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Lust-auf-Italien_4_2025_Leseprobe

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Lust auf Italien

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MAILAND

Malcesine

Geschichte, Kunst,

Shopping & Genuss

Dom, Künstlerviertel,

Flanier- und Einkaufstrassen,

kulinarische Spezialitäten.

Wir zeigen Ihnen

die Highlights.

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4 2025

Inhalt

Mailand

Gardasee

Südtirol

40 Mailand - Städtetrip

6 Gardasee 14 Garda 30 Thermen Gardasee

62 Südtirol-Erholung 68 Nachhaltigkeit 70 Sprachengeflüster

76 Filzkunstweg

80 HüttenGlück 88 Südtiroler Winzer

90 Meraner Höhenweg

86 Rebenland

Service

60 Einzelhefte bestellen

86 Jahresabo

98 Impressum

LUST AUF ITALIEN 4/2025

5


GARDASSE

Gardasee

Drei Seelen – ein Herz

Der Gardasee entstand in

der Eiszeit aus mächtigen

Gletschern und verbindet

heute alpine Landschaft mit

mediterranem Flair.

Im Bild: Malcesine

6 LUST AUF ITALIEN 4/2025


DREI REGIONEN

Der Gardasee ist seit Generationen

ein Lieblingsurlaubsziel – ein Ort,

an dem Berge auf mediterranes Flair

treffen. Malerische Orte, kulinarische

Vielfalt und die Mischung aus Kultur,

Natur und Dolce Vita machen den

See zu einem der faszinierendsten

Reiseziele Italiens.

Der Gardasee, im Herzen Norditaliens,

ist ein Ort, an dem sich nicht nur unterschiedliche

Landschaften, sondern auch

verschiedene Kulturen seit Jahrhunderten

begegnen. Er bildet eine natürliche Grenze

zwischen Alpen und Po-Ebene, zwischen

dem rauen Norden und dem sanft-mediterranen

Süden. Schon die Römer erkannten

seine strategische wie wirtschaftliche Bedeutung

und hinterließen Spuren in Straßen,

Villen und Thermenanlagen. Später

folgten Langobarden, Franken und Venezianer,

ehe im 19. Jahrhundert die Habsburger

und schließlich das geeinte Italien die

Geschicke des Sees bestimmten. Jede Epoche

brachte ihre Eigenheiten ein und prägte

das kulturelle Gesicht dieser Region.

Mit einer Ausdehnung von über 50 Kilometern

Länge und bis zu 17 Kilometern

Breite war es fast unausweichlich, dass der

See nicht in eine einzige Verwaltungseinheit

eingebunden wurde. Stattdessen teilt

er sich bis heute auf drei Regionen auf, die

jeweils eine ganz eigene Geschichte, Mentalität

und kulturelle Identität bewahrt

haben. Als nach den Wirren der napoleonischen

Zeit und der italienischen Einigung

im 19. Jahrhundert die politischen Grenzen

neu geordnet wurden, orientierte man sich

nicht nur an geografischen Gegebenheiten,

sondern auch an historisch gewachsenen

Bindungen.

Der Norden des Sees, umgeben von schroffen

Bergen und engen Tälern, fiel an das

Trentino. Dieses Gebiet war über Jahrhunderte

eng mit Tirol verbunden und stand

bis 1918 unter österreichischer Verwaltung.

Noch heute spürt man in Riva del Garda

oder Arco den Einfluss dieser Epoche: die

LUST AUF ITALIEN 4/2025

7


GARDASSE

Die Rocca di Lazise, einst

mittelalterliche Festung der

Scaliger, zeugt von strategischer

Bedeutung und reicher

Geschichte am Gardasee.

LOMBARDEI

TRENTINO

Gargnano

Toscolano-Maderno

Gardone

Salo

San Felice del Benaco

Padenghe

Manerba

Desenzano

Sirmione

Campione

Limone

Riva

Torri del Benaco

Garda

Bardolino

Lazise

Torbole

Malcesine

Peschiera del Garda

VENETIEN

Architektur vieler Gebäude, die Festungen

und die Liebe zu alpinen Traditionen tragen

ein unverkennbar österreichisch-tirolerisches

Gepräge. Gleichzeitig bringt das

mediterrane Klima des Sees hier eine faszinierende

Mischung hervor, die im Olivenanbau,

in der Küche und in der Mentalität

der Menschen sichtbar wird.

Das Westufer wurde der Lombardei zugeschlagen.

Diese Region, die tief mit der

Po-Ebene und dem reichen Handelsnetz

Norditaliens verbunden ist, entwickelte am

Gardasee schon früh eine besondere Eleganz.

Städte wie Salò oder Gardone Riviera

sind bis heute geprägt von herrschaftlichen

Villen, prachtvollen Gärten und einer feinen,

fast mondänen Atmosphäre. Im 19.

Jahrhundert zog es die europäische Aristokratie,

Künstler und Intellektuelle hierher,

um das milde Klima und den Charme des

Westufers zu genießen. Die kulinarischen

Einflüsse der Lombardei – Risotto, Polenta,

aber auch die berühmten Zitronen von Limone

– prägen noch heute das Bild dieser

Seite des Sees.

Das Ostufer schließlich gehört zu Venetien,

jener Region, die jahrhundertelang unter

dem Einfluss der mächtigen Republik Vene-

8 LUST AUF ITALIEN 4/2025


Die Rocca Scaligera in Sirmione,

mächtige Wasserburg des 13. Jh.,

diente einst als Festung und Tor zur

Halbinsel im Gardasee.

DREI REGIONEN

erst nach dem Ersten Weltkrieg in Italien

eingegliedert. Diese Vergangenheit

zeigt sich in der Architektur, im Brauchtum

und in der Mentalität: man findet

Festungen und Burgen, versteckte Kirchen

mit Fresken, alte Bezirksgerichte,

romantische Häuser mit Holz, Stein

und Balkon. Die Ortschaften tragen

Namen mit deutscher / ladinischer Färbung,

und Spuren der Mehrsprachigkeit

sind noch spürbar. Viele alte Pfade und

Römerwege durchziehen die Berge, und

es gibt zahlreiche alte Dörfer mit Steinmauern,

die hoch über dem See liegen.

dig stand. Die Spuren dieser Vergangenheit

sind allgegenwärtig: Burgen der Scaliger, venezianisch

geprägte Plätze, gotische Palazzi

und ein lebendiges Brauchtum, das eng mit

venezianischer Kultur verbunden ist. Orte

wie Garda, Bardolino, Lazise oder Malcesine

sind Sinnbilder für diese reiche Tradition.

Sie verbinden das Flair des Mittelalters

mit dem Lebensgefühl eines modernen Urlaubsortes.

Besonders die Weinregion um

Bardolino hat den Namen der Region weit

über Italien hinaus bekannt gemacht.

So erklärt sich die heutige Dreiteilung des

Gardasees, die ihn zu einem Mosaik unterschiedlichster

Eindrücke macht. Jeder Abschnitt

bringt seine eigenen Schwerpunkte

ein: der alpine Norden mit Sport, Natur

und geschichtlicher Tiefe; das elegante

Westufer mit seinen Villen, Gärten und

Zitronenhainen; das lebendige Ostufer mit

bunten Märkten, Weinfesten und venezianischer

Architektur. Gemeinsam ergeben

sie ein einzigartiges Ganzes, das den Reiz

des Gardasees bis heute ausmacht. Wer hier

reist, erlebt nicht nur eine der schönsten

Landschaften Italiens, sondern auch die

Vielfalt dreier Regionen, die in Kultur, Küche

und Lebensart so unterschiedlich sind

und doch durch den See in der Mitte verbunden

werden.

GARDA TRENTINO

Die Region Garda Trentino umfasst das

nördliche Ufer des Gardasees und das

Umland, meist in der autonomen Provinz

Trient. Das Gelände ist prächtig: schroffe

Felsen, tief eingeschnittene Täler, steil abfallende

Hänge direkt zum See, das Mikroklima

begünstigt mediterrane Vegetation

– Olivenbäume, Zitronen, Oleander – zugleich

alpine Einflüsse prägen Luft, Wetter

und Landschaft. Orte wie Riva del Garda,

Arco, Nago-Torbole, sowie abgelegene

Bergdörfer und Täler wie Valle di Ledro

oder Valle dei Laghi zeigen diese Mischung

aus Berg- und Seewelt in besonderer Schönheit.

Geschichte und Kultur

Trentino gehörte lange Zeit zum Habsburgerreich,

war Teil Tirols, und wurde

Natur, Landschaft und Aktivitäten

Die Landschaft ist dramatisch und abwechslungsreich.

Steilküsten, Gebirgszüge,

Felskämme, tiefe Schluchten, Wälder

und Wiesen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten

für Outdoor-Aktivitäten: Wandern,

Klettern – besonders an Felsen wie

am Monte Brione, Mountainbiken, Bergsteigen,

Paragliding, Segeln, Windsurfen

(z. B. in Torbole, Riva) und auch Trails,

die alte Pfade restaurieren. Im Winter

und Frühjahr gibt es Bergnebel, Schnee

in höheren Lagen; im Sommer ist die Region

ein beliebter Zufluchtsort vor Hitze

in der Ebene. Die Luft ist oft klar, die

Aussicht spektakulär, das Wasser des Sees

frisch und klar – ideal für Wassersport.

Riva del Garda liegt malerisch am Nordufer

des Sees, umgeben von steilen Bergen,

die ein eindrucksvolles Panorama schaffen.

LUST AUF ITALIEN 4/2025

9


GARDASSE

Garda

Das Tor zum Lago

Costermano

sul Garda

SP8

Garda

GARDASEE

Bardolino

SP29

Affi A22

Wer bei Affi die Autobahn verlässt und in

Richtung Gardasee fährt, merkt schnell,

wie sich die Landschaft verändert. Hinter

den sanften Hügeln, die von Weinreben,

Olivenhainen und Zypressen geprägt sind,

schimmert bald das Blau des Sees. Schon

die Anfahrt vermittelt das Gefühl, in eine

andere Welt einzutauchen – eine Welt, in

der mediterrane Leichtigkeit und alpine

Frische aufeinandertreffen. Nur wenige Minuten

später erreicht man Garda, jenen Ort,

14 LUST AUF ITALIEN 4/2025


GARDA

Garda, Namensgeber des größten Sees Italiens,

empfängt Besucher mit mediterranem Flair, sanften Hügeln

und glitzerndem Wasser. Der lebendige Ort am Ostufer

verbindet Geschichte, Natur und Lebensfreude und lädt

dazu ein, länger zu verweilen.

Herrlicher Blick von

der Rocca di Garda

hinunter auf die Bucht

von Garda und auf

den Monte Luppia, im

Westen von Garda.

der dem größten See Italiens seinen Namen

verliehen hat.

Garda liegt eingebettet zwischen grünen

Hügeln und dem klaren Wasser des Sees.

