13.10.2025 Aufrufe

LOGISTIK express Journal 4/2025: Handel & Distanzhandel

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JOURNAL 4/2025

HANDEL & DISTANZHANDEL

Der Einzelhandel bleibt

weiterhin unter Druck

LOGISTIK EXRESS INFORMIERT


logistik-express.com H&D 4/25 | S2

JOURNAL H&D 4/2025

04-KI wird rasant Einzug in die Arbeitswelt halten

08-Logistikboom und Preiskampf:

Plattformen Chinas erobern Europa

12-Amazon: 90 Milliarden Euro für den

deutschen Standort und 40.000 Mitarbeitende

14-Neue Maßstäbe für die Letzte Meile

16-Tag des Handels: Handelspreis für Jürgen Sutterlüty

20-Handelsflächenforum: Shaping Tomorrow's

Shopping Environments

22-HV-Bundespreis 2025:

Beliebteste Händler des Landes ausgezeichnet

26-Von der Rabattschlacht zur Umsatzchance

28-WIFO & Handelsverband Konjunkturreport:

Einzelhandel bleibt unter Druck

30-Mit Weihnachten kommt die Retourenflut:

Diese KPIs zählen jetzt

32-Unimarkt: Dramatisches Signal an die Politik,

das die Lage im Lebensmittelhandel spiegelt!

34-Weltlage und Wirtschaftsschwäche drücken

die heimische EU-Stimmung

36-Konkurswelle rollt weiter

38-Handelsverband begrüßt VKI-Klage gegen Temu


LE 4/2025

IMPRESSUM

LOGISTIK express / MJR MEDIA

Donauwörther Str. 27a/7/4

A-2380 Perchtoldsdorf

Medieninhaber, Herausgeber:

Markus Jaklitsch

+43 676 7035206 / info@logistik-express.at

www.logistik-express.com

Foto: istockphoto.com / Depositphotos.com


logistik-express.com H&D 4/25 | S4

KI wird rasant Einzug in

die Arbeitswelt halten

Schon in wenigen Jahren wird der Einsatz

Künstlicher Intelligenz im Büroalltag und in

der Produktion zur Selbstverständlichkeit

werden. Darauf müssen sich die Wirtschaft,

die Sozialpartner und die Politik vorbereiten.

Schon in wenigen Jahren wird der Einsatz

Künstlicher Intelligenz (KI) im

Büroalltag und in der Produktion zur

Selbstverständlichkeit werden. Diese

Schlüsselaussage entstammt einer gemeinsamen

Studie der Bonner Wirtschafts-Akademie

(BWA) und der Denkfabrik Diplomatic Council

(DC). Mag man diese Aussage angesichts des

KI-Booms als wenig überraschend einstufen,

so lässt ein weiteres Ergebnis aufhorchen:

Humanoide Roboter mit „KI im Kopf“ sollen sich

innerhalb der nächsten 15 Jahre im großen Stil

im Arbeitsalltag breit machen, heißt es in dem

BWA/DC-Report „Auswirkungen von KI+Robotik

auf die Arbeitswelt“. Die Studie wird offiziell auf

dem 8. Ordentlichen Gewerkschaftskongress

der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie,

Energie (IGBCE) vom 19. bis 24. Oktober in Hannover

vorgestellt.

„Die KI-Durchdringung nicht nur in den Computersystemen,

sondern weit darüber hinaus in

der realen Welt, wird viel schneller erfolgen als

gemeinhin ange¬nommen“, erklärt Studienleiter

Harald Müller, Geschäftsführer der BWA und

Co-Chair des „Real-World AI Forum“ im Diplomatic

Council, das zum engsten Beraterkreis

der Vereinten Nationen gehört. Für die Studie

waren 150 Führungskräfte aus großen und mittelständischen

Unternehmen (Arbeitgeber) sowie

Gewerkschaftsfunktionäre als Vertreter der

Arbeitnehmerseite systematisch nach ihrer Einschätzung

zur KI- und Robotik-Entwicklung in

Deutschland befragt worden.


KI im Büro ab 2027, in der Produktion ab 2030

Demnach sind über zwei Drittel (69 Prozent) der

Befragten sicher, dass KI spätestens 2027 mehr

oder minder zum Büroalltag gehören wird, vergleichbar

der Office-Software von Microsoft.

Der Einzug in Fertigungshallen soll etwas länger

dauern. Laut Studie ist ein gutes Drittel (35 Prozent)

davon überzeugt, das KI in der Produktion

ab 2030 eine maßgebliche Rolle spielen wird.

Über die Hälfte (55 Prozent) tippen darauf, dass

es erst 2040 soweit sein wird.

„Eine überraschend hohe Bedeutung messen

Arbeitgeber wie Arbeitnehmer KI-Robotern zu“,

zitiert Harald Müller aus der Studie. Beinahe

ein Fünftel (18 Prozent) der Befragten kann sich

vorstellen, dass Humanoide – also Roboter, die

im Aufbau uns Menschen ähnlich sehen und

mit KI-Steuerung vergleichbare Tätigkeiten wie

Menschen verrichten können – bereits 2030

aktiv sein werden. Weitere 15 Prozent sehen den

Einsatz der KI-Roboter bis dahin zumindest auf

Teilgebieten voraus. Zehn Jahre später, 2040,

werden die Humanoiden auf breiter Front im Alltag

präsent sein, prognostizieren 40 Prozent der

Befragten. 46 Prozent bleiben allerdings auch

langfristig skeptisch; sie glauben nicht an den

Aufmarsch der KI-Roboter vor dem Jahr 2050.

kräfte aus der Wirtschaft und Gewerkschaftsfunktionäre.

58 Prozent sind fest davon überzeugt,

dass in Zukunft beinahe ein Drittel aller

Jobs von den „intelligenten Maschinen mit

Armen und Beinen“ wegrationalisiert werden.

Als Gewinner der „KI-Roboter-Revolution“ macht

die Studie die Arbeitgeberseite aus – davon

sind zumindest 64 Prozent der Befragten fest

überzeugt. „Die Produktivitäts- und Kostenvorteile

versprechen sprudelnde Gewinne“, sagt

Harald Müller, „die die Unternehmen hierzulande

angesichts der wirtschaftlichen Flaute und des

steigenden internationalen Wettbewerbsdrucks

allerdings auch dringend nötig haben.“

Studienleiter Harald Müller ordnet die Umfrageergebnisse

ein: „Die entscheidende Frage ist, ob

man KI-Roboter als Sprunginnovation einstuft,

vergleichbar mit dem Internet oder dem Smartphone.

20 bis 35 Prozent der Befragten gehen

offenbar genau davon aus. Aber 40 bis 50 Prozent

sind skeptisch und folgen der Devise ‚Nichts

wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird‘.“

KI-Roboter gefährden Arbeitsplätze

in großem Stil

Der BWA-Geschäftsführer geht selbst allerdings

davon aus, „dass diese Entwicklung noch viel

heißer wird als wir es heute absehen“ und rät

Unternehmen und Gewerkschaften gleichermaßen,

sich darauf einzustellen. Denn falls die

Humanoiden künftig unseren Alltag tatsächlich

so dominieren werden wie Smartphone

und Internet, dann könnten sie rund die Hälfte

aller Arbeitsplätze ersetzen, meinen über drei

Viertel (77 Prozent) der befragten Führungs-

HARALD MÜLLER


logistik-express.com H&D 4/25 | S6

45 Prozent der Befragten sehen aber auch Vorteile

für die Arbeitnehmerseite – etwa, weil die

„Blechkameraden mit Computerhirn“ eintönige

oder schwere Arbeiten übernehmen können.

immt man die Firmengröße als Maßstab, wird

vor allem die Konzernwelt von den KI-gesteuerten

Robotern profitieren, meinen 79 Prozent der

Befragten. Immerhin 46 Prozent sehen in dieser

Entwicklung auch große Potenziale für die mittelständische

Wirtschaft.

Kleinwagen, schätzen zwei Drittel der befragten

Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter.

Durch Mietkauf und Leasing fällt er damit in den

bei Firmenfahrzeugen üblichen Finanzierungsrahmen,

meinen 48 Prozent. Zudem werden KI-

Roboter zügig im Preis fallen, sagen 58 Prozent

der Befragten voraus. Beinahe ebenso viele (56

Prozent) gehen von Produktverbesserungen im

Jahresrhythmus aus.

„Viele Mittelständler werden sich erstmals einen

Roboter in der Fertigung leisten können“, verdeutlicht

Studienleiter Harald Müller. Der Grund:

Während Industrieroboter „alter Schule“ aufwändig

für eine bestimmte Aufgabe programmiert

werden müssen, soll die künftige Generation

der Humanoiden dank maschinellem

Lernen und universeller Form und Funktionalität

(Menschen-ähnlich!) nach kurzer Anlernphase

sehr viele verschiedene Tätigkeiten übernehmen

können.

Die Kostenstruktur soll die humanoiden Helfer

künftig für den Mittelstand erschwinglich machen,

heißt es in der Studie. Zu Anfang wird

ein solcher Roboter etwa so viel kosten wie ein

Über Diplomatic Council

Das Diplomatic Council verbindet einen

globalen Think Tank, ein weltweites Business-Netzwerk

und eine Charity Foundation

in einer einzigartigen Organisation mit

Beraterstatus bei den Vereinten Nationen.

Die Mitglieder verbindet die feste Überzeugung,

dass eine florierende Wirtschaft ein

wesentliches Fundament für Wohlstand und

Frieden darstellt. Zum Mitgliederkreis gehören

Diplomaten und Persönlichkeiten aus

Wirtschaft und Gesellschaft. Die BWA und

Harald Müller in persona sind Mitglied im

Diplomatic Council.


Studienleiter Harald Müller erklärt: „Über die

Hälfte der Befragten sieht bei den KI-Robotern

offenbar eine ähnliche Entwicklung wie

bei Smartphones voraus: Jedes Jahr werden die

Geräte etwas besser. Aber bei der Frage, ob Humanoide

innerhalb der ersten 15 Jahren ihrer

Existenz genauso populär wie das vor 18 Jahren

erfundene Smartphone werden, herrscht

Uneinigkeit und häufig auch schlichtweg

Ungläubigkeit. Ähnlich wie sich kaum jemand ein

Smartphone vor sagen wir 20 Jahren vorstellen

konnte, ist heute die Vorstellung, dass tatsächlich

Roboter unterwegs sind, wie man sie bislang

nur aus Science-Fiction-Filmen kennt, schwer

zu begreifen.“ Immerhin: Ein knappes Drittel (30

Prozent) der von der Bonner Wirtschafts-Akademie

und der Denkfabrik Diplomatic Council

befragten Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter

ist überzeugt, dass KI-Roboter künftig „so

selbstverständlich wie Smartphones“ werden.

KI mit Armen und Beinen im Arbeitsalltag

Laut Studie gehen drei Viertel der Befragten davon

aus, dass die „KI mit Armen und Beinen“ künftig

vor allem in der Industrie zum Einsatz kommen

wird. Als mögliche Einsatzgebiete werden

genannt: Logistik und Supply Chain Management

(43 Prozent), Lager und Materialhandhabung (42

Prozent), Wartung (37 Prozent), Qualitätskontrolle

(34 Prozent), Montage (29 Prozent), Facharbeiten

(28 Prozent) und gefährliche Aufgaben (27 Prozent)

sowie die Kleinserien- und Einzelfertigung

(24 Prozent). „Das Gros der Arbeitgeber- und

Arbeitnehmervertreter traut der neuen Robotergeneration

offenbar beinahe alles zu, wobei die

zeitliche Einordnung offenbleibt“, sagt Studienleiter

Harald Müller. Er verweist darauf, dass 58

Prozent der Befragten davon ausgehen, dass der

Anteil manueller Tätigkeiten, die die KI-Maschinen

in der Industrie übernehmen werden, künftig

auf bis zu 50 Prozent ansteigen wird.

Beinahe ein Drittel (32 Prozent) ist zudem

fest überzeugt, dass die KI-Roboter auch im

Büro nützliche Tätigkeit übernehmen werden.

