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Kulturfenster Nr. 05|2025 - Oktober 2025

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BLASMUSIK

CHORWESEN

HEIMATPFLEGE

in Südtirol

Nr.5

OKT.

2025

SCV-Singgruppe „Lebensmelodie“

Dialekte im Wandel der Zeit

20 Jahre Südtiroler Jugendblasorchester

Poste Italiane SpA – Sped. in a.p. | -70% – NE BOLZANO – 77. Jahrgang – Zweimonatszeitschrift

Falls Zeitschrift nicht zustellbar, bitte über das operative Postzentrum Bozen an den Verleger (Verband Südtiroler Musikkapellen) zurück.

Der Verleger verpfl ichtet sich, die Postspesen für die Rücksendung zu übernehmen.


vorausgeschickt

„Versteasch du mi

oder muaß i Deitsch redn?“

Liebe Leserinnen und Leser,

mich fasziniert immer wieder das Schweizer

Radio und Fernsehen (SFR): Die Schweizer

sind stolz auf ihre ureigene Sprache

und sprechen ihren Dialekt, ob bei der

Sportberichterstattung, politischen Diskussionen

oder auch in der neue Krimifolge

des Schweizer Tatorts. Da können

wir Südtiroler*innen uns noch eine große

Scheibe von unseren Nachbarn abschneiden,

denn vielerorts weichen wir lieber auf

die deutsche Alltagssprache aus. Wie wichtig,

aber auch gefährdet die Mundart und

der Dialekt sind, wird in der Rubrik des Heimatpflegeverbandes

thematisiert – auch im

Hinblick auf die Dialekttagung auf Schloss

Goldrain vom 17. bis zum 19. Oktober.

Die ARGE Lebendige Tracht erinnert an

das ehemalige Stoffgeschäft „Peter Steger“

(später: „Corradini“). Der Südtiroler

Volksmusikverein berichtet von der heurigen

Jugendsing- und Musizierwoche und

dem Südtiroler Weisenbläsertreffen.

Ebenso wichtig ist das Singen für Körper

und Seele, denn es ermöglicht gerade auch

im Alter die Belebung von Gemeinschaft

und ein Wohlbefinden. Auch bei fortschreitender

Demenz bleibt das musikalische Erleben

und Empfinden lange erhalten, wie

Hirnforscher bestätigen.

In diesem Sinne ist die neu gegründete

„SCV-Singgruppe Lebensmelodie“ ein zukunftsweisendes

Projekt. Auf den Seiten des

Chorverbandes erfahren sie mehr darüber.

Wie wichtig und erfolgreich die Jugendarbeit

sein, kann, zeigt das Südtiroler Jugendblasorchester

(SJBO). Es feierte heuer

sein 20-jähriges Jubiläum mit beeindruckenden

Konzerten in Latsch, Brixen und

Innsbruck. Wir blicken auf diese Erfolgsgeschichte

zurück, berichten von den Anfängen

und von den Meilensteinen seit der

Gründung des Orchesters 2005 bis heute,

holen die Verantwortlichen von früher und

heute ins Rampenlicht und sprechen mit

dem Dirigenten Karl Geroldinger und dem

Komponisten Thomas Doss.

Natürlich gibt es zudem die gewohnten Rubriken,

in denen die einzelnen Verbände

und ihre Mitgliedsvereine ihre Tätigkeiten

dokumentieren, bereichsspezifi sche Themen

aufarbeiten und auch die Jugend –

die Zukunft unserer Vereine – in den Fokus

stellen.

In diesem Sinne „winsch i enk a sponnendes

und informatives Lesn und an aufschlussreichn

Blick durch inso buntis KulturFenschto

– guita Untoholtung!“

Stephan Niederegger

Singen macht glücklich,

umso mehr gemeinsam mit

anderen! Wichtig ist, dass jeder

Freude daran hat. Aus

gegenseitigem Respekt und

Freude kann viel entstehen.

Aaron Demez *1985

Eine Verfl achung der Sprache

fi ndet längst statt, Typisches von

Ortsmundarten verschwindet.

Wenn in den Bildungseinrichtungen

statt so manchen Dialektverbotes

eine Dialektförderung stattfi

nden würde, könnte man den

Schwund noch umkehren.

Markus Manfred Jung *1954

Lasst uns dafür sorgen, dass in

unseren Wohnungen und Schulen

gesungen und Musik gemacht

wird, auf dass die Nachwachsenden

lernen, daran

Freude zu haben. Es wird Zeit

für jene Sprache, die unsere

Seele ohne Umwege erreicht.“

Helmut Schmidt, 1918–2015

KulturFenster

2 05/Oktober 2025


Inhalt

In dieser Ausgabe

Chorwesen

Blasmusik

Singen im Altersheim ............................................................5

Chor-und Stimmbildungswoche Burgeis 2025 .......................7

Tag der Chöre in Trauttmansdorff ..........................................8

Workshop „Masterclass“ mit Jan Scheerer ............................9

Othmar Trenner erhält das Tiroler Verdienstkreuz .................10

Musical Fever Plus 2025 .....................................................10

Der Landesjugendchor in Südafrika .....................................11

Kulturfahrt des Bezirkes Bozen ...........................................12

Rubrik PERSÖNLICH – Martha Basten & Aaron Demez .......13

ErlebnisChor im HdF ...........................................................14

BoysVoice 2025 .................................................................15

KAS-Woche 2025 ...............................................................15

Singen macht Spass ............................................................16

Musik für Groß & Klein ........................................................16

Kirchenchor Burgstall besucht Wallfahrtsort ........................17

KlangArt singen in Terlan ....................................................17

MGV Welschnofen & MGV Boy Grupp in concert .................18

Vokalensemble Melioda ......................................................19

Heimatpflege

20 Jahre Südtiroler Jugendblasorchester ........................... 38

Grundkurs für Stabführer .................................................. 45

Marschmusik bei der Jungbläserwoche in Bruneck ........... 46

Stabführer – Führung mit Taktgefühl ................................. 48

Euregio-Jugendblasorchester:

Junge Blasmusik grenzenlos ............................................. 50

19. Sonderkonzert der Wiener Philharmoniker ................... 51

43. Österreichisches Blasmusikfest in Wien ....................... 52

MK Unsere Liebe Frau im Walde:

Klangbilder der Filmwelt .................................................... 54

100 Jahre Bürgerkapelle Wolkenstein ................................ 55

MK Kastelbell – Musical & Film ......................................... 56

Im Gedenken an Karl Gschließer (1946-2025) ................... 57

„Exodus“

Klangbilder für Blasorchester von Gottfried Veit ................. 58

Musikalische Delikatessen

von Salzburg Wind Philharmonic ....................................... 59

„Des sein mir!“ – Jubiläums-CD der MK Schalders ............ 60

Geheimnisse der Orchestrierung

für Blasorchester (Franco Cesarini) ................................... 60

kurz notiert – Neues von den Musikkapellen ...................... 61

Dialekttagung:

Warum der Erhalt der Mundarten so wichtig ist .....................20

Der Präsident des Internationalen Dialektinstitutes

im Gespräch ..........................................................................23

Grundschule Rodeneck erregt mit Heimatprojekt Aufsehen ....25

Kleindenkmäler: Austausch über Digitalisierung .....................27

Seminarreihe zur Klimagerechtigkeit ......................................28

„Weiße Flecken“ im Zoggler Stausee ......................................29

100. Geburtstag: Ausstellung zu Ehren

der Schriftstellerin Mary de Rachewiltz ...................................30

Naturns – Plaus: Kleindenkmäler restauriert ..........................32

Plätze frei: Mit Kindern tanzen als Schulprojek .......................33

Tracht: Die Geschichte eines

ganz besonderen Bozner Ladens ...........................................34

Volksmusikalischer Sommer ..................................................36

Impressum

Mitteilungsblatt

- des Verbandes Südtiroler Musikkapellen

Redaktion: Stephan Niederegger, kulturfenster@vsm.bz.it

- des Südtiroler Chorverbandes

Redaktion: Paul Bertagnolli, info@scv.bz.it

- des Heimatpfl egeverbandes Südtirol

Redaktion: Florian Trojer, fl orian@hpv.bz.it

Anschrift:

Schlernstraße Nr. 1 (Waltherhaus), I-39100 Bozen

Tel. +39 0471 976 387 – info@vsm.bz.it

Raiffeisen-Landesbank Bozen

IBAN = IT 60 S 03493 11600 000300011771

SWIFT-BIC = RZSBIT2B

Jahresabonnement = 20,00 Euro

Ermächtigung Landesgericht Bozen Nr. 27/1948

presserechtlich verantwortlich: Stephan Niederegger

Druck: Ferrari-Auer, Bozen

Das Blatt erscheint zweimonatlich am 15. Februar, April, Juni, August, Oktober und

Dezember. Redaktionsschluss ist der 15. des jeweiligen Vormonats.

Eingesandte Bilder und Texte verbleiben im Eigentum der Redaktion und werden nicht

zurückerstattet. Die Rechte an Texten und Bildern müssen beim Absender liegen bzw.

genau deklariert sein. Die Verantwortung für die Inhalte des Artikels liegt beim Verfasser.

Die Wahrung der Menschenwürde und die wahrheitsgetreue Information der Öffentlichkeit

sind oberstes Gebot. Der Inhalt der einzelnen Beiträge muss sich nicht mit

der Meinung der Redaktion decken. Nachdruck oder Reproduktion, Vervielfältigung jeder

Art, auch auszugsweise, sind nur mit vorheriger Genehmigung der Redaktion erlaubt.

Sämtliche Formulierungen gelten völlig gleichrangig für Personen beiderlei Geschlechts.

– gefördert von der Kulturabteilung

der Südtiroler Landesregierung

KulturFenster

3 05/Oktober 2025


Jeder Besuch in einem Seniorenheim

gibt einem persönlich sehr viel. Wir

sind sehr oft gerührt von der Dankbarkeit

und davon, wie die Augen der

Heimbewohner*innen beim Singen

leuchten ...

Margareth Greif

KulturFenster 4

05/Oktober 2025

Fotos: SCV


besucht

„Die Augen leuchten

beim Singen“

SCV-Singgruppe Lebensmelodie singt in Altersheimen

Heute hochbetagte Menschen sind in einer

Zeit aufgewachsen, in der Musik nicht

allgegenwärtig war wie heute. So war Singen

als einfache musikalische Betätigung

im Alltag selbstverständlich: Es begleitete

Arbeit und Freizeit, umrahmte wichtige Stationen

im Laufe eines Menschenlebens,

und es stand für lebenslang prägende Situationen,

etwa das Singen einer Mutter

an der Wiege.

An diese Erfahrung kann auch heute das

Singen mit alten Menschen anknüpfen:

Singen ermöglicht gerade auch im Alter

die Belebung von Gemeinschaft und ein

Wohlbefinden, das für Körper und Seele

wichtig ist. Auch bei fortschreitender Demenz

bleibt das musikalische Erleben

und Empfinden lange erhalten, wie Hirnforscher

bestätigen. Das Singen von vertrauten

Liedern baut Gedächtnisbrücken

direkt zu vergangenen Zeiten, aktiviert Erinnerungen

und gibt den Betroffenen Zufriedenheit.

In diesem Sinne ist die neu

gegründete „SCV-Singgruppe Lebensmelodie“

ein zukunftsweisendes Projekt. Mit

dabei sind auch Verbandsobmann Erich

Deltedesco und seine Stellvertreterin Margareth

Greif.

KulturFenster: Wie ist es zu dieser Initiative

gekommen?

Erich Deltedesco: Wir wurden zu diesem

Projekt durch unsere Freunde aus Nordtirol

angeregt: Bei einem Treffen mit der

Landesobmann-Stellvertreterin des Chorverbandes

Tirol, Ursula Oberwalder, und

dem Obmann des Vereins cantare et sonare,

Georg Schmid, erzählten sie Margareth

und mir von einer ganz besonderen

Initiative des Verbandes gemeinsam mit

den tirol kliniken. Ursula Oberwalder und

Georg Schmid sind Mitglieder des Ensembles

HEIM@Klang, das unter dem Motto

„Singen ein Leben lang – Die alten Lieder

vergessen wir nicht“ in Seniorenwohnheimen

und sonstigen Einrichtungen für die

Heimbewohner*innen singt. Im Gespräch

Die SCV-Singgruppe Lebensmelodie versüßt Senior*innen den Nachmittag.

versicherten sie uns, dass es sie sehr

freuen würde, wenn wir auch in Südtirol

so ein Projekt starten könnten, und sagten

uns ihre Unterstützung zu. Ich war sofort

überzeugt von dieser Idee und habe sie

mit Margareth Greif besprochen – auch

sie war sofort begeistert. So haben wir mit

dem Verband der Seniorenwohnheime

Kontakt aufgenommen, und auch dort war

man vom Projekt begeistert! So machten

wir uns auf die Suche nach interessierten

Sänger*innen und Instrumentalist*innen.

Bald schon hatten wir eine tolle Gruppe

beisammen, und Rosa Oberhöller hat sofort

zugesagt, die Singgruppe mit der Ziehharmonika

zu begleiten.

KF: Was möchtet ihr mit eurer Musik und

eurem Gesang bewirken?

Deltedesco: Wir möchten ganz einfach den

Heimbewohner*innen mit unseren Liedern

eine Freude machen und ein bisschen Abwechslung

in den Alltag bringen.

KF: Die Singgruppe hat inzwischen sogar

einen eigenen Namen und gar einige

Mitglieder.

Margareth Greif: In den letzten Monaten

haben wir viele Anfragen erhalten, weshalb

wir uns auch über einen Namen unserer

Singgruppe Gedanken gemacht haben. Ab

jetzt nennen wir uns „SCV-Singgruppe Lebensmelodie“.

Wir sind Sänger*innen, die

sich auch untertags die Zeit nehmen können

– wir singen grundsätzlich an Wochentagen

um 15 Uhr – und für die es beruflich

möglich ist, bzw. Sänger*innen in Pension,

die aus den verschiedensten Landesteilen

stammen. Mit dabei sind Rosa Oberhöller

aus Reinswald, an der Ziehharmonika, Verbandsobmann

Erich Deltedesco (Gitarre

und Gesang) aus Klausen, Vorstandsmitglied

Hans Schmidhammer (Gitarre und

Gesang) aus Riffian, der Ehrenobmann

des Bezirkes Eisacktal, Otto Schenk aus

Gufidaun, Serafin Pramsohler aus Brixen,

Hildegard Mayr und Margit Egger aus Bozen,

Monika Tammerle aus St.Pauls, Rita

Lang aus Auer, Melanie Torneri aus Meran,

Mathilde Preims Gruber aus Mauls,

Veronika Spitaler aus Girlan und ich, die

in Kaltern wohnt Es sind aber nicht bei

jedem Auftritt alle dabei, was auch nicht

schlimm ist, denn es ist ja kein Konzert.

Gerne können sich Sänger*innen bei uns

melden, die gerne mitsingen möchten.

KF: Welche Lieder singt ihr?

Greif: Für uns ist es sehr wichtig, gemeinsam

mit den Heimbewohner*innen zu singen.

Deshalb singen wir – zwei- drei und

vierstimmig – Lieder, die die Heimbewohner

kennen, zum Beispiel alte Schlager, Heimatlieder,

Volkslieder und volkstümliche Lieder

5

KulturFenster 05/Oktober 2025


besucht

und mit den Italienischsprachigen auch

das eine oder andere italienische Lied. Zwischendurch

spielt die Rosa auf der Ziehharmonika,

begleitet von Erich auf der Gitarre,

zum Tanz auf. Auch das lieben die Heimbewohner

und manchmal auch die Besucher.

KF: Wo habt ihr schon überall gesungen

und musiziert?

Greif: Wir waren bisher in zwölf Seniorenheimen,

haben allerdings im heurigen

Herbst sehr viele weitere Termine. Bis

zum 1. Dezember besuchen wir noch weitere

zehn Seniorenwohnheime und wir haben

für 2026 bereits sechs Heimen zugesagt,

wobei es noch weitere Anfragen gibt,

die wir erst koordinieren müssen. Zurzeit

sind wir im ganzen Land unterwegs: zwischen

Schlanders, Passeier, Ulten, Etschtal,

Bozen, Überetsch, Unterland, Eisacktal,

Reggelberg, Völs, Kastelruth, Villnöß,

Gröden, Mühlbach, Sterzing und Bruneck.

Gesungen wird vor allem das, was die Zuhörenden an alte Zeiten erinnert.

KF: Das Singen im Altersheim ist sicher

auch für euch eine schöne Erfahrung…

Greif: Jeder Besuch in einem Seniorenheim

gibt einem persönlich sehr viel. Wir

sind sehr oft gerührt von der Dankbarkeit

und auch darüber, erleben zu dürfen, wie

die Augen der Heimbewohner*innen beim

Singen leuchten, wie sie, auch Demenzkranke

und stark Pflegebedürftige, mitmachen,

singend und mit den Händen, den

Text auf den Lippen. Wir spüren Freude

und Begeisterung auf beiden Seiten! Wir

sind auch beeindruckt von den Heimleitern

und Heimleiterinnen, den Pfl egern

und Pfl egerinnen und den Mitarbeitern

und Mitarbeiterinnen in den Seniorenheimen,

wie feinfühlig, liebevoll und aufopferungsvoll

sie mit den Menschen, darunter

auch viele Schwerkranke, umgehen.

Deltedesco: Ich kann mich da nur den

Worten von Margareth anschließen. Auch

für mich ist jeder „Auftritt“ ein ganz beson-

deres Erlebnis, das mir wahrscheinlich noch

mehr Genugtuung und Freude bereitet, als

den zuhörenden Heimbewohner*innen.

KF: Wird das Projekt auch in Zukunft weitergeführt?

Deltedesco: Dieses Projekt ist bisher überall

sehr gut angenommen worden und erfreut

sich zunehmender Beliebtheit. Es ist

unser gemeinsames Bestreben diese Initiative

mit viel Freude weiterzutragen. Anmelden

kann man sich gerne beim Südtiroler

Chorverband (Tel. 0471 971833

– info@scv.bz.it).

Interview: Paul Bertagnolli

„Das Singen ist sehr gut angekommen“

SCV-Singgruppe Lebensmelodien sang auch im Altersheim Tiers

Erika Aichner ist Hauswirtschaftsleiterin

im Altersheim Tiers und hat im Auftrag der

Heimleitung im Sommer den Auftritt der

SCV-Singgruppe im Altersheim organisiert.

KulturFenster: Wie ist das Singen und Musizieren

bei den Senior*innen

angekommen?

Erika Aichner: Wir haben hier

im Heim 25 Bewohner*innen,

acht von ihnen sind beim Singen

dabei gewesen. Man muss

auch wissen, dass viele auch

bettlägerig sind oder grundsätzlich

nicht zu Veranstaltungen

gehen. Jene aber, die

zum Singen gekommen sind,

waren begeistert. Es waren vor

allem Frauen, die Männer waren

weniger interessiert.

KF: Haben die Heimbewohnerinnen auch

mitgesungen?

Aichner: Ja, viele haben auch mitgesungen,

wahrscheinlich haben sie sich an

frühere Zeiten erinnert, denn die Gruppe

vom Südtiroler Chorverband hat vor allem

Aufmerksames Zuhören im Altersheim

alte Schlager gesungen, wie Marina oder

andere. Es war eine schöne Abwechslung,

wirklich ein schönes Erlebnis und

wir wären froh, wenn wir das wiederholen

könnten.

KF: Spielt das gemeinsame

Singen im Altersheim auch im

Alltag eine Rolle?

Aichner: Wir singen immer

wieder im Altersheim mit den

Bewohnerinnen, manchmal

kommen auch Gruppen oder

Personen von auswärts – so

wie die Gruppe vom Chorverband

– und musizieren für die

Heimbewohner. Es ist immer

wieder schön und eine wertvolle

Erfahrung.

Interview: Paul Bertagnolli

KulturFenster 6

05/Oktober 2025


SCV-Intern

Reise durch die

musikalischen Epochen

Abschlusskonzert der Chor- und Stimmbildungswoche in Burgeis

„Lernen durch Tun“ war das Motto dieser

Chorwoche. Menschen, die bereit sind, sich

fortzubilden, sind ein großer Reichtum für

unsere Gesellschaft!“ Mit diesen Worten

dankte Verbandsobmann Erich Deltedesco

beim Abschlusskonzert der Chor- und Stimmbildungswoche

des Südtiroler Chorverbandes

den knapp hundert Sängern und Sängerinnen

aus dem ganzen Land.

Die Teilnehmer des Chorworkshops auf

der Fürstenburg in Burgeis hatten sich intensiv

mit Werken von der Klassik bis zum

Pop beschäftigt. Geleitet wurde die musikalische

Arbeit von den Referenten Roland

Büchner und Markus Detterbeck sowie

acht Stimmbildnern. Das Abschlusskonzert

wurde feierlich von Roland Büchner

eröffnet, der den Zuhörern mit einer Auswahl

an geistlichen Liedern einen getragenen

und stimmungsvollen Auftakt bot.

Im Anschluss übernahm Dirigent Markus

Detterbeck und leitete den schwungvollen

und amüsanten Teil des Abends ein. Das

Publikum wurde dabei von Ulrike Deluggi

am Klavier begleitet. Das Programm spannte

einen weiten Bogen: von südafrikanischem

Gospel über Purcells „Dido und Aeneas“

bis hin zu Grönemeyers „Männer“. Die Musikalität

des Chores stand im Mittelpunkt

und wurde zusätzlich durch die Moderation

des Dirigenten bereichert. Markus Detterbeck

unterhielt das Publikum mit Wissen

und viel Humor zu den Liedern, was

maßgeblich zum amüsanten Charakter des

Abends beitrug. Auch die nicht optimale

Akustik in der beinahe überfüllten Aula der

Landwirtschaftlichen Fachschule Fürstenburg

tat dem musikalischen Genuss keinen

Abbruch. Das begeisterte Publikum würdigte

die Gesangskünste des Chores. Am

Sonntag gestalteten die Sängerinnen und

Sänger den Gottesdienst in Laatsch musikalisch,

unter anderem mit Liedern von

Heinrich Schütz. Am Ende der Veranstal-

Chorleiter Markus

Detterbeck und

die knapp hundert

Sängerinnen

und Sänger beim

kurzweiligen Abschlusskonzert

in

Burgeis.

Roland Büchner

dirigiert den Chor

im voll besetzten

Saal.

Fotos:

Paul Bertagnolli

tung würdigten beide Referenten die hervorragende

Organisation durch den Südtiroler

Chorverband und hoben dabei die

Qualität und den Umfang der Fortbildung

hervor. Markus Detterbeck bezeichnete sie

als „im deutschen Sprachraum einmalig“

aufgrund der großen Anzahl an beteiligten

Stimmbildnern.

Paul Bertagnolli

Redaktionsschluss für

Aus der Redaktion

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für das Chorwesen

senden Sie bitte an: info@scv.bz.it (Südtiroler Chorverband)

Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter

folgender Nummer: +39 0471 971 833 (SCV)

die nächste Ausgabe des

„ KulturFensters“ ist:

Freitag, 14. November 2025

7

KulturFenster 05/Oktober 2025


SCV-Intern

Musik erfüllt die Welt

Tag der Chöre in den Gärten von Schloss Trauttmansdorff

Was für ein wunderschönes Ambiente für einen Tag voller Gesang!

„Die Musik erfüllt die Welt“ sang am Sonntag,

21. September, der Chor „Die Junggebliebenen“

am Seerosenteich der Gärten von

Schloss Trauttmansdorff und brachte so die

Stimmung beim Tag der Chöre auf den Punkt.

Sechs Chöre aus Südtirol und ein Gastchor

aus Innsbruck waren der Einladung des

Südtiroler Chorverbandes und der Gärten

von Schloss Trauttmansdorff gefolgt und

sangen einen Tag lang an verschiedenen

Orten der Gärten Lieder aus den unterschiedlichsten

Genres. Ob Tiroler Heimatlieder

oder „Va pensiero“ von Verdi – sie

machten diesen Sonntag „für alle Besucher

und Besucherinnen zu einem ganz

besonderen Tag“, wie Gabriele Pircher

von der Direktion der Gärten betonte. Unter

der Leitung von Verbandschorleiterin

Ulrike Malsiner sangen die Sängerinnen

und Sänger zum Abschluss gemeinsam

drei Volkslieder am Seerosenteich und

schlossen damit den Tag der Chöre ab,

den der Südtiroler Chorverband zusammen

mit den Gärten von Schloss Trauttmansdorff

bereits seit 2004 alljährlich veranstaltet.

Teilgenommen haben heuer der

Chor „Die Junggebliebenen“, der Coro

Lirico G. Verdi, der Vinschger Chor, der

Kirchenchor Tiers, der Pfarrchor Maria im

Moos Sterzing, die Sängervereinigung Wolkensteiner

und der Prisma Chor aus Meran.

Margareth Greif, Obmannstellvertreterin

des Südtiroler Chorverbandes, dankte

den Chören und betonte, dass sie mit ihrem

Gesang eine „besondere Atmosphäre der

Freude“ schaffen und eine Brücke schlagen

von der Musik der Natur zur menschlichen

Stimme.

Das war der Tag der Chöre 2025

Hier geht es zur Bildergalerie

KulturFenster 8

05/Oktober 2025


Chorwesen

Masterclass – Workshop

Erfahrene Chorleiter*innen feilen an ihrer Dirigiertechnik

Ein Wochenende ganz im Zeichen der Chorleitung

fand vom 5. bis 7. September im

Priesterseminar in Brixen statt.

Unter der Leitung des erfahrenen Referenten

und Chorleiters Jan Scheerer,

Professor für Chorleitung an der Musikhochschule

in Leipzig, arbeiteten sechs

aktive und fünf passive Teilnehmer*innen,

allesamt erfahrene *innen, an ihrer Proben-

und Dirigiertechnik. Als Übungschor

stellte sich novAntiqua aus Brixen zur

Verfügung.

Gearbeitet wurde mit Repertoire, das der

Übungschor im Vorhinein gut kennt, um

detailliert und gründlich an der Dirigiergestik

feilen zu können, zum anderen

wurde mit neuen Werken gearbeitet, um

Der Dirigent Jan Scheerer hat schon

mehrere Seminare für den Südtiroler

Chorverband geleitet.

Foto: Südtiroler Chorverband

die Probenmethoden und -techniken zu

entwickeln.

