FINE Das Weinmagazin, 70. Ausgabe - 03/2025
Hauptthema: DIE TENUTA DEL NICCHIO - DAS HERZENSPROJEKT VON LODOVICO ANTINORI Weitere Themen dieser Ausgabe EDITORIAL Das Beste oder nichts! UMBRIEN Der Kaschmir-König: Brunello Cucinelli SÜDAFRIKA In Südafrika tut sich was – mal wieder. Teil 1: Kapstadt BORDEAUX Folgen und Auswirkungen des Klimawandels BURGUND Marsanne macht Mut: M. Chapoutier TOSKANA Arsen Khachaturyants – ein Multitalent startet durch DIE PIGOTT-KOLUMNE Klassifikation in Burgund – eine Bestandsaufnahme DAS GROSSE DUTZEND Château La Lagune MASTERCLASS Klaus Peter Keller und Château Lafite PORTRÄT Top of Zürich: The Dolder Grand TASTING Magische Genussmomente in exklusiver Runde GRITZMANN & SCHECK Die Potsdamer Villa Jacobs im Porträt WEIN & SPEISEN Jürgen Dollase isst im Komu in München GENIESSEN Montgomery: Der Dom Pérignon unter den Cheddars WEIN & ZEIT Teil 2 der Geschichte des Weinbaus in Südtirol WEIN & POLITIK Wein in Krieg und Frieden SACHSEN Den Roten gehört im Osten die Zukunft ABGANG Jugend forsch(t)!
Hauptthema: DIE TENUTA DEL NICCHIO -
DAS HERZENSPROJEKT VON LODOVICO ANTINORI
Weitere Themen dieser Ausgabe
EDITORIAL Das Beste oder nichts!
UMBRIEN Der Kaschmir-König: Brunello Cucinelli
SÜDAFRIKA In Südafrika tut sich was – mal wieder. Teil 1: Kapstadt
BORDEAUX Folgen und Auswirkungen des Klimawandels BURGUND Marsanne macht Mut: M. Chapoutier
TOSKANA Arsen Khachaturyants – ein Multitalent startet durch
DIE PIGOTT-KOLUMNE Klassifikation in Burgund – eine Bestandsaufnahme
DAS GROSSE DUTZEND Château La Lagune
MASTERCLASS Klaus Peter Keller und Château Lafite
PORTRÄT Top of Zürich: The Dolder Grand
TASTING Magische Genussmomente in exklusiver Runde
GRITZMANN & SCHECK Die Potsdamer Villa Jacobs im Porträt
WEIN & SPEISEN Jürgen Dollase isst im Komu in München
GENIESSEN Montgomery: Der Dom Pérignon unter den Cheddars
WEIN & ZEIT Teil 2 der Geschichte des Weinbaus in Südtirol
WEIN & POLITIK Wein in Krieg und Frieden
SACHSEN Den Roten gehört im Osten die Zukunft
ABGANG Jugend forsch(t)!
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DIE TENUTA DEL NICCHIO
DAS HERZENSPROJEKT VON LODOVICO ANTINORI
Südafrika Umbrien Bordeaux Zürich Sachsen
In der Rainbow Nation Brunello Cucinelli – Folgen und Auswirkungen Glanzvolle Auftritte Die Roten sind wieder
tut sich was – mal wieder der Kaschmir-König des Klimawandels im The Dolder Grand auf dem Vormarsch
FINE
DAS WEINMAGAZIN 3|2025
BRUNELLO CUCINELLI 26 BORDEAUX: KLIMAWANDEL 54 M. CHAPOUTIER 66
CHÂTEAU LA LAGUNE 88
TENUTA DEL NICCHIO 16
11 FINE EDITORIAL _________________ Das Beste oder nichts!
16 FINE TOSKANA __________________ Die ultimative Herausforderung: Tenuta del Nicchio
26 FINE UMBRIEN ___________________ Der Kaschmir-König: Brunello Cucinelli
36 FINE SÜDAFRIKA ________________ In Südafrika tut sich was – mal wieder. Teil 1: Kapstadt
54 FINE BORDEAUX _________________ Folgen und Auswirkungen des Klimawandels
66 FINE BURGUND __________________ Marsanne macht Mut: M. Chapoutier
76 FINE TOSKANA __________________ Arsen Khachaturyants – ein Multitalent startet durch
84 FINE DIE PIGOTT-KOLUMNE _____ Klassifikation in Burgund – eine Bestandsaufnahme
SÜDAFRIKA: KAPSTADT 36
ARSEN KHACHATURYANTS 76
THE DOLDER GRAND 98
MASTERCLASS 92
88 FINE DAS GROSSE DUTZEND ___ Château La Lagune
92 FINE MASTERCLASS _____________ Klaus Peter Keller und Château Lafite
98 FINE PORTRÄT ___________________ Top of Zürich: The Dolder Grand
106 FINE TASTING ____________________ Magische Genussmomente in exklusiver Runde
112 FINE GRITZMANN & SCHECK ____ Die Potsdamer Villa Jacobs im Porträt
116 FINE WEIN & SPEISEN ___________ Jürgen Dollase isst im Komu in München
122 FINE GENIESSEN ________________ Montgomery: Der Dom Pérignon unter den Cheddars
124 FINE WEIN & ZEIT ________________ Teil 2 der Geschichte des Weinbaus in Südtirol
130 FINE WEIN & POLITIK ____________ Wein in Krieg und Frieden
KARL FRIEDRICH AUST 132
MARTIN SCHWARZ 136
MATTHIAS HEY 140
WEINWOCHE LECH 106
132 FINE SACHSEN __________________ Den Roten gehört im Osten die Zukunft
146 FINE ABGANG ___________________ Jugend forsch(t)!
8 FINE 3 | 2025 INHALT
INHALT FINE 3 | 2025 9
FINEAUTOREN
KRISTINE BÄDER Als Winzertochter aus Rheinhessen
freut sie sich über die positive Entwicklung
ihrer Heimatregion, wo sie ein eigenes kleines Weinprojekt
pflegt. Eine besondere Beziehung hat die studierte
Germa nistin und ehemalige Chefredakteurin des
FINE Weinmagazins zu den Weinen aus Portugal.
DANIEL DECKERS Die Lage des deutschen Weins
ist sein Thema – wenn er nicht gerade als Politikredakteur
der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« über
Gott und die Welt zur Feder greift. An der Hochschule
Geisenheim lehrt Deckers Geschichte des Weinbaus
und handels. In seinem Buch »Wein. Geschichte und
Genuss« beleuchtet er durch mehr als 3000 Jahre die
Rolle dieses unschätzbaren Kulturguts als Spiegel der
Zeitläufte.
