04.11.2025 Aufrufe

Jahrbuch STAHL + TECHNIK-2026LP

  • Keine Tags gefunden...

Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!

Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.

Jahrbuch 2026

Stahl+Technik

Highlights aus stahlproduktion, Weiterverarbeitung und Anwendungstechnik

Mit Produkt- und

Dienstleistungsverzeichnis



Jahrbuch

Stahl+Technik

Highlights aus stahlproduktion, Weiterverarbeitung und Anwendungstechnik


Titelfoto: GMH Gruppe

Satz: DVS Media GmbH · Druck: D+L Printpartner GmbH

© 2025 DVS Media GmbH, Düsseldorf

1. Auflage

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung

außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne schriftliche Zustimmung

des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen,

Mikroverfilmungen und Einspeicherung und / oder Verarbeitung in elektronischen

Systemen, insbesondere Datenbanken und Netzwerke.

Das vorliegende Werk wurde sorgfältig erarbeitet. Dennoch übernehmen Autoren, Herausgeber

und Verlag für die Richtigkeit von Angaben, Hinweisen und Ratschlägen sowie für

eventuelle Druckfehler keine Haftung.

In diesem Buch wiedergegebene Gebrauchsnamen, Handelsnamen und Warenbezeichnungen

dürfen nicht als frei zur allgemeinen Benutzung im Sinne der Warenzeichen- und

Markenschutz-Gesetzgebung betrachtet werden.

Inhalte, die auf Verordnungen, Vorschriften oder Regelwerken basieren, dürfen nur unter

Berücksichtigung der jeweils neuesten Ausgabe in Originalfassung verwendet werden.

Printed in Germany

ISBN 978-3-96144-308-6


Jahrbuch

Stahl+Technik

Redaktioneller Teil

herausgegeben von

DVS Media GmbH, Düsseldorf


INHALT

Dekarbonisierung

8 Das Dekarbonisierungsprojekt im

Saarland geht in die Umsetzung

14 Wirbelschicht- und Schmelztechnologien:

Roheisenherstellung auf Basis von

wasserstoffbasierter Feinerzreduktion

18 Erweiterung der Wasserstoffanlage bei

voestalpine in Linz

20 Erfolgreicher Klimaschutz bei Benteler:

Werke laufen vermehrt mit Grünstrom

Recruiting

23 Aktion gegen Fachkräftemangel:

Wer etwas be we gen will, der kann dies

bei uns tun

Stahlerzeugung

28 Elektrische Richtwerte erschweren den

Umstieg auf grüne Stahlproduktion

30 Optimierte Ofenraumkamera

32 Edelstahlproduktion in Indien:

Das neue Stahlwerk bei Jindal Stainless

34 Elektrolichtbogenöfen mit Bestwerten

Rohstoffe

38 Tata Steel setzt auf KI und innovative

Laser für die Schrottanalyse in Echtzeit

42 Laserbasierte Materialanalyse erstmals

in einem mobilen System

45 Fortschrittliche Misch- und Auf bereitungs

verfahren für grünen Stahl

49 Mischer in der Kokerei der Hüttenwerke

Krupp Mannesmann im Einsatz

51 Monitoring von Schüttguthalden

Stranggießen

55 SSAB setzt in Luleå künftig auf

Dünnbrammentechnologie

28 0

58 Dünnes Warmband im Endlosverfahren

und ohne CO 2-Emissionen produzieren

61 Neue Version des Stranggieß-Simulationstools

bietet mehr Potential

Walzwerkstechnik

63 Feralpi Stahl Riesa nimmt Spooler-

Walzwerk feierlich in Betrieb

67 Komplexe berührungslose Profilmessung

bei Langprodukten im Walzwerk

Schmieden

69 Unternehmensübergreifende Fertigung

bei der GMH-Gruppe

71 Schmieden für die Luftfahrt

Krane und Logistik

76 Kran-Assistenzsysteme als Wegbereiter

für Sicherheit und Effizienz

80 Kranmonitoring: Höhere Verfügbarkeit

dank intelligenter Online-Überwachung

83 Kühle Präzision bei größter Hitze:

Planung von Industrieklimaanlagen

6


INHALT

55

72

86 Spezialtransporter für die nachhaltige

Stahlproduktion bei Salzgitter

88 Flexibler Mehrwege-Schubmaststaplerfür

Langgut und Paletten

Oberflächentechnik

90 Passivieren und Vorbehandlung von

Metall in einem Schritt

92 Entlackung von Stahl vor dem Recycling

– Verfahren, Effizienz, Umweltaspekte

Stahlhandel

95 Stahlbunde automatisch kommissionieren

oder Stäbe einzeln entnehmen

98 Mehr Transparenz bei CO 2-reduzierten

Produkten für Handel und Verarbeiter

100 Spotmarkt gewinnt bei Frachtangeboten

an Bedeutung

Stahlwerkstoffe

103 Prüfung von Aerospace-Vormaterial

105 CO 2-reduziertes Elektrobandfür

moderne Traktionsmotoren

107 Zertifizierte Zulassung als Sicherheitsstahl

für militärische Anwendungen

109 Die Zukunft der Pulverherstellung wird

den Maschinen gehören

Forschung und Entwicklung

114 Tata Steel forscht an „Metamaterialien“

für bessere Aufpralldämpfer

116 Calderys baut neues Technologie- und

Kompetenzzentrum in Deutschland

118 Feuerfeste Werkstoffe und Wasserstoff

124 Ultraschall-Tiefziehen in der

Serienfertigung

Energie und Umwelt

126 König-Brauerei bezieht industrielle

Abwärme von thyssenkrupp Steel

129 Schließung von Kühlwasserkreisläufen

in der Stahlindustrie

7


DEKARBONISIERUNG

NÄCHSTER SCHRITT ZUR TRANSFORMATION

Das Dekarbonisierungsprojekt

Power4Steel im Saarland geht in

die Umsetzung

Die SHS – Stahl-Holding-Saar Gruppe (SHS-Gruppe) mit ihren Beteiligungen Dillinger,