BWA-Geschäftsführer Harald Müller mahnt:

„Die Studie zeigt, dass wir ein Zeitfenster von einigen

Jahren haben, bis diese KI-Roboter-Revolution

wirklich stattfinden wird. Diese Zeitspanne

sollten Unternehmen und Gewerkschaften gemeinsam

nutzen, um sich über den Umgang

mit den Folgen dieser Entwicklung auf die

Arbeitswelt zu verständigen.“ Der Chef der

Bonner Wirtschafts-Akademie sieht dabei keineswegs

nur negative Auswirkungen, wie er

betont: „KI und Robotik sind in vielerlei Hinsicht

gut geeignet, den Fachkräftemangel zumindest

teilweise auszugleichen.“ Diese Einschätzung

teilt mehr als die Hälfte (54 Prozent) der befragten

Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter.

Allerdings sei auch die Kehrseite der Medaille

unübersehbar. Dazu gehören laut Umfrage eine

potenzielle Massenarbeitslosigkeit, wie ein

knappes Viertel (23 Prozent) der Befragten befürchtet,

und die starke Belastung der Rentenund

Sozialsysteme (17 Prozent).

„Der Umbau der Renten- und Sozialsysteme ist

aufgrund des demografischen Faktors ohnehin

unabdingbar“, sagt Harald Müller, „die rasanten

Fortschritte beim Einsatz Künstlicher Intelligenz

in der Arbeitswelt wird diese Entwicklung massiv

beschleunigen. Daher ist es höchste Zeit, dass

sich nicht nur die Sozialpartner, sondern auch

die Politik den damit verbundenen Herausforderungen

stellt.“

Die BWA Akademie - „Consulting, Coaching,

Careers“ - ist seit über 25 Jahren unter der

Geschäftsführung von Harald Müller und

Astrid Orthmann als Spezialist für Personalentwicklung,

Outplacement, Personalberatung

und Training sowie für Arbeitsmarktprogramme

wie Beschäftigtentransfer erfolgreich. Die BWA

versteht sich als neutraler Vermittler zwischen

Arbeitgebern und Gewerkschaften zum Vorteil

der Arbeitnehmer.

Mit Hilfe der BWA haben mehr als zehntausend

Arbeitnehmer eine neue berufliche Zukunft gefunden.

Das Spektrum reicht von der Begleitung

von Change Management-Prozessen über Vermittlung

und Coaching von Führungskräften bis

hin zur Unterstützung bei der Gründung eines

eigenen Unternehmens. Harald Müller und Astrid

Orthmann sind Mitglieder im Diplomatic Council,

einem Think Tank mit Beraterstatus bei den Vereinten

Nationen. BWA-Gründer Harald Müller ist

zudem Beiratsmitglied der Stiftung „Bildung und

Beschäftigung“, die sich für die sozialverträgliche

Bewältigung des wirtschaftlichen Strukturwandels

einsetzt. (RED)


logistik-express.com H&D 4/25 | S8

Logistikboom und Preiskampf:

Plattformen

Chinas erobern Europa

Chinesische E-Commerce-Plattformen wie

JD.com, Shein und Temu bauen ihre Logistiknetze

in Europa rasant aus. Neue Lagerflächen,

Übernahmen und Fulfillment-Strategien

verändern nicht nur die Logistiklandschaft,

sondern auch die Wettbewerbsbedingungen

im Einzelhandel – mit weitreichenden

Folgen für Arbeitsmärkte, Städte & Regulierer.

DIRK RUPPIK

Der Markt für Logistikimmobilien in

Europa erlebt eine starke Wachstumsdynamik.

Getrieben wird sie

vor allem von chinesischen E-Commerce-

und Logistikkonzernen, die ihre Präsenz

in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut

haben. Plattformen wie JD.com, Shein, Temu und

die Zongteng Group sichern sich zunehmend

Flächen in strategischen Regionen, um ihre Position

im europäischen Markt zu stärken und den

Kontinent zugleich als Drehscheibe internationaler

Lieferketten zu nutzen. Europa ist damit

nicht nur Absatzmarkt, sondern integraler Bestandteil

globaler Expansionsstrategien.

Ein prägnantes Beispiel liefert Goodcang, eine

Marke der Zongteng Group. Das Unternehmen

hat im GLP Regioparkring in Mönchengladbach

vier zusätzliche Einheiten mit rund 65.000 Quadratmetern

angemietet. Zusammen mit bestehenden

Hallen erreicht die Gesamtfläche dort

knapp 100.000 Quadratmeter. Für einen einzelnen

Standort in Deutschland ist das eine

Dimension, die den Anspruch auf eine ernsthafte

Marktposition verdeutlicht. Parallel investiert JD.

com in Großbritannien über die Plattform Joybuy

in Distributionszentren mit einer Gesamtfläche

von etwa 80.000 Quadratmetern. Solche Projekte

zeigen, dass es nicht mehr um Einzelfälle geht,

sondern um systematisch aufgebaute Netze.


Nach Angaben des Entwicklers GLP haben

chinesische E-Commerce-Firmen europaweit

bereits fast 400.000 Quadratmeter

Logistikfläche angemietet. Diese Größenordnung

markiert eine strukturelle

Verschiebung im europäischen Logistikgefüge.

Was zuvor von lokalen Akteuren

dominiert wurde, wird zunehmend von

globalen Playern geprägt, die Kapitalstärke,

Technologie und operative Skalierung

verbinden.

Arbeitsmarkt, Infrastruktur Einzelhandel

Der Ausbau der Netze wirkt unmittelbar

auf Arbeitsmärkte und Infrastruktur. In

neu entstehenden Lagern werden tausende

Beschäftigte benötigt, doch vielerorts

herrscht Fachkräftemangel. Personal

für Lagerverwaltung, Transport und Fulfillment

ist knapp; zusätzliche Nachfrage

lässt Löhne steigen und verschärft Engpässe.

Kommunen müssen zugleich in

Wohnraum, Schulen und Verkehr inves-

tieren, wenn große Standorte entstehen.

Nicht jede Region kann das kurzfristig

schultern. So werden Genehmigungsund

Planungsverfahren zu einem Wettbewerbsfaktor.

Auch der Einzelhandel in

Europa wird durch die Expansion neu geordnet.

Laut einem Bericht der Süddeutschen

Zeitung vom 25. Juli laufen derzeit

Gespräche über eine Übernahme von

Ceconomy, der Muttergesellschaft von

MediaMarkt und Saturn, durch JD.com.

Strategische Motive und geopolitischer

Hintergrund

Die Expansion speist sich nicht allein aus

europäischer Nachfrage, sondern auch

aus geopolitischen Zwängen. Strafzölle

der USA verteuerten Exporte nach Nordamerika;

viele chinesische Unternehmen

verlagerten daraufhin Teile ihrer

Logistik nach Europa und nutzen den

Kontinent als alternativen Absatzmarkt.

Europa bietet mehrere Vorteile: einen

kaufkräftigen Markt mit über 440 Millionen

Konsumenten, den Binnenmarkt

mit freiem Warenverkehr und eine hohe

Dichte leistungsfähiger Standorte. Hinzu

kommt die geostrategische Lage. Häfen

an Nord- und Ostsee, Korridore Richtung

Mittel- und Osteuropa sowie kurze Wege

zu Ballungsräumen ermöglichen multimodale,

zuverlässige Ketten. In Zeiten

wiederkehrender Störungen – von pandemiebedingten

Unterbrechungen bis zu

politischen Konflikten – erhöht die Diversifizierung

auf europäische Standorte die

Resilienz und verringert Abhängigkeiten

von nordamerikanischen Märkten. Nähe

zum Kunden erlaubt zudem schnellere

Lieferungen und stabilere Servicelevel.

rise to new

dimensions

Ganz gleich ob XS oder XL,

wir schaffen die passende Dimension

für Ihre Logistik.

knapp.com

Gleichzeitig wächst der Wettbewerbsdruck.

Anbieter wie Shein und Temu gewinnen

mit aggressiven Preisen und

kurzen Lieferzeiten Marktanteile. Europäische

Händler müssen parallel strenge

Regelwerke zu Steuern, Produktsicherheit

und Retouren erfüllen und sind strukturell

oft weniger flexibel. Die zentrale Frage

lautet, ob die starke Präsenz chinesischer

Plattformen zu Abhängigkeiten führt –

oder ob Investitionen, Technologie und

neue Services den Handel insgesamt voranbringen.

making complexity simple


logistik-express.com H&D 4/25 | S10

Das chinesische Unternehmen

bietet demnach 4,60 €

pro Aktie und unterstreicht

damit sein Interesse an einer

strategischen Partnerschaft.

Bereits 2024 hatte JD.com

ein erstes Übernahmeangebot

angekündigt, nun konkretisieren

sich die Pläne. Kritiker warnen vor

einer wachsenden Abhängigkeit europäischer

Händler von chinesischem Kapital.

Befürworter betonen hingegen, dass Ceconomy

dringend Investitionen benötigt, um im Wettbewerb

mit Amazon und anderen globalen Playern

bestehen zu können.

Parallel professionalisieren Shein und Temu ihre

europäischen Fulfillment-Strukturen. Lokale

Retourenverarbeitung und schneller Umschlag

sollen Lieferzeiten verkürzen und das Kundenerlebnis

stabil halten. Temu setzt auf aggressive

Preismechaniken, Shein auf extrem schnelle

Produktrotation. In beiden Fällen ist ein eng getaktetes

Logistiknetz die Grundlage – mit wachsenden

Anforderungen an IT-Systeme, Datentransparenz

und Lastspitzenmanagement. Für

etablierte Händler steigt der Druck, Prozesse zu

digitalisieren, Bestände feiner zu steuern und

Servicelevel zu erhöhen.

Ökologische und gesellschaftliche Folgen

Neben ökonomischen Aspekten rückt die ökologische

Dimension in den Fokus. Neue Logistikzentren

beanspruchen viel Fläche, versiegeln

Böden und erhöhen das Verkehrsaufkommen.

Entwickler verweisen zwar auf Photovoltaik,

energieeffiziente Technik und ressourcenschonende

Materialien, doch bleibt offen, ob diese

Maßnahmen den ökologischen Fußabdruck

ausreichend kompensieren. Kommunen profitieren

von Gewerbesteuern und Jobs, tragen

aber auch Kosten für Straßenbau, Energieinfrastruktur

und Erschließung. Ob die Vorteile die

langfristigen Belastungen überwiegen, ist je

nach Standort unterschiedlich. Transparenz ist

ein weiterer Punkt. Eigentümerstrukturen sind

nicht immer klar, Mietlaufzeiten variieren, öffentliche

Förderungen fließen teils indirekt.

Ohne nachvollziehbare Strukturen steigt das

Risiko, dass Kosten bei Kommunen oder Steuerzahlern

hängen bleiben. Zudem verändert die

Ansiedlung großflächiger Hallen die Stadtentwicklung.

Am Rand von Ballungsräumen

beeinflussen sie Verkehrsflüsse, Grundstückspreise

und das lokale Gewerbe. Kleinere Händler

verlieren Sichtbarkeit, während die Nachfrage

nach Wohnraum steigt. Kommunen müssen

die Balance zwischen wirtschaftlicher Entwicklung,

Wohnungsbau und Grünflächen halten.


Wettbewerbsschutz und Regulierung

Die Expansion chinesischer Plattformen berührt

den Wettbewerb. Europäische Händler erfüllen

strenge Anforderungen, während manche

Importe aus Asien noch Schlupflöcher nutzen

– etwa beim Direktversand, bei dem Mehrwertsteuer

und Zoll nicht immer vollständig erhoben

werden. Die EU will hier nachschärfen:

strengere Kontrollen bei Billigimporten, Abgaben

ab dem ersten Euro und bessere Nachverfolgbarkeit

von Warenströmen. Ziel ist, gleiche

Spielregeln für alle zu sichern, ohne effiziente

Lieferketten unnötig zu behindern.

Relevanz hat auch der Schutz geistigen Eigentums.

Europäische Hersteller werfen einzelnen

Plattformen regelmäßig vor, Designs zu kopieren

oder Patente zu verletzen. Ohne wirksame

Kontrolle drohen Wertverluste bei Marken.