JÜRGEN DOLLASE hat sich schon als Rock musiker
und Maler verdingt; als Kritiker der kulinarischen Landschaft
ist er heute eine feste Instanz. Viel beachtet
sind seine Bücher über die Kunst des Speisens: Bei
Tre Torri erschien zuletzt seine »Geschmacksschule«;
das visionäre Kochbuch »Pur, präzise, sinnlich« widmet
sich der Zukunft des Essens.
PATRICIA ENGELHORN ist Schweizerin, genauer
gesagt Tessinerin, hat viele Jahre in Florenz gelebt
und dann als FreelanceJournalistin jahrzehntelang
häufig und gern aus dem Koffer. Thematisch ist sie vorwiegend
in der Kunst, Design und Hotelszene unterwegs,
genießt aber auch Ausflüge in die Welt der Weine.
DR. MED EVA GRITZMANN studierte nach einer
Banklehre Betriebswirtschaft und Medizin. Heute
arbeitet sie als Ärztin in Stuttgart. Gemeinsam mit Denis
Scheck hat sie drei Bücher über Geschmacksunterschiede
zwischen Männern und Frauen (»Sie & Er«),
über Reife (»Solons Vermächtnis«) sowie über
vegetarische Küche (»Kafkas Kochbuch«, erscheint
im August) veröffentlicht.
URSULA HEINZELMANN Die Gastronomin
und gelernte Sommelière schreibt für die »Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung«, die beiden Magazine
»Efflee« und »Slow Food« sowie Bücher übers Essen
und Trinken. Ihr Buch »China – Die Küche des Herrn
Wu« (erschienen bei Tre Torri) liefert tiefe Einblicke
in die vielfältige Kochkunst der Chinesen.
UWE KAUSS In Weinkellern kennt er sich aus: Der
Autor und Journalist schreibt seit 20 Jahren über Wein,
etwa für die »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung«,
die Weinmagazine »Enos« und »wein.pur«, das
»GenussMagazin« sowie das Internetportal wein.plus.
Daneben hat er 16 Sach und Kindersachbücher, einen
Roman und zwei Theaterstücke publiziert.
PETER KELLER Bist zu seinem 25. Lebensjahr
ging der ge bürtige Schwei zer dem Alkohol aus dem
Weg – heute schätzt er ihn als Geschmacksträger. Der
pensionierte Weinredakteur der »NZZ am Sonntag«
betreut auf der Website »NZZ Bellevue« weiterhin
die Rubrik »Weinkeller«. Keller leitet Weinreisen und
seminare. Als Weinakademiker besitzt er das Diplom
des Wine & Spirit Education Trust (WSET).
PAUL KERN Im Campingurlaub mit dem Sohn
ei nes Weinjournalisten probierte Paul Kern Große
Gewächse aus dem Emaillebecher. Es folgten ein Weingutspraktikum
in Südafrika, eine Kochausbildung in
ei nem Zweisternerestaurant und ein Studium der Weinwirtschaft
in Geisenheim. Heute schreibt er über Wein
und Gastronomie für diverse Magazine und Führer.
RAINER KNAUBER ist langjähriger Energiemanager
und Autor des kulinarischen Blogs knauberkocht.de.
MICHAEL WEDELL ist Gründer und
geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung
The Partners. Beide verbindet die Überzeugung,
dass exzellente Beratung und exzellente
Gastronomie vieles gemein haben. Auch deshalb haben
sie bereits mehrere Kochbücher veröffentlicht. Für sie
beginnt gute Kom mu nikation da, wo der Smalltalk aufhört.
Und sie wissen: Qua lität entsteht durch Zeit, Nähe
und Hingabe. Genau das prägt ihre Arbeit – und die
neue FINEKolumne über Wein und Politik.
STUART PIGOTT Seit der 1960 in London geborene
stu dierte Kunsthistoriker und Maler im Wein – dem
deut schen zumal – sein Lebensthema fand, hat er sich
mit seiner unkonventionellen Betrachtungsweise in den
Rang der weltweit geachteten Autoren und Kritiker
geschrieben. Sein Buch »Planet Riesling« erschien
bei Tre Torri.
PAULA REDES SIDORE suchte erst nur Stoff für
ihren Mas terabschluss in Creative Writing, doch aus
dem Sommerjob bei einem Weingut in Virginia wurde
unerwartet ein Beruf. Heute arbeitet die amerikanische
Autorin, Überset zerin und gelernte Sommelière für die
Webseite jancisrobinson.com, ist Mitgrün derin des
»TRINK Magazine« und schreibt für Zeitschriften
auf beiden Seiten des Atlantiks über Wein und Essen.
RAINER SCHÄFER wuchs in Oberschwaben
auf und lebt seit drei Jahrzehnten in Hamburg, wo
er über die Dinge schreibt, die er am meisten liebt:
Wein, gutes Essen und Fußball – stets neugierig auf
schillernde Per sön lichkeiten, überraschende Erlebnisse
und unbekannte Genüsse.
DENIS SCHECK ist einer der bekanntesten
Literaturkriti ker Deutschlands und Moderator des
ARDFernsehmagazins »Druckfrisch«. Zuletzt
erschienen von ihm »Schecks Bestsellerbibel« und
»Schecks kulinarischer Kompass« (beide Piper).
VERLEGER UND HERAUSGEBER
Ralf Frenzel
r.frenzel@finemagazines.de
CHEFREDAKTION
info@finemagazines.de
ART DIRECTOR
Guido Bittner
TEXTREDAKTION
Andreas Eckhoff (AEMEDIA),
Katharina HardeTinnefeld
AUTOREN DIESER AUSGABE
Kristine Bäder, Daniel Deckers, Jürgen
Dollase, Patricia Engelhorn, Eva
Gritzmann, Ursula Heinzelmann, Uwe
Kauss, Peter Keller, Paul Kern, Rainer
Knauber, Stuart Pigott, Paula Redes
Sidore, Ansgar Riese, Rainer Schäfer,
Denis Scheck, Michael Wedell
FOTOGRAFEN
Guido Bittner, Leif Carlsson,
Johannes Grau, Daniel Grebe,
Marco Grundt, Alex Habermehl,
Arne Landwehr, Thilo Weimar
GRÜNDUNGSCHEFREDAKTEUR
Thomas Schröder (2008–2020)
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Bora Erdem | Telefon: +49 61157 99 0
b.erdem@finemagazines.de
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FINE Das Weinmagazin erscheint
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VON DER NATUR INSPIRIERT
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diefineweinbewertung/
Titelfoto: Il Nicchio von THILO WEIMAR
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12 FINE 3 | 2025 IMPRESSUM
DIE ULTIMATIVE
HERAUSFORDERUNG
ZUSAMMEN MIT SEINER TOCHTER SOPHIA HAT SICH LODOVICO
ANTINORI, LEGENDÄRER FREIGEIST DER BERÜHMTEN ITALIENISCHEN
WEINDYNASTIE, EINEM PROJEKT VERSCHRIEBEN, DAS SEIN ERBE FÜR
DIE NACHWELT SEIN SOLL: DER TENUTA DEL NICCHIO. ZU BESUCH
BEI BESONDEREN MENSCHEN AN EINEM BESONDEREN ORT
Von PAULA REDES SIDORE
Fotos THILO WEIMAR
16 FINE 3 | 2025 TOSKANA
TOSKANA FINE 3 | 2025 17
Schon am wellenförmigen Dach des Herrenhauses, in sonnengebackenem Orange und Ocker gehalten, kann
man einiges über dieses Weingut erkennen. Wie so vieles in der Toskana ist seine Form ein Inbegriff eleganter
Schlichtheit: Eine Lage Ziegel, die Tegole, liegt mit der konkaven Seite nach oben auf einem tragenden Gefüge
aus Holzbalken und bildet Kanäle, durch die Regenwasser abfließen kann. CoppoZiegel, mit der konkaven
Seite nach unten, schließen die Fugen und Übergänge. Etwas zutiefst Symbolisches liegt in dieser Anordnung –
verschieden sind die Schichten und doch untrennbar, um allen Stürmen zu trotzen, die kommen mögen.
