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Unternehmen Österreich 03/2025

Das Magazin des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes

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OSTERREICH

Das Magazin des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes Österreich

www.wirtschaftsverband.at

4 3 | 2022 2025

Explodierende Energiekosten

WER KANN DAS

BEZAHLEN?

Tourismus

Wohin geht die Reise

für ÖSTERREICH?

Tourismus-Land.

Es geht auch anders

Nach Die EU-Staaten der Corona-Krise schöpfen

geht rigoros es Übergewinne wieder bergauf. der

Können Energie-Profiteure wir unsere ab. Die

Standorte türkis-grüne auch Regierung künftig

erfolgreich legt nur ein behaupten?

Minimum vor.

Teilzeit-Diskussion.

COFAG-Günstlinge

Die Kurz-Freund Debatte muss Martin differenziert

René geführt Benko, Starbucks

werden. Es geht

Ho,

um etc.: Lösungen, Nun steht die fest, soziale wer

Gerechtigkeit die größten Gewinner und wirtschaftliche

der Corona-Krise Stärke verbinden. sind.

Österreichische Post AG / Sponsoring.Post 04Z035977

„Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband Österreich, Mariahilfer Straße 47/5/5, 1070 Wien“


Arbeitsplätze

schaffen.

Österreichs Industrie sichert direkt und indirekt 2,4 Millionen Jobs. Ohne ehrliche

und faire Strukturreformen, ohne Investitionen in Bildung, Infrastruktur sowie Forschung

und Entwicklung stehen diese Arbeitsplätze auf dem Spiel. Handeln wir jetzt!

Foto: dieindustrie.at/Mathias Kniepeiss

www.iv-net.at


WAS WIR (NICH) WOLLEN

Standorte stärken

Österreichs Tourismus boomt,

doch der langfristige Erfolg hängt

entscheidend von einer adäquaten

Standortentwicklung ab. Die

beeindruckenden Nächtigungszahlen

der Sommersaison 2025

und des Rekordjahres 2024 zeigen,

dass die Nachfrage ungebrochen

ist. Doch hinter den Zahlen

stehen strukturelle Herausforderungen,

die gezielte Maßnahmen

erfordern. Eine nachhaltige

Standortpolitik muss Rahmenbedingungen

schaffen, die den

Tourismus als wirtschaftliches

Ökosystem stärken. Dazu gehören

Investitionen in Infrastruktur,

Digitalisierung und Energieeffizienz,

die nicht nur große Betriebe,

sondern auch kleine Unternehmen

und regionale Anbieter unterstützen.

Gerade in ländlichen

Regionen wie Kärnten oder Teilen

Niederösterreichs sind innovative

Konzepte wie Slow Travel und

regionale Kulinarik entscheidend,

um das Potenzial auszuschöpfen.

Die wirtschaftlichen Herausforderungen

– von Fachkräftemangel

bis hin zu steigenden Kosten –

verlangen nach neuen Ansätzen.

Österreichs Tourismus braucht

eine klare Vision, die Nachhaltigkeit,

Technologie und regionale

Entwicklung vereint, um erfolgreich

zu bleiben. Standortentwicklung

ist der Schlüssel dazu.

> 06

> INHALT

Aktuell. Der SWV widmet sich mit verschiedenen

Forderungen ans Wirtschaftsparlament den Tourismusund

Freizeitbetrieben .........................................................................04

Coverstory. Der österreichische Tourismus ist auf den

ersten Blick eine reine Erfolgsgeschichte. Demgegenüber

stehen massive betriebliche Herausforderungen, die viele

Häuser, vor allem kleine, stark belasten .................................... 06

Im Fokus. Was braucht ein erfolgreicher Tourismus?

SWV-Bundesspartenobmann Günter Löffler und Norbert

Kettner, Geschäftsführer von WienTourismus, geben

Auskunft .......................................................................................................12

Diskussion. Teilzeitarbeit – warum wir eine faire

Debatte brauchen ...................................................................................14

Allrounder. Manfred Rieger leitet einige Unternehmen

im In- und Ausland. Der rote Faden in seinem Leben sind

Tourismus, soziale Projekte und eine intakte Natur ............. 18

> 16

Smart

Art.

Gerith Goritschnigs

Unternehmen

„Gentle Guidance“

unterstützt Betriebe,

ein starkes Team auf

smarte Art aufzubauen

und zu

erhalten.

iStock by Getty Images, Gentle Guidance

Impressum|Herausgeber: Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband Österreich, Mariahilfer Straße 47/5/5, 1060 Wien, Gerichtsstand: Wien, ZVR-Zahl: 42108716 |

Medieninhaber: echo medienhaus Ges. m. b. H., FN 73819h, HG Wien, Windmühlgasse 26, 2. Stock, 1060 Wien, www.echo.at. Eigentümerin der echo medienhaus

Ges. m. b. H. ist die FFPG Beteiligungs GmbH. Gesellschafter der FFPG Beteiligungs GmbH sind KR Anton Feistl (25 %), Anton Feistl jr. (25 %) und Christian Pöttler (50 %)

| Geschäftsführung: Christian Pöttler | Unternehmensgegenstand: Herausgabe diverser Publikationen und Periodika sowie allgemeine Verlags aktivitäten | Hersteller:

echo medienhaus Ges. m. b. H. | Redaktion: echo medienhaus Ges. m. b. H., Dr. in Helga Häupl-Seitz (Chefredaktion), Windmühlgasse 26, 3. Stock, 1060 Wien | G r a fi k :

Jenny Neumann | Fotoredaktion: Mag. a Claudia Knöpfler (Ltg.) | Coverfoto: iStock by Getty Images | Druckerei: Walstead Leykam Druck GmbH & Co KG, Bickfordstraße

21, A-7201 Neudörfl | Verlags- & Herstellungs ort: Wien | Blattlinie: Informationen des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes Österreich. Namentlich gekennzeichnete

Beiträge und Gastkommentare müssen nicht mit der Meinung des Herausgebers übereinstimmen. Entgeltliche Einschaltungen werden mit „entgeltliche

Einschaltung“ oder „bezahlte Anzeige“ gekennzeichnet.

Unternehmen Österreich 3 | 2025

3


aktuell

NACHHALTIGER TOURISMUS

als Standortvorteil

SWV fordert mehr Unterstützung für

kleine Betriebe

Österreichs Tourismus ist ein Zugpferd der

Wirtschaft, doch er steht vor großen Herausforderungen.

Klimawandel, steigende Energiekosten

und Fachkräftemangel setzen die

Branche unter Druck. Besonders kleine Betriebe

kämpfen ums Überleben. Der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband

(SWV) macht klar: Ohne gezielte Unterstützung

droht der Verlust eines zentralen Standortfaktors.

„Nachhaltigkeit ist nicht nur ökologisch wichtig, sondern

auch ökonomisch. Wer heute in Energieeffizienz investiert,

sichert morgen Arbeitsplätze“, betont SWV-Präsident

Christoph Matznetter. Der Verband fordert steuerliche Anreize

für Betriebe, die auf erneuerbare Energien setzen, sowie

unbürokratische Zuschüsse für Modernisierungen.

Mit der Einführung der veganen Kochlehre im Jahr 2025 hat

Österreich gezeigt, dass Ausbildung Trends aufgreifen kann.

Doch der SWV fordert mehr: Zusatzausbildungen, digitale

AUSBILDUNG MUSS TRENDS FOLGEN.

Der neue Kochlehrgang „Vegane Küche“ macht nur

den Anfang. Vor allem die Kochlehre muss grundlegend

reformiert werden, um attraktiv zu bleiben.

Kompetenzen und internationale Austauschprogramme

müssen Standard werden, um den

Beruf für junge Menschen attraktiv zu halten.

Ein nachhaltiger Tourismus sichert nicht nur

Wertschöpfung in den Regionen, sondern

stärkt Österreichs Image weltweit. Der SWV

fordert daher eine Standortpolitik, die kleine

Betriebe stärkt und Innovationen fördert – für

einen Tourismus, der Zukunft hat.

Standort Österreich

BRAUCHT INVESTITIONEN

SWV: Infrastruktur und

Energiepolitik entscheiden

über Wettbewerbsfähigkeit

Hohe Energiepreise, lange Genehmigungsverfahren

und unzureichende Infrastruktur – Österreichs

Standortpolitik steht unter Druck.

Der SWV fordert ein entschlossenes Investitionsprogramm,

das nicht nur den Großkonzernen,

sondern vor allem den KMU zugutekommt.

Im Fokus stehen Breitband, Verkehr und erneuerbare

Energien. Gerade in ländlichen Regionen entscheiden

leistungsfähige Netze und Verkehrsanbindungen über die

Konkurrenzfähigkeit. „Wer den Standort Österreich zukunftssicher

machen will, muss massiv in die Infrastruktur

investieren“, so der SWV.

