medizin&technik 06.2025
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06.2025
www.medizin-und-technik.de
EVK 14,70 €
Ingenieurwissen
für die Medizintechnik
TITELTHEMA
Medtech-Markt Indien
Warum der Subkontinent
der Branche so viele Chancen bietet
Seite 30
Krisenvorsorge
Was die Medizintechnik tun sollte,
um besser vorbereitet zu sein Seite 78
SPECIAL
Antriebstechnik: Präzise Motoren,
Präzisionsgetriebe, Umrichter Seite 57
Messe
Medica/Compamed
Neue Produkte und Trends
17. – 20.11.2025 Seite 15
COMPAMED Düsseldorf
17.– 20. November 2025
Halle 8a, Stand G16
Ganz nah am Menschen
Wir wissen, dass in der Medizintechnik Qualität, Zuverlässigkeit und Vertrauen von
grösster Wichtigkeit sind. Denn unsere präzisen Antriebssysteme werden nicht nur in
Operationsrobotern, Beatmungsgeräten und Insulinpumpen eingesetzt, sondern auch
in implantierbaren Systemen. Gemeinsam finden wir immer eine Lösung.
medizintechnik.maxongroup.de
Precision 2 medizin&technik Drive Systems 06/2025
Internationale Entwicklung
beeinflusst die Branche
Starkes Wachstum. Chancen für europäische Unternehmen.
Das ist es, was Prognosen zum Medizintechnik-Markt in
Indien ergeben. Was diesen Markt so interessant macht, warum
ein Start dort vermutlich dennoch kein reines Zuckerschlecken
ist und wieso es sich trotzdem lohnt, die Möglichkeiten zu sondieren,
verrät das Titelthema dieser Ausgabe ab Seite 30.
Internationale Geschäfte sind auch das Ziel der Messen Medica
und Compamed im November in Düsseldorf. Einen ersten Einblick
gibt unser Sonderteil ab Seite 15. Darin berichten wir zum
Beispiel über einen gasbasiertem Antrieb für kleine Bewegungen
in Medizinprodukten, für den ein amerikanisches Unternehmen
winzige Bauteile aus Edelstahl brauchte(Seite 20). Oder
über eine Automatisierungslösung (Seite 28), mit der sich im
Reinraum nicht nur Pflanzen für den medizinischen Gebrauch
vermehren lassen.
Besondere Anwendungen sind auch Thema im Special Antriebstechnik
ab Seite 57. So helfen etwa präzise Kleinmotoren dabei,
Spinnenseide zu gewinnen, an deren Fäden entlang unterbrochene
Nervenbahnen heilen sollen.
International relevant ist, was die FDA schon jetzt mit Hilfe
künstlicher Intelligenz tut und was sie für die Zukunft plant.
Warum das Konsequenzen für Medizinprodukte-Hersteller auf
der ganzen Welt hat, lesen Sie in der Rubrik Recht ab Seite 74.
Materialschonende
Mikrobearbeitungen
in der Medizintechnik
Gratfreies Strukturieren
und Gravieren
Schwarzmarkieren
Präzises Laserbohren
und Laserschneiden
Und darauf, dass internationale Entwicklungen in ganz anderer
Weise für die Branche wichtig sein können, weist Stefan Geiselbrechtinger
im Interview ab Seite 78 hin. Der Geschäftsführer
des Prothesenherstellers Oped engagiert sich in einer BVMed-
Taskforce in Sachen Krisenvorsorge – und betont, dass dieses
Thema in der Branche noch viel bekannter werden muss.
Dr. Birgit Oppermann
Innovationstag Medizintechnik Stuttgart 2026 – save the date!
Am besten schon den Termin für die nächste Live-Veranstaltung
freihalten: Ihr nächstes Update in Sachen Ingenieurwissen für die
Medizintechnik findet am 24. März 2026 statt. Programm folgt.
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06/2025 medizin&technik 3
30
(Bild: UKS)
■ Medizin im Dialog
Roboter im OP
Welches Potenzial ein sechsachiger
Roboter im OP hat, erläutert Orthopäde
Dr. Philipp Winter. Von seiner Genauigkeit
profitieren auch Knie-OPs ...........12
12
Dr. Philipp
Winter hat
gemeinsam mit
Kollegen die
Roboterlösung
für Knie-OPs
erarbeitet
Messe
Compamed/Medica
Übersicht ...........................................15
Zwei Leitmessen als Taktgeber der
Gesundheitswirtschaft .......................16
Flexible Miniaturpumpe für
verschiedene Applikationen ...............18
Mit Gasdruck den Wirkstoff
durch die Haut bringen ......................20
Schlauchmontage im Reinraum .........24
Neue Marke für Medizintechnik .........25
UV-Faserlaser für die Präzision ...........26
Sterile Verpackung aus Klinikmüll .....26
■ Technik
Entwicklung & Komponenten
Hyperspektralkameras im UV-Bereich
für neue Anwendungen ......................36
MRT trotz Implantat – wie Simulation
vor Hitzeschäden schützt ...................38
Kontrollierte Medikamenten-Injektion
direkt am Körper ................................42
Elektrische Bauteile
Wie sich mehr Bauteile in Leiterplatten
und Module einbetten lassen .............44
Kraft, Druck und Drehmoment präzise
messen in der Medizintechnik ............46
3D-Druck
3D-Druck-Potenzial von LMM für
Medizinprodukte nutzen ....................48
Lasertechnik
Metalle und Kunststoffe mit dem Laser
sicher beschriften ..............................50
Automatisierung
High-End-Fertigung von Schnittblöcken
für Kniegelenke auf 61 m 2 ..................52
PEEK-Healing-Caps aus dem Reinraum
– automatisiert gefertigt ....................54
Reinraum
Schutz vor Feinstaub beim Montieren von
Teilen für Medizinprodukte ................56
Special
Antriebstechnik
Übersicht ...........................................57
Spinnenseide gewinnen, damit
Nervenschäden wieder heilen ............58
KI-gestützte Regelung von
BLDC-Motoren ...................................60
Industrial AI – kein Zukunftsthema ....60
Selbsthemmende Bremse für die
Medizintechnik ..................................61
Hand-Exoskelett – bewegt mit Drähten
aus Formgedächtnislegierungen ........62
Im Reinraum automatisiert
Medizinpflanzen vermehren ..............28
15
(Bild: Messe Düsseldorf/ctillmann)
Messe
Medica/
Compamed:
Neue
Produkte,
Trends und
Technologien
in
Düsseldorf
4 medizin&technik 06/2025
Titelthema
Indien setzt auf
Hightech-Medizin
Der indische Medizintechnikmarkt wird
nach allen Prognosen in den nächsten
Jahren stark wachsen. Deutsche Hersteller
können partizipieren – wenn sie die
richtigen Produkte haben ...................30
(Bild: G-images/stock.adobe.com)
(Bild:pavlodargmxnet/stock.adobe.com)
Hybridlager für
Kurzhubanwendungen .......................64
Platzsparender Linearantrieb .............64
Hochgeschwindigkeit in der
Dentalfräsmaschine ...........................66
Injizierbare Medikamente automatisiert
steril befüllen ....................................68
Galaxie-Antrieb sorgt für präzise
Kapselbefüllung .................................70
57
Antriebstechnik: Präzise Motoren,
Getriebe, Umrichter und die Messe
SPS
■ Fokus Forschung
Materialwissenschaft
Forschende am EMPA untersuchen,
warum Implantate im Körper
versagen ............................................72
■ Recht
KI in Behörden und Unternehmen
FDA macht KI zum Standard: Was die
Medizintechnik in der EU tun muss ....74
■ Management
Application Lifecycle Management
Mit moderner ALM-Software die
Entwicklung optimieren ....................76
■ Medizintechnik Insight
Medizintechnik in Krisensituationen
Was die Medizintechnik für die
Krisenvorsorge leisten könnte ............78
Rubriken
Editorial ............................................03
Nachrichten .......................................06
Innovationen .....................................82
Impressum .........................................82
Zum Titelbild: Der Medizintechnik-Markt in
Indien entwickelt sich weiter. Einheimische
Produkte sind dort stärker gefragt – aber
nicht nur diese (Bild: G-images/stock.adobe.com)
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06/2025 medizin&technik 5
WE CREATE MOTION
■ [ NACHRICHTEN ]
Branchen-Stimmung
leicht aufgehellt
Einen Umsatzanstieg von rund 3,1 % gegenüber dem
Vorjahr erwarten die Medizintechnik-Unternehmen,
die sich an der BVMed-Herbstumfrage beteiligt haben.
Die Umsatzentwicklung der deutschen Medizintechnik hat sich laut
BVMed-Herbstumfrage leicht erholt.
(Bild: pgottschalk/stock.adobe.com)
Die Stimmung in der Medizintechnikbranche hat sich laut
BVMed-Herbstumfrage 2025 leicht verbessert. 116 Unternehmen
erwarten im Schnitt 3,1 % mehr Umsatz als im Vorjahr.
Sie hoffen, dass die neue Bundesregierung Bürokratie abbaut,
Mittelstand und Innovation gezielt fördert. Der Umsatz erholt
sich langsam. Doch hohe Kosten für Bürokratie, Zertifizierungen,
Personal, Logistik und Energie bremsen die Entwicklung.
Mehr als die Hälfte der Unternehmen rechnet mit schlechteren
Gewinnen als im Vorjahr – kleine und mittlere Betriebe sind besonders
betroffen.
„Die KMU-geprägte Branche erstickt unter Bürokratie und Berichtspflichten,
ohne dass diese die Versorgung oder Sicherheit
der Patienten verbessern“, sagt BVMed-Geschäftsführer Dr.
Marc-Pierre Möll. Deshalb steht Bürokratieabbau ganz oben auf
der politischen Agenda. Besonders wichtig sei den Unternehmen
auch, dass die MDR rasch vereinfacht und transparenter wird.
Als Hauptproblem sieht die Branche den starken Kostenanstieg
in Deutschland. 80 % der Firmen klagen über steigende Bürokratiekosten,
65 % über höhere Zertifizierungskosten durch die
MDR, 64 % über teureres Personal. Der Druck auf die Gewinne
dämpft die Investitionen: 22 % der Unternehmen investieren weniger,
19 % mehr, 31 % verlagern Investitionen ins Ausland.
Das EU-Regelwerk MDR gilt nicht mehr als überlegen gegenüber
dem US-System der FDA. 56 % der Firmen bevorzugen die FDA,
nur 14 % die MDR. Die Unternehmen fordern vor allem kalkulierbare
Kosten, den Verzicht auf Re-Zertifizierungen alle fünf
Jahre und klare Fristen. Die Branche beschäftigt rund 212 000
Menschen in Deutschland und wirkt gesamtwirtschaftlich auf
450 000 Jobs. 2024 lag der Umsatz über 41 Mrd. Euro, die Exportquote
bei 68 %. Damit schaffe die Medtech-Branche doppelt
so viele Arbeitsplätze, mehr Produktionswert und größere Impulse
als die Pharmaindustrie, so BVMed-Vorstand Mark Jalaß.
Neues aus dem
Online-Portal
Innovationstag Medizintechnik
Webcast jetzt zum Download verfügbar
Wie gestalten führende Köpfe die Zukunft der Medizintechnik?
Beim digitalen „Innovationstag Medizintechnik“ Anfang
Oktober gaben Expertinnen und Experten aus Entwicklung, IT
und Fertigung exklusive Einblicke in aktuelle Projekte, neue
Technologien und erfolgreiche Praxisbeispiele. Das kompakte
Programm reichte von Human Factors in KI-gestützter Medizintechnik
über Cybersecurity und smarte ERP-Lösungen bis
hin zu Innovationen in der Qualitätssicherung und neuartigen
Anwendungen für Antiseptik.
Sie haben den Live-Termin verpasst oder möchten einzelne
Beiträge noch einmal anhören? Der Webcast steht jetzt zum
Download bereit – einfach anfordern unter www.medizinund-technik.de/innovationstag-medizintechnik
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Medizintechnikmarkt Polen
Wachstum durch EU-Gelder und
Strukturwandel
Der polnische Markt für Medizintechnik wächst –
angetrieben von EU-Geldern, Sonderfonds und
höheren öffentlichen Ausgaben. Auch deutsche
Hersteller sind gut vertreten, stehen jedoch vor
stärkerem Wettbewerb. Das polnische Gesundheitsministerium
verfolgt laut Germany Trade &
Invest (Gtai), Berlin, einen umfassenden Umbau
der Krankenhauslandschaft: Weniger, dafür aber
stärker spezialisierte Kliniken sind das Ziel. Diese
Reform ist Voraussetzung für weitere EU-Fördermittel,
die eine entscheidende Rolle bei der
Modernisierung medizinischer Einrichtungen
spielen – besonders in den Bereichen Kardiologie
und Onkologie. Bei Investitionen greifen polnische
Kliniken häufig auf Technik aus Deutschland
zurück. Nach Angaben der Gtai beliefert Siemens
Healthineers 2025 etwa das Łukasz-Krankenhaus
in Tarnów und das Żeromski-Krankenhaus in
Krakau. Das Krankenhaus in Zduńska Wola wird
von Karl Storz mit Instrumenten für Bauchspiegelungen
ausgestattet.
6 medizin&technik 06/2025
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06/2025 medizin&technik 7
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■ [ NACHRICHTEN ]
In Kürze
Laserbasierte Mikrobearbeitung
Aerotech, Spezialist im Bereich Präzisionsbewegungssteuerung
und Automatisierung,
arbeitet künftig mit
Light Conversion zusammen, einem
Pionier auf dem Gebiet der Femtosekundenlaser
und -lasersysteme mit
einem modernen 400 m 2 großen Forschungs-
und Entwicklungseinrichtung
in Sunnyvale , Kalifornien. Das
neue Labor wurde im Februar 2025
eröffnet. Aerotech liefert dafür ein
kundenspezifisches Laserscan- und
Bewegungssteuerungssystem für den
Einsatz in hochpräzisen Anwendungen
der Halbleiter-, Elektronik- und
Medizingeräteherstellung.
Mikrobiologie und Hygiene
Das NMI Naturwissenschaftliche und
Medizinische Institut und die Hochschule
Reutlingen verstärken weiter
ihre Kooperation. Zum 1. Oktober
wurde Dr. Xin Xiong, Gruppenleiter
Biopolymers & Interfaces am NMI,
auf die neu geschaffene Professur für
Mikrobiologie und Hygiene an der
Fakultät für Life Sciences der Hochschule
berufen. Er wird dort künftig
mit einem Auftrag von knapp 50 %
lehren und zugleich weiter als Gruppenleiter
am NMI arbeiten. Im Rahmen
seiner Lehre wird Xiong Themen
aus der Mikrobiologie und Hygiene
mit anwendungsnahen Fragestellungen
der Biomaterialien, Oberflächen -
interaktionen und innovativen Drug-
Delivery-Systeme verknüpfen.
Preis für Sensorik und Messtechnik
Der AMA Verband für Sensorik und
Messtechnik (AMA) ruft Wissenschaftler
und Entwickler aus Industrie
und Forschung auf, sich um den mit
10 000 Euro dotierten AMA Innova -
tionspreis 2026 zu bewerben. Gesucht
werden wegweisende Forschungs-
und Entwicklungsergebnisse
aus der Sensorik und Messtechnik
mit erkennbarer Marktrelevanz. Einsendeschluss
ist der 22. Januar 2026.
Bewerben können sich Einzelpersonen
und Entwicklerteams, deren
Lösungen durch ihre Innovation und
wirtschaftliche Relevanz überzeugen.
Börsendebüt
Prothesenhersteller Ottobock platziert 12,2 Millionen Aktien
an der Frankfurter Börse
Der deutsche Medizintechnik-Spezialist
Ottobock ist seit dem 9. Oktober an der
Frankfurter Börse gelistet und schreibt
damit ein neues Kapitel seiner Unternehmensgeschichte.
Der erste Kurs der Ottobock-Aktie
lag bei 72 Euro – dies sei ein
starkes Signal für das Vertrauen der Investoren
in das international aktive Unternehmen
aus Duderstadt, heißt es. Ottobock,
seit über 100 Jahren für Innovationen
in der Prothetik und Orthetik bekannt,
will die Erlöse aus dem Börsengang
gezielt in Zukunftstechnologien investieren.
„Gemeinsam gehen wir den
nächsten Schritt, um auch in Zukunft mit
wegweisenden Technologien unsere Industrie
zu revolutionieren“, betont der
Verwaltungsratsvorsitzende Prof. Hans
Georg Näder, der Ottobock als Mehrheitseigentümer
weiterhin prägt. CEO Oliver
Jakobi ergänzte: „Mit dem zusätzlichen
Kapital werden wir die Mensch-Maschine-Schnittstelle
weiterentwickeln und unser
globales Versorgungsnetzwerk ausbauen.“
Insgesamt wurden knapp 12,2
Millionen Aktien platziert, die Marktkapitalisierung
liegt bei rund 4,2 Mrd. Euro.
Der Bruttoerlös aus der Kapitalerhöhung
beläuft sich auf etwa 100 Mio. Euro und
soll Innovationen im Medizintechnikbereich
ermöglichen. Mit dem Börsengang
festigt die Ottobock SE & Co. KG nach eigenen
Angaben ihre Rolle als Innovationstreiber
– und baut die Basis für weitere
technologische Meilensteine im Dienste
der Patientinnen und Patienten aus.
Cepa-Freihandelsabkommen
Chancen für deutsche Medizintechnik in Indonesien,
aber zentrale Hürden bleiben
Mit dem geplanten EU-Indonesien-Freihandelsabkommen
(Cepa) ergeben sich
neue Möglichkeiten für deutsche Exporteure
im Bereich Optik, Photonik, Analyse-
und Medizintechnik. Der Zollabbau
macht deutsche Produkte auf dem dynamisch
wachsenden indonesischen Markt
künftig wettbewerbsfähiger. Gleichzeitig
sollen neue Investitionsschutzregeln sowie
die Öffnung von Logistik- und IT-
Dienstleistungen die Zusammenarbeit erleichtern.
Auch die Versorgung mit wichtigen
Rohstoffen, etwa Nickel, könnte sich
verbessern – ein Plus besonders für die
Photonik und Medizintechnik.
(Bild: millaf/stock.adobe.com)
Ein zentrales Problem bleibt jedoch: Der
öffentliche Beschaffungsmarkt in Indonesien
ist weiterhin nur schwer zugänglich.
Der sogenannte E-Katalog, der staatliche
Aufträge bündelt, ist nicht Teil des Abkommens.
Für viele Anbieter aus der Medizintechnik
und Labortechnik, die stark
von öffentlichen Vergaben abhängen,
bleibt der Zugang damit erschwert und
oft intransparent.
Jörg Mayer, Geschäftsführer des Industrieverbands
Spectaris, betont: „Der Zollabbau
ist ein wichtiger Schritt, doch ohne
fairen Zugang zum öffentlichen Beschaffungsmarkt
können unsere Unternehmen
diese Vorteile gar nicht nutzen. Der E-Katalog
ist aktuell die größte Hürde.“ Hinzu
kommen lokale Wertschöpfungsvorgaben
und unterschiedliche Standards, die den
Markteintritt weiter erschweren. Cepa
biete damit Chancen, doch erst mit einem
Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen
könne das volle Potenzial für die exportstarke
deutsche Medizintechnik und Labortechnik
ausgeschöpft werden.
(Bild: Deutsche Börse/Martin Joppen)
8 medizin&technik 06/2025
06/2025 medizin&technik 9
■ [ NACHRICHTEN ]
SDC-Standard
von FDA anerkannt
Den SDC-Standard für Medizingerätevernetzung hat
die FDA in die Recognized-Consensus-Standards-Datenbank
aufgenommen. Eingeflossen in die IEEE1 11073
ist auch Fachwissen von Dräger und B.Braun.
Der Standard SDC steht für herstellerunabhängige Interoperabilität
von Medizingeräten. Für die Erfindung und Entwicklung
der SDC-Standardfamilien ist der OR.Net e.V. die Kernorganisation.
Durch ihr Engagement in diesem Verein haben
Fachleute von Dräger und B. Braun den SDC-Standard um Komponenten
für Gefährdungssicherheit erweitert. Die Aufnahme
der IEEE 11073–10701:2022 in die Recognized-Consensus-
Standards-Datenbank der FDA ist ein Meilenstein für die internationale
Medizintechnik: Erstmals sind alle Inhalte der IEEE
11073 Service-oriented-Device-Communication-(SDC)-Normenfamilie
weltweit regulatorisch anerkannt. Daraus ergeben
sich Vorteile für Unternehmen und Gesundheitsdienstleister.
Hersteller können die anerkannte Norm in Zulassungsanträgen
nutzen. Dies kann bereits heute die Konformitätsbewertung und
den Dokumentationsaufwand für den Marktzugang in vielen
Für ihre Normenarbeit von der IEEE ausgezeichnet: Dr. Martin Kasparick
(B.Braun), sowie die Dräger-Fachleute Dr. David Gregorczyk,
Kathrin Riech und Björn Andersen (von links)
Ländern und künftig auch global erheblich vereinfachen. Standardisierte
Schnittstellen können Kliniken dabei helfen, die
Datenverfügbarkeit zu erhöhen, Fehlerquellen zu reduzieren
und den Integrationsaufwand für ihre Medizingeräte zu verringern.
Für ihre Mitarbeit an der Entwicklung der Standards hat die
IEEE eine Reihe von OR.Net-Mitgliedern ausgezeichnet. Darunter
sind Kathrin Riech, Dr. David Gregorczyk und Björn Andersen
von Dräger sowie Dr. Martin Kasparick von B. Braun. Sie
entwickelten im Rahmen ihrer Normierungsarbeit die Teilstandards
IEEE 11073-10700 und -10701. Als Initiator und Erstanwender
des internationalen IEEE 11073 SDC-Standards ist es
Dräger nach eigenen Angaben besonders wichtig, interoperable
Medizintechnik herstellerübergreifend in einem offenen Ökosystem
zu integrieren.
(Bild: Drägerwerk)
Portables Blutzuckermessgerät
Deep-Tech-Pionier Diamontech schließt
Finanzierungsrunde über 12 Mio. Euro ab
Positionspapier zur Krisenvorsorge
BVMed für dual nutzbares
Versorgungssystem
Die Diamontech AG, Berlin, hat eine
schmerzfreie, nicht-invasive Glukosemessung
entwickelt. Das Thema ist für Diabetes-Patienten
hoch relevant. Nun ist eine
Finanzierungsrunde über insgesamt 12
Mio. Euro erfolgreich abgeschlossen. Zu
den Investoren zählen neben Samsung
Next, dem Venture-Capital-Arm von Samsung,
auch das Business-Angel-Netzwerk
Companisto. Mit dem Kapital will Diamontech
die Miniaturisierung seiner patentierten
Technologie vorantreiben und
(Bild: Philip/stock.adobe.com)
ein portables Blutzuckermessgerät auf
den Markt bringen.
Als Deep-Tech-Pionier arbeitet Diamontech
nach eigenen Angaben an einer weltweit
einzigartigen Infrarot-Technologie,
die den Blutzuckerspiegel schmerzfrei
und präzise durch die Haut misst. „Für
unsere Technologie haben wir über 100
Patente angemeldet, von denen bereits
mehr als 40 in den wichtigsten Märkten
erteilt sind“, sagt Thorsten Lubinski, CEO
und Mitgründer von Diamontech. Mit
dem frischen Kapital sollen die nächsten
Entwicklungsschritte beim tragbaren
„D-Pocket“ – dem handlichen Blutzucker-
Messgerät – beschleunigt, klinische Studien
vorangetrieben und die internationale
Expansion vorbereitet werden. Gerade in
einem Umfeld, in dem viele Start-ups um
Finanzierung kämpfen, setzt diese Runde
ein starkes Signal: Sie beweise, dass Investoren
bereit sind, selbst in einem herausfordernden
Markt auf echte Innovationen
im Medtech-Bereich zu setzen, so
Diamontech.
Der Bundesverband Medizintechnologie
(BVMed), Berlin, fordert in einem Posi -
tionspapier zu „Anforderungen an den Zivilschutz
und Krisenvorsorge“ eine Strategie
für eine dual nutzbare und digital gestützte
Gesundheitsversorgung. Dabei
solle die Medizintechnik als integraler Bestandteil
einbezogen werden.
Hintergrund der BVMed-Initiative ist,
dass sich die sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen
durch Pandemien, Naturkatastrophen,
Kriege und Bedrohungsszenarien
in Form von hybriden Angriffen
erheblich verändert haben. Ein funktionierendes
Gesundheitssystem sei nicht
nur humanitär geboten, sondern sicherheitsrelevant.
Der Schutz und die Versorgung
der Bevölkerung sowie die Aufrechterhaltung
der Einsatzfähigkeit der Streitkräfte
hingen maßgeblich von einer leistungsfähigen,
robusten und skalierbaren
medizinischen Infrastruktur ab.
Mehr zur Krisenvorsorge und zur BVMed-Taskforce
lesen Sie im Interview auf Seite 78
10 medizin&technik 06/2025
KI und Robotik als
Innovationstreiber
Branchenpublikation | Zur Medica veröffentlicht der
Industrieverband Spectaris die 18. Ausgabe seines Jahrbuchs
„Die deutsche Medizintechnik-Industrie“.
(Bild: Spectaris)
Das rund 136 Seiten
umfassende Spectaris
Jahrbuch 2026 ist zur
Messe Medica als
Download verfügbar
Seit der Erstausgabe 2008 beschäftigt sich das Standardwerk
mit den zentralen Herausforderungen und Zukunftsthemen,
die den Innovationsstandort Deutschland prägen. Im Blick auf
das kommende Jahr zeigt sich, dass die Digitalisierung der entscheidende
Motor für eine moderne Gesundheitsversorgung ist.
Das Jahrbuch 2026 beleuchtet den Einsatz von KI und Robotik,
die den Weg für eine individuellere Patienten-Behandlung ebnen.
Im Fokus stehen Fortschritte beim Telemonitoring sowie die
zögerliche Implementierung von KI in die Medizintechnik.
Trotz der starken Innovationskraft sieht sich die deutsche Medizintechnik
einer massiven regulatorischen Belastung gegenüber.
Die EU-MDR stelle weiterhin die größte bürokratische Hürde dar
und bedrohe die Innovationsfähigkeit der Branche und die Produktverfügbarkeit.
Ihr ist ein eigener Beitrag gewidmet.
Die deutsche Medizintechnik-Industrie beweist ihre globale Bedeutung
durch eine hohe Exportquote von über 68 %. Das Jahrbuch
analysiert die Notwendigkeit der Diversifizierung der Exportmärkte
und die Bedeutung tragfähiger Freihandelsabkommen
als Schutz vor protektionistischen Tendenzen. Im Inland
liegt der Fokus auf der Standortpolitik. Hierzu gehört die dringende
Forderung nach einer mutigen Reform des deutschen Gesundheitssystems,
um eine moderne und qualitätsgesicherte Versorgung
und die Finanzierung von Innovationen sicherzustellen.
Auch die Relevanz von ESG-Kriterien in der grünen Beschaffung
im Gesundheitswesen wird hervorgehoben. Die aktuelle Branchenpublikation
beschäftigt sich zudem mit weiteren Schwerpunktthemen
aus den letzten zwölf Monaten, wie beispielsweise
den Medtech-Märkten China oder USA, der politischen Arbeit
von Spectaris sowie aktuellen Forschungsprojekten. Das Jahrbuch
ist zur Medica auf der Spectaris-Website erhältlich.
www.spectaris.de/medizintechnik/publikationen
ROBOTICS
Hochpräzise Medizinrobotik
Robotik als Unterstützung für Ärzte im OP
Die Medizinroboter von Stäubli sind bereits seit
mehr als 30 Jahren in den Bereichen Wirbelsäulen-
und Kniechirurgie im Einsatz. Dabei werden sie zu
Wegbereitern neuer Behandlungsmethoden.
Dank ihrer beeindruckenden Präzision und Steifigkeit
unterstützen die Roboter das medizinische Personal
zum Wohle des Patienten.
World Health Expo Dubai
09. – 12. Februar 2026
Stäubli – Experts in Man and Machine
www.staubli.com
Stäubli Tec-Systems GmbH
Tel. +49 (0) 921 883 0, sales.robot.de@staubli.com
06/2025 medizin&technik 11
■ [ MEDIZIN IM DIALOG ]
ROBOTERKOORDINATEN ZEIGEN
KNOCHENPOSITION BEI KNIE-OP
Neue Idee für Roboter im OP | Ein dreidimensionales Modell des Operationsbereichs
am Knie lässt sich durch Anfahren und Abtasten von Knochen oder Prothese erstellen.
Ergänzende Röntgenbilder in zwei Ebenen reichen dafür. Warum man auf Knochen-
Pins und Infrarotkameras dann verzichten kann, erläutert der Orthopäde Dr. Philipp
Winter, der die Tests mit dem Sechsachs-Roboter durchgeführt hat.
■ Software aus der Qualitätssicherung führt werden. In beiden Fällen aber ist daten, die zu allen Achsen vorliegen,
kern und Infrarotkameras, die diese
Pins erkennen, üblich. Damit lässt sich
die Position der markierten Knochen im
Raum feststellen.
■ Welche Risiken bringen die Knochen-
Pins mit sich?
Bevor wir über Risiken sprechen, lassen
Sie mich betonen, dass der Einsatz der
Knochen-Pins nicht als riskant bezeichnet
werden kann. Es gibt selten Komplikationen.
Aber diese Metall-Pins mit
gut drei Millimeter Durchmesser an -
zubringen, bedeutet natürlich, dass
Mediziner zusätzliche Schnitte an den
erforderlichen Stellen machen. Infek -
tionen oder gar Knochenbrüche durch
die Pins sind sehr selten. Aber weniger
Schnitte und weniger Risiko und
Schmerzen für den Patienten sind aus
medizinischer Sicht immer wünschenswert.
Deshalb ist der Ansatz ohne
Knochenpins, an dem wir gearbeitet
haben, auch interessant – zumal es
meines Wissens keine sonstigen Alternativen
Dr. Philipp Winter ist als Assistenzarzt in der
gibt.
Klinik für Orthopädie und orthopädische
Chirurgie an der Universität des Saarlandes
■ Sie setzen an Stelle der Pins auf das
tätig und hat mit Prof. Stefan Landgraeber
die Roboterlösung für Knie-OPs erarbeitet ■ Herr Dr. Winter, wie verbreitet sind interne Koordinatensystem des Roboters.
heute Roboter bei Knie-OPs?
In großen Kliniken mit Endoprothetik-
Zentren sind Roboter bei solchen OPs
heute Standard. Damit lässt sich eine
hohe Genauigkeit bei Prothesenimplantationen
Wie gehen Sie dabei vor?
Wir haben für unsere Experimente einen
Industrieroboter mit sechs Achsen
verwendet. Von einem Medizinprodukt
ist also noch nicht die Rede. Dieser Ro-
IHR STICHWORT
erreichen. Ein möglicher kliniboter
hatte in einem Forschungsprojekt
scher Vorteil für Patienten ist für Teilprothesen
ursprünglich die Aufgabe, Winkel im
■
■
■
Sechsachsiger Roboter: Potenzial im OP
Internes Koordinatensystem nutzen
Taktiles Messen an Knochen oder
Prothese als Basis für 3D-Modell
wissenschaftlich schon
nachgewiesen, für Vollprothesen laufen
die Untersuchungen noch. Es gibt natürlich
auch Eingriffe, die ohne Roboter
mit einem Naviga tionssystem durchge-
Knie zu vermessen. Dafür brauchte ich
ein dreidimensionales Abbild des Gelenks
im Roboter selbst. Und es zeigte
sich, dass die Kraftsensoren an der Spitze
des Roboterarms sowie die Positions-
der Einsatz von Knochenpins als Mar- sehr gut geeignet waren, ein solches
(Bild: UKS)
12 medizin&technik 06/2025
3D-Bild zu generieren. Daraus entstand
die Idee, die Datendes Roboters auch
im OP nutzbar zu machen. Dieser Idee
sind wir knapp vier Jahre lang mit Tests
an Körperspendern erfolgreich nachgegangen
und haben sie inzwischen zum
Patent angemeldet.
■ Wie exakt sind die Werte, die nur das
Koordinatensystem des Roboters liefert?
Wir erreichen Genauigkeiten von unter
0,5 Millimetern. Das ist vergleichbar
mit dem, was wir heute mit Knochenpins
sehen. Und es ist vergleichbar mit
der Genauigkeit einer CT-Aufnahme.
Das haben wir im Versuch gezeigt. Wir
haben anhand von CT-Daten ein
3D-Modell eines Kniegelenks gedruckt
und dieses wiederum mit dem Roboter
vermessen. Damit sind wir in einem Bereich
der Präzision, die für den Einsatz
im OP geeignet ist. Mehr Genauigkeit
wäre ebenfalls möglich, indem man
entweder mehr Abtastpunkte anfährt
Koordinatensystem des
Roboters bietet die gleiche
Präzision wie die Pins
oder mehr hinterlegte Daten zu Kniegelenken
nutzt.
■ Welche Risiken birgt es für den Patienten
, wenn der Roboter die Knochen im
OP abtastet?
Wir setzen auf ein taktiles System, also
die tatsächliche Berührung der Knochen
mit einer kleinen Kugel. Die maximale
Kraft dabei sind 0,1 Newtonmeter.
So sind Schäden durch Druck auf Haut
oder Gewebe ausgeschlossen. Das stellen
wir mit Kraftsensoren im Flansch an
der Spitze des Roboterarms sicher. Dabei
die Sterilität zu wahren, ist kein Problem.
Es gibt schon Roboter, auch
Sechsachsroboter, die medizinisch genutzt
werden und für die sterile Abdeckungen
verfügbar sind. Diese haben
wir verwendet.
■ Welche besondere Ausstattung bekam
der Roboter, um ihn für das Bestimmen
der Positionen nutzen zu können?
Recht wenig. Um den Roboter zu steuern,
haben wir mit Battenberg Robotik
aus Marburg zusammengearbeitet, deren
Software genutzt und an unsere Belange
angepasst. Diese Software wurde
ursprünglich für die Qualitätssicherung
in der Automobilindustrie entwickelt,
passt aber gut zu unseren Anforderungen.
Wir brauchten keine weiteren Sensoren,
um unsere Daten zu bekommen,
und auch keine KI zum Auswerten.
■ Wie empfindlich ist das Bestimmen
der Position aus den Roboterkoordinatengegenüber
Einflüssen von außen?
Stören zufällige Berührungen durch andere
bewegliche Geräte oder Mitglieder
des OP-Teams?
Diesen Aspekt haben wir noch nicht untersucht
– die Frage nach einem Referenzpunkt
im Raum ist aber auf jeden
Fall relevant. Gerade bei Knie-OPs muss
das Gelenk zum Einpassen des Implantates
viel bewegt werden. Um sicher zu
sein, welcher Knochen danach wo ist,
muss der Roboter einen Referenzpunkt
bekommen und diesen vor jedem weiteren
Schritt auch wieder anfahren. Damit
ließen sich auch Einflüsse durch zufällige
Berührungen berücksichtigen.
■ Was ändert sich, wenn Mediziner mit
so einem System operieren würden?
Das Operationsverfahren an sich bliebe
gleich. Mit den Daten aus den Roboterkoordinaten
sind Sicherheit und Präzi -
sion zu erreichen, auch ohne Knochenpins.
Diese sowie die Infrarotkameras
wären nicht mehr erforderlich, was sich
auch bei den Kosten bemerkbar macht.