Meersalz.« Eine Art StakkatoPoesie ohne Rückschau und
Konjunktionen. Lodovico malt mit breiterem, abstrakterem
Pinsel. Es sind die Reflexionen eines Mannes, der gegangen ist
und zurückkehrte: »Familie, Frieden und Ruhe.«
Zwischen den beiden – Sinnbild dieses Dialogs – steht
der 2021er Il Nicchio. Der Debütjahrgang umfasst nur
3000 Flaschen dessen, was Lodovico seine ultimative
Herausforderung nennt: Cabernet Franc mit einem fünfprozentigen
Schuss Merlot, gewonnen aus einer fragmentierten
Landschaft in den Gemeinden Bibbona, Bolgheri und Sassetta.
Dunkle, sättigende Frucht triff auf durchdringende Eleganz,
rauchige Struktur auf seidige Tannine, Zeder auf Würze, staubig
und schillernd, tiefgründig und strahlend. Beide Antworten auf
die Frage nach ihren Gefühlen sind wahr. Beide bleiben ohneeinander
unvollständig.
Auch passt es in dieses Bild, dass der ikonische Namenswein
Lodovico aus der nordexponierten, sechs Hektar großen
Einzellage Vigna Lodovico zwischen Bolgheri und Bibbona jetzt
in das neue VaterTochterGut überführt wird. »Lodovico ist
ein bisschen für den Geschmack meiner Generation gemacht«,
sagt der Patriarch über den Wein, der seit dem ersten Jahrgang
2007 unter dem Etikett Tenuta di Biserno produziert wurde.
»Il Nicchio ist mit Blick auf die jüngere Generation gemacht:
zurückhaltender vielleicht, weniger opulent.«
Die Geografie der Imagination
Tenuta del Nicchio soll Lodovico Antinoris Erbe für die Nachwelt
sein, die Summe einer Laufbahn, die Bolgheris Identität
und seine eigene geprägt hat. Tenuta dell’Ornellaia, gegründet
1981, war sein Weckruf an die italienische Weinwelt, die, so
Lodovico, das »einzigartige Potenzial« seines BolgheriTerroirs
grob unterschätzte. Mit dem Projekt der Tenuta di Biserno versöhnte
er sich mit seinem älteren Bruder Piero, den er dafür
als Investor gewinnen konnte. Ende der 90erJahre war es über
den Verkauf von Ornellaia zum Bruch zwischen den beiden
gekommen. Die Tenuta del Nicchio aber ist grundlegend anders.
Sie definiert sich nicht durch die Grandezza eines renommierten
Weinguts, sondern durch Präzision und Liebe zum Detail.
Sophia Antinori vergleicht den Ansatz für Il Nicchio, einen
von drei Weinen, die das Gut produziert, mit Burgunds
Flickenteppich aus Weinbergen anstelle von Bordeaux’
monolithischen Châteaux – eine Philosophie der LagenSpezifität,
die sie während ihrer Zeit auf dem Harlan Estate in
Napa verfeinerte. Diese Vision realisiert sich über zwölf Hektar
Parzellen, die sich wie Satelliten über drei Gemeinden verstreuen.
Die Höhenlagen reichen von 80 bis 250 Metern. Die
Böden variieren von maritimem LehmKies bis zu kalkhaltigem
Sand. Jede Parzelle wird separat gelesen und vinifiziert,
um ihre individuelle Stimme zu bewahren.
»Appellationen sind in Italien politisch«, sagt Lodovico
Antinori. Einfache Worte, aber auch eine Philosophie, eine
Rebellion, ein Leben für die Weinberge, nicht für die Bürokra tie:
Ein Leben für den
Genuss: Sophia und
Lodovico Antinori
vereinen bei ihrem
gemeinsamen
Projekt in der
Tenuta del Nicchio
Erfahrung, Vision
und einzigartiges
Terroir
Diese funktionale Schönheit spiegelt auch die Partnerschaft
zwischen Lodovico Antinori, 81, dem legendären
Freigeist der italienischen Weindynastie, und seiner
Tochter Sophia, 26, wider. Vater und Tochter loten in dem
neuen gemeinsamen Projekt Tenuta del Nicchio die feine Ar
chitektur einer Nachfolge aus – für Lodovico, wie er sagt, das
letzte Weinprojekt in einem Leben, das für große Würfe berühmt
geworden ist.
Sophia Antinori öffnet die Tür der Villa, noch bevor der
Wagen zum Stehen kommt – eine Geste, die ihre Ungeduld
gegenüber Förmlichkeiten einfängt. Vorbei geht es am formellen
Speisezimmer. »Normalerweise treffen wir uns dort«, sagt
sie, »aber heute sind wir hier im Salone. Ich hoffe, das ist in
Or d nung.« Es ist nur eine kleine Geste, doch als eine der Jüngsten
in einer Weindynastie, die auf sechs Jahrhunderten Tradition
fußt, haben selbst kleine Entscheidungen Gewicht.
Der Salone ist ein Raum, der Respekt einflößt: mit Ma ha
go niböden, cremefarbenen Wänden und erlesener Kunst, die
von Geschmack und Wohlstand erzählen. Und doch bewegt sich
Sophia mit lässiger Selbstverständlichkeit hindurch wie jemand,
der darin geboren wurde – was sie auch ist. »La Banditaccia«,
wie das Herrenhaus genannt wird, ist seit ihrer VollzeitRückkehr
im Juni 2024 sowohl ihr Elternhaus als auch – wenn sie
sich nicht in London aufhält oder irgendwo im Ausland Märkte
für del Nicchio erschließt – ihre Arbeitsbasis.