Es ist ein Ort, der seit Jahrhunderten Reisende

anzieht, weil er eine Balance schafft

zwischen Ruhe und Lebendigkeit. Am

Seeufer breitet sich eine lange Promenade

aus, die wie ein Band das Leben des Ortes

zusammenhält. Hier schlendern Gäste im

Schatten von Platanen und Oleander, genießen

ein Eis oder verweilen in einem der

zahlreichen Cafés mit Blick auf den Hafen.

Die Boote, die im Wasser schaukeln, spiegeln

die maritime Tradition Gardas wider,

denn die Verbindung zum See prägt das Leben

hier seit jeher.

Heute spiel die Natur eine wichtige Rolle

in Garda. Die milden Temperaturen haben

Olivenhaine und Weinberge gedeihen

lassen, die bis heute das Landschaftsbild

prägen. Das berühmte Olivenöl aus der

Region gilt als eines der nördlichsten seiner

Art in Europa, und die Weine aus den umliegenden

Hügeln – allen voran der rubinrote

Bardolino – sind weit über die Grenzen

Italiens hinaus bekannt. Wer in Garda

verweilt, begegnet diesen Produkten auf

Schritt und Tritt: auf dem Wochenmarkt,

in kleinen Feinkostläden oder bei einem

Abendessen direkt am See.

Neben kulinarischen Genüssen lebt der

Ort auch von seinen Festen und Traditio-

LUST AUF ITALIEN 4/2025

15


GARDASSE

Fährt man von Affi Richtung

Gardasee, dann eröffnet sich

bei Costermano der erste

traumhafte Blick auf den

Gardasee und den Ort Garda.

Blick vom Monte Luppia:

Garda liegt herrlich eingebettet

zwischen sanften Hügeln und

Bergen. Die Rocca di Garda

wacht über die Ortschaft.

16 LUST AUF ITALIEN 4/2025


GARDA

Die Rocca di Garda bot mit ihrer

erhöhten Lage über dem See einst

ideale strategische Sicht- und

Verteidigungsmöglichkeiten.

nen. Das Festa dell’Uva im Herbst lockt

Besucher mit Musik, Tanz und Weinverkostungen.

Im Sommer sorgen Konzerte

und Veranstaltungen am Seeufer für eine

lebendige Atmosphäre, die Einheimische

und Reisende gleichermaßen begeistert.

Gerade diese Mischung aus Alltag und

Festlichkeit macht Garda so besonders:

ein Ort, der nicht nur Bühne für den Tourismus

ist, sondern auch Heimat für seine

Bewohner bleibt.

Der Tourismus hat Garda geprägt, doch er

hat dem Ort nicht seine Seele genommen.

Noch immer treffen sich die Menschen

auf den Plätzen, um zu plaudern, Kinder

spielen am Ufer, und der Markt ist mehr

als nur ein Spektakel für Besucher – er ist

Teil des echten Lebens. Hier spürt man

das authentische Garda, das sich hinter

der Postkartenidylle verbirgt. Am Abend

schließlich entfaltet Garda einen Zauber,

dem sich kaum jemand entziehen kann.

Wenn die Sonne langsam hinter den Bergen

am Westufer versinkt, färbt sich der

Himmel in Gold- und Rottönen. Die

Uferpromenade wird dann zur Bühne für

ein Schauspiel der Natur, das jeden Tag

aufs Neue begeistert. Ein Glas Wein in der

Hand, den Blick über den See gerichtet,

und das Stimmengewirr von Einheimischen

und Reisenden im Ohr – so zeigt

sich Garda von seiner vielleicht schönsten

Seite.

Wer hier ankommt, versteht schnell, warum

dieser Ort seit Jahrhunderten Menschen

in seinen Bann zieht. Garda verbindet

Natur und Kultur, Festlichkeit und

Gelassenheit, Vergangenheit und Gegenwart.

Es ist ein Stück Italien, das alle Sinne

anspricht und dem man immer wieder begegnen

möchte – sei es auf der Durchreise

oder als Ziel eines längeren Aufenthalts.

Blick auf den Hafen in Garda und

den Monte Luppia

Rocca di Garda

Die Rocca di Garda erhebt sich als mächtiger

Felsrücken über den gleichnamigen Ort

und zählt zu den markantesten Wahrzeichen

des südlichen Sees. Sie ist weit mehr

als nur eine landschaftliche Erhebung: ein

Ort, an dem Natur, Geschichte und stille

Erhabenheit miteinander verschmelzen

und Besucher in eine besondere Atmosphäre

eintauchen lassen.

Der Weg hinauf beginnt fast unvermittelt

hinter den lebhaften Gassen der Altstadt

von Garda. Dort, wo Cafés und kleine Läden

zum Verweilen einladen, öffnet sich der

Pfad in eine andere Welt. Der Aufstieg dauert

je nach gewählter Route zwischen einer

knappen Stunde und anderthalb Stunden

und führt durch schattige Wälder, vorbei

an uralten Olivenhainen, Steinmauern und

überwachsenen Terrassen, die Geschichten

aus längst vergangenen Jahrhunderten erzählen.

Der Weg ist zwar nicht allzu steil,

verlangt aber Trittsicherheit und gutes

Schuhwerk, besonders nach Regen, wenn

der Boden rutschig wird. Mit jedem Schritt

weicht das geschäftige Treiben am Seeufer

der Ruhe des Waldes, durchbrochen nur

vom Rascheln der Blätter und dem Duft

mediterraner Kräuter.

Oben angekommen, eröffnet sich ein Panorama,

das kaum zu übertreffen ist. Der

Gardasee breitet sich glitzernd in der Tiefe

aus, während die Dächer von Garda wie

ein Mosaik unterhalb des Felsens liegen. Im

Westen erstrecken sich die Weinberge von

Bardolino, im Süden schimmert die Halbinsel

von Sirmione, und an klaren Tagen

reicht der Blick bis in die Po-Ebene. Besonders

eindrucksvoll ist der Anblick bei

Sonnenuntergang, wenn das Wasser golden

schimmert und die Berge am Horizont in

sanftes Rot getaucht werden. Die Rocca ist

in solchen Momenten ein Ort der Einkehr,

an dem die Zeit stillzustehen scheint.

Doch die Erhebung ist nicht nur für ihre

Aussicht berühmt, sondern auch für ihre

Geschichte. Schon die Römer nutzten den

Fels als strategischen Punkt, und im Mittel-

LUST AUF ITALIEN 4/2025

17


Eleganz &

Dolce Vita

am Gardasee


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Manche Bauprojekte entstehen aus Plänen und

Berechnungen. Andere aus einer Vision. Und dann gibt

es jene seltenen, besonderen Projekte, die aus

Freundschaft, Leidenschaft und einer gemeinsamen

Lebensphilosophie geboren werden – so wie die

Projekte der VILGERTSHOFER ITALIA.

Das Unternehmen gehört zur Vilgertshofer

Holding GmbH und Ottl Holding GmbH,

zwei mittelständischen, familiengeführten

Unternehmen mit Sitz im oberbayerischen

Alling, unweit der Metropole München.

Diese Unternehmen bestehen aus einem

engen Verbund spezialisierter Einzelfirmen,

die mit insgesamt 220 Mitarbeitern Hand

in Hand – von Abbruch, über Kiesabbau

und Immobilienplanung, Patent- und Immobilienentwicklung

bis hin zum Neubau

– eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten.

Doch um zu verstehen, was diese

Immobilien in Italien so außergewöhnlich

macht, muss man ihre Wurzeln kennen.

Freundschaft als Fundament

Hinter den beeindruckenden Fassaden

der exklusiven Wohnanlagen steckt eine

Geschichte, die weit über geschäftliche

Partnerschaften hinausgeht. Die beiden

Vollblut-Unternehmer Thomas Ottl und

Thomas Vilgertshofer sind seit vielen Jahren

nicht nur Geschäftskollegen, sondern

beste Freunde – wahre Weggefährten, die

gemeinsam Herausforderungen gemeistert

haben. Sie sind gegenseitige Trauzeugen,

teilen eine Leidenschaft für Skifahren,

Bootstouren und außergewöhnliche Autos

– und natürlich für den Gardasee, wo sie

seit einigen Jahren ebenfalls Nachbarn sind.

Es war dieser besondere Ort Garda, an dem

die Idee für ihr erstes gemeinsames Projekt

in Italien geboren wurde. Residence

San Vigilio kam – wie so vieles im Leben

– eher zufällig während der Coronazeit ins

Portfolio, zusammen mit dem Grundstück

der „Bikini-Bar“. Doch was als Gelegenheit

begann, entwickelte sich schnell zu einer

Herzensangelegenheit.

Exklusivität aus Überzeugung für

höchste Lebensqualität

Von Anfang an war klar: Dies sollte kein gewöhnliches

Bauvorhaben werden. Es ging

nicht darum, möglichst viele Wohnungen

zu verkaufen, sondern darum, einen Ort zu


TECHNISCHE

ECKDATEN

Wohnflächen:

82,20 m 2 – 176,90 m 2

Grundstück: ca. 9.000 m 2

Schlafzimmer: 2 – 3

Bäder: 1 – 3

Stellplätze: je Wohneinheit 2

(Doppelgarage mit Tor, Tiefgarage),

(1 Tiefgarage + 1 außen)

Energiedaten:

Klimahaus-Standard nach

Energieklasse „A4“

(Italien), BJ 2025

Kaufpreise: auf Anfrage

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schaffen, der über das Übliche hinaus geht

– ein Refugium für Menschen, die das Besondere

schätzen. Die Warteliste war bald

länger als die verfügbaren Wohnungen,

denn viele Käufer waren Freunde, Familie

oder wurden es im Laufe des Projekts.

Handverlesen könnte man sagen – mit einem

kleinen Augenzwinkern. Anspruch an

die Bauqualität: Made in Italy, but like in

Germany.

Der Anspruch war (und ist) hoch: Geplant

wird mit der gleichen Sorgfalt, als würden

Ottl und Vilgertshofer selbst einziehen.

Jedes Detail wird durchdacht, nichts dem

Zufall überlassen. Es geht um mehr als

um Architektur – es geht um Lebens- und

Wohnqualität.

Mit Herzblut und Hingabe

Was diese Projekte besonders macht, ist

nicht nur das Ergebnis, sondern der Weg

dorthin. Die beiden arbeiten mit einer Mischung

aus Elan, Leidenschaft und profundem

Sachverstand. Die beiden Ehefrauen,

Gudrun Ottl und Anna Vilgertshofer, sind

dabei immer an ihrer Seite – als Unterstützerinnen,

Ideengeberinnen und manchmal


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Idyllische Lage und harmonisches

Konzept

Auf einem ca. 9.000 m 2 großen, idyllischen

Grundstück, eingebettet in

die Ruhe unterhalb eines malerischen

Wein- und Olivengartens, haben die

Bauarbeiten begonnen. Die charmante

Gemeinde Garda, einer der beliebtesten

Orte im Herzen der faszinierenden

Gardasee-Region, bietet eine einmalige

Kulisse: Hier treffen markante Berge

wie der Monte Baldo und La Rocca auf

den funkelnden See, während täglich

wechselnde, atemberaubende Sonnenuntergänge

über der Bergkulisse verzaubern.

