24.10.2025 Aufrufe

Das Verwaltungsmagazin für einen nachhaltige Einkauf "Kleine Kniffe"

Wie wird die öffentliche Beschaffung zum entscheidenden Hebel für die Transformation? Wir beleuchten die drängendsten Themen an der Schnittstelle von Verwaltung, Nachhaltigkeit und Markt. Das sind unsere Top-Themen:

Wie wird die öffentliche Beschaffung zum entscheidenden Hebel für die Transformation? Wir beleuchten die drängendsten Themen an der Schnittstelle von Verwaltung, Nachhaltigkeit und Markt.

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Das Verwaltungsmagazin

für einen nachhaltigen Einkauf

6,80 EURO

Ausgabe Oktober 2025

Künstliche Intelligenz

im nachhaltigen Einkauf

Im Interview

Carsten Träger,

Staatssekretär im BMUKN

Top-Themen:

Kreislaufwirtschaft in der Beschaffung

Kleine Kniffe

Biodiversität in der öffentlichen Beschaffung

1


2 Kleine Kniffe


Editorial

Nachhaltige öffentliche Beschaffung ist längst kein Nischenthema mehr – sie ist zum Gestaltungsinstrument

staatlichen Handelns geworden. Vergabeentscheidungen prägen heute, wie wir

Ressourcen nutzen, Innovation fördern und gesellschaftliche Verantwortung umsetzen. Zugleich

wächst der Druck: Klimaziele, Lieferkettensorgfalt, Kreislaufwirtschaft und Biodiversität sind

nicht nur politische Programme, sondern rechtliche Verpflichtungen, die Verwaltung und

Beschaffungspraxis verändern.

Diese Ausgabe widmet sich den zentralen Themen, die diesen Wandel bestimmen – von

Kreislaufwirtschaft und Dekarbonisierung über Digitalisierung und Künstliche Intelligenz bis hin

zu den Anforderungen neuer staatlicher Regulierungen. Sie zeigen, wie Beschaffung heute mehr

leisten muss als Bedarfe zu decken: Sie gestaltet Transformation.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung des Vergabeprozesses. E-Vergabe,

automatisierte Prüfverfahren und datenbasierte Steuerung verändern Rollen, Abläufe und Kompetenzen.

Beschaffung wird strategischer – und zugleich zum Motor regionaler Wertschöpfung,

von KMU-Förderung bis hin zu innovativen Partnerschaften.

Wir freuen uns, dass zunehmend auch europäische Autorinnen und Autoren in dieser Ausgabe

ihre Perspektiven teilen. Ihre Beiträge zeigen: Nachhaltige Beschaffung ist ein europäisches

Gemeinschaftsprojekt – eines, das Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen fordert

und verbindet.

Die Magazine erreichen Sie unter dieser Adresse (https://t1p.de/sg8q7), den Podcast unter

dieser Adresse (https://t1p.de/aw09o) und die LinkedIn-Gruppe zum Magazin unter dieser

Adresse (https://t1p.de/pt9nw). Die App „Kleine Kniffe“ bringt Ihnen diese Informationen ab

sopfort auch auf Ihr Smartphone.

Chefredakteur

Kleine Kniffe

3


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Impressum

Redaktion

SDG media GmbH

Wagenfeldstraße 7a

44141 Dortmund

Kontakt:

redaktion@kleine-kniffe.de

Chefredaktion und V.i.S.d.P:

Thomas Heine

44

Textbeiträge von:

Marret Bähr, Hendrik Claaßen, Lucia De Carlo,

Antonia Dierker, Martin Eichenseder, Livia

El-Khawad, Dr. Moritz Gomm, Roland Günter,

Thomas Heine, Anja Jacobsen, Jürgen Jonke,

Jon Jonoski, Harald Joos, Miriam Kaufmann,

Nicole Krojer, Lars Lammers, Kay Langhammer,

Anita Lührs, Kathrin Maier, Christina Lang,

Eveline Lemke, Natalia Parmenova, Reiner Petzold

,Michal Plaček ,Dr. Tassilo Schröck ,Dirk

Schrödter, Ivan Stanisavljevic, Dr. Kristin Stechemesser,

Esther Steverding, Ingmar Thomas,

Daniela Ugovsek ,Arjen van Berkum, Karna

Wegner, Michael Wilczynska ,Marc Wolinda

Fotos/Grafiken:

Depositphotos, Ute Grabowsky, Roland Günter,

NaBe-Plattform, Natalia Parmenova, Esther

Steverding, Staatskanzlei.SH, Thomas Trutschel

50

Internet:

www.nachhaltige-beschaffung.com

Social media:

LinkedIn: https://t1p.de/7xkcw

Twitter: https://t1p.de/z16xt

Facebook: https://t1p.de/fd2fu

Digitale Ausgabe veröffentlicht unter:

https://t1p.de/sg8q7

Herausgeber

SDG media GmbH

Wagenfeldstraße 7a

44141 Dortmund

www.sdg-media.de

kleine kniffe® ist eingetragene Marke

der IMAGO GmbH, Dortmund

06. FAHRPLAN STAATSREFORM

08. BESCHAFFUNG UND NACHHALTIGKEIT

10. DORTMUND MACHT NACHHALTIGKEIT HANDHABBAR

12. NACHHALTIGE ÖFFENTLICHE BESCHAFFUNG IN SH

16. NEUE MATERIALIEN UND ARBEITSHILFEN

20. KOMPASS NACHHALTIGKEIT

22. AUSWIRKUNGEN DER § 14 UVGO-WERTGRENZE

26. AKTUELLE SCHWERPUNKTE DES IMA NÖB

30. INTERVIEW MIT LUCIA DE CARLO

33. INTENTION GROSS, UMSETZUNG KLEIN

34. VERGABEREFORM 2025 - EINE EINSCHÄTZUNG

36. WIRKUNGSENTFALTUNG JENSEITS VON PARAGRAFEN

38. JENSEITS DES FETISCHS DER VEREINBARUNG

40. INDIREKTE EINKÄUFE ZWISCHEN ANSPRUCH UND PRAXIS

43. AUSTAUSCH TUT NOT BEISPIEL AHRTAL

44. INTERVIEW MIT STAATSSEKRETÄR CARSTEN TRÄGER

46. DIE KLAVIATUR DER KREISLAUFFÄHIGEN BESCHAFFUNG

48. DIGITALISIERUNG - AUFBRUCH IN EINE NEUE ÄRA

50. DIGITALE SOUVERÄNITÄT SCHLESWIG-HOLSTEINS

4 Kleine Kniffe


08.LOREMIPSUMaecenasnecanteacorcidictumalesuadaeuismod.08.LOREMIPSUMaecenasnecanteacorcidictumalesuadaeuismod.08.LOREMIPSUMaecenasnecanteacorcidictumalesuadaeuismod.08.LOREMIPSUMaecenasnecanteacorcidictumalesuadaeuismod.42.ZUKUNFTEINKAUFEN

36 30

20 58

54. KI NACHHALTIG BETREIBEN

56. KI IN DER BESCHAFFUNG - ÜBERBLICK

58. INTERVIEW MIT MARTIN EICHENSEDER, TCO CERTIFIED

60. INTERVIE MIT CHRISTINA LANG, DIGITALSERVICE

63. LÖSUNGEN VON START-UPS

64. DIGITALE SOUVERÄNITÄT UND CLOUD NUTZUNG

66. MULTI-AGENTEN-INFRASTRUKTUR

70. LÖSUNGEN VON START-UPS

72. GREEN PUBLIC PROCUREMENT (GPP) IN TSCHECHIEN

74. GREEN PUBLIC PROCUREMENT (GPP) IN ÖSTERREICH

76. GREEN PUBLIC PROCUREMENT (GPP) - EU-SCHULUNGEN

78. NACHHALTIGE ENERGIE FÜR SOZIALEINRICHTUNGEN

79. CO₂ SCHATTENPREISE IN DER VERGABE

80. EMISSIONSHANDEL EU-ETS 2 IM EINKAUF

82. BIODIVERSITÄT - DIE „BIO-LOGIK“ DER NATUR VERSTEHEN

86. MODERNISIERUNG DER VERWALTUNG

88. ZUKE GREEN HEALTH KONGRESS 2025

Kleine Kniffe

5


Strategisches Beschaffungsmanagement

Fahrplan Staatsreform:

Moderne Verwaltung braucht effiziente Beschaffung

„Wir werden ein strategisches Beschaffungsmanagement implementieren. Behörden sollen künftig

auf Rahmenverträge anderer öffentlicher Dienststellen und auf zentrale Einkaufsplattformen

zurückgreifen dürfen. Die Bestellplattformen des Bundes (Kaufhaus des Bundes) machen

wir zu einem digitalen Marktplatz für Bund, Länder und Kommunen und konsolidieren

Vergabeplattformen.“ Koalitionsvertrag, S. 65.

Ein Beitrag von Dr. Tassilo Schröck

Von der App für eine Verwaltungsleistung über die Einsatzfahrzeuge

der Polizei bis zu Büroartikeln und Druckern: Auf die

öffentliche Beschaffung entfallen schätzungsweise jedes Jahr Ausgaben

in Höhe von 500 Milliarden Euro. Die öffentliche Beschaffung

soll deshalb wirtschaftlich, nachhaltig und zugleich rechtskonform

erfolgen – insbesondere unter Beachtung des komplexen Vergaberechts.

Ein Beispiel: Will eine Stadt Laptops für ihre Verwaltung beschaffen,

muss sie sich erst einmal am Markt darüber informieren,

welche Modelle ihre Anforderungen erfüllen. Die Erkenntnisse aus

der Markterkundung müssen dann mühsam in eine detaillierte, produktneutrale

Leistungsbeschreibung überführt werden. Es folgt ein

mehrmonatiges Vergabeverfahren, in dem Bieterfragen beantwortet,

Angebote ausgewertet und schließlich Vergabevermerke geschrieben

werden. Diesen Aufwand betreiben tausende Kommunen für

das gleiche Standardprodukt. Die Folge: Die Parallelarbeit strapaziert

die ohnehin schon sehr knappen Ressourcen der Kommunen.

Mehr Kooperation zwischen den öffentlichen Auftraggebern

könnte das ändern. Werden Bedarfe gebündelt, entstehen

Mengenvorteile, und der Verfahrensaufwand sinkt. Die Beschaffungsstellen

werden routinierter und haben noch dazu einen besseren

Marktüberblick. Die Bundesbeschaffung GmbH (BBG) in Österreich

oder die Union des Groupements d’Achats Publics (UGAP)

in Frankreich bündeln deswegen im großen Stil, verwaltungsebenenübergreifend

öffentliche Beschaffungen.

In Deutschland existiert bislang keine vergleichbar zentralisierte

Beschaffungsstruktur. Das Kaufhaus des Bundes ist eine

elektronische Bestellplattform, auf der zahlreiche Rahmenvereinbarungen

über Standardprodukte – etwa IT, Büroausstattung oder

Fahrzeuge – bereitgestellt werden. Zentrale Beschaffungsstellen des

Bundes schreiben diese Rahmenvereinbarungen regelmäßig nach

den Regeln des Vergaberechts aus. Für die technische Betreuung ist

das Bundesbeschaffungsamt (BeschA) zuständig. Abrufberechtigt

sind aber nur Bundesbehörden.

Dass die Koalition das Kaufhaus des Bundes zu einem digitalen

Marktplatz für Bund, Länder und Kommunen ausbauen will, ist

daher ein wichtiger Schritt. Doch wie muss dieser Marktplatz aufgebaut

sein, damit er funktioniert?

Der Marktplatz muss einen echten Mehrwert liefern. Länder

und Kommunen werden den Marktplatz nur nutzen, wenn das

Angebot ihren Bedürfnissen entspricht. Der Marktplatz muss

deshalb von Beginn an nutzerorientiert und gemeinsam mit Ländern

und Kommunen entwickelt werden. Dabei muss geklärt werden,

welche Produkte am einfachsten gebündelt auf Bundesebene

beschafft werden können. Auch muss ein gemeinsames Verständnis

dafür gefunden werden, welchen Stellenwert jeweils Qualität, Nachhaltigkeit

und Preis im Einkauf haben. Es braucht eine gemeinsame

Beschaffungsstrategie.

Gebündelte Beschaffungen sehen sich zuweilen der Kritik ausgesetzt,

dass sie den Mittelstand aus der öffentlichen Auftragsvergabe

verdrängen und damit den Wettbewerb beeinträchtigen. Das könnte

langfristig zur Abhängigkeit von wenigen Lieferanten führen.

Gerade für Kommunen und Länder ist der Schutz des Mittelstandes

ein wichtiges Anliegen. Der Einkauf für den Marktplatz sollte in

6 Kleine Kniffe


Foto: depositphotos

ständigem Dialog mit den angesprochenen Branchen erfolgen. So

kann frühzeitig erkannt werden, ob das gewählte Ausschreibungsdesign

mittelständischen Unternehmen die Teilnahme erlaubt oder

angepasst werden sollte.

Außerdem ist beim Einrichten des Marktplatzes zu beachten,

dass sich vereinzelt bereits kooperative Beschaffungsstrukturen auf

Bundes- und Landesebene entwickelt haben. Ein Beispiel sind die

zahlreichen Sammelbeschaffungen der Landesministerien, um den

kommunalen Bedarf an Feuerwehrausrüstung zu decken. Ein vom

Bund eingeführter Marktplatz sollte die bestehenden Strukturen

sinnvoll ergänzen und nicht verdrängen.

Der Marktplatz sollte im ersten Ansatz als „kleinstes funktionsfähiges

Produkt“ geplant werden, um schnell erste Ergebnisse liefern

zu können. Zahllos sind die verwaltungspolitischen Reformprojekte,

die aufgrund hochgesteckter Ambitionen zu langsam in die

Umsetzung kommen. Außerdem würde ein Ausbau des BeschA zur

„Superbeschaffungsstelle“ nach dem Vorbild der BBG oder UGAP eine

Verfassungsänderung erfordern. Erfolgreiche Beschaffungskooperationen

beginnen ohnehin meist informal mit einem kleinen Kreis

Gleichgesinnter, beschränkt auf einzelne Beschaffungsgegenstände.

Wenn erste Erfolge zu verbuchen sind, wachsen Beschaffungskooperationen

in der Regel organisch. Aufbauend darauf können

Strukturen verstetigt und formalisiert werden.

Schließlich wird es darauf ankommen, ob die Kooperationspartner

ein neues Verständnis für den Föderalismus mittragen. Dazu

gehört die Erkenntnis, dass ein Bürostuhl für Bayern nicht so andere

Anforderungen hat als für Mecklenburg-Vorpommern. Durch die

stärkere Standardisierung und Bündelung der Beschaffung auf Bundesebene

wird zwar weniger individuell eingekauft. Doch erhalten

die Länder und Kommunen die dringend benötigten Handlungsspielräume

für andere Aufgaben.

Moderne Verwaltung braucht effiziente Beschaffung. Kooperation

und Bündelung können dazu beitragen. Ein digitaler Marktplatz

für Bund, Länder und Kommunen hat deshalb Potenzial – wenn er

schlank und praxisnah startet.

Hinweis

Dieser Beitrag ist am 31. Juli 2025 im Re:Form-

Newsletter versendet worden. Erfahre mehr über

Re:Form, der Allianz für den Staat von morgen: https: /

reform-staat.org/

Autor

Dr. Tassilo Schröck

Fachanwalt für Vergaberecht,

Redeker Sellner Dahs

Rechtsanwälte

Kleine Kniffe

7


Potentiale des öffentlichen Einkaufs

Beschaffung und Nachhaltigkeit

bei der öffentlichen Verwaltung in Deutschland

Die öffentliche Verwaltung in Deutschland ist mit einem dem Beschaffungsvolumen ein wirtschaftlicher

Schwergewichtsakteur. Diese enorme Marktmacht birgt ein immenses Potenzial, ökologische und

soziale Standards durch nachhaltige Beschaffung zu fördern. Doch trotz politischer Bekenntnisse bleibt

die Umsetzung hinter den Erwartungen zurück. Die aktuelle Trends, Herausforderungen und heutige

Lösungsansätze bringen interessante Perspektiven für die Zukunft.

Ein Beitrag von Reiner Petzold

Aktuelle Trends

Wachsende politische Aufmerksamkeit

Seit dem Klimabeschluss des Bundesverfassungsgerichts

2021 und dem Koalitionsvertrag „Mehr Fortschritt wagen“ wird

Nachhaltigkeit verstärkt als strategisches Ziel in der öffentlichen

Beschaffung verankert.

Reform des Vergaberechts

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat

2024 ein „Vergabetransformationspaket“ vorgelegt, das ökologische,

soziale und innovative Kriterien stärker im Vergabeverfahren verankern

soll. Ziel ist es, die Vergabeprozesse transparenter, digitaler

und nachhaltiger zu gestalten.

Innovationsförderung durch Startups

Junge Unternehmen sollen durch angepasste Eignungskriterien

besser in Vergabeverfahren integriert werden. Dies fördert nicht nur

Nachhaltigkeit, sondern auch Digitalisierung und Ressourceneffizienz.

Herausforderungen

Intention-Action-Gap

Obwohl Nachhaltigkeit als Ziel anerkannt ist, werden laut Studien

nur 13,7 % der kommunalen Aufträge unter Berücksichtigung

von Nachhaltigkeitskriterien vergeben – Tendenz sinkend.

Rechtliche Unsicherheiten

Viele Vergabestellen sind unsicher, wie sie Nachhaltigkeitskriterien

rechtssicher integrieren können. Die Angst vor Rekursen

hemmt ambitionierte Ausschreibungen.

Mangelnde Professionalisierung

Es fehlt häufig an spezifischem Wissen und Ausbildung im Bereich

nachhaltiger Beschaffung. Schulungen sind nicht flächendeckend

etabliert.

Strukturelle Defizite

Bestehende Prozesse und IT-Systeme sind oft nicht auf Nachhaltigkeit

ausgerichtet. Lebenszykluskosten, CO₂-Bilanzen oder

soziale Standards werden selten systematisch erfasst.

Lösungsansätze heute

Schulungen und Kompetenzaufbau

Initiativen wie die KOINNO-Akademie oder Programme der

Bertelsmann Stiftung fördern gezielt das Know-how von Beschaffungsverantwortlichen.

Schulungen zu Lebenszykluskosten,

Umweltkennzeichen und rechtssicherer Integration von Nachhaltigkeitskriterien

sind essenziell.

8 Kleine Kniffe


Foto: depositphotos

Digitale Tools und Plattformen

Vergabeplattformen mit integrierten Nachhaltigkeitsmodulen

ermöglichen eine transparente Bewertung von Angeboten.

KI-gestützte Systeme helfen, ökologische und soziale Kriterien

automatisiert zu prüfen.

Best-Practice-Austausch

Kommunale Netzwerke wie das „Kompetenzzentrum nachhaltige

Beschaffung“ fördern den Austausch erfolgreicher Modelle.

Städte wie Bonn oder Freiburg gelten als Vorreiter in der Integration

von Umweltstandards in Ausschreibungen.

Perspektiven für die Zukunft

Verbindliche Quoten für nachhaltige Vergabe

Diskutiert wird die Einführung von Mindestquoten für nachhaltige

Ausschreibungen auf Bundes- und Landesebene. Dies könnte

den Anteil nachhaltiger Vergaben deutlich erhöhen.

CO₂-Bilanzierung als Standard

Zukünftig könnten CO₂-Fußabdrücke verpflichtend in Ausschreibungen

integriert werden – etwa bei Bauprojekten oder

Fahrzeugbeschaffung. Dies würde die Klimaziele direkt in die Vergabepraxis

übersetzen.

Kreislaufwirtschaft und Reparaturfähigkeit

Produkte mit hoher Reparierbarkeit und Wiederverwendbarkeit

sollen bevorzugt werden. Dies fördert Ressourcenschonung

und reduziert Abfall.

EU-weite Harmonisierung

Die EU arbeitet an einer stärkeren Harmonisierung nachhaltiger

Vergabekriterien. Deutschland könnte hier eine Vorreiterrolle einnehmen

– vorausgesetzt, die Umsetzung erfolgt konsequent.

Fazit:

Lösungen und Zukunftsperspektiven für

nachhaltige Beschaffung

Die Herausforderungen sind komplex – doch es gibt konkrete

Lösungsansätze, die bereits heute Wirkung zeigen und die Zukunft

der öffentlichen Beschaffung nachhaltig gestalten können.

Autor

Reiner Petzold

Advisory Board Swiss CxO Forum

Council Harvard Business Review

Dozent UniBasel, FHNW, HWZ

CDO, swissICT Fachgruppe DTI

Kleine Kniffe

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Dekarbonisierung in der öffentlichen Beschaffung

Klimaschutz in der Vergabe:

Dortmund macht Nachhaltigkeit handhabbar

Viele Kommunen haben sich ambitionierte Klimaziele gesetzt – Dortmund strebt etwa die

Klimaneutralität bis 2035 an. Ein zentraler Hebel zur Zielerreichung ist dabei die öffentliche

Beschaffung: Rund 15 % des BIP werden in Deutschland jährlich durch öffentliche Aufträge

umgesetzt – eine enorme Steuerungswirkung für klimarelevante Produkte, Dienstleistungen und

Bauleistungen.

Ein Beitrag von Livia El-Khawad und Ingmar Thomas

Doch in der Praxis fehlt es häufig an praktikablen Verfahren, um

ökologische Kriterien in Vergaben zu berücksichtigen – insbesondere

bei Bauvorhaben mit hohem Emissionspotenzial. Vergabestellen

stehen vor der Herausforderung, wirksame Kriterien zu definieren,

ohne rechtliche Unsicherheiten oder unnötige Komplexität zu schaffen.

Im Zuge der zunehmenden Bemühungen, Klimaschutz stärker

in der Beschaffung zu verankern, bietet sich die CO₂ Performance

Ladder zunehmend als wertvolles Instrument an.

Das aus den Niederlanden stammende System ordnet Unternehmen

je nach CO₂-Management in Stufen ein – von der reinen

Bilanzierung bis hin zur strategischen Reduktion in der Lieferkette.

Statt jede Maßnahme individuell zu prüfen, können anerkannte

Drittzertifizierungen direkt in die Wertung übernommen werden,

was die Vergabestelle entlastet.

Für Bieter bedeutet das eine klare Orientierung und die Möglichkeit,

vorhandene Zertifikate in kommunalen Ausschreibungen

strategisch zu nutzen. Für Auftraggeber entsteht eine sachlich

geprüfte Grundlage, die die Berücksichtigung von Klimaschutzmaßnahmen

rechtssicher und nachvollziehbar macht.

Verwendung der CO 2

Performance Ladder in

Dortmund

Um Dekarbonisierungskriterien in Ausschreibungen zu integrieren,

hat Dortmund Anfang 2025 einen „Klimafaktor“ als

zusätzliches Wertungskriterium eingeführt und nutzt zur strukturierten

Bewertung unter anderem die CO₂ Performance Ladder

als Referenzrahmen. Unternehmen können einen Vergabevorteil

erhalten, wenn sie nachweisen, dass die Leistung klimafreundlich

erbracht wird – etwa durch den Einsatz emissionsarmer Materialien,

den Bezug von Ökostrom oder CO₂-sparende Logistik.

Umsetzung und Monitoring des Klimafaktors

Bis zum 25. Juni 2025 wurde der Dortmunder Klimafaktor

bereits in 117 Bauvergaben angewendet. In den ersten 19 abgeschlossenen

Verfahren wurden 15 Angebote mit Klimafaktor eingereicht

– mit Maßnahmen wie Ökostromnutzung, LED-Technik, Recyclingmaterial

oder CO₂-kompensierter Baustellenlogistik. Weitere

44 Angebote mit Klimafaktor sind in laufenden Ausschreibungen

eingegangen.

Aktuell bereitet Dortmund gemeinsam mit wissenschaftlichen

Partnern eine Evaluation der Implementierung des Klimafaktors

10 Kleine Kniffe


Foto: depositphotos

vor. Ziel ist die Weiterentwicklung des städtischen Bewertungsrahmens:

Welche Kriterien funktionieren gut, wo braucht es mehr

Klarheit? Und wie lässt sich das Verfahren perspektivisch auch auf

andere Leistungsbereiche übertragen?

Dortmund zeigt, wie Nachhaltigkeit in der Vergabe strukturiert

und praxistauglich abgebildet werden kann, ohne zusätzliche

Komplexität zu erzeugen. Die CO₂ Performance Ladder hilft dabei,

vorhandene Maßnahmen zu systematisieren und in standardisierter

Form nachzuweisen – ein Vorteil für beide Seiten des Verfahrens.

Kommunen, die ähnliche Wege gehen möchten, finden hier ein

bewährtes Modell, das sich an bestehende Verfahren andocken lässt,

skalierbar ist und langfristig zur Dekarbonisierung der öffentlichen

Beschaffung beitragen kann.

Auf europäischer Ebene wird die CO₂ Performance Ladder derzeit

zunehmend implementiert. In den großen Beschaffungsmärkten

Frankreich und Großbritannien befindet sich das Instrument aktuell

in der aktiven Einführung. Auch die Europäische Kommission

hat das Potenzial des Instruments erkannt, um CO₂-Emissionen im

Rahmen öffentlicher Beschaffung wirksam zu senken. Ein sichtbares

Zeichen dafür ist die kürzlich auf der Big Buyers Platform eingerichtete

Community of Practice für die CO₂ Performance Ladder.

Weitere Informationen

Arbeiten Sie in einer Stadt oder einer Kommune

und haben Interesse die CO₂ Performance Ladder

kennenzulernen?

Kontakt:

Melden Sie sich gerne unter co2pl@cscp.org.

Autoren

Livia El-Khawad und Ingmar Thomas

COLLABORATING CENTRE ON SUSTAINABLE

CONSUMPTION AND PRODUCTION (CSCP)

Kleine Kniffe

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Aus Kompetenzzentren des nachhaltigen Einkaufs

Nachhaltige öffentliche Beschaffung

in Schleswig-Holstein

Das Kompetenzzentrum für nachhaltige Beschaffung und Vergabe in Schleswig-Holstein (KNBV.

SH) orientiert sich am Informationsbedarf von beschaffenden Stellen. Das Unterstützungsangebot

wird mehr und mehr ausgebaut.

Ein Beitrag von Marret Bähr und Anja Jacobsen

Nachhaltige Beschaffung gewinnt in kommunalen Verwaltungen

zunehmend an Bedeutung. Positive Beispiele, wo und wie

schon heute nachhaltige Beschaffung praktiziert wird, geben uns

Anstöße für unser konkretes Handeln vor Ort. Um die bisherigen

Erfahrungen, bewährte Vorgehensweisen (Best Practices) sowie

Herausforderungen und Unterstützungsbedarfe besser zu verstehen

und systematisch auszuwerten, führt das KNBV eine Evaluationsabfrage

durch.

Dabei interessieren nicht nur die kommunalen Erfahrungen im

Zusammenhang mit der Erstellung und Umsetzung von Leitfäden

oder Strategien, sondern ausdrücklich auch konkrete Einzelfälle:

Welche Beschaffungsvorgänge sind besonders gut gelungen? Wo

hat sich nachhaltiges Handeln bewährt? Und wo zeigen sich noch

Hürden oder offene Fragen?

Die Rückmeldungen werden vom KNBV gesammelt, gebündelt

und in geeigneter Form zur Verfügung gestellt.

Ziel ist es, noch mehr voneinander zu lernen und seitens des

KNBV, das Unters¬tützungsangebot noch bedarfsgerechter auszurichten

sowie eine zielgerichtete Informationsbereitstellung,

Beratung und Vernetzung.

Hier gelangen Sie zur Abfrage:

https://www.knbv.de/angebot/evaluation

Apropos Vernetzung: am 30. September hatte das KNBV

gemeinsam mit dem MEKUN, BEI und BNUR zum landesweiten

Vernetzungstreffen nachhaltige Beschaffung eingeladen. Die

Teilnehmenden erhielten inspirierende Impulse für Ihren Handwerkskoffer

der nachhaltigen Beschaffung. Zudem wurde der

gewinnbringende Erfahrungs- und Informationsaustausch zu nachhaltiger

Beschaffung und Vergabe erfolgreich fortgeführt.

Sie konnten nicht teilnehmen? - Save the Date: die Folgeveranstaltungen

sind bereits in Planung: für den 13. Februar 2026 ist

das nächste Online- und für den Herbst 2026 das nächste Präsenz/

Hybrid-Treffen terminiert.

Weitergehende Informationen werden zeitnah zu den Veranstaltungen

auf der KNBV-Homepage

(https://www.knbv.de/ueber-uns/termine) veröffentlicht.

Darüber hinaus lohnt sich immer mal wieder ein Blick auf

die Website, nicht nur auf die Veranstaltungshinweise. Die

KNBV-Homepage: www.knbv.de erfährt regelmäßig Anpassungen.

Marret Bähr und Anja Jacobsen orientieren sich dabei an dem

Informationsbedarf, basierend auf den vielfältigen Anfragen und

Kontakten Ihres Arbeitsalltags. Die Themen werden allgemeininformativ

aufbereitet auf der Homepage platziert. So ist anlassbezogen

auch eine Themenseite zum Klimaschutz entstanden:

Klimaschutz und Nachhaltige Beschaffung

Die Klimakrise zeigt sich immer deutlicher in unseren Städten

und Gemeinden. Der Klimawandel lässt das Thermometer kräftig

steigen und wirkt sich erheblich auf Mensch und Umwelt aus. Bund,

Länder und Kommunen stehen vor großen Herausforderungen.

Klimaschutz ist das zentrale Instrument, um der Klimakrise entgegenzuwirken.

Die wichtigsten Schritte umfassen eine deutliche

Reduzierung der Treibhausgasemissionen, die Förderung nachhaltiger,

ressourceneffizienter Wirtschafts- und Lebensweisen und die

Anpassung an die bereits unvermeidlichen Folgen des Klimawandels.

Das Konsumverhalten und Beschaffungsprozesse nehmen Einfluss

auf die Treibhausgasentwicklung. Neben der Art der Mobilität

12 Kleine Kniffe


Foto: depositphotos

und Gebäudetechnik sowie die Einrichtung und Gestaltung des

öffentlichen Raums, sind es auch die alltäglichen Bedarfe/Beschaffungen,

die Wirkung zeigen.

Vor diesem Hintergrund stellt das KNBV Grundlageninformationen

zum Klima- und Hitzeschutz, insbesondere mit dem Blick

auf die Beschaffung bereit, s. https://www.knbv.de/themen/klimaschutz

Lebenszykluskosten machen

Treibhausgasemissionen sichtbar

Als Instrument für die Entscheidungsfindung in Richtung Treibhausgaseinsparung

und mehr, dient der Lebenszyklusansatz. Dieser

Ansatz betrachtet den gesamten Lebensweg eines Produkts oder

einer Dienstleistung, angefangen bei der Rohstoffgewinnung über

Produktion und Nutzung bis hin zur Entsorgung und ermöglicht

eine umfassende Bewertung der Umwelt- und Sozialauswirkungen

über die gesamte Lieferkette hinweg.

Die Einbeziehung von Lebenszykluskosten („Life Cycle Costing“,

LCC) und Umweltkosten ermöglicht es, bei einem Variantenvergleich

verstärkt umweltfreundliche Produkte zu berücksichtigen.

Vergaberechtlich ist die Einbindung der Lebenszykluskosten

im Vergabeverfahren zulässig. Das gilt für alle Vergaben sowohl

oberhalb als auch unterhalb der EU-Schwellenwerte im Rahmen

der Angebotswertung. Bei europaweiten Ausschreibungen für

energieverbrauchsrelevante Liefer- oder Dienstleistungen ist die

Berechnung der Lebens¬zykluskosten vorgeschrieben (vgl. § 59

und in § 67 VgV). Für die Lebenszykluskostenberechnung stehen

Arbeitshilfen zur Verfügung, welche kostenlos von den Beschaffenden

genutzt werden können.

Das Umweltbundesamt hat ein Tool entwickelt, um eine Prognose

der verursachten Treibhausgasemissionen eines zu beschaffenden

Produktes während des gesamten Lebens-zyklus zu erstellen.

Zu dem jüngst überarbeiteten Werkzeug

gelangen Sie hier:

https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/umweltfreundliche-beschaffung/lebenszykluskosten

Weitergeben anstatt Entsorgen

Eine weitere Fragestellung zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen

im Rahmen der Beschaffung fand einen ganz

pragmatischen Lösungsansatz: Unter dem Moto:“To goot för de

Tünn“ hat das Kompetenzzentrum eine Gebrauchtmarkt-Rubik

auf der KNBV-Homepage eingerichtet. Ein Versuch, um ganz

lösungsorientiert den zunehmen¬den Anfragen zum Verbleib von

Gebrauchtmöbeln u.a. gerecht zu werden. „Unter Berücksichtigung

bestimmter Vorgaben, geben wir damit öffentlichen abgebenden

und annehmenden Stellen in eine Möglichkeit zum Austausch“

führen Marret Bähr und Anja Jacobsen vom KNBV aus.

In dem Zusammenhang auch ein Verweis zum neuen Abfallwirtschaftsplan

(AWP) für Siedlungsabfälle für Schleswig-Holstein.

Abfall vermeiden,

Produkte wiederwenden und recyceln

Im AWP werden u.a. Ziele und Leitlinien der Kreislaufwirtschaft

in Schleswig-Holstein gesetzt. Generell soll die Menge

an Siedlungsabfällen reduziert werden. Stichworte hierfür sind

die Stärkung der Wiederverwendung von Gebrauchtwaren, die

umweltfreundliche öffentliche Beschaffung und die Vermeidung

Kleine Kniffe

13


von Lebensmittelabfällen. https://www.schleswig-holstein.de/DE/

fachinhalte/A/abfallwirtschaft/abfallwirtschaftsplaene

Weiterhin fördert das Land Schleswig-Holstein Gemeinden,

Ämter, Kreise und öffentliche Einrichtungen bei der Durchführung

oder Unterstützung von nicht-investiven Maßnahmen der Abfallvermeidung

und ressourceneffizienten Kreislaufwirtschaft. Förderfähig

sind unter anderem die Durchführung von Zero-Waste-Strategien,

der Aufbau von Reparaturnetzwerken, sowie Initiativen zur Mehrfachnutzung.

Die Förderrichtlinie ist bis zum 31.12.2027 befristet.

https://www.schleswig-holstein.de/DE/fachinhalte/A/abfallwirtschaft/abfallvermeidungRessourcenschonung

Nachhaltige Beschaffung von Merchandise-

Produkten im kommunalen Stadt- und

Tourismusmarketing

Das KNBV unterstützt das neue Projekt vom Bündnis Eine Welt

(BEI).

Kontakt:

Kompetenzzentrum für Nachhaltige

Beschaffung und Vergabe

Marret Bähr und Anja Jacobsen

Küterstraße 30,

24103 Kiel

Tel. 0170 242 8104 und 0151 28198337

info@knbv.de

Immer mehr Kommunen und Regionen in Schleswig-Holstein

möchten sich als nachhaltige Reisedestinationen positionieren – fair,

ökologisch und zukunftsfähig. Doch was bedeutet das konkret für

die Beschaffung im Stadt- und Tourismusmarketing? Was verkaufen

wir in unseren Tourist-Informationen, und womit werben wir

für unsere Region, unsere Stadt oder unsere Landschaft? Mit einem

neuen Projekt unterstützt das Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein

Kommunen dabei, im Stadt- und Tourismusmarketing neue Wege in

der nachhaltigen Beschaffung zu gehen. Austauschformate, bewährte

wie außergewöhnliche Praxisbeispiele und kreative Design Thinking-Werkstätten

werden Impulse für faires Merchandising bieten.

Liegt ihr Standort in Schleswig-Holstein und wollen auch

Sie neue Wege gehen? Dann werden Sie eine von drei Modellkommunen,

die 2026 von Antje Edler und Eva Pisall bei der Entwicklung

von Ideen für fair gehandelte und kreative Werbemittel

begleitet werden. Mehr dazu unter:

https://www.bei-sh.org/faires-merchandising

Autorinnen

Marret Bähr und Anja Jacobsen

Kompetenzzentrum

für nachhaltige Beschaffung und Vergabe in SH

14 Kleine Kniffe


Community Building in der Gesundheitswirtschaft

Beitrag zur Nordischen Konferenz

für das nachhaltige Gesundheitswesen 2025

Das Aushängeschild von NCHS ist die Nordic Conference on

Sustainable Healthcare - eine eintägige Konferenz, die Führungskräfte

aus dem Gesundheitswesen, der Politik, der Industrie, der

Forschung und der Zivilgesellschaft zusammenbringt, um Kontakte

zu knüpfen, sich auszutauschen und sich für eine umweltfreundlichere,

resilientere und gerechtere Gesundheitslandschaft einzusetzen.

