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Automationspraxis 06.2025

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automationspraxis.de

06_November 2025

Trend Künstliche Intelligenz

KI transformiert Industrie

und Robotik Seite 20

Vorschau Expertenforum

Intelligente Robotik für die

Industrie von morgen Seite 56

Servicerobotik-Comeback

Die United Robotics Group

ist wieder da Seite 62

Sicher durch das

Maschinenleben


SPS Nürnberg

25.– 27. November 2025

Halle 3, Stand 468

Weltbewegend

Für ein harmonisches Antriebssystem bei Mobility-Anwendungen brauchts ein

reibungsloses Zusammenspiel von Elektroantrieben, Motion Controller, Master

Controller, Sensoren und Batteriemanagement-Systemen. Zum Glück bieten wir

all dies an. mobilitysolutions.maxongroup.de

Precision Drive Systems

2 November 2025


_Editorial

Nächste Messe:

24.03.-26.03.2026 LogiMAT

Armin Barnitzke

Chefredakteur

Automationspraxis

Robotik erobert

Das

nach da?

Läuft.

neue Felder

Die Welt der Robotik ist im Umbruch. Das verdeutlichen die Zahlen des

„World Robotics 2025“-Report der IFR: Neue Märkte (vor allem

China) und neue Anwendungsfelder lösen die „alten Robotik-Treiber“

(etwa die Automotive-Industrie) ab. In China gelingt es den dortigen lokalen

Playern sogar, neue Branchen für den Robotereinsatz zu erschließen. So hat

die IFR in China bemerkenswerte Roboterinstallationen in der Textilindustrie

(+29 %) gezählt. Aber auch in Deutschland und Europa entstehen laut

IFR neue Märkte für die (Industrie-) Robotik.

Das schlägt sich in unserer Berichterstattung nieder. Nachdem wir in der

Ausgabe 5 bereits über „Roboter beim Hausbau“ oder beim „Sortieren von

Autoschrott-Metall“ berichtet haben, finden Sie in dieser Ausgabe Beiträge

über ABB-Roboter beim Solarmodul-Recycling (Seite 34) oder über Fanuc-

Robots in den Roboterküchen von Goodbytz (Seite 28).

Dass die Robotik neue Bereiche erobert, zeigt sich auch am Wachstum in

der Servicerobotik: Laut IFR ist der Markt für professionelle Servicerobotik

weltweit um 9% gewachsen. Alleine im größten Segment, den autonomen

mobilen Robotern für Transport und Logistik, sind über 100.000 neu installierte

Mobilroboter hinzugekommen (+14 %). Noch beeindruckender ist das

Wachstum in der Reinigungsrobotik (+ 34 %) und bei Medical Robots

(+91 %). Hier hat vor allem die Laborrobotik („Diagnostik & medizinische

Laboranalyse“) ein krasses Wachstum von 610 % hingelegt.

Kein Wunder also, dass der deutsche Servicerobotik-Pionier United Robotics

Group, der nach dem Rückzug des alten Finanziers RAG-Stiftung Insolvenz

anmelden musste, unter neuer Führung mit dem Fokus auf Laborautomation

neu durchstarten will. Was die „Macher der neuen URG“ vorhaben, lesen Sie

auf Seite 62.

Wir beraten Sie gerne.

www.haro-gruppe.de

November 2025 3


_Inhalt

Inhalt

Bild: Estun

14

Offensiv: Wie der größte chinesische

Roboterhersteller Estun den

hiesigen Robotikmarkt aufmischen

will, verraten Europa-Chef Gerald

Mies (li.) und Deutschland-CEO

Ralph Christnacht.

44

Hochpräzise: Warum Weiss mit Yinguan aus

Shanghai eine strategische Technologiepartnerschaft

für Hochpräzisions-Automation geschlossen

hat, berichtet Franz Oebels, Vice

President Precision in Buchen.

Bild: Siemens

20

Intelligent: Wie Siemens mit dem Industrial

Copilot, Agentic AI und einem

Industrial Foundation Model die KI-

Nutzung in der Industrie vorantreibt,

sagt Matthias Loskyll, Senior Director

AI & Robotics bei Siemens Digital

Industries.

Bild: Weiss

62

Menschennah: Wie sie mit der United Robotics

Group (URG) neu durchstarten und die intelligente

Servicerobotik vorantreiben wollen, verraten

die Co-CEOs Wassim Saeidi und Kerstin

Wagner.

Bild: URG

www.kuka.com

feel the flow

of automation

AMR by KUKA

KUKA bietet eine breite Palette mobiler

Robotik, die die gesamte Wertschöpfungskette

abdeckt und die Anforderungen der

Intralogistik und Produktion in der neuen

vernetzten Industrie perfekt erfüllt.

4 November 2025


_Inhalt

Zum Titel

Im Lebenszyklus von Maschinen

stellt jede Phase besondere

Anforderungen an die Sicherheit.

Worauf kommt es dabei an? Und

welche Rolle spielt inzwischen

das Thema Security? Der Experte

für sichere Automation Pilz gibt

Antworten. Seite 06

Your Global Automation Partner

_Interview des Monats

14 „Attraktive Alternative zum Robotik-Establishment“

Gerald Mies und Ralph Christnacht von Estun

_Trend des Monats

20 Agentische KI ist keine reine Zukunftsversion

Dr. Matthias Loskyll (Siemens) gibt Einblicke

23 Warum heutige KI nicht die Zukunft der Robotik ist

Prof. Dominik Bösl benennt Hürden

_Robotik

26 Präzise Stäubli-Roboter für Ultraschalltests

Hightech-Prüfung von großen CFK-Bauteilen

36 Mit mobilen Manipulatoren zur smarten Fabrik

Mobert im Einsatz bei B.Braun in Melsungen

_Handhabung und Montage

41 Greifer hat den Dreh raus

Zimmer: Zwei Funktionen in einer Komponente

_Projekt des Monats

44 Weiss: Technologiepakt für Ultrapräzision

Automatisierung im Sub-Nanometerbereich

_Automatisierung

48 Eine Wollmilchsau für die Robotersteuerung

Effiziente Systemtests für Robotikkinematiken

52 „Starkes Wachstum bei Servicerobotern“

Verbindungstechnologie für die Robotik von morgen

_Expertenforum bei Fanuc

56 „ Intelligente Robotik“ im Fokus

Vorschau auf das Event am 4. Dezember 2025

_Macher der Automation

62 „Die Servicerobotik zu den Menschen bringen“

Die United Robotics Group startet neu durch

Halle 7, Stand 250

Hand in Hand bis

in die Cloud

Profitieren Sie von digitaler

Wertschöpfung zwischen Shop

Floor und Cloud – mit Turcks

durchgängiger IIoT-Architektur

aus einer Hand.

_10 Fragen an

66 „Wenn ich am Wasser bin, muss ich reinspringen“

Patrick Heimburger, Fruitcore Robotics

_Rubriken

12 Personalien

41 Innentitel Zimmer: Greifer hat Dreh raus

65 Impressum

www.turck.de/s2c

November 2025 5


So setzen Betreiber Safety und Security für produktive Prozesse im Shopfloor um

Sicher durch das gesamte

Maschinenleben

Vom flexiblen fahrerlosen Transportsystem über die hocheffiziente Roboterzelle

bis hin zu weitläufigen Anlagen: Im Lebenszyklus aller Maschinen stellt jede

Phase besondere Anforderungen an die Sicherheit. Worauf kommt es dabei an

und welche Rolle spielt inzwischen das Thema Security?

Autor: Marcel Wöhner, Chief Technical Officer, Pilz Vertriebs- und Servicegesellschaft Deutschland

6 November 2025


Automationspraxis

TITELGESCHICHTE

exklusiv

_Titelgeschichte

Bild: Pilz

Der Lebenszyklus von Maschinen

und Anlagen reicht von der Planung

über Konstruktion, Inbetriebnahme

und Betrieb inklusive Retrofit bis

hin zur Außerbetriebnahme.

November 2025 7


_Titelgeschichte

„Betreiber vernetzter Maschinen stehen vor neuen

Pflichten: Die EU-Maschinenverordnung und der

Cyber Resilience Act verlangen Maßnahmen

zur Cybersicherheit, inklusive Umgang mit

Bild: Pilz

Schwachstellen und Sicherheitsupdates.“

Marcel Wöhner, Pilz

Marcel Wöhner, Chief Technical Officer, Pilz Vertriebs-

und Servicegesellschaft Deutschland.

Der Lebenszyklus von Maschinen und Anlagen

reicht von der Planung über Konstruktion,

Inbetriebnahme und Betrieb inklusive

Retrofit bis hin zur Außerbetriebnahme. Die Anforderungen

an Sicherheit und Effizienz unterscheiden

sich je nachdem, in welcher Phase eine

Maschine sich befindet.