Paul Bertagnolli

Kompositionswettbewerb für Freiheit und Frieden

Uraufführung und Prämierung der Preisträger am 16. November

Einen Kompositionswettbewerb zum Thema

„Freiheit und Frieden“ haben die Katholische

Männerbewegung, der Südtiroler Künstlerbund,

die Landesmusikschuldirektion und

der Südtiroler Chorverband ausgeschrieben.

Damit wollten sie sowohl etablierte Komponisten

und Komponistinnen als auch

Nachwuchstalente ansprechen und anregen,

ihre Werke einem breiteren Publikum

zu präsentieren. Am 16. November

laden sie zur Uraufführung der Werke der

Finalisten ein. Die Neukompositionen der

neun Finalisten werden vor der Jury unter

der Leitung von Josef Lanz und dem Publikum

aufgeführt und sind somit Anlass

eines verbindenden Festes der Musik

zum heute so aktuellen Thema

„Freiheit und Frieden“. Die Werke folgender

Finalisten werden zu hören sein:

Jakob Augschöll (I), Gerson Batista (P),

Alessio Ferrante (I), Leon Gurvitch (D/

BRL), Peter Helmut Lang (D), Sebastian

Ernesto Pafundo (ARG), Michele Schladebach

(D), Josef Unterhofer (I), Otto Wanke

(CZE/A). Aufgeführt werden die Werke unter

der Leitung der Dirigenten Christian

Unterhofer, Emir Saul und Martin Wieser.

Die Veranstaltung fi ndet am 16. November

2025 mit Beginn um 18 Uhr im Kultursaal

St. Michael/Eppan statt.

Paul Bertagnolli

KulturFenster 9

05/Oktober 2025


SCV-Intern

Musikalischer Botschafter über

die Landesgrenzen hinaus

Othmar Trenner wurde mit dem Verdienstkreuz des Landes Tirol geehrt

Othmar Trenner, der ehemalige Verbandschorleiter

des Südtiroler Chorverbandes,

ist am 14. September auf Schloss Tirol von

den Landeshauptleuten von Tirol und Südtirol

mit dem Verdienstkreuz des Landes Tirol

ausgezeichnet worden.

Damit wurde Trenner „für seine Verdienste

um die Musik als Dirigent und Komponist,

insbesondere als Botschafter über die Landesgrenzen

hinaus“ geehrt. In ihren Ansprachen

würdigten Landeshauptmann

Arno Kompatscher und Landeshauptmann

Anton Mattle das Wirken der Geehrten,

darunter zehn Südtiroler*innen.

Der Orchesterdirigent, Chorleiter, Sänger,

Pianist und Liedbegleiter Othmar Trenner,

der im September seinen 83. Geburtstag

feierte, ist einer der profiliertesten Musiker

des Landes. Trenner, aus Deutschnofen

gebürtig und heute am Ritten wohnhaft,

Der Kirchenchor St. Michael/Eppan und Verbandsobmann Erich Deltedesco freuen sich

mit Othmar Trenner über die Auszeichnung.

Foto: Kirchenchor St. Michael Eppan

studierte nach seiner Matura und dem

Klavierdiplom am Konservatorium in Bozen

am Mozarteum in Salzburg. Er arbeitete

am Staatstheater in Wiesbaden, an

der Oper in Augsburg, als musikalischer

Assistent bei den Bayreuther Festspielen,

als Dirigent des Haydnorchesters und

künstlerischer Leiter des Festivals geistlicher

Musik „Musica Sacra“. Er leitete den

Kammerchor Leonhard Lechner und die

Südtiroler Operettenspiele und ist u.a.

Ehrenchorleiter des Kirchenchores von

St. Michael/Eppan.

Paul Bertagnolli

Eintauchen in die Welt der Musicals

„Musical Fever Plus“ in Brixen

Mit einer fulminanten Musical-Show mit Solos,

Chorgesang und Tanz endete am 23.

August die Schulung „Musical Fever Plus“

im Vinzentinum Brixen.

Eine Woche lang hatten sich die 22 jungenSängerinnen

und Sänger im Alter zwischen

16 und 26 Jahren mit Musicals auseinandergesetzt.

Unter der Gesamtleitung

von Stephen Lloyd arbeitete man an der eigenen

Stimme und an verschiedenen Solound

Chorstücken aus bekannten und weniger

bekannten Musicals. Prof. Enrico De

Pieri, einer der führenden Musical-Stars im

deutschsprachigen Raum, und Prof. Sarah

Yorke waren die Dozenten für den Gesangsmeisterkurs.

Für den Chor war Stephen

Lloyd und für die choreographische

Einstudierung Mia Meneghini zuständig.

Außerdem gab es einen Schauspiel-Workshop

mit dem deutschen Musical-Darsteller

und Schauspieler Martin Planz. Das

Publikum bei der Abschlussshow, darunter

auch der Obmann des Südtiroler Chorverbands

Erich Deltedesco und Geschäftsführer

Klaus Gufler, war beeindruckt von

der Energie, der sängerischen und cho-

reographischen Leistung der jungen Sängerinnen

und Sänger.

Paul Bertagnolli

Eintauchen in die Welt des Musicals konnten 22 Jugendliche beim Workshop des Südtiroler

Chorverbandes. Foto: Südtiroler Chorverband

KulturFenster 10

05/Oktober 2025


Chorwesen

Süd trifft Süd

Oder: Wie der Landesjugendchor Südtirol Südafrika erkundet

Eine Gruppe bestehend aus 45 Jugendlichen

und jungen Erwachsenen, in das über 8.000

Kilometer entfernte Südafrika zu bringen,

bedeutete für unseren Chor monatelange

Vorbereitungen musikalischer, finanzieller

und organisatorischer Natur.

Nachdem Proben und Konzerte in Südtirol

erfolgreich über die Bühne gebracht, großzügige

finanzielle Unterstützung gesichert

und Koffer gepackt war, stand dem Abflug

nichts mehr im Weg. Mit dieser Reise erlebten

drei Mitglieder unseres Chores ihren

ersten Flug und 17 ihre erste Reise

außerhalb Europas, aber in Südafrika war

bis auf zwei von uns bisher noch niemand

gewesen. Entsprechend groß war die Vorfreude,

aber auch die Aufregung.

Reise in die Heimat

des Künstlerischen Leiters

Unser Chorleiter Johann van der Sandt

kommt aus Pretoria in Südafrika und hat

dort bis vor zehn Jahren mit seiner Familie

gelebt. Eine Konzertreise in sein Heimatland

ist seit vielen Jahren sein Traum, weshalb

er uns oft von der Chorkultur, der Landschaft

und dem Essen dort vorgeschwärmt

hat. Die Reise war in zwei Etappen aufgeteilt.

Die ersten fünf Tage verbrachten wir

in Pretoria und Umgebung, danach waren

wir für weitere fünf Tage ganz im Südwesten

des Landes, in Kapstadt und Stellenbosch.

Als musikalischer Höhepunkt der

Reise durften wir in Pretoria im Konzertsaal

der Universität gemeinsam mit dem

dortigen Universitätschor, dem TUKS Camerata,

auftreten. Was für ein Erlebnis!

Nachdem diese den ersten und wir den

zweiten Konzertteil gesungen hatten, standen

wir für drei Stücke gemeinsam auf der

Bühne. Die Freude am Singen, die Energie

und die mitreißenden Bewegungen werden

uns noch lange in Erinnerung bleiben.

Konzerte in Pretoria,

Kapstadt und Stellenbosch

Die Reisegruppe am Kap der guten Hoffnung

In Kapstadt durften wir drei weitere Konzerte

gemeinsam mit weiteren Chören geben

(z.B. Schulchören). Besonders eindrücklich

war es für uns, in der Universität

Stellenbosch aufzutreten, die für Chormusik

bekannt und außerordentlich bedeutend

ist. Die großartige Atmosphäre und

angenehme Akustik haben uns bei allen

Konzerten total fasziniert. Mit dem Kap der

guten Hoffnung und dem Tafelberg standen

zudem zwei landschaftliche Highlights

Fotos:Landesjugendchor

auf dem Programm. Innerhalb des Chores

wurde bei vielen Gelegenheiten über das

Zusammenleben verschiedener kultureller

Gemeinschaften und die erschütternde Vergangenheit

aus kolonialer Unterdrückung

und Apartheid in Südafrika diskutiert. Auch

in diesem Zusammenhang war es für uns

lehrreich, beim Austausch mit den ande-

Die Reise nach Südafrika war für alle Beteiligten ein einzigartiges Erlebnis.

KulturFenster 11

05/Oktober 2025


SCV-Intern

machten den Opernabend zu einem unvergesslichen

Erlebnis. Am nächsten Tag

ging es weiter nach Lucca, der Geburtsstadt

von Puccini. Dort konnten die Sängerinnen

und Sänger das Geburtshaus von

Puccini sehen, das Konservatorium, wo

er seinen ersten Musikunterricht erhielt,

und einige interessante Details aus seinem

Leben erfahren. Nach einem schnellen

Mittag essen ging‘s dann wieder Richtung

Heimat. Alle Beteiligten waren begeistert

von der kurzen Reise in die Welt von Giaren

Chören oder bei einem Schulbesuch

an einer Oberschule mit Jugendlichen aus

ganz unterschiedlichen Hintergründen ins

Gespräch zu kommen und ihre Lebensrealitäten

kennenzulernen.

Ein weiterer Aspekt, der sehr zum Nachdenken

anregt, sind die dramatischen Unterschiede

zwischen Arm und Reich. Auf

der Busfahrt vom Flughafen Kapstadt in

die Innenstadt fährt man an Wohnsiedlungen

vorbei mit Häusern, die ebenso an

den teuersten Flecken in Südtirol stehen

könnten. Kurze Zeit später passiert man

minutenlang Siedlungen, in denen Menschen

in provisorischen Behausungen aus

Wellblech unter sehr schwierigen Bedingungen

leben. Gepfl egte Gärten mit Pool

auf der einen Seite, verschmutzte Flüsse

auf der anderen.

Doch in all diesen Kontrasten fanden wir

einen gemeinsamen Nenner: die Offenheit

und Lebensfreude der Menschen und

die Musik, die uns geholfen hat Brücken

zu bauen und mit Einheimischen, in Kontakt

zu treten. Wir kehrten zurück mit unzähligen

unvergesslichen Erinnerungen,

in denen wir noch oft und gerne schwelgen

werden.

Valentina Pichler

David Bernardi

Singen an der Universität

Auf den Spuren

von Giacomo Puccini…

Kulturfahrt des Bezirks Bozen

Auf die Spuren von Giacomo Puccini begaben

sich im Juli 50 Sängerinnen und Sänger des

Bezirks Bozen. Ziel war das 74. Puccini-

Festival in Torre del Lago in der Toskana.

Der kleine Ort liegt direkt neben Viareggio,

zwischen dem Meer und dem See Massaciuccoli.

So hatten die Teilnehmenden

auch die Möglichkeit noch ein paar Stunden

am Strand zu verbringen und die

Sonne und den Sand zu genießen. Am

späten Nachmittag ging es dann zum Festival-Gelände,

direkt am See von Massaciuccoli,

wo Puccini die meiste Zeit seines

Lebens verbrachte und die bekanntesten

seiner Werke komponierte, wie z. B. „Madama

Butterfly“, „La Bohème“, „Turandot“

usw.. Im Festival-Gelände steht auch seine

Villa, die nun ein Museum und für Interessierte

zugänglich ist.

Bei der Besichtigung erhielten die begeisterten

Sängerinnen und Sänger interessante

Einblicke in das Leben und Wirken von

Giacomo Puccini. Anschließend blieb noch

genügend Zeit für ein gemütliches Glas

Sekt und zum Genießen der Festival-Atmosphäre,

bevor um 21.15 Uhr die Oper

„La Bohème“ begann. Ein wunderbares

Bühnenbild, hervorragende Sängerinnen

und Sänger und angenehme Temperaturen

In die Welt Giacomo Puccinis tauchten

die Teilnehmer*innen der Kulturfahrt

in die Toskana ein.

Foto: SCV-Bezirk Bozen

como Puccini und wollten gleich wissen,

wohin es wohl nächstes Jahr gehen wird!

Wir vom Team Bezirk Bozen möchten uns

herzlich bei allen bedanken, die dabei waren,

und hoffen, alle bald wieder zu sehen!

Bezirk Bozen

KulturFenster 12

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persönlich

Chorleiten als Beruf und Berufung

Chorleiterin Martha Basten und

Chorleiter Aaron Demez aus St. Christina/Gröden

Chorgesang und Musik gehören zu ihrem

Leben dazu: Martha Basten und

Aaron Demez aus St. Christina haben

sich nicht nur durch die Musik kennen

und lieben gelernt, sondern ihr

Leben ist auch heute noch vom Chorgesang

bestimmt.

Martha Basten ist vielen als Stimmbildnerin

und Chorleiterin des Südtiroler

Vokalensembles bekannt. Sie

studierte Schulmusik in Mannheim

und Chorleitung in Kopenhagen, wo

sie mehrere Jahre als Chorleiterin tätig

war. Aaron Demez ist Chorleiter

des Kirchenchors St. Christina, der

Flat Caps in Bozen, und gemeinsam

mit seiner Frau leitet er den Frauenchor

Femmetastic. Im Moment treten

die beiden allerdings kürzer, weil sie

bald ihr zweites Kind erwarten. Gemeinsam

mit ihrer bald zweijährigen Tochter erzählen

die beiden von ihrem Leben mit der Musik.

Aaron Demez und Martha Basten

sind Chorleiter und Chorleiterin aus

Leidenschaft.

Foto: Peter Unterthurner

KulturFenster: Sie haben sich auf einem

Chorleiterseminar kennengelernt, und auch

heute noch ist der Chorgesang wichtig in

Ihrem Leben.

Martha Basten: Ich habe erst spät zum

Chorgesang gefunden. Ursprünglich habe

ich Schulmusik mit dem Fach Querflöte studiert,

hatte vorher auch noch nie in einem

Chor gesungen. An der Musikhochschule

bin ich dann zum Chorsingen gekommen

und war gleich sehr begeistert. Ich habe

dann sogar Chorleitung studiert, und heute

bin ich Singlehrerin an der Musikschule, arbeite

als Stimmbildnerin für den Südtiroler

Chorverband und als Chorleiterin. Ich habe

jetzt während meiner Schwangerschaft auch

Eltern-Kind-Kurse angeboten. Da können

Väter und Mütter mit ihren Kindern kommen,

und gemeinsam tanzen, singen und

musizieren wir.

Aaron Demez: Ich bin bereits als Kind zum

Singen gekommen. Angefangen habe ich im

Kinderchor, aber eine richtige Leidenschaft

wurde es in meiner Schulzeit im Vinzentinum,

wo ich beim Knabenchor mitgesungen

habe und recht bald auch in einigen anderen

Chören. Ich habe dann später Schulmusik

studiert, wobei mich das Chorsingen

immer begleitet hat. Besonders geprägt haben

mich u.a. das Mitwirken im Kammerchor

Innsbruck, dem Vokalensemble Alla

Breve und dem European Chamber Choir.

Aktuell beschäftige ich mich mehr mit dem

Chorleiten und singe daher nur mehr beim

Männerensemble StimMen.

KF: Und das Singen wird auch in Ihrem

Privatleben eine Rolle spielen…

Demez: Es kommt selten vor, dass wir zuhause

Duette singen, aber natürlich singen

wir momentan vor allem mit unserer Tochter

und tauschen uns über Themen der

Chorleitung aus. Den Chor Femmetastic

leiten wir zurzeit gemeinsam. Weil wir unsere

Tochter zur Probe mitnehmen, wechseln

wir uns bei der Chorleitung ab und bereiten

die Proben gemeinsam vor.

KF: Was fasziniert Sie an der Chorleitung?

Demez: Die Freude an der Musik selbst,

aber auch an der Gemeinschaft sind das

Schöne dabei sowie auch die unterschiedlichen

Herausforderungen bei

den verschiedenen Werken und die Begeisterung,

die man von den Sängern

und Sängerinnen zurückbekommt.

Basten: Das Spannende ist, dass man

so viele verschiedene Aufgaben hat,

musikalisch, organisatorisch, sozial.

Man ist nicht nur Dirigentin, sondern

gleichzeitig auch Stimmbildnerin, Pädagogin,

Motivatorin, Psychologin, Organisatorin.

KF: Welche Zielsetzungen haben Sie

als Chorleiter?

Demez: Wir haben Sängerinnen und

Sänger, die mehr Erfahrung haben,

und andere mit weniger Übung. Wichtig

ist, dass jeder Freude beim Singen

hat. Aus gegenseitigem Respekt und

Freude kann dann viel entstehen, auch was

die Qualität des gemeinsamen Gesangs betrifft.

Denn ein gewisses Niveau ist freilich

auch wichtig. Und vor allem, dass alle bereit

sind, an sich zu arbeiten und sich weiterzuentwickeln.

Natürlich ist nicht immer

alles leicht, denn ein Chor ist auch ein soziales

Gefüge mit verschiedenen Charakteren.

KF: Warum sollte man in einem Chor singen?

Demez: Singen macht glücklich, umso mehr

gemeinsam mit anderen! Es ist sogar so,

dass man beim Singen keine Angst empfinden

kann, da die entsprechenden Gehirnareale

mit dem Singen blockiert werden.

Basten: Singen hat ganz viel mit Persönlichkeit

zu tun, mit der eigenen Stimme.

Über das Singen kommt man in eine Beziehung

zu sich selbst. Es ist dabei egal,

auf welchem Niveau man singt oder wie

alt man ist. Es ist etwas sehr Wertvolles für

die eigene Entwicklung, sich mit der eigenen

Stimme auseinanderzusetzen.

KF: Und Sie werden auch mit dem zweiten

Kind weiterhin in der Chorleitung tätig sein?

Basten: Ja, man muss nur gut organisiert

sein. Ohne Chorleitung würde uns etwas fehlen.

Es ist unser Beruf und unsere Berufung!

Interview: Paul Bertagnolli

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SCV-Intern

Jung+

Stimmgewaltig

Singen im Chor ist ein Erlebnis – die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Erlebnischorwoche

des Südtiroler Chorverbandes mit Obmann-Stellvertreterin Margareth Greif (links).

Wie eine große Familie

Chorwoche für alle Generationen in Lichtenstern

„Man sieht, dass ihr durch das Singen und

die Gemeinschaft zu einer Familie zusammengewachsen

seid!“ Mit diesen Worten

brachte die Obmann-Stellvertreterin des

Südtiroler Chorverbandes Margareth Greif

die Stimmung bei der Abschlussveranstaltung

der Chorwoche auf den Punkt.

Die Chorwoche fand unter dem Motto „ErlebnisChor

– musikalische Erlebnistage für

Groß und Klein“ im Haus der Familie in

Lichtenstern statt. Von 20. bis 26. Juli haben

sich 31 Erwachsene und Kinder unter

André Comploi leitete den Chor mit Sängern und Sängerinnen aller drei Generationen.

Fotos: Paul Bertagnolli

der Leitung der Referenten André Comploi,

Barbara Rottensteiner Comploi und Laura

Stuffer mit Liedern aus den unterschiedlichsten

Epochen und Stilrichtungen beschäftigt,

gemeinsam gesungen, aber auch

gespielt, getanzt und Spaß gehabt und sind

gewandert. Alle drei Generationen waren in

diesem „Erlebnischor“ vertreten, wobei es

nicht wichtig war, ob man allein oder mit

der Familie kam oder ob man schon Chorsänger

war. „Alle sind eingeladen, die gerne

singen“, betonte Kursleiter André Comploi.

Dass die Sängerinnen und Sänger trotz aller

Unterschiede zu einer Gemeinschaft –

sängerisch wie menschlich – zusammengewachsen

waren, zeigten sie bei ihrem

Abschlusskonzert. So erklangen Volkslieder

wie das Kärntner Lied „Gearn hobn tuat

guat“ neben Popsongs wie „Aicha“, alte

und moderne Lieder, anspruchsvolle und

einfache Melodien, geistliche und weltliche

Werke. Manchmal sangen nur die Kinder,

manchmal nur die Erwachsenen und immer

wieder auch alle gemeinsam. Wie ein

roter Faden zog sich das Motto der Gemeinschaft,

des Miteinanders durch die Lieder

aber auch durch die Moderation und die

Choreografie. In den Bewegungen spiegelten

sich die Sängerinnen und Sänger gegenseitig

oder drückten das Gesungene

mit einfachen Bewegungen aus. „Ein Chor

ist ungefähr wie ein Fischschwarm, denn

alle tun das Gleiche“, erklärten die Kinder

in der Moderation. Obmann-Stellvertreterin

Margareth Greif und der Direktor des

Hauses der Familie, Gernot Psenner waren,

von den Darbietungen begeistert und

versprachen eine Fortsetzung im nächsten

Jahr. Margareth Greif erinnerte daran,

dass viele im benachbarten Ausland

Südtirol um sein großes und erschwingliches

Schulungsangebot im Chorsingen

beneiden. Dies sei nur möglich, weil der

Südtiroler Chorverband von der Südtiroler

Landesregierung und auch anderen

Sponsoren wie der Stiftung Sparkasse unterstützt

werde, betonte Greif.

Paul Bertagnolli

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Chorwesen

Auch Buben singen gerne

BoysVoice – Knabensingtage im Vinzentinum

„Jungs machen Musik“ hieß es vom 20. bis

zum 24. August für 30 Buben im Alter zwischen

8 und 18 Jahren im Vinzentinum.

Unter der Leitung der erfahrenen Gesangspädagogen

Andrea Tasser und Albert Frey

entdeckten die Buben ihre Singkraft und

die Freude am Singen. Im Mittelpunkt

der Knabensingtage, die das Vinzentinum

in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler

Chorverband organisiert, standen

auch Spiel und Spaß bei einem abwechslungsreichen

Freizeitprogramm, für das die

zwei Freizeitbetreuer Marcus Costalunga

und Daniel Hinteregger sorgten. Als Abschluss

gestalteten die Buben am Sonntag

den Gottesdienst in der Pfarrkirche St.

Michael/Brixen musikalisch

Beim Sommersingcamp „Boys Voice“ wurden die Buben spielerisch an den Gesang herangeführt.

Bild: Südtiroler Chorverband

Gesang, Tanz und Gemeinschaft

KAS-Woche des Südtiroler Chorverbandes

Kreative und aktive Ferientage verbrachten

28 Kinder im Grundschulalter in der Fachschule

für Land- u. Hauswirtschaft Salern

vom 28. Juli bis 1. August.

Unter der Leitung von Renate Unterthiner

förderte ein engagiertes Team die Krea-

tivität der Kinder in vielen Bereichen. So

konnten sie sich mit Sabrina Fraternali im

Bereich von Tanz und Bewegung weiterentwickeln,

mit Franziska Seiwald singen oder

am Workshop für Kreatives Schreiben mit

Kathrin Gschleier teilnehmen. Die drei Betreuerinnen

Kathrin Hasler, Evi Hasler und

Lia Obexer kümmerten sich ebenfalls um

die Belange der Kinder, und so war diese

Kreativ-Aktiv-Woche auch heuer eine Zeit

voller sinnvoller Ferienbeschäftigung, voller

Spaß und Gemeinschaftserlebnisse, wie man

auch bei der Abschlussveranstaltung spürte.

Paul Bertagnolli

Im Vordergrund der KAS-Woche 2025 standen das Singen, das Tanzen und der Spaß.

Foto: Südtiroler Chorverband

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KulturFenster 05 Oktober 2025


Singen macht Spaß!

Ein musikalischer Familiennachmittag in Terlan

Am 6. September trafen sich am Nachmittag

sieben Erwachsene und zehn Kinder

zum gemeinsamen Singen und Musizieren

in der Musikschule Terlan.

Gemeinsam mit Chorleiterin und Musikpädagogin

Renate Unterthiner sangen

sie verschiedene Lieder aus dem Liederbuch

des Südtiroler Chorverbands „Singen

macht Spaß“, in dem man Lieder für

die ganze Familie in verschiedenen Sprachen

und für die verschiedensten Anlässe

fi ndet. Neben dem gemeinsamen Singen

standen auch das Musizieren mit verschiedenen

Orff-Instrumenten, musikalische

Spiele und Bewegung zur Musik auf dem

Programm dieses musikalischen Nachmittags,

der die Bedeutung des gemeinsamen

Singens im Alltag bewusst machte.

Paul Bertagnolli

Kinder und Erwachsene sangen gemeinsam Lieder aus dem neuen Liederbuch „Singen

macht Spaß“.

Fotos: Südtiroler Chorverband

..

Grundschuler singen mit

den Musikfreunden

Herbstkonzert des Orchesters der Musikfreunde Meran

Unter dem Motto „Musik für Groß & Klein“

bringen rund 250 Musiker*innen und

Sänger*innen, Kinder und Erwachsene, am

Sonntag, den 30. November 2025, den Kursaal

von Meran zum Klingen.

Das Konzert des Orchesters der Musikfreunde

Meran wird heuer in Zusammenarbeit

mit dem Südtiroler Chorverband und

den Musikschulen Meran/Passeier und

Lana/Ulten veranstaltet. Nach einer Ouvertüre

des Orchesters der Musikfreunde werden

Kinder der Musikschulen unter anderem

Lieder aus dem Liederbuch „Singen

macht Spaß", das vom Südtiroler Chorverband

in Kooperation mit der Landesmusikschuldirektion

herausgegeben wurde,

darbieten. Die entsprechenden Orchester-

Arrangements wurden von Ivan Marini angefertigt.

Das Konzert beginnt um 14.30 Uhr

bzw. in einer zweiten Ausgabe um 17 Uhr.

Paul Bertagnolli

Orchester der Musikfreunde Meran

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KulturFenster 05 Oktober 2025


kurz notiert

Zur Ehre Mariens

Kirchenchor Burgstall besucht Wallfahrtskirche

Den bekannten Wallfahrtsort Unsere Liebe

Frau im Walde am Deutschnonsberg besuchte

im Sommer der Kirchenchor Burgstall.

In der Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt

– sie ist eine der ältesten Wallfahrtskirchen

in Tiro l– gestalteten die Sängerinnen und

Sänger unter der Leitung von Renate Egger

den Sonntagsgottesdienst, dem Pfarrer

Josef Schwienbacher vorstand.

Mit der „Alpenländischen Mess`“ von Lorenz

Mairhofer und einem Marienlied erfreute

der Chor die zahlreichen Gläubigen.

Anschließend gab es auf dem geschichtsträchtigen

„Zollhaus am Gampen“ ein gemütliches

Zusammensein, zu dem Maria

Theresia Rufi natscha und die Gaulsänger

geladen hatten– ein zünftiges Stelldichein

bei Sang und Klang, garniert mit allerlei

Köstlichkeiten.