Die 7. Ausgabe findet am 12. November in Malmö, Schweden, statt

und wird sich mit den dringendsten und wirkungsvollsten Themen

im Bereich der Nachhaltigkeit befassen. Der Tag wird mit einer

hochrangigen Podiumsdiskussion eröffnet, in der die Vorreiterrolle

der nordischen und nordeuropäischen Länder bei den weltweiten

Nachhaltigkeitsbestrebungen im Gesundheitswesen erörtert wird,

und endet mit einem zukunftsorientierten Dialog über das Erreichen

einer gemeinsamen internationalen Vision - oder Samsyn - für den

Sektor.

Es folgen parallele Sitzungen mit hochrelevanten Themen wie

das nachhaltige Gesundheitswesen in einer sich wandelnden geopolitischen

Landschaft, das Schließen des Kreislaufs, Resilienz und

nachhaltiges Gesundheitswesen, Werkzeuge und Methoden zur

Beschleunigung der Umsetzung sowie digitale Lösungen zur Förderung

des nachhaltigen Gesundheitswesens (KI, 3D-Druck) und

andere. Das Programm bietet den Teilnehmenden einen tiefen

Einblick in die einzelnen Bereiche durch zielgerichtete Sitzungen,

Fallstudien und moderierte Diskussionen. Ziel ist es, Fachleute nicht

nur zu informieren, sondern ihnen auch Werkzeuge und Strategien

an die Hand zu geben, um Gesundheitssysteme in nachhaltigere,

widerstandsfähigere und integrativere Modelle zu verwandeln.

In der dazugehörigen Ausstellung werden Lösungsanbieter

vorgestellt, die den Teilnehmenden Zugang zu hochmodernen

Technologien und nachhaltigen Materialien bieten, die auf das

Gesundheitsumfeld zugeschnitten sind. Dieser Teil der Konferenz

unterstreicht die Rolle der Industrie bei der Erreichung von

Nachhaltigkeitszielen und fördert die Zusammenarbeit zwischen

öffentlichen Einrichtungen und privaten Unternehmen.

Im Laufe der Jahre hat sich die Konferenz zum Mittelpunkt

einer ganzen Woche der nachhaltigen Umgestaltung des Gesundheitswesens

entwickelt. Fünf Tage lang finden unter dem Dach

der Sustainable Healthcare Week zahlreiche Side-Events statt. Die

Teilnehmenden erwartet ein breites Spektrum an Inhalten, die den

Teilnehmenden ein tieferes Eintauchen in reale Praktiken ermöglichen

und gleichzeitig ihr Netzwerk erweitern. Zu den geplanten

Veranstaltungen gehören beispielsweise Studienreisen zu Krankenhäusern

in Dänemark und Schweden, bei denen innovative

Lösungen vorgestellt werden, Workshops zum Thema nachhaltige

Beschaffung im Gesundheitswesen und ein Mingle-Event in einer

Botschaft.

Weitere Informationen über das Netzwerk, die Konferenz

und die Möglichkeit, sich zu beteiligen, finden Sie auf der Website

https://nordicshc.org/ oder unter info@nordicshc.org.

Autorin

Evelien Fiselier

Project officer - Nordic Center for

Sustainable Healthcare

Web: www.tem.se /

www.nordicshc.org

Kleine Kniffe

15


Aus Kompetenzzentren des nachhaltigen Einkaufs

Neue Materialien und Arbeitshilfen

für eine klimaschonende und kreislauforientierte öffentliche Beschaffungspraxis

Das am Umweltbundesamt laufende Forschungsvorhaben „Erarbeitung methodischer

Grundlagen und Arbeitshilfen für Klimaschutz und Kreislaufwirtschaftsaspekte in der öffentlichen

Beschaffungspraxis“ steht kurz vor dem Abschluss. Das Forschungsvorhaben wurde vom Öko-

Institut e. V., Freiburg, in Zusammenarbeit mit dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung,

Berlin, in den Jahren 2021 bis 2025 realisiert.

Ein Beitrag von Dr. Kristin Stechemesser

Ziel des Forschungsvorhabens war es, für Beschaffer*innen und

Bedarfsträger*innen themenspezifische Unterstützungsangebote zu

entwickeln, um deren Beschaffungspraxis klimaschonender und/

oder kreislaufwirtschaftsorientierter auszurichten. Basis bildeten die

gesetzlichen Neuregelungen zur umweltfreundlichen Beschaffung

im Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG), im Bundes-Klimaschutzgesetz

(KSG) und in der allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur

Beschaffung klimafreundlicher Leistungen (AVV Klima).

Folgende Veröffentlichungen bilden die

wesentlichen Ergebnisse:

1. Berücksichtigung von Klimaschutz- und Ressourcenschutzaspekten

in der umweltfreundlichen öffentlichen

Beschaffung - Darstellung der rechtlichen Lage

Der Bericht gibt Hinweise zur Umsetzung des speziellen Berücksichtigungsgebots

für Klimaschutzaspekte gemäß § 13 Abs. 2 und 3

KSG, des CO 2

- ⁠Schattenpreises (§ 13 Abs. 1 KSG) sowie der Bevorzugungspflicht

in § 45 Abs. 2 Satz 1 KrWG. Neben einer rechtlichen

Betrachtung und Auslegung beider Gesetze enthält der Bericht

Hinweise und Empfehlungen zu ihrer Operationalisierung entlang

aller Stufen des Vergabeverfahrens. Dabei ist die Rechtslage im Oberund

Unterschwellenbereich sowie GWB, in der VgV, UVgO und der

„Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Beschaffung klimafreundlicher

Leistungen“ (AVV ⁠Klima⁠) von Relevanz.

Berücksichtigung von Klimaschutz- und Ressourcenschutzaspekten

in der umweltfreundlichen öffentlichen Beschaffung |

Umweltbundesamt

16 Kleine Kniffe


Foto: depositphotos

2. LCC-CO2-Tool und dazugehöriges Schulungsskript

„Arbeitshilfe zur Berechnung von Lebenszykluskosten

inklusive CO2-Kosten aufgrund der prognostizierten

Treibhausgasemissionen in der öffentlichen Beschaffung

(LCC-CO2-Tool)”

Mit der Lebenszykluskostenrechnung (englisch: „Life Cycle

Costing“, LCC) können alle relevanten Kosten, die ein Produkt

während seines gesamten Lebenszyklus verursacht, berechnet

werden. Das Tool ermöglicht es, die prognostizierten Treibhausgasemissionen

während des gesamten Lebenszyklus bei den Prüf- und

Berücksichtigungspflichten vor Einleitung des Vergabeverfahrens

einzubeziehen. Mittels eines CO2-Preises können somit die CO2-

Kosten als Teil der gesamten Lebenszykluskosten ermittelt werden.

Außerdem bietet das Tool ein frei konfigurierbares Punktevergabeschema,

welches öffentliche Auftraggeber bei der Angebotswertung

unterstützen kann. Das umfassend angepasste Schulungsskript dient

als Anleitung für das LCC-CO2-Tool und erleichtert den Einstieg

sowie die Nutzung. Zum Download bereitgestellte Beispieldateien

ergänzen das Schulungsskript und zeigen die Möglichkeiten der

Toolnutzung exemplarisch auf.

Zum LCC-CO2-Tool:

https://www.umweltbundesamt.de/themen/neues-uba-toolzur-berechnung-von-lebenszyklus-co2

Zum Schulungsskript:

https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/umweltfreundliche-beschaffung-schulungsskript-2-0

Kleine Kniffe

17


3. Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft in der

öffentlichen Beschaffung Arbeitshilfe mit rechtlichen Grundlagen,

Kriterien und Beispielen für zehn Produktgruppen

Diese Arbeitshilfe zeigt anschaulich, wie ⁠Klimaschutz⁠ und

Kreislaufwirtschaft in Ausschreibungen berücksichtigt werden

können. Dazu werden im ersten Abschnitt die gesetzlichen Grundlagen

wie KSG und KrWG erläutert sowie im dritten Abschnitt

wesentliche Begriffe eingeführt.

Abschnitt 4 adressiert drei relevante Beschaffungsthemen: die

Beschaffung von klimaschonenden Produkten, von langlebigen Produkten

und von instandgesetzten Produkten.

Die einzelnen Stufen des Beschaffungsprozesses sowie die

⁠Prognose⁠ der ⁠Treibhausgas⁠-Emissionen und CO2-Kosten mittels

LCC-CO2-Tool werden in den Abschnitten 5 und 6 adressiert.

Abschließend werden die wichtigsten Stellschrauben und Hebel

benannt.

Der Anhang listet für die zehn Produktgruppen Bekleidung,

Schuhe, Bettwaren, Matratzen, Möbel, Notebooks,

Rechenzentren und Serverräume, Pkw und leichten Nutzfahrzeuge,

Frontgabelstapler und Innenbeleuchtung Gütezeichen, Leitfäden

und Spezifikationen auf. https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/klimaschutz-kreislaufwirtschaft-in-der

4. Zuletzt wurde außerdem der Bericht „Regelungen

der Bundesländer auf dem Gebiet der umweltfreundlichen

Beschaffung - Aktualisierung Juli 2025“ neu aufgelegt.

Diese Veröffentlichung beschreibt rechtliche Vorgaben auf

Landesebene (sowohl auf Gesetzes- und Verordnungsebene als auch

verwaltungsinterne Vorschriften), die dazu beitragen, dass umweltfreundliche

Waren und Dienstleistungen beschafft werden. Im

Vordergrund stehen die Vergabevorschriften der Bundesländer, die

Umsetzung der Unterschwellenvergabeordnung (UVgO), die Vorgaben

zur Kreislaufwirtschaft und zum ⁠Klimaschutz⁠. Zudem wurden

noch die Vorgaben bzgl. Holz, Papier und Lebenszykluskosten

erfasst. In einer Übersicht werden neben den gesetzlichen und

untergesetzlichen Regelungen auch (weitere) Leitfäden, vorhandene

Kompetenzstellen für nachhaltige Beschaffung und weitergehende

Entwicklungen zusammengestellt.

Wir freuen uns auf eine rege Nutzung der neuen Materialien

und Hilfsmittel durch Bedarfsträger*innen und Beschaffer*innen.

18 Kleine Kniffe


Einige Ergebnisse wurden bereits auf verschiedenen Veranstaltungen

präsentiert. Besonders hervorzuheben sind die folgenden

Veranstaltungen. Die jeweiligen Präsentationen sind beim hinterlegten

Link zu finden:

1. Kooperativer Online-Fachtag von KNB, UBA und BAköV

zur AVV Klima im November 2022

2. Zweiter gemeinsamer Fachtag von UBA, KNB und BAköV

zur AVV Klima im September 2024

3. Fachworkshop: Auf dem Weg: Kreislaufwirtschaft in der

öffentlichen Beschaffung im Mai 2025

4. Prognose der Treibhausgasemissionen und Anwendung

des CO2-Preises im Vergabeprozess: Arbeitshilfe „LCC-

CO2-Tool“ des Umweltbundesamtes im Mai 2025

Der Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben wird zeitnah

auf den Seiten des Umweltbundesamtes, und auch auf dem

Themenportal www.beschaffung-info.de veröffentlicht. Dieser

Abschlussbericht beinhaltet noch weitere Themen wie Monitoringansätze

zur Umsetzung des KrWG sowie einen Vorschlag zum

Monitoring von Kreislaufwirtschaftsaspekten. Ein anderes Thema

ist eine Literaturanalyse, die sich mit dem Zusammenhang von Grad

der verbindlichen Ausgestaltung der Beschaffung und dem Erfolg bei

der Beschaffung nachhaltiger Waren und Dienstleistungen befasst.

Außerdem werden einige erfolgreiche Praxisbeispiele vorgestellt, die

ebenfalls auf www.beschaffung-info.de zu finden sind.

Autorin

Dr. Kristin Stechemesser

Umweltbundesamt

Fachgebiet III 1.3

Ökodesign, Umweltkennzeichnung,

umweltfreundliche Beschaffung

Kleine Kniffe

19


Aus nationalen Kompetenzstellen der Beschaffung

Der Kompass Nachhaltigkeit:

In 6 Schritten zur fairen Beschaffung

Seit 15 Jahren unterstützt die Informationsplattform www.kompass-nachhaltigkeit.de

Beschaffungsverantwortliche bei der praxisgerechten Umsetzung einer nachhaltigen Beschaffung.

Dafür stellt Dafür stellt der Kompass nützliche Werkzeuge für die verschiedenen Phasen der

Vergabe ab der Bedarfsanalyse, über die Gestaltung der Vergabeunterlagen bis hin zum

Monitoring der Beschaffung zur Verfügung.

Ein Beitrag von Karna Wegner

Inzwischen ist der Kompass ein umfangreiches Webportal,

auf dem bereits 142 Kommunen und kommunale Unternehmen

insgesamt 431 Praxisbeispiele (u. A. Ausschreibungen, Dienstanweisungen,

Ratsbeschlüsse) veröffentlicht haben. Kommunen

können die landesrechtlichen Bestimmungen im Themenfeld je nach

Bundesland nachlesen und mit dem Gütezeichenfinder schnell das

passende Siegel für den Nachweis ihrer sozialen und ökologischen

Vergabekriterien finden. Darüber hinaus werden auf dem Kompass

viele Hintergrundinformationen zur Verfügung gestellt, wie bspw.

Risiken in den Lieferketten, rechtliche Grundlagen, Nachweismöglichkeiten,

Mustervorlagen und vieles mehr.

Seit Juni 2023 hat der Kompass Nachhaltigkeit auch einen

Login-Bereich mit dem Namen „Mein Kompass“. Mit vielen

Funktionen, wie bspw. einem Strategieplaner, einem Monitoring-Werkzeug

für Beschaffungen, einem offenen FAQ und einer

Online-Community (veröffentlicht im März 2025), unterstützt er

nicht nur die Umsetzung einer nachhaltigen Beschaffung, sondern

bietet Beschaffenden auch die Möglichkeit sich fachlich untereinander

austauschen und Wissen zu bündeln.

Wie kann nun der Kompass Nachhaltigkeit konkret bei einer

nachhaltigen Beschaffung genutzt werden? Die wichtigsten Schritte

und Funktionen haben wir im Folgenden zusammengestellt:

1. Die Bedarfsanalyse

Die Bedarfsanalyse hinterfragt den tatsächlichen Bedarf an

Produkten oder Dienstleistungen und identifiziert eventuelle (nachhaltige)

Alternativen frühzeitig. Im Fokus stehen zudem folgende

Fragen: Unter welchen Bedingungen werden die benötigten Produkte

üblicherweise hergestellt? Gibt es menschenrechtliche Risiken?

Können diese durch geeignete Nachweise ausgeschlossen werden?

Durch die frühzeitige Reflexion kann sichergestellt werden, dass

der öffentliche Beschaffungsvorgang von Anfang an sozial gerecht

abläuft. Informationen zur Bedarfsanalyse finden sich unter dem

Reiter Grundlagenwissen/Nachhaltigkeit im Beschaffungsprozess.

2. Unterstützung durch vorhandene Leitfäden und

Arbeitshilfen

Zur Unterstützung der Bedarfsanalyse können weiterführend

bereits bestehende Leitfäden und Arbeitshilfen herangezogen

werden, um zu beurteilen, auf welche Punkte beim Beschaffungsvorgang

besonders geachtet werden sollte. Praxisnahe Informationen,

rechtliche Hinweise sowie konkrete Formulierungshilfen für Ausschreibungen

werden den Nutzenden zum Beispiel in Form von

Musterausschreibungen bereitgestellt.

3. Glaubwürdige Umwelt- und Sozialstandards identifizieren

- Der Gütezeichenfinder

Der Gütezeichenfinder ist ein zentrales Werkzeug des Kompass

Nachhaltigkeit. Er unterstützt bei der Identifikation glaubwürdiger

Umwelt- und Sozialstandards mithilfe von Gütezeichen, indem er

passende Gütezeichen zu individuell ausgewählten Kriterien anzeigt,

die im Detail miteinander verglichen werden können. Darüber

hinaus bietet er eine Übersicht potentieller Anbieter von Produkten

mit den angezeigten Gütezeichen sowie Formulierungshilfen.

4. Vergabeunterlagen in den Praxisbeispielen des

Kompass Nachhaltigkeit

Die Praxisbeispiele im Kompass Nachhaltigkeit bieten den

Nutzenden Einsicht in Vergabeunterlagen aus bereits erfolgreich

durchgeführten Beschaffungsvorgängen, in denen Nachhaltig-

20 Kleine Kniffe


Foto: Screenshot Webseite

keitsaspekte berücksichtigt wurden. Die Beispiele beschreiben die

Vorgehensweise und beinhalten nachhaltige Kriterien. Viele ermöglichen

einen direkten Blick in die Vergabeunterlagen. Sie zeigen, wie

von Bürobedarf über Textilien bis hin zu IT-Hardware nachhaltige

und faire Beschaffung rechtssicher in verschiedenen Produktgruppen

umgesetzt werden kann. Durch die Einsicht in diese Unterlagen

können öffentliche Auftraggeber Zeit sparen und sich inspirieren

lassen.

5. Weitere Meinungen einholen und Expertenwissen

erfragen

Sollten weitere offene Fragen bestehen oder sich im Vergabeprozess

auftun, besteht die Möglichkeit in der Community oder im

Wissenspool des Login-Bereichs Mein Kompass Antworten zu

erhalten. Nach einer kurzen Registrierung auf Mein Kompass

können sie sich zu ihren Fragen auszutauschen oder diese direkt an

eine Person mit Fachexpertise richten.

Gut zu wissen:

Betreut wird der Kompass Nachhaltigkeit von

der Servicestelle Kommunen in der Einen

Welt (SKEW) von Engagement Global und der

Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit

(GIZ) im Auftrag des Bundesministeriums für

wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

(BMZ). Das Team vom Kompass Nachhaltigkeit

ist im regelmäßigen Austausch mit kommunalen

Mitarbeitenden und arbeitet auf Basis der

Rückmeldungen daran, den Kompass Nachhaltigkeit

stetig zu verbessern. Wir freuen uns auch auf Ihre

Rückmeldung über info@kompass-nachhaltigkeit.de.

6. Dokumentation und Teilen der fairen Beschaffung mit

dem Beschaffungsmonitor und der Praxisbeispiel-

Funktion

Nach Abschluss einer Beschaffung können Kommunen oder

kommunale Unternehmen ihre Beschaffungsvorgänge in den

Beschaffungsmonitor auf Mein Kompass eintragen. Dies ermöglicht

die Auswertung von Beschaffungsvorgängen und eine effektive

Steuerung der nachhaltigen Beschaffung. Eintragungen sind mithilfe

einer Eingabemaske oder eines (Destatis-) Datenimports möglich.

Abschließend kann über die Funktion „Praxisbeispiele“ die Vergabe

auch für andere Kommunen öffentlich zur Verfügung gestellt

werden, damit auch diese von dem Beschaffungsvorgang profitieren

können.

Autorin

Karna Wegner

Servicestelle Kommunen in der

Einen Welt

ENGAGEMENT GLOBAL gGmbH

Kleine Kniffe

21


Aus nationalen Kompetenzstellen der Beschaffung

Schneller beschaffen, nachhaltig bleiben?

Auswirkungen der § 14 UVgO-Wertgrenze auf die Praxis

Die Anhebung der Wertgrenzen für Direktaufträge der Bundesverwaltung sorgt für

Diskussionsbedarf in vielen Bereichen. Viele Länder haben mittlerweile ebenfalls eine höhere

Grenze für Direktaufträge. Somit stellt sich die Frage, inwiefern Nachhaltigkeitskriterien bei

Beschaffungen bis zu diesem Auftragswert eingebunden werden können.

Ein Beitrag von Antonia Dierker und Kathrin Maier

Um dieser Frage näher auf den Grund zu gehen, beantworten

wir als Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung (KNB) folgende

Fragen:

1. Was hat sich seit dem 1. Januar 2025

für die Bundesverwaltung geändert?

In der Vorschrift des § 14 UVgO ist geregelt, dass Leistungen, die

voraussichtlich einen Auftragswert von 1.000 Euro nicht überschreiten,

ausnahmsweise ohne Durchführung eines Vergabeverfahren

direkt beauftragt werden dürfen. Dem öffentlichen Auftraggeber

soll so ein unverhältnismäßiger Aufwand bei niedrigvolumigen

Beschaffungen erspart werden. Diese Grenze wurde auf nunmehr

15.000 Euro angehoben [siehe Bekanntmachung im Bundesanzeiger

vom 11.12.2024 1 ]. Die Anhebung der Wertgrenzen ist momentan

befristet und eine gesetzliche Regelung in Planung.

2. Sollten bei Direktaufträgen

Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt

werden?

Auf jeden Fall! Wichtig ist, dass der Verzicht auf ein Vergabeverfahren

nicht bedeutet, dass auf Nachhaltigkeitskriterien

verzichtet werden sollte. Die Erleichterung für öffentliche Auftraggeber

wird insbesondere dadurch erreicht, dass Vergabestellen

Aufträge vergeben können, ohne den Aufwand eines förmlichen

Vergabeverfahrens betreiben zu müssen. Insbesondere das Maßnahmenprogramm

Nachhaltigkeit der Bundesregierung setzt auf

Bundesebene den Maßstab, die öffentliche Beschaffung am Leitprinzip

einer nachhaltigen Entwicklung auszurichten. Die Änderung der

Wertgrenzen für Direktaufträge hat hieran nichts geändert.

3. Welche Vorschriften sind auch

unterhalb der Schwelle bei der

Beachtung von Nachhaltigkeitskriterien

bei der Beschaffung zu berücksichtigen?

Neben dem bereits genannten Maßnahmenprogramm Nachhaltigkeit

sind derzeit insbesondere folgende flankierende Regelungen

für Nachhaltigkeitskriterien bei Beschaffungen durch die öffentliche

Hand auch unterhalb der Schwelle von 15.000 Euro zu beachten:

Das Kreislaufwirtschaftsgesetz normiert in § 45 KrWG für

Behörden des Bundes die Pflicht, bei Beschaffungen umweltfreundlichen

Erzeugnissen den Vorzug zu geben, wenn keine unzumutbaren

Mehrkosten entstehen. Dabei werden Kriterien zum Produktionsverfahren,

den eingesetzten Materialien, den Produkteigenschaften

sowie zur Abfallbewirtschaftung aufgeführt.

Das Ziel des Klimaschutzgesetzes, eine klimaneutrale Bundesverwaltung

zu erreichen (§ 15 KSG), wie auch das in § 13 KSG

normierte Berücksichtigungsgebot gelten ebenfalls fort.

Bei der Beschaffung von Holzprodukten ist im Leitfaden zum

Holzerlass ein Wert von 2.000 Euro als Betrag angegeben, ab welchem

der Nachhaltigkeitsnachweis erforderlich ist. Der Holzerlass

bezieht sich für den Nachweis auf ein Chain-of-Custody-Zertifikat

oder die Möglichkeit, über Einzelnachweise die Anforderungen

nachzuweisen.

22 Kleine Kniffe


Foto: depositphotos

4. Welche Möglichkeiten zur nachhaltigen

Beschaffung ergeben sich bei

Direktaufträgen?

Öffentliche Auftraggeber können Unternehmen, die nachhaltige

Kriterien erfüllen oder besonders nachhaltige Produkte anbieten,

für einen Direktauftrag berücksichtigen, sofern die Grundsätze der

Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit eingehalten werden. Wichtig ist

hierbei der Wechsel zwischen den beauftragten Unternehmen.

Ein mögliches Vorgehen ist die Klärung, ob die bisher angewandten

und etablierten Nachhaltigkeitskriterien auch für weitere

Direktaufträge herangezogen werden können.

Eine weitere Option ist die Umsetzung von Pilotprojekten,

um neue Nachhaltigkeitsaspekte in der Praxis einfach anzuwenden

und erste Erfahrungswerte zu sammeln. Sollte unklar sein, welche

Möglichkeiten sich für einzelne Produktgruppen ergeben, können

Sie über die Produktgruppenblätter 2 der KNB eine schnelle Orientierung

erhalten, eine Fortbildung bei der KNB besuchen oder sich

direkt an uns wenden (z.B. per Mail: nachhaltigkeit@bescha.bund.

de).

5. Welche praxisorientierten

Hilfestellungen gibt es?

Folgende produktbezogene Tipps erleichtern den nachhaltigen

Direktkauf:

Beim Bedarf beginnts! Prüfen Sie vor der Direktvergabe, ob das

Produkt neu beschafft werden muss oder eventuell ein gebrauchtes

Produkt oder Leasing bzw. Miete eine passende Alternative sind.

Gerade bei Direktaufträgen können erste Erfahrungen in diesem

Zusammenhang gemacht werden und somit die Vorgaben des Kreislaufwirtschaftsgesetzes

beachtet werden.

Für viele Produkte, die in der öffentlichen Verwaltung benötigt

werden, gibt es Leitfäden, die zu möglichen Nachhaltigkeitskriterien

informieren.

Gütezeichen als Nachweismöglichkeit für ökologische und soziale

Aspekte sind ein naheliegendes Instrument der öffentlichen Hand

für die Überprüfung der geforderten Nachhaltigkeitskriterien.

• Zur Orientierung für die Nutzung von Gütezeichen bietet

das Schulungsskript 3 des Umweltbundesamtes einen guten

Überblick.

• Zur Verfügbarkeit bzw. für hilfreiches Hintergrundwissen von

Gütezeichen bietet sich der Gütezeichenfinder 4 vom Kompass

Nachhaltigkeit an.

Zur Berücksichtigung von energieeffizienten Produkten finden

Sie über die europäische Produktdatenbank EPREL 5 eine Übersicht

aller Produktgruppen mit der Energieverbrauchskennzeichnung.

Für Unternehmen besteht die Verpflichtung, ein korrektes Label

beim Inverkehrbringen auf dem europäischen Markt beizulegen

sowie die Eintragung in die Datenbank EPREL.

Der Markt für nachwachsende Rohstoffe wächst stetig. Somit

ist eine weitere Option, Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen

anstatt aus Kunststoff zu beschaffen. Die FNR bietet auf Ihrer

Website hierzu viele Informationen: https://einkauf.fnr.de/guetezeichen-finder

Kleine Kniffe

23


Grafik: KNB

Zwei weitere Themen können unternehmensbezogen integriert

werden:

Viele Produkte aus dem Verwaltungsalltag werden von Inklusionsunternehmen

oder Werkstätten für behinderte Menschen

(WfbM) angeboten. Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht

jährlich ein Verzeichnis 6 anerkannter WfbM und ermöglicht somit

eine schnelle Übersicht der dort angebotenen Produktvielfalt. Unter

dem nachfolgenden Link findet man zudem ein Verzeichnis für

Inklusionsunternehmen in Deutschland: https://www.rehadat.de/

mediathek/verzeichnisse/#headline-ac_14ae77b6-1-2

Eine weitere Möglichkeit ist die Beauftragung von Unternehmen

mit einem Umweltmanagementsystem, z.B. EMAS. Das

EMAS-Register 7 ist dafür eine hilfreiche Recherche-Datenbank und

die Broschüre 8 des UBA eine gute Orientierung.

Wir stehen als KNB für konkrete Fragen oder Anregungen

jederzeit gerne zur Verfügung (nachhaltigkeit@bescha.bund.de).

Wir freuen uns auch über Erfahrungen und Beispiele aus Ihrer

Beschaffungspraxis.

Links und Quellen:

1 https://www.bundesamtsozialesicherung.de/fileadmin/

redaktion/Vergabe/20250122AnlageBAnz_AT.pdf

2 https://www.nachhaltige-beschaffung.info/DE/Produktgruppen/produktgruppen_node.html

3 https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/

umweltfreundliche-beschaffung-schulungsskript-3

4 https://www.kompass-nachhaltigkeit.de/guetezeichenfinder

5 https://eprel.ec.europa.eu/screen/home

6 https://www.rehadat-wfbm.de/werkstaetten-finden/

werkstaettenverzeichnis

7 https://www.emas-register.de/

8 https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/

emas-in-der-oeffentlichen-beschaffung

Autorinnen

Antonia Dierker und Kathrin Maier

Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung

Beschaffungsamt des BMI

24 Kleine Kniffe


Kleine Kniffe

25


Aus nationalen Kompetenzstellen der Beschaffung

Nachhaltige Beschaffung gemeinsam gestalten:

Aktuelle Schwerpunkte des Interministeriellen Ausschusses für nachhaltige öffentliche Beschaffung

Im Interministeriellen Ausschuss für nachhaltige öffentliche Beschaffung (IMA nöB) wird der

nachhaltige öffentliche Einkauf für die Bundesebene gemeinsam gestaltet. Seit der Ausschuss im

Sommer 2022 seine Arbeit aufgenommen hat, arbeiten hier alle Ressorts konstruktiv zusammen

an realistischen und praktikablen Lösungen für die zukünftige Ausgestaltung der nachhaltigen

öffentliche Beschaffung in der Bundesverwaltung. Erste Entscheidungen hat der IMA nöB hierzu

bereits getroffen und erste Handlungshilfen für Beschaffende erstellt.

Ein Beitrag von Anita Lührs

Ziel des IMA nöB ist darüber hinaus auch eine möglichst bundesweit

einheitliche Gestaltung der nachhaltigen Beschaffung. Durch

einheitliche Standards soll der nachhaltige öffentliche Einkauf

dabei zügig, wirtschaftlich und bürokratiearm gestaltet werden.

Durch gemeinsame Standards soll außerdem eine Entwicklung des

Marktes hin zum mehr Nachhaltigkeit angestoßen werden. Um

dies zu erreichen, hat der IMA nöB ein Netzwerk mit Expertinnen

und Experten aus Bund, Länder und Kommunen aufgebaut, in dem

er sich über Praxisbeispiele austauscht und mögliche gemeinsame

Ansätze diskutiert. Gleichzeitig hat er auch einen Dialog mit der

Zivilgesellschaft, der Wirtschaft und der Wissenschaft angestoßen.

Hilfestellungen für Beschaffende

Die inhaltliche Arbeit des IMA nöB wird neben dem Entscheidungsgremium

– dem Plenum - vor allem in Unterarbeitsgruppen

(UAG) organisiert.

Um Beschaffende bei der Dokumentation und Beachtung der

Nachhaltigkeit im Beschaffungsprozess zu unterstützen, wurde

seitens der UAG Dokumentation ein Dokumentationsmuster für

die Prüfung von Nachhaltigkeitsaspekten im Vergabeverfahren

erstellt. Das Muster ist als eine Art Checkliste für die Beachtung und

Prüfung von Nachhaltigkeitsaspekten im Beschaffungsprozess zu verstehen.

Die Checkliste kann inklusive eines Informationsblattes

unter IMAnoeb@bmi.bund.de angefragt werden und wird zeitnah

auf der Website des IMA nöB zum Download zur Verfügung stehen.

Die UAG Büroverbrauchsmaterial hat darüber hinaus

Empfehlungen für nachhaltige Ausschreibungen von Büroverbrauchsmaterial

für Rahmenvereinbarungen der Bundesverwaltung

erarbeitet, die demnächst auch Ländern und Kommunen bereitgestellt

werden. Diese Empfehlungen enthalten sowohl Vorschläge

für eine nachhaltige Ausschreibungen von Büroverbrauchsmaterial

selbst, als auch Vorschläge für nachhaltige Zuschlagskriterien bzgl.

Transport und Verpackung sowie für einen nachhaltigen Versand

inklusive nachhaltiger Transportverpackungen.

Aktuell wird von der UAG Dienstleistungen eine Praxishilfe

für die Ausschreibung von Dienstleistungen erstellt. Diese beinhaltet

sowohl konkrete Textbausteine als auch eine Checkliste

für die Erstellung von Vergabeunterlagen. Dabei differenziert

die Hilfestellung in ihren Empfehlungen für die Anwendung

von Nachhaltigkeitskriterien eine Reihe von unterschiedlichen

Dienstleistungen bzw. Bestandteile von Dienstleistungsaufträgen.

Die Ausführungen betreffen etwa Dienstleistungen wie Reinigung,

Catering und Verpflegung sowie Grünflächen- und Landschaftspflege.

Nach ihrer Verabschiedung durch den IMA nöB gelten

diese Empfehlungen für die Bundesverwaltung, wobei geplant ist,

die Hilfestellungen Kommunen und Länder ebenfalls zur Nutzung

bereitzustellen.

26 Kleine Kniffe


Verbindungen schaffen

durch ein gemeinsames Stakeholder-Netzwerk

Im September 2024 gründete der IMA nöB im Rahmen einer

ersten Auftaktveranstaltung ein Stakeholder-Netzwerk – bestehend

aus Expertinnen und Experten aus Kommunen, Ländern und dem

Bund. Neben dem Austausch von Best-Practice-Beispielen soll bei

der jährlich stattfindenden Veranstaltung Raum für ein gegenseitiges

Kennenlernen und voneinander Lernen geschaffen werden. Ziel

ist damit eine Grundlage dafür zu schaffen, die Herausforderungen

– auch über die Veranstaltung hinaus – gemeinsam anzugehen und

potenzielle Lösungen gemeinsam zu entwickeln. Das zweite Austauschtreffen

in diesem Teilnehmendenkreis fandt am 14. Oktober

2025 statt.

Erweitert wurde das Netzwerk im März 2025 um Akteure aus

Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft. Dabei spiegeln

zivilgesellschaftliche Akteure die große Bandbreite der gesellschaftlichen

Interessen wider, was sie dazu befähigt, durch ihre Anregungen

Veränderungen für die nachhaltige öffentliche Beschaffung anzustoßen

und als innovative Ideengeber zu fungieren. Nicht weniger

bedeutsam sind in diesem Zusammenhang die Akteure aus der

Wirtschaft, die durch die Bereitstellung nachhaltiger Produkte,

innovativer Dienstleistungen und kreativer Lösungsansätze nicht

nur zur Schaffung eines nachhaltigen Marktes beitragen, sondern

auch Impulse für weitere Akteure setzen können. Darüber hinaus

kommt auch der Wissenschaft eine zentrale Rolle bei der nachhaltigen

Beschaffung zu, da ihre Forschungsergebnisse und innovativen

Lösungsansätze essentiell für die nachhaltige Gestaltung des öffentlichen

Einkaufs sind.

Ziel des IMA nöB ist es in diesem Zusammenhang alle Akteure

und Sichtweisen zusammen zu bringen, um im öffentlichen Einkauf

gemeinsam eine nachhaltige Zukunft zu gestalten. Für den IMA nöB

ist es dabei wichtig, die verschiedenen Perspektiven, Erwartungen

und Belange aller Akteure kennenzulernen, zusammenzutragen

und bei seinen Entscheidungen zu berücksichtigen. Ziel der jährlich

im Frühjahr stattfindenden Veranstaltung mit allen Akteuren aus

Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung ist

es daher, sich untereinander zu verknüpfen, sich auszutauschen,

Themen anzustoßen sowie daraus entstehende Synergieeffekte zu

nutzen. Als nächster Termin für ein gemeinsames Treffen ist der 12.

März 2026 vorgesehen.

Startschuss für

die ersten Stakeholder-Beteiligungen

Kommunen und Länder sind im Rahmen von Stakeholderbeteiligungen

eingeladen, in den Unterarbeitsgruppen des IMA

nöB mitzuwirken und dort ihre Expertise zu teilen. So können

die Bedürfnisse von Ländern und Kommunen bei Empfehlungen

und Beschlüssen des IMA nöB berücksichtigt werden, um die dort

für den Bund getroffenen Entscheidungen möglichst weitgehend

Kleine Kniffe

27


auch für Länder und Kommunen anwendbar zu halten. Im Jahr

2025 fanden die ersten Stakeholderbeteiligungen statt: So wurde

die Expertise von Kommunen und Ländern durch die UAGen

Büroverbrauchsmaterial und Dienstleistungen im Rahmen eines

Online-Beteiligungsverfahrens eingeholt. Partiell wurde auch

das Feedback von Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft

einbezogen. Der IMA nöB erhielt zahlreiche, in Teilen auch sehr

ausführliche Rückläufe, von denen die UAGen maßgeblich profitieren.