Leistungsfähige Netze und Verkehrsanbindungen

Für den SWV ist klar: Standortpolitik ist mehr als Wirtschaftsförderung

für Konzerne. Sie muss die breite Basis

von KMU und Tourismusbetrieben stärken. Nur so kann

Österreich seine Rolle als wettbewerbsfähiger und sozial

gerechter Wirtschaftsstandort sichern.

ISTOCK BY GETTY IMAGES (4)

4 Unternehmen Österreich 3 | 2025


aktuell

INNOVATION im Tourismus

SWV drängt auf digitale Modernisierung und praxisnahe Ausbildung

Die Digitalisierung verändert die Tourismusbranche

grundlegend. Online-Buchungen, digitale

Gästekarten und KI-gestützte Services sind

heute Standard. Für kleine Betriebe sind diese

Entwicklungen Chance und Herausforderung

zugleich.

Der SWV fordert daher, dass Förderprogramme

wie KMU.Digital nicht im Bürokratiedschungel

stecken bleiben, sondern schnell und unbürokratisch

wirken. „Gerade Tourismusbetriebe brauchen

Unterstützung, um digitale Tools einzusetzen

und konkurrenzfähig zu bleiben“, betont der

Verband.

Auch in der Ausbildung hat sich viel getan. Mit

der veganen Kochlehre wurde ein wichtiger

Schritt gesetzt. Doch der SWV fordert weitere

Modernisierungen: Zusatzausbildungen, digitale

Kompetenzen und internationale Austauschprogramme

sollen junge Menschen für die Branche

begeistern und den Fachkräftemangel entschärfen.

Innovation ist dabei nicht Selbstzweck. Sie

entscheidet über den Erhalt von Arbeitsplätzen,

über die Qualität des Angebots und über die internationale

Positionierung Österreichs als Tourismusstandort. Der

SWV sieht es als seine Aufgabe, den Druck auf Politik und

Kammern zu erhöhen, damit kleine Betriebe die Chancen

der Digitalisierung tatsächlich nutzen können.

ONLINE.

Gerade Tourismusbetriebe

brauchen

Unterstützung,

um digitale Tools

einzusetzen und

so konkurrenzfähig

zu bleiben.

Dazu zählen auch

internationale

Austauschprogramme.

REGIONALE WERTSCHÖPFUNG sichern

SWV: Kleine Betriebe sind das

Rückgrat jedes Standorts

FAIRE RAHMENBEDINGUNGEN.

Der SWV fordert eine konsequente Stärkung der

regionalen Wertschöpfung. Sie muss ein zentrales

Ziel der Standortpolitik werden.

Tourismus, Nahversorgung

und regionale

Betriebe sind das Fundament

des österreichischen

Wirtschaftsstandorts.

Sie schaffen Arbeitsplätze,

erhalten Infrastruktur und sichern

Lebensqualität. Doch internationale

Plattformen und steigende

Kosten bedrohen diese Strukturen.

Der SWV fordert daher eine konsequente

Stärkung der regionalen

Wertschöpfung. Öffentliche Aufträge

sollen vorrangig an heimische

Betriebe vergeben werden.

Förderungen müssen so gestaltet

sein, dass sie gerade von kleinen

Unternehmen genutzt werden

können. „Es darf nicht sein, dass

die Großen alles abgreifen und die

Kleinen im Förderdschungel untergehen“,

so der SWV.

Kooperationen, gemeinsame Vermarktung

und regionale Netzwerke

sind entscheidend, um dem

internationalen Druck standzuhalten.

Der Verband betont: Standortpolitik

muss in den Regionen

ansetzen. Nur wenn dort die Basis

gestärkt wird, bleibt Österreich als

Ganzes wettbewerbsfähig.

Die Botschaft ist klar: Kleine Betriebe

brauchen faire Rahmenbedingungen.

Der SWV bleibt die

Stimme der Kleinen – und kämpft

dafür, dass regionale Wertschöpfung

ein zentrales Ziel der Standortpolitik

wird.

Unternehmen Österreich 3 | 2025

5


cover

ISTOCK BY GETTY IMAGES

06 Unternehmen Österreich 3 | 2025


cover

Urlaub bei uns

Nach wie vor

begehrt?

WETTBEWERB. Ob Österreich ein Tourismus-Land

bleibt, hängt von vielen Faktoren ab. Darunter

auch einer adäquaten Standortentwicklung.

Unternehmen Österreich 3 | 2025

07


Gute Gastgeber:innen

Kein Zweifel: Die österreichische Hotellerie, Gastronomie

und die Vielzahl der kleinen Beherbergungsbetriebe

sind exzellente Gastgeber:innen geblieben.

Sie sind Vermittler:innen von Lebensgefühl

und kulturelle Botschafter:innen. Sie prägen das

Bild, das Gäste mit nach Hause nehmen – um wiederzukehren

oder vom Aufenthalt zu erzählen. Und

sie sind zentrale Orte der Wertschöpfung für EPU

und KMU. Ob regionale Produzent:innen, Handcover

STANDORT. Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Tourismus

gerade für die vielen kleinen Unternehmen als wirtschaftliches Ökosystem stärken.

Der Sommerurlaub in Österreich

boomt, die erste Hälfte

der noch laufenden Sommersaison

2025 war so erfolgreich

wie nie zuvor. „Mit 40,55 Mio.

Nächtigungen wurde der

höchste Wert für den Zeitraum

Mai bis Juli seit 1980

verzeichnet. Dabei gehen 28,54 Mio. oder 70,4 % der

Nächtigungen auf Gäste aus dem Ausland zurück.

Die starken Zahlen der bisherigen Sommersaison

werden durch den Juli nur leicht getrübt, hier ergab

sich – wohl auch wetterbedingt – ein leichtes Minus

von 1,3 % gegenüber dem Vorjahr“, so Thomas Burg,

fachstatistischer Generaldirektor von Statistik

Austria.

Nachfrage ungebrochen

Das „Forbes-Magazin digital“ bemerkte dazu: „Der

österreichische Tourismus präsentiert sich 2025 auf

den ersten Blick als Erfolgsgeschichte. Mit 154,29

Millionen Nächtigungen im Jahr 2024 wurde ein

neuer Höchststand erreicht, noch vor dem bisherigen

Rekordjahr 2019. Wien allein verzeichnete mit

19 Millionen Übernachtungen das erfolgreichste

Jahr seiner touristischen Geschichte. Die Nachfrage

ist da, internationale Gäste kehren zurück, die

Auslastung vieler Betriebe bleibt hoch. Doch hinter

den glänzenden Zahlen steckt eine wirtschaftliche

Realität, die deutlich weniger euphorisch wirkt.“

Eine Analyse, die durchaus stimmt.

ÜBERNACHTUNGEN IN ÖSTERREICH NACH

AUSGEWÄHLTEN HERKUNFTSLÄNDERN

STATISTIK AUSTRIA

08 Unternehmen Österreich 3 | 2025


cover

ISTOCK BY GETTY IMAGES

werksbetriebe oder Veranstaltungsdienstleister:innen

– sie alle profitieren direkt vom touristischen

Erfolg in ihrer Region.

Nicht jede:r profitiert gleichermaßen

Doch nicht jeder Betrieb zieht im gleichen Maß

Nutzen aus dieser Nachfrage. Große Hotelketten

sind besser aufgestellt, um die steigenden Betriebskosten

aufzufangen. Sie arbeiten mit zentralisierten

Einkaufssystemen, setzen auf automatisierte

Abläufe und digitale Schnittstellen, um den Personalaufwand

zu reduzieren. Gerade bei der Reaktion

auf volatile Energiepreise und steigende Löhne

verschaffen sie sich so spürbare Vorteile.

Kleine Hotels, Gastgewerbebetriebe oder

Ferienwohnungsanbieter:innen haben diese Möglichkeiten

nicht. In Zeiten steigender Kosten stoßen

sie schneller an ihre Grenzen. Wer keine finanziellen

Reserven hat, kann notwendige Investitionen

oft nicht mehr stemmen oder ist gezwungen, Leistungen

zu kürzen. Hinzu kommt die veränderte

Zinssituation, die die klassische Finanzierung erheblich

erschwert. Während in den letzten Jahren

Investitionen oft mit langfristig günstigen Krediten

abgesichert wurden, sind Bankdarlehen heute

teurer und für viele Betriebe schwerer zugänglich.

Das hat Folgen: Laut Tourismusbarometer 2024 reduzierte

rund die Hälfte der Betriebe geplante Investitionen.

Das macht sich bemerkbar.

Differenziertes Bild

Auch in der regionalen Betrachtung zeigt sich ein

differenziertes Bild. Städte wie Wien und Salzburg

profitieren von starker internationaler Sichtbarkeit

und gut ausgebauter Infrastruktur. In ländlichen

Regionen ist die Lage durchwachsener.

In Kärnten etwa gingen die Nächtigungen 2024

leicht zurück, auch in Teilen Niederösterreichs ist

der Trend nicht positiv. Strukturelle Probleme wie

Fachkräftemangel, fehlende Verkehrsanbindung

und geringe Investitionsdynamik bremsen das Potenzial.