Am Anfang steht das Design

Entwickler und Konstrukteure definieren zu Beginn

die Anforderungen und den Zweck der Maschine.

Sie berücksichtigen die relevanten Richtlinien

und Verordnungen, beispielsweise für die Inverkehrbringung

innerhalb der Europäischen Union.

Basierend auf einer Risikobeurteilung und

dem Sicherheitskonzept erfolgt die Integration sicherheitsrelevanter

Funktionen sowie die Auswahl

geeigneter Komponenten und am Ende eine umfangreiche

Validierung sämtlicher Sicherheitsfunktionen.

Geschieht all das in Einklang mit den

geltenden Gesetzen und Richtlinien, kann der

Maschinenbauer in der EU am Ende dieser Phase

eine Konformitätserklärung abgeben und eine

CE- Kennzeichnung anbringen.

Im Betrieb wird’s dynamisch

Anschließend geht die Maschine in die Betriebsphase

über, also in den eigentlichen Betrieb inklusive

Integration und Inbetriebnahme. Hier gilt: Es

gibt nicht „den sicheren Roboter“ oder „das sichere

FTS“, sondern nur eine sichere Anwendung,

die den Kontext und die Zusammenarbeit mit

dem Menschen berücksichtigt. So erhält ein Roboter,

der grundsätzlich als unvollständige Maschine

in den Verkehr gebracht wird, zunächst eine

Einbauerklärung. Um eine Konformitätserklärung

zu erhalten, müssen Werkzeug, Umgebung

und Prozess betrachtet und die Gesamtanwendung

abgesichert werden.

Deshalb liegt es in der Verantwortung des Betreibers,

die Maschine in dem Umfeld, in dem sie betrieben

wird, sicherheitstechnisch zu betrachten –

und zwar laufend. Damit das geschieht, gilt in

Europa die Arbeitsschutz-Rahmenrichtlinie, die

beispielsweise in Deutschland in der Betriebssicherheitsverordnung

(BetrSichV) umgesetzt wird.

Diese regelt die Sicherheit und den Gesundheitsschutz

bei der Verwendung von Arbeitsmitteln und

überwachungsbedürftigen Anlagen. Die Verordnung

schreibt für einen sicheren Betrieb regelmäßige

Prüfungen von Arbeitsmitteln und Anlagen vor.

Außerdem sind regelmäßige Wartungszyklen sowie

Tests der Sicherheitseinrichtungen Bestandteile

der Betriebsphase. Sie ist im Vergleich zur Konstruktionsphase

viel dynamischer mit Blick auf die

Sicherheit. Das gilt umso mehr, wenn die Zusammenarbeit

zwischen Mensch und Maschine, beispielsweise

in der Intralogistik mit fahrerlosen

Transportsystemen (FTS) oder für Mensch-Roboter-Kollaborationen,

eng gestaltet wird. Dabei

muss laufend die Sicherheit gewährleistet sein.

Alte Eisen auf dem Prüfstand

Im Laufe einer jahrelangen Betriebsphase ändert

sich der Stand der Technik und für einige Maschinen,

wie beispielsweise Roboterzellen, steht ein Retrofit

an, um Produktivität und Sicherheit weiterhin

zu gewährleisten. Im Maschinenbetrieb müssen

Sicherheitsmaßnahmen kontinuierlich überprüft,

dokumentiert und aktuell gehalten werden. Betreiber

haften und stehen damit in der Pflicht, jederzeit

nachweisen zu können, dass ihre Maschinen den

geltenden gesetzlichen Anforderungen entsprechen.

Das betrifft nicht nur technische Sicherheitsfunktionen,

sondern auch organisatorische Maßnahmen,

bis hin zu IT-Schutz und Datenschutz. In der

Praxis sind diese Dokumente jedoch oft lückenhaft

und an verschiedenen Orten und in verschiedenen

Formaten, als Ausdruck oder digital, abgelegt.

8 November 2025


_Titelgeschichte

Überblick über die Dokumentation

Ein lückenlos dokumentierter Sicherheitsprozess

ist Grundlage für die rechtliche Absicherung. Betreiber

tragen die volle Verantwortung für die Sicherheit

ihrer Maschinen – und müssen im Schadensfall

nachweisen können, dass alle Maßnahmen

korrekt umgesetzt wurden. Ein vollständiger

und strukturierter Überblick über alle sicherheitsrelevanten

Unterlagen ist essenziell.

Die Herausforderung liegt darin, diese Dokumentation

nicht nur zu erstellen, sondern auch laufend

zu pflegen. Änderungen an der Maschine, neue

Softwareversionen oder geänderte gesetzliche Anforderungen

müssen zeitnah erfasst und nachvollziehbar

dokumentiert werden. Nur so behalten

Betreiber die Kontrolle – und erfüllen ihre Verantwortung

gegenüber Mitarbeitenden, Behörden

und der eigenen Organisation.

In alle Phasen fließt Security ein

Betreiber vernetzter Maschinen stehen zusätzlich

vor neuen Pflichten: Die EU-Maschinenverordnung

und der Cyber Resilience Act verlangen

Maßnahmen zur Cybersicherheit, inklusive Umgang

mit Schwachstellen und Sicherheitsupdates.

Die NIS-2-Richtlinie verpflichtet Betreiber kritischer

Infrastrukturen zu umfassenden organisatorischen

und technischen Maßnahmen zur IT-Sicherheit

wie Risikoanalysen, Notfallplänen und

Meldepflichten. Auch absichtliche oder unbewusste

Manipulationen durch Mitarbeiter müssen

berücksichtigt werden. Ein klar strukturiertes

Identification and Access Management für sicherheitsrelevante

Funktionen ist essenziell, um Zugriffe

nachvollziehbar und kontrollierbar zu gestalten.

Kurzum: Der Maschinenlebenszyklus ist heute

untrennbar mit umfassenden Sicherheits-, Dokumentations-

und IT-Schutzpflichten verbunden.

Betreiber müssen nicht nur für den Schutz von

Menschen und Maschinen sorgen, sondern auch

für die Integrität digitaler Systeme und die Einhaltung

gesetzlicher Vorgaben. Eine strukturierte,

vollständige und jederzeit verfügbare Dokumentation

ist dabei der Schlüssel – sowohl für die

Rechtssicherheit als auch für einen störungsfreien

und produktiven Betrieb. Bei der Dokumentation

sowie dem Management von Personal und Maschinen

kann die digitale Myzel Lifecycle Platform

des Automatisierungsunternehmens Pilz unterstützen

(siehe Kasten). Mit dieser Software gewährleisten

Maschinenbetreiber, dass ihre Maschinen

in Sachen Safety, Security und Compliance

über den gesamten Lebenszyklus hinweg „up to

date“ sind.

Pilz GmbH & Co. KG

https://www.pilz.com

Es liegt in der Verantwortung des Betreibers, seine Maschine in dem Umfeld, in

dem sie betrieben wird, laufend sicherheitstechnisch zu betrachten. Dazu zählt

beispielsweise die Definition der Schutz- und Warnzonen eines FTS.

Myzel Lifecycle Platform: den gesamten

Lebenszyklus digital und sicher managen

Mit seiner Myzel Lifecycle Platform bietet das Automatisierungsunternehmen

Pilz in einer ersten Ausbaustufe ein neues Software-as-a-

Service-Angebot, das Maschinenhersteller und -betreiber bei der Einhaltung

von Gesetzen und Sicherheitsanforderungen über den gesamten

Lebenszyklus hinweg unterstützt. Die Plattform vereint erstmals das

Management von Maschinen sowie auch Personal in einer digitalen

Plattform.

Die Myzel Lifecycle Platform schafft dafür eine Verbindung zwischen

den Assets (Mitarbeiter, Maschinen, Komponenten) und dazugehörigen

Artefakten, etwa Anleitungen, Arbeitsschutzrichtlinien oder Schulungen.

Ein Blick auf das Myzel Dashboard macht so ersichtlich, wo es

Handlungsbedarf in Bezug auf Safety, Security und Konformität gibt.

Dazu vereinfachen buchbare Workflows von der Sicherheitsvalidierung

bis zur Verwaltung von Zugangsberechtigungen die Umsetzung. ↓

www.pilz.com/myzel

Bild: Pilz

November 2025 9


_Titelgeschichte

Interview mit Jaime Alonso, Vice President Global Services, Pilz GmbH & Co. KG

„Risiken frühzeitig erkennen“

Wieso Unternehmen den Safety- und Security-Lebenszyklus ihrer Maschinen berücksichtigen

sollten und wie sie ihre Mitarbeiter für die Themen Safety und Security

sensibilisieren, erläutert Jaime Alonso, Vice President Global Services bei Pilz.

kunft vermeiden. Zum anderen wird so die vollständige

Einhaltung geltender Vorschriften und Normen

sichergestellt. Betreiber erfüllen damit ihre Verpflichtung,

ein sicheres und geschütztes Arbeitsumfeld bereitzustellen.