Weitere Stakeholderbeteiligungen sind geplant.

Digitalisierung zukunftsweisend für die

nachhaltige öffentliche Beschaffung

Die Digitalisierung gewinnt bei der nachhaltigen öffentlichen

Beschaffung zunehmend an Bedeutung. Sie erleichtert die Implementierung

notwendiger einheitlicher Standards und Strukturen sowie

die Automatisierung und Vereinfachung von Beschaffungsprozessen.

Zudem kann sie die Transparenz und Nachvollziehbarkeit bei der

Anwendung und Nutzung von Nachhaltigkeitskriterien im öffentlichen

Einkauf verbessern. Es ist jedoch entscheidend, dass die dafür

erforderlichen Voraussetzungen zuerst geschaffen werden, damit

die Beschaffenden digitale Tools auch effizient nutzen können. Der

IMA nöB setzt sich für den Aufbau der notwendigen Rahmenbedingungen

ein, einschließlich der Etablierung gemeinsamer Standards

und Strukturen. Des Weiteren ist durch die Geschäftsstelle geplant,

ein “Wiki+” für Beschaffende zu entwickeln, das zukünftig zu einer

Wissensdatenbank, Schulungs-, Weiterbildungs – und Austauschplattform

sowie zu einer Plattform für Unterstützungsmaterialien

und Ideenmanagement ausgebaut werden kann.

Sie wollen noch mehr Informationen

oder Teil des Netzwerks werden?

Sollten Sie Interesse haben, Teil des IMA nöB Netzwerks zu werden,

melden Sie sich gerne unter IMAnoeb@bmi.bund.de. Wir freuen uns auf

den Austausch, Ihren Blick und Ihre Erfahrungen!

Weitere Informationen zu unserer Arbeit, ihren Hintergründen

und unseren Partnern finden Sie unter: https://www.bmi.bund.de/DE/

themen/moderne-verwaltung/verwaltungsmodernisierung/imanoeb/

imanoeb-artikel.html

Autorin

Anita Lührs

Co-Vorsitzende und Leiterin der

Geschäftsstelle des IMA nöB

28 Kleine Kniffe


Kreislaufwirtschaft

Kreislaufwirtschaft im Bau

Die Bauwirtschaft ist einer der ressourcenintensivsten Wirtschaftszweige in Deutschland. Mehr als die

Hälfte aller Abfälle entsteht im Bau- und Abbruchsektor. Der aktuelle Monitoring-Bericht der Initiative

“Kreislaufwirtschaft Bau” zeigt: 2022 sind 207,9 Millionen Tonnen mineralische Bauabfälle angefallen,

davon konnten 90,4 Prozent verwertet werden.

Pressemeldung der Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken e.V.

Die Ergebnisse unterscheiden sich stark zwischen den einzelnen

Stoffgruppen: Während beim Straßenaufbruch 93 Prozent und beim

Bauschutt 81,7 Prozent recycelt wurden, bleibt die Verwertung bei

Baustellenabfällen mit nur 2 Prozent Recycling sowie bei Bauabfällen

auf Gipsbasis (0 Prozent) eine Herausforderung. Von allen insgesamt

erfassten mineralischen Bauabfällen wurden 75,3 Millionen Tonnen

zu Recycling-Baustoffen aufbereitet. Damit deckten diese 13,3 Prozent

des Bedarfs an Gesteinskörnungen in Deutschland. Der größte

Teil dieser Recycling-Baustoffe fand wiederum Einsatz im Straßenund

Erdbau, knapp 20 Prozent wurden direkt in der Asphalt- und

Betonherstellung genutzt. “Das Monitoring belegt eindrucksvoll

die Fortschritte der Kreislaufwirtschaft im Bausektor”, heißt es im

Bericht.

Circular Economy im Bausektor gewinnt an

Bedeutung

Eine begleitende wissenschaftliche Untersuchung des Ludwig-Fröhler-Instituts

zeigt die Relevanz der Circular Economy:

Dort heißt es, dass die Bauwirtschaft weltweit rund 37 Prozent der

Treibhausgasemissionen verursacht - allein die Zementproduktion

macht etwa 7 Prozent aus (United Nations Environment Programme,

2023). Ressourcenschonung, Wiederverwendung und Recycling

sind daher zentrale Stellschrauben, um Klimaziele zu erreichen.

Der regulatorische Rahmen verschiebt sich dabei deutlich in

Richtung Kreislaufwirtschaft: Der EU-Aktionsplan für Kreislaufwirtschaft

und die Überarbeitung der Bauprodukteverordnung

zielen darauf ab, Baustoffe langlebiger, reparierbarer und leichter

wiederverwendbar zu machen. Auch verbindliche Rezyklatanteile

(verbindliche Mindestquoten für den Einsatz recycelter Materialien

in Bauprodukten) sind in der Diskussion. In Deutschland gilt seit

2023 die bundeseinheitliche Mantelverordnung, die erstmals klare

Standards für die Herstellung und den Einsatz von Recycling-Baustoffen

festlegt. Aktuell wird über eine Anpassung der Verordnung

beraten, die voraussichtlich Ende 2025 vorgelegt wird. Die Botschaft

ist klar: Ressourcen sind endlich - der Bausektor muss vom linearen

“Wegwerfmodell” auf echte Kreisläufe umschalten.

Beton im Fokus - Instandsetzung als Schlüssel

Beton ist der am häufigsten verwendete Baustoff weltweit und

gleichzeitig einer der ressourcen- und emissionsintensivsten. Hier

setzt die Arbeit der Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von

Betonbauwerken e.V. (BGIB) an: Die Instandsetzung bestehender

Bauwerke verlängert die Lebensdauer von Beton, spart Primärrohstoffe

und vermeidet klimaschädliche Emissionen, die beim Neubau

entstehen würden. Die Instandhaltung ist damit ein wichtiger

Bestandteil der Circular Economy im Bausektor.

“Die Zahlen verdeutlichen: Ohne Kreislaufwirtschaft im

Bauwesen sind Ressourcenschonung und Klimaschutz nicht

erreichbar. Besonders Betonbauwerke spielen dabei eine Schlüsselrolle.

Jede gelungene Instandsetzung spart enorme Mengen an

Energie, Rohstoffen und Kohlenstoffdioxid. Damit leisten unsere

Mitgliedsunternehmen einen direkten Beitrag zur Transformation

hin zu einer nachhaltigeren Bauwirtschaft,” sagt Marco Götze, Vorsitzender

der Bundesgütegemeinschaft für die Instandhaltung von

Betonbauwerken e.V..

Kleine Kniffe

29


Nachhaltiger Einkauf - Faire Beschaffung

Nachhaltigkeit in der öffentlichen Beschaffung –

Chancen, Erfolge und Ziele

Der öffentliche Einkauf hat ein enormes Potenzial für nachhaltige Entwicklung. Der Staat hat

mit seinem jährlichen Auftragsvolumen einen großen Hebel und damit die Chance, soziale

und ökologische Standards in globalen Lieferketten zu stärken und nachhaltige Innovationen

voranzutreiben. Verbindliche Vorgaben helfen dabei, die Arbeits- und Lebensbedingungen

weltweit zu verbessern. Gleichzeitig fördern sie den Klima- und Ressourcenschutz.

Verantwortungsvolle Auftragsvergaben sollen zur Norm werden. Ich sprach dazu mit Frau

Lucia De Carlo, Referatsleiterin Referat 120 - Nachhaltige Transformation globaler Lieferketten,

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Das Interview führte Thomas Heine

Welchen Beitrag kann die öffentliche Beschaffung zur

nachhaltigen Entwicklung leisten?

Der Bund, die Länder und die Kommunen in Deutschland geben

jedes Jahr einen dreistelligen Milliardenbetrag für Waren, Bau- und

Dienstleistungen aus. Das entspricht etwa 15 Prozent des Bruttoinlandproduktes.

Wir können die Beschaffung strategisch nutzen, um

Innovationen und nachhaltige Entwicklung zu fördern. Wenn die

öffentliche Hand diesen großen Hebel nutzt und mit gutem Vorbild

vorangeht, indem sie konsequent soziale und ökologische Kriterien

einfordert, kann sie echte Veränderungen anstoßen. Dadurch

etablieren sich neue Standards am Markt, die den Schutz der

Arbeiterinnen und Arbeiter gewährleisten und Umweltschutz

fördern. Der Staat steht zudem in der Verantwortung, seiner Schutzpflicht

nachzukommen und sicherzustellen, dass mit öffentlichen

Mitteln keine negativen Auswirkungen auf die Menschenrechte

verursacht oder begünstigt werden.

Auch heute arbeiten über eine Milliarde Menschen unter

menschenunwürdigen Bedingungen, darunter Millionen Kinder in

ausbeuterischer Kinderarbeit. Die Folgen der Erderwärmung spüren

wir immer deutlicher. Mit einem verantwortungsvollen Einkauf

können wir dem etwas entgegensetzen. Die Beschaffungsstellen sind

mächtige Akteure. Sie können mehr zu besseren Arbeitsbedingungen

und zum Klima- und Ressourcenschutz beitragen, als manchen

bewusst ist.

Wenn wir stärker darauf achten, wo die Produkte herkommen

und wie sie produziert wurden, tragen wir effektiv zu Umweltschutz,

zur Vermeidung von Kinderarbeit und zu fairen Produktionsbedingungen

bei.

Welche Ziele verfolgt das BMZ im Bereich nachhaltige

öffentliche Beschaffung und was wurde bereits getan?

Wir brauchen klare Vorgaben, die ressourcenschonende und faire

Produktionsweisen begünstigen. Das BMZ setzt sich für produktspezifische

und verbindliche Nachhaltigkeitsstandards ein.

Ein konkretes Beispiel: Ab dem Jahr 2026 sollen mindestens 50 Prozent

der Textilien in der Bundesverwaltung nachhaltig beschafft werden.

Durch konkrete Kriterien und Zielvorgaben und mit unterstützenden

Leitfäden, Schulungen und Beratungsangeboten arbeiten wir gemeinsam

mit den Beschaffenden auf dieses Ziel hin.

Das BMZ hat im Textilbereich Pionierarbeit geleistet. Mit dem

Leitfaden der Bundesregierung für eine nachhaltige Textilbeschaffung

der Bundesverwaltung und dem Stufenplan zur Steigerung der nachhaltigen

Beschaffung von Textilien durch Behörden und Einrichtungen

der Bundesverwaltung haben wir verbindliche soziale und ökologische

Mindestkriterien und Zielgrößen definiert. Zahlreiche Akteure aus der

öffentlichen Beschaffung melden uns, dass der Leitfaden die Umsetzung

von ökologischen und sozialen Kriterien erleichtert.

Ein wichtiger erster Schritt und Erfolg ist, dass die größten zentralen

Beschaffungsstellen des Bundes im Textilbereich ihre Vergabeunterlagen

bereits an die neuen Kriterien angepasst haben. Das Monitoring

zeigt, dass dadurch bereits erfolgreich nachhaltig beschafft werden

konnte. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit

(GIZ) berät und unterstützt bei der Umsetzung. Dort werden auch Schulungen

angeboten.

30 Kleine Kniffe


Foto: © Photothek/Thomas Trutschel

Das BMZ hat zudem verschiedene Instrumente entwickelt,

die die nachhaltige Beschaffung vorantreiben und neue Maßstäbe

setzen. Das staatliche Textilsiegel Grüner Knopf gibt beispielsweise

Auskunft, ob Unternehmen Verantwortung für die Einhaltung von

Sozial- und Umweltstandards in ihren Lieferketten übernehmen.

Die Online-Tools Kompass Nachhaltigkeit und Gütezeichenfinder

unterstützen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsstandards und

werden in der Vergabepraxis intensiv genutzt. Sie geben Beschafferinnen

und Beschaffern gezielt Orientierung bei der Ausgestaltung

von Vergabeverfahren und schaffen Transparenz zu glaubwürdigen

Nachweisen. Damit wird nicht nur ein Beitrag zum Umwelt- und

Arbeitsschutz gewährleistet, sondern auch verlässliche Rahmenbedingungen

für den Markt geschaffen. Einheitliche Standards sorgen

für Rechtssicherheit, fördern faire Wettbewerbsbedingungen und

reduzieren langfristig Kosten.

Können Sie mir ein konkretes Beispiel nennen?

Ein gutes Beispiel für die Anreizwirkung der genannten

Instrumente ist die Weiterentwicklung des Öko-Tex-Standards.

Dieser ist auf dem Markt ein sehr weit verbreiteter Standard und

wichtiges Siegel für die öffentliche Beschaffung. Die Kriterien

werden jährlich weiterentwickelt und in der letzten Revision gemäß

den Leitfadenkriterien angepasst, um diese noch breiter abzudecken.

Das zeigt, dass durch klare, verbindliche Anforderungen entsprechende

Standards angehoben werden, welche dann wiederum

durch einen breiten Markt bedient werden können. Dies hat große

Auswirkungen auf die Produktionsbedingungen. Konkret wurden

wichtige Kriterien wie der Ausschluss von Chlorbleichmitteln und

halogenierten Stoffen angepasst, was die Entstehung langlebiger, giftiger

und schwer abbaubarer Nebenprodukte verhindert. Stattdessen

werden alternative, schadstoffärmere Bleich- und Chemikalienverfahren

eingesetzt, sodass Umwelt- und Gesundheitsrisiken deutlich

reduziert werden, und letztlich auch entsprechende Folgekosten

eingespart werden.

Warum begünstigt ein nachhaltiger Einkauf auch

Innovationen und wer kann davon profitieren?

Nachhaltige Lösungen stärken nicht nur soziale und ökologische

Standards, sondern bieten selbstverständlich auch wirtschaftliche

Chancen und Wettbewerbsvorteile.

Nachhaltigkeit braucht Innovation und nachhaltige Lösungen

sind gleichzeitig auch innovativ.

Beide Aspekte sind eng verzahnt. Innovative und nachhaltige

Lösungen sind der Schlüssel, um mit der Herausforderung begrenzter

natürlicher, personeller und finanzieller Ressourcen umzugehen.

Die öffentliche Nachfrage nach nachhaltigen Produkten setzt Innovationsanreize

und erleichtert es den Unternehmen, neue Lösungen

zu skalieren.

Noch ein Beispiel: Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gehen

im Bereich Sorgfaltspflichten in der Vergabe erfolgreich voran. Nachhaltigkeit

ist erklärtes strategisches Ziel, um die Klimafreundlichkeit

Berlins zu verbessern und wirtschaftlich verantwortungsvolles

Handeln zu stärken. Nachhaltigkeitsaspekte sollen in jede Vergabe

einbezogen werden. Eine erste innovative Ausschreibung mit Kriterien

zur Einhaltung unternehmerischer Sorgfaltspflichten wurde

erfolgreich abgeschlossen. Konkret wurden Konzepte von den

Bietenden bewertet, beispielsweise zur Risikoanalyse und daraus

abgeleiteten Maßnahmen in den relevanten Lieferkettenstufen.

Kleine Kniffe

31


Foto: Näherin in der Textilfabrik der Firma Desta Garment in Addis Abeba, die für eine deutsche Handelskette produziert, Äthiopien, 2.12.2019 Urheberrecht© Photothek/Ute Grabowsky

Dabei hat die BVG die von der GIZ veröffentlichten Handreichungen

und den Austausch zur Gestaltung von Konzeptbewertungen als

sehr hilfreich bewertet. Zudem haben sich innovative Ansätze zur

Einbindung des Marktes, etwa in Form eines Bietendenkolloquiums,

als äußerst hilfreich erwiesen. Eine enge kommunikative Begleitung

wirkt sich sehr positiv auf die Akzeptanz und Motivation zur Weiterentwicklung

aus und im konkreten Fall wurden trotz der neuen

Anforderungen genauso viele Angebote eingereicht wie in der Vergangenheit.

Ein schönes Beispiel, das zeigt, dass es gemeinsam geht.

Wie wird sich das BMZ in Zukunft für die nachhaltige

öffentliche Beschaffung stark machen?

Ein besonderer Fokus liegt auf der Umsetzung dessen, was im

bestehenden Rechtsrahmen möglich ist. Denn das Vergaberecht

bietet große Gestaltungsspielräume, die es zu nutzen gilt.

Beschaffungsstellen, die sich um eine nachhaltige Vergabe

bemühen, werden aktiv unterstützt: durch Austauschformate,

Fortbildungen und individuelle Beratung. Zudem wollen wir entwicklungspolitische

Zukunftsthemen noch stärker in die Vergabe

einbinden. Aspekte wie menschenrechtliche Sorgfaltspflichten,

Geschlechtergerechtigkeit und existenzsichernde Löhne sind von

zentraler Bedeutung für faire Lieferketten. Diese sollen mehr Aufmerksamkeit

bekommen, da sie nicht nur maßgeblich zu langfristiger

Stabilität und sozialer Gerechtigkeit beitragen, sondern auch als

Fundament für künftige Standardsetzung dienen. Wir legen damit

den Grundstein für eine Vergabepraxis, die global Verantwortung

übernimmt und auf eine gerechtere, lebenswerte Zukunft ausgerichtet

ist, im eigenen Interesse.

Denn wir leben in herausfordernden Zeiten und es ist umso

wichtiger, verantwortungsvoll zu wirtschaften und resilienter zu

werden. Sorgfaltsprozesse helfen dabei, Reputations- und Lieferkettenrisiken

zu minimieren. Sie sind ein zentrales Instrument,

um Risiken systematisch zu identifizieren und zu adressieren, um

z. B. Produktionsstopps infolge von Menschenrechtsverletzungen

vorzubeugen. Sie fördern zudem den Aufbau vertrauensvoller,

langfristiger Partnerschaften mit Lieferanten und können somit die

Versorgungssicherheit verbessern. Das zahlt sich am Ende für alle

aus.

Das BMZ setzt sich weiterhin für eine Vergabetransformation

im Sinne der Nachhaltigkeit ein. Wichtig ist aber, dass durch neue

Anforderungen kein bürokratischer Mehraufwand entsteht und die

öffentliche Beschaffung insgesamt effizienter und unbürokratischer

ausgestaltet wird. Die beiden Aspekte der Vereinfachung und Nachhaltigkeit

können durch klare und einheitliche Mindeststandards gut

miteinander in Einklang gebracht werden.

Gleichzeitig setzen wir uns innerhalb der Bundesregierung dafür

ein, dass das EU-Vergaberecht vereinfacht wird, um durch klare

Vorgaben die Möglichkeiten zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten

zu stärken und die Kohärenz mit Regulierungen zu

Sorgfaltspflichten sicherzustellen.

Das Interview führte

Thomas Heine

Chefredakteur

www.nachhaltige-beschaffung.com

32 Kleine Kniffe


Nachhaltigkeit in der öffentlichen Beschaffung

Intention groß, Umsetzung klein:

Wie Kommunen die Nachhaltigkeitslücke schließen können

Unsere Studie „Nachhaltigkeit in der öffentlichen Beschaffung“ zeigt einen klaren Intention Action

Gap: Ziele und vergaberechtlicher Spielraum sind vorhanden, doch in der Praxis werden sie selten

genutzt. Laut Vergabestatistik wurden im Jahr 2021 nur bei 11 % der kommunalen Vergaben

Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt. Die TED-Daten zeigen für die Jahre seit 2012 sogar eine

stark rückläufige Tendenz (-41 %). Insgesamt 61 % der Verfahren wurden ausschließlich nach dem

Anschaffungspreis vergeben.

Ein Bericht von Marc Wolinda

Warum die Lücke? Die Studie identifiziert 16 Defizite in vier

Feldern. Besonders relevant sind fehlende Rechtssicherheit und

Verbindlichkeit, mangelnde Professionalisierung und strategische

Führung sowie ein Mitteldefizit.

Mit standardisierten Prozessen, einer Professionalisierung des

Einkaufs, strategischen Zielen und eines ganzheitlichen Wirtschaftlichkeitsprinzips

kann die Nachhaltigkeit in der öffentlichen

Beschaffung langfristig gestärkt werden.

Zudem stellen wir fest, dass Nachhaltigkeit bislang kaum

ganzheitlich gedacht wird. Umweltaspekte dominieren, soziale und

kreislaufwirtschaftliche Aspekte werden deutlich seltener beachtet.

Fünf „kleine Kniffe“ für große Wirkung:

1) MEAT statt „niedrigster Preis“. Zuschläge nach dem besten

Preis Leistungs Verhältnis (MEAT: Most Economically Advantageous

Tender) öffnen den Wettbewerb um nachhaltige Lösungen.

Die Festlegung von klaren Zuschlagskriterien und deren Gewichtung

ermöglichen eine rechtssichere Vergabe.

2) Lebenszykluskosten nutzen. Energie- , Betriebs- und

Entsorgungskosten machen viele Produkte langfristig günstiger.

Empfehlenswert sind Bewertungsmatrizen und die ihre Testung mit

priorisierten Warengruppen.

3) Kriterien standardisieren. Durch die Arbeit mit etablierten

Labels (z. B. Blauer Engel) und praxiserprobten Textbausteinen

sowie das Führen interner Muster Leistungsbeschreibungen und

Checklisten sinkt die Hemmschwelle für die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten

in Vergaben deutlich.

4) Kompetenzen bündeln. Zum Auf- und Ausbau von Kompetenzen

innerhalb der Verwaltung empfiehlt sich das Bilden von

„Green Teams“ aus Bedarf, Vergabe, Recht und Controlling sowie

die Schulung der Beschaffer:innen entlang von ProcurCompEU/

GreenComp. Bei komplexen Vergaben können Intermediäre wie

KOINNO hinzugezogen werden.

5) Wirkungen messen, ehrlich berichten. Durch die

Definition von wenigen Kennzahlen (z. B. Anteil MEAT Vergaben

mit Nachhaltigkeitskriterien) und die Veröffentlichung

der Monitoring-Ergebnisse wird die Akzeptanz von Nachhaltigkeitskriterien

erhöht. Zudem ermöglicht es Lerneffekte und

Steuerungsmaßnahmen in der Verwaltung.

Fazit:

Recht und Ambition allein reichen nicht. Wer Nachhaltigkeit

systematisch in Zuschlagsentscheidungen bringt, Kompetenzen

stärkt und Prozesse standardisiert, schließt die Lücke – ohne

Wirtschaftlichkeit zu gefährden, oft mit Effizienzgewinnen. Die

Kniffe sind umsetzbar – und bringen Kommunen vom guten Willen

zur messbaren Wirkung.

Autor

Marc Wolinda

Senior Project Manager

Nachhaltige Soziale

Marktwirtschaft

Bertelsmann Stiftung

Kleine Kniffe

33


Vergabereform 2025

Warum der neue Referentenentwurf der Bundesregierung

Chancen für die nachhaltige öffentliche Beschaffung verschenkt

Mit großer Ankündigung präsentiert das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz seinen

Referentenentwurf zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge. Was als notwendige

Modernisierung verkauft wird, liest sich stellenweise wie ein Rückzug ins Verfahrensrecht. Statt

Nachhaltigkeit zum festen Bestandteil öffentlicher Aufträge zu machen, bleibt sie eine Option unter

vielen. Eine vertane Chance? Die Analyse legt diesen Verdacht nahe.

Ein Bericht von Thomas Heine

Reform mit angezogener Handbremse

Die Bundesregierung will den Einkauf der öffentlichen Hand

vereinfachen, digitalisieren und beschleunigen – und das ist zunächst

zu begrüßen. Zu oft scheitern Projekte an überkomplexen Verfahren,

realitätsfernen Vorgaben und administrativer Überforderung,

gerade in kleineren Kommunen. Der Entwurf hebt deshalb unter

anderem die Wertgrenze für Direktvergaben auf 50.000 Euro an,

erlaubt Eigenerklärungen statt aufwendiger Nachweise und räumt

mit einigen Formalismen auf. Die Einsparprognose von jährlich über

250 Millionen Euro Verwaltungskosten ist beeindruckend.

Doch während die Verfahren verschlankt werden, bleiben zentrale

Inhalte unterentwickelt – insbesondere dort, wo Nachhaltigkeit

betroffen ist. Der Entwurf verfehlt es, soziale, ökologische und menschenrechtliche

Standards verbindlich zu machen. Nachhaltigkeit

wird rechtlich möglich, aber nicht strukturell notwendig. Das ist

eine Schwäche, die in Zeiten der planetaren Krise politisch wie

ökonomisch nicht zu rechtfertigen ist.

Digitalisierung: Fortschritt auf halbem Weg

Positiv fällt der Digitalisierungsansatz ins Auge. Der Entwurf

stärkt die elektronische Kommunikation über alle Verfahrensstufen

hinweg, von der Angebotsabgabe bis zum Nachprüfungsverfahren.

Zudem wird der „Datenservice Öffentlicher Einkauf“ beim Beschaffungsamt

des BMI als zentrale Plattform für Ausschreibungen

ausgebaut.

Aber auch hier offenbart sich eine Schieflage: Die Digitalisierung

bleibt auf die Prozessschicht beschränkt. Wo bleiben standardisierte

Nachhaltigkeitsdaten, der digitale Produktpass, die Integration von

CO₂- oder Kreislaufindikatoren in der Beschaffungsakte? Der Verzicht

auf diese Bausteine ist nicht technischer Natur – er ist politisch.

Die Chance, die Beschaffung zukunftsfähig und datenbasiert nachhaltig

zu gestalten, bleibt ungenutzt.

Nachhaltigkeit: eine verpasste

Systementscheidung

Der Entwurf enthält eine Ermächtigungsgrundlage, um künftig

Anforderungen an die klimafreundliche Beschaffung per Verordnung

zu regeln. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung – aber

ein sehr kleiner. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ taucht im Gesetzestext

fast ausschließlich im Kontext von Wirtschaftlichkeit auf. Eine

systematische Verankerung ökologischer, sozialer oder menschenrechtlicher

Standards bleibt aus.

Gerade letzteres ist irritierend: Weder die menschenrechtlichen

Sorgfaltspflichten aus dem Lieferkettengesetz noch die Berichtsstandards

der CSRD finden einen Niederschlag. Dabei hatte die Initiative

„Aktiv für eine nachhaltige öffentliche Beschaffung“ im Rahmen

der Konsultation 2023 vorgeschlagen, Unternehmen ohne gesetzeskonforme

Nachhaltigkeitsberichterstattung künftig von Vergaben

auszuschließen. Der Entwurf greift diese Forderung nicht auf – ein

Rückschritt hinter internationale Standards.

Kreislaufwirtschaft und Dekarbonisierung – im

Konjunktiv

Die Bundesregierung bekennt sich im Begründungsteil des

Gesetzes zur Förderung klimafreundlicher Produkte wie CO₂-reduziertem

Stahl oder emissionsarmem Zement. Doch auch hier fehlt

die Verbindlichkeit. Es bleibt dem Ermessen künftiger Rechtsverordnungen

überlassen, ob, wann und wie entsprechende Vorgaben

eingeführt werden. Für zentrale Transformationsziele wie die

Kreislaufwirtschaft oder die systematische CO₂-Bewertung von

Produkten fehlt jede Regelung.

34 Kleine Kniffe


Foto: depositphotos

Die Initiative hatte konkrete Vorschläge gemacht – etwa die verpflichtende

Nutzung von Rezyklaten mit kurzen Transportwegen

oder die Einbeziehung von Rücknahme- und Reparaturkonzepten

in Ausschreibungen. Nichts davon ist im Entwurf wiederzufinden.

So bleibt auch die Dekarbonisierung ein Thema für Fachgespräche,

nicht für die Praxis.

Start-ups und Mittelstand: immerhin adressiert

Eine der wenigen Stellen, an denen sich der Entwurf den

Forderungen der Stakeholder sichtbar nähert, ist die Einbeziehung

kleiner und junger Unternehmen. Die Teilnahmevoraussetzungen

werden vereinfacht, Begründungspflichten für die Auswahl reduziert,

und die Nutzung von Eigenerklärungen erleichtert den Zugang.

Das ist ein wichtiges Signal – und ein Baustein für mehr Innovation

in der öffentlichen Beschaffung.

Gleichzeitig mahnt die Initiative zu Recht: Ohne differenzierte

Eignungsanforderungen könnten auch Start-ups von Ausschreibungen

ausgeschlossen bleiben – etwa, wenn CSR-Berichtspflichten

pauschal gefordert werden. Der Entwurf berücksichtigt diese Problematik

nicht ausdrücklich. Auch hier wäre mehr Feingefühl für

marktseitige Realitäten wünschenswert gewesen.

Damit bleibt das zentrale Instrument zur Steuerung der Transformation

in der Verwaltung – das öffentliche Beschaffungswesen

– blind auf dem Auge der Wirkung. Eine moderne, zielorientierte

Verwaltung braucht aber genau das Gegenteil: Steuerungsfähigkeit

durch Evidenz. Hier wäre es dringend notwendig, Nachhaltigkeit

auch im Monitoring gesetzlich zu verankern.

Fazit: Ein mutloser Modernisierungsvorschlag

Der Referentenentwurf zur Vergabereform 2025 löst zentrale

Probleme des Beschaffungswesens – aber nur auf der

Verfahrensebene. Wer sich davon einen wirklichen Impuls für

nachhaltige Entwicklung, Klima- und Ressourcenschutz oder

soziale Gerechtigkeit erhofft hatte, wird enttäuscht. Die strukturellen

Stellschrauben, mit denen der Staat seine Marktmacht nutzen

könnte, bleiben unangetastet. Die notwendige Transformation des

Beschaffungswesens wird vertagt – auf unbestimmte Zeit, auf ungewisse

Verordnungen, auf ein späteres politisches Bekenntnis.

Dabei steht zu viel auf dem Spiel: 500 Milliarden Euro jährlich

geben deutsche öffentliche Auftraggeber aus. Wer diese Summe nicht

konsequent an nachhaltigen Zielen ausrichtet, verspielt Handlungsspielraum,

Glaubwürdigkeit und letztlich auch Zukunftsfähigkeit.

Monitoring: Daten ja – Wirkung nein?

Mit der Reform wird das Monitoring der Vergabe gestärkt. Die

zentrale Plattform wird verpflichtend ausgebaut, die Vergabestatistik

konsolidiert. Das ist ein Fortschritt – allerdings vor allem für

die quantitativen Aspekte der Vergabe. Nachhaltigkeitsindikatoren,

Wirkungsmessung, Berichterstattung zur sozialen oder ökologischen

Wirkung der Beschaffung? Fehlanzeige.

Autor

Thomas Heine

Chefredakteur

www.nachhaltige-beschaffung.com

Kleine Kniffe

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Green Public Procurement in Europe

Öffentliche Beschaffung:

Wirkungsentfaltung jenseits von Paragrafen

Öffentliche Vergabe braucht strategische Beschaffung statt bloßen Fokus auf Rechtsvorschriften. Unter

Spardruck und einander scheinbar widersprechenden Zielsetzungen entscheidet die Fähigkeit, Bedarf und

Markt richtig zu „lesen“ und zu verstehen, wie Nachhaltigkeit, Innovation, KMU und Regionalität mit dem

Streben nach dem besten Kosten-/Qualitätsverhältnis, Verfügbarkeit und Rechtssicherheit vereinbar sind.

Ein Bericht von Jürgen Jonke

Doch wie gelingt das im Ausschreibungsalltag?

Ausgangspunkt ist die Bedarfsanalyse: Bedarfe erheben, hinterfragen,

validieren und konsolidieren.

Darauf aufbauend folgt eine umfassende Marktanalyse:

• Wer ist der Markt?

• Wie ist seine Struktur?

• Was kann er leisten?

• Was gilt als marktüblich?

• Wie wirken gesellschaftspolitische Ziele auf den Wettbewerb?

• Wo ist der „Sweet-Spot“? – Jener Bereich, wo Angebot und

Bedarf die größte Deckung bei maximalem Wettbewerb aufweisen.

Auf dieser Basis wird die

Verfahrenszielsetzung definiert: Was soll das

Ergebnis des Vergabeverfahrens sein?

Hier sind bereits erste Ansätze für ein „Sowohl-als-auch“

divergenter Zieldimensionen auszuarbeiten. Lassen sich einzelne

Zielkonflikte nicht vollständig auflösen, ist bereits hier eine klare

„Entweder-oder“-Entscheidung zu treffen, um den Fokus früh auf

die konkreten Gestaltungsspielräume zu lenken.

Es folgt die Entwicklung einer Ausschreibungsstrategie: Die

detaillierte Ausarbeitung, wie die definierte Verfahrenszielsetzung

erreicht werden soll. Dies beinhaltet u.a. eine weiterführende Produktanalyse

mit Festlegungen z.B. zu Losteilung oder Lieferlogistik,

eine TCO-Analyse, eine Analyse der Kostenstruktur bzw. -treiber

und Margen, die konkreten gesellschaftspolitischen Maßnahmen

sowie die Identifikation der passenden Beschaffungshebel (methodische,

verfahrens- bzw. vertragsspezifische). Weiters die Festlegung

der Eignungs-, Auswahl- und Bewertungskriterien, der Preisanpassungsmodalitäten

sowie der übrigen Vertragsinhalte.

Erst dann, nach Vorliegen und Abnahme einer umfassenden

Ausschreibungsstrategie, sollte die Ausarbeitung der Verfahrensunterlagen

erfolgen.

Als Bereichsleiter „Strategische Beschaffung“ bei der Bundesbeschaffung

GmbH sehe ich folgende erfolgskritische

Faktoren in der öffentlichen Beschaffung:

• Eine schlagkräftige Organisationsstruktur mit klar

definierten Prozessen und Verantwortlichkeiten in allen

Phasen des Vergabeverfahrens

36 Kleine Kniffe


Foto: depositphotos

• Strategische Einkäuferinnen und Einkäufer mit hoher

Fach- sowie strategischer Einkaufskompetenz zur

Gewährleistung des Kraftschlusses von Verfahrenszielsetzung

und Vertrag

• Lösungsorientierte Vergabejuristinnen und -juristen zur

Beratung im Zuge der Strategieentwicklung und Unterlagenerstellung

• Dokumentation der Verfahrensgenese und Lessons-

Learned als Basis für die eigene Weiterentwicklung, denn

nach der Ausschreibung ist vor der Ausschreibung.

Weitere Informationen

Die Bundesbeschaffung GmbH (BBG) ist der

verlässliche Lösungspartner in Beschaffungsfragen für

den Bund sowie für Bundesländer, Städte und Gemeinden,

ausgegliederte Unternehmen, Einrichtungen aus dem

Gesundheits- und Bildungsbereich, Feuerwehren

u. v. m. Als zentraler Einkaufspartner bieten wir ein

umfassendes Produkt- und Dienstleistungsportfolio

für öffentliche Auftraggeber. in Österreich

Öffentliche Beschaffung ist professionelles Handwerk

auch jenseits von Paragrafen – und das will beherrscht

werden.

Über den Autor

Autor

Jürgen Jonke

Leiter des Bereichs

Strategische Beschaffung in der

Bundesbeschaffung GmbH (BBG)

Jürgen Jonke trat im August 2001 in die BBG ein. Seit

Anfang 2017 ist er als Bereichsleiter strategische

Beschaffung für die einkaufsstrategischen

Belange und damit für die inhaltliche

Weiterentwicklung aller BBG-Beschaffungsgruppen

und Ausschreibungsthemen zuständig.

Kleine Kniffe

37


Transformation der Beschaffung

Jenseits des Fetischs der Vereinbarung:

Der nächste Schritt im öffentlichen Beschaffungswesen

Seit Jahrzehnten ist das öffentliche Beschaffungswesen in einem ritualisierten Wettlauf

gefangen: dem unermüdlichen Streben nach der perfekten Vereinbarung. Allzu oft wird die

Beschaffung wie ein Fetisch behandelt – ein Streben nach einem unterzeichneten Vertrag, gefolgt

von einem hastigen Rückzug, sobald die Tinte getrocknet ist. Das Ergebnis? Ein System, das von

Compliance und Prozessen besessen ist, aber allzu oft blind dafür ist, was nach Abschluss des

Geschäfts geschieht.

Ein Beitrag von Arjen van Berkum

Es ist Zeit für eine Revolution. Der nächste Schritt im öffentlichen

Beschaffungswesen besteht nicht darin, Strategien in

endlosen Whitepapers zu verfeinern oder dem neuesten theoretischen

Modell nachzujagen. Es geht darum, das Beschaffungswesen

von einem transaktionalen Gatekeeper zu einer echten Projektmanagement-Kraft

zu transformieren – einer Kraft, die den gesamten

Lebenszyklus der Wertschöpfung umfasst, nicht nur die Phase vor

der Vergabe.

