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my life_Ausgabe 15.10.2025_Vorableseprobe für WAVE Kunden

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Ein Geschenk Ihrer Apotheke

20 | 15. Oktober 2025 B

MEDIZIN

Kommt die Impfung

gegen den Herzinfarkt?

Eine innovative

Immuntherapie soll

unseren Lebensmotor

schützen

Rettung

für das Knie

Moderne Verfahren

erkennen Arthrose

frühzeitig und lassen

Knorpel wieder

wachsen

REISE

VIVA MÉXICO!

Traumziel Yucatán:

Bilderbuchstrände,

Maya-Tempel und

leckere Tacos

GENUSS

Kreative

Knödelküche

Auch aus

Brot & Gemüse

lassen sich feine

Nocken und

Klöße formen

12 Seiten Dossier

Frauen,

bleibt gesund!

Osteoporose: Die Knochen stabil zu halten, ist überraschend einfach

Vorsorge: 10 Fragen, die Sie Ihrer Frauenärztin unbedingt stellen sollten

Wechseljahre: Mit diesen Strategien stärken Sie jetzt Ihre Resilienz


INHALT

66

Knie-Arthrose lindern

Früh entdeckt, lässt sich ein Knorpelschaden

noch reparieren, etwa durch

die Verpflanzung von gesundem

Gewebe in das kranke Gelenk

12

Herzmedizin der Zukunft

Atherosklerose kann den Lebensmotor

genauso schädigen wie eine Virusinfektion.

Gibt es bald eine neue

Impfung, die einen Infarkt verhindert?

62

Der Kürbis trägt Weiß

Hellfruchtige Sorten bieten einen

edlen Kontrast zu dunklen oder

roten Herbstbeeren. Ein unerwartet

romantischer Anblick im Oktober!

GESUNDHEIT

6 Magazin

Aktuelles aus Medizin,

Wellness und Ernährung

12 Herzmedizin der Zukunft

16 Impfen rettet Leben

Wieso eine Immunisierung die

beste Art der Vorsorge ist

18 Die große Lustlosigkeit

Die Deutschen haben immer

weniger Sex. Woran das liegt –

und was Experten raten

24 DOSSIER

Frauengesundheit

Neue Stärke in den Wechseljahren

– für die Knochen sowie für die

Psyche. Auch der Besuch beim

Frauenarzt darf nicht fehlen

36 Das bessere Schmerzmittel

Dexibuprofen ist nun rezeptfrei

erhältlich. Eine Apothekerin beantwortet

die wichtigsten Fragen

46 Balsam für die Stimme

Wasser, Ingwer und Süßkartoffeln

pflegen die Schleimhäute im Hals

56 „Ich wusste, dass ich

Brustkrebs bekomme“

Ein BRCA-Test deckt bei Jana eine

genetische Veranlagung auf. Damit

beginnt für sie ein schwieriger Weg

60 Entspannung für Magen & Darm

Woher Blähungen oder Völlegefühl

kommen und was im Akutfall hilft

66 Knie-Arthrose lindern

68 Mehr als nur Medikamente

Apothekerin Susanne Bormann

würde sich immer wieder für ihren

Beruf entscheiden

LIFESTYLE

40 Kreatives aus der Knödelküche

Leckere Bällchen und Klöße aus

Brot, Gemüse und Hülsenfrüchten

48 Knusperglück mit Nüssen

Sie sind knackig und aromatisch –

und versüßen uns in Brownies

oder Torten jetzt den Herbst

52 Auszeit in Mexiko

Auf der Halbinsel Yucatán

begeistern alte Maya-Tempel

neben türkisblauem Meer

62 Der Kürbis trägt Weiß

WOHLFÜHLEN

58 In kleinen Schritten zum Erfolg

Langfristig große Ziele erreichen?

Diese zehn einfachen Routinen

unterstützen Sie dabei!

RUBRIKEN

3 Editorial, Stiftungsbeirat

38 Kommentar

70 Glücks-Kalender

72 Kreuzworträtsel, Sudoku

74 Vorschau, Impressum

FOTOS TITEL: ANNE JENSEN/JUMPFOTO INHALT: PHOTO LIBRARY; JUMP FOTOAGENTUR; ELKE BOROWSKI

4 my life 20/2025


Blattlausvernichter:

Marienkäfer!

Marienkäfer

Nützling im Garten

HIER SCANNEN

und mehr erfahren

Marienkäferlarven haben großen Hunger:

„ Am weitesten verbreitet ist der Siebenpunkt, der klassische

Glücksbringer. 100 bis 150 Pflanzen saugende Blattläuse frisst

ein solcher Käfer täglich. Ebenfalls recht gefräßig sind die

Marienkäferlarven, die deshalb Blattlauslöwen genannt

werden. Jede einzelne Larve verspeist in den drei Wochen bis

zu ihrer Verpuppung zwischen 400 und 600 Blattläuse. Die

Nachkommen eines einzigen Marienkäfers können so während

des Sommers an die 100.000 Läuse vertilgen.“

#beebetter-Experten-Team

#beebetter ist die Insektenschutzinitiative des BurdaVerlag mit der auch Sie zum Insektenschützer werden können.

Alles Infos unter www.beebetter.de

2 my life 20/2025


GESUNDHEIT

Fatal Plaques in den

Gefäßen ziehen bei

einer Atherosklerose

viele Immunzellen an.

Der Beginn einer für das

Herz gefährlichen

Entzündungsspirale

Kampf gegen den Infarkt

Die Herzmedizin

der Zukunft

Atherosklerose ist mehr als eine reine Gefäßverkalkung – sie ist eine

chronisch-entzündliche Erkrankung, bei der es schnell zu gefährlichen Gerinnseln kommen kann.

Forscher arbeiten nun an einer Impfung, die schwerwiegende Folgen verhindern soll

12 my life 20/2025


Rot-weiße Gewebeknäuel, bestehend

aus abgestorbenen Blutzellen, abgelagerten

Blutfetten und Kalk, sollen das Rätsel

lösen. Chirurgen haben diese Plaques aus den

Halsschlagadern von Patienten geschnitten,

wo sie den Blutfluss behinderten. Für gewöhnlich

landen die Übeltäter im Sondermüll, diese

jedoch sollen den Forschenden der Universität

Freiburg helfen, ein wirksames Mittel gegen

Herzinfarkte zu entwickeln. Im Labor bearbeiten

Assistenten diese Proben zunächst im

Reagenzglas, entfernen Proteine und andere

Moleküle, bis nur noch das Erbgut der Zellen

übrig bleibt. Dann übernehmen kühlschrankgroße

Hightech-Maschinen. Diese ermitteln,

welche Gene in den einzelnen Zellen aktiv sind.

Die Gefahr durch Plaques verringern

Prof. Dennis Wolf und sein Team vom Universitäts-Herzzentrum

Freiburg-Bad Krozingen

wollen genauer verstehen, welche immunologischen

Prozesse in den Plaques ablaufen.

Die Ablagerungen in den Gefäßen sind für

einen Großteil der Herzerkrankungen verantwortlich

und die Hauptursache für Infarkte.

Ziel der Forschungsarbeit ist, die Sprengkraft

der Plaques zu entschärfen.

Konkret arbeiten die Freiburger Forschenden

an einer Impfung. Diese soll die immunologischen

Abläufe in den Ablagerungen gezielt

steuern – und so letztlich Herzinfarkte verhindern.

„Wir wissen, dass bei etwa einem Viertel

der Infarktpatienten Entzündungsreaktionen

in den Plaques eine besonders große Rolle

spielen“, betont Dennis Wolf, Professor für

Kardiovaskuläre System-Immunologie an der

Universität Freiburg.

Schleichender Prozess. Plaques sind Zeitbomben

in den Gefäßen. Viele Menschen leben

jahrzehntelang damit, ohne irgendetwas

davon zu merken. Dem Körper gelingt es,

selbst starke Verengungen zu kompensieren.

„Erst wenn eine Arterie zu etwa 90 Prozent

blockiert ist, wird das Herz nicht mehr ausreichend

durchblutet“, erläutert Kardiologe Prof.

Wolf. Aber selbst das reicht im Ruhezustand

noch aus. Erst unter Belastung kippt das System.

Die Betroffenen fassen sich an die Brust,

sie haben die klassischen Beschwerden einer

Angina pectoris: Schmerzen im Brustkorb

oder ein Gefühl von Enge. Akut lebensbedrohlich

wird es, wenn die Verdickungen in den

Gefäßen instabil werden und aufbrechen –

dann kommt es zum Infarkt. „Atherosklerose

ist der Killer Number One“, sagt Prof. Wolf.

Umgangssprachlich wird Atherosklerose oft

als Gefäßverkalkung beschrieben, doch das ist

irreführend. Zwar trifft dies auf einzelne

Plaques zu, diese festen Ablagerungen sind

jedoch nicht ganz so gefährlich. „Eine stark

verkalkte Plaque kann Beschwerden machen,

führt aber eher selten zum Herzinfarkt. Und

wir können sie relativ gut behandeln“, erläutert

der Experte. In solchen Fällen führen Chirurgen

Ballonkatheter oder Stents in die Engstellen

ein und weiten die Gefäße, sodass

wieder genügend Blut hindurchfließen kann.

„Mit den Katheterverfahren retten wir akut

Leben“, so der Kardiologe.

Wachstum. Bedrohlich sind vor allem die

weichen, weniger kalkhaltigen Plaques. Sie

beherbergen besonders viele aktive Immunzellen.

Makrophagen oder T-Zellen sind –

neben LDL-Cholesterin – der entscheidende

Bestandteil der Plaques, sie sind dafür verantwortlich,

dass die Ablagerung größer wird. Die

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, versuchen

die abgelagerten Fette aufzufressen.

Sie können diese aber nicht abbauen, werden

immer dicker und sterben schließlich ab. Ihr

Tod setzt eine Entzündungsreaktion in Gang.

Weitere Immunzellen, vor allem T-Zellen, strömen

in die Plaque ein, diese wächst weiter.

Im besten Fall haben solche weichen Plaques

einen kräftigen Mantel aus Muskelzellen und

faserartigen Eiweißen. Im schlechtesten Fall

gleichen sie einem gepellten rohen Ei, das nur

von einer hauchdünnen Hülle zusammengehalten

wird. Darunter tobt die Entzündungsreaktion.

Eine tickende Zeitbombe, die jederzeit

explodieren kann. Geschieht das, bildet

der Körper sofort ein Blutgerinnsel, das die

Wunde verschließen soll, aber auch das Gefäß

verstopfen kann. Dann fließt kein Blut mehr

zum Herz, der Muskel wird nicht länger mit

Sauerstoff versorgt, es kommt zum Infarkt.

Diese Eskalation soll eine Impfung unterbinden,

indem sie – wie jede andere Impfung auch

– in die Immunreaktion des Körpers eingreift.

Fehlleitung des Abwehrsystems

Im Laufe des Lebens werden die Immunzellen

darauf trainiert, zwischen eigenen und fremden

Antigenen zu unterscheiden. Manchmal

funktioniert der Mechanismus nicht, und die

Immunzellen greifen körpereigenes Gewebe

an. Fachleute sprechen dann von Autoimmunität.

Ein vergleichbarer Prozess läuft bei einigen

Menschen in Zusammenhang mit Atherosklerose

ab. Neuere Studien weisen auf die ➡

Gekühlte Datenbank

Menschliche Blutproben

werden von Prof. Dennis

Wolf im Stickstofftank

deponiert. In diesen

können die Forscher

frühe Hinweisen finden,

wenn bei einem Spender

Herzerkrankungen

auftreten sollten

43 839

Menschen

starben 2023

in Deutschland

infolge eines

Herzinfarkts

Quelle: Deutscher Herzbericht

– Update 2025

20/2025 my life

13


GESUNDHEIT

Effektiv & kostengünstig

Impfen rettet Leben

Nicht alle Menschen vertrauen der Sicherheit oder Wirksamkeit von Impfstoffen.

Dabei bieten sie einen bewährten Schutz vor zum Teil schweren Erkrankungen

33 Prozent schätzen die Krankheit als nicht

gefährlich ein. Ein Viertel fürchtet Impfschäden

und schwere Komplikationen. Jeder Fünfte

glaubt nicht, dass eine Impfung vor Krankheit

schützt. Hier braucht es noch viel mehr

Aufklärung. Nur sechs Prozent haben übrigens

Angst vor Spritzen.

Ohne Spritze Einige Impfstoffe könnten bald per Salbe oder Pflaster verabreicht werden

Wichtig ist es,

dass man die

Menschen ernst

nimmt mit

ihren Sorgen

Prof. Dr. med.

