Stein 11/2025
Grabmal & Sakralbau
Grabmal & Sakralbau
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S11 | 2025
MINERALISCHE WERKSTOFFE FÜR ARCHITEKTUR UND HANDWERK
RAUM FÜR
STILLE
BESTATTUNGSKULTUR
Wie ein Gesetz in Rheinland-Pfalz
Trauerorte und Beerdigungen
folgenreich verändert
SAKRALER RAUM
Wie die Bedeutung und Materialität
des Johannesforum in Wendlingen
bewahrt werden konnte
SAUBERES WASSER
Wie neue Anlagen zur Entstaubung
und zur Wasseraufbereitung in die
Maschinenhalle integriert werden
EDITORIAL
LIEBE LESERINNEN
UND LESER,
Sie haben es wahrscheinlich bereits gelesen: Totenasche
darf in Rheinland-Pfalz künftig im Fluss verstreut
werden. Diese Entscheidung wirft Fragen auf. So
sehen die katholische und evangelische Kirche die Totenruhe
und Würde des Menschen dabei nicht gewährleistet.
„Die Sehnsucht nach einem Ort, an dem man
an die Verstorbenen denken kann, wird bleiben“, stellt
Philipp Mühlberger, Vertriebsleiter des Sakralkunst-
Anbieters Strassacker, während der Marmomac im Gespräch
mit der STEIN-Redaktion fest. Er ist überzeugt,
dass der Friedhof für trauernde Menschen seine Daseinsberechtigung
behält und behalten muss.
Ab Seite 16 wirft unsere Autorin Martina Noltemeier
einen unfassenden Blick auf die Trauer- und Bestattungskultur
in Deutschland und zeigt Wege auf, wie
Steinmetze sich mit den sich verändernden Bedürfnissen
in Bezug auf Tod, Beerdigung und Gedenken auseinandersetzen
können.
Auf Seite 6 stellen wir die neugestaltete Krypta des Paderborner
Doms vor. Im Zentrum der Neugestaltung
standen die Reliquien des heiligen Liborius und die
Bischofsgräber. Ein wichtiges gestalterisches Element
in der Krypta stellt zudem der Boden dar, der ursprünglich
aus diagonal verlegten und farblich abgesetzten
Natursteinplatten aus Westerwälder Trachyt und Basaltlava
bestand. Hier setzten die Architekten Trosselfelser
Kalkstein ein, der zu einem „erzählenden Boden“
wurde. Was es damit auf sich hat, erfahren Sie im Interview
mit dem Architekten ab Seite 14.
Titelbild: Wikimedia Commons
Viele Kirchen stehen vor der Herausforderung, denkmalgeschützte
Gebäude bei sinkenden Mitgliederzahlen
in eine tragfähige Zukunft zu führen. Daraus
erwächst die Notwendigkeit neuer Nutzungskonzepte
– architektonisch wie pastoral. In der denkmalgeschützten
Trauerkirche St. Michael im Frankfurter
Nordend entsteht Hessens erste Urnenbegräbniskirche
– mit Platz für rund 2.500 Urnen in eigens integrierten
Urnenwänden. Nach Entwürfen des Büros
Meixner, Schlüter, Wendt wird der lichte Kirchenraum
von Rudolf Schwarz durch große, rund 2,50 Meter
hohe Urnenringe neu gegliedert. Diese symbolische
Form fügt sich harmonisch in die bestehende Architektur
ein. Das Projekt legt besonderen Wert auf
Offenheit und Inklusivität: Die Kirche soll Menschen
aller Konfessionen und Herkunft als würdevoller Ort
der Bestattung dienen; anonyme Beisetzungen sind
hingegen nicht vorgesehen. Zudem ist die Trauerseelsorge
vor Ort präsent, um Angehörige zu begleiten.
Die Kosten belaufen sich auf rund 3,1 Millionen Euro,
davon übernimmt das Bistum Limburg etwa 1,4 Millionen.
Die Eröffnung ist für Herbst 2025 geplant.