Beschaffung ist Projektmanagement – oder

sollte es zumindest sein

Öffentliche Beschaffung ist im besten Fall eine Projektmanagement-Organisation.

Jede Ausschreibung, jede Rahmenvereinbarung,

jede Partnerschaft ist ein eigenständiges Projekt – komplex, mit

vielen Beteiligten und voller Risiken. Doch allzu oft werden Beschaffungsteams

darauf trainiert, sich auf Prozessmeilensteine und die

Einhaltung gesetzlicher Vorschriften zu konzentrieren, anstatt auf

die disziplinierte Ausführung und Lieferung, die ein hervorragendes

Projektmanagement ausmachen.

Die eigentliche Chance liegt nach der Vergabe. Hier wird Wert

realisiert, entstehen Risiken und gedeiht oder scheitert Innovation.

Vertragsmanagement ist kein Teilbereich der Beschaffung,

sondern eine eigenständige Disziplin nach der Vergabe, die eigene

Fachkenntnisse, Werkzeuge und Denkweisen erfordert. Wenn der

öffentliche Sektor vorankommen will, muss er die Beschaffung nicht

mehr als Ziellinie betrachten, sondern als Startblock für eine kontinuierliche

Wertschöpfung.

Konkrete Best Practices für die neue Ära

1. Integrieren Sie das Projektmanagement

in die Beschaffungsteams

Statten Sie Beschaffungsfachleute mit formellen Projektmanagement-Schulungen

und -Tools aus. Machen Sie

Projektmanagement-Methoden (Agile, PRINCE2, IPMA) zur Standardpraxis

und nicht zu einer nachträglichen Idee. Behandeln Sie

jede Beschaffung als Projekt mit klaren Rollen, Verantwortlichkeiten,

Zeitplänen und KPIs, die weit über die Vertragsunterzeichnung

hinausgehen.

2. Richten Sie spezielle Funktionen für das

Vertragsmanagement nach der Vergabe ein

Trennen Sie das Vertragsmanagement von der Beschaffung.

Schaffen Sie spezialisierte Rollen, die sich auf Beziehungsmanagement,

Leistungsüberwachung, Risikominderung und kontinuierliche

Verbesserung konzentrieren. Nutzen Sie Vertragsmanagement-Plattformen,

um Verpflichtungen zu verfolgen, Ergebnisse zu messen

und die Zusammenarbeit zwischen Lieferanten und internen Stakeholdern

zu ermöglichen.

3. Schaffen Sie Mehrwert durch

Zusammenarbeit, nicht nur durch Compliance

Gehen Sie über das Abhaken von Checklisten hinaus. Fördern

Sie eine Kultur der Partnerschaft mit Lieferanten, in der beide

Seiten Anreize haben, innovativ zu sein, Probleme zu lösen und

sich an veränderte Bedürfnisse anzupassen. Nutzen Sie regelmäßige

Leistungsbewertungen, gemeinsame Verbesserungsworkshops

und transparente Kommunikation, um Vertrauen aufzubauen und

Ergebnisse zu erzielen.

38 Kleine Kniffe


Foto: depositphotos

4. Nutzen Sie Daten und Technologie für

die Echtzeitüberwachung

Implementieren Sie digitale Tools für das Vertragslebenszyklusmanagement,

die Ausgabenanalyse und die Verfolgung der

Lieferantenleistung. Nutzen Sie Dashboards und automatisierte

Warnmeldungen, um Risiken und Chancen zu erkennen, bevor sie

eskalieren. Machen Sie datengestützte Entscheidungen zur Norm in

jeder Phase des Beschaffungs- und Vertragsmanagementprozesses.

5. Fördern Sie ergebnisorientierte

Beschaffung

Wechseln Sie von inputbasierten Spezifikationen zu ergebnisorientierten

Verträgen. Definieren Sie Erfolg anhand der tatsächlichen

Auswirkungen und nicht nur anhand der Ergebnisse. Nutzen Sie

flexible Vertragsmodelle, die Anpassungen, Innovationen und eine

gemeinsame Risiko-/Gewinnbeteiligung ermöglichen.

Umsetzbare Empfehlungen für

Entscheidungsträger

• Überprüfen und verfeinern Sie kontinuierlich die Praktiken

nach der Vergabe. Lernen Sie aus jedem Projekt, tauschen Sie

bewährte Verfahren aus und schaffen Sie eine Kultur der Verbesserung.

Der Weg in die Zukunft

Die Zukunft des öffentlichen Beschaffungswesens liegt nicht

in mehr Regeln, Checklisten oder theoretischen Debatten. Sie liegt

darin, den gesamten Projektlebenszyklus zu berücksichtigen, von

der Beschaffung über die Lieferung bis hin zur kontinuierlichen

Verbesserung. Die eigentliche Arbeit – und die eigentliche Chance

– beginnt nach der Vertragsunterzeichnung.

Wenn wir dem öffentlichen Sektor besser dienen wollen,

ist es an der Zeit, aufzuhören, den Vertrag zu fetischisieren, und

stattdessen den gesamten Prozess zu managen. Lassen Sie uns das

Projektmanagement und das Vertragsmanagement nach der Vergabe

zum Herzstück des öffentlichen Beschaffungswesens machen. Nur

dann können wir den Wert, die Innovation und die Wirkung liefern,

die unsere Gemeinden verdienen.

• Hören Sie auf, Vertragsunterzeichnungen als Siege zu feiern.

Beginnen Sie, den Erfolg anhand des über die Vertragslaufzeit

erzielten Mehrwerts zu messen.

• Investieren Sie in Menschen, nicht nur in Prozesse. Bilden Sie

Ihre Beschaffungsteams in den Bereichen Projektmanagement,

Verhandlung und Beziehungsaufbau weiter.

• Beseitigen Sie Silos. Integrieren Sie Beschaffung, Vertragsmanagement

und Projektmanagement in eine nahtlose, durchgängige

Wertschöpfungskette.

• Halten Sie Lieferanten – und sich selbst – für Ergebnisse verantwortlich,

nicht nur für die Einhaltung von Vorschriften.

Autor

Arjen van Berkum

Keynote speaker &

technology evangelist

https://www.arjenvanberkum.nl/

Kleine Kniffe

39


Indirekte Beschaffung

Nachhaltig beschaffen im öffentlichen Sektor:

Indirekte Einkäufe zwischen Anspruch und Praxis

Während Großprojekte und Infrastrukturinvestitionen öffentliche Aufmerksamkeit erhalten,

findet die eigentliche Nachhaltigkeitstransformation oft im Verborgenen statt: bei der

indirekten Beschaffung. Sie umfasst alle Güter und Dienstleistungen, die nicht direkt in die

Kernleistung einer Organisation einfließen, aber für den Betrieb unverzichtbar sind – etwa

Büromaterial, IT-Ausstattung, Reinigungsmittel, Fahrzeuge und Dienstleistungen. Diese

scheinbar nebensächlichen Einkäufe summieren sich zu enormen Mengen und haben erhebliche

Umweltwirkungen.

Ein Bericht von Natalia Parmenova

Öffentliche Verwaltungen, Hochschulen und kommunale

Betriebe stehen daher vor der Aufgabe, ihre Beschaffung konsequent

nachhaltig auszurichten. Dass dies längst Teil ihres

Leistungsauftrags ist, zeigen zum Beispiel die Initiative „Green Public

Procurement (GPP)“ [1] der Europäischen Kommission und das

deutsche Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) [2]. Die GPP empfiehlt

dem öffentlichen Sektor, Produkte mit geringerer Umweltbelastung

über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu bevorzugen, während

das KrWG diesen sogar verpflichtet, nachhaltigen Produkten den

Vorzug zu geben.

Warum Nachhaltigkeit

in der indirekten Beschaffung kritisch ist

Nachhaltigkeit ist gerade für die indirekte Beschaffung

besonders relevant, da diese drei charakteristische Eigenschaften

aufweist: hohe Mengen durch dezentrale Beschaffung, geringe

Einzelwerte mit entsprechend wenig Aufmerksamkeit und repetitive

Kaufentscheidungen, die sich über Jahre multiplizieren. Ihre

Umweltwirkung wird erst bei der Betrachtung der Gesamtmengen

sichtbar. Recyclingpapier statt herkömmliches Papier, umweltzertifizierte

Reinigungsmittel oder energieeffiziente IT-Geräte – jede

einzelne Entscheidung mag marginal erscheinen, multipliziert sie

sich jedoch, entsteht eine beträchtliche Gesamtwirkung.

Im Kern gilt deshalb: Jede Kaufentscheidung bestimmt

mit, welche Produkte und Dienstleistungen genutzt werden

– und welche Wirkungen sie über Jahre hinweg entfalten. Nachhaltigkeitsziele

beziehen sich dabei sowohl auf ökologische als

auch auf soziale und wirtschaftliche Aspekte. Dazu gehören etwa

Energieeffizienz, Reparierbarkeit und Langlebigkeit, die Achtung

von Arbeits- und Menschenrechten in der Lieferkette sowie eine

wirtschaftliche Betrachtung über Total Cost of Ownership (TCO).

Entscheidend ist die Übersetzung dieser Ziele in den operativen

Alltag: Nachhaltigkeitskriterien müssen messbar sein und sich in

Vergabeunterlagen abbilden lassen. Außerdem muss während des

gesamten Einkaufsprozesses überprüfbar bleiben, ob diese Kriterien

eingehalten werden. Nur so entstehen echte Verbesserungen, die

sich auch dokumentieren und in Berichten darstellen lassen.

Hürden durch Recht, Organisation und Budget

Die Nachhaltigkeitstransformation ist anspruchsvoll. Indirekte

Güter werden häufig dezentral von Mitarbeitenden bestellt, die

keine Beschaffungsexperten sind. Sie haben weder die Zeit noch

das Fachwissen, um komplexe Nachhaltigkeitskriterien zu prüfen.

Hinzu kommt die fragmentierte Lieferantenlandschaft: Während

bei Großaufträgen wenige spezialisierte Anbieter dominieren, konkurrieren

im Bereich der Standardartikel zahlreiche Lieferanten

mit sehr unterschiedlichen Umwelt- und Sozialstandards. Deren

Bewertung und Überwachung überfordert viele Verwaltungen.

Das Vergaberecht verschärft die Situation zusätzlich, da vergaberechtliche

Anforderungen komplex sind und nachvollziehbare

Entscheidungen verlangen.

40 Kleine Kniffe


Foto: depositphotos

In der Praxis trifft dies auf gewachsene Einkaufslandschaften mit

parallelen Portalen, Medienbrüchen und uneinheitlichen Workflows.

Das macht Orientierung für Gelegenheitsnutzer ebenso schwierig

wie die Auswertung für Einkauf und Buchhaltung. Wo Prozesse

nicht durchgängig digital sind, entstehen Rückfragen, Dopplungen

und Intransparenz – genau dort, wo Nachhaltigkeitskriterien

eigentlich systemisch greifen sollten. Hinzu kommt die Budgetperspektive:

Ohne Lebenszyklus- und TCO-Sicht erscheinen nachhaltige

Optionen oft teurer, obwohl sie Betrieb und Entsorgung über Jahre

entlasten können. Kurz: Strategischer Anspruch und operative

Realität fallen auseinander, wenn Governance, Daten und Nutzerführung

nicht zusammenspielen.

Nachhaltigkeit systemisch verankern

Nachhaltigkeit lässt sich in der Beschaffung nur dann wirksam

umsetzen, wenn die Prozesse selbst transparent, konsistent und digital

unterstützt sind. Denn ohne klare Datenbasis und systemgestützte

Abläufe können Nachhaltigkeitskriterien weder zuverlässig geprüft

noch ausgewertet werden. Um die Lücke zwischen Anspruch und

Realität zu schließen, muss Nachhaltigkeit deshalb auch als Standard

im Beschaffungssystem verankert sein. Das gelingt, wenn

nachhaltige Produkte bereits in Katalogen, Rahmenverträgen und

Plattformen voreingestellt sind. So greifen Mitarbeitende automatisch

auf umweltfreundliche Optionen wie Recyclingpapier,

energieeffiziente Geräte und umweltzertifizierte Reinigungsmittel

zurück, ohne zusätzlichen Aufwand. Entscheidend hierfür ist die

Vorarbeit des Beschaffungsmanagements. Rahmenverträge müssen

so gestaltet werden, dass sie nachhaltige Produkte bevorzugen oder

ausschließlich enthalten. Lieferanten werden anhand ihrer Umweltund

Sozialstandards ausgewählt, und Produktkataloge werden

gezielt gepflegt.

Ergänzend braucht es klare Governance-Leitplanken. Rollen

und Zuständigkeiten müssen eindeutig geregelt, Anforderungen als

Kriterien definiert und mit Nachweisen abgesichert werden. Operativ

ist ein digitales Beschaffungssystem mit zentralem Einstiegspunkt

(Single-Entry-Point) für alle Bedarfe sinnvoll. Verbunden mit einer

Echtzeit-Validierung gegen ERP-Daten, sorgt dieses dafür, dass Budgets,

Verträge und Rollen bereits bei der Bedarfserfassung geprüft

werden. Wirksam sind zudem Guided-Buying-Prinzipien und

strukturierte Freitextanforderungen, da sie unterschiedliche Nutzergruppen

intuitiv durch den Beschaffungsprozess führen, Rückfragen

reduzieren und die Datentiefe schaffen, die nachhaltige Steuerung

und Berichterstattung erfordern.

Praxisbeispiel: Digitale Beschaffung an einer

Hochschule

Ein Beispiel dafür, wie solche digitalen Grundlagen in der

Praxis geschaffen werden, zeigt die digitale Transformation einer

technischen Hochschule. Diese beschafft ein sehr breites Spektrum

– von Büroartikeln und Dienstleistungen bis hin zu hochspezialisierten

Laborgeräten. Über Jahre hinweg gewachsene Strukturen mit

Kleine Kniffe

41


Foto: Natalia Parmenova

parallelen Systemen erschwerten jedoch Transparenz, Auswertung

und Schulbarkeit. Deshalb startete die Hochschule ein Transformationsprojekt,

um die Einkaufskanäle zu standardisieren, durchgängig

zu digitalisieren und in SAP zu integrieren.

Den Auftrag erhielt BeNeering [3], ein Anbieter von KI-gestützten

digitalen Beschaffungslösungen, der mit Echtzeit-Integration in

SAP, katalogübergreifender Suche und Abbildung der spezifischen

Vergabe- und Genehmigungslogik überzeugte. Die Einführung

erfolgte zunächst schrittweise mit Workshops, Testphasen und Rollenkonzept

und wurde anschließend produktiv gestartet.

Das Ergebnis ist ein zentraler Einstiegspunkt über das bestehende

Single-Sign-On und das SAP-Fiori-Launchpad. Dort wurden

die wesentlichen Beschaffungskanäle gebündelt: katalogisierte

Artikel, Ausschreibungen, Bestellungen aus dem Zentrallager,

Rahmenverträge sowie strukturierte Freitextanforderungen. Alle

Prozesse laufen systemgestützt im Hintergrund und vergabe- und

haushaltsrechtliche Vorgaben werden automatisch geprüft. Dadurch

verringern sich Rückfragen, der Datenfluss wird konsistent und

Auswertungen sind in Echtzeit möglich.

Nachhaltige indirekte Beschaffung wird dann zur Realität, wenn

sie im System fest etabliert wird. Dies erfordert die strategische

Neuausrichtung der Beschaffungsprozesse, bei der Umwelt- und

Sozialkriterien nicht nachträglich geprüft, sondern von vornherein

integriert werden. Moderne Technologie macht es möglich, diese

Kriterien nutzerfreundlich und effizient umzusetzen. Das Transformationsprojekt

der Hochschule zeigt, wie ein zentraler Einstiegspunkt,

konsolidierte Kanäle und Echtzeit-Integration die Beschaffung zugleich

rechtssicherer und steuerbarer machen – und damit nachhaltige

Entscheidungen im Alltag erleichtern.

Links und Quellen:

[1] https://green-forum.ec.europa.eu/green-business/

green-public-procurement_en

[2] https://www.bundesumweltministerium.de/gesetz/kreislaufwirtschaftsgesetz

[3] https://www.beneering.com/

Fazit

Autorin

Natalia Parmenova

Chief Revenue Officer bei BeNeering

https://www.beneering.com/

42 Kleine Kniffe


Kreislaufwirtschaft

Zusammenarbeit, Zusammenhalt und gute Kommunikation

zwischen allen Akteuren in der Region führt zu Resilienz

Behörden sind oft unter Druck. Besonderer Druck herrscht, wenn Umweltkatastrophen eine Region

treffen und Behörden aus Krisenmanager*innen auftreten müssen. Gut für den, der auf derartige

Situationen vorbereitet ist und einen Plan für Klimaanpassung hat.

Ein Beitrag von Eveline Lemke

Auch deshalb hat Land Rheinland-Pfalz hat hier weit reichende

Weichen gestellt, hier sollen Klimaanpassungsmanager*innen alle

Belange strategisch und nachhaltig in der Verwaltung verankern.

Ob Hitzeaktionsplan, Begrünungsmaßnahmen, Starkregenvorsorge

oder die Erstellung und Bericht über den Status des Erreichten

bei. Die Gesetzgebung zu kritischer Infrastruktur verlangt weitere

Vorsorgepläne und Risikoeinschätzungen.

Im Ahrtal hätten 2021 derartige Vorsorgepläne und bessere

Risikobetrachtung sicherlich konkret Menschenleben bei der Flutkatastrophe

gerettet. Das war eine wesentliche Erkenntnis aller

Untersuchungen, ebenso wie im spanischen Valencia im Jahr 2024.

Beide Regionen beschreiten nun neue Wege und suchen einen

Erfahrungsaustausch. So trafen sich Vertreter*innen aus beiden

Regionen an der Umweltlernschule Plus des AWB Niederzissen und

zur Konferenz auf dem Campus Remagen der Hochschule Koblenz.

Hierbei wurden umfangreiche Studien und Vergleiche der Regionen

von Wissenschaftler*innen vorgestellt.

Die Teilnehmenden betonten alle in ähnlicher Weise die

Bedeutung sektorübergreifender Kooperation, auch mit Freiwilligendiensten

und der Zivilgesellschaft. Der entscheidende Faktor sei

aber der Zusammenhalt innerhalb der Region. Eine weitere Lehre

ist, dass die umgesetzten Sicherheitsmaßnahmen vom Prinzip der

Zusammenarbeit zwischen den Verwaltungen geleitet werden

müssen – eine Variable, die bei keiner der beiden Katastrophen

vollständig funktioniert hat.

Austausch tut Not

Das Fazit der Veranstaltung, an der rund 100 Fachleute

teilnahmen und bei der sie auch mit dem Staatssekretär des Umweltministeriums,

Michael Hauer, und der Europaabgeordneten Jutta

Paulus (Die Grünen) zusammentrafen, lautet: „Es ist notwendig,

den direkten Austausch zwischen den Betroffenen, den Managern

des Wiederaufbaus in den Kommunen, der Wissenschaft und den

Behörden zu führen.“ Gegenseitiger Erkenntnisgewinn helfe bei der

Einordnung der eigenen Herausforderungen und ermögliche Lernen

durch die Betrachtung von außen. „Dafür wollen sich die Beteiligten

weiter einsetzen“, sagt Veranstalterin Eveline Lemke von Thinking

Circular®.

Weitere Informationen

Hier finden Sie das Abschlusspapier:

https: /thinking-circular.com/wp-content/

uploads/2025/07/Ergebnispapier-4.7.-DEENES.pdf

Autorin

Eveline Lemke

Thinking Circular®

Sustainability and

Circular Economy Consulting

e.lemke@thinking-circular.com

Kleine Kniffe

43


Kreislaufwirtschaft

Interview mit Carsten Träger,

Staatssekretär im BMUKN

Das Bundesumweltministerium hat den Entwurf eines Aktionsprogramms zur Umsetzung der

Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) vorgestellt. Das Aktionsprogramm bündelt

priorisierte Maßnahmen, die bereits bis Ende 2027 greifen sollen: Darunter eine stärkere

Investitionsförderung, eine Digitalisierungsinitiative, der Abbau bürokratischer Hemmnisse

und eine zirkuläre öffentliche Beschaffung. Im Gespräch mit Carsten Träger, Staatssekretär im

Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit wollte ich

wissen, welche Rückschlüsse sich daraus für den öffentlichen Einkauf ergeben

Das Interview führte Thomas Heine

Herr Staatssekretär, die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie

setzt das ambitionierte Ziel, den

Primärrohstoffverbrauch bis 2045 zu halbieren. Welche

konkreten Meilensteine haben Sie für die Beschaffung

in den nächsten fünf Jahren definiert, um dieses Ziel zu

erreichen?

Die meisten Produkte entstehen heute aus primären Rohstoffen.

Diese werden am anderen Ende der Welt abgebaut und gelangen

auf langen Wegen in die Produktion. Das ist fatal für die Umwelt

und unser Klima. Es ist also unerlässlich, dass wir den Verbrauch

primärer Rohstoffe senken und mehr und mehr auf Recyclingprodukte

setzen. Für diese Trendwende ist die öffentliche Beschaffung

ein enorm wichtiger Hebel. Das hat auch die Bundesregierung

erkannt: Mit der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS)

sollen Recyclingprodukte und die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft

stärker als bisher Vorrang in der Beschaffung bekommen. Dazu

werden wir bestehende Regularien anpassen, um Kreislaufwirtschaft

in der öffentlichen Beschaffung rechtlich zu verankern, z.B. mit

einer neuen Verwaltungsvorschrift Klima und Umwelt. Außerdem

verbessern wir den Beschaffungsprozess mit digitalen Tools und digitalisiertem

Monitoring. Und wir flankieren die Maßnahmen mit

passgenauer Forschungs- und Innovationsförderung.

Sie bezeichnen die öffentliche Beschaffung als “zentralen

Nachfragehebel” mit einem Volumen von 500

Milliarden Euro jährlich. Wie wollen Sie diese Marktmacht

strategisch einsetzen, um Sekundärrohstoffe und

Rezyklate in der Privatwirtschaft marktfähig zu machen?

Beschaffungen der öffentlichen Hand machen rund 15 Prozent

des deutschen Bruttoinlandsprodukts aus. Jede Neuausrichtung der

öffentlichen Beschaffung wirkt sich also direkt auf die unterschiedlichen

Märkte aus. Diese Trendwende zu mehr Kreislaufwirtschaft

gelingt, wenn wir die Anforderungen bei Beschaffungen auf allen

Ebenen der Verwaltung harmonisieren und vereinheitlichen. Dafür

sorgen entsprechende Regeln im Kreislaufwirtschaftsgesetz und im

Klimaschutzgesetz: Sie verpflichten die Behörden des Bundes dazu,

bevorzugt Produkte und Dienstleistungen zu beschaffen, die klimafreundlich

bzw. ressourcenschonend sind. Weitere Verbesserungen

soll die neue Allgemeine Verwaltungsvorschrift Klima und Umwelt

schaffen, die alle Umweltaspekte, neben dem Klimaschutz vor allem

den Ressourcenschutz und die Kreislaufwirtschaft, abdecken soll.

Und sie soll die Beschaffungspraxis des Bundes praxistauglicher

gestalten. Damit greifen wir auch eine vom BDE geforderte Stärkung

kreislaufgerechterer öffentlicher Ausschreibung für mineralische

Ersatzbaustoffe (MEB) auf.

§ 45 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes verpflichtet

bereits seit 2020 Bundesbehörden zur

ressourcenschonenden Beschaffung. Welche konkreten

44 Kleine Kniffe


Verschärfungen plant das BMUKN bei den Rechtsgrundlagen,

und wie werden Sie die Verpflichtung auf Länder

und Kommunen ausweiten?

Wir wollen die genannte Pflicht zur Bevorzugung von

Sekundärrohstoffen bei Ausschreibungen so anpassen, dass sie

Drittschutz entfaltet. Dann können sich z.B. unterlegene Bieter in

einem Ausschreibungsverfahren nach dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen

darauf berufen. Ob eine solche Regelung auch

auf Länder und Kommunen übertragbar ist, muss erst noch geprüft

werden.

Wiederaufbereitete und gebrauchte Produkte stoßen

in der Beschaffungspraxis oft auf Vorbehalte bezüglich

Qualität, Garantie und Lieferzeiten. Mit welchen konkreten

Maßnahmen wollen Sie diese Hemmnisse abbauen?

Diese Vorbehalte nehmen wir sehr ernst. Um Lösungswege

aufzuzeigen, erarbeiten wir im Rahmen der NKWS einen passenden

Leitfaden. Er soll Beschaffungsstellen Orientierung geben, welche

Anforderungen sie in ihren Ausschreibungen stellen können, damit

benötigte Qualität, Garantie und Lieferzeiten für wiederaufbereitete

Produkte eingehalten werden können. Gerade bei Möbeln und

IT-Produkten entwickelt sich das Marktangebot an instandgesetzte

Produkte kontinuierlich weiter. Best-Practice-Beispiele zeigen, dass

es prinzipiell machbar ist und oft nicht nur ökologische, sondern

auch ökonomische Vorteile mit sich bringt.

Digitale Produktpässe gelten als Schlüsseltechnologie

für die zirkuläre Beschaffung. Wann werden diese

für welche Produktgruppen verpflichtend eingeführt, und

wie unterstützen Sie Beschaffungsstellen beim Umgang

mit diesen neuen Datenquellen?

Digitale Produktpässe werden das Recycling von Produkten

für alle Beteiligten enorm erleichtern. Ihr Einsatz wird über die

EU-Ökodesignverordnung vorgeschrieben, sofern es für die jeweilige

Produktgruppe nicht schon ein Energielabel gibt. Allerdings

bearbeitet die EU-Kommission derzeit nur wenige Produktgruppen,

z.B. Reifen oder gewerbliche Geschirrspülmaschinen und

Waschmaschinen. Bis wir einen breiten Einsatz von Digitalen Produktpässen

sehen, werden wohl noch einige Jahre vergehen. Für

die Beschaffungsstellen ist daher aktuell noch keine Unterstützung

erforderlich.

Der Baubereich verursacht 60% des deutschen

Abfallaufkommens. Welche konkreten Schritte plant

das BMUKN, um Sekundärbaustoffe und modulare Bauweisen

in öffentlichen Ausschreibungen zum Standard

zu machen?

Das Umweltbundesamt bereitet derzeit die Entwicklung einer

vereinfachten Methodik zur Anwendung eines CO2-Schattenpreises

im Baubereich vor. Er ist eine wichtige Voraussetzung für

eine möglichst einheitliche und praxisgerechte Anwendung durch

die Bundesbehörden bei Vergaben von Bauvorhaben. Gerade die

Berücksichtigung des gesamten Lebenszyklus von Bauvorhaben

führt dazu, dass klimafreundliche und ressourcenschonende Angebote

den Zuschlag erhalten. Über die neue Umsetzungsplattform

NKWS sollen weitere Maßnahmen und Hilfsmittel entwickelt

werden, um Vergabestellen zu unterstützen.

Die NKWS sieht Indikatoren für zirkuläre Beschaffung

vor, die “konsequent angewandt” werden sollen. Welche

konkreten KPIs werden Sie einführen, und wie werden

Sie deren Erhebung und Monitoring in der dezentralen

Beschaffungslandschaft sicherstellen?

Indikatoren sind in diesem Kontext sehr wichtig, da diese eine

klare Messbarkeit definieren und ein transparentes Monitoring

gewährleisten. Noch fehlen konkrete Indikatoren für zirkuläre

Beschaffung. Deren Entwicklung ist aber Teil eines aktuellen Forschungsvorhabens

des Umweltbundesamts.

Das Interview führte

Thomas Heine

Chefredakteur

www.nachhaltige-beschaffung.com

Kleine Kniffe

45


Kreislaufwirtschaft

Die Klaviatur der kreislauffähigen Beschaffung:

Handlungsoptionen entlang des gesamten Beschaffungsprozesses

Indem Einkäufer:innen auf kreislauffähige Lösungen setzen, können sie von ökologischen und

ökonomischen Vorteilen profitieren. Die Rolle des Einkaufs wandelt sich dabei vom reinen

Serviceerbringer hin zum Kompetenzzentrum.

Ein Beitrag von Miriam Kaufmann

Im Saal geht es geschäftig zu. Gut 80 Personen diskutieren an 10

Tischinseln die Frage, was sie dazu beitragen können, dass in ihrer

Branche vermehrt kreislauffähige Lösungen angeboten und bestellt

werden. Die anwesenden Beschaffungsverantwortlichen lernen, was

der Markt bereits kann. Und die Anbietenden im Raum verstehen,

welche Lösungen die öffentliche Hand erwartet.

Dieser Anlass darf Prozirkula im Auftrag des Bundesamts für

Umwelt (BAFU) “Förderung der kreislauffähigen öffentlichen Beschaffung”

organisieren und durchführen. Zusätzlich gibt es mit den

Erfahrungsaustauschen ein weiteres Format, bei dem Mitarbeitende

von Beschaffungsorganisationen miteinander und voneinander

lernen. Warum sind diese Austausche wichtig? «Kollaboration ist der

Schlüssel», meint eine Teilnehmerin und benennt damit eine Tatsache

in Zusammenhang mit der Förderung der Kreislaufwirtschaft.

Denn darum geht es Prozirkula, die Kreislaufwirtschaft in der

Schweiz über den Hebel der öffentlichen Beschaffung voranzutreiben.

Die Firma ist überzeugt, dass die kreislauffähige Beschaffung

Antworten auf verschiedene Herausforderungen bereithält, mit

denen sich Beschaffungsorganisationen aktuell konfrontiert sehen.

So stellt kreislauffähige Beschaffung komplexen Lieferketten,

Preisschwankungen, Regulierungen und Fachkräftemangel resiliente

Lieferketten gegenüber, ressourcenschonende und CO 2

-arme

Produkte sowie ökonomisch attraktive, qualitativ hochwertige

Lösungen.

Die Macht der Nachfrage

Indem eine Organisation auf die kreislauffähige Beschaffung

setzt, treibt sie die Umstellung auf diese ressourcenschonende

Wirtschaftsform voran. Die Kreislaufwirtschaft hält Produkte und

deren Komponenten und Materialien im Umlauf, wodurch sie im

Vergleich zum linearen Wirtschaftssystem weniger Energie und

Primärrohstoffe verbraucht. Dies gelingt durch unterschiedliche

Strategien wie das Teilen, Reparieren oder Wiederaufbereiten. Anbietende

kreislauffähiger Lösungen müssen ihre Produkte entsprechend

designen (bspw. damit sie rasch zerlegbar und damit

kosteneffizient reparierbar sind) und ihr Geschäftsmodell anpassen

(damit die Firmen nicht nur am Verkauf der Produkte verdienen,

sondern auch an den angelagerten Dienstleistungen wie Planung,

Unterhalt oder Aufbereitung). Beides kann über eine entsprechende

Nachfrage gefördert werden. Somit besitzt der Einkauf einen grossen

Hebel, um das lineare Wirtschaftsmodell in ein zirkuläres zu transformieren.

Wissensaufbau und Hilfsmittel

Wer das Instrument der kreislauffähigen Beschaffung anwenden

will, muss das entsprechende Wissen bereitstellen und die

Mitarbeitenden dazu befähigen. Beispielsweise will das Formulieren

geeigneter und evaluierbarer Kreislaufkriterien geübt sein. Zum

Glück muss das Rad nicht gänzlich neu erfunden werden: Es gibt

schon Pioniere, die sich diesen Aufgaben stellen. Und es gibt Unterlagen,

die den Einstieg erleichtern. Beispielsweise finden sich auf der

Wissensplattform nachhaltige öffentliche Beschaffung ein Leitfaden,

46 Kleine Kniffe


Foto: Screenshot Webseite

Ausschreibungskriterien und Beispiele zur kreislauffähigen Beschaffung

(die auch von privaten Einkaufsorganisationen genutzt werden

können). Diese Unterlagen helfen also beim Einstieg in die Welt der

kreislauffähigen Beschaffung. Aber wie und wann ist dieser Einstieg

sinnvollerweise zu wagen?

Handlungsoptionen entlang des

Beschaffungsprozesses

Wer von den Chancen der kreislauffähigen Beschaffung überzeugt

ist, kann an unterschiedlichen Stellen im Beschaffungsprozess

mit der Umsetzung anfangen:

• Vor Beschaffungen ist neben der oben skizzierten Möglichkeit

der Marktrecherche eine gute Bedarfsanalyse zentral: Es gilt,

das Richtige zu beschaffen. Ein Beispiel: Eine Organisation

wollte neues Mobiliar beschaffen. Innerhalb des Prozesses

stellte sich aber heraus, dass im Lager noch genügend Mobiliar

vorhanden ist. Sicher, es entsprach nicht mehr dem neuesten

Stand, aber da es für eine temporäre Nutzung gedacht ist,

konnten solche Ansprüche negiert werden. So wurde die

Beschaffung zurückgestellt. Was viele ökonomische und ökologische

Ressourcen einsparte.

• Während Beschaffungen: Im Moment der Erstellung des

Lastenhefts können die angesprochenen Produktdesign- und

Geschäftsmodellanpassungen mittels Ausschreibungskriterien

begünstigt werden. Ein Beispiel belohnte die werterhaltende

Verwertungsoption ausgedienter Fahrbahnkomponenten.

• Nach Beschaffungen: Die Möglichkeiten zur Ressourcenschonung

werden grösser, wenn eine Beschaffung umfassend

betrachtet wird. Einerseits bedarf es der Anpassung von

(Nutzungs- oder auch Unterhalts-) Prozessen. Andererseits

gilt es auch, das Ziel der Ressourcenschonung innerhalb der

Organisation zu verankern und mit weisenden Dokumenten zu

verzahnen, beispielsweise indem Beschaffungsverantwortliche

entsprechende Zielvorgaben erhalten.

Ein Gemeinsamer Weg

Mit der Umsetzung der kreislauffähigen Beschaffung kann

also jederzeit begonnen werden. Es ist wichtig zu sehen, dass sich

Beschaffungsorganisationen dabei auf einen Weg begeben, der

lange vor der Vergabe anfängt und weit danach aufhört. Und dass

sie diesen Weg nicht allein gehen können. Nur in gemeinsamer Anstrengung

mit den Lieferanten wird die kreislauffähige Beschaffung

auf Resonanz stossen, entsprechende Lösungen skaliert werden und

die Transformation des Wirtschaftssystems entsprechend vorangetrieben.

Voraussetzung für diese gemeinsamen Anstrengungen ist ein

gutes Verständnis der jeweils anderen Marktseite und ein Lernen

untereinander. In beides können Beschaffungsorganisationen investieren,

indem sie an Austauschen teilnehmen. Sind Sie dabei?

Autorin

Miriam Kaufmann

Stellvertretende Geschäftsführerin

Prozirkula GmbH

https://prozirkula.ch/

Kleine Kniffe

47


Digitalisierung

Aufbruch in eine neue Ära

Stellen Sie sich vor, Sie stehen am Steuer eines Schiffes, das durch stürmische See navigiert. Die

Wellen heißen geopolitische Unsicherheiten, Handelskonflikte und Klimarisiken, während der Nebel der

Digitalisierung die Sicht auf den besten Kurs erschwert. Wer heute im Einkauf Verantwortung trägt,

weiß: Die Zeiten, in denen Routinen und Erfahrungswerte ausreichten, sind vorbei. Es ist an der Zeit,

neue Instrumente zu ergreifen, um das eigene Unternehmen oder die öffentliche Hand sicher in den

Hafen der Zukunft zu steuern.

Ein Bericht von Thomas Heine

Herausforderungen, die den Einkauf fordern

Die Welt des Einkaufs gleicht einem Spielfeld, auf dem die

Regeln sich ständig ändern. Politische Spannungen werfen Schatten

auf internationale Lieferketten, Handelsabkommen werden über

Nacht neu verhandelt, und der Klimawandel zwingt zu nachhaltigem

Handeln. Gleichzeitig beschleunigt die Digitalisierung die Taktung

der Märkte. Für Sie als Entscheider bedeutet das: Die Unsicherheiten

bei jeder Einkaufsentscheidung wachsen, und der Druck, die

richtigen Weichen zu stellen, steigt. Wie gelingt es, inmitten dieser

Turbulenzen den Überblick zu behalten und kluge Entscheidungen

zu treffen?