Saarstahl und ROGESA hat die entscheidenden Aufträge für die

Direktreduktionsanlage und die beiden Elektrolichtbogenöfen vergeben

Nach den Förderzusagen durch Bund und

Land für das größte europäische Dekarbonisierungsprojekt

hat die Stahl-Holding-

Saar Gruppe im Oktober 2024 die zentralen

Aggregate in Auftrag gegeben und damit einen

wesentlichen Meilenstein auf dem Weg zur

„grünen“ Zukunft der saarländischen Stahlindustrie

erreicht. Die Gesamtinvestitionssumme für

den Umbau auf eine „grüne“ Stahlproduktion

inkl. Umfeldgestaltung, Infrastruktur- und Logistikmaßnahmen

beträgt rund 4,6 Milliarden Euro.

Für dieses zukunftsweisende Projekt erhalten

die Unternehmen eine Förderung von Bund und

Land in Höhe von 2,6 Milliarden Euro, die Restfinanzierung

liegt bei den Unternehmen selbst.

Stefan Rauber, Vorstandsvorsitzender

Aktien-Gesellschaft der Dillinger Hüttenwerke

und Saarstahl AG, fand angesichts der Auftragsvergabe

große Worte: „Wir schreiben Geschichte,

um so Zukunft zu machen. Unseren Kunden

bei Dillinger und Saarstahl werden wir ein qualitativ

hochwertiges Portfolio an CO 2

-reduziertem

Stahl anbieten und insgesamt zum Vorreiter

der Dekarbonisierung in Europa werden.“ Er

Das gesamte Team des Transformationsprojekts Power4Steel (Bild: SHS – Stahl-Holding-Saar)

8


DEKARBONISIERUNG

„Wir starten einen Produktionsumbau, der seinesgleichen sucht:

Siebzig Prozent unserer Kapazitäten werden in einem Schritt

auf eine CO 2

-reduzierte Stahlherstellung transformiert.“

Dr. Peter Maagh,

Vorstand Technik Aktien-Gesellschaft der Dillinger Hüttenwerke und Saarstahl AG

forderte aber auch künftig den Rückhalt in der

Gesellschaft ein. „Hierfür benötigen wir allerdings

die unumstößliche Rückendeckung und

Unterstützung der Politik. Wir bekennen uns klar

zum Klimaschutz, zum Standort Deutschland

und zum Standort Saarland. Wir erwarten daher

auf allen Ebenen eine aktive Industriepolitik, die

die energieintensiven Unternehmen in Deutschland

unterstützt und international wettbewerbsfähige

Rahmenbedingungen schafft. Denn:

Industrie, die in Europa und in Deutschland deutlich

teurer produzieren muss, darf nicht darunter

leiden, dass sie dem Standort die Treue hält;

wer in Deutschland investiert, Innovationen

umsetzt und Arbeitsplätze sichert, muss auch

von Deutschland unterstützt werden.“

Eine Direktreduktionsanlage (DRI-Anlage) und

zwei Elektrolichtbogenöfen sind die Kernaggregate

des Dekarbonisierungsprojekts von Saarstahl,

Dillinger und ROGESA, das zusammen für eine

Produktionskapazität von 3,5 Millionen Tonnen

Rohstahl pro Jahr ausgelegt ist. Hiermit stellt die

SHS-Gruppe in nur einem Schritt 70 % ihrer

Gesamtkapazität auf eine CO 2

-reduzierte Produktion

um. Unter Verwendung von ersten Wasserstoffmengen

und Stahlschrott ermöglichen die

Anlagen eine Reduktion der CO 2

-Emissionen um

bis zu 55 % bis Anfang der 30er Jahre. Dies entspricht

einer jährlichen Einsparung von 4,8 Millionen

Tonnen CO 2

. Damit sind diese saarländischen

Stahlhersteller die einzigen Unternehmen, die

bereits im ersten Schritt das EU-Klimaziel „Fit for

55“ bis 2030 erreichen können, wenn die entsprechende

Infrastruktur und Wirtschaftlichkeit gegeben

sind.

Aufgrund der Komplexität der Anlagenkonfiguration

sowie der weiteren Infrastruktur hat die

SHS-Gruppe umfangreiche Vorplanungen für

Power4Steel durchgeführt. So konnte bereits in

der Planung ein enormer Reifegrad im Projekt

erreicht werden, um eine möglichst reibungslose

Bauphase vorzubereiten. Die Inbetriebnahme

ist für 2028/29 vorgesehen.

Direktreduktionsanlage für flexiblen

Übergang zu Wasserstoff

Anstelle der bisherigen Hochöfen wird künftig

eine Direktreduktionsanlage die beiden neuen

Stahlwerke in Dillingen und Völklingen mit redu-

Skizze des neuen Elektrostahlwerks in Dillingen

(Bild: SHS – Stahl-Holding-Saar)

9


DEKARBONISIERUNG

Skizze des neuen Elektrostahlwerks in Völklingen (Bild: SHS – Stahl-Holding-Saar)

zierten Eisenpellets versorgen. Die DRI-Anlage

wird am Standort Dillingen gebaut und ist für

eine jährliche Produktionskapazität von rund 2

Millionen Tonnen direktreduziertem Eisen ausgelegt.

Mit der Errichtung wurden die Anlagenbauer

Primetals Technologies, Midrex Technologies

Inc. und die DSD Steel Group beauftragt.

