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MIXOLOGY ISSUE #129 - Naked & Famous. Ein Phänomen.

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5/ 2025 — 23. Jahrgang

Einzelverkaufspreis: [D] 13,00 € — [A, LUX] 14,00 € — [CH] 15,50 CHF


KOMM,

WIR GEHEN ZU

LOUIS!

Uwe Heine und Tobias Lindner haben

mit ihrer Arbeit im Jigger & Spoon

die letzten Jahre der Stuttgarter

Barkultur entscheidend mitgeprägt.

Jetzt eröffnen beide ihr erstes Projekt

als Unternehmer-Duo. »Brother

Louis« soll ein Ort für Interaktion,

Vielfalt und zeitgemäßes Trinken

werden. Ein Baustellenbesuch.

Die Arbeitsstation stammt von »Behind

Bars« aus Norwegen

Text Yannik Förther-Barth

Teil 1 › Tobi und Uwe

Tobi Lindner

und Uwe Heine

blicken an

ihrem brandneuen

Tresen

optimistisch in

die Zukunft

Tobi und Uwe muss man nicht vorstellen.

Wir tun es trotzdem. Tobias Lindner hat eigentlich

Geografie studiert und schrieb seine

Masterarbeit über die »Festivalisierung des öffentlichen

Raums«. Der Rheinländer begann

einst im Bonner Old Jacob und arbeitete sich

über Frankfurt in den Süden bis ins Jigger &

Spoon, in dem er 2019 Headbartender wurde.

Nach fünf Jahren kam 2024 mit dem Plan der

Selbstständigkeit der Abschied von dort. Uwe

Heine hingegen ist einer der Gründer der eben

genannten Stuttgarter Institution und weist

knapp 20 Jahre Gastronomieerfahrung auf. Der

gelernte Maurer, der nach eigenen Angaben

nie einen Tag in seinem Lehrberuf gearbeitet

hat, war lange Bürokaufmann und wollte etwas

mit Menschen machen. »So landete ich in der

Kneipe«, erzählt er. Von der damaligen Berliner

Bar Marqués gelangte er schließlich nach Stuttgart

in die Schwarz Weiß Bar, Paul & George

bis zur Selbstständigkeit mit dem Jigger

& Spoon. 2023 stieg er aus dem Jigger aus und

übernahm eine Vertriebsstelle bei Suntory. So

begegneten sich die beiden Herren erneut und

beschlossen, gemeinsam eine Bar zu eröffnen,

Fotos: Yannik Förther-Barth; Brother Louis

14 NEUE BAR


wobei Lindner als Geschäftsführer und Heine

als Betriebsleiter fungiert: »Tobi und ich schauten

uns mit drei Gläsern Wein im Kopf an und

sagten: ›Wir machen’s!‹«, erzählt Heine grinsend.

Da stehen wir also. Auf der Baustelle dessen,

was in wenigen Wochen Brother Louis

heißen wird.

Teil 2 › Die Location

Nachdem das Duo eine Weile suchte, fanden

sie eine Location am Marienplatz im Südwesten

der Stadt. Relativ zentral und gut erreichbar,

befindet sich die Bar im Heslacher Schlößele:

ein geschichtsträchtiges Haus, das natürlich

unter Denkmalschutz steht und zuletzt ein afrikanisches

Restaurant beherbergte. Der Marienplatz,

der eigentlich als Hipster-Spot gilt, ist

in den letzten Jahren stark im Kommen. Um

die Ecke sind einige Hotels, zweimal die Woche

findet ein Biomarkt statt und das Publikum ist

heterogen – von Rentnern über Studenten bis

zu Business-Klientel und Expats. Genau diese

große Bandbreite an verfügbarem Publikum

wollen die beiden neuen und alten Barbetreiber

(für Lindner ist es das erste eigene Projekt)

am Marienplatz abholen.

Noch ist der

Raum leer,

bald gehen

hier Drinks auf

Basis von Wein

an bis zu 80

Gäste

Das Herzstück des Ladens bildet der Tresen

selbst, und der kann sich sehen lassen: In die

Theke aus schwerem, grünem Quarzgemisch ist

eine maßgeschneiderte Arbeitsstation von Behind

Bars eingelassen – dass es also nicht nur

um den Look geht, sondern auch um ein praktikables

Arbeitsumfeld, wird schnell deutlich.

Die räumliche Anlage des Tresens macht außerdem

klar: Die beiden Wirte wollen einen offenen

und interaktiven Umgang mit dem Gast,

und so hat die Bar eher eine Art Tischcharakter,

wie man es etwa aus dem Buck & Breck in

Berlin kennt. Die Sitzgelegenheiten wurden auf

verschiedene Arten gestaltet, was nicht zuletzt

an der Ausrichtung des Raumes und der riesigen

Fensterfront liegt, die sich direkt gegenüber

dem Tresen befindet. Etwa 80 Gäste sollen

insgesamt Platz finden können, wobei auch für

einige zusätzliche Stehplätze gesorgt ist. Wie

genau das alles dann am Ende aussieht, wird

sich konkret zeigen müssen, denn zu Redaktionsschluss

befindet sich die Bar noch stark in

der Entstehung.