Faszinierendes Handwerk steht auch im Mittelpunkt
des Reports über ein besonderes Bauprojekt ab Seite
26. Wir zeigen Ihnen, wie ein zweigeschossiger, multifunktional
nutzbarer Saal jetzt das Herzstück des
neuen Johannesforums in Wendlingen bildet und hier
vielfältige Begegnungen ermöglicht. Durch den Erhalt
des freistehenden Kirchturms, den Einbau von alten
Kirchenfenstern und die Weiterverwendung des originalen
Kalktuffsteins wurde die Identität des Ortes weitergetragen.
Gemischt mit lokalem Travertin sind die
ursprünglichen Steine Teil der neuen Fassade und stellen
einen lebendigen Bezug zur ehemaligen Kirche her.
Eine anregende Lektüre von STEIN wünscht Ihnen
Ihre Steinredaktion
Redaktion@stein-magazin.de
S11| 2025 3
INHALT
SCHÖNE WELT DER
STEINE
06 Ein erzählender Boden
Die Krypta im
Paderborner Dom
ist komplett
neugestaltet worden
14 Neue Ideen und
neue Formen
Aktuelle Trends in der
Friedhofskultur und
der Wandel der
Bestattungskultur
23 Royal Norwegian Green
Die STEINKUNDE stellt
einen Naturstein aus
Norwegen vor
26 Vom Segen alter Steine
Der kantige Turm der
ehemaligen Wendlinger
Johanneskirche hat den
Neubau als einziges
Relikt aus den
1960er-Jahren überlebt
STEINE BEARBEITEN
34 Frische Luft und
reines Wasser
Die Integration von
Entstaubungs- und
Wasseraufbereitungssystemen
44 Im Klinkerkleid
Die flexiblen
Raumkonzepte der aus
regionalen Ziegeln
errichteten Kirche
Højvangen in Dänemark
PANORAMA
50 Auf ewig Stein
Das Buch „Lebenszeichen.
Erinnerungsstiftung und
Jenseitshoffnung in der
Grabmalkultur des
18. Jahrhunderts“
56 Termine, Produkte
und mehr
RUBRIKEN
59 Vorschau
60 Impressum
4 S11| 2025
SAKRALE RÄUME
EIN ERZÄHLENDER
BODEN
Die Neugestaltung der Krypta im Paderborner Dom ist ein Projekt, das architektonisches
Konzept, sakrale Atmosphäre und handwerkliche Präzision in besonderer
Weise vereint. Der neu verlegte Kalksteinboden prägt den Raum und macht auch
die Historie der Krypta ablesbar.
Von Dr. Alexandra Nyseth
Seit fast tausend Jahren steht die Kathedralkirche
des Erzbistums Paderborn an genau dieser Stelle,
und insbesondere in der Krypta ist diese lange Historie
spür- und sichtbar. 2020 plante das Metropolitankapitel
Paderborn eine Neugestaltung und Modernisierung
der Krypta. Gewünscht war im Auslobungstext
ein Konzept, das es schafft, eine funktional und
gestalterisch gute Lösung für die Krypta des Paderborner
Doms zu entwickeln. Die Krypta sollte ein
Raum der Stille mit Möglichkeit zum Gebet und zur
persönlichen Andacht sein. Sie sollte in Zukunft stufenlos
und sicher für alle Dombesucher erreichbar
sein. Dabei galt es gleichzeitig, Respekt vor dem Vorhandenen
zu haben und die historische Bausubstanz
zu schützen. Brückner & Brückner Architekten mit
Büros in Tirschenreuth und Würzburg erhielten für
ihren Entwurf den Zuschlag.