Bewährte Werkzeuge stoßen an ihre Grenzen

Vielleicht erinnern Sie sich an Zeiten, in denen Ausschreibungen,

Lieferantenbewertungen und Preisvergleiche als solide Werkzeuge

galten, um den Einkauf zu steuern. Doch je komplexer die Welt wird,

desto deutlicher zeigt sich: Diese Instrumente sind nur so gut wie

die Daten, auf denen sie basieren. Wenn Informationen fehlen, veraltet

oder unvollständig sind, wird der Einkauf zum Blindflug. Die

Qualität, Verfügbarkeit und Aktualität der Daten sind längst zum

entscheidenden Kompass geworden.

Die Datenflut – Segen und Fluch zugleich

Wer heute im Einkauf Verantwortung trägt, steht vor einer

paradoxen Situation: Noch nie gab es so viele Daten, und doch war

es nie schwieriger, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die

Informationsflut gleicht einem reißenden Fluss, der alles mit sich

reißt – auch die Sicherheit, auf Basis von Fakten zu entscheiden. Hier

zeigt sich, wie wichtig es ist, Daten nicht nur zu sammeln, sondern

sie auch intelligent zu verarbeiten. Ohne digitale Helfer droht der

Entscheider im Datendschungel die Orientierung zu verlieren. Künstliche

Intelligenz wird so zum Leuchtturm, der Licht ins Dunkel

bringt und hilft, aus der Masse an Informationen die relevanten

Erkenntnisse zu filtern.

Künstliche Intelligenz –

Mehr als nur ein Schlagwort

Doch was bedeutet KI im Einkauf konkret? Stellen Sie sich

eine digitale Kollegin vor, die nicht schläft, nicht müde wird und

aus jedem Vorgang lernt. Künstliche Intelligenz analysiert Daten,

erkennt Muster und schlägt Lösungen vor, die weit über menschliche

Kapazitäten hinausgehen. Besonders spannend: Mit KI-Agenten

betreten digitale Assistenten die Bühne, die eigenständig Aufgaben

übernehmen – von der Analyse von Angeboten bis zur Überwachung

ganzer Lieferketten. Sie sind die neuen Lotsen, die den Einkauf

sicher durch unbekannte Gewässer führen.

Prozesse und Anwendungsfelder –

Wo KI den Unterschied macht

Die Einsatzmöglichkeiten von KI im Einkauf sind so vielfältig

wie die Herausforderungen selbst. Im Lieferantenmanagement hilft

sie, aus einem Meer von Anbietern die zuverlässigsten Partner zu

identifizieren. Im Vertragsmanagement wacht sie über Fristen und

Konditionen, als wäre sie ein digitaler Hüter der Vereinbarungen.

Bei Preisverhandlungen und Benchmarking liefert sie Analysen, die

wie ein scharfer Blick durch das Fernglas den Markt durchdringen.

Im Warengruppenmanagement sorgt sie für Transparenz, indem sie

Zusammenhänge sichtbar macht, die dem bloßen Auge verborgen

bleiben. Und im Risikomanagement erkennt sie drohende Störungen

in der Lieferkette, bevor sie zum Sturm heranwachsen.

48 Kleine Kniffe


Foto: depositphotos

Chancen, die den Einkauf beflügeln

Mit Künstlicher Intelligenz an Ihrer Seite verwandelt sich der

Einkauf in ein modernes Cockpit, in dem Sie nicht nur schneller,

sondern auch sicherer navigieren. Routineaufgaben, die früher viel

Zeit verschlangen, laufen nun wie von selbst im Hintergrund ab:

Angebote werden automatisch verglichen, Verträge überwacht und

Lieferantenbewertungen in Echtzeit aktualisiert. Dadurch gewinnen

Sie wertvolle Zeit, um sich auf strategische Entscheidungen zu konzentrieren.

Die Kosten sinken, weil KI versteckte Einsparpotenziale

aufspürt, Preisentwicklungen frühzeitig erkennt und Einkaufsvolumina

optimal bündelt – als hätten Sie einen erfahrenen Analysten,

der rund um die Uhr für Sie arbeitet.

Transparenz wird zum neuen Standard: Statt im Nebel von

Excel-Tabellen und verstreuten Informationen zu tappen, erhalten

Sie einen klaren Blick auf alle relevanten Daten. Risiken, die früher

im Verborgenen lauerten, werden sichtbar und können gezielt

adressiert werden. Compliance, oft ein Stolperstein im hektischen

Tagesgeschäft, wird durch automatisierte Prüfungen und lückenlose

Dokumentation zur festen Größe. Sie können sich darauf verlassen,

dass Vorgaben eingehalten und Richtlinien beachtet werden – wie

ein Sicherheitsnetz, das Sie vor unangenehmen Überraschungen

schützt.

Auch das Thema Nachhaltigkeit erhält durch KI eine neue

Dimension. Die intelligente Auswertung von Umweltdaten, CO₂-Bilanzen

und Lieferanteninformationen macht es möglich, ökologische

Kriterien konsequent in den Einkaufsprozess zu integrieren. Risiken

wie Menschenrechtsverletzungen oder Umweltverstöße werden

frühzeitig erkannt, sodass Sie nicht nur wirtschaftlich, sondern auch

ethisch und ökologisch verantwortungsvoll handeln können.

Doch so verheißungsvoll diese Möglichkeiten auch sind: Künstliche

Intelligenz ist kein Zauberstab, der auf Knopfdruck alle

Probleme löst. Sie ist ein mächtiges Werkzeug, das seine volle

Wirkung nur entfaltet, wenn es mit Sachverstand, klaren Zielen und

einer verantwortungsvollen Strategie eingesetzt wird. Wer KI im

Einkauf nutzt, bleibt Kapitän auf der Brücke – und steuert das Schiff

mit Weitblick und Augenmaß in die Zukunft.

Ausblick: Die Reise geht weiter

Wer die Chancen der Künstlichen Intelligenz im Einkauf nutzen

will, muss bereit sein, neue Wege zu gehen und alte Denkmuster zu

hinterfragen. In den kommenden neun Artikeln dieser Serie nehmen

wir Sie mit auf eine Entdeckungsreise durch die Welt der KI im

Einkauf – von der Datenqualität über den Einsatz von KI-Agenten

bis hin zu ethischen Fragen und Praxisbeispielen.

Bleiben Sie am Puls der Zeit und lassen Sie sich inspirieren:

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie die gesamte

Artikelserie direkt in Ihr Postfach. So verpassen Sie keine Entwicklung

und sind immer einen Schritt voraus – auf dem Weg zu einem

Einkauf, der die Zukunft gestaltet.

Autor

Thomas Heine

Chefredakteur

www.nachhaltige-beschaffung.com

CO Chair Chapter DACH

SustainableIT.org

Kleine Kniffe

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Digitale Transformation der Verwaltung

Warum die digitale Souveränität

Schleswig-Holsteins auch für Europa zählt

Verwaltungen, Unternehmen, Institutionen stehen vor einer gemeinsamen Herausforderung – und

zugleich einer großen Chance: die Souveränität Europas zu gestalten. Die digitalen Systeme,

die wir nutzen, sind kritische Infrastrukturen – sowohl für die öffentliche Verwaltung als auch

für die Wirtschaft. Öffentliche IT ist tief eingebettet in die täglichen Abläufe von Verwaltung,

Unternehmen und Gesellschaft.

Ein Beitrag von Dirk Schrödter,

Chef der Staatskanzlei und Digitalisierungsminister des Landes Schleswig-Holstein

Wenn wir die Kontrolle über unsere IT-Systeme verlieren,

riskieren wir, politische und administrative Handlungsfähigkeit

einzubüßen. Digitale Souveränität ist daher kein rein technisches

Thema – sie ist eine Frage der nationalen Sicherheit, der betrieblichen

Integrität und der demokratischen Legitimität.

Noch immer sind viele Regierungen und Unternehmen stark

von sogenannter proprietärer Software abhängig, die oft von nur

wenigen globalen Technologiekonzernen bereitgestellt wird. Diese

Abhängigkeit hat weitreichende Folgen. Ohne Zugang zum Quellcode

oder zu technischen Spezifikationen sind wir gezwungen, uns

den Produkten anzupassen – statt Produkte an unsere Bedürfnisse

anzupassen. Diese Intransparenz wirkt sich auch auf die Sicherheit

aus: Wir können mögliche Schwachstellen nicht prüfen, Risiken

nicht erkennen und Standards nicht verlässlich umsetzen. In vielen

Fällen lassen sich Datenabflüsse nicht verhindern, weil wir keine

Kontrolle über das Funktionsprinzip der Systeme haben.

Um unsere Souveränität zu sichern,

müssen wir diese Abhängigkeiten verringern.

Das bedeutet: eine vielfältige IT-Anbieterlandschaft fördern,

sodass kein einzelner Anbieter den Markt dominiert. Es bedeutet:

offene Standards einzusetzen, die Interoperabilität und fairen

Wettbewerb sicherstellen. Und vor allem bedeutet es, Open-Source-Technologien

als Fundament für Innovation, Sicherheit und

Unabhängigkeit zu nutzen.

Offene Software ermöglicht uns Einblick in deren Funktionsweise,

die Anpassung an unsere Bedürfnisse und die gemeinsame

Weiterentwicklung in einer vielfältigen Anbieterlandschaft. Durch

Transparenz erhöhen wir die IT-Sicherheit, durch Offenheit stärken

wir Innovationskraft und ökonomische Resilienz. Die Motivation ist

daher klar: Nur durch den konsequenten Einsatz von Open Source

können wir unsere digitale Zukunft souverän, sicher und wirtschaftlich

nachhaltig gestalten.

Etappen der Umsetzung

Wir dürfen jedoch nicht nur über digitale Souveränität in der

Theorie sprechen, wir müssen sie konkret angehen und umsetzen.

Das tun wir in Schleswig-Holstein mit der schrittweisen und ganzheitlichen

Einführung eines digital souveränen IT-Arbeitsplatzes für

sämtliche rund 30.000 Beschäftigte in der Landesverwaltung.

Die Mail-Umstellung von Microsoft-Exchange und Outlook zu

Open-Xchange und Thunderbird ist dabei ein absoluter Meilenstein

auf dem Weg. Dass ein ganzes Land diesen Schritt geht, ist revolutionär.

Mehr als 40.000 Postfächer mit insgesamt deutlich mehr als

110 Millionen Mails und Kalendereinträgen haben wir vollständig

migriert. Microsoft Office wird jetzt schrittweise von den Rechnern

deinstalliert. Bereits im vergangenen Jahr wurde Libre Office ausgerollt

und ist inzwischen die Standardbürosoftware. Mehr noch: Die

Open-Source-Lösung Nextcloud ersetzt Schritt für Schritt Microsoft

SharePoint als zentrale Plattform für Zusammenarbeit und wird

bereits in zahlreichen Verwaltungen aktiv genutzt. Auch im Bereich

der Videokonferenzen vertrauen wir von Anfang an auf Open

Source. Hier setzen wir auf die Lösung OpenTalk. Auch erproben

wir den Einsatz von Linux als Alternative zu Windows. Ich selbst

nehme an der Pilotphase mit einem eigenen Linux-Rechner teil.

50 Kleine Kniffe


Foto: Staatskanzlei.SH

Schließlich wollen wir unsere Telefonsysteme umstellen und

mit einer Open-Source-Lösung betreiben. All das sind die Bausteine

auf dem Weg in die digitale Souveränität unseres Landes mit mehr

Transparenz und Sicherheit für unsere Verwaltung.

Die vergangenen Wochen und Monate haben gezeigt: Eine

solche Umstellung ist keine Kleinigkeit. Wir sind echte Pioniere.

Wir können nicht auf die Erfahrung anderer zurückgreifen – weltweit

gibt es kaum ein vergleichbares Projekt dieser Größenordnung.

Der große Dank gilt allen Mitarbeitenden. Ohne ihre Unterstützung

wäre diese Umstellung nicht möglich. Künftig können wir mit unseren

Erfahrungswerten von der Datenanalyse bis zum Monitoring im

Rechenzentrum anderen helfen und sie unterstützen, wenn sie sich

auf den Weg machen, den wir gerade als erste beschreiten.

Digitale Souveränität und Industriepolitik -

ein strategischer Ansatz

Der strategische Ansatz Schleswig-Holstein ist umfassend. Wir

bauen gezielt ein Open-Source-Ökosystem in Schleswig-Holstein

auf und vernetzen Start-ups, Mittelstand und Hochschulen sowie

Verwaltungen und gemeinnützige Einrichtungen wie Verbände und

Vereine. Damit tragen wir dazu bei, dass digitale Wertschöpfung

bei uns im Land und Schleswig-Holstein digitale Vorzeigeregion

bleibt. Wir setzen unser öffentliches Budget strategisch ein, indem

wir Programmieraufträge bei unserer heimischen Digitalwirtschaft

finanzieren, anstatt über immer teurer werdende Lizenzen den

weiteren Ausbau des Technologievorsprungs außereuropäischer

Anbieter zu bezahlen. Mit diesen Investitionen stärken wir zugleich

den Digitalstandort Deutschland.

Digitale Souveränität und Industriepolitik für unsere Digitalwirtschaft

sind zwei Seiten einer Medaille. All das haben wir in

unserer Open Innovation und Open Source Strategie verankert.

Open Source ist ein wirtschaftlich sinnvoller Ansatz und zugleich

ein Katalysator für Wachstum. Laut einer Studie der Europäischen

Kommission könnte ein jährlicher Anstieg der Open-Source-Beiträge

um nur 10 % mehr als 600 zusätzliche IKT-Startups schaffen

und das EU-BIP um bis zu 0,6 % erhöhen. Eine Harvard-Studie zeigt,

dass die Beschäftigung mit Open Source die Wettbewerbsfähigkeit

steigert.

Das beweist: Digitale Souveränität durch Open Source eröffnet

enormes wirtschaftliches Potenzial für Europa.

OSPO SH - klare Strategie, organisatorische

Struktur und starke Governance

Doch um das volle Potenzial von Open Source zu entfalten,

braucht es mehr als nur Technologie: Es braucht eine klare Strategie,

eine organisatorische Struktur und starke Governance. Hier

kommen die Open Source Program Offices (OSPOs) ins Spiel.

Ein OSPO ist das strategische Zentrum der Open-Source-Aktivitäten

einer Organisation. Es macht Open Source von einer

Hintergrundtechnologie zu einem Treiber von Innovation.

In Schleswig-Holstein haben wir mit OSPO SH ein eigenes Open

Source Program Office gestartet. Das OSPO SH als wichtige Koordinierungsstelle

in der Landesverwaltung steuert den strategischen

Kleine Kniffe

51


Foto: Staatskanzlei.SH

Einsatz, die Entwicklung und die Verwaltung von Open-Source-Software.

Der Blick über den Tellerrand SHs hinaus

In ganz Europa gründen immer mehr öffentliche Institutionen

und private Unternehmen OSPOs. Sie verwandeln Organisationen

von passiven Konsumenten in aktive Mitgestalter und Innovatoren.

Ein erfolgreiches OSPO vereint technisches, organisatorisches und

strategisches Wissen. Damit OSPOs ihre Rolle ausfüllen können,

müssen sie gut ausgestattet und fest in der Unternehmensführung

verankert sein.

Wenn wir die digitale Souveränität Europas stärken wollen,

müssen wir diese Initiativen miteinander vernetzen und in ein kohärentes,

kooperatives Ökosystem überführen.

Genau deshalb hatten wir zum Beispiel im September europäische

Akteure nach Brüssel in unser Hanse Office eingeladen, um

Ideen auszutauschen, Erfahrungen zu teilen und die Zukunft von

Open Source auf europäischer Ebene zu diskutieren. Gemeinsam

wollen wir die Rolle von OSPOs weiterentwickeln, nationale und

EU-weite Strategien aufeinander abstimmen sowie Best Practices und

fehlende Bausteine identifizieren.

Unser Ziel ist es, zu einem nachhaltigen europäischen OSPO-Ökosystem

beizutragen – einem, das Zusammenarbeit, Innovation und

Souveränität fördert.

Fazit

Europa hat das Talent, die Ideen und die Gemeinschaft, um bei der

digitalen Souveränität eine Führungsrolle einzunehmen – aber nur,

wenn wir Offenheit konsequent leben.

Autor

Dirk Schrödter,

Chef der Staatskanzlei und Digitalisierungsminister des

Landes Schleswig-Holstein

52 Kleine Kniffe


Procurement Plattform

Procurement-Pioneer.com

Eine neue auf den Einkauf spezialiserte Plattform

Procurement-Pioneer.com ist eine neue Procurement-Plattform, die sich auf die Kommunikation

von Inhalten rund um das Beschaffungswesen spezialisiert hat. In einer Zeit, in der sich die

Beschaffungslandschaft rasant verändert, bietet Procurement-Pioneer einen zentralen Anlaufpunkt für

alle Themen rund um modernes und zukunftsorientiertes Procurement. Das Portal ist die Antwort auf die

wachsenden Herausforderungen und Chancen im Einkauf und der Beschaffung. Sie bietet Einkaufsexperten

und Beschaffungsprofis einen zentralen Anlaufpunkt für aktuelle Informationen und Expertenwissen.

Täglich werden Artikel zu Themen wie Procurement-Strategie, Best Practices, Digitalisierung im Einkauf,

Nachhaltigkeit und HR-Management im Procurement veröffentlicht.

Was erwartet Sie auf

https://Procurement-Pioneer.com?

Egal ob Sie ein erfahrener CPO, ein aufstrebender Einkäufer

oder einfach nur neugierig auf die Welt des Procurements sind – bei

uns finden Sie wertvolle Ressourcen und Inspirationen für Ihre berufliche

Entwicklung. Tauchen Sie ein in eine Welt voller Expertise,

Innovation und Vernetzung. Unser engagiertes Team aus Fachexperten,

erfahrenen Einkäufern und Branchenkennern liefert Ihnen

regelmäßig hochwertige Inhalte zu den Kernthemen:

• Procurement Strategie: Erfahren Sie, wie Sie Ihre

Einkaufsstrategie optimieren und an zukünftige Herausforderungen

anpassen können.

• Best Practices: Lernen Sie von den Besten der Branche und

entdecken Sie praxiserprobte Lösungen für Ihre täglichen

Herausforderungen.

• Digitalisierung im Procurement: Bleiben Sie auf dem

Laufenden über die neuesten technologischen Entwicklungen

und deren Anwendung im Einkauf.

• HR-Management im Procurement: Erhalten Sie wertvolle

Einblicke in die Personalentwicklung und -führung im

modernen Einkauf.

Bleiben Sie immer up-to-date über die neuesten Entwicklungen

in der Beschaffungswelt, gewinnen Sie Einblicke von führenden

Köpfen der Branche. nutzen Sie konkrete Tipps und Anleitungen

für Ihren Arbeitsalltag und verpassen Sie keine wichtigen Procurement-Veranstaltungen

mehr.

Um immer auf dem neuesten Stand zu bleiben, laden wir Sie

herzlich ein, sich für unseren Newsletter anzumelden. So erhalten

Sie regelmäßig die wichtigsten Updates, exklusive Einblicke und

Sonderangebote direkt in Ihr Postfach.

Aber das ist noch nicht alles! Wir freuen uns, Sie auch in unserer

lebendigen LinkedIn-Gruppe begrüßen zu dürfen: https://www.

linkedin.com/company/procurement-pioneer/. Hier können Sie

sich mit anderen Procurement-Profis austauschen, an Diskussionen

teilnehmen und Ihr berufliches Netzwerk erweitern.

Procurement Pioneer ist Ihre Plattform – gestalten Sie sie mit!

Wir laden Sie ein, aktiv teilzunehmen, Ihre Ideen einzubringen und

gemeinsam mit uns die Zukunft des Einkaufs zu gestalten.

Besuchen Sie noch heute https://procurement-pioneer.com

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Gemeinsam treiben wir Innovation voran,

meistern Herausforderungen und gestalten die Zukunft des Einkaufs.

Kleine Kniffe

53


Digitalisierung

Wie kann die Beschaffung dazu beitragen,

dass KI nachhaltig betrieben wird?

Die technischen Fortschritte auf dem Feld der Künstlichen Intelligenz (KI) waren in den letzten

Jahren oft Thema in den Medien. Damit ist auch das Bewusstsein für den hohen Energiebedarf

einiger großer Modelle der generativen KI in den Fokus gerückt. Zwar beanspruchen

viele KI-Anwendungen deutlich weniger Energie und Ressourcen als die bekannten großen

Sprachmodelle wie GPT-5, doch auch hier gilt: Je mehr Trainingsdaten für bessere Ergebnisse

genutzt werden, desto höher der Energieverbrauch und der CO 2

-Fußabdruck.

Ein Bericht von Kay Langhammer

Dabei kann KI selbst zur ökologischen Nachhaltigkeit beitragen

und die Transformation zur Green Economy unterstützen. Viele

Beispiele dafür, wie kleine und mittlere Unternehmen mit Künstlicher

Intelligenz wirtschaftlicher sowie umweltfreundlicher arbeiten

können, liefert der Green-AI Hub Mittelstand. Er wurde 2022 vom

Bundesumweltministerium ins Leben gerufen. Über 20 Pilotprojekte

zeigen konkret, wie sich Materialien einsparen oder Ressourcen

effizienter nutzen lassen: So kann KI-Objekterkennung die Rückführung

von Produkten in den Kreislauf erleichtern, Lebensmittelabfälle

werden durch eine KI-optimierte Bedarfsprognose vermieden und

KI-Regelungen optimieren das Energiemanagement in Gebäuden.

Ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit gehen

auch hier Hand in Hand. So bedeutet eine höhere Energieeffizienz

auch niedrigere Stromkosten und ein geringerer Ressourcenverbrauch

weniger Ausbeutung in Rohstoffminen.

Guidelines for Green AI

Es stellt sich daher die Frage: Wie kann eine KI-Anwendung

möglichst ökologisch nachhaltig betrieben werden? Hilfestellungen

bieten die durch den Green-AI Hub in Zusammenarbeit mit

dem KI Bundesverband entwickelten Guidelines for Green AI. Sie

beschreiben einen Orientierungsrahmen, an dem sich vor allem

KI-Entwickler*innen orientieren können, um KI-Systeme so ökologisch

nachhaltig wie möglich zu gestalten und einzusetzen. Da die

Beschaffung ebenfalls einen großen Beitrag zur Nachhaltigkeit von

KI-Anwendungen leistet, werden auch dieser Zielgruppe konkrete

Werkzeuge an die Hand gegeben. Für die Beschaffung sind vor

allem zwei der acht Guidelines relevant, die im Folgenden vorgestellt

werden:

Guideline:

»Wähle die Hardware sorgfältig aus«

Die nachhaltigste Hardware ist oft die, die nicht beschafft werden

muss. Dementsprechend stellt die Guideline bei jeder Beschaffung

als erstes die Frage: Können wir nicht unsere bestehende Hardware

nutzen?

KI-Anwendungen laufen am effizientesten auf sogenannten

Rechenbeschleunigern wie GPUs oder FPGAs. Zudem werden

Beschleuniger entwickelt, die für spezielle KI-Anwendungen optimiert

sind. Ein Beispiel sind etwa die eigens für die KI-Bibliothek

TensorFlow konzipierten Tensor-Prozessoren von Google. Zwar

ist bei derartiger spezialisierter Hardware die höchste Effizienz und

Performance zu erwarten, allerdings geht dies zu Lasten der Flexibilität.

Einen Kompromiss zwischen Effizienz und Flexibilität bei

gleichzeitig hoher Skalierbarkeit und Wartungsfreundlichkeit stellt

die in den Guidelines empfohlene Verwendung modularer Hardwarestrukturen

dar.

Gegen die Verwendung bereits vorhandener Hardware kann

auch sprechen, dass neue Hardware tendenziell im Betrieb energieeffizienter

ist. Dadurch ist es möglich, dass die Beschaffung

neuer Hardware tatsächlich unter dem Strich geringere Umweltauswirkungen

mit sich ziehen kann. In die Betrachtung sollte auch

die Beschaffung wiederaufbereiteter Hardware (»refurbished«)

mit einbezogen werden: Diese Möglichkeit ist nicht nur ressourcen-schonender,

sondern oft auch besonders kostengünstig.

Es wird zudem empfohlen, einen möglichst hohen Anteil an

zertifizierter Hardware einzusetzen. Vertrauenswürdige Label sind

54 Kleine Kniffe


Foto: depositphotos

etwa der Blaue Engel und TCO. Diese werden nur vergeben, wenn

die Produkte energieeffizient, aber auch reparierbar, belastbar und

frei von toxischen Substanzen sind.

Guideline:

»Wähle und betreibe Rechenzentren mit

Verantwortung«

Für den Betrieb einer KI-Anwendung in einem Rechenzentrum

(RZ) stehen grundsätzlich zwei Optionen zur Verfügung: der Betrieb

eines eigenen RZ oder die Nutzung eines externen RZ.

Im Falle des externen RZ empfiehlt die Guideline Zertifizierungen

(z. B. Blauer Engel, DGNB), welche energieeffiziente und

ressourcenschonende RZ auszeichnen. Eine weitere Entscheidungshilfe

stellen Umweltkennzahlen dar, wie sie von der Normenreihe

DIN EN 50600-4 vorgesehen sind. Es sind dabei RZ zu bevorzugen,

welche einen möglichst hohen Anteil an erneuerbarem Strom beziehen

und dies durch PPAs oder Herkunftsnachweise gem. § 42 EnWG

belegen können. Wichtig hierbei: Häufig wird auch Atomkraft als

nachhaltige Energiequelle eingestuft, obwohl sie mit immensen

negativen Umweltauswirkungen verbun-den ist.

Im Falle eines eigenen RZ gelten weiterhin die Empfehlungen

zur Hardwareauswahl. Es gilt in diesem Fall zudem, nicht überdimensioniert

zu planen, denn eine schlechte Auslastung führt zu einer

niedrigen Energieeffizienz und zu vermeidbaren CO2-Emissionen.

Ab 100 kW Anschlussleistung wird auch das Thema Abwärme

relevant: Diese sollte konsequent weitergenutzt werden. Falls

es keine Anwendung im eigenen Betrieb gibt, kann sie externen

Abnehmern angeboten werden.

Wenn das RZ nach ökologischen Kriterien geplant wird, bietet

es sich an, dies auch leicht verständlich nach außen und innen zu

zeigen, indem man es mit dem Blauen Engel oder durch die DGNB

zertifizieren lässt.

Fazit

Die Beschaffung spielt für die ökologische Nachhaltigkeit eine

bedeutende Rolle: Hier werden Entscheidungen getroffen, die einen

langfristigen Einfluss auf die ökologische, soziale und ökonomische

Nachhaltigkeit der KI-Anwendungen haben. Die Guidelines for

Green AI geben dafür praxisrelevante Empfehlungen und Werkzeuge

an die Hand.

Weitere Details mit Verweisen auf Werkzeuge, Normen und

wissenschaftliche Literatur finden sie unter https://www.green-aihub.de/ki-fuer-ressourceneffizienz/guidelines-for-green-ai

Autor

Kay Langhammer

Wuppertal Institut fuer Klima,

Umwelt, Energie gGmbH

Abteilung Kreislaufwirtschaft

Kleine Kniffe

55


Digitalisierung

KI in der Beschaffung und

Nachhaltigkeit bei der öffentlichen Verwaltung

Die öffentliche Verwaltung in Deutschland steht unter wachsendem Druck: steigende Anforderungen,

Fachkräftemangel und ambitionierte Nachhaltigkeitsziele erfordern neue Lösungen. Mit einem

heutigen Beschaffungsvolumen besitzt der Staat eine enorme Marktmacht – und damit Verantwortung.

Künstliche Intelligenz (KI) bietet hier transformative Potenziale, insbesondere in der Beschaffung

und Nachhaltigkeitssteuerung. Die aktuelle Trends, Herausforderungen und heutige Lösungsansätze

bringen interessante Perspektiven für die Zukunft.

Ein Beitrag von Reiner Petzold

Aktuelle Trends

Automatisierung der

Ausschreibungsvorbereitung

KI-gestützte Tools wie GovRadar unterstützen bereits heute über

400 Kommunen in NRW bei der Erstellung von Ausschreibungsunterlagen

– von der Bedarfsermittlung bis zur Wertungsmatrix. Dies

spart Zeit und reduziert Fehlerquellen.

Generative KI für Text- und

Datenverarbeitung

Laut einer McKinsey-Studie können durch den Einsatz von generativer

KI bis zu 70 % der Verwaltungszeit bei Routineaufgaben

eingespart werden. Dazu zählen etwa die Erstellung von Berichten,

die Analyse von Angeboten oder die Beantwortung von Bürgeranfragen.

Nachhaltigkeitsbewertung durch KI

KI-Systeme ermöglichen die automatisierte Bewertung von

Umweltlabels, CO₂-Bilanzen und Lebenszykluskosten. So können

Angebote nicht nur nach Preis, sondern auch nach ökologischer und

sozialer Wirkung verglichen werden.

Herausforderungen

Datenqualität und Schnittstellen

Viele Verwaltungen arbeiten mit veralteten IT-Systemen. KI

benötigt strukturierte, aktuelle Daten – doch diese sind oft nicht

vorhanden oder nicht kompatibel.

Rechtliche Unsicherheiten

Die Integration von KI in Vergabeverfahren wirft Fragen zur

Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Rechtskonformität auf. Die

Vergaberechtsreform 2024 bietet erste Ansätze, bleibt aber in der

Praxis oft unklar.

Akzeptanz und Kompetenzmangel

Nur wenige Mitarbeitende sind mit KI vertraut. Schulungen

und Change-Management fehlen vielerorts, was die Einführung

erschwert.

Ethik und Kontrolle

KI darf keine diskriminierenden oder intransparente Entscheidungen

treffen. Die öffentliche Verwaltung muss sicherstellen, dass

Algorithmen nachvollziehbar und fair agieren.

Lösungsansätze heute

Pilotprojekte und Leuchttürme

Viele Kommunen starten Proof-of-Concepts (PoCs), um KI in

begrenzten Bereichen zu testen. Erfolgreiche Beispiele zeigen, dass

bereits einfache Anwendungen wie die automatische Erstellung von

Leistungsbeschreibungen spürbare Entlastung bringen.

Zentrale Plattformen und Standards

Bund und Länder arbeiten an interoperablen E-Vergabeplattformen

mit KI-Modulen. Ziel ist eine einheitliche Datenbasis und

transparente Prozesse über Verwaltungsebenen hinweg.

56 Kleine Kniffe


Foto: depositphotos

Schulungen und Kompetenzzentren

Initiativen wie das Kompetenzzentrum Öffentliche IT oder

KOINNO bieten Fortbildungen und Leitfäden für den KI-Einsatz.

Dies fördert Akzeptanz und befähigt Mitarbeitende zur aktiven Mitgestaltung.

Nachhaltigkeitsintegration durch KI

KI kann Umweltwirkungen von Produkten analysieren, Lieferketten

bewerten und CO₂-Fußabdrücke berechnen. So wird

Nachhaltigkeit messbar und steuerbar – auch bei komplexen Vergaben.

Perspektiven für die Zukunft

Vorausschauende Bedarfsplanung

KI kann historische Daten analysieren und zukünftige Bedarfe

prognostizieren. Dies ermöglicht strategische Beschaffung mit

Fokus auf Ressourcenschonung und Effizienz.

Skalierung und europäische Kooperation

Deutschland kann von Vorreitern wie Dänemark oder

Großbritannien lernen, die bereits Exzellenzcluster für KI in der

Verwaltung aufgebaut haben. Eine europäische Harmonisierung

könnte Standards setzen und Innovationen beschleunigen.Seit dem

Klimabeschluss des Bundesverfassungsgerichts 2021 und dem Koalitionsvertrag

„Mehr Fortschritt wagen“ wird Nachhaltigkeit verstärkt

als strategisches Ziel in der öffentlichen Beschaffung verankert.

Fazit:

Lösungen und Zukunftsperspektiven – KI als

Treiber nachhaltiger Beschaffung

Die Potenziale von KI sind enorm – doch ihre Wirkung entfaltet

sich nur bei gezielter und verantwortungsvoller Anwendung.

Die Zukunft der öffentlichen Beschaffung liegt in der intelligenten

Verbindung von Technologie, Nachhaltigkeit und Governance.

KI als Nachhaltigkeitsmonitor

Zukünftig könnten KI-Systeme kontinuierlich die Nachhaltigkeitsleistung

von Lieferanten überwachen – etwa durch

Echtzeitdaten zu Energieverbrauch, Recyclingquoten oder

Sozialstandards.

Autor

Reiner Petzold

Ethik-by-Design und Governance

Die Entwicklung von KI in der Verwaltung muss ethischen

Prinzipien folgen. Transparenz, Fairness und Kontrolle müssen von

Anfang an mitgedacht und gesetzlich verankert werden.

Advisory Board Swiss CxO Forum

Council Harvard Business Review

Dozent UniBasel, FHNW, HWZ

CDO, swissICT Fachgruppe DTI

Kleine Kniffe

57


Digitalisierung des Einkaufs

Wie TCO Certified

die nachhaltige IT-Beschaffung praxistauglich macht

Die Beschaffung von IT-Hardware steht im Spannungsfeld zwischen Budget, Leistung und der immer

dringlicher werdenden Nachhaltigkeitsagenda. Doch wie findet man als Einkäufer/in verlässliche

Produkte, die soziale und ökologische Kriterien entlang der gesamten Lieferkette erfüllen? Eine

etablierte Antwort ist TCO Certified, die globale Nachhaltigkeitszertifizierung für IT-Produkte. Wir

haben mit Martin Eichenseder, DACH-Vertreter von TCO Certified, gesprochen, um zu erfahren, wie

Einkaufsabteilungen dieses Werkzeug optimal für sich nutzen können.

Das Interview führte Thomas Heine

TCO Certified ist für viele Einkäufer ein bekannter

Begriff. Was ist Ihrer Erfahrung nach der größte Irrglaube,

den es darüber gibt?

Der größte Irrglaube ist, dass es sich um eine reine Produktzertifizierung

mit Schwerpunkt auf Energieeffizienz handelt.

In Wirklichkeit ist TCO Certified ein umfassendes System, das die

gesamte Lieferkette in den Blick nimmt. Jedes zertifizierte Produkt

muss ausnahmslos alle Kriterien in den vier Schlüsselbereichen

Klima, Stoffe, Kreislaufwirtschaft und Lieferkette erfüllen. Es gibt

keine Wahlmöglichkeiten für die Marken. Und entscheidend ist: Die

Einhaltung wird nicht nur einmalig, sondern während der gesamten

Gültigkeitsdauer des Zertifikats von unabhängigen, akkreditierten

Prüforganisationen überwacht. Das ist kein reines Selbstauskunftssystem

der Hersteller.

Das klingt nach einem sehr hohen Aufwand. Warum

sollten sich Einkäufer/innen dieser Komplexität überhaupt

stellen? Was ist der konkrete Nutzen für mein Unternehmen

oder meine Behörde?

Ganz einfach: Risikominimierung und Effizienz. Stellen Sie sich

vor, Sie müssten selbst die Fabriken in Asien auditen, die Chemikalien

in den Produkten bewerten oder die Reparierbarkeit prüfen. Das

ist weder praktikabel noch wirtschaftlich. Wir erledigen diese Arbeit

für Sie. Indem Sie TCO Certified in Ihre Ausschreibungen aufnehmen,

lagern Sie diese komplexen Due-Diligence-Prüfungen an uns

aus. Sie erhalten eine unabhängige Verifizierung, dass Sie Produkte

beschaffen, die strenge soziale und ökologische Mindeststandards

erfüllen. Das schützt Sie vor Reputationsrisiken, erleichtert die

Einhaltung von Compliance-Vorgaben, z.B. des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes,

und spart Ihnen immense eigene Ressourcen.

Wie kann ich TCO Certified konkret in meinen Beschaffungsprozess

integrieren? Ist das nicht sehr kompliziert?

Im Gegenteil, der erste Schritt ist extrem einfach. Sie müssen

kein Nachhaltigkeitsexperte werden. In den allermeisten Fällen

reicht es aus, in Ihre technischen Spezifikationen einen klaren Satz

aufzunehmen: ‘Die Produkte sind nach TCO Certified zertifiziert.’

Als Nachweis fordern Sie, dass die Produkte zum Zeitpunkt der

Lieferung und während des gesamten Vertrags im ‘Product Finder’

auf tcocertified.com als aktiv zertifiziert gelistet sind. Dieses Tool

ist Ihr zentraler Kontrollmechanismus. So stellen Sie sicher, dass Sie

auch tatsächlich zertifizierte Ware erhalten und nicht nur ein Modell,

das einmal zertifiziert war.

