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architektur FACHMAGAZIN Ausgabe 5 2025

Vom Ende des linearen Denkens

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FACHMAGAZIN

WISSEN, BILDUNG, INFORMATION FÜR DIE BAUWIRTSCHAFT

Erscheinungsort Vösendorf, Verlagspostamt 2331 Vösendorf. P.b.b. 02Z033056; ISSN: 1606-4550

05

www.architektur-online.com

Juni/Juli 2025

Kreislauffähig

bauen

© Einar Aslaksen


Kreisverwaltung

Mainz-Bingen

Ingelheim | DE

Design: UPPERCUT.at | Photos: © Rahel Welsen, Adobe Stock

Kontakt

HASSLACHER Gruppe

T +43 4769 22 49-0

info@hasslacher.com

hasslacher.com


www.architektur-online.com

3

Editorial

Vom Ende des linearen Denkens

Wer baut, gestaltet nicht nur Raum, sondern auch Zukunft. In einer Zeit ökologischer

Krisen ist klar: Die herkömmliche Bauwirtschaft funktioniert nicht mehr. Sie

verschwendet Ressourcen, produziert Abfall und externalisiert die wahren Kosten

auf Umwelt, Gesellschaft und kommende Generationen. Kreislauffähiges Bauen ist

daher keine Option – es ist eine Notwendigkeit.

„Abfall ist ein Designfehler“ – dieser Satz

bringt die Misere auf den Punkt. Jahrzehntelang

wurde geplant, als gäbe es kein Morgen.

Materialien wurden verschwendet, untrennbar

verbunden und Gebäude für den

Abriss konzipiert. Das Resultat: Wertvolle

Rohstoffe landen auf Deponien und sind

praktisch unwiederbringlich verloren. Doch

es geht auch anders. Und Projekte aus ganz

Europa zeigen, wie.

Ob das Holzhochhaus TRÆ in Aarhus, das

demontierbare Bürogebäude HasleTre in

Oslo oder das zirkuläre Bürgerzentrum

MittenIm in Niederwerrn – sie alle stehen

für ein neues Verständnis von Architektur:

Gebäude als Materiallager, als wandelbare

Systeme mit verlängerter Nutzungsdauer.

Flexibilität wird dabei zum Schlüssel

– nicht nur für Räume, sondern auch für

Lebenszyklen. Das Projekt Lumi in Uppsala

etwa beweist, dass selbst vermeintlich unbrauchbare

Bestandsbauten durch Wiederverwendung

und kreative Umnutzung neue

Relevanz gewinnen können.

Doch echte Kreislaufwirtschaft geht weiter.

Sie verlangt nach politischen Rahmenbedingungen,

die ökologische Wahrheiten

abbilden: Ressourcenverbrauch und

CO 2 -Emissionen müssen über Materialien

und Bauweisen hinweg objektiv vergleichbar

sein und ein faires Preisschild tragen.

Geschäftsmodelle müssen sich wandeln –

weg vom Abriss, hin zum Rückbau und zur

Wiederverwertung. Die ökologische Intelligenz

eines Gebäudes darf sich nicht länger

allein an Zertifikaten bemessen, sondern

muss sich auch in seiner Langlebigkeit,

Reparierbarkeit, Adaptierbarkeit und Rückbaufähigkeit

zeigen.

Ein oft vernachlässigter Aspekt: der Boden.

Jede versiegelte Fläche ist eine verlorene

Ressource. Wer heute baut, sollte den Boden

nicht nur als Träger, sondern als Teil

des Ökosystems begreifen. Kreislauffähiges

Bauen beginnt nicht bei der Fassade, sondern

am Fundament – im wörtlichen wie im

übertragenen Sinn.

Die Berichte in diesem Heft zeigen, dass

kreislauffähige Architektur keine Zukunftsvision

mehr ist, sondern bereits heute realisierbar.

Doch damit aus Pionierprojekten

ein neuer Standard wird, braucht es Mut –

von Planer:innen, Bauherr:innen, Politik und

Wirtschaft. Es braucht ein neues Denken.

Denn nur wer das Ende des linearen Bauens

akzeptiert, kann den Anfang einer neuen

Baukultur gestalten: ökologisch, sozial, ökonomisch

und kreislauffähig.

Andreas Laser

Kompletter,

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gemeinsamer

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Dachspezialisten, der auf eine gemeinsame, bessere Zukunft baut.

Und das seit 40 Jahren in Österreich.

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architektur FACHMAGAZIN

4

Inhalt

Editorial 03

Start 06

Supertecture

Magazin 12

Brandschutz als Klimafaktor 22

Mit weniger Ressourcen 24

für mehr Menschen bauen

Interview mit Dipl.-Ing. Bernd Köhler /

Werner Sobek AG

Sozial nachhaltig 28

& kreislaufgerecht

MittenIm / Niederwerrn /

Schlicht Lamprecht Kern

Architektur Stadtplanung

Ein Hochhaus als Materiallager 34

Bürogebäude TRÆ /

Aarhus, Dänemark / Lendager

Natur-Bausatz 40

Bürogebäude HasleTre /

Oslo / Oslotre

Zu neuem Leben erweckt 46

Bürogebäude Lumi /

Uppsala, Schweden / White Arkitekter

Robust und reflektiert 52

Landwirtschaftliche Fachschule Winklhof /

Oberalm, Salzburg / PLOV Architekten

Vom Schulabbruch 58

zum sozialen Wohnraum

Social housing 2104 /

Palma de Mallorca / HARQUITECTES

Bodenversiegelung 64

Naturstein 68

Produkt News 78

edv 106

Aufmaß-Apps:

3D-Scanner für die Hosentasche

28

52

40

46

58

34

MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER Laser Verlag GmbH; Ortsstraße 212/2/5, 2331 Vösendorf, Österreich

CHEFREDAKTION Andreas Laser (andreas.laser@laserverlag.at) • REDAKTION DI Linda Pezzei, Edina Obermoser, Roland Kanfer, DI Marian Behaneck

LTG. PRODUKTREDAKTION Nicolas Paga (nicolas.paga@laserverlag.at) Tel.: +43-1-869 5829-14 • RESSORT WETTBEWERBE Roland Kanfer (wettbewerbe@architektur-online.com)

GRAFISCHE GESTALTUNG & WEB Andreas Laser • LEKTORAT Mag. Heidrun Schwinger • DRUCK maxmedia GmbH

GESCHÄFTSLEITUNG Silvia Laser (silvia.laser@laserverlag.at)

ABONNEMENTS Abonnement (jeweils 8 Ausgaben/Jahr): € 109,- / Ausland: € 133,-, bei Vorauszahlung direkt ab Verlag n Studentenabonnement (geg. Vorlage einer gültigen Inskriptionsbestätigung):

€ 75,- / Ausland: € 105,- (Das Abonnement verlängert sich automatisch, sofern nicht mind. 6 Wochen vor Erscheinen der letzten Ausgabe eine schriftliche Kündigung bei uns einlangt.)

EINZELHEFTPREIS € 15,- / Ausland € 20,- • ABOSERVICE office@laserverlag.at

BANKVERBINDUNG Bank Austria, Konto Nr. 51524477801, BLZ 12000 IBAN AT 231200051524477801, BIC BKAUTWW

UID-Nr. ATU52668304; DVR 0947 270; FN 199813 v; • ISSN: 1606-4550

Mit ++ gekennzeichnete Beiträge und Fotos sind entgeltliche Einschaltungen. Die Redaktion haftet nicht für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos. Berichte, die nicht von einem Mitglied der Redaktion gekennzeichnet

sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Das Magazin und alle in ihm enthaltenen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt.


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architektur FACHMAGAZIN

6

Start

Architektur ist

eine Superkraft

Architektur als Werkzeug für sozialen Wandel - dieser Überzeugung folgt das junge

Kollektiv Supertecture. Mit experimentellen Entwürfen, recycelten Materialien

und einem kollaborativen Planungsprozess entstehen weltweit Bildungsbauten,

Gemeinschaftszentren und Modellprojekte für eine gerechtere Baukultur.

Text: Linda Pezzei Fotos: Alexander Bernhardi

Nicht in Berlin, Wien oder Zürich, sondern in Kaufbeuren

sitzt ein umtriebiges, gemeinnütziges Architekturkollektiv.

Supertecture hat es sich zur Aufgabe

gemacht, soziale, ökologische und gestalterische

Ziele miteinander zu verbinden. In Ländern wie Nepal,

Tansania und Honduras – und zunehmend auch

in Deutschland – realisiert das Team partizipative

Bauprojekte aus recycelten Materialien. Architektur

entsteht hier im engen Dialog mit lokalen Gemeinschaften,

meist unter Einbindung von Studierenden,

jungen Architekt:innen und Handwerker:innen. u

Supertecture – aus Bayern in die Welt

Das gemeinnützige, internationale Architekturkollektiv mit Sitz in Kaufbeuren

wird von jungen Architekturschaffenden, Ingenieur:innen und Designer:innen

getragen. Die Initiative versteht Architektur als transformative Kraft, die gesellschaftlichen

Wandel ermöglichen kann. In enger Zusammenarbeit mit lokalen

Gemeinschaften entstehen weltweit Projekte wie Schulen, Kindergärten und

Gemeinschaftshotels – immer unter Verwendung regionaler und recycelter Materialien.

Ein zentrales Konzept ist das „Room-House“-Prinzip, bei dem jeder

Raum als eigenständiges Projekt von einem jungen Planer entworfen wird. Supertecture

verfolgt einen Open-Source-Ansatz: Alle Bauprojekte sind öffentlich

zugänglich und sollen zur Nachahmung anregen.

Die tragenden Wände des Soil House bestehen aus handgeformtem

Lehm aus der Baugrube und lokalem Bambus.

Das Badezimmer im Bottle House wurde aus 30.000 recycelten

Bierflaschen gebaut, die gemeinschaftlich gesammelt und vor Ort

verarbeitet wurden.

Die Gemeinschaftsküche im Brick House wurde aus dem

Ziegelbruch von Erdbebenruinen errichtet.


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7

Magazin

Räume weiter denken –

mit LinLoop

Von wandlungsfähigen Bürokonzepten über nachhaltigen Neubau bis

zukunftsgerechte Bestandssanierung: Wir schaffen den (Lin)Loop – mit

zirkulären Systemprodukten und Ausbaukonzepten von Lindner.

austria@Lindner-Group.com

www.Lindner-Group.com


architektur FACHMAGAZIN

8

Start

Vier neue Räume – gebaut aus gespendeten „Erdbeben“-Ziegeln, Lehm, Bambus, Stroh, Steinen, Felsplatten und

700 recycelten Fenstern – zeigen innovative Wege des Wiederverwendens und zirkulären Bauens in Nepal.

Mit „2upertecture“ verfolgt das Kollektiv in Deutschland

die Weiterentwicklung dieses Ansatzes als Reallabor

für zirkuläres Bauen. Hier entstehen neue

Projekte, die Kreislaufwirtschaft, Vorfertigung und

Wiederverwendung von Materialien im Kontext sozialer

Einrichtungen und gemeinwohlorientierter Architektur

erproben. Anstelle klassischer Hierarchien

setzt das offene Netzwerk auf kollektive Verantwortung,

gemeinsames Lernen und kreative Zusammenarbeit.

Die Entwürfe entstehen oft vor Ort, im Austausch

mit Nutzer:innen und lokalen Akteur:innen

– getreu dem Leitsatz: form follows availability. Supertecture

versteht sich dabei als Plattform, die architektonische

Utopien konkret werden lässt – sinnstiftend,

reproduzierbar und gestalterisch konsequent.

Aktuell wird in Nepal gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung

der dritte Bauabschnitt eines Kindergartens

realisiert. Parallel dazu entstehen in Deutschland

mehrere Projekte, darunter eine zirkuläre Siedlung,

die Gestaltung eines Parkplatzes unter dem zentralen

Konzept der Wiederverwendung sowie die Innenarchitektur

von Speiseräumen für eine soziale Einrichtung.

Darüber hinaus kuratiert das Kollektiv die

Vortragsreihe „SUPERCIRCLE 25“, die Pionier:innen

des zirkulären Bauens eine Bühne bietet. Ob auf der

Baustelle oder im Diskurs: Supertecture versteht Architektur

als kollektiven Prozess, der zum Mitdenken,

Mitbauen und Mitverändern einlädt – kreativ, radikal

zirkulär und zutiefst menschlich.

u

„Supertecture steht für radikal zirkuläre Architektur – kollektiv gedacht, sozial

gestaltet, aus dem gebaut, was längst da ist. Wir verwenden Bauen als Werkzeug

für Empowerment, Gemeinschaft und Klimagerechtigkeit. Unser Antrieb: mit kreativen,

kollektiven Ansätzen und radikaler Wiederverwendung eine gerechtere

und ressourcenschonende Baukultur gestalten und etablieren.”

Supertecture


www.architektur-online.com

9

Magazin

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architektur FACHMAGAZIN

10

Start

Design Built: Studierende des BC! Labs der Hochschule Biberach testen zirkuläre

Bauprozesse im Maßstab 1:1 – praxisnahes Lernen direkt auf der Baustelle.

Das Kircheninventar der Kirche Zu den Acht Seligkeiten in

Füssen wird derzeit ausgebaut – darunter rund 400 m 2 Mahagoniparkett,

das für eine weitere Nutzung vorgesehen ist.

Nachgefragt:

Was bedeutet für euch „verantwortungsvolles Bauen“

im globalen Kontext?

Verantwortungsvolles Bauen bedeutet für Supertecture,

Architekturprojekte zu realisieren, die ökologisch

nachhaltig, sozial gerecht und kulturell sensibel

sind. Dazu gehören die Verwendung lokaler und recycelter

Materialien, die Einbindung der Gemeinschaft

in den Bauprozess und die Förderung von Bildung

und Empowerment durch Architektur. Supertecture

will Mut machen, neue Wege zu gehen, bestehende

Denkmuster zu hinterfragen und durch kreative Zusammenarbeit

Architektur als aktive Form des gesellschaftlichen

Wandels zu leben.

Eure Projekte wirken oft wie gebaute Utopien –

poetisch, pragmatisch, politisch. Wie haltet ihr diese

Balance?

Das Gleichgewicht entsteht durch einen Ansatz, der

Kreativität mit Funktionalität verbindet. Supertecture

nutzt vorhandene Ressourcen und Materialien – unser

Motto: „form follows availability“ – und entwickelt

daraus Designs, die sowohl ästhetisch ansprechend

als auch praktisch und ressourcenschonend sind.

Gleichzeitig reflektieren die Projekte soziale und politische

Themen, indem sie auf lokale Bedürfnisse und

Bedingungen eingehen und Gemeinschaften stärken.

Was habt ihr auf euren Baustellen in Nepal, Tansania

oder Honduras über Zusammenarbeit und Gestaltung

gelernt?

Die Arbeit in verschiedenen Ländern hat gezeigt, wie

wichtig partizipative Prozesse und kulturelle Sensibilität

sind. In Nepal beispielsweise wurden nach dem

Erdbeben 2015 gespendete Ziegel für den Bau einer

Schule verwendet, was nicht nur Ressourcen schonte,

sondern auch die Gemeinschaft in den Wiederaufbau

einbezog. Was für die einen Abfall ist, kann für

andere zum Rohstoff werden.

Wie organisiert ihr euch als Kollektiv –

wer entscheidet was?

Supertecture arbeitet als demokratisches Kollektiv,

in dem Entscheidungen gemeinsam getroffen werden.

Die Organisation legt Wert auf Gleichberechtigung,

Unabhängigkeit und Chancengleichheit, wobei

alle Mitglieder in den Entscheidungsprozess einbezogen

werden.

Welche Rolle spielt Gestaltung in einem Kontext, in

dem soziale und ökologische Fragen oft drängender

erscheinen?

Für Supertecture ist Design ein Mittel, um soziale

und ökologische Herausforderungen anzugehen. Mit

gestalterischer Konsequenz und kindlicher Neugier

entwickeln wir einfache, radikale und reproduzierbare

Lösungen, die nicht nur funktionieren, sondern

berühren, zum Nachdenken anregen und zur Nachahmung

inspirieren. Dabei verstehen wir Schönheit

nicht als Luxus, sondern als Ausdruck von Sinn,

Haltung und Wertschätzung von Ressourcen. Unsere

Projekte erzählen Geschichten – von Solidarität,

Umnutzung und einer neuen Baukultur. Die Ästhetik,

die dabei entsteht, ist bewusst, farbenfroh und

bedeutungsvoll: Sie schafft Aufmerksamkeit, öffnet

Räume für Dialog und macht die Idee einer zirkulären

Architektur konkret und erlebbar.

Mitmachen bei Supertecture

Supertecture steht jungen Changemakern offen, die Praxis mit Sinn verbinden

möchten. Wer im Studium oder danach Lust auf einen kreativen, hands-on Zugang

zu Architektur hat – und offen ist für kulturellen Austausch, improvisiertes

Bauen und ungewöhnliche Materialien – kann sich als Fellow bewerben.

Projekte finden weltweit statt, jeweils in engem Dialog mit lokalen Partnern.

Weitere Infos & Bewerbung:

supertecture.com/join


Belgium The Netherlands Luxembourg France United Kingdom Germany Switzerland Austria Italy Spain Portugal Poland Czech Republic

www.architektur-online.com

11

Magazin

NEUE EDITION

3. & 4. SEPT 2025

STADTHALLE GRAZ

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architektur FACHMAGAZIN

12

Magazin

Hotspot für

Architektur & Design

Am 3. und 4. September 2025 feiert ARCHITECT@WORK seine Premiere in Graz

– ein neuer Meilenstein in der österreichischen Architektur- und Designszene.

Die Stadthalle Graz bietet den idealen Rahmen für das kompakte und kuratierte

Messekonzept, das für höchste Qualität und Inspiration steht. Auch in Graz erwartet

die Besucher ein sorgfältig ausgewähltes Produktspektrum, ein spannendes

Vortragsprogramm sowie ein inspirierendes Rahmenprogramm.

Das Leitthema dieser Ausgabe lautet

„Transformation“ – ein hochaktuelles Thema

im Kontext des Klimawandels und neuer

Baukulturen. Der Künstler Clemens Hollerer

greift diesen Gedanken mit seiner Installation

„Blessed burden“ auf und präsentiert

ein Kunstwerk, das sich mit Wandel und

psychologischen Räumen im Umbruch auseinandersetzt.

Im Vortragsprogramm widmen sich renommierte

Expertinnen und Experten diesem

Leitmotiv. Fabian Hörmann vom Studio

YR22 eröffnet mit spannenden Einblicken in

neue Materialkulturen. Juri Troy spricht im

Anschluss über die Entwicklung von klassischen

Büros hin zu flexiblen Arbeitswelten.

Michael Salvi vom Architekturbüro Schenker

Salvi Weber beleuchtet die Möglichkeiten

und Herausforderungen der Transformation

im Bestand.

Am zweiten Veranstaltungstag setzt sich

das Programm mit weiteren spannenden

Beiträgen fort. Mark Jenewein von LOVE

architecture and urbanism präsentiert unter

dem Titel „Transformation à la Love“ seine

Perspektive auf Wandel und Innovation.

Barbara Poberschnigg vom Studio Lois lädt

mit ihrem Vortrag „Denk mal“ zum Innehalten

und Reflektieren ein. Abschließend erklärt

Andreas Henter von Tp3 Architekten,

warum die Idee der Reparatur zunehmend

zur Haltung in der Architektur wird.

Ein besonderes Highlight der Veranstaltung

ist die Materialschau der Plattform revalu.

Gezeigt werden CO 2 -reduzierte Werkstoffe,

die zu einer ressourcenschonenden

Bauzukunft inspirieren und neue Wege im

nachhaltigen Bauen aufzeigen.

Freier und schneller Eintritt erfolgt mit dem

Code AKPRG36 über www.architectatwork.at

ARCHITECT@WORK Graz

3. & 4. September

13:00 bis 20:00 Uhr

Stadthalle Graz

graz@architectatwork.com

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13

Magazin

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architektur FACHMAGAZIN

14

Magazin

Zurück in die Zukunft

Wie ein Gründerzeithaus in Wien zum Pilotprojekt für kreislauffähige Sanierung wird –

und was das mit EU-Taxonomie, Materialpässen und Ziegelwänden zu tun hat.

Text: Linda Pezzei Rendering: expressiv Fotos: Bernhard Schramm Photography, Sedlak Immobilien

Die Van-der-Nüll-Gasse 22 im 10. Wiener

Bezirk ist ein Gründerzeithaus von 1885,

das im Rahmen des Pilotprojekts VDN22 zur

Blaupause für zirkuläres und nachhaltiges

Bauen werden soll. Die Sedlak Immobilien

GmbH testet gemeinsam mit der Baufirma

DI Sedlak GmbH, SCALE und Digital Findet

Stadt, wie sich ein sanierungsbedürftiger

Altbau konsequent nach den Kriterien der

EU-Taxonomie modernisieren lässt – inklusive

Materialwiederverwendung, BIM-gestützter

Dokumentation, digitaler Gebäuderessourcenpässe

und rückbaufähiger

Planung. Gefördert von WieNeu+ wird hier

erstmals ein historisches Gebäude ganzheitlich

kreislauffähig gedacht, von der

Analyse der Baustoffe bis hin zu innovativen

Rückbaukonzepten. Das Projekt ist

damit ein zukunftsweisendes Testfeld für

die Bauwende und nachhaltige Stadtentwicklung.

Im Interview sprechen Simone

Grassauer, Nachhaltigkeitsbeauftragte, und

Margarete Berl, Projektleiterin bei Sedlak

Immobilien, über die Herausforderungen

und Chancen des Vorhabens.

Was war der entscheidende Impuls, das

Gründerzeithaus in der Van-der-Nüll-Gasse

22 als Pilotprojekt für eine kreislauffähige

Sanierung im Sinne der EU-Taxonomie

auszuwählen? Welche Kriterien haben

letztlich zur Standortwahl geführt?

Simone Grassauer: Wir haben nach einem

geeigneten Bestandsgebäude für die Umsetzung

unseres Konzepts gesucht. Die

Van-der-Nüll-Gasse bot sich an, da sich das

Gründerzeithaus bereits im Bestand der

Sedlak Immobilien befand und sanierungsbedürftig

war. Pragmatisch betrachtet ging

es uns primär darum, überhaupt ein sanierungsbedürftiges

Gebäude zu finden, an

dem wir unseren Ansatz erproben konnten.

Wie können möglichst viele Materialien

aus dem Bestand wiederverwendet werden

und wie werden Unsicherheiten bei alten

Baustoffen gehandhabt?

Margarete Berl: Wir haben eine umfassende

Bestandsaufnahme inklusive Schad- und

Störstoffanalyse durchgeführt. Der Terrazzoboden

bleibt im Objekt, denn die Bestanderhaltung

hat hier Vorrang. Ziegel werden

vor Ort als einfache Trennwände wiederverwendet,

jedoch nicht für statisch relevante

oder technisch anspruchsvolle Bauteile.

Gipskartonplatten sollen ebenfalls wiederverwendet

werden, allerdings nur dort, wo

keine speziellen Anforderungen bestehen.

Welche Daten werden dokumentiert und wie

wird sichergestellt, dass sie aktuell bleiben?

Simone Grassauer: Im digitalen Gebäudepass

sind alle verwendeten Materialien vollständig

abgebildet, die gesamte Schlussdokumentation

ist enthalten. Zudem erstellen

wir ein Handbuch für den Betreiber, um die

Aktualität über den gesamten Lebenszyklus

hinweg zu gewährleisten, beispielsweise bei

Wartungsarbeiten oder Umbauten. Der Pass

ist mit gängigen IFC-Modellen kompatibel.

Wie verändern Rückbau- und Wiederverwendungskonzepte

die Planung und

Zusammenarbeit?

Margarete Berl: Bereits in der Entwurfsphase

haben wir auf Demontierbarkeit geachtet.

Geschossdecken, Fenster, Fassade, Installationen

– alles wurde zirkulär gedacht. Das

hat intensive Abstimmungen erfordert. Die

integrale Planung mit Architekten, Fachplanern,

Haustechnikern, Bauphysikern, SCALE

und der Baufirma war dafür essenziell.

Simone Grassauer, Nachhaltigkeitsbeauftragte

bei Sedlak und Geschäftsführerin

von SCALE, verantwortlich für die Umsetzung

der Kreislaufstrategie.

Margarete Berl, Projektleiterin bei Sedlak

Immobilien, begleitet die Umsetzung der

Sanierung in der Van-der-Nüll-Gasse.


www.architektur-online.com

Magazin

So soll sie künftig aussehen: Die sanierte Fassade mit moderner

Aufstockung in der Van-der-Nüll-Gasse 22 in Wien-Favoriten.

Welche zirkulären Baustoffe

wurden gezielt getestet?

Simone Grassauer Wir hätten gerne Lehmbauplatten

und Hanf eingesetzt, doch die

Kosten waren zu hoch. Stattdessen setzen

wir auf die Wiederverwendung vorhandener

Gipskartonplatten, Ziegel und sogar funktionsfähiges

Fensterglas, das zu Isolierglas

weiterverarbeitet werden soll – ein innovativer

Testlauf.

Wie genau unterstützt BIM die Kreislauffähigkeit

und wo liegen die Hürden?

Margarete Berl: BIM bildet die Grundlage

für Risiko- und Potenzialanalysen, Ökobilanzierung

und den Gebäuderessourcenpass.

Die Digitalisierung des Bestands

bleibt jedoch aufwändig. Ein Beispiel hierfür

sind Punktwolken-Scans, die per se keine

große Herausforderung wären, hätten wir

von Anfang an die geeignete Software gehabt,

um die Bauteilöffnungen einpflegen

zu können. Letztlich musste dies manuell

und in zeitintensiver Arbeit erfolgen. u


architektur FACHMAGAZIN

16

Magazin

Arbeiten mit dem, was da ist, heißt behutsam mit dem Bestand umgehen.

Was ist die EU-Taxonomie?

Die EU-Taxonomie ist ein zentrales Instrument

zur Umsetzung des Green

Deal. Sie definiert, welche wirtschaftlichen

Aktivitäten als ökologisch nachhaltig

gelten. Für den Bau- und Immobiliensektor

bedeutet das: Nur wer bestimmte

technische Bewertungskriterien erfüllt

– etwa zur Ressourceneffizienz, Rückbau-

und Recyclingfähigkeit – darf sein

Projekt als „nachhaltig“ bezeichnen. Die

Kriterien sind seit Juni 2023 in einem

delegierten Rechtsakt der EU verankert.

Ziel ist es, Investitionen gezielt in grüne

Projekte zu lenken.

Mehr dazu unter:

www.dgnb.de/taxonomie

Wie wird die Zielquote für Wiederverwendung

und Recycling kontrolliert?

Simone Grassauer: Wir dokumentieren alles

über die Nachweise der Entsorgungsfirmen.