Heidrun M. Thaiss,

Executive Director

Medicine & Science der

Felix Burda Stiftung

Immerhin 71 Prozent der Menschen in

Deutschland nehmen regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen

wahr. Das zeigt der von

STADA und der BurdaVerlag GmbH herausgebrachte

Health Report 2025. Auch die gängigen

Impfungen sind den meisten Bürgern bekannt.

Allerdings vertrauen laut der aktuellen

Studie BCN Deutschland-Puls nur 55 Prozent

den Vakzinen. Wir sprachen mit Prof. Heidrun

Thaiss über mögliche Beweggründe.

? Wie steht es zurzeit um die

Impfbereitschaft der Deutschen?

Bei den Kindern liegen die Raten dank der

U-Untersuchungen um die 90 Prozent und

höher. Bei den Jugendlichen macht aber die

HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs

und Warzen im Genitalbereich etwas Sorgen:

Die Rate liegt nur bei etwa 40 bis 50 Prozent.

Auch bei der Grippe-Immunisierung könnte

sie deutlich besser werden. Nur 38 Prozent der

ab 60-Jährigen haben einen entsprechenden

Schutz. Bei Pneumokokken liegt die Impfrate

unter den Älteren sogar nur bei 20 Prozent.

? Was sind die Gründe?

Laut Umfragen sind nur drei bis fünf Prozent

strikte Impfgegner. Die niedrige Rate hat oft

ganz banale Gründe: 40 Prozent haben den

Termin verpasst oder einfach vergessen. Etwa

? Gibt es Alternativen zur Spritze?

Ja, als Grippe-Impfung für Kinder steht ein

Spray zur Verfügung, das gut verträglich ist.

Außerdem gibt es Vakzine zum Schlucken

gegen Polio, Rotaviren, Cholera und Typhus.

Geforscht wird zudem an einer Impfsalbe und

Impfstoffpflastern, sogenannten Microarray-

Patches. Diese sind mit Mikronadeln bestückt,

die das Vakzin langsam abgeben.

? Wie überzeugen Sie Menschen, die dem

Impfen skeptisch gegenüberstehen?

Wichtig ist es, dass man die Menschen ernst

nimmt mit ihren Sorgen. Wer Angst vor

Nebenwirkungen hat, dem erkläre ich, dass

einige davon erwünscht sind. Denn sie zeigen

ja, dass der Körper auf die Immunisierung

reagiert. Letztlich sollte man immer abwägen:

Was nehme ich an unerwünschten Nebenwirkungen

in Kauf und wie hoch ist das Risiko,

schwer zu erkranken? Impfungen sind das

effektivste und kostengünstigste Mittel, das

wir haben, um uns vor Krankheiten zu bewahren.

Und: So schützt man auch die anderen,

die sich wegen einer schweren Grunderkrankung

nicht impfen lassen können.

? Gegner argumentieren oft mit Schäden,

die durch COVID-Impfstoffe entstanden sind.

Etwa 200 Millionen Dosen wurden verabreicht.

Nur 0,02 Prozent der Schäden sind eindeutig

auf die Impfung zurückzuführen, also

zwei auf 100 000 Fälle. Die Zahl der lang anhaltenden

Komplikationen, des Post-Vac-Syndroms,

liegt im Promille-Bereich. Eine unerwünschte

Nebenwirkung kann auch auf

eine Vorerkrankung zurückgehen, die durch

die Impfung angefacht wurde. Außerdem wird

diskutiert, ob chronische Müdigkeit etwa durch

das Reaktivieren einer früheren Epstein-Barr-

Virus-Infektion entstanden sein könnte.

16 my life 20/2025


? Einige Impfstoffe haben auch nützliche

Neben effekte, ist das richtig?

Genau. Eine Impfung gegen Gürtelrose etwa kann das

Risiko verringern, an einer Demenz zu erkranken. Das

gilt auch für die Grippeimpfung. Diese Impfstoffe

können möglicherweise ganze Entzündungsketten im

Körper unterbrechen.

? Wo stehen wir bei der mRNA-Impfung gegen Krebs?

Diese Vakzine wirken nicht vorbeugend, sondern richten

sich gegen bestehende Tumore. Dabei werden

kleinste Teile der Erbinformationen des Tumors genutzt,

um Immunzellen scharfzumachen, damit sie

die Krebszellen angreifen. Ein Vakzin von Moderna

gegen schwarzen Hautkrebs könnte noch in diesem

Jahr marktreif sein. BioNTech will 2026 sein erstes

Krebsmedikament auf den Markt bringen: BNT116

gegen Lungenkrebs.

Dieser Text

zeigt evtl. Probleme

beim

Text an

Wenn weniger Essen

und mehr Bewegung nicht ausreichen

FINDE ÄRZTLICHE

UNTERSTÜTZUNG AUF

ÜBER-GEWICHT.DE

? Woran wird derzeit noch geforscht?

An universellen Vakzinen gegen Krebs und einer Impfung

gegen Herzinfarkt (siehe S. 12-15, Anm. d. Red.).

Im Fokus stehen dabei die regulatorischen T-Zellen,

sie halten die ursächlichen Ablagerungen in den Gefäßen,

die Plaques, stabil. Zudem wird derzeit weiter an

kombinierten Impfstoffen gegen COVID und Grippe

geforscht, daneben gegen MERS (Middle East Respiratory

Syndrome), welches schwere Erkrankungen der

Atemwege verursacht.

Versäumen Sie diese Impfungen nicht!

Infektionen können im Körper überschießende Immunreaktionen

auslösen, die auch Herz und Gefäße schädigen.

Gängige Schutzimpfungen helfen, dies zu verhindern

FOTOS: ADOBE STOCK; PR

▶ Grippe: Das Influenzavirus

ver ändert sich ständig,

die Immunisierung muss

jährlich wiederholt werden

(auch in vielen Apotheken

möglich). Der beste Zeitpunkt

ist im Herbst vor

Beginn der Grippewelle.

Empfohlen wird diese Impfung

– wie auch alle weiteren

– Menschen mit chronischen

Erkrankungen und

Personen ab 60 Jahren.

▶ COVID-19: Der Impfstoff

muss jeden Herbst erneut

gegeben werden (Apothekenfinder

unter ia.de). Als

eine extrem seltene Nebenwirkung

wird die Herzmuskelentzündung

beschrieben.

Häufiger kommt

Myokarditis bei Ungeimpften

als Folge einer Corona-

Infektion vor.

▶ Pneumokokken: Die

Impfung ist nur einmal

nötig. Empfohlen ist der

Konjugat-Impfstoff PCV20,

der gegen 20 verschiedene

Pneumo kokken-Serotypen

schützt.

▶ RSV: Patienten mit

Herzerkran kungen wird

ab 60 Jahren die einmalige

Impfung gegen das RS­

Virus empfohlen. Zwei

Protein­ und ein mRNA-

Impfstoff stehen zur

Verfügung.

▶ Pertussis: Die Patienten

sind im Schnitt 42 Jahre alt.

Selbst eine überstandene

Keuchhusteninfek tion

bringt keinen lebenslangen

Schutz. Deshalb ist die

einmalige Auffrischungsimpfung

sinnvoll.

Starkes Übergewicht ist eine

chronische Erkrankung,

die behandelt werden kann

www.über-gewicht.de

20/2025 my life

17

DE25OB00295


GESUNDHEIT

Nähe ohne Leidenschaft

Die große

Lustlosigkeit

In deutschen Schlafzimmern herrscht Flaute. Die Menschen haben immer weniger Sex.

Während Wissenschaftler nach den Ursachen suchen, arbeiten Sexualtherapeuten an Lösungen

18 my life 20/2025


Wenn die Begierde fehlt Mal verlieren die Frauen, mal die Männer das Verlangen. Eine belastende Entwicklung nimmt ihren Lauf

Jenny M.* (45) und ihr Lebenspartner

sind seit sieben Jahren zusammen, hatten

in dieser Zeit aber nur einmal Sex, ganz am

Anfang. „War nicht so gut, dass wir es wiederholen

wollten“, sagt sie. „Sex wird sowieso

überbewertet. Ich komme sehr gut ohne klar.“

Beim Ehepaar L. aus Hamburg, beide knapp

über 50, läuft es kaum besser. Seit fünf Jahren

verweigert sie sich. „Keine Lust mehr“, sagt

sie. Er hätte schon noch Lust, will aber nicht

immer abgewiesen werden. Lars S. (27) aus

Berlin hätte gern Sex, hat aber keine Freundin.

Er masturbiert dafür fast jeden Tag zu Internet-Pornos.

Seine Kommilitonin Franzi (25)

versucht, mit einem Vibrator über die Runden

zu kommen. Das sind keine Einzelfälle. Im

Bett herrscht in Deutschland vielerorts tote

Hose. Hier sind die nackten Zahlen: Bei einer

Umfrage des Datingportals Elitepartner gaben

zehn Prozent der Paare an, im vergangenen

Jahr keinen Sex gehabt zu haben. Unter den

Single-Männern sagten das sogar 37 Prozent,

bei den Single-Frauen 52 Prozent.

Libidoverlust. Etwa acht Millionen Männer

haben Erektionsstörungen, 800000 gelten als

impotent. Rund elf Millionen Frauen haben

nur selten einen Orgasmus, fast zwei Millionen

nie. Etwa 50 Prozent der Frauen und ➡

Sex ist wie

Fahrradfahren.

Wer’s einmal

gemacht hat,

verlernt es nie

Jana Welch, Sexologin

* NAMEN DER REDAKTION BEKANNT

20/2025 my life

19


Offen über Wünsche reden Paartherapeuten raten dazu, erotische Bedürfnisse zu äußern

Viele junge

Männer haben

BDSM-Praktiken

und Gruppensex

gesehen, bevor

sie selbst

Händchen

gehalten haben

Mag. Beatrix Roidinger,

Autorin, Sexualberaterin

und klinische Sexologin

mit Spezialisierung auf

männliche Sexualität

Sie ist Gründerin von

„Best Lover“, einem

Zusammenschluss aus

Sexualberatern, Sexologen

und Urologen.

Mit ihrem Online-

Coaching-Programm

„Best Lover Academy“

hilft sie Männern bei

der Behebung ihrer

sexuellen Probleme;

beatrix-roidinger.de

➡ 28 Prozent der Männer beschreiben einen

Verlust der Libido, ergab eine Umfrage der

Barmer Krankenkasse. Je länger eine Beziehung

dauert, desto schlechter wird offenbar

der Sex, zeigen Zahlen von Statista: Im ersten

Jahr der Beziehung sind noch 87 Prozent der

Paare zufrieden. Ab dem zweiten Jahr geht es

abwärts. Nach zehn Jahren sind es nur noch

60 Prozent. Die Lust schwindet. 1995 hatten

junge Erwachsene durchschnittlich sechs- bis

achtmal Sex im Monat. Jetzt nur halb so oft.

Erwachsene zwischen 36 und 65 Jahren haben

ihre sexuellen Interaktionen ebenfalls halbiert,

von sechs- auf dreimal im Monat.

Späte Erotik. Und wenn es die Menschen

66 plus nicht gäbe, sähen alle Statistiken noch

trauriger aus. Diese Altersgruppe hat ihre Sex-

Frequenz von zwei- auf viermal im Monat verdoppelt.

Das Sinken der Geburtenrate im

Land können sie damit jedoch nicht aufhalten

– dafür ist es mit über 66 Jahren leider zu spät.

Wenn es so weitergeht, sterben wir aus

Lust- und Partnermangel sind mitverantwortlich

für den Abwärtstrend beim Kinderkriegen.

Jeder fünfte erwachsene Deutsche ist Single.

5,2 Millionen sogar aus voller Überzeugung.

Auch im Alter von 25 bis 34 Jahren leben rund

28 Prozent allein, so Zahlen des Statistischen

Bundesamts. Die Geburtenrate hierzulande hat

sich in den letzten 60 Jahren auch deshalb

mehr als halbiert – von 18,2 Geburten pro 1000

Einwohner im Jahr 1963 auf 8,1 im Jahr 2024.

Statt 1,3 Millionen kommen jährlich nur noch

knapp 680000 Kinder zur Welt. Im selben Zeitraum

sterben etwa eine Million Deutsche. Weniger

Sex, weniger Kinder, mehr Alte. Wenn es

so weitergeht, sterben wir aus. Gründe dafür,

dass wir zum Land der Sexmuffel geworden

sind, gibt es viele: medizinische, soziale und

psychologische. Schuld sind unter anderem

Bier, Hormone, Stress sowie Pornhub und Co.