Dabei bietet gerade der ländliche Raum

viele Möglichkeiten, die sich vom Städtetourismus

abgrenzen – etwa durch Konzepte wie Slow Travel,

Entschleunigung, Nähe zur Natur, regionale Kulinarik

oder saisonunabhängige Angebote. Die Frage

nach Nachhaltigkeit steigt ständig. Doch dazu

braucht es einen klaren Plan.

PERSÖNLICHE GASTGEBER:INNEN.

Was Tourist:innen schätzen, sind eine familiäre

Atmosphäre in der Unterkunft und

Gastfreundschaft am Urlaubsort. Dazu

kommt der Wunsch nach Nachhaltigkeit

und Ökologie. Regionale Bio-Produkte

zum Frühstück, naturnahe Ausflugstipps

für die ganze Familie toppen.

Unternehmen Österreich 3 | 2023 2025

09


cover

NEUE DATEN

■ DER TOURISMUS ERHOLT

SICH ZUNEHMEND

Laut Statistik Austria schloss das

Kalenderjahr 2024 positiv mit rd. 154

Mio. Nächtigungen (+2,1 %) und rd.

47 Mio. Ankünften (+3,3 %) ab.

DIE DETAILS:

• Insgesamt wurden im Kalenderjahr

2024 46,7 Millionen Ankünfte

(+3,3 %) und 154,3 Millionen Übernachtungen

(+2,1 %) verzeichnet.

Die Ankünfte von Gästen aus dem

Ausland stiegen um +4,1 %, während

die inländischen Ankünfte um +1,5 %

zunahmen.

Ähnlich entwickelten sich die Nächtigungszahlen

mit einem Anstieg um

+2,5 % bei internationalen Gästen

sowie +0,9 % bei inländischen

Gästen. Besonders stark wuchsen die

Übernachtungen in gewerblichen

Ferienwohnungen (+8,1 %) sowie in

5- und 4-Sterne-Hotels (+4,1 %).

• Unter den Top-15-Herkunftsländern

aus dem Ausland gab es im

Kalenderjahr 2024 die größten

Nächtigungszuwächse aus den USA

(+14,2 %), Spanien (+7,8 %), Polen

(+5,5 %), dem Vereinigten Königreich

(+5,4 %), Italien (+4,1 %), Frankreich

(+4,1 %) sowie Rumänien und Ungarn

(jeweils +4 %).

■ SOMMERSAISON 2025

MIT EINEM REKORD-PLUS

Die erste Hälfte der Sommersaison

2025 ist für die heimische Touristikbranche

trotz eines schwachen Juli

so gut wie nie zuvor gelaufen.

DIE DETAILS:

• Von Mai bis Juli gab es laut Statistik

Austria 40,55 Millionen Nächtigungen

– ein Zuwachs von 1,3 Prozent

mehr Nächtigungen als im Vorjahr.

Dabei gehen 28,54 Mio. oder 70,4 %

der Nächtigungen auf Gäste aus dem

Ausland zurück.

• Die starken Zahlen der bisherigen

Sommersaison werden durch den

Juli nur leicht getrübt. Hier ergab

sich – wohl auch wetterbedingt –

ein leichtes Minus von 1,3 Prozent

gegenüber dem Vorjahr.

Dabei blieben vor allem die österreichischen

Gäste aus. Sie nahmen um

4,4 Prozent ab. Die Nächtigungen

von Gästen aus dem Ausland sanken

hingegen nur leicht um 0,2 Prozent.

Großes Potenzial

„Gerade in eher strukturschwachen

ländlichen Räumen kann der Tourismus

einen wichtigen Beitrag für die

Sicherung von Arbeitsplätzen und

Einkommen liefern. Die ländlichen

Räume besitzen ein großes touristisches

Potenzial. Gesellschaftliche

Entwicklungen wie das wachsende

Interesse der städtischen Bevölkerung

am ‚Landleben‘ oder die zunehmende

Suche nach unverfälschten, authentischen

und echten Erlebnissen sowie

die wachsende Sehnsucht nach Abstand

und Natur bieten vielfältige

Chancen für diese Entwicklung. Dieses

Potenzial ist bei Weitem noch nicht

überall ausreichend entdeckt und aktiviert“,

weiß auch SWV-Bundesspartenobmann

Ing. Günter Löffler. Was

fehlt, ist deren Unterstützung.

Standortentwicklung

Während Standortpolitik, etwa das

Erheben von Anforderungen und

Bedarf in den Städten, längst gang

und gäbe ist, hat der ländliche Raum

Nachholbedarf. „Die Zuständigkeiten für

die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen

für den Tourismus in ländlichen

Räumen sind oft nicht eindeutig geregelt.

Sie liegen bei Bund und Ländern meist

bei verschiedenen Ressorts und sind

nicht immer genau abgegrenzt“, so Günter

Löffler.

Tourismusverbände gefragt

„Gerade für die Vielfalt der kleinen

Anbieter:innen und ihrer Partner:innen

in ländlichen Räumen lohnt sich deshalb

eine Zusammenarbeit in Netzwerken.

Voraussetzung für ihren Erfolg sind klare

Zielstellungen und eine professionelle

Steuerung. Auch hier sind die Tourismusverbände,

Tourismusregionen und

Informationsbüros der Urlaubsregionen

in Österreich gefordert, mit Wissen und

Personal zu unterstützen“, so der Bundesspartenobmann

für Tourismus und

Freizeitwirtschaft.

Weitere Herausforderungen

„Touristischen Betrieben in ländlichen

Gebieten mangelt es oft an moderner und

ISTOCK BY GETTY IMAGES

10 Unternehmen Österreich 3 | 2025


cover

WERTSCHÖPFUNG.

Ob der Wiener Opernball, Salzburgs Anziehungspunkt

Getreidegasse oder Hallstatt – trotz asiatischen

Touristenansturms: Der Mehrwert für Städte

und Gemeinden zahlt sich aus. Sie kommt den

Regionen und Standorten zugute. Rund 15 % der

durch den Wiener Tourismus jährlich erwirtschafteten

Wertschöpfung werden auf die anderen

Bundesländer verteilt.

ausreichender Infrastruktur wie schnellem Internet,

guter Verkehrsanbindung und barrierefreien Einrichtungen.

Ebenso ist die Personalsuche schwierig,

und es fehlt an der professionellen Vermarktung ihrer

Angebote. Zudem bestehen oft begrenzte Finanzierungsmöglichkeiten

und ein Mangel an Kooperationen

mit anderen Betrieben und der öffentlichen

Hand, um die Attraktivität und Reichweite zu erhöhen“,

so Günter Löffler.

Nachhaltige Lösungen

„Wir müssen die wirtschaftlichen Herausforderungen

unserer Zeit angehen und nachhaltige Lösungen

für die Teuerung, den Fachkräftemangel und die soziale

Absicherung aller Selbstständigen erarbeiten“,

fordert auch Vorarlbergs SWV-Präsident Michael

Andreas Egger. Damit spricht er eine zentrale Aufgabe

der Standortpolitik an: Rahmenbedingungen

zu schaffen, die den Tourismus als wirtschaftliches

Ökosystem stärken – nicht nur für große Betriebe,

sondern gerade für die vielen kleinen Unternehmen,

die die regionalen Standorte täglich mit Leben füllen

und so begehrt für ihr Zielpublikum werden.

Investitionen vonnöten

Eine ausreichende Infrastruktur und ein schnelles

Internet gehören unbedingt dazu. Investitionen in

Digitalisierung zahlen sich in vielen Fällen direkt

aus – etwa durch ein automatisiertes Preismanagement,

eine bessere Gäste-Kommunikation oder optimierte

Buchungssysteme. Auch Technologien rund

um Energieeffizienz oder einen nachhaltigen Betrieb

sind keine Zukunftsthemen mehr, sondern eine konkrete

Antwort auf steigende Kosten. In vielen Fällen

gibt es auch Förderungen dafür.

Insgesamt bleibt die Bilanz gespalten: Auf der einen

Seite gibt es eine solide Nachfrage, volle Zimmer

und eine starke internationale Präsenz. Auf der anderen

Seite stehen massive betriebliche Herausforderungen,

die viele Häuser – vor allem kleine – stark

belasten. Es braucht mehr als Rekordzahlen, um

langfristig erfolgreich zu bleiben.

„Gesellschaftliche Entwicklungen wie das wachsende Interesse der städtischen Bevölkerung

am ‚Landleben‘ oder die Suche nach unverfälschten, authentischen und echten Erlebnissen

bieten strukturschwachen Gebieten ein großes touristisches Potenzial.“ Günter Löffler

Unternehmen Österreich 3 | 2025

11


cover

NEUE WEGE

gefragt

NEUSTART. Zwar hat der Tourismus die Talsohle überschritten. Was vor allem in den

ländlichen Bereichen fehlt, sind die Unterstützung der regionalen Betriebe und deren

Standorte, um ihr Potenzial ausreichend aktivieren zu können.