Maria Sulzer

Der Kirchenchor Burgstall und die Gaulsänger trafen sich zum gemütlichen Beisammensein

im Zollhaus am Gampen. Foto: Kirchenchor Burgstall

Singen in der Werkstatt und im Weinberg

KlangArt-Konzerte waren großer Erfolg

Zwei besondere Orte wählte das Ensemble

KlangArt für seine Konzerte am 6. und am 12.

September, nämlich in der Werkstatt von Südtirol.Stein

und beim Hochbrunnerhof in Terlan.

Beim Konzert der Werkstatt von Südtirol.

Stein traten neben KlangArt auch die Ensembles

Amos und die Saxladies als besondere

Gäste auf. Für das Amos-Quartett

war es der letzte Auftritt, da die Teilnehmerinnen

künftig in verschiedene Himmelsrichtungen

zum Studium verstreut

sein werden. KlangArt überzeugte mit abwechslungsreichen

Arrangements: a cappella,

mit Band und mit Verstärkung der

Männerstimmen. Sechs Frauen und fünf

Männer sorgten zusammen mit Percussion,

Gitarren und Piano für einen vollen,

lebendigen Klang. Die Stücke reichten von

Popsongs wie „Some Nights“ und „Nothing

else Matters“ bis zu Balladen und Klassikern

wie „Hit the Road, Jack“. Im zweiten

Teil erklangen „Can’t go Back“, „21 Guns“

und „For the Longest Time“. Auch das

Kärntnerlied „Für di“, ein etwas anderes

Musikgenre, fand Platz und fügte sich ins

Thema Liebe ein. Mit „Stand by Me“ und

„Trickle Trickle“ setzte man die abwechslungsreiche

musikalische Reise fort. Zum

Abschluss gab das Ensemble „Fix you“ von

Beide Konzerte

von KlangArt

waren ausverkauft.

Foto: KlangArt

Coldplay in einem neun-stimmigen Arrangement

zum Besten und rührten so manchen

Gast zu Tränen. Mit Standing Ovation

endete das Konzert beim Hochbrunnerhof.

Sibylle Zöggeler

KulturFenster 17

05/Oktober 2025


kurz notiert

Von Antigone bis John Miles

Männerchor Welschnofen & MGV Boy Grupp in Concert 2025

Bei seiner diesjährigen Konzertreihe begeisterte

der Männerchor Welschnofen mit

musikalischer Bandbreite: Unter der musikalischen

Gesamtleitung von Ivan Dejori

vereinte der Chor klassische Chorliteratur

mit modernen Klängen und bewies

eindrucksvoll, dass Tradition und Zeitgeist

auf derselben Bühne wunderbar harmonieren

können.

Mit dem dramatischen Einstieg aus der

„Antigone“ schlug der Chor zunächst

ernstere Töne an. Doch schnell entwickelte

sich das Programm zu einer musikalischen

Zeitreise, die vom klassischen

Chorgesang über kroatische Volkslieder,

Countrysongs bis hin zur gefühlvollen

Popballade reichte, wobei zahlreiche Solisten

aus den Reihen des Chores mit ihrem

Gesang glänzten.

MGV Boy Grupp begeistert

Höhepunkt der Konzertabende war wieder

die MGV Boy Grupp. Dieses Jahr

konnten dabei neun Jungs aus der Gemeinde

Welschnofen für dieses Projekt

gewonnen werden. Martin Tschager, Lukas

Tschager, Simon Dejori, Alex Dejori,

Johann Tschimben, Florian Pardeller,

Elia Kaufmann, Lukas Kaufmann und

Leon Hohenegger begeisterten nicht nur

durch ihren Gesang, sondern auch durch

die einstudierte Choreografi e, das anwesende

Publikum.

Großen Anteil an diesem Erfolg haben

Edeltraut Grumer und Heidi Kompatscher

– sie choachten die Buben durch

die intensive Probenphase und natürlich

auch während der Auftritte. Begleitet

wurde der Chor sowie auch die Boy Grupp

von einer professionellen, neunköpfi gen

Band. Die dynamische Verbindung zwischen

Chor und Instrumentalisten verlieh

dem Konzert eine

ganz eigene Atmosphäre

– mal gefühlvoll,

mal kraftvoll,

aber stets auf

den Punkt. Geleitet

wurde die Band

wiederum vom Musiker

Andreas Settili.

Für die unterhaltsame

Klammer

zwischen den musikalischen

Darbietungen sorgten drei

charmante Moderatoren: Luis Meraner,

Obmann Erich Lunger und Gerd Dejori

führten mit Witz und Esprit durch den

Die dynamische Verbindung

zwischen Chor und Instrumentalisten

verlieh dem Konzert

eine ganz eigene Atmosphäre.

MGV Welschnofen

In vier Konzerten begeisterten der

Männerchor Welschnofen und die

MGV Boy Grupp mit einem vielfältigen

Programm.

Foto: Männerchor Welschnofen

Abend. Mit kleinen Anekdoten und unterhaltsamen

Geschichten sorgten sie immer

wieder für herzhaftes Lachen im Saal.

Das Publikum dankte mit langanhaltendem

Applaus.

Besonders Chorleiter

Ivan Dejori wurde

für seine mitreißende

Leitung und sein musikalisches

Gespür

gefeiert. Mit einem

vollgefüllten Saal und

vielen begeisterten

Rückmeldungen

kann der Männerchor

Welschnofen auf eine

erfolgreiche Konzertreihe zurückblicken.

Für 2026 gibt es bereits Konzerttermine,

nämlich am 9., 10., 16. und 17. Mai.

MGV Welschnofen

KulturFenster 18

05/Oktober 2025


Chorwesen

Der Spaß am Singen war zu hören

Vokalensemble Melioda gab Konzerte

„These are Gonna be the Best Days of My

Life“ – und genau so fühlte es sich an. Mit

diesem Song von den American Authors und

vielen weiteren mitreißenden Stücken begeisterte

das Vokalensemble Melìoda aus

Bozen bei zwei Konzerten im Mai 2025

das Publikum.

Unter dem Titel „Girls Just Wanna Have

Fun“ präsentierten die zwölf Sängerinnen

ein buntes A-cappella-Programm mit modernen

Popsongs und bekannten Klassikern

– darunter „The Climb“ (Miley Cyrus),

„Time After Time“ (Cyndi Lauper),

„Barbara Ann und The Rose“. Bei den

Konzerten im Sozialwissenschaftlichen

Gymnasium in Bozen bzw. auf Schloss

Rafenstein sorgten drei- bis vierstimmig

arrangierte Songs und auch eine Soloeinlage

für besondere Momente.

Die wöchentlichen Proben und intensiven

Probenwochenenden im Frühjahr

– stets mit viel Engagement und musikalischem

Feingefühl geleitet von Chorleiterin

Theresia Riegler – haben sich spürbar

ausgezahlt.

Der Spaß am gemeinsamen Singen war

auf der Bühne deutlich zu spüren und

sprang direkt auf das Publikum über. Ein

herzliches Dankeschön geht an den Südtiroler

Chorverband für die Unterstützung

Foto: Das Vokalensemble Melìoda vereint Sängerinnen aus Gries, Jenesien und vom

Ritten.

Foto: Gabriel Boragine

bei der Stimmbildung, an die beiden Veranstaltungsorte

sowie an die Kellerei Bozen

für ihre wertvolle Hilfe.

Das Vokalensemble„Melioda besteht

seit 2017 und vereint Sängerinnen aus

Gries, Jenesien und vom Ritten. Im Ad-

vent ist der Chor auf verschiedenen Adventsmärkten

zu hören – aktuelle Infos

und Eindrücke gibt’s auf Instagram und

Facebook.

Silvia Obwexer

Obfrau Vokalensemble Melìoda

BLASMUSIK

CHORWESEN

HEIMATPFLEGE

in Südtirol

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direkt nach Hause geschickt. Weitere Informationen finden

Sie im Impressum auf Seite 3 dieser Ausgabe.

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KulturFenster

05/Oktober 2025


Wer kennt die Hohe Reisch? Kaum jemand.

Dieser bekannte Gipfel ist selbst

unter Touristen als „Stoanerne Mandlen“

bekannt, wenngleich viele den Namen

nicht wirklich aussprechen können.

Foto: E. Runer

KulturFenster 20

05/Oktober 2025


gehört & gelesen

Mundart lebendig erhalten

Dialekttagung auf Schloss Goldrain –

Auch soziale Medien sorgen für Aufschwung

Vom 17. bis 19. Oktober 2025 wird Schloss

Goldrain im Vinschgau zur Bühne der Sprachvielfalt:

Das Internationale Dialektinstitut (IDI)

lädt zu seinem Jahrestreffen, das heuer ganz

im Zeichen der Dialektliteratur steht. Mitorganisiert

wird das Jahrestreffen von der Arbeitsgemeinschaft

MundArt im Heimatpflegeverband

Südtirol.

Es war der bekannte Ötztaler Mundartdichter

und Volkskundler Hans Haid, der 1974

eine erste internationale Arbeitstagung für

Mundartliteratur organisierte. Zwei Jahre

später wurde das Internationale Dialektinstitut

(IDI) als internationale und interdisziplinäre

Forschungs- und Dokumentationsstelle

für Dialekt, Dialektliteratur und Minderheitensprachen

gegründet. In den vergangenen

fünf Jahrzehnten ist daraus ein grenzüberschreitendes

Netzwerk von rund 130

Autor*innen, Sprachschaffenden und Organisationen

geworden. Alle eint ein Ziel:

Dialekte sichtbar, hörbar und spürbar zu

machen – als Ausdruck von Kultur, Identität

und Kreativität.

Vernetzung und

Präsentation

Dass das Jahrestreffen 2025 in Südtirol stattfindet,

ist kein Zufall. Die Arbeitsgemeinschaft

MundArt im Heimatpfl egeverband Südtirol

setzt sich seit Langem für den Erhalt und

die kreative Weiterentwicklung der Mundarten

ein. Die Idee, das Treffen nach Südtirol

zu holen, kam von der Mundartdichterin

Margit von Elzenbaum aus Auer, die selbst

IDI-Mitglied ist. Bereits zweimal war Südtirol

Gastgeber von Dialekttagungen: 1990 in

Glurns und 2012 in Meran.

„Eine solche Tagung dient der Vernetzung

von Mundartdichter*innen im gesamten

deutschen Sprachraum. Außerdem haben

Autor*innen dadurch die Möglichkeit, eigene

Texte einer interessierten Öffentlichkeit

zu präsentieren“, sagt Johannes Ortner, der

Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Mund-

Art. Südtirol biete mit seiner Mehrsprachigkeit

und der lebendigen Diglossie ein besonders

spannendes Umfeld für eine solche Tagung.

Die „Glutsch“ und das „Pisele“ – Nicht-Südtiroler*innen dürften mit diesen beiden Begriffen

wenig anfangen können.

Foto: Pixabay

Vergleich mit

Schweiz und Österreich

Diglossie – dieser Begriff wird verständlich,

wenn man sich die Situation in Südtirol anschaut.

Vielleicht fällt es den wenigsten auf,

aber der Dialekt ist hier offenbar nicht in

dem Maß gesellschaftlich integriert wie etwa

in der Schweiz. „In Südtirol ist der Dialekt

generell zwar Alltagssprache, bei förmlichen

Anlässen oder bei Fernseh- und Radiomoderationen

wird aber praktisch immer Standarddeutsch

gesprochen“, erklärt Johannes

Ortner. Im Gegensatz dazu ist das Schwyzerdütsch

in der Schweiz auch bei höchst

förmlichen Anlässen und in den Rund-

Drei Tage Dialekt pur auf Schloss Goldrain

Freitag, 17.10. – 17.30 Uhr Vortrag von Johannes

Ortner: „Pfrouslschtaud und Tschuferniggele –

Mundartliche Pfl anzennamen im Vinschgau“.

Ab 20 Uhr Kurzauftritte von rund 30 Autor*innen.

Samstag, 18.10. – Werkstattgespräche, Ausflug

ins Kloster Marienberg, abends Dialektlyrik

von den Südtiroler*innen Wolfgang Sebastian

Baur, Nadia Rungger und Lene Morgenstern –

musikalisch begleitet von den „Korrnrliadrn“.

Sonntag, 19.10. – Podiumsdiskussion „Sprachenvielfalt

in Südtirol“ mit Angelika Pedron,

Günther Pallaver, Rut Bernardi und Franz

Lanthaler.

Das Leberblümchen hat in Südtirol

mehrere Namen, u. a. ist es als Tschuferniggele

geläufi g. Foto: E. Runer

KulturFenster 21

05/Oktober 2025


gehört & gelesen

Murmeln,

Specker oder

Gruzzla?

Mit den sogenannten sozialen Medien erlebt das Schreiben im Dialekt einen unerwarteten

Aufschwung.

Screenshot: E. Runer

funkmedien üblich. In Österreich sprechen

Moderator*innen in Radio und Fernsehen

zwar Standarddeutsch, doch die meisten anderen

– zum Beispiel Interviewpartner*innen

oder Lokalpolitiker*innen – haben kein Problem

damit, ihre regionale, mundartlich gefärbte

Variante des Deutschen zu benutzen,

auch nicht bei offi ziellen Anlässen.

Dialekt in Südtirol

„nur“ Alltagssprache

Wie in der Schweiz und in Österreich gibt

es auch in Südtirol nicht nur einen einzigen

deutschen Dialekt, sondern viele verschiedene,

vom Unterlandler Dialekt mit leicht

italienischen Einflüssen über den Obervinschger

Dialekt mit Schweizer „Unterton“

bis hin zum Teldra-Dialekt im Ahrntal.

Auch das ist ein spannendes Thema,

zumal nicht alle Südtiroler*innen alle Dialekte

gut verstehen.

Dazu kommen die genannte Mehrsprachigkeit

und die damit einhergehenden Dialekte

innerhalb der anderen Sprachen. So sind

das Grödner und das Gadertaler Ladinisch in

den Kernbestandteilen zwar ähnlich, unterscheiden

sich aber hinsichtlich Aussprache,

Grammatik und Vokabular in vielen Details.

Dasselbe gilt für das Ladinische im Fassatal,

in Buchenstein und Ampezzo. Eine einheitliche

ladinische Schriftsprache gibt es

im Unterschied zum Deutschen und Italienischen

nicht. Dieses Thema hat in der Vergangenheit

schon oft zu Diskus sionen und

Auseinandersetzungen geführt.

Was die deutsche Sprache in Südtirol angeht,

wird über den Gebrauch von Dialekten

bei offi ziellen Anlässen kaum diskutiert,

auch nicht über die Frage, ob in Radio

und Fernsehen Dialekt gesprochen werden

soll oder darf. Wenn überhaupt, dann

wird am ehesten im Hörfunk der eine oder

andere Werbespot im Dialekt gesprochen.

In der Schrift hingegen ist das „Südtirolerische“

beinahe tabu. Bis vor einigen Jahren

tauchte der Dialekt bzw. ein Dialekt ausschließlich

in Form von Mundartgedichten

auf. Die wohl bekannteste Mundartdichte-

rin des Landes war Maridl Innerhofer.

Sie ist übrigens eine der Initiator*innen

der Arbeitsgemeinschaft MundArt, in der

die Südtiroler Mundartdichter*innen zusammengeschlossen

sind.

Soziale Medien

als neuer „Motor“?

Kurios: Seit dem Aufkommen der sogenannten

sozialen Medien gewinnt der

schriftliche Dialekt tatsächlich an Bedeutung.

Klare Regeln gibt es zwar nicht,

sondern alle schreiben mehr oder weniger

so, wie ihnen der sprichwörtliche

Schnabel gewachsen ist und wie sie es

für verständlich halten. Aber immerhin …

„Ich fi nde das Schreiben von Dialekt

in den sozialen Medien eine spannende

Angelegenheit. Man lernt – außerhalb

der Rechtschreibregeln – das Schreiben

ganz neu“, sagt Johannes Ortner.“

Und „lernen“ ist hierbei vor allem für

die älteren, analog aufgewachsenen

Nutzer*innen das Stichwort. Sie tun

sich mitunter schwer, schriftlichen Dialekt

zu verstehen, geschweige denn zu

schreiben. Beides will eben gelernt sein.

Auch die Mundartdichter*innen folgen

keinen strengen Regeln – was das

Schreiben aber nicht einfacher macht,

wie Johannes Ortner betont: „Die meisten

Autor*innen verzichten zum Beispiel

auf Sonderzeichen wie å, ë oder ã, weil

diese Zeichen nicht Teil der deutschen

Standardsprache sind und um das Lesen

zu erleichtern. Einige hingegen verwenden

sie, um Lautnuancen sichtbar

zu machen. Wieder andere bevorzugen

ein Schriftbild, das näher an der Hochsprache

bleibt – oder sie entwickeln eine

eigene konsequente Dialektschreibung,

wie es Luis Stefan Stecher in den ,Korrnrliadrn‘

bevorzugt hat. „Mundart lebt von

Vielfalt – und das ist auch gut so“, resümiert

Johannes Ortner. In diesem Sinne

darf man gespannt sein auf drei Tage

Dialekt pur auf Schloss Goldrain.

Edith Runer

Dialektbezeichnungen vom

Ahrntal bis Taufers im Münstertal

Wie unterschiedlich Bezeichnungen in verschiedenen

Dialekten allein in Südtirol sein

können, zeigt das Beispiel der Murmeln, der

kleinen bunten Glaskugeln, mit denen Kinder

vor allem in früheren Zeiten gerne spielten.

Pauline Moser, Mitglied des Bezirksausschusses

Pustertal im Heimatpflegeverband,

hat dazu recherchiert und ist auf folgende

Bezeichnungen gestoßen.

Teächtla (Ahrntal)

Murmelen (Auer)

Murmlan (Obervinschgau)

Spicker (Laatsch, Ulten, Passeiertal)

Spickr, Glousspickr (Obervinschgau)

Specker (Bozen, Brixen, Auer)

Specko (Brixen)

Speckr (Kaltern, Latzfons)

Speckar (Sarntal)

Spocker (Taufers im Münstertal)

Tottschiëssa (Olang, Oberwielenbach)

Gurfl (Sexten)

Sciéssores (Enneberg)

Sciesserla, Speckerle (Gröden)

Sciesciures (Wengen)

Gruzzla (Innichen)

Tottsa (Winnebach)

Toutsa (Gsies)

Pfnutscha (Kiens; evtl. aus anderem Landesteil

„eingebürgert“)

Spektar (Mareit)

Totscha (lt: https://www.ritten.org/oschpele/)

Potscha (Antholz, auch Specka gebräuchlich)

Schiaßer (Truden, Aldein – Allerdings sind

die Aldeiner„Schiaßer“ nicht aus Glas, sondern

aus dreifarbigem Sandstein und wurden

in den „Schiaßermühlen“ selbst hergestellt)

Kugl (sappadino; Info von Erika Boccingher)

Loss, siethers (ladino comeliano; Info von

Erika Boccingher)

Glasmurmeln heißen sie auf Hochdeutsch,

in Südtirol gibt es für dafür ganz schön viele

Ausdrücke.

Foto: Pixabay

KulturFenster 22

05/Oktober 2025


Heimatpflege

Fördern statt verbieten

IDI-Präsident Markus Manfred Jung über die Bedeutung

des Dialekts für eine Gesellschaft

In Bildungseinrichtungen sollte Dialekt gefördert

statt verboten werden. Das sagt Markus

Manfred Jung, seit 2006 Präsident des

Internationalen Dialektinstitutes, das Interessierte

in den kommenden Tagen nach

Schloss Goldrain lädt. Im Gespräch mit dem

„KulturFenster“ geht es auch um die Bedeutung

des Dialekts für eine Gesellschaft.

KulturFenster: Welchen Dialekt sprechen

Sie, und welche persönlichen Erfahrungen

haben Sie selbst mit Ihrem eigenen Dialekt

gemacht?

Markus Manfred Jung: Ich spreche Alemannisch.

Dieser Dialekt wird in der

deutschsprachigen Schweiz, in Liechtenstein,

im österreichischen Vorarlberg, in

Südbaden und Südwürttemberg gesprochen

– wenn man das Schwäbische zum

Alemannischen zählt, teilweise auch im bayerischen

Allgäu und im Elsass. Dort, wo

man den Dialekt kennt, treffe ich meis tens

auf herzliche Aufnahme, wenn ich im Dialekt

spreche. Immer öfter muss ich natürlich

meine Zweitsprache Deutsch einsetzen,

wenn ich verstanden werden will,

und im Elsass Französisch.

KF: Hat sich die Bedeutung des Dialekts

im Alltag und in der Gesellschaft in den

letzten Jahrzehnten verändert?

Jung: Es gab in den 1970er-Jahren einen

Aufschwung der Mundart, nach einer Zeit

der Verachtung, vor allem durch die öffentliche

Verwaltung. Zum Beispiel hoffte man

in Baden-Württemberg, durch das Versetzen

junger Lehrpersonen von einem in den

anderen Landesteil und durch das „Austreiben“

des Dialekts, das „Bindestrichland“

schneller zu einen. Unreflektiert übernahm

man amerikanische Untersuchungen, die

zwischen dem restringierten Code der Unterschicht

und dem elaborierten der Oberschicht

unterschieden. Und man meinte,

dieselben Qualitätsunterschiede zwischen

der hiesigen Bauernsprache, dem Dialekt,

und der städtischen Beamten-Hochsprache

zu fi nden. Das Beispiel Schweiz zeigt,

wie falsch diese Sprachforschenden lagen.

Als die positive Welle, aufgeworfen durch

Markus Manfred Jung ist seit 1992 Mitglied des Internationalen Dialektinstitutes und seit

2006 dessen Präsident. Er hat bereits mehrere Gedicht- und Erzählbände veröffentlicht.

Foto: IDI

die Widerstände gegen die Machtsprache

Amtsdeutsch und gegen vieles andere abfl

aute, hat man den Dialekt einfach links

liegen lassen. Im Moment scheint es wieder

populärer und auch anerkannt zu sein,

Dialekt zu sprechen, allerdings als Zweitsprache,

sozusagen als Additiv zur Standardsprache.

KF: Welche Rolle spielt der Dialekt für

die regionale Identität und das Zugehörigkeitsgefühl?

Jung: Eine unverzichtbare. Menschliche

Kommunikation über Bräuche, Sitten, Herkunft,

Heimat und Zukunft fi ndet in einer

überlieferten Sprache statt, die man von

Kind auf hört und spricht. Diese auszutreiben,

schickt den Menschen in eine Diaspora

daheim. Er fühlt sich dann innerlich

fremd im eigenen Land.

KF: Was würde es bedeuten, wenn einzelne

Dialekte verschwinden? Gibt es

diese Gefahr?

Jung: Eine Verfl achung fi ndet längst statt,

da die Kommunikationsräume der Menschen

größer werden. Typisches von Ortsmundarten

verschwindet, was schade ist.

Auf dem Hotzenwald im südlichen Schwarzwald

geht das ureigene „k“ vor dem „ch“

verloren, das typisch für das Südalemannische

ist. Aus Kchilche wird heute Chilche,

morgen Kilche und danach Kirch für

Kirche. Ebenso verschwindet säge für sage

(sagen). Uwe für hinauf wird zu Großalemannisch

uffe.

KF: Wie kann es gelingen, Dialekte für

jüngere Generationen lebendig zu halten?

Jung: Gescheite, integre Menschen müssen

Gescheites oder Witziges in Mund-

mund art

schad

e sproochfehler halt

un art

do cha mer nüt mache

spööter

wachst sich des us

Markus Manfred Jung,

alemannische Mundart

KulturFenster 23

05/Oktober 2025


gehört & gelesen

art sagen, singen, vortragen: mit Selbstverständlichkeit.

Vorbilder sein. Und wir

müssen die Jungen fördern, zum Beispiel

mit Wettbewerben wie „Junge Mundart“

bei uns in Südbaden oder Poetry Slams,

wo jeder in Mundart vor Publikum Texte

oder Gedichte vorträgt. Publikationsmöglichkeiten

müssten geschaffen bzw. unterstützt

werden. Nur eine Sprache mit Dichtern

überlebt.

KF: Das Internationale Dialektinstitut fördert

die Dialektliteratur. Um welche Art von

Dialektliteratur geht es?

Jung: Als das IDI vor 50 Jahren gegründet

wurde, war es das Sprachrohr der linken,

aufmüpfigen Mundart-Literaturszene

im Widerstand gegen Atomkraft und Umweltverschmutzung.

Die Bewegung erreichte

viel. Parallel zur politischen Szene

verlor auch das IDI an Schärfe. Immer

noch sind aber Anti-Nostalgie, Anti-Verklärung

und politisch Aufmüpfi ges die Themen

der etwas über 100 hier versammelten

Dichter*innen.

KF: Welche Rolle spielen Bildungseinrichtungen

bei der Vermittlung von Dialektbewusstsein?

Jung: Eine immense. Wenn in den Bildungseinrichtungen

statt so manchen Dialektverbotes

eine Dialektförderung stattfi

nden würde, könnte man den Schwund

noch umkehren. Das zeigt das Beispiel

Baskenland. Dort sprachen nur noch vier

Prozent der Kinder Baskisch. Eine starke

Sprachpolitik, von der Region finanziell unterstützt,

schaffte es mit zweisprachigen

Kindergärten und Schulen, dass heute wieder

mehr als 25 Prozent der jungen Menschen

Baskisch sprechen.

KF: Was steht bei der Tagung in Südtirol

im Mittelpunkt?

Jung: Wir werden uns austauschen, an Texten

arbeiten und uns überraschen lassen,

was uns die Südtiroler Gastgeber*innen

zeigen werden. Ich freue mich auf spezielle

Mundartfl ora und hoffe auf gelebtes

dialektales Selbstbewusstsein.

Interview: Edith Runer

Um viere in der Friah …

Mundartdichterin Margit von Elzenbaum schreibt auch Prosa im Dialekt

Die pensionierte Lehrerin und Mundartdichterin Margit von Elzenbaum aus Auer schreibt nicht nur Lyrik, sondern seit einigen

Jahren bevorzugt Prosa im Dialekt, im Unterlandler Dialekt wohlgemerkt. Hier ein Auszug aus einem Text mit dem Arbeitstitel

„Familienaufstellung“.

Um viere in der Friah hot die Rettung die Oma ghoult, wail sie selber ungriaft ghobb hot. Und die Rettung

hot mi ungriaft. Mi. Nit die Mama, ihre Petra.

Des hot mi dearort derwuschn, dass i sie nimmer mit Oma underredt hon. Af oan Schloug bin

i a ausgwochsner Mandermensch gweisn.