Hormonelle Schieflage. Mindestens jeder

fünfte Mann hat nach Angaben der Deutschen

Gesellschaft für Endokrinologie zu wenig Testosteron

im Blut. Das Sexualhormon stimuliert

die Lust. Wenn es fehlt, macht es Männer

in jeder Hinsicht antriebslos. Die Ursachen für

den Mangel sind vielfältig: Nikotin, Alkohol,

Fettleibigkeit, Diabetes, das Alter, zu viele

weibliche Hormone in der Ernährung. Der bei

uns schon seit vielen Jahren verbotene Einsatz

von Östrogenen in der Kälbermast ist in

den USA noch immer erlaubt und wird auch in

Europa gelegentlich illegal praktiziert – er

macht die kleinen Rindviecher halt so schnell

und einfach prall und rund. Die Männer leider

auch. Bei ihnen reduzieren Östrogene die

Spermienzahl und Lust, dafür wachsen Brüste

und Bauch. Auch Vegetarier sind vor Verweiblichung

nicht gefeit. Soja und Tofu sind voll

mit östrogenähnlichen Pflanzenstoffen. Studien

deuten darauf hin, dass ein hoher Verzehr

auch hier zu einer geringeren Spermienkonzentration

führt.

Suche nach dem Kick. Auch Frauen brauchen

ein wenig Testosteron, um sexuell in Fahrt

zu kommen. Deshalb sollten alle Beteiligten

unbedingt Stress vermeiden. Dabei wird nämlich

das Hormon Cortisol ausgeschüttet, Gegenspieler

des Testosterons. Selbst die AOK warnt:

„Stress kann das Sexualverlangen beeinträchtigen.“

Pornos sind ein weiteres Problem. In Maßen

genossen, können sie die Lust anheizen

20 my life 20/2025


und Paare auf neue Ideen bringen. Doch konsumiert

werden sie im Übermaß: 2024 stieg die

Zahl der Suchanfragen in Deutschland gegenüber

2023 um 34 Prozent auf 57,7 Millionen pro

Monat. Mit etwa elf Jahren schauen sich Kinder

die ersten Pornos an. „Viele junge Männer

haben Anal verkehr, BDSM-Praktiken und

Gruppensex gesehen, bevor sie selbst Händchen

gehalten haben“, sagt die Sexualberaterin

Beatrix Roidinger aus Wien. „Das hat Auswirkungen

auf ihre sexuelle Entwicklung und in

Folge auf ihre Lust und ihr Verlangen.“

Ungleichgewicht in der Beziehung

Pornos legen die Latte für die Performance im

Bett oder auf dem Autorücksitz sowohl für die

Jungs als auch für die Mädchen extrem hoch.

Manche verzichten dann lieber ganz, bevor sie

an den eigenen oder vermuteten anderen Ansprüchen

scheitern. Viele ältere Semester geraten

in eine andere Lustfalle. Sie legen beim Pornogucken

so häufig Hand an sich selbst, dass

kaum Energie übrig bleibt für Sex mit einem

Gegenüber. Ist ihnen oft auch zu viel Aufwand:

Duschen, Vorspiel, Erektion halten, zum Ende

kommen oder Orgasmus simulieren und danach

auch noch kuscheln. Das kommt Selbstbefriedigern

ziemlich uneffektiv vor.

Die Lust in Deutschland ist aber nicht am

Ende, sie hat sich verändert. Männer, die zu

Prostituierten gehen, haben jede Menge davon

– nur nicht auf ihre Partnerin, wie eine Sexarbeiterin

zu berichten weiß. Stattdessen masturbieren

sie, suchen sich eine Geliebte.

Fehlende Kommunikation. Der Grund dafür?

Es wird zu wenig über das Thema Sex gesprochen.

Weder über Bedürfnisse noch über

Fantasien. Viele Männer sind auch unsicher,

ob sie im Bett ausdauernd genug sind. Hohe

familiäre Verantwortung, Stress im Berufsleben

oder auch die Angst vor Zurückweisung

spielen ebenfalls eine große Rolle. Ein Großteil

derer, die zur Sexualberatung kommen,

gibt an, die Partnerin zu lieben, sich Sex mit

ihr zu wünschen. Doch weil sie abgelehnt werden,

suchen sie nach Alternativen.

Keine Spannung mehr. Die Hamburger

Sexologin und Bestseller-Autorin Jana Welch

hat vier weitere Gründe identifiziert, warum

Paare die Lust aufeinander verlieren: 1. Einer

hat mehr Lust als der andere – es entsteht ein

Ungleichgewicht in der Beziehung. Je mehr

sich die eine Sex wünscht, desto bedrängter

fühlt sich der andere. 2. fehlende Neugier: Am

Anfang einer Beziehung investieren Paare

meistens in ihre Sexualität. Doch Kinder und

Hobbys rücken in den Vordergrund. Die Erotik

soll bitte schön einfach weiterlaufen. Doch

Lust braucht das Unvorhersehbare und die

Spannung. Routinen und immer dieselben Berührungsmuster

ersticken die Leidenschaft.

3. Das Ziel ist im Weg: Glaubenssätze können

be wirken, dass weniger geliebt wird. Etwa: Ich

muss immer kommen, wenn ich Sex habe.

Wenn mein Mann mich küsst, will er gleich

Sex. Ich bin nur ein guter Liebhaber, wenn ich

eine dauerhafte Erektion habe. 4. der Mutti-

Effekt: Ihre Partner werden von vielen Frauen

zunehmend als „Mitbewohner“ oder „kleine

Jungs“ gesehen, nicht mehr als begehrenswerte

Männer und selbstbewusste Liebhaber.

Kleine Schritte. Jana Welch empfiehlt Paaren

auf der Suche nach der Lust, zunächst

mögliche Ursachen für ihre Flaute zu checken:

Welche Widerstände führen dazu, dass weniger

geliebt wird? Manchmal wird Zärtlichkeit

oder Sex bewusst oder un bewusst zurückgehalten,

um emotionale oder alltägliche Konflikte

auszugleichen. Das kann eine Spirale aus

Frust und Distanz erzeugen. Die Sexologin rät

zu „Mikrosexualität“: Erotik in den Alltag integrieren,

präsent sein, statt zu hoffen, dass Lust

von selbst entsteht. Kleine „sexy Moments“

könnten helfen, das Verlangen einzuladen:

eine zärtliche Berührung, ein Kuss, ein verführerischer

Blick, eine SMS. Lust findet nicht

nur im Bett statt. Auch einfache Regeln wirken

Wunder: Mittwoch schauen wir kein Netflix, wir

schlafen nackt, wir legen die Handys weg. ➡

27 %

der Frauen und

32 % der Männer

zwischen

18 und 69 Jahren

in Deutschland

sind Single

52 %

der Single-Frauen

und 37 % der

Single-Männer

hatten in den

vergangenen

zwölf Monaten

keinen Sex

20/2025 my life

21


DOSSIER

FRAUENGESUNDHEIT

24 Vorbeugung Ein robustes

Skelett erhält die Lebensqualität

30 Vorsorge Das sollten Sie die

Frauenärztin unbedingt fragen

34 Interview Wie Sie die Wechseljahre

optimal für sich nutzen

Bewegung, Ernährung, Therapie

So stärken Sie gezielt

Ihre Knochen

Sie macht sich gefährlich lange nicht bemerkbar: die Osteoporose.

Knochenschwund muss aber kein Schicksal sein. Wenn Sie die folgenden Tipps auch in

mittleren Jahren noch beherzigen, hat die „stille Krankheit“ keine Chance

Hormonelle

Störungen können

den Abbauprozess

verstärken

Dr. med. Leonhard Keil,

Orthopäde, Sportmediziner

und Unfallchirurg aus

München;

orthopaedie-laim.de

Mehr als 200 Knochen formen das

menschliche Skelett – vom Schädel bis

zu den Zehenspitzen. Sie geben dem Körper

Struktur und Halt, ermöglichen Bewegung,

schützen lebenswichtige Organe wie Herz,

Lunge und Gehirn. Zugleich dienen sie als

Speicher für Mineralstoffe wie Calcium und

Phosphat. In ihrem Inneren findet außerdem

ein lebensnotwendiger Prozess statt: die Bildung

von Blutzellen. Diese sind zentral für die

Sauerstoffversorgung und das Immunsystem.

Gesunde Knochen sind also weit mehr als nur

statische Elemente. Doch mit zunehmendem

Alter lässt deren Dichte leider nach, der Aufbau

der Knochen verlangsamt sich und das

Risiko von Osteoporose – dem sogenannten

Knochenschwund – nimmt zu.

Eine schleichende Gefahr

Laut dem Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose

e. V. betrifft es jede dritte Frau und

jeden fünften Mann über 50: Die Knochen

werden porös, brüchig, verlieren ihre Stabilität.

Das Risiko für Frakturen steigt. „Aus medizinischer

Sicht liegt der Erkrankung ein Ungleichgewicht

zwischen Knochenaufbau und

-abbau zugrunde“, erklärt Dr. Leonhard Keil,

Orthopäde, Sportmediziner und Unfallchirurg

aus München. Während junge Menschen kontinuierlich

neue Knochensubstanz aufbauen,

verlangsamt sich dieser Prozess im Alter.

Überwiegt der Abbau, verliert der Knochen an

Dichte und Elastizität. „Besonders Frauen

nach den Wechseljahren sind gefährdet. Denn

ihr Hormonspiegel, insbesondere das Östrogen,

sinkt. Östrogen regt den Knochenaufbau an,

ein Mangel begünstigt folglich den Abbau. Zusätzlich

wirken sich hormonelle Störungen,

etwa eine Schilddrüsenüberfunktion, negativ

auf den Knochenstoffwechsel aus und können

den Abbauprozess verstärken“, so Dr. Keil. Das

Schilddrüsenmittel L-Thyroxin steht unter

Verdacht, Osteoporose zu begünstigen, auch

eine Langzeitbehandlung mit Kortison und

Chemotherapien erhöhen die Gefahr des Knochenabbaus.

Und was vielen weniger bewusst

ist: Auch bei Männern spielt der altersbedingte

Rückgang von Testosteron eine Rolle.

Folgen. Leider wird das Skelettleiden häufig

erst spät diagnostiziert. Man spricht bei Osteoporose

von einer „stillen Krankheit“, der

Abbau verläuft schleichend und bleibt unbemerkt

– nicht selten bis zum ersten Bruch.

Der kann sehr plötzlich passieren, etwa ➡

24 my life 20/2025


6 Millionen

Menschen

in Deutschland

leiden an

Osteoporose

80 %

der Osteoporose-

Patienten

sind Frauen

Über

90 %

der Patienten

mit Oberschenkelhalsbruch

haben eine

verminderte

Knochendichte

Bruchstelle Der

Oberschenkelhals

ist besonders vom

Schwund betroffen

Quelle: Bundesselbsthilfeverband

für

Osteoporose e. V.


DOSSIER FRAUENGESUNDHEIT

Aktiv Eine kräftige

Muskulatur regt

die Knochen zum

Wachstum an. Umso

schöner, wenn das

Training, wie beim

Tanzen oder Wandern,

auch noch großen

Spaß macht

➡ beim ungeschickten Stolpern oder beim

schnellen Hochheben eines schweren Gegenstands.

Besonders betroffen von Frakturen

sind Hüfte, Wirbelsäule und Handgelenke –

also jene Körperstellen, die stark belastet

werden. Die Folgen sind weitreichend:

Schmerzen, Mobilitätseinschränkungen und

die Angst vor Stürzen können den Alltag

massiv beeinflussen und schlimmstenfalls zu

sozialer Isolation führen, wenn sich Betroffene

aufgrund dieser Furcht nicht mehr in ihrer

gewohnten Umgebung bewegen. Es gibt jegesunder

Knochen

Was bei der Erkrankung passiert

Ein gesunder Knochen (links) hat eine dichte äußere Schicht (Kortikalis)

und eine innere Struktur aus trabekulärem Knochen, der wie ein Schwamm

aussieht, aber dennoch fest ist. Bei Osteoporose werden sowohl die

äußere Schicht als auch die innere Struktur poröser und nehmen ab. Das

Risiko von Knochenbrüchen bei Belastung und Stürzen steigt stark an.

poröser Knochen

doch typische Warnzeichen, die auf eine Osteoporose

hindeuten: Rückenschmerzen,

Haltungsschäden und vor allem der Verlust

an Körpergröße. „Dies geschieht, wenn die

Wirbelkörper der Wirbelsäule aufgrund der

abnehmenden Dichte in sich zusammensacken“,

erläutert Dr. Keil. Die gute Nachricht

lautet: Wer diese Symptome ernst nimmt,

kann einem schweren Verlauf vorbeugen.