Zusätzlich haben wir mit SCALE

ein Abfallbewirtschaftungskonzept erstellt,

das Trennvorgaben, Nachweise und Recyclingquoten

festlegt. Diese Daten fließen

wiederum ins BIM-Modell zurück.

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit

externen Partnern verändert?

Margarete Berl: SCALE war durchgehend

in die Projektbesprechungen eingebunden

und hat alle Beteiligten zum Thema Kreislaufwirtschaft

geschult. Die Zusammenarbeit

war von Beginn an auf Augenhöhe und

sehr konstruktiv.

Was müsste sich Ihrer Meinung nach ändern,

damit die kreislauffähige Sanierung vom

Leuchtturm- zum Standardmodell wird?

Simone Grassauer: Entscheidend wären

Förderungen für Kreislaufwirtschaft – analog

zur thermischen Sanierung. In Wien wird

das Thema bei Vergaben bereits berücksichtigt,

es fehlen jedoch noch klare Kriterien,

die konkret definieren, was Kreislauffähigkeit

bedeutet. Mit definierten Vorgaben

könnte die kreislauffähige Sanierung zum

Standard werden.

Was war die wichtigste Erkenntnis und was

würden Sie heute anders machen?

Margarete Berl: Eine kreislauffähige Sanierung

funktioniert nur mit integraler Planung

und einem gemeinsamen Verständnis aller

Beteiligten. Eine „Lean-Moderation” hätte

dabei geholfen, dieses Verständnis früher

herzustellen. Außerdem sollten die Ziele zur

Kreislaufwirtschaft gemeinsam vor Projektstart

konkretisiert werden.


www.architektur-online.com

Nachhaltigkeit mit

integraler Planung

Kreislauffähiges Bauen ist mehr als ein Trend – es

ist eine Haltungsfrage. Die DELTA Gruppe mit dem

Architektur-Bereich Delta Pods Architects setzt auf

nachhaltige Lösungen, die den gesamten Lebenszyklus

eines Gebäudes mitdenken.

Der Campus Gesundheit-Bildung am Krankenhaus

der Barmherzigen Schwestern Ried in Oberösterreich,

entwickelt am DELTA-Standort Wels, steht exemplarisch

für diese Haltung. Mit integraler Planung

wurde hier ein Bildungsbau geschaffen, der nicht nur

durch Energieeffizienz, sondern auch durch flexible

Nutzungskonzepte überzeugt – und so zukünftige

Anforderungen mitdenkt. Ein weiteres Leuchtturmprojekt

ist als „Zentrum für den Menschen im Alter“

das Projekt „Die Elisabethinen Wien-Mitte“ mit dem

Franziskus Spital im 3. Wiener Bezirk. Es wurde kürzlich

ausgezeichnet mit dem FIABCI Austria Award

2024 in der Kategorie „Bauen im Bestand“. In enger

Abstimmung mit allen Beteiligten konnte ein sensibler

Umbau bei laufendem Betrieb realisiert werden –

nachhaltig, wirtschaftlich und menschlich.

Das DELTA Consulting-Team begleitet Projekte von

Beginn an mit strategischer Beratung, Stakeholder-Management,

Nutzungskonzepten und ESG-Kriterien.

So entstehen Gebäude, die nicht nur funktionieren,

sondern Sinn stiften – heute und morgen.

DELTA Gruppe

T +43 (0)50 756 0

office@delta.at

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www.delta.at/dienstleistungen/integrale-beratung/

17

Die Elisabethinen Wien-Mitte mit Franziskus Spital

Campus Gesundheit-Bildung am Krankenhaus

der Barmherzigen Schwestern Ried

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© Schreyer David

© Schreyer David

Mehr Info hier

AKTION

V E R T I K A L E

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VON 15. MAI BIS 30. SEPTEMBER 2025


architektur FACHMAGAZIN

18

Magazin

Das zusammen mit dem benachbarten Loftflügel thermisch bauteilaktivierte

Haus Schneewittchen ist der höchste Mietwohnturm Wiens.

Flächensparend und energieeffizient

Die Bauprojekte Schneewittchen und Loftflügel sowie Nordbahnhof III im Wiener

Nordbahnviertel zeigen eindrucksvoll, wie mit Beton die aktuellen Bauaufgaben

gelöst werden können.

Mit 295 Wohneinheiten auf 29 Geschossen, einer

Bruttogeschossfläche von 34.000 m 2 und einer

Gebäudehöhe von 100 Metern ist das Hochhaus

Schneewittchen das höchste Mietwohngebäude

Wiens und steht exemplarisch für flächensparendes

Bauen mit Beton. Als stabiler, robuster und langlebiger

Baustoff eignet sich Beton hervorragend für

platzsparenden, mehrgeschossigen Wohnbau sowie

für multifunktionale Gebäude mit ober- und unterirdischen

Ebenen. Hier wie auch im benachbarten

Loftflügel mit zusätzlichen 32 Wohneinheiten wurden

die Betondecken in den Wohnungen thermisch aktiviert.

Die Wärme- und Kälteversorgung erfolgt über

die Fernwärme bzw. Fernkälte Wien.

Das Nordbahnviertel überzeugt aber nicht nur mit

energieeffizientem Wohnbau, sondern auch mit klimafitten

Außenräumen. Bereits 2021 wurde die Bruno-Marek-Allee

zum ersten Klimaboulevard Wiens

erklärt. Und auch die Wohnanlage Nordbahnhof III

samt ihrem Freiraumkonzept wurde bereits mehrfach

ausgezeichnet, unter anderem mit dem Greenpass-Zertifikat

in Gold. Auch hier spielt der Baustoff

Beton eine zentrale Rolle. Helle Betonpflastersteine

in Kombination mit versickerungsfähigen Flächen

wirken nach dem Schwammstadt-Prinzip: Sie regulieren

das Regenwassermanagement und helfen Flä-

chen zu entsiegeln. Zusammen mit 41 neu gepflanzten

Bäumen sorgt dieses Konzept dafür, dass sich

die gefühlte Außentemperatur an Hitzetagen in der

Wohnanlage, im Vergleich zu vollversiegelten Flächen,

um bis zu 14 Grad reduzieren kann.

In der Wohnanlage Nordbahnhof III wurde das Konzept

„Freiraum auf Wohnungsebene“ umgesetzt.

Beton Dialog

Österreich

kontakt@betondialog.at

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Fotos: Katharina Fröschl-Roßboth/BDÖ


BIS

EINSCHLIESSLICH

GEBÄUDEKLASSE 5

R



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21

Magazin

© Holcim Österreich, R. Tanzer

„Building for Tomorrow“: Beim Austrian World Summit

der Schwarzenegger Climate Initiative präsentierte Holcim

Innovationen für eine klimafitte Bauzukunft.

EPDs und Innovationen für

Nachhaltigkeit und Transparenz

Auf dem Weg zu einem klimafitten Bausektor sind verlässliche Daten und durchgängige

Transparenz entlang der Wertschöpfungskette unerlässlich. Mit der Einführung

von Umwelt-Produktdeklarationen (EPDs) für sämtliche Betonprodukte

setzt Holcim Österreich ein starkes Zeichen in Richtung Dekarbonisierung. Die

neuen „On Demand EPDs“ werden ab Sommer 2025 verfügbar sein und ergänzen

die bereits seit Ende 2023 vorliegenden EPDs für das gesamte Zementportfolio.

Die Vielseitigkeit von Beton – von hochfesten Rezepturen

über Sichtbeton bis hin zu CO 2 -optimierten

Varianten – macht ihn auch im nachhaltigen Bauen

zu einem Schlüsselwerkstoff. Gerade weil Beton in so

vielen Varianten eingesetzt wird, ist die Transparenz

seiner Umweltwirkungen essenziell. Mit den auf dem

Austrian World Summit vorgestellten „On Demand

EPDs“ stellt Holcim ein Instrument bereit, das sowohl

ökologische Vergleichbarkeit schafft als auch flexibel

auf projektspezifische Anforderungen reagiert.

Grundlage dafür ist die langjährige Zusammenarbeit

mit dem US-amerikanischen Umwelt-Startup Climate

Earth. Dessen Business-Intelligence-Lösungen

liefern verifizierte und zertifizierte EPDs für jede

einzelne Betonrezeptur – standardisiert wie auch

maßgeschneidert – automatisiert und in Echtzeit. So

lassen sich mehrere hundert bestehende Betonsorten

ebenso wie individuelle Mischungen auf Knopfdruck

transparent abbilden.

Mit diesem Schritt stärkt Holcim nicht nur die Nachvollziehbarkeit

ökologischer Kennwerte, sondern

unterstützt Planer:innen und Bauherr:innen gezielt

dabei, fundierte Entscheidungen für nachhaltige

Bauprojekte zu treffen – etwa gemäß den Anforderungen

von BREEAM, LEED oder DGNB.

Dies ist nur ein Beispiel wie Holcim die Dekarbonisierung

der Bauwirtschaft vorantreibt, indem es sein

Innovationsmanagement gezielt mit Startups verknüpft.

Diese Kooperationen bringen neue Ansätze

für nachhaltige Materialien, CO 2 -Reduktion und digitale

Lösungen in die Branche. Startups wie Sublime

Systems und Paebbl entwickeln Technologien, die

den CO 2 -Fußabdruck von Zement und Beton deutlich

senken – etwa durch alternative Produktionsprozesse

oder dauerhafte CO 2 -Speicherung in mineralischen

Baustoffen. Auch konkrete Anwendungen

solcher Technologien finden bereits statt. In Wien

hat Holcim gemeinsam mit dem Schweizer Startup

neustark eine CO 2 -Speicheranlage im Betonwerk Alberner

Hafen in Betrieb genommen. Dabei wird CO 2

im Beton-Waschwasser dauerhaft gebunden – ein innovativer

Schritt, der künftig auf weitere Standorte

ausgeweitet werden soll.

Darüber hinaus wurde Holcim Österreich bereits Ende

2024 mit dem Platin-Standard im CSC-Zertifizierungssystem

(Concrete Sustainability Council) ausgezeichnet

– und erreichte dabei die weltweit zweithöchste

Bewertung nach dem aktuellen System 3.0. Auch diese

Auszeichnung kann direkt in gängige Nachhaltigkeitszertifizierungen

von Gebäuden einfließen.

Holcim

(Österreich) GmbH

T+43 (0)1 588 89-0

www.holcim.at


architektur FACHMAGAZIN

22

Brandschutz

Brandschutz

als Klimafaktor

Wie nachhaltig kann Brandschutz sein? In einer gemeinsamen Studie haben das

Ingenieurbüro Hoyer Brandschutz und ATP sustain untersucht, welchen Einfluss

unterschiedliche Brandschutzkonzepte auf die CO 2 -Bilanz von Gebäuden haben.

Im Interview erklären Michael Haugeneder (ATP sustain) und Werner Hoyer-Weber

(Hoyer Brandschutz), warum anlagentechnische Lösungen wie Sprinkleranlagen

nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich Vorteile bieten – und wie sich die

zukünftige Baupraxis im Sinne des Klimaschutzes verändern könnte.

Sie haben in einer Studie untersucht, wie

sich unterschiedliche Brandschutzmaßnahmen

auf die CO 2 -Bilanz im Neubau

auswirken. Mit welchem Ergebnis?

Werner Hoyer-Weber: Wir wollten wissen,

welche Rolle der Brandschutz in puncto

„grünes“ Bauen einnimmt und seinen ökologischen

Fußabdruck bewertbar machen.

Dafür haben wir für ein geplantes Bürogebäude

mit einer BGF von über 10.000 m²

zwei Brandschutzkonzepte erstellt: Variante

1 hat sich auf baulichen Brandschutz und

kleine Brandabschnitte fokussiert, in Variante

2 gab es eine Sprinkleranlage und größere

Brandabschnitte. ATP sustain hat im

Anschluss die Auswirkungen beider Konzepte

auf die roten und grauen Emissionen

sowie auf den Energieverbrauch berechnet.

Die Ergebnisse waren klar: Variante 2 hat in

allen untersuchten Punkten besser abgeschnitten,

auch bei der Recyclingfähigkeit

der Baumaterialien. Im Gesamtlebenszyklus

des Gebäudes waren die CO 2 -Emissionen

um rund fünf Prozent niedriger. Es gibt also

das Potenzial bei gleichbleibendem Sicherheitsniveau

im Brandschutz die CO 2 -Emissionen

durch Fokus auf anlagentechnische

Maßnahmen deutlich zu verringern.

Werner Hoyer-Weber (Hoyer Brandschutz, Geschäftsführer) und

Michael Haugeneder (ATP sustain, Mitglied der Geschäftsleitung)

Wie kann man denn im Brandschutz Einfluss

auf die Ökobilanz eines Gebäudes nehmen?

Michael Haugeneder: Stellschrauben sind

vor allem die masseintensiven Bauteile, die

meist den größten Hebel in der Ökobilanz

darstellen. Auf der anderen Seite geht es

um Bauteile, die nicht sortenrein zerlegbar

sind. So sind beim baulichen Brandschutz

Feuerschutzplatten, Spachtelmassen oder

Anstriche von ihrer Grundeigenschaft her

so aufgebracht, dass sie sich auch unter

Extremsituationen nicht ablösen oder trennen.

Damit werden aber sogar Baustoffe wie

Holz ökobilanztechnisch schlechter, weil sie

nicht mehr trennbar sind. Auch Holzoberflächen,

die zur brandschutztechnischen

Ertüchtigung behandelt werden, sind in der

Ökobilanz damit schlecht. Der anlagentechnische

Brandschutz bietet in puncto Klimaschutz

den entscheidenden Vorteil, dass

mineralische und auch biogene Baustoffe

keine besondere Behandlung oder Verkleidung

benötigen, da sie in Kombination die

Brandschutzanforderungen erfüllen.

Was bedeutet das für die

Brandschutzplanung?

Hoyer-Weber: Ich würde empfehlen Variantenbetrachtungen

durchzuführen. Dabei

sollten alle Maßnahmen in die Überlegungen

einfließen in Form einer Gegenüberstellung,

wie das Brandschutzkonzept mit

Fokus auf baulichen Maßnahmen im Vergleich

zu einem Konzept mit anlagentechnischen

Maßnahmen aussieht.

© Robert Tober


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23

Brandschutz

Warum stellt gerade der anlagentechnische

Brandschutz eine Möglichkeit dar,

den Materialeinsatz zu reduzieren?

Haugeneder: Wenn nur brandschutztechnische

Anforderungen an ein Bauteil gestellt

werden und keine weiteren bauphysikalischen

wie Schall- oder Wärmeschutz, können

– sofern die brandschutztechnische

Anforderung an den Bauteil durch anlagentechnischen

Brandschutz reduziert werden

kann – Materialien verwendet werden, die in

der Ökobilanz nicht mehr so masseintensiv

sind und sich darin positiv auswirken.

Wie wäre eine Reduktion des Primärressourcenverbrauchs

im Brandschutz

möglich?

Haugeneder: Man sollte überlegen, wie

Re-Use-Materialien in Zukunft mehr zum

Einsatz kommen können – aber in Kombination

mit anlagentechnischen Einrichtungen.

Denn derzeit ist die größte Herausforderung,

dass bei Re-Use von tragenden

Bauteilen wie Decken oder Unterzügen die

Nachweisführung hinsichtlich der Erfüllung

der statischen Anforderungen im Brandfall

unter Umständen nicht gegeben ist. In

Kombination mit Anlagentechnik wird die

Belastung des Re-Use-Bauteils im Brandfall

aber drastisch reduziert und man kann

davon ausgehen, dass dieser standhält. Der

Einsatz von Re-Use Materialien ist einer der

wesentlichsten Hebel in der Reduktion von

Primärressourcen. Wir sehen dies bei Bestandsertüchtigungen,

die durch anlagentechnischen

Brandschutz oftmals in ihrer

ursprünglichen Gestaltung bleiben können,

während gleichzeitig höhere Gesamtanforderungen

dadurch erfüllt werden.

Werden Brandschutzkonzepte, die eine

CO 2 -Bilanz berücksichtigen, bei Ihnen

angefragt?

Hoyer-Weber: Bis jetzt wird das Thema

Nachhaltigkeit noch nicht aktiv von Kunden

an uns herangetragen. Die Studie ist eine

Eigeninitiative, um den Aspekt der Ökobilanz

im Brandschutz sichtbar zu machen

und uns als Planungsbüros auch selbstkritisch

zu hinterfragen. Es würde uns aber

sehr freuen, wenn künftig mehr Überlegungen

in diese Richtung angestellt werden.

Downloads

Whitepaper „Mehr Sprinkler für den Klimaschutz?“

www.hoyer-brandschutz.at/umwelt

Lebenszyklus-Wertindex (LZWi) – Nutzungs- und materialbedingte Emissionen:

Für eine ganzheitliche Vergleichbarkeit von Bestand und Neubau

www.ogni.at/wp-content/uploads/LZWi-Positionspapier.pdf

Weitere Infos

www.hoyer-brandschutz.at

www.atp-sustain.ag

Haugeneder: Derzeit ist bauordnungsrechtlich

keine Öko- oder CO 2 -Bilanz gefordert,

aber im Hinblick auf den Green Deal

der EU und die veränderten Anforderungen

im Sinne des Klimaschutzes wird die Ökobilanz

bereits in der EPBD gefordert und bald

in der OIB RL 6 und damit in der Bauordnung

auftauchen. Dies wird auch im GEG

seinen Platz finden. Die Ökobilanz ist ein

maßgebliches Instrument in der Bauwirtschaft,

um im Sinne des Klimaschutzes lenkend

einzugreifen. Ziel ist, dass der Energieausweis

für die Baueinreichung ab 2026

durch einen LCA-Ausweis abgelöst wird.

Damit finden auch die grauen Emissionen in

der Berechnung Niederschlag und CO 2 -reduzierte

Bauweisen werden in Kombination

mit anlagentechnischem Brandschutz

gegebenenfalls Pflicht, um überhaupt eine

Baugenehmigung zu erhalten. Eine noch

zu nehmende Hürde sind die Bestandsmaterialien,

da diese in einer Ökobilanz nicht

oder nur unzureichend richtig abgebildet

werden. Dazu haben wir gemeinsam mit der

ÖGNI und weiteren Partnern den Lebenszyklus-Wertindex

entwickelt: eine Form der

Ökobilanz, die anwendbar auf Bestand, Sanierung

und Neubau ist.


architektur FACHMAGAZIN

24

Kreislauffähig bauen

Mit weniger Ressourcen

für mehr Menschen bauen

Interview mit Dipl.-Ing. Bernd Köhler (Werner Sobek AG)

Interview: Edina Obermoser

Mit Fokus auf nachhaltiges Engineering und Design will das

Büro des namensgebenden, deutschen Architekten und Ingenieurs

Werner Sobek in seinen Projekten atemberaubende

Schönheit mit den Interessen kommender Generationen

verbinden. Bernd Köhler ist seit 2016 Teil des Teams und

stellvertretender Vorsitzender des Fachausschusses Ressourceneffizienz

des VDI (Verein Deutscher Ingenieure e.V.).

Mit uns spricht er über zirkuläre Architektur und das übergeordnete

Ziel, mit weniger Ressourcen für mehr Menschen

zu bauen. Außerdem berichtet der Nachhaltigkeitsexperte

über Herausforderungen und Chancen von kreislauffähigen

Ansätzen – und gibt anhand von konkreten Projekten

Einblicke in die Praxis.

© Janine Kyofsky

Das Büro Werner Sobek beschäftigt

sich seit Jahren mit zukunftsweisenden

Konzepten des nachhaltigen

Bauens. Was bedeutet für Sie

konkret „zirkuläres Bauen“ – und wo

sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen

in der Umsetzung?

Zirkuläres Bauen ist eine von mehreren

Nachhaltigkeitsstrategien,

die wir anwenden, um unser übergeordnetes

Ziel zu erreichen, nämlich

mit weniger Ressourcen für

mehr Menschen bauen zu können.

Die Herausforderung besteht darin,

dies nicht als singuläre Aufgabe,

sondern im Wechselspiel mit anderen

Fragestellungen zu sehen.

Eine der größten Herausforderungen

ist es zu unterscheiden, welche

Art des Bauens den größten Effekt

hat, den Ressourcenverbrauch zu

senken. Muss ich beispielsweise ein

Bauwerk bzw. Bauteil darauf auslegen,

möglichst langlebig zu sein -

oder muss ich von einer temporären

Nutzung ausgehen und den Schwerpunkt

auf eine leichtere Wiederverwendbarkeit

setzen?

Wie hat sich Ihrer Erfahrung nach

das Bewusstsein für die Kreislauffähigkeit

von Materialien in der

Bauwirtschaft in den letzten Jahren

verändert – und welche Rolle spielt

dabei der regulatorische Rahmen?

Bauwerke sind in der Regel Investitionsgüter,

bei denen man von einer

langlebigen Nutzung ausgehen muss.

Es ist jedoch diese Langlebigkeit,

die meist die Illusion hervorruft, es


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25

Kreislauffähig bauen

© Zooey Braun

Mit 330 Wohnungen in sechs Gebäuden soll

das Plusenergie-Quartier P18 in Holzmodulbauweise

in Sachen nachhaltiges und

serielles Bauen neue Maßstäbe setzen. Das

Projekt in Stuttgart-Bad Cannstatt basiert

auf den Aktivhaus-Modulen des Büros.

bestehe kein immanentes Problem.

Dass das Bauwesen maßgeblich für

den globalen Ressourcenverbrauch

und das globale Abfallaufkommen

verantwortlich ist, ist eine Tatsache,

die sehr lange ignoriert wurde.

Inzwischen ist die Kreislauffähigkeit

zur Reduktion des Ressourcenverbrauchs

ein Kriterium, das im Bauwesen

von Bauschaffenden bewusst

abgefragt wird. Was noch fehlt, ist

eine allgemeine Baukultur, bei der

sich Regelprozesse für die Kreislaufwirtschaft

flächendeckend etabliert

haben. Dies gilt es sowohl zu fördern

als auch einzufordern. An einer Mindestquote

für Recycling führt kein

Weg vorbei. Dabei geht es insbesondere

um die stoffliche Verwertung

von Baumaterialien und den proaktiven

Erhalt von Bausubstanz.

Bei Ihrem Projekt P18 wurden rund

90 % der verwendeten Materialien

so ausgewählt, dass sie wiederverwendet

oder recycelt werden

können. Welche konkreten Entscheidungen

oder Prozesse waren

dafür notwendig?

Man muss sich mit den inhärenten

Eigenschaften von Baustoffen beschäftigen,

um das jeweilige Material

an der richtigen Stelle verwenden zu

können. Daraus ergibt sich ein funktionaler

Einsatz, bei dem Materialien

nicht einer Nutzung zugeordnet

werden, die eine Kombination von

unterschiedlichen Materialien erforderlich

macht – was eine sortenreine

Trennung am Ende der Nutzung erschwert.

Die modulare Holzständerbauweise

von P18 macht eine einfache

Demontage möglich und schafft

damit die Grundvoraussetzungen,

um die einzelnen Materialien sortenrein

nach Ablauf der Nutzung entnehmen

zu können.

Des Weiteren ist es essenziell, dass

eine gute Dokumentation vorhanden

ist. Dabei gilt es insbesondere, Themen

wie die stoffliche Zusammensetzung

der Bauteile, deren Fügung und

den selektiven Rückbau zur Extraktion

von Ressourcen miteinzubeziehen.

Das Projekt wurde als Plusenergiequartier

realisiert. Inwiefern lassen

sich energetische Nachhaltigkeit

und Materialkreisläufe sinnvoll miteinander

verbinden – oder stehen

sie im Zielkonflikt?

Energieverbrauch und Materialverbrauch

sind zwei unterschiedliche

Themen. Trotzdem ist bei beiden

die Reduktion von klimaschädlichen

Emissionen eines der wichtigsten

Ziele. Während der Materialverbrauch

und die damit verbundenen

Emissionen im Wesentlichen bei der

Erstellung eines Gebäudes entstehen,

fallen die Emissionen, die mit

dem Energieverbrauch verbunden

sind, v.a. im Betrieb eines Gebäudes

an. Wichtig ist, dass die Emissionen

in Summe reduziert werden.

Wie gelingt es Ihrem Büro, schon

in der Planungsphase die späteren

Rückbau- und Wiederverwendungsszenarien

mitzudenken? Gibt es

spezielle Methoden oder digitale

Tools, mit denen Sie arbeiten? u


architektur FACHMAGAZIN

26

Kreislauffähig bauen

© Zooey Braun

Auf dem Campus der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

(Empa) kombiniert die Experimentaleinheit Urban Mining & Recycling (UMAR) als

Teil des Forschungsgebäudes NEST ansprechende Architektur und einen verantwortlichen

Umgang mit natürlichen Ressourcen.

Es ist wichtig, sich möglichst früh

mit der angestrebten Bauweise zu

beschäftigen. Wenn man beispielsweise

umweltrelevante Daten in die

BIM-Modelle integriert, kann man

die Auswirkungen bestimmter Konstellationen

bereits in einer frühen

Planungsphase eruieren. So lassen

sich die Weichen schon sehr früh für

nachhaltiges Bauen stellen. Darüber

hinaus ist die Beschäftigung mit der

Fügung der Bauteile eine wesentliche

Voraussetzung für einen kreislaufgerechten

Entwurf – ein Punkt, der

deshalb keinesfalls erst am Ende des

Prozesses betrachtet werden darf.

Mit der Experimentaleinheit Urban

Mining & Recycling (UMAR) wurde

auf dem Empa-Campus ein radikal

zirkulärer Prototyp realisiert. Was

waren die wichtigsten Learnings aus

diesem Projekt – auch im Hinblick

auf Skalierbarkeit für den Wohnoder

Bürobau?

Ein Leuchtturmprojekt wie

NEST-UMAR dient in erster Linie

dazu, Vorurteile abzubauen und positive

Impulse zu liefern, wie wir zukünftig

bauen wollen. Dazu gehört

auch, sich von vermeintlichen Standards

zu verabschieden. Dass wir

unsere gebaute Umwelt teilweise nur

noch durch deren Oberflächen erfahren

können, ist eine Entwicklung, die

eher zu einer Entkopplung von ihr

führt. Wir brauchen mehr Interesse

und Neugier für die Beschaffenheit

unserer gebauten Umwelt.

Nach diesem Ansatz sind Baumaterialien,

Bauelemente oder Bauprodukte

nicht länger anonym. Sie haben

einen Ursprung und bestenfalls auch

ein Nutzungs- und Verwertungsziel.

Mit zunehmender Bedeutung des

Werterhalts von verbauten Materialien

wird auch das Wissen um die

Extraktion und Weiterverwendung

von Baumaterialien zunehmen. Dies

ist nicht allein neuen Materialien und

Bauprodukten vorbehalten, sondern

kann auch auf traditionelle Bauweisen

übertragen werden.

Inwiefern verändert ein solches experimentelles

Projekt wie UMAR die

interne Planungskultur oder auch

das Mindset der Projektbeteiligten –

von Architekt:innen über Auftraggeber:innen

bis hin zu Nutzer:innen?