Und was ist mit Produkten, die noch nicht zertifiziert

sind, oder in Szenarien, in denen ich etwas flexibler sein

muss?

Hier bieten wir maßgeschneiderte Lösungen. Sie können TCO

Certified als freiwilliges Kriterium mit Zusatzpunkten in der Wertung

verankern. Oder Sie formulieren: ‘Die Produkte müssen nach

58 Kleine Kniffe


Foto: Martin Eichenseder,

TCO Certified oder gleichwertig zertifiziert sein.’ Wobei ‘gleichwertig’

einen anspruchsvollen, unabhängigen Nachweis erfordert.

Wenn Sie Produkte beschaffen wollen, die es noch nicht zertifiziert

gibt, empfehlen wir, Ihre Lieferanten mindestens sechs Monate vor

der Ausschreibung über Ihre Absicht zu informieren. So haben die

Marken Zeit, ihre Produkte zertifizieren zu lassen. Sie nutzen so

Ihre Marktmacht, um aktiv nachhaltigere Produkte auf den Markt

zu bringen.

Die Kriterien sind sehr vielfältig. Können Sie ein oder

zwei Beispiele nennen, die besonders praxisrelevant für

Einkäufer sind?

Sehr gerne. Zwei Beispiele, die unmittelbar den Total Cost of

Ownership (TCO) positiv beeinflussen, sind die unterstützte Produktlebensdauer

von mindestens fünf Jahren und die Reparierbarkeit.

Die Marke muss Garantie und kostenlose Sicherheitsupdates für fünf

Jahre bieten. In Kombination mit Kriterien zur Haltbarkeit und zur

austauschbaren Batterie bedeutet das: Sie können die Geräte länger

nutzen, senken die jährlichen Gesamtkosten und reduzieren Elektroschrott.

Das ist ein direkter finanzieller und ökologischer Hebel. Ein

weiteres starkes Kriterium ist die Transparenz der Lieferkette, die

die Einhaltung von Arbeitsrechten in den Fabriken sicherstellt – ein

zentrales Thema in der heutigen Zeit.

Zum Abschluss: Welche konkreten nächsten Schritte

empfehlen Sie einem Einkaufsteam, das starten möchte?

Drei einfache Schritte:

1. Machen Sie eine Bestandsaufnahme: Nutzen Sie den kostenlosen

Product Finder auf unserer Website. Geben Sie ein, welche

IT-Marken und Modelle Sie aktuell nutzen. Sie werden überrascht

sein, wie viele bereits zertifiziert sind. Das stärkt Ihre

Argumentation intern.

2. Starten Sie den Dialog: Sprechen Sie mit Ihren wichtigsten

IT-Lieferanten über TCO Certified. Fragen Sie nach ihrem

zertifizierten Portfolio und teilen Sie Ihre zukünftigen Pläne mit.

3. Passen Sie Ihre Vorlagen an: Integrieren Sie die empfohlene

Standard-Formulierung in Ihre Ausschreibungsvorlagen für

IT-Hardware.

Auf unserer Website finden Sie dazu den ‘Leitfaden für Einkäufer’

mit einer praktischen Checkliste, die Sie Schritt für Schritt begleitet.

Der Wechsel zu einer nachhaltigeren IT-Beschaffung ist ein Prozess,

aber mit TCO Certified müssen Sie das Rad nicht neu erfinden.

Das Interview führte

Thomas Heine

Chefredakteur

www.nachhaltige-beschaffung.com

Kleine Kniffe

59


Digitalisierung

Der Servicestandard -

Ein Erfolgsrezept für die digitale Verwaltung

Im Interview spricht Christina Lang, Gründerin und CEO des DigitalService, über fünf Jahre

digitale Verwaltungsmodernisierung. Sie zeigt, wie ihr Team mit Start-up-Spirit, Open-Source-

Prinzipien und partnerschaftlicher Zusammenarbeit nutzerfreundliche Lösungen entwickelt, und

erklärt, warum der Servicestandard für Bund, Länder und Kommunen das Rezept für erfolgreiche

Digitalisierung ist.

Das Interview führte Thomas Heine

Der DigitalService des Bundes feiert seinen fünften

Geburtstag. Was machen Sie und Ihr Team konkret?

Wir entwickeln im Auftrag der Bundesverwaltung nutzerfreundliche

digitale Lösungen und unterstützen die Verwaltung, moderne

agile Arbeitsweisen zu etablieren. Dabei verbinden wir das

Beste aus beiden Welten: Wir bringen das Know-how für die Digitalisierung

mit und kennen gleichzeitig die Besonderheiten der

Verwaltung.

Viele unserer über 200 Mitarbeitenden stammen aus der Digitalbranche

und aus führenden Tech-Unternehmen. Unsere Kultur

gleicht eher einem Start-up: Wir arbeiten in interdisziplinären Projektteams,

nutzen moderne Produktentwicklungsprinzipien und

stellen die Nutzenden in den Mittelpunkt. Was uns dabei besonders

wichtig ist: Wir arbeiten eng und auf Augenhöhe mit unseren Projektpartnerinnen

und Projektpartnern zusammen.

Als Bundes-GmbH wirken wir dabei stets im Interesse des

Gemeinwohls und orientieren uns nicht an Gewinnmaximierung.

Auch deshalb sind wir ein vertrauenswürdiger interner Digitalisierungspartner

für die Verwaltung. So entwickeln wir beispielsweise

alle unsere Software-Projekte mit Open-Source-Lizenzen.

Weil sie mit öffentlichen Geldern erarbeitet wurden, sollen auch die

Ergebnisse öffentlich zur Verfügung stehen. Wir ermöglichen Nachnutzung

und bauen, wo immer möglich, auf Vorarbeiten anderer

auf. Außerdem teilen wir Wissen, Konzepte und Erfahrungen offen.

Wie sehen die Projekte aus, die Sie umsetzen?

Ein Beispiel: Gemeinsam mit dem Bundesministerium der Justiz

und für Verbraucherschutz entwickeln und betreiben wir digitale

Angebote, die den Zugang zum Recht für Bürgerinnen und Bürger

verbessert. Wir ermöglichen es, Anträge wie Beratungshilfe oder

Prozesskostenhilfe digital bei Amtsgerichten einzureichen. Diese

Projekte sind eine föderale Kooperation zwischen dem Bund, zehn

Partnerländern und 24 Pilotgerichten. Unser Anspruch ist die bundeseinheitliche

Entwicklung dieser Dienste. Dazu müssen wir von

Anfang an die Breite der Gerichtslandschaft in die Entwicklung einbeziehen.

Ein ganz anderes Beispiel ist der Digitalcheck für digitaltaugliche

Gesetzgebung. Hier arbeiten wir mit dem Bundesministerium für

Digitales und Staatsmodernisierung daran, dass unsere Gesetzgebung

fit für das digitale Zeitalter wird. Dafür geben wir Mitarbeitenden

der Verwaltung neue Werkzeuge an die Hand, zum Beispiel, um

umsetzende Behörden besser einzubinden. Auch hier arbeiten wir

eng mit den Bundesländern, tauschen Erfahrungen aus und bieten

Unterstützung an.

In Kommunen sind finanzielle und personelle

Ressourcen ein großes Thema. Welche Rolle kann die

Digitalisierung hier spielen?

Mit Blick auf die personellen Ressourcen bietet Digitalisierung

perspektivisch die große Chance, dass Mitarbeitende von repetitiven,

automatisierbaren Aufgaben entlastet werden und ihre Zeit für die

wirklich wichtigen Aufgaben nutzen können oder dass Bürgerinnen

und Bürger von deutlich besseren und schnelleren digitalen

Services profitieren. Gleichzeitig darf man nicht die Augen davor

60 Kleine Kniffe


Foto: DigitalService

verschließen, dass die Umsetzung von Digitalisierungsprojekten

und die Implementierung vor Ort erst einmal kundiges Personal

erfordern.

Die Herausforderungen bei den finanziellen Ressourcen in den

Kommunen sind und dabei sehr bewusst. Ein wichtiger Effizienzhebel

wäre eine Bündelung der Bereitstellung von digitalen Lösungen

für Kommunen auf gemeinsam nutzbaren Infrastrukturen. Aber es

gilt auch, stärker auf standardisierte, offene Schnittstellen bei der

Entwicklung von IT-Lösungen und Fachverfahren unterschiedlicher

Software-Anbieter hinzuwirken. Das macht die IT-Systeme kompatibler

und ermöglicht günstige Nachnutzung.

Welche konkreten Vorteile bringen Standardisierungen

in diesem Kontext?

Gut gemachte technische und fachliche Standards setzen den

Rahmen für die Interoperabilität von IT-Lösungen. Gleichzeitig

reduzieren sie den individuellen Aufwand in Digitalisierungsvorhaben

und sichern eine einheitlich hohe Qualität. Wichtig ist uns, dass

Standards so entwickelt werden, dass sie gut für die Praxis funktionieren.

Das heißt widerspruchsfrei, verständlich und verbindlich.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Servicestandard, der Maßstäbe für

die Qualität digitaler Angebote der Verwaltung setzt.

Was genau ist der Servicestandard und

an wen richtet er sich?

Der Servicestandard bietet klare, überprüfbare Qualitätsanforderungen

und praxisnahe Unterstützung für digitale

Verwaltungsdienste. Damit ist der Servicestandard ein wirksames

und hilfreiches Werkzeug, um schnell und effizient gute Verwaltungsdienste

zu entwickeln und zu betreiben. Er ist wie ein gutes

Kochrezept für alle, die in Bund, Ländern und Kommunen an digitalen

Services arbeiten.

Sie entwickeln den Servicestandard gemeinsam mit

dem Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung

weiter. Wie sieht die Zusammenarbeit aus?

Wir sind im Sommer 2024 gestartet, damals noch mit dem

Bundesministerium des Innern (BMI). Wir haben zunächst rund 60

Interviews mit Expertinnen und Experten aus Bund, Ländern, Kommunen,

Wirtschaft und und Zivilgesellschaft geführt. Ein Wunsch,

der sich dabei herausstellte: Orientierung ist gut, Vorgaben sind

besser!

Daher haben wir gemeinsam mit dem BMI, dem Deutschen

Institut für Normung (DIN) und einem breiten Konsortium aus

Weitere Informationen

Sie möchten mehr über den DigitalService des Bundes

erfahren? Die Webseite bieten einen Einlbick.

Die Expertinnen und Experten aus Software-Entwicklung,

Produktmanagement, Transformation sowie Design

& User Research arbeiten Hand in Hand mit ihren

Projektpartner:innen daran, Verwaltungsangebote gut zu

digitalisieren.

Kleine Kniffe

61


Foto: DigitalService

Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft die DIN SPEC 66336

(Servicestandard) entwickelt. Nach nur drei Monaten konzentrierter

Arbeit wurde sie im März 2025 veröffentlicht. Sie konkretisiert in

13 Kapiteln die Qualitätskriterien des Servicestandards mit Muss-,

Sollte- und Kann-Vorgaben. Im Juni haben wir die Webseite servicestandard.gov.de

gelauncht, um die Anforderungen der DIN

SPEC 66336 verständlich und praxisnah aufzubereiten. Die Webseite

wird kontinuierlich erweitert und dient für alle, die mit dem

Servicestandard arbeiten, als erste und wichtigste Anlaufstelle.

Aktuell sind wir mit Ländern und Kommunen in Gesprächen, um

den Servicestandard in konkreten Pilotprojekten zu verproben. Die

Erfahrungen, die wir dort sammeln, fließen dann wieder in die

Weiterentwicklung der Angebote.

Welche Vorteile bietet der Servicestandard Verwaltungsmitarbeitenden,

die sich mit Beschaffung und

Vergabe befassen?

Insbesondere die DIN SPEC 66336 vereinfacht die Zusammenarbeit

mit externen Dienstleistern, da sie einheitliche und

überprüfbare Anforderungen für Online-Services und -Portale der

Verwaltung definiert und bereits eine Vielzahl an rechtlich relevanten

Vorgaben und EU-Richtlinien beinhaltet. Da die Anforderungen

feststehen, entfallen langwierige Verhandlungen. Einheitliche

Qualitätsstandards, wie der Servicestandard, fördern zudem die

Wiederverwendung bestehender Lösungen und verbessern die

Interoperabilität. Und mit der klareren Orientierung sinkt das Risiko

von Fehlinvestitionen.

Wichtig ist aber auch: Der Servicestandard ist mehr als nur diese

Norm. Seine 13 Kriterien fordern und fördern eine ganzheitliche

Sicht auf digitale Services – von der Nutzendenforschung über

Barrierefreiheit oder Datensicherheit bis hin zur Verbesserung

von rechtlichen Regelungen. Damit die Verantwortlichen diese

Kriterien in ihrer Arbeit wirklich anwenden können, braucht es

konkrete Anleitungen, Praxisbeispiele und weitere Handreichungen.

Daran arbeiten wir derzeit.

Und wo stehen Sie aktuell beim Servicestandard?

Am 1. Oktober 2025 ist die Standardverordnung Onlinezugang

(OZ-SV) in Kraft getreten. Das ist eine gute Nachricht, denn damit

gelten für digitale Verwaltungsservices verbindliche Qualitätsanforderungen

nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik

mit Verweis auf die DIN SPEC 66336 zum Servicestandard. Damit

der Servicestandard in der Breite angewendet wird und seine

volle Wirksamkeit entfalten kann, braucht es aber vor allem eins:

Effektive und praxisorientierte Unterstützung – und genau das

bietet servicestandard.gov.de. Seit Projektstart haben wir mit weit

über 100 Expertinnen und Experten zusammengearbeitet – aus allen

Bereichen und Hierarchieebenen der Verwaltung, aber auch aus der

Wirtschaft und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Das betrifft

die Erarbeitung der DIN SPEC 66336, genauso wie die Konzeption

von servicestandard.gov.de. Die gemeinsame Arbeit All dies sind

wunderbare Beispiele dafür, wie sinnstiftend die Arbeit in der Verwaltung

ist. Wir spüren in diesen Formaten: Wir gestalten die

Zukunft unseres Staates – durch ein gemeinsames Ziel und durch

Kollaboration auf Augenhöhe. Das schafft mutige Ergebnisse, mit

denen wir richtig zufrieden sein können.

Das Interview führte

Thomas Heine

Chefredakteur

www.nachhaltige-beschaffung.com

62 Kleine Kniffe


Lösungen von Start-ups

Vom Ausschreibungsdschungel zur Auftragsklarheit:

Wie macht man KMU fit macht für Ausschreibungen – und bringt der öffentlichen Hand neue Partner

Ein Montagmorgen in Ostwestfalen. Der Geschäftsführer eines mittelständischen Modulbauunternehmens

überfliegt seine Mails. “Neue Ausschreibung – Krankenhausanbau in Hessen – Submission

in 9 Tagen.” Klingt passend. Aber: wieder 43 Seiten Vergabeunterlagen. Wieder unklare Formulierungen.

Wieder Unsicherheit, ob man die Unterlagen überhaupt vollständig einreichen kann.

Ein Bericht von Lars Lammers

Diese Realität kennen viele KMU. Und sie führt dazu, dass tausende

potenziell passende Anbieter nicht teilnehmen – obwohl die

öffentliche Hand genau solche Anbieter sucht. Genau hier setzt TenderFlow

an. Das Paderborner Startup hat eine Plattform entwickelt,

die öffentliche Ausschreibungen endlich zugänglich macht. Automatisiert,

verständlich – und ohne eigenes Vertriebsteam.

„TenderFlow funktioniert wie eine Shopping-App für Ausschreibungen:

Profil anlegen, Kriterien eingeben, passende Aufträge

bekommen – ohne Amtsdeutsch, ohne Vergabestress“, sagt Lars

Lammers, Gründer von TenderFlow.

Für die öffentliche Hand bedeutet das: mehr Auswahl, mehr

Innovation, mehr Nachhaltigkeit.

Klingt gut – aber funktioniert es auch?

Markus Hartmann, Geschäftsführer bei HARTMANN

TRESORE, kann es beantworten: „Wir haben mit TenderFlow in

zwei Wochen vier passende Ausschreibungen erhalten – und direkt

Angebote abgegeben. Die Software hat uns nicht nur Arbeit, sondern

auch Unsicherheit abgenommen.“

Auch ADK Modulraum GmbH, Klosebrothers oder Novomind

nutzen die Plattform bereits – und bringen so ihre spezialisierten

Angebote schneller in öffentliche Prozesse ein. Das hilft nicht nur

den Unternehmen, sondern auch der öffentlichen Hand: Die Zahl

der qualifizierten Bewerber steigt – ohne mehr Ausschreibungsaufwand.

• KMU mit ESG-Qualifikationen werden systematisch berücksichtigt

• Innovative Lösungen kommen nicht nur von Konzernen –

sondern aus dem Mittelstand

TenderFlow denkt die Vergabe neu – aus Sicht der Praxis, mit

der Intelligenz von KI und dem Ziel, öffentliche Mittel gezielt, fair

und wirkungsvoll einzusetzen.

Die Vision ist klar:

Ein europäisches, mehrsprachiges Vergabesystem, das KMU

stärkt, Verwaltung entlastet – und nachhaltige, resiliente Beschaffung

fördert. Denn was heute noch wie ein Technologieprojekt

klingt, ist in Wahrheit ein Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unserer

Wirtschaft – und unserer Verwaltung.

Exklusives Angebot für Leser:innen dieses

Magazins

Leser:innen des „Magazins für nachhaltige Beschaffung“ erhalten

exklusiv und nur für die nächsten 30 Tage 10 % Rabatt auf

TenderFlow – und damit direkten Zugang zum offiziellen Launch

im November. Einfach bei der Registrierung den Code Nachhaltige-

Beschaffung25 eingeben – und als erste:r vom neuen Standard der

smarten Ausschreibungsakquise profitieren.

Gerade im Kontext nachhaltiger Beschaffung

ist das entscheidend:

• Regionale Anbieter werden durch smarte Filter schneller

gefunden

Autor

Lars Lammers

CEO und Co-Founder

TenderFlow

http://www.tenderflow.ai/

Kleine Kniffe

63


Digitale Souveränität und Cloud Nutzung

Cloud – während wir diskutieren,

nimmt die Cloud-Nutzung immer weiter zu

Noch immer ist der Wissensstand über „Cloud“ stark heterogen und von einigen Vorbehalten

geprägt. Risiken stehen im Vordergrund, Chancen werden noch zu wenig betrachtet. Dabei ist

„Cloud“ mehr als eine Technologie oder ein anderes, großes leistungsfähiges Rechenzentrum.

Ein Beitrag von Harald Joos

Die Nutzung der „Cloud“ geht mit Veränderungen einher:

Änderungen im Rechenzentrumsbetrieb, beim Betriebsmodell,

bei der Softwareentwicklung, der Abrechnung, den Fachabteilungen,

bei den klassischen Geschäftsmodellen und vielem mehr. Die

Cloud-Nutzung wird zu Veränderungen führen, damit steigt die

„gefühlte“ Unsicherheit.

Gleichzeitig wissen wir, dass wir uns verändern müssen, denn

Anforderungen und Herausforderungen nehmen stetig zu und

können mit den Lösungen der Vergangenheit nicht mehr bewältigt

werden. Rund ein Drittel der Beschäftigten wird bis Ende

dieses Jahrzehnts altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden,

Anforderungen an Informationssicherheit und Compliance steigen,

Cyberangriffe nehmen zu, Schwachstellen müssen immer

schneller gepatcht werden, der technologische Wandel gewinnt

weiter an Geschwindigkeit, Fachpersonal fehlt. Wichtig ist es

weniger Schwarz-Weiß-Diskussionen zu führen, sondern sich mit

den Vor- und Nachteilen der Cloudnutzung aus unterschiedlichen

Blickwinkeln auseinanderzusetzen, um dann unter Berücksichtigung

der jeweiligen Rahmenbedingung die Entscheidung zu treffen, die

am besten passt und diese gut zu erklären und zu kommunizieren.

Die „Cloud“ als Fundament und Plattform ist Enabler und einer der

wesentlichen Treiber bei der Digitalisierung.

Einfache Bezugswege für Cloud-Angebote bilden bei der

Cloud-Nutzung eine wichtige Voraussetzung. Im Jahr 2024 wurden

mehrere große „Cloud-Broker-Ausschreibungen“ in der Öffentlichen

Verwaltung durchgeführt. Ziel dieser Ausschreibungen war es

nicht einzelne Cloud-Anbieter und deren Lösungen auszuschreiben,

sondern mehrere Anbieter nutzen zu können. Insbesondere sollten

neben den US-Angeboten auch deutsche und europäische Angebote

vertreten sein. Mit der gemeinsamen Cloud-Broker-Ausschreibung

der Bundesagentur für Arbeit, der Deutschen Rentenversicherung

und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung können nun

in der Sozialversicherung die Angebote der deutschen Cloud-Anbieter

STACKIT und IONOS, des französischen Cloud-Anbieters

OVH und des polnischen Cloud-Anbieters CloudFerro neben den

US-Angeboten genutzt werden.

Dies ist wichtig, um eine zu starke Abhängigkeit von

US-Anbietern zu reduzieren, denn der Marktanteil der drei US-Hyperscaler

beträgt rund zwei Drittel des Weltmarkts. Eine Vielzahl

von SaaS-Lösungen (Software as a Service) laufen zurzeit vorrangig

auf den Plattformen der US-Hyperscaler. Dank der hohen Umsätze

und Erlöse können diese immer mehr in neue Lösungen investieren

als auch milliardenschwere Akquisitionen tätigen. Durch die Vielzahl

der innovativen Lösungen kommen die Kunden auf der einen

Seite schneller voran, auf der anderen Seite binden die Kunden sich

gleichzeitig stark an ein Ökosystem, einen Hersteller. Abhängigkeiten

und Risiken eines Vendor-Lock-ins nehmen zu.

Hinzu kommen (geo-)politische Rahmenbedingungen, die

zunehmend an Bedeutung gewinnen. Können unsere Daten bei

einem US-Anbieter ausreichend vor einem fremden Zugriff, z.B.

durch die US-Regierung, geschützt werden? Digitale Souveränität,

DSGVO, EU-Angemessenheitsbeschluss, CLOUD-Act, FISA 702,

Konzernstrukturen, Executive Order sind dabei einige der Begriffe,

denen man in diesem Kontext häufig begegnet. Es würde den

Rahmen sprengen, an dieser Stelle ausführlich darauf einzugehen.

64 Kleine Kniffe


Foto: depositphotos

Festzuhalten bleibt: Die Nutzung der Public-Cloud Angebote der

US-Hyperscaler ist mit Risiken verbunden, die es zu bewerten gilt.

Die US-Firmen haben dies erkannt und reagieren darauf mit „souveränen“

Angeboten, wie der „AWS European Sovereign Cloud“, der

„Google Distributed Cloud“ und der „Delos Cloud - für die Lösungen

der Firma Microsoft“. Damit sollen einige der Risiken der Public

Cloud mitigiert werden.

Der starke Fokus auf die US-Angebote verstellt mitunter etwas

den Blick darauf, dass es bereits heute eine Vielzahl leistungsfähiger

Cloud-Angebote aus Deutschland und Europa gibt. KI-Angebote

kommen hinzu. Cloud in Verbindung mit KI, vorrangig die KI-Modelle,

die als open source Lösung zur Verfügung stehen, bietet

Chancen für die europäischen Anbieter im Wettbewerb mit den

großen US-Anbietern. Obligatorisch sollte im Rahmen einer

Cloud-Nutzungstrategie auch mindestens ein deutsches,europäisches

Angebot vertreten sein.

Der Markt ist groß genug für mehrere Angebote. Es liegt an uns,

die deutschen und europäischen Alternativen bereits heute mehr zu

nutzen. Wichtig für Europa ist es, dass wir über marktstarke Alternativen

verfügen. Dazu bedarf es eines sichtbaren Marktanteils. Auch

die US-amerikanischen Angebote werden weiter genutzt werden.

Wir sollten sie nutzen können, aber nicht in eine Situation kommen,

in der wir sie nutzen müssen. Um für den jeweiligen Use Case die

beste Lösung anzuwenden, sollten mehrere „Clouds“ genutzt werden

können, in und außerhalb des eigenen Rechenzentrums, es bedarf

einer Multi-Cloud-Strategie. Deutsche und Europäische Angebote

sollten dabei fester Bestandteil einer Multi-Cloud-Strategie sein.

Der Autor

Harald Joos ist seit April 2023 „Cloud Beauftragter der Deutschen

Rentenversicherung Bund“. Er kümmert er sich um die

Nutzbarmachung von Public-Cloud-Angeboten für die öffentliche

Verwaltung und leitet das Projekt „Cloud-Reallabor – sichere Verarbeitung

in der Cloud“ auf dem GovTech Campus. Von Februar

2021 bis Januar 2023 war er IT-Beauftragter der Bundesfinanzverwaltung

und Leiter der Abteilung VI „Informationstechnik“ im

Bundesministerium der Finanzen und zuvor Chief Information

Officer (CIO) der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Autor

Harald Joos

Cloudbeauftragter der Deutschen

Rentenversicherung Bund

Kleine Kniffe

65


Lösungen von Start-ups

Multi-Agenten-Infrastruktur

Eine strategische Antwort des öffentlichen Beschaffungswesens in Europa

Die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung in Europa ist ein komplexes Unterfangen,

das durch eine starke Kombination aus regulatorischen Entwicklungen und erheblichen

demografischen Herausforderungen vorangetrieben wird. Tenderos neue Multiple Agent

Infrastructure (MAI) zur Angebotsbewertung für öffentliche Auftraggeber ist kein

isoliertes Produkt, sondern eine zeitgerechte und strategische Antwort auf diese beiden

Herausforderungen.

Ein Bericht von Ivan Stanisavljevic

Das öffentliche Beschaffungswesen, das rund 19 % des Bruttoinlandsprodukts

der Europäischen Union ausmacht, befindet sich

in einem grundlegenden Paradigmenwechsel: weg vom alleinigen

Fokus auf den niedrigsten Preis hin zum umfassenderen Modell des

wirtschaftlich günstigsten Angebots (MEAT – Most Economically

Advantageous Tender). Diese gesetzliche Neuausrichtung soll Innovation

und gesellschaftlichen Mehrwert fördern, führt jedoch zu

einer neuen Komplexität, die manuelle Bewertungsverfahren kaum

noch bewältigen können.

Gleichzeitig steht der öffentliche Dienst vor einem akuten

Fachkräftemangel, insbesondere in Deutschland, wo ein erheblicher

Teil der Beschäftigten kurz vor dem Ruhestand steht. Diese demografische

Entwicklung bedroht die Handlungsfähigkeit staatlicher

Institutionen und macht die Automatisierung zeitaufwändiger Aufgaben

zu einer strategischen Notwendigkeit.

Tenderos MAI-Lösung adressiert genau diesen Schnittpunkt.

Durch den Einsatz eines hochentwickelten Multi-Agenten-KI-Systems

automatisiert sie die anspruchsvolle und vielschichtige

Analyse, die das MEAT-Verfahren erfordert, und wirkt damit wie

ein „Kraftverstärker“ für unterbesetzte Behörden. Dank flexibler

Hosting-Optionen, einschließlich lokaler On-Premise-Installation,

trägt die Plattform den zentralen Anliegen des öffentlichen Sektors

in Bezug auf Datensouveränität und regulatorische Compliance

Rechnung.

Der Wandel im öffentlichen Beschaffungswesen:

Vom niedrigsten Preis zum MEAT-Prinzip

Das Fundament der öffentlichen Auftragsvergabe in Europa hat

einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen. Historisch stützten sich Vergabestellen

häufig auf ein einziges, scheinbar objektives Kriterium: den

niedrigsten Preis. Diese Praxis führte jedoch oft zu mangelnder Qualität,

geringerer Innovationskraft und fehlendem langfristigen Mehrwert, da

Bieter gezwungen waren, ihre Angebote auf Kosten der Nachhaltigkeit

zu verschlanken.

Mit der EU-Richtlinie 2014/24/EU sowie den Richtlinien 2014/25/

EU und 2014/23/EU wurde ein Paradigmenwechsel eingeleitet: Seit

April 2016 sollen Aufträge auf Grundlage des wirtschaftlich günstigsten

Angebots (MEAT) vergeben werden. Dieses Modell geht über eine reine

Kostenbewertung hinaus und berücksichtigt den gesamten Lebenszyklus

eines Projekts – mit dem Ziel, den besten Gegenwert für öffentliche

Mittel zu erzielen.

Das MEAT-Prinzip erlaubt eine mehrdimensionale Bewertung,

die neben dem Preis auch Qualität, technische Leistung, ökologische

Aspekte, soziale Kriterien und Innovationsfaktoren einbezieht. So kann

beispielsweise ein Infrastrukturprojekt nicht an den billigsten Anbieter

gehen, sondern an ein Unternehmen, das nachhaltigere Materialien

nutzt oder ein designtechnisch wartungsärmeres Konzept vorlegt.

66 Kleine Kniffe


Foto: depositphotos

Trotz klarer gesetzlicher Vorgaben bleibt ein Gap zwischen Theorie

und Praxis. Daten zeigen, dass einige Mitgliedstaaten wie die

Slowakei, Litauen und Rumänien noch immer in über 90 % der Fälle

den niedrigsten Preis als Kriterium heranziehen, während Länder

wie Kroatien, Frankreich oder die Niederlande das MEAT-Prinzip

stärker umsetzen. Ursache ist die hohe Komplexität: Die manuelle

Abwägung zahlreicher qualitativer und quantitativer Kriterien ist für

Vergabestellen extrem ressourcenintensiv. Hier entsteht ein klarer

Bedarf nach technologischen Lösungen, die den Prozess vereinfachen

und auditierbar machen.

Eine Kapazitätskrise: Der Fachkräftemangel in

der deutschen Verwaltung

Die Umsetzung des MEAT-Prinzips wird zusätzlich durch die

demografische Entwicklung erschwert. In Deutschland steht der

öffentliche Dienst vor einem massiven Fachkräfteengpass, ausgelöst

durch eine Welle anstehender Pensionierungen.

Laut einer McKinsey-Studie droht dem deutschen öffentlichen

Sektor bis 2030 ein Defizit von 730.000 Beschäftigten. Rund 1,8

Millionen der heute 4,7 Millionen Angestellten – also mehr als ein

Drittel – werden in den kommenden zwölf Jahren in den Ruhestand

gehen. Gleichzeitig sind zu wenige Nachwuchskräfte in Sicht, um

diese Lücke zu schließen.

Dieses Wissens- und Personaldelta bedroht die Funktionsfähigkeit

der Behörden und erschwert insbesondere zeitintensive

Prozesse wie die aufwendige Angebotsbewertung nach MEAT. Digitale

Lösungen und Automatisierung gelten daher als unverzichtbare

Bestandteile der Antwort auf diese Herausforderung.

Tenderos Lösungsökosystem: Von der

Bieterseite zur Vergabestelle

Tendero hat zunächst seine Marktstellung durch eine KI-gestützte

Plattform für Unternehmen aufgebaut, die an öffentlichen

Ausschreibungen teilnehmen. Die wichtigsten Module umfassen:

• Compliance Report: Automatische Prüfung der Eignungskriterien.

• Intelligente Zusammenfassung: KI-basierte Übersicht der

Ausschreibungsdokumente.

• Magellan AI Chatbot: Interaktive Unterstützung zu Vergabedokumenten

und Rechtsgrundlagen.

• Market Intelligence: Analysen zu Auftraggebern, Wettbewerbern

und Markttrends.

Aufbauend auf diesem Fundament richtet Tendero seinen

Fokus nun auf die Vergabestellen selbst. Die neue Lösung – ein

Multi-Agenten-Ökosystem (MAI) – ist speziell für die Angebotsbewertung

entwickelt. Statt einer monolithischen KI setzt das System

Kleine Kniffe

67


Foto: Screenshot Webseite

auf spezialisierte Agenten, die unterschiedliche Aufgaben wie

Kontextanalyse, Strukturierung, Begründung oder Querverweise

übernehmen.

Strategischer Mehrwert: MEAT, MAI und

Marktbedürfnisse

Der strategische Nutzen von Tenderos MAI-Lösung zeigt sich

in drei Dimensionen:

Überbrückung der Policy-Practice-Lücke: Durch Automatisierung

der komplexen Kriterienbewertung ermöglicht MAI eine

transparente, prüfbare und datenbasierte Entscheidungsfindung –

jenseits des niedrigsten Preises.

Deutschland – entsteht eine Situation, die Digitalisierung und Automatisierung

zu einer strategischen Pflicht macht.

Tenderos MAI-Software ist eine direkte Antwort auf diese Herausforderungen.

Sie vereinfacht die MEAT-Bewertung, stärkt die

Handlungsfähigkeit unterbesetzter Verwaltungen und gewährleistet

gleichzeitig höchste Standards in Bezug auf Datensicherheit und

Souveränität.

Die Zukunft der öffentlichen Verwaltung wird maßgeblich

davon abhängen, in welchem Umfang Behörden bereit sind, KI-gestützte

Lösungen wie Tenderos MAI zu integrieren – nicht nur zur

Effizienzsteigerung, sondern als Fundament für eine moderne, nachhaltige

Verwaltung.

Antwort auf den Fachkräftemangel: Automatisierung entlastet

die Verwaltung und verschafft den verbleibenden Teams Zeit

für wertschöpfende Aufgaben.

Datensouveränität und Sicherheit: Mit On-Premise-Optionen

und strikter DSGVO-Konformität erfüllt Tendero die zentralen

Anforderungen öffentlicher Institutionen.

Fazit: Die Zukunft

der öffentlichen Auftragsvergabe

Das öffentliche Beschaffungswesen in Europa steht an einem

Wendepunkt. Die Umstellung auf das MEAT-Prinzip ist notwendig,

aber komplex. Zusammen mit dem Fachkräftemangel – besonders in

Autor

Ivan Stanisavljevic

Tendero,

Co-Founder & CEO

https://tendero.eu/

68 Kleine Kniffe


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Kleine Kniffe

69


Lösungen von Start-ups

Wie KI die Verwaltung

nicht nur digitalisiert, sondern revolutioniert

Verwaltungen stehen zunehmend unter Druck: Einerseits fehlen qualifizierte Fachkräfte,

andererseits steigen die Anforderungen an Servicequalität, Geschwindigkeit und Kosteneffizienz.

Mitarbeitende sind häufig mit Routinetätigkeiten ausgelastet, während

gleichzeitig die Erwartung nach moderner, digitaler Bürgernähe wächst. Hier setzen

Automatisierungslösungen mit Künstlicher Intelligenz an, die Verwaltungsprozesse nicht nur

digitalisieren, sondern spürbar entlasten lassen können – ohne lange Projektlaufzeiten oder

komplexe IT-Anpassungen.

Ein Bericht von Dr. Moritz Gomm & Michael Wilczynska

Eine solche KI ist zum Beispiel EMMA, die Prozesse wie ein

Mensch versteht, analysiert und ausführt. Mitarbeitende können sie

in wenigen Tagen anlernen, um Routineaufgaben zu automatisieren

und so wertvolle Zeit für anspruchsvollere Tätigkeiten zu gewinnen.

Erste Praxiseinsätze zeigen deutliche Effekte: Mehrere Stunden

Arbeitszeit und zehntausende Klicks pro Tag lassen sich einsparen.

Best Practice:

EMMA in der öffentlichen Verwaltung

EMMA wird bereits erfolgreich in zahlreichen Behörden eingesetzt

– etwa im Jugendamt Lüchow-Dannenberg zur Bearbeitung

von Unterhaltsvorschüssen oder bei Wohngeldanträgen. Die KI

übernimmt dabei Routineaufgaben wie das Ausfüllen von Formularen,

die Prüfung von Dokumenten oder die Übergabe von Daten

an Fachverfahren – und das revisionssicher und rund um die Uhr.

EMMA wird seit 2023 z.B. auch in der Verwaltung des Hochtaunuskreises

für digitale Rechnungsprozesse, den digitale Posteingang

im Jobcenter, im Personal- und Ausländerwesen sowie in der Unteren

Wasserbehörde eingesetzt.

Die Vorteile liegen auf der Hand:

• Keine Schnittstellen notwendig: EMMA bedient die Software

wie ein Mensch.

• Datensicherheit: Die KI läuft lokal („on premise“) und erfüllt

höchste Datenschutzstandards.