Von einem gesunden Lebensstil

profitiert auch das Skelett

„Vorsorge ist der beste Schutz“, betont Prof.

Christoph Lohmann, Präsident der Deutschen

Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie

(DGOU). Wenig überraschend: Die Lebensweise

trägt auch viel zur Knochengesundheit

bei. Selbst die stärksten Knochen können auf

Dauer nicht standhalten, wenn die Umstände

nicht stimmen. Zu viel Sitzen, Bewegungsmangel,

Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum

machen den Knochen zu schaffen.

Auch chronischer Stress und schlechter Schlaf

setzen ihnen zu, ebenso Junkfood.

Selbsthilfe. Die Prävention sollte schon im

jungen Erwachsenenalter beginnen. Denn die

maximale Knochendichte wird etwa bis zum

30. Lebensjahr erreicht – was bis dahin aufgebaut

wurde, bildet die Basis für später. Prof.

Lohmann, der auch Direktor der Orthopädischen

Universitätsklinik Magdeburg ist, fügt

hinzu: „Jeder kann etwas tun, indem er auf

ausreichende Sonneneinstrahlung für einen

guten Vitamin-D-Spiegel achtet, sich ausgewogen

ernährt und regelmäßig bewegt oder

Sport treibt. Aber auch im Alter ist es nicht zu

spät, aktiv zu werden!“

26 my life 20/2025


Starke Muskeln – starke Gelenke

„Sich regen bringt Segen“ – der Volksmund

bringt es treffend auf den Punkt. Denn körperliche

Aktivität ist ein zentraler Baustein

der Vorbeugung gegen Osteoporose. Um die

Knochen zu stärken, hilft ein Krafttraining.

Denn eine gute Muskulatur stimuliert auch

den Knochen. Dieser reagiert auf Belastung:

Je mehr Zug und Druck er erfährt, desto mehr

Substanz baut er auf. Ein Koordinationstraining

ist mit zunehmendem Alter ebenfalls

wichtig, es verbessert das Gleichgewicht und

beugt Stürzen vor. Ein Sturz aus geringer

Höhe kann bereits zu einem Bruch führen und

die Selbstständigkeit massiv einschränken.

Training. Welcher Sport der beste ist, lässt

sich nicht verallgemeinern. Das Alter, die

Grundfitness, der Zustand der Knochen und

Vorerkrankungen spielen eine Rolle. Außerdem

soll die Bewegung auch Spaß machen, damit

man dranbleibt. Experten raten zu Nordic

Walking, Wandern, Tanzen, Yoga oder dem

Training an Geräten. Auch zu Hause und im

Alltag kann man etwas für seine Knochengesundheit

tun: Treppensteigen stärkt die Muskeln

und schult die Balance, ebenso ein kurzes

Gehen auf den Fußballen oder das Stehen auf

einem Bein beim Zähneputzen. Kniebeugen

stärken den Oberschenkelknochen.

Auf die Wahl der richtigen

Nährstoffe kommt es an

Um gesund und munter voranzuschreiten,

wollen die Knochen gut gefüttert werden.

Ohne die passenden Nährstoffe fehlt das Fundament,

auf dem Festigkeit und Stabilität

wachsen können. Calcium ist der wichtigste

Baustoff. Ebenso sollte Magnesium nicht fehlen.

Der Mineralstoff unterstützt den Calciumstoffwechsel

und fördert die Knochenbildung.

Rund 20 Prozent der Muskelmasse bestehen

aus Eiweiß, deshalb ist eine ausreichende Proteinzufuhr

wichtig. Wenig überraschend: Radikale

Diäten oder Unterernährung sind Gift

für den Halteapparat. Sogenannte Knochenräuber

wie Cola, Schokolade oder geröstete

Erdnüsse sollten nur in Maßen verzehrt werden.

Sie enthalten viel Phosphor, welches die

wichtige Calciumaufnahme behindern kann.

Wurst, Salz und tierische Fette sind kein Tabu,

sollten aber nur in geringen Mengen auf dem

Teller landen. Reichlich zugreifen können wir

bei Gemüse und Obst. Eine Schlüsselrolle

spielt Vitamin D.

Status-Check. „Ein über Jahre anhaltender

Vitamin-D-Mangel ist ungünstig. Fehlt es,

kann der stärkende Mineralstoff Calcium

nicht in den Knochen eingebaut werden, egal

wie calciumreich man sich auch ernähren

mag“, warnt Experte Prof. Lohmann. „Ein

Bluttest beim Hausarzt oder in der Apotheke

kann den Vitamin-D-Spiegel feststellen. Danach

kann gemeinsam mit dem Arzt die optimale

Dosis bestimmt werden“, rät Orthopäde

Dr. Keil (mehr zu Ernährung und Vitamin D

siehe Info-Kasten auf Seite 29).

Wichtig ist die frühe Diagnose

Schmerzen beim Gehen, ein Handy-Nacken

oder Rückenleiden: Alles kann, muss aber nicht

auf Osteoporose hindeuten. Klarheit schafft

nur eine gezielte Diagnostik. Dr. Ga briele Armbrecht

ist Leiterin des Zentrums für Muskelund

Knochenforschung an der Charité in

Berlin. Sie betont: „Da die Osteoporose zunächst

symptomlos verläuft, müssen jene ➡

TEST

Ein schneller Risiko-Check

Je mehr dieser Fragen Sie mit Ja beantworten, desto wichtiger

ist es, einem Verdacht auf Osteoporose zeitnah nachzugehen.

❱ Sind Sie älter als 70? ■■

❱ Haben Sie Untergewicht? ■■

❱ Haben Sie im Lauf der Jahre an Körpergröße abgenommen? ■■

❱ Benötigen Sie eine Gehhilfe? ■■

❱ Rauchen Sie (zehn oder mehr Zigaretten täglich)? ■■

❱ Sind Sie in den letzten zwölf Monaten mehr als einmal

gestürzt (ohne äußeren Anlass)?

❱ Hatten Sie nach dem 50. Lebensjahr einen Knochenbruch

(Arm, Fuß, Bein, Rippen, Becken)?

■■

■■

❱ Hatten Sie einen Wirbelkörperbruch? ■■

❱ Hat sich Ihre Mutter oder Ihr Vater den Oberschenkelhals

gebrochen?

■■

❱ Leiden Sie an folgenden Krankheiten:

– Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2 (länger als fünf Jahre) ■■

– Epilepsie oder Parkinson? Oder hatten Sie einen

Schlaganfall?

■■

– Rheumatoide Arthritis oder Morbus Bechterew? ■■

– Überfunktion der Schilddrüse, Nebenniere oder

Nebenschilddrüse?

■■

❱ Nahmen oder nehmen Sie länger als drei Monate

Kortisonpräparate ein?

■■

❱ Nehmen Sie regelmäßig Schlafmittel oder Antidepressiva? ■■

❱ Wurden oder werden Sie nach einem Brustkrebs oder

Prostatakrebs mit einer Hormontherapie behandelt?

Vorsorge ist

der beste Schutz

Prof. Dr. med.

Christoph Lohmann,

Präsident der Deutschen

Gesellschaft für Orthopädie

und Unfallchirurgie (DGOU);

dgou.de

JaNein

■■

20/2025 my life

27


DOSSIER FRAUENGESUNDHEIT

Termin bei der Frauenärztin

Zwei Expertinnen sagen, wie sich Frauen bei der Vorsorge wohler fühlen, warum Offenheit

in der Sprechstunde so wichtig ist, und welche Themen die Patientinnen bewegen

Man sollte den

Mut haben, alles

anzusprechen, was

einem wichtig ist

Dr. med. Dipl.-Biol.

Dorothee Biener,

Frauen ärztin, Biologin

und Autorin aus Berlin;

dr-biener.de

Ich hätte da mal

eine Frage …

Der Frauenarzttermin ist meist keiner,

auf den man sich freut. Brust abtasten,

Abstrich, Gespräche über Periode, Verhütung

oder Kinderwunsch. Das könnte ein Grund

sein, warum nicht alle Frauen in Deutschland

regelmäßig zur Vorsorge gehen (siehe dazu

auch die Grafik r.). Immerhin 71 Prozent der

Deutschen nehmen regelmäßig Check-up-Termine

wahr, das ergab der Ende Juni gemeinsam

vom Gesundheitsunternehmen STADA und der

BurdaVerlag GmbH herausgebrachte Health

Report 2025. Bei einem Viertel der Frauen wurde

dabei eine Erkrankung rechtzeitig erkannt.

Die Praxis des Vertrauens ist jedoch weit

mehr als eine Anlaufstelle für die Krebs-Screenings.

Ärztinnen und Ärzte begleiten die Patientin

durch schöne und schwierige Phasen,

durch Schwangerschaften oder Wechseljahre.

Ebenso gibt es unangenehme Beschwerden im

Intimbereich oder Probleme mit der Sexualität,

bei denen es nicht leichtfällt, sich jemandem

anzuvertrauen.

Suchen Sie sich eine Praxis,

in der Sie sich verstanden fühlen

Für Dr. Dorothee Biener, Frauenärztin, Biologin

und Autorin aus Berlin, gibt es nichts, was

einem diesbezüglich unangenehm sein muss:

„Man sollte den Mut haben, alles anzusprechen,

was einem wichtig ist“, sagt sie. Vor allem

wenn es um Sexualität geht. „Ich gebe eigens

Fortbildungen für Ärztinnen und Ärzte

dazu. Denn wir wissen, dass viele Patientinnen

Fragen haben, sie aber nicht von sich aus

thematisieren. Wir Ärzte sollten signalisieren,

dass wir offen dafür sind.“ Eine angenehme

30 my life 20/2025


Atmosphäre in der Praxis ist folglich besonders

wichtig. Fühlen Patientinnen sich trotzdem

nicht wohl oder haben Probleme, ihr Anliegen

zu schildern, sollten sie auch einen

Arztwechsel in Betracht ziehen. „Man tut sich

damit selbst etwas Gutes, wenn man versucht,

hier jemanden zu finden, der auf derselben

Wellenlänge liegt. Es ist schließlich nicht selten

eine Entscheidung für eine lange Zeit des

Lebens“, rät Dr. Biener. Nicht selten spielt bei

der Wahl Pragmatisches eine Rolle, etwa die

Nähe zum Wohnort.

Auch auf die Privatsphäre bei der Anmeldung

legen viele Frauen Wert. Wenn dabei

nicht alles perfekt läuft, lässt sich manchmal

selbst etwas ändern. „Ich bin sehr dankbar,

wenn eine Patientin sich traut zu sagen, was

aus ihrer Perspektive gut und was weniger gut

lief“, sagt Prof. Mandy Mangler, Chefärztin der

Klinik für Gynäkologie am Vivantes Auguste-

Viktoria-Klinikum und dem Vivantes Klinikum

Neukölln in Berlin. Die bekannte Buch- und

Podcast-Autorin („Gyncast“) betont: „Kritik ist

immer ein Geschenk und eine Möglichkeit,

besser zu werden.“ Offenheit ist beim Gespräch

das A und O. Was beschäftigt Frauen am meisten?

Hier beantworten die beiden Expertinnen

wichtige Fragen aus ihrer Praxis.

oft im Lauf des Lebens weniger und können

auch nach der Geburt des ersten Kindes nachlassen.“

? Wie wichtig ist ein Ultraschall

der Eierstöcke?

Das Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs) tritt

nicht so häufig auf. Pro Jahr erkranken in

Deutschland etwa 7 300 Frauen daran. Trotzdem

gilt es als fünfthäufigste Krebstodesursache,

da es oft erst spät entdeckt wird und im

Bauchraum gefährliche Metastasen bildet. Die

Krankenkassen zahlen ab dem 20. Lebensjahr

ein jährliches Abtasten der Eierstöcke. Zusätzlich

bieten Gynäkologen eine Ultraschalluntersuchung

an. Besteht kein Krebsverdacht,

muss diese als „Individuelle Gesundheitsleistung“

(IGeL; ab ca. 25–60 Euro) selbst bezahlt

werden. Laut Studien ist der Nutzen nicht so

groß – bei sechs von 1 000 Frauen wurde in

Studien Eierstockkrebs festgestellt, egal ob

mit oder ohne Ultraschall. Gynäkologin Biener

hält die Untersuchung dennoch für sinnvoll:

„Ich bin eine große Verfechterin der Methode.

