05.11.2025 Aufrufe

SPENGLER CUP DAVOS - Jahrbuch 2025 (00-er Jahre)

Das 9. Jahrbuch des Spengler Cup Davos erzählt unter anderem von den 2000er-Jahren, der goldenen Ära des Hockey Club Davos mit vier Turniersiegen. Besonders speziell war der Triumph im Jahr 2000 – 42 Jahre nach dem bis dahin letzten Erfolg im Jahr 1958. Der heutige Schweizer Nationaltrainer Patrick Fischer, damals Captain des Hockey Club Davos, blickt zurück und zieht spannende Parallelen zwischen dem damaligen HCD und dem heutigen Nationalteam. Auch Erfolgstrainer Arno Del Curto erinnert sich und verrät, dass er dem HCD einen erneuten Titelgewinn wünscht.

Das 9. Jahrbuch des Spengler Cup Davos erzählt unter anderem von den 2000er-Jahren, der goldenen Ära des Hockey Club Davos mit vier Turniersiegen. Besonders speziell war der Triumph im Jahr 2000 – 42 Jahre nach dem bis dahin letzten Erfolg im Jahr 1958. Der heutige Schweizer Nationaltrainer Patrick Fischer, damals Captain des Hockey Club Davos, blickt zurück und zieht spannende Parallelen zwischen dem damaligen HCD und dem heutigen Nationalteam. Auch Erfolgstrainer Arno Del Curto erinnert sich und verrät, dass er dem HCD einen erneuten Titelgewinn wünscht.

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97.

SPENGLER CUP DAVOS

JAHRBUCH 2025


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des HC Fribourg-Gottéron – mit Produkten,

die vor Sonne, Licht und Einbruch schützen.

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: Inhaltsverzeichnis

5

OK-Präsident

Marc Gianola

28

2025: Das sind die Teams

7

Präsidentin

Swiss Olympic

Ruth Metzler-Arnold

48

Glanz und Gloria

9 Weltverbandspräsident

Luc Tardif

62

Sieger von damals

11 Hall of Fame 69

Das Goldene Buch

12

2000 – 2009:

Die goldenen Jahre des HC Davos

72

Der Erfolgstrainer

PRESENTING PARTNER GOLD PARTNER OFFICIAL BROADCASTER

Impressum

Herausgeber des Jahrbuchs 2025

Hockey Club Davos AG

Spengler Cup Davos

Herbert Batliner Haus / Eisbahnstrasse 2

7270 Davos Platz, Schweiz

Redaktion

Lüchinger Est., Kommunikation mit Stil

www.luechinger.li

Grafik und Gestaltung

Leone Ming Est. und digicube AG

www.leoneming.com | www.digicube.li

Titelbild

Archiv Spengler Cup

Reto Berra, Goalie Hockey Club Davos 2004

Bilder

Keystone

Anthony Anex (S. 31 u.)

Arno Balzarini (S. 19 u.)

Til Buergy (S. 3, S. 29, S. 31 o., Seite 43 or.)

Fabrice Coffrini (S. 17 o., S. 18, S. 19 o., S. 21)

Alessandro della Valle (S. 22 u., S. 63)

Martin Deuring (S. 55)

Salvatore Di Nolfi (S. 22 u., S. 23, S. 24 u., S. 25)

Melanie Duchene (S. 28, S. 33 u., S. 42, S. 43 ol.,

S. 47, S. 65, S. 69, S. 70)

Gian Ehrenzeller (S. 43 u.)

Edi Engeler (S. 14, S. 15 ol., S. 17 u.)

Peter Klaunzer (S. 61)

Michele Limina (S. 15 or., S. 16)

Maxime Schmid (S. 51)

Peter Schneider (S. 26, S. 49)

SFV/KEYSTONE / Salvatore Vinci (S. 57)

Keystone/Photopress-Archiv / Str (S.11)

AP Photo: Jeffrey T. Barnes (S. 41 u.), Chris Szagola

(S. 41 m.). Beny Photo (S. 33 ol.). EPA: Teresa Suarez

(S. 27). David Biedert (S. 7). Hansruedi Camenisch

(S. 37 u.). Toto Marti (S. 72, S. 74). Andy Mettler (S. 64).

Riku Laukkanen (S. 35). Maurice Parrée (S. 45). Gene

J. Puskar (S. 39). Daniel Schwendener (S. 51). Honza

Žirovnický (Seite 31, S. 33 or.) Penn State Athletics

(S. 41 o.). The Canadien Press / Graham Hughes (S. 67).

Archiv Spengler Cup (S. 5, S. 12 / 13 S., 24 o.) / Privatarchive

Inserate

Hockey Club Davos AG

Spengler Cup Davos

www.spenglercup.ch

Auflage

5000 Exemplare

© Spengler Cup Jahrbuch 2025

Hockey Club Davos AG

Spengler Cup Davos

Herbert Batliner Haus / Eisbahnstrasse 2

7270 Davos Platz, Schweiz

Die in diesem Buch veröffentlichten

Beiträge, Daten, Bilder, Grafiken und Layout

sind urheberrechtlich geschützt.

Die Vervielfältigung bedarf der ausdrücklichen

Genehmigung der Redaktion und des Verlags.


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: Marc Gianola

OK-Präsident Spengler Cup Davos

«Seit 1923 erstrahlt der Spengler Cup als fester Bestandteil des Schweizer

Eishockeys – ein Turnier, das auf einzigartige Weise Geschichte und Zukunft

miteinander verbindet. Es erfüllt mich mit Freude und Stolz, zu sehen, wie sich

über ein Jahrhundert gelebte Tradition mit neuen Impulsen vereint. Mit den

offiziellen Partnern verbindet uns seit vielen Jahren eine verlässliche Zusammenarbeit.

Gemeinsam setzen wir alles daran, den treuen Fans unvergessliche

Momente zu bereiten. Neue Akzente setzt das VIP-Gebäude «LOFT 23», das

2025 zum dritten Mal zum Treffpunkt wird. Auch das Teilnehmerfeld fasziniert

mit seiner Mischung aus Bewährtem und Neuem: Team Canada ist seit

1984 dabei und zählt zu den Lieblingen der Fans. Fribourg-Gottéron feierte

dank des Spengler Cup im Vorjahr den ersten Titel seiner Vereinsgeschichte.

Dieses Jahr wartet das Teilnehmerfeld mit einem Novum auf. Das Team

US Collegiate Selects vertritt als erste College-Auswahl überhaupt die

NCAA Division I beim Spengler Cup. Als OK-Präsident freue ich mich darauf,

dass Sportler, Trainer, Betreuerinnen und Betreuer, Funktionärinnen und Funktionäre

sowie Partner und treue Eishockeyfans den Spengler Cup gemeinsam

zelebrieren – nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in der Zukunft.»


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MOMENT

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eine unschlagbare Kombination!

Ob auf dem Eis oder im Handwerk: Fokus, Präzision

und Verlässlichkeit machen den Unterschied. Im Eishockey

zählt jede Sekunde – Spieler müssen ihrer Ausrüstung

blind vertrauen. Genauso im Handwerk: Nur mit Konzentration

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: Ruth Metzler-Arnold

Präsidentin Swiss Olympic

«Wie viele Sportfans freue ich mich jedes Jahr aufs Neue auf den Spengler Cup

in Davos, an dem ich bereits mehrfach zu Gast sein durfte. Mir gefällt, wie das

Turnier seine lange Tradition mit hochstehendem internationalem Spitzensport

verbindet und sportlich wie gesellschaftlich für Austausch sorgt. Das macht

den besonderen Reiz der Altjahrswoche im Landwassertal aus. Im Namen von

Swiss Olympic danke ich allen, die diesen Anlass mit viel Engagement möglich

machen, und wünsche spannende Spiele, sportliches Fairplay und unvergessliche

Momente.»


Sportlich.

New Škoda Elroq RS

Power auf dem Eis trifft Power auf der Strasse: Der neue Škoda Elroq RS

vereint kraftvolle Leistung und dynamische Sportlichkeit – wie die

Hockey-Cracks am Spengler Cup. Mit serienmässigem 4x4 ist er bereit

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: Luc Tardif

Präsident International Ice Hockey Federation ( IIHF )

«Der Spengler Cup ist und bleibt eine der bedeutendsten und traditionsreichsten

Veranstaltungen im internationalen Eishockey. Seit über hundert Jahren vereint

dieses Turnier Mannschaften, Fans und die weltweite Hockeygemeinschaft –

ein lebendiges Fest der Sportkultur im Herzen der Schweizer Alpen. Alljährlich

im Dezember wird Davos zu weit mehr als nur einem Austragungsort. Die Stadt

verwandelt sich in eine Bühne, auf der sportliches Erbe und hochklassiger

Wettkampf aufeinandertreffen und auf der sich Generationen von Eishockeybegeisterten

daran erinnern, weshalb sie ihre Liebe zu diesem Sport entdeckt

haben. Für die IIHF ist es eine Ehre, auch in diesem Jahr an der Seite dieses

besonderen Turniers zu stehen, das wesentlich zur Weiterentwicklung unseres

Sports beiträgt und Hockeykulturen aus aller Welt miteinander verbindet.

Mit Blick auf die 2026 IIHF Eishockey-Weltmeisterschaft in Zürich und Fribourg

zeigt der Spengler Cup eindrucksvoll, wie tief die Leidenschaft für unseren

Sport in der Schweiz verwurzelt ist – und mit welcher Kompetenz und Begeisterung

dieses Land globale Sportveranstaltungen in einzigartiger Atmosphäre

auszurichten vermag. Allen teilnehmenden Mannschaften gelten unsere besten

Wünsche. Wir freuen uns auf die Emotionen, die Spannung und den Gemeinschaftssinn,

die den Spengler Cup Jahr für Jahr so unverwechselbar machen.»


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HALL OF FAME

11

: Prägende Spieler des Turniers

Zehn Spieler aus der Zeit von 1930 bis 1949 sind 2024 in die Hall of Fame aufgenommen

worden. Angeführt wird die Liste von Bibi Torriani und seinen kongenialen Sturmlinienpartnern

Hans und Pic Cattini.

Diese Spieler wurden 2024 in die

Spengler Cup Hall of Fame

aufgenommen:

Hans Cattini (1914 – 1987),

Ferdinand «Pic» Cattini (1916 – 1969),

Richard «Bibi» Torriani (1911 – 1988),

Hockey Club Davos

Torriani und die Cattini-Brüder bildeten

ab 1932 den sogenannten «ni»-Sturm

beim Hockey Club Davos. Der Begriff

rührte von der gemeinsamen Endsilbe

«ni» der Familiennamen der drei Spieler

her. Der legendäre «ni»-Sturm galt

während rund anderthalb Jahrzehnten

als Paradelinie des Hockey Club Davos

und der Schweizer Nationalmannschaft.

In dieser Formation wurden sie Seriensieger

am Spengler Cup, in der Schweizer

Meisterschaft und mit der Nationalmannschaft

sogar Europameister und

Olympiadritte. Alle drei wurden 1997

respektive 1998 in die erste Klasse der

IIHF Hall of Fame aufgenommen.

Peter Morland Churchill (1909 – 1972),

Cambridge University

Der Captain und Stürmer von Cambridge

University und Nationalspieler Grossbritanniens

nahm dreimal am Spengler

Cup teil. Er lebte im Schloss Chillon

und studierte in Genf. Während des

Zweiten Weltkriegs kämpfte er in einem

Spezialkommando des britischen Geheimdienstes,

wurde gefangengenommen und

verbrachte zwei Jahre im KZ. Er war

hochdekorierter Kriegsheld und Buchautor.

Joachim Albrecht von Bethmann-

Hollweg (1911 – 2001), SC Riessersee

Von Bethmann-Hollweg wurde als

kränkelnder Teenager in die Höhenluft

nach Davos geschickt, lernte Skifahren

und Eishockeyspielen und hatte Einsätze

für den Hockey Club Davos. Der Verteidiger

spielte 1931 mit dem SC Riessersee

am Spengler Cup, gewann mit Deutschland

Bronze bei der WM 1934, war Olympiateilnehmer

1936 sowie Deutscher

Meister und wurde in die Hall of Fame

des deutschen Eishockeys aufgenommen.

Beat Rüedi (1920 – 2009),

1936 – 1948 Hockey Club Davos

Bis 1950 gewann Beat Rüedi mit Davos

elfmal die Schweizer Meisterschaft,

zudem ist er fünffacher Spengler Cup-

Sieger. Für das Schweizer Nationalteam

erzielte der Verteidiger 24 Tore in 55

Länderspielen, darunter der erste

Sieg der Schweiz gegen Kanada am

25. Januar 1948. Bei den Olympischen

Winterspielen 1948 in St. Moritz gewann

er mit dem Team Bronze.

Hans Trauffer (1914–1991),

1933–1945 Hockey Club Davos

Hans Trauffer war ein Abwehrhaudegen

und bekannt für seine physische Spielweise.

Er gewann zehnmal die Schweizermeisterschaft

und fünfmal den Spengler

Cup, hatte zudem 27 Einsätze für die

Schweizer Nationalmannschaft. Trauffer

wurde als All Star in die Hall of Fame des

Hockey Club Davos aufgenommen.

Vladimir Zábrodský (1923 – 2020),

1945 – 1949 LTC Prag

Zábrodský gehört mit 306 Liga- und 158

Länderspieltoren zu den erfolgreichsten

Stürmern des tschechoslowakischen

Eishockeys. 1947 und 1949 wurde er

Weltmeister. Bei den Olympischen

Winterspielen in St. Moritz 1948 war er

Topscorer und führte seine Mannschaft

zum Gewinn der Silbermedaille. Er

gewann dreimal den Spengler Cup und

sechsmal die tschechoslowakische

: Der «ni»-Sturm mit Hans Cattini, Richard «Bibi»

Torriani und Ferdinand «Pic» Cattini (von links).

Meisterschaft. 1997 wurde er in die

IIHF Hall of Fame aufgenommen.

Josef Malecek (1903 – 1982),

LTC Prag

Der Tscheche war ein dominanter Spieler.

1929, 1930 und 1937 gewann er mit

dem LTC Prag den Spengler Cup. Nach

seinem Absprung in den Westen 1948

wurde er Trainer des Hockey Club Davos.

2003 wurde er in die IIHF Hall of Fame

aufgenommen und 2008 – als einer der

ersten Spieler – in die tschechische

Eishockey-Ruhmeshalle.

Jaroslav Drobný (1921 – 2001),

LTC Prag

Der Tscheche begann seine Karriere

beim LTC Prag. 1949 emigrierte er

und liess sich zuletzt im Vereinigten

Königreich nieder. Drobný hätte der

erste europäische NHL-Spieler werden

können, er zog es aber vor, als Amateur

Eishockey zu spielen. Er war vierfacher

Spengler Cup-Sieger, Weltmeister

und Olympiazweiter und galt mit 36

Toren in 31 Länderspielen als Torjäger

der Extraklasse. 1997 wurde er in die

IIHF Hall of Fame aufgenommen.


2000 – 2009

: Die goldenen Jahre des HC Davos



97.

Spengler Cup Davos 2025

: Der Hockey Club Davos jubelt

erstmals seit 42 Jahren

Dass der Hockey Club Davos im Jahr 2000 nach 42 Jahren erstmals wieder den Spengler

Cup gewann, war kein Zufall, sondern vielmehr der erste Erfolg einer gezielten Aufbauarbeit,

deren Früchte in den 2000er-Jahren geerntet werden konnten.

: Der Jubel im Team und bei den Fans über den Spengler Cup-Sieg im Jahr 2000 ist riesig.

Spengler Cup-Sieger in den Jahren

2000, 2001, 2004 und 2006 sowie

Schweizer Meister 2002, 2005, 2007 und

2009: In den 2000er-Jahren herrschte

in Davos eine riesige Eishockey-Euphorie.

Bereits 1996 und 1998 stand Davos im

Finale gegen Team Canada. Arno Del

Curto, der den Hockey Club Davos 1996

als Trainer übernommen hatte, formte

aus den Spielern ein erfolgreiches Team.

Die Spieler wurden von der frenetischen

Stimmung rund um das Stadion und im

Stadion getragen und die Atmosphäre

war entsprechend elektrisierend. Für

Trainer Arno Del Curto war bereits im

Vorfeld des Spengler Cup im Jahr 2000

klar: «Falls wir wie 1998 ins Finale vorstossen,

wollen wir endlich den Pokal

gewinnen.» Dies gelang tatsächlich.

Der Hockey Club Davos gewann das

Finalspiel gegen Team Canada mit 4 : 2.

Dreimal ging der Sieg in diesem Jahrzehnt

nach Kanada (2002, 2003 und

2007), zweimal nach Russland: 2005 an

Metallurg Magnitogorsk und 2008 an

Dynamo Moskau. 2009 gewann mit

Dinamo Minsk erstmals ein Team aus

Weissrussland.

2000 – Davos gewinnt historisches

Turnier vor ausverkauftem Haus

Mit einem 4 : 2-Finalsieg gegen Team

Canada sicherte sich der Hockey Club

Davos vor 7680 Zuschauerinnen und

Zuschauern im ausverkauften Eisstadion

Davos zum ersten Mal seit

42 Jahren und insgesamt zum elften

Mal den prestigeträchtigen Spengler

Cup. Captain Patrick Fischer nahm die

Kristalltrophäe auf dem Eis entgegen

und drehte anschliessend gemeinsam

mit seinen Teamkollegen unter dem

tosenden Applaus und den Gesängen

der begeisterten Fans eine Ehrenrunde.

«Das Gefühl, diesen Pokal zum ersten

Mal in den Händen zu halten, ist unbeschreiblich»,

erklärte Verteidiger Marc

Gianola sichtlich bewegt. Trainer Arno

Del Curto, sonst für seine impulsive

Art bekannt, reagierte ungewohnt gelassen

und genoss die ersten Minuten

in der Kabine – bis seine Spieler ihn mit

einer zünftigen Bierdusche überraschten.

Auch Clubpräsident Ernst Wyrsch

zeigte sich überwältigt. «Wir sind stolz

auf euch!», liess er Spieler und Staff

wissen.

Der Hockey Club Davos erwischte einen

Traumstart ins Finale: Bereits in der

sechsten Minute brachte Morgan

Samuelsson sein Team mit 1 : 0 in


2000 – 2009: DIE GOLDENEN JAHRE DES HC DAVOS

15

2001 – 75. Spengler Cup – ein Jubiläum

mit der Krönung des Hockey Club Davos

Wie der 74. Spengler Cup geendet

hatte, so begann der 75.: mit einem

Sieg des Hockey Club Davos. Im Auftaktspiel

setzte sich das Heimteam

mit 3 : 2 gegen Sparta Prag durch. Erst

am letzten Turnierabend fiel die

Entscheidung über den Finaleinzug.

Finnlands Meister TPS Turku vergab

mit einer 2 : 6-Niederlage gegen Sparta

Prag die Chance auf das Endspiel – ein

Unentschieden hätte gereicht, um

Davos auf Rang drei zu verweisen.

: Patrick Fischer (links) jubelt beim Sieg im Jahr 2000, Beat Equilino im Jahr 2001.

Führung. Doch die Kanadier reagierten

prompt. Mit einem Doppelschlag innerhalb

von nur 86 Sekunden drehten

Jean-Yves Roy und Christian Dubé die

Partie zur 2 : 1-Führung. In der Folge

dominierte Team Canada das Spielgeschehen,

biss sich jedoch immer wieder

am glänzend aufgelegten HCD-Goalie

Lars Weibel die Zähne aus.

In der 35. Minute erzielte Pat Falloon

den verdienten Ausgleich. Im Schlussdrittel

sorgten Fredrik Nilsson

(53. Minute) und erneut Falloon

(59. Minute) für die Entscheidung – und

den umjubelten Endstand eines denkwürdigen

Finales. Topscorer des

Turniers wurde Morgan Samuelsson

mit acht Scorerpunkten, während

Lonny Bohonos als wertvollster Spieler

ausgezeichnet wurde – beide spielten

für das Siegerteam des HCD. Titelverteidiger

Kölner Haie belegte Rang drei

vor Sparta Prag und Jokerit Helsinki.