VOLLER EINSATZ.

Bundesspartenobmann

des SWV Österreich

im Tourismus

Ing. Günter Löffler im

Gespräch.

D

er Tourismus

ist wieder auf

der Überholspur.

Allerdings:

Die

Herausforderungen im ländlichen

Bereich sind andere als in

den Städten. SWV-Bundesspartenobmann

Günter Löffler

weiß, woran das liegt.

Ländlichen Betrieben

fehlt es oft an

moderner, ausreichender

Infrastruktur

wie schnellem Internet,

einer guten Verkehrsanbindung

und

der professionellen

Vermarktung ihrer

Angebote.“

Wie ist die ländliche

Beherbergungsstruktur?

LÖFFLER: Gegenüber der von der Hotellerie dominierten

Beherbergungsstruktur in den (Groß-)Städten

ist das Übernachtungsgewerbe im ländlichen

Raum deutlich vielschichtiger aufgestellt. Kleinere

Unterkunftsformen wie Privatvermieter:innen,

Ferienwohnungen, Pensionen, Gasthöfe, aber

auch der Camping-Sektor stellen einen deutlich

höheren Anteil an den Kapazitäten. Viele ländliche

Regionen sind stark saisonabhängig, was zu

unbeständigen

Einnahmen und

Arbeitsplätzen

führt. Im

Vergleich zum

Städtetourismus

verzeichnen

ländliche Regionen

ein geringeres

Wachstum.

Wo liegen die

Probleme?

Der Tourismus

und die Freizeitwirtschaft

speziell

in ländlichen

Räumen sind massiv vom Fachkräftemangel

betroffen. Die

Abwanderung gut ausgebildeter

Fachkräfte in die Städte hält an.

Personal fehlt auf allen Ebenen.

Auch die Nachfolgeproblematik

ist in vielen Betrieben aller

Größenordnungen ungelöst.

Was fehlt den Betrieben?

Ländliche Räume können als

echte und gleichzeitig moderne

Gegenwelt zum Alltag positioniert

werden. Viele Betriebe

Günter Löffler machen das auch – mit Angeboten

aus den Bereichen Natur,

Aktiv und Gesundheit. Aber vor allem den

kleinen Betrieben fehlt es oft an moderner und

ausreichender Infrastruktur wie schnellem Internet,

guter Verkehrsanbindung und barrierefreien

Einrichtungen. Ebenso fehlt es an der professionellen

Vermarktung ihrer Angebote. Zudem bestehen

oft begrenzte Finanzierungsmöglichkeiten

und ein Mangel an Kooperationen mit anderen

Betrieben und der öffentlichen Hand. Voraussetzung

für ihren Erfolg sind klare Zielstellungen und

eine professionelle Steuerung. Gefordert sind die

Tourismusverbände, Tourismusregionen und Informationsbüros

der Urlaubsregionen, mit Wissen

und Personal zu unterstützen.

Wie sieht es mit den Kollektivverträgen und

Lohnverhandlungen aus?

In Zeiten gestiegener Preise und Kosten muss auch

das Thema Lohnverhandlungen sehr behutsam

angegangen werden. Gestiegene Kosten und stagnierende

oder sinkende Umsätze sind keine Ausreden,

sondern leider Tatsachen. Gastgewerbebetriebe

verzeichnen gesunkene Gästezahlen, weil

sich Verbraucher:innen beim Konsum zurückhalten.

Inflation und schlechte Nachrichten drücken

das Konsumklima weiter.

SWV, PETER RIGAUD

12

Unternehmen Österreich 3 | 2025


cover

CHALLENGE

accepted

HERAUSFORDERND. Der Städte-Tourismus muss mehrfache Erwartungen erfüllen:

Kunst und Kultur für Freizeittourist:innen; hoch technisierte und genügend große

Destinationen für internationale Kongresse. Wie geht beispielsweise Wien damit um?

AUF ACHSE. Norbert

Kettner, Geschäftsführer

des Wien­

Tourismus, kümmert

sich seit 2007 um die

touristischen Belange

Wiens.

E

s braucht langfristige

Maßnahmen,

um

eine 2-Millionen-Metropole

für den Tourismus attraktiv

zu erhalten. Norbert Kettner,

Direktor des WienTourismus,

über die Erfolge, die allen in

Österreich zugutekommen.

Wie misst sich erfolgreicher

Tourismus?

KETTNER: Tourismus wird längst nicht mehr nur

an der Zahl der Gäste gemessen, sondern an seinem

Beitrag zur Lebensqualität, seiner auf allen Ebenen

nachhaltigen Stadtentwicklung und an seinem

Beitrag zur kosmopolitischen Dichte. Mit unserer

Visitor-Economy-Strategie hat Wien früh neue

Maßstäbe gesetzt und den Ansatz „Optimum Tourism“

etabliert. Unser Ziel ist es, Tourismusakzeptanz

in der Bevölkerung, Gästezufriedenheit und

wirtschaftliche

Wertschöpfung

in Einklang zu

bringen. Sprich,

ein Wachstum,

das im Einklang

mit den Bedürfnissen

der Bevölkerung

steht

und ihr nicht

auf die Nerven

geht.

Unser Ziel ist es,

Tourismusakzeptanz

in der Bevölkerung,

Gästezufriedenheit

und wirtschaftliche

Wertschöpfung in

Einklang zu bringen.

Ein Wachstum, das

Wiener:innen nicht

auf die Nerven geht.“

Norbert Kettner

Und die Wertschöpfung?

Tourismus

erzielt Wertschöpfung

und schafft standortgebundene

Arbeitsplätze –

im Fall des Städtetourismus in

Wien handelt es sich vorrangig

um Ganzjahresarbeitsplätze

statt saisonaler Beschäftigung.

Der Wiener Tourismus generiert

jährlich 5,6 Mrd. Euro Wertschöpfung

– davon 4,7 Mrd. Euro

direkt in Wien. Rund 900 Mio.

Euro kommen anderen Bundesländern

zugute – das sind

rund 15 % der durch den Wiener

Tourismus erwirtschafteten

Wertschöpfung.

Wie hoch ist der Anteil am Kongresstourismus?

Wien hat mit dem ersten Platz im ICCA-Ranking

(Anmerkung: International Congress and Convention

Association) seine Position als global führende

Tagungsmetropole weiter gefestigt. Mehr als

6.600 Kongresse und Firmentagungen erbrachten

2024 eine Wertschöpfung von 1,3 Mrd. Euro, mehr

als 360 Mio. Euro an Steueraufkommen (wovon 213

Mio. Euro dem Bund und 152 Mio. Euro den Ländern

und Gemeinden zuflossen – davon entfielen

45 Mio. Euro auf Wien selbst) und schafften 23.500

Ganzjahresarbeitsplätze.

Was wird der ESC 2026 einspielen?

Großevents wie der Eurovision Song Contest erzeugen

starke Nachfrageimpulse, was sich bereits

jetzt in steigenden Hotelbuchungen und Flugsuchen

zeigt. Erfahrungswerte aus Liverpool 2023

und Basel 2025 zeigen eindrucksvoll das Potenzial

des ESC: Rund 500.000 Besucher:innen wurden

jeweils während der Veranstaltungswoche gezählt.

Für das kommende Jahr 2026 generiert der ESC –

nach aktuellem Stand – damit bereits jetzt doppelt

so viel Nachfrage wie an durchschnittlichen Tagen

des restlichen Jahres.

Unternehmen Österreich 3 | 2025

Unternehmen Österreich 3 | 2025

13


aktuell

TEILZEIT.

Fast 40 Prozent der teilzeitbeschäftigten

Frauen

nennen Kinderbetreuung

oder Pflege im Familienkreis

als Hauptgrund. Bei

Männern sind es nur

9 Prozent.

TEILZEITARBEIT

IN ÖSTERREICH –

warum wir eine faire

Debatte brauchen

STANDPUNKT. Der SWV will eine moderne Arbeitswelt, die allen Menschen faire Chancen

bietet und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen stärkt.

Die Diskussion über Teilzeitarbeit

hat in den vergangenen

Wochen hohe Wellen

geschlagen. Auslöser waren

Äußerungen von Wirtschaftsminister

Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP), der

vor einer Lifestyle-Teilzeit warnte und mehr Attraktivität

für Vollzeitbeschäftigung forderte. Für

uns als SWV ist klar: Teilzeitarbeit ist längst Teil

der Realität am österreichischen Arbeitsmarkt.

Sie pauschal als bequem oder unsolidarisch darzustellen,

greift zu kurz und verschärft bestehende

Ungerechtigkeiten.

