Kulturfenster Nr. 05|2025 - Oktober 2025
Kulturfenster Nr. 05|2025 - Oktober 2025
Kulturfenster Nr. 05|2025 - Oktober 2025
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BLASMUSIK
CHORWESEN
HEIMATPFLEGE
in Südtirol
Nr.5
OKT.
2025
SCV-Singgruppe „Lebensmelodie“
Dialekte im Wandel der Zeit
20 Jahre Südtiroler Jugendblasorchester
Poste Italiane SpA – Sped. in a.p. | -70% – NE BOLZANO – 77. Jahrgang – Zweimonatszeitschrift
Falls Zeitschrift nicht zustellbar, bitte über das operative Postzentrum Bozen an den Verleger (Verband Südtiroler Musikkapellen) zurück.
Der Verleger verpfl ichtet sich, die Postspesen für die Rücksendung zu übernehmen.
vorausgeschickt
„Versteasch du mi
oder muaß i Deitsch redn?“
Liebe Leserinnen und Leser,
mich fasziniert immer wieder das Schweizer
Radio und Fernsehen (SFR): Die Schweizer
sind stolz auf ihre ureigene Sprache
und sprechen ihren Dialekt, ob bei der
Sportberichterstattung, politischen Diskussionen
oder auch in der neue Krimifolge
des Schweizer Tatorts. Da können
wir Südtiroler*innen uns noch eine große
Scheibe von unseren Nachbarn abschneiden,
denn vielerorts weichen wir lieber auf
die deutsche Alltagssprache aus. Wie wichtig,
aber auch gefährdet die Mundart und
der Dialekt sind, wird in der Rubrik des Heimatpflegeverbandes
thematisiert – auch im
Hinblick auf die Dialekttagung auf Schloss
Goldrain vom 17. bis zum 19. Oktober.
Die ARGE Lebendige Tracht erinnert an
das ehemalige Stoffgeschäft „Peter Steger“
(später: „Corradini“). Der Südtiroler
Volksmusikverein berichtet von der heurigen
Jugendsing- und Musizierwoche und
dem Südtiroler Weisenbläsertreffen.
Ebenso wichtig ist das Singen für Körper
und Seele, denn es ermöglicht gerade auch
im Alter die Belebung von Gemeinschaft
und ein Wohlbefinden. Auch bei fortschreitender
Demenz bleibt das musikalische Erleben
und Empfinden lange erhalten, wie
Hirnforscher bestätigen.
In diesem Sinne ist die neu gegründete
„SCV-Singgruppe Lebensmelodie“ ein zukunftsweisendes
Projekt. Auf den Seiten des
Chorverbandes erfahren sie mehr darüber.
Wie wichtig und erfolgreich die Jugendarbeit
sein, kann, zeigt das Südtiroler Jugendblasorchester
(SJBO). Es feierte heuer
sein 20-jähriges Jubiläum mit beeindruckenden
Konzerten in Latsch, Brixen und
Innsbruck. Wir blicken auf diese Erfolgsgeschichte
zurück, berichten von den Anfängen
und von den Meilensteinen seit der
Gründung des Orchesters 2005 bis heute,
holen die Verantwortlichen von früher und
heute ins Rampenlicht und sprechen mit
dem Dirigenten Karl Geroldinger und dem
Komponisten Thomas Doss.
Natürlich gibt es zudem die gewohnten Rubriken,
in denen die einzelnen Verbände
und ihre Mitgliedsvereine ihre Tätigkeiten
dokumentieren, bereichsspezifi sche Themen
aufarbeiten und auch die Jugend –
die Zukunft unserer Vereine – in den Fokus
stellen.
In diesem Sinne „winsch i enk a sponnendes
und informatives Lesn und an aufschlussreichn
Blick durch inso buntis KulturFenschto
– guita Untoholtung!“
Stephan Niederegger
Singen macht glücklich,
umso mehr gemeinsam mit
anderen! Wichtig ist, dass jeder
Freude daran hat. Aus
gegenseitigem Respekt und
Freude kann viel entstehen.
Aaron Demez *1985
Eine Verfl achung der Sprache
fi ndet längst statt, Typisches von
Ortsmundarten verschwindet.
Wenn in den Bildungseinrichtungen
statt so manchen Dialektverbotes
eine Dialektförderung stattfi
nden würde, könnte man den
Schwund noch umkehren.
Markus Manfred Jung *1954
Lasst uns dafür sorgen, dass in
unseren Wohnungen und Schulen
gesungen und Musik gemacht
wird, auf dass die Nachwachsenden
lernen, daran
Freude zu haben. Es wird Zeit
für jene Sprache, die unsere
Seele ohne Umwege erreicht.“
Helmut Schmidt, 1918–2015
KulturFenster
2 05/Oktober 2025
Inhalt
In dieser Ausgabe
Chorwesen
Blasmusik
Singen im Altersheim ............................................................5
Chor-und Stimmbildungswoche Burgeis 2025 .......................7
Tag der Chöre in Trauttmansdorff ..........................................8
Workshop „Masterclass“ mit Jan Scheerer ............................9
Othmar Trenner erhält das Tiroler Verdienstkreuz .................10
Musical Fever Plus 2025 .....................................................10
Der Landesjugendchor in Südafrika .....................................11
Kulturfahrt des Bezirkes Bozen ...........................................12
Rubrik PERSÖNLICH – Martha Basten & Aaron Demez .......13
ErlebnisChor im HdF ...........................................................14
BoysVoice 2025 .................................................................15
KAS-Woche 2025 ...............................................................15
Singen macht Spass ............................................................16
Musik für Groß & Klein ........................................................16
Kirchenchor Burgstall besucht Wallfahrtsort ........................17
KlangArt singen in Terlan ....................................................17
MGV Welschnofen & MGV Boy Grupp in concert .................18
Vokalensemble Melioda ......................................................19
Heimatpflege
20 Jahre Südtiroler Jugendblasorchester ........................... 38
Grundkurs für Stabführer .................................................. 45
Marschmusik bei der Jungbläserwoche in Bruneck ........... 46
Stabführer – Führung mit Taktgefühl ................................. 48
Euregio-Jugendblasorchester:
Junge Blasmusik grenzenlos ............................................. 50
19. Sonderkonzert der Wiener Philharmoniker ................... 51
43. Österreichisches Blasmusikfest in Wien ....................... 52
MK Unsere Liebe Frau im Walde:
Klangbilder der Filmwelt .................................................... 54
100 Jahre Bürgerkapelle Wolkenstein ................................ 55
MK Kastelbell – Musical & Film ......................................... 56
Im Gedenken an Karl Gschließer (1946-2025) ................... 57
„Exodus“
Klangbilder für Blasorchester von Gottfried Veit ................. 58
Musikalische Delikatessen
von Salzburg Wind Philharmonic ....................................... 59
„Des sein mir!“ – Jubiläums-CD der MK Schalders ............ 60
Geheimnisse der Orchestrierung
für Blasorchester (Franco Cesarini) ................................... 60
kurz notiert – Neues von den Musikkapellen ...................... 61
Dialekttagung:
Warum der Erhalt der Mundarten so wichtig ist .....................20
Der Präsident des Internationalen Dialektinstitutes
im Gespräch ..........................................................................23
Grundschule Rodeneck erregt mit Heimatprojekt Aufsehen ....25
Kleindenkmäler: Austausch über Digitalisierung .....................27
Seminarreihe zur Klimagerechtigkeit ......................................28
„Weiße Flecken“ im Zoggler Stausee ......................................29
100. Geburtstag: Ausstellung zu Ehren
der Schriftstellerin Mary de Rachewiltz ...................................30
Naturns – Plaus: Kleindenkmäler restauriert ..........................32
Plätze frei: Mit Kindern tanzen als Schulprojek .......................33
Tracht: Die Geschichte eines
ganz besonderen Bozner Ladens ...........................................34
Volksmusikalischer Sommer ..................................................36
Impressum
Mitteilungsblatt
- des Verbandes Südtiroler Musikkapellen
Redaktion: Stephan Niederegger, kulturfenster@vsm.bz.it
- des Südtiroler Chorverbandes
Redaktion: Paul Bertagnolli, info@scv.bz.it
- des Heimatpfl egeverbandes Südtirol
Redaktion: Florian Trojer, fl orian@hpv.bz.it
Anschrift:
Schlernstraße Nr. 1 (Waltherhaus), I-39100 Bozen
Tel. +39 0471 976 387 – info@vsm.bz.it
Raiffeisen-Landesbank Bozen
IBAN = IT 60 S 03493 11600 000300011771
SWIFT-BIC = RZSBIT2B
Jahresabonnement = 20,00 Euro
Ermächtigung Landesgericht Bozen Nr. 27/1948
presserechtlich verantwortlich: Stephan Niederegger
Druck: Ferrari-Auer, Bozen
Das Blatt erscheint zweimonatlich am 15. Februar, April, Juni, August, Oktober und
Dezember. Redaktionsschluss ist der 15. des jeweiligen Vormonats.
Eingesandte Bilder und Texte verbleiben im Eigentum der Redaktion und werden nicht
zurückerstattet. Die Rechte an Texten und Bildern müssen beim Absender liegen bzw.
genau deklariert sein. Die Verantwortung für die Inhalte des Artikels liegt beim Verfasser.
Die Wahrung der Menschenwürde und die wahrheitsgetreue Information der Öffentlichkeit
sind oberstes Gebot. Der Inhalt der einzelnen Beiträge muss sich nicht mit
der Meinung der Redaktion decken. Nachdruck oder Reproduktion, Vervielfältigung jeder
Art, auch auszugsweise, sind nur mit vorheriger Genehmigung der Redaktion erlaubt.
Sämtliche Formulierungen gelten völlig gleichrangig für Personen beiderlei Geschlechts.
– gefördert von der Kulturabteilung
der Südtiroler Landesregierung
KulturFenster
3 05/Oktober 2025
Jeder Besuch in einem Seniorenheim
gibt einem persönlich sehr viel. Wir
sind sehr oft gerührt von der Dankbarkeit
und davon, wie die Augen der
Heimbewohner*innen beim Singen
leuchten ...
Margareth Greif
KulturFenster 4
05/Oktober 2025
Fotos: SCV
besucht
„Die Augen leuchten
beim Singen“
SCV-Singgruppe Lebensmelodie singt in Altersheimen
Heute hochbetagte Menschen sind in einer
Zeit aufgewachsen, in der Musik nicht
allgegenwärtig war wie heute. So war Singen
als einfache musikalische Betätigung
im Alltag selbstverständlich: Es begleitete
Arbeit und Freizeit, umrahmte wichtige Stationen
im Laufe eines Menschenlebens,
und es stand für lebenslang prägende Situationen,
etwa das Singen einer Mutter
an der Wiege.
An diese Erfahrung kann auch heute das
Singen mit alten Menschen anknüpfen:
Singen ermöglicht gerade auch im Alter
die Belebung von Gemeinschaft und ein
Wohlbefinden, das für Körper und Seele
wichtig ist. Auch bei fortschreitender Demenz
bleibt das musikalische Erleben
und Empfinden lange erhalten, wie Hirnforscher
bestätigen. Das Singen von vertrauten
Liedern baut Gedächtnisbrücken
direkt zu vergangenen Zeiten, aktiviert Erinnerungen
und gibt den Betroffenen Zufriedenheit.
In diesem Sinne ist die neu
gegründete „SCV-Singgruppe Lebensmelodie“
ein zukunftsweisendes Projekt. Mit
dabei sind auch Verbandsobmann Erich
Deltedesco und seine Stellvertreterin Margareth
Greif.
KulturFenster: Wie ist es zu dieser Initiative
gekommen?
Erich Deltedesco: Wir wurden zu diesem
Projekt durch unsere Freunde aus Nordtirol
angeregt: Bei einem Treffen mit der
Landesobmann-Stellvertreterin des Chorverbandes
Tirol, Ursula Oberwalder, und
dem Obmann des Vereins cantare et sonare,
Georg Schmid, erzählten sie Margareth
und mir von einer ganz besonderen
Initiative des Verbandes gemeinsam mit
den tirol kliniken. Ursula Oberwalder und
Georg Schmid sind Mitglieder des Ensembles
HEIM@Klang, das unter dem Motto
„Singen ein Leben lang – Die alten Lieder
vergessen wir nicht“ in Seniorenwohnheimen
und sonstigen Einrichtungen für die
Heimbewohner*innen singt. Im Gespräch
Die SCV-Singgruppe Lebensmelodie versüßt Senior*innen den Nachmittag.
versicherten sie uns, dass es sie sehr
freuen würde, wenn wir auch in Südtirol
so ein Projekt starten könnten, und sagten
uns ihre Unterstützung zu. Ich war sofort
überzeugt von dieser Idee und habe sie
mit Margareth Greif besprochen – auch
sie war sofort begeistert. So haben wir mit
dem Verband der Seniorenwohnheime
Kontakt aufgenommen, und auch dort war
man vom Projekt begeistert! So machten
wir uns auf die Suche nach interessierten
Sänger*innen und Instrumentalist*innen.
Bald schon hatten wir eine tolle Gruppe
beisammen, und Rosa Oberhöller hat sofort
zugesagt, die Singgruppe mit der Ziehharmonika
zu begleiten.
KF: Was möchtet ihr mit eurer Musik und
eurem Gesang bewirken?
Deltedesco: Wir möchten ganz einfach den
Heimbewohner*innen mit unseren Liedern
eine Freude machen und ein bisschen Abwechslung
in den Alltag bringen.
KF: Die Singgruppe hat inzwischen sogar
einen eigenen Namen und gar einige
Mitglieder.
Margareth Greif: In den letzten Monaten
haben wir viele Anfragen erhalten, weshalb
wir uns auch über einen Namen unserer
Singgruppe Gedanken gemacht haben. Ab
jetzt nennen wir uns „SCV-Singgruppe Lebensmelodie“.
Wir sind Sänger*innen, die
sich auch untertags die Zeit nehmen können
– wir singen grundsätzlich an Wochentagen
um 15 Uhr – und für die es beruflich
möglich ist, bzw. Sänger*innen in Pension,
die aus den verschiedensten Landesteilen
stammen. Mit dabei sind Rosa Oberhöller
aus Reinswald, an der Ziehharmonika, Verbandsobmann
Erich Deltedesco (Gitarre
und Gesang) aus Klausen, Vorstandsmitglied
Hans Schmidhammer (Gitarre und
Gesang) aus Riffian, der Ehrenobmann
des Bezirkes Eisacktal, Otto Schenk aus
Gufidaun, Serafin Pramsohler aus Brixen,
Hildegard Mayr und Margit Egger aus Bozen,
Monika Tammerle aus St.Pauls, Rita
Lang aus Auer, Melanie Torneri aus Meran,
Mathilde Preims Gruber aus Mauls,
Veronika Spitaler aus Girlan und ich, die
in Kaltern wohnt Es sind aber nicht bei
jedem Auftritt alle dabei, was auch nicht
schlimm ist, denn es ist ja kein Konzert.
Gerne können sich Sänger*innen bei uns
melden, die gerne mitsingen möchten.
KF: Welche Lieder singt ihr?
Greif: Für uns ist es sehr wichtig, gemeinsam
mit den Heimbewohner*innen zu singen.
Deshalb singen wir – zwei- drei und
vierstimmig – Lieder, die die Heimbewohner
kennen, zum Beispiel alte Schlager, Heimatlieder,
Volkslieder und volkstümliche Lieder
5
KulturFenster 05/Oktober 2025
besucht
und mit den Italienischsprachigen auch
das eine oder andere italienische Lied. Zwischendurch
spielt die Rosa auf der Ziehharmonika,
begleitet von Erich auf der Gitarre,
zum Tanz auf. Auch das lieben die Heimbewohner
und manchmal auch die Besucher.
KF: Wo habt ihr schon überall gesungen
und musiziert?
Greif: Wir waren bisher in zwölf Seniorenheimen,
haben allerdings im heurigen
Herbst sehr viele weitere Termine. Bis
zum 1. Dezember besuchen wir noch weitere
zehn Seniorenwohnheime und wir haben
für 2026 bereits sechs Heimen zugesagt,
wobei es noch weitere Anfragen gibt,
die wir erst koordinieren müssen. Zurzeit
sind wir im ganzen Land unterwegs: zwischen
Schlanders, Passeier, Ulten, Etschtal,
Bozen, Überetsch, Unterland, Eisacktal,
Reggelberg, Völs, Kastelruth, Villnöß,
Gröden, Mühlbach, Sterzing und Bruneck.
Gesungen wird vor allem das, was die Zuhörenden an alte Zeiten erinnert.
KF: Das Singen im Altersheim ist sicher
auch für euch eine schöne Erfahrung…
Greif: Jeder Besuch in einem Seniorenheim
gibt einem persönlich sehr viel. Wir
sind sehr oft gerührt von der Dankbarkeit
und auch darüber, erleben zu dürfen, wie
die Augen der Heimbewohner*innen beim
Singen leuchten, wie sie, auch Demenzkranke
und stark Pflegebedürftige, mitmachen,
singend und mit den Händen, den
Text auf den Lippen. Wir spüren Freude
und Begeisterung auf beiden Seiten! Wir
sind auch beeindruckt von den Heimleitern
und Heimleiterinnen, den Pfl egern
und Pfl egerinnen und den Mitarbeitern
und Mitarbeiterinnen in den Seniorenheimen,
wie feinfühlig, liebevoll und aufopferungsvoll
sie mit den Menschen, darunter
auch viele Schwerkranke, umgehen.
Deltedesco: Ich kann mich da nur den
Worten von Margareth anschließen. Auch
für mich ist jeder „Auftritt“ ein ganz beson-
deres Erlebnis, das mir wahrscheinlich noch
mehr Genugtuung und Freude bereitet, als
den zuhörenden Heimbewohner*innen.
KF: Wird das Projekt auch in Zukunft weitergeführt?
Deltedesco: Dieses Projekt ist bisher überall
sehr gut angenommen worden und erfreut
sich zunehmender Beliebtheit. Es ist
unser gemeinsames Bestreben diese Initiative
mit viel Freude weiterzutragen. Anmelden
kann man sich gerne beim Südtiroler
Chorverband (Tel. 0471 971833
– info@scv.bz.it).
Interview: Paul Bertagnolli
„Das Singen ist sehr gut angekommen“
SCV-Singgruppe Lebensmelodien sang auch im Altersheim Tiers
Erika Aichner ist Hauswirtschaftsleiterin
im Altersheim Tiers und hat im Auftrag der
Heimleitung im Sommer den Auftritt der
SCV-Singgruppe im Altersheim organisiert.
KulturFenster: Wie ist das Singen und Musizieren
bei den Senior*innen
angekommen?
Erika Aichner: Wir haben hier
im Heim 25 Bewohner*innen,
acht von ihnen sind beim Singen
dabei gewesen. Man muss
auch wissen, dass viele auch
bettlägerig sind oder grundsätzlich
nicht zu Veranstaltungen
gehen. Jene aber, die
zum Singen gekommen sind,
waren begeistert. Es waren vor
allem Frauen, die Männer waren
weniger interessiert.
KF: Haben die Heimbewohnerinnen auch
mitgesungen?
Aichner: Ja, viele haben auch mitgesungen,
wahrscheinlich haben sie sich an
frühere Zeiten erinnert, denn die Gruppe
vom Südtiroler Chorverband hat vor allem
Aufmerksames Zuhören im Altersheim
alte Schlager gesungen, wie Marina oder
andere. Es war eine schöne Abwechslung,
wirklich ein schönes Erlebnis und
wir wären froh, wenn wir das wiederholen
könnten.
KF: Spielt das gemeinsame
Singen im Altersheim auch im
Alltag eine Rolle?
Aichner: Wir singen immer
wieder im Altersheim mit den
Bewohnerinnen, manchmal
kommen auch Gruppen oder
Personen von auswärts – so
wie die Gruppe vom Chorverband
– und musizieren für die
Heimbewohner. Es ist immer
wieder schön und eine wertvolle
Erfahrung.
Interview: Paul Bertagnolli
KulturFenster 6
05/Oktober 2025
SCV-Intern
Reise durch die
musikalischen Epochen
Abschlusskonzert der Chor- und Stimmbildungswoche in Burgeis
„Lernen durch Tun“ war das Motto dieser
Chorwoche. Menschen, die bereit sind, sich
fortzubilden, sind ein großer Reichtum für
unsere Gesellschaft!“ Mit diesen Worten
dankte Verbandsobmann Erich Deltedesco
beim Abschlusskonzert der Chor- und Stimmbildungswoche
des Südtiroler Chorverbandes
den knapp hundert Sängern und Sängerinnen
aus dem ganzen Land.
Die Teilnehmer des Chorworkshops auf
der Fürstenburg in Burgeis hatten sich intensiv
mit Werken von der Klassik bis zum
Pop beschäftigt. Geleitet wurde die musikalische
Arbeit von den Referenten Roland
Büchner und Markus Detterbeck sowie
acht Stimmbildnern. Das Abschlusskonzert
wurde feierlich von Roland Büchner
eröffnet, der den Zuhörern mit einer Auswahl
an geistlichen Liedern einen getragenen
und stimmungsvollen Auftakt bot.
Im Anschluss übernahm Dirigent Markus
Detterbeck und leitete den schwungvollen
und amüsanten Teil des Abends ein. Das
Publikum wurde dabei von Ulrike Deluggi
am Klavier begleitet. Das Programm spannte
einen weiten Bogen: von südafrikanischem
Gospel über Purcells „Dido und Aeneas“
bis hin zu Grönemeyers „Männer“. Die Musikalität
des Chores stand im Mittelpunkt
und wurde zusätzlich durch die Moderation
des Dirigenten bereichert. Markus Detterbeck
unterhielt das Publikum mit Wissen
und viel Humor zu den Liedern, was
maßgeblich zum amüsanten Charakter des
Abends beitrug. Auch die nicht optimale
Akustik in der beinahe überfüllten Aula der
Landwirtschaftlichen Fachschule Fürstenburg
tat dem musikalischen Genuss keinen
Abbruch. Das begeisterte Publikum würdigte
die Gesangskünste des Chores. Am
Sonntag gestalteten die Sängerinnen und
Sänger den Gottesdienst in Laatsch musikalisch,
unter anderem mit Liedern von
Heinrich Schütz. Am Ende der Veranstal-
Chorleiter Markus
Detterbeck und
die knapp hundert
Sängerinnen
und Sänger beim
kurzweiligen Abschlusskonzert
in
Burgeis.
Roland Büchner
dirigiert den Chor
im voll besetzten
Saal.
Fotos:
Paul Bertagnolli
tung würdigten beide Referenten die hervorragende
Organisation durch den Südtiroler
Chorverband und hoben dabei die
Qualität und den Umfang der Fortbildung
hervor. Markus Detterbeck bezeichnete sie
als „im deutschen Sprachraum einmalig“
aufgrund der großen Anzahl an beteiligten
Stimmbildnern.
Paul Bertagnolli
Redaktionsschluss für
Aus der Redaktion
Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für das Chorwesen
senden Sie bitte an: info@scv.bz.it (Südtiroler Chorverband)
Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter
folgender Nummer: +39 0471 971 833 (SCV)
die nächste Ausgabe des
„ KulturFensters“ ist:
Freitag, 14. November 2025
7
KulturFenster 05/Oktober 2025
SCV-Intern
Musik erfüllt die Welt
Tag der Chöre in den Gärten von Schloss Trauttmansdorff
Was für ein wunderschönes Ambiente für einen Tag voller Gesang!
„Die Musik erfüllt die Welt“ sang am Sonntag,
21. September, der Chor „Die Junggebliebenen“
am Seerosenteich der Gärten von
Schloss Trauttmansdorff und brachte so die
Stimmung beim Tag der Chöre auf den Punkt.
Sechs Chöre aus Südtirol und ein Gastchor
aus Innsbruck waren der Einladung des
Südtiroler Chorverbandes und der Gärten
von Schloss Trauttmansdorff gefolgt und
sangen einen Tag lang an verschiedenen
Orten der Gärten Lieder aus den unterschiedlichsten
Genres. Ob Tiroler Heimatlieder
oder „Va pensiero“ von Verdi – sie
machten diesen Sonntag „für alle Besucher
und Besucherinnen zu einem ganz
besonderen Tag“, wie Gabriele Pircher
von der Direktion der Gärten betonte. Unter
der Leitung von Verbandschorleiterin
Ulrike Malsiner sangen die Sängerinnen
und Sänger zum Abschluss gemeinsam
drei Volkslieder am Seerosenteich und
schlossen damit den Tag der Chöre ab,
den der Südtiroler Chorverband zusammen
mit den Gärten von Schloss Trauttmansdorff
bereits seit 2004 alljährlich veranstaltet.
Teilgenommen haben heuer der
Chor „Die Junggebliebenen“, der Coro
Lirico G. Verdi, der Vinschger Chor, der
Kirchenchor Tiers, der Pfarrchor Maria im
Moos Sterzing, die Sängervereinigung Wolkensteiner
und der Prisma Chor aus Meran.
Margareth Greif, Obmannstellvertreterin
des Südtiroler Chorverbandes, dankte
den Chören und betonte, dass sie mit ihrem
Gesang eine „besondere Atmosphäre der
Freude“ schaffen und eine Brücke schlagen
von der Musik der Natur zur menschlichen
Stimme.
Das war der Tag der Chöre 2025
Hier geht es zur Bildergalerie
KulturFenster 8
05/Oktober 2025
Chorwesen
Masterclass – Workshop
Erfahrene Chorleiter*innen feilen an ihrer Dirigiertechnik
Ein Wochenende ganz im Zeichen der Chorleitung
fand vom 5. bis 7. September im
Priesterseminar in Brixen statt.
Unter der Leitung des erfahrenen Referenten
und Chorleiters Jan Scheerer,
Professor für Chorleitung an der Musikhochschule
in Leipzig, arbeiteten sechs
aktive und fünf passive Teilnehmer*innen,
allesamt erfahrene *innen, an ihrer Proben-
und Dirigiertechnik. Als Übungschor
stellte sich novAntiqua aus Brixen zur
Verfügung.
Gearbeitet wurde mit Repertoire, das der
Übungschor im Vorhinein gut kennt, um
detailliert und gründlich an der Dirigiergestik
feilen zu können, zum anderen
wurde mit neuen Werken gearbeitet, um
Der Dirigent Jan Scheerer hat schon
mehrere Seminare für den Südtiroler
Chorverband geleitet.
Foto: Südtiroler Chorverband
die Probenmethoden und -techniken zu
entwickeln.