Teil 3 › Vom kleinen Drink

bis zum großen Gewächs

»Stuttgart ist Genussstadt, man darf sich aber

nicht zu ernst nehmen«, grinst Lindner, als er

über das Konzept spricht. Was den Betreibern

dabei besonders wichtig ist: Die Drinks vom

regulären Menü sollen Low-ABV sein: »Wir sehen

den Trend, weniger stark zu trinken, und

haben überlegt, wie wir ihn uns zu eigen machen

können.« Ausnahmslos alle Drinks der

Karte sollen auf der Basis von Wein oder Weinaperitif

sein, Spirituosen wiederum werden

eher als Modifier zum Einsatz kommen. Zum

Zeitpunkt des Besuchs entsteht etwa gerade

ein Drink auf der Basis von Chardonnay und

Sellerie, dessen Inspiration Lindner aus einem

Besuch in einem Sternerestaurant gezogen hat.

Generell wird Wein das bestimmende

Trink-Element im Louis sein. Württemberg ist

zwar durchaus eine schöne, wenn auch nicht

besonders große Weinregion, das Angebot der

Bar wird sich aber auch an anderen deutschen

und internationalen Anbaugebieten bedienen:

»Das Ganze sollte auf Augenhöhe geschehen.

Wir möchten, dass die Leute sehen und verstehen,

was wir uns dabei gedacht haben – ohne

dass das Ganze arrogant wirkt.« Passend zum

Wein folgen Lindner und Heine der in Bars

immer stärkeren Tendenz zu einem echten

Food-Angebot – sodass man Abende auf unterschiedliche

Weise gestalten kann. Ob man zum

Essen kommt, für ein Glas Wein und ein paar

Austern, oder den Abend an der geräumigen

Bar verbringt, um sich den ein oder anderen

Signature (und natürlich auch Klassiker) zu genehmigen,

kommt also ganz auf den Gast selbst

an. Der Raum selbst bietet die Möglichkeiten.

Außerdem ließ der gebürtige Bonner Lindner

es sich natürlich nicht nehmen, ein Fass Kölsch

im Laden anzuschließen.

Zum Konzept der beiden gehört auch, den

bereits bestehenden Teil des Teams in den

kreativen Schaffensprozess einzubinden. Mit

Udo Bosch (ehemals z. B. Ihro, Mannheim)

und Lisa Neubauer (zuvor Speisemeisterei,

Stuttgart) sind bereits ein jüngeres Talent sowie

eine erfahrene Barfrau (und Sommelière!)

an Bord, die das erste Kapitel des Brother Louis

mitprägen könnten. »Wir haben uns aktiv

für Menschen entschieden, die verstehen, wie

ein Drink funktioniert, aber auch Erfahrung in

Gastronomie auf höherem Niveau gesammelt

haben«, so Heine und Lindner. So sollen auch

die Hierarchien im Betrieb bewusst flach gehalten

werden: »Wir wollen die Stärken des

Teams richtig ausspielen und niemanden in

eine Rolle drängen, die vielleicht gar nicht zu

ihm passt.« Vielmehr sollen die Mitarbeitenden

im Lauf der Zeit ihre Rollen finden – und

dann ausfüllen. Es ist ein modernes Konzept

der Teamführung, das gut zur Einstellung der

beiden Betreiber passt.

Teil 4 › Who the Fuck

is Louis?

Die Frage nach dem Namen der Bar ist gleichzeitig

die Frage nach ihrer Identität. Brother

Louis ist kein Verwandter, auch keine Anspielung

auf den Sonnenkönig und zum Glück

ebenso wenig Reminiszenz an Modern Talking.

Es ist der Versuch, dem geschichtsträchtigen

Raum, in dem die beiden Besitzer ihrer Kreativität

freien Raum lassen, durch Personifizierung

gerecht zu werden.

Er ist der Freund, den man bei seiner Schicht

besucht, die Freude, ein bekanntes Gesicht zu

sehen: »›Komm, wir gehen zu Louis‹ klingt einfach

gut«, lacht Tobi Lindner. Und so öffnet

das Etablissement mit etwas Verspätung voraussichtlich

Mitte Oktober seine Pforten. Und

Stuttgart könnte damit eine neue, langfristige

Bar-Institution bekommen.

__

15


FEA

Dass Münster Crack-City

ist, weiß man. Dass man

mit 97 Jahren gern einen

»Yellow Submarine« bestellt,

wissen nur wenige. Fea und

Timo Dunse gehören allerdings

dazu und teilen ihr

Wissen bei einem Besuch in

der Balthazar Bar im Münsteraner

Bahnhofsviertel.