Lodovico Antinori triff ein, und das Gespräch wendet sich
nicht nur dem Wein zu, sondern auch dem Wesen des Ortes
selbst – dieses besonderen Ortes. Vater und Tochter sind Verfechter
des BolgheriTerroirs, arbeiten aber außerhalb der DOC
Regeln. Ihre Weine spiegeln daher ganz besonders ihr persönliches
Verständnis dessen wider, was ihnen Heimat be deutet.
Die leise Abwägung zwischen ihnen entfaltet sich in ei ner Architektur
der Stille. So, wie Verhandlungen zwischen Menschen
ab laufen, die ein Leben miteinander verbracht ha ben und wissen,
dass Liebe jede berufliche Entschei dung verkompliziert.
Ich schlage vor, ihre Gefühle in wenigen Worten zu formulieren.
Sophia antwortet in der Unmittelbarkeit von Ge schmack
und Duft: »Rosmarin, sonnengetrocknete Tomaten, Pinien,
18 FINE 3 | 2025 TOSKANA
TOSKANA FINE 3 | 2025 19
EINE
EUE
IN SÜDAFRIKA, EINER DER SPANNENDSTEN WEINREGIONEN DER WELT,
TUT SICH WAS – MAL WIEDER. IN EINER DREITEILIGEN SERIE BESCHREIBT
FINE, WIE DIE WEINSPRACHE DER RAINBOW NATION NEU INTERPRETIERT
WIRD. TEIL 1: NEUE UND ALTE ANFÄNGE IN CONSTANTIA, DIE RÜCK KEHR
ZUM URSPRUNG IN DEN POLKADRAAI HILLS UND DIE ZUKUNFT DER
WEINE VON BANELE VAKELE
Von URSULA HEINZELMANN
36 FINE 3 | 2025 SÜDAFRIKA
Fotos DANIEL GREBE
Mit Südafrika verbinden viele Europäer zuerst einmal Kapstadt und den Tafelberg. Auch
die Anfänge der Weingeschichte der Rainbow Nation liegen dort. An den Südosthängen
des Constantiabergs, dem großen Amphitheater als Verlängerung der Tafelbergkette mit
weitem Blick über die False Bay, wachsen bereits seit 1685 die Trauben für den Vin de
Constance. Dieser einzigartige Süßwein gehört zu den allerersten Wein-Ikonen überhaupt
und legte den Grundstein für eine florierende Szene, die heute endlich wieder zu ihren
eigenen Wurzeln findet: den einzigartigen Böden und klimatischen Gegebenheiten am Kap.
Im Jahr 1652 war Jan van Riebeeck am Tafelberg
gelandet. Auftrag dieses ersten Kommandeurs
der Dutch East India Company war, am Südkap
von Afrika einen Stützpunkt einzurichten, an dem
sich die Schiffe auf dem langen Weg von und nach
Djakarta mit frischem Proviant versorgen konnten.
Bald wuchs eine Vielfalt an Obst und Gemüse in den
Gärten der Company im heutigen Stadtzentrum
von Kapstadt, die ansässigen Khoikhoi lieferten
frisches Fleisch in Form von Nguni-Rindern und
Fettschwanzschafen. Fehlte nur noch – Wein. »Wein
ist ein Stärkungsmittel«, schrieb Riebeeck an seine
ELLE
Vorgesetzten in den Niederlanden mit der Bitte, ihm
Setzlinge zu schicken, »und die Reben werden hier
ebenso gut gedeihen wie an den Hängen in Spanien
oder Frankreich.« Im Februar 1659 war es so weit:
»Schönes warmes Wetter«, steht im Tagebuch des
Kommandeurs, »heute, Gott sei gelobt, wurde zum
ersten Mal aus Kap-Trauben Wein gemacht, und zwar
aus dem neuen Most, frisch vom Fass. Die Trauben
waren vor allem Muskateller und andere weiße runde
Trauben, sehr wohlriechend und schmackhaft.«
Keine 100 Jahre später war der duftende Vin de
Constance ein Must-have des europäischen Adels.
»Dieser allererste Wein war allerdings nicht
be sonders gut«, sagt schmunzelnd Matthew Day,
Kel lermeister des Weinguts Klein Constantia am
Fuße des Constantiabergs, »und die meisten Trauben
SÜDAFRIKA FINE 3 | 2025 37
» WIR ARBEITEN HART
DARAN, DASS BORDEAUX
EINZIGARTIG BLEIBT«
HITZE UND HAGEL. STARKREGEN UND FROST. STURM, WALDBRAND ODER
VERHEERENDER MEHLTAU. MAN KÖNNTE MEINEN, DASS DAS BORDELAIS
DIE NEUE PROBLEMZONE DER GLOBALEN WEININDUSTRIE IST, DENN IM
BERÜHM TESTEN ANBAUGEBIET DER WELT SCHEINEN SICH WIE UNTER
EINEM BRENNGLAS DIE FOLGEN UND AUSWIRKUNGEN DES KLIMAWANDELS
ZU VERDICHTEN. FINE-AUTOR RAINER SCHÄFER WAR DABEI, ALS SICH DIE
FÜHRENDEN KÖPFE VON CHÂTEAU SMITH HAUT LAFITTE, CHÂTEAU
LASCOMBES UND CHÂTEAU MARGAUX TRAFEN, UM SICH ZU DIESEM
THEMA AUSZUTAUSCHEN, UND INSPIZIERTE ALLE DREI SPITZENWEINGÜTER
Von RAINER SCHÄFER
Fotos JOHANNES GRAU und MARCO GRUNDT
54 FINE 3 | 2025 BORDEAUX
BORDEAUX FINE 3 | 2025 55
CHÂTEAU L ASCOMBES
Es ist ein warmer Sommerabend in Margaux. Axel Heinz, einer der angesehensten und
renommiertesten Önologen der Welt, wirkt mit den halblangen, gewellten Haaren und
dem ergrauten Vollbart wie eine Mischung aus Professor und Künstler. Wenn einer die
gesamte Tragweite der Problematik einschätzen kann, dann ist es er. Im Sommer 2023
ist Heinz nach 18 Jahren in der Toskana ins Bordelais zurückgekehrt. Dorthin, wo er
zum Winzer ausgebildet wurde und seine beeindruckende Karriere begann. Mit Château
Lascombes, mitten im Herzen von Margaux gelegen, will er eine neue Ära starten, nachdem
der US-amerikanische Multimillionär Lawrence Gaylon das Deuxième-Cru-Gut 2022
gekauft hatte und ihn als neuen Direktor und Weinmacher engagierte.
