zur Innenstadt und zu den
großen Zufahrtsstraßen.
u
architektur FACHMAGAZIN
48
Kreislauffähig bauen
Konstruktionsprinzip Re-Use
Der Entwurf der schwedischen Architekturfirma
White Arkitekter mit dem leitenden Architekten
Anders Tväråna ist keine Verhüllung des Bestands,
sondern dessen Weiterentwicklung. Statt alles abzutragen,
wurden drei bestehende Gebäudekörper
weitgehend entkernt, strukturell ertüchtigt und
durch einen neu geschaffenen, verglasten Innenhof
miteinander verbunden. Dieser zentrale Lichthof bildet
heute nicht nur das Herzstück des Gebäudes,
sondern übernimmt auch die horizontale und vertikale
Erschließung. Die ehemals unübersichtlichen
Flure und statischen Strukturen wurden so in eine
moderne, flexible und lichtdurchflutete Bürolandschaft
überführt.
Das Gebäude wurde um drei Geschosse aufgestockt
– ohne neue Fundamente, nur durch die Nutzung der
Bestandsstruktur. Damit sind 40 Prozent mehr nutzbare
Fläche entstanden, insgesamt rund 21.000 m²
Bruttogeschossfläche, verteilt auf Büro-, Labor-, Gastronomie-
und Einzelhandelsflächen. Die vermietbare
Nutzfläche beträgt rund 16.500 m². Ein Tiefgaragengeschoss
ergänzt das Raumprogramm.
Die CO 2 -Bilanz sei durch diese Bauweise im Vergleich
zu einem Neubau in Holzrahmenbauweise halbiert
worden, sagt das Planungsbüro. Re-Use wurde bei
Lumi zum zentralen Konzept. Die Einsparung liegt
vor allem an der Wiederverwendung von Fundament
und Rahmen, aber auch an der Nutzung verschiedenster
aufbereiteter Bauteile, darunter 580 Türen,
12.450 m² Gipskartonplatten, 383 Glaspaneelen, 563
Innentüren und 446 Heizkörper. Gipskartonplatten
und deren Metallprofile wurden gelöst, gelagert
und wieder aufgebaut. Leichtbetondecken fanden
Verwendung für das neue Dachtragwerk, eben-
www.architektur-online.com
49
White Arkitekter
so wie Metallgeländer und Aluminiumdachplatten.
Sogar Strom- und Datenanschlussdosen wurden ausund
in neue Wandkanäle eingebaut. Ergänzt wurden
die ressourcenschonenden Maßnahmen durch zahlreiche
Maßnahmen wie Solarmodule in Dach und
Fassade, Regenwasserspeicher zur Toilettenspülung,
den Verzicht auf Schadstoffe im Innenausbau und
Einsatz dokumentierter Baustoffe.
Architektur durch Transformation
Die neuen Fassaden sind mit Schieferplatten verkleidet
– ein Naturmaterial mit geringem CO 2 -Fußabdruck
und robuster Alterung. Die Fassadenöffnung
wurde komplett neu gedacht: Statt kleiner Fensterflächen
bietet Lumi heute große, rhythmisch gegliederte
Öffnungen, die Tageslicht tief ins Gebäude bringen.
Die Neukonzeption des Erdgeschosses spielte eine
Schlüsselrolle in der Transformation. Ursprünglich lag
dieses erhöht – ein Relikt des städtebaulichen Denkens
der 1970er-Jahre, das das Areal vom öffentlichen
Raum abschottete. Durch gezielte Abgrabungen und
Umstrukturierungen wurde nun auf Straßenniveau
geöffnet: Gastronomie, Einzelhandel und Servicebereiche
sorgen für Belebung. An mehreren Ecken des
Grundstücks wurden die Böden lokal abgesenkt, um
Räume auf Gehsteigniveau mit öffentlicher Nutzung
als Beitrag zur sozialen Durchlässigkeit im Quartier zu
schaffen. Insgesamt sind mit so rund 22.000 m 2 aktivierter
Stadtraum entstanden.
u
architektur FACHMAGAZIN
50
Kreislauffähig bauen
Lichtdurchflutet: Statt eines Abrisses
wurden bestehende Baukörper
entkernt und durch einen
verglasten Innenhof mit einander
verbunden. Licht dringt nun tief
ins Gebäudeinnere.
Digitales Gebäudemodell
Lumi wurde mit Hilfe von Building Information Modeling
(BIM) geplant. Sämtliche Bauteile des Bestandsgebäudes
wurden erfasst, katalogisiert und direkt in
ein digitales Modell überführt. Dieses diente nicht
nur als zentrale Planungsgrundlage, sondern auch
zur Berechnung von CO 2 -Bilanzen, Logistikplanung
sowie zur Organisation von Rückbau- und Wiederaufbauprozessen.
Das gesamte Gebäude konnte
ohne konventionelle Baupläne errichtet werden –
alle relevanten Informationen wurden direkt dem
digitalen Modell entnommen. Der digitale BIM-Zwilling
ermöglichte darüber hinaus die Erstellung von
Echtzeit-Klimabilanzen und die präzise Steuerung
der Materiallogistik im Sinne einer Kreislaufwirtschaft.
White Arkitekter haben dieses digitale Gebäudemodell
inzwischen als internen Standard an
ihren 14 weltweit verteilten Standorten etabliert.
Das Projekt zeigt beispielhaft, wie der Bestand eines
ursprünglich als abbruchreif eingestuften Gebäudes
nicht als Last, sondern als wertvolle Ressource
genutzt werden kann – und wie sich Prinzipien der
Kreislaufwirtschaft bereits in der Planungsphase wirkungsvoll
umsetzen lassen.
•
www.architektur-online.com
51
White Arkitekter
OG5
Ansicht Nordost
Lumi
0
2.5 5
12.5 25 m
Skala: 1 : 250
FASAD 4
PR-A-40-3-00104
2021-01-29
SKALA 1:250
Lumi
PLAN 7
PR-A-40-1-00107
2021-01-29
0
2.5 5
12.5 25 m
SKALA 1:250
Skala: 1 : 250
OG2
Lumi
0
2.5 5
12.5 25 m
Skala: 1 : 250
HUVUDSEKTION B
PR-A-40-2-00102
2022-11-23
SKALA 1:250
Lumi
PLAN 4
PR-A-40-1-00104
2021-01-29
0
2.5 5
12.5 25 m
SKALA 1:250
Skala: 1 : 250
Lumi
0
2.5 5
12.5 25 m
Skala: 1 : 250
HUVUDSEKTION A
PR-A-40-2-00101
2022-11-23
SKALA 1:250
EG
Lumi
PLAN 2
PR-A-40-1-00102
2021-01-29
0
Bürogebäude Lumi
Uppsala, Schweden
2.5 5
12.5 25 m
SKALA 1:250
Skala: 1 : 250
Bauherr und Generalübernehmer:
Architektur:
Leitender Architekt:
Projektleiterin:
Landschaftsplanung:
Tragwerksplanung:
Vasakronan
White Arkitekter
Anders Tväråna
Anna Röjdeby
Dachterrasse: White Arkitekter
Gelände: Karavan, Uppsala
Knut Jönson ingenjörsbyrå, Uppsala
BGF: 21.000 m²
Nutzfläche: 16.500 m²
Planungsbeginn: 02/2019
Bauzeit: 10/2022 - 10/2024
Kosten:
ca. 720 Millionen SEK (inkl. MwSt)
Zertifizierung: LEED Platin
www.whitearkitekter.com
Mit Lumi haben wir gezeigt, dass es möglich ist, mit
recycelten Materialien schöne und durchdachte Architektur
und attraktive Räume zu schaffen, die trotz
der Einschränkungen der bestehenden Struktur modernen
Anforderungen gerecht werden.
Anders Tväråna und Anna Röjdeby, White Arkitekter
architektur FACHMAGAZIN
52
Kreislauffähig bauen
Robust
und reflektiert
Landwirtschaftliche Fachschule Winklhof / Oberalm, Salzburg / PLOV Architekten
Text: Andreas Laser Fotos: Emil Blau
Mit der Erweiterung der Landwirtschaftlichen Fachschule
Winklhof zeigen PLOV Architekten, wie sich
Gestaltungsqualität, funktionale Effizienz und ökologische
Verantwortung zu einem ganzheitlichen Architekturansatz
verbinden lassen. Der respektvolle Umgang
mit dem Bestand, die Integration kreislaufwirtschaftlicher
Prinzipien und der Fokus auf dauerhafte, einfache
Lösungen machen das Projekt zu einem beispielhaften
Beitrag für zukunftsorientierte Bildungsbauten weit
über den landwirtschaftlichen Kontext hinaus.
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53
PLOV Architekten
Im Zentrum der Anlage steht das Schloss Winkl, ein
historisches Bauwerk, um das sich seit der Schulgründung
1908 ein funktionales Ensemble entwickelt
hat. Die im Februar 2025 fertiggestellten neuen
Werkstätten für Holz- Metall- und Landtechnik sowie
die ebenfalls neuen Anlagen für den Pferdebetrieb
wurden östlich des Schlosses als eingeschossige,
hofartige Strukturen positioniert. Die axiale
Ausrichtung des neuen Reitplatzes auf das Schloss
stärkt dessen räumliche Präsenz und gliedert die
Neubauten klar in einen nördlichen und einen südlichen
Bereich. Diese Anordnung schafft eine starke
gestalterische Mitte und gewährleistet zugleich eine
funktionale Trennung der Hauptnutzungen: Während
die lärmintensiven Werkstätten im Süden angesiedelt
sind, befindet sich die geräuschsensible Pferdewirtschaft
im Norden – mit größtmöglicher Distanz,
um den Bedürfnissen der Tiere gerecht zu werden.
Fluchtende Kanten, einheitliche Dachhöhen und eine
zurückhaltende Materialwahl verbinden die Neubauten
zu einem Ensemble, das sich zeitgemäß zeigt und
dem Bestand dennoch mit Respekt begegnet.
Form folgt Funktion
Die hofartige Gebäudetypologie ist, bei aller gestalterischen
Qualität, vor allem funktional begründet.
Die L-förmig um einen zentralen Werkhof gruppierten
Werkstätten ermöglichen einen reibungslosen
Materialfluss – von der Anlieferung über die Verarbeitung
bis zur Lagerung. Das Gebäude des Pferdebetriebs
wurde im nordöstlichen Bereich des Areals
positioniert und steht in direkter Beziehung zum
bestehenden landwirtschaftlichen Hof sowie zur Remise.
Diese Lage ermöglicht eine optimale Nutzung
betrieblicher Synergien. Zudem entstehen durch die
Gebäudekonfiguration geschützte Paddockflächen
und überdachte Zonen, die für Veranstaltungen, Unterricht
oder Pflegeprozesse flexibel nutzbar sind.
Von Beginn an war eine einfache, robuste und anpassungsfähige
Bauweise das erklärte Ziel. Statt
technischer Überfrachtung setzt der Entwurf auf
Reduktion: sichtbar geführte Installationen, unbehandelte
Holzoberflächen, rohe verzinkte Stahlteile
und nur dort eingesetzte Verkleidungen, wo sie aus
brandschutz- oder hygienegründen erforderlich sind.
Die Gebäude sind so konzipiert, dass sie veränderten
pädagogischen und funktionalen Anforderungen
langfristig gerecht werden können.
u
architektur FACHMAGAZIN
54
Kreislauffähig bauen
Robuste Materialien, einfache Details und ein natürliches Lüftungskonzept prägen
den neuen Pferdebereich. Die Ställe sind so dimensioniert und zoniert, dass Alltag,
Pflege und Unterricht reibungslos ineinandergreifen können.
Kreislaufwirtschaft als Planungsprinzip
Der integrative Umgang mit Materialkreisläufen, initiiert
und konsequent mitgetragen vom Bauherrn,
ist ein zentrales Merkmal des Projekts. Der bislang
20 Gehminuten entfernte „Wiesenhof“, ehemaliger
Standort des Reitbetriebs, wurde nach Inbetriebnahme
der neuen Anlagen vollständig rückgebaut – inklusive
sorgsamer Renaturierung. Der Sand des alten
Reitplatzes wurde am neuen Standort wiederverwendet,
Aushubmaterialien und Baustoffe zwischengelagert,
aufbereitet und andernorts erneut eingesetzt.
So konnten 3,6 Hektar wertvolles Grünland wieder
der Landwirtschaft zugeführt werden.
Auch bei der Materialwahl wurde auf Umweltbilanz
und regionale Verfügbarkeit geachtet: Konstruktiv
dominiert Holz – innen wie außen. Tropische Harthölzer,
sonst oft Standard im Pferdebau, wurden
bewusst durch heimische Alternativen ersetzt. Beton
kommt nur dort zum Einsatz, wo es technisch
notwendig ist – etwa in Bodenplatten, Sockeln oder
Lagerflächen. Für Fassaden und Innenausbauten
wurden unbehandelte Hölzer verwendet, ergänzt
durch funktionale Details wie bündig in Betonsockel
eingelassene Stahltüren. Die Konstruktion ist auf Einfachheit,
Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit ausgerichtet
– ganz im Sinne einer zirkulären Bauweise.
www.architektur-online.com
55
PLOV Architekten
Technisch reduziert – ökologisch durchdacht
Auch die Gebäudetechnik folgt dem Prinzip des Notwendigen:
Die Werkstätten sind an die bestehende
Fernwärmeleitung angeschlossen, eine Temperierung
erfolgt über die Bodenplatte. Der Pferdebetrieb
bleibt unbeheizt, lediglich sensible Bereiche wie die
Sattelkammer werden mittels Infrarotstrahler frostfrei
gehalten. Eine 500 kWp starke Photovoltaikanlage
auf den Dächern mit Batteriespeicher deckt den
Energiebedarf weitgehend autark. Auf eine aktive
Kühlung oder aufwändige Gebäudetechnik wurde
bewusst verzichtet. Regenwasser wird über Versickerungsflächen
und Sickerschächte abgeleitet,
Dachflächen sind großflächig begrünt und tragen so
zur lokalen Retention und Verbesserung des Mikroklimas
bei. Die Reitplatzentwässerung erfolgt über
ein Ebbe-Flut-System mit separatem Sickerbecken.