IM

CHAMPAGNER

SONNENSYSTEM

TIMO

Interview Juliane E. Reichert

Porträts/Moods Paul Popanda

Drinkfoto Fea Dunse

16 AUF EIN GLAS MIT …


Timo Dunse: Ist etwas Prickeln auch okay für

euch oder mögen nur wir das so sehr?

Mixology: Wir mögen grundsätzlich alles und

haben keine Allergien, schenk gerne ein. Seit

wann gibt es euch also und warum?

Fea Dunse: Wir haben am 12. Juni 2021 hier

eröffnet, als die total typischen Quereinsteiger,

würde ich sagen. Während wir die Bar eröffnet

haben, habe ich noch Design studiert;

Timo hat auch schon mal studiert, VWL. Ich

habe sogar auch schon mal Jura studiert, also

alles ein bisschen, nebenbei aber immer in

der Gastronomie gearbeitet. Mein erster Job

war mit sechzehn bei Burger King. Das hat

mir direkt gut gefallen und so bin ich in der

Gastronomie hängengeblieben, habe mich

dort immer weiterentwickelt – obwohl ich

auch andere Dinge gemacht habe. Und bei

Timo war es ähnlich.

Ihr habt den gleichen Nachnamen, seid aber

keine Geschwister.

Fea: Nein, wir sind schon sehr lange ein Paar,

seit Silvester 2020 auch verheiratet.

Also genau pünktlich noch vor der Öffnung der

Bar.

Fea: Eigentlich wollten wir schon in der Bar

selbst Hochzeit feiern, aber durch Corona wurde

das nichts. Winter ist sowieso unsere Hauptzeit,

würde ich sagen. Passt auch zu unserem

Champagner-Faible, das Jahresende. Wobei

der auch sonst immer fließt. Wir haben uns,

wie man ja auch am Kühlschrank sieht, spezialisiert

auf Champagner von kleinen Winzern.

Da wäre zum Beispiel der aus Montagne de

Reims, genauer gesagt Vallée de l’Ardre, das ist

so ein ganz kleiner Bereich. Das hier ist jetzt

ein Blanc de Noir aus je fünfzig Prozent Pinot

Noir und Meunier. Gar kein Restzucker.

Nun sind wir kein Prickel-Magazin, aber

spannend allemal.

Fea: Ist es! Der lag zwei Jahre lang im Barrique,

ein vollfetter Grundwein. Ist ein bisschen fies,

von den Jahrgangsweinen zu erzählen, weil es

die nicht mehr gibt, aber das war wie so ein

Pflaumenkuchen, bloß nicht so süß, trocken

aber opulent, toll.

Würdet ihr Champagner als euren Fokus

betrachten? Kann man ja auch mit mixen.

Fea: Ja, also wir haben auf der einen Seite natürlich

Drinks, die sind im Fokus. Andererseits

ist da auf jeden Fall Champagner, der uns als

Bar auch ausmacht. Jedes Wochenende gibt es

bei uns einen anderen im offenen Ausschank,

sodass man echt viel bei uns probieren kann

– also neben dem einen im ständigen Offenausschank,

der dann auch in die Drinks mitkommt,

denn Champagnerdrinks machen wir

auch sehr, sehr gerne.

Now we’re talking. Was, außer French 75,

wandert bei euch alles über den Tresen?

Timo: Was wir gerade dahaben; wir kreieren

selbst viel mit Champagner. Wichtig ist, dass es

für die Gäste auch mit dem Geldbeutel passt.

Wer sind die denn? Und wie steht es mit den

internationalen Gästen?

Fea: Seitdem jetzt die Flugverbindung London–Münster

offen ist, sind Leute aus London

tatsächlich mehr geworden – wir wurden sogar

schon in der London Times erwähnt! Es war

mal ein Journalist hier, dem hat’s sehr gemundet

und der hat einen Artikel über Münster

geschrieben. Umso blöder, dass danach unser

Menü ausgelaufen ist. Wir produzieren nämlich

so wenig, dass wir sicherstellen, nicht viel

wegschmeißen zu müssen. Ihr seid übrigens

die ersten, die von der neuen Karte probieren.

Mindestens alle fünf bis sechs Monate wechseln

wir.

Wir befinden uns hier mitten im Rotlichtmilieu

der 70er-, 80er-Jahre. Beschäftigt ihr euch

im Menü auf eine irgendwie geartete Form mit

dem Ort?

Fea: Diese Bar war ein Traumfund für uns. Wir

sind ja ein Drogenschwerpunkt hier, Münster

hat allgemein eine sehr offene Drogenszene,

was das angeht, Crack vor allem. Der Vermieter

wusste sehr genau, wen und was er hier haben

wollte und das waren dann eben wir; weil wir

uns mit dem Ort und seiner Geschichte beschäftigt

haben, uns auf ihn eingelassen und

eingestellt haben.

Und wie finanzieren zwei quereinsteigende

Studis eine Bar im Rotlichtquartier?

