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medizin&technik 06.2025

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06.2025

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Ingenieurwissen

für die Medizintechnik

TITELTHEMA

Medtech-Markt Indien

Warum der Subkontinent

der Branche so viele Chancen bietet

Seite 30

Krisenvorsorge

Was die Medizintechnik tun sollte,

um besser vorbereitet zu sein Seite 78

SPECIAL

Antriebstechnik: Präzise Motoren,

Präzisionsgetriebe, Umrichter Seite 57

Messe

Medica/Compamed

Neue Produkte und Trends

17. – 20.11.2025 Seite 15


COMPAMED Düsseldorf

17.– 20. November 2025

Halle 8a, Stand G16

Ganz nah am Menschen

Wir wissen, dass in der Medizintechnik Qualität, Zuverlässigkeit und Vertrauen von

grösster Wichtigkeit sind. Denn unsere präzisen Antriebssysteme werden nicht nur in

Operationsrobotern, Beatmungsgeräten und Insulinpumpen eingesetzt, sondern auch

in implantierbaren Systemen. Gemeinsam finden wir immer eine Lösung.

medizintechnik.maxongroup.de

Precision 2 medizin&technik Drive Systems 06/2025


Internationale Entwicklung

beeinflusst die Branche

Starkes Wachstum. Chancen für europäische Unternehmen.

Das ist es, was Prognosen zum Medizintechnik-Markt in

Indien ergeben. Was diesen Markt so interessant macht, warum

ein Start dort vermutlich dennoch kein reines Zuckerschlecken

ist und wieso es sich trotzdem lohnt, die Möglichkeiten zu sondieren,

verrät das Titelthema dieser Ausgabe ab Seite 30.

Internationale Geschäfte sind auch das Ziel der Messen Medica

und Compamed im November in Düsseldorf. Einen ersten Einblick

gibt unser Sonderteil ab Seite 15. Darin berichten wir zum

Beispiel über einen gasbasiertem Antrieb für kleine Bewegungen

in Medizinprodukten, für den ein amerikanisches Unternehmen

winzige Bauteile aus Edelstahl brauchte(Seite 20). Oder

über eine Automatisierungslösung (Seite 28), mit der sich im

Reinraum nicht nur Pflanzen für den medizinischen Gebrauch

vermehren lassen.

Besondere Anwendungen sind auch Thema im Special Antriebstechnik

ab Seite 57. So helfen etwa präzise Kleinmotoren dabei,

Spinnenseide zu gewinnen, an deren Fäden entlang unterbrochene

Nervenbahnen heilen sollen.

International relevant ist, was die FDA schon jetzt mit Hilfe

künstlicher Intelligenz tut und was sie für die Zukunft plant.

Warum das Konsequenzen für Medizinprodukte-Hersteller auf

der ganzen Welt hat, lesen Sie in der Rubrik Recht ab Seite 74.

Materialschonende

Mikrobearbeitungen

in der Medizintechnik

Gratfreies Strukturieren

und Gravieren

Schwarzmarkieren

Präzises Laserbohren

und Laserschneiden

Und darauf, dass internationale Entwicklungen in ganz anderer

Weise für die Branche wichtig sein können, weist Stefan Geiselbrechtinger

im Interview ab Seite 78 hin. Der Geschäftsführer

des Prothesenherstellers Oped engagiert sich in einer BVMed-

Taskforce in Sachen Krisenvorsorge – und betont, dass dieses

Thema in der Branche noch viel bekannter werden muss.

Dr. Birgit Oppermann

Innovationstag Medizintechnik Stuttgart 2026 – save the date!

Am besten schon den Termin für die nächste Live-Veranstaltung

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Medizintechnik findet am 24. März 2026 statt. Programm folgt.

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06/2025 medizin&technik 3


30

(Bild: UKS)

■ Medizin im Dialog

Roboter im OP

Welches Potenzial ein sechsachiger

Roboter im OP hat, erläutert Orthopäde

Dr. Philipp Winter. Von seiner Genauigkeit

profitieren auch Knie-OPs ...........12

12

Dr. Philipp

Winter hat

gemeinsam mit

Kollegen die

Roboterlösung

für Knie-OPs

erarbeitet

Messe

Compamed/Medica

Übersicht ...........................................15

Zwei Leitmessen als Taktgeber der

Gesundheitswirtschaft .......................16

Flexible Miniaturpumpe für

verschiedene Applikationen ...............18

Mit Gasdruck den Wirkstoff

durch die Haut bringen ......................20

Schlauchmontage im Reinraum .........24

Neue Marke für Medizintechnik .........25

UV-Faserlaser für die Präzision ...........26

Sterile Verpackung aus Klinikmüll .....26

■ Technik

Entwicklung & Komponenten

Hyperspektralkameras im UV-Bereich

für neue Anwendungen ......................36

MRT trotz Implantat – wie Simulation

vor Hitzeschäden schützt ...................38

Kontrollierte Medikamenten-Injektion

direkt am Körper ................................42

Elektrische Bauteile

Wie sich mehr Bauteile in Leiterplatten

und Module einbetten lassen .............44

Kraft, Druck und Drehmoment präzise

messen in der Medizintechnik ............46

3D-Druck

3D-Druck-Potenzial von LMM für

Medizinprodukte nutzen ....................48

Lasertechnik

Metalle und Kunststoffe mit dem Laser

sicher beschriften ..............................50

Automatisierung

High-End-Fertigung von Schnittblöcken

für Kniegelenke auf 61 m 2 ..................52

PEEK-Healing-Caps aus dem Reinraum

– automatisiert gefertigt ....................54

Reinraum

Schutz vor Feinstaub beim Montieren von

Teilen für Medizinprodukte ................56

Special

Antriebstechnik

Übersicht ...........................................57

Spinnenseide gewinnen, damit

Nervenschäden wieder heilen ............58

KI-gestützte Regelung von

BLDC-Motoren ...................................60

Industrial AI – kein Zukunftsthema ....60

Selbsthemmende Bremse für die

Medizintechnik ..................................61

Hand-Exoskelett – bewegt mit Drähten

aus Formgedächtnislegierungen ........62

Im Reinraum automatisiert

Medizinpflanzen vermehren ..............28

15

(Bild: Messe Düsseldorf/ctillmann)

Messe

Medica/

Compamed:

Neue

Produkte,

Trends und

Technologien

in

Düsseldorf

4 medizin&technik 06/2025


Titelthema

Indien setzt auf

Hightech-Medizin

Der indische Medizintechnikmarkt wird

nach allen Prognosen in den nächsten

Jahren stark wachsen. Deutsche Hersteller

können partizipieren – wenn sie die

richtigen Produkte haben ...................30

(Bild: G-images/stock.adobe.com)

(Bild:pavlodargmxnet/stock.adobe.com)

Hybridlager für

Kurzhubanwendungen .......................64

Platzsparender Linearantrieb .............64

Hochgeschwindigkeit in der

Dentalfräsmaschine ...........................66

Injizierbare Medikamente automatisiert

steril befüllen ....................................68

Galaxie-Antrieb sorgt für präzise

Kapselbefüllung .................................70

57

Antriebstechnik: Präzise Motoren,

Getriebe, Umrichter und die Messe

SPS

■ Fokus Forschung

Materialwissenschaft

Forschende am EMPA untersuchen,

warum Implantate im Körper

versagen ............................................72

■ Recht

KI in Behörden und Unternehmen

FDA macht KI zum Standard: Was die

Medizintechnik in der EU tun muss ....74

■ Management

Application Lifecycle Management

Mit moderner ALM-Software die

Entwicklung optimieren ....................76

■ Medizintechnik Insight

Medizintechnik in Krisensituationen

Was die Medizintechnik für die

Krisenvorsorge leisten könnte ............78

Rubriken

Editorial ............................................03

Nachrichten .......................................06

Innovationen .....................................82

Impressum .........................................82

Zum Titelbild: Der Medizintechnik-Markt in

Indien entwickelt sich weiter. Einheimische

Produkte sind dort stärker gefragt – aber

nicht nur diese (Bild: G-images/stock.adobe.com)

Düsseldorf, 25. – 27.11.2025

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Antriebssysteme

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Kompakte FAULHABER Kleinstantriebe

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Roboterhänden feinfühlige

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und Geschwindigkeit mit ihrem

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06/2025 medizin&technik 5

WE CREATE MOTION


■ [ NACHRICHTEN ]

Branchen-Stimmung

leicht aufgehellt

Einen Umsatzanstieg von rund 3,1 % gegenüber dem

Vorjahr erwarten die Medizintechnik-Unternehmen,

die sich an der BVMed-Herbstumfrage beteiligt haben.

Die Umsatzentwicklung der deutschen Medizintechnik hat sich laut

BVMed-Herbstumfrage leicht erholt.

(Bild: pgottschalk/stock.adobe.com)

Die Stimmung in der Medizintechnikbranche hat sich laut

BVMed-Herbstumfrage 2025 leicht verbessert. 116 Unternehmen

erwarten im Schnitt 3,1 % mehr Umsatz als im Vorjahr.

Sie hoffen, dass die neue Bundesregierung Bürokratie abbaut,

Mittelstand und Innovation gezielt fördert. Der Umsatz erholt

sich langsam. Doch hohe Kosten für Bürokratie, Zertifizierungen,

Personal, Logistik und Energie bremsen die Entwicklung.

Mehr als die Hälfte der Unternehmen rechnet mit schlechteren

Gewinnen als im Vorjahr – kleine und mittlere Betriebe sind besonders

betroffen.

„Die KMU-geprägte Branche erstickt unter Bürokratie und Berichtspflichten,

ohne dass diese die Versorgung oder Sicherheit

der Patienten verbessern“, sagt BVMed-Geschäftsführer Dr.

Marc-Pierre Möll. Deshalb steht Bürokratieabbau ganz oben auf

der politischen Agenda. Besonders wichtig sei den Unternehmen

auch, dass die MDR rasch vereinfacht und transparenter wird.

Als Hauptproblem sieht die Branche den starken Kostenanstieg

in Deutschland. 80 % der Firmen klagen über steigende Bürokratiekosten,

65 % über höhere Zertifizierungskosten durch die

MDR, 64 % über teureres Personal. Der Druck auf die Gewinne

dämpft die Investitionen: 22 % der Unternehmen investieren weniger,

19 % mehr, 31 % verlagern Investitionen ins Ausland.

Das EU-Regelwerk MDR gilt nicht mehr als überlegen gegenüber

dem US-System der FDA. 56 % der Firmen bevorzugen die FDA,

nur 14 % die MDR. Die Unternehmen fordern vor allem kalkulierbare

Kosten, den Verzicht auf Re-Zertifizierungen alle fünf

Jahre und klare Fristen. Die Branche beschäftigt rund 212 000

Menschen in Deutschland und wirkt gesamtwirtschaftlich auf

450 000 Jobs. 2024 lag der Umsatz über 41 Mrd. Euro, die Exportquote

bei 68 %. Damit schaffe die Medtech-Branche doppelt

so viele Arbeitsplätze, mehr Produktionswert und größere Impulse

als die Pharmaindustrie, so BVMed-Vorstand Mark Jalaß.

Neues aus dem

Online-Portal

Innovationstag Medizintechnik

Webcast jetzt zum Download verfügbar

Wie gestalten führende Köpfe die Zukunft der Medizintechnik?

Beim digitalen „Innovationstag Medizintechnik“ Anfang

Oktober gaben Expertinnen und Experten aus Entwicklung, IT

und Fertigung exklusive Einblicke in aktuelle Projekte, neue

Technologien und erfolgreiche Praxisbeispiele. Das kompakte

Programm reichte von Human Factors in KI-gestützter Medizintechnik

über Cybersecurity und smarte ERP-Lösungen bis

hin zu Innovationen in der Qualitätssicherung und neuartigen

Anwendungen für Antiseptik.

Sie haben den Live-Termin verpasst oder möchten einzelne

Beiträge noch einmal anhören? Der Webcast steht jetzt zum

Download bereit – einfach anfordern unter www.medizinund-technik.de/innovationstag-medizintechnik

Abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter auf:

www.medizin-und-technik.de

Auf LinkedIn finden Sie uns unter: @medizin & technik

Medizintechnikmarkt Polen

Wachstum durch EU-Gelder und

Strukturwandel

Der polnische Markt für Medizintechnik wächst –

angetrieben von EU-Geldern, Sonderfonds und

höheren öffentlichen Ausgaben. Auch deutsche

Hersteller sind gut vertreten, stehen jedoch vor

stärkerem Wettbewerb. Das polnische Gesundheitsministerium

verfolgt laut Germany Trade &

Invest (Gtai), Berlin, einen umfassenden Umbau

der Krankenhauslandschaft: Weniger, dafür aber

stärker spezialisierte Kliniken sind das Ziel. Diese

Reform ist Voraussetzung für weitere EU-Fördermittel,

die eine entscheidende Rolle bei der

Modernisierung medizinischer Einrichtungen

spielen – besonders in den Bereichen Kardiologie

und Onkologie. Bei Investitionen greifen polnische

Kliniken häufig auf Technik aus Deutschland

zurück. Nach Angaben der Gtai beliefert Siemens

Healthineers 2025 etwa das Łukasz-Krankenhaus

in Tarnów und das Żeromski-Krankenhaus in

Krakau. Das Krankenhaus in Zduńska Wola wird

von Karl Storz mit Instrumenten für Bauchspiegelungen

ausgestattet.

6 medizin&technik 06/2025


SILICONE

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Silikonspritzguss zu werden, entwickeln wir

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06/2025 medizin&technik 7

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■ [ NACHRICHTEN ]

In Kürze

Laserbasierte Mikrobearbeitung

Aerotech, Spezialist im Bereich Präzisionsbewegungssteuerung

und Automatisierung,

arbeitet künftig mit

Light Conversion zusammen, einem

Pionier auf dem Gebiet der Femtosekundenlaser

und -lasersysteme mit

einem modernen 400 m 2 großen Forschungs-

und Entwicklungseinrichtung

in Sunnyvale , Kalifornien. Das

neue Labor wurde im Februar 2025

eröffnet. Aerotech liefert dafür ein

kundenspezifisches Laserscan- und

Bewegungssteuerungssystem für den

Einsatz in hochpräzisen Anwendungen

der Halbleiter-, Elektronik- und

Medizingeräteherstellung.

Mikrobiologie und Hygiene

Das NMI Naturwissenschaftliche und

Medizinische Institut und die Hochschule

Reutlingen verstärken weiter

ihre Kooperation. Zum 1. Oktober

wurde Dr. Xin Xiong, Gruppenleiter

Biopolymers & Interfaces am NMI,

auf die neu geschaffene Professur für

Mikrobiologie und Hygiene an der

Fakultät für Life Sciences der Hochschule

berufen. Er wird dort künftig

mit einem Auftrag von knapp 50 %

lehren und zugleich weiter als Gruppenleiter

am NMI arbeiten. Im Rahmen

seiner Lehre wird Xiong Themen

aus der Mikrobiologie und Hygiene

mit anwendungsnahen Fragestellungen

der Biomaterialien, Oberflächen -

interaktionen und innovativen Drug-

Delivery-Systeme verknüpfen.

Preis für Sensorik und Messtechnik

Der AMA Verband für Sensorik und

Messtechnik (AMA) ruft Wissenschaftler

und Entwickler aus Industrie

und Forschung auf, sich um den mit

10 000 Euro dotierten AMA Innova -

tionspreis 2026 zu bewerben. Gesucht

werden wegweisende Forschungs-

und Entwicklungsergebnisse

aus der Sensorik und Messtechnik

mit erkennbarer Marktrelevanz. Einsendeschluss

ist der 22. Januar 2026.

Bewerben können sich Einzelpersonen

und Entwicklerteams, deren

Lösungen durch ihre Innovation und

wirtschaftliche Relevanz überzeugen.

Börsendebüt

Prothesenhersteller Ottobock platziert 12,2 Millionen Aktien

an der Frankfurter Börse

Der deutsche Medizintechnik-Spezialist

Ottobock ist seit dem 9. Oktober an der

Frankfurter Börse gelistet und schreibt

damit ein neues Kapitel seiner Unternehmensgeschichte.

Der erste Kurs der Ottobock-Aktie

lag bei 72 Euro – dies sei ein

starkes Signal für das Vertrauen der Investoren

in das international aktive Unternehmen

aus Duderstadt, heißt es. Ottobock,

seit über 100 Jahren für Innovationen

in der Prothetik und Orthetik bekannt,

will die Erlöse aus dem Börsengang

gezielt in Zukunftstechnologien investieren.

„Gemeinsam gehen wir den

nächsten Schritt, um auch in Zukunft mit

wegweisenden Technologien unsere Industrie

zu revolutionieren“, betont der

Verwaltungsratsvorsitzende Prof. Hans

Georg Näder, der Ottobock als Mehrheitseigentümer

weiterhin prägt. CEO Oliver

Jakobi ergänzte: „Mit dem zusätzlichen

Kapital werden wir die Mensch-Maschine-Schnittstelle

weiterentwickeln und unser

globales Versorgungsnetzwerk ausbauen.“

Insgesamt wurden knapp 12,2

Millionen Aktien platziert, die Marktkapitalisierung

liegt bei rund 4,2 Mrd. Euro.

Der Bruttoerlös aus der Kapitalerhöhung

beläuft sich auf etwa 100 Mio. Euro und

soll Innovationen im Medizintechnikbereich

ermöglichen. Mit dem Börsengang

festigt die Ottobock SE & Co. KG nach eigenen

Angaben ihre Rolle als Innovationstreiber

– und baut die Basis für weitere

technologische Meilensteine im Dienste

der Patientinnen und Patienten aus.

Cepa-Freihandelsabkommen

Chancen für deutsche Medizintechnik in Indonesien,

aber zentrale Hürden bleiben

Mit dem geplanten EU-Indonesien-Freihandelsabkommen

(Cepa) ergeben sich

neue Möglichkeiten für deutsche Exporteure

im Bereich Optik, Photonik, Analyse-

und Medizintechnik. Der Zollabbau

macht deutsche Produkte auf dem dynamisch

wachsenden indonesischen Markt

künftig wettbewerbsfähiger. Gleichzeitig

sollen neue Investitionsschutzregeln sowie

die Öffnung von Logistik- und IT-

Dienstleistungen die Zusammenarbeit erleichtern.

Auch die Versorgung mit wichtigen

Rohstoffen, etwa Nickel, könnte sich

verbessern – ein Plus besonders für die

Photonik und Medizintechnik.

(Bild: millaf/stock.adobe.com)

Ein zentrales Problem bleibt jedoch: Der

öffentliche Beschaffungsmarkt in Indonesien

ist weiterhin nur schwer zugänglich.

Der sogenannte E-Katalog, der staatliche

Aufträge bündelt, ist nicht Teil des Abkommens.

Für viele Anbieter aus der Medizintechnik

und Labortechnik, die stark

von öffentlichen Vergaben abhängen,

bleibt der Zugang damit erschwert und

oft intransparent.

Jörg Mayer, Geschäftsführer des Industrieverbands

Spectaris, betont: „Der Zollabbau

ist ein wichtiger Schritt, doch ohne

fairen Zugang zum öffentlichen Beschaffungsmarkt

können unsere Unternehmen

diese Vorteile gar nicht nutzen. Der E-Katalog

ist aktuell die größte Hürde.“ Hinzu

kommen lokale Wertschöpfungsvorgaben

und unterschiedliche Standards, die den

Markteintritt weiter erschweren. Cepa

biete damit Chancen, doch erst mit einem

Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen

könne das volle Potenzial für die exportstarke

deutsche Medizintechnik und Labortechnik

ausgeschöpft werden.

(Bild: Deutsche Börse/Martin Joppen)

8 medizin&technik 06/2025


06/2025 medizin&technik 9


■ [ NACHRICHTEN ]

SDC-Standard

von FDA anerkannt

Den SDC-Standard für Medizingerätevernetzung hat

die FDA in die Recognized-Consensus-Standards-Datenbank

aufgenommen. Eingeflossen in die IEEE1 11073

ist auch Fachwissen von Dräger und B.Braun.

Der Standard SDC steht für herstellerunabhängige Interoperabilität

von Medizingeräten. Für die Erfindung und Entwicklung

der SDC-Standardfamilien ist der OR.Net e.V. die Kernorganisation.

Durch ihr Engagement in diesem Verein haben

Fachleute von Dräger und B. Braun den SDC-Standard um Komponenten

für Gefährdungssicherheit erweitert. Die Aufnahme

der IEEE 11073–10701:2022 in die Recognized-Consensus-

Standards-Datenbank der FDA ist ein Meilenstein für die internationale

Medizintechnik: Erstmals sind alle Inhalte der IEEE

11073 Service-oriented-Device-Communication-(SDC)-Normenfamilie

weltweit regulatorisch anerkannt. Daraus ergeben

sich Vorteile für Unternehmen und Gesundheitsdienstleister.

Hersteller können die anerkannte Norm in Zulassungsanträgen

nutzen. Dies kann bereits heute die Konformitätsbewertung und

den Dokumentationsaufwand für den Marktzugang in vielen

Für ihre Normenarbeit von der IEEE ausgezeichnet: Dr. Martin Kasparick

(B.Braun), sowie die Dräger-Fachleute Dr. David Gregorczyk,

Kathrin Riech und Björn Andersen (von links)

Ländern und künftig auch global erheblich vereinfachen. Standardisierte

Schnittstellen können Kliniken dabei helfen, die

Datenverfügbarkeit zu erhöhen, Fehlerquellen zu reduzieren

und den Integrationsaufwand für ihre Medizingeräte zu verringern.

Für ihre Mitarbeit an der Entwicklung der Standards hat die

IEEE eine Reihe von OR.Net-Mitgliedern ausgezeichnet. Darunter

sind Kathrin Riech, Dr. David Gregorczyk und Björn Andersen

von Dräger sowie Dr. Martin Kasparick von B. Braun. Sie

entwickelten im Rahmen ihrer Normierungsarbeit die Teilstandards

IEEE 11073-10700 und -10701. Als Initiator und Erstanwender

des internationalen IEEE 11073 SDC-Standards ist es

Dräger nach eigenen Angaben besonders wichtig, interoperable

Medizintechnik herstellerübergreifend in einem offenen Ökosystem

zu integrieren.

(Bild: Drägerwerk)

Portables Blutzuckermessgerät

Deep-Tech-Pionier Diamontech schließt

Finanzierungsrunde über 12 Mio. Euro ab

Positionspapier zur Krisenvorsorge

BVMed für dual nutzbares

Versorgungssystem

Die Diamontech AG, Berlin, hat eine

schmerzfreie, nicht-invasive Glukosemessung

entwickelt. Das Thema ist für Diabetes-Patienten

hoch relevant. Nun ist eine

Finanzierungsrunde über insgesamt 12

Mio. Euro erfolgreich abgeschlossen. Zu

den Investoren zählen neben Samsung

Next, dem Venture-Capital-Arm von Samsung,

auch das Business-Angel-Netzwerk

Companisto. Mit dem Kapital will Diamontech

die Miniaturisierung seiner patentierten

Technologie vorantreiben und

(Bild: Philip/stock.adobe.com)

ein portables Blutzuckermessgerät auf

den Markt bringen.

Als Deep-Tech-Pionier arbeitet Diamontech

nach eigenen Angaben an einer weltweit

einzigartigen Infrarot-Technologie,

die den Blutzuckerspiegel schmerzfrei

und präzise durch die Haut misst. „Für

unsere Technologie haben wir über 100

Patente angemeldet, von denen bereits

mehr als 40 in den wichtigsten Märkten

erteilt sind“, sagt Thorsten Lubinski, CEO

und Mitgründer von Diamontech. Mit

dem frischen Kapital sollen die nächsten

Entwicklungsschritte beim tragbaren

„D-Pocket“ – dem handlichen Blutzucker-

Messgerät – beschleunigt, klinische Studien

vorangetrieben und die internationale

Expansion vorbereitet werden. Gerade in

einem Umfeld, in dem viele Start-ups um

Finanzierung kämpfen, setzt diese Runde

ein starkes Signal: Sie beweise, dass Investoren

bereit sind, selbst in einem herausfordernden

Markt auf echte Innovationen

im Medtech-Bereich zu setzen, so

Diamontech.

Der Bundesverband Medizintechnologie

(BVMed), Berlin, fordert in einem Posi -

tionspapier zu „Anforderungen an den Zivilschutz

und Krisenvorsorge“ eine Strategie

für eine dual nutzbare und digital gestützte

Gesundheitsversorgung. Dabei

solle die Medizintechnik als integraler Bestandteil

einbezogen werden.

Hintergrund der BVMed-Initiative ist,

dass sich die sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen

durch Pandemien, Naturkatastrophen,

Kriege und Bedrohungsszenarien

in Form von hybriden Angriffen

erheblich verändert haben. Ein funktionierendes

Gesundheitssystem sei nicht

nur humanitär geboten, sondern sicherheitsrelevant.

Der Schutz und die Versorgung

der Bevölkerung sowie die Aufrechterhaltung

der Einsatzfähigkeit der Streitkräfte

hingen maßgeblich von einer leistungsfähigen,

robusten und skalierbaren

medizinischen Infrastruktur ab.

Mehr zur Krisenvorsorge und zur BVMed-Taskforce

lesen Sie im Interview auf Seite 78

10 medizin&technik 06/2025


KI und Robotik als

Innovationstreiber

Branchenpublikation | Zur Medica veröffentlicht der

Industrieverband Spectaris die 18. Ausgabe seines Jahrbuchs

„Die deutsche Medizintechnik-Industrie“.

(Bild: Spectaris)

Das rund 136 Seiten

umfassende Spectaris

Jahrbuch 2026 ist zur

Messe Medica als

Download verfügbar

Seit der Erstausgabe 2008 beschäftigt sich das Standardwerk

mit den zentralen Herausforderungen und Zukunftsthemen,

die den Innovationsstandort Deutschland prägen. Im Blick auf

das kommende Jahr zeigt sich, dass die Digitalisierung der entscheidende

Motor für eine moderne Gesundheitsversorgung ist.

Das Jahrbuch 2026 beleuchtet den Einsatz von KI und Robotik,

die den Weg für eine individuellere Patienten-Behandlung ebnen.

Im Fokus stehen Fortschritte beim Telemonitoring sowie die

zögerliche Implementierung von KI in die Medizintechnik.

Trotz der starken Innovationskraft sieht sich die deutsche Medizintechnik

einer massiven regulatorischen Belastung gegenüber.

Die EU-MDR stelle weiterhin die größte bürokratische Hürde dar

und bedrohe die Innovationsfähigkeit der Branche und die Produktverfügbarkeit.

Ihr ist ein eigener Beitrag gewidmet.

Die deutsche Medizintechnik-Industrie beweist ihre globale Bedeutung

durch eine hohe Exportquote von über 68 %. Das Jahrbuch

analysiert die Notwendigkeit der Diversifizierung der Exportmärkte

und die Bedeutung tragfähiger Freihandelsabkommen

als Schutz vor protektionistischen Tendenzen. Im Inland

liegt der Fokus auf der Standortpolitik. Hierzu gehört die dringende

Forderung nach einer mutigen Reform des deutschen Gesundheitssystems,

um eine moderne und qualitätsgesicherte Versorgung

und die Finanzierung von Innovationen sicherzustellen.

Auch die Relevanz von ESG-Kriterien in der grünen Beschaffung

im Gesundheitswesen wird hervorgehoben. Die aktuelle Branchenpublikation

beschäftigt sich zudem mit weiteren Schwerpunktthemen

aus den letzten zwölf Monaten, wie beispielsweise

den Medtech-Märkten China oder USA, der politischen Arbeit

von Spectaris sowie aktuellen Forschungsprojekten. Das Jahrbuch

ist zur Medica auf der Spectaris-Website erhältlich.

www.spectaris.de/medizintechnik/publikationen

ROBOTICS

Hochpräzise Medizinrobotik

Robotik als Unterstützung für Ärzte im OP

Die Medizinroboter von Stäubli sind bereits seit

mehr als 30 Jahren in den Bereichen Wirbelsäulen-

und Kniechirurgie im Einsatz. Dabei werden sie zu

Wegbereitern neuer Behandlungsmethoden.

Dank ihrer beeindruckenden Präzision und Steifigkeit

unterstützen die Roboter das medizinische Personal

zum Wohle des Patienten.

World Health Expo Dubai

09. – 12. Februar 2026

Stäubli – Experts in Man and Machine

www.staubli.com

Stäubli Tec-Systems GmbH

Tel. +49 (0) 921 883 0, sales.robot.de@staubli.com

06/2025 medizin&technik 11


■ [ MEDIZIN IM DIALOG ]

ROBOTERKOORDINATEN ZEIGEN

KNOCHENPOSITION BEI KNIE-OP

Neue Idee für Roboter im OP | Ein dreidimensionales Modell des Operationsbereichs

am Knie lässt sich durch Anfahren und Abtasten von Knochen oder Prothese erstellen.

Ergänzende Röntgenbilder in zwei Ebenen reichen dafür. Warum man auf Knochen-

Pins und Infrarotkameras dann verzichten kann, erläutert der Orthopäde Dr. Philipp

Winter, der die Tests mit dem Sechsachs-Roboter durchgeführt hat.

■ Software aus der Qualitätssicherung führt werden. In beiden Fällen aber ist daten, die zu allen Achsen vorliegen,

kern und Infrarotkameras, die diese

Pins erkennen, üblich. Damit lässt sich

die Position der markierten Knochen im

Raum feststellen.

■ Welche Risiken bringen die Knochen-

Pins mit sich?

Bevor wir über Risiken sprechen, lassen

Sie mich betonen, dass der Einsatz der

Knochen-Pins nicht als riskant bezeichnet

werden kann. Es gibt selten Komplikationen.

Aber diese Metall-Pins mit

gut drei Millimeter Durchmesser an -

zubringen, bedeutet natürlich, dass

Mediziner zusätzliche Schnitte an den

erforderlichen Stellen machen. Infek -

tionen oder gar Knochenbrüche durch

die Pins sind sehr selten. Aber weniger

Schnitte und weniger Risiko und

Schmerzen für den Patienten sind aus

medizinischer Sicht immer wünschenswert.

Deshalb ist der Ansatz ohne

Knochenpins, an dem wir gearbeitet

haben, auch interessant – zumal es

meines Wissens keine sonstigen Alternativen

Dr. Philipp Winter ist als Assistenzarzt in der

gibt.

Klinik für Orthopädie und orthopädische

Chirurgie an der Universität des Saarlandes

■ Sie setzen an Stelle der Pins auf das

tätig und hat mit Prof. Stefan Landgraeber

die Roboterlösung für Knie-OPs erarbeitet ■ Herr Dr. Winter, wie verbreitet sind interne Koordinatensystem des Roboters.

heute Roboter bei Knie-OPs?

In großen Kliniken mit Endoprothetik-

Zentren sind Roboter bei solchen OPs

heute Standard. Damit lässt sich eine

hohe Genauigkeit bei Prothesenimplantationen

Wie gehen Sie dabei vor?

Wir haben für unsere Experimente einen

Industrieroboter mit sechs Achsen

verwendet. Von einem Medizinprodukt

ist also noch nicht die Rede. Dieser Ro-

IHR STICHWORT

erreichen. Ein möglicher kliniboter

hatte in einem Forschungsprojekt

scher Vorteil für Patienten ist für Teilprothesen

ursprünglich die Aufgabe, Winkel im

Sechsachsiger Roboter: Potenzial im OP

Internes Koordinatensystem nutzen

Taktiles Messen an Knochen oder

Prothese als Basis für 3D-Modell

wissenschaftlich schon

nachgewiesen, für Vollprothesen laufen

die Untersuchungen noch. Es gibt natürlich

auch Eingriffe, die ohne Roboter

mit einem Naviga tionssystem durchge-

Knie zu vermessen. Dafür brauchte ich

ein dreidimensionales Abbild des Gelenks

im Roboter selbst. Und es zeigte

sich, dass die Kraftsensoren an der Spitze

des Roboterarms sowie die Positions-

der Einsatz von Knochenpins als Mar- sehr gut geeignet waren, ein solches

(Bild: UKS)

12 medizin&technik 06/2025


3D-Bild zu generieren. Daraus entstand

die Idee, die Datendes Roboters auch

im OP nutzbar zu machen. Dieser Idee

sind wir knapp vier Jahre lang mit Tests

an Körperspendern erfolgreich nachgegangen

und haben sie inzwischen zum

Patent angemeldet.

■ Wie exakt sind die Werte, die nur das

Koordinatensystem des Roboters liefert?

Wir erreichen Genauigkeiten von unter

0,5 Millimetern. Das ist vergleichbar

mit dem, was wir heute mit Knochenpins

sehen. Und es ist vergleichbar mit

der Genauigkeit einer CT-Aufnahme.

Das haben wir im Versuch gezeigt. Wir

haben anhand von CT-Daten ein

3D-Modell eines Kniegelenks gedruckt

und dieses wiederum mit dem Roboter

vermessen. Damit sind wir in einem Bereich

der Präzision, die für den Einsatz

im OP geeignet ist. Mehr Genauigkeit

wäre ebenfalls möglich, indem man

entweder mehr Abtastpunkte anfährt

Koordinatensystem des

Roboters bietet die gleiche

Präzision wie die Pins

oder mehr hinterlegte Daten zu Kniegelenken

nutzt.

■ Welche Risiken birgt es für den Patienten

, wenn der Roboter die Knochen im

OP abtastet?

Wir setzen auf ein taktiles System, also

die tatsächliche Berührung der Knochen

mit einer kleinen Kugel. Die maximale

Kraft dabei sind 0,1 Newtonmeter.

So sind Schäden durch Druck auf Haut

oder Gewebe ausgeschlossen. Das stellen

wir mit Kraftsensoren im Flansch an

der Spitze des Roboterarms sicher. Dabei

die Sterilität zu wahren, ist kein Problem.

Es gibt schon Roboter, auch

Sechsachsroboter, die medizinisch genutzt

werden und für die sterile Abdeckungen

verfügbar sind. Diese haben

wir verwendet.

■ Welche besondere Ausstattung bekam

der Roboter, um ihn für das Bestimmen

der Positionen nutzen zu können?

Recht wenig. Um den Roboter zu steuern,

haben wir mit Battenberg Robotik

aus Marburg zusammengearbeitet, deren

Software genutzt und an unsere Belange

angepasst. Diese Software wurde

ursprünglich für die Qualitätssicherung

in der Automobilindustrie entwickelt,

passt aber gut zu unseren Anforderungen.

Wir brauchten keine weiteren Sensoren,

um unsere Daten zu bekommen,

und auch keine KI zum Auswerten.

■ Wie empfindlich ist das Bestimmen

der Position aus den Roboterkoordinatengegenüber

Einflüssen von außen?

Stören zufällige Berührungen durch andere

bewegliche Geräte oder Mitglieder

des OP-Teams?

Diesen Aspekt haben wir noch nicht untersucht

– die Frage nach einem Referenzpunkt

im Raum ist aber auf jeden

Fall relevant. Gerade bei Knie-OPs muss

das Gelenk zum Einpassen des Implantates

viel bewegt werden. Um sicher zu

sein, welcher Knochen danach wo ist,

muss der Roboter einen Referenzpunkt

bekommen und diesen vor jedem weiteren

Schritt auch wieder anfahren. Damit

ließen sich auch Einflüsse durch zufällige

Berührungen berücksichtigen.

■ Was ändert sich, wenn Mediziner mit

so einem System operieren würden?

Das Operationsverfahren an sich bliebe

gleich. Mit den Daten aus den Roboterkoordinaten

sind Sicherheit und Präzi -

sion zu erreichen, auch ohne Knochenpins.

Diese sowie die Infrarotkameras

wären nicht mehr erforderlich, was sich

auch bei den Kosten bemerkbar macht.

Für die Patienten ließe sich das Risiko

für Komplikationen senken.

■ Wofür bieten sich solche Roboter über

die Knie-OPs hinaus eventuell an?

Sinnvoll wäre der Einsatz überall da, wo

große Präzision gefragt ist und es um

feste Strukturen geht. Eine interessante

Anwendung könnte die Neuro chirurgie

sein, wo beim Eingriff der Schädel in eine

Mayfield-Schädelklemme fixiert ist.

Wenn es um Operationen an Weich -

teilen wie etwa Tumoren geht, kommt

unser Roboteransatz allerdings an seine

Grenzen.