Paul Bertagnolli
Kompositionswettbewerb für Freiheit und Frieden
Uraufführung und Prämierung der Preisträger am 16. November
Einen Kompositionswettbewerb zum Thema
„Freiheit und Frieden“ haben die Katholische
Männerbewegung, der Südtiroler Künstlerbund,
die Landesmusikschuldirektion und
der Südtiroler Chorverband ausgeschrieben.
Damit wollten sie sowohl etablierte Komponisten
und Komponistinnen als auch
Nachwuchstalente ansprechen und anregen,
ihre Werke einem breiteren Publikum
zu präsentieren. Am 16. November
laden sie zur Uraufführung der Werke der
Finalisten ein. Die Neukompositionen der
neun Finalisten werden vor der Jury unter
der Leitung von Josef Lanz und dem Publikum
aufgeführt und sind somit Anlass
eines verbindenden Festes der Musik
zum heute so aktuellen Thema
„Freiheit und Frieden“. Die Werke folgender
Finalisten werden zu hören sein:
Jakob Augschöll (I), Gerson Batista (P),
Alessio Ferrante (I), Leon Gurvitch (D/
BRL), Peter Helmut Lang (D), Sebastian
Ernesto Pafundo (ARG), Michele Schladebach
(D), Josef Unterhofer (I), Otto Wanke
(CZE/A). Aufgeführt werden die Werke unter
der Leitung der Dirigenten Christian
Unterhofer, Emir Saul und Martin Wieser.
Die Veranstaltung fi ndet am 16. November
2025 mit Beginn um 18 Uhr im Kultursaal
St. Michael/Eppan statt.
Paul Bertagnolli
KulturFenster 9
05/Oktober 2025
SCV-Intern
Musikalischer Botschafter über
die Landesgrenzen hinaus
Othmar Trenner wurde mit dem Verdienstkreuz des Landes Tirol geehrt
Othmar Trenner, der ehemalige Verbandschorleiter
des Südtiroler Chorverbandes,
ist am 14. September auf Schloss Tirol von
den Landeshauptleuten von Tirol und Südtirol
mit dem Verdienstkreuz des Landes Tirol
ausgezeichnet worden.
Damit wurde Trenner „für seine Verdienste
um die Musik als Dirigent und Komponist,
insbesondere als Botschafter über die Landesgrenzen
hinaus“ geehrt. In ihren Ansprachen
würdigten Landeshauptmann
Arno Kompatscher und Landeshauptmann
Anton Mattle das Wirken der Geehrten,
darunter zehn Südtiroler*innen.
Der Orchesterdirigent, Chorleiter, Sänger,
Pianist und Liedbegleiter Othmar Trenner,
der im September seinen 83. Geburtstag
feierte, ist einer der profiliertesten Musiker
des Landes. Trenner, aus Deutschnofen
gebürtig und heute am Ritten wohnhaft,
Der Kirchenchor St. Michael/Eppan und Verbandsobmann Erich Deltedesco freuen sich
mit Othmar Trenner über die Auszeichnung.
Foto: Kirchenchor St. Michael Eppan
studierte nach seiner Matura und dem
Klavierdiplom am Konservatorium in Bozen
am Mozarteum in Salzburg. Er arbeitete
am Staatstheater in Wiesbaden, an
der Oper in Augsburg, als musikalischer
Assistent bei den Bayreuther Festspielen,
als Dirigent des Haydnorchesters und
künstlerischer Leiter des Festivals geistlicher
Musik „Musica Sacra“. Er leitete den
Kammerchor Leonhard Lechner und die
Südtiroler Operettenspiele und ist u.a.
Ehrenchorleiter des Kirchenchores von
St. Michael/Eppan.
Paul Bertagnolli
Eintauchen in die Welt der Musicals
„Musical Fever Plus“ in Brixen
Mit einer fulminanten Musical-Show mit Solos,
Chorgesang und Tanz endete am 23.
August die Schulung „Musical Fever Plus“
im Vinzentinum Brixen.
Eine Woche lang hatten sich die 22 jungenSängerinnen
und Sänger im Alter zwischen
16 und 26 Jahren mit Musicals auseinandergesetzt.
Unter der Gesamtleitung
von Stephen Lloyd arbeitete man an der eigenen
Stimme und an verschiedenen Solound
Chorstücken aus bekannten und weniger
bekannten Musicals. Prof. Enrico De
Pieri, einer der führenden Musical-Stars im
deutschsprachigen Raum, und Prof. Sarah
Yorke waren die Dozenten für den Gesangsmeisterkurs.
Für den Chor war Stephen
Lloyd und für die choreographische
Einstudierung Mia Meneghini zuständig.
Außerdem gab es einen Schauspiel-Workshop
mit dem deutschen Musical-Darsteller
und Schauspieler Martin Planz. Das
Publikum bei der Abschlussshow, darunter
auch der Obmann des Südtiroler Chorverbands
Erich Deltedesco und Geschäftsführer
Klaus Gufler, war beeindruckt von
der Energie, der sängerischen und cho-
reographischen Leistung der jungen Sängerinnen
und Sänger.
Paul Bertagnolli
Eintauchen in die Welt des Musicals konnten 22 Jugendliche beim Workshop des Südtiroler
Chorverbandes. Foto: Südtiroler Chorverband
KulturFenster 10
05/Oktober 2025
Chorwesen
Süd trifft Süd
Oder: Wie der Landesjugendchor Südtirol Südafrika erkundet
Eine Gruppe bestehend aus 45 Jugendlichen
und jungen Erwachsenen, in das über 8.000
Kilometer entfernte Südafrika zu bringen,
bedeutete für unseren Chor monatelange
Vorbereitungen musikalischer, finanzieller
und organisatorischer Natur.
Nachdem Proben und Konzerte in Südtirol
erfolgreich über die Bühne gebracht, großzügige
finanzielle Unterstützung gesichert
und Koffer gepackt war, stand dem Abflug
nichts mehr im Weg. Mit dieser Reise erlebten
drei Mitglieder unseres Chores ihren
ersten Flug und 17 ihre erste Reise
außerhalb Europas, aber in Südafrika war
bis auf zwei von uns bisher noch niemand
gewesen. Entsprechend groß war die Vorfreude,
aber auch die Aufregung.
Reise in die Heimat
des Künstlerischen Leiters
Unser Chorleiter Johann van der Sandt
kommt aus Pretoria in Südafrika und hat
dort bis vor zehn Jahren mit seiner Familie
gelebt. Eine Konzertreise in sein Heimatland
ist seit vielen Jahren sein Traum, weshalb
er uns oft von der Chorkultur, der Landschaft
und dem Essen dort vorgeschwärmt
hat. Die Reise war in zwei Etappen aufgeteilt.
Die ersten fünf Tage verbrachten wir
in Pretoria und Umgebung, danach waren
wir für weitere fünf Tage ganz im Südwesten
des Landes, in Kapstadt und Stellenbosch.
Als musikalischer Höhepunkt der
Reise durften wir in Pretoria im Konzertsaal
der Universität gemeinsam mit dem
dortigen Universitätschor, dem TUKS Camerata,
auftreten. Was für ein Erlebnis!
Nachdem diese den ersten und wir den
zweiten Konzertteil gesungen hatten, standen
wir für drei Stücke gemeinsam auf der
Bühne. Die Freude am Singen, die Energie
und die mitreißenden Bewegungen werden
uns noch lange in Erinnerung bleiben.
Konzerte in Pretoria,
Kapstadt und Stellenbosch
Die Reisegruppe am Kap der guten Hoffnung
In Kapstadt durften wir drei weitere Konzerte
gemeinsam mit weiteren Chören geben
(z.B. Schulchören). Besonders eindrücklich
war es für uns, in der Universität
Stellenbosch aufzutreten, die für Chormusik
bekannt und außerordentlich bedeutend
ist. Die großartige Atmosphäre und
angenehme Akustik haben uns bei allen
Konzerten total fasziniert. Mit dem Kap der
guten Hoffnung und dem Tafelberg standen
zudem zwei landschaftliche Highlights
Fotos:Landesjugendchor
auf dem Programm. Innerhalb des Chores
wurde bei vielen Gelegenheiten über das
Zusammenleben verschiedener kultureller
Gemeinschaften und die erschütternde Vergangenheit
aus kolonialer Unterdrückung
und Apartheid in Südafrika diskutiert. Auch
in diesem Zusammenhang war es für uns
lehrreich, beim Austausch mit den ande-
Die Reise nach Südafrika war für alle Beteiligten ein einzigartiges Erlebnis.
KulturFenster 11
05/Oktober 2025
SCV-Intern
machten den Opernabend zu einem unvergesslichen
Erlebnis. Am nächsten Tag
ging es weiter nach Lucca, der Geburtsstadt
von Puccini. Dort konnten die Sängerinnen
und Sänger das Geburtshaus von
Puccini sehen, das Konservatorium, wo
er seinen ersten Musikunterricht erhielt,
und einige interessante Details aus seinem
Leben erfahren. Nach einem schnellen
Mittag essen ging‘s dann wieder Richtung
Heimat. Alle Beteiligten waren begeistert
von der kurzen Reise in die Welt von Giaren
Chören oder bei einem Schulbesuch
an einer Oberschule mit Jugendlichen aus
ganz unterschiedlichen Hintergründen ins
Gespräch zu kommen und ihre Lebensrealitäten
kennenzulernen.
Ein weiterer Aspekt, der sehr zum Nachdenken
anregt, sind die dramatischen Unterschiede
zwischen Arm und Reich. Auf
der Busfahrt vom Flughafen Kapstadt in
die Innenstadt fährt man an Wohnsiedlungen
vorbei mit Häusern, die ebenso an
den teuersten Flecken in Südtirol stehen
könnten. Kurze Zeit später passiert man
minutenlang Siedlungen, in denen Menschen
in provisorischen Behausungen aus
Wellblech unter sehr schwierigen Bedingungen
leben. Gepfl egte Gärten mit Pool
auf der einen Seite, verschmutzte Flüsse
auf der anderen.
Doch in all diesen Kontrasten fanden wir
einen gemeinsamen Nenner: die Offenheit
und Lebensfreude der Menschen und
die Musik, die uns geholfen hat Brücken
zu bauen und mit Einheimischen, in Kontakt
zu treten. Wir kehrten zurück mit unzähligen
unvergesslichen Erinnerungen,
in denen wir noch oft und gerne schwelgen
werden.
Valentina Pichler
David Bernardi
Singen an der Universität
Auf den Spuren
von Giacomo Puccini…
Kulturfahrt des Bezirks Bozen
Auf die Spuren von Giacomo Puccini begaben
sich im Juli 50 Sängerinnen und Sänger des
Bezirks Bozen. Ziel war das 74. Puccini-
Festival in Torre del Lago in der Toskana.
Der kleine Ort liegt direkt neben Viareggio,
zwischen dem Meer und dem See Massaciuccoli.
So hatten die Teilnehmenden
auch die Möglichkeit noch ein paar Stunden
am Strand zu verbringen und die
Sonne und den Sand zu genießen. Am
späten Nachmittag ging es dann zum Festival-Gelände,
direkt am See von Massaciuccoli,
wo Puccini die meiste Zeit seines
Lebens verbrachte und die bekanntesten
seiner Werke komponierte, wie z. B. „Madama
Butterfly“, „La Bohème“, „Turandot“
usw.. Im Festival-Gelände steht auch seine
Villa, die nun ein Museum und für Interessierte
zugänglich ist.
Bei der Besichtigung erhielten die begeisterten
Sängerinnen und Sänger interessante
Einblicke in das Leben und Wirken von
Giacomo Puccini. Anschließend blieb noch
genügend Zeit für ein gemütliches Glas
Sekt und zum Genießen der Festival-Atmosphäre,
bevor um 21.15 Uhr die Oper
„La Bohème“ begann. Ein wunderbares
Bühnenbild, hervorragende Sängerinnen
und Sänger und angenehme Temperaturen
In die Welt Giacomo Puccinis tauchten
die Teilnehmer*innen der Kulturfahrt
in die Toskana ein.
Foto: SCV-Bezirk Bozen
como Puccini und wollten gleich wissen,
wohin es wohl nächstes Jahr gehen wird!
Wir vom Team Bezirk Bozen möchten uns
herzlich bei allen bedanken, die dabei waren,
und hoffen, alle bald wieder zu sehen!
Bezirk Bozen
KulturFenster 12
05/Oktober 2025
persönlich
Chorleiten als Beruf und Berufung
Chorleiterin Martha Basten und
Chorleiter Aaron Demez aus St. Christina/Gröden
Chorgesang und Musik gehören zu ihrem
Leben dazu: Martha Basten und
Aaron Demez aus St. Christina haben
sich nicht nur durch die Musik kennen
und lieben gelernt, sondern ihr
Leben ist auch heute noch vom Chorgesang
bestimmt.
Martha Basten ist vielen als Stimmbildnerin
und Chorleiterin des Südtiroler
Vokalensembles bekannt. Sie
studierte Schulmusik in Mannheim
und Chorleitung in Kopenhagen, wo
sie mehrere Jahre als Chorleiterin tätig
war. Aaron Demez ist Chorleiter
des Kirchenchors St. Christina, der
Flat Caps in Bozen, und gemeinsam
mit seiner Frau leitet er den Frauenchor
Femmetastic. Im Moment treten
die beiden allerdings kürzer, weil sie
bald ihr zweites Kind erwarten. Gemeinsam
mit ihrer bald zweijährigen Tochter erzählen
die beiden von ihrem Leben mit der Musik.
Aaron Demez und Martha Basten
sind Chorleiter und Chorleiterin aus
Leidenschaft.
Foto: Peter Unterthurner
KulturFenster: Sie haben sich auf einem
Chorleiterseminar kennengelernt, und auch
heute noch ist der Chorgesang wichtig in
Ihrem Leben.
Martha Basten: Ich habe erst spät zum
Chorgesang gefunden. Ursprünglich habe
ich Schulmusik mit dem Fach Querflöte studiert,
hatte vorher auch noch nie in einem
Chor gesungen. An der Musikhochschule
bin ich dann zum Chorsingen gekommen
und war gleich sehr begeistert. Ich habe
dann sogar Chorleitung studiert, und heute
bin ich Singlehrerin an der Musikschule, arbeite
als Stimmbildnerin für den Südtiroler
Chorverband und als Chorleiterin. Ich habe
jetzt während meiner Schwangerschaft auch
Eltern-Kind-Kurse angeboten. Da können
Väter und Mütter mit ihren Kindern kommen,
und gemeinsam tanzen, singen und
musizieren wir.
Aaron Demez: Ich bin bereits als Kind zum
Singen gekommen. Angefangen habe ich im
Kinderchor, aber eine richtige Leidenschaft
wurde es in meiner Schulzeit im Vinzentinum,
wo ich beim Knabenchor mitgesungen
habe und recht bald auch in einigen anderen
Chören. Ich habe dann später Schulmusik
studiert, wobei mich das Chorsingen
immer begleitet hat. Besonders geprägt haben
mich u.a. das Mitwirken im Kammerchor
Innsbruck, dem Vokalensemble Alla
Breve und dem European Chamber Choir.
Aktuell beschäftige ich mich mehr mit dem
Chorleiten und singe daher nur mehr beim
Männerensemble StimMen.
KF: Und das Singen wird auch in Ihrem
Privatleben eine Rolle spielen…
Demez: Es kommt selten vor, dass wir zuhause
Duette singen, aber natürlich singen
wir momentan vor allem mit unserer Tochter
und tauschen uns über Themen der
Chorleitung aus. Den Chor Femmetastic
leiten wir zurzeit gemeinsam. Weil wir unsere
Tochter zur Probe mitnehmen, wechseln
wir uns bei der Chorleitung ab und bereiten
die Proben gemeinsam vor.
KF: Was fasziniert Sie an der Chorleitung?
Demez: Die Freude an der Musik selbst,
aber auch an der Gemeinschaft sind das
Schöne dabei sowie auch die unterschiedlichen
Herausforderungen bei
den verschiedenen Werken und die Begeisterung,
die man von den Sängern
und Sängerinnen zurückbekommt.
Basten: Das Spannende ist, dass man
so viele verschiedene Aufgaben hat,
musikalisch, organisatorisch, sozial.
Man ist nicht nur Dirigentin, sondern
gleichzeitig auch Stimmbildnerin, Pädagogin,
Motivatorin, Psychologin, Organisatorin.
KF: Welche Zielsetzungen haben Sie
als Chorleiter?
Demez: Wir haben Sängerinnen und
Sänger, die mehr Erfahrung haben,
und andere mit weniger Übung. Wichtig
ist, dass jeder Freude beim Singen
hat. Aus gegenseitigem Respekt und
Freude kann dann viel entstehen, auch was
die Qualität des gemeinsamen Gesangs betrifft.
Denn ein gewisses Niveau ist freilich
auch wichtig. Und vor allem, dass alle bereit
sind, an sich zu arbeiten und sich weiterzuentwickeln.
Natürlich ist nicht immer
alles leicht, denn ein Chor ist auch ein soziales
Gefüge mit verschiedenen Charakteren.
KF: Warum sollte man in einem Chor singen?
Demez: Singen macht glücklich, umso mehr
gemeinsam mit anderen! Es ist sogar so,
dass man beim Singen keine Angst empfinden
kann, da die entsprechenden Gehirnareale
mit dem Singen blockiert werden.
Basten: Singen hat ganz viel mit Persönlichkeit
zu tun, mit der eigenen Stimme.
Über das Singen kommt man in eine Beziehung
zu sich selbst. Es ist dabei egal,
auf welchem Niveau man singt oder wie
alt man ist. Es ist etwas sehr Wertvolles für
die eigene Entwicklung, sich mit der eigenen
Stimme auseinanderzusetzen.
KF: Und Sie werden auch mit dem zweiten
Kind weiterhin in der Chorleitung tätig sein?
Basten: Ja, man muss nur gut organisiert
sein. Ohne Chorleitung würde uns etwas fehlen.
Es ist unser Beruf und unsere Berufung!
Interview: Paul Bertagnolli
KulturFenster 13
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SCV-Intern
Jung+
Stimmgewaltig
Singen im Chor ist ein Erlebnis – die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Erlebnischorwoche
des Südtiroler Chorverbandes mit Obmann-Stellvertreterin Margareth Greif (links).
Wie eine große Familie
Chorwoche für alle Generationen in Lichtenstern
„Man sieht, dass ihr durch das Singen und
die Gemeinschaft zu einer Familie zusammengewachsen
seid!“ Mit diesen Worten
brachte die Obmann-Stellvertreterin des
Südtiroler Chorverbandes Margareth Greif
die Stimmung bei der Abschlussveranstaltung
der Chorwoche auf den Punkt.
Die Chorwoche fand unter dem Motto „ErlebnisChor
– musikalische Erlebnistage für
Groß und Klein“ im Haus der Familie in
Lichtenstern statt. Von 20. bis 26. Juli haben
sich 31 Erwachsene und Kinder unter
André Comploi leitete den Chor mit Sängern und Sängerinnen aller drei Generationen.
Fotos: Paul Bertagnolli
der Leitung der Referenten André Comploi,
Barbara Rottensteiner Comploi und Laura
Stuffer mit Liedern aus den unterschiedlichsten
Epochen und Stilrichtungen beschäftigt,
gemeinsam gesungen, aber auch
gespielt, getanzt und Spaß gehabt und sind
gewandert. Alle drei Generationen waren in
diesem „Erlebnischor“ vertreten, wobei es
nicht wichtig war, ob man allein oder mit
der Familie kam oder ob man schon Chorsänger
war. „Alle sind eingeladen, die gerne
singen“, betonte Kursleiter André Comploi.
Dass die Sängerinnen und Sänger trotz aller
Unterschiede zu einer Gemeinschaft –
sängerisch wie menschlich – zusammengewachsen
waren, zeigten sie bei ihrem
Abschlusskonzert. So erklangen Volkslieder
wie das Kärntner Lied „Gearn hobn tuat
guat“ neben Popsongs wie „Aicha“, alte
und moderne Lieder, anspruchsvolle und
einfache Melodien, geistliche und weltliche
Werke. Manchmal sangen nur die Kinder,
manchmal nur die Erwachsenen und immer
wieder auch alle gemeinsam. Wie ein
roter Faden zog sich das Motto der Gemeinschaft,
des Miteinanders durch die Lieder
aber auch durch die Moderation und die
Choreografie. In den Bewegungen spiegelten
sich die Sängerinnen und Sänger gegenseitig
oder drückten das Gesungene
mit einfachen Bewegungen aus. „Ein Chor
ist ungefähr wie ein Fischschwarm, denn
alle tun das Gleiche“, erklärten die Kinder
in der Moderation. Obmann-Stellvertreterin
Margareth Greif und der Direktor des
Hauses der Familie, Gernot Psenner waren,
von den Darbietungen begeistert und
versprachen eine Fortsetzung im nächsten
Jahr. Margareth Greif erinnerte daran,
dass viele im benachbarten Ausland
Südtirol um sein großes und erschwingliches
Schulungsangebot im Chorsingen
beneiden. Dies sei nur möglich, weil der
Südtiroler Chorverband von der Südtiroler
Landesregierung und auch anderen
Sponsoren wie der Stiftung Sparkasse unterstützt
werde, betonte Greif.
Paul Bertagnolli
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KulturFenster 05 Oktober 2025
Chorwesen
Auch Buben singen gerne
BoysVoice – Knabensingtage im Vinzentinum
„Jungs machen Musik“ hieß es vom 20. bis
zum 24. August für 30 Buben im Alter zwischen
8 und 18 Jahren im Vinzentinum.
Unter der Leitung der erfahrenen Gesangspädagogen
Andrea Tasser und Albert Frey
entdeckten die Buben ihre Singkraft und
die Freude am Singen. Im Mittelpunkt
der Knabensingtage, die das Vinzentinum
in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler
Chorverband organisiert, standen
auch Spiel und Spaß bei einem abwechslungsreichen
Freizeitprogramm, für das die
zwei Freizeitbetreuer Marcus Costalunga
und Daniel Hinteregger sorgten. Als Abschluss
gestalteten die Buben am Sonntag
den Gottesdienst in der Pfarrkirche St.
Michael/Brixen musikalisch
Beim Sommersingcamp „Boys Voice“ wurden die Buben spielerisch an den Gesang herangeführt.
Bild: Südtiroler Chorverband
Gesang, Tanz und Gemeinschaft
KAS-Woche des Südtiroler Chorverbandes
Kreative und aktive Ferientage verbrachten
28 Kinder im Grundschulalter in der Fachschule
für Land- u. Hauswirtschaft Salern
vom 28. Juli bis 1. August.
Unter der Leitung von Renate Unterthiner
förderte ein engagiertes Team die Krea-
tivität der Kinder in vielen Bereichen. So
konnten sie sich mit Sabrina Fraternali im
Bereich von Tanz und Bewegung weiterentwickeln,
mit Franziska Seiwald singen oder
am Workshop für Kreatives Schreiben mit
Kathrin Gschleier teilnehmen. Die drei Betreuerinnen
Kathrin Hasler, Evi Hasler und
Lia Obexer kümmerten sich ebenfalls um
die Belange der Kinder, und so war diese
Kreativ-Aktiv-Woche auch heuer eine Zeit
voller sinnvoller Ferienbeschäftigung, voller
Spaß und Gemeinschaftserlebnisse, wie man
auch bei der Abschlussveranstaltung spürte.
Paul Bertagnolli
Im Vordergrund der KAS-Woche 2025 standen das Singen, das Tanzen und der Spaß.
Foto: Südtiroler Chorverband
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KulturFenster 05 Oktober 2025
Singen macht Spaß!
Ein musikalischer Familiennachmittag in Terlan
Am 6. September trafen sich am Nachmittag
sieben Erwachsene und zehn Kinder
zum gemeinsamen Singen und Musizieren
in der Musikschule Terlan.
Gemeinsam mit Chorleiterin und Musikpädagogin
Renate Unterthiner sangen
sie verschiedene Lieder aus dem Liederbuch
des Südtiroler Chorverbands „Singen
macht Spaß“, in dem man Lieder für
die ganze Familie in verschiedenen Sprachen
und für die verschiedensten Anlässe
fi ndet. Neben dem gemeinsamen Singen
standen auch das Musizieren mit verschiedenen
Orff-Instrumenten, musikalische
Spiele und Bewegung zur Musik auf dem
Programm dieses musikalischen Nachmittags,
der die Bedeutung des gemeinsamen
Singens im Alltag bewusst machte.
Paul Bertagnolli
Kinder und Erwachsene sangen gemeinsam Lieder aus dem neuen Liederbuch „Singen
macht Spaß“.
Fotos: Südtiroler Chorverband
..
Grundschuler singen mit
den Musikfreunden
Herbstkonzert des Orchesters der Musikfreunde Meran
Unter dem Motto „Musik für Groß & Klein“
bringen rund 250 Musiker*innen und
Sänger*innen, Kinder und Erwachsene, am
Sonntag, den 30. November 2025, den Kursaal
von Meran zum Klingen.
Das Konzert des Orchesters der Musikfreunde
Meran wird heuer in Zusammenarbeit
mit dem Südtiroler Chorverband und
den Musikschulen Meran/Passeier und
Lana/Ulten veranstaltet. Nach einer Ouvertüre
des Orchesters der Musikfreunde werden
Kinder der Musikschulen unter anderem
Lieder aus dem Liederbuch „Singen
macht Spaß", das vom Südtiroler Chorverband
in Kooperation mit der Landesmusikschuldirektion
herausgegeben wurde,
darbieten. Die entsprechenden Orchester-
Arrangements wurden von Ivan Marini angefertigt.
Das Konzert beginnt um 14.30 Uhr
bzw. in einer zweiten Ausgabe um 17 Uhr.
Paul Bertagnolli
Orchester der Musikfreunde Meran
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KulturFenster 05 Oktober 2025
kurz notiert
Zur Ehre Mariens
Kirchenchor Burgstall besucht Wallfahrtskirche
Den bekannten Wallfahrtsort Unsere Liebe
Frau im Walde am Deutschnonsberg besuchte
im Sommer der Kirchenchor Burgstall.
In der Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt
– sie ist eine der ältesten Wallfahrtskirchen
in Tiro l– gestalteten die Sängerinnen und
Sänger unter der Leitung von Renate Egger
den Sonntagsgottesdienst, dem Pfarrer
Josef Schwienbacher vorstand.
Mit der „Alpenländischen Mess`“ von Lorenz
Mairhofer und einem Marienlied erfreute
der Chor die zahlreichen Gläubigen.
Anschließend gab es auf dem geschichtsträchtigen
„Zollhaus am Gampen“ ein gemütliches
Zusammensein, zu dem Maria
Theresia Rufi natscha und die Gaulsänger
geladen hatten– ein zünftiges Stelldichein
bei Sang und Klang, garniert mit allerlei
Köstlichkeiten.