„Alma.“, hon i gsogg. „I bin dou. Miar fouhrn zun Dokter.“ Sie hot die Augn aufgmocht

und wieder zua, es isch ihr letz gongen.

Mir isch es a letz gongen: magari hon i sie ungsteckt, bol i Fiaber ghobb hon und sie

bu ins gweisn isch.

„Alma, miar sain in der Rettung. Miar fouhrn mit Blauliacht.“

I hon ochtgeibn, ob sie nou schnauft, hon unghebb zu reidn, in der Hoffnung, dass

sie bun Zualousn vergisst, Schnaufpausn zu mochn.

„Woasch nou Alma, vouriga Woch hosch bu ins Hockey gschaugg.“

I hon nit gsogg, dass sie draimol in Toug bu ins aufgetaucht isch, wail ihr ihr Stub zu

groaß virkemmen isch, sait der Opa gstorbn isch.

„Du hosch die Hockeyreglen nit gekennt, hosch mi long und broat erklärn gmocht.“

I hon a nit gsogg, dass sie aniadsmol, bol der Tourmonn in die Knia gongen isch, in Puck

ouzufongen, derschrockn isch, nocher hot sie mit der Mama ummergwörtlt. Es Spiel isch

vu mir aus glaich longwailig waitergongen.

„I hon Sender gwechslt, Dokumentarisches und Musikalisches und Kriminells und Kulturells, und

die Nouchrichtn sain a nix Gschaids gweisn. Af oamol hosch gsogg: ,Vait, dain Hirn isch a Puck‘.”

Sie hot a bissl glachlt, isch mir virkemmen, a kloans bissl.

„Alma, du hosch mi guat aufgezieglt. Die Mama, dain Petra, a. Ouber mi nou besser.“

I hon wieder guat ochtgeibn, ob sie nou schnauft. Die Pausn sain ollawail länger gwortn.

„I konn daine Fiaß trougn, Alma.”

Untn, ouber die Fearsch hon i sie ghebb, dass ihr’s fain daichn soll. I hon mi zommgnummen zu blaibn, bis mir die Händ ainschloufn.

„Miar wissen beade nou nit genau wia’s waitergeaht“, hon i nocher sougn gmiaßt. „Alma, bol es Auto holtet, muaß i umdrahnen.

Die Mama, dain Petra, weard schun woch sain. I houl sie.“

Margit von Elzenbaum

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KulturFenster 05/Oktober 2025


informiert & reflektiert

Heimat – ein preisgekröntes

Schulprojekt

Grundschule Rodeneck gestaltet Mensaraum gemeinsam mit Künstlerin

Wie aus einer einfachen Idee ein spannendes

fächerübergreifendes und am Ende sogar

preisgekröntes Schulprojekt wird, zeigte

die Grundschule Rodeneck eindrucksvoll im

vergangenen Schuljahr. Entstanden ist das

Projekt in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler

Künstlerbund und dem Heimatpfl egeverband

Südtirol – eine Kooperation, die

Schule gemacht hat.

Alles begann mit der Mensa. Genauer gesagt:

mit der Idee, den leeren Speisesaal

künstlerisch zu gestalten. Schnell stand fest,

dass das Thema „Heimat“ im Zentrum stehen

sollte. Über den Künstlerbund und den

Heimatpfl egeverband kam die Verbindung

zur Künstlerin Karolina Gacke zustande, die

schließlich mit dem Schulprojekt beauftragt

wurde. Karolina, gebürtige Polin und seit

vielen Jahren in Südtirol zu Hause, hatte

bereits ähnliche Projekte, etwa für die Lebenshilfe

Südtirol, betreut – und passte aus

mehreren Gründen perfekt zur Idee.

Alte Teller

erzählen Geschichte(n)

Ihre künstlerische Leidenschaft gilt Kintsugi,

einer alten japanischen Technik,

bei der zerbrochene Keramikstücke mit

Lack wieder zusammengesetzt werden.

Was diese Methode besonders macht:

Die Bruchstellen werden nicht kaschiert

– im Gegenteil. Sie bleiben sichtbar und

erzählen die Geschichte des Objekts weiter.

Gerade weil Karolina gerne mit Tellern

arbeitet – und die Mensa natürlich voller

Teller steckt – war das Ausgangsmaterial

schnell gefunden.

„Vor allem alte Teller aus vergangenen

Zeiten erzählen einiges über die Kultur und

Geschichte der Menschen, die daraus gegessen

haben“, erklärt Karolina. „Viele dieser

Teller werden von Generation zu Generation

weitergegeben.“ Und genau solche

Schätze brachten die Kinder von zu Hause

mit. Karolina zerbrach sie – ganz bewusst

– und bereitete die Scherben für die weitere

Gestaltung vor.

Mit geradezu ungestümer Motivation setzen die Kinder der Grundschule Rodeneck das Projekt

„Heimat“ um und zeigten das Ergebnis bei einer beeindruckenden Feier.

Fotos: GS Rodeneck

Ein offenes Kunstwerk

Parallel dazu erkundeten die Schüler*innen

gemeinsam mit ihren Lehrpersonen ihr Dorf

und damit ihre Heimat. Sie zeichneten typische

Gebäude, übertrugen die Motive

auf Kartons, die später als Schablonen für

Die Künstlerin Karolina Gacke begleitete die

Kinder das gesamte Schuljahr über.

Hausumrisse an den Wänden der Mensa

verwendet wurden. Nun kamen die bunten

Tellerscherben zum Einsatz, mit denen

die Häuser wie mit Mosaikstücken gestaltet

wurden. Karolina band die Kinder sehr

einfühlsam in die künstlerische Arbeit ein.

Das Besondere: Das Kunstwerk bleibt offen.

Mit Kreativität und Freude arbeiteten die Kinder

künstlerisch am Heimatbegriff.

KulturFenster 25

05/Oktober 2025


informiert & reflektiert

Typische Gebäude wurden beim Dorfrundgang

abgezeichnet, die Motive auf Kartons

übertragen und diese als Schablonen

für Hausumrisse an den Wänden der

Mensa verwendet.

Ein offenes Kunstwerk …

Jedes Kind, das die Grundschule nach der

5. Klasse verlässt, soll künftig eine Scherbe

anbringen und so das „Haus“ weiterbauen.

„So erinnern sich später alle daran, dass

sie einmal an diesem Haus mitgearbeitet

haben“, sagt Karolina – und verleiht dem

Projekt damit eine nachhaltige Dimension.

„Karamela

wird Kulturforscherin“

Doch damit nicht genug. Rund um das

Thema „Heimat“ entstand an der Schule

eine ganze Projektwelt. Die Kinder verfassten

Tellergeschichten, führten Forschertagebücher,

formten neues Tongeschirr,

das im Schulbrennofen gebrannt

wurde, bastelten Setzkästen mit persönlichen

Heimat-Versatzstücken und besuchten

die große Ausstellung „Heimat“

in Bozen, die im Vorjahr vom Heimatpfl e-

geverband zusammen mit dem Künstlerbund

organisiert worden war. Im eigens

eingerichteten Vernissagen-Kino wurde die

Doku „Karamela wird Kulturforscherin“ gezeigt

– mit den Kindern als Hauptfiguren.

Auch Interviews mit Dorfbewohner*innen

zum Thema Heimat und weitere kreative

Ansätze fl ossen in das Projekt mit ein.

„Der Heimatpfl egeverband hat sich gerne

an diesem Projekt beteiligt, weil Jugendarbeit

im Verband ein Schwerpunktthema

ist und bleibt und damit ein weiterer Baustein

gesetzt werden konnte“, sagt HPV-

Obfrau Claudia Plaikner. Sie hatte die fünf

Klassen auf Einladung der Schulstellenleiterin

Renate Stampfl während des vergangenen

Schuljahres auch besucht und ein

Geschenk mitgebracht: die vom HPV herausgegebenen

Heimatmappen 1 bis 3.

Beim Erarbeiten verschiedener Themen

aus den Heimatmappen in den Klassen –

in den höheren Grundschulklassen auch

Architektur und Nachhaltigkeit beim Bauen

– stellte sie fest, wie stark das Interesse der

jungen Menschen für die heimische Natur-

und Kulturlandschaft ist.

Auch HPV-Obfrau Claudia Plaikner trug,

wie viele andere Gäste, zur Vollendung des

Kunstwerkes bei.

Kultur.Forscher!-Preis

2025 gewonnen

Zur feierlichen Vernissage fanden sich

zahlreiche Gäste ein – darunter Schullandesrat

Philipp Achammer, Landesschuldirektorin

Sigrun Falkensteiner und

Bürgermeister Helmuth Achmüller. HPV-

Obfrau Plaikner erklärte in ihrer Rede, wie

wertvoll das gesamte Projekt gewesen sei,

wie interessiert die Schüler*innen mitgearbeitet

hätten und dass deren Sensibilität

für den sorgsamen Umgang mit Heimat

gefördert worden sei. Besonders hob

sie hervor, dass solche großen Projekte

nur mit der Unterstützung von Lehrpersonen

möglich seien, die selber für ein

Thema brennen und sich weit über ihre

Stundenverpfl ichtung hinaus dafür engagieren.

Auch Rachel Altmann von der Forschungsstelle

Kubis der Universität Marburg war

unter den Gästen. Der Grund für den

Besuch aus Deutschland: Das Projekt

wurde unter die drei Finalisten des renommierten

Kultur.Forscher!-Preises

2025 gewählt.

Und wie erst während der Sommerferien

bekannt wurde: Die Grundschule

Rodeneck hat den Preis tatsächlich gewonnen

(wir werden in der nächsten Ausgabe

über die offizielle Preisverleihung in

Marburg berichten).

GS Rodeneck/Edith Runer

KulturFenster 26

05/Oktober 2025


Heimatpflege

Kleine große Kulturzeugnisse

Tagung für Flur- und Kleindenkmalforschung – In zwei Jahren in Südtirol

Nach einer mehrjährigen Pause nahm der

Heimatpflegeverband Südtirol erstmals wieder

an der Internationalen Tagung für Flurund

Kleindenkmalforschung teil, die vom

12. bis 15. Juni 2025 in Eidenberg (Oberösterreich)

stattfand.

Die Wiederbelebung der Kontakte zu

Kolleg*innen aus den Nachbarländern war

ein wichtiges Signal. Es wurde ein starker

Austausch über aktuelle Forschungsansätze,

regionale Besonderheiten und neue

Formen der Vermittlung gepfl egt. Besonders

wertvoll war die Erkenntnis, wie wichtig

das Netzwerk für die Erhaltung und

Dokumentation von Kleindenkmälern ist

.

Engel als Leitmotiv

Die Tagung stand unter dem Motto „Engel

– Die Boten Gottes“. In mehreren Fachbeiträgen

wurde die Darstellung von Engeln

an Wegkreuzen, Bildstöcken und Grabmälern

aus kunsthistorischer und volkskundlicher

Perspektive beleuchtet. Referierende

aus Österreich, Südtirol, Deutschland und

Tschechien präsentierten ihre Forschungsergebnisse

zu Engelskulturen in Waldkapellen

und Friedhofskunst, aber auch zu

urbanen Denkmälern und sagenumwobenen

Steinsetzungen.

Höhepunkt der Tagung waren zwei Exkursionen,

bei denen das Motto der Tagung

praktisch erlebbar wurde: der Besuch im

Zisterzienserstift Wilhering mit seiner „engelreichen“

barocken Stiftskirche sowie

eine Erkundung der Kleindenkmäler in

der Umgebung von Eidenberg.

Der Austausch mit Kolleg*innen aus anderen Ländern ist immer wertvoll.

Digitale Erfassung

Obwohl die Digitalisierung kein offi zielles

Schwerpunktthema der Tagung war, entwickelte

sich abseits der Vorträge ein reger

Austausch über die digitale Erfassung von

Kleindenkmälern. Vertreter*innen aus Österreich

und Deutschland berichteten von

ihren Erfahrungen mit webgestützten Erfassungsplattformen,

standardisierten Datenmodellen

und praktischen Workfl ows.

Besonders interessant war dabei die Diskussion

um „Dateninseln“: Ohne zentrale

Koordination und klare Strukturen entstehen

in verschiedenen Regionen isolierte

Datenbestände. Mit einer gemeinsamen

Strategie ließe sich hingegen ein nachhaltiges

digitales Inventar aufbauen.

Für den Heimatpflegeverband waren

diese Gespräche sehr aufschlussreich,

da sie konkrete Hinweise zum organisatorischen

Aufbau – Zusammenarbeit von

Ehrenamtlichen und Fachstellen, Finanzierung

und Einbindung der Gemeinden

– lieferten und zeigten, wie andere Regionen

ihre Bestände dokumentieren und

zugänglich machen.

Ausblick auf Südtirol 2027

Ein zentrales Ergebnis der Tagung ist die

Entscheidung, dass die Internationale Tagung

für Flur- und Kleindenkmalforschung

2027 in Südtirol stattfi nden wird. Der Heimatpfl

egeverband kündigte an, gemeinsam

mit Partnern aus Forschung, Denkmalpfl

ege und Tourismus ein attraktives

Programm zu entwickeln. Die Wahl Südtirols

als Gastgeberland ist eine Anerkennung

für das Engagement der letzten Jahre

und eine Chance, das reiche Erbe an Kleindenkmälern

in unseren Tälern einer internationalen

Öffentlichkeit zu präsentieren.

Evi Brigl

Weitere Themen

Das Themenspektrum der Tagung reichte

jedoch weit über das Leitmotiv hinaus: Es

umfasste regionale Bestandsaufnahmen,

historische Wegkreuze, rechtliche Aspekte

der Denkmalpflege, sagenumwobene Felsblöcke,

Grenzsteine sowie urbane Gedenkstätten

und Friedhofskulturen. Der interdisziplinäre

Austausch erstreckte sich von

kunsthistorischen Analysen über restauratorische

Fragen bis hin zu praktischen Tipps

für ehrenamtliche Denkmalpfleger*innen.

Rast und Information

bei der Hegstschlägerkapelle

in Eidenberg

Fotos: E. Kreuzwieser

KulturFenster 27

05/Oktober 2025


informiert & reflektiert

Seminarreihe

zur Klimagerechtigkeit

Die Klimakrise sozial und solidarisch bewältigen –

Weitere Seminare und Diskussionen

Eine spannende Seminarreihe des Heimatpflegeverbandes

Südtirol und des Vereins

POLITiS vertieft zentrale Aspekte der

Klimagerechtigkeit. Es gibt noch weitere

fünf Termine.

Die Klimakrise betrifft nicht alle Menschen

gleich: Wohlhabende verursachen deutlich

mehr CO 2

, während sozial schwächere

Gruppen stärker unter den Folgen leiden.

Klimagerechtigkeit verbindet soziale und

ökologische Herausforderungen und fordert

eine ganzheitliche, faire Transformation.

Das führt uns vor Augen, wie eng soziale

und ökologische Herausforderungen

zusammenhängen und wie dringend es

ganzheitlicher Antworten bedarf. Derartige

Zusammenhänge fl ießen im Begriff

der Klimagerechtigkeit zusammen.

Bei der Veranstaltungsreihe „Klimagerechtigkeit“

werden zentrale Aspekte der sozialen

und ökologischen Klimapolitik diskutiert.

Die ersten drei Seminare hatten die

Mobilität der Zukunft, den Klimawandel

als soziale Frage und die nachhaltige Ernährung

und Landwirtschaft zum Thema.

Hier nun die Einladung zu den folgenden

Modulen, jeweils dienstags, von 18 bis

19.30 Uhr:

28. Oktober:

Der Wandel der Arbeitswelt

Wie kann Klimaschutz zum Jobmotor

werden?

Der Wandel zur fossilfreien Wirtschaft verändert

den Arbeitsmarkt. Traditionelle Branchen

schrumpfen, während neue „grüne“

Jobs entstehen. Welche Auswirkungen hat

das auf Südtirol? Wie können Beschäftigung

und Einkommen sozial gerecht erhalten

und sogar gefördert werden? Welche

Strategien gibt es für eine faire Transformation

der Arbeitswelt?

Referenten: Stefan Perini (Wirtschaftswissenschaftler,

AFI) und Urban Perkmann

(WIFO)

4. November:

Ökologische Steuerpolitik

CO 2

-Steuern und soziale Fairness

Die CO 2

-Bepreisung gilt als Schlüssel für

weniger Emissionen, doch sie kann sozial

belastend sein. Wie funktioniert die Steuerung

durch CO 2

-Abgaben und Zertifikatehandel?

Wie kann Südtirol steigende

Energiekosten sozial abfedern?

Referentinnen: Elisabeth Gsottbauer (Universität

Bozen) und Monika Psenner (Energieexpertin)

18. November:

Soziale Klimagerechtigkeit

Konkrete Herausforderungen und

Lösungen

Der Klimawandel trifft sozial Schwächere

besonders hart. Wie kann der ökosoziale

Wandel so gestaltet werden, dass er armutsgefährdete

Haushalte schützt? Welche

Maßnahmen sind nötig, um soziale

Ausgewogenheit bei der Energiewende

zu sichern?

Referentinnen: Christa Ladurner (Allianz

für Familie) und Cristina Masera (Landessekretärin

CGIL/AGB)

2. Dezember:

Heizungswende

Eine sozial verträgliche Ausstiegstrategie

aus der fossilen Gebäudeheizung

Südtirol will bis 2037 den Verbrauch von

Gas und Öl für Heizung drastisch senken.

Doch viele Haushalte nutzen noch fossile

Heizungen, und der Umstieg ist teuer. Wie

lässt sich die Heizungswende technisch

umsetzen und gleichzeitig sozial abfedern?

Welche Förderungen sind nötig, um

besonders Geringverdiener zu entlasten?

Referenten: Thomas Egger (Klimaclub Südtirol)

und Ulrich Santa (Klimahaus-Agentur

Südtirol)

Infos kompakt

Ziel: Die Reihe bietet Raum für Austausch zwischen Fachleuten und Bürger*innen,

fördert kritisches Verständnis und diskutiert Wege zu einer sozial gerechten Klimapolitik.

Ort und Zeit: Die Seminare fi nden immer dienstags von 18 bis 19.30 Uhr im Seminarraum

im 4. Stock des Waltherhauses in Bozen statt. Pünktlicher Beginn!

Achtung: Die Abschlussdiskussion fi ndet im Sparkassensaal des Waltherhauses im

Untergeschoss statt und dauert ca. zwei Stunden.

Anmeldung: nicht erforderlich

Teilnahmegebühr: Spende erwünscht

Organisation: Heimatpfl egeverband Südtirol und POLITiS, unterstützt vom Amt für

Weiterbildung

Kontakt: info@politis.it, Tel. 324 5810427

16. Dezember:

Landesklimagesetz

Gesetzliche Verankerung für wirksamen

Klimaschutz

Südtirols Klimaplan ist bislang eine politische

Selbstverpflichtung ohne rechtliche

Bindung. Was würde ein Klimagesetz ändern?

Wie könnten verbindliche Ziele,

Maßnahmen und Kontrollmechanismen

aussehen?

Es diskutieren u. a.: Landesrat Peter

Brunner (angefragt), Madeleine Rohrer

(Verdi Grüne Verc), Monica Devilli

(CoopBund), Tony Tschenett (ASGB)

und Claudia Plaikner (Heimatpfl egeverband)

– Moderation: Florian Trojer und

Thomas Benedikter.

KulturFenster 28

05/Oktober 2025


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Heimatpflege

Weiße Flecken

Zoggler Stausee: Kunst Ulten will Geschichte sichtbar machen

Mit Kreide wurden die Höfe auf den Seeboden gezeichnet.

Foto: Kunst Ulten

Die Gruppe Kunst Ulten (KU) malte nach

der technisch bedingten Trockenlegung des

Zoggler Stausees „weiße Flecken“ auf den

Boden und an den Rand des Sees, um an

die dort einst abgerissenen Bauernhöfe zu

erinnern. Für das Kunstprojekt verwendete

sie die historische Mappe von 1858. Dazu

verfasste die Gruppe folgenden Bericht.

Bevor der Zoggler Stausee angelegt wurde,

gab es dort eine Kulturlandschaft – sieben

Höfe und 20 Gebäude mussten in den

1950-er Jahren der Energiegewinnung Italiens

weichen. Etwa 100 Einwohner*innen

des Ultentales waren davon betroffen.

Mit einem Kunstprojekt macht Kunst Ulten

(KU)* auf dieses oft vergessene Geschichtsdetail

aufmerksam. Anlass ist die

„technische Inkontinenz“ des Zoggler Stausees,

der bekanntlich seit 13. Mai 2025

kontinuierlich Wasser verloren hatte. Dadurch

wurde die eigentlich versunkene

Landschaft wieder sichtbar und begreifbar.

Die historische

Mappe von 1858 –

damals vom österreichischen

Kaiser

in Auftrag gegeben

– gibt Einblick in die

historische Landnutzung.

Die Aktion der

symbolisch-schematischen

Kennzeichnung

der ehemaligen

Höfe und Gebäude soll daran erinnern,

dass es vor dem künstlichen See bereits

eine Kulturlandschaft gegeben hat. Die

ansonsten blaue Wasserfl äche beinhaltet

„weiße“ Flecken der historisch gewachsenen

Landschaft. Diese Kunstaktion bedient

sich dieser weißen Flecken, um Geschichte

sichtbar zu machen. Das Weiß

dient als Transposition von Gegenwart und

Vergangenheit: Im Blau des Sees versinken

die weißen Fleckengespenster der

Vergangenheit.

Die Aktion soll daran erinnern,

dass es vor dem

künstlichen See bereits eine

Kulturlandschaft gegeben

hat.

Kunst Ulten

Das kulturelle Bewusstsein,

dass sich

jeder Eingriff mit gewachsener

Kulturlandschaft

auseinandersetzen

und diese

auch respektieren

muss, kam beim

Bau damals nicht

zur Anwendung. Dieser

Grundsatz muss

nun für die Gegenwart und die Zukunft

gelten – und es ist höchste Zeit dafür. Vor

allem in Hinblick auf das geplante Pumpspeicherkraftwerk.

Kunst Ulten

*Der Gruppe Kunst Ulten gehören folgende

Personen an: Bernhard Lösch (Idee und

Konzept), Franziska Schwienbacher, Mathias

Schwienbacher, Agnes Schwienbacher,

Vera Schwienbacher, Franz Marsoner,

Veith Pircher, Paul Rainer.

KulturFenster 29

05/Oktober 2025


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Am Anfang war Gais

Mary de Rachewiltz – Das „Sama Moidile“ erzählt ihre Geschichte

Es gab viel Interesse

und großes Lob für

diese Initiative.

Fotos:

Albert Willeit

Gais verbindet große Namen der Literaturund

Kunstgeschichte. Besonders eng verknüpft

ist der Ort mit Mary de Rachewiltz,

Tochter des Dichters Ezra Pound, die hier

ihre Kindheit verbrachte. Anlässlich ihres

100. Geburtstags widmet ihr das Pfl egerhaus

die Ausstellung „Am Anfang war Gais“.

In Gais haben im Verlauf der Zeit bekannte

Literaten und Künstler zeitweise gelebt und

gewirkt: Vor genau 600 Jahren (1425–1426)

residierte Oswald von Wolkenstein als Pfleger

auf Schloss Neuhaus. Fünf Jahrhunderte

später war der berühmte amerikanische

Dichter Ezra Pound öfters in Gais.

Dort besuchte er seine Tochter Mary, die

bei Zieheltern als das Sama Moidile aufwuchs.

Im barocken Pfl egerhaus hingegen

wohnte und arbeitete die Künstlerfamilie

Bacher.

Dies alles nahmen Josef Duregger, Alfred

Mair und Albert Willeit vor 20 Jahren zum

Anlass, um diese Persönlichkeiten mit

einem Rundweg um Schloss Neuhaus und

durch künstlerische Arbeiten zu ehren. So

entstand der Arbeitskreis Kulturweg Gais,

der seither viele Veranstaltungen organisiert

hat und weiterhin kulturelle Initiativen

setzen möchte.

Bewegende Geschichte

Ende August wurde nun im Pfl egerhaus

die Ausstellung „Am Anfang war Gais“

eröffnet – als Würdigung für Mary de Rachewiltz

zu ihrem 100. Geburtstag, den

sie am 9. Juli gefeiert hat. Bereits vor 50

Jahren hatte sie ihre Lebensgeschichte im

Buch „Diskretionen“ dargelegt – eine bewegende

Geschichte zwischen zwei völlig

unterschiedlichen Welten: zum einen das

karge bäuerliche Leben in einer Kleinbauernfamilie

und zum anderen das mondäne

Leben in Kreisen der Hochkultur in verschiedenen

Städten, wo man zudem nur

Italienisch und Englisch sprach.

Obwohl Mary bereits als Jugendliche viel

von zuhause fort war, blieb für sie Gais

über 20 Jahre lang Heimat und familiärer

Bezugspunkt. Das hat wohl mit ihrem

Zuhause bei den Sama-Bauern Johanna

Ein Blick in die Ausstellung

in jener Stube,

die als Werkstatt für

die Bildhauer Bacher

diente.

Für Konzept und Gestaltung

zeichnet Albert

Willeit.

KulturFenster 30

05/Oktober 2025


Heimatpflege

Mary beim Besuch der Ausstellung „Am Anfang

war Gais – Ein Leben zwischen den Welten“.

Mary mit ihrer Familie und einigen Mitgliedern des Kulturweges Gais vor dem barocken

Pflegerhaus.

und Jakob Marcher zu tun, die weitere

16 Kinder aus anderen Familien aufgezogen

haben, nachdem sie selbst zwei

Totgeburten erlitten hatten. Deshalb ist

die Ausstellung auch ihnen gewidmet.

So wie alle anderen Bauernkinder hat

auch Mary tatkräftig auf Hof und Feld

mitarbeiten müssen und dieses Leben

verinnerlicht. Noch mit 21 Jahren wollte

sie eigenständig einen kleinen Bauernhof

mit einer Kuh führen und zugleich nebenan

bei Heinrich Bacher lernen und

Bildhauerin werden. Doch daraus wurde

nichts, da sie Boris de Rachewiltz kennenlernte.

Mit ihm wohnte sie dann von

1946 bis 1948 auf Schloss Neuhaus,

bevor sie anschließend nach Dorf Tirol

auf die Brunnenburg zogen. Dort lebt

sie noch heute.