Wenn alle – von der Konstruktion bis

zur Bedienung – ihre Rolle im Lebenszyklus kennen

und verstehen, entsteht ein zuverlässigeres und robusteres

Gesamtsystem.

Bild: Pilz

Jaime Alonso ist Vice President Global Services bei Pilz.

AP: Was können Unternehmen tun, damit ihre

Mitarbeitenden Safety und Security ernst nehmen?

Alonso: Eine Kultur zu schaffen, in der Safety und

Security gleichermaßen ernst genommen werden, beginnt

bei der Führungsebene und wird durch Schulung,

Einbindung und Verantwortlichkeit aufrechterhalten.

Sicherheitseinrichtungen zu installieren oder

Cybersecurity-Protokolle umzusetzen reicht nicht

aus – die Mitarbeitenden müssen verstehen, warum

diese Maßnahmen wichtig sind. Wenn sie informiert

und eingebunden sind, wird Sicherheit zur Selbstverständlichkeit

– und nicht zur Pflichtübung.

„Eine Kultur zu schaffen, in der Safety und Security

gleichermaßen ernst genommen werden,

beginnt bei der Führungsebene.“

AP: Warum sollte man den Safety- und Security-

Lebenszyklus von Maschinen berücksichtigen?

Alonso: Das ist aus mehreren Gründen entscheidend.

Zum einen ermöglicht die Orientierung am

Lebenszyklus ein kosteneffizientes Risikomanagement.

Werden Sicherheits- und Cybersecurity-Aspekte

rechtzeitig berücksichtigt, lassen sich Risiken

für Bedienpersonal, Produktionsausfälle oder Datenverluste

über die gesamte Maschinenlebensdauer

deutlich reduzieren – und teure Retrofits in der Zu-

Jaime Alonso, Pilz

AP: Wann ist es sinnvoll, externe Partner in ein

Projekt einzubeziehen?

Alonso: Je früher, desto besser. Wir helfen dabei, Risiken

frühzeitig zu erkennen, bevor sie im System

verankert sind, und bieten alternative Lösungen, um

sicherzustellen, dass sowohl Safety als auch Security

in die Architektur, Systeme und Prozesse integriert

werden. Ob Unternehmen eine neue Produktionslinie

starten oder ältere Anlagen aufrüsten – unser

Ziel ist es, sie bei der Einhaltung von Vorschriften zu

unterstützen, Ausfallzeiten zu reduzieren und Menschen

sowie Anlagen zu schützen. Neben der Beratung

spielt auch die Schulung eine entscheidende

Rolle beim Aufbau interner Kompetenz und Widerstandsfähigkeit.

Unser Schulungsangebot unterstützt

nicht nur die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, sondern

fördert auch eine Kultur des proaktiven Risikomanagements

im gesamten Unternehmen.

Pilz GmbH & Co. KG

https://www.pilz.com

10 November 2025


| TC04G |

Maschinelles Lernen für alle

Bereiche der Automatisierung

TwinCAT Machine Learning: KI einfach integriert in die Steuerungsebene

KI-Modelle als Funktionsbaustein in der SPS: KI als Bestandteil des Steuerungscodes

Ausführung in Echtzeit auf dem Standard-Steuerungs-IPC:

synchron zu Motion, Ablauflogik, Vision, …

Beschleunigung komplexer KI-Modelle:

Beckhoff IPC mit NVIDIA GPU und Interface aus der SPS

automatisiertes Training von KI-Modellen: KI-Modellerstellung ohne KI-Expertenwissen

offene Schnittstelle für trainierte KI-Modelle (ONNX): Interoperabilität trainierter KI

Verwaltung des Lebenszyklus von KI-Modellen:

Modell-Update ohne kompilieren, Stop und Restart

Halle 7, Stand 406

Scannen und

alles über

maschinelles

Lernen erfahren

November 2025 11


_Personalien

Bild: Lenze

01

Bild: Teradyne

02

Bild: Stein

03

Bild: IEF

04

05

Bild: Neura

Bild: Agile Robots

06

Bild: RobCo

07

01 Bei Lenze engagieren sich mit Lena Günther (Head

of Business Development) und Dr. Moritz Belling (als

Director Transformation) erstmals seit fast zwei Jahrzehnten

wieder Mitglieder der Gesellschafterfamilie

im operativen Tagesgeschäft. Beide gehören zur vierten

Generation der Lenze-Eigentümer-Familie.

02 Jean-Pierre Hathout ist bei Teradyne neben seinem

Posten als CEO von Universal Robots auch zum President

der Teradyne Robotics Group berufen worden.

Er folgt auf Ujjwal Kumar.

03 Armin Doser hat die Geschäftsführung bei Stein

Automation übernommen. Er hatte im März 2025 als

Chief of Sales bei Stein begonnen und bringt einen

breiten Erfahrungsschatz aus früheren Führungsrollen

bei Aumann Espelkamp GmbH, Hahn Automation

Süd und Mikron Automation mit.

04 Jürgen Noailles (Mitte) ist als Geschäftsführer bei

IEF-Werner eingestiegen. Er übernimmt die Leitung

schrittweise von Manfred Meyer (links), der Ende 2026

in den Ruhestand geht. Rechts im Bild ist Mit-Geschäftsführer

Stefan Deck.

05 David Reger ist mit Neura Robotics mit dem Deutschen

Gründerpreis 2025 in der Kategorie Aufsteiger

ausgezeichnet worden.

06 Bettina Schön-Behanzin verstärkt als Vice President

External Affairs and Communications das Führungsteam

des KI-Robotik-Spezialisten Agile Robots aus

München. Die deutsche Managerin hat langjährige

internationale Erfahrung im Aufbau und in der Skalierung

globaler Strukturen.

07 Roman Hölzl, CEO von Robco, ist mit seinem

Münchner Robotik-Start-up Teil des neuen Förderprogramms

„Physical AI Fellowship“ von Amazon

Web Services, Nvidia und Massrobotics. Zudem treibt

er die internationale Expansion voran und hat eine

neue Robco-Niederlassung in den USA gegründet.

12 November 2025


November 2025 13


_Interview des Monats

Interview: Gerald Mies und Ralph Christnacht von Estun Robotics

„Eine attraktive Alternative

zum Robotik-Establishment“

Wie der größte chinesische Roboterhersteller Estun auch den Markt in Europa

erobern will, welche Anwendungen besonders im Fokus stehen und warum es

dabei nicht nur um den Roboterpreis geht, erläutern Europa-Chef Gerald Mies

und Deutschland-CEO Ralph Christnacht.

Interview: Armin Barnitzke

„Wir sind nicht angetreten, um mit Kuka, Fanuc

und Yaskawa um Marktanteile zu kämpfen.

Wir fokussieren uns eher auf bislang wenig

Bild: Estun

beachtete Marktsegmente.“

Ralph Christnacht

Ralph Christnacht ist

CEO der Estun Robotics

Deutschland GmbH.

AP: Estun ist in China nicht nur der größte einheimische

Roboterhersteller, sondern mittlerweile

sogar Marktführer. Wann will Estun auch

in Europa die Nummer eins sein?

Mies: Wir haben selbstverständlich die Ambition,

die Nummer eins in Europa zu werden. Das geht

jedoch nur Schritt für Schritt. Zunächst wollen

wir unsere Sichtbarkeit erhöhen. Die Automatica

im Juni 2025 hat uns dabei enorm geholfen. Mittlerweile

erhalten wir täglich Anfragen – und das

von namhaften Industrieunternehmen.

Christnacht: Das stimmt. So etwas habe ich schon

lange nicht mehr erlebt. Die aktuelle Dynamik bei

uns erinnert mich stark an die Aufbruchstimmung

der 1990er Jahre.

AP: Woran liegt das? Der deutsche Robotikmarkt

gilt aktuell insgesamt doch eher als zäh.

Mies: Der deutschen Industrie geht es derzeit

nicht gut. Eine Gegenmaßnahme besteht darin,

den Automatisierungsgrad zu erhöhen. China

macht uns das vor: Das Land hat Deutschland inzwischen

sogar bei der Roboterdichte überholt.

Wir können daher einiges von China lernen.

AP: Inwiefern?