Teilzeit in Zahlen – ein österreichisches

Phänomen

Die Teilzeitquote in Österreich ist im europäischen

Vergleich besonders hoch. 2024 arbeiteten

31,5 Prozent aller Beschäftigten in Teilzeit. Bei den

Frauen war es sogar mehr als die Hälfte, während

bei Männern nur rund 13 bis 14 Prozent in Teilzeit

tätig waren. Damit liegt Österreich nach den Niederlanden

an zweiter Stelle in der EU und deutlich

über dem europäischen Durchschnitt von rund

29 Prozent.

Die Gründe für Teilzeit sind vielfältig und haben

wenig mit einer frei gewählten „Lifestyle“-Entscheidung

zu tun. Fast 40 Prozent der teilzeitbeschäftigten

Frauen nennen Kinderbetreuung oder

die Pflege von Angehörigen als Hauptgrund. Bei

Männern sind es nur rund 9 Prozent.

Gleichzeitig zeigen Studien des WIFO, dass etwa

140.000 Teilzeitkräfte in Österreich ihre Arbeitszeit

gerne im Schnitt um elf Stunden pro Woche

erhöhen würden – allerdings fehlen dazu die passenden

Vollzeitstellen.

ISTOCK BY GETTY IMAGES (2)

14

Unternehmen Österreich 3 | 2025


aktuell

Besonders in Branchen wie Handel, Pflege und

Tourismus werden Arbeitsplätze häufig nur in

Teilzeit ausgeschrieben. Für viele Frauen ist die

Teilzeit daher kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit,

um Familie, Betreuung und Beruf überhaupt

vereinbaren zu können.

Hattmannsdorfers Vorstoß: Mehr Vollzeit durch

Anreize und Warnhinweise

Der Minister sieht in der hohen Teilzeitquote eine

Gefahr für den Wirtschaftsstandort und die Zukunft

des Sozialstaats. Mit Blick auf die bevorstehende

Pensionierungswelle der Babyboomer warnt

er, dass in den kommenden zehn Jahren rund eine

halbe Million Arbeitskräfte fehlen könnten. Um

gegenzusteuern, fordert er ein Comeback der

Leistung und kündigte eine Aufklärungsoffensive

an. Konkret sollen die Sozialversicherungsträger

Teilzeitbeschäftigte künftig direkt darüber informieren,

welche Folgen reduzierte Arbeitszeiten

für die Pension haben können. So soll vermieden

werden, dass Menschen im Alter von einer Versorgungslücke

überrascht werden. Darüber hinaus

plädiert Hattmannsdorfer dafür, das Steuer- und

Abgabensystem zu überprüfen. Vor allem die unterschiedlichen

Zuschläge für Überstunden bei

Teilzeit und Vollzeit sollen reformiert werden, um

die Mehrarbeit für Arbeitnehmer:innen attraktiver

zu machen. Mittelfristig stellt er steuerliche

Entlastungen in Aussicht.

Kritik und Gegenstimmen

Die Reaktionen auf diese Vorschläge fielen unterschiedlich

aus. Vertreter:innen der SPÖ und der

Gewerkschaften kritisierten, dass Teilzeitkräfte

pauschal als problematisch dargestellt werden. Sie

betonten, dass gerade Frauen oft nicht freiwillig

Teilzeit arbeiten, sondern weil es an flächendeckender

und leistbarer Kinderbetreuung sowie an

guter Pflegeinfrastruktur mangelt. Zudem sei es

die Verantwortung der Arbeitgeber:innen, attraktive

Vollzeitstellen anzubieten.

Die NEOS unterstützen das Ziel, Vollzeit zu stärken,

sprechen sich aber gegen Sanktionen und für

positive Anreize wie steuerliche Entlastungen aus.

Die Grünen warnen vor einem Diskurs, der Menschen

moralisch unter Druck setzt, und fordern

stattdessen eine generelle Arbeitszeitverkürzung

sowie ein Recht auf Arbeitszeiterhöhung in größeren

Betrieben.

Die Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung

hingegen begrüßten die Stoßrichtung

Hattmannsdorfers. Aus ihrer Sicht gefährdet die

steigende Zahl an Teilzeitbeschäftigten langfristig

die Finanzierung des Sozialstaats und die Wettbewerbsfähigkeit.

Sie drängen daher auf steuerliche

Anreize, um Vollzeitbeschäftigung wieder lohnender

zu machen.

Unsere Perspektive als SWV

Für uns ist die Teilzeitfrage untrennbar mit den

Lebensrealitäten von Unternehmer:innen und Beschäftigten

verbunden.

Teilzeit darf nicht pauschal als Problem diffamiert

werden. Viele Unternehmer:innen arbeiten selbst

in Teilzeit, weil sie neben ihrem Betrieb Kinder

betreuen oder pflegebedürftige Angehörige unterstützen.

Gleichzeitig sind viele unserer Betriebe

gar nicht in der Lage, ausschließlich Vollzeitstellen

anzubieten. Eine pauschale Abwertung der

Teilzeit übersieht diese Realität und gefährdet die

Vielfalt der österreichischen Unternehmenslandschaft.

Wir treten dafür ein, dass die Politik die

richtigen Rahmenbedingungen schafft: mehr und

bessere Kinderbetreuung, flexible und praxisnahe

Ausbildungsmodelle, faire Bezahlung insbesondere

in frauendominierten Branchen sowie ein Recht

auf Arbeitszeiterhöhung in größeren Betrieben.

Nur so wird Vollzeit tatsächlich attraktiv und

realistisch.

Die Diskussion über Teilzeitarbeit muss also differenziert

geführt werden. Es geht um Lösungen, die

soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Stärke

miteinander verbinden und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit

unserer Unternehmen stärken.

TEILZEIT ODER VOLLZEIT.

Wer Vollzeit arbeiten möchte, muss auch die Möglichkeit

dazu haben. Wer aufgrund von Betreuungspflichten Teilzeit

arbeitet, darf nicht benachteiligt werden.

Unternehmen Österreich 3 | 2025

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porträt

Frischer Wind durch

Expertise von außen

TOP. Mit Innovationsgeist führt die „waschechte“ Kärntnerin Gerith Goritschnig

in Klagenfurt „am Wörthersee“, wie sie gegenüber nicht kundigen Klient:innen

gerne anfügt, eine besondere Unternehmensberatung.

neues Team muss zusammenfinden oder ein bewährtes

braucht neue Motivationen und Visionen.

„Wir bringen frischen Wind und Gedanken von

außen für gut durchdachte Entwicklungsschritte im

Innen. Wir verzichten auf Patentrezepte oder Power-

Point-Vorträge – sondern zeigen, welche Stellhebel

der Veränderung möglich sind und wie sie im Unternehmen

funktionieren können“, so Goritschnig.

„Wir hören zu und nehmen die Problemstellung auf.

Dabei können wir auf ein

umfassendes

Netzwerk

kluger Köpfe

mit

Expertise

in den unterschiedlichsten

Bereichen

Schon während ihres Studiums der

Soziologie wusste sie, dass sie dieses

„systemische“ Wissen auf alle Fälle

um verschiedene Fachbereiche erweitern

wollte. Gesagt, getan. Nach

zusätzlichen Ausbildungen in Mediation

und Coaching startete Gerith

Goritschnig durch und ist seit 1997 selbstständige

Unternehmensberaterin. 2020 verwirklichte sie ihren

Traum – die Gründung ihres eigenen Unternehmens

„Gentle Guidance“. „Jeder Mensch hat seine

Leidenschaft – meine ist die Arbeit mit Menschen.

Und die Faszination von Momenten, in denen Verbesserungen

auch in komplexen Situationen möglich

sind“, sagt sie einfach. „Die Idee ist allerdings

nicht in 14 Tagen entstanden, sondern ist das Ergebnis

meiner 25-jährigen Berufspraxis als Führungskraft

und Coach, Supervisorin, Mediatorin und

als Trainerin von Führungskräften. Ich habe

Erfahrungen gesammelt, ausgewertet und

den GG-Ansatz verfeinert.“ „Gentle

Guidance“ ist mehr als eine Unternehmensberatung,

mehr

als reine Mediation und

Coaching. Ihre Klientel

ist im Tourismusbereich,

vor allem in der

Hotellerie, angesiedelt.

Gerade in Familienbetrieben

gibt

es Fragen zur

Übergabe, ein

Gentle Guidance

Mag.ª Gerith Goritschnig MA,

Linsengasse 23, 9020 Klagenfurt, Tel.: +43 (0)664 54 80 260

E-Mail: office@gentleguidance.at, gentleguidance.at

MIT AN BORD.

Mag. Markus Maderner, Hoteldirektor

und Gründer von „Art of Hospitality“,

unterstützt Gerith Goritschnig.

zurückgreifen: Coaching, Organisationsentwicklung,

Social Media,

Digitalisierung, Konfliktregelung,

Recht, Marketing,

Moderation oder Gruppendynamik.

Viel Einfühlungsvermögen

gehört natürlich

HANNES NIEDERKOFLER, SILVIA STEINER, GENTLE GUIDANCE

16

Unternehmen Österreich 3 | 2025


porträt

auch dazu.“ Ihr zur Seite steht als

Ansprechpartner „mit Praxisnähe“,

schmunzelt sie, Markus Maderner.