Die neue Direktreduktionsanlage wird HDRI

(Hot Direct Reduced Iron) und CDRI (Cold Direct

Reduced Iron) produzieren und verfügt über eine

Jahreskapazität von 2 Millionen Tonnen. Ein Konsortium

aus Midrex Technologies und Primetals

Technologies ist für das Engineering und die Lieferung

der mechanischen sowie der elektrischen

Komponenten und der Automatisierung verantwortlich.

Der mechanische Lieferumfang

umfasst ein Materialtransportsystem, eine Wasseraufbereitungsanlage,

Nebenanlagen sowie

die Fertigungsüberwachung. Primetals Technologies

wird außerdem die Basisautomatisierung

(Level 1) sowie ein System zur Prozessoptimierung

(Level 2) liefern. Das Expertensystem DRIpax,

das eine gleichbleibend hohe Qualität des

produzierten DRI gewährleistet, ist Teil der Prozessautomatisierung.

„Der Übergang zu einer umweltfreundlichen

Stahlproduktion wird nicht von heute auf morgen

erfolgen. Wir werden einen schrittweisen

Prozess hin zur Kohlenstoffneutralität sehen“,

so Andreas Viehböck, Leiter Upstream Technologies

bei Primetals Technologies. „Mit dieser

Investition sind Dillinger und ROGESA in der

Lage, ihre mittel- bis langfristigen Dekarbonisierungsziele

zu erreichen. Die Lösungen von Primetals

Technologies und Midrex Technologies

werden es den beiden Unternehmen ermöglichen,

den Einsatz von Wasserstoff schrittweise

zu erhöhen und sich gleichzeitig an eine sich

verändernde Energielandschaft anzupassen.

Wir freuen uns sehr, sie bei diesem Vorhaben

und darüber hinaus zu unterstützen.“

Die MIDREX Flex-Technologie ist für den

Betrieb mit unterschiedlichen Anteilen von Erdgas

und Wasserstoff, bis hin zu 100 Prozent

Wasserstoff ausgelegt. Zunächst wird die Anlage

mit einem Gemisch aus Erdgas und Wasser-

10


DEKARBONISIERUNG

stoff betrieben, was eine Verringerung des

CO 2

-Ausstoßes um mehr als 50 Prozent im Vergleich

zur Eisenproduktion im Hochofen ermöglicht.

Die MIDREX Flex-Anlage wird mit wasserstofftauglicher

Ausrüstung und Rohrleitungen,

wie z. B. dreistufigen Prozessgaskompressoren,

ausgestattet sein. Darüber hinaus verfügt

sie über einen Heißtransportförderer, um die

wertvolle Wärme des HDRI für die direkte

Beschickung des Elektrolichtbogenofens am

Standort Dillingen zu nutzen. Eine Lösung zum

Abkühlen des DRI ermöglicht den Transport von

CDRI.

„Die Entscheidung von Dillinger und ROGE-

SA für die MIDREX Flex-Technologie ermöglicht

den Unternehmen den Übergang zur wasserstoffbasierten

Eisenerzeugung in dem Tempo,

das der Verfügbarkeit einer ausreichenden Gasversorgung

entspricht, während gleichzeitig die

derzeitigen CO 2

- Emissionen erheblich reduziert

werden“, sagte K.C. Woody, Präsident und CEO

von Midrex Technologies. „Die DRI-basierte

Stahlerzeugung bietet einen Weg in eine nachhaltige

Zukunft sowohl in wirtschaftlicher als

auch in ökologischer Hinsicht. Unsere Technologielösungen

bieten die Flexibilität und Leistung,

um das Versprechen in einen Erfolg zu verwandeln.“

Primetals Technologies wird gemeinsam mit

dem Konsortialpartner DSD Steel Group, Teil

der deutschen DSD Steel Group, die Überwachungsleistungen

für den Bau und die Montagen

der DRI- und der EAF-Anlagen erbringen.

Neue Flüssigphase in Dillingen

Neben der DRI-Anlage wurden auch die Aufträge

für zwei Elektrolichtbogenöfen (EAF) für

Dillinger und Saarstahl vergeben. In diesen

Anlagen entsteht aus den in der DRI-Anlage

produzierten Eisenpellets unter Beifügung von

Schrott CO 2

-reduzierter Stahl.

Der EAF für den Grobblechhersteller Dillinger

wird ebenfalls von Primetals Technologies

und DSD Steel Group errichtet. Der Typ EAF

Ultimate ist die neueste Entwicklung von Primetals

Technologies im Bereich der Elektrostahlerzeugung.

Die vollautomatische Anlage

sorgt für kurze Abstichzeiten und niedrige Verbrauchswerte.

Sie bietet ein hohes Maß an Flexibilität

sowohl in Bezug auf den Rohstoffeinsatz

als auch auf die Produktion einer breiten

Palette von Stahlsorten.

Der Lieferumfang von Primetals Technologies

für das neue Stahlwerk in Dillingen umfasst

unter anderem einen 195-Tonnen-Ofen mit

einem Ofendurchmesser von 9,6 Metern und

einem leistungsstarken 300-MVA -Transformator

(MVA), das LiquiRob-Robotiksystem für einen

sichereren Betrieb, zwei 195-Tonnen-Doppelpfannenöfen

(LF), ein Materialhandlingsystem,

eine Primär-, Sekundär- und Hilfsentstaubung für

den Elektrolichtbogenofen, ein Abwärme-Rückgewinnungssystem

und eine Wasseraufbereitungsanlage.

Das Wärmerückgewinnungssystem

wandelt die Abwärme in Dampf um, der

anschließend in anderen Produktionseinheiten

weiterverwendet wird.

Der EAF wird mit modernen Level 1- und

Level 2-Automatisierungssystemen (EAF Controller

und EAF Optimizer) ausgestattet. Ein

geschlossenen Regelkreislauf ermöglicht es,

die angestrebten Produktqualitäten sowie eine

detaillierte Produktionsplanung zu erreichen.

