f+h fördern und heben 8/2025
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2884
08/2025 . 01/2026
€ 20,00
TITEL
Baukastenprinzip vereinfacht
26 Antriebs-Konfiguration
Transparenz beim
06 ökologischen Fußabdruck
Stefan Budweit über den
36 Zukunftskurs von Clark Europe
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EDITORIAL
NORMEN – HILFE
ODER HÜRDE?
Deutschland gilt als Land der Dichter und Denker – und, so scheint es,
auch als Land der Bürokraten. Kaum ein Bereich macht das deutlicher
als der Umgang mit Normen. Wussten Sie, dass allein in Deutschland
bereits über 34.000 DIN-Normen geschaffen wurden? Natürlich haben
Standards ihren Sinn: Sie schaffen Verlässlichkeit, erleichtern die
Zusammenarbeit und sorgen für Sicherheit. Doch zugleich wächst der
Eindruck, dass sich ein immer dichteres Geflecht an Vorschriften bildet
– nicht selten mit zweifelhaftem Nutzen. Kritisch wird es, wenn
Normungsgremien nicht transparent arbeiten – oder wenn bestimmte
Interessen überwiegen.
Ein Beispiel liefert die Diskussion um Balkonkraftwerke. Unterschiedliche
Institutionen – vom VDE bis zur Internationalen Elektrotechnikkommission
– mischen hier mit, und zwar teilweise mit widersprüchlichen
Ansätzen. Für Anwender entsteht dadurch ein kaum durchschaubares
Regelwerk, das Innovation eher bremst als fördert. Genau hier
liegt der Kern des Problems: Normen sollten nicht zum Selbstzweck
werden. Stattdessen braucht es Transparenz, pluralistisch besetzte
Gremien und – vor allem – die Orientierung am praktischen Nutzen.
Nur dann können Normen das leisten, was sie eigentlich sollen –
nämlich Fortschritt ermöglichen, nicht verhindern.
Auch in der Intralogistik erleben wir täglich, wie sehr Vorgaben, Zertifizierungen
und Standards unseren Handlungsspielraum prägen. Die
Herausforderung besteht darin, die richtige Balance zu finden: genug
Regeln für Sicherheit und
Effizienz, aber nicht so viele,
dass sie zur Innovationsbremse
werden.
Welche Erfahrungen machen
Sie mit Normen in Ihrem
Betrieb? Wo erleben Sie
hilfreiche Standardisierung
– und wo unnötige Hürden?
Ich freue mich auf den
Austausch mit Ihnen.
Winfried Bauer
– Chefredakteur –
w.bauer@vfmz.de
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INHALT
14
EDITORIAL
03 Normen – Hilfe oder Hürde?
PERSPEKTIVEN
06 Transparenz bei Ressourcenverbrauch und
Emissionen in der Intralogistik
Studienansatz macht Klimawirkung von Anlagen
messbar
20 F+H NACHGEFRAGT bei Theresa Gröninger
Neue Generation intelligenter Fördertechnik für
individuelle Materialflusslösungen
Eine Kombination aus Softwaresteuerung, modularer
Bauweise und einfacher Integration
32 Kollaboratives Case-Picking mit AMR
Die Zukunft der Auftragsabwicklung gestalten
IMPULSE
10 Vom digitalen Schatten zum digitalen Zwilling der
Produktion
Materialflüsse analysieren und Verschwendung
reduzieren
12 Prädiktive Analytik verbindet ERP-Systeme mit
Sensordaten für eine intelligente Steuerung
Lager vorausschauend und energieeffizient optimieren
14 Nachrüstungen verlängern Kranlebensdauer
Bestandsanlagen gezielt modernisieren
30 Cobots erfordern neue Sicherheitskonzepte im
automatisierten Materialfluss
Veränderten Risiken begegnen
PRODUKTE UND SYSTEME
18 Unitechnik verbindet Retrofit und Neubau
Neue Logistikrezeptur bei Hela
22 Selmoni Smart Handling modernisiert und verlagert
Schleiflinie bei Swiss Krono
In neun Wochen war alles erledigt
24 Strategische Neuausrichtung im Sorter-Geschäft der
Knapp-Gruppe
DFT wird konzernweites Kompetenzzentrum
25 Wie Konsumgüterlogistiker auf E-Commerce-Boom
und volatile Märkte reagieren
Digitalisierung trifft auf Flexibilität im Lager
32
20
40
4 f+h 2025/08 www.foerdern-und-heben.de
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TITELBILD
Getriebebau
Nord GmbH
& Co. KG,
Bargteheide
Safety
und
Security?
Aber
sicher.
26 TITELSTORY Nord Drivesystems erweitert
LogiDrive-Produktfamilie
Baukastenprinzip vereinfacht Antriebs-Konfiguration
28 Automatisierte Barcode-Erfassung optimiert
Auftragsabwicklung
Vision-System reduziert Bearbeitungszeiten und
Fehlerquote
34 Kooperation entwickelt individuelle
FTS-Lösung für Automobilhersteller
Expertise aus verschiedenen Branchen vereint
40 STAPLERTEST Jungheinrich bringt Schubmaststapler
der ETV-3i-Serie für Dauereinsatz auf den Markt
Leistungsstarke Schubmaststapler meistern den
Praxistest
44 80 Jahre Koch-Lagertechnik
Von der Textilverarbeitung zur Lagertechnik
46 Digitale Highlights
48 Fixit-Gruppe optimiert Materialdisposition mit
Supply-Chain-Management-Software
Lagerbestände gesenkt und Effizienz erhöht
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MENSCHEN UND MÄRKTE
36 F+H NACHGEFRAGT bei Stefan Budweit:
„Wir haben noch viel Wachstumspotenzial“
50 F+H PERSÖNLICH Christian Fenk
SERVICE
51 Vorschau auf Heft 02/2026
23 Impressum
SPS Nürnberg
25.–27. November 2025
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TRANSPARENZ BEI RESSOURCENVERBRAUCH UND EMISSIONEN IN DER INTRALOGISTIK
STUDIENANSATZ MACHT KLIMAWIRKUNG
VON ANLAGEN MESSBAR
Die Intralogistik trägt erheblich zu
Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen
bei. Für Betreiber und Hersteller wird es
wichtiger, den ökologischen Fußabdruck über
den Lebenszyklus zu erfassen. Grundlage bilden
internationale Standards und detaillierte
Datensammlungen. Eine aktuelle Studie zeigt,
wie Unternehmen auf dieser Basis Emissionen
einzelner Produkte und kompletter Anlagen
berechnen können. So entstehen Werkzeuge, mit
denen sich Planungen bewerten und
Nachhaltigkeitsziele umsetzen lassen.
Die Intralogistik ist zentrales Element der Logistikbranche
und ein ressourceneffizienter Umgang für viele Unternehmen
mittlerweile Selbstverständlichkeit. Denn es
lassen sich nicht nur Kosten durch weniger Stromverbrauch
einsparen, auch hinsichtlich der Treibhausgas-(THG-)
Emissionen ist Energieeffizienz gleichbedeutend mit Emissionsreduktion.
Studien des World Economic Forums (WEF) [1] zufolge,
werden 13 Prozent der weltweiten logistischen THG-Emissionen
durch Logistikgebäude verursacht. In Marktumfragen des
Fraunhofer IML geben Betreiber von Logistikimmobilien wiederum
an, dass im Durchschnitt etwa 18 Prozent des Stromverbrauchs
der Intralogistik zugeordnet werden können. Sofern ein
nationaler Strommix angenommen und nicht elektrifizierte Intralogistik
hinzugerechnet wird, bedeutet dies 15 Prozent der operativen
THG-Emissionen von Logistikstandorten.
Nun ist aber nicht nur der Betrieb von Intralogistikanlagen für
Ressourcenverbrauch und THG-Emissionen verantwortlich. Vorund
nachgelagerte Prozesse haben großen Einfluss auf den Ressourcen-
und Energieverbrauch und den damit verbundenen
Emissionen: von der Gewinnung von Rohstoffen, über die Her-
6 f+h 2025/08 www.foerdern-und-heben.de
PERSPEKTIVEN
01
Anteil der Intralogistik an Stromverbrauch und THG-Emissionen an Logistikstandorten
21% 7%
67%
7%
1%
22%
Strom
Andere
Energieträger
Kältemittel-
Leckagen
Heizenergie
5%
28%
28%
18%
GILA-Stichprobe:
189 Logistikstandorte mit
Lagerung und/oder Umschlag
HVAC
Kälteanlagen für Ware
Beleuchtung
(innen & außen)
Intralogistik
14%
22%
23%
19%
?
7%
GILA-Stichprobe:
415 Logistikstandorte mit
Lagerung und/oder Umschlag
Transportverpackung
Quelle: basierend auf GILA-Marktstudie 2024
15%
stellung von Halbzeugen und Komponenten, der Endmontage
und Inbetriebnahme bis hin zu Nachrüstungen (Retrofit) und der
Demontage und dem Recycling von Anlagen oder -bestandteilen.
Diese THG-Emissionen werden – in Form des Product Carbon
Footprints (PCF) oder Umweltdeklarationen (EPD) – vermehrt
während des Einkaufsprozesses von Kunden nachgefragt. Hersteller
stehen somit vor der Aufgabe, diese Informationen schon
frühzeitig in der Planungs- und Angebotsphase für Intralogistikanlagen
abzuschätzen. Diese Informationen sind aber auch für
ein zukunftsorientiertes Produktdesign im Sinne der Circular
Economy und Nachhaltigkeit von Interesse.
VORGEHEN DER PCF-STUDIE
Das Fraunhofer IML begleitet in einer gemeinsamen Studie das
Technologieunternehmen TGW Logistics bei der quantitativen
Bewertung seines Produktportfolios auf drei Ebenen: Produkte,
Produktgruppen und individuelle Anlagen. Ziel ist dabei, Transparenz
bezüglich des Ressourcenverbrauchs und der THG-Emissionen
der eigenen Produkte zu schaffen. So können schon während
des Designs neuer oder weiterzuentwickelnder Produkte
Ansätze für mehr Nachhaltigkeit mitgedacht werden – beispielsweise
die Reduktion von THG-Emissionen. Zudem sollen vergleichbare
und reproduzierbare Kennzahlen für einzelne Produktvarianten
wie auch spezifische Anlagen ermöglicht und bei
Anfragen kommuniziert werden.
INTRALOGISTIK WIRD GRÜNER:
MIT PCF-STUDIE CO 2
-FUSSAB-
DRUCK SENKEN
Startpunkt der Studie sind die international anerkannten Standards
ISO 14040/44 für Ökobilanzen (Life Cycle Assessment LCA)
und ISO 14067 für Product Carbon Footprints (PCF). Der PCF einer
Intralogistikanlage quantifiziert die Gesamtmenge der THG-
Emissionen, welche die Anlage und die darin verbauten Module
während ihres Lebenszyklus verursachen. Im ersten Teil der Studie
fokussiert TGW Logistics die Berechnung des Embodied Carbon
Footprints, also die in der Herstellungsphase bis einschließlich
der Inbetriebnahme der Anlage verursachten THG-Emissionen.
Das sind aus Sicht des Anlagenbetreibers alle vorgelagerten
THG-Emissionen, die die Anlagen bis zur Schlüsselübergabe verursachen.
Aufgrund der Vielfalt intralogistischer Module und Anlagenkonfigurationen
hat TGW Logistics zu Beginn der PCF-Studie ein
repräsentatives Produktportfolio eingegrenzt. Dies ermöglicht es
dem Intralogistik-Spezialisten, zukünftig eine Vielfalt von Projekten
abbilden und potenzielle externe Anfragen beantworten zu
können. Gleichzeitig wird der Aufwand bei Datenaufnahme und
Bewertung in einem realisierbaren Rahmen gehalten. 21 typische
02
Vorgehensschema Projekt und PCF-Berechnung
Auswahl
Produkte &
- varianten
Bewertungsmodell
&
Auswertungsschema
Datensammlung
auf
Basis von u.a.
Stücklisten
Beschreibung
übergeordneter
Prozesse
Validierung
mittels
Referenzanlage
Kalkulator mit
Produktmodulen
ggf.
Feinjustieren
& Detaillieren
www.foerdern-und-heben.de f+h 2025/08 7
PERSPEKTIVEN
Produkte mit in Summe über 40 Produktvarianten der unterschiedlichen
Produktgruppen wurden ausgewählt und aktuelle
und vollständige Datenkataloge erstellt. Varianten dienen dazu,
die Vielfalt auf Produktebene abzubilden und deren potenziellen
Einfluss auf die THG-Emissionen abzuschätzen.
HERAUSFORDERUNGEN BEI DATEN UND
LIEFERKETTEN
03
90.000
80.000
70.000
60.000
50.000
40.000
30.000
20.000
10.000
–
Auswertung einer fiktiven Anlage
THG-Emissionen pro Produktgruppe in kg
Produktgruppe 1 Produktgruppe 2 Produktgruppe 3 Produktgruppe 4 Produktgruppe 5 Produktgruppe 6
Anteil an den Gesamtemissionen der Anlage
PCF-STUDIE SCHAFFT TRANS-
PARENZ: TGW LOGISTICS KANN
NUN THG-EMISSIONEN SEINER
ANLAGEN PRÄZISE ERMITTELN
Die Datensammlung umfasst einerseits die Wahl sinnvoller Auslegungsparameter
und Basiseinheiten der jeweiligen Produkte
(zum Beispiel Länge der Förderstrecke oder Anzahl Stellplätze).
Andererseits wurden die entsprechenden Stücklisten vereinfachend
materialbasiert ausgewertet und eine Aufstellung der
Menge an einzelnen Metallsorten, Kunststofftypen, elektrischen
Komponenten etc. erarbeitet. Übergeordnete Prozesse wie der
Versand, die Endmontage und die Inbetriebnahme wurden mit
projektspezifischen Rahmenparametern beispielsweise den Entfernungen,
der Feldverkabelung oder der Mitarbeitenden vor Ort
beschrieben, sodass sich individuelle Intralogistiklösungen bewerten
lassen.
Wenn möglich, werden Primärdaten bei den jeweiligen Lieferanten
abgefragt oder produktspezifische Verbräuche gemessen.
Die Datenverfügbarkeit hält jedoch nach wie vor Herausforderungen
bereit. Hierzu gehören beispielsweise die vielen unterschiedlichen
Lieferanten, die einzubinden sind. Zudem können Inhouse-Daten
in mehreren IT-Systemen vorliegen. Außerdem
müssen die für den PCF relevanten Informationen in ausreichender
Datenqualität verfügbar sein. Wo Datenlücken nicht geschlossen
werden können, werden daher für den Augenblick gemeinsam
Annahmen getroffen oder auf international anerkannte Ökobilanz-Datenbanken
wie ecoinvent und GaBi zurückgegriffen und
mit Sekundärdaten Verbräuche abgeschätzt. Diese werden in einem
späteren Validierungsschritt überprüft und bei Bedarf nachgebessert.
Ein Detailmodell für die Berechnung der THG-Emissionen
wurde in der Bilanzierungssoftware Umberto umgesetzt. Mit
diesem Detailmodell findet einerseits die Validierung mithilfe individueller
Projekte statt. Andererseits dient dieses zur Ableitung
von THG-Kennzahlen auf Ebene der jeweiligen Produktvarianten
und übergeordneten Prozesse, die sich in einem Kalkulator für die
schnelle THG-Emissionsberechnung nutzen lassen.
EMISSIONSKALKULATOR ALS ERGEBNIS
In der gemeinsam erstellten PCF-Studie wird demzufolge nicht
nur eine exem plarische Intralogistikanlage modelliert, sondern
ein Ansatz er arbeitet, mit dem über Basismodule relevante Größen
und Konfigurationen unterschiedlicher
Anlagen skaliert und die THG-
Emissionen auf Anlagenebene berechnet
werden können. Im Ergebnis erhält
TGW Logistics einen spezifischen Kalkulator,
mithilfe dessen das Technologieunternehmen
anschließend Intralogistikanlagen
aus geplanten und realisierten Projekten
über vereinfachte Eingabedaten
selbst skalieren, einem Aufstellungsland
zuordnen und den Embodied Carbon
Footprint berechnen kann. Eine spätere
Erweiterung, Aktualisierung oder Detaillierung
des Carbon-Footprint-Modells
und des Kalkulators wird mitgedacht,
damit auch zukünftig neue Produkte in
das Portfolio aufgenommen, Updates der
zugrundeliegenden Datenbanken berücksichtigt
und potenzielle Produktentwicklungen
(zum Beispiel alternative Materialien
oder Lieferanten) abgebildet
werden können.
Montage
<1%
Transport Beschaffung
1%
Holz
<1%
Transport Auslieferung
5%
Stahl
67%
Endmontage
5% Messing
<1%
Kupfer
<1%
Alluminium
7%
Kunststoffe
9%
Elektronik
5%
Quellenhinweis:
[1] n. n.: World Economic Forum WEF: Supply
Chain Decarbonization. The Role of Logistics and
Transport in Reducing Supply Chain Carbon
Emissions. 2009
Autorinnen und Autoren:
Kerstin Dobers und Anna Preut, wissenschaftliche
Mitarbeiterinnen Abt. Nachhaltigkeit und
Kreislaufwirtschaft Fraunhofer IML, Dortmund
Frederic Veit, wissenschaftlicher Mitarbeiter Abt.
Maschinen und Anlagen Fraunhofer IML,
Marc Schirl, Sustainability Strategy Manager
TGW Logistics, Marchtrenk/Österreich
Foto/Grafiken: TGW Logistics, Fraunhofer IML
www.iml.fraunhofer.de
8 f+h 2025/08 www.foerdern-und-heben.de
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IMPULSE
VOM DIGITALEN SCHATTEN ZUM DIGITALEN ZWILLING DER PRODUKTION
MATERIALFLÜSSE ANALYSIEREN UND
VERSCHWENDUNG REDUZIEREN
Digitale Zwillinge werden
oft mit aufwendigen
3D-Visualisierungen von
Produktionsanlagen assoziiert.
Für die Optimierung von
Wertströmen reicht das jedoch
nicht. Entscheidend sind
Materialfluss, Bestände und
Verschwendung zwischen
den Prozessen.
Der digitale Schatten bildet Wertströme auf Basis von historischen
Plan- und Ist-Daten ab. Der digitale Zwilling
erweitert dieses Modell um Simulationen und Echtzeitanpassungen.
So können Unternehmen ihre Produktionsabläufe
ganzheitlich darstellen und verbessern. Ein methodisches
Vorgehen in fünf Schritten – von der Zieldefinition bis zum
zukünftigen Wertstromdesign – verwandelt Produktionsdaten in
konkrete Verbesserungen.
Der digitale Zwilling zählt zu den Schlüsselkonzepten von Industrie
4.0. Häufig ist er mit eindrucksvollen Darstellungen verknüpft,
etwa mit animierten 3D-Modellen von Robotern, Förderbändern
oder ganzen Produktionsanlagen. Diese Visualisierungen
sind zwar attraktiv, für die Logik der Wertstromoptimierung
jedoch unzureichend. Entscheidend bleibt, wie das Material
fließt, welche Bestände zwischen den Prozessen liegen und wo
Verschwendung entsteht.
DIGITALER SCHATTEN – DIE VORSTUFE
Die Vorstufe zum digitalen Zwilling ist der digitale Schatten, der
ein Abbild der Wertströme auf Basis von Vergangenheitsdaten
aus MES-, ERP- oder Sensordaten erzeugt. So wird sichtbar, wie
Produkte durch die Produktion gelaufen sind und wo Engpässe,
Wartezeiten oder Bestände aufgetreten sind.
Dieser Ansatz ähnelt der klassischen Wertstromanalyse, die
früher meist nur als Momentaufnahme bei einzelnen Produkten
genutzt wurde. Da Wertströme in der Praxis selten isoliert stehen,
war die Aussagekraft begrenzt. Die digitale Wertstromanalyse
baut dagegen ein Gesamtmodell aller Wertströme eines Unternehmens
oder einer Fabrik auf.
DIGITALER ZWILLING – DYNAMISCHES ABBILD
Der digitale Zwilling geht über den Schatten hinaus: Er bildet die
Abläufe dynamisch ab, simuliert Nachfrage- und Prozessänderungen,
passt sich in Echtzeit an und schafft so die Voraussetzungen
für die Optimierung aller Wertströme. Damit ist der digitale Zwilling
dem klassischen Wertstromdesign ähnlich – erweitert um Datenbasis
und Echtzeitanalyse – und eröffnet die Möglichkeit, ein
unternehmens- oder fabrikweites Optimum zu definieren.
IN FÜNF SCHRITTEN ZUM DIGITALEN ZWILLING
DER WERTSTRÖME
Unternehmen, die ihre Wertströme mit einem digitalen Zwilling
ganzheitlich optimieren wollen, können einem Vorgehen in fünf
Schritten folgen. Das Beispiel eines Herstellers für Luftfahrtteile
zeigt, wie das in der Praxis aussieht.
Schritt 1: Kick-off und Zieldefinition
Um fundierte Projektziele zu definieren, schafft ein Kick-off-
Workshop zunächst ein solides Grundverständnis der Ausgangslage.
In diesem Rahmen werden Kundenbedarfe und Bedarfsschwankungen
analysiert, woraufhin Ziele wie die Senkung der
Durchlaufzeiten festgelegt werden.
01 Beispielhafte Visualisierung von Materialmengen an
einem Arbeitsplatz über den Zeitraum von circa 1,5 Jahren
10 f+h 2025/08 www.foerdern-und-heben.de
02 Beispielhafte Datenauswertung und automatischer Export
in PowerPoint mit dem Digital-Value-Stream-Designer
Im Beispiel des Luftfahrtteile-Herstellers zeigte
sich, dass Bedarfsschwankungen aufgrund von
Auftragsvorlaufzeiten, Produktportfolio und Bestellmengen
kaum ins Gewicht fielen und daher
für die Optimierung vernachlässigt werden
konnten.