Die Umgebung besticht durch

mächtige Zypressen, duftenden Jasmin,

grünen Lorbeer, saftige Zitrus- und

knorrige Olivenbäume – und nicht zuletzt

durch den mystisch anmutenden

Baum, die Weide, der in Italien als Salice

bekannt ist.

Gudrun und Thomas Ottl mit Bella (links), Thomas und Anna Vilgertshofer

mit Toffee (rechts)

auch als kritische Stimmen, wenn es um die

kleinen, aber entscheidenden Details geht.

Vielleicht ist es genau das, was man spürt,

wenn man eine Wohnung der Vilgertshofer

Italia betritt: dass hier nicht einfach ein Gebäude

steht, sondern ein Zuhause, das mit

Liebe und Leidenschaft entstanden ist. Ein

Ort, an dem Freundschaft das Fundament

ist – und Lebensfreude das Dach.

Ein neuer Schritt in Richtung

„The Ultimate Garda Living“

Mit großem Enthusiasmus hat Vilgertshofer

Italia einen weiteren Meilenstein

gesetzt: Der Spatenstich für die exklusive

Wohnanlage Residence Salice wurde vollzogen.

Ab sofort dürfen sich Liebhaber

des gehobenen Wohnens auf ein weiteres

Luxusprojekt in Garda freuen. Der Baubeginn

fand im Januar 2025 statt – und auch

dieses Projekt verspricht „Enduring Luxury“

in seiner reinsten Form. Die Exklusiv-

Vermarktung liegt in den kompetenten

Händen eines international renommierten,

deutschsprachigen Maklerunternehmens

mit Sitz in Bardolino.

Mit Residenz

Salice setzt

Vilgertshofer Italia

erneut Maßstäbe

für luxuriöses

Wohnen am

Gardasee

Exklusivität in jedem Detail

Geplant ist ein Ensemble aus vier zweigeschossigen

Gebäuden, die jeweils drei

bis fünf Wohnungen beherbergen. Zusätzlich

ist ein weiteres Gebäude (Haus

E) in Planung, das Platz für eine Villa

und zwei weitere Wohnungen bieten

soll. Das architektonische Gesamtkonzept

sieht vor, dass jede der 16 – später

19 – Wohneinheiten eine harmonische

Balance zwischen spektakulärem

Ausblick und behaglicher Intimität

genießt. Die durchdachte Anordnung

sorgt dafür, dass Privatsphäre, Ruhe und

Entspannung stets im Mittelpunkt stehen.

Wie auch bereits bei der Residenz

San Vigilio in Garda wurde bei der Auswahl

von Farben und Materialien mit


größter Sorgfalt vorgegangen, um ein

harmonisches Gesamtbild zu schaffen,

das sich perfekt in die regionale Architektur

und die natürliche Umgebung

einfügt.

Die großzügig geschnittenen Appartements

und Villen bieten jeweils weitläufige

Wohnflächen mit zwei oder drei

Schlafzimmern sowie ein bis drei Bädern,

ausgestattet mit einer modernen

Walk-in-Dusche.

Außergewöhnliche Rückzugsorte

im Freien

Die Außenbereiche der Anlage wurden

ebenso mit viel Liebe zum Detail gestaltet:

Erdgeschoss-Wohnungen überzeugen

durch liebevoll angelegte Privatgärten,

während die oberen Etagen über

großzügige, überdachte Veranden und

Balkone verfügen. Das Herzstück der

Anlage bildet ein einladender Infinity-

Pool, der von einem sonnigen Garten

und weitläufigen Sonnen-Terrassen umgeben

ist und den idealen Rahmen für

entspannte Tage schafft. Direkt in der

Nähe befindet sich die Limonaia – eine

beschattete Liegefläche, die im Stil der

typischen mediterranen Zitronengärten

der Region gestaltet ist und traditionelles

Flair mit einem außergewöhnlichen Ambiente

vereint.

Mit Salice setzt Vilgertshofer Italia erneut

Maßstäbe für luxuriöses Wohnen

am Gardasee – ein Projekt, das nicht nur

durch erstklassige Architektur, sondern

auch durch eine harmonische Symbiose

aus Natur, Design und Lebensqualität

besticht.

VILGERTSHOFER

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Via Galileo Galilei, 10

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GARDASSE

Fotos: © Du Lac et Du Parc Grand Resort, Garda Thermae, Aquagardens, Du Lac et Du Parc Grand Resort, Quellenhof-Lazise

Gardasee

Wo Wasser heilt und die Seele ruht

Der Gardasee ist seit Generationen ein Lieblingsurlaubsziel

– ein Ort, an dem Berge auf mediterranes Flair

treffen. Malerische Orte, kulinarische Vielfalt und die

Mischung aus Kultur, Natur und Dolce Vita machen den

See zu einem der faszinierendsten Reiseziele Italiens.

Vom mondänen Sirmione mit seinem

berühmten Schwefelwasser über den romantischen

Parco Termale del Garda in

Colà di Lazise bis hin zu den modernen

Anlagen wie den Garda Thermae in Arco

oder Aquardens bei Verona – die Thermen

am Gardasee bieten eine außergewöhnliche

Vielfalt. Ob medizinische Anwendungen,

luxuriöse Spa-Erlebnisse oder das

entspannte Baden unter freiem Himmel:

Die Kombination aus heilendem Wasser,

mediterranem Klima und traumhafter

Landschaft macht die Region zu einem beliebten

Ziel für Wellnessurlaub in Italien.

TERME DI SIRMIONE

Paradiesisch ist wohl das treffendste Wort,

um die Lage der Altstadt von Sirmione

zu beschreiben. Das pittoreske Städtchen

thront auf einer schmalen Halbinsel, die

weit in den südlichen Gardasee hineinragt

und auf drei Seiten von Wasser umspült

wird. Schon beim Betreten durch

die mächtigen Mauern der Scaligerburg

taucht man in eine Atmosphäre ein, die

historische Kulisse, mediterranes Flair und

ein einzigartiges Naturphänomen miteinander

verbindet. Neben der berühmten

Wasserburg und den römischen Ruinen

der „Grotte di Catullo“ ist es vor allem das

Thermalwasser, das Sirmione zu einem international

bekannten Kur- und Wellnessort

gemacht hat.

Dass es in Sirmione eine warme Quelle

gibt, war bereits in der Renaissance be-

30 LUST AUF ITALIEN 4/2025


SPA UND WELLNESS

Herrlicher Blick auf die

bezaubernde Parkanlage

des Du Lac et Du

Parc Grand Resort in

Rivadel Garda.

kannt. Doch erst 1889 gelang die genaue

Lokalisierung: Der venezianische Taucher

Procopio, ausgestattet mit einer fast

400 Kilogramm schweren Ausrüstung,

entdeckte in etwa 20 Metern Tiefe und

300 Meter vom Ufer entfernt die Quelle,

die heute als „Fonte Boiola“ bekannt ist.

Mit einer Temperatur von rund 69 Grad

Celsius sprudelt sie seither kontinuierlich

aus dem Seeboden. Die Kombination aus

Wärme und den gelösten Mineralstoffen

macht dieses Wasser zu einem Heilmittel,

das seit über einem Jahrhundert sowohl

medizinisch als auch im Wellnessbereich

genutzt wird.

Das Wasser von Sirmione ist reich an

Schwefel, Brom und Jod. Diese Zusam-

LUST AUF ITALIEN 4/2025

31


Weingut Corte Caprara

Ein neues Kapitel südlich des Gardasees, wo

Leidenschaft und Herkunft auf Zukunft

treffen.

Im sanft geschwungenen Hügelland südlich

des Gardasees entsteht ein neues Weingut,

das Tradition, Familie und modernen

Weinstil vereint.

Wo Alpenluft den Süden küsst

Die kühle Brise aus den Südtiroler Alpen

streift über die Täler und erreicht den

Gardasee Dort, wo mediterrane Wärme auf

alpine Frische trifft. Dieses einzigartige

Zusammenspiel prägt nicht nur das Klima,

sondern schenkt auch den Weinen südlich

des Sees ihre unverwechselbare Eleganz und

Balance.


Ein Stil für die Gegenwart

Die Weine von Corte Caprara richten sich an ein

breites Publikum. Sie sollen zugänglich und vielseitig

sein, ideal zu mediterranen Gerichten, geselligen

Abenden oder einfach für den Moment zwischendurch.

Der Fokus liegt auf Eleganz und Balance, mit

besonderer Sorgfalt in der Vinifikation, um die

natürliche Frucht zu betonen und harte Säuren zu

vermeiden.

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LOMBARDEI

Mailand

Geschichte, Land & Leute,

Klima & Anreise

Bergamo

LOMBARDEI

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PIEMONT

Novara

A4

Mailand

40

LUST AUF ITALIEN 4/2025


MAILAND

Mailand – schon der Name weckt Bilder von

Eleganz, Kultur und italienischer Lebensfreude.

Die Stadt im Herzen der Lombardei ist weit mehr

als nur Modehauptstadt: Sie ist ein Schmelztiegel

aus Geschichte, Kunst, Moderne und Genuss.

Mailand: Herrlicher

Blick auf die Piazza del

Duomo, den Dom und die

Galleria Vittorio Emanuele

II. Im Hintergrund das

Finanzzentrum und die

Alpen

LUST AUF ITALIEN 4/2025

41


LOMBARDEI

Die eleganten Gassen

Mailands locken mit luxuriösen

Geschäften, edlen Boutiquen

und einem einzigartigen Flair

italienischer Mode.

Das Shopping-Erlebnis

in Mailand ist mehr als

nur Einkaufen – es ist ein

Eintauchen in die Welt von

Mode, Luxus und Eleganz.

Wir haben ein Wochenende in Mailand

verbracht, Zwei Tage, die wie ein Streifzug

durch Vergangenheit und Zukunft wirkten.

Begleiten Sie uns auf den folgenden

Seiten zu einem zweitägigen Abenteuer in

Mailand – einer Stadt, die wie kaum eine

andere Gegensätze vereint. Zwischen gotischen

Kathedralen und futuristischen

Wolkenkratzern, stillen Kunstschätzen und

pulsierendem Straßenleben entfaltet sich

die ganze Faszination dieser Metropole.

Unser Bericht nimmt Sie mit zu den großen

Höhepunkten ebenso wie zu den kleinen

Entdeckungen am Wegesrand: vom Staunen

über den Dom bis zum entspannten

Aperitivo am Navigli. Tauchen Sie ein in

Geschichte, Kultur und Genuss – und lassen

Sie sich von der Energie Mailands inspirieren,

als wären Sie selbst dabei.

Eine Stadt mit langer Geschichte

Mailand, auf Italienisch Milano, zählt heute

zu den bedeutendsten Metropolen Europas.

Mit rund 1,4 Millionen Einwohnern in

der Kernstadt und über 3 Millionen in der

Metropolregion ist sie das wirtschaftliche,

kulturelle und modische Herz Norditaliens.