Die bestehenden Entwässerungssysteme konnten
integriert und weitergenutzt werden.
u
architektur FACHMAGAZIN
56
Kreislauffähig bauen
Didaktik durch Architektur
Nicht zuletzt erfüllt das Projekt einen pädagogischen
Auftrag: Die Schüler:innen erleben den gesamten Materialfluss
– von der Anlieferung bis zur Verarbeitung
– unmittelbar im Unterrichtsalltag. Sie lernen in einer
Umgebung, die das Zusammenspiel von architektonischer
Klarheit, funktionaler Robustheit und ökologischer
Verantwortung exemplarisch vorführt. Die
bewusst eingesetzten „ehrlichen Materialien“ – Holz,
Stahl, Beton – stehen sichtbar für eine Bauweise, die
Substanz über Oberfläche stellt. Auch in der Konstruktion
bleibt das Gebäude transparent: Technik und
Tragwerk sind offen geführt, Details nachvollziehbar
und logisch gelöst – die Architektur selbst wird so
zum stillen Lehrmittel. Großzügige Tageslichtöffnungen,
natürliche Belüftung und eine angenehme
Raum akustik schaffen ein lernförderndes Raumklima,
das auf technische Komplexität verzichtet. Die
enge Abstimmung mit den Nutzer:innen während der
Planungsphase hat zudem Räume entstehen lassen,
die nicht nur funktionieren, sondern angenommen
und geschätzt werden – als Orte des praktischen
Lernens und der gemeinsamen Verantwortung. •
Die großzügigen
Verglasungen in den
Werkstätten ermöglichen
ein helles, gleichmäßig
ausgeleuchtetes Arbeiten
und tragen wesentlich zur
Qualität des Arbeitsumfelds
bei.
www.architektur-online.com
57
PLOV Architekten
Landwirtschaftliche Fachschule Winklhof
Oberalm, Salzburg
Bauherr: Amt der Salzburger Landesregierung,
Abteilung 4 und Abteilung 6
Planung: PLOV Architekten ZT GmbH
Mitarbeiter: Manfred Thallner (PL), Ondrej Kövér,
Kerstin Loder, Angela Lulati, Kerstin Loder
Tragwerkspl.: Petz ZT
HKLSE + BP: Bauklimatik GmbH
Kostensteuerung: DI Hans Waldhör
Kulturtechnik: Eurofins water&waste GmbH
Wettbewerb: 02/2020
Fertigstellung: 02/2025
BGF: 3.504 m²
Baukosten: 7.400.000,- Euro
www.plov.at
Wir planen gerne mit Holz, da Holz als Baustoff der Zukunft den
CO 2 Abdruck minimiert, robust und authentisch ist und für einen
natürlichen Alterungsprozess steht.
PLOV Architekten
architektur FACHMAGAZIN
58
Kreislauffähig bauen
Vom Schulabbruch
zum sozialen Wohnraum
Social housing 2104 / Palma de Mallorca / HARQUITECTES
Text: Andreas Laser Fotos: Adrià Goula
www.architektur-online.com
59
HARQUITECTES
Mit dem Projekt „Social
Housing 2104“ in Palma
de Mallorca realisiert das
katalanische Architekturbüro
HARQUITECTES ein
radikal nachhaltiges und
zugleich hochfunktionales
Wohngebäude für ältere und
mobilitätseingeschränkte
Menschen. Es ist ein Beispiel
dafür, wie aus einem vermeintlich
unbedeutenden
Abriss ein zukunftsweisendes
Bauprojekt entstehen kann
– mit lokalem Material, ökologischer
Intelligenz und hoher
gestalterischer Qualität.
Auf dem Grundstück, auf dem heute das neue Wohnhaus
steht, befand sich ursprünglich eine leerstehende,
dreigeschossige Schule. Die Substanz – bestehend
aus Marès-Sandsteinmauern sowie Decken
aus Beton und Keramik – war baufällig und entsprach
nicht mehr den städtebaulichen Vorschriften. Der
Abriss war unumgänglich. Doch anstatt den Rückbau
als bloßen Entsorgungsprozess zu begreifen, machten
HARQUITECTES ihn zum Ausgangspunkt ihrer
Entwurfsidee – ganz im Sinne des Urban Mining.
Diese Entscheidung war nicht nur ökologisch motiviert,
sondern folgte auch der ursprünglichen Wettbewerbsausschreibung,
die eine schnelle Bauweise – vorzugsweise
in Holz – forderte. HARQUITECTES entschieden
sich jedoch bewusst gegen eine Leichtbauweise und
entwickelten stattdessen eine massive Struktur mit
hoher thermischer Speicherkapazität. In Mallorcas Klima,
geprägt von intensiver Sonneneinstrahlung und
starken Temperaturschwankungen, verbessert diese
Bauweise den Wohnkomfort erheblich.
u
architektur FACHMAGAZIN
60
Kreislauffähig bauen
Der begrünte Innenhof
dient als klimatischer
Puffer. Über ihn werden
nicht nur die Wohnungen
erschlossen – er bildet
auch das kommunikative
Herz des Projekts.
Recycling als System
Die Geschichte des Ortes wurde nicht entsorgt, sondern
in die neuen Wände eingeschrieben. Während
des Rückbaus zeigte sich, dass der Marès-Sandstein
nicht nur konstruktiv tragfähig, sondern auch ästhetisch
reizvoll ist. Aus den 160 m³ geborgenen Steinen
wurden große 4 × 4 m Betonplatten gegossen – mit
bis zu 40 % Marès-Anteil als Zuschlagstoff. Diese
Platten wurden anschließend mit einer übergroßen
Kreissäge in rund 3.000 Blöcke geschnitten. An den
Schnittflächen traten die eingelagerten Gesteinsbrocken
deutlich zutage – und verliehen den Oberflächen
eine archaische, narrative Qualität. So entstand
eine raue, authentische Materialität, die dem Gebäude
Ausdruck und Identität verleiht.
Materialwahl als Balanceakt
Ursprünglich planten die Architekten, alle Blöcke aus
reinem Kalkbeton herzustellen – einem gesunden,
ökologischen und atmungsaktiven Baustoff. Doch
die lange Aushärtungszeit und die anfangs geringe
Festigkeit machten dieses Vorhaben wirtschaftlich
kaum tragbar. Die Lösung war eine pragmatische
Hybridmischung: In den unteren, stärker belasteten
Geschossen kam ein Kalk-Zement-Gemisch zum Einsatz,
während in der obersten Etage, wo geringere
Lasten wirken, reiner Kalkbeton verwendet wurde.
Auch andere Materialien aus dem Abbruch wurden
sinnvoll integriert: Etwa 140 m³ Beton- und Keramikbruch
aus den alten Decken und Zwischenböden
wurden in die Fundamentgräben und die Wände
des halbsouterrainartigen Sockelgeschosses eingebracht.
Diese „vergrabene Wiederverwendung“ bildet
im wörtlichen wie im übertragenen Sinn das Fundament
des neuen Gebäudes.
www.architektur-online.com
61
HARQUITECTES
Die durchgesteckten Wohnungen
bieten Licht von zwei Seiten und
profitieren vom thermischen Speicherverhalten
der massiven Wände.
Modularität trifft Effizienz
Auf diesem massiven Sockel wurden die vorgefertigten
Blöcke zu tragenden Wänden geschichtet, die
senkrecht zur Straßenflucht verlaufen. Die Decken
bestehen aus Kreuzlagenholz (CLT) und liegen direkt
auf den Blockwänden auf. Um diese Konstruktion zu
ermöglichen, reduziert sich die Wandstärke pro Geschoss
um jeweils 10 cm – von 64 cm im Erdgeschoss
bis zu 34 cm im Dachgeschoss. Höhe (42 cm) und
Länge (135 cm) der Blöcke bleiben konstant. Dieses
einfache, modulare Prinzip beschleunigt die Vorfertigung
und sorgt für eine rationelle Bauweise mit klarer
Struktur. Quer zu den Hauptwänden wurden dünnere,
13 cm starke Innenwände aus demselben Material
eingebaut. Sie entstanden durch das Zerteilen eines
60 cm breiten Blocks in vier Segmente und bilden
gemeinsam mit dem Treppenhaus- und Aufzugskern
das aussteifende Rückgrat des Gebäudes. u
architektur FACHMAGAZIN
62
Kreislauffähig bauen
Jeder Schnitt erzählt eine Geschichte:
Die sichtbaren Bruchsteine lassen die
Herkunft des Materials erkennbar. Die
Oberfläche der vorgefertigten Blöcke
bleibt unbehandelt.
Raum folgt Struktur
Diese konsequent strukturbedingte Bauweise prägt
auch die räumliche Organisation. In der Gebäudeecke
befindet sich der Zugangskern mit Treppe und
Aufzug. Von dort gelangt man über eine Laubengang-ähnliche
Galerie im begrünten Innenhof zu
den einzelnen Wohnungen. Die meisten Einheiten
erstrecken sich über die gesamte Bautiefe zwischen
zwei tragenden Quermauern – also innerhalb einer
einzigen Tragachse – und sind durchgesteckt, mit
Belichtung und Belüftung auf beiden Seiten. In den
Regelgeschossen ergibt sich daraus ein klar gegliedertes
Wohnkonzept mit hoher Aufenthaltsqualität.
Abweichend davon ist die Bautiefe im Sockel- und
im Dachgeschoss reduziert. Um dennoch funktionale
Grundrisse zu ermöglichen, erstrecken sich die
dortigen Wohnungen nicht in der Tiefe über eine,
sondern in der Breite über zwei Tragachsen. Die
Dachgeschosswohnungen verfügen zusätzlich über
großzügige Terrassen. Alle Wohnungen sind barrierefrei
erschlossen, einige speziell auf die Bedürfnisse
von Rollstuhlnutzern ausgerichtet. Gemeinschaftsräume
wie Waschküchen und Aufenthaltsbereiche
auf jeder Etage fördern das soziale Miteinander.
www.architektur-online.com
63
HARQUITECTES
1
0
2 5
1
DG
0
2 5
1
OG 1
0
2 5
Social housing 2104
Palma de Mallorca
Regulatorische Hürden
Eine der größten Herausforderungen des Projekts
war nicht technischer, sondern bürokratischer Natur.
Die Mallorquinischen Abfallvorschriften sehen in
Abbruchmaterial kein Baumaterial, sondern nach wie
vor Müll – was in der Regel eine kostenpflichtige Entsorgung
auf Deponien erfordert. Um das Recyclingkonzept
vor Ort überhaupt umsetzen zu können, war
intensive politische Unterstützung und behördliche
Überzeugungsarbeit notwendig. Dass dies letztlich
gelang, zeigt, dass zukunftsfähige Architektur nicht
nur auf dem Reißbrett, sondern auch auf administrativer
Ebene entschieden wird.
•
Bauherr:
Architektur:
Projektmitarbeit:
Tragwerksplanung:
Haustechnik:
Umweltberatung:
Akustik:
Spezialberatung Kalkbau:
Grundstücksfläche: 1.610 m²
Planungszeit: 2021–2022
Bauzeit: 2022–2024
www.harquitectes.com
IBAVI – Institut Balear de l’Habitatge
HARQUITECTES (David Lorente, Josep Ricart,
Xavier Ros, Roger Tudó)
Anna Burgaya, Ángeles Torres, Montse Fornés,
Cynthia Rabanal, Victor Jorgensen
DSM-arquitectes
M7 Enginyers
Societat Orgànica
MC Acústica
Joan Ramon Rosell
architektur FACHMAGAZIN
64
Bodenversiegelung
Boden gut machen
Wie kreislauffähiges Bauen der
Flächenversiegelung entgegenwirken kann
Text: Linda Pezzei
2.964 km² Boden in Österreich gelten als dauerhaft versiegelt – das entspricht laut
offizieller Statistik in etwa jeder zweiten genutzten Fläche. Asphaltierte Straßen,
betonierte Plätze, Parkflächen ohne Poren. Der Preis: Überflutungsgefahr, städtische
Hitzeinseln, schwindende Biodiversität. Während Begrünung, Klimawandelanpassung
und Kreislaufwirtschaft auf Architekturkongressen diskutiert werden, bleibt
ein Aspekt oft unterbelichtet: die Fläche selbst. Dabei ist sie Voraussetzung für alles
Weitere. Eine These könnte daher lauten: Kreislauffähiges Bauen kann nur dann
wirksam sein, wenn auch über die Bodenversiegelung nachgedacht wird – und zwar
ganzheitlich, von der Planung bis zum Rückbau.
Zersiedelte Strukturen: eine unkoordinierte Siedlungsentwicklung führt zu mehr versiegelter Fläche und dem Verlust von Freiräumen.
© Arthur Schindelegger
www.architektur-online.com
65
Bodenversiegelung
© Arthur Schindelegger
Streusiedlung in der Landschaft: Zersiedelung erhöht den Flächenverbrauch – kompakte Bauweisen schonen hingegen den Boden.
Warum Sprache hier Macht hat
Die Begriffsverwirrung rund um Flächenverbrauch,
Versiegelung und Inanspruchnahme
ist keine akademische Spitzfindigkeit
– sie verhindert wirksame Steuerung.
Das Positionspapier der Kammer bringt
Ordnung ins semantische Dickicht:
Flächeninanspruchnahme umfasst alle
Flächen, die für Siedlungs-, Verkehrs- oder
Freizeitnutzungen beansprucht werden –
ob versiegelt oder nicht.
Bodenversiegelung meint jene Flächen, die
durch asphaltierte, betonierte oder anderweitig
luft- und wasserundurchlässige Materialien
dauerhaft überdeckt sind.
Flächenverbrauch ist ein politisch und
emotional stark besetzter Begriff – aber
fachlich nicht eindeutig definiert.
Auch Jochen Schmid, Geschäftsführer von
Knollconsult, betont, dass die Diskussion
durch eine unklare Begriffswelt erschwert
wird. Er empfiehlt, sich konsequent an die
Definitionen von ÖROK und Umweltbundesamt
zu halten und die Begriffe gezielt in
Planung und Politik zu tragen.
© Arthur Schindelegger
Zahlen & Ziele –
wo wir gerade stehen
Seit 2000 ist die Flächeninanspruchnahme
in Österreich kontinuierlich gestiegen, 2022
betrug sie 42,2 km² pro Jahr. Zwar hat sich
das Wachstum leicht abgeschwächt – aber
von Nachhaltigkeit keine Spur.
Politisch gesteckte Bundesziele umfassen
die Reduktion auf 2,5 Hektar pro Tag bis
2030. Auf EU-Ebene strebt man bis 2050
einen Netto-Null Flächenverbrauch an.
STEP2035 definiert wiederum Zielvorgaben
für den Begrünungs- und Überschirmungsgrad
in den Straßenräumen Wiens.
Die seit 2022 gültige Bilanzierungsmethode
macht erstmals deutlich, wie groß der Unterschied
zwischen Inanspruchnahme und
tatsächlicher Versiegelung ist – und wie
hoch der Anteil an potenziell entsiegelbaren
Flächen wäre.
Siedlungserweiterung am Ortsrand: Versiegelung durch Neubaugebiete –
hier sind Nachverdichtung und Flächenrecycling als Alternativen gefragt.
© Marion Müller
Kurz & Bündig
3 Fragen an Arthur Schindelegger,
PostDoc Forscher an der BOKU Wien
1. Was ist das „Zuständigkeitsdilemma“
beim Bodenschutz?
Die Kompetenzverteilung zwischen
Bund, Ländern und Gemeinden erschwert
ein harmonisiertes Vorgehen.
2. Gibt es gute Beispiele?
Ja – Feldkirch oder der Nibelungenplatz
in Tulln. Auf Landesebene sind regionale
Siedlungsgrenzen und Vorrangzonen
hilfreich.
3. Welche Rolle spielt Entsiegelung in
der Klimaanpassung?
Eine sehr zentrale – vor allem in dichten
städtischen Räumen zur Minderung von
Hitze und zur Regenwasserretention.
architektur FACHMAGAZIN
66
Bodenversiegelung
Wo Entsiegelung (trotzdem) gelingt
Waidhofen an der Ybbs macht vor, wie’s
geht – und warum es trotzdem oft nicht
geht. Das dortige Entsiegelungsprojekt
wurde von Ernst Beneder mitentwickelt,
die Umsetzung gelang dank gezielter Förderung.
Doch genau diese ist heute unklar
– ein Risiko für viele Gemeinden.