Beim Projekt NEST-UMAR wurden

viele Materialien bereits ausgewählt,

bevor man sie einer eindeutigen Bestimmung

zuordnete. Dies geschah

parallel zu den konzeptionellen Vorstellungen,

wie man die Forschungseinheit

bauen wollte. Dies bedeutet

nicht, dass die verwendeten Materialien

den Entwurf diktierten, sondern

dass ein Zusammenspiel zwischen

Material und Funktion erfolgte. Wenn

beispielsweise in einem Entwurf wiederverwendete

Bauteile eingesetzt

werden sollen, dann ist die Beschaf-


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27

Kreislauffähig bauen

fung dieser Bauteile ein wesentlicher

Bestandteil des Planungs- und Bauprozesses.

Auch die Verwendung

von Rezyklaten – sprich Ressourcen,

die bereits im Umlauf waren – setzt

eine entsprechende Planung (und

Verfügbarkeit) voraus. Die Frage

nach dem richtigen Material lässt

sich nicht hintanstellen, wenn man

kreislaufgerecht bauen möchte.

Mit UMAR beschäftigen Sie sich mit

Recycling-Baustoffen. Können Sie

einen Einblick in deren Potenzial

geben und welche Materialien oder

Innovationen halten Sie derzeit für

besonders vielversprechend im

Hinblick auf echte Kreislauffähigkeit

im Bauwesen?

Im Sinne einer Reduktion des Ressourcenverbrauchs

ist das beste Material

jenes, das man nicht braucht.

Das bedeutet, dass der Umgang

mit Bestandsgebäuden und der Erhalt

von Bausubstanz eine immer

wichtigere Rolle einnehmen wird.

Dabei ist es wichtig, zwischen Potenzial

und praktischer Umsetzung

zu unterscheiden. Die Hürden einer

erfolgreichen Umsetzung sind oft

nicht funktionelle oder technische

Belange, sondern der allgemeine

Wunsch, ein Neuprodukt ohne Makel

zu bekommen. Dabei kann man sich

auch an den lebendigen Oberflächen

von Materialien erfreuen: die kleinen

Kratzer bei metallischen Oberflächen,

offenporige changierende

Holzoberflächen, Kupferbleche mit

unterschiedlichen Graden der Oxidation

oder die körnige Beschaffenheit

von Lehmputzen. Es geht nicht

darum, Qualitätsstandards herabzusetzen,

sondern Alternativen zu den

glatten, makellosen Oberflächen zu

schaffen, die oft nicht in Würde altern.

Die Frage, wie ein Bauwerk oder

Bauteil gut altert, wird bislang noch

viel zu wenig betrachtet.

© Zooey Braun

Wenn Sie sich den Gebäudebestand

der Zukunft vorstellen: Welche Rolle

spielen rückbaufähige Konstruktionen,

sortenreine Trennbarkeit und

modulare Systeme – und wie können

diese schon heute in der Architekturpraxis

verankert werden?

Meiner Meinung nach wird sich die

gebaute Umwelt der nahen Zukunft

nicht wesentlich von der jetzigen

unterscheiden: Bauten mit unterschiedlichem

Alter und diversen

Bauarten, die unterschiedlichen Anforderungen

gerecht werden müssen.

Allerdings wird der Umfang und

die Qualität der Dokumentation zu

diesen Bauten zunehmen, damit sich

die urbane Mine besser nutzen lässt

– weil auch die Notwendigkeit, diese

verwenden zu müssen, steigt.

Was müsste aus Ihrer Sicht geschehen

– politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich

– damit zirkuläres Bauen

vom ambitionierten Einzelfall zum

breit etablierten Standard wird?

Es ist schwierig, mit Sicherheit vorherzusagen,

was wirklichen, flächendeckenden

Fortschritt erzeugen

wird. Die Vielzahl an Herausforderungen,

denen wir im Bauwesen gegenüberstehen,

lässt einen oft daran

zweifeln, dass ein wirklicher Wandel

möglich ist. Wir dürfen aber nicht die

Lust am Bauen verlieren. Denn wie

wollen wir Werte erhalten, wenn wir

uns an diesen Werten nicht erfreuen

können? Dies ist nicht nur komplexen

Bauvorhaben vorbehalten, sondern

kann und muss auch im Kleinen

umgesetzt werden.

© Felix Heisel

Recyclierte und recyclingfähige Materialien

machen die Experimentaleinheit UMAR

zum temporären Materiallager und Materiallabor.

Die verwendeten Recycling-Baustoffe

wurden aus bestehenden Kreisläufen

entnommen oder für die künftige Verwendung

in biologischen und technischen

Kreisläufen aufbereitet.


architektur FACHMAGAZIN

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Kreislauffähig bauen

Sozial nachhaltig &

kreislaufgerecht

MittenIm / Niederwerrn / Schlicht Lamprecht Kern Architektur Stadtplanung

Text: Edina Obermoser Fotos: Stefan Meyer

Um dem Aussterben des Ortskerns entgegenzuwirken,

startete das Büro Schlicht Lamprecht Kern Architektur

Stadtplanung im Auftrag der Gemeinde Niederwerrn

ein Projekt zur Neubelebung des Zentrums. Unter dem

Titel MittenIm setzte man dabei zunächst ein Ensemble

aus zwei Neubauten, revitalisierten Bestandsgebäuden,

Außenflächen und einem zentralen Dorfplatz um. Das

neue Herzstück der unterfränkischen Gemeinde bildet

mit dem zirkulären Bürgerzentrum ein Haus, das weitgehend

aus recycelten Materialien besteht. Essenziell

für die Umsetzung waren die Mittel der Städtebauförderung,

mit der der Bund Transformationsprojekte im

ländlichen Raum finanziell unterstützt.

Begonnen wurde mit der Entwicklung des neuen

Ortskerns bereits 2014. Ein nachhaltiges Nutzungskonzept

sollte das zunehmend von Leerständen

geprägte Zentrum der 9.500-Einwohner-Gemeinde

nordwestlich von Schweinfurt wieder in einen lebendigen

Ort verwandeln. In Form eines integrierten

städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK)

und diversen Beteiligungsformaten interessierte

man sich damals zunächst für die Wünsche der Bürger.

Im Anschluss kaufte bzw. tauschte man – dank

persönlichem und weitsichtigem Engagement der

Bürgermeisterin und des Architektur- und Stadtplanungsbüros

– die erforderlichen Grundstücke, um

das Projekt realisieren zu können. Im Zuge dessen

wurden unter anderem leerstehende Gebäude revitalisiert,

Parzellen umgenutzt und Eigentum in barrierefreien

Wohnraum getauscht. Im Sommer 2024

konnte die neue Ortsmitte von Niederwerrn schließlich

eingeweiht werden. Neben dem Neubau mit einem

Veranstaltungssaal, Vereinsräumen und einem

Bürgercafé umfasst das Ensemble auch ein umgebautes

Wohnhaus und ein historisches Scheunengebäude.

Ein Dorfplatz in Hanglage sowie begrünte

Außenräume – darunter ein Bauerngarten und einladende

Sitzstufen mit Platz für Outdoor-Veranstaltungen

– verbinden die einzelnen Bauten mit dem

angrenzenden Bestand.

u


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29

Schlicht Lamprecht Kern Architektur Stadtplanung

Ein neues Netz aus Wegen

und Plätzen verbindet

den Altort und das Siedlungsgebiet.

Unter den

Plätzen für Markt, Plantanz

und den Sitzstufen

sind Zisternen, ebenso

verläuft hier die Versorgung

aller Gebäude über

die neue Energiescheune.


architektur FACHMAGAZIN

30

Kreislauffähig bauen

Recyclingbeton trifft Holz

Im Fokus des Projekts stand abgesehen von der sozialen

Nachhaltigkeit auch das Thema Kreislaufwirtschaft,

weshalb man hauptsächlich auf recyceltes

Material setzte. Das Herzstück des Zentrums bildet

das neue Bürgerzentrum, das sich aus zwei Baukörpern

mit Satteldach zusammensetzt. Diese legen

sich, in Längsrichtung leicht versetzt, aneinander und

orientieren sich so an der kleinteiligen Struktur der

Umgebung. Ziel des Entwurfs war es, „ein Haus aus

Holz und ein Haus aus Stein zu bauen“, schildert das

Planerteam die Inspiration für die Materialität. Sowohl

der westliche Trakt als auch Fundament und Sockel

des zweiten Gebäuderiegels aus Holz wurden in Recyclingbeton

umgesetzt. Für die massiven Bauteile kam

das Abbruchmaterial einer rund 50 km entfernten Brücke

bei Würzburg zum Einsatz. Die ehemalige Talbrücke

Rothof wurde 2019 rückgebaut und in einem nahegelegenen

Recyclingwerk aufbereitet. Nun fertigte

man aus den rund 700 Kubikmetern sämtliche Betonelemente

des Neubaus und konnte dadurch sogar

Kosten einsparen. Die kurzen Transportwege wirkten

sich ebenfalls positiv auf den CO 2 -Fußabdruck des

Projekts aus. Um dem Beton die gewünschte steinerne

Optik zu verleihen, bearbeitete man diesen mit traditionellen

Handwerkstechniken wie Scharrieren und

Spitzen. Die manuelle Einwirkung legt die Körnung

des Zuschlags frei und verändert zudem die Farbe

des Recyclingwerkstoffs, wodurch die Oberflächen einen

einzigartig lebendigen Charakter erhalten. Auch

sonst finden sich an den Fassaden typische Elemente

regionaler Baustile wie geringe Dachüberstände und

Gewände um die Fenster wieder und integrieren das

Ensemble behutsam in die bestehende Dorfstruktur.

Auch beim Haus aus Holz spielte die Materialwahl eine

wichtige Rolle: Anstelle von mineralischen Dämmstoffen

entschied man sich für Holzwolle und verzichtete

außerdem weitgehend auf Klebstoffe und Folien.


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Schlicht Lamprecht Kern Architektur Stadtplanung

Neubau als kollektiver Treffpunkt

Der Zutritt zum neuen Bürgerzentrum erfolgt über

den Holzbau. Durch das Foyer gelangen Besucher

hier in den Bürgersaal mit Platz für bis zu 100 Personen.

Im angrenzenden Gebäude untergebracht, öffnet

sich dieser mit bodentiefen Fenstern zum Dorfplatz

und dem Museum. Eine skulpturale Treppe lädt

mit Sitzstufen zum Verweilen ein und führt weiter ins

obere Geschoss, in dem sich zwei Multifunktionsräume

für Vereinstreffen, Trauungen und andere Events

sowie ein Café befinden. In beiden Trakten des Neubaus

prägen die konstruktiven Elemente auch das

Design: Im Haus aus Stein ergänzen Holzeinbauten

und -böden die Sichtbetonoberflächen um warme

Akzente. Im Massivholzbau sorgen die unverkleideten

Fichten- und Eschenhölzer ebenfalls für eine angenehme

Atmosphäre.

u

Im Inneren des neuen Bürgerzentrums kam

man dem Wunsch nach Orten des Zusammenkommens

und der generationsübergreifenden

Begegnung nach.


architektur FACHMAGAZIN

32

Kreislauffähig bauen

Altbestand neu belebt

Ein altes Fachwerkhaus wurde im Zuge der Umbaumaßnahmen

zum Museum umfunktioniert. Dafür

entkernte das Planerteam aus Schweinfurt den Bau

vollständig und ersetzte eine marode Außenwand

durch großflächige Verglasungen. Wie durch ein

Schaufenster können Passanten auch abseits der

Öffnungszeiten die Exponate – eine Mischung aus

Alltagsgegenständen der Betreiberfamilie eines örtlichen

Lebensmittelladens – bestaunen.

Bei der sogenannten Energiescheune handelt es sich

ebenfalls um ein historisches Bestandsgebäude. Die

Scheune aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

wurde behutsam transformiert und gibt fortan als

Informations-Hub bzw. kleines Nahwärmekraftwerk

Einblicke in nachhaltige Energiekonzepte. Für die

Ausbesserungsarbeiten an den Fassaden verwendete

man Backsteinklinker eines rückgebauten Stalls

und verpackte die verschiedenen Zeitschichten

dann einheitlich hinter einer geschlämmten Außenhülle.

Über der Sockelzone aus Recyclingbeton dienen

im Inneren die sägerauen Schalungsbretter des

Betons als Wandverkleidung. In eingestellten Boxen

befinden sich in dem Gebäude alle technischen Anlagen

für die Energieerzeugung des Ensembles – von

Wärmepumpe und Pelletsheizung bis hin zu Photovoltaik-Modulen

auf dem Dach.

Die Sammlung im Museum entstand im Laufe des

letzten Jahrhunderts durch die Betreiberfamilie

eines örtlichen Lebensmittelladens. Das Einzelhändlerpaar

beherbergte diese in ihrem eigenen

Keller und stiftete die Stücke dann der Gemeinde.


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Legende

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1. Bürgersaal

7. Technikboxen auf Gewölbekeller

9. Trausaal / Vereinsraum

14. Ladenmuseum

15. Gewölbekeller

16. Altortpfad

Schlicht Lamprecht Kern Architektur Stadtplanung

7

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16

Scheune Bestand

Neubau Bürgerhaus

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11

Fachwerkhaus Bestand

Legende

9. Trausaal / Vereinsraum

10. Bürgercafe´

11. Küche

12. Müllraum

13. Lager

14. Ladenmuseum

16. Altortpfad

17. Außenbereich Cafe´

14

Zukunftsgerichtetes Projekt

mit Modellcharakter

Gemeinsam mit der zur Gemeindebibliothek umgenutzten

Synagoge im Süden und dem östlichen Museum

fasst das nördlich positionierte Bürgerzentrum

den neuen Dorfplatz ein. Da sich die Bevölkerung

mehr Außenbereiche wünschte, sahen Schlicht Lamprecht

Kern Architekten weitere Freiräume an der

frischen Luft vor, die in Kooperation mit dem Landschaftsarchitekturbüro

Dietz und Partner konzipiert

wurden. Unter dem Dorfplatz wird in Zisternen das

Regenwasser der umliegenden Gebäude für die Bewässerung

der Grünflächen gesammelt, sämtliche

Bereiche sind außerdem barrierefrei umgesetzt. Bäume

und Pflanzen spenden in den heißen Sommermonate

Schatten, sorgen in Kombination mit Klimasteinen

für ein positives Mikroklima und Wasserbecken

laden künftig zum Abkühlen ein.

MittenIm revitalisiert den Ort als neues Gemeindezentrum

nicht nur, sondern setzt auch ein Zeichen

für die Kreislaufwirtschaft im Bausektor. Dank mutiger

Entscheidungen macht die kleine Kommune vor,

wie sich zukunftsgerichtete Projekte dieser Art auch

im ländlichen Raum umsetzen lassen und animiert so

hoffentlich weitere Gemeinden zur Nachahmung. •

Legende

7

7 7

7

8

8

16

5

3

3

4 3 3

1 18

6

2

2

1. Bürgersaal

2. Foyer mit Teeküche

3. Sanitär

4. Lager

5. Technik

6. Putzraum

7. Technikboxen auf Gewölbekeller

8. Ausstellungsfläche

15. Gewölbekeller

16. Altortpfad

18. Platz Plantanz

15

15

1. Bürgersaal

2. Foyer mit Teeküche

3. Sanitär

4. Lager

5. Technik

6. Putzraum

7. Technikboxen auf Gewölbekeller

8. Ausstellungsfläche

9. Trausaal / Vereinsraum

10. Bürgercafé

11. Küche

12. Müllraum

13. Lager

14. Ladenmuseum

15. Gewölbekeller

16. Altortpfad

17. Außenbereich Café

18. Platz Plantanz

MittenIm

Niederwerrn, Landkreis Schweinfurt

Bauherr:

Planung:

Tragwerksplanung:

Landschaftsarchitektur:

Energieberatung:

Gesamtenergiekonzept:

Gemeinde Niederwerrn

Schlicht Lamprecht Kern Architektur Stadtplanung

Joachim Ingenieure

Dietz und Partner Landschaftsarchitekten

Mai Bauphysik

IfE – Institut für Energietechnik

Planungsbeginn: 2019 (ISEK: 2014, Grunderwerb Gemeinde ab 2016)

Baubeginn: 2022

Fertigstellung: Sommer 2024 (1. Bauabschnitt), 2025 (2. Bauabschnitt)

Baukosten: 5,3 Mio. € (Neubau und Bestand), 1,1 Mio. € (Freianlagen) brutto

– teils finanziert durch Mittel der Städtebauförderung im

Rahmen des Programms „Sozialer Zusammenhalt“

www.schlichtlamprechtkern.de

„Zirkuäres Bauen gelingt durch einen vielfältigen

Umgang mit dem Bestand: durch

Lesen und Respektieren des Vorhandenen,

durch achtsames Weiterdenken und nicht

zuletzt durch eine verantwortungsvolle Haltung

und Planung. Hierzu zählt der Wille zur

Transformation historischer und ortsbildprägender

Gebäude ebenso wie zur kreislaufgerechten

Materialverwendung.

Schlicht Lamprecht Kern

Architektur Stadtplanung


architektur FACHMAGAZIN

34

Kreislauffähig bauen


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35

Lendager

Ein Hochhaus

als Materiallager

Bürogebäude TRÆ / Aarhus, Dänemark / Lendager

Text: Andreas Laser Fotos: Anders Nymann Wejse, Velkendt

Das Gebäudeensemble – bestehend aus einem 20-geschossigen

Turm und zwei flankierenden sechsgeschossigen

Bauten – wurde mit dem Ziel konzipiert,

den CO2-Fußabdruck nicht nur durch nachwachsende

Materialien zu senken, sondern auch durch eine

konsequent zirkuläre Materialstrategie. Der Entwurf

zeigt, dass ambitionierte Nachhaltigkeitskonzepte

auch bei großen, komplexen Bauaufgaben möglich

sind – vorausgesetzt, sie werden von Beginn an architektonisch

mitgedacht und gestalterisch ernst

genommen. TRÆ wurde dabei bewusst ohne klassische

Nachhaltigkeitszertifikate realisiert. Statt auf

standardisierte Bewertungssysteme zu setzen, entwickelte

das Projektteam ein maßgeschneidertes

Konzept, das stärker auf soziale, gesundheitliche

und klimatische Faktoren fokussiert. Dieser Ansatz

eröffnete Freiheiten, etwa bei der Auswahl nicht zertifizierter

Rezyklate oder innovativer Materialien, die

in regulären Verfahren oft nicht zugelassen sind.

In der Sydhavn von Aarhus steht seit Kurzem ein neues

Wahrzeichen der Kreislaufwirtschaft: TRÆ, entworfen vom

dänischen Architekturbüro Lendager, ist mit 20 Geschossen

und knapp 80 Metern Höhe nicht nur Dänemarks höchstes

Holzgebäude – es ist auch ein bemerkenswertes Pionierprojekt

für zirkuläres Bauen im großen Maßstab, das den

Anspruch stellt, gängige Vorstellungen von Nachhaltigkeit

zu hinterfragen. Es steht für eine Architektur, die sich

nicht allein an energetischen Kennwerten oder Zertifikaten

misst, sondern an der Fähigkeit, Ressourcen zu schonen,

Materialien im Kreislauf zu führen und lebenswerte urbane

Räume zu schaffen.

Ort der Arbeit und Begegnung

Das Nutzungskonzept von TRÆ ist primär auf gewerbliche

Zwecke ausgerichtet. Die Flächen in den

Obergeschossen dienen überwiegend als Büroarbeitsplätze,

während die Erdgeschosszonen Raum

für gewerbliche und gemeinschaftlich nutzbare

Funktionen bieten. Cafés, soziale Treffpunkte und

offene Werkstattbereiche wurden bewusst integriert,

um das Gebäude ebenso als Arbeitsort, wie auch als

Bestandteil des öffentlichen Stadtraums zu etablieren.

Der Entwurf unterstützt dabei unterschiedliche

Nutzungsformen: Einzelbüros, offene Arbeitslandschaften,

Veranstaltungsräume und Begegnungsflächen

können flexibel organisiert werden. Die drei

Baukörper gruppieren sich um ein begrüntes, öffentlich

zugängliches Plateau, das als verbindendes Element

zwischen Innen- und Außenraum wirkt. Über

die skulptural angelegte Fußgängerbrücke „Gåslange“

ist das Areal mit der benachbarten Hochbahntrasse

„The Coal Bridge“ verknüpft und in das städtische

Wegenetz eingebunden.

u


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36

Kreislauffähig bauen

Hoch hinaus mit Holz

Die Tragstruktur von TRÆ basiert auf massiven

CLT-Deckenelementen und Brettschichtholzstützen,

ergänzt durch CO2-reduzierte Betonkerne, die

den Anforderungen an Brandschutz, Robustheit und

Erdbebensicherheit gerecht werden. Die größte planerische

Herausforderung war die Entwicklung eines

modularen Systems, das die doppelspannenden Eigenschaften

der CLT-Platten statisch optimal nutzt

– also deren Fähigkeit, Lasten in zwei Richtungen abzutragen.

Dies setzte eine hochpräzise Abstimmung

von Raster, Stützenpositionen und Plattengrößen

voraus – erschwert durch die geschwungene Gebäudeform

und variable Nutzungsanforderungen.

Ziel war eine Konstruktion, die mit möglichst wenig

Stahl und Beton auskommt, ohne Kompromisse bei

Stabilität, Raumqualität oder Flexibilität einzugehen.

Das Ergebnis ist ein hybrides System mit hoher Vorelementierung,

schneller Montage – und gestalterischer

Klarheit.


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37

Lendager

Ressourcen im Kreislauf

TRÆ wäre kein Vorzeigeprojekt der Kreislaufwirtschaft,

wenn es sich lediglich auf den nachwachsenden

Rohstoff Holz verlassen würde. Tatsächlich

basiert der gesamte Entwurf auf einer stringenten

Materialstrategie des Weiterverwendens, Transformierens

und Dokumentierens. Fenster aus Rückbauten,

recycelte Aluminiumbleche, alte Windkraftflügel

als Sonnenschutz, Bodenbeläge aus Abfallholz,

Akustikplatten aus Textilresten und PET-Flaschen

wirken in keiner Weise provisorisch. Sämtliche Materialien

sind harmonisch aufeinander abgestimmt und

etablieren so eine neue Ästhetik des Rezyklats.

Folglich wurden die Sekundärmaterialien nicht versteckt,

sondern als Teil der architektonischen Identität

verstanden. Patina, Gebrauchsspuren oder Materialbrüche

erzählen Geschichten vom Ursprung, statt

ihn zu tilgen. Das Gebäude wird so selbst zu einem

Erlebnissraum zirkulären Gestaltens – ein Ort, an

dem Materialgeschichte sichtbar bleibt.

Ein weiteres Beispiel ist die landschaftsarchitektonische

Strategie: Sämtliche Bäume auf dem Gelände

stammen aus dem kommunalen Bestand von Aarhus

und wurden vor der drohenden Fällung gerettet – als

sogenannte Adoptivbäume, die nun in einem neuen

ökologischen Kontext Wurzeln schlagen dürfen. u

Unregelmäßigkeiten und Patina der recycelten Fassadenelemente sind Teil des architektonischen

Konzepts und machen Materialkreisläufe sichtbar. Die begrünten

Dachterrassen bieten Rückzugsorte für die Gebäudenutzer:innen und ergänzen die

vertikale Gliederung um qualitätsvolle Freiräume.


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38

Kreislauffähig bauen

Die Innenräume sind mit

Materialien aus Sekundärnutzung

ausgestattet

– darunter Böden und

Wandverkleidungen aus

Restholz und Akustikelemente

aus recyceltem

PET und Textil.

Rückbau, Wandel, Weiterverwendung

Die zirkuläre Denkweise endet bei TRÆ nicht mit der

Fertigstellung – sie setzt sich in der baulichen Reversibilität

fort. Sowohl die tragende Holzkonstruktion als

auch die Holzrahmenkonstruktion der Fassadenelemente

sind mit lösbaren Verbindungen ausgeführt.

Alle Stützen und Decken bestehen aus Bauteilen in

Standardabmessungen, die lediglich auf die Gebäudekrümmung

abgestimmt wurden – eine bewusste

Entscheidung zugunsten der Wiederverwendbarkeit.

Darüber hinaus liegt für alle eingebauten Komponenten

eine umfassende Dokumentation in Form eines

Betriebs- und Wartungshandbuchs vor. Dieses dient

sowohl der Instandhaltung als auch explizit dem späteren

Rückbau oder der Transformation.

Die Innenräume sind darüber hinaus so konzipiert,

dass sie flexibel bespielt, umgebaut oder angepasst

werden können – ein wichtiger Aspekt für die langfristige

Nutzbarkeit und damit für die ökologische

Lebensdauer des Gebäudes.


,

²

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39

Lendager

1

T1

Geteiltes Wissen, multiplizierbare Lösungen

Der besondere Wert von TRAE reicht weit über

das Gebäude selbst hinaus, da es Material- und

Konstruktionswissen offenlegt und weiterführt.

Drei Etagen sind als „Living Labs“ konzipiert – reale

Testfelder, auf denen Produkte, Materialien und

Konstruktionen unter Alltagsbedingungen erprobt

werden können. Darüber hinaus wurde der gesamte

Planungs- und Bauprozess systematisch dokumentiert:

Von der Brandschutzstrategie über die Verarbeitung

von Altmaterialien bis zur Wirtschaftlichkeit

einzelner Maßnahmen.

Diese Offenheit macht TRÆ zu einem skalierbaren

Modell: Die Prinzipien – etwa der modulare Holzbau,

die systematische Wiederverwendung, die dokumentierte

Rückbaubarkeit – sind auf andere Projekte

übertragbar. Damit ist TRÆ weit mehr als ein singuläres

Experiment. Es fungiert vielmehr als praktischer

Prototyp für eine Bauwirtschaft, die Verantwortung

nicht delegiert, sondern selbst gestaltet. •

T2

T3

-

TRÆ

Aarhus, Dänemark

Bauherr:

Planung:

Tragwerksplanung /

Ingenieurleistungen:

Öffentliche Partner:

Planungsbeginn: 2018

Fertigstellung: 2024

Höhe:

78 Meter

Geschosse: 20

Gesamtfläche: 14.650 m 2

www.lendager.com

PFA Ejendomme / Kilden & Hindby

Lendager

Artelia (vormals MOE)

Stadtverwaltung Aarhus, Realdania

© Maria Albrechtsen Mortensen

Die zentralen Erkenntnisse des ProjektsTRÆ

• Zirkuläres Design kann wirtschaftlich wettbewerbsfähig sein.

• Abfallmaterialien können als vollwertige architektonische

Komponenten dienen.

• Hochhäuser aus Holz erfordern neue Strategien in Statik,

Brandschutz und Akustik.

• Frühe, integrierte Zusammenarbeit ist entscheidend für

zirkuläre Innovation.

• Der Markt ist offen für zirkuläre, identitätsstiftende Projekte.

• Nachhaltigkeit muss von einer Option zur Grundlage werden.

• Skalierbare Wirkung erfordert offene Dokumentation.