Maria Sulzer
Der Kirchenchor Burgstall und die Gaulsänger trafen sich zum gemütlichen Beisammensein
im Zollhaus am Gampen. Foto: Kirchenchor Burgstall
Singen in der Werkstatt und im Weinberg
KlangArt-Konzerte waren großer Erfolg
Zwei besondere Orte wählte das Ensemble
KlangArt für seine Konzerte am 6. und am 12.
September, nämlich in der Werkstatt von Südtirol.Stein
und beim Hochbrunnerhof in Terlan.
Beim Konzert der Werkstatt von Südtirol.
Stein traten neben KlangArt auch die Ensembles
Amos und die Saxladies als besondere
Gäste auf. Für das Amos-Quartett
war es der letzte Auftritt, da die Teilnehmerinnen
künftig in verschiedene Himmelsrichtungen
zum Studium verstreut
sein werden. KlangArt überzeugte mit abwechslungsreichen
Arrangements: a cappella,
mit Band und mit Verstärkung der
Männerstimmen. Sechs Frauen und fünf
Männer sorgten zusammen mit Percussion,
Gitarren und Piano für einen vollen,
lebendigen Klang. Die Stücke reichten von
Popsongs wie „Some Nights“ und „Nothing
else Matters“ bis zu Balladen und Klassikern
wie „Hit the Road, Jack“. Im zweiten
Teil erklangen „Can’t go Back“, „21 Guns“
und „For the Longest Time“. Auch das
Kärntnerlied „Für di“, ein etwas anderes
Musikgenre, fand Platz und fügte sich ins
Thema Liebe ein. Mit „Stand by Me“ und
„Trickle Trickle“ setzte man die abwechslungsreiche
musikalische Reise fort. Zum
Abschluss gab das Ensemble „Fix you“ von
Beide Konzerte
von KlangArt
waren ausverkauft.
Foto: KlangArt
Coldplay in einem neun-stimmigen Arrangement
zum Besten und rührten so manchen
Gast zu Tränen. Mit Standing Ovation
endete das Konzert beim Hochbrunnerhof.
Sibylle Zöggeler
KulturFenster 17
05/Oktober 2025
kurz notiert
Von Antigone bis John Miles
Männerchor Welschnofen & MGV Boy Grupp in Concert 2025
Bei seiner diesjährigen Konzertreihe begeisterte
der Männerchor Welschnofen mit
musikalischer Bandbreite: Unter der musikalischen
Gesamtleitung von Ivan Dejori
vereinte der Chor klassische Chorliteratur
mit modernen Klängen und bewies
eindrucksvoll, dass Tradition und Zeitgeist
auf derselben Bühne wunderbar harmonieren
können.
Mit dem dramatischen Einstieg aus der
„Antigone“ schlug der Chor zunächst
ernstere Töne an. Doch schnell entwickelte
sich das Programm zu einer musikalischen
Zeitreise, die vom klassischen
Chorgesang über kroatische Volkslieder,
Countrysongs bis hin zur gefühlvollen
Popballade reichte, wobei zahlreiche Solisten
aus den Reihen des Chores mit ihrem
Gesang glänzten.
MGV Boy Grupp begeistert
Höhepunkt der Konzertabende war wieder
die MGV Boy Grupp. Dieses Jahr
konnten dabei neun Jungs aus der Gemeinde
Welschnofen für dieses Projekt
gewonnen werden. Martin Tschager, Lukas
Tschager, Simon Dejori, Alex Dejori,
Johann Tschimben, Florian Pardeller,
Elia Kaufmann, Lukas Kaufmann und
Leon Hohenegger begeisterten nicht nur
durch ihren Gesang, sondern auch durch
die einstudierte Choreografi e, das anwesende
Publikum.
Großen Anteil an diesem Erfolg haben
Edeltraut Grumer und Heidi Kompatscher
– sie choachten die Buben durch
die intensive Probenphase und natürlich
auch während der Auftritte. Begleitet
wurde der Chor sowie auch die Boy Grupp
von einer professionellen, neunköpfi gen
Band. Die dynamische Verbindung zwischen
Chor und Instrumentalisten verlieh
dem Konzert eine
ganz eigene Atmosphäre
– mal gefühlvoll,
mal kraftvoll,
aber stets auf
den Punkt. Geleitet
wurde die Band
wiederum vom Musiker
Andreas Settili.
Für die unterhaltsame
Klammer
zwischen den musikalischen
Darbietungen sorgten drei
charmante Moderatoren: Luis Meraner,
Obmann Erich Lunger und Gerd Dejori
führten mit Witz und Esprit durch den
Die dynamische Verbindung
zwischen Chor und Instrumentalisten
verlieh dem Konzert
eine ganz eigene Atmosphäre.
MGV Welschnofen
In vier Konzerten begeisterten der
Männerchor Welschnofen und die
MGV Boy Grupp mit einem vielfältigen
Programm.
Foto: Männerchor Welschnofen
Abend. Mit kleinen Anekdoten und unterhaltsamen
Geschichten sorgten sie immer
wieder für herzhaftes Lachen im Saal.
Das Publikum dankte mit langanhaltendem
Applaus.
Besonders Chorleiter
Ivan Dejori wurde
für seine mitreißende
Leitung und sein musikalisches
Gespür
gefeiert. Mit einem
vollgefüllten Saal und
vielen begeisterten
Rückmeldungen
kann der Männerchor
Welschnofen auf eine
erfolgreiche Konzertreihe zurückblicken.
Für 2026 gibt es bereits Konzerttermine,
nämlich am 9., 10., 16. und 17. Mai.
MGV Welschnofen
KulturFenster 18
05/Oktober 2025
Chorwesen
Der Spaß am Singen war zu hören
Vokalensemble Melioda gab Konzerte
„These are Gonna be the Best Days of My
Life“ – und genau so fühlte es sich an. Mit
diesem Song von den American Authors und
vielen weiteren mitreißenden Stücken begeisterte
das Vokalensemble Melìoda aus
Bozen bei zwei Konzerten im Mai 2025
das Publikum.
Unter dem Titel „Girls Just Wanna Have
Fun“ präsentierten die zwölf Sängerinnen
ein buntes A-cappella-Programm mit modernen
Popsongs und bekannten Klassikern
– darunter „The Climb“ (Miley Cyrus),
„Time After Time“ (Cyndi Lauper),
„Barbara Ann und The Rose“. Bei den
Konzerten im Sozialwissenschaftlichen
Gymnasium in Bozen bzw. auf Schloss
Rafenstein sorgten drei- bis vierstimmig
arrangierte Songs und auch eine Soloeinlage
für besondere Momente.
Die wöchentlichen Proben und intensiven
Probenwochenenden im Frühjahr
– stets mit viel Engagement und musikalischem
Feingefühl geleitet von Chorleiterin
Theresia Riegler – haben sich spürbar
ausgezahlt.
Der Spaß am gemeinsamen Singen war
auf der Bühne deutlich zu spüren und
sprang direkt auf das Publikum über. Ein
herzliches Dankeschön geht an den Südtiroler
Chorverband für die Unterstützung
Foto: Das Vokalensemble Melìoda vereint Sängerinnen aus Gries, Jenesien und vom
Ritten.
Foto: Gabriel Boragine
bei der Stimmbildung, an die beiden Veranstaltungsorte
sowie an die Kellerei Bozen
für ihre wertvolle Hilfe.
Das Vokalensemble„Melioda besteht
seit 2017 und vereint Sängerinnen aus
Gries, Jenesien und vom Ritten. Im Ad-
vent ist der Chor auf verschiedenen Adventsmärkten
zu hören – aktuelle Infos
und Eindrücke gibt’s auf Instagram und
Facebook.
Silvia Obwexer
Obfrau Vokalensemble Melìoda
BLASMUSIK
CHORWESEN
HEIMATPFLEGE
in Südtirol
Aboaktion
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Sie bekommen das „KulturFenster“ sechs Mal im Jahr
direkt nach Hause geschickt. Weitere Informationen finden
Sie im Impressum auf Seite 3 dieser Ausgabe.
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KulturFenster
05/Oktober 2025
Wer kennt die Hohe Reisch? Kaum jemand.
Dieser bekannte Gipfel ist selbst
unter Touristen als „Stoanerne Mandlen“
bekannt, wenngleich viele den Namen
nicht wirklich aussprechen können.
Foto: E. Runer
KulturFenster 20
05/Oktober 2025
gehört & gelesen
Mundart lebendig erhalten
Dialekttagung auf Schloss Goldrain –
Auch soziale Medien sorgen für Aufschwung
Vom 17. bis 19. Oktober 2025 wird Schloss
Goldrain im Vinschgau zur Bühne der Sprachvielfalt:
Das Internationale Dialektinstitut (IDI)
lädt zu seinem Jahrestreffen, das heuer ganz
im Zeichen der Dialektliteratur steht. Mitorganisiert
wird das Jahrestreffen von der Arbeitsgemeinschaft
MundArt im Heimatpflegeverband
Südtirol.
Es war der bekannte Ötztaler Mundartdichter
und Volkskundler Hans Haid, der 1974
eine erste internationale Arbeitstagung für
Mundartliteratur organisierte. Zwei Jahre
später wurde das Internationale Dialektinstitut
(IDI) als internationale und interdisziplinäre
Forschungs- und Dokumentationsstelle
für Dialekt, Dialektliteratur und Minderheitensprachen
gegründet. In den vergangenen
fünf Jahrzehnten ist daraus ein grenzüberschreitendes
Netzwerk von rund 130
Autor*innen, Sprachschaffenden und Organisationen
geworden. Alle eint ein Ziel:
Dialekte sichtbar, hörbar und spürbar zu
machen – als Ausdruck von Kultur, Identität
und Kreativität.
Vernetzung und
Präsentation
Dass das Jahrestreffen 2025 in Südtirol stattfindet,
ist kein Zufall. Die Arbeitsgemeinschaft
MundArt im Heimatpfl egeverband Südtirol
setzt sich seit Langem für den Erhalt und
die kreative Weiterentwicklung der Mundarten
ein. Die Idee, das Treffen nach Südtirol
zu holen, kam von der Mundartdichterin
Margit von Elzenbaum aus Auer, die selbst
IDI-Mitglied ist. Bereits zweimal war Südtirol
Gastgeber von Dialekttagungen: 1990 in
Glurns und 2012 in Meran.
„Eine solche Tagung dient der Vernetzung
von Mundartdichter*innen im gesamten
deutschen Sprachraum. Außerdem haben
Autor*innen dadurch die Möglichkeit, eigene
Texte einer interessierten Öffentlichkeit
zu präsentieren“, sagt Johannes Ortner, der
Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Mund-
Art. Südtirol biete mit seiner Mehrsprachigkeit
und der lebendigen Diglossie ein besonders
spannendes Umfeld für eine solche Tagung.
Die „Glutsch“ und das „Pisele“ – Nicht-Südtiroler*innen dürften mit diesen beiden Begriffen
wenig anfangen können.
Foto: Pixabay
Vergleich mit
Schweiz und Österreich
Diglossie – dieser Begriff wird verständlich,
wenn man sich die Situation in Südtirol anschaut.
Vielleicht fällt es den wenigsten auf,
aber der Dialekt ist hier offenbar nicht in
dem Maß gesellschaftlich integriert wie etwa
in der Schweiz. „In Südtirol ist der Dialekt
generell zwar Alltagssprache, bei förmlichen
Anlässen oder bei Fernseh- und Radiomoderationen
wird aber praktisch immer Standarddeutsch
gesprochen“, erklärt Johannes
Ortner. Im Gegensatz dazu ist das Schwyzerdütsch
in der Schweiz auch bei höchst
förmlichen Anlässen und in den Rund-
Drei Tage Dialekt pur auf Schloss Goldrain
Freitag, 17.10. – 17.30 Uhr Vortrag von Johannes
Ortner: „Pfrouslschtaud und Tschuferniggele –
Mundartliche Pfl anzennamen im Vinschgau“.
Ab 20 Uhr Kurzauftritte von rund 30 Autor*innen.
Samstag, 18.10. – Werkstattgespräche, Ausflug
ins Kloster Marienberg, abends Dialektlyrik
von den Südtiroler*innen Wolfgang Sebastian
Baur, Nadia Rungger und Lene Morgenstern –
musikalisch begleitet von den „Korrnrliadrn“.
Sonntag, 19.10. – Podiumsdiskussion „Sprachenvielfalt
in Südtirol“ mit Angelika Pedron,
Günther Pallaver, Rut Bernardi und Franz
Lanthaler.
Das Leberblümchen hat in Südtirol
mehrere Namen, u. a. ist es als Tschuferniggele
geläufi g. Foto: E. Runer
KulturFenster 21
05/Oktober 2025
gehört & gelesen
Murmeln,
Specker oder
Gruzzla?
Mit den sogenannten sozialen Medien erlebt das Schreiben im Dialekt einen unerwarteten
Aufschwung.
Screenshot: E. Runer
funkmedien üblich. In Österreich sprechen
Moderator*innen in Radio und Fernsehen
zwar Standarddeutsch, doch die meisten anderen
– zum Beispiel Interviewpartner*innen
oder Lokalpolitiker*innen – haben kein Problem
damit, ihre regionale, mundartlich gefärbte
Variante des Deutschen zu benutzen,
auch nicht bei offi ziellen Anlässen.
Dialekt in Südtirol
„nur“ Alltagssprache
Wie in der Schweiz und in Österreich gibt
es auch in Südtirol nicht nur einen einzigen
deutschen Dialekt, sondern viele verschiedene,
vom Unterlandler Dialekt mit leicht
italienischen Einflüssen über den Obervinschger
Dialekt mit Schweizer „Unterton“
bis hin zum Teldra-Dialekt im Ahrntal.
Auch das ist ein spannendes Thema,
zumal nicht alle Südtiroler*innen alle Dialekte
gut verstehen.
Dazu kommen die genannte Mehrsprachigkeit
und die damit einhergehenden Dialekte
innerhalb der anderen Sprachen. So sind
das Grödner und das Gadertaler Ladinisch in
den Kernbestandteilen zwar ähnlich, unterscheiden
sich aber hinsichtlich Aussprache,
Grammatik und Vokabular in vielen Details.
Dasselbe gilt für das Ladinische im Fassatal,
in Buchenstein und Ampezzo. Eine einheitliche
ladinische Schriftsprache gibt es
im Unterschied zum Deutschen und Italienischen
nicht. Dieses Thema hat in der Vergangenheit
schon oft zu Diskus sionen und
Auseinandersetzungen geführt.
Was die deutsche Sprache in Südtirol angeht,
wird über den Gebrauch von Dialekten
bei offi ziellen Anlässen kaum diskutiert,
auch nicht über die Frage, ob in Radio
und Fernsehen Dialekt gesprochen werden
soll oder darf. Wenn überhaupt, dann
wird am ehesten im Hörfunk der eine oder
andere Werbespot im Dialekt gesprochen.
In der Schrift hingegen ist das „Südtirolerische“
beinahe tabu. Bis vor einigen Jahren
tauchte der Dialekt bzw. ein Dialekt ausschließlich
in Form von Mundartgedichten
auf. Die wohl bekannteste Mundartdichte-
rin des Landes war Maridl Innerhofer.
Sie ist übrigens eine der Initiator*innen
der Arbeitsgemeinschaft MundArt, in der
die Südtiroler Mundartdichter*innen zusammengeschlossen
sind.
Soziale Medien
als neuer „Motor“?
Kurios: Seit dem Aufkommen der sogenannten
sozialen Medien gewinnt der
schriftliche Dialekt tatsächlich an Bedeutung.
Klare Regeln gibt es zwar nicht,
sondern alle schreiben mehr oder weniger
so, wie ihnen der sprichwörtliche
Schnabel gewachsen ist und wie sie es
für verständlich halten. Aber immerhin …
„Ich fi nde das Schreiben von Dialekt
in den sozialen Medien eine spannende
Angelegenheit. Man lernt – außerhalb
der Rechtschreibregeln – das Schreiben
ganz neu“, sagt Johannes Ortner.“
Und „lernen“ ist hierbei vor allem für
die älteren, analog aufgewachsenen
Nutzer*innen das Stichwort. Sie tun
sich mitunter schwer, schriftlichen Dialekt
zu verstehen, geschweige denn zu
schreiben. Beides will eben gelernt sein.
Auch die Mundartdichter*innen folgen
keinen strengen Regeln – was das
Schreiben aber nicht einfacher macht,
wie Johannes Ortner betont: „Die meisten
Autor*innen verzichten zum Beispiel
auf Sonderzeichen wie å, ë oder ã, weil
diese Zeichen nicht Teil der deutschen
Standardsprache sind und um das Lesen
zu erleichtern. Einige hingegen verwenden
sie, um Lautnuancen sichtbar
zu machen. Wieder andere bevorzugen
ein Schriftbild, das näher an der Hochsprache
bleibt – oder sie entwickeln eine
eigene konsequente Dialektschreibung,
wie es Luis Stefan Stecher in den ,Korrnrliadrn‘
bevorzugt hat. „Mundart lebt von
Vielfalt – und das ist auch gut so“, resümiert
Johannes Ortner. In diesem Sinne
darf man gespannt sein auf drei Tage
Dialekt pur auf Schloss Goldrain.
Edith Runer
Dialektbezeichnungen vom
Ahrntal bis Taufers im Münstertal
Wie unterschiedlich Bezeichnungen in verschiedenen
Dialekten allein in Südtirol sein
können, zeigt das Beispiel der Murmeln, der
kleinen bunten Glaskugeln, mit denen Kinder
vor allem in früheren Zeiten gerne spielten.
Pauline Moser, Mitglied des Bezirksausschusses
Pustertal im Heimatpflegeverband,
hat dazu recherchiert und ist auf folgende
Bezeichnungen gestoßen.
Teächtla (Ahrntal)
Murmelen (Auer)
Murmlan (Obervinschgau)
Spicker (Laatsch, Ulten, Passeiertal)
Spickr, Glousspickr (Obervinschgau)
Specker (Bozen, Brixen, Auer)
Specko (Brixen)
Speckr (Kaltern, Latzfons)
Speckar (Sarntal)
Spocker (Taufers im Münstertal)
Tottschiëssa (Olang, Oberwielenbach)
Gurfl (Sexten)
Sciéssores (Enneberg)
Sciesserla, Speckerle (Gröden)
Sciesciures (Wengen)
Gruzzla (Innichen)
Tottsa (Winnebach)
Toutsa (Gsies)
Pfnutscha (Kiens; evtl. aus anderem Landesteil
„eingebürgert“)
Spektar (Mareit)
Totscha (lt: https://www.ritten.org/oschpele/)
Potscha (Antholz, auch Specka gebräuchlich)
Schiaßer (Truden, Aldein – Allerdings sind
die Aldeiner„Schiaßer“ nicht aus Glas, sondern
aus dreifarbigem Sandstein und wurden
in den „Schiaßermühlen“ selbst hergestellt)
Kugl (sappadino; Info von Erika Boccingher)
Loss, siethers (ladino comeliano; Info von
Erika Boccingher)
Glasmurmeln heißen sie auf Hochdeutsch,
in Südtirol gibt es für dafür ganz schön viele
Ausdrücke.
Foto: Pixabay
KulturFenster 22
05/Oktober 2025
Heimatpflege
Fördern statt verbieten
IDI-Präsident Markus Manfred Jung über die Bedeutung
des Dialekts für eine Gesellschaft
In Bildungseinrichtungen sollte Dialekt gefördert
statt verboten werden. Das sagt Markus
Manfred Jung, seit 2006 Präsident des
Internationalen Dialektinstitutes, das Interessierte
in den kommenden Tagen nach
Schloss Goldrain lädt. Im Gespräch mit dem
„KulturFenster“ geht es auch um die Bedeutung
des Dialekts für eine Gesellschaft.
KulturFenster: Welchen Dialekt sprechen
Sie, und welche persönlichen Erfahrungen
haben Sie selbst mit Ihrem eigenen Dialekt
gemacht?
Markus Manfred Jung: Ich spreche Alemannisch.
Dieser Dialekt wird in der
deutschsprachigen Schweiz, in Liechtenstein,
im österreichischen Vorarlberg, in
Südbaden und Südwürttemberg gesprochen
– wenn man das Schwäbische zum
Alemannischen zählt, teilweise auch im bayerischen
Allgäu und im Elsass. Dort, wo
man den Dialekt kennt, treffe ich meis tens
auf herzliche Aufnahme, wenn ich im Dialekt
spreche. Immer öfter muss ich natürlich
meine Zweitsprache Deutsch einsetzen,
wenn ich verstanden werden will,
und im Elsass Französisch.
KF: Hat sich die Bedeutung des Dialekts
im Alltag und in der Gesellschaft in den
letzten Jahrzehnten verändert?
Jung: Es gab in den 1970er-Jahren einen
Aufschwung der Mundart, nach einer Zeit
der Verachtung, vor allem durch die öffentliche
Verwaltung. Zum Beispiel hoffte man
in Baden-Württemberg, durch das Versetzen
junger Lehrpersonen von einem in den
anderen Landesteil und durch das „Austreiben“
des Dialekts, das „Bindestrichland“
schneller zu einen. Unreflektiert übernahm
man amerikanische Untersuchungen, die
zwischen dem restringierten Code der Unterschicht
und dem elaborierten der Oberschicht
unterschieden. Und man meinte,
dieselben Qualitätsunterschiede zwischen
der hiesigen Bauernsprache, dem Dialekt,
und der städtischen Beamten-Hochsprache
zu fi nden. Das Beispiel Schweiz zeigt,
wie falsch diese Sprachforschenden lagen.
Als die positive Welle, aufgeworfen durch
Markus Manfred Jung ist seit 1992 Mitglied des Internationalen Dialektinstitutes und seit
2006 dessen Präsident. Er hat bereits mehrere Gedicht- und Erzählbände veröffentlicht.
Foto: IDI
die Widerstände gegen die Machtsprache
Amtsdeutsch und gegen vieles andere abfl
aute, hat man den Dialekt einfach links
liegen lassen. Im Moment scheint es wieder
populärer und auch anerkannt zu sein,
Dialekt zu sprechen, allerdings als Zweitsprache,
sozusagen als Additiv zur Standardsprache.
KF: Welche Rolle spielt der Dialekt für
die regionale Identität und das Zugehörigkeitsgefühl?
Jung: Eine unverzichtbare. Menschliche
Kommunikation über Bräuche, Sitten, Herkunft,
Heimat und Zukunft fi ndet in einer
überlieferten Sprache statt, die man von
Kind auf hört und spricht. Diese auszutreiben,
schickt den Menschen in eine Diaspora
daheim. Er fühlt sich dann innerlich
fremd im eigenen Land.
KF: Was würde es bedeuten, wenn einzelne
Dialekte verschwinden? Gibt es
diese Gefahr?
Jung: Eine Verfl achung fi ndet längst statt,
da die Kommunikationsräume der Menschen
größer werden. Typisches von Ortsmundarten
verschwindet, was schade ist.
Auf dem Hotzenwald im südlichen Schwarzwald
geht das ureigene „k“ vor dem „ch“
verloren, das typisch für das Südalemannische
ist. Aus Kchilche wird heute Chilche,
morgen Kilche und danach Kirch für
Kirche. Ebenso verschwindet säge für sage
(sagen). Uwe für hinauf wird zu Großalemannisch
uffe.
KF: Wie kann es gelingen, Dialekte für
jüngere Generationen lebendig zu halten?
Jung: Gescheite, integre Menschen müssen
Gescheites oder Witziges in Mund-
mund art
schad
e sproochfehler halt
un art
do cha mer nüt mache
spööter
wachst sich des us
Markus Manfred Jung,
alemannische Mundart
KulturFenster 23
05/Oktober 2025
gehört & gelesen
art sagen, singen, vortragen: mit Selbstverständlichkeit.
Vorbilder sein. Und wir
müssen die Jungen fördern, zum Beispiel
mit Wettbewerben wie „Junge Mundart“
bei uns in Südbaden oder Poetry Slams,
wo jeder in Mundart vor Publikum Texte
oder Gedichte vorträgt. Publikationsmöglichkeiten
müssten geschaffen bzw. unterstützt
werden. Nur eine Sprache mit Dichtern
überlebt.
KF: Das Internationale Dialektinstitut fördert
die Dialektliteratur. Um welche Art von
Dialektliteratur geht es?
Jung: Als das IDI vor 50 Jahren gegründet
wurde, war es das Sprachrohr der linken,
aufmüpfigen Mundart-Literaturszene
im Widerstand gegen Atomkraft und Umweltverschmutzung.
Die Bewegung erreichte
viel. Parallel zur politischen Szene
verlor auch das IDI an Schärfe. Immer
noch sind aber Anti-Nostalgie, Anti-Verklärung
und politisch Aufmüpfi ges die Themen
der etwas über 100 hier versammelten
Dichter*innen.
KF: Welche Rolle spielen Bildungseinrichtungen
bei der Vermittlung von Dialektbewusstsein?
Jung: Eine immense. Wenn in den Bildungseinrichtungen
statt so manchen Dialektverbotes
eine Dialektförderung stattfi
nden würde, könnte man den Schwund
noch umkehren. Das zeigt das Beispiel
Baskenland. Dort sprachen nur noch vier
Prozent der Kinder Baskisch. Eine starke
Sprachpolitik, von der Region finanziell unterstützt,
schaffte es mit zweisprachigen
Kindergärten und Schulen, dass heute wieder
mehr als 25 Prozent der jungen Menschen
Baskisch sprechen.
KF: Was steht bei der Tagung in Südtirol
im Mittelpunkt?
Jung: Wir werden uns austauschen, an Texten
arbeiten und uns überraschen lassen,
was uns die Südtiroler Gastgeber*innen
zeigen werden. Ich freue mich auf spezielle
Mundartfl ora und hoffe auf gelebtes
dialektales Selbstbewusstsein.
Interview: Edith Runer
Um viere in der Friah …
Mundartdichterin Margit von Elzenbaum schreibt auch Prosa im Dialekt
Die pensionierte Lehrerin und Mundartdichterin Margit von Elzenbaum aus Auer schreibt nicht nur Lyrik, sondern seit einigen
Jahren bevorzugt Prosa im Dialekt, im Unterlandler Dialekt wohlgemerkt. Hier ein Auszug aus einem Text mit dem Arbeitstitel
„Familienaufstellung“.
Um viere in der Friah hot die Rettung die Oma ghoult, wail sie selber ungriaft ghobb hot. Und die Rettung
hot mi ungriaft. Mi. Nit die Mama, ihre Petra.