Wien geht mit gutem Beispiel voran: Der
STEP2035 definiert erstmals einen Richtwert
für Begrünung im Straßenraum. Die
neue Bauordnung (§ G-Flächen) verlangt:
Zwei Drittel der Flächen müssen entsiegelt
sein. Erste Erfahrungen aus Büros wie einszueins
oder feld72 zeigen: Das fordert heraus
– aber öffnet auch neue kreative Spielräume.
Weitere Ansätze umfassen Rasengittersteine,
multifunktionale Freiräume, Schwammstadt-Konzepte,
temporäre Pop-up-Parks
und strategischen Rückbau.
© Christian Redtenbacher
Kurz & Bündig
3 Fragen an Rosemarie Stangl,
Leiterin am Institut für Ingenieurbiologie
und Landschaftsbau an der BOKU Wien
1. Was sind häufige Fehler bei
Entsiegelungsprojekten?
Zu schmale Fugen, falsche Substrate,
fehlgeleitete Regenwassereinleitung, falsche
Platzierung von Schattenstrukturen.
Kreislauffähig bauen =
flächenschonend denken
Materialkreisläufe zu schließen reicht allerdings
nicht – auch die Fläche muss in die
Kreislaufwirtschaft eingebunden werden.
Das bedeutet:
• Flächenrecycling statt Neuwidmung
• Nachverdichtung mit Augenmaß
• Ein Nutzungsmix, der Freiräume schafft
statt versiegelt
Förderpotenziale könnten dieses Denken
stützen – wenn sie rechtzeitig und verlässlich
abrufbar sind. Und: Schwammstadt-Strategien
zeigen, wie blau-grüngraue
Infrastruktur ganzheitlich gedacht
werden kann.
Warum Entsiegelung (noch) schwer ist
Derzeit gibt es eine Vielzahl an Förderprogrammen,
jedoch fehlt ein koordinierter
Zugang. Auf Bundesebene steht beispielsweise
der Biodiversitätsfonds (Call 5) zur
Verfügung, der für Projekte ab einer Fläche
von 500 m² eine Förderung von bis zu
100 % bietet, allerdings erst ab dem Jahr
2026 startet. Auf Länderebene variieren
die Förderungen deutlich: In Oberösterreich
werden etwa 30 bis 40 Euro pro Quadratmeter
gewährt, in Wien sind es sogar
200 Euro pro Quadratmeter, jedoch maximal
10.000 Euro pro Projekt. Die Steiermark
wiederum kombiniert Bundes- und Landesmittel
und erreicht damit eine Förderquote
von etwa 50 %.
Diese Programme sind jedoch schwer miteinander
vergleichbar, häufig überzeichnet
und in ihrer Laufzeit oft unklar. Das führt
dazu, dass viele Gemeinden zögern, entsprechende
Förderungen zu beantragen.
Arthur Schindelegger von der BOKU spricht
in diesem Zusammenhang vom „Zuständigkeitsdilemma“:
Die Verantwortung sei
zwischen Bund, Ländern und Gemeinden
aufgeteilt – ein harmonisiertes Vorgehen
dadurch erschwert. Eine grundlegende
Reform mit einheitlichen Kompetenzen sei
politisch kaum realisierbar. Deshalb plädiert
Schindelegger für pragmatische Lösungen
© Rosemarie Stangl BOKU-IBLB
Unversiegelte Parkplatzgestaltung mit biodiverser,
begrünter Sickermulde.
© Rosemarie Stangl BOKU-IBLB
Offenporige Oberflächenbefestigungen
2. Was braucht es für eine gelungene
Integration in Sanierungen?
Verpflichtende Vorgaben, frühzeitige
Planung und klare Verantwortlichkeiten.
3. Wo liegt das größte Potenzial?
In der Umkehr der Planungsprinzipien
– versiegelt wird nur, was unbedingt
nötig ist.
Zahlen & Fakten
Zentrale Zahlen zur Flächeninanspruchnahme in Österreich
aus einer Studie der Kammer der Ziviltechniker:innen (2023).
Flächeninanspruchnahme 2022: 42,2 km² pro Jahr (11,6 ha/Tag)
Versiegelter Anteil: ca. 50 % der Siedlungs- und Verkehrsflächen
Pro-Kopf-Verbrauch: 1.255 m² (im EU-Vergleich sehr hoch)
Politisches Ziel: Reduktion auf 2,5 ha/Tag bis 2030
Bilanzierung: seit 2022 Trennung von Inanspruchnahme und Versiegelung
www.architektur-online.com
67
Bodenversiegelung
innerhalb der bestehenden Strukturen –
etwa durch die konsequente Nutzung regionaler
Instrumente wie Siedlungsgrenzen,
Vorrangzonen oder Grünraumvernetzungen.
Beispiele wie Feldkirch oder der Nibelungenplatz
in Tulln machen deutlich, dass
Fortschritte möglich sind.
Werkzeuge für Wandel:
Von Daten bis Haltung
Technisch gibt es kaum Hürden – von digitalen
Dashboards bis zu textlichen Bebauungsplänen.
Doch: Es braucht Menschen,
die diese Werkzeuge auch nutzen. Architekt:innen,
die querdenken, kommunizieren
und vermitteln.
„Viele der Entsiegelungsbemühungen
scheitern noch an Denk- und Planungsfehlern“,
sagt Rosemarie Stangl von der BOKU.
Strategien müssten frühzeitig und interdisziplinär
geplant, rechtlich verankert und
konsequent umgesetzt werden. Die Praxis
zeigt: Fehlende Regenwasserführung, falsche
Substrate, nicht schattierte Aufenthaltsflächen
und zu schmale Fugen zählen
zu häufigen Fehlerquellen.
Jochen Schmid ergänzt, dass kompensatorische
Maßnahmen wie eine Versiegelungsabgabe
gezielt eingesetzt werden könnten,
um Rückbaumaßnahmen im öffentlichen
Raum zu finanzieren – vorausgesetzt, sie
belohnen flächeneffizientes Bauen und fördern
grüne Alternativen.
Und so lässt sich als Fazit ziehen: Zukunft
braucht Boden – und gute Planung. Wenn
Städte resilient werden sollen, bedarf es
mehr als schattige Plätze und kühlende
Fassaden. Es braucht eine neue Haltung
zum Boden – und eine Praxis, die sich nicht
mit dem Gießkannenprinzip begnügt. Arthur
Schindelegger bringt es auf den Punkt:
„Quantitativer und qualitativer Bodenschutz
müssen eine gesellschaftliche und
politische Priorität sein – dann können alle
weiteren Schritte abgestimmt und gemeinschaftlich
entwickelt werden.“
Kurz & Bündig
3 Fragen an Jochen Schmid,
Geschäftsführer und Ingenieurkonsulent
für Raumplanung bei Knollconsult
Umweltplanung
1. Wie kann Entsiegelung besser
kommuniziert werden?
Indem wir aufzeigen, dass sie ein Mehrwert
ist – für Mikroklima, Biodiversität
und Lebensqualität.
2. Welche Tools fehlen?
Vor allem einfach zugängliche Informationen
und Best-Practice-Beispiele, die
überregional übertragbar sind.
3. Was ist Ihre wichtigste Empfehlung?
Mehr Mut der Gemeinden, bestehende
rechtliche Möglichkeiten auch wirklich
zu nutzen.
© Knollconsult
Neugestaltung der Fußgängerzone in Feldkirch (durch Marte Marte Architekten, zwischen dem
barrierefreien neuen Pflaster soll, für ein gutes Kleinklima, Niederschlagswasser versickern und
verdunsten können
Ansporn zum Nachahmen.
Der Verein LandLuft bereitet die Erfahrungen
aus Baukulturgemeinden wie Feldkirch in Buch
und Film auf und zeigt, wie „Boden g’scheit
nutzen!“ österreichweit gelingen kann.
www.landluft.at
Bahnhofsplatz mit pilzförmigen Gründächern
architektur FACHMAGAZIN
68
Naturstein
1
© Berthold Werner, C.C
Naturstein
neu denken
In der Diskussion um nachhaltiges Bauen wird Naturstein zunehmend neu bewertet:
nicht als nostalgisches Material, sondern als relevante Alternative zu konventionellen
Baumethoden mit Stahlbeton. Vor allem die gute Ökobilanz, die niedrige
graue Energie und die sortenreine Trennbarkeit sprechen dafür, Naturstein
stärker zu nutzen.
Text und Fotos: Richard Watzke (wenn nicht anders angegeben)
Während die Betriebsenergie und Dämmstandards
von Bauwerken intensiv analysiert und laufend optimiert
werden, bleibt die graue Energie noch weitgehend
unbeachtet. Dabei spielt der indirekte Energieverbrauch
eines Bauteils über den gesamten
Lebenszyklus von der Herstellung über den Transport
bis zur Entsorgung eine entscheidende Rolle für
die Ökobilanz eines Bauwerks. Oft sind es gerade die
vermeintlich sparsamsten Baustoffe und Dämmsyste-
me, die bereits bei der Gewinnung der Rohstoffe den
höchsten Anteil grauer Energie benötigen und somit
wenig umweltfreundlich sind. Hier zeigt Naturstein
seine Stärke: Vor Urzeiten auf ganz natürliche Weise
entstanden, wird er ohne Brennprozesse oder chemische
Umwandlung durch rein mechanische Verfahren
gewonnen und bearbeitet. Bei regionaler Gewinnung
liegt der CO 2
-Ausstoß je Tonne Naturstein meist unter
50 kg – Beton und Ziegel liegen deutlich höher. u
www.architektur-online.com
69
Naturstein
1 Naturstein-Architektur
in Reinkultur: Das Mausoleum
Ad Deir in der
jordanischen Felsenstadt
Petra wurde im 1. Jahrhundert
n. Chr. direkt aus dem
Felsen gearbeitet.
2 Umweltfreundlich:
Werkstücke aus Naturstein
werden mit rein
mechanischen Bearbeitungsmethoden
und
geringem Einsatz grauer
Energie gefertigt.
2
3 Vielfältig im Ausdruck:
Fassadenbekleidung aus
St. Margarethener Kalksandstein
mit Krusten
und gesägten Platten.
3
architektur FACHMAGAZIN
70
Naturstein
4
5
Langlebig und rückbaubar
Naturstein überdauert Jahrhunderte – oft ohne
nennenswerten Substanzverlust. Im Zuge der thermischen
Sanierung eines rund 40 Jahre alten Bürokomplexes
in Wien ergab die Überprüfung der
Natursteinfassade, dass die Steinbekleidung bis auf
Oberflächenschmutz keine nennenswerten Schäden
aufweist und – ganz im Sinne der angestrebten
klimafit-Zertifizierung – nach dem Austausch einzelner
Platten durch neue Platten aus Originalmaterial
unverändert bestehen bleiben kann. Werkstücke
aus Naturstein lassen sich zerstörungsfrei zurückbauen,
wiederverwenden oder als Baurestmasse
entsorgen. Die sortenreine Trennbarkeit erfüllt
zentrale Anforderungen der Kreislaufwirtschaft.
Was nicht wiederverwendet werden kann, wird als
Sekundärrohstoff weitergenutzt und beispielsweise
im Straßenbau, für Gabionen oder als mineralischer
Zuschlagstoff eingesetzt.
u
4 Reparatur-Garantie: Der Handlauf in
einem Museum wurde mit Originalmaterial
ausgebessert.
5 In Würde altern: Robuster Treppenbelag
aus Soln hofer Kalkstein in der
TU Wien.
www.architektur-online.com
FACHMAGAZIN
71
Wettbewerbe Naturstein
CASAWEST GmbH
4055 Pucking
office@casawest.at
www.casawest.at
Kienesberger
Steinmetzmeister
4707 Schlüßlberg
office@kienesberger-stein.at
www.kienesberger-stein.at
Marmor
Industrie Kiefer
5411 Oberalm
office@marmor-kiefer.at
www.marmor-kiefer.at
Sölker Marmor
Bergbau
8961 Sölk
office@soelker.at
www.soelker.at
Steinmetzbetrieb
Wolfgang Ecker
2514 Traiskirchen
office@ecker-stein.at
www.ecker-stein.at
Josef Kogler
Steinbruch & Schotterwerk
9554 St. Urban
kogler.naturstein@aon.at
www.kogler-natursteinwerk.at
Poschacher Natursteine
Baustoffhandel GmbH
4310 Mauthausen
office@poschacher.com
www.poschacher.com
Steinmetzmeister
Dietmar Steller
4600 Wels
office@steller-stein.at
www.steller-stein.at
Gustav Hummel
GmbH & Co KG
2452 Mannersdorf
info@hummel-stein.at
www.hummel-stein.at
Lauster
Naturstein GmbH
9971 Huben/Osttirol
st.johann@lausternaturstein.at
www.lausternaturstein.at
Schreiber & Partner
Natursteine
2170 Poysdorf
office@sp-natursteine.at
www.sp-natursteine.at
Stone4you
Steinmetzbetriebe
2020 Hollabrunn
office@stone4you.at
www.stone4you.at
Pro Naturstein. Die gebündelte Faszination für ein einzigartiges, kraftvolles und von der Natur geschaffenes Unikat. Ein über Generationen
vermitteltes Fachwissen über den Abbau und die Veredelung der österreichischen Natursteinvorkommen, eine gemeinsame Verantwortung,
welche die Begeisterung und das Handwerk verbindet. Pro Naturstein steht für die Vereinigung ausgewählter, österreichischer
Naturstein-Leitbetriebe, die mit Qualität und Leidenschaft hinter ihren Produkten stehen
www.pronaturstein.at
architektur FACHMAGAZIN
72
Naturstein
6
7
6 Überprüfung einer stark exponierten,
über 40 Jahre alten Natursteinfassade:
Bis auf die oberflächliche Verschmutzung
sind keine nennenswerten Schäden
feststellbar.
7 Beliebig oft wiederverwendbar: Pflaster-
und Leistensteine aus Bestandsmaterial
werden mit neu angefertigten
Steinen kombiniert.
8 Ein österreichisches Granitwerk
produziert taktile Elemente für die Sanierung
von Bahnsteigen in Wien.
9 Nachhaltigkeit funktioniert auch im
Sozialen Wohnbau: 2022 errichtete das
IBAVI auf Mallorca sechs Wohneinheiten.
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73
Naturstein
Naturstein als tragendes Element
Wurde Naturstein im Hochbau lange Zeit vorwiegend
als rein dekorative Außenhülle des Bauwerks
eingesetzt, denken innovative Planer den Umgang
mit Naturstein komplett neu. Das Motto lautet „Weg
vom rein dekorativen Belag, hin zum konstruktiven
Element“. Aus Frankreich und England kommen mit
der Stereotomie, der Lehre vom lastabtragenden
Steinbau, beeindruckende Impulse: Inspiriert von
historischen Gewölbekonstruktionen entwickelt sich
dort ein zeitgenössischer Massivbau, der auf rechnerisch
optimierte Versatztechnik, digitale Planung
und CNC-Präzision setzt.
Im Gegensatz zum klassischen Mauerwerk stehen
monolithische Tragstrukturen im Vordergrund –
etwa segmentierte Gewölbe, massive Treppen oder
selbsttragende Wände. Die Bearbeitung erfolgt so
präzise, dass trocken versetzte Elemente höchsten
statischen und gestalterischen Anforderungen
genügen. Diese Konstruktionsweise spart nicht nur
Material, sondern ersetzt Beton, Bewehrung oder
Kleber vollständig. Die Bauwerke bestehen aus einem
einzigen Material und sind somit vollständig
rückbaubar, dauerhaft und ökologisch einwandfrei.