Schritt 2: Datensammlung und Cleansing
Im zweiten Schritt werden die erforderlichen
Daten aus ERP- und MES-Systemen gesammelt
und bereinigt. Damit diese korrekt interpretiert
werden können, ist es entscheidend, die zugrunde
liegenden Buchungslogiken zu verstehen
– etwa bei Gemeinkosten, Nacharbeit oder
Maschinen- und Mitarbeiterstunden.
Im Beispiel fiel auf, dass Gemeinkosten ausschließlich
auf eine Abteilungskostenstelle zurückgemeldet
wurden. Zudem war Nacharbeit
uneinheitlich verbucht und teilweise als Produktivarbeit
gekennzeichnet.
Schritt 3: Daten auswerten (Data Mining)
Anschließend beginnt das eigentliche Data
Mining: Daten werden analysiert, Kundenaufträge
rückverfolgt und Prozessverbindungen
visualisiert. So entsteht ein digitaler Schatten
der Wertströme mit realen Durchlaufzeiten und
Beständen. Das Beispiel zeigt vier zentrale Ergebnisse:
Nur rund 75 Prozent der Rückmeldedaten aus
ERP- und MES-Systemen waren valide; 25 Prozent
waren fehlerhaft oder leer,
die Visualisierung der realen Routings offenbarte
Abweichungen vom Soll-Arbeitsplan,
Durchlaufzeiten ließen sich berechnen und
Bestandsverläufe wurden transparent.
Schritt 4: Ergebnisse interpretieren
Die Analyse zeigt Liegezeiten und Bestände in
der kompletten Produktion auf. Sie macht deutlich,
wie Dispositionsverhalten und Terminjagden
den Produktionsfluss beeinträchtigen. Die
korrekte Interpretation dieser Daten ist erfolgskritisch
für die Wertstromoptimierung.
Im Beispiel zeigten sich Nacharbeitsquoten
von mehr als 40 Prozent in bestimmten Werkstätten
– bedingt durch geringe Stückzahlen und
eine unzureichende Industrialisierung. Auch
wenn diese Nacharbeit unvermeidbar schien,
ergab sich ein großes Verbesserungspotenzial
durch bewusste Einplanung und kontinuierliche
Optimierung.
Häufig reagieren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
zunächst skeptisch oder ablehnend auf
solche Ergebnisse. Organisationen sollten daher
das Bewusstsein für kontinuierliche Verbesserung
fördern und das Personal aktiv in die Analyse
einbinden, um Akzeptanz zu schaffen.
Schritt 5: Design des zukünftigen Wertstroms
Im letzten Schritt wird der digitale Schatten
durch einen digitalen Zwilling ersetzt. Der zukünftige
Wertstrom kann entweder radikal über
einen „Nordstern“ definiert oder schrittweise
ausgehend vom Status quo entwickelt werden.
Ziel ist es, konkrete Maßnahmen zur Reduktion
von Verschwendung und zur Stabilisierung der
Produktion zu planen und deren Wirkung im digitalen
Zwilling messbar zu machen.
Im Beispiel des Zulieferers bestand die wichtigste
Maßnahme in der Entkopplung von Teilwertströmen
und der Lagerfertigung von Zwischenerzeugnissen,
die in mehreren Produkten
eingesetzt werden. Dadurch ließ sich die Steuerung
komplexer Varianten verbessern und die
Gesamtdurchlaufzeit deutlich senken.
FAZIT
Der digitale Zwilling der Wertströme ist weit
mehr als eine eindrucksvolle Visualisierung: Er
ist ein Instrument der strategischen, kontinuierlichen
Produktionsverbesserung. Aus Daten werden
konkrete Maßnahmen, Verschwendung wird
reduziert, Prozesse werden stabilisiert – und die
Produktion wird nachhaltig leistungsfähiger.
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INTRALOGISTIK
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IMPULSE
PRÄDIKTIVE ANALYTIK VERBINDET ERP-SYSTEME MIT SENSORDATEN
FÜR EINE INTELLIGENTE STEUERUNG
LAGER VORAUSSCHAUEND UND
ENERGIEEFFIZIENT OPTIMIEREN
Ungleichmäßige Arbeitslasten, Anlagenausfälle
und teure Überstunden belasten Lager- und
Distributionszentren. Prädiktive Analytik schafft
Abhilfe durch die intelligente Verknüpfung von
ERP-Daten mit IoT-Sensoren. Die 4P-Strategie
aus Planen, Prüfen, Prognostizieren und
Pivotieren überführt Prognosen systematisch in
operative Maßnahmen. KI weist Lkw freie Tore
zu, verschiebt Ladevorgänge in energiegünstige
Zeiten und plant Wartungen vor drohenden
Ausfällen. Anwendungsfälle reichen vom
Laderampen-Management über
vorausschauende Wartung bis zur Optimierung
der Kühlkette. Das System lernt kontinuierlich
und baut Expertenwissen auf.
Die globale Logistik steht zunehmend unter Druck. Steigende
Energiekosten, Fachkräftemangel und instabile
Lieferketten, beeinflusst durch geopolitische und klimatische
Faktoren, wirken sich direkt auf Lager- und Distributionszentren
aus. Lange Wartezeiten, ungleichmäßige Arbeitslasten,
Anlagenausfälle und teure Überstunden sind die Folge.
Prädiktive Analytik setzt genau da an. KI hilft bei der Kontextualisierung
von ERP-Daten wie Aufträge, Zeitpläne und Kosten mit
Echtzeitdaten aus IoT-Systemen. So entstehen Prognosen, die
operative Probleme vorausschauend identifizieren, um sie präventiv
zu lösen, bevor sie eskalieren.
DIE 4P-STRATEGIE ALS REGELKREIS
Ein in der Praxis erprobtes Vorgehen zur Einführung prädiktiver
Analytik ist die 4P-Strategie, ein Zyklus aus Planen, Prüfen, Prognostizieren
und Pivotieren. Aufträge, Lagerbestände und Arbeitsanweisungen
im ERP-System bilden die Grundlage für die Planung.
In der anschließenden Überprüfung wird der Plan mit der
Realität abgeglichen, etwa durch Barcode-Scans, Energiemessungen
oder Fahrzeugdaten. Darauf aufbauend prognostiziert
die KI Entwicklungen in der nahen Zukunft. Zum Beispiel frequentierte
Lagerzonen, die Ankunftszeiten von Lkw oder drohende
Energieverbrauchsspitzen. Die entscheidende Phase ist die Pivotierung:
Prognosen werden in konkrete Maßnahmen übersetzt.
Das System weist einem Lkw ein freies Tor zu, verschiebt Batterieladevorgänge
in Zeiten von Energieüberschuss oder plant
Wartungen, bevor Ausfälle drohen. Die KI überprüft fortlaufend
12 f+h 2025/08 www.foerdern-und-heben.de
IMPULSE
die Wirkung und baut eine Wissensbasis auf, um die Effizienz
kontinuierlich zu steigern.
ANWENDUNGSFÄLLE ENTLANG DES
MATERIALFLUSSES
PRÄDIKTIVE ANALYTIK
VERKNÜPFT ERP-DATEN MIT
IOT-SENSOREN
KI steigert die Effizienz der operativen Steuerung, indem sie ERP
sowie kontextualisierte IT- und OT-Daten (Operational Technology)
einbezieht. Im Folgenden einige exemplarische Anwendungsfälle.
Im Laderampen- und Containermanagement lassen sich Ankunftszeiten
und Rampenkapazitäten abgleichen, um die Entladereihenfolge
zu optimieren und wichtige Lagerhaltungseinheiten
zu priorisieren. Innerhalb des Lagers sorgt prädiktive Analytik
für problemlose Abläufe, indem sie Engpässe vorhersagt, Aufgaben
neu verteilt und Flottenbewegungen umlenkt. Auch die
Bedarfsplanung wird neu gedacht: Historische Daten und externe
Faktoren ermöglichen präzise Prognosen, mit denen Schnelldreher
optimal gelagert und Nachschubprozesse automatisiert
angestoßen werden. Dies verkürzt Wege, reduziert Fehl- oder
Überbestände und erhöht die Verfügbarkeit.
Ein weiterer Hebel ist die vorausschauende Wartung. Schon
kleinste Abweichungen bei Vibration oder Stromaufnahme bei
Förderbändern werden erkannt und führen zu geplanten Reparaturen,
bevor teure Ausfälle entstehen. In der Kühlkette lassen sich
ungewollte Temperaturschwankungen früh identifizieren, Container
automatisch zu vorbereiteten Laderampen leiten und
HVAC-Systeme (Heizung, Lüftung, Klimatechnik) sowie Ladevorgänge
von Elektrofahrzeugen an Energiepreise koppeln. So sinken
Warenverluste und Kosten. Auch die Sicherheit des Personals
profitiert: Systeme erkennen erhöhtes Verkehrsaufkommen, leiten
Tempolimits oder Einbahnstraßenregelungen ein und minimieren
Unfallrisiken.
EIN TYPISCHER TAG MIT KI-GESTÜTZTER
INTRALOGISTIK
Um 6:45 Uhr beginnt der Arbeitstag. ERP- und Transportmanagementsystem
zeigen ankommende Lieferungen, während GPS-
Sensordaten der Lkw melden, dass zwei Container zwanzig Minuten
früher eintreffen. Die KI weist die Entladerampen 6 und 7 zu,
damit die Ware für einen kritischen und dringenden Kommissionierauftrag
um 10:30 Uhr zur Abholung vorbereitet ist. Gegen 8:50
Uhr erkennt das System einen starken Anstieg an fahrerlosen
Transportfahrzeugen im Lagerbereich C. Die Software verzögert
betroffene Kommissionieraufträge um sieben Minuten und führt
eine Einbahnstraßenregelung für fahrerlose Transportfahrzeuge
ein. Der Lagerumschlag bleibt dadurch stabil. Um 11:30 Uhr steigt
der Stromverbrauch und die Temperatur eines Antriebsmotors an
einem Förderband. Das System reagiert automatisch, indem es
das Sendungsvolumen vom Förderband in andere Bereiche umlenkt
und parallel im ERP einen Reparaturauftrag anlegt. Der Lagerumschlag
bleibt dadurch konstant und das Förderband wird
zeitnah repariert. Am Nachmittag, um 14:00 Uhr, werden fahrerlose
Transportfahrzeuge vom System vermehrt in ihre Ladezonen
dirigiert, da die KI eine erhöhte Energieerzeugung der hauseigenen
Photovoltaikanlage (PV-Anlage) registriert. Bestehende Kommissionieraufträge
werden entsprechend umgeplant, bis die
fahrerlosen Transportfahrzeuge nach dem Ladevorgang wieder
zur Verfügung stehen. Die Energie aus der PV-Anlage wird somit
optimal und effizient genutzt. Um 16:30 Uhr zeigt das Video-Analytics-System
ein erhöhtes Unfallrisiko aufgrund einer auffällig
hohen Anzahl an Personen an Laderampe 3. Das System reagiert
mit einem Tempolimit und einer Einbahnstraßenregelung für
rund 40 Minuten. Der letzte Lkw verlässt das Gelände pünktlich,
die Mitarbeiter beenden ihre Schicht gesund und unversehrt.
AUSBLICK UND EMPFEHLUNGEN
Die Potenziale der prädiktiven Analytik sind längst nicht ausgeschöpft.
Zukünftig werden Lagerhäuser ihren Energieverbrauch
stärker an die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien anpassen.
CO 2
-Emissionen entwickeln sich zu einer ebenso relevanten
Kennzahl wie Kosten und Zeit.
Für die Einführung gilt es, das ERP-System als Kern der Ausführung
zu nutzen, dabei jedoch eine hohe Aufmerksamkeit auf die
Datenqualität zu legen. Entscheidend ist ein iteratives Vorgehen:
Erreicht ein Standort messbare Verbesserungen, sollte seine Konfiguration
aus Sensoren, Aktionen und KPI als Blaupause für andere
Standorte dienen.
FAZIT
Die Anwendung des 4P-Zyklus unter der Verwendung von ERPund
Echtzeitdaten ermöglicht es KI-Lösungen, Erkenntnisse in
Aktionen zu überführen. Das Ergebnis sind reduzierte Energieund
Wartungskosten, höhere Betriebssicherheit und verlässliche
Lieferketten. Expertenwissen wird im System persistiert, die operative
Leistung steigt und das Unternehmen gewinnt an Resilienz.
Autor: Sandeep Bhan, Global Expert Sales Lead – Industry 360, Atos, München
Foto: Andriy Onufriyenko – www.gettyimages.de
www.atos.net
AUF EINEN BLICK
n 4P-Strategie als Regelkreis:
Die Kombination aus Planen, Prüfen, Prognostizieren
und Pivotieren überführt ERP-Daten und IoT-Sensordaten
systematisch in konkrete operative Maßnahmen
n Vielfältige Anwendungsbereiche:
Von der Laderampenoptimierung über vorausschauende
Wartung bis zur energieeffizienten Steuerung von
Ladevorgängen und HVAC-Systemen
n Messbare Effizienzsteigerung:
Reduzierte Energie- und Wartungskosten, höhere
Betriebssicherheit, verkürzte Wege und verbesserte
Verfügbarkeit durch präzise Bedarfsprognosen
n Kontinuierliches Lernen:
Das System baut eine Wissensbasis auf, persistiert
Expertenwissen und steigert die operative Leistung
sowie Unternehmensresilienz fortlaufend
www.foerdern-und-heben.de f+h 2025/08 13
IMPULSE
NACHRÜSTUNGEN VERLÄNGERN KRANLEBENSDAUER
BESTANDSANLAGEN GEZIELT
MODERNISIEREN
Die mechanischen Grundstrukturen von Krananlagen halten oft über
Jahrzehnte hinweg. Elektronische Komponenten und Steuerungen altern
hingegen schneller und entsprechen schon nach wenigen Jahren nicht mehr
dem Stand der Technik. Gezielte Nachrüstungen können Bestandsanlagen fit
für moderne Anforderungen machen – meist mit höherer Produktivität und
geringeren Investitionskosten im Vergleich zu einem Neukauf. Die Praxis
zeigt jedoch, dass Retrofit-Projekte nicht automatisch erfolgreich sind. Eine
sorgfältige Analyse der bestehenden Anlage und eine realistische Bewertung
der zu erwartenden Verbesserungen sind entscheidend.
14 f+h 2025/08 www.foerdern-und-heben.de
IMPULSE
In europäischen Stahlwerken hat man ältere Brückenkrane mit
Frequenzumrichtern und intelligenten Funktionen wie Pendeldämpfung
(Sway Control) und präziser Positionierung (Target
Positioning) nachgerüstet. Durch zusätzliches Condition
Monitoring entstanden Anlagen mit höherer Produktivität, weniger
ungeplanten Ausfällen und einer bis zu 15 Jahre längeren
Nutzungsdauer.
Branchenberichte zur Digitalisierung zeigen, dass vor allem
kleine und mittelständische Betriebe durch digitale Nachrüstungen
Effizienzgewinne realisieren können. Retrofit entwickelt sich
damit zu einem wichtigen Baustein für die Integration von Bestandsanlagen
in die vernetzte Produktion.
Grenzen beachten: Nicht jede Anlage eignet sich gleichermaßen
für Retrofitmaßnahmen. Bei stark verschlissenen mechanischen
Komponenten oder veralteten Grundkonstruktionen kann
ein Neukauf wirtschaftlicher sein.
KRANBAHNQUALITÄT – OFT ÜBERSEHEN,
DOCH ENTSCHEIDEND
Ein häufig unterschätzter Faktor für die Zuverlässigkeit einer Anlage
ist die Kranbahnqualität. Selbst modernste Antriebe entfalten
ihr Potenzial nicht, wenn die Schienen nicht exakt ausgerichtet
sind. Abweichungen verursachen erhöhten Verschleiß, ungleichmäßige
Belastung und im schlimmsten Fall Stillstände
oder Unfälle.
Moderne Vermessungsverfahren wie die 3D-Lasermesstechnik
ermöglichen eine präzise Analyse der Kranbahngeometrie – inklusive
digitaler Auswertung und Trendanalysen über die Zeit. So
KRITERIEN FÜR RETROFIT IM
VERGLEICH ZUM NEUKAUF
Bei der Entscheidung zwischen Nachrüstung und Neukauf
sollten Betreiber folgende Aspekte systematisch bewerten:
n Zustand der mechanischen Grundstruktur,
n Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Service,
n Integrationsmöglichkeiten in bestehende Systeme,
n Gesamtkosten über die Restlaufzeit sowie
n Sicherheits- und Compliance-Anforderungen.
lassen sich potenzielle Schäden frühzeitig erkennen und gezielt
beheben, bevor es zu ungeplanten Ausfällen kommt.
Investitionsaspekt: Eine professionelle Kranbahnvermessung
verursacht zwar zusätzliche Kosten, rechnet sich jedoch meist
durch vermiedene Stillstände und geringeren Verschleiß.
HERAUSFORDERUNGEN BEIM RETROFIT IM
LAUFENDEN BETRIEB
In der Prozessindustrie ist jeder Stillstand teuer. Retrofit-Programme
müssen daher so ausgelegt sein, dass Modernisierungen
möglichst im laufenden Betrieb durchgeführt werden können.
EIN RETROFIT VERLÄNGERT
DIE KRANLEBENSDAUER UM
BIS ZU 15 JAHRE
In der Papierindustrie sorgte die Nachrüstung redundanter Steuerungen
sowie von Condition Monitoring für eine höhere Anlagenverfügbarkeit.
Zusätzlich steigern Energierückgewinnungssysteme,
die Bremsenergie ins Netz zurückspeisen, die Energieeffizienz.
Somit sind bis zu 15 Prozent Energieeinsparung möglich.
Praktische Hürden: Die Umsetzung erfordert eine sorgfältige
Planung der Stillstandsfenster. Häufig müssen Kompromisse zwischen
idealen technischen Lösungen und praktischen Umsetzungsmöglichkeiten
gefunden werden.
SERVICE UND WARTUNG: ERFOLGSFAKTOR FÜR
NACHHALTIGEN RETROFIT-NUTZEN
Retrofit entfaltet seinen vollen Nutzen erst durch die richtige Betreuung.
Präventive Wartung, regelmäßige Inspektionen und die
Verwendung von Original- oder gleichwertigen Ersatzteilen sind
dafür unerlässlich. Remote Monitoring kann darüber hinaus
wertvolle Einblicke in den Anlagenzustand liefern.
Fundierte Zustandsanalysen wie Crane Reliability Studies unterstützen
Investitions- und Modernisierungsentscheidungen
auf einer soliden Datenbasis. Im Zusammenspiel mit regelmäßigen
Kranbahnvermessungen entsteht ein ganzheitlicher Serviceansatz.
Kostenaspekt: Die laufenden Servicekosten sind in die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
einzubeziehen. Moderne Systeme erfordern
häufig speziell geschultes Personal.
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IMPULSE
sen, wenn die Fertigungszeichnungen bereits vorliegen. Liegt
die Kranbahn dann nicht innerhalb der Norm ISO 12488-1, können
die Anpassungskosten die eigentliche Kraninvestition übersteigen.
Wie häufig finden Sie fehlerhaft ausgerichtete Kranbahnen?
ANJA NOVY
Manager District
Operation Ost,
Konecranes
Anja Novy: Fehlerhafte Kranbahnen sind sehr häufig, sogar bei
Neubauprojekten. Daher empfehlen wir, jede neue Kranbahn
vor der Inbetriebnahme zu vermessen und ab 25 Jahren regelmäßig
zu überprüfen. Eine nicht normgerechte Bahn führt zu
erhöhtem Verschleiß, steigenden Wartungskosten und Sicherheitsrisiken.
Mit unserem 3D-Lasermesssystem RailQ 3D verfügen
wir über eine digitale, präzise Lösung, die sich ohne Betriebsunterbrechung
einsetzen lässt.
Wie überzeugen Sie skeptische Betreiber vom Nutzen von
Condition Monitoring?
WIR BEWERTEN JEDE
ANLAGE INDIVIDUELL
Wann lohnt sich aus wirtschaftlicher Sicht ein Retrofit
gegenüber einer Neuinvestition?
Anja Novy: Die Entscheidung zwischen Retrofit und Neuinvestition
ist komplex und hängt von vielen Faktoren ab. Wir analysieren
dabei die Traglast und Bauart der Anlage, die Einsatzart, den
aktuellen Zustand sowie die geplante Restlebensdauer. Auch die
Einbausituation und die notwendigen Stillstandszeiten spielen
eine wichtige Rolle. Es gibt keine pauschale Antwort – wir bewerten
jede Anlage individuell.
Welche Kriterien nutzen Sie in der Beratung? Gibt es
Faust regeln zu Alter oder Investitionsvolumen?
Anja Novy: Wir betrachten den kompletten Lebenszyklus eines
Krans und setzen auf regelmäßige Inspektionen, vorausschauende
Instandhaltung und Remoteservice zur kontinuierlichen
Überwachung. Als grobe Faustregel gilt: Bei Krananlagen unter
zehn Tonnen Traglast ist häufig eine Neuinvestition wirtschaftlicher.
Bei komplexen Anwendungen oder Tandembetrieb kann
jedoch auch unterhalb dieser Grenze ein Retrofit sinnvoll sein.
Warum wird die Kranbahnvermessung oft unterschätzt, und
welche Probleme sehen Sie in der Praxis?
Anja Novy: Die Kranbahn wird häufig vernachlässigt, obwohl sie
zentral für Sicherheit und Verfügbarkeit ist. Kritisch wird es bei
Neuinvestitionen in bestehenden Hallen: Oft wird erst vermes-
Anja Novy: Am besten gelingt das durch offene Gespräche und
Praxisbeispiele. Digitale Überwachung ermöglicht vorausschauende
Wartung statt starrer Intervalle – das senkt Kosten und
verlängert die Lebensdauer. Ein zentrales Element ist die Restlebensdauerberechnung
des Hubwerks: Statt nach festen Betriebsstunden
zu tauschen, messen wir die tatsächlichen Belastungen
und bestimmen die real verbleibende Lebensdauer.
Haben Sie konkrete Zahlen oder Beispiele aus Projekten?