GESCHICHTE SICHTBAR MACHEN
Im Zentrum der Neugestaltung standen die Reliquien
des heiligen Liborius und die Bischofsgräber. „Sie sollen
glänzen, alles andere soll sich zurücknehmen“, so
die Architekten. Die historische Substanz aus Sandstein
und Putz wurde sorgfältig überarbeitet und
durch neue Materialien wie Eichenholz und Bronze
ergänzt. Farblich prägt ein erdiges, wolkiges Konzept
den Raum, das Ruhe ausstrahlt und den sakralen
Charakter betont. Dabei ist die Krypta klar gegliedert:
der Eingangsbereich mit der Skulptur des heiligen Liborius
von Stephan Balkenhol, die Chorkrypta als Ort
der Stille und die zentrale Altarinsel. Hier setzen die
Prinzipalien des Bildhauers Helmut Langhammer Akzente.
Auch eine gotische Madonna findet auf einem
Eichenholz-Sockel ihren Platz. Links befindet sich der
Zugang zur Grabkammer der Bischöfe. Fresken informieren
über den Heiligen Liborius und die Baugeschichte,
ein neuer Plattformlift gewährleistet Barrierefreiheit.
Orgel und Gestühl fügen sich ebenso in das
harmonische Gesamtbild ein.
Licht spielt ebenfalls eine zentrale Rolle: Historische
Fensteröffnungen erhielten Membranen aus Onyxstein,
die das Tageslicht filtern und je nach Jahresund
Tageszeit unterschiedliche Stimmungen
erzeugen. Künstliches Licht ergänzt dies durch
variable Szenarien.
Foto: matskarlsson.de
6 S11| 2025
SCHÖNE WELT DER STEINE
Foto:
In der neugestalteten Krypta des Doms zu Paderborn entschieden sich die
Architekten dafür, Bodenplatten aus Trosselfelser Kalkstein verlegen zu lassen
S11| 2025 7
SAKRALE RÄUME
NEUE IDEEN UND
NEUE FORMEN
Immer weniger Menschen wünschen sich ein traditionelles Grab auf dem Friedhof.
Beliebt sind pflegefreie Bestattungsformen – zunehmend auch außerhalb klassischer
Friedhöfe. Liberalisierungen im Bestattungsrecht steht eine große Mehrheit
offen gegenüber. STEIN berichtet über aktuelle Trends in der Friedhofskultur und
über neue Chancen für Steinmetze …
Von Martina Noltemeier
Eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag von Aeternitas
e.V., zeigt einen Wandel in der deutschen Bestattungskultur.
Nur noch 25 Prozent der Befragten wünschen
sich eine traditionelle Grabstätte auf dem
Friedhof. Stattdessen gewinnen Bestattungswälder,
Rasengräber oder Urnenwände an Bedeutung. Auch
bislang nicht erlaubte Bestattungsformen wie das
Verstreuen der Asche in der Natur oder die Aufbewahrung
der Urne zu Hause finden wachsenden Zuspruch.
Obwohl es nach der aktuellen Rechtslage in
den meisten Bundesländern verboten ist, fänden es
sogar 77 Prozent der Befragten akzeptabel, Teile der
Asche für Schmuckstücke oder Skulpturen zu verwenden
(mehr dazu ab Seite 56 ff ).
Dies zeigt, wie stark sich die Bestattungskultur auch
in Bezug auf Pietät und Totenwürde an die Bedürfnisse
einer modernen Gesellschaft anpasst, in der sich
traditionelle Bindungen und Familienstrukturen zunehmend
auflösen, so Aeternitas e.V.. Der Verband
sieht großen Reformbedarf und fordert die Landesgesetzgeber
auf, gesellschaftliche Entwicklungen
stärker im Bestattungsrecht zu berücksichtigen.
Rheinland-Pfalz erlaubt seit kurzem neue Bestattungsformen,
zum Beispiel die Aufbewahrung einer
Urne zu Hause und das Verstreuen der Asche in bestimmten
Flüssen. Auch in Sachsen gibt es entsprechende
Überlegungen.