■ Lässt sich die Idee auf bereits zertifizierte

OP-Roboter übertragen?

Die Mehrzahl der Roboter, die für Knie-

OPs verwendet werden, sind keine

Sechsachser. Das wäre aber die Voraussetzung,

um unseren Ansatz zu verfolgen.

Denn um an den vorgesehenen

Punkten den Knochen abzutasten,

muss der Roboter sehr flexibel agieren

können, verschiedene Winkel nutzen

und etwa um einen Hautlappen herumkommen

können. Um dafür eine mit

dem menschlichen Arm vergleichbare

Beweglichkeit zu haben, braucht man

einen sechsachsigen Roboter.

■ Wo werden im internationalen Umfeld

eventuell ähnliche Ansätze mit OP-

Robotern verfolgt?

Mir ist nichts dergleichen bekannt.

Robotik ist so kostenintensiv, dass neue

Entwicklungen meist aus der Industrie

kommen, weniger aus der Medizin.

Allerdings arbeiten meines Wissens

Unternehmen aus der Medizintechnik

sehr wohl daran, Alternativen zu den

Knochenpins zu entwickeln, etwa mit

Laserabtastung.

■ Wie groß ist das Interesse aus der

Industrie an diesem Verfahren?

Wir stehen im Austausch mit Unternehmen,

die im Bereich Endoprothetik

aktiv sind. Es gibt bisher aber weder

Verträge noch feste Vereinbarungen.

Wir sind also offen dafür, die Idee mit

Partnern weiterzuführen.

■ Wie weit ist der Weg vom jetzigen

Stand der Ergebnisse bis zu einem zertifizierten

Medizinprodukt?

Die Zertifizierung eines Medizinproduktes

ist ein langwieriges Verfahren. Rein

technisch gesehen schätze ich, dass die

Weiterentwicklung für eine definierte

Anwendung in ein bis zwei Jahren zu

schaffen wäre. Ein System, das sich für

verschiedene Anwendungen eignen

soll, wäre natürlich komplexer, und es

würde länger dauern, es so weiterzuentwickeln,

dass es für den Einstieg in

die Zertifizierung reif wäre.

Dr. Birgit Oppermann

birgit.oppermann@konradin.de

06/2025 medizin&technik 13


■ [ MEDIZIN IM DIALOG ]

Ultraschall mit

Roboter und Avatar

Automatisierte Diagnostik | Patienten fassen mehr

Vertrauen in autonome robotische Ultraschallsysteme,

wenn sie ein Avatar anleitet. Das zeigt eine Studie.

Ein Avatar begleitet Forscher Feng Li bei einer autonomen Ultraschalluntersuchung.

Er beantwortet Fragen in beliebigen Sprachen

(Bild: Andreas Heddergott / TU Muenchen)

Ein großer Bildschirm, eine Virtual-Reality-Brille, ein Roboterarm

mit Ultraschallkopf und ein leistungsfähiger Rechner:

das ist die Ausstattung, die Tianyu Song benötigt. Er ist Forscher

am Lehrstuhl für Informatikanwendungen in der Medizin

an der Technischen Universität München (TUM). Die Ausstattung

gehört zu einer autonomen Untersuchung der Aorta, Halsschlagader

oder Arterie im Unterarm. Damit Patienten Vertrauen

in so ein autonomes technisches System fassen, haben Forschende

eine virtuelle Umgebung dazu geschaffen.

Darin übernimmt ein Avatar die Aufgabe, durch die Untersuchung

zu führen. Nachdem die Patienten eine VR-Brille aufsetzen,

erscheint er vor ihren Augen, übernimmt die Gesprächsführung

und beantwortet Fragen.

„Das macht den ganzen Prozess menschlicher und freundlicher“,

sagt der Leiter des Lehrstuhls Prof. Nassir Navab, „und es reduziert

nachweislich den Stress bei Nutzern von autonomen Sys -

temen.“

Um den Stresspegel zu messen, verkabelten die Forscher die Probanden

mit Sensoren für ein Elektrokardiogramm (EKG) und leiteten

daraus die Herzfrequenzvariabilität ab. Das Ergebnis: Alle

virtuell unterstützen Szenarien erwiesen sich als stressärmer als

die nicht-virtuell unterstützte Behandlung. Am besten schnitt eine

Variante mit Avatar im reale Umfeld ab.

In den Demonstrationen des Lehrstuhls hat der Avatar meist eine

weibliche Stimme und führt durch die Untersuchung. Das

Sprachmodell kann sogar mit österreichischem Akzent sprechen

oder aber Deutsch mit amerikanischem Akzent. Der Avatar kann

zusätzlich nonverbal kommunizieren. Er gestikuliert, legt kurzen

Pausen in den Sätzen ein und wendet sich Patienten zu,

wenn sie sprechen.

Speicheltyp liefert Infos zum Mikrobiom

Mikrobiom-Forschung | Eine Speichelprobe könnte

Hinweise auf das Magen- und Dünndarm-Mikrobiom

liefern und damit auf das Risiko für Krankheiten.

Das orale Mikrobiom, also die Gesamtheit aller Bakterien im

Mundraum, ist wichtig für die Gesundheit. Es beeinflusst

das Risiko für Erkrankungen von der Mundhöhle bis zur Speiseröhre

und dem Magen sowie von Entzündungen im Darm und

Infektionen der Atemwege und des Herzens. Es kann als Reservoir

für Erreger dienen, die für Gesunde harmlos sind, aber bei

(Bild: Viktoriya Kotlyarchuk/stock.adobe.com)

Speichelproben geben

Hinweise auf

die Mikroben im

Körper und sind einfacher

zu erhalten

als Proben aus dem

Magen, wofür eine

Magenspiegelung

erforderlich wäre

geschwächtem Immunsystem Krankheiten auslösen können.

„Das Mikrobiom von Magen und Dünndarm ist jedoch noch verhältnismäßig

unerforscht“, so W. Florian Fricke, Professor am

Fachgebiet Mikrobiom und Angewandte Bioinformatik an der

Universität Hohenheim. „Um Proben aus Magen und Dünndarm

zu nehmen, müssen sich Patienten oder Studienteilnehmer einer

aufwendigen und unangenehmen Magenspiegelung unterziehen.

Viel einfacher und unkomplizierter lassen sich Speichelproben

aus dem Mund gewinnen“, erklärt der Experte.

In einer Studie mit 20 Personen, die sich wegen leichter nahrungsmittelbedingter

Magen-Darm-Beschwerden einer Magenspiegelung

unterziehen mussten, konnten die Forschenden zwei

stabile Mikrobiomtypen in Speichel, Magen und Dünndarm

identifizieren. Diese bakteriellen Gemeinschaften waren vom

Mundraum bis in den Magen und Dünndarm konstant und wurden

von jeweils einer Bakteriengattung dominiert.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Speichelproben

künftig in nicht-invasiven und regelmäßig wiederholbaren dia -

gnostischen Tests eingesetzt werden könnten, um das individuelle

Risiko für bestimmte entzündliche und infektiöse Erkrankungen

abzuschätzen“, fasst Fricke die Erkenntnisse zusammen.

Eine solche Diagnostik könnte in der klinischen Praxis helfen, -

Risikogruppen frühzeitig zu identifizieren und gezielte Präven -

tionsmaßnahmen einzuleiten.

www.uni-hohenheim.de

14 medizin&technik 06/2025


Messe

Compamed/Medica 2025

(Bild: Messe Düsseldorf/ctillmann)

Branchentreff für medizinischen Fortschritt

Trends aus Entwicklung und Fertigung | Miniaturpumpen | Automatisierte Reinraumprozesse | Neue Injektionstechnik

06/2025 medizin&technik 15


■ [ MESSE ]

ZWEI LEITMESSEN ALS TAKTGEBER

DER GESUNDHEITSWIRTSCHAFT

Medica und Compamed 2025 | Im November stellen die Aussteller der beiden Fachmessen erneut

die medizintechnische Wertschöpfungskette in all ihren Facetten in den Fokus: Neue Technologien,

innovative Komponenten und Hightech-Anwendungen sind in Düsseldorf zu sehen.

Im Zusammenspiel bieten Compamed und Medica

ein Schaufenster für die medizintechnische

Wertschöpfung und sind der Treffpunkt der

weltweiten Gesundheitsindustrie

IHR STICHWORT

Internationaler Branchentreffpunkt für

Hersteller und Zulieferer

Neue Produkte, Technologien, Prozesse

KI und Digitalisierung im Fokus

Konferenzen, Fachforen, Sonderschauen

(Bild: Messe Düsseldorf/ctillmann)

Die Medizintechnik zählt zu den innovationsstärksten

Branchen der Welt

– steht aktuell jedoch vor enormen Herausforderungen:

Künstliche Intelligenz,

Robotik, Digitalisierung und vernetzte

Versorgung treiben einen fundamentalen

Wandel, während regulatorische Anforderungen,

gestörte Lieferketten, Fachkräftemangel

und geopolitische Risiken

zugleich den Takt angeben. Inmitten dieses

Spannungsfeldes setzen die beiden

Leitmessen Compamed und Medica, die

vom 17. bis 20. November 2025 stattfinden,

wichtige Impulse und bieten der gesamten

Branche Orientierung, Austausch

und Perspektiven.

Mit dem neuen Motto „Meet Health.

Technology. Innovators.” bringt die Compamed

2025 auf den Punkt, was sie als internationale

Leitmesse für den Zulieferbereich

auszeichnet: In den Hallen 8a und

8b präsentieren über 750 Aussteller neue

Entwicklungen und Produkte – von Komponenten,

Modulen und OEM-Ausrüstung

über elektrische und elektronische

Bauteile, Mikrotechnik und Rohmaterialien

bis hin zu Dienstleistungen und moderner

Produktionsausstattung. In den

Erlebniswelten Manufacturing & Devices,

Services & Advice, Materials, Micro Tech

und IT in Tech werden die Schlüsseltechnologien

des Zuliefermarktes abgebildet.

„Herausforderungen wie geopolitische

Spannungen, digitale Transformation

und komplexe Rahmenbedingungen betreffen

insbesondere kleine und mittelständische

Unternehmen. Doch Qualität

und Innovation setzen sich langfristig

durch“, erläutert Tim Merforth, Ge-

schäftsführer des IVAM-Fachverbands für

Mikrotechnik. Und: Die Compamed lebt

vom Dialog und der Praxisnähe. „Das

Messepublikum schätzt praxisnahe Formate

– deshalb setzen wir 2025 erneut

auf Hands-on-Sessions, etwa im Bereich

der Mikrofluidik“, bekräftigt Merforth.

Das zeige sich auch am IVAM-Gemeinschaftsstand

in Halle 8a, der mit über 50

internationalen Ausstellern als Schaufenster

für die Innovationskraft der Mikrotechnik-Branche

gilt. „Für Fachbesucherinnen

und -besucher ist es der ideale

Ort, um neue Technologien, Produkte

und Anwendungen kennenzulernen.“

Besucher und Aussteller:

Internationalität und Vielfalt

Das Messegeschehen wird von zwei Fachforen

begleitet, von denen eines vom

IVAM veranstaltet wird. Sie bieten Branchenexperten

und Fachbesuchern eine

Bühne für Wissenstransfer, Präsentationen

und den vertieften fachlichen Austausch.

Auch die aktuellen Branchenthemen

spiegeln sich wider: Im Rahmen der

Foren werden Fortschritte und Trends in

Bereichen wie Krebsdiagnostik, Präzi -

sionsmedizin, Miniaturisierung, Materialinnovationen

und nachhaltige Produktion

diskutiert.

Parallel zur Compamed präsentiert die

Medica in 17 Hallen die gesamte Bandbreite

medizinischer Innovationen. Mit

über 5000 Ausstellern aus 72 Nationen ist

sie eine der weltweit größten B2B-Fachmessen

im medizinischen Bereich. Im

Mittelpunkt stehen hier Produkte und

16 medizin&technik 06/2025


Dienstleistungen aus den Bereichen medizinische

Bildgebung, Labortechnik, Diagnostika,

Health-IT, Mobile Health, Physiotherapie,

Orthopädietechnik und Verbrauchsmaterialien.

Insgesamt profitiert

das Messedoppel von starken Synergieeffekten.

Die Compamed-Aussteller liefern

Ideen, Materialien und Technologien, die

in den Endprodukten der Medica-Anbieter

sichtbar werden. Die internationalen

und vielfältigen Zielgruppen umfassen

Entwickler, OEMs, technische Einkäufer,

Produktmanager und Forschende sowie

Entscheider und Anwender aus Kliniken,

Praxen und Gesundheitsinstitutionen.

Konferenzen und Foren decken

Fokusthemen ab

Das umfangreiche Rahmenprogramm der

Medica, das aus Foren, Konferenzen, Sonderschauen,

Expertendiskussionen, Produktpräsentationen

und Preisverleihungen

besteht, zieht Fachpublikum aus Kliniken,

Arztpraxen, Forschungseinrichtungen,

der Industrie und der Politik an. Die

Erlebniswelten „Digital Health/Health

IT”, „Labortechnik und Diagnostika”,

„Medizintechnik und Elektromedizin” sowie

„Physiotherapie und Orthopädietechnik”

bieten eine Plattform für Innovationen,

Austausch und Networking. Im Fokus

stehen Themen wie Digitalisierung,

KI, Automatisierung und vernetzte Versorgung.

Das neue Kampagnenmotto

„Meet Health. Future. People.“ prägt die

Weiterentwicklung der Foren- und Programmformate

der Medizinmesse.

Mit dem Medica Innovation Forum,

dem Medica Start-up Park und der Wear -

able Technologies Show wird die Medica

zum Hotspot für Innovationen und Startups.

Weitere Angebote wie die digitale

Networking-Plattform „Fair Match” sollen

gezielt neue Geschäftskontakte ver -

mitteln und das Messeerlebnis über die

vier Veranstaltungstage hinaus verlängern.

Susanne Schwab

susanne.schwab@konradin.de

Compamed und Medica 2025 auf einen Blick

Öffnungszeiten der Messen:

Compamed und Medica 2025 sind vom

17. bis 20. November täglich geöffnet:.

Montag bis Mittwoch von 10 bis 18 Uhr.

Donnerstag von 10 bis 16 Uhr.

Hallen Compamed: 8a und 8b

Hallen Medica: 1, 3-7, 9-12 und 15-17

Hot Topics der Compamed:

■ Cybersecurity und Datensicherheit

■ Intelligente Materialien und biokompatible

Werkstoffe

■ Moderne Produktionstechniken wie

3D-Druck und Robotik

■ Automatisierung und Miniaturisierung

■ Internationaler Medizinmarkt

■ Best Practices der Marktbearbeitung

Fünf Compamed Erlebniswelten:

■ Manufacturing & Devices

■ IT in Tech

■ Micro Tech

■ Materials

■ Services & Advice

Hot Topics der Medica:

■ Künstliche Intelligenz und GenAI

■ Robotik

■ Automatisierung und unterstützende

Systeme

■ Integrierte Versorgung

■ Telemedizin

Fünf Medica Erlebniswelten:

■ Medtech & Devices

■ Lab & Diagnostics

■ Digital Health

■ Physio Tech

■ Disposables

Sonderschauen der Medica:

■ Start-up Park/Start-up Competition

■ WT Wearable Technologies Show

Foren und Konferenzen:

■ Compamed Innovationsforum

■ Compamed High-Tech Forum by IVAM

■ Compamed Suppliers Forum

■ Medica Connected Healthcare Forum

■ Medica Health IT Forum

■ Medica Labmed Forum

■ Medica Econ Forum by TK

■ Medica Tech Forum

■ Deutscher Krankenhaustag

■ Medica Medicine + Sports Conference

■ Dimimed – Conference on Disaster &

Military Medicine

Weitere Informationen zur Messe:

www.compamed.de

www.medica.de

APR 2025

06/2025 medizin&technik 17


■ [ MESSE ]

FLEXIBLE MINIATURPUMPE FÜR

VERSCHIEDENE APPLIKATIONEN

Fluidik | Fluid-Control-Komponenten in medizinischen Geräten sollten leise, kompakt

und leicht sein. All diese Eigenschaften vereint die Disc Pump von Lee. Durch ihre

hochpräzise Regulierbarkeit und kurze Reaktionszeit ist sie multifunktional einsetzbar.

Die Disc Pump des Herstellers Lee

kommt vor allem in tragbaren Therapiegeräten

zum Einsatz. Überall dort, wo

es auf großen Patientenkomfort und

gleichzeitig leistungsfähige Fluid-Control

ankommt, sind die Miniaturpumpen eine

gute Wahl. Ihr piezoelektrisches

Ultraschallprinzip macht sie vibrationsfrei

und für den Menschen unhörbar. Diese

Eigenschaft ist für Geräte, die nachts

oder am Körper getragen werden, sehr

willkommen. Mit nur 10 mm Höhe ,

30 mm Durchmesser und nur 5 g Gewicht

passt sie zudem in kompakte Designs. Die

Durchflusskontrolle erreicht eine Präzi -

sion von unter 0,1 %. Kompakte Form, hohe

Regelungsgenauigkeit und schnelle

Re aktion machen die Pumpe vielseitig

einsetzbar.

Flexible Durchflussregelung

von µL/min bis ml/min

Ein Beispiel: Eine hochpräzise Steuerung

des Flüssigkeitsstroms ist in vielen medizintechnischen

Prozessen von Bedeutung

– etwa dort, wo sie die Reaktionsgeschwindigkeit,

die Detektionsrate von

Stoffen oder hydrodynamische Prozesse

wie die Tröpfchenbildung maßgeblich beeinflusst.

Für bestimmte Anwendungen

ist es außerdem vorteilhaft, eine kontrollierte

oszillierende Strömung zu erzeugen.

Organ-on-a-Chip-Systeme beispielsweise

versuchen, physiologische Prozesse

nachzuahmen, etwa den pulsierenden

Blutfluss oder die zyklische Belastung des

Lungengewebes während des Atem -

zyklus.

Das Disc Pump Development Kit der

Lee Company, Westbrook/USA, lässt sich

direkt an einen Flüssigkeitsdurchfluss -

sensor anschließen, um eine Regelung

der Durchflussrate von µL/min bis ml/

min zu ermöglichen. Solche Systeme sind

außerdem in der Kompressionstherapie,

in Blutdruckmessgeräten oder in Patientensimulatoren

und Patientenüberwachungssystemen

im Einsatz.

Die Pumpe kann mit einem abgedichteten

Reservoir und einem Drucksensor

betrieben werden, um ein kompaktes und

wirtschaftliches Pipettiersystem für Aspi -

rations-, Dispensations- und Dosierungs -

anwendungen zu realisieren. Die Ansaugund

Abgabegeschwindigkeit lässt sich

durch Variation der Pumpenantriebs -

leistung einstellen, was eine sehr genaue

Dosierung ermöglicht. Neben typischen

Pipettiersystemen lässt sich diese Systemauslegung

auch für zeitgesteuerte Präzi -

sionsdosiersysteme einsetzen, beispielsweise

in der medizinischen Analysetechnik.

Die präzise und wiederholbare Steuerung

der Position einer sich durch ein System

bewegenden Flüssigkeit ist in vielen

medizintechnischen Fluidiksystemen ein

Muss. Diese Konfiguration erlaubt die

Steuerung der Position eines Flüssigkeitstropfens

mit hoher Präzision und geringer

Reaktionszeit. Um zu bestimmen, wann

die Flüssigkeit bewegt werden muss, können

zum Beispiel Bildverarbeitungssysteme

eingesetzt werden.

Vielseitiges Pumpen-Kit mit

Plug-and-play-Charakter

Alle drei genannten Anwendungsbeispiele

wurden mit dem Disc Pump Development

Kit und einer geringen Anzahl handelsüblicher

Komponenten zusammengestellt.

Die Kits zeichnen sich durch ihren

„Plug-and-Play“-Charakter aus. Mit einer

benutzerfreundlichen GUI und Software,

integrierten Drucksensoren sowie Ventiltreibern

bieten sie eine fortschrittliche

Fluidiksteuerung und ermöglichen die

zeiteffiziente Erstellung von Testkonfigurationen.

(su) ■

www.lee.com

Auf der Compamed:

Halle 8a, Stand K09

(Bild: Lee)

Die Anwendungen Durchflussregelung,

Dosieren und

Lab-on-a-chip profitieren von

der hochpräzisen Disc Pump

18 medizin&technik 06/2025


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MODERNISIERUNG EINER

WASSERAUFBEREITUNGSANLAGE FÜR

DIALYSE DANK CLEVEREM ENGINEERING

Success Story Hochreines Wasser ist essenziell für Medizintechnik, Pharmazeutik,

Forschung/Entwicklung und in der Lebensmittelproduktion.

Die B. Braun Avitum AG entwickelt und fertigt in enger Zusammenarbeit mit der Iftest AG eine

Wasseraufbereitungsanlage auf Umkehrosmose-Basis für Dialyse in Krankenhäusern.

Bild: Iftest

Carrier-Board

Bild: B.Braun/Iftest

Die Herausforderung:

Den veralteten ECO RO Dia I/II Anlagetyp von 2000 technisch auf

den neuesten Stand bringen. Die bestehende Iftest-Steuerung

war zuverlässig, aber veraltet: fehlende Sensor/Aktor-Unterstützung,

fehlende Vernetzungsmöglichkeiten, veraltete Benutzeroberfläche,

sinkende Verfügbarkeit zentraler Elektronik, hoher

Energieverbrauch auch im Standby, Lärmemission.

Lösung:

Modernisierung mit System- und Zukunftsorientierung, ohne

das bewährte Steuerungskonzept grundlegend zu verändern.

Fokus auf höhere Durchsatzleistung, bessere Energieeffizienz,

geringere Lärmemissionen und niedrigere Betriebskosten. Das

Konzept umfasst ein Hutschienenmodul für die Anlagen-Steuerung

plus ein abgesetztes Bedienmodul (MMI) – basierend auf

dem bewährten Iftest-Carrier-Board.

Ergebnis:

Die modernisierte Steuerung AQUABoss nX steigert Performance

und Zukunftsfähigkeit. Neues HMI bietet intuitive, visuell

ansprechende Bedienoberfläche. Das Design entspricht dem

Corporate Design des Kunden und ermöglicht Funktionserweiterungen.

Modulare Vernetzbarkeit macht die Anlage fit für

übergeordnete Systeme und künftige Digitalisierung. Safety-

Controller und EMV-Optimierungen erhöhen Robustheit und

Betriebssicherheit. Durch einen bedarfsgesteuerten Aufbereitungsprozess

sinkt der Energieverbrauch um bis zu 65%; die

Wasserrückgewinnungsrate steigt auf bis zu 95%, was Umweltfreundlichkeit

und Kosteneinsparungen fördert. Insgesamt Effizienz,

Nachhaltigkeit und Sicherheit.

Entdecken Sie IFTEST und die Zukunft massgeschneiderter Carrier

Boards. Nutzen Sie ein modulares Konzept, perfekt auf Ihre

Anwendungen zugeschnitten, mit hervorragendem Verhältnis

von Entwicklungs- zu Stückkosten. Erleben Sie zukunftssichere,

flexible Technologie.

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Schwimmbadstrasse 43

CH-5430 Wettingen

+41 56 437 37 37 / www.iftest.ch

Peter Traub, Verkauf

peter.traub@iftest.ch

06/2025 medizin&technik 19


■ [ MESSE ]

(Bild: Picocyl)

MIT GASDRUCK DEN WIRKSTOFF

DURCH DIE HAUT BRINGEN

Antrieb auf Basis von Gasdruck | Für den Einsatz in Medizin produkten ent wickelt ist

eine Antriebslösung, die auf Gasdruck in einer Edelstahl-Kartusche basiert. Die Hohlkörper

dafür lässt das US-amerikanische Unternehmen Picocyl aus Golden/Colorado

über einen angepassten Tiefzieh-Prozess von den Experten bei Stüken herstellen.

Pfffft… mit einem kaum wahrnehmbaren

Geräusch strömt eine winzige

Menge Gas aus einer Mini-Gaskartusche.

Mehr ist nicht zu hören, wenn der Druck

des in der Kartusche eingeschlossenen

Gases eine winzige Bewegung auslöst und

zum Beispiel in einem ophthalmologischen

Instrument einen fein regulierbaren

Vorschub in Gang setzt.

Also Pneumatik für die Augen-OP? Im

Prinzip ja. Aber das Ausmaß an Präzision,

IHR STICHWORT

Neue Antriebslösung für Medizintechnik

Bewegungen durch Gasdruck

Einsatz in der Augenheilkunde

Einsatz in der Medikamentendosierung

An weitere Anforderungen anpassbar

dass das US-amerikanischen Unternehmens

Picocyl aus Golden in Colorado mit

seinen kleinen gasgefüllten Metallkartuschen

erreicht, weicht stark von dem ab,

was man in der fertigenden Industrie üblicherweise

von einer pneumatischen Lösung

erwartet.

Gaszylinder, speziell für

die Medizintechnik entwickelt

„Wir stellen heute als einzige auf dem

weltweiten Markt eine solche speziell für

die Medizintechnik entwickelte Antriebslösung

her“, sagt Scott Dickerson, Vice

President of Operations bei Picocyl. Der

Anlass für die Unternehmensgründung

vor dreizehn Jahren wich davon noch etwas

ab: gesucht war zunächst ein Zylinder,

in dem medizinische Gase gemischt

werden sollten. Das war das erste Produkt

von Picocyl und führte zur Erfindung eines

Zylinders mit Ventil. Als nächstes war

eine leichte und einfache Alternative zu

den bisher üblichen Antriebslösungen gesucht,

die in der Regel auf einer Feder

oder einem Motor mit Batterie beruhten.

Sie alle waren aber zu groß, zu schwer, zu

teuer oder zu umständlich für ein geplantes

Medizinprodukt. Antriebe auf dieser

Basis stellt Picocyl heute her, explizit ausgerichtet

auf Anwendungen in der Medizintechnik.

Dass die Mini-Gaskartuschen heute allen

Anforderungen der regulierten Branche

gerecht werden, haben Tests bestätigt.

Produkte für die Augenheilkunde

und für die Medikamentendosierung mit

dieser Art von Antrieb sind inzwischen

von der FDA zugelassen und in großer

Zahl auf dem globalen Markt verfügbar.

Doch es gibt noch mehr Ideen, was sich

mit dieser alternativen Antriebslösung bei

Medizinprodukten erreichen ließe. Ein

Beispiel dafür sind Autoinjektoren. Oft

20 medizin&technik 06/2025


In die Kartuschen der

Picocyl-Antriebszylinder

wird Gas mit einem

Druck von 200 bar oder

sogar mehr eingefüllt.

Die Energie bei der Freisetzung

des Gases lässt

sich nutzen, um Bewegungen

in Medizinprodukten

auszulösen

sind diese mit einer Feder ausgestattet,

deren Spannung die Spitze einer Injek -

tionsnadel nach dem Auslösen des Injektors

durch die Haut des Patienten drückt.

Diese Aufgabe lässt sich aber ebenso mit

dem Gasdruck aus einer Kartusche lösen.

Gasdruck muss für die gesamte

Lebensdauer konstant sein

Dafür müssen eine Reihe von Eigenschaften

sichergestellt sein. Dazu gehört, dass

der unter Druck stehende Behälter keine

Lecks aufweist, sondern für die gesamte

vorgesehene Lebensdauer jederzeit die

einmal eingefüllte Gasmenge mit dem geplanten

Druck bereitstellen kann. Andererseits

muss die Gaskartusche schon mit

einem einfachen Fingerdruck ausgelöst

werden können, also eine „sensible“ Stelle

beinhalten – was den Entwicklern von

Picocyl gelungen ist. In bestimmten Gaskartuschen

haben sie zusätzlich zum Gasdruck

einen Ventil-Mechanismus mit einer

Feder vorgesehen. Das ermöglicht das

schrittweise Freisetzen des Gases und damit

eine dosierte Bewegung.

In die Kartuschen eingefüllt werden –

unter Reinraumbedingungen der Klasse 8

– bisher sechs Gase: Kohlendioxid, Argon,

Stickstoff, Helium, Schwefelhexafluorid

und Perfluorpropan. Je nach Gas und abhängig

von der Füllmenge lässt sich die

beim Ausströmen freigesetzte Energie an

eine Anwendung anpassen.

Unabhängig davon, ob das gesamte

Gas in einem oder mehreren Schritten

entweichen soll, ist der Behälter vollständig

aus einem speziellen Edelstahl gefertigt.

Das bietet aus Sicht von Picocyl den

Vorteil, dass das Gesamtgewicht der Kartusche

von Anfang an feststeht und sich

auch nicht verändert. Damit lässt sich

durch einfaches Wiegen jederzeit belegen,

dass die eingefüllte Gasmenge noch

in der Kartusche ist und diese damit verwendet

werden kann.

„Das ist nicht selbstverständlich“, erläutert

Dickerson. Denn andere Gaskartuschen

werden häufig aus Stahl hergestellt,

der zum Schutz vor Korrosion mit

Metall beschichtet wird. „Mit der Schichtdicke

variiert auch das Gewicht der leeren

Kartuschen, und es lässt sich nicht mehr

genau feststellen, mit wie viel Gas der Behälter

gefüllt wurde und ob noch die gleiche

Menge enthalten ist.“ Bei Behältern

aus Edelstahl stellten sich diese Fragen

erst gar nicht.

Schon zu Beginn der Entwicklungen

war das Fassungsvermögen der Kartuschen

gering, es lag unter 2 ml – und im

Zuge der weiteren Arbeiten ließ sich das

Volumen für manche Varianten sogar auf

etwa 0,16 ml reduzieren. Die gesamte Metallhülle

wiegt, abhängig von der Größe,

dementsprechend auch nur 0,2 bis 2,8 g.

Doch wie stellt man derart kleine

Hohlräume aus Edelstahl zuverlässig und

in großen Stückzahlen bis zu mehr als

zehn Millionen Stück im Jahr her? Dafür

bietet sich das Tiefziehen an, ein Verfahren

der Kaltumformung. Mit entsprechen-

06/2025 medizin&technik 21


■ [ MESSE ]

Bisher hat Picocyl schon

verschiedene Typen von Gas -

kartuschen und Freisetzungsmechanismen

entwickelt. Eine

Anpassung an künftige Anwendungen

und deren Anforderungen

ist möglich

(Bild: Picocyl)

den Werkzeugen und rund einem Dutzend

Umform-Schritten entsteht so aus einem

flachen Blech als Ausgangsmaterial

die Kartusche mit ihrem zylinderförmigen

Rumpf und einem verengten Halsbereich.

An diesem Hals soll schließlich mit Hilfe

spezieller Vorrichtungen das Gas unter

Druck austreten, um seine Aufgabe zu erfüllen.

An dem Grundbauteil werden

noch eine Kappe oder mechanische Konstruktionen

angebracht, die den Druck in

eine lineare Bewegung umsetzen.

Sie müssen hinsichtlich Weglänge, Präzision

und Geschwindigkeit genau zu den

Aufgaben im Medizinprodukt passen.

Geometrie, Größe, Edelstahl –

auch das geht mit Tiefziehen

„Sowohl die Geometrie der Kartuschen

als auch die geringe Größe und das Material

Edelstahl haben unsere Entwickler

durchaus vor Herausforderungen gestellt“,

sagt Andreas Hellmann, der den

Verkauf im Bereich Medical der Hubert

Stüken GmbH & Co. KG aus Rinteln leitet.

Die Tiefziehexperten stellen die Kartuschen

für Picocyl in ihrem Werk in Fountain

Inn in South Carolina auf speziell dafür

vorbereiteten Pressen her.

Speziell ist auch der Werkstoff selbst.

„Der Edelstahl benötigt für die starke Umformung

besondere Eigenschaften, die

mit dem Materiallieferanten in einer gemeinsamen

Entwicklung ermittelt und

prozesssicher spezifiziert wurden“, erläutert

Hellmann. Das Kaltumformen bringt

aber auch einen wichtigen Vorteil fürs

Produkt, wie der Tiefziehexperte betont:

„Daraus ergibt sich eine hohe Kaltverfestigung,

die die Druckbelastbarkeit signifikant

steigert.“

Gefordert ist bei der Fertigung aber

nicht nur Präzision, sondern auch die

gleichbleibend hohe Qualität, wie sie für

Medizintechnik-Bauteile gegeben sein

muss. Dazu gehört die Reinigung der

Rohlinge – eine heikle Aufgabe. Für das

Umformen der nicht erhitzten Metallteile

werden besondere Hochleistungsöle verwendet,

die in den Hohlraum der Kartuschen

gelangen. Sie trotz der Verengung

im Halsbereich prozesssicher zu entfernen,

mitsamt den Chemikalien für die

Reinigung, war knifflig. Für deren Lösung

haben Reinigungsexperten von Picocyl

und Stüken ihr Wissen beigesteuert, wie

Hellmann berichtet.

Vom Umformtechnik-Wissen bei Stüken

zu profitieren, war das ausdrück liche

Ziel von Picocyl. Denn die Entwickler der

Kartuschen wollten sich auf das Befüllen,

das Schweißen und die Zuverlässigkeit ihrer

Produkte konzentrieren. Dass Stüken

gemäß ISO 13485 zer tifiziert ist, war ein

wichtiger Aspekt. „Unsere Ansprechpartner

bei Stüken ver stehen und unterstützen

uns mit dem Medizintechnik-Fokus.“

Die größte aktuelle Herausforderung

ist laut Dickerson allerdings, diese alternative

Antriebslösung unter Ingenieuren

und Entwicklern von Medizinprodukten

nun auch bekannt zu machen. „Sie sind

genauso zuverlässig wie die bekannten

Antriebslösungen, aber kleiner, genauer

und leistungsstärker als diese.“ Derzeit arbeiten

die Fachleute an Lösungen für die

Abgabe hochviskoser Medikamente und

Dosiersystemen wie nadellosen Injektoren

bis zu chirurgischen Instrumenten.

Das Wissen um das Potenzial der neuen

Antriebe, hofft Dickerson, wird sich dann

viel weiter in der Branche verbreiten. ■

Sandra Göhner-Bake

Hubert Stüken, Rinteln

www.stueken.com

Auf der Compamed; Halle 8a, Stand M14

Über Picocyl

Picocyl gehörte zunächst zu Altaviz

und wurde 2017 ausgelagert mit

dem Ziel, spezielle Antriebslösungen

für Medizinprodukte auf der Basis

von Gaszylindern zu entwickeln und

zu produzieren. Die Zertifizierung

gemäß ISO 13485 folgte im Jahr

2018 – und das Unternehmen ist

nach eigenen Angaben das einzige,

das mit seinen Zylindern die Qualitätsvorgaben

für die Medtech-Branche

erfüllen kann. Seit der Gründung

wurden über fünfzehn Millionen

Picozylinder an Auftraggeber

ausgeliefert. Bei der Einbindung der

Bauteile in Medizinprodukte unterstützt

der Hersteller die Anwender.

www.picocyl.com

22 medizin&technik 06/2025


COMPAMED

Düsseldorf, 17. bis 20. November 2025

Halle 8a / Stand K09

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Die Disc Pump von LEE Ventus ist eine neuartige piezoelektrische

Mikropumpe, deren einzigartige Kombination von Eigenschaften

viele der Nachteile von klassischen Membranpumpen

beseitigt und somit die ambulante Blutdruckmessung optimiert:

kompakte und leise am Arm zu tragende Module mit geringem

Kompressionsdruck, die präzise Messungen schon während des

Aufpumpens ermöglichen.

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06/2025 medizin&technik 23


■ [ MESSE ]

Schlauchmontage auf

kleinstem (Rein)Raum

Automatisierung | Knoll Feinmechanik hat es in einer

neuen Anlage geschafft, auf wenig Fläche sämtliche

klassischen Prozessschritte unterzubringen, die zur

Montage von medizinischen Einwegartikeln nötig sind.

Bis zu sechs Bearbeitungsstationen sind in der Anlage platzsparend

untergebracht

Die Montage von medizinischen Einweg-Schlauchsets wird

häufig noch händisch erledigt. Soll der Prozess automatisiert

werden, unterliegt das einigen Voraussetzungen. Denn zum

einen gehören Schläuche zu den so genannten biegeschlaffen

Teilen, sodass für die Automatisierung von Handling- und Montageschritten

entsprechende Erfahrung erforderlich ist. Zum anderen

findet die Montage oft im Reinraum statt, deren Flächen

meist begrenzt sind. Deshalb sind Lösungen gefragt, die Schläuche

samt den weiteren Bauteilen zuverlässig und validierbar

montieren und dabei mit möglichst wenig Platz auskommen.