Anja Novy: Nahezu jedes Modernisierungsprojekt zeigt deutliche
Effekte: Wir reduzieren ungeplante Stillstände um bis zu 30
Prozent durch datenbasierte Instandhaltung. Moderne Antriebstechnik
spart bis zu 15 Prozent Energie durch rückspeisefähige
Umrichter. Unser digitales System zur Fernwartung und Ferndiagnose
Truconnect etwa ermöglicht eine schnelle Fehlerdiagnose.
Diese Ergebnisse überzeugen selbst skeptische Betreiber,
wenn sie die Effekte in ihrer Kostenstruktur sehen.
Wie minimieren Sie Betriebsunterbrechungen bei
Modernisierungen?
Anja Novy: Retrofit im laufenden Betrieb erfordert sorgfältige
Planung und enge Abstimmung mit dem Betreiber. Jedes Projekt
ist kundenspezifisch – wir prüfen genau, was machbar ist, und
kommunizieren klar, wenn Arbeiten nur bei geplanten Stillständen
möglich sind. Unsere oberste Priorität ist Sicherheit. Keine
Aufgabe ist so wichtig und kein Termin so dringend, dass wir
nicht die Zeit finden, unsere Arbeit sicher und korrekt auszuführen.
Für größere Projekte setzen wir Projektmanager ein, die alle
Schritte koordinieren und als Schnittstelle zwischen Betreiber
und Serviceteam fungieren.
Die Fragen stellte Winfried Bauer, Chefredakteur f+h
NACHHALTIGKEIT UND WIRTSCHAFTLICHKEIT IN
EINKLANG BRINGEN
Unternehmen stehen heute vor der Herausforderung, Nachhaltigkeit
und Digitalisierung zu vereinen. Die Modernisierung von
Bestandsanlagen kann eine sinnvolle Alternative zum Neukauf
sein – sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus ökologischer Sicht
– und damit einen wichtigen Beitrag zur CO 2
-Reduktion und
Nachhaltigkeit leisten.
Die Praxis zeigt: Eine objektive Bewertung aller Faktoren ist entscheidend
für den Erfolg von Retrofit-Projekten. Nicht immer ist
die Nachrüstung die wirtschaftlichste Lösung – oft aber ein attraktiver
Mittelweg zwischen Investitionskosten und technischen
Verbesserungen.
WB
Fotos: Konecranes
www.konecranes.de
16 f+h 2025/08 www.foerdern-und-heben.de
MARKTPLATZ
RFID-FÄHIGE MEHRWEGBEHÄLTER ERHÖHEN PROZESSSICHERHEIT IN DER BUCHLOGISTIK
Mit einem maßgeschneiderten Mehrwegsystem hat die Georg Utz GmbH die neuen Logistikzentren des
Buchhandelsunternehmens Thalia in Marl und Hörselgau mit 360.000 Kunststoffbehältern und 432.000
Deckeln ausgestattet. Die robusten Einheiten aus UIC, einem ressourcenschonenden Sekundärrohstoff,
sind mit RFID-Technik ausgestattet und schaffen die Voraussetzungen für Rückverfolgbarkeit entlang der
Supply Chain. Verplombbare Deckel schützen vor Manipulation, Antirutschmatten sichern Buchcover, und
ein Noppenfeld erleichtert die Kennzeichnung. Die modularen Behälter-Deckel-Kombinationen sind für
den automatisierten Fördereinsatz optimiert und ersetzen geschäumte Systeme. Damit werden Einwegverpackungen
vermieden und der CO₂-Ausstoß reduziert.
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JUBILÄUMSVERANSTALTUNG VEREINT STRATEGIE UND TECHNOLOGIE
Das Teamlogistikforum feiert sein 25-jähriges Bestehen und hat sich zu einem etablierten Treffpunkt der Branche entwickelt. Am
25. November erwartet die Team GmbH rund 350 Fachbesucher im Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn. Die kostenfreie
Veranstaltung steht unter dem Motto „Aufbruch in der Intralogistik – Strategien, Technologien und Projektideen“.
Wirtschaftsjournalist Ulrich Ueckerseifer, bekannt aus ARD und WDR, eröffnet
den Tag mit seinem Vortrag „Weltwirtschaft am Rande des Chaos – Herausforderungen
der Intralogistik“. Mike Piljug von Maprom berichtet anschließend
über die Modernisierung eines Lagers und die Integration des Lager- und
Bereitstellungssystems AutoStore in das Lagerverwaltungssystem ProStore.
Steffen Obermann vom zufall.lab hinterfragt in seinem Beitrag gängige
Annahmen zur Automatisierung und zeigt Digitalisierungspotenziale auf.
Am Nachmittag vertiefen Workshops Themen wie KI-Technologien, Logistikstrategien
sowie Robotik. Etwa 25 Aussteller informieren in den Pausen über
ihre Produkte und Dienstleistungen. Expeditionsfotografin Ulla Lohmann
schließt die Veranstaltung mit ihrem Impulsvortrag „Reise zum Mittelpunkt
der Erde“ ab.
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Skalierbar – Platzoptimiert – Energieeffizient
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PRODUKTE UND SYSTEME
UNITECHNIK VERBINDET RETROFIT UND NEUBAU
NEUE LOGISTIKREZEPTUR BEI HELA
Wie bei einer Gewürzmischung kommt es auch in
der Logistik auf das richtige Zusammenspiel aller
Komponenten an. Bei der Hela Gewürzwerk
Hermann Laue GmbH in Ahrensburg müssen
täglich zigtausende unterschiedliche Artikel
bewegt werden. Um den logistischen
Anforderungen auch zukünftig gerecht zu werden,
hat das Familienunternehmen mit Unitechnik
einen erfahrenen Systemintegrator gefunden, der
ein maßgeschneidertes Logistikzentrum realisiert
hat. Dabei wurden neue Lager- und
Kommissionierbereiche gebaut und das seit
Jahrzehnten genutzte Hochregallager saniert –
eine Kombination aus Neubau und Retrofit.
Seit dem Jahr 1905 steht die Hela Gewürzwerk Hermann
Laue GmbH für Geschmack, Vielfalt und Qualität. Vor allem
der Hela-Gewürz-Ketchup-Curry ist weltweit in Haushalten,
auf Grilltischen und in Kühlschränken etabliert.
Am Standort Ahrensburg arbeiten rund 500 Mitarbeiter täglich
daran, ein breites Sortiment an Gewürzen, Essig und kulinarischen
Spezialprodukten herzustellen, das in mehr als 65 Länder
exportiert wird. Das Familienunternehmen muss flexibel auf die
Herausforderungen eines globalen Markts reagieren und verbindet
traditionelle Handwerkskunst mit moderner Fertigung.
Um den dynamischen Ansprüchen bei der Produktion und
dem Versand gerecht zu werden, hat sich das Unternehmen für
eine Investition in eine umfassende Modernisierung am Standort
Ahrensburg entschieden. Dabei wurde die Logistik vollständig
neu aufgestellt. Zunächst wurde die Unitechnik Systems GmbH
aus Wiehl mit der Planung der Logistik beauftragt. Gemeinsam
entwickelten beide Unternehmen ein durchdachtes Layout und
die beste Strategie. Im engen Austausch mit verschiedenen
Fachabteilungen entstand die Basis für die Umsetzung des neuen
Logistikzentrums. Im nächsten Schritt realisierte Unitechnik
dann das komplette Projekt, das Neubau und Retrofit geschickt
kombiniert. So entstand ein Logistikzentrum mit vielfach erhöhter
Lagerkapazität, das mit dem umfassend sanierten Hochregallager
vernetzt ist. Diese Kombination sorgt dafür, dass der Betreiber
künftig flexibler auf Marktanforderungen reagieren und auch
das wachsende B2C-Geschäft bedienen kann.
AUTOMATISIERTE PROZESSE VERSORGEN
SUPERMÄRKTE UND ENDVERBRAUCHER
Das Logistikzentrum umfasst ein dreigassiges Hochregallager in
Silobauweise mit rund 8.400 Stellplätzen. Hinzu kommen ein
zweigassiges Behälter-Shuttle-System mit Platz für fast 39.000 Behälter
sowie ein Hubbalkenspeicher mit etwa 1.000 Plätzen. Das
logistische Herzstück der Anlage ist die Kommissionierhalle. Auf
AUTOMATISIERTE INTRA-
LOGISTIK BEI HELA VERBINDET
EFFIZIENZ UND FLEXIBILITÄT
einer Bühne mit einer Fläche von 900 m² stehen sechs Ware-zum-
Mann-Kommissionierplätze zur Verfügung. Die Anlage ist auf
Effizienz und Flexibilität ausgelegt und unterstützt eine Vielzahl
von Artikeln – vom Wareneingang bis zum Versand. Handels- wie
Endkundengeschäft lassen sich so zuverlässig versorgen.
Im Zentrum steht eine automatisierte Kommissionier- und
Versandinfrastruktur, bei der Waren bedarfsgerecht bereitgestellt,
verpackt, etikettiert und versandgerecht konsolidiert werden.
Stationäre Fördertechnik, automatisierte Verpackungsstationen
und robotergestützte Prozesse reduzieren körperlich belastende
Tätigkeiten und sichern eine gleichbleibend hohe Abwicklungsqualität.
Das Lagerverwaltungssystem UniWare steuert die Lagerprozesse
in Echtzeit und integriert außerdem die Anbindung an das
SAP-System von Hela. Dadurch sind alle Materialbewegungen
vom Wareneingang bis zum Versand lückenlos und in Echtzeit
nachvollziehbar. Mithilfe der neuen Anlage lassen sich Kunden
weltweit schneller, zuverlässiger und mit größerer Variantenvielfalt
beliefern – bei gleichzeitiger Skalierbarkeit für zukünftige
Marktanforderungen.
NEUBAU UND RETROFIT GEHEN HAND IN HAND
„Der Umbau unserer Lagerlogistik war eine Kombination aus
dem Bau eines neuen Logistikzentrums und der Integration eines
modernisierten Hochregallagers“, so Markus Laue, Leiter Logistik
und Projektmanagement bei Hela. „Unitechnik hat die Projektschritte
so geplant und umgesetzt, dass wir den Produktions- und
18 f+h 2025/08 www.foerdern-und-heben.de
01
01 Das neue Hochregallager bietet Platz für ca. 8.400 Paletten
bei doppeltiefer Lagerung
02 Ein kombinierter Palettier- und Depalettier-Roboter entlastet
die Mitarbeiter von körperlich schwerer Arbeit
03 Staplerterminals und Bildschirme über den Verladerampen
unterstützen die Mitarbeiter bei der Verladung
Lieferbetrieb auch während der Bauarbeiten durchgehend aufrechterhalten
konnten.“
Zuerst entstand neben dem vorhandenen Lager ein neuer Bereich
mit Hochregallager, Kleinteilelager und Kommissioniertechnik.
Eine Herausforderung für die Bauphase war es, dass die
neuen Gebäude unmittelbar neben einer Bahnlinie errichtet
wurden. Der Neubau wurde unabhängig von den bisherigen Logistikprozessen
in Betrieb genommen und ersetzte sukzessive die
alte Logistikanlage. So konnte Hela seine Kunden auch während
der verschiedenen Bauphasen zuverlässig beliefern.
Im nächsten Schritt sanierte Unitechnik das langjährig genutzte
Hochregallager. Dabei wurden die Regalbediengeräte ausgetauscht
und die Fördertechnik sowie die Steuerungs- und Leittechnik
modernisiert. Das neue Layout bietet die nötige Flexibilität,
um den Anforderungen des globalen Lebensmittelmarkts gerecht
zu werden und gleichzeitig den Fachkräftemangel durch
Automatisierung abzufedern. So hat Hela seine Lagerkapazitäten
erweitert und seine Logistikprozesse zukunftsfähig gestaltet.
„Mithilfe der Automatisierung und der Integration von UniWare
können wir auch das immer größere Auftragsvolumen aus unserem
neuen Online-Shop effizient bearbeiten“, erklärt Laue. „Für
zukünftige Herausforderungen sind wir bestens gerüstet.“
Fotos: Unitechnik
www.unitechnik.com
02
03
www.foerdern-und-heben.de f+h 2025/08 19
PERSPEKTIVEN
F+H NACHGEFRAGT
NEUE GENERATION INTELLIGENTER FÖRDERTECHNIK
FÜR INDIVIDUELLE MATERIALFLUSSLÖSUNGEN
EINE KOMBINATION AUS SOFTWARESTEUERUNG,
MODULARER BAUWEISE UND EINFACHER INTEGRATION
Flexibel, kompakt, effizient – das sind drei
Attribute der neuen Generation intelligenter
Fördertechnik namens cv.GO der cellumation
GmbH, Bremen. Doch das ist nicht alles. Im
Interview erläutert Theresa Gröninger, Head
of Marketing & Business Development des
Systemanbieters, welche Potenziale sich
Integratoren und Anwendern eröffnen.
Was unterscheidet die cv.GO-Module grundlegend von
klassischen Drehtellern und Eckumsetzern und welche technischen
Potenziale ergeben sich daraus für
End-of-Line-Anwendungen?
Theresa Gröninger: cv.GO basiert auf modularen Zellen mit
omnidirektionalen Rollen, den Omni-Wheels, die es erlauben,
Fördergüter präzise in jede Richtung zu bewegen und um 90
oder 180 Grad zu drehen – komplett softwaregesteuert. Im Gegensatz
zu klassischen Drehtellern entfallen dadurch große
rotierende Massen, komplexe Mechanik und aufwändige Sicherheitszonen.
Die Omni-Wheels vermeiden harte Anschläge und
sind daher wartungsarm sowie leistungsstark. In einem Einsatzfall
bei der ETT Verpackungstechnik GmbH lassen sich bei vollständigen
Rotationsbewegungen Durchsätze von bis zu 20 Kartons
pro Minute erzielen. Die Durchsatzleistung hängt jedoch
stets von den Objektgrößen und Förderbewegungen ab.
Der vollelektrische Betrieb, die kompakte Bauweise und der
deutlich reduzierte Energieverbrauch machen den cv.GO zu
einer nachhaltigen Alternative. Bis zu 75 Prozent Platzersparnis
gegenüber konkurrierenden Systemen sind möglich – bei gleichzeitig
höherer Flexibilität und Prozesssicherheit.
Wo Sie das Thema Prozesssicherheit ansprechen. Wie funktioniert
die 90-Grad-Ausschleusung fehlerhafter Trays in der
Praxis und welche Rolle spielt dabei die kompakte Bauweise
der Module?
Theresa Gröninger: Im zuvor erwähnten Anwendungsfall bei
der ETT Verpackungstechnik GmbH werden Trays zunächst
geformt, befüllt, verdeckelt und anschließend durch ein externes
Prüfsystem kontrolliert. Wird ein Tray als fehlerhaft erkannt,
übernimmt cv.GO die gezielte Ausschleusung um 90 Grad zur
Seite. Ist das Tray fehlerfrei, wird es rotiert. Die Rotation dient
hierbei als vorbereitende Stufe einer Reihenpalettierung.
Hervorzuheben ist, dass in dieser Anwendung zwei Funktionen
– Rotation und Ausschleusung – innerhalb eines einzigen
cv.GO-Moduls realisiert werden. Klassische Systeme benötigen
für diese Aufgaben zwei separate Module mit zusätzlichem
Platz- und Energiebedarf. Der modulare und kompakte Aufbau
von cv.GO ermöglicht diese Kombination auf engstem Raum –
ein entscheidender Vorteil für Integratoren und deren Kunden
in puncto Investitionskosten und Anlagenverfügbarkeit.
Inwiefern schaffen die Module eine flexible Anpassung an
unterschiedliche Produktgrößen und Palettierschemata, und
wie schnell lassen sich solche Umstellungen realisieren?
Theresa Gröninger: cv.GO ist vollständig softwaregesteuert und
lässt sich dadurch flexibel auf wechselnde Anforderungen einstellen,
ohne dass mechanische Umbauten notwendig sind.
Über Motion Profiles können Bewegungsmuster wie Rotation,
Ausrichtung, Ausschleusung oder Verschiebung einfach über
die Benutzeroberfläche definiert und angepasst werden.
In der Praxis bedeutet das: schnelle Umsetzung von Formatwechseln,
Produktvarianten oder neuen Palettierschemata. Für
THERESA GRÖNINGER,
HEAD OF MARKETING & BUSINESS
DEVELOPMENT CELLUMATION
Die cv.GO-Module können gleichzeitig
drehen und ausschleusen – das schafft
kein klassisches Förderelement
Die Module cv.GO
können gleichzeitig
mehrere Funktionen im
Materialfluss übernehmen.
Genau diese Gleichzeitigkeit
spart Platz, Zeit
und macht komplexe
Abläufe einfacher
integrierbar
den Betrieb ergibt sich daraus weniger Stillstandszeit und mehr
Anpassungsfähigkeit. Vor allem in dynamischen Produktionsumgebungen
sind diese Merkmale entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit.
Auf der Website Ihres Unternehmens schreiben Sie, dass ein
Modulwechsel in weniger als fünf Minuten erledigt ist – wie ist
das umsetzbar?
Theresa Gröninger: Das cv.GO-System wurde gezielt auf einfache
Wartung und maximale Verfügbarkeit hin entwickelt. Einzelne
Zellen lassen sich mit wenigen Handgriffen austauschen
– sieben Schrauben, drei Steckverbinder – und das System erkennt
das neue Modul automatisch. Dadurch dauert ein Austausch
tatsächlich weniger als fünf Minuten; in der Praxis wurden
sogar Zeiten von unter einer Minute erreicht.
Die Ersatzteilstruktur haben wir bewusst schlank gehalten: Es
werden nur drei zentrale Komponenten benötigt – das Omni-
Wheel, der Riemen und die Zelle selbst. Das reduziert die Lagerhaltungskosten
erheblich und vereinfacht die Wartung spürbar.
Welche Rückmeldungen haben Sie von Ihrem Partner ETT
Verpackungstechnik zur Projektierung und Integration der
Module erhalten, und wo sehen Sie die größten Effekte für
Integratoren?
Theresa Gröninger: ETT Verpackungstechnik und weitere Partner
heben vor allem die durchgängige Einfachheit des Systems
hervor – von der ersten Projektierung über die Konstruktion bis
zur Inbetriebnahme. cv.GO lässt sich intuitiv planen, leicht in
CAD-Modelle integrieren, effizient montieren und schnell programmieren.
Wie eingangs erwähnt, kann ein einziges Modul aufgrund seiner
Multifunktionalität mehrere Bewegungsarten übernehmen, etwa
Drehen und Ausschleusen innerhalb einer Station. Für Integratoren
bedeutet das weniger Komponenten, geringere Komplexität
und mehr Gestaltungsspielraum – auch bei engen Layouts
oder Nachrüstungen.
Der größte Nutzen für unseren Partner ETT Verpackungstechnik
liegt darin, dass er seinen Kunden nun kompaktere Palettierzellen
anbieten kann. Das schafft eine Win-win-win-Situation:
optimierte Anlagenlösungen für die Endkunden, eine erweiterte
Produktpalette für ETT Verpackungstechnik und eine erfolgreiche
Marktdurchdringung für cellumation.
Jochen Seidler, Geschäftsführer der ETT
Verpackungstechnik GmbH, zu seinen
Erfahrungen mit den neuen
Förderelementen cv.GO.
Es beginnt bereits bei der Projektierung, wenn der Vertriebler
das erste Layout erstellt. In der Konstruktion lässt
sich das Modul problemlos integrieren. Auch Montage
und Inbetriebnahme sind so gestaltet, dass sie mit geringem
Aufwand ablaufen. Selbst die Programmierung hat
mich beeindruckt – ich habe mir das einmal bei unseren
Programmierern angeschaut und gedacht: Bei so vielen
verschiedenen Rollen muss das doch kompliziert sein.
Aber tatsächlich ist es erstaunlich einfach. Auch beim
Aufbau vor Ort und dem Einfahren beim Anlagenbetreiber
zeigt sich: Das zentrale Stichwort für uns ist ganz klar
„Einfachheit“.
Die Fragen stellte Winfried Bauer, Chefredakteur f+h
Fotos: cellumation
www.cellumation.com
STIMME AUS DER PRAXIS
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PRODUKTE UND SYSTEME
SELMONI SMART HANDLING MODERNISIERT UND VERLAGERT
SCHLEIFLINIE BEI SWISS KRONO
IN NEUN WOCHEN WAR ALLES ERLEDIGT
Für die Swiss Krono Group hat Selmoni Smart
Handling eine Schleiflinie grundlegend
modernisiert und verlagert – und das im
laufenden Betrieb. Das Ziel: mehr Leistung,
eine höhere Flexibilität sowie zukunftssichere
Steuerungstechnik. In neun Wochen war alles
erledigt.
Bereits im Jahr 2009 wurde am Standort Menznau eine
Kühl- und Abstapelanlage mit Schleiflinie bei Swiss
Krono, Hersteller von Holzwerkstoffen, installiert. 2013
folgte eine zweite Linie. Die beiden Linien wurden nun
im Rahmen einer Produktionsoptimierung in einer Halle zusammengeführt.
Dabei übernahm Selmoni Smart Handling
nicht nur die komplette Demontage und den Wiederaufbau,
sondern modernisierte zugleich alle Komponenten, auch in der
Schaltanlage, integrierte neue Maschinen und passte die Steuerung
an ein verbessertes Materialflusskonzept an. Die Experten
für das Plattenhandling von Holzwerk- und Dämmstoffen sind
auf die Modernisierung und Optimierung bestehender Fertigungslinien
spezialisiert. Sie bieten den kompletten Service von
der Planung bis zur Montage aus einer Hand. Die Anlage bei
dem Hersteller von Holzwerkstoffen kann jetzt auch Rohplattenstapel
auf Paletten oder Schonplatten verarbeiten. Eine erweiterte
Abstapelung mit zusätzlichen Schutzplatten sorgt für
mehr Flexibilität in der Produktion. Darüber hinaus prüft eine
integrierte Qualitätskontrolle alle Platten und sortiert fehlerhafte
automatisch aus.