• Eingebaute „Living Labs“ beschleunigen Materialinnovationen.

Anders Lendager, Creative Director


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40

Kreislauffähig bauen

Natur-Bausatz

Bürogebäude HasleTre / Oslo / Oslotre

Text: Edina Obermoser Fotos: Einar Aslaksen, Dag Sandveen


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41

Oslotre

Oslotre Architekten realisierten mit HasleTre ein Bürogebäude,

das den gesamten Lebenszyklus der verbauten

Materialien berücksichtigt. Wie ein Baukasten wurde das

Haus vollständig demontierbar und wiederverwendbar

umgesetzt. Das Projekt kombiniert traditionelle Handwerkskunst

mit modernen, industriellen Techniken,

verzichtet weitgehend auf Stahl und weist damit den Weg

in eine zirkuläre Holzbauzukunft.

Der Auftraggeber wünschte sich am Rande des Stadtzentrums

von Oslo ein nachhaltiges, vielseitiges und

innovatives Geschäftsgebäude, bei dem das Thema

Reuse im Fokus stehen sollte. Mit dem norwegischen

Büro war dafür schnell der ideale Partner gefunden.

Denn Oslotre fokussiert sich eigenen Angaben nach

auf Lösungen, die im Einklang mit der Natur stehen

und diese gezielt nutzen. Um den Vorgaben gerecht

zu werden, entschied sich das Planerteam beim Bau

des viergeschossigen Hauses, das sich über 3.000 m 2

erstreckt, für eine Holzkonstruktion und dachte dabei

sogar dessen künftigen Rückbau mit. „HasleTre

ist ein Pionierprojekt für nachhaltige Architektur, das

von der Notwendigkeit angetrieben wird, klimatische

Herausforderungen zu bekämpfen und eine resiliente

Zukunft zu gestalten“, beschreiben die Architekten

die Intention hinter dem Entwurf. Dass das mit

Bravour in die Tat umgesetzt werden konnte, zeigt

eine Reduktion der CO 2 -Emissionen um 60 %, eine

exzellente BREEAM NOR Zertifizierung und eine

Auszeichnung des Neubaus als Norwegens „Holzbau

des Jahres“.

u


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42

Kreislauffähig bauen

Ressourcenschonendes Gesamtkonzept

Die Struktur des Bürogebäudes beruht auf einem

regelmäßigen Raster mit 5 x 5 Metern, welches im

Inneren eine flexible Grundrissgestaltung mit Einzelbüros,

offenen Arbeitslandschaften, Gemeinschaftszonen

und kleinen Räumen zulässt. Um eine

vollständige Zerlegbarkeit zu ermöglichen, wurde

der Neubau wie ein großes Baukastenset geplant.

Sowohl bei der Primär- als auch bei der Sekundärkonstruktion

wählte man in erster Linie Standardformate.

Horizontale Elemente wie Geschossdecken

bestehen wie die tragenden Wände und Stützen

komplett aus Holz. Für eine bessere Wiederverwendbarkeit

weisen sämtliche Bauteile möglichst wenig

Ausschnitte auf. Das reduzierte den Abfall durch

Materialverschnitt in der Produktion und erwies sich

zugleich als Vorteil in Hinblick auf das Transportvolumen

und in weiterer Folge auf die Montage. Der

kreislauffähige Ansatz erforderte ein Umdenken: Da

nur sortenrein rückbaubare Einzelteile einem späteren,

effizienten Re-Use-Szenario im Sinne des Cradle-to-Cradle-Prinzips

entsprechen, zog man anstelle

von Verbundwerkstoffen und Verklebungen reversible

Lösungen wie reine Holzverbindungen vor. So

kamen bei den Brettschichtholzstützen und -trägern

Dübel aus Buchenholz zum Einsatz. CLT-Wände und

-Bodenplatten beruhen auf X-fix-Verbindern, die ein

weitgehend stahlfreies System ermöglichen. Im Vergleich

zu herkömmlichen Betonbauten konnte der

Stahlverbrauch auf diese Weise um bis zu 80 % reduziert

werden. Durch die modulare Konstruktion,

die bei Bedarf einfache Anpassungen zulässt, wird

gleichzeitig die Langlebigkeit des Hauses erhöht.

Neben ihrer Beständigkeit und räumlichen Flexibilität

verkürzte die Holzbauweise zudem die Bauzeit: Die

Errichtung von HasleTre dauerte von Beginn bis zum

Einzug lediglich neun Monate. Um das Gebäude zum

Materiallager für kommende Generationen zu machen,

wurden außerdem alle Bauteile sorgfältig dokumentiert.

Die Zeichnungen für die Montage sollen

Oslotre zufolge dann beim Rückbau als Handbuch

für die Demontage dienen.

u


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43

Oslotre


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44

Kreislauffähig bauen

Die Innenräume prägt

nicht nur das Raster

der Holz-Tragstruktur,

sondern auch ein Mix aus

Upcycling-Möbeln und

Einbauten aus natürlichen,

biologisch abbaubaren

bzw. Abfallmaterialien.

Naturbasiert, recycelt & effizient

Während im Sockelgeschoss raumhohe Verglasungen

für lichtdurchflutete Räume sorgen, kleiden die

Lochfassaden der darüberliegenden Bürogeschosse

mit ihren großen Fensteröffnungen helle Holzschindel.

Künftig sollen die Ansichten dank Grünpflanzen

je nach Jahreszeit anders aussehen und ihre Farbe

ändern. Ein Garten mit Biotop bildet auf dem Dach

den krönenden Abschluss und lädt mit einer spektakulären

Aussicht zu entspannten Pausen ein.

Auch im Inneren des Gebäudes bestimmt das warme

Naturmaterial alle Bereiche: Von den Stützen und Trägern,

welche die Grundrisse sanft zonieren, bis hin zu

den unverkleideten Deckenuntersichten bzw. Wandflächen

und den Holzrahmen der Fenster. So wird der

nachhaltige Werkstoff zum wohnlichen Hintergrund

für das übrige Interior Design. Dazu kombinierten die

Architekten Materialien wie Kork und Wolle, verzichteten

aber auch hier auf Schrauben und verwendeten

stattdessen Holznägel. Die Palette an organischen

Baustoffen bestimmt nicht nur die Optik, sondern

wirkt sich aufgrund ihrer hygrothermischen Eigenschaften

auch positiv auf das Raumklima und letztlich

auf den Energieverbrauch aus. Holz, Kork und Wolle

regulieren die Luftfeuchtigkeit, sind zugleich aber

auch diffusionsoffen und fungieren als Hitzeschutz

im Sommer. Dadurch soll das Wohlbefinden steigen

und sogar die Konzentrationsfähigkeit der Nutzer am

Arbeitsplatz verbessert werden.

Bei der Inneneinrichtung des Bürobaus stand ebenfalls

das Thema Ressourcenschonung im Mittelpunkt:

Fast zwei Drittel der Möbel sind upgecycelte

Stücke. Beim Rest handelt es sich um biologisch

abbaubare Materialien oder Industrieabfälle (wie z. B.

weiterverarbeitetes Plastik aus dem Meer). Selbst die

Lüftungsaggregate, akustischen Deckenplatten und

Bodenbeläge werden in dem Neubau nicht zum ersten

Mal verbaut und passen perfekt in das nachhaltige

Gesamtkonzept des Hauses.


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45

Oslotre

Regelgeschoss

Pilotprojekt mit Vorbildwirkung

Was am Ende simpel wirkt, war in der Umsetzung von

einigen Herausforderungen geprägt. Die Koordination

der progressiven Bauweise bzw. der Naturmaterialien

und der Erfüllung der örtlichen Regularien stellte

sich teilweise als Kraftakt für die Beteiligten heraus.

Mit viel Fingerspitzengefühl und Kommunikation gelang

es schließlich, die Vorteile von Demontage und

Reuse darzulegen und so breite Zustimmung für das

Reuse-Konzept von HasleTre zu erlangen. Ein Einsatz,

der sich gelohnt hat und im besten Fall als Pilotprojekt

viele weitere Bauvorhaben inspiriert. • EG

HasleTre

Oslo

Bauherr:

Planung:

Tragwerksplanung :

Holzbau:

Betonbau:

Landschaftsarchitektur:

Einbauten:

Möbel:

Höegh Eiendom

Oslotre

Sweco

Oslotre & NyStruktur

Norconsult

Grindaker

Interiørarkitektur & Design

Romlaboratori- et

Weitere Projektpartner:

Rambøl (HKLS), Ekom (Elektro), Engenius (Sanitär),

Multiconsult (Brandschutz, Akustik & BREEAM Zertifizierung),

F.M.Haaland, Splitkon

Nutzfläche: 3.000 m 2

Fertigstellung: 2023

Baukosten: 106 Mio. NOK (8,9 Mio. Euro, exkl. MwSt.)

www.oslotre.no

„Wir bei Oslotre haben eine Leidenschaft für Holz und die

Möglichkeiten, die es bietet. Wir schaffen biologische Architektur,

die Ästhetik, Funktionalität und zukunftsweisendes

Design mit großem Respekt vor der Natur verbindet. Wir

glauben, dass großartige Gebäude für die Ewigkeit gebaut

werden sollten.“

Oslotre


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46

Kreislauffähig bauen

Zu neuem

Leben erweckt

Bürogebäude Lumi / Uppsala, Schweden / White Arkitekter

Text: Roland Kanfer Fotos: Måns Berg


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47

White Arkitekter

Was tun mit einem schwerfälligen Verwaltungsbau aus den 1970er-Jahren, dessen

architektonische Qualitäten diskutierbar sind? In Uppsala stand genau diese

Frage im Raum, als die schwedische Lebensmittelbehörde ihre ehemaligen Büros

im Hugin-Komplex aufgab. Das Gebäude galt als nicht sanierungsfähig: zu geringe

Deckenhöhen, zu kleine Fenster, schlechte Dämmung, kein Bezug zur Straße. Die

Empfehlung lautete Abriss. Doch das Projekt Lumi beweist, dass auch vermeintlich

unbrauchbare Gebäude das Zeug zur Transformation haben – und zu einem architektonischen

Beitrag zur Klimawende werden können.

Lumi – lateinisch für „lichtdurchflutet“ – ist ein siebengeschossiges

Bürogebäude mit hellen, offenen

Räumen. Zusätzlich bietet eine Dachterrasse den

Beschäftigten Platz. Eine gläserne Eingangshalle,

die drei Baukörper verbindet, bringt Licht bis tief

ins Gebäude und fungiert zugleich als Verteil- und

Begegnungsraum. Das Projekt ist das dritte vom

schwedischen Developer Vasakronan als Generalübernehmer

entwickelte Gebäude in Södra City,

einem früher städtebaulich isolierten Bereich zwischen

dem Hauptbahnhof und dem Fluss Fyrisån.

Ziel des Immobilienunternehmens ist die Entwicklung

eines zukunftsfähigen, grünen Stadtquartiers,

das nicht nur funktional und wirtschaftlich ist, sondern

auch sozial sowie ökologisch und klimagerecht

gebaut. Die Lage ist gut: Das Entwicklungsgebiet

grenzt an Parks und ein neues grünes Band Uppsalas

an und liegt nahe zur Innenstadt und zu den

großen Zufahrtsstraßen.

u


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48

Kreislauffähig bauen

Konstruktionsprinzip Re-Use

Der Entwurf der schwedischen Architekturfirma

White Arkitekter mit dem leitenden Architekten

Anders Tväråna ist keine Verhüllung des Bestands,

sondern dessen Weiterentwicklung. Statt alles abzutragen,

wurden drei bestehende Gebäudekörper

weitgehend entkernt, strukturell ertüchtigt und

durch einen neu geschaffenen, verglasten Innenhof

miteinander verbunden. Dieser zentrale Lichthof bildet

heute nicht nur das Herzstück des Gebäudes,

sondern übernimmt auch die horizontale und vertikale

Erschließung. Die ehemals unübersichtlichen

Flure und statischen Strukturen wurden so in eine

moderne, flexible und lichtdurchflutete Bürolandschaft

überführt.

Das Gebäude wurde um drei Geschosse aufgestockt

– ohne neue Fundamente, nur durch die Nutzung der

Bestandsstruktur. Damit sind 40 Prozent mehr nutzbare

Fläche entstanden, insgesamt rund 21.000 m²

Bruttogeschossfläche, verteilt auf Büro-, Labor-, Gastronomie-

und Einzelhandelsflächen. Die vermietbare

Nutzfläche beträgt rund 16.500 m². Ein Tiefgaragengeschoss

ergänzt das Raumprogramm.

Die CO 2 -Bilanz sei durch diese Bauweise im Vergleich

zu einem Neubau in Holzrahmenbauweise halbiert

worden, sagt das Planungsbüro. Re-Use wurde bei

Lumi zum zentralen Konzept. Die Einsparung liegt

vor allem an der Wiederverwendung von Fundament

und Rahmen, aber auch an der Nutzung verschiedenster

aufbereiteter Bauteile, darunter 580 Türen,

12.450 m² Gipskartonplatten, 383 Glaspaneelen, 563

Innentüren und 446 Heizkörper. Gipskartonplatten

und deren Metallprofile wurden gelöst, gelagert

und wieder aufgebaut. Leichtbetondecken fanden

Verwendung für das neue Dachtragwerk, eben-


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49

White Arkitekter

so wie Metallgeländer und Aluminiumdachplatten.

Sogar Strom- und Datenanschlussdosen wurden ausund

in neue Wandkanäle eingebaut. Ergänzt wurden

die ressourcenschonenden Maßnahmen durch zahlreiche

Maßnahmen wie Solarmodule in Dach und

Fassade, Regenwasserspeicher zur Toilettenspülung,

den Verzicht auf Schadstoffe im Innenausbau und

Einsatz dokumentierter Baustoffe.

Architektur durch Transformation

Die neuen Fassaden sind mit Schieferplatten verkleidet

– ein Naturmaterial mit geringem CO 2 -Fußabdruck

und robuster Alterung. Die Fassadenöffnung

wurde komplett neu gedacht: Statt kleiner Fensterflächen

bietet Lumi heute große, rhythmisch gegliederte

Öffnungen, die Tageslicht tief ins Gebäude bringen.

Die Neukonzeption des Erdgeschosses spielte eine

Schlüsselrolle in der Transformation. Ursprünglich lag

dieses erhöht – ein Relikt des städtebaulichen Denkens

der 1970er-Jahre, das das Areal vom öffentlichen

Raum abschottete. Durch gezielte Abgrabungen und

Umstrukturierungen wurde nun auf Straßenniveau

geöffnet: Gastronomie, Einzelhandel und Servicebereiche

sorgen für Belebung. An mehreren Ecken des

Grundstücks wurden die Böden lokal abgesenkt, um

Räume auf Gehsteigniveau mit öffentlicher Nutzung

als Beitrag zur sozialen Durchlässigkeit im Quartier zu

schaffen. Insgesamt sind mit so rund 22.000 m 2 aktivierter

Stadtraum entstanden.

u


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50

Kreislauffähig bauen

Lichtdurchflutet: Statt eines Abrisses

wurden bestehende Baukörper

entkernt und durch einen

verglasten Innenhof mit einander

verbunden. Licht dringt nun tief

ins Gebäudeinnere.

Digitales Gebäudemodell

Lumi wurde mit Hilfe von Building Information Modeling

(BIM) geplant. Sämtliche Bauteile des Bestandsgebäudes

wurden erfasst, katalogisiert und direkt in

ein digitales Modell überführt. Dieses diente nicht

nur als zentrale Planungsgrundlage, sondern auch

zur Berechnung von CO 2 -Bilanzen, Logistikplanung

sowie zur Organisation von Rückbau- und Wiederaufbauprozessen.

Das gesamte Gebäude konnte

ohne konventionelle Baupläne errichtet werden –

alle relevanten Informationen wurden direkt dem

digitalen Modell entnommen. Der digitale BIM-Zwilling

ermöglichte darüber hinaus die Erstellung von

Echtzeit-Klimabilanzen und die präzise Steuerung

der Materiallogistik im Sinne einer Kreislaufwirtschaft.

White Arkitekter haben dieses digitale Gebäudemodell

inzwischen als internen Standard an

ihren 14 weltweit verteilten Standorten etabliert.

Das Projekt zeigt beispielhaft, wie der Bestand eines

ursprünglich als abbruchreif eingestuften Gebäudes

nicht als Last, sondern als wertvolle Ressource

genutzt werden kann – und wie sich Prinzipien der

Kreislaufwirtschaft bereits in der Planungsphase wirkungsvoll

umsetzen lassen.


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51

White Arkitekter

OG5

Ansicht Nordost

Lumi

0

2.5 5

12.5 25 m

Skala: 1 : 250

FASAD 4

PR-A-40-3-00104

2021-01-29

SKALA 1:250

Lumi

PLAN 7

PR-A-40-1-00107

2021-01-29

0

2.5 5

12.5 25 m

SKALA 1:250

Skala: 1 : 250

OG2

Lumi

0

2.5 5

12.5 25 m

Skala: 1 : 250

HUVUDSEKTION B

PR-A-40-2-00102

2022-11-23

SKALA 1:250

Lumi

PLAN 4

PR-A-40-1-00104

2021-01-29

0

2.5 5

12.5 25 m

SKALA 1:250

Skala: 1 : 250

Lumi

0

2.5 5

12.5 25 m

Skala: 1 : 250

HUVUDSEKTION A

PR-A-40-2-00101

2022-11-23

SKALA 1:250

EG

Lumi

PLAN 2

PR-A-40-1-00102

2021-01-29

0

Bürogebäude Lumi

Uppsala, Schweden

2.5 5

12.5 25 m

SKALA 1:250

Skala: 1 : 250

Bauherr und Generalübernehmer:

Architektur:

Leitender Architekt:

Projektleiterin:

Landschaftsplanung:

Tragwerksplanung:

Vasakronan

White Arkitekter

Anders Tväråna

Anna Röjdeby

Dachterrasse: White Arkitekter

Gelände: Karavan, Uppsala

Knut Jönson ingenjörsbyrå, Uppsala

BGF: 21.000 m²

Nutzfläche: 16.500 m²

Planungsbeginn: 02/2019

Bauzeit: 10/2022 - 10/2024

Kosten:

ca. 720 Millionen SEK (inkl. MwSt)

Zertifizierung: LEED Platin

www.whitearkitekter.com

Mit Lumi haben wir gezeigt, dass es möglich ist, mit

recycelten Materialien schöne und durchdachte Architektur

und attraktive Räume zu schaffen, die trotz

der Einschränkungen der bestehenden Struktur modernen

Anforderungen gerecht werden.

Anders Tväråna und Anna Röjdeby, White Arkitekter


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Kreislauffähig bauen

Robust

und reflektiert

Landwirtschaftliche Fachschule Winklhof / Oberalm, Salzburg / PLOV Architekten

Text: Andreas Laser Fotos: Emil Blau

Mit der Erweiterung der Landwirtschaftlichen Fachschule

Winklhof zeigen PLOV Architekten, wie sich

Gestaltungsqualität, funktionale Effizienz und ökologische

Verantwortung zu einem ganzheitlichen Architekturansatz

verbinden lassen. Der respektvolle Umgang

mit dem Bestand, die Integration kreislaufwirtschaftlicher

Prinzipien und der Fokus auf dauerhafte, einfache

Lösungen machen das Projekt zu einem beispielhaften

Beitrag für zukunftsorientierte Bildungsbauten weit

über den landwirtschaftlichen Kontext hinaus.


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53

PLOV Architekten

Im Zentrum der Anlage steht das Schloss Winkl, ein

historisches Bauwerk, um das sich seit der Schulgründung

1908 ein funktionales Ensemble entwickelt

hat. Die im Februar 2025 fertiggestellten neuen

Werkstätten für Holz- Metall- und Landtechnik sowie

die ebenfalls neuen Anlagen für den Pferdebetrieb

wurden östlich des Schlosses als eingeschossige,

hofartige Strukturen positioniert. Die axiale

Ausrichtung des neuen Reitplatzes auf das Schloss

stärkt dessen räumliche Präsenz und gliedert die

Neubauten klar in einen nördlichen und einen südlichen

Bereich. Diese Anordnung schafft eine starke

gestalterische Mitte und gewährleistet zugleich eine

funktionale Trennung der Hauptnutzungen: Während

die lärmintensiven Werkstätten im Süden angesiedelt

sind, befindet sich die geräuschsensible Pferdewirtschaft

im Norden – mit größtmöglicher Distanz,

um den Bedürfnissen der Tiere gerecht zu werden.

Fluchtende Kanten, einheitliche Dachhöhen und eine

zurückhaltende Materialwahl verbinden die Neubauten

zu einem Ensemble, das sich zeitgemäß zeigt und

dem Bestand dennoch mit Respekt begegnet.

Form folgt Funktion

Die hofartige Gebäudetypologie ist, bei aller gestalterischen

Qualität, vor allem funktional begründet.

Die L-förmig um einen zentralen Werkhof gruppierten

Werkstätten ermöglichen einen reibungslosen

Materialfluss – von der Anlieferung über die Verarbeitung

bis zur Lagerung. Das Gebäude des Pferdebetriebs

wurde im nordöstlichen Bereich des Areals

positioniert und steht in direkter Beziehung zum

bestehenden landwirtschaftlichen Hof sowie zur Remise.

Diese Lage ermöglicht eine optimale Nutzung

betrieblicher Synergien. Zudem entstehen durch die

Gebäudekonfiguration geschützte Paddockflächen

und überdachte Zonen, die für Veranstaltungen, Unterricht

oder Pflegeprozesse flexibel nutzbar sind.

Von Beginn an war eine einfache, robuste und anpassungsfähige

Bauweise das erklärte Ziel. Statt

technischer Überfrachtung setzt der Entwurf auf

Reduktion: sichtbar geführte Installationen, unbehandelte

Holzoberflächen, rohe verzinkte Stahlteile

und nur dort eingesetzte Verkleidungen, wo sie aus

brandschutz- oder hygienegründen erforderlich sind.

Die Gebäude sind so konzipiert, dass sie veränderten

pädagogischen und funktionalen Anforderungen

langfristig gerecht werden können.

u


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54

Kreislauffähig bauen

Robuste Materialien, einfache Details und ein natürliches Lüftungskonzept prägen

den neuen Pferdebereich. Die Ställe sind so dimensioniert und zoniert, dass Alltag,

Pflege und Unterricht reibungslos ineinandergreifen können.

Kreislaufwirtschaft als Planungsprinzip

Der integrative Umgang mit Materialkreisläufen, initiiert

und konsequent mitgetragen vom Bauherrn,

ist ein zentrales Merkmal des Projekts. Der bislang

20 Gehminuten entfernte „Wiesenhof“, ehemaliger

Standort des Reitbetriebs, wurde nach Inbetriebnahme

der neuen Anlagen vollständig rückgebaut – inklusive

sorgsamer Renaturierung. Der Sand des alten

Reitplatzes wurde am neuen Standort wiederverwendet,

Aushubmaterialien und Baustoffe zwischengelagert,

aufbereitet und andernorts erneut eingesetzt.

So konnten 3,6 Hektar wertvolles Grünland wieder

der Landwirtschaft zugeführt werden.

Auch bei der Materialwahl wurde auf Umweltbilanz

und regionale Verfügbarkeit geachtet: Konstruktiv

dominiert Holz – innen wie außen. Tropische Harthölzer,

sonst oft Standard im Pferdebau, wurden

bewusst durch heimische Alternativen ersetzt. Beton

kommt nur dort zum Einsatz, wo es technisch

notwendig ist – etwa in Bodenplatten, Sockeln oder

Lagerflächen. Für Fassaden und Innenausbauten

wurden unbehandelte Hölzer verwendet, ergänzt

durch funktionale Details wie bündig in Betonsockel

eingelassene Stahltüren. Die Konstruktion ist auf Einfachheit,

Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit ausgerichtet

– ganz im Sinne einer zirkulären Bauweise.


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55

PLOV Architekten

Technisch reduziert – ökologisch durchdacht

Auch die Gebäudetechnik folgt dem Prinzip des Notwendigen:

Die Werkstätten sind an die bestehende

Fernwärmeleitung angeschlossen, eine Temperierung

erfolgt über die Bodenplatte. Der Pferdebetrieb

bleibt unbeheizt, lediglich sensible Bereiche wie die

Sattelkammer werden mittels Infrarotstrahler frostfrei

gehalten. Eine 500 kWp starke Photovoltaikanlage

auf den Dächern mit Batteriespeicher deckt den

Energiebedarf weitgehend autark. Auf eine aktive

Kühlung oder aufwändige Gebäudetechnik wurde

bewusst verzichtet. Regenwasser wird über Versickerungsflächen

und Sickerschächte abgeleitet,

Dachflächen sind großflächig begrünt und tragen so

zur lokalen Retention und Verbesserung des Mikroklimas

bei. Die Reitplatzentwässerung erfolgt über

ein Ebbe-Flut-System mit separatem Sickerbecken.

Die bestehenden Entwässerungssysteme konnten

integriert und weitergenutzt werden.

u


architektur FACHMAGAZIN

56

Kreislauffähig bauen

Didaktik durch Architektur

Nicht zuletzt erfüllt das Projekt einen pädagogischen

Auftrag: Die Schüler:innen erleben den gesamten Materialfluss

– von der Anlieferung bis zur Verarbeitung

– unmittelbar im Unterrichtsalltag. Sie lernen in einer

Umgebung, die das Zusammenspiel von architektonischer

Klarheit, funktionaler Robustheit und ökologischer

Verantwortung exemplarisch vorführt. Die

bewusst eingesetzten „ehrlichen Materialien“ – Holz,

Stahl, Beton – stehen sichtbar für eine Bauweise, die

Substanz über Oberfläche stellt. Auch in der Konstruktion

bleibt das Gebäude transparent: Technik und

Tragwerk sind offen geführt, Details nachvollziehbar

und logisch gelöst – die Architektur selbst wird so

zum stillen Lehrmittel. Großzügige Tageslichtöffnungen,

natürliche Belüftung und eine angenehme

Raum akustik schaffen ein lernförderndes Raumklima,

das auf technische Komplexität verzichtet. Die

enge Abstimmung mit den Nutzer:innen während der

Planungsphase hat zudem Räume entstehen lassen,

die nicht nur funktionieren, sondern angenommen

und geschätzt werden – als Orte des praktischen

Lernens und der gemeinsamen Verantwortung. •

Die großzügigen

Verglasungen in den

Werkstätten ermöglichen

ein helles, gleichmäßig

ausgeleuchtetes Arbeiten

und tragen wesentlich zur

Qualität des Arbeitsumfelds

bei.