Ihre Geschichte reicht weit zurück: Schon

im 4. Jahrhundert v. Chr. siedelten die keltischen

Insubrer in der Region, ehe die Rö-

mer die Stadt 222 v. Chr. eroberten und als

Mediolanum zu einem wichtigen Zentrum

ausbauten. Unter römischer Herrschaft

wuchs Mailand zu einer der bedeutendsten

Städte des Reiches und wurde im 3. Jahrhundert

n. Chr. sogar zur Residenzstadt

westlicher Kaiser. Bedeutend ist vor allem

das Mailänder Edikt von 313, in dem Kaiser

Konstantin die Religionsfreiheit für das

Christentum verkündete. Dieses Ereignis

gilt als Meilenstein in der europäischen Geschichte.

Im Mittelalter entwickelte sich Mailand

zu einer blühenden Handelsstadt. Reiche

Kaufmannsfamilien und Dynastien wie die

Visconti und später die Sforza prägten das

Stadtbild und förderten Kunst und Architektur.

In dieser Epoche entstanden viele

der Bauten, die Mailand bis heute prägen

– darunter die imposante Burg der Sforza

und die ersten Entwürfe für den Dom,

dessen Bau sich über Jahrhunderte hinzog.

Während der Renaissance war die Stadt ein

Magnet für Künstler, allen voran Leonardo

da Vinci, der hier mit dem „Abendmahl“

eines seiner bekanntesten Werke schuf.

Die Neuzeit brachte wechselnde Herrschaften:

Spanier, Österreicher und Franzosen

kämpften um die Vorherrschaft in der Lom-

42 LUST AUF ITALIEN 4/2025


MAILAND

Mailand bietet eine unvergleichliche

Vielfalt an noblen

Geschäften, die Mode, Eleganz und

exklusiven Lifestyle verkörpern.

bardei. Erst im 19. Jahrhundert wurde Mailand

zu einem Motor der italienischen Einigungsbewegung

und entwickelte sich zu

einem Zentrum von Industrie und Handel.

Nach schweren Zerstörungen im Zweiten

Weltkrieg erlebte die Stadt einen beeindruckenden

Wiederaufstieg und ist heute nicht

nur als Modehauptstadt, sondern auch als

Standort für Finanzen, Design, Medien

und Hochschulen international anerkannt.

Mailand – Wirtschaftsstandort

Mailand gilt als der Wirtschaftsmotor in

Italien, vor allem in zentralen Bereichen:

Finanz- und Dienstleistungszentrum:

Mailand ist das unbestrittene Finanzzentrum

Italiens. In der Stadt befindet sich die

Borsa Italiana, die italienische Wertpapierbörse,

die seit 1808 existiert und heute zu

den größten in Europa zählt. Hier werden

die Aktien der wichtigsten italienischen

Unternehmen gehandelt, von Energieversorgern

über Banken bis zu Industriekonzernen.

Die Stadt beherbergt außerdem

die Zentralen vieler internationaler Banken

und Versicherungen, die von hier aus nicht

nur den italienischen, sondern auch den

südeuropäischen Markt steuern. Bedeutend

ist auch die Präsenz zahlreicher Anwaltskanzleien,

Unternehmensberatungen und

Wirtschaftsprüfer, die Mailand zu einem

hoch spezialisierten Dienstleistungsstandort

machen. Die Finanzwelt prägt das Bild

der Innenstadt mit modernen Hochhäusern,

wie sie im neuen Business-Viertel Porta

Nuova zu finden sind.

Mode und Design: Mailand gilt weltweit

als Hauptstadt der Mode. Große Marken

wie Armani, Versace, Prada, Dolce &

Gabbana oder Valentino haben hier ihre

Hauptsitze, Showrooms oder Designstudios.

Zweimal im Jahr richtet die Stadt die

Die Straßenbahn in Mailand

verbindet Tradition und

Moderne, prägt das Stadtbild

und bringt charmant

Bewegung in die Metropole.

Mailänder Modewoche aus, die zu den „Big

Four“ der internationalen Fashion Weeks

gehört und Designer, Einkäufer und Medienvertreter

aus aller Welt anzieht. Der

Mode- und Textilsektor ist ein wichtiger

Arbeitgeber in der Region, von den kreativen

Köpfen in den Ateliers bis zu den spezialisierten

Handwerksbetrieben, die Stoffe,

Accessoires oder Lederwaren fertigen.

Darüber hinaus ist Mailand auch ein Epizentrum

des Designs. Die Möbelmesse Salone

del Mobile, die jedes Jahr im Frühjahr

stattfindet, ist die größte ihrer Art weltweit

und lockt hunderttausende Besucher an. In

den Stadtvierteln rund um die Via Tortona

oder die Brera entsteht eine kreative Atmosphäre,

in der sich Möbel- und Industriedesign

mit Architektur und Kunst verbinden.

Diese Symbiose von Mode und Design

trägt entscheidend zum kosmopolitischen

Image der Stadt bei und generiert immense

Umsätze.

Industrie und Innovation: Obwohl Mailand

heute vor allem mit Mode und Finanzen

in Verbindung gebracht wird, bleibt die

Region ein industrielles Schwergewicht.

Schon seit dem 19. Jahrhundert gilt die

Lombardei als industrielles Herz Italiens.

Besonders stark sind Maschinenbau, Chemie,

Pharmazeutik und Elektrotechnik.

Viele dieser Industriezweige sind eng mit

der Universitätspraxis und Forschungszentren

verbunden, wodurch Mailand eine

hohe Innovationskraft entwickelt.

In jüngerer Zeit haben sich zudem zahlrei-

LUST AUF ITALIEN 4/2025

43


LOMBARDEI

TAG 1

Vom Dom bis zu

Leonardo da Vinci

Unsere Anreise begann

am Freitagnachmittag mit

einer entspannten Fahrt im

Hochgeschwindigkeitszug

Frecciarossa von Verona

nach Mailand. Am Bahnhof

Milano Centrale angekommen,

bezogen wir ein

Hotel in direkter Nähe zum

Bahnhof. Damit waren wir

nicht nur bestens untergebracht,

sondern auch

zentral gelegen und konnten

die Stadt flexibel und

unkompliziert erkunden.

Der Tag beginnt nach einem stärkenden

Frühstück mit einer U-Bahn-Fahrt in

Richtung Stadtzentrum.

Duomo di Milano

Vom Milano Centrale aus erreicht man

mit der Metro in wenigen Minuten die

Piazza del Duomo, den wohl bekanntesten

Platz Mailands. Schon beim

Aussteigen aus der U-Bahn steigt die

Spannung, und sobald man die Treppen

hinaufgeht, öffnet sich vor einem

der grandiose Anblick des Mailänder

Doms. Die Kathedrale Santa Maria

Nascente, allgemein einfach „Duomo“

genannt, ist das unbestrittene Wahrzeichen

der Stadt und eines der größten

Gotteshäuser der Welt.

Majestätischer Blick

von oben: Der Dom und

die Piazza del Duomo im

Herzen Mailands.

Ein Besuch des Doms ist mehr als nur

Pflichtprogramm. Die filigranen Türme,

die kunstvollen Skulpturen und die

einzigartige gotische Architektur lassen

Besucher staunen. Besonders lohnend

ist es, die Dachterrassen zu erklimmen,

die über Treppen oder einen Aufzug

erreichbar sind. Von hier aus eröffnet

sich ein atemberaubender Blick über

die Stadt bis zu den Alpen im Norden,

wenn das Wetter klar ist. Die Vielzahl

an Statuen und Zinnen macht den Spaziergang

über die Dächer zu einem unvergesslichen

Erlebnis.

Im Inneren beeindruckt die Kathedrale

durch ihre gewaltigen Dimensionen,

die hohen Säulen und die prachtvollen

Glasfenster, die biblische Szenen erzählen.

Wer ein wenig tiefer in die Geschichte

eintauchen möchte, kann auch

das archäologische Areal unterhalb des

Doms besichtigen, wo Überreste früherer

Kirchenbauten zu sehen sind.

Galleria Vittorio Emanuele II

Direkt neben dem Dom befindet sich

die Galleria Vittorio Emanuele II, eine

prachtvolle Passage aus Glas und Eisen,

die Ende des 19. Jahrhunderts erbaut

wurde. Sie gilt als eines der ältesten

überdachten Einkaufszentren der Welt

48 LUST AUF ITALIEN 4/2025


MAILAND

Ein Spaziergang auf

dem Dach des Doms:

Kunst, Himmel und

Panoramablick vereint.

Galleria Vittorio

Emanuele II: prächtige

Arkaden, Luxusgeschäfte

und ein Hauch Belle

Époque.

LUST AUF ITALIEN 4/2025

49


LOMBARDEI

TAG 2

Moderne Architektur,

Shopping &

Lebensfreude

Der zweite Tag beginnt

nach einem gemütlichen

Frühstück in der Nähe

unseres Hotels mit einem

Ausflug in eines der modernsten

Stadtviertel

Mailands.

Porta Nuova

Dieses ehemalige Industrieareal wurde in

den letzten zwei Jahrzehnten zu einem

der innovativsten Architekturprojekte

Europas umgestaltet. Hochhäuser aus

Glas und Stahl, futuristische Plätze und

großzügige Grünanlagen prägen das Bild.

Besonders beeindruckend ist der Unicredit

Tower, der mit über 230 Metern das

höchste Gebäude Italiens ist. Am Fuß

des Turms liegt die Piazza Gae Aulenti,

ein eleganter Platz mit Brunnen, Cafés

und Skulpturen, der oft als Symbol für

das „neue Mailand“ gilt. Von hier aus

hat man auch einen guten Blick auf das

Bosco Verticale, die „vertikalen Wälder“.

Diese Wohnhäuser sind mit tausenden

Bäumen und Sträuchern bepflanzt und

gelten weltweit als Vorzeigebeispiel für

nachhaltige Architektur. Ein Spaziergang

durch das Viertel zeigt, wie die

Stadt Tradition und Zukunft miteinander

verbindet.

Cimitero Monumentale

Von Porta Nuova aus erreicht man zu

Fuß oder mit einer kurzen Metrofahrt

den Cimitero Monumentale, einen der

außergewöhnlichsten Friedhöfe Europas.

Er wurde im 19. Jahrhundert angelegt

und ist mehr ein Freilichtmuseum

als eine Ruhestätte. Prunkvolle Grabmäler,

monumentale Skulpturen und

kunstvolle Kapellen machen den Besuch

zu einer überraschend eindrucksvollen

Erfahrung. Hier spiegeln sich Reichtum,

Kunstverständnis und Historie der

Mailänder Oberschicht wider. Berühmte

Persönlichkeiten aus Kunst, Politik und

Wirtschaft haben hier ihre letzte Ruhe

gefunden. Der Besuch ist ruhig, nachdenklich

und zugleich ästhetisch faszinierend.

Shopping zwischen Luxus und

Avantgarde

Zur Mittagszeit bietet es sich an, wieder

ins Zentrum zurückzukehren

– schließlich ist Mailand die Modehauptstadt

Italiens. Neben der Galleria

Der Cimitero Monumentale ist

ein monumentaler Friedhof, zugleich

Freilichtmuseum mit Kunst,

Skulpturen und Geschichte.