Das Team von Knoll Automation zeigt auf der Compamed eine

auf geringen Platzbedarf ausgelegte Standard-Anlage. Auf

1,6 m x 1,6 m sind bis zu sechs Bearbeitungsstationen untergebracht,

an denen jeweils auch mehrere Prozessschritte durchlaufen

werden können. Damit lässt sich die Montage marktüblicher

medizinischer Einweg-Schlauchsets erledigen: Schlauch abwickeln,

ablängen, zuführen, einen Wickel bilden, weitere Komponenten

aufschieben oder (mit oder ohne Lösungsmittel) aufmontieren.

Davon ausgehend kann die Anlage je nach Bedarf

und Anzahl notwendiger Prozessschritte angepasst werden, was

ihre Aufstellfläche verdoppelt oder halbiert.

Standard oder nicht – jede Anlage wird an die konkreten Gegebenheiten

und die darauf zu fertigende Baugruppe angepasst

und in die Prozesse integriert. Dabei geht es um Themen wie etwa

passende Greifer für den Schlauch-Durchmesser oder, ob der

Schlauch dem Prozess von der Rolle oder aus einem Bündel zugeführt

wird. Zudem werden bei Bedarf auch Prozessinformationen

geliefert, die für die Validierung oder bei der Systemüberwachung

von Nutzen sein können.

www.knoll-feinmechanik.de

Auf der Compamed: Halle 8b, Stand L36

(Bild: Knoll Maschinenbau)

(Bild: Sensodrive)

Antriebstechnik

Vollständig sicherheitszertifizierter Robotikantrieb mit

Drehmomentregelung für Medizinroboter

Auf der Medica präsentiert die Sensodrive

GmbH einen Meilenstein in der Robotik:

Der Sensojoint-Komplettantrieb gilt als

der erste universell einsetzbare Robotik -

antrieb mit Drehmomentregelung, der

vom TÜV Süddeutschland nach allen relevanten

internationalen Sicherheitsnormen

zertifiziert wurde. Damit können

Hersteller von Cobots und Medizinrobotern

auf ein einbaufertiges Modul zurückgreifen,

das Sicherheit, Flexibilität und

Sensitivität vereint. Die Sensojoint-Antriebe

sind gemäß SIL3/PLe sowie nach

IEC 61508, IEC 62061, IEC 61800-5-2

und ISO 13849 zertifiziert und unterstützen

die Umsetzung weiterer Normen.

Ein zentrales Merkmal der Antriebe ist die

Drehmomentregelung, die eine maximale

Sensitivität und zugleich aktive Schwingungsdämpfung

bietet. Die Module sind

universell einsetzbar, einbaufertig und

lassen sich flexibel an unterschiedliche

Anwendungen in Industrie- und Medizinrobotik

anpassen. Laut Sensodrive können

Hersteller mit Sensojoint ihre Entwicklungszeiten

für neue Cobots und Medizinroboter

auf unter fünf Monate reduzieren

und die Entwicklungs- und Zertifizierungskosten

deutlich senken.

www.sensodrive.de

Auf der Medica: Halle 3, Stand D80

Sensojoints-Reihe mit drehmomentgeregelten Komplettantrieben

Qualitätssicherung

Prüfung von Dichtheit und

Durchfluss in der Fertigung

Die Ceta Testsysteme GmbH, Hilden, stellt

ihr Portfolio für Dichtheits- und Durchflussprüfungen

vor. Die produktionstauglichen

Prüfgeräte ermöglichen eine

100%-ige Endkontrolle und Validierung

von Medizinprodukten direkt in der Fertigung.

Ob Luer-Verbinder, Infusionsschläuche,

Spritzen oder Membranbauteile

– mit Prüfverfahren wie Druckabfall-,

Massendurchfluss- oder Volumenstrommessung

werden selbst kleinste Leckagen

oder Durchflussfehler zuverlässig

erkannt. Als Prüfmedium dient saubere,

trockene Druckluft, deren Einsatz schnelle

und kosteneffiziente Tests bei hohen

Stückzahlen ermöglicht. Alle Prüfgeräte

und Kalibriernormale werden mit einem

akkreditierten Kalibrierschein nach DIN

EN ISO/IEC 17025 ausgeliefert. Damit

können Hersteller regulatorische Vorgaben

erfüllen, Rückrufrisiken minimieren

und die Produktfunktionalität sichern.

www.cetatest.com

Auf der Medica: Halle 3, Stand C80

24 medizin&technik 06/2025


Neue Marke für die

Medizintechnik

Verpackungstechnik | Mit neuen Maschinen und Markenauftritt

zeigt Multivac effiziente, sichere und nachhaltige

Verpackungslösungen für Medizinprodukte.

(Bild: Multivac)

Knie-Implantate – sicher und zuverlässig verpackt

Ob Einwegspritzen, Implantate oder Katheter: Wie sich Medizingüter

sicher und effizient verpacken lassen, zeigt die

Multivac Sepp Haggenmüller SE & Co. KG, Wolfertschwenden.

Erstmals präsentiert sich das Unternehmen als Multivac Health

Packaging – die neue Marke für medizinische und pharmazeutische

Verpackungslösungen. Im Mittelpunkt des Messeauftritts

steht die Tiefziehverpackungsmaschine R3. Ihre Stärken zeigt sie

bei großen Stückzahlen in marktüblichen Verpackungen. Die

Maschine soll über ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis verfügen

und eine einfache Wartung ermöglichen. Auf der Compamed

werden Einwegartikel in recyclebaren Weichfolien verpackt, die

den PPWR-Vorgaben entsprechen. Vor dem Versiegeln bedruckt

ein Bell-Mark-Drucker die Folie zweifarbig. Eine Kamera prüft

das Druckbild und stellt so die UDI-Kennzeichnung sicher.

Der halbautomatische Traysealer T 260 wurde für kleine Chargen

wie Implantate entwickelt. Das mobile Kompaktmodell passt

sich verschiedenen Trays und Deckelfolien an. Die Edelstahlkonstruktion

eignet sich für den Reinraum und lässt sich leicht reinigen.

Ebenfalls vorgestellt wird die Kammermaschine C 400 TC:

Sie verpackt medizinische Sterilgüter in Beuteln. Auf der Messe

zeigt das Unternehmen, wie Herzkatheter in Alu-PE-Beuteln sicher

verschlossen werden. Traysealer und Kammermaschine bieten

kalibrier- und validierbare Prozesse, kontrollierten Siegeldruck

und präzise Temperaturführung. Die IPC-Steuerung überwacht

alle Schritte, bindet Scanner und Drucker ein und dokumentiert

Chargendaten im Batch-Report.

www.multivac.com, Auf der Compamed: Halle 8a, Stand H01

Fibers, Cables, and Assemblies for:

Imaging | Sensing | Power Delivery

COMPAMED

NOV 17-20, 2025 | DÜSSELDORF

HALL 8A, N35

LIGHTERA.COM

06/2025 medizin&technik 25


■ [ MESSE ]

UV-Faserlaser für die

Präzisionsbearbeitung

Lasertechnik | ACI Laser stellt einen neuen Faserlaser

vor: Sein ultraviolettes Licht erlaubt eine „kalte“ Materialbearbeitung

und schützt das Werkstück vor Hitze.

Mit UV-Faserlaser aus der Platine getrennte Baugruppen

(Bild: ACI Laser)

Der DFL Nova Marker zeichnet sich durch seine Vielseitigkeit

bei Materialien aus und eignet sich zur Markierung von

Kunststoffen, Keramiken und zur Feingravur auf Metallen. Zudem

bietet der neue UV-Faserlaser sehr gute Voraussetzungen

für präzise Feinschneid- und Strukturierprozesse, unter anderem

in der Medizintechnik. Besonders empfindliche Materialien

können mit dem DFL Nova Marker kontaktlos, dauerhaft und

schonend bearbeitet werden. Wie ACI Laser betont, erzielt der

DFL Nova Marker saubere Kanten ohne Verbrennungsrückstände

in stets wiederholbarer Qualität und hebt sich dadurch von

vergleichbaren Lasertechnologien, wie einem Standard-Faserlaser

oder Festkörperlaser, ab. In der Medizintechnik kommt der

UV-Faserlaser DFL Nova Marker zur dauerhaften und beständigen

Lasermarkierung von chirurgischen Instrumenten und Implantaten

zum Einsatz. Sehr kurze Laserpulse mit hohen Pulsspitzenleistungen

erzeugen hohe Leistungsdichten, sodass das

Material nahezu direkt in den Verdampfungszustand überführt

wird. Es geht also um die so genannte „kalte Materialbearbeitung“.

Kurze Laserpulse im unteren Nanosekundenbereich ermöglichen

eine schonende und saubere Bearbeitung.

Aufgrund der großen Materialvielfalt in der kunststoffverarbeitenden

Industrie ist es wichtig, dass der Laserstrahl vom Material

gut absorbiert wird. In der Regel werden dazu Additive, Füllstoffe

oder Pigmente dem Material hinzugefügt. Der DFL Nova Marker

erzeugt eine dauerhaft haltbare Markierung in der Regel ohne

Laseradditive und soll sich dadurch von herkömmlichen Infrarotlasern

im Wellenlängenbereich von 1064 Nanometer abheben.

Auf Keramiken lassen sich mit dem DFL Nova Marker hochwertige

Schwarzmarkierungen und Farbumschläge erzeugen.

Zudem kann der UV-Faserlaser die Keramiken auch schneiden.

www.aci-laser.de, Auf der Compamed: Halle 8a, Stand B30

Aus Klinikmüll werden sterile Verpackungen

Recycling | Coveris und Sabic arbeiten gemeinsam am Full-Circle-Projekt: Aus gebrauchten

medizinischen Kunststoffverpackungen entstehen sterile Folienbeutel.

(Bild: Coveris)

In den recycelten Folienbeuteln

aus Trucircle PE

werden Führungsdrähte

für die Gefäßchirurgie

steril verpackt

Rund 1,7 Mio. t nicht kontaminierter Kunststoffabfälle aus

Polyethylen und Polypropylen landen pro Jahr in der Müllverbrennung

– obwohl man sie recyceln könnte. Kliniken müssen

zwar auf absolute Sauberkeit achten, doch genau diese Standards

bremsen oft nachhaltige Lösungen aus. Die Coveris GmbH,

Wien, zeigt, dass es anders geht: Gemeinsam mit dem Chemieunternehmen

Sabic, dem Zuyderland Medical Centre, der Gesundheitsmarke

Artivion sowie weiteren Partnern wurde ein Modell

geschaffen, das aus Klinikmüll wieder hochwertige Verpackungen

macht: In einem echten Kreislauf entstehen aus Krankenhausabfall

neue, sterile Beutel für medizinische Produkte.

Das Projekt startete 2024 im Zuyderland Medical Centre in den

Niederlanden. Dort trennt und sammelt das Team nicht kontaminierte

Kunststoffabfälle, die sonst verbrannt würden. Sabic

verarbeitet diese Abfällen zunächst zu Pyrolyseöl und anschließend

zu zertifiziertem zirkulärem Polyethylen (PE) – Trucircle

PE – , das strengsten medizinischen Anforderungen genügt. Daraus

stellt Coveris Folien her und fertigt damit in Rohrdorf sterile

Beutel. Artivion verpackt in diesen Beuteln Führungsdrähte für

die Gefäßchirurgie – und so landen die Beutel wieder im Krankenhaus.

Heute bestehen die Verpackungen bereits zu einem

Viertel aus recyceltem Klinikmüll.

Das Projekt ist Teil der „No Waste“-Vision von Coveris. Jan-Willem

Bruijsten, Segment Director Medical bei Coveris, sagt: „Bei

Coveris sehen wir Zusammenarbeit als Schlüssel zu einer zirkulären

Zukunft und sind sehr stolz darauf, Teil dieser wegweisenden

Initiative zu sein. Sie beweist, dass Kreislaufwirtschaft bei

Verpackungen im Gesundheitswesen möglich ist.“

www.coveris.com, Auf der Compamed: Halle 8b, Stand J25

26 medizin&technik 06/2025


Implantatherstellung

Fortschrittliche Beschichtungen optimieren

Stents und Implantate

Die Beschichtung ermöglicht eine Langzeit-Wirkstofffreisetzung

Ein besonderes Jubiläum steht

im Mittelpunkt von Mekos

Messeauftritt: Vor 30 Jahren

wurde das erste Stentprojekt

gestartet. Seitdem hat sich die

Meko Manufacturing e.K., Sarstedt,

zu einem internationalen

Partner für die Implantat-

Herstellung entwickelt. Vorgestellt

werden jetzt die erweiterten

Kapazitäten der Inhouse-Gießerei

für magnesiumbasierte

Werkstoffe wie Resoloy.

Diese ermöglicht die präzise

Anpassung von Legierungszu-

(Bild: Meko)

sammensetzungen und Mikrostrukturen

– ideal für die Entwicklung

maßgeschneiderter,

bioresorbierbarer Implantate.

Darauf abgestimmt präsentiert

das Unternehmen neue

Polymerbeschichtungen für

Stents und andere Implantate

mit verbesserter Biokompatibilität

und Haltbarkeit sowie

mit gezielter Langzeit-Wirkstofffreisetzung.

www.meko.de

Compamed, Halle 8a, Stand J07

INNOVATION.

TECHNIK.

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Von Prothetik, Orthetik, Robotik und Biomechanik

hin zu Amputationschirurgie und

digitalen Prozessen – entdecke die Highlights

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moderne Hilfsmittelversorgung!

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den Unterschied!

Faseroptische Komponenten

Biokompatible Fasern für verschiedene

medizinische Anwendungen

(Bild: Ceramoptec)

Am Messestand der Ceramoptec

GmbH, Bonn, werden Lösungen

für medizinische Laseranwendungen

und faseroptische

Systeme vorgestellt –

darunter biokompatible Fasern

mit kundenspezifischen

Kerndurchmessern und nichtkreisförmigen

Geometrien,

die sich besonders für den Einsatz

in der Laserchirurgie, op-

Optische Fasern mit Markierungen

für die Medizin

tischen Bildgebung, Endoskopie

und spektroskopischen Diagnostik

eignen. Darüber hinaus

zeigt das Unternehmen

kundenspezifische Sonden-

Baugruppen, die präzise nach

Zeichnung gefertigt werden

können. Ergänzend dazu werden

Inhouse-Verfahren zur

Sterilisation sowie Optionen

für die Großserienfertigung

präsentiert, die höchste Prozesssicherheit

und Reproduzierbarkeit

gewährleisten. Alle

Fasern können auf Wunsch

mit individuellen, abriebfesten

Markierungen versehen

werden, um die Rückverfolgbarkeit

und Handhabung zu

erleichtern.

www.ceramoptec.de

Compamed: Halle 8a, Stand F29

Foto: Leipziger Messe GmbH: Tom Schulze

Sei dabei – als

Aussteller oder

Fachbesucher!

06/2025 medizin&technik 27

www.ot-world.com


■ [ MESSE ]

IM REINRAUM AUTOMATISIERT

MEDIZINPFLANZEN VERMEHREN

Automatisierung im Reinraum | Sterilität im Prozess zu erhalten: Das ist ein wichtiger

Grund, um die Vermehrung von medizinischen Nutzpflanzen wie Cannabis automatisiert

im Reinraum zu betreiben. Zwei Partner haben dafür eine Anlage entwickelt, in

der das Pflanzengewebe mit einem Laser geschnitten wird.

Steril-Werkbänke, Skalpell, Handarbeit:

Das sind Stichworte, mit denen

sich die In-vitro-Pflanzenvermehrung

heute typischerweise beschreiben lässt.

Eine vollautomatisierte Alternative dazu

ist aber machbar. Das haben zwei Unternehmen

gezeigt, die eine entsprechende

Anlage als Kooperationsprojekt entwickelt

haben. Sie soll aus wirtschaftlichen

Gründen Handarbeit möglichst vermeiden.

Noch wichtiger aber war das Verbessern

der Sterilität. Denn die Pflanzen werden

in zuckerhaltiger Nährlösung bei hoher

Luftfeuchtigkeit, definierten Temperaturen

und künstlicher Beleuchtung

über einen Zeitraum von fünf bis acht Wochen

kultiviert. Unter diesen Bedingungen

ist Sterilität ein Muss. Die Anforderungen

sind sogar ungleich höher als zum

Beispiel in der Lebensmittelindustrie.

Dort ist eine Lagerung über lange Zeiten

zwar üblich – aber der Lagerbereich ist

kalt, dunkel, steht unter Vakuum oder

Schutzgas, und es wird gegebenenfalls

mit Konservierungsstoffen und Verfallsdatum

gearbeitet.

Bei der Vermehrung lebender Organismen

wie zum Beispiel Cannabis-Pflanzen

für die medizinische Verwendung sind

aber mit Blick auf die Sterilität entsprechende

Vorsichtsmaßnahmen zu berücksichtigen.

Die automatisierte Anlage erfüllt

dafür alle Anforderungen, wobei die

IHR STICHWORT

Vollautomatisierte Anlage

zur Pflanzenvermehrung

Reinraumbedingungen

Einsatz von Roboter und KI

CO2 -Laser zum Schneiden

Alle Prozessschritte für die vollautomatisierte Pflanzenvermehrung finden in der

Anlage unter Reinraumbedingungen statt

Entwickler der Bremer Robotec PTC

GmbH und der Hoyer Montagetechnik

GmbH aus Waltershausen sowohl Roboter

als auch Laser und KI für die In-Vitro

Pflanzenvermehrung nutzen.

Aber um was genau geht es? Bei der

manuellen In-vitro-Pflanzenvermehrung

von Zier- und Nahrungsmittelpflanzen

oder auch medizinischen Nutzpflanzen

wie eben Cannabis entnehmen Mitarbeiter

bisher wenige Zentimeter große Pflanzensetzlinge

mit einer Pinzette aus einem

Behälter mit Nährlösung. Dies geschieht

an Steril-Werkbänken. Die Pflanzen werden

dann meist per Skalpell geteilt und

die Schnittstücke wieder mit der Pinzette

in Behälter mit Nährlösung eingesetzt.

Nach einigen Wochen Wachstum kann

der Vorgang wiederholt werden, so dass

bei jedem Zyklus exponentielle Multiplikationsraten

erreicht werden. Alle Pflanzen

sind Klone der Ausgangspflanze und

haben somit auch dieselben Eigenschaften,

wie etwa definierte Inhaltsstoffe.

Für die Automatisierung des Prozesses

wurden alle Vorgänge vom Öffnen des Behälters

mit den Ausgangspflanzen bis

zum Verschließen des Behälters mit den

geteilten Pflanzenstücken automatisiert

und in den geschützten Maschineninnenraum

verlagert. Der Innenraum wird ständig

mit HEPA-gefilterter Luft unter Überdruck

gehalten und auf diese Weise vor

Kontamination geschützt. Dort herrschen

also Reinraumbedingungen.

Immer scharf und immer steril:

Laser übertrifft das Skalpell

Eine KI-gestützte 3D-Bildverarbeitung erkennt

die Pflanzen. Ein Roboter entnimmt

diese aus dem Behälter und nutzt

dafür ein speziell entwickeltes Greifer-

System. Vor dem Teilen nimmt ein Stereo-

Kamerasystem aus unterschiedlichen Perspektiven

Bilder auf. Mehrere weitere KI-

Anwendungen legen dann fest, wo Schnitte

erfolgen sollen und in welcher Reihenfolge

das geschieht. Wichtig ist, dass die

(Bild: Hoyer Montagetechnik)

28 medizin&technik 06/2025


Schnitte an den natürlichen Wachstums -

linien durchgeführt werden. Entsprechend

legt die Anlage die Roboterbewegungsbahnen

fest. Dabei gilt es, die

Schnittbewegungen dreidimensional und

mit hoher Präzision auszuführen.

Das Schneidwerkzeug ist ein CO 2 -Laser.

Gegenüber mechanischen Systemen

hat er den Vorteil, immer steril und immer

scharf zu sein. Auch die Präzision des Systems

und die Schnittausführung sind optimiert.

Daher wachsen die Pflanzen besser,

und die Zyklen bis zum nächsten

Schnitt und der nächsten Vermehrungsstufe

lassen sich im Vergleich zur Hand -

arbeit verkürzen.

Bild, Roboter, KI – und das

Pflanzenstück wird kultiviert

Die geschnittenen Pflanzenstücke fallen

auf ein steriles Transportband und werden

einer weiteren Roboterstation in der

Anlage zugeführt. Ein Kamerasystem beurteilt,

wiederum mit einer Kombina tion

verschiedener KI-Anwendungen, welche

Schnittstücke mit welcher Orientierung

vom Band genommen werden sollen und

erzeugt die dafür erforderlichen Roboterbewegungen.

Der Roboter entnimmt die

Pflanzenstücke dann vom laufenden

Band und setzt bis zu 2500 Stück pro

Stunde in Behälter mit Nährlösung ein.

Für den gesamten Prozess sind, je nach

(Bild: Hoyer Montagetechnik)

Pflanzenteile lassen sich mit dem CO 2 -Laser (rechts) präziser schneiden als mit dem

Skalpell (links)

Pflanzenart, bis zu 20 verschiedene KI-

Anwendungen erforderlich.

Ein weiterer Aspekt, der erst durch die

Prozessautomatisierung ermöglicht wird,

ist eine lückenlose Rückverfolgbarkeit.

Sämtliche Bilder und Informationen zu

ein- und ausgehenden Pflanzen lassen

sich über die Vermehrungszyklen hinweg

erfassen und speichern. Es können dadurch

über Generationen hinweg Analysen

durchgeführt werden. Das war in der

Vergangenheit unmöglich.

Um den Pflanzenvermehrungsprozess

zu automatisieren, musste allerdings das

Wissen aus zahlreichen Kompetenzfeldern

und Technologien zusammengeführt

werden. Pflanzenwissenschaften,

Biologie, Maschinenbau, Adaptive Robotik,

Lasertechnik, 3D-Vision, KI, IT, Steriltechnik

und Servicekompetenz waren erforderlich.

Aktuell sind mehrere Systeme für namhafte

internationale Anwender aus der Industrie

in der Realisierungsphase. Fünf

standardisierte Maschinenkonzepte ermöglichen

eine wirtschaftliche Lösung

für unterschiedliche Anforderungen in

Forschung und industrieller Pflanzenproduktion.

Das Wissen und die Erfahrungen

aus diesem Projekt fließen aber auch

dann ein, wenn es um andere automatisierte

Prozesse im Reinraum geht, beispielsweise

in der Medizin technik. ■

Dr. Christof Jung

Hoyer Montagetechnik, Waltershausen

Stephan von Rundstedt

Robotec PTC, Bremen

www.hoyermon.de; www.robotec-ptc.com

Hoyer auf der Messe Compamed:

Halle 8a, Stand S29

Sicher. Steril. Nachhaltig.

MULTIVAC Health Packaging für medizinische Produkte.

Gemeinsam mit Ihnen entwickeln und realisieren wir Verpackungslösungen,

in denen Ihre medizinischen Sterilgüter und andere sensible

Produkte sicher und geschützt sind. Mit komplexen Ausformungen,

individuellen Funktionalitäten, nachhaltigen Packstoffen und so

automatisiert und digitalisiert, wie Sie es wünschen:

· Zuführen · Beladen · Verpacken

· Identifizieren · Inspizieren · Kartonieren

Protecting what protects health.

COMPAMED | Halle 8a, Stand H01

06/2025 medizin&technik 29


TITELTHEMA

Indien setzt auf Hightech

statt frugale Produkte

Auslandsmarkt Indien | Der indische Medizintechnikmarkt wird nach allen Prognosen in

den nächsten Jahren stark wachsen. Daran können auch deutsche Hersteller

partizipieren – wenn sie die richtigen Produkte haben und sich auf die Besonderheiten

des Landes und des Marktes einstellen.

30 medizin&technik 06/2025


(Bild: G-images/stock.adobe.com)

Indien ist interessant

Wer in Indien erfolgreich sein

will muss sich auf das Land

einlassen – und vor Ort sein.

Sabine Koll

Indien ist für Siemens Healthineers

einer der Zukunftsmärkte weltweit.

„Der Subkontinent ist mit 1,4 Milliarden

Menschen mittlerweile das bevölkerungsreichste

Land der Welt – vor China. Und

gut 400 Millionen Menschen gehören der

so genannten Middle Class an, diese Zahl

soll sich in den nächsten zehn Jahren verdoppeln.

Das Potenzial ist riesig, das wollen

wir mit unseren Produkten erschließen“,

sagt Jochen Wießner, als Executive

Manager bei Siemens Healthineers verantwortlich

für die strategische Ausrichtung

des Global Footprint. Dazu gehört

der neue Innovation Hub am indischen

Standort Bengaluru, den der Medizintechnikhersteller

mit Hauptsitz in Erlangen

seit 2020 aufbaut. Er steht aktuell

kurz vor der Fertigstellung.

Nach Angaben der Association of In -

dian Medical Device Industry (Aimed)

wurden auf dem indischen Markt 2024

Medtech-Produkte im Wert von rund

12 Mrd. US-Dollar umgesetzt. Damit ist

Indien derzeit der viertgrößte Medtech-

Markt in Asien hinter China, Japan und

Südkorea. Die Investitionsförderungsagentur

„Invest India“ erwartet, dass der

Markt bis 2030 um durchschnittlich 13 %

Medizintechnikmarkt Indien

Chancen für deutsche Hersteller

Highend oder frugale Produkte?

Herausforderungen auf kultureller Seite

Fördermittel für Vor-Ort-Produktion

IHR STICHWORT

Seit 2018 hat Indien eine staatliche

Krankenversicherung, welche die

öffentliche Versorgung von über

500 Millionen Menschen abdeckt

jährlich auf 50 Mrd. US-Dollar wachsen

wird – und damit in einem Tempo, das

deutlich über dem des Weltmarkts liegt.

Die Boston Consulting Group (BCG) taxiert

das Wachstum des Weltmarkts auf

5 %. „In der Vergangenheit hatte Indien

aber einen begrenzten Anteil an der weltweiten

Medtech-Produktion und an den

Exporten, nämlich weniger als zwei Prozent

der weltweiten Produktion. Der indische

Markt hat sich überwiegend auf Importe

von Medizinprodukten verlassen,

um den inländischen Bedarf zu decken“,

konstatiert Priyanka Aggarwal, Managing

Director bei BCG.

Medizintechnik hat in Indien

eine strategisch wichtige Rolle

Wie so viele andere Staaten weltweit will

aber auch Indien nicht länger abhängig

sein von Importen und hat daher verschiedene

Maßnahmenpakete geschnürt,

um die Medtech-Branche im Land zu fördern.

Dazu gehören das seit 2024 laufende

nationale Industrieprogramm „Make

in India“, das Indien als globalen Produktionsstandort

stärken soll, und die vor vier

Jahren ausgerufene Vision „Viksit Bharat

2047“. Mit ihr soll Indien bis zum Jahr

2047 zu einem entwickelten Land werden.

Die Medizintechnik spielt dabei eine

strategisch zentrale Rolle.

„Eine unterstützende Regierungspolitik,

finanzielle Anreize und gestraffte Vorschriften

in Verbindung mit frugalen Innovationen

und dem inhärenten Kostenvorteil

Indiens haben in jüngster Zeit für

einen Aufschwung bei der Herstellung

von Medizinprodukten in Indien gesorgt.

Das Gesamtproduktionsvolumen ist ge-

06/2025 medizin&technik 31


TITELTHEMA

(Bild: Meril)

Der Myclip Teer System von Meril ist ein neu

entwickeltes medizinisches Gerät aus Indien

zur Behandlung der Mitralklappeninsuffizienz.

Meril ist der größte indische Medizintechnikhersteller.

Er beschäftigt mehr

als 12 000 Mitarbeiter weltweit und hat vor

einem Jahr in Vapi im Bundesstaat Gujarat

eine neue Produktionsstätte eröffnet, die

unter das PLI-Programm der indischen Regierung

fällt

stiegen, und der Anteil der Importe ist in

den vergangenen beiden Jahren von 80

Prozent auf rund 60 Prozent gesunken“,

so Aggarwal. Doch sie mahnt weiteres

Tempo an: „Bislang hat sich Indien bei der

Medtech-Herstellung vorwiegend auf

Low-Tech-Produkte konzentriert. Um das

Potenzial auszuschöpfen, sind zusätzliche

Anstrengungen erforderlich, um die Pro-

duktionskapazitäten auf Hightech auszuweiten.

Es müssen Schritte unternommen

werden, um den Technologietransfer zu

fördern, damit sich mehr Global Player in

Indien niederlassen.“

Die Beraterin empfiehlt, bestehende

Medtech-Parks für die Ansiedlung von

kleinen und mittleren Unternehmen

(KMU) stärker zu fördern sowie das Fördermittelprogramm

Production Based Incentives

(PLI) für KMU neu zu justieren.

Bei PLI handelt es sich um ein staatliches

Anreizsystem, das Unternehmen für in Indien

hergestellte Produkte finanziell belohnt,

meist über prozentuale Zahlungen

auf zusätzlich erzielte Umsätze. Dabei

sind vier Zielsegmente für PLI definiert:

• Krebsversorgung und Radiotherapie-

Medizingeräte,

• Radiologie und Bildgebung sowie

nukleare Bildgebungsgeräte,

• Anästhesie, kardiopulmonale Medizingeräte

einschließlich Katheter der

Kategorie Kardiopulmonal und Geräte

für Nierenpflege sowie

• Implantate aller Art.

Siemens Healthineers gehört zu den

Global Playern der Branche, die aktuell in

Fertigungskapazitäten in Indien investieren

– neben Wipro GE, Stryker, Philips,

Medtronic und Johnson & Johnson. Auf

dem neuen Campus sollen künftig knapp

6000 Mitarbeiter Platz finden – in erster

Linie Experten im Software-Bereich, aber

auch in der Produktion. 5000 m 2 Fertigungsfläche

stehen auf dem Campus zur

Verfügung. Bereits heute betreibt der

Konzern in Indien eine Fabrik – und war

damit eines der ersten deutschen Unternehmen,

die sich mit einer Fertigungsstätte

nach Indien wagten.

Der Innovation Hub soll nun für weiteres

Wachstum sorgen. „Aktuell fertigen

wir in Indien überwiegend noch Local to

Local. Mit dem Innovation Hub wollen

wir den Sprung Local for Global angehen,

genauer gesagt für die Region Asia Pacific.

Danach wollen wir weitergehen in

Richtung Afrika und Südamerika. Indien

wird unser zentraler Fertigungsstandort

für Produkte, die wir gezielt für Schwellenländer

herstellen – mit dem gleichen

Hightech-Qualitätsanspruch wie für unsere

anderen Produkte, aber mit eingeschränktem

Funktionsumfang und kostengünstiger“,

erklärt Siemens-Healthineers-Entscheider

Wießner. Bislang baut

das Unternehmen in Indien zum Beispiel

ein mobiles C-Bogen-System für die Chirurgie,

das auch dort entwickelt wurde,

und eine Einstiegs-CT-Scanner Baureihe.

Mit seiner Bildgebungstechnologie

hofft Siemens Healthineers auf Fördergelder

aus dem PLI-Programm. „Wir sind dabei,

die PLI-Formalitäten für den CT-Scanner

Somatom-Go zu klären, aber die Fördermittel

waren nicht der ausschlaggebende

Punkt für unsere Investition in Höhe

von 160 Millionen Euro in Indien“,

stellt der Siemens-Healthineers-Manager

klar. „Für uns stehen der indische Markt,

der Zugang zu sehr gut ausgebildeten,

leistungsbereiten, durchgängig englisch-

(Bild:Siemens Healthineers)

Bislang baut Siemens Healthineers

in Indien zum Beispiel ein

mobiles C-Bogen-System für die

Chirurgie und eine Einstiegs-CT-

Scanner Baureihe, die auch dort

entwickelt wurde

32 medizin&technik 06/2025


Regulatorik in Indien –

kurzer Überblick

(Bild:Spectaris)

sprechenden Mitarbeitern – vor allem im

Software-Bereich – im Vordergrund. Hinzu

kommt, dass wir uns wie viele Fertigungsunternehmen

mit dem Standort Indien

resilienter aufstellen wollen angesichts

weltweiter Krisenherde und ständig

neuer Zollbarrieren.“

Jennifer Goldenstede, Leiterin

Außenwirtschaft und Exportförderung

bei Spectaris: „Man

braucht einen langen Atem, um

auf dem indischen Markt erfolgreich

zu sein. Es handelt sich

um ein riesiges Land mit einer

für uns fremden Kultur, in der

zum Beispiel das Kastensystem

immer noch eine Rolle spielt“

Bisher nur wenige deutsche

Unternehmen in Indien aktiv

„Es gibt bislang nur wenige deutsche

Medtech-Hersteller, die in Indien mit eigenen

Standorten aktiv sind. Ich möchte

aber noch viel mehr Unternehmen der

Branche ermutigen, diesen Schritt zu wagen

und die riesigen Marktpotenziale zu

erschließen“, sagt Jennifer Goldenstede,

Leiterin Außenwirtschaft und Exportförderung

beim Branchenverband Spectaris.

Neben Siemens Healthineers sind dies

zum Beispiel Zeiss Meditec und B. Braun.

Goldenstede registriert vor allem im deutschen

Mittelstand ein nur zögerliches Interesse.

Die Gründe dafür kennt sie: „Man

braucht einen langen Atem, um auf dem

indischen Markt erfolgreich zu sein. Indien

ist ein riesiges und sehr vielfältiges

Land mit einer Kultur, die sich in vielerlei

Hinsicht von unserer unterscheidet und in

der traditionelle gesellschaftliche Strukturen,

wie etwa das Kastensystem, ebenso

wie informelle Netzwerke und persönliche

Beziehungen teilweise weiterhin das

soziale und berufliche Leben prägen. Die

einzelnen Bundesstaaten haben in Wirtschaftsfragen

eine viel größere Kompetenz

als die deutschen Bundesländer. Und

nicht zuletzt ist die Bürokratie noch sehr

viel größer als in Deutschland. Man

braucht ein Netzwerk an Leuten, die verlässliche

Informationen zu vielen Fragen

bei einem Standortaufbau liefern können.

Lokale Partner sind daher das A und O in

Indien.“

Auch bei der Schweizer Medizintechnik-Beratung

Medforceone suchen aktuell

nur wenige deutsche Unternehmen Hilfestellung

für den Eintritt in den indischen

Markt. „Das Interesse an anderen Standorten

in Asia-Pazifik ist deutlich größer.

Das liegt möglicherweise daran, dass sich

so manches deutsche Unternehmen in der

Vergangenheit in Indien eine blutige Nase

geholt hat. Deutsche Unternehmen tendieren

dazu, alles selbst machen zu wollen.

Das funktioniert in Indien nicht“, bestätigt

Manuel Neuer, Managing Partner

bei Medforceone. „Dabei lohnt es sich definitiv,

die Marktchancen zu evaluieren.

Voraussetzung ist aber, dass man in Indien

mit innovativen Produkten auf den

Markt gehen will. Je stärker es sich um

Me-Too-Produkte handelt, desto geringer

sind die Aussichten auf Erfolg.“

Nach einer Studie der Strategieberatung

EY Parthenon sind die meisten indischen

Hersteller von Medizinprodukten

auf das Segment „Einweg- und Verbrauchsartikel“

spezialisiert. Dazu gehören

persönliche Schutzausrüstung, Dia -

Die Central Drugs Standard Control

Organization (CDSCO) ist die nationale

Regulierungsbehörde für Arzneimittel

und Medizintechnik in Indien.

Das zentrale Regelwerk für Medizinprodukte

sind die „Medical Device Rules“

(MDR). Sie sind 2018 in Kraft getreten.

Die MDR sind ein eigenes Regelwerk,

das sich nicht an die gleichnamige

MDR der EU anlehnt. Ergänzend

dazu gibt es die „National Medical

Device Policy“ (NMDP), die 2023 in

Kraft getreten ist. Dabei handelt es

sich um eine Politik-/Strategie-Vorgabe,

nicht um ein Gesetz oder eine Verordnung

im engeren Sinne. Die NMDP

legt Ziele, Rahmenbedingungen und

Programme fest, um die Entwicklung

des Sektors zu fördern und zu steuern.