• Mitarbeiterzentriert: Fachbereiche automatisieren ihre Prozesse

selbst – ohne IT-Abhängigkeit.

Dass die Mitarbeiter:innen die Digitalisierung selbst in die Hand

nehmen, ist für den Erfinder von EMMA, Michael Wilczynska, besonders

wichtig: „Wenn möglichst viele Menschen an der Digitalisierung

ihrer Prozesse mitwirken, statt nur als Zuschauer am Rande zu stehen,

schafft das Akzeptanz sowie unternehmerische und gesellschaftliche

Mehrwerte.“

Faktoren, die für eine Automatisierung mit Emma sprechen, sind:

• Hoher manueller Aufwand: Wiederkehrende Tätigkeiten mit

vielen Klicks und Dateneingaben

• Fehlende Schnittstellen: Prozesse, die nicht direkt digital integriert

sind und manuell bedient werden müssen

• Standardisierte Abläufe: Prozesse mit klaren Regeln (z. B. Formularbearbeitung,

Datenübertragung)

• Systemvielfalt: Nutzung verschiedener Fachverfahren und Softwarelösungen,

die EMMA applikationsübergreifend bedienen

kann

• Fachkräftemangel: Prozesse, die aktuell personell nicht effizient

abgedeckt werden können

Fallbeispiel:

Digitalisierung in der Abfallwirtschaft

Ein spannendes Einsatzfeld für EMMA ist z.B. die Abfallentsorgung

und das Recycling – ein Bereich, der trotz hoher regulatorischer

Anforderungen noch stark papierbasiert arbeitet. Zwischen Entsorgungsunternehmen,

Behörden und Recyclingbetrieben werden

täglich tausende Formulare, Nachweise und Dokumente manuell erstellt,

70 Kleine Kniffe


Foto: depositphotos

geprüft und übermittelt. Gleichzeitig steht die Branche aktuell unter

enormen Kostendruck.

Die Herausforderung

Die Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV) schreibt eine lückenlose

Dokumentation und elektronische Nachweisführung vor.

Dennoch werden viele Prozesse noch per Hand erledigt: Excel-Tabellen,

PDF-Formulare, E-Mail-Anhänge und Faxe bilden einen

digitalen Flickenteppich, der Zeit kostet und Fehlerquellen birgt.

Die Lösung mit EMMA

Entsorger und Recycler könnten EMMA für die Automatisierung

des gesamten Nachweisprozesses nutzen:

Fazit: Vom „Ob“ zum „Wie“ der Digitalisierung

EMMA zeigt eindrucksvoll, wie Digitalisierung in der Verwaltung

sofort umsetzbar ist. Statt auf externe IT-Teams zu warten,

können Fachbereiche selbst aktiv werden. Die KI ist dabei nicht

Ersatz, sondern Ermöglicher – sie schafft Freiräume für menschliche

Stärken wie Empathie, Kreativität und strategische Entscheidungen.

Gerade in komplexen, stark regulierten Bereichen wie der

Abfallwirtschaft wird deutlich: Digitalisierung ist kein Selbstzweck,

sondern ein Werkzeug für Effizienz, Nachhaltigkeit und Souveränität.

Und EMMA ist ein Beweis, dass die Zukunft der Verwaltung

bereits begonnen hat.

• Eingehende Auftragsdaten aus E-Mails oder Formularen

einlesen,

• die gesetzlich vorgeschriebenen Nachweise automatisch

ausfüllen,

• die Daten in das Fachverfahren übertragen, ohne dass Schnittstellen

programmiert werden müssen, und

• alle Schritte revisionssicher archivieren und Entscheidung

dokumentieren.

Das Ergebnis: Papierlose Workflows, minimierter Aufwand,

maximale Transparenz und mehr Zeit für das Wesentliche – und

das alles bei voller Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben.

Autoren

Michael Wilczynska

Gründer & CEO Wianco OTT Robotics, www.wianco.com

Dr. Moritz Gomm

Entsorger Circle. www.enstorger-circle.org

Kleine Kniffe

71


EU - Green Public Procurement (GPP)

Umweltfreundliche öffentliche Beschaffung auf lokaler Ebene:

erste Bestandsaufnahme in Tschechien und der Slowakei

Die öffentliche Beschaffung ist ein wirkungsvolles Instrument, das mit einem Anteil von etwa

12 % am BIP Tschechiens und der Slowakei eine bedeutende Rolle spielt. Es geht dabei nicht

nur um den Kauf von Waren und Dienstleistungen, sondern um einen strategischen Hebel, mit

dem einige der dringendsten Herausforderungen unserer Zeit angegangen werden können, vom

Klimawandel bis zur Energiekrise. Aber wie „umweltfreundlich” sind diese unverzichtbaren

Ausgaben, insbesondere auf lokaler Ebene?

Ein Beitrag von Michal Plaček

Die öffentliche Beschaffung ist ein wirkungsvolles Instrument,

das mit einem Anteil von etwa 12 % am BIP Tschechiens und der Slowakei

eine bedeutende Rolle spielt. Es geht dabei nicht nur um den

Kauf von Waren und Dienstleistungen, sondern um einen strategischen

Hebel, mit dem einige der dringendsten Herausforderungen

unserer Zeit angegangen werden können, vom Klimawandel bis zur

Energiekrise. Aber wie „umweltfreundlich” sind diese unverzichtbaren

Ausgaben, insbesondere auf lokaler Ebene?

Diese Fragen werden in den beiden neuesten Studien der Initiative

für nachhaltige Beschaffung an der Kogod Business School der

American University Washington unter der Leitung von Professorin

Nicole Darnall beantwortet. Mehrere tschechische und slowakische

Universitäten (Karls-Universität, Technische Universität für Bergbau

und Metallurgie, Ambis-Universität, Matej-Bel-Universität)

nahmen unter der Leitung von Professor Michal Plaček ebenfalls

an der Studie teil.

Die Tschechische Republik und die Slowakei zeichnen sich

durch eine hohe Anzahl von Gemeinden aus. Die Tschechische

Republik hat 6.242 Gemeinden und die Slowakei 2.891. Ein großer

Teil der Gemeinden hat zudem nur wenige hundert Einwohner.

Diese Fragmentierung verursacht Probleme bei der Umsetzung

nachhaltiger Politik.

Der aktuelle Stand: Eine Mischung aus

Fortschritten und Herausforderungen

Die Ergebnisse für Tschechien zeigten ein gemischtes Bild.

Nur 33 % der Gemeinden gaben an, über eine formelle Richtlinie

für umweltfreundliche Beschaffung zu verfügen. Von diesen gaben

etwas mehr als die Hälfte – 58 % – an, dass sie diese erfolgreich

umsetzen. Diese Zahlen zeigen sowohl ermutigende Fortschritte als

auch einen klaren Bedarf an einer breiteren Einführung. Gemeinden,

die umweltfreundliche Beschaffungspraktiken eingeführt hatten,

wiesen einige gemeinsame Merkmale auf. Sie verfügten eher bereits

über ergänzende Umwelt- und Sozialpolitiken, wie z. B. Energieund

Wassersparprogramme, lokale Recyclinginitiativen und interne

Nachhaltigkeitsaudits. Diese Gemeinden legten auch Wert auf

Zusammenarbeit, arbeiteten oft abteilungsübergreifend und unterstützten

lokale Unternehmen bei der Erreichung ihrer Umweltziele.

Der Erfolg hing nicht nur von den richtigen Richtlinien ab. Kommunen,

die von einer effektiven Umsetzung berichteten, setzten sich

auch konkrete Nachhaltigkeitsziele, verwendeten Umweltzeichen

und Umweltzertifizierungen, wurden von der obersten Führungsebene

stark unterstützt, investierten finanzielle und personelle

Ressourcen in GPP und erhielten Hilfe von externen Quellen wie

Subventionen oder technischer Beratung.

In der Slowakei ist die Situation sehr ähnlich. Trotz einer

Änderung des slowakischen Gesetzes über das öffentliche Beschaf-

72 Kleine Kniffe


Foto: depositphotos

fungswesen im Jahr 2022, die den öffentlichen Auftraggebern

vorschreibt, bei mindestens 6 % ihrer jährlichen Beschaffungsverfahren

ökologische oder soziale Aspekte zu berücksichtigen, ist

die Einhaltung dieser Vorschriften nach wie vor begrenzt. Der

Bericht hebt hervor, dass weiterhin das Kriterium des niedrigsten

Preises im Vordergrund steht, wodurch wichtige Umweltaspekte

oft vernachlässigt werden. Der Bürgermeister tritt durchweg

als der einflussreichste Akteur bei den GPP-Bemühungen hervor.

Interessanterweise wird der Einfluss der Zentralregierung von

Organisationen ohne GPP-Richtlinien als wichtiger angesehen, was

auf eine Abhängigkeit von Top-down-Richtlinien hindeutet, wenn

lokale Initiativen fehlen. Von den 31 % der Kommunen mit einer

GPP-Richtlinie betrachten 58 % deren Umsetzung als erfolgreich.

Zu den wichtigsten Faktoren für diesen Erfolg gehören die Priorisierung

der Reduzierung von Emissionen und Luftverschmutzung,

die Verwendung von Zertifikaten und Umweltzeichen sowie die

Anerkennung der entscheidenden Rolle des Top-Managements, des

mittleren Managements und der Mitarbeiter auf allen Ebenen.

Dazu gehören

• die Anerkennung der öffentlichen Beschaffung als wichtiges

Instrument für politische Veränderungen

• die Umstellung von einem „Abhaken-Ansatz” auf einen Ansatz,

der sich auf Rechenschaftspflicht und Ergebnisse konzentriert

• die Festlegung messbarer Ziele für umweltfreundliche Beschaffung

• die Förderung der Zusammenarbeit zwischen Kommunen zum

Austausch von Wissen und Ressourcen

• die Vereinfachung von Verfahren wie Umweltprüfungen

• das Angebot von Schulungen, Instrumenten und öffentlicher

Aufklärung zur Sensibilisierung und zum Aufbau von

Kapazitäten

Der Weg in die Zukunft

Der Weg zu einer nachhaltigeren Zukunft erfordert mehr als

nur große nationale Strategien – er hängt von Tausenden kleiner,

alltäglicher Entscheidungen auf lokaler Ebene ab. Durch umweltfreundliche

öffentliche Beschaffung können Kommunen mit gutem

Beispiel vorangehen, die Umweltbelastung reduzieren und lokale

Innovationen und Arbeitsplätze fördern.

Autor

Prof. Ing. Michal Plaček, Ph.D.

Institute of Sociological Studies

Karlsuniversität, Prag

Kleine Kniffe

73


EU - Green Public Procurement (GPP)

Soziale Nachhaltigkeit sichtbar machen –

das integrative Unternehmen wienwork als Good Practice

Öffentliche Beschaffung gilt als wirksames Instrument, um ökologische Standards durchzusetzen.

Zunehmend rücken auch soziale Kriterien in den Fokus. Ein zentrales Beispiel aus der Praxis liefert

wienwork, ein österreichischer Integrationsbetrieb, der zeigt, wie soziale Kriterien messbaren

Mehrwert für Kunden, Mitarbeitende und Gesellschaft schaffen.

Ein Beitrag von Daniela Ugovsek

Wie kann öffentliche Beschaffung nicht nur umweltfreundlich,

sondern auch sozial nachhaltig gestaltet werden? Diese Frage stand

im Mittelpunkt des KNB-Fachtags „Dienstleistungen nachhaltig

beschaffen“. Eingeladen hatte die Kompetenzstelle für nachhaltige

Beschaffung (KNB) – zwischen Vergaberecht, ESG-Druck und

Alltagstauglichkeit wurde diskutiert, wie sich soziale Ziele konkret

umsetzen lassen.

Beim KNB-Fachtag wurde – vernetzt durch die naBe-Plattform

– auch ein Good Practice-Beispiel aus Österreich vorgestellt. Die

gezielte Vermittlung über die naBe-Plattform trug dazu bei, dass ein

innovatives Projekt vorgestellt werden konnte und inspirierende

Impulse für die Teilnehmenden in Deutschland setzte. wienwork,

ein Integrationsbetrieb, beweist seit Jahren, dass soziale Kriterien

in Ausschreibungen kein bürokratisches Hindernis, sondern einen

echten Mehrwert für Auftraggebende, Gesellschaft und Mitarbeitende

darstellen.

Der österreichische Aktionsplan für nachhaltige öffentliche

Beschaffung (kurz: naBe-Aktionsplan) erfüllt eine ähnliche Rolle

wie die Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung in Deutschland.

Der naBe-Aktionsplan setzt sich bewusst für die Förderung der

Nachhaltigkeit in allen drei Dimensionen ein. Sozialverantwortliche

und nachhaltige öffentliche Beschaffung verfolgt das Ziel, durch die

Berücksichtigung sozialer Aspekte bei der Auftragsvergabe positive

Wirkungen auf die Gesellschaft und die Wirtschaft zu erzeugen.

Durch die Integration sozialer Kriterien in Beschaffungsprozesse

liegt ein zentraler Hebel zur Achtung sozialer Standards und eines

ethischen Handels.

Europäische und nationale

Rahmenbedingungen

Die EU-Vergaberichtlinie 2014/24/EU erlaubt die Einbindung

sozialer Aspekte in Ausschreibungen – etwa faire Arbeitsbedingungen,

die Beschäftigung benachteiligter Gruppen oder die Einhaltung

von Standards in der Lieferkette. Voraussetzung: Sie müssen auftragsbezogen

sein und den Wettbewerb nicht verzerren.

Damit wird klar: Der rechtliche Rahmen erlaubt und fordert

soziale Nachhaltigkeit – Auftraggeber müssen ihn nur aktiv nutzen.

Berücksichtigung sozialer Aspekte in

öffentlichen Vergabeverfahren

Soziale Nachhaltigkeit kann auf mehreren Ebenen verankert

werden: Bei Eignungskriterien (z. B. Nachweis sozialer Standards

über Gütezeichen), bei Zuschlagskriterien (Beschäftigung benachteiligter

Personen während der Leistungserbringung) und in den

Vertragsbedingungen (verbindliche soziale Vorgaben wie Frauenförderung

oder Integration Langzeitarbeitsloser).

In Vergabeverfahren können soziale Kriterien auf unterschiedliche

Weise berücksichtigt werden. Werden soziale Aspekte

verbindlich gefordert, müssen sie bereits in den Leistungsbeschreibungen,

technischen Spezifikationen oder Ausführungsbedingungen

stehen. Im Leistungsvertrag können soziale Bedingungen vorgeschrieben

werden, die während der Ausführung umzusetzen und zu

kontrollieren sind, etwa die Einstellung Langzeitarbeitsloser oder

Frauenfördermaßnahmen. Praxisbeispiele zeigen, dass solche Vorgaben

erfolgreich zur Beschäftigung benachteiligter Gruppen führen.

74 Kleine Kniffe


Foto: NaBe-Plattform

Ein Küchenauftrag mit Signalwirkung

Im Rahmen seines Beitrags „Vergabe an einen integrativen

Betrieb – Erfahrungen aus Sicht eines Auftragnehmers“ beschrieb

Robert Dobrosek (Geschäftsfeldleiter Holztechnik bei Wien

Work-integrative Betriebe und AusbildungsgmbH) die Ausgestaltung

der Ausschreibung, Planung sowie der Erfahrungen in der

Zusammenarbeit mit den Auftraggebern.

Die Stadt Wien vergab einen Rahmenvertrag für die Planung,

Herstellung und Montage von Systemeinbauküchen an wienwork.

wienwork beschäftigt rund 800 Menschen, davon über zwei Drittel

mit Behinderungen. 180 Lehrlinge mit Lernschwächen werden

ausgebildet, neue berufliche Perspektiven eröffnet. Durch den

Küchenauftrag entstanden nicht nur moderne Arbeitsplätze in den

Dienststellen, sondern auch gesicherte Jobs und Ausbildungsmöglichkeiten

in einem Betrieb, der wirtschaftlich erfolgreich ist und

gleichzeitig soziale Integration vorlebt. Die Erfolgsformel: Klare

Kommunikation, transparente Spezifikationen und flexible Vertragsgestaltung.

Für den Auftraggeber bedeutet das: planbare Lieferungen, hohe

Qualität, faire Preise – und zusätzlich messbare soziale Wirkung. Für

integrative Betriebe wie wienwork wiederum: eine Verdoppelung

des Umsatzes im Küchenbereich innerhalb von zehn Jahren, Investitionen

in Technik und Personal sowie ein sichtbares Signal, dass

integrative Betriebe in der öffentlichen Beschaffung einen festen

Platz haben (sollten).

Der Motor für Inklusion: wienwork als Vorbild

für nachhaltige Vergabepraxis

Auch für deutsche Kommunen und Ministerien ist dieses Beispiel

relevant. Denn die rechtlichen Grundlagen sind die gleichen:

Das deutsche Vergaberecht erlaubt Aufträge an integrative Betriebe,

sofern ein bestimmter Anteil an Menschen mit Behinderungen

beschäftigt wird (§ 118 Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen

(GWB). Der Wiener Rahmenvertrag zeigt, wie das praktisch

funktionieren kann – ohne Abstriche bei Wirtschaftlichkeit oder

Professionalität.

Das ist nicht nur Theorie. Andere Good Practices aus dem

naBe-Portfolio belegen die Vielfalt: von Ausweisherstellung über

integrative Druckereien bis hin zu Malerarbeiten im Klimaschutzministerium.

All diese Projekte beweisen, dass soziale Beschaffung

weder Nischenlösung noch Ausnahme, sondern skalierbare Realität

ist.

Für Beschafferinnen und Beschaffer bedeutet das: Wer soziale

Kriterien ernst nimmt, kann Mehrwert schaffen – für die eigene

Organisation ebenso wie für die Gesellschaft. Die wichtigsten Lösungen

aus Wien:

• Gezielt integrative Betriebe ansprechen. Die rechtlichen

Möglichkeiten bestehen – sie müssen nur genutzt werden.

• Spezifikationen präzise, Abläufe flexibel. So lassen sich

Qualitätsstandards sichern und gleichzeitig individuelle

Lösungen ermöglichen.

• Kommunikation institutionalisieren. Feste Ansprechpartner

beider Seiten reduzieren Missverständnisse.

• Langfristig planen. Rahmenverträge geben Sicherheit – für

Auftraggeber und Auftragnehmer.

Am Ende zeigt das Beispiel wienwork: nachhaltige Beschaffung

ist kein theoretisches Konzept, sondern gelebte Praxis. Sie schafft

reale Arbeitsplätze, stärkt regionale Wertschöpfung und macht

Vergabe zu einem Steuerinstrument für gesellschaftliche Verantwortung.

Autorin

Daniela Ugovsek

Projektmanagerin

naBe-Plattform

daniela.ugovsek@nabe.gv.at

Kleine Kniffe

75


EU - Green Public Procurement (GPP)

Europäische Schulungen

stärken die strategischen Fähigkeiten öffentlicher Einkäufer

Seit der Einführung der EU-Richtlinien zum öffentlichen Beschaffungswesen im Jahr 2014

nutzen europäische Behörden das öffentliche Beschaffungswesen zunehmend als strategisches

Instrument, das zu Innovation, sozialem Zusammenhalt und Nachhaltigkeit beitragen kann.

Allerdings konzentrieren sich 60 % der Beschaffungsentscheidungen nach wie vor auf die

niedrigsten Preise, wobei es zwischen den Mitgliedstaaten große Unterschiede gibt.

Ein Beitrag von Jon Jonoski

Die Europäische Kommission möchte, dass soziale und ökologische

Faktoren besser in das öffentliche Beschaffungswesen

integriert werden, und evaluiert derzeit die Richtlinien. Es wird

erwartet, dass sie eine Überarbeitung der Richtlinien vorschlagen

wird. Aber auch mit den aktuellen Vorschriften haben öffentliche

Behörden mehr Möglichkeiten, das strategische Potenzial des öffentlichen

Beschaffungswesens zu nutzen. Aus diesem Grund hat die

Europäische Kommission mehrere Schulungsprojekte für öffentliche

Auftraggeber in ganz Europa finanziert.

Ein Beispiel ist das Projekt WeBuySocialEU, das darauf abzielte,

sozial verantwortliche öffentliche Beschaffung (SRPP) zu fördern

und das Bewusstsein dafür zu schärfen, indem Kapazitäten aufgebaut

und die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Auftraggebern und

dem Sozialwirtschaftssektor gefördert wurden. Zwischen 2023 und

2025 organisierte das Projekt 16 Schulungsveranstaltungen in 12

EU-Mitgliedstaaten mit dem Ziel, öffentliche Auftraggeber bei der

Integration sozialer Kriterien in ihre Ausschreibungen zu unterstützen

und gleichzeitig Unternehmen der Sozialwirtschaft ein besseres

Verständnis für öffentliche Beschaffungsprozesse zu vermitteln und

ihnen die Teilnahme daran zu erleichtern.

Sozialwirtschaftliche Organisationen beschäftigen EU-weit

rund 3,5 Millionen Menschen und machen 8 % des BIP aus. Die

Sozialwirtschaft funktioniert, indem sie das Gemeinwohl vor den

Profit stellt, beispielsweise durch die Bereitstellung von Dienstleistungen

und Schulungen für marginalisierte Gruppen, die Schaffung

sinnvoller Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Abstand

zum Arbeitsmarkt und die Förderung von Gleichstellungspraktiken,

fairem Handel, sozialer Innovation und Zugang zu Gesundheitsversorgung

und sozialem Wohnraum. Öffentliche Auftraggeber

können ihnen helfen, indem sie Ausschreibungen um Sozialklauseln

ergänzen oder Aufträge für Sozialunternehmen reservieren. Doch

selbst wenn öffentliche Auftraggeber soziale Aspekte berücksichtigen,

erreichen sie oft nicht genügend Sozialunternehmen, da diese

mit (sozial verantwortlicher) öffentlicher Beschaffung nicht vertraut

sind. Die WeBuySocialEU-Schulungen versuchten, all diese Herausforderungen

anzugehen.

Die Schulungen wurden von ICLEI Europe, AEIDL, Diesis Network

und Reves Network in Österreich, Belgien, Bulgarien, Zypern,

Estland, Finnland, Litauen, Luxemburg, Malta, Portugal, Slowenien

und Spanien durchgeführt und führten zu einer Stärkung der

SRPP-Kapazitäten auf mehreren Regierungsebenen, schufen neue

Netzwerke und Möglichkeiten für die Zusammenarbeit zwischen

Sozialwirtschaftsunternehmen und öffentlichen Auftraggebern und

initiierten Maßnahmen, um SRPP auf einer strategischeren Ebene

in Politik und Praxis zu verankern. Für jedes Land wurden in den

Schulungen Lücken identifiziert und Empfehlungen zur Verbesserung

der Situation ausgesprochen.

Im Fall von Österreich, wo ICLEI Europe mit Unterstützung

der Sozialwirtschaftsorganisation arbeit plus für die Organisation

der Schulung verantwortlich war, wurden die sozialen Bestimmungen

der EU-Richtlinien in österreichisches Recht umgesetzt. Die

nationalen Gesetze sehen jedoch keine zusätzlichen oder strengeren

Vorschriften vor, und viele öffentliche Auftraggeber zögern, aufgrund

der Angst vor rechtlichen Herausforderungen Kriterien über

den Preis hinaus in Ausschreibungen aufzunehmen. Auftragnehmer

sind beispielsweise unsicher, ob sie soziale Kriterien anwenden

sollen, die aufgrund der Datenschutzgesetze sensible personen-

76 Kleine Kniffe


Foto: depositphotos

bezogene Daten erfordern. Darüber hinaus mangelt es öffentlichen

Auftraggebern und Sozialwirtschaftsunternehmen an Wissen und

Bewusstsein über einander und über das Potenzial von SRPP:

Im Dialog mit den Teilnehmern wurden eine Reihe von Schlüsselmaßnahmen

identifiziert, mit denen diese Herausforderungen

angegangen werden könnten. Erstens ist es wichtig, dass es ein

politisches Bekenntnis zu SRPP gibt, das konkrete Maßnahmen

und Leitlinien zur Unterstützung seiner Umsetzung umfasst und

auf einer Strategie basiert, die die Bedürfnisse von Beschaffern,

Akteuren der Sozialwirtschaft und politischen Entscheidungsträgern

in Einklang bringt. Dies sollte mit gezielter Unterstützung und

Kapazitätsaufbau für Unternehmen der Sozialwirtschaft einhergehen.

Österreich könnte auch von Frankreich und Belgien lernen und

einen nationalen Vermittler für SRPP benennen. Darüber hinaus

sollten Maßnahmen ergriffen werden, die es öffentlichen Auftraggebern

und Sozialunternehmen erleichtern, zueinander zu finden.

arbeit plus betreibt eine Datenbank mit sozialen Unternehmen

zur Arbeitsintegration und deren Produkten und Dienstleistungen.

Diese Datenbank sollte regelmäßig aktualisiert und besser sichtbar

gemacht werden, um die Entwicklung von Netzwerk- und Austauschprogrammen

zwischen der Sozialwirtschaft und öffentlichen

Auftraggebern zu ermöglichen.

ICLEI Europe arbeitet auch mit österreichischen Partnern am

Projekt PPE+ Europe 2024-2028 zusammen, das von BBG, der

österreichischen zentralen Einkaufsstelle, koordiniert wird. Das

Projekt bietet vier Schulungsprogramme an, die darauf abzielen, die

Verwaltungskapazitäten von Mitarbeitern mit wichtigen Beschaffungsfunktionen

im europäischen zentralen Einkauf zu verbessern.

Nach dem erfolgreichen Abschluss des Schulungsprogramms PPE+

Europe 2024 begann am 15. September in Wien die Ausgabe 2025.

Nach einem umfangreichen Bewerbungsverfahren wurden 44

Fachleute für öffentliches Beschaffungswesen aus 21 europäischen

Ländern ausgewählt, um von führenden Experten und Praktikern

zu lernen.

Die Schulung verbindet Theorie mit praktischer Anwendung

und bietet eine Plattform für den Austausch mit der breiteren

europäischen Gemeinschaft für öffentliches Beschaffungswesen

– auch die Nachbarländer der EU sind herzlich eingeladen, an der

Schulung teilzunehmen, und an der Ausgabe 2025 nehmen öffentliche

Auftraggeber aus Bosnien, Nordmazedonien, Serbien und

der Türkei teil. Traditionell konzentrierten sich Schulungen wie

diese hauptsächlich auf öffentliche Beschaffungsverfahren. Der

Mehrwert dieses Programms liegt in seinem zusätzlichen Fokus auf

Vertragsmanagement und -abwicklung, Lieferkettenmanagement,

der Gestaltung und Planung von Ausschreibungen sowie der Durchführung

von Marktkonsultationen. Der Austausch von bewährten

Verfahren und Wissen zwischen zentralen Einkaufsorganisationen

in ganz Europa, der während dieser Schulungen stattfindet, trägt

ebenfalls zur Professionalisierung des öffentlichen Beschaffungswesens

auf dem gesamten Kontinent bei.

Autor

Jon Jonoski

Expert, Events & Project

Communications

https://iclei.org/

Kleine Kniffe

77


Dekarbonisierung in der öffentlichen Beschaffung

100% Ökostrom aus Deutschland und/oder Österreich –

Nachhaltige Energie für Kirche und Sozialeinrichtungen

Die Bewahrung der Schöpfung ist ein zentrales Anliegen kirchlicher und sozialer Arbeit. Ein

wirksamer Schritt auf diesem Weg ist die Entscheidung für den Bezug von 100% Ökostrom

aus Deutschland und/oder Österreich. Viele Einrichtungen haben erkannt: Der Umstieg auf

erneuerbare Energien schont nicht nur die Umwelt, sondern stärkt auch das eigene Profil als

verantwortungsbewusste Institution.

Ein Bericht von Hendrik Claaßen

Spürbare Entlastung für das Klima

Mit der Nutzung von Ökostrom wird der CO₂-Ausstoß deutlich

gesenkt, denn bei der Erzeugung entfallen klimaschädliche

Emissionen, wie sie bei konventionellem Strom aus Kohle oder Gas

anfallen. Gerade in Zeiten, in denen Klimaschutz immer dringender

wird, leisten kirchliche und soziale Einrichtungen durch ihren

Strombezug einen wichtigen Beitrag zur Reduktion ihres ökologischen

Fußabdrucks.

Jeder Arbeitsplatz, jede Pflegeeinrichtung und jedes Gemeindehaus,

das mit Ökostrom betrieben wird, ist ein sichtbares Zeichen für

Klimaverantwortung. So wird die ökologische Dimension diakonischer

und kirchlicher Arbeit erlebbar.

Strom mit geprüfter Herkunft

Nicht jeder Ökostrom ist gleich. Gerade Einrichtungen, die auf

Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit angewiesen sind, profitieren

von einer transparenten und zertifizierten Versorgung. Der HKD-

Ökostrom ist sowohl TÜV- als auch Grüner Strom-zertifiziert. Diese

Siegel garantieren u.a., dass der Strom vollständig aus erneuerbaren

Energien stammt und, dass mit jedem Vertragsabschluss der Ausbau

von Ökoenergieanlagen in Deutschland direkt gefördert wird.

Die Kombination von Herkunftsnachweis und Investitionsgarantien

sorgt dafür, dass der Einkauf von Strom nicht nur

klimaneutral, sondern auch zukunftssicher ist. So wird langfristig

die Energiewende aktiv unterstützt.

Ein Gewinn für

die Einrichtung und die Gesellschaft

Kirchliche Einrichtungen, Kindergärten, Pflegeeinrichtungen

und soziale Träger zeigen mit der Umstellung auf zertifizierten

Ökostrom: Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung gehören

zusammen. Neben der direkten CO₂-Einsparung stärkt dies auch

die Außenwirkung – Mitarbeitende, Bewohnerinnen und Bewohner

sowie Gemeindemitglieder erleben das Engagement konkret und

nachvollziehbar.

Damit wird deutlich: Klimaschutz ist kein Zusatzprojekt, sondern

Teil einer ganzheitlichen Verantwortung, die sowohl der

Gesellschaft als auch unserem Morgen zugutekommt.

Autor:

Hendrik Claaßen

Geschäftsführer der

HKD Handelsgesellschaft für

Kirche und Diakonie mbH

www.kirchenshop.de

78 Kleine Kniffe


Dekarbonisierung in der öffentlichen Beschaffung

CO₂ Schattenpreise in der Vergabe:

Vom Kann zur Pflicht auf allen Verwaltungsebenen

Die öffentliche Hand verfügt über einen großen Hebel für den Klimaschutz: Sie beschafft jährlich

im mittleren dreistelligen Milliardenbereich (ca. 15 % des BIP) und ist damit auch ein großer

Emittent von Treibhausgasen. Dennoch dominiert mindestens auf der kommunalen Ebene oft der

niedrigste Anschaffungspreis die Zuschlagsentscheidung.

Ein Bericht von Marc Wolinda

Rechtlich ist mehr möglich. GWB und VgV erlauben längst

Lebenszykluskosten inklusive externer Umweltkosten. Die AVV

Klima verpflichtet sogar seit 2021 Bundesbehörden, grundsätzlich

einen CO₂ Schattenpreis bei der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung

und beim Zuschlag zu berücksichtigen. Hemmnisse für die Anwendung

des CO₂ Schattenpreises auf kommunaler Ebene sind vor

allem fehlende Verbindlichkeit, Rechtsunsicherheit und knappe

Kapazitäten.

Der Schattenpreis monetarisiert prognostizierte Emissionen

(CO₂ Menge × CO₂-Preis) und macht klimafreundliche Angebote

im Wettbewerb günstiger. So passt Klimaschutz in die Preis Logik

der Vergabe.

Wo anfangen? Im Bausektor. Die öffentliche Bautätigkeit

umfasst rund 78 Mrd. € (2023) und erreicht insgesamt einen Anteil

von knapp 14 % – im Tiefbau, etwa bei Verkehrswegen, sogar nahezu

100 % Marktanteil. Zugleich sind die Emissionen in der Lieferkette

hoch: Zement verursacht etwa 600 kg CO₂ je Tonne.

Die Datengrundlage ist vorhanden: ÖKOBAUDAT und verifizierte

Environmental Product Declarations (EPD) decken die

meisten Bauprodukte ab; EPBD und CPR machen die Offenlegung

von THG Werten ab 2027/2028 schrittweise verpflichtend. Damit

sind Prognosen „mit vertretbarem Aufwand“ möglich und Angebote

vergleichbar.

Umsetzung: Der Schattenpreis sollte doppelt verankert werden

– in der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung (steuert die Leistungsbeschreibung)

und als Zuschlagskriterium (differenziert die Angebote).

Ein Wertungsmodell addiert den CO₂ Schattenpreis auf den Angebotspreis;

maßgeblich ist der resultierende Wertungspreis.

Entscheidend ist die Höhe. Die Untergrenze aus dem BEHG

(55–65 €/t) entfaltet kaum Wirkung. Angemessen ist die Anlehnung

an die vom UBA ausgewiesenen Klimafolgekosten von 300–880 €/t

CO₂ äq. Das schafft Preissignale, Planungssicherheit und vermeidet

Unterbewertung.

Handlungsempfehlungen:

• Stufenweise Pflicht zur Anwendung, beginnend im Bau.

• Preisniveau mindestens nach UBA Bandbreite.

• Anwendung in Wirtschaftlichkeitsuntersuchung und als

Zuschlagskriterium.

• EPD Förderprogramm für Lücken (z. B. Technische Gebäudeausstattung,

Innovationen).

• Ökobilanzpflicht ins Ordnungsrecht.

Fazit:

CO₂ Schattenpreise übersetzen Klimaziele in Beschaffungspraxis.

Wo der Staat Marktmacht und Daten hat – im Bau besonders

– kann die Verwaltung schon heute rechtssicher und wirtschaftlich

ausschreiben. Entscheidend sind klare Preise, verbindliche Anwendung

und ein robustes Datenfundament.

Autor

Marc Wolinda

Senior Project Manager

Nachhaltige Soziale

Marktwirtschaft

Bertelsmann Stiftung

Kleine Kniffe

79


Dekarbonisierung in der öffentlichen Beschaffung

Zwischen Klage und Klimastrategie:

Warum der Einkauf beim EU-ETS 2 zum Spielmacher wird

Die deutsche Industrie klagt. Zu teuer, zu unsicher, zu riskant – so lauten die Vorwürfe gegen die

Einführung des Europäischen Emissionshandelssystems 2 (EU-ETS 2). Gleichzeitig pumpt die Politik

Milliarden in Strompreis-Subventionen, die den Standort retten sollen. Und nun stehen CFOs, CPOs und

CSOs vor einer unbequemen Wahrheit: Die Subventionen lindern höchstens kurzfristig. Der Preisdruck

des Emissionshandels bleibt. Die Frage ist nicht mehr, ob er kommt, sondern wie Unternehmen damit

umgehen.

Ein Bericht von Thomas Heine

Das neue Regelwerk:

Druck auf fossile Energien

Mit der Novelle des Treibhausgas-Emissionshandelsgesetzes

(TEHG) hat Deutschland im März 2025 die Grundlage geschaffen,

um den Übergang vom nationalen BEHG zum EU-ETS 2 einzuleiten.

In der Übergangsphase bis 2026 laufen beide Systeme parallel.

Unternehmen müssen bis Ende Juni 2025 Emissionsgenehmigung

und Überwachungsplan einreichen, ab 2025 jährlich berichten, und

ab 2028 erstmals Zertifikate abgeben.

Damit wird CO₂-Preis zum festen Bestandteil der Kostenrechnung.

Heute zahlen Unternehmen im nationalen System 55 Euro pro

Tonne. Ab 2027 öffnet sich der Markt: Prognosen für 2030 schwanken

zwischen 71 und 380 Euro pro Tonne, im Schnitt erwarten

Ökonomen rund 220 Euro. Wer jetzt noch glaubt, Subventionen

könnten diesen Mechanismus dauerhaft neutralisieren, der irrt.

Industrieklagen: Ökonomisch nachvollziehbar,

strategisch gefährlich

Ja, die Klagen der Industrie sind nachvollziehbar. Internationale

Wettbewerber, die keinen vergleichbaren CO₂-Preis zahlen, haben

auf den ersten Blick Kostenvorteile. Aber der Ruf nach dauerhafter

Entlastung ist gefährlich: Er verstellt den Blick auf die eigentliche

Aufgabe – die Transformation.