Weil man Veränderungen entdecken kann, die

entweder noch keine Symptome machen, oder

die nicht tastbar sind und später negative Folgen

haben können.“

Ich bin sehr

dankbar, wenn

eine Patientin sich

traut zu sagen,

was aus ihrer

Perspektive gut

und was weniger

gut lief

Prof. Dr. med. Mandy

Mangler, Ärztliche Direktorin

des Vivantes Auguste-

Viktoria-Klinikums, Chefärztin

der dortigen Klinik für

Gynäkologie und Geburtshilfe

und am Vivantes

Klinikum Neukölln in Berlin

? Muss man starke Regel schmerzen

akzeptieren und aushalten?

Dr. Dorothee Biener stellt klar: „Nein. Starke

Schmerzen bei der Periode sollten Frauen nicht

einfach aushalten.“ Ein Ziehen im Unterbauch

oder Krämpfe am ersten Tag der Periode sind

der Ärztin zufolge im Rahmen, man spricht von

primärer Dysmenorrhoe. „Der Körper arbeitet

wirklich hart in dieser Zeit, hormonelle Veränderungen

beeinflussen auch das Schmerzempfinden.“

Anders sei es allerdings mit Beschwerden,

die ohne Schmerzmittel nicht zu ertragen

sind, sowie heftigen Kreislaufbeschwerden,

Übelkeit und Erbrechen, womöglich schon vor

Beginn der Blutung. „Hier muss man auf alle

Fälle nach der Ursache suchen, die man behandeln

kann, beispielsweise eine Infektion.“

Häufig kommt auch Endometriose vor, fast

jede zehnte Frau in Deutschland ist davon betroffen.

Dabei kann die Gebärmutterschleimhaut

im gesamten Bauchraum versprengt sein

und die Organe dort beeinträchtigen. Die

Schmerzen dieser sekundären Dysmenorrhoe

können sogar außerhalb der Periode auftreten,

beim Stuhlgang und beim Sex. Umso

wichtiger ist es, sie zu erkennen und zu behandeln.

„Denn das Problem löst sich nicht von allein“,

erläutert die Expertin. Im Gegensatz zu

den primären Regelschmerzen: „Diese werden

? Wird die Gebärmutter

bei einer Senkung immer entfernt?

Das Risiko für Senkungsbeschwerden steigt

mit dem Alter, wenn die Muskulatur des Beckenbodens

geschwächt ist und die Gebärmutter

nach unten sinkt. 30 bis 50 Prozent ➡

Aus diesen Gründen gehen Frauen nicht zur Vorsorge

„Ich glaube, dass ich die

Untersuchung nicht benötige“

„Ich weiß nicht, welche Vorsorge mir

zusteht und welche wichtig ist“

„Ich kann nicht zu allen Check-ups, weil

es nicht genügend freie Termine gibt“

„Ich habe keine Zeit dafür“

„Ich habe Angst, eine schlechte

Diagnose zu bekommen“

„Das ist eine freiwillige Leistung und

damit zu teuer“

„Ich fühle mich unwohl dabei“

„Ich habe in der Vergangenheit eine

negative Erfahrung gemacht“

„Ich habe Angst, mich in der Praxis mit

Keimen zu infizieren“

„Ich weiß es nicht“

Anteil Befragte

24 %

20 %

16 %

14 %

14 %

13 %

13 %

5%

2 %

15 %

Quelle: STADA Health Report 2025


DOSSIER FRAUENGESUNDHEIT

Effektiv Schon kurze Spaziergänge steigern die psychische Widerstandskraft

Experten-Interview

„Die Wechseljahre

sind eine Chance“

Eine Lebensphase endet und eine neue beginnt. In dieser Zeit fahren die Gefühle

oft Achterbahn, doch Dr. Elisabeth Rauh weiß: Sie bietet Frauen auch die Möglichkeit, neue

Stärken zu entdecken, Resilienz aufzubauen und ihren Alltag erfüllter zu leben

Noch immer sind die Wechseljahre ein

Tabuthema. Viele Frauen verbinden

damit nur Schlechtes: Hitzewallungen, Gereiztheit,

ungewollte körperliche Veränderungen.

Neben diesen Aspekten gebe es aber auch Positives,

sagt Dr. Elisabeth Rauh. Die Fachärztin

für Psychosomatik und Psychotherapie möchte

Frauen helfen, sich besser zu verstehen – und

diese Zeit des Wandels als Chance zu sehen.

? Während der Wechseljahre kämpfen viele

Frauen mit Stimmungsschwankungen, manche

gar mit depressiven Verstimmungen. Können

Sie erklären, woran das liegt?

Richtig ist, dass Hormone Stimmungsschwankungen

auslösen können und ein depressives

Geschehen eventuell beschleu nigen. Hinzu

kommt, dass viele Frauen mit ihrem Körper

hadern, das kann solche Probleme verstärken.

Wenn man depressive Verstimmungen oder

gar Depressionen behandelt, muss man die

Wechseljahre deshalb unbedingt als Faktor in

Betracht ziehen. Aber: Die Wechseljahre

dürfen nicht vereinfacht zur Ursache gemacht

werden. Es gibt nämlich keinen gesicherten

Zusammenhang zwischen dieser Lebensphase

und Depressionen.

? Die Wechseljahre sind also eher ein

beeinflussender Faktor, nicht Auslöser?

Es kommt immer drauf an – gab es bereits vor

den Wechseljahren depressive Episoden oder

34 my life 20/2025


ist es eher so, dass Stimmungsschwankungen

und Schweißausbrüche, die durch die Wechseljahre

entstehen, depressiv verarbeitet werden?

So oder so sollten sich Betroffene Rat bei

einem Psychologen suchen.

? Wie äußern sich Stimmungsschwankungen,

die nicht therapiebedürftig sind?

Eine Schwankung zwischen „freudestrahlend“

und „zu Tode betrübt“ kommt in den Wechseljahren

manchmal vor – aber seltener als bei

der Hormonumstellung in der Pubertät. Viele

Frauen erfahren eher eine erhöhte Reizbarkeit

als ein emotionales Auf und Ab. Sie kennen

das von sich gar nicht, reagieren aber plötzlich

immer häufiger konfrontativ und abweisend.

? Was kann helfen, mit solchen negativen

Gefühlen umzugehen?

Auch wenn es schwerfällt: Die Akzeptanz, dass

dies eine bewegte Lebensphase ist, in der solche

Emotionen vorkommen können, ist der

erste, wichtige Schritt. Außerdem können sich

die Frauen an einigen Dingen festhalten. Sie

sollten zum Beispiel herausfinden, was ihre

Stärken sind und sich darauf fokussieren. Sie

sollten auch ihre „Baustellen“ identifizieren,

damit sie gelassener mit ihnen umgehen können.

Und: Sie sollten lernen, was ihnen guttut,

damit sie Resilienz aufbauen können.

? Wie kommt hier die Resilienz ins Spiel?

Die Resilienz sagt an, wie emotional widerstandsfähig

ich bin. Habe ich ein dünnes Nervenkostüm,

das schnell reißt, oder eine dicke

Haut, an der alles abprallt? Wichtig ist es,

nicht zu hart mit sich ins Gericht zu gehen,

wenn man merkt, dass die Wechseljahre einen

angreifbarer machen. In diesem Fall sollte

man sich selbst gegenüber Toleranz zeigen

und sich einräumen, dass man sich besser um

Körper und Seele kümmert.

? Wie können Entspannungstechniken

dabei helfen?

Sie sind ein gutes Tool, das vor allem präventiv

wirkt. Wer regelmäßig meditiert oder Yoga

macht und hier wirklich eine Routine aufbaut,

nimmt schneller eine achtsame Haltung ein.

Damit fällt es leichter, unangenehme Gefühle

zu verarbeiten und gelassener auf das Umfeld

zu reagieren. Auch der Fokus auf Dankbarkeit

hilft vielen Frauen, das ist in der Wohlbefindensforschung

sehr gut belegt. Daher kann es

sich lohnen, abends innezuhalten und schöne

Momente des Tages zu erinnern, oder Ereignisse,

die einen Unterschied im Leben gemacht

haben. Das muss nichts Großes sein. Manchmal

reicht es, dass jemand einem ein Lächeln

geschenkt hat. So etwas kann man auch sehr

gut in einem Tagebuch festhalten (siehe auch

S. 58/59: 10 Tipps für mehr Zufriedenheit).

? Gibt es Nachteile an diesen Methoden?

Man muss sich bewusst sein, dass sie keine

kurzfristigen Hilfen sind und zum Beispiel wie

eine Kopfschmerztablette funktionieren. Mit

den Entspannungstechniken ist es eher so wie

mit dem Zähneputzen: Lässt man es bleiben,

nimmt auch der Effekt ganz schnell ab.

? Inwiefern spielt die Ernährung eine Rolle

bei der Resilienz?

Sie hat einen größeren Einfluss, als man vielleicht

denken mag. Wenn die Veränderungen

beginnen – psychisch, aber auch körperlich –

ist es verführerisch, seine Gefühle mit Essen

zu regulieren, zum Beispiel, indem man unter

Stress Süßigkeiten isst. Manche legen auch

anderes, ungesundes Verhalten an den Tag,

etwa Rauchen. Solchen Gewohnheiten gegenzusteuern,

ist nicht leicht. Wer aber die Wechseljahre

als Chance sieht, um gesünder zu

leben, tut Körper und Seele etwas Gutes. Viel

frisches Gemüse und Vollkorn sind jetzt genau

das Richtige. Es mag zwar zu Beginn anstrengend

sein, sich an einen gesunden Alltag zu

gewöhnen, aber es lohnt sich.

? Kann auch regelmäßige Bewegung die

psychische Widerstandskraft steigern?

Absolut. Dabei ist es auch egal, was man

macht – Hauptsache, es macht Spaß und man

baut eine Routine auf. Auch Spazierengehen

und Treppensteigen zählen dazu, solange der

Puls ein bisschen auf Touren kommt. Am besten

ist es aber oft, sich bei Sportkursen anzumelden,

bei denen die anderen Teilnehmerinnen

etwa im gleichen Alter sind. Das schafft

Zusammenhalt und steigert die Motivation.

Lernen Sie Ihre

Baustellen

kennen, damit Sie

gelassener mit

ihnen umgehen

können

Dr. med. Elisabeth Rauh,

Chefärztin des Fachzentrums

für Psychosomatik an der

Schön Klinik Bad Staffelstein

FOTOS: GETTY IMAGES/ISTOCK; PR

? Wie kann ich mir das Leben im Alltag,

vor allem am Arbeitsplatz, erleichtern?

Achten Sie auf Klamotten, in denen Sie sich

wohlfühlen, in denen Sie sich gut bewegen

können. Schauen Sie außerdem, wie viel Raum

Sie bei der Arbeitsplatzgestaltung haben: Können

Sie sich zum Beispiel einen Fensterplatz

sichern, damit Sie lüften können, falls es zu

Hitzewallungen kommt? Ganz viel Verantwortung

liegt aber auch beim Arbeitgeber. Er

sollte die Wechseljahre ernst nehmen und im

betrieblichen Gesundheitsmanagement berücksichtigen,

indem er etwa für Arbeitskleidung

sorgt, die nicht gerade aus Polyacryl

besteht und die Schweißbildung fördert. ❰

20/2025 my life

35


GESUNDHEIT

Stärker, schneller, schonender

Das bessere

Schmerzmittel

Der rezeptfreie Wirkstoff Dexibuprofen soll etwa Kopfweh oder Gelenkbeschwerden lindern

Dosierung Bis zu 600 mg am Tag sind sicher

Für diejenigen, die regelmäßig

mit Schmerzen zu kämpfen haben,

ist Ibuprofen oft die erste Wahl als

rezeptfreies Schmerzmittel. Nun gibt es

eine weitere Variante: Dexibuprofen.

Als Fertigarzneimittel ist es in der

200-mg-Dosierung seit Kurzem rezeptfrei

in der Apotheke erhältlich. Höher

dosierte Präparate mit 400 mg Wirkstoff

gibt es bereits seit 2001, sie bleiben

wie bisher verschreibungspflichtig.

Dexibuprofen ist auch im herkömmlichen

Ibuprofen enthalten, hat aber

eine etwas andere chemische Struktur.

Schon eine geringe Dosis der neuen

Arznei soll große Effekte erzielen.

Wirkmechanismus. Bei der Entstehung

von Schmerz spielt ein bestimmtes

Enzym, das COX-2, eine wichtige

Rolle. Sowohl Dexibuprofen als auch

Ibuprofen hemmen dessen Wirkung.