Des hot mi dearort derwuschn, dass i sie nimmer mit Oma underredt hon. Af oan Schloug bin
i a ausgwochsner Mandermensch gweisn.
„Alma.“, hon i gsogg. „I bin dou. Miar fouhrn zun Dokter.“ Sie hot die Augn aufgmocht
und wieder zua, es isch ihr letz gongen.
Mir isch es a letz gongen: magari hon i sie ungsteckt, bol i Fiaber ghobb hon und sie
bu ins gweisn isch.
„Alma, miar sain in der Rettung. Miar fouhrn mit Blauliacht.“
I hon ochtgeibn, ob sie nou schnauft, hon unghebb zu reidn, in der Hoffnung, dass
sie bun Zualousn vergisst, Schnaufpausn zu mochn.
„Woasch nou Alma, vouriga Woch hosch bu ins Hockey gschaugg.“
I hon nit gsogg, dass sie draimol in Toug bu ins aufgetaucht isch, wail ihr ihr Stub zu
groaß virkemmen isch, sait der Opa gstorbn isch.
„Du hosch die Hockeyreglen nit gekennt, hosch mi long und broat erklärn gmocht.“
I hon a nit gsogg, dass sie aniadsmol, bol der Tourmonn in die Knia gongen isch, in Puck
ouzufongen, derschrockn isch, nocher hot sie mit der Mama ummergwörtlt. Es Spiel isch
vu mir aus glaich longwailig waitergongen.
„I hon Sender gwechslt, Dokumentarisches und Musikalisches und Kriminells und Kulturells, und
die Nouchrichtn sain a nix Gschaids gweisn. Af oamol hosch gsogg: ,Vait, dain Hirn isch a Puck‘.”
Sie hot a bissl glachlt, isch mir virkemmen, a kloans bissl.
„Alma, du hosch mi guat aufgezieglt. Die Mama, dain Petra, a. Ouber mi nou besser.“
I hon wieder guat ochtgeibn, ob sie nou schnauft. Die Pausn sain ollawail länger gwortn.
„I konn daine Fiaß trougn, Alma.”
Untn, ouber die Fearsch hon i sie ghebb, dass ihr’s fain daichn soll. I hon mi zommgnummen zu blaibn, bis mir die Händ ainschloufn.
„Miar wissen beade nou nit genau wia’s waitergeaht“, hon i nocher sougn gmiaßt. „Alma, bol es Auto holtet, muaß i umdrahnen.
Die Mama, dain Petra, weard schun woch sain. I houl sie.“
Margit von Elzenbaum
24
KulturFenster 05/Oktober 2025
informiert & reflektiert
Heimat – ein preisgekröntes
Schulprojekt
Grundschule Rodeneck gestaltet Mensaraum gemeinsam mit Künstlerin
Wie aus einer einfachen Idee ein spannendes
fächerübergreifendes und am Ende sogar
preisgekröntes Schulprojekt wird, zeigte
die Grundschule Rodeneck eindrucksvoll im
vergangenen Schuljahr. Entstanden ist das
Projekt in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler
Künstlerbund und dem Heimatpfl egeverband
Südtirol – eine Kooperation, die
Schule gemacht hat.
Alles begann mit der Mensa. Genauer gesagt:
mit der Idee, den leeren Speisesaal
künstlerisch zu gestalten. Schnell stand fest,
dass das Thema „Heimat“ im Zentrum stehen
sollte. Über den Künstlerbund und den
Heimatpfl egeverband kam die Verbindung
zur Künstlerin Karolina Gacke zustande, die
schließlich mit dem Schulprojekt beauftragt
wurde. Karolina, gebürtige Polin und seit
vielen Jahren in Südtirol zu Hause, hatte
bereits ähnliche Projekte, etwa für die Lebenshilfe
Südtirol, betreut – und passte aus
mehreren Gründen perfekt zur Idee.
Alte Teller
erzählen Geschichte(n)
Ihre künstlerische Leidenschaft gilt Kintsugi,
einer alten japanischen Technik,
bei der zerbrochene Keramikstücke mit
Lack wieder zusammengesetzt werden.
Was diese Methode besonders macht:
Die Bruchstellen werden nicht kaschiert
– im Gegenteil. Sie bleiben sichtbar und
erzählen die Geschichte des Objekts weiter.
Gerade weil Karolina gerne mit Tellern
arbeitet – und die Mensa natürlich voller
Teller steckt – war das Ausgangsmaterial
schnell gefunden.
„Vor allem alte Teller aus vergangenen
Zeiten erzählen einiges über die Kultur und
Geschichte der Menschen, die daraus gegessen
haben“, erklärt Karolina. „Viele dieser
Teller werden von Generation zu Generation
weitergegeben.“ Und genau solche
Schätze brachten die Kinder von zu Hause
mit. Karolina zerbrach sie – ganz bewusst
– und bereitete die Scherben für die weitere
Gestaltung vor.
Mit geradezu ungestümer Motivation setzen die Kinder der Grundschule Rodeneck das Projekt
„Heimat“ um und zeigten das Ergebnis bei einer beeindruckenden Feier.
Fotos: GS Rodeneck
Ein offenes Kunstwerk
Parallel dazu erkundeten die Schüler*innen
gemeinsam mit ihren Lehrpersonen ihr Dorf
und damit ihre Heimat. Sie zeichneten typische
Gebäude, übertrugen die Motive
auf Kartons, die später als Schablonen für
Die Künstlerin Karolina Gacke begleitete die
Kinder das gesamte Schuljahr über.
Hausumrisse an den Wänden der Mensa
verwendet wurden. Nun kamen die bunten
Tellerscherben zum Einsatz, mit denen
die Häuser wie mit Mosaikstücken gestaltet
wurden. Karolina band die Kinder sehr
einfühlsam in die künstlerische Arbeit ein.
Das Besondere: Das Kunstwerk bleibt offen.
Mit Kreativität und Freude arbeiteten die Kinder
künstlerisch am Heimatbegriff.
KulturFenster 25
05/Oktober 2025
informiert & reflektiert
Typische Gebäude wurden beim Dorfrundgang
abgezeichnet, die Motive auf Kartons
übertragen und diese als Schablonen
für Hausumrisse an den Wänden der
Mensa verwendet.
Ein offenes Kunstwerk …
Jedes Kind, das die Grundschule nach der
5. Klasse verlässt, soll künftig eine Scherbe
anbringen und so das „Haus“ weiterbauen.
„So erinnern sich später alle daran, dass
sie einmal an diesem Haus mitgearbeitet
haben“, sagt Karolina – und verleiht dem
Projekt damit eine nachhaltige Dimension.
„Karamela
wird Kulturforscherin“
Doch damit nicht genug. Rund um das
Thema „Heimat“ entstand an der Schule
eine ganze Projektwelt. Die Kinder verfassten
Tellergeschichten, führten Forschertagebücher,
formten neues Tongeschirr,
das im Schulbrennofen gebrannt
wurde, bastelten Setzkästen mit persönlichen
Heimat-Versatzstücken und besuchten
die große Ausstellung „Heimat“
in Bozen, die im Vorjahr vom Heimatpfl e-
geverband zusammen mit dem Künstlerbund
organisiert worden war. Im eigens
eingerichteten Vernissagen-Kino wurde die
Doku „Karamela wird Kulturforscherin“ gezeigt
– mit den Kindern als Hauptfiguren.
Auch Interviews mit Dorfbewohner*innen
zum Thema Heimat und weitere kreative
Ansätze fl ossen in das Projekt mit ein.
„Der Heimatpfl egeverband hat sich gerne
an diesem Projekt beteiligt, weil Jugendarbeit
im Verband ein Schwerpunktthema
ist und bleibt und damit ein weiterer Baustein
gesetzt werden konnte“, sagt HPV-
Obfrau Claudia Plaikner. Sie hatte die fünf
Klassen auf Einladung der Schulstellenleiterin
Renate Stampfl während des vergangenen
Schuljahres auch besucht und ein
Geschenk mitgebracht: die vom HPV herausgegebenen
Heimatmappen 1 bis 3.
Beim Erarbeiten verschiedener Themen
aus den Heimatmappen in den Klassen –
in den höheren Grundschulklassen auch
Architektur und Nachhaltigkeit beim Bauen
– stellte sie fest, wie stark das Interesse der
jungen Menschen für die heimische Natur-
und Kulturlandschaft ist.
Auch HPV-Obfrau Claudia Plaikner trug,
wie viele andere Gäste, zur Vollendung des
Kunstwerkes bei.
Kultur.Forscher!-Preis
2025 gewonnen
Zur feierlichen Vernissage fanden sich
zahlreiche Gäste ein – darunter Schullandesrat
Philipp Achammer, Landesschuldirektorin
Sigrun Falkensteiner und
Bürgermeister Helmuth Achmüller. HPV-
Obfrau Plaikner erklärte in ihrer Rede, wie
wertvoll das gesamte Projekt gewesen sei,
wie interessiert die Schüler*innen mitgearbeitet
hätten und dass deren Sensibilität
für den sorgsamen Umgang mit Heimat
gefördert worden sei. Besonders hob
sie hervor, dass solche großen Projekte
nur mit der Unterstützung von Lehrpersonen
möglich seien, die selber für ein
Thema brennen und sich weit über ihre
Stundenverpfl ichtung hinaus dafür engagieren.
Auch Rachel Altmann von der Forschungsstelle
Kubis der Universität Marburg war
unter den Gästen. Der Grund für den
Besuch aus Deutschland: Das Projekt
wurde unter die drei Finalisten des renommierten
Kultur.Forscher!-Preises
2025 gewählt.
Und wie erst während der Sommerferien
bekannt wurde: Die Grundschule
Rodeneck hat den Preis tatsächlich gewonnen
(wir werden in der nächsten Ausgabe
über die offizielle Preisverleihung in
Marburg berichten).
GS Rodeneck/Edith Runer
KulturFenster 26
05/Oktober 2025
Heimatpflege
Kleine große Kulturzeugnisse
Tagung für Flur- und Kleindenkmalforschung – In zwei Jahren in Südtirol
Nach einer mehrjährigen Pause nahm der
Heimatpflegeverband Südtirol erstmals wieder
an der Internationalen Tagung für Flurund
Kleindenkmalforschung teil, die vom
12. bis 15. Juni 2025 in Eidenberg (Oberösterreich)
stattfand.
Die Wiederbelebung der Kontakte zu
Kolleg*innen aus den Nachbarländern war
ein wichtiges Signal. Es wurde ein starker
Austausch über aktuelle Forschungsansätze,
regionale Besonderheiten und neue
Formen der Vermittlung gepfl egt. Besonders
wertvoll war die Erkenntnis, wie wichtig
das Netzwerk für die Erhaltung und
Dokumentation von Kleindenkmälern ist
.
Engel als Leitmotiv
Die Tagung stand unter dem Motto „Engel
– Die Boten Gottes“. In mehreren Fachbeiträgen
wurde die Darstellung von Engeln
an Wegkreuzen, Bildstöcken und Grabmälern
aus kunsthistorischer und volkskundlicher
Perspektive beleuchtet. Referierende
aus Österreich, Südtirol, Deutschland und
Tschechien präsentierten ihre Forschungsergebnisse
zu Engelskulturen in Waldkapellen
und Friedhofskunst, aber auch zu
urbanen Denkmälern und sagenumwobenen
Steinsetzungen.
Höhepunkt der Tagung waren zwei Exkursionen,
bei denen das Motto der Tagung
praktisch erlebbar wurde: der Besuch im
Zisterzienserstift Wilhering mit seiner „engelreichen“
barocken Stiftskirche sowie
eine Erkundung der Kleindenkmäler in
der Umgebung von Eidenberg.
Der Austausch mit Kolleg*innen aus anderen Ländern ist immer wertvoll.
Digitale Erfassung
Obwohl die Digitalisierung kein offi zielles
Schwerpunktthema der Tagung war, entwickelte
sich abseits der Vorträge ein reger
Austausch über die digitale Erfassung von
Kleindenkmälern. Vertreter*innen aus Österreich
und Deutschland berichteten von
ihren Erfahrungen mit webgestützten Erfassungsplattformen,
standardisierten Datenmodellen
und praktischen Workfl ows.
Besonders interessant war dabei die Diskussion
um „Dateninseln“: Ohne zentrale
Koordination und klare Strukturen entstehen
in verschiedenen Regionen isolierte
Datenbestände. Mit einer gemeinsamen
Strategie ließe sich hingegen ein nachhaltiges
digitales Inventar aufbauen.
Für den Heimatpflegeverband waren
diese Gespräche sehr aufschlussreich,
da sie konkrete Hinweise zum organisatorischen
Aufbau – Zusammenarbeit von
Ehrenamtlichen und Fachstellen, Finanzierung
und Einbindung der Gemeinden
– lieferten und zeigten, wie andere Regionen
ihre Bestände dokumentieren und
zugänglich machen.
Ausblick auf Südtirol 2027
Ein zentrales Ergebnis der Tagung ist die
Entscheidung, dass die Internationale Tagung
für Flur- und Kleindenkmalforschung
2027 in Südtirol stattfi nden wird. Der Heimatpfl
egeverband kündigte an, gemeinsam
mit Partnern aus Forschung, Denkmalpfl
ege und Tourismus ein attraktives
Programm zu entwickeln. Die Wahl Südtirols
als Gastgeberland ist eine Anerkennung
für das Engagement der letzten Jahre
und eine Chance, das reiche Erbe an Kleindenkmälern
in unseren Tälern einer internationalen
Öffentlichkeit zu präsentieren.
Evi Brigl
Weitere Themen
Das Themenspektrum der Tagung reichte
jedoch weit über das Leitmotiv hinaus: Es
umfasste regionale Bestandsaufnahmen,
historische Wegkreuze, rechtliche Aspekte
der Denkmalpflege, sagenumwobene Felsblöcke,
Grenzsteine sowie urbane Gedenkstätten
und Friedhofskulturen. Der interdisziplinäre
Austausch erstreckte sich von
kunsthistorischen Analysen über restauratorische
Fragen bis hin zu praktischen Tipps
für ehrenamtliche Denkmalpfleger*innen.
Rast und Information
bei der Hegstschlägerkapelle
in Eidenberg
Fotos: E. Kreuzwieser
KulturFenster 27
05/Oktober 2025
informiert & reflektiert
Seminarreihe
zur Klimagerechtigkeit
Die Klimakrise sozial und solidarisch bewältigen –
Weitere Seminare und Diskussionen
Eine spannende Seminarreihe des Heimatpflegeverbandes
Südtirol und des Vereins
POLITiS vertieft zentrale Aspekte der
Klimagerechtigkeit. Es gibt noch weitere
fünf Termine.
Die Klimakrise betrifft nicht alle Menschen
gleich: Wohlhabende verursachen deutlich
mehr CO 2
, während sozial schwächere
Gruppen stärker unter den Folgen leiden.
Klimagerechtigkeit verbindet soziale und
ökologische Herausforderungen und fordert
eine ganzheitliche, faire Transformation.
Das führt uns vor Augen, wie eng soziale
und ökologische Herausforderungen
zusammenhängen und wie dringend es
ganzheitlicher Antworten bedarf. Derartige
Zusammenhänge fl ießen im Begriff
der Klimagerechtigkeit zusammen.
Bei der Veranstaltungsreihe „Klimagerechtigkeit“
werden zentrale Aspekte der sozialen
und ökologischen Klimapolitik diskutiert.
Die ersten drei Seminare hatten die
Mobilität der Zukunft, den Klimawandel
als soziale Frage und die nachhaltige Ernährung
und Landwirtschaft zum Thema.
Hier nun die Einladung zu den folgenden
Modulen, jeweils dienstags, von 18 bis
19.30 Uhr:
28. Oktober:
Der Wandel der Arbeitswelt
Wie kann Klimaschutz zum Jobmotor
werden?
Der Wandel zur fossilfreien Wirtschaft verändert
den Arbeitsmarkt. Traditionelle Branchen
schrumpfen, während neue „grüne“
Jobs entstehen. Welche Auswirkungen hat
das auf Südtirol? Wie können Beschäftigung
und Einkommen sozial gerecht erhalten
und sogar gefördert werden? Welche
Strategien gibt es für eine faire Transformation
der Arbeitswelt?
Referenten: Stefan Perini (Wirtschaftswissenschaftler,
AFI) und Urban Perkmann
(WIFO)
4. November:
Ökologische Steuerpolitik
CO 2
-Steuern und soziale Fairness
Die CO 2
-Bepreisung gilt als Schlüssel für
weniger Emissionen, doch sie kann sozial
belastend sein. Wie funktioniert die Steuerung
durch CO 2
-Abgaben und Zertifikatehandel?
Wie kann Südtirol steigende
Energiekosten sozial abfedern?
Referentinnen: Elisabeth Gsottbauer (Universität
Bozen) und Monika Psenner (Energieexpertin)
18. November:
Soziale Klimagerechtigkeit
Konkrete Herausforderungen und
Lösungen
Der Klimawandel trifft sozial Schwächere
besonders hart. Wie kann der ökosoziale
Wandel so gestaltet werden, dass er armutsgefährdete
Haushalte schützt? Welche
Maßnahmen sind nötig, um soziale
Ausgewogenheit bei der Energiewende
zu sichern?
Referentinnen: Christa Ladurner (Allianz
für Familie) und Cristina Masera (Landessekretärin
CGIL/AGB)
2. Dezember:
Heizungswende
Eine sozial verträgliche Ausstiegstrategie
aus der fossilen Gebäudeheizung
Südtirol will bis 2037 den Verbrauch von
Gas und Öl für Heizung drastisch senken.
Doch viele Haushalte nutzen noch fossile
Heizungen, und der Umstieg ist teuer. Wie
lässt sich die Heizungswende technisch
umsetzen und gleichzeitig sozial abfedern?
Welche Förderungen sind nötig, um
besonders Geringverdiener zu entlasten?
Referenten: Thomas Egger (Klimaclub Südtirol)
und Ulrich Santa (Klimahaus-Agentur
Südtirol)
Infos kompakt
Ziel: Die Reihe bietet Raum für Austausch zwischen Fachleuten und Bürger*innen,
fördert kritisches Verständnis und diskutiert Wege zu einer sozial gerechten Klimapolitik.
Ort und Zeit: Die Seminare fi nden immer dienstags von 18 bis 19.30 Uhr im Seminarraum
im 4. Stock des Waltherhauses in Bozen statt. Pünktlicher Beginn!
Achtung: Die Abschlussdiskussion fi ndet im Sparkassensaal des Waltherhauses im
Untergeschoss statt und dauert ca. zwei Stunden.
Anmeldung: nicht erforderlich
Teilnahmegebühr: Spende erwünscht
Organisation: Heimatpfl egeverband Südtirol und POLITiS, unterstützt vom Amt für
Weiterbildung
Kontakt: info@politis.it, Tel. 324 5810427
16. Dezember:
Landesklimagesetz
Gesetzliche Verankerung für wirksamen
Klimaschutz
Südtirols Klimaplan ist bislang eine politische
Selbstverpflichtung ohne rechtliche
Bindung. Was würde ein Klimagesetz ändern?
Wie könnten verbindliche Ziele,
Maßnahmen und Kontrollmechanismen
aussehen?
Es diskutieren u. a.: Landesrat Peter
Brunner (angefragt), Madeleine Rohrer
(Verdi Grüne Verc), Monica Devilli
(CoopBund), Tony Tschenett (ASGB)
und Claudia Plaikner (Heimatpfl egeverband)
– Moderation: Florian Trojer und
Thomas Benedikter.
KulturFenster 28
05/Oktober 2025
hinausgeblickt
Heimatpflege
Weiße Flecken
Zoggler Stausee: Kunst Ulten will Geschichte sichtbar machen
Mit Kreide wurden die Höfe auf den Seeboden gezeichnet.
Foto: Kunst Ulten
Die Gruppe Kunst Ulten (KU) malte nach
der technisch bedingten Trockenlegung des
Zoggler Stausees „weiße Flecken“ auf den
Boden und an den Rand des Sees, um an
die dort einst abgerissenen Bauernhöfe zu
erinnern. Für das Kunstprojekt verwendete
sie die historische Mappe von 1858. Dazu
verfasste die Gruppe folgenden Bericht.
Bevor der Zoggler Stausee angelegt wurde,
gab es dort eine Kulturlandschaft – sieben
Höfe und 20 Gebäude mussten in den
1950-er Jahren der Energiegewinnung Italiens
weichen. Etwa 100 Einwohner*innen
des Ultentales waren davon betroffen.
Mit einem Kunstprojekt macht Kunst Ulten
(KU)* auf dieses oft vergessene Geschichtsdetail
aufmerksam. Anlass ist die
„technische Inkontinenz“ des Zoggler Stausees,
der bekanntlich seit 13. Mai 2025
kontinuierlich Wasser verloren hatte. Dadurch
wurde die eigentlich versunkene
Landschaft wieder sichtbar und begreifbar.
Die historische
Mappe von 1858 –
damals vom österreichischen
Kaiser
in Auftrag gegeben
– gibt Einblick in die
historische Landnutzung.
Die Aktion der
symbolisch-schematischen
Kennzeichnung
der ehemaligen
Höfe und Gebäude soll daran erinnern,
dass es vor dem künstlichen See bereits
eine Kulturlandschaft gegeben hat. Die
ansonsten blaue Wasserfl äche beinhaltet
„weiße“ Flecken der historisch gewachsenen
Landschaft. Diese Kunstaktion bedient
sich dieser weißen Flecken, um Geschichte
sichtbar zu machen. Das Weiß
dient als Transposition von Gegenwart und
Vergangenheit: Im Blau des Sees versinken
die weißen Fleckengespenster der
Vergangenheit.
Die Aktion soll daran erinnern,
dass es vor dem
künstlichen See bereits eine
Kulturlandschaft gegeben
hat.
Kunst Ulten
Das kulturelle Bewusstsein,
dass sich
jeder Eingriff mit gewachsener
Kulturlandschaft
auseinandersetzen
und diese
auch respektieren
muss, kam beim
Bau damals nicht
zur Anwendung. Dieser
Grundsatz muss
nun für die Gegenwart und die Zukunft
gelten – und es ist höchste Zeit dafür. Vor
allem in Hinblick auf das geplante Pumpspeicherkraftwerk.
Kunst Ulten
*Der Gruppe Kunst Ulten gehören folgende
Personen an: Bernhard Lösch (Idee und
Konzept), Franziska Schwienbacher, Mathias
Schwienbacher, Agnes Schwienbacher,
Vera Schwienbacher, Franz Marsoner,
Veith Pircher, Paul Rainer.
KulturFenster 29
05/Oktober 2025
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Am Anfang war Gais
Mary de Rachewiltz – Das „Sama Moidile“ erzählt ihre Geschichte
Es gab viel Interesse
und großes Lob für
diese Initiative.
Fotos:
Albert Willeit
Gais verbindet große Namen der Literaturund
Kunstgeschichte. Besonders eng verknüpft
ist der Ort mit Mary de Rachewiltz,
Tochter des Dichters Ezra Pound, die hier
ihre Kindheit verbrachte. Anlässlich ihres
100. Geburtstags widmet ihr das Pfl egerhaus
die Ausstellung „Am Anfang war Gais“.
In Gais haben im Verlauf der Zeit bekannte
Literaten und Künstler zeitweise gelebt und
gewirkt: Vor genau 600 Jahren (1425–1426)
residierte Oswald von Wolkenstein als Pfleger
auf Schloss Neuhaus. Fünf Jahrhunderte
später war der berühmte amerikanische
Dichter Ezra Pound öfters in Gais.
Dort besuchte er seine Tochter Mary, die
bei Zieheltern als das Sama Moidile aufwuchs.
Im barocken Pfl egerhaus hingegen
wohnte und arbeitete die Künstlerfamilie
Bacher.
Dies alles nahmen Josef Duregger, Alfred
Mair und Albert Willeit vor 20 Jahren zum
Anlass, um diese Persönlichkeiten mit
einem Rundweg um Schloss Neuhaus und
durch künstlerische Arbeiten zu ehren. So
entstand der Arbeitskreis Kulturweg Gais,
der seither viele Veranstaltungen organisiert
hat und weiterhin kulturelle Initiativen
setzen möchte.
Bewegende Geschichte
Ende August wurde nun im Pfl egerhaus
die Ausstellung „Am Anfang war Gais“
eröffnet – als Würdigung für Mary de Rachewiltz
zu ihrem 100. Geburtstag, den
sie am 9. Juli gefeiert hat. Bereits vor 50
Jahren hatte sie ihre Lebensgeschichte im
Buch „Diskretionen“ dargelegt – eine bewegende
Geschichte zwischen zwei völlig
unterschiedlichen Welten: zum einen das
karge bäuerliche Leben in einer Kleinbauernfamilie
und zum anderen das mondäne
Leben in Kreisen der Hochkultur in verschiedenen
Städten, wo man zudem nur
Italienisch und Englisch sprach.
Obwohl Mary bereits als Jugendliche viel
von zuhause fort war, blieb für sie Gais
über 20 Jahre lang Heimat und familiärer
Bezugspunkt. Das hat wohl mit ihrem
Zuhause bei den Sama-Bauern Johanna
Ein Blick in die Ausstellung
in jener Stube,
die als Werkstatt für
die Bildhauer Bacher
diente.
Für Konzept und Gestaltung
zeichnet Albert
Willeit.
KulturFenster 30
05/Oktober 2025
Heimatpflege
Mary beim Besuch der Ausstellung „Am Anfang
war Gais – Ein Leben zwischen den Welten“.
Mary mit ihrer Familie und einigen Mitgliedern des Kulturweges Gais vor dem barocken
Pflegerhaus.
und Jakob Marcher zu tun, die weitere
16 Kinder aus anderen Familien aufgezogen
haben, nachdem sie selbst zwei
Totgeburten erlitten hatten. Deshalb ist
die Ausstellung auch ihnen gewidmet.
So wie alle anderen Bauernkinder hat
auch Mary tatkräftig auf Hof und Feld
mitarbeiten müssen und dieses Leben
verinnerlicht. Noch mit 21 Jahren wollte
sie eigenständig einen kleinen Bauernhof
mit einer Kuh führen und zugleich nebenan
bei Heinrich Bacher lernen und
Bildhauerin werden. Doch daraus wurde
nichts, da sie Boris de Rachewiltz kennenlernte.
Mit ihm wohnte sie dann von
1946 bis 1948 auf Schloss Neuhaus,
bevor sie anschließend nach Dorf Tirol
auf die Brunnenburg zogen. Dort lebt
sie noch heute.