8
Damit ändert sich die Rolle des Materials, denn die
Kombination aus hoher Speichermasse, plastischer
Ausdruckskraft und präziser Formbarkeit erschließt
neue architektonische Möglichkeiten. Ein Wegbereiter
in Frankreich ist das 2024 mit dem Grand Prix
National de l’Architecture ausgezeichnete Atelier
Architecture Perraudin in Südfrankreich. Aus dessen
Feder entstanden ab der Jahrtausendwende
zunächst Weinkeller wie in Vauvert und Solan aus
massiven, trocken gefügten Steinblöcken regionaler
Steinbrüche. Mit dem 2021 fertiggestellten Projekt
Plan-les-Ouates bei Genf bewies Gilles Perraudin,
dass sich sogar mehrgeschossige Wohnbauten aus
massiven Natursteinmauern errichten lassen. •
9
architektur FACHMAGAZIN
74
Naturstein
Nutzen wir das
struktive Potenzial
Auch im deutschsprachigen Raum steigt das Interesse an der neuen „alten“
tragenden Steinkonstruktion. Am Lehrstuhl Massive Baukonstruktionen der
Technischen Universität Dortmund erforscht und lehrt Junior-Professorin Anne
Hangebruch, welche Anforderungen zu beachten sind.
Interview: Richard Watzke
Frau Professor Hangebruch, welchen
Stellenwert hat Naturstein in
Ihrer Forschung und Lehre?
Anne Hangebruch: Konkret untersuchen
wir das struktive Potenzial von
natürlichen Materialien und regionale
Bauweisen für eine zukunftsfähige
Architektur – und da spielen heimische
Natursteine als Baustoff eine
zentrale Rolle. Naturstein qualifiziert
sich im Besonderen für schichtenarme,
massive Konstruktionsweisen,
© Beat Batschung
denn die Anforderungen an Tragund
Schutzschicht erfüllt das Material
mühelos. Durch die Verwendung
von massivem Stein als tragende
Struktur können nicht nur architektonische
Möglichkeiten erweitert,
sondern auch ökologische Vorteile
des Materials genutzt werden. Ein
weiterer vielversprechender Ansatz
ist die Aktivierung der Speichermasse
des Steins für ein energetisches
Konzept zur Nutzung des solaren
Energieeintrags.
Was muss sich im Bauwesen verändern,
damit Naturstein seine Vorteile
wieder stärker ausspielen kann?
Um das innovative und ökologisch
vorbildliche Bauen mit tragendem
Naturstein zu fördern, braucht es
vorbildliche Ansätze und prototypische
Realisierungen. Eine zentrale
Herausforderung ist zudem die Bereitstellung
von Informationen, um
die Bauweise, sowohl bei Auftraggebern
wie auch bei den Planern
und ausführenden Firmen, bekannt
zu machen und zu etablieren. Mit
dem Aufkommen des Beton- und
Stahlbetonbaus, in den Industrie
und Forschung investierten, endete
die technologische Weiterentwicklung
im Steinbau. Lehrende und
Forschende der Architektur und des
Bauingenieurwesens sind heute auf
Stahlbetonkonstruktionen spezialisiert.
Dies führt zu einer einseitigen
Ausbildung und das Verständnis, wie
heute sinnvoll mit Naturstein konstruiert
werden kann, muss, ebenso
wie der Holzbau vor einigen Jahren,
neu entwickelt werden.
Wie beurteilen Sie die Situation in
Europa?
In einigen europäischen Ländern
ist eine große Materialoffenheit zu
beobachten. In Frankreich, Spanien,
Großbritannien und der Schweiz
wurden in den vergangenen Jahren
beeindruckende Bauten in lastabtragender
Natursteinmassivbauweise
realisiert, so zum Beispiel soziale
Wohnungsbauprojekte auf den Balearen
durch das „Instituto Balear de la
Vivienda“, kurz IBAVI.
Wie sollte man mit Naturstein gestalten
und wie besser nicht?
Aus meiner Sicht müssen wir heimische
Natursteine wieder als Baustoff
und nicht bloß als Dekorationsmaterial
verstehen. Dazu gehört, dass wir
ihn, gemäß seinem struktiven Potenzial,
als lastabtragendes Bauteil einsetzen
und nicht mit einer aufwendigen
metallischen Unterkonstruktion
vor eine Stahlbetonstruktur hängen.
Zudem müssen wir alles verwenden
und können es uns im Sinne der Ressourcenschonung
nicht leisten, aus
optischen Gründen zu selektieren.
Anne Hangebruch leitet seit 2020 die Juniorprofessur
Massive Baukonstruktionen
an der TU Dortmund.
www.architektur-online.com
75
Naturstein
1
© Detlef Podehl
2
1 In Zusammenarbeit mit
dem Bamberger Natursteinwerk
Hermann Graser
entstand der lastabtragende,
trocken aus Sandstein gefügte
Pavillon auf dem Platanenplatz
des Campus der TU
Dortmund.
2 Im Weinkeller von Vauvert
nutzt das Atelier Architecture
Perraudin die hohe Speichermasse
der massiven Rohblöcke.
© Atelier Architecture Perraudin
architektur FACHMAGAZIN
76
Naturstein
Aus Respekt vor der Natur
Die Amus Chalets in Südtirol sind der Inbegriff
von Luxus und Wellness mit höchstem Nachhaltigkeitsanspruch.
Im Antholzertal, an prominenter
Lage, entwarfen die Architekten Matthias
Hofer und Martin Gruber elf traditionell-alpine
Chalets mit Satteldach sowie drei Landschaftschalets
mit Flachdach, die sich um ein Haupthaus
schmiegen. Aus Respekt vor der Natur wurde an
bewährten Bautypologien festgehalten und über
Konstruktion und Material ein neuer Zeitgeist
eingehaucht.
Der Kern des Haupthauses ist in Stahlbetonskelettbauweise
ausgeführt, ebenso wie die Giebelseite der
Chalets. Der Rest ist in Holzrahmenbauweise gefertigt.
Gedämmt wurde mit Holzfaser. Die Holzfassaden
sind farblich an die umliegenden, dunklen, gealterten
Holzfassaden angepasst, um die Chalets mit
dem Dorf zu verweben. Um die Sichtbarkeit gering zu
halten, sitzt das Haupthaus nicht parallel zum Hang,
sondern vertikal. „Die Bauten kamen so zu stehen, so
wie der Boden es verlangte“, erklärt Gruber.
www.architektur-online.com
77
Naturstein
Fotos: Stefan Zoltan
Das Interior wird, neben Holz, von Naturstein geprägt.
Neben der finnischen Zirbensauna gibt es
Waschbecken und Duschen aus dem blaugrünen
Carat aus Kärnten, weil dies die ideale Ergänzung
zum eigenen kristallklaren Quellwasser darstellt.
Wegweiser auf Findlingen aus dem St. Urbaner
Diabas ergänzen das Gesamtbild. Das Design setzt
sich auch bei diversen Möbeln fort, etwa den Tischen
in der Lobby. Gelungen ist eine formschöne, nachhaltige
Symbiose von Naturmaterialien und dem entsprechenden
Anspruch der Betreiber und Gäste für
Seele und Geist.
Chalets AMUS in Südtirol
Region Pustertal, Rasen-Antholz
Bauherr: AMUS Chalets GmbH
Architektur:
Matthias Hofer, St. Jakob
www.matthiashofer.com
Martin Gruber, Brixen
www.gruber-partner.com
Fertigstellung: 2023
Natursteine: Blaugrüner Carat
Natursteinarbeiten:
KOGLER Naturstein, St. Urban
www.kogler-natursteinwerk.at
architektur FACHMAGAZIN
78
Produkt News
Vectorpark
Trendpark
Kreative Verlegekunst
Bauwerk Parkett, die Schweizer Premiummarke für exklusive Parkettlösungen, erweitert
ihr Portfolio um zwei Produktlinien für innovative Raumgestaltungen. Mit
Vectorpark und der Sortimentserweiterung Trendpark reagiert das Unternehmen
auf die große Nachfrage nach architektonisch anspruchsvollen Bodenbelägen, die
gleichzeitig gestalterische Freiheit und technische Präzision bieten.
Speziell für die klassische Fischgratverlegung konzipiert,
bietet das innovative 2-Schicht-Parkett Vectorpark
zeitlose Ästhetik mit moderner Präzision und
Intelligenz. Die Dimensionen ermöglichen nicht nur
die klassische Fischgratverlegung im großen Stil,
sondern auch weitere kreative Verlegungen wie den
Parallelverband oder das Leitermuster. Die vollflächige
Verklebung sorgt für optimale Stabilität und
Energieeffizienz bei Fußbodenheizungen sowie für
eine angenehme Raumakustik. Ob urbane Loftwohnung,
repräsentativer Showroom oder trendige Bürolandschaft
– Vectorpark fügt sich harmonisch in unterschiedlichste
Raumszenarien ein und setzt dabei
prägnante gestalterische Akzente.
Trendpark wieder ist die größte, ungefaste Produktlinie
im Sortiment und überzeugt durch ihre Vielseitigkeit.
Die kompakte Landhausdiele lässt sich
flexibel in unterschiedlichen Raumkonzepten einsetzen
– von kleinen Wohnbereichen bis hin zu großzügigen
Interieurs. Die besonderen Qualitäten dieses
2-Schicht-Parketts entfalten sich in seinem dualen
Charakter: Die ungefaste Verarbeitung erzeugt eine
homogene, flächige Raumwirkung, während ein beeindruckendes
Spektrum an Farben, Strukturen und
Oberflächen dem Parkett eine ausdrucksstarke Note
verleiht. Das Update der erfolgreichen Kollektion
umfasst neue Farbvarianten wie «Eiche Avorio» und
lebhaftere Holzmaserungen. Trendpark ist in einer
Länge von 1.390 mm erhältlich und eignet sich für
die Verlegung in Räumen unterschiedlicher Größe
und architektonischer Gegebenheiten.
Bauwerk Group Österreich GmbH
T +43 (0)662 873 871 0
salzburg@bauwerk.com
www.bauwerk-parkett.com
www.architektur-online.com
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Produkt News
© Heidemarie Pleschko
Weniger Rahmen,
schönere Fenster
Schmale Fensterrahmen sorgen nicht nur für
ein ästhetisch ausgewogenes Erscheinungsbild,
sie fluten Räume mit Tageslicht, eröffnen weite
Ausblicke und ermöglichen mehr solaren Energiegewinn.
Mit außergewöhnlich schlanken Rahmen
über das gesamte Fenstersortiment setzt das österreichische
Familienunternehmen Josko aktuell
international neue Maßstäbe im Fensterdesign.
Das gesamte Sortiment von Josko wurde bereits mit
sieben Red Dot Awards und sechs German Design
Awards prämiert. Unter anderem zuletzt mit dem Red
Dot in der Kategorie „Sustainable Design“ für Platin,
dem beliebtesten Holz/Alu-Fenster in Österreich und
Deutschland. Platin ist außen rahmen- und glasbündig
und fügt sich in die heutzutage übliche, schlichte
Architektur moderner Einfamilienhäuser ein.
Zusätzlich zu den ästhetischen Zugewinnen durch die
besonders schlanken Rahmen setzt Josko auf 60 %
recyceltes Aluminium, 80 % recycelten Kunststoff
und auf 100 % Massivholz aus heimischer Forstwirtschaft.
Das eigentümergeführte Unternehmen stellt
damit unter Beweis, dass Design und Nachhaltigkeit
schön harmonieren.
Josko Fenster & Türen GmbH
T +43 (0)7763 2241-0
office@josko.at
www.josko.at
architektur FACHMAGAZIN
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Produkt News
Fotos: Nikolay Kasakov
Modulare Raum-in-Raum Systeme
Mit CAS Rooms bietet Lindner ein modulares Raumsystem, das den Anforderungen
moderner Arbeitsumgebungen gerecht wird. Ob als ruhige Rückzugsorte für konzentriertes
Arbeiten, Meetingräume oder vielseitig nutzbare Arbeitsplätze – das
System bietet maßgeschneiderte Lösungen, die den vorhandenen Raum optimal
nutzen und gleichzeitig eine angenehme Arbeitsatmosphäre schaffen.
Hochwertige Textilien sorgen nicht nur für eine ansprechende
Optik, sondern unterstützen auch eine
bessere Akustik und tragen somit zu einem produktiven
Arbeitsumfeld bei. Zugleich sind die Elemente
dank der modularen Bauweise nicht nur einfach und
schnell zu montieren, sondern können in praktischen
200 mm Rastern von 1.000 x 1.200 mm bis hin zu
3.400 x 7.000 mm individuell angepasst und auch
wiederverwendet werden.
Für die Gestaltung stehen eine Vielzahl an Bauteilen
zur Verfügung, etwa Verglasungselemente und
Wandelemente aus hochwertigen Textilien oder mit
Echtholzfurnier. Auch Glastüren und Holztüren sind
in einer Vielzahl von Abmessungen erhältlich. Für die
textile Oberflächengestaltung stehen 11 Stoffkollektionen
in über 450 Farben zur Auswahl und autarke Belüftungssysteme
sowie dimmbare LED-Beleuchtung
sorgen zusätzlich für ein angenehmes Raumklima.
Lindner GmbH
T +43 (0)2252 86160-0
austria@lindner-group.com
www.lindner-group.com
www.architektur-online.com
Produkt News
Design in seiner reinsten Form
Mit Tondo erweitert Vimar seine erfolgreiche Serie Eikon Exé
um eine runde Formensprache, die zeitloses Design und architektonische
Präzision vereint. Tondo ist nicht nur ein stilvolles
Bedienelement, sondern auch ein durchdachtes System: Von
Schaltern über Steckdosen bis hin zu intelligenten Steuerungen
lässt sich alles nahtlos integrieren – ob klassisch, über
KNX oder in Kombination mit modernen IoT-Lösungen.
Die konsequente Modularität sorgt dabei für Planungsfreiheit
und Systemvielfalt – sowohl im Neubau als auch in der Sanierung.
Die Auswahl an edlen Oberflächen – von satiniertem Aluminium
über Glas bis hin zu Naturmaterialien – unterstreicht
den hohen gestalterischen Anspruch. Sondermaterialien wie
Stein sind auf Anfrage ebenfalls realisierbar und ermöglichen
eine exakte Abstimmung auf exklusive Innenraumkonzepte.
Vimar Austria GmbH
+43 (0)512 393950
officeat@vimar.com
www.vimar.com
DEKORATIVER
SCHALLSCHUTZ
CapAcoustic Nature -
Die nachhaltige Verbesserung
der Raumakustik aus Hanf für
die Wand- und Deckenmontage.
synthesa.at
THE POWER OF SURFACE.
architektur FACHMAGAZIN
82
Produkt News
Maßgeschneiderter Brandschutz
Mit dem Althan Quartier im Herzen Wiens wurde auf dem Areal des ehemaligen
Franz-Josefs-Bahnhofs ein zukunftsweisendes Stadtentwicklungsprojekt realisiert.
In dem Projekt, das den Bestand von sieben Geschossen mit einer dreigeschossigen
Aufstockung kombiniert, wurden maßgeschneiderten Brandschutzlösungen von
Peneder eingesetzt.