Ein besonderer Höhepunkt abseits des

Finales war das dramatische Spiel der

Kölner Haie gegen Jokerit Helsinki am

Stephanstag. Die Finnen holten einen

0 : 3-Rückstand auf und gewannen das

nervenaufreibende Duell durch Niko

Mikkolas’ Treffer mit dem insgesamt

16. Penaltyschuss.

Als international erfahrenster Spieler

des Turniers galt Jan Benda (Jokerit

Helsinki), der in der NHL, der DEL und in

Tschechien spielte und an neun Weltmeisterschaften

sowie drei Olympischen

Spielen für Deutschland teilgenommen

hatte. Der älteste Spieler

war Grant Ledyard (Team Canada),

der mit 40 Jahren auf 984 NHL-Einsätze

zurückblicken konnte. Besonders

geprägt wurde das Turnier durch

herausragende Torhüterleistungen.

Neben Lars Weibel überzeugten auch

Joseph Heiss (Kölner Haie), Pasi Nurminen

(Jokerit Helsinki), Marcel Cousineau

(Team Canada) und Petr Bríza (Sparta

Prag).

Der Erfolg des Heimteams beflügelte

die Stimmung in Davos zusätzlich:

Bereits vor dem Turnier spielte der

Hockey Club Davos in der Meisterschaft

stark, was die Euphorie weiter

anheizte. Sieben der elf Spengler Cup-

Spiele waren ausverkauft – ein neuer

Zuschauerrekord. Auf dem Schwarzmarkt

wechselten Tickets teils für

über 200 Franken den Besitzer.

DRS Sport am

Freitag

31.12.2000

Team Canada sicherte sich den Finaleinzug

mit einem dramatischen 6 : 5-Sieg

nach Verlängerung gegen Titelverteidiger

Davos. Jan Alston erzielte

bereits nach 25 Sekunden in der Overtime

das entscheidende Tor.

Im Finale kam es zu einer Neuauflage

des Vorjahresduells: Hockey Club Davos

gegen Team Canada. Die Einheimischen

triumphierten erneut – diesmal mit 4 : 3

nach Verlängerung. Nach 62 Sekunden

der Overtime gelang Lonny Bohonos,

dem kanadischen Flügelstürmer im

Davoser Trikot, der Siegtreffer. In

einem Solo überlief er Shayne Wright

an der blauen Linie und hob die Scheibe

unhaltbar für Kanadas Goalie Patrick

DesRochers unter die Latte.

Zuvor war den Davosern nach einem

intensiven Turnier der Spielverlauf im

Finale entgegengekommen. Nach einem

vorsichtig geführten Startdrittel glich

Björn Christen den Führungstreffer

von Reggie Savage schnell aus – nur

39 Sekunden später brachte Morgan

Samuelsson Davos in Führung. Fredrik

Nilsson erhöhte fünf Minuten später

auf 3 : 1, nach starker Vorarbeit von

Claudio Neff und Björn Christen.

Letzterer feierte nach einer leichten

Gehirnerschütterung und zweitägiger

Pause ein starkes Comeback.

«Ein Supergefühl», beschrieb Bohonos

seine Emotionen. Er sei im Verlauf des

Turniers immer besser in Fahrt gekommen.

Während er beim 1 : 2 gegen Turku

noch deutliche Chancen vergab, traf er

im Finale im entscheidenden Moment.

Bei der Siegesfeier liess er die Trophäe


97.

Spengler Cup Davos 2025

Beni Winkler, Thierry Paterlini und Sandro

Rizzi siegen konnten, ist umso schöner.»

Auch in der Vorrunde überzeugte Davos

auf internationalem Niveau. Alle Schweizer

Spieler hielten das hohe Tempo problemlos

mit. Dass die Verstärkungsspieler

Frederik Nilsson, Morgan Samuelsson,

Johan Witehall und Mika Strömberg kaum

auffielen, unterstrich dies zusätzlich.

: Die Davoser Spieler feiern den 4 : 3-Sieg gegen das Team Canada und den zweiten Turniersieg in Serie.

fallen – sie zerbrach, doch das minderte

weder seine Freude noch die seiner

Mitspieler. Und vielleicht brachte das

gar Glück für den weiteren Verlauf der

Meisterschaft. Denn in dieser Saison

schaffte der Hockey Club Davos, was

ihm zuvor seit 24 Jahren nicht mehr

gelungen war – das sogenannte «Double»:

Spengler Cup-Sieger und Schweizer

Meister in derselben Saison.

Goalie Lars Weibel von Hockey Club

Davos erlebte im Finale ein Wechselbad

der Gefühle: «Phasenweise war ich ohne

Beschäftigung, dann wieder voll gefordert.»

Pech hatte Weibel bei den Gegentoren:

Beim 0 : 1 stand Savage im Torraum,

das 3 : 3 lenkte Jan Alston mit dem

Schlittschuh ins Tor. Doch mit starken

Paraden verhinderte er den vierten

kanadischen Treffer und rettete den

Davosern den Sieg. Der Titelgewinn

bedeutete dem HCD-Goalie noch mehr

als der Triumph im Vorjahr: «Damals

war unser Sieg eine Überraschung.

Jetzt gehörten wir zu den Favoriten.

Dass wir trotz der Verletzten und der

damit nicht zur Verfügung stehenden

Nicht gut ins Turnier fand hingegen der

verletzungsgeplagte deutsche Meister

Adler Mannheim, der sich aber mit einem

5 : 2-Sieg über Sparta Prag würdig

verabschiedete. Somit belegten die

Deutschen Rang vier hinter TPS Turku

und vor Prag. Torhüter Patrick Des-

Rochers gehörte zu den herausragenden

Persönlichkeiten des Turniers.

Erst nach 109 Minuten Spielzeit wurde

er von Prags Róbert Tomik erstmals

bezwungen. Bester Scorer war der

Tscheche Jaroslav Hlinka mit fünf

Punkten (drei Tore). Zum wertvollsten

Spieler wurde der Finne Petteri

Nummelin gewählt.

Für den Innerschweizer Schiedsrichter

Danny Kurmann war der Spengler Cup

eine Generalprobe für Olympia. Die

neue Turnierleitung mit Jörg Eberle,

Georg Gasser und Rolf Bachmann als

Vorsitzenden hätte sich keinen besseren

Einstand wünschen können: Sieben der

elf Spiele waren mit 7680 Zuschauern

ausverkauft, insgesamt kamen 82 390

Fans – ein neuer Spengler Cup-Rekord.

127 akkreditierte Journalistinnen und

Journalisten, Fotografinnen und Foto-

Sechs Eishockeyspieler aus Eis

Eisschnitzer verwandeln vier Tonnen

Eis in Eishockeyspieler

Aus rund vier Tonnen Eis erschufen der Brienzer Toni Steininger und der Luzerner

René Odermatt mit Meissel, Motorsäge, Pickel und Schraubenzieher sechs beeindruckende

Eishockeyspieler. Die klaren Eisklötze wurden in Nidwalden gegossen.

Damit das Eis transparent blieb, musste das Wasser vor dem Gefrieren destilliert

und entkalkt werden – eine aufwendige Vorbereitung. Beim Bearbeiten des Eises

waren die Eisschnitzer froh um kalte Temperaturen, denn je wärmer die Umgebung

wird, desto schwieriger lässt sich Eis bearbeiten. «Am Abend suchen wir dann aber

doch gerne wieder die Wärme», sagte Steininger mit einem Schmunzeln.


2000 – 2009: DIE GOLDENEN JAHRE DES HC DAVOS

17

grafen sowie ein 88-köpfiges TV-Team

berichteten vom Jubiläumsturnier.

Erstmalig übertrug das Deutsche

Sportfernsehen alle elf Spiele live –

ebenso wie das Schweizer Fernsehen.

Neu war auch das Partyzelt vor dem

Stadion, das zusätzlichen Flair bot.

DRS Sport

2001

2002 – Ein Turnier voller Höhepunkte –

Team Canada triumphiert

Erstmalig in seiner Geschichte wurde

das Turnier mit einer offiziellen Feier

eröffnet. Zudem trafen sich die Gäste

in einem neuen zweistöckigen VIP-

Zelt – ein Zeichen für den gestiegenen

Stellenwert des Traditionsanlasses.

Sportlich setzte sich Team Canada mit

einem 3 : 2-Finalsieg gegen den Hockey

Club Davos durch und feierte damit

nach zwei Finalniederlagen wieder den

Turniersieg – den ersten seit 1998 und

insgesamt bereits den neunten. Die

Kanadier verdienten sich diesen Erfolg

durch ihre bekannte Zweikampfstärke

und ihren unermüdlichen Einsatz. Der

Hockey Club Davos musste im Finale

auf Nationalstürmer Michel Riesen

verzichten, der rund eine Stunde vor

Spielbeginn mit Symptomen einer

Magen-Darm-Grippe ausfiel.

Zum Matchwinner avancierte der

33-jährige Jan Alston, der in der

Schweizer Meisterschaft für die ZSC

Lions spielt. Bereits nach 145 Sekunden

brachte er Team Canada mit einem

Abpraller in Führung. Brian Bonin und

Lonny Bohonos – Letzterer per Penalty –

glichen zweimal aus, nachdem nach

Alston auch Luke Sellars vorgelegt

hatte. Sechs Minuten vor Schluss

sorgte Alston mit einem Konter für

den entscheidenden Treffer zum 3 : 2

für Team Canada.

Bei der Siegerehrung tauschten die

Kanadier ihre Helme gegen Caps mit

dem Ahornblatt und der Aufschrift

«Champion». Alston sprach von der

«Krönung einer fantastischen Woche

in Davos»: «Ich bin stolz auf diesen

Triumph.» Es war Alstons fünfter

: Team Canada feiert im Jahr 2002 mit dem zehnten Spengler Cup-Sieg ein Jubiläum.

Spengler Cup-Einsatz. 1995 trat er

erstmals mit dem Hockey Club Davos

an, danach zweimal mit den Adlern

Mannheim, und 2001 erreichte er mit

Team Canada bereits das Finale.

Team Canada hatte schon im Startspiel

mit beeindruckendem Kampfgeist

einen 1 : 4-Rückstand gegen die Kölner

Haie in einen 5 : 4-Sieg verwandelt – ein

Wendepunkt, der dem Team laut Alston

«einen riesigen Kick» gegeben habe.

Es folgten ein 4 : 1-Sieg gegen Sparta

Prag und ein 4 : 3 gegen TPS Turku.

Enttäuscht zeigte sich hingegen der

Hockey Club Davos, der auf den dritten

Spengler Cup-Sieg in Folge gehofft

hatte. In einem Finalspiel auf Augenhöhe

unterlagen die Davoser trotz

starker Leistung. Sie standen nach

einem 5 : 2 gegen die Kölner Haie zum

fünften Mal in sechs Jahren – und zum

dritten Mal in Folge – im Finale.

Die Kölner Haie belegten am Ende Rang

drei vor TPS Turku und Sparta Prag.

Letztere konnten – obwohl sie punktlos

blieben – mit engagierten Auftritten

überzeugen, scheiterten jedoch immer

wieder an der eigenen Abschlussschwäche.

Turku bot vor allem gegen

Davos ein packendes Spiel und musste

den Ausgleich erst 13 Sekunden vor

Ablauf des dritten Drittels hinnehmen.

Dennoch blieben die Schwächen aus

der Landesmeisterschaft trotz namhafter

Verstärkung nicht ganz verborgen.

Die Kölner Haie agierten taktisch

überwiegend defensiv. Sie präsentierten

sich damit zwar nicht besonders

attraktiv, dafür aber effizient. Der

Finne Mika Alatalo war mit sieben

Scorerpunkten, darunter drei Toren,

der erfolgreichste Punktesammler des

Turniers. Zum wertvollsten Spieler

wurde der Kanadier Lonny Bohonos

vom Hockey Club Davos gewählt.

Erstmals waren alle elf Partien mit

insgesamt 84 480 Zuschauern restlos

ausverkauft – ein Rekord.

DRS Sport

2002

: Chris Belanger, Captain von Team Canada freut

sich mit seiner Familie über den Turniersieg.


97.

Spengler Cup Davos 2025

folgenlos, da der überragende Mittelstürmer

Todd Elik mit seinem zweiten

Tor zum 3 : 3 ausglich. Doch folgten

weitere folgenschwere Fehler: Vor dem

3 : 4 liess sich der gesamte Davoser

Verstärkungsblock in Überzahl zur

Unzeit auswechseln, was den Kanadiern

einen Gegenangriff ermöglichte.

Und vor dem fünften Gegentor verlor

Beat Forster leichtfertig den Puck

direkt vor dem eigenen Tor. Del Curto

wollte seine Spieler dennoch nicht zu

hart kritisieren. Die Fehler im fünften

Spiel innerhalb von sechs Tagen seien

auch eine Folge nachlassender Kräfte

gewesen.

: Lonny Bohonos (Team Canada) kämpft gegen Petri Pakaslahti (rechts) und Goalie Pasi Häkkinen von

Jokerit Helsinki um den Puck.

2003 – Team Canada gewinnt zum

zehnten Mal

Zum vierten Mal in Folge standen sich

Davos und Team Canada im Spengler

Cup-Finale gegenüber. Team Canada

feierte beim 7 : 4-Finalsieg unter Trainer

Gary Green und seinem Assistenten

Kent Ruhnke den zehnten Spengler

Cup-Triumph. Nach einem mühevollen

3 : 2-Auftaktsieg gegen Krefeld und

einer Steigerung gegen Jokerit Helsinki

(4 : 2) dominierte Kanada Lokomotive

Jaroslawl (6 : 3) deutlich und stand als

erstes Team im Finale. Gegen das

russische Team überzeugten die

Kanadier mit schnellen Gegenstössen,

die Torhüter Jegor Podomazki so

demoralisierten, dass er sich nach dem

fünften Gegentreffer auswechseln

liess.

Der Hockey Club Davos sicherte sich

seine Finalteilnahme mit Siegen gegen

Jokerit Helsinki (4 : 1) und Krefeld (8 : 2),

musste sich aber Jaroslawl mit 2 : 5

geschlagen geben. Erst im letzten

Gruppenspiel, beim 7 : 4-Sieg gegen

Team Canada, fiel die Entscheidung

zugunsten der Davoser. «Wir hatten

die stärksten Offensivkräfte, die man

in der Schweiz haben kann», sagte Kent

Ruhnke nach dem Finale – ein Hinweis

darauf, dass viele Stürmer von Team

Canada während der Saison in Clubs

der Schweizer Nationalliga A aktiv sind.

Eine der grossen Entdeckungen im

Davoser Team war der 20-jährige

Flügelspieler Andres Ambühl. Er

bestätigte auf internationaler Bühne

seine in der Meisterschaft sichtbaren

Fortschritte und erzielte drei Tore

in vier Gruppenspielen. Im Finale blieb

er zwar ohne Treffer, sorgte aber

erneut für viel Schwung im Angriffsspiel

der Davoser. «Unsere Aufgabe

wurde erschwert, weil wir meist einem

Rückstand hinterherlaufen mussten»,

erklärte Ambühl nach dem Spiel.

Trotz des deutlichen Endstands war

das Finale lange offen. «Im Mitteldrittel

hätten wir das Spiel zu unseren Gunsten

entscheiden müssen. Wir machten

mehr Druck als die Kanadier und hatten

mehr Torchancen», sagte der Davoser

Trainer Arno Del Curto. «Da wäre mehr

drin gewesen. Leider haben wir durch

individuelle Fehler fünf Gegentore

verschenkt.» Die Aussetzer – etwa von

Barry Richter bei den ersten beiden

Gegentreffern – blieben zunächst

Lokomotive Jaroslawl beendete das

Turnier auf Rang drei. Vom russischen

Meister war mehr erwartet worden,

doch nach einem starken Start baute

das Team deutlich ab. Jokerit Helsinki

und die Krefeld Pinguine belegten die

Plätze vier und fünf. Die Deutschen

hinterliessen einen sympathischen

Eindruck und wurden nach ihrem letzten

Spiel von den Zuschauerinnen und

Zuschauern mit Szenenapplaus verabschiedet.

Ein spezieller Einsatz kam für

Jonas Hiller zustande: Der temporäre

Davoser Ersatzgoalie, der in der Meisterschaft

in Lausanne unter Vertrag

war, sass nicht nur für Davos auf der

Bank – sondern aufgrund von Personalproblemen

auch bei Krefeld im Spiel

gegen Jaroslawl.

: Andres Ambühl war die Entdeckung des Spengler

Cup 2003 – hier mit Thierry Paterlini (links).


2000 – 2009: DIE GOLDENEN JAHRE DES HC DAVOS

19

Turnier-Topscorer war mit zehn Punkten,

darunter fünf Toren, der Kanadier

Éric Landry in den Reihen des Hockey

Club Davos. Sein Teamkollege Oleg

Petrow wurde zum wertvollsten Spieler

gewählt. Der Spengler Cup war erneut

ein Zuschauermagnet: Acht der zehn

Gruppenspiele sowie das Finale waren

mit jeweils 7580 Besuchern ausverkauft.

6850 Zuschauer verfolgten

die Partie Krefeld gegen Jaroslawl,

7150 waren es beim Spiel Jaroslawl

gegen Jokerit. Die Gesamtauslastung

des Stadions betrug beachtliche

97,5 Prozent.

DRS Sport

2003

: Vitaly Atyushov (HK Metallurg Magnitogorsk) im Kampf gegen Brett Hauer (links) und

Jonas Hiller, Goalie beim Hockey Club Davos.

2004 – Davos krönt ein starkes Turnier

mit dem 13. Spengler Cup-Triumph

Der Hockey Club Davos stand zum

fünften Mal in Folge im Finale. Nach

den Erfolgen in den Jahren 2000 und

2001 gegen Team Canada mussten sich

die Davoser in den beiden darauffolgenden

Endspielen zweimal gegen

die Kanadier geschlagen geben. Nun

gelang die Rückkehr auf den Thron –

mit einem ganz besonderen Sieg.

Jeder der drei Turniersiege sei einzigartig

gewesen, resümierte Trainer

Arno Del Curto: Der erste im Jahr

2000 beendete eine 42-jährige Durststrecke.

Der zweite wurde erst in der

Verlängerung durch einen Treffer von

Lonny Bohonos deutlich gemacht. Und

der jüngste sei besonders wertvoll,

weil das Turnier durch den NHL-Lockout

so stark besetzt gewesen sei wie

nie zuvor. Der Hockey Club Davos stellte

mit seinen Lockout-Verstärkungen wohl

das stärkste Team in der Spengler Cup-

Geschichte. Umso erfreulicher: Auch

Schweizer Spieler setzten zahlreiche

wichtige Akzente, allen voran Goalie

Jonas Hiller, den viele als die Entdeckung

des Turniers feierten. Dieses

Mal hiess der Finalgegner des Hockey

Club Davos nicht Team Canada. Der

erst 20-jährige Tomáš Pöpperle hatte

mit glänzenden Paraden Sparta Prag

einen 4 : 2-Sieg gegen die Kanadier und

damit den Finaleinzug gesichert. Nach

dem 2 : 0-Sieg im Endspiel war es Marc

Gianola vergönnt, bei seiner zwölften

Spengler Cup-Teilnahme – und der

ersten als Captain – die Trophäe in die

Höhe zu stemmen. Das Spiel wurde

nicht nur in der Schweiz live im TV

übertragen, sondern auch im tschechischen

Fernsehen sowie in Kanada in

voller Länge ausgestrahlt.

Den Führungstreffer leitete Rick Nash

mit einem genialen Zuspiel ein: Der

20-jährige Kanadier spielte den Puck

mit einem Backhand-Pass zwischen

seinen eigenen Schlittschuhen hindurch

zu Michel Riesen. Dieser verwer-

17 Lockout-Spieler mit insgesamt 8300 NHL-Partien

Das Jahr der Lockout-Spieler

Davos-Stürmer Joe Thornton war in der zuvor ausgetragenen NHL-Saison der

Topverdiener unter den 17 am Spengler Cup spielenden Lockout-Spielern. Als

Captain der Boston Bruins liess er sich sein Konto mit 5,5 Millionen Dollar füllen.

Auf den nächsten Rängen der Topverdiener der NHL, die gleichzeitig am Spengler

Cup teilnahmen, folgten Petr Sýkora (Anaheim / Magnitogorsk) mit 4,2 Millionen

Dollar sowie Sergei Gontschar (Boston / Magnitogorsk) mit 3,65 Millionen Dollar.