Für die Patienten ließe sich das Risiko
für Komplikationen senken.
■ Wofür bieten sich solche Roboter über
die Knie-OPs hinaus eventuell an?
Sinnvoll wäre der Einsatz überall da, wo
große Präzision gefragt ist und es um
feste Strukturen geht. Eine interessante
Anwendung könnte die Neuro chirurgie
sein, wo beim Eingriff der Schädel in eine
Mayfield-Schädelklemme fixiert ist.
Wenn es um Operationen an Weich -
teilen wie etwa Tumoren geht, kommt
unser Roboteransatz allerdings an seine
Grenzen.
■ Lässt sich die Idee auf bereits zertifizierte
OP-Roboter übertragen?
Die Mehrzahl der Roboter, die für Knie-
OPs verwendet werden, sind keine
Sechsachser. Das wäre aber die Voraussetzung,
um unseren Ansatz zu verfolgen.
Denn um an den vorgesehenen
Punkten den Knochen abzutasten,
muss der Roboter sehr flexibel agieren
können, verschiedene Winkel nutzen
und etwa um einen Hautlappen herumkommen
können. Um dafür eine mit
dem menschlichen Arm vergleichbare
Beweglichkeit zu haben, braucht man
einen sechsachsigen Roboter.
■ Wo werden im internationalen Umfeld
eventuell ähnliche Ansätze mit OP-
Robotern verfolgt?
Mir ist nichts dergleichen bekannt.
Robotik ist so kostenintensiv, dass neue
Entwicklungen meist aus der Industrie
kommen, weniger aus der Medizin.
Allerdings arbeiten meines Wissens
Unternehmen aus der Medizintechnik
sehr wohl daran, Alternativen zu den
Knochenpins zu entwickeln, etwa mit
Laserabtastung.
■ Wie groß ist das Interesse aus der
Industrie an diesem Verfahren?
Wir stehen im Austausch mit Unternehmen,
die im Bereich Endoprothetik
aktiv sind. Es gibt bisher aber weder
Verträge noch feste Vereinbarungen.
Wir sind also offen dafür, die Idee mit
Partnern weiterzuführen.
■ Wie weit ist der Weg vom jetzigen
Stand der Ergebnisse bis zu einem zertifizierten
Medizinprodukt?
Die Zertifizierung eines Medizinproduktes
ist ein langwieriges Verfahren. Rein
technisch gesehen schätze ich, dass die
Weiterentwicklung für eine definierte
Anwendung in ein bis zwei Jahren zu
schaffen wäre. Ein System, das sich für
verschiedene Anwendungen eignen
soll, wäre natürlich komplexer, und es
würde länger dauern, es so weiterzuentwickeln,
dass es für den Einstieg in
die Zertifizierung reif wäre.
Dr. Birgit Oppermann
birgit.oppermann@konradin.de
06/2025 medizin&technik 13
■ [ MEDIZIN IM DIALOG ]
Ultraschall mit
Roboter und Avatar
Automatisierte Diagnostik | Patienten fassen mehr
Vertrauen in autonome robotische Ultraschallsysteme,
wenn sie ein Avatar anleitet. Das zeigt eine Studie.
Ein Avatar begleitet Forscher Feng Li bei einer autonomen Ultraschalluntersuchung.
Er beantwortet Fragen in beliebigen Sprachen
(Bild: Andreas Heddergott / TU Muenchen)
Ein großer Bildschirm, eine Virtual-Reality-Brille, ein Roboterarm
mit Ultraschallkopf und ein leistungsfähiger Rechner:
das ist die Ausstattung, die Tianyu Song benötigt. Er ist Forscher
am Lehrstuhl für Informatikanwendungen in der Medizin
an der Technischen Universität München (TUM). Die Ausstattung
gehört zu einer autonomen Untersuchung der Aorta, Halsschlagader
oder Arterie im Unterarm. Damit Patienten Vertrauen
in so ein autonomes technisches System fassen, haben Forschende
eine virtuelle Umgebung dazu geschaffen.
Darin übernimmt ein Avatar die Aufgabe, durch die Untersuchung
zu führen. Nachdem die Patienten eine VR-Brille aufsetzen,
erscheint er vor ihren Augen, übernimmt die Gesprächsführung
und beantwortet Fragen.
„Das macht den ganzen Prozess menschlicher und freundlicher“,
sagt der Leiter des Lehrstuhls Prof. Nassir Navab, „und es reduziert
nachweislich den Stress bei Nutzern von autonomen Sys -
temen.“
Um den Stresspegel zu messen, verkabelten die Forscher die Probanden
mit Sensoren für ein Elektrokardiogramm (EKG) und leiteten
daraus die Herzfrequenzvariabilität ab. Das Ergebnis: Alle
virtuell unterstützen Szenarien erwiesen sich als stressärmer als
die nicht-virtuell unterstützte Behandlung. Am besten schnitt eine
Variante mit Avatar im reale Umfeld ab.
In den Demonstrationen des Lehrstuhls hat der Avatar meist eine
weibliche Stimme und führt durch die Untersuchung. Das
Sprachmodell kann sogar mit österreichischem Akzent sprechen
oder aber Deutsch mit amerikanischem Akzent. Der Avatar kann
zusätzlich nonverbal kommunizieren. Er gestikuliert, legt kurzen
Pausen in den Sätzen ein und wendet sich Patienten zu,
wenn sie sprechen.
Speicheltyp liefert Infos zum Mikrobiom
Mikrobiom-Forschung | Eine Speichelprobe könnte
Hinweise auf das Magen- und Dünndarm-Mikrobiom
liefern und damit auf das Risiko für Krankheiten.
Das orale Mikrobiom, also die Gesamtheit aller Bakterien im
Mundraum, ist wichtig für die Gesundheit. Es beeinflusst
das Risiko für Erkrankungen von der Mundhöhle bis zur Speiseröhre
und dem Magen sowie von Entzündungen im Darm und
Infektionen der Atemwege und des Herzens. Es kann als Reservoir
für Erreger dienen, die für Gesunde harmlos sind, aber bei
(Bild: Viktoriya Kotlyarchuk/stock.adobe.com)
Speichelproben geben
Hinweise auf
die Mikroben im
Körper und sind einfacher
zu erhalten
als Proben aus dem
Magen, wofür eine
Magenspiegelung
erforderlich wäre
geschwächtem Immunsystem Krankheiten auslösen können.
„Das Mikrobiom von Magen und Dünndarm ist jedoch noch verhältnismäßig
unerforscht“, so W. Florian Fricke, Professor am
Fachgebiet Mikrobiom und Angewandte Bioinformatik an der
Universität Hohenheim. „Um Proben aus Magen und Dünndarm
zu nehmen, müssen sich Patienten oder Studienteilnehmer einer
aufwendigen und unangenehmen Magenspiegelung unterziehen.
Viel einfacher und unkomplizierter lassen sich Speichelproben
aus dem Mund gewinnen“, erklärt der Experte.
In einer Studie mit 20 Personen, die sich wegen leichter nahrungsmittelbedingter
Magen-Darm-Beschwerden einer Magenspiegelung
unterziehen mussten, konnten die Forschenden zwei
stabile Mikrobiomtypen in Speichel, Magen und Dünndarm
identifizieren. Diese bakteriellen Gemeinschaften waren vom
Mundraum bis in den Magen und Dünndarm konstant und wurden
von jeweils einer Bakteriengattung dominiert.
„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Speichelproben
künftig in nicht-invasiven und regelmäßig wiederholbaren dia -
gnostischen Tests eingesetzt werden könnten, um das individuelle
Risiko für bestimmte entzündliche und infektiöse Erkrankungen
abzuschätzen“, fasst Fricke die Erkenntnisse zusammen.
Eine solche Diagnostik könnte in der klinischen Praxis helfen, -
Risikogruppen frühzeitig zu identifizieren und gezielte Präven -
tionsmaßnahmen einzuleiten.
www.uni-hohenheim.de
14 medizin&technik 06/2025
Messe
Compamed/Medica 2025
(Bild: Messe Düsseldorf/ctillmann)
Branchentreff für medizinischen Fortschritt
Trends aus Entwicklung und Fertigung | Miniaturpumpen | Automatisierte Reinraumprozesse | Neue Injektionstechnik
06/2025 medizin&technik 15
■ [ MESSE ]
ZWEI LEITMESSEN ALS TAKTGEBER
DER GESUNDHEITSWIRTSCHAFT
Medica und Compamed 2025 | Im November stellen die Aussteller der beiden Fachmessen erneut
die medizintechnische Wertschöpfungskette in all ihren Facetten in den Fokus: Neue Technologien,
innovative Komponenten und Hightech-Anwendungen sind in Düsseldorf zu sehen.
Im Zusammenspiel bieten Compamed und Medica
ein Schaufenster für die medizintechnische
Wertschöpfung und sind der Treffpunkt der
weltweiten Gesundheitsindustrie
IHR STICHWORT
■
■
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Internationaler Branchentreffpunkt für
Hersteller und Zulieferer
Neue Produkte, Technologien, Prozesse
KI und Digitalisierung im Fokus
Konferenzen, Fachforen, Sonderschauen
(Bild: Messe Düsseldorf/ctillmann)
Die Medizintechnik zählt zu den innovationsstärksten
Branchen der Welt
– steht aktuell jedoch vor enormen Herausforderungen:
Künstliche Intelligenz,
Robotik, Digitalisierung und vernetzte
Versorgung treiben einen fundamentalen
Wandel, während regulatorische Anforderungen,
gestörte Lieferketten, Fachkräftemangel
und geopolitische Risiken
zugleich den Takt angeben. Inmitten dieses
Spannungsfeldes setzen die beiden
Leitmessen Compamed und Medica, die
vom 17. bis 20. November 2025 stattfinden,
wichtige Impulse und bieten der gesamten
Branche Orientierung, Austausch
und Perspektiven.
Mit dem neuen Motto „Meet Health.
Technology. Innovators.” bringt die Compamed
2025 auf den Punkt, was sie als internationale
Leitmesse für den Zulieferbereich
auszeichnet: In den Hallen 8a und
8b präsentieren über 750 Aussteller neue
Entwicklungen und Produkte – von Komponenten,
Modulen und OEM-Ausrüstung
über elektrische und elektronische
Bauteile, Mikrotechnik und Rohmaterialien
bis hin zu Dienstleistungen und moderner
Produktionsausstattung. In den
Erlebniswelten Manufacturing & Devices,
Services & Advice, Materials, Micro Tech
und IT in Tech werden die Schlüsseltechnologien
des Zuliefermarktes abgebildet.
„Herausforderungen wie geopolitische
Spannungen, digitale Transformation
und komplexe Rahmenbedingungen betreffen
insbesondere kleine und mittelständische
Unternehmen. Doch Qualität
und Innovation setzen sich langfristig
durch“, erläutert Tim Merforth, Ge-
schäftsführer des IVAM-Fachverbands für
Mikrotechnik. Und: Die Compamed lebt
vom Dialog und der Praxisnähe. „Das
Messepublikum schätzt praxisnahe Formate
– deshalb setzen wir 2025 erneut
auf Hands-on-Sessions, etwa im Bereich
der Mikrofluidik“, bekräftigt Merforth.
Das zeige sich auch am IVAM-Gemeinschaftsstand
in Halle 8a, der mit über 50
internationalen Ausstellern als Schaufenster
für die Innovationskraft der Mikrotechnik-Branche
gilt. „Für Fachbesucherinnen
und -besucher ist es der ideale
Ort, um neue Technologien, Produkte
und Anwendungen kennenzulernen.“
Besucher und Aussteller:
Internationalität und Vielfalt
Das Messegeschehen wird von zwei Fachforen
begleitet, von denen eines vom
IVAM veranstaltet wird. Sie bieten Branchenexperten
und Fachbesuchern eine
Bühne für Wissenstransfer, Präsentationen
und den vertieften fachlichen Austausch.
Auch die aktuellen Branchenthemen
spiegeln sich wider: Im Rahmen der
Foren werden Fortschritte und Trends in
Bereichen wie Krebsdiagnostik, Präzi -
sionsmedizin, Miniaturisierung, Materialinnovationen
und nachhaltige Produktion
diskutiert.
Parallel zur Compamed präsentiert die
Medica in 17 Hallen die gesamte Bandbreite
medizinischer Innovationen. Mit
über 5000 Ausstellern aus 72 Nationen ist
sie eine der weltweit größten B2B-Fachmessen
im medizinischen Bereich. Im
Mittelpunkt stehen hier Produkte und
16 medizin&technik 06/2025
Dienstleistungen aus den Bereichen medizinische
Bildgebung, Labortechnik, Diagnostika,
Health-IT, Mobile Health, Physiotherapie,
Orthopädietechnik und Verbrauchsmaterialien.
Insgesamt profitiert
das Messedoppel von starken Synergieeffekten.
Die Compamed-Aussteller liefern
Ideen, Materialien und Technologien, die
in den Endprodukten der Medica-Anbieter
sichtbar werden. Die internationalen
und vielfältigen Zielgruppen umfassen
Entwickler, OEMs, technische Einkäufer,
Produktmanager und Forschende sowie
Entscheider und Anwender aus Kliniken,
Praxen und Gesundheitsinstitutionen.
Konferenzen und Foren decken
Fokusthemen ab
Das umfangreiche Rahmenprogramm der
Medica, das aus Foren, Konferenzen, Sonderschauen,
Expertendiskussionen, Produktpräsentationen
und Preisverleihungen
besteht, zieht Fachpublikum aus Kliniken,
Arztpraxen, Forschungseinrichtungen,
der Industrie und der Politik an. Die
Erlebniswelten „Digital Health/Health
IT”, „Labortechnik und Diagnostika”,
„Medizintechnik und Elektromedizin” sowie
„Physiotherapie und Orthopädietechnik”
bieten eine Plattform für Innovationen,
Austausch und Networking. Im Fokus
stehen Themen wie Digitalisierung,
KI, Automatisierung und vernetzte Versorgung.
Das neue Kampagnenmotto
„Meet Health. Future. People.“ prägt die
Weiterentwicklung der Foren- und Programmformate
der Medizinmesse.
Mit dem Medica Innovation Forum,
dem Medica Start-up Park und der Wear -
able Technologies Show wird die Medica
zum Hotspot für Innovationen und Startups.
Weitere Angebote wie die digitale
Networking-Plattform „Fair Match” sollen
gezielt neue Geschäftskontakte ver -
mitteln und das Messeerlebnis über die
vier Veranstaltungstage hinaus verlängern.
■
Susanne Schwab
susanne.schwab@konradin.de
Compamed und Medica 2025 auf einen Blick
Öffnungszeiten der Messen:
Compamed und Medica 2025 sind vom
17. bis 20. November täglich geöffnet:.
Montag bis Mittwoch von 10 bis 18 Uhr.
Donnerstag von 10 bis 16 Uhr.
Hallen Compamed: 8a und 8b
Hallen Medica: 1, 3-7, 9-12 und 15-17
Hot Topics der Compamed:
■ Cybersecurity und Datensicherheit
■ Intelligente Materialien und biokompatible
Werkstoffe
■ Moderne Produktionstechniken wie
3D-Druck und Robotik
■ Automatisierung und Miniaturisierung
■ Internationaler Medizinmarkt
■ Best Practices der Marktbearbeitung
Fünf Compamed Erlebniswelten:
■ Manufacturing & Devices
■ IT in Tech
■ Micro Tech
■ Materials
■ Services & Advice
Hot Topics der Medica:
■ Künstliche Intelligenz und GenAI
■ Robotik
■ Automatisierung und unterstützende
Systeme
■ Integrierte Versorgung
■ Telemedizin
Fünf Medica Erlebniswelten:
■ Medtech & Devices
■ Lab & Diagnostics
■ Digital Health
■ Physio Tech
■ Disposables
Sonderschauen der Medica:
■ Start-up Park/Start-up Competition
■ WT Wearable Technologies Show
Foren und Konferenzen:
■ Compamed Innovationsforum
■ Compamed High-Tech Forum by IVAM
■ Compamed Suppliers Forum
■ Medica Connected Healthcare Forum
■ Medica Health IT Forum
■ Medica Labmed Forum
■ Medica Econ Forum by TK
■ Medica Tech Forum
■ Deutscher Krankenhaustag
■ Medica Medicine + Sports Conference
■ Dimimed – Conference on Disaster &
Military Medicine
Weitere Informationen zur Messe:
www.compamed.de
www.medica.de
APR 2025
06/2025 medizin&technik 17
■ [ MESSE ]
FLEXIBLE MINIATURPUMPE FÜR
VERSCHIEDENE APPLIKATIONEN
Fluidik | Fluid-Control-Komponenten in medizinischen Geräten sollten leise, kompakt
und leicht sein. All diese Eigenschaften vereint die Disc Pump von Lee. Durch ihre
hochpräzise Regulierbarkeit und kurze Reaktionszeit ist sie multifunktional einsetzbar.
Die Disc Pump des Herstellers Lee
kommt vor allem in tragbaren Therapiegeräten
zum Einsatz. Überall dort, wo
es auf großen Patientenkomfort und
gleichzeitig leistungsfähige Fluid-Control
ankommt, sind die Miniaturpumpen eine
gute Wahl. Ihr piezoelektrisches
Ultraschallprinzip macht sie vibrationsfrei
und für den Menschen unhörbar. Diese
Eigenschaft ist für Geräte, die nachts
oder am Körper getragen werden, sehr
willkommen. Mit nur 10 mm Höhe ,
30 mm Durchmesser und nur 5 g Gewicht
passt sie zudem in kompakte Designs. Die
Durchflusskontrolle erreicht eine Präzi -
sion von unter 0,1 %. Kompakte Form, hohe
Regelungsgenauigkeit und schnelle
Re aktion machen die Pumpe vielseitig
einsetzbar.
Flexible Durchflussregelung
von µL/min bis ml/min
Ein Beispiel: Eine hochpräzise Steuerung
des Flüssigkeitsstroms ist in vielen medizintechnischen
Prozessen von Bedeutung
– etwa dort, wo sie die Reaktionsgeschwindigkeit,
die Detektionsrate von
Stoffen oder hydrodynamische Prozesse
wie die Tröpfchenbildung maßgeblich beeinflusst.
Für bestimmte Anwendungen
ist es außerdem vorteilhaft, eine kontrollierte
oszillierende Strömung zu erzeugen.
Organ-on-a-Chip-Systeme beispielsweise
versuchen, physiologische Prozesse
nachzuahmen, etwa den pulsierenden
Blutfluss oder die zyklische Belastung des
Lungengewebes während des Atem -
zyklus.
Das Disc Pump Development Kit der
Lee Company, Westbrook/USA, lässt sich
direkt an einen Flüssigkeitsdurchfluss -
sensor anschließen, um eine Regelung
der Durchflussrate von µL/min bis ml/
min zu ermöglichen. Solche Systeme sind
außerdem in der Kompressionstherapie,
in Blutdruckmessgeräten oder in Patientensimulatoren
und Patientenüberwachungssystemen
im Einsatz.
Die Pumpe kann mit einem abgedichteten
Reservoir und einem Drucksensor
betrieben werden, um ein kompaktes und
wirtschaftliches Pipettiersystem für Aspi -
rations-, Dispensations- und Dosierungs -
anwendungen zu realisieren. Die Ansaugund
Abgabegeschwindigkeit lässt sich
durch Variation der Pumpenantriebs -
leistung einstellen, was eine sehr genaue
Dosierung ermöglicht. Neben typischen
Pipettiersystemen lässt sich diese Systemauslegung
auch für zeitgesteuerte Präzi -
sionsdosiersysteme einsetzen, beispielsweise
in der medizinischen Analysetechnik.
Die präzise und wiederholbare Steuerung
der Position einer sich durch ein System
bewegenden Flüssigkeit ist in vielen
medizintechnischen Fluidiksystemen ein
Muss. Diese Konfiguration erlaubt die
Steuerung der Position eines Flüssigkeitstropfens
mit hoher Präzision und geringer
Reaktionszeit. Um zu bestimmen, wann
die Flüssigkeit bewegt werden muss, können
zum Beispiel Bildverarbeitungssysteme
eingesetzt werden.
Vielseitiges Pumpen-Kit mit
Plug-and-play-Charakter
Alle drei genannten Anwendungsbeispiele
wurden mit dem Disc Pump Development
Kit und einer geringen Anzahl handelsüblicher
Komponenten zusammengestellt.
Die Kits zeichnen sich durch ihren
„Plug-and-Play“-Charakter aus. Mit einer
benutzerfreundlichen GUI und Software,
integrierten Drucksensoren sowie Ventiltreibern
bieten sie eine fortschrittliche
Fluidiksteuerung und ermöglichen die
zeiteffiziente Erstellung von Testkonfigurationen.
(su) ■
www.lee.com
Auf der Compamed:
Halle 8a, Stand K09
(Bild: Lee)
Die Anwendungen Durchflussregelung,
Dosieren und
Lab-on-a-chip profitieren von
der hochpräzisen Disc Pump
18 medizin&technik 06/2025
[ ANZEIGE ]
MODERNISIERUNG EINER
WASSERAUFBEREITUNGSANLAGE FÜR
DIALYSE DANK CLEVEREM ENGINEERING
Success Story Hochreines Wasser ist essenziell für Medizintechnik, Pharmazeutik,
Forschung/Entwicklung und in der Lebensmittelproduktion.
Die B. Braun Avitum AG entwickelt und fertigt in enger Zusammenarbeit mit der Iftest AG eine
Wasseraufbereitungsanlage auf Umkehrosmose-Basis für Dialyse in Krankenhäusern.
Bild: Iftest
Carrier-Board
Bild: B.Braun/Iftest
Die Herausforderung:
Den veralteten ECO RO Dia I/II Anlagetyp von 2000 technisch auf
den neuesten Stand bringen. Die bestehende Iftest-Steuerung
war zuverlässig, aber veraltet: fehlende Sensor/Aktor-Unterstützung,
fehlende Vernetzungsmöglichkeiten, veraltete Benutzeroberfläche,
sinkende Verfügbarkeit zentraler Elektronik, hoher
Energieverbrauch auch im Standby, Lärmemission.
Lösung:
Modernisierung mit System- und Zukunftsorientierung, ohne
das bewährte Steuerungskonzept grundlegend zu verändern.
Fokus auf höhere Durchsatzleistung, bessere Energieeffizienz,
geringere Lärmemissionen und niedrigere Betriebskosten. Das
Konzept umfasst ein Hutschienenmodul für die Anlagen-Steuerung
plus ein abgesetztes Bedienmodul (MMI) – basierend auf
dem bewährten Iftest-Carrier-Board.
Ergebnis:
Die modernisierte Steuerung AQUABoss nX steigert Performance
und Zukunftsfähigkeit. Neues HMI bietet intuitive, visuell
ansprechende Bedienoberfläche. Das Design entspricht dem
Corporate Design des Kunden und ermöglicht Funktionserweiterungen.
Modulare Vernetzbarkeit macht die Anlage fit für
übergeordnete Systeme und künftige Digitalisierung. Safety-
Controller und EMV-Optimierungen erhöhen Robustheit und
Betriebssicherheit. Durch einen bedarfsgesteuerten Aufbereitungsprozess
sinkt der Energieverbrauch um bis zu 65%; die
Wasserrückgewinnungsrate steigt auf bis zu 95%, was Umweltfreundlichkeit
und Kosteneinsparungen fördert. Insgesamt Effizienz,
Nachhaltigkeit und Sicherheit.
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Boards. Nutzen Sie ein modulares Konzept, perfekt auf Ihre
Anwendungen zugeschnitten, mit hervorragendem Verhältnis
von Entwicklungs- zu Stückkosten. Erleben Sie zukunftssichere,
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06/2025 medizin&technik 19
■ [ MESSE ]
(Bild: Picocyl)
MIT GASDRUCK DEN WIRKSTOFF
DURCH DIE HAUT BRINGEN
Antrieb auf Basis von Gasdruck | Für den Einsatz in Medizin produkten ent wickelt ist
eine Antriebslösung, die auf Gasdruck in einer Edelstahl-Kartusche basiert. Die Hohlkörper
dafür lässt das US-amerikanische Unternehmen Picocyl aus Golden/Colorado
über einen angepassten Tiefzieh-Prozess von den Experten bei Stüken herstellen.
Pfffft… mit einem kaum wahrnehmbaren
Geräusch strömt eine winzige
Menge Gas aus einer Mini-Gaskartusche.
Mehr ist nicht zu hören, wenn der Druck
des in der Kartusche eingeschlossenen
Gases eine winzige Bewegung auslöst und
zum Beispiel in einem ophthalmologischen
Instrument einen fein regulierbaren
Vorschub in Gang setzt.
Also Pneumatik für die Augen-OP? Im
Prinzip ja. Aber das Ausmaß an Präzision,
IHR STICHWORT
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Neue Antriebslösung für Medizintechnik
Bewegungen durch Gasdruck
Einsatz in der Augenheilkunde
Einsatz in der Medikamentendosierung
An weitere Anforderungen anpassbar
dass das US-amerikanischen Unternehmens
Picocyl aus Golden in Colorado mit
seinen kleinen gasgefüllten Metallkartuschen
erreicht, weicht stark von dem ab,
was man in der fertigenden Industrie üblicherweise
von einer pneumatischen Lösung
erwartet.
Gaszylinder, speziell für
die Medizintechnik entwickelt
„Wir stellen heute als einzige auf dem
weltweiten Markt eine solche speziell für
die Medizintechnik entwickelte Antriebslösung
her“, sagt Scott Dickerson, Vice
President of Operations bei Picocyl. Der
Anlass für die Unternehmensgründung
vor dreizehn Jahren wich davon noch etwas
ab: gesucht war zunächst ein Zylinder,
in dem medizinische Gase gemischt
werden sollten. Das war das erste Produkt
von Picocyl und führte zur Erfindung eines
Zylinders mit Ventil. Als nächstes war
eine leichte und einfache Alternative zu
den bisher üblichen Antriebslösungen gesucht,
die in der Regel auf einer Feder
oder einem Motor mit Batterie beruhten.
Sie alle waren aber zu groß, zu schwer, zu
teuer oder zu umständlich für ein geplantes
Medizinprodukt. Antriebe auf dieser
Basis stellt Picocyl heute her, explizit ausgerichtet
auf Anwendungen in der Medizintechnik.
Dass die Mini-Gaskartuschen heute allen
Anforderungen der regulierten Branche
gerecht werden, haben Tests bestätigt.
Produkte für die Augenheilkunde
und für die Medikamentendosierung mit
dieser Art von Antrieb sind inzwischen
von der FDA zugelassen und in großer
Zahl auf dem globalen Markt verfügbar.
Doch es gibt noch mehr Ideen, was sich
mit dieser alternativen Antriebslösung bei
Medizinprodukten erreichen ließe. Ein
Beispiel dafür sind Autoinjektoren. Oft
20 medizin&technik 06/2025
In die Kartuschen der
Picocyl-Antriebszylinder
wird Gas mit einem
Druck von 200 bar oder
sogar mehr eingefüllt.
Die Energie bei der Freisetzung
des Gases lässt
sich nutzen, um Bewegungen
in Medizinprodukten
auszulösen
sind diese mit einer Feder ausgestattet,
deren Spannung die Spitze einer Injek -
tionsnadel nach dem Auslösen des Injektors
durch die Haut des Patienten drückt.
Diese Aufgabe lässt sich aber ebenso mit
dem Gasdruck aus einer Kartusche lösen.
Gasdruck muss für die gesamte
Lebensdauer konstant sein
Dafür müssen eine Reihe von Eigenschaften
sichergestellt sein. Dazu gehört, dass
der unter Druck stehende Behälter keine
Lecks aufweist, sondern für die gesamte
vorgesehene Lebensdauer jederzeit die
einmal eingefüllte Gasmenge mit dem geplanten
Druck bereitstellen kann. Andererseits
muss die Gaskartusche schon mit
einem einfachen Fingerdruck ausgelöst
werden können, also eine „sensible“ Stelle
beinhalten – was den Entwicklern von
Picocyl gelungen ist. In bestimmten Gaskartuschen
haben sie zusätzlich zum Gasdruck
einen Ventil-Mechanismus mit einer
Feder vorgesehen. Das ermöglicht das
schrittweise Freisetzen des Gases und damit
eine dosierte Bewegung.
In die Kartuschen eingefüllt werden –
unter Reinraumbedingungen der Klasse 8
– bisher sechs Gase: Kohlendioxid, Argon,
Stickstoff, Helium, Schwefelhexafluorid
und Perfluorpropan. Je nach Gas und abhängig
von der Füllmenge lässt sich die
beim Ausströmen freigesetzte Energie an
eine Anwendung anpassen.
Unabhängig davon, ob das gesamte
Gas in einem oder mehreren Schritten
entweichen soll, ist der Behälter vollständig
aus einem speziellen Edelstahl gefertigt.
Das bietet aus Sicht von Picocyl den
Vorteil, dass das Gesamtgewicht der Kartusche
von Anfang an feststeht und sich
auch nicht verändert. Damit lässt sich
durch einfaches Wiegen jederzeit belegen,
dass die eingefüllte Gasmenge noch
in der Kartusche ist und diese damit verwendet
werden kann.
„Das ist nicht selbstverständlich“, erläutert
Dickerson. Denn andere Gaskartuschen
werden häufig aus Stahl hergestellt,
der zum Schutz vor Korrosion mit
Metall beschichtet wird. „Mit der Schichtdicke
variiert auch das Gewicht der leeren
Kartuschen, und es lässt sich nicht mehr
genau feststellen, mit wie viel Gas der Behälter
gefüllt wurde und ob noch die gleiche
Menge enthalten ist.“ Bei Behältern
aus Edelstahl stellten sich diese Fragen
erst gar nicht.
Schon zu Beginn der Entwicklungen
war das Fassungsvermögen der Kartuschen
gering, es lag unter 2 ml – und im
Zuge der weiteren Arbeiten ließ sich das
Volumen für manche Varianten sogar auf
etwa 0,16 ml reduzieren. Die gesamte Metallhülle
wiegt, abhängig von der Größe,
dementsprechend auch nur 0,2 bis 2,8 g.
Doch wie stellt man derart kleine
Hohlräume aus Edelstahl zuverlässig und
in großen Stückzahlen bis zu mehr als
zehn Millionen Stück im Jahr her? Dafür
bietet sich das Tiefziehen an, ein Verfahren
der Kaltumformung. Mit entsprechen-
06/2025 medizin&technik 21
■ [ MESSE ]
Bisher hat Picocyl schon
verschiedene Typen von Gas -
kartuschen und Freisetzungsmechanismen
entwickelt. Eine
Anpassung an künftige Anwendungen
und deren Anforderungen
ist möglich
(Bild: Picocyl)
den Werkzeugen und rund einem Dutzend
Umform-Schritten entsteht so aus einem
flachen Blech als Ausgangsmaterial
die Kartusche mit ihrem zylinderförmigen
Rumpf und einem verengten Halsbereich.
An diesem Hals soll schließlich mit Hilfe
spezieller Vorrichtungen das Gas unter
Druck austreten, um seine Aufgabe zu erfüllen.
An dem Grundbauteil werden
noch eine Kappe oder mechanische Konstruktionen
angebracht, die den Druck in
eine lineare Bewegung umsetzen.
Sie müssen hinsichtlich Weglänge, Präzision
und Geschwindigkeit genau zu den
Aufgaben im Medizinprodukt passen.
Geometrie, Größe, Edelstahl –
auch das geht mit Tiefziehen
„Sowohl die Geometrie der Kartuschen
als auch die geringe Größe und das Material
Edelstahl haben unsere Entwickler
durchaus vor Herausforderungen gestellt“,
sagt Andreas Hellmann, der den
Verkauf im Bereich Medical der Hubert
Stüken GmbH & Co. KG aus Rinteln leitet.
Die Tiefziehexperten stellen die Kartuschen
für Picocyl in ihrem Werk in Fountain
Inn in South Carolina auf speziell dafür
vorbereiteten Pressen her.
Speziell ist auch der Werkstoff selbst.
„Der Edelstahl benötigt für die starke Umformung
besondere Eigenschaften, die
mit dem Materiallieferanten in einer gemeinsamen
Entwicklung ermittelt und
prozesssicher spezifiziert wurden“, erläutert
Hellmann. Das Kaltumformen bringt
aber auch einen wichtigen Vorteil fürs
Produkt, wie der Tiefziehexperte betont:
„Daraus ergibt sich eine hohe Kaltverfestigung,
die die Druckbelastbarkeit signifikant
steigert.“
Gefordert ist bei der Fertigung aber
nicht nur Präzision, sondern auch die
gleichbleibend hohe Qualität, wie sie für
Medizintechnik-Bauteile gegeben sein
muss. Dazu gehört die Reinigung der
Rohlinge – eine heikle Aufgabe. Für das
Umformen der nicht erhitzten Metallteile
werden besondere Hochleistungsöle verwendet,
die in den Hohlraum der Kartuschen
gelangen. Sie trotz der Verengung
im Halsbereich prozesssicher zu entfernen,
mitsamt den Chemikalien für die
Reinigung, war knifflig. Für deren Lösung
haben Reinigungsexperten von Picocyl
und Stüken ihr Wissen beigesteuert, wie
Hellmann berichtet.
Vom Umformtechnik-Wissen bei Stüken
zu profitieren, war das ausdrück liche
Ziel von Picocyl. Denn die Entwickler der
Kartuschen wollten sich auf das Befüllen,
das Schweißen und die Zuverlässigkeit ihrer
Produkte konzentrieren. Dass Stüken
gemäß ISO 13485 zer tifiziert ist, war ein
wichtiger Aspekt. „Unsere Ansprechpartner
bei Stüken ver stehen und unterstützen
uns mit dem Medizintechnik-Fokus.“
Die größte aktuelle Herausforderung
ist laut Dickerson allerdings, diese alternative
Antriebslösung unter Ingenieuren
und Entwicklern von Medizinprodukten
nun auch bekannt zu machen. „Sie sind
genauso zuverlässig wie die bekannten
Antriebslösungen, aber kleiner, genauer
und leistungsstärker als diese.“ Derzeit arbeiten
die Fachleute an Lösungen für die
Abgabe hochviskoser Medikamente und
Dosiersystemen wie nadellosen Injektoren
bis zu chirurgischen Instrumenten.
Das Wissen um das Potenzial der neuen
Antriebe, hofft Dickerson, wird sich dann
viel weiter in der Branche verbreiten. ■
Sandra Göhner-Bake
Hubert Stüken, Rinteln
www.stueken.com
Auf der Compamed; Halle 8a, Stand M14
Über Picocyl
Picocyl gehörte zunächst zu Altaviz
und wurde 2017 ausgelagert mit
dem Ziel, spezielle Antriebslösungen
für Medizinprodukte auf der Basis
von Gaszylindern zu entwickeln und
zu produzieren. Die Zertifizierung
gemäß ISO 13485 folgte im Jahr
2018 – und das Unternehmen ist
nach eigenen Angaben das einzige,
das mit seinen Zylindern die Qualitätsvorgaben
für die Medtech-Branche
erfüllen kann. Seit der Gründung
wurden über fünfzehn Millionen
Picozylinder an Auftraggeber
ausgeliefert. Bei der Einbindung der
Bauteile in Medizinprodukte unterstützt
der Hersteller die Anwender.
www.picocyl.com
22 medizin&technik 06/2025
COMPAMED
Düsseldorf, 17. bis 20. November 2025
Halle 8a / Stand K09
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Die Disc Pump von LEE Ventus ist eine neuartige piezoelektrische
Mikropumpe, deren einzigartige Kombination von Eigenschaften
viele der Nachteile von klassischen Membranpumpen
beseitigt und somit die ambulante Blutdruckmessung optimiert:
kompakte und leise am Arm zu tragende Module mit geringem
Kompressionsdruck, die präzise Messungen schon während des
Aufpumpens ermöglichen.