Er ist Hoteldirektor und

Gründer der Firma „Art of Hospitality“.

„Er hat bei Willi Dungl

in Gars am Kamp gelernt und sich

danach in der Hotellerie weiter

ausgebildet. Er ist Trainer, Marketingleiter und ein

nachhaltiger Projektentwickler. Er hilft mir vor allem

bei der praxisnahen Teambildung und beim Pre-

Opening des Unternehmens“, so Gerith Goritschnig.

Beratung mit Haltung

Sie bietet Beratung mit Haltung: GG bringt Veränderungen

durch kleine Interventionen in Gang, statt

ganze Systeme kostenaufwendig in neue Formen

zu pressen. „Dadurch kann ich zeigen, wie man typische

Fehler überspringen kann. Ganz nach dem

Motto: ‚Die Jungen laufen schneller, die Erfahrenen

kennen die Abkürzungen.‘“ Im Mittelpunkt stehen

bei ihr immer die Menschen, die diese Veränderung

tragen. „Wenn ich heute Unternehmen coache, weiß

ich, dass ich dafür Zeit brauche“, so Gerith Goritschnig.

„Nach dem Input beginnt die Begleitung. Wir

strukturieren uns entlang ihrer Ziele, bleiben dran

und liefern alles, was sie für ihre individuelle Problemlösung

benötigen. Und lassen ihnen die Zeit, die

sie benötigen, um die für sie passendste Lösung zu

„Mit Gerith Goritschnig

haben wir unser Mindset

geschärft und unsere

Arbeitsweise weiterentwickelt

– lösungsorientierter,

effizienter, klarer.

Vielen Dank für die

großartige Begleitung!“

Astrid und Judith

Bachmann

finden“, so die Chefin von „Gentle

Guidance“.

Wichtig ist ihr auch der familiäre

Schwerpunkt vor allem bei ihren

Klient:innen in der Hotellerie und

in den Tourismusbetrieben: Hier

geht es mitunter um Änderungen

in der Führung, Loyalitäten,

aber auch um Zwistigkeiten innerhalb der Familie.

„Selbst die kleinsten Interventionen zeigen große

Wirkung – wenn sie gut durchdacht sind“, weiß

Gerith Goritschnig aus langjähriger Erfahrung. Ihre

zahlreichen langjährigen Kund:innen danken es ihr,

wie die Schwestern Bachmann im ****Hotel „Strasserwirt

– Ansitz zu Tirol“. Es geht eben nichts über

eine fachkundige Beratung.

Angekommen

Gerith Goritschnig ist glücklich. „Endlich bin ich

dort angekommen, wo ich beruflich immer landen

wollte.“ Als gelernte Weinfachfrau vergleicht sie

Menschen mit den Weinen: „Die Vielfalt der Weine

kennenzulernen und ihre Stärken herauszufinden

ist, wie bei meinen Klient:innen ihr Potenzial zu entdecken:

Wie sie sich entwickeln (können), wenn sie

imstande sind, alten Ballast abzuwerfen“, so Gerith

Goritschnig. Und hat gleich eine neue Idee: „Meine

nächste Fortbildung wird in einem Weingut stattfinden.

Das ist ein schöner Platz, um nachzudenken.“

STRASSERWIRT.

Seit über 15

Jahren leiten die

Schwestern Astrid

und Judith Bachmann

gemeinsam

die Geschicke

im ****Hotel

„Strasserwirt

– Ansitz zu

Tirol“ im Osttiroler

Strassen.

Unternehmen Österreich 3 | 2025

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porträt

SCHLAGFERTIG.

Manfred Rieger ist niemals

um ein Wort verlegen – sei es

bei einer Veranstaltung des

SWV NÖ oder im Interview.

Vielseitig engagierter

Allrounder

GEFRAGT. Manfred Rieger ist seit 35 Jahren selbstständig und leitet

einige Unternehmen im In- und Ausland. Der rote Faden in seinem

Leben sind Tourismus, soziale Projekte und eine intakte Natur.

Seine Anliegen sind so breit gefächert,

dass es nicht so leicht ist, ihm im Gespräch

zu folgen. Aber SWV-NÖ-

Vizepräsident Manfred Rieger hat auch

allen Grund dazu. Als Spartenobmann

im Tourismus des SWV NÖ formuliert

er seine Forderungen im Tourismus

eindrucksvoll. Und sie entsprechen seiner beruflichen

Laufbahn: Als langjähriger Chef des Hotel

Wiental in Pressbaum, wo er über 40 Lehrlinge ausgebildet

hat, kennt er die Nöte der Lehrlingsausbildung:

„Sich mit 15 Jahren entscheiden zu müssen,

welche Lehre bzw. Berufssparte man sein ganzes

weiteres Leben machen möchte, ist absurd und später

das größte Problem, dass Jugendliche die Lehre

abbrechen“, so Manfred Rieger. „Social Media spiegeln

ein traumhaftes Bild vor, der wahre Einstieg ist

dann ernüchternd. Gerade im Tourismus haben wir

eine sehr hohe Drop-out-Rate: Von 1.200 Lehrlingen

erwerben tatsächlich nur ca. 350 die Lehrabschlussprüfung.

Ohne weitere Ausbildung landen sehr viele

danach in der Hilfsarbeit.“ Aber: „Warum muss ein

Koch immer alles kochen können? Viele Tätigkeitsbereiche

und Berufe im Tourismus sind heute so spezialisiert,

dass nur ein kleiner Ausschnitt der Lehrausbildung

notwendig ist. Und trotzdem werden

hier Ausbildungsgegenstände und Techniken unterrichtet,

die weit weg von der Praxis sind.“ Er tritt

deshalb für eine grundlegende Umstrukturierung

der Lehrlingsausbildung ein: „Statt des derzeitigen

polytechnischen Lehrgangs plädiere ich für Module.

Modul I ist in der neunten bis zehnten Schulstufe

LEICA WS ANA ESSAY FIAKER SCREEN , FRAS, SWV NÖ

18

Unternehmen Österreich 3 | 2025


ZU BESUCH.

Staatssekretärin

Ulrike Königsberger-Ludwig

(l.)

mit Sabine und

Manfred Rieger.

porträt

Wer regional und umweltbewusst

handelt, baut an einer lebenswerten

Zukunft. Unsere Gesellschaft muss

von einer Kaskogesellschaft, in der

der Staat das Denken übernimmt,

zu einer sozialen Partnerschaft

wachsen.“

Manfred Rieger

als Berufsvorbereitung für alle gedacht. Modul II

in der Dauer von 1,5 Jahren dient zur Festigung

der Praxis in den Betrieben, die sich um die Ausbildung

bemühen. Wer will, kann danach in einem

Sondermodul zur Lehrabschlussprüfung wechseln“,

so Manfred Rieger.

HOTELIER UND KOCH.

Manfred Rieger mit seinem Sohn Josef

am Herd seines Hotels Wiental, das er vor

einigen Jahren verkaufte. Seitdem widmet er

sich der Reform der Lehrlingsausbildung.

Schaustellerbetriebe

Ein weiterer Schwerpunkt in seiner Sparte im SWV

NÖ sind die Freizeit- und Vergnügungsbetriebe. Er

selbst hat ein Fiakerunternehmen übernommen,

dem er sich mit vollem Einsatz widmet: Sechs Kutschen

fahren in Wien, der Heimatstall sowie die

Aufzucht und Schulung sind auf seinem 30 ha großen

Bauernhof in Rekawinkel. Auch Pferde in Pension,

wie der 33-jährige „Opa“ Fips, dürfen bei der

Ausbildung der Jungen mitmachen, „sonst wäre er

traurig“.

„Corona war ein Wahnsinn für die Schaustellerei –

Jahre des völligen Stillstands. Jetzt kommt die Lebensfreude

wieder bei den Festen an“, so Manfred

Rieger. Was die Freude trübt, sind nicht nur die

hohen Energiekosten für die Fahrgestelle, sondern

auch die vielfältigen Konzessionierungen.

„Wer landesweit tätig ist, muss

aktuell neunmal dieselbe Überprüfung

absolvieren und neun Konzessionen

beantragen – und das innerhalb ein

und derselben Fachgruppe. Diese bürokratische

Doppelgleisigkeit ist schlichtweg

absurd. Gerade die Wirtschaftskammer

sollte hier in der Lage sein, eine einheitliche

und praxisgerechte Lösung zu schaffen – oder geht

es am Ende nur darum, neunfache Mitgliedschaften

und entsprechende Zwangsgebühren abzusichern?“,

kritisiert Rieger.