Doch nicht nur Topverdiener waren am Turnier vertreten – auch Topscorer: Rick

Nash (im Bild – Columbus / Davos), in der letzten regulären NHL-Saison bester

Torschütze, und Martin St. Louis (Tampa Bay / Davos), der zum wertvollsten Spieler

der Liga gewählt wurde, gingen auf Punktejagd. Der erfahrenste NHL-Vertreter

war allerdings kein Spieler, sondern Schiedsrichter Bill McCreary – die damalige

Nummer eins unter den Referees der Liga.


News

erleben

statt nur

lesen.


2000 – 2009: DIE GOLDENEN JAHRE DES HC DAVOS

21

tete direkt und liess Sparta-Goalie

Pöpperle keine Abwehrchance. Riesen

stellte damit einmal mehr seinen Torinstinkt

unter Beweis, den er während

der Saison bereits mehrfach gezeigt

hatte. Mit seinem frühen Treffer in der

achten Minute legte er den Grundstein

zum Finalsieg.

Danach musste der Hockey Club Davos

aber dem über mehr als zwei Drittel

dauernden Ansturm der Prager standhalten,

was auch gelang. Die Entscheidung

fiel 35 Sekunden vor Schluss mit

einem Schuss von Niklas Hagman zum

2 : 0 ins verwaiste Tor. Die Tschechen

hatten zuvor ihren Torhüter gegen

einen sechsten Feldspieler ausgetauscht.

Riesen wollte sich nach der Partie

nicht als Matchwinner feiern lassen.

«Wichtig war nicht, dass ich das 1 : 0

geschossen habe, sondern dass wir als

Mannschaft dieses Endspiel gewonnen

haben», betonte er. Und fügte hinzu:

«Wenn wir uns bei jemandem bedanken

müssen, dann bei Jonas Hiller – er hat

eine sensationelle Partie gezeigt.»

Hiller wurde im Finale laut offizieller

Schussstatistik 41 Mal geprüft, unter

anderem von Spartas NHL-Grössen

David Výborný, Jan Hlavác, Karel Pilar,

Ivan Majeský und Martin Richter. «Die

ganze Mannschaft hat defensiv alles

gegeben und mir so die Arbeit erleichtert»,

sagte der 22-Jährige bescheiden.

«In einigen Situationen konnte ich mit

Paraden etwas zurückgeben.» Rückblickend

sprach Hiller von einer «super

Woche für die ganze Mannschaft». Er

selbst habe jeweils nur von Spiel zu

Spiel gedacht – an das Finale erst, als

die Qualifikation feststand. Hinter Davos

und Sparta Prag reihten sich Team

Canada, HK Metallurg Magnitogorsk und

HIFK Helsinki auf den Plätzen drei bis

fünf ein. Besonders spektakulär war das

Gruppenspiel zwischen den beiden osteuropäischen

Teams Metallurg und Helsinki:

Das Offensivfeuerwerk mit zehn

Toren endete erst im Penaltyschiessen.

Zwar erreichte HIFK Helsinki nur den

letzten Platz, zeigte aber eine beachtliche

Leistung – einzig an Effizienz

fehlte es. Die Russen hatten viel Pech:

mehrere Pfostenschüsse und gleich

zwei Niederlagen im Penaltyschiessen

verhinderten ein besseres Abschneiden.

Zum Abschluss eines sportlich erfolgreichen

Jahres setzten Mannschaft

und Verwaltungsrat des Hockey Club

Davos ein starkes Zeichen der Solidarität:

Die 20 000 Franken Siegprämie

aus dem Spengler Cup-Finale spendeten

sie den Opfern der Flutkatastrophe

in Südostasien.

DRS Sport

2004

2005 – Mit Metallurg Magnitogorsk

gibt es einen neuen Sieger

Metallurg Magnitogorsk feierte seinen

ersten Erfolg am Spengler Cup. Dies,

nachdem der Club noch 1999 im Finale

am deutschen Vertreter Kölner Haie

gescheitert war. Es war der erste Sieg

eines russischen Teams seit 1991.

Damals hatte der Fall des Eisernen Vorhangs

die Dominanz der sowjetischen

Clubs in den 1980er-Jahren beendet.

Die Eisbären Berlin belegten Rang drei

noch vor den Vorjahresfinalisten Hockey

Club Davos und HC Sparta Prag.

Im Finalspiel gegen Team Canada ging

Magnitogorsk früh in Führung und lag

während des gesamten Spiels vorn –

ein entscheidender Vorteil für die

Russen. Bereits nach 69 Sekunden

erzielte Ruslan Nurtdinow das 1 : 0.

Dmitri Sergejewitsch Juschkewitsch

und Jewgeni Gladskich erhöhten den

Spielstand im dominanten Startdrittel.

Eine heikle Phase erlebte der spätere

Sieger nur im Mitteldrittel, als

Cory Murphy auf 2 : 3 verkürzte und

Team Canada für rund zehn Minuten

Druck machte. Zwei Eigentore beendeten

jedoch die Aufholjagd der Kanadier.

Im Schlussdrittel konnten die Nordamerikaner

selbst während 81 Sekunden

mit zwei Spielern in Überzahl keine

zwingende Torchance herausspielen.

Danach kassierten sie demoralisiert

noch drei weitere Gegentreffer und

mussten eine deutliche 3 : 8-Niederlage

hinnehmen. Das Davoser Publikum unterstützte

die Russen, nachdem es mit

der Finalqualifikation des eigenen Teams

nicht geklappt hatte.

Mit Freudentränen in den Augen hörte

Coach Dave King die Schlusssirene – es

war sein dritter Spengler Cup-Triumph.

Bereits 1987 und 1992 hatte er das

Turnier als Trainer von Team Canada

Reto Bertolotti rasiert sich den Kult-Schnauz ab

Aus Bertolotti wird «Bertolohni»

Ein ungewöhnlicher Moment beim Spengler Cup 2004: Vor laufender TV-Kamera

liess sich Profi-Schiedsrichter Reto Bertolotti von Coiffeuse Beatrice Johner

seinen legendären Schnauz abrasieren – nach 25 Jahren war Schluss mit dem

markanten Markenzeichen. Ausgelöst wurde die Aktion durch ein Publikumsspiel

des Schweizer Fernsehens. Während der ersten Drittelpause jeder Partie durften

Zuschauerinnen und Zuschauer im Stadion per SMS Fragen an prominente

Spengler Cup-Gäste stellen. An jenem besonderen Abend fragte Alex, ein junger

Fan des Hockey Club Davos, ob sich Bertolotti den Schnauz abrasieren würde. Zur

Überraschung aller sagte der Schiedsrichter spontan ja – und wurde damit zum

medialen Gesprächsthema. Seitdem hört er auf den Spitznamen «Bertolohni».


97.

Spengler Cup Davos 2025

2006 – Davoser Triumph dank

Ambühls Geistesblitz

Mit Andres Ambühl sorgte ein Einheimischer

dafür, dass der Spengler Cup-

Pokal in Davos blieb. Im Finalspiel nutzte

der Davoser Stürmer einen Ausflug

des kanadischen Torhüters und erzielte

in der 49. Minute das entscheidende 3 : 2.

: Dmitri Sergejewitsch Juschkewitsch (Metallurg) feiert das fünfte Tor seines Teams im Finalspiel des

Spengler Cup 2005 gegen das Team Canada.

gewonnen. Nun feierte er als Kanadier

mit einer russischen Mannschaft einen

historischen Erfolg. Torhüter Travis

Scott – ebenfalls ein Kanadier in Diensten

der Russen – hatte gemischte Gefühle:

«Ich freue mich für die Mannschaft,

aber es ist ein seltsames Gefühl, als

Kanadier mit einem russischen Team

gegen Kanada bei einem so bedeutenden

Turnier gewonnen zu haben.»

Wie hoch der Stellenwert des Spengler

Cup ist, zeigte sich bei Juschkewitsch,

der 858 NHL-Spiele bestritten hat.

«Für mich ist ein Traum wahr geworden»,

sagte der Verteidiger, der 1992

Olympia-Gold gewann. «Ich werde immer

an dieses Turnier denken – und

noch meinen Enkelkindern davon erzählen.»

Besonders beeindruckt zeigte

sich Juschkewitsch vom Jubel der Zuschauerinnen

und Zuschauer. So etwas

habe er in seiner langen Karriere noch

nie erlebt: «In meinem Namen und im

Namen der Mannschaft: ein herzliches

Dankeschön an Davos und das Publikum.»

Der sportliche Wert des Turniers war

einmal mehr sehr hoch. Mit Ausnahme

von zwei Spielen verliefen alle Partien

äusserst ausgeglichen. Die Kanadier

Mark Beaufait und Steve Walker (beide

Eisbären Berlin) waren mit sieben

Scorerpunkten, darunter jeweils zwei

Toren, die erfolgreichsten Akteure des

Turniers. Der Tscheche Josef Marha

vom Hockey Club Davos wurde als

wertvollster Spieler ausgezeichnet.

DRS Sport

2005

Ambühl bescherte dem Hockey Club

Davos damit den 14. Turniersieg. Die

entscheidende Szene ereignete sich,

als Justin Pogge – der 20-jährige

Goalie von Team Canada und amtierender

Junioren-Weltmeister – hinter dem

eigenen Tor unbedrängt am Puck vorbeischlug.

Ambühl reagierte blitzschnell

und schob die Scheibe ins verwaiste

Tor. «Ich erschrak selbst, als der Puck

plötzlich an meiner Schaufel lag und

kein Goalie im Tor stand», sagte

Ambühl später mit einem Lächeln.

«Vielleicht war es besser so.»

Der Erfolg war das Resultat von purem

Willen und grossem Kampfgeist – nicht

nur bei Ambühl, sondern bei der gesamten

Davoser Mannschaft. Bereits

nach acht Minuten lag der Gastgeber

mit 0 : 2 zurück. Doch Sandro Rizzi

leitete die Wende ein: Nach seinem

gewonnenen Bully setzte sich Robin

Leblanc energisch durch und verkürzte

auf 1 : 2. Zu Beginn des Schlussdrittels

glich Eero Somervuori im Powerplay aus.

Der Hockey Club Davos hatte sich den

Spengler Cup-Sieg hart erkämpfen

müssen. Nach einem 4 : 1-Sieg gegen die

Eisbären Berlin in der Qualifikationsrunde

gewannen sie mit demselben

Resultat auch gegen die Schweden aus

Pat Quinn war ein ganz Grosser des Eishockeys

Bei Team Canada steht die Legende

an der Bande

617 Einsätze hatte Pat Quinn in der NHL. Nach seinem Rücktritt als Spieler im Jahr

1977 trainierte Quinn die Eishockey-Vereine Philadelphia Flyers, Los Angeles Kings,

Vancouver Canucks, Toronto Maple Leafs und Edmonton Oilers. Bei den letzteren

beiden fungierte er auch als General Manager. Sein wohl grösster Erfolg war Olympia-

Gold mit der kanadischen Nationalmannschaft in Salt Lake City 2002. Der Sieg am

Spengler Cup 2006 blieb ihm allerdings verwehrt. Team Canada unterlag im Finale

dem Hockey Club Davos.


: Christian Hofstetter

Generalsekretär 2026 IIHF Eishockey-Weltmeisterschaft, Schweiz

«Seit meiner Jugend gehörte der Spengler Cup zum traditionellen Programm

in den Neujahrswochen. Entweder als Fernsehzuschauer, als Spieler mit

Fribourg-Gottéron, im Einsatz für einen der Sponsoren oder einfach als

begeisterter Gast und Zuschauer war und ist der Spengler Cup Davos

immer ein Highlight im Eishockeykalender.»


97.

Spengler Cup Davos 2025

: Captain Sandro Rizzi freut sich über den 14. Sieg

des Hockey Club Davos am Spengler Cup 2006.

Mora, verloren aber gegen Team Canada

3 : 6 und gegen Chimik Mytischtschi

Oblast 2 : 3 nach Verlängerung. Somit

zogen sie dank dem Sieg in der Direktbegegnung

gegen Mora in das Finale ein.

Sandro Rizzi, der den verletzten Marc

Gianola als Captain vertrat, durfte

am Ende die Siegertrophäe entgegennehmen.

«Dieser Sieg ist etwas Besonderes

– Team Canada im Finale zu

schlagen, ist nie einfach», erklärte er

nach dem Spiel.

Mora IK aus Schweden erwies sich als

starke Bereicherung und belegte Platz

drei. Der russische Vertreter Chimik

Mytischtschi, der mit zwei Niederlagen

enttäuschte, zeigte auf der anderen

Seite mit dem 5 : 0-Sieg gegen Team

Canada und dem 3 : 2-Sieg gegen den

Hockey Club Davos nach Verlängerung

eindrucksvoll seine Qualitäten. Am

Ende blieb der vierte Rang. Am Schluss

der Rangliste standen die Eisbären

Berlin. Der erfolgreichste Spieler des

Turniers war der Tscheche Pavel Brendl

in Diensten von Mora IK mit sieben

Scorerpunkten, darunter vier Toren.

DRS Sport

2006

2007 – Nach vier Jahren heisst der

Sieger wieder Team Canada

Nach vier Jahren mit zwei Finalniederlagen

konnte Team Canada den

Spengler Cup erstmals seit 2003

wieder gewinnen und den elften Titelgewinn

seit 1984 feiern.

Im Finalspiel setzte sich das Team mit

2 : 1 gegen die russische Topmannschaft

Salawat Julajew Ufa durch.

Matchwinner war ausgerechnet NHL-

Torhüterlegende Curtis Joseph – ein

Spieler, der zum Zeitpunkt des Turniers

bei keinem Club unter Vertrag stand.

Nachdem er von den Phoenix Coyotes

keinen neuen NHL-Vertrag erhalten

hatte, hielt sich Joseph, der vor dem

Spengler Cup bereits über 1000 Partien

in der NHL bestritten hatte, auf

eigene Faust fit. Beim Spengler Cup

beeindruckte er mit starkem Stellungsspiel

und zahlreichen Glanzparaden

und hatte entscheidenden Anteil

am Turniersieg der Kanadier. Insge-

samt wurde er von den Ufa-Spielern

39 Mal geprüft. Lediglich Alexander

Pereschogin – mit sechs Scorerpunkten,

darunter drei Toren, der erfolgreichste

Spieler des Turniers – konnte

Joseph in der 30. Minute bezwingen.

Bereits drei Minuten zuvor hatte Kirby

Law Team Canada mit einem umstrittenen

Treffer in Führung gebracht:

Ufas Goalie Alexander Jerjomenko

hatte den Puck über mehrere Sekunden

zwischen Schoner und Pfosten blockiert,

ehe Law die Scheibe ins Tor stocherte.

Die Schiedsrichter hätten das Spiel

zuvor unterbrechen müssen.

Jerjomenko war über diese Fehlentscheidung

derart frustriert, dass er

kurz nach dem Ausgleich die Konzentration

verlor: Nur 40 Sekunden später

lenkte er einen von der Bande zurückspringenden

Puck mit dem Schoner

unglücklich ins eigene Tor – das

entscheidende 2 : 1 für Team Canada.

Die kanadische Delegation war mit

insgesamt 132 Personen nach Davos

gereist, darunter 35 Kinder der Spieler

– sogar die erst fünf Wochen alte

Tochter von Stürmer Domenico Pittis

war mit dabei. Auch für vier mitgereiste

Fans aus Baschkortostan hatte sich

die über 4000 Kilometer lange Anreise

nach Davos gelohnt – immerhin sahen

sie ihr Team im Finale, bevor es die

4000 Kilometer wieder zurück ging.

Neben Ufa und Team Canada hatte

auch Mannheim bis zum letzten Spiel

Die Familie bestimmte die Länge seiner Karriere mit

Dank dem Spengler Cup zurück in die NHL

Nach seinem herausragenden Auftritt beim Spengler Cup erhielt der zu diesem

Zeitpunkt vertragslose Curtis Joseph tatsächlich noch einmal einen NHL-Vertrag –

diesmal von den Calgary Flames. Anschliessend absolvierte er eine weitere Saison

bei den Toronto Maple Leafs, bevor er im Januar 2010 im Alter von 41 Jahren seine

Karriere beendete. Einen grossen Einfluss auf seine Entscheidung, nach dem

Spengler Cup-Triumph nochmals die Schlittschuhe zu schnüren, hatte seine Familie.

Dass ihm dies so wichtig war, dürfte mit seiner Kindheit zusammenhängen: Curtis

Joseph wurde als Sohn zweier Teenager geboren. Seine Mutter, Wendy Munro, gab

ihn nur fünf Tage nach der Geburt zur Adoption frei. Aufgenommen wurde er von

der Krankenschwester Jeanne Joseph und deren Ehemann, die ihm den Vornamen

seines leiblichen Vaters Curtis Nickle gaben. So hiess er als Jugendlicher Curtis

Shyne Munro. Den Nachnamen Joseph nahm er erst als Erwachsener an.


2000 – 2009: DIE GOLDENEN JAHRE DES HC DAVOS

25

Nach dem Spiel lobte Petr Cajánek die

Teamleistung sowie seine beiden

Sturmpartner Mattias Weinhandl und

Éric Landry – bei allen drei Treffern

hatte ihm Weinhandl den Puck perfekt

aufgelegt. Der hohe Stellenwert, den

der Spengler Cup in Tschechien hat,

zeigte sich auch darin, dass der

tschechische Dynamo-Trainer Vladimir

Vujtek Senior nach dem Triumph

Freudentränen vergoss.

: Freuen sich nach drei Jahren ohne Titelgewinn über den elften Sieg von Team Canada am Spengler Cup 2007

(von links): Shawn Heins, Ryan Keller, Yves Sarault und Curtis Murphy.

noch Chancen auf den Finaleinzug.

Dafür hätte es gegen Kanada siegen

müssen – doch nach der 2 : 4-Niederlage

war der Traum geplatzt. Die

Deutschen belegten damit Rang drei

vor dem HC Pardubice und dem Gastgeber

Davos. IMG (Schweiz AG) war

erstmals Vermarkter des Turniers,

dies nach dem frühzeitigen Ausscheiden

der Sportart AG ein Jahr früher

als geplant. Augenfällig war das neue

Hospitality-Konzept mit dem «EisDome»

und die Tatsache, dass es IMG auf

Anhieb gelang, alle fünf Mannschaften

einzeln zu vermarkten.

DRS Sport

2007

Olympischen Spielen erzielte drei

Tore. Das Führungstor markierte er in

Unterzahl nach zehn Minuten, das 2 : 0

gelang ihm in der 29. Minute nach einer

sehenswerten Kombination seiner Linie.

Noch in derselben Minute erhöhte sein

Teamkollege Iwan Neprjajewauf 3 : 0.

Die Kanadier verkürzten im Mittelabschnitt

mit zwei Powerplay-Toren

innerhalb von 18 Sekunden auf 3 : 2.

Vorentscheidend war Petr Cajáneks

Treffer zum 4 : 2 – nur 42 Sekunden

nach Beginn des Schlussdrittels. Zwar

verkürzte Randy Robitaille in der 50.

Minute nochmals auf 4 : 3, doch Maxim

Pestuschko sorgte in der 58. Minute

für die endgültige Entscheidung.

Der prominenteste Name im Kader von

Dynamo Moskau – und des gesamten

Turniers – war Alexej Schitnik. Der

36-jährige Verteidiger aus der Ukraine

blickt auf 1183 NHL-Spiele sowie auf

olympisches Gold (1992) und Silber

(1998) zurück. Erfolgreichster Scorer

des Turniers war Dmitri Afanassenkow

(Dynamo Moskau) mit sieben Punkten,

darunter vier Toren.

Hinter Dynamo Moskau und Team

Canada belegten der Hockey Club Davos,

Karlovy Vary und der ERC Ingolstadt

die Plätze drei bis fünf. Alle Spieler von

Team Canada trugen während des

Turniers zu Ehren von Jim Koleff die

Initialen «JK» auf Helmen und Trikots.

Koleff, der beim Vorjahressieg des Teams

noch Assistenztrainer war, verlor wenige

Wochen vor dem Spengler Cup seinen

langjährigen Kampf gegen den Krebs.