Regulierer müssen daher nicht nur Wettbewerbsregeln

anpassen, sondern auch IP-Standards

durchsetzen und den Vollzug sichern. Unternehmen

reagieren mit engerem Monitoring

ihrer Sortimente, schneller Rechtsverfolgung

und Kooperationen mit Marktplätzen, um problematische

Angebote zu entfernen.

Chinesen betrachten Europa als Kernmarkt

Vieles spricht dafür, dass chinesische Plattformen

Europa dauerhaft als Kernmarkt betrachten.

Ihre Logistiknetze werden wachsen, die Präsenz

in Metropolregionen und Verkehrsdrehkreuzen

zunehmen. Für Verbraucher bedeutet das mehr

Auswahl und oft niedrigere Preise, für europäische

Händler steigenden Druck auf Margen

und Servicelevel. Kommunen gewinnen Investitionen

und Beschäftigung, stehen jedoch vor

ökologischen und infrastrukturellen Aufgaben.

Politik und Regulatoren sind gefordert, gleiche

Wettbewerbsbedingungen zu sichern, ökologische

Standards durchzusetzen und zugleich die

Chancen internationaler Investitionen zu nutzen.

Der europäische Logistik- und Einzelhandelsmarkt

steht damit vor einem Wandel, der Chancen

eröffnet, aber klare Leitplanken erfordert.

(RED)


logistik-express.com H&D 4/25 | S12

Amazon: 90 Milliarden

Euro für den deutschen

Standort und 40.000

Mitarbeitende

Seit 2010 hat das Unternehmen bereits über

90 Milliarden Euro in Deutschland investiert

– allein im Jahr 2024 waren es mehr als 14

Milliarden Euro.

Amazon investiert weiter umfangreich

in Deutschland – in Arbeitsplätze und

Infrastruktur: Damit ist das Unternehmen

mit mehr als 100 Standorten ein

starker Wirtschaftsfaktor in Deutschland. Insgesamt

hat das Unternehmen seit 2010 über

90 Milliarden Euro in Deutschland investiert,

unter anderem in den Ausbau der Infrastruktur

für neue Standorte sowie in Betriebsausgaben,

wie sie beispielsweise für Arbeitsplätze anfallen.

Allein im Jahr 2024 lagen die Investitionen bei

mehr als 14 Milliarden Euro.

„Amazon ist in Deutschland fest verwurzelt. Wir

investieren hier weiter, um Kundinnen und Kunden

auch in Zukunft niedrige Preise, eine große

Produktauswahl sowie eine schnellere, nachhaltigere

und zuverlässigere Lieferung zu bieten.

Wir sind von Aachen über Gera bis Winsen

(Luhe) in ganz Deutschland zuhause. Darüber

hinaus unterstützt Amazon tausende weitere

Arbeitsplätze bei Herstellern, Dienstleistern,

Verkaufspartnern und im Baugewerbe“, erläutert

Rocco Bräuniger, Country Manager Amazon

Deutschland.

Amazon beschäftigt mittlerweile mehr als 40.000

festangestellte Mitarbeitende. Amazons Investitionen

haben darüber hinaus laut Schätzung des

Wirtschaftsberatungsinstitutes Keystone im Jahr

2024 mehr als 90.000 indirekte Arbeitsplätze

unterstützt, die in der Lieferkette durch den

Einkauf von Waren und Dienstleistungen oder

im Bau begünstigt wurden. Außerdem wurden

mehr als 30.000 induzierte Arbeitsplätze durch

die Ausgaben der direkten und indirekt Beschäftigten

in der lokalen Wirtschaft geschaffen.

Hinzu kommen geschätzte 170.000 Arbeitsplätze

bei kleinen und mittelgroßen Verkaufspartnern,

die ihre Waren über den Amazon Marketplace

vertreiben. Viele dieser Arbeitsplätze sind in

ländlichen und weniger dicht besiedelten

Regionen entstanden, denn mehr als 20.000 der

Amazon Verkaufspartner sitzen dort. Insgesamt

verkaufen rund 47.000 kleine und mittelgroße

Unternehmen aus Deutschland ihre Produkte

über den Amazon Marketplace.

ROCCO BRÄUNIGER

Amazon baut sein Logistiknetzwerk weiter

aus und hat dieses Jahr zwei neue Verteilzentren

in Lahntal und Viernheim (Hessen) eröffnet.

Ein weiteres ist in Kitzingen (Bayern) angekündigt.


Das Logistikzentrum in Werne (Nordrhein-Westfalen)

wurde zu einem Umverteilzentrum

umgebaut. Zudem hat

das Unternehmen sein Interesse an

weiteren Logistikzentren in Bietigheim

(Baden-Württemberg, in der Nähe von

Rastatt), Könnern (Sachsen-Anhalt) und

Rohr (Bayern, in der Nähe von Regensburg)

bekundet. Amazon plant darüber

hinaus in Zweibrücken (Rheinland-Pfalz)

ein bestehendes Gebäude umzubauen

und zukünftig ebenfalls als Logistikzentrum

zu nutzen.

land ansässige KMUs verkauften demnach

2024 bei Amazon. Mehr als 80 Prozent

von ihnen vertrieben ihre Produkte

an Kundinnen und Kunden auf der ganzen

Welt. Mehr als 20.000 der kleinen und

mittleren Unternehmen aus Deutschland,

die bei Amazon verkaufen, haben ihren

Sitz in ländlichen oder weniger dicht besiedelten

Gebieten. Die meisten KMUs,

die bei Amazon verkaufen, kommen aus

Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Bayern

und Baden-Württemberg. Deutsche KMUs

haben 2024 insgesamt mehr als 170.000

Mitarbeiter beschäftigt, um ihr Onlinegeschäft

bei Amazon zu betreiben.

Amazon gehört weltweit zu den größten

Online-Versandhändlern. Amazon ist ein

riesiger Konzern, der vieles verkauft –

nicht nur Produkte, sondern auch digitale

Dienste. Amazon prägt den weltweiten

Handel stark mit. (RED)

Seit September 2025 hat Amazon die

Einstiegslöhne in der Logistik auf 15,65

Euro brutto pro Stunde aufwärts erhöht

und bezahlt im nächsten Jahr 16 Euro und

mehr. Zudem übernimmt das Unternehmen

für alle seine direkt angestellten Mitarbeitenden

an allen Standorten die Kosten

des Deutschlandtickets im Wert von

58 Euro im Monat und hat seine Weiterbildungszuschüsse

in der Logistik und im

Kundenservice auf bis zu 4.500 Euro pro

Jahr und Person erhöht.

In Berlin wurde im Juni 2025 ein neues

Bürogebäude eröffnet und auch in München

wird Ende des Jahres eine neue

Firmenzentrale bezogen – die Gebäude

bieten Platz für jeweils rund 2.500 bis

3.000 Mitarbeitende. In Berlin hat Amazon

mit dem KiezLab zudem ein kostenfrei

nutzbares Stockwerk für gemeinnützige

Organisationen und Initiativen aus der

Nachbarschaft geschaffen. Auch Amazon

Web Services, die Cloud-Sparte von

Amazon, investiert weiterhin signifikant in

den Standort Deutschland. Geplant sind

Investitionen von 8,8 Milliarden Euro für

den weiteren Ausbau der bestehenden

Infrastruktur in der Region Frankfurt und

7,8 Milliarden Euro für die AWS European

Sovereign Cloud.

Kurzum: Deutsche kleine und mittlere

Unternehmen (KMUs), die bei Amazon verkaufen,

verzeichneten im Jahr 2024 einen

Exportumsatz von 5,7 Milliarden Euro. Das

geht aus dem „KMU-Report 2025“ hervor,

den Amazon gestern Abend in Berlin

vorgestellt hat. Rund 47.000 in Deutsch-

#ECOMLOG25

Danke, Wien!

Der eCommerce Logistik-Day

war wieder ein voller Erfolg.

Sie konnten unseren Vortrag „Schnell, transparent

und kosteneffizient – Erfolgsfaktoren im eCommerce“

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Gerne schicken wir Ihnen unseren Vortrag zu:

joachim.kieninger@elementlogic.net

Weitere Einblicke und Lösungen finden Sie auf elementlogic.net/de


logistik-express.com H&D 4/25 | S14

Neue Maßstäbe für die

Letzte Meile

Storebox und myflexbox: Größte Last-Mile-

Kollaboration im DACH-Raum wächst in

Rekordzeit auf über 50 Standorte und das ist

erst der Anfang. Die wegweisende Last-Mile-

Kooperation wird bis Ende des Jahres auf 160

Locations erweitert.

X

Nur wenige Monate nach dem offiziellen

Startschuss wurden die intelligenten

Lockerlösungen von myflexbox

bereits in mehr als 50 Storebox

Standorte in zentralen deutschen Städten integriert.

Und das ist erst der Anfang, die wegweisende

Last-Mile-Kooperation wächst bis Ende

des Jahres auf 160 Locations. Im Zentrum der

Kooperation steht die intelligente Verbindung

zweier Infrastrukturnetze: das dichte Storebox-

Netzwerk urbaner und suburbaner Selfstorage-

Standorte und das anbieteroffene myflexbox-

Paketstationsnetz. Durch dieses Bündeln der

Kräfte entsteht das dichteste, intelligent vernetzte

Selfstorage- und Paketnetz im deutschsprachigen

Raum – ein Meilenstein für moderne

City-Logistik.

„Wir reden hier nicht über Strategien oder Pilotprojekte,

sondern über echten Rollout“, sagt

Jonathan Grothaus, myflexbox CEO & Founder.

„Mit jedem Ausbauschritt gewinnen wir strategisch

wertvolle Standorte in urbaner Lage hinzu.

Dies und die Bündelung von Paketdiensten – in

Deutschland derzeit GLS, DPD, UPS und FedEx

– machen das Netzwerk für die Kunden so attraktiv.

Mit der Kooperation ergeben sich für uns

zusätzliche wertvolle City-Logistik-Potenziale

für die Zukunft.“

Storebox CEO Johannes Braith ergänzt: „Mit dieser

Partnerschaft entsteht die größte Last-Mile-

Logistik-Kollaboration im DACH-Raum. Zwei in

Österreich verankerte Unternehmen bündeln

ihre Kräfte und bringen gemeinsam eine echte

Alternative zu den etablierten Versanddiensten

nach Deutschland. Wir zeigen, dass Innovation

und Wettbewerbsfähigkeit nicht von internationalen

Konzernen kommen müssen, sondern

auch von smarten, digital getriebenen Vorreitern

aus Österreich."

Bis Jahresende 2025 erfolgt die Integration von

über 160 Paketstationen an Storebox-Standorten

in Deutschland und Österreich in das myflexbox-Netzwerk..

Für 2026 sind bereits weitere

Ausbauschritte geplant. Damit werden urbane

Zonen mit guter Verkehrsanschlussmöglichkeit

und somit ganze Stadtviertel smarter, effizienter

und nachhaltiger vernetzt. Für Kunden bedeutet

das: maximale Flexibilität und Servicevielfalt,

Selfstorage und Paketservices an einem Ort,

jederzeit und überall erreichbar. (RED)


#gamechanger

Der digitale

Kongress für den

Online-Handel

Online: ecommerce-connect.at

23. OKTOBER

eCOMMERCE

DAY

2025


logistik-express.com H&D 4/25 | S16

Tag des Handels:

Handelspreis für

Jürgen Sutterlüty

Wiesbauer-CEO Thomas Schmiedbauer

mit Industriepreis ausgezeichnet.

Geopolitischen Herausforderungen, Resilienz,

KI, Agrar-, Wettbewerbspolitik sowie

Ernährungstrends waren diesjährig die zentralen

Themen beim Gipfeltreffen in Gmunden.

GERALD KÜHBERGER

Bei der 21. Ausgabe des Tag des Handels,

der am 9. und 10. Oktober 2025

im Toscana Congress Gmunden stattfand,

wurde mit mehr als 400 Teilnehmer

– darunter die wichtigsten CEOs aus der

Welt des Handels – ein neuer Besucherrekord

aufgestellt. Das 2-tägige Branchenhighlight, das

erneut in Kooperation mit der Fachzeitschrift

REGAL über die Bühne ging, war ein Riesenerfolg.