Beide Regelwerke kennen die Klassifikation

der Geräte nach Risikoklassen

(A bis D) und die Notwendigkeit von

Registrierung oder Lizenzierung je

nach Klasse. Die MDR regeln dies operativ.

Die NMDP sieht vor, das bestehende

Regulierungsrahmenwerk effizienter

beziehungsweise patientenzentriert

zu gestalten. Für Marktüberwachung/Post-Marketing

enthalten

die MDR bereits Bestimmungen zur

Überwachung (Adverse Event Reporting

und andere Verpflichtungen). Die

NMDP sieht vor, diese Systeme zu verbessern,

insbesondere durch bessere

Tests, Standards, Labors und Monitoring.

Bei Medtech-Herstellern sorgt

dies für regulatorische Unsicherheit.

„Einige Vorschriften brauchen zu viel

Zeit, und dann wissen wir nicht, ob sie

umgesetzt werden oder nicht. Umgekehrt

werden einige Verordnungen

möglicherweise im Eiltempo umgesetzt,

ohne dass die Industrie genügend

Zeit hat, einen echten Beitrag zu

leisten und sich an den Prozess anzupassen.

Die Industrie würde von einem

ausgewogeneren und vorhersehbaren

Ansatz, zumindest für die absehbare

Zukunft, immens profitieren“,

kritisiert ein Forumskoordinator des

Verbands der indischen Medizinprodukteindustrie

(Aimed) in einer Studie

von EY Parthenon.

06/2025 medizin&technik 33


TITELTHEMA

(Bild: Medforceone)

gnosekits, Desinfektionsmittel und Operationshandschuhe.

Das nächstgrößte

Segment sind elektronische Geräte und

Implantate. „Mit Einweg- und Verbrauchsartikeln

muss man als deutscher

Hersteller in der Regel nicht auf dem indischen

Markt antreten“, so Neuer. „Auch

mit so genannten frugalen Produkten –

einfach, kostengünstig und funktional gestaltet

– kann man daneben liegen. Der

Markt ist vielschichtig und verlangt zunehmend

Hightech-Lösungen, insbesondere

im privaten Gesundheitsmarkt, der

Manuel Neuer, Managing Partner

bei Medforceone: „Auch mit

so genannten frugalen Produkten

– einfach, kostengünstig

und funktional gestaltet – kann

man in Indien daneben liegen.

Der Markt ist vielschichtig und

verlangt zunehmend Hightech-

Lösungen“

die aufstrebende Mittelklasse in Indien

bedient, aber auch Medizintouristen aus

Ländern wie Bangladesch oder Großbritannien,

wo Patienten zum Teil viele Monate

auf Standardoperationen warten

müssen.“

„Gerade bei privaten Krankenhäusern

sind Premium-Medizintechnikprodukte

von europäischen Herstellern auch ein

Statussymbol“, bestätigt Goldenstede. Die

Krux für Medtech-Hersteller: Indien ist

auf ganzer Linie ein preissensitiver Markt.

„Und man muss sich darauf einstellen,

dass über Preise stets verhandelt wird.

Das gehört einfach zur Kultur“, so Neuer.

Auch Siemens Healthineers betrachtet

den indischen Markt sehr differenziert:

„Es gibt nicht den einheitlichen indischen

Markt. Im normalen Klinikbetrieb in Indien

auf dem Land kommt es zum Beispiel

bei unseren CTs – ganz anders als etwa in

den USA – nicht auf einen hohen Durchsatz

an“, erklärt Wießner. „Während der

Corona-Pandemie aber waren Lungen-

Screenings in Indien extrem wichtig. Dabei

ging es nicht darum, die besten Bilder

zu haben, sondern einzuschätzen, wie

weit sich das Coronavirus schon verbreitet

hat. Somit waren Durchsatz und

Schnelligkeit entscheidend. Genau auf

solche wechselnden Anforderungen können

wir mit unserer Mannschaft in Indien

gezielt und schnell eingehen.“

Für KMU lohnen sich

Medtech-Parks

Siemens Healthineers ist nicht Teil eines

Medtech Parks. Wießner: „Unsere Lieferkette

in Bengaluru werden wir selbst aufbauen

und dabei die Möglichkeiten nutzen,

die bereits vor Ort, zum Beispiel in

der Automobilindustrie, etabliert sind.“

KMU im Medtech-Bereich legt Goldenstede

allerdings nahe, die Teilnahme an

solchen Parks und Clustern in Erwägung

zu ziehen: „Das Ökosystem eines Clusters

kann den Markteintritt beschleunigen,

weil man hier Partner findet. Auch qualifiziertes

Personal lässt sich so leichter akquirieren.“

Sabine Koll

Journalistin in Böblingen

Weitere Informationen

Zu Siemens Healthineers:

www.siemens-healthineers.com

(Bild:EY Parthenon)

Trotz wachsender Exportkapazitäten bleibt Indien Nettoimporteur von Medizinprodukten.

Im Zeitraum von 2023 bis 2024 erreichten die indischen Importe von Medizinprodukten

8,2 Mrd. US-Dollar, was einen Anstieg von 13 % gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Diese

Zahl war mehr als doppelt so hoch wie der Wert der gesamten Ausfuhren. Der Anstieg der

Importe geht auf das Wachstum der führenden Krankenhausketten – Max, Hinduja Group,

Fortis, Manipal, Calcutta Medical Research Institute (CMRI) und Apollo – zurück, die in eine

moderne Infrastruktur investieren

Zu Medforceone:

www.medforceone.com

Zu Spectaris:

www.spectaris.de

Zur Studie von EY Parthenon:

https://a.kon2.de/MMwUL

Zur Studie der Boston Consulting

Group (BCG):

https://a.kon2.de/hbwEy

34 medizin&technik 06/2025


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06/2025 medizin&technik 35


■ [ TECHNIK ]

Hyperspektralkameras im UV-Bereich

bieten neue Anwendungsmöglichkeiten

Neue Kameras nutzen das UV-Spektrum | Für sichtbares Licht und den Nah-Infrarot-Bereich

sind bereits Hyperspektralkameras auf dem Markt. Den kompletten UV-Bereich deckt ein

neues System ab, das Inno-Spec präsentiert. Neben Forschung und Pharma-Anwendungen

verspricht es auch Potenzial für die Medizin.

können mit solchen Kameras auch nichtorganische

Stoffe, Halbleiter und konjugierte

Molekülsysteme untersucht werden.

Anders als NIR-Systeme macht das

Blueeye-System nicht die Molekülschwingungen

sichtbar, sondern die Elektronenübergänge.

UV-Licht dringt zudem weniger

tief ein als längere Wellenlängen und

ist daher ideal für die Analyse von Oberflächen.

(Bild: Inno-Spec)

Das Kernstück des HSI-Systems für den UV-Bereich ist die Blueeye-Kamera

Von Luft- und Raumfahrt bis Labor

oder Medizintechnik: Die Einsatzgebiete

von Hyperspektralkameras haben

sich in den letzten zwei Jahrzehnten vielfältig

entwickelt. Die meisten Hyperspektralkameras

arbeiten im sichtbaren Wellenlängenbereich

und im kurzwelligen Infrarot

arbeiten. Damit sind die Informationen,

die sich aus den Proben darstellen

lassen, begrenzt – und es können auch

nur bestimmte Materialien mit diesen

Wellenlängen untersucht werden. Neue

IHR STICHWORT

Hyperspektralkamera

Gesamter UV-Licht-Bereich

Anwendungsmöglichkeiten für

Forschung, Industrie, Medizin

KI mit Potenzial zur Auswertung

Hyperspektralkameras, die den UV-Bereich

abdecken, sind deshalb eine vielversprechende

Weiterentwicklung.

„Der Einsatz von UV-Licht ist an sich

nichts Neues, in der hyperspektralen Bildgebung

aber konnte es bislang nicht verwendet

werden“, weiß Oliver Grass,

Gründer und Geschäftsführer der Inno-

Spec GmbH. Das Nürnberger Unternehmen

stellt seit rund 20 Jahren HSI-Systeme

für industrielle Anwendungen her.

Nun haben die Fachleute auch eine UV-

Hyperspektralkamera entwickelt, genannt

Blueeye, die zunächst vor allem für

die Forschung interessant sein dürfte.

Anders als Spektrometer, die bereits

seit etlichen Jahren mit UV-Licht arbeiten,

schauen UV-Hyperspektralkameras nicht

nur auf einen Punkt in der Probe, sondern

betrachten eine Fläche. „Bei Proben, die

nicht homogen sind, löst ein solches HSI-

System bestehende Schwierigkeiten, weil

nicht länger Punkt für Punkt untersucht

werden muss“, beschreibt Grass. Zudem

Kameras für UVA- und UVBsowie

Teile des UVC-Bereichs

Einige Hyperspektralkameras arbeiten

zwar bereits seit Längerem im UV-Bereich,

verwenden aber hauptsächlich den

sichtbaren Wellenlängenbereich von etwa

400 bis 800 nm und decken zusätzlich nur

noch einen kleinen Teil des UVA-Bereichs

ab. Das Limit liegt meist bei 350 nm.

„Neue UV-Hyperspektralkameras sind

nun in der Lage, den kompletten UVAund

UVB-Bereich abzudecken sowie ein

gutes Stück vom UVC-Bereich – das

Blueeye zum Beispiel den Bereich von 220

bis 380 nm“, erklärt Grass. „Das sind reine

UV-Systeme.“

Für diese komme es zum einen auf den

richtigen Sensor an, der für diese Wellenlängen

sensitiv ist, zum anderen auf die

passenden Linsen und andere optische

Elemente, die diese Wellenlängen überhaupt

durchlassen. „Das Optikdesign

muss insgesamt für diese niedrigen Wellenlängenbereiche

ausgelegt sein, das ist

die Herausforderung bei der Entwicklung“,

so Grass.

Solche UV- Hyperspektralkameras eignen

sich für viele Anwendungsgebiete, allen

voran für Pharma und Forschung. In

der medizinischen und klinischen Forschung

bietet die UV-HSI aufgrund ihrer

Sensitivität und ihrer Fähigkeit, detaillierte

biochemische Informationen zu liefern,

erhebliches Potenzial. Ein Beispiele für

denkbare Anwendungen ist die Opera -

tionsüberwachung. So könnte UV-HSI

36 medizin&technik 06/2025


Chirurgen nach der Biopsie bei der präzisen

Identifizierung von Gewebetypen und

-grenzen unterstützen.

UV-HSI zur Qualitätskontrolle

in der Impfstoffherstellung

In der Arzneimittelentwicklung könnten

molekulare Wechselwirkungen identifiziert

werden, um Arzneimittel-Screening

und -forschung zu optimieren. Im Bereich

der Impfstoffentwicklung und Qualitätskontrolle

bieten sich Möglichkeiten, die

Proteinstrukturen in Impfstoffen zu überwachen.

„Bei der Entwicklung und Herstellung

von Medikamenten und Impfstoffen

kann UV-HSI zum Beispiel für die

Qualitätskontrolle genutzt werden, um zu

prüfen, ob der richtige Wirkstoff in der

richtigen Konzentration vorhanden ist“,

nennt Grass ein Beispiel.

Die UV-Hyperspektralkameras dienen

auch zur Analyse von Proteinen sowie zur

Charakterisierung von Nanopartikeln,

um die Eigenschaften und Funktionalitäten

von Nanomaterialien zu verstehen und

Nanotechnologien weiterzuentwickeln.

„Neben der Forschung sind moderne

UV-Hyperspektralkameras auch für industrielle

Anwendungen interessant“,

weiß Grass. Sie können zum Beispiel für

die Analyse von Lebensmitteln genutzt

werden, um Nährstoffgehalte genau zu

bestimmen. Mit ihnen lassen sich zudem

Textilmaterialien klassifizieren oder Metalloberflächen

analysieren.

Gearbeitet wird derzeit an höheren

Messgeschwindigkeiten, um UV-HSI

künftig zum Beispiel als Echtzeit-Kontrollmedium

direkt am Förderband einzusetzen.

Für die Analyse der erhobenen Daten

wird in Zukunft zudem KI eine immer

stärkere Rolle spielen.

„Die Infos fallen ja nicht aus den Spektren

raus“, formuliert Grass salopp. „Die

Kamera ist das Auge, es braucht eine Software

als Gehirn, um die Daten zu verstehen.“

Je smarter eine solche Software ist,

desto schneller und besser können die

durch die UV-Hyperspektralkamera sichtbar

gemachten Informationen übersetzt

werden. „Diese Übersetzungsarbeit ist

sehr anspruchsvoll, die Software muss

hierfür zunächst trainiert werden“, so

Grass. Genau hier könne KI einen bedeutenden

Beitrag leisten und gängige

Schwierigkeiten lösen.

„Im Moment wird KI im Hyperspektralbereich

noch nicht viel genutzt, aber das

hat großes Potenzial“, betont Grass. ■

Julia Kowal

Fachjournalistin in Dortmund

Weitere Informationen

Die Inno-Spec GmbH, ein Unternehmen

der Headwall Group, ist seit

2005 auf die Entwicklung und Fertigung

maßgeschneiderter Hyperspektral-Systeme

spezialisiert. Am

Standort Nürnberg entstehen unter

anderem Lösungen für industrielle

Inline-Anwendungen.

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06/2025 medizin&technik 37


■ [ TECHNIK ]

MRT trotz Implantat – mit Simulation

vor Hitzeschäden schützen

Simulation vor der Bildgebung | Unter dem Einfluss hochfrequenter Felder wie im

MRT können Verlustleistungen entstehen, die ein Implantat erwärmen. Um eine Untersuchung

zu ermöglichen und das Risiko zu verringern, lassen sich die Verhältnisse

patientenspezifisch simulieren und Gegenmaßnahmen definieren.

Im MRT herrschen komplexe

elektromagnetische

Bedingungen. Wo Risiken

für eine Erwärmung von

Implantaten bestehen,

zeigt eine Simulation –

und ebnet den Weg für

Schutzmaßnahmen

(Bild: Cadfem)

IHR STICHWORT

Implantat-Situation im MRT simulieren

Erwärmung vermeiden

Individuelle Empfehlungen

Körpergeometrie, Materialeigenschaften

und Implantatposition berücksichtigen

Magnetresonanztomographie (MRT)

unterstützt die Diagnostik durch

Bilder, die auf der Basis elektromagnetischer

Felder entstehen. Das erlaubt Einblicke

in den menschlichen Körper ohne

einen operativen Eingriff. Die Technologie

kann aber auch negative Effekte haben

und zur Erwärmung von Implantaten

aus Metall führen, bis hin zu inneren Verbrennungen.

Mit Hilfe von Simulation lassen

sich diese Risiken im Vorfeld präzise

kalkulieren. Das ermöglicht es, entsprechende

Gegenmaßnahmen zum Schutz

des Patienten zu ergreifen. So kann MRT

auch in Fällen genutzt werden, bei denen

es bislang wegen der Risiken nicht anwendbar

schien.

Wie sich elektrische Feldstärken und

die so genannte Specific Absorption Rate

(SAR) mithilfe numerischer Modelle berechnen

lassen, zeigt der Simulationsanbieter

Cadfem. Aus den genannten Daten

lässt sich ableiten, wie stark sich ein Implantat

unter den Bedingungen einer

MRT-Untersuchung erwärmen würde

und welche Schutzmaßnahmen nötig

sind, um diesen Effekt zu begrenzen.

Dass etwa durch die hochfrequenten

Felder Verluste im Implantat entstehen,

ist eine Erkenntnis aus der Simulation.

Diese örtlich verteilte Verlustleistung

mündet in eine Erwärmung der betroffenen

Körperregionen. Auf dieser Basis können

Fachleute eine Anordnung finden, in

welcher das gleiche Implantat im identischen

Körper bei gleicher Anregung weni-

ger Verlustleistung aufnimmt und somit

weniger Erwärmung entsteht.

Erwärmung des Implantats

ohne Bild-Verluste reduzieren

Das Ziel der Simulation ist, das elektromagnetische

Feld mit vertretbarem Aufwand

am Implantat vorbeizuführen, ohne

dass die Bild-Darstellung verfälscht wird.

So konnte in der Simulation ein halbschaliger

Schild um die Hüfte eines fiktiven

Patienten gelegt werden, was die Verlustleistung

im Implantat um knapp 6 % senkte.

Dabei wurden die jeweilige Körpergeometrie,

Materialeigenschaften und die genaue

Position eines Implantats berücksichtigt.

Ein elektromagnetisches Schild-

Element, das sich außerhalb des Körpers,

aber in Implantat-Nähe befindet, könnte

das Feld gezielt verzerren.

Die Simulation bestätigte den Ansatz

mit der halbschaligen Schild-Lösung und

zeigte zwar eine Zunahme der Gesamt -

verluste. Die relevanten Verluste im Im-

38 medizin&technik 06/2025


plantat aber verringerten sich – was also

zu einer weniger starken Erwärmung beiträgt.

Dabei erlaube es die Simulation, auf

reale Begebenheiten eines individuellen

Körpers einzugehen. Da menschliche Körper

selten einfache Quader- oder Zylinderformen

aufweisen, entstehen im MRT

komplexe elektromagnetische Bedingungen,

und die Feldphänomene am Übergang

zwischen Luft und Mensch lassen

sich nicht analytisch beschreiben.

Numerische Simulationsmodelle, basierend

auf Körpergeometrie und Materialdaten,

erlaubten dagegen eine präzise

Analyse. Dadurch sei eine MRT-Untersuchung

bei Patienten mit einem Implantat

nicht per se ungefährlich, aber durch die

Simulationstechnologie ließen sich Ideen

entwickeln, wie man in dem Bereich weiter

forschen kann.

Der Grundgedanke feldverzerrender

oder -konzentrierender Zusatzbauteile

lässt sich grundsätzlich auf viele weitere

Anwendungen übertragen. Dazu gehören

zum Beispiel das Abschirmen von Elektronik

oder das Reduzieren magnetischer

Streufelder. Dabei zeigte die simulative

Vorauslegung ihre Stärken durch das

schnelle Realisieren möglicher Szenarien,

ohne aufwendige Versuchsreihen durchlaufen

zu müssen. Das spart Geld und

Zeit. Der Vorteil für das Gesundheitswesen:

So wäre früher eine diagnostische

Bildgebung möglich – für alle Patienten,

die solch eine Untersuchung dringend benötigen,

aber wegen der Umstände dafür

nicht infrage kämen, wäre das ein erfreulicher

Effekt.

Dr. Jörg Neumeyer

Cadfem, Hannover

Über Cadfem

Cadfem ist ein Anbieter von Simulationstechnologie und

Digital Engineering. Das Unternehmen wurde 1985 in

Deutschland gegründet, beschäftigt heute 600 Mitarbeiter

an weltweit 35 Standorten. Cadfem setzt auf die Techno -

logie von Ansys und bietet über die Software hinaus

Beratung, Simulations-Berechnungen, Automatisierungen

und IT-Lösungen an, bis hin zum Einsatz von Künstlicher

Intelligenz (KI) in der Produkt- und Prozessoptimierung.

Zur Cadfem Group gehören Partner unter anderem in den

Bereichen Personalisierte Medizin und Smart Factories.

www.cadfem.com

Präzisions-Tiefziehteile

aus Metall für innovative

Medtech-Lösungen

Unser Produktspektrum

• Tiefziehteile

• Stanz- und Stanzbiegeteile

• Baugruppen und Montagen

Anwendungsgebiete

• Applikation von Medikamenten,

z.B. Insulinpumpe, Auto-Injektor, Verdampfer

• Verpackung von Medikamenten,

z.B. Behälterkomponenten, Filtermembranen

• Komponenten für Implantate,

z.B. Titangehäuse für Herzschrittmacher

• Komponenten für medizintechnische Geräte

und Instrumente, z.B. Magnetventile, Antriebe,

Ophthalmologie, Laboranalysen

• Sonderapplikationen, z.B. Verpackungen für

Zahnimplantate

Sauberkeit garantiert

• Mehrstufige und effiziente Reinigungssysteme

• Reinräume der Klasse 7 nach ISO 14644 und

GMP-Leitfaden Klasse C

• Rückstandsfreie Bauteile und Biokompatibilität

durch validierte Waschprozesse

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PROJEKTSTART MIT WEITBLICK:

WIE MÖLLER MEDICAL DIE

KANÜLENFERTIGUNG NEU DEFINIERT

In einer hellen Produktionshalle in Fulda läuft seit Juni 2025 etwas, das man in dieser Form

noch nicht gesehen hat: eine Fertigungszelle, die Kanülen vom Rohling bis zur vorgereinigten

Spitze vollautomatisch herstellt. Kein manueller Eingriff, kein Zwischenstopp – ein

durchgehender Prozess, präzise wie ein Uhrwerk

„Wir geben Rohrabschnitte hinein und entnehmen fertige, vorgereinigte

Kanülen – in beeindruckenden Stückzahlen“, sagt

Projektleiter Christian Limpert. Er steht neben der Anlage, die ruhig

arbeitet, fast lautlos. Für ihn ist sie mehr als nur ein technisches

System: Sie zeigt, was möglich wird, wenn Ingenieurskunst,

Mut und Ausdauer zusammenkommen.

Von der Idee zur Serie

Die Anlage, entwickelt von einem europäischen Sondermaschinenbauer,

ist weltweit die erste ihrer Art. Nach intensiver Erprobung

ging sie im Juni 2025 in den Serienbetrieb – mit einer Jahreskapazität

von bis zu 20 Millionen Kanülen.

„Mit dieser Fertigungszelle demonstrieren wir erneut unsere

Innovationskraft und technische Kompetenz. Wir sind bereit für

Millionen“, sagt Geschäftsführer Marc Stuwe.

Fortschritt mit Verantwortung

Automatisierung, so Stuwe, bedeute bei MÖLLER Medical nicht,

Menschen zu ersetzen. Im Gegenteil: „Mit der neuen Anlage begegnen

wir dem Fachkräftemangel aktiv. Wir schaffen moderne

Arbeitsplätze und sichern unsere Position als attraktiver Arbeitgeber

in der Region.“

Was als technische Idee begann, wurde zu einem Beispiel für

vorausschauende Projektplanung im Mittelstand. Die neue Fer-

Der 5-Achs Industrieroboter der Anlage transportiert die Kanülen von einem Bearbeitungsschritt zum anderen.

Bild: MÖLLER Medical

40 medizin&technik 06/2025


tigungszelle steht für den Anspruch, Innovation und Verantwortung

zu verbinden – und das mit einer Konsequenz, die man in

dieser Tiefe selten findet.

Das Projektteam bei MÖLLER Medical hat die Entwicklung

eng begleitet. Jede Entscheidung – von der Prozesssteuerung bis

zur Materialhandhabung – wurde mit Blick auf Qualität, Effizienz

und Zukunftssicherheit getroffen. „Wir wollten eine Lösung,

die nicht nur heute funktioniert, sondern auch morgen

noch führend ist“, sagt Limpert.

Automatisierung, die Maßstäbe setzt

Die Fertigungszelle vereint mehrere Bearbeitungsschritte in einem

geschlossenen System. Vom Rohmaterial bis zur vorgereinigten

Kanüle läuft alles automatisiert ab – in einer einzigen

Aufspannung, ohne manuelle Eingriffe. Ein zentraler Roboter

greift das Werkstück, reicht es weiter, positioniert es präzise für

den nächsten Schritt. So entsteht ein kontinuierlicher, stabiler

Prozess, der Ausfälle praktisch ausschließt.

Zunächst werden die Rohlinge automatisch vereinzelt und

eingespeist. Anschließend folgt das präzise Schleifen der Kanülenspitze.

Ob Standard-, Back- oder V-Bevels oder Trokarschliffe –

jede Geometrie lässt sich mit gleichbleibender Qualität herstellen.

Servogesteuerte Schleifachsen und moderne Spanntechnik

sichern dabei höchste Reproduzierbarkeit. Die Kanülen werden

in einer einzigen Spannvorgang bearbeitet – ein entscheidender

Faktor für die Prozesssicherheit und die Maßhaltigkeit jeder einzelnen

Spitze.

Präzision bis ins Detail

Nach dem Schleifen wird der hintere Schliffbereich gezielt mit

Glasperlen gestrahlt – der sogenannte Anticoring-Prozess. Er

sorgt dafür, dass die Kanüle beim Gebrauch kein Gewebe oder

Gummiteile „herausstanzt“. Direkt im Anschluss folgt das elektrochemische

Polieren, das die Oberfläche glättet und die Schärfe

optimiert.

Zum Schluss wird die Vorreinigung durchgeführt. Danach legt

die Anlage die fertigen Kanülen automatisch in Magazine ab. Diese

sind bereit für die Endreinigung, Sterilisation oder Montage.

Die Fertigungszelle ist auf Durchmesser zwischen 0,3 und 4,0

Millimetern sowie Längen von 16 bis 90 Millimetern ausgelegt.

Auch andere Werkstücke lassen sich in diesem Bereich bearbeiten.

Zusätzliche Schritte – etwa Lasern oder Biegen – können bei

Bedarf integriert werden.

Modular gedacht, zukunftssicher gebaut

Was diese Anlage besonders macht, ist ihr modulares Konzept.

Jedes Prozessmodul kann erweitert, ergänzt oder angepasst

werden. Damit bleibt das System offen für neue Anforderungen

– ein entscheidender Vorteil in einer Branche, die sich ständig

weiterentwickelt.

Auf konventionelle Hilfsmittel wie Klebeband zur Fixierung

verzichtet MÖLLER bewusst. Stattdessen sorgen moderne

Spanntechnik und durchdachte Automation für Prozessstabilität

und gleichbleibend hohe Qualität. „Wir haben hier etwas geschaffen,

das wächst – mit unseren Anforderungen und mit denen

unserer Kunden“, sagt Limpert.

Die Fertigungszelle vereint mehrere Bearbeitungsschritte in einem

geschlossenen System.

seine Rolle als innovativer und verlässlicher Partner der internationalen

Medizintechnik. Das Unternehmen aus Fulda blickt auf

mehr als 75 Jahre Erfahrung in der Entwicklung und Fertigung

medizinischer Komponenten und Systeme zurück – und hat sich

als OEM-Spezialist weltweit einen Namen gemacht.

Zum Portfolio gehören neben Kanülen auch fluidische Systeme

für die Tumorbehandlung mittels Thermoablation, Komponenten

für Dialyse- und Infusionstechnik, chirurgische Instrumente

sowie diagnostische Baugruppen für Labor- und Blutanalysesysteme.

In der Biotechnologie liefert MÖLLER modulare Lösungen,

die kundenspezifisch angepasst und in Serie produziert

werden.

Ein Schwerpunkt liegt auf patientenschonenden Anwendungen

– etwa in der Neurochirurgie, Gefäßchirurgie, Biopsie oder

ästhetischen Chirurgie. MÖLLER Medical begleitet seine Kunden

von der Produktentwicklung über Prototypen bis zur Serie. Hohe

Fertigungstiefe, zertifizierte Qualität und modernste Anlagen sichern

dabei konstante Präzision.

Rund 400 Mitarbeitende sind heute bei MÖLLER Medical beschäftigt.

Das Unternehmen ist in über 100 Ländern aktiv. Mit

der neuen Kanülenfertigungszelle stärkt es nicht nur seine Produktionskapazitäten,

sondern auch seine Position als Technologiepartner

für die nächste Generation medizintechnischer Produkte

– zuverlässig, effizient und immer einen Schritt voraus. ■

MÖLLER Medical GmbH

Wasserkuppenstr. 29–31

36043 Fulda

www.moeller-medical.com

+49 661 941 95 0

Bild: MÖLLER Medical

Partner der internationalen Medizintechnik

Mit der neuen Fertigungszelle unterstreicht MÖLLER Medical

06/2025 medizin&technik 41


■ [ TECHNIK ]

Kontrollierte Medikamenten-Injektion

direkt am Körper

Tragbare Injektionssysteme | Sie sind diskret, kompakt und bieten Anwendern viele

Vorteile: On-Body-Delivery-Systems (OBDS). Doch was macht sie so besonders, dass

sie als Zukunft der Injektionstechnologie im Bereich Pharma und Medizin gelten? Und

wie werden die auf der Haut tragbaren Systeme geprüft?

Die Medizin wird tragbar. Während

früher der Gang zur Klinik für viele

Patientinnen und Patienten mit chronischen

Erkrankungen zur Routine gehörte,

ermöglichen moderne On-Body-Delivery-

Systems (OBDS) heute eine selbstbestimmte,

schmerzarme und diskrete Medikamentengabe.

Und zwar direkt am

Körper. Die tragbaren Injektionssysteme

werden auf der Haut befestigt und verabreichen

über einen längeren Zeitraum

hinweg Medikamente – kontrolliert, präzise

und nahezu unbemerkt. Besonders

bei hochviskosen Biologika, die sich mit

klassischen Autoinjektoren nur schwer

verabreichen lassen, bieten OBDS eine

echte Alternative. Denn Biologika – meist

Proteine – müssen injiziert werden, da sie

im Magen-Darm-Trakt abgebaut würden.

Die Behandlung mit OBDS kann allein

zu Hause erfolgen. Das reduziert Klinikaufenthalte.

Mit digitalen Hilfen wie Apps

lässt sich die Behandlung zudem gut überwachen.

„OBDS ermöglichen eine neue

Form der Patientenautonomie“, erklärt

Peter Schmidt, Produktmanager Medizintechnik-

& Pharmaindustrie, beim Prüfmaschinenhersteller

Zwick Roell.

Der Markt für OBDS wächst rasant. Immer

mehr Unternehmen investieren in die

Entwicklung neuer Gerätegenerationen,

die nicht nur funktional, sondern auch benutzerfreundlich

und ästhetisch ansprechend

sind. Die Vielfalt an Modellen – sie

IHR STICHWORT

Tragbare Injektionssysteme

Medikamentenabgabe am Körper

Prüfung von OBDS

Regulatorische Anforderungen

Digitalisierung Medizintechnik

reicht von Einweg- bis hin zu Mehrweggeräten

sowie unterschiedlichen Medikamentenreservoirs

und Antriebstechnologien

– stellt Entwickler und Prüftechniker

vor neue Herausforderungen. Dabei ist

ein zentrales Thema die Zuverlässigkeit

der Medikamentenabgabe.

Prüfkompetenz für die nächste

Injektionstechnik-Generation

Gerade bei hochviskosen Substanzen ist

es entscheidend, dass das gesamte Volumen

korrekt injiziert wird. Und zwar

selbst der letzte Tropfen. Gleichzeitig

müssen die Geräte unter realitätsnahen

Bedingungen geprüft werden, etwa bei

Körpertemperatur. Ein weiterer Punkt:

Bei Krebstherapien kommen so genannte

Zytostatika zum Einsatz, die jedoch gesundheitsgefährdend

sind, wenn sie eingeatmet

werden. Bei der Zwick Roell

GmbH & Co. KG sind deshalb bereits Vorrichtungen

zur Luftabsaugung installiert.

(Bild: Zwick Roell)

Die Prüfung von

OBDS umfasst

Funktionen für

verschiedene Prüfschritte.

So werden

beispielsweise im

Peel-Test die Abziehkräfte

für die

Folie ermittelt

Als einer der führenden Anbieter im

Bereich Prüftechnologie hat das Ulmer

Unternehmen gemeinsam mit einem

namhaften Hersteller von Injektionssystemen

ein innovatives Prüfsystem für OBDS

entwickelt. Dieses System ermöglicht es,

alle relevanten Prüfungen in einem einzigen

Durchlauf durchzuführen – und zwar

effizient, modular und anpassbar an unterschiedliche

Injektortypen. Ein besonderes

Highlight: Die Möglichkeit, mehrere

Prüfaufgaben – etwa das Abziehen der

Klebefolie und die Injektionsprüfung – in

einer Maschine zu kombinieren. Das spart

Zeit, Ressourcen und erhöht die Validität

der Prüfungen. Schmidt: „Unsere Prüfsysteme

sind so konzipiert, dass sie sich flexibel

an neue Anforderungen anpassen lassen.

Das ist entscheidend, denn die Vielfalt

an OBDS-Modellen wächst stetig.“

Zwick Roell begleitet seine Kunden

entlang des gesamten Projekts von der

ersten Anforderung über die Spezifika -

42 medizin&technik 06/2025


OBDS – mehr als nur ein Trend

On-Body-Delivery-Systems (OBDS) stehen

exemplarisch für den Wandel in der

Medizintechnik: weg von zentralisierten,

klinikbasierten Therapien – hin zu patientenzentrierten,

digitalen und flexiblen

Lösungen. Sie verbessern nicht nur

die Lebensqualität der Patientinnen und

Patienten, sondern auch die Effizienz im

Gesundheitssystem. Die Integration

smarter Wearables in die Medikamentenverabreichung

eröffnet neue Wege

für eine patientenzentrierte Versorgung.

Die Kombination aus digitaler Überwachung,

automatisierter Dosierung und

KI-gestützter Analyse verspricht nicht

nur eine höhere Therapietreue, sondern

auch eine effizientere Nutzung medizinischer

Ressourcen. Mit innovativen Prüfsystemen,

normgerechter Umsetzung

und umfassender Projektbegleitung leistet

Zwick Roell einen Beitrag zur Qualitätsverbesserung

und Sicherheit dieser

neuen Technologie – und damit zur Zukunft

der Medikamentengabe.

LEADING THE EMBEDDED FUTURE

(Bild: Zwick Roell)

Peter Schmidt, Produktmanager für Medical

& Pharma bei Zwick Roell: „OBDS geben

den Menschen ihre Freiheit zurück – und

das bei gleichbleibend hoher Therapiesicherheit.“

tion (URS) bis zur finalen Qualifizierung.

Mit standardisierten Checklisten, URS-

Templates für alle gängigen Injektionssysteme,

einem standardisierten Prozess und

einem erfahrenen Projektteam wird sichergestellt,

dass kein Detail mehr übersehen

wird. Die unternehmenseigene

Qualifizierungsabteilung bietet sowohl

standardisierte als auch kundenspezifische

Lösungen – inklusive Durchführung

von Messsystemanalysen (MSA) vor Ort.

Ergänzt wird das Angebot durch die Prüfsoftware

Testxpert III mit integrierter Benutzerverwaltung.

Eine lückenlose Nachvollziehbarkeit

und Fälschungssicherheit

gemäß FDA 21 CFR Part 11 wird optional

durch ein integriertes Softwaremodul ermöglicht.

„Die Integrität der Daten ist für

uns nicht verhandelbar“, betont Produktmanager

Schmidt. „Nur so können wir die

Sicherheit der Ergebnisse, ihre Nachvollziehbarkeit

und Manipulationssicherheit

gewährleisten.“

Digitale Vernetzung ist die

Zukunft der tragbaren Systeme

Die Zukunft der OBDS liegt nicht nur in

der Mechanik, sondern auch in der digitalen

Vernetzung, der Vielseitigkeit sowie

im Patientenkomfort. Immer mehr Systeme

sind mit Sensoren ausgestattet, die

den Injektionsverlauf dokumentieren, mit

Apps kommunizieren oder Echtzeitdaten

an medizinisches Fachpersonal übermitteln.

Diese Entwicklung eröffnet neue

Möglichkeiten für personalisierte Therapien

und eine engmaschige Überwachung

– insbesondere bei Krebs und chronischen

Erkrankungen. Zwick Roell trägt dieser

Entwicklung Rechnung, indem auch Konnektivitäts-

und Datenmanagementlösungen

zur Verfügung gestellt werden. So lassen

sich nicht nur mechanische, sondern

auch funktionale und softwarebasierte

Aspekte zuverlässig prüfen.

Der Blick in die Zukunft zeigt: Neue

Materialien, miniaturisierte Elektronik

und KI-gestützte Auswertungssysteme eröffnen

On-Body-Delivery-Systems völlig

neue Möglichkeiten. Denkbar sind etwa

Systeme, die den optimalen Injektionszeitpunkt

automatisch erkennen oder die

Medikamentengabe an individuelle Vitalparameter

anpassen. „Wir stehen erst am

Anfang einer Entwicklung, die das Gesundheitswesen

nachhaltig verändern

wird“, so Schmidt.

Daniel Glanz

Zwick Roell, Ulm

www.zwickroell.com

individuell +

standardisiert

Zwei Ansätze, doppelter Vorteil:

duagon entwickelt Embedded-

Lösungen für elektro-medizinische

Geräte und Systeme – individuell

angepasst, gleichzeitig auf

bewährten Standards basierend.