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PLOV Architekten

Landwirtschaftliche Fachschule Winklhof

Oberalm, Salzburg

Bauherr: Amt der Salzburger Landesregierung,

Abteilung 4 und Abteilung 6

Planung: PLOV Architekten ZT GmbH

Mitarbeiter: Manfred Thallner (PL), Ondrej Kövér,

Kerstin Loder, Angela Lulati, Kerstin Loder

Tragwerkspl.: Petz ZT

HKLSE + BP: Bauklimatik GmbH

Kostensteuerung: DI Hans Waldhör

Kulturtechnik: Eurofins water&waste GmbH

Wettbewerb: 02/2020

Fertigstellung: 02/2025

BGF: 3.504 m²

Baukosten: 7.400.000,- Euro

www.plov.at

Wir planen gerne mit Holz, da Holz als Baustoff der Zukunft den

CO 2 Abdruck minimiert, robust und authentisch ist und für einen

natürlichen Alterungsprozess steht.

PLOV Architekten


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58

Kreislauffähig bauen

Vom Schulabbruch

zum sozialen Wohnraum

Social housing 2104 / Palma de Mallorca / HARQUITECTES

Text: Andreas Laser Fotos: Adrià Goula


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59

HARQUITECTES

Mit dem Projekt „Social

Housing 2104“ in Palma

de Mallorca realisiert das

katalanische Architekturbüro

HARQUITECTES ein

radikal nachhaltiges und

zugleich hochfunktionales

Wohngebäude für ältere und

mobilitätseingeschränkte

Menschen. Es ist ein Beispiel

dafür, wie aus einem vermeintlich

unbedeutenden

Abriss ein zukunftsweisendes

Bauprojekt entstehen kann

– mit lokalem Material, ökologischer

Intelligenz und hoher

gestalterischer Qualität.

Auf dem Grundstück, auf dem heute das neue Wohnhaus

steht, befand sich ursprünglich eine leerstehende,

dreigeschossige Schule. Die Substanz – bestehend

aus Marès-Sandsteinmauern sowie Decken

aus Beton und Keramik – war baufällig und entsprach

nicht mehr den städtebaulichen Vorschriften. Der

Abriss war unumgänglich. Doch anstatt den Rückbau

als bloßen Entsorgungsprozess zu begreifen, machten

HARQUITECTES ihn zum Ausgangspunkt ihrer

Entwurfsidee – ganz im Sinne des Urban Mining.

Diese Entscheidung war nicht nur ökologisch motiviert,

sondern folgte auch der ursprünglichen Wettbewerbsausschreibung,

die eine schnelle Bauweise – vorzugsweise

in Holz – forderte. HARQUITECTES entschieden

sich jedoch bewusst gegen eine Leichtbauweise und

entwickelten stattdessen eine massive Struktur mit

hoher thermischer Speicherkapazität. In Mallorcas Klima,

geprägt von intensiver Sonneneinstrahlung und

starken Temperaturschwankungen, verbessert diese

Bauweise den Wohnkomfort erheblich.

u


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60

Kreislauffähig bauen

Der begrünte Innenhof

dient als klimatischer

Puffer. Über ihn werden

nicht nur die Wohnungen

erschlossen – er bildet

auch das kommunikative

Herz des Projekts.

Recycling als System

Die Geschichte des Ortes wurde nicht entsorgt, sondern

in die neuen Wände eingeschrieben. Während

des Rückbaus zeigte sich, dass der Marès-Sandstein

nicht nur konstruktiv tragfähig, sondern auch ästhetisch

reizvoll ist. Aus den 160 m³ geborgenen Steinen

wurden große 4 × 4 m Betonplatten gegossen – mit

bis zu 40 % Marès-Anteil als Zuschlagstoff. Diese

Platten wurden anschließend mit einer übergroßen

Kreissäge in rund 3.000 Blöcke geschnitten. An den

Schnittflächen traten die eingelagerten Gesteinsbrocken

deutlich zutage – und verliehen den Oberflächen

eine archaische, narrative Qualität. So entstand

eine raue, authentische Materialität, die dem Gebäude

Ausdruck und Identität verleiht.

Materialwahl als Balanceakt

Ursprünglich planten die Architekten, alle Blöcke aus

reinem Kalkbeton herzustellen – einem gesunden,

ökologischen und atmungsaktiven Baustoff. Doch

die lange Aushärtungszeit und die anfangs geringe

Festigkeit machten dieses Vorhaben wirtschaftlich

kaum tragbar. Die Lösung war eine pragmatische

Hybridmischung: In den unteren, stärker belasteten

Geschossen kam ein Kalk-Zement-Gemisch zum Einsatz,

während in der obersten Etage, wo geringere

Lasten wirken, reiner Kalkbeton verwendet wurde.

Auch andere Materialien aus dem Abbruch wurden

sinnvoll integriert: Etwa 140 m³ Beton- und Keramikbruch

aus den alten Decken und Zwischenböden

wurden in die Fundamentgräben und die Wände

des halbsouterrainartigen Sockelgeschosses eingebracht.

Diese „vergrabene Wiederverwendung“ bildet

im wörtlichen wie im übertragenen Sinn das Fundament

des neuen Gebäudes.


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61

HARQUITECTES

Die durchgesteckten Wohnungen

bieten Licht von zwei Seiten und

profitieren vom thermischen Speicherverhalten

der massiven Wände.

Modularität trifft Effizienz

Auf diesem massiven Sockel wurden die vorgefertigten

Blöcke zu tragenden Wänden geschichtet, die

senkrecht zur Straßenflucht verlaufen. Die Decken

bestehen aus Kreuzlagenholz (CLT) und liegen direkt

auf den Blockwänden auf. Um diese Konstruktion zu

ermöglichen, reduziert sich die Wandstärke pro Geschoss

um jeweils 10 cm – von 64 cm im Erdgeschoss

bis zu 34 cm im Dachgeschoss. Höhe (42 cm) und

Länge (135 cm) der Blöcke bleiben konstant. Dieses

einfache, modulare Prinzip beschleunigt die Vorfertigung

und sorgt für eine rationelle Bauweise mit klarer

Struktur. Quer zu den Hauptwänden wurden dünnere,

13 cm starke Innenwände aus demselben Material

eingebaut. Sie entstanden durch das Zerteilen eines

60 cm breiten Blocks in vier Segmente und bilden

gemeinsam mit dem Treppenhaus- und Aufzugskern

das aussteifende Rückgrat des Gebäudes. u


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62

Kreislauffähig bauen

Jeder Schnitt erzählt eine Geschichte:

Die sichtbaren Bruchsteine lassen die

Herkunft des Materials erkennbar. Die

Oberfläche der vorgefertigten Blöcke

bleibt unbehandelt.

Raum folgt Struktur

Diese konsequent strukturbedingte Bauweise prägt

auch die räumliche Organisation. In der Gebäudeecke

befindet sich der Zugangskern mit Treppe und

Aufzug. Von dort gelangt man über eine Laubengang-ähnliche

Galerie im begrünten Innenhof zu

den einzelnen Wohnungen. Die meisten Einheiten

erstrecken sich über die gesamte Bautiefe zwischen

zwei tragenden Quermauern – also innerhalb einer

einzigen Tragachse – und sind durchgesteckt, mit

Belichtung und Belüftung auf beiden Seiten. In den

Regelgeschossen ergibt sich daraus ein klar gegliedertes

Wohnkonzept mit hoher Aufenthaltsqualität.

Abweichend davon ist die Bautiefe im Sockel- und

im Dachgeschoss reduziert. Um dennoch funktionale

Grundrisse zu ermöglichen, erstrecken sich die

dortigen Wohnungen nicht in der Tiefe über eine,

sondern in der Breite über zwei Tragachsen. Die

Dachgeschosswohnungen verfügen zusätzlich über

großzügige Terrassen. Alle Wohnungen sind barrierefrei

erschlossen, einige speziell auf die Bedürfnisse

von Rollstuhlnutzern ausgerichtet. Gemeinschaftsräume

wie Waschküchen und Aufenthaltsbereiche

auf jeder Etage fördern das soziale Miteinander.


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63

HARQUITECTES

1

0

2 5

1

DG

0

2 5

1

OG 1

0

2 5

Social housing 2104

Palma de Mallorca

Regulatorische Hürden

Eine der größten Herausforderungen des Projekts

war nicht technischer, sondern bürokratischer Natur.

Die Mallorquinischen Abfallvorschriften sehen in

Abbruchmaterial kein Baumaterial, sondern nach wie

vor Müll – was in der Regel eine kostenpflichtige Entsorgung

auf Deponien erfordert. Um das Recyclingkonzept

vor Ort überhaupt umsetzen zu können, war

intensive politische Unterstützung und behördliche

Überzeugungsarbeit notwendig. Dass dies letztlich

gelang, zeigt, dass zukunftsfähige Architektur nicht

nur auf dem Reißbrett, sondern auch auf administrativer

Ebene entschieden wird.

Bauherr:

Architektur:

Projektmitarbeit:

Tragwerksplanung:

Haustechnik:

Umweltberatung:

Akustik:

Spezialberatung Kalkbau:

Grundstücksfläche: 1.610 m²

Planungszeit: 2021–2022

Bauzeit: 2022–2024

www.harquitectes.com

IBAVI – Institut Balear de l’Habitatge

HARQUITECTES (David Lorente, Josep Ricart,

Xavier Ros, Roger Tudó)

Anna Burgaya, Ángeles Torres, Montse Fornés,

Cynthia Rabanal, Victor Jorgensen

DSM-arquitectes

M7 Enginyers

Societat Orgànica

MC Acústica

Joan Ramon Rosell


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64

Bodenversiegelung

Boden gut machen

Wie kreislauffähiges Bauen der

Flächenversiegelung entgegenwirken kann

Text: Linda Pezzei

2.964 km² Boden in Österreich gelten als dauerhaft versiegelt – das entspricht laut

offizieller Statistik in etwa jeder zweiten genutzten Fläche. Asphaltierte Straßen,

betonierte Plätze, Parkflächen ohne Poren. Der Preis: Überflutungsgefahr, städtische

Hitzeinseln, schwindende Biodiversität. Während Begrünung, Klimawandelanpassung

und Kreislaufwirtschaft auf Architekturkongressen diskutiert werden, bleibt

ein Aspekt oft unterbelichtet: die Fläche selbst. Dabei ist sie Voraussetzung für alles

Weitere. Eine These könnte daher lauten: Kreislauffähiges Bauen kann nur dann

wirksam sein, wenn auch über die Bodenversiegelung nachgedacht wird – und zwar

ganzheitlich, von der Planung bis zum Rückbau.

Zersiedelte Strukturen: eine unkoordinierte Siedlungsentwicklung führt zu mehr versiegelter Fläche und dem Verlust von Freiräumen.

© Arthur Schindelegger


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65

Bodenversiegelung

© Arthur Schindelegger

Streusiedlung in der Landschaft: Zersiedelung erhöht den Flächenverbrauch – kompakte Bauweisen schonen hingegen den Boden.

Warum Sprache hier Macht hat

Die Begriffsverwirrung rund um Flächenverbrauch,

Versiegelung und Inanspruchnahme

ist keine akademische Spitzfindigkeit

– sie verhindert wirksame Steuerung.

Das Positionspapier der Kammer bringt

Ordnung ins semantische Dickicht:

Flächeninanspruchnahme umfasst alle

Flächen, die für Siedlungs-, Verkehrs- oder

Freizeitnutzungen beansprucht werden –

ob versiegelt oder nicht.

Bodenversiegelung meint jene Flächen, die

durch asphaltierte, betonierte oder anderweitig

luft- und wasserundurchlässige Materialien

dauerhaft überdeckt sind.

Flächenverbrauch ist ein politisch und

emotional stark besetzter Begriff – aber

fachlich nicht eindeutig definiert.

Auch Jochen Schmid, Geschäftsführer von

Knollconsult, betont, dass die Diskussion

durch eine unklare Begriffswelt erschwert

wird. Er empfiehlt, sich konsequent an die

Definitionen von ÖROK und Umweltbundesamt

zu halten und die Begriffe gezielt in

Planung und Politik zu tragen.

© Arthur Schindelegger

Zahlen & Ziele –

wo wir gerade stehen

Seit 2000 ist die Flächeninanspruchnahme

in Österreich kontinuierlich gestiegen, 2022

betrug sie 42,2 km² pro Jahr. Zwar hat sich

das Wachstum leicht abgeschwächt – aber

von Nachhaltigkeit keine Spur.

Politisch gesteckte Bundesziele umfassen

die Reduktion auf 2,5 Hektar pro Tag bis

2030. Auf EU-Ebene strebt man bis 2050

einen Netto-Null Flächenverbrauch an.

STEP2035 definiert wiederum Zielvorgaben

für den Begrünungs- und Überschirmungsgrad

in den Straßenräumen Wiens.

Die seit 2022 gültige Bilanzierungsmethode

macht erstmals deutlich, wie groß der Unterschied

zwischen Inanspruchnahme und

tatsächlicher Versiegelung ist – und wie

hoch der Anteil an potenziell entsiegelbaren

Flächen wäre.

Siedlungserweiterung am Ortsrand: Versiegelung durch Neubaugebiete –

hier sind Nachverdichtung und Flächenrecycling als Alternativen gefragt.

© Marion Müller

Kurz & Bündig

3 Fragen an Arthur Schindelegger,

PostDoc Forscher an der BOKU Wien

1. Was ist das „Zuständigkeitsdilemma“

beim Bodenschutz?

Die Kompetenzverteilung zwischen

Bund, Ländern und Gemeinden erschwert

ein harmonisiertes Vorgehen.

2. Gibt es gute Beispiele?

Ja – Feldkirch oder der Nibelungenplatz

in Tulln. Auf Landesebene sind regionale

Siedlungsgrenzen und Vorrangzonen

hilfreich.

3. Welche Rolle spielt Entsiegelung in

der Klimaanpassung?

Eine sehr zentrale – vor allem in dichten

städtischen Räumen zur Minderung von

Hitze und zur Regenwasserretention.


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66

Bodenversiegelung

Wo Entsiegelung (trotzdem) gelingt

Waidhofen an der Ybbs macht vor, wie’s

geht – und warum es trotzdem oft nicht

geht. Das dortige Entsiegelungsprojekt

wurde von Ernst Beneder mitentwickelt,

die Umsetzung gelang dank gezielter Förderung.

Doch genau diese ist heute unklar

– ein Risiko für viele Gemeinden.

Wien geht mit gutem Beispiel voran: Der

STEP2035 definiert erstmals einen Richtwert

für Begrünung im Straßenraum. Die

neue Bauordnung (§ G-Flächen) verlangt:

Zwei Drittel der Flächen müssen entsiegelt

sein. Erste Erfahrungen aus Büros wie einszueins

oder feld72 zeigen: Das fordert heraus

– aber öffnet auch neue kreative Spielräume.

Weitere Ansätze umfassen Rasengittersteine,

multifunktionale Freiräume, Schwammstadt-Konzepte,

temporäre Pop-up-Parks

und strategischen Rückbau.

© Christian Redtenbacher

Kurz & Bündig

3 Fragen an Rosemarie Stangl,

Leiterin am Institut für Ingenieurbiologie

und Landschaftsbau an der BOKU Wien

1. Was sind häufige Fehler bei

Entsiegelungsprojekten?

Zu schmale Fugen, falsche Substrate,

fehlgeleitete Regenwassereinleitung, falsche

Platzierung von Schattenstrukturen.

Kreislauffähig bauen =

flächenschonend denken

Materialkreisläufe zu schließen reicht allerdings

nicht – auch die Fläche muss in die

Kreislaufwirtschaft eingebunden werden.

Das bedeutet:

• Flächenrecycling statt Neuwidmung

• Nachverdichtung mit Augenmaß

• Ein Nutzungsmix, der Freiräume schafft

statt versiegelt

Förderpotenziale könnten dieses Denken

stützen – wenn sie rechtzeitig und verlässlich

abrufbar sind. Und: Schwammstadt-Strategien

zeigen, wie blau-grüngraue

Infrastruktur ganzheitlich gedacht

werden kann.

Warum Entsiegelung (noch) schwer ist

Derzeit gibt es eine Vielzahl an Förderprogrammen,

jedoch fehlt ein koordinierter

Zugang. Auf Bundesebene steht beispielsweise

der Biodiversitätsfonds (Call 5) zur

Verfügung, der für Projekte ab einer Fläche

von 500 m² eine Förderung von bis zu

100 % bietet, allerdings erst ab dem Jahr

2026 startet. Auf Länderebene variieren

die Förderungen deutlich: In Oberösterreich

werden etwa 30 bis 40 Euro pro Quadratmeter

gewährt, in Wien sind es sogar

200 Euro pro Quadratmeter, jedoch maximal

10.000 Euro pro Projekt. Die Steiermark

wiederum kombiniert Bundes- und Landesmittel

und erreicht damit eine Förderquote

von etwa 50 %.

Diese Programme sind jedoch schwer miteinander

vergleichbar, häufig überzeichnet

und in ihrer Laufzeit oft unklar. Das führt

dazu, dass viele Gemeinden zögern, entsprechende

Förderungen zu beantragen.

Arthur Schindelegger von der BOKU spricht

in diesem Zusammenhang vom „Zuständigkeitsdilemma“:

Die Verantwortung sei

zwischen Bund, Ländern und Gemeinden

aufgeteilt – ein harmonisiertes Vorgehen

dadurch erschwert. Eine grundlegende

Reform mit einheitlichen Kompetenzen sei

politisch kaum realisierbar. Deshalb plädiert

Schindelegger für pragmatische Lösungen

© Rosemarie Stangl BOKU-IBLB

Unversiegelte Parkplatzgestaltung mit biodiverser,

begrünter Sickermulde.

© Rosemarie Stangl BOKU-IBLB

Offenporige Oberflächenbefestigungen

2. Was braucht es für eine gelungene

Integration in Sanierungen?

Verpflichtende Vorgaben, frühzeitige

Planung und klare Verantwortlichkeiten.

3. Wo liegt das größte Potenzial?

In der Umkehr der Planungsprinzipien

– versiegelt wird nur, was unbedingt

nötig ist.

Zahlen & Fakten

Zentrale Zahlen zur Flächeninanspruchnahme in Österreich

aus einer Studie der Kammer der Ziviltechniker:innen (2023).

Flächeninanspruchnahme 2022: 42,2 km² pro Jahr (11,6 ha/Tag)

Versiegelter Anteil: ca. 50 % der Siedlungs- und Verkehrsflächen

Pro-Kopf-Verbrauch: 1.255 m² (im EU-Vergleich sehr hoch)

Politisches Ziel: Reduktion auf 2,5 ha/Tag bis 2030

Bilanzierung: seit 2022 Trennung von Inanspruchnahme und Versiegelung


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67

Bodenversiegelung

innerhalb der bestehenden Strukturen –

etwa durch die konsequente Nutzung regionaler

Instrumente wie Siedlungsgrenzen,

Vorrangzonen oder Grünraumvernetzungen.

Beispiele wie Feldkirch oder der Nibelungenplatz

in Tulln machen deutlich, dass

Fortschritte möglich sind.

Werkzeuge für Wandel:

Von Daten bis Haltung

Technisch gibt es kaum Hürden – von digitalen

Dashboards bis zu textlichen Bebauungsplänen.

Doch: Es braucht Menschen,

die diese Werkzeuge auch nutzen. Architekt:innen,

die querdenken, kommunizieren

und vermitteln.

„Viele der Entsiegelungsbemühungen

scheitern noch an Denk- und Planungsfehlern“,

sagt Rosemarie Stangl von der BOKU.

Strategien müssten frühzeitig und interdisziplinär

geplant, rechtlich verankert und

konsequent umgesetzt werden. Die Praxis

zeigt: Fehlende Regenwasserführung, falsche

Substrate, nicht schattierte Aufenthaltsflächen

und zu schmale Fugen zählen

zu häufigen Fehlerquellen.

Jochen Schmid ergänzt, dass kompensatorische

Maßnahmen wie eine Versiegelungsabgabe

gezielt eingesetzt werden könnten,

um Rückbaumaßnahmen im öffentlichen

Raum zu finanzieren – vorausgesetzt, sie

belohnen flächeneffizientes Bauen und fördern

grüne Alternativen.

Und so lässt sich als Fazit ziehen: Zukunft

braucht Boden – und gute Planung. Wenn

Städte resilient werden sollen, bedarf es

mehr als schattige Plätze und kühlende

Fassaden. Es braucht eine neue Haltung

zum Boden – und eine Praxis, die sich nicht

mit dem Gießkannenprinzip begnügt. Arthur

Schindelegger bringt es auf den Punkt:

„Quantitativer und qualitativer Bodenschutz

müssen eine gesellschaftliche und

politische Priorität sein – dann können alle

weiteren Schritte abgestimmt und gemeinschaftlich

entwickelt werden.“

Kurz & Bündig

3 Fragen an Jochen Schmid,

Geschäftsführer und Ingenieurkonsulent

für Raumplanung bei Knollconsult

Umweltplanung

1. Wie kann Entsiegelung besser

kommuniziert werden?

Indem wir aufzeigen, dass sie ein Mehrwert

ist – für Mikroklima, Biodiversität

und Lebensqualität.

2. Welche Tools fehlen?

Vor allem einfach zugängliche Informationen

und Best-Practice-Beispiele, die

überregional übertragbar sind.

3. Was ist Ihre wichtigste Empfehlung?

Mehr Mut der Gemeinden, bestehende

rechtliche Möglichkeiten auch wirklich

zu nutzen.

© Knollconsult

Neugestaltung der Fußgängerzone in Feldkirch (durch Marte Marte Architekten, zwischen dem

barrierefreien neuen Pflaster soll, für ein gutes Kleinklima, Niederschlagswasser versickern und

verdunsten können

Ansporn zum Nachahmen.

Der Verein LandLuft bereitet die Erfahrungen

aus Baukulturgemeinden wie Feldkirch in Buch

und Film auf und zeigt, wie „Boden g’scheit

nutzen!“ österreichweit gelingen kann.

www.landluft.at

Bahnhofsplatz mit pilzförmigen Gründächern


architektur FACHMAGAZIN

68

Naturstein

1

© Berthold Werner, C.C

Naturstein

neu denken

In der Diskussion um nachhaltiges Bauen wird Naturstein zunehmend neu bewertet:

nicht als nostalgisches Material, sondern als relevante Alternative zu konventionellen

Baumethoden mit Stahlbeton. Vor allem die gute Ökobilanz, die niedrige

graue Energie und die sortenreine Trennbarkeit sprechen dafür, Naturstein

stärker zu nutzen.

Text und Fotos: Richard Watzke (wenn nicht anders angegeben)

Während die Betriebsenergie und Dämmstandards

von Bauwerken intensiv analysiert und laufend optimiert

werden, bleibt die graue Energie noch weitgehend

unbeachtet. Dabei spielt der indirekte Energieverbrauch

eines Bauteils über den gesamten

Lebenszyklus von der Herstellung über den Transport

bis zur Entsorgung eine entscheidende Rolle für

die Ökobilanz eines Bauwerks. Oft sind es gerade die

vermeintlich sparsamsten Baustoffe und Dämmsyste-

me, die bereits bei der Gewinnung der Rohstoffe den

höchsten Anteil grauer Energie benötigen und somit

wenig umweltfreundlich sind. Hier zeigt Naturstein

seine Stärke: Vor Urzeiten auf ganz natürliche Weise

entstanden, wird er ohne Brennprozesse oder chemische

Umwandlung durch rein mechanische Verfahren

gewonnen und bearbeitet. Bei regionaler Gewinnung

liegt der CO 2

-Ausstoß je Tonne Naturstein meist unter

50 kg – Beton und Ziegel liegen deutlich höher. u


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69

Naturstein

1 Naturstein-Architektur

in Reinkultur: Das Mausoleum

Ad Deir in der

jordanischen Felsenstadt

Petra wurde im 1. Jahrhundert

n. Chr. direkt aus dem

Felsen gearbeitet.

2 Umweltfreundlich:

Werkstücke aus Naturstein

werden mit rein

mechanischen Bearbeitungsmethoden

und

geringem Einsatz grauer

Energie gefertigt.

2

3 Vielfältig im Ausdruck:

Fassadenbekleidung aus

St. Margarethener Kalksandstein

mit Krusten

und gesägten Platten.

3


architektur FACHMAGAZIN

70

Naturstein

4

5

Langlebig und rückbaubar

Naturstein überdauert Jahrhunderte – oft ohne

nennenswerten Substanzverlust. Im Zuge der thermischen

Sanierung eines rund 40 Jahre alten Bürokomplexes

in Wien ergab die Überprüfung der

Natursteinfassade, dass die Steinbekleidung bis auf

Oberflächenschmutz keine nennenswerten Schäden

aufweist und – ganz im Sinne der angestrebten

klimafit-Zertifizierung – nach dem Austausch einzelner

Platten durch neue Platten aus Originalmaterial

unverändert bestehen bleiben kann. Werkstücke

aus Naturstein lassen sich zerstörungsfrei zurückbauen,

wiederverwenden oder als Baurestmasse

entsorgen. Die sortenreine Trennbarkeit erfüllt

zentrale Anforderungen der Kreislaufwirtschaft.

Was nicht wiederverwendet werden kann, wird als

Sekundärrohstoff weitergenutzt und beispielsweise

im Straßenbau, für Gabionen oder als mineralischer

Zuschlagstoff eingesetzt.

u

4 Reparatur-Garantie: Der Handlauf in

einem Museum wurde mit Originalmaterial

ausgebessert.

5 In Würde altern: Robuster Treppenbelag

aus Soln hofer Kalkstein in der

TU Wien.


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FACHMAGAZIN

71

Wettbewerbe Naturstein

CASAWEST GmbH

4055 Pucking

office@casawest.at

www.casawest.at

Kienesberger

Steinmetzmeister

4707 Schlüßlberg

office@kienesberger-stein.at

www.kienesberger-stein.at

Marmor

Industrie Kiefer

5411 Oberalm

office@marmor-kiefer.at

www.marmor-kiefer.at

Sölker Marmor

Bergbau

8961 Sölk

office@soelker.at

www.soelker.at

Steinmetzbetrieb

Wolfgang Ecker

2514 Traiskirchen

office@ecker-stein.at

www.ecker-stein.at

Josef Kogler

Steinbruch & Schotterwerk

9554 St. Urban

kogler.naturstein@aon.at

www.kogler-natursteinwerk.at

Poschacher Natursteine

Baustoffhandel GmbH

4310 Mauthausen

office@poschacher.com

www.poschacher.com

Steinmetzmeister

Dietmar Steller

4600 Wels

office@steller-stein.at

www.steller-stein.at

Gustav Hummel

GmbH & Co KG

2452 Mannersdorf

info@hummel-stein.at

www.hummel-stein.at

Lauster

Naturstein GmbH

9971 Huben/Osttirol

st.johann@lausternaturstein.at

www.lausternaturstein.at

Schreiber & Partner

Natursteine

2170 Poysdorf

office@sp-natursteine.at

www.sp-natursteine.at

Stone4you

Steinmetzbetriebe

2020 Hollabrunn

office@stone4you.at

www.stone4you.at

Pro Naturstein. Die gebündelte Faszination für ein einzigartiges, kraftvolles und von der Natur geschaffenes Unikat. Ein über Generationen

vermitteltes Fachwissen über den Abbau und die Veredelung der österreichischen Natursteinvorkommen, eine gemeinsame Verantwortung,

welche die Begeisterung und das Handwerk verbindet. Pro Naturstein steht für die Vereinigung ausgewählter, österreichischer

Naturstein-Leitbetriebe, die mit Qualität und Leidenschaft hinter ihren Produkten stehen

www.pronaturstein.at


architektur FACHMAGAZIN

72

Naturstein

6

7

6 Überprüfung einer stark exponierten,

über 40 Jahre alten Natursteinfassade:

Bis auf die oberflächliche Verschmutzung

sind keine nennenswerten Schäden

feststellbar.