SCHLEIFLINIE MIT INTELLIGENTEM
MATERIALFLUSS
Die modernisierte Schleiflinie verarbeitet MDF/HDF, CDF und
Spanplatten mit bis zu 5.700 mm Länge, 2.250 mm Breite und
50 mm Dicke. Die Rollenbahn zum Transport der Einzelplatten
verläuft in drei Metern Höhe und besitzt eine Kurve, die eine
180°-Wende innerhalb der Halle und damit einen platzsparenden
Aufbau der rund 120 m langen Linie ermöglicht.
„Kurvenrollenbahnen sind ein guter Ersatz für Winkelübergaben,
vor allem bei hohen Geschwindigkeiten und Leistungen.
Die Schleiflinie kann mit einer Geschwindigkeit von mehr als 80
Metern pro Minute arbeiten, was etwa einer Platte alle vier Sekunden
entspricht. Die unterbrechungsfreie Beschickung stellen
wir mit zwei Stationen mit Hubkörben zur Vereinzelung der Platten
sicher“, erläutert Thomas Schermesser, technischer Geschäftsführer
von Selmoni Smart Handling, Altkirch, Frankreich.
Auch die Abstapelung wurde neu aufgebaut: Hier sorgen drei
Stationen in Reihe für eine kontinuierliche Produktion und die
Möglichkeit, unterschiedliche Qualitäten zu sortieren. Die Platten
werden dabei beschädigungsfrei gestoppt, zentriert und
übereinander abgelegt. Anschließend bringen Verschiebewagen
die Stapel automatisiert ins Lager oder direkt zur robotergestützten
Verpackung.
AUTOMATISIERUNG, SICHERHEIT UND
STEUERUNG AUF NEUEM NIVEAU
Zur Anpassung an die nun höhere Leistung wurden drei Verschiebewagen
modernisiert und ein neuer Wagen hinzugefügt.
Die Verschiebewagen bewegen bis zu drei Meter hohe und 25
Tonnen schwere Plattenstapel aufgrund von Sicherheitsscannern,
intelligenter Steuerung und induktiver Energieversorgung
22 f+h 2025/08 www.foerdern-und-heben.de
PRODUKTE UND SYSTEME
weitgehend ohne Einzäunung. Das neue Steuerungskonzept optimiert
alle Abläufe und Materialflüsse, inklusive neu geplanter
Transportwege der Plattenstapel und neuplatzierter Aufgabe-
DOPPELTE LEISTUNG DURCH
INTELLIGENTE MATERIALFLUSS-
OPTIMIERUNG
und Abnahmestellen, und wurde nahtlos in die bestehende IT-
Infrastruktur integriert. Auch das Sicherheitskonzept wurde
überarbeitet und von der zuständigen Schweizer Stelle für Arbeitssicherheit
positiv beurteilt.
01 Die Verschiebewagen bewegen bis zu drei Meter hohe und 25
Tonnen schwere Plattenstapel
UMSETZUNG OHNE STILLSTAND DES WERKS
Für die Umsetzung des Projekts benötigten die Mitarbeiter des
Maschinenbauers neun Wochen – drei Wochen weniger, als
ursprünglich geplant und ohne Unterbrechung der laufenden
Produktion. Möglich wurde das durch eine präzise Bestandsaufnahme
und detaillierte Projektplanung sowie eine exakte Termintreue:
Während die Baumaßnahmen liefen, wurden alle Anlagenteile
überholt, Verschleißteile ersetzt und neue Maschinen
und Baugruppen integriert. Zusätzlich modernisierte Selmoni
Smart Handling auch die angrenzende Verpackungslinie, inklusive
Roboter für das Handling von Kanthölzern und Schutzleisten.
Ergebnis: eine Verdopplung der Verpackungsleistung. Der Holzwerkstoffhersteller
plant bereits weitere Modernisierungsmaßnahmen.
Fotos: Selmoni Smart Handling
www.selmoni-sh.fr
02 Im Rahmen des Projekts wurde auch die angrenzende
Verpackungslinie modernisiert
IMPRESSUM
erscheint 2025 im 75. Jahrgang,
ISSN 0341-2636 / ISSN E-Paper: 2747-8130
REDAKTION
Chefredakteur: Dipl.-Ing. (FH) Winfried Bauer (WB)
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(verantwortlich i.S.d. $ 18 Abs. 2 MStV / i.S.d. Presserechts)
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PRODUKTE UND SYSTEME
STRATEGISCHE NEUAUSRICHTUNG IM SORTER-GESCHÄFT DER KNAPP-GRUPPE
DFT WIRD KONZERNWEITES
KOMPETENZZENTRUM
Die Dürkopp Fördertechnik GmbH (DFT)
übernimmt künftig die konzernweite
Verantwortung für das Sorter-Geschäft
innerhalb der Knapp-Gruppe. Mit dem neuen
Push-Tray-Sorter stellt das Unternehmen ein
modulares System vor, das auf schnelle
Inbetriebnahme, einfache Integration und
flexible Skalierung ausgelegt ist. Der Einsatz
vormontierter Module, einer offenen
Schnittstelle und digitaler Zwillinge ermöglicht
planbare Projektabläufe und reduziert Risiken.
Die Sorter-Entwicklung wird künftig am Standort
Bielefeld zentral gesteuert.
Der neue Push-Tray-Sorter basiert auf einem vollständig
modularen Konzept, das Standardisierung, Flexibilität
und Geschwindigkeit vereint. Vormontierte Plug-and-
Play-Module, automatisierte Elektro-Konstruktion und
eine offene API-Schnittstelle schaffen die Voraussetzungen für eine
schnelle Inbetriebnahme, einfache Integration und hohe Skalierbarkeit.
Ein digitaler Zwilling erlaubt virtuelle Tests bereits vor
der Installation – das reduziert Projektlaufzeiten und minimiert
Risiken.
„Mit dem neuen modularen Sorter-Baukasten schaffen wir eine
Plattform, die sich flexibel an individuelle Anforderungen an-
passt und gleichzeitig wirtschaftlich produziert werden kann“, erklärt
Thomas Gebbert, Director Business Development bei DFT.
Im Zuge der strategischen Neuausrichtung bündelt die Knapp-
Gruppe ihre Sorter-Kompetenz am Standort Bielefeld. DFT übernimmt
die Verantwortung für das komplette Sorter-Portfolio mit
dem horizontalen und vertikalen Push-Tray-, dem Split-Trayund
dem Crossbelt-Sorter – von der Entwicklung über die Steuerungstechnik
bis hin zur Integration in Projekte weltweit.
„Mit dem neuen Push-Tray-Sorter bieten wir eine Lösung, die
sich nahtlos in bestehende Prozesse integriert, flexibel skalierbar
ist und auf hohe Betriebssicherheit ausgelegt ist“, betont Dirk Bockelmann,
Chief Executive Officer (CEO) und Managing Director
bei DFT.
EIN STARKES SIGNAL FÜR DEN MARKT
Das neue Sorter-Konzept folgt fünf Prinzipien: Standardisierung,
Leiselauf-Technologie, vormontierte Module, automatisierte
Elektro-Konstruktion und einfache Integration. Ergänzt wird das
Konzept durch Lösungen wie energieeffiziente Antriebe und
langlebige Komponenten. Ein Condition Monitoring Center zur
proaktiven Wartung sorgt für eine maximale Betriebssicherheit
und kontinuierliche Verbesserung der Produktionsabläufe.
Die strategische Neuausrichtung ist ein wichtiger Schritt für die
DFT, um gebündelte Expertise für Sortier- und Sequenziertechnologien
in der Intralogistik anzubieten. Der neue Entwicklungsansatz,
unter dem der Push-Tray-Sorter entstanden ist, beachtet
dabei nicht nur ein Produkt, sondern ist Teil eines ganzheitlichen
Innovationsansatzes – von der Entwicklung über den Vertrieb bis
zum Service.
Foto: Dürkopp Fördertechnik
www.duerkopp.com
24 f+h 2025/08 www.foerdern-und-heben.de
PRODUKTE UND SYSTEME
WIE KONSUMGÜTERLOGISTIKER AUF E-COMMERCE-BOOM
UND VOLATILE MÄRKTE REAGIEREN
DIGITALISIERUNG TRIFFT AUF
FLEXIBILITÄT IM LAGER
Die Konsumgüterbranche steht vor
großen Herausforderungen: Steigende
Kundenerwartungen, volatile Märkte und der
E-Commerce-Boom verlangen nach flexiblen,
effizienten und zugleich progressiven
Logistiklösungen. Wer im Wettbewerb bestehen
will, braucht einen Partner, der die Supply Chain
versteht und aktiv gestaltet. Mit mehr als
15 Jahren Erfahrung im E-Commerce und
der Bearbeitung von über 200 Millionen Artikeln
jährlich für namhafte Kunden, sichert
BLG Logistics ein optimales Kauferlebnis.
QUALITÄT UND EFFIZIENZ
SICHERN WETTBEWERBS-
FÄHIGKEIT
BLG Logistics bietet individuelle, skalierbare Lösungen von
der Beschaffung über die Lagerung und Kommissionierung
bis hin zur Distribution. Zukunftsfähig, hochperformant
und kalkulierbar wird dabei flexibel auf Schwankungen
in den Absatzkanälen reagiert. Wie das geht? Prozessingenieure
entwickeln je nach Sortiment, Auftragsstruktur und Sendungsvolumen
das entsprechende Konzept. Alle Vorgaben
hinsichtlich Durchlaufzeiten, Mengenschwankungen und Kundenanforderungen
werden berücksichtigt und die Prozesse so
aufgesetzt, dass sowohl die Kosten angemessen als auch die Fehlerquote
minimal sind. Beim Multi-Channel-Fulfillment, E-Commerce
und Retourenmanagement stehen eine hohe Effizienz und
Qualität im Fokus, unterstützt durch die passenden Systeme und
Platt formen.
DIGITALISIERUNG UND AUTOMATISIERUNG
ALS INNOVATIONSTREIBER
Digitale Tools und eine innovative IT-Struktur sind heute unverzichtbar,
um komplexe Warenströme zu steuern und die Voraussetzungen
für Transparenz zu schaffen. BLG Logistics setzt auf
fortschrittliche Lagerverwaltungssysteme, automatisierte Prozesse
und intelligente Analysen.
„Technologie versetzt uns in die Lage, Prozesse auch in Peakphasen
abzuarbeiten. Hohe Volumina sind ohne Automatisierung
nicht zu bewältigen“, betont Thomas Leiber, Geschäftsführer
der BLG Industrielogistik, Bremen. „Unterstützende Technik – etwa
fahrerlose Transportsysteme, das Lager- und Bereitstellungssystem
AutoStore sowie weitere Robotiklösungen – trägt dazu bei,
Wegezeiten zu verringern und den Mitarbeitereinsatz zu optimieren.
Alle Informationen müssen als digitaler integrierter Bestandteil
in der Lieferkette jederzeit verfügbar sein, so sichern wir die
Zukunft unserer Kunden.“
WACHSTUMSTREIBER E-COMMERCE
Der E-Commerce ist weiterhin einer der wichtigsten Wachstumstreiber
für die Logistik. „Der E-Commerce ist ein heftig umkämpfter
Markt. Die hohe Dynamik fordert Hersteller und Händler
heraus. Den entscheidenden Wettbewerbsvorteil bringt oft
der richtige Logistikdienstleister“, so die feste Überzeugung von
Dirk Ewers, Head Consumer und Fashion bei der BLG Industrielogistik.
Die BLG Logistics unterstützt Kunden auch bei der Ausweitung
ihrer E-Commerce-Aktivitäten. Die Sicherstellung des Schnittstellenmanagements
zum Online-Shop, bei Zahlungsabwicklungen
oder zum Kunden-Service Center gehört zur Routine. Als gestaltender
Partner denkt der Logistikdienstleister mit – und weiter.
FAZIT
Wer heute und in Zukunft im Konsumgütermarkt erfolgreich sein
will, braucht einen Logistikpartner, der Innovation, Flexibilität
und Digitalisierung vereint. BLG Logistics bietet genau das – und
gestaltet die Konsumgüterlogistik der Zukunft.
Foto: BLG Logistics
www.blg-logistics.com
www.foerdern-und-heben.de f+h 2025/08 25
PRODUKTE UND SYSTEME
TITELSTORY
NORD DRIVESYSTEMS ERWEITERT LOGIDRIVE-PRODUKTFAMILIE
BAUKASTENPRINZIP VEREINFACHT
ANTRIEBS-KONFIGURATION
Das Unternehmen Nord Drivesystems aus
Bargteheide hat seine Systemlösung LogiDrive
für Intralogistik- und Flughafenanwendungen
kontinuierlich erweitert. Das modular
aufgebaute System zielt darauf ab,
standardisierte Antriebslösungen für
unterschiedliche Branchenanforderungen
bereitzustellen.
Fördersysteme sind in der Intralogistik allgegenwärtig: Eingehende
Ware gelangt über Spiralförderer in die obere Etage
von Lagerzentren, versandfertige Pakete werden mithilfe
von Transportbändern oder Rollenbahnen aus der Kommissionierung
in den Versandbereich transportiert. Stückgutund
Behälterfördertechnik bildet quasi das Rückgrat moderner
Intralogistiksysteme.
Für den Antrieb von Förderbändern in der Intralogistik und bei
Gepäckförderanlagen auf Flughäfen entwickelte Nord Drivesystems
das System LogiDrive. Das System basiert auf einem Baukastenprinzip
mit verschiedenen Getrieben, Motortechnologien
und Umrichtern. Diese lassen sich zu Advanced-Varianten mit
IE5+-Synchronmotoren oder zu Basic-Varianten mit IE3-Asynchronmotoren
konfigurieren.
ENTWICKLUNG MIT ANWENDERFEEDBACK
Die LogiDrive-Lösungen entstanden in enger Zusammenarbeit
mit Anwendern aus der Praxis. Neben den Grundkomponenten
umfasst das System Produkte wie die integrierte Getriebemotor-
26 f+h 2025/08 www.foerdern-und-heben.de
TITELSTORY PRODUKTE UND SYSTEME
01 LogiDrive: Standardisiertes Baukastensystem aus
Motor, Getriebe und Frequenzumrichter
01
02 Für Post-&-Parcel- und Airport-Anwendungen sind
eine Basic-Ausführung (vorne) und zwei Advanced-
Ausführungen des Baukastensystems verfügbar
03 Drei LogiDrive-Ausführungen für Lageranwendungen
einheit Nord DuoDrive oder die Antriebselektronik NordAC
On(+). Der Hersteller entwickelt die Lösungen kontinuierlich
weiter, basierend auf Rückmeldungen der Anlagenbetreiber.
Nord unterscheidet bei den Einsatzbereichen zwischen „Post &
Parcel und Airport“ sowie „Warehouse“. Post & Parcel und Airport
umfasst Paketverteil- und -sortiersysteme sowie Gepäckabfertigungen.
Warehouse schließt klassische Anwendungen in Lagerund
Logistikzentren wie Paletten-, Behälter- und Hängebahnförderer
ein. Für beide Bereiche stehen Advanced- und Basic-Ausführungen
zur Verfügung.
TECHNISCHE MERKMALE
Die Systeme basieren auf Plug-and-Play-Technik, die die Installation
erleichtert. Einzelne Komponenten lassen sich durch den
modularen Aufbau individuell warten. Alle Anschlüsse werden
über Steckverbindungen hergestellt; optional sind integrierte
Wartungs- und Handbedienschalter verfügbar. Nord liefert die
erforderlichen Kabel mit.
Das Design ist kompakt, das Gewicht ist durch ein Aluminiumgehäuse
reduziert. Die Bauweise und der Frequenzumrichterbetrieb
erlauben einen weltweiten Einsatz – unabhängig von
Netzspannung, Zertifizierungsanforderungen oder Energieeffizienzvorschriften.
ADVANCED- UND BASIC-AUSFÜHRUNGEN
Die beiden Varianten wurden für unterschiedliche Anwendungsszenarien
optimiert: Advanced-Ausführungen mit IE5+-Antrieben
setzen auf Energieeffizienz, Variantenreduzierung und optimierte
Total Cost of Ownership (TCO). Die Basic-Ausführungen
fokussieren auf Kosteneffizienz.
In der Advanced-Ausführung kommen IE5+-Synchronmotoren
zum Einsatz, die die Wirkungsgradklasse IE5 übertreffen. Aufgrund
der Permanentmagnet-Synchronmotortechnik (PMSM)
bleibt der Wirkungsgrad über einen weiten Drehzahl- und Drehmomentbereich
konstant – auch bei Teillast und Teildrehzahl.
Der breite Einsatzbereich reduziert die Variantenvielfalt in
komplexen Fördersystemen. In Anlagen mit vielen Antriebseinheiten
sinkt dadurch der Verwaltungsaufwand, und Produktions-,
Intralogistik- sowie Serviceprozesse werden vereinfacht.
Die Basic-Antriebe mit IE3-Asynchronmotoren sind auf Kosteneffizienz
ausgelegt. Getriebe, Motor und Umrichter sind optimal
aufeinander abgestimmt und erfüllen die Standards für Anwendungen
in Post & Parcel, Airport und Lager – bei reduzierten
Investitionskosten.
KONFIGURATIONSBEISPIELE
LogiDrive für Post & Parcel und Airport
n Advanced: IE5+-Synchronmotor (geberlos) mit einer Leistung
von bis zu 3,7 kW in den Baugrößen 71 und 90, wahlweise mit
zweistufigem Kegelstirnradgetriebe oder der Getriebemotoreinheit
DuoDrive kombiniert mit dem dezentralen Frequenzumrichter
NordAC Link.
n Basic: IE3-Asynchronmotor, zweistufiges Stirnradgetriebe und
dezentraler Frequenzumrichter NordAC Flex.
03
LogiDrive für Warehouse
n Advanced: IE5+-Synchronmotor (belüftet, geberlos) mit einer
Leistung von bis zu 3,7 kW in den Baugrößen 71 und 90, zweistufiges
Kegelstirnradgetriebe sowie Frequenzumrichter NordAC
Flex oder NordAC On+ mit integrierter Multi-Protokoll-Ethernet-
Schnittstelle und optionalem Profisafe.
n Basic: Kombinationen aus IE3-Asynchronmotor (87 Hz) und
NordAC-On-Frequenzumrichter mit integrierter Multi-Protokoll-
Ethernet-Schnittstelle plus Schneckengetriebe.
MODULARER ANSATZ
Nord entwickelte die Ausführungen der Produktfamilie auf Basis
von Branchenerfahrung und im engen Austausch mit den Anlagenbetreibern.
Das System deckt Anforderungen von Paketzentren
über Gepäckbeförderung bis hin zu Anwendungen in Lagerund
Logistikzentren ab. Die vorgestellten Konfigurationen lassen
sich durch den Produktbaukasten individuell erweitern. WB
Fotos: Nord Drivesystems
www.nord.com
02
www.foerdern-und-heben.de f+h 2025/08 27
PRODUKTE UND SYSTEME
AUTOMATISIERTE BARCODE-ERFASSUNG OPTIMIERT AUFTRAGSABWICKLUNG
VISION-SYSTEM REDUZIERT BEARBEITUNGS-
ZEITEN UND FEHLERQUOTE
mat auf den zum Teil nur 25 mm hohen Verpackungen. Herausfordernd
für den Scan sind Dual-SIM-Smartphones, die über
zwei IMEI-Nummern verfügen, von denen jedoch nur eine erfasst
werden darf. „Das fehlerfreie manuelle Scannen der richtigen
Barcodes mussten unsere Mitarbeiter früher für jedes Produkt
erlernen“, erinnert sich Karsten Esbach, Logistikleiter bei
euronics. Hinzu komme, dass sich die rund 1.500 Artikel häufig
ändern. Ein Modell wie das iPhone ergebe mit allen lieferbaren
Größen und Farben bereits bis zu 70 neue Artikel.
„Im Zuge der Umstellung von SAP WM auf EWM dachten wir
darüber nach, an welchen weiteren Stellen wir unser Lager optimieren
können. Da lag es nahe, die Scanprozesse zu vereinfachen
und mehrere Barcodes gleichzeitig zu erfassen“, so Daniela
Keim vom SAP-Team Logistik bei euronics.
BEARBEITUNGSZEIT UM BIS ZU 15 PROZENT
REDUZIERT
Der frühere Scan-Prozess war teilweise langsam und fehleranfällig.
Durch die Integration von ZetesMedea ImageID profitiert
euronics nun von schnellerem und präziserem Scannen und reduziert
die Bearbeitungszeiten um etwa zehn bis 15 Prozent. Das
System erfasst bis zu 30 Artikel in drei bis vier Sekunden und verbessert
damit den Versandprozess deutlich. Bei Fehlern und
Die euronics Deutschland eG, Teil der
europäischen Kooperation für Unterhaltungselektronik
und Haushaltsgeräte euronics
International, hat mit ZetesMedea ImageID die
Auftragsabwicklung im Logistikzentrum in
Ditzingen optimiert. Mithilfe der Machine-
Vision-Lösung lassen sich in einem
Arbeitsschritt mehrere Barcodes, Seriennummern
und IMEI-Nummern (International
Mobile Equipment Identity) erfassen und
dekodieren. Das steigert die Effizienz, reduziert
Fehler und verkürzt die Versandzeiten.
Von Ditzingen aus werden bundesweit rund 1.200 Einzelhändler
beliefert und circa 2.500 Pakete pro Tag versendet.
1.000 Pakete mit etwa 7.000 Artikeln stammen aus
dem Kleinteilelager, wo Smartphones, Kopfhörer, USB-
Sticks und ähnliche Produkte aufbewahrt werden. Dort werden
die kommissionierten Teile an 14 Packtischen gescannt, mit den
Auftragsdaten abgeglichen, verpackt und für den Versand etikettiert.