Für die Eröffnung des Kongresses standen dieses

Mal HV-Geschäftsführer Rainer Will, REGAL-Geschäftsführer

Roland Pirker sowie der Bürgermeister

von Gmunden, Stefan Krapf, gemeinsam

auf der Bühne. Rainer Will fokussierte in seinen

einleitenden Worten auf das Positive: "Der österreichische

Handel ist mit 615.000 Beschäftigten

größter privatwirtschaftlicher Arbeitgeber des

Landes. Wir wollen unsere Lebensmittelqualität

in der Nahversorgung gemeinsam mit unseren

Partnern entlang der Wertschöpfungskette aufrechterhalten.

Wer die Inflation bekämpfen will,

muss die richtigen Stellschrauben drehen –

Energiekosten runter, eine harte Kante gegen

Online-Ramschhändler wie Temu und weniger

Bürokratie."

Am Programm: Künstliche Intelligenz,

Bürokratie, Resilienz & Fair Play im Handel

Das Programm des Tag des Handels 2025 hatte

es in sich: Der deutsche Autor und Digitalexperte

Sascha Lobo widmete seine Keynote der Frage,

was die KI-Transformation für Wirtschaft und

Gesellschaft bedeutet. "Die sanfte Überregulierung

der EU betrifft nicht nur den Handel, sondern

auch die Künstliche Intelligenz. Der Handel

der Zukunft ist aber eine KI-Maschine, die vorhersagt,

welche Aufmerksamkeit sich wie monetarisieren

lässt – und auch gleich die Umsetzung

organisiert", ist Lobo überzeugt.

Auch die Politik gab sich ein Stelldichein: Rainer

Will diskutierte gemeinsam mit dem Landeshauptmann

von Oberösterreich, Thomas Stelzer,

und Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig

über den Bürokratiedschungel in Österreich,

Strategien gegen die hohe Inflation, die Selbstversorgung

mit Lebensmitteln und Maßnahmen

zur Sicherstellung eines Level Playing Fields im


Onlinehandel. "Der Lebensmittelhandel und die

Nahversorger sind wichtige Vertriebskanäle

für die heimische Landwirtschaft. Die Billigpreis-Debatte

gefährdet diese Wertschöpfungskette

– das, was sich Landwirtschaft und Handel

über Jahrzehnte aufgebaut haben, und deren

Jobs. Wir brauchen wieder mehr Wertschätzung

für hochwertige Lebensmittel aus heimischer

Produktion", sagten Landwirtschaftsminister

Totschnig und Landeshauptmann Stelzer

unisono.

Komplexitätsforscher Peter Klimek beantwortete

in seinem Vortrag die Frage, wie wir die Resilienz

und Versorgungssicherheit in Zeiten globaler

Turbulenz sicherstellen können – und was das

mit Hollywood-Star Samuel L. Jackson zu tun hat,

Stichwort: Small-World-Effect.

Was den Handelsstandort

Österreich voranbringt?

Im ersten Podium diskutierte Moderator Herbert

Schneeweiß (REGAL) mit Natalie Harsdorf, Generaldirektorin

der Bundeswettbewerbsbehörde

(BWB), REWE-Vorstand Marcel Haraszti,

SPAR-Vorstand Markus Kaser, Günter Thumser

(Markenartikelverband) und Markus Lukas

(Geflügelwirtschaft) über die aktuellen Debatten

rund um Lebensmittelpreise, Shrinkflation-

Kennzeichnung, Transparenzdatenbanken und

territoriale Lieferbeschränkungen der globalen

Markenartikelindustrie. Die Palette spannte sich

von der Zukunft der Landwirtschaft über die Herkunfts-

und Haltungskennzeichnung bis zum

Bio-Weltmeister Österreich.

Der blonde Shaolin Marc Gassert motivierte die

Gäste mit seiner Keynote, anzupacken, bevor

es dich anpackt. "Motivation ist wie eine Diva -

rechne nicht, dass sie kommt. Gewonnen und

verloren wird ohnehin zwischen den Ohren", erklärte

Gassert.

Einwegpfand in Österreich

Der frühe Nachmittag stand ganz im Zeichen

des Pfandes. Seit Anfang des Jahres verfügt

Österreich bekanntlich über ein bundesweites

Einwegpfand-System. Über die ersten Erfahrungen

aus der Praxis und offene Baustellen diskutierte

Moderatorin Verena Schneeweiß (REGAL)

mit SPAR-Vorstand Hans K. Reisch, Monika Fiala

(EWP Recycling Pfand Österreich) und Roman

Postl (TOMRA).

"Die Einführung des Einwegpfandsystems in

Österreich hat v.a. deshalb so gut funktioniert,

weil wir eine hervorragende, flächendeckende

Nahversorgung mit 9.400 Lebensmittelgeschäften

sowie erstklassige Leergutrücknahme-

Lösungen von Partnern wie TOMRA haben. Wir

müssen das jetzt durchziehen und das werden

wir auch", so das Fazit der ganzen Runde.

Startups & Success Storys

des heimischen Handels

Warum ist Kundenbindung im digitalen Zeitalter

so wichtig, was macht eine gute Customer

Loyalty-Experience aus und wie lässt sich diese

in der Praxis bestmöglich umsetzen? Um diese

Fragen kreiste der Best Practice Vortrag von

Martin Hofbauer (Evol.X), Hermine Straka (Kastner

& Öhler) und Katrin Reifeneder (Salesforce).

Im anschließenden Fireside Chat beleuchteten

Harald Hauke (ARA) und Annecatrien Niemeijer-Berenst

(IKEA) alle Facetten der Nachhaltigkeit.

Beide waren sich einig, dass Österreich im

EU-Vergleich zu den absoluten Vorreitern der

Kreislaufwirtschaft zählt.

Das traditionelle HV-Startup-Zapping wurde

von Payment Services Austria PSA gesponsert.

Live on Stage pitchten heuer in Gmunden

Alexander Scherlacher von Dateio, Vera Amtmann

von BeanSaver und Florian Werksnies von

3Hills IT. Die Moderation übernahmen Markus

Kuntke (REWE) und Patrick Madl (PSA).

Free-From: Ohne ist das neue Mit!

Im dritten Podium des Tag des Handels debattierte

Moderatorin Angelika Pehab mit Pia

Eichwalder (Expert in Food Ingredients), Nadina

Ruedl (Die Pflanzerei), Christina Mutenthaler-

Sipek (AMA-Marketing) und dem Präsidenten

der Landwirtschaftskammer OÖ, Franz Waldenberger,

über aktuelle Ernährungstrends wie

Meatless, Sugar Free und Sober Curious (Alkoholverzicht).

Leben und leben lassen – lautete

die Devise. Keine Einigkeit gab es auf der Bühne

hinsichtlich der Frage nach einem EU-Bezeichnungsverbot

für pflanzliche Fleischalternativen

wie „veganes Würstel“ oder „plant-based Steak“.

Der Handelsverband hatte sich ebenso wie der

gesamte heimische Lebensmittelhandel bereits

im Vorfeld der Abstimmung im Europäischen

Parlament klar gegen die EU-Verbotspolitik ausgesprochen.


logistik-express.com H&D 4/25 | S18

Jürgen Sutterlüty: Visionär und Entwickler

Der Ursprung der Lebensmittelkette liegt in

einem kleinen Hofladen am landwirtschaftlichen

Betrieb seiner Großeltern in Egg im

Bregenzerwald. Noch heute basiert das Geschäftsmodell

von Sutterlüty auf der partnerschaftlichen

Zusammenarbeit mit regionalen

bäuerlichen Produzenten.

Jürgen Sutterlüty, geboren 1964, trat 1990

in die Geschäftsführung des Familienunternehmens

ein, das er in der Folge 35 Jahre lang

leitete. Heute umfasst die Supermarkt-Kette

30 Ländle-Märkte mit 1.000 Mitarbeiter,

erst vor zwei Jahren wurden drei Billa-

Plus-Märkte übernommen.

Nachhaltiges Denken, ein verantwortungsvoller

Umgang mit Ressourcen sowie Wertschätzung

gegenüber Mensch, Tier und Natur

zeichnen Jürgen Sutterlüty aus wie sein

Engagement für die Genusskultur in Vorarlberg.

Für seine Verdienste erhielt er u. a.

den „Goldenen Zuckerhut“ der Lebensmittelzeitung.

„Jürgen Sutterlüty redet lieber

über Kühe, Bauern und Heu als über Flächenproduktivität

und Preise. Er ist ein Mann

mit Vision – das Wertvollste, das man haben

kann“, so Laudator Klaus Koch, der den

Preisträger als „moralische Instanz für die

ganze Branche“ würdigte.

Abendgala: Jürgen Sutterlüty mit Österreichischem

Handelspreis 2025 ausgezeichnet

Der österreichische Handelspreis wird jedes Jahr

für herausragende Leistungen im heimischen

Handel vergeben. Beim Tag des Handels 2025

wurde eine echte Handelslegende aus Vorarlberg

ausgezeichnet: Jürgen Sutterlüty. Die feierliche

Übergabe des wichtigsten heimischen

Handelspreises an den herausragenden Handelsmanager

fand im Rahmen einer Abendgala

mit zahlreichen hochkarätigen Gästen statt.

Die Laudatio hielt Klaus Koch, CEO und Eigentümer

von Brandtrust, ein langjähriger Weggefährte

von Jürgen Sutterlüty. Auch Handelsverband-Präsident

Stephan Mayer-Heinisch und

HV-Geschäftsführer Rainer Will würdigten Sutterlüty

für seinen Weitblick, sein umfassendes

Wirken für die österreichische Handelsbranche

und seine wertvollen Beiträge zum weiteren

Wachstum des Handelsverbandes.

Thomas Schmiedbauer mit Österreichischem

Industriepreis 2025 prämiert

Eine weitere hochkarätige Auszeichnung, den

"Großen Preis der Industrie", erhielt Wiesbauer-CEO

Thomas Schmiedbauer. Die Laudatio

übernahmen Günter Thumser, Geschäftsführer

des Österreichischen Markenartikelverband, sowie

REGAL-Geschäftsführer Roland Pirker. Glückwunsch

zum renommierten Branchen-Award!

Copyrights © f-stop.at.


Krönender Abschluss von Tag 1 mit

Star-Kabarettist Omar Sarsam

Im Rahmen der Abendgala wartete noch ein

weiteres Highlight auf das Publikum: Der österreichische

Arzt und Comedy-Star Omar Sarsam

begeisterte die Gäste mit seinem humorvollen

Kabarett-Programm. Danach sorgte DJ-Legende

Joachim bei der After Party für ausgelassene

Stimmung in Gmunden.

Tag des Handels im Zeichen

der Krisenresilienz

Hochkarätig ging es auch am zweiten Event-Tag

weiter. Nach den Eröffnungsworten des HV-Präsidenten

Stephan Mayer-Heinisch hielt niemand

geringerer als der Krisensicherheitsberater der

österreichischen Bundesregierung, Peter Vorhofer,

die Eröffnungs-Keynote. Sein Tipp ans

Publikum: "Es hängt alles mit allem zusammen.

Wirtschaft ist Sicherheit und Sicherheit ist Wirtschaft.

Zukünftige Konflikte werden maßgeblich

davon abhängen, wie stark eine Wirtschaft und

wie stark deren Innovationsgrad ist."

In der anschließenden Podiumsdiskussion debattierte

Moderatorin Anna Thalhammer (Profil)

mit Peter Vorhofer, Velina Tchakarova und Vasyl

Khymynets, Botschafter der Ukraine, über die

wichtigsten geopolitischen Fragen unserer Zeit.