Das neue rezeptfreie Mittel aber bin-

det 150-mal stärker an das Enzym. Studien

zeigen zudem, dass sich der Wirkstoff

im Magen-Darm-Trakt doppelt so

schnell auflöst wie herkömmliches Ibuprofen.

„Dadurch beginnt die Schmerzlinderung

rascher“, erklärt Dr. Jan-Peter

Jansen, Chefarzt der Schmerzklinik

Berlin (schmerzmedizin.berlin).

Vorteil. 200 mg Dexibuprofen haben

zum Beispiel denselben Effekt wie

400 mg Ibuprofen, wirken aber früher

in den ersten drei Stunden nach der

Einnahme – bei gleicher Wirkdauer.

„Weil die Dosis reduziert werden kann,

hat der Patient auch weniger Nebenwirkungen“,

sagt Dr. Jansen.

Das neue Mittel hilft vor allem gegen

Entzündungen im Körper. Zur Selbstmedikation

eignet es sich etwa bei gelegentlichen

Beschwerden wie Kopfweh,

Gelenk-, Regel- und Zahnschmerzen.

Es gibt jedoch Höchstgrenzen: 200 mg

sollten nicht öfter als dreimal täglich

eingenommen werden. Zwischen den

Einnahmen sollte zudem ein Abstand

von mindestens sechs Stunden liegen.

Nie leichtfertig zur Tablette greifen

„Ich empfehle, es nur für ein paar Tage

zu nehmen, jeweils mit einem vollen

Glas Wasser“, sagt Dr. Jansen. Eine

Schmerzbehandlung sollte vier Tage

nicht überschreiten. Im Monat sollte

man die Tablette ohne ärztlichen Rat

nicht öfter als an zehn Tagen einnehmen.

Tipp des Experten: „Man kann die

Tablette auch zerkauen. Dann löst sich

der Wirkstoff schneller auf.“

Wichtig ist es, den Gebrauch von

Schmerzmitteln zu hinterfragen und

nicht vorschnell eigenständig zur Tablette

zu greifen. Einige leichte Schmerzsymptome

bessern sich z. B. bereits

durch Bewegung, viel frische Luft oder

ausreichend Flüssigkeit.

3 FRAGEN AN …

Dr. Christina Lempka, Inhaberin

der Paracelsus-Apotheke in Dortmund

„Lassen Sie

sich beraten“

? Stimmt es, dass Nebenwirkungen

bei dem Mittel seltener

auf treten als bei Ibuprofen?

Tatsächlich ist der entscheidende

Vorteil die geringe Nebenwirkungsrate.

Magen-Darm-Beschwerden

kommen zum Beispiel vor, treten

aber unter Dexibuprofen wesentlich

seltener auf.

? Gibt es Patienten, die von der

Einnahme absehen sollten?

In der Tat. Es kann Wechselwirkungen

mit anderen Medikamenten

geben, etwa ASS, Blutdrucksenkern

oder Diuretika. Ihre Wirksamkeit

verringert sich durch die Einnahme

von Dexibuprofen. Die Einnahmeempfehlungen

gleichen hier aber

denen von Ibuprofen.

? Kann ich das Mittel auch einnehmen,

nachdem ich mich in der

Apotheke habe impfen lassen?

Treten Impfreaktionen wie Schmerzen

an der Einstichstelle

oder leichtes Fieber auf,

kann das Mittel helfen.

Bitte vorher in

Ihrer Apotheke vor

Ort beraten lassen.

FOTOS: GETTY IMAGES/ISTOCK; PR

36 my life 20/2025


GESUNDHEIT

SCHLEIMHÄUTE FEUCHT HALTEN

Balsam für die Stimme

Ob bei Erkältung oder Überbeanspruchung: Unsere Ernährung kann

einen großen Einfluss auf die Stimmgesundheit haben, weiß die My Life-Expertin

★ MY L

Neben Heiserkeit zählen

trockene Schleimhäute

und Stimmversagen zu den

häufigsten Beschwerden bei

Menschen, die ihre Stimme

stark beanspruchen – wie Lehrer,

Erzieher oder Menschen, die am Telefon arbeiten.

Doch auch im Alltag kann die Stimme

leiden, sei es durch eine Infektion oder unzureichende

Flüssigkeitszufuhr. „Die Stimme ist

ein empfindliches Zusammenspiel von Körperstrukturen,

das auf äußere Einflüsse stark

reagiert“, sagt Ernährungsmedizinerin Prof.

Julia Seiderer-Nack.

Ein häufiger Grund für Probleme

mit der Stimme ist Flüssigkeitsmangel.

„Wenn die

Schleimhäute der Stimmbänder

austrocknen, verlieren

sie ihre Elastizität

und können nicht mehr optimal

schwingen“, erklärt die

besser

essen

gesund

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FOTOS: SHUTTERSTOCK (4); FOTOLIA; GETTY IMAGES/ISTOCK; PR

IFE-SER

bleiben

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Expertin. Die Faustregel lautet:

Täglich mindestens 1,5 bis zwei

Liter Wasser oder ungesüßten Tee trinken.

Besonders in der Erkältungszeit geeignet sind

Kräutertees wie Kamille oder Salbei, die beruhigend

auf den Hals wirken. Koffeinhaltige

Getränke wie Kaffee oder Cola sollten

hingegen nur in Maßen konsumiert werden,

da sie entwässernd wirken können.

„Bestimmte Lebensmittel können die

Stimme stärken, indem sie die Schleimhäute

schützen“, so Prof. Seiderer-Nack.

Vitamin A, etwa aus Karotten, Paprika und

Süßkartoffeln, unterstützt deren Regeneration,

ebenso wie Zink, das etwa in Kürbiskernen,

Haferflocken und Hülsenfrüchten steckt.

Omega-3-Fettsäuren aus Fisch, Walnuss oder

Leinsamen wirken entzündungshemmend, fördern

die Durchblutung der Stimmbänder und

tragen zur Befeuchtung der Schleimhäute bei.

Von folgenden Lebensmitteln

ist dagegen eher abzuraten:

„Scharfe Gewürze, sehr heiße

Speisen oder säurehaltige

Lebensmittel wie

Tomaten oder Zitrusfrüchte

können die Schleimhäute

reizen“, warnt die Medizinerin.

Auch Milchprodukte

sollten vor stimmlicher Belastung

gemieden werden,

da sie die Schleimproduktion

anregen können. Die

Folgen sind oft eine raue und belegte Stimme

sowie der Zwang, sich räuspern zu müssen.

Besonders ungünstig sind Nikotin und Alkohol,

da sie die Schleimhäute austrocknen.

„Das macht sie anfälliger für Reizungen, Entzündungen

und das Wachstum schädlicher

Bakterien“, erklärt die Internistin.

Natürlich gegen die Heiserkeit

Gerade in der Erkältungszeit ist die Stimme

besonders anfällig. „Eine Erkältung kann die

Stimmbänder stark belasten und zu Heiserkeit

führen“, erklärt Prof. Seiderer-Nack. Hier

können bestimmte Lebensmittel helfen, die

Symptome zu lindern und die Stimme zu

schützen. Honig ist ein bewährtes Hausmittel.

Er wirkt antibakteriell und beruhigt gereizte

Schleimhäute. Auch Ingwer hat entzündungshemmende

Eigenschaften und fördert die

Durchblutung – ideal bei Halsschmerzen oder

Heiserkeit. Ein Tee aus frischem Ingwer

mit einem Löffel Honig kann

wahre Wunder wirken. Knoblauch

und Zwiebeln sind ebenfalls wertvolle

Helfer bei Erkältungen. Sie enthalten

schwefelhaltige Verbindungen, die das

Immunsystem stärken und Infektionen

bekämpfen können. „Auch Hühnersuppe

ist nicht nur ein Mythos – sie liefert

wichtige Nährstoffe und wirkt entzündungshemmend“,

ergänzt die Internistin.

„Wer die Stimme langfristig schützen möchte,

sollte auf ausgewogene, frische Zutaten setzen“,

rät Prof. Seiderer-Nack. Besonders hilfreich

sind magnesiumreiche Lebensmittel wie

Spinat, Brokkoli und Mandeln, da Magnesium

entspannend wirkt – auch auf die Stimmmuskulatur.

Kalium aus Bananen, Kohl oder Dinkel

unterstützt generell die Signalübertragung

zwischen Nerven und Muskeln. Wer zusätzlich

ausreichend trinkt und auf reizende Lebensmittel

verzichtet, schafft optimale Voraussetzungen

für eine klare, belastbare Stimme. ❰

5

für die

Stimme

➊ Wasser marsch: Eine

ausreichende Trinkmenge

ist wichtig, um die Schleimhäute

gut feucht zu halten

➋ Wohltat: Antientzündliche

Tees mit Kamille oder

Salbei sowie Honig sorgen

bei gereiztem Stimmapparat

für Linderung

➌ Immunsystem stärken:

Es beugt Infekten im Rachenbereich

vor. Frisches

Obst mit ausreichend Vitamin

C unterstützt es dabei

➍ Schleimhautregeneration:

Nahrungsmittel

mit Zink helfen den Zellen

bei der Erholung

➎ Schützen: Scharfe

Speisen, Nikotin und

Alkohol sollten

vermieden werden

Prof. Dr. med. Julia

Seiderer-Nack, Fachärztin

für Innere Medizin mit den

Schwerpunkten Ernährungsmedizin

und ganzheitliche

Therapie in München;

praxis-seiderer.de


GESUNDHEIT

Erhöhtes Risiko im Fokus

„Ich wusste, dass ich

Brustkrebs bekomme“

Dreizehn Jahre nachdem ihre Mutter an den Folgen eines Mammakarzinoms starb,

erfährt Jana Momeni (56) durch einen BRCA-Test, dass sie eine genetische Veranlagung für

die Erkrankung hat. Es beginnt ein schwieriger, am Ende aber auch positiver Weg

jedoch schon lange vor ihrer eigenen Diagnose:

Als sie gerade einmal elf Jahre alt ist, erkrankt

ihre Mutter an einem Mammakarzinom. Jana

und ihre Schwester begleiten sie durch die

Krankheit, müssen erleben, wie sie schwächer

und schwächer wird und schließlich, nach fast

13 Jahren, den Kampf gegen den Krebs verliert.

„Ich musste damals so schnell erwachsen werden“,

berichtet Jana. Lange Zeit danach fragt

sie sich, ob der Krebs auch sie treffen wird.

Lichtblick Jana teilt

die schönen Erlebnisse

nach ihrer Genesung,

wie diesen Ausflug

ans Meer, auf ihrem

Instagram-Kanal

brca.2018.hamburg.de,

um anderen Frauen

Mut zu machen

Wenn Jana Momeni (56) lacht, strahlen

ihre Augen mit dem blauen Himmel um

die Wette. Von ihr geht eine Lebensfreude aus,

die ansteckend ist – und mit der sie online vielen

Menschen Kraft gibt. Menschen, die ebenso

wie sie einen langen Leidensweg hinter sich

haben: Vor sieben Jahren besiegte sie mit einer

weitreichenden Entscheidung eine Brustkrebserkrankung,

die bei ihr genetisch bedingt war.

Die erste Erfahrung mit dem Leiden machte sie

Die Gene geben Aufschluss

Erst 2007, 13 Jahre nachdem sie ihre Mutter

verlor, findet sie eine Möglichkeit, ihr Risiko

zu bestimmen: Durch ihre Schwester erfährt

Jana, dass es einen Test gibt, der das Blut auf

die Gene BRCA1 und BRCA2 untersucht. Beide

erhöhen die Wahrscheinlichkeit um ein Vielfaches,

an Brustkrebs zu erkranken.

Die beiden Frauen entscheiden sich dazu,

den Test zu machen. „Bevor er durchgeführt

werden kann, steht allerdings ein interdisziplinäres

Gespräch an, in dem geklärt wird, ob die

Untersuchung sinnvoll ist“, sagt Dr. Alma-Verena

Müller-Rausch, Fachärztin für Frauenheilkunde

in Hamburg. „Dadurch, dass die Mutter

von Jana und ihrer Schwester in jungen Jahren

erkrankte, ist eine familiäre Vor belastung

durchaus möglich.“ Zu diesem Ergebnis kommt

auch der behandelnde Arzt. Er schickt das Blut

der beiden zur Auswertung ins Labor.

Klarheit. Wenige Wochen später treffen die

Ergebnisse ein: Janas Schwester hat die Genvarianten

nicht geerbt, doch Janas Test fällt

positiv aus. „Liegt eines der beiden Gene vor,

beträgt die Wahrscheinlichkeit 72 Prozent, bis

zum 80. Lebensjahr an Brustkrebs zu erkranken“,

erklärt Dr. Müller-Rausch. Dieses Risiko

ist auch Jana bewusst: „Ich wusste eigentlich

sofort, dass ich Brustkrebs bekommen würde.