7 Beliebig oft wiederverwendbar: Pflaster-

und Leistensteine aus Bestandsmaterial

werden mit neu angefertigten

Steinen kombiniert.

8 Ein österreichisches Granitwerk

produziert taktile Elemente für die Sanierung

von Bahnsteigen in Wien.

9 Nachhaltigkeit funktioniert auch im

Sozialen Wohnbau: 2022 errichtete das

IBAVI auf Mallorca sechs Wohneinheiten.


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73

Naturstein

Naturstein als tragendes Element

Wurde Naturstein im Hochbau lange Zeit vorwiegend

als rein dekorative Außenhülle des Bauwerks

eingesetzt, denken innovative Planer den Umgang

mit Naturstein komplett neu. Das Motto lautet „Weg

vom rein dekorativen Belag, hin zum konstruktiven

Element“. Aus Frankreich und England kommen mit

der Stereotomie, der Lehre vom lastabtragenden

Steinbau, beeindruckende Impulse: Inspiriert von

historischen Gewölbekonstruktionen entwickelt sich

dort ein zeitgenössischer Massivbau, der auf rechnerisch

optimierte Versatztechnik, digitale Planung

und CNC-Präzision setzt.

Im Gegensatz zum klassischen Mauerwerk stehen

monolithische Tragstrukturen im Vordergrund –

etwa segmentierte Gewölbe, massive Treppen oder

selbsttragende Wände. Die Bearbeitung erfolgt so

präzise, dass trocken versetzte Elemente höchsten

statischen und gestalterischen Anforderungen

genügen. Diese Konstruktionsweise spart nicht nur

Material, sondern ersetzt Beton, Bewehrung oder

Kleber vollständig. Die Bauwerke bestehen aus einem

einzigen Material und sind somit vollständig

rückbaubar, dauerhaft und ökologisch einwandfrei.

8

Damit ändert sich die Rolle des Materials, denn die

Kombination aus hoher Speichermasse, plastischer

Ausdruckskraft und präziser Formbarkeit erschließt

neue architektonische Möglichkeiten. Ein Wegbereiter

in Frankreich ist das 2024 mit dem Grand Prix

National de l’Architecture ausgezeichnete Atelier

Architecture Perraudin in Südfrankreich. Aus dessen

Feder entstanden ab der Jahrtausendwende

zunächst Weinkeller wie in Vauvert und Solan aus

massiven, trocken gefügten Steinblöcken regionaler

Steinbrüche. Mit dem 2021 fertiggestellten Projekt

Plan-les-Ouates bei Genf bewies Gilles Perraudin,

dass sich sogar mehrgeschossige Wohnbauten aus

massiven Natursteinmauern errichten lassen. •

9


architektur FACHMAGAZIN

74

Naturstein

Nutzen wir das

struktive Potenzial

Auch im deutschsprachigen Raum steigt das Interesse an der neuen „alten“

tragenden Steinkonstruktion. Am Lehrstuhl Massive Baukonstruktionen der

Technischen Universität Dortmund erforscht und lehrt Junior-Professorin Anne

Hangebruch, welche Anforderungen zu beachten sind.

Interview: Richard Watzke

Frau Professor Hangebruch, welchen

Stellenwert hat Naturstein in

Ihrer Forschung und Lehre?

Anne Hangebruch: Konkret untersuchen

wir das struktive Potenzial von

natürlichen Materialien und regionale

Bauweisen für eine zukunftsfähige

Architektur – und da spielen heimische

Natursteine als Baustoff eine

zentrale Rolle. Naturstein qualifiziert

sich im Besonderen für schichtenarme,

massive Konstruktionsweisen,

© Beat Batschung

denn die Anforderungen an Tragund

Schutzschicht erfüllt das Material

mühelos. Durch die Verwendung

von massivem Stein als tragende

Struktur können nicht nur architektonische

Möglichkeiten erweitert,

sondern auch ökologische Vorteile

des Materials genutzt werden. Ein

weiterer vielversprechender Ansatz

ist die Aktivierung der Speichermasse

des Steins für ein energetisches

Konzept zur Nutzung des solaren

Energieeintrags.

Was muss sich im Bauwesen verändern,

damit Naturstein seine Vorteile

wieder stärker ausspielen kann?

Um das innovative und ökologisch

vorbildliche Bauen mit tragendem

Naturstein zu fördern, braucht es

vorbildliche Ansätze und prototypische

Realisierungen. Eine zentrale

Herausforderung ist zudem die Bereitstellung

von Informationen, um

die Bauweise, sowohl bei Auftraggebern

wie auch bei den Planern

und ausführenden Firmen, bekannt

zu machen und zu etablieren. Mit

dem Aufkommen des Beton- und

Stahlbetonbaus, in den Industrie

und Forschung investierten, endete

die technologische Weiterentwicklung

im Steinbau. Lehrende und

Forschende der Architektur und des

Bauingenieurwesens sind heute auf

Stahlbetonkonstruktionen spezialisiert.

Dies führt zu einer einseitigen

Ausbildung und das Verständnis, wie

heute sinnvoll mit Naturstein konstruiert

werden kann, muss, ebenso

wie der Holzbau vor einigen Jahren,

neu entwickelt werden.

Wie beurteilen Sie die Situation in

Europa?

In einigen europäischen Ländern

ist eine große Materialoffenheit zu

beobachten. In Frankreich, Spanien,

Großbritannien und der Schweiz

wurden in den vergangenen Jahren

beeindruckende Bauten in lastabtragender

Natursteinmassivbauweise

realisiert, so zum Beispiel soziale

Wohnungsbauprojekte auf den Balearen

durch das „Instituto Balear de la

Vivienda“, kurz IBAVI.

Wie sollte man mit Naturstein gestalten

und wie besser nicht?

Aus meiner Sicht müssen wir heimische

Natursteine wieder als Baustoff

und nicht bloß als Dekorationsmaterial

verstehen. Dazu gehört, dass wir

ihn, gemäß seinem struktiven Potenzial,

als lastabtragendes Bauteil einsetzen

und nicht mit einer aufwendigen

metallischen Unterkonstruktion

vor eine Stahlbetonstruktur hängen.

Zudem müssen wir alles verwenden

und können es uns im Sinne der Ressourcenschonung

nicht leisten, aus

optischen Gründen zu selektieren.

Anne Hangebruch leitet seit 2020 die Juniorprofessur

Massive Baukonstruktionen

an der TU Dortmund.


www.architektur-online.com

75

Naturstein

1

© Detlef Podehl

2

1 In Zusammenarbeit mit

dem Bamberger Natursteinwerk

Hermann Graser

entstand der lastabtragende,

trocken aus Sandstein gefügte

Pavillon auf dem Platanenplatz

des Campus der TU

Dortmund.

2 Im Weinkeller von Vauvert

nutzt das Atelier Architecture

Perraudin die hohe Speichermasse

der massiven Rohblöcke.

© Atelier Architecture Perraudin


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76

Naturstein

Aus Respekt vor der Natur

Die Amus Chalets in Südtirol sind der Inbegriff

von Luxus und Wellness mit höchstem Nachhaltigkeitsanspruch.

Im Antholzertal, an prominenter

Lage, entwarfen die Architekten Matthias

Hofer und Martin Gruber elf traditionell-alpine

Chalets mit Satteldach sowie drei Landschaftschalets

mit Flachdach, die sich um ein Haupthaus

schmiegen. Aus Respekt vor der Natur wurde an

bewährten Bautypologien festgehalten und über

Konstruktion und Material ein neuer Zeitgeist

eingehaucht.

Der Kern des Haupthauses ist in Stahlbetonskelettbauweise

ausgeführt, ebenso wie die Giebelseite der

Chalets. Der Rest ist in Holzrahmenbauweise gefertigt.

Gedämmt wurde mit Holzfaser. Die Holzfassaden

sind farblich an die umliegenden, dunklen, gealterten

Holzfassaden angepasst, um die Chalets mit

dem Dorf zu verweben. Um die Sichtbarkeit gering zu

halten, sitzt das Haupthaus nicht parallel zum Hang,

sondern vertikal. „Die Bauten kamen so zu stehen, so

wie der Boden es verlangte“, erklärt Gruber.


www.architektur-online.com

77

Naturstein

Fotos: Stefan Zoltan

Das Interior wird, neben Holz, von Naturstein geprägt.

Neben der finnischen Zirbensauna gibt es

Waschbecken und Duschen aus dem blaugrünen

Carat aus Kärnten, weil dies die ideale Ergänzung

zum eigenen kristallklaren Quellwasser darstellt.

Wegweiser auf Findlingen aus dem St. Urbaner

Diabas ergänzen das Gesamtbild. Das Design setzt

sich auch bei diversen Möbeln fort, etwa den Tischen

in der Lobby. Gelungen ist eine formschöne, nachhaltige

Symbiose von Naturmaterialien und dem entsprechenden

Anspruch der Betreiber und Gäste für

Seele und Geist.

Chalets AMUS in Südtirol

Region Pustertal, Rasen-Antholz

Bauherr: AMUS Chalets GmbH

Architektur:

Matthias Hofer, St. Jakob

www.matthiashofer.com

Martin Gruber, Brixen

www.gruber-partner.com

Fertigstellung: 2023

Natursteine: Blaugrüner Carat

Natursteinarbeiten:

KOGLER Naturstein, St. Urban

www.kogler-natursteinwerk.at


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78

Produkt News

Vectorpark

Trendpark

Kreative Verlegekunst

Bauwerk Parkett, die Schweizer Premiummarke für exklusive Parkettlösungen, erweitert

ihr Portfolio um zwei Produktlinien für innovative Raumgestaltungen. Mit

Vectorpark und der Sortimentserweiterung Trendpark reagiert das Unternehmen

auf die große Nachfrage nach architektonisch anspruchsvollen Bodenbelägen, die

gleichzeitig gestalterische Freiheit und technische Präzision bieten.

Speziell für die klassische Fischgratverlegung konzipiert,

bietet das innovative 2-Schicht-Parkett Vectorpark

zeitlose Ästhetik mit moderner Präzision und

Intelligenz. Die Dimensionen ermöglichen nicht nur

die klassische Fischgratverlegung im großen Stil,

sondern auch weitere kreative Verlegungen wie den

Parallelverband oder das Leitermuster. Die vollflächige

Verklebung sorgt für optimale Stabilität und

Energieeffizienz bei Fußbodenheizungen sowie für

eine angenehme Raumakustik. Ob urbane Loftwohnung,

repräsentativer Showroom oder trendige Bürolandschaft

– Vectorpark fügt sich harmonisch in unterschiedlichste

Raumszenarien ein und setzt dabei

prägnante gestalterische Akzente.

Trendpark wieder ist die größte, ungefaste Produktlinie

im Sortiment und überzeugt durch ihre Vielseitigkeit.

Die kompakte Landhausdiele lässt sich

flexibel in unterschiedlichen Raumkonzepten einsetzen

– von kleinen Wohnbereichen bis hin zu großzügigen

Interieurs. Die besonderen Qualitäten dieses

2-Schicht-Parketts entfalten sich in seinem dualen

Charakter: Die ungefaste Verarbeitung erzeugt eine

homogene, flächige Raumwirkung, während ein beeindruckendes

Spektrum an Farben, Strukturen und

Oberflächen dem Parkett eine ausdrucksstarke Note

verleiht. Das Update der erfolgreichen Kollektion

umfasst neue Farbvarianten wie «Eiche Avorio» und

lebhaftere Holzmaserungen. Trendpark ist in einer

Länge von 1.390 mm erhältlich und eignet sich für

die Verlegung in Räumen unterschiedlicher Größe

und architektonischer Gegebenheiten.

Bauwerk Group Österreich GmbH

T +43 (0)662 873 871 0

salzburg@bauwerk.com

www.bauwerk-parkett.com


www.architektur-online.com

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Produkt News

© Heidemarie Pleschko

Weniger Rahmen,

schönere Fenster

Schmale Fensterrahmen sorgen nicht nur für

ein ästhetisch ausgewogenes Erscheinungsbild,

sie fluten Räume mit Tageslicht, eröffnen weite

Ausblicke und ermöglichen mehr solaren Energiegewinn.

Mit außergewöhnlich schlanken Rahmen

über das gesamte Fenstersortiment setzt das österreichische

Familienunternehmen Josko aktuell

international neue Maßstäbe im Fensterdesign.

Das gesamte Sortiment von Josko wurde bereits mit

sieben Red Dot Awards und sechs German Design

Awards prämiert. Unter anderem zuletzt mit dem Red

Dot in der Kategorie „Sustainable Design“ für Platin,

dem beliebtesten Holz/Alu-Fenster in Österreich und

Deutschland. Platin ist außen rahmen- und glasbündig

und fügt sich in die heutzutage übliche, schlichte

Architektur moderner Einfamilienhäuser ein.

Zusätzlich zu den ästhetischen Zugewinnen durch die

besonders schlanken Rahmen setzt Josko auf 60 %

recyceltes Aluminium, 80 % recycelten Kunststoff

und auf 100 % Massivholz aus heimischer Forstwirtschaft.

Das eigentümergeführte Unternehmen stellt

damit unter Beweis, dass Design und Nachhaltigkeit

schön harmonieren.

Josko Fenster & Türen GmbH

T +43 (0)7763 2241-0

office@josko.at

www.josko.at


architektur FACHMAGAZIN

80

Produkt News

Fotos: Nikolay Kasakov

Modulare Raum-in-Raum Systeme

Mit CAS Rooms bietet Lindner ein modulares Raumsystem, das den Anforderungen

moderner Arbeitsumgebungen gerecht wird. Ob als ruhige Rückzugsorte für konzentriertes

Arbeiten, Meetingräume oder vielseitig nutzbare Arbeitsplätze – das

System bietet maßgeschneiderte Lösungen, die den vorhandenen Raum optimal

nutzen und gleichzeitig eine angenehme Arbeitsatmosphäre schaffen.

Hochwertige Textilien sorgen nicht nur für eine ansprechende

Optik, sondern unterstützen auch eine

bessere Akustik und tragen somit zu einem produktiven

Arbeitsumfeld bei. Zugleich sind die Elemente

dank der modularen Bauweise nicht nur einfach und

schnell zu montieren, sondern können in praktischen

200 mm Rastern von 1.000 x 1.200 mm bis hin zu

3.400 x 7.000 mm individuell angepasst und auch

wiederverwendet werden.

Für die Gestaltung stehen eine Vielzahl an Bauteilen

zur Verfügung, etwa Verglasungselemente und

Wandelemente aus hochwertigen Textilien oder mit

Echtholzfurnier. Auch Glastüren und Holztüren sind

in einer Vielzahl von Abmessungen erhältlich. Für die

textile Oberflächengestaltung stehen 11 Stoffkollektionen

in über 450 Farben zur Auswahl und autarke Belüftungssysteme

sowie dimmbare LED-Beleuchtung

sorgen zusätzlich für ein angenehmes Raumklima.

Lindner GmbH

T +43 (0)2252 86160-0

austria@lindner-group.com

www.lindner-group.com


www.architektur-online.com

Produkt News

Design in seiner reinsten Form

Mit Tondo erweitert Vimar seine erfolgreiche Serie Eikon Exé

um eine runde Formensprache, die zeitloses Design und architektonische

Präzision vereint. Tondo ist nicht nur ein stilvolles

Bedienelement, sondern auch ein durchdachtes System: Von

Schaltern über Steckdosen bis hin zu intelligenten Steuerungen

lässt sich alles nahtlos integrieren – ob klassisch, über

KNX oder in Kombination mit modernen IoT-Lösungen.

Die konsequente Modularität sorgt dabei für Planungsfreiheit

und Systemvielfalt – sowohl im Neubau als auch in der Sanierung.

Die Auswahl an edlen Oberflächen – von satiniertem Aluminium

über Glas bis hin zu Naturmaterialien – unterstreicht

den hohen gestalterischen Anspruch. Sondermaterialien wie

Stein sind auf Anfrage ebenfalls realisierbar und ermöglichen

eine exakte Abstimmung auf exklusive Innenraumkonzepte.

Vimar Austria GmbH

+43 (0)512 393950

officeat@vimar.com

www.vimar.com

DEKORATIVER

SCHALLSCHUTZ

CapAcoustic Nature -

Die nachhaltige Verbesserung

der Raumakustik aus Hanf für

die Wand- und Deckenmontage.

synthesa.at

THE POWER OF SURFACE.


architektur FACHMAGAZIN

82

Produkt News

Maßgeschneiderter Brandschutz

Mit dem Althan Quartier im Herzen Wiens wurde auf dem Areal des ehemaligen

Franz-Josefs-Bahnhofs ein zukunftsweisendes Stadtentwicklungsprojekt realisiert.

In dem Projekt, das den Bestand von sieben Geschossen mit einer dreigeschossigen

Aufstockung kombiniert, wurden maßgeschneiderten Brandschutzlösungen von

Peneder eingesetzt.

Seit Sommer 2023 begleiteten die Brandschutzexperten

das Projekt mit Detailplanung, technischer Beratung

und präziser Produktauswahl. Der Anspruch:

Brandschutz auf höchstem Niveau – funktional wie

gestalterisch, nahtlos integriert in die Architektur.

Türen in reduzierter Formensprache fügen sich

in das architektonische Konzept ein und erfüllen

Anforderungen an Brand-, Schall- und Einbruchschutz.

Ausgeführt in flächenbündigem Design mit

verdeckten Bändern und Türschließern, vereinen

sie Technik und Gestaltung. Die eingesetzten Modelle

decken Feuerwiderstandsklassen von EI30 bis

EI90 ab. Besonderes Augenmerk galt großformatigen

Schiebetoren – teils teleskopierend in EI90 bis

8,5 m Breite – mit Drehtürantrieben. Ergänzt wurde

das System durch Brandschutzrolltore und textile

Brandschutzvorhänge (EW90) bis 11,5 m Breite. Alle

Türen sind AKS-gekennzeichnet und rückverfolgbar.

Fluchttürsysteme mit connecdoor-Steuerung

sichern Evakuierungswege.

Peneder Bau-

Elemente GmbH

T +43 (0)50 5603 - 0

brandschutz@peneder.com

www.peneder.com


www.architektur-online.com

83

Produkt News

Zirkuläres Badvergnügen

Der Premium-Badhersteller Kaldewei hat sich als erster Anbieter

von Badewannen, Duschen und Waschtischen die renommierte

„Cradle to Cradle Certified® Silver“-Zertifizierung

gesichert. Rund 600 Produkte in der Farbe Alpinweiß tragen

nun dieses Qualitätssiegel, das für kreislauffähige, schadstofffreie

und nachhaltige Produktgestaltung steht.

Kaldewei unterstreicht damit seine führende Rolle im Bereich zukunftsfähiges

Bauen und nachhaltiges Design. Die zertifizierten

Produkte bestehen aus Stahl und Glas, sind plastikfrei und lassen

sich vollständig recyceln – ganz im Sinne der Circular Economy.

Bewertet werden dabei unter anderem Materialgesundheit,

Klimaschutz, soziale Fairness und Wassermanagement.

Die Initiative ist Teil der Kaldewei-Philosophie LUXSTAINABI-

LITY®, die exklusives Design mit ökologischer Verantwortung

verbindet. Mit der neuen Zertifizierung bietet Kaldewei nicht

nur langlebige und hochwertige Produkte, sondern auch Lösungen,

die sowohl Bauherren als auch Umwelt überzeugen.

COOL

BLEIBEN

UNTERM DACH

MIT

TRIFLEX

PROSOLAR.

Franz Kaldewei GmbH & Co. KG

T +49 (0)2382 785-0

info@kaldewei.de

www.kaldewei.de

Das Dachflächen Reflexions-Abdichtungssystem.

Durch den hellen Farbton des Systems wird der Reflexionsgrad

erhöht und die Oberflächentemperatur gesenkt. Die

Nutzung unter der Dachfläche wird optimiert. Auch

kann der Wirkungsgrad und die Effektivität montierter

Photovoltaikanlagen mit Triflex ProSolar gesteigert werden.

Ihre Vorteile:

• Sanierungsfreundlich

• Kurze Reaktionszeiten

• Wartungsfreundlich

• Return on Investment (ROI)

• Wärmeschutz

Projekte realisieren wir dabei immer gemeinsam mit Ihnen.

Das heißt für Sie: Gemeinsam gelöst.

www.triflex.at


architektur FACHMAGAZIN

84

Produkt News

© Markus Kaiser/Friedl Steinwerke

Musterhafte Platzgestaltung

Die Neugestaltung des Enkplatzes im 11. Wiener Gemeindebezirk, entworfen vom

Landschaftsarchitekturbüro idealice Landschaftsarchitektur ZT, steht ganz im

Zeichen einer nachhaltigen und lebensfreundlichen Stadtentwicklung.

Der Planung ging eine Bürgerbefragung

voraus und der neu gestaltete Platz begeistert

nun durch seine funktionale wie

ästhetische Aufwertung: Die Pflasterung

und 515 m 2 zusätzlicher Grünraum schaffen

entsiegelte, verdunstungsaktive Flächen,

die zur Regenwasserrückhaltung beitragen.

38 neu gepflanzte Bäume sorgen für

eine natürliche Beschattung der 70 neuen

Sitzgelegenheiten gemeinsam mit der weiteren

hitzeresistenten Bepflanzung, dem

Wasserspiel und den sechs Nebelstelen für

Kühlung an heißen Tagen.

Ein gestalterisches Highlight stellt das

Pflastermuster des Platzes dar, das direkt

vom Dach der angrenzenden Kirche

inspiriert wurde. Für die Umsetzung des

Kirchendachmusters wurden Betonpflastersteine

in den Formaten 30 x 30 x 12 cm

und 40 x 30 x 12 cm von Friedl Steinwerke

gewählt. Ein helles Grau bestimmt den

Grundton der Pflasterung, wodurch sich die

Fläche im Sommer nur wenig aufheizt.

Friedl Steinwerke GmbH

T +43 (0)2618 3208

weppersdorf@steinwerke.at

www.steinwerke.at

© Fürthner/MA 28


www.architektur-online.com

Ein zweites Leben

für Fassaden

Mit dem Capatect Injektionsverfahren stellt die

Synthesa Gruppe eine bahnbrechende Methode zur Sanierung

von Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS)

vor. Diese innovative Technik ermöglicht die Reparatur

und Stabilisierung bestehender WDVS, ohne dass ein

aufwendiger Rückbau erforderlich ist. Damit lassen sich

Arbeitszeit, Lohnkosten und Gerüststandzeiten minimieren,

zudem entfällt die kostenintensive Entsorgung

des alten Fassadendämmsystems, da dieses an Ort und

Stelle verbleiben kann. Insgesamt ergeben sich durch

die Anwendung des Capatect Injektionsverfahrens Einsparpotenziale

von bis zu 60 % pro Quadratmeter im

Vergleich zu einem Rück- und Neubau.

Das zum Patent angemeldete Injektionsverfahren –

bestehend aus dem Capatect Injektionsmörtel, der

Capatect Injektionslanze sowie dem Capatect Injektionsstopfen

182/3 – ermöglicht selbst bei erhöhten

Brandschutzanforderungen eine nachträgliche Ertüchtigung

der Klebekontaktfläche von Fassadendämmsystemen.

Ein weiteres Plus ist, dass sich durch die mögliche

energetische Ertüchtigung (sog. Aufdopplung) anstelle

eines kompletten Neubaus der CO 2 -Fußabdruck um bis

zu 40 % reduzieren lässt.

85

Synthesa Chemie Gesellschaft m. b. H.

T +43 (0)7262 560-0

office@synthesa.at

www.synthesa.at/injektionsverfahren

Produkt News

nicht-ohne-beton.at

WIE WOHNEN

WIR, OHNE

BETON?

EINE WELT OHNE BETON

IST EINE WELT OHNE

NACHHALTIGEN WOHNBAU.

Entdecken Sie, wie Beton

unsere Zukunft sichert!


architektur FACHMAGAZIN

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Produkt News

Spitzenleistung unter Extrembedingungen

Im Rahmen der umfassenden Sanierung der Bergstation der Dachstein Gletscherbahn

auf 2.700 Metern Höhe wurde ein innovatives Gesamtkonzept realisiert.

Unter dem Leitmotiv „Energiekristall“ erhielt das Gebäude bis 2024 eine energieeffiziente

Hülle aus 338 Photovoltaik-Modulen mit 633 m² Fläche – genug, um bis

zu 80 % des Eigenbedarfs zu decken.

Ein zentraler Baustein dieses nachhaltigen Architektur-

und Energiekonzepts ist das neue Lüftungssystem

von TROX. Zum Einsatz kommen zwei kombinierte

Zu- und Abluftgeräte der Serie X-CUBE sowie

drei Zonenteile, die mit einem Volumenstrom von je

13.900 m³/h Zuluft und 14.200 m³/h Abluft für optimale

Luftqualität im Restaurant sorgen. Die Geräte

zeichnen sich durch eine besonders hohe Energieeffizienz

und extreme Witterungsbeständigkeit aus – essenziell

in alpiner Umgebung.

Die Realisierung stellte nicht nur technisch, sondern

auch logistisch höchste Anforderungen. Um die Kom-

ponenten auf eine der höchstgelegenen Baustellen

Österreichs zu transportieren, wurde ein aufwendiges

Konzept aus Helikopter- und Seilbahnlogistik entwickelt.

Neben den X-CUBE-Geräten wurden Volumenstromregler,

Schalldämpfer und Schlitzauslässe präzise

und termingerecht angeliefert. Die Installation

zeigt beispielhaft, wie leistungsstarke Lüftungstechnik

auch unter extremen Bedingungen zur Umsetzung

ambitionierter Nachhaltigkeitsziele beitragen

kann – und macht die Bergstation am Dachstein zu

einem Leuchtturmprojekt moderner Gebäude- und

Klimatechnik im Hochgebirge.

TROX Austria GmbH

T +43 (0)1 25043-0

trox-at@troxgroup.com

www.trox.at


www.architektur-online.com

Sichere Terrassen- und

Fassadenentwässerung

Moderne Architektur verlangt nicht nur stilvolle Gestaltung,

sondern auch höchste Funktionalität – besonders

wenn es um den Schutz vor Feuchtigkeit

geht. Mit der neuen ACO Profiline 2.0 bringt ACO eine

weiterentwickelte Lösung auf den Markt, die Architekt*innen,

Planer*innen und Verarbeiter*innen bei

der sicheren Entwässerung von Dächern, Fassaden,

Balkonen und Terrassen besser unterstützt.