Bei der Inbetriebnahme des neuen Produktionskomplexes,

der hohe Anforderungen an die

Automatisierungssysteme stellt, wird eine

rasche Umsetzung der gewonnenen Analysen

und Erkenntnisse eine zentrale Rolle spielen.

Die Digitalisierungslösungen von Primetals

Technologies ermöglichen von Anfang an ein

schnelles Hochfahren zur vollen Produktionskapazität

und einen effektiven und umweltfreundlichen

Produktionsprozess.

Das Elektrodenregelungssystem Melt

Expert wird sowohl in der EAF-Anlage als auch

in den Doppelpfannenöfen installiert und führt

aufgrund geringerer Verbrauchswerte zu Pro-

11


DEKARBONISIERUNG

3D-Visualisierung des neuen Umspannwerks in Völklingen (Bild: SHS – Stahl-Holding-Saar)

duktivitätssteigerungen und Kosteneinsparungen.

Der Asset Life Expert (ALEX) überwacht

den Zustand der Anlagen und identifiziert

potenzielle Störungen, bevor diese auftreten.

Der Einsatz von ALEX gemeinsam mit dem

Abgasanalysesystem Lomas führt zu einer

höheren Prozesseffizienzsicherheit.

Ein eigenes Schmelzwerk für Völklingen

Für die neuen Stahlwerksanlagen beim Walzdraht-

und Stabstahlherstellers Saarstahl fiel die

Wahl auf die SMS Group. Am Standort Völklingen

wird in einem bereits festgelegten

Brownfield-Gebiet der neue 185-Tonnen-Lichtbogenofen

errichtet. Mit einer Transformatorleistung

von 300 MVA ist er einer der stärksten

Wechselstrom-Elektrolichtbogenöfen der Welt.

Der Schmelzofen verarbeitet eine flexible

Mischung von bis zu 100 Prozent Schrott oder

80 Prozent CDRI (kalter Eisenschwamm)/HBI

(Eisenschwammbriketts) und 20 Prozent

Schrott.

Jochen Burg, CEO der SMS group: „Wir sind

stolz, mit diesem Großprojekt für Saarstahl und

SHS - Stahl-Holding-Saar eine Schlüsselrolle in

Europas Green-Steel-Transformation zu spielen.

Das Projekt unterstreicht die langjährige Partnerschaft

zwischen SHS und SMS group. Mit

einer Anschlussleistung von 300 MVA ist der

neue EAF der größte jemals von SMS group

gebaute Elektrolichtbogenofen und wird einen

neuen Meilenstein auf dem Weg in eine CO 2

-

neutrale Zukunft der europäischen Stahlindustrie

setzen.“

Der EAF mit einem Gefäßdurchmesser von

9,3 Metern wird eine Jahreskapazität von 1,9 Millionen

Tonnen Flüssigstahl haben. Der EAF wird

mit Condoor ® , der verbesserten Schlackentür von

SMS, ausgerüstet, die bedeutende Vorteile hinsichtlich

Sicherheit, Produktivität, Energieeinsparung

und Umweltauswirkungen bietet. Condoor ®

12


DEKARBONISIERUNG

ermöglicht einen automatischen Betrieb, reduziert

Nebenzeiten, sorgt für eine saubere Schlackentürschwelle,

spart Energie und senkt die

NO x

-Emissionen mit einem abgedichteten Gefäß.

Darüber hinaus optimiert es die Verweilzeit der

Schlacke, verbessert den Einsatz von Flussmitteln

und Rohmaterial und reduziert gleichzeitig den

Elektroden-, Kohlenstoff- und Kalkverbrauch und

senkt so den CO 2

-Fußabdruck.

Der EAF wird mit der fortschrittlichen

X-Pact ® -Automation von SMS group ausgestattet,

darunter X-Pact ® Sense zur Lecksuche und

X-Pact ® Autotap für sicheres und automatisiertes

Abstechen. Für eine vorausschauende Instandhaltung

wird Genius CM ® implementiert, um die

betriebliche Effizienz und Sicherheit zu erhöhen.

Weitere Innovationen sind SafEBT-clean für die

automatische Reinigung des exzentrischen

Bodenabstichkanals (EBT), um ein Höchstmaß

an spontanen EBT-Öffnungen sicherzustellen,

sowie SafEBT-fill für automatische Sandbefüllung,

Temperaturmessung und Sondenwechsel.

Zum Lieferumfang gehören auch Materialwirtschaft

mit speziell für bestimmte Produktionsgüten

ausgelegten Bunkern, Flüssigstahlwirtschaft,

Reparaturbereich für FF-Zustellung, Wasseraufbereitungsanlage,

Druckluftverrohrung, zwei

Rauchgasaufbereitungsanlagen, Energierückgewinnungs-

und Elektro-/Automatisierungssysteme,

Schalldämmung, Wagen mit Hybridtechnologie

für Schrottkübelbewegungen, Hilfskrane

sowie Hallen- und Feldverrohrung.

Die erste Schmelze wird für September

2028 erwartet. Dann wird das Werk verschiedene

Stahlsorten produzieren, einschließlich

Lagerstahl, Automatenstahl und Federstahl.

Umspannwerk für den Standort

Völklingen

Um in Völklingen künftig den erheblich höheren

Bedarf an Elektroenergie zu gewährleisten, hat

Saarstahl ein neues Umspannwerk in Auftrag

gegeben. Die neue Stromversorgungslösung wird

als Bindeglied zwischen dem Stromnetz und dem

neuen Elektrolichtbogenofen dienen. Die Inbetriebnahme

ist für August 2026 vorgesehen.