54 LUST AUF ITALIEN 4/2025


MAILAND

Der UniCredit Tower in Porta Nuova

ist mit 231 Metern Italiens höchstes

Hochhaus und Symbol für Mailands

moderne Skyline.

Die Piazza Gae

Aulenti ist Mailands

modernes Herz: futuristische

Architektur,

Glasfassaden,

Brunnen und pulsierendes

Stadtleben.

LUST AUF ITALIEN 4/2025

55


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LUST AUF ITALIEN 4/2025 61


SÜDTIROL

Das leise Flüstern der Südtiroler Seele:

Wenn die Zeit sti

Wo die Zeit einen anderen Atem hat:

Zehn verborgene Herzen Südtirols

Manchmal, da lockt uns die Sehnsucht.

Nicht nach dem grellen Schein der Postkartenmotive,

nicht nach dem ewigen Summen

der Touristenströme. Sondern nach

einem Ort, der sich tief in die Seele gräbt.

Einem Ort, der nicht schreit, sondern flüstert.

Wo die Luft nach Freiheit duftet, das

62 LUST AUF ITALIEN 4/2025


SEELEN-ORTE

Das Lüsnertal: Wo Stille wohnt und

die Dolomiten ihre Geheimnisse teilen

Ein Tal, das sich wie ein Geheimnis lüftet.

Hier, wo das „Tor zu den Dolomiten“

noch wirklich unberührt scheint,

findet sich eine Stille, die sofort umfängt.

Die Wanderwege schlängeln sich

wie sanfte Bänder über grüne Matten,

und die Luft ist erfüllt vom leisen Sumll

steht…

…lassen sich verborgene Schätze Südtirols

entdecken. Man stelle sich vor, man atmet tief ein.

Spürt die reine Bergluft, das feine Gemisch aus harzigem

Duft und dem Versprechen von Abenteuer.

Hier, wo sich die Landschaft sanft in vergessene Täler

schmiegt, offenbaren sich Orte, die so echt und unberührt

sind, dass sie das Herz berühren.

Knistern alter Geschichten in den Ohren

klingt und die goldene Abendsonne behutsam

über ursprüngliche Winkel streicht, die

kaum ein Fremder kennt. Südtirol, dieses

Land voller Wunder, birgt solche Kleinode

– wahre Schätze, die darauf warten, mit allen

Sinnen entdeckt zu werden. Komm mit

auf eine Reise abseits der ausgetretenen Pfade,

lass uns gemeinsam eintauchen.

men der Natur, das die Zeit vergessen

lässt. Das Lüsnertal ist ein Refugium für

sanften Tourismus, bekannt für seine

zauberhafte Natur, die malerische Almwirtschaft

und eine Ursprünglichkeit,

die man andernorts kaum noch findet.

Im Winter verwandelt sich das Tal in

ein weißes Wunderland für Langläufer

und Schneeschuhwanderer, wo die glit-

LUST AUF ITALIEN 4/2025

63


SÜDTIROL

Wo die Zukunft

Wurzeln schlägt

Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Wort, sondern ein

Lebensgefühl. Eintauchen in eine Region, die an

vielen Stellen grüne Visionen denkt und lebt.

dürfen wieder frei atmen, Feuchtgebiete

leben auf, und auf den Feldern wird behutsam

darauf geachtet, dass die Natur in

ihrer ganzen Pracht gedeihen kann.

Fotos: © IDM Südtirol, Alex Molling, TV Partschins, Karin Thaler

Manchmal, wenn die ersten Sonnenstrahlen

die schroffen Gipfel der Dolomiten

küssen, liegt ein leises Knistern in der Luft.

Ein Geräusch, das nur zu hören ist, wenn

man wirklich lauscht. Südtirol – ein Name,

der nach frischer Bergluft duftet, nach saftigen

Wiesen und dem Echo alter Geschichten.

Doch hinter dieser Postkartenidylle

verbirgt sich etwas viel Tieferes, etwas, das

sich nicht nur sehen, sondern fühlen lässt:

Eine Region, die ihre Seele dem Morgen

verschrieben hat, die Nachhaltigkeit nicht

nur denkt, sondern lebt. Hier, im grünen

Herzen der Alpen, ist jeder Schritt, jeder

Atemzug ein Versprechen.

Der Herzschlag des Landes:

Ein Versprechen an die Natur

Es genügt, sich nur einmal in einem dieser

uralten Wälder, die über die Hälfte Südtirols

bedecken, wiederzufinden. Sofort

spürt man die kühle, reine Luft, die die

Lungen füllt. Das ist der Atem der Natur,

den Südtirol so behutsam schützt. Diese

Wälder sind nicht nur grüne Lungen, sie

sind stille Wächter, die den Boden festhalten,

Lawinen bremsen und Kohlenstoff

sanft in sich aufnehmen. Die „Waldagenda

2030“ ist hier kein trockenes Papier,

sondern ein Liebesbrief an diese grünen

Riesen, die uns so viel geben.

Und das Wasser! Glasklar sprudelt es aus

den Alpenquellen, so rein, dass man es direkt

aus der Hand schöpfen möchte. Fast

jeder Tropfen, der in Südtirol fließt, wird

mit größter Sorgfalt behandelt, bevor er,

gereinigt und dankbar, in den Kreislauf

der Natur zurückkehrt. Hier wird nicht

nur bewässert, hier wird geachtet – jeder

Tropfen zählt, besonders wenn die Sonne

die Felder küsst und die Tröpfchenbewässerung

ihre sanfte Arbeit tut. Und die Artenvielfalt?

Ein Schatz, der hier mit Herzblut

bewahrt wird. Bereits 30 Prozent der

Fläche stehen unter einem schützenden

Mantel, Tendenz steigend. Flussläufe

Ein Flüstern der Bewegung:

Sanfte Wege entdecken

Das Gefühl, im Urlaub endlich das

Auto stehen lassen zu können, wird in

Südtirol Wirklichkeit. Hier schwebt

man mit den Seilbahnen sanft über die

68 LUST AUF ITALIEN 4/2025


NACHHALTIGKEIT

Täler, während die Welt unter einem

klein wird. Man gleitet mit der historischen

Kohlerer Seilbahn hinauf, die

schon seit über hundert Jahren ihre

Geschichten erzählt, oder erlebt das

Gefühl von Freiheit auf der Cabrio-

Seilbahn von Tiers, wo der Wind sanft

durch die Haare streicht.

Die „Gästekarte 2.0“ ist dabei der Zauberschlüssel

– sie öffnet nicht nur Türen

zu unzähligen Erlebnissen, sondern flüstert

einem auch zu: „Lass das Auto stehen,

entdecke die Welt zu Fuß, mit dem

Rad oder ganz bequem mit Bus und

Bahn.“ Es ist ein Tanz der sanften Mobilität,

der befreit und die Landschaft

atmen lässt. Und wenn doch einmal

ein Auto benötigt wird? Dann wartet

„AlpsGo“ mit einem Elektroflüsterer,

der leise und umweltfreundlich durch

die Täler trägt. Hier wird Besucherlenkung

nicht als Einschränkung, sondern

als Einladung verstanden – eine Einladung,

die Schönheit Südtirols auf die

achtsamste Weise zu entdecken.

Kunst, die nachdenken lässt:

Die Natur ist keine Toilette

In Partschins, inmitten der atemberaubenden

Landschaft Südtirols, regt ein

einzigartiges Kunstprojekt zum Nachdenken

an. Der Tourismusverein vor

Ort hat eine kreative Holzmontage in

Form eines Toilettenpapierhalters an

verschiedenen Wanderwegen platziert.

Doch statt der üblichen Rolle findet sich

dort ein Salzstein für Tiere, der verblüffend

wie eine Toilettenpapierrolle aussieht.

Daneben die unmissverständliche

Botschaft: „Die Natur ist nicht deine

Toilette und das ist kein Toilettenpapier.“

Diese unkonventionellen, ja, vielleicht

sogar provokanten Installationen, sollen

daran erinnern, dass die Natur kein Ort

ist, an dem Abfälle hinterlassen werden

sollten. Besonders Toilettenpapier und

Taschentücher brauchen Jahre, um zu

verrotten, und menschliche Exkremente

können für die Tierwelt gefährlich sein.

Der Salzstein hingegen ist eine willkommene

Gabe für Weidetiere wie Ziegen

und Schafe. Das Projekt zielt darauf ab,

die Aufmerksamkeit der Besucher auf die

Notwendigkeit zu lenken, die Natur zu

schützen und zu respektieren. Es ist eine

subtile, aber eindringliche Aufforderung

zu verantwortungsbewusstem Handeln.

Und wenn es keine andere Möglichkeit

gibt, die Notdurft zu verrichten, so wird

hier mitgegeben, sollten Fäkalien mindestens

15-20 cm tief vergraben werden,

um die Zersetzung zu fördern und Tiere

fernzuhalten. Für die Hygiene können

natürliche Materialien wie große Blätter

oder Moos verwendet werden, die ebenfalls

biologisch abbaubar sind. Dieses

Kunstprojekt zeigt eindrücklich, wie Ästhetik

und eine starke Umweltschutzbotschaft

Hand in Hand gehen können.

Die Seele der Gemeinschaft:

Ein Zuhause im Herzen der Alpen

Doch was wäre Südtirol ohne seine Menschen?

Sie sind das wahre Herz dieser Region,

ihre warmherzigen Gastgeber, die

das Gefühl geben, wirklich angekommen

zu sein. Die „Lebensraumgemeinschaft“ ist

kein abstraktes Konzept, sondern das pulsierende

Leben in den Dörfern, das Lachen

der Kinder, das Wissen, dass hier jeder

seinen Platz hat. Hier wird darauf geachtet,

dass die Arbeitsplätze im Tourismus

sicher sind, dass die junge Generation mit

Freude die Traditionen weiterführt. (kw)

LUST AUF ITALIEN 4/2025

69


SÜDTIROL

Sprachenflüsterer

der Alpen

Fotos: © IDM Südtirol

Wo sich Deutsch,

Italienisch und Ladinisch

die Hand geben, lässt

sich Südtirols sprachliche

Seele erkunden.

Südtirol! Mehr als Postkarte, ein lebendiges

Labor der Koexistenz. Hier

tanzen Sprachen und Kulturen in ständiger

Interaktion. Eine Reise durch

Südtirol ist eine fesselnde Expedition in

seine sprachliche DNA, wo das vertraute

„Guten Tag“ mühelos in ein melodisches

„Buongiorno“ übergeht oder

sogar auf ein warmes „Bun dé“ trifft.

Schon die erste Begegnung mit der

Region enthüllt das markanteste

Merkmal: allgegenwärtige Zwei- oder

Dreisprachigkeit auf Schildern und

in Namen wie Bozen/Bolzano oder

St. Ulrich/Urtijëi. Jeder Name ein

Echo der Geschichte seit der Abtrennung

vom österreichisch-ungarischen

Reich nach dem Ersten Weltkrieg.