Beim Scannen der Smartphones geht es nicht nur um die
Modellbezeichnung der verkauften Handys, sondern vor allem
um die Serien- und IMEI-Nummern. Diese kleben im Mini-For-
Abweichungen leuchtet eine rote Signallampe und der entsprechende
Barcode wird auf dem Kontrollmonitor rot markiert. Im
positiven Fall werden die Barcodes grün markiert und die Signallampe
leuchtet grün. Somit können auch weniger erfahrene Mitarbeiter
effizient scannen, was die Personalplanung in Zeiten mit
Auftragsspitzen erleichtert.
„ZetesMedea ImageID erkennt und liest die relevanten Etiketten
und vergleicht die gescannten Informationen mit den in SAP
hinterlegten Auftragsdaten. Geprüft wird, ob der gescannte Artikel
ein Bestandteil des Auftrags ist und ob die Mengen stimmen.
Die nahtlose Integration mit SAP war entscheidend für unseren
Erfolg“, erläutert Keim.
BILDDOKUMENTIERTE ECHTZEIT-VERIFIZIERUNG
ZUR QUALITÄTSSICHERUNG
Die Bildaufnahmen der erfassten Artikel sowie die Serien- und
IMEI-Nummern werden zudem in einer Datenbank zur Qualitätssicherung
gespeichert. Aufgrund der lückenlosen Fotodokumentation
der Machine-Vision-Technologie kann euronics bei
Reklamationen jederzeit beweisen, dass der Artikel zum Versandzeitpunkt
von außen unbeschädigt war. Nicht zuletzt findet
der ganze Scanprozess mit gleichbleibend hoher Qualität statt.
Foto: Marcus Walter
www.zetes.com
EURONICS BESCHLEUNIGT
WARENAUSGANG MIT MACHINE-
VISION-TECHNOLOGIE
28 f+h 2025/08 www.foerdern-und-heben.de
NEUE SEILZÜGE ERMÖGLICHEN PRÄZISES
UND EFFIZIENTES LASTENHANDLING
Kompakte Bauweise, geringes Eigengewicht und nahezu
wartungsfreier Betrieb zeichnen die neue Seilzug-Serie
SXF des Unternehmens Stahl CraneSystems aus. Die
Seilzüge bewältigen Traglasten von 2.000 bis 10.000 kg
und Hubhöhen bis 12 m mit Hubgeschwindigkeiten von
bis zu 9 m/min bei Teillast. Das Dynamic-Lift-System mit
Ultra-Lift-Funktion und die stufenlose Geschwindigkeitsregelung mithilfe von Frequenzumrichtern
sorgen für energieeffiziente Bewegungen, die sich dem Lastgewicht anpassen. Sicherheitsmerkmale
wie integrierter Fingerschutz, Sicherheitsbremssystem und Multicontroller SMC 4
mit automatischer Lastkontrolle schaffen die Voraussetzungen für kontrolliertes und sicheres
Heben. Die Serie eignet sich für Einzel- und Brückenkrane, ist einfach zu installieren und als
Bestandteil kompletter CraneKits verfügbar.
www.cmco.com/sxf-de
BREITSTRAHLSENSOR ERKENNT KLEINSTE UND
TRANSPARENTE OBJEKTE
Ein breiter Lichtstrahl von 25 mm und eine Reichweite von 2 m
ermöglichen die zuverlässige Detektion auch kleiner, transparenter
oder unregelmäßig geformter Objekte auf Förderbändern. Der neue
B25 Wide Beam Sensor von Turck, entwickelt in Kooperation mit
Banner Engineering, vereinfacht die Integration durch One-Button-
Teach mit automatischer Empfindlichkeitsanpassung sowie IO-Link-
Schnittstelle für Zusatzdaten. Die Schutzart IP67, robuste Bauweise und ein flexibler Kabelabgang
sichern den Betrieb in staubigen oder vibrationsintensiven Umgebungen. Die Smart-Sensor-Technologie
filtert Störeinflüsse wie Foliennähte automatisch, während die Wartungsausgänge
frühzeitig signalisieren, dass eine Reinigung erforderlich ist.
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RECHTSKONFORME AUSBILDUNG VERHINDERT ARBEITSUNFÄLLE
In Deutschland kommt es regelmäßig zu schweren Arbeitsunfällen mit fahrbaren Hubarbeitsbühnen. Eine
gesetzlich vorgeschriebene Qualifikation des Bedienpersonals soll solche Unfälle verhindern. Der Resch-
Verlag unterstützt Ausbilder dabei mit der überarbeiteten 5. Auflage seines Lehrsystems „Sicheres
Bedienen von fahrbaren Hubarbeitsbühnen“. Autor Markus Tischendorf hat das System an den aktuellen
Stand der Technik angepasst und neu gestaltet. Elf Kapitel decken rechtliche und technische Grundlagen
sowie den sicheren Betrieb ab. Eine bearbeitbare PowerPoint-Präsentation erlaubt zudem die Einbindung
firmenspezifischer Besonderheiten. Das Lehrsystem umfasst 125 animierte Präsentationsfolien und die
entsprechenden Vortragstexte. Der Preis beträgt 450 Euro. Ergänzend bietet der Verlag ein Testbogenpaket
mit zwei Varianten à 40 Multiple-Choice-Fragen sowie einer praktischen Prüfungsanleitung und einer
Dokumentationsvorlage an. Dieses Paket kostet 89 Euro.
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IMPULSE
01
COBOTS ERFORDERN NEUE SICHERHEITSKONZEPTE
IM AUTOMATISIERTEN MATERIALFLUSS
VERÄNDERTEN RISIKEN
BEGEGNEN
02
03
01+02 Produktionseinrichtungen bei A-Safe in Großbritannien mit
Präzisions-Bearbeitungszentren und spezieller Rotationsgussmaschine
03 Ohne physische Barrieren kann aus einem kleinen Fehltritt schnell
ein folgenschwerer Unfall werden
Cobots heben schwere Lasten und arbeiten
pausenlos. Sie folgen programmierten Wegen
und reagieren ausschließlich auf ihre Sensorik.
Menschen verhalten sich jedoch unvorhersehbar,
bleiben spontan stehen oder ändern ihre Route.
Diese Diskrepanz birgt neue Gefahrenpotenziale.
Farbmarkierungen und Warnschilder reichen
nicht mehr aus. Unternehmen müssen ihre
Risikoprävention an das Innovationstempo
anpassen.
Man hört ihn, bevor man ihn sieht. Ein autonomer mobiler
Roboter fährt nur wenige Zentimeter an einem
Mitarbeiter vorbei. So sieht moderne Automatisierung
in Lager und Produktion heute aus. Doch hinter
diesem Moment steht eine Frage, die sich kein Unternehmen
leisten kann, zu ignorieren: Wie sicher ist der Mensch in der
Warnweste?
Mit jedem weiteren autonomen Roboter in der Produktionsund
Logistikhalle verliert das bisherige Sicherheitskonzept an
Gültigkeit. Geschwindigkeit und Präzision nehmen zu, doch zugleich
verändern sich die Risiken. Unternehmen, die sich dieser
Entwicklung nicht anpassen, riskieren, von der eigenen Technologie
überholt zu werden.
COBOTS ARBEITEN SCHNELL – DOCH WER
SORGT FÜR DEN PERSONENSCHUTZ?
Ein jährliches Wachstum von 18 Prozent bei kollaborativen Robotern
(Cobots) zeugt von technologischem Fortschritt [1] Maschinen
arbeiten rund um die Uhr, heben Lasten, die kein Mensch
tragen könnte, und benötigen keine Pausen. Der Mensch hingegen
hat physische und kognitive Grenzen. Studien zeigen: In automatisierten
Lagerumgebungen mit Robotereinsatz steigt die
Zahl schwerer Arbeitsunfälle um 28 Prozent [2].
Der Mensch ist der kritische Faktor. Mitarbeiter reagieren situativ,
bleiben unerwartet stehen, um etwas aufzuheben oder sich
etwas zu notieren – sie verhalten sich dabei unvorhersehbar. Roboter
folgen dagegen vorgegebenen Routen und reagieren nicht
auf das, was außerhalb ihrer Sensorik geschieht. Während Menschen
flexibel agieren, wiederholen Roboter lediglich ihre programmierten
Handlungen. Diese Diskrepanz birgt neue Gefahrenpotenziale
am Arbeitsplatz. Sicherheitskonzepte müssen sich
also weiterentwickeln. Farbmarkierungen und laminierte Aushänge
reichen nicht mehr aus. Gefragt sind physische Barrieren,
dynamische Risikobewertungen und Warnsysteme mit prädikti-
30 f+h 2025/08 www.foerdern-und-heben.de
IMPULSE
ver Bewegungsanalyse. Ohne diese Maßnahmen kann aus einem
kleinen Fehltritt schnell ein folgenschwerer Unfall werden.
SICHERHEITSKULTUR STATT
TECHNIKGLÄUBIGKEIT
Die verbreitete Annahme, „neu = sicher“, ist trügerisch. Führungskräfte
konzentrieren sich oft stärker auf Taktzeiten als auf
Kollisionsrisiken. Dabei gilt: Ein „intelligentes“ System berechnet
– es denkt nicht. Im Störfall entscheidet der Algorithmus nicht
nach gesundem Menschenverstand. Die Verantwortung bleibt
menschlich. Moderne Risikoprävention ist datenbasiert, doch ihre
Umsetzung hängt von der Unternehmensführung ab.
Früher bedeutete Sicherheit persönliche Schutzausrüstung
(PSA), Warnschilder, Bodenmarkierungen und ein Handbuch, das
meistens nur zur Einarbeitung gelesen wurde. Heute sind Lagerund
Produktionshallen mit Industrial-Internet-of-Things-(IIoT)-
Technologien ausgestattet, die Tausende Datensätze pro Tag liefern.
Doch Daten allein führen noch nicht zu Erkenntnisgewinn.
SICHERHEIT IST EIN
PRODUKTIVITÄTSFAKTOR
Erst wenn diese Informationen in Konzepte und Prozesse einfließen,
entsteht echter Nutzen. Die Gestaltung von Lager- und Produktionshallen
muss sich stärker an den tatsächlichen Bewegungen
der Menschen orientieren als den theoretischen Wegen.
Eine Sicherheitsbarriere war früher beispielsweise ein mechanisches
Sicherheitselement. Heute liefert sie als smarte Barriere
Entscheidungsgrundlagen: Wird in einem Bereich regelmäßig ein
„Beinaheunfall“ registriert, liegt kein technischer Defekt vor, sondern
ein prozessbedingter Schwachpunkt. Digitale Zwillinge der
Lagerumgebung können solche Muster frühzeitig erkennen. Aus
reaktiver wird präventive Sicherheit.
Dies funktioniert jedoch nur, wenn die Unternehmensleitung
tatsächlich in Systeme investiert, die Daten liefern und entsprechend
darauf reagieren. Das bedeutet, dass Sicherheitstechnologien
dieselbe Priorität wie Investitionen in die Produktivität haben.
Eine Förderanlage wird aufgerüstet, weil der Durchsatz
wichtig ist. Ein Sicherheitssystem wird zurückgestellt, weil der
Return on Investment (ROI) nur indirekt erkennbar ist. Die eigentliche
Gefahr liegt nicht in zu schnell arbeitenden Maschinen,
sondern in zu langsam agierenden Entscheidungsträgern.
SICHERHEIT IST AUCH EINE FRAGE DER
WAHRNEHMUNG
Der Vormarsch von Automatisierung und Robotik ist unumkehrbar,
und er wird von nun an nur noch zunehmen. Das ist keine
Bedrohung, sondern ein Signal. Bis Ende 2025 werden voraussichtlich
vier Millionen Roboter installiert [3], viele davon vermutlich
in Betrieben, deren Sicherheitskonzepte bislang nicht
auf kollaborative Systeme ausgelegt sind. Die Produktivität treibt
den Wandel voran – doch die damit verbundenen Risiken lassen
nicht lange auf sich warten.
Statische Gefährdungsbeurteilungen haben ausgedient. Heute
müssen sie kontinuierlich angepasst werden: bei jeder Layoutänderung,
jeder Prozessoptimierung und jedem System-Upgrade.
Wearables, die Abstände messen, adaptive Barrieren sowie Analyseplattformen,
die Layoutempfehlungen geben, sind längst Stand
der Technik. Während in der Vergangenheit auf Unfälle gewartet
wurde, zielen die neuen Systeme darauf ab, sie zu verhindern.
Das größte Potenzial dieser Systeme liegt jedoch in der Verhaltensanalyse.
Wenn sich Roboter und Mensch täglich 40-mal in einem
Gang begegnen – ist das Layout dann gut geplant? Wenn Arbeitnehmer
einen Abschnitt aufgrund toter Winkel meiden – wie
n Technologische Fortschritte schaffen neue Risiken: Mit
jedem zusätzlichen Cobot steigen Tempo und Komplexität
– klassische Sicherheitskonzepte reichen nicht mehr aus.
n Der Mensch bleibt unberechenbar: Unvorhersehbares
Verhalten der Mitarbeiter erfordert dynamische Sicherheitslösungen
wie vorausschauende Sensorik und adaptive
Barrieren.
n Datenbasierte Prävention statt reaktivem Schutz:
IIoT-Systeme und digitale Zwillinge ermöglichen präventive
Maßnahmen – sofern Unternehmen sie konsequent
integrieren.
n Sicherheit ist Führungsaufgabe: Investitionen in
Schutzsysteme müssen denselben Stellenwert erhalten
wie Effizienzsteigerungen – nur so entsteht eine echte
Sicherheitskultur.
können Beleuchtungs- oder Kamerasysteme daran etwas ändern?
Die Lösung: Störfaktoren erkennen und das menschliche
Verhalten entsprechend anpassen, denn Maschinen ändern ihr
Verhalten nicht. Sicherheit darf kein isolierter Budgetposten bleiben.
Sie ist ein Produktivitätsfaktor. Dieser Perspektivwechsel
muss in der Unternehmensleitung beginnen. Nur wenn Risikominimierung
ebenso wie Effizienz bewertet wird, entsteht eine Kultur
der Verantwortung.
RISIKOPRÄVENTION MUSS MIT
INNOVATIONSTEMPO MITHALTEN
Verantwortliche in Produktion und Lager müssen den Fokus auf
das komplette Umfeld legen, in dem Mensch und Maschine interagieren.
Sensorik, Barrieren und regelmäßige Audits machen dieses
Umfeld für Menschen kalkulierbar. Die Menschen wiederum
machen das System anpassungs- und leistungsfähig.
Eine ordnungsgemäß durchgeführte Risikominimierung beschleunigen
die Abläufe in Lager und Produktion, nicht andersherum.
Je schneller sich dieses Denken durchsetzt, desto seltener
werden wir Schlagzeilen über Unfälle lesen, die hätten verhindert
werden können. Unfälle entstehen nicht durch Maschinen, sondern
durch mangelhafte Planung.
Unternehmen sollten nicht auf Zwischenfälle warten, um bekannte
Gefahren zu bestätigen. Eine proaktive Risikobewertung
ist der entscheidende Faktor. Eine Neubewertung, zeitnahe Auditierung
und sofortige Modernisierung sind erforderlich. Die Mitarbeiter
sind diese Investition wert. Und die Zukunft des Unternehmens
hängt davon ab.
Quellenangaben:
[1] https://www.grandviewresearch.com/industry-analysis/collaborative-robots-market,
abgerufen am 8. Oktober 2025
[2] https://thesoc.org/wp-content/uploads/sites/342/The-Injury-Machine_
How-Amazons-Production-System-Hurts-Workers-1.pdf, abgerufen am 8.
Oktober 2025
[3] https://www.g2.com/articles/warehouse-automation-statistics, abgerufen
am 8. Oktober 2025
Autor: James Smith, Co-Chief Executive Officer (CEO) bei A-Safe, Elland, Großbritannien
Fotos: A-Safe
www.asafe.com
AUF EINEN BLICK
www.foerdern-und-heben.de f+h 2025/08 31
PERSPEKTIVEN
KOLLABORATIVES CASE-PICKING MIT AMR
DIE ZUKUNFT DER AUFTRAGS-
ABWICKLUNG GESTALTEN
Der Einzelhandel steht vor einem Dilemma:
Kunden erwarten immer kürzere Lieferzeiten,
während der Kostendruck stetig steigt. Hinzu
kommt der anhaltende Personalmangel in der
Logistik, der klassische Lösungsansätze
zunehmend erschwert. Toyota Material
Handling (TMH) entwickelt daher eine
kollaborative Case-Picking-Lösung, die
autonome mobile Roboter (AMR) gezielt mit
Kommissionierern und der Steuerungssoftware
T-One verbindet. Ziel ist es, den Durchsatz zu
erhöhen, die Arbeitsergonomie zu verbessern
und den Return on Investment (ROI) durch eine
optimierte Prozesskette zu steigern – nicht nur
beim eigentlichen Pickprozess.
Die Auftragsabwicklung gleicht im Handel einem Wettlauf
gegen steigende Erwartungen: kürzere Lieferzeiten,
häufige Werbeaktionen mit unvorhersehbaren Spitzen,
volatile Auftragsprofile und zu wenig Personal setzen die
Unternehmen massiv unter Druck.
DIE GRENZEN KLASSISCHER ANSÄTZE
Bisherige Optimierungen stoßen an ihre Grenzen: Verbesserte
Artikelplatzierung, engeres Batch-Building und der Einsatz von
Horizontal-Kommissionierern mit langen Gabelzinken haben die
klassischen Mann-zur-Ware-Prozesse bereits ausgereizt.
Doch drei zentrale Herausforderungen bleiben ungelöst: überflüssige
Wegstrecken in der Kommissionierung, unsynchronisierte
Materialflüsse und die eingeschränkte Möglichkeit für Mitarbeiter,
ihr Fachwissen und ihre Qualitätskontrolle einzubringen.
Genau hier setzt das kollaborative Case-Picking an.
WAS „KOLLABORATIVES CASE-PICKING“
IN DER PRAXIS BEDEUTET
Das Konzept von Toyota basiert auf dynamischen Zonen, die sich
flexibel an Auftragslage und Personaleinsatz anpassen. Im Unterschied
zu stationären Pickrobotern bewegen sich die AMR frei
durchs Lager und transportieren dabei mehrere Aufträge gleichzeitig.
Mitarbeiter werden in Echtzeit den passenden Zonen zugewiesen.
Beispiel: Nähert sich ein AMR einem Lagerplatz, prüft das System
automatisch, welcher verfügbare Mitarbeiter in der Nähe ist.
Dieser erhält eine Aufgabe über sein Wearable oder eine Benutzeroberfläche,
entnimmt den Artikel, bestätigt die Aktion und bekommt
direkt den nächsten Auftrag.
So lassen sich lange Wege und Wartezeiten systematisch vermeiden.
Die Roboter übernehmen alle zeitaufwändigen Transporte,
während die Mitarbeiter schnelle und präzise Entscheidungen
beim Kommissionieren treffen. Das Ergebnis ist ein orchestrierter
Prozess mit höherem Durchsatz – ohne Änderungen
am Lagerlayout.
32 f+h 2025/08 www.foerdern-und-heben.de
PERSPEKTIVEN
TECHNOLOGISCHE VORAUSSETZUNGEN
Drei Entwicklungen ermöglichen die Umsetzung im Handel:
Navigation & Wahrnehmung: Fortschritte bei 3D-Visual-Slam
und semantischem Verständnis sorgen für sichere Orientierung
der Roboter – auch in komplexen, dynamischen Umgebungen.
Sicherheit & Interaktion: Verbesserte Sicherheitsfunktionen
schaffen die Voraussetzungen für ein vorhersehbares Verhalten
im Zusammenspiel mit Menschen, was die Akzeptanz erhöht.
Geschäftsanforderungen: Der wachsende Druck, Leistung ohne
bauliche Veränderungen zu steigern, macht flexible Softwarelösungen
attraktiv.
DER BUSINESS CASE – REALISTISCH BETRACHTET
Viele Einzelhändler erreichen heute bereits 170 bis 180 Orderlines
pro Stunde und Mitarbeiter durch effizientes Batching und
moderne Kommissioniertechnik. Hier setzt der Gabel-AMR von
TMH an, indem er Lücken schließt: weniger unnötige Wege, synchronisierte
Ankünfte an Pickplätzen sowie Automatisierung von
Vor- und Nacharbeiten wie Palettenwechsel oder Leerpalettenhandling.
Da der Gabel-AMR Paletten selbstständig aufnehmen, absetzen
und stapeln kann, reicht der Nutzen über die Kommissionierung
hinaus. Entscheidender Vorteil ist weniger eine drastische
Leistungssteigerung, sondern vielmehr ein gleichmäßiger und
planbarer Betrieb mit weniger Leerlauf, geringeren Konflikten im
Lagerverkehr und konstanter Schichtleistung.
HERAUSFORDERUNGEN UND LÖSUNGSANSÄTZE
Toyota passte einen erprobten Palettenstapler zur AMR-Plattform
an, um alle Bewegungen im Handelslager abzudecken. Denn
letztlich wird ein AMR durch sein Verhalten definiert, nicht durch
die Bauform.
Herausforderungen bleiben jedoch bestehen: IT-Integration,
Abstimmung mit Lagerverwaltungssystemen und die Schulung
der Mitarbeiter verursachen Aufwand und müssen in Projekten
realistisch eingeplant werden.
SOFTWARE ALS VERBINDENDES ELEMENT
T-One, die Automatisierungssoftware von Toyota Industries Corporation,
verbindet Lagerverwaltungssysteme und verschiedene
Gerätetypen. Ihre modulare, flussbasierte Architektur ermöglicht
Ingenieuren, Business-Logik ohne projektspezifischen Code zu
konfigurieren – inklusive HMI, Transportmanagement, Lookup-
Tabellen und Dashboards.
WAS ANWENDER VON „SWARM-AUTO-
MATION-PICKING“ ERWARTEN KÖNNEN
Zu den Merkmalen der kollaborativen
Case-Picking-Lösung gehören:
Schnellere Inbetriebnahme durch Plug-and-Play und
wiederverwendbare Module.
Messbare Verbesserungen durch optimierte Routen
und weniger Leerlauf.
Einsparungen über den Pickprozess hinaus durch
Automatisierung von Vor- und Nacharbeiten.