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06/2025 medizin&technik 23
■ [ MESSE ]
Schlauchmontage auf
kleinstem (Rein)Raum
Automatisierung | Knoll Feinmechanik hat es in einer
neuen Anlage geschafft, auf wenig Fläche sämtliche
klassischen Prozessschritte unterzubringen, die zur
Montage von medizinischen Einwegartikeln nötig sind.
Bis zu sechs Bearbeitungsstationen sind in der Anlage platzsparend
untergebracht
Die Montage von medizinischen Einweg-Schlauchsets wird
häufig noch händisch erledigt. Soll der Prozess automatisiert
werden, unterliegt das einigen Voraussetzungen. Denn zum
einen gehören Schläuche zu den so genannten biegeschlaffen
Teilen, sodass für die Automatisierung von Handling- und Montageschritten
entsprechende Erfahrung erforderlich ist. Zum anderen
findet die Montage oft im Reinraum statt, deren Flächen
meist begrenzt sind. Deshalb sind Lösungen gefragt, die Schläuche
samt den weiteren Bauteilen zuverlässig und validierbar
montieren und dabei mit möglichst wenig Platz auskommen.
Das Team von Knoll Automation zeigt auf der Compamed eine
auf geringen Platzbedarf ausgelegte Standard-Anlage. Auf
1,6 m x 1,6 m sind bis zu sechs Bearbeitungsstationen untergebracht,
an denen jeweils auch mehrere Prozessschritte durchlaufen
werden können. Damit lässt sich die Montage marktüblicher
medizinischer Einweg-Schlauchsets erledigen: Schlauch abwickeln,
ablängen, zuführen, einen Wickel bilden, weitere Komponenten
aufschieben oder (mit oder ohne Lösungsmittel) aufmontieren.
Davon ausgehend kann die Anlage je nach Bedarf
und Anzahl notwendiger Prozessschritte angepasst werden, was
ihre Aufstellfläche verdoppelt oder halbiert.
Standard oder nicht – jede Anlage wird an die konkreten Gegebenheiten
und die darauf zu fertigende Baugruppe angepasst
und in die Prozesse integriert. Dabei geht es um Themen wie etwa
passende Greifer für den Schlauch-Durchmesser oder, ob der
Schlauch dem Prozess von der Rolle oder aus einem Bündel zugeführt
wird. Zudem werden bei Bedarf auch Prozessinformationen
geliefert, die für die Validierung oder bei der Systemüberwachung
von Nutzen sein können.
www.knoll-feinmechanik.de
Auf der Compamed: Halle 8b, Stand L36
(Bild: Knoll Maschinenbau)
(Bild: Sensodrive)
Antriebstechnik
Vollständig sicherheitszertifizierter Robotikantrieb mit
Drehmomentregelung für Medizinroboter
Auf der Medica präsentiert die Sensodrive
GmbH einen Meilenstein in der Robotik:
Der Sensojoint-Komplettantrieb gilt als
der erste universell einsetzbare Robotik -
antrieb mit Drehmomentregelung, der
vom TÜV Süddeutschland nach allen relevanten
internationalen Sicherheitsnormen
zertifiziert wurde. Damit können
Hersteller von Cobots und Medizinrobotern
auf ein einbaufertiges Modul zurückgreifen,
das Sicherheit, Flexibilität und
Sensitivität vereint. Die Sensojoint-Antriebe
sind gemäß SIL3/PLe sowie nach
IEC 61508, IEC 62061, IEC 61800-5-2
und ISO 13849 zertifiziert und unterstützen
die Umsetzung weiterer Normen.
Ein zentrales Merkmal der Antriebe ist die
Drehmomentregelung, die eine maximale
Sensitivität und zugleich aktive Schwingungsdämpfung
bietet. Die Module sind
universell einsetzbar, einbaufertig und
lassen sich flexibel an unterschiedliche
Anwendungen in Industrie- und Medizinrobotik
anpassen. Laut Sensodrive können
Hersteller mit Sensojoint ihre Entwicklungszeiten
für neue Cobots und Medizinroboter
auf unter fünf Monate reduzieren
und die Entwicklungs- und Zertifizierungskosten
deutlich senken.
www.sensodrive.de
Auf der Medica: Halle 3, Stand D80
Sensojoints-Reihe mit drehmomentgeregelten Komplettantrieben
Qualitätssicherung
Prüfung von Dichtheit und
Durchfluss in der Fertigung
Die Ceta Testsysteme GmbH, Hilden, stellt
ihr Portfolio für Dichtheits- und Durchflussprüfungen
vor. Die produktionstauglichen
Prüfgeräte ermöglichen eine
100%-ige Endkontrolle und Validierung
von Medizinprodukten direkt in der Fertigung.
Ob Luer-Verbinder, Infusionsschläuche,
Spritzen oder Membranbauteile
– mit Prüfverfahren wie Druckabfall-,
Massendurchfluss- oder Volumenstrommessung
werden selbst kleinste Leckagen
oder Durchflussfehler zuverlässig
erkannt. Als Prüfmedium dient saubere,
trockene Druckluft, deren Einsatz schnelle
und kosteneffiziente Tests bei hohen
Stückzahlen ermöglicht. Alle Prüfgeräte
und Kalibriernormale werden mit einem
akkreditierten Kalibrierschein nach DIN
EN ISO/IEC 17025 ausgeliefert. Damit
können Hersteller regulatorische Vorgaben
erfüllen, Rückrufrisiken minimieren
und die Produktfunktionalität sichern.
www.cetatest.com
Auf der Medica: Halle 3, Stand C80
24 medizin&technik 06/2025
Neue Marke für die
Medizintechnik
Verpackungstechnik | Mit neuen Maschinen und Markenauftritt
zeigt Multivac effiziente, sichere und nachhaltige
Verpackungslösungen für Medizinprodukte.
(Bild: Multivac)
Knie-Implantate – sicher und zuverlässig verpackt
Ob Einwegspritzen, Implantate oder Katheter: Wie sich Medizingüter
sicher und effizient verpacken lassen, zeigt die
Multivac Sepp Haggenmüller SE & Co. KG, Wolfertschwenden.
Erstmals präsentiert sich das Unternehmen als Multivac Health
Packaging – die neue Marke für medizinische und pharmazeutische
Verpackungslösungen. Im Mittelpunkt des Messeauftritts
steht die Tiefziehverpackungsmaschine R3. Ihre Stärken zeigt sie
bei großen Stückzahlen in marktüblichen Verpackungen. Die
Maschine soll über ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis verfügen
und eine einfache Wartung ermöglichen. Auf der Compamed
werden Einwegartikel in recyclebaren Weichfolien verpackt, die
den PPWR-Vorgaben entsprechen. Vor dem Versiegeln bedruckt
ein Bell-Mark-Drucker die Folie zweifarbig. Eine Kamera prüft
das Druckbild und stellt so die UDI-Kennzeichnung sicher.
Der halbautomatische Traysealer T 260 wurde für kleine Chargen
wie Implantate entwickelt. Das mobile Kompaktmodell passt
sich verschiedenen Trays und Deckelfolien an. Die Edelstahlkonstruktion
eignet sich für den Reinraum und lässt sich leicht reinigen.
Ebenfalls vorgestellt wird die Kammermaschine C 400 TC:
Sie verpackt medizinische Sterilgüter in Beuteln. Auf der Messe
zeigt das Unternehmen, wie Herzkatheter in Alu-PE-Beuteln sicher
verschlossen werden. Traysealer und Kammermaschine bieten
kalibrier- und validierbare Prozesse, kontrollierten Siegeldruck
und präzise Temperaturführung. Die IPC-Steuerung überwacht
alle Schritte, bindet Scanner und Drucker ein und dokumentiert
Chargendaten im Batch-Report.
www.multivac.com, Auf der Compamed: Halle 8a, Stand H01
Fibers, Cables, and Assemblies for:
Imaging | Sensing | Power Delivery
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NOV 17-20, 2025 | DÜSSELDORF
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06/2025 medizin&technik 25
■ [ MESSE ]
UV-Faserlaser für die
Präzisionsbearbeitung
Lasertechnik | ACI Laser stellt einen neuen Faserlaser
vor: Sein ultraviolettes Licht erlaubt eine „kalte“ Materialbearbeitung
und schützt das Werkstück vor Hitze.
Mit UV-Faserlaser aus der Platine getrennte Baugruppen
(Bild: ACI Laser)
Der DFL Nova Marker zeichnet sich durch seine Vielseitigkeit
bei Materialien aus und eignet sich zur Markierung von
Kunststoffen, Keramiken und zur Feingravur auf Metallen. Zudem
bietet der neue UV-Faserlaser sehr gute Voraussetzungen
für präzise Feinschneid- und Strukturierprozesse, unter anderem
in der Medizintechnik. Besonders empfindliche Materialien
können mit dem DFL Nova Marker kontaktlos, dauerhaft und
schonend bearbeitet werden. Wie ACI Laser betont, erzielt der
DFL Nova Marker saubere Kanten ohne Verbrennungsrückstände
in stets wiederholbarer Qualität und hebt sich dadurch von
vergleichbaren Lasertechnologien, wie einem Standard-Faserlaser
oder Festkörperlaser, ab. In der Medizintechnik kommt der
UV-Faserlaser DFL Nova Marker zur dauerhaften und beständigen
Lasermarkierung von chirurgischen Instrumenten und Implantaten
zum Einsatz. Sehr kurze Laserpulse mit hohen Pulsspitzenleistungen
erzeugen hohe Leistungsdichten, sodass das
Material nahezu direkt in den Verdampfungszustand überführt
wird. Es geht also um die so genannte „kalte Materialbearbeitung“.
Kurze Laserpulse im unteren Nanosekundenbereich ermöglichen
eine schonende und saubere Bearbeitung.
Aufgrund der großen Materialvielfalt in der kunststoffverarbeitenden
Industrie ist es wichtig, dass der Laserstrahl vom Material
gut absorbiert wird. In der Regel werden dazu Additive, Füllstoffe
oder Pigmente dem Material hinzugefügt. Der DFL Nova Marker
erzeugt eine dauerhaft haltbare Markierung in der Regel ohne
Laseradditive und soll sich dadurch von herkömmlichen Infrarotlasern
im Wellenlängenbereich von 1064 Nanometer abheben.
Auf Keramiken lassen sich mit dem DFL Nova Marker hochwertige
Schwarzmarkierungen und Farbumschläge erzeugen.
Zudem kann der UV-Faserlaser die Keramiken auch schneiden.
www.aci-laser.de, Auf der Compamed: Halle 8a, Stand B30
Aus Klinikmüll werden sterile Verpackungen
Recycling | Coveris und Sabic arbeiten gemeinsam am Full-Circle-Projekt: Aus gebrauchten
medizinischen Kunststoffverpackungen entstehen sterile Folienbeutel.
(Bild: Coveris)
In den recycelten Folienbeuteln
aus Trucircle PE
werden Führungsdrähte
für die Gefäßchirurgie
steril verpackt
Rund 1,7 Mio. t nicht kontaminierter Kunststoffabfälle aus
Polyethylen und Polypropylen landen pro Jahr in der Müllverbrennung
– obwohl man sie recyceln könnte. Kliniken müssen
zwar auf absolute Sauberkeit achten, doch genau diese Standards
bremsen oft nachhaltige Lösungen aus. Die Coveris GmbH,
Wien, zeigt, dass es anders geht: Gemeinsam mit dem Chemieunternehmen
Sabic, dem Zuyderland Medical Centre, der Gesundheitsmarke
Artivion sowie weiteren Partnern wurde ein Modell
geschaffen, das aus Klinikmüll wieder hochwertige Verpackungen
macht: In einem echten Kreislauf entstehen aus Krankenhausabfall
neue, sterile Beutel für medizinische Produkte.
Das Projekt startete 2024 im Zuyderland Medical Centre in den
Niederlanden. Dort trennt und sammelt das Team nicht kontaminierte
Kunststoffabfälle, die sonst verbrannt würden. Sabic
verarbeitet diese Abfällen zunächst zu Pyrolyseöl und anschließend
zu zertifiziertem zirkulärem Polyethylen (PE) – Trucircle
PE – , das strengsten medizinischen Anforderungen genügt. Daraus
stellt Coveris Folien her und fertigt damit in Rohrdorf sterile
Beutel. Artivion verpackt in diesen Beuteln Führungsdrähte für
die Gefäßchirurgie – und so landen die Beutel wieder im Krankenhaus.
Heute bestehen die Verpackungen bereits zu einem
Viertel aus recyceltem Klinikmüll.
Das Projekt ist Teil der „No Waste“-Vision von Coveris. Jan-Willem
Bruijsten, Segment Director Medical bei Coveris, sagt: „Bei
Coveris sehen wir Zusammenarbeit als Schlüssel zu einer zirkulären
Zukunft und sind sehr stolz darauf, Teil dieser wegweisenden
Initiative zu sein. Sie beweist, dass Kreislaufwirtschaft bei
Verpackungen im Gesundheitswesen möglich ist.“
www.coveris.com, Auf der Compamed: Halle 8b, Stand J25
26 medizin&technik 06/2025
Implantatherstellung
Fortschrittliche Beschichtungen optimieren
Stents und Implantate
Die Beschichtung ermöglicht eine Langzeit-Wirkstofffreisetzung
Ein besonderes Jubiläum steht
im Mittelpunkt von Mekos
Messeauftritt: Vor 30 Jahren
wurde das erste Stentprojekt
gestartet. Seitdem hat sich die
Meko Manufacturing e.K., Sarstedt,
zu einem internationalen
Partner für die Implantat-
Herstellung entwickelt. Vorgestellt
werden jetzt die erweiterten
Kapazitäten der Inhouse-Gießerei
für magnesiumbasierte
Werkstoffe wie Resoloy.
Diese ermöglicht die präzise
Anpassung von Legierungszu-
(Bild: Meko)
sammensetzungen und Mikrostrukturen
– ideal für die Entwicklung
maßgeschneiderter,
bioresorbierbarer Implantate.
Darauf abgestimmt präsentiert
das Unternehmen neue
Polymerbeschichtungen für
Stents und andere Implantate
mit verbesserter Biokompatibilität
und Haltbarkeit sowie
mit gezielter Langzeit-Wirkstofffreisetzung.
www.meko.de
Compamed, Halle 8a, Stand J07
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hin zu Amputationschirurgie und
digitalen Prozessen – entdecke die Highlights
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Faseroptische Komponenten
Biokompatible Fasern für verschiedene
medizinische Anwendungen
(Bild: Ceramoptec)
Am Messestand der Ceramoptec
GmbH, Bonn, werden Lösungen
für medizinische Laseranwendungen
und faseroptische
Systeme vorgestellt –
darunter biokompatible Fasern
mit kundenspezifischen
Kerndurchmessern und nichtkreisförmigen
Geometrien,
die sich besonders für den Einsatz
in der Laserchirurgie, op-
Optische Fasern mit Markierungen
für die Medizin
tischen Bildgebung, Endoskopie
und spektroskopischen Diagnostik
eignen. Darüber hinaus
zeigt das Unternehmen
kundenspezifische Sonden-
Baugruppen, die präzise nach
Zeichnung gefertigt werden
können. Ergänzend dazu werden
Inhouse-Verfahren zur
Sterilisation sowie Optionen
für die Großserienfertigung
präsentiert, die höchste Prozesssicherheit
und Reproduzierbarkeit
gewährleisten. Alle
Fasern können auf Wunsch
mit individuellen, abriebfesten
Markierungen versehen
werden, um die Rückverfolgbarkeit
und Handhabung zu
erleichtern.
www.ceramoptec.de
Compamed: Halle 8a, Stand F29
Foto: Leipziger Messe GmbH: Tom Schulze
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Aussteller oder
Fachbesucher!
06/2025 medizin&technik 27
www.ot-world.com
■ [ MESSE ]
IM REINRAUM AUTOMATISIERT
MEDIZINPFLANZEN VERMEHREN
Automatisierung im Reinraum | Sterilität im Prozess zu erhalten: Das ist ein wichtiger
Grund, um die Vermehrung von medizinischen Nutzpflanzen wie Cannabis automatisiert
im Reinraum zu betreiben. Zwei Partner haben dafür eine Anlage entwickelt, in
der das Pflanzengewebe mit einem Laser geschnitten wird.
Steril-Werkbänke, Skalpell, Handarbeit:
Das sind Stichworte, mit denen
sich die In-vitro-Pflanzenvermehrung
heute typischerweise beschreiben lässt.
Eine vollautomatisierte Alternative dazu
ist aber machbar. Das haben zwei Unternehmen
gezeigt, die eine entsprechende
Anlage als Kooperationsprojekt entwickelt
haben. Sie soll aus wirtschaftlichen
Gründen Handarbeit möglichst vermeiden.
Noch wichtiger aber war das Verbessern
der Sterilität. Denn die Pflanzen werden
in zuckerhaltiger Nährlösung bei hoher
Luftfeuchtigkeit, definierten Temperaturen
und künstlicher Beleuchtung
über einen Zeitraum von fünf bis acht Wochen
kultiviert. Unter diesen Bedingungen
ist Sterilität ein Muss. Die Anforderungen
sind sogar ungleich höher als zum
Beispiel in der Lebensmittelindustrie.
Dort ist eine Lagerung über lange Zeiten
zwar üblich – aber der Lagerbereich ist
kalt, dunkel, steht unter Vakuum oder
Schutzgas, und es wird gegebenenfalls
mit Konservierungsstoffen und Verfallsdatum
gearbeitet.
Bei der Vermehrung lebender Organismen
wie zum Beispiel Cannabis-Pflanzen
für die medizinische Verwendung sind
aber mit Blick auf die Sterilität entsprechende
Vorsichtsmaßnahmen zu berücksichtigen.
Die automatisierte Anlage erfüllt
dafür alle Anforderungen, wobei die
IHR STICHWORT
■
■
■
■
Vollautomatisierte Anlage
zur Pflanzenvermehrung
Reinraumbedingungen
Einsatz von Roboter und KI
CO2 -Laser zum Schneiden
Alle Prozessschritte für die vollautomatisierte Pflanzenvermehrung finden in der
Anlage unter Reinraumbedingungen statt
Entwickler der Bremer Robotec PTC
GmbH und der Hoyer Montagetechnik
GmbH aus Waltershausen sowohl Roboter
als auch Laser und KI für die In-Vitro
Pflanzenvermehrung nutzen.
Aber um was genau geht es? Bei der
manuellen In-vitro-Pflanzenvermehrung
von Zier- und Nahrungsmittelpflanzen
oder auch medizinischen Nutzpflanzen
wie eben Cannabis entnehmen Mitarbeiter
bisher wenige Zentimeter große Pflanzensetzlinge
mit einer Pinzette aus einem
Behälter mit Nährlösung. Dies geschieht
an Steril-Werkbänken. Die Pflanzen werden
dann meist per Skalpell geteilt und
die Schnittstücke wieder mit der Pinzette
in Behälter mit Nährlösung eingesetzt.
Nach einigen Wochen Wachstum kann
der Vorgang wiederholt werden, so dass
bei jedem Zyklus exponentielle Multiplikationsraten
erreicht werden. Alle Pflanzen
sind Klone der Ausgangspflanze und
haben somit auch dieselben Eigenschaften,
wie etwa definierte Inhaltsstoffe.
Für die Automatisierung des Prozesses
wurden alle Vorgänge vom Öffnen des Behälters
mit den Ausgangspflanzen bis
zum Verschließen des Behälters mit den
geteilten Pflanzenstücken automatisiert
und in den geschützten Maschineninnenraum
verlagert. Der Innenraum wird ständig
mit HEPA-gefilterter Luft unter Überdruck
gehalten und auf diese Weise vor
Kontamination geschützt. Dort herrschen
also Reinraumbedingungen.
Immer scharf und immer steril:
Laser übertrifft das Skalpell
Eine KI-gestützte 3D-Bildverarbeitung erkennt
die Pflanzen. Ein Roboter entnimmt
diese aus dem Behälter und nutzt
dafür ein speziell entwickeltes Greifer-
System. Vor dem Teilen nimmt ein Stereo-
Kamerasystem aus unterschiedlichen Perspektiven
Bilder auf. Mehrere weitere KI-
Anwendungen legen dann fest, wo Schnitte
erfolgen sollen und in welcher Reihenfolge
das geschieht. Wichtig ist, dass die
(Bild: Hoyer Montagetechnik)
28 medizin&technik 06/2025
Schnitte an den natürlichen Wachstums -
linien durchgeführt werden. Entsprechend
legt die Anlage die Roboterbewegungsbahnen
fest. Dabei gilt es, die
Schnittbewegungen dreidimensional und
mit hoher Präzision auszuführen.
Das Schneidwerkzeug ist ein CO 2 -Laser.
Gegenüber mechanischen Systemen
hat er den Vorteil, immer steril und immer
scharf zu sein. Auch die Präzision des Systems
und die Schnittausführung sind optimiert.
Daher wachsen die Pflanzen besser,
und die Zyklen bis zum nächsten
Schnitt und der nächsten Vermehrungsstufe
lassen sich im Vergleich zur Hand -
arbeit verkürzen.
Bild, Roboter, KI – und das
Pflanzenstück wird kultiviert
Die geschnittenen Pflanzenstücke fallen
auf ein steriles Transportband und werden
einer weiteren Roboterstation in der
Anlage zugeführt. Ein Kamerasystem beurteilt,
wiederum mit einer Kombina tion
verschiedener KI-Anwendungen, welche
Schnittstücke mit welcher Orientierung
vom Band genommen werden sollen und
erzeugt die dafür erforderlichen Roboterbewegungen.
Der Roboter entnimmt die
Pflanzenstücke dann vom laufenden
Band und setzt bis zu 2500 Stück pro
Stunde in Behälter mit Nährlösung ein.
Für den gesamten Prozess sind, je nach
(Bild: Hoyer Montagetechnik)
Pflanzenteile lassen sich mit dem CO 2 -Laser (rechts) präziser schneiden als mit dem
Skalpell (links)
Pflanzenart, bis zu 20 verschiedene KI-
Anwendungen erforderlich.
Ein weiterer Aspekt, der erst durch die
Prozessautomatisierung ermöglicht wird,
ist eine lückenlose Rückverfolgbarkeit.
Sämtliche Bilder und Informationen zu
ein- und ausgehenden Pflanzen lassen
sich über die Vermehrungszyklen hinweg
erfassen und speichern. Es können dadurch
über Generationen hinweg Analysen
durchgeführt werden. Das war in der
Vergangenheit unmöglich.
Um den Pflanzenvermehrungsprozess
zu automatisieren, musste allerdings das
Wissen aus zahlreichen Kompetenzfeldern
und Technologien zusammengeführt
werden. Pflanzenwissenschaften,
Biologie, Maschinenbau, Adaptive Robotik,
Lasertechnik, 3D-Vision, KI, IT, Steriltechnik
und Servicekompetenz waren erforderlich.
Aktuell sind mehrere Systeme für namhafte
internationale Anwender aus der Industrie
in der Realisierungsphase. Fünf
standardisierte Maschinenkonzepte ermöglichen
eine wirtschaftliche Lösung
für unterschiedliche Anforderungen in
Forschung und industrieller Pflanzenproduktion.
Das Wissen und die Erfahrungen
aus diesem Projekt fließen aber auch
dann ein, wenn es um andere automatisierte
Prozesse im Reinraum geht, beispielsweise
in der Medizin technik. ■
Dr. Christof Jung
Hoyer Montagetechnik, Waltershausen
Stephan von Rundstedt
Robotec PTC, Bremen
www.hoyermon.de; www.robotec-ptc.com
Hoyer auf der Messe Compamed:
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COMPAMED | Halle 8a, Stand H01
06/2025 medizin&technik 29
TITELTHEMA
Indien setzt auf Hightech
statt frugale Produkte
Auslandsmarkt Indien | Der indische Medizintechnikmarkt wird nach allen Prognosen in
den nächsten Jahren stark wachsen. Daran können auch deutsche Hersteller
partizipieren – wenn sie die richtigen Produkte haben und sich auf die Besonderheiten
des Landes und des Marktes einstellen.
30 medizin&technik 06/2025
(Bild: G-images/stock.adobe.com)
Indien ist interessant
Wer in Indien erfolgreich sein
will muss sich auf das Land
einlassen – und vor Ort sein.
Sabine Koll
Indien ist für Siemens Healthineers
einer der Zukunftsmärkte weltweit.
„Der Subkontinent ist mit 1,4 Milliarden
Menschen mittlerweile das bevölkerungsreichste
Land der Welt – vor China. Und
gut 400 Millionen Menschen gehören der
so genannten Middle Class an, diese Zahl
soll sich in den nächsten zehn Jahren verdoppeln.
Das Potenzial ist riesig, das wollen
wir mit unseren Produkten erschließen“,
sagt Jochen Wießner, als Executive
Manager bei Siemens Healthineers verantwortlich
für die strategische Ausrichtung
des Global Footprint. Dazu gehört
der neue Innovation Hub am indischen
Standort Bengaluru, den der Medizintechnikhersteller
mit Hauptsitz in Erlangen
seit 2020 aufbaut. Er steht aktuell
kurz vor der Fertigstellung.
Nach Angaben der Association of In -
dian Medical Device Industry (Aimed)
wurden auf dem indischen Markt 2024
Medtech-Produkte im Wert von rund
12 Mrd. US-Dollar umgesetzt. Damit ist
Indien derzeit der viertgrößte Medtech-
Markt in Asien hinter China, Japan und
Südkorea. Die Investitionsförderungsagentur
„Invest India“ erwartet, dass der
Markt bis 2030 um durchschnittlich 13 %
Medizintechnikmarkt Indien
Chancen für deutsche Hersteller
Highend oder frugale Produkte?
Herausforderungen auf kultureller Seite
Fördermittel für Vor-Ort-Produktion
IHR STICHWORT
■
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■
Seit 2018 hat Indien eine staatliche
Krankenversicherung, welche die
öffentliche Versorgung von über
500 Millionen Menschen abdeckt
jährlich auf 50 Mrd. US-Dollar wachsen
wird – und damit in einem Tempo, das
deutlich über dem des Weltmarkts liegt.
Die Boston Consulting Group (BCG) taxiert
das Wachstum des Weltmarkts auf
5 %. „In der Vergangenheit hatte Indien
aber einen begrenzten Anteil an der weltweiten
Medtech-Produktion und an den
Exporten, nämlich weniger als zwei Prozent
der weltweiten Produktion. Der indische
Markt hat sich überwiegend auf Importe
von Medizinprodukten verlassen,
um den inländischen Bedarf zu decken“,
konstatiert Priyanka Aggarwal, Managing
Director bei BCG.
Medizintechnik hat in Indien
eine strategisch wichtige Rolle
Wie so viele andere Staaten weltweit will
aber auch Indien nicht länger abhängig
sein von Importen und hat daher verschiedene
Maßnahmenpakete geschnürt,
um die Medtech-Branche im Land zu fördern.
Dazu gehören das seit 2024 laufende
nationale Industrieprogramm „Make
in India“, das Indien als globalen Produktionsstandort
stärken soll, und die vor vier
Jahren ausgerufene Vision „Viksit Bharat
2047“. Mit ihr soll Indien bis zum Jahr
2047 zu einem entwickelten Land werden.
Die Medizintechnik spielt dabei eine
strategisch zentrale Rolle.
„Eine unterstützende Regierungspolitik,
finanzielle Anreize und gestraffte Vorschriften
in Verbindung mit frugalen Innovationen
und dem inhärenten Kostenvorteil
Indiens haben in jüngster Zeit für
einen Aufschwung bei der Herstellung
von Medizinprodukten in Indien gesorgt.
Das Gesamtproduktionsvolumen ist ge-
06/2025 medizin&technik 31
TITELTHEMA
(Bild: Meril)
Der Myclip Teer System von Meril ist ein neu
entwickeltes medizinisches Gerät aus Indien
zur Behandlung der Mitralklappeninsuffizienz.
Meril ist der größte indische Medizintechnikhersteller.
Er beschäftigt mehr
als 12 000 Mitarbeiter weltweit und hat vor
einem Jahr in Vapi im Bundesstaat Gujarat
eine neue Produktionsstätte eröffnet, die
unter das PLI-Programm der indischen Regierung
fällt
stiegen, und der Anteil der Importe ist in
den vergangenen beiden Jahren von 80
Prozent auf rund 60 Prozent gesunken“,
so Aggarwal. Doch sie mahnt weiteres
Tempo an: „Bislang hat sich Indien bei der
Medtech-Herstellung vorwiegend auf
Low-Tech-Produkte konzentriert. Um das
Potenzial auszuschöpfen, sind zusätzliche
Anstrengungen erforderlich, um die Pro-
duktionskapazitäten auf Hightech auszuweiten.
Es müssen Schritte unternommen
werden, um den Technologietransfer zu
fördern, damit sich mehr Global Player in
Indien niederlassen.“
Die Beraterin empfiehlt, bestehende
Medtech-Parks für die Ansiedlung von
kleinen und mittleren Unternehmen
(KMU) stärker zu fördern sowie das Fördermittelprogramm
Production Based Incentives
(PLI) für KMU neu zu justieren.
Bei PLI handelt es sich um ein staatliches
Anreizsystem, das Unternehmen für in Indien
hergestellte Produkte finanziell belohnt,
meist über prozentuale Zahlungen
auf zusätzlich erzielte Umsätze. Dabei
sind vier Zielsegmente für PLI definiert:
• Krebsversorgung und Radiotherapie-
Medizingeräte,
• Radiologie und Bildgebung sowie
nukleare Bildgebungsgeräte,
• Anästhesie, kardiopulmonale Medizingeräte
einschließlich Katheter der
Kategorie Kardiopulmonal und Geräte
für Nierenpflege sowie
• Implantate aller Art.
Siemens Healthineers gehört zu den
Global Playern der Branche, die aktuell in
Fertigungskapazitäten in Indien investieren
– neben Wipro GE, Stryker, Philips,
Medtronic und Johnson & Johnson. Auf
dem neuen Campus sollen künftig knapp
6000 Mitarbeiter Platz finden – in erster
Linie Experten im Software-Bereich, aber
auch in der Produktion. 5000 m 2 Fertigungsfläche
stehen auf dem Campus zur
Verfügung. Bereits heute betreibt der
Konzern in Indien eine Fabrik – und war
damit eines der ersten deutschen Unternehmen,
die sich mit einer Fertigungsstätte
nach Indien wagten.
Der Innovation Hub soll nun für weiteres
Wachstum sorgen. „Aktuell fertigen
wir in Indien überwiegend noch Local to
Local. Mit dem Innovation Hub wollen
wir den Sprung Local for Global angehen,
genauer gesagt für die Region Asia Pacific.
Danach wollen wir weitergehen in
Richtung Afrika und Südamerika. Indien
wird unser zentraler Fertigungsstandort
für Produkte, die wir gezielt für Schwellenländer
herstellen – mit dem gleichen
Hightech-Qualitätsanspruch wie für unsere
anderen Produkte, aber mit eingeschränktem
Funktionsumfang und kostengünstiger“,
erklärt Siemens-Healthineers-Entscheider
Wießner. Bislang baut
das Unternehmen in Indien zum Beispiel
ein mobiles C-Bogen-System für die Chirurgie,
das auch dort entwickelt wurde,
und eine Einstiegs-CT-Scanner Baureihe.
Mit seiner Bildgebungstechnologie
hofft Siemens Healthineers auf Fördergelder
aus dem PLI-Programm. „Wir sind dabei,
die PLI-Formalitäten für den CT-Scanner
Somatom-Go zu klären, aber die Fördermittel
waren nicht der ausschlaggebende
Punkt für unsere Investition in Höhe
von 160 Millionen Euro in Indien“,
stellt der Siemens-Healthineers-Manager
klar. „Für uns stehen der indische Markt,
der Zugang zu sehr gut ausgebildeten,
leistungsbereiten, durchgängig englisch-
(Bild:Siemens Healthineers)
Bislang baut Siemens Healthineers
in Indien zum Beispiel ein
mobiles C-Bogen-System für die
Chirurgie und eine Einstiegs-CT-
Scanner Baureihe, die auch dort
entwickelt wurde
32 medizin&technik 06/2025
Regulatorik in Indien –
kurzer Überblick
(Bild:Spectaris)
sprechenden Mitarbeitern – vor allem im
Software-Bereich – im Vordergrund. Hinzu
kommt, dass wir uns wie viele Fertigungsunternehmen
mit dem Standort Indien
resilienter aufstellen wollen angesichts
weltweiter Krisenherde und ständig
neuer Zollbarrieren.“
Jennifer Goldenstede, Leiterin
Außenwirtschaft und Exportförderung
bei Spectaris: „Man
braucht einen langen Atem, um
auf dem indischen Markt erfolgreich
zu sein. Es handelt sich
um ein riesiges Land mit einer
für uns fremden Kultur, in der
zum Beispiel das Kastensystem
immer noch eine Rolle spielt“
Bisher nur wenige deutsche
Unternehmen in Indien aktiv
„Es gibt bislang nur wenige deutsche
Medtech-Hersteller, die in Indien mit eigenen
Standorten aktiv sind. Ich möchte
aber noch viel mehr Unternehmen der
Branche ermutigen, diesen Schritt zu wagen
und die riesigen Marktpotenziale zu
erschließen“, sagt Jennifer Goldenstede,
Leiterin Außenwirtschaft und Exportförderung
beim Branchenverband Spectaris.
Neben Siemens Healthineers sind dies
zum Beispiel Zeiss Meditec und B. Braun.
Goldenstede registriert vor allem im deutschen
Mittelstand ein nur zögerliches Interesse.
Die Gründe dafür kennt sie: „Man
braucht einen langen Atem, um auf dem
indischen Markt erfolgreich zu sein. Indien
ist ein riesiges und sehr vielfältiges
Land mit einer Kultur, die sich in vielerlei
Hinsicht von unserer unterscheidet und in
der traditionelle gesellschaftliche Strukturen,
wie etwa das Kastensystem, ebenso
wie informelle Netzwerke und persönliche
Beziehungen teilweise weiterhin das
soziale und berufliche Leben prägen. Die
einzelnen Bundesstaaten haben in Wirtschaftsfragen
eine viel größere Kompetenz
als die deutschen Bundesländer. Und
nicht zuletzt ist die Bürokratie noch sehr
viel größer als in Deutschland. Man
braucht ein Netzwerk an Leuten, die verlässliche
Informationen zu vielen Fragen
bei einem Standortaufbau liefern können.
Lokale Partner sind daher das A und O in
Indien.“
Auch bei der Schweizer Medizintechnik-Beratung
Medforceone suchen aktuell
nur wenige deutsche Unternehmen Hilfestellung
für den Eintritt in den indischen
Markt. „Das Interesse an anderen Standorten
in Asia-Pazifik ist deutlich größer.
Das liegt möglicherweise daran, dass sich
so manches deutsche Unternehmen in der
Vergangenheit in Indien eine blutige Nase
geholt hat. Deutsche Unternehmen tendieren
dazu, alles selbst machen zu wollen.
Das funktioniert in Indien nicht“, bestätigt
Manuel Neuer, Managing Partner
bei Medforceone. „Dabei lohnt es sich definitiv,
die Marktchancen zu evaluieren.