„Besuch der alten Dame“

Bei der Eröffnung konnte Mary de Rachewiltz

leider nicht dabei sein, dafür schickte

sie eine lebhafte Audiobotschaft in Pusterer

Dialekt, in der sie alle Anwesenden

begrüßte. Sie trug auch ihr Gedicht „Die

Aar“ (Ahr) vor. Eine Woche später kam

erfreulicherweise doch ein „Besuch der

alten Dame“ samt Familie zustande. Sie

wollte unbedingt nochmals ihr Heimathaus

Sama sehen, wo sie dann mit Begeisterung

in ihren Erinnerungen schwelgte. Sie erzählte,

wie damals die Stube und die Küche

eingerichtet waren und am Fenster

eine Steige mit Hennen stand. Mit Interesse

hörten auch die heutigen Besitzer

zu, bevor es dann weiter zum Pflegerhaus

ging, wo sie bereits von alten Bekannten

freudig erwartet wurde.

Die Ausstellung und die 36-seitige Begleitbroschüre

zeichnen anhand von Bildern

und Zitaten die Jugendzeit von Mary nach.

Für diesen großen Aufwand gab es finanzielle

Unterstützung von der Gemeinde, der

Fraktion und dem Bildungsausschuss, wofür

ihnen sehr gedankt sei.

Mit dieser erfolgreichen Initiative soll ein

wichtiger Teil der kulturellen Geschichte

von Gais in Erinnerung behalten werden.

Albert Willeit

Der Arbeitskreis Kulturweg Gais: Elisabeth Niederwolfsgruber, Sabine Renzler, Ulrike Trojer,

Alfred Mair, Hans Peter Lercher, Albert Willeit, Vorsitzende Erna Holzer (v.l.)

Für eine flotte musikalische Umrahmung

sorgte die Gruppe „3/4 Schwung“.

KulturFenster 31

05/Oktober 2025


hinausgeblickt

Bildstock und Kreuz restauriert

Der Heimatpflegeverein Naturns –

Plaus hat zwei Kleindenkmäler renovieren lassen

Elias Pirhofer vom Oberkofler-Hof in Forst

dürfte von den unzähligen Verkehrstoten

auf der Plauser Geraden der erste gewesen

sein. Er ist als 15-jähriger Radfahrer

unterhalb des Lahnbach-Pichls mit einem

Motorradfahrer, dessen Namen nicht mehr

bekannt ist, zusammengeprallt und hat dabei

tödliche Verletzungen erlitten.

Dies ist den Pfarrbüchern von Algund und

Naturns zu entnehmen. Seine Familie hat

ihm in der Folgezeit ein stattliches Denkmal

gesetzt, das aber in letzter Zeit einen

verwahrlosten Eindruck machte und von

einem wuchernden Buchsbaumstock fast

verdeckt wurde. Der Standort ist heute

höchst ungelegen, war aber bis vor ca.

70 Jahren eine willkommene Totenrast

auf dem langen Weg von Stein zur Pfarrkirche

nach Naturns.

Der Heimatpflegeverein Naturns – Plaus

hat diesen Bildstock nun restaurieren

lassen. Lange musste zuvor nach dem

Namen des Verunglückten und seiner

Angehörigen geforscht werden. Erst

Marianne Ladurner vom Lahnbach-Hof

konnte schließlich weiterhelfen. Daraufhin

wurde das Schloss aufgebrochen

und eine Marmortafel mit folgender Inschrift

gefunden: „Hier verunglückte am

15. September 1912 Elias Pirhofer von

Forst im Alter von 15 Jahren. Mein Jesus

Barmherzigkeit!“ Einige Devotionalien

waren im Inneren des Bildstockes

abgelegt.

An den Restaurierungsarbeiten beteiligten

sich: Hermann Müller (Wålder Hermann),

Gustav Kind (Spengler), Walter

Lamprecht (Malermeister), Gebr. Blaas

(Tischlerei Staben), Roman Gerstgrasser

(neues Kruzifix), Manfred Cainelli Meran

(Steinmetz).

Ihnen allen sei für die vorbildliche und

zum Teil unentgeltliche Arbeit aufrichtig

gedankt. Ebenso dem Grundstückseigentümer

Jürgen Thaler für das Entgegenkommen

und der Grundstücksnachbarin

Maria Luise Prantl-Tappeiner für die

Spende. Die noch offenen Beträge wird

der Heimatpflegeverein abdecken.

Der Bildstock Lahnbach vor und nach der Renovierung

Kreuz Totenrast Staben

Auch ein Kreuz in Staben hat der HPV

Naturns – Plaus restaurieren lassen. Das

Kreuz diente bis 1996 als Totenrast auf

dem Weg von Staben nach Tschars und

wird seit vielen Jahren von Familie Kristanell

(Garberhof) gepflegt. Die Restaurierung erfolgte

mit finanzieller Unterstützung durch

Fotos: HPV Naturns Plaus

die Gemeindeverwaltung Naturns, die Eigenverwaltung

BNG Staben, die Tischlerei

Gebr. Blaas, die Schlosserei Hell Dietmar,

die Baufirma Gebr. Müller,die Schützenkompanie

Naturns und durch Spenden

von Nachbarn. Der Christus-Korpus wurde

vom Holzschnitzer Roman Gerstgrasser

aufgerichtet.

Hermann Wenter;

Das Kreuz bei der Totenrast in Staben vor und nach der Renovierung

KulturFenster 32

05/Oktober 2025


getanzt

Mit Kindern tanzen

Schulprojekt: Anmeldungen möglich

Die ARGE Volkstanz in Südtirol bietet in diesem

Schuljahr das Projekt „Mit Kindern tanzen

– Volkstänze erleben und weitergeben“

an. Schulen können sich gerne anmelden.

Tanz ist Musik in Bewegung. Der Rhythmus

weckt die Sinne, die Melodie führt die

Schritte. So entdeckt der Körper den Raum

und die tanzende Person findet neue Ausdrucksformen.

Gemeinsames Tanzen fördert

Körpergefühl, Orientierung und Aufmerksamkeit.

Gemeinsame

Schritte verbinden

Qualifizierte Kindertanzreferent*innen vermitteln

den Kindern in zwei bis vier Schulstunden

spielerisch ein lebendiges Stück

Volkskultur.

Neben den pädagogischen Vorteilen

möchte das Projekt auch die Freude an

der Tradition wecken und die Gründung

neuer Tanzgruppen fördern.

Hinweis: Aufgrund der Lehrerproteste gehen

die Anmeldungen nur schleppend ein,

weshalb das Projekt zu scheitern droht. Die

Arge Volkstanz in Südtirol hofft auf eine baldige

akzeptable Lösung, damit sich weitere

Schulen melden und dieses erfolgreiche

und beliebte Angebot doch noch durchgeführt

werden kann.

Informationen und Anmeldungen:

www.arge-volkstanz.org/download,

Tel.: 0471 970 555

Die Volkstänze aus Südtirol basieren auf

einfachen, natürlichen Bewegungen und

sind daher für alle Altersgruppen leicht zugänglich.

Beim Tanzen in der Gruppe lernen

Kinder, aufeinander zu achten, den

Rhythmus wahrzunehmen und sich als

Teil eines größeren Ganzen zu fühlen. Die

gemeinsamen Schritte verbinden, und es

entstehen Empathie, Respekt und soziale

Kompetenz.

Diese Erfahrungen gehen weit über das

Klassenzimmer hinaus und tragen zur Entwicklung

kreativer, einfühlsamer und kooperativer

Menschen bei.

Mit diesen Zielen bietet die ARGE Volkstanz

in Südtirol im laufenden Schuljahr für

Schulen traditionelle Tänze mit Kindern an.

Die Kindertanzgruppe

Mals beim

spielerischen

Üben von Tänzen.

Gemeinsames Tanzen

fördert Körpergefühl,

Orientierung

und

Aufmerksamkeit.

Fotos: ARGE Volkstanz

Hereinspaziert

➤ Anfängerkurs Volkstanz: Vereinshaus von Stilfes

am 28. Oktober, 4., 11., 18., 25. November

➤ Landeskathrein-Tanzfest: Kurhaus Meran am Samstag, 15. November

➤ Winterlehrgang: Haus der Familie, Lichtenstern/Ritten. 26. Dezember bis 1. Jänner 2026 –

in dessen Rahmen am 29. Dezember ab 20 Uhr Offenes Tanzen

Lust auf Tanzen? In Südtirol gibt es mehrmals pro Woche die Möglichkeit dazu. Volkstanzgruppen

laden regelmäßig zum Offenen Tanzen ein. Aktuelle Termine in deiner Nähe auf www.arge-volkstanz.org

Weitere Infos im Büro der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz, Tel.: 0471/970555 oder info@arge-volkstanz.org

KulturFenster 33

05/Oktober 2025


getragen

„Beim billigen Steger“

Es war einmal ein Stoffgeschäft…

Die Geschichte eines besonderen Ladens

Der Stoffl aden Peter Steger um das Jahr 1900, vorne rechts Anna Steger

Fotos: Archiv Agnes Andergassen

Bozen, die alte Handelsstadt, zog seit jeher

Händler und Käufer aus der näheren

und weiteren Umgebung an. Es war vor

allem die Laubengasse, die für ihr reiches

Warenangebot bekannt war. Eine wichtige

Rolle spielte dabei der Handel mit Stoffen.

In den 1950er-Jahren gab es unter den

Bozner Lauben noch 13 Stoffgeschäfte.

M. Eccel war das größte, R. Corradini das

kleinste. Mit dem Aufkommen der Konfektion

hat dann ein Geschäft nach dem

anderen den Laden zugemacht. Letztendlich

übrig geblieben ist das kleinste

und wohl auch originellste, was die Ladeneinrichtung

anbelangt.

Vom Wanderhändler

zum Laubenkaufmann

Mein Urgroßvater Peter Steger (1850–

1918) stammte vom Unterhabererhof in

St. Magdalena in Gsies. Dort wurde bereits

seit Generationen der eigene Flachs

zu edlem Leinen verarbeitet. Das Leinen

war von hoher Qualität und wurde

durch Wanderhandel im süddeutschen

Raum verkauft.

Das Geschäft mit der Buckelkraxe muss

gut gelaufen sein, denn Peter Steger

konnte sich bereits im Jahr 1880 in Bozen

ein kleines Laubenhaus (Nr. 23) kaufen

und darin 1882 ein kleines Stoffgeschäft

eröffnen.

In seiner Ehefrau Anna Demetz (1850–

1917) aus St. Christina in Gröden fand

er eine tüchtige Verkäuferin. Die beiden

hatten ein feines Gespür und eine offene

Hand für weniger betuchte Kunden. Das

machte schnell die Runde und zog viel

Kundschaft an, die gerne „beim billigen

Steger“ einkaufte.

KulturFenster 34

05/Oktober 2025


Heimatpflege

Peter Steger (rechts in Tracht vor 1883) verkaufte ursprünglich Stoffe mit der Buckelkraxe

und gründete später den Stoffl aden in Bozen.

Marlene Corradini stand 66 Jahre hinter

der Ladentheke. Foto: aus „Die Südtiroler Frau“

Schwerer Schicksalsschlag

Die Stegers hatten eine Tochter, Anna

(1883–1938), die bis zu ihrer Heirat mit

Josef Egger fleißig im Geschäft mitgearbeitet

hatte. Nach und nach stellten

sich fünf Kinder ein. Als dann innerhalb

eines Jahres der Ehemann und beide Eltern

von Anna starben, war für die junge

Witwe mit den kleinen Kindern an eine

Weiterführung des elterlichen Stoffladens

nicht mehr zu denken. Zudem war die

Zeit nach dem Ersten Weltkrieg für alle so

schon schwer und eine große wirtschaftliche

Herausforderung.

Aus Steger

wird Corradini

Es ist das Jahr 1934. Nach einer Zeit des

Umbruchs eröffnen Rosa Corradini und

ihr Mann Konrad an derselben Adresse

wieder ein Stoffgeschäft. Mit großer Professionalität

und dem Gespür für die

Notwendigkeit der Zeit – insbesondere

Stoffe für die Anfertigung der Trachten

für die wieder aufkommenden Musikkapellen

und Volkstanzgruppen anzubieten

– machen sie den kleinen Laden

bald zu einer beliebten Anlaufstelle

für Trachtenschneider*innen. Das Geschäft

läuft gut – da schlägt das Schicksal

hart zu. Beide Eheleute Corradini sterben

früh. Es ist nun die Tochter Marlene,

die im Jahr 1953 mit nur 14 Jahren den

Stoffladen übernimmt.

Ein Hauch von Nostalgie

Das Firmenschild

Marlene Corradini und die schweren Stoffballen

bleiben sich ganze 66 Jahre lang

treu! Sie baut sich im Laufe der vielen

Jahrzehnte einen großen Kundenstock

auf, mit dem sie geradezu freundschaftlich

verbunden ist. Marlene lässt alles

beim Alten. Holzstellagen, Verkaufsbudel,

Schaufenster, die alte Eingangstür – ein

Hauch von dazumal durchweht das alte

Gemäuer. Atmosphäre und Gemütlichkeit

pur! Mit der Nachfrage nach Stoffen

kann Marlene Corradini durchaus zufrieden

sein. Und doch kommt der Moment,

in dem sie aus Altersgründen beschließt,

das Geschäft aufzugeben. Mit

über 80 Jahren kündigt Marlene Corradini

im Jahr 2019. Damit schloss nach

137 Jahren auch das allerletzte Stoffgeschäft

unter den Bozner Lauben seine

Tore. Doch „Corradini Stoffe“ lebt weiter!

In der Vintler-Passage, nur einen Steinwurf

von den Lauben entfernt, führen

junge Frauen die Tradition des Stoffhandels

weiter. Gott sei Dank! Es ist nämlich

jetzt das einzige Stoffgeschäft weit

und breit, das eine schöne Auswahl an

Stoffen für die Anfertigung von Tracht

und Dirndl hat.

Agnes Andergassen

Arge Lebendige Tracht

KulturFenster 35

05/Oktober 2025


gesungen & gespielt

Volksmusikalischer Sommer

Jugendsing- und Musizierwoche

und viertes Südtiroler Weisenbläsertreffen

Stellvertretend für die vielen Angebote an

Seminaren und Veranstaltungen im heurigen

Sommer blicken wir auf zwei Höhepunkte

zurück.

JuSiMu

Von Sonntag, 6. Juli, bis Samstag, 12. Juli,

ging es richtig rund bei der „JuSiMu“ im

Haus der Familie in Lichtenstern am Ritten.

Die Jugendsing- und -Musizierwoche

wird als Sommermusikwoche von der

Landesdirektion Deutsche und ladinische

Musikschule in Zusammenarbeit mit dem

Südtiroler Volksmusikverein organisiert.

Die beiden Kursleitenden Sonja Wallnöfer

und Michael Hackhofer konnten mit ihrem

Team die zahlreichen Teilnehmenden aus

dem ganzen Land begeistern.

Weisenbläsertreffen

Sie hatten richtig Spaß beim Singen.

Foto: Thomas Wallnöfer

Am Sonntag, 10. August, lud der Südtiroler

Volksmusikverein zur vierten Ausgabe

des Südtiroler Weisenbläsertreffens auf

das Rittner Horn ein. Die Veranstaltung

zog zahlreiche Weisenbläser*innen aus

nah und fern an, die gemeinsam musizierten

und das Rittner Horn zum Klingen

brachten.

Während des Tages spielten die

Musikant*innen an verschiedenen Plätzen

im Almengebiet und bei den Hütten.

Und wie es sich für einen Kirchtag

gehört, wurde auch ausgelassen

getanzt. Neben den traditionellen Bläserweisen

waren schwungvolle Polkas

und Landler zu hören. Die malerische

Kulisse sorgte dabei für ein unvergessliches

Musikerlebnis.

Alphornklänge am Rittner Horn

Foto: Irmgard Seebacher

Alle Termine volksmusikalischer Veranstaltungen

auf einen Blick finden Sie auf unserer Homepage

KulturFenster 36

05/Oktober 2025


Heimatpflege

VorSicht

➤ Singen und musizieren im Advent

Alpenländische Lieder und Stücke ermöglichen ein harmonisches,

gemeinsames Zusammenspiel. Singen im Chor, Singen und Basteln

für Kinder, Holz- und Blechbläser, Saitenmusik, Flöten und Streicher. Mit erfahrenen Referent*innen.

Termin:

Samstag, 29. November, 10.00 Uhr,

bis Sonntag, 30. November, 12.30 Uhr

Ort:

Haus der Familie/Lichtenstern am

Ritten

Kursleitung:

Gernot Niederfriniger

Foto: Gernot Niederfriniger

Seminarbeitrag:

40 Euro für Erwachsene / 25 Euro

für Kinder, zuzüglich Unterkunft und

Verpfl egung

Kontakt und Informationen

Südtiroler Volksmusikverein VFG

Dominikanerplatz 7, I-39100 Bozen

Tel: +39 0471 970555

info@volksmusikverein.org

www.volksmusikverein.org

VOLKSKULTUR IM RUNDFUNK

Jeden Donnerstag von 18.05 bis 19 Uhr und jeden Samstag von 11.05 bis 12 Uhr

Unser Land – Kultur und Natur in Südtirol*

Gestaltung und Moderation: Heike Tschenett, Barbara Wiest

16./18. Oktober 2025: Branzoll und die Etschflößerei

Wie der nördlichste Etschhafen das Unterlandler Dorf über die Jahrhunderte

geprägt hat

Mit Heike Tschenett

20./22. November 2025: Zeit trifft Ewigkeit

Besuch der Friedhöfe von Meran mit Heimatkundler Christoph Gufler

Mit Heike Tschenett

Jeden Freitag von 18 bis 19 Uhr

Dahoam in Tirol

Dialekte, liebgewonnene oder

längst vergessene Tiroler

Bräuche, Plaudereien

*Kurzfristige Programmänderungen möglich

KulturFenster 37

05/Oktober 2025


Das Südtiroler Jugendblasorchester

(SJBO) feiert heuer sein 20-jähriges

Bestehen. In diesen zwei Jahrzehnten

setzte das Orchester immer wieder

künstlerische Akzente im Bereich der

sinfonischen Blasmusik und ist damit

zum musikalischen Aushängeschild des

Verbandes Südtiroler Musikkapellen

(VSM) geworden.

Foto: Innsbrucker Promenadenkonzerte/Amir Kaufman

KulturFenster

38 05/Oktober 2025


geglückt

Das SJBO - unser musikalisches

Aushängeschild

Eine 20-jährige Erfolgsgeschichte feiert Geburtstag

Es ist ein Auswahlorchester aus jugendlichen

Musiker*innen aus Südtirol und es

ist die Chance für Musikbegabte zwischen

16 und 30 Jahren: 2005 hat der Verband

Südtiroler Musikkapellen (VSM) auf Initiative

seines damaligen Verbandsjugendleiters

Pepi Fauster das Südtiroler Jugendblasorchester

(SJBO) ins Leben gerufen. Seither

verfolgt es das Ziel, gut ausgebildeten, talentierten

und musizierfreudigen jungen

Musiker*innen aus Südtirol die Möglichkeit

zu geben, vielseitige sinfonische Blasorchesterliteratur

auf höchstem Niveau unter

der Leitung von renommierten Dirigenten

einzustudieren und aufzuführen.

Karl Geroldinger dirigierte das Orchester in

den ersten vier Jahren. Auf ihn folgten Thomas

Doss (2009 bis 2011), Peter Vierneisel

(2012 und 2013), Josef Feichter (2014

bis 2017) und Isabelle Ruf-Weber (2018

und 2019). Nach der Corona-Zwangspause

steht das Orchester seit 2022 wiederum

unter der musikalischen Leitung

von Karl Geroldinger.

In diesen zwei Jahrzehnten setzte das Orchester

immer wieder künstlerische Akzente

im Bereich der sinfonischen Blasmusik

und ist damit zum musikalischen

Aushängeschild des VSM geworden. Die

traditionelle Orchesterwoche, Konzerte im

In- und Ausland, Aufführungen von Auftragswerken,

CD-Aufnahmen und viele

weitere besondere Projekte haben diesen

Erfolg geprägt. Bereits zwei Mal war das

Orchester zu Gast beim jährlichen Blasmusikfestival

„Mid Europe“ in Schladming

und gastierte auch im Wiener Konzerthaus.

Aus den Anfängen des Südtiroler Jugendblasorchesters im Jahr 2007.

der Lieder“ in Anlehnung an Mahlers Kindertotenlieder

werden. De Meij war so intensiv

an der Arbeit, dass daraus eine große

„Sinfonie der Lieder“ wurde, die er zu seiner

Sinfonie Nr. 4 erklärt. Von Südtirol aus

hat diese Sinfonie ihren Siegeszug angetreten,

denn im Oktober des gleichen Jahres

wurde die Sinfonie bereits in Amerika

erstmals aufgeführt und einen Monat später

in Holland.

„Leben“ –

die Jubiläums-CD (2014)

Zum zehn-jährigen Bestehen des Orchesters

wurde die Jubiläums-CD „Leben“ veröffentlicht.

Mit dem Ausruf „Leben! Leben!” beendet

Johan de Meij seine 4. Sinfonie. Es ist

ein Ausruf, der uns aus der Dramatik von

Schmerz, Leid und Tod in eine Stimmung

von Hoffnung und Zuversicht führt. Der Titel

„Leben” wurde bewusst für diese CD gewählt.

Der Tonträger beinhaltet neben der

Sinfonie Auftragskompositionen des VSM,

die in den Jahren zuvor uraufgeführt wurden.

Foto: Stephan Niederegger

Die Sinfonie

der Lieder (2013)

Unter dem Titel „Ich bin der Welt abhanden

gekommen?“ präsentierte das SJBO

2013 – im neunten Jahr seines Bestehens

– unter der Leitung von Peter Vierneisel

eine Welturaufführung: die „Sinfonie der

Lieder“ von Johan de Meij. Ursprünglich

sollte es ein kürzerer Liederzyklus „Buch

KulturFenster

39 05/Oktober 2025


geglückt

Das Jubiläumskonzert (2025)

Unter der bewährten Leitung von Karl Geroldinger hat sich das Auswahlorchester im Juli

auf seine heurige Jubiläumstournee vorbereitet. Das Publikum im Culturforum Latsch,

im Forum Brixen und bei den Innsbrucker Promenadenkonzerten war begeistert und

gratulierte zum Geburtstag: „Ad multos annos!“

Das Programm des

Jubiläumskonzertes:

➤ FESTIVE OUVERTURE

Dmitri Shostakovitch,

arr. Donald Hunsberger

➤ LA DANZA (Uraufführung)

Thomas Doss

➤ SYMPHONIE NR. 1 „DER TITAN“,

4. Satz, Stürmisch bewegt –

Gustav Mahler, arr. José Schyns

➤ PEACE VARIATIONS

Robert E. Foster

➤ WO DIE ZITRONEN BLÜHEN

Johann Strauss (Sohn),

arr. Anton Hofmann

Karl Geroldinger, der Dirigent der „ersten Stunde“, leitete das Südtiroler Jugendblasorchester

auch im heurigen Jubiläumsjahr. Foto: Innsbrucker Promenadenkonzerte/Amir Kaufman

➤ PINI DI ROMA

Ottorini Respighi,

arr. Yoshihiro Kimura

Die VSM-Jugendleiter

Das Südtiroler Jugendblasorchester (SJBO)

ist das musikalische Aushängeschild des

VSM und lebendiges Zeichen der erfolgreichen

Verbandsarbeit im allgemeinen und

der Jugendarbeit im besonderen.

Dafür verantwortlich zeichneten in all diesen

Jahren die Verbandsjugendleiter mit

ihren Stellvertreter*innen, die diesen Weg

des Erfolges vorbereitet und bis heute begleitet

haben:

Pepi Fauster

(1995–2006)

Arnold Leimgruber

(2007–2012)

Fotos: Stephan Niederegger

Meinhard Windisch

(2013–2018)

Johann Finatzer

(2019–2022)

Hannes Schrötter

(ab 2022)

KulturFenster

40 05/Oktober 2025


Blasmusik

Im Gespräch mit dem

Komponisten Thomas Doss

Im Mittelpunkt des anspruchsvollen Jubiläumskonzertes

stand eine ganz besondere

Uraufführung: die eigens in Auftrag gegebene

Komposition „La Danza“ von Thomas

Doss. Wir haben mit dem Komponisten über

dieses Werk gesprochen.

Foto: Stephan Niederegger

KulturFenster: Welche persönlichen Erinnerungen

hast du an deine Zeit beim

SJBO, und inwiefern spiegeln sie sich im

Werk „La Danza“ wider?

Thomas Doss: Eine sehr schöne Erinnerung.

Ich war damals wirklich sehr positiv überrascht

über die Qualität der Musiker*innen

und des Orchesters. Wir hatten damals

beim ersten Mal die „Rumänischen Tänze“

gespielt, und es war eine Freude, mit diesem

Orchester zu musizieren. Ich merkte

die exzellente Handschrift meines Vorgängers

Karl Geroldinger, welcher ja eine

unglaublich pädagogische Art hat, so ein

Orchester zu leiten. Auch die Zusammenarbeit

mit den tollen Referenten war sehr

befruchtend; sowohl menschlich als auch

musikalisch.

Ich hatte damals ja schon viel mit Jugendauswahlorchestern

gearbeitet. Aber das

SJBO war insofern besonders für mich,

weil ich merkte, dass es dem Verband außerordentlich

wichtig ist und ein wichtiger

Identitätsstifter für die Blasmusik in Südtirol.

Das hat sich sofort auf mich übertragen.

Vielen Musiker*innen aus dieser Zeit

begegne ich immer, wieder und einige sind

inzwischen richtige Superstars in der Musikszene,

so wie Peter Steiner oder Andrea

Götsch, um nur zwei zu nennen.

Meine Beziehung zu Südtirol ist ohnehin

immer eine intensive gewesen. Sei es durch

meinen Urgroßvater Franz Rezek, der in

Bozen in der Monarchie als Militärkapellmeister

wirkte. Oder durch viele Freundschaften,

welche sich in meiner Lehrzeit

am Konservatorium Claudio Monteverdi

in Bozen entwickelt haben – und letztendlich

durch die Uraufführung meiner Oper

„Blasmusikpop“ bei den Vereinigten Bühnen

Bozen. Beim Stück „La Danza“ war für

mich wichtig, dass sich das Orchester in

der Musik wiederfindet. Das Werk hat den

Schwierigkeitsgrad „Grade 4“ und wird bei

Mitropa/Hal Leonard erscheinen und noch

in diesem Jahr erhältlich sein. Was gibt es

Schöneres, als an einem Jubiläum zu tanzen

– und das mit einem Orchester von

jungen, talentierten Musiker*innen? Leider

habe ich selbst absolut kein Tanztalent.