Mies: In vielen Fabriken gibt es Handarbeitsplätze,

die nur an zwei Tagen in der Woche betrieben werden,

dann jedoch mit hoher Intensität. Das sind

häufig monotone Tätigkeiten, die in China längst

automatisiert wurden, weil die Roboter dort kostengünstiger

sind und sich einfacher konfigurieren

lassen. In China ist die Einstiegshürde in die Robotik

und Automation generell niedriger. In Europa

hingegen sind die Anforderungen an die Robotik oft

unnötig hoch, was dazu führt, dass sich die Investition

in eine Roboterzelle am Ende nicht rechnet.

AP: Warum sollten sich deutsche Kunden beim

Thema Automatisierung gerade für Estun entscheiden,

wenn sie auch auf etablierte Anbieter

wie Kuka, Fanuc, Yaskawa oder ABB zurückgreifen

können?

14 November 2025


Automationspraxis

Interview des Monats

exklusiv

„Dank unserer Fabrik in Polen werden wir kurze,

aggressive Lieferzeiten realisieren können.

Zudem können wir unsere Roboter mit dem

Label ‚Made in Europe‘ anbieten.“

Gerald Mies

Bild: Estun

Christnacht: Viele Projekte lassen sich eben mit

den üblichen Standards nicht wirtschaftlich realisieren,

mit unseren kostengünstigen Robotern jedoch

schon. Dabei entsprechen unsere Roboter

den hierzulande geltenden Industriestandards.

Damit bieten wir den Kunden eine attraktive Alternative

zum Robotik-Establishment. Sowohl in

Sachen Funktionalität als auch im Preis sind wir

mehr als wettbewerbsfähig. Aber wir sind nicht

angetreten, um mit Kuka, Fanuc und Yaskawa

um Marktanteile zu kämpfen. Wir fokussieren

uns eher auf Marktsegmente, die bislang wenig

beachtet wurden – hier können wir in den nächsten

drei Jahren in Deutschland und Europa

schnell 3.000 Roboter verkaufen, ohne dass die

großen Wettbewerber es sofort bemerken. Zumal

wir dank unserer offenen Robotersteuerung gerade

für große Anwender auch technologisch interessant

sind.

AP: Wieso das?

Christnacht: Im Bereich Schweißen oder Lackieren

beispielsweise gibt es große Maschinenbau-

Player, die über umfangreiches Prozess-Know-

Gerald Mies ist President und CEO der Estun Robotics

Europe AG.

how verfügen und daher bislang eigene Roboter

bauen. Für diese Kunden ist es essenziell, ihre

technologische Souveränität zu bewahren. Dank

unserer offenen Steuerung können diese Unternehmen

mit ihrer Roboter-Software auf unserer

Plattform aufsetzen und so unser gesamtes Portfolio

mit 86 Robotertypen nutzen, ohne dass sie in

eigene Robotermechaniken investieren müssen.

Das reduziert deren Kosten und schützt gleichzeitig

ihr Know-how. Und wir können Marktanteile

gewinnen, ohne dass es sofort auffällt. Das ermöglicht

uns ein solides Wachstum in Europa.

AP: Welche Rolle soll dabei Ihre neue Fabrik in

Polen spielen?

Unsere ganze Kompetenz

in einer Systemlösung.

alpha Linear Systems: Dynamisch. Präzise. Individuell.

Haben Sie an den linearen Antrieb ganz individuelle Anforderungen in Bezug auf Laufruhe, Positioniergenauigkeit

und Vorschubkraft? Dann haben wir für Sie die optimal abgestimmte Lösung. Es ist nicht allein die Kopplung von Getriebe, Ritzel

und Zahnstange, sondern unser Know-how in der überzeugenden, individuellen Systemlösung – und das über alle Klassen.

Wir beraten Sie gerne: Tel. +49 7931 493-0

Besuchen Sie uns:

Halle 4, Stand 4-221,

25.11. - 27.11.2025

WITTENSTEIN alpha – intelligente Antriebssysteme

www.wittenstein-alpha.de

November 2025 15


_Interview des Monats

Bild: Estun

Estun ist der größte chinesische Roboter-Hersteller und besitzt ein breites Portfolio: vom Cobot bis Schwerlast roboter. Dazu gehören auch

Palettierroboter und Spezialkinematiken.

Mies: Dank unserer neuen Fabrik in Polen werden

wir kurze, aggressive Lieferzeiten realisieren können.

Zudem können wir unsere Roboter dann mit

dem Label „Made in Europe“ anbieten – das ist

insbesondere für Kunden mit Exporten in die USA

wichtig. Ein Werkzeugmaschinenhersteller wie

DMG würde nie Estun-Roboter zum Be- und Entladen

einsetzen, wenn er dann seine Maschinen

nicht mehr nach Amerika liefern könnte.

AP: Was genau ist in Polen geplant?

Mies: Das Gebäude ist mittlerweile bezugsfertig.

Zunächst starten wir in Polen mit einer CKD-

Montage – die Roboter werden also als Einzelteile

angeliefert und vor Ort vollständig montiert. Parallel

baut unser Einkauf aus der Zentrale in Nanjing

bereits ein lokales Zulieferernetzwerk auf.

Unser klares Ziel ist es, unsere Roboter in Europa

zu denselben Herstellungskosten zu produzieren

wie in Nanjing. Alles andere wäre nicht sinnvoll.

Geballte Erfahrung – das Estun-Team in Europa

Als Regional-Manager konnte Gerald Mies einige langjährige Mitstreiter

und Branchenexperten gewinnen:

· Marco Delaini ist Vice President Europe bei Estun Robotics Europe

und gleichzeitig CEO von Estun Italia. Er war 16 Jahre General Manager

bei Fanuc Italia.

· Konrad Grohs ist Vice President von Estun Robotics Europe und

gleichzeitig CEO Estun Robotics Central Europe. Er war viele Jahre

Managing Director bei Fanuc Polska und später Director IoT Business

bei Fanuc Europe.

· Ralph Christnacht ist CEO für die DACH-Region. Er bringt jede Menge

Management-Erfahrung aus der Robotik- und Werkzeugmaschinen-Industrie

mit und blickt auf Stationen bei Fanuc Europe (Director

Business Development), Emag, FFG Europe & Americas und vor

allem bei DMG Mori zurück.

AP: Und was passiert am deutschen Standort

Schwäbisch Gmünd in Deutschland?

Christnacht: Wir haben eine schöne alte Halle mit

Fachwerk auf einem ehemaligen Bosch-Gelände

angemietet, die wir als Hybridhalle nutzen wollen.

Geplant sind dort Schulungen und Trainings für

Kunden und Partner, ein Zwischenlager, ein Demo-Center

sowie moderne Büroflächen mit Glas-

Cubes, Kommunikationsflächen, Coworking Spaces

und einer agilen Arbeitsatmosphäre – wir

möchten dort eine Start-up-Kultur etablieren.

AP: Wie groß ist das deutsche Team?

Christnacht: Unsere Zielorganisation umfasst in

den nächsten 18 bis 24 Monaten etwa 24 Mitarbeitende.

Hinzu kommen Akquisitionen. Unsere

Muttergesellschaft in China hat kürzlich in der

Nachbarschaft das geistige Eigentum des

Schweißtechnikherstellers Rehm aus Uhingen

übernommen. Daher werden auch zwölf Entwickler

von Rehm zu uns wechseln.

AP: Bedienen Sie den Markt über Integratoren

oder bauen Sie eigene Anlagen?

Christnacht: Ganz klar über Integratoren. Wir

möchten die Integratoren und Sondermaschinenbauer

nicht verdrängen, sondern gemeinsam

wachsen. Gleichzeitig bieten wir vorkonfektionierte

Lösungen, etwa einen Co-Palettierer oder

eine kompakte Schweißzelle, um Standards zu setzen

und Einstiegshürden zu senken.

AP: Warum sollten Integratoren von etablierten

Robotermarken zu Estun wechseln?

Mies: Viele Integratoren stehen bei ihren Projekten

aktuell unter Kostendruck und suchen daher

Alternativen. Deshalb haben wir bereits zahlreiche

Testroboter im Einsatz – in Schulungen, Demos

und ersten Projekten. Zumal viele Integratoren

unser Team bereits aus der Vergangenheit kennen.

16 November 2025


_Interview des Monats

AP: Welche Anwendungsfelder stehen für Estun

Robotics in Deutschland aktuell besonders im

Fokus?

Christnacht: Ich selbst habe langjährige Erfahrung

im Bereich Werkzeugmaschinen. Das klassische

Be- und Entladen von Maschinen ist daher ein

wichtiges Thema für uns als Ergänzung zu unseren

Aktivitäten in den Segmenten, über die wir bereits

sprachen. Unser großer Vorteil: Dank unserer

günstigen Roboterpreise können Integratoren einfache

Einstiegszellen kostengünstiger anbieten.