Voraussetzung ist aber, dass man in Indien
mit innovativen Produkten auf den
Markt gehen will. Je stärker es sich um
Me-Too-Produkte handelt, desto geringer
sind die Aussichten auf Erfolg.“
Nach einer Studie der Strategieberatung
EY Parthenon sind die meisten indischen
Hersteller von Medizinprodukten
auf das Segment „Einweg- und Verbrauchsartikel“
spezialisiert. Dazu gehören
persönliche Schutzausrüstung, Dia -
Die Central Drugs Standard Control
Organization (CDSCO) ist die nationale
Regulierungsbehörde für Arzneimittel
und Medizintechnik in Indien.
Das zentrale Regelwerk für Medizinprodukte
sind die „Medical Device Rules“
(MDR). Sie sind 2018 in Kraft getreten.
Die MDR sind ein eigenes Regelwerk,
das sich nicht an die gleichnamige
MDR der EU anlehnt. Ergänzend
dazu gibt es die „National Medical
Device Policy“ (NMDP), die 2023 in
Kraft getreten ist. Dabei handelt es
sich um eine Politik-/Strategie-Vorgabe,
nicht um ein Gesetz oder eine Verordnung
im engeren Sinne. Die NMDP
legt Ziele, Rahmenbedingungen und
Programme fest, um die Entwicklung
des Sektors zu fördern und zu steuern.
Beide Regelwerke kennen die Klassifikation
der Geräte nach Risikoklassen
(A bis D) und die Notwendigkeit von
Registrierung oder Lizenzierung je
nach Klasse. Die MDR regeln dies operativ.
Die NMDP sieht vor, das bestehende
Regulierungsrahmenwerk effizienter
beziehungsweise patientenzentriert
zu gestalten. Für Marktüberwachung/Post-Marketing
enthalten
die MDR bereits Bestimmungen zur
Überwachung (Adverse Event Reporting
und andere Verpflichtungen). Die
NMDP sieht vor, diese Systeme zu verbessern,
insbesondere durch bessere
Tests, Standards, Labors und Monitoring.
Bei Medtech-Herstellern sorgt
dies für regulatorische Unsicherheit.
„Einige Vorschriften brauchen zu viel
Zeit, und dann wissen wir nicht, ob sie
umgesetzt werden oder nicht. Umgekehrt
werden einige Verordnungen
möglicherweise im Eiltempo umgesetzt,
ohne dass die Industrie genügend
Zeit hat, einen echten Beitrag zu
leisten und sich an den Prozess anzupassen.
Die Industrie würde von einem
ausgewogeneren und vorhersehbaren
Ansatz, zumindest für die absehbare
Zukunft, immens profitieren“,
kritisiert ein Forumskoordinator des
Verbands der indischen Medizinprodukteindustrie
(Aimed) in einer Studie
von EY Parthenon.
06/2025 medizin&technik 33
TITELTHEMA
(Bild: Medforceone)
gnosekits, Desinfektionsmittel und Operationshandschuhe.
Das nächstgrößte
Segment sind elektronische Geräte und
Implantate. „Mit Einweg- und Verbrauchsartikeln
muss man als deutscher
Hersteller in der Regel nicht auf dem indischen
Markt antreten“, so Neuer. „Auch
mit so genannten frugalen Produkten –
einfach, kostengünstig und funktional gestaltet
– kann man daneben liegen. Der
Markt ist vielschichtig und verlangt zunehmend
Hightech-Lösungen, insbesondere
im privaten Gesundheitsmarkt, der
Manuel Neuer, Managing Partner
bei Medforceone: „Auch mit
so genannten frugalen Produkten
– einfach, kostengünstig
und funktional gestaltet – kann
man in Indien daneben liegen.
Der Markt ist vielschichtig und
verlangt zunehmend Hightech-
Lösungen“
die aufstrebende Mittelklasse in Indien
bedient, aber auch Medizintouristen aus
Ländern wie Bangladesch oder Großbritannien,
wo Patienten zum Teil viele Monate
auf Standardoperationen warten
müssen.“
„Gerade bei privaten Krankenhäusern
sind Premium-Medizintechnikprodukte
von europäischen Herstellern auch ein
Statussymbol“, bestätigt Goldenstede. Die
Krux für Medtech-Hersteller: Indien ist
auf ganzer Linie ein preissensitiver Markt.
„Und man muss sich darauf einstellen,
dass über Preise stets verhandelt wird.
Das gehört einfach zur Kultur“, so Neuer.
Auch Siemens Healthineers betrachtet
den indischen Markt sehr differenziert:
„Es gibt nicht den einheitlichen indischen
Markt. Im normalen Klinikbetrieb in Indien
auf dem Land kommt es zum Beispiel
bei unseren CTs – ganz anders als etwa in
den USA – nicht auf einen hohen Durchsatz
an“, erklärt Wießner. „Während der
Corona-Pandemie aber waren Lungen-
Screenings in Indien extrem wichtig. Dabei
ging es nicht darum, die besten Bilder
zu haben, sondern einzuschätzen, wie
weit sich das Coronavirus schon verbreitet
hat. Somit waren Durchsatz und
Schnelligkeit entscheidend. Genau auf
solche wechselnden Anforderungen können
wir mit unserer Mannschaft in Indien
gezielt und schnell eingehen.“
Für KMU lohnen sich
Medtech-Parks
Siemens Healthineers ist nicht Teil eines
Medtech Parks. Wießner: „Unsere Lieferkette
in Bengaluru werden wir selbst aufbauen
und dabei die Möglichkeiten nutzen,
die bereits vor Ort, zum Beispiel in
der Automobilindustrie, etabliert sind.“
KMU im Medtech-Bereich legt Goldenstede
allerdings nahe, die Teilnahme an
solchen Parks und Clustern in Erwägung
zu ziehen: „Das Ökosystem eines Clusters
kann den Markteintritt beschleunigen,
weil man hier Partner findet. Auch qualifiziertes
Personal lässt sich so leichter akquirieren.“
■
Sabine Koll
Journalistin in Böblingen
Weitere Informationen
Zu Siemens Healthineers:
www.siemens-healthineers.com
(Bild:EY Parthenon)
Trotz wachsender Exportkapazitäten bleibt Indien Nettoimporteur von Medizinprodukten.
Im Zeitraum von 2023 bis 2024 erreichten die indischen Importe von Medizinprodukten
8,2 Mrd. US-Dollar, was einen Anstieg von 13 % gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Diese
Zahl war mehr als doppelt so hoch wie der Wert der gesamten Ausfuhren. Der Anstieg der
Importe geht auf das Wachstum der führenden Krankenhausketten – Max, Hinduja Group,
Fortis, Manipal, Calcutta Medical Research Institute (CMRI) und Apollo – zurück, die in eine
moderne Infrastruktur investieren
Zu Medforceone:
www.medforceone.com
Zu Spectaris:
www.spectaris.de
Zur Studie von EY Parthenon:
https://a.kon2.de/MMwUL
Zur Studie der Boston Consulting
Group (BCG):
https://a.kon2.de/hbwEy
34 medizin&technik 06/2025
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06/2025 medizin&technik 35
■ [ TECHNIK ]
Hyperspektralkameras im UV-Bereich
bieten neue Anwendungsmöglichkeiten
Neue Kameras nutzen das UV-Spektrum | Für sichtbares Licht und den Nah-Infrarot-Bereich
sind bereits Hyperspektralkameras auf dem Markt. Den kompletten UV-Bereich deckt ein
neues System ab, das Inno-Spec präsentiert. Neben Forschung und Pharma-Anwendungen
verspricht es auch Potenzial für die Medizin.
können mit solchen Kameras auch nichtorganische
Stoffe, Halbleiter und konjugierte
Molekülsysteme untersucht werden.
Anders als NIR-Systeme macht das
Blueeye-System nicht die Molekülschwingungen
sichtbar, sondern die Elektronenübergänge.
UV-Licht dringt zudem weniger
tief ein als längere Wellenlängen und
ist daher ideal für die Analyse von Oberflächen.
(Bild: Inno-Spec)
Das Kernstück des HSI-Systems für den UV-Bereich ist die Blueeye-Kamera
Von Luft- und Raumfahrt bis Labor
oder Medizintechnik: Die Einsatzgebiete
von Hyperspektralkameras haben
sich in den letzten zwei Jahrzehnten vielfältig
entwickelt. Die meisten Hyperspektralkameras
arbeiten im sichtbaren Wellenlängenbereich
und im kurzwelligen Infrarot
arbeiten. Damit sind die Informationen,
die sich aus den Proben darstellen
lassen, begrenzt – und es können auch
nur bestimmte Materialien mit diesen
Wellenlängen untersucht werden. Neue
IHR STICHWORT
■
■
■
■
Hyperspektralkamera
Gesamter UV-Licht-Bereich
Anwendungsmöglichkeiten für
Forschung, Industrie, Medizin
KI mit Potenzial zur Auswertung
Hyperspektralkameras, die den UV-Bereich
abdecken, sind deshalb eine vielversprechende
Weiterentwicklung.
„Der Einsatz von UV-Licht ist an sich
nichts Neues, in der hyperspektralen Bildgebung
aber konnte es bislang nicht verwendet
werden“, weiß Oliver Grass,
Gründer und Geschäftsführer der Inno-
Spec GmbH. Das Nürnberger Unternehmen
stellt seit rund 20 Jahren HSI-Systeme
für industrielle Anwendungen her.
Nun haben die Fachleute auch eine UV-
Hyperspektralkamera entwickelt, genannt
Blueeye, die zunächst vor allem für
die Forschung interessant sein dürfte.
Anders als Spektrometer, die bereits
seit etlichen Jahren mit UV-Licht arbeiten,
schauen UV-Hyperspektralkameras nicht
nur auf einen Punkt in der Probe, sondern
betrachten eine Fläche. „Bei Proben, die
nicht homogen sind, löst ein solches HSI-
System bestehende Schwierigkeiten, weil
nicht länger Punkt für Punkt untersucht
werden muss“, beschreibt Grass. Zudem
Kameras für UVA- und UVBsowie
Teile des UVC-Bereichs
Einige Hyperspektralkameras arbeiten
zwar bereits seit Längerem im UV-Bereich,
verwenden aber hauptsächlich den
sichtbaren Wellenlängenbereich von etwa
400 bis 800 nm und decken zusätzlich nur
noch einen kleinen Teil des UVA-Bereichs
ab. Das Limit liegt meist bei 350 nm.
„Neue UV-Hyperspektralkameras sind
nun in der Lage, den kompletten UVAund
UVB-Bereich abzudecken sowie ein
gutes Stück vom UVC-Bereich – das
Blueeye zum Beispiel den Bereich von 220
bis 380 nm“, erklärt Grass. „Das sind reine
UV-Systeme.“
Für diese komme es zum einen auf den
richtigen Sensor an, der für diese Wellenlängen
sensitiv ist, zum anderen auf die
passenden Linsen und andere optische
Elemente, die diese Wellenlängen überhaupt
durchlassen. „Das Optikdesign
muss insgesamt für diese niedrigen Wellenlängenbereiche
ausgelegt sein, das ist
die Herausforderung bei der Entwicklung“,
so Grass.
Solche UV- Hyperspektralkameras eignen
sich für viele Anwendungsgebiete, allen
voran für Pharma und Forschung. In
der medizinischen und klinischen Forschung
bietet die UV-HSI aufgrund ihrer
Sensitivität und ihrer Fähigkeit, detaillierte
biochemische Informationen zu liefern,
erhebliches Potenzial. Ein Beispiele für
denkbare Anwendungen ist die Opera -
tionsüberwachung. So könnte UV-HSI
36 medizin&technik 06/2025
Chirurgen nach der Biopsie bei der präzisen
Identifizierung von Gewebetypen und
-grenzen unterstützen.
UV-HSI zur Qualitätskontrolle
in der Impfstoffherstellung
In der Arzneimittelentwicklung könnten
molekulare Wechselwirkungen identifiziert
werden, um Arzneimittel-Screening
und -forschung zu optimieren. Im Bereich
der Impfstoffentwicklung und Qualitätskontrolle
bieten sich Möglichkeiten, die
Proteinstrukturen in Impfstoffen zu überwachen.
„Bei der Entwicklung und Herstellung
von Medikamenten und Impfstoffen
kann UV-HSI zum Beispiel für die
Qualitätskontrolle genutzt werden, um zu
prüfen, ob der richtige Wirkstoff in der
richtigen Konzentration vorhanden ist“,
nennt Grass ein Beispiel.
Die UV-Hyperspektralkameras dienen
auch zur Analyse von Proteinen sowie zur
Charakterisierung von Nanopartikeln,
um die Eigenschaften und Funktionalitäten
von Nanomaterialien zu verstehen und
Nanotechnologien weiterzuentwickeln.
„Neben der Forschung sind moderne
UV-Hyperspektralkameras auch für industrielle
Anwendungen interessant“,
weiß Grass. Sie können zum Beispiel für
die Analyse von Lebensmitteln genutzt
werden, um Nährstoffgehalte genau zu
bestimmen. Mit ihnen lassen sich zudem
Textilmaterialien klassifizieren oder Metalloberflächen
analysieren.
Gearbeitet wird derzeit an höheren
Messgeschwindigkeiten, um UV-HSI
künftig zum Beispiel als Echtzeit-Kontrollmedium
direkt am Förderband einzusetzen.
Für die Analyse der erhobenen Daten
wird in Zukunft zudem KI eine immer
stärkere Rolle spielen.
„Die Infos fallen ja nicht aus den Spektren
raus“, formuliert Grass salopp. „Die
Kamera ist das Auge, es braucht eine Software
als Gehirn, um die Daten zu verstehen.“
Je smarter eine solche Software ist,
desto schneller und besser können die
durch die UV-Hyperspektralkamera sichtbar
gemachten Informationen übersetzt
werden. „Diese Übersetzungsarbeit ist
sehr anspruchsvoll, die Software muss
hierfür zunächst trainiert werden“, so
Grass. Genau hier könne KI einen bedeutenden
Beitrag leisten und gängige
Schwierigkeiten lösen.
„Im Moment wird KI im Hyperspektralbereich
noch nicht viel genutzt, aber das
hat großes Potenzial“, betont Grass. ■
Julia Kowal
Fachjournalistin in Dortmund
Weitere Informationen
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06/2025 medizin&technik 37
■ [ TECHNIK ]
MRT trotz Implantat – mit Simulation
vor Hitzeschäden schützen
Simulation vor der Bildgebung | Unter dem Einfluss hochfrequenter Felder wie im
MRT können Verlustleistungen entstehen, die ein Implantat erwärmen. Um eine Untersuchung
zu ermöglichen und das Risiko zu verringern, lassen sich die Verhältnisse
patientenspezifisch simulieren und Gegenmaßnahmen definieren.
Im MRT herrschen komplexe
elektromagnetische
Bedingungen. Wo Risiken
für eine Erwärmung von
Implantaten bestehen,
zeigt eine Simulation –
und ebnet den Weg für
Schutzmaßnahmen
(Bild: Cadfem)
IHR STICHWORT
■
■
■
■
Implantat-Situation im MRT simulieren
Erwärmung vermeiden
Individuelle Empfehlungen
Körpergeometrie, Materialeigenschaften
und Implantatposition berücksichtigen
Magnetresonanztomographie (MRT)
unterstützt die Diagnostik durch
Bilder, die auf der Basis elektromagnetischer
Felder entstehen. Das erlaubt Einblicke
in den menschlichen Körper ohne
einen operativen Eingriff. Die Technologie
kann aber auch negative Effekte haben
und zur Erwärmung von Implantaten
aus Metall führen, bis hin zu inneren Verbrennungen.
Mit Hilfe von Simulation lassen
sich diese Risiken im Vorfeld präzise
kalkulieren. Das ermöglicht es, entsprechende
Gegenmaßnahmen zum Schutz
des Patienten zu ergreifen. So kann MRT
auch in Fällen genutzt werden, bei denen
es bislang wegen der Risiken nicht anwendbar
schien.
Wie sich elektrische Feldstärken und
die so genannte Specific Absorption Rate
(SAR) mithilfe numerischer Modelle berechnen
lassen, zeigt der Simulationsanbieter
Cadfem. Aus den genannten Daten
lässt sich ableiten, wie stark sich ein Implantat
unter den Bedingungen einer
MRT-Untersuchung erwärmen würde
und welche Schutzmaßnahmen nötig
sind, um diesen Effekt zu begrenzen.
Dass etwa durch die hochfrequenten
Felder Verluste im Implantat entstehen,
ist eine Erkenntnis aus der Simulation.
Diese örtlich verteilte Verlustleistung
mündet in eine Erwärmung der betroffenen
Körperregionen. Auf dieser Basis können
Fachleute eine Anordnung finden, in
welcher das gleiche Implantat im identischen
Körper bei gleicher Anregung weni-
ger Verlustleistung aufnimmt und somit
weniger Erwärmung entsteht.
Erwärmung des Implantats
ohne Bild-Verluste reduzieren
Das Ziel der Simulation ist, das elektromagnetische
Feld mit vertretbarem Aufwand
am Implantat vorbeizuführen, ohne
dass die Bild-Darstellung verfälscht wird.
So konnte in der Simulation ein halbschaliger
Schild um die Hüfte eines fiktiven
Patienten gelegt werden, was die Verlustleistung
im Implantat um knapp 6 % senkte.
Dabei wurden die jeweilige Körpergeometrie,
Materialeigenschaften und die genaue
Position eines Implantats berücksichtigt.
Ein elektromagnetisches Schild-
Element, das sich außerhalb des Körpers,
aber in Implantat-Nähe befindet, könnte
das Feld gezielt verzerren.
Die Simulation bestätigte den Ansatz
mit der halbschaligen Schild-Lösung und
zeigte zwar eine Zunahme der Gesamt -
verluste. Die relevanten Verluste im Im-
38 medizin&technik 06/2025
plantat aber verringerten sich – was also
zu einer weniger starken Erwärmung beiträgt.
Dabei erlaube es die Simulation, auf
reale Begebenheiten eines individuellen
Körpers einzugehen. Da menschliche Körper
selten einfache Quader- oder Zylinderformen
aufweisen, entstehen im MRT
komplexe elektromagnetische Bedingungen,
und die Feldphänomene am Übergang
zwischen Luft und Mensch lassen
sich nicht analytisch beschreiben.
Numerische Simulationsmodelle, basierend
auf Körpergeometrie und Materialdaten,
erlaubten dagegen eine präzise
Analyse. Dadurch sei eine MRT-Untersuchung
bei Patienten mit einem Implantat
nicht per se ungefährlich, aber durch die
Simulationstechnologie ließen sich Ideen
entwickeln, wie man in dem Bereich weiter
forschen kann.
Der Grundgedanke feldverzerrender
oder -konzentrierender Zusatzbauteile
lässt sich grundsätzlich auf viele weitere
Anwendungen übertragen. Dazu gehören
zum Beispiel das Abschirmen von Elektronik
oder das Reduzieren magnetischer
Streufelder. Dabei zeigte die simulative
Vorauslegung ihre Stärken durch das
schnelle Realisieren möglicher Szenarien,
ohne aufwendige Versuchsreihen durchlaufen
zu müssen. Das spart Geld und
Zeit. Der Vorteil für das Gesundheitswesen:
So wäre früher eine diagnostische
Bildgebung möglich – für alle Patienten,
die solch eine Untersuchung dringend benötigen,
aber wegen der Umstände dafür
nicht infrage kämen, wäre das ein erfreulicher
Effekt.
■
Dr. Jörg Neumeyer
Cadfem, Hannover
Über Cadfem
Cadfem ist ein Anbieter von Simulationstechnologie und
Digital Engineering. Das Unternehmen wurde 1985 in
Deutschland gegründet, beschäftigt heute 600 Mitarbeiter
an weltweit 35 Standorten. Cadfem setzt auf die Techno -
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Beratung, Simulations-Berechnungen, Automatisierungen
und IT-Lösungen an, bis hin zum Einsatz von Künstlicher
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PROJEKTSTART MIT WEITBLICK:
WIE MÖLLER MEDICAL DIE
KANÜLENFERTIGUNG NEU DEFINIERT
In einer hellen Produktionshalle in Fulda läuft seit Juni 2025 etwas, das man in dieser Form
noch nicht gesehen hat: eine Fertigungszelle, die Kanülen vom Rohling bis zur vorgereinigten
Spitze vollautomatisch herstellt. Kein manueller Eingriff, kein Zwischenstopp – ein
durchgehender Prozess, präzise wie ein Uhrwerk
„Wir geben Rohrabschnitte hinein und entnehmen fertige, vorgereinigte
Kanülen – in beeindruckenden Stückzahlen“, sagt
Projektleiter Christian Limpert. Er steht neben der Anlage, die ruhig
arbeitet, fast lautlos. Für ihn ist sie mehr als nur ein technisches
System: Sie zeigt, was möglich wird, wenn Ingenieurskunst,
Mut und Ausdauer zusammenkommen.
Von der Idee zur Serie
Die Anlage, entwickelt von einem europäischen Sondermaschinenbauer,
ist weltweit die erste ihrer Art. Nach intensiver Erprobung
ging sie im Juni 2025 in den Serienbetrieb – mit einer Jahreskapazität
von bis zu 20 Millionen Kanülen.
„Mit dieser Fertigungszelle demonstrieren wir erneut unsere
Innovationskraft und technische Kompetenz. Wir sind bereit für
Millionen“, sagt Geschäftsführer Marc Stuwe.
Fortschritt mit Verantwortung
Automatisierung, so Stuwe, bedeute bei MÖLLER Medical nicht,
Menschen zu ersetzen. Im Gegenteil: „Mit der neuen Anlage begegnen
wir dem Fachkräftemangel aktiv. Wir schaffen moderne
Arbeitsplätze und sichern unsere Position als attraktiver Arbeitgeber
in der Region.“
Was als technische Idee begann, wurde zu einem Beispiel für
vorausschauende Projektplanung im Mittelstand. Die neue Fer-
Der 5-Achs Industrieroboter der Anlage transportiert die Kanülen von einem Bearbeitungsschritt zum anderen.
Bild: MÖLLER Medical
40 medizin&technik 06/2025
tigungszelle steht für den Anspruch, Innovation und Verantwortung
zu verbinden – und das mit einer Konsequenz, die man in
dieser Tiefe selten findet.
Das Projektteam bei MÖLLER Medical hat die Entwicklung
eng begleitet. Jede Entscheidung – von der Prozesssteuerung bis
zur Materialhandhabung – wurde mit Blick auf Qualität, Effizienz
und Zukunftssicherheit getroffen. „Wir wollten eine Lösung,
die nicht nur heute funktioniert, sondern auch morgen
noch führend ist“, sagt Limpert.
Automatisierung, die Maßstäbe setzt
Die Fertigungszelle vereint mehrere Bearbeitungsschritte in einem
geschlossenen System. Vom Rohmaterial bis zur vorgereinigten
Kanüle läuft alles automatisiert ab – in einer einzigen
Aufspannung, ohne manuelle Eingriffe. Ein zentraler Roboter
greift das Werkstück, reicht es weiter, positioniert es präzise für
den nächsten Schritt. So entsteht ein kontinuierlicher, stabiler
Prozess, der Ausfälle praktisch ausschließt.
Zunächst werden die Rohlinge automatisch vereinzelt und
eingespeist. Anschließend folgt das präzise Schleifen der Kanülenspitze.
Ob Standard-, Back- oder V-Bevels oder Trokarschliffe –
jede Geometrie lässt sich mit gleichbleibender Qualität herstellen.
Servogesteuerte Schleifachsen und moderne Spanntechnik
sichern dabei höchste Reproduzierbarkeit. Die Kanülen werden
in einer einzigen Spannvorgang bearbeitet – ein entscheidender
Faktor für die Prozesssicherheit und die Maßhaltigkeit jeder einzelnen
Spitze.
Präzision bis ins Detail
Nach dem Schleifen wird der hintere Schliffbereich gezielt mit
Glasperlen gestrahlt – der sogenannte Anticoring-Prozess. Er
sorgt dafür, dass die Kanüle beim Gebrauch kein Gewebe oder
Gummiteile „herausstanzt“. Direkt im Anschluss folgt das elektrochemische
Polieren, das die Oberfläche glättet und die Schärfe
optimiert.
Zum Schluss wird die Vorreinigung durchgeführt. Danach legt
die Anlage die fertigen Kanülen automatisch in Magazine ab. Diese
sind bereit für die Endreinigung, Sterilisation oder Montage.
Die Fertigungszelle ist auf Durchmesser zwischen 0,3 und 4,0
Millimetern sowie Längen von 16 bis 90 Millimetern ausgelegt.
Auch andere Werkstücke lassen sich in diesem Bereich bearbeiten.
Zusätzliche Schritte – etwa Lasern oder Biegen – können bei
Bedarf integriert werden.
Modular gedacht, zukunftssicher gebaut
Was diese Anlage besonders macht, ist ihr modulares Konzept.
Jedes Prozessmodul kann erweitert, ergänzt oder angepasst
werden. Damit bleibt das System offen für neue Anforderungen
– ein entscheidender Vorteil in einer Branche, die sich ständig
weiterentwickelt.
Auf konventionelle Hilfsmittel wie Klebeband zur Fixierung
verzichtet MÖLLER bewusst. Stattdessen sorgen moderne
Spanntechnik und durchdachte Automation für Prozessstabilität
und gleichbleibend hohe Qualität. „Wir haben hier etwas geschaffen,
das wächst – mit unseren Anforderungen und mit denen
unserer Kunden“, sagt Limpert.
Die Fertigungszelle vereint mehrere Bearbeitungsschritte in einem
geschlossenen System.
seine Rolle als innovativer und verlässlicher Partner der internationalen
Medizintechnik. Das Unternehmen aus Fulda blickt auf
mehr als 75 Jahre Erfahrung in der Entwicklung und Fertigung
medizinischer Komponenten und Systeme zurück – und hat sich
als OEM-Spezialist weltweit einen Namen gemacht.
Zum Portfolio gehören neben Kanülen auch fluidische Systeme
für die Tumorbehandlung mittels Thermoablation, Komponenten
für Dialyse- und Infusionstechnik, chirurgische Instrumente
sowie diagnostische Baugruppen für Labor- und Blutanalysesysteme.
In der Biotechnologie liefert MÖLLER modulare Lösungen,
die kundenspezifisch angepasst und in Serie produziert
werden.
Ein Schwerpunkt liegt auf patientenschonenden Anwendungen
– etwa in der Neurochirurgie, Gefäßchirurgie, Biopsie oder
ästhetischen Chirurgie. MÖLLER Medical begleitet seine Kunden
von der Produktentwicklung über Prototypen bis zur Serie. Hohe
Fertigungstiefe, zertifizierte Qualität und modernste Anlagen sichern
dabei konstante Präzision.
Rund 400 Mitarbeitende sind heute bei MÖLLER Medical beschäftigt.
Das Unternehmen ist in über 100 Ländern aktiv. Mit
der neuen Kanülenfertigungszelle stärkt es nicht nur seine Produktionskapazitäten,
sondern auch seine Position als Technologiepartner
für die nächste Generation medizintechnischer Produkte
– zuverlässig, effizient und immer einen Schritt voraus. ■
MÖLLER Medical GmbH
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36043 Fulda
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Bild: MÖLLER Medical
Partner der internationalen Medizintechnik
Mit der neuen Fertigungszelle unterstreicht MÖLLER Medical
06/2025 medizin&technik 41
■ [ TECHNIK ]
Kontrollierte Medikamenten-Injektion
direkt am Körper
Tragbare Injektionssysteme | Sie sind diskret, kompakt und bieten Anwendern viele
Vorteile: On-Body-Delivery-Systems (OBDS). Doch was macht sie so besonders, dass
sie als Zukunft der Injektionstechnologie im Bereich Pharma und Medizin gelten? Und
wie werden die auf der Haut tragbaren Systeme geprüft?
Die Medizin wird tragbar. Während
früher der Gang zur Klinik für viele
Patientinnen und Patienten mit chronischen
Erkrankungen zur Routine gehörte,
ermöglichen moderne On-Body-Delivery-
Systems (OBDS) heute eine selbstbestimmte,
schmerzarme und diskrete Medikamentengabe.
Und zwar direkt am
Körper. Die tragbaren Injektionssysteme
werden auf der Haut befestigt und verabreichen
über einen längeren Zeitraum
hinweg Medikamente – kontrolliert, präzise
und nahezu unbemerkt. Besonders
bei hochviskosen Biologika, die sich mit
klassischen Autoinjektoren nur schwer
verabreichen lassen, bieten OBDS eine
echte Alternative. Denn Biologika – meist
Proteine – müssen injiziert werden, da sie
im Magen-Darm-Trakt abgebaut würden.
Die Behandlung mit OBDS kann allein
zu Hause erfolgen. Das reduziert Klinikaufenthalte.
Mit digitalen Hilfen wie Apps
lässt sich die Behandlung zudem gut überwachen.
„OBDS ermöglichen eine neue
Form der Patientenautonomie“, erklärt
Peter Schmidt, Produktmanager Medizintechnik-
& Pharmaindustrie, beim Prüfmaschinenhersteller
Zwick Roell.
Der Markt für OBDS wächst rasant. Immer
mehr Unternehmen investieren in die
Entwicklung neuer Gerätegenerationen,
die nicht nur funktional, sondern auch benutzerfreundlich
und ästhetisch ansprechend
sind. Die Vielfalt an Modellen – sie
IHR STICHWORT
■
■
■
■
■
Tragbare Injektionssysteme
Medikamentenabgabe am Körper
Prüfung von OBDS
Regulatorische Anforderungen
Digitalisierung Medizintechnik
reicht von Einweg- bis hin zu Mehrweggeräten
sowie unterschiedlichen Medikamentenreservoirs
und Antriebstechnologien
– stellt Entwickler und Prüftechniker
vor neue Herausforderungen. Dabei ist
ein zentrales Thema die Zuverlässigkeit
der Medikamentenabgabe.
Prüfkompetenz für die nächste
Injektionstechnik-Generation
Gerade bei hochviskosen Substanzen ist
es entscheidend, dass das gesamte Volumen
korrekt injiziert wird. Und zwar
selbst der letzte Tropfen. Gleichzeitig
müssen die Geräte unter realitätsnahen
Bedingungen geprüft werden, etwa bei
Körpertemperatur. Ein weiterer Punkt:
Bei Krebstherapien kommen so genannte
Zytostatika zum Einsatz, die jedoch gesundheitsgefährdend
sind, wenn sie eingeatmet
werden. Bei der Zwick Roell
GmbH & Co. KG sind deshalb bereits Vorrichtungen
zur Luftabsaugung installiert.
(Bild: Zwick Roell)
Die Prüfung von
OBDS umfasst
Funktionen für
verschiedene Prüfschritte.
So werden
beispielsweise im
Peel-Test die Abziehkräfte
für die
Folie ermittelt
Als einer der führenden Anbieter im
Bereich Prüftechnologie hat das Ulmer
Unternehmen gemeinsam mit einem
namhaften Hersteller von Injektionssystemen
ein innovatives Prüfsystem für OBDS
entwickelt. Dieses System ermöglicht es,
alle relevanten Prüfungen in einem einzigen
Durchlauf durchzuführen – und zwar
effizient, modular und anpassbar an unterschiedliche
Injektortypen. Ein besonderes
Highlight: Die Möglichkeit, mehrere
Prüfaufgaben – etwa das Abziehen der
Klebefolie und die Injektionsprüfung – in
einer Maschine zu kombinieren. Das spart
Zeit, Ressourcen und erhöht die Validität
der Prüfungen. Schmidt: „Unsere Prüfsysteme
sind so konzipiert, dass sie sich flexibel
an neue Anforderungen anpassen lassen.
Das ist entscheidend, denn die Vielfalt
an OBDS-Modellen wächst stetig.“
Zwick Roell begleitet seine Kunden
entlang des gesamten Projekts von der
ersten Anforderung über die Spezifika -
42 medizin&technik 06/2025
OBDS – mehr als nur ein Trend
On-Body-Delivery-Systems (OBDS) stehen
exemplarisch für den Wandel in der
Medizintechnik: weg von zentralisierten,
klinikbasierten Therapien – hin zu patientenzentrierten,
digitalen und flexiblen
Lösungen. Sie verbessern nicht nur
die Lebensqualität der Patientinnen und
Patienten, sondern auch die Effizienz im
Gesundheitssystem. Die Integration
smarter Wearables in die Medikamentenverabreichung
eröffnet neue Wege
für eine patientenzentrierte Versorgung.
Die Kombination aus digitaler Überwachung,
automatisierter Dosierung und
KI-gestützter Analyse verspricht nicht
nur eine höhere Therapietreue, sondern
auch eine effizientere Nutzung medizinischer
Ressourcen. Mit innovativen Prüfsystemen,
normgerechter Umsetzung
und umfassender Projektbegleitung leistet
Zwick Roell einen Beitrag zur Qualitätsverbesserung
und Sicherheit dieser
neuen Technologie – und damit zur Zukunft
der Medikamentengabe.
LEADING THE EMBEDDED FUTURE
(Bild: Zwick Roell)
Peter Schmidt, Produktmanager für Medical
& Pharma bei Zwick Roell: „OBDS geben
den Menschen ihre Freiheit zurück – und
das bei gleichbleibend hoher Therapiesicherheit.“
tion (URS) bis zur finalen Qualifizierung.
Mit standardisierten Checklisten, URS-
Templates für alle gängigen Injektionssysteme,
einem standardisierten Prozess und
einem erfahrenen Projektteam wird sichergestellt,
dass kein Detail mehr übersehen
wird. Die unternehmenseigene
Qualifizierungsabteilung bietet sowohl
standardisierte als auch kundenspezifische
Lösungen – inklusive Durchführung
von Messsystemanalysen (MSA) vor Ort.
Ergänzt wird das Angebot durch die Prüfsoftware
Testxpert III mit integrierter Benutzerverwaltung.
Eine lückenlose Nachvollziehbarkeit
und Fälschungssicherheit
gemäß FDA 21 CFR Part 11 wird optional
durch ein integriertes Softwaremodul ermöglicht.
„Die Integrität der Daten ist für
uns nicht verhandelbar“, betont Produktmanager
Schmidt. „Nur so können wir die
Sicherheit der Ergebnisse, ihre Nachvollziehbarkeit
und Manipulationssicherheit
gewährleisten.“
Digitale Vernetzung ist die
Zukunft der tragbaren Systeme
Die Zukunft der OBDS liegt nicht nur in
der Mechanik, sondern auch in der digitalen
Vernetzung, der Vielseitigkeit sowie
im Patientenkomfort. Immer mehr Systeme
sind mit Sensoren ausgestattet, die
den Injektionsverlauf dokumentieren, mit
Apps kommunizieren oder Echtzeitdaten
an medizinisches Fachpersonal übermitteln.
Diese Entwicklung eröffnet neue
Möglichkeiten für personalisierte Therapien
und eine engmaschige Überwachung
– insbesondere bei Krebs und chronischen
Erkrankungen. Zwick Roell trägt dieser
Entwicklung Rechnung, indem auch Konnektivitäts-
und Datenmanagementlösungen
zur Verfügung gestellt werden. So lassen
sich nicht nur mechanische, sondern
auch funktionale und softwarebasierte
Aspekte zuverlässig prüfen.