„Besuch der alten Dame“
Bei der Eröffnung konnte Mary de Rachewiltz
leider nicht dabei sein, dafür schickte
sie eine lebhafte Audiobotschaft in Pusterer
Dialekt, in der sie alle Anwesenden
begrüßte. Sie trug auch ihr Gedicht „Die
Aar“ (Ahr) vor. Eine Woche später kam
erfreulicherweise doch ein „Besuch der
alten Dame“ samt Familie zustande. Sie
wollte unbedingt nochmals ihr Heimathaus
Sama sehen, wo sie dann mit Begeisterung
in ihren Erinnerungen schwelgte. Sie erzählte,
wie damals die Stube und die Küche
eingerichtet waren und am Fenster
eine Steige mit Hennen stand. Mit Interesse
hörten auch die heutigen Besitzer
zu, bevor es dann weiter zum Pflegerhaus
ging, wo sie bereits von alten Bekannten
freudig erwartet wurde.
Die Ausstellung und die 36-seitige Begleitbroschüre
zeichnen anhand von Bildern
und Zitaten die Jugendzeit von Mary nach.
Für diesen großen Aufwand gab es finanzielle
Unterstützung von der Gemeinde, der
Fraktion und dem Bildungsausschuss, wofür
ihnen sehr gedankt sei.
Mit dieser erfolgreichen Initiative soll ein
wichtiger Teil der kulturellen Geschichte
von Gais in Erinnerung behalten werden.
Albert Willeit
Der Arbeitskreis Kulturweg Gais: Elisabeth Niederwolfsgruber, Sabine Renzler, Ulrike Trojer,
Alfred Mair, Hans Peter Lercher, Albert Willeit, Vorsitzende Erna Holzer (v.l.)
Für eine flotte musikalische Umrahmung
sorgte die Gruppe „3/4 Schwung“.
KulturFenster 31
05/Oktober 2025
hinausgeblickt
Bildstock und Kreuz restauriert
Der Heimatpflegeverein Naturns –
Plaus hat zwei Kleindenkmäler renovieren lassen
Elias Pirhofer vom Oberkofler-Hof in Forst
dürfte von den unzähligen Verkehrstoten
auf der Plauser Geraden der erste gewesen
sein. Er ist als 15-jähriger Radfahrer
unterhalb des Lahnbach-Pichls mit einem
Motorradfahrer, dessen Namen nicht mehr
bekannt ist, zusammengeprallt und hat dabei
tödliche Verletzungen erlitten.
Dies ist den Pfarrbüchern von Algund und
Naturns zu entnehmen. Seine Familie hat
ihm in der Folgezeit ein stattliches Denkmal
gesetzt, das aber in letzter Zeit einen
verwahrlosten Eindruck machte und von
einem wuchernden Buchsbaumstock fast
verdeckt wurde. Der Standort ist heute
höchst ungelegen, war aber bis vor ca.
70 Jahren eine willkommene Totenrast
auf dem langen Weg von Stein zur Pfarrkirche
nach Naturns.
Der Heimatpflegeverein Naturns – Plaus
hat diesen Bildstock nun restaurieren
lassen. Lange musste zuvor nach dem
Namen des Verunglückten und seiner
Angehörigen geforscht werden. Erst
Marianne Ladurner vom Lahnbach-Hof
konnte schließlich weiterhelfen. Daraufhin
wurde das Schloss aufgebrochen
und eine Marmortafel mit folgender Inschrift
gefunden: „Hier verunglückte am
15. September 1912 Elias Pirhofer von
Forst im Alter von 15 Jahren. Mein Jesus
Barmherzigkeit!“ Einige Devotionalien
waren im Inneren des Bildstockes
abgelegt.
An den Restaurierungsarbeiten beteiligten
sich: Hermann Müller (Wålder Hermann),
Gustav Kind (Spengler), Walter
Lamprecht (Malermeister), Gebr. Blaas
(Tischlerei Staben), Roman Gerstgrasser
(neues Kruzifix), Manfred Cainelli Meran
(Steinmetz).
Ihnen allen sei für die vorbildliche und
zum Teil unentgeltliche Arbeit aufrichtig
gedankt. Ebenso dem Grundstückseigentümer
Jürgen Thaler für das Entgegenkommen
und der Grundstücksnachbarin
Maria Luise Prantl-Tappeiner für die
Spende. Die noch offenen Beträge wird
der Heimatpflegeverein abdecken.
Der Bildstock Lahnbach vor und nach der Renovierung
Kreuz Totenrast Staben
Auch ein Kreuz in Staben hat der HPV
Naturns – Plaus restaurieren lassen. Das
Kreuz diente bis 1996 als Totenrast auf
dem Weg von Staben nach Tschars und
wird seit vielen Jahren von Familie Kristanell
(Garberhof) gepflegt. Die Restaurierung erfolgte
mit finanzieller Unterstützung durch
Fotos: HPV Naturns Plaus
die Gemeindeverwaltung Naturns, die Eigenverwaltung
BNG Staben, die Tischlerei
Gebr. Blaas, die Schlosserei Hell Dietmar,
die Baufirma Gebr. Müller,die Schützenkompanie
Naturns und durch Spenden
von Nachbarn. Der Christus-Korpus wurde
vom Holzschnitzer Roman Gerstgrasser
aufgerichtet.
Hermann Wenter;
Das Kreuz bei der Totenrast in Staben vor und nach der Renovierung
KulturFenster 32
05/Oktober 2025
getanzt
Mit Kindern tanzen
Schulprojekt: Anmeldungen möglich
Die ARGE Volkstanz in Südtirol bietet in diesem
Schuljahr das Projekt „Mit Kindern tanzen
– Volkstänze erleben und weitergeben“
an. Schulen können sich gerne anmelden.
Tanz ist Musik in Bewegung. Der Rhythmus
weckt die Sinne, die Melodie führt die
Schritte. So entdeckt der Körper den Raum
und die tanzende Person findet neue Ausdrucksformen.
Gemeinsames Tanzen fördert
Körpergefühl, Orientierung und Aufmerksamkeit.
Gemeinsame
Schritte verbinden
Qualifizierte Kindertanzreferent*innen vermitteln
den Kindern in zwei bis vier Schulstunden
spielerisch ein lebendiges Stück
Volkskultur.
Neben den pädagogischen Vorteilen
möchte das Projekt auch die Freude an
der Tradition wecken und die Gründung
neuer Tanzgruppen fördern.
Hinweis: Aufgrund der Lehrerproteste gehen
die Anmeldungen nur schleppend ein,
weshalb das Projekt zu scheitern droht. Die
Arge Volkstanz in Südtirol hofft auf eine baldige
akzeptable Lösung, damit sich weitere
Schulen melden und dieses erfolgreiche
und beliebte Angebot doch noch durchgeführt
werden kann.
Informationen und Anmeldungen:
www.arge-volkstanz.org/download,
Tel.: 0471 970 555
Die Volkstänze aus Südtirol basieren auf
einfachen, natürlichen Bewegungen und
sind daher für alle Altersgruppen leicht zugänglich.
Beim Tanzen in der Gruppe lernen
Kinder, aufeinander zu achten, den
Rhythmus wahrzunehmen und sich als
Teil eines größeren Ganzen zu fühlen. Die
gemeinsamen Schritte verbinden, und es
entstehen Empathie, Respekt und soziale
Kompetenz.
Diese Erfahrungen gehen weit über das
Klassenzimmer hinaus und tragen zur Entwicklung
kreativer, einfühlsamer und kooperativer
Menschen bei.
Mit diesen Zielen bietet die ARGE Volkstanz
in Südtirol im laufenden Schuljahr für
Schulen traditionelle Tänze mit Kindern an.
Die Kindertanzgruppe
Mals beim
spielerischen
Üben von Tänzen.
Gemeinsames Tanzen
fördert Körpergefühl,
Orientierung
und
Aufmerksamkeit.
Fotos: ARGE Volkstanz
Hereinspaziert
➤ Anfängerkurs Volkstanz: Vereinshaus von Stilfes
am 28. Oktober, 4., 11., 18., 25. November
➤ Landeskathrein-Tanzfest: Kurhaus Meran am Samstag, 15. November
➤ Winterlehrgang: Haus der Familie, Lichtenstern/Ritten. 26. Dezember bis 1. Jänner 2026 –
in dessen Rahmen am 29. Dezember ab 20 Uhr Offenes Tanzen
Lust auf Tanzen? In Südtirol gibt es mehrmals pro Woche die Möglichkeit dazu. Volkstanzgruppen
laden regelmäßig zum Offenen Tanzen ein. Aktuelle Termine in deiner Nähe auf www.arge-volkstanz.org
Weitere Infos im Büro der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz, Tel.: 0471/970555 oder info@arge-volkstanz.org
KulturFenster 33
05/Oktober 2025
getragen
„Beim billigen Steger“
Es war einmal ein Stoffgeschäft…
Die Geschichte eines besonderen Ladens
Der Stoffl aden Peter Steger um das Jahr 1900, vorne rechts Anna Steger
Fotos: Archiv Agnes Andergassen
Bozen, die alte Handelsstadt, zog seit jeher
Händler und Käufer aus der näheren
und weiteren Umgebung an. Es war vor
allem die Laubengasse, die für ihr reiches
Warenangebot bekannt war. Eine wichtige
Rolle spielte dabei der Handel mit Stoffen.
In den 1950er-Jahren gab es unter den
Bozner Lauben noch 13 Stoffgeschäfte.
M. Eccel war das größte, R. Corradini das
kleinste. Mit dem Aufkommen der Konfektion
hat dann ein Geschäft nach dem
anderen den Laden zugemacht. Letztendlich
übrig geblieben ist das kleinste
und wohl auch originellste, was die Ladeneinrichtung
anbelangt.
Vom Wanderhändler
zum Laubenkaufmann
Mein Urgroßvater Peter Steger (1850–
1918) stammte vom Unterhabererhof in
St. Magdalena in Gsies. Dort wurde bereits
seit Generationen der eigene Flachs
zu edlem Leinen verarbeitet. Das Leinen
war von hoher Qualität und wurde
durch Wanderhandel im süddeutschen
Raum verkauft.
Das Geschäft mit der Buckelkraxe muss
gut gelaufen sein, denn Peter Steger
konnte sich bereits im Jahr 1880 in Bozen
ein kleines Laubenhaus (Nr. 23) kaufen
und darin 1882 ein kleines Stoffgeschäft
eröffnen.
In seiner Ehefrau Anna Demetz (1850–
1917) aus St. Christina in Gröden fand
er eine tüchtige Verkäuferin. Die beiden
hatten ein feines Gespür und eine offene
Hand für weniger betuchte Kunden. Das
machte schnell die Runde und zog viel
Kundschaft an, die gerne „beim billigen
Steger“ einkaufte.
KulturFenster 34
05/Oktober 2025
Heimatpflege
Peter Steger (rechts in Tracht vor 1883) verkaufte ursprünglich Stoffe mit der Buckelkraxe
und gründete später den Stoffl aden in Bozen.
Marlene Corradini stand 66 Jahre hinter
der Ladentheke. Foto: aus „Die Südtiroler Frau“
Schwerer Schicksalsschlag
Die Stegers hatten eine Tochter, Anna
(1883–1938), die bis zu ihrer Heirat mit
Josef Egger fleißig im Geschäft mitgearbeitet
hatte. Nach und nach stellten
sich fünf Kinder ein. Als dann innerhalb
eines Jahres der Ehemann und beide Eltern
von Anna starben, war für die junge
Witwe mit den kleinen Kindern an eine
Weiterführung des elterlichen Stoffladens
nicht mehr zu denken. Zudem war die
Zeit nach dem Ersten Weltkrieg für alle so
schon schwer und eine große wirtschaftliche
Herausforderung.
Aus Steger
wird Corradini
Es ist das Jahr 1934. Nach einer Zeit des
Umbruchs eröffnen Rosa Corradini und
ihr Mann Konrad an derselben Adresse
wieder ein Stoffgeschäft. Mit großer Professionalität
und dem Gespür für die
Notwendigkeit der Zeit – insbesondere
Stoffe für die Anfertigung der Trachten
für die wieder aufkommenden Musikkapellen
und Volkstanzgruppen anzubieten
– machen sie den kleinen Laden
bald zu einer beliebten Anlaufstelle
für Trachtenschneider*innen. Das Geschäft
läuft gut – da schlägt das Schicksal
hart zu. Beide Eheleute Corradini sterben
früh. Es ist nun die Tochter Marlene,
die im Jahr 1953 mit nur 14 Jahren den
Stoffladen übernimmt.
Ein Hauch von Nostalgie
Das Firmenschild
Marlene Corradini und die schweren Stoffballen
bleiben sich ganze 66 Jahre lang
treu! Sie baut sich im Laufe der vielen
Jahrzehnte einen großen Kundenstock
auf, mit dem sie geradezu freundschaftlich
verbunden ist. Marlene lässt alles
beim Alten. Holzstellagen, Verkaufsbudel,
Schaufenster, die alte Eingangstür – ein
Hauch von dazumal durchweht das alte
Gemäuer. Atmosphäre und Gemütlichkeit
pur! Mit der Nachfrage nach Stoffen
kann Marlene Corradini durchaus zufrieden
sein. Und doch kommt der Moment,
in dem sie aus Altersgründen beschließt,
das Geschäft aufzugeben. Mit
über 80 Jahren kündigt Marlene Corradini
im Jahr 2019. Damit schloss nach
137 Jahren auch das allerletzte Stoffgeschäft
unter den Bozner Lauben seine
Tore. Doch „Corradini Stoffe“ lebt weiter!
In der Vintler-Passage, nur einen Steinwurf
von den Lauben entfernt, führen
junge Frauen die Tradition des Stoffhandels
weiter. Gott sei Dank! Es ist nämlich
jetzt das einzige Stoffgeschäft weit
und breit, das eine schöne Auswahl an
Stoffen für die Anfertigung von Tracht
und Dirndl hat.
Agnes Andergassen
Arge Lebendige Tracht
KulturFenster 35
05/Oktober 2025
gesungen & gespielt
Volksmusikalischer Sommer
Jugendsing- und Musizierwoche
und viertes Südtiroler Weisenbläsertreffen
Stellvertretend für die vielen Angebote an
Seminaren und Veranstaltungen im heurigen
Sommer blicken wir auf zwei Höhepunkte
zurück.
JuSiMu
Von Sonntag, 6. Juli, bis Samstag, 12. Juli,
ging es richtig rund bei der „JuSiMu“ im
Haus der Familie in Lichtenstern am Ritten.
Die Jugendsing- und -Musizierwoche
wird als Sommermusikwoche von der
Landesdirektion Deutsche und ladinische
Musikschule in Zusammenarbeit mit dem
Südtiroler Volksmusikverein organisiert.
Die beiden Kursleitenden Sonja Wallnöfer
und Michael Hackhofer konnten mit ihrem
Team die zahlreichen Teilnehmenden aus
dem ganzen Land begeistern.
Weisenbläsertreffen
Sie hatten richtig Spaß beim Singen.
Foto: Thomas Wallnöfer
Am Sonntag, 10. August, lud der Südtiroler
Volksmusikverein zur vierten Ausgabe
des Südtiroler Weisenbläsertreffens auf
das Rittner Horn ein. Die Veranstaltung
zog zahlreiche Weisenbläser*innen aus
nah und fern an, die gemeinsam musizierten
und das Rittner Horn zum Klingen
brachten.
Während des Tages spielten die
Musikant*innen an verschiedenen Plätzen
im Almengebiet und bei den Hütten.
Und wie es sich für einen Kirchtag
gehört, wurde auch ausgelassen
getanzt. Neben den traditionellen Bläserweisen
waren schwungvolle Polkas
und Landler zu hören. Die malerische
Kulisse sorgte dabei für ein unvergessliches
Musikerlebnis.
Alphornklänge am Rittner Horn
Foto: Irmgard Seebacher
Alle Termine volksmusikalischer Veranstaltungen
auf einen Blick finden Sie auf unserer Homepage
KulturFenster 36
05/Oktober 2025
Heimatpflege
VorSicht
➤ Singen und musizieren im Advent
Alpenländische Lieder und Stücke ermöglichen ein harmonisches,
gemeinsames Zusammenspiel. Singen im Chor, Singen und Basteln
für Kinder, Holz- und Blechbläser, Saitenmusik, Flöten und Streicher. Mit erfahrenen Referent*innen.
Termin:
Samstag, 29. November, 10.00 Uhr,
bis Sonntag, 30. November, 12.30 Uhr
Ort:
Haus der Familie/Lichtenstern am
Ritten
Kursleitung:
Gernot Niederfriniger
Foto: Gernot Niederfriniger
Seminarbeitrag:
40 Euro für Erwachsene / 25 Euro
für Kinder, zuzüglich Unterkunft und
Verpfl egung
Kontakt und Informationen
Südtiroler Volksmusikverein VFG
Dominikanerplatz 7, I-39100 Bozen
Tel: +39 0471 970555
info@volksmusikverein.org
www.volksmusikverein.org
VOLKSKULTUR IM RUNDFUNK
Jeden Donnerstag von 18.05 bis 19 Uhr und jeden Samstag von 11.05 bis 12 Uhr
Unser Land – Kultur und Natur in Südtirol*
Gestaltung und Moderation: Heike Tschenett, Barbara Wiest
16./18. Oktober 2025: Branzoll und die Etschflößerei
Wie der nördlichste Etschhafen das Unterlandler Dorf über die Jahrhunderte
geprägt hat
Mit Heike Tschenett
20./22. November 2025: Zeit trifft Ewigkeit
Besuch der Friedhöfe von Meran mit Heimatkundler Christoph Gufler
Mit Heike Tschenett
Jeden Freitag von 18 bis 19 Uhr
Dahoam in Tirol
Dialekte, liebgewonnene oder
längst vergessene Tiroler
Bräuche, Plaudereien
*Kurzfristige Programmänderungen möglich
KulturFenster 37
05/Oktober 2025
Das Südtiroler Jugendblasorchester
(SJBO) feiert heuer sein 20-jähriges
Bestehen. In diesen zwei Jahrzehnten
setzte das Orchester immer wieder
künstlerische Akzente im Bereich der
sinfonischen Blasmusik und ist damit
zum musikalischen Aushängeschild des
Verbandes Südtiroler Musikkapellen
(VSM) geworden.
Foto: Innsbrucker Promenadenkonzerte/Amir Kaufman
KulturFenster
38 05/Oktober 2025
geglückt
Das SJBO - unser musikalisches
Aushängeschild
Eine 20-jährige Erfolgsgeschichte feiert Geburtstag
Es ist ein Auswahlorchester aus jugendlichen
Musiker*innen aus Südtirol und es
ist die Chance für Musikbegabte zwischen
16 und 30 Jahren: 2005 hat der Verband
Südtiroler Musikkapellen (VSM) auf Initiative
seines damaligen Verbandsjugendleiters
Pepi Fauster das Südtiroler Jugendblasorchester
(SJBO) ins Leben gerufen. Seither
verfolgt es das Ziel, gut ausgebildeten, talentierten
und musizierfreudigen jungen
Musiker*innen aus Südtirol die Möglichkeit
zu geben, vielseitige sinfonische Blasorchesterliteratur
auf höchstem Niveau unter
der Leitung von renommierten Dirigenten
einzustudieren und aufzuführen.
Karl Geroldinger dirigierte das Orchester in
den ersten vier Jahren. Auf ihn folgten Thomas
Doss (2009 bis 2011), Peter Vierneisel
(2012 und 2013), Josef Feichter (2014
bis 2017) und Isabelle Ruf-Weber (2018
und 2019). Nach der Corona-Zwangspause
steht das Orchester seit 2022 wiederum
unter der musikalischen Leitung
von Karl Geroldinger.
In diesen zwei Jahrzehnten setzte das Orchester
immer wieder künstlerische Akzente
im Bereich der sinfonischen Blasmusik
und ist damit zum musikalischen
Aushängeschild des VSM geworden. Die
traditionelle Orchesterwoche, Konzerte im
In- und Ausland, Aufführungen von Auftragswerken,
CD-Aufnahmen und viele
weitere besondere Projekte haben diesen
Erfolg geprägt. Bereits zwei Mal war das
Orchester zu Gast beim jährlichen Blasmusikfestival
„Mid Europe“ in Schladming
und gastierte auch im Wiener Konzerthaus.
Aus den Anfängen des Südtiroler Jugendblasorchesters im Jahr 2007.
der Lieder“ in Anlehnung an Mahlers Kindertotenlieder
werden. De Meij war so intensiv
an der Arbeit, dass daraus eine große
„Sinfonie der Lieder“ wurde, die er zu seiner
Sinfonie Nr. 4 erklärt. Von Südtirol aus
hat diese Sinfonie ihren Siegeszug angetreten,
denn im Oktober des gleichen Jahres
wurde die Sinfonie bereits in Amerika
erstmals aufgeführt und einen Monat später
in Holland.
„Leben“ –
die Jubiläums-CD (2014)
Zum zehn-jährigen Bestehen des Orchesters
wurde die Jubiläums-CD „Leben“ veröffentlicht.
Mit dem Ausruf „Leben! Leben!” beendet
Johan de Meij seine 4. Sinfonie. Es ist
ein Ausruf, der uns aus der Dramatik von
Schmerz, Leid und Tod in eine Stimmung
von Hoffnung und Zuversicht führt. Der Titel
„Leben” wurde bewusst für diese CD gewählt.
Der Tonträger beinhaltet neben der
Sinfonie Auftragskompositionen des VSM,
die in den Jahren zuvor uraufgeführt wurden.
Foto: Stephan Niederegger
Die Sinfonie
der Lieder (2013)
Unter dem Titel „Ich bin der Welt abhanden
gekommen?“ präsentierte das SJBO
2013 – im neunten Jahr seines Bestehens
– unter der Leitung von Peter Vierneisel
eine Welturaufführung: die „Sinfonie der
Lieder“ von Johan de Meij. Ursprünglich
sollte es ein kürzerer Liederzyklus „Buch
KulturFenster
39 05/Oktober 2025
geglückt
Das Jubiläumskonzert (2025)
Unter der bewährten Leitung von Karl Geroldinger hat sich das Auswahlorchester im Juli
auf seine heurige Jubiläumstournee vorbereitet. Das Publikum im Culturforum Latsch,
im Forum Brixen und bei den Innsbrucker Promenadenkonzerten war begeistert und
gratulierte zum Geburtstag: „Ad multos annos!“
Das Programm des
Jubiläumskonzertes:
➤ FESTIVE OUVERTURE
Dmitri Shostakovitch,
arr. Donald Hunsberger
➤ LA DANZA (Uraufführung)
Thomas Doss
➤ SYMPHONIE NR. 1 „DER TITAN“,
4. Satz, Stürmisch bewegt –
Gustav Mahler, arr. José Schyns
➤ PEACE VARIATIONS
Robert E. Foster
➤ WO DIE ZITRONEN BLÜHEN
Johann Strauss (Sohn),
arr. Anton Hofmann
Karl Geroldinger, der Dirigent der „ersten Stunde“, leitete das Südtiroler Jugendblasorchester
auch im heurigen Jubiläumsjahr. Foto: Innsbrucker Promenadenkonzerte/Amir Kaufman
➤ PINI DI ROMA
Ottorini Respighi,
arr. Yoshihiro Kimura
Die VSM-Jugendleiter
Das Südtiroler Jugendblasorchester (SJBO)
ist das musikalische Aushängeschild des
VSM und lebendiges Zeichen der erfolgreichen
Verbandsarbeit im allgemeinen und
der Jugendarbeit im besonderen.
Dafür verantwortlich zeichneten in all diesen
Jahren die Verbandsjugendleiter mit
ihren Stellvertreter*innen, die diesen Weg
des Erfolges vorbereitet und bis heute begleitet
haben:
Pepi Fauster
(1995–2006)
Arnold Leimgruber
(2007–2012)
Fotos: Stephan Niederegger
Meinhard Windisch
(2013–2018)
Johann Finatzer
(2019–2022)
Hannes Schrötter
(ab 2022)
KulturFenster
40 05/Oktober 2025
Blasmusik
Im Gespräch mit dem
Komponisten Thomas Doss
Im Mittelpunkt des anspruchsvollen Jubiläumskonzertes
stand eine ganz besondere
Uraufführung: die eigens in Auftrag gegebene
Komposition „La Danza“ von Thomas
Doss. Wir haben mit dem Komponisten über
dieses Werk gesprochen.
Foto: Stephan Niederegger
KulturFenster: Welche persönlichen Erinnerungen
hast du an deine Zeit beim
SJBO, und inwiefern spiegeln sie sich im
Werk „La Danza“ wider?
Thomas Doss: Eine sehr schöne Erinnerung.
Ich war damals wirklich sehr positiv überrascht
über die Qualität der Musiker*innen
und des Orchesters. Wir hatten damals
beim ersten Mal die „Rumänischen Tänze“
gespielt, und es war eine Freude, mit diesem
Orchester zu musizieren. Ich merkte
die exzellente Handschrift meines Vorgängers
Karl Geroldinger, welcher ja eine
unglaublich pädagogische Art hat, so ein
Orchester zu leiten. Auch die Zusammenarbeit
mit den tollen Referenten war sehr
befruchtend; sowohl menschlich als auch
musikalisch.
Ich hatte damals ja schon viel mit Jugendauswahlorchestern
gearbeitet. Aber das
SJBO war insofern besonders für mich,
weil ich merkte, dass es dem Verband außerordentlich
wichtig ist und ein wichtiger
Identitätsstifter für die Blasmusik in Südtirol.
Das hat sich sofort auf mich übertragen.
Vielen Musiker*innen aus dieser Zeit
begegne ich immer, wieder und einige sind
inzwischen richtige Superstars in der Musikszene,
so wie Peter Steiner oder Andrea
Götsch, um nur zwei zu nennen.
Meine Beziehung zu Südtirol ist ohnehin
immer eine intensive gewesen. Sei es durch
meinen Urgroßvater Franz Rezek, der in
Bozen in der Monarchie als Militärkapellmeister
wirkte. Oder durch viele Freundschaften,
welche sich in meiner Lehrzeit
am Konservatorium Claudio Monteverdi
in Bozen entwickelt haben – und letztendlich
durch die Uraufführung meiner Oper
„Blasmusikpop“ bei den Vereinigten Bühnen
Bozen. Beim Stück „La Danza“ war für
mich wichtig, dass sich das Orchester in
der Musik wiederfindet. Das Werk hat den
Schwierigkeitsgrad „Grade 4“ und wird bei
Mitropa/Hal Leonard erscheinen und noch
in diesem Jahr erhältlich sein. Was gibt es
Schöneres, als an einem Jubiläum zu tanzen
– und das mit einem Orchester von
jungen, talentierten Musiker*innen? Leider
habe ich selbst absolut kein Tanztalent.