Gerade in besonders sensiblen Bereichen wie bei

bodentiefen Türen oder Fensterfronten darf keine

Feuchtigkeit ins Gebäude gelangen. Hier setzt die

Profiline 2.0 neue Maßstäbe: mit Rückstaureserven

für extreme Wetterereignisse, einer werkzeuglosen

Rostverriegelung für einfache Reinigung sowie begeh-

und rollstuhlbefahrbaren Rinnen. Erhältlich in

fixer oder höhenverstellbarer Bauhöhe, bietet das

System höchste Flexibilität für nahezu jede Einbausituation

– und das wahlweise in verzinktem Stahl

oder Edelstahl.

Verschiedene Rostdesigns sorgen für gestalterische

Freiheit, während integrierte Stichkanalanschlüsse

und Kiesleisten eine einfache Montage ermöglichen.

So werden nicht nur die Anforderungen der ÖNORM

B 3691 erfüllt, sondern auch ein langfristiger Schutz

vor Feuchtigkeit garantiert.

Als verlässlicher Partner begleitet ACO mit einem umfassenden

Beratungs- und Montageservice: von der

Auswahl passender Produkte bis zur fachgerechten

Installation durch erfahrene Entwässerungsprofis. Ob

Neubau oder Sanierung – mit der ACO Profiline 2.0 ist

jedes Bauprojekt bestens gerüstet.

87

ACO GmbH

T +43 (0)2252 22420-0

info@aco.at

www.aco.at

Produkt News

++

Effiziente

Wohnraumlüftung

Fritz Holter GmbH

T +43 (0)7242/483-0

www.holter.at

Die Anforderungen an moderne Wohnraumlüftung

sind hoch: Frische Luft, hohe Energieeffizienz und ein

angenehmes Raumklima sollen gewährleistet sein –

und das möglichst ohne aufwendige Installationen.

Genau hier setzen HOLTER und KL Lufttechnik mit

KL Airvolution an und bieten eine komfortable und

energieeffiziente Lüftungslösung mit Wärme- und

Feuchterückgewinnung. Das System wird direkt in

der Fassade montiert und lässt sich ganz ohne den

Einsatz großer Steigschächte oder komplexer Verrohrungssysteme

dezent in die Wohnräume integrieren.

Aktives Stoßlüften oder Querlüften durch die Bewohner

ist damit nicht mehr erforderlich – das System

übernimmt die automatische Steuerung und spart

dabei auch noch Heizenergie. Dies verbessert nicht

nur das Raumklima, sondern sorgt auch für eine kontrollierte

Feuchtigkeitsregulierung und verhindert

Schimmelbildung.


architektur FACHMAGAZIN

88

Produkt News

© Bauder I Agnes Mutschler

Das Dach als Statement

Wo früher eine Bootshütte am Mondsee war, entstand mit dem apollo Mondsee

ein visionäres Ensemble aus Gastronomie, Hotellerie und See-Erlebnis. Das offene

Konzept der Familie Hargassner verbindet zeitgenössische Architektur mit nachhaltiger

Nutzung – und setzt dabei auf ein multifunktionales Dachsystem von Bauder.

Auf über 2.000 m² Dachfläche kam ein perfekt abgestimmtes

Komplettsystem zum Einsatz: PU-Gefälledämmung,

Bitumenabdichtung Bauder K5K,

die durchdringungsfreie PV-Unterkonstruktion

BauderSOLAR F XL sowie das BauderSECUTEC-Seilsystem

für normgerechte Absturzsicherung.

Für Planer bietet Bauder damit eine hochqualitative,

praxisnahe Lösung, die sich einfach integrieren lässt

und in sich geschlossen funktioniert. Vom ersten Detailanschluss

bis zur Energiegewinnung. Das System

zahlt auf nachhaltige Architektur ein und schafft ein

sicheres, langlebiges Flachdach.

Bauder GesmbH

T +43 (0)7229 69130-0

info@bauder.at

www.bauder.at

© Lunami Gastronomie GmbH


www.architektur-online.com

89

Produkt News

Grünstrom

endlich am Netz

Am Dach der Baumit Palettierhalle in

Peggau wurden bereits 2023 rund 1.200

Photovoltaik-Zellen installiert, die mit einer

Modulfläche von rund 2.350 m 2 eine

Leistung von 510 kWp aufweisen. Plangemäß

hätte diese Anlage bereits 2024 rund

560.000 kWh Strom liefern sollen, doch

durch neue gesetzliche Vorgaben musste

für die bereits im Dezember 2023 technisch

fertiggestellte Anlage eine zusätzliche Datenleitung

verlegt und folgend die Freigabe

des Netzbetreibers abgewartet werden. Dadurch

ging die Anlage – zu wesentlich höheren

Kosten - ein Jahr später als geplant

ans Netz und deckt nun den Strombedarf

am Baumit Standort Peggau zu 25 Prozent

mit selbst erzeugtem Grünstrom.

Baumit GmbH

T +43 (0)501 888-0

www.baumit.com

Von rechts: Die beiden Baumit Geschäftsführer Manfred Tisch und Georg Bursik, Franz Knapp

(Werksleitung Peggau) und Gerhard Philipp (Umwelt- und Verfahrenstechnik) freuen sich über

Grünstrom für den Baumit Standort in Peggau und die jährliche Einsparung von rund 380 to CO 2 .

FEEL IT IN

THE AIR

DEZENTRALE

LÜFTUNGSLÖSUNGEN

Fassadensystemlüftung für

Neubau und Sanierung

Büros, Schulen und Kindergarten

Variable Gestaltungsmöglichkeiten

für perfekte Ästhetik

www.trox.at


architektur FACHMAGAZIN

90

Produkt News

© Bundesverband Gebäudegrün (BuGG)

Langes Leben fürs Gründach

Moderne mehrgeschossige Wohnbauten sind die effizientesten Gebäude unserer Zeit.

Immer öfter tragen sie als obersten Abschluss ein begrüntes Dach – und sorgen so für

Kühlung bei Sommerhitze, Wasserspeicher bei Starkregen und ein wertvolles Stück

Natur für Insekten und Vögel.

Ausgeführt als Umkehrdach liegt die Dämmung dabei

über der Abdichtungsschicht und kombiniert mit dem

sichersten Dämmstoff hat ein begrüntes Umkehrdach

viele Vorteile: XPS schützt die Abdichtung verlässlich

vor UV-Einstrahlung und Beanspruchung durch Frost-

Tau-Wechsel. Sie ist über das Jahr hinweg in einem

gleichmäßigen Temperaturbereich, gewährleistet die

Stabilität der Dachbahnen und verlängert signifikant

die Lebensdauer der Abdichtung und damit des ganzen

Aufbaus. Die Dämmschicht schützt außerdem vor

mechanischer Beschädigung, etwa durch Hagel oder

im Zuge von Handwerkerarbeiten. Jedes Dach muss

regelmäßig gewartet werden, umso mehr, wenn es Klimatechnik

oder PV-Anlagen trägt. Wird dabei einmal

die Bohrmaschine fallengelassen, ist das auf dem Umkehrdach

mit XPS kein Problem.

Die baurechtliche Lebensdauer eines Umkehrdachs

wird mit 50 Jahren bemessen. Die reale Lebensdauer

ist bei fachmännischem Aufbau jedoch deutlich höher:

Das XPS tut so lange seinen Dienst als Dämmstoff, wie

das Gebäude besteht.

ÖXPS – Österreichische Fachvereinigung

für Polystyrol-Extruderschaum

office@oexps.at

www.oexps.at

Vegetation

Substrat

Filtervlies

Dränage- und Wasserspeicher-Element

Trennlage/Rieselschutz (diffusionsoffen)

Mehrschichtiger Aufbau

Extensiv begrüntes Umkehrdach

© Bundesverband Gebäudegrün (BuGG)

XPS-Wärmedämmung

Wurzelfeste Dachabdichtung

Geeignete Unterkonstruktion


in Zusammenarbeit mit

www.architektur-online.com

Weißer Dachschutz

Triflex, der Spezialist für Flüssigkunststoff,

hat das vielfältige Abdichtungs- und Beschichtungssortiment

mit dem Produkt

Triflex ProSolar Finish+ erweitert. Die reflektierende

Beschichtung senkt effektiv die

Oberflächentemperatur von Dachflächen

und verbessert den Wirkungsgrad von Photovoltaikanlagen.

Das System basierend auf

Polymethylmethacrylat (PMMA) dient als

Unterstützung bei der energieeffizienten

und nachhaltigen Gebäudeplanung.

Triflex ProSolar Finish+ kann auf nahezu

allen Untergründen eingesetzt werden und

empfiehlt sich für Dachflächen von Privathäusern,

Gewerbegebäuden und Industrieanlagen.

Die flüssige Applikationsform

ermöglicht eine flexible Anpassung an gebäudespezifische

Gegebenheiten.

Im Vergleich zu üblichen Dachbahnen und

dunklen Oberflächen kann mit der Flüssigkunststoffbeschichtung

die Oberflächentemperatur

um bis zu 50 Prozent gesenkt

werden. Da das Dach nicht so stark aufgeheizt

wird, können die Innenraumtemperaturen

des Obergeschosses um bis zu 5 °C

gesenkt werden. Dies ist ein wesentlicher

Beitrag zum Energiemanagement eines Gebäudes.

Ein weiterer Vorteil durch die Wärmereduktion

ist die verlängerte zu erwartende

Lebensdauer des Dachaufbaus.

Triflex GesmbH

T +43 (0)7667 21505

info@triflex.at

www.triflex.at

91

Produkt News

BRANDSCHUTZ GRÜN DENKEN

Mit welchen Brandschutzmaßnahmen wird ein Gebäude nachhaltiger? Haben Systeme wie

Sprinkleranlagen eine bessere Ökobilanz als der bauliche Brandschutz? Und wie kommt bei all dem

die EU-Taxonomie-Verordnung ins Spiel? Wir haben für Planende und Investierende Betrachtungen

zu klima- und umweltverträglichem Brandschutz zusammengestellt:

· Studie + Round Table | „Mehr Sprinkler für den Klimaschutz?“

· Baulicher und anlagentechnischer Brandschutz im Ökobilanz-Vergleich

· Anlagentechnik als Baustein für taxonomiekonforme Immobilien

· Naturbaustoffe | Holz und Lehm aus Brandschutzsicht

· Analyse | Fassadenbegrünung, E-Mobilität, Photovoltaik, Dämmung

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hoyer-brandschutz.at/umwelt

Aus dem Inhalt

05/2023

MEHR SPRINKLER FÜR DEN

KLIMASCHUTZ?

Baulicher und anlagentechnischer Brandschutz

im Ökobilanz-Vergleich

Betrachtungen zu einer

klima- und umweltverträglichen Brandschutzplanung –

für Investierende und Planende im Bausektor

· Baulicher vs. anlagentechnischer Brandschutz: Emissionen, Ökobilanz, Kosten

· Brandschutz im Kontext von Klima, Ressourcen und wirtschaftlicher Resilienz

· Anlagentechnik als Baustein für taxonomiekonforme Immobilien

· Sprinkleranlagen: Quo vadis?

· Vorbehalte gegenüber Sprinkleranlagen aus Sicht des Fachplaners

· Die Wirksamkeit von Sprinkleranlagen im Fakten-Check

in Zusammenarbeit mit

HOYER Brandschutz GmbH

Ingenieurbüro für Brandschutzplanung · office@hoyer-brandschutz.at · www.hoyer-brandschutz.at


architektur FACHMAGAZIN

92

Produkt News

Bauen in über 2.000 Metern Höhe

In 2.315 m Höhe, ausschließlich per Gondel erreichbar, bietet das Berghotel Rudolfshütte

am Ufer des Weißsees seinen Gästen ein außergewöhnliches Urlaubserlebnis.

Die steigende Nachfrage erforderte einen architektonisch geschickt in die Landschaft

integrierten Erweiterungsbau, der ästhetisch ansprechend dem Gestaltungskonzept

des Hauptgebäudes Rechnung trägt und sich mit diesem gefällig in die angrenzende

Bergwelt einfügt.

Die bauliche Planung und Umsetzung erwies sich

aufgrund der exponierten Lage des Objekts als

komplex: Die hohen Windgeschwindigkeiten stellten

höchste Anforderungen an Dichtigkeit und Wärmedämmung.

Um zu gewährleisten, dass keine kalte Höhenluft

über die Gebäudehülle ins Innere eindringen

kann, erfolgte die Planung der Fenster und Türen mit

großer Sorgfalt. Die Wahl fiel dabei auf heroal Fenster-

und Türsysteme, die die hohen Anforderungen

an Energieeffizienz und Dichtigkeit auch bei Windgeschwindigkeiten

von über 180 km/h optimal erfüllen.

Zum Einsatz kamen das Fenstersystem heroal W 72

sowie das Türsystem heroal D 72. Die insgesamt 80

Elemente verfügen zum Teil über mehrere Glasfelder

und kombinieren auf diese Weise höchste Windbeständigkeit

mit Transparenz für helle Innenräume. Die

Farbwahl für die stranggepressten Aluminiumsysteme

fiel auf den Farbton RAL 9016 m Verkehrsweiß

auf der Innenseite des Gebäudes sowie die RAL-Farbe

6005 m Moosgrün auf der Außenseite.

heroal – Johann Henkenjohann GmbH & Co.

T +49 (0)5246 507-0

info@heroal.de

www.heroal.de


www.architektur-online.com

Produkt News

Gebaut aus 100 %

SCHROTT

Design trifft

Ressourcenschonung

Wer bei Neubau oder Sanierung auf moderne Beschattungslösungen

setzt, spart langfristig Energie, erhöht den Wohnkomfort

und investiert nachhaltig in die Zukunft. VALETTA

bietet mit seinen solarbetriebenen Systemen – vom Rollladen

bis zur ZIP-Beschattung – innovative und umweltfreundliche

Lösungen ohne Verkabelungsaufwand.

Dank hochwertiger Stoffe, wetterfester Oberflächen und

einer zertifizierten, nachhaltigen Produktion mit EPD-Nachweis

überzeugen die Sonnenschutzprodukte nicht nur ästhetisch,

sondern auch ökologisch. Die integrierten Solar-Module

sorgen für zwei zuverlässige Fahrzyklen pro Tag – ganz

ohne Strom aus der Steckdose. Durch clevere Systemintegration

lassen sich auch Insektenschutz und Smart-Home-Anwendungen

mitdenken – für maximalen Komfort und

funktionale Vielfalt.

VALETTA steht seit 1960 für kompromisslose Qualität „Made

in Austria“, durchdachtes Design und echte Nachhaltigkeit.

Alle Systeme sind auf lange Lebensdauer, einfache Montage

und zukunftsorientiertes Bauen ausgelegt.

VALETTA Sonnenschutztechnik GmbH

T +43 (0)732 38 80-0

office@valetta.at

www.valetta.at/wohnbau

++

Architekt: Hadi Teherani Architects

Echte Kreislaufwirtschaft

mit End-of-Life-Aluminium.

Die beim Innovationsbogen Augsburg

eingesetzten WICONA Fassadensysteme

stammen zu 100% aus recyceltem

End-of-Life-Aluminium – also Aluminiumschrott,

der seinen gesamten Lebenszyklus

bereits durchlaufen hat. Das hat

insgesamt 517 Tonnen CO 2

eingespart.

So geht echte Kreislaufwirtschaft!

© HGEsch Photography


architektur FACHMAGAZIN

94

Produkt News

Fotos: Mediashots

Ressourcenschonend in die Zukunft

Mitten in der Nürnberger Innenstadt entsteht derzeit ein Leuchtturmprojekt für zirkuläres

Bauen und nachhaltige Architektur: Der Evangelische Campus Nürnberg (ECN),

geplant vom Wiener Architekturbüro Franz & Sue, transformiert den früheren Verwaltungssitz

der Oberpostdirektion aus den 1970er-Jahren in eine moderne Bildungslandschaft.

Besonders im Fokus: die ressourcenschonende Revitalisierung des Bestands

und eine zukunftsweisende Fassadenlösung auf Basis recycelter Materialien.

Statt eines energieintensiven reinen Neubaus setzt

die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB)

als Bauherrin auf eine Kombination aus umfassender

Sanierung des bestehenden Komplexes und dem

Neubau ergänzender Erweiterungsbauten. So entsteht

ein zukunftsweisender Bildungscampus, der

nach Fertigstellung rund 2.000 Schüler:innen, Studierenden

und Lehrkräften eine neue Heimat bieten

wird. Günter Weissteiner, Geschäftsführer der ELKB,

betont: „Nach Ende der Sanierung werden wir im ECN

einen Energiebedarf von rund 64 Kilowattstunden

pro m 2 Fläche haben. Vormals waren es 195 Kilowattstunden.

Durch die konsequente Nutzung von grauer

Energie anstatt eines Neubaus sparen wir insgesamt

6.500 Tonnen CO 2 ein.“


www.architektur-online.com

95

Produkt News

Fassadensanierung als Kreislaufprozess

Ein zentrales Element dieser CO 2 -Reduktion bildet

die nachhaltige Erneuerung der Gebäudehülle. Die

alte Aluminium-/Glas-Fassade wurde vollständig

rückgebaut und recycelt. In enger Zusammenarbeit

von WICONA, Saint-Gobain Glass und der Heinrich

Würfel Metallbau GmbH wurde eine neue Fassadenlösung

entwickelt, die konsequent auf zirkuläre Wertschöpfung

setzt. Heinrich Würfel, Geschäftsführer

des ausführenden Metallbauunternehmens, erklärt:

„Wir haben den Rückbau der Bestandsfassade gleich

von Beginn in der Ausschreibung mit angeboten mit

dem Ziel, die ausgebauten Rohstoffe wieder in den

Wertstoffkreislauf zurückzuführen.“

Die Rückbauarbeiten erfolgten unter beengten Bedingungen

in der Innenstadt „just-in-time“. Die alten

Fassadenelemente wurden sortenrein getrennt und

anschließend in die Recyclingwerke überführt. Dort

entstanden neue Profile und Verglasungen, die im Sinne

der Kreislaufwirtschaft zu neuen Fassadenelementen

weiterverarbeitet wurden. Zum Einsatz kam dabei

Hydro CIRCAL 75R – eine Aluminiumlegierung mit

besonders geringem CO 2 -Fußabdruck. „Die Legierung

besteht zu mindestens 75 % aus recyceltem End-of-Life-Aluminium

und verfügt über einen CO 2 -Fußabdruck

von nur 1,9 kg CO 2 pro kg Aluminium“, erläutert Sebastian

Schäfer, Key Account Manager bei WICONA.

Mehr Komfort und Effizienz

Die neue Fassadenfläche des ECN umfasst rund

10.600 m². Verwendet wurden projektspezifisch

konzipierte Elementfassaden auf Basis des Systems

WICTEC EL sowie Pfosten-Riegel-Konstruktionen

der Serie WICTEC 50. Diese sorgen nicht nur für ein

einheitliches architektonisches Erscheinungsbild,

sondern tragen auch maßgeblich zur Verbesserung

des Raumklimas bei – insbesondere hinsichtlich Wärmeschutz,

Schallschutz und Sonnenschutz.

Hydro Building

Systems Austria GmbH

T +43 (0)6212 20000

info@wicona.at

www.wicona.at

FÜR EINE NACHHALTIG

GEBAUTE ZUKUNFT

Universalzement

CO 2

-reduziert

Universalzement für alle gängigen

empfohlenen Betonsorten.*

1509-CSC24-2024-U

* Das entspricht einer Reduktion bei einem Umstieg von CEM II/B auf CEM II/C von mehr als 20 kg CO 2

/m 3

bzw. von knapp 40 kg CO 2

/m 3 bei CEM I als Vergleichsbasis [bei jeweils 300 kg anr. Bindemittel/m³ Beton].

ECOPlanet ROT - CEM II/C-M(S-LL) ist seit 15. April 2025 für die folgenden Expositionsklassen

(Umweltklassen) zugelassen: X0, XC1, XC2, XC3, XC4, XW1, XW2, XD1, XD2, XD3, XF1, XF2, XF3, XF4, XA1L, XA2L.

Der Einsatz für die Herstellung von Beton der Kurzbezeichnungen B1 bis inklusive B12 ist damit möglich.

holcim.com


architektur FACHMAGAZIN

96

Produkt News

Schatten für die Stadt von morgen

Gerade bei der Entwicklung nachhaltiger Städte zeigt sich, dass die automatisierte

Außenbeschattung alternativlos ist. Sie ist klar im Vorteil gegenüber Klimaanlagen,

wenn es um die Nachhaltigkeit geht. Letztere verbrauchen nicht nur Energie,

sondern tragen durch die warme Abluft auch direkt zur Erwärmung des urbanen

Raumes bei. Zudem sind großflächige Verglasungen heute fester Bestandteil moderner

Architektur und machen effektiven Sonnenschutz unverzichtbar.

So auch im Munich Urban Colab, das Raum für innovative,

branchenübergreifende und interdisziplinäre Zusammenarbeit

bietet. Der erforderliche Sonnenschutz

für das Bürogebäude wurde mit Systemen von HEL-

LA realisiert: über 300 Raffstores und 50 Fassadenbeschattungsanlagen

zur Außenbeschattung sorgen

für optimale Lichtverhältnisse und ein angenehmes

Raumklima. Zur Ergänzung des außenliegenden Sonnenschutzes

wurden in den Innenräumen rund 390

Innenrollos und 20 Plissees installiert. Sie verbinden

Funktionalität mit ansprechendem Design und tragen

mit effektivem Blendschutz, flexibler Lichtregulierung

und verbesserter Raumakustik maßgeblich zu einem

angenehmen Arbeitsumfeld bei.

Gerade bei der Entwicklung nachhaltiger Städte zeigt

sich, dass die automatisierte Außenbeschattung alternativlos

ist. Mit ONYX.HOME für Privatkunden und

ONYX.PRO für größere Wohn- oder Bürokomplexe

stellt HELLA maßgeschneiderte Steuerungslösungen

für jeden Anwendungsfall zur Verfügung.

HELLA Sonnen- und

Wetterschutztechnik GmbH

T +43 (0)4846 6555-0

office@hella.info

www.hella.info


www.architektur-online.com

97

Produkt News

Smarte Netzmarkisen

gegen Sommerhitze

Die Hitzetage und Tropennächte in Österreich nehmen zu, was

auch die rund 250 Leistungssportler im Bundesschülerheim

Sankt Pölten zu spüren bekommen. Das Heim bietet Unterkunft,

Verpflegung und Betreuung unter einem Dach. Es umfasst zwei

Gebäude mit modernen Wohn- und Gemeinschaftsräumen sowie

zahlreichen Freizeiteinrichtungen. So modern das Gebäude

auch ist, während der Hitzeperioden kann die Kühlanlage auf

dem Dach, die über die automatische Wohnraumbelüftung läuft,

die Räume nicht ausreichend kühlen. Besonders in den oberen

Stockwerken waren bis zu 34 Grad Celsius keine Seltenheit. Um

dies zu verhindern, begann der Direktor des Bundesschülerheims

vor drei Jahren, Gespräche mit dem Bauherrn über einen verlässlichen

Sonnen- und Hitzeschutz zu führen, der die Innenräume

kühlen, Sichtschutz bieten, aber nicht komplett verdunkeln sollte.

Die Wahl fiel auf Netzmarkisen von FAKRO, die einfach und individuell

zu bedienen sind und ohne Fehleranfälligkeiten auf Knopfdruck

funktionieren. Insgesamt wurden 226 elektrisch betriebene

FAKRO VMZ Netzmarkisen installiert, die in ein Z-Wave-Netzwerk

eingebunden und über Fibaro Gateways im gesamten Gebäude

gesteuert werden.

FAKRO Dachflächenfenster GmbH

T +43 (0)2576 307 00-0

office@fakro.at

www.fakro.at

NATÜRLICH

SICHER

DÄMMEN

Vertrauen Sie dem Original

Unsere Glaswolle und MINERAL PLUS

Dämmstoffe mit dem natürlichen

ECOSE® Bindemittel setzen Maßstäbe

für gesundes Wohnen.

• Schadstofffreie Dämmung ohne

den Zusatz von Phenolharz,

Färbemitteln oder Boraten

• Effiziente Wärme- und

Schalldämmung

• Optimaler Brandschutz, weil

von Natur aus nicht brennbar

• Angenehme Verarbeitung von

Profis bestätigt

www.knauf.com


architektur FACHMAGAZIN

98

Produkt News

Isolierglas mit Weitblick

Am Nationalpark-Besucherzentrum „Brockenhaus“ auf dem Gipfel des 1.141 Meter

hohen Brockens (Harz) wurde die rund 25 Jahre alte Glasfassade saniert. Sie war

in der Dauerbeanspruchung des Bergwetters undicht und blind geworden und

präsentiert sich nun nach umfangreicher Sanierung wieder in voller Funktionalität

und Ästhetik.

Der Entwurf der ursprünglichen Fassade stammt

von Architekt Wolf Rüdiger Eisentraut. Nach seinen

Plänen erhielt jedes Glaselement eine eigene Form

mit individuellen Abmessungen – ohne rechte Winkel.

Das anspruchsvolle Aufmaß übernahm Henze

Glas aus Hörden. Anschließend fertigte und installierte

das Unternehmen rund einhundert maßgefertigte

Isoliergläser des Isolierglasspezialisten AGC

Interpane für die neue Glasfassade: auf der Innenseite

16,76 Millimeter starkes Verbundsicherheitsglas,

im Scheibenzwischenraum schwarze „Chromatech

Ultra 9004“-Abstandhalter und außen 12 Millimeter

dicke, vorgespannte Außenscheiben mit der

Sonnenschutzbeschichtung „Stopray Ultraselect

60/27“. Das hochselektive Coating (S = 2,19) lässt

viel Tageslicht ins Besucherzentrum, schützt mit einem

g-Wert von 27 Prozent vor sommerlicher Überhitzung

und ist mit einem Ug-Wert von 1,0 W/(m 2 K)

wärmedämmend. Mit seiner geringen Innenreflexion

optimiert es zudem die Aussicht der Besucher auf

die umliegende Landschaft.

Alle Basisgläser der Stopray-Familie sind mit dem

Nachhaltigkeitszertifikat „Cradle to Cradle“ in Bronze

ausgezeichnet und im Zuge der neuen CO 2 -reduzierten

Produktion der europäischen AGC-Gruppe auch

als „Low Carbon“ Varianten verfügbar – mit dazugehöriger

EPD.

Interpane Glas Industrie AG

T +49 (0)5273 809 0

info.interpane@agc.com

ww.agc-interpane.com

Fotos: Henze Glas


www.architektur-online.com

EPS-Rückholung

über ARA

Um EPS-Verschnitte oder -Reste im Sinne einer

Kreislaufwirtschaft wieder zu neuen Platten zu

verarbeiten, braucht es zuerst ein funktionierendes

Logistik-System, das die Rückholung der

Materialreste von den Baustellen sicherstellt.