Dafür hoffte ich umso mehr, mit der Musik

die Menschen zum Tanzen zu bringen.

KF: Wie kamst du auf die Idee, das Stück

in Form eines sinfonischen Tanzes zu

schreiben?

Doss: Ich wollte kein programmatisches

Werk schreiben. Keine Geschichte erzählen.

Ich habe mich für einen sinfonischen Tanz

entschieden, der schon lange in meinem

Kopf herumschwirrt. Tanzen ist für mich

der ureigenste Ausdruck von Emotion und

Lebensbejahung! Tanzen ist etwas, was uns

Menschen seit Anbeginn unserer Existenz

begleitet. Es ist genauso wie das Singen

eine spontane Folge aufkommender Emotion

– davon bin ich überzeugt.

KF: Wie ist das Werk aufgebaut?

Doss: Es baut sich ähnlich auf wie der Bolero

von Ravel. Es beginnt sehr leise mit

Percussion und steigert sich mit additiven

Elementen im folkloristischen Stil zu einem

gewaltigen Finale.

KF: Kannst du „La Danza“ in drei Worten

beschreiben?

Doss: „Tanz ist Leben“ oder „Leben ist

Tanz“!

KF: Wie erlebst du es, wenn du eines deiner

Werke zum ersten Mal erklingen hörst?

Doss: Immer sehr konzentriert. In der Hoffnung,

dass es den Ausführenden so gelingt,

dass der Funke überspringt. Es geht

nicht unbedingt um Gefallen, sondern darum,

ob es so wiedergegeben wird, dass

es technisch gut läuft und die Aufführung

musikalische Persönlichkeit hat.

KF: Deine persönlichen Wünsche an das

SJBO für sein 20-jähriges Bestehen?

Doss: Einen Verband, der so wie bisher

eine exzellente Arbeit für die Musik leistet

und die Jugend weiterhin so fördert. Das

ist ein Glücksfall!

Gespräch: Hannes Schrötter

Foto: VSM/SJBO

KulturFenster

41 05/Oktober 2025


geglückt

Im Gespräch mit dem

Dirigenten Karl Geroldinger

Der Oberösterreicher Karl Geroldinger

steht seit 2022 wieder am Dirigentenpult

des Südtiroler Jugendblasorchesters. Er

hat 2005 das Orchester musikalisch aus

der Taufe gehoben und feierte mit ihm

nun das 20-jährige Bestehen. Klaus Härtel,

der Chefredakteur des Fachmagazins

für Blasmusik „Brawoo“, hat dazu mit ihm

nach dem Konzert in Innsbruck folgendes

Interview geführt.

BRAWOO: Das „Jubiläumskonzert“ bei

den Innsbrucker Promenadenkonzerten

war ein besonderer Höhepunkt. Wie haben

Sie diesen erlebt?

Karl Geroldinger: Herzlichen Dank an

Bernhard Schlögl und sein Team der Innsbrucker

Promenadenkonzerte für die Einladung

an das Orchester – das ist bei der

dichten Bewerbungslage mit vielen Top-

Orchestern nicht selbstverständlich! Wir

konnten das Konzert in Innsbruck als abschließenden

Höhepunkt einer wunderbaren

Orchesterwoche erleben, weil das

Orchester nach dem vorzüglich gelungenen

Konzert am Vorabend in Brixen

auch zu so früher Stunde in Innsbruck

sehr gut spielte und mit Standing Ovation

belohnt wurde. Das sommerliche Wetter

im herrlich klingenden Hof und auch die

Anwesenheit von Thomas Doss, der sein

neues Werk „La Danza“ erstmals live hören

konnte, ließen den Auftritt in Innsbruck zu

einem unvergesslichen Ereignis werden.

Foto: Stephan Niederegger

BRAWOO: Sie waren der Gründungsdirigent

des Südtiroler Jugendblasorchesters.

Was war die Intention damals und was

haben Sie 2005 empfunden, als das Orchester

zum ersten Mal zusammenkam?

Geroldinger: Der VSM wollte den vielen

begabten und leistungshungrigen jungen

Musiker*innen über die Anforderungen der

Südtiroler Blasmusikkapellen hinaus noch

eine besondere Herausforderung bieten,

die sie zu weiterem intensivem Üben anregen

sollte. Ich war vom ersten Tag an

von der Energie und vom Leistungswillen,

die in Verbindung mit jugendlicher

Unbekümmertheit und ausgeprägtem

Teamgeist einen guten Humus für einen

erfolgreichen Start dieser Orchesterinitiative

bildeten, sehr positiv angetan. Ich

habe von Beginn an unmittelbar gespürt,

dass es wirklich Sinn macht, sich hier mit

ganzem Herzen einzubringen.

BRAWOO: Wenn Sie heute – 20 Jahre

später – auf das Orchester blicken: Was

hat sich seither verändert, und was ist

gleichgeblieben?

Geroldinger: Die Begeisterungsfähigkeit

der jungen Musiker*innen erlebe ich

heute gleich wie vor 20 Jahren auf sehr

hohem Niveau ausgeprägt. Hat man seitens

der Südtiroler Musikkapellen damals

auch Skepsis vernommen, so hat sich

diese inzwischen in hohe Zustimmung

gewandelt. Die positiven Auswirkungen

sind unübersehbar und gehen weit darüber

hinaus, dass durch das SJBO einige

Musiker*innen zu einem weiterführenden

Musikstudium animiert wurden

und heute in europäischen Toporchestern

spielen bzw. als Lehrpersonen in

den Südtiroler Musikschulen für die Ausbildung

der nächsten Generationen zur

Verfügung stehen. Das SJBO gibt wesentliche

Impulse für die musikalische

Weiterentwicklung der Südtiroler Musikkapellen,

nicht zuletzt dadurch, dass aus

diesen Reihen Kapellmeister*innen und

Jugendleiter*innen für die heimischen

Blasorchester hervorgehen.

BRAWOO: Sie sind 2022 wieder zur musikalischen

Leitung zurückgekehrt. Was

hat Sie dazu bewogen, diese Aufgabe erneut

zu übernehmen?

Geroldinger: Ich fühle mich dem Musikleben

Südtirols schon lange sehr verbunden,

weil ich als Direktor des Oberösterreichischen

Landesmusikschulwerkes mit

dem Südtiroler Musikschulwesen und als

Landesjugendreferent des Oberösterreichischen

Blasmusikverbandes mit dem Verband

Südtiroler Musikkapellen bereits vor

über 30 Jahren in sehr fruchtbaren Austausch

gekommen bin. Mit Freude erinnere

ich mich an die vielen anregenden

Gespräche und gemeinsamen Veranstaltungen.

Meine große Wertschätzung für

die Musikausbildung in Südtirol wurde

durch meine Arbeit mit dem 2005 neu

gegründeten Südtiroler Jugendblasorchester

noch verstärkt. Ich habe nicht

nur gegeben, sondern sehr viele wertvolle

Erfahrungen gemacht und nach jedem

Orchesterprojekt wunderbare Menschen

im Herzen mit nach Hause genommen.

Das Gefühl der Verbundenheit zu den

Musikschulen Südtirols und zum Verband

Südtiroler Musikkapellen war immer

gegeben. So habe ich die abermalige

Anfrage des VSM zum Wiederaufbau

des SJBO nach der Corona-Pandemie als

Ehre und Freude zugleich empfunden.

BRAWOO: Welche Bedeutung hat das

Südtiroler Jugendblasorchester für die

musikalische Ausbildung und Persönlichkeitsentwicklung

junger Musiker*innen?

Geroldinger: Die Symbiose von Musikschulen

und Südtiroler Musikkapellen motiviert

viele junge, talentierte Musiker*innen, sich

nicht mit dem schon Erreichten zufrieden

zu geben. In der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten

kann das SJBO Anreiz für eine

noch intensivere Beschäftigung mit Musik

geben – in mehreren Fällen hat dies

in der Folge zu einem Musikstudium geführt.

Es ist auch sehr schön zu bemerken,

dass sich ehemalige SJBO-Musiker*innen

nach dem Studienabschluss als Lehrende

KulturFenster

42 05/Oktober 2025


Blasmusik

an Südtiroler Musikschulen für die nächste

Generation einbringen und sich der

Kreis somit schließt. Zudem übernehmen

viele Musiklehrer*innen die musikalische

Leitung einer Musikkapelle, was zu einer

doppelt positiven Wirkung führt. Auch für

die persönliche Weiterentwicklung – nicht

nur in musikalischer Hinsicht – kann das

SJBO wichtige Impulse geben. Hierfür werden

in der Sommer-Orchesterwoche auch

spezielle Programme geboten, z.B. Mental-Coaching,

Atemtraining u.a.

Die wohl wichtigste persönliche Erfahrung

ist es aber vielleicht, dass man im Team

mit anderen hochbegabten Musiker*innen

das Konkurrenzdenken ganz weglassen

kann und in einem guten Miteinander die

Rollen so flexibel gestaltet werden können,

dass für jede Einzelne / jeden Einzelnen

besondere Herausforderungen gegeben

sind. Die Erkenntnis, dass man nicht

nur auf der ersten Stimme musikalische

Highlights erleben kann, mag dazu führen,

dass man sich bewusst auch mal zurücknimmt

und anderen den Vortritt lässt,

was zu einem nachhaltigen Motivationsfaktor

werden kann.

BRAWOO: Inwiefern unterscheidet sich

die Arbeit mit diesem Orchester von der

Arbeit mit anderen Orchestern?

Geroldinger: Ich sehe hier keinen großen

Unterschied, wenn der absolute Wille zur

bestmöglichen Leistung vorhanden ist.

Eine sehr wertvolle Besonderheit ist die

freundschaftliche Verbundenheit der Orchestermitglieder

im SJBO, aber auch

dies ist vergleichbar mit meinem Sinfonischen

Blasorchester Ried.

BRAWOO: Was war für Sie das musikalisch

oder menschlich bewegendste Erlebnis

mit dem SJBO – sei es früher oder jetzt?

Geroldinger: Es fällt mir schwer, die vielen

schönen Erlebnisse auf eines zu reduzieren.

Ich habe so viele bewegende

und auch zu Tränen rührende Momente

in ganz wacher Erinnerung. „Allerseelen“

von Richard Strauss zur Ehre der Pioniere

des VSM beim Galakonzert in Bozen oder

der Finalsatz der „Sinfonie Nr. 1 “ von

Gustav Mahler sind nur einige Beispiele

dafür. Menschlich sehr bewegend sind

für mich immer die Abschiede am Ende

eines Orchesterprojektes – hier habe jeweils

das Gefühl, etwas sehr Wertvolles

zurücklassen zu müssen.

BRAWOO: Jedes Jahr kommen neue Talente

hinzu. Worauf achten Sie beim Auswahlprozess

der Neumitglieder?

Geroldinger: Es ist sehr erfreulich, dass

die Strahlkraft des SJBO jährlich neue

Bewerber*innen bringt. Auswahlkriterien

für die Aufnahme sind deren musikalisches

Niveau und in einigen Registern natürlich

auch die Anzahl der verfügbaren Plätze,

damit eine gute Klangbalance noch möglich

ist. Generell freuen wir uns über alle

jungen Musiker*innen, die sich im SJBO

einbringen möchten.

BRAWOO: In der vergangenen Orchesterwoche

in Schlanders wurde wieder intensiv

geprobt. Was war Ihr pädagogischer

und musikalischer Zugang in dieser intensiven

Phase?

Geroldinger: Mein Bemühen ist immer,

die Proben so zu gestalten, dass sich die

bereits hochmotivierten Musiker*innen mit

Freude bestmöglich einbringen und dass

sie trotz der intensiven Probenarbeit noch

Energie für die Gemeinschaft in der Freizeit

haben. Ich versuche, Druck zu vermeiden,

wenn er die innere Bereitschaft

hindert. Eine ganze Woche mit Leichtigkeit

zu musizieren, gelingt meiner Meinung

nach nur mit ständig neu entfachter Begeisterung.

Was man mit Freude macht,

fühlt sich leicht an, und die Zeit verfliegt

dabei ganz schnell. Musikalisch habe ich

mich beim heurigen Programm mit der

„Sinfonie Nr. 1“ von Gustav Mahler, „Pini

di Roma“ von Ottorini Respighi, und der

Uraufführung von „La Danza“ von Thomas

Doss besonders um unterschiedliche

Klangfarben und beim Strauß-Walzer „Wo

die Zitronen blüh’n“ um die erforderliche

agogische Beweglichkeit bemüht.

BRAWOO: Was wünschen Sie dem Südtiroler

Jugendblasorchester für die Zukunft

– und den jungen Menschen, die

dort musizieren?

Geroldinger: Dem SJBO-Projekt wünsche

ich weiterhin so große Strahlkraft, dass es

auch für die nächsten Generationen junger

Musiker*innen attraktiv ist. Den wunderbaren

jungen Menschen, die in diesem

besonderen Orchester musizieren,

wünsche ich, dass sie nachhaltig angesteckt

bleiben von der Zauberkraft der

Musik und so von ihrer Begeisterung zu

weiteren musikalischen Höhepunkten getragen

werden. Möge die Musik zu einer

Tiefe des eigenen Erlebens führen, die

ohne das Musizieren nie erreicht werden

würde.

Das Südtiroler Jugendblasorchester SJBO führt junge musikbegeisterte Talente zu einem

einzigartigen musikalischen Projekt zusammen.

Foto: Thomas Wallnöfer

Gespräch: Klaus Härtel

(Nachdruck aus BRAWOO Nr. 10/2025)

KulturFenster

43 05/Oktober 2025


geglückt

Links: Peter Vierneisl arbeitete in den

Jahren 2012 und 2013 mit dem Südtiroler

Jugendblasorchester.

Mitte: Josef Feichter leitete das Jugendblasorchester

von 2014 bis 2017.

Fotos: Stephan Niederegger

Rechts: Isabelle Ruf-Weber stand 2018

und 2019 am Dirigentenpult.

Hier geht es zu den YouTube-Videos „SJBO 2025“

Erinnerungen ehemaliger Orchestermitglieder

In diesen 20 Jahren haben viele junge Musikant*innen aus den Südtiroler Musikkapellen im SJBO mitgespielt und Erfahrungen für

ihre weitere musikalische Laufbahn gesammelt. Einige von ihnen haben mittlerweile ihre Liebe zur Musik zum Beruf gemacht, so

auch die folgenden Kolleg*innen, die sich gerne an ihre Zeit beim SJBO zurückerinnern:

Bernhard Plagg, Trompete (Mals)

Solotrompeter DSO Berlin

Lehrbeauftragter UdK Berlin

Meine Erinnerungen an die SJBO-Zeit sind überaus positiv! Ich denke, beim SJBO konnte ich von

verschiedensten tollen Dozenten und auch im Austausch mit anderen Teilnehmern unheimlich

viel lernen, und bin dafür sehr dankbar. In diesen Jahren und später beim WJO und GMJO ist

der Entschluss gereift, Berufsmusiker zu werden. Besonders in Erinnerung bleiben das schöne

Miteinander und der tolle Zusammenhalt unter den Musikern! (Foto: privat)

Andrea Götsch, Klarinette (Meran)

Klarinettistin Wiener Philharmoniker/Wiener Staatsopernorchester

Lehrende an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien

An meinen allerersten Eindruck bei der ersten Probe im SJBO kann ich mich noch sehr gut

erinnern - ich war total geflasht! Dieser Klang, diese Energie, und ich mittendrin – mega! Wir

haben die „Romanian Dances" von Thomas Doss gespielt, ein geniales Stück, und der Komponist

selbst stand vor uns und hat das Projekt geleitet. Musikalisch und sozial eine unglaublich

wohltuende Zeit mit unvergesslichen Erlebnissen auf und jenseits der Bühne. Ich habe

gelernt, auch nach schlaflosen Nächten fleißig zu proben. Mit dem SJBO verbinde ich Zusammenhalt

und Zuhören, Freude am disziplinierten und gleichzeitig emotionalen Musizieren mit

Freunden. Ich konnte auf meinem Instrument, in meinem allgemeinen Musikverständnis und in

meiner Persönlichkeit stark wachsen. Die Woche war unglaublich schön, ich wollte damals, dass sie

niemals endet ... (Foto: Julia Frank)

Dominik Palla, Schlagwerk (Lana)

Bühnenorchester der Wiener Staatsoper

Das SJBO ist meines Erachtens eine Mischung aus Motivation, Geselligkeit, Horizonterweiterung,

nachhaltigen Freundschaften und scheinbar nicht enden wollender Energie. Dieser Mix

führt zu Musik auf hohem Niveau und hat mich auf jeden Fall in der Entscheidung beeinfl usst,

eine Laufbahn als Profi musiker zu probieren. Die Konzerte waren stets Höhepunkte, speziell

die in Ried im Innkreis und in Schladming, wo die Musik noch nach dem Konzert im Gasthaus

erklang. (Foto: Oliver Wolf)

KulturFenster

44 05/Oktober 2025


bewegt

„Unsere musikalischen Wurzeln

liegen in der Marschmusik“

Erfahrungsbericht vom Grundkurs für Stabführer

Heuer durfte ich gemeinsam mit weiteren

fünf Teilnehmern und zwei Teilnehmerinnen

den Grundkurs zum Stabführer besuchen.

Ich entschloss mich zusammen mit zwei

jungen Kollegen aus unserer Musikkapelle

zum Besuch dieses Grundkurses, da mir

als Kapellmeister mit mehrjähriger Erfahrung

nicht nur das Musikalische, sondern

auch das Erscheinungsbild der Musik in

Bewegung immer ein wichtiges Anliegen

war. Historisch gesehen liegen die Wurzeln

unserer Musik in der so genannten

Marschmusik, eben in der musikalischen

Begleitung bei Paraden oder Prozessionen

mit Trommeln und Fanfaren. Geschichtliche

Dokumente bezeugen eine Jahrhunderte

lange Tradition dieser Marschmusik.

Vielen konzertanten Auftritten unserer Musikkapellen

geht ein Einmarsch oder eine

Prozession an kirchlichen und weltlichen

Festtagen voraus. Hier ist es für mich immer

wieder beeindruckend, wenn nicht

nur der musikalische Auftritt, sondern

auch der „marschiermäßige“ sorgfältig geplant

und ausgeführt wird. Ich wage sogar

zu behaupten, dass sich eine qualitativ

hochwertige Herangehensweise der

Pfl ege unserer Musikkultur an der Qualität

des Auftritts bzw. der Musik in Bewegung

erkennen lässt. Als Absolvent des

Lehrganges für Blasorchesterleitung liegt

meine im damaligen Lehrgang integrierte

Ausbildung zum Stabführer bereits einige

Die Teilnehmer*innen des

Stabführer-Grundkurses:

(vorne v. l.) David Stocker,

Erwin Rechenmacher,

Michael Rainer, Lisa

Pichler und Naemi Punter;

(hinten v. l.) Raffael

Pirhofer, Maximilian Polin,

Sebastian Prieth, Raphael

Prieth, Moreno Pinchera

und Leo Wunderer

Foto: VSM Bezirk Schlanders

Jahre zurück. Daher war dieser Grundkurs

eine willkommene Gelegenheit, mit jungen

Kolleg*innen das mittlerweile doch erheblich

spezialisierte Stabführerwissen durch

kompetente und freundschaftliche Instruktoren

wieder zu vertiefen. Ich kann nur jedem

Kollegen und jeder Kollegin die Teilnahme

an diesen Kursen empfehlen, da

sie einerseits unser Bewusstsein für unsere

historischen Wurzeln und andererseits das

Bewusstsein für einen gelungenen Auftritt

bzw. für Musik in Bewegung schärft.

In diesem Sinn wünsche ich allen gelungene

musikalische Auftritte.

Maximilian Polin

Kapellmeister der MK Reschen

BLASMUSIK IM RUNDFUNK

jeden Montag von 17 bis 18 Uhr

„Dur und Schräg“ Traditionelle und neue

Blasmusik mit Norbert Rabanser

jeden Freitag von 18 bis 19 Uhr

„Blasmusik“ mit Dieter Scoz

jeden Samstag

von 18 bis 19 Uhr

„Faszination Blasmusik“

mit Arnold Leimgruber

(Wiederholung

am Sonntag um 9 Uhr)

jeden Freitag

von 18 bis 19 Uhr

„Das Platzkonzert"

mit Wolfgang Kostner

jeden Dienstag

von 18 bis 19 Uhr

„Tiroler Weis"

mit Peter Kostner

KulturFenster

45 05/Oktober 2025


bewegt

Wenn Marschieren

zum Erlebnis wird

Musik in Bewegung bei

der Jungbläserwoche in Bruneck

Wenn rund 45 junge Musiker*innen aus

ganz Südtirol gemeinsam musizieren, marschieren

und Neues ausprobieren, dann

ist das die Jungbläserwoche B – heuer

mit einer besonderen Premiere: „Musik

in Bewegung“ wurde erstmals gezielt als

Schwerpunkt eingebaut und mitreißend

umgesetzt.

Vom 5. bis 12. Juli fand die Woche (wir

berichteten in der Augustausgabe) unter

der hervorragenden Leitung von Matthias

Kirchler in Bruneck statt. Neben intensiven

instrumentalen Workshops und

einem Abschlusskonzert wurde auch die

Bewegung zur Musik großgeschrieben:

Marschieren auf hohem Niveau – professionell,

strukturiert und motivierend

vermittelt. In nur zwei längeren Proben

bereitete das Stabführerteam des VSM

unter der Leitung von Klaus Fischnaller

die Jugendlichen auf ein ambitioniertes

Ziel vor: die sichere Beherrschung der

Stufe D nach den Richtlinien des Österreichischen

Blasmusikverbands (ÖBV) –

und das in nur sechs Stunden.

Was ist die Stufe D?

Stufe D ist die höchste Leistungsstufe im

Bereich „Musik in Bewegung“ des Österreichischen

Blasmusikverbands (ÖBV) –

noch ohne Showelemente. Sie umfasst

folgende Kommandos und Elemente, die

präzise beherrscht werden müssen:

➤ Antreten, Ausrichten und Meldung

➤ Abmarschieren mit Einschlagen /

klingendem Spiel

➤ Halten mit klingendem Spiel

➤ Abfallen und Aufmarschieren

➤ Defi lierung

➤ Breite Formation & Große Wende

➤ Schwenkung im Spiel

➤ Abreißen und Abtreten

Beeindruckende

Leistung

in kurzer Zeit

VSM-Verbandsstabführer Klaus

Fischnaller führt den Marschblock

in „Abgefallener Formation“ an.

Mit Konzentration, Disziplin und Freude

am gemeinsamen Tun meisterten die

Jugendlichen sämtliche Anforderungen

– vom Antreten über das Marschieren

mit klingendem Spiel bis hin zu komplexen

Formationswechseln wie der Großen

Wende.

Viele von ihnen hatten zuvor kaum oder

gar keine Erfahrung mit „Musik in Bewegung“.

Dass sie die gesamte Stufe D

in so kurzer Zeit erlernen und verinnerlichen

konnten, ist schlichtweg bemerkenswert.

Dieses Wissen wird nun in die

Heimatkapellen getragen – und ist dort

eine wertvolle Unterstützung für die musikalische

und organisatorische Arbeit.

Nadia hat bei ihrem ersten Einsatz als Stabführerin

das Kommando.

KulturFenster

46 05/Oktober 2025


Blasmusik

Musik bewegt die Brunecker Stadtgasse – da gibt’s was zu sehen und zu hören.

In der Intercable-Arena geht es

beim Proben richtig zur Sache.

Die Umsetzung erfolgt im Gleichklang

von Musik, Bewegung und Disziplin –

bewertet nach einem standardisierten

Punktesystem.

Ein Aufmarsch

mit Gänsehautmomenten

Am Freitag, 11. Juli, war es dann so weit:

Ein feierlicher Aufmarsch durch die Brunecker

Oberstadt, entlang der Stadtgasse

bis zum Tschurtschenthaler Park, bildete

den Höhepunkt der Bewegungsarbeit.

Das Publikum staunte über die Präzision,

die Musikalität – und die spürbare Energie

der Jugendlichen. Besonderen Applaus

erhielt Nadia, die mutig das Kommando

übernahm und als Stabführerin

ihren allerersten öffentlichen Auftritt mit

Haltung, Taktgefühl und viel Ausstrahlung

meisterte. Ein echter Gänsehautmoment,

der zeigte, wie viel in nur einer

Woche möglich ist.

Krönender Abschluss

und ein großes „Danke“

Haus der Ursulinen, das die Jugendlichen

herzlich aufgenommen und bestens betreut

hat. Diese Zusammenarbeit bildete

den sicheren Rahmen für eine Woche, die

wohl niemand so schnell vergessen wird.

Diese Woche hat gezeigt, wie Musik Men-

schen in Bewegung bringt – körperlich,

emotional und im Miteinander. Die „Jungbläserwoche

B“ hat genau das bewiesen

und damit einen neuen Meilenstein für die

„Musik in Bewegung“ in Südtirol gesetzt.

Martin Astner

Am Samstag, 12. Juli, erklang dann das

feierliche Abschlusskonzert im ehrwürdigen

Schloss Bruneck – musikalisch anspruchsvoll,

lebendig vorgetragen und ein

würdiger Schlusspunkt einer intensiven

Woche voller Fortschritt, Freundschaft

und neuer Erfahrungen.

Ein großes Dankeschön gilt dem Betreuerteam,

dem Stabführerteam, sowie dem

Ein schöner Ausklang mit Marschmusik am Tschurtschenthaler Park und ein großes „Danke“

an alle, die diese Woche voller Musik ermöglichst haben.

Fotos: Martin Astner

KulturFenster

47 05/Oktober 2025


hinausgeblickt

bewegt

Stabführertag 2025

in Margreid, Kulturzentrum

Karl-Anrather-Haus

https://vsm.bz.it

25.10.2025

Führung mit Taktgefühl

Ist es wirklich so einfach

wie es scheint, Stabführer*in zu sein?

Sieben Musikant*innen aus ganz Südtirol

haben sich genau diese Frage gestellt und

den Abschlusskurs absolviert. Fünf davon haben

auch die Prüfung mit Bravur bestanden.

Der Verband für Südtiroler Musikkapellen

hat heuer zum wiederholten Mal den Stabführerabschlusskurs

sowie die Stabführerabschlussprüfung

angeboten.

Die angehenden Stabführer*innen haben

sich an vier Samstagen und einem

Abend in Brixen getroffen, um ihre praktischen

und ihre theoretischen Fähigkeiten

zu verbessern.