Der Bogen spannte sich vom Nahost-Konflikt

über den Krieg Russlands gegen die Ukraine,

bis hin zur US-Zollpolitik unter Präsident Donald

Trump und zu den Vor- und Nachteilen der

Neutralität Österreichs. Einig war sich die Runde,

dass die Rolle der US-Administration bei der

Lösung aktueller geopolitischer Konflikte gar

nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Jede Krise bietet neue Chancen

Von der Rolle der internationalen Diplomatie zur

wirtschaftlichen Bedeutung von Daten – diesen

Spagat meisterte Edward Sommerville, Solution

Manager Enterprise von Drei Österreich, mit

Bravour. Der gebürtige Brite hat bei Drei u.a.

den Produktlaunch des ersten österreichweiten

LoRaWAN-Netzes gemanaged – eine Technologie,

die Handelsunternehmen in Facility

Management und Energiemanagement unterstützt,

Prozesse zu digitalisieren und effizienter

zu gestalten.

Beim letzten Podium der Konferenz beschäftigten

sich Moderatorin Julia Pollak (Die Presse),

Martina Steinberger-Voracek (Agrana), Markus

Geyer (BIPA) und Oliver Olschewski (shopfully)

mit den Expansionsstrategien und Wachstumspotenzialen

des Handels in Zeiten der wirtschaftlichen

Stagnation. "Jede Krise bietet auch

neue Chancen. Entscheidend ist aber, bei den Ursachen

der wirtschaftlichen Flaute anzusetzen.

Weniger Bürokratie, weniger Regulierung, weniger

Föderalismus und schnellere Genehmigungsverfahren,

das sind die Gebote der Stunde",

so das gemeinsame Fazit der Expert:innen.

Apropos Chancen: Warum nachhaltiges Wirtschaften

längst zu einem ökonomischen Erfolgsfaktor

geworden ist und welche Rolle

ESG-Lösungen wie die Plattform Synesgy von

CRIF dabei spielen – diese Fragen beantworteten

Roland Otto (CRIF) und Oliver Schnöll (Hogast) in

ihrem spannenden Best Practice-Vortrag.

BM Hattmannsdorfer zur Lage des Handels

Den krönenden Abschluss des Tag des Handels

2025 bildete die Keynote von Wirtschaftsminister

Wolfgang Hattmannsdorfer, der v.a. auf die

Strategien der Bundesregierung zur Bekämpfung

der hohen Inflation, auf geplante Bürokratiereformen

sowie die Sicherstellung fairer Spielregeln

im Onlinehandel näher einging.

"Die Bundesregierung setzt auf einen faktenbasierten

Schulterschluss mit dem Handel. Wir

wollen faire Spielregeln und gegenseitiges Vertrauen

statt pauschaler Kritik. Im Zentrum stehen

gemeinsame Initiativen zur Standortstärkung,

die gezielte Entlastung bei Energiekosten und

der Kampf gegen strukturelle Wettbewerbsnachteile,

wie etwa dem Österreichaufschlag",

so Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer. Er

stellte auch eine gemeinsame Offensive von

Wirtschaftsministerium, Finanzministerium und

Handelsverband gegen Online-Ramschhändler

wie Temu und Shein vor. Kompetent moderiert

wurde das Event von der wunderbaren Angelika

Pehab. Ein besonderer Dank gilt auch den diesjährigen

Hauptsponsoren TOMRA, ARA, CRIF,

evol.X, Brau Union, Österreichische Post und

Salesforce.

(RED)


logistik-express.com H&D 4/25 | S20

Handelsflächenforum:

Shaping Tomorrow's

Shopping Environments

"Shaping Tomorrow's Shopping Environments"

– mit Fokus auf Expansion, Retail

Design, Raumplanung und Stadtentwicklung.

Sven Voth, Elisabeth Zehetner, Marcus Wild,

Christoph Andexlinger, Thomas Hahn, Nicole

Reitinger, uvm. live on Stage.

MANUEL FRIEDL

Am 18. September war es so weit: Das

Who is Who der heimischen Handelsszene

kam bei der ersten Ausgabe

des HV-Handelsflächenforums im

REAKTOR Wien zusammen. Handelsverband

Geschäftsführer Rainer Will eröffnete das innovative

Eventformat, Puls4-Anchorwoman Bianca

Ambros führte kompetent durch das Programm.

Die Themenpalette reichte von Ladenbau, Retail

Design und Expansionsstrategien über Ortskernbelebung

und Stadtmarketing bis hin zu

neuen Instore-Technologien, um gemeinsam

die Shoppingplaces der Zukunft zu gestalten. Die

wichtigsten Trends im Konsumverhalten wurden

u.a. von Martin Berghofer (BBE Handelsberatung),

Hannes Lindner (Standort+Markt), Joachim

Will (ecostra) und Christian Mikunda (Universität

Wien) auch wissenschaftlich fundiert analysiert.

Der stationäre Handel braucht noch mehr

Inspiration und Entertainment

Unter dem Veranstaltungsmotto "Shaping

Tomorrow's Shopping Environments" sorgten

hochkarätige Branchenexpert:innen mit Keynotes,

Best Practices und zwei Podiumsdiskussionen

für Begeisterung bei den rund 250 Gästen,

darunter zahlreiche Retail-Letztentscheider. Live

on Stage waren dieses Mal u.a. Staatssekretärin

Elisabeth Zehetner, Christoph Andexlinger (SES),

Thomas Hahn (Kaufhaus Steffl), Nicole Reitinger

(IKEA), die Mödlinger Stadträtin Dagmar Steiner,

Tanja Tanczer (Colliers), Stefan Müllner (Drei

Österreich), Simon Hasenauer (Remira), Frank

Trunzer (Intersport), Valentina Bichler (Best in

Parking), Peter Neuwerth (KSV1870), Bernhard

Scharf (Greenpass), Stefan Pany (REWE), Richard

Mauerlechner (Weekend Verlag) und HV-Präsident

Stephan Mayer-Heinisch.

Staatssekretärin Elisabeth Zehetner bedankte

sich beim HV für die erstklassige Zusammenarbeit

und bestätigte, dass der Handel medial

zu Unrecht als Treiber der Teuerung dargestellt

wird. Entscheidend seien vielmehr die hohen

Energiekosten. Spannend war auch das gemeinsame

Fazit der "City Reloaded"-Podiumsdiskussion:

„Die Leute wollen mehr Inspiration

und Entertainment im stationären Handel. Der

gemeinsame Dialog und mehr Unterstützung

seitens der Politik sind entscheidend.“


Snipes-Founder Sven Voth begeistert mit

seiner Success Story

Eines der absoluten Highlights des Events war

die Keynote von Sven Voth, Gründer von Snipes

und Higgins. Der gebürtige Deutsche und

Wahl-Wiener erzählte seine unglaubliche

Success-Story und begründete seine Entscheidung,

mit Higgins im Preiseinstiegssegment neu

durchzustarten. „Wir müssen Stories und ‚reasons

to buy‘ generieren, das ist entscheidend für den

Erfolg“, so Voth, dessen Brand Ambassador ein

KI-generierter Fuchs ist.

In der traditionellen, von Markus Kuntke (REWE)

und Roman Schwarzenecker (ACSP) kuratierten

"Startup Session powered by ACSP" konnten Elias

Danninger von Dauntless, Patrick Fodor von YQ

app, Sebastian Geiger von Wemolo, Florian Knoll

von Pocketshop und Victor Samuel Vécsei von

marswalk pitchen und damit potenzielle Investoren

überzeugen.

Österreichs Händler & Shoppingcenter

des Jahres ausgezeichnet

Zu den weiteren Höhepunkten der Veranstaltung

zählten die Verleihung des Bundespreises

"Österreichs Händler des Jahres" an Sportfex,

offgridshop.eu, HandyShop und Takko Fashion

sowie die Verleihung des Awards of

Excellence 2025 an die besten Shopping

Malls & Fachmarkzentren des Landes

von ecostra.

Der „Award of Excellence“ für die beste

Shopping Mall Österreichs ging erstmals

an den Europark aus Salzburg. Die Urkunde

nahm Marcus Wild, für Immobilien zuständiger

Vorstand von Spar Österreich, entgegen. Das

Handelsflächenforum 2025 wurde großzügig

unterstützt von zahlreichen Sponsoren. Besonderer

Dank gilt dem weekend Magazin als Medienpartner.

(RED)


logistik-express.com H&D 4/25 | S22

HV-Bundespreis 2025:

Beliebteste Händler des

Landes ausgezeichnet

Sportfex, offgridshop.eu, HandyShop und

Takko Fashion als "Österreichs Händler des

Jahres" prämiert. Gewinner zeigen die breite

Vielfalt der heimischen Handelslandschaft.

MANUEL FRIEDL

Wer ist der beliebteste Händler im ganzen

Land? Über diese Frage konnten

Österreichs Kundinnen und Kunden

im Sommer auf allen Kanälen abstimmen. Im Rahmen

des Handelsflächenforums des Handelsverbands

wurden zum vierten Mal die begehrten

Trophäen des Bundespreises "Österreichs Händler

des Jahres" von HV und Kooperationspartner

Weekend-Magazin vergeben.

Kleinsthändler des Jahres: Sportfex

Der Bundespreis in der Kategorie "Kleinsthändler"

(bis 9 Beschäftigte) erging heuer an die Sportfex

GmbH. Der Bergsport-Spezialist aus dem Lungau

punktet bei der Kundschaft mit erstklassiger

Wintersportausrüstung, Fahrrädern und einem

tollen Sortiment im Ballsportbereich. Claudia

und Harald Sagmeister nahmen den Preis entgegen.

Ebenfalls in dieser Kategorie nominiert

waren der Vintage-Shop Dogdays of Summer

sowie die Pölzl GmbH.

Credit: "Katharina Schiffl / Handelsverband"


Kleiner Händler des Jahres: offgridshop.eu -

Sailectron Services GmbH

Die Abstimmung in der Kategorie "Kleine Händler"

(10 bis 49 Beschäftige) konnte offgridshop.eu aus

Gratwein-Straßengel bei Graz für sich entscheiden.

Als österreichischer Distributor für Victron

Energy sorgt offgridshop.eu dafür, dass elektrische

Geräte in Betrieb bleiben – egal ob zu Hause,

unterwegs oder im Betrieb. Die Geschäftsführer

Lukas Vrecer und Michael Ponbauer freuten

sich live on stage über die Auszeichnung. Ebenfalls

ins Voting-Finale geschafft hatten es Vorjahressieger

Peter Wagner Comfortschuhe aus

Asten (OÖ) und die Salzburger Heimatwerk eG.

Andreas Carls und Erzsebet Pinter, Head of

Expansion, nahmen den Preis entgegen. Ebenfalls

im Finale vertreten waren Vorjahressieger

Fussl Modestraße aus Ort im Innkreis (OÖ) und

der Lebensmittelhändler MPreis mit Hauptsitz

in Völs (Tirol).

Mittelständischer Händler des Jahres:

HandyShop

Als "Mittelständischer Händler" des Jahres (50

bis 249 Beschäftige) wurde HandyShop.cc ausgezeichnet

– nach 2020 der zweite Sieg für das

Unternehmen aus Deutschlandsberg (Steiermark).

HandyShop.cc bietet nicht nur persönliche

Beratung zu Tarifen sämtlicher Netzbetreiber

und vertragsfreien Handys aller Marken an, sondern

auch alles für ein smartes Zuhause: vom

schnellen Internet über TV Kombis bis hin zu

Laptops und Tablets. CEO Robert Ribic und Peter

Ribic holten sich den Siegerpokal persönlich ab.

Ebenfalls nominiert waren Vorjahressieger

Heinemann Duty Free Austria sowie Dorotheum

Juwelier.

Großer Händler des Jahres: Takko Fashion

Der Bundespreis Österreichs Händler des Jahres

in der Kategorie "Großer Händler" (mehr als 250

Beschäftigte) ging erstmals an Takko Fashion.

Das Unternehmen steht für trendige Mode zum

Wohlfühlen sowie für eine große Fashion-Auswahl

für kleines Geld. Country Manager Marc

STEPHAN MAYER-HEINISCH


logistik-express.com H&D 4/25 | S24

Bundespreis spiegelt vielseitigen Handel wider

"Wir sind stolz auf Österreichs Händler des Jahres.