Phasen der Italianisierung, Widerstand,

dann die Autonomie – Grundlage

für den Schutz der deutschen und

ladinischen Minderheit. Diese Historie

formte die heutige Landschaft, in

70 LUST AUF ITALIEN 4/2025


BRAUCHTUM

Aufmerksame

Beobachter werden zu

Sprachenflüsterer

der Deutsch, Italienisch und Ladinisch

gleich anerkannt nebeneinanderstehen,

im täglichen Ballett des Lebens.

Fast unweigerlich werden aufmerksame

Beobachter, zu „Sprachenflüsterern“,

die mit Faszination versuchen,

die feinen Codes zu entschlüsseln, den

verbalen Strömen zu folgen und zu ergründen,

wie die Menschen hier Tag

für Tag, Stunde für Stunde zwischen

verschiedenen kulturellen Identitäten

wechseln – eine Fähigkeit, die Bewunderung

hervorruft.

Sprachalltag: Schulhöfe, Ämter

& die Wärme der Dorfkneipe

Um Südtirols sprachliche Seele zu fühlen,

muss man in die Klassenzimmer,

die gemütlichen Dorfkneipen und die

Amtsstuben. Jeder Ort bietet eine einzigartige

Perspektive auf das Miteinander

der Kulturen.

In Schulen zeigt sich die kluge systemische

Grundlage des Autonomiestatuts:

getrennte Schulen für Deutsch und

Italienisch sichern die Muttersprache.

Italienisch bzw. Deutsch wird als

Fremdsprache exzellent gelehrt. Kin-

der wachsen zweisprachig auf. Eine

Lehrerin in Bozen meint: „Für die Kinder

ist das ganz normal. Sie lernen ‚richtiges‘

Deutsch und Italienisch, aber auf

dem Pausenhof reden sie, wie ihnen der

Schnabel wächst – oft ein Mix. Das ist

ihre Welt.“

Amtsstuben zeigen die offizielle Seite

der Zweisprachigkeit. Formulare

sind doppelt vorhanden, Beamte sprechen

beide Sprachen. Ein reibungsloses

Schauspiel. Der Standesbeamte im

Rathaus von Meran zuckt die Achseln:

„Wir wechseln täglich Dutzende Male

die Sprache. Das gehört einfach zu unserem

Beruf und zu Südtirol.“

Am lebendigsten wird Sprache in

Dorfkneipen oder Cafés. Hier herrscht

ungezwungener Gebrauch. In gemischtsprachigen

Gebieten wird das

Code-Switching greifbar – Sätze beginnen

deutsch, enden italienisch. Ein

Gastwirt erzählt: „Mittags reden wir,

mit den Touristen Deutsch oder Italienisch.

Abends, wenn die Stammtische

sitzen, mischen sich die Sprachen – das

ist hier normal. Man versteht sich immer

irgendwie.“ So wird die Kneipe zu

einem sozialen Schmelztiegel, wo Sprachen

Ausdruck von Zugehörigkeit sind.

Das Ladinische Juwel:

Sprache und Kultur der Dolomiten

Innerhalb dieses bilingualen Gefüges

existiert eine dritte, oft übersehene

Dimension: die ladinische Kultur und

Sprache. Versteckt in Tälern wie Gröden

und Gadertal, hat sich eine einzigartige

Gemeinschaft bewahrt. Die Entdeckung

der ladinischen Kultur ist das

Freilegen einer weiteren, strahlenden

Schicht in Südtirols reicher Geschichte.

LUST AUF ITALIEN 4/2025

71


SÜDTIROL

Südtiroler Genusswanderungen:

HüttenGlück

Fotos: © Hofer Alpl, Gardenacia, Tschafon - Astrid Dill, Jana Erb, Pralongia Alex Moling

Zwischen sanften Almen, lichten Wäldern und den

markanten Dolomiten schlängeln sich wurzlige Wege

zu Hütten, die nach frischem Holz und Bergkräutern

duften. Kein Gipfelstress, kein Wettlauf – sondern

Wandern mit allen Sinnen. Eine Einladung, die Natur

zu genießen und an besonderen Orten zur Ruhe

zu kommen. Genusswandern in Südtirol –

Schritt für Schritt zum HüttenGlück.

Südtirol – ein Land, in dem die Berge

nicht nur Kulisse sind, sondern lebendige

Begleiter auf sanften Pfaden. Hier,

zwischen den majestätischen Dolomiten

und den sonnenverwöhnten Tälern, öffnet

sich eine Welt, die Genusswandern

neu definiert. Kein Rennen, kein Wettkampf

– vielmehr ein sinnliches Eintauchen

in eine Landschaft, die mit jedem

Schritt Geschichten erzählt. Duftende

Almwiesen, gurgelnd das leise Plätschern

historischer Waale, warm leuchtende

Felsen, die im goldenen Licht der Sonne

strahlen – all das, und noch viel macht

Südtirol zu einem Paradies für alle, die

wandern, um anzukommen.

Die Region bietet ein weit verzweigtes

Netz aus über 16.000 Kilometern markierter

Wege, die sich sanft durch Täler,

über blühende Almen und vorbei an urigen

Hütten schlängeln. Genusswandern

hier heißt: die Natur mit allen Sinnen erleben,

ohne sich von steilen Gipfeln oder

anspruchsvollen Kletterpartien ausbremsen

zu lassen. Oft erleichtert eine Gondel

die Anreise, so dass der Weg zur Hütte

selbst zum entspannten Erlebnis wird.

Ob auf Almenweg am Schlern, der die

Seele mit idyllischen Landschaften umarmt,

oder entlang des Vinschgauer Sonnenbergwegs,

wo Weinberge und Gletscher

zu einem faszinierenden Panorama

verschmelzen – jede Route bietet Raum

zum Verweilen, Staunen und Genießen.

Wo Herzlichkeit und Genuss

auf Gipfeln wohnen

Angekommen, sind die Hütten selbst

mehr als nur Übernachtungsorte. Sie

sind Herbergen voller Geschichte, Herzlichkeit

und kulinarischer Kostbarkeiten.

Hier trifft traditionelle Südtiroler Gastfreundschaft

auf zeitgemäßen Komfort.

Der Luxus des gemütlichen Doppelzimmers

darf es schon sein, auch hoch oben

auf dem Gipfel. In den Stuben duftet es

nach frisch gebackenem Brot, würzigem

80 LUST AUF ITALIEN 4/2025


HÜTTEN

Schutzhaus Tschafon auf

1.737 m über Tiers am

Rosengarten

Speck und hausgemachten Knödeln. Ein

Glas Suser oder ein kräftiger Schluck

Bergwasser runden den Tag ab und lassen

den Moment in aller Ruhe ausklingen.

Schutzhaus Tschafon

auf 1.737 m über Tiers am

Rosengarten

Hoch über dem Eisacktal, dort wo der

Himmel weit und die Dolomitengipfel zum

Greifen nah scheinen, liegt das Schutzhaus

Tschafon – ein Ort, an dem die Zeit langsamer

tickt und das Leben nach Bergheu und

frischem Brot duftet. Schon der Weg hinauf

ist ein Versprechen: von Weißlahnbad

schlängelnd sich sanfte Pfade durch duftende

Latschenkiefernwälder, vorbei an wilden

Kräutern und regelmäßig beeindruckenden

Aussichten. Kein Auto, keine Seilbahn

– hier oben zählt nur, was man selbst mitbringt:

offene Sinne, ein bisschen Abenteuerlust

und die Freude am einfachen Glück.

Wer ankommt, wird belohnt mit einem

Panorama, das den Atem fliegen lässt: Rosengarten,

Schlern, Latemar – Namen, die

klingen wie Sagenfiguren, und tatsächlich

schimmert am Abend das Licht märchenhaft

über den Felsen. Die Hütte selbst ist

ein Refugium aus Holz und Herzlichkeit,

gebaut für Menschen, die das Ursprüngliche

suchen. Kein Strom in den Zimmern,

dafür Kerzenscheinromantik und Schlafnischen

mit duftendem Bergheu, knarrende

Dielen und Fenster, die den Blick freigeben

auf endlose Weite.

Hier schläft man nah an der Natur, wacht

auf mit dem ersten Sonnenstrahl und genießt

ein Frühstück, das nach Heimat

schmeckt: hausgemachte Marmeladen,

frische Butter, Käse und Speck von glücklichen

Kühen, Brot noch warm vom Ofen.

Mittags und abends locken Knödel, Omelette

mit Wildkräutern, Gulasch und Torten

mit Waldbeeren – alles, was die Saison

und der eigene Garten hergeben. Ein Glas

selbstgemachter Sirup, ein Schluck Gin

mit Südtiroler Marille, dazu das Lachen der

Wirtsfamilie – so schmeckt das Leben auf

1.737 Metern.

LUST AUF ITALIEN 4/2025

81


SÜDTIROL

Wärmend die Sonnenstrahlen

als mich der 32-Jährige an

seinem denkmalgeschützten Ansitz

Gaudententurm in Partschins

empfängt. Malerisch umgeben von

Südtiroler Weinbergen. Seine

1,5 Hektar Weinbaufläche – eingebettet

in insgesamt 6 Hektar Obst- und

Weinanbau – mögen überschaubar

wirken, doch die Leidenschaft und

das klare Qualitätsbewusstsein,

die er ausstrahlt, sind unübersehbar.

Ich bin hier, um einen Blick hinter

die Kulissen seiner Arbeit zu werfen

und zu verstehen, was die Weine des

Jungwinzers Felix von Sölder

so besonders macht.

Felix von Sölder: Ein junger Südtiroler Winzer

Zwischen Tradition

& Leidenschaft

Fotos: © Valentina Rizzo, Benjamin Pfitscher

Ein Wein, der Geschichten erzählt

Wie würdest du einem Neuling, der deine

Weine und Philosophie nicht kennt beschreiben?

Kurz überlegt er lächelnd und

antwortet: „Ich würde ihn als einen Wein

präsentieren, der sortentypisch ist, technisch

sauber und dabei eine elegante Handschrift

trägt. Es sind Weine, die den Charakter der

jeweiligen Lagen widerspiegeln und nicht

versuchen, etwas zu sein, was sie nicht sind.“

Es ist diese Ehrlichkeit, die seine Weine so

ansprechend macht – sie sprechen für sich

und erzählen die Geschichte des Bodens, des

Klimas und der sorgfältigen Arbeit.

Der „unkonventionelle“ Weg –

oder doch einfach der eigene?

Südtirol ist bekannt für seine tief verwurzelte

Weintradition. Ich frage Felix nach

dem Funken, der ihn dazu bewogen hat, seinen

vermeintlich unkonventionellen Weg

einzuschlagen. Seine Antwort überrascht

mich: „Ich empfinde meinen Weg nicht als

unkonventionell.“ Für ihn ist es vielmehr

eine logische Konsequenz seines Denkens.

Seine persönliche Motivation als Obst- und

Weinbauer ist die Herausforderung, jeden

Jahrgang so gut wie möglich auszubauen.