Ja, auf den ersten Blick, so der erfahrene
Weinmacher, wirke der Klimawandel wie
ein Schreckensszenario. Aber man müsse
differenzierter hinsehen: »Den Klimawandel ra -
tional zu betrachten, ist enorm schwierig, da er ein
sehr emotionales Thema ist und als existenzielle
Bedrohung behandelt wird. Wir Winzer müssen ihn
aber sachlicher behandeln, um schnell Lösungen
finden zu können.« Natürlich befinde sich vieles auf
dem Prüfstand und im Umbruch, räumt Heinz ein,
aber dies biete auch neue Chancen. »Früher hattest
du zwei gute Jahrgänge in einem Jahrzehnt, alles
andere war mehr schlecht als recht. Heute hast du
zwei schlechtere Jahrgänge in einem Jahrzehnt. Es
sind noch nie so viele gute Weine in Bordeaux entstanden
wie in den letzten zehn Jahren.«
Axel Heinz, in München geboren und aufgewachsen,
schuf ab 2005 als Direktor und Weinmacher
der Weingüter Ornellaia und Masseto in
Bolgheri mit dem gleichnamigen Supertuscan
Ornellaia und dem Masseto zwei der begehrtesten
Weine Italiens. Auch wenn sein Wechsel nach
Margaux für viele überraschend kam, war es ein
wohlüberlegter Schritt: »Ich hatte in der Toskana
18 Jahre lang jeden Tag den Spaß meines Lebens.
Aber es gibt Zyklen, die sich abschließen, und ich
habe bewusst einen neuen Abschnitt begonnen und
den nächsten Karrieresprung gewagt.«
Wieder in Margaux zu sein, sei für ihn »wie
heim zukommen«, so der Kosmopolit. Vor dem Château
ist neben der französischen auch die deutsche
Flagge gehisst, was man als Symbol des Zei tenwandels
sehen kann. Lange Zeit galt das Bordelais
als abgeschottete, elitäre Enklave. Heinz steht auch
für eine Neuorientierung in einer entscheidenden
Phase im Bordelaiser Weinbau. Er scheut sich nicht
vor großen Herausforderungen. Woanders hätte er
es sich bequemer machen können, »aber ich wollte
nicht zu früh den Autopiloten einschalten«. Routine
bedeutet für ihn Rückschritt. Gerade weil andere
Châteaux in den vergangenen Jahren Lascombes
den Rang abgelaufen haben, reize ihn diese Aufgabe:
Vielleicht sei das Gut nicht die »allererste
Wahl«, aber hier könne er gestalten und umbauen.
Der Keller wurde unlängst runderneuert und biete
ihm alle Möglichkeiten: »Das Château hat lange von
seinem Ruf gelebt. Hier kann ich viel erreichen,
gerade unter den Bedingungen des Klimawandels.«
Axel Heinz gilt als Merlot-Koryphäe. Der le -
gen däre Masseto, der in Bolgheri auf blauem Kalk
entsteht, wird zu hundert Prozent aus der Rebsorte
gewonnen. Aber auf Merlot allein möchte
der Weinmacher nicht reduziert zu werden: »Das
Image will ich nicht so an mir haften lassen«, stellt
er klar, auch wenn er einräumt, dass er »ein wenig
Erfahrungen mit ihm gemacht« habe. Pures Understatement,
Heinz sammelte so viel Expertise mit der
Rebsorte wie kaum ein anderer.
Es wird geforscht und getüftelt,
was das Zeug hält
Im Bordelais hingegen wird Merlot immer stärker
infrage gestellt. Er gilt als hitzeempfindliche Rebsorte,
die unter dem Klimawandel besonders leidet und
von vielen Winzern daher schon abgeschrieben wird.
Für Heinz ein viel zu apokalyptisches Urteil: Er habe
Merlot in der Toskana fast 20 Jahre an einem heißen
Ort kultiviert, »wo es auf dem Papier unmöglich er -
schien. Wir müssen viel genauer hinschauen, mehr
auf Details achten und noch viel präziser arbeiten«,
benennt er die Aufgaben für die Zukunft. Für ihn
ist es zur persönlichen Herausforderung geworden,
die Rebsorte zu erhalten: »Ich kann nicht bestätigen,
dass Merlot im Bordeaux zum Sterben verurteilt ist,
er wird überleben«, versichert der Gutsdirektor.
»Aber wir müssen ihn ganz anders betrachten als
noch vor zwei, drei Jahrzehnten.«
Der Grand Vin von Château Lascombes wird
zur Hälfte aus Merlot gewonnen. Für Axel Heinz
waren die Jahrgänge 2022, 2023 und auch 2024
»außerordentlich gut«, gerade der sehr heiße Jahrgang
2022 sei für ihn dabei die Nagelprobe gewesen
und stärke deswegen seine Zuversicht. »Alle haben
erwartet, dass es ein Desaster wird für Merlot. Und
alle waren erstaunt, wie gut er ausfallen kann. Für
mich war es keine große Überraschung.« Heinz hat
sich entschlossen, gänzlich gegen den Trend und
als wolle er den gängigen Prognosen und Prophezeiungen
trotzen, einen neuen Lagenwein einzuführen:
»La Côte«, ausgerechnet ein reinsortiger
Merlot, soll die Weiterentwicklung und Zukunftsvision
von Lascombes und des Bordelais untermauern
– für viele nicht nur eine mutige, sondern
sogar waghalsige Entscheidung. Für Axel Heinz
wiederum ein Paradebeispiel dafür, wie man sich
mit dem Klimawandel arrangieren kann: »Merlot
kann auch unter warmen Bedingungen sehr ba -
lanciert und erstaunlich sein.«
In Margaux steht Merlot auch in ungeeigneten
Lagen mit durchlässigen Kiesböden. Man sollte, sagt
Heinz, ihn nur noch dort anpflanzen, wo es genug
Kalkstein und Lehm gebe, »ohne zu intensive
Sonneneinstrahlung, er darf nicht unter Trockenstress
leiden. An manchen Stellen wird er zu alkoholisch.
Er braucht mehr Sorgfalt in der Auswahl
des Terroirs.« Sehr wichtig sei die »Möglichkeit
des Bodens, Wasser für Merlot bereitzustellen«. Wo
die Rebe aber nicht perfekt zum Standort passe,
werde sie ersetzt. »Aber es gibt hier noch so viele
interessante Terroirs für Merlot«, versichert er.
Detailfragen werden immer wichtiger. Der
Gutsdirektor hat aufwendige Bodenanalysen
in Auftrag gegeben. Im Bordelais werden
neue Technologien erprobt und eingesetzt, um die
Lagen neu zu kartografieren und das unterschiedliche
Wachstum und Verhalten der Rebstöcke zu
beobachten. Dafür werden Drohnen gestartet,
Satelliten- und Infrarotbilder ausgewertet und für
die Bodenbearbeitung sogar Roboter eingesetzt. Der
Klimawandel hat viel in Bewegung gesetzt, es wird
vieles hinterfragt und vieles ausprobiert. So weiterzumachen
wie bislang, funktioniere eben nicht mehr,
sagt Axel Heinz.