Fea: Als Designerin kann man schon mal viel

von Hand machen, als VWLer hat man den

Sinn zum Wirtschaften. Sehr viel hat uns natürlich

auch der Kredit bei der KFW-Bank geholfen;

außerdem, dass wir beide Expertise in

der Gastronomie hatten und wussten, dass wir

das können und wollen. So kam es zum Gründerkredit.

Ein gastro-affiner Bankberater half

natürlich auch. Wir arbeiten sehr konzeptorientiert

und das hat man von Anfang an gesehen.

Wie denn?

Fea: Im Menü zum Beispiel. Klar, es gibt die

Klassiker, aber die stehen nicht mehr auf der

Karte. Mag mein designerischer Hintergrund

sein, aber mir war das sehr wichtig, dass diese

Sache konzeptionell Hand und Fuß hat.

Timo: Das erste Menü haben wir während der

Pandemie im Wohnzimmer entwickelt, vom

Kopf aufs Papier.

Und nach welchen Gedanken habt ihr entwickelt?

Fea: Nach Kategorien. Wir hatten beispielsweise

einen Dessert-Drink, dann hatten wir einen

Bereich, der hat sich mit dem Rotlichtmilieu

beschäftigt. Nachhaltigkeit auch, aber das ist

so ein seltsames Wort dafür, denn wir arbeiten

nicht komplett nachhaltig – wir versuchen es

eben so gut wie nur für uns möglich. Das Wort

ist verbraucht. Wir tun unser Bestes, aber das

ist die Kategorie nicht wert. Gerade haben wir

ein Menü, das angelehnt ist an den Weltraum

und Science Fiction. Also als erstes haben wir

uns inspirieren lassen von der Popkultur, von

Per Anhalter durch die Galaxis. Das letzte

Menü drehte sich also ums Sonnensystem. Das

ist eure letzte Chance, und ich find’s supergeil.

Das neue heißt »Verflucht und vergöttert«.

Sagt ja auch was.

Oha, so spirituell! Machen eure Drinks weiser?

Fea: Na ja, ich sage mal so: Meine Oma war die

älteste Gästin damals mit 97 Jahren hier. Ich

glaube, sie hatte den »Yellow Submarine«.

Timo: Glaube ich auch.

Dann scheint ihr eine lebenserhaltende Wirkung

zu haben. Gibt es auch Dates bei euch?

Könnt ihr euch erinnern, wann ihr zuletzt

eingreifen musstet? Bietet man irgendwann

noch einen extra oder gar keinen Drink mehr

an, weil es einfach nicht läuft?

Fea: Ja, dann eher gar nichts, irgendwie raushelfen,

denn das ist manchmal richtig furchtbar

mit anzusehen. So einen Fall haben wir

aber relativ selten. Wir hatten mal ein Pärchen

hier, die brauchten echt Drama in ihrer Beziehung.

Dann gibt es aber auch Positivbeispiele,

ein erstes Date etwa. Die sind inzwischen immer

noch zusammen, sind Stammgäste, wohnen

irgendwo in der Nähe von Dortmund. Ich

würde auch wetten, sie trauen sich bald.

Und wir trauen uns für einen nächsten Drink.

Welchen denn?

Timo: Den »Cassiopeia«, basierend auf einem

Blend aus Barbados- und Jamaika-Rum, richtig

fruchtig; daher kommen auch die Bananen,

unterschwellig. Dazu den selbstgekochten Pandansirup

und Limettenwasser, selbst hergestellt.

Und ein bisschen Absinth und Champagner.

Wie viele Umdrehung hat der? Um die zwanzig?

Timo: Ja, ein bisschen weniger, achtzehn vielleicht.

Schlürft sich aber wie Rosenwasser, sehr schön.

17


48 SPIRITUOSE

DIE EINEN SAGEN, GIN SEI IN DER MIDLIFE

CRISIS ANGEKOMMEN. DOCH EIGENTLICH FINDET

ER GERADE ZURÜCK ZU SEINEM ECHTEN WESEN


den Ast. Der Aufstieg des Gin hingegen startete

in Wahrheit noch vor dem Millennium,

wenn man an die Fackelträger des Wacholders

denkt. Die kann man an Daten festmachen:

Hendrick’s startete 1999 und Bombay Sapphire

1998. Sie kamen vielleicht nicht gleich auf

volle Touren. Doch wir reden von zumindest

zwei Jahrzehnten, in denen man als Bar nicht

um das Spiel namens G&T herumkam. Wir

erinnern uns an die lustigen Zeiten: Rosenblüten,

Gurkenscheiben, Kumquat-Hälften,

Lego- Steine … praktisch alles durfte ins Longdrinkglas.

Vom Party-Hengst zum

Patienten

So schnell kann’s gehen: Der Überflieger

der 2010er befindet sich im freien Fall. Die

Übersättigung des Marktes und neue Trinkgewohnheiten

haben dem Gin den Garaus

gemacht. Das einzig Gute daran: Wer jetzt

Gin trinkt, mag ihn wirklich. Vor allem in

Cocktails, die ihre

eigene Geschichte

erzählen.