Außerdem müssen sie bei der Traglast nicht knausern,

sondern können direkt einen 20-kg-Roboter

statt eines 12-kg-Modells

einsetzen und dadurch einfachere

und günstigere Greifer

verwenden. Oft ist ein komplexer

Greifer teurer als der

Roboter selbst. Mehr Traglast

spart erhebliche Kosten

im Greiferbau.

noch fehlt Personal für das Palettieren. Hier kann

ein Roboter, der den ganzen Tag Weinkartons auf

Paletten stapelt, eine spürbare Entlastung bringen.

Christnacht: Darüber hinaus sehen wir großes Potenzial

in der Bauindustrie. Gemeinsam mit der

OTH Regensburg arbeiten wir an Projekten für

das digitalisierte Bauen – von der automatisierten

Vorfertigung von Bauteilen in der Fabrik bis zum

Robotereinsatz auf der Baustelle, etwa beim Setzen

von Steckdosen oder beim Spachteln. ↓

Estun Robotics Deutschland GmbH

https://en.estun.com/

AP: Welche weiteren Anwendungen

hat Estun im

Blick?

Christnacht: Auch die Blechbearbeitung

ist ein wichtiges

Segment. Die Pressenautomation

ist beispielsweise ein

etabliertes Geschäftsfeld für

Estun – hier verfügen wir

über viel Erfahrung und bieten

sogar speziell angepasste

Roboterkinematiken. Dank

der Estun-Tochterunternehmen

Cloos und Rehm verfügen

wir zudem über großes

Know-how im Bereich

Schweißen. Auch dort sind

die Märkte bereit, die Anwender

kennen die Vorteile

der Robotik. Doch wir

möchten insbesondere auch

weniger automatisierte Bereiche

erschließen.

AP: Welche Felder meinen

Sie konkret?

Mies: Erfolgversprechende

Projekte haben wir in

Europa beispielsweise in der

Agrarindustrie, etwa beim

Robotereinsatz in der Gemüseernte.

Außerdem sehen

wir saisonale Anwendungen,

etwa für unseren mobilen

Co-Palettierer, der in Weingütern

eingesetzt wird.

Weinabfüllanlagen laufen

häufig nur saisonal, den-

Ja! Wartung

beschleunigt. Mit Conrad.

Passende Ersatzteile schnell geliefert

Alle Teile des Erfolgs

conrad.de/ja-momente

November 2025 17


18 November 2025


November 2025 19


_Trend des Monats

Interview: Dr. Matthias Loskyll, Senior Director AI & Robotics bei Siemens Digital Industries

„Agentische KI ist keine

reine Zukunftsversion“

Wie Siemens mit dem Industrial Copilot die Nutzung von generativer KI in der

Industrie vorantreibt und warum Agentic AI die nächste große Innovationswelle

einläutet, erläutert Dr. Matthias Loskyll, Senior Director AI & Robotics bei

Siemens Digital Industries im Hintergrund-Gespräch.

Interview: Armin Barnitzke

Bild: Siemens

Industrielle KI-Agenten gehen über das übliche Frage-Antwort-Paradigma hinaus und schaffen Systeme, die selbstständig

und proaktiv komplette industrielle Workflows ausführen können – ohne menschliches Eingreifen.

AP: Welche Rolle spielt KI für Siemens?

Loskyll: KI ist für uns das alles dominierende Zukunftsthema.

Wir investieren daher massiv in die Forschung

und Entwicklung und bringen ständig neue

KI-basierte Produkte an den Markt. KI ist also kein

schmückendes Beiwerk, es ist der Kern unserer Strategie.

Dabei konzipieren wir die Kernarchitektur unserer

KI-Anwendungen bewusst branchenunabhängig.

AP: Geht es dabei nur um generative KI?

Loskyll: Nein, nicht nur. Schon seit vielen Jahren entwickeln

wir passgenaue KI-Lösungen, etwa zur Optimierung

der Qualitätssicherung oder zur Effizienzstei-

gerung von Produktionsprozessen. Vor dem jüngsten

Durchbruch der generativen KI lag unser Fokus etwa

auf analytischen Anwendungen. Diese ermöglichen

die Optimierung von Abläufen durch die intelligente

Auswertung von Echtzeitdaten. Beispielsweise kann

KI den Wartungsbedarf von Maschinen prognostizieren,

noch bevor ein Defekt auftritt. Auch im Bereich

Machine Vision bieten wir schon länger Lösungen an,

etwa unser KI-gesteuertes System für Sichtprüfungen

Inspekto lässt sich ohne Kenntnisse in Bildverarbeitungslösungen

einsetzen. Aber klar: Das Aufkommen

der generativen KI eröffnet der Industrie nun gänzlich

neue Perspektiven.

20 November 2025


_Trend des Monats

Bild: Siemens

Dr. Matthias Loskyll: „Wir bei Siemens machen industrialgrade

KI. Denn KI-Anwendungen im industriellen Umfeld

müssen besonders robust, sicher und zuverlässig funktionieren.“

AP: Sie waren mit dem Industrial Copilot sehr früh

aktiv beim Thema Generative KI und arbeiten dabei

eng mit Partnern wie Microsoft zusammen. Warum?

Loskyll: Weil wir damit unser Angebot schnellstmöglich

aufbauen und skalieren können. Für viele Anwendungen

sind die handelsüblichen Sprachmodelle absolut

ausreichend, wenn wir sie mit unserem industriespezifischen

Fachwissen anreichern. Die eigentliche

Wertschöpfung passiert nicht beim Training des

Sprachmodells, sondern in der industriellen Anwendung.

Es geht also darum, die Kraft der KI in der Industrie

nutzbar zu machen. Diesen Schritt bekommen

die Hyperscaler nicht ohne uns hin. Wir bei Siemens

machen industrie-taugliche KI. Denn KI-Anwendungen

im industriellen Umfeld müssen besonders robust,

sicher und zuverlässig funktionieren.

AP: Welche Funktionen bietet der Siemens Industrial

Copilot Ihren Kunden in der Industrie?

Loskyll: Wir möchten generative KI in der Industrie

einfach nutzbar machen. Der Siemens Industrial Copilot

adressiert daher jede Phase entlang der industriellen

Wertschöpfungskette: von Design, Planung und

Engineering über Realisierung und Betrieb bis hin zur

Optimierung. Im Engineering-Bereich zum Beispiel

beschleunigt der Industrial Copilot die Generierung,

Optimierung, Fehlerbehebung und Dokumentation

von SPS-Code. Indem Ingenieure SPS-Code einfach

durch Eingabe in natürlicher Sprache erstellen können,

reduzieren sie Zeitaufwand, Arbeitslast und Fehleranfälligkeit

erheblich. Auch Maschinenbediener

und Wartungstechniker werden mit generativer KI in

die Lage versetzt, effektiver mit Anlagen zu interagieren.

Dies ermöglicht eine schnelle und zuverlässige

Wartungshilfe bei Maschinenausfällen.

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November 2025 21


_Trend des Monats

Bild: Siemens

Im Engineering-Bereich beschleunigt der Industrial Copilot die Generierung,

Optimierung, Fehlerbehebung und Dokumentation von SPS-Code. Ingenieure

können SPS-Code einfach durch Eingabe in natürlicher Sprache erstellen.

AP: Können Sie Beispiele nennen, wie Industrie-

Kunden vom Industrial Copilot profitieren?

Loskyll: Der Sondermaschinen- und Anlagenbauer

thyssenkrupp Automation Engineering plant den Engineering

Copilot TIA großflächig einzusetzen, denn

der Assistent ermöglicht es den Automatisierungsingenieuren,

komplexe Projekte in deutlich kürzerer Zeit

umzusetzen. Er unterstützt die Ingenieure bei der Erstellung

von TIA Portal-Projekten. Er hilft ihnen,

SCL-Code (Structured Control Language) für speicherprogrammierbare

Steuerungen (SPS) schneller zu

entwickeln, bindet den Code intelligent in das TIA

Portal ein und erstellt eine Maschinenvisualisierung in

WinCC Unified.

AP: Und was ist Ihr nächster Schritt?

Loskyll: Ganz klar: die agentische KI. Das sind KI-

Systeme, die im industriellen Kontext über ein gewisses

Maß an Autonomie, Orchestrierung und Entscheidungsfähigkeit

verfügen. Mit solchen KI-Agenten bieten

wir zusätzlichen Mehrwert für unsere Kunden.

Wir werden zur SPS im November erste Funktionalitäten

auf Basis agentischer KI mit dem Engineering

Copilot TIA aufzeigen. Auch wenn das zunächst ein

erster Schritt ist, es zeigt: Die agentische KI ist keine

Zukunftsversion. Sie passiert im Hier und Heute.