Der Blick in die Zukunft zeigt: Neue
Materialien, miniaturisierte Elektronik
und KI-gestützte Auswertungssysteme eröffnen
On-Body-Delivery-Systems völlig
neue Möglichkeiten. Denkbar sind etwa
Systeme, die den optimalen Injektionszeitpunkt
automatisch erkennen oder die
Medikamentengabe an individuelle Vitalparameter
anpassen. „Wir stehen erst am
Anfang einer Entwicklung, die das Gesundheitswesen
nachhaltig verändern
wird“, so Schmidt.
■
Daniel Glanz
Zwick Roell, Ulm
www.zwickroell.com
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standardisiert
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Lösungen für elektro-medizinische
Geräte und Systeme – individuell
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06/2025 medizin&technik
medical-technology
43
■ [ TECHNIK ]
Wie sich mehr Bauteile in Leiterplatten
und Module einbetten lassen
Elektronikminiaturisierung | Wo medizinische Geräte kleiner, leichter und unauffälliger
werden, zugleich aber immer mehr Funktionen bieten sollen, stoßen klassische
Leiterplattentechnologien an ihre Grenzen. Das Einbetten von Bauteilen in Leiterplatten
und Module eröffnet hierfür aber neue Möglichkeiten.
IHR STICHWORT
■
■
■
■
In diesen Demonstrator einer Leiterplatte sind Testchips eingebettet, um die Embedded-Die-Technologie
zu erproben und zu verifizieren. Die Kantenlänge des Demonstrators
sind 5,725 mm. Bei den Embedded Dies ist die Kantenlänge 3,1 mm
Elektronik für Medizinprodukte
Einbetten von bare dies in
Leiterplatten und Module
Neue skalierbare Technologie
Kompakte Geräte mit mehr Funktionen
(Bild: Cicor)
Elektronikproduzenten sollen immer
mehr Funktionalität in Medizingeräten
ermöglichen, ohne dass die Baugröße
zunimmt. Wären die Geräte noch kleiner,
wären sie bei Anwendern sogar noch beliebter.
Für Hörgeräte etwa gilt: je kleiner
und leistungsfähiger, desto besser. Auch
bei Implantaten wie Herzschrittmachern
macht eine Miniaturisierung die erforderlichen
Eingriffe weniger invasiv.
Um die Signal- und Packungsdichte
elektronischer Systeme weiter zu erhöhen,
reichen konventionelle Leiterplattentechnologien
aber oft nicht mehr aus.
Das Einbetten von Bauteilen in Leiterplatten
oder Packages ist eine Alternative.
Dafür sind seit Jahren zwei Strategien
in vielen Varianten im Einsatz:
• das Einbetten passiver und
• das Einbetten aktiver Komponenten.
Für das Miniaturisieren medizintechnischer
Baugruppen sind viele der Verfahren
jedoch nur eingeschränkt geeignet, da
sie mit technischen Limitationen verbunden
sind.
Um das zu überwinden, hat Cicor ein
Verfahren entwickelt, das passive Bauteile
ebenso wie aktive Komponenten – insbesondere
die ungehausten Halbleiterchips,
auch bare dies genannt – in Leiterplatten
und Module einbettet. Diese Halbleiterchips
werden direkt in das Substrat eingebracht
und im Inneren kontaktiert. Das
spart Platz, reduziert die Bauhöhe und
verbessert die elektrischen Eigenschaften
der Baugruppe. Um dies zu erreichen, hat
die Cicor-Gruppe bestehende Prozesse in
einer neuen Abfolge kombiniert.
Bei der Entwicklung der neuen Einbettungstechnologie
ging es vor allem darum,
sehr zuverlässige Produkte zu erhalten,
den Fertigungsprozess reproduzierbar
zu gestalten und die Bauteile möglichst
spät in die Prozesskette einzubringen.
Letzteres soll das Risiko von Bauteilverlusten
reduzieren. Darüber hinaus sollte
die Technologie sowohl für moderate
Volumen nutzbar sein als auch eine Skalierung
bis zur Hochvolumenfertigung ermöglichen.
Leiterplatten und Module mit
mehr als zwölf Lagen herstellen
Der Ansatz baut auf vorhandener Infrastruktur
und Kompetenzen in der Cicor-
Gruppe auf. Im Zentrum stehen dabei die
Teams von Cicors High-End-Leiterplattenherstellung.
Experten aus der Mikroelektronik-Bestückung,
die für die hochpräzise
Positionierung der Bauteile in den Leiterplatten
verantwortlich sind, haben die
Teams unterstützt.
Das Ergebnis ist eine Technologie, mit
der sich Leiterplatten und Module mit
mehr als zwölf Lagen und eingebetteten
bare dies von weniger als 50 µm Dicke
herstellen lassen. Trotz der geringen Bauhöhe
sind hohe Anschlusszahlen auf sehr
kleinen Chipflächen möglich. Rechnet
man hinzu, dass Cicor Strukturgrößen
unter 50 µm herstellen kann, bietet das
insgesamt ein höheres Maß an Miniaturisierung,
als es mit konventionellen Technologien
möglich wäre.
So lassen sich komplexe elektronische
Baugruppen sehr kompakt ausführen, ohne
Abstriche bei Leistungsfähigkeit oder
Zuverlässigkeit zu machen. Das Einbetten
verbessert zudem Signalqualität und ther-
44 medizin&technik 06/2025
misches Verhalten. Das trägt unmittelbar
zur Funktionssicherheit von Geräten bei.
Darüber hinaus lässt sich durch das
Einbetten das thermische Management
verbessern. Der Energieverbrauch sinkt.
Auch sind die Bauteile vor Umwelteinflüssen
– wie Schweiß und anderen Körperflüssigkeiten
– geschützt. Gerade in Medizinprodukten,
die in Körpernähe oder sogar
im Körper eingesetzt werden, ist dies
entscheidend.
Neue Embedding-Technologie
ist für Hörgeräte interessant
Ein wichtiges Einsatzfeld für die neue Embedding-Technologie
sind Hörgeräte. Diese
sollen künftig nicht nur akustische
Signale verstärken, sondern auch als Gesundheitsmonitore
dienen. Anwender
dieser Geräte sind bei der Erstnutzung
durchschnittlich älter als 60 Jahre und leiden
oft an weiteren altersbedingten Gesundheitseinschränkungen.
Es liegt daher
nahe, Hörgeräte auch zum Überwachen
von Vitalparametern wie Herzfrequenz,
Körpertemperatur, Blutdruck oder sogar
Blutzuckerspiegel zu nutzen.
Erste Modelle erkennen bereits Stürze
und können im Notfall automatisch einen
Alarm auslösen. Auch Funktionen wie
drahtloses Streaming gewinnen an Bedeutung.
All dies erfordert zusätzliche
Bauteile – wobei die Geräte nicht größer
werden sollen.
Ein weiteres Anwendungsbeispiel sind
Endoskope. Leiterplatten mit eingebetteten
Bauteilen direkt in der Spitze des Endoskops
können Signale vor Ort verarbeitet
und digitalisieren. Im Vergleich zu einer
Signalaufbereitung im Handteil der
Sonde reduziert sich damit die Zahl der
Leitungen zwischen Endoskopkopf und
Handstück – und damit auch der Durchmesser
des Versorgungsschlauchs. Bei minimal-invasiven
Eingriffen sinkt damit die
Belastung für den Patienten.
Mit der von Cicor entwickelten Embedding-Technologie
lassen sich nun mehr
Funktionen auf engstem Raum realisieren.
Entsprechende Leiterplatten mit
mehr als zwölf Lagen und eingebetteten
Bauteilen werden damit möglich. Da diese
Technologie nicht nur für Kleinserien
geeignet ist, sondern sich auch auf mittlere
und große Stückzahlen hochskalieren
lässt, steht damit ein zukunftssicherer Ansatz
für Medizingeräte zur Verfügung. ■
Karl-Heinz Fritz, Dr. Dimitri Kokkinis
Cicor, Bronschhofen/Schweiz
Auf der Messe Compamed:
Halle 8a, Stand F34
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Cicor entwickelt und fertigt weltweit
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06/2025 medizin&technik 45
■ [ TECHNIK ]
Kraft, Druck und Drehmoment
präzise messen in der Medizintechnik
Sensorik | Drei Beispiele aus der Fertigung von Medizinprodukten und ihrer Anwendung
zeigen, wie passende Sensoren und ihre Peripherie Daten übertragen und auswerten. So
lassen sich Qualitätsanforderungen erfüllen und etwa im Dentalbereich Implantate sicher
in den Knochen einsetzen.
Um Hilfsmittel oder chirurgische Eingriffe
individuell anzupassen sowie
für Diagnostik und Laborautomation sind
präzsie Messdaten wichtig. Moderne Sensortechnik
trägt dazu bei, medizinische
Anwendungen sicher und effizient zu gestalten.
Drei Anwendungsbeispiele zeigen,
wie es präzise Sensortechnik zusammen
mit Auswertesystemen und Schnittstellen
schafft, Daten für die Medizin
schnell und sicher zu übertragen.
Bei der End-of-Line-Prüfung von Stahleinstechnadeln
wird zum Beispiel geprüft,
wie leichtgängig diese sich in einen
flexiblen Kanülen-Katheter bewegen. Dazu
ist es erforderlich, die Reibkraft zu
messen. Dafür eignet sich ein System zur
Einpress- und Fügeüberwachung vom Typ
Digiforce 9307, das die Burster Präzi -
sionstechnik GmbH & Co KG aus Gernsbach
anbietet. Es überwacht gleichzeitig
die Kraft-/Weg-Verläufe von zwei Prüflingen
und wertet diese aus. Ein Greifer setzt
dazu an beiden Kanülen an und führt eine
gleichförmige Vor-Rückbewegung durch.
Die geringen Reibkräfte von weniger als
Weitere Informationen
Die Burster Präzisionsmesstechnik
GmbH & Co KG aus Gernsbach stellt
messtechnische Einzelkomponenten
oder Systemlösungen her. Das
Portfolio umfasst Mess- und Prüfgeräte
sowie Standardsensoren für
mechanische und elektrische Messgrößen,
wie Kraft-, Druck-, Drehmoment-
und Wegsensoren und mehr.
Auch individuelle OEM-Lösungen
sind möglich, etwa für Zukunftsmärkte
wie Medizintechnik, Biotechnologie
und E-Mobilität.
www.burster.de
1 N werden über sensible Biegebalken-
Kraftsensoren der Burster-Serie 8510 erfasst.
So lassen sich sehr hohe Qualitätsanforderungen
in der Fertigung erfüllen.
Dental-Implantate:
Drehmoment überwachen
Eine sehr körpernahe Anwendung ist die
Messung des Drehmomentes beim Einschrauben
von Zahnimplantaten aus Titan.
Diese verschraubt der Zahnarzt mit
den Kronen. Dabei muss das Drehmoment
für einen festen Sitz überwacht werden.
Übliche Werte liegen hier zwischen 15
und 50 Ncm bei einer Drehzahl zwischen
1500 und 2500 min -1 .
Doch bei bidirektionalen Drehmomentmessungen
sind nicht nur Dynamik
und Empfindlichkeit gefragt. Es kommt
auch auf hohe Reproduzierbarkeit, Drehzahlunempfindlichkeit
und mechanische
Stabilität an. Sehr kleine Drehmomente
lassen sich auch nur mit einer reibungs -
armen Sensorlagerung messen. Ein Drehmomentsensor
für solche Aufgaben ist der
Sensor vom Typ 8661. Dessen Mess -
Der Miniatur-Biegebalken-
Zug-Druckkraftsensor 8510
eignet sich für eine serienbegleitende
100-%-Prüfung
zum Beispiel von Stahleinstechnadeln
bereich reicht von 0,02 Nm bis 1000 Nm,
bei einer Linearitätsabweichung ab
≤ ±0,05 % vom Endwert.
Das dritte Beispiel ist die Kombination
eines Druck-Sensors mit einem Goldmann-Dreispiegelglas.
Daraus entsteht
ein „Kontaktglas-Dynamometer“ für medizinische
Untersuchungen am Auge.
Über das Kontaktglas wird eine winzige
Kraft im mNm-Bereich eingeleitet und der
Augeninnendruck erhöht. Der Druck löst
Gefäßpulsationen im Auge aus, die Rückschlüsse
auf systemischen Blutdruck, Orbitalgewebsdruck
und den Hirndruck zulassen.
Hier war ein Sensor mit sehr flacher
Bauform gefragt, der kleine Kräfte
bei geringer Temperaturdrift erfasst. Erreicht
wurde das durch eine entkoppelte
Konstruktion des Sensorkörpers und einen
Überlastschutz.
■
Andreas Zeiff
Fachjournalist in Stutensee
(Bild: Burster)
46 medizin&technik 06/2025
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DER ERSTE NITRIL-EINMALHAND-
SCHUH MADE IN GERMANY
Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie verwundbar globale Lieferketten sind – vor allem bei
medizinischem Schutzmaterial. Mit PENTAGUARD produziert BISON Polymers erstmals
Nitril-Einmalhandschuhe in Deutschland und schafft so ein Modell für mehr Versorgungssicherheit,
Nachhaltigkeit und Verantwortung im Gesundheitswesen.
PENTAGUARD steht für einen neuen Standard im medizinischen
Handschutz: Made in Germany – für mehr Sicherheit und Vertrauen.
Lehren aus der Krise
Als in der Pandemie medizinische Verbrauchsgüter knapp wurden,
stand das Gesundheitssystem vor einer Belastungsprobe.
Lieferketten brachen zusammen, Transportwege verlängerten
sich, zentrale Produkte wie Einmalhandschuhe wurden zur Mangelware.
Diese Erfahrungen wirken bis heute nach und zeigen,
dass Versorgungssicherheit nicht selbstverständlich ist.
Viele Einrichtungen ziehen daraus Konsequenzen: Sie suchen
Wege, Qualität und Verfügbarkeit langfristig zu sichern. Die Lösung
kommt aus Siegen. BISON hat dort die erste und einzige
Produktion für Nitril-Einmalhandschuhe in Deutschland aufgebaut
und die Produktlinie PENTAGUARD entwickelt.
Lokale Produktion als Antwort auf globale
Abhängigkeiten
Ziel ist ein System, das unabhängig von außereuropäischen Lieferstrukturen
funktioniert. Die Produktion in Deutschland und
der Aufbau europäischer Lieferketten reduzieren Risiken und
schaffen Planbarkeit – nicht nur in Krisenzeiten.
Die PENTAGUARD Untersuchungs- und Schutzhandschuhe erfüllen
höchste Qualitätsstandards: latex- und puderfrei, reißfest,
komfortabel und vielseitig einsetzbar. Entscheidend ist nicht nur
das Produkt, sondern die Idee dahinter – Produktion dort, wo der
Bedarf entsteht.
Nachhaltigkeit ist für BISON kein Zusatz, sondern Kern der Unternehmensstrategie.
Sie beginnt bei der Materialauswahl, setzt
sich über energieeffiziente Prozesse fort und reicht bis zur Verpackung.
Die Fertigung in Deutschland ermöglicht kurze Wege und volle
Transparenz über alle Schritte. So werden Emissionen und Transportaufwand
reduziert und faire Arbeitsbedingungen gesichert.
Bild: BISON Polymers GmbH
Nachhaltigkeit bedeutet mehr als Umweltschutz – sie schafft
ein System, das ökologisch tragfähig, sozial verantwortlich und
wirtschaftlich stabil ist.
Technologische Effizienz als Schlüssel
Auch technologisch setzt BISON Maßstäbe: Die eigene Anlagentechnik
wurde speziell für hohe Energieeffizienz und geringen
Ressourcenverbrauch entwickelt. Modernste Sensorik und ein
hoher Automatisierungsgrad minimieren Ausschuss und optimieren
den Energieeinsatz.
Diese Verbindung aus Technologie, Präzision und Verantwortung
zeigt, dass Nachhaltigkeit nicht nur eine Haltung ist, sondern
auch Ergebnis konsequenter Ingenieurskunst – ein Bereich, in
dem BISON überzeugt.
Europäische Resilienz als Zukunftsmodell
Globale Krisen – ob Energieknappheit, geopolitische Spannungen
oder Lieferausfälle in Asien – verdeutlichen, wie sensibel internationale
Abhängigkeiten sind. Der Aufbau einer inländischen Produktion
ist daher weniger Reaktion auf die Vergangenheit als Investition
in die Zukunftsfähigkeit des Gesundheitswesens.
BISON versteht diesen Schritt als Beitrag zu einer europäischen
Resilienzstrategie: Ressourcen sichern, Transportwege verkürzen,
Verantwortung übernehmen – nicht gegen den globalen
Markt, sondern als Ergänzung, um widerstandsfähiger zu werden.
PENTAGUARD live auf der MEDICA 2025
Auf der MEDICA 2025 in Düsseldorf präsentiert BISON in Halle 5,
Stand L19 den ersten Nitril-Einmalhandschuh „Made in Germany“.
Vereinbaren Sie jetzt einen Termin und erleben Sie
PENTAGUARD live vor Ort.
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BISON Polymers GmbH
Breite Straße 17
57076 Siegen
Tel.: +49 271 235308–22
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06/2025 medizin&technik 47
■ [ TECHNIK ]
3D-DRUCK-POTENZIAL VON LMM
FÜR MEDIZINPRODUKTE NUTZEN
Miniaturisierte Metallteile | Winzige, komplexe und filigrane Metall-Bauteile für
Medizinprodukte fertigt Metshape aus Pforzheim mit dem Lithographie-basierten
additiven Verfahren LMM. Es eignet sich für die Serienfertigung innovativer Teile auch
in großen Stückzahlen. Doch laut Geschäftsführer Dr. Lucas Vogel ist das Interesse aus
dem Ausland deutlich größer als bei deutschen Herstellern.
Dr. Lucas Vogel ist
Geschäftsführer
beim LMM-Spezialisten
Met shape in
Pforzheim
(Bild: Metshape)
R a -Wert-Bereich von zwei bis drei Mikrometern
liegen. Mit Nacharbeit sind
Werte unter einem Mikrometer erreichbar.
Wir können in kurzer Zeit viele Iterationsschritte
im Design durchlaufen,
ohne zum Beispiel ein Werkzeug zu
brauchen, wie es beim Metal Injection
Moulding der Fall wäre. Und wir können
mittels LMM sowohl individualisierte
Einzelteile herstellen als auch
skalieren und geometrisch komplexe
Bauteile in Millionenstückzahlen produzieren.
Das tun wir aktuell für ein
großes, international aktives Medizintechnik-Unternehmen.
Wir entwickeln
ein Bauteil aus Nitinol, das zusammen
mit Kathetern eingesetzt werden soll.
Die Produktion dieses Teils durch LMM
soll zu einer signifikanten Kostenersparnis
führen.
IHR
■
■
■
■
■ Herr Doktor Vogel, wie gut passen Rapid
Prototyping und additive Fertigung
von Metallteilen zur Medizintechnik?
Mit dem heutigen Stand der Technik
gibt es für sehr viele Anwendungen
auch 3D-Druck-Lösungen. Das Proto -
typing ist natürlich deutlich weiter verbreitet.
Aber auch für die Fertigung von
Serienteilen setzen Unternehmen heute
auf additive Verfahren. Beispiele
STICHWORT
Additive Fertigung von Serienteilen
Innovative filigrane Designs für kleine
Bauteile in Medizinprodukten
Edelstähle, Titan Grade 5, Nitinol
Hohe Oberflächengüte
dafür sind die beiden pulverbasierten
Verfahren, genannt Laser Powder Bed
Fu sion und Electron Beam Powder Bed
Fu sion. Damit werden heute künstliche
Hüftpfannen in Serie hergestellt oder
Implantate für die Wirbelsäule. Wir bei
Met shape hingegen haben uns auf miniaturisierte
oder sogar Mikro-Bauteilen
spezialisiert, die wir mit dem Verfahren
des Lithography-based Metal
Manufacturing, kurz LMM, herstellen –
was einige Vorteile hat und für die Medizintechnik
schon im Einsatz ist.
■ Was spricht für das LMM-Verfahren?
Wir können via LMM aus mit Binder
versetztem Metallpulver sehr feine
Strukturen herstellen, etwa mit Wand -
dicken von 100 Mikrometern. Gleichzeitig
erreichen wir ohne Nacharbeit bessere
Oberflächeneigenschaften, die im
■ Wie ist das Interesse an der Serienfertigung
mit LMM im Medtech-Bereich?
Es wächst – aber wir sehen im internationalen
Vergleich Unterschiede. Aus
Deutschland bekommen wir Anfragen.
Derzeit laufen eine knappe Handvoll
hiesiger Projekte, aber mehr als das
Sechsfache gehen wir mit Unternehmen
aus dem Ausland an. Mein Eindruck
ist, dass da das Interesse an wirklich
innovativen Lösungen größer ist
und auch mehr Mut da ist, bisherige
Vorgaben zu hinterfragen. Was natürlich
nicht heißt, aus dem regulatorischen
Rahmen auszubrechen. Aber interessanterweise
zeigt sich immer wieder,
dass manche Vorgaben, die zum
Projektstart aus Sicherheitsgründen als
gegeben gesetzt werden, in Diskussionen
in Frage gestellt werden können
und wir durch gemeinsames Überlegen
zu einer anderen, aber besseren und
48 medizin&technik 06/2025
Steckverbinder
für Ihr System!
wirklich innovativen Lösung kommen.
Und die Vorteile, die das LMM-Verfahren
bietet, sollte man natürlich ausnutzen.
Bei unseren Projekten evaluieren
wir neben der technischen auch die
wirtschaftliche Machbarkeit und Konkurrenzfähigkeit.
■ Was ist Ihrer Einschätzung nach der
Grund für das zurückhaltende Vorgehen?
Mein Eindruck ist, dass manche Unternehmen
in der frühen Phase der Technologieentwicklung
mit dem 3D-Druck
experimentiert und dabei nicht nur gute
Erfahrungen gemacht haben. Dann
verfestigt sich der Eindruck, dass die
additiven Verfahren fürs Prototyping
Serienteile für Katheter
mit LMM fertigen –
in Millionen-Stückzahlen
geeignet sind, aber für die Serie nicht
taugen. Das ist schade. Denn inzwischen
sind die Entwicklungen ja weitergegangen,
und unsere Projekte zeigen,
dass Potenzial für die Serie da ist – sogar
im regulierten Umfeld wie der Medizintechnik.
■ Bei welchen Medizinprodukten kann
LMM in der Fertigung vorteilhaft sein?
Mit Blick auf die aktuellen Projekte aus
der Medtech-Branche reden wir von
komplexen Bauteilen für Katheter, Endoskope
oder andere Instrumente . Dabei
arbeiten wir mit Auftraggebern aus
Europa, USA, Indien, Israel, aber auch
Weitere Informationen
Die Pforzheimer Metshape GmbH
hat sich als Produktionsdienstleister
auf die sinterbasierte additive Serienfertigung
hochpräziser Klein- und
Mikroteile aus Metall spezialisiert.
Beim Lithography-based Metal
Manufacturing (LMM) werden
Grünteile hergestellt und über eine
Wärmebehandlung entbindert und
gesintert. Das ist für Projekte interessant,
bei denen Präzision und
sehr hohe Oberflächenqualität im
Vordergrund stehen.
www.metshape.com
aus Deutschland zusammen. Und es
gibt ein öffentlich gefördertes Projekt
mit einem Partner aus den Niederlanden,
in dem ein ganz neuartiges Medizinprodukt
entstehen soll. Das soll bei
Darmoperationen Gewebeteile durch
Kompression miteinander verbinden
und damit eine Alternative zu den mit
Staplern gesetzten Klammern oder einer
chirurgischen Naht sein.
■ Und welche Beschaffenheit haben die
Bauteile, die Sie herstellen?
Wenn ich allgemein den Rahmen beschreiben
sollte: Das LMM-Verfahren
führt zu präzisen und filigranen Teilen,
die in einen Würfel von zwei Zentimeter
Kantenlänge passen würden. Als
Werkstoffe nutzen wir Edelstähle, Titan
Grade 5 und Nitinol. Damit stehen uns
einige Anwendungsbereiche offen:
Werkzeuge für Endoskope, kardiovaskuläre
Anwendungen oder Verbindungsstücke
zwischen Medizinprodukten, die
aus Nitinol bestehen und die der Hersteller
mit keinem anderen Werkstoff in
Kontakt bringen will, um das Risiko der
Kontaktkorrosion zu vermeiden.
■ Entsprechen die Werkstoffeigenschaften
denen konventioneller Bauteile?
Während wir bei den Edelstählen für
Endoskope oder andere Komponenten
alle Standards erfüllen, ist besonders
die chemische Reinheit bei Titanlegierungen
in unserem Prozess herausfordernd.
Da wir ein Polymerbindersystem
verwenden, kommt es zur erhöhten
Aufnahme von Kohlenstoff und Sauerstoff.
Beim Kohlenstoffgehalt liegen wir
aktuell um 0,04 Prozent über dem Zielwert,
bei Sauerstoff etwa 0,1 Prozent
darüber. Da diese Verunreinigungen
beim Einsatz als Dauerimplantat relevant
sind, entwickeln wir unsere Werkstoffe
und Prozesse natürlich weiter.
■ Welche Entwicklung erwarten Sie
beim 3D-Druck von Serienteilen?
Wir können mit der Technologie Fortschritt
und Innovation erreichen und
Teile auch wirtschaftlich in Serie fertigen.
Das geschieht international schon,
und das sollten wir auch in Deutschland
vermehrt nutzen.
Dr. Birgit Oppermann
birgit.oppermann@konradin.de
Zertifiziert nach DIN EN ISO 13485
• Entwicklung und
Produktion
von Steckverbindersystemen
• Hybridstecker
• Kabel- und
Steckverbinderkonfektion
• Umspritzte
Kabel und
Steckverbinder
• Produktion auch
im Reinraum
Mehr Infos unter: www.phg.de.
Oder besuchen Sie uns auf diesen Messen:
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Nürnberg
Halle 10.0 · Stand 316
Made in Germany
kundenspezifisch
wirtschaftlich
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Düsseldorf
Halle 8b · Stand E01
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GmbH + Co. KG
78652 Deißlingen
Tel.: 07420 89-0
06/2025 medizin&technik 49
verbindungstechnik@phg.de
■ [ TECHNIK ]
Metall und Kunststoffe mit Lasern
sicher beschriften
Laserkennzeichnung | Mehr Sicherheit und Effizienz im Produktionsprozess lassen
sich mit der Laserbeschriftung von Medizinprodukten erreichen. Das gilt inzwischen
auch für empfindliche Werkstoffe und aktive Implantate. Beratung bei der Validierung
durch den Hersteller der Geräte ist Teil des angebotenen Services.
Die Produktkennzeichnung von Medizinprodukten
ist entscheidend für eine
sichere, lückenlose Rückverfolgbarkeit
und UDI-Konformität. Sich mit den Prozessen,
Standards und branchenspezifischen
Herausforderungen von Laser -
beschriftungsgeräten auszukennen, ist
für die Hersteller der Medizinprodukte
unerlässlich. Mit der passenden Expertise
ist die Laserbeschriftung aber ein Weg,
IHR STICHWORT
■
■
■
■
Markieren von Medizinprodukten
Lösungen für empfindliche Produkte
Beratung bei der Validierung
Automatische Ausrichtung der
Markierung an kleinen Bauteilen
(Bild: Foba)
Die schwarze
Markierung auf
dieser medizinischen
Klemme
wurde mit einem
Ultrakurzpulslaser
aufgebracht
um mehr Sicherheit und Effizienz im Produktionsprozess
zu erreichen.
Doch worauf kommt es an, wie lässt
sich die Beschriftung mit dem Laser zuverlässig
und regelkonform gestalten? Die
Korrosionsbeständigkeit etwa ist ein
wichtiges Kriterium für Medizinprodukte
aus Metall, wie chirurgische Instrumente
aus Edelstahl oder Implantate aus Titan.
Werden Produkte mehrfach verwendet,
muss die Beschriftung den Aufbereitungszyklen
standhalten, ohne dass Korrosion
entsteht und ohne dass die Lesbarkeit beeinträchtigt
wird.
Der Tuttlinger Medizintechnik-Dienstleister
Add‘n Solutions und Foba Laser
Marking + Engraving, Hersteller von Laserbeschriftungsgeräten
für die Medizintechnik
aus Selmsdorf, haben dazu Langzeittests
durchgeführt. Diese sahen vor,
dass lasermarkierte Instrumente
1000-fach in einer vollautomatischen An-
lage gereinigt und passiviert, im Anschluss
daran autoklaviert und zusätzlich
einer periodischen hochalkalischen Reinigung
unterzogen wurden.
Das Ergebnis: Die Beschriftungen mit
dem Ultrakurzpulslaser Foba F.0100-ir
waren nach über 1000 Reinigungs- und
Sterilisationszyklen beständig. „Die Markierung
übersteht die komplette Lebensdauer
eines Instruments. Bei den Testinstrumenten
gab das Material vor der Beschriftung
auf“, erklärt Dominik Pfeiffer
von Add’n Solu tions.
Ultrakurze Laserpulse:
Markieren ohne Wärmeeintrag
Für besonders hohe Anforderungen an
Markierqualität, Lesbarkeit und Materialintegrität
ist der so genannte Black-Marking-Effekt
sehr gut geeignet. Durch den
Einsatz ultrakurzer Laserpulse entsteht
eine Nanostruktur, die wie eine tiefschwarze
Markierung erscheint. Für das
Black Marking eignen sich zum Beispiel
Ultrakurzpulslaser wie der F.0100-ir von
Foba. Bei diesem Laser treffen Pulslängen
im Femto- und Pikosekundenbereich mit
hoher Pulsenergie auf das Material.
Die stufenlos einstellbare Pulsbreite ermöglicht
dabei eine hohe Präzision. Die
Parameter lassen sich an die Markier -
anforderungen anpassen. Der Energie -
eintrag ist so fokussiert und so kurz, dass
die exakten Strukturen, die auch als
Schwarzmarkierung bezeichnet werden,
praktisch ohne Wärmeeintrag ent -
stehen und die Integrität der Oberfläche
erhalten bleibt. So wird das Material -
geschont – während die Markierung
dauerhaft, zuverlässig aus jedem Winkel
lesbar, korrosionsfrei, biokompatibel
und biostabil bleibt und auch UDI-konform
ist.
Inzwischen lassen sich auch Produkte
und Materialien mit Laser beschriften, die
50 medizin&technik 06/2025
(Bild: Foba)
Beim Ultrakurzpulslaser vom Typ Foba F.0100-ir für das Black Marking lässt sich die Pulsbreite
stufenlos einstellen. So kann der Anwender den Prozess an seine Anforderungen
anpassen
früher als zu empfindlich dafür galten.
Darunter fallen viele medizinische Kunststoffe,
aber auch sensible Produkte, wie
zum Beispiel Herzschrittmacher oder andere
aktive Implantate.
Traditionell werden sie mit tintenbasierten
Verfahren wie dem Tampondruck
gekennzeichnet. Tinten oder Farben werden
in sensiblen Bereichen wie der Medizintechnik
im Hinblick auf die sichere
Lesbarkeit und Biokompatibilität jedoch
zunehmend kritisch bewertet. Hinzu
kommt der hohe Anteil an Ausschuss
durch fehlerhafte Druckergebnisse, zum
Beispiel durch Verwischen oder Abfärben.
Kunststoff: Kaltes Markieren
mit dem UV-Laser
Das berührungslose Beschriften mit dem
Laser hingegen kommt ohne potenziell
kritische Fremdstoffe aus. Neben den Ultrakurzpulslasern
ermöglichen auch
hochentwickelte UV-Laser eine sehr schonende
Markierung. Sie sind für die kontrastreiche
Kennzeichnung empfindlicher
medizinischer Kunststoffe sehr gut geeignet.
Da die Markierung durch einen photochemischen
Effekt entsteht und ohne
nennenswerte thermische Belastung auskommt,
wird sie auch „kalte Markierung“
genannt. Die Materialoberfläche bleibt
glatt und hygienisch, während die Markierung
sicher lesbar und abriebfest ist.
Doch auch der Markierprozess selbst
und dessen Qualifizierung sind wichtige
Faktoren für die Qualitätssicherung.
Wenn der Laserhersteller bei der Qualifizierung
unterstützt, ist das für die Medizinprodukte-Hersteller
von Vorteil. Das
Wissen über die optimale Einrichtung
und Anpassung aller Parameter ermöglicht
es, den gesamten Validierungsprozess
effizienter zu gestalten. Philipp Febel,
Director Product Management, Marketing
& R&D bei Foba Laser Marking +
Engraving, sagt: „Die erfolgreiche Begleitung
des IQ/OQ/PQ/MQ-Prozesses ist
fester Bestandteil unseres Services für
Medizintechnik-Hersteller.“
Erreichte Qualität gilt es dann für die
Va lidierung nachzuweisen. Der kamerabasierte
Markierprozess Help, kurz für
Holistic Enhanced Laser Process, ist auf
die entsprechenden regulatorischen und
produktionstechnischen Anforderungen
zugeschnitten. Das laser-integrierte Kamerasystem
„Intelligente Markierpositionierung“,
kurz IMP, erfasst vor dem Beschriften
die Lage und Geometrie des
Bauteils und richtet die Markierung automatisch
daran aus. Diese Funktion ist
auch angesichts der Miniaturisierung in
der Medizintechnik bedeutend: Je weniger
Platz auf Dentalimplantaten, minimal-invasiven
Instrumenten oder Kathetern
für die Kennzeichnung bleibt, desto
wichtiger ist es, das Teil für die Markierung
präzise zu positionieren. Mit der automatischen
Ausrichtung und präzise angepassten
Parametern gelingen aber auch
Mikromarkierungen.
Das Markierergebnis wird „inline“, also
direkt im Laserbeschriftungsgerät, hinsichtlich
Inhalt und Qualität des Codes
überprüft, und die Ergebnisse werden dokumentiert.
Laserbeschriftung kann so
zur Basis von Regelkonformität, Qualität
und Rückverfolgbarkeit werden. Darüber
hinaus ist das Kennzeichnungsverfahren
zukunftsfähig: Mit kompakten Markiersystemen,
intelligenten Schnittstellen sowie
digitalen und automatisierten Prozesslösungen
erfüllt die Laserbeschriftung
die Anforderungen moderner Produktionsumgebungen.
■
Viola Kirk
Foba Laser Marking + Engraving,
Selmsdorf
www.fobalaser.com
06/2025 medizin&technik 51
■ [ TECHNIK ]
High-End-Fertigung von Schnittblöcken
für Kniegelenke auf 61 m²
Automatisierung | Präzision im Mikrometerbereich, absolute Prozesssicherheit und
Flexibilität sind Pflicht für Armbruster, einen Spezialisten für die Fertigung medizinischer
Instrumente und Implantate. Deshalb investierte das Unternehmen in zwei
5-Achs-Bearbeitungszentren vom Typ Versa 745 von Fehlmann , verbunden mit dem
flexiblen Automationssystem Ultimate von Cellro.