Soziales Engagement

Unterstützt durch seine Tochter, DI Karoline Rieger

BSc, und seinen Partner, Stefan Krajczar MSc, sind

ihm Umweltprojekte, insbesondere in Sri Lanka,

wichtig. Seine Firma ecoHubX hat sich auf Dekar-

bonisierung spezialisiert. Es geht beispielsweise um

die Beschaffung von Mitteln für Projekte zur

Aufbereitung von Trinkwasser oder zur

Sanierung von wilden Mülldeponien.

Gerade in Sri Lanka hat der Tourismus

zwei Spitzenwerte: Einerseits ist

er die wichtigste wirtschaftliche Säule,

andererseits ist er der größte Müllproduzent.

Der Tourismus erwartet einen

Green Deal, ist aber oftmals selbst noch

nicht dazu bereit. „Da bieten wir Lösungen

an“, so Manfred Rieger.

Senator KR Manfred Rieger

Rekawinkler Hauptstr. 66

A – 3031 Rekawinkel, +43 664 3201888

manfred.rieger@ecohubx.com

www.ecohubx.com

IM TRAB.

Manfred Rieger

betreibt mit

seinem Sohn

Josef auch ein

Fiakerunternehmen

mit

sechs Kutschen

in Wien. Der

Heimatstall ist in

Rekawinkel, der

Stadtstall in der

Galopprennbahn

Freudenau.

Unternehmen Österreich 3 | 2025

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aus den bundesländern

VLBG: Tourismus in Vorarlberg:

STANDORTPOLITIK MIT TIEFENWIRKUNG

Zu Besuch. Nationalratsabgeordneter

SPÖ Vorarlberg Mag.

Antonio Della Rossa

MSc und Stadtpartei-

Obmann SPÖ Bludenz

(l.) mit Michael

Andreas Egger.

Aushängeschild. Vorarlberg ist nicht nur

landschaftlich ein Juwel zwischen Bodensee und

Alpen – es ist auch ein wirtschaftspolitisches

Vorzeigemodell für erfolgreichen Tourismus,

der weit über die klassische Hotellerie hinausreicht.

Mit rund 9,5 Millionen Nächtigungen

im Jahr 2024 zeigt das westlichste Bundesland

Österreichs eindrucksvoll, wie stark die internationale

Nachfrage nach Qualität, Gastfreundschaft

und regionaler Authentizität ist. Für ein

Land mit nur etwa 400.000 Einwohner:innen

ist diese Leistung nicht nur beachtlich – sie

ist ein wirtschaftlicher Kraftakt, der vor allem

für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs)

sowie Ein-Personen-Unternehmen (EPUs) von

zentraler Bedeutung

ist.

Wirtschaftskraft aus

der Region – für die

Region

Die Tourismus- und

Freizeitwirtschaft

sichert in Vorarlberg

direkt und indirekt

rund 20.000 Ganzjahresarbeitsplätze

– ein

starkes Fundament

für die regionale Beschäftigung.

Besonders

hervorzuheben:

85 % der Vorleistungen

stammen aus dem

eigenen Bundesland.

Damit bleibt die Wertschöpfung

bei den

zahlreichen KMUs und

EPUs, die als Bäcker,

Metzger, Brauereien

oder Handwerksbetriebe

den Tourismus

täglich mittragen und

wirtschaftlich davon

profitieren.

„Der Tourismus ist

nicht nur ein Aushängeschild

unserer

Region – er ist ein

Wirtschaftsfaktor, der

Arbeitsplätze schafft,

Lehrlinge ausbildet und regionale Betriebe

stärkt“, betont Michael Andreas Egger, Präsident

des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands

Vorarlberg und selbst Gastronom.

Seine Worte unterstreichen, wie eng Tourismus,

Standortpolitik und regionale Wirtschaft

miteinander verwoben sind.

Internationale Gäste – lokale Identität

Etwa 90 % der Nächtigungen in Vorarlberg

stammen von ausländischen Gästen, vor allem

aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden.

Prominente Besucher:innen wie die

niederländische Königsfamilie und internationale

Filmproduktionen zeigen: Die Region

genießt weltweite Anerkennung – dank hoher

Ausbildungsqualität, gelebter Gastfreundschaft

und langjähriger Aufbauarbeit.

Zahlreiche Vorarlberger:innen sind international

in Führungspositionen der Tourismusbranche

tätig – ein Beweis dafür, dass die Region

nicht nur Gäste anzieht, sondern auch Fachkräfte

hervorbringt, die weltweit gefragt sind.

Für den SWV-Vorarlberg ist es daher besonders

wichtig, dass die politischen Rahmenbedingungen

so gestaltet werden, dass diese

internationale Stärke auch langfristig zur regionalen

Wertschöpfung beiträgt – insbesondere

für KMUs und EPUs, die das Fundament der

Tourismuswirtschaft bilden.

Gastronomie als gesellschaftlicher

Knotenpunkt

Gastronomiebetriebe sind weit mehr als Orte

des Genusses – sie sind Begegnungsräume,

Vermittler von Lebensgefühl und kulturelle

Botschafter. Sie prägen das Bild, das Gäste mit

nach Hause nehmen, und sind zentrale Orte

der Wertschöpfung für EPUs und KMUs. Ob

regionale Produzent:innen, Handwerksbetriebe

oder Veranstaltungsdienstleister:innen – sie

alle profitieren direkt vom touristischen Erfolg.

„Wir müssen die wirtschaftlichen Herausforderungen

unserer Zeit angehen und nachhaltige

Lösungen für Teuerung, Fachkräftemangel und

die soziale Absicherung aller Selbstständigen

erarbeiten“, fordert Egger. Damit spricht er

eine zentrale Aufgabe der Standortpolitik an:

Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Tou-

SWV VORARLBERG

20

Unternehmen Österreich 3 | 2025


aus den bundesländern

Vertraute Runde.

Philipp Kreinbucher-Tyler,

Landesgeschäftsführer

SPÖ Vorarlberg, Patricia

Zangerl, Vorsitzende-

Stellvertreterin GÖD

Vorarlberg, und Jeannette

Greiter, stv. Landesgeschäftsführerin

der

SPÖ Vorarlberg (v. l. n. r.).

rismus als wirtschaftliches Ökosystem stärken

– nicht nur für große Betriebe, sondern

gerade für die vielen kleinen Unternehmen, die

ihn täglich mit Leben füllen.

Zukunft gestalten – mit Qualität, Nachhaltigkeit

und politischem Rückhalt

Damit Vorarlberg seine Rolle als Vorzeigeregion

im Tourismusland Österreich weiter

ausbauen kann, braucht es gezielte politische

Maßnahmen. Investitionen in Infrastruktur

und Qualität sind ebenso notwendig wie eine

Entlastung bei den Lohnnebenkosten, um faire

Entlohnung und wirtschaftliche Führung

zu ermöglichen. Die Sicherung von Fachkräften

ist dabei essenziell – ohne Köch:innen,

Kellner:innen, Hotelangestellte

und

Veranstaltungsmanager:innen

fehlt das Fundament.

Vorarlberg zeigt eindrucksvoll,

dass Tourismus weit mehr ist als

Bettenstatistik. Es ist ein komplexes

Zusammenspiel aus Hotellerie,

Gastronomie, Freizeitwirtschaft,

Landwirtschaft und

Kultur, das nicht nur Milliarden

an Wertschöpfung generiert, sondern auch

Identität und Lebensqualität stiftet. Mit einer

klaren politischen Ausrichtung auf Qualität,

Nachhaltigkeit und Regionalität – und getragen

von der Professionalität und Herzlichkeit

der Menschen –

bleibt Vorarlberg

ein leuchtendes

Beispiel für wirtschaftspolitisch

klugen Tourismus,

der KMUs

und EPUs stärkt

und die Region

zukunftsfähig

macht.

Entspannt. SWV-

Neumitglied Hans

Werner Tschohl,

Andrea Hopfgartner,

parl. Mitarbeiterin Antonio

Della Rossa und

Obmann-Stellvertreterin

Stadtpartei SPÖ

Bludenz, mit Michael

Andreas Egger (v. l. n. r.).

Hochmotiviert.

Michael Andreas Egger

ist Vorarlbergs SWV-

Präsident und selbst

Gastwirt. „Gastronomiebetriebe

sind weit

mehr als Orte des

Genusses.“

Unternehmen Österreich 3 | 2025

21


aus den bundesländern

NÖ: CHARITY-GOLFTROPHY des

Wirtschaftsverbandes begeisterte

58 Teilnehmer:innen spielten am

6. September bei strahlendem

Sonnenschein für den guten Zweck

im Golf-Eldorado Bucklige Welt. Die

Erlöse gehen an den Therapiehof

Regenbogental in Leobersdorf.

Die Organisatorin des 16. Golfturniers,

Vizepräsidentin KommRin Martina

Klengl vom Sozialdemokratischen

Wirtschaftsverband (SWV) NÖ, freute

sich über die überwältigende Zahl der

Anmeldungen – aber auch viele Ehrengäste

aus Politik und Wirtschaft konnte

sie begrüßen: SWV-NÖ-Präsident

KommR Thomas Schaden, SWV-NÖ-

Vizepräsidentin KommRin Monika

Retl, SPÖ-NÖ-Klubobmann LAbg.