Dafür hoffte ich umso mehr, mit der Musik
die Menschen zum Tanzen zu bringen.
KF: Wie kamst du auf die Idee, das Stück
in Form eines sinfonischen Tanzes zu
schreiben?
Doss: Ich wollte kein programmatisches
Werk schreiben. Keine Geschichte erzählen.
Ich habe mich für einen sinfonischen Tanz
entschieden, der schon lange in meinem
Kopf herumschwirrt. Tanzen ist für mich
der ureigenste Ausdruck von Emotion und
Lebensbejahung! Tanzen ist etwas, was uns
Menschen seit Anbeginn unserer Existenz
begleitet. Es ist genauso wie das Singen
eine spontane Folge aufkommender Emotion
– davon bin ich überzeugt.
KF: Wie ist das Werk aufgebaut?
Doss: Es baut sich ähnlich auf wie der Bolero
von Ravel. Es beginnt sehr leise mit
Percussion und steigert sich mit additiven
Elementen im folkloristischen Stil zu einem
gewaltigen Finale.
KF: Kannst du „La Danza“ in drei Worten
beschreiben?
Doss: „Tanz ist Leben“ oder „Leben ist
Tanz“!
KF: Wie erlebst du es, wenn du eines deiner
Werke zum ersten Mal erklingen hörst?
Doss: Immer sehr konzentriert. In der Hoffnung,
dass es den Ausführenden so gelingt,
dass der Funke überspringt. Es geht
nicht unbedingt um Gefallen, sondern darum,
ob es so wiedergegeben wird, dass
es technisch gut läuft und die Aufführung
musikalische Persönlichkeit hat.
KF: Deine persönlichen Wünsche an das
SJBO für sein 20-jähriges Bestehen?
Doss: Einen Verband, der so wie bisher
eine exzellente Arbeit für die Musik leistet
und die Jugend weiterhin so fördert. Das
ist ein Glücksfall!
Gespräch: Hannes Schrötter
Foto: VSM/SJBO
KulturFenster
41 05/Oktober 2025
geglückt
Im Gespräch mit dem
Dirigenten Karl Geroldinger
Der Oberösterreicher Karl Geroldinger
steht seit 2022 wieder am Dirigentenpult
des Südtiroler Jugendblasorchesters. Er
hat 2005 das Orchester musikalisch aus
der Taufe gehoben und feierte mit ihm
nun das 20-jährige Bestehen. Klaus Härtel,
der Chefredakteur des Fachmagazins
für Blasmusik „Brawoo“, hat dazu mit ihm
nach dem Konzert in Innsbruck folgendes
Interview geführt.
BRAWOO: Das „Jubiläumskonzert“ bei
den Innsbrucker Promenadenkonzerten
war ein besonderer Höhepunkt. Wie haben
Sie diesen erlebt?
Karl Geroldinger: Herzlichen Dank an
Bernhard Schlögl und sein Team der Innsbrucker
Promenadenkonzerte für die Einladung
an das Orchester – das ist bei der
dichten Bewerbungslage mit vielen Top-
Orchestern nicht selbstverständlich! Wir
konnten das Konzert in Innsbruck als abschließenden
Höhepunkt einer wunderbaren
Orchesterwoche erleben, weil das
Orchester nach dem vorzüglich gelungenen
Konzert am Vorabend in Brixen
auch zu so früher Stunde in Innsbruck
sehr gut spielte und mit Standing Ovation
belohnt wurde. Das sommerliche Wetter
im herrlich klingenden Hof und auch die
Anwesenheit von Thomas Doss, der sein
neues Werk „La Danza“ erstmals live hören
konnte, ließen den Auftritt in Innsbruck zu
einem unvergesslichen Ereignis werden.
Foto: Stephan Niederegger
BRAWOO: Sie waren der Gründungsdirigent
des Südtiroler Jugendblasorchesters.
Was war die Intention damals und was
haben Sie 2005 empfunden, als das Orchester
zum ersten Mal zusammenkam?
Geroldinger: Der VSM wollte den vielen
begabten und leistungshungrigen jungen
Musiker*innen über die Anforderungen der
Südtiroler Blasmusikkapellen hinaus noch
eine besondere Herausforderung bieten,
die sie zu weiterem intensivem Üben anregen
sollte. Ich war vom ersten Tag an
von der Energie und vom Leistungswillen,
die in Verbindung mit jugendlicher
Unbekümmertheit und ausgeprägtem
Teamgeist einen guten Humus für einen
erfolgreichen Start dieser Orchesterinitiative
bildeten, sehr positiv angetan. Ich
habe von Beginn an unmittelbar gespürt,
dass es wirklich Sinn macht, sich hier mit
ganzem Herzen einzubringen.
BRAWOO: Wenn Sie heute – 20 Jahre
später – auf das Orchester blicken: Was
hat sich seither verändert, und was ist
gleichgeblieben?
Geroldinger: Die Begeisterungsfähigkeit
der jungen Musiker*innen erlebe ich
heute gleich wie vor 20 Jahren auf sehr
hohem Niveau ausgeprägt. Hat man seitens
der Südtiroler Musikkapellen damals
auch Skepsis vernommen, so hat sich
diese inzwischen in hohe Zustimmung
gewandelt. Die positiven Auswirkungen
sind unübersehbar und gehen weit darüber
hinaus, dass durch das SJBO einige
Musiker*innen zu einem weiterführenden
Musikstudium animiert wurden
und heute in europäischen Toporchestern
spielen bzw. als Lehrpersonen in
den Südtiroler Musikschulen für die Ausbildung
der nächsten Generationen zur
Verfügung stehen. Das SJBO gibt wesentliche
Impulse für die musikalische
Weiterentwicklung der Südtiroler Musikkapellen,
nicht zuletzt dadurch, dass aus
diesen Reihen Kapellmeister*innen und
Jugendleiter*innen für die heimischen
Blasorchester hervorgehen.
BRAWOO: Sie sind 2022 wieder zur musikalischen
Leitung zurückgekehrt. Was
hat Sie dazu bewogen, diese Aufgabe erneut
zu übernehmen?
Geroldinger: Ich fühle mich dem Musikleben
Südtirols schon lange sehr verbunden,
weil ich als Direktor des Oberösterreichischen
Landesmusikschulwerkes mit
dem Südtiroler Musikschulwesen und als
Landesjugendreferent des Oberösterreichischen
Blasmusikverbandes mit dem Verband
Südtiroler Musikkapellen bereits vor
über 30 Jahren in sehr fruchtbaren Austausch
gekommen bin. Mit Freude erinnere
ich mich an die vielen anregenden
Gespräche und gemeinsamen Veranstaltungen.
Meine große Wertschätzung für
die Musikausbildung in Südtirol wurde
durch meine Arbeit mit dem 2005 neu
gegründeten Südtiroler Jugendblasorchester
noch verstärkt. Ich habe nicht
nur gegeben, sondern sehr viele wertvolle
Erfahrungen gemacht und nach jedem
Orchesterprojekt wunderbare Menschen
im Herzen mit nach Hause genommen.
Das Gefühl der Verbundenheit zu den
Musikschulen Südtirols und zum Verband
Südtiroler Musikkapellen war immer
gegeben. So habe ich die abermalige
Anfrage des VSM zum Wiederaufbau
des SJBO nach der Corona-Pandemie als
Ehre und Freude zugleich empfunden.
BRAWOO: Welche Bedeutung hat das
Südtiroler Jugendblasorchester für die
musikalische Ausbildung und Persönlichkeitsentwicklung
junger Musiker*innen?
Geroldinger: Die Symbiose von Musikschulen
und Südtiroler Musikkapellen motiviert
viele junge, talentierte Musiker*innen, sich
nicht mit dem schon Erreichten zufrieden
zu geben. In der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten
kann das SJBO Anreiz für eine
noch intensivere Beschäftigung mit Musik
geben – in mehreren Fällen hat dies
in der Folge zu einem Musikstudium geführt.
Es ist auch sehr schön zu bemerken,
dass sich ehemalige SJBO-Musiker*innen
nach dem Studienabschluss als Lehrende
KulturFenster
42 05/Oktober 2025
Blasmusik
an Südtiroler Musikschulen für die nächste
Generation einbringen und sich der
Kreis somit schließt. Zudem übernehmen
viele Musiklehrer*innen die musikalische
Leitung einer Musikkapelle, was zu einer
doppelt positiven Wirkung führt. Auch für
die persönliche Weiterentwicklung – nicht
nur in musikalischer Hinsicht – kann das
SJBO wichtige Impulse geben. Hierfür werden
in der Sommer-Orchesterwoche auch
spezielle Programme geboten, z.B. Mental-Coaching,
Atemtraining u.a.
Die wohl wichtigste persönliche Erfahrung
ist es aber vielleicht, dass man im Team
mit anderen hochbegabten Musiker*innen
das Konkurrenzdenken ganz weglassen
kann und in einem guten Miteinander die
Rollen so flexibel gestaltet werden können,
dass für jede Einzelne / jeden Einzelnen
besondere Herausforderungen gegeben
sind. Die Erkenntnis, dass man nicht
nur auf der ersten Stimme musikalische
Highlights erleben kann, mag dazu führen,
dass man sich bewusst auch mal zurücknimmt
und anderen den Vortritt lässt,
was zu einem nachhaltigen Motivationsfaktor
werden kann.
BRAWOO: Inwiefern unterscheidet sich
die Arbeit mit diesem Orchester von der
Arbeit mit anderen Orchestern?
Geroldinger: Ich sehe hier keinen großen
Unterschied, wenn der absolute Wille zur
bestmöglichen Leistung vorhanden ist.
Eine sehr wertvolle Besonderheit ist die
freundschaftliche Verbundenheit der Orchestermitglieder
im SJBO, aber auch
dies ist vergleichbar mit meinem Sinfonischen
Blasorchester Ried.
BRAWOO: Was war für Sie das musikalisch
oder menschlich bewegendste Erlebnis
mit dem SJBO – sei es früher oder jetzt?
Geroldinger: Es fällt mir schwer, die vielen
schönen Erlebnisse auf eines zu reduzieren.
Ich habe so viele bewegende
und auch zu Tränen rührende Momente
in ganz wacher Erinnerung. „Allerseelen“
von Richard Strauss zur Ehre der Pioniere
des VSM beim Galakonzert in Bozen oder
der Finalsatz der „Sinfonie Nr. 1 “ von
Gustav Mahler sind nur einige Beispiele
dafür. Menschlich sehr bewegend sind
für mich immer die Abschiede am Ende
eines Orchesterprojektes – hier habe jeweils
das Gefühl, etwas sehr Wertvolles
zurücklassen zu müssen.
BRAWOO: Jedes Jahr kommen neue Talente
hinzu. Worauf achten Sie beim Auswahlprozess
der Neumitglieder?
Geroldinger: Es ist sehr erfreulich, dass
die Strahlkraft des SJBO jährlich neue
Bewerber*innen bringt. Auswahlkriterien
für die Aufnahme sind deren musikalisches
Niveau und in einigen Registern natürlich
auch die Anzahl der verfügbaren Plätze,
damit eine gute Klangbalance noch möglich
ist. Generell freuen wir uns über alle
jungen Musiker*innen, die sich im SJBO
einbringen möchten.
BRAWOO: In der vergangenen Orchesterwoche
in Schlanders wurde wieder intensiv
geprobt. Was war Ihr pädagogischer
und musikalischer Zugang in dieser intensiven
Phase?
Geroldinger: Mein Bemühen ist immer,
die Proben so zu gestalten, dass sich die
bereits hochmotivierten Musiker*innen mit
Freude bestmöglich einbringen und dass
sie trotz der intensiven Probenarbeit noch
Energie für die Gemeinschaft in der Freizeit
haben. Ich versuche, Druck zu vermeiden,
wenn er die innere Bereitschaft
hindert. Eine ganze Woche mit Leichtigkeit
zu musizieren, gelingt meiner Meinung
nach nur mit ständig neu entfachter Begeisterung.
Was man mit Freude macht,
fühlt sich leicht an, und die Zeit verfliegt
dabei ganz schnell. Musikalisch habe ich
mich beim heurigen Programm mit der
„Sinfonie Nr. 1“ von Gustav Mahler, „Pini
di Roma“ von Ottorini Respighi, und der
Uraufführung von „La Danza“ von Thomas
Doss besonders um unterschiedliche
Klangfarben und beim Strauß-Walzer „Wo
die Zitronen blüh’n“ um die erforderliche
agogische Beweglichkeit bemüht.
BRAWOO: Was wünschen Sie dem Südtiroler
Jugendblasorchester für die Zukunft
– und den jungen Menschen, die
dort musizieren?
Geroldinger: Dem SJBO-Projekt wünsche
ich weiterhin so große Strahlkraft, dass es
auch für die nächsten Generationen junger
Musiker*innen attraktiv ist. Den wunderbaren
jungen Menschen, die in diesem
besonderen Orchester musizieren,
wünsche ich, dass sie nachhaltig angesteckt
bleiben von der Zauberkraft der
Musik und so von ihrer Begeisterung zu
weiteren musikalischen Höhepunkten getragen
werden. Möge die Musik zu einer
Tiefe des eigenen Erlebens führen, die
ohne das Musizieren nie erreicht werden
würde.
Das Südtiroler Jugendblasorchester SJBO führt junge musikbegeisterte Talente zu einem
einzigartigen musikalischen Projekt zusammen.
Foto: Thomas Wallnöfer
Gespräch: Klaus Härtel
(Nachdruck aus BRAWOO Nr. 10/2025)
KulturFenster
43 05/Oktober 2025
geglückt
Links: Peter Vierneisl arbeitete in den
Jahren 2012 und 2013 mit dem Südtiroler
Jugendblasorchester.
Mitte: Josef Feichter leitete das Jugendblasorchester
von 2014 bis 2017.
Fotos: Stephan Niederegger
Rechts: Isabelle Ruf-Weber stand 2018
und 2019 am Dirigentenpult.
Hier geht es zu den YouTube-Videos „SJBO 2025“
Erinnerungen ehemaliger Orchestermitglieder
In diesen 20 Jahren haben viele junge Musikant*innen aus den Südtiroler Musikkapellen im SJBO mitgespielt und Erfahrungen für
ihre weitere musikalische Laufbahn gesammelt. Einige von ihnen haben mittlerweile ihre Liebe zur Musik zum Beruf gemacht, so
auch die folgenden Kolleg*innen, die sich gerne an ihre Zeit beim SJBO zurückerinnern:
Bernhard Plagg, Trompete (Mals)
Solotrompeter DSO Berlin
Lehrbeauftragter UdK Berlin
Meine Erinnerungen an die SJBO-Zeit sind überaus positiv! Ich denke, beim SJBO konnte ich von
verschiedensten tollen Dozenten und auch im Austausch mit anderen Teilnehmern unheimlich
viel lernen, und bin dafür sehr dankbar. In diesen Jahren und später beim WJO und GMJO ist
der Entschluss gereift, Berufsmusiker zu werden. Besonders in Erinnerung bleiben das schöne
Miteinander und der tolle Zusammenhalt unter den Musikern! (Foto: privat)
Andrea Götsch, Klarinette (Meran)
Klarinettistin Wiener Philharmoniker/Wiener Staatsopernorchester
Lehrende an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
An meinen allerersten Eindruck bei der ersten Probe im SJBO kann ich mich noch sehr gut
erinnern - ich war total geflasht! Dieser Klang, diese Energie, und ich mittendrin – mega! Wir
haben die „Romanian Dances" von Thomas Doss gespielt, ein geniales Stück, und der Komponist
selbst stand vor uns und hat das Projekt geleitet. Musikalisch und sozial eine unglaublich
wohltuende Zeit mit unvergesslichen Erlebnissen auf und jenseits der Bühne. Ich habe
gelernt, auch nach schlaflosen Nächten fleißig zu proben. Mit dem SJBO verbinde ich Zusammenhalt
und Zuhören, Freude am disziplinierten und gleichzeitig emotionalen Musizieren mit
Freunden. Ich konnte auf meinem Instrument, in meinem allgemeinen Musikverständnis und in
meiner Persönlichkeit stark wachsen. Die Woche war unglaublich schön, ich wollte damals, dass sie
niemals endet ... (Foto: Julia Frank)
Dominik Palla, Schlagwerk (Lana)
Bühnenorchester der Wiener Staatsoper
Das SJBO ist meines Erachtens eine Mischung aus Motivation, Geselligkeit, Horizonterweiterung,
nachhaltigen Freundschaften und scheinbar nicht enden wollender Energie. Dieser Mix
führt zu Musik auf hohem Niveau und hat mich auf jeden Fall in der Entscheidung beeinfl usst,
eine Laufbahn als Profi musiker zu probieren. Die Konzerte waren stets Höhepunkte, speziell
die in Ried im Innkreis und in Schladming, wo die Musik noch nach dem Konzert im Gasthaus
erklang. (Foto: Oliver Wolf)
KulturFenster
44 05/Oktober 2025
bewegt
„Unsere musikalischen Wurzeln
liegen in der Marschmusik“
Erfahrungsbericht vom Grundkurs für Stabführer
Heuer durfte ich gemeinsam mit weiteren
fünf Teilnehmern und zwei Teilnehmerinnen
den Grundkurs zum Stabführer besuchen.
Ich entschloss mich zusammen mit zwei
jungen Kollegen aus unserer Musikkapelle
zum Besuch dieses Grundkurses, da mir
als Kapellmeister mit mehrjähriger Erfahrung
nicht nur das Musikalische, sondern
auch das Erscheinungsbild der Musik in
Bewegung immer ein wichtiges Anliegen
war. Historisch gesehen liegen die Wurzeln
unserer Musik in der so genannten
Marschmusik, eben in der musikalischen
Begleitung bei Paraden oder Prozessionen
mit Trommeln und Fanfaren. Geschichtliche
Dokumente bezeugen eine Jahrhunderte
lange Tradition dieser Marschmusik.
Vielen konzertanten Auftritten unserer Musikkapellen
geht ein Einmarsch oder eine
Prozession an kirchlichen und weltlichen
Festtagen voraus. Hier ist es für mich immer
wieder beeindruckend, wenn nicht
nur der musikalische Auftritt, sondern
auch der „marschiermäßige“ sorgfältig geplant
und ausgeführt wird. Ich wage sogar
zu behaupten, dass sich eine qualitativ
hochwertige Herangehensweise der
Pfl ege unserer Musikkultur an der Qualität
des Auftritts bzw. der Musik in Bewegung
erkennen lässt. Als Absolvent des
Lehrganges für Blasorchesterleitung liegt
meine im damaligen Lehrgang integrierte
Ausbildung zum Stabführer bereits einige
Die Teilnehmer*innen des
Stabführer-Grundkurses:
(vorne v. l.) David Stocker,
Erwin Rechenmacher,
Michael Rainer, Lisa
Pichler und Naemi Punter;
(hinten v. l.) Raffael
Pirhofer, Maximilian Polin,
Sebastian Prieth, Raphael
Prieth, Moreno Pinchera
und Leo Wunderer
Foto: VSM Bezirk Schlanders
Jahre zurück. Daher war dieser Grundkurs
eine willkommene Gelegenheit, mit jungen
Kolleg*innen das mittlerweile doch erheblich
spezialisierte Stabführerwissen durch
kompetente und freundschaftliche Instruktoren
wieder zu vertiefen. Ich kann nur jedem
Kollegen und jeder Kollegin die Teilnahme
an diesen Kursen empfehlen, da
sie einerseits unser Bewusstsein für unsere
historischen Wurzeln und andererseits das
Bewusstsein für einen gelungenen Auftritt
bzw. für Musik in Bewegung schärft.
In diesem Sinn wünsche ich allen gelungene
musikalische Auftritte.
Maximilian Polin
Kapellmeister der MK Reschen
BLASMUSIK IM RUNDFUNK
jeden Montag von 17 bis 18 Uhr
„Dur und Schräg“ Traditionelle und neue
Blasmusik mit Norbert Rabanser
jeden Freitag von 18 bis 19 Uhr
„Blasmusik“ mit Dieter Scoz
jeden Samstag
von 18 bis 19 Uhr
„Faszination Blasmusik“
mit Arnold Leimgruber
(Wiederholung
am Sonntag um 9 Uhr)
jeden Freitag
von 18 bis 19 Uhr
„Das Platzkonzert"
mit Wolfgang Kostner
jeden Dienstag
von 18 bis 19 Uhr
„Tiroler Weis"
mit Peter Kostner
KulturFenster
45 05/Oktober 2025
bewegt
Wenn Marschieren
zum Erlebnis wird
Musik in Bewegung bei
der Jungbläserwoche in Bruneck
Wenn rund 45 junge Musiker*innen aus
ganz Südtirol gemeinsam musizieren, marschieren
und Neues ausprobieren, dann
ist das die Jungbläserwoche B – heuer
mit einer besonderen Premiere: „Musik
in Bewegung“ wurde erstmals gezielt als
Schwerpunkt eingebaut und mitreißend
umgesetzt.
Vom 5. bis 12. Juli fand die Woche (wir
berichteten in der Augustausgabe) unter
der hervorragenden Leitung von Matthias
Kirchler in Bruneck statt. Neben intensiven
instrumentalen Workshops und
einem Abschlusskonzert wurde auch die
Bewegung zur Musik großgeschrieben:
Marschieren auf hohem Niveau – professionell,
strukturiert und motivierend
vermittelt. In nur zwei längeren Proben
bereitete das Stabführerteam des VSM
unter der Leitung von Klaus Fischnaller
die Jugendlichen auf ein ambitioniertes
Ziel vor: die sichere Beherrschung der
Stufe D nach den Richtlinien des Österreichischen
Blasmusikverbands (ÖBV) –
und das in nur sechs Stunden.
Was ist die Stufe D?
Stufe D ist die höchste Leistungsstufe im
Bereich „Musik in Bewegung“ des Österreichischen
Blasmusikverbands (ÖBV) –
noch ohne Showelemente. Sie umfasst
folgende Kommandos und Elemente, die
präzise beherrscht werden müssen:
➤ Antreten, Ausrichten und Meldung
➤ Abmarschieren mit Einschlagen /
klingendem Spiel
➤ Halten mit klingendem Spiel
➤ Abfallen und Aufmarschieren
➤ Defi lierung
➤ Breite Formation & Große Wende
➤ Schwenkung im Spiel
➤ Abreißen und Abtreten
Beeindruckende
Leistung
in kurzer Zeit
VSM-Verbandsstabführer Klaus
Fischnaller führt den Marschblock
in „Abgefallener Formation“ an.
Mit Konzentration, Disziplin und Freude
am gemeinsamen Tun meisterten die
Jugendlichen sämtliche Anforderungen
– vom Antreten über das Marschieren
mit klingendem Spiel bis hin zu komplexen
Formationswechseln wie der Großen
Wende.
Viele von ihnen hatten zuvor kaum oder
gar keine Erfahrung mit „Musik in Bewegung“.
Dass sie die gesamte Stufe D
in so kurzer Zeit erlernen und verinnerlichen
konnten, ist schlichtweg bemerkenswert.
Dieses Wissen wird nun in die
Heimatkapellen getragen – und ist dort
eine wertvolle Unterstützung für die musikalische
und organisatorische Arbeit.
Nadia hat bei ihrem ersten Einsatz als Stabführerin
das Kommando.
KulturFenster
46 05/Oktober 2025
Blasmusik
Musik bewegt die Brunecker Stadtgasse – da gibt’s was zu sehen und zu hören.
In der Intercable-Arena geht es
beim Proben richtig zur Sache.
Die Umsetzung erfolgt im Gleichklang
von Musik, Bewegung und Disziplin –
bewertet nach einem standardisierten
Punktesystem.
Ein Aufmarsch
mit Gänsehautmomenten
Am Freitag, 11. Juli, war es dann so weit:
Ein feierlicher Aufmarsch durch die Brunecker
Oberstadt, entlang der Stadtgasse
bis zum Tschurtschenthaler Park, bildete
den Höhepunkt der Bewegungsarbeit.
Das Publikum staunte über die Präzision,
die Musikalität – und die spürbare Energie
der Jugendlichen. Besonderen Applaus
erhielt Nadia, die mutig das Kommando
übernahm und als Stabführerin
ihren allerersten öffentlichen Auftritt mit
Haltung, Taktgefühl und viel Ausstrahlung
meisterte. Ein echter Gänsehautmoment,
der zeigte, wie viel in nur einer
Woche möglich ist.
Krönender Abschluss
und ein großes „Danke“
Haus der Ursulinen, das die Jugendlichen
herzlich aufgenommen und bestens betreut
hat. Diese Zusammenarbeit bildete
den sicheren Rahmen für eine Woche, die
wohl niemand so schnell vergessen wird.
Diese Woche hat gezeigt, wie Musik Men-
schen in Bewegung bringt – körperlich,
emotional und im Miteinander. Die „Jungbläserwoche
B“ hat genau das bewiesen
und damit einen neuen Meilenstein für die
„Musik in Bewegung“ in Südtirol gesetzt.
Martin Astner
Am Samstag, 12. Juli, erklang dann das
feierliche Abschlusskonzert im ehrwürdigen
Schloss Bruneck – musikalisch anspruchsvoll,
lebendig vorgetragen und ein
würdiger Schlusspunkt einer intensiven
Woche voller Fortschritt, Freundschaft
und neuer Erfahrungen.
Ein großes Dankeschön gilt dem Betreuerteam,
dem Stabführerteam, sowie dem
Ein schöner Ausklang mit Marschmusik am Tschurtschenthaler Park und ein großes „Danke“
an alle, die diese Woche voller Musik ermöglichst haben.
Fotos: Martin Astner
KulturFenster
47 05/Oktober 2025
hinausgeblickt
bewegt
Stabführertag 2025
in Margreid, Kulturzentrum
Karl-Anrather-Haus
https://vsm.bz.it
25.10.2025
Führung mit Taktgefühl
Ist es wirklich so einfach
wie es scheint, Stabführer*in zu sein?
Sieben Musikant*innen aus ganz Südtirol
haben sich genau diese Frage gestellt und
den Abschlusskurs absolviert. Fünf davon haben
auch die Prüfung mit Bravur bestanden.
Der Verband für Südtiroler Musikkapellen
hat heuer zum wiederholten Mal den Stabführerabschlusskurs
sowie die Stabführerabschlussprüfung
angeboten.
Die angehenden Stabführer*innen haben
sich an vier Samstagen und einem
Abend in Brixen getroffen, um ihre praktischen
und ihre theoretischen Fähigkeiten
zu verbessern.