Als Referenten fungierten der Verbandsstabführer

Klaus Fischnaller und der Bezirksstabführer

des Bezirkes Pustertal Franz

Plangger. Die Teilnehmenden lernten ver-

schiedene Marschordnungen, Marschierelemente

und Instrumentenhaltungen

genauer kennen und erhielten eine Einführung

in die Dirigiertechnik. Dazu referierte

Monika Steger, Kapellmeisterin aus

Terenten. Stabführer*innen müssen nämlich

auch ohne Stab in der Lage sein, eine

Musikkapelle zu führen, sollte der Kapellmeister

nicht vor Ort sein oder ausfallen.

Verbandsstabführer Fischnaller Klaus über das Stabführeramt

Die Prüfungsabnehmer der

Abschlussprüfung: Verbandsstabführer

Klaus Fischnaller (erster von links)

und Bezirksstabführer Bezirk Brixen

Oskar Zingerle (zweiter von links)

sowie die Prüfungsteilnehmer*innen

v.l.: Samuel Ebner, Roman Falser,

Manfred Mayr, Alexander Oberhofer,

Paula Marie Stocker und Sarah

Augscheller

KulturFenster: Warum bist du gerne

Stabführer?

Klaus Fischnaller: Durch einen begeisterten

Stabführer hatte ich damals die

Chance in die Welt von „Musik in Bewegung“

hineinzuschnuppern. Dadurch

wurde auch in mir eine Freude und Begeisterung

für dieses Amt geweckt, die

mich dazu geführt hat, es selbst auszuprobieren.

KF: Warum ist es dir so wichtig, dass

es gut ausgebildete Stabführer*innen

gibt?

Klaus: Musik in Bewegung findet immer

Anklang und Interesse in den Musikkapellen.

Es wird immer mehr wertgeschätzt

und nach neuen Wegen gesucht,

um Musik in Bewegung interessanter zu

gestalten. Voraussetzung dafür sind gewisse

Grundkenntnisse und eine Ausbildung.

Ohne das nötige Fachwissen

ist ein Stabführer nicht in der Lage, eine

verantwortungsvolle Führungsposition

zu übernehmen. Dadurch könnten sich

mögliche Unsicherheiten des Stabführers

auf die Musikant*innen übertragen.

Genau dieser Aspekt wird oftmals unterschätzt.

Ebenso wichtig wie ein solides

Grundwissen ist die kontinuierliche Weiterbildung.

Stabführer*innen sollten sich

der Herausforderung stellen, den Wünschen

und Anliegen der Musikant*innen

gerecht zu werden.

Text und Interview:

Paula Marie Stocker

KulturFenster

48 05/Oktober 2025


Blasmusik

Die Teilnehmer*innen im Gespräch

KulturFenster: Seit wann bist du Stabführer,

und was sind deiner Meinung nach die

herausfordernden Situationen?

Alexander: 2018 habe ich den Grundkurs

gemacht und das Stabfüheramt begonnen.

Besonders herausfordernd finde ich es, als

junger Musikant Respekt von den langjährigen

Musikant*innen zu bekommen.

Zudem fi nde ich das Erlernen von neuen

Elementen herausfordernd. Als Stabführer

muss man 100prozentig sicher sein, damit

es auch bei den Musikant*innen der

Musikkapelle reibungslos abläuft.

KF: Welche Fähigkeiten braucht man deiner

Meinung nach, um ein guter Stabführer

bzw. eine gute Stabführerin zu sein?

Sarah: In erster Linie braucht ein guter

Stabführer die Leidenschaft für die Musik.

Natürlich braucht es auch ein gewisses

Rhythmusgefühl und das Gespür

für einen Phrasenanfang bzw. für das

Phrasenende.

KF: Wie bereitest du dich auf einen Auftritt

oder eine Marschprobe vor?

Roman: Um richtig vorbereitet zu sein,

wiederhole ich nochmals alle Elemente,

die ich für den Auftritt geplant habe, um

ganz sicher zu sein. Dadurch kann ich

entspannt vor der Kapelle marschieren

Die Teilnehmer*innen des Abschlusskurses v.l.: Julian Stockner, Sabine Reifer, Sarah Augscheller,

Paula Marie Stocker, Alexander Oberhofer, Manfred Mayr, Samuel Ebner sowie

die Kursleiter Franz Plangger und Klaus Fischnaller

Fotos: VSM

und ihnen alle nötigen Stabzeichen geben.“

KF: Welcher Auftritt ist dir am meisten in

Erinnerung geblieben?

Samuel: Der Auftritt, der mir am meisten

im Gedächtnis geblieben ist, fand vor ca.

zehn Jahren statt, als die Mutter unseres

Stabführers verstorben war. Damals hatte

ich erst den Grundkurs abgeschlossen und

musste bereits einspringen. Vor diesem

Auftritt war ich somit dementsprechend

aufgeregt. Trotz der Aufregung habe ich

den Auftritt aber Gott sei Dank gut meistern

können.

KF: Was hat dich dazu motiviert StabfüherIn

zu werden?

Manfred: Als „Nicht-Musikant“ fand ich die

Rolle des Stabführers immer schon total

spannend und faszinierend. Es hat mich

motiviert, der Musikkapelle beizutreten,

diese zu führen, mit den Musikant*innen

zu marschieren und eine Rolle im Verein

zu übernehmen.

Interview: Paula Marie Stocker

BLASMUSIK

CHORWESEN

HEIMATPFLEGE

in Südtirol

Aboaktion

Seit Dezember 1948 berichten wir unter dem Titel „Die Volksmusik“, ab September

1953 als „Südtiroler Volkskultur“, ab März 1979 als „Tiroler Volkskultur“ und seit

2008 als „KulturFenster“ lebendig, bunt und vielfältig über die Musikkapellen,

die Chöre, die Heimatpflege, den Volkstanz und das Trachtenwesen in Südtirol

derzeit in einer Gesamtauflage von rund 3.300 Stück pro Ausgabe.

Sie möchten keine

Ausgabe verpassen?

Dann rufen Sie uns an (Tel. 0471 976 387)

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Sie bekommen das „KulturFenster“ sechs Mal im Jahr

direkt nach Hause geschickt. Weitere Informationen finden

Sie im Impressum auf Seite 3 dieser Ausgabe.

KulturFenster

49

05/Oktober 2025


14.12.2025

hinausgeblickt

Bezirksjugendblasorchester

Schlanders - Konzert

CulturForum Latsch

https://vsm.bz.it

jung musiziert

Am 26. Juli konzertierte das Euregio-Jugendblasorchester

in Toblach.

Junge Blasmusik grenzenlos

Das Euregio-Jugendblasorchester begeistert bei drei Konzerten

Junge Musiker*innen aus Tirol, Südtirol und

dem Trentino setzten mit musikalischer Exzellenz

wiederum ein starkes Zeichen für grenzüberschreitende

Zusammenarbeit.

Mit großer Begeisterung und starker Publikumsresonanz

ist Ende Juli die mittlerweile

bereits traditionelle dreitägige Konzerttournee

des Euregio-Jugendblasorchesters über

die Bühne gegangen.

Nach dem Auftakt am Freitagabend (25.

Juli) in der Kulisse der Rocca von Riva del

Garda gastierte das rund 50-köpfi ge Ensemble

tags darauf in Toblach und schloss

die Konzertreihe am Sonntagvormittag

(27. Juli) mit einem festlichen Matineekonzert

im Innenhof der Kaiserlichen Hofburg

in Innsbruck im Rahmen der Promenadenkonzerte

ab. Das musikalische Programm

überzeugte durch Vielfalt und Anspruch

– von Beethovens Europahymne

über klassische Werke von Holst, Strauss

und Rimski-Korsakow bis hin zu zeitgenössischen

Kompositionen von David Maslanka,

Rossano Galante und Arturo Márquez. Die

musikalische Leitung lag bei Hannes Schrötter

(Südtirol), Franco Puliafito (Trentino) und

erstmals Manuela Lusser (Osttirol), die als

erste Frau und erste Vertreterin Osttirols

das Orchester dirigierte.

Spielfreude und

musikalische Harmonie

Die Konzertreise war wie immer Abschluss

einer intensiven Probenwoche im Euregio-

Kulturzentrum Gustav Mahler in Toblach.

Von Beginn an waren die Spielfreude und

die musikalische Harmonie der jungen

Musiker*innen spürbar – ein Beweis für das

hohe künstlerische Niveau und die starke

menschliche Verbindung innerhalb des Orchesters.

Bei den Konzerten zeigten sich

Robert Alexander Steger, Präsident der Bezirksgemeinschaft

Pustertal, Tirols Landesrätin

Eva Pawlata und der Trentiner Landesrat

für Autonomie und Kultur, Simone Marchiori,

beeindruckt: „Mit dem Euregio-Jugendblasorchester

bringen junge Musiker*innen

die Euregio zum Klingen – und setzen damit

ein eindrucksvolles Zeichen.“ Das Euregio-Jugendorchester

sei ein lebendiges Beispiel

dafür, wie Zusammenarbeit zwischen

den Regionen Tirol, Südtirol und dem Trentino

zu einer bereichernden Erfahrung für

junge Menschen und zu einem kulturellen

Gewinn für unsere Gemeinschaften werden

könne, wurde einstimmig hervorgehoben.

LPA

Die musikalische Leitung

lag bei (v.r.) Hannes

Schrötter (Südtirol),

Manuela Lusser

(Osttirol) und Franco

Puliafi to (Trentino).

Fotos: Max Verdoes

50

KulturFenster 05 Oktober 2025


..

Blasmusik als Kulturtrager

19. Sonderkonzert der Wiener Philharmoniker

Das Konzertprogramm

Dmitri Schostakowitsch

Festliche Ouvertüre

(Prazdnicˇnaja uvertjura) op. 96

Georges Bizet

Carmen Suite, arr. Guido Swelsen

Das heurige 19. Sonderkonzert der Wiener Philharmoniker mit jungen Blasmusiktalenten

aus Österreich und Südtirol in der Salzburger Felsenreitschule.

Foto: Manfred Laux

Maurice Ravel

Feria aus Rhapsodie espagnole

Am 31. August fand im Rahmen der Salzburger

Festspiele bereits zum 19. Mal das

Sonderkonzert der Wiener Philharmoniker

in der Felsenreitschule statt.

67 junge Blasmusiktalente (Niveau: Leistungsabzeichen

in Gold) aus den neun österreichischen

Bundesländern und Südtirol

präsentierten unter der Leitung von

Lars Michael Stransky und gemeinsam mit

Mitgliedern der Wiener Philharmoniker ein

schwungvolles Programm, das sich bewährterweise

aus Opern- und Konzertstücken,

Walzern, Polkas und Märschen zusammensetzte.

Heuer wurde dabei ein besonderer

Schwerpunkt auf die runden Geburts- und

Todestage berühmter Komponisten gelegt.

Dementsprechend standen meisterhafte

Werke von Dmitri Schostakowitsch (50. Todestag),

Georges Bizet (150. Todestag), Maurice

Ravel (150. Geburtstag), Robert Stolz

(50. Todestag), Johann Strauss Sohn (200.

Geburtstag) und Johann Schrammel (175.

Geburtstag) auf dem Programm.

Das beliebte Sonderkonzert nimmt nun seit

fast zwei Jahrzehnten einen Fixplatz im Kalender

der Salzburger Festspiele ein. Die kostenlosen

Zählkarten waren bereits vor Wochen

vergriffen. „Dieses Konzert gehört als

i-Tüpferl am Schluss der Salzburger Festspiele

ja fast schon so dazu wie der Jedermann“,

erklärte die Salzburger Landtagspräsidentin

Brigitta Pallauf zum Auftakt des

Konzertes. Auch Kristina Hammer, die Präsidentin

der Salzburger Festspiele, hob die

Blasmusik als Kulturträger hervor: „Blasmusik

steht für Authentizität, Publikumsnähe

und Gemeinschaftssinn – und das

wird in Österreichs Gemeinden jeden Tag

gelebt.“ Ebenso freute sich Katrin Fraiß,

die Bundesjugendreferentin der ÖBJ, über

den jahrzehntelangen Erfolg dieses Projektes:

„Für junge Musiker*innen ist es irgendwann

in der jungen Karriere ein großer

Traum, mit den Wiener Philharmonikern

auf der Bühne zu stehen oder Teil der Salzburger

Festspiele zu sein. Wenn man dieses

Erlebnis mit einem großen Fanclub vor

einem ausverkauften Haus teilen kann, ist

das schon eine große Ehre für alle.“

Heuer nahmen drei Musikantinnen aus

Südtirol am Philharmonikerprojekt teil,

und zwar (im Bild v. l.) die Fagottistin

Anna Knoll (BK Lana), die Flötistin Julia

Vieider (MK Völser Aicha) und die Klarinettistin

Tamira Perathoner (MK Pufels).

Alle drei waren begeistert von den Tagen

in Salzburg und werden das Konzert

noch lange in guter Erinnerung behalten.

Foto: RE*creation

Robert Stolz

Frühjahrsparade, Marsch

Johann Strauss (Sohn)

Ouvertüre aus Der Zigeunerbaron

Johann Strauss (Sohn)

Violetta. Polka française op. 404

Johann Strauss (Sohn)

Ein Herz, ein Sinn.

Polka mazurka op. 323

Johann Strauss (Sohn)

Geschichten aus dem Wienerwald.

Walzer op. 325

Johann Strauss (Sohn)

Leichtes Blut. Polka schnell op. 319

Johann Schrammel –

Wien bleibt Wien. Marsch

Auch die Mitglieder der Wiener Philharmoniker

spielten das Blasmusikkonzert

in Tracht und wollten damit signalisieren,

dass sie selbst auch aus der Blasmusik

kommen. Viele Blasmusiker*innen und

Schlagwerker*innen, die in professionellen

Orchestern tätig sind, haben ihre Wurzeln

in den Musikkapellen ihrer Heimatdörfer,

wo sie ihre qualitative Musikausbildung

durch Leistungsabzeichen und der Teilnahme

an vielfältigen Wettbewerben vorantreiben

können.

Hannes Schrötter

VSM-Verbandsjugendleiter

51

KulturFenster 05 Oktobert 2025


hinausgeblickt

Blasmusik in

historischem Ambiente

MK St. Jakob in Ahrn beim 43. Österreichischen Blasmusikfest in Wien

Kurzkonzert

am Wiener

Heldenplatz

beim Reiterdenkmal

von

Erzherzog Karl

Foto:

Natalie Abfalterer

Die Österreichische Hauptstadt wurde am

Samstag, dem 30. August, zur Blasmusikhauptstadt.

Über 500 Musiker*innen aus

Österreich, Südtirol und Liechtenstein erfüllten

beim heurigen 43. Österreichischen

Blasmusikfest die Innenstadt mit Blasmusik

– gekrönt von einem Gesamtkonzert mit

1.000 Musiker*innen am Rathausplatz. Die

Musikkapelle St. Jakob in Ahrn hat dabei

Südtirol, das Ahrntal und den Verband Südtiroler

Musikkapellen würdevoll vertreten.

ein beeindruckendes Erlebnis, in diesem

historischen Ambiente zu spielen, freute

sich auch Obmann Thomas Künig.

Gemeinschaftskonzert mit

rund 1000 Musikant*innen

Am Nachmittag hat die Gastkapelle den

Aufmarsch vom Maria-Theresien-Platz über

die Ringstraße, vorbei am Parlament und

Burgtheater, zum Rathausplatz unter der

Stabführung von Armin Niederkofler angeführt.

Vor dem Wiener Rathaus fand das

abschließende Gemeinschaftskonzert der

21 Musikkapellen aus Österreich, Liechtenstein

und Südtirol statt. Der Wiener Landeskapellmeister

Herbert Klinger, seines

Zeichens stellvertretender Bundeskapell-

Die Musikant*innen aus dem Pustertal sind

bereits am Freitag angereist, um das pulsierende

Kulturleben in Wien genießen zu

können und die Aura dieser geschichtsträchtigen

„Stadt der Musik” einzuatmen.

Tags darauf hat die „Jougiba Musig” am

Heldenplatz unter der Leitung von Kapellmeister

Daniel Niederegger den Reigen der

Kurzkonzerte in der Innenstadt eröffnet. Es

war für die rund 60 Teldra Musikant*innen

Gemeinschaftskonzert

vor dem

Wiener

Rathaus

KulturFenster

52 05/Oktober 2025


Redaktionsschluss für

„ KulturFensters“ ist:

Blasmusik

ÖBV-Präsident Erich Riegler (3. von rechts) und der Präsident des Wiener Blasmusikverbandes

Michael Foltinowsky (2. von rechts) begrüßten die Gäste aus Südtirol.

Musikparade über die Ringstraße zum

Rathausplatz

Fotos: Stephan Niederegger

meister, hat dieses beeindruckende Blasorchester

aus rund 1.000 Musikant*innen

geleitet. Als Gastdirigenten waren der Burgenländische

Landeskapellmeister Hans

Kausz und der Wiener Landeskapellmeister-Stellvertreter

Daniel Muck am Dirigentenpult.

Letzterer dirigierte das eigens

von ihm zum heurigen 200. Geburtstages

von Johann Strauss II. zusammengestellten

Medley aus drei bekannten Werken

des Walzerkönigs.

FESTIVAL FANFARE (Peter Platt)

komponiert für das Wiener Blasmusikfest

RATHAUS-KLÄNGE (Daniel Muck)

Dr. Michael Ludwig-Marsch

DEUTSCHMEISTER REGIMENTSMARSCH

(Wilhem August Jurek, arr. Siegfried Rundel)

SCHÖNFELD-MARSCH

(Carl Michael Ziehrer, bearb. Siegfried Rundel)

WIEN BLEIBT WIEN

(Johann Schrammel,

bearb. Hans Kliment jr.)

EIN WALZER-STRAUSS

(arr. Daniel Muck)

O DU MEIN ÖSTERREICH

(Franz von Suppé, arr. Sepp Tanzer)

Zugabe: RADETZKY MARSCH

(Johann Strauss I., bearb. Hans Kliment jr.)

Das Publikum am Rathausplatz, wo seit

28. Juni – bis zum 31. August – auch das

Filmfestival über die Bühne ging, ließ sich

vom leicht einsetzenden Regen nicht beirren

und zeigte sich begeistert von dieser

musikalischen und optischen Kulisse

der Österreichischen Blasmusik: „Ein unvergessliches

Erlebnis für alle, die dabei

sind”, wie es der Bundesehrenkapellmeister

Walter Rescheneder treffend formulierte.

Mit vielen schönen Erinnerungen im Gepäck

traten die Musikant*innen aus St. Jakob

am Sonntag die Heimreise an – eine

Reise, von der sie noch lange erzählen werden

und auch einen gebührenden Platz in

der Vereinschronik haben wird.

Stephan Niederegger

„,Musiziuwo mitnondo,

marschiuwo mitnondo,

feiwo mitnondo,

schaugwo afanodno,

na wescht des widdo a

bearigo Musigausug!"

die nächste Ausgabe des

Freitag, 14. November 2025

Aus der Redaktion

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Blasmusikseiten

senden Sie bitte an: kulturfenster@vsm.bz.it

KulturFenster

53 05/Oktober 2025


hinausgeblickt

Süd-Osttiroler

Blasorchester 40+

Konzert – Kulturzentrum Toblach

https://vsm.bz.it

26.12.2025

gehört & gesehen

Klangbilder der

Filmwelt

Ein unvergessliches Konzertwochenende mit

der MK Unsere Liebe Frau im Walde

Am Wochenende des 26. und 27. Juli 2025

lud die Musikkapelle Unsere Liebe Frau im

Walde zum musikalischen Höhepunkt des

Sommers ein. Unter dem Motto „Filmmusik

in Concert“ erklangen im Mehrzwecksaal

in St. Felix und im Widumstadel in Unsere

Liebe Frau im Walde beeindruckende Werke

moderner Filmmusik – dargeboten unter der

musikalischen Leitung von Michael Stürz.

Der Konzertabend am Samstag in St. Felix

zog das Publikum sofort in seinen Bann.

Mit einer Auswahl an Stücken aus bekannten

Filmen wie „Music from Frozen“,

„The Lion King“, „The Greatest Showman“

und „Avengers“ ließ die Musikkapelle die

Kinoleinwand akustisch lebendig werden.

Der zweite Abend im stimmungsvollen Widumstadel,

setzte dieses Erlebnis in einem

noch intimeren Rahmen fort – ein Genuss

für Augen und Ohren.

Eine Besonderheit bot bei beiden Auftritten

die Sängerin Juliane Telser, die mit ihrer

klaren und gefühlvollen Stimme mehrere

Stücke eindrucksvoll begleitete. Ihre Darbietung

verlieh den ausgewählten Songs

eine zusätzliche emotionale Tiefe und sorgte

für Gänsehautmomente im Publikum. Untermauert

wurden der Sologesang und die

Klänge der Musikkapelle vom Kirchenchor

Unsere Liebe Frau im Walde.

Die begeisterten Zuhörerinnen und Zuhörer

honorierten die Darbietungen mit lang

anhaltendem Applaus und „Standing-

Ovations“. Dieses Konzertwochenende

war ein herausragendes Beispiel dafür,

wie Musik Bilder im Kopf entstehen lassen

und starke Emotionen wecken kann.

Die Musikkapelle Unsere Liebe Frau im

Walde hat mit diesem Programm eindrucksvoll

bewiesen, dass Blasmusik vielseitig,

modern und zugleich tief bewegend sein

kann. Ein kultureller Höhepunkt, der im

Gedächtnis der Gemeinde und aller Gäste

noch lange nachklingen wird.

Klaus Aufderklamm

Beeindruckendes

Klangerlebnis

Große Emotionen erzeugte die Musikkapelle

Unsere Liebe Frau im Walde mit ihrem Projekt

„Filmmusik in Concert“ im stimmungsvollen

Ambiente.

Mit großer Hingabe, Präzision und spürbarer

Freude am Musizieren überzeugten

die Musikerinnen und Musiker der Kapelle

auf ganzer Linie. Ihr Zusammenspiel

zeugte von hoher musikalischer Qualität

und sorgte für ein Klangerlebnis, das die

Zuhörerinnen und Zuhörer beeindruckte.

Mit den kurzen Beiträgen zu den einzelnen

Filmen, Komponisten und Konzertstücken,

gelang es dem Moderator Klaus

Aufderklamm, eine Verbindung zwischen

Bühne und Publikum aufzubauen.

Auch die Sängerin Juliane Telser sorgte mit

Unterstützung durch den Kirchen chor Unsere

Liebe Frau im Walde für Gänsehautmomente.

Fotos: MK Unsere Liebe Frau im Walde

KulturFenster

54 05/Oktober 2025


Blasmusik

100 Jahre

Bürgerkapelle Wolkenstein

Ein Jubiläum zwischen Tradition und Feststimmung

Mit dem Kirchenkonzert „Lumen“ eröffnete

die Bürgerkapelle Wolkenstein unter der Leitung

ihres neuen Kapellmeisters Alexander

Perathoner ihr Jubiläumsjahr. Passend zur

Osterzeit stand das Programm im Zeichen

der Auferstehung Christi. Eine stimmungsvolle

Lichtshow in der Pfarrkirche setzte die

Musik in Szene und sorgte für einen eindrucksvollen

Beginn des Jubiläumsjahres.

Am ersten Septemberwochenende wurde

auf dem Gemeindeplatz von Wolkenstein

gefeiert. Besondere Akzente setzte das Jubiläum

am Samstagabend. Mit der Brassband

„Southbrass“ stand eine Formation

aus Südtirol auf der Bühne, die mit ihrem

kraftvollen und modernen Klang das Publikum

begeisterte. Im Anschluss sorgte

die Band „The Blokes“ für ausgelassene

Stimmung, und das Feiern ging bis spät

in die Nacht weiter.

Die Bürgerkapelle Wolkenstein besteht nunmehr seit 100 Jahren.

Ein großer Festtag

für das ganze Dorf

Schon früh am Sonntagmorgen waren die

Klänge der Musikkapelle im ganzen Dorf

zu hören, als die Musikant*innen beim

traditionellen „Wecken“ durch die Straßen

zogen und die Bewohner auf den Festtag

einstimmten.

Nach der Heiligen Messe und dem feierlichen

Empfang der Verbandsfahne folgte

der große Festumzug. Zahlreiche Musikkapellen,

Fahnenabordnungen und Vereine

zogen durch das Dorf. Die Straßen Wolkensteins

waren dicht gesäumt von Zuschauern,

die den Vorbeimarsch mit viel

Applaus begleiteten.

Das Buch zum Jubiläum

Ein besonderer Beitrag zum Jubiläum war

auch das neu erschienene Buch. Darin

werden die 100 Jahre der Bürgerkapelle

nicht nur mit historischen Daten festgehalten,

sondern auch mit vielen Fotos, persönlichen

Erinnerungen, lustigen Anekdoten

und Erzählungen lebendig gemacht.

So entstand ein Werk, das sowohl Musikanten

als auch Dorfbewohnern einen Blick

auf die gemeinsame Geschichte eröffnet.

Am Sonntagabend trat noch eine letzte Mu-

sikkapelle auf und setzt den musikalischen

Schlusspunkt des Festes. Anschließend ließen

Musikanten, Gäste und Dorfbewohner

das Jubiläum in gemütlicher Runde auf

dem Gemeindeplatz ausklingen.

Juri Senoner

Aufmarsch zum Jubiläumsfes

Fotos: MK Wolkenstein

KulturFenster

55 05/Oktober 2025


gehört & gesehen

Musical & Film

Ein besonderes Konzert in Kastelbell

Mit bekannten Filmmelodien sorgte die Musikkapelle Kastelbell für Gänsehautmomente.

Am 6. September 2025 fand im Musikpavillon

von Kastelbell das Konzert „Musical

& Film“ der Musikkapelle Kastelbell statt.

Unter der Leitung von Charlotte Rainer präsentierte

die Musikkapelle ein abwechslungsreiches

Programm, das zahlreiche

Besucher*innen anlockte.

Die musikalische Reise begann mit dem

„Imperial March“ aus „Star Wars“. Mit seinen

markanten Klängen setzte die Kapelle

einen kraftvollen Auftakt, der das Publikum

sofort in die Welt der Filmmusik entführte.

Besonders eindrucksvoll war auch

die Interpretation der Musik aus „Pearl

Harbor“ von Hans Zimmer. Mit feinen

Melodien und kraftvollen Steigerungen

gelang es, die emotionale Bandbreite

des bekannten Soundtracks eindringlich

hörbar zu machen. Einen weiteren

Höhepunkt setzte die Sängerin Evamaria

Österreicher. Mit „One Moment in Time“

füllte sie den Platz und sorgte mit ihrer

Stimme für Gänsehautmomente.