Hannes Weninger und Seebensteins

Bürgermeisterin Marion Wedl.

„Die Golftrophy ist jedes Jahr ein großes

Highlight in unserem Veranstaltungskalender:

Golfen für die gute Sache und

sich mit regionalen Unternehmer:innen

zu vernetzen, ist eine tolle Kombination“,

sagt Martina Klengl, die sich auch

bei der Familie Lechner, die wieder den

Golfplatz für die Veranstaltung zur

Verfügung gestellt hat, bedankt. Der

Verein Regenbogental begleitet Kinder,

Jugendliche und deren Familien in Zeiten

von Krankheit, Tod und Trauer.

Thomas Schaden freut sich, dass auch

dieses Jahr wieder viele golfbegeisterte

Unternehmer:innen mit dabei waren:

„Auf den Wirtschaftsverband können

sich die kleinen Betriebe verlassen,

wenn es um die Lösung von Problemen

im Alltag geht. Bei uns haben sie einen

Platz, wo sie sich austauschen können –

das Golfturnier ist immer ein schöner

Rahmen dafür“, sagt Thomas Schaden.

„Eine besondere

Motivation ist dabei

natürlich, dass die

Teilnehmer:innen

heuer für einen ganz

besonderen Verein

spielen, dessen

Arbeit wir unbedingt

unterstützen

wollen.“

Die Bruttowertung

entschieden Prof.

Mag. Christian Eder

und Elisabeth Eder

für sich, Zweite

wurden Michaela

und Manfred Dienbauer,

Dritte Herbert

Hofstätter und

Mag. Christian Handler.

Die Gewinner:innen der Nettopreisklasse

sind Roland Pechtl und DI Herbert

Rauhofer, Zweite wurden Richard

Mayerhofer und Inge Mayerhofer-Graf.

Den dritten Platz errangen Dr. Roland

und Sonja Al-Shami.

Den Spezialpreis „Nearest to the Pin“

holte Dr. Inge Mandelburger. Den

Sonderpreis „Longest Drive“ gewann

Ing. Heinrich Traindt.

Golf-Charity. Herbert Rauhofer, Heinrich Traindt, Elisabeth

Eder, Christian Eder, Roland Pechtl, Inge Mandelburger, Thomas

Schaden und Organisatorin Martina Klengl (v. l. n. r.).

TIROL: GEMEINSAM STARK FÜR TIROL:

verantwortungsvoll handeln – Chancen sichern

KommR Mst. Michael

Kirchmair, Präsident

des SWV Tirol.

Zentrale Säule. Der Tourismus ist

eine zentrale Säule der Tiroler Wirtschaft.

Er schafft Arbeitsplätze,

sichert Kaufkraft und

sorgt dafür, dass Wertschöpfung

in der Region bleibt.

„Damit diese Erfolge nachhaltig

sind, brauchen wir klare

Rahmenbedingungen und

eine verlässliche Standortpolitik“,

betont

Michael Kirchmair.

Besonders

wichtig

sei, dass qualifizierte

Arbeitskräfte in Tirol bleiben

können. Leistbarer Wohnraum, moderne

Infrastruktur von Verkehr bis zu

digitalen Netzwerken und die Förderung

nachhaltigen Wirtschaftens seien

entscheidend. Tourismusbetriebe, die

in Qualität, Ausbildung und regionale

Produkte investieren, seien ein Gewinn

für ganz Tirol, unterstreicht der

SWV-Tirol-Präsident.

Der SWV Tirol versteht sich als starke

Stimme für alle Unternehmerinnen

und Unternehmer im Land. Angesichts

der zentralen Bedeutung des

Tourismus wird der Verband diesen

Bereich künftig noch stärker in den

Fokus nehmen – ohne andere Branchen

aus dem Blick zu verlieren. „Wir

setzen auf verlässliche Rahmenbedingungen,

partnerschaftlichen Dialog

und kluge Investitionen in eine

nachhaltige Standortpolitik. Was dem

Tourismus nützt, stärkt den gesamten

Wirtschaftsstandort – und damit uns

alle“, so Kirchmair. „Wir wollen nicht

nur Probleme aufzeigen, sondern gemeinsam

Lösungen entwickeln, die allen

zugutekommen.“

SWV NÖ,TIROL

22 Unternehmen Österreich 3 | 2025


aus den bundesländern

NÖ: Die NEUE TRINKGELD REGELUNG ist fair für

Betriebe und ihre Mitarbeiter:innen

Pauschalierung. Markus Dienstbier

ist SWV-NÖ-Branchenvertreter und

Gastwirt: „Eine große finanzielle und

bürokratische Belastung der Unternehmen

wurde verhindert.“

„Es ist wichtig, dass Trinkgelder nun

steuerfrei bleiben. Und die Pauschalierung

für die Sozialversicherungsabgaben

erfolgt in einem vernünftigen

Rahmen“, erklärt Markus Dienstbier,

Gastwirt aus Ybbs an der Donau

und Branchenvertreter des Sozialdemokratischen

Wirtschaftsverbandes

(SWV) Niederösterreich. „Die neue

Trinkgeldregelung ist damit eine faire

und gerechte Lösung für die Betriebe

und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Dafür hat sich der Wirtschaftsverband

Niederösterreich monatelang

auf allen Ebenen eingesetzt. Erstmals

gibt es hier eine bundeseinheitliche

Lösung.“

„Entscheidend ist dabei auch, dass es

aufgrund der neuen Regelung nun zu

keinen Nachzahlungen kommt: Die

Pauschalierung setzt nachträglichen

Beitragsvorschreibungen ein Ende.

Mit dieser Generalamnestie wurde

eine große finanzielle und bürokratische

Belastung der Unternehmen

zahlreicher Branchen verhindert. Ansonsten

hätten Betrieben hohe Nachzahlungen

gedroht, auch für Beschäftigte,

die vielleicht gar nicht mehr im

Unternehmen tätig sind.“

„Es ist mit diesem Kompromiss gelungen,

eine rechtlich unsichere Situation

zu beseitigen und stattdessen

eine praxistaugliche Lösung für

Mitarbeiter:innen zu schaffen. Dieser

Kurs muss fortgesetzt werden: Denn

auch in vielen anderen Bereichen sind

Erleichterungen und gerechtere

Regelungen vor allem

für die vielen kleinen und

mittleren Unternehmen

und ihre Beschäftigten nötig“,

so Dienstbier.

Markus Dienstbier,

Branchenvertreter

des Sozialdemokratischen

Wirtschaftsverbandes

(SWV)

Niederösterreich

in der Gastronomie.

Im Einsatz. KommR

Ing. Christian Freitag,

Ugur Kalkan, Senator

KommR Manfred Rieger,

KommR Albert Kisling

MSc, KommR Thomas

Schaden, KommRin

Martina Klengl, Mag.a DI

Marion Medlitsch und

Alfred Strohmayer MSc,

MBA (v. l. n. r.).

NÖ: SWV NÖ Thomas Schaden: „Auf die KLEINEN

BETRIEBE darf nicht vergessen werden!“

SWV NÖ, MORGENBESSER

Nur mit echten Verbesserungen

für kleine Betriebe wird das Paket

wirksam. „Wir begrüßen es sehr, dass

die Regierung den Investitionsfreibetrag

auf 20 % erhöht und endlich

auch beim Breitbandausbau nachlegt.

Das sind wichtige Schritte für die

Wettbewerbsfähigkeit unserer kleinen

Betriebe“, sagt Thomas Schaden,

der Präsident des Sozialdemokratischen

Wirtschaftsverbandes (SWV)

NÖ. „Aber: Dieses Konjunkturpaket

ist nicht der große Wurf, als das es

präsentiert wird – denn ein Großteil

der sogenannten Wirtschaftsmilliarde

war ohnehin bereits im Budget

inkludiert.“

„Trotzdem – es ist ein kleiner Anstoß,

und entscheidend ist jetzt, dass die

Maßnahmen rasch umgesetzt werden“,

verlangt Schaden. „Denn gerade

beim Breitbandausbau warten nicht

nur die Unternehmer:innen darauf,

dass Worten endlich Taten folgen. Papier

allein schafft noch keine bessere

Infrastruktur.“

Einen großen Kritikpunkt gibt es aus

Sicht von Thomas Schaden: „Vom Industriestrombonus

wird ausschließlich

die sogenannte energieintensive

Großindustrie profitieren. Kleine und

mittlere Betriebe, die genauso unter

den hohen Energiekosten leiden, werden

davon nichts haben. Das ist ungerecht

und sollte in der Umsetzung

nochmals neu durchdacht werden!“

Unternehmen Österreich 3 | 2025

23


Sozial.

Wirksam.

Verlässlich.

Ordentlicher Verbandstag des SWV Österreich

11. Oktober 2025 · Salzburg

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