Für maximale Flexibilität,

zuverlässige Integration und

effiziente Entwicklungsprozesse.

duagon.com/

06/2025 medizin&technik

medical-technology

43


■ [ TECHNIK ]

Wie sich mehr Bauteile in Leiterplatten

und Module einbetten lassen

Elektronikminiaturisierung | Wo medizinische Geräte kleiner, leichter und unauffälliger

werden, zugleich aber immer mehr Funktionen bieten sollen, stoßen klassische

Leiterplattentechnologien an ihre Grenzen. Das Einbetten von Bauteilen in Leiterplatten

und Module eröffnet hierfür aber neue Möglichkeiten.

IHR STICHWORT

In diesen Demonstrator einer Leiterplatte sind Testchips eingebettet, um die Embedded-Die-Technologie

zu erproben und zu verifizieren. Die Kantenlänge des Demonstrators

sind 5,725 mm. Bei den Embedded Dies ist die Kantenlänge 3,1 mm

Elektronik für Medizinprodukte

Einbetten von bare dies in

Leiterplatten und Module

Neue skalierbare Technologie

Kompakte Geräte mit mehr Funktionen

(Bild: Cicor)

Elektronikproduzenten sollen immer

mehr Funktionalität in Medizingeräten

ermöglichen, ohne dass die Baugröße

zunimmt. Wären die Geräte noch kleiner,

wären sie bei Anwendern sogar noch beliebter.

Für Hörgeräte etwa gilt: je kleiner

und leistungsfähiger, desto besser. Auch

bei Implantaten wie Herzschrittmachern

macht eine Miniaturisierung die erforderlichen

Eingriffe weniger invasiv.

Um die Signal- und Packungsdichte

elektronischer Systeme weiter zu erhöhen,

reichen konventionelle Leiterplattentechnologien

aber oft nicht mehr aus.

Das Einbetten von Bauteilen in Leiterplatten

oder Packages ist eine Alternative.

Dafür sind seit Jahren zwei Strategien

in vielen Varianten im Einsatz:

• das Einbetten passiver und

• das Einbetten aktiver Komponenten.

Für das Miniaturisieren medizintechnischer

Baugruppen sind viele der Verfahren

jedoch nur eingeschränkt geeignet, da

sie mit technischen Limitationen verbunden

sind.

Um das zu überwinden, hat Cicor ein

Verfahren entwickelt, das passive Bauteile

ebenso wie aktive Komponenten – insbesondere

die ungehausten Halbleiterchips,

auch bare dies genannt – in Leiterplatten

und Module einbettet. Diese Halbleiterchips

werden direkt in das Substrat eingebracht

und im Inneren kontaktiert. Das

spart Platz, reduziert die Bauhöhe und

verbessert die elektrischen Eigenschaften

der Baugruppe. Um dies zu erreichen, hat

die Cicor-Gruppe bestehende Prozesse in

einer neuen Abfolge kombiniert.

Bei der Entwicklung der neuen Einbettungstechnologie

ging es vor allem darum,

sehr zuverlässige Produkte zu erhalten,

den Fertigungsprozess reproduzierbar

zu gestalten und die Bauteile möglichst

spät in die Prozesskette einzubringen.

Letzteres soll das Risiko von Bauteilverlusten

reduzieren. Darüber hinaus sollte

die Technologie sowohl für moderate

Volumen nutzbar sein als auch eine Skalierung

bis zur Hochvolumenfertigung ermöglichen.

Leiterplatten und Module mit

mehr als zwölf Lagen herstellen

Der Ansatz baut auf vorhandener Infrastruktur

und Kompetenzen in der Cicor-

Gruppe auf. Im Zentrum stehen dabei die

Teams von Cicors High-End-Leiterplattenherstellung.

Experten aus der Mikroelektronik-Bestückung,

die für die hochpräzise

Positionierung der Bauteile in den Leiterplatten

verantwortlich sind, haben die

Teams unterstützt.

Das Ergebnis ist eine Technologie, mit

der sich Leiterplatten und Module mit

mehr als zwölf Lagen und eingebetteten

bare dies von weniger als 50 µm Dicke

herstellen lassen. Trotz der geringen Bauhöhe

sind hohe Anschlusszahlen auf sehr

kleinen Chipflächen möglich. Rechnet

man hinzu, dass Cicor Strukturgrößen

unter 50 µm herstellen kann, bietet das

insgesamt ein höheres Maß an Miniaturisierung,

als es mit konventionellen Technologien

möglich wäre.

So lassen sich komplexe elektronische

Baugruppen sehr kompakt ausführen, ohne

Abstriche bei Leistungsfähigkeit oder

Zuverlässigkeit zu machen. Das Einbetten

verbessert zudem Signalqualität und ther-

44 medizin&technik 06/2025


misches Verhalten. Das trägt unmittelbar

zur Funktionssicherheit von Geräten bei.

Darüber hinaus lässt sich durch das

Einbetten das thermische Management

verbessern. Der Energieverbrauch sinkt.

Auch sind die Bauteile vor Umwelteinflüssen

– wie Schweiß und anderen Körperflüssigkeiten

– geschützt. Gerade in Medizinprodukten,

die in Körpernähe oder sogar

im Körper eingesetzt werden, ist dies

entscheidend.

Neue Embedding-Technologie

ist für Hörgeräte interessant

Ein wichtiges Einsatzfeld für die neue Embedding-Technologie

sind Hörgeräte. Diese

sollen künftig nicht nur akustische

Signale verstärken, sondern auch als Gesundheitsmonitore

dienen. Anwender

dieser Geräte sind bei der Erstnutzung

durchschnittlich älter als 60 Jahre und leiden

oft an weiteren altersbedingten Gesundheitseinschränkungen.

Es liegt daher

nahe, Hörgeräte auch zum Überwachen

von Vitalparametern wie Herzfrequenz,

Körpertemperatur, Blutdruck oder sogar

Blutzuckerspiegel zu nutzen.

Erste Modelle erkennen bereits Stürze

und können im Notfall automatisch einen

Alarm auslösen. Auch Funktionen wie

drahtloses Streaming gewinnen an Bedeutung.

All dies erfordert zusätzliche

Bauteile – wobei die Geräte nicht größer

werden sollen.

Ein weiteres Anwendungsbeispiel sind

Endoskope. Leiterplatten mit eingebetteten

Bauteilen direkt in der Spitze des Endoskops

können Signale vor Ort verarbeitet

und digitalisieren. Im Vergleich zu einer

Signalaufbereitung im Handteil der

Sonde reduziert sich damit die Zahl der

Leitungen zwischen Endoskopkopf und

Handstück – und damit auch der Durchmesser

des Versorgungsschlauchs. Bei minimal-invasiven

Eingriffen sinkt damit die

Belastung für den Patienten.

Mit der von Cicor entwickelten Embedding-Technologie

lassen sich nun mehr

Funktionen auf engstem Raum realisieren.

Entsprechende Leiterplatten mit

mehr als zwölf Lagen und eingebetteten

Bauteilen werden damit möglich. Da diese

Technologie nicht nur für Kleinserien

geeignet ist, sondern sich auch auf mittlere

und große Stückzahlen hochskalieren

lässt, steht damit ein zukunftssicherer Ansatz

für Medizingeräte zur Verfügung. ■

Karl-Heinz Fritz, Dr. Dimitri Kokkinis

Cicor, Bronschhofen/Schweiz

Auf der Messe Compamed:

Halle 8a, Stand F34

Weitere Informationen

Cicor entwickelt und fertigt weltweit

Elektroniklösungen. Ein

Schwerpunkt sind Anwendungen in

der Medizintechnik.

cicor.com/medical-engineering

Thomapren®-EPDM/PP-

Schläuche – FDA konform

www.rct-online.de

Elastischer Pumpen-, Pharma- und

Förderschlauch für höchste Ansprüche

• High-Tech-Elastomer EPDM/PP: Temperaturbeständig

bis +135 °C, UV-beständig, chemikalienresistent,

niedrige Gaspermeabilität

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30 mal höhere Standzeiten gegenüber anderen Schläuchen

• Biokompatibel und sterilisierbar: Zulassungen nach FDA,

USP Class VI, ISO 10993, EU 2003/11/EG

Reichelt

Chemietechnik

GmbH + Co.

Englerstraße 18

D-69126 Heidelberg

Tel. 0 62 21 31 25-0

Fax 0 62 21 31 25-10

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Antimikrobielle und metalldetektierbare Kabelbinder für hygienesensible Bereiche

Keimfrei mit antimikrobiellen Kabelbindern

Foto: Panduit

Die antimikrobiellen Kabelbindern

sind aus einem metallimprägnierten

Material hergestellt

und lassen sich leicht identifizieren.

Sie entsprechen den

HACCP-Vorgaben, sowie den

Hygienevorschriften der EU.

Zusätzlich sind sie mit einem

EPA-registrierten, antimikro-

biellen Stoff versehen, der in

Tests nach ISO 22196:2019

und ASTM G21–15 das

Wachstum von Bakterien,

Schimmel und Pilzen verhindert.

Die Kabelbinder verbessern

die Hygiene in Umgebungen

mit hoher Keimbelastung

für mehr Sicherheit.

www.panduit.de

TM

06/2025 medizin&technik 45


■ [ TECHNIK ]

Kraft, Druck und Drehmoment

präzise messen in der Medizintechnik

Sensorik | Drei Beispiele aus der Fertigung von Medizinprodukten und ihrer Anwendung

zeigen, wie passende Sensoren und ihre Peripherie Daten übertragen und auswerten. So

lassen sich Qualitätsanforderungen erfüllen und etwa im Dentalbereich Implantate sicher

in den Knochen einsetzen.

Um Hilfsmittel oder chirurgische Eingriffe

individuell anzupassen sowie

für Diagnostik und Laborautomation sind

präzsie Messdaten wichtig. Moderne Sensortechnik

trägt dazu bei, medizinische

Anwendungen sicher und effizient zu gestalten.

Drei Anwendungsbeispiele zeigen,

wie es präzise Sensortechnik zusammen

mit Auswertesystemen und Schnittstellen

schafft, Daten für die Medizin

schnell und sicher zu übertragen.

Bei der End-of-Line-Prüfung von Stahleinstechnadeln

wird zum Beispiel geprüft,

wie leichtgängig diese sich in einen

flexiblen Kanülen-Katheter bewegen. Dazu

ist es erforderlich, die Reibkraft zu

messen. Dafür eignet sich ein System zur

Einpress- und Fügeüberwachung vom Typ

Digiforce 9307, das die Burster Präzi -

sionstechnik GmbH & Co KG aus Gernsbach

anbietet. Es überwacht gleichzeitig

die Kraft-/Weg-Verläufe von zwei Prüflingen

und wertet diese aus. Ein Greifer setzt

dazu an beiden Kanülen an und führt eine

gleichförmige Vor-Rückbewegung durch.

Die geringen Reibkräfte von weniger als

Weitere Informationen

Die Burster Präzisionsmesstechnik

GmbH & Co KG aus Gernsbach stellt

messtechnische Einzelkomponenten

oder Systemlösungen her. Das

Portfolio umfasst Mess- und Prüfgeräte

sowie Standardsensoren für

mechanische und elektrische Messgrößen,

wie Kraft-, Druck-, Drehmoment-

und Wegsensoren und mehr.

Auch individuelle OEM-Lösungen

sind möglich, etwa für Zukunftsmärkte

wie Medizintechnik, Biotechnologie

und E-Mobilität.

www.burster.de

1 N werden über sensible Biegebalken-

Kraftsensoren der Burster-Serie 8510 erfasst.

So lassen sich sehr hohe Qualitätsanforderungen

in der Fertigung erfüllen.

Dental-Implantate:

Drehmoment überwachen

Eine sehr körpernahe Anwendung ist die

Messung des Drehmomentes beim Einschrauben

von Zahnimplantaten aus Titan.

Diese verschraubt der Zahnarzt mit

den Kronen. Dabei muss das Drehmoment

für einen festen Sitz überwacht werden.

Übliche Werte liegen hier zwischen 15

und 50 Ncm bei einer Drehzahl zwischen

1500 und 2500 min -1 .

Doch bei bidirektionalen Drehmomentmessungen

sind nicht nur Dynamik

und Empfindlichkeit gefragt. Es kommt

auch auf hohe Reproduzierbarkeit, Drehzahlunempfindlichkeit

und mechanische

Stabilität an. Sehr kleine Drehmomente

lassen sich auch nur mit einer reibungs -

armen Sensorlagerung messen. Ein Drehmomentsensor

für solche Aufgaben ist der

Sensor vom Typ 8661. Dessen Mess -

Der Miniatur-Biegebalken-

Zug-Druckkraftsensor 8510

eignet sich für eine serienbegleitende

100-%-Prüfung

zum Beispiel von Stahleinstechnadeln

bereich reicht von 0,02 Nm bis 1000 Nm,

bei einer Linearitätsabweichung ab

≤ ±0,05 % vom Endwert.

Das dritte Beispiel ist die Kombination

eines Druck-Sensors mit einem Goldmann-Dreispiegelglas.

Daraus entsteht

ein „Kontaktglas-Dynamometer“ für medizinische

Untersuchungen am Auge.

Über das Kontaktglas wird eine winzige

Kraft im mNm-Bereich eingeleitet und der

Augeninnendruck erhöht. Der Druck löst

Gefäßpulsationen im Auge aus, die Rückschlüsse

auf systemischen Blutdruck, Orbitalgewebsdruck

und den Hirndruck zulassen.

Hier war ein Sensor mit sehr flacher

Bauform gefragt, der kleine Kräfte

bei geringer Temperaturdrift erfasst. Erreicht

wurde das durch eine entkoppelte

Konstruktion des Sensorkörpers und einen

Überlastschutz.

Andreas Zeiff

Fachjournalist in Stutensee

(Bild: Burster)

46 medizin&technik 06/2025


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DER ERSTE NITRIL-EINMALHAND-

SCHUH MADE IN GERMANY

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie verwundbar globale Lieferketten sind – vor allem bei

medizinischem Schutzmaterial. Mit PENTAGUARD produziert BISON Polymers erstmals

Nitril-Einmalhandschuhe in Deutschland und schafft so ein Modell für mehr Versorgungssicherheit,

Nachhaltigkeit und Verantwortung im Gesundheitswesen.

PENTAGUARD steht für einen neuen Standard im medizinischen

Handschutz: Made in Germany – für mehr Sicherheit und Vertrauen.

Lehren aus der Krise

Als in der Pandemie medizinische Verbrauchsgüter knapp wurden,

stand das Gesundheitssystem vor einer Belastungsprobe.

Lieferketten brachen zusammen, Transportwege verlängerten

sich, zentrale Produkte wie Einmalhandschuhe wurden zur Mangelware.

Diese Erfahrungen wirken bis heute nach und zeigen,

dass Versorgungssicherheit nicht selbstverständlich ist.

Viele Einrichtungen ziehen daraus Konsequenzen: Sie suchen

Wege, Qualität und Verfügbarkeit langfristig zu sichern. Die Lösung

kommt aus Siegen. BISON hat dort die erste und einzige

Produktion für Nitril-Einmalhandschuhe in Deutschland aufgebaut

und die Produktlinie PENTAGUARD entwickelt.

Lokale Produktion als Antwort auf globale

Abhängigkeiten

Ziel ist ein System, das unabhängig von außereuropäischen Lieferstrukturen

funktioniert. Die Produktion in Deutschland und

der Aufbau europäischer Lieferketten reduzieren Risiken und

schaffen Planbarkeit – nicht nur in Krisenzeiten.

Die PENTAGUARD Untersuchungs- und Schutzhandschuhe erfüllen

höchste Qualitätsstandards: latex- und puderfrei, reißfest,

komfortabel und vielseitig einsetzbar. Entscheidend ist nicht nur

das Produkt, sondern die Idee dahinter – Produktion dort, wo der

Bedarf entsteht.

Nachhaltigkeit ist für BISON kein Zusatz, sondern Kern der Unternehmensstrategie.

Sie beginnt bei der Materialauswahl, setzt

sich über energieeffiziente Prozesse fort und reicht bis zur Verpackung.

Die Fertigung in Deutschland ermöglicht kurze Wege und volle

Transparenz über alle Schritte. So werden Emissionen und Transportaufwand

reduziert und faire Arbeitsbedingungen gesichert.

Bild: BISON Polymers GmbH

Nachhaltigkeit bedeutet mehr als Umweltschutz – sie schafft

ein System, das ökologisch tragfähig, sozial verantwortlich und

wirtschaftlich stabil ist.

Technologische Effizienz als Schlüssel

Auch technologisch setzt BISON Maßstäbe: Die eigene Anlagentechnik

wurde speziell für hohe Energieeffizienz und geringen

Ressourcenverbrauch entwickelt. Modernste Sensorik und ein

hoher Automatisierungsgrad minimieren Ausschuss und optimieren

den Energieeinsatz.

Diese Verbindung aus Technologie, Präzision und Verantwortung

zeigt, dass Nachhaltigkeit nicht nur eine Haltung ist, sondern

auch Ergebnis konsequenter Ingenieurskunst – ein Bereich, in

dem BISON überzeugt.

Europäische Resilienz als Zukunftsmodell

Globale Krisen – ob Energieknappheit, geopolitische Spannungen

oder Lieferausfälle in Asien – verdeutlichen, wie sensibel internationale

Abhängigkeiten sind. Der Aufbau einer inländischen Produktion

ist daher weniger Reaktion auf die Vergangenheit als Investition

in die Zukunftsfähigkeit des Gesundheitswesens.

BISON versteht diesen Schritt als Beitrag zu einer europäischen

Resilienzstrategie: Ressourcen sichern, Transportwege verkürzen,

Verantwortung übernehmen – nicht gegen den globalen

Markt, sondern als Ergänzung, um widerstandsfähiger zu werden.

PENTAGUARD live auf der MEDICA 2025

Auf der MEDICA 2025 in Düsseldorf präsentiert BISON in Halle 5,

Stand L19 den ersten Nitril-Einmalhandschuh „Made in Germany“.

Vereinbaren Sie jetzt einen Termin und erleben Sie

PENTAGUARD live vor Ort.

BISON Polymers GmbH

Breite Straße 17

57076 Siegen

Tel.: +49 271 235308–22

sales@bison-polymers.com

www.bison-polymers.com

06/2025 medizin&technik 47


■ [ TECHNIK ]

3D-DRUCK-POTENZIAL VON LMM

FÜR MEDIZINPRODUKTE NUTZEN

Miniaturisierte Metallteile | Winzige, komplexe und filigrane Metall-Bauteile für

Medizinprodukte fertigt Metshape aus Pforzheim mit dem Lithographie-basierten

additiven Verfahren LMM. Es eignet sich für die Serienfertigung innovativer Teile auch

in großen Stückzahlen. Doch laut Geschäftsführer Dr. Lucas Vogel ist das Interesse aus

dem Ausland deutlich größer als bei deutschen Herstellern.

Dr. Lucas Vogel ist

Geschäftsführer

beim LMM-Spezialisten

Met shape in

Pforzheim

(Bild: Metshape)

R a -Wert-Bereich von zwei bis drei Mikrometern

liegen. Mit Nacharbeit sind

Werte unter einem Mikrometer erreichbar.

Wir können in kurzer Zeit viele Iterationsschritte

im Design durchlaufen,

ohne zum Beispiel ein Werkzeug zu

brauchen, wie es beim Metal Injection

Moulding der Fall wäre. Und wir können

mittels LMM sowohl individualisierte

Einzelteile herstellen als auch

skalieren und geometrisch komplexe

Bauteile in Millionenstückzahlen produzieren.

Das tun wir aktuell für ein

großes, international aktives Medizintechnik-Unternehmen.

Wir entwickeln

ein Bauteil aus Nitinol, das zusammen

mit Kathetern eingesetzt werden soll.

Die Produktion dieses Teils durch LMM

soll zu einer signifikanten Kostenersparnis

führen.

IHR

■ Herr Doktor Vogel, wie gut passen Rapid

Prototyping und additive Fertigung

von Metallteilen zur Medizintechnik?

Mit dem heutigen Stand der Technik

gibt es für sehr viele Anwendungen

auch 3D-Druck-Lösungen. Das Proto -

typing ist natürlich deutlich weiter verbreitet.

Aber auch für die Fertigung von

Serienteilen setzen Unternehmen heute

auf additive Verfahren. Beispiele

STICHWORT

Additive Fertigung von Serienteilen

Innovative filigrane Designs für kleine

Bauteile in Medizinprodukten

Edelstähle, Titan Grade 5, Nitinol

Hohe Oberflächengüte

dafür sind die beiden pulverbasierten

Verfahren, genannt Laser Powder Bed

Fu sion und Electron Beam Powder Bed

Fu sion. Damit werden heute künstliche

Hüftpfannen in Serie hergestellt oder

Implantate für die Wirbelsäule. Wir bei

Met shape hingegen haben uns auf miniaturisierte

oder sogar Mikro-Bauteilen

spezialisiert, die wir mit dem Verfahren

des Lithography-based Metal

Manufacturing, kurz LMM, herstellen –

was einige Vorteile hat und für die Medizintechnik

schon im Einsatz ist.

■ Was spricht für das LMM-Verfahren?

Wir können via LMM aus mit Binder

versetztem Metallpulver sehr feine

Strukturen herstellen, etwa mit Wand -

dicken von 100 Mikrometern. Gleichzeitig

erreichen wir ohne Nacharbeit bessere

Oberflächeneigenschaften, die im

■ Wie ist das Interesse an der Serienfertigung

mit LMM im Medtech-Bereich?

Es wächst – aber wir sehen im internationalen

Vergleich Unterschiede. Aus

Deutschland bekommen wir Anfragen.

Derzeit laufen eine knappe Handvoll

hiesiger Projekte, aber mehr als das

Sechsfache gehen wir mit Unternehmen

aus dem Ausland an. Mein Eindruck

ist, dass da das Interesse an wirklich

innovativen Lösungen größer ist

und auch mehr Mut da ist, bisherige

Vorgaben zu hinterfragen. Was natürlich

nicht heißt, aus dem regulatorischen

Rahmen auszubrechen. Aber interessanterweise

zeigt sich immer wieder,

dass manche Vorgaben, die zum

Projektstart aus Sicherheitsgründen als

gegeben gesetzt werden, in Diskussionen

in Frage gestellt werden können

und wir durch gemeinsames Überlegen

zu einer anderen, aber besseren und

48 medizin&technik 06/2025


Steckverbinder

für Ihr System!

wirklich innovativen Lösung kommen.

Und die Vorteile, die das LMM-Verfahren

bietet, sollte man natürlich ausnutzen.

Bei unseren Projekten evaluieren

wir neben der technischen auch die

wirtschaftliche Machbarkeit und Konkurrenzfähigkeit.

■ Was ist Ihrer Einschätzung nach der

Grund für das zurückhaltende Vorgehen?

Mein Eindruck ist, dass manche Unternehmen

in der frühen Phase der Technologieentwicklung

mit dem 3D-Druck

experimentiert und dabei nicht nur gute

Erfahrungen gemacht haben. Dann

verfestigt sich der Eindruck, dass die

additiven Verfahren fürs Prototyping

Serienteile für Katheter

mit LMM fertigen –

in Millionen-Stückzahlen

geeignet sind, aber für die Serie nicht

taugen. Das ist schade. Denn inzwischen

sind die Entwicklungen ja weitergegangen,

und unsere Projekte zeigen,

dass Potenzial für die Serie da ist – sogar

im regulierten Umfeld wie der Medizintechnik.

■ Bei welchen Medizinprodukten kann

LMM in der Fertigung vorteilhaft sein?

Mit Blick auf die aktuellen Projekte aus

der Medtech-Branche reden wir von

komplexen Bauteilen für Katheter, Endoskope

oder andere Instrumente . Dabei

arbeiten wir mit Auftraggebern aus

Europa, USA, Indien, Israel, aber auch

Weitere Informationen

Die Pforzheimer Metshape GmbH

hat sich als Produktionsdienstleister

auf die sinterbasierte additive Serienfertigung

hochpräziser Klein- und

Mikroteile aus Metall spezialisiert.

Beim Lithography-based Metal

Manufacturing (LMM) werden

Grünteile hergestellt und über eine

Wärmebehandlung entbindert und

gesintert. Das ist für Projekte interessant,

bei denen Präzision und

sehr hohe Oberflächenqualität im

Vordergrund stehen.

www.metshape.com

aus Deutschland zusammen. Und es

gibt ein öffentlich gefördertes Projekt

mit einem Partner aus den Niederlanden,

in dem ein ganz neuartiges Medizinprodukt

entstehen soll. Das soll bei

Darmoperationen Gewebeteile durch

Kompression miteinander verbinden

und damit eine Alternative zu den mit

Staplern gesetzten Klammern oder einer

chirurgischen Naht sein.

■ Und welche Beschaffenheit haben die

Bauteile, die Sie herstellen?

Wenn ich allgemein den Rahmen beschreiben

sollte: Das LMM-Verfahren

führt zu präzisen und filigranen Teilen,

die in einen Würfel von zwei Zentimeter

Kantenlänge passen würden. Als

Werkstoffe nutzen wir Edelstähle, Titan

Grade 5 und Nitinol. Damit stehen uns

einige Anwendungsbereiche offen:

Werkzeuge für Endoskope, kardiovaskuläre

Anwendungen oder Verbindungsstücke

zwischen Medizinprodukten, die

aus Nitinol bestehen und die der Hersteller

mit keinem anderen Werkstoff in

Kontakt bringen will, um das Risiko der

Kontaktkorrosion zu vermeiden.

■ Entsprechen die Werkstoffeigenschaften

denen konventioneller Bauteile?

Während wir bei den Edelstählen für

Endoskope oder andere Komponenten

alle Standards erfüllen, ist besonders

die chemische Reinheit bei Titanlegierungen

in unserem Prozess herausfordernd.

Da wir ein Polymerbindersystem

verwenden, kommt es zur erhöhten

Aufnahme von Kohlenstoff und Sauerstoff.

Beim Kohlenstoffgehalt liegen wir

aktuell um 0,04 Prozent über dem Zielwert,

bei Sauerstoff etwa 0,1 Prozent

darüber. Da diese Verunreinigungen

beim Einsatz als Dauerimplantat relevant

sind, entwickeln wir unsere Werkstoffe

und Prozesse natürlich weiter.

■ Welche Entwicklung erwarten Sie

beim 3D-Druck von Serienteilen?

Wir können mit der Technologie Fortschritt

und Innovation erreichen und

Teile auch wirtschaftlich in Serie fertigen.

Das geschieht international schon,

und das sollten wir auch in Deutschland

vermehrt nutzen.

Dr. Birgit Oppermann

birgit.oppermann@konradin.de

Zertifiziert nach DIN EN ISO 13485

• Entwicklung und

Produktion

von Steckverbindersystemen

• Hybridstecker

• Kabel- und

Steckverbinderkonfektion

• Umspritzte

Kabel und

Steckverbinder

• Produktion auch

im Reinraum

Mehr Infos unter: www.phg.de.

Oder besuchen Sie uns auf diesen Messen:

25. - 27.11.2025

Nürnberg

Halle 10.0 · Stand 316

Made in Germany

kundenspezifisch

wirtschaftlich

17. - 20.11.2025

Düsseldorf

Halle 8b · Stand E01

phg Peter Hengstler

GmbH + Co. KG

78652 Deißlingen

Tel.: 07420 89-0

06/2025 medizin&technik 49

verbindungstechnik@phg.de


■ [ TECHNIK ]

Metall und Kunststoffe mit Lasern

sicher beschriften

Laserkennzeichnung | Mehr Sicherheit und Effizienz im Produktionsprozess lassen

sich mit der Laserbeschriftung von Medizinprodukten erreichen. Das gilt inzwischen

auch für empfindliche Werkstoffe und aktive Implantate. Beratung bei der Validierung

durch den Hersteller der Geräte ist Teil des angebotenen Services.

Die Produktkennzeichnung von Medizinprodukten

ist entscheidend für eine

sichere, lückenlose Rückverfolgbarkeit

und UDI-Konformität. Sich mit den Prozessen,

Standards und branchenspezifischen

Herausforderungen von Laser -

beschriftungsgeräten auszukennen, ist

für die Hersteller der Medizinprodukte

unerlässlich. Mit der passenden Expertise

ist die Laserbeschriftung aber ein Weg,

IHR STICHWORT

Markieren von Medizinprodukten

Lösungen für empfindliche Produkte

Beratung bei der Validierung

Automatische Ausrichtung der

Markierung an kleinen Bauteilen

(Bild: Foba)

Die schwarze

Markierung auf

dieser medizinischen

Klemme

wurde mit einem

Ultrakurzpulslaser

aufgebracht

um mehr Sicherheit und Effizienz im Produktionsprozess

zu erreichen.

Doch worauf kommt es an, wie lässt

sich die Beschriftung mit dem Laser zuverlässig

und regelkonform gestalten? Die

Korrosionsbeständigkeit etwa ist ein

wichtiges Kriterium für Medizinprodukte

aus Metall, wie chirurgische Instrumente

aus Edelstahl oder Implantate aus Titan.

Werden Produkte mehrfach verwendet,

muss die Beschriftung den Aufbereitungszyklen

standhalten, ohne dass Korrosion

entsteht und ohne dass die Lesbarkeit beeinträchtigt

wird.

Der Tuttlinger Medizintechnik-Dienstleister

Add‘n Solutions und Foba Laser

Marking + Engraving, Hersteller von Laserbeschriftungsgeräten

für die Medizintechnik

aus Selmsdorf, haben dazu Langzeittests

durchgeführt. Diese sahen vor,

dass lasermarkierte Instrumente

1000-fach in einer vollautomatischen An-

lage gereinigt und passiviert, im Anschluss

daran autoklaviert und zusätzlich

einer periodischen hochalkalischen Reinigung

unterzogen wurden.

Das Ergebnis: Die Beschriftungen mit

dem Ultrakurzpulslaser Foba F.0100-ir

waren nach über 1000 Reinigungs- und

Sterilisationszyklen beständig. „Die Markierung

übersteht die komplette Lebensdauer

eines Instruments. Bei den Testinstrumenten

gab das Material vor der Beschriftung

auf“, erklärt Dominik Pfeiffer

von Add’n Solu tions.

Ultrakurze Laserpulse:

Markieren ohne Wärmeeintrag

Für besonders hohe Anforderungen an

Markierqualität, Lesbarkeit und Materialintegrität

ist der so genannte Black-Marking-Effekt

sehr gut geeignet. Durch den

Einsatz ultrakurzer Laserpulse entsteht

eine Nanostruktur, die wie eine tiefschwarze

Markierung erscheint. Für das

Black Marking eignen sich zum Beispiel

Ultrakurzpulslaser wie der F.0100-ir von

Foba. Bei diesem Laser treffen Pulslängen

im Femto- und Pikosekundenbereich mit

hoher Pulsenergie auf das Material.

Die stufenlos einstellbare Pulsbreite ermöglicht

dabei eine hohe Präzision. Die

Parameter lassen sich an die Markier -

anforderungen anpassen. Der Energie -

eintrag ist so fokussiert und so kurz, dass

die exakten Strukturen, die auch als

Schwarzmarkierung bezeichnet werden,

praktisch ohne Wärmeeintrag ent -

stehen und die Integrität der Oberfläche

erhalten bleibt. So wird das Material -

geschont – während die Markierung

dauerhaft, zuverlässig aus jedem Winkel

lesbar, korrosionsfrei, biokompatibel

und biostabil bleibt und auch UDI-konform

ist.

Inzwischen lassen sich auch Produkte

und Materialien mit Laser beschriften, die

50 medizin&technik 06/2025


(Bild: Foba)

Beim Ultrakurzpulslaser vom Typ Foba F.0100-ir für das Black Marking lässt sich die Pulsbreite

stufenlos einstellen. So kann der Anwender den Prozess an seine Anforderungen

anpassen

früher als zu empfindlich dafür galten.

Darunter fallen viele medizinische Kunststoffe,

aber auch sensible Produkte, wie

zum Beispiel Herzschrittmacher oder andere

aktive Implantate.

Traditionell werden sie mit tintenbasierten

Verfahren wie dem Tampondruck

gekennzeichnet. Tinten oder Farben werden

in sensiblen Bereichen wie der Medizintechnik

im Hinblick auf die sichere

Lesbarkeit und Biokompatibilität jedoch

zunehmend kritisch bewertet. Hinzu

kommt der hohe Anteil an Ausschuss

durch fehlerhafte Druckergebnisse, zum

Beispiel durch Verwischen oder Abfärben.

Kunststoff: Kaltes Markieren

mit dem UV-Laser

Das berührungslose Beschriften mit dem

Laser hingegen kommt ohne potenziell

kritische Fremdstoffe aus. Neben den Ultrakurzpulslasern

ermöglichen auch

hochentwickelte UV-Laser eine sehr schonende

Markierung. Sie sind für die kontrastreiche

Kennzeichnung empfindlicher

medizinischer Kunststoffe sehr gut geeignet.

Da die Markierung durch einen photochemischen

Effekt entsteht und ohne

nennenswerte thermische Belastung auskommt,

wird sie auch „kalte Markierung“

genannt. Die Materialoberfläche bleibt

glatt und hygienisch, während die Markierung

sicher lesbar und abriebfest ist.

Doch auch der Markierprozess selbst

und dessen Qualifizierung sind wichtige

Faktoren für die Qualitätssicherung.

Wenn der Laserhersteller bei der Qualifizierung

unterstützt, ist das für die Medizinprodukte-Hersteller

von Vorteil. Das

Wissen über die optimale Einrichtung

und Anpassung aller Parameter ermöglicht

es, den gesamten Validierungsprozess

effizienter zu gestalten. Philipp Febel,

Director Product Management, Marketing

& R&D bei Foba Laser Marking +

Engraving, sagt: „Die erfolgreiche Begleitung

des IQ/OQ/PQ/MQ-Prozesses ist

fester Bestandteil unseres Services für

Medizintechnik-Hersteller.“

Erreichte Qualität gilt es dann für die

Va lidierung nachzuweisen. Der kamerabasierte

Markierprozess Help, kurz für

Holistic Enhanced Laser Process, ist auf

die entsprechenden regulatorischen und

produktionstechnischen Anforderungen

zugeschnitten. Das laser-integrierte Kamerasystem

„Intelligente Markierpositionierung“,

kurz IMP, erfasst vor dem Beschriften

die Lage und Geometrie des

Bauteils und richtet die Markierung automatisch

daran aus. Diese Funktion ist

auch angesichts der Miniaturisierung in

der Medizintechnik bedeutend: Je weniger

Platz auf Dentalimplantaten, minimal-invasiven

Instrumenten oder Kathetern

für die Kennzeichnung bleibt, desto

wichtiger ist es, das Teil für die Markierung

präzise zu positionieren. Mit der automatischen

Ausrichtung und präzise angepassten

Parametern gelingen aber auch

Mikromarkierungen.

Das Markierergebnis wird „inline“, also

direkt im Laserbeschriftungsgerät, hinsichtlich

Inhalt und Qualität des Codes

überprüft, und die Ergebnisse werden dokumentiert.

Laserbeschriftung kann so

zur Basis von Regelkonformität, Qualität

und Rückverfolgbarkeit werden. Darüber

hinaus ist das Kennzeichnungsverfahren

zukunftsfähig: Mit kompakten Markiersystemen,

intelligenten Schnittstellen sowie

digitalen und automatisierten Prozesslösungen

erfüllt die Laserbeschriftung

die Anforderungen moderner Produktionsumgebungen.

Viola Kirk

Foba Laser Marking + Engraving,

Selmsdorf

www.fobalaser.com

06/2025 medizin&technik 51


■ [ TECHNIK ]

High-End-Fertigung von Schnittblöcken

für Kniegelenke auf 61 m²

Automatisierung | Präzision im Mikrometerbereich, absolute Prozesssicherheit und

Flexibilität sind Pflicht für Armbruster, einen Spezialisten für die Fertigung medizinischer

Instrumente und Implantate. Deshalb investierte das Unternehmen in zwei

5-Achs-Bearbeitungszentren vom Typ Versa 745 von Fehlmann , verbunden mit dem

flexiblen Automationssystem Ultimate von Cellro.