Erstmals seit Heini Schmid vor 25 Jahren

leitete mit Marco Prugger wieder

ein Schiedsrichter aus dem Kanton

Graubünden eine Partie beim Spengler

2008 – Dynamo Moskau 25 Jahre nach

dem ersten Triumph

Dynamo Moskau gewann 25 Jahre nach

dem ersten Triumph zum zweiten Mal

den Spengler Cup und brachte den

Pokal 17 Jahre nach dem Erfolg von

ZSKA Moskau erneut in die russische

Hauptstadt.

Im Finalspiel besiegten die Russen

Team Canada mit 5 : 3. «Gegen die

Kanadier zu siegen, ist immer besonders

schön», freute sich Mittelstürmer

Petr Cajánek. Der dreifache

Weltmeister mit Tschechien und

Gewinner der Bronzemedaille bei den

: Genugtuung im Team von Dynamo Moskau mit Vitaly Yachmenev (links), Éric Landry

(kanadisch-US-amerikanischer Spieler in den Reihen der Russen) und Trainer Vladimir Vůjtek Senior.


97.

Spengler Cup Davos 2025

Cup. Für den Churer ging damit ein

Kindheitstraum in Erfüllung: «Ich freute

mich nach dem Aufgebot wie ein Kind

auf Weihnachten. An diesem Turnier

Spiele leiten zu dürfen, ist etwas absolut

Besonderes.»

Der gute Ruf von HC Davos-Arzt Gregor

Niedermaier hatte inzwischen auch

Russland erreicht: Dynamo Moskau

brachte einen verletzten Spieler nach

Davos, um ihn im dortigen Spital medizinisch

behandeln zu lassen. Neben

Spielern und Staff waren lediglich zehn

Fans mit Dynamo Moskau nach Davos

gereist. Auch die beiden russischen

Journalisten waren unter den 170 akkreditierten

Medienschaffenden deutlich in

der Minderheit. Eine Premiere erlebte

Formel-1-Fahrer Jarno Trulli: Er sah in

Davos sein erstes Eishockeyspiel –

das Finale des Spengler Cup.

DRS Sport

2008

2009 – Erster Sieg eines

weissrussischen Teams

Strahlend stemmte Dinamo Minsk-

Captain Ville Peltonen den Siegerpokal

in die Höhe – gab ihn jedoch sogleich an

Goalie Andrej Mesin weiter. Aus gutem

Grund: Der weissrussische Nationaltorhüter

brillierte beim 3 : 1-Finalsieg

gegen den Hockey Club Davos mit einer

herausragenden Leistung und wurde

verdient zum Torhüter des Turniers

gewählt.

Mesin war der Held des Abends: Beim

Stand von 2 : 1 vereitelte er mit spektakulären

Paraden mehrere hochkarätige

Chancen der Davoser und verhinderte

so den Ausgleich. Er rettete unter

anderem gegen Reto von Arx, Juraj

Kolnik, Beat Forster und Paolo Duca.

Erst 33 Sekunden vor Schluss sorgte

Dmitry Meleshko mit einem Treffer

ins verlassene Davoser Tor für die

endgültige Entscheidung.

Bereits in den ersten beiden Dritteln

hatte Dinamo Minsk durch Aljaksandr

Kulakou (9. Minute) und Denis Kotschetkow

(25. Minute) getroffen. Insgesamt

parierte Mesin im Finale 26

: Minsk freut sich über den ersten Sieg eines Teams aus Belarus im Jahr 2009.

von 27 Schüssen. In seinen drei Einsätzen

beim Spengler Cup liess er nur zwei

Gegentore zu – eine beeindruckende

Fangquote von 97,5 Prozent. Es war

nicht das erste Mal, dass Mesin in der

Schweiz glänzte: Schon bei der Weltmeisterschaft

2009 in Bern war er als

bester Goalie ausgezeichnet worden.

Mit diesem Erfolg gewann erstmals

eine Mannschaft aus Belarus – und damit

aus einer ehemaligen Sowjetrepublik –

den Spengler Cup. Toptorschütze des

Turniers war Serhij Warlamow (Ukraine)

vom Siegerteam HK Dinamo Minsk mit

neun Scorerpunkten, darunter zwei Toren.

Auch das Gastgeberteam zeigte ein

starkes Turnier: Es gewann zum Auftakt

3 : 2 gegen den späteren Turniersieger,

besiegte Karlovy Vary (5 : 3)

sowie die Adler Mannheim (3 : 1) und

unterlag lediglich Team Canada (2 : 6).

Hinter Minsk und Davos belegten Adler

Mannheim, Team Canada und Karlovy

Vary die Ränge drei bis fünf.

Ein besonderer Moment für den Hockey

Club Davos: Die Nummer 5 – das Trikot

von Marc Gianola – wurde als erstes

überhaupt unter dem Stadiondach

verewigt. Für Aufsehen sorgte auch

der 16-jährige Tessiner Samuel Guerra,

der als jüngster Spieler des Turniers

sein Spengler Cup-Debüt gab. Offiziell

noch bei den Davoser Novizen, wurde

er von Trainer Arno Del Curto nach nur

zwei NLA-Einsätzen überraschend

aufgeboten. Aus Rücksicht auf seine

Entwicklung durfte Guerra jedoch keine

Interviews geben – der Coach wollte

ihn schützen. Pech hatte Dimitri Jurjewitsch

Sjusin von Karlovy Vary: Der

Stürmer verlor nach einem Puckschlag

ins Gesicht drei Zähne. Doch er hatte

Glück im Unglück: Ein Zahnspezialist

auf der Tribüne versorgte die tiefe

Fleischwunde mit 27 Stichen. Obwohl

Sjusin während der Behandlung bereits

den nächsten Einsatz ins Auge fasste,

musste er aber zunächst pausieren.

Ein beliebter Treffpunkt war auch diesmal

das Fanzelt: In nur sechs Tagen wurden

dort 13 000 Liter Bier, 6000 Bratwürste,

2500 Pizzen, 2500 Schweineschnitzel

und 600 Kilogramm Älplermagronen

konsumiert.

Die 83. Austragung des Traditionsturniers

markierte das Ende einer Ära:

Zum letzten Mal wurde in dem seit

1986 üblichen Modus mit einer fünf

Mannschaften umfassenden Qualifikation

und anschliessendem Finale gespielt.

Die Einführung der Fünferrunde

stammte gar aus dem Jahr 1958 und

blickte damit auf eine über 50-jährige

Tradition zurück. Ab 2010 nehmen sechs

Teams am Spengler Cup teil, dies ausschliesslich

mit dem Ziel, die Belastung

der Mannschaften besser zu verteilen.

DRS Sport

2009


: Catherine Debrunner

Sechsfache Goldmedaillengewinnerin an Olympischen Spielen

im Rollstuhlsport

«Die Emotionen im Eisstadion sowie auf dem gesamten Gelände des Spengler

Cup Davos sind unglaublich. Ich erlebte enthusiastische Fans aus der

ganzen Welt, Familienangehörige, die ihre Liebsten im Spiel anfeuern, eine

unglaubliche Partylaune im Festzelt, eine einwandfreie Organisation sowie

Spannung pur im Spiel. Der Spengler Cup hat für alle etwas zu bieten.»


2025

: Das sind die Teams


2025: DAS SIND DIE TEAMS

29

: Fribourgs Julien Sprunger stemmt den Pokal des Spengler Cup 2024 in die Höhe und feiert mit seinen Teamkollegen den ersten Titel von Fribourg-Gottéron.

: Gottéron will den Titel verteidigen

Als «Feuerwehrmann» hat Lars Leuenberger den HC Fribourg-Gottéron am letzten

Spengler Cup zum Turniersieg und gleichzeitig zum ersten Titel in der Clubgeschichte

geführt. Jetzt kämpft er als Assistent von Headcoach Roger Rönnberg um die

erfolgreiche Titelverteidigung.

In den letzten zehn Tagen

des Jahres 2024 überschlugen

sich die Ereignisse

beim HC Fribourg-Gottéron.

Besonders verrückt waren sie für Lars

Leuenberger. «Ja, es war ein wilder Einstieg,

ein spezieller Start», erinnert er

sich. Am 22. Dezember übernahm Leuenberger

beim in der Meisterschaft

kriselnden Club den Posten als Headcoach.

Tags darauf gewann er bei seinem

Einstand als Cheftrainer mit Gottéron

gegen den EV Zug mit 2 : 1. Am 24. Dezember

feierten die Spieler und die Staffmitglieder

individuell zuhause mit ihren

Familien Weihnachten. Am folgenden

Vormittag begann die Expedition

Spengler Cup mit der Reise im Bus von

Freiburg nach Davos, wo am Abend

erstmals gemeinsam trainiert wurde.

Im Auftaktspiel des Traditionsturniers

mussten die Freiburger am Stephanstag

gegen den tschechischen Spitzenclub

Dynamo Pardubice eine unglückliche

2 : 3-Niederlage nach Penaltyschiessen

hinnehmen. Danach setzte Leuenbergers

Mannschaft zu einem unwiderstehlichen

Siegeszug an. Im Halbfinale bootete

Gottéron den Gastgeber Hockey Club

Davos dank zwei Treffern in den letzten

252 Spielsekunden mit 4 : 2 aus. Und im

Endspiel hatten die Freiburger beim

7 : 2-Triumph gegen die ausgelaugten

Straubing Tigers keine Mühe – die

Deutschen bestritten ihre fünfte Partie

innert fünf Tagen, Fribourg hingegen

erst seine vierte in sechs Tagen.

Gottéron feierte mit dem Spengler Cup-

Sieg seinen ersten Titelgewinn überhaupt

in der Clubgeschichte.

Leuenberger appellierte an die DNA

von Fribourg-Gottéron

Wie konnte Lars Leuenberger dieses

Fribourg-Wunder in so kurzer Zeit

bewerkstelligen? Er habe an die DNA

von Fribourg-Gottéron appelliert, an

die verschworene Gemeinschaft, in

welcher jeder für jeden kämpft. Weiter

habe er im Spiel einige Änderungen

vorgenommen, sagt Leuenberger rückblickend.

«Ich war überzeugt, dass wir

eine gute Mannschaft haben und dass

die Jungs noch immer Eishockey spielen

können.» Bei seinen Schützlingen stiess

Leuenberger auf offenen Ohren. Und es

gefiel dem Headcoach, was er von ihnen

am Spengler Cup sah. «Wir spielten ein

Eishockey, bei dem es für die Gegner

nicht einfach war, gegen uns Tore zu

schiessen. Dazu gesellte sich wieder


100 % ME

60 % Familienzeit 40 % Cabin Attendant

auch möglich:

100 % Spengler Cup Fan

40 % Cabin Attendant

Teilzeit fliegen, vollzeit jubeln.

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2025: DAS SIND DIE TEAMS

31

Erfolg. «Dieser Turniersieg bedeutet

mir auch persönlich sehr viel», sagt

Leuenberger. «Hinter dem Spengler

Cup steckt eine riesige, 100-jährige

Geschichte. Als Kind habe ich die Live-

Übertragungen der Spiele im Fernsehen

verfolgt. Ab und zu war ich auch

im Stadion. Über all die Jahre wurde der

Traditionsanlass, der in der ganzen Eishockeywelt

bekannt ist, Kult für mich. Den

Spengler Cup nun selbst gewinnen zu

dürfen – und das erst noch in jener

speziellen Situation von Fribourg-

Gottéron –, ist und bleibt für mich

einzigartig.»

: Der letztjährige Headcoach und diesjährige Assistenztrainer Lars Leuenberger animiert die Fans zur Welle.

unsere bekannte Stärke: Fribourg ist

eine Mannschaft, die den Puck gerne

auf dem Stock hat. Wir wollen in der

Offensivzone Dominanz kreieren und

Puckbesitz haben, nicht blindlings aufs

Tor schiessen, sondern die Offensivzeit

zu unserem Vorteil nutzen. Diese Stärke

muss mit konstanter Disziplin einhergehen,

auf allen Linien und in jedem Spiel.»

Initialzündung für eine

starke zweite Saisonhälfte

Die gemeinsamen Tage in Davos waren

bei Fribourg-Gottéron höchst wertvoll

fürs Teambuilding. Und der sportliche

Triumph stärkte das Selbstvertrauen

der Spieler enorm. Der Spengler Cup-

Sieg war die Initialzündung für die

erfolgreiche zweite Saisonhälfte. Die

Freiburger waren ab Januar in der

Regular Season die erfolgreichste

Mannschaft in der National League. Sie

beendeten die Qualifikation auf Rang

sechs. Im Play-off-Viertelfinale setzte

sich Gottéron in einer hart umkämpften

Serie gegen den drittklassierten

SC Bern durch. Die lange Saison ging

danach für Fribourg-Gottéron im Halbfinale

erst im alles entscheidenden

siebten Spiel gegen Lausanne zu Ende.

Leuenberger war 2016 mit dem SC Bern

Schweizer Meister geworden, nachdem

er in der Bundesstadt das Amt des

Cheftrainers erst fünf Monate zuvor

übernommen hatte. Der Spengler Cup-

Triumph ist seither sein grösster

Als Assistent nun für

die Offensive zuständig

Zur Titelverteidigung kehrt Leuenberger

mit den Freiburgern in der Altjahrswoche

in einer anderen Rolle nach

Davos zurück: als Assistent von Roger

Rönnberg, dem aktuellen Headcoach.

Der mit Frölunda Göteborg höchst

erfolgreiche schwedische Cheftrainer

hatte bei Gottéron bereits ab Saison

2025 / 26 unterschrieben, bevor Leuenberger

am 22. Dezember die Führung

bei den Westschweizern übernommen

hatte. Leuenberger fühlt sich jetzt als

Assistenztrainer nicht degradiert. «Im

heutigen Eishockey arbeitet der Trainerstaff

als Team mit einer klaren Aufgabenaufteilung»,

begründet er dies. Leuenberger

ist für die Offensive zuständig.

«Für alles, was mit dem Puck Richtung

gegnerisches Tor geschieht; das ist interessant

und spannend», präzisiert er.

Nicht von ungefähr hofft Leuenberger

auf viele Treffer, damit Fribourg-Gottéron

die Titelverteidigung gelingt.

Über 400 Tore für denselben Club

Julien Sprunger – der «ewige»

Gottéron-Spieler

Am 31. Dezember 2024 stemmte Julien Sprunger am Spengler Cup als Captain von

Fribourg-Gottéron die Siegertrophäe in die Höhe, vier Tage vor seinem 39.

Geburtstag. Der Rücktritt ist für ihn weiterhin kein Thema. Der 1,94 Meter lange

Flügelstürmer mit dem speziellen Torriecher hat in seiner ganzen Karriere nie für

einen anderen Club gespielt. Bis zum Ende der letzten Saison absolvierte Sprunger

für Gottéron 1117 Meisterschaftspartien in der obersten Schweizer Spielklasse.

Dabei erzielte er genau 400 Tore und 406 Assists.


97.

Spengler Cup Davos 2025

: Ein Unterhaltungsprogramm nach NHL-Vorbild.

: Ohne Fans kein heroisches Sparta

Wenige europäische Mannschaften geniessen einen ähnlichen Ruhm wie der HC Sparta

Praha. Das Eishockeyteam ist der Stolz der Tschechen, gehört zu den bekanntesten

Sportvereinen in ganz Europa und liebäugelt mit dem dritten Spengler Cup-Titel.

In Tschechien wie auch

international steht der

HC Sparta Praha für sportlichen

Ehrgeiz und gelebte

Eishockey-Leidenschaft. Entsprechend

visiert das traditionsreiche Team auch

in Davos nichts Geringeres als den

Turniersieg an. Der zweifache Spengler

Cup-Champion (1962, 1963) verpasste

vor drei Jahren den dritten Titel nur

hauchdünn. Viereinhalb dramatische

Minuten entschieden damals im Penalty-

Shootout zu Gunsten von Ambrì-Piotta.

Derselbe Ehrgeiz wird die Tschechen in

der Altjahrswoche zum elften Mal beim

Spengler Cup antreiben. Mit dabei sind

die leidenschaftlichen Fans, Herz und

Motor des Teams. «Unsere Fans sind

unglaublich treu. Sie begleiten uns zu

jedem Auswärtsspiel, sodass wir in keiner

Arena jemals allein sind», lobt Marek

Táborský die Anhängerinnen und

Anhänger des Clubs. Ihr Jubel, ihre

Fahnen und ihr unermüdlicher Einsatz

entfachen Spartas Leidenschaft und

treiben die Spieler zu Höchstleistungen.

Ohne sie wäre jeder Sieg nur halb so

strahlend. Táborský, der im Club Medien

und Fans bei Laune halten soll, entpuppte

sich bei seinem Davos-Aufenthalt

2022 als Spengler Cup-Fan: «Für

mich, der früher selbst einmal in Spartas

Fankurve stand, ging damit ein Traum in

Erfüllung. Seitdem empfehle ich das

Turnier jedem, der Eishockey liebt.»

In Prag erleben Fans eine Atmosphäre,

die sogar die NHL übertrifft

Gegründet im Jahr 1903, gehört Sparta

zu den ältesten Eishockeyteams der

Welt. Der Club konnte die tschechische

Extraliga in den letzten 25 Jahren vier

Mal gewinnen, zuletzt im Jahr 2007. Seit

einem Jahrzehnt trägt der Club seine

Heimspiele in der imposanten O2 Arena

aus. «Eine laute, elektrisierende Stimmung,

die dennoch allen Generationen

Freude bereitet, ist unser Ziel. In der

O2 Arena begegnet man vielen Familien

mit Kindern. Durch ein sorgfältig


2025: DAS SIND DIE TEAMS

33

: Die Spengler Cup-Atmosphäre machte Marek Táborský zum «Botschafter».

: «Prag liebt Eishockey».

entwickeltes Programm am Spieltag ist

es uns gelungen, auch junge Fans für

uns zu begeistern», erklärt Táborský,

der die Werbetrommel rührt: «Viele

Besucherinnen und Besucher sagen,

dass die Unterhaltung hier mit der NHL

mithalten kann und dass wir sie dank

der einzigartigen Atmosphäre häufig

sogar übertreffen.» Ein Fixpunkt also

bei der nächsten Prag-Reise. Für Eishockeyliebhaberinnen

und -liebhaber

verbirgt sich mit der Hall of Fame des

tschechischen Eishockeys ein weiterer

Schatz in den Katakomben der Arena.

Tief in der Geschichte verwurzelt und

bis heute in Prag lebendig

Prag, die «Goldene Stadt» an der

Moldau, beeindruckt mit ihrer gut

erhaltenen Altstadt, der weltberühmten

Karlsbrücke, der Prager Burg und

unzähligen Kirchen und Türmen, die ihr

den Beinamen «Stadt der hundert

Türme» eingebracht haben. Neben ihrer

jahrhundertealten Geschichte ist Prag

auch ein Zentrum moderner Kultur,

Wissenschaft und Lebensfreude. Diese

Leidenschaft zeigt sich nicht nur in

Kunst und Architektur, sondern ebenso

im Sport: Eishockey und Fussball prägen

das Stadtleben und machen Prag auch

zu einer Sporthochburg Europas.

Zwei Sportarten ringen kämpferisch

um die Aufmerksamkeit der etwa

1,4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner

– oder vielleicht auch nicht? Kein

Konkurrenzdenken, bestätigt Táborský:

«Ich würde sagen, die überwiegende

Mehrheit der Eishockeyfans von Sparta

unterstützt auch den Fussballclub,

dessen Anhängerschaft weit über Prag

hinausreicht. Wir betrachten den AC

Sparta Praha nicht als Rivalen, sondern

als eine Art ‹Schwesterclub›, mit dem

wir gerne eng zusammenarbeiten.» Neid

empfinden müssen die Clubs eigentlich

auch nicht, denn Eishockey und Fussball

füllen regelmässig ihre Arenen. «Darauf

sind wir stolz», ergänzt Táborský.

Wenn zwei ambitionierte Teams auf

ebenso enthusiastische Fans treffen

In der vergangenen Saison lag der Zuschauerschnitt

bei 12 804 pro Spiel, und

jedes Play-off-Match war mit über

17 200 Fans ausverkauft. Damit gehört

der Club zu den fünf zuschauerstärksten

Teams in ganz Europa. Der HC Sparta

Praha wird auch beim 97. Spengler Cup

dafür Sorge tragen, dass das Eisstadion

Davos zu einer Hochburg für begeisterte

Zuschauerinnen und Zuschauer wird.