IHR STICHWORT
■
■
■
Starke Partner (von links): Alain Strebel (Fehlmann), Peter Hejzlar (Fehlmann),
Mario Bauer (Armbruster), Christian Dietz (Cellro) und Jan Paul van Veenendaal
(Cellro) vor der neuen automatisierten Fertigungszelle in Steinach
Partnerschaft für Präzisionsfertigung
Herstellung medizinischer Instrumente
und Implantate aus Edelstahl und Titan
Kombination aus Automation und zwei
5-Achs-Bearbeitungszentren
(Bild: Fehlmann)
Seit mehr als drei Jahrzehnten konzentriert
sich die Armbruster GmbH aus
Steinach auf die Fertigung hochkomplexer
Komponenten für die Medizintechnik,
was rund 60 % zum Umsatz beiträgt. Das
Fertigungsspektrum reicht vom Drehfräsen,
Fräsen und Erodieren über metallischen
3D-Druck und zahlreiche Verfahren
der Oberflächentechnik bis zur anschließenden
Montage. Was Armbruster dabei
besonders auszeichnet: die Fähigkeit, flexibel
auf wechselnde Marktanforderungen
zu reagieren. Dabei setzt das Unternehmen
auf moderne Technik und langjährige
Partnerschaften. Eine davon verbindet
Armbruster seit Jahrzehnten mit
der Schweizer Fehlmann AG.
„Die meisten unserer Bauteile sind
ziemlich anspruchsvoll. Komplexe Geometrien,
zähe Werkstoffe wie Titan und
Edelstahl – da muss einfach alles passen.
Gleichzeitig erwartet der Markt kurze Lieferzeiten,
flexible Seriengrößen und verlässliche
Reproduzierbarkeit“, erklärt Tobias
Armbruster, Geschäftsführer bei
Armbruster. Ein Beispiel ist das wirtschaftliche
Fräsen von Schnittblöcken für
Kniegelenke. Hier stießen die Experten an
ihre fertigungstechnischen Grenzen.
Die passende Lösung zu finden, war alles
andere als einfach. Im Mittelpunkt
stand ein 5-Achs-Bearbeitungszentrum,
das höchste Präzision und Flexibilität bietet,
über ein Nullpunktspannsystem zur
Ansteuerung pneumatischer Spannmittel
verfügt – und trotzdem nur wenig Platz
beansprucht. Außerdem war eine Spindel
mit über 20 000 min−¹ Drehzahl gefragt,
idealerweise mit HSK-A63-Schnittstelle
für die stabile, vibrationsarme Bearbeitung
auch bei langen Werkzeugen. Ein
Schwenkbereich über 120° war Pflicht,
um komplexe Geometrien möglichst in einer
Aufspannung zu bearbeiten.
Aber auch bei der Automation waren
die Anforderungen hoch: Gesucht war ein
System, das nicht nur Werkstücke, sondern
auch Spannmittel automatisch
wechseln kann, ohne dass jemand eingreifen
muss. Unterschiedlichste Rohteilgrößen
sollten im mannlosen Betrieb
nacheinander verarbeitet werden. Und
das Ganze sollte auf möglichst engem
Raum realisiert werden, mit ausreichend
Paletten- und Greiferplätzen für lange
Autonomiezeiten.
Kompakte Lösung für präzise
Materialbearbeitung
Die Lösung: Zwei 5-Achs-Bearbeitungszentren
vom Typ Versa 745 von Fehlmann,
verbunden mit dem flexiblen Automationssystem
Ultimate von Cellro. Das
kompakte Duo vereint präzises Fräsen, intelligentes
Handling und prozesssichere
Abläufe – und das auf 61 m². Die Versa
745 verfügt über eine leistungsstarke
HSK-A63-Spindel mit 24 000 min -1 , einen
Schwenkbereich bis 135°, einen massiven
Portalaufbau aus Grauguss, geschabte
Geometrien für hohe Maßhaltigkeit und
direktangetriebene Rundachsen mit Torquemotoren.
Auch schwierige Materialien
wie Titan lassen sich damit präzise und
zuverlässig bearbeiten.
„Unsere Kunden erwarten Präzision,
Zuverlässigkeit und Effizienz – gerade in
der Medizintechnik“, betont Alain Strebel,
Head of Sales Northern Europe bei Fehl-
52 medizin&technik 06/2025
(Bild: Armbruster)
mann. „Das Versa-Konzept wurde genau
dafür entwickelt: stabiler Aufbau, durchdachtes
Thermomanagement und automatische
Kalibrierung auf Knopfdruck.“
Perfekt zum Bearbeiten komplexer Geometrien
wie zum Beispiel denen an den
Schnittblöcken: Die schmalen und tiefen
Schlitze werden von Armbruster nun präzise
vorgefräst, so dass sie mittels Erodieren
nur noch finalisiert werden.
Intelligente Automation –
angepasst an die Aufgabe
Für Fehlmann und Cellro war es das erste
gemeinsame Projekt. Die Cellro Ultimate
übernimmt heute das komplette Teileund
Spannmittelhandling für beide Maschinen.
Dank modularer Greifer, automatischem
Schraubstockwechsel und intelligenter
Spannmittelsteuerung läuft
das Ganze reibungslos – und auf engstem
Raum. Ein besonderes Feature: Der Roboter
ist auf einer Verfahrschiene montiert
und kann so beide Bearbeitungszentren
flexibel anfahren.
Ein spezieller Knackpunkt waren die
rundgesägten Rohteile für die Schnittblöcke
– sie müssen aufrecht stehend eingelegt
werden, was viele Systeme nicht leisten
können. Also entwickelte Armbruster
eine eigene Vorrichtung zum Bevorraten
der Teile, Cellro ergänzte die Software für
die Handhabung. Der Roboter erkennt
jetzt exakt die Lage und kann die Teile sicher
greifen und einlegen.
„Unsere Automationslösungen sind darauf
ausgelegt, sich an die Produktionsrealität
des Kunden anzupassen – nicht
umgekehrt“, erklärt Christian Dietz, Gebietsverkaufsleiter
bei Cellro. „Bei Armbruster
haben wir die spezielle Handhabung
rundgesägter Werkstücke direkt in
die Systemlogik integriert. Genau solche
Anpassungen machen den Unterschied.“
Die Fertigungszelle produziert heute bereits
850 Frässtunden pro Monat – Tendenz
steigend. Ziel ist es, die Marke von
1100 Stunden zu erreichen. ■
Die präzise Vorbearbeitung
des Schnittblocks
für Kniegelenke
auf der Versa
spart Zeit, senkt
Kosten und verbessert
den gesamten
Fertigungsprozess
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■ [ TECHNIK ]
Das Implantat, das nach
dem Einheilen das Abutment
und die Krone tragen
soll, befindet sich im
Knochen. Die Öffnung
nach oben verschließt
und sichert die Healing-
Cap aus PEEK
(Bild: Pfaff)
PEEK-Healing-Caps aus dem Reinraum
– automatisiert gefertigt
Spritzguss für den Dentalbereich | Healing-Caps unterstützen den Heilungsprozess
nach dem Setzen eines Zahnimplantates. Dafür müssen die aus PEEK spritzgegossenen
Teile unter anderem hohe Anforderungen an die Oberflächengüte erfüllen – wozu
ein automatisierter Prozessablauf beiträgt.
Die Entwicklung und Fertigung dentaler
Medizinprodukte erfordert Präzision,
Sauberkeit und Prozesssicherheit.
Bei der Herstellung von so genannten
Healing-Caps aus Polyetheretherketon,
kurz PEEK, setzt die Waldkircher Pfaff
GmbH auf automatisierte Fertigungsschritte.
So wollen die Fachleute Qualität,
Reproduzierbarkeit und Effizienz gleichermaßen
sicherstellen.
Healing-Caps haben bei der Behandlung
von Zahnlücken mit Implantaten die
primäre Aufgabe, das Innengewinde der
Implantate davor zu schützen, dass Knochen-
oder Weichgewebe in diese Hohlräume
einwächst. Darüber hinaus sollen
die Caps grobe Kontamination reduzieren
und den Zugang zur Eingriffstelle mechanisch
verschließen – bis zur Freilegung
durch den Zahnarzt und dem Aufbringen
IHR STICHWORT
■
■
■
■
■
PEEK-Spritzguss
Healing-Caps für die Dentalmedizin
Automatisierte Fertigung
Qualitätssicherung
Dokumentation und Rückverfolgbarkeit
des eigentlichen Zahnersatzes. Für diesen
sind sie auch ein Platzhalter, der verhindert,
dass das Zahnfleisch den freigewordenen
Raum einnimmt.
Um diese Aufgabe zu erfüllen, spielt
auch die Oberflächengüte der Kappen ein
wichtige Rolle. Vor allem, wenn das Einbringen
des Implantats transmukosal erfolgt,
also nur durch einen kleinen Schnitt
ins Zahnfleisch und ohne ein Aufklappen
einer größeren Öffnung, durch die das
Implantat dann in den Knochen eingebracht
wird. Nur mit der richtigen, sprich
glatten Oberfläche lassen sich Irritationen
des Weichgewebes und auch die Ablagerung
von Biofilmen an dieser Stelle
vermeiden.
Caps sehr präzise fertigen und
das auch dokumentieren
Für die Fertigung der Caps bedeutet das,
dass diese hochpräzise ablaufen muss und
auch automatisiert überwacht und dokumentiert
wird. Herzstück des Produk -
tionsprozesses für die Healing-Caps ist bei
Pfaff eine vollelektrische Spritzgießmaschine
vom Typ Arburg 370 A, die speziell
für solch präzise Anwendungen in der
Medizintechnik ausgelegt ist. Das Handling
des PEEK-Granulats, die Dosierung
und das Einspritzen erfolgen automatisiert.
Sensorik überwacht in Echtzeit Pa-
rameter wie Spritzdruck, Werkzeugtemperatur
und Schließkraft. Abweichungen
erkennt das System sofort und schleust
fehlerhafte Teile entsprechend aus dem
Prozess aus.
Nach dem Spritzgießprozess kommen
in vielen Fällen Roboter-Handlingsysteme
zum Einsatz: Sie entnehmen die empfindlichen
Bauteile kontaktfrei aus dem Werkzeug,
führen sie definierten Ablagen zu
oder übergeben sie direkt an Verpackungsstationen
im Reinraum. Durch diese
Automatisierung wird nicht nur die
Prozessgeschwindigkeit erhöht, sondern
auch das Risiko einer Kontamination minimiert
– ein Vorteil im dentalmedizinischen
Einsatz.
Automatisierung spielt heute auch in
der Qualitätssicherung eine Schlüsselrolle.
Optische Inspektionssysteme prüfen
Bauteilgeometrien und Oberflächen unmittelbar
nach der Fertigung. Alle Daten
werden automatisch dokumentiert und
den jeweiligen Chargen zugeordnet. So ist
eine lückenlose Rückverfolgbarkeit von
der Materialcharge bis zur einzelnen Verpackungseinheit
gegeben.
Die Verpackung der Healing-Caps erfolgt
unter Reinraumbedingungen der
ISO-Klasse 7. Das heißt: Automatisierte
Luftführung, Partikelmonitoring und Filtertechnik
halten die für die Umgebung
54 medizin&technik 06/2025
(Bild: Pfaff)
festgelegten Parameter konstant im zulässigen
Bereich.
Auch die Verpackungsprozesse selbst
sind weitgehend automatisiert: Validierte
Abpackanlagen versiegeln die Schrauben
partikelfrei, sodass manuelle Eingriffe
kaum erforderlich sind.
Damit die kleinen
Healing-Caps ihre
Schutzaufgabe gut
erfüllen können,
müssen sie im Reinraum
präzise hergestellt
sein und zum
Beispiel eine hohe
Oberflächengüte
aufweisen
Reproduzierbare Qualität für
eine erfolgreiche Versorgung
Durch die Kombination aus Werkstoffkompetenz,
moderner Spritzgießtechnik
und Automatisierung gelingt es, präzise
Healing-Caps in reproduzierbarer Qualität
zu fertigen. In der Dentalmedizin begleiten
diese Produkte die Einheilphase
sicher und bilden damit die Grundlage für
erfolgreiche Implantatversorgungen. ■
Stefan Pfaff
Pfaff GmbH, Waldkirch
Weitere Informationen
Die Pfaff GmbH Spritzgießtechnik
aus Waldkirch hat sich auf die Herstellung
hochwertiger, technischer
Kunststoffprodukte durch Spritzgussverfahren
spezialisiert. Das Unternehmen
wurde 1991 gegründet.
Kunststoffprodukte werden im Einoder
Mehrkomponentenspritzguss
hergestellt, unter anderem für die
Medizintechnik. Das Unternehmen
ist nach ISO 9001 und ISO 13485
zertifiziert.
www.pfaffgmbh.com
BasicDrill Spiralbohrer
Das Multitalent zum Bohren in Kupfer bis Titan,
mit einem Faible für Stahlwerkstoffe. Möglich
macht das die optimierte Schneidenform, eine
spezielle Beschichtung und das verwendete
Hartmetall. Der BasicDrill Micro mit einem Bohrbereich
von 1 bis 2,95 mm ist ideal für die
Micro-Bearbeitung in der Medizintechnik.
Perfekter Rundlauf mit axialer Stütze
in der Spannhülsen-Aufnahme FPC.
24/7
Verfügbar auch im Webshop
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06/2025 medizin&technik 55
■ [ TECHNIK ]
Feinstaub beim Montieren von Teilen
für Medizinprodukte sicher vermeiden
Reinraumtechnik | Um in der Fertigung von Teilen für die Medizintechnik negative Einflüsse
durch Feinstaub aus der Luft sicher auszuschließen, eignen sich Filteranlagen für Rein -
räume. Dass diese sich auch in bestehenden Gebäuden nachrüsten lassen, zeigt das Beispiel
eines Fertigungsdienstleisters.
Wo Teile für sensible
Branchen wie
die Medizintechnik
verarbeitet werden,
muss Reinraumtechnik
die Luft frei
von Partikeln halten
– wie zum Beispiel
Feinstaub
beinhaltet neben dem Partikelmonitoring
auch ein externes Monitoring der mikrobiologischen
Belastung sowie eine externe
Schädlingsüberwachung. So können
Umgebungsbelastungen so gering wie
möglich gehalten werden, was für Anwendungen
aus Biotechnologie, Medizintechnik
und der Pharmazie unabdingbar ist.
Weitere Informationen
Reinraumumgebungen für
wechselnde Anwendungen
Die Reinräume haben Fachleute der Spetec
GmbH aus Erding geplant und in die
Werkshallen nachträglich eingebaut. Dafür
waren lediglich kleine baulichen Änderungen
erforderlich. Alle Reinräume
laufen rund um die Uhr. Im Betrieb über
mehrere Jahre wurden sie im Zweischichtsystem
genutzt, wobei es keine
Feinstaub und Medizintechnik? Feinstaub,
der durch den Betrieb von Reinraum-Lösung ist die Al-Pro Gerd raumumgebungen sind für wechselnde
Ein Beispiel für solch eine gelungene nennenswerten Ausfälle gab. Die Rein-
Kraftfahrzeugen oder aus privaten, holzbefeuerten
Böhm GmbH. Der Industriedienstleister Anwendungen flexibel ausgelegt. Daher
Heizungen und Kaminöfen in für Auftraggeber aus Optik, Mikroelektro-
sind Personenschleuse und Material-
die Atmosphäre gelangt, kann nicht nur
die Gesundheit schädigen, sondern beeinträchtigt
auch die Qualität und Funktion
sensibler Produkte aus vielen Bereichen.
Dazu zählen Optik, Elektronik, Elektromechanik,
nik und Elektro-Mechanik sowie aus der
Chip-Montage beschäftigt ein Team aus
mehr als 50 Mitarbeitern in zwei Werken
in Göttingen. Ein Dutzend Mitarbeiter
sind für den Einsatz im Reinraum geschult
schleuse räumlich getrennt realisiert. So
kann Al-Pro sich auch als Anbieter kundenspezifischer
Lösungen präsentieren,
wenn es um Produkte geht, deren Qualität
durch Partikel, Feinstaub oder Keime
Medizintechnik, Biotechnolonik
gie und Pharmazie.
Durch Filtertechniken lässt sich Raumluft
von Feinstaub befreien. Das hat sich
als preiswerte und im Betrieb kostengünstige
Lösung bewährt. Entsprechende Anlagen
worden. Sie übernehmen vorwieschleuse
gend Aufgaben in der elektromechanischen
Montage und Kabelkonfektionierung.
Weitere Dienstleistungen bietet das
Unternehmen zum Kommissionieren und
Konfektionieren an.
beeinträchtigt werden könnte.
https://al-pro-gmbh.de/
(op) ■
können in bestehenden Gebäuden Fertigung, Montage, Reinigung und
nachgerüstet werden.
Verpackung unter Reinraumbedingungen
■ Beispiel Industriedienstleister Das Hygienekonzept ist in Anlehnung
kamen vor fünf Jahren hinzu. Dafür steht Die Spetec GmbH wurde 1987 in Erding
als Anbieter von Ersatzteilen
heute eine Fläche von 200 m² in drei
für die Analytik gegründet. Entwicklungen
für die Reinraumtechnik und
autarken Reinraumsystemen bereit. Die
IHR STICHWORT
Reinräume sind TÜV-zertifiziert nach Labortechnik erweiterten das Portfolio.
Klasse 7 oder 8 gemäß ISO 14644-1 und
Heute bietet Spetec individuel-
■ Reinraumtechnik
kundenzertifiziert gemäß GMP Klasse D. le Lösungen von mobilen Laminar
■ Montage ohne Feinstaub
Die Luftqualität lässt sich mit einer Laminar
Flow Box punktuell auf Reinraum-
Flow Boxes bis zu schlüsselfertigen
Reinraumsystemen plus Wartung
■ Filter
und Zertifizierung nach DIN ISO an.
■ Nachrüsten von Räumen
klasse 5 gemäß ISO 14644-1 erhöhen. www.spetec.de
an die GMP-Praxis entwickelt worden und
(Bild: Spetec)
56 medizin&technik 06/2025
Special
Antriebstechnik
(Bild:pavlodargmxnet/stock.adobe.com)
Wie Spinnenseide auf die Spindel kommt
Messe SPS | Antriebskonzept fürs Exoskelett | Dentalfräsma schine, extra schnell | Präzisionsgetriebe für die Kapselfüllung
06/2025 medizin&technik 57
■ [ SPECIAL ANTRIEBSTECHNIK ]
SPINNENSEIDE GEWINNEN, DAMIT
NERVENSCHÄDEN WIEDER HEILEN
Präzision beim Aufwickeln | Spinnenseide ist für medizinische Anwendungen wie die
Nervenreparatur geeignet. Um die empfindliche Struktur der Fasern zu erhalten, muss
ein hochpräzises und sehr langsam arbeitendes Aufwickelsystem den feinen Faden
auf die Spule bringen.
Spinnenseide ist für Anwendungen in
der Medizin ein interessantes Material.
Dieses kann zum Beispiel nach Verletzungen
oder Operationen das Nachwachsen
von Nerven begünstigen. Bei der als
Standard geltenden Methode, dem so genannten
„Autografting“, wird ein Nerv
aus einem anderen Körperteil entnommen
und im geschädigten Bereich implantiert.
Das führt aber nur in etwa der Hälfte
der Fälle zu einer Wiederherstellung der
normalen Kraft oder des normalen Gefühls.
Künstliche Leitstrukturen, die das
Nachwachsen der Axone unterstützen sollen,
sind eine Alternative. Diese Methode
stößt jedoch insbesondere bei größeren
Defektstrecken an Grenzen – vor allem,
wenn die Distanz größer ist als etwa 1 cm.
Weitere Ansätze, wie die Implantation
von Spendernerven, sind kostenintensiv
und haben keine besseren Erfolgsaussichten
als die Eigenimplantation. Auch andere
Techniken zur Reparatur des äußeren
Leitungsrohrs, das die Axone umgibt, haben
sich bei größeren Nervendefekten
bislang nicht als erfolgreich erwiesen.
An einer Möglichkeit mit Fasern natürlichen
Ursprungs – dem Einsatz von Spinnenseide
– arbeitet Newrotex. Wissenschaftler
der Universität Oxford in England
haben das Medizintechnik-Start-up
mit gegründet. Sie wollen mit Spinnen -
IHR STICHWORT
■
■
■
■
■
Gewinnung von Spinnenseide
Reproduzierbare Bedingungen
Aufwickelsystem aus Spule und Antrieb
Bedingungen kontrollierbar
Leicht zu reinigen und sterilisierbar
Die hier aufgewickelte
Spinnenseide soll künftig
helfen, Nervenfasern
nach Verletzungen zu
regenerieren
seide im menschlichen Körper die Regeneration
des peripheren Nervensystems
unterstützen.
Spinnenseide im Schlauch
weist dem Nerv den Weg
Newrotex arbeitet daran, die klinische
Wirksamkeit der von Spinnen produzierten
Seidenstränge als Stützstruktur für
das Wachstum der Axone nachzuweisen.
Dabei wird die Spinnenseide in einem
speziellen Schlauch eingesetzt, der den
geschädigten Nervenbereich überbrückt
und beiderseits durch eine Naht fixiert
wird. Die Axone des Nervs wachsen entlang
der Spinnenseide und können so die
Nervenenden miteinander verbinden.
Als Röhrchen kommen bereits auf dem
Markt erhältliche Hohlröhrchen in Frage
oder eine Vene, die dem Gefäßsystem des
Patienten entnommen wird. Ein Hohlröhrchen,
das ebenfalls aus Spinnenseide
besteht, ist in Entwicklung.
Spinnenseide verbleibt mehrere Mona-
te im Körper, bevor sie sich biologisch abbaut.
So haben die Axone Zeit, sich zu regenerieren.
Das Hohlröhrchen ermöglicht
eine zielgerichtete Axonregeneration. Mit
dieser Methode können Nervenlücken
von bis zu 20 cm regeneriert werden –
was mit bisherigen Techniken nicht erreichbar
war.
Dr. Alex Woods, Gründer und CEO von
Newrotex sowie Facharzt für Unfallchi -
rurgie und Orthopäde, beschreibt es so:
„Eine vollständig einsatzbereite Lösung erleichtert
die Integration und schafft die Voraussetzung
für ein Plug-and-Play- Gerät.
Das bedeutet, dass Patienten schneller behandelt
werden können – und man ist
nicht auf eine kleine Zahl hochspezialisierter
Chirurgen angewiesen.“ So könnten
Chirurgen aus anderen Fachbereichen ihre
Patienten unmittelbar be handeln.
Im Laufe der Zeit löst sich das Röhrchen
zusammen mit der Seide vollständig
auf. Die medizinische Wirksamkeit ist in
Tierversuchen nachgewiesen.
(Bild: Newrotex)
58 medizin&technik 06/2025
Das Gewinnen der Spinnenseide ist ein
komplexer Prozess und soll zu einem biokompatiblen
Implantat mit reproduzierbaren
Eigenschaften führen. „Wir verwenden
die Seide der Goldenen Seidenspinne,
weil diese bereits umfassend erforscht
ist“, erklärt Alex Wood. Spinnenweibchen
dieser Art können bis zu 15 cm groß werden
und weben Netze mit bis zu 1 m
Durchmesser. Newrotex nutzt ihre so genannte
Fangseide, die zur Fortbewegung
und zum Abseilen dient und an deren Proteinstruktur
Axone wachsen können.
Für die Seidengewinnung wird die
Spinne zunächst mit Kohlendioxid betäubt
und dann auf dem Rücken liegend
in einem feinen Netz fixiert. Durch gezieltes
Stimulieren der entsprechenden Drüsen
beginnt das Tier mit der Seidenproduktion.
Noch beim Spinnen verwandelt sich
die Seide von einer Flüssigkeit in einen
Feststoff, in eine sehr dünne Faser, die es
auf eine Spule zu wickeln gilt. Die Eigenschaften
der Faser hängen stark von den
Aufrollbedingungen ab. Daher müssen
diese genau kontrollierbar sein.
Spule muss sich gleichmäßig
und wellenfrei drehen
Die Seide wird dafür an einer speziell entwickelten
Spule befestigt und von einem
Antriebssystem, dass die Fachleute von -
Maxon konzipiert haben, aufgewickelt.
Um eine gleichmäßige und wellenfreie
Steuerung der Spule zu gewährleisten, ist
ein DC-Motor von Maxon mit eisenloser
Wicklung im Einsatz – ergänzt durch ein
geräuscharmes Getriebe, einen Encoder
sowie eine Geschwindigkeitsregler vom
gleichen Hersteller. Der Drehzahlregler,
gleicht die tatsächliche Geschwindigkeit
mit der Sollgeschwindigkeit ab. Beide
Werte werden von einem Datenlogger erfasst,
um die exakte Seidenmenge zu dokumentieren
– ein wichtiger Faktor für die
Qualitätssicherung, die für Medizinprodukte
vorgegeben ist.
Das Aufspulen erfolgt bei jeder Spinne
über einen fest definierten Zeitraum. Dabei
enthält jedes aufgewickelte Produkt
eine festgelegte Anzahl von Seidenfasern,
wodurch sich auch gezielt unterschiedliche
Produktlängen gewinnen lassen.
„Dank der präzisen Kalibrierung des Systems
können wir die Aufwickelgeschwindigkeit
exakt steuern“, erklärt Alex
Woods. So ist klar, wie viele Fasern in welcher
Länge gesammelt wurden.
Wenn die Seide aus den Drüsen der Spinnen austritt, verwandelt sie sich von
einer Flüssigkeit in eine feste Faser. Um diese schonend aufzuwickeln, wurde
für die Spule ein präzises Antriebssystem erdacht
Ohne Spinne keine Spinnenseide: Bei Newrotex liefern über 30 Exemplare der
Goldenen Seidenspinne das Material. Die Weibchen können bis zu 15 cm groß
werden und in der Natur Netze von bis zu 1 m Durchmesser weben
Gegenwärtig arbeitet Newrotex mit
mehr als 30 Spinnen. Jede liefert etwa
zweimal pro Woche Seide. „So bleibt genügend
Zeit, damit sich ihre Seidenvorräte
erneuern können und die Tiere nicht
überlastet werden“, sagt Alex Woods.
Das Antriebssystem und der Spulenrahmen
lassen sich reinigen und befinden
sich in einer sterilen Umgebung, während
die Spinne Seide abgibt. Um zu verhindern,
dass das Tier die Reinraumstandards
verletzt, sind umweltkontrollierte
Schutzhauben im Einsatz. Nach jedem
Vorgang wird das Gerät gereinigt und das
Antriebssystem sterilisiert.
Für das Jahr 2025 hat Newrotex umfangreiche
klinische Studien am Menschen
geplant. Eine Nervenreparatur -
behandlung für Patienten könnte ab 2027
möglich sein. Langfristig hat die Entwicklung
auch das Potenzial, zur Regeneration
von Strukturen im zentralen Nervensystem
beizutragen.
■
Katharina Wenzelis
Maxon Group Deutschland, Sexau
www.maxongroup.com
Auf der Compamed: Halle 8a, Stand G16
Weitere Informationen
Um aus der Seide ein kontrolliertes
und steriles Implantat herzustellen,
muss der Prozess den regulatorischen
Anforderungen an die Qualitätssicherung
für Medizinprodukte
entsprechen. Das Start-up Newrotex
ist gemäß den Vorgaben der ISO
13485 zertifiziert.
https://newrotex.com
(Bild: Newrotex)
(Bild: Newrotex)
06/2025 medizin&technik 59
■ [ SPECIAL ANTRIEBSTECHNIK ]
KI-gestützte Regelung
von BLDC-Motoren
Mobilitätshilfen | Im Projekt KI Mobil testen Forscher
in Nordhausen, wie künstliche Intelligenz die Motor -
reglung in Mobilitätshilfen verbessern kann.
(Bild: Nadine Luschnat/Hochschule Nordhausen)
Prof. Jiayi Wang ist
Professorin für Elektrotechnik
und Leistungselektronik
an
der Hochschule
Nordhausen und
leitet das Projekt KI
Mobil
Mobilitätshilfen im Gesundheitswesen sollen künftig noch
sicherer, individueller und fehlertoleranter werden: Forscher
an der Hochschule Nordhausen wollen bürstenlose Gleichstrommotoren,
so genannte BLDC-Motoren, durch den Einsatz
künstlicher Intelligenz (KI) intelligenter regeln. Solche Motoren
kommen in elektrischen Schiebehilfen zum Einsatz. Die Arbeiten
im Forschungsprojekt KI Mobil laufen unter der Leitung von
Prof. Jiayi Wang, Professorin für Elektrotechnik und Leistungselektronik.
Die Carl-Zeiss-Stiftung fördert das Projekt im Rahmen
des Förderprogramms CZS Forschungsstart.
BLDC-Motoren zeichnen sich durch eine hohe Effizienz, Langlebigkeit
und geringe Kosten aus. Sie stellen jedoch hohe Anforderungen
an die Regelungstechnik. Gerade im Gesundheitsbereich
ist Zuverlässigkeit essenziell – ein Versagen der Antriebe an einer
Mobilitätshilfe kann schwerwiegende Folgen haben.
KI Mobil setzt hier an: Durch die Integration von neuronalen
Netzen soll die Motorregelung künftig Fehlerzustände in Echtzeit
erkennen und proaktiv reagieren können. Die KI-basierte
Regelung bietet nicht nur eine erhöhte Fehlertoleranz, sondern
auch die Möglichkeit, individuelle Anpassungen für Nutzer mit
unterschiedlichen Einschränkungen vorzunehmen. „Mit diesem
Projekt möchten wir zeigen, welches Potenzial in der interdisziplinären
Zusammenarbeit zwischen Gesundheitswesen und Ingenieurwissenschaften
liegt“, betont Prof. Wang. Die Ergebnisse
von KI Mobil sollen zudem wichtige Impulse für die Weiterentwicklung
in den Bereichen Medizintechnik, Antriebstechnik und
Energietechnik liefern.
Die Carl-Zeiss-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Freiräume für
wissenschaftliche Durchbrüche zu schaffen. Als Partner der Wissenschaft
unterstützt sie sowohl Grundlagenforschung als auch
anwendungsorientierte Forschung und Lehre in den Mint-Fachbereichen
Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und
Technik. 1889 von dem Physiker und Mathematiker Ernst Abbe
gegründet, ist die Carl-Zeiss-Stiftung eine der ältesten und größten
privaten wissenschaftsfördernden Stiftungen in Deutschland.
Sie ist alleinige Eigentümerin der Carl Zeiss AG und der
Schott AG. Ihre Projekte werden aus den Dividendenausschüttungen
der beiden Stiftungsunternehmen finanziert.
www.hs-nordhausen.de
Industrial AI ist kein Zukunftsthema
Messe SPS 2025 | Künstliche Intelligenz in der Produk -
tion ist kein Zukunftsthema, sondern bereits in der Realität
angekommen. Das zeigen zahlreiche Lösungen
und Projekte, die auf der Messe SPS zu sehen sind.
Aktuelle Entwicklungen in der Automatisierungsbranche
sind vom 25. bis 27. November 2025 auf dem Messegelände
in Nürnberg zu sehen: Die internationale Fachmesse SPS – Smart
Production Solutions bringt Entscheider, Entwickler und Visionäre
aus aller Welt zusammen. Rund 1150 Unternehmen der Automatisierungsbranche
zeigen dieses Jahr in 15 Messehallen
fortschrittliche Lösungen für die intelligente Produktion.
Ein Thema der SPS ist künstliche Intelligenz in der Fertigungstechnik,
die sich derzeit auf breiter Front in industrielle Produkte
und Prozesse ausbreitet. Sei es unterstützend im Engineering
Für rund 1150 Unternehmen der Automatisierungsbranche
werden die 15 Messehallen in Nürnberg während
der SPS 2025 zur Bühne für ihre neuen Lösungen
von Prozessen, integriert in Steuerungsgeräte durch AI-Modelle
oder als Teil intelligenter Tools für vorausschauende Wartung,
Qualitätskontrolle und adaptive Produktionssteuerung.
„Industrial AI ist längst kein Zukunftsthema mehr – es ist bereits
Realität in vielen Produktionsumgebungen. Auf der SPS 2025
zeigen unsere Aussteller, wie KI heute schon konkret eingesetzt
wird und welche Potenziale die Technologie in der Automation
erschließt“, erklärt Sylke Schulz-Metzner, Vice President SPS
beim Veranstalter Mesago Messe Frankfurt GmbH.
Elektrische Antriebstechnik ist ein Schwerpunkt der Messe.
https://sps-messe.de
(Bild: Mesago Messe Frankfurt GmbH / Arturo Rivas)
60 medizin&technik 06/2025
Selbsthemmende Bremse für die Medizintechnik
Hubantriebe | Effizienz und Wirkungsgrad des Antriebs und die Sicherheit der Patienten, die mit
dem Hubantrieb nach oben bewegt werden: All diese Aspekte hat Langguth bei der Entwicklung
einer selbsthemmenden Bremse für Medizinprodukte berücksichtigt.
(Bild: Langguth)
Eine innovative Selbsthemmungsbremse
für moderne Hubantriebe hat
die Nürnberger Langguth +Co. GmbH gemeinsam
mit einem Partner aus der Medizintechnik
entwickelt. Aus Sicherheitsgründen
ist eine verlässliche Selbsthemmung
bei solchen Hubantrieben, die zum
Beispiel Menschen nach oben bewegen,
zwingend erforderlich.
Gleichzeitig sollen Antriebe heute aber
eine höhere Energieeffizienz und einen
besseren Wirkungsgrad aufweisen – zwei
Anforderungen, die sich bei der klassischen
Selbsthemmung durch Reibung in
der Verzahnung technisch oft entgegenstehen.
Den Nürnberger Antriebsspe -
zialisten ist es nun gelungen, diesen Zielkonflikt
durch die Entwicklung einer unabhängigen
Selbsthemmungsbremse zu
lösen.
Da die selbst -
hemmende Bremse
nicht auf Reibung
in der Verzahnung
basiert, senkt sie
nicht die Effizienz
des Antriebs
Im Gegensatz zur klassischen Variante basiert
die neue Lösung auf einer separaten
Bremsenbaugruppe mit definiertem Reibmoment.
Diese wirkt nur in einer Bewegungsrichtung,
zum Beispiel beim Absenken
einer Last, und sorgt so für eine sichere
und dauerhafte Selbsthemmung. Beim
Heben – insbesondere von Personen –
hingegen kann der Antrieb mit höherer
Effizienz arbeiten. Dadurch lässt sich
nicht nur Energie sparen, sondern auch
die mechanische Beanspruchung der
Komponenten reduzieren.
Eine Besonderheit der Entwicklung ist
nach Angaben des Herstellers die Wartungsfreiheit
über seine gesamte Lebensdauer.
Die Bremse ist von den Entwicklern
so konstruiert, dass sie ihren Reibwert
dauerhaft beibehält und keinerlei
Verschleißerscheinungen zeigt. Elektrisch
betriebene Bremsen wurden aus Sicherheitsgründen
bei dieser Anwendung bewusst
ausgeschlossen.
Nach erfolgreichem Abschluss aller Langzeittests
und Risikobewertungen steht
fest: Die neue Selbsthemmungsbremse ist
ebenso zuverlässig wie klassische, auf Verzahnungsreibung
basierende Lösungen.
Sie ist aber, so betonen die Entwickler, flexibler
in der Konstruktion und effizienter
im Betrieb. Das zugrunde liegende Funktionsprinzip
wurde von Langguth gemeinsam
mit dem Projektpartner zum Patent
angemeldet.