Text Roland Graf

Illustrationen Inga Israel

Wäre Gin ein Mann, läge der Befund auf der

Hand: Akute Midlife-Crisis! Was für die alternden

Herren schrille Hemden und Sportwägen

sind, waren im Falle des Destillats quietschbunte

Abfüllungen. Wie beim neu angeschafften

Cabrio ging es darum, flotter (beim Einschenken)

zu sein und nie zu bremsen. Doch irgendwann

geht es dann halt nimmer. Weder bei den

Graumelierten mit der Basecap noch bei den

Getränketrends. Und irgendwann ist jetzt.

Dabei erwies sich Gin als erstaunlich standfest.

Wer erinnert sich etwa noch an die Halbwertszeit

der neuen Sau im Dorf namens Hard

Seltzer? Ein Markt-Potenzial von zig Milliarden,

so hieß es aus den USA. In Deutschland

aber eine Schwalbe, die nur einen Sommer

flog. Und dann eine Bauchlandung hinlegte,

von der man gar nicht wusste, dass Schwalben

sie draufhaben. Sogar in den USA ist Hard

Seltzer inzwischen wieder auf dem absteigen-

Doch diese Party ist schon länger vorbei. Allein

2023 fielen die Gin-Absätze im Trend-Markt

Großbritannien um gleich 16 % ab. Daran wird

sich auch in absehbarer Zeit nichts ändern. Die

Wachstumsprognose alias compound annual

growth rate (CAGR) verdient diesen Namen

bis 2028 eigentlich nicht mehr: Einen jährlichen

Rückgang von 5 % sagt das Institut IWSR

für die kommenden Jahre voraus. Und so lange

der Boom auch gedauert hat, so gierig frisst er

seine Kinder. Denn vor allem die letzten Treiber

des Wachstums in der Kategorie erweisen

sich als erstes Opfer: Die sogenannten flavoured

Gins – technisch an sich keine sinnige Bezeichnung

– liegen wie Blei in den Regalen.

Auch die Klassiker lassen Federn

Doch es trifft nicht nur Spirituosen mit Yuzu-

Tangerine- oder Speck- und Meerrettich-

Geschmack, also die so berüchtigten Agentur­

Gins. Schon vor dem lange währenden Boom

bekannte Marken wie Tanqueray müssen

genauso Federn lassen. Ein Minus von zehn

Prozent beim verkauften Volumen ist für Weltmarktführer

Diageo ein seltener Rückschlag,

und doch schlägt er für die Kategorie Gin im

Jahresbericht 2024 zu Buche. Mit 4,4 Millionen

Cases (zu neun Litern) stand man im Vorjahr

damit gleichauf mit dem Rivalen Bombay

Sapphire (im Besitz von Bacardi), der minus

4,6 Prozent im Jahresvergleich vermeldete.

Bei Beefeater, dem Gin-Flaggschiff aus dem

Hause Pernod Ricard, sieht es nicht weniger

dramatisch aus. Das Volumen sank im Vorjahr

ebenfalls um rund zehn Prozent. Was sich in

absoluten Zahlen auf 200.000 cases weniger

summiert – es sind also Millionen Liter Gin,

49


Drei Kreuze

für ein Hallelujah

AMSTE

Text Manuel Bieh

Foto: Dutch Courage

58

STADTGESCHICHTEN


Amsterdam ist etwas kleiner als Köln und nur halb so

groß wie Hamburg. Dafür hat es zigmal so viele Touristen.

Und über 100 Michelin-Restaurants. Auch die Anzahl der

wirklich guten Bars ist so hoch, dass sie nie in einen Artikel

passen werden. Man könnte das auch das »San-Francisco-Syndrom«

nennen. Oder man geht einfach in die

Bars und freut sich.

RDAM

Foto: Jose Llamas via unsplash

59


NACKT.

BERÜHMT.

JETZT.

In Nordamerika ist

der Naked & Famous

längst als moderner

Klassiker etabliert.

In Europa erlebt er

hingegen erst seit

vergleichsweise Kurzem

ein Momentum,

dafür aber umso

heftiger. Und das ist

gut so, denn er hält

zwischen den Hypes

um Espresso Martini

und Porn Star Martini

auch die Flagge

seriöser Drinks

aufrecht – und das

ausgerechnet unter

Zuhilfenahme von

Aperol. Annäherung

an ein Phänomen.

68 COCKTAIL


Ein verspielter Drink aus einer ernsten Zeit

Text Nils Wrage

Fotos Jule Felice Frommelt

Drink-Design Robert Schröter

Falls man im Jahr 2011 als DJ im seinerzeit ziemlich populären

Bereich elektronisch infizierten Indie-Pops tätig war (was auf

den Autor dieses Textes eventuell zutreffen könnte), so kam

man in besagtem Jahr nicht an dem Song »Young Blood« der

neuseeländischen Band The Naked And Famous vorbei. Ein

Raum voller Jungs in Röhrenjeans und weißen Chucks sowie

Mädchen, die aussahen wie Karen O von den Yeah Yeah Yeahs

und ebenfalls weiße Chucks zu schwarzen Leggins tragen?