Seit Sommer 2023 begleiteten die Brandschutzexperten
das Projekt mit Detailplanung, technischer Beratung
und präziser Produktauswahl. Der Anspruch:
Brandschutz auf höchstem Niveau – funktional wie
gestalterisch, nahtlos integriert in die Architektur.
Türen in reduzierter Formensprache fügen sich
in das architektonische Konzept ein und erfüllen
Anforderungen an Brand-, Schall- und Einbruchschutz.
Ausgeführt in flächenbündigem Design mit
verdeckten Bändern und Türschließern, vereinen
sie Technik und Gestaltung. Die eingesetzten Modelle
decken Feuerwiderstandsklassen von EI30 bis
EI90 ab. Besonderes Augenmerk galt großformatigen
Schiebetoren – teils teleskopierend in EI90 bis
8,5 m Breite – mit Drehtürantrieben. Ergänzt wurde
das System durch Brandschutzrolltore und textile
Brandschutzvorhänge (EW90) bis 11,5 m Breite. Alle
Türen sind AKS-gekennzeichnet und rückverfolgbar.
Fluchttürsysteme mit connecdoor-Steuerung
sichern Evakuierungswege.
Peneder Bau-
Elemente GmbH
T +43 (0)50 5603 - 0
brandschutz@peneder.com
www.peneder.com
www.architektur-online.com
83
Produkt News
Zirkuläres Badvergnügen
Der Premium-Badhersteller Kaldewei hat sich als erster Anbieter
von Badewannen, Duschen und Waschtischen die renommierte
„Cradle to Cradle Certified® Silver“-Zertifizierung
gesichert. Rund 600 Produkte in der Farbe Alpinweiß tragen
nun dieses Qualitätssiegel, das für kreislauffähige, schadstofffreie
und nachhaltige Produktgestaltung steht.
Kaldewei unterstreicht damit seine führende Rolle im Bereich zukunftsfähiges
Bauen und nachhaltiges Design. Die zertifizierten
Produkte bestehen aus Stahl und Glas, sind plastikfrei und lassen
sich vollständig recyceln – ganz im Sinne der Circular Economy.
Bewertet werden dabei unter anderem Materialgesundheit,
Klimaschutz, soziale Fairness und Wassermanagement.
Die Initiative ist Teil der Kaldewei-Philosophie LUXSTAINABI-
LITY®, die exklusives Design mit ökologischer Verantwortung
verbindet. Mit der neuen Zertifizierung bietet Kaldewei nicht
nur langlebige und hochwertige Produkte, sondern auch Lösungen,
die sowohl Bauherren als auch Umwelt überzeugen.
COOL
BLEIBEN
UNTERM DACH
MIT
TRIFLEX
PROSOLAR.
Franz Kaldewei GmbH & Co. KG
T +49 (0)2382 785-0
info@kaldewei.de
www.kaldewei.de
Das Dachflächen Reflexions-Abdichtungssystem.
Durch den hellen Farbton des Systems wird der Reflexionsgrad
erhöht und die Oberflächentemperatur gesenkt. Die
Nutzung unter der Dachfläche wird optimiert. Auch
kann der Wirkungsgrad und die Effektivität montierter
Photovoltaikanlagen mit Triflex ProSolar gesteigert werden.
Ihre Vorteile:
• Sanierungsfreundlich
• Kurze Reaktionszeiten
• Wartungsfreundlich
• Return on Investment (ROI)
• Wärmeschutz
Projekte realisieren wir dabei immer gemeinsam mit Ihnen.
Das heißt für Sie: Gemeinsam gelöst.
www.triflex.at
architektur FACHMAGAZIN
84
Produkt News
© Markus Kaiser/Friedl Steinwerke
Musterhafte Platzgestaltung
Die Neugestaltung des Enkplatzes im 11. Wiener Gemeindebezirk, entworfen vom
Landschaftsarchitekturbüro idealice Landschaftsarchitektur ZT, steht ganz im
Zeichen einer nachhaltigen und lebensfreundlichen Stadtentwicklung.
Der Planung ging eine Bürgerbefragung
voraus und der neu gestaltete Platz begeistert
nun durch seine funktionale wie
ästhetische Aufwertung: Die Pflasterung
und 515 m 2 zusätzlicher Grünraum schaffen
entsiegelte, verdunstungsaktive Flächen,
die zur Regenwasserrückhaltung beitragen.
38 neu gepflanzte Bäume sorgen für
eine natürliche Beschattung der 70 neuen
Sitzgelegenheiten gemeinsam mit der weiteren
hitzeresistenten Bepflanzung, dem
Wasserspiel und den sechs Nebelstelen für
Kühlung an heißen Tagen.
Ein gestalterisches Highlight stellt das
Pflastermuster des Platzes dar, das direkt
vom Dach der angrenzenden Kirche
inspiriert wurde. Für die Umsetzung des
Kirchendachmusters wurden Betonpflastersteine
in den Formaten 30 x 30 x 12 cm
und 40 x 30 x 12 cm von Friedl Steinwerke
gewählt. Ein helles Grau bestimmt den
Grundton der Pflasterung, wodurch sich die
Fläche im Sommer nur wenig aufheizt.
Friedl Steinwerke GmbH
T +43 (0)2618 3208
weppersdorf@steinwerke.at
www.steinwerke.at
© Fürthner/MA 28
www.architektur-online.com
Ein zweites Leben
für Fassaden
Mit dem Capatect Injektionsverfahren stellt die
Synthesa Gruppe eine bahnbrechende Methode zur Sanierung
von Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS)
vor. Diese innovative Technik ermöglicht die Reparatur
und Stabilisierung bestehender WDVS, ohne dass ein
aufwendiger Rückbau erforderlich ist. Damit lassen sich
Arbeitszeit, Lohnkosten und Gerüststandzeiten minimieren,
zudem entfällt die kostenintensive Entsorgung
des alten Fassadendämmsystems, da dieses an Ort und
Stelle verbleiben kann. Insgesamt ergeben sich durch
die Anwendung des Capatect Injektionsverfahrens Einsparpotenziale
von bis zu 60 % pro Quadratmeter im
Vergleich zu einem Rück- und Neubau.
Das zum Patent angemeldete Injektionsverfahren –
bestehend aus dem Capatect Injektionsmörtel, der
Capatect Injektionslanze sowie dem Capatect Injektionsstopfen
182/3 – ermöglicht selbst bei erhöhten
Brandschutzanforderungen eine nachträgliche Ertüchtigung
der Klebekontaktfläche von Fassadendämmsystemen.
Ein weiteres Plus ist, dass sich durch die mögliche
energetische Ertüchtigung (sog. Aufdopplung) anstelle
eines kompletten Neubaus der CO 2 -Fußabdruck um bis
zu 40 % reduzieren lässt.
85
Synthesa Chemie Gesellschaft m. b. H.
T +43 (0)7262 560-0
office@synthesa.at
www.synthesa.at/injektionsverfahren
Produkt News
nicht-ohne-beton.at
WIE WOHNEN
WIR, OHNE
BETON?
EINE WELT OHNE BETON
IST EINE WELT OHNE
NACHHALTIGEN WOHNBAU.
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unsere Zukunft sichert!
architektur FACHMAGAZIN
86
Produkt News
Spitzenleistung unter Extrembedingungen
Im Rahmen der umfassenden Sanierung der Bergstation der Dachstein Gletscherbahn
auf 2.700 Metern Höhe wurde ein innovatives Gesamtkonzept realisiert.
Unter dem Leitmotiv „Energiekristall“ erhielt das Gebäude bis 2024 eine energieeffiziente
Hülle aus 338 Photovoltaik-Modulen mit 633 m² Fläche – genug, um bis
zu 80 % des Eigenbedarfs zu decken.
Ein zentraler Baustein dieses nachhaltigen Architektur-
und Energiekonzepts ist das neue Lüftungssystem
von TROX. Zum Einsatz kommen zwei kombinierte
Zu- und Abluftgeräte der Serie X-CUBE sowie
drei Zonenteile, die mit einem Volumenstrom von je
13.900 m³/h Zuluft und 14.200 m³/h Abluft für optimale
Luftqualität im Restaurant sorgen. Die Geräte
zeichnen sich durch eine besonders hohe Energieeffizienz
und extreme Witterungsbeständigkeit aus – essenziell
in alpiner Umgebung.
Die Realisierung stellte nicht nur technisch, sondern
auch logistisch höchste Anforderungen. Um die Kom-
ponenten auf eine der höchstgelegenen Baustellen
Österreichs zu transportieren, wurde ein aufwendiges
Konzept aus Helikopter- und Seilbahnlogistik entwickelt.
Neben den X-CUBE-Geräten wurden Volumenstromregler,
Schalldämpfer und Schlitzauslässe präzise
und termingerecht angeliefert. Die Installation
zeigt beispielhaft, wie leistungsstarke Lüftungstechnik
auch unter extremen Bedingungen zur Umsetzung
ambitionierter Nachhaltigkeitsziele beitragen
kann – und macht die Bergstation am Dachstein zu
einem Leuchtturmprojekt moderner Gebäude- und
Klimatechnik im Hochgebirge.
TROX Austria GmbH
T +43 (0)1 25043-0
trox-at@troxgroup.com
www.trox.at
www.architektur-online.com
Sichere Terrassen- und
Fassadenentwässerung
Moderne Architektur verlangt nicht nur stilvolle Gestaltung,
sondern auch höchste Funktionalität – besonders
wenn es um den Schutz vor Feuchtigkeit
geht. Mit der neuen ACO Profiline 2.0 bringt ACO eine
weiterentwickelte Lösung auf den Markt, die Architekt*innen,
Planer*innen und Verarbeiter*innen bei
der sicheren Entwässerung von Dächern, Fassaden,
Balkonen und Terrassen besser unterstützt.
Gerade in besonders sensiblen Bereichen wie bei
bodentiefen Türen oder Fensterfronten darf keine
Feuchtigkeit ins Gebäude gelangen. Hier setzt die
Profiline 2.0 neue Maßstäbe: mit Rückstaureserven
für extreme Wetterereignisse, einer werkzeuglosen
Rostverriegelung für einfache Reinigung sowie begeh-
und rollstuhlbefahrbaren Rinnen. Erhältlich in
fixer oder höhenverstellbarer Bauhöhe, bietet das
System höchste Flexibilität für nahezu jede Einbausituation
– und das wahlweise in verzinktem Stahl
oder Edelstahl.
Verschiedene Rostdesigns sorgen für gestalterische
Freiheit, während integrierte Stichkanalanschlüsse
und Kiesleisten eine einfache Montage ermöglichen.
So werden nicht nur die Anforderungen der ÖNORM
B 3691 erfüllt, sondern auch ein langfristiger Schutz
vor Feuchtigkeit garantiert.
Als verlässlicher Partner begleitet ACO mit einem umfassenden
Beratungs- und Montageservice: von der
Auswahl passender Produkte bis zur fachgerechten
Installation durch erfahrene Entwässerungsprofis. Ob
Neubau oder Sanierung – mit der ACO Profiline 2.0 ist
jedes Bauprojekt bestens gerüstet.
87
ACO GmbH
T +43 (0)2252 22420-0
info@aco.at
www.aco.at
Produkt News
++
Effiziente
Wohnraumlüftung
Fritz Holter GmbH
T +43 (0)7242/483-0
www.holter.at
Die Anforderungen an moderne Wohnraumlüftung
sind hoch: Frische Luft, hohe Energieeffizienz und ein
angenehmes Raumklima sollen gewährleistet sein –
und das möglichst ohne aufwendige Installationen.
Genau hier setzen HOLTER und KL Lufttechnik mit
KL Airvolution an und bieten eine komfortable und
energieeffiziente Lüftungslösung mit Wärme- und
Feuchterückgewinnung. Das System wird direkt in
der Fassade montiert und lässt sich ganz ohne den
Einsatz großer Steigschächte oder komplexer Verrohrungssysteme
dezent in die Wohnräume integrieren.
Aktives Stoßlüften oder Querlüften durch die Bewohner
ist damit nicht mehr erforderlich – das System
übernimmt die automatische Steuerung und spart
dabei auch noch Heizenergie. Dies verbessert nicht
nur das Raumklima, sondern sorgt auch für eine kontrollierte
Feuchtigkeitsregulierung und verhindert
Schimmelbildung.
architektur FACHMAGAZIN
88
Produkt News
© Bauder I Agnes Mutschler
Das Dach als Statement
Wo früher eine Bootshütte am Mondsee war, entstand mit dem apollo Mondsee
ein visionäres Ensemble aus Gastronomie, Hotellerie und See-Erlebnis. Das offene
Konzept der Familie Hargassner verbindet zeitgenössische Architektur mit nachhaltiger
Nutzung – und setzt dabei auf ein multifunktionales Dachsystem von Bauder.
Auf über 2.000 m² Dachfläche kam ein perfekt abgestimmtes
Komplettsystem zum Einsatz: PU-Gefälledämmung,
Bitumenabdichtung Bauder K5K,
die durchdringungsfreie PV-Unterkonstruktion
BauderSOLAR F XL sowie das BauderSECUTEC-Seilsystem
für normgerechte Absturzsicherung.
Für Planer bietet Bauder damit eine hochqualitative,
praxisnahe Lösung, die sich einfach integrieren lässt
und in sich geschlossen funktioniert. Vom ersten Detailanschluss
bis zur Energiegewinnung. Das System
zahlt auf nachhaltige Architektur ein und schafft ein
sicheres, langlebiges Flachdach.
Bauder GesmbH
T +43 (0)7229 69130-0
info@bauder.at
www.bauder.at
© Lunami Gastronomie GmbH
www.architektur-online.com
89
Produkt News
Grünstrom
endlich am Netz
Am Dach der Baumit Palettierhalle in
Peggau wurden bereits 2023 rund 1.200
Photovoltaik-Zellen installiert, die mit einer
Modulfläche von rund 2.350 m 2 eine
Leistung von 510 kWp aufweisen. Plangemäß
hätte diese Anlage bereits 2024 rund
560.000 kWh Strom liefern sollen, doch
durch neue gesetzliche Vorgaben musste
für die bereits im Dezember 2023 technisch
fertiggestellte Anlage eine zusätzliche Datenleitung
verlegt und folgend die Freigabe
des Netzbetreibers abgewartet werden. Dadurch
ging die Anlage – zu wesentlich höheren
Kosten - ein Jahr später als geplant
ans Netz und deckt nun den Strombedarf
am Baumit Standort Peggau zu 25 Prozent
mit selbst erzeugtem Grünstrom.
Baumit GmbH
T +43 (0)501 888-0
www.baumit.com
Von rechts: Die beiden Baumit Geschäftsführer Manfred Tisch und Georg Bursik, Franz Knapp
(Werksleitung Peggau) und Gerhard Philipp (Umwelt- und Verfahrenstechnik) freuen sich über
Grünstrom für den Baumit Standort in Peggau und die jährliche Einsparung von rund 380 to CO 2 .
FEEL IT IN
THE AIR
DEZENTRALE
LÜFTUNGSLÖSUNGEN
Fassadensystemlüftung für
Neubau und Sanierung
Büros, Schulen und Kindergarten
Variable Gestaltungsmöglichkeiten
für perfekte Ästhetik
www.trox.at
architektur FACHMAGAZIN
90
Produkt News
© Bundesverband Gebäudegrün (BuGG)
Langes Leben fürs Gründach
Moderne mehrgeschossige Wohnbauten sind die effizientesten Gebäude unserer Zeit.