Gleich im ersten Face-off treffen die

Tschechen auf Fribourg-Gottéron, das

mit ähnlichen Attributen ausgestattet

anreist. Zu den beiden Teams gesellt

sich in der Gruppe Torriani als Vertreter

Finnlands der HIFK Helsinki.

Ein Buchstabe wurde zum Erfolgsgaranten

Erstes Training startete unter

einem Eisschnellläufer

Seit den Anfängen ziert ein markantes Symbol Spartas Trikots. Die Eishockey-

Abteilung von Sparta entstand am 6. Dezember 1903, als die Spieler erstmals

unter Leitung des Eisschnellläufers Jaroslav Petrák zum Eistraining gingen. Die

ersten Spiele wurden 1904 noch ohne das grosse «S» auf den Trikots bestritten.

Erstmals tauchte das Logo 1905 auf einem Spielertrikot auf und passt seither

perfekt – sowohl historisch als auch zum modernen Eishockey.



2025: DAS SIND DIE TEAMS

35

: Nach 24 Jahren in den USA kehrte Olli Jokinen 2021 in seine Heimat Finnland zurück. Seit dieser Saison ist er Trainer bei HIFK Helsinki.

: Siegambitionen mit ehemaligem NHL-Star

Bei HIFK Helsinki steht der prominenteste Mann an der Bande: Headcoach Olli Jokinen.

Der 47-Jährige macht aus seinen Spengler Cup-Ambitionen kein Geheimnis: «Wir wollen

mit der Siegertrophäe nach Finnland zurückfliegen.»

Olli Jokinen blickt auf eine

grosse Spielerkarriere zurück.

Während 17 Saisons

stürmte er in der NHL für

die Los Angeles Kings, die New York Islanders,

die Florida Panthers (mehrere

Jahre als Captain), die Phoenix Coyotes,

die Calgary Flames, die New York Rangers,

die Winnipeg Jets, die Nashville

Predators, die Toronto Maple Leaf und

die St. Louis Blues. Jokinen bestritt

1231 NHL-Partien allein in der Regular

Season (321 Tore/429 Assists), dazu

noch sechs Play-off-Partien für Calgary.

Mit Finnland gewann er einmal Olympia-

Silber und zweimal Bronze, weiter je drei

Silber- und Bronzemedaillen bei Weltmeisterschaften.

Der Kreis schliesst sich für Olli Jokinen

Seit dieser Saison amtet Jokinen als

Headcoach von HIFK Helsinki. Damit

schliesst sich für ihn der Kreis. 1998

hatte er als 19-jähriger Spieler seinen

Teil zum finnischen Meistertitel beigetragen,

ehe er definitiv den Sprung nach

Nordamerika wagte. «HIFK war ein

wichtiger Teil meiner Spielerkarriere.

Während meiner Zeit in Übersee war ich

bei HIFK für längere Zeit im Hintergrund

als einer der Clubbesitzer involviert. Da

sah ich, wie die Organisation hinter der

Szene operierte», berichtet Jokinen.

«Dass ich jetzt als Headcoach an der

Front wirke, erachte ich als Privileg. Mal

sehen, wie weit ich es in dieser Position

bringe.» Jokinen bezeichnet sein Team

als «energiegeladene Mannschaft»:

«Wir verfügen über viel Erfahrung,

haben jugendlichen Drive und Spieler,

die in ihrer Karriere kurz vor dem Durchbruch

stehen. Ich mag diesen Mix von


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2025: DAS SIND DIE TEAMS

37

: Die Spieler des HIFK Helsinki möchten jubeln und den Sieg nach Finnland mitnehmen. : Lauri Sinivuori, einer der hoffnungsvollen

Nachwuchsspieler von HIFK Helsinki.

Erfahrung und Jugend.» Zu den erfahrenen

Cracks gehören unter anderem Captain

Jori Lehterä sowie die zwei amtierenden

Olympiasieger Iiro Pakarinen und Petteri

Lindbohm.

Spezielle Erinnerungen an

die Kloten Flyers

Für Jokinen wird der Spengler Cup nicht

der erste Auftritt in der Schweiz.

Während der NHL-Lockout-Saison

2004 / 05 trug er im Herbst kurzfristig

die Farben der Kloten Flyers. «Ich genoss

jene Wochen sehr, auch wenn es nur

ein kurzer Zwischenstopp war – acht

Meisterschaftspartien genau. Das Tempo

in den Spielen und das totale, lautstarke

Engagement der Fans auf den Tribünen

bleiben für mich unvergesslich. Ja, die

Schweiz hinterliess bei mir einen bleibenden

Eindruck. Besonders die Kultur

der Eishockeyfans», erinnert sich Jokinen.

Ganz speziell war für den Finnen, dass

man damals auf der Tribüne noch rauchen

durfte: «Für mich roch die Arena nach

dem Spiel nach Bier, Schweiss und Zigarettenrauch.»

Von Kloten zog Jokinen in

jener Saison zunächst weiter nach

Schweden zu Södertälje SK und dann

nach Hause zum HIFK Helsinki.

Ein Turnier wie der Spengler Cup ist

«keine Schulreise»

Nun kehrt Jokinen für seine Spengler

Cup-Premiere in die Schweiz zurück. Er

weiss, was ihn erwartet: «Ein Turnier

auf hohem Niveau mit einer grossartigen

Geschichte und eine erstklassige

Organisation.» Er freue sich nicht nur

auf hochkarätige Gegner, sondern auf

den ganzen Event, so der HIFK-Headcoach.

«Für uns als Team ist der Spengler Cup

eine ideale Abwechslung zum Liga-

Alltag. Wir können uns mit anderen

starken Clubs messen. Gleichzeitig ist

es ein idealer Trip fürs Teambuilding.

Wir dürfen unsere Familien nach Davos

mitnehmen und einige schöne Tage auch

ausserhalb des Eishockeys verbringen.»

Doch sofort hebt Jokinen auch den

Warnfinger: «Wir betrachten den

Spengler Cup nicht als Schulreise. Wir

wollen am Turnier nicht einfach teilnehmen,

sondern erfolgreich sein. Unser

Ziel ist der Sieg!»

Und Jokinen nennt auch gleich das

Erfolgsrezept: «Wir sind ein bewegliches,

laufstarkes und energievolles

Team. Mit diesen Qualitäten wollen wir

das Spiel sowohl mit als auch ohne

Puck bestimmen. Aber natürlich wird

die Herausforderung gegen die starken

internationalen Konkurrenten für

uns hart sein.» HIFK Helsinki nimmt

heuer nach 1994, 1995, 2004 und 2022

zum fünften Mal am Spengler Cup teil.

Als einziger finnischer Club gewann

bislang KalPa Kuopio 2018 das Turnier.

HIFK-Verteidiger Tony Sund kennt sich in Davos bereits etwas aus

Tony Sund weiss, wie der HC Davos tickt

In der Saison 2020 / 21 stiess Tony Sund im Februar kurz vor den Play-offs vom

KHL-Club Dinamo Riga kommend zum Hockey Club Davos. Für die Bündner bestritt

der mittlerweile 30-jährige Finne insgesamt acht Meisterschaftsspiele. Jene

Saison beendete Sund mit Finnlands Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft

in Lettland, wo er die Silbermedaille gewann. Seit Sommer 2023 spielt

er für den HIFK Helsinki. Im Frühling dieses Jahres gehörte Sund erneut zum

finnischen WM-Team.


6. UND 7. MÄRZ 2026

20 UHR - EISSTADION DAVOS

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2025: DAS SIND DIE TEAMS

39

: Die NCAA-Auswahl muss in der Altjahrswoche zu einer Einheit finden.

: College-Party in Davos unter Aufsicht

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind zurück beim weltweit ältesten internationalen

Eishockey-Mannschaftsturnier. Eine Regeländerung machte die Teilnahme einer ambitionierten

NCAA-Auswahl, der US Collegiate Selects, beim 97. Spengler Cup möglich.

College-Eishockey ist in

Amerika eine der wichtigsten

und angesehensten

Sportarten und gilt als

Sprungbrett in die professionelle Welt.

Entsprechend gross war die Freude bei

der NCAA und deren Protagonisten

über die Vereinbarung mit den Davosern.

Als Headcoach kann Guy Gadowsky

seine Vision, ein College-Team zu

einem renommierten Turnier zu bringen,

in die Tat umsetzen. «Es ist eine

Ehre, Teil des Gründungsteams der US

Collegiate Selects zu sein und bei einem

so prestigeträchtigen Turnier anzutreten»,

sagte Gadowsky in einer Pressemitteilung.

In der Altjahrswoche erwartet

die Spengler Cup-Familie eine

handverlesene Auswahl an hungrigen

Spielern, die ihr Können unter Beweis

stellen werden.

Für Assistenztrainer Mike Souza, der

seine Karriere 1996 im Team der University

of New Hampshire begann und

jetzt dort als Headcoach fungiert,

schliesst sich nach 20 Jahren ein Kreis.

Damals zog es den heute 47-Jährigen

in die Schweiz, wo der Stürmer seine

Profikarriere fortsetzte. «Mein erster

Stopp in Europa war Olten. Ich erinnere

mich noch, wie ich mit meiner heutigen

Frau in Zürich landete und nach Olten

fuhr, wo ich auch die Chance hatte, in

Basel zu spielen», erzählt Souza. Durch

seinen ehemaligen Mitspieler Reto von

Arx kennt er Davos und den Spengler

Cup seit jeher und freut sich nun, seine

Universität im Landwassertal vertreten

zu dürfen.

Eine Gelegenheit, die es nur einmal im

Leben gibt

Der Stellenwert und das Potenzial des

Turniers eröffnen den amerikanischen

Spielern grosse Möglichkeiten. «Es ist

eine enorme Chance für diese Jungs,

deren vollen Wert viele vielleicht erst

später erkennen werden», so Souza,

der ergänzt: «Der Spengler Cup bietet

ihnen die Möglichkeit, in Europa gegen

Profis anzutreten. Und das in einer

mitreissenden Atmosphäre, vor grossartigem

Publikum und in der einzigartigen


VIVA PATGIFIC


2025: DAS SIND DIE TEAMS

41

spannend», lobt Souza die europäische

Fankultur, von der er heute noch

profitiert: «Die internationale Erfahrung

hat mich zu einem vielseitigeren

Coach gemacht, und einige Elemente

davon prägen bis heute meinen Stil.»

: Seine Vision, ein College-Team zu diesem renommierten Turnier zu bringen,

machte Guy Gadowsky zum ersten Headcoach dieser neuen Auswahl.

Kulisse von Davos. Für unsere Jungs ist

es die Chance ihres Lebens.»

Die Basis für die Teilnahme der US

Collegiate Selects wurde im Jahr 2024

gelegt, als eine Ausnahme von der

NCAA-Regelung eingeführt wurde, sodass

College-Spieler nun während des

akademischen Jahres für andere Teams

antreten dürfen.

Herausforderung bei der

Auswahl des perfekten Teams

Die Nominierung des Kaders wird von

den Organisatoren hinter dem Team mit

Akribie durchgeführt, denn die Auswahl

ist gross. «Wir wollen sicherstellen,

dass wir die richtige Mannschaft

zusammenstellen, um in Davos die bestmögliche

Chance auf Erfolg zu haben»,

so Souza, der weiss, dass in Davos

Scouts aller wichtigen Clubs der Welt

ein Auge auf seine Schützlinge werfen

werden. Dass zeitgleich mit dem

Spengler Cup in den US-amerikanischen

Städten Minneapolis und Saint Paul die

Junioren-WM über die Bühne geht,

eröffnet dem College-System weitere

Optionen. Es kann somit eine Select

U20 für die Weltmeisterschaft und eine

U26-Auswahl für den Spengler Cup

zusammenstellen.

Kultur und Leidenschaft

europäischer Hockeyfans

Seine Erfahrung als Spieler in Europa

hilft Souza im täglichen Job in der

Schmiede junger Eishockey-Talente.

«Hockey bleibt Hockey, das Spiel ist hier

wie in Europa gleich. Doch allein schon

die Kultur und Leidenschaft der europäischen

Hockeyfans zu erleben, ist

In New Hampshire fühlt sich der in der

Agglomeration von Boston aufgewachsene

Italo-Amerikaner wohl. Unter

anderem auch, weil ihn die Atmosphäre

bei den Spielen stark an Europa erinnert.

«Die Studierenden stehen während des

gesamten Spiels, feuern unser Team

von einer Seite an. Das macht richtig

Spass», charakterisiert der Coach die

«Fankurven-Stimmung» an seiner Wirkungsstätte,

die mit einem traditionsreichen

Hockeyprogramm aufwartet.

«Grossartige Spieler und Persönlichkeiten

sind hier vorbeigekommen»,

so Souza.

Die US Collegiate Selects vertreten

das US-College-Hockey und treffen zunächst

in der Cattini-Gruppe auf Team

Canada und den Gastgeber HC Davos.

: Sport gehört zum amerikanischen Ausbildungssystem.

Bei College-Spielen feuern die Studierenden

ihre Kollegen an.

Studium und Leistungssport verbinden

Sportstipendien im US-College-Hockey

In den USA sind Sportstipendien zentral für den College-Sport. Sie ermöglichen

Athletinnen und Athleten, Studium und Leistungssport zu verbinden, und decken

die Kosten für Studiengebühren, Unterkunft, Verpflegung, Bücher und Ausrüstung.

Coaches rekrutieren Talente national und international, um starke Teams zu

formen. Spielerinnen und Spieler profitieren von professioneller Betreuung,

modernen Trainingsmöglichkeiten und wichtigen Chancen, sich für Profi-Ligen zu

empfehlen.


97.

Spengler Cup Davos 2025

: Tanner Fritz spielte in seiner Karriere unter anderem bei den New York Islanders in der NHL und bei Dinamo Minsk in der KHL.

2024 lief er erstmals am Spengler Cup auf.

: Der ewige Favorit

Team Canada am Spengler Cup feiern zu sehen, ist eine der unvergesslichen Seiten

des Spengler Cup. Doch inzwischen müssen Team und Fans seit 2019 auf einen Erfolg

der Nordamerikaner warten.

16 Mal konnten die Spieler

von Team Canada bisher am

Spengler Cup den Pokal als

Sieger in die Höhe stemmen.

Seit 1984 ist Team Canada ununterbrochen

am Traditionsturnier dabei. Seit

nunmehr 2019 warten sie auf einen Erfolg.

Noch nie war die Durststrecke so

lang. Letztmals blieben sie zwischen

1987 und 1992 sowie zwischen 2007 und

2012 je viermal ohne Turniersieg.

Tanner Fritz: «Ich hätte nicht gedacht,

die Chance zu erhalten»

Trotz der Durststrecken gehört das

Team jedes Jahr zu den Favoriten, ist

Publikumsmagnet, Aushängeschild sowie

Rekordsieger geblieben, und die

Popularität in der Schweiz und in ihrem

Heimatland ist ungebrochen. Das Turnier

wird jeweils zwischen Weihnachten

und Neujahr in Kanada von TSN übertragen.

Die Einschaltquoten sind

beachtlich und der Spengler Cup in

manch einer sportbegeisterten Familie

Gesprächsthema. So war es auch bei

Tanner Fritz, der letztes Jahr erstmals

am Traditionsturnier spielte. «Ich bin

mit dem Spengler Cup aufgewachsen,

habe ihn jedes Jahr verfolgt. Deshalb

wollte ich schon immer einmal am

Spengler Cup spielen. Doch ich hätte

nie gedacht, dass ich je die Chance

dazu erhalten würde», freute er, der in

Fort St. John in British Columbia

geboren ist und den grössten Teil seiner

Kindheit in Grande Prairie verbracht

hat, sich über das erste Aufgebot

2024. Der Spengler Cup sei definitiv ein

besonderes Turnier. Es habe Spass gemacht,

dabei zu sein, im Team Canada

mitzuspielen und die Fans und die

Stimmung im Stadion und in der Stadt

zu erleben: «Es war insgesamt einfach

eine coole Erfahrung, die ich gerne

wiederholen würde.»

Für das Eishockey von der Familie

getrennt

Der Spengler Cup sei eine grossartige

Chance, das Heimatland zu präsentieren

und das Maple Leaf – das Ahornblatt

als dessen Symbol – auf der Brust zu

tragen. Deshalb würde Tanner Fritz

keine Minute zögern, würde er wieder

ein Aufgebot erhalten: «Es war eine

grossartige Erfahrung.» Letztes Jahr –

Tanner Fritz kam kurz vor dem Spengler

Cup zum SC Rapperswil-Jona Lakers –

war alles neu und alles ging sehr

schnell. Tanner Fritz’ Vater, der im

Pensionsalter ist, ergriff die Chance

und stieg ins Flugzeug, um dabei zu


2025: DAS SIND DIE TEAMS

43

: Ein Spengler Cup ohne Fans von Team Canada ist

unvorstellbar.

: Daniel Carr jubelt nach dem 2 : 1 im Halbfinale gegen die Straubing Tigers, verlor aber schliesslich mit

seiner Mannschaft Team Canada 2 : 4, was das Turnieraus im Jahr 2024 bedeutete.

sein. «Erhalte ich dieses Jahr wieder

ein Aufgebot, würde ich mich freuen,

wenn auch meine Frau und meine Tochter

dabei sein könnten», so der Kanadier,

der während der Saison durch sein

Engagement in Rapperswil-Jona von

seiner in den USA lebenden Familie

getrennt ist. «Wir haben die letzten

eineinhalb Jahre so gelebt und es gibt

Tage, da ist es wirklich schwierig. Aber

wir versuchen, die Distanz zwei bis

dreimal am Tag über Facetime zu

verringern. Damit wird es ein bisschen

leichter.» Zudem wird ihn seine Familie

diese Saison einige Male besuchen:

«Das hilft, die Saison aufzulockern,

und sie kommen hierher und sammeln

Erfahrungen, kennen die Schweiz und

alles, was sie zu bieten hat. Ich freue

mich darauf.» Für Tanner Fritz war der

Wechsel in die Schweiz eine einmalige

Chance: «Die konnte ich einfach nicht

vorbeiziehen lassen. Rapperswil, die

Menschen, die Schweiz – es ist einfach

alles wunderbar, und ich bin meiner

Frau sehr dankbar, dass sie das

Familienleben managt.»

«Es macht Spass, Teil eines

erfolgreichen Teams zu sein»

Mit Blick auf den Spengler Cup glaubt

er, dass Team Canada das Turnier

jederzeit wieder gewinnen kann: «Zwar

starten wir mit einem kleinen Nachteil,

da wir nur ein- bis zweimal miteinander

trainieren. Es ist ein hartes Turnier,

doch funktioniert der Start, ist

danach alles möglich. Somit hat Team

Canada aus meiner Sicht jedes Jahr die

Chance, das Turnier zu gewinnen.»

Obwohl der Spengler Cup natürlich ein

Ziel ist, konzentriert sich Tanner Fritz

zuvorderst auf den Meisterschaftsbetrieb

mit den SC Rapperswil-Jona

Lakers. «Wir sind eine grossartige

Mannschaft.» Persönlich setzt er sich

nicht zu viele Ziele: «Ich versuche einfach,

meinen Stil zu spielen, der mich

hierhergebracht hat. Wenn die Mannschaft

gewinnt und wir gut spielen, bin

ich glücklich», so der 34-Jährige, der

vor allem für seine schlittschuhläuferischen

Fähigkeiten und seine Übersicht

gelobt wird. Das sei das grösste

Ziel für ihn, besonders jetzt, wo sich

seine Karriere dem Ende nähere: «Ein

Teil eines erfolgreichen Teams zu sein,

das macht am meisten Spass und ist

der Grund, warum ich diesen Sport

betreibe», so Tanner Fritz. Mit

Rapperswil-Jona und hoffentlich

dieses Jahr auch wieder mit Team

Canada am Spengler Cup.

Der Exot im kanadischen Team

Andy Hüppi vor seinen

fünften Olympischen Spielen

Hockey Canada hat unlängst die 42 Spieler bekannt gegeben, mit denen es die

Mission Olympia 2026 lanciert. Sie alle spielen ausnahmslos in der NHL. Bei den

Mitgliedern des 30-köpfigen Staffs ist der Geburtsort in Kanada aufgelistet – die

Ausnahme bildet einer der beiden Masseure: Andy Hüppi. Bei ihm ist als Geburtsort

Schmerikon notiert. Der St. Galler gehört seit 2002 fest zur Equipe. Olympia Milano

Cortina 2026 sind die fünften Spiele, in denen der einzige Schweizer Eishockey-

Weltmeister und -Olympiasieger dafür sorgt, dass die Muskeln der kanadischen

Eishockeystars einsatzbereit sind.