Bremsenlösung für Fälle,
in denen Standard nicht reicht
„In vielen Projekten treffen wir auf Anforderungen,
für die es keine Standard -
lösung gibt“, erklärt Gernot Ramsauer,
Geschäftsführer bei Langguth. „Unsere
Aufgabe ist es dann, genau hinzuhören,
das Problem zu verstehen und eine zuverlässige,
wirtschaftlich sinnvolle und technisch
sichere Antwort darauf zu entwickeln.“
Die neue Selbsthemmungsbremse sei „ein
hervorragendes Beispiel dafür, wie unsere
jahrzehntelange Erfahrung und unsere
Entwicklungskompetenz zu einer marktreifen
Innovation führen.“
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06/2025 medizin&technik 61
■ [ SPECIAL ANTRIEBSTECHNIK ]
HAND-EXOSKELETT – BEWEGT
MIT FORMGEDÄCHTNIS-DRÄHTEN
Exoskelette | Um passgenaue und sanft unterstützende Exoskelette bereitzustellen,
setzt das Fraunhofer IWU auf innovative Formgedächtnislegierungen, Schrittmotoren
und 3D-Druck-Technologien. Das Exoskelett als solches soll perfekt an die Anatomie
der Hand angepasst sein und sanfte Bewegungen ermöglichen.
(Bild: Fraunhofer IWU)
Nach Unfällen etwa mit Sehnenverletzungen
oder als Folge von Schlaganfällen
kann die Beweglichkeit der Hände
beeinträchtigt sein. Als Hilfsmittel bei einer
Therapie betroffener Patienten kommen
verstärkt Exoskelette zum Einsatz.
Diese sind wie ein zweites Skelett über
der Hand angebracht und in der Lage,
Handgelenk und Finger gezielt durchzubewegen.
IHR STICHWORT
■
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Hand-Exoskelett
Antrieb mit Drähten aus
Formgedächtnislegierungen
Individuell anpassbar durch 3D-Druck
Parametrisches CAD Modell als Basis
Der Schrittantrieb
bewegt die einzelnen
Elemente des
Exoskeletts mit
Zahnrad, Hebel,
Klinke und einem
Draht aus Formgedächtnislegierung
Wirklich gute Voraussetzungen für einen
Therapieerfolg bringt jedoch nur ein
Produkt mit, das ganz auf die Hand des
Patienten abgestimmt ist. Weitere wichtige
Anforderungen sind ein geringes Gewicht
und kompakte Ausmaße des Exoskeletts.
Denn menschliche Hände unterscheiden
sich nicht nur in der Größe, sondern
auch in den Proportionen deutlich
voneinander.
Die Handkraft beispielsweise variiert
von Patient zu Patient stark. Bei den meisten
Anwendungen ist es daher sinnvoll,
Kraft und Hub eines Exoskeletts für die
Hand zu individualisieren. Gleichzeitig
wäre ein hohes Eigengewicht des Hilfsmittels
sehr belastend. Neben der Passform
der Schale kommt es daher insbesondere
auf den Antrieb an.
Alina Carabello, Doktorandin am
Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen
und Umformtechnik IWU in Dresden
und wissenschaftliche Mitarbeiterin der
Technischen Universität Chemnitz, setzt
dafür auf eine Kombination aus einem bidirektionalen
Schrittmotor und aktuatorisch
eingesetzten Drähten aus Formgedächtnislegierungen.
Dieses Konzept basiert auf jeweils nur
zwei künstlichen Sehnen, die der Schrittmotor
für eine Beuge- oder Streckbewegung
von Hand und Fingern präzise ansteuert.
Dabei können verschiedene Positionen
gehalten und nachjustiert werden.
Formänderungsfähigkeit
steuert Bewegung des Zahnrads
Und so funktioniert der Antrieb: Zahnrad,
Hebel, Klinke und Draht aus der Formgedächtnislegierung
(FGL) sind die Elemente.
Wird der Draht erwärmt, zieht er sich
zusammen und lenkt dadurch den Hebel
um einen definierten Winkel aus. So wird
das Zahnrad in die gewünschte Richtung
bewegt. Das Seil, das die Aufgabe der
Streck- oder Beugesehne übernimmt,
wird auf eine Seil spule aufgewickelt. Diese
„Sehnenbewegung“ beugt oder streckt
den Finger im Exoskelett.
Bei Carabellos Schrittantrieb wirken
Formgedächtnislegierungen (FGL) als Aktoren:
Ihre Formänderungsfähigkeit steuert
die Bewegung des Zahnrads. Das Erwärmen
ist über elektrischen Strom umgesetzt,
der von einem Mikrocontroller
gesteuert wird. Der erwärmte Draht verkürzt
sich, beim Wiederabkühlen dehnt er
sich durch einen Gegenzug, beispielsweise
durch eine Feder oder einen weiteren
FGL-Draht. Diese Mechanik steuert die
künstlichen Gliedmaßen des Exoskeletts.
Insgesamt lässt sich damit eine sehr
präzise und wiederholbare Bewegung erreichen.
Das sanfte Ansprechverhalten
der FGL-Drähte sorgt für schonende Bewegungsschritte.
Nahezu unbegrenzte geometrische
Freiheiten für die Gestaltung und Anpas-
62 medizin&technik 06/2025
sung des Exoskeletts bietet die Herstellung
via 3D-Druck, in diesem Fall im Verfahren
des selektiven Lasersinterns (SLS).
Dabei werden dreidimensionale Formen
Schicht für Schicht aus Kunststoffpulver
aufgebaut. Besonders effizient lässt sich
der Herstellprozess gestalten, wenn ein
parametrisches CAD-Modell dafür die
Grundlage bildet.
Im Idealfall liegt also die Patientenhand
als digitaler 3D-Scan vor, sodass
mit der geometrischen Form die Beziehungen
zwischen den einzelnen Elementen
der Hand kartografiert sind. So entsteht
beim Druck nicht nur ein besonders
präzises Negativ der Hand, eventuell erforderliche
Anpassungen für spätere
Neuanferti gungen sind mit einem CAD-
Modell als Grundlage auch leichter umzusetzen.
Individualisierungsbedarf sehen die
Fachleute vom Fraunhofer IWU bei vielen
Hilfsmitteln in der Medizintechnik. Mit
individuell gestalteten Produkten ließen
Exoskelette unterstützen Bewegungen des Trägers und können
seine Kraft deutlich erhöhen
sich die Bedürfnisse zu behandelnder Personen
besser abbilden, therapeutisches
Personal könnte die Patienten zielgerichteter
unterstützen. Viele Hilfsmittel orientierten
sich bisher aber an Standardvorgaben.
Anpassungen an Alter, Geschlecht,
Größe, Gewicht oder tatsächliche Einschränkungen
von Patientinnen und Patienten
seien selten oder gar nicht vorgesehen.
Mit seinem Exoskelett für die Hand
zielt das Institut vorrangig auf Sehnenverletzungen
nach Unfällen ab. Auch nach
Schlaganfällen oder bei Lähmungen ist es
wichtig, im Genesungsprozess die betroffene
Hand durchzubewegen – oft wären
Übungen in engerer Abfolge sinnvoll, als
es das Zeitbudget von Therapeuten erlaubt.
Hier kann das am Fraunhofer IWU
entwickelte Exoskelett Entlastung bieten,
da die durchgehende Anwesenheit einer
betreuenden Person nicht zwingend erforderlich
ist.
(op) ■
www.iwu.fraunhofer.de
(Bild: Fraunhofer IWU)
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06/2025 medizin&technik 63
Halle 12.0, Stand B01C
■ [ SPECIAL ANTRIEBSTECHNIK ]
Hybridlager für
Kurzhubanwendungen
Axiallager von Gewindetrieben | Um den Ausfall von
Gewindetrieblagern in Kurzhubanwendungen zu vermeiden,
wurden spezielle Hybridlager entwickelt. Sie
enthalten ausschließlich Keramikwälzkörper.
(Bild: Schaeffler)
Das neue dreireihige
Gewindetrieblager
DKLFA-HC mit Keramikkugeln
ist für den
Einsatz in Kurzhubanwendungen
entwickelt
worden
Mit dem Blick auf eine hohe Betriebssicherheit, insbesondere
bei Kurzhubanwendungen und Stillstandschwingungen,
haben die Antriebstechnik-Experten von Schaeffler aus Herzogenaurach
eine dreireihige Wälzlagerbaureihe entwickelt, die
Keramikkugeln als Wälzkörper enthält. Die neue Baureihe
DKLFA-HC ergänzt die Hybrid-Gewindetrieblager der Baureihen
DKLN-HC und ZKLF-HC (mit Flanschbefestigung).
Frühausfälle an den Axiallagern von Gewindetrieben machen
sich durch Geräuschbildung der Gewindespindeln bemerkbar.
Das zugehörige Schadensbild wird „false brinelling“ oder auch
„Riffelbildung“ genannt und tritt vor allem dann auf, wenn wiederholt
kleine Schwenkbewegungen und -winkel am Lager ausgeführt
werden.
Das ist zum Beispiel im Formenbau oder in der Medizintechnik
der Fall. Das Schadensbild „false brinelling“ ist immer noch
schwer vorhersagbar und kann schon nach wenigen Betriebsstunden
auftreten. Auch Schwingungen im Lagerstillstand oder
beim Transport eines Lagers oder einer Maschine können hierfür
verantwortlich sein. Den Maschinenherstellern entstehen hohe
Reparaturkosten und auch der Imageschaden ist nicht uner -
heblich.
Für betroffene Maschinentypen bietet es sich daher an, grundsätzlich
alle Gewindetrieblager auf Hybridlager umzustellen. Sie
gewährleisten bei Kurzhubanwendungen und Stillstandschwingungen
eine sehr hohe Betriebssicherheit. Maschinenstillstände
und teure Serviceeinsätze können mit diesen Lagern zuverlässig
vermieden werden. Die dynamische Tragfähigkeit und die rechnerische
Lebensdauer der Lager bleiben vollständig erhalten.
www.schaeffler.com
Linearantrieb als platzsparende Lösung
Lineartechnik | Schmales Gehäuse, aber der Antrieb soll
große Kraft aufbringen können: Für solche Anwendungen
haben die Entwickler den elektrischen Linearantrieb
KA30 Open Spindle (OS) konzipiert.
(Bild: Linak)
Ein Anwendungsbeispiel für
den kraftvollen und leisen elektrischen
Linearantrieb KA30
Open Spindle sind Röntgen -
geräte für die Mammographie
Für Anwendungen mit begrenzt verfügbarem Bauraum – etwa in
schlanken Gehäusen –, bei denen viel Kraft benötigt wird, hat
der dänische Antriebshersteller Linak seinen elektrischen Linearantrieb
KA30 Open Spindle (OS) entwickelt.
Der flexible Antrieb lässt sich laut Hersteller vielseitig einsetzen.
Die freiliegende Spindel in
Kombination mit dem kleinen
und kompakten Motorgehäuse
soll Konstrukteuren ein hohes
Maß an Gestaltungsfreiheit bieten.
Das Motorgehäuse hat eine
Abmessung von 11,9 cm auf
15,8 cm. Die Spindellänge beträgt
50 bis 600 mm. Sie kann weit ausgefahren werden, ohne an
Stabilität zu verlieren.
Den passenden Motor gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen:
mit 2500 N, 4000 N, 6000 N oder als stärksten Motor mit
8000 N. Die Zugkraft liegt in jeder Version bei 4000 N. Im Leistungsbereich
von 2500 N und 4000 N ist der Linearantrieb KA30
Open Spindle im Vergleich zu anderen linearen Antrieben laut
Anbieter sehr schnell. Er erreicht in diesen Bereichen, bei 24 V,
Geschwindigkeiten von etwa 8 bis 11 mm/sec unter maximaler
Belastung.
Er ist vor allem für Anwendungen in Räumen interessant, in denen
Ruhe ein wichtiger ist Faktor ist. Der Motor ist mit einer Geräuschentwicklung
≤ 50 dB sehr leise. Der Hersteller entspricht
damit der Anforderung an angenehme Einsatzbedingungen für
Anwender und Patienten.
Mit dem eingebauten Hallsensor ist eine Parallelsteuerung möglich.
So können bis zu vier Antriebe parallel gesteuert und verfahren
werden.
Der KA30 Open Spindle besitzt externe Leistungsschalter. Die
Schalter, die außerhalb des Antriebs angebracht werden, schalten
die Stromversorgung des Motors. Somit ist der KA30 OS
nicht nur mit Linak-Steuerungen kompatibel, sondern auch mit
anwendereigenen Steuerungen.
www.linak.de
64 medizin&technik 06/2025
(Bild: Rodriguez)
Präzisionslager
Material sparen und die Präzision erhöhen
In vielen Spezialanwendungen
– etwa in Röntgengeräten
für Krankenhäuser und Praxen
– sind eigengefertigte Präzi -
sionslager des Herstellers Rodriguez
GmbH aus Eschweiler
im Einsatz. Maßgeschneidert
für die Anwendungen können
sie oft weitere Funktionen integrieren
und helfen, Material
zu reduzieren und Toleranzen
zu verringern.
In sehr enger Abstimmung
mit Auftraggebern entwickelt
Rodriguez maßgeschneiderte
Wälzlagerlösungen, so genannte
Value Added Products
Wenn etwa ein Röntgengerät
automatisiert den Fokus anpasst,
stellt das Anforderungen
an die Umsetzung der Bewegung,
die Standardlager oft
nicht erfüllen könnten. Angepasste
Präzisionslager sind dazu
in der Lage.
Die Entwicklungsspezialisten
des Herstellers passen dafür so
gut wie alle Produktparameter
individuell an. Das reicht von
den Abmessungen der Lager
über die Materialien der Käfige
und Wälzkörper bis zu Sonderfetten
zum Schmieren.
Werden zum Beispiel Reinraumbedingungen
in einer
Anwendung vorgegeben, verwenden
die Entwickler in ihrem
Projekt Edelstahl für den
Käfig und Keramik für die Rollen.
www.rodriguez.de
Kugelgewindetriebe
Präzise Miniaturausführung für Analysegeräte
oder Anwendungen in chirurgischen Robotern
Miniatur-Kugelgewindetriebe,
die für präzise Anwendungen
entwickelt wurden, hat die Hiwin
GmbH aus Offenburg auf
der Fachmesse Emo in Hannover
präsentiert. Sie ermöglichen
reibungsarme und wiederholgenaue
Linearbewegungen
in sehr kompakter
Bauform. So ist das feinfühlige
Positionieren in engen Raumverhältnissen
möglich – wie
etwa im Medizinumfeld bei
Anwendungen in Analysegeräten
oder chirurgischen Robotern.
Dank ihrer geringen Abmessungen
von 4 bis 12 mm
können die Kugelgewindetriebe
bei stark begrenztem Bauraum
eingesetzt werden, ohne
dass Kompromisse bei Tragkraft
oder Effizienz erforderlich
sind. Sie bieten laut Hersteller
eine langen Lebensdauer,
selbst im Dauerbetrieb. Eine
interne Gesamtumlenkung
soll den dauerhaften, gleichmäßigen
Betrieb sicherstellen.
www.hiwin.de
Plötzlich
international?
In der Produktentwicklung sind
Sie mit immer komplexeren
Anforderungen konfrontiert.
Gleichzeitig sollen Sie schneller,
kostensparender und nachhaltiger
konstruieren.
Was es braucht, sind Lösungen, die
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(Bild: Rodriguez)
Feinfühlige Positionieren in engen Raumverhältnissen ist
auch in der Medizintechnik gefragt
06/2025 medizin&technik 65
■ [ SPECIAL ANTRIEBSTECHNIK ]
Nicht nur Werkzeugplätze,
Klemmring und Drehformhalter
in der Dentalfräs -
maschine Hedmill One sind
so ausgelegt, dass sie den
Praxisanforderungen eines
Zahntechnik-Labors ent -
sprechen
(Bild: Heds Group)
HOCHGESCHWINDIGKEIT
IN DER DENTALFRÄSMASCHINE
Entwicklungspartnerschaft mit Dentaltechnikern | Auf die Anforderungen der Dentaltechnik
zugeschnitten ist die 5-Achs-HSC-Fräsmaschine Hedmill. An ihrer Entwicklung
haben sich Dentaltechniker beteiligt. Ein High-Speed-Antrieb für die Spindel schafft
Reserven, für weitere Entwicklungen und den Einsatz in anderen Bereichen.
Die Geschichte der Dentalfräsmaschine
Hedmill One ist ein gutes Beispiel
dafür, was passiert, wenn Praktiker – in
diesem Fall Zahntechniker – sich selbst
um die Entwicklung kümmern. Sie wissen
genau, was sie im Labor brauchen. Die
Folge: eine Dentalfräsmaschine, die die
realen Anforderungen sehr gut erfüllen
kann. „Wir kommen aus der Zahntechnik.
Wir kennen die Ansprüche – und konnten
IHR STICHWORT
■
■
■
■
Fräsmaschine für den Dentalbereich
und andere Branchen
Entwickelt mit Zahntechnikern
High-Speed-Antrieb
Entwicklungspartnerschaft
diese direkt in die Entwicklung einfließen
lassen“, sagt Leon Felzmann, Geschäftsführer
der Karlsruher Heds Group GmbH.
High End Digital Smile, kurz Heds, ist
eine Gemeinschaft von Dentallaborinhabern
aus ganz Deutschland, die Zahntechnik
neu denken will. „Wir sind unab -
hängig, transparent und suchen uns unsere
Partner bewusst aus“, so Felzmann. Erklärtes
Ziel: Produk tionsprozesse optimieren
und nützliche Produkte ent -
wickeln, die auf die Bedürfnisse von
Zahntechnikern abgestimmt sind. Im Falle
der Fräsmaschine Hedmill One liegt
dieser Part in den Händen der Hedmill
GmbH & Co. KG mit Sitz in Göttingen.
Hedmill steht für High-End Digital Milling.
Die 5-Achs-HSC-Fräsmaschine für
Dentallabore passt in jeden Fahrstuhl, die
Türfarbe kann der Anwender wählen. Für
die Steuerung ist Industrie-CNC-Technik
mit einer speziell für Zahntechniker entwickelten
Benutzeroberfläche kombiniert.
Mit Leistungsreserve für mehr
als den Dentalbereich geeignet
Das Herzstück ist eine Spindel mit Leistungsreserve.
„Unsere Maschine ist für
den Dentalbereich eigentlich überdimensioniert“,
erläutert Christian Heine, Entwicklungsleiter
bei Hedmill. „Wir wollten
eine Lösung, die nie an Leistungsgrenzen
kommt – auch dann nicht, wenn sie in anderen
Bereichen wie in der Schmuckoder
Uhrenfertigung eingesetzt wird.“ Die
Spindel ist dafür die Basis – den Antrieb
dazu, den Frequenz umrichter SD4S, lieferten
die High-Speed-Spezialisten der
Sieb & Meyer AG aus Lüneburg.
Der SD4S entspricht den Anforderungen
von Hedmill mit seiner kompakten
66 medizin&technik 06/2025
(Bild: Sieb & Meyer)
Bauweise, zahlreichen bereits integrierten
Schnittstellen wie Ethercat und Profinet
und seiner hohen Taktfrequenz von
bis zu 32 kHz. „Das Gesamtpaket hat einfach
gepasst“, bringt es Christian Heine
auf den Punkt.
Die Integration in die Hedmill One verlief
nach Angaben von Heine meist reibungslos.
Dort, wo nachgeschärft werden
musste – etwa bei der Gehäuseanpassung
oder der EMV-Auslegung –, sei die Zusammenarbeit
eng und lösungsorientiert
abgelaufen.
Lorenz Förster, Key Account Manager
bei Sieb & Meyer, schätzt die Zusammenarbeit.
„Wir haben von Hedmill wertvolles
Feedback bekommen, das wir direkt in
die Weiterentwicklung unseres noch jungen
Produktes einfließen lassen konnten“,
berichtet er.
Die neue Dentalfräsmaschine ist dabei
keine Speziallösung für Nischenanwendungen.
Keramik, Metall, oder Inconel X
aus der Luft- und Raumfahrt lassen sich
darauf bearbeiten. Die Leistungsreserven
dafür sind vorhanden.
■
Bei der Auswahl des
Frequenzumrichters
für die Dental -
fräsmaschine Hedmill
fiel die Wahl
auf den SD4S:
wegen seiner kompakten
Bauweise,
integrierter Schnittstellen
und seiner
Taktfrequenz von
bis zu 32 kHz
WHO
ELSE?
Die eleganteste Art bis zu
40 % Fertigungskosten
zu sparen.
Markus Finselberger
Sieb & Meyer, Lüneburg
www.sieb-meyer.de
Weitere Informationen
Die Heds Group GmbH, in der sich
Zahntechniker aus ganz Deutschland
zusammengeschlossen haben,
hat ihren Sitz in Karls ruhe.
https://heds.dental
schwanog.com
06/2025 medizin&technik 67
■ [ SPECIAL ANTRIEBSTECHNIK ]
INJIZIERBARE MEDIKAMENTE
AUTOMATISIERT STERIL ABFÜLLEN
Medikamentenabfüllung | Kompakte, automatisierte Systeme sind heute in der Lage,
mechanische Abfüllanlagen für Medikamente zu ersetzen. Das italienische Unternehmen
Pharma Integration baut solche Maschinen speziell für die Anforderungen biotechnologischer
Arzneimittel. In den Anlagen sind Antriebe von Faulhaber am Start.
block-Lösung, die als miniaturisierte
Reinraumstruktur mit vier Robotermodulen
arbeitet. Sie eignet sich für die industrielle
Produktion im großen Maßstab.
(Bild: kuzmick/stock.adobe.com)
Das Abfüllen biotechnologisch hergestellter,
injizierbarer Medikamente stellt hohe
Anforderungen an die Anlagen. Eine neue
Generation automatisierter und roboter -
gestützter Systeme soll die Sicherheit in
diesem Prozess steigern
Damit Patienten Medikamente sicher
einnehmen können, müssen Arzneimittel
in steriler Umgebung hergestellt,
abgefüllt und verpackt werden. Dies gilt
insbesondere für injizierbare Medikamente.
Unversehrtheit und Sicherheit solcher
Arzneimittel werden durch Kontrollen,
Spezialausrüstung und sorgfältige Verpackungsprozesse
gewährleistet.
Für neue biotechnologisch hergestellte,
injizierbare Medikamente sollen die
Azurra-Maschinen des italienischen Maschinenbauers
Pharma Integration aus
Siena den pharmazeutischen Fill-Fini -
shing-Prozess effizienter machen – also
den letzten Schritt im Prozess, in dem das
Arzneimittel in seine sterile Verpackung
gelangt und für den Versand vorbereitet
wird. Die automatisierten Anlagen arbeiten
zu 100 % robotergestützt und nutzen
Industrie-4.0-Technologien. Dass kein
menschliches Eingreifen erforderlich ist,
soll sowohl Kontaminationsrisiken als
auch menschliche Fehler reduzieren.
Eine steigende Nachfrage nach biotechnologischen,
injizierbaren Arzneimitteln
lässt sich mit den automatisierten Anlagen
bedienen. Die Lösung ist kompakt
sowie flexibel und skalierbar konzipiert.
Sie wird sowohl Kleinserien in Forschung
und Entwicklung gerecht als auch den Anforderungen
der industriellen Massenproduktion.
Die Azzurra-Systeme gibt es daher in
drei Ausführungen: Azzurra Micro ist eine
Monoblock-Lösung unter einem Isolator
mit zwei Robotermodulen. Azzurra Small
nutzt vier Robotermodule und wurde für
die kommerzielle Produktion entwickelt.
Azzurra FAB wiederum ist eine Mono-
(Bild: Faulhaber)
Präzise Antriebe bewegen
die Behälter zuverlässig
Um die Behälter mit den Medikamenten
präzise und sanft zu handhaben, sind unter
anderem die bürstenlosen Motoren
der Familie BX4 im Einsatz, die die Schön -
aicher Dr. Fritz Faulhaber GmbH & Co. KG
anbietet. Wichtig ist etwa der Verschließprozess:
Die Motoren gewährleisten hier,
dass die Behälter korrekt und zuverlässig
verschlossen werden. Andere Antriebe
bewegen Platten für die Umweltüberwachung,
mit denen nachgewiesen wird,
dass in der pharmazeutischen Herstellung
sterile Bedingungen herrschen. Spezielle
Behälter, in denen Fläschchen,
Spritzen oder Kartuschen in die Maschine
gebracht werden und die als Tubs und
Nests bezeichnet werden, werden ebenfalls
mit Faulhaber-Antrieben bewegt.
Die Größe und die präzisen Steuerungsmöglichkeiten,
beispielsweise mit
dem Motion Controller MC3603, ermöglichen
eine effiziente Steuerung auch im
begrenzten Maschineninnenraum. (op)■
www.faulhaber.com,
Auf der Compamed: Halle 8b, Stand H27;
www.pharma-integration.it
Die Kleinmotoren vom Typ BX4
bieten ein hohes Drehmoment
und nutzen die 4-Pol-Technologie,
was ihnen Drehzahlsteifigkeit
verleiht
68 medizin&technik 06/2025
INTERNATIONALE FACHMESSE
16-19 JUNI 2026
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06/2025 medizin&technik 69
■ [ SPECIAL ANTRIEBSTECHNIK ]
GALAXIE-ANTRIEB SORGT FÜR
PRÄZISE KAPSELBEFÜLLUNG
Präzisionsgetriebe | Für seine neuen Kapselfüllmaschinen der Baureihe Modu-C CS
suchte Hersteller Harro Höfliger eine integrierte und einbaufertige Antriebseinheit.
Der kompakte Nullspiel-Aktuator Galaxie D135 von Wittenstein Galaxie erwies sich
als Lösung, weil er nicht nur in der Anwendung selbst viele Vorteile bietet.
IHR STICHWORT
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Integrierte Antriebseinheit für präzise
Rundtischbewegung
Flexibilität und Effizienz in der
Medizin- und Pharma-Produktion
Prozesssicher und wartungsfreundlich
„Support über Auslegungstools und persönlicher Beratung, Prüfung von Optimierungs- und
Downsizingpotenzialen, Unterstützung bei der Inbetriebnahme – all dies zeichnet unsere
langjährige Zusammenarbeit aus“, bestätigt Florian Huhnen, Konstrukteur bei Harro Höfliger
(links), im Gespräch mit Sven Sanitz, Business Development Manager bei Wittenstein
Galaxie (rechts)
Spielfreiheit, hohe Steifigkeit, Tragfähigkeit
und dynamische Positioniergenauigkeit,
sehr gute Gleichlaufeigenschaften,
Verschleißfreiheit und eine große
Hohlwelle machen das Galaxie D135
der Galaxie Robustness Line zu einer
technologisch führenden Lösung im
Markt der Präzisionsgetriebe. „Die Kompaktheit
des Galaxie-Antriebs gepaart mit
diesen spezifischen Charakteristiken ermöglichen
den perfekten Fit in die Anwendung
und den vorhandenen Bauraum“,
erklärt Florian Huhnen, Konstrukteur
bei Harro Höfliger.
Die Harro Höfliger Verpackungsmaschinen
GmbH in Allmersbach ist Anbieter
von kundenorientierten Prozesslösungen
und Produktionsmaschinen für pharmazeutische
und medizinische Anwendungen.
Die Kapselfüllmaschinen der Modu-C-Reihe
sind ein wichtiger Bestandteil
des Maschinenportfolios. Die neueste Entwicklung
ist die Modu-C CS, auf der Pulver
und Pellets in stündlich bis zu 43500
Kapseln gefüllt werden können. Sie wurde
für kleinere bis mittlere Output-Segmente
konzipiert, beispielsweise für
R&D-Anwendungen, für kleine Chargen
oder die Auftragsabfüllung. Zudem kann
sie für eine hocheffiziente, kommerzielle
Kapselbefüllung im kleinen Maßstab eingesetzt
werden. „Die Kapseln werden per
Segmentrundlauf durch die Maschine geführt,
ein patentiertes Trolley-System ermöglicht
einen schnellen Wechsel zwischen
den Dosiersystemen für alle gängigen
Füllgüter“, zählt Huhnen zwei der besonderen
Merkmale der Modu-C CS auf.
Und schon diese lassen erahnen, wie
wichtig kinematische Flexibilität und
Vielseitigkeit als Performance-Plus für die
Maschine sind. Folgerichtig hat sich Harro
Höfliger bei der Umsetzung des elektrischen
Antriebskonzeptes Gedanken über
eine effiziente Lösung speziell für die Modu-C
CS gemacht.
„Die getaktete Rundtischbewegung in
der Modu-C wird üblicherweise mittels
Schrittschaltgetriebe umgesetzt, an dessen
kontinuierlich laufendem Antrieb vie-
le weitere Bewegungen hängen, die in der
Rastphase Bearbeitungsschritte durchführen“,
so Huhnen. „Ein wesentlicher
Nachteil für die Anwendung in der CS-
Ausführung war, dass bei jeder Taktzahlreduzierung
unnötigerweise auch die
Rundtischbewegung reduziert wurde.“
Um für zukünftige Anforderungen mehr
Möglichkeiten zu haben, suchten er und
seine Kollegen daher nach einer Alternative,
um die Antriebe für Rundtisch und Bearbeitungsstationen
zu entkoppeln.
„Mit dem Aktuator D135 der Galaxie
Robustness Line mit 45-mm-Hohlwelle
konnten wir Harro Höfliger eine integrierte
und einbaufertige Antriebseinheit inklusive
Lagerung anbieten“, berichtet
(Bild: Wittenstein)
70 medizin&technik 06/2025
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VIEWEG
simply dispensing
(Bild: Wittenstein)
Das Präzisionsgetriebe
Galaxie D135
gehört zur Galaxie
Robustness Line. Es
weist Spielfreiheit
sowie eine hohe
Steifigkeit und dynamische
Positioniergenauigkeit.
Es
verfügt über eine
große Hohwelle
und läuft verschleißfrei
Sven Sanitz, Business Development Manager
bei der Wittenstein Galaxie GmbH.
„Harro Höfliger benötigt jetzt nur noch eine
Komponente und reduziert dadurch
den Aufwand in Beschaffung, Kommissionierung,
Bereitstellung, Qualitätssicherung
und Montage.“ Für den Anschluss an
den Servocontroller ist der Aktuator mit
einem Absolutgeber mit kompatibler
Hiperface-Schnittstelle ausgestattet.
Individuell optimierte
Bewegungsprofile
Durch den neuen Hochleistungs-Servoaktuator
von Wittenstein war Harro Höfliger
in der Lage, die geplanten Leistungsund
Produktivitätswerte umzusetzen. So
können Bewegungsprofile je nach Anwendung
optimiert und an die Dosierung angepasst
werden, um die Kapseln selbst bei
hohen Taktzahlen sicher zu befüllen und
zu verschließen. Verarbeiten lassen sich
dabei Leerkapseln von der größten Dimension
„000“ bis zur kleinsten Ausführung
„5“. Auf einem eigens dafür konzipierten
Teststand hat der Maschinenhersteller
alle Faktoren über mehrere hundert
Stunden hinweg getestet. „Dabei hat
der Servoaktuator seine Eignung in vollem
Umfang bewiesen. Gleichzeitig zeigte
sich, dass der hohe Wirkungsgrad des Galaxie
Antriebs wesentlich dazu beiträgt,
dass aufgrund der nur geringen Wärmeentwicklung
auf eine Wasserkühlung
verzichtet werden kann.“
Harro Höfliger und Wittenstein Galaxie
verbindet eine mehr als 25-jährige Partnerschaft.
Weitere Anwendungsprojekte
stehen deshalb bereits auf der gemeinsamen
Agenda der Prozessspezialisten und
des Antriebsherstellers.
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06/2025 medizin&technik 71
■ [ FOKUS FORSCHUNG ]
Warum Implantate
im Körper versagen können
Materialwissenschaft | Was passiert mit Titan-Implantaten im Körper? Die Empa-
Forscherin Martina Cihova sucht Antworten auf diese Frage an der Grenzfläche
zwischen Implantat und Körper. Für ihr Forschungsvorhaben hat sie vor Kurzem einen
Ambizione-Grant des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) erhalten.
Menschen leben immer länger und
wollen bis ins hohe Alter gesund
und mobil bleiben – Implantate tragen dazu
bei. Sie sind kleine Wunderwerke der
Biomaterial- und der Bioingenieurskunst.
Dennoch kommt es gelegentlich zum Versagen
von Implantaten. Aber warum –
und warum nimmt das in den letzten Jahren
eher zu als ab? Die Empa-Forscherin
Martina Cihova aus dem Labor Fügetechnologie
und Korrosion will dazu Antworten
finden. Dafür nimmt sie das Verhalten
von Implantaten im Körper unter die Lupe.
Für ihr Forschungsvorhaben hat die
Wissenschaftlerin einen vierjährigen Ambizione-Grant
des Schweizerischen Nationalfonds
erhalten.
Viele Implantate – darunter künstliche
Gelenke, Zahnimplantate und Herzschrittmacher
– bestehen aus Titan. Dieses
Übergangsmetall ist leicht und stabil,
im Körper sehr beständig und lässt Knochen
besonders gut anwachsen. Für diese
Eigenschaften ist eine dünne Oxidschicht
verantwortlich, die sich bei Kontakt mit
Luft an der Titanoberfläche bildet. So ist
es nicht das Titan selbst, sondern die
schützende Schicht auf der Oberfläche,
die mit dem Körper in Kontakt kommt.
„Da diese natürliche Passivschicht weniger
als zehn Nanometer dick ist, wird sie
in der Medizintechnologie und Forschung
oft zu wenig beachtet“, so Cihova.
IHR STICHWORT
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Implantate und mögliche Schäden
Rolle der Titanoxid-Schichten
Kontakt mit Körperflüssigkeiten
Einfluss von Proteinen
Verbesserte Implantate
Wie der Körper die Oberfläche von Titanimplantaten angreifen kann, untersucht
Empa-Forscherin Martina Cihova
Hinzu kommt, dass manche Hersteller
die Oxidschicht verändern, etwa verdicken,
um unterschiedlichen Implantatgrößen
oder -modellen eine Farbcodierung
zu verleihen und Ärzten so die Arbeit
zu erleichtern. Andere rauen die Oberfläche
der Implantate auf, damit der Knochen
besser anwachsen kann – oder gravieren
per Laser die Seriennummer ein.
Auch 3D-Druck von patientenspezifischen
Implantaten ist mittels Laserverfahren
möglich. Alles sinnvolle Anwendungen,
nur: „Jegliche Oberflächenbehandlung
kann die Titanoxide an der Oberfläche
verändern“, weiß Cihova, „und es ist
zu wenig erforscht, was das für die Interaktion
des Implantats mit dem Körper
und für seine Korrosionsbeständigkeit bedeutet.“
Diese Wissenslücke will die Empa-Forscherin
schließen. Schon als Bioingenieur-Studentin
begeisterte sich Cihova
für Materialwissenschaften. Daher schlug
sie für ihr Doktorat einen neuen Weg ein –
die Metallurgie –, um sich genauer mit
Materialien zu befassen. Nun richtet sie
ihre Expertise auf die Stelle, wo Metalloxide
und Biologie aufeinandertreffen: die
Grenzfläche zwischen Implantat und
menschlichem Körper.
„Solche Biogrenzflächen sind hochkomplex,
aber auch äußerst interessant“,
sagt die Forscherin. „Wenn man an Korrosion
denkt, dann denkt man an salziges
Meerwasser, feuchte Luft, vielleicht das
rostige Velo – aber nicht an den menschlichen
Körper.“ Dabei kann gerade der eine
durchaus überraschend aggressive Umge-
(Bild: Empa)
72 medizin&technik 06/2025
bung bieten, insbesondere, wenn Immunreaktionen
stattfinden. Immunzellen geben
diverse Stoffe ab, die unter anderem
den pH-Wert senken und das Implantat
angreifen können. Was macht der Körper
also mit Materialien, die wir als stabil ansehen?