Immer öfter tragen sie als obersten Abschluss ein begrüntes Dach – und sorgen so für
Kühlung bei Sommerhitze, Wasserspeicher bei Starkregen und ein wertvolles Stück
Natur für Insekten und Vögel.
Ausgeführt als Umkehrdach liegt die Dämmung dabei
über der Abdichtungsschicht und kombiniert mit dem
sichersten Dämmstoff hat ein begrüntes Umkehrdach
viele Vorteile: XPS schützt die Abdichtung verlässlich
vor UV-Einstrahlung und Beanspruchung durch Frost-
Tau-Wechsel. Sie ist über das Jahr hinweg in einem
gleichmäßigen Temperaturbereich, gewährleistet die
Stabilität der Dachbahnen und verlängert signifikant
die Lebensdauer der Abdichtung und damit des ganzen
Aufbaus. Die Dämmschicht schützt außerdem vor
mechanischer Beschädigung, etwa durch Hagel oder
im Zuge von Handwerkerarbeiten. Jedes Dach muss
regelmäßig gewartet werden, umso mehr, wenn es Klimatechnik
oder PV-Anlagen trägt. Wird dabei einmal
die Bohrmaschine fallengelassen, ist das auf dem Umkehrdach
mit XPS kein Problem.
Die baurechtliche Lebensdauer eines Umkehrdachs
wird mit 50 Jahren bemessen. Die reale Lebensdauer
ist bei fachmännischem Aufbau jedoch deutlich höher:
Das XPS tut so lange seinen Dienst als Dämmstoff, wie
das Gebäude besteht.
ÖXPS – Österreichische Fachvereinigung
für Polystyrol-Extruderschaum
office@oexps.at
www.oexps.at
Vegetation
Substrat
Filtervlies
Dränage- und Wasserspeicher-Element
Trennlage/Rieselschutz (diffusionsoffen)
Mehrschichtiger Aufbau
Extensiv begrüntes Umkehrdach
© Bundesverband Gebäudegrün (BuGG)
XPS-Wärmedämmung
Wurzelfeste Dachabdichtung
Geeignete Unterkonstruktion
in Zusammenarbeit mit
www.architektur-online.com
Weißer Dachschutz
Triflex, der Spezialist für Flüssigkunststoff,
hat das vielfältige Abdichtungs- und Beschichtungssortiment
mit dem Produkt
Triflex ProSolar Finish+ erweitert. Die reflektierende
Beschichtung senkt effektiv die
Oberflächentemperatur von Dachflächen
und verbessert den Wirkungsgrad von Photovoltaikanlagen.
Das System basierend auf
Polymethylmethacrylat (PMMA) dient als
Unterstützung bei der energieeffizienten
und nachhaltigen Gebäudeplanung.
Triflex ProSolar Finish+ kann auf nahezu
allen Untergründen eingesetzt werden und
empfiehlt sich für Dachflächen von Privathäusern,
Gewerbegebäuden und Industrieanlagen.
Die flüssige Applikationsform
ermöglicht eine flexible Anpassung an gebäudespezifische
Gegebenheiten.
Im Vergleich zu üblichen Dachbahnen und
dunklen Oberflächen kann mit der Flüssigkunststoffbeschichtung
die Oberflächentemperatur
um bis zu 50 Prozent gesenkt
werden. Da das Dach nicht so stark aufgeheizt
wird, können die Innenraumtemperaturen
des Obergeschosses um bis zu 5 °C
gesenkt werden. Dies ist ein wesentlicher
Beitrag zum Energiemanagement eines Gebäudes.
Ein weiterer Vorteil durch die Wärmereduktion
ist die verlängerte zu erwartende
Lebensdauer des Dachaufbaus.
Triflex GesmbH
T +43 (0)7667 21505
info@triflex.at
www.triflex.at
91
Produkt News
BRANDSCHUTZ GRÜN DENKEN
Mit welchen Brandschutzmaßnahmen wird ein Gebäude nachhaltiger? Haben Systeme wie
Sprinkleranlagen eine bessere Ökobilanz als der bauliche Brandschutz? Und wie kommt bei all dem
die EU-Taxonomie-Verordnung ins Spiel? Wir haben für Planende und Investierende Betrachtungen
zu klima- und umweltverträglichem Brandschutz zusammengestellt:
· Studie + Round Table | „Mehr Sprinkler für den Klimaschutz?“
· Baulicher und anlagentechnischer Brandschutz im Ökobilanz-Vergleich
· Anlagentechnik als Baustein für taxonomiekonforme Immobilien
· Naturbaustoffe | Holz und Lehm aus Brandschutzsicht
· Analyse | Fassadenbegrünung, E-Mobilität, Photovoltaik, Dämmung
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hoyer-brandschutz.at/umwelt
Aus dem Inhalt
05/2023
MEHR SPRINKLER FÜR DEN
KLIMASCHUTZ?
Baulicher und anlagentechnischer Brandschutz
im Ökobilanz-Vergleich
Betrachtungen zu einer
klima- und umweltverträglichen Brandschutzplanung –
für Investierende und Planende im Bausektor
· Baulicher vs. anlagentechnischer Brandschutz: Emissionen, Ökobilanz, Kosten
· Brandschutz im Kontext von Klima, Ressourcen und wirtschaftlicher Resilienz
· Anlagentechnik als Baustein für taxonomiekonforme Immobilien
· Sprinkleranlagen: Quo vadis?
· Vorbehalte gegenüber Sprinkleranlagen aus Sicht des Fachplaners
· Die Wirksamkeit von Sprinkleranlagen im Fakten-Check
in Zusammenarbeit mit
HOYER Brandschutz GmbH
Ingenieurbüro für Brandschutzplanung · office@hoyer-brandschutz.at · www.hoyer-brandschutz.at
architektur FACHMAGAZIN
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Produkt News
Bauen in über 2.000 Metern Höhe
In 2.315 m Höhe, ausschließlich per Gondel erreichbar, bietet das Berghotel Rudolfshütte
am Ufer des Weißsees seinen Gästen ein außergewöhnliches Urlaubserlebnis.
Die steigende Nachfrage erforderte einen architektonisch geschickt in die Landschaft
integrierten Erweiterungsbau, der ästhetisch ansprechend dem Gestaltungskonzept
des Hauptgebäudes Rechnung trägt und sich mit diesem gefällig in die angrenzende
Bergwelt einfügt.
Die bauliche Planung und Umsetzung erwies sich
aufgrund der exponierten Lage des Objekts als
komplex: Die hohen Windgeschwindigkeiten stellten
höchste Anforderungen an Dichtigkeit und Wärmedämmung.
Um zu gewährleisten, dass keine kalte Höhenluft
über die Gebäudehülle ins Innere eindringen
kann, erfolgte die Planung der Fenster und Türen mit
großer Sorgfalt. Die Wahl fiel dabei auf heroal Fenster-
und Türsysteme, die die hohen Anforderungen
an Energieeffizienz und Dichtigkeit auch bei Windgeschwindigkeiten
von über 180 km/h optimal erfüllen.
Zum Einsatz kamen das Fenstersystem heroal W 72
sowie das Türsystem heroal D 72. Die insgesamt 80
Elemente verfügen zum Teil über mehrere Glasfelder
und kombinieren auf diese Weise höchste Windbeständigkeit
mit Transparenz für helle Innenräume. Die
Farbwahl für die stranggepressten Aluminiumsysteme
fiel auf den Farbton RAL 9016 m Verkehrsweiß
auf der Innenseite des Gebäudes sowie die RAL-Farbe
6005 m Moosgrün auf der Außenseite.
heroal – Johann Henkenjohann GmbH & Co.
T +49 (0)5246 507-0
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Produkt News
Gebaut aus 100 %
SCHROTT
Design trifft
Ressourcenschonung
Wer bei Neubau oder Sanierung auf moderne Beschattungslösungen
setzt, spart langfristig Energie, erhöht den Wohnkomfort
und investiert nachhaltig in die Zukunft. VALETTA
bietet mit seinen solarbetriebenen Systemen – vom Rollladen
bis zur ZIP-Beschattung – innovative und umweltfreundliche
Lösungen ohne Verkabelungsaufwand.
Dank hochwertiger Stoffe, wetterfester Oberflächen und
einer zertifizierten, nachhaltigen Produktion mit EPD-Nachweis
überzeugen die Sonnenschutzprodukte nicht nur ästhetisch,
sondern auch ökologisch. Die integrierten Solar-Module
sorgen für zwei zuverlässige Fahrzyklen pro Tag – ganz
ohne Strom aus der Steckdose. Durch clevere Systemintegration
lassen sich auch Insektenschutz und Smart-Home-Anwendungen
mitdenken – für maximalen Komfort und
funktionale Vielfalt.
VALETTA steht seit 1960 für kompromisslose Qualität „Made
in Austria“, durchdachtes Design und echte Nachhaltigkeit.
Alle Systeme sind auf lange Lebensdauer, einfache Montage
und zukunftsorientiertes Bauen ausgelegt.
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Architekt: Hadi Teherani Architects
Echte Kreislaufwirtschaft
mit End-of-Life-Aluminium.
Die beim Innovationsbogen Augsburg
eingesetzten WICONA Fassadensysteme
stammen zu 100% aus recyceltem
End-of-Life-Aluminium – also Aluminiumschrott,
der seinen gesamten Lebenszyklus
bereits durchlaufen hat. Das hat
insgesamt 517 Tonnen CO 2
eingespart.
So geht echte Kreislaufwirtschaft!
© HGEsch Photography
architektur FACHMAGAZIN
94
Produkt News
Fotos: Mediashots
Ressourcenschonend in die Zukunft
Mitten in der Nürnberger Innenstadt entsteht derzeit ein Leuchtturmprojekt für zirkuläres
Bauen und nachhaltige Architektur: Der Evangelische Campus Nürnberg (ECN),
geplant vom Wiener Architekturbüro Franz & Sue, transformiert den früheren Verwaltungssitz
der Oberpostdirektion aus den 1970er-Jahren in eine moderne Bildungslandschaft.
Besonders im Fokus: die ressourcenschonende Revitalisierung des Bestands
und eine zukunftsweisende Fassadenlösung auf Basis recycelter Materialien.
Statt eines energieintensiven reinen Neubaus setzt
die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB)
als Bauherrin auf eine Kombination aus umfassender
Sanierung des bestehenden Komplexes und dem
Neubau ergänzender Erweiterungsbauten. So entsteht
ein zukunftsweisender Bildungscampus, der
nach Fertigstellung rund 2.000 Schüler:innen, Studierenden
und Lehrkräften eine neue Heimat bieten
wird. Günter Weissteiner, Geschäftsführer der ELKB,
betont: „Nach Ende der Sanierung werden wir im ECN
einen Energiebedarf von rund 64 Kilowattstunden
pro m 2 Fläche haben. Vormals waren es 195 Kilowattstunden.
Durch die konsequente Nutzung von grauer
Energie anstatt eines Neubaus sparen wir insgesamt
6.500 Tonnen CO 2 ein.“
www.architektur-online.com
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Produkt News
Fassadensanierung als Kreislaufprozess
Ein zentrales Element dieser CO 2 -Reduktion bildet
die nachhaltige Erneuerung der Gebäudehülle. Die
alte Aluminium-/Glas-Fassade wurde vollständig
rückgebaut und recycelt. In enger Zusammenarbeit
von WICONA, Saint-Gobain Glass und der Heinrich
Würfel Metallbau GmbH wurde eine neue Fassadenlösung
entwickelt, die konsequent auf zirkuläre Wertschöpfung
setzt. Heinrich Würfel, Geschäftsführer
des ausführenden Metallbauunternehmens, erklärt:
„Wir haben den Rückbau der Bestandsfassade gleich
von Beginn in der Ausschreibung mit angeboten mit
dem Ziel, die ausgebauten Rohstoffe wieder in den
Wertstoffkreislauf zurückzuführen.“
Die Rückbauarbeiten erfolgten unter beengten Bedingungen
in der Innenstadt „just-in-time“. Die alten
Fassadenelemente wurden sortenrein getrennt und
anschließend in die Recyclingwerke überführt. Dort
entstanden neue Profile und Verglasungen, die im Sinne
der Kreislaufwirtschaft zu neuen Fassadenelementen
weiterverarbeitet wurden. Zum Einsatz kam dabei
Hydro CIRCAL 75R – eine Aluminiumlegierung mit
besonders geringem CO 2 -Fußabdruck. „Die Legierung
besteht zu mindestens 75 % aus recyceltem End-of-Life-Aluminium
und verfügt über einen CO 2 -Fußabdruck
von nur 1,9 kg CO 2 pro kg Aluminium“, erläutert Sebastian
Schäfer, Key Account Manager bei WICONA.
Mehr Komfort und Effizienz
Die neue Fassadenfläche des ECN umfasst rund
10.600 m². Verwendet wurden projektspezifisch
konzipierte Elementfassaden auf Basis des Systems
WICTEC EL sowie Pfosten-Riegel-Konstruktionen
der Serie WICTEC 50. Diese sorgen nicht nur für ein
einheitliches architektonisches Erscheinungsbild,
sondern tragen auch maßgeblich zur Verbesserung
des Raumklimas bei – insbesondere hinsichtlich Wärmeschutz,
Schallschutz und Sonnenschutz.
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Systems Austria GmbH
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Universalzement für alle gängigen
empfohlenen Betonsorten.*
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* Das entspricht einer Reduktion bei einem Umstieg von CEM II/B auf CEM II/C von mehr als 20 kg CO 2
/m 3
bzw. von knapp 40 kg CO 2
/m 3 bei CEM I als Vergleichsbasis [bei jeweils 300 kg anr. Bindemittel/m³ Beton].
ECOPlanet ROT - CEM II/C-M(S-LL) ist seit 15. April 2025 für die folgenden Expositionsklassen
(Umweltklassen) zugelassen: X0, XC1, XC2, XC3, XC4, XW1, XW2, XD1, XD2, XD3, XF1, XF2, XF3, XF4, XA1L, XA2L.
Der Einsatz für die Herstellung von Beton der Kurzbezeichnungen B1 bis inklusive B12 ist damit möglich.
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architektur FACHMAGAZIN
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Produkt News
Schatten für die Stadt von morgen
Gerade bei der Entwicklung nachhaltiger Städte zeigt sich, dass die automatisierte
Außenbeschattung alternativlos ist. Sie ist klar im Vorteil gegenüber Klimaanlagen,
wenn es um die Nachhaltigkeit geht. Letztere verbrauchen nicht nur Energie,
sondern tragen durch die warme Abluft auch direkt zur Erwärmung des urbanen
Raumes bei. Zudem sind großflächige Verglasungen heute fester Bestandteil moderner
Architektur und machen effektiven Sonnenschutz unverzichtbar.
So auch im Munich Urban Colab, das Raum für innovative,
branchenübergreifende und interdisziplinäre Zusammenarbeit
bietet. Der erforderliche Sonnenschutz
für das Bürogebäude wurde mit Systemen von HEL-
LA realisiert: über 300 Raffstores und 50 Fassadenbeschattungsanlagen
zur Außenbeschattung sorgen
für optimale Lichtverhältnisse und ein angenehmes
Raumklima. Zur Ergänzung des außenliegenden Sonnenschutzes
wurden in den Innenräumen rund 390
Innenrollos und 20 Plissees installiert. Sie verbinden
Funktionalität mit ansprechendem Design und tragen
mit effektivem Blendschutz, flexibler Lichtregulierung
und verbesserter Raumakustik maßgeblich zu einem
angenehmen Arbeitsumfeld bei.