Foto:
14 S11| 2025
SCHÖNE WELT DER STEINE
Neu bei Strassacker: Ritualwürfel auf einem Natursteinfundament, der
von den Hinterbliebenen individuell gestaltbar ist
Trauerbewältigung neu gedacht: Ritualwürfel, die auf Urnengemeinschaftsanlagen
oder als individuelles Einzelgrab verwendet werden
können. Der Würfel ist auch als Sitzgelegenheit lieferbar
Foto:
Foto: Marcus Schck
S11| 2025 15
SAKRALE RÄUME
VOM SEGEN ALTER
STEINE
Ein steinerner Turm markiert in Wendlingen am Neckar den Ort, wo einst die Johanneskirche
stand. Er ist ein Relikt des Anfang der 1960er-Jahre erbauten, inzwischen
abgerissenen Gotteshauses. Heute befindet sich auf dem Areal das Johannesforum.
Für diesen Neubau, der ein inklusives Gemeinschaftsprojekt beherbergt, knüpfte
das Stuttgarter Büro Drei Architekten sensibel an die identitätsstiftende Bedeutung,
aber auch an die Materialität des Sakralbaus an. So wurde ein Großteil der rund 60
Jahre alten Fassade vorsichtig zurückgebaut. Die Lauster Steinbau GmbH reinigte
den Gönninger Kalktuffstein, lagerte ihn ein und unterzog ihn einer Materialprüfung.
Der wiederverwendete Kalktuff bildet heute, kombiniert und ergänzt mit lokalem
Gauinger Travertin, die neue Fassade.
Von Dr. Inge Pett
Unverwüstlich ragt der kantige Turm der ehemaligen
Wendlinger Johanneskirche empor. Von dem
Sakralbau, der 2020 entwidmet wurde und den Baggern
weichen musste, hat nur er überdauert.
Seit geraumer Zeit machen der demographische
Wandel und die steigende Zahl von Kirchenaustritten
vielen Gemeinden zu schaffen. Sie sind gezwungen,
Kirchen, Gemeindesäle und andere Einrichtungen
zu schließen, zu verkaufen oder umzunutzen,
weil diese nicht mehr ausgelastet und wirtschaftlich
kaum noch zu betreiben sind. Vor schweren
Entscheidungen standen 2006 im Landkreis Esslingen
auch die evangelischen Kirchengemeinden von
Unterboihingen und Wendlingen am Neckar. Ihr
Ausweg war letztlich die Fusion.
„Wir hatten Glück, dass die Stadt gerade ihre Kitaplätze
ausbauen musste“, äußerte sich Hans-Georg
Class, erster Vorsitzender des Kirchengemeinderates,
Ende 2019 gegenüber der Esslinger Zeitung.
Heute befinden sich Kindergärten in den ehemaligen
Gemeindehäusern. „Ich glaube, das war auch
versöhnlicher für die Gemeinde, als wenn da irgendwelche
Geschäfte eingezogen wären“, so Class.
Nach einigen Diskussionen entschied sich die Gemeinde
für einen Neubau im Zentrum Wendlingens.
Ein Um- oder Ausbau der Johanneskirche, die Anfang
der 1960er-Jahre nach den Plänen des Architekten
Ernst Rohrberg erbaut worden war, hatte
sich als finanziell nicht tragbar erwiesen. Ebenso
die alleinige Bewirtschaftung durch die Kirchengemeinde.
Deshalb holten die Wendlinger die BruderhausDiakonie
aus Reutlingen mit an Bord, die einen
Teil des Gebäudes pachtete, um eine Einrichtung
für Menschen mit Behinderung zu betreiben. Eine
Win-Win-Situation. Neben den willkommenen
Pachteinnahmen konnte die Gemeinde damit
auch ihr Selbstverständnis als „Kirche für alle“
mit Leben füllen.