Seine Philosophie: Qualitätsbewusstsein.

Er setzt auf eine Symbiose aus traditionellen

Methoden und moderner Technik, was für

ihn kein Widerspruch, sondern eine sinnvolle

Kombination ist, um das Beste aus den

Trauben herauszuholen.

Nachhaltigkeit: Ein gesunder

Hausverstand

Jenseits von Zertifikaten – was bedeutet

Nachhaltigkeit für dich persönlich? Felix

lehnt sich zurück und sagt: „Ich versuche,

unkompliziert und mit gesundem Hausverstand

zu arbeiten. Und das fängt damit an,

dass man die richtige Sorte in der jeweiligen

88 LUST AUF ITALIEN 4/2025


LIFESTYLE

Lage pflanzt.“ Das ist für ihn der Kern nachhaltigen

Wirtschaftens: Im Einklang mit

der Natur zu sein, die Gegebenheiten zu

respektieren und mit Bedacht zu handeln.

Es geht nicht um Labels, sondern um die

tägliche Praxis im Weinberg und Keller.

Fokus auf das Wesentliche:

Keine Zeit für Skepsis

Man könnte meinen, ein junger Winzer

mit seinen eigenen Ideen stößt in einer etablierten

Region auf Skepsis. „Wie gehst du

damit um?“ frage Felix. Seine Antwort ist

kurz und prägnant: „Ich habe keine Zeit,

denen Acht zu geben.“ Er konzentriert sich

lieber auf seine Arbeit und die Qualität

seiner Weine, anstatt sich mit Kritik oder

Zweifeln aufzuhalten. Diese Geradlinigkeit

und der Fokus auf das eigene Tun sind beeindruckend.

Ein Wein für Luis: Stolz auf eine Cuvée

Jede Winzerkarriere hat ihre prägenden

Momente. Ich möchte wissen, was Felix besonders

stolz macht oder ihn entscheidend

geprägt hat. Er strahlt, als er von einem seiner

Weine erzählt: „Besonders stolz bin ich

auf unseren Rotwein Cuvée ‚Luis‘ aus Merlot,

Lagrein und Zweigelt, der nach unserem

Sohn benannt wurde.“ Dieser Wein ist mehr

als nur ein Produkt; er ist ein Ausdruck von

Familie, Verbundenheit und der Freude am

eigenen Schaffen. Solche Momente geben

der harten Arbeit eine tiefere Bedeutung.

Klimawandel: Extreme Wetterereignisse

fordern heraus

Der Klimawandel ist in aller Munde, und

auch in Südtirol sind die Auswirkungen

spürbar. Felix bestätigt: „Mir fallen seit Jahren

die Extreme auf: lange, heiße, trockene

Perioden gefolgt von viel Niederschlag in

kurzer Zeit.“ Diese Schwankungen stellen

die Winzer vor große Herausforderungen.

Für Felix bedeuten diese Beobachtungen,

sich ständig anzupassen und Strategien zu

entwickeln, um die Qualität der Trauben

auch unter diesen veränderten Bedingungen

zu sichern. Herausfordernd sind für ihn

generell Marktschwankungen und extreme

Witterungsereignisse.

Mundpropaganda und Social Media:

Der Weg zum jungen Weintrinker

Wie erreicht ein junger Winzer wie Felix

seine Kunden? „Die sozialen Medien sind

voll im Trend“, sagt er. Doch er betont auch

die Kraft des persönlichen Kontakts: „Neue,

junge Weintrinker erreiche ich hauptsächlich

durch Mundwerbung.“ Für ihn sind positive

Rückmeldungen der Kunden und ein

leeres Flaschenlager am Ende der Saison die

größten Erfolge. Es zeigt, dass Authentizität

und die Qualität des Produkts immer noch

die besten Botschafter sind.

Die Zukunft des Südtiroler

Weins: Fleiß und guter Ruf

Abschließend interessiert mich, wie er die

Weinlandschaft Südtirols in 10-20 Jahren

sieht. Wird die Bewegung der „Rebellen“

eine Nische bleiben oder die gesamte Region

verändern? Er äußert einen Wunsch, der

seine Bodenständigkeit widerspiegelt: „Ich

wünsche mir, dass die Südtiroler Weinlandschaft

durch den guten Ruf und den Fleiß

aller Bauern auch in Zukunft bestehen

kann.“ Es ist ein Plädoyer für Zusammenhalt

und harte Arbeit, die letztendlich den

Wert und die Anerkennung der Südtiroler

Weine sichert.

Ein Besuch beim Gaudententurm –

eine Empfehlung

Der Besuch bei Felix von Sölder am Gaudententurm

war eine inspirierende Reise

in die Welt eines jungen Winzers, der mit

Leidenschaft, Sachverstand und einer klaren

Vision seinen eigenen Weg geht. Seine

Weine sind das Ergebnis dieser Philosophie:

authentisch, charaktervoll und von

höchster Qualität. Sie spiegeln die Seele

Südtirols wider und machen Lust auf mehr.

Wer die Möglichkeit hat, sollte unbedingt

die Weine vom Gaudententurm probieren

und sich von Felix‘ Begeisterung anstecken

lassen. Ganz nebenbei findet man hier auf

dem Hof, Südtirols einzige Schnappsbrennerin.

Ein echter Familienbetrieb den Mutter

Christine und Felix tatkräftig durch

Valentina unterstützt ausdrucksstark und

ausgesucht mit Freude und Leidenschaft

regieren.

(kw)

Gaudenz

Hofbrennerei & Weingut

Gaudententurmstrasse 7 • 39020 Partschins

www.hofbrennerei.com

www.gutshof-isser.com

LUST AUF ITALIEN 4/2025

89


SÜDTIROL

40 Jahre

Höhenglück

Das funkelnde Band

der Freundschaft rund um

die Texelgruppe

Fotos: © Tourismusverein Partschins, Karin Thaler, IDM Südtirol

90 LUST AUF ITALIEN 4/2025


MERANER HÖHENWEG

Ein Fest für die Sinne! Seit vier Jahrzehnten

webt der Meraner Höhenweg Geschichten

aus Stein, Licht und herzlichen Begegnungen.

Entdecken Sie das Jubiläum dieses legendären

Pfades – und stoßen Sie mit einem

besonderen Schluck Heimat an!

Ah, der Meraner Höhenweg! Allein

der Name lässt das Herz hüpfen und

den Rucksack gedanklich schon auf die

Schulter gleiten. Eine herrliche Vorstellung:

Ein funkelndes Band, gewoben

aus uraltem Gestein, duftenden Wäldern

und saftigen Wiesen, dass sich wie

eine liebevolle Umarmung rund um die

majestätische Texelgruppe schmiegt.

Seit sage und schreibe 40 Jahren tut er

genau das – und feiert 2025 ein Jubiläum,

das so sprudelnd frisch ist wie das

klarste Bergquellwasser!

Der Weg, der mehr verbindet

als nur Täler

Es war ein besonderer Tag, dieser 30.

Juni 1985, als Helmut Ellmenreich, der

visionäre 1. Vorsitzende der Sektion Meran

im Alpenverein Südtirol, feierlich

das rote Band durchtrennte. Kein alltäglicher

Festakt, nein! Hier wurde der

Grundstein für etwas wirklich Außergewöhnliches

gelegt. Der Meraner Höhenweg,

diese wunderbaren 100 Kilometer,

sind weit mehr als nur ein Pfad. Er ist

ein Erzähler aus Stein und Wurzeln, der

nicht nur die Täler, Höfe und Gemeinden

rund um die Texelgruppe verbindet,

sondern vor allem Geschichten verknüpft,

Lebensweisen vereint und Seelen

berührt. Und jetzt, zum runden Vierzigsten,

lädt er ein zu einem Fest, das nach

Bergsommer, nach Freiheit und – ja,

tatsächlich – nach einer ganz besonderen

Limonade schmeckt! Wer hätte gedacht,

dass ein Wanderweg und ein prickelndes

Getränk so perfekt zusammenpassen?

Wo die Alpen flüstern und

brüllen können

Dieser Weg trägt zwar die Nummer 24,

aber seien wir ehrlich: Zahlen sind hier

Nebensache. Was zählt, ist das pure,

unverfälschte Erlebnis! Die Nordroute?

Ein Königreich für Schwindelfreie

und Bergfexe, wo Steinböcke so elegant

durch Geröllfelder huschen, als würden

sie Ballett tanzen. Das imposante Eisjöchl

thront hier auf 2.908 Metern und

bildet im wahrsten Sinne des Wortes

das Dach dieses Wegenetzes – ein Ausblick,

der schwindelig werden lässt (und

das nicht nur wegen der Höhe!). Die

Südroute hingegen schmiegt sich wie

eine sanfte Liebkosung an die sonnenverwöhnten

Hänge. Hier wandelt man

vorbei an knorrigen Kastanienhainen,

grüßt uralte Bauernhöfe und lässt den

Blick über das endlos scheinende Etschtal

schweifen.

„Hier sind die Alpen nicht nur Kulisse, sie

sind lebendig“, könnte man flüstern, während

man durch lichte Lärchenwälder

streift. Der Pfad windet sich über schroffe

Grate, vorbei an Wasserfällen, deren Rauschen

eine Symphonie der Natur ist. Es ist

LUST AUF ITALIEN 4/2025

91


SÜDTIROL

Südtirols

junge Winzer

erfinden

den Wein

neu

Rebellen im

Rebenland

Von Naturweinen bis bio-dynamischen Anbau –

Eine neue Generation bricht mit Traditionen und

bringt internationale Aufmerksamkeit ins Tal.

Südtirol – allein der Name duftet nach Alpenrosen,

Apfelblüte und mediterranem

Flair. Doch täuschen lassen sollte man sich

nicht: Dieses Land, im nördlichsten Zipfel

Italiens sanft gebettet zwischen majestätischen

Dolomiten, ist weit mehr als eine

alpine Märchenkulisse. Hier, wo der Weinbau

seit Jahrhunderten tief in die Seele der

Menschen gewoben ist, wo autochthone

Rebsorten wie der elegante Vernatsch, der

kraftvolle Lagrein und der betörende Gewürztraminer

das Terroir flüstern lassen,

regt sich etwas. Hinter der friedlichen Fassade

altgedienter Genossenschaften und

traditionsbewusster Familienbetriebe spürt

man ein leises Grollen – ein Aufbruch, der

die Luft zum Knistern bringt.

Es ist eine junge Generation von Winzerin-

nen und Winzern, die nun mit zarten, doch

entschlossenen Händen die Erwartungen

sprengt und die jahrhundertealten Konventionen

behutsam, aber unmissverständlich

neu definiert. Diese „Rebellen im Rebenland“

sind keine laute, gleichgeschaltete Bewegung.