„KI-Agenten arbeiten intelligent und autonom –

und verbessern die Leistung durch kontinuierliches

Lernen.“

Dr. Matthias Loskyll, Siemens

AP: Was können solche industriellen KI-Agenten

leisten?

Loskyll: Industrielle KI-Agenten gehen über das übliche

Frage-Antwort-Paradigma hinaus und schaffen

Systeme, die selbstständig und proaktiv gesamtheitliche

Prozesse ausführen können – ohne menschliches

Eingreifen. Diese Agenten können intelligent und autonom

arbeiten – sie verstehen die Absicht und verbessern

die Leistung durch kontinuierliches Lernen.

Unser Ziel ist ein umfassendes Multi-KI-Agenten-System,

bei dem die Agenten eng miteinander verbunden

sind und zusammenarbeiten. Was unseren Ansatz unterscheidet,

ist die Orchestrierung der Agenten unter

Verwendung eines umfassenden Ökosystems.

AP: Aber Industrieprozesse müssen doch verlässlich

und sicher sein. Kann man das bedenkenlos einem

KI-Agenten anvertrauen?

Loskyll: Entscheidend ist: Der Mensch behält stets die

Letztentscheidung und delegiert lediglich Zwischenschritte

an die KI. Nutzer behalten dabei die vollständige

Kontrolle und wählen aus, welche Aufgaben sie

an die KI-Agenten delegieren möchten.

AP: Zudem arbeitet Siemens an einem Industrial

Foundation Model. Was kann ich mir darunter vorstellen?

Loskyll: Bestehende GenAI-Technologien sind oft unzureichend,

wenn es um komplexe industrielle Datenmodalitäten

geht. Industrielle Aufgaben erfordern

tiefgreifende Fachkenntnisse, die komplexer sind als

typische KI-Aufgaben wie beispielsweise das Zusammenfassen

von Texten und die nicht mit großen

Sprachmodellen bewältigt werden können. Um KI industrietauglich

zu machen, entwickeln wir daher ein

Industrial Foundation Model, das die Sprache der Industrie

verstehen wird. Unsere Idee ist ein Industrial

Foundation Model, das nicht nur Text und Bilder,

sondern auch komplexe Industriedaten verstehen

wird. Dazu nutzen wir bei Siemens unseren enormen

Datenschatz.

AP: Wie soll es weitergehen mit dem Industrial

Foundation Model?

Loskyll: Seit dem 1. Juli 2025 hat Vasi Philomin die

neu geschaffene Position des Executive Vice President

und Leiters des Bereichs Data & Artificial Intelligence

bei Siemens übernommen. Er kommt von Amazon,

wo er als Vice President of Generative AI eine zentrale

Rolle bei der Entwicklung von Foundation Models

spielte. Bei uns treibt er nun die Erweiterung unseres

KI-Portfolios sowie die Entwicklung des Industrial

Foundation Model voran. Unter seiner Leitung arbeiten

unsere Expertenteams intensiv an der Umsetzung

dieses wegweisenden Projekts, das industrietaugliche

KI bereitstellt, die sicher, zuverlässig, vertrauenswürdig

und robust ist.

Siemens Digital Industries

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22 November 2025


_Trend des Monats

Künstliche Intelligenz ist eine Schlüsseltechnologie – aber es gibt noch große Hürden

Warum heutige KI nicht die

Zukunft der Robotik ist

Trotz Milliardeninvestitionen ist heutige künstliche Intelligenz nicht für die Robotik

geeignet: zu groß, zu teuer und zu unzuverlässig. Die Zukunft der Robotik wird

nicht durch Rechenleistung entschieden, sondern durch Einsicht, Ingenieurskunst

und Geduld. Das ist auch eine Chance für Europa.

Autor: Dominik Bösl

Ohne industrielle Robotik hätte die Konsumgesellschaft

der Nachkriegszeit nicht existieren

können. Und ohne sie werden wir die Herausforderungen

des demografischen Wandels und der

Arbeitskräfteknappheit nicht meistern können. Doch

diese Roboter sind Gefangene eines engen, kontrollierten

Paradigmas: feste Bahnen, vordefinierte Abläufe,

perfekte Bedingungen.

Wenn Robotik das Korsett der Werkshalle abstreifen

und unsere Alltagswelt durchdringen soll, dann muss

sie sich weiterentwickeln – idealerweise in vier Roboter-Revolutionen:

zuerst Effizienz, dann Sicherheit

und Flexibilität, danach Mobilität und schließlich

Intelligenz und Wahrnehmung.

In dieser vierten Epoche wird Künstliche Intelligenz

(KI) zur Schlüsseltechnologie. Roboter sollen nicht

mehr nur fest programmierte Bewegungsmuster abrufen,

sondern situativ reagieren – sie sollen Objekte erkennen,

den Kontext verstehen, auf Veränderungen

reagieren. Einige Technologien haben sich bereits im

„Die Hoffnung, dass extrem große neuronale Netze den Durchbruch zur „echten“

Intelligenz bringen, erweist sich zunehmend als Illusion“, sagt Dominik Bösl.

Bild: Bösl

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November 2025 23


_Trend des Monats

Einige KI-Technologien haben sich im Industriealltag bereits bewährt, etwa autonome Navigation von mobilen Robotern

oder KI-Vision-basierte Robotik.

Bild: ABB

harten Industriealltag als verlässlich erwiesen: autonome

Navigation von mobilen Transportsystemen,

Computer Vision in der Qualitätskontrolle, kombinierte

Systeme aus KI und klassischer Robotik, die in

realen Umgebungen erste Entscheidungen treffen.

Energiedichte bremst

Doch diese verheißungsvolle Vision der KI-basierten

Robotik kollidiert mit realen Hürden – nicht nur algorithmischer,

sondern mechanischer und systemischer

Natur. Die Energiedichte etwa ist eine starke Bremse:

Roboter streben nach Bewegungsfreiheit, doch Batterien

(auch optimiert) laufen heute nur wenige Stunden

oder bringen riesige Gewichtsbelastung mit sich – das

Beispiel des Roboterhundes „Spot“ (maximal 90 Minuten

Laufzeit) ist symptomatisch.

Ein robuster humanoider Roboter, der autonom

durch eine Wohnung wandert oder als Gepäckträger

Keynoter für Expertenforum

Dominik Bösl ist ein deutscher Informatiker und Experte im Bereich

Robotik, Künstliche Intelligenz und Technologie-Governance.

Nach seinen beruflichen Stationen bei Siemens, Microsoft, Kuka,

Festo und Micropsi ist er heute Professor für Digital Sciences,

Automation and Leadership an der Hochschule der Bayerischen

Wirtschaft HDBW und Adjunct Professor an der TU München.

Zudem ist er ein gefragter Sprecher und Autor rund um Zukunftstechnologien.

Als Keynoter eröffnet er das Expertenforum

„Intelligente Robotik“ am 4. Dezember 2025 bei Fanuc. ↓

https://automationspraxis.industrie.de/expertenforum-intelligente-robotik/

dient, müsste – technisch gesehen – Energie speichern,

die derzeit nicht in praktikabler Masse verfügbar ist.

Darüber hinaus stehen Forschung und Entwicklung in

Leichtbauwerkstoffen, langlebigen Aktuatoren, hochempfindlichen

Sensoren und miniaturisierter Elektronik

– trotz ihrer Fortschritte – in etlichen Bereichen

erst am Anfang.

Zuverlässigkeit fehlt

Ein zentraler Widerspruch zeigt sich zudem in der Frage

der Zuverlässigkeit. Industrielle Automatisierungssysteme

arbeiten mit einer Präzision, die an Perfektion

grenzt: Fehlerraten im Bereich von Millionstel-Ereignissen

sind Standard, Prozesse laufen über Jahre nahezu

ohne Störung. Künstliche Intelligenz hingegen ist

probabilistisch – sie operiert auf der Basis von Wahrscheinlichkeiten,

nicht Gewissheiten.

Ein neuronales Netz dagegen kann seine Entscheidungen

weder vollständig erklären noch garantieren. Was

im Textmodus tolerierbar ist – eine halluzinierte Antwort,

ein fehlerhafter Kontext – wird im physischen

Raum zur Gefahr. Damit prallen zwei Philosophien

aufeinander: deterministische Kontrolle gegen statistische

Intuition. Zwischen „vielleicht richtig“ und

„zweifellos sicher“ liegen Welten – und in dieser Lücke

entscheidet sich die Zukunft der Robotik.