Ob rein stationär oder omnichannel, ob groß oder

klein, ob Händler für Elektronik, Sport oder für

Mode, ob Familienunternehmen oder Teil einer

internationalen Unternehmensgruppe – die

ausgezeichneten Unternehmen stehen für den

heimischen Handel in seiner gesamten Vielfalt",

so Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Der österreichische Handel ist mit mehr als

700.000 Beschäftigten der wichtigste Arbeitgeber

und der umsatzstärkste Wirtschaftszweig

des Landes. Daher ist es für uns als Familienunternehmen

und eines der reichweitenstärksten

Medienhäuser Österreich eine Freude, die

Handelsbranche bestmöglich zu unterstützen",

erklärt Weekend-Geschäftsführer Richard Mauerlechner

sein Engagement.

"Der Handelsverband bedankt sich bei allen

Kooperationspartnern des Bundespreises und

gratuliert den vier ausgezeichneten Unternehmen

herzlich", ergänzt Handelsverband-Präsident

Stephan Mayer-Heinisch.

Die Bundespreis-Gewinner werden neben

der begehrten Trophäe und der Medienaufmerksamkeit

mit einem ansehnlichen Werbewert

belohnt: Das Weekend-Magazin vergibt

an die Preisträger der vier Kategorien

Werbefläche im Wert von über 50.000 Euro. "

Bundespreis Österreichs Händler des Jahres

Der Bundespreis Österreichs Händler des Jahres

wird seit 2021 vom Handelsverband vergeben.

Dabei entscheidet ganz Österreich im

Publikumsvoting über die beliebtesten Handelsunternehmen

des Landes in den Kategorien

Kleinsthändler, kleiner Händler, mittelständischer

Händler und großer Händler.

Teilnahmeberechtigt sind Einzelhandelsunternehmen

mit Sitz in Österreich, die zumindest ein

stationäres Geschäft betreiben und das Siegel

„Österreichischer Händler“ tragen. (RED)

Credit: "Katharina Schiffl / Handelsverband"


#futureofretail

Der Kongress

für Retail

Technology

techday.at

RETAIL

TECH

DAY

TECH GATE VIENNA

19. NOVEMBER

2025


logistik-express.com H&D 4/25 | S26

Von der Rabattschlacht

zur Umsatzchance

Längst hat sich der Black Friday von einer

kurzfristigen Verkaufsaktion zu einem strategischen

Höhepunkt im Vertrieb entwickelt,

an dem sich entscheidet, elche Unternehmen

kurzfristige Erfolge in nachhaltiges Wachstum

verwandeln können.

Wer bereits vor dem Black Friday die Bedürfnisse,

Kaufhistorie und Präferenzen seiner

Zielgruppe kennt, kann personalisierte Angebote

entwickeln, die eine deutlich höhere

Abschlussquote erzielen. Dabei spielen auch

die Cross- und Upselling-Potenziale eine entscheidende

Rolle. Kombinierte Produktpakete

oder exklusive Zusatzleistungen steigern den

Warenkorbwert und sorgen dafür, dass sich die

Preisaktionen nicht allein über Rabatte definieren

lassen. Parallel zur datenbasierten Planung muss

der Vertrieb die operativen Abläufe optimieren.

Logistische Engpässe, Lagerbestände und

Lieferzeiten erweisen sich als Faktoren, die den

Erfolg des gesamten Events beeinflussen. Kunden

erwarten heute nicht nur attraktive Preise,

sondern auch eine schnelle und verlässliche Abwicklung

ihrer Bestellungen. Verzögerungen oder

stockende Prozesse können die Wahrnehmung

der Marke daher nachhaltig beeinträchtigen.

DEVIN VANDREUKE

Sales-Experte Devin Vandreuke: In den

letzten Jahren hat sich der Black Friday

von einem reinen US-amerikanischen

Shopping-Event zu einem globalen

Phänomen entwickelt, das für Unternehmen aller

Branchen enorme Umsatzpotenziale bietet.

Für den Vertrieb stellt dieser Tag eine besondere

Herausforderung dar, da kurzfristige Kaufanreize,

hohe Konkurrenz und eine extrem schnelle Kundenentscheidung

aufeinandertreffen. Erfolgreiche

Strategien setzen daher nicht nur auf aggressive

Preisaktionen, sondern auf eine präzise

Planung, Zielgruppensegmentierung und eine

nahtlose Customer Journey. Als zentraler Erfolgsfaktor

gilt die frühzeitige Analyse von Kundendaten.

Neben der kurzfristigen Umsatzsteigerung eröffnet

der Black Friday auch Chancen für die

langfristige Kundenbindung: Wer den Tag nutzt,

um bestehende Kundenbeziehungen zu intensivieren

und neue Interessenten durch ein konsistentes

Markenversprechen zu gewinnen, legt

den Grundstein für Folgegeschäfte. Eine durchdachte

Nachbereitung, personalisierte Empfehlungen

und gezieltes Follow-up-Marketing sorgen

dafür, dass der kurzfristige Verkaufserfolg in

nachhaltige Kundenbeziehungen übersetzt wird.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass

der Black Friday weit mehr ist als ein Tag der

Rabatte. Für den Vertrieb bietet er die Möglichkeit,

datengetriebene Strategien umzusetzen,

operative Prozesse zu optimieren und gleichzeitig

die Bindung zu bestehenden und potenziellen

Kunden zu stärken. Unternehmen, die

diese Aspekte konsequent verbinden, steigern

nicht nur ihre Verkaufszahlen, sondern bauen

auch langfristige Wettbewerbsvorteile auf.

(RED)


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WIFO & Handelsverband

Konjunkturreport:

Einzelhandel bleibt

unter Druck

Die Stimmung der Konsumenten verbessert

sich, doch hohe Energiekosten, steigende

Insolvenzen, rückläufige Beschäftigung

bleiben strukturell belastend.

GERALD KÜHBERGER

Der vom WIFO im Auftrag des Handelsverbands

erstellte Konjunkturreport

Einzelhandel für das zweite

Quartal 2025 zeigt ein weiterhin angespanntes

Bild für den österreichischen Handel.

Zwar konnte der Juni 2025 mit Umsatzsteigerungen

positiv überraschen, insgesamt bleibt

die Konsumdynamik jedoch schwach. Insgesamt

wird deshalb weiterhin nur mit einem leichten

preisbereinigten Wachstum gegenüber dem

Vorjahr gerechnet. Hohe Energiekosten, steigende

Insolvenzen und die rückläufige Beschäftigung

bleiben strukturell belastend.

Während die Juni-Zahlen kurzfristig positiv

stimmen, mahnt Handelsverband-Geschäftsführer

Rainer Will zur Vorsicht: "Die strukturellen

Herausforderungen – von den steigenden

Energie- und Personalkosten bis zu den hohen

Rohstoffpreisen auf den Weltmärkten – sind

nach wie vor ungelöst. Immerhin hat sich die

Stimmung der heimischen Konsument:innen in

den letzten Monaten schrittweise verbessert, die

Konjunktur bleibt allerdings weiterhin schwach."

Energiepreise als größter Inflationstreiber

Sorgen bereitet auch die steigende Inflationsrate.

Gemäß HVPI lag die Inflation im Juli in Österreich

bei 3,7% und damit deutlich über dem

Durchschnitt des Euro-Raumes von 2,0%. "Damit

setzt sich der höhere Preisauftrieb in Österreich

im internationalen Vergleich fort. Den stärksten

Einfluss auf die Teuerung hatte die Ausgabengruppe

Wohnen, Wasser und Energie", erklärt

Jürgen Bierbaumer, WIFO-Ökonom und Mitautor

des Reports.

Weitere Kernbefunde des Konjunkturreports:

Wirtschaftswachstum bleibt schwach: Die gesamtwirtschaftliche

Leistung stieg im II. Quartal

2025 nur um +0,1% gegenüber dem Vorquartal.

Einzelhandelsumsätze steigen leicht: Im Juni

legten die Umsätze (ohne Kfz) kalenderbereinigt

um +3,6% real gegenüber dem Vorjahr zu. Damit

belebte sich die Dynamik zuletzt (Mai: real +0,7%).

GERALD KÜHBERGER

Branchen divergieren weniger: Während sich

in den letzten Jahren die reale Nachfrage im

Lebensmittelhandel etwas besser entwickelte


als im Nichtnahrungsmittelsektor, gleicht sich

die Entwicklung langsam an. Deutlich rückläufige

Umsätze gab es im Einzelhandel mit Sportund

Spielwaren sowie im Buch- und Zeitschriftenhandel.

Beschäftigung im Handel bleibt stabil: Im Juli

waren im Einzelhandel 333.000 unselbstständig

Beschäftigte tätig – ein Rückgang von -2%

im Jahresvergleich. Gleichzeitig verzeichnet die

Branche aktuell rund 11.000 offene Stellen, darunter

mehr als 9.000 Vollzeit-Jobs.

Insolvenzzahlen klettern rapide nach oben: Im II.

Quartal wurden 185 Insolvenzen im Handel eröffnet,

ein Plus von 6,9% gegenüber dem Vorjahr

oder mehr als 2 Insolvenzen pro Tag.

Nahrungsmittelpreise steigen langsamer als in

Deutschland: Während die allgemeine Inflation

bei mittelfristiger Betrachtung in Österreich weit

über jener in Deutschland liegt, sind insbesondere

die Nahrungsmittelpreise in Österreich

deutlich weniger stark gestiegen als in Deutschland.

Generell hat der heimische Lebensmittelhandel

in den letzten 5 Jahren inflationsdämpfend

agiert.

Stimmung verbessert sich minimal: Die Lageeinschätzung

der Händler stagniert auf niedrigem

Niveau, während die Konsument:innen zuletzt

etwas optimistischer wurden. Das Verbrauchervertrauen

erreichte im Juli den höchsten Wert

seit neun Monaten, liegt aber weiterhin klar im

pessimistischen Bereich.

Ausblick: Sparquote bleibt hoch. Vorsichtiger

Optimismus für 2026.

"Im direkten Vergleich mit Deutschland sind

die realen Nettoumsätze des österreichischen

Handels etwas schwächer ausgefallen. Kräftige

Steigerungen bei den Pkw-Neuzulassungen

lassen allerdings zumindest auf eine gewisse

Dynamik nach vielen Jahren der Flaute bei den

langlebigen Konsumgütern schließen", bestätigt

Rainer Will.

Das WIFO erwartet, dass die privaten Konsumausgaben

2025 real nur minimal wachsen

werden (+0,4%), während die Sparquote hoch

bleiben dürfte (10,8%). "Vor diesem Hintergrund

wird die reale Wertschöpfung im Handel im Jahr

2025 voraussichtlich um -0,2% zurückgehen.

Erst 2026 ist wieder mit einer höheren Ausgabenbereitschaft

der privaten Haushalte auf breiterer

Basis zu rechnen", prognostiziert Jürgen

Bierbaumer.

Der Konjunkturreport Einzelhandel zeigt klar,

dass unsere Branche zurzeit mit vielen Herausforderungen

zu kämpfen hat. Insbesondere die

anhaltend hohe Inflation aufgrund des Preistreibers

Energie sowie die Erosion der wirtschaftlichen

Zuversicht bereiten uns Sorgen. Gezielte

Maßnahmen zur Unterstützung kleiner Handelsbetriebe

und zur Schaffung eines Level Playing

Fields im Onlinehandel dürfen daher nicht aufgeschoben

werden, um das wirtschaftliche Comeback

nach 3 Rezessionsjahren einzuleiten“,

so Handelssprecher Rainer Will abschließend.

(RED)


logistik-express.com H&D 4/25 | S30

Mit Weihnachten kommt

die Retourenflut: Diese

KPIs zählen jetzt

Die Weihnachtszeit ist für den Handel das

wichtigste Geschäft des Jahres und zugleich

die Hochsaison für Rücksendungen. Gerade

in dieser Phase entscheidet sich, ob Kunden

zufrieden bleiben oder abspringen.

Wer Retouren professionell steuert,

kann Kosten senken, Vertrauen

stärken und sogar neue

Umsätze generieren. Welche

Kennzahlen dabei wirklich zählen, zeigt parcelLab

mit den fünf zentralen KPI-Bereichen

für ein erfolgreiches Retourenmanagement.