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2025: DAS SIND DIE TEAMS

45

: Einmal mit Kloten und zweimal mit Lausanne wurde Lukas Frick Schweizer Vizemeister, mit der Nationalmannschaft gewann er Silber.

Noch fehlt ihm ein Titel. Vielleicht kann er sich diesen Traum bereits beim diesjährigen Spengler Cup verwirklichen.

: Lukas Frick jagt mit Davos den

nächsten Triumph

Je 16 Mal haben Team Canada und der Hockey Club Davos bisher den Spengler Cup gewonnen.

Mit einem weiteren Triumph könnte der Schweizer Rekordmeister auch in dieser Statistik

die alleinige Führung übernehmen. Für Verteidiger Lukas Frick ist es ohnehin ein besonderes

Turnier: Der Davoser Neuzugang läuft erstmals beim Traditionsturnier auf.

Für viele Eishockeyprofis

ist der Spengler Cup ein

Kindheitstraum – für rund

150 Spieler geht er jedes

Jahr in Erfüllung. Dieses Jahr auch für

Lukas Frick. Der Davoser Neuzugang

spielte in seiner Jugend beim EHC Uzwil,

danach gab er 18-jährig in der Saison

2012 / 13 beim EHC Kloten sein Debüt in

der Nationalliga A. Nach dem Wechsel in

die Romandie trug er acht Jahre lang

das Trikot des Lausanne HC. Zur Saison

2025 / 26 folgte schliesslich mit dem

Wechsel nach Davos ein neues Kapitel.

Dieses macht Frick «mega happy»:

«Schon in Lausanne war es familiär,

aber hier spüre ich das noch stärker.

Zudem ist es schön, dass die Sprachbarriere

kleiner ist und ich auch beim

Einkaufen mit Fans plaudern kann.»

Mehr Familienzeit dank halbiertem

Arbeitsweg

Für einen Wechsel zu Davos sprachen

Lukas Fricks Kontakte zum Davoser

Sportchef Jan Alston, zu den Spielern,

die er von der Nationalmannschaft

kennt, sowie die Tatsache, dass er in

der Region St. Gallen das Elternhaus

übernehmen konnte. So wachsen die

fünfjährigen Zwillingsknaben von Lukas

und seiner Ehefrau Kimberly in der

Umgebung auf, in der bereits der Papa

zur Schule ging. Die Entfernung zu

seinem Arbeitsplatz hat sich durch den

Vereinswechsel halbiert, und so kann

Frick den Nachmittag nach einem

Training auch einmal mit seiner Familie

verbringen, Eliah und Levin ins Training

und wieder nach Hause bringen und

dann zurück nach Davos fahren:

«Diese gemeinsame Familienzeit habe

ich zuletzt vermisst.»

«Mein Bruder schlief früher in Bettwäsche

vom Hockey Club Davos. Bei mir

kristallisierte sich erst mit 17 Jahren

heraus, dass ich das Potenzial für die

Nationalliga habe», erzählt Frick. Ein

Traum von der NHL oder dem Ausland

blieb unerfüllt, stattdessen entschied

sich Frick für Lausanne: «Dies war ein

bewusster Schritt aus der Komfortzone.

Ich zog zu Hause aus, wechselte


Auch auf glatten Flächen

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2025: DAS SIND DIE TEAMS 47

Titelträume und

Spengler Cup-Fieber

Einmal mit Kloten und zweimal mit

Lausanne wurde Frick Schweizer Vizemeister,

mit der Nationalmannschaft

gewann er Silber. In den nächsten fünf

Jahren will er seinen grossen Traum von

dem Titel, der in seinem Palmarès noch

fehlt, verwirklichen: «Ich bin der Meinung,

dass man sich mehrere Ziele setzen

soll, die Schritt für Schritt zum Erfolg

führen: Ein guter Saisonstart, das

Erreichen der Play-offs – danach ist

alles möglich.»

: Davos’ Simon Ryfors im Spiel gegen Fribourgs Goalie Reto Berra.

Das Halbfinale gegen den letztjährigen Sieger bedeutete gleichzeitig das Turnierende für Davos.

zu einem Club mit anderer Sprache und

anderer Kultur.» Frick wurde zu einem

begehrten Interviewpartner in französischer

Sprache. Er hatte sich einen

Kollegenkreis aufgebaut, und der Entscheid,

nach acht Jahren den Club zu

wechseln, fiel ihm nicht leicht. Doch

noch einmal hiess es, die Komfortzone

zu verlassen.

Lukas Frick will nochmals

besser werden

Denn Frick will noch einmal besser

werden, beim Hockey Club Davos eine

Leaderposition übernehmen und sich

zurück in die Schweizer Nationalmannschaft

kämpfen. In der Nationalmannschaft

absolvierte er bisher 24

Einsätze bei Weltmeisterschaften und

Olympia und gewann mit der Nationalmannschaft

2018 die WM-Silbermedaille.

Der Verteidiger, der beim Hockey Club

Davos ein Leistungsträger in der

Defensive werden will, wurde zuletzt als

Marathonmann betitelt: 418 Spiele in

Folge ohne Verletzung, Krankheit oder

Sperre hatte er zwischen 2017 und

2024 für Lausanne absolviert. Es ist

aber auch sein Ziel, konstant auf einem

guten Level spielen zu können. Zudem

will er sich im Körperspiel verbessern,

im Slot gegenüber dem Gegner härter

werden und auch offensiv seinen Beitrag

leisten, «so, dass die Mannschaft

gewinnt».

Weihnachten war bisher Familienzeit

bei Fricks, auch wenn der Spengler

Cup immer ein Bestandteil davon

war. Jetzt rückt das Turnier in den

Vordergrund. Familie und Freunde

freuen sich darauf und hoffen, Lukas

in der einmaligen Atmosphäre der

zondacrypto-Arena unterstützen und

die unvergleichliche Spengler Cup-

Stimmung erstmals vor Ort geniessen

zu können. «Das erste Mal an diesem

Turnier spielen zu können, ist sicher

speziell. Ich freue mich sehr darauf

und bin gespannt, was mich erwartet.»

Sollte es darüber hinaus auch mit

der Rückkehr in die Nationalmannschaft

klappen, wird der Kalender

im Winter voll sein. «Umso besser»,

lacht er. «Meine Leidenschaft ist

das Eishockey, und das möchte ich

möglichst oft spielen.»

Für Lukas Frick wird der Spengler Cup

bestimmt etwas Besonderes werden. In

der Cattini-Gruppe wird er zusammen

mit seinen Teamkollegen gegen die US

Collegiate Selects und das Team

Canada spielen.

Eine Erfolgsgeschichte geht weiter

Ein Zeichen für Kontinuität, Qualität

und Leidenschaft neben dem Eisstadion

Am Spengler Cup wird nicht nur im Eisstadion gefeiert: Auch im Fanzelt sind Partys

angesagt – aber auch Live-Konzerte sowie Gaumenfreuden. Was Rosario Galliker

als Geschäftsführer der Galfri GmbH in den letzten über 20 Jahren – Premiere war

2002 – erschuf, hat weiterhin Bestand, sowohl im Fanzelt wie auch im Village. Der

Hockey Club Davos verlängerte den Vertrag mit der Event-Agentur um weitere

fünf Jahre.


Glanz und Gloria

: Vom Davos-Captain zum Nationaltrainer


GLANZ UND GLORIA

49

: Intensität, Spielfreude, Teamgeist

Mit dem Hockey Club Davos feierte Patrick Fischer Spengler Cup-Siege und den Schweizer

Meistertitel. Heute gewinnt er als Nationaltrainer der Schweizer Nationalmannschaft

Weltmeisterschaftsmedaillen. Das Davos von damals und die Schweizer Nationalmannschaft

von heute sind zwei Teams, die vom gleichen Geist getragen werden.

Unter dem Weihnachtsbaum liegt ein

Trikot des Hockey Club Davos und neben

Skifahren gehören die Spengler Cup-

Übertragungen zum Familienprogramm

während der Weihnachtstage auf der

Rigi. Spätestens jetzt ist die Eishockey-

Begeisterung beim jungen, noch nicht

schulpflichtigen Patrick Fischer entfacht.

20 Jahre später: Fischer, die Haare

blond gebleicht, stemmt den Spengler

Cup in die Höhe. Der Hockey Club Davos

feiert den ersten Titel seit 1985

(Schweizermeister) und den ersten

Spengler Cup-Sieg seit 42 Jahren. «Es

war ein wunderschöner Erfolg mit einer

unglaublichen Millennium-Party», erinnert

sich Fischer heute lachend.

Ein junges, erfolgshungriges Team mit

starkem Zusammenhalt bildete das

Fundament des Erfolgs. 2002 folgte

das Double aus Spengler Cup-Sieg und

Meistertitel. Fischer feierte den zweiten

Meistertitel nach 1999 mit Lugano. den

ersten als Captain. Seine vier Jahre in

Davos waren geprägt von Höhen und Tiefen:

vom Erfolg und einer achtmonatigen

Verletzungspause im Jahr 2001, aber auch

von den grössten Emotionen abseits des

Eises: «Das Schönste war die Geburt

meines Sohnes Kimi am 1. Oktober 2001.»

Mit Zaubermeister und

Leitwolf zum Powerhockey

Der Spengler Cup-Sieg 2000 war der

Auftakt zu einer goldenen Ära des

Hockey Club Davos. «Die Vorbereitung

war das A und O», betont Fischer rückblickend.

Mit Arno Del Curto stand ein

«Zaubermeister» an der Bande, der das

Team forderte und formte: «Das

Training war hart, wir wurden mental

stark, tankten Selbstvertrauen und

spielten Arnos schnelles Powerhockey.

Wir wuchsen mit jedem Sieg.» Hinter

dem Erfolg steckten Leidenschaft – und

: Nationaltrainer Fischer: «Es benötigt in jedem Spiel die Bereitschaft und den Willen, alles für die

Mannschaft zu geben, sowie das nötige Glück.» Dieses soll dem Team 2026 bei Olympia und der Heim-

Weltmeisterschaft gegönnt sein.

charismatische Figuren. «Arno verstand

es, unser inneres Feuer zu entfachen.

Zudem hatten wir mit Reto von Arx einen

überragenden Leitwolf und viele weitere

starke Spieler in unseren Reihen.» Später

zog es Fischer zurück in seine Heimat

Zug, er spielte als erster Schweizer

Stürmer in der NHL bei den Phoenix

Coyotes und in Russland bei St. Petersburg,

bevor er seine Karriere beim EV Zug

beendete und ins Trainermetier wechselte.

Eine Inspiration für

die kommende Generation

2017 kehrte Fischer als Schweizer Nationaltrainer

an den Spengler Cup zurück.

Für ihn war das Turnier mit der Freude

am Spiel, die am Spengler Cup zelebriert

wird, eine ideale Plattform vor Olympia

und eine Bühne, die er bis heute schätzt:

«Die Freude am Spiel ist die grösste

Kraft. An wichtigen Turnieren ist es ein

Balanceakt, nicht unter dem Druck des

Siegenmüssens zu zerbrechen, sondern

Kreativität und Spielfreude freizusetzen.»

Deshalb schwärmt er: «Der Spengler Cup

ist ein Turnier von unglaublichem Niveau,

ein Eishockeyfest, bei dem alle dabei

sein wollen – und eine Inspiration für alle

sportbegeisterten Kinder. Genau das

macht diesen Titel so wertvoll.»

Die Fans geben unglaublichen

Rückenwind

Inzwischen gewann Fischer mit dem

Schweizer Team viermal WM-Silber:

2013 als Assistent, 2018, 2024 und 2025

als Headcoach. Parallelen zwischen dem

Hockey Club Davos Anfang der 2000er-

Jahre und dem heutigen Nationalteam

sind nicht zu übersehen: «Beide Teams

setzen auf Intensität, harte Arbeit und

schnelles Spiel. Das liebte ich als Spieler –

und genauso coache ich heute.» Ein

weiteres, verbindendes Element sind für

Fischer die Fans: «Ob bei Davos oder mit

der Nationalmannschaft – überall wird

man von treuen, leidenschaftlichen Fans

getragen. Wenn Tausende hinter dir

stehen, sei es beim Spengler Cup oder

bei Spielen der Nationalmannschaft, gibt

das einen unglaublichen Rückenwind.»


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: Armon Orlik

Schwingerkönig 2025

«Der Spengler Cup gehört zu meinen absoluten Lieblingssportanlässen.

Die lange und traditionsreiche Geschichte dieses Turniers fasziniert mich

immer wieder, und auf dem Eis ist Spannung garantiert – voller Tempo,

Emotionen und packender Momente. Besonders freue ich mich jeweils, wenn

ich die einmalige Atmosphäre direkt im Eisstadion erleben und ein Spiel

hautnah mitverfolgen darf.»


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: Alessandra Keller

Short Track-Weltmeisterin im Mountainbike und zweifache

Doppel-Weltcupgesamtsiegerin

«Vor heimischem Publikum in der Schweiz zu performen ist einmalig und eine

zusätzliche Motivation für uns Athleten. Egal ob Mountainbike oder

Eishockey und wie das Resultat ausfällt: Die Freude, Begeisterung und

Passion, die von den Organisatoren, Fans und anderen Mitwirkenden

vermittelt wird, ist eine riesige Belohnung für die harte Arbeit von uns

Sportlerinnen und Sportlern und motiviert hoffentlich ganz viele junge

Talente! Ich wünsche allen viel Freude am Spengler Cup und freue mich,

diese Emotionen auch einmal hautnah miterleben zu können.»


Foto by Maurice Parrée

Die Stiftung Greenhope organisiert Events, um krebskranken

Kindern und ihren Familien etwas Ablenkung und einige glückliche

und unbeschwerte Momente zu ermöglichen.

Engagierte Spitzen- und Breitensportler wie z.B. HCD-Torhüter

Sandro Aeschlimann unterstützen die Stiftung als Ambassadoren

und sensibilisieren damit ein immer breiteres Publikum für die

Idee der Stiftung.

Dank der Charity-Partnerschaft mit dem Spengler Cup Davos und

dem HC Davos, sowie Spenden und Sponsorenbeiträgen kann

Greenhope auch in diesem Jahr betroffene Familien an den sportlichen

Grossanlass in der Altjahrswoche nach Davos einladen –

ganz nach dem Motto der Stiftung: #sportsagainstcancer.

Mehr Infos: greenhope.ch


DER SPENGLER CUP UND GREENHOPE

55

: Eine Partnerschaft, die etwas bewegt

Sport verbindet. Dieses Motto stand bereits im Mittelpunkt, als im Jahr 2011 die Stiftung

Greenhope gegründet wurde. Seit über 14 Jahren setzt sich die Stiftung dafür ein, Familien

mit krebskranken Kindern in schwierigen Zeiten unvergessliche Momente der Freude und

Ablenkung zu schenken.

: Greenhope-Kinder bei der «UBS Key Player Ehrung» im Eisstadion Davos.

Ob bei den beliebten Lego Days, bei

Kochkursen, Wanderungen, Skitagen,

Fechtkursen, Go-Kart-Rennen oder

Helikopterflügen – Ziel ist es stets, den

Familien für ein oder zwei Tage eine

Auszeit vom belastenden Alltag zu

ermöglichen und gemeinsame Erlebnisse

mit anderen Betroffenen zu teilen.

Seit nunmehr fünf Jahren ist Greenhope

auch offizieller Charity-Partner des

Spengler Cup Davos. Der Besuch des

traditionsreichen Eishockeyturniers

zählt für viele Familien zu den Highlights

des Jahres. Neben den rund 20

bis 30 Events, die Greenhope jährlich

organisiert, bietet der Spengler Cup

eine besonders emotionale Erfahrung –

gerade in der Weihnachtszeit. Das

Gesamtpaket mit Nachtessen im

Eisstadion, Matchbesuch und Hotelübernachtung

sorgt für unvergessliche

Erinnerungen, die sich die allermeisten

Familien ohne Unterstützung nicht

leisten könnten.

Die Finanzierung dieser Herzensprojekte

erfolgt durch Sponsoren, Spenden sowie

durch eigens organisierte Charity-

Veranstaltungen, wie Charity-Games,

-Dinners oder -Events, bei denen die

Stiftung vorgestellt und Spenden

gesammelt werden.

Die Partnerschaft zwischen dem

Spengler Cup Davos und Greenhope

steht für Hoffnung, Solidarität und

gesellschaftliches Engagement. Der

Spengler Cup und der HC Davos als

Veranstalter übernehmen damit eine

bedeutende soziale Verantwortung –

ganz im Sinne des Stiftungsmottos:

Der Spengler Cup Davos und Greenhope

– eine Partnerschaft die primär

viel Hoffnung und Freude den betroffenen

Familien schenkt.

Das Turnier-OK und der HC Davos

als Veranstalter nehmen mit dieser

Verbindung auch ein grosses soziales

Engagement und gesellschaftliche Verantwortung

wahr – ganz nach dem Motto

der Stiftung: #sportsagainstcancer

Weitere Information zu den Aktivitäten

der Stiftung finden sie unter

greenhope.ch


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: Livia Peng

Torhüterin Fussball-Nationalteam der Schweiz

«Der Spengler Cup war für mich schon immer etwas Besonderes. Seit meiner

Kindheit lief das Turnier bei uns zu Hause immer in der Weihnachtszeit,

und einmal durfte ich sogar live dabei sein. Eishockey begeistert mich sehr.

Es ist ein faszinierender Sport mit viel Geschwindigkeit und Power.»


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OFFICIAL BROADCASTER SRG

59

«Die Geschichte von A bis Z begleiten

zu können, ist etwas ganz Spezielles»

Als Slowmotion-Operateur fokussiert sich Christian Wyss neben Toren oder Fouls auf die

kleinen Details im Spiel, die für das Publikum aufgrund der Geschwindigkeit im Livebild

kaum erkennbar sind.

Christian Wyss arbeitet seit den frühen

1980er-Jahren bei SRF. Als Bühnentechniker

angefangen, arbeitet er seit

Jahren bei Sportproduktionen als Editor

und Slowmotion-Operateur. Auch den

Spengler Cup begleitet er seit vielen

Jahren. 2025 gehört er zum letzten

Mal zur eingespielten Produktionscrew,

bevor er in Rente geht.

: Christian Wyss, was ist als

Slowmotion-Operateur Ihre Aufgabe

am Spengler Cup?

Ich bin Teil der SRG-Produktionscrew

und trage einen Teil dazu bei, die

Geschichte des Spengler Cup für die

TV-Zuschauenden zu erzählen. Als

Slowmotion-Operateur fokussiere ich

mich, nebst Toren oder Fouls, auf die

kleinen Details, die für das Publikum

aufgrund der Geschwindigkeit im Livebild

kaum erkennbar sind. Im Zusammenspiel

mit der Crew, insbesondere

der Regie, bin ich dafür verantwortlich,

dass die passende Slowmotion zum

richtigen Zeitpunkt in die Übertragung

eingespielt wird.

: Geben Sie uns ein Beispiel für

ein solches Detail?

Ein Schmerzhaftes gab es bei einem

Slalom am Lauberhorn vor einigen Jahren.

Einem Schweizer schlug bei einem Tor

eine Stange voll ins Gesicht. Das war

live kaum zu sehen, das ging so schnell.

Dank meiner Erfahrung merkte ich

sofort, dass dort etwas passiert sein

muss und habe es mit einer Slowmotion-

Einstellung entsprechend auflösen

können. Beim Spengler Cup können das

beispielsweise kaum sichtbare Ablenkungen

des Pucks bei einem Tor oder

auch Reaktionen der Spieler, des Staffs

oder des Publikums sein.

: Christian Wyss bei seiner Arbeit als Slowmotion-

Operateur. Foto: SRF

: Wie muss man sich die Arbeit

im Übertragungswagen während

eines Spiels vorstellen?