Primetals Technologies wird ein komplettes

Umspannwerk zur Umwandlung der Spannung

von 110 kV auf schrittweise 35 kV und 10,5 kV

planen, liefern und installieren. Die Anlage umfasst

eine 110-kV-gasisolierte Schaltanlage, drei

200-MVA-Transformatoren und einen 40-MVA-

Transformator. Zur Ausrüstung gehört zudem eine

35-kV-gasisolierte Schaltanlage sowie eine

10,5-kV-luftisolierte Schaltanlage. Die Steuerung

des Umspannwerks erfolgt durch ein SCADA-Leitsystem.

Fazit

Mit den Auftragsvergaben für die neuen Hauptaggregate

verfolgen Dillinger, Saarstahl und

ROGESA konsequent das Ziel einer klimaverantwortlichen

Produktion im Saarland. Damit

legen sie zugleich das Fundament für eine künftige

Wasserstoffwirtschaft in der Großregion

und sichern die Zukunft des Industriestandorts.

Gefördert wird das Dekarbonisierungsprojekt

Power4Steel durch das Bundesministerium

für Wirtschaft und Klimaschutz und durch das

Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitales

und Energie des Saarlands.

Die H&Z Unternehmensberatung unterstützt

das Transformationsprojekt seit September 2022

in mannigfaltiger Weise – vom Aufbau einer Projektstruktur

und Erarbeitung von Vergabeszenarios

über Um- und Aufbau des Projekt- und Anlageneinkaufs

und Anpassung an Power4Steel-Transformation,

die Entwicklung und Implementierung von

Vergabeprozessen, welche fördermittelkonforme

Vergaben sicherstellen, Interim-Management der

Groß-Tenders über 14 Monate bis zur Auftragserteilung

und im Ramp-up.

• SHS – Stahl-Holding-Saar / Primetals

Technologies / SMS group / H&Z

13


DEKARBONISIERUNG

WIRBELSCHICHT- UND SCHMELZTECHNOLOGIEN FÜR EISENERZ

Roheisenherstellung auf Basis von

wasserstoffbasierter Feinerzreduktion

voestalpine realisiert gemeinsam mit Primetals Technologies, Mitsubishi Corporation

und Rio Tinto einen wasserstoffbasierten Prozess zur Herstellung von Roheisen und

Roheisenbriketts durch wasserstoffbasierte Feinerzreduktion (HYFOR) in

Kombination mit einem Einschmelzer. Der Prototyp der Anlage im industriellen

Maßstab wird in Linz, Österreich, errichtet.

Am 1. April 2025 unterzeichneten Primetals

Technologies, Mitsubishi Corporation, der

Bergbaukonzern Rio Tinto sowie der

Stahl- und Technologiekonzern voestalpine eine

Kooperationsvereinbarung. Ziel ist die Weiterentwicklung

von Wirbelschicht- und Schmelztechnologien

für Eisenerz. Die Projektpartner

werden am voestalpine-Standort in Linz, Österreich,

den Prototyp einer industriellen Anlage

errichten, die dank einer neuen Verfahrenskombination

die Roheisenproduktion ohne CO 2

-

Emissionen ermöglicht.

Wasserstoffbasierte Direktreduktionsanlage

für Feinerze mit Einschmelzer

gekoppelt

Die industrielle Prototypenanlage zur Eisenerzeugung

soll die Produktion von drei Tonnen

Roheisen pro Stunde ermöglicht. Die Inbetriebnahme

ist für Mitte 2027 geplant. Technisch

basiert die Anlage auf zwei Innovationen von

Primetals Technologies: HYFOR und Smelter.

HYFOR (Hydrogen-based fine-ore reduction)

ist eine Technologie zur Direktreduktion von Feinerzen,

die keine Eisenerzaufbereitung erfordert.

Seit 2021 betreibt Primetals Technologies eine

HYFOR-Pilotanlage (Versuchs- und Demonstrationsanlage)

auf dem Gelände der voestalpine in

Donawitz, Österreich. An dieser Pilotanlage wurden

bereits zahlreiche Testkampagnen erfolgreich

durchgeführt.

Der Smelter ist ein Aggregat, das zum

Schmelzen und zur Endreduktion von direkt

reduziertem Eisen (DRI) verwendet wird. Bei

der voestalpine wird er mit erneuerbarer Energie

betrieben werden und soll die Produktion

von Roheisen für die anschließende Stahlproduktion

ohne CO 2

-Emissionen ermöglichen.

„Dieses Projekt markiert einen bedeutenden

Fortschritt in Richtung Eisenerzeugung der

Zukunft. Zum ersten Mal wird eine wasserstoffbasierte

Direktreduktionsanlage direkt mit dem

Schmelzprozess gekoppelt“, sagt Alexander

Fleischanderl, Chief Technology Officer und

Head of Green Steel bei Primetals Technologies.

„Die Kombination von HYFOR und Smelter ist

hochinnovativ und könnte die Eisenindustrie verändern

wie [seinerzeit] der LD-Konverter die

Stahlproduktion. Wir sind sehr stolz darauf, mit

der Unterstützung starker Partner wie voestalpine,

Rio Tinto und Mitsubishi Corporation

gemeinsam in der Lage zu sein, die Zukunft der

Eisenerzeugung ohne CO 2

-Emissionen maßgeblich

zu formen.“

„Bergbau und Handel mit eisenhaltigen Rohstoffen

gehören seit vielen Jahrzehnten zu

unseren Kerngeschäften“, sagt Kenichiro Tau-

14


DEKARBONISIERUNG

Vertreter von voestalpine, Rio Tinto, Mitsubishi Corporation und Primetals Technologies während der

Vertragsunterzeichnung in Wien, Österreich (von links:) Rafael Azevedo, General Manager Iron Ore

Sales Atlantic und Thomas Apffel, Senior Vice President Steel Decarbonization, beide von Rio Tinto;

Kurt Satzinger, Senior Vice President of R&D and Innovation und Helmut Gruber, CTO und Vorstandsmitglied,

beide von voestalpine Stahl; Alexander Fleischanderl, CTO und Head of Green Steel und

Satoru Iijima, Vorstandsmitglied, beide von Primetals Technologies; Seitaro Takarabe, Head of Business

Development DRI, Iron Ore Department von Mitsubishi Corporation (Foto: Primetals Technologies)

chi, COO, Ferrous Raw Materials Division der

Mitsubishi Corporation. „Nun wollen wir ein

neues Angebot an emissionsarmem Eisenschwamm

und Roheisen entwickeln, um die

Dekarbonisierung der Stahlindustrie zu unterstützen.