Nirgends wird so intensiv geforscht und getüftelt
wie im Bordelais, weil die Mittel dafür vorhanden
sind. »In der Toskana haben viele nach Bordeaux
geschaut, was sich hier tut und entwickelt. Von uns
kommen so viele Denkanstöße, die sich in der ganzen
Welt durchsetzen. Da sind wir anderen Anbaugebieten
voraus.« Bordeaux sei der neue Schrittmacher
und das absolute Kompetenzzentrum.
56 FINE 3 | 2025 BORDEAUX
BORDEAUX FINE 3 | 2025 57
RENDEZVOUS
AUF
HÖCHSTEM
NIVEAU
FÜR DEN DEUTSCHEN TOP-WINZER
KLAUS PETER KELLER IST ES
INZWISCHEN SELTEN GEWORDEN,
DASS SEINE WEINE ZUM AUFTAKT
UND NICHT ZUM FINALE EINER
VERKOSTUNG AUSGESCHENKT
WERDEN. DOCH SO GESCHAH ES
DIESES JAHR AM VORABEND DER
»DAGOBERTSHÄUSER LANDPARTIE«
IN DER KULTURSCHEUNE DES
HOFGUTS DAGOBERTSHAUSEN
BEI MARBURG. KELLER BEREITETE
EINER GUTEN FREUNDIN DIE
BÜHNE: SASKIA DE ROTHSCHILD,
CEO DER DOMAINES BARONS
DE ROTHSCHILD
Von UWE KAUSS
Fotos MICHAEL HAMANN
92 FINE 3 | 2025 MASTERCLASS
MASTERCLASS FINE 3 | 2025 93
TOP OF ZÜRICH
HOTELS SIND BÜHNEN. FÜR GÄSTE, FÜR KÖCHE, FÜR SOMMELIERS.
GLANZVOLLE AUFTRITTE FÜR ALLE GARANTIERT DAS ZÜRCHER SPITZEN-
HOTEL THE DOLDER GRAND, WO NICHT NUR DER WEIT ÜBER DIE
LANDESGRENZEN RENOMMIERTE FINE-DINING-CHEF HEIKO NIEDER
REGIE FÜHRT, SONDERN AUCH EINE JUNGE CHEFSOMMELIÈRE EINE DER
HAUPTROLLEN INNEHAT UND EIGENE AKZENTE SETZT. IM GESPRÄCH
MIT FINE ERZÄHLT KATHARINA SARROT, WARUM SIE AN DIESEM HOTSPOT
DER HAUTE CUISINE IHRE GROSSE LEIDENSCHAFT AUSLEBEN KANN
UND AUSSERDEM WEINE AUS DEM BEAUJOLAIS, PRIORAT UND DEM
SCHWEIZER KANTON NEUENBURG BESONDERS SCHÄTZT.
Von PETER KELLER
Fotos ALEX HABERMEHL
98 FINE 3 | 2025 PORTRÄT
PORTRÄT FINE 3 | 2025 99
eatsleepanddesign.de
www.wegeler.com
Klangvoll.
Charakterstark.
Charta.
Eine Hommage an Beethoven.
Ein Versprechen von Wegeler.
Der BTHVN CHARTA RIESLING verbindet
Herkunft mit Haltung – eine Hommage an
Ludwig van Beethoven und an die Freundschaft
zu Franz Gerhard Wegeler, einem Vorfahren der
Gründerfamilie.
Trocken, herkunftsbetont, mit Substanz – BTHVN
steht für den klassischen Rheingauer Stil. Er stammt
aus klassifizierten Lagen, wird selektiv gelesen
und ist kein Einsteigerwein, sondern ein kulturelles
Statement mit Reifepotenzial.
MAGISCHE
GENUSSMOMENTE
IN EXKLUSIVER RUNDE
IM ELEGANTEN AMBIENTE DES LEGENDÄREN FÜNF-STERNE-
HOTELS POST IN LECH AM ARLBERG WIRD VOM 8. BIS 12. DEZEMBER
ZUM BEREITS VIERTEN MAL DIE EXKLUSIVE WEINWOCHE DES
FINE CLUBS STATTFINDEN – EIN HIGHLIGHT FÜR GOURMETS
UND WEINENTHUSIASTEN. DIE WINZERINNEN UND WINZER, DIE
PERSÖNLICH ANWESEND SEIN WERDEN, ZÄHLEN ZUM WHO’S
WHO DER BRANCHE: SOPHIA ANTINORI, BENJAMIN FRANCHETTI,
GIOVANNI MAZZEI UND ERWIN SABATHI. ZUDEM WIRD FINE VERLEGER
RALF FRENZEL DAS WEINGUT KRONE AUS ASSMANNSHAUSEN
VORSTELLEN, AN DEM ER BETEILIGT IST. KURZUM: DIE GÄSTE
ERWARTET IN DIESEM TRADITIONSREICHEN HOTEL EINE GLÜCKS-
WOCHE MIT GENUSSKULTUR AUF ALLERHÖCHSTEM NIVEAU!
Von ANSGAR RIESE
106 FINE 3 | 2025 TASTING
TASTING FINE 3 | 2025 107
»POTSDAM!«
WIE VIEL GESCHICHTE HAT PLATZ IN EINEM GLAS WEIN? DER FRÜH-
BURGUNDER PRÉLUDES AUS DER POTSDAMER VILLA JACOBS IST
EIN ELEGANTER VERFÜHRER VON EINER DER UNGEWÖHNLICHSTEN
UND ÜBERRASCHENDSTEN WEINLAGEN DEUTSCHLANDS. UND
GLEICHZEITIG EIN TIEFER SCHLUCK AUS DER PREUSSISCHEN SEELE.
ER STAMMT AUS EINEM DER GESCHICHTSTRÄCHTIGSTEN ORTE
UNSERES LANDES, EINEM POLITISCHEN LABOR, WO ZUKUNFT UND
VERGANGENHEIT BESONDERS NAH BEIEINANDERLIEGEN: POTSDAM
Von EVA GRITZMANN und DENIS SCHECK
Bekämen wir von einem Sender den Auftrag, eine Fernsehserie im Geist von Helmut
Dietls und Patrick Süskinds »Kir Royal« für die Gegenwart zu schreiben und zu drehen,
wir würden die Serie in Potsdam ansiedeln und sie »Potsdam!« nennen.