Es war nur die Frage, wann.“ Dr. Müller-Rausch

merkt an, dass es nicht unbedingt zu einem

56 my life 20/2025


FOTOS: GETTY IMAGES/ISTOCK; PRIVAT (2)

Ausbruch kommen muss: „Bei einem BRCA1/2-

Mutationsnachweis kann gegebenenfalls eine

Entfernung des Brust drüsengewebes angeboten

werden, eine sogenannte risikoreduzierende

Mastektomie. Diese senkt die Wahrscheinlichkeit,

an Brustkrebs zu erkranken,

um circa 90 bis 95 Prozent.“

Janas Arzt eröffnet ihr allerdings eine Option,

die weit darüber hinausgeht: Sie könne

sich vorsorglich Brüste und Eierstöcke entfernen

lassen. Schließlich entscheidet sie sich

aber gegen jegliche OP, obwohl ihre Familienplanung

mit zwei Töchtern bereits abgeschlossen

ist. „Mir war klar, ein solcher Eingriff

macht mit mir als Frau ganz viel. Ich war zwar

positiv auf BRCA2 getestet worden, aber ich

war gesund“, sagt sie. „Durch eine ,große‘ OP

wäre eine Hormonersatztherapie nötig geworden,

ich hätte Medikamente nehmen müssen.

Damit hätte ich mich krank gefühlt. Das wollte

ich vermeiden.“

Beobachtung. Stattdessen entscheidet sie

sich für engmaschige Kontrolluntersuchungen.

„Das ist Standard, wenn entsprechende

Gen-Mutationen vorliegen“, sagt die Expertin

Dr. Müller-Rausch. „Dazu gehören die Durchführung

einer jährlichen MRT–Untersuchung

und einer Sonografie. Ab dem 40. Lebensjahr

kommt eine Mammografie hinzu.“

Jana ist zum Zeitpunkt des Gentests 38 Jahre

alt. Eine Mammografie bekommt sie also nicht,

aber die anderen beiden Untersuchungen stehen

nun regelmäßig an. „Jedes Jahr musste

ich zweimal nach Kiel in eine spezia lisierte

Klinik fahren“, berichtet die Wahlhamburgerin.

„Ich habe mich dort sehr gut aufgehoben

und sicher gefühlt.“ Trotzdem sind diese Termine

nicht leicht für Jana. „Oftmals musste

ich auf der Fahrt Pausen einlegen, weil mich

das Schicksal meiner Mutter eingeholt hat. Da

habe ich so manche Träne vergossen.“

Trotz Vorbereitung ein Schock

Zehn Jahre lang nimmt Jana die Vorsorge

wahr, ohne dass eine krankhafte Veränderung

in ihrer Brust gefunden wird. Erst 2017 gibt es

Auffälligkeiten beim MRT. Sie macht einen

OP-Termin in Hamburg aus, bei dem die

Veränderung genau angeschaut werden soll.

Wochen später, einen Tag vor Heiligabend,

bekommt sie dann einen Anruf, bei dem ihr

die schlechte Nachricht überbracht wird: Sie

hat Brustkrebs. „Ich war natürlich vorbereitet,

aber ich bin trotzdem zusammengebrochen.

Ich hatte das Gefühl, dass mein Leben nur

noch ein Zeitfenster von wenigen Jahren hat“,

erinnert sich Jana. „Zum Glück konnte mein

Mann mich auffangen.“

Bei einem persönlichen Gespräch

mit dem Arzt stellt sich heraus,

dass Janas Prognose gut ist. „Ich

hatte eine Tumorstufe 2, das bedeutet,

der Krebs hatte noch nicht

gestreut.“ Der Arzt empfahl, brusterhaltend

zu operieren, also so,

dass nach der Tumorentfernung

allenfalls die unterschied liche

Brustgröße per Implantat ausgeglichen

wird.

Die rettende Operation

Jana hätte sich nach dem Eingriff noch einer

Bestrahlung unterziehen müssen, um das Risiko

eines Wiederausbruchs des Krebses zu verringern.

Einen Tag lang zieht Jana diesen

Vorschlag in Betracht, dann verwirft sie ihn.

Stattdessen will sie ihre Brüste und Eierstöcke

vollständig entfernen lassen, sodass nach der

Operation keine weitere Behandlung nötig ist.

Über diesen Schritt spricht sie auch mit

ihren Töchtern. „Ich habe ihnen gesagt, dass

ich einen Tumor habe, und meine Brüste entfernt

werden, damit ich wieder gesund werde.

Ich habe ihnen gezeigt, dass ich das schaffe

und dass ich mich dem gewachsen fühle.“

Mit dem Rückhalt ihrer Familie geht sie

etwa vier Wochen nach der Diagnose in die

OP. Das entnommene Brustgewebe wird danach

standardmäßig im Labor untersucht.

Dabei werden ganz tief im Gewebe weitere

winzige Tumorherde gefunden, die zuvor

nicht entdeckt worden waren – sie hätten eine

Rückkehr des Krebses verursachen können.

Jana ist nun doppelt froh, sich für diesen Eingriff

entschieden zu haben. „Ich habe überhaupt

kein Problem damit, als Frau ohne Brüste

durchs Leben zu gehen. Ich bin einfach so

dankbar, dass ich durch die Operation meine

Gesundheit zurückgewinnen konnte.“

Kraft tanken. Sechs Monate nimmt sie sich

danach Zeit, um Körper und Seele zu heilen.

„Ich habe viel gemalt, bin kreativ gewesen.

Diese Zeit war so wichtig“, erzählt sie. Auch

bei diesem Prozess nimmt sie ihre Töchter

teilweise mit, zeigt ihnen ihre neuen Narben,

mit deren Einverständnis. „Die Jüngere von

beiden wollte die Narben erst später sehen.

Sie sagte dann zu mir: Mama, das sieht aus wie

ein Schmetterling.“

Inzwischen sind beide Töchter über 20 Jahre

alt. Bald wollen sie sich, wie ihre Mutter, auf

Mutationen der BRCA1/2-Gene testen lassen.

Haben sie die Veränderungen nicht geerbt, ist

der Spuk vorbei. „Und falls sie die Gene doch

geerbt haben“, sagt Jana, „stehen wir das als

Familie zusammen durch.“

Risikobestimmung Ein

BRCA-Test führte dazu,

dass Jana häufiger als

üblich zur Krebsvorsorge

gehen konnte. So wurde

ihr Brustkrebs in einem

frühen Stadium entdeckt

Eine Mutation

des BRCA1- oder

BRCA2-Gens

bedeutet ein

Brustkrebsrisiko

von 72 Prozent

Dr. med. Alma-Verena

Müller-Rausch, Fachärztin

für Frauenheilkunde und

Geburtshilfe, Leiterin des

Zentrums für familiären

Brust- und Eierstockkrebs

am Universitätsklinikum

Hamburg-Eppendorf (UKE)

20/2025 my life

57


GESUNDHEIT

GUTES BAUCHGEFÜHL

Entspannung für

Magen & Darm

Wer kennt es nicht? Die Verdauung spielt verrückt, Durchfall oder

Verstopfung beeinträchtigen das Wohlbefinden. My Life hat gute Tipps,

wie Sie diese Störungen vermeiden oder schnell wieder loswerden

50 %

der Brechdurchfälle

bei Erwachsenen

gehen auf eine

Infektion mit

Noroviren zurück.

Bei Kindern sind

es 30 Prozent

Quelle: Robert Koch-Institut

In der Regel arbeiten

Magen und Darm

geräuschlos vor sich hin.

Im Lauf eines Lebens

verarbeiten sie rund

35 Tonnen Nahrung

und gewinnen daraus

lebenswichtige Nährstoffe.

Darüber hinaus

erledigt der Verdauungstrakt

jedoch noch

eine Reihe weiterer Jobs:

So befördert er Unverdauliches

nach draußen, produziert

Hormone, wehrt Krankheitserreger

ab – um nur ein paar Beispiele zu

nennen. Hakt es irgendwo im System, reagieren

die eigentlich robusten Organe allerdings

recht empfindlich: Sie arbeiten nicht länger

unmerklich und zuverlässig, sondern machen

mit Durchfall, Verstopfung, Blähungen oder

Völlegefühl auf sich aufmerksam. Was dann

hilft, und wie Sie die unterschiedlichen Störfälle

am besten handhaben – ein Überblick:

BLÄHUNGEN – Kehrseite

einer gesunden Ernährung

Bei der Verdauung bilden sich blähende Gase

– vor allem, wenn komplexe Kohlenhydrate

aus Obst, Gemüse und Vollkornprodukten

von Darmbakterien zersetzt werden.

Die Mikroorganismen produzieren

dabei Kohlendioxid, Wasserstoff,

Methan und andere Stoffe. Der

Großteil dieser Gase geht ins Blut

und wird über die Atemluft ausgeschieden.

Der Rest entweicht durch den

Darm. Die Folge: Flatulenzen.

Was tun? Fenchel-, Anis- oder Kümmeltees

lindern bei leichteren Beschwerden. Gegen kolikartige

Schmerzen gibt es rezeptfreie Mittel

in der Apotheke. Treten Blähungen häufiger

auf, kann eine Unverträglichkeit die Ursache

sein. Das sollte ärztlich abgeklärt

werden.

Vorbeugen: Oft genügt es,

Lebensmittel zu reduzieren,

die stark blähen oder

nicht gut vertragen werden.

Ein Ernährungstagebuch

kann helfen,

solche Auslöser klar zu

identifizieren.

DURCHFALL – lästig,

aber oft unbedenklich

Ursache für eine akute Diarrhö

ist häufig eine Infektion. Der Darm

schaltet automatisch ins Selbstreinigungsprogramm,

um die Erreger auszuspülen. Noroviren,

die laut Robert Koch-Institut für die

Hälfte aller Brechdurchfälle verantwortlich

sind, verbreiten

sich über Schmierinfektionen.

Schädliche Bakterien (hier vor

allem Campylobacter, Salmonellen

und E. coli) gelangen

über verunreinigtes Essen oder

Wasser in den Darm. Auch Stress

oder Medikamente, etwa Antibiotika, können

den Verdauungstrakt aus dem Gleichgewicht

bringen. Hält der Durchfall länger als zwei

Wochen an oder tritt er regelmäßig nach dem

Essen auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Was tun? Meist reicht es, den Flüssigkeitsverlust

aufzufüllen. Mit stillem Wasser, Fenchel-

und Kamillentee oder auch einer klaren

Brühe (für den Mineralstoffhaushalt). Bei

starken Beschwerden gleichen Elektrolytlösungen

aus der Apotheke den Salzverlust

aus. Nach spätestens drei Tagen sollten die

Beschwerden verschwunden sein. Rezeptfreie

Medikamente aus der Apotheke können eine

Möglichkeit sein, wenn der Durchfall nicht in

Ruhe auskuriert werden kann, beispielsweise

auf Reisen.

60 my life 20/2025


FOTO: GETTY IMAGES/ISTOCK ALLE ICONS: GETTY IMAGES/ISTOCK

Vorbeugen: Hygienemaßnahmen schützen

am besten vor Erregern. Gründliches Händewaschen

nach dem Gang zur Toilette und vor

dem Essen. Lebensmittel gehören an heißen

Tagen in den Kühlschrank. Auf Reisen gilt:

Vorsicht vor Rohkost und nicht durchgegartem

Fleisch und Fisch!

VERSTOPFUNG –

die Essgewohnheiten verändern

Darmträgheit ist ein Symptom. Das eigentliche

Problem liegt anderswo. Gelegentliche

Verstopfung ist sehr oft ein Resultat des

Lebensstils: ballaststoffarme Ernährung,

zu wenig Flüssigkeit, zu wenig

Bewegung, ein unregelmäßiger

Tagesablauf. Obstipation, so der

medizinische Fachbegriff, kann jedoch

auch als Nebenwirkung von

Medikamenten wie zum Beispiel Opiaten,

Diuretika oder Betablockern auftreten. Erkrankungen

wie Diabetes mellitus oder eine

Unterfunktion der Schilddrüse können ebenfalls

die Verdauung lahmlegen.

Was tun? Eingeweichte Trockenpflaumen,

Flohsamen oder geschrotete Leinsamen regen

den Darm an und bringen ihn oftmals schon

wieder in Bewegung. Reicht das nicht, verschaffen

Abführmittel, Laxantien genannt, Erleichterung.