HYFOR und Smelter sind neue, vielversprechende

Technologien, um diesen Prozess

voranzutreiben. Mitsubishi Corporation freut

sich als strategischer Partner von Primetals

Technologies darauf, gemeinsam mit führenden

Unternehmen der Eisen- und Stahlindustrie an

der Entwicklung dieser bahnbrechenden Technologien

mitzuwirken.“

Herbert Eibensteiner, Vorstandsvorsitzender

der voestalpine AG, erläutert: „Mit greentec

steel verfolgt die voestalpine einen klaren Stufenplan

für eine Stahlproduktion mit net-zero

CO 2

-Emissionen. Im ersten Schritt nehmen wir

2027 an den Standorten Linz und Donawitz je

einen mit grünem Strom betriebenen Elektrolichtbogenofen

in Betrieb. Bis 2029 werden wir

unsere CO 2

-Emissionen im Vergleich zu 2019

um bis zu 30 Prozent reduzieren. Das entspricht

fast 5 Prozent der gesamten jährlichen CO 2

-

Emissionen Österreichs und macht greentec

steel zum größten Klimaschutzprogramm des

Landes. Langfristig verfolgen wir das Ziel einer

klimaneutralen Stahlproduktion mit grünem

Wasserstoff. Gemeinsam mit Primetals Technologies

und Rio Tinto beschreiten wir einen

völlig neuen und vielversprechenden Weg in der

Forschung zur Roheisenerzeugung auf Wasserstoffbasis.“

Rio Tinto, einer der größten Eisenerzproduzenten

der Welt, bringt sein umfassendes Fachwissen

über die Qualität und Aufbereitung von

Eisenerz ein, um das Projekt auf technischer

Seite zu unterstützen. Zudem wird Rio Tinto 70

Prozent des Eisenerzes für die neue Anlage aus

seinen weltweiten Erzminen liefern. Das Unter-

15


DEKARBONISIERUNG

Gemeinsam mit Primetals Technologies und Rio Tinto beschreiten

wir einen völlig neuen und vielversprechenden Weg in der

Forschung zur Roheisenerzeugung auf Wasserstoffbasis.

Herbert Eibensteiner, Vorstandsvorsitzender der voestalpine AG

nehmen wird Primetals Technologies auch bei

der Kommerzialisierung der Technologie unterstützen.

Thomas Apffel, General Manager, Steel

Decarbonization bei Rio Tinto, erklärt: „Wir freuen

uns, einem Konsortium beizutreten, das die

gesamte Prozesskette abdeckt. Mit unserem

Know-how in der Eisenerzeugung und unseren

Eisenerzen aus den Betrieben in Pilbara, Iron

Ore Company of Canada und Simandou wollen

wir die Entwicklung und Verbreitung der Wirbelschichttechnologie

vorantreiben. Die verwendete,

auf Feinerz basierende Lösung zur Eisenherstellung

ist eine überzeugende Alternative

zur Hochofentechnologie. Sie macht die Erzvorbereitung

überflüssig und bietet somit Stahlproduzenten

wie auch Bergbauunternehmen

erhebliche Vorteile. Rio Tinto begrüßt die Aufnahme

weiterer Teilnehmer in das Konsortium

und freut sich darauf, die breite Einführung dieser

innovativen Technologie zu unterstützen.“

Finanzierung durch die EU und die

österreichische Regierung

Die österreichische Bundesregierung finanziert

die Investition und den Betrieb dieser Prototypanlage

im Rahmen des vom Kommunalkredit

Public Consulting (KPC) verwalteten Programms

"Transformation der Industrie" und der von Austria

Wirtschaftsservice (aws) verwalteten Initiative

"Twin Transition". Zusätzlich unterstützt die

Europäische Union das Vorhaben durch den

Europäischen Forschungsfonds für Kohle und

Stahl im Rahmen der Clean Steel Partnership

(CSP). Weitere Förderung erfolgt durch die EU

Clean Hydrogen Partnership im Rahmen der

Hydrogen Valleys für Anwendungen, bei denen

Wasserstoff mehr als einem Endsektor oder

einer Anwendung in den Bereichen Mobilität,

Industrie und Energie dient.

• Primetals Technologies

16


• Schleif- und Poliermaschinen

• Antriebsmaschinen • Schleif- und Poliermaschinen

für Biegsame Wellen

(0,3 • Antriebsmaschinen - 5,5kW)

für Biegsame Wellen

• Biegsame (0,3 - 5,5kW) Wellen und Reparaturservice

• (alle • Biegsame Systeme) Wellen und Reparaturservice

(alle Systeme) • Entgrattechnik

• Druckluftgeräte und

• Entgrattechnik

Mikromotoren

• Druckluftgeräte • Schleifmittel: Fräser, und

Mikromotoren

Bürsten, Bänder,

• Schleifmittel: Fächer-schleifer Fräser, u.v.m.

Bürsten, Bänder, Fächerschleifer

u.v.m.