Die Wahrscheinlichkeit, diesen Raum mit dem Song vom Album

»Passive You, Aggressive Me« in erhebliche Wallung zu

versetzen, war recht groß. Ein Jahr später kam man an dem

Song übrigens immer noch nicht vorbei. Eine ziemlich starke

Coverversion des Songs der zum damaligen Zeitpunkt noch

blutjungen Birdy trug ebenfalls dazu bei.

Bartender:innen hingegen trugen 2011 häufig Kleidung, die

ans späte 19. Jahrhundert erinnerte. Sollte man für den Bartender-Look

von damals ein optisches Vorbild in der Popmusik

gesucht haben, hätten wahrscheinlich Mumford & Sons am

besten gepasst. Die Renaissance der handwerklichen Bar war

ungefähr ein Jahrzehnt alt und in full swing. Man trug Fliege

und Weste zum Hemd. Man presste

wieder Zitronensaft. Man organisierte

auf verschlungenen Wegen

NAKED &

FAMOUS

Joaquín Simó, 2011

2,5 cl Mezcal

2,5 cl Aperol

2,5 cl Chartreuse Jaune

2,5 cl frischer Limettensaft

GLAS: Coupette/Nick & Nora

GARNITUR: keine

ZUBEREITUNG: Zutaten im Shaker

mischen, mit Eiswürfeln auffüllen

und kräftig schütteln. Doppelt ins

vorgekühlte Glas abseihen.

Luxardo Maraschino oder Bitters

von Fee Brothers nach Deutschland.

Man debattierte bei – kein

Scherz! – Facebook inbrünstig mit

Bartender:innen aus Melbourne,

Kapstadt oder Tokio darüber, ob

man nach dem Schütteln einen Probetropfen

vom Handrücken schlotzen

darf oder warum in den Negroni

keine Orangenscheibe, sondern nur

eine Zeste darf. Man war so ernst zu

nehmend wie bierernst und rührte

sehr viele Old Fashioneds. Und da

sie 8 cl High Proof Bourbon enthielten

und normalen Gästen nicht

schmeckten, waren sie credible.

Vor diesem Hintergrund wirkt der »Naked & Famous«, den Joaquín

Simó im erwähnten Jahr entwickelte, beinahe verspielt:

Klar, Mezcal für die damals so dringend benötigte Sperrigkeit

und Betonung der Individualität. Und in den USA konnte man

Mezcal damals auch schon problemlos kaufen. Zudem wählte

Simó mit Del Maguey Chichicapa einen kraftvollen, robusten

Mezcal mit vergleichsweise hohem Alkoholgehalt. Der Mezcal

bestimmt den Cocktail, auch wenn alle vier Zutaten zu gleichen

Teilen enthalten sind. Doch nach Mezcal und gelber Chartreuse

stockte der Blick: Aperol. Ausgerechnet Aperol! Der softe,

süße, beinahe fluoreszierend orange leuchtende Aperitiflikör?

In einem Drink mit echter Credibility? Immerhin arbeitete

Simó damals im Death & Co, einer der wichtigsten, progressivsten

nordamerikanischen Bars dieses Jahrhunderts. Aperol

musste zumindest zu einer hochgezogenen Augenbraue führen.

Doch auch mit der Distanz von 14 Jahren begründet er

die Entscheidung für Aperol sehr schlüssig: » Ich hatte wirklich

Probleme damit, einen Ersatz für Maraschino zu finden

– nichts passte wirklich, wenn man ihn zu gleichen Teilen hinzufügte.«

Die Auseinandersetzung mit dem Paper Plane und

dessen Kombination aus Chartreuse und Nonino Amaro sei

dann allerdings ein Augenöffner gewesen: »Ich probierte dann

verschiedene Amari zu gleichen Teilen mit gelber Chartreuse,

um herauszufinden, welche gut dazu passten. Ich wollte die honigartigen

Kräuternoten nicht überdecken, sondern nur ergänzende

Geschmacksnuancen hinzufügen. Campari

erwies sich als zu ›laut‹, Aperol hingegen fügte

genau die richtige Menge an Zitruskomplexität

und Süße hinzu, um für die richtige Balance

und das richtige Mundgefühl zu sorgen.«

Die zweite Augenbraue dürfte vielen Barleuten wiederum bei

der ersten Lektüre des gesamten Rezepts nach oben gewandert

sein. Man kennt das von dieser wilden, nicht näher definierten

Cocktailfamilie, deren Angehörige zu gleichen Teilen aus

vier Zutaten bestehen, die auf dem Papier nicht zusammenpassen

möchten: Last Word, Blood & Sand oder auch der kurz

vor dem Naked & Famous ebenfalls in New York entwickelte

»Paper Plane« von Sam Ross. Es ist eine Art gemeinsamer Superpower

dieser Equal Parts Drinks unter Beteiligung eines

Zitrussaftes, dass ihre Zusammensetzung beim bloßen Lesen

teils sehr sperrig wirkt. Erst in der eigentlichen Materialisierung

zeigt sich, dass sie funktionieren.