Foto:Zooey Braun
26 S11| 2025
SCHÖNE WELT DER STEINE
So sehen Sieger aus: Das Johannesforum in
Wendlingen am Neckar hat den des Natursteinpreis
2024 erhalten. Der Entwurf stammt vom
Büro Drei Architekten
Foto:
S11| 2025 27
INTEGRATION VON ENTSTAUBUNGS- UND WASSERAUFBEREITUNGSSYSTEMEN
FRISCHE LUFT UND
REINES WASSER
Technisch immer aufwändigere Maschinen vertragen sich nicht mit dem in Natursteinverarbeitungs-Betrieben
allgegenwärtigen Staub; und sie sind auf reines
Wasser angewiesen. Für die Maschinenhallen der Unternehmen bedeutet dies ein
Umdenken im Umgang mit der Luft- und der Wasseraufbereitung. STEIN zeigt, wie
das funktionieren kann.
Von Michael Spohr
Hinsichtlich der Wasseraufbereitung
behelfen sich noch immer
viele kleinere Steinmetzbetriebe
mit den traditionellen Überlauf-
Absetzbecken. Wer ausschließlich
mit Naturstein arbeitet und ohne
CNC-gesteuerte Produktionsmaschinen
auskommt, mag damit
auch weiterhin klarkommen. Gelangen
aber Polyesterharze aus
der Bearbeitung von Quarz-Kompositplatten
oder feiner Tonerde-
Schlamm aus der Bearbeitung von
Keramikplatten in die Produktionsabwässer,
wird eine Wasseraufbereitungsanlage
unerlässlich.
Dies gilt umso mehr, wenn die alte
Sägeanlage einer modernen Drehkopf-Brückensäge
weicht oder gar
weitere neue Großmaschinen wie
eine Kantenschleifmaschine oder
ein Bearbeitungszentrum angeschafft
werden sollen.
Die heute selbstverständlich CNCgesteuerten
Maschinen benötigen
hundertprozentig sauberes Prozesswasser.
Bewährt haben sich
hierfür Vakuumbandfilter, Klärsilos
und Lamellen-Schrägklärer
mit Sack- oder Big Bag-Trocknungsstation
oder Filterpresse.
Gegebenenfalls kommt noch eine
Beflockungsstation hinzu, die zusätzlich
zur rein physikalischen
Wasseraufbereitung chemikalisch
bei der Sedimentation der im Prozesswasser
enthaltenen Schwebstoffe
nachhilft.
Zu einer professionellen Prozesswasser-Aufbereitungsanlage
gehören
ferner Druckerhöhungs-Anlagen
zur Rückführung des gereinigten
Wassers aus einem Frischwasserspeicher
zu den Produktionsmaschinen.
Diese Pumpen
sind frequenzgeregelt, was für
einen konstanten Druck im System
sorgt. Bei schwankenden Abgabemengen
ist es nämlich wichtig,
stets einen konstanten Versorgungsdruck
zu erzielen. Mit Lamellenscheibenfiltern
ausgestattet,
sorgen diese Pumpen für ein
Ausfiltern selbst mikroskopisch
kleiner Partikel aus dem vorgeklärten
Wasser.
Auch Maßnahmen zur Luftreinhaltung
in der Natursteinwerkstatt
dienen – neben der wichtigsten
Funktion zur Gesunderhaltung der
Mitarbeiter – dem Schutz der Produktionsanlagen.
Die Entwicklung
der Entstaubungseinrichtungen
brachte hier Absaugtische, Trocken-
und Nass-Absaugwände,
mobile Absauggeräte, Absaugarme
für die verschiedenen Geräte,
Absaugvorrichtungen für Handmaschinen,
Atemschutzmasken
und schließlich komplette Absaugkabinen
hervor – und das mit
immer besseren Filtersystemen,
um selbst Feinstaubpartikel effektiv
aufzufangen. Hinzu kommt
noch ein bedarfsgerechter Luftwechsel
und damit eine Grundbelüftung
der Betriebshallen und
ihrer Arbeitsplätze.