• Biegsame Wellen zur Fernsteuerung

und Kraftübertragung

• Spiralen aus Flach- und/oder

Runddraht

• Getriebe und Winkelgetriebe

• Kombinationen flexibel und starr

• Kurbeln

• Biegsame Wellen zur Fernsteuerung und

Kraftübertragung

haspa GmbH

Saegmuehlstrasse 39 • D - 74930 • Ittlingen Spiralen • aus Fon: Flach- +49 (0) und/oder 7266 91 48-0 Runddraht • Fax: - 30

www.haspa-gmbh.de • info@haspa-gmbh.de • Getriebe und Winkelgetriebe

• Kombinationen flexibel und starr

• Kurbeln


DEKARBONISIERUNG

GRÜNE TRANSFORMATION

Erweiterung der Wasserstoffanlage

in Linz

Eine der weltweit am längsten laufende PEM-Elektrolyseanlagen, H 2FUTURE, in Linz

wird ausgebaut. Die Erweiterung umfasst die Produktion, Verdichtung, Reinigung,

Speicherung bis hin zur Verladung und Weiterverwendung von grünem Wasserstoff.

Die im Jahr 2019 als damals weltweit größtes

Wasserstoffpilotprojekt in Betrieb

genommene Elektrolyse-Anlage am voestalpine-Standort

Linz wird um eine Verdichtungs-

und Reinigungsanlage sowie um fünf

Wasserstoffspeichertanks erweitert. In den

neu errichteten Speichertanks wird der Wasserstoff

bis zur Verladung und Weiterverwendung

gelagert. Die Kosten für die Erweiterung des

Forschungsprojekts belaufen sich auf 16,4 Millionen

Euro.

H 2FUTURE-Follow-up ist ein gemeinsames

Forschungsprojekt des internationalen Stahlund

Technologiekonzerns voestalpine und Österreichs

größtem Elektrizitätsversorgungsunternehmen

VERBUND. Im Rahmen von

H 2FUTURE-Follow-Up werden die bisherigen

Forschungsaktivitäten zur Wasserstoffproduktion

hinsichtlich der Qualitätsmerkmale Reinheit

und Druck konsequent weitergeführt.

Die Vorbereitungsmaßnahmen für die Anlagenerweiterung

laufen bereits seit zwei Jahren,

aktuell werden die Anlagen installiert. Die Funktionstests

beginnen im Januar 2026, erste Forschungsergebnisse

werden Ende 2026 erwartet.

Das Projekt endet im Dezember 2029.

Die voestalpine wird den erzeugten grünen

Wasserstoff in weiteren Forschungsprojekten

des Konzerns einsetzen. „Wir verfolgen mit

greentec steel einen klaren Stufenplan zur Transformation.

Wir arbeiten bereits intensiv an der

ersten Stufe und werden ab 2027 je einen grünstrombetriebener

Elektrolichtbogenofen an den

Standorten in Linz und Donawitz in Betrieb nehmen

und zwei kohlebasierte Hochofenaggregate

stilllegen. Langfristig streben wir bis 2050

eine Stahlproduktion mit Net-Zero-CO 2

-Emissionen

an. Wasserstoff wird dabei eine wichtige

Rolle einnehmen. Gemeinsam mit unserem

Partner VERBUND werden wir mit H 2FUTURE-

Follow-up weitere, wichtige Erkenntnisse

gewinnen“, so Herbert Eibensteiner, CEO voestalpine

AG.

Gemeinsames Forschungsprojekt

von voestalpine und VERBUND

Im Rahmen des H 2FUTURE-Follow-up-Projekts

konzentriert sich der Energieversorger

VERBUND auf die Herstellung, Verdichtung und

Reinigung von Wasserstoff unter fluktuierenden

Bedingungen. „Mit einer Speicherkapazität

von einer Tonne Wasserstoff sind wir in der

Lage, die Schwankungen der Produktion auszugleichen

und somit die konstante Versorgung

unserer Kunden sicherzustellen“, so CEO

Michael Strugl.

Die bereits seit 2019 laufende H 2FUTURE-

Anlage ist eine der weltweit am längsten betriebenen

Protonen-Austausch-Membran-(PEM)-

Elektrolyseanlagen. Sie besteht aus 12 „Stacks“

mit jeweils 50 Elektrolysezellen und hat eine

18


DEKARBONISIERUNG

Die Wasserstoff-Pilotanlage wird um eine Verdichtungs- und Reinigungsanlage sowie um fünf

Wasserstoffspeichertanks erweitert (Grafik: voestalpine)

Anschlussleistung von sechs Megawatt. Diese

Anlage kann stündlich 1.200 Kubikmeter grünen

Wasserstoff erzeugen. Seit ihrer Inbetriebnahme

hat sie mehrere hundert Tonnen grünen

Wasserstoff produziert und zahlreiche Versuchsprogramme

durchgeführt.

Ein Stresstest bestätigte die Belastbarkeit

der Anlage im Dauerbetrieb und ihre Fähigkeit,

schnell auf große Laständerungen, zu reagieren.

Die Anlage wird insbesondere genutzt, um

Frequenzschwankungen im Stromnetz auszugleichen,

die durch die unregelmäßige Verfügbarkeit

erneuerbarer Energien oder unterschiedliche

Strombedarfe entstehen.

• voestalpine / VERBUND

19


DEKARBONISIERUNG

WERKE LAUFEN VERMEHRT MIT GRÜNSTROM

Erfolgreicher Klimaschutz bei Benteler

Die Benteler-Gruppe hat rund 320.000 Tonnen CO 2

im Vergleich zum Jahr 2019

eingespart und damit den internernen Zielwert deutlich übertroffen. Die Kombination

aus Herkunftsnachweisen, On-Site-Anlagen und Strombezug aus Lieferverträgen hat

sich als Erfolgsmodell bewährt.