Zukunftssicherheit durch Skalierung und ein As-a-Service-Modell
ohne projektspezifischen Code.
Der CE-zertifizierte
Kommissionier-
AMR wurde auf der
Logimat 2025
präsentiert
Aufgrund der Integration des AMR-Navigationsstacks stehen erprobte
Module und eine einheitliche Rest-API zur Verfügung. Das
verkürzt Projektlaufzeiten, erleichtert Upgrades und schafft eine
stabile Basis für gemischte AMR-Flotten.
Die Akzeptanz der Mitarbeiter ist entscheidend. Eindeutige
Anweisungen über HMI und Wearables verringern die mentale
Belastung, während vorhersehbares Geräteverhalten Sicherheit
vermittelt. CE-zertifizierte Sicherheitsfunktionen und feste Verkehrsregeln
sorgen dafür, dass Mensch und Roboter dieselben
Lagergänge nutzen können. Gleichzeitig reduzieren kürzere Wege
und klar definierte Aufgaben die körperliche Belastung.
VOM PROTOTYPEN ZUM LIVE-BETRIEB
Der Kommissionier-AMR ist CE-zertifiziert und wurde auf der
Logimat 2025 live vorgestellt – ein wichtiger Schritt zur Marktreife.
Nun gilt es, im Echtbetrieb Ergonomie, Zusatzfunktionen und
Servicemodelle zu prüfen. Entscheidend sind messbare Kennzahlen
wie Orderlines pro Stunde, Wegstrecke pro Pick, Leerlaufzeit,
Fehlerquote und Hochlaufzeit neuer Standorte.
AUSBLICK
Zukünftig wird die Lösung unter dem Namen „Swarm-Automation-Picking“
vertrieben – angelehnt an das Schwarmverhalten in
der Natur. Sie beschreibt die intelligente Vernetzung von Menschen,
Wearables, Geräten, Lagerlayout und Waren.
Toyota Material Handling sucht derzeit Pilotkunden in Europa.
Mit einem CE-zertifizierten Gerät, einer starken Softwarebasis
und einer klaren Roadmap ist das kollaborative Case-Picking bereit
für den Schritt vom Prototyp in den realen Betrieb. WB
Fotos: Toyota Material Handling
www.toyota-forklifts.de
www.foerdern-und-heben.de f+h 2025/08 33
PRODUKTE UND SYSTEME
KOOPERATION ENTWICKELT INDIVIDUELLE
FTS-LÖSUNG FÜR AUTOMOBILHERSTELLER
EXPERTISE AUS
VERSCHIEDENEN
BRANCHEN VEREINT
Wachsende Produktvielfalt und kürzere
Produktzyklen zwingen die Automobilindustrie
zum Einsatz flexibler Transportlösungen. Vor
diesem Hintergrund haben Beldrive Engineering
und Diehl Energy Products gemeinsam eine
optimierte Energieversorgung für fahrerlose
Transportsysteme (FTS) entwickelt, welche diese
Herausforderungen erfüllt. Das System
kombiniert modulare Fahrzeugtechnik mit
langlebigen Lithium-Ionen-Batterien. Ein
integriertes Batterie-Management-System (BMS)
optimiert den Energieverbrauch und ermöglicht
die Reaktivierung der fahrerlosen
Transportfahrzeuge (FTF) nach langen
Ruhephasen.
Der Automobilhersteller stand vor einer komplexen Aufgabe:
Die intralogistischen Prozesse sollten, ohne große
Eingriffe in die vorhandene Halleninfrastruktur optimiert
werden. Aus diesem Grund fielen stationäre Fördertechnikanlagen
aus dem Raster, da sie eine aufwendige Installation
benötigen. Außerdem schränken stationäre Anlagen die
Flexibilität ein. Das Unternehmen suchte vielmehr nach einem
System, das ohne feste Bodeninfrastruktur funktioniert und sich
an unterschiedliche Produktionsbedingungen anpassen lässt.
MODULARE FAHRZEUGTECHNIK TRIFFT AUF
LANGLEBIGE BATTERIETECHNOLOGIE
Beldrive Engineering aus Chemnitz brachte seine Erfahrungen in
der Entwicklung modularer fahrerloser Transportfahrzeuge ein.
Diese sind flexibel in puncto Konfiguration, Lastspektrum und
Abmessungen der Last. Die Montagewagen werden in der Taktfertigung
eingesetzt und transportieren verschiedene Komponenten
wie Motoren oder Fahrzeugbatterien. Ein weiterer Fahrzeugtyp
übernimmt Logistikaufgaben und transportiert Materialvorratsbehälter.
Die Aufmacherfotos zeigen nicht die anwendungsspezifischen
Aufbauten für das Fördergut.
Von Diehl Energy Products aus Röthenbach a. d. Pegnitz stammen
die individuell entwickelten Lithium-Ionen-Batterien der
FTF. Diese erreichen laut Herstellerangaben eine Lebensdauer
von bis zu 20 Jahren.
34 f+h 2025/08 www.foerdern-und-heben.de
PRODUKTE UND SYSTEME
INTELLIGENTES BATTERIE-MANAGEMENT
Ein Kernstück des Projekts war die Entwicklung eines innovativen
Batterie-Management-Systems (BMS). Dieses maximiert die
Energieeffizienz und sorgt dafür, dass die Batterie im Ruhezustand
nur minimal Strom verbraucht. Gleichzeitig bleibt sie jederzeit
einsatzbereit. Bei längeren Stillstandszeiten, wie sie bei
saisonalen Produktionspausen auftreten, nimmt die Batterie keinen
Schaden. Ein separat integriertes Modul weckt das System
aus dem Tiefschlafmodus und nimmt es sofort in Betrieb – ganz
ohne manuelle Eingriffe.
Die erfolgreiche Umsetzung basierte auf der kontinuierlichen
Zusammenarbeit beider Partner. Durch die Kombination aus
technologischem Know-how und flexibler Kooperation ließen
sich Batterie und Fahrzeug perfekt aufeinander abstimmen. Neben
mechanischen und elektronischen Vorgaben wurden auch
softwareseitig Optimierungen vorgenommen, um den Energiehaushalt
zu verbessern und die Nutzerfreundlichkeit zu steigern.
Da der Einsatz der FTF ohne vorherige Bearbeitung des Hallenbodens
möglich ist, lassen sich Produktionsprozesse schnell und
einfach anpassen – ein wichtiger Faktor in Zeiten wachsender
Flexibilitätsanforderungen. So kann der Betreiber das System bei
VERZAHNUNG VON ERFAHRUNG
UND INNOVATION FÜHRT ZUM
GEWÜNSCHTEN ERGEBNIS
In den FTF kommen individuell entwickelte
Lithium-Ionen-Batterien zum Einsatz
vation bildet dabei den Schlüssel für nachhaltiges Wachstum und
langfristigen Erfolg.
Die Partnerschaft zwischen Beldrive und Diehl Energy Products
verdeutlicht, wie wichtig es ist, Kompetenzen zu bündeln
und gemeinsam neue Wege zu gehen. Die Erfolgsgeschichte
zeigt: Im Verbund lassen sich die Herausforderungen von Industrie
4.0 nicht nur meistern, sondern auch aktiv gestalten. WB
Fotos: Diehl Energy Products, Beldrive Engineering
www.battery.de
Bedarf auch an neuen Standorten einsetzen – ohne Eingriffe in
die Halleninfrastruktur vornehmen zu müssen. Die modulare
Bauweise der Fahrzeuge schafft die Voraussetzungen für künftige
Anpassungen oder Erweiterungen ohne Aufwand.
NACHHALTIGKEIT DURCH LANGLEBIGKEIT
UND RECYCLING
Das System überzeugt auch durch seine Nachhaltigkeit. Die lange
Lebensdauer der Batterien reduziert den Bedarf an Ersatzteilen
und an Wartung. Das Recyclingkonzept von Diehl Energy
Products stellt sicher, dass die eingesetzten Materialien am Ende
ihrer Nutzungsdauer wiederverwendet werden können.
Für den Betreiber bringt die Lösung spürbare Effizienzgewinne.
Über die CAN-Kommunikation wird der aktuelle Zustand der
Batterie in Echtzeit überwacht. Potenzielle Probleme lassen sich
frühzeitig erkennen. So werden Stillstandszeiten minimiert und
der Wartungsaufwand reduziert. Die Möglichkeit der Fernwartung
spart Zeit und Kosten, da sich viele Anpassungen und Optimierungen
ohne Vor-Ort-Besuch durchführen lassen.
„Dieses Projekt zeigt, was durch enge Partnerschaft und gegenseitiges
Vertrauen möglich ist“, betont Thomas Wagner, Geschäftsführer
von Beldrive Engineering. „Durch die Kombination unserer
Stärken konnten wir eine zukunftssichere Lösung schaffen.“
Auch bei Diehl Energy Products zeigt man sich zufrieden mit
der Zusammenarbeit: „Unsere Batterietechnologie wurde für die
anspruchsvollen Spezifikationen in der Industrie entwickelt. Die
enge Abstimmung mit Beldrive hat es ermöglicht, ein System zu
kreieren, das in puncto Leistung, Sicherheit und Nachhaltigkeit
neue Maßstäbe setzt“, ergänzt Rolf Pechloff, Produktmanager und
Batterieexperte von Diehl Energy Products.
PARTNERSCHAFT MIT ZUKUNFT
Auf der Grundlage der Erkenntnisse des aktuellen Projekts reifte
bei beiden Unternehmen der Entschluss, ihre Zusammenarbeit
auszubauen und ähnliche Lösungen für andere Branchen und
Märkte zu entwickeln. Die Verzahnung von Erfahrung und Inno-
Wir schaffen logistische Verbindungen.
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MENSCHEN UND MÄRKTE
F+H NACHGEFRAGT
„WIR HABEN NOCH VIEL
WACHSTUMSPOTENZIAL“
Anfang des Jahres ist Stefan Budweit zum President und
CEO der Clark Europe GmbH in Duisburg ernannt worden.
Über den Generations wechsel, die Elektrifizierung des
Geräteportfolios, neue Vertriebsstrategien und die
Herausforderungen, vor denen der Flurförderzeughersteller
im globalen Wettbewerb steht, spricht Budweit
im Exklusiv-Interview mit der Redaktion f+h.
Raider
L25-35XE
Herr Budweit, Sie haben Anfang des Jahres die Geschäftsführung
von Clark Europe übernommen. Wie sehen Sie die
strategische Ausrichtung des Unternehmens unter Ihrer
Führung, in erster Linie im Hinblick auf die fortschreitende
Elektrifizierung und Automatisierung in der Intralogistik?
Stefan Budweit: Das sind zwei zentrale Punkte. Zunächst zur
Frage, wohin Clark sich entwickelt: Ich habe die Geschäftsführung
zum 1. Januar 2025 übernommen und bin bereits seit dem
Jahr 2012 im Unternehmen. Unser erstes strategisches Ziel ist
die Verjüngung der Mannschaft am Standort Duisburg. Mein
Vorgänger Rolf Eiten, startete 1976 seine Karriere bei Clark und
widmet sich nun anderen Aufgaben im Gesamtunternehmen,
vor allem dem Thema Nachhaltigkeit. Ein Großteil unserer Führungskräfte
steht an der Schwelle zum dritten Lebensabschnitt.
Demzufolge befinden wir uns aktuell regelrecht in einem personellen
Erneuerungsprozess.
Wie gehen Sie diesen Generationswechsel konkret an?
Stefan Budweit: Primär in den Führungspositionen, vor allem
in der Technik und Intralogistik, brauchen wir ein junges Ingenieurteam.
So haben wir mit Thomas Bach, der unlängst seinen
40. Geburtstag feierte, einen jungen Ingenieur als Teamleiter
Konstruktion und Entwicklung. Seine Teammitglieder sind alle
um die 30 Jahre alt. Vergleichbares passiert momentan in vielen
Bereichen im Unternehmen. Wir müssen den Nachwuchs fördern
und der nächsten Generation Verantwortung übertragen.
Hier sind wir auf einem guten Weg. Das lässt sich am Durchschnittsalter
der Belegschaft ablesen, das in den vergangenen
36 f+h 2025/08 www.foerdern-und-heben.de
F+H NACHGEFRAGT MENSCHEN UND MÄRKTE
drei Jahren von 52 auf 42 Jahre gesunken ist. Zentral ist es dabei,
die Expertise der erfahrenen Mitarbeiter auf die jungen Führungskräfte
zu übertragen. Daran arbeiten wir jeden Tag.
Das klingt nach einer bewussten Strategie, nicht nur fachliche,
sondern auch eine andere Perspektive einzubringen?
Stefan Budweit: Genau. Machen wir uns doch nichts vor. Wenn
man im Job Jahrzehnte eine Aufgabe ausgefüllt hat, bewegt man
sich auf eingetretenen Pfaden, was per se nicht unbedingt etwas
Schlechtes sein muss. Aber die junge Generation tickt vielleicht
anders und sagt: Ja, schön, ein Gabelstapler bringt eine Palette
von A nach B, aber um die eigentliche Transportaufgabe passiert
noch einiges mehr. Das gilt im übertragenen Sinn auch für die
Kundenansprache, denn die Kundschaft wird ebenfalls jünger.
Kommen wir zum zweiten großen Thema: der Elektrifizierung.
Wie positioniert sich Clark hier?
Stefan Budweit: Wir sind mit Clark Europe für Europa, Naher
Osten und Afrika zuständig. In den genannten Regionen treffen
technologisch Welten aufeinander. Treiber der Elektrifizierung
in Europa ist die Reduzierung von CO 2
-Emissionen, die Verringerung
von Betriebsgeräuschen und vor dem Hintergrund des
Fachkräftemangels die Automatisierung der Abläufe in Materialfluss
und Lager – nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb
des Lagers.
Wie konkret setzen Sie die Elektrifizierung um?
Stefan Budweit: Hauptschwerpunkt ist momentan die Umstellung
von Verbrennern auf die Elektroschiene. Sie waren an unserem
Messestand auf der Logimat. Haben Sie dort einen Verbrenner
gesehen?
Wenn ich mich richtig erinnere: Nein.
Stefan Budweit: So war es. Das Thema Elektro steht bei Clark
nicht nur für Europa, sondern auch global im Fokus.
Zu Ihrer Vertriebsregion gehört auch Afrika und der Nahe
Osten. Wie sieht es dort mit Elektrifizierung aus?
Stefan Budweit: Darauf zielte meine Anmerkung ab, dass in
unserem Vertriebsgebiet technologisch Welten aufeinandertreffen.
In Afrika und im Nahen Osten dominiert nach wie vor der
Verbrenner. Die Ursache dafür ist, dass die erforderliche Infrastruktur
zu wünschen übriglässt. Dennoch investieren wir mehr
in die Entwicklung der Elektrifizierung unseres Geräteportfolios.
Ein spannendes Thema in dem Zusammenhang sind Ihre
Crossover-Produkte Raider und Renegade. Wie sind diese
entstanden?
Stefan Budweit: Das war ganz eindeutig eine Marktanforderung.
Die Betreiber verlangen nach einem Fahrzeug, das keine
lokalen CO 2
-Emissionen verursacht, gleichzeitig aber leistungsstark
und für den Außeneinsatz tauglich sein soll.
Warum gibt es zwei Modelle – Raider und Renegade?
Stefan Budweit: Das hat sich durch den globalen Markt ergeben.
Wir wollen mit unseren Staplern auch den Low-Cost-Markt
bedienen. Manch einem Betreiber genügt für die Erledigung
seiner Transportaufgabe ein technologisch einfaches Gerät; das
Renegade
S25-35XE
gilt auch für bestimmte Regionen der Welt. Für derartige Anwendungen
und Märkte ist der Raider, Baureihe L25-35XE, als
kostengünstiges Gerät konzipiert. Die Raider-Baureihe eröffnet
den Einstieg in das Crossover-Segment.
Der Renegade, Baureihe S25-35XE, ist für Betreiber konzipiert,
die auf die Merkmale der Clark-S-Series – Smart. Strong. Safe.
– nicht verzichten wollen. Aufgebaut auf dem Chassis der verbrennungsmotorischen
Stapler der S-Series verfügen die Modelle
ebenso wie die S-Series Electric über zahlreiche Sicherheitsfunktionen
und individuelle Optionen, um sie an unterschiedliche
Anwendungen im Innen- und Außenbereich anzupassen.
ELEKTRIFIZIERUNG BRAUCHT
DIE PASSENDE INFRASTRUKTUR
– SONST GEHT ES NICHT
Die neuen Crossover-Modelle kombinieren die Merkmale von
Elektrogabelstaplern mit der Vielseitigkeit und Robustheit von
Diesel- und Treibgasstaplern. Verfügbar sind die beiden Crossover-Baureihen
mit Tragfähigkeiten von 2,5 bis 3,5 Tonnen.
Sie entwickeln diese Produktklasse weiter?
Stefan Budweit: Auf jeden Fall. Die beiden Crossover-Baureihen
L25-35XE und S25-35XE sind für uns der nächste konsequente
Schritt, im Bestreben, die Gerätepalette der Gegengewichtsstapler
weiter zu elektrifizieren. Das Konzept, das kann ich heute
schon sagen, hat sich bewährt und wir werden es in den nächsten
Generationen weiterverfolgen. Aktuell befinden wir uns in
der Entwicklung der entsprechenden Geräte, die den Hublastbereich
von vier bis acht Tonnen abdecken. Unsere Planungen
sehen die Markteinführung dieser Stapler im nächsten Jahr vor.
In der Entwicklungs-Roadmap stehen ferner Modelle für Lasten
bis zu 20 Tonnen.
Apropos Erweiterung des Portfolios. Wie sind Ihre diesbezüglichen
Überlegungen in der Lagertechnik?
Stefan Budweit: Wir kommen mit unserem heutigen Portfolio
im Bereich Lagertechnik an eine Grenze. In Europa teilt sich der
Markt in 70 Prozent Lagertechnikgeräte und 30 Prozent Gegengewichtsstapler
auf. Vor zehn Jahren belief sich das Verhältnis
noch auf 60 zu 40 Prozent. Ich gehe davon aus, dass die Nachfrage
nach Lagertechnikgeräten weiter steigen wird. An diesen
Veränderungen wollen wir partizipieren. Um das tun zu können,
benötigen wir beispielsweise schwere Niederhub- und Hochhubwagen
– und glauben Sie mir: auch daran arbeiten wir zurzeit
intensiv.
www.foerdern-und-heben.de f+h 2025/08 37
MENSCHEN UND MÄRKTE
F+H NACHGEFRAGT
Kommen wir zu einem weiteren strategischen Punkt: dem
Vertrieb. Sie haben sich dazu entschieden, neben der Marktbearbeitung
durch Ihre etablierten Händler einen Direktvertrieb
aufzubauen. Was waren die Beweggründe und wie entwickelt
sich der Direktvertrieb?
Stefan Budweit: Gewisse Regionen in Deutschland decken wir
nicht mit Händlern ab. Diese Regionen, beispielsweise Düsseldorf
oder das Rhein-Main-Gebiet, haben ein gewisses Marktpotenzial.
Daher stellten wir uns die Frage: Wie können wir das
Potenzial heben? Das war die Geburtsstunde des Clark-Direktvertriebs.
Gestartet sind wir vor etwa vier Jahren mit einem Verkäufer
und einem Servicetechniker. Die Kundenakquise habe
ich übernommen. Unsere Aktivitäten haben sich in den vergangenen
vier Jahren positiv entwickelt. Aber wir haben unser Potenzial
noch nicht ausgeschöpft.
Die beiden Crossover-Baureihen L25-35XE und
S25-35XE sind für uns der nächste konsequente
Schritt, im Bestreben, die Gerätepalette der
Gegengewichtsstapler weiter zu elektrifizieren
STEFAN BUDWEIT, President und CEO
der Clark Europe GmbH
Welche Auswirkungen hat all das auf Ihre
Produktionsstandorte?
Stefan Budweit: Wir haben unsere Flurförderzeuge auch in
Korea produziert und festgestellt: Korea als Produktionsstandort
ist teurer als Deutschland. Das war für uns schon vor zwölf Jahren
ein Anlass, ein Werk in China zu bauen und dort die Gegengewichtsstapler
mit Verbrennungsmotor im Bereich 2,5 bis acht
Tonnen zu produzieren. Die Hauptkomponenten, Achsen, Getriebe
und Motor, kommen – auch bei unseren Marktbegleitern
– mittlerweile aus chinesischer Fertigung. Vor sechs bis sieben
Jahren haben wir uns entschlossen, auch in einen Produktionsstandort
für den Bereich Intralogistik in Vietnam zu investieren.
Mittlerweile haben wir drei Werke in Vietnam, wo wir die Fertigung
vertieft haben.
Was bedeutet das konkret?
Stefan Budweit: Alle Flurförderzeughersteller arbeiten mit Zulieferern
zusammen – auch wir – die zum Beispiel für das Chassis
oder den Hubmast zuständig sind. Die Qualitätsstandards
der Zulieferer ließen jedoch zu wünschen übrig. Daher fiel die
Entscheidung, die Chassis- und Hubmastfertigung wieder in die
eigene Hand zu nehmen und somit die Qualität zu sichern. Das
dritte Werk in Vietnam produziert Teile für die Endmontage. Die
Werksinfrastruktur versetzt uns ferner in die Lage, den Gerätebedarf
in den USA zu befriedigen. Strafzölle für Produkte aus
Vietnam fallen übrigens keine an, da das Land nicht auf der
Sanktionsliste der US-Regierung steht.
Hätten Sie den Gerätebedarf in den USA nicht mit dem
Hochfahren der Produktion an Ihrem Standort in Lexington
bedienen können?
Stefan Budweit: Das wäre keine gute Idee gewesen. Wenn ich
ein Gerät von den Produktionskosten über die Vertriebskosten
in den USA betrachte, bleibt nur ein geringer Crossprofit. Fertige
ich das gleiche Gerät in Asien – in Korea oder Vietnam – habe
ich eine deutlich höhere Durchschnittsmarge.