Diese sollten jedoch nicht über

längere Zeit eingenommen werden, da sie unter

Umständen die Darmträgheit verstärken.

Vorbeugen: Sich ballaststoffreich ernähren

und viel trinken. Vollkornbrot, Obst, Gemüse

und Hülsenfrüchte verbinden sich im Dickdarm

mit Wasser, quellen auf und geben auf

diese Weise das Signal „Entleerung“. Wichtig:

Damit das Faserfutter auch gut quillt, braucht

man täglich mindestens eineinhalb Liter Flüssigkeitszufuhr.

MAGENDRÜCKEN – mögliche Ursache:

Übersäuerung

Üppiges Essen verursacht oft das Gefühl von

„Steinen im Bauch“. Das ist unangenehm, aber

harmlos. Halten die Beschwerden länger an

oder haben sie keinen konkreten Auslöser, ist

womöglich ein Rädchen im Verdauungssystem

defekt. Denkbar sind Erkrankungen wie

Gastritis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre,

Pilzinfektion, Gallensteine. Auch ein

Reizmagen kann sich durch Magendrücken

bemerkbar machen.

Was tun? Das gelegentliche

Völlegefühl nach einer schwer

verdaulichen Mahlzeit kuriert

manchmal schon ein ausgiebiger Verdauungsspaziergang.

Bei Übersäuerung neutralisiert

ein Gläschen Kartoffelsaft (Reformhaus) den

Überschuss an Magensaft. Sanfte Massagen

mit kleinen kreisenden Bewegungen rund um

den Bauchnabel oder Wärmeanwendungen

entspannen die verkrampfte Muskulatur. Hat

der Arzt Reizdarm diagnostiziert, richtet sich

die Therapie nach dem am stärksten ausgeprägten

Symptom.

Vorbeugen: Wer mit einem empfindlichen

Magen zu tun hat, zügelt sich besser bei bestimmten

Lebensmitteln. Alkohol, Kaffee,

Fettreiches und Süßes regen die Produktion

von Magensäure an – also besser

vermeiden. Zusätzlich helfen ein paar

einfache Essensregeln: mit Muße, langsam

und aufmerksam essen, die Portionen

verkleinern, gründlich kauen. Schlagen

Stress und übermäßige Anspannung auf den

Magen, kann man Entspannungstechniken

(Yoga, autogenes Training) ausprobieren.

ERBRECHEN – ein natürlicher

Schutzmechanismus

Der Organismus hat gelernt, giftige Substanzen

zu meiden. Gelangen schädliche Stoffe in den

Magen-Darm-Trakt, schlagen die Nervenzellen

im sogenannten Brechzentrum des zentralen

Nervensystems Alarm. Zwerchfell und Bauchmuskeln

ziehen sich zusammen und üben

Druck auf den Magen aus. Dieser befördert

seinen Inhalt nach außen. Auslöser des Reflexes

kann vieles sein: eine Infektion, zu

viel Alkohol, verdorbenes Essen.

Aber auch Migräne, ein Sonnenstich

oder bestimmte Medikamente.

Was tun? Übelkeit und Brechreiz

vergehen oft, nachdem sich der Körper

übergeben hat. Unter den Hausmitteln

genießt Ingwer einen recht guten Ruf. Die

Knollenwurzel kann entweder gekaut oder als

Tee zubereitet werden. Hält das Erbrechen an

und kommen Fieber oder andere Symptome

hinzu, sofort einen Arzt aufsuchen.

Vorbeugen: Bei Übelkeit nach dem Genuss

von fettreichen Speisen helfen Bitterstoffe.

Diese unterstützen Leber und Galle bei der

Fettverdauung. Wer zu Reiseübelkeit neigt,

sollte einen Sitzplatz wählen, der den Gleichgewichtssinn

beruhigt: im Auto auf dem Beifahrersitz,

im Bus möglichst weit vorn mit

Blick in Fahrtrichtung. Auf Schiffen ist der

Aufenthalt an Deck für viele vorteilhaft.

Tipp: einen Punkt am Horizont fixieren.

Auch die frische Luft tut jetzt gut. ❰

25-30

Stunden

verbleibt die

Nahrung im

Durchschnitt im

Dickdarm, bis

sie den Körper

wieder verlässt

Quelle: Netdoktor

Mehr zu diesem

Thema auf

netdoktor.de/verdauung

20/2025 my life

61


GESUNDHEIT

Von Früherkennung bis Stammzellen

Wirksame Verfahren bei

Knie-Arthrose

Wenn Gelenke schmerzen, liegt das oft am Älterwerden.

Die gute Nachricht: Innovative Therapien können die beanspruchten Scharniere

wieder beweglich machen

Mobil bleiben

Gelenkschonende

Bewegung wie Schwimmen

hält die Gelenke jung


FOTOS: JUMP FOTOAGENTUR; ADOBE STOCK; PR (2) GRAFIK: SCIENCE PHOTO LIBRARY

Ein Geräusch kann die Krankheit verraten

– das der Mensch allerdings zunächst

gar nicht hört. Das „elektronische Ohr“

dagegen schon. Es entlarvt das typische Arthrose-Knacken

im Knie besonders früh, noch

bevor das Gelenk streikt, etwa morgens schwerer

in die Gänge kommt und weniger beweglich

ist. Etwa jeder dritte Deutsche ab 65 Jahren ist

betroffen, Frauen noch häufiger als Männer.

Ursache. Bei Arthrose nutzt sich der Knorpel,

der für ein reibungsloses

Gleiten im Scharnier sorgt, ab.

Im Extremfall führt das dazu,

dass Knochen auf Knochen

reibt. Folgen sind in vielen Fällen

Entzündungen sowie Schmerzen

im umliegenden Gewebe, was

Bewegungen erschwert.

Das Knorpelwachstum

wieder anregen

Die gute Nachricht: Früh entdeckt,

lässt sich ein Knorpelschaden

reparieren. Dazu gibt

es minimalinvasive OPs. Etwa

die Mikro- und Nanofrakturierung.

Sie eignen sich für kleine

Knorpeldefekte bis zu einem

Durchmesser von zwei Quadratzentimetern.

Der Chirurg entfernt

den geschädigten Knorpel,

und bohrt dünne, tiefe Löcher

in die frei liegende Oberfläche. Daraus treten

Knochenmarkstammzellen aus, die sich in den

nächsten zwei bis drei Monaten zu einem neuen

Faserknorpel entwickeln (Kasse zahlt).

Verpflanzung. Ist der Schaden etwas größer

und auch der Knochen geschädigt, kann

der Arzt Ersatz aus einem wenig belasteten

Gelenkbereich entnehmen, diesen an die geschädigte

Stelle verpflanzen (osteochondrale

autologe Transplantation, OATS-Verfahren).

Dort wird zuvor ein exakt gleich großes Stück

ausgefräst. Die implantierten Teile verbinden

„Elektronisches Ohr“ erleichtert die Diagnose

Die Schmerzen

werden stark

reduziert oder

sogar behoben

Prof. Dr. med. Dr. h.c.

mult. Joachim Grifka,

Orthopäde, Unfallchirurg

und Schmerzspezialist

aus München;

profgrifka.de

sich innerhalb von sechs bis acht Wochen mit

der umliegenden Substanz (Kassenleistung).

Zellwachstum. Bei Defekten ab 2,5 Quadratzentimetern

ist die autologe Chondrozyten-

Transplantation (ACT) das Mittel der Wahl.

Dabei werden gesunde Knorpelzellen des Patienten

im Labor isoliert und aufbereitet.

Nach sechs Wochen ist genügend neues Zellmaterial

vorhanden. Dieses bringt der Arzt

dann mithilfe eines Applikators in das Gelenk

des Patienten ein. Kurz darauf

Regelmäßig auftretendes Knacken

oder Knirschen gilt als Warnzeichen

für ein Gelenkpro blem. Forscher der

Charité Berlin und der TU Fulda

entwickelten ein Gerät, das ins

Gelenk lauscht.

Mikrofon am Knie Das „elektronische

Ohr“ erfasst Geräusche über

ein spezielles Mikrofon und mittels

Sensoren, die verdächtige Schallmuster

wie Knarren, Knirschen oder

Knacken, die für menschliche Ohren

noch nicht hörbar sind, automatisch

erkennen. Per Computer werden die

Daten ausgelesen.

Alternative zu MRT & Co. Das

„elektronische Ohr“ kommt ohne

Strahlen aus. Weitere Studien laufen.

Künftig könnte es Röntgen und

MRT ergänzen oder sogar ersetzen.

wächst dort wieder gesundes

Gewebe (Kasse zahlt).

Nanofett lindert

Beschwerden

Ist kaum mehr Knorpel da, kann

Bauchfett helfen. Es ist reich an

Stammzellen und Wachstumsfaktoren,

die Entzündungen

hemmen und Schmerzen lindern.

Sie werden abgesaugt, im

Labor aufbereitet und ins Gelenk

gespritzt.

Langzeiteffekt. „Die sogenannte

Nanofett-Therapie hilft

sogar bei Gelenken, bei denen

man eigentlich keine Chance

mehr sieht, an einer Prothese

vorbeizukommen“, erklärt der

Orthopäde, Unfallchirurg und

Schmerzspezialist Prof. Joachim

Grifka aus München (spectrum-med.de). „Man

erreicht ein Stadium der stummen Arthrose.

Auf Röntgenbildern ist sie unverändert, aber

die Schmerzen sind stark reduziert oder ganz

behoben.“ Der Effekt kann bis zu zehn Jahre

anhalten. Diese Therapie wird allerdings meist

nicht von der Kasse bezahlt (ab ca. 2500 € pro

Gelenk). Grund für die Kosten sind u. a. mehrere

teure Filter, um Stammzellen zu gewinnen.

Künftig könnten weniger und leistungsfähigere

Filter genügen. „Ich arbeite mit einer deutschen

Firma daran“, sagt Prof. Grifka.

Schwachpunkt Schmerzt

das Knie, leidet die Lebensqualität.

Zum Glück gibt

es Abhilfe – in jedem Alter

Gefäßversiegelung

stoppt den Schmerz

Oft werden Spritzen

mit Kortison gegen

Arthroseschmerzen

eingesetzt. Doch es

gibt neue, alternative

Methoden wie die

transarterielle periartikuläre

Embolisation

(TAPE, Kasse zahlt).

Verfahren Bei dem

Eingriff versiegelt der

Operateur kleinste

Arterien in der Gelenkschleimhaut.

Das unterbricht

die Weiterleitung

des Schmerzreizes vom

Gelenk ins Gehirn.

OP-Ablauf Über die

Leistenarterie wird ein

dünner Katheter zu

den Gelenkgefäßen

gebracht. Dadurch lässt

sich ein Medikament

verabreichen, das die

Arterie versiegelt und

den Schmerz stoppt.

Der Patient bleibt eine

Nacht in der Klinik. Der

Effekt kann mehrere

Jahre anhalten. Bei

Bedarf lässt sich der

Eingriff wiederholen.

20/2025 my life

67


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Brand Director: Dorothe Kiefer

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Redaktion: Miriam Dietz, Ana Goldscheider

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Redaktionsassistenz: Daniela Gibson,

Nathalie Grunewald, Constanze Röhr

Mitarbeiter dieser Ausgabe: Klaus Dahm,

Claudia Doyle, Susanne Fett, Isabelle Fuhrmann,

Michael Kneissler, Florian Köninger, Janice Rimmelin,

Manuela Romig-Korinski, Susanne Wittlich,

Britta Zimmermann

Experten dieser Ausgabe: Dr. med. Gabriele

Armbrecht; Dr. med. Dipl.-Biol. Dorothee Biener;

Univ.-Prof. Dr. med. Michael Böhm; Prof. Dr. med.

Dr. h.c. mult. Joachim Grifka; Dr. med. Jan-Peter

Jansen; Dr. med. Leonhard Keil; Dr. Christina Lempka;

Univ.-Prof. Dr. med. Christoph Lohmann; Prof. Dr.

med. Mandy Mangler; Dr. med. Alma-Verena Müller-

Rausch; Dr. med. Elisabeth Rauh; Mag. Beatrix

Roidinger; Prof. Dr. med. Julia Seiderer-Nack;

Prof. Dr. med. Heidrun M. Thaiss; Jana Welch, M.A.;

Univ.-Prof. Dr. med. Dennis Wolf

Apotheker-Serie: Susanne Bormann

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Maar †; Dt. Alzheimer Stiftung, Heike von Lützau-

Hohlbein; Dt. Diabetes Stiftung, Prof. Dr. med. Rüdiger

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74 my life 20/2025

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