CEO Ralf Göttel sieht seine Unternehmensgruppe auf einem sehr guten Weg in Richtung Netto-

Null-Emissionen bis 2050 (Foto: Benteler)

​D

ie Benteler Gruppe hat einen zentralen

Meilenstein auf dem Weg zur klimafreundlichen

Produktion erreicht: Mehr als

70 Prozent der weltweit 67 Benteler-Werke laufen

aktuell vollständig mit Grünstrom. Konkret

hat das Unternehmen insbesondere durch die

Nutzung von Grünstrom im Jahr 2024 rund

320.000 Tonnen CO 2

im Vergleich zum Ausgangsjahr

2019 eingespart. Ein Werk gilt als

vollständig auf Grünstrom umgestellt, wenn es

keine CO 2

-Emissionen aus zugekauftem Strom

(Scope 2) mehr verursacht.

Der Stromverbrauch der einzelnen Werke

variiert stark, durch den Einsatz von Grünstrom

stammt jedoch bereits mehr als die Hälfte des

Gesamtstromverbrauchs von Benteler aus

erneuerbaren Quellen.

„Das ist in Summe deutlich mehr, als wir

uns zum aktuellen Zeitpunkt in unseren Zielen

vorgenommen haben. Mit der erfolgreichen

Umstellung eines Großteils unserer Werke auf

grünen Strom haben wir einen bedeutenden

Fortschritt in unserer eigenen Produktion

erreicht – transparent, messbar und konse-

20


DEKARBONISIERUNG

Bei allen aktuellen Herausforderungen in der

Industrie setzen wir ein klares Zeichen: Wir

lassen in Sachen Nachhaltigkeit nicht nach.

Ralf Göttel, CEO der Benteler Gruppe

quent“, sagt Ralf Göttel, CEO der Benteler

Gruppe. „Bei allen aktuellen Herausforderungen

in der Industrie setzen wir ein klares Zeichen:

Wir lassen in Sachen Nachhaltigkeit nicht

nach. Bis 2050 streben wir unternehmensweit

Netto-Null-Emissionen an.“

Umstellung auf Grünstrom schreitet

kontinuierlich voran

„Corby in England war im Jahr 2020 das erste

Werk, das wir vollständig auf grünen Strom

umgestellt haben. Seitdem sind zahlreiche weitere

Standorte hinzugekommen“, erklärt Robert

Snijder, Vice President Procurement bei Benteler.

„Dabei fokussieren wir uns vor allem auf drei

Grünstrom-Ansätze, um unsere standortbezogenen

indirekten CO 2

-Emissionen zu senken: Herkunftsnachweise,

On-Site-Lösungen auf unseren

Werksgeländen oder in deren unmittelbarer

Nähe sowie sogenannte Power Purchase Agreements.“

Mit Herkunftsnachweisen belegt Benteler,

dass das Unternehmen Strom nutzt, der aus erneuerbaren

Quellen in das öffentliche Netz eingespeist

wurde. On-Site-Lösungen sind vor allem Photovoltaik-Anlagen,

die an verschiedenen Standorten

installiert wurden und an denen Benteler den

selbst produzierten Strom nutzt. Zu diesen Standorten

gehören unter anderem Schloß Neuhaus

(Deutschland), Vigo, Mos und Burgos (alle Spanien),

Malacky (Slowakei), Pune (Indien), Shenyang

(China) sowie Kleinenberg (Deutschland), das via

Kabel an einem Windpark angeschlossen ist. In

Summe weisen allein diese Standorte rund 21

Megawattpeak (MWp) aus erneuerbaren Energiequellen

auf.

Immer wichtiger werden für Benteler darüber

hinaus Power Purchase Agreements (PPA),

wie Christoph Drühe, Commodity Manager

Energy bei Benteler, erklärt: „Ein PPA ist ein

langfristiger Stromliefervertrag – in der Regel

über Strom aus Sonne oder Wind – zwischen

einem Kraftwerksbetreiber und einem größeren

Im Juni 2025 hat Benteler ein PPA für die

langfristige Lieferung von Grünstrom aus einem

Solarpark im Münsterland abgeschlossen

(Foto: Benteler)

21


DEKARBONISIERUNG

Benteler nutzt vor Ort erzeugten Strom – unter anderem in Shenyang, China (Foto: Benteler)

Abnehmer wie Benteler. Da der Preis in der

Regel vertraglich für die gesamte Laufzeit festgelegt

wird, bieten PPA stabile Preise und damit

Planungssicherheit. In Summe ergibt sich eine

Win-win-Situation, weil wir gemeinsam mit dem

Anbieter den Ausbau erneuerbarer Energien fördern.“

Bereits im Januar 2025 schloss Benteler mit

dem Energieunternehmen Enery ein PPA für die

Versorgung der Automotive-Standorte in der

Tschechischen Republik ab, vor kurzem folgten

weitere PPA mit den Unternehmen Statkraft

(Wind) und LichtBlick (Photovoltaik) für die Versorgung

der Benteler-Standorte in Deutschland.

Zusammengenommen decken die drei Vereinbarungen

eine Grünstrommenge von mehr als

200 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr ab – was

rund 20 Prozent des weltweiten Strombedarfs

bei Benteler entspricht.

Nachhaltigkeit über

die Produktion hinaus

Auch über die eigene Produktion hinaus denkt

und handelt Benteler nachhaltig. Benteler-CEO

Ralf Göttel abschließend: „Mit intelligentem

Leichtbau tragen wir dazu bei, Fahrzeuge effizienter

zu machen. Mit unserem vollelektrischen,

autonom fahrenden Shuttle, dem HOLON urban,

gestalten wir die Mobilität der Zukunft – sicher,

inklusiv und emissionsfrei. Und mit CliMore ® ,

unserer Marke für nachhaltigere Stähle und

Stahlrohrprodukte, ermöglichen wir Kunden, die

CO 2

-Bilanz ihrer Produkte gezielt zu verbessern.

So verbinden wir in der gesamten Benteler Gruppe

Nachhaltigkeit mit technologischer Innovation

– für zukunftsfähige Mobilität und Industrie.“

• Benteler

22

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!