Zum Abschluss erklang das Lied „Dankeschön“

der „Fäaschtbänkler“. Am Ende

des Stücks erhoben sich alle Musikantinnen

und Musikanten und sangen gemeinsam

– ein Finale, das von Gemeinschaftsgeist

und Energie geprägt war

und beim Publikum großen Eindruck

hinterließ.

Begleitet wurde das Konzert von einer

Lichtshow, die mit wechselnden Farben

und Effekten die Bühne immer wieder

neu inszenierte. Auf einer Leinwand wurden

zudem Filmszenen zu den gespielten

Stücken gezeigt, wodurch Musik und Bild

eine besondere Verbindung eingingen.

Das Publikum dankte den Musikerinnen

und Musikern mit langem Applaus für einen

gelungenen Konzertabend.

Ausschnitte und Bilder sind auf den Social-Media-Seiten

der Musikkapelle Kastelbell

zu sehen.

Simon Blaas

Kapellmeisterin Charlotte Rainer traf mit dem Konzertprogramm punktgenau den Geschmack

des Publikums.

Fotos: MK Kastelbell

KulturFenster

56 05/Oktober 2025


gedenken

Der VSM trauert

um Karl Gschließer

Ein Mann mit großem Einsatz und Handschlagqualitäten

Karl Gschließer

1946 - 2025

Am vergangenen 23. August ist Karl Gschließer

im Alter von 79 Jahren verstorben. Er

war mehr als 20 Jahre der personelle Inbegriff

im VSM Bezirk Sterzing.

Karl Gschließer wurde am 28. Februar

1946 als jüngstes von fünf Kindern auf

dem „Tonnerhof“ in Telfes geboren, wo

er von klein auf mit viel Fleiß und Verantwortungsbewusstsein

am Hof mitarbeitete.

Kurz vor seinem 40. Geburtstag wurde er

1986 zum Bezirksobmann gewählt. Damals

an der Seite von Bezirkskapellmeister

Richard Bacher und ab dem Jahre 2000

mit Walter Holzer, trug Karl wesentlich zum

lebendigen Blasmusikleben im Bezirk bei.

Aber nicht nur für die Blasmusik, auch für

sein Heimatdorf und die Gemeinde hatte

er ein großes Herz.

Vielfältiger Einsatz

für die Dorfgemeinschaft

Seine Fähigkeiten und die ausgeprägte Unternehmungslust

brachte Karl nicht nur im

Beruf, sondern auch in seine Dorfgemeinschaft

ein. Bei vielen Vereinen war er mehrere

Jahrzehnte dabei, so bei der Feuerwehr

(40 Jahre), bei der Musikkapelle (60 Jahre

– davon 25 Jahre als Obmann), bei der Interessentschaft

„Atscher Wiesen“ (20 Jahre),

im Sportverein (als Kassier) oder als Vermögensverwaltungsrat

der Pfarrgemeinde.

Auch als Bezirksobmann des VSM-Bezirkes

Sterzing (21 Jahre), als Präsident des Tourismusvereines

Ratschings (15 Jahre), als

Gemeinderat (20 Jahre) und Ausschussmitglied

der Gemeinde Ratschings (7 Jahre)

war Karl sehr aktiv.

Blasmusik als

Herzensanliegen

Als Bezirksobmann waren ihm vor allem

der Zusammenhalt und das geschlossene

Auftreten bei Musikfesten und Wertungs-

spielen aller 13 Mitgliedskapellen ein

großes Anliegen. Für die Realisierung

großer Vorhaben, wie der Internationalen

Wipptaler Blasmusiktage, der

Bezirksmusikfeste und der Wertungsspiele,

aber auch der Aufnahmen von

Tonträgern halfen ihm viele seiner Kontakte

mit Menschen aus Wirtschaft und

Politik. Gern und gut pfl egte er auch

den Kontakt, den stetigen Austausch

und die gemeinsamen Projekte mit

dem Nachbarbezirk Wipptal/Stubai.

Für seine vorbildliche Arbeit wurde

er zum Ehrenobmann des VSM-Bezirkes

Sterzing ernannt. 2009 wurde

er für sein soziales Engagement mit

der Verdienstmedaille des Landes Tirol

ausgezeichnet.

Ehrendes Andenken in

Dankbarkeit

Seine Fröhlichkeit, sein Humor, seine

Herzlichkeit, seine Großzügigkeit und

sein Lebenswerk für die Allgemeinheit

prägten ihn – und bleiben unvergessen.

Der VSM-Landes- und Bezirksvorstand,

die Musikant*innen im Bezirk

und weit darüber hinaus bedanken

sich posthum bei Karl für seine Menschen

verbindende Art, seine Unternehmerqualitäten

und seine einfache

Art, Mensch zu sein.

Er hinterlässt eine große Lücke in unserem

Leben – aber noch viel mehr

hinterlässt er Spuren der Liebe, unzählige

schöne Erinnerungen und eine

tiefe Dankbarkeit in unseren Herzen,

die für immer bleibt. Wir werden dem

Verstorbenen ein ehrendes Andenken

bewahren und sein Erbe verantwortungsvoll

weitertragen. Ruhe in Frieden

– lieber Karl. Danke für alles!

Pepi Ploner, VSM-Obmann

KulturFenster

57 05/Oktober 2025


entdeckt

„Exodus”

Klangbilder für Blasorchester von Gottfried Veit

1991 hat Gottfried Veit mit „Das Weltgericht“

seine ersten „Klangbilder für Blasorchester“

veröffentlicht. Es folgten die „Passionsmusik“

(1995), „Das Orakel“ (1997)

und „Die Posaunen von Jericho“ (2004), in

denen er immer wieder religiöse Themen

aufgriff und musikalisch in Szene setzte.

„Exodus“, eine musikalische

Nacherzählung des 2. Buch

Mose

Nun – nach einer 20-jährigen Pause –

hat er mit „Exodus“ neue Klangbilder für

Blasorchester geschaffen. Darin verarbeitet

er das zweite Buch Mose (Exodus)

des Alten Testamentes, das von Moses,

dem Auszug der Israeliten aus Ägypten,

ihrem Zug durch die Wüste und der Übergabe

der Zehn Gebote berichtet. Nach einer

sechstaktigen Einleitung zur „Geburt

Moses“ (1) und dem „Knabenmord des

Pharaos“ (2) erklingen die zehn weiteren

Klangbilder im chronologischen Ablauf.

Die „Freudenglocken“ (3) künden von den

Söhnen Israels, bevor „Moses im Binsenkörbchen

des Nils“ (4) gerettet wird. Dabei

erklingt im Englischhorn ab Takt 39

erstmals das Hauptthema in einer aufsteigenden

Tonleitersequenz, das in den

folgenden Klangbildern immer wieder in

Fragmenten und Variationen zitiert wird.

Durch die Wüste

zum „Gelobten Land“

Der „Auszug aus Ägypten“ (5) wird mit

martialischen Rhythmen untermalt, bevor

ein Choral im tiefen Blechregister ehrfurchtsvoll

„Die goldene Bundeslade“ (6)

beschreibt. Mit orientalischen Klängen

erzählt Veit „Die vierzigjährige Wüstenwanderung“

(7). Majestätische Trompetenfanfaren,

verziert mit Arpeggi des Klarinettenregisters,

lassen „Den brennenden

Dornbusch“ (8) auflodern. Ein Fugenthema

begleitet „Die Entgegennahme der Zehn

Gebote“ (9), bevor das Israelische Volk

mit einem teuflischen „Tanz um das goldene

Kalb“ (10) im 12/8-Takt an Moses

zweifelt und dadurch droht, ins Verderben

zu laufen. In der „Vision des Moses“ (11)

wird das Hauptthema erneut aufgegriffen

und durch die verschiedenen Register

getragen, bis es ab Takt 233 im „Gelobten

Land“ (12) in ein enthusiastisches

Finale gipfelt.

Klangbilder mit Aussagekraft

Notenbeispiel Takt 39-41

Notenbeispiel Takt 233-234

Der Komponist bleibt sich seiner Linie treu

und erzählt in einer einfachen Tonsprache.

Dabei versteht er es, die verschiedenen

Klangfarben eines Blasorchesters

gekonnt einzusetzen und nimmt auch die

menschliche Stimme für gewissen Klangnuancen

dazu. Wenngleich die einzelnen

Klangbilder (Nr.3-12) als eigenständige

Bibelzitate für sich alleine sprechen

könnten, so erreichen sie erst im Zusammenhang

ihre vollständige Aussagekraft.

Es ist auch vorstellbar, dass die entsprechenden

Textstellen aus der Bibel von

einem zum anderen Klangbild überleiten,

aber das bleibt in der interpretatorischen

und dramaturgischen Freiheit

der Dirigent*innen. Das Publikum darf

sich jedenfalls auf ein tiefsinniges, mystisches

Werk freuen.

Stephan Niederegger

KulturFenster

58 05/Oktober 2025


Blasmusik

„Happy Birthday Johann Strauss!“

Musikalische Delikatessen von Salzburg Wind Philharmonic

In dieser Rubrik ist es fast schon zur Tradition

geworden, die neuesten Tonträger

der Salzburg Wind Philharmonic (ehemals:

Bläserphilharmonie Mozarteum Salzburg) –

eines der weltweit führenden symphonischen

Blasorchester – vorzustellen.

Scherzi bis zum Marsch. Dazu stellen sich

Johannes Brahms, Richard Wagner, Giuseppe

Verdi sowie Jacques Offenbach und

Hans Christian Lumbaye – der „dänische

Strauss“ – als „Gratulanten“ ein.

Sämtliche Werke sind wiederum von Albert

Schwarzmann für Bläsersymphonik

arrangiert. Ihm gelingt es, nicht einfach

nur Streicher durch Bläser zu ersetzen,

sondern das Wesen eines Stücks mit den

Mitteln eines Blasorchesters so umzusetzen,

als wäre es dafür komponiert. Die einzigartige

Klangkultur des Orchesters und

die besonderen künstlerischen Interpretationen

des Dirigenten machen jedes Konzert

zum Erlebnis.

Die vorliegende CD – auch als DVD erhältlich

– ist ein Live-Mitschnitt des viel umjubelten

Dreikönigskonzertes 2025 aus dem

Großen Festspielhaus Salzburg. Anlässlich

des heurigen 200-sten Geburtstags feiert

das Orchester mit seinem Chefdirigenten

CD-Cover „Dreikönigskonzert 2025“

Hansjörg Angerer den Walzerkönig Johann

Strauss nicht nur mit unvergleichlichen Walzern,

die dessen außerordentliche Genialität,

Fantasie und unendliche Inspiration

zum Ausdruck bringen, sondern mit der

ganzen Vielfalt typischer Wiener Tanzmusik

– von Polkas, Quadrillen, Musikalischen

Er trieft von Musik, ihm

fällt immer etwas ein.

Johannes Brahms, für den Johann

Strauss der einzige Komponistenkollege

war, den er bewunderte

Hinweis: Unter dem Titel „Stürmisch in

Lieb’ und Tanz“ wird die Salzburg Wind

Philharmonic beim traditionellen Dreikönigskonzert

2026 im Großes Festspielhaus

Salzburg Musik der Romantik von Mendelssohn

Bartholdy, Tschaikowsky, Weber,

Wagner und Strauss präsentierten.

Mozart & Poulenc

CD-Cover „Francis Poulenc –

Chamber Music“

CD-Cover „Hornkonzerte –

Wolfgang Amadeus Mozart“

Bei dieser Gelegenheit sei auf zwei weitere

neue CD-Veröffentlichungen verwiesen.

Zum einen widmet sich das solistisch besetzte

Ensemble der Salzburg Wind Philharmonic

Francis Poulencs (1899–1963)

kammermusikalischem Schaffen für Bläser.

Poulenc – Mitglied der Pariser Komponistengruppe

„Groupe de Six“ – hatte eine

große Vorliebe für Holzbläser, was der Tradition

seiner Heimat entsprach, und schuf

einige der schönsten Werke für Bläserkammermusik.

Dies reicht vom jugendlichen

Trio bis zum Arthur Honegger gewidmeten

Spätwerk seiner Klarinettensonate, zur Flötensonate

und Horn-Élégie oder zum unterhaltsamen

Sextuor, eine Liebeserklärung

an seine Heimatstadt Paris.

Und zum anderen hat das Wiener Klassik-

Spezialhaus „Gramola“ die bereits 2006

eingespielten Hornkonzerte (KV 417 – KV

495 – KV 447 – KV 412) von Wolfgang

Amadeus Mozart (1753–1791) neu aufgelegt.

Hansjörg Angerer spielt auf einem

Naturhorn und wird von der „Salzburg Hofmusik“

begleitet. 1991 gründete der Salzburger

Musiker Wolfgang Brunner dieses

Ensemble in variabler Besetzung – vom Trio

bis zum Orchester. Das Ensemble spielt

meis tens (aber nicht ausschließlich) auf

historischen Instrumenten oder originalgetreuen

Kopien. Die erste Aufl age der Mozart-Konzerte

wurde unter dem Label der

Universität Mozarteum Salzburg veröffentlicht

und 2013 neu aufgelegt. Auf entsprechende

Nachfrage ist nun die Neuaufl age

unter dem Label „Gramola“ erschienen.

Die detaillierte Tracking-List und alle weiteren

Details zum Orchester und zu seiner

Diskografie können auf der Homepage

nachgeschlagen werden: www.salzburgwindphilharmonic.at

Stephan Niederegger

KulturFenster

59 05/Oktober 2025


hinausgeblickt

Süd-Osttiroler

Blasorchester 40+

Konzert – Tauernhalle Matrei/Osttirol

https://vsm.bz.it

05.01.2026

„Des sein mir!“

Jubiläums-CD der MK Schalders

„Des sein mir!“ – die CD zum großen Jubiläum

der Musikkapelle Schalders

Die Musikkapelle Schalders feiert heuer ihr

100-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass

hat sich die Kapelle selbst, aber auch dem

Publikum ein Geburtstagsgeschenk gemacht

und eine Jubiläums-CD mit dem Titel „Des

sein mir!“ aufgenommen. Der titelgebende

Konzertmarsch ist im Musikverlag MUNODI

erschienen und ein Geschenk von Kapellmeister

Fabian Gottardi an seine Musikkapelle

Schalders.

Die MK Schalders sei vor allem von einem

starken Gemeinschaftsgeist getragen, der

sich im Musizieren widerspiegelt, sagt der

Kapellmeister. Während das Orchester mittlerweile

in vielen Musikrichtungen stilsicher

zu Hause ist, schlägt das Herz der

Kapelle für die traditionelle Blasmusik: „Getreu

seinem Titel werden all diese Aspekte

im Konzertmarsch verarbeitet.“ Der CD-Titel

bezieht sich jedoch nicht nur auf den

gleichnamigen Marsch, sondern spiegelt

sich auch in allen zehn weiteren Stücken

wider, die allesamt aus der Feder Südtiroler

Komponisten stammen:

➤ Des sein mir! – Konzertmarsch –

Fabian Gottardi

➤ Die schönsten Jahre – Polka – Armin

Kofl er

➤ Herbstzauber – Marsch – Tobias Psaier

➤ Gruß aus den Dolomiten – Marsch –

Josef Hochkofler

➤ Glück auf – Fantasie – Gerd Kofler

➤ Halt mich fest – Walzer – Norbert

Rabanser

➤ Meraner Herbstzauber – Marsch –

Emil Hornof

➤ Südtiroler-Musikanten-Marsch –

Gottfried Veit

➤ Aus guten Zeiten – Polka – Andreas

Kofl er

➤ Emotionen der Heimat – Marsch –

Franz Rieder, arr. Mathias Rauch

Quasi als Zugabe ist die Live-Aufnahme

des Heimatlandmarsches von Sepp Thaler

angefügt, der beim Osterkonzert 2024 zusammen

mit dem Männer- und Kirchenchor

Schalders aufgeführt wurde.

Stephan Niederegger

Geheimnisse der Orchestrierung für Blasorchester

Ein vollständiges Eintauchen in die Geheimnisse der raffinierten Orchestrierung

von Franco Cesarini

Im KulturFenster Nr. 4/2024 (Seite 63) haben

wir die von Franco Cesarini veröffentlichten

„Geheimnisse der Orchestrierung“

(I segreti dell’orchestrazione – The Secrets

of Orchestration) für Blasorchester veröffentlicht.

Das ursprünglich in italienischer Sprache

verfasste Buch ist nun auch in deutscher

Sprache erschienen.

Weitere Informationen sind auf der Homepage

des Autors abrufbar:

www.francocesarini.com

Stephan Niederegger

Franco Cesarini:

Komponist, Dirigent, Flötist und Verleger

KulturFenster

60 05/Oktober 2025


kurz notiert

kurz notiert

… für Nachrichten aus den Musikkapellen

Wir freuen uns, wenn Musikkapellen

über ihre Proben, Auftritte und Veranstaltungen

berichten.

Im Zuge der Neugestaltung des „KulturFensters“

ist die ehemalige Rubrik

„Musikpanorama“ in „kurz notiert“ unbenannt

worden; sie soll aber weiterhin

als Plattform für die Berichterstattung

aus den Musikkapellen und damit zu

einem regen Erfahrungsaustausch genutzt

werden.

Damit aber alle Artikel Platz finden können,

ist es notwendig, dass die jeweiligen

Texte nicht mehr als 1.500 Zeichen

(inkl. Leerzeichen) umfassen. Die

Berichterstatter*innen der Musikkapellen

sind gebeten, diese Vorgabe einzuhalten.

Ein aussagekräftiges und vor allem drucktaugliches

Foto – in entsprechend guter

Aufl ösung und mit Bildtext – ist ebenfalls

immer sehr willkommen. Bitte auch immer

den Redaktionsschluss beachten!

Weitere Informationen sind im FAQ-Bereich

„Presse“ der VSM-Homepage abrufbar.

Wir freuen uns auf viele „kurz notierte“

Meldungen!

Die Redaktion

Großer musikalischer Erfolg für

die Musikkapelle Pflersch

Platz eins bei den Wertungsspielen in Dießen

Im vergangenen Mai überzeugte die Musikkapelle

Pfl ersch bei den Wertungsspielen

in Dießen am Ammersee und erspielte

sich ein „Ausgezeichnet“ mit 96,3 Punkten.

Bei den heurigen Wertungsspielen in Dießen

am Ammersee erzielte die Musikkapelle

Pfl ersch unter der Leitung von Kapellmeister

Martin Rainer und Obmann

Markus Teissl ein bemerkenswertes Ergebnis.

In der Mittelstufe erreichte die Kapelle

96,3 Punkte und wurde zusätzlich mit

dem Prädikat „ausgezeichnet“ bewertet.

Insgesamt nahmen 22 Blasorchester an

den Wertungsspielen teil. Die Musikkapelle

Pfl ersch setzte sich mit ihrem Ergebnis

deutlich vor dem Musikverein Denklingen

(Leitung Georg Linder, 91,5), der

Blaskapelle Hohenfurch (Leitung Vjeran

Jezek, 91,0) und dem Musikverein Dießen

(Leitung Csaba Primosics, 91,0) durch.

Eine Abordnung der Musikkapelle nahm

an der Siegerehrung am 17. August in

Dettenschwang teil, bei der die Leistung

aller teilnehmenden Kapellen gewürdigt

Grund zur Freude hatte die MK Pfl ersch mit ihrem ausgezeichneten Abschneiden bei den

Wertungsspielen in Dießen am Ammersee.

Foto: MK Pfl ersch

wurde. Für die Musikkapelle Pflersch

stellt das Ergebnis einen wichtigen musikalischen

Erfolg dar, der die kontinu-

ierliche Arbeit und das Engagement der

Musikant*innen unterstreicht.

MK Pfl ersch

KulturFenster

61 05/Oktober 2025


kurz notiert

Musizieren auf „hohem

Niveau“

Die JuKa „y.m.b. Vintl“ im Hüttenlager auf dem Würzjoch (2002 m)

Die Jugendkapelle „y.m.b. Vintl“ musizierte bei ihrem Hüttenlager zu Füßen des Peitlerkofels.

Foto: MK Vintl

Zum 16. Mal gab es bereits ein Hüttenlager

für die Pusterer Jugendkapelle „y.m.b.

Vintl“. In diesem Jahr wurde dafür zum zweiten

Mal das Jugendhaus Ütia de Pütia auf

dem Würzjoch ausgewählt. Ihr erstes Konzert

spielten die Jungmusikanten darauf im

Seniorenwohnheim Freyenthurn in Mühlbach.

Vom 12.bis zum 16. August verbrachten

23 Jungmusikanten der „y.m.b. Vintl“ fünf

spannende und musikalische, aber auch

abwechslungsreiche Tage auf dem Würzjoch.

Die Jugendleiter Hannes Zingerle und

Alex Grünfelder studierten in dieser Zeit

gemeinsam mit Andreas Messner mit den

Jungmusikanten ein Konzertprogramm ein.

Für die Leitung von verschiedenen Registern

und die Betreuung der Teilnehmer bekamen

sie zusätzlich Unterstützung von

Kathrin Delfauro, Dana Putzer, Katharina

Depian und Jonas Sieder. Gemeinsam waren

sie der Garant dafür, um den Jungmusikanten

eine möglichst gute musikalische

Vorbereitung zu geben. Zudem gab es eine

Marschierprobe mit Stabführer Jonas Sieder.

Helga Volgger hat zudem für die hervorragende

Verköstigung gesorgt.

Auch der Spaß durfte in dieser Woche auf

keinen Fall fehlen. In der letzten Nacht

sorgten einige Mitglieder der MK Vintl bei

einem „Überfall“ gegen Mitternacht für

aufregende Momente.

Nach dem fünftägigen Hüttenlager begeisterten

die jungen Musikantinnen und Musikanten

im Seniorenheim Freyenthurn in

Mühlbach die Heimbewohner mit einem

tollen musikalischen Nachmittag.

Weiters fanden ein Abendkonzert gemeinsam

mit der Musikkapelle Vintl in Obervintl

sowie ein großer Auftritt beim „Vintila

Kirschta“ statt.

Hannes Zingerle

KulturFenster

62 05/Oktober 2025


Blasmusik

Gelungenes Gemeinschaftskonzert

zum Jubiläum

Die Musikkapelle Truden feiert 185 Jahre ihres Bestehens

Der Kirchplatz von Truden verwandelte sich

am 30. August 2025 in eine Bühne der besonderen

Art: Die Musikkapelle Truden feierte

ihr 185-jähriges Bestehen mit einem

eindrucksvollen Jubiläumskonzert, das musikalisch

wie emotional einen bleibenden

Eindruck hinterließ.

Insgesamt 70 Musikant*innen – darunter

die aktuellen Mitglieder, zahlreiche ehemalige

Musikanten sowie ehemalige Kapellmeister

– sorgten für ein klangvolles

und würdiges Festkonzert. Von den Jüngsten

mit 13 Jahren bis hin zu den Ältesten

mit über 80 Jahren waren alle Generationen

vertreten.

Das Konzert fand unter der Leitung des

aktuellen Kapellmeisters Martino Olivieri

statt, der mit viel Feingefühl durch das abwechslungsreiche

Programm führte. Die

aufgeführten Musikstücke spannten einen

weiten Bogen von traditionellen Werken

bis hin zu moderner Blasmusik. Ein Highlight

war die Aufführung der Auftragskomposition

„Af Trudn“, die eigens zum 185.

Jubiläum vom bekannten Trudner Musiker

und Komponist Johann Finatzer geschrieben

worden war.

Festliche Stimmung auf dem Kirchplatz in Truden anlässlich des 185-Jahr-Jubiläums der

Musikkapelle

Fotos: MK Truden

Blick in die Vergangenheit

in Dankbarkeit

Durch den Abend führte Moderator Günther

Ventir, der die Geschichte der Musikkapelle

von ihren Anfängen im Jahr 1840

bis in die Gegenwart präsentierte. Ein nostalgischer

Blick in die Vergangenheit bot

sich mit dem ehemaligen Obmann Adolf

Epp und der Marketenderin Magdalena

Busin, die in der historischen Tracht aus

dem Jahr 1960 erschienen waren. Unter

den Mitwirkenden befanden sich auch die

beiden ersten Frauen in der Kapelle, Irene

Epp und Michaela Amplatz, die 1977 in

den Verein aufgenommen worden waren.

In der Konzertpause richtete Obmann

Hermann Stuppner Gruß- und Dankesworte

an alle Kapellmeister, Obmänner

und Mitglieder, die sich im Laufe der Zeit

mit großem Engagement in den Verein

eingebracht und mitgewirkt hatten. Vizebürgermeisterin

Daniela Montagna, Ehrenobmann

Michael Vescoli und der Gebietsvertreter

des Verbandes Südtiroler

Musikkapellen, Josef Oberhauser, würdigten

in ihren Grußworten die Bedeutung

der Musikkapelle für das kulturelle

Leben in Truden und darüber hinaus. Ein

besonders herzlicher Moment war die Ehrung

von Rosl Pichler Amplatz, die seit

über 50 Jahren unentgeltlich das Probelokal

der Musikkapelle reinigt.

Im Anschluss an das Konzert lud ein

großzügiges Buffet zum geselligen Ausklang

ein – einen schöneren Höhepunkt

des Jubiläumsjahrs hätte sich die Musikkapelle

Truden wohl kaum wünschen

können.

Daniela Haas

Auch sie hat Trudner Musikgeschichte geschrieben:

Rosl Pichler Amplatz, die seit

50 Jahren für ein sauberes Musikprobelokal

sorgt – im Bild mit Obmann Hermann

Stuppner.

KulturFenster

63 05/Oktober 2025


Klimagerechtigkeit

Seminarreihe

Termine

28.10., 04.11., 18.11., 02.12. (dienstags),

18.00–20.00 Uhr im Waltherhaus Bozen, 4. Stock, Seminarraum

Podiumsdiskussion zum Abschluss: 16.12., 18–19.30 Uhr, Waltherhaus Bozen, Sparkassensaal

Keine Anmeldung, pünktlicher Beginn

Infos unter:

http://hpv.bz.it

06.12.2025

Agach Chorweihnacht

Dom zu Brixen; Beginn: 17 Uhr

Infos unter:

https://scv.bz.it

25./26.04.2026

VSM-Konzertwertung in Toblach

26.09.2026

VSM-Marschmusikbewertung

in Brixen

Infos unter:

https://vsm.bz.it

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