Nirgends in Deutschland prallen unterschiedliche
Soziotope so krass aufeinander. Potsdam
ist nicht nur die von internationa len
Tou risten besuchte Residenzstadt der Preußenkönige
und -kaiser, sondern als Landeshauptstadt
Brandenburgs ein politischer Intrigantenstadl und
Schlangennest sondergleichen und dazu noch mit
einem unausrottbaren Minderwertigkeitskomplex
gegenüber Berlin gesegnet. Hier existiert ein kurioses
Milieu westdeutscher Prominenz von Jauch bis Joop,
Döpfner bis Diekmann, hier wohnen Politiker wie
Olaf Scholz und Annalena Baerbock (bis eben …),
112 FINE 3 | 2025 DIE GRITZMANN & SCHECK-KOLUMNE
hier haben aber auch noch jede Menge Linken-Wähler
und alter SED-Adel ihr Quartier, vom echten
Adel der Hohenzollern ganz zu schweigen. Nicht zu
vergessen ist Potsdam eine wuselige Universitätsstadt
und das deutsche Zentrum der Forschung über
den Klimawandel. Und, ach ja, ein Teilort von Potsdam
heißt Babelsberg, und Volker Schlöndorff wohnt
natürlich auch hier.
Das Paradies liegt im Osten. Ob Sumerer, Perser
oder Juden, viele antike Zivilisationen malen sich
das Paradies als einen ummauerten oder eingezäunten
Park mit heiligen Bäumen an einem oder
mehreren Flüssen aus. Mitunter auch ohne Mauern
als Insel der Seligen oder gleich als aller Erdenschwere
entrücktes Wolkenkuckucksheim. Verblüffend,
wie sich unsere Vorstellungen des Himmels
auf Erden über alle Kulturgrenzen hinweg gleichen.
Ob Garten Eden, Elysion oder Avalon: Das Paradies
ist ein Ort ohne Tod, ohne Lüge und ohne Leid, wo
Milch und Honig fließen und man von Hunger und
Durst ebenso wenig etwas weiß wie von Zahnweh,
Darmkoliken oder Gelenkarthrose.
Das biblische Glas ist
randvoll mit Prophezeiungen
Doch kein Paradies ohne Wein. Schon die jüdische
Auslegung des Tanach, der hebräischen Bibel, spekuliert,
ob der von Gott Adam und Eva verbotene
Baum der Erkenntnis nicht vielleicht ein Weinstock
gewesen sein könnte. Und im Neuen Testament lässt
der Evangelist Matthäus Jesus beim letzten Abendmahl
sagen: »Ich werde von nun an von diesem
Gewächs des Weinstocks nicht mehr trinken, bis zu
dem Tag, an dem ich es neu mit euch trinke im Reich
meines Vaters.« Was ja zumindest die Hoffnung
auslösende Ankündigung enthält, dass nach dem
Jüngsten Gericht auch im Himmel die Korken knallen.
Nicht auszudenken, welche Jahrgänge dann dort
gereicht werden …
Die Villa Jacobs in Potsdam ist ein Paradies. Sie
liegt inmitten eines rund fünf Hektar großen
Parks am Jungfernsee, der technisch gesehen
weniger ein See ist als Teil des Havel-Spree-Flusssystems.
Und selbstverständlich gibt es in der Villa
Jacobs Wein. Er wird dort sogar angebaut. Und das ist
keine spinnerte Idee der Neubesitzer, sondern stand
tatsächlich ganz am Anfang dieser Traumimmobilie.
Schon Ende des 18. Jahrhunderts etablierte sich hier,
einen Steinwurf vom Königlichen Garten entfernt,
ein beliebtes Ausflugslokal, in dem Adel und Bürgertum
der Residenzstadt verkehrten. Der Betreiber war
Alberto Bertini, ein in Lucca geborener ehemaliger
Kammerdiener am Hof Friedrichs II., der auf dem Ge -
lände einer ehemaligen Ziegelei ein Café mit Kegelbahn
eröffnete und anstelle der Lehmgrube einen
terrassierten Weinberg anlegen ließ. Und Bertini
vergaß auch nicht, für entsprechende Firmen-PR zu
sorgen, wie ein Bericht im »Königlich privilegirten
preußischen Volksfreund« von 1799 belegt: »Der
Besitzer hat alles, was zur guten Aufnahme seiner
Gäste gehört, angewendet, und liefert für billigen
Preis gute Chocolade, Caffee und Biere. Das männliche
Geschlecht unterhält sich am Spieltisch und auf
den Kegelbahnen, zu deren Anlage Herr Bertini an
1200 Rthlr. aufgewendet hat. Die Damen beschäftigen
sich beim Strickstrumpf gewöhnlich mit der Tagesneuigkeit,
mit Beurtheilen der Ankommenden und
Gehenden, besprechen sich von der Mode, von gut
servierten Tischen, von den Familien-Angelegenheiten
ihrer Bekannten u. s. w. Diese Unterhaltungen
werden durch eine angenehme Musik, für welche
Herr Bertini sorgt, gewürzt. Hier wo sich der Adel,
die Offficiere, die Gelehrten, Magistrats-Personen,
vornehmere Bürger, der Kaufmann und Künstler
einfindet, um sich zu erholen, ist aller Zwang ziemlich
verbannt, ein jeder hat seine völlige Freiheit und
bedient sich derselben ungenirt. Im Sommer fährt
man zu Wasser und zu Land zum Herrn Bertini, im
Winter auf Schlitten und Schlittschuhen, kurz man
triff zu allen Zeiten zahlreiche und gute Gesellschaft
dort an.«
Belegt ist auch, dass man im Bertinischen Café
im Schatten einer weinüberrankten Pergola die herrliche
Aussicht über den Jungfernsee und den Königswald
am Sacrower Ufer genoss. Ob die Reben des
Weinbergs allerdings tatsächlich zur Weinproduktion
dienten oder nicht vielleicht nur die damals
heiß be gehrten Tafeltrauben lieferten, darüber
schweigen sich die Quellen aus. Als das Ausflugslokal
an den als Zuckerfabrikanten steinreich gewordenen
Lud wig Jacobs verkauft wurde, witterte der
damalige Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. die
Chance, Park und Neubau nach seinen architektonischen
Vorstellungen gestalten zu lassen – ohne
sich an den da für anfallenden Kosten beteiligen zu
müssen. Denn welcher braver preußischer Untertan
– und kluger Unternehmer – hätte dem Potsdamer
Nachbarn und zukünftigen König einen solchen
Wunsch schon ab geschlagen? Also ließ Jacobs
eine prächtige Turmvilla im von Friedrich Wilhelm
favorisierten italie nischen Stil nach Plänen des
Schinkel-Schülers und Hofarchitekten Ludwig
Persius errichten und vom General-Gartendirektor
der königlich-preußischen Gärten Peter Joseph
Lenné einen Plan für den rie si gen Park samt Hippodrom
entwerfen, den er auf eigene Kosten umsetzte.
Die Freundschaft mit Friedrich Wilhelm IV. sollte
sich für Ludwig Jacobs auszahlen – er wurde in den
Adelsstand erhoben, auch wenn seine Nachbarn,
die Hohenzollern, über die »Zuckerburg« ne benan
witzelten. Doch am Ende wurde die Villa Jacobs
zwischenzeitlich selbst von einem Hohenzol lern
bewohnt – fünf Jahre mietete sie Prinz Alexander
von Preußen, der Vetter Kaiser Wilhelms I., der seine
Homosexua liät nicht an die große Glocke hängte.