Wo führt das hin?
Stefan Budweit: Wir mussten eine unternehmerische Entscheidung
treffen.
Und die lautete?
Stefan Budweit: Wir gründen die Niederlassung West mit Sitz in
Duisburg und stocken Personal auf.
Bietet die Firmenimmobilie dafür die Voraussetzungen?
Stefan Budweit: Nein. Aber wir hatten das Glück, dass uns auf
der gegenüberliegenden Straßenseite ein Gebäude zum Kauf
angeboten wurde, und da mussten wir nicht lange überlegen.
Die zusätzlichen Räumlichkeiten ermöglichen es uns, zwei Ziele
gleichzeitig zu erreichen: Das Gebäude ist groß genug für die
Aufnahme des R&D-Kompetenzzentrums und für die Niederlassung.
Aktuell wird das Gebäude auf unsere Belange angepasst.
Unser Plan ist es, Anfang des nächsten Jahres die Niederlassung
West und das R&D-Kompetenzzentrum, bei dem übrigens auch
eine Vergrößerung ansteht, zu eröffnen.
Wie haben Ihre Händler auf den Einstieg in den Direktvertrieb
reagiert?
Stefan Budweit: Positiv. Viele unserer Händler in Deutschland
sind kleinere Familienunternehmen. Die Klientel, die wir mit dem
Direktvertrieb ansprechen, können diese Händler nicht bedienen.
Wir wollen mit dem Direktvertrieb in das Flottengeschäft einsteigen.
Um in dem Segment erfolgreich zu sein, ist unter anderem
eine Servicebereitschaft 24 Stunden, sieben Tage die Woche,
365 Tage im Jahr vonnöten. Und die Grundlage, um in dem Bereich
zu wachsen, haben wir mit der Niederlassung West gelegt.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview mit Stefan Budweit, President & CEO Clark Europe GmbH,
Duisburg, führte Winfried Bauer, Chefredakteur f+h
Fotos: Clark Europe
MIT EINEM KLEINEN HÄNDLER
KANN ICH GROSSKUNDEN
NIEMALS ERREICHEN
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38 f+h 2025/08 www.foerdern-und-heben.de
MARKTPLATZ
OFFENE FLOTTENSTEUERUNG VEREINFACHT
AMR-INTEGRATION
Ein offener Kommunikationsstandard
ermöglicht die einfache und
herstellerunabhängige Integration
autonomer mobiler Roboter in
Flottenmanagementsysteme. Bei
der Anbindung des A-Mate Lite von
K. Hartwall an die Synaos Intralogistics
Platform sorgt die VDA-
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von Bosch Rexroth für standardisierte Kommunikation und
präzise Lokalisierung. Modulare Softwarekomponenten wie
Rokit Navigator und Rokit Locator beschleunigen die Integration
sowie die Orchestrierung heterogener Fahrzeugflotten und
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profitieren von hoher Flexibilität und Zukunftssicherheit, da
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Direktausgabe. Beide Systeme
ermöglichen autorisierten Mitarbeitern
die selbstständige Entnahme
von Werkzeugen, C-Teilen und
persönlicher Schutzausrüstung
(PSA), wobei Verbrauch in Echtzeit
erfasst und Nachschub automatisch
angestoßen wird. Direktallround
bietet bis zu 432 Fächer auf zwölf
Ebenen, Direktausgabe bis zu 30 individuell aufteilbare Fächer.
Das Standardmaß beträgt 183 × 75 × 71 cm bei einem Gewicht
von ca. 200 kg. Die Integration ins Direkt-RFID-Kanban-System
ist möglich, Einsatzfelder sind Produktion und Logistik.
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SCHULTERN BEI MANUELLEN TÄTIGKEITEN
ULTRASCHALL-UMREIFUNGSTECHNIK IM
EINSTIEGSSEGMENT VERFÜGBAR
Leichte, ohne externe Energiequelle
einsetzbare Exoskelette
unterstützen Mitarbeiter beim
Heben, Bewegen und Arbeiten
in ungünstigen Körperhaltungen.
Mit dem Rumpfbeuge-
Exoskelett Mate UBA von
Schmalz wird der untere
Rücken etwa beim Anheben
und Ablegen von Gütern
entlastet, vor allem bei
wiederholten Bewegungen aus tiefen Regallagen. Das Oberkörper-Exoskelett
Mate UTA unterstützt Überkopfarbeiten, etwa
beim Montieren von Bauteilen oder dem Be- und Entladen hoch
gestapelter Container. Waschbare
Textilelemente erhöhen die
Lebensdauer und ermöglichen
eine hygienische Mehrfachnutzung,
wodurch sich der Tragekomfort
für verschiedene
Anwender verbessert.
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Dr.-Ing. Chr. Beumer, Beckum;
Prof. Dr.-Ing. J. Fottner, München;
Prof.-Dr.-Ing. K. Furmans, Karlsruhe;
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Mit der SoniXs XT bietet die Mosca GmbH ab sofort eine
Umreifungsmaschine, die Ultraschall-Verschlusstechnologie
auch im Einstiegsbereich verfügbar macht. Aufgrund ihrer
modularen Innenrahmenstruktur lässt
sich die Maschine auf Rahmengrößen
bis 800 × 800 mm anpassen und
verarbeitet dabei PP- und PET-Bänder in
Breiten von 5, 8, 9 oder 12 mm. Zu den
erweiterten Optionen zählen Tischflächen
mit integrierten Rollen oder Kugeln
sowie automatische Bandspannungsverstellung.
Die MSCB-1-Steuerung stellt
einen zuverlässigen Betrieb sicher.
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Prof. Dr.-Ing. R. Jansen, Dortmund;
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Wegeoptimierung und KI
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JUNGHEINRICH BRINGT SCHUBMASTSTAPLER DER ETV-3I-SERIE
FÜR DAUEREINSATZ AUF DEN MARKT
LEISTUNGSSTARKE SCHUBMASTSTAPLER
MEISTERN DEN PRAXISTEST
Wie bereits im vergangenen Jahr angekündigt,
bringt Jungheinrich die Schubmaststapler der
ETV-3i-Serie auf den Markt. Die Flurförderzeuge
sind für den intensiven Einsatz konzipiert. In
unserem Test musste unter anderem der
ETV 314i sein Können unter Beweis stellen – und
er hat unseren Parcours mit Bravour bestanden.
Wir erleben einen sehr berechenbaren
Schubmaststapler mit hohen Leistungen, einem
ergonomischen Arbeitsplatz und einer praktischen
Einsatzdauer für den langen Arbeitstag.
Im Jahr 2024 lancierte Jungheinrich die Schubmaststapler ETV
214i und 216i aus der ETV-2i-Baureihe. Zwei Modelle mit Tragfähigkeiten
von 1,4 respektive 1,6 t. Die Stapler wurden bewusst
für weniger intensive Einsätze konzipiert, um der Nachfrage
nach erschwinglichen Schubmaststaplern jenseits von
Hochleistungsgeräten gerecht zu werden.
Die neue ETV-3i-Serie hingegen ist für einen intensiven Einsatz
rund um die Uhr entwickelt worden. Die Besucher der Logimat
hatten bereits die Gelegenheit, diese Geräte in Augenschein zu
nehmen. Ein guter Anlass für uns, die Neuen intensiv zu testen.
GROSSE MODELLAUSWAHL, VIEL POWER
Im Gegensatz zur ETV-2i-Serie umfasst die ETV-3i-Baureihe
nicht zwei, sondern fünf Modelle mit Tragfähigkeiten von 1,4, 1,6,
1,8 sowie 2,0 und 2,5 t. Die maximale Hubhöhe wurde von 10,7
auf 14 m gesteigert – ebenso wurde die Resttragfähigkeit erhöht.
Kraftvoller sind auch die Leistungen in puncto Sprint-, Hub- und
Fahrgeschwindigkeiten, woraus eine hohe Produktivität resultiert.
Dabei bleibt der Energieverbrauch dennoch gering.
Die zusätzliche Kraft beziehen die neuen Schubmaststapler aus
den stärkeren Fahr- und Hubpumpenmotoren und dem größeren
Antriebsrad. Auch in puncto Software unterscheiden sich die neu-
40 f+h 2025/08 www.foerdern-und-heben.de
PRODUKTE UND SYSTEME
Hubgeschwindigkeit
mit 1.000 kg Last
[cm/s]
Fahrgeschwindigkeit
mit 1.000 kg Last
[km/h]
Sprint über
27,2 m
[in s]
Praktische
Einsatzdauer
max. Bat. [h:min]
Jungheinrich ETV 314i
P1
45,6
10
7,2
23:06
Jungheinrich ETV 314i
P2
57,9
12
6,1
17:27
Jungheinrich ETV 314i
P3 61 14 5,4 15:11
Jungheinrich ETV 314i
P3 Eco driven 61 14 6 16:13
ø
49,52
ø = Durchschnitt der von uns getesteten Schubmaststapler
12,55 6,3 11:16
01 Die Eintrittshöhe in die Fahrerkabine ist mit
510 mm sportlich, aber machbar
02 Eine optionale zusätzliche Trittstufe ist komfortabel,
„frisst“ allerdings ein Stück der Bodenplatte
en Geräte von der ETV-2i-Serie, was vor allem in einer anderen
Einstellung der Parameter zum Ausdruck kommt. Darüber hinaus
verfügen die Stapler der ETV-3i-Serie standardmäßig über eine
synchrone Steuerung der Hydraulikfunktionen des Hubmasts.
OPTIONAL MIT UND OHNE TRITTSTUFE
Bei der ETV-2i-Serie wurde die Fußraumplatte inklusive Fahrerstand
„tiefergelegt“, um eine geringere Einstiegshöhe zu realisieren.
Diese Designmaßnahme ging allerdings auf Kosten des Antriebsrads,
das verkleinert werden musste. Bei der ETV-3i-Serie
hingegen wurden Fußraumplatte und Fahrerstand höher angesetzt,
um Platz für das größere Antriebsrad und die stärkeren
Motoren zu schaffen. Aus dieser Maßnahme resultiert eine Einstiegshöhe
von 510 mm. Das ist nicht wenig, aber auch nicht
unüberwindbar. Unser Teststapler ETV 314i hat dennoch keine
zusätzliche Trittstufe. Die Konstrukteure gehen davon aus, dass
Fahrer, die einen Schubmaststapler für den intensiven Einsatz
nutzen, dauerhafter in der Fahrerkabine verweilen. Für Fahrer,
die an dieser Stelle einen höheren Komfort vermissen, bietet der
Hersteller eine zusätzliche Trittstufe als Option.
Wir haben diese Option getestet, da uns auch ein ETV 318i mit
zusätzlicher Trittstufe in 325 mm Höhe zur Verfügung stand. Wir
01
02
www.foerdern-und-heben.de f+h 2025/08 41
03
05
03 Das gut ablesbare Display überzeugt in Farbigkeit und Kontrast
04 Durch das großzügig verglaste Panoramadach hat man
einen guten Blick auf den Hubmast
05 Die signalgelben Schutzkappen für die Lasträder lassen sich
problemlos (de-)montieren und erhöhen die Sichtbarkeit der Radarme
04
06 Für unsere A4-Schreibmappen gibt es rechts der Armlehne
genug Ablagen, allerdings ärgert uns an dieser Stelle
der scharfkantige Windschutz
gelangen so ohne Anstrengung in die Fahrerkabine – büßen allerdings
etwas Bewegungsfreiheit des linken Fußes ein, da die Trittstufe
an dieser Stelle einen Teil der Bodenplatte „frisst“. Für viele
Fahrer sei das nach Aussage des Herstellers ein Grund, auf die
Trittstufe zu verzichten.
Verbrauch pro
100 Paletten in kWh
Jungheinrich
ETV 314i P1
Jungheinrich
ETV 314i P2
Jungheinrich
ETV 314i P3
Jungheinrich
ETV 314i P3
Eco driven
ø
3,48
4,2
4,68
4,44
6,85
Verbrauch während
des Tests in kWh
Jungheinrich
ETV 314i P1
Jungheinrich
ETV 314i P2
Jungheinrich
ETV 314i P3
Jungheinrich
ETV 314i P3
Eco driven
ø = Durchschnitt der von uns getesteten Schubmaststapler
ø
1,93
2,56
2,94
2,76
3,69
LITHIUM-IONEN-BATTERIE LIEFERT
BIS ZU 690 AH
Die ETV-3i-Baureihe verfügt serienmäßig über eine integrierte Lithium-Ionen-Batterie,
wodurch die Stapler kompakt bleiben und
eine ausgezeichnete Rundumsicht bieten. Angesichts intensiver
Einsätze können die Schubmaststapler bis zu drei 230-Ah-Module
an Bord unterbringen. Mit diesen 690 Ah und aufgrund des sparsamen
Charakters verzeichnet unser Teststapler ETV 314i eine
praktische Einsatzdauer von gut 15 Stunden in seinem kraftvollsten
Fahrmodus P3. Für einen 24-Stunden-Einsatz kann die Batterie
in Pausen problemlos aufgeladen werden. Eine weitere Option
zur Verlängerung der Einsatzdauer ist die Wahl einer etwas gemäßigteren
Einstellung. So erreichen wir im P2-Modus gut 17 Stunden
und im P1-Modus sogar 23 praktische Betriebsstunden.
Selbstredend variiert in den diversen Modi die Produktivität:
Im leistungsstärksten P3-Modus ist unser Teststapler 15 % produktiver
als der Durchschnitt aller von uns getesteten Schubmaststapler.
Im P2-Modus liegt er 11,4 % über dem Schnitt und in
der Einstellung P1 schneidet der ETV 314i genauso ab wie der
Marktdurchschnitt.
DISPLAY UND LENKUNG
Wir nehmen in der Fahrerkabine des ETV 314i Platz und werfen
einen Blick auf das Display. Wir sind positiv angetan von der
Farbwiedergabe sowie dem Kontrast. Daten wie Hubhöhe und
Gewicht sind sehr gut ablesbar. Das System verfügt über ein digitales
Lastdiagramm, das vor einer möglichen Überlastung der
Gabel warnt.
Das Lenkrad ist Jungheinrich-Standard mit 180°-/360°-Lenkradsteuerung
und einem berechenbaren Lenkverhalten. Die Tiefe
der Lenkkonsole ist standardmäßig verstellbar; optional ist
auch eine Höheneinstellung verfügbar. Unserer Meinung nach
sollte bei einem für die intensive Nutzung vorgesehenen Premiumstapler
auch die Höheneinstellung der Lenkkonsole Standard
sein. Die festgelegte Höhenposition in unserem Teststapler ist
42 f+h 2025/08 www.foerdern-und-heben.de
PRODUKTE UND SYSTEME
Umgeschlagene Paletten in 8 Stunden
Jungheinrich ETV 314i P1 444
Jungheinrich ETV 314i P2 488
06
Jungheinrich ETV 314i P3 503
nach unserer Ansicht etwas zu hoch angesetzt, sodass man mit
einem leicht angehobenen Arm arbeitet. Beim zweiten Teststapler,
dem ETV 318i, ist die optionale Höheneinstellung verfügbar
und funktioniert prima: einfach verstellbar und sehr stabil konstruiert.
Jungheinrich ETV 314i P3 Eco driven 496
SICHERHEIT, KOMFORT UND WINDSCHUTZ
Rechts der Armlehne befindet sich ein Ablagefach, das A4-
Schreibmappen oder Clipboards aufnimmt. Das Panoramadach
wurde großzügig verglast und bietet einen freien Blick nach oben
auf den ausgefahrenen Hubmast. An der Dachkonstruktion der
Fahrerkabine ist ein LED-Lichtsystem „Smart Stripe“ mit hellweißer
Tagfahrbeleuchtung installiert; so macht sich der Stapler aus
der Distanz bemerkbar. Bei Kurvenfahrten kann der Fahrer
orangene Blinkzeichen geben, beim Bremsen leuchtet die LED rot.
Eine Neuheit ist der umlaufende Windschutz in Form einer
Plexiglasscheibe. Ganz glücklich sind wir mit dieser Windschutz-
Konstruktion allerdings nicht. Denn sobald man etwas aus den
Ablagefächern neben der Armlehne nehmen möchte, stößt der
Arm gegen den – aktuell noch – scharfkantigen Rand der Scheibe.
Der Hersteller verspricht, dieses Problem zu beheben.
ROBUST UND GUT ZU WARTEN
Die Stapler der ETV-3i-Serie sind robust gebaut.
Das Abdeckblech des Antriebsrads
erleichtert die Wartung und sorgt für ein ordentliches
Erscheinungsbild. Eventuelle
Lackschäden lassen sich so problemlos ausbessern.
In puncto Sichtverbesserung und
Sicherheit stehen optional signalgelbe
Schutzkappen für die Lasträder zur Verfügung.
Die Kappen können zu Wartungszwecken
entfernt werden. Auch der verbesserte
Schulterschutz sorgt für zusätzlichen Komfort
und mindert das Verletzungsrisiko.
WERTUNG
+ Leistungen
+ Einsatzdauer
+ Ergonomie
– Höhenverstellbare Lenksäule
kein Standard
– Scharfe Kanten des
Windschutzes
ø = Durchschnitt der von uns getesteten Schubmaststapler
Für mehr Sicherheit sorgt auch das optionale, patentierte „Ausstiegssignal“.
Sollte der Fahrer den Stapler verlassen, bevor dieser
zum Stillstand kommt, ertönt ein deutliches Warnsignal.
TEST-FAZIT
ø 438
Aus unserer Sicht sind die Stapler der ETV-3i-Serie vor allem aufgrund
ihrer hohen Leistungen die neuen „Flaggschiffe“ im
Schubmaststaplersortiment von Jungheinrich. Die Fahrzeuge
sind für einen intensiven Einsatz ausgelegt
und bieten dafür alles auf: hohe Produktivität,
lange praktische Einsatzdauer und den
nötigen Komfort. Bei Bedarf ist eine zusätzliche
Trittstufe lieferbar. Ein kleines Manko aus
unserer Sicht ist der noch nicht ausgereifte
Windschutz und das Fehlen einer standardmäßigen
Höheneinstellung der Lenksäule.
Text und Fotos: Andersom Testing, Mark Dohmen und
Theo Egberts
Grafiken: VFV, Sonja Daniel
www.foerdern-und-heben.de f+h 2025/08 43
VON DAMALS BIS HEUTE
1918
1960
1945
1970
Georg und Richard
Koch gründen
Stammhaus in
Quedlinburg
Neugründung
Gebr. Koch + Co. mit
geschäftsführendem
Gesellschafter Alfred
Diepolder in Lage (Lippe)
Zelte, Sonnenschirme
und Matratzenschoner
im Portfolio
Einstieg in
den Markt für
Möbel-Transportgeräte
1918
1945
1950er-
Jahre
1960er-
Jahre
80 JAHRE KOCH-LAGERTECHNIK
VON DER TEXTILVERARBEITUNG ZUR LAGERTECHNIK
Zum 80-jährigen Jubiläum konnte das
Unternehmen Koch-Lagertechnik bereits auf eine
lange Tradition zurückblicken. Das Stammhaus
in Quedlinburg ist von den Brüdern Georg und
Richard Koch schon 1918 als Sack- und Planenfabrik
gegründet worden. Als Konsequenz aus
der Grenzziehung zwischen der Bundesrepublik
und der DDR entstand am 1. Juli 1945 in Lage
(Lippe) ein weiteres Unternehmen in Form einer
KG, deren Komplementär Alfred Diepolder –
Schwiegersohn von Richard Koch – wurde.
Heute zählt Koch-Lagertechnik zu den renommierten
Spezialisten für Logistikausstattung in Form von Geräten
für den innerbetrieblichen Transport und die Lagerung
sowie für Verladetechnik mit Torabdichtungen und
Überladebrücken. Nun kann das Unternehmen das 80-jährige
Firmenjubiläum feiern. Obwohl die Wurzeln weiter zurückreichen,
gilt der Firmenstart im Westen Deutschlands unmittelbar
nach Ende des Zweiten Weltkriegs als Anlass für die Feierlichkeiten.
Das ursprüngliche Stammhaus in Quedlinburg wurde Opfer
der Umstände und 1961 teil- und 1972 vollständig verstaatlicht.
PRODUKTPALETTE SUKZESSIVE ERWEITERT
Unter dem Firmennamen „Gebr. Koch + Co.“ bleibt man in Westdeutschland
zunächst der Verarbeitung technischer Textilien
treu. In den 1950er-Jahren wird die Produktpalette von Planen
und Säcken um Zelte, Sonnenschirme, Campingartikel sowie Matratzenschoner
für Möbelhändler ergänzt.
In den 1960er-Jahren beginnt die Belieferung der Möbelhändler
mit Lagertransportgeräten, die von Subunternehmern gefertigt
werden. Mithilfe dieser Wagen lassen sich Möbel nicht nur
transportieren, sondern auch kommissionsweise einlagern. Auch
die Textilproduktion wird durch die Fertigung von Markisentüchern
ausgeweitet. 1961 bezieht man das erste eigene Firmengebäude
in der Feldstraße in Lage.
Das Markisengeschäft gewinnt in den 1970er-Jahren an Bedeutung,
sodass man auch die entsprechenden Gestelle fertigt, um
komplette Markisen anbieten zu können. Seit Mitte der 1970er-
Jahre produziert Koch-Lagertechnik zudem Torabdichtungen,
die Energieverluste an Hallentoren reduzieren – als Reaktion auf
die Ölkrise von 1974. Die Geschäfte laufen gut, sodass Ende des
Jahrzehnts ein zusätzliches Gebäude für die Fertigung in der Industriestraße
in Lage entstand. In diese Zeit fällt auch der Aufbau
des Exportgeschäfts mit dem europäischen Ausland.