Problem Halluzinationen

Die Hoffnung, dass extrem große neuronale Netze

den Durchbruch zur „echten“ Intelligenz bringen, erweist

sich zunehmend als Illusion. Selbst OpenAI, der

Konzern hinter ChatGPT, räumte Anfang September

ein, dass sogenannte Halluzinationen – also erfundene

24 November 2025


_Trend des Monats

oder falsche Ergebnisse einer KI – kein vorübergehender

Programmierfehler, sondern ein strukturelles

Merkmal sind.

Yann LeCun, Turing-Preisträger und leitender KI-Forscher

bei Meta, nennt Large Language Models deshalb

„blinde Nachahmer“, die Sprache imitieren, aber

keine Weltmodelle verstehen. Das Wettrennen um

mehr Parameter, mehr Daten und mehr Rechenleistung

stößt an seine physikalischen, ökonomischen

und ökologischen Grenzen. Der Pfad des „immer größer,

immer teurer“ führt nicht zur nächsten Stufe

künstlicher Vernunft, sondern in eine Sackgasse aus

Energiehunger und abnehmendem Erkenntnisgewinn.

Echte Intelligenz noch weit weg

Die großen Konzerne – Microsoft, Nvidia, OpenAI –

stecken genau in diesem Dilemma: Sie investieren gewaltige

Summen, ohne dass ihre LLMs ohne Weiteres

in physische Agenten übergehen könnten. Diese Technologien

sind also für die Robotik in ihrer heutigen

Form ungeeignet. Die Frage ist: Bleiben sie im Treibsand

der reinen Rechenoptimierung gefangen oder gelingt

der Sprung zu neuartigen Architekturen, die Sensorik,

symbolische Logik, physikalische Modelle und

probabilistische KI hybrid integrieren?

Kurzum: Künstliche Intelligenz ist sicher eine wichtige

Schlüsseltechnologie für die Robotik – aber nicht in

ihrer heutigen Form. Wir sind noch meilenweit von

echter künstlicher Intelligenz entfernt. Die derzeitigen

Modelle sind energieintensiv, teuer, ineffizient und oft

kaum für physische Agenten geeignet. Europa, insbesondere

Deutschland, hat hier eine strategische Chance:

Statt im blinden KI-Wettlauf mit den Tech-Giganten

zu konkurrieren, sollten wir an Hybridarchitekturen,

energieeffizienten und lokal ausführbaren Modellen,

kombinierter Symbolik und KI, an mechanischer

Innovation, intelligenter Sensorik und Systeminte -

gration forschen.

Vielleicht wird der wahre Umbruch nicht sichtbar geschehen,

sondern leise: in Fabrikhallen, Pflegeheimen,

Küchen, Feldern. Roboter, die lernen, ohne zu wissen,

und handeln, ohne zu fühlen, werden dennoch Teil

unseres Alltags. Die Revolution wird nicht durch einen

humanoiden Durchbruch kommen, sondern

durch unzählige unscheinbare Verbesserungen: eine

Evolution, kein Ereignis.

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„Die derzeitigen KI-Modelle sind

energieintensiv, teuer, ineffizient

und oft kaum für physische

Agenten geeignet.“

Dominik Bösl

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November 2025 25


_Robotik

Hightech-Prüfung von großen CFK-Bauteilen für die Luftfahrt

Präzise Roboter für die

Ultraschallprüfung

In ihren Ultraschall-Prüfanlagen für CFK-Bauteile in der Luft- und Raumfahrt

setzt die britische Ultrasonic Sciences Sechsachsroboter von Stäubli ein.

Aufgrund ihrer Präzision und Bahntreue sind diese Roboter bei der millimeter -

genauen Prüfung der Sicherheitsbauteile erste Wahl.

Die Bewegungsabläufe der Roboter in einer Anlage

von Ultrasonic Sciences Ltd (USL) sind faszinierend:

Zwei Stäubli Sechsachsroboter des Typs

TX200L he bewegen sich so, dass sich die beiden Wasserstrahlen,

die sie über ihre Werkzeuge abgeben, genau

in der Mitte treffen und eine Fontäne in Form eines

Regenschirms bilden – und das konstant, während sie

komplexe, perfekt synchrone Bewegungen ausführen.

Diese hochpräzisen und komplexen Bewegungsabläufe

sind notwendig, um mit einem Ultraschallverfahren

Kohlefaserverbundbauteile (CFK) zu prüfen. Diese

Prüfungen werden an faserverstärkten Rumpf-, Struktur-

und anderen Flächenbauteilen von Flugzeugen

durchgeführt, um Delaminationen zu entdecken.

Hohes Maß an Genauigkeit

Bild: Stäubli

Erste Wahl für den Einsatz in Ultraschallprüfanlagen für Flugzeugbauteile: die

beiden perfekt synchronisierten Stäubli Roboter.

Zum Einsatz kommt dabei ein Ultraschallsignal sowie

Wasser als Trägermedium bzw. als Kopplungsmittel.

Bei kleineren Teilen nutzt USL ein Tauchbecken und

bei großen Teilen einen beweglichen Wasserstrahl, der

auf beiden Seiten gleichzeitig und im gleichen Winkel

in Kontakt mit der Bauteiloberfläche kommen muss.

Dabei müssen zwei Roboter auf einer siebten Achse

die gleichen (bzw. die entsprechenden gegenläufigen)

Bewegungen ausführen und dabei sicherstellen, dass

sie die Oberfläche auf beiden Seiten millimetergenau

im gleichen Winkel treffen. Das erfordert eine Steuerung

und Koordination mit höchster Präzision, genau

dafür sind Stäubli Roboter bekannt.

Niko Bayer, Leiter Technischer Vertrieb bei USL: „Der

Prüfweg wird entweder manuell programmiert oder

als CAD-Datei importiert. Die Anlage folgt dann diesem

Prüfplan mit der eingestellten Schrittweite und

Prüfgeschwindigkeit.“ Die Prüfdauer ist abhängig von

der Größe und Komplexität des Teils. Die maximale

Linear-Geschwindigkeit beträgt mehr als 2.000 mm/s.

Erreicht wird sie durch die Kombination der Ge-

26 November 2025


_Robotik

schwindigkeit von Linear- und Roboterachsen – und es

ist selbstverständlich, dass dabei ein hohes Maß an Genauigkeit

erreicht werden muss. „Die typische Scan-

Auflösung beträgt 1 x 1 mm“, berichtet Niko Bayer.

„Die Positioniergenauigkeit der Roboter sollte somit

über den gesamten Scan-Bereich noch besser sein. Und

während des gesamten Prüfvorgangs müssen Parallelität

und Rechtwinkligkeit beibehalten werden.“

Erst kürzlich hat USL zwei dieser Prüfanlagen mit jeweils

zwei Robotern ausgeliefert – eine für ein türkisches

Luft- und Raumfahrtunternehmen, die andere

für einen malaysischen Hersteller von Verbundwerkstoffstrukturen.

In beiden Anlagen kommen Stäubli

Sechsachsroboter des Typs TX200L he zum Einsatz.

Der TX200 L ist Stäublis größter Sechsachsroboter.

Das „L“ steht für „long reach“: Diese Roboter sind mit

einem längeren Arm mit einer Reichweite von 2.609 mm

ausgestattet, damit sie auch große Rumpfteile prüfen

können. Das „he“ bedeutet, dass diese Roboter für die

Arbeit in feuchter Umgebung konstruiert sind, denn es

lässt sich nicht vermeiden, dass den Roboter ein Wasserstrahl

trifft. Ansonsten verwendet USL Stäubli Roboter

„von der Stange“, ohne sie zu modifizieren: Ihre Genauigkeit

passt zu den Anforderungen, sie sind nahezu

wasserdicht und USL behält die OEM-Garantie.

Warum setzt USL genau diese Roboter ein? Niko Bayer:

„Die TX200L he verwenden wir wegen ihrer Reichweite

und die Stäubli Roboter wegen ihrer hohen Präzision

und der Steifigkeit der Achsen.“ Eben das ist das

entscheidende Kriterium: Parallelität und Rechtwinkligkeit

der beiden steuerungstechnisch gekoppelten

Roboter bzw. der Wasserstrahlen sind zwingend erforderlich

für die erfolgreiche Durchführung dieser Tests.

Während der Prüfung der Verbundbauteile mit den

gepaarten Robotern müssen viele Achsen und Prozesse

koordiniert werden. Das erfordert eine intensive Zusammenarbeit

zwischen den Stäubli Robotersteuerungen

und dem verwendeten „Master“-Mehrachs-Controller

Omron CK3E PMAC.

Niko Bayer: „Wir verwenden die Stäubli Robotersteuerung

für die Verstärker und für die Anbindung

der Roboter. Der übergeordnete Mehrachs-Controller

kann bis zu 32 Achsen gleichzeitig steuern: pro Seite

sechs Roboterachsen, eine siebte lineare Achse und

eine achte für die dynamischen motorisierten Endeffektoren.