Die Vorgänge auf (elektro-)chemischer
und biologischer Ebene sind komplex. Dazu
kommt, dass Titanoxid drei unterschiedliche
kristalline Formen annehmen
oder amorph, sozusagen strukturell undefiniert,
vorliegen kann. All diese Formen
unterscheiden sich in elektronischen und
elektrochemischen Eigenschaften und somit
potenziell auch in ihren Wechselwirkungen
mit dem Körper.
Die Oberflächenbehandlung von Implantaten
kann die Kristallformen der
Oxide verändern, am gesamten Implantat
oder nur punktuell. Um die Auswirkungen
insbesondere dieser lokalen Heterogenität
auf die komplexe Biogrenzfläche
zu verstehen, braucht es ein strukturiertes
Vorgehen. Zunächst stellen Cihova und
ihr Team in Zusammenarbeit mit den
Empa-Experten für Laserverarbeitung
von Metallen in Thun Mustersubstrate
mit unterschiedlich strukturierten Titanoxidschichten
her, die systematisch variieren.
Diese werden dann sukzessive immer
komplexeren Körperflüssigkeiten
ausgesetzt, um die fundamentalen Zusammenhänge
von Struktur, Eigenschaften
und Reaktivität der Oxide zu untersuchen.
Erst Wasser und Salze, später
Proteine und Zellen testen
„Wir beginnen mit simulierten physiologischen
Flüssigkeiten, die lediglich Wasser
und Ionen enthalten“, erklärt Cihova.
Dann kommen Proteine hinzu. Schließlich
planen die Forschenden zu untersuchen,
wie sich die Biogrenzfläche in Kontakt
mit lebenden Makrophagen-Zellen –
der Polizei des Körpers – verhält. Dafür arbeiten
sie mit Empa-Forschenden in St.
Gallen zusammen. „Ich freue mich sehr,
dass wir für dieses Projekt Kolleginnen
und Kollegen aller drei Empa-Standorte
begeistern konnten“, sagt Cihova. „Das
ermöglicht es uns, solche komplexen Fragestellungen
interdisziplinär anzugehen.“
Bei jedem der Schritte werden die Grenzflächen
mittels elektrochemischer Me -
thoden und mit hochauflösender Elektronen-
und Rasterkraftmikroskopie untersucht.
Die Empa-Forscherin hofft, dass die Erkenntnisse
zu sichereren und stabileren
Implantaten führen. Und auch, „dass wir
mehr darüber lernen, wie sich die faszinierende
Bandbreite von Oxideigenschaften
gezielt in der Biomedizin nutzen
lässt.“ Im Anschluss an ihr Ambizione-
Projekt 2028 will sie die Methoden auf
andere medizinische Materialien ausweiten.
„Auch in den aufstrebenden Bereichen
der Nanomedizin oder der implantierbaren
Sensorik ist das Verhalten von
Metalloxiden an Biogrenzflächen für deren
Performance zentral.“ (op) ■
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06/2025 medizin&technik 73
■ [ RECHT ]
Wenn eine Behörde
wie die FDA grundlegend
auf den Einsatz
von KI umstellt,
geraten Unternehmen
unter Zugzwang
(Bild: Supapich/stock.adobe.com)
FDA macht KI zum Standard: Was die
Medizintechnik in der EU tun muss
KI in Behörden und Unternehmen | Die US-amerikanische FDA hat den flächendeckenden Einsatz
generativer KI in allen Zulassungsprozessen angekündigt. Damit startet die Zulassungsbehörde
einen globalen Systemwechsel, der über die USA hinausstrahlen und die Medizintechnik verändern
wird. Was Hersteller jetzt tun können.
Im Juni 2025 hat die FDA ihre KI-Plattform
„Elsa“ offiziell gestartet – betrieben
auf AWS Govcloud. Sie ist ausgelegt
darauf, Review-Zyklen von Wochen auf
Stunden zu verkürzen, bei gleichzeitig lückenloser
Protokollierung jedes Schritts.
Die Ernennung von Jeremy Walsh zum
Chief AI Officer und die Einführung einer
formellen AI-Governance verdeutlichen:
KI ist in den USA zum strategischen Kernelement
der Regulierungsarbeit geworden.
Ziel ist es, wissenschaftliches Personal
zu entlasten, die Prüfqualität zu erhöhen
und die regulatorischen Durchlaufzeiten
deutlich zu verkürzen.
Nach einer erfolgreichen Startphase
scheint der Roll-out allerdings auch auf
Probleme zu stoßen: Mitarbeiter beklagen
laut einem Bericht von CNN falsche Antworten
und viel manuelles Nachprüfen.
Walsh und die FDA-Führung lassen sich
IHR STICHWORT
■
■
■
■
Wie die FDA KI künftig nutzen will
Was die EU tun könnte
Anforderungen an europäische
Medizinproduktehersteller
KI-Einführung im Unternehmen
davon nicht beirren und weisen auf umfassende
geplante Verbesserungen hin.
Bisher basieren Zulassungsverfahren
auf Word-Dossiers, PDFs und manuellen
Checklisten – Formate, die sich nur
schwer automatisiert verarbeiten lassen.
In Zukunft setzen Behörden daher auf
strukturierte Datenmodelle (wie FDA
E-Star). Der Trend zu noch stärker strukturierten
Zulassungen dürfte sich weltweit
fortsetzen. In Projekten wie „Elsa“
kommen bereits NLP-gestützte Verfahren
zum Einsatz, um Inhalte automatisch zu
extrahieren und mit regulatorischen Vorgaben
abzugleichen. Ziel ist, dass Fachleute
künftig vor allem Abweichungen
und KI-Vorschläge prüfen – stets im Human-in-the-loop-Verfahren,
das die FDA
bereits heute vorschreibt.
Vor dem aktuellen Vorstoß der FDA
gab es schon 2023 in Kanada und 2024 in
Europa erste Versuche, KI auch auf Behördenseite
intensiver zu nutzen. Mit ihren
Piloten blieben Health Canada und die
EMA aber auf einzelne Produktkategorien
beschränkt.
Die FDA geht deutlich weiter: Sie überträgt
KI-Reviews in den operativen Alltag
aller Zulassungsverfahren und setzt damit
neue Maßstäbe für Geschwindigkeit, Konsistenz
und Nachvollziehbarkeit. Die Entschlossenheit
und das Tempo, mit denen
die US-Behörde ihr KI-Programm vorantreibt,
kamen für viele Beobachter überraschend.
Auch für europäische Hersteller von
Medizinprodukten – insbesondere solche
mit Zulassungspflicht in den USA – ist diese
Entwicklung relevant. Sie dürfte alle
mittleren und großen Unternehmen sofort
betreffen, unabhängig vom Hauptsitz
– auch wenn es seitens der FDA bisher
noch keine konkreten Vorgaben gibt.
Zudem ist davon auszugehen, dass
Europa nachziehen wird – wenn auch vermutlich
in langsamerem Tempo. Mit der
seit 2021 umgesetzten MDR hat Europa
bereits strukturiertes technisches Dossier-
Management vorgeschrieben. Was jedoch
bisher fehlt, sind verbindliche Datenmodelle,
Vorgaben für maschinenlesbare
Formate und eine behördliche AI-Roadmap.
Die anstehende MDR-Überarbeitung
bietet nun die Chance, genau solche Leitplanken
zu setzen:
• einheitliche Daten-Ökosysteme,
• Qualitätsmetriken für KI-gestützte Reviews
und
• verbindlich implementierte Human-inthe-loop-Prozesse.
Damit ließe sich eine tragfähige Grundlage
für automatisierte, nachvollziehbare
Zulassungsverfahren schaffen – auch in
74 medizin&technik 06/2025
der EU. Laut International Medical Device
Regulators Forum (IMDRF) ist eine Harmonisierung
geplant, und Benannte Stellen
prüfen bereits mit KI.
Bei Entscheidern in Medizintechnik -
unternehmen hat die Ankündigung der
FDA für Unruhe gesorgt – und das zu
Recht. Wenn Regulierungsbehörden jetzt
schon Tools einsetzen, die Unternehmen
selbst noch nicht nutzen, kann das zum
Problem werden. Unabhängig von der europäischen
Reaktion müssen sich Hersteller
auf einen Wandel in Zulassungen und
Audits einstellen und auf die KI-Zukunft
vorbereiten. Das geht alle an, von der Forschung
und Entwicklung über die Regulatory-Teams
bis hin zur Führungsetage.
Diese Veränderungen können aber
auch eine Chance sein. Mit drei Maßnahmen
lassen sich Audit- und Zulassungs -
sicherheit erhöhen, Prozesse effizienter
gestalten und die bereichsübergreifende
Zusammenarbeit stärken.
Es geht zum Ersten darum, die regulatorische
Konformität strukturiert mit vernetzten
Daten nachzuweisen. Dafür werden
künftig verknüpfte Datenobjekte statt
einzelne PDFs und Tabellen gebraucht.
Eine KI kann dann feingranular regulatorische
Anforderungen Schritt für Schritt
prüfen und für jede Anforderung einen
Nachweis oder eine Erklärung suchen.
Strategischer
Schritt hin zur KI
Die Einführung KI-basierter Abläufe
im Unternehmen ist für Medizinproduktehersteller
eher eine strategische
Entscheidung als ein IT-Projekt.
Sie verändert grundlegend, wie Produktentwicklung
dokumentiert,
durchgeführt und überprüft wird –
auch für Lifecycle-Projekte. Gleichzeitig
schafft sie Raum dafür, dass
sich Teams um wertschöpfende Tätigkeiten
kümmern können.
Der Proof-of-Concept für so einen
Schritt dauert in der Regel sechs bis
acht Wochen – und liefert messbare
Ergebnisse. Ein Roll-out kann danach
starten und graduell erfolgen. Erste
R&D-Projekte lassen sich innerhalb
von zwei bis drei Monaten mit KI-generierten
Daten versorgen.
Sind Dossiers nicht entsprechend aufgebaut
und klar vernetzt oder fehlen gar
einzelne Nachweise, kann dies rasch als
mangelnde Compliance aufgefasst werden.
KI kann helfen, alle Anforderungen
lückenlos zu erfassen und die entsprechenden
Vernetzungen systematisch und
automatisiert zu erstellen.
KI ist beim Prüfen und
Vernetzen deutlich schneller
Zum Zweiten lässt sich KI als Effizienztreiber
einsetzen. Manuelle Extraktion,
Prüfung und Vernetzung erledigt KI stat
in Wochen in Stunden. Sie erkennt relevante
Passagen, extrahiert strukturierte
Informationen und integriert diese in zentrale
Systeme. Somit lassen sich Regularien
und deren Anforderungen wie auch
interne Dokumente rasch in Datenobjekte
umwandeln und vernetzen. Überträgt
man das einer KI, entfallen viele Dokumentationsaufwände,
für die Experten
Tage brauchten. Dazu zählen etwa das
Führen einer Traceability-Matrix, das
Schreiben von Requirements und Tests
oder das Erstellen von GPSR-Checklisten.
Die neue Verordnung 2023/988 zur allgemeinen
Produkt sicher heit (General Product
Safety Regulation – GPSR) hatte die
EU im Mai 2023 im europäischen Amtsblatt
veröffentlicht.
Zum Dritten ist es wichtig, Mitarbeiter
fit zu machen. Der Einsatz von KI verschiebt
nicht nur technische Abläufe, sondern
auch Aufgabenprofile. Regulatory
Affairs, Qualitätssicherung und F&E müssen
künftig stärker Hand in Hand agieren
– auf Basis gemeinsamer Datenmodelle
und Systeme. Dafür sind neue Kompetenzen
gefragt: vom Verständnis für Datenflüsse
über das kritische Einordnen von
KI-Ergebnissen bis hin zu Audit-sicherer
Dokumentation. Klare Rollenbeschreibungen,
gezielte Fortbildungen und agile
Strukturen helfen, Silos abzubauen – und
fördern eine Unternehmenskultur, die
kontinuierliche Optimierung ermöglicht.
Die FDA macht vor, wie die regulatorische
Zukunft aussieht. Für Hersteller ist
das ein Handlungsauftrag, datenbasiert
zu arbeiten, KI-Workflows einzuführen
und Teams weiterzubilden. Nur so bleibt
Europas Medizintechnik im globalen
Wettbewerb langfristig erfolgreich. ■
David Boutellier
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06/2025 medizin&technik 75
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■ [ MANAGEMENT ]
Mit modernen Softwaresystemen und
-prozessen die Entwicklung optimieren
Application Lifecycle Management (ALM) | Die Einhaltung von Regularien ist eine enorme
Herausforderung für Medizintechnikhersteller – vor allem, weil sie gleichzeitig effizient und
hochinnovativ arbeiten müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Geschäftsbereich Neuromodulation
von Medtronic hat das Dilemma mit einer zeitgemäßen ALM-Software gelöst.
(Bild: PTC)
Die Neuromodulationsabteilung von Medtronic implementierte Codebeamer von PTC, um
Probleme zu lösen, die das vorherige Software-Ökosystem nicht effizient lösen konnte
Compliance waren leistungsstarke Kernfunktionen
– wie Anforderungsmanagement,
Quellcodeverwaltung, Qualitätssicherung,
Testfunktionen und Dokumentenmanagement
– entscheidend. Zur Bewertung
zog Medtronic verschiedene Systeme
wie Atlassian Jira, Jama, Polarion
ALM, Version One, Rally und Codebeamer
heran. Die Wahl fiel auf Codebeamer, insbesondere
aufgrund der umfangreichen
Funktionen im Asset-Management, der
vollständigen Rückverfolgbarkeit, der erweiterten
Testmöglichkeiten und der
etablierten Best Practices rund um ALM
und Compliance. „Wir mussten die Kundenbedürfnisse
erfassen und sie bis hin zu
den Produktanforderungen, dem Design,
den Tests und dem Quellcode zurückverfolgen.
Codebeamer war das einzige Tool,
mit dem wir dies auf reibungslose Weise
tun konnten“, berichtet Sarb Singh-Kaur.
IHR STICHWORT
■
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PLM-Software für Medizinprodukte
Von Insellösungen zur integrierten
ALM-Plattform
Usability und Rückverfolgbarkeit
Compliance-Anforderungen steuern
Medtronic zählt zu den Pionieren der
elektrischen Stimulation in der Medizintechnik
und entwickelt innovative
Therapien für chronische Erkrankungen
wie Parkinson, Herzinsuffizienz und Diabetes.
Im Geschäftsbereich Neuromodulation
nutzte das Softwareteam eine Vielzahl
von Tools, um Produktanforderungen
in agilen Entwicklungsprozessen zu
verwalten. Die fehlende Integration dieser
Einzellösungen erschwerte jedoch die
Transparenz, insbesondere bei der Rückverfolgbarkeit
von Anforderungen bis
zum Quellcode und beim Export audit -
relevanter FDA-Dokumente. Um die Zusammenarbeit
von 250 Entwicklern und
Stakeholdern effizienter zu gestalten und
dem Ziel von Director Sarb Singh-Kaur
gerecht zu werden, Neuromodulation zu
einer modernen, integrierten Entwicklungsumgebung
zu transformieren, suchte
Medtronic gezielt nach einer flexiblen,
cloudbasierten ALM-Lösung. Diese sollte
agile Methoden, Entwicklung und Dokumentation
in einer skalierbaren Plattform
zusammenführen.
In erster Linie suchte das Team nach einer
nutzerfreundlichen Lösung mit übersichtlicher
Visualisierung und komfortabler
Navigation. Neben Rückverfolgbarkeit
und flexiblen Konfigurationsoptionen für
Tool Codebeamer treibt den
Wandel voran
Für die Migration wurden Daten aus den
bisherigen Tools mithilfe von APIs und
den Importfunktionen von Codebeamer
übertragen und die neue ALM-Software
zunächst auf einem Testserver eingerichtet.
Nach erfolgreicher Tool-Validierung
innerhalb von vier Wochen ging der Codebeamer
an den Start. Das Neuromodula -
tions-Team konfigurierte individuelle Tracker,
Projekte, Rollen und Workflows, um
die neuen internen Prozesse zu etablieren.
„Wir haben unsere Prozesse komplett
umgestaltet und Codebeamer als Tool genutzt,
um diesen Wandel voranzutreiben“,
so Sarb Singh-Kaur.
Die Produkte von Medtronic Neuromodulation
unterliegen strengen Normen
wie IEC 62304, IEC 82304, IEC 60601–1,
ISO 13485, ISO 14971 und verschiedenen
FDA-Vorschriften. Mithilfe der vorkonfi-
76 medizin&technik 06/2025
gurierten IEC 62304-Vorlage und individuell
angepasster Workflows in Codebeamer
konnte Medtronic die Compliance effizient
sicherstellen. Funktionen für Business
Process Management, Risikomanagement,
Qualitätssicherung, Tests und
elektronische Signaturen unterstützten
dabei die Umsetzung der regulatorischen
Vorgaben. Dank der automatischen Dokumentation
und der konfigurierbaren Berichtsoptionen
konnte der Aufwand für
Validierungsaudits deutlich reduziert
werden. Die Erstellung von Berichten zu
Entwicklungsprozessen ist nun schnell
und unkompliziert.
Auch die weitere Zusammenarbeit profitierte:
Die integrierte Single-Repository-
Architektur von Codebeamer ermöglicht
projektübergreifende Referenzierung und
many-to-many-Beziehungen über den gesamten
Produktlebenszyklus hinweg.
Rückverfolgbarkeit, Transparenz und Prozessmanagement
wurden deutlich verbessert,
da Workflows und Prozesse jetzt
zentral gesteuert und visualisiert werden.
Das gemeinsame Dokumentenmanagement
sorgt für Versionskontrolle, Nachvollziehbarkeit
und erleichtert den Audittrail.
Für den Wissensaustausch steht dem
Team eine versionierte Wissensdatenbank
mit interaktiven Dashboards zur Verfügung.
Die Erstellung von Baselines und
der Umgang mit Testfällen – von der Planung
über die Durchführung bis zur Auswertung
– sind durch die zentrale Plattform
stark vereinfacht. Das Reporting
über sämtliche Prozesse, Rückverfolgbarkeit
und Zugriffskontrolle erfolgt nun effizient
und transparent.
Codebeamer hat Medtronic innerhalb
weniger Wochen ermöglicht, Herausforderungen
zu bewältigen, die viele Entwicklerteams
für Medizingeräte und Embedded
Software kennen. Die Anwenderzahl
stieg rasch von zunächst 200 auf 250.
Aktuell prüft Medtronic, die Lösung auch
in weiteren Abteilungen einzusetzen. ■
René Zölfl,
PTC, München
ALM auf einen Blick
Die Anwendungslebenszyklus-Verwaltung
(Application Lifecycle Management,
ALM) ist der strategische Prozess des Verwaltens
eines Software- oder Produkt-Lebenszyklus
von der ersten Idee über den
Entwurf, die Entwicklung, das Testen, die
Bereitstellung und das Ende des Lebenszyklus.
ALM ermöglicht Softwareingenieur-Teams
die Zusammenarbeit an Projekten
unter Verwendung bewährter agiler
Methoden und zuverlässiger, aktueller
Informationen. Es hilft dabei, die Komplexität
der modernen Softwareentwicklung
zu managen. Codebeamer erweitert
ALM um Funktionen zur Konfiguration
von Produktlinien und bietet eine Konfigurierbarkeit
für komplexe Prozesse. Die
Lösung ermöglicht digitale Workflows für
effizientes gemeinsames Arbeiten an der
Entwicklung und unterstützt die Einhaltung
gesetzlicher Vorschriften.
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06/2025 medizin&technik 77
■ ■ [ MEDIZINTECHNIK INSIGHT ]
KRISENVORSORGE BEDEUTET
GUTE VORBEREITUNG – JETZT
Was die Medizintechnik leisten könnte | Eine Krisensituation oder gar ein Kriegsszenario
fordern von allen, anders zu handeln als im gewohnten Alltag. Vorbereitungen dafür sind
auch für Medizintechnik-Unternehmen wichtig, sagt Stefan Geiselbrechtinger. Er betrachtet
das Thema in seiner Rolle als Geschäftsführer des Orthesenherstellers Oped, aber auch
aus Sicht einer neu gegründeten BVMed-Taskforce.
■ Skalierbares Dual-Use-System struktur: Da glaubt eigentlich niemand, durchgespielt werden. Wie viele Verwundete
eher, dass eine Strategie dahintersteckt.
Ich persönlich hoffe, dass es
nicht zu einer ernsteren Krise kommen
wird. Aber falls doch, wäre es besser,
darauf vorbereitet zu sein. Dazu laufen
derzeit viele Gespräche zu vielen Aspekten
der Vorbereitung. Die Gesundheitsversorgung
ist einer davon. Darüber
sprechen Politiker und Fachleute bei der
Bundeswehr, die sich mit Medizinern
und Krankenhäusern austauschen –
und inzwischen auch mit der Medizintechnik,
die in einem solchen Szenario
natürlich eine Rolle spielt.
■ Wie stark ist die Medizintechnik-
Branche bisher eingebunden?
Wir stehen als Branche noch am Anfang.
Bisher war die Lesart eher, dass
die Medizintechnik „ja eh da“ sei. Aber
auch eine Industriesparte muss sich natürlich
vorbereiten, und darüber haben
wir in den vergangenen Monaten mit
vielen Stellen gesprochen. Inzwischen
gibt es Interesse am Austausch mit den
Medizinprodukteherstellern. Das Ziel
Stefan Geiselbrechtinger ist Geschäftsführer des Orthesenherstellers Oped im
ist allerdings nicht das Gespräch mit
bayrischen Valley und beteiligt sich als Vorstandsmitglied des BVMed an der
einzelnen Unternehmen, sondern das
Taskforce „Zivilschutz und Katastrophenvorsorge“
Definieren einer gemeinsamen Strategie
für die Branche. Der BVMed hat dazu
die Taskforce Zivilschutz und Krisenvorsorge
gegründet, in der ich mitarbeite.
■ Herr Geiselbrechtinger, wie wichtig ist
Wir haben uns schon einige Male
IHR STICHWORT
Gesundheitsversorgung in Krisenzeiten? getroffen und Ideen erarbeitet und setzen
unsere Treffen jetzt im Herbst fort.
Wer spricht dazu gerade mit wem?
■
■
■
Rolle der Medizintechnik-Industrie
im Krisenfall jetzt definieren
Gemeinsame Strategie
Digitalisierung nutzen
Dass eine Krise eintreten könnte, ist
derzeit ein intensiv diskutiertes Thema.
Berichte über Drohnensichtungen und
Verletzungen des Nato-Luftraums,
Hackerangriffe und lahmgelegte Infra-
■ Was sind die bisherigen Erkenntnisse?
Wenn Sie sich mit Ärzten oder Experten
der Bundeswehr unterhalten, geht es in
deren Überlegungen um Szenarien, die
dass das alles Zufälle sind, sondern
wären zu erwarten, wo
wer-
(Bild: BVMed)
78 medizin&technik 06/2025
den Menschen verletzt, wo kann man
sie behandeln, wie erfolgt die Verteilung
auf zivile Krankenhäuser. Dabei
taucht unter anderem die Frage auf,
mit welchen Medizinprodukten man sie
versorgt. Wie viel davon ist wo verfügbar?
Wie resilient ist die Produktion?
Wie schnell kann die Industrie die Lieferungen
hochfahren? Und man stößt auf
Themen, die das eigene Unternehmen
betreffen. Zum Beispiel die, wie viele
und welche Mitarbeiter mir eigentlich
im Krisenfall zur Verfügung stehen –
Es geht nicht um Vorteile
für Einzelne, sondern um
eine Branchenstrategie
weil diese vielleicht bei THW oder Feuerwehr
tätig sind, Militärdienst leisten
oder ganz andere Aufgaben übernehmen
müssten. Dann wird klar, dass es
wirklich an der Zeit ist, sich mit diesem
Thema näher zu beschäftigen.
■ Wie kann die Branche reagieren?
Ich denke, es braucht zunächst zwei
Dinge. Der erste Punkt, mit dem wir
beim BVMed in der Taskforce schon angefangen
haben, ist, alle Fragen zu
sammeln, die in diesem Zusammenhang
relevant sind. Der nächste Punkt –
und auch das ist erfolgt –, ist, die Fragen
bei den Unternehmen bekannt zu
machen. Und schließlich werden wir eine
digitale Lösung, eine Datenbank
brauchen, um Informationen zu verfügbaren
Produkten und Kompetenzen im
Notfall schnell zu Hand zu haben. Das
ist sicher etwas, das wir aus der Pandemie-Zeit
lernen können: Übergeordnete
Informationen zu nutzen, statt sich aus
Mangel an Alternativen auf wenige persönliche
Kontakte verlassen zu müssen.
Aber wir sollten uns eben nicht nur auf
den einen Krisenfall vorbereiten, der
hoffentlich nie eintritt, sondern Parallelen
gleich mit betrachten.
■ An welche Parallelen denken Sie da?
In einer Krisensituation müssen wir in
der Lage sein, einen Mangel auszugleichen
und das verfügbare Material und
Personal geschickt einzusetzen. Die
gleichen Aufgaben erwarten uns, wenn
wir uns darauf vorbereiten, in einer alternden
Gesellschaft zurechtzukommen.
Heißt: Weniger Fachkräfte, aber
hoher Bedarf an Gesundheitsleistungen.
Der Unterschied zum Krisenfall ist
die Zeit, die zur Vorbereitung bleibt.
■ Gibt es Schätzungen für die verbleibende
Zeitspanne?
Keine, die mir bekannt sind. Das ruft
natürlich einen gewissen Druck hervor.
Aber vielleicht ist dieser Druck auch
das, was wir jetzt brauchen, um Veränderungen
im Gesundheitssystem anzustoßen,
die uns dann auch ohne Krisenfall
zu Gute kommen. Verfügbarkeit zu
organisieren ist besser, als riesige Lager
mit Produkten zu füllen, die ein Verfallsdatum
haben und womöglich entsorgt
werden müssen. Und um Verfügbarkeit
zu schaffen, brauchen wir mehr
digitale Lösungen, sowohl in den Krankenhäusern
als auch in der Industrie.
■ Wie gut sind Sie bei Oped auf so eine
Situation vorbereitet?
Immerhin teilweise. Wir haben schon
vor zwei Jahren unsere Lieferketten genauer
betrachtet und Maßnahmen für
mehr Unabhängigkeit definiert. In unseren
Orthesen verwenden wir textile
Bestandteile. Diese werden derzeit in
China und in Taiwan hergestellt. Schon
jetzt sind die Aktivitäten der Huthi-Rebellen
am Suez-Kanal ein Risiko für unsere
Lieferkette. Wir können uns nicht
darauf verlassen, dass alle Bestandteile
kurzfristig und wie geplant geliefert
werden. Daher haben wir rund zwölf
Millionen Euro investiert und deutlich
mehr Lagerkapazitäten geschaffen, um
einen Puffer zur Verfügung zu haben.
Ein Konflikt zwischen China und Taiwan
etwa wäre ein weiteres Thema, das uns
vor große Probleme stellen könnte. Da-
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06/2025 medizin&technik 79
■ ■ [ MEDIZINTECHNIK INSIGHT ]
her werden wir eine Produktion an einem
dritten Standort aufbauen, geplant
ist derzeit Vietnam.
■ Wie viel mehr müssten Sie tun, um die
Ideen aus der Taskforce umzusetzen?
Schwer zu sagen. Wir haben mit den
genannten Aktivitäten vielleicht dreißig
bis vierzig Prozent dessen umgesetzt,
was möglicherweise zu tun wäre.
Was die Taskforce vorschlägt
■ Welche Rolle spielen unternehmerische
Gedanken mit Blick auf die Sondervermögen
des Bundes?
Ein Unternehmen hat natürlich das Ziel,
Geld zu verdienen. Bei den Vorbereitungen
auf einen Krisenfall sollten diese
Überlegungen meiner Meinung nach
jedoch hintanstehen. Da geht es nicht
um den Wettbewerbsvorteil und zusätzlichen
Absatz Einzelner, die größere
Mengen ihrer Produkte verkaufen können.
Wichtiger ist, dass wir zu einer gemeinsamen
funktionierenden Strategie
kommen – die nicht allein auf den Krisenfall
ausgerichtet ist, sondern Lösungen
einschließt, die unsere Gesundheitsversorgung
zugleich auf eine alternde
Gesellschaft vorbereiten. Und
wenn wir uns Gedanken um Produktivität
machen, wie man also mit weniger
Fachkräften mehr produzieren kann, ist
das am Ende auch ein unternehmerischer
Vorteil.
■ Was ist im Bereich Sondervermögen
für die Gesundheit eingeplant?
Dazu gibt es meines Wissens noch keine
konkreten Zahlen. Es ist aber auch
sinnvoller, die Überlegungen umzudrehen:
Erst die sinnvolle Strategie zu entwickeln
und dann darüber nachzudenken,
welche finanziellen Mittel wo am
meisten Nutzen bringen.
Zu einem dualen Versorgungskonzept,
wie es die BVMed-Taskforce Zivilschutz
und Krisenvorsorge vorschlägt, gehören
unter anderem folgende Ideen.
■ Netzwerk aus Versorgungsknoten:
Es existieren bereits Traumazentren-
Verbundsysteme, in denen schwer Verletzte
nach dem „Schockraum“ Prinzip
verteilt werden. Das Konzept ließe sich
erweitern, indem ausgewählte Krankenhäuser
als regionale Cluster-Hubs
fungieren, die Kapazitäten freihalten
oder kurzfristig ausbauen können. Im
Alltag könnten diese Hubs eng mit
medizintechnischen Dienstleistern kooperieren.
■ Skalierbare Infrastruktur:
Eine modulare Feldklinik könnte in
Friedenszeiten beispielsweise als temporäre
Einrichtung bei Großschadenslagen
oder zur Entlastung von Kliniken
genutzt werden. Solche Multifunk -
tions-Einheiten wie Containerkliniken
mit modularen OPs könnten von der
Industrie entwickelt, mit THW, Bundeswehr
und Zivilschutz geprobt und
im Depot bereitgehalten werden.
■ Personal-Pool mit Doppelfunktion:
Medizinisches Fachpersonal, das im
Alltag in Kliniken oder bei Unternehmen
arbeitet, wechselt im Krisenfall in
einen „Reservisten-Status“ und steht
dem Gesundheitssystem zur Verfügung.
■ Versorgungspfade abbilden:
Digitalisierung kann helfen, die Versorgungspfade
flexibel zu steuern. Beispielsweise
könnte ein zentrales Patientensteuerungssystem
im Friedensbetrieb
dazu dienen, bei Großunfällen
oder Engpässen Patienten zwischen
Bundesländern zu verteilen. Im Bündnisfall
skaliert dasselbe System auf
Tausende Verwundete. Wichtig ist dabei:
Alle Beteiligten kennen das System
bereits aus Übungen oder einem
kleineren Ernstfall.
Die Digitalisierung ist laut BVMed für all
das ein „Enabler“ – also ein Ermöglicher
für die skalierbaren Ansätze.
■ Die BVMed-Taskforce schlägt vor, ein
duales Gesundheitssystem aufzubauen,
das im Alltag läuft, sich im Krisenfall aber
hochskalieren lässt. Muss man dafür das
bestehende System umkrempeln?
Wir können gar nicht anders als auf
dem aufzubauen, was wir haben. Aber
heute rechnet sich eine Klinik nur,
wenn sie zu einhundert Prozent ausgelastet
ist. Im Krisenfall mit hunderten
zusätzlichen Verletzten pro Tag reicht
uns das nicht. Daher ist eine skalierbare
Lösung, die wir Dual-Use-System nennen,
der bessere Weg.
■ Wie konkret sind die Überlegungen?
Die Planungen laufen, aber es werden
sicherlich noch viele Ideen hinzukommen
oder Änderungen erforderlich sein.
■ Was ist eine „resiliente Medizintechnik“,
wie es der BVMed formuliert?
Bei der Resilienz geht es vor allem um
die Organisation der Branche, das Wissen
um Verfügbarkeiten und die Zusammenarbeit
mit den Gesundheitsversorgern.
Überlegungen können aber
auch Produkte selbst betreffen. Was
machen wir denn im Krisenfall, wenn
für ein gemäß MDR mit großem Aufwand
zertifiziertes Produkt ein Zulieferer
plötzlich ausfällt? Dann muss ein
anderes Teil oder Material an die Stelle
treten. Für das derzeitige Zertifizierungsverfahren
werden wir dann wohl
keine Zeit haben. Andererseits hätten
dann erfahrene Mitarbeiter in der Qualitätssicherung
und Dokumentation
weniger zu tun – und könnten vielleicht
in der Produktion aushelfen, wenn wir
sie schnell einlernen können.
■ Werden die Ideen in der Medizintechnik
schon ausreichend diskutiert ?
Für die ersten Sitzungen der Taskforce
war das Interesse groß. Aber ich denke,
dass das Thema und seine Konsequenzen
für jedes einzelne Unternehmen
noch nicht ausreichend in der Branche
bekannt sind. Das wollen wir ändern.
Für den BVMed ist die Krisenvorsorge
aktuell eines der zentralen Themen.
■ Was können Unternehmen tun, die
aktiv werden wollen?
Ich denke, es ergibt Sinn, die entsprechenden
Überlegungen in größeren Zusammenhängen,
sprich in Verbänden,
anzustellen – nicht als Einzelkämpfer.
Eine Kontaktaufnahme mit der BVMed-
Taskforce wäre auf jeden Fall eine Möglichkeit,
aktiv zu werden. Aber ich gehe
davon aus, dass sich dazu auch eine Zusammenarbeit
zwischen verschiedenen
Verbänden entwickeln wird.
Dr. Birgit Oppermann
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80 medizin&technik 06/2025
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06/2025 medizin&technik 81
ISSN 1863–7604
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Leinfelden-Echterdingen
Embedded Systems
Box-PC als Plattform für KI-gestützte Diagnostik
in der Medizin
Mit dem Medico Box PC AI adressiert die
ICO Innovative Computer GmbH, Diez,
die steigende Nachfrage nach KI-fähigen
Embedded-Systemen im medizinischen
Umfeld. Der lüfterlose Box-PC ist auf Anwendungen
ausgelegt, die hohe Rechenleistung,
große Datenmengen und nahtlose
Integration in klinische IT-Infrastrukturen
erfordern – etwa in der bildgebenden
Diagnostik, bei intelligenten Assistenzsystemen
oder in der medizinischen Bildverarbeitung.
Kern des Systems ist ein Intel
Core i5–12500TE Prozessor mit sechs Performance-Kernen,
der selbst komplexe Algorithmen
in Echtzeit verarbeiten kann.
Zahlreiche Schnittstellen ermöglichen eine
nahtlose Anbindung von Sensoren,
medizinischen Geräten und Netzwerkinfrastrukturen:
drei Gigabit-LAN-Ports,
acht USB-Schnittstellen, zwei RS232/
422/485-Schnittstellen sowie VGA, DVI-D
und DisplayPort für flexible Bildausgabeoptionen.
Das Gerät ist zertifiziert nach
EN60601–1 und erfüllt damit zentrale Sicherheitsanforderungen
für den Einsatz
in klinischer Umgebung. Mit seiner kompakten
Form, einem internen 900-W-
Netzteil und Windows-11-Kompatibilität
bietet der Box-PC eine zukunftssichere
Plattform für KI-gestützte Medizintechnik.
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www.ico.de
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Für sterile oder korrosive Umgebungen
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EWZK_ES: Sie gleicht hohe axiale Versätze
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