Equal Parts ist kein Selbstzweck

Das Stichwort der klassischen Equal Parts Drinks ist im Zusammenhang

mit dem Naked & Famous auch tatsächlich wichtig.

Denn Simó bezog sich bei der Entwicklung des Drinks ausdrücklich

auf bereits vorhandene Vorlagen. Genauer gesagt,

hat er seine Kreation einst beschrieben als »das uneheliche

Kind von Last Word und Paper Plane, gezeugt in den Bergen

von Oaxaca«. Heute fügt er gegenüber Mixology noch hinzu:

»Auch den ›Division Bell‹ 1 , den Phil Ward 2009 für die Er-

1 Aus Mezcal, Aperol, Limettensaft und Maraschino

69


BITTER UND

BITTER.

KOPF AN

KOPF.

Wenn wir von »Amaro« sprechen,

haben wir meist ein klares Konzept

eines Kräuterlikörs im Kopf. Verkostet

man hingegen eine größere Auswahl

der einschlägigen Vertreter,

wird schnell klar, dass die Kategorie

überaus vielschichtig und heterogen

ist – und extrem hochwertig, wie

die Resultate des engsten Mixology

Taste Forums aller Zeiten zeigen.

74 MIXOLOGY TASTE FORUM


Text & Leitung des Tastings

Maria Gorbatschova

Bild Constantin Karl

»Bitter« wird im Italienischen mit »amaro«

übersetzt. Bitter ist einer der Geschmäcker, die

wir erst erlernen müssen, um ihn zu mögen.

Dass wir Bitteres schmecken, ist aus evolutionsbiologischer

Sicht ein Schutzmechanismus:

Eigentlich deutet Bitterkeit auf eine mögliche

Gefahr hin, viele Giftpflanzen sind bitter. Mit

der Zeit lernen wir als Erwachsene, bittere

Aromen genussvoll zu konsumieren: Bitterschokolade,

Grapefruit, Oliven, Kaffee, Radicchio

– oder eben Amaro. Vor einer Mahlzeit

genossen, erwecken Bitterstoffe unterbewusst

unsere Aufmerksamkeit fürs Essen: Ist da etwa

etwas Giftiges dabei? Sie lassen uns so intensiver

schmecken. Nach dem Essen wirken sie verdauungsfördernd.

Als Aperitif und Digestif machen

sie deshalb Sinn, und werden daher seit

Jahrhunderten so genossen, haltbar gemacht in

Alkohol. Als medizinische Tinkturen wurden

Amari und andere Bitterliköre einst konzipiert

und über die Jahre zweckentfremdet. Schließlich

konsumiert niemand einen Paper Plane

oder einen Jägermeister-Shot aus medizinischen

Zwecken. Stattdessen haben wir gelernt,

bittere, komplexe Aromen wertzuschätzen.

Amaro ist überall

Amari findet man eigentlich in jedem Rückbüffet,

egal ob in Restaurants oder Bars. Die

Abgrenzung der Kategorie ist etwas schwammig,

es gibt, rechtlich gesehen, keine klaren

Beschränkungen der Herstellung oder Herkunft.

Hergestellt werden Amari, indem man

bittere Rinden, Kräuter, Wurzeln, Samen, Blüten,

Gewürze, Früchte und andere Botanicals

in hochprozentigem Alkohol oder auch Wein

mazeriert und/oder destilliert. Amari werden

mit Zucker gesüßt und häufig für einige Monate

oder Jahre im Fass gereift. Typischerweise

stammt die Bitterkeit aus dafür klassischen Botanicals

wie Chinarinde, Enzian, Wermutkraut

oder Angelica.

Bei der doppelten Blindverkostung von 15

Amari werden wir von Hannah Groh (Green

Door), Florian Drucks-Jacobsen (Kink), Kai

Wolschke (Goldfisch), Sandrina Burkhardt

(Stagger Lee), Tarek Nix, Tarek Abdallah

(Bar Neiro) und Arun Puvanendran (Nox

Cocktailbistro) unterstützt. Das Fazit? Vielleicht

eins der positivsten in der Geschichte

des Mixology Taste Forum überhaupt. »Da ist

nichts dabei, was ich nicht austrinken würde,

wenn es mir jemand hinstellt«, so Puvanendran.

Die Ratings sprechen für sich, denn gerade

einmal 6 Punkte liegen zwischen dem ersten

und dem letzten Platz. Ausfälle nach unten

sucht man vergebens. Stattdessen gibt es eine

große Vielfalt an Aromen und Texturen, viel

abwechslungsreicher als man vermuten würde.