Nein, es sind individuelle Pioniere,

deren Herzen im gleichen Takt schlagen:

im Ruf nach Authentizität. Sie sehnen sich

danach, das einzigartige Südtiroler Terroir

pur und unverfälscht in die Flasche zu bringen,

es von homogenen Massenprodukten

zu befreien und ihm seine wahre Stimme

wiederzugeben. Für sie ist Nachhaltigkeit

nicht bloß ein modisches Wort, sondern der

tiefste Grundpfeiler ihrer Philosophie. Angesichts

globaler Herausforderungen handeln

sie: Sie setzen auf ökologisch verantwortungsvollen

Weinbau, eine sanfte Pflege

der Reben, die weit entfernt ist von den oft

rücksichtslosen Praktiken des konventionellen

Anbaus. Dabei lassen sie sich vom weltweiten

Aufwind internationaler Weintrends

inspirieren – besonders vom boomenden

Naturwein- und Biodynamik-Segment. Es

geht nicht nur darum, die Qualität der Weine

zu steigern, sondern auch neue, jüngere

Märkte zu erschließen, die nach Echtheit

dürsten. So wird Südtirol, einst ein Sinnbild

für Beständigkeit, zum pulsierenden Brennpunkt

einer stillen, doch zutiefst revolutionären

Entwicklung. Eine Entwicklung, die

nicht nur die Gaumen verzaubert, sondern

dem Tal auch eine ganz neue, strahlende internationale

Aufmerksamkeit schenkt.

Warum jetzt? Motive und Visionen

hinter dem Wandel

Die Transformation im Südtiroler Weinbau

entspringt einem tiefen Verlangen nach dem

Ursprünglichen. Eine junge Winzergenera-

96 LUST AUF ITALIEN 4/2025


WINZER

tion kritisiert die oft uniformen Massenprodukte

und sucht den unverfälschten Ausdruck

des einzigartigen Südtiroler Terroirs.

Für sie ist Nachhaltigkeit ein Kernprinzip:

Sie streben einen ökologisch verantwortungsvollen

Weinbau an, der den hohen

Pestizideinsatz des konventionellen Anbaus

vermeidet. Diese Pioniere lassen sich von

internationalen Weintrends wie Naturwein

und Biodynamie inspirieren, um nicht nur

die Qualität zu steigern, sondern auch neue,

jüngere Märkte zu erschließen. Südtirol wird

so zum Brennpunkt einer innovativen Entwicklung,

die internationale Aufmerksamkeit

weckt.

Die Revolution: Neue Wege im

Weinberg und Keller

Der Wandel vollzieht sich in Weinberg und

Keller durch entschlossene Experimente.

Naturwein, oft als Philosophie über „ohne

Sulfite“ hinausgehend verstanden, setzt auf

Spontanvergärung und minimale Eingriffe.

Die Produktion erfordert Fingerspitzengefühl

und birgt Risiken, zielt aber auf lebendige,

ausdrucksstarke Weine ab.

Parallel dazu gewinnt der biodynamische

Weinbau an Bedeutung, ein ganzheitlicher

Ansatz, der den Weinberg als lebendigen

Organismus betrachtet. Diese Methode

fördert die Harmonie des Ökosystems und

verspricht Weine mit intensiverem Terroir-

Ausdruck, oft zertifiziert durch Demeter

oder Respekt-Biodyn. Neugierig zwischen

den Weinreben schlendernd, sagt Christine,

die Winzerin: „Mein Großvater hätte

uns vielleicht für verrückt erklärt. Doch wir

sind überzeugt: Die Zukunft des Weins liegt

nicht in der Beherrschung der Natur, sondern

in der tiefen Verbundenheit mit ihr.

Nur wenn wir dem Boden lauschen und den

Reben vertrauen, können Weine entstehen,

die wirklich leben und unsere Geschichte

erzählen.“

Ein wesentlicher Aspekt ist die Rückbesinnung

auf alte Sorten und Methoden: Fast

vergessene, autochthone Rebsorten werden

wiederbelebt. Im Keller kommen Amphoren

und große Holzfässer zum Einsatz, und

der verlängerte Maischekontakt erzeugt besondere

Orange Wines. Die Rolle der Genossenschaften

wird neu bewertet: Einige

Winzer grenzen sich ab, andere suchen die

Koexistenz oder gar Kooperation, um Innovationen

zu fördern.

Herausforderungen und Chancen:

Der steinige Weg der Pioniere

Der Weg der jungen Winzergeneration

in Südtirol ist voller Herausforderungen.

Die etablierte Winzerszene reagiert

mit Skepsis, doch zunehmend auch mit

Anerkennung. Bürokratie und Zertifizierungen

wie Bio- oder Biodyn stellen

Hürden dar, besonders bei Naturweinen.

Auch der Markt und die Konsumentenakzeptanz

erfordern viel Aufklärungsarbeit,

da die höheren Produktionskosten

sich im Preis niederschlagen. Doch das

wachsende Interesse an Authentizität

und Nachhaltigkeit stärkt die Pioniere.

Internationale Aufmerksamkeit durch

Kritiker und Sommeliers ist dabei ein

wichtiger Motor, der Südtirol als „Hotspot“

für innovative Weine etabliert und

den eingeschlagenen Weg bestätigt.

Die Zukunft des Südtiroler Weins:

Eine Vision

Die Zukunft der Südtiroler Weinlandschaft

verspricht eine spannende Integration

und Koexistenz von Tradition und

Innovation. Die „Rebellen“ könnten die

gesamte Region prägen, indem sie eine

Synergie zwischen Alt und Neu schaffen.

Wein wird dabei immer stärker als Kulturgut

verstanden, das die Identität Südtirols

widerspiegelt. Die Entwicklung einer einzigartigen

Weinidentität, die Altes ehrt

und Neues wagt, steht im Mittelpunkt.

Für Weinliebhaber bleibt die klare Einladung:

Probieren ist der Schlüssel, um diese

faszinierende Reise in die Zukunft des

Südtiroler Weins selbst zu erleben.

LUST AUF ITALIEN 4/2025

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FRIAUL-JULISCH SÜDTIROL VENETIEN

Ein kleines Glossar der neuen

Weinkultur

Die Welt der „Rebellen im Rebenland“

spricht eine eigene, faszinierende Sprache.

Um ihre Philosophie und ihre Weine

wirklich zu verstehen, ist ein Blick auf die

Schlüsselbegriffe hilfreich. Hier tauchen

wir ein in die Essenz dessen, was Südtirols

junge Winzer bewegt:

Autochthone Rebsorten: Dies sind die

heimischen Schätze Südtirols – Rebsorten

wie Vernatsch, Lagrein oder Gewürztraminer,

die seit Jahrhunderten in einer Region

beheimatet sind und sich perfekt an

deren Klima und Boden angepasst haben.

Sie sind die unverwechselbare Stimme des

Terroirs.

Biodynamie: Viel mehr als nur Bio! Biodynamischer

Weinbau ist ein ganzheitlicher,

spirituell inspirierter Ansatz, der den

Weinberg als lebendigen Organismus im

Einklang mit den kosmischen Rhythmen

betrachtet. Es werden spezielle Präparate

eingesetzt und Aussaat- sowie Erntezeiten

nach Mond- und Planetenständen ausgerichtet,

um die Vitalität des Bodens und

der Pflanzen zu stärken.

Maischegärung: Ein traditioneller Prozess,

bei dem nicht nur der Saft, sondern

auch die festen Bestandteile der Trauben

VORSCHAU

Südtirol

(Schalen, Kerne, manchmal Stiele) während

der Gärung mitvergoren werden.

Dies extrahiert mehr Farbe, Tannine und

Aromen, was dem Wein eine besondere

Struktur und Tiefe verleiht.

Naturwein: Der radikalste Ausdruck des

natürlichen Weinbaus. Naturweine werden

mit minimalem menschlichem Eingriff

hergestellt: oft spontan mit wilden

Hefen vergoren, ohne Zusätze von Schwefel

(oder nur in sehr geringen Mengen),

ohne Schönung oder Filtration. Das Ziel

ist ein Wein, der die reine Essenz der Traube

und des Terroirs widerspiegelt.

Orange Wine: Ein Weißwein, der wie ein

Rotwein hergestellt wird – durch eine längere

Maischegärung der weißen Trauben.

Dadurch nimmt der Wein eine charakteristische

bernsteinfarbene bis orangefarbene

Tönung an und entwickelt komplexe Aromen

von Trockenfrüchten, Nüssen und

Tee sowie eine spannende Tanninstruktur.

Terroir: Dieser Begriff beschreibt die einzigartige

Kombination aller natürlichen

Faktoren, die einen Wein prägen: das Klima,

die Bodenbeschaffenheit, die Hangneigung,

die Höhe und die Exposition gegenüber

der Sonne. Es ist die „Handschrift“ des

Ortes, die jedem Wein seinen unverwechselbaren

Charakter verleiht. (kw)

05/2025

ERSCHEINT ANFANG

DEZEMBER 2025

IMPRESSUM

Herausgeber und Chefredakteur:

Stephan Quinkertz (v.i.S.d.P.)

Redaktion:

Jörn-Erik Burkert (je), Jonas Haferanke (jh),

Christina Quinkertz (cq), Katja Wegener (kw)

Grafik:

Sara D‘Auria, www.inframedesign.de

Harald Sayffaerth, www.01graphics.de

Barbara Klinzer

Verlagsadresse:

Square Publishing GmbH, Redaktion „Lust auf Italien“

Am Hochacker 3 / Pav 01 85630 Grasbrunn

info@square-publishing.com

Druck:

Mayr Miesbach GmbH

Am Windfeld 15, 83714 Miesbach

www.lust-auf-italien.com

www.square-shopping.com

Einzelpreis Stammheft: 7,90 €

Einzelpreis Sonderheft: 10,50 €

Einzelpreis „Lust auf Cucina Italiana“: 5,50 €

Einzelpreis City-/Regionguide: 10,50 €

Jahresabonnement (6 Hefte): 48,-- Euro.

Jahresabo (6 Hefte) Österreich, Schweiz, restliches

Europa 60,-- Euro. Weitere Auslandspreise auf Anfrage.

In den Preisen sind die Mehrwertsteuer und Zustellung

enthalten, bezogen auf 6 Ausgaben im Jahr. Der Verlag

behält sich die Änderung der Erscheinungsfrequenz vor.

Abonnementservice:

Leserservice „Lust auf Italien“

Postfach 1363, 82034 Deisenhofen

Tel. +49 (0)89 / 85853-842

E-Mail: italien@cover-services.de

Einzelheftbestellung:

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litalien@cover-services.de

Vertrieb Einzelverkauf:

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Für Südtirol: Paul Pöder

Tel. +39 348 2292292 – info@paulpoeder.com

Anzeigengrundpreise:

Es gilt die Preisliste Nr. 10 vom 1.1.2025

Manuskripteinsendungen:

Manuskripte jeder Art werden gerne entgegengenommen.

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Magazin „Lust auf Italien“ der Firma Square Publishing

GmbH. Ein Einsenden garantiert keine Veröffentlichung.

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„Lust auf Italien“ erscheint zweimonatlich. Bei höherer

Gewalt entfällt die Lieferpflicht. Alle Rechte vorbehalten.

Gerichtsstand: München

Geschäftsführer:

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