Zwei Komponenten sind entscheidend:

das Team und die Kommunikation. Während

einer Produktion sind alle im Übertragungswagen

hochkonzentriert. Im

Gegensatz zu früher, als viele Übertragungen

als Aufzeichnung über den Sender

liefen, sind heute fast alle Events Live-

Produktionen. Entsprechend ist ein eingespieltes

Team vor Ort enorm wichtig.

Mit Beni Giger beispielsweise arbeite ich

seit 35 Jahren auf Produktionen. Da

reicht ein Blick oder ein Wort, um zu

verstehen, was der andere braucht.

: Haben sich Produktionen seit der

Jahrtausendwende stark verändert?

Und wie! Einerseits gibt es die grossen

Veränderungen, beispielsweise die

Anzahl Kameras. Mit den bedienten und

unbedienten Kameras sind das heute

um die 20 Stück, früher je nach Spiel

vielleicht vier oder fünf. Auch für mich

hat sich viel verändert. Früher hatte ich

für jede Kamera einen sogenannten

Controller für die «Slows», heute kann

ich mit einem Controller auf mehrere

Kameras zugreifen.

: Der diesjährige Spengler Cup wird

Ihr letzter Arbeitseinsatz in Davos sein.

Was wird Ihnen am meisten fehlen?

Die Menschen, ganz klar. Mit den

Arbeitskolleginnen und -kollegen die

Geschichte eines Turniers wie dem

Spengler Cup von A bis Z begleiten zu

können und in die Stuben der Schweiz

und der ganzen Welt zu transportieren,

ist schon etwas ganz Spezielles.

Live miterleben

SRG als «Host

Broadcaster»

Als sogenannter «Host Broadcaster»

ist die SRG für die Produktion des

Weltsignals verantwortlich. Das Signal

ist die Basis für weltweite Liveübertragungen

dieses traditionellen

Schweizer Sportevents. Rund 25 Mitarbeitende

der SRG sind für das Host

Broadcasting vor Ort.

TV

Sport-Apps



: Niels Hintermann

Skirennfahrer mit 100 Weltcupstarts, drei Siegen und sieben Podiumsplätzen

«Der Spengler Cup steht für Geschichte, spektakulären Sport und eine

einmalige Stimmung. Nicht immer ist es einfach für die Athleten, die die

Festtage nicht mit den Liebsten verbringen können, aber umso schöner

für die Zuschauenden. Energie und Leidenschaft stehen für mich an diesem

Turnier im Vordergrund. Der Spengler Cup ist einmalig, und alle müssen

ihn einmal erlebt haben.»


Sieger von damals

: Zeitzeugen berichten


SIEGER VON DAMALS

63

: Der stille Star der 2000er-Jahre

Der Tscheche Josef Marha spielte zwischen 2001 bis 2013 während zwölf Jahren beim

Hockey Club Davos. Er feierte zusammen mit dem Team vier Spengler Cup-Siege und fünf

Schweizer Meistertitel. «Zu spüren, wie sich die Menschen freuten und feierten, ist

unvergesslich», erinnert er sich.

Josef Marha war und ist die Bescheidenheit

in Person. Nie machte er grosses

Aufheben um seine Person, hielt sich

gerne im Hintergrund, setzte sich für

die Mannschaft ein. Stimmten die Fans

«Marha»-Sprechchöre an, dachte er bei

sich: «Ruft lieber ‹Arno›. Der Headcoach

ist hier der Chef.» Dabei gehörte der

Center über Jahre zu den besten der

Liga. Er, der vor seinem Engagement in

Davos 159 Partien in der NHL gespielt

hatte, verstand es, Ruhe und Stabilität

in das offensiv ausgerichtete Spielsystem

von Arno Del Curto zu bringen.

Er stand beim Feiern

nie in der vordersten Reihe

Blickt Josef Marha heute auf den

Spengler Cup zurück, denkt er an sein

erstes Finalspiel im Jahr 2001 und daran,

wie der Kanadier Lonny Bohonos die Einheimischen

in der Verlängerung gegen

Team Canada zum 4 : 3-Sieg schoss: «Das

war ein unglaublich cooler Moment für

mich.» Fasziniert war er auch vom Publikum:

«Es feierte in der Halle und in der

ganzen Stadt.» Marha selbst stand beim

Feiern nie in der vordersten Reihe. «Aber

ich habe es auf meine Art genossen»,

sagt er heute mit einem Lächeln auf den

Lippen. Überhaupt sei die Atmosphäre

während des Spengler Cup immer sehr

schön gewesen: «Vor allem dann, wenn es

Schnee hatte und es richtig weihnächtlich

war. Es war ein Privileg, am Spengler

Cup spielen zu dürfen.»

Die Wahl ins All Star Team (2001) oder die

Ernennung zum wertvollsten Spieler des

Turniers im Jahr 2005 waren ebenso

Höhepunkte für Marha wie die über 700

Einsätze mit 392 Scorerpunkten in der

National League und seine Spitzenleistungen

in wichtigen Momenten. In 144 Playoff-Partien

mit dem Hockey Club Davos

erzielte er im Mittel 0,58 Punkte pro

: Josef Marha (rechts) gegen Goalie Tomas Pöpperle (Eisbären Berlin) am Spengler Cup 2005.

Spiel. Besonders erwähnenswert ist

sein Siegestor in der Verlängerung des

fünften Finalspiels 2005 gegen die ZSC

Lions, das Davos den Meistertitel bescherte.

«Marhas Anteil an den Davoser

Titeln ist sehr gross. Er verkörperte eine

unbändige Erfolgsmentalität», erinnert

sich der damalige Trainer Del Curto. Für

seine Verdienste wurde der Tscheche

2014 in die Swiss Ice Hockey Hall of Fame

aufgenommen, nachdem er seine Karriere

in der Saison 2013 / 14 bei Pardubice und

Mountfield ausklingen liess.

Die Zeit in Davos hat Marha auch deshalb

so gut in Erinnerung, weil seine Kinder

Simon und Krystina dort zur Welt kamen.

Sein Sohn stieg in die Fussstapfen seines

Vaters, obwohl dieser ihn gerne auch in

einer anderen, nicht so harten Sportart

gesehen hätte. Derzeit spielt Simon in

der Schweiz – beim EHC Chur. Marha

selbst blieb auch nach seinem Rücktritt

dem Eishockey verbunden. Er ist als

privater «Hockey Skills Coach» tätig.

Das heisst, dass er anderen Eishockeyspielern

hilft, stärker und besser zu

werden. Selbst trainiert er auf dem Eis, im

Gym oder geht Radfahren, um fit zu bleiben.

Josef Marha sieht

Sparta Praha im Finale

Geboren nördlich von Jihlava, lebt er

heute nahe der Hauptstadt Prag. Zwei

Regionen, die auch den Spengler Cup

prägen. Dukla Jihlava gewann 1982 als

letztes tschechisches Team den Spengler

Cup. Der HC Sparta Praha strebt dieses

Jahr den dritten Spengler Cup-Sieg der

Vereinsgeschichte nach 1962 und 1963

an. «Sparta Prag ist eines der stärksten

Teams Europas. Es wird den diesjährigen

Spengler Cup gewinnen oder zumindest

im Finale stehen», ist Marha überzeugt.

Doch was, wenn der Gegner HC Davos

heisst? «Dann wird es für mein Herz sehr

schwierig sein, sich für eines der beiden

Teams zu entscheiden, und ich verfolge

das Finale ausschliesslich, um gutes

Eishockey zu sehen.»


97.

Spengler Cup Davos 2025

: Dave Kings spezieller Sieg

Dave King hat eine besondere Spengler Cup-Geschichte: Der Kanadier nahm mit Teams

aus drei verschiedenen Ländern am Traditionsturnier teil. 2005 gewann er mit Magnitogorsk

gegen Team Canada und damit ausgerechnet gegen jenes Team, das er zuvor über Jahre

gecoacht hatte: «Das war natürlich sehr speziell.»

Die Stimmung beim Finale des Spengler

Cup 2005 war aufgeheizt. Die Fans des

Hockey Club Davos, der knapp am Finale

vorbeigeschlittert war, wechselten ihre

Farben und unterstützten Magnitogorsk.

Das Team von Dave King gewann

8 : 3 – ein unglaublicher Erfolg, der sich

aber seltsam anfühlte: «Wir gewannen

gegen jenes Team mit dem Ahornblatt

auf der Brust, für das ich so viele Jahre

gearbeitet hatte. Es fühlte sich fast ein

wenig wie Verrat an Kanada an.» Für den

ganzen Club sei es aber sehr speziell gewesen:

«Die Organisation genoss das

Turnier, unsere Fans bereiteten uns bei

der Rückkehr einen tollen Empfang und

wir präsentierten die Trophäe danach

bei einem unserer Meisterschaftsspiele.

Es war ein Highlight.»

Sogar die Grosskinder waren

am Spengler Cup dabei

Dave King blickt auf die Bilder, die er bei

sich zu Hause aufgestellt hat: «Der

Spengler Cup war immer eine Familienangelegenheit,

und so zeigen viele Bilder

aus dieser Zeit Familienmitglieder beim

Schlittschuhlaufen oder beim Eishockeyspielen

auf dem offenen Eisfeld in Davos.

Wir hatten dort eine grossartige Zeit.»

Kings Ehefrau Linda begleitete Dave

überall hin. In Davos waren auch seine

Kinder Andrew, Jennifer und Scott sowie

seine Grosskinder dabei: «Alle konnten

den Cup, den wir mit Magnitogorsk

gewannen, in Händen halten.»

Dave King war der erste Kanadier, der

ein Team der russischen Extraliga trainierte.

Zuvor war er viele Jahre Trainer

in Kanada – und war als Coach 1987 und

1992 am Spengler Cup. Da die NHL-Spieler

nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen

konnten, war es eine Art Vollzeit-

Nationalmannschaft. In dieser Zeit spielte

Team Canada oft gegen Russland, und

Dave King hatte grossen Respekt vor

deren Eishockey: «Ich erachtete die Anfrage

als Chance. Sie gab mir auch die

Möglichkeit, zu erfahren, wie die jungen

Spieler entwickelt wurden. Linda und ich

lernten in Russland jeden Tag etwas

Neues.» King zeigte sich beeindruckt

vom Einsatz der Spieler und der Organisation:

«Ich habe schnell erkannt, dass

ich die Mannschaft in der Defensive

mehr in die Pflicht nehmen muss. Auf der

anderen Seite schätzte ich das Offensivspiel.

Es war weniger der Puck-Führende

als vielmehr die Mitspieler, die Gefahr

entwickelten. Die Fähigkeit, den Puck im

richtigen Moment dem Mitspieler zu

überlassen, machte das Kollektiv stark und

unberechenbar.» Auch die Nachwuchsförderung

beeindruckte ihn: «Eine derartige

Förderung der eishockeyspielenden

Kinder habe ich noch nie erlebt. Rund

500 Nachwuchsspieler trainierten unter

30 hauptamtlichen Trainern.» Kings

Engagement bei Magnitogorsk dauerte

eine Saison.

Das Eishockey half die Tragödie in

Jaroslawl zu verarbeiten

Im Februar 2014 kehrte er noch einmal

zurück in die KHL – zu Lokomotive Jaroslawl.

Dies war ein Engagement, das über

das Eishockey hinausging. Am 7. September

2011 war das Flugzeug mit der

Mannschaft von Lokomotive Jaroslawl

auf dem Weg zum ersten Saisonspiel in

der belarussischen Hauptstadt Minsk,

wo der Gegner HK Dinamo Minsk wartete,

abgestürzt. Von 45 Passagieren starben

43 beim Absturz, Stürmer Alexander

Galimow erlag seinen schweren Verletzungen

nach fünf Tagen in einem Moskauer

Krankenhaus. Rund zwei Jahre später

wurde King für die restlichen Saisonspiele

engagiert und das Team schaffte

den Weg in die Play-offs in extremis. In

der ersten Runde eliminierte es Dynamo

Moskau, den Sieger der regulären Saison,

danach auch St. Petersburg. «Auch wenn

wir im Anschluss ausschieden, erfuhr ich

von den Leuten in Jaroslawl viel Dankbarkeit.

Es fühlte sich so an, als ob das

Eishockey nach dieser schwierigen Zeit

half, die Tragödie zu verarbeiten.»

Am Spengler Cup mit Teams

aus drei Nationen

Dave King war sechsmal beim Spengler

Cup, mit Teams aus drei Nationen: mit

Magnitogorsk, Team Canada und den

Adler Mannheim. Das deutsche Team

hatte er am 22. Dezember 2007, seinem

60. Geburtstag, übernommen: «Die Mannschaft

hatte bis dorthin eine schwierige

Saison. Der Spengler Cup bot die perfekte

Plattform für Spieler und Coaches, um

rasch taktisch, aber auch als Mannschaft

zusammenzufinden.» Überhaupt erinnert

sich Dave King gerne an den Spengler

Cup: «Er war immer ein Eishockey-

Festival. Kein anderes Turnier auf der

Welt ist so gut organisiert.» In erster

Linie sei es ein Wettbewerb: «Das ganze

Team geht darin auf, dieses grossartige

Turnier zu gewinnen. Es gab herausragende

Coaches und qualitativ hervorragende

Teams.» Besonders in Erinnerung

: 2005 gewinnt der Kanadier Dave King als

Headcoach des russischen Teams HK Metallurg

Magnitogorsk den Spengler Cup.


SIEGER VON DAMALS

65

: Dave King war viermal im Trainerstaff von Team Canada dabei, zuletzt 2016 und 2017.

geblieben sind ihm die Zuschauerinnen

und Zuschauer: «Sie waren wunderbar.

Ich hatte immer den Eindruck, dass sie in

erster Linie das qualitativ hochstehende

Eishockey geniessen und weniger nur ihr

Team anfeuern.» Noch heute findet er es

verblüffend, wie der Spengler Cup in der

Weihnachtswoche in Kanada von vielen

Eishockey-Fans am TV verfolgt wird:

«Das Eishockey wird gefeiert. Unabhängig

vom Resultat hinterlässt der Spengler

Cup bei allen eine nachhaltige Erinnerung.»

«Ein Trainer muss anpassungsfähig

sein und sollte viel lachen»

Dave King hat in seiner langen Karriere in

fünf verschiedenen Ländern zusammen

mit seiner Ehefrau Linda viel erlebt. «Wir

lernten viel über unterschiedliche Kulturen

und das Leben. Die vielseitigen Engagements

haben unsere Perspektiven

erweitert», erzählt King heute. Wenn ein

Trainer ein Engagement im Ausland

annehme, müsse er sich bewusst sein,

dass die Ansätze, wie das Eishockey

gelebt wird, unterschiedlich sind. Sei es

im Training, im Spiel oder im Hinblick auf

die Atmosphäre: «Ein Trainer muss

anpassungsfähig sein und sollte viel

lachen. Es ist wichtig, etwas Positives zu

projizieren.» King erläuterte anhand

eines Beispiels, wie auch die Eishockeykultur

von Land zu Land variiert. Als er in

Japan als Nationaltrainer startete,

beobachtete er zunächst ein Training. Die

Mannschaft spielte wiederholt 3 : 2-Überzahlsituationen,

und nach einigen Minuten

fragte er den Dolmetscher, weshalb in

jeder Linie immer derselbe Spieler den

Schuss abgab. «Er gab zur Antwort, dass

immer der Älteste den Abschluss macht.

Hier musste ich offensichtlich die Kultur

beeinflussen, dass der Spieler in der

besten Position den Angriff abschliesst»,

erzählt King mit einem Schmunzeln.

Seit 38 Jahren joggt er täglich

und ohne einen Unterbruch

Dave King war während rund 35 Jahren

Trainer. «Ich schätze mich glücklich, dass

ich eine solch lange Zeit coachen durfte.

Ich hatte immer grosse Freude, diesen

Beruf auszuüben.» Er gewann Silbermedaillen

bei den Weltmeisterschaften

1989 und 1991 sowie bei den Olympischen

Spielen 1992 in Albertville – auf die er

sich mit der Mannschaft in Davos vorbereitete.

«Auch wenn man dabei nach

Trophäen und Siegen strebt, ist mir im

Rückblick die Zusammenarbeit mit den

Spielern wichtiger sowie, deren Entwicklung

zu beobachten. Oftmals sieht

man das Resultat der eigenen Arbeit

erst viele Jahre später – auch ausserhalb

des Eishockeys.» Seit sieben Jahren ist

King in Pension. Er lebt rund sieben

Monate im Jahr in Phoenix und damit in

der Hauptstadt des südwestlichen US-

Bundesstaates Arizona, wo die Sonne

das ganze Jahr über scheint. Die restliche

Zeit geniesst er in seiner Heimat in

der kanadischen Provinz Saskatchewan

an einem See. Er schätzt es, in der Natur

zu leben und zu fotografieren, zu wandern

oder zu laufen. King ist ein Läufer.

«Ich jogge seit 38 Jahren täglich und

ohne einen Unterbruch. Heute war ich am

frühen Morgen Joggen und genoss danach

eine Abkühlung im See.» Gerne

denkt er an seine Zeit im Eishockey zurück,

verfolgt die Trainerkarriere seines

Sohnes Scott oder den Spengler Cup:

«Ich habe immer ein Lächeln auf den

Lippen, wenn ich an Eishockey denke.»

Gerne würde er wieder einmal am Spengler

Cup vor Ort sein. Den Spengler Cup vor

dem Fernseher zu verfolgen, sei aber

eine Weihnachtstradition der Familie

geworden: «Der Spengler Cup hat eine

weltweite Strahlkraft. Der Slogan ‹The

Peak of Hockey› spiegelt den Event in

grossartiger Weise wider.» Die Entwicklung

des Eishockeys erachtet King als

sehr interessant: «Waren früher die

Eishockeystile zwischen Nordamerika,

Europa und Russland sehr unterschiedlich,

gleichen sich diese immer mehr an.

Das ist auch beim Spengler Cup gut

sichtbar.»


(c) Destination Davos Klosters/Matthias Paintner

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SIEGER VON DAMALS

67

: Wertvolle Erfahrung in Davos

Den Spengler Cup 2004 prägten grosse Namen. Einer von insgesamt 17 Lockout-Spielern

war der Kanadier Martin St. Louis. Der Stanley Cup-Sieger überbrückte damals den

Lockout beim HC Lausanne.

: Martin St. Louis als Headcoach der Canadiens de Montréal in der NHL.

Martin St. Louis ist einer derjenigen

Spieler, die bereits während ihrer aktiven

Zeit zur Legende wurden. Zweimal

spielte der Kanadier am Spengler Cup.

1995 gewann er das Turnier mit Team

Canada, 2004 mit dem Hockey Club Davos

und fiel dabei als wieselflinker Stürmer

auf. Er war nie ein Mann grosser Worte,

sondern konzentrierte sich ganz auf sich

selbst: «Mir war egal, was andere dachten.

Wenn man sich selbst beweist, dass

man seine Ziele erreichen kann, was auch

immer man tut, stärkt dies das Selbstvertrauen

enorm.» Es seien die kleinen

Ziele, die ihm schliesslich den Weg zum Erfolg

geebnet hätten: «Ich ging immer

Schritt für Schritt vor, setzte mir kurzfristige

Ziele, und ich denke, dass dies dazu

beigetragen hat, dass ich als Spieler

stärker wurde.» Rückblickend betrachtet

er den Spengler Cup als eine der wertvollsten

Erfahrungen in seiner Karriere.

«Meine Reise war gut mit

vielen grossartigen Momenten»

Den grössten Teil seiner Profi-Laufbahn

verbrachte der Stürmer bei den

Tampa Bay Lightning (2000 bis 2014),

mit denen er 2004 den Stanley Cup

gewann – sein grösster Erfolg. 2014

wechselte St. Louis zu den New York

Rangers, bei denen er ein Jahr darauf,

2015, nach 1134 NHL-Partien, 391 Toren

und insgesamt 1033 Scorerpunkten im

Alter von 40 Jahren seine Schlittschuhe

an den Nagel hängte. Er zog sich ins

Privatleben zurück und widmete sich

seiner Familie, dem Wichtigsten in seinem

Leben. Die Aufnahme in die Hall of Fame

im Jahr 2018 bedeutete ihm viel, doch

er brüstet sich nicht damit. Die Jacke

mit dem Wappen der Hockey Hall of

Fame hat er nur ein einziges Mal getragen,

bei einer Ehrung der Tampa Bay Lightning,

nun hängt sie im Schrank. Der Ring liegt

in einem Tresor, da er keinen Schmuck

trägt. Einen Lieblingsmoment in seiner

Eishockeykarriere hat er nicht: «Meine

ganze Reise war gut mit vielen

grossartigen Momenten, und auch die

schlechteren liessen mich durchhalten.