Gerade bei der Entwicklung nachhaltiger Städte zeigt
sich, dass die automatisierte Außenbeschattung alternativlos
ist. Mit ONYX.HOME für Privatkunden und
ONYX.PRO für größere Wohn- oder Bürokomplexe
stellt HELLA maßgeschneiderte Steuerungslösungen
für jeden Anwendungsfall zur Verfügung.
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Produkt News
Smarte Netzmarkisen
gegen Sommerhitze
Die Hitzetage und Tropennächte in Österreich nehmen zu, was
auch die rund 250 Leistungssportler im Bundesschülerheim
Sankt Pölten zu spüren bekommen. Das Heim bietet Unterkunft,
Verpflegung und Betreuung unter einem Dach. Es umfasst zwei
Gebäude mit modernen Wohn- und Gemeinschaftsräumen sowie
zahlreichen Freizeiteinrichtungen. So modern das Gebäude
auch ist, während der Hitzeperioden kann die Kühlanlage auf
dem Dach, die über die automatische Wohnraumbelüftung läuft,
die Räume nicht ausreichend kühlen. Besonders in den oberen
Stockwerken waren bis zu 34 Grad Celsius keine Seltenheit. Um
dies zu verhindern, begann der Direktor des Bundesschülerheims
vor drei Jahren, Gespräche mit dem Bauherrn über einen verlässlichen
Sonnen- und Hitzeschutz zu führen, der die Innenräume
kühlen, Sichtschutz bieten, aber nicht komplett verdunkeln sollte.
Die Wahl fiel auf Netzmarkisen von FAKRO, die einfach und individuell
zu bedienen sind und ohne Fehleranfälligkeiten auf Knopfdruck
funktionieren. Insgesamt wurden 226 elektrisch betriebene
FAKRO VMZ Netzmarkisen installiert, die in ein Z-Wave-Netzwerk
eingebunden und über Fibaro Gateways im gesamten Gebäude
gesteuert werden.
FAKRO Dachflächenfenster GmbH
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Färbemitteln oder Boraten
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architektur FACHMAGAZIN
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Produkt News
Isolierglas mit Weitblick
Am Nationalpark-Besucherzentrum „Brockenhaus“ auf dem Gipfel des 1.141 Meter
hohen Brockens (Harz) wurde die rund 25 Jahre alte Glasfassade saniert. Sie war
in der Dauerbeanspruchung des Bergwetters undicht und blind geworden und
präsentiert sich nun nach umfangreicher Sanierung wieder in voller Funktionalität
und Ästhetik.
Der Entwurf der ursprünglichen Fassade stammt
von Architekt Wolf Rüdiger Eisentraut. Nach seinen
Plänen erhielt jedes Glaselement eine eigene Form
mit individuellen Abmessungen – ohne rechte Winkel.
Das anspruchsvolle Aufmaß übernahm Henze
Glas aus Hörden. Anschließend fertigte und installierte
das Unternehmen rund einhundert maßgefertigte
Isoliergläser des Isolierglasspezialisten AGC
Interpane für die neue Glasfassade: auf der Innenseite
16,76 Millimeter starkes Verbundsicherheitsglas,
im Scheibenzwischenraum schwarze „Chromatech
Ultra 9004“-Abstandhalter und außen 12 Millimeter
dicke, vorgespannte Außenscheiben mit der
Sonnenschutzbeschichtung „Stopray Ultraselect
60/27“. Das hochselektive Coating (S = 2,19) lässt
viel Tageslicht ins Besucherzentrum, schützt mit einem
g-Wert von 27 Prozent vor sommerlicher Überhitzung
und ist mit einem Ug-Wert von 1,0 W/(m 2 K)
wärmedämmend. Mit seiner geringen Innenreflexion
optimiert es zudem die Aussicht der Besucher auf
die umliegende Landschaft.
Alle Basisgläser der Stopray-Familie sind mit dem
Nachhaltigkeitszertifikat „Cradle to Cradle“ in Bronze
ausgezeichnet und im Zuge der neuen CO 2 -reduzierten
Produktion der europäischen AGC-Gruppe auch
als „Low Carbon“ Varianten verfügbar – mit dazugehöriger
EPD.
Interpane Glas Industrie AG
T +49 (0)5273 809 0
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Fotos: Henze Glas
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EPS-Rückholung
über ARA
Um EPS-Verschnitte oder -Reste im Sinne einer
Kreislaufwirtschaft wieder zu neuen Platten zu
verarbeiten, braucht es zuerst ein funktionierendes
Logistik-System, das die Rückholung der
Materialreste von den Baustellen sicherstellt.
Genau ein solches System wurde in den letzten
Jahren von der EPSolutely-Gruppe entwickelt –
mit einfachen Workflows, wiederverwendbaren
Recycling-Säcken und einer eigenen App.
Und mit der Altstoff Recycling Austria AG
(ARA) ist nun Österreichs treibende Kraft in
Sachen Kreislaufwirtschaft mit an Bord. Die
ARA pusht das EPS-Recycling nun einmal
mehr: Verbraucher*innen können weiterhin
ihre Styropor-Abfälle direkt zum Recyclinghof
bringen. Dort werden sie nun von den Steinbacher
LKWs abgeholt, ins Werk nach Erpfendorf
gebracht, gereinigt, geschreddert und zu
neuen Styroporplatten verarbeitet, sprich: in
den Kreislauf zurückgeführt. Ziel ist es, die Abholung
auf ganz Tirol sowie die benachbarten
Bundesländer zu erweitern.
99
Steinbacher Dämmstoff GmbH
T +43 (0)5352 700-0
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Produkt News
Gute Ideen
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architektur FACHMAGAZIN
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Produkt News
Fotos: Viet Duc Nguyen / Atelier ST
Wärmeversorgung im
bunten Fassadenkleid
Statt eines ehemaligen Kohlekraftwerks beherbergt das neue Heizkraftwerk Süd
in Leipzig zwei hocheffiziente Gasturbinen, setzt auf Wasserstofftechnologie und
wird künftig um Solarthermie und Anbindung an das Fernwärmenetz erweitert.
Baulich orientierten sich die Planer von Atelier ST bei
diesem Vorzeigprojekt am denkmalgeschützten Bestand
auf dem Gelände sowie der kleinteiligen urbanen
Nachbarbebauung. Das Ergebnis: Ein Farb- und
Fassadenspiel aus Klinker und Keramik der beiden
Spezialisten von GIMA und MOEDING, das der Typologie
Kraftwerk ein ganz neues Gesicht verleiht. Am
Sockel wurde ein Klinker-Sonderformat von GIMA
in den Maßen 252 x 122 x 69 Millimeter eingesetzt,
das dem vorhandenen Steinformat der Bestandsbe-
bauung nachempfunden ist. Die Klinker mit den drei
neu geschaffenen Farbtypen Lamone bunt, Econi und
Umbra sind größtenteils unglasiert verbaut, wobei
einzelne Binder aus grün glasierten Klinkern eingestreut
sind. Bei der Gestaltung der Außenflächen orientierten
sich die Planer am Farbspiel der Fassaden.
Sie entschieden sich für den GIMA Pflasterklinker
Toskana im Format 240 x 118 x 71 mm. Er bildet durch
seine bunte Vielfalt von gelb bis rot das Farbspiel der
Gebäude im Kleinformat optimal nach.
GIMA Girnghuber GmbH
T +49 (0)8732 24-0
info@gima-ziegel.de
www.gima-ziegel.de
Moeding
Keramikfassaden GmbH
T +49 (0)8732 2460-0
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Produkt News
Herausforderungen
der Zukunft
Saint-Gobain Austria, bekannt durch Marken wie ISOVER,
RIGIPS und WEBER Terranova, hat Verantwortung übernommen
und spart jährlich rund 110 Tonnen CO 2 ein. Etwa am
Standort im 23. Wiener Gemeindebezirk, wo innovative Farben,
Spachtelmassen und Fassadenprodukte produziert werden –
seit Kurzem CO 2 -neutral. Zur Erlangung der CO 2 -Neutralität
hat das Unternehmen dafür an vielen Stellschrauben gedreht,
z. B. Produktion, Lager und Bürogebäude auf Grünstrom bzw.
Wärmepumpe umgestellt, E-Mobilität forciert sowie auf Gebinde
aus Recyclingmaterial umgestellt. Im Zuge der Investitionen
wurde zudem der Mischturm um eine dritte Linie erweitert.
So können innovative Lightweight-Spachtelmassen
vollautomatisch produziert werden – und wiederverwendetes
Reinigungswasser senkt den Wasserverbrauch.
Saint-Gobain Austria GmbH
WEBER Terrranova
T +43 (0)1 661500
www.weber-terranova.at
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FÜR JEDE ARCHITEKTONISCHE ANFORDERUNG
Zeitgemäße Glasarchitektur braucht technische Spitzenwerte und
wirkungsvollen Ressourcen- und Klimaschutz: Stopray und ipasol
Sonnenschutzgläser von AGC INTERPANE sind technisch und ästhetisch
State of the Art und erfüllen mit eigenen EPD (Environmental
Product Declaration) alle Ansprüche für die bestmögliche Umweltzertifizierung
Ihrer Gebäude nach DGNB, LEED, BREEAM oder WELL.
Unsere Sonnenschutzgläser sind „Cradle to Cradle“-zertifiziert und
im Zuge der CO 2
-reduzierten Produktion auch als „Low Carbon“
Varianten verfügbar.
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architektur FACHMAGAZIN
102
Produkt News
Am Knauf Standort in Ferndorf
entsteht die erste Recyclinganlage für
Mineralwolle in Österreich.
Ein Beitrag zur Klimawende
Für eine effiziente Dämmung, insbesondere bei der Sanierung von Gebäuden, sind
Glas- und Steinwolle unverzichtbare Materialien. Knauf Insulation, einer der weltweit
führenden Hersteller von Dämmlösungen, arbeitet kontinuierlich daran, die
ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit seiner Produkte zu verbessern.
Trotz der CO 2 -Emissionen, die bei Herstellung, Verpackung und Transport entstehen,
ist die CO 2 -Bilanz der Mineralwolle des Herstellers dank ihrer hervorragenden
Dämmleistung bereits nach 95 Tagen positiv.
Nun plant das Unternehmen eine zukunftsweisende
Lösung für das Deponieverbot von Mineralwolle,
das ab 2027 in Österreich gilt, und wird dafür
am Standort Ferndorf, Kärnten, den Bau der ersten
Recyclinganlage für Mineralwolle in Österreich mit
einem Investitionsvolumen von 30 Millionen Euro
umsetzen. Erstmals wird es möglich sein, alle Arten
von Mineralwolle, einschließlich jener aus Rückbauund
Sanierungsprojekten, unabhängig vom Hersteller
aufzubereiten und in den Produktionskreislauf
zurückzuführen. Die geplante Anlage in Ferndorf ergänzt
das bereits bestehende Rücknahmesystem RE-
SULATION, das Kunden eine einfache Rückgabe von
Dämmstoffresten direkt von der Baustelle ermöglicht.
Über den Webshop mineralwolle-recycling.com,
der in Zusammenarbeit mit ABCO Abfallconsulting
eingerichtet wurde, können Baustellenabfälle sortenrein
gesammelt und entweder zu Sammelstellen
gebracht oder direkt abgeholt werden. Künftig wird
dieses Material in Österreich aufbereitet und wiederverwendet.
Knauf Insulation GmbH
T +43 (0)4257 / 3370-0
Info.at@knaufinsulation.com
www.knaufinsulation.at
www.architektur-online.com
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Produkt News
Effizientes Kübel-Recycling
Seit einem Jahr beweist Brillux mit seinem Recyclingprojekt,
dass nachhaltiges Handeln im Handwerk
nicht kompliziert sein muss. Über 300 Tonnen leere
Gebinde wurden im Rahmen des „Brillux Kreislaufs“
gesammelt und recycelt – ein deutliches Zeichen für
die Akzeptanz des Angebots. Der kostenfreie Service,
der sowohl auf Baustellen als auch über die mehr als
190 Brillux-Niederlassungen verfügbar ist, reduziert
nicht nur den Entsorgungsaufwand für Betriebe, sondern
ermöglicht ein sortenreines Recycling.
Die Rückführung der Kübel erfolgt unkompliziert
über rund 2.000 ausgegebene Recyclingboxen oder
durch direkte Abgabe. Das so gewonnene Rezyklat
fließt in die Herstellung neuer Behälter – etwa für
das umweltfreundliche Vita-Sortiment, das bereits
zu 100 Prozent aus recyceltem Material besteht. Was
als deutsches Pilotprojekt startete, wird nun international
ausgerollt: Nach Österreich ist der Service seit
April auch in den Niederlanden verfügbar.
Brillux Farben GmbH
T +43 (0)732 370740-0
info@brillux.at
www.brillux.at
architektur FACHMAGAZIN
104
Produkt News
Design und Umwelt im Einklang
Beton ist das Rückgrat unserer gebauten Umwelt – von Wohnbauten über Infrastrukturanlagen
bis hin zu erneuerbaren Energieprojekten. Seine bewährte Vielseitigkeit,
Langlebigkeit und Formbarkeit machen ihn für Architekten und Planer
seit langem unverzichtbar. Eine der größten Herausforderungen aus ökologischer
Sicht ist es, diese hervorragenden Eigenschaften mit den aktuellen Anforderungen
an Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung in Einklang zu bringen.
Wopfinger Transportbeton hat mit der ausgezeichneten
Produktlinie ÖKOBETON ein innovatives Produktportfolio
entwickelt, welches neben dem Einsatz
von Recyclingmaterialien auch den Aspekt der
CO 2 -Reduktion abdeckt. Je nach Anwendung sind
ÖKOBETONE mit bis zu 80 % Recyclinganteilen und/
oder mehr als 50 % CO 2 -Reduktion verfügbar, ohne
Kompromisse bei Qualität und Gestaltungsfreiheit.
Die breite Produktpalette deckt unterschiedlichste
Anforderungen ab und eröffnet gleichzeitig neue
gestalterische Möglichkeiten, beispielsweise durch
besonderes Hervorheben von Recyclinganteilen bei
geschliffenen Sichtbetonoberflächen.
Durch Herstellung und Auslieferung aus CSC-zertifizierten
Betonwerken wird dabei das Erreichen von
Gebäudezertifizierungen wie z.B. ÖGNI signifikant
unterstützt – ein klarer Pluspunkt bei der Projektvermarktung
und der Wertsteigerung von Immobilien.
Darüber hinaus kann der Einsatz von ÖKOBETON
auch bei der Erlangung von Förderungen hilfreich
sein. Wopfinger Transportbeton erleichtert durch
spezifische Ausschreibungstexte (ABK) die Planungs-
und Ausschreibungsprozesse.
Allen Planenden bietet Wopfinger auch im Rahmen
individueller Workshops an, sich einen Wissensvorsprung
im Bereich nachhaltiger Betone zu verschaffen.
Wopfinger Transportbeton Ges.m.b.H.