44 f+h 2025/08 www.foerdern-und-heben.de
PRODUKTE UND SYSTEME
Produktion von
(Kissen-)Torabdichtungen
und
Aufbau des Exportgeschäfts
Erweiterung
des Portfolios um
Schürzen-Torabdichtungen
Schürzen-Torabdichtung
mit
Schaumkern und
Hubdachautomatik
Zunehmender Bedarf an
Torabdichtungen und
Transportgeräten durch
Generalunternehmer
und E-Commerce
1970er-
Jahre
1980er-
Jahre
1990er-
Jahre
2000er-Jahre
bis heute
1980
2000
1990
Martin und Robin
Diepolder (v. l.)
In den 1980er-Jahren beginnen die Möbelhändler, Regallager zu
bauen; die Transportgeräte darin werden mit induktionsgeführten
Gabelstaplern in die Regalebenen befördert. Das Geschäft gewinnt
an Dynamik, die sich durch die Wiedervereinigung verstärkte.
1985 verstirbt Alfred Diepolder, seine Söhne Richard und
Martin übernehmen die Unternehmensführung und erweitern
den Standort in der Industriestraße um einen 3. Bauabschnitt.
ZEIT DER VERÄNDERUNG
Auch die 1990er-Jahre sind vom Wachstum geprägt. Koch-
Lagertechnik steigt in die Produktion von Schürzentorabdichtungen
ein; die Hubdachautomatik wird zum Patent angemeldet.
Campinggeschäft und Planenfertigung entfielen.
In den 2000er-Jahren erweitert man das Gebäude in der Industriestraße
um einen 4. Bauabschnitt, um die Nachfrage nach
Torabdichtungen zu befriedigen. Die Fertigung der Transportgeräte
übernimmt ein Betrieb in Sachsen-Anhalt. Die Herstellung
von Markisen läuft aus. Seit den 2010er-Jahren sind Generalunternehmer
für Industriebauten die Hauptabnehmer für Torabdichtungen.
Gründe sind die zahlreichen Neubauten von Logistikund
Distributionszentren für den E-Commerce. Auch im Transportgerätegeschäft
gewinnt Koch-Lagertechnik immer mehr Onlinehändler
und Logistikunternehmen als Kunden hinzu.
STARKE JAHRE, PANDEMIE-EFFEKTE UND
KONSOLIDIERUNG
Mit dem Auslaufen der 2010er-Jahre verzeichnet Koch-Lagertechnik
2019 ein absolutes Rekordjahr in Umsatz und Ergebnis.
Im ersten Coronajahr 2020 folgt zwar ein deutlicher Rückgang,
doch zum Jahresende zeichnet sich bereits eine Erholung ab.
2021 sorgt die veränderte Verbrauchernachfrage – Möbelkäufe
statt Fernreisen sowie der stark wachsende Onlinehandel – für eine
außergewöhnliche Dynamik. Möbeltransportgeräte sind
ebenso gefragt wie Torabdichtungen für neu entstehende Distributionszentren.
Das Rekordniveau von 2019 wird damit deutlich
übertroffen. Auch 2022 setzt sich diese Entwicklung anhaltend
fort und bringt das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte.
In den Jahren 2023 und 2024 zeigt sich ein erwarteter Abwärtstrend,
da die zuvor außergewöhnlich hohe Nachfrage den Markt
weitgehend gesättigt hat. Im laufenden Jahr entwickelt sich das
Geschäft zwar unterdurchschnittlich, bleibt trotzdem auskömmlich.
Die Perspektiven hängen nun stark von den politischen Rahmenbedingungen
im In- und Ausland ab, die die Wirtschaft stark
beeinflussen.
MIT LEITBILD IN DIE ZUKUNFT
Was im Stammhaus mit Säcken und Planen begonnen hat, hat
sich bis heute zu einem Produktions- und Handelsgeschäft mit
Tor abdichtungen und Lagertransportgeräten entwickelt. Basis
des Erfolgs war und ist das konsequente Handeln nach dem Leitbild
von Koch-Lagertechnik: „Fair, flexibel, funktionell, fachlich
kompetent – und schnell“. Die Fähigkeit, sich den verändernden
Umständen und Bedürfnissen der Kundschaft anzupassen, hat in
Verbindung mit dem engagierten Mitarbeiterstamm den Erfolg
des Unternehmens bis heute gesichert. Den derzeitigen und
zukünftigen Herausforderungen stellt sich zusätzlich seit 2017 die
4. Genera tion mit Robin Diepolder mit Tatkraft und Zuversicht.
Fotos: Koch Lagertechnik
www.koch-lagertechnik.de
www.foerdern-und-heben.de f+h 2025/08 45
PRODUKTE UND SYSTEME
FÖRDERTECHNIK
MATERIALFLUSS
LOGISTIK 4.0
AUF DEN
PUNKT
GEBRACHT
MANFRED WEBER,
REDAKTEUR
Das Internet ist voll mit nützlichen,
aber auch überflüssigen Inhalten. Wir
filtern für Sie die Informationsflut und
recherchieren Inhalte mit echtem
Nutzwert für den Intralogistiker
Tagtäglich sind wir im Internet einer riesigen Informationsflut ausgesetzt. Da wird es
schwer, den Überblick zu behalten. Doch f+h hilft! Denn wir selektieren nicht nur
entsprechende Pressemeldungen, sondern durchforsten für Sie auch Websites, Business-
Netzwerke und soziale Medien und filtern spannende Dinge heraus. Ab sofort finden Sie
an dieser Stelle unsere Highlights aus der digitalen Welt der Intralogistik.
FLÄCHENBILANZIERUNG AUF KNOPFDRUCK
Wer Fabriken plant, braucht präzise Antworten auf die Frage, wie
Flächen aktuell genutzt werden – und wo ungenutztes Potenzial
liegt. Vor allem bei kurzfristig notwendigen Umstellungen sind
schnelle, belastbare Analysen gefragt. Dualis hat die Lösung: das
neue Flächenbilanztool für Visual Components und das Flächenmanagement-Tool
Areaplan. Gemeinsam sorgen sie ad-hoc für
Übersicht und Planbarkeit – von der einzelnen Halle bis zum
ganzen Werksnetzwerk. Dualis kombiniert als autorisierter Reseller
die 3D-Simulationsplattform Visual Components mit dem eigens
entwickelten Flächenbilanztool. Die verschiedenen Flächenarten,
wie Montage-, Fertigungs-, Lager- und Verwaltungsflächen, sind im
Vorfeld manuell zu definieren. Die Verteilung wird anschließend
übersichtlich in Dashboards mit Diagrammen dargestellt.
WWW.DUALIS-IT.DE
LAGER AUTOMATISIERT VERWALTEN
Transitic, ein Integrator von Intralogistiklösungen,
kündigt die Einführung einer neuen Version von
OpenWCS an, seiner Software-Suite zur Verwaltung
automatisierter Lagerabläufe in Echtzeit. OpenWCS
ist eine ganzheitliche Überwachungs- und Steuerungslösung,
die Automatisierungssysteme mit dem
WMS oder ERP verbindet. Aufgrund ihrer agnostischen
Architektur lässt sich die Lösung unabhängig
von den verwendeten Kommunikationsprotokollen
problemlos an bestehende Informationssysteme
anpassen. Das Main-Dashboard wurde neugestaltet,
um eine einheitliche Ansicht der maßgeblichen
Leistungsindikatoren (KPIs) durch anpassbare
Diagramme zu bieten, die eine sofortige Analyse der
Abläufe und der betrieblichen Effizienz ermöglichen.
WWW.TRANSITIC.COM
46 f+h 2025/08 www.foerdern-und-heben.de
PRODUKTE UND SYSTEME
FÖRDERANLAGEN AUS STAHL UND
EDELSTAHL
Lösungen erfüllen hohe Hygieneanforderungen
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DIE TOP
ONLINE-ARTIKEL
DER F+H WEBSITE
An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen die
fünf meist gelesenen Artikel des Monats
auf unserer Internetpräsenz
Das Ranking umfasst alle Seitenaufrufe im 2-Monats-Zeitraum
bis ca. 2-3 Wochen vor Erscheinungstermin dieser Ausgabe. Die
Berechnungsbasis von 100% entspricht der Summe der fünf Plätze.
DPP-KICKSTART-PAKET
RFID Konsortium unterstützt beim Digitalen
Produktpass
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BATTERIELOGISTIK IN DER E-MOBILITÄT
Gefahrgutboxen für Lithium-Ionen-Batterien
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JETZT STAATLICHE FÖRDERUNG
NUTZEN
Investitionsbooster: Mehr Toyota für weniger Geld
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LAGERVERWALTUNGSSYSTEME
Einfacher und schneller Zugang zu moderner
Software
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EXCLUSIVE
CONTENT
nur online
www.bit.ly/losyco-fuh-25
INDUSTRIEBROWSER-CLIENT
Mit der Entwicklung der neuen App „Swan
Lumina Client“ für mobile SAP-Anwendungen
– optimiert für SAP Fiori/UI5 und ITSmobile-
Dialoge – hat die Swan GmbH proaktiv
Kundenfeedback aus dem Projektgeschäft in
eine standardisierte Lösung umgesetzt. Der
Client bietet eine leistungsstarke Alternative
zu regulären Browsern bei der Orchestrierung
von SAP-Dialogen auf mobilen Endgeräten
verschiedener Hersteller, vor allem für den
Einsatz in On-Premise-Systemen. Mit dem
Client schafft Swan einen zentralen Einstiegspunkt
für unterschiedliche mobile SAP-Technologien.
WWW.SWAN.DE
ECHTZEIT-WLAN FÜR DIE
AUTOMOBILPRODUKTION
Die Losyco GmbH, Bielefeld, ist ein Anbieter von
Schwerlast-Fördertechnik. Von einem deutschen Automobilhersteller
hatte Losyco den Auftrag erhalten,
eine Produktionslinie mit 23 mobilen Plattformen
umzusetzen. Um diese zuverlässig an die zentrale Steuerung
des Fertigungssystems anzuschließen, benötigte der Materialflussspezialist
eine Funklösung, die neben Steuerdaten auch
kritische Safety-Daten mit geringer Latenz innerhalb strenger
Timeouts übertragen kann. Bei „BlitzFunk“, dem Echtzeit-
WLAN für die Industrie, wurde Losyco fündig.
www.foerdern-und-heben.de f+h 2025/08 47
PRODUKTE UND SYSTEME
FIXIT-GRUPPE OPTIMIERT MATERIALDISPOSITION MIT
SUPPLY-CHAIN-MANAGEMENT-SOFTWARE
LAGERBESTÄNDE GESENKT
UND EFFIZIENZ ERHÖHT
Das Produktspektrum, das die Unternehmen der
Fixit-Gruppe herstellen und vertreiben, ist
umfangreich: Europaweit entwickeln und
produzieren die fünf Marken der Gruppe ein
breites Sortiment an Baustoffen für
unterschiedliche Einsatzbereiche im Alt- und
Neubau, innen wie außen. Die Anwendung reicht
von Wärmedämmsystemen über Ober- und
Deckputze bis hin zu Farben und
Beschichtungen. Die Produktionsanlagen in den
einzelnen Werken verarbeiten unterschiedliche
Rohstoffe. Mit der Einführung der Supply-Chain-
Management-Software Diskover ließ sich die
Effizienz in der Planung und Disposition steigern.
Seit September 2006 besteht die Fixit-Gruppe als Dachorganisation
der fünf Baustoffmarken Fixit, Greutol, Hasit,
Kreisel und Röfix. An 69 Standorten in 18 europäischen
Ländern werden circa 2.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
beschäftigt. Die Kunden sind Verarbeiter, Händler und
Baumärkte, Architekten und Planer, Investoren sowie private
Bauherren. Das Spektrum reicht von international ausgerichteten
Großanbietern über mittelständische Unternehmen bis hin
zu kleinen regional aktiven Betrieben und Hausbesitzern mit
ökologischen Ansprüchen.
Die Gruppe führt unter den verschiedenen Marken mehr als
1.000 aktive Artikel, die jeweils in ausreichender Menge lagerhaltig
sein sollen, um kurze Lieferzeiten sicherstellen zu können.
Voraussetzung dafür ist eine effiziente Disposition, die wiederum
auf vollständigen und qualitativ hochwertigen Stammdaten
basiert.
ERSTES PROJEKT ZEIGT POTENZIAL DER
STAMMDATENOPTIMIERUNG AUF
Wenn die Transparenz entlang der Lieferketten fehlt, lassen sich
auch Ineffizienzen nicht erkennen, die einer Steigerung des Erfolgs
im Wege stehen. Lieferengpässe und fehlende Lieferzuver-
48 f+h 2025/08 www.foerdern-und-heben.de
PRODUKTE UND SYSTEME
schaft sicherstellen. Dabei musste gleichzeitig die Saisonalität
des Bedarfs in der Baubranche mitberücksichtigt werden.
Bei der Einführung des neuen Systems fand zunächst ein Golive
mit ausgewählten Pilotartikeln statt. Die Stamm- und Bewegungsdaten
werden aus dem ERP-System SAP täglich an Diskover
übertragen. Auf dieser Basis simuliert die Software regelbasiert
die optimalen Materialdispositionsparameter und spielt sie zurück
ins ERP-System. Mit dieser automatischen dynamischen
Optimierung ließen sich die Effizienz und Qualität steigern. Nach
den Pilotartikeln wurden nach und nach alle übrigen Sortimentspositionen
ins System übernommen. Das Ergebnis ist eine wirtschaftlich
optimale Verfügbarkeit und Lieferbereitschaft aller
Produkte. Diese Verbesserung gelang, obwohl gleichzeitig der
manuelle Aufwand bei der Dispositionsplanung und Pflege der
Dispositionsstammdaten reduziert werden konnte.
lässigkeit führen die Liste der Ursachen für Absatz- und Umsatzverluste
in der Baustoffbranche an. Die Supply-Chain-Performance
der bodenständig geprägten Branche Bauwirtschaft entspricht
nicht immer den Anforderungen der Kunden.
Das erste Vorhaben hat aufgezeigt, dass das Materialdispositionsmanagement
noch Raum für Verbesserungen aufweist. In
diesem Projekt zum Thema „Effizienzgewinn durch Optimierung
von Planung und Disposition“, das die Unternehmensberatungen
Abels & Kemmner und hpossner consulting betreut haben, wurden
die Teilnehmer vor allem dafür sensibilisiert, wie wichtig Materialdispositionsdaten
für den Erfolg sind. „Im Rahmen dieser
Initiative haben zunächst alle Teilnehmer erkannt, wie wichtig eine
gute Stammdatenpflege ist“, sagt Bernhard Fuchs, Projektleiter
Logistik und Prozessoptimierung der Fixit TM Holding GmbH,
Freising.
Ziele des Projekts waren zunächst die Abbildung des logistischen
Geschäftsmodells durch Analyse der Informations- und
Warenflüsse. Außerdem wurden standortspezifische Regelwerke
erarbeitet. Auf Basis dieser Aktivitäten konnten die Verbesserungspotenziale
in Bezug auf Planungshorizont, Kapazitätsauslastung,
Lagerbestand, Kosten und Lieferzuverlässigkeit simuliert
und ein entsprechender Maßnahmenkatalog abgeleitet werden.
Fuchs: „Im Verlauf der Projektarbeit erkannten wir, dass wir eine
neue digitale Lösung benötigen, um die Potenziale einer Reduzierung
von Lagerbeständen bei gleichzeitiger Erreichung der geforderten
Lieferbereitschaft auch tatsächlich umsetzen zu können.“
DIGITALISIERTE DISPOSITIONSPLANUNG
REDUZIERT MANUELLEN AUFWAND
Vor dem Hintergrund hat sich die Firmengruppe bei der Dispositionsplanung
für die Supply-Chain-Management-Software Diskover
der SCT GmbH aus Herzogenrath entschieden. „Bei dem
Projekt ging es zu Beginn auch darum, die Stammdatenqualität
sicherzustellen und die Datenpflege zu erleichtern“, erinnert sich
Fuchs. Außerdem habe man auf die Transparenz über die Bestandssituation
bei den etwa 1.000 Artikeln ein großes Augenmerk
gelegt. „Dabei geht es nicht nur um die Renner-Artikel, die
ständig in großen Mengen benötigt werden, sondern auch um
Nullteile“, macht Fuchs klar. Darunter versteht das Unternehmen
Teile, deren Bestand in den vergangenen zwölf Monaten nicht
bewegt wurde.
Vor allem ein wirkungsvolles Nullteilemanagement und das
Verhindern von Nullteilentstehung haben einen großen Einfluss
auf die Wirtschaftlichkeit. Die Einführung von Diskover sollte die
Optimierung des Bestands passend zur geforderten Lieferbereit-
SORTIMENTSBEREINIGUNG UND
VERKAUFSAKTIONEN
Die Einführung der Supply-Chain-Management-Software hat
sich schnell positiv bemerkbar gemacht. Fuchs: „Vor allem die
Identifizierung der Nullteilebestände und Bodensätze, die nicht
bewegt werden, zeigte sofortige Wirkung. Infolgedessen haben
die verschiedenen Werke Abverkaufsaktionen und Sortimentsbereinigungen
durchgeführt, um diese Vorratsmengen zu verringern.“
Maßgeblich für den Erfolg der beiden Projekte waren laut
Fuchs die Schulungen, in denen weiterführendes Wissen zur Materialdisposition
vermittelt wurde: „Das Verständnis dafür, wie
viel Bestand wo liegt, war Voraussetzung, um die Potenziale der
Bestandsreduzierung umsetzen zu können.“
Die Entwicklung einheitlicher Kennzahlen, beispielsweise
Reichweite, Lagerumschlag oder ein Vergleich Jahr 1 zu Jahr 2,
war ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der im Rahmen des Projekts
durchgeführten Workshops. Bei der Einführung der Supply-
Chain-Management-Software entstand ein einheitliches Portfolio
zentraler Reports, die automatisiert zu festgelegten Zeitpunkten
an Adressaten wie technische Leiter oder Geschäftsführungen
der Ländergesellschaften versendet werden. Auch wenn die
Ländergesellschaften die Regelwerke innerhalb von Diskover
spezifisch einstellen können, ermöglicht dieses einheitliche Reporting
eine umfassende Übersicht über die Materialdisposition
auch auf Konzernebene.
FAZIT
STAMMDATENQUALITÄT
UND TRANSPARENZ ALS
SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG
Im Rahmen der Implementierung rollte die Fixit-Gruppe Diskover
in zwölf Werken in Deutschland, Österreich, Italien sowie der
Schweiz aus. Zehn weitere Standorte wurden bereits technisch
integriert und befinden sich in der Startphase. Seit dem Projekt
findet ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch zwischen den verantwortlichen
Personen aus den verschiedenen Ländern statt.
„Die Mitarbeiter berichten, dass die Resultate, die wir durch den
Einsatz von Diskover erzielen konnten, in allen Werken positiv
aufgenommen werden“, fasst Fuchs abschließend zusammen.
Autoren: Armin Klüttgen, Principal Abels & Kemmner, Herzogenrath, und
Hans-Peter Oßner, Inhaber hpossner consulting, Berlin
Fotos: Fixit TM Holding
ak-online.de | diskover.eu | www.hpossner-consulting.de
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MENSCHEN UND MÄRKTE
FÖRDERTECHNIK
MATERIALFLUSS
LOGISTIK
CHRISTIAN FENK
Haben Sie ein persönliches
Lebensmotto?
Das Leben ist zu schade, es mit halben
Sachen zu verschwenden. Ich
versuche, in allem, was ich tue, das
Positive zu sehen und mit voller
Energie dranzugehen.
Bei welchen Tätigkeiten sind Sie im
Flow?
Definitiv beim Autofahren – da finde
ich Ruhe und Klarheit. Auch beim
Angeln komme ich richtig runter.
Und wenn ich auf einer Fachmesse
bin, die Gespräche laufen und es
richtig zur Sache geht – dann bin ich
voll in meinem Element.
Was macht Ihnen an Ihrem Job am
meisten Spaß?
Wenn meine Begeisterung für unser
Produkt auf den Kunden überspringt.
Denn ich liebe es, komplexe Technik
greifbar zu machen und echte Lösungen
zu verkaufen.
Hören Sie gerne Musik, wenn ja,
welche?
Absolut! Ich bin mit Rock und Heavy
Metal aufgewachsen – das ist ehrlich,
direkt und voller Energie.
Wo verbringen Sie am liebsten Ihren
Urlaub?
An meinem kleinen Weiher – ich
nenne ihn liebevoll „Waikikibeach“.
Dort finde ich Ruhe, kann runterfahren,
grillen, angeln und einfach sein.
››
ZUR PERSON
Christian Fenk ist gebürtiger Bayer und
Head of Sales beim Münchener Robotik-
Unternehmen Filics. Er verantwortet dort
den Vertrieb und bringt seine langjährige
Erfahrung beim Aufbau von Sales-Teams
und Partnernetzwerken ein. Davor war er
bei Robominds und Universal Robots tätig.
Was war die beste Entscheidung in
Ihrer beruflichen Laufbahn?
Mich voll und ganz auf innovative
Start-ups einzulassen – Organisationen,
die wirklich etwas bewegen
wollen – kein Konzernkorsett. Mit
robominds war das schon so, jetzt bei
Filics spüre ich diesen Spirit wieder
ganz stark.
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VORSCHAU
IM NÄCHSTEN HEFT: 02/2026
ERSCHEINUNGSTERMIN: 09. 03. 2026
ANZEIGENSCHLUSS: 20. 02. 2026
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02
03
01 Wenn die Fläche begrenzt ist: Zander Freiburg setzt ein auf automatisches
Verschieberegal mit LVS-Steuerung – und schafft so Platz für wachsende
Sortimente
Bild: S&P Computersysteme
02 Auf einer Fläche von 77.000 m² realisiert SSI Schäfer für Coop in Schweden
eines der größten automatisierten Distributionszentren Europas – mit 95 Prozent
automatischer Kommissionierung für mehr als 800 Filialen
Bild: SSI Schäfer
03 Stahlketten von Tsubaki Kabelschlepp führen Leitungen und Schläuche
präzise durch das Coilauge und sichern damit zuverlässige Umreifungsprozesse
auch unter rauen Bedingungen
Bild: Tsubaki Kabelschlepp
(Änderungen aus aktuellem Anlass vorbehalten)
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