IHR STICHWORT

Starke Partner (von links): Alain Strebel (Fehlmann), Peter Hejzlar (Fehlmann),

Mario Bauer (Armbruster), Christian Dietz (Cellro) und Jan Paul van Veenendaal

(Cellro) vor der neuen automatisierten Fertigungszelle in Steinach

Partnerschaft für Präzisionsfertigung

Herstellung medizinischer Instrumente

und Implantate aus Edelstahl und Titan

Kombination aus Automation und zwei

5-Achs-Bearbeitungszentren

(Bild: Fehlmann)

Seit mehr als drei Jahrzehnten konzentriert

sich die Armbruster GmbH aus

Steinach auf die Fertigung hochkomplexer

Komponenten für die Medizintechnik,

was rund 60 % zum Umsatz beiträgt. Das

Fertigungsspektrum reicht vom Drehfräsen,

Fräsen und Erodieren über metallischen

3D-Druck und zahlreiche Verfahren

der Oberflächentechnik bis zur anschließenden

Montage. Was Armbruster dabei

besonders auszeichnet: die Fähigkeit, flexibel

auf wechselnde Marktanforderungen

zu reagieren. Dabei setzt das Unternehmen

auf moderne Technik und langjährige

Partnerschaften. Eine davon verbindet

Armbruster seit Jahrzehnten mit

der Schweizer Fehlmann AG.

„Die meisten unserer Bauteile sind

ziemlich anspruchsvoll. Komplexe Geometrien,

zähe Werkstoffe wie Titan und

Edelstahl – da muss einfach alles passen.

Gleichzeitig erwartet der Markt kurze Lieferzeiten,

flexible Seriengrößen und verlässliche

Reproduzierbarkeit“, erklärt Tobias

Armbruster, Geschäftsführer bei

Armbruster. Ein Beispiel ist das wirtschaftliche

Fräsen von Schnittblöcken für

Kniegelenke. Hier stießen die Experten an

ihre fertigungstechnischen Grenzen.

Die passende Lösung zu finden, war alles

andere als einfach. Im Mittelpunkt

stand ein 5-Achs-Bearbeitungszentrum,

das höchste Präzision und Flexibilität bietet,

über ein Nullpunktspannsystem zur

Ansteuerung pneumatischer Spannmittel

verfügt – und trotzdem nur wenig Platz

beansprucht. Außerdem war eine Spindel

mit über 20 000 min−¹ Drehzahl gefragt,

idealerweise mit HSK-A63-Schnittstelle

für die stabile, vibrationsarme Bearbeitung

auch bei langen Werkzeugen. Ein

Schwenkbereich über 120° war Pflicht,

um komplexe Geometrien möglichst in einer

Aufspannung zu bearbeiten.

Aber auch bei der Automation waren

die Anforderungen hoch: Gesucht war ein

System, das nicht nur Werkstücke, sondern

auch Spannmittel automatisch

wechseln kann, ohne dass jemand eingreifen

muss. Unterschiedlichste Rohteilgrößen

sollten im mannlosen Betrieb

nacheinander verarbeitet werden. Und

das Ganze sollte auf möglichst engem

Raum realisiert werden, mit ausreichend

Paletten- und Greiferplätzen für lange

Autonomiezeiten.

Kompakte Lösung für präzise

Materialbearbeitung

Die Lösung: Zwei 5-Achs-Bearbeitungszentren

vom Typ Versa 745 von Fehlmann,

verbunden mit dem flexiblen Automationssystem

Ultimate von Cellro. Das

kompakte Duo vereint präzises Fräsen, intelligentes

Handling und prozesssichere

Abläufe – und das auf 61 m². Die Versa

745 verfügt über eine leistungsstarke

HSK-A63-Spindel mit 24 000 min -1 , einen

Schwenkbereich bis 135°, einen massiven

Portalaufbau aus Grauguss, geschabte

Geometrien für hohe Maßhaltigkeit und

direktangetriebene Rundachsen mit Torquemotoren.

Auch schwierige Materialien

wie Titan lassen sich damit präzise und

zuverlässig bearbeiten.

„Unsere Kunden erwarten Präzision,

Zuverlässigkeit und Effizienz – gerade in

der Medizintechnik“, betont Alain Strebel,

Head of Sales Northern Europe bei Fehl-

52 medizin&technik 06/2025


(Bild: Armbruster)

mann. „Das Versa-Konzept wurde genau

dafür entwickelt: stabiler Aufbau, durchdachtes

Thermomanagement und automatische

Kalibrierung auf Knopfdruck.“

Perfekt zum Bearbeiten komplexer Geometrien

wie zum Beispiel denen an den

Schnittblöcken: Die schmalen und tiefen

Schlitze werden von Armbruster nun präzise

vorgefräst, so dass sie mittels Erodieren

nur noch finalisiert werden.

Intelligente Automation –

angepasst an die Aufgabe

Für Fehlmann und Cellro war es das erste

gemeinsame Projekt. Die Cellro Ultimate

übernimmt heute das komplette Teileund

Spannmittelhandling für beide Maschinen.

Dank modularer Greifer, automatischem

Schraubstockwechsel und intelligenter

Spannmittelsteuerung läuft

das Ganze reibungslos – und auf engstem

Raum. Ein besonderes Feature: Der Roboter

ist auf einer Verfahrschiene montiert

und kann so beide Bearbeitungszentren

flexibel anfahren.

Ein spezieller Knackpunkt waren die

rundgesägten Rohteile für die Schnittblöcke

– sie müssen aufrecht stehend eingelegt

werden, was viele Systeme nicht leisten

können. Also entwickelte Armbruster

eine eigene Vorrichtung zum Bevorraten

der Teile, Cellro ergänzte die Software für

die Handhabung. Der Roboter erkennt

jetzt exakt die Lage und kann die Teile sicher

greifen und einlegen.

„Unsere Automationslösungen sind darauf

ausgelegt, sich an die Produktionsrealität

des Kunden anzupassen – nicht

umgekehrt“, erklärt Christian Dietz, Gebietsverkaufsleiter

bei Cellro. „Bei Armbruster

haben wir die spezielle Handhabung

rundgesägter Werkstücke direkt in

die Systemlogik integriert. Genau solche

Anpassungen machen den Unterschied.“

Die Fertigungszelle produziert heute bereits

850 Frässtunden pro Monat – Tendenz

steigend. Ziel ist es, die Marke von

1100 Stunden zu erreichen. ■

Die präzise Vorbearbeitung

des Schnittblocks

für Kniegelenke

auf der Versa

spart Zeit, senkt

Kosten und verbessert

den gesamten

Fertigungsprozess

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■ [ TECHNIK ]

Das Implantat, das nach

dem Einheilen das Abutment

und die Krone tragen

soll, befindet sich im

Knochen. Die Öffnung

nach oben verschließt

und sichert die Healing-

Cap aus PEEK

(Bild: Pfaff)

PEEK-Healing-Caps aus dem Reinraum

– automatisiert gefertigt

Spritzguss für den Dentalbereich | Healing-Caps unterstützen den Heilungsprozess

nach dem Setzen eines Zahnimplantates. Dafür müssen die aus PEEK spritzgegossenen

Teile unter anderem hohe Anforderungen an die Oberflächengüte erfüllen – wozu

ein automatisierter Prozessablauf beiträgt.

Die Entwicklung und Fertigung dentaler

Medizinprodukte erfordert Präzision,

Sauberkeit und Prozesssicherheit.

Bei der Herstellung von so genannten

Healing-Caps aus Polyetheretherketon,

kurz PEEK, setzt die Waldkircher Pfaff

GmbH auf automatisierte Fertigungsschritte.

So wollen die Fachleute Qualität,

Reproduzierbarkeit und Effizienz gleichermaßen

sicherstellen.

Healing-Caps haben bei der Behandlung

von Zahnlücken mit Implantaten die

primäre Aufgabe, das Innengewinde der

Implantate davor zu schützen, dass Knochen-

oder Weichgewebe in diese Hohlräume

einwächst. Darüber hinaus sollen

die Caps grobe Kontamination reduzieren

und den Zugang zur Eingriffstelle mechanisch

verschließen – bis zur Freilegung

durch den Zahnarzt und dem Aufbringen

IHR STICHWORT

PEEK-Spritzguss

Healing-Caps für die Dentalmedizin

Automatisierte Fertigung

Qualitätssicherung

Dokumentation und Rückverfolgbarkeit

des eigentlichen Zahnersatzes. Für diesen

sind sie auch ein Platzhalter, der verhindert,

dass das Zahnfleisch den freigewordenen

Raum einnimmt.

Um diese Aufgabe zu erfüllen, spielt

auch die Oberflächengüte der Kappen ein

wichtige Rolle. Vor allem, wenn das Einbringen

des Implantats transmukosal erfolgt,

also nur durch einen kleinen Schnitt

ins Zahnfleisch und ohne ein Aufklappen

einer größeren Öffnung, durch die das

Implantat dann in den Knochen eingebracht

wird. Nur mit der richtigen, sprich

glatten Oberfläche lassen sich Irritationen

des Weichgewebes und auch die Ablagerung

von Biofilmen an dieser Stelle

vermeiden.

Caps sehr präzise fertigen und

das auch dokumentieren

Für die Fertigung der Caps bedeutet das,

dass diese hochpräzise ablaufen muss und

auch automatisiert überwacht und dokumentiert

wird. Herzstück des Produk -

tionsprozesses für die Healing-Caps ist bei

Pfaff eine vollelektrische Spritzgießmaschine

vom Typ Arburg 370 A, die speziell

für solch präzise Anwendungen in der

Medizintechnik ausgelegt ist. Das Handling

des PEEK-Granulats, die Dosierung

und das Einspritzen erfolgen automatisiert.

Sensorik überwacht in Echtzeit Pa-

rameter wie Spritzdruck, Werkzeugtemperatur

und Schließkraft. Abweichungen

erkennt das System sofort und schleust

fehlerhafte Teile entsprechend aus dem

Prozess aus.

Nach dem Spritzgießprozess kommen

in vielen Fällen Roboter-Handlingsysteme

zum Einsatz: Sie entnehmen die empfindlichen

Bauteile kontaktfrei aus dem Werkzeug,

führen sie definierten Ablagen zu

oder übergeben sie direkt an Verpackungsstationen

im Reinraum. Durch diese

Automatisierung wird nicht nur die

Prozessgeschwindigkeit erhöht, sondern

auch das Risiko einer Kontamination minimiert

– ein Vorteil im dentalmedizinischen

Einsatz.

Automatisierung spielt heute auch in

der Qualitätssicherung eine Schlüsselrolle.

Optische Inspektionssysteme prüfen

Bauteilgeometrien und Oberflächen unmittelbar

nach der Fertigung. Alle Daten

werden automatisch dokumentiert und

den jeweiligen Chargen zugeordnet. So ist

eine lückenlose Rückverfolgbarkeit von

der Materialcharge bis zur einzelnen Verpackungseinheit

gegeben.

Die Verpackung der Healing-Caps erfolgt

unter Reinraumbedingungen der

ISO-Klasse 7. Das heißt: Automatisierte

Luftführung, Partikelmonitoring und Filtertechnik

halten die für die Umgebung

54 medizin&technik 06/2025


(Bild: Pfaff)

festgelegten Parameter konstant im zulässigen

Bereich.

Auch die Verpackungsprozesse selbst

sind weitgehend automatisiert: Validierte

Abpackanlagen versiegeln die Schrauben

partikelfrei, sodass manuelle Eingriffe

kaum erforderlich sind.

Damit die kleinen

Healing-Caps ihre

Schutzaufgabe gut

erfüllen können,

müssen sie im Reinraum

präzise hergestellt

sein und zum

Beispiel eine hohe

Oberflächengüte

aufweisen

Reproduzierbare Qualität für

eine erfolgreiche Versorgung

Durch die Kombination aus Werkstoffkompetenz,

moderner Spritzgießtechnik

und Automatisierung gelingt es, präzise

Healing-Caps in reproduzierbarer Qualität

zu fertigen. In der Dentalmedizin begleiten

diese Produkte die Einheilphase

sicher und bilden damit die Grundlage für

erfolgreiche Implantatversorgungen. ■

Stefan Pfaff

Pfaff GmbH, Waldkirch

Weitere Informationen

Die Pfaff GmbH Spritzgießtechnik

aus Waldkirch hat sich auf die Herstellung

hochwertiger, technischer

Kunststoffprodukte durch Spritzgussverfahren

spezialisiert. Das Unternehmen

wurde 1991 gegründet.

Kunststoffprodukte werden im Einoder

Mehrkomponentenspritzguss

hergestellt, unter anderem für die

Medizintechnik. Das Unternehmen

ist nach ISO 9001 und ISO 13485

zertifiziert.

www.pfaffgmbh.com

BasicDrill Spiralbohrer

Das Multitalent zum Bohren in Kupfer bis Titan,

mit einem Faible für Stahlwerkstoffe. Möglich

macht das die optimierte Schneidenform, eine

spezielle Beschichtung und das verwendete

Hartmetall. Der BasicDrill Micro mit einem Bohrbereich

von 1 bis 2,95 mm ist ideal für die

Micro-Bearbeitung in der Medizintechnik.

Perfekter Rundlauf mit axialer Stütze

in der Spannhülsen-Aufnahme FPC.

24/7

Verfügbar auch im Webshop

www.emuge-franken.com

06/2025 medizin&technik 55


■ [ TECHNIK ]

Feinstaub beim Montieren von Teilen

für Medizinprodukte sicher vermeiden

Reinraumtechnik | Um in der Fertigung von Teilen für die Medizintechnik negative Einflüsse

durch Feinstaub aus der Luft sicher auszuschließen, eignen sich Filteranlagen für Rein -

räume. Dass diese sich auch in bestehenden Gebäuden nachrüsten lassen, zeigt das Beispiel

eines Fertigungsdienstleisters.

Wo Teile für sensible

Branchen wie

die Medizintechnik

verarbeitet werden,

muss Reinraumtechnik

die Luft frei

von Partikeln halten

– wie zum Beispiel

Feinstaub

beinhaltet neben dem Partikelmonitoring

auch ein externes Monitoring der mikrobiologischen

Belastung sowie eine externe

Schädlingsüberwachung. So können

Umgebungsbelastungen so gering wie

möglich gehalten werden, was für Anwendungen

aus Biotechnologie, Medizintechnik

und der Pharmazie unabdingbar ist.

Weitere Informationen

Reinraumumgebungen für

wechselnde Anwendungen

Die Reinräume haben Fachleute der Spetec

GmbH aus Erding geplant und in die

Werkshallen nachträglich eingebaut. Dafür

waren lediglich kleine baulichen Änderungen

erforderlich. Alle Reinräume

laufen rund um die Uhr. Im Betrieb über

mehrere Jahre wurden sie im Zweischichtsystem

genutzt, wobei es keine

Feinstaub und Medizintechnik? Feinstaub,

der durch den Betrieb von Reinraum-Lösung ist die Al-Pro Gerd raumumgebungen sind für wechselnde

Ein Beispiel für solch eine gelungene nennenswerten Ausfälle gab. Die Rein-

Kraftfahrzeugen oder aus privaten, holzbefeuerten

Böhm GmbH. Der Industriedienstleister Anwendungen flexibel ausgelegt. Daher

Heizungen und Kaminöfen in für Auftraggeber aus Optik, Mikroelektro-

sind Personenschleuse und Material-

die Atmosphäre gelangt, kann nicht nur

die Gesundheit schädigen, sondern beeinträchtigt

auch die Qualität und Funktion

sensibler Produkte aus vielen Bereichen.

Dazu zählen Optik, Elektronik, Elektromechanik,

nik und Elektro-Mechanik sowie aus der

Chip-Montage beschäftigt ein Team aus

mehr als 50 Mitarbeitern in zwei Werken

in Göttingen. Ein Dutzend Mitarbeiter

sind für den Einsatz im Reinraum geschult

schleuse räumlich getrennt realisiert. So

kann Al-Pro sich auch als Anbieter kundenspezifischer

Lösungen präsentieren,

wenn es um Produkte geht, deren Qualität

durch Partikel, Feinstaub oder Keime

Medizintechnik, Biotechnolonik

gie und Pharmazie.

Durch Filtertechniken lässt sich Raumluft

von Feinstaub befreien. Das hat sich

als preiswerte und im Betrieb kostengünstige

Lösung bewährt. Entsprechende Anlagen

worden. Sie übernehmen vorwieschleuse

gend Aufgaben in der elektromechanischen

Montage und Kabelkonfektionierung.

Weitere Dienstleistungen bietet das

Unternehmen zum Kommissionieren und

Konfektionieren an.

beeinträchtigt werden könnte.

https://al-pro-gmbh.de/

(op) ■

können in bestehenden Gebäuden Fertigung, Montage, Reinigung und

nachgerüstet werden.

Verpackung unter Reinraumbedingungen

■ Beispiel Industriedienstleister Das Hygienekonzept ist in Anlehnung

kamen vor fünf Jahren hinzu. Dafür steht Die Spetec GmbH wurde 1987 in Erding

als Anbieter von Ersatzteilen

heute eine Fläche von 200 m² in drei

für die Analytik gegründet. Entwicklungen

für die Reinraumtechnik und

autarken Reinraumsystemen bereit. Die

IHR STICHWORT

Reinräume sind TÜV-zertifiziert nach Labortechnik erweiterten das Portfolio.

Klasse 7 oder 8 gemäß ISO 14644-1 und

Heute bietet Spetec individuel-

■ Reinraumtechnik

kundenzertifiziert gemäß GMP Klasse D. le Lösungen von mobilen Laminar

■ Montage ohne Feinstaub

Die Luftqualität lässt sich mit einer Laminar

Flow Box punktuell auf Reinraum-

Flow Boxes bis zu schlüsselfertigen

Reinraumsystemen plus Wartung

■ Filter

und Zertifizierung nach DIN ISO an.

■ Nachrüsten von Räumen

klasse 5 gemäß ISO 14644-1 erhöhen. www.spetec.de

an die GMP-Praxis entwickelt worden und

(Bild: Spetec)

56 medizin&technik 06/2025


Special

Antriebstechnik

(Bild:pavlodargmxnet/stock.adobe.com)

Wie Spinnenseide auf die Spindel kommt

Messe SPS | Antriebskonzept fürs Exoskelett | Dentalfräsma schine, extra schnell | Präzisionsgetriebe für die Kapselfüllung

06/2025 medizin&technik 57


■ [ SPECIAL ANTRIEBSTECHNIK ]

SPINNENSEIDE GEWINNEN, DAMIT

NERVENSCHÄDEN WIEDER HEILEN

Präzision beim Aufwickeln | Spinnenseide ist für medizinische Anwendungen wie die

Nervenreparatur geeignet. Um die empfindliche Struktur der Fasern zu erhalten, muss

ein hochpräzises und sehr langsam arbeitendes Aufwickelsystem den feinen Faden

auf die Spule bringen.

Spinnenseide ist für Anwendungen in

der Medizin ein interessantes Material.

Dieses kann zum Beispiel nach Verletzungen

oder Operationen das Nachwachsen

von Nerven begünstigen. Bei der als

Standard geltenden Methode, dem so genannten

„Autografting“, wird ein Nerv

aus einem anderen Körperteil entnommen

und im geschädigten Bereich implantiert.

Das führt aber nur in etwa der Hälfte

der Fälle zu einer Wiederherstellung der

normalen Kraft oder des normalen Gefühls.

Künstliche Leitstrukturen, die das

Nachwachsen der Axone unterstützen sollen,

sind eine Alternative. Diese Methode

stößt jedoch insbesondere bei größeren

Defektstrecken an Grenzen – vor allem,

wenn die Distanz größer ist als etwa 1 cm.

Weitere Ansätze, wie die Implantation

von Spendernerven, sind kostenintensiv

und haben keine besseren Erfolgsaussichten

als die Eigenimplantation. Auch andere

Techniken zur Reparatur des äußeren

Leitungsrohrs, das die Axone umgibt, haben

sich bei größeren Nervendefekten

bislang nicht als erfolgreich erwiesen.

An einer Möglichkeit mit Fasern natürlichen

Ursprungs – dem Einsatz von Spinnenseide

– arbeitet Newrotex. Wissenschaftler

der Universität Oxford in England

haben das Medizintechnik-Start-up

mit gegründet. Sie wollen mit Spinnen -

IHR STICHWORT

Gewinnung von Spinnenseide

Reproduzierbare Bedingungen

Aufwickelsystem aus Spule und Antrieb

Bedingungen kontrollierbar

Leicht zu reinigen und sterilisierbar

Die hier aufgewickelte

Spinnenseide soll künftig

helfen, Nervenfasern

nach Verletzungen zu

regenerieren

seide im menschlichen Körper die Regeneration

des peripheren Nervensystems

unterstützen.

Spinnenseide im Schlauch

weist dem Nerv den Weg

Newrotex arbeitet daran, die klinische

Wirksamkeit der von Spinnen produzierten

Seidenstränge als Stützstruktur für

das Wachstum der Axone nachzuweisen.

Dabei wird die Spinnenseide in einem

speziellen Schlauch eingesetzt, der den

geschädigten Nervenbereich überbrückt

und beiderseits durch eine Naht fixiert

wird. Die Axone des Nervs wachsen entlang

der Spinnenseide und können so die

Nervenenden miteinander verbinden.

Als Röhrchen kommen bereits auf dem

Markt erhältliche Hohlröhrchen in Frage

oder eine Vene, die dem Gefäßsystem des

Patienten entnommen wird. Ein Hohlröhrchen,

das ebenfalls aus Spinnenseide

besteht, ist in Entwicklung.

Spinnenseide verbleibt mehrere Mona-

te im Körper, bevor sie sich biologisch abbaut.

So haben die Axone Zeit, sich zu regenerieren.

Das Hohlröhrchen ermöglicht

eine zielgerichtete Axonregeneration. Mit

dieser Methode können Nervenlücken

von bis zu 20 cm regeneriert werden –

was mit bisherigen Techniken nicht erreichbar

war.

Dr. Alex Woods, Gründer und CEO von

Newrotex sowie Facharzt für Unfallchi -

rurgie und Orthopäde, beschreibt es so:

„Eine vollständig einsatzbereite Lösung erleichtert

die Integration und schafft die Voraussetzung

für ein Plug-and-Play- Gerät.

Das bedeutet, dass Patienten schneller behandelt

werden können – und man ist

nicht auf eine kleine Zahl hochspezialisierter

Chirurgen angewiesen.“ So könnten

Chirurgen aus anderen Fachbereichen ihre

Patienten unmittelbar be handeln.

Im Laufe der Zeit löst sich das Röhrchen

zusammen mit der Seide vollständig

auf. Die medizinische Wirksamkeit ist in

Tierversuchen nachgewiesen.

(Bild: Newrotex)

58 medizin&technik 06/2025


Das Gewinnen der Spinnenseide ist ein

komplexer Prozess und soll zu einem biokompatiblen

Implantat mit reproduzierbaren

Eigenschaften führen. „Wir verwenden

die Seide der Goldenen Seidenspinne,

weil diese bereits umfassend erforscht

ist“, erklärt Alex Wood. Spinnenweibchen

dieser Art können bis zu 15 cm groß werden

und weben Netze mit bis zu 1 m

Durchmesser. Newrotex nutzt ihre so genannte

Fangseide, die zur Fortbewegung

und zum Abseilen dient und an deren Proteinstruktur

Axone wachsen können.

Für die Seidengewinnung wird die

Spinne zunächst mit Kohlendioxid betäubt

und dann auf dem Rücken liegend

in einem feinen Netz fixiert. Durch gezieltes

Stimulieren der entsprechenden Drüsen

beginnt das Tier mit der Seidenproduktion.

Noch beim Spinnen verwandelt sich

die Seide von einer Flüssigkeit in einen

Feststoff, in eine sehr dünne Faser, die es

auf eine Spule zu wickeln gilt. Die Eigenschaften

der Faser hängen stark von den

Aufrollbedingungen ab. Daher müssen

diese genau kontrollierbar sein.

Spule muss sich gleichmäßig

und wellenfrei drehen

Die Seide wird dafür an einer speziell entwickelten

Spule befestigt und von einem

Antriebssystem, dass die Fachleute von -

Maxon konzipiert haben, aufgewickelt.

Um eine gleichmäßige und wellenfreie

Steuerung der Spule zu gewährleisten, ist

ein DC-Motor von Maxon mit eisenloser

Wicklung im Einsatz – ergänzt durch ein

geräuscharmes Getriebe, einen Encoder

sowie eine Geschwindigkeitsregler vom

gleichen Hersteller. Der Drehzahlregler,

gleicht die tatsächliche Geschwindigkeit

mit der Sollgeschwindigkeit ab. Beide

Werte werden von einem Datenlogger erfasst,

um die exakte Seidenmenge zu dokumentieren

– ein wichtiger Faktor für die

Qualitätssicherung, die für Medizinprodukte

vorgegeben ist.

Das Aufspulen erfolgt bei jeder Spinne

über einen fest definierten Zeitraum. Dabei

enthält jedes aufgewickelte Produkt

eine festgelegte Anzahl von Seidenfasern,

wodurch sich auch gezielt unterschiedliche

Produktlängen gewinnen lassen.

„Dank der präzisen Kalibrierung des Systems

können wir die Aufwickelgeschwindigkeit

exakt steuern“, erklärt Alex

Woods. So ist klar, wie viele Fasern in welcher

Länge gesammelt wurden.

Wenn die Seide aus den Drüsen der Spinnen austritt, verwandelt sie sich von

einer Flüssigkeit in eine feste Faser. Um diese schonend aufzuwickeln, wurde

für die Spule ein präzises Antriebssystem erdacht

Ohne Spinne keine Spinnenseide: Bei Newrotex liefern über 30 Exemplare der

Goldenen Seidenspinne das Material. Die Weibchen können bis zu 15 cm groß

werden und in der Natur Netze von bis zu 1 m Durchmesser weben

Gegenwärtig arbeitet Newrotex mit

mehr als 30 Spinnen. Jede liefert etwa

zweimal pro Woche Seide. „So bleibt genügend

Zeit, damit sich ihre Seidenvorräte

erneuern können und die Tiere nicht

überlastet werden“, sagt Alex Woods.

Das Antriebssystem und der Spulenrahmen

lassen sich reinigen und befinden

sich in einer sterilen Umgebung, während

die Spinne Seide abgibt. Um zu verhindern,

dass das Tier die Reinraumstandards

verletzt, sind umweltkontrollierte

Schutzhauben im Einsatz. Nach jedem

Vorgang wird das Gerät gereinigt und das

Antriebssystem sterilisiert.

Für das Jahr 2025 hat Newrotex umfangreiche

klinische Studien am Menschen

geplant. Eine Nervenreparatur -

behandlung für Patienten könnte ab 2027

möglich sein. Langfristig hat die Entwicklung

auch das Potenzial, zur Regeneration

von Strukturen im zentralen Nervensystem

beizutragen.

Katharina Wenzelis

Maxon Group Deutschland, Sexau

www.maxongroup.com

Auf der Compamed: Halle 8a, Stand G16

Weitere Informationen

Um aus der Seide ein kontrolliertes

und steriles Implantat herzustellen,

muss der Prozess den regulatorischen

Anforderungen an die Qualitätssicherung

für Medizinprodukte

entsprechen. Das Start-up Newrotex

ist gemäß den Vorgaben der ISO

13485 zertifiziert.

https://newrotex.com

(Bild: Newrotex)

(Bild: Newrotex)

06/2025 medizin&technik 59


■ [ SPECIAL ANTRIEBSTECHNIK ]

KI-gestützte Regelung

von BLDC-Motoren

Mobilitätshilfen | Im Projekt KI Mobil testen Forscher

in Nordhausen, wie künstliche Intelligenz die Motor -

reglung in Mobilitätshilfen verbessern kann.

(Bild: Nadine Luschnat/Hochschule Nordhausen)

Prof. Jiayi Wang ist

Professorin für Elektrotechnik

und Leistungselektronik

an

der Hochschule

Nordhausen und

leitet das Projekt KI

Mobil

Mobilitätshilfen im Gesundheitswesen sollen künftig noch

sicherer, individueller und fehlertoleranter werden: Forscher

an der Hochschule Nordhausen wollen bürstenlose Gleichstrommotoren,

so genannte BLDC-Motoren, durch den Einsatz

künstlicher Intelligenz (KI) intelligenter regeln. Solche Motoren

kommen in elektrischen Schiebehilfen zum Einsatz. Die Arbeiten

im Forschungsprojekt KI Mobil laufen unter der Leitung von

Prof. Jiayi Wang, Professorin für Elektrotechnik und Leistungselektronik.

Die Carl-Zeiss-Stiftung fördert das Projekt im Rahmen

des Förderprogramms CZS Forschungsstart.

BLDC-Motoren zeichnen sich durch eine hohe Effizienz, Langlebigkeit

und geringe Kosten aus. Sie stellen jedoch hohe Anforderungen

an die Regelungstechnik. Gerade im Gesundheitsbereich

ist Zuverlässigkeit essenziell – ein Versagen der Antriebe an einer

Mobilitätshilfe kann schwerwiegende Folgen haben.

KI Mobil setzt hier an: Durch die Integration von neuronalen

Netzen soll die Motorregelung künftig Fehlerzustände in Echtzeit

erkennen und proaktiv reagieren können. Die KI-basierte

Regelung bietet nicht nur eine erhöhte Fehlertoleranz, sondern

auch die Möglichkeit, individuelle Anpassungen für Nutzer mit

unterschiedlichen Einschränkungen vorzunehmen. „Mit diesem

Projekt möchten wir zeigen, welches Potenzial in der interdisziplinären

Zusammenarbeit zwischen Gesundheitswesen und Ingenieurwissenschaften

liegt“, betont Prof. Wang. Die Ergebnisse

von KI Mobil sollen zudem wichtige Impulse für die Weiterentwicklung

in den Bereichen Medizintechnik, Antriebstechnik und

Energietechnik liefern.

Die Carl-Zeiss-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Freiräume für

wissenschaftliche Durchbrüche zu schaffen. Als Partner der Wissenschaft

unterstützt sie sowohl Grundlagenforschung als auch

anwendungsorientierte Forschung und Lehre in den Mint-Fachbereichen

Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und

Technik. 1889 von dem Physiker und Mathematiker Ernst Abbe

gegründet, ist die Carl-Zeiss-Stiftung eine der ältesten und größten

privaten wissenschaftsfördernden Stiftungen in Deutschland.

Sie ist alleinige Eigentümerin der Carl Zeiss AG und der

Schott AG. Ihre Projekte werden aus den Dividendenausschüttungen

der beiden Stiftungsunternehmen finanziert.

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Industrial AI ist kein Zukunftsthema

Messe SPS 2025 | Künstliche Intelligenz in der Produk -

tion ist kein Zukunftsthema, sondern bereits in der Realität

angekommen. Das zeigen zahlreiche Lösungen

und Projekte, die auf der Messe SPS zu sehen sind.

Aktuelle Entwicklungen in der Automatisierungsbranche

sind vom 25. bis 27. November 2025 auf dem Messegelände

in Nürnberg zu sehen: Die internationale Fachmesse SPS – Smart

Production Solutions bringt Entscheider, Entwickler und Visionäre

aus aller Welt zusammen. Rund 1150 Unternehmen der Automatisierungsbranche

zeigen dieses Jahr in 15 Messehallen

fortschrittliche Lösungen für die intelligente Produktion.

Ein Thema der SPS ist künstliche Intelligenz in der Fertigungstechnik,

die sich derzeit auf breiter Front in industrielle Produkte

und Prozesse ausbreitet. Sei es unterstützend im Engineering

Für rund 1150 Unternehmen der Automatisierungsbranche

werden die 15 Messehallen in Nürnberg während

der SPS 2025 zur Bühne für ihre neuen Lösungen

von Prozessen, integriert in Steuerungsgeräte durch AI-Modelle

oder als Teil intelligenter Tools für vorausschauende Wartung,

Qualitätskontrolle und adaptive Produktionssteuerung.

„Industrial AI ist längst kein Zukunftsthema mehr – es ist bereits

Realität in vielen Produktionsumgebungen. Auf der SPS 2025

zeigen unsere Aussteller, wie KI heute schon konkret eingesetzt

wird und welche Potenziale die Technologie in der Automation

erschließt“, erklärt Sylke Schulz-Metzner, Vice President SPS

beim Veranstalter Mesago Messe Frankfurt GmbH.

Elektrische Antriebstechnik ist ein Schwerpunkt der Messe.

https://sps-messe.de

(Bild: Mesago Messe Frankfurt GmbH / Arturo Rivas)

60 medizin&technik 06/2025


Selbsthemmende Bremse für die Medizintechnik

Hubantriebe | Effizienz und Wirkungsgrad des Antriebs und die Sicherheit der Patienten, die mit

dem Hubantrieb nach oben bewegt werden: All diese Aspekte hat Langguth bei der Entwicklung

einer selbsthemmenden Bremse für Medizinprodukte berücksichtigt.

(Bild: Langguth)

Eine innovative Selbsthemmungsbremse

für moderne Hubantriebe hat

die Nürnberger Langguth +Co. GmbH gemeinsam

mit einem Partner aus der Medizintechnik

entwickelt. Aus Sicherheitsgründen

ist eine verlässliche Selbsthemmung

bei solchen Hubantrieben, die zum

Beispiel Menschen nach oben bewegen,

zwingend erforderlich.

Gleichzeitig sollen Antriebe heute aber

eine höhere Energieeffizienz und einen

besseren Wirkungsgrad aufweisen – zwei

Anforderungen, die sich bei der klassischen

Selbsthemmung durch Reibung in

der Verzahnung technisch oft entgegenstehen.

Den Nürnberger Antriebsspe -

zialisten ist es nun gelungen, diesen Zielkonflikt

durch die Entwicklung einer unabhängigen

Selbsthemmungsbremse zu

lösen.

Da die selbst -

hemmende Bremse

nicht auf Reibung

in der Verzahnung

basiert, senkt sie

nicht die Effizienz

des Antriebs

Im Gegensatz zur klassischen Variante basiert

die neue Lösung auf einer separaten

Bremsenbaugruppe mit definiertem Reibmoment.

Diese wirkt nur in einer Bewegungsrichtung,

zum Beispiel beim Absenken

einer Last, und sorgt so für eine sichere

und dauerhafte Selbsthemmung. Beim

Heben – insbesondere von Personen –

hingegen kann der Antrieb mit höherer

Effizienz arbeiten. Dadurch lässt sich

nicht nur Energie sparen, sondern auch

die mechanische Beanspruchung der

Komponenten reduzieren.

Eine Besonderheit der Entwicklung ist

nach Angaben des Herstellers die Wartungsfreiheit

über seine gesamte Lebensdauer.

Die Bremse ist von den Entwicklern

so konstruiert, dass sie ihren Reibwert

dauerhaft beibehält und keinerlei

Verschleißerscheinungen zeigt. Elektrisch

betriebene Bremsen wurden aus Sicherheitsgründen

bei dieser Anwendung bewusst

ausgeschlossen.

Nach erfolgreichem Abschluss aller Langzeittests

und Risikobewertungen steht

fest: Die neue Selbsthemmungsbremse ist

ebenso zuverlässig wie klassische, auf Verzahnungsreibung

basierende Lösungen.

Sie ist aber, so betonen die Entwickler, flexibler

in der Konstruktion und effizienter

im Betrieb. Das zugrunde liegende Funktionsprinzip

wurde von Langguth gemeinsam

mit dem Projektpartner zum Patent

angemeldet.

Bremsenlösung für Fälle,

in denen Standard nicht reicht

„In vielen Projekten treffen wir auf Anforderungen,

für die es keine Standard -

lösung gibt“, erklärt Gernot Ramsauer,

Geschäftsführer bei Langguth. „Unsere

Aufgabe ist es dann, genau hinzuhören,

das Problem zu verstehen und eine zuverlässige,

wirtschaftlich sinnvolle und technisch

sichere Antwort darauf zu entwickeln.“

Die neue Selbsthemmungsbremse sei „ein

hervorragendes Beispiel dafür, wie unsere

jahrzehntelange Erfahrung und unsere

Entwicklungskompetenz zu einer marktreifen

Innovation führen.“

https://langguth-antriebe.de

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06/2025 medizin&technik 61


■ [ SPECIAL ANTRIEBSTECHNIK ]

HAND-EXOSKELETT – BEWEGT

MIT FORMGEDÄCHTNIS-DRÄHTEN

Exoskelette | Um passgenaue und sanft unterstützende Exoskelette bereitzustellen,

setzt das Fraunhofer IWU auf innovative Formgedächtnislegierungen, Schrittmotoren

und 3D-Druck-Technologien. Das Exoskelett als solches soll perfekt an die Anatomie

der Hand angepasst sein und sanfte Bewegungen ermöglichen.