Es war einfach unglaublich, überhaupt

die Erfahrungen eines Eishockeyprofis

machen zu dürfen.»

In den Söhnen lebt die

Leidenschaft des Vaters weiter

Heute ist St. Louis Headcoach der

Canadiens de Montréal in der NHL. Dabei

führte er die Canadiens in der Saison

2024/25 erstmals seit vier Jahren

zurück in die Play-offs. Während der

Eishockeysaison lebt er in Montreal und

seine Familie in Connecticut in den USA.

Umso wichtiger ist es ihm, während der

Off-Season viel Zeit mit seiner Ehefrau

und den drei Söhnen Ryan, Lucas und

Mason zu verbringen. Alle drei Söhne

teilen die Eishockey-Leidenschaft

ihres Vaters. Dieser versucht, ihnen

aber auch andere Werte mitzugeben. So

sagte er unlängst: «Für mich ist es

wichtig, dass meine Söhne nicht nur

gute Eishockeyspieler, sondern ‹gute

Menschen› sind. Werte wie Verantwortlichkeit,

Teamgeist und Arbeitsethik

sind wichtiger als Ergebnisse in

Zahlen.»



: Das Goldene Buch 32 Sieger in 101 Jahren

Oxford University Ice Hockey Club hiess der Sieger der ersten Spengler Cup-Ausgabe.

Das war im Jahr 1923. Seither haben sich 31 weitere Teams in die Siegerliste eingetragen.

Das Team Canada und der Hockey Club Davos führen die Liste mit je 16 Titeln an.

Jahr

Sieger

Jahr

Sieger

2024 HC Fribourg-Gottéron (SUI)

2023 HC Davos (SUI)

2022 HC Ambri-Piotta (SUI)

2021 Infolge Corona-Pandemie abgesagt

2020 Infolge Corona-Pandemie abgesagt

2019 Team Canada (CAN)

2018 Kalpa Kuopio ( FIN )

2017 Team Canada ( CAN )

2016 Team Canada ( CAN )

2015 Team Canada ( CAN )

2014 Genève-Servette HC ( SUI )

2013 Genève-Servette HC ( SUI )

2012 Team Canada ( CAN )

2011 HC Davos ( SUI )

2010 SKA Sankt Petersburg ( RUS )

2009 HK Dinamo Minsk ( BLR )

2008 HK Dynamo Moskau ( RUS )

2007 Team Canada ( CAN )

2006 HC Davos ( SUI )

2005 Metallurg Magnitogorsk ( RUS )

2004 HC Davos ( SUI )

2003 Team Canada ( CAN )

2002 Team Canada ( CAN )

2001 HC Davos ( SUI )

2000 HC Davos ( SUI )

1999 Kölner Haie ( GER )

1998 Team Canada ( CAN )

1997 Team Canada ( CAN )

1996 Team Canada ( CAN )

1995 Team Canada ( CAN )

1994 Färjestad BK ( SWE )

1993 Färjestad BK ( SWE )

1992 Team Canada ( CAN )

1991 HK ZSKA Moskau ( RUS )

1990 HK Spartak Moskau ( RUS )

1989 HK Spartak Moskau ( RUS )

1988 USA Selects ( USA )

1987 Team Canada ( CAN )

1986 Team Canada ( CAN )

1985 HK Spartak Moskau ( RUS )

1984 Team Canada ( CAN )

1983 HK Dynamo Moskau ( RUS )

1982 ASD Dukla Jihlava ( CZE )

1981 HK Spartak Moskau ( RUS )

1980 HK Spartak Moskau ( RUS )

1979 Krylja Sowetow Moskau ( RUS )

1978 ASD Dukla Jihlava ( CZE )

1977 SKA Leningrad ( RUS )

1976 Sowjetunion B-Nationalteam UdSSR

1975 Olympiateam Tschechoslowakei

1974 Slovan ChZJD Bratislava ( CZE )

1973 Slovan ChZJD Bratislava ( CZE )

1972 Slovan ChZJD Bratislava ( CZE )

1971 SKA Leningrad ( RUS )

1970 SKA Leningrad ( RUS )

1969 HK Lokomotive Moskau ( RUS )

1968 ASD Dukla Jihlava ( CZE )

1967 HK Lokomotive Moskau ( RUS )

1966 ASD Dukla Jihlava ( CZE )

1965 ASD Dukla Jihlava ( CZE )

1964 EV Füssen ( GER )

1963 TJ Sparta CKD Prag ( CZE )

1962 TJ Sparta CKD Prag ( CZE )

1961 ACBB Paris ( FRA )

1960 ACBB Paris ( FRA )

1959 ACBB Paris ( FRA )

1958 HC Davos ( SUI )

1957 HC Davos ( SUI )

1956 nicht ausgetragen

1955 Rudá hvezda Brno ( CZE )

1954 HC Milano Inter ( ITA )

1953 HC Milano Inter ( ITA )

1952 EV Füssen ( GER )

1951 HC Davos ( SUI )

1950 Diavoli Rossoneri Mailand ( ITA )

1949 nicht ausgetragen

1948 LTC Prag ( CZE )

1947 LTC Prag ( CZE )

1946 LTC Prag ( CZE )

1945 ZSC ( SUI )

1944 ZSC ( SUI )

1943 HC Davos ( SUI )

1942 HC Davos ( SUI )

1941 HC Davos ( SUI )

1940 nicht ausgetragen

1939 nicht ausgetragen

1938 HC Davos ( SUI )

1937 LTC Prag ( CZE )

1936 HC Davos ( SUI )

1935 Diavoli Rossoneri Mailand ( ITA )

1934 Diavoli Rossoneri Mailand ( ITA )

1933 HC Davos ( SUI )

1932 Oxford University ( GBR ) und LTC Prag ( CZE )

Gemeinsame Sieger nach 0 : 0 nach Verlängerung

1931 Oxford University ( GBR )

1930 LTC Prag ( CZE )

1929 LTC Prag ( CZE )

1928 Berliner SC ( GER )

1927 HC Davos ( SUI )

1926 Berliner SC ( GER )

1925 Oxford University ( GBR )

1924 Berliner SC ( GER )

1923 Oxford University ( GBR )


97.

Spengler Cup Davos 2025

: Spielplan / TV-Programm

Datum Partien Spielbeginn

Alle Spiele des Spengler Cup live

Freitag Spiel 1: HC Fribourg-Gottéron – HC Sparta Praha 15.10 Uhr

26.12.2025 Spiel 2: Team Canada – U.S. Collegiate Selects 20.15 Uhr

Samstag Spiel 3: IFK Helsinki – Verlierer Spiel 1 15.10 Uhr

27.12.2025 Spiel 4: HC Davos – Verlierer Spiel 2 20.15 Uhr

Sonntag Spiel 5: Sieger Spiel 1 – IFK Helsinki 15.10 Uhr

28.12.2025 Spiel 6: Sieger Spiel 2 – HC Davos 20.15 Uhr

Die Spiele sind bei den Sendern und

Plattformen der SRG zu verfolgen

TV

Sport-Apps

Montag Spiel 7: 2. Gruppe Torriani – 3. Gruppe Cattini 15.10 Uhr

29.12.2025 Spiel 8: 2. Gruppe Cattini – 3. Gruppe Torriani 20.15 Uhr

Dienstag Spiel 9: 1. Gruppe Cattini – Sieger Spiel 7 15.10 Uhr

30.12.2025 Spiel 10: 1. Gruppe Torriani – Sieger Spiel 8 20.15 Uhr

Mittwoch Spiel 11: Finalspiel 12.10 Uhr

31.12.2025 anschliessend Siegerehrung

Gruppe Torriani

Gruppe Cattini

SRF-Moderatorin: Annette Fetscherin

SRF-Kommentatoren: Stephan Liniger, Reto Müller

RTS-Commentateur: Brian Wakker, Patrick Andrey

RSI-Commentatore: Giampaolo Giannoni, Daniele Nevano.

: Das Kamerateam der SRG ist immer hautnah am Geschehen dabei.


HAUTNAH DABEI

71

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Bild fehlt noch

Der Erfolgstrainer

: Authentizität, die Suche nach der

Perfektion, harte Arbeit, viel Spass

und die Technik als Erfolgsrezept


DER ERFOLGSTRAINER

73

: «Ich hoffe, dass Davos bald wieder

einen Titel gewinnt»

Arno Del Curto war von 1996 bis 2018 Trainer des Hockey Club Davos. Er gewann mit dem Team

fünfmal den Spengler Cup, sechsmal die Schweizer Meisterschaft und wurde dreimal

Vizemeister. Ein weiterer Höhepunkt war 2015 die Qualifikation für das Halbfinale in der

Champions Hockey League. Heute blickt Arno Del Curto gerne an diese Zeit zurück und hofft,

dass der Hockey Club Davos bald wieder einen Titel gewinnt.

: Arno Del Curto, derzeit herrschen

wunderbare Bedingungen, um Golf zu

spielen. Sind Sie auch im Golfsport

ein Perfektionist?

Del Curto: Nein. Ich will gut spielen und

Spass haben. Das Talent fehlt mir. Ich

spiele mit Kraft, eine Art Eishockey-

Golf. Ich will powern. Ich spiele oft mit

Kollegen. Natürlich geht es um etwas.

Aber auf die lockere Art.

: Gibt es ein aktuelles Projekt,

das Sie verfolgen?

Ich lerne Klavierspielen.

: Sie haben bereits einmal Klavierspielen

gelernt und schafften es innerhalb

von sechs Wochen, Beethovens «Mondscheinsonate»

zu spielen. Dieses

Projekt starteten Sie, um den Spielern

zu zeigen, dass man erreichen kann,

was man sich vornimmt.

Das war nur ein Stück. Jetzt will ich richtig

Klavierspielen lernen. Das Klavierspielen

mit beiden Händen ist ein Marathon für

das Gehirn. Diese Aktivierung, um im

Kopf frisch zu bleiben, ist mir wichtig.

Wenn ich es schaffe, in zwei bis drei

Jahren richtig Klavier zu spielen, freue ich

mich. Natürlich gehört klassische Musik

zum Klavierspielen dazu. Damals ging ich

sogar nach Wien und verfolgte den Weg

von Beethoven und Mozart. Das war wunderschön.

Doch ich blieb ein Rocker. Mir gefallen

Rage Against the Machine, Led Zeppelin

und Black Sabbath mit Ozzy Osbourne

nach wie vor. Jetzt möchte ich deshalb

auch vermehrt moderne Stücke lernen.

: Sie waren 45 Jahre lang Eishockeyverrückt.

In welcher Form sind Sie es

noch heute?

Gar nicht mehr. Ich dachte lange, dass

das Eishockey zu meinem Leben gehört.

Doch mir macht auch das Leben nach

dem Eishockey Spass.

: Die tägliche Arbeit mit den Spielern

und der Nervenkitzel fehlen Ihnen nicht?

Nein, im Gegenteil. Ich habe mich sehr

zurückgezogen. Heute habe ich Freitag,

Samstag und Sonntag für mich. Das ist

für mich Weihnachten, Ostern und Pfingsten

zusammen. Durch den Spengler Cup

wusste ich nicht, dass es Weihnachten

gibt. Von Silvester sah und hörte ich

jeweils nichts und schlief. Jetzt kenne ich

wieder Weihnachten und Silvester und

freie Wochenenden. Heute habe ich diese

freien Tage sehr gern. Statt der langen

Carfahrten und der kalten Eishallen mag

ich nun einen warmen Sommerabend

bei Gesprächen mit Freundinnen und

Freunden. Das ist die Lebensqualität,

wie ich sie heute liebe.

: Wir schauen trotzdem nochmals

zurück. Der Spengler Cup-Sieg im Jahr

2000 war der Beginn eines sehr erfolgreichen

Jahrzehnts für den Hockey Club

Davos. Wie wichtig war dieser Erfolg

für die folgenden Jahre? Was hat er

ausgelöst?

Vor meinem geistigen Auge spüre und sehe

ich noch heute die extreme Freude der

Menschen, sehe die Spieler und die entscheidenden

Tore vor mir. Der Auslöser

für die «goldenen Jahre» war aber bereits

die Meisterschaft 1997 / 98. Da standen

wir im Finale dem EV Zug gegenüber, das

die Zuger schliesslich 4 : 2 gewannen.

Später, als 2004 Joe Thornton, Rick Nash

und Niklas Hagman für uns spielten,

flippte die ganze Schweiz aus. Das sind

tiefe Erlebnisse. Doch der erste Spengler

Cup-Sieg steht ganz oben.

: Wer war im Spengler Cup der stärkste

Gegner, gegen den der Hockey Club

Davos in den 2000er-Jahren spielte?

Die russischen und schwedischen Mannschaften

und Team Canada. Das Duell

Hockey Club Davos gegen Team Canada

war eine Hassliebe. Es knisterte vor den

Spielen, selbst wenn wir bereits in der

Qualifikation gegeneinander gespielt

hatten. Die Spiele waren geprägt durch

Intensität, Härte und Tempo. Das waren

die Spiele, von deren Intensität wir als

HCD profitierten und die auch die anderen

Spitzenteams in der Schweiz mitzogen.

: Sie haben mit Ihrem Team gerne gegen

stärkere Teams gespielt?

Es gibt nichts Besseres. Wir freuten uns,

wenn wir gegen die Stärksten antreten

konnten. Dadurch spürten wir, woran wir

zukünftig arbeiten mussten, und konnten

uns verbessern. Mein Ziel war es immer,

näher an die Weltspitze zu gelangen. Ich

bin vom Charakter her ein offensiver

Mensch. Ich wollte mich nicht in ein Schema

pressen lassen. Dies war auch meine

Philosophie auf dem Eis. Zum einen, um das

Publikum zu erfreuen, aber auch, um mehr

zu laufen, mehr Angriffe zu kreieren und

mehr Fehler zu machen, um dadurch wieder

besser zu werden.

: Gibt es beim Spengler Cup einen Gegner,

gegen den Sie besonders gerne

gewonnen haben?

Gegen das Team Canada. In deren Reihen

standen damals mindestens 15 Spieler, die

in der Torschützenliste der Schweizer

Meisterschaft den Top 20 waren.

: Doch am meisten liebten Sie das UBS

Kids Training während des Spengler Cup?

Ich mochte den Kontakt zu den Kindern


97.

Spengler Cup Davos 2025

und die Zusammenarbeit mit Jann

Billeter, der als Speaker durch den

Morgen führte, und hatte darüber hinaus

selbst viel Spass. Der Spengler Cup war

sehr intensiv und beim Kids Training war

ich jeweils sehr müde. Mit den Kids

konnte ich wieder Energie sammeln.

: Die Kontaktpflege

war Ihnen sehr wichtig?

Ja, sie ist unglaublich wichtig. Sponsoren

und Fans durften nahe bei uns sein. Die

Fans waren fantastisch. Diejenigen aus

Davos und auch diejenigen, die Spiel für

Spiel vom Unterland ins Landwassertal

fahren. Sie standen bis zur letzten

Sekunde meiner Karriere hinter mir. Das

ist ein Wahnsinn, den nur die wenigsten

erleben dürfen.

: Als Jugendlicher waren Sie ein Partygänger.

Wieso haben Sie es als Trainer

vorgezogen, im Stillen zu feiern?

Sie drücken es richtig aus. Ich feierte im

«Stillen». Den ersten Meistertitel feierte

ich in Zürich. Beim zweiten musste ich

ins Ausland gehen. Ich war derjenige, der

sich am meisten freute und am meisten

feierte. Aber nicht vor den Leuten. Wenn

ich richtig aus mir rausgehe, habe ich

mich nicht mehr unter Kontrolle. Das

sollte sich nicht auf den Club oder meine

berufliche Zukunft auswirken.

: Sie liessen sich nächtelang von

Eishockeyspielen aus aller Welt

inspirieren und beobachteten die

besten Trainer der Welt beim

Training. Hätte es Sie selbst nie

gereizt, im Ausland zu trainieren?

Ich trat von einer mündlichen Zusage,

als Trainer in St. Petersburg zu arbeiten,

zurück. Dies tat ich für den Hockey

Club Davos. Ich holte junge Spieler nach

Davos, schwärmte bei ihnen vom Club

und sagte, dass wir ihn gemeinsam

vorwärtsbringen möchten. Mit den

Gedanken an diese Gespräche war mir

nicht mehr wohl zumute und ich konnte

dem HCD den Rücken nicht zudrehen.

Eigentlich ist es nicht normal, ein

solches Angebot, wie ich es von

St. Petersburg damals erhielt, auszuschlagen.

Heute bereue ich, es getan

zu haben. Zur Schweizer Nationalmannschaft

wechselte ich nicht, weil ich

täglich mit Athleten arbeiten wollte.

: Arno Del Curto und sein Team vor dem Sieg des Spengler Cup 2006.

: Gab es einen Trainer, der Sie

inspiriert hat?

Alpo Suhonen. Er war unter anderem

Trainer der finnischen Nationalmannschaft,

trainierte in der NHL, bei den

ZSC Lions und gewann als Trainer des

EHC Kloten in den Jahren 1995 und 1996

jeweils den Schweizer Meistertitel. Die

Persönlichkeit von Alpo Suhonen imponierte

mir. Nicht nur aufgrund seiner

Leistungen, sondern auch aufgrund

seines weiten Horizonts und seiner

Souveränität. Er war ein intellektueller

und kultivierter Mensch, der Eishockey

als Verbindung von Körper und Geist

betrieb und diesen Sport somit auf eine

neue Ebene hob. Wiktor Wassiljewitsch

Tichonow, Trainer bei ZSKA Moskau und

der sowjetischen Eishockeynationalmannschaft,

durfte ich mehrmals bei

den Trainings zusehen. Das hat mich

weitergebracht.

: War Ihr guter Draht zu den Spielern

schliesslich Ihr Erfolgsrezept?

Es waren Authentizität, die Suche nach

der Perfektion, harte Arbeit, viel Spass

und die Technik. Es geht am Ende darum,

jeden Spieler stärker zu machen. So,

dass die Mannschaft besser wird. Ich

bin ein lieber Mensch, hatte alle Spieler

gern. Ich war nahe bei der Mannschaft,

und obwohl ich auch Fehler machte,

haben die Spieler viel für mich getan,

gingen sozusagen mit mir durchs Feuer.

Noch heute treffe ich ab und an Spieler

jener Zeit. Noch heute schwärmen alle

von der Zeit in Davos.

: Was war neben Spengler Cup und

Meisterschaft ihr grösster Karriereerfolg?

Der 4 : 1-Sieg im Dezember 2015 im Viertelfinale

der Champions Hockey League

gegen das schwedische Spitzenteam

Skellefteå AIK sowie alle Partien in der

Champions Hockey League in jenem Jahr.

Die Mannschaft spielte damals das

Eishockey, das ich immer angestrebt

hatte.

: Sie erhielten für Ihre Arbeit als

Trainer viele Auszeichnungen, waren

fünfmal Trainer des Jahres, 2005

bester Cheftrainer der Nationalliga A,

wurden 2007 und 2011 bei der Wahl

«Sportler des Jahres» als bester

Trainer ausgezeichnet und erhielten

2009 von der IIHF die Auszeichnung

«Best Hockey Coach in Europe 2009».

Es ist wunderbar, solche Auszeichnungen

zu erhalten. Doch diese waren für mich

nicht das Wichtigste.

: Was gibt es bei Ihnen zu Hause, das

Sie an die Zeit im Eishockey erinnert?

Gar nichts. Aber es war eine wunderschöne

Zeit, die ich nie missen möchte.

Der Hockey Club Davos hat eine tief

verankerte Kultur. So soll es bleiben. Ich

bin froh, dass ich etwas zur Geschichte

dieses Eishockeyclubs beitragen konnte,

und was ich dadurch erlebte, muss man

zuerst erlebt haben. Ich hoffe, dass der

Hockey Club Davos zu meinen Lebzeiten

noch einen Titel gewinnt. Das würde

mich wahnsinnig freuen.


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