Für CFOs heißt das: Preisschocks sind keine Ausnahme, sondern

ein strukturelles Risiko. Für CPOs: Lieferantenbeziehungen

sind ohne CO₂-Kriterien nicht mehr zukunftsfähig. Für CSOs:

ESG-Strategien sind nicht Beiwerk, sondern Überlebensbedingung.

Wer nur auf kurzfristige Kompensation setzt, verliert mittelfristig

Markt und Glaubwürdigkeit.

Der Einkauf als Spielmacher

Die entscheidende Rolle kommt dem Einkauf zu. Er ist der Hebel,

um zwischen politischem Druck und Unternehmensstrategie zu vermitteln.

Der Einkauf bestimmt, welche Energie ins Unternehmen

fließt, welche Materialien beschafft werden und welche Lieferanten

Zugang haben. Er ist damit nicht länger reiner Kostenmanager, sondern

Klimasteuerer.

Das erfordert einen Strategiewechsel. Subventionen dürfen

nicht als Puffer für die alte Welt verstanden werden, sondern als

Brücke in die neue. Wer sie klug nutzt, finanziert damit Power Purchase

Agreements für erneuerbare Energien, fördert CO₂-optimierte

Lieferanten oder entwickelt neue Risikomanagementsysteme. Wer

sie dumm nutzt, erkauft sich nur Zeit – und verschiebt das Problem.

Neue Spielregeln für den Einkauf

Für die Beschaffung bedeutet das: CO₂-Kosten werden zur vierten

Dimension neben Material, Personal und Logistik. Sie gehören in

jede Ausschreibung, in jede Verhandlung, in jede Vertragsklausel. Die

Praxis zeigt: Unternehmen integrieren bereits CO₂-Preis-Klauseln

in Lieferverträge, erweitern Force-Majeure-Regelungen für regulatorische

Änderungen und machen Emissionsdaten zur Pflicht.

Parallel entstehen neue Instrumente: Hedging über CO₂-Futures,

Optionen gegen Preisspitzen, Portfolio-Strategien mit Energiepreisabsicherung.

Die ersten ETS-2-Futures wurden 2025 bei rund 74

80 Kleine Kniffe


Foto: depositphotos

Euro gehandelt. Wer jetzt einsteigt, fixiert sich Wettbewerbsvorteile.

Nachhaltigkeitsstrategie:

Vom Preisdrücker zum Klimasteuerer

Die Botschaft ist klar: Nachhaltigkeit wird nicht mehr gegen

Kosten gerechnet – sie wird selbst zur Kostenstrategie. Unternehmen,

die CO₂-arme Lieferketten aufbauen, senken nicht nur ihre

Emissionen, sondern auch ihre Preisrisiken. Regionale Beschaffung

reduziert Transportemissionen, digitale Tools wie der SAP Sustainability

Control Tower oder der Microsoft Sustainability Manager

machen Scope-3-Emissionen transparent.

CPOs, die diese Instrumente früh einsetzen, werden zu Taktgebern

der Transformation. CSOs, die die Einkaufspolitik an ESG

koppeln, stärken die Position gegenüber Investoren und Kunden.

CFOs, die CO₂ als Bilanzgröße ernst nehmen, sichern sich Zugang

zu Green Finance und günstigeren Kreditkonditionen.

Hintergrund

Das EU-Emissionshandelssystem 2 (EU-ETS 2) erweitert

ab 2027 den CO₂-Handel auf die Sektoren Gebäude und Verkehr

und führt damit erstmals marktbasierte Preismechanismen

in diesen Bereichen ein. In Deutschland wird die Umsetzung

durch das novellierte Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz

(TEHG) geregelt, das einen schrittweisen Übergang vom nationalen

Brennstoffemissionshandel (BEHG) vollzieht. Für deutsche

Unternehmen entstehen daraus neue Compliance-Pflichten, wie

die Beantragung einer Emissionsgenehmigung bis Mitte 2025, die

jährliche Berichterstattung ab 2025 und die erstmalige Abgabe

von Zertifikaten im Mai 2028 für die Emissionen des Vorjahres.

Der Übergang von nationalen Festpreisen zu volatilen EU-Marktpreisen,

mit Prognosen von 48 € bis 380 € pro Tonne CO₂ für

2030, erzwingt die Anpassung von Beschaffungsverträgen durch

CO₂-Preisklauseln und die Entwicklung von Hedging-Strategien

zur Absicherung gegen Preisschwankungen.

Fazit: Vom Klagenden zum Gestaltenden

Die Klagen der Industrie sind das Echo einer alten Logik. Der

Einkauf hat die Chance, eine neue Logik durchzusetzen. Wer CO₂-

Kosten nicht nur erträgt, sondern aktiv managt, wer Subventionen

nicht als Schutzschild, sondern als Investitionsvehikel begreift, wer

Lieferketten konsequent dekarbonisiert, der wird nicht getrieben –

er wird Treiber.

EU-ETS 2 ist kein Schreckgespenst, sondern ein Spielfeld. Auf

diesem Spielfeld entscheidet der Einkauf, ob das Unternehmen in der

Defensive verharrt oder zum Spielmacher der Transformation wird.

Autor

Thomas Heine

Chefredakteur

www.nachhaltige-beschaffung.com

Kleine Kniffe

81


Biodiversität

Die „Bio-Logik“ der Natur verstehen

Nur wer Biodiversität schützt, kann nachhaltig handeln

Sie finden privat und beruflich die Natur erhaltenswert? Sie kaufen beim Biobauern, beschaffen

Möbel und Bauelemente aus nachwachsenden Rohstoffen und lassen versiegelte Flächen durch

Blühstreifen austauschen? Vorbildlich! Sie tun mit Ihrer Arbeit etwas für den Naturschutz.

Allerdings lindern Sie damit lediglich ein Symptom. Die Krankheit dagegen schreitet rasant

voran. Der Unterschied ist wie Räuspern oder Lungenkrebs. Das Gute: Sie können sehr viel mehr

erreichen.

Ein Bericht von Roland Günter

Ihr wichtigstes Hilfsmittel ist ein Verständnis der „Bio-Logik“

in der Natur, die Kenntnis der Gesetze der Biodiversität. Besonders

wichtig werden diese Kenntnisse, wenn es um Güter und

Dienstleistungen geht, die unmittelbar mit der Natur zu tun haben:

Lebensmittel, Bauwesen mit Holz, Grünanlagen.

Ich will es Ihnen an einem Beispiel erklären. Nehmen wir an, Ihre

Kommune hat die Anlage von naturnahen Blühwiesen beschlossen.

Sie beschaffen große Mengen an bienen- und schmetterlingsfreundlichen

Samen und Pflanzen und beauftragen einen Öko-Gärtner mit

der Ausführung. Die Ausgaben und Anstrengungen werden in den

darauffolgenden Jahren wiederholt, müssen aber auch gesteigert

werden. Der Öko-Gärtner zuckt die Achseln. Doch das Ergebnis

sieht hübsch aus, Sie sehen bunte Blumen, Insekten summen, Vögel

zwitschern – eine Idylle, der ganze Stolz des Grünflächenamtes. Der

Biodiversitätsexperte sieht dagegen ein Ökosystem, das stirbt. Und

die Ökonomin beobachtet, wie Geld zum Fenster hinausgeworfen

wird. Aber warum?

Grundlegende Zusammenhänge

Was ist Biodiversität überhaupt? Der Begriff Biodiversität oder

biologische Vielfalt umfasst die Vielfalt der Ökosysteme, der Tierund

Pflanzenarten und die genetische Vielfalt.

D. h. für eine intakte Natur braucht es

• viele verschiedene Lebensräume (Wald, Wiese, Wasserflächen

…)

• viele unterschiedliche Arten (Amsel, Ameise, Alge, Alpenveilchen,

Ahorn …)

• ausreichende Mengen an Individuen, damit die Genpools der

einzelnen Arten groß genug und die Tiere gesund bleiben.

Alle drei Komponenten interagieren miteinander, und sie sind voneinander

abhängig.

Jetzt schauen wir uns Ihre Blühwiese an, ein Ökosystem: Sie sehen

viele bunte Blumen, der Experte zählt – zu wenige Arten, zu wenige

Individuen einer Art. Sie sehen die Insekten von Blume zu Blume fliegen,

die Fachfrau weiß: Das sind nur Honigbienen, die zudem nicht auf

Blühwiesen angewiesen sind, weil sie vom Menschen gefüttert werden

können. Wildbienen oder andere Insekten: zumeist Fehlanzeige. Nach

spätestens drei Jahren ist die Pracht verschwunden, neue Samen müssen

ausgebracht werden. Das ist der Lauf der Welt, denken Sie. Der Biodiversitätsexperte

sagt: Das muss nicht sein.

82 Kleine Kniffe


Foto: Roland Günter Ein heimisches Seidenbienen-Männchen (Wildbiene) auf einer Margerite – charakteristisch für naturnahe Blumenwiesen mit vielfältiger, regionaltypischer Flora.

Es geht nicht um Artenkunde,

es geht um Prinzipien

Was müssen Sie wissen, um dem Nachhaltigkeitsgedanken in

Ihrer Arbeit wirklich gerecht zu werden?

Eine naturnahe, intakte Blumenwiese ist ein hochkomplexes, in

sich und mit anderen Systemen vernetztes Ökosystem. Die Tiere

und Pflanzen in der Blumenwiese sind entweder Generalisten oder

Spezialisten. Generalisten kommen meist gut zurecht; tierische

Generalisten z. B. sind nicht auf eine einzige Pflanzenart als Nahrung

angewiesen. Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass für eine

nachhaltige Gesundheit der Generalisten und deren Populationen

auch mehr als eine Pflanzenart vorhanden sein muss – also eine Vielfalt

an Pflanzenarten.

Tierische Spezialisten sind gefährdeter. Im Laufe von Jahrmillionen

haben sie sich an nur sehr wenige oder sogar ausschließlich eine

einzige Pflanzenart angepasst. Blumen aus anderen Ländern, egal,

wie attraktiv ihre großen und bunten Blüten sind, wären für diese

Spezialisten keine Nahrung, sie würden verhungern. Sie brauchen

einheimische Pflanzen.

Die Populationen von Tieren und Pflanzen innerhalb der

Blumenwiese müssen im Gleichgewicht sein, um sich gegenseitig

regulieren zu können. Dabei spielt sowohl die Anzahl der Individuen

einer Art eine Rolle als auch die Diversität der Arten. Ein Beispiel:

Findet ein Spezialist zu wenige Futterpflanzen vor, stirbt er mangels

Nahrung aus. Aber nicht nur er stirbt: Auch die Tierart, die sich auf

unseren Spezialisten als Nahrung spezialisiert hat, wird aussterben.

Dann der Jäger der zweiten Tierart. Eine Kaskade setzt sich in Gang.

Ein Generalist kann zwar beim Fehlen der einen Futterpflanze auf

eine andere ausweichen, aber diese muss es auch geben, und zwar

in ausreichender Anzahl. Tut sie das nicht, kann der Generalist auf

eine dritte Pflanze ausweichen. Und wenn es nur drei gibt, weil der

vorhandene Platz klein ist?

Insekten fressen und bestäuben nicht nur Pflanzen, sie nutzen

sie auch z. B. als Ablageort für ihre Eier. Dafür gibt es meist nur

ein kleines Zeitfenster auf beiden Seiten. Sagen wir mal, dass ein

Insekt in der zweiten Aprilhälfte seine Eier in die noch geschlossenen

Blütenknospen einer bestimmten Pflanze legt. Die Eier und

später die Larven können sich dann im Schutz der sich entfaltenden

Blüte sicher entwickeln. Und jetzt stellen wir uns vor, dass es diese

Pflanze zwar gibt, sie aber aus Helgoland geholt wurde. Angepasst

an die kühle Witterung des Nordens, würde diese Pflanze in Bayern

später blühen als ihre wärmeverwöhnte bayerische Verwandte;

für die Eiablage des Spezialisten zu spät, er würde aussterben. Es

Kleine Kniffe

83


Foto: Roland Günter Auch im Biolandbau werden viele Flächen intensiv genutzt. Die dort erzeugten Lebensmittel mögen gesünder für den Menschen sein – ein artenreiches, dauerhaft stabiles Ökosystem

entsteht dadurch jedoch meist nicht.

braucht also regionale Pflanzen, deren Wachstumsverlauf zum

Fortpflanzungszyklus der hiesigen Insekten passt. (Das ist übrigens

der Hauptfehler bei den meisten Samen- und Pflanzenanbietern: Um

große Mengen anbieten zu können, achten sie nicht ausreichend

genug auf Regionalität.)

Diese Liste ließe sich noch seitenweise fortführen. Und die

Prinzipien, die dahinterstehen, gelten genauso in anderen Bereichen

der Beschaffung:

Holz-, Papier- und Verpackungsbeschaffung: Kommen die

Hölzer aus Forstplantagen oder aus ökologisch ausgerichteten Waldgebieten?

Sind es einheimische Arten? Werden auf den Flächen nur

wenige, dafür aber wirtschaftlich attraktive Baumarten angepflanzt,

um den Ertrag zu maximieren?

Lebensmittel: Konventionelle Landwirtschaft ruiniert großflächig

und seit Jahrzehnten die Böden und tötet alles „unerwünschte“

Leben auf den Feldern und weit darüber hinaus. Selbst Ökobauern

beachten die Gesetze der Biodiversität unzureichend. Ihr weitgehender

Verzicht auf künstlichen Dünger und Pflanzenschutzmittel

dient primär der Qualität der Erzeugnisse, nicht aber der Erhaltung

der Biodiversität. Denn auch auf ihren Feldern ist die Artenvielfalt

weder in der Qualität noch der Quantität gegeben, die benötigt

würden für ein intaktes Ökosystem.

Fragen stellen, um echte Fachleute von Blendern zu unterscheiden,

und die bewilligten Mittel gewinnbringend, da wirklich nachhaltig,

einsetzen. Und Sie haben Macht: Das Kompetenzzentrum

für innovative Beschaffung KOINNO geht von einem jährlichen

Beschaffungsvolumen öffentlicher Auftraggeber in Höhe von 350

Milliarden Euro aus. Nutzen Sie diese Mittel klug. Denn was ist

besser als nachhaltigen Erfolg zu haben mit weniger Ausgaben?

Autor

Roland Günter ist diplomierter Forstwirt und Experte

für Biodiversität. Für die Erforschung der Natur liegt

er auch schon mal zehn-Stunden-am-Tag-sieben-

Tage-die-Woche-mehrere- Monate-lang in einer

Blumenwiese und dokumentiert das dortige Treiben.

Seine Multivisionsvorträge haben bereits

zehntausende BesucherInnen begeistert.

Mehr erfahren im Video [https: /youtu.be/

BrACXDlmA48] oder unter www.rolandguenter.com

Bevor Sie jetzt resignieren oder sich für den Rest Ihres Lebens

zurückziehen, um alles zu lernen über die Magerwiesenmargeritenkleinrüsslererzwespe

(ja, diesen Spezialisten gibt es wirklich!): Sie

haben einen Einblick bekommen, warum Biodiversität in jeder Hinsicht

Grundvoraussetzung ist für ein intaktes Ökosystem, und die

„Bio-Logik“ hinter der Biodiversität entdeckt. Mit diesem Wissen

können Sie bei der Planung zukünftiger Grünflächen die richtigen

Autor

Roland Günter

Experte für Biodiversität,

Publizist, Naturfotograf

84 Kleine Kniffe


Foto: Roland Günter Die Magerwiesenmargeritenbohrfliege nutzt ein enges Zeitfenster von wenigen Stunden, um ihr Ei in die sich öffnende Knospe der heimischen Margerite zu legen. In deren Blütenköpfen

leben über zehn spezialisierte Insektenarten – ein Zusammenspiel, das in ähnlicher Weise bei allen einheimischen Pflanzenarten vorliegt, bei nicht heimischen jedoch weitestgehend fehlt.

Foto: Roland Günter So bunt sie wirken: Blühmischungen mit nicht heimischen Arten bieten spezialisierten heimischen Insekten kaum Nahrung. Ihre ökologische Wirkung ist gering – für den Aufbau

nachhaltiger Ökosysteme sind sie ungeeignet.

Kleine Kniffe 85


Biodiversität

Von versteckten (Natur)risiken

zu widerstandsfähigen Lieferketten

Für moderne Beschaffungsteams ist „nachhaltige Beschaffung“ keine einfache Entscheidung mehr.

Die Realität ist eine komplexe Landschaft aus Risiken und Chancen, die hier anhand von drei

„Materialmodellen“ erläutert wird.

Ein Bericht von Mara Lehmann

Das erste Materialmodell, synthetische Materialien,

birgt klare Risiken: energieintensiver Lebenszyklus, Kopplung

an volatile Erdölmärkte, enorme Auswirkungen auf die Natur,

Umweltverschmutzung und Entsorgungsprobleme (Mülldeponien,

Mikroplastik).

Das zweite Materialmodell, die Beschaffung konventioneller

natürlicher Materialien, scheint die naheliegende Lösung.

Jedoch verbergen sich hier oft tiefgreifende Kosten. Stammen diese

Materialien aus Monokulturen oder von umgewandelten Naturlandschaften,

können sie Treiber für Entwaldung, Artenvielfaltkollaps

und Schädigung von Ökosystemen sein.

Daraus ergibt sich eine dritte, überlegene Option: die Beschaffung

naturpositiver Materialien – Systeme, die Natur und

Artenvielfalt nicht nur schonen, sondern aktiv fördern. Sie bauen

ökologische und ökonomische Widerstandsfähigkeit auf und verschaffen

Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil.

Um dieses Konzept in der Praxis zu sehen, betrachten wir Kautschuk.

Das synthetische Materialmodell: Eine

Sackgasse der fossilen Brennstoffe:

Synthetischer Kautschuk ist ein Erdölprodukt mit schwerwiegenden

Umweltauswirkungen: energieintensive Herstellung, hoher

CO₂- und Natur-Fußabdruck, Luft- und Wasserverschmutzung,

gefährliche Nebenprodukte. Am Ende des Lebenszyklus bleibt er

über Jahrhunderte in Deponien bestehen – ein wachsendes Natur-,

Haftungs- und Reputationsrisiko.

Das konventionelle natürliche Modell:

Die versteckten Kosten der Monokultur:

• Entwaldung: Naturkautschuk ist ein oft unterschätzter Treiber

der Entwaldung. Zwischen 2001 und 2021 wurden 1,8 Millionen

Hektar Primärwald in Kautschukplantagen umgewandelt.

Das führt zu einem Verlust von Ökosystemleistungen und

höheren Compliance-Risiken.

• Kollaps der Artenvielfalt: Die Ersetzung komplexer Wälder

durch Monokulturen ist verheerend. Studien zeigen, dass

Monokulturen „undurchdringliche Barrieren“ für Waldtiere

werden können. Wer hier einkauft, riskiert öffentliche Kritik

und den Verlust von Nachhaltigkeitszertifikaten.

• Schädigung von Ökosystemen: Diese Umwandlungen verursachen

erhebliche Kohlenstoffverluste (über 135 Tonnen pro

Hektar). Für Unternehmen steigen dadurch Klimarisiken und

Offenlegungspflichten. Pestizide und Dünger belasten Böden

und Gewässer – ein Risiko für Markenreputation und

Marktzugang.

Lieferketten- & Resilienzrisiken

• Anfälligkeit für Krankheiten & Klima: Über 75 % der Produktion

ist auf Südostasien konzentriert. Eine einzige Blattkrankheit

reduziert die Erträge in Indonesien bereits um fast die

Hälfte. Für Unternehmen bedeutet das: Engpässe sind das neue

Normal.

• Preisvolatilität: Der Naturkautschukmarkt ist stark volatil, was

Budgetplanung erschwert und Kosten erhöht. Die weltweite

Nachfrage übersteigt das Angebot seit fünf Jahren.

86 Kleine Kniffe


Naturfreundlichen, widerstandsfähigen

Kautschuk beschaffen:

Die Lösung liegt im Ersatz risikoreicher Monokulturen durch

naturpositive Systeme. Agroforstwirtschaft ist hier ein Schlüsselmodell.

Kautschukbäume werden im Mischanbau mit Arten wie

Kaffee, Bambus oder Durian angebaut. Das senkt Risiken, stabilisiert

Erträge und stärkt die Resilienz gleich dreifach:

Die Herausforderung für Unternehmen besteht darin, zu wissen,

welches Beschaffungsmodell nachhaltig ist und dies dann auch nachweisen

zu können. Zertifikate sind teuer, Selbstauskünfte unsicher.

Dies schafft Daten- und Vertrauenslücken.

Plattformen wie tumblebee (www.tumblebee.earth) schließt

diese Lücken, indem sie Satelliten- und Geodaten in handlungsorientierte

Erkenntnisse übersetzt. Sie ergänzt bestehende Zertifikate

und liefert kontinuierliches, skalierbares Monitoring.

1. Resilienz der Lieferkette: Studien zeigen keine signifikan

ten Unterschiede bei Latexerträgen zwischen Agroforstsystemen

und Monokulturen – gleiche Leistung bei geringerem Risiko.

2. Biodiversität & Klima: Agroforstsysteme bieten mehr

Lebensräume, speichern mehr Kohlenstoff und verbessern

Wasser- und Bodenqualität. Das senkt Klima- und Reputations

risiken und unterstützt ESG-Standards.

3. Ökonomische Stabilität: Landwirte erzielen diversifizierte

Einkommen, was ihre Abhängigkeit vom Kautschukpreis ver

ringert. Für Unternehmen bedeutet das: stabilere Lieferanten

und weniger Ausfälle.

Kurz gesagt: Naturpositive Beschaffung schützt nicht nur die

Umwelt, sie sichert auch regulatorische Compliance, senkt Kostenrisiken

und steigert die Marktattraktivität.

Praxisbeispiele:

Produzentenmodell: Kelani Valley Plantations (Sri Lanka)

kombiniert Kautschuk mit anderen Kulturen und baut Biodiversitätszentren

auf.

Kleinbauernmodell: Die Regenerative Rubber Initiative

garantiert Abnahmepreise für Kleinbauern in Thailand, was Rückverfolgbarkeit

und Resilienz stärkt.

Objektives Echtzeit-Monitoring von Anbietern

1. Lieferantenstandorte oder Interessensgebiete hochladen:

Unternehmen laden geografische Grenzen hoch; das System

prüft Datenqualität automatisch.

2. Satellitenanalyse zeigt Vegetations- und Landnutzungstrends

nahezu in Echtzeit.

3. Monokulturen oder Agroforst: Vegetationsindizes

erkennen Unterschiede klar.

4. Handlungsorientierte Kennzahlen:

Prüfung auf historische Landnutzungsänderungen:

Zeigt, ob Plantagen auf ger oteten Waldflächen angelegt

wurden (EUDR-Compliance).

Ökosystemgesundheit und Wasserdynamik:

Frühwarnsystem für Klimarisiken.

Prüfung auf Gebiete mit Bedeutung für die Artenvielfalt:

Warnung bei Überschneidung mit Schutzgebieten

oder Wildtierkorridoren.

So können Beschaffungsteams Behauptungen überprüfen, Risiken

frühzeitig managen und Partner nach objektiven Nachweisen

auswählen. Beschaffung wird so vom Risikofaktor zum strategischen

Werttreiber.

Autorin

Mara Lehmann

Geschäftsführerin

https://www.tumblebee.earth/de/

Kleine Kniffe

87


Modernisierung der Verwaltung

Bürokratieentlastung –

Wie sie auch ohne das Anlegen einer Kettensäge gelingt

Bürokratie ist für einen funktionierenden Staat unverzichtbar. Sie schafft Rechtssicherheit,

Transparenz und klare Abläufe, daher lautet die Frage nicht, „brauchen wir Bürokratie“, sondern

„wie viel Bürokratie brauchen wir - und wie setzen wir diese effizient um?“ Denn ein Zuviel an

Bürokratie führt zu unnötigem Mehraufwand – sowohl für Bürgerinnen und Bürger als auch für

Unternehmen und nicht zuletzt auch für die Verwaltung selbst.

Ein Beitrag von Esther Steverding

Der Nationale Normenkontrollrat schätzt die jährlichen Kosten

allein für die Wirtschaft auf rund 65 Milliarden Euro, das ifo-

Institut kommt auf 146 Milliarden Euro, die aufgrund von Bürokratie

volkswirtschaftlich nicht realisiert werden – eine Summe, die dem

Bruttoinlandsprodukt eines mittelgroßen Bundeslandes entspricht.

Doch auch in den Ämtern, Rathäusern und staatlichen Einrichtungen

vor Ort zeigt sich täglich: Formulare, Medienbrüche und

doppelte Berichtspflichten binden Zeit und Personal, das an anderer

Stelle dringend benötigt wird.

Doch wie kann Bürokratieentlastung in einem demokratischen

Mehrebenensystem gelingen?

Ein Dreiklang an Entlastungen

Wir schlagen drei Hebel für eine strukturelle und nachhaltige

Bürokratieentlastung vor:

• Bürokratie zurückbauen, wo sie zu weit geht

• Bürokratie gar nicht erst entstehen lassen

• Eine serviceorientierte Verwaltung, die das sinnvolle Maß an

Bürokratie effizient umsetzt

Klingt simpel, ist aber ein Kraftakt, denn bürokratische Prozesse

verschwinden nicht einfach. Es bedarf zum einen vieler kleiner, hartnäckiger

Schritte, die gegangen werden müssen, und zum anderen

Veränderungen in alltäglichen Arbeitsabläufen und dem Alltagshandeln.

Bestehende Bürokratie zurückbauen

Für die Verwaltung bedeutet Bürokratieabbau vor allem, eigene

Verfahren kritisch zu hinterfragen. Dazu gehört die Reduzierung

nationaler Sonderwege, die oft über europäische Vorgaben hinausgehen,

das sogenannte Gold-Plating. Aber auch Vergabe- und

Beschaffungsprozesse sind vielfach zu komplex und uneinheitlich.

Eine stärkere Zentralisierung, standardisierte Verfahren und digitale

Plattformen könnten hier spürbare Erleichterungen bringen

– nicht nur für Bietende, sondern auch für die Mitarbeitenden in den

Beschaffungsstellen.

Zudem sollten Berichtspflichten und Datenübermittlungen

konsequent harmonisiert werden. Zu oft werden von unterschiedlichen

Stellen ähnliche Daten und Informationen angefordert.

Durch regelmäßige Praxischecks können weitere vermeidbare bürokratische

Hürden identifiziert und im Rahmen des nun jährlich zu

verabschiedenden Bürokratieentlastungsgesetzes abgebaut werden.

Bürokratie gar nicht erst entstehen lassen

Ein entscheidender Ansatzpunkt ist der Gesetzgebungsprozess.

Künftig sollte jedes Vorhaben einem Digitalcheck unterzogen

werden: Ist es digital ausführbar? Sind die Begriffe technisch und

semantisch klar definiert? Solche Prüfungen helfen, spätere Umsetzungsprobleme

zu vermeiden.

Darüber hinaus sollten Genehmigungsfiktionen eingeführt

werden. Sie sehen vor, dass nach Ablauf bestimmter Fristen – sofern

alle Unterlagen vorliegen – eine Genehmigung automatisch erteilt

88 Kleine Kniffe


Foto: Esther Steverding

wird bzw. die Genehmigung als gegeben hingenommen wird. Für

die Verwaltung schafft dies klare zeitliche Leitplanken, für Antragstellende

Planungssicherheit.

Auch die Schaffung und aktive Nutzung eines digitalen

Gesetzgebungsportals kann Bürokratie vermeiden: Bereits im Entstehungsprozess

von Gesetzen können Betroffene, ob Bürgerinnen

und Bürger oder Verwaltungsmitarbeitende auf praxisuntaugliche

Reglungen hinweisen, sodass diese im weiteren Gesetzgebungsprozess

beseitigt werden können.

Eine serviceorientierte

Verwaltung Realität werden lassen

Von zentraler Bedeutung für eine Modernisierung ist der

Übergang zu durchgehend digitalen Prozessen. Es braucht u.a. ein

einheitliches Unternehmenskonto als Zugangstor zu allen wirtschaftsbezogenen

Verwaltungsleistungen. Ergänzend sollten digitale

Signaturen und Identitäten breit eingesetzt werden, damit Nachweise

und Urkunden rechtssicher und papierlos (automatisch) bearbeitet

werden können. Übertragen auf den Alltag der Verwaltung bedeutet

das: weniger Medienbrüche, einheitliche Kommunikationswege mit

den Antragstellenden und besser strukturierte Daten.

Ein zentraler Schritt ist zudem die Registermodernisierung.

Wenn staatliche Stellen ihre Daten austauschen können, entfallen

Mehrfacheingaben, Nachfragen und Korrekturen. Das führt auf

beiden Seiten zu mehr Effizienz.

Schließlich sollte die Verwaltung auch proaktiver werden: Statt

auf eingehende Anträge zu reagieren, können Leistungen automatisch

gewährt werden, sobald die Voraussetzungen erfüllt sind oder

Prozesse automatisch auf Verwaltungsseite angestoßen werden. Ein

einfaches Beispiel: Die Verwaltung weiß, wann der Personalausweis

abläuft, warum muss man ihn dennoch selbst beantragen?

Bürokratie soll dem Menschen dienen –

nicht umgekehrt

Bürokratieabbau ist kein Selbstzweck, sondern Standortpolitik

und hilft, die Handlungsfähigkeit zu wahren. Länder, die ihre Verwaltung

modernisieren, ziehen Innovationen und Investitionen an

und stärken das Vertrauen in den Staat.

Denn am Ende geht es nicht darum, das bürokratische Grundprinzip

abzuschaffen. Sondern darum, die Bürokratie so zu gestalten,

dass sie dem Staat, der Gesellschaft und der Wirtschaft dient – und

nicht umgekehrt.

Autorin

Esther Steverding

Bereichsleiterin Public Sector beim Bitkom e.V.

Kleine Kniffe

89


Community Building in der Gesundheitswirtschaft

5 Jahre ZUKE Green Health Kongress – Jetzt erst recht.

2025 ist ein besonderes Jahr: Der ZUKE Green Health Kongress geht in die fünfte Runde. Fünf Jahre

Austausch, fünf Jahre Praxisbeispiele, fünf Jahre Impulse für ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen.

Was aus der ZUKE Green Community heraus als Idee begann, ist heute eine etablierte Plattform für

Menschen, die den Wandel nicht nur beobachten, sondern gestalten wollen. Unter dem diesjährigen Motto

„Zukunftsfähig wirtschaften. Gesundheit gestalten.“ laden wir am 25. und 26. November 2025 wieder

Vertreter:innen aus Unternehmen, Verbänden, Kliniken und NGOs ein, die sich für mehr Transparenz,

Effizienz und Resilienz im Gesundheitswesen einsetzen – 100 % digital und für Mitarbeitende aus Kliniken

wie immer kostenfrei.

Ein Beitrag von Nicole Krojer

Digital denken. Wirkung erzielen.

Ein rein digitales Format war 2021 noch mutig. Heute ist es ein

Statement: Verzicht auf Reisen, keine Hürden für Teilnehmende,

kein Aufwand für Arbeitgeber:innen aber maximale Reichweite

und Wirkung. Im letzten Jahr haben wir knapp 500 Teilnehmende

erreicht. Tendenz: steigend. Die Botschaft ist klar: Wissenstransfer

und Vernetzung dürfen keine Frage von Zeit oder Budget sein.

Digitale Veranstaltungen funktionieren, wenn man sie richtig denkt.

Der ZUKE Green Health Kongress kombiniert fundierte Inhalte mit

echten Begegnungsmöglichkeiten. Er ist kein reiner Vortragsstream,

sondern ein interaktives Forum, in dem es um die Praxis geht:

Wer hat was wie gelöst? Was funktioniert wirklich? Welche Wege

lohnen sich?

Vorteile auf einen Blick – Warum Sie dabei sein sollten

• Frei zugänglich für Klinikteams – Wissen für alle.

• Teilnahme bequem vom Arbeitsplatz oder Homeoffice.

• Digitales Networking mit Interessen-Matching.

• Digitale Netzwerktische für offenen Austausch mit Fachleuten.

• Zwei volle Tage geballtes Praxiswissen, News, Lösungen und

Innovationen.

• Zeiteffizient Wissen tanken – ohne CO₂-Emissionen durch

Reisen.

• Auch nach dem Kongress: Ein Monat On-Demand-Zugang zu

allen Vorträgen.

• Motivation durch Austausch auf Augenhöhe.

• Aktive Community mit Haltung und Ideen.

Netzwerken, das effizient funktioniert

Viele Kongresse reden vom Austausch. Wir organisieren ihn.

Mit spannenden Filtermöglichkeiten finden Sie Menschen, die sich

für dieselben Themen interessieren. Unsere digitalen Thementische

bringen Sie direkt in kleine Gruppen – ohne Kaffeeschlange oder

Lost-Suche. Einfach einloggen, mitdiskutieren, mitnehmen. Für

uns ist Austausch keine Floskel. Die Netzwerktische sind das Herzstück:

kleine Runden, offener Dialog. Viele Speaker:innen setzen

sich direkt nach ihrem Vortrag dazu – das schafft Nähe, bricht Hierarchien

auf und bringt Fachwissen in Bewegung. Die Atmosphäre:

motivierend, konstruktiv, lösungsorientiert.

Wer teilnimmt, bringt Veränderung voran

Ob strategisch oder operativ – ob Einkauf, Pflege, Management

oder Industrie: Der Kongress richtet sich an alle, die Teil der Lösung

sein wollen. Wer sich informieren, vernetzen und neue Ideen mitnehmen

will, ist hier richtig. Denn klar ist: Die Herausforderungen

im Gesundheitswesen lösen wir nicht mit Einzelaktionen, sondern

mit klugen Kooperationen. Einzelkämpfer:innen bringen uns nicht

weiter – vernetzte Macher:innen schon. Genau das macht den ZUKE

Green Health Kongress aus: Ein Netzwerk aus Verantwortungsträger:innen,

die ihr Know-how teilen und voneinander lernen.

90 Kleine Kniffe


Jetzt anmelden – und Verbindungen schaffen,

die wirken

Die Anmeldung ist geöffnet. Einfach online registrieren, Interessen

angeben, Netzwerke knüpfen. Die professionelle Plattform

ermöglicht es, sich schon vor dem Event zu vernetzen, Gespräche

zu planen und passende Sessions vorzumerken.

Freiticket sichern.

Wir bieten vier „Kleine Kniffe“ Leser:innen dieser Ausgabe zu

unserem online Kongress Jubiläum ein Freiticket an. Schnell sein

lohnt sich. Einfach im Ticketshop mit dem Code „Kniffe“ eine Freikarte

sichern.

Fazit

Fünf Jahre. Ein Ziel. Viele Ideen. Der ZUKE Green Health Kongress

2025 steht für eine klare Haltung: Wirtschaftlich klug handeln,

gesundheitlich wirksam denken. Zwei Tage, die zeigen, wie viel

Power im gemeinsamen Gestalten steckt. Ohne Umwege. Ohne

Greenwashing. Mit Klartext, mit Wirkung, mit dir.

Die ZUKE Green Community als Nährboden des

ZUKE Green Health Kongress

Die ZUKE Green Community hat es sich zur Aufgabe gemacht,

im Gesundheitssektor eine nachhaltige Transformation voranzutreiben,

indem es Krankenhäuser, Krankenhausmitarbeitende und

Unternehmen im Gesundheitssektor durch die Community von 100

Nachhaltigkeitsbotschafter:innen vernetzt und unterstützt. Unternehmen,

die sich mit viel Leidenschaft in diesem Bereich einsetzen,

können sich in der Community als ZUKE Nachhaltigkeitspartner

ebenfalls Austauschen. Das Ziel: eine Plattform zu schaffen, auf der

Klinikmitarbeitende, Unternehmen und andere Interessierte sich

über Best Practices und innovative Ideen vernetzen und austauschen

können.

Die Vision von ZUKE Green ist ehrgeizig: Eine Gesundheitsbranche,

die sich durch soziale Verantwortung, ökologische

Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Effizienz auszeichnet. Durch die

Förderung des Wissens- und Lösungsaustauschs soll eine Zukunft

gestaltet werden, in der Nachhaltigkeit fest im Kern des Gesundheitswesens

verankert ist. Weitere Infos finden Sie hier.

Autorin

Nicole Krojer

Geschäftsführerin ZUKE Green

Community

www.zuke-green.de

https://kongress.zuke-green.de

Kleine Kniffe

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