Noch zeigt sich der September golden - aber

im E-Commerce laufen längst die Vorbereitungen

für das Weihnachtsgeschäft. Viele Händler

denken dabei an Kampagnen, Warenbestände

und Lieferketten. Doch die eigentliche Belastungsprobe

beginnt nach dem Kauf: im Retourenprozess.

Gerade zwischen Dezember und

Januar entscheidet sich, ob Kunden einem Shop

treu bleiben oder abspringen. Wer die Retoure

als Chance versteht, kann Vertrauen stärken,

Servicekosten senken und Margen sichern.

parcelLab, die führende Plattform für Post-

Purchase Experience, zeigt fünf Bereiche, in denen

Händler ihre Retouren-KPIs im Blick behalten

sollten.

1. Geschwindigkeit & Transparenz

Wenn Kunden eine Retoure starten, zählt jede

Minute. Besonders wichtig sind die First Message

Response Time (FMRT) - also die Zeit bis zur ers-


ten Bestätigung - sowie die Erstattungsdauer.

Wer hier schnell reagiert und transparent informiert,

signalisiert Professionalität und senkt

Rückfragen.

2. Kundenerlebnis & Zufriedenheit

Eine Retoure muss nicht zwingend Frust bedeuten.

Im Gegenteil: Wer den Aufwand für Kunden

gering hält, steigert die Wiederkaufswahrscheinlichkeit.

Ein niedriger Customer Effort Score (CES)

zeigt, dass der Prozess einfach funktioniert. Auch

der Net Promoter Score (NPS) nach einer Retoure

ist ein Gradmesser: Nur wer selbst im heiklen

Moment überzeugt, wird weiterempfohlen.

3. Ursachen erkennen &

Rücksendegründe verstehen

Nicht jede Retoure ist unvermeidlich. Wer die

Retourenquote pro Produktkategorie kennt und

weiß, warum Artikel zurückkommen, kann Sortimente

optimieren und Retouren aktiv vermeiden.

Fehlende Größenberater, ungenaue Beschreibungen

oder Produktmängel werden so sichtbar

und korrigierbar.

4. Effizienz & Wirtschaftlichkeit

Jede Rücksendung kostet - oft mehr, als Händler

denken. Kennzahlen wie der Cost per Return (CPR)

oder das Support-Volumen pro 1.000 Retouren

machen stille Kosten sichtbar. Gleichzeitig zeigt

der Automatisierungsgrad, wo Prozesse beschleunigt

und Fehler reduziert werden können.

5. Nachhaltigkeit & Werterhalt

Retouren sind nicht nur ein Service- und Kostenfaktor,

sondern auch eine Frage der Nachhaltigkeit.

Ein hoher Anteil wiederverkaufsfähiger

Ware verbessert Marge, Lagerumschlag und

CO2-Bilanz. Umgekehrt zeigen Abschreibungsverluste

und der durchschnittliche Warenwertverlust,

wie stark Retouren auf Profitabilität und

ESG-Reporting durchschlagen.

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Wer Retouren richtig misst, gewinnt

Kunden - und Weihnachten

"Die Retoure ist nicht das Ende der Customer

Journey - sie ist ihre entscheidende Reifeprüfung",

bilanziert parcelLab-Mitgründer Anton

Eder. "Mit den richtigen KPIs wird sie zur Chance

für Differenzierung, Loyalität und Effizienz.

Gerade jetzt, kurz vor dem Weihnachtsgeschäft,

ist der ideale Moment, um Prozesse datenbasiert

zu optimieren."

(RED)

logistik-express.com


logistik-express.com H&D 4/25 | S32

Unimarkt: Dramatisches

Signal an die Politik, das

die Lage im Lebensmittelhandel

spiegelt!

Übermächtiger Verhandlungsdruck und Österreich-Preisaufschlag

der Industrie, volatile

Weltmarktpreise, Fokus auf Billigstpreise und

Bürokratielawine gefährden Nahversorgung

in Österreich. Hohe Energie- und Personalkosten

strukturell belastend.

Mit Unimarkt verliert Österreich einen

traditionsreichen Lebensmittelhändler

und ein wichtiges

Stück regionaler Nahversorgung.

Für den Handelsverband ist dieses Aus ein dramatisches

Signal, das die prekäre Lage im heimischen

Lebensmittelhandel aufzeigt.

„Die Entwicklungen bei der Unimarkt-Gruppe

sind ein Alarmzeichen für die gesamte Branche

und vor allem für die Politik“, betont Handelsverband-Geschäftsführer

Rainer Will. „Explodierende

Energie-, Personal- und Mietkosten, volatile

Weltmarktpreise und immer neue bürokratische

Auflagen der Politik haben die ohnehin knappen

Margen aufgezehrt. Selbst Traditionsbetriebe

können unter diesen Rahmenbedingungen nicht

mehr bestehen.“

Verhandlungen mit der Industrie verliefen für

Unimarkt leider ergebnislos – vor allem die maßgeblichen

internationalen Lieferanten waren zu

keinerlei Entgegenkommen bereit. Die höheren


Einkaufspreise und der "Österreich-Preisaufschlag"

multinationaler Markenartikelhersteller

machten ein kostendeckendes Wirtschaften immer

aussichtsloser, wie Andreas Haider im persönlichen

Gespräch mit Rainer Will bestätigte.

Von Teilen der SPÖ angestoßene Debatte um

Billigstpreise als Sargnagel für Unimarkt

Die aktuellen Entwicklungen verdeutlichen: Der

heimische Lebensmittelhandel steht unter massivem

Druck. Neben den genannten Kostensteigerungen

belasten insbesondere komplexe

Meldepflichten, zusätzliche Umwelt- und Verpackungsvorgaben

sowie regulatorische Eingriffe,

die oftmals ohne praxisgerechte Übergangsfristen

eingeführt werden, die gesamte Branche.

Erschwerend hinzu kommt die aktuelle Debatte

über die hohe Inflation. Wenn in Österreich über

hohe Preise diskutiert wird, rückt der Lebensmitteleinzelhandel

(LEH) reflexartig ins Zentrum der

Kritik. Schlagzeilen, die Supermärkte als "Preistreiber"

brandmarken, machen sich gut. Aber sie

sind falsch.

Die nackten Zahlen belegen: Der Handel ist nicht

Verursacher, sondern selbst Betroffener der

Teuerungskrise. Das hat auch die Bundeswettbewerbsbehörde

(BWB) in ihrer Branchenuntersuchung

der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette

bestätigt. Ungeachtet dieser Fakten

ist die unsägliche Debatte um Billigstpreise,

Shrinkflation und einer ‚Aktion scharf‘ gegen den

Handel für Unimarkt der Sargnagel. Die Politik

trägt mit ihrem ständigen Händler-Bashing zumindest

eine Mitschuld.

„Die von Teilen der SPÖ angestoßene Billigstpreis-Diskussion

kosten den Qualitätsstandort

Österreich viele Arbeitsplätze. Gegenwärtige

Regulierungspläne haben den Rest verursacht

und zu konsumentenseitigen Konsumrückgängen

geführt “, stellt Rainer Will klar.

Shrinkflation-Kennzeichnungspflicht am

Regal würde Kostendruck der Branche

befeuern

Natürlich wissen wir: Für viele Menschen sind die

Budgets knapp, jede Preiserhöhung schmerzt.

Umso wichtiger ist es, die Verantwortung dort

zu verorten, wo sie wirklich liegt. Der österreichische

Lebensmittelhandel sichert Nahversorgung,

Vielfalt und Qualität. Wer die Inflation bekämpfen

will, muss die richtigen Stellschrauben

drehen: Energiekosten runter, faire Spielregeln

gegenüber Fernost-Plattformen und insb. weniger

Bürokratie. Seit Jahren wird nur darüber geredet,

es müssen jetzt endlich Taten folgen.

„Wenn wir die Nahversorgung in Stadt und Land

langfristig sichern wollen, braucht es jetzt gezielte

Maßnahmen. Dringend notwendig sind

Entlastungen bei Energie und Abgaben, vereinfachte

Regularien und vor allem nicht noch mehr

Bürokratie in Form einer Shrinkflation-Kennzeichnungspflicht

am Regal. Ohne schnelle

Korrekturen drohen weitere Insolvenzen und

ein Verlust an regionaler Vielfalt, der nicht mehr

rückgängig zu machen ist“, so Will abschließend.

Der Handelsverband dankt Andreas Haider

und dem gesamten Leitungsteam von Unimarkt,

dass bis zuletzt alles unternommen

wird, um Arbeitsplätze, Filialen und damit die

Nahversorgung für die Menschen zu sichern.

Der Handelsverband steht als bundesweite Interessenvertretung

mit aller Kraft zur Seite.

(RED)

Für Rückfragen steht Ihnen der Handelsverband

gerne zur Verfügung.

Mag. Gerald Kühberger, MA

Pressesprecher

gerald.kuehberger@handelsverband.at


logistik-express.com H&D 4/25 | S34

Weltlage und

Wirtschaftsschwäche

drücken die heimische

EU-Stimmung

Die angespannte geopolitische Lage, eine

schwächelnde Wirtschaft, hartnäckig hohe

Inflationsraten sowie die starke Präsenz europakritischer

Stimmen hinterlassen im heimischen

EU-Meinungsbild ihre Spuren.

Während die Europäische Union

darum kämpft, sich zu behaupten

und im Konzert der Mächtigen

mitzuspielen, ist die Verunsicherung

hierzulande groß und die Zuversicht

begrenzt. Im ÖGfE-Stimmungsbarometer von

September sind 6 von 10 Befragten (61 Prozent)

der Meinung, dass Österreich Mitglied der EU

bleiben sollte, 29 Prozent sprechen sich für einen

EU-Austritt aus, 11 Prozent sind sich in ihrem

Urteil unsicher oder geben keine Antwort. Damit

verfestigt sich eine Tendenz steigender

EU-Skepsis, die lediglich rund um die Europawahlen

im letzten Jahr unterbrochen wurde: In

einer Blitzumfrage am Tag nach der Wahl, bei der

die FPÖ erstmals stärkste Kraft wurde, war die

Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft - kurzfristig

- auf 76 Prozent gestiegen.

„Im langfristigen Trend - 74 Umfragen seit 1995

- liegt die Zahl der Befürworter:innen der heimischen

EU-Mitgliedschaft bei durchschnittlich

70 Prozent; die Zahl jener, die einen EU-Ausstieg

präferieren, bei 22 Prozent. Die höchste Zustimmung

zur EU-Mitgliedschaft fand sich im Herbst

1999 - mit 82 Prozent - in einer Periode positiverwirtschaftlicher

Entwicklung sowie im Sommer

2002, dem Jahr der physischen Einführung des

Euro. Der stärkste Wunsch nach einem Austritt

im Sommer 2008 - mit 33 Prozent - infolge des

irischen Nein zum Vertrag von Lissabon und der

darauffolgenden innenpolitischen Diskussion in

Österreich, sowie im Sommer 2015, als sich der

Flüchtlingszustrom nach Europa bereits intensivierte

und die EU auch von der Brexit-Entscheidung

der Briten überrumpelt wurde“, analysiert

Schmidt. „Die aktuell bescheidenen Zustimmungswerte

zur EU-Mitgliedschaft ähneln jenen

vor zehn Jahren. Für eine Trendumkehr braucht

es jedenfalls eine stärkere Union, die in der Lage

ist, Wohlstand und Sicherheit zu gewährleisten

und auf der Weltbühne ihre Handlungsfähigkeit

unter Beweis stellt.“

Die kürzlich zustande gekommene Zollvereinbarung

zwischen den USA und der EU findet, vor

diesem Hintergrund, keine mehrheitliche Zustimmung

in Österreich. 54 Prozent halten das

Übereinkommen für schlecht, weil dadurch die

europäische Wirtschaft zu stark belastet wird.

Etwas mehr als ein Viertel der Befragten (27 Prozent)

begrüßt es und ist der Meinung, dass somit

ein weiterer Handelskrieg abgewendet wurde.

Ein Fünftel kann sich in dieser Frage nicht festlegen

(19 Prozent).