T +43 (0)2253 65 51 - 0
office@wopfinger.com
www.wopfinger.com
www.architektur-online.com
Zukunftssicher
planen
Der Planungsalltag wird unbestreitbar komplexer
und damit wächst die Herausforderung,
die Prozesse und Daten effizient im Planungsalltag
zu integrieren. Automatisierung
und Modellintelligenz spielen dabei nun eine
Schlüsselrolle, um in Zukunft wettbewerbsfähig
zu bleiben. Denn die steigenden Planungsanforderungen
lassen sich wirtschaftlich sinnvoll
nur durch digitale Planungswerkzeuge
mit unterstützenden Workflows bewältigen.
Ein Paradebeispiel für eine solche Lösung
kommt aus Österreich: Die Planungssoftware
ELITECAD Architecture integriert z.B. die für
den DPP erforderlichen Umweltproduktdeklarationen
(EPDs) weitgehend automatisch
schon während des Entwurfs ins digitale
Modell und erstellt Gebäuderessourcenpässe
sowie GWP-Vergleiche auf Knopfdruck
– ohne zusätzlichen Aufwand für den Planenden.
Anders als die meisten Softwareanbieter
setzt ELITECAD weiterhin auf Wahlfreiheit
zwischen Kauf- und Mietlösung statt des
wachsenden Abo-Zwangs. Damit behalten
Planungsbüros ihre Daten, Budgets und Updatezyklen
selbst in der Hand.
Alle Details zur aktuellen Version 17 von
ELITECAD Architecture sowie die Möglichkeit,
die Software 30 Tage lang kostenlos
und unverbindlich zu testen, gibt es unter
www.elitecad.eu/architecture-17.
XEOMETRIC GmbH
office@xeometric.com
www.elitecad.eu
105
Produkt News
Freiheit in der Architektur
Das schlanke Verbund tragwerk von Peikko
DELTABEAM®
Verbundträger
ATLANT® Strong
Verbundstütze
www.peikko.at/atlant
architektur FACHMAGAZIN
106
edv
Aufmaß-Apps
3D-Scanner für die Hosentasche
3D-Aufmaß-Apps erfassen Räume oder Objekte schnell und für viele Einsatzbereiche
hinreichend genau. Die Mess- und Fotodaten können anschließend
für Machbarkeits-Studien, Präsentationen oder Angebote verwendet
werden. Worauf sollte man achten?
Text: Marian Behaneck
Auf Smartphones und Tablets oder speziellen
360-Grad-Panoramakameras basierende
3D-Aufmaß-Apps können Räume
oder Objekte dreidimensional erfassen.
In Verbindung mit entsprechenden Apps
lassen sich damit aktuelle iOS- oder Android-Mobilgeräte
quasi in einen 3D-Scanner
verwandeln – ohne in teure Messtechnik
investieren zu müssen. Die erzielbaren
Genauigkeiten liegen, je nach Objektgröße
und -abstand, im Zentimeter-, teilweise sogar
im Millimeterbereich, was eine schnelle
Erfassung der Umgebung, beispielsweise
für Präsentationen, Angebote oder Abrechnungen,
für Baufortschrittskontrollen oder
Soll-/Ist-Abgleiche ermöglicht. Für eine
präzise Werk- oder Detailplanung sind die
Apps allerdings nur bedingt geeignet.
Scanner- oder Foto-App?
3D-Aufmaß-Apps verwenden zwei unterschiedliche
Messverfahren: Während Mac
iOS-Apps meist auf der so genannten
LiDAR-Messtechnologie aufsetzen, die in
Apple iPhones ab der 12. Generation und
Apple iPads ab der 2. Generation eingebaut
ist, verwenden Android-Apps meist
Fotogrammetrie-Messverfahren. Beim
LiDAR-Scan (Light Detection And Ranging,
siehe auch Infokasten) erhält man ein mit
Fotodaten überlagertes 3D-Punktwolkenmodell,
das anschließend für die CAD-Planung
verwendet werden kann. Fotogrammetrie-Apps
scannen Objekte nicht, sie
nutzen stattdessen ausschließlich Fotos
für die 3D-Auswertung. Dabei erfasst entweder
eine auf einem Stativ montierte
360-Grad-Panoramakamera das Umfeld
oder das Messobjekt wird mit dem Smartphone
oder Tablet umrundet. Die Kamera
erfasst das Objekt fotografisch und berechnet
daraus über einen Clouddienst die
3D-Daten. Zur Ergebnisoptimierung kann
Mit 3D-Aufmaß-Apps lassen sich Räume und andere Objekte schnell, einfach, kostengünstig
und relativ präzise dreidimensional erfassen. © Trimble
man bei den LiDAR-Apps vorher festlegen,
ob es sich um ein einzelnes Objekt, einen
Raum oder einen Außenbereich handelt. Bei
der Raumerfassung werden dann beispielsweise
Böden, Wände und Raumecken automatisch
erkannt. Ein Kamera-Stick kann bei
der Erfassung schwer erreichbarer Stellen
über Kopf oder für Untersichten gute Dienste
leisten. Die Erfassungsdaten lassen sich
anschließend in der Cloud in eine Punktwolke
umwandeln, bearbeiten, zuschneiden
und in ein gewünschtes CAD-Datenformat
exportieren, beispielsweise SKP (Sketch-
Up) oder DXF – und damit in beliebige
CAD-Programme importieren. Dort können
die Messddaten weiterbearbeitet und
in CAD- oder BIM-Modelle umgewandelt
werden. Teilweise können die Aufmaßdaten
mit Informationen ergänzt werden – etwa
mit Kommentaren zu Objektdetails oder zur
Montage. So lassen sie sich beispielsweise
für die Baustellen- und Montageeinweisung
für ausführende Firmen nutzen. Werden sie
online gestellt, kann man sie mit Projektbeteiligten
teilen.
Was bietet der Markt?
Die LiDAR-Technologie hat einen regelrechten
Boom bei der Entwicklung spezieller
Aufmaß-Apps ausgelöst (siehe Infokasten).
Neben den bekannteren wie
Canvas, Polycam oder SiteScape gibt es
inzwischen zahlreiche weitere Lösungen.
Panoramakamera-Apps generieren aus den
www.architektur-online.com
107
edv
aufgenommenen Fotos 360-Grad-Fotopanoramen
mit Messfunktion, 2D-Grundrisse
und nur teilweise auch 3D-Modelle (z.B.
TwinCapture). 3D-Aufmaß-Apps sind in
der Basisversion oder für einen begrenzten
Zeitraum kostenfrei und in den weiteren,
nach Leistungsumfang gestaffelten
Versionen als Abo für etwa 6 bis 35 Euro
pro Monat erhältlich. Die Fotogrammetrieaufmaß-App
„3D-Scan“ vom deutschen
Anbieter Immersight kann beispielsweise
aus den Fotodaten einer 360-Grad-Kamera
Panoramafotos für die Baustellendokumentation,
3D-Begehung oder virtuelle Präsentationen
sowie BIM-Modelle generieren und
im IFC-Datenformat exportieren. Dazu verbindet
sich die App per WiFi mit der Kamera,
die 3D-Erfassung und Vermessung der
Räume erfolgt nach Upload in der Cloud
(www.immersight.com). Die „Canvas“-App
generiert aus LiDAR-Scans CAD/BIM-Modelle,
Messberichte oder 2D-Grundrisse in
nativen Datenformaten wie Revit/Autocad,
SketchUp, Archicad oder Vectorworks.
Die App nutzt KI-, respektive Computer
Vision-Technologien, um exakte digitale
3D-Zwillinge der Messobjekte zu erstellen.
Die „Metaroom Scan App“ vom österreichischen
Unternehmen Amrax kann mehrere
Räume, Stockwerke oder ganze Gebäude
per LiDAR-fähigem iPhone oder iPad erfassen
und daraus 2D-Pläne und 3D-Modelle
in diversen Formaten wie OBJ, STL, DXF
oder IFC erstellen. Die App erkennt automatisch
Möbel, Fenster, Türen und andere
Raumelemente. (www.amrax.ai). Die App
„Pix4Dcatch“ vom Schweizer Unternehmen
Pix4D nutzt die LiDAR-Scanner von Apple -
-Geräten oder von anderen Smartphones
die Kamera und den Beschleunigungssensor,
um 3D-Daten zu erfassen. Die App
nimmt dabei Bilder und Punktwolken auf
und verarbeitet sie in der Cloud zu einem
3D-Modell. Darin können dann Messungen
durchgeführt und die Ergebnisse ausgewertet
werden (www.pix4d.com). „Polycam“
ist eine LiDAR- und Fotogrammetrie-basierte
3D-Aufmaß-App für iPhone und iPad,
mit der einzelne Raumscans zu kompletten
3D-Gebäudemodellen zusammengestellt,
bearbeitet und in vielen Dateiformaten wie
OBJ, FBX, STL, XYZ oder DXF für die Weiterbearbeitung
exportiert werden können.
Über die Plattform „Polycam Web“ können
die Aufnahmen mit anderen geteilt werden.
„SiteScape“ von Faro für LiDAR 3D-Scans
auf iOS-Mobilgeräten erfasst 3D-Scans
von Gebäuden und Räumen in Echtzeit
und wandelt sie in CAD- oder BIM-Modelle
um. Im Modell können Messungen vorgenommen,
Kommentare hinzugefügt und
Mit den entsprechenden Apps werden
LiDAR-fähige Smartphones oder Tablets
quasi zum mobilen 3D-Scanner. © Amrax
die Modelle mit Teammitgliedern geteilt
oder in verschiedenen Formaten für die
Verwendung in 3D-Modellierungssoftware
exportiert werden. „TwinCapture“ generiert
aus 360-Grad-Kameradaten sowohl ein
detailliertes 3D-Modell als auch immersive
Rundum-Panoramen, etwa für die Baustelleneinweisung.
Die auf einem Stick oder
Helm montierte Kamera erfasst auch den
Baustellenfortschritt oder Montagefehler.
Wie wird erfasst und
weiterbearbeitet?
3D-Aufmaß-Apps setzen etwas Übung voraus.
So sind, wie bei einer Videoaufnahme,
langsame, gleichförmige und möglichst
ruckfreie Bewegungen erforderlich, damit
der Erfassungsvorgang korrekt ausgeführt
wird. Welche Bereiche vollständig erfasst
sind und welche noch oder erneut erfasst
werden müssen, wird im Display farblich
angezeigt. Als Ergebnis erhält man eine aus
vielen Millionen Messpunkten bestehende
Punktwolkendatei, respektive eine aus
miteinander verbundenen Polygonflächen
bestehende Polygonnetzdatei, auch „Mesh“
genannt. Diese kann anschließend als OBJ,
PLY, XYZ und in weiteren Dateiformaten wie
DXF exportiert werden. Die Erfassungsdauer
ist relativ kurz, so dass man inklusive der
Daten-Nachbearbeitung in wenigen Minuten
beispielsweise einen Raum, eine Treppe
oder einen Gebäudeteil vollständig digital
erfassen kann. Der tatsächliche, individuelle
Aufwand hängt allerdings davon ab, welche
Ergebnisse man braucht: eine 3D-Objekterfassung
für Baufortschrittdokumentationen,
zweidimensionale Grundrisse, Ansichten
oder Schnitte, CAD-Volumenmodelle oder
BIM-Datenmodelle. Letzteres erfordert manuelle
Konstruktionsarbeit, die mehrere
Stunden in Anspruch nehmen kann und viel
Erfahrung bei der Auswertung von 3D-Scandaten,
respektive Fotodaten erfordert. u
Als Ergebnis eines LiDAR-Scans erhält man eine
Polygonnetzdatei des Raums oder Messobjekts, …
© Site Scape, Faro
… die auch zu einem Geschoss zusammengefügt,
anschließend exportiert … © Trimble
… und in einem CAD-Programm ausgewertet und
weiterbearbeitet werden kann. © Trimble
architektur FACHMAGAZIN
108
edv
Herausforderungen und Grenzen
3D-Aufmaß-Apps haben auch Schwächen.
Wähend LiDAR auch bei schwachem Umgebungslicht
funktioniert, aber Probleme
mit spiegelnden Oberflächen wie Fensterscheiben
oder direktem Sonnenlichteinfall
hat, können Fotogrammetrie-Apps
nur bei optimalen Lichtverhältnissen gute
Ergebnisse liefern. Eine intensive Nutzung
des LiDAR-Sensors kann Mobilgeräte-Akkus
schnell „leersaugen“. Man sollte auch
sicherstellen, dass man beim Smartphone-Aufmaß
nicht von Anrufen abgelenkt
wird. Neben den systembedingten Einschränkungen
gibt es auch Grenzen beim
Einsatz. So sind präzise Aufmaße für die
Werk- und Detailplanung, Fertigung oder
Montage nur bedingt möglich. Bei Projekten
oder in Bereichen, bei denen es auf den
Millimeter ankommt, sollten die Messungen
stets mit einem präziseren tachymetrischen
Aufmaßsystem oder einem terrestrischen
3D-Laserscanner (architektur 2/2018: Gebäudebestand
BIM-konform erfassen)
überprüft werden. Bei sensiblen Objekten
sollte man bedenken, dass die Erfassungsdaten
online verarbeitet und gespeichert
werden. Da die meisten Anbieter ihren Firmensitz
in den USA haben, ist der Support
manchmal etwas umständlich und nicht immer
zuverlässig. Zudem müssen sich viele
der meist sehr jungen Unternehmen erst
noch am Markt behaupten.
Fotogrammetrie-Lösungen generieren aus den erfassten Fotodaten 360-Grad-Fotopanoramen
mit einer Messfunktion für Längen oder Flächen … © Immersight
… oder 2D-Grundrisse und teilweise auch 3D-Modelle. © Sensopia
•
LiDAR oder Fotogrammetrie?
3D-Aufmaß-Apps verwenden zwei unterschiedliche Messverfahren: LiDAR-Sensoren
(Light Detection And Ranging) senden Lichtimpulse (meist Laser) auf ein Objekt und
nutzen die Laufzeit für Entfernungsmessungen. LiDAR misst das Umfeld aktiv und kann
auch im Dunkeln messen. Dagegen nutzen Fotogrammetrie-Apps das Umgebungslicht
und funktionieren nur bei ausreichenden Lichtverhältnissen. Die mit einem Smartphone/Tablet
oder einer speziellen 360-Grad-Kamera aufgenommenen, sich überlappenden
Objekt-Fotos werden von einer Fotogrammetrie-Cloudsoftware verarbeitet, die daraus
ein 3D-Modell berechnet. Einige 3D-Aufmaß-Apps verwenden beide Verfahren parallel,
weil sie sich in der Genauigkeit, Schnelligkeit und Oberflächen-Erfassung ergänzen.
Produkte und Anbieter (Auswahl)
LiDAR-Apps: 3d Scanner App (www.laan.com), Canvas (www.canvas.io), LiDAR Scan (www.
kiriengine.app), Metaroom Scan App (www.amrax.ai), PIX4Dcatch (www.pix4d.com),
PolyCam (https://poly.cam), RoomPlan (https://roomplanapp.com), RoomScan Pro LiDAR
(www.locometric.com), SiteScape (www.sitescape.ai)
Fotogrammetrie-Apps: 3D-Scan (www.immersight.com), MagicPlan (www.magicplan.app),
Matterport (www.matterport.com), Photo Scan (www.kiriengine.app), TwinCapture
(www.cupix.com)
Weitere Infos (Auswahl)
www.3dnatives.com/de
www.3dmag.com
https://handwerkdigital.de/Vermessung
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