Als Referenten fungierten der Verbandsstabführer
Klaus Fischnaller und der Bezirksstabführer
des Bezirkes Pustertal Franz
Plangger. Die Teilnehmenden lernten ver-
schiedene Marschordnungen, Marschierelemente
und Instrumentenhaltungen
genauer kennen und erhielten eine Einführung
in die Dirigiertechnik. Dazu referierte
Monika Steger, Kapellmeisterin aus
Terenten. Stabführer*innen müssen nämlich
auch ohne Stab in der Lage sein, eine
Musikkapelle zu führen, sollte der Kapellmeister
nicht vor Ort sein oder ausfallen.
Verbandsstabführer Fischnaller Klaus über das Stabführeramt
Die Prüfungsabnehmer der
Abschlussprüfung: Verbandsstabführer
Klaus Fischnaller (erster von links)
und Bezirksstabführer Bezirk Brixen
Oskar Zingerle (zweiter von links)
sowie die Prüfungsteilnehmer*innen
v.l.: Samuel Ebner, Roman Falser,
Manfred Mayr, Alexander Oberhofer,
Paula Marie Stocker und Sarah
Augscheller
KulturFenster: Warum bist du gerne
Stabführer?
Klaus Fischnaller: Durch einen begeisterten
Stabführer hatte ich damals die
Chance in die Welt von „Musik in Bewegung“
hineinzuschnuppern. Dadurch
wurde auch in mir eine Freude und Begeisterung
für dieses Amt geweckt, die
mich dazu geführt hat, es selbst auszuprobieren.
KF: Warum ist es dir so wichtig, dass
es gut ausgebildete Stabführer*innen
gibt?
Klaus: Musik in Bewegung findet immer
Anklang und Interesse in den Musikkapellen.
Es wird immer mehr wertgeschätzt
und nach neuen Wegen gesucht,
um Musik in Bewegung interessanter zu
gestalten. Voraussetzung dafür sind gewisse
Grundkenntnisse und eine Ausbildung.
Ohne das nötige Fachwissen
ist ein Stabführer nicht in der Lage, eine
verantwortungsvolle Führungsposition
zu übernehmen. Dadurch könnten sich
mögliche Unsicherheiten des Stabführers
auf die Musikant*innen übertragen.
Genau dieser Aspekt wird oftmals unterschätzt.
Ebenso wichtig wie ein solides
Grundwissen ist die kontinuierliche Weiterbildung.
Stabführer*innen sollten sich
der Herausforderung stellen, den Wünschen
und Anliegen der Musikant*innen
gerecht zu werden.
Text und Interview:
Paula Marie Stocker
KulturFenster
48 05/Oktober 2025
Blasmusik
Die Teilnehmer*innen im Gespräch
KulturFenster: Seit wann bist du Stabführer,
und was sind deiner Meinung nach die
herausfordernden Situationen?
Alexander: 2018 habe ich den Grundkurs
gemacht und das Stabfüheramt begonnen.
Besonders herausfordernd finde ich es, als
junger Musikant Respekt von den langjährigen
Musikant*innen zu bekommen.
Zudem fi nde ich das Erlernen von neuen
Elementen herausfordernd. Als Stabführer
muss man 100prozentig sicher sein, damit
es auch bei den Musikant*innen der
Musikkapelle reibungslos abläuft.
KF: Welche Fähigkeiten braucht man deiner
Meinung nach, um ein guter Stabführer
bzw. eine gute Stabführerin zu sein?
Sarah: In erster Linie braucht ein guter
Stabführer die Leidenschaft für die Musik.
Natürlich braucht es auch ein gewisses
Rhythmusgefühl und das Gespür
für einen Phrasenanfang bzw. für das
Phrasenende.
KF: Wie bereitest du dich auf einen Auftritt
oder eine Marschprobe vor?
Roman: Um richtig vorbereitet zu sein,
wiederhole ich nochmals alle Elemente,
die ich für den Auftritt geplant habe, um
ganz sicher zu sein. Dadurch kann ich
entspannt vor der Kapelle marschieren
Die Teilnehmer*innen des Abschlusskurses v.l.: Julian Stockner, Sabine Reifer, Sarah Augscheller,
Paula Marie Stocker, Alexander Oberhofer, Manfred Mayr, Samuel Ebner sowie
die Kursleiter Franz Plangger und Klaus Fischnaller
Fotos: VSM
und ihnen alle nötigen Stabzeichen geben.“
KF: Welcher Auftritt ist dir am meisten in
Erinnerung geblieben?
Samuel: Der Auftritt, der mir am meisten
im Gedächtnis geblieben ist, fand vor ca.
zehn Jahren statt, als die Mutter unseres
Stabführers verstorben war. Damals hatte
ich erst den Grundkurs abgeschlossen und
musste bereits einspringen. Vor diesem
Auftritt war ich somit dementsprechend
aufgeregt. Trotz der Aufregung habe ich
den Auftritt aber Gott sei Dank gut meistern
können.
KF: Was hat dich dazu motiviert StabfüherIn
zu werden?
Manfred: Als „Nicht-Musikant“ fand ich die
Rolle des Stabführers immer schon total
spannend und faszinierend. Es hat mich
motiviert, der Musikkapelle beizutreten,
diese zu führen, mit den Musikant*innen
zu marschieren und eine Rolle im Verein
zu übernehmen.
Interview: Paula Marie Stocker
BLASMUSIK
CHORWESEN
HEIMATPFLEGE
in Südtirol
Aboaktion
Seit Dezember 1948 berichten wir unter dem Titel „Die Volksmusik“, ab September
1953 als „Südtiroler Volkskultur“, ab März 1979 als „Tiroler Volkskultur“ und seit
2008 als „KulturFenster“ lebendig, bunt und vielfältig über die Musikkapellen,
die Chöre, die Heimatpflege, den Volkstanz und das Trachtenwesen in Südtirol
derzeit in einer Gesamtauflage von rund 3.300 Stück pro Ausgabe.
Sie möchten keine
Ausgabe verpassen?
Dann rufen Sie uns an (Tel. 0471 976 387)
oder schreiben uns eine E-Mai an: info@vsm.bz.it
Sie bekommen das „KulturFenster“ sechs Mal im Jahr
direkt nach Hause geschickt. Weitere Informationen finden
Sie im Impressum auf Seite 3 dieser Ausgabe.
KulturFenster
49
05/Oktober 2025
14.12.2025
hinausgeblickt
Bezirksjugendblasorchester
Schlanders - Konzert
CulturForum Latsch
https://vsm.bz.it
jung musiziert
Am 26. Juli konzertierte das Euregio-Jugendblasorchester
in Toblach.
Junge Blasmusik grenzenlos
Das Euregio-Jugendblasorchester begeistert bei drei Konzerten
Junge Musiker*innen aus Tirol, Südtirol und
dem Trentino setzten mit musikalischer Exzellenz
wiederum ein starkes Zeichen für grenzüberschreitende
Zusammenarbeit.
Mit großer Begeisterung und starker Publikumsresonanz
ist Ende Juli die mittlerweile
bereits traditionelle dreitägige Konzerttournee
des Euregio-Jugendblasorchesters über
die Bühne gegangen.
Nach dem Auftakt am Freitagabend (25.
Juli) in der Kulisse der Rocca von Riva del
Garda gastierte das rund 50-köpfi ge Ensemble
tags darauf in Toblach und schloss
die Konzertreihe am Sonntagvormittag
(27. Juli) mit einem festlichen Matineekonzert
im Innenhof der Kaiserlichen Hofburg
in Innsbruck im Rahmen der Promenadenkonzerte
ab. Das musikalische Programm
überzeugte durch Vielfalt und Anspruch
– von Beethovens Europahymne
über klassische Werke von Holst, Strauss
und Rimski-Korsakow bis hin zu zeitgenössischen
Kompositionen von David Maslanka,
Rossano Galante und Arturo Márquez. Die
musikalische Leitung lag bei Hannes Schrötter
(Südtirol), Franco Puliafito (Trentino) und
erstmals Manuela Lusser (Osttirol), die als
erste Frau und erste Vertreterin Osttirols
das Orchester dirigierte.
Spielfreude und
musikalische Harmonie
Die Konzertreise war wie immer Abschluss
einer intensiven Probenwoche im Euregio-
Kulturzentrum Gustav Mahler in Toblach.
Von Beginn an waren die Spielfreude und
die musikalische Harmonie der jungen
Musiker*innen spürbar – ein Beweis für das
hohe künstlerische Niveau und die starke
menschliche Verbindung innerhalb des Orchesters.
Bei den Konzerten zeigten sich
Robert Alexander Steger, Präsident der Bezirksgemeinschaft
Pustertal, Tirols Landesrätin
Eva Pawlata und der Trentiner Landesrat
für Autonomie und Kultur, Simone Marchiori,
beeindruckt: „Mit dem Euregio-Jugendblasorchester
bringen junge Musiker*innen
die Euregio zum Klingen – und setzen damit
ein eindrucksvolles Zeichen.“ Das Euregio-Jugendorchester
sei ein lebendiges Beispiel
dafür, wie Zusammenarbeit zwischen
den Regionen Tirol, Südtirol und dem Trentino
zu einer bereichernden Erfahrung für
junge Menschen und zu einem kulturellen
Gewinn für unsere Gemeinschaften werden
könne, wurde einstimmig hervorgehoben.
LPA
Die musikalische Leitung
lag bei (v.r.) Hannes
Schrötter (Südtirol),
Manuela Lusser
(Osttirol) und Franco
Puliafi to (Trentino).
Fotos: Max Verdoes
50
KulturFenster 05 Oktober 2025
..
Blasmusik als Kulturtrager
19. Sonderkonzert der Wiener Philharmoniker
Das Konzertprogramm
Dmitri Schostakowitsch
Festliche Ouvertüre
(Prazdnicˇnaja uvertjura) op. 96
Georges Bizet
Carmen Suite, arr. Guido Swelsen
Das heurige 19. Sonderkonzert der Wiener Philharmoniker mit jungen Blasmusiktalenten
aus Österreich und Südtirol in der Salzburger Felsenreitschule.
Foto: Manfred Laux
Maurice Ravel
Feria aus Rhapsodie espagnole
Am 31. August fand im Rahmen der Salzburger
Festspiele bereits zum 19. Mal das
Sonderkonzert der Wiener Philharmoniker
in der Felsenreitschule statt.
67 junge Blasmusiktalente (Niveau: Leistungsabzeichen
in Gold) aus den neun österreichischen
Bundesländern und Südtirol
präsentierten unter der Leitung von
Lars Michael Stransky und gemeinsam mit
Mitgliedern der Wiener Philharmoniker ein
schwungvolles Programm, das sich bewährterweise
aus Opern- und Konzertstücken,
Walzern, Polkas und Märschen zusammensetzte.
Heuer wurde dabei ein besonderer
Schwerpunkt auf die runden Geburts- und
Todestage berühmter Komponisten gelegt.
Dementsprechend standen meisterhafte
Werke von Dmitri Schostakowitsch (50. Todestag),
Georges Bizet (150. Todestag), Maurice
Ravel (150. Geburtstag), Robert Stolz
(50. Todestag), Johann Strauss Sohn (200.
Geburtstag) und Johann Schrammel (175.
Geburtstag) auf dem Programm.
Das beliebte Sonderkonzert nimmt nun seit
fast zwei Jahrzehnten einen Fixplatz im Kalender
der Salzburger Festspiele ein. Die kostenlosen
Zählkarten waren bereits vor Wochen
vergriffen. „Dieses Konzert gehört als
i-Tüpferl am Schluss der Salzburger Festspiele
ja fast schon so dazu wie der Jedermann“,
erklärte die Salzburger Landtagspräsidentin
Brigitta Pallauf zum Auftakt des
Konzertes. Auch Kristina Hammer, die Präsidentin
der Salzburger Festspiele, hob die
Blasmusik als Kulturträger hervor: „Blasmusik
steht für Authentizität, Publikumsnähe
und Gemeinschaftssinn – und das
wird in Österreichs Gemeinden jeden Tag
gelebt.“ Ebenso freute sich Katrin Fraiß,
die Bundesjugendreferentin der ÖBJ, über
den jahrzehntelangen Erfolg dieses Projektes:
„Für junge Musiker*innen ist es irgendwann
in der jungen Karriere ein großer
Traum, mit den Wiener Philharmonikern
auf der Bühne zu stehen oder Teil der Salzburger
Festspiele zu sein. Wenn man dieses
Erlebnis mit einem großen Fanclub vor
einem ausverkauften Haus teilen kann, ist
das schon eine große Ehre für alle.“
Heuer nahmen drei Musikantinnen aus
Südtirol am Philharmonikerprojekt teil,
und zwar (im Bild v. l.) die Fagottistin
Anna Knoll (BK Lana), die Flötistin Julia
Vieider (MK Völser Aicha) und die Klarinettistin
Tamira Perathoner (MK Pufels).
Alle drei waren begeistert von den Tagen
in Salzburg und werden das Konzert
noch lange in guter Erinnerung behalten.
Foto: RE*creation
Robert Stolz
Frühjahrsparade, Marsch
Johann Strauss (Sohn)
Ouvertüre aus Der Zigeunerbaron
Johann Strauss (Sohn)
Violetta. Polka française op. 404
Johann Strauss (Sohn)
Ein Herz, ein Sinn.
Polka mazurka op. 323
Johann Strauss (Sohn)
Geschichten aus dem Wienerwald.
Walzer op. 325
Johann Strauss (Sohn)
Leichtes Blut. Polka schnell op. 319
Johann Schrammel –
Wien bleibt Wien. Marsch
Auch die Mitglieder der Wiener Philharmoniker
spielten das Blasmusikkonzert
in Tracht und wollten damit signalisieren,
dass sie selbst auch aus der Blasmusik
kommen. Viele Blasmusiker*innen und
Schlagwerker*innen, die in professionellen
Orchestern tätig sind, haben ihre Wurzeln
in den Musikkapellen ihrer Heimatdörfer,
wo sie ihre qualitative Musikausbildung
durch Leistungsabzeichen und der Teilnahme
an vielfältigen Wettbewerben vorantreiben
können.
Hannes Schrötter
VSM-Verbandsjugendleiter
51
KulturFenster 05 Oktobert 2025
hinausgeblickt
Blasmusik in
historischem Ambiente
MK St. Jakob in Ahrn beim 43. Österreichischen Blasmusikfest in Wien
Kurzkonzert
am Wiener
Heldenplatz
beim Reiterdenkmal
von
Erzherzog Karl
Foto:
Natalie Abfalterer
Die Österreichische Hauptstadt wurde am
Samstag, dem 30. August, zur Blasmusikhauptstadt.
Über 500 Musiker*innen aus
Österreich, Südtirol und Liechtenstein erfüllten
beim heurigen 43. Österreichischen
Blasmusikfest die Innenstadt mit Blasmusik
– gekrönt von einem Gesamtkonzert mit
1.000 Musiker*innen am Rathausplatz. Die
Musikkapelle St. Jakob in Ahrn hat dabei
Südtirol, das Ahrntal und den Verband Südtiroler
Musikkapellen würdevoll vertreten.
ein beeindruckendes Erlebnis, in diesem
historischen Ambiente zu spielen, freute
sich auch Obmann Thomas Künig.
Gemeinschaftskonzert mit
rund 1000 Musikant*innen
Am Nachmittag hat die Gastkapelle den
Aufmarsch vom Maria-Theresien-Platz über
die Ringstraße, vorbei am Parlament und
Burgtheater, zum Rathausplatz unter der
Stabführung von Armin Niederkofler angeführt.
Vor dem Wiener Rathaus fand das
abschließende Gemeinschaftskonzert der
21 Musikkapellen aus Österreich, Liechtenstein
und Südtirol statt. Der Wiener Landeskapellmeister
Herbert Klinger, seines
Zeichens stellvertretender Bundeskapell-
Die Musikant*innen aus dem Pustertal sind
bereits am Freitag angereist, um das pulsierende
Kulturleben in Wien genießen zu
können und die Aura dieser geschichtsträchtigen
„Stadt der Musik” einzuatmen.
Tags darauf hat die „Jougiba Musig” am
Heldenplatz unter der Leitung von Kapellmeister
Daniel Niederegger den Reigen der
Kurzkonzerte in der Innenstadt eröffnet. Es
war für die rund 60 Teldra Musikant*innen
Gemeinschaftskonzert
vor dem
Wiener
Rathaus
KulturFenster
52 05/Oktober 2025
Redaktionsschluss für
„ KulturFensters“ ist:
Blasmusik
ÖBV-Präsident Erich Riegler (3. von rechts) und der Präsident des Wiener Blasmusikverbandes
Michael Foltinowsky (2. von rechts) begrüßten die Gäste aus Südtirol.
Musikparade über die Ringstraße zum
Rathausplatz
Fotos: Stephan Niederegger
meister, hat dieses beeindruckende Blasorchester
aus rund 1.000 Musikant*innen
geleitet. Als Gastdirigenten waren der Burgenländische
Landeskapellmeister Hans
Kausz und der Wiener Landeskapellmeister-Stellvertreter
Daniel Muck am Dirigentenpult.
Letzterer dirigierte das eigens
von ihm zum heurigen 200. Geburtstages
von Johann Strauss II. zusammengestellten
Medley aus drei bekannten Werken
des Walzerkönigs.
FESTIVAL FANFARE (Peter Platt)
komponiert für das Wiener Blasmusikfest
RATHAUS-KLÄNGE (Daniel Muck)
Dr. Michael Ludwig-Marsch
DEUTSCHMEISTER REGIMENTSMARSCH
(Wilhem August Jurek, arr. Siegfried Rundel)
SCHÖNFELD-MARSCH
(Carl Michael Ziehrer, bearb. Siegfried Rundel)
WIEN BLEIBT WIEN
(Johann Schrammel,
bearb. Hans Kliment jr.)
EIN WALZER-STRAUSS
(arr. Daniel Muck)
O DU MEIN ÖSTERREICH
(Franz von Suppé, arr. Sepp Tanzer)
Zugabe: RADETZKY MARSCH
(Johann Strauss I., bearb. Hans Kliment jr.)
Das Publikum am Rathausplatz, wo seit
28. Juni – bis zum 31. August – auch das
Filmfestival über die Bühne ging, ließ sich
vom leicht einsetzenden Regen nicht beirren
und zeigte sich begeistert von dieser
musikalischen und optischen Kulisse
der Österreichischen Blasmusik: „Ein unvergessliches
Erlebnis für alle, die dabei
sind”, wie es der Bundesehrenkapellmeister
Walter Rescheneder treffend formulierte.
Mit vielen schönen Erinnerungen im Gepäck
traten die Musikant*innen aus St. Jakob
am Sonntag die Heimreise an – eine
Reise, von der sie noch lange erzählen werden
und auch einen gebührenden Platz in
der Vereinschronik haben wird.
Stephan Niederegger
„,Musiziuwo mitnondo,
marschiuwo mitnondo,
feiwo mitnondo,
schaugwo afanodno,
na wescht des widdo a
bearigo Musigausug!"
die nächste Ausgabe des
Freitag, 14. November 2025
Aus der Redaktion
Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Blasmusikseiten
senden Sie bitte an: kulturfenster@vsm.bz.it
KulturFenster
53 05/Oktober 2025
hinausgeblickt
Süd-Osttiroler
Blasorchester 40+
Konzert – Kulturzentrum Toblach
https://vsm.bz.it
26.12.2025
gehört & gesehen
Klangbilder der
Filmwelt
Ein unvergessliches Konzertwochenende mit
der MK Unsere Liebe Frau im Walde
Am Wochenende des 26. und 27. Juli 2025
lud die Musikkapelle Unsere Liebe Frau im
Walde zum musikalischen Höhepunkt des
Sommers ein. Unter dem Motto „Filmmusik
in Concert“ erklangen im Mehrzwecksaal
in St. Felix und im Widumstadel in Unsere
Liebe Frau im Walde beeindruckende Werke
moderner Filmmusik – dargeboten unter der
musikalischen Leitung von Michael Stürz.
Der Konzertabend am Samstag in St. Felix
zog das Publikum sofort in seinen Bann.
Mit einer Auswahl an Stücken aus bekannten
Filmen wie „Music from Frozen“,
„The Lion King“, „The Greatest Showman“
und „Avengers“ ließ die Musikkapelle die
Kinoleinwand akustisch lebendig werden.
Der zweite Abend im stimmungsvollen Widumstadel,
setzte dieses Erlebnis in einem
noch intimeren Rahmen fort – ein Genuss
für Augen und Ohren.
Eine Besonderheit bot bei beiden Auftritten
die Sängerin Juliane Telser, die mit ihrer
klaren und gefühlvollen Stimme mehrere
Stücke eindrucksvoll begleitete. Ihre Darbietung
verlieh den ausgewählten Songs
eine zusätzliche emotionale Tiefe und sorgte
für Gänsehautmomente im Publikum. Untermauert
wurden der Sologesang und die
Klänge der Musikkapelle vom Kirchenchor
Unsere Liebe Frau im Walde.
Die begeisterten Zuhörerinnen und Zuhörer
honorierten die Darbietungen mit lang
anhaltendem Applaus und „Standing-
Ovations“. Dieses Konzertwochenende
war ein herausragendes Beispiel dafür,
wie Musik Bilder im Kopf entstehen lassen
und starke Emotionen wecken kann.
Die Musikkapelle Unsere Liebe Frau im
Walde hat mit diesem Programm eindrucksvoll
bewiesen, dass Blasmusik vielseitig,
modern und zugleich tief bewegend sein
kann. Ein kultureller Höhepunkt, der im
Gedächtnis der Gemeinde und aller Gäste
noch lange nachklingen wird.
Klaus Aufderklamm
Beeindruckendes
Klangerlebnis
Große Emotionen erzeugte die Musikkapelle
Unsere Liebe Frau im Walde mit ihrem Projekt
„Filmmusik in Concert“ im stimmungsvollen
Ambiente.
Mit großer Hingabe, Präzision und spürbarer
Freude am Musizieren überzeugten
die Musikerinnen und Musiker der Kapelle
auf ganzer Linie. Ihr Zusammenspiel
zeugte von hoher musikalischer Qualität
und sorgte für ein Klangerlebnis, das die
Zuhörerinnen und Zuhörer beeindruckte.
Mit den kurzen Beiträgen zu den einzelnen
Filmen, Komponisten und Konzertstücken,
gelang es dem Moderator Klaus
Aufderklamm, eine Verbindung zwischen
Bühne und Publikum aufzubauen.
Auch die Sängerin Juliane Telser sorgte mit
Unterstützung durch den Kirchen chor Unsere
Liebe Frau im Walde für Gänsehautmomente.
Fotos: MK Unsere Liebe Frau im Walde
KulturFenster
54 05/Oktober 2025
Blasmusik
100 Jahre
Bürgerkapelle Wolkenstein
Ein Jubiläum zwischen Tradition und Feststimmung
Mit dem Kirchenkonzert „Lumen“ eröffnete
die Bürgerkapelle Wolkenstein unter der Leitung
ihres neuen Kapellmeisters Alexander
Perathoner ihr Jubiläumsjahr. Passend zur
Osterzeit stand das Programm im Zeichen
der Auferstehung Christi. Eine stimmungsvolle
Lichtshow in der Pfarrkirche setzte die
Musik in Szene und sorgte für einen eindrucksvollen
Beginn des Jubiläumsjahres.
Am ersten Septemberwochenende wurde
auf dem Gemeindeplatz von Wolkenstein
gefeiert. Besondere Akzente setzte das Jubiläum
am Samstagabend. Mit der Brassband
„Southbrass“ stand eine Formation
aus Südtirol auf der Bühne, die mit ihrem
kraftvollen und modernen Klang das Publikum
begeisterte. Im Anschluss sorgte
die Band „The Blokes“ für ausgelassene
Stimmung, und das Feiern ging bis spät
in die Nacht weiter.
Die Bürgerkapelle Wolkenstein besteht nunmehr seit 100 Jahren.
Ein großer Festtag
für das ganze Dorf
Schon früh am Sonntagmorgen waren die
Klänge der Musikkapelle im ganzen Dorf
zu hören, als die Musikant*innen beim
traditionellen „Wecken“ durch die Straßen
zogen und die Bewohner auf den Festtag
einstimmten.
Nach der Heiligen Messe und dem feierlichen
Empfang der Verbandsfahne folgte
der große Festumzug. Zahlreiche Musikkapellen,
Fahnenabordnungen und Vereine
zogen durch das Dorf. Die Straßen Wolkensteins
waren dicht gesäumt von Zuschauern,
die den Vorbeimarsch mit viel
Applaus begleiteten.
Das Buch zum Jubiläum
Ein besonderer Beitrag zum Jubiläum war
auch das neu erschienene Buch. Darin
werden die 100 Jahre der Bürgerkapelle
nicht nur mit historischen Daten festgehalten,
sondern auch mit vielen Fotos, persönlichen
Erinnerungen, lustigen Anekdoten
und Erzählungen lebendig gemacht.
So entstand ein Werk, das sowohl Musikanten
als auch Dorfbewohnern einen Blick
auf die gemeinsame Geschichte eröffnet.
Am Sonntagabend trat noch eine letzte Mu-
sikkapelle auf und setzt den musikalischen
Schlusspunkt des Festes. Anschließend ließen
Musikanten, Gäste und Dorfbewohner
das Jubiläum in gemütlicher Runde auf
dem Gemeindeplatz ausklingen.
Juri Senoner
Aufmarsch zum Jubiläumsfes
Fotos: MK Wolkenstein
KulturFenster
55 05/Oktober 2025
gehört & gesehen
Musical & Film
Ein besonderes Konzert in Kastelbell
Mit bekannten Filmmelodien sorgte die Musikkapelle Kastelbell für Gänsehautmomente.
Am 6. September 2025 fand im Musikpavillon
von Kastelbell das Konzert „Musical
& Film“ der Musikkapelle Kastelbell statt.
Unter der Leitung von Charlotte Rainer präsentierte
die Musikkapelle ein abwechslungsreiches
Programm, das zahlreiche
Besucher*innen anlockte.
Die musikalische Reise begann mit dem
„Imperial March“ aus „Star Wars“. Mit seinen
markanten Klängen setzte die Kapelle
einen kraftvollen Auftakt, der das Publikum
sofort in die Welt der Filmmusik entführte.