Genau ein solches System wurde in den letzten

Jahren von der EPSolutely-Gruppe entwickelt –

mit einfachen Workflows, wiederverwendbaren

Recycling-Säcken und einer eigenen App.

Und mit der Altstoff Recycling Austria AG

(ARA) ist nun Österreichs treibende Kraft in

Sachen Kreislaufwirtschaft mit an Bord. Die

ARA pusht das EPS-Recycling nun einmal

mehr: Verbraucher*innen können weiterhin

ihre Styropor-Abfälle direkt zum Recyclinghof

bringen. Dort werden sie nun von den Steinbacher

LKWs abgeholt, ins Werk nach Erpfendorf

gebracht, gereinigt, geschreddert und zu

neuen Styroporplatten verarbeitet, sprich: in

den Kreislauf zurückgeführt. Ziel ist es, die Abholung

auf ganz Tirol sowie die benachbarten

Bundesländer zu erweitern.

99

Steinbacher Dämmstoff GmbH

T +43 (0)5352 700-0

office@steinbacher.at

www.steinbacher.at

Produkt News

Gute Ideen

für Leichtbeton

Betont leicht.

Ideal als Ausgangsstoff

im Leichtbeton.

Informationen

direkt anfordern:

Telefon 03155-23 68-0

oder unter

www.liapor.at

Projektinformationen

jetzt anfordern!

für gute Ideen

Lias Österreich GesmbH. • A-8350 Fehring • Tel. ++43 (0) 3155 -23 68-0 • Fax ++43 (0) 3155 - 23 68-20 • www.liapor.at • info@liapor.at


architektur FACHMAGAZIN

100

Produkt News

Fotos: Viet Duc Nguyen / Atelier ST

Wärmeversorgung im

bunten Fassadenkleid

Statt eines ehemaligen Kohlekraftwerks beherbergt das neue Heizkraftwerk Süd

in Leipzig zwei hocheffiziente Gasturbinen, setzt auf Wasserstofftechnologie und

wird künftig um Solarthermie und Anbindung an das Fernwärmenetz erweitert.

Baulich orientierten sich die Planer von Atelier ST bei

diesem Vorzeigprojekt am denkmalgeschützten Bestand

auf dem Gelände sowie der kleinteiligen urbanen

Nachbarbebauung. Das Ergebnis: Ein Farb- und

Fassadenspiel aus Klinker und Keramik der beiden

Spezialisten von GIMA und MOEDING, das der Typologie

Kraftwerk ein ganz neues Gesicht verleiht. Am

Sockel wurde ein Klinker-Sonderformat von GIMA

in den Maßen 252 x 122 x 69 Millimeter eingesetzt,

das dem vorhandenen Steinformat der Bestandsbe-

bauung nachempfunden ist. Die Klinker mit den drei

neu geschaffenen Farbtypen Lamone bunt, Econi und

Umbra sind größtenteils unglasiert verbaut, wobei

einzelne Binder aus grün glasierten Klinkern eingestreut

sind. Bei der Gestaltung der Außenflächen orientierten

sich die Planer am Farbspiel der Fassaden.

Sie entschieden sich für den GIMA Pflasterklinker

Toskana im Format 240 x 118 x 71 mm. Er bildet durch

seine bunte Vielfalt von gelb bis rot das Farbspiel der

Gebäude im Kleinformat optimal nach.

GIMA Girnghuber GmbH

T +49 (0)8732 24-0

info@gima-ziegel.de

www.gima-ziegel.de

Moeding

Keramikfassaden GmbH

T +49 (0)8732 2460-0

info@moeding.de

www.moeding.de


www.architektur-online.com

Produkt News

Herausforderungen

der Zukunft

Saint-Gobain Austria, bekannt durch Marken wie ISOVER,

RIGIPS und WEBER Terranova, hat Verantwortung übernommen

und spart jährlich rund 110 Tonnen CO 2 ein. Etwa am

Standort im 23. Wiener Gemeindebezirk, wo innovative Farben,

Spachtelmassen und Fassadenprodukte produziert werden –

seit Kurzem CO 2 -neutral. Zur Erlangung der CO 2 -Neutralität

hat das Unternehmen dafür an vielen Stellschrauben gedreht,

z. B. Produktion, Lager und Bürogebäude auf Grünstrom bzw.

Wärmepumpe umgestellt, E-Mobilität forciert sowie auf Gebinde

aus Recyclingmaterial umgestellt. Im Zuge der Investitionen

wurde zudem der Mischturm um eine dritte Linie erweitert.

So können innovative Lightweight-Spachtelmassen

vollautomatisch produziert werden – und wiederverwendetes

Reinigungswasser senkt den Wasserverbrauch.

Saint-Gobain Austria GmbH

WEBER Terrranova

T +43 (0)1 661500

www.weber-terranova.at

HIGH-END-SONNENSCHUTZGLÄSER

FÜR JEDE ARCHITEKTONISCHE ANFORDERUNG

Zeitgemäße Glasarchitektur braucht technische Spitzenwerte und

wirkungsvollen Ressourcen- und Klimaschutz: Stopray und ipasol

Sonnenschutzgläser von AGC INTERPANE sind technisch und ästhetisch

State of the Art und erfüllen mit eigenen EPD (Environmental

Product Declaration) alle Ansprüche für die bestmögliche Umweltzertifizierung

Ihrer Gebäude nach DGNB, LEED, BREEAM oder WELL.

Unsere Sonnenschutzgläser sind „Cradle to Cradle“-zertifiziert und

im Zuge der CO 2

-reduzierten Produktion auch als „Low Carbon“

Varianten verfügbar.

■ Beschichtete Bandmaße zur Weiterverarbeitung bis 19,5 Meter

■ Festmaße inkl. Übergrößen und Isolierglasbau sowie Beschichtungen

auf Siebdruck

■ T-Coatings, optisch identische, vorspannbare T-Schichten

Alles aus einer Hand, inkl. unserer erfahrenen Projekt- und

Anwendungsberatung − die entscheidenden Vorteile für Ihr Projekt.

Ihr Ansprechpartner: Steffen Kittler

Mobil: +49 163 809 0833 - E-Mail: steffen.kittler@agc.com

www.agc-interpane.com


architektur FACHMAGAZIN

102

Produkt News

Am Knauf Standort in Ferndorf

entsteht die erste Recyclinganlage für

Mineralwolle in Österreich.

Ein Beitrag zur Klimawende

Für eine effiziente Dämmung, insbesondere bei der Sanierung von Gebäuden, sind

Glas- und Steinwolle unverzichtbare Materialien. Knauf Insulation, einer der weltweit

führenden Hersteller von Dämmlösungen, arbeitet kontinuierlich daran, die

ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit seiner Produkte zu verbessern.

Trotz der CO 2 -Emissionen, die bei Herstellung, Verpackung und Transport entstehen,

ist die CO 2 -Bilanz der Mineralwolle des Herstellers dank ihrer hervorragenden

Dämmleistung bereits nach 95 Tagen positiv.

Nun plant das Unternehmen eine zukunftsweisende

Lösung für das Deponieverbot von Mineralwolle,

das ab 2027 in Österreich gilt, und wird dafür

am Standort Ferndorf, Kärnten, den Bau der ersten

Recyclinganlage für Mineralwolle in Österreich mit

einem Investitionsvolumen von 30 Millionen Euro

umsetzen. Erstmals wird es möglich sein, alle Arten

von Mineralwolle, einschließlich jener aus Rückbauund

Sanierungsprojekten, unabhängig vom Hersteller

aufzubereiten und in den Produktionskreislauf

zurückzuführen. Die geplante Anlage in Ferndorf ergänzt

das bereits bestehende Rücknahmesystem RE-

SULATION, das Kunden eine einfache Rückgabe von

Dämmstoffresten direkt von der Baustelle ermöglicht.

Über den Webshop mineralwolle-recycling.com,

der in Zusammenarbeit mit ABCO Abfallconsulting

eingerichtet wurde, können Baustellenabfälle sortenrein

gesammelt und entweder zu Sammelstellen

gebracht oder direkt abgeholt werden. Künftig wird

dieses Material in Österreich aufbereitet und wiederverwendet.

Knauf Insulation GmbH

T +43 (0)4257 / 3370-0

Info.at@knaufinsulation.com

www.knaufinsulation.at


www.architektur-online.com

103

Produkt News

Effizientes Kübel-Recycling

Seit einem Jahr beweist Brillux mit seinem Recyclingprojekt,

dass nachhaltiges Handeln im Handwerk

nicht kompliziert sein muss. Über 300 Tonnen leere

Gebinde wurden im Rahmen des „Brillux Kreislaufs“

gesammelt und recycelt – ein deutliches Zeichen für

die Akzeptanz des Angebots. Der kostenfreie Service,

der sowohl auf Baustellen als auch über die mehr als

190 Brillux-Niederlassungen verfügbar ist, reduziert

nicht nur den Entsorgungsaufwand für Betriebe, sondern

ermöglicht ein sortenreines Recycling.

Die Rückführung der Kübel erfolgt unkompliziert

über rund 2.000 ausgegebene Recyclingboxen oder

durch direkte Abgabe. Das so gewonnene Rezyklat

fließt in die Herstellung neuer Behälter – etwa für

das umweltfreundliche Vita-Sortiment, das bereits

zu 100 Prozent aus recyceltem Material besteht. Was

als deutsches Pilotprojekt startete, wird nun international

ausgerollt: Nach Österreich ist der Service seit

April auch in den Niederlanden verfügbar.

Brillux Farben GmbH

T +43 (0)732 370740-0

info@brillux.at

www.brillux.at


architektur FACHMAGAZIN

104

Produkt News

Design und Umwelt im Einklang

Beton ist das Rückgrat unserer gebauten Umwelt – von Wohnbauten über Infrastrukturanlagen

bis hin zu erneuerbaren Energieprojekten. Seine bewährte Vielseitigkeit,

Langlebigkeit und Formbarkeit machen ihn für Architekten und Planer

seit langem unverzichtbar. Eine der größten Herausforderungen aus ökologischer

Sicht ist es, diese hervorragenden Eigenschaften mit den aktuellen Anforderungen

an Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung in Einklang zu bringen.

Wopfinger Transportbeton hat mit der ausgezeichneten

Produktlinie ÖKOBETON ein innovatives Produktportfolio

entwickelt, welches neben dem Einsatz

von Recyclingmaterialien auch den Aspekt der

CO 2 -Reduktion abdeckt. Je nach Anwendung sind

ÖKOBETONE mit bis zu 80 % Recyclinganteilen und/

oder mehr als 50 % CO 2 -Reduktion verfügbar, ohne

Kompromisse bei Qualität und Gestaltungsfreiheit.

Die breite Produktpalette deckt unterschiedlichste

Anforderungen ab und eröffnet gleichzeitig neue

gestalterische Möglichkeiten, beispielsweise durch

besonderes Hervorheben von Recyclinganteilen bei

geschliffenen Sichtbetonoberflächen.

Durch Herstellung und Auslieferung aus CSC-zertifizierten

Betonwerken wird dabei das Erreichen von

Gebäudezertifizierungen wie z.B. ÖGNI signifikant

unterstützt – ein klarer Pluspunkt bei der Projektvermarktung

und der Wertsteigerung von Immobilien.

Darüber hinaus kann der Einsatz von ÖKOBETON

auch bei der Erlangung von Förderungen hilfreich

sein. Wopfinger Transportbeton erleichtert durch

spezifische Ausschreibungstexte (ABK) die Planungs-

und Ausschreibungsprozesse.

Allen Planenden bietet Wopfinger auch im Rahmen

individueller Workshops an, sich einen Wissensvorsprung

im Bereich nachhaltiger Betone zu verschaffen.

Wopfinger Transportbeton Ges.m.b.H.

T +43 (0)2253 65 51 - 0

office@wopfinger.com

www.wopfinger.com


www.architektur-online.com

Zukunftssicher

planen

Der Planungsalltag wird unbestreitbar komplexer

und damit wächst die Herausforderung,

die Prozesse und Daten effizient im Planungsalltag

zu integrieren. Automatisierung

und Modellintelligenz spielen dabei nun eine

Schlüsselrolle, um in Zukunft wettbewerbsfähig

zu bleiben. Denn die steigenden Planungsanforderungen

lassen sich wirtschaftlich sinnvoll

nur durch digitale Planungswerkzeuge

mit unterstützenden Workflows bewältigen.

Ein Paradebeispiel für eine solche Lösung

kommt aus Österreich: Die Planungssoftware

ELITECAD Architecture integriert z.B. die für

den DPP erforderlichen Umweltproduktdeklarationen

(EPDs) weitgehend automatisch

schon während des Entwurfs ins digitale

Modell und erstellt Gebäuderessourcenpässe

sowie GWP-Vergleiche auf Knopfdruck

– ohne zusätzlichen Aufwand für den Planenden.

Anders als die meisten Softwareanbieter

setzt ELITECAD weiterhin auf Wahlfreiheit

zwischen Kauf- und Mietlösung statt des

wachsenden Abo-Zwangs. Damit behalten

Planungsbüros ihre Daten, Budgets und Updatezyklen

selbst in der Hand.

Alle Details zur aktuellen Version 17 von

ELITECAD Architecture sowie die Möglichkeit,

die Software 30 Tage lang kostenlos

und unverbindlich zu testen, gibt es unter

www.elitecad.eu/architecture-17.

XEOMETRIC GmbH

office@xeometric.com

www.elitecad.eu

105

Produkt News

Freiheit in der Architektur

Das schlanke Verbund tragwerk von Peikko

DELTABEAM®

Verbundträger

ATLANT® Strong

Verbundstütze

www.peikko.at/atlant


architektur FACHMAGAZIN

106

edv

Aufmaß-Apps

3D-Scanner für die Hosentasche

3D-Aufmaß-Apps erfassen Räume oder Objekte schnell und für viele Einsatzbereiche

hinreichend genau. Die Mess- und Fotodaten können anschließend

für Machbarkeits-Studien, Präsentationen oder Angebote verwendet

werden. Worauf sollte man achten?

Text: Marian Behaneck

Auf Smartphones und Tablets oder speziellen

360-Grad-Panoramakameras basierende

3D-Aufmaß-Apps können Räume

oder Objekte dreidimensional erfassen.

In Verbindung mit entsprechenden Apps

lassen sich damit aktuelle iOS- oder Android-Mobilgeräte

quasi in einen 3D-Scanner

verwandeln – ohne in teure Messtechnik

investieren zu müssen. Die erzielbaren

Genauigkeiten liegen, je nach Objektgröße

und -abstand, im Zentimeter-, teilweise sogar

im Millimeterbereich, was eine schnelle

Erfassung der Umgebung, beispielsweise

für Präsentationen, Angebote oder Abrechnungen,

für Baufortschrittskontrollen oder

Soll-/Ist-Abgleiche ermöglicht. Für eine

präzise Werk- oder Detailplanung sind die

Apps allerdings nur bedingt geeignet.

Scanner- oder Foto-App?

3D-Aufmaß-Apps verwenden zwei unterschiedliche

Messverfahren: Während Mac

iOS-Apps meist auf der so genannten

LiDAR-Messtechnologie aufsetzen, die in

Apple iPhones ab der 12. Generation und

Apple iPads ab der 2. Generation eingebaut

ist, verwenden Android-Apps meist

Fotogrammetrie-Messverfahren. Beim

LiDAR-Scan (Light Detection And Ranging,

siehe auch Infokasten) erhält man ein mit

Fotodaten überlagertes 3D-Punktwolkenmodell,

das anschließend für die CAD-Planung

verwendet werden kann. Fotogrammetrie-Apps

scannen Objekte nicht, sie

nutzen stattdessen ausschließlich Fotos

für die 3D-Auswertung. Dabei erfasst entweder

eine auf einem Stativ montierte

360-Grad-Panoramakamera das Umfeld

oder das Messobjekt wird mit dem Smartphone

oder Tablet umrundet. Die Kamera

erfasst das Objekt fotografisch und berechnet

daraus über einen Clouddienst die

3D-Daten. Zur Ergebnisoptimierung kann

Mit 3D-Aufmaß-Apps lassen sich Räume und andere Objekte schnell, einfach, kostengünstig

und relativ präzise dreidimensional erfassen. © Trimble

man bei den LiDAR-Apps vorher festlegen,

ob es sich um ein einzelnes Objekt, einen

Raum oder einen Außenbereich handelt. Bei

der Raumerfassung werden dann beispielsweise

Böden, Wände und Raumecken automatisch

erkannt. Ein Kamera-Stick kann bei

der Erfassung schwer erreichbarer Stellen

über Kopf oder für Untersichten gute Dienste

leisten. Die Erfassungsdaten lassen sich

anschließend in der Cloud in eine Punktwolke

umwandeln, bearbeiten, zuschneiden

und in ein gewünschtes CAD-Datenformat

exportieren, beispielsweise SKP (Sketch-

Up) oder DXF – und damit in beliebige

CAD-Programme importieren. Dort können

die Messddaten weiterbearbeitet und

in CAD- oder BIM-Modelle umgewandelt

werden. Teilweise können die Aufmaßdaten

mit Informationen ergänzt werden – etwa

mit Kommentaren zu Objektdetails oder zur

Montage. So lassen sie sich beispielsweise

für die Baustellen- und Montageeinweisung

für ausführende Firmen nutzen. Werden sie

online gestellt, kann man sie mit Projektbeteiligten

teilen.

Was bietet der Markt?

Die LiDAR-Technologie hat einen regelrechten

Boom bei der Entwicklung spezieller

Aufmaß-Apps ausgelöst (siehe Infokasten).

Neben den bekannteren wie

Canvas, Polycam oder SiteScape gibt es

inzwischen zahlreiche weitere Lösungen.

Panoramakamera-Apps generieren aus den


www.architektur-online.com

107

edv

aufgenommenen Fotos 360-Grad-Fotopanoramen

mit Messfunktion, 2D-Grundrisse

und nur teilweise auch 3D-Modelle (z.B.

TwinCapture). 3D-Aufmaß-Apps sind in

der Basisversion oder für einen begrenzten

Zeitraum kostenfrei und in den weiteren,

nach Leistungsumfang gestaffelten

Versionen als Abo für etwa 6 bis 35 Euro

pro Monat erhältlich. Die Fotogrammetrieaufmaß-App

„3D-Scan“ vom deutschen

Anbieter Immersight kann beispielsweise

aus den Fotodaten einer 360-Grad-Kamera

Panoramafotos für die Baustellendokumentation,

3D-Begehung oder virtuelle Präsentationen

sowie BIM-Modelle generieren und

im IFC-Datenformat exportieren. Dazu verbindet

sich die App per WiFi mit der Kamera,

die 3D-Erfassung und Vermessung der

Räume erfolgt nach Upload in der Cloud

(www.immersight.com). Die „Canvas“-App

generiert aus LiDAR-Scans CAD/BIM-Modelle,

Messberichte oder 2D-Grundrisse in

nativen Datenformaten wie Revit/Autocad,

SketchUp, Archicad oder Vectorworks.

Die App nutzt KI-, respektive Computer

Vision-Technologien, um exakte digitale

3D-Zwillinge der Messobjekte zu erstellen.

Die „Metaroom Scan App“ vom österreichischen

Unternehmen Amrax kann mehrere

Räume, Stockwerke oder ganze Gebäude

per LiDAR-fähigem iPhone oder iPad erfassen

und daraus 2D-Pläne und 3D-Modelle

in diversen Formaten wie OBJ, STL, DXF

oder IFC erstellen. Die App erkennt automatisch

Möbel, Fenster, Türen und andere

Raumelemente. (www.amrax.ai). Die App

„Pix4Dcatch“ vom Schweizer Unternehmen

Pix4D nutzt die LiDAR-Scanner von Apple -

-Geräten oder von anderen Smartphones

die Kamera und den Beschleunigungssensor,

um 3D-Daten zu erfassen. Die App

nimmt dabei Bilder und Punktwolken auf

und verarbeitet sie in der Cloud zu einem

3D-Modell. Darin können dann Messungen

durchgeführt und die Ergebnisse ausgewertet

werden (www.pix4d.com). „Polycam“

ist eine LiDAR- und Fotogrammetrie-basierte

3D-Aufmaß-App für iPhone und iPad,

mit der einzelne Raumscans zu kompletten

3D-Gebäudemodellen zusammengestellt,

bearbeitet und in vielen Dateiformaten wie

OBJ, FBX, STL, XYZ oder DXF für die Weiterbearbeitung

exportiert werden können.

Über die Plattform „Polycam Web“ können

die Aufnahmen mit anderen geteilt werden.

„SiteScape“ von Faro für LiDAR 3D-Scans

auf iOS-Mobilgeräten erfasst 3D-Scans

von Gebäuden und Räumen in Echtzeit

und wandelt sie in CAD- oder BIM-Modelle

um. Im Modell können Messungen vorgenommen,

Kommentare hinzugefügt und

Mit den entsprechenden Apps werden

LiDAR-fähige Smartphones oder Tablets

quasi zum mobilen 3D-Scanner. © Amrax

die Modelle mit Teammitgliedern geteilt

oder in verschiedenen Formaten für die

Verwendung in 3D-Modellierungssoftware

exportiert werden. „TwinCapture“ generiert

aus 360-Grad-Kameradaten sowohl ein

detailliertes 3D-Modell als auch immersive

Rundum-Panoramen, etwa für die Baustelleneinweisung.

Die auf einem Stick oder

Helm montierte Kamera erfasst auch den

Baustellenfortschritt oder Montagefehler.

Wie wird erfasst und

weiterbearbeitet?

3D-Aufmaß-Apps setzen etwas Übung voraus.

So sind, wie bei einer Videoaufnahme,

langsame, gleichförmige und möglichst

ruckfreie Bewegungen erforderlich, damit

der Erfassungsvorgang korrekt ausgeführt

wird. Welche Bereiche vollständig erfasst

sind und welche noch oder erneut erfasst

werden müssen, wird im Display farblich

angezeigt. Als Ergebnis erhält man eine aus

vielen Millionen Messpunkten bestehende

Punktwolkendatei, respektive eine aus

miteinander verbundenen Polygonflächen

bestehende Polygonnetzdatei, auch „Mesh“

genannt. Diese kann anschließend als OBJ,

PLY, XYZ und in weiteren Dateiformaten wie

DXF exportiert werden. Die Erfassungsdauer

ist relativ kurz, so dass man inklusive der

Daten-Nachbearbeitung in wenigen Minuten

beispielsweise einen Raum, eine Treppe

oder einen Gebäudeteil vollständig digital

erfassen kann. Der tatsächliche, individuelle

Aufwand hängt allerdings davon ab, welche

Ergebnisse man braucht: eine 3D-Objekterfassung

für Baufortschrittdokumentationen,

zweidimensionale Grundrisse, Ansichten

oder Schnitte, CAD-Volumenmodelle oder

BIM-Datenmodelle. Letzteres erfordert manuelle

Konstruktionsarbeit, die mehrere

Stunden in Anspruch nehmen kann und viel

Erfahrung bei der Auswertung von 3D-Scandaten,

respektive Fotodaten erfordert. u

Als Ergebnis eines LiDAR-Scans erhält man eine

Polygonnetzdatei des Raums oder Messobjekts, …

© Site Scape, Faro

… die auch zu einem Geschoss zusammengefügt,

anschließend exportiert … © Trimble

… und in einem CAD-Programm ausgewertet und

weiterbearbeitet werden kann. © Trimble


architektur FACHMAGAZIN

108

edv

Herausforderungen und Grenzen

3D-Aufmaß-Apps haben auch Schwächen.

Wähend LiDAR auch bei schwachem Umgebungslicht

funktioniert, aber Probleme

mit spiegelnden Oberflächen wie Fensterscheiben

oder direktem Sonnenlichteinfall

hat, können Fotogrammetrie-Apps

nur bei optimalen Lichtverhältnissen gute

Ergebnisse liefern. Eine intensive Nutzung

des LiDAR-Sensors kann Mobilgeräte-Akkus

schnell „leersaugen“. Man sollte auch

sicherstellen, dass man beim Smartphone-Aufmaß

nicht von Anrufen abgelenkt

wird. Neben den systembedingten Einschränkungen

gibt es auch Grenzen beim

Einsatz. So sind präzise Aufmaße für die

Werk- und Detailplanung, Fertigung oder

Montage nur bedingt möglich. Bei Projekten

oder in Bereichen, bei denen es auf den

Millimeter ankommt, sollten die Messungen

stets mit einem präziseren tachymetrischen

Aufmaßsystem oder einem terrestrischen

3D-Laserscanner (architektur 2/2018: Gebäudebestand

BIM-konform erfassen)

überprüft werden. Bei sensiblen Objekten

sollte man bedenken, dass die Erfassungsdaten

online verarbeitet und gespeichert

werden. Da die meisten Anbieter ihren Firmensitz

in den USA haben, ist der Support

manchmal etwas umständlich und nicht immer

zuverlässig. Zudem müssen sich viele

der meist sehr jungen Unternehmen erst

noch am Markt behaupten.

Fotogrammetrie-Lösungen generieren aus den erfassten Fotodaten 360-Grad-Fotopanoramen

mit einer Messfunktion für Längen oder Flächen … © Immersight

… oder 2D-Grundrisse und teilweise auch 3D-Modelle. © Sensopia

LiDAR oder Fotogrammetrie?

3D-Aufmaß-Apps verwenden zwei unterschiedliche Messverfahren: LiDAR-Sensoren

(Light Detection And Ranging) senden Lichtimpulse (meist Laser) auf ein Objekt und

nutzen die Laufzeit für Entfernungsmessungen. LiDAR misst das Umfeld aktiv und kann

auch im Dunkeln messen. Dagegen nutzen Fotogrammetrie-Apps das Umgebungslicht

und funktionieren nur bei ausreichenden Lichtverhältnissen. Die mit einem Smartphone/Tablet

oder einer speziellen 360-Grad-Kamera aufgenommenen, sich überlappenden

Objekt-Fotos werden von einer Fotogrammetrie-Cloudsoftware verarbeitet, die daraus

ein 3D-Modell berechnet. Einige 3D-Aufmaß-Apps verwenden beide Verfahren parallel,

weil sie sich in der Genauigkeit, Schnelligkeit und Oberflächen-Erfassung ergänzen.

Produkte und Anbieter (Auswahl)

LiDAR-Apps: 3d Scanner App (www.laan.com), Canvas (www.canvas.io), LiDAR Scan (www.

kiriengine.app), Metaroom Scan App (www.amrax.ai), PIX4Dcatch (www.pix4d.com),

PolyCam (https://poly.cam), RoomPlan (https://roomplanapp.com), RoomScan Pro LiDAR

(www.locometric.com), SiteScape (www.sitescape.ai)

Fotogrammetrie-Apps: 3D-Scan (www.immersight.com), MagicPlan (www.magicplan.app),

Matterport (www.matterport.com), Photo Scan (www.kiriengine.app), TwinCapture

(www.cupix.com)

Weitere Infos (Auswahl)

www.3dnatives.com/de

www.3dmag.com

https://handwerkdigital.de/Vermessung


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