Die Qualität der Produkte wird durchgehend

gelobt, vor allem, wenn man bedenkt, dass wir

es hier mit einer durchschnittlich sehr günstigen

Kategorie zu tun haben. Die Preis-Leistung

stimmt ausnahmslos bei allen Brands.

Vor dem Essen. Nach dem Essen.

Und dazwischen auch.

Wann trinkt man eigentlich Amaro? »In

Drinks, pur auf Eis, als Aperitif, als Digestif, als

Spritz, tagsüber, zum Kaffee…« – Es scheint keine

Gelegenheit zu geben, zu der Amaro nicht

passt. Tatsächlich ist für jede Gelegenheit was

dabei. Von leichten, zugänglichen Produkten

um die 20 % Vol. bis kräftig und kräutrig. Erst

bei parallelem Verkosten merkt man, was für

eine Vielfalt die Kategorie bietet. Wie schon

erwähnt, lässt sich die Kategorie im engeren

Sinne nur schwer eingrenzen. Eine Bitterkomponente

und Botanicals jeglicher Form finden

sich in den Likören, ansonsten ist vieles möglich.

Harz und Myrrhe, Blüten, Bergkräuter,

Rinden, Wurzeln, exotische Gewürze – jeder

Amaro hat eine eigenständige Zusammensetzung

aus häufig einigen dutzend Zutaten. Die

Rezeptur wird meist, bis auf ein Paar Key-Botanicals,

geheim gehalten. Amari sind häufig ein

aromatischer Ausdruck ihrer Region, sie verwenden

Pflanzen aus der Umgebung, gemischt

mit einigen für Amaro typischen Botanicals

wie Zimt, Nelke, Kardamom, Kamille, Rhabarber,

Minze, (Bitter-) Orange, Fenchel, Artischocke,

Lakritz, Wacholder, Eukalyptus, Ingwer,

Anis, Safran und Salbei. Dadurch ergibt sich

ein gewisses Grundaroma, das durch regionale

und stilistische Unterschiede aufgebrochen

wird. Zwar gibt es Ausreißer, doch insgesamt

bewegen sich die meisten Amari bei einem Alkoholgehalt

von weniger als 35 % Vol., was sie

bei gleichzeitiger aromatischer Intensität und

textureller Dichte hervorragend für Low-ABV-

Drinks empfiehlt. Ebenso gibt es eine Spanne

von sirupartig süß bis bitter und trocken. Aromatisch

gibt es helle, zitrische Produkte, florale,

mentholfrische oder medizinische Brands,

vegetabile oder holzige Amari. Eine wirklich

aufregende Kategorie, wenn man sich durchprobiert.

Einfach austauschbar sind Amari in

Drinkrezepten deshalb kaum, meist braucht es

einen Brand Call wie Nonino beim Paper Plane,

Averna beim Black Manhattan oder Cynar

beim Bitter Giuseppe.

Balancierte Süße

»Es ist spannend, wie der typischen Süße im

Amaro je nach Brand andere Gegenspieler zum

Balancieren entgegengesetzt werden«, findet

Puvanendran. Tatsächlich ist Amaro ein meisterhaftes

Beispiel für das Auswiegen von Süße,

meist ohne Säure. Harzige und rauchige Aromen

wie Weihrauch und Myrrhe, kräftige Bitternoten,

erdig-trockener Enzian, zestige, ätherische

Zitrusschalen, da können sich Bartender

einige tolle Ansätze für Balancen jenseits des

Sweet’n‘Sour-Mixes abschauen: »Man merkt

hier auch, wie sehr Aromen unsere Süße-Wahrnehmung

steuern. Die meisten Produkte haben

ja sehr viel Zucker, aber schmecken nicht so«,

ergänzt Puvanendran.

Wie setzen unsere Experten Amaro in Drinks

ein? »Wir batchen viel, und da fällt auf, dass

Amaro in Batches viel stabiler ist als Cocktailbitters,

die häufig erst nachträglich dazugegeben

werden können«, erzählt Drucks-Jacobsen.

Wolschke wiederum nutzt Amari in Sours,

Highballs, Negroni-Variationen und im Old

Fashioned als Ersatz für Zucker und Bitters zugleich:

»Dafür ist Amaro perfekt, du hast direkt

die Komponenten Süße, Aroma und Bitterkeit

in einem Produkt«, pflichtet Puvanendran bei.

Auch für Spritzes eignen sich viele Produkte.

Denn ja, auch Aperol ist ein Amaro, wenn auch

der süßeste Vertreter seiner Art – wobei helle,

farbige Vertreter der Gattung in Italien statt

Amaro meist »Bitter« gennant werden. Da sieht

man ein mal mehr: Amaro ist längst im Mainstream

angekommen. Und, wie unser Tasting

beweist, völlig zurecht.

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