(Bild: Fraunhofer IWU)

Nach Unfällen etwa mit Sehnenverletzungen

oder als Folge von Schlaganfällen

kann die Beweglichkeit der Hände

beeinträchtigt sein. Als Hilfsmittel bei einer

Therapie betroffener Patienten kommen

verstärkt Exoskelette zum Einsatz.

Diese sind wie ein zweites Skelett über

der Hand angebracht und in der Lage,

Handgelenk und Finger gezielt durchzubewegen.

IHR STICHWORT

Hand-Exoskelett

Antrieb mit Drähten aus

Formgedächtnislegierungen

Individuell anpassbar durch 3D-Druck

Parametrisches CAD Modell als Basis

Der Schrittantrieb

bewegt die einzelnen

Elemente des

Exoskeletts mit

Zahnrad, Hebel,

Klinke und einem

Draht aus Formgedächtnislegierung

Wirklich gute Voraussetzungen für einen

Therapieerfolg bringt jedoch nur ein

Produkt mit, das ganz auf die Hand des

Patienten abgestimmt ist. Weitere wichtige

Anforderungen sind ein geringes Gewicht

und kompakte Ausmaße des Exoskeletts.

Denn menschliche Hände unterscheiden

sich nicht nur in der Größe, sondern

auch in den Proportionen deutlich

voneinander.

Die Handkraft beispielsweise variiert

von Patient zu Patient stark. Bei den meisten

Anwendungen ist es daher sinnvoll,

Kraft und Hub eines Exoskeletts für die

Hand zu individualisieren. Gleichzeitig

wäre ein hohes Eigengewicht des Hilfsmittels

sehr belastend. Neben der Passform

der Schale kommt es daher insbesondere

auf den Antrieb an.

Alina Carabello, Doktorandin am

Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen

und Umformtechnik IWU in Dresden

und wissenschaftliche Mitarbeiterin der

Technischen Universität Chemnitz, setzt

dafür auf eine Kombination aus einem bidirektionalen

Schrittmotor und aktuatorisch

eingesetzten Drähten aus Formgedächtnislegierungen.

Dieses Konzept basiert auf jeweils nur

zwei künstlichen Sehnen, die der Schrittmotor

für eine Beuge- oder Streckbewegung

von Hand und Fingern präzise ansteuert.

Dabei können verschiedene Positionen

gehalten und nachjustiert werden.

Formänderungsfähigkeit

steuert Bewegung des Zahnrads

Und so funktioniert der Antrieb: Zahnrad,

Hebel, Klinke und Draht aus der Formgedächtnislegierung

(FGL) sind die Elemente.

Wird der Draht erwärmt, zieht er sich

zusammen und lenkt dadurch den Hebel

um einen definierten Winkel aus. So wird

das Zahnrad in die gewünschte Richtung

bewegt. Das Seil, das die Aufgabe der

Streck- oder Beugesehne übernimmt,

wird auf eine Seil spule aufgewickelt. Diese

„Sehnenbewegung“ beugt oder streckt

den Finger im Exoskelett.

Bei Carabellos Schrittantrieb wirken

Formgedächtnislegierungen (FGL) als Aktoren:

Ihre Formänderungsfähigkeit steuert

die Bewegung des Zahnrads. Das Erwärmen

ist über elektrischen Strom umgesetzt,

der von einem Mikrocontroller

gesteuert wird. Der erwärmte Draht verkürzt

sich, beim Wiederabkühlen dehnt er

sich durch einen Gegenzug, beispielsweise

durch eine Feder oder einen weiteren

FGL-Draht. Diese Mechanik steuert die

künstlichen Gliedmaßen des Exoskeletts.

Insgesamt lässt sich damit eine sehr

präzise und wiederholbare Bewegung erreichen.

Das sanfte Ansprechverhalten

der FGL-Drähte sorgt für schonende Bewegungsschritte.

Nahezu unbegrenzte geometrische

Freiheiten für die Gestaltung und Anpas-

62 medizin&technik 06/2025


sung des Exoskeletts bietet die Herstellung

via 3D-Druck, in diesem Fall im Verfahren

des selektiven Lasersinterns (SLS).

Dabei werden dreidimensionale Formen

Schicht für Schicht aus Kunststoffpulver

aufgebaut. Besonders effizient lässt sich

der Herstellprozess gestalten, wenn ein

parametrisches CAD-Modell dafür die

Grundlage bildet.

Im Idealfall liegt also die Patientenhand

als digitaler 3D-Scan vor, sodass

mit der geometrischen Form die Beziehungen

zwischen den einzelnen Elementen

der Hand kartografiert sind. So entsteht

beim Druck nicht nur ein besonders

präzises Negativ der Hand, eventuell erforderliche

Anpassungen für spätere

Neuanferti gungen sind mit einem CAD-

Modell als Grundlage auch leichter umzusetzen.

Individualisierungsbedarf sehen die

Fachleute vom Fraunhofer IWU bei vielen

Hilfsmitteln in der Medizintechnik. Mit

individuell gestalteten Produkten ließen

Exoskelette unterstützen Bewegungen des Trägers und können

seine Kraft deutlich erhöhen

sich die Bedürfnisse zu behandelnder Personen

besser abbilden, therapeutisches

Personal könnte die Patienten zielgerichteter

unterstützen. Viele Hilfsmittel orientierten

sich bisher aber an Standardvorgaben.

Anpassungen an Alter, Geschlecht,

Größe, Gewicht oder tatsächliche Einschränkungen

von Patientinnen und Patienten

seien selten oder gar nicht vorgesehen.

Mit seinem Exoskelett für die Hand

zielt das Institut vorrangig auf Sehnenverletzungen

nach Unfällen ab. Auch nach

Schlaganfällen oder bei Lähmungen ist es

wichtig, im Genesungsprozess die betroffene

Hand durchzubewegen – oft wären

Übungen in engerer Abfolge sinnvoll, als

es das Zeitbudget von Therapeuten erlaubt.

Hier kann das am Fraunhofer IWU

entwickelte Exoskelett Entlastung bieten,

da die durchgehende Anwesenheit einer

betreuenden Person nicht zwingend erforderlich

ist.

(op) ■

www.iwu.fraunhofer.de

(Bild: Fraunhofer IWU)

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06/2025 medizin&technik 63

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■ [ SPECIAL ANTRIEBSTECHNIK ]

Hybridlager für

Kurzhubanwendungen

Axiallager von Gewindetrieben | Um den Ausfall von

Gewindetrieblagern in Kurzhubanwendungen zu vermeiden,

wurden spezielle Hybridlager entwickelt. Sie

enthalten ausschließlich Keramikwälzkörper.

(Bild: Schaeffler)

Das neue dreireihige

Gewindetrieblager

DKLFA-HC mit Keramikkugeln

ist für den

Einsatz in Kurzhubanwendungen

entwickelt

worden

Mit dem Blick auf eine hohe Betriebssicherheit, insbesondere

bei Kurzhubanwendungen und Stillstandschwingungen,

haben die Antriebstechnik-Experten von Schaeffler aus Herzogenaurach

eine dreireihige Wälzlagerbaureihe entwickelt, die

Keramikkugeln als Wälzkörper enthält. Die neue Baureihe

DKLFA-HC ergänzt die Hybrid-Gewindetrieblager der Baureihen

DKLN-HC und ZKLF-HC (mit Flanschbefestigung).

Frühausfälle an den Axiallagern von Gewindetrieben machen

sich durch Geräuschbildung der Gewindespindeln bemerkbar.

Das zugehörige Schadensbild wird „false brinelling“ oder auch

„Riffelbildung“ genannt und tritt vor allem dann auf, wenn wiederholt

kleine Schwenkbewegungen und -winkel am Lager ausgeführt

werden.

Das ist zum Beispiel im Formenbau oder in der Medizintechnik

der Fall. Das Schadensbild „false brinelling“ ist immer noch

schwer vorhersagbar und kann schon nach wenigen Betriebsstunden

auftreten. Auch Schwingungen im Lagerstillstand oder

beim Transport eines Lagers oder einer Maschine können hierfür

verantwortlich sein. Den Maschinenherstellern entstehen hohe

Reparaturkosten und auch der Imageschaden ist nicht uner -

heblich.

Für betroffene Maschinentypen bietet es sich daher an, grundsätzlich

alle Gewindetrieblager auf Hybridlager umzustellen. Sie

gewährleisten bei Kurzhubanwendungen und Stillstandschwingungen

eine sehr hohe Betriebssicherheit. Maschinenstillstände

und teure Serviceeinsätze können mit diesen Lagern zuverlässig

vermieden werden. Die dynamische Tragfähigkeit und die rechnerische

Lebensdauer der Lager bleiben vollständig erhalten.

www.schaeffler.com

Linearantrieb als platzsparende Lösung

Lineartechnik | Schmales Gehäuse, aber der Antrieb soll

große Kraft aufbringen können: Für solche Anwendungen

haben die Entwickler den elektrischen Linearantrieb

KA30 Open Spindle (OS) konzipiert.

(Bild: Linak)

Ein Anwendungsbeispiel für

den kraftvollen und leisen elektrischen

Linearantrieb KA30

Open Spindle sind Röntgen -

geräte für die Mammographie

Für Anwendungen mit begrenzt verfügbarem Bauraum – etwa in

schlanken Gehäusen –, bei denen viel Kraft benötigt wird, hat

der dänische Antriebshersteller Linak seinen elektrischen Linearantrieb

KA30 Open Spindle (OS) entwickelt.

Der flexible Antrieb lässt sich laut Hersteller vielseitig einsetzen.

Die freiliegende Spindel in

Kombination mit dem kleinen

und kompakten Motorgehäuse

soll Konstrukteuren ein hohes

Maß an Gestaltungsfreiheit bieten.

Das Motorgehäuse hat eine

Abmessung von 11,9 cm auf

15,8 cm. Die Spindellänge beträgt

50 bis 600 mm. Sie kann weit ausgefahren werden, ohne an

Stabilität zu verlieren.

Den passenden Motor gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen:

mit 2500 N, 4000 N, 6000 N oder als stärksten Motor mit

8000 N. Die Zugkraft liegt in jeder Version bei 4000 N. Im Leistungsbereich

von 2500 N und 4000 N ist der Linearantrieb KA30

Open Spindle im Vergleich zu anderen linearen Antrieben laut

Anbieter sehr schnell. Er erreicht in diesen Bereichen, bei 24 V,

Geschwindigkeiten von etwa 8 bis 11 mm/sec unter maximaler

Belastung.

Er ist vor allem für Anwendungen in Räumen interessant, in denen

Ruhe ein wichtiger ist Faktor ist. Der Motor ist mit einer Geräuschentwicklung

≤ 50 dB sehr leise. Der Hersteller entspricht

damit der Anforderung an angenehme Einsatzbedingungen für

Anwender und Patienten.

Mit dem eingebauten Hallsensor ist eine Parallelsteuerung möglich.

So können bis zu vier Antriebe parallel gesteuert und verfahren

werden.

Der KA30 Open Spindle besitzt externe Leistungsschalter. Die

Schalter, die außerhalb des Antriebs angebracht werden, schalten

die Stromversorgung des Motors. Somit ist der KA30 OS

nicht nur mit Linak-Steuerungen kompatibel, sondern auch mit

anwendereigenen Steuerungen.

www.linak.de

64 medizin&technik 06/2025


(Bild: Rodriguez)

Präzisionslager

Material sparen und die Präzision erhöhen

In vielen Spezialanwendungen

– etwa in Röntgengeräten

für Krankenhäuser und Praxen

– sind eigengefertigte Präzi -

sionslager des Herstellers Rodriguez

GmbH aus Eschweiler

im Einsatz. Maßgeschneidert

für die Anwendungen können

sie oft weitere Funktionen integrieren

und helfen, Material

zu reduzieren und Toleranzen

zu verringern.

In sehr enger Abstimmung

mit Auftraggebern entwickelt

Rodriguez maßgeschneiderte

Wälzlagerlösungen, so genannte

Value Added Products

Wenn etwa ein Röntgengerät

automatisiert den Fokus anpasst,

stellt das Anforderungen

an die Umsetzung der Bewegung,

die Standardlager oft

nicht erfüllen könnten. Angepasste

Präzisionslager sind dazu

in der Lage.

Die Entwicklungsspezialisten

des Herstellers passen dafür so

gut wie alle Produktparameter

individuell an. Das reicht von

den Abmessungen der Lager

über die Materialien der Käfige

und Wälzkörper bis zu Sonderfetten

zum Schmieren.

Werden zum Beispiel Reinraumbedingungen

in einer

Anwendung vorgegeben, verwenden

die Entwickler in ihrem

Projekt Edelstahl für den

Käfig und Keramik für die Rollen.

www.rodriguez.de

Kugelgewindetriebe

Präzise Miniaturausführung für Analysegeräte

oder Anwendungen in chirurgischen Robotern

Miniatur-Kugelgewindetriebe,

die für präzise Anwendungen

entwickelt wurden, hat die Hiwin

GmbH aus Offenburg auf

der Fachmesse Emo in Hannover

präsentiert. Sie ermöglichen

reibungsarme und wiederholgenaue

Linearbewegungen

in sehr kompakter

Bauform. So ist das feinfühlige

Positionieren in engen Raumverhältnissen

möglich – wie

etwa im Medizinumfeld bei

Anwendungen in Analysegeräten

oder chirurgischen Robotern.

Dank ihrer geringen Abmessungen

von 4 bis 12 mm

können die Kugelgewindetriebe

bei stark begrenztem Bauraum

eingesetzt werden, ohne

dass Kompromisse bei Tragkraft

oder Effizienz erforderlich

sind. Sie bieten laut Hersteller

eine langen Lebensdauer,

selbst im Dauerbetrieb. Eine

interne Gesamtumlenkung

soll den dauerhaften, gleichmäßigen

Betrieb sicherstellen.

www.hiwin.de

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(Bild: Rodriguez)

Feinfühlige Positionieren in engen Raumverhältnissen ist

auch in der Medizintechnik gefragt

06/2025 medizin&technik 65


■ [ SPECIAL ANTRIEBSTECHNIK ]

Nicht nur Werkzeugplätze,

Klemmring und Drehformhalter

in der Dentalfräs -

maschine Hedmill One sind

so ausgelegt, dass sie den

Praxisanforderungen eines

Zahntechnik-Labors ent -

sprechen

(Bild: Heds Group)

HOCHGESCHWINDIGKEIT

IN DER DENTALFRÄSMASCHINE

Entwicklungspartnerschaft mit Dentaltechnikern | Auf die Anforderungen der Dentaltechnik

zugeschnitten ist die 5-Achs-HSC-Fräsmaschine Hedmill. An ihrer Entwicklung

haben sich Dentaltechniker beteiligt. Ein High-Speed-Antrieb für die Spindel schafft

Reserven, für weitere Entwicklungen und den Einsatz in anderen Bereichen.

Die Geschichte der Dentalfräsmaschine

Hedmill One ist ein gutes Beispiel

dafür, was passiert, wenn Praktiker – in

diesem Fall Zahntechniker – sich selbst

um die Entwicklung kümmern. Sie wissen

genau, was sie im Labor brauchen. Die

Folge: eine Dentalfräsmaschine, die die

realen Anforderungen sehr gut erfüllen

kann. „Wir kommen aus der Zahntechnik.

Wir kennen die Ansprüche – und konnten

IHR STICHWORT

Fräsmaschine für den Dentalbereich

und andere Branchen

Entwickelt mit Zahntechnikern

High-Speed-Antrieb

Entwicklungspartnerschaft

diese direkt in die Entwicklung einfließen

lassen“, sagt Leon Felzmann, Geschäftsführer

der Karlsruher Heds Group GmbH.

High End Digital Smile, kurz Heds, ist

eine Gemeinschaft von Dentallaborinhabern

aus ganz Deutschland, die Zahntechnik

neu denken will. „Wir sind unab -

hängig, transparent und suchen uns unsere

Partner bewusst aus“, so Felzmann. Erklärtes

Ziel: Produk tionsprozesse optimieren

und nützliche Produkte ent -

wickeln, die auf die Bedürfnisse von

Zahntechnikern abgestimmt sind. Im Falle

der Fräsmaschine Hedmill One liegt

dieser Part in den Händen der Hedmill

GmbH & Co. KG mit Sitz in Göttingen.

Hedmill steht für High-End Digital Milling.

Die 5-Achs-HSC-Fräsmaschine für

Dentallabore passt in jeden Fahrstuhl, die

Türfarbe kann der Anwender wählen. Für

die Steuerung ist Industrie-CNC-Technik

mit einer speziell für Zahntechniker entwickelten

Benutzeroberfläche kombiniert.

Mit Leistungsreserve für mehr

als den Dentalbereich geeignet

Das Herzstück ist eine Spindel mit Leistungsreserve.

„Unsere Maschine ist für

den Dentalbereich eigentlich überdimensioniert“,

erläutert Christian Heine, Entwicklungsleiter

bei Hedmill. „Wir wollten

eine Lösung, die nie an Leistungsgrenzen

kommt – auch dann nicht, wenn sie in anderen

Bereichen wie in der Schmuckoder

Uhrenfertigung eingesetzt wird.“ Die

Spindel ist dafür die Basis – den Antrieb

dazu, den Frequenz umrichter SD4S, lieferten

die High-Speed-Spezialisten der

Sieb & Meyer AG aus Lüneburg.

Der SD4S entspricht den Anforderungen

von Hedmill mit seiner kompakten

66 medizin&technik 06/2025


(Bild: Sieb & Meyer)

Bauweise, zahlreichen bereits integrierten

Schnittstellen wie Ethercat und Profinet

und seiner hohen Taktfrequenz von

bis zu 32 kHz. „Das Gesamtpaket hat einfach

gepasst“, bringt es Christian Heine

auf den Punkt.

Die Integration in die Hedmill One verlief

nach Angaben von Heine meist reibungslos.

Dort, wo nachgeschärft werden

musste – etwa bei der Gehäuseanpassung

oder der EMV-Auslegung –, sei die Zusammenarbeit

eng und lösungsorientiert

abgelaufen.

Lorenz Förster, Key Account Manager

bei Sieb & Meyer, schätzt die Zusammenarbeit.

„Wir haben von Hedmill wertvolles

Feedback bekommen, das wir direkt in

die Weiterentwicklung unseres noch jungen

Produktes einfließen lassen konnten“,

berichtet er.

Die neue Dentalfräsmaschine ist dabei

keine Speziallösung für Nischenanwendungen.

Keramik, Metall, oder Inconel X

aus der Luft- und Raumfahrt lassen sich

darauf bearbeiten. Die Leistungsreserven

dafür sind vorhanden.

Bei der Auswahl des

Frequenzumrichters

für die Dental -

fräsmaschine Hedmill

fiel die Wahl

auf den SD4S:

wegen seiner kompakten

Bauweise,

integrierter Schnittstellen

und seiner

Taktfrequenz von

bis zu 32 kHz

WHO

ELSE?

Die eleganteste Art bis zu

40 % Fertigungskosten

zu sparen.

Markus Finselberger

Sieb & Meyer, Lüneburg

www.sieb-meyer.de

Weitere Informationen

Die Heds Group GmbH, in der sich

Zahntechniker aus ganz Deutschland

zusammengeschlossen haben,

hat ihren Sitz in Karls ruhe.

https://heds.dental

schwanog.com

06/2025 medizin&technik 67


■ [ SPECIAL ANTRIEBSTECHNIK ]

INJIZIERBARE MEDIKAMENTE

AUTOMATISIERT STERIL ABFÜLLEN

Medikamentenabfüllung | Kompakte, automatisierte Systeme sind heute in der Lage,

mechanische Abfüllanlagen für Medikamente zu ersetzen. Das italienische Unternehmen

Pharma Integration baut solche Maschinen speziell für die Anforderungen biotechnologischer

Arzneimittel. In den Anlagen sind Antriebe von Faulhaber am Start.

block-Lösung, die als miniaturisierte

Reinraumstruktur mit vier Robotermodulen

arbeitet. Sie eignet sich für die industrielle

Produktion im großen Maßstab.

(Bild: kuzmick/stock.adobe.com)

Das Abfüllen biotechnologisch hergestellter,

injizierbarer Medikamente stellt hohe

Anforderungen an die Anlagen. Eine neue

Generation automatisierter und roboter -

gestützter Systeme soll die Sicherheit in

diesem Prozess steigern

Damit Patienten Medikamente sicher

einnehmen können, müssen Arzneimittel

in steriler Umgebung hergestellt,

abgefüllt und verpackt werden. Dies gilt

insbesondere für injizierbare Medikamente.

Unversehrtheit und Sicherheit solcher

Arzneimittel werden durch Kontrollen,

Spezialausrüstung und sorgfältige Verpackungsprozesse

gewährleistet.

Für neue biotechnologisch hergestellte,

injizierbare Medikamente sollen die

Azurra-Maschinen des italienischen Maschinenbauers

Pharma Integration aus

Siena den pharmazeutischen Fill-Fini -

shing-Prozess effizienter machen – also

den letzten Schritt im Prozess, in dem das

Arzneimittel in seine sterile Verpackung

gelangt und für den Versand vorbereitet

wird. Die automatisierten Anlagen arbeiten

zu 100 % robotergestützt und nutzen

Industrie-4.0-Technologien. Dass kein

menschliches Eingreifen erforderlich ist,

soll sowohl Kontaminationsrisiken als

auch menschliche Fehler reduzieren.

Eine steigende Nachfrage nach biotechnologischen,

injizierbaren Arzneimitteln

lässt sich mit den automatisierten Anlagen

bedienen. Die Lösung ist kompakt

sowie flexibel und skalierbar konzipiert.

Sie wird sowohl Kleinserien in Forschung

und Entwicklung gerecht als auch den Anforderungen

der industriellen Massenproduktion.

Die Azzurra-Systeme gibt es daher in

drei Ausführungen: Azzurra Micro ist eine

Monoblock-Lösung unter einem Isolator

mit zwei Robotermodulen. Azzurra Small

nutzt vier Robotermodule und wurde für

die kommerzielle Produktion entwickelt.

Azzurra FAB wiederum ist eine Mono-

(Bild: Faulhaber)

Präzise Antriebe bewegen

die Behälter zuverlässig

Um die Behälter mit den Medikamenten

präzise und sanft zu handhaben, sind unter

anderem die bürstenlosen Motoren

der Familie BX4 im Einsatz, die die Schön -

aicher Dr. Fritz Faulhaber GmbH & Co. KG

anbietet. Wichtig ist etwa der Verschließprozess:

Die Motoren gewährleisten hier,

dass die Behälter korrekt und zuverlässig

verschlossen werden. Andere Antriebe

bewegen Platten für die Umweltüberwachung,

mit denen nachgewiesen wird,

dass in der pharmazeutischen Herstellung

sterile Bedingungen herrschen. Spezielle

Behälter, in denen Fläschchen,

Spritzen oder Kartuschen in die Maschine

gebracht werden und die als Tubs und

Nests bezeichnet werden, werden ebenfalls

mit Faulhaber-Antrieben bewegt.

Die Größe und die präzisen Steuerungsmöglichkeiten,

beispielsweise mit

dem Motion Controller MC3603, ermöglichen

eine effiziente Steuerung auch im

begrenzten Maschineninnenraum. (op)■

www.faulhaber.com,

Auf der Compamed: Halle 8b, Stand H27;

www.pharma-integration.it

Die Kleinmotoren vom Typ BX4

bieten ein hohes Drehmoment

und nutzen die 4-Pol-Technologie,

was ihnen Drehzahlsteifigkeit

verleiht

68 medizin&technik 06/2025


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06/2025 medizin&technik 69


■ [ SPECIAL ANTRIEBSTECHNIK ]

GALAXIE-ANTRIEB SORGT FÜR

PRÄZISE KAPSELBEFÜLLUNG

Präzisionsgetriebe | Für seine neuen Kapselfüllmaschinen der Baureihe Modu-C CS

suchte Hersteller Harro Höfliger eine integrierte und einbaufertige Antriebseinheit.

Der kompakte Nullspiel-Aktuator Galaxie D135 von Wittenstein Galaxie erwies sich

als Lösung, weil er nicht nur in der Anwendung selbst viele Vorteile bietet.

IHR STICHWORT

Integrierte Antriebseinheit für präzise

Rundtischbewegung

Flexibilität und Effizienz in der

Medizin- und Pharma-Produktion

Prozesssicher und wartungsfreundlich

„Support über Auslegungstools und persönlicher Beratung, Prüfung von Optimierungs- und

Downsizingpotenzialen, Unterstützung bei der Inbetriebnahme – all dies zeichnet unsere

langjährige Zusammenarbeit aus“, bestätigt Florian Huhnen, Konstrukteur bei Harro Höfliger

(links), im Gespräch mit Sven Sanitz, Business Development Manager bei Wittenstein

Galaxie (rechts)

Spielfreiheit, hohe Steifigkeit, Tragfähigkeit

und dynamische Positioniergenauigkeit,

sehr gute Gleichlaufeigenschaften,

Verschleißfreiheit und eine große

Hohlwelle machen das Galaxie D135

der Galaxie Robustness Line zu einer

technologisch führenden Lösung im

Markt der Präzisionsgetriebe. „Die Kompaktheit

des Galaxie-Antriebs gepaart mit

diesen spezifischen Charakteristiken ermöglichen

den perfekten Fit in die Anwendung

und den vorhandenen Bauraum“,

erklärt Florian Huhnen, Konstrukteur

bei Harro Höfliger.

Die Harro Höfliger Verpackungsmaschinen

GmbH in Allmersbach ist Anbieter

von kundenorientierten Prozesslösungen

und Produktionsmaschinen für pharmazeutische

und medizinische Anwendungen.

Die Kapselfüllmaschinen der Modu-C-Reihe

sind ein wichtiger Bestandteil

des Maschinenportfolios. Die neueste Entwicklung

ist die Modu-C CS, auf der Pulver

und Pellets in stündlich bis zu 43500

Kapseln gefüllt werden können. Sie wurde

für kleinere bis mittlere Output-Segmente

konzipiert, beispielsweise für

R&D-Anwendungen, für kleine Chargen

oder die Auftragsabfüllung. Zudem kann

sie für eine hocheffiziente, kommerzielle

Kapselbefüllung im kleinen Maßstab eingesetzt

werden. „Die Kapseln werden per

Segmentrundlauf durch die Maschine geführt,

ein patentiertes Trolley-System ermöglicht

einen schnellen Wechsel zwischen

den Dosiersystemen für alle gängigen

Füllgüter“, zählt Huhnen zwei der besonderen

Merkmale der Modu-C CS auf.

Und schon diese lassen erahnen, wie

wichtig kinematische Flexibilität und

Vielseitigkeit als Performance-Plus für die

Maschine sind. Folgerichtig hat sich Harro

Höfliger bei der Umsetzung des elektrischen

Antriebskonzeptes Gedanken über

eine effiziente Lösung speziell für die Modu-C

CS gemacht.

„Die getaktete Rundtischbewegung in

der Modu-C wird üblicherweise mittels

Schrittschaltgetriebe umgesetzt, an dessen

kontinuierlich laufendem Antrieb vie-

le weitere Bewegungen hängen, die in der

Rastphase Bearbeitungsschritte durchführen“,

so Huhnen. „Ein wesentlicher

Nachteil für die Anwendung in der CS-

Ausführung war, dass bei jeder Taktzahlreduzierung

unnötigerweise auch die

Rundtischbewegung reduziert wurde.“

Um für zukünftige Anforderungen mehr

Möglichkeiten zu haben, suchten er und

seine Kollegen daher nach einer Alternative,

um die Antriebe für Rundtisch und Bearbeitungsstationen

zu entkoppeln.

„Mit dem Aktuator D135 der Galaxie

Robustness Line mit 45-mm-Hohlwelle

konnten wir Harro Höfliger eine integrierte

und einbaufertige Antriebseinheit inklusive

Lagerung anbieten“, berichtet

(Bild: Wittenstein)

70 medizin&technik 06/2025


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VIEWEG

simply dispensing

(Bild: Wittenstein)

Das Präzisionsgetriebe

Galaxie D135

gehört zur Galaxie

Robustness Line. Es

weist Spielfreiheit

sowie eine hohe

Steifigkeit und dynamische

Positioniergenauigkeit.

Es

verfügt über eine

große Hohwelle

und läuft verschleißfrei

Sven Sanitz, Business Development Manager

bei der Wittenstein Galaxie GmbH.

„Harro Höfliger benötigt jetzt nur noch eine

Komponente und reduziert dadurch

den Aufwand in Beschaffung, Kommissionierung,

Bereitstellung, Qualitätssicherung

und Montage.“ Für den Anschluss an

den Servocontroller ist der Aktuator mit

einem Absolutgeber mit kompatibler

Hiperface-Schnittstelle ausgestattet.

Individuell optimierte

Bewegungsprofile

Durch den neuen Hochleistungs-Servoaktuator

von Wittenstein war Harro Höfliger

in der Lage, die geplanten Leistungsund

Produktivitätswerte umzusetzen. So

können Bewegungsprofile je nach Anwendung

optimiert und an die Dosierung angepasst

werden, um die Kapseln selbst bei

hohen Taktzahlen sicher zu befüllen und

zu verschließen. Verarbeiten lassen sich

dabei Leerkapseln von der größten Dimension

„000“ bis zur kleinsten Ausführung

„5“. Auf einem eigens dafür konzipierten

Teststand hat der Maschinenhersteller

alle Faktoren über mehrere hundert

Stunden hinweg getestet. „Dabei hat

der Servoaktuator seine Eignung in vollem

Umfang bewiesen. Gleichzeitig zeigte

sich, dass der hohe Wirkungsgrad des Galaxie

Antriebs wesentlich dazu beiträgt,

dass aufgrund der nur geringen Wärmeentwicklung

auf eine Wasserkühlung

verzichtet werden kann.“

Harro Höfliger und Wittenstein Galaxie

verbindet eine mehr als 25-jährige Partnerschaft.

Weitere Anwendungsprojekte

stehen deshalb bereits auf der gemeinsamen

Agenda der Prozessspezialisten und

des Antriebsherstellers.

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06/2025 medizin&technik 71


■ [ FOKUS FORSCHUNG ]

Warum Implantate

im Körper versagen können

Materialwissenschaft | Was passiert mit Titan-Implantaten im Körper? Die Empa-

Forscherin Martina Cihova sucht Antworten auf diese Frage an der Grenzfläche

zwischen Implantat und Körper. Für ihr Forschungsvorhaben hat sie vor Kurzem einen

Ambizione-Grant des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) erhalten.

Menschen leben immer länger und

wollen bis ins hohe Alter gesund

und mobil bleiben – Implantate tragen dazu

bei. Sie sind kleine Wunderwerke der

Biomaterial- und der Bioingenieurskunst.

Dennoch kommt es gelegentlich zum Versagen

von Implantaten. Aber warum –

und warum nimmt das in den letzten Jahren

eher zu als ab? Die Empa-Forscherin

Martina Cihova aus dem Labor Fügetechnologie

und Korrosion will dazu Antworten

finden. Dafür nimmt sie das Verhalten

von Implantaten im Körper unter die Lupe.

Für ihr Forschungsvorhaben hat die

Wissenschaftlerin einen vierjährigen Ambizione-Grant

des Schweizerischen Nationalfonds

erhalten.

Viele Implantate – darunter künstliche

Gelenke, Zahnimplantate und Herzschrittmacher

– bestehen aus Titan. Dieses

Übergangsmetall ist leicht und stabil,

im Körper sehr beständig und lässt Knochen

besonders gut anwachsen. Für diese

Eigenschaften ist eine dünne Oxidschicht

verantwortlich, die sich bei Kontakt mit

Luft an der Titanoberfläche bildet. So ist

es nicht das Titan selbst, sondern die

schützende Schicht auf der Oberfläche,

die mit dem Körper in Kontakt kommt.

„Da diese natürliche Passivschicht weniger

als zehn Nanometer dick ist, wird sie

in der Medizintechnologie und Forschung

oft zu wenig beachtet“, so Cihova.

IHR STICHWORT

Implantate und mögliche Schäden

Rolle der Titanoxid-Schichten

Kontakt mit Körperflüssigkeiten

Einfluss von Proteinen

Verbesserte Implantate

Wie der Körper die Oberfläche von Titanimplantaten angreifen kann, untersucht

Empa-Forscherin Martina Cihova

Hinzu kommt, dass manche Hersteller

die Oxidschicht verändern, etwa verdicken,

um unterschiedlichen Implantatgrößen

oder -modellen eine Farbcodierung

zu verleihen und Ärzten so die Arbeit

zu erleichtern. Andere rauen die Oberfläche

der Implantate auf, damit der Knochen

besser anwachsen kann – oder gravieren

per Laser die Seriennummer ein.

Auch 3D-Druck von patientenspezifischen

Implantaten ist mittels Laserverfahren

möglich. Alles sinnvolle Anwendungen,

nur: „Jegliche Oberflächenbehandlung

kann die Titanoxide an der Oberfläche

verändern“, weiß Cihova, „und es ist

zu wenig erforscht, was das für die Interaktion

des Implantats mit dem Körper

und für seine Korrosionsbeständigkeit bedeutet.“

Diese Wissenslücke will die Empa-Forscherin

schließen. Schon als Bioingenieur-Studentin

begeisterte sich Cihova

für Materialwissenschaften. Daher schlug

sie für ihr Doktorat einen neuen Weg ein –

die Metallurgie –, um sich genauer mit

Materialien zu befassen. Nun richtet sie

ihre Expertise auf die Stelle, wo Metalloxide

und Biologie aufeinandertreffen: die

Grenzfläche zwischen Implantat und

menschlichem Körper.

„Solche Biogrenzflächen sind hochkomplex,

aber auch äußerst interessant“,

sagt die Forscherin. „Wenn man an Korrosion

denkt, dann denkt man an salziges

Meerwasser, feuchte Luft, vielleicht das

rostige Velo – aber nicht an den menschlichen

Körper.“ Dabei kann gerade der eine

durchaus überraschend aggressive Umge-

(Bild: Empa)

72 medizin&technik 06/2025


bung bieten, insbesondere, wenn Immunreaktionen

stattfinden. Immunzellen geben

diverse Stoffe ab, die unter anderem

den pH-Wert senken und das Implantat

angreifen können. Was macht der Körper

also mit Materialien, die wir als stabil ansehen?

Die Vorgänge auf (elektro-)chemischer

und biologischer Ebene sind komplex. Dazu

kommt, dass Titanoxid drei unterschiedliche

kristalline Formen annehmen

oder amorph, sozusagen strukturell undefiniert,

vorliegen kann. All diese Formen

unterscheiden sich in elektronischen und

elektrochemischen Eigenschaften und somit

potenziell auch in ihren Wechselwirkungen

mit dem Körper.

Die Oberflächenbehandlung von Implantaten

kann die Kristallformen der

Oxide verändern, am gesamten Implantat

oder nur punktuell. Um die Auswirkungen

insbesondere dieser lokalen Heterogenität

auf die komplexe Biogrenzfläche

zu verstehen, braucht es ein strukturiertes

Vorgehen. Zunächst stellen Cihova und

ihr Team in Zusammenarbeit mit den

Empa-Experten für Laserverarbeitung

von Metallen in Thun Mustersubstrate

mit unterschiedlich strukturierten Titanoxidschichten

her, die systematisch variieren.

Diese werden dann sukzessive immer

komplexeren Körperflüssigkeiten

ausgesetzt, um die fundamentalen Zusammenhänge

von Struktur, Eigenschaften

und Reaktivität der Oxide zu untersuchen.

Erst Wasser und Salze, später

Proteine und Zellen testen

„Wir beginnen mit simulierten physiologischen

Flüssigkeiten, die lediglich Wasser

und Ionen enthalten“, erklärt Cihova.

Dann kommen Proteine hinzu. Schließlich

planen die Forschenden zu untersuchen,

wie sich die Biogrenzfläche in Kontakt

mit lebenden Makrophagen-Zellen –

der Polizei des Körpers – verhält. Dafür arbeiten

sie mit Empa-Forschenden in St.