34 S11| 2025
STEINE BEARBEITEN
STEIN stellt folgende
Firmen vor:
Stand der Technik bei der Luftreinhaltung am Handarbeitsplatz: leistungsstarke,
in Kabinen eingebaute Staubabsauganlagen wie hier von
ECS Eich
1. Marmor Center GmbH, Römhild
www.mcr-stein.de
2. ECS Eich, Sinn
www.ecs-eich.de
3. Stematec GmbH, Krumbach
www.stematec-gmbh.de
Foto: ECS Eich
S11| 2025 35
GRAB UND KULTUR
AUF EWIG STEIN
Aus der Gestaltung von Grabmälern lässt sich vieles herauslesen. Jede Epoche hat
ihre Sepulkralkultur, und die erzählt, welche Haltung zu Tod und Leben, zu Gott und
der Welt jeweils vorherrschten. Zu diesem lange ausgeblendeten Thema legt die
Hamburger Kunsthistorikerin Franca Buss mit ihrem bei De Gruyter Brill erschienen
Buch „Lebenszeichen. Erinnerungsstiftung und Jenseitshoffnung in der Grabmalkultur
des 18. Jahrhunderts“ eine facettenreiche Untersuchung vor. Dabei konzentriert
sie sich auf eine Zeit des Umbruchs: Die Aufklärung hat die Art verändert, wie
Hinterbliebene ihrem Gedenken Ausdruck verliehen. Seitdem sei der Tod zunehmend
aus dem Bewusstsein verdrängt worden, so eine verbreitete kulturkritische
These. Doch triftt sie zu? Buss geht ihr auf den Grund.
Von Dr. Inge Pett
Hat sich der Mensch im Zeitalter der Aufklärung tatsächlich
vom Tod entfremdet? Die Kunsthistorikerin
Franca Buss betont in ihrer bei De Gruyter Brill veröffentlichten
Dissertation, dass die Erinnerungsstiftung,
die Jenseitshoffnung und das Verhältnis der Lebenden
zu den Toten im ausgehenden 18. Jahrhundert
keineswegs eine radikale Zäsur darstellen, wie fälschlicherweise
oft vermutet wird. Zu diesem Zweck analysiert
sie ausgewählte Grabmalensembles und rückt
sie in einen größeren geistesgeschichtlichen Kontext.
Der These von der „Verdrängung des Todes“ stellt sie
eine Analyse zu Stein gewordener Ambivalenzen,
Gegentendenzen, Sackgassen und Ungereimtheiten
gegenüber.
EIN TRILEMMA
Eingangs macht Buss, die für ihre Doktorarbeit mit
dem Deubner-Promotionspreis für junge Nachwuschswissenschaftler
ausgezeichnet wurde, darauf
aufmerksam, dass die Grabplastik ab dem 18. Jahrhundert
von der Kunstgeschichte bisher weitgehend
ignoriert worden ist.
Für den Kunsthistoriker und Gründer der Ikonologie,
Erwin Panofsky, endete die Geschichte der Grabskulptur
im Grunde mit Gian Lorenzo Bernini, der 1680 verstarb.
Lediglich Antonio Canova, der immerhin ein
und ein halbes Jahrhundert später lebte, billigte Panofsky
einen „Hauch von Originalität, ja Größe“ zu.
Ansonsten war sein Diktum klar: „Im Allgemeinen […]
befanden sich die, die nach Bernini kamen, in einem
Dilemma – oder eigentlich in einem Trilemma – zwischen
Großsprecherei, Sentimentalität und bewußtem
Archaismus.“
Panofskys apodiktisches Urteil hatte offenbar einen
dämpfenden Effekt auf die weitere Auseinandersetzung
mit dem Thema Grabskulptur. Das legt zumindest
der 2021 erschienenen Sammelband „Transformer
le Monument funéraire“ von Wiebke Windorf
und Birgit Ulrike Münch nahe, auf den Buss sich bezieht,
wenn sie den Stand der Forschung mit allen
Facetten darstellt.
50 S11| 2025
SCHÖNE WELT DER STEINE
Foto: © Historisches Museum Basel, Natascha Jansen
Daniel Burckhardt-Wildt: „Aquarellierte Zeichnung vom Grabmal der Maria Magdalena
Langhans“, Klebeband Nr. 70, 1788, Basel, Historisches Museum
S11| 2025 51