Und schließlich er warb die in der Folge unter dem
Namen Villa Alexander bekannte Immobilie gar
Wilhelm II. aus der kaiserlichen Privatschatulle, um
sie als Gästehaus zu nutzen. So wurde die Villa fast
150 Jahre lang eine Attraktion in der nördlichen
Blickachse vom Belvedere auf dem Pfingstberg bis
zur Heilandskirche von Sacrow.
Viele Gründe für Tränen
und sogar etwas Tränengas
Ob in jedem Paradies schon die Hölle angelegt ist?
Im 20. Jahrhundert verwandelte sich das Idyll der
Villa Jacobs jedenfalls in einen Ort des Schreckens.
Schon in der Nazizeit war hier der abgesetzte Kölner
Oberbürgermeister Konrad Adenauer nach den
Röhm-Morden 1934 zusammen mit dem jüdi schen
Bankier Herbert M. Gutmann kurzzeitig interniert.
Gutmann, dessen Vater die Dresdner Bank gegründet
hatte, war infolge der Weltwirtschaftskrise in
finanzielle Bedrängnis geraten, hatte seinen im Jahr
1913 er richteten prachtvollen Herbertshof, wo er
zu sam men mit seiner Ehefrau Daisy von Frankenberg
einen glanzvollen Salon unterhielt, gegen die
Villa Jacobs getauscht und war 1936 ins Exil nach
England ge gangen. Anfang der 40er-Jahre baute die
Reichswehr im Park der Villa Jacobs ein hässliches
Off ziers kasino, die Villa selbst ging an einen Babelsberger
Knäckebrotfabrikanten, der auch eine zwielichtige
Rolle bei der Arisierung jüdischen Grundbesitzes
in Bayern spielte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg rückte die Sowjetarmee
in Potsdam ein. Zwei Offziere
bewohnten mit ihren Familien das Obergeschoss
der Villa Jacobs; im Erdgeschoss wurde
ein sowjetischer Kindergarten eröffnet. Die neuen
Be wohner verfeuerten im Winter die Türen im Ka -
min zusammen mit dem aufgehackten Parkett. Im
Lauf der Jahre geriet das Gebäude durch Verwahrlosung
mehr und mehr in baulichen Verfall – was
inmitten der Malaise notleidender Bausubstanz in
der ge sam ten DDR nicht weiter auffel. 1972 zogen
die Offziersfamilien aus, 1978 wurde der Kindergarten
geschlos sen. Ein Jahr später kam es dann zu
einem Zwischenfall in der Villa Jacobs mit einem
sowjetischen Armeeangehörigen. Der Soldat war
von einem Offzier in einer Kaserne bei einem Diebstahl
ertappt worden und erschoss diesen daraufhin.
Auf der Flucht verschanzte er sich im Keller der Villa
Jacobs, wurde mit Tränengas zur Aufgabe gezwungen
Mit dem Ehepaar Marianne und Stefan Ludes, die die Villa
Jacobs ersteigerten, kam auch der Wein wieder ins Haus
DIE GRITZMANN & SCHECK-KOLUMNE FINE 3 | 2025 113
DAS MAGAZIN FÜR WEIN UND GENUSS
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… voraussichtlich mit diesen Themen: TOSKANA Kultweingut Ornellaia: Die Pläne
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dem Winzerpaar Adriana Gonzáles und Martin Lichtenberger FRANKREICH
Bouvet Ladubay im Loiretal und der exzellente Crémant RHONE Rotwein vom
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144 FINE 3 | 2025 FINE 3 | 2025 145
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FINEABGANG
JUGEND FORSCH(T)!
Die beste Nachricht kommt diesmal zum Schluss: Die Weinwelt, in letzter Zeit wegen diverser
Probleme wie Klimawandel, amerikanischer Zölle oder einbrechender Märkte immer latent
unzufrieden, muss sich um eine Sache wirklich keine Sorgen machen: den Nachwuchs. Es
ist ein Trend, den man nicht mehr übersehen kann: Die Weinwelt wird jünger. Überall feilen junge
Winzer und Winzerinnen mit Ehrgeiz, Enthusiasmus und neuen, teilweise revolutionären Ideen
an der Zukunft des Weines. Begünstigt durch die Tatsache, dass sich eine Reihe älterer Winzer
zurückgezogen hat oder zurückzieht, ist die Bahn jetzt frei für neue Gedanken und Konzepte. Und
es ist eine Freude zu sehen, mit welch positiver Besessenheit und Energie die neue Generation
ihre Chance beim Schopfe packt. Junge Leute wie Felix Keller, Sohn des Spitzenwinzers Klaus
Peter Keller, Sophia Antinori, Tochter der Legende Lodovico Antinori, Arsen Khachaturyants
mit seinem Projekt in den Weinbergen um Florenz, oder die junge Agraringenieurin und Winzerin
Joséphine Duffau-Lagarrosse, die mithilfe der Familie Courtin und deren Kosmetikkonzern Clarins
das als Premier Grand Cru Classé klassifizierte Château Beauséjour Héritiers Duffau-Lagarrosse in
St. Émilion kaufte, experimentieren selbstbewusst. Sie wissen, was sie zu ändern haben und wie
sie sich aufstellen müssen. Und packen an!
Die junge Winzergeneration steht natürlich vor einer spannenden Zeit. Wer heute den Weg
in den Weinbau einschlägt, übernimmt nicht nur Reben, Böden und Keller, sondern auch die Verantwortung,
ein lebendiges Kulturerbe in die Zukunft zu tragen. Ob nachhaltiger Anbau, moderne
Kellertechnik oder kreative Vermarktungswege: Die neue Generation sieht nicht nur die Chance,
sondern spürt auch die Notwendigkeit, die Welt des Weines neu zu denken und zu gestalten.
Der Mut und die Entschlossenheit, Dinge anders zu machen, zeichnet die neue Generation
von Winzern aus. Ich setze jedenfalls mit voller Begeisterung auf die Jungwinzer – und wissen
Sie was? Da schließe ich mich selbst mit ein! Immerhin bin ich mit meinem Engagement in den
Weingütern Wegeler seit 2021 selbst ein Jungwinzer – vielleicht nicht an Lebensjahren, aber sehr
wohl in Winzerjahren.
Ihr Ralf Frenzel
Verleger und Herausgeber
WIR VERRATEN IHNEN, WAS EIN EICHHÖRNCHEN, EIN FUCHS UND EIN TRÜFFELSCHWEIN MIT
HERVORRAGENDEM WEIN ZU TUN HABEN UND WARUM UNSER RHEINGAU RIESLING SO EIN BRUTAL
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Bitte maßvoll genießen.