Gallen zusammen. „Ich freue mich sehr,

dass wir für dieses Projekt Kolleginnen

und Kollegen aller drei Empa-Standorte

begeistern konnten“, sagt Cihova. „Das

ermöglicht es uns, solche komplexen Fragestellungen

interdisziplinär anzugehen.“

Bei jedem der Schritte werden die Grenzflächen

mittels elektrochemischer Me -

thoden und mit hochauflösender Elektronen-

und Rasterkraftmikroskopie untersucht.

Die Empa-Forscherin hofft, dass die Erkenntnisse

zu sichereren und stabileren

Implantaten führen. Und auch, „dass wir

mehr darüber lernen, wie sich die faszinierende

Bandbreite von Oxideigenschaften

gezielt in der Biomedizin nutzen

lässt.“ Im Anschluss an ihr Ambizione-

Projekt 2028 will sie die Methoden auf

andere medizinische Materialien ausweiten.

„Auch in den aufstrebenden Bereichen

der Nanomedizin oder der implantierbaren

Sensorik ist das Verhalten von

Metalloxiden an Biogrenzflächen für deren

Performance zentral.“ (op) ■

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06/2025 medizin&technik 73


■ [ RECHT ]

Wenn eine Behörde

wie die FDA grundlegend

auf den Einsatz

von KI umstellt,

geraten Unternehmen

unter Zugzwang

(Bild: Supapich/stock.adobe.com)

FDA macht KI zum Standard: Was die

Medizintechnik in der EU tun muss

KI in Behörden und Unternehmen | Die US-amerikanische FDA hat den flächendeckenden Einsatz

generativer KI in allen Zulassungsprozessen angekündigt. Damit startet die Zulassungsbehörde

einen globalen Systemwechsel, der über die USA hinausstrahlen und die Medizintechnik verändern

wird. Was Hersteller jetzt tun können.

Im Juni 2025 hat die FDA ihre KI-Plattform

„Elsa“ offiziell gestartet – betrieben

auf AWS Govcloud. Sie ist ausgelegt

darauf, Review-Zyklen von Wochen auf

Stunden zu verkürzen, bei gleichzeitig lückenloser

Protokollierung jedes Schritts.

Die Ernennung von Jeremy Walsh zum

Chief AI Officer und die Einführung einer

formellen AI-Governance verdeutlichen:

KI ist in den USA zum strategischen Kernelement

der Regulierungsarbeit geworden.

Ziel ist es, wissenschaftliches Personal

zu entlasten, die Prüfqualität zu erhöhen

und die regulatorischen Durchlaufzeiten

deutlich zu verkürzen.

Nach einer erfolgreichen Startphase

scheint der Roll-out allerdings auch auf

Probleme zu stoßen: Mitarbeiter beklagen

laut einem Bericht von CNN falsche Antworten

und viel manuelles Nachprüfen.

Walsh und die FDA-Führung lassen sich

IHR STICHWORT

Wie die FDA KI künftig nutzen will

Was die EU tun könnte

Anforderungen an europäische

Medizinproduktehersteller

KI-Einführung im Unternehmen

davon nicht beirren und weisen auf umfassende

geplante Verbesserungen hin.

Bisher basieren Zulassungsverfahren

auf Word-Dossiers, PDFs und manuellen

Checklisten – Formate, die sich nur

schwer automatisiert verarbeiten lassen.

In Zukunft setzen Behörden daher auf

strukturierte Datenmodelle (wie FDA

E-Star). Der Trend zu noch stärker strukturierten

Zulassungen dürfte sich weltweit

fortsetzen. In Projekten wie „Elsa“

kommen bereits NLP-gestützte Verfahren

zum Einsatz, um Inhalte automatisch zu

extrahieren und mit regulatorischen Vorgaben

abzugleichen. Ziel ist, dass Fachleute

künftig vor allem Abweichungen

und KI-Vorschläge prüfen – stets im Human-in-the-loop-Verfahren,

das die FDA

bereits heute vorschreibt.

Vor dem aktuellen Vorstoß der FDA

gab es schon 2023 in Kanada und 2024 in

Europa erste Versuche, KI auch auf Behördenseite

intensiver zu nutzen. Mit ihren

Piloten blieben Health Canada und die

EMA aber auf einzelne Produktkategorien

beschränkt.

Die FDA geht deutlich weiter: Sie überträgt

KI-Reviews in den operativen Alltag

aller Zulassungsverfahren und setzt damit

neue Maßstäbe für Geschwindigkeit, Konsistenz

und Nachvollziehbarkeit. Die Entschlossenheit

und das Tempo, mit denen

die US-Behörde ihr KI-Programm vorantreibt,

kamen für viele Beobachter überraschend.

Auch für europäische Hersteller von

Medizinprodukten – insbesondere solche

mit Zulassungspflicht in den USA – ist diese

Entwicklung relevant. Sie dürfte alle

mittleren und großen Unternehmen sofort

betreffen, unabhängig vom Hauptsitz

– auch wenn es seitens der FDA bisher

noch keine konkreten Vorgaben gibt.

Zudem ist davon auszugehen, dass

Europa nachziehen wird – wenn auch vermutlich

in langsamerem Tempo. Mit der

seit 2021 umgesetzten MDR hat Europa

bereits strukturiertes technisches Dossier-

Management vorgeschrieben. Was jedoch

bisher fehlt, sind verbindliche Datenmodelle,

Vorgaben für maschinenlesbare

Formate und eine behördliche AI-Roadmap.

Die anstehende MDR-Überarbeitung

bietet nun die Chance, genau solche Leitplanken

zu setzen:

• einheitliche Daten-Ökosysteme,

• Qualitätsmetriken für KI-gestützte Reviews

und

• verbindlich implementierte Human-inthe-loop-Prozesse.

Damit ließe sich eine tragfähige Grundlage

für automatisierte, nachvollziehbare

Zulassungsverfahren schaffen – auch in

74 medizin&technik 06/2025


der EU. Laut International Medical Device

Regulators Forum (IMDRF) ist eine Harmonisierung

geplant, und Benannte Stellen

prüfen bereits mit KI.

Bei Entscheidern in Medizintechnik -

unternehmen hat die Ankündigung der

FDA für Unruhe gesorgt – und das zu

Recht. Wenn Regulierungsbehörden jetzt

schon Tools einsetzen, die Unternehmen

selbst noch nicht nutzen, kann das zum

Problem werden. Unabhängig von der europäischen

Reaktion müssen sich Hersteller

auf einen Wandel in Zulassungen und

Audits einstellen und auf die KI-Zukunft

vorbereiten. Das geht alle an, von der Forschung

und Entwicklung über die Regulatory-Teams

bis hin zur Führungsetage.

Diese Veränderungen können aber

auch eine Chance sein. Mit drei Maßnahmen

lassen sich Audit- und Zulassungs -

sicherheit erhöhen, Prozesse effizienter

gestalten und die bereichsübergreifende

Zusammenarbeit stärken.

Es geht zum Ersten darum, die regulatorische

Konformität strukturiert mit vernetzten

Daten nachzuweisen. Dafür werden

künftig verknüpfte Datenobjekte statt

einzelne PDFs und Tabellen gebraucht.

Eine KI kann dann feingranular regulatorische

Anforderungen Schritt für Schritt

prüfen und für jede Anforderung einen

Nachweis oder eine Erklärung suchen.

Strategischer

Schritt hin zur KI

Die Einführung KI-basierter Abläufe

im Unternehmen ist für Medizinproduktehersteller

eher eine strategische

Entscheidung als ein IT-Projekt.

Sie verändert grundlegend, wie Produktentwicklung

dokumentiert,

durchgeführt und überprüft wird –

auch für Lifecycle-Projekte. Gleichzeitig

schafft sie Raum dafür, dass

sich Teams um wertschöpfende Tätigkeiten

kümmern können.

Der Proof-of-Concept für so einen

Schritt dauert in der Regel sechs bis

acht Wochen – und liefert messbare

Ergebnisse. Ein Roll-out kann danach

starten und graduell erfolgen. Erste

R&D-Projekte lassen sich innerhalb

von zwei bis drei Monaten mit KI-generierten

Daten versorgen.

Sind Dossiers nicht entsprechend aufgebaut

und klar vernetzt oder fehlen gar

einzelne Nachweise, kann dies rasch als

mangelnde Compliance aufgefasst werden.

KI kann helfen, alle Anforderungen

lückenlos zu erfassen und die entsprechenden

Vernetzungen systematisch und

automatisiert zu erstellen.

KI ist beim Prüfen und

Vernetzen deutlich schneller

Zum Zweiten lässt sich KI als Effizienztreiber

einsetzen. Manuelle Extraktion,

Prüfung und Vernetzung erledigt KI stat

in Wochen in Stunden. Sie erkennt relevante

Passagen, extrahiert strukturierte

Informationen und integriert diese in zentrale

Systeme. Somit lassen sich Regularien

und deren Anforderungen wie auch

interne Dokumente rasch in Datenobjekte

umwandeln und vernetzen. Überträgt

man das einer KI, entfallen viele Dokumentationsaufwände,

für die Experten

Tage brauchten. Dazu zählen etwa das

Führen einer Traceability-Matrix, das

Schreiben von Requirements und Tests

oder das Erstellen von GPSR-Checklisten.

Die neue Verordnung 2023/988 zur allgemeinen

Produkt sicher heit (General Product

Safety Regulation – GPSR) hatte die

EU im Mai 2023 im europäischen Amtsblatt

veröffentlicht.

Zum Dritten ist es wichtig, Mitarbeiter

fit zu machen. Der Einsatz von KI verschiebt

nicht nur technische Abläufe, sondern

auch Aufgabenprofile. Regulatory

Affairs, Qualitätssicherung und F&E müssen

künftig stärker Hand in Hand agieren

– auf Basis gemeinsamer Datenmodelle

und Systeme. Dafür sind neue Kompetenzen

gefragt: vom Verständnis für Datenflüsse

über das kritische Einordnen von

KI-Ergebnissen bis hin zu Audit-sicherer

Dokumentation. Klare Rollenbeschreibungen,

gezielte Fortbildungen und agile

Strukturen helfen, Silos abzubauen – und

fördern eine Unternehmenskultur, die

kontinuierliche Optimierung ermöglicht.

Die FDA macht vor, wie die regulatorische

Zukunft aussieht. Für Hersteller ist

das ein Handlungsauftrag, datenbasiert

zu arbeiten, KI-Workflows einzuführen

und Teams weiterzubilden. Nur so bleibt

Europas Medizintechnik im globalen

Wettbewerb langfristig erfolgreich. ■

David Boutellier

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■ [ MANAGEMENT ]

Mit modernen Softwaresystemen und

-prozessen die Entwicklung optimieren

Application Lifecycle Management (ALM) | Die Einhaltung von Regularien ist eine enorme

Herausforderung für Medizintechnikhersteller – vor allem, weil sie gleichzeitig effizient und

hochinnovativ arbeiten müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Geschäftsbereich Neuromodulation

von Medtronic hat das Dilemma mit einer zeitgemäßen ALM-Software gelöst.

(Bild: PTC)

Die Neuromodulationsabteilung von Medtronic implementierte Codebeamer von PTC, um

Probleme zu lösen, die das vorherige Software-Ökosystem nicht effizient lösen konnte

Compliance waren leistungsstarke Kernfunktionen

– wie Anforderungsmanagement,

Quellcodeverwaltung, Qualitätssicherung,

Testfunktionen und Dokumentenmanagement

– entscheidend. Zur Bewertung

zog Medtronic verschiedene Systeme

wie Atlassian Jira, Jama, Polarion

ALM, Version One, Rally und Codebeamer

heran. Die Wahl fiel auf Codebeamer, insbesondere

aufgrund der umfangreichen

Funktionen im Asset-Management, der

vollständigen Rückverfolgbarkeit, der erweiterten

Testmöglichkeiten und der

etablierten Best Practices rund um ALM

und Compliance. „Wir mussten die Kundenbedürfnisse

erfassen und sie bis hin zu

den Produktanforderungen, dem Design,

den Tests und dem Quellcode zurückverfolgen.

Codebeamer war das einzige Tool,

mit dem wir dies auf reibungslose Weise

tun konnten“, berichtet Sarb Singh-Kaur.

IHR STICHWORT

PLM-Software für Medizinprodukte

Von Insellösungen zur integrierten

ALM-Plattform

Usability und Rückverfolgbarkeit

Compliance-Anforderungen steuern

Medtronic zählt zu den Pionieren der

elektrischen Stimulation in der Medizintechnik

und entwickelt innovative

Therapien für chronische Erkrankungen

wie Parkinson, Herzinsuffizienz und Diabetes.

Im Geschäftsbereich Neuromodulation

nutzte das Softwareteam eine Vielzahl

von Tools, um Produktanforderungen

in agilen Entwicklungsprozessen zu

verwalten. Die fehlende Integration dieser

Einzellösungen erschwerte jedoch die

Transparenz, insbesondere bei der Rückverfolgbarkeit

von Anforderungen bis

zum Quellcode und beim Export audit -

relevanter FDA-Dokumente. Um die Zusammenarbeit

von 250 Entwicklern und

Stakeholdern effizienter zu gestalten und

dem Ziel von Director Sarb Singh-Kaur

gerecht zu werden, Neuromodulation zu

einer modernen, integrierten Entwicklungsumgebung

zu transformieren, suchte

Medtronic gezielt nach einer flexiblen,

cloudbasierten ALM-Lösung. Diese sollte

agile Methoden, Entwicklung und Dokumentation

in einer skalierbaren Plattform

zusammenführen.

In erster Linie suchte das Team nach einer

nutzerfreundlichen Lösung mit übersichtlicher

Visualisierung und komfortabler

Navigation. Neben Rückverfolgbarkeit

und flexiblen Konfigurationsoptionen für

Tool Codebeamer treibt den

Wandel voran

Für die Migration wurden Daten aus den

bisherigen Tools mithilfe von APIs und

den Importfunktionen von Codebeamer

übertragen und die neue ALM-Software

zunächst auf einem Testserver eingerichtet.

Nach erfolgreicher Tool-Validierung

innerhalb von vier Wochen ging der Codebeamer

an den Start. Das Neuromodula -

tions-Team konfigurierte individuelle Tracker,

Projekte, Rollen und Workflows, um

die neuen internen Prozesse zu etablieren.

„Wir haben unsere Prozesse komplett

umgestaltet und Codebeamer als Tool genutzt,

um diesen Wandel voranzutreiben“,

so Sarb Singh-Kaur.

Die Produkte von Medtronic Neuromodulation

unterliegen strengen Normen

wie IEC 62304, IEC 82304, IEC 60601–1,

ISO 13485, ISO 14971 und verschiedenen

FDA-Vorschriften. Mithilfe der vorkonfi-

76 medizin&technik 06/2025


gurierten IEC 62304-Vorlage und individuell

angepasster Workflows in Codebeamer

konnte Medtronic die Compliance effizient

sicherstellen. Funktionen für Business

Process Management, Risikomanagement,

Qualitätssicherung, Tests und

elektronische Signaturen unterstützten

dabei die Umsetzung der regulatorischen

Vorgaben. Dank der automatischen Dokumentation

und der konfigurierbaren Berichtsoptionen

konnte der Aufwand für

Validierungsaudits deutlich reduziert

werden. Die Erstellung von Berichten zu

Entwicklungsprozessen ist nun schnell

und unkompliziert.

Auch die weitere Zusammenarbeit profitierte:

Die integrierte Single-Repository-

Architektur von Codebeamer ermöglicht

projektübergreifende Referenzierung und

many-to-many-Beziehungen über den gesamten

Produktlebenszyklus hinweg.

Rückverfolgbarkeit, Transparenz und Prozessmanagement

wurden deutlich verbessert,

da Workflows und Prozesse jetzt

zentral gesteuert und visualisiert werden.

Das gemeinsame Dokumentenmanagement

sorgt für Versionskontrolle, Nachvollziehbarkeit

und erleichtert den Audittrail.

Für den Wissensaustausch steht dem

Team eine versionierte Wissensdatenbank

mit interaktiven Dashboards zur Verfügung.

Die Erstellung von Baselines und

der Umgang mit Testfällen – von der Planung

über die Durchführung bis zur Auswertung

– sind durch die zentrale Plattform

stark vereinfacht. Das Reporting

über sämtliche Prozesse, Rückverfolgbarkeit

und Zugriffskontrolle erfolgt nun effizient

und transparent.

Codebeamer hat Medtronic innerhalb

weniger Wochen ermöglicht, Herausforderungen

zu bewältigen, die viele Entwicklerteams

für Medizingeräte und Embedded

Software kennen. Die Anwenderzahl

stieg rasch von zunächst 200 auf 250.

Aktuell prüft Medtronic, die Lösung auch

in weiteren Abteilungen einzusetzen. ■

René Zölfl,

PTC, München

ALM auf einen Blick

Die Anwendungslebenszyklus-Verwaltung

(Application Lifecycle Management,

ALM) ist der strategische Prozess des Verwaltens

eines Software- oder Produkt-Lebenszyklus

von der ersten Idee über den

Entwurf, die Entwicklung, das Testen, die

Bereitstellung und das Ende des Lebenszyklus.

ALM ermöglicht Softwareingenieur-Teams

die Zusammenarbeit an Projekten

unter Verwendung bewährter agiler

Methoden und zuverlässiger, aktueller

Informationen. Es hilft dabei, die Komplexität

der modernen Softwareentwicklung

zu managen. Codebeamer erweitert

ALM um Funktionen zur Konfiguration

von Produktlinien und bietet eine Konfigurierbarkeit

für komplexe Prozesse. Die

Lösung ermöglicht digitale Workflows für

effizientes gemeinsames Arbeiten an der

Entwicklung und unterstützt die Einhaltung

gesetzlicher Vorschriften.

www.ptc.com

06/2025 medizin&technik 77


■ ■ [ MEDIZINTECHNIK INSIGHT ]

KRISENVORSORGE BEDEUTET

GUTE VORBEREITUNG – JETZT

Was die Medizintechnik leisten könnte | Eine Krisensituation oder gar ein Kriegsszenario

fordern von allen, anders zu handeln als im gewohnten Alltag. Vorbereitungen dafür sind

auch für Medizintechnik-Unternehmen wichtig, sagt Stefan Geiselbrechtinger. Er betrachtet

das Thema in seiner Rolle als Geschäftsführer des Orthesenherstellers Oped, aber auch

aus Sicht einer neu gegründeten BVMed-Taskforce.

■ Skalierbares Dual-Use-System struktur: Da glaubt eigentlich niemand, durchgespielt werden. Wie viele Verwundete

eher, dass eine Strategie dahintersteckt.

Ich persönlich hoffe, dass es

nicht zu einer ernsteren Krise kommen

wird. Aber falls doch, wäre es besser,

darauf vorbereitet zu sein. Dazu laufen

derzeit viele Gespräche zu vielen Aspekten

der Vorbereitung. Die Gesundheitsversorgung

ist einer davon. Darüber

sprechen Politiker und Fachleute bei der

Bundeswehr, die sich mit Medizinern

und Krankenhäusern austauschen –

und inzwischen auch mit der Medizintechnik,

die in einem solchen Szenario

natürlich eine Rolle spielt.

■ Wie stark ist die Medizintechnik-

Branche bisher eingebunden?

Wir stehen als Branche noch am Anfang.

Bisher war die Lesart eher, dass

die Medizintechnik „ja eh da“ sei. Aber

auch eine Industriesparte muss sich natürlich

vorbereiten, und darüber haben

wir in den vergangenen Monaten mit

vielen Stellen gesprochen. Inzwischen

gibt es Interesse am Austausch mit den

Medizinprodukteherstellern. Das Ziel

Stefan Geiselbrechtinger ist Geschäftsführer des Orthesenherstellers Oped im

ist allerdings nicht das Gespräch mit

bayrischen Valley und beteiligt sich als Vorstandsmitglied des BVMed an der

einzelnen Unternehmen, sondern das

Taskforce „Zivilschutz und Katastrophenvorsorge“

Definieren einer gemeinsamen Strategie

für die Branche. Der BVMed hat dazu

die Taskforce Zivilschutz und Krisenvorsorge

gegründet, in der ich mitarbeite.

■ Herr Geiselbrechtinger, wie wichtig ist

Wir haben uns schon einige Male

IHR STICHWORT

Gesundheitsversorgung in Krisenzeiten? getroffen und Ideen erarbeitet und setzen

unsere Treffen jetzt im Herbst fort.

Wer spricht dazu gerade mit wem?

Rolle der Medizintechnik-Industrie

im Krisenfall jetzt definieren

Gemeinsame Strategie

Digitalisierung nutzen

Dass eine Krise eintreten könnte, ist

derzeit ein intensiv diskutiertes Thema.

Berichte über Drohnensichtungen und

Verletzungen des Nato-Luftraums,

Hackerangriffe und lahmgelegte Infra-

■ Was sind die bisherigen Erkenntnisse?

Wenn Sie sich mit Ärzten oder Experten

der Bundeswehr unterhalten, geht es in

deren Überlegungen um Szenarien, die

dass das alles Zufälle sind, sondern

wären zu erwarten, wo

wer-

(Bild: BVMed)

78 medizin&technik 06/2025


den Menschen verletzt, wo kann man

sie behandeln, wie erfolgt die Verteilung

auf zivile Krankenhäuser. Dabei

taucht unter anderem die Frage auf,

mit welchen Medizinprodukten man sie

versorgt. Wie viel davon ist wo verfügbar?

Wie resilient ist die Produktion?

Wie schnell kann die Industrie die Lieferungen

hochfahren? Und man stößt auf

Themen, die das eigene Unternehmen

betreffen. Zum Beispiel die, wie viele

und welche Mitarbeiter mir eigentlich

im Krisenfall zur Verfügung stehen –

Es geht nicht um Vorteile

für Einzelne, sondern um

eine Branchenstrategie

weil diese vielleicht bei THW oder Feuerwehr

tätig sind, Militärdienst leisten

oder ganz andere Aufgaben übernehmen

müssten. Dann wird klar, dass es

wirklich an der Zeit ist, sich mit diesem

Thema näher zu beschäftigen.

■ Wie kann die Branche reagieren?

Ich denke, es braucht zunächst zwei

Dinge. Der erste Punkt, mit dem wir

beim BVMed in der Taskforce schon angefangen

haben, ist, alle Fragen zu

sammeln, die in diesem Zusammenhang

relevant sind. Der nächste Punkt –

und auch das ist erfolgt –, ist, die Fragen

bei den Unternehmen bekannt zu

machen. Und schließlich werden wir eine

digitale Lösung, eine Datenbank

brauchen, um Informationen zu verfügbaren

Produkten und Kompetenzen im

Notfall schnell zu Hand zu haben. Das

ist sicher etwas, das wir aus der Pandemie-Zeit

lernen können: Übergeordnete

Informationen zu nutzen, statt sich aus

Mangel an Alternativen auf wenige persönliche

Kontakte verlassen zu müssen.

Aber wir sollten uns eben nicht nur auf

den einen Krisenfall vorbereiten, der

hoffentlich nie eintritt, sondern Parallelen

gleich mit betrachten.

■ An welche Parallelen denken Sie da?

In einer Krisensituation müssen wir in

der Lage sein, einen Mangel auszugleichen

und das verfügbare Material und

Personal geschickt einzusetzen. Die

gleichen Aufgaben erwarten uns, wenn

wir uns darauf vorbereiten, in einer alternden

Gesellschaft zurechtzukommen.

Heißt: Weniger Fachkräfte, aber

hoher Bedarf an Gesundheitsleistungen.

Der Unterschied zum Krisenfall ist

die Zeit, die zur Vorbereitung bleibt.

■ Gibt es Schätzungen für die verbleibende

Zeitspanne?

Keine, die mir bekannt sind. Das ruft

natürlich einen gewissen Druck hervor.

Aber vielleicht ist dieser Druck auch

das, was wir jetzt brauchen, um Veränderungen

im Gesundheitssystem anzustoßen,

die uns dann auch ohne Krisenfall

zu Gute kommen. Verfügbarkeit zu

organisieren ist besser, als riesige Lager

mit Produkten zu füllen, die ein Verfallsdatum

haben und womöglich entsorgt

werden müssen. Und um Verfügbarkeit

zu schaffen, brauchen wir mehr

digitale Lösungen, sowohl in den Krankenhäusern

als auch in der Industrie.

■ Wie gut sind Sie bei Oped auf so eine

Situation vorbereitet?

Immerhin teilweise. Wir haben schon

vor zwei Jahren unsere Lieferketten genauer

betrachtet und Maßnahmen für

mehr Unabhängigkeit definiert. In unseren

Orthesen verwenden wir textile

Bestandteile. Diese werden derzeit in

China und in Taiwan hergestellt. Schon

jetzt sind die Aktivitäten der Huthi-Rebellen

am Suez-Kanal ein Risiko für unsere

Lieferkette. Wir können uns nicht

darauf verlassen, dass alle Bestandteile

kurzfristig und wie geplant geliefert

werden. Daher haben wir rund zwölf

Millionen Euro investiert und deutlich

mehr Lagerkapazitäten geschaffen, um

einen Puffer zur Verfügung zu haben.

Ein Konflikt zwischen China und Taiwan

etwa wäre ein weiteres Thema, das uns

vor große Probleme stellen könnte. Da-

OEM-Einbaulösung für Schlauchpumpen

Fluid

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06/2025 medizin&technik 79


■ ■ [ MEDIZINTECHNIK INSIGHT ]

her werden wir eine Produktion an einem

dritten Standort aufbauen, geplant

ist derzeit Vietnam.

■ Wie viel mehr müssten Sie tun, um die

Ideen aus der Taskforce umzusetzen?

Schwer zu sagen. Wir haben mit den

genannten Aktivitäten vielleicht dreißig

bis vierzig Prozent dessen umgesetzt,

was möglicherweise zu tun wäre.

Was die Taskforce vorschlägt

■ Welche Rolle spielen unternehmerische

Gedanken mit Blick auf die Sondervermögen

des Bundes?

Ein Unternehmen hat natürlich das Ziel,

Geld zu verdienen. Bei den Vorbereitungen

auf einen Krisenfall sollten diese

Überlegungen meiner Meinung nach

jedoch hintanstehen. Da geht es nicht

um den Wettbewerbsvorteil und zusätzlichen

Absatz Einzelner, die größere

Mengen ihrer Produkte verkaufen können.

Wichtiger ist, dass wir zu einer gemeinsamen

funktionierenden Strategie

kommen – die nicht allein auf den Krisenfall

ausgerichtet ist, sondern Lösungen

einschließt, die unsere Gesundheitsversorgung

zugleich auf eine alternde

Gesellschaft vorbereiten. Und

wenn wir uns Gedanken um Produktivität

machen, wie man also mit weniger

Fachkräften mehr produzieren kann, ist

das am Ende auch ein unternehmerischer

Vorteil.

■ Was ist im Bereich Sondervermögen

für die Gesundheit eingeplant?

Dazu gibt es meines Wissens noch keine

konkreten Zahlen. Es ist aber auch

sinnvoller, die Überlegungen umzudrehen:

Erst die sinnvolle Strategie zu entwickeln

und dann darüber nachzudenken,

welche finanziellen Mittel wo am

meisten Nutzen bringen.

Zu einem dualen Versorgungskonzept,

wie es die BVMed-Taskforce Zivilschutz

und Krisenvorsorge vorschlägt, gehören

unter anderem folgende Ideen.

■ Netzwerk aus Versorgungsknoten:

Es existieren bereits Traumazentren-

Verbundsysteme, in denen schwer Verletzte

nach dem „Schockraum“ Prinzip

verteilt werden. Das Konzept ließe sich

erweitern, indem ausgewählte Krankenhäuser

als regionale Cluster-Hubs

fungieren, die Kapazitäten freihalten

oder kurzfristig ausbauen können. Im

Alltag könnten diese Hubs eng mit

medizintechnischen Dienstleistern kooperieren.

■ Skalierbare Infrastruktur:

Eine modulare Feldklinik könnte in

Friedenszeiten beispielsweise als temporäre

Einrichtung bei Großschadenslagen

oder zur Entlastung von Kliniken

genutzt werden. Solche Multifunk -

tions-Einheiten wie Containerkliniken

mit modularen OPs könnten von der

Industrie entwickelt, mit THW, Bundeswehr

und Zivilschutz geprobt und

im Depot bereitgehalten werden.

■ Personal-Pool mit Doppelfunktion:

Medizinisches Fachpersonal, das im

Alltag in Kliniken oder bei Unternehmen

arbeitet, wechselt im Krisenfall in

einen „Reservisten-Status“ und steht

dem Gesundheitssystem zur Verfügung.

■ Versorgungspfade abbilden:

Digitalisierung kann helfen, die Versorgungspfade

flexibel zu steuern. Beispielsweise

könnte ein zentrales Patientensteuerungssystem

im Friedensbetrieb

dazu dienen, bei Großunfällen

oder Engpässen Patienten zwischen

Bundesländern zu verteilen. Im Bündnisfall

skaliert dasselbe System auf

Tausende Verwundete. Wichtig ist dabei:

Alle Beteiligten kennen das System

bereits aus Übungen oder einem

kleineren Ernstfall.

Die Digitalisierung ist laut BVMed für all

das ein „Enabler“ – also ein Ermöglicher

für die skalierbaren Ansätze.

■ Die BVMed-Taskforce schlägt vor, ein

duales Gesundheitssystem aufzubauen,

das im Alltag läuft, sich im Krisenfall aber

hochskalieren lässt. Muss man dafür das

bestehende System umkrempeln?

Wir können gar nicht anders als auf

dem aufzubauen, was wir haben. Aber

heute rechnet sich eine Klinik nur,

wenn sie zu einhundert Prozent ausgelastet

ist. Im Krisenfall mit hunderten

zusätzlichen Verletzten pro Tag reicht

uns das nicht. Daher ist eine skalierbare

Lösung, die wir Dual-Use-System nennen,

der bessere Weg.

■ Wie konkret sind die Überlegungen?

Die Planungen laufen, aber es werden

sicherlich noch viele Ideen hinzukommen

oder Änderungen erforderlich sein.

■ Was ist eine „resiliente Medizintechnik“,

wie es der BVMed formuliert?

Bei der Resilienz geht es vor allem um

die Organisation der Branche, das Wissen

um Verfügbarkeiten und die Zusammenarbeit

mit den Gesundheitsversorgern.

Überlegungen können aber

auch Produkte selbst betreffen. Was

machen wir denn im Krisenfall, wenn

für ein gemäß MDR mit großem Aufwand

zertifiziertes Produkt ein Zulieferer

plötzlich ausfällt? Dann muss ein

anderes Teil oder Material an die Stelle

treten. Für das derzeitige Zertifizierungsverfahren

werden wir dann wohl

keine Zeit haben. Andererseits hätten

dann erfahrene Mitarbeiter in der Qualitätssicherung

und Dokumentation

weniger zu tun – und könnten vielleicht

in der Produktion aushelfen, wenn wir

sie schnell einlernen können.

■ Werden die Ideen in der Medizintechnik

schon ausreichend diskutiert ?

Für die ersten Sitzungen der Taskforce

war das Interesse groß. Aber ich denke,

dass das Thema und seine Konsequenzen

für jedes einzelne Unternehmen

noch nicht ausreichend in der Branche

bekannt sind. Das wollen wir ändern.

Für den BVMed ist die Krisenvorsorge

aktuell eines der zentralen Themen.

■ Was können Unternehmen tun, die

aktiv werden wollen?

Ich denke, es ergibt Sinn, die entsprechenden

Überlegungen in größeren Zusammenhängen,

sprich in Verbänden,

anzustellen – nicht als Einzelkämpfer.

Eine Kontaktaufnahme mit der BVMed-

Taskforce wäre auf jeden Fall eine Möglichkeit,

aktiv zu werden. Aber ich gehe

davon aus, dass sich dazu auch eine Zusammenarbeit

zwischen verschiedenen

Verbänden entwickeln wird.

Dr. Birgit Oppermann

birgit.oppermann@konradin.de

80 medizin&technik 06/2025


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06/2025 medizin&technik 81


ISSN 1863–7604

Herausgeberin: Katja Kohlhammer

Verlag:

Konradin-Verlag

Robert Kohlhammer GmbH

Anschrift: Ernst-Mey-Straße 8,

70771 Leinfelden-Echterdingen,

Germany

Geschäftsführer: Peter Dilger

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Druck: westermann DRUCK | pva,

Georg-Westermann-Allee 66,

38104 Braunschweig,

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Leinfelden-Echterdingen

Embedded Systems

Box-PC als Plattform für KI-gestützte Diagnostik

in der Medizin

Mit dem Medico Box PC AI adressiert die

ICO Innovative Computer GmbH, Diez,

die steigende Nachfrage nach KI-fähigen

Embedded-Systemen im medizinischen

Umfeld. Der lüfterlose Box-PC ist auf Anwendungen

ausgelegt, die hohe Rechenleistung,

große Datenmengen und nahtlose

Integration in klinische IT-Infrastrukturen

erfordern – etwa in der bildgebenden

Diagnostik, bei intelligenten Assistenzsystemen

oder in der medizinischen Bildverarbeitung.

Kern des Systems ist ein Intel

Core i5–12500TE Prozessor mit sechs Performance-Kernen,

der selbst komplexe Algorithmen

in Echtzeit verarbeiten kann.

Zahlreiche Schnittstellen ermöglichen eine

nahtlose Anbindung von Sensoren,

medizinischen Geräten und Netzwerkinfrastrukturen:

drei Gigabit-LAN-Ports,

acht USB-Schnittstellen, zwei RS232/

422/485-Schnittstellen sowie VGA, DVI-D

und DisplayPort für flexible Bildausgabeoptionen.

Das Gerät ist zertifiziert nach

EN60601–1 und erfüllt damit zentrale Sicherheitsanforderungen

für den Einsatz

in klinischer Umgebung. Mit seiner kompakten

Form, einem internen 900-W-

Netzteil und Windows-11-Kompatibilität

bietet der Box-PC eine zukunftssichere

Plattform für KI-gestützte Medizintechnik.

ICO, Diez

www.ico.de

Wellenkupplung

Robuste Edelstahl-Kupplungslösungen

für hygienekritische Anwendungen

(Bild: Enemac)

Ob in der Pharma- und Medizintechnik

oder bei anspruchsvollen Verpackungsprozessen:

Die Enemac GmbH, Kleinwallstadt,

präsentiert Edelstahl-Kupplungen,

die speziell für sensible Einsatzbereiche

und höchste Hygieneanforderungen entwickelt

wurden. Mit der Metallbalgkupplung

EWC bietet Enemac beispielsweise

eine vollständig aus Edelstahl gefertigte

Lösung für thermisch anspruchsvolle Prozesse.

Dank Mikro-Plasma-Schweißung

ist die EWC für Temperaturen von -40 °C

bis +350 °C ausgelegt und deckt – in insgesamt

elf Baugrößen – Nennmomente

von 1,5 bis 1000 Nm sowie Wellendurchmesser

von 3 bis 90 mm ab. Damit eignet

sie sich besonders für hygienische Abfüllund

Verpackungsanlagen.

Kompakt und montagefreundlich präsentiert

sich die EWR-Kupplung: Ihre Halbschalennabenkonstruktion

ermöglicht die

einfache radiale Montage – ein großer

Vorteil bei beengten Einbauverhältnissen.

Mit Nennmomenten von 10 bis 1200 Nm

und einer maximalen Drehzahl von

28 000 min−¹ ist die EWR sehr gut für Hygiene-Anwendungen

in der Medizintechnik

und Lebensmittelproduktion geeignet.

Für sterile oder korrosive Umgebungen

empfiehlt sich die Lamellenkupplung

EWZK_ES: Sie gleicht hohe axiale Versätze

aus, bietet Nennmomente von 40 bis

7000 Nm und Bohrungen bis 110 mm.

Damit eignet sie sich besonders für die anspruchsvollen

Bedingungen der Pharmaund

Verpackungstechnik.

Enemac, Kleinwallstadt

www.enemac.de

(Bild: ICO)

82 medizin&technik 06/2025


06/2025 medizin&technik 83


HALL 10

BOOTH 310

NOVEMBER

25 TO 27, 2025

SPS

NÜRNBERG

www.binder-connector.de

84 medizin&technik 06/2025

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