„Die Vereinbarung zwischen den USA und der

EU, wonach auf die meisten EU-Exportprodukte,

die in die Vereinigten Staaten gehen, ein Zollsatz

von 15 Prozent eingehoben wird, wird vielfach

als einseitig und nicht nachhaltig kritisiert“, so

Schmidt. „Das deckt sich mit dem heimischen

Meinungsbild, das Unzufriedenheit mit dem abgeschlossenen

Deal erkennen lässt.“

Ob die Europäische Union das Freihandelsabkommen

MERCOSUR mit den südamerikanischen

Staaten Argentinien, Bolivien, Brasilien,

Paraguay und Uruguay beschließen soll, darüber

scheiden sich in Österreich die Geister. Ein

Drittel (35 Prozent) ist dafür, dass unser Land

den Freihandelspakt absegnet, fast ebenso viele

Befragte (33 Prozent) äußern hingegen ihre

Ablehnung. Ein weiteres Drittel (31 Prozent)

konnte sich hierzu noch keine Meinung bilden.

„Das Thema Freihandel ist hierzulande traditionell

umstritten und mit vielen Emotionen verbunden.

Angesichts der handels- und geopolitischen

Entwicklungen und der Aktualisierung

des MERCOSUR-Abkommens wäre es jedenfalls

sinnvoll, die Debatte wieder aufzunehmen, allerdings

mit einer Ausrichtung, die weniger auf Po-


larisierung und stärker auf Fakten setzen sollte“,

meint Schmidt. „Bereits jetzt sind weltweit über

40 Handelsabkommen der EU mit über 70 Ländern

in Kraft. Eine weitere Diversifizierung der

Handelsbeziehungen sowie die Vertiefung des

Binnenmarktes wären in Zeiten des zunehmenden

Protektionismus und der komplexen transatlantischen

Beziehung sinnvoll und notwendig,

reduzieren Abhängigkeiten und erhöhen die

Resilienz der Union.“

Auch was die europäische Unterstützung der

Ukraine in ihrem Kampf gegen den russischen

Angriffskrieg betrifft, sind die Menschen in Österreich

geteilter Meinung. Insgesamt 46 Prozent

halten eine solche für „sehr“ oder „eher wichtig“

(je 23 Prozent), fast ebenso viele – 43 Prozent –

sehen die europäische Solidarität mit Kyjiw als

„eher nicht“ (18 Prozent) oder „gar nicht wichtig“

(25 Prozent) an. 10 Prozent der Befragten äußern

sich nicht zu diesem Thema. Im Zeitverlauf seit

2023 sind im heimischen Meinungsbild kaum

Veränderungen zu erkennen.

„Trotz internationaler Friedensbemühungen

und des Drucks weiterer Sanktionen eskaliert

Russland mit seinen Angriffen auf die Ukraine.

Ein rasches Ende des Krieges rückt somit wieder

in die Ferne. Das von Ambivalenz geprägte

heimische Meinungsbild zur Haltung der EU

spiegelt dabei gut die innenpolitische Debatte

wieder: Während die österreichische Bundesregierung

in ihrer Rückdeckung für die Ukraine

keine Zweifel lässt, fordert die stärkste Oppositionspartei

vehement, die Unterstützung für

Kyjiw zurückzufahren. Was dabei jedoch fehlt,

ist eine dringend notwendige sicherheitspolitische

Auseinandersetzung, wie Österreich

seine militärisch neutrale Rolle in Zeiten

grundlegender geopolitischer Veränderungen

weiterentwickeln und definieren sollte. Mehr

Mut und Offenheit wären hier jedenfalls gefragt“,

meint Schmidt abschließend.

(RED)

Die Umfrage wurde von market von 5. bis

9. September 2025 im Auftrag der ÖGfE

durchgeführt. Befragt wurden österreichweit

1000 Personen online. Schwankungsbreite

+/- 3,16 Prozent.


logistik-express.com H&D 4/25 | S36

Konkurswelle rollt weiter

Die Unternehmensinsolvenzen in Österreich

steigen weiter Holding- und Investitionsgesellschaften

+133 Prozent.

Die Zahl der Insolvenzen von protokollierten

Unternehmen in Österreich ist

im ersten Halbjahr 2025 erneut deutlich

gestiegen. Laut einer aktuellen

Analyse von Dun & Bradstreet wurden 1.990

Unternehmenskonkurse registriert, ein Anstieg

von 13 Prozent gegenüber dem zweiten Halbjahr

2024 und ein Zuwachs von 7 Prozent gegenüber

dem Vorjahreszeitraum. Im Vergleich zum ersten

Halbjahr 2021 hat sich die Zahl der Insolvenzen

damit nahezu verdreifacht.

Die Gründe für diesen Anstieg sind eine schwache

Konjunktur, gestiegene Personal- und Energiekosten

sowie zunehmende geopolitische

Unsicherheiten, die die wirtschaftliche Stabilität

vieler Unternehmen belasten.

Tirol und Salzburg besonders stark betroffen

Die Analyse der Insolvenzfälle zeigt erhebliche

regionale Unterschiede. Die höchsten relativen

Zuwächse verzeichneten Tirol (+49 Prozent),

Salzburg (+31 Prozent), Kärnten (+25 Prozent)

und Wien (+16 Prozent). In anderen Bundesländern

hingegen war ein Rückgang der Firmenpleiten

zu beobachten. Besonders deutlich war

dieser in Vorarlberg (–38 Prozent), gefolgt vom

Burgenland (–18 Prozent) und Niederösterreich

(–17 Prozent). In der Steiermark (–6 Prozent) und

Oberösterreich (–2 Prozent) war die Abnahme

moderater.

Branchenentwicklung: Holding- und Investitionsgesellschaften

mit dramatischem Anstieg

Besonders drastisch ist der Anstieg der Insolvenzen

bei Holding- und Investitionsgesellschaften:

Im Vergleich zum Vorjahr haben sich

die Konkursfälle mehr als verdoppelt, ein Plus

von 133 Prozent. Auch im Immobiliensektor (+50

Prozent) und in der Logistikbranche (+19 Prozent)

ist die Zahl der Insolvenzen deutlich gestiegen.

Unternehmensdienstleister und Handwerksbetriebe

verzeichneten jeweils moderate Zuwächse

von 4 Prozent. Gleichzeitig gab es in mehreren

Branchen spürbare Rückgänge: Im Baugewerbe

gingen die Insolvenzen um 24 Prozent zurück,


in der IT-Branche und bei Personalvermittlern

um jeweils 22 Prozent, im Großhandel um 18

Prozent. Auch Einzelhandel (–5 Prozent), Unternehmens-

und Steuerberatung (–6 Prozent) und

Maschinenbau (–9 Prozent) waren weniger stark

betroffen als im Vorjahr.

Anstieg bei Neugründungen

Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen

wurden im ersten Halbjahr

2025 in Österreich 12 Prozent mehr Unternehmen

gegründet als im Vorjahr. In Tirol und der

Steiermark stiegen die Gründungen jeweils um

20 Prozent. Weitere Zuwächse verzeichneten

Kärnten (+19 Prozent), Vorarlberg (+16 Prozent)

und Wien (+13 Prozent). In Niederösterreich (+10

Prozent), Oberösterreich (+8 Prozent), Salzburg

(+3 Prozent) und dem Burgenland (+2 Prozent)

fiel das Wachstum moderater aus. Dies deutet

darauf hin, dass viele Gründer das mittelfristige

Marktumfeld trotz konjunktureller Unsicherheiten

weiterhin als chancenreich einschätzen.

Heterogene Entwicklung am

Unternehmensmarkt

„Wir beobachten derzeit eine zunehmende

Divergenz zwischen stabilen und stark gefährdeten

Unternehmensgruppen“, sagt Isabella

Blüml, Commercial Director und Managing

Director Österreich bei Dun & Bradstreet. „Der

massive Anstieg von Insolvenzen bei Holdings,

Immobilien und Logistik zeigt, wie stark bestimmte

Sektoren unter den wirtschaftlichen

und geopolitischen Rahmenbedingungen leiden.

Gleichzeitig ist der Anstieg der Neugründungen

ein deutliches Zeichen dafür, dass viele Unternehmen

trotz aller Herausforderungen Chancen

erkennen und nutzen.“

(RED)

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logistik-express.com H&D 4/25 | S38

Handelsverband begrüßt

VKI-Klage gegen Temu

Große Plattformen stehen nicht über dem

Gesetz! Verein für Konsumenteninformation

hat im Auftrag des BMASGPK Verbandsklage

eingebracht. GERALD KÜHBERGER

Die am 22. September durch den Verein

für Konsumenteninformation im

Auftrag des Bundesministeriums für

Konsumentenschutz eingebrachte

Verbandsklage gegen Temu ist ein dringend

erforderlicher Schritt in die richtige Richtung.

Rainer Will, Geschäftsführer des freien und überparteilichen

Handelsverbands. begrüßt diese

'Aktion Extrascharf' gegen einen der weltgrößten

Online-Ramschhändler ausdrücklich. Die Klage

wurde beim Handelsgericht Wien eingebracht –

unter anderem wegen festgestellten Verstößen

gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb

(UWG) und gegen den EU Digital Services

Act (DSA). Ziel der Klage ist es, die von Temu

verwendeten manipulativen Designmuster (sog.

"Dark Patterns") künftig zu unterbinden. Diese

Designelemente auf den digitalen Oberflächen

des Online-Marktplatzes zielen darauf ab, die

Käufer:innen zu bestimmten Verhaltensweisen

zu verleiten – insbesondere unüberlegte Käufe

und ungewollte Datenfreigaben.

Temu ist mit einem Bruttowarenwert von

mehr als 340 Mio. Euro bereits der viertgrößte

eCommerce-Marktplatz in Österreich (Quelle:

„E-Commerce-Markt Österreich 2025“; ECDB/

Handelsverband). „Der rasante Aufstieg seit dem

Markteinstieg im Jahr 2023 war nur möglich,

weil Temu in vielen Bereichen unfair agiert. Das

haben wir schon mit unserer UWG-Beschwerde

vor 14 Monaten erstmals aufgezeigt“, so Rainer

Will. Das Hauptproblem im europäischen

eCommerce ist der mangelhafte Vollzug von

EU-Regularien. Obwohl große Plattformen wie

Temu und Shein nach ihrer Benennung als "Very

Large Online Platforms" gemäß Digital Services

Act der Aufsicht der EU-Kommission unterliegen,

umgehen sie vielfach EU-Vorgaben – meist

ohne Konsequenz. Hinzu kommt: Der derzeitige

EU-Rechtsrahmen berücksichtigt die Rolle von

Online-Marktplätzen beim Verkauf von Waren

durch Drittland-Anbieter unzureichend.

UWG-Beschwerde des HV gegen Temu

Bereits im September 2024 hat der Handelsverband

eine Beschwerde gegen Temu wegen

festgestellten Verstößen gegen das Gesetz

gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) bei

der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) eingebracht.

Inhalt der Beschwerde waren:

• falsche Behauptungen von Temu zu begrenzter

zeitlicher Verfügbarkeit von Angeboten • irreführende

Behauptungen zu Preisreduktionen

und • falsche Behauptungen zu angeblicher

Warenknappheit. „Unsere UWG-Beschwerde

gegen Temu hat bereits Wirkung gezeigt. Wir

konnten beobachten, dass viele unserer beanstandeten

Verhaltensweisen mittlerweile von

Temu abgestellt wurden“, bestätigt Rainer Will.

„Dennoch sehen wir weiterhin zahlreiche Verstöße

gegen geltendes nationales und EU-Recht.

Die Klage des VKI ist daher ein unbedingt notwendiger

Schritt, um gegen unerlaubte Verhaltensweisen

vorzugehen und einen fairen Wettbewerb

sicherzustellen. Auch große Marktplätze

wie Temu stehen nicht über dem Gesetz!"

Der Handelsverband fordert darüber hinaus,

dass Online-Plattformen wie Temu als fiktive

Einführer oder "deemed importer" für die Einhaltung

fiskalischer Vorschriften für die von ihnen

vermittelten Produkte verantwortlich sind. Diese

Plattformhaftung für die korrekte Warendeklaration

muss insbesondere die korrekte Berechnung

und Entrichtung von Einfuhrabgaben wie

Einfuhrumsatzsteuer und Zoll umfassen. (RED)



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