Besonders eindrucksvoll war auch
die Interpretation der Musik aus „Pearl
Harbor“ von Hans Zimmer. Mit feinen
Melodien und kraftvollen Steigerungen
gelang es, die emotionale Bandbreite
des bekannten Soundtracks eindringlich
hörbar zu machen. Einen weiteren
Höhepunkt setzte die Sängerin Evamaria
Österreicher. Mit „One Moment in Time“
füllte sie den Platz und sorgte mit ihrer
Stimme für Gänsehautmomente.
Zum Abschluss erklang das Lied „Dankeschön“
der „Fäaschtbänkler“. Am Ende
des Stücks erhoben sich alle Musikantinnen
und Musikanten und sangen gemeinsam
– ein Finale, das von Gemeinschaftsgeist
und Energie geprägt war
und beim Publikum großen Eindruck
hinterließ.
Begleitet wurde das Konzert von einer
Lichtshow, die mit wechselnden Farben
und Effekten die Bühne immer wieder
neu inszenierte. Auf einer Leinwand wurden
zudem Filmszenen zu den gespielten
Stücken gezeigt, wodurch Musik und Bild
eine besondere Verbindung eingingen.
Das Publikum dankte den Musikerinnen
und Musikern mit langem Applaus für einen
gelungenen Konzertabend.
Ausschnitte und Bilder sind auf den Social-Media-Seiten
der Musikkapelle Kastelbell
zu sehen.
Simon Blaas
Kapellmeisterin Charlotte Rainer traf mit dem Konzertprogramm punktgenau den Geschmack
des Publikums.
Fotos: MK Kastelbell
KulturFenster
56 05/Oktober 2025
gedenken
Der VSM trauert
um Karl Gschließer
Ein Mann mit großem Einsatz und Handschlagqualitäten
Karl Gschließer
1946 - 2025
Am vergangenen 23. August ist Karl Gschließer
im Alter von 79 Jahren verstorben. Er
war mehr als 20 Jahre der personelle Inbegriff
im VSM Bezirk Sterzing.
Karl Gschließer wurde am 28. Februar
1946 als jüngstes von fünf Kindern auf
dem „Tonnerhof“ in Telfes geboren, wo
er von klein auf mit viel Fleiß und Verantwortungsbewusstsein
am Hof mitarbeitete.
Kurz vor seinem 40. Geburtstag wurde er
1986 zum Bezirksobmann gewählt. Damals
an der Seite von Bezirkskapellmeister
Richard Bacher und ab dem Jahre 2000
mit Walter Holzer, trug Karl wesentlich zum
lebendigen Blasmusikleben im Bezirk bei.
Aber nicht nur für die Blasmusik, auch für
sein Heimatdorf und die Gemeinde hatte
er ein großes Herz.
Vielfältiger Einsatz
für die Dorfgemeinschaft
Seine Fähigkeiten und die ausgeprägte Unternehmungslust
brachte Karl nicht nur im
Beruf, sondern auch in seine Dorfgemeinschaft
ein. Bei vielen Vereinen war er mehrere
Jahrzehnte dabei, so bei der Feuerwehr
(40 Jahre), bei der Musikkapelle (60 Jahre
– davon 25 Jahre als Obmann), bei der Interessentschaft
„Atscher Wiesen“ (20 Jahre),
im Sportverein (als Kassier) oder als Vermögensverwaltungsrat
der Pfarrgemeinde.
Auch als Bezirksobmann des VSM-Bezirkes
Sterzing (21 Jahre), als Präsident des Tourismusvereines
Ratschings (15 Jahre), als
Gemeinderat (20 Jahre) und Ausschussmitglied
der Gemeinde Ratschings (7 Jahre)
war Karl sehr aktiv.
Blasmusik als
Herzensanliegen
Als Bezirksobmann waren ihm vor allem
der Zusammenhalt und das geschlossene
Auftreten bei Musikfesten und Wertungs-
spielen aller 13 Mitgliedskapellen ein
großes Anliegen. Für die Realisierung
großer Vorhaben, wie der Internationalen
Wipptaler Blasmusiktage, der
Bezirksmusikfeste und der Wertungsspiele,
aber auch der Aufnahmen von
Tonträgern halfen ihm viele seiner Kontakte
mit Menschen aus Wirtschaft und
Politik. Gern und gut pfl egte er auch
den Kontakt, den stetigen Austausch
und die gemeinsamen Projekte mit
dem Nachbarbezirk Wipptal/Stubai.
Für seine vorbildliche Arbeit wurde
er zum Ehrenobmann des VSM-Bezirkes
Sterzing ernannt. 2009 wurde
er für sein soziales Engagement mit
der Verdienstmedaille des Landes Tirol
ausgezeichnet.
Ehrendes Andenken in
Dankbarkeit
Seine Fröhlichkeit, sein Humor, seine
Herzlichkeit, seine Großzügigkeit und
sein Lebenswerk für die Allgemeinheit
prägten ihn – und bleiben unvergessen.
Der VSM-Landes- und Bezirksvorstand,
die Musikant*innen im Bezirk
und weit darüber hinaus bedanken
sich posthum bei Karl für seine Menschen
verbindende Art, seine Unternehmerqualitäten
und seine einfache
Art, Mensch zu sein.
Er hinterlässt eine große Lücke in unserem
Leben – aber noch viel mehr
hinterlässt er Spuren der Liebe, unzählige
schöne Erinnerungen und eine
tiefe Dankbarkeit in unseren Herzen,
die für immer bleibt. Wir werden dem
Verstorbenen ein ehrendes Andenken
bewahren und sein Erbe verantwortungsvoll
weitertragen. Ruhe in Frieden
– lieber Karl. Danke für alles!
Pepi Ploner, VSM-Obmann
KulturFenster
57 05/Oktober 2025
entdeckt
„Exodus”
Klangbilder für Blasorchester von Gottfried Veit
1991 hat Gottfried Veit mit „Das Weltgericht“
seine ersten „Klangbilder für Blasorchester“
veröffentlicht. Es folgten die „Passionsmusik“
(1995), „Das Orakel“ (1997)
und „Die Posaunen von Jericho“ (2004), in
denen er immer wieder religiöse Themen
aufgriff und musikalisch in Szene setzte.
„Exodus“, eine musikalische
Nacherzählung des 2. Buch
Mose
Nun – nach einer 20-jährigen Pause –
hat er mit „Exodus“ neue Klangbilder für
Blasorchester geschaffen. Darin verarbeitet
er das zweite Buch Mose (Exodus)
des Alten Testamentes, das von Moses,
dem Auszug der Israeliten aus Ägypten,
ihrem Zug durch die Wüste und der Übergabe
der Zehn Gebote berichtet. Nach einer
sechstaktigen Einleitung zur „Geburt
Moses“ (1) und dem „Knabenmord des
Pharaos“ (2) erklingen die zehn weiteren
Klangbilder im chronologischen Ablauf.
Die „Freudenglocken“ (3) künden von den
Söhnen Israels, bevor „Moses im Binsenkörbchen
des Nils“ (4) gerettet wird. Dabei
erklingt im Englischhorn ab Takt 39
erstmals das Hauptthema in einer aufsteigenden
Tonleitersequenz, das in den
folgenden Klangbildern immer wieder in
Fragmenten und Variationen zitiert wird.
Durch die Wüste
zum „Gelobten Land“
Der „Auszug aus Ägypten“ (5) wird mit
martialischen Rhythmen untermalt, bevor
ein Choral im tiefen Blechregister ehrfurchtsvoll
„Die goldene Bundeslade“ (6)
beschreibt. Mit orientalischen Klängen
erzählt Veit „Die vierzigjährige Wüstenwanderung“
(7). Majestätische Trompetenfanfaren,
verziert mit Arpeggi des Klarinettenregisters,
lassen „Den brennenden
Dornbusch“ (8) auflodern. Ein Fugenthema
begleitet „Die Entgegennahme der Zehn
Gebote“ (9), bevor das Israelische Volk
mit einem teuflischen „Tanz um das goldene
Kalb“ (10) im 12/8-Takt an Moses
zweifelt und dadurch droht, ins Verderben
zu laufen. In der „Vision des Moses“ (11)
wird das Hauptthema erneut aufgegriffen
und durch die verschiedenen Register
getragen, bis es ab Takt 233 im „Gelobten
Land“ (12) in ein enthusiastisches
Finale gipfelt.
Klangbilder mit Aussagekraft
Notenbeispiel Takt 39-41
Notenbeispiel Takt 233-234
Der Komponist bleibt sich seiner Linie treu
und erzählt in einer einfachen Tonsprache.
Dabei versteht er es, die verschiedenen
Klangfarben eines Blasorchesters
gekonnt einzusetzen und nimmt auch die
menschliche Stimme für gewissen Klangnuancen
dazu. Wenngleich die einzelnen
Klangbilder (Nr.3-12) als eigenständige
Bibelzitate für sich alleine sprechen
könnten, so erreichen sie erst im Zusammenhang
ihre vollständige Aussagekraft.
Es ist auch vorstellbar, dass die entsprechenden
Textstellen aus der Bibel von
einem zum anderen Klangbild überleiten,
aber das bleibt in der interpretatorischen
und dramaturgischen Freiheit
der Dirigent*innen. Das Publikum darf
sich jedenfalls auf ein tiefsinniges, mystisches
Werk freuen.
Stephan Niederegger
KulturFenster
58 05/Oktober 2025
Blasmusik
„Happy Birthday Johann Strauss!“
Musikalische Delikatessen von Salzburg Wind Philharmonic
In dieser Rubrik ist es fast schon zur Tradition
geworden, die neuesten Tonträger
der Salzburg Wind Philharmonic (ehemals:
Bläserphilharmonie Mozarteum Salzburg) –
eines der weltweit führenden symphonischen
Blasorchester – vorzustellen.
Scherzi bis zum Marsch. Dazu stellen sich
Johannes Brahms, Richard Wagner, Giuseppe
Verdi sowie Jacques Offenbach und
Hans Christian Lumbaye – der „dänische
Strauss“ – als „Gratulanten“ ein.
Sämtliche Werke sind wiederum von Albert
Schwarzmann für Bläsersymphonik
arrangiert. Ihm gelingt es, nicht einfach
nur Streicher durch Bläser zu ersetzen,
sondern das Wesen eines Stücks mit den
Mitteln eines Blasorchesters so umzusetzen,
als wäre es dafür komponiert. Die einzigartige
Klangkultur des Orchesters und
die besonderen künstlerischen Interpretationen
des Dirigenten machen jedes Konzert
zum Erlebnis.
Die vorliegende CD – auch als DVD erhältlich
– ist ein Live-Mitschnitt des viel umjubelten
Dreikönigskonzertes 2025 aus dem
Großen Festspielhaus Salzburg. Anlässlich
des heurigen 200-sten Geburtstags feiert
das Orchester mit seinem Chefdirigenten
CD-Cover „Dreikönigskonzert 2025“
Hansjörg Angerer den Walzerkönig Johann
Strauss nicht nur mit unvergleichlichen Walzern,
die dessen außerordentliche Genialität,
Fantasie und unendliche Inspiration
zum Ausdruck bringen, sondern mit der
ganzen Vielfalt typischer Wiener Tanzmusik
– von Polkas, Quadrillen, Musikalischen
Er trieft von Musik, ihm
fällt immer etwas ein.
Johannes Brahms, für den Johann
Strauss der einzige Komponistenkollege
war, den er bewunderte
Hinweis: Unter dem Titel „Stürmisch in
Lieb’ und Tanz“ wird die Salzburg Wind
Philharmonic beim traditionellen Dreikönigskonzert
2026 im Großes Festspielhaus
Salzburg Musik der Romantik von Mendelssohn
Bartholdy, Tschaikowsky, Weber,
Wagner und Strauss präsentierten.
Mozart & Poulenc
CD-Cover „Francis Poulenc –
Chamber Music“
CD-Cover „Hornkonzerte –
Wolfgang Amadeus Mozart“
Bei dieser Gelegenheit sei auf zwei weitere
neue CD-Veröffentlichungen verwiesen.
Zum einen widmet sich das solistisch besetzte
Ensemble der Salzburg Wind Philharmonic
Francis Poulencs (1899–1963)
kammermusikalischem Schaffen für Bläser.
Poulenc – Mitglied der Pariser Komponistengruppe
„Groupe de Six“ – hatte eine
große Vorliebe für Holzbläser, was der Tradition
seiner Heimat entsprach, und schuf
einige der schönsten Werke für Bläserkammermusik.
Dies reicht vom jugendlichen
Trio bis zum Arthur Honegger gewidmeten
Spätwerk seiner Klarinettensonate, zur Flötensonate
und Horn-Élégie oder zum unterhaltsamen
Sextuor, eine Liebeserklärung
an seine Heimatstadt Paris.
Und zum anderen hat das Wiener Klassik-
Spezialhaus „Gramola“ die bereits 2006
eingespielten Hornkonzerte (KV 417 – KV
495 – KV 447 – KV 412) von Wolfgang
Amadeus Mozart (1753–1791) neu aufgelegt.
Hansjörg Angerer spielt auf einem
Naturhorn und wird von der „Salzburg Hofmusik“
begleitet. 1991 gründete der Salzburger
Musiker Wolfgang Brunner dieses
Ensemble in variabler Besetzung – vom Trio
bis zum Orchester. Das Ensemble spielt
meis tens (aber nicht ausschließlich) auf
historischen Instrumenten oder originalgetreuen
Kopien. Die erste Aufl age der Mozart-Konzerte
wurde unter dem Label der
Universität Mozarteum Salzburg veröffentlicht
und 2013 neu aufgelegt. Auf entsprechende
Nachfrage ist nun die Neuaufl age
unter dem Label „Gramola“ erschienen.
Die detaillierte Tracking-List und alle weiteren
Details zum Orchester und zu seiner
Diskografie können auf der Homepage
nachgeschlagen werden: www.salzburgwindphilharmonic.at
Stephan Niederegger
KulturFenster
59 05/Oktober 2025
hinausgeblickt
Süd-Osttiroler
Blasorchester 40+
Konzert – Tauernhalle Matrei/Osttirol
https://vsm.bz.it
05.01.2026
„Des sein mir!“
Jubiläums-CD der MK Schalders
„Des sein mir!“ – die CD zum großen Jubiläum
der Musikkapelle Schalders
Die Musikkapelle Schalders feiert heuer ihr
100-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass
hat sich die Kapelle selbst, aber auch dem
Publikum ein Geburtstagsgeschenk gemacht
und eine Jubiläums-CD mit dem Titel „Des
sein mir!“ aufgenommen. Der titelgebende
Konzertmarsch ist im Musikverlag MUNODI
erschienen und ein Geschenk von Kapellmeister
Fabian Gottardi an seine Musikkapelle
Schalders.
Die MK Schalders sei vor allem von einem
starken Gemeinschaftsgeist getragen, der
sich im Musizieren widerspiegelt, sagt der
Kapellmeister. Während das Orchester mittlerweile
in vielen Musikrichtungen stilsicher
zu Hause ist, schlägt das Herz der
Kapelle für die traditionelle Blasmusik: „Getreu
seinem Titel werden all diese Aspekte
im Konzertmarsch verarbeitet.“ Der CD-Titel
bezieht sich jedoch nicht nur auf den
gleichnamigen Marsch, sondern spiegelt
sich auch in allen zehn weiteren Stücken
wider, die allesamt aus der Feder Südtiroler
Komponisten stammen:
➤ Des sein mir! – Konzertmarsch –
Fabian Gottardi
➤ Die schönsten Jahre – Polka – Armin
Kofl er
➤ Herbstzauber – Marsch – Tobias Psaier
➤ Gruß aus den Dolomiten – Marsch –
Josef Hochkofler
➤ Glück auf – Fantasie – Gerd Kofler
➤ Halt mich fest – Walzer – Norbert
Rabanser
➤ Meraner Herbstzauber – Marsch –
Emil Hornof
➤ Südtiroler-Musikanten-Marsch –
Gottfried Veit
➤ Aus guten Zeiten – Polka – Andreas
Kofl er
➤ Emotionen der Heimat – Marsch –
Franz Rieder, arr. Mathias Rauch
Quasi als Zugabe ist die Live-Aufnahme
des Heimatlandmarsches von Sepp Thaler
angefügt, der beim Osterkonzert 2024 zusammen
mit dem Männer- und Kirchenchor
Schalders aufgeführt wurde.
Stephan Niederegger
Geheimnisse der Orchestrierung für Blasorchester
Ein vollständiges Eintauchen in die Geheimnisse der raffinierten Orchestrierung
von Franco Cesarini
Im KulturFenster Nr. 4/2024 (Seite 63) haben
wir die von Franco Cesarini veröffentlichten
„Geheimnisse der Orchestrierung“
(I segreti dell’orchestrazione – The Secrets
of Orchestration) für Blasorchester veröffentlicht.
Das ursprünglich in italienischer Sprache
verfasste Buch ist nun auch in deutscher
Sprache erschienen.
Weitere Informationen sind auf der Homepage
des Autors abrufbar:
www.francocesarini.com
Stephan Niederegger
Franco Cesarini:
Komponist, Dirigent, Flötist und Verleger
KulturFenster
60 05/Oktober 2025
kurz notiert
kurz notiert
… für Nachrichten aus den Musikkapellen
Wir freuen uns, wenn Musikkapellen
über ihre Proben, Auftritte und Veranstaltungen
berichten.
Im Zuge der Neugestaltung des „KulturFensters“
ist die ehemalige Rubrik
„Musikpanorama“ in „kurz notiert“ unbenannt
worden; sie soll aber weiterhin
als Plattform für die Berichterstattung
aus den Musikkapellen und damit zu
einem regen Erfahrungsaustausch genutzt
werden.
Damit aber alle Artikel Platz finden können,
ist es notwendig, dass die jeweiligen
Texte nicht mehr als 1.500 Zeichen
(inkl. Leerzeichen) umfassen. Die
Berichterstatter*innen der Musikkapellen
sind gebeten, diese Vorgabe einzuhalten.
Ein aussagekräftiges und vor allem drucktaugliches
Foto – in entsprechend guter
Aufl ösung und mit Bildtext – ist ebenfalls
immer sehr willkommen. Bitte auch immer
den Redaktionsschluss beachten!
Weitere Informationen sind im FAQ-Bereich
„Presse“ der VSM-Homepage abrufbar.
Wir freuen uns auf viele „kurz notierte“
Meldungen!
Die Redaktion
Großer musikalischer Erfolg für
die Musikkapelle Pflersch
Platz eins bei den Wertungsspielen in Dießen
Im vergangenen Mai überzeugte die Musikkapelle
Pfl ersch bei den Wertungsspielen
in Dießen am Ammersee und erspielte
sich ein „Ausgezeichnet“ mit 96,3 Punkten.
Bei den heurigen Wertungsspielen in Dießen
am Ammersee erzielte die Musikkapelle
Pfl ersch unter der Leitung von Kapellmeister
Martin Rainer und Obmann
Markus Teissl ein bemerkenswertes Ergebnis.
In der Mittelstufe erreichte die Kapelle
96,3 Punkte und wurde zusätzlich mit
dem Prädikat „ausgezeichnet“ bewertet.
Insgesamt nahmen 22 Blasorchester an
den Wertungsspielen teil. Die Musikkapelle
Pfl ersch setzte sich mit ihrem Ergebnis
deutlich vor dem Musikverein Denklingen
(Leitung Georg Linder, 91,5), der
Blaskapelle Hohenfurch (Leitung Vjeran
Jezek, 91,0) und dem Musikverein Dießen
(Leitung Csaba Primosics, 91,0) durch.
Eine Abordnung der Musikkapelle nahm
an der Siegerehrung am 17. August in
Dettenschwang teil, bei der die Leistung
aller teilnehmenden Kapellen gewürdigt
Grund zur Freude hatte die MK Pfl ersch mit ihrem ausgezeichneten Abschneiden bei den
Wertungsspielen in Dießen am Ammersee.
Foto: MK Pfl ersch
wurde. Für die Musikkapelle Pflersch
stellt das Ergebnis einen wichtigen musikalischen
Erfolg dar, der die kontinu-
ierliche Arbeit und das Engagement der
Musikant*innen unterstreicht.
MK Pfl ersch
KulturFenster
61 05/Oktober 2025
kurz notiert
Musizieren auf „hohem
Niveau“
Die JuKa „y.m.b. Vintl“ im Hüttenlager auf dem Würzjoch (2002 m)
Die Jugendkapelle „y.m.b. Vintl“ musizierte bei ihrem Hüttenlager zu Füßen des Peitlerkofels.
Foto: MK Vintl
Zum 16. Mal gab es bereits ein Hüttenlager
für die Pusterer Jugendkapelle „y.m.b.
Vintl“. In diesem Jahr wurde dafür zum zweiten
Mal das Jugendhaus Ütia de Pütia auf
dem Würzjoch ausgewählt. Ihr erstes Konzert
spielten die Jungmusikanten darauf im
Seniorenwohnheim Freyenthurn in Mühlbach.
Vom 12.bis zum 16. August verbrachten
23 Jungmusikanten der „y.m.b. Vintl“ fünf
spannende und musikalische, aber auch
abwechslungsreiche Tage auf dem Würzjoch.
Die Jugendleiter Hannes Zingerle und
Alex Grünfelder studierten in dieser Zeit
gemeinsam mit Andreas Messner mit den
Jungmusikanten ein Konzertprogramm ein.
Für die Leitung von verschiedenen Registern
und die Betreuung der Teilnehmer bekamen
sie zusätzlich Unterstützung von
Kathrin Delfauro, Dana Putzer, Katharina
Depian und Jonas Sieder. Gemeinsam waren
sie der Garant dafür, um den Jungmusikanten
eine möglichst gute musikalische
Vorbereitung zu geben. Zudem gab es eine
Marschierprobe mit Stabführer Jonas Sieder.
Helga Volgger hat zudem für die hervorragende
Verköstigung gesorgt.
Auch der Spaß durfte in dieser Woche auf
keinen Fall fehlen. In der letzten Nacht
sorgten einige Mitglieder der MK Vintl bei
einem „Überfall“ gegen Mitternacht für
aufregende Momente.
Nach dem fünftägigen Hüttenlager begeisterten
die jungen Musikantinnen und Musikanten
im Seniorenheim Freyenthurn in
Mühlbach die Heimbewohner mit einem
tollen musikalischen Nachmittag.
Weiters fanden ein Abendkonzert gemeinsam
mit der Musikkapelle Vintl in Obervintl
sowie ein großer Auftritt beim „Vintila
Kirschta“ statt.
Hannes Zingerle
KulturFenster
62 05/Oktober 2025
Blasmusik
Gelungenes Gemeinschaftskonzert
zum Jubiläum
Die Musikkapelle Truden feiert 185 Jahre ihres Bestehens
Der Kirchplatz von Truden verwandelte sich
am 30. August 2025 in eine Bühne der besonderen
Art: Die Musikkapelle Truden feierte
ihr 185-jähriges Bestehen mit einem
eindrucksvollen Jubiläumskonzert, das musikalisch
wie emotional einen bleibenden
Eindruck hinterließ.
Insgesamt 70 Musikant*innen – darunter
die aktuellen Mitglieder, zahlreiche ehemalige
Musikanten sowie ehemalige Kapellmeister
– sorgten für ein klangvolles
und würdiges Festkonzert. Von den Jüngsten
mit 13 Jahren bis hin zu den Ältesten
mit über 80 Jahren waren alle Generationen
vertreten.
Das Konzert fand unter der Leitung des
aktuellen Kapellmeisters Martino Olivieri
statt, der mit viel Feingefühl durch das abwechslungsreiche
Programm führte. Die
aufgeführten Musikstücke spannten einen
weiten Bogen von traditionellen Werken
bis hin zu moderner Blasmusik. Ein Highlight
war die Aufführung der Auftragskomposition
„Af Trudn“, die eigens zum 185.
Jubiläum vom bekannten Trudner Musiker
und Komponist Johann Finatzer geschrieben
worden war.
Festliche Stimmung auf dem Kirchplatz in Truden anlässlich des 185-Jahr-Jubiläums der
Musikkapelle
Fotos: MK Truden
Blick in die Vergangenheit
in Dankbarkeit
Durch den Abend führte Moderator Günther
Ventir, der die Geschichte der Musikkapelle
von ihren Anfängen im Jahr 1840
bis in die Gegenwart präsentierte. Ein nostalgischer
Blick in die Vergangenheit bot
sich mit dem ehemaligen Obmann Adolf
Epp und der Marketenderin Magdalena
Busin, die in der historischen Tracht aus
dem Jahr 1960 erschienen waren. Unter
den Mitwirkenden befanden sich auch die
beiden ersten Frauen in der Kapelle, Irene
Epp und Michaela Amplatz, die 1977 in
den Verein aufgenommen worden waren.
In der Konzertpause richtete Obmann
Hermann Stuppner Gruß- und Dankesworte
an alle Kapellmeister, Obmänner
und Mitglieder, die sich im Laufe der Zeit
mit großem Engagement in den Verein
eingebracht und mitgewirkt hatten. Vizebürgermeisterin
Daniela Montagna, Ehrenobmann
Michael Vescoli und der Gebietsvertreter
des Verbandes Südtiroler
Musikkapellen, Josef Oberhauser, würdigten
in ihren Grußworten die Bedeutung
der Musikkapelle für das kulturelle
Leben in Truden und darüber hinaus. Ein
besonders herzlicher Moment war die Ehrung
von Rosl Pichler Amplatz, die seit
über 50 Jahren unentgeltlich das Probelokal
der Musikkapelle reinigt.
Im Anschluss an das Konzert lud ein
großzügiges Buffet zum geselligen Ausklang
ein – einen schöneren Höhepunkt
des Jubiläumsjahrs hätte sich die Musikkapelle
Truden wohl kaum wünschen
können.
Daniela Haas
Auch sie hat Trudner Musikgeschichte geschrieben:
Rosl Pichler Amplatz, die seit
50 Jahren für ein sauberes Musikprobelokal
sorgt – im Bild mit Obmann Hermann
Stuppner.
KulturFenster
63 05/Oktober 2025
Klimagerechtigkeit
Seminarreihe
Termine
28.10., 04.11., 18.11., 02.12. (dienstags),
18.00–20.00 Uhr im Waltherhaus Bozen, 4. Stock, Seminarraum
Podiumsdiskussion zum Abschluss: 16.12., 18–19.30 Uhr, Waltherhaus Bozen, Sparkassensaal
Keine Anmeldung, pünktlicher Beginn
Infos unter:
http://hpv.bz.it
06.12.2025
Agach Chorweihnacht
Dom zu Brixen; Beginn: 17 Uhr
Infos unter:
https://scv.bz.it
25./26.04.2026
VSM-Konzertwertung in Toblach
26.09.2026
VSM-Marschmusikbewertung
in Brixen
Infos unter:
https://vsm.bz.it