Hinzu kommt die Pumpensteuerung – das

sind 18 gesteuerte Achsen pro Prüfanlage. Die Positionsdaten

werden an den PC zurückgespielt, wo sie

mit den Ultraschalldaten synchronisiert werden.“ ↓

Stäubli Tec-Systems GmbH Robotics

www.staubli.com/robotics

Dank ihrer Präzision und ihrer nahezu wasserdichten Struktur eignen sich die

Stäubli Sechsachser perfekt für die anspruchsvollen Prüfaufgaben.

Bild: Stäubli

November 2025 27


_Robotik

Robuste, schnelle und hygienische Kleinroboter beim Kochen

Automatisch lecker: Kleine

Roboter, schnelle Küche

In der Roboterküche des Start-ups Goodbytz wirbeln Kleinroboter von Fanuc. Warum

die Hamburger auf die gelben Roboter setzen, zeigt ein Blick hinter die Kulissen.

In den Roboterküchen

von

Goodbytz

schwingen leichte,

kompakte LR

Mate Industrieroboter

von

Fanuc die Töpfe

und sorgen für

frisches Essen

auf Bestellung.

Bild: Goodbytz

Hinter Goodbytz steht ein Gründerteam um Hendrik

Susemihl, Ingenieur, Robotikexperte und

Food-Tech-Pionier. Nachdem er 16 Jahre in der

Robotik aktiv war (unter anderem als Forscher beim

Fraunhofer IFAM sowie als Mitgründer und CTO von

Neura Robotics), begann sein Schritt in die Gastronomie

mit einer persönlichen Erfahrung: „Während der Pandemie

habe ich meine Ernährung radikal umgestellt“, erzählt

Hendrik Susemihl. „Es war eine Mischung aus eigener

Überzeugung und familiären Gründen.“

Um gesundes und frisches Essen vielen Menschen verfügbar

zu machen, entwickelte er mit Goodbytz eine robotergestützte

Küche, die qualitativ hochwertige Mahlzeiten

auf Bestellung via App oder Terminal zubereitet.

„Wir haben uns in Kantinen und Gastroküchen gestellt,

mit Köchinnen und Gastronomen gesprochen, einfach

zugehört und gelernt. Und wir haben schnell gemerkt:

Diese Branche braucht eine Veränderung – und ist bereit

dafür.“ Nur drei Monate nach dem Start stand der erste

funktionierende Prototyp: eine robotische Kochstation,

die aus frischen Zutaten komplette Gerichte zubereitet.

Komplexe Küchenprozesse

Bei ersten Demonstratoren setzten die Gründer auf Cobots,

wie sie in der Industrieautomation üblich sind

(Universal Robots). Doch schnell zeigte sich: Kochen ist

eine ganz eigene Herausforderung. In der Gastronomie

gibt es keine monotone Wiederholung einzelner Prozesse,

sondern eine Vielzahl paralleler Abläufe, wechselnde

Rezepturen und unvorhersehbare Bestellungen, die oft

gleichzeitig eingehen. „Ein Roboter, der eine Suppe um-

28 November 2025


_Robotik

rührt, muss wenige Sekunden später einen

heißen Topf umplatzieren, danach zügig eine

Sauce dosieren und dann mit sensiblen

Zutaten wie gegartem Gemüse umgehen,

ohne zu kleckern“, erklärt Hendrik Susemihl.

Hinzu kommen weitere Anforderungen wie

Lebensmittelhygiene, hohe Hitze- und

Dampfeinwirkung, enge Platzverhältnisse

und kurze Verfügbarkeitszeiten. Denn der

gastronomische Umsatz konzentriert sich

oft auf Stoßzeiten, beispielsweise die Mittagszeit.

In dieser Phase muss das System

hundertprozentig zuverlässig funktionieren.

Leicht, präzise, hygienisch

Daher fiel Hendrik Susemihls Wahl auf einen

leichten, kompakten Industrieroboter

von Fanuc. Der LR Mate bietet die optimale

Kombination aus industrieller Leistungsfähigkeit,

hoher Beschleunigung und geringem

Gewicht. Zudem erfüllt er die Anforderungen

der Lebensmittelverarbeitung

durch entsprechende Dichtungen, lebensmitteltaugliche

Materialien und eine hohe

Schutzart gegen Hitze, Feuchtigkeit und

Reinigungsvorgänge.

„Im Vergleich zu anderen Lösungen in ähnlicher

Leistungsklasse ist der Fanuc LR Mate

deutlich leichter und damit für unsere

modulare Systemarchitektur besser geeignet“,

so Hendrik Susemihl. „Wir können

ihn schnell montieren, leicht integrieren –

und er läuft einfach zuverlässig.“ Dass es

sich um ein in großen Stückzahlen produziertes

Serienmodell handelt, war ein zusätzlicher

Vorteil, denn für ein wachstumsorientiertes

Unternehmen wie Goodbytz ist

eine stabile Lieferkette ebenso entscheidend

wie technische Qualität.

Die Roboter werden über eine eigene Steuerungslogik

angesteuert, die es erlaubt, selbst

bei gleichzeitig eingehenden Bestellungen

eine intelligente Ablaufplanung vorzunehmen.

„Unsere Software entscheidet bei jeder

Bestellung von Neuem, wie die Abläufe

optimal kombiniert werden, und die Roboter

müssen flexibel, aber auch reproduzierbar

exakt agieren. Da liefert Fanuc genau

das, was wir brauchen – gerade mit der Expertise

in der Steuerungstechnik.“

Im Mietmodell betrieben

Heute hat Goodbytz über 120 Mitarbeitende

und beliefert Caterer, Kliniken und Gastronomieketten

in der gesamten DACH-Region.

Die Roboterküchen werden aber

nicht verkauft, sondern im Mietmodell betrieben

– inklusive Monitoring, Softwareupdates

und laufender Betreuung. So behält

Goodbytz die Kontrolle über Verfügbarkeit

und Qualität und kann kontinuierlich aus

dem realen Betrieb lernen. „Wir wollten

von Anfang an ein System entwickeln, das

sich nicht wie ein typisches Projektgeschäft

verhält, sondern wie ein Serienprodukt: reproduzierbar,

wartbar und skalierbar“, sagt

CEO Hendrik Susemihl.

Die größte Herausforderung dabei: Viele

Prozesse in der Gastronomie sind kaum

standardisiert und hängen von individueller

Erfahrung ab. Genau hier setzt Goodbytz

an: Ein eigenes Customer-Success-Team sowie

ein digitales Monitoring in Echtzeit helfen

den Betreibern dabei, Fehler früh zu erkennen

und zu vermeiden. Langfristig sollen

KI-gestützte Auswertungen dafür sorgen,

dass Bedienfehler automatisiert korrigiert

werden oder gar nicht erst auftreten.

Dass dieses ambitionierte Küchenrobotik-

Geschäftsmodell funktioniert, liegt auch an

den richtigen Partnern, so Hendrik Susemihl:

„Fanuc liefert uns nicht nur die passende

Hardware, sondern überzeugt auch

durch die Tiefe der Steuerung, die industrielle

Robustheit und die enge Zusammenarbeit.

Das ist einer der Schlüssel dafür, dass

unsere Systeme im Alltag funktionieren und

skalierbar bleiben.“

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Bild: Goodbytz

Hendrik Susemihl: „Fanuc liefert uns

nicht nur die passende Hardware,

sondern überzeugt auch durch die Tiefe

der Steuerung, die industrielle Robustheit

und die enge Zusammenarbeit.“

YASKAWA Europe GmbH

Robotics Division · robotics@yaskawa.eu

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November 2025 29


_Robotik

Schnittstelle SRCI bietet Bibliothek von Funktionsbausteinen für verschiedene Roboterfunktionen an

Roboter ganz einfach in der

SPS programmieren

Fachpersonal für die Roboterprogrammierung ist schwer zu finden. Der Anlagenbauer

Robert Bürkle setzt daher auf die Schnittstelle SRCI, die eine einfache

Programmierung der Yaskawa-Roboter direkt in der SPS erlaubt.

Der Maschinenbauer Robert Bürkle stellt vor allem

Pressen und Beschichtungsanlagen für Fußböden,

Türen und Holzwerkstoffplatten her, aber

auch Walz-, Gieß- und Spritzlackieranlagen. Gerade in

der Holzverarbeitung hat es der Anlagenbauer aus Freudenstadt

häufig mit großen und schweren Werkstücken

zu tun. „Bei diesen Anforderungen war es unvermeidlich,

Roboter in neue Anlagenkonzepte einzubeziehen“,

erinnert sich SPS-Programmierer Marian Michels. Da

geschulte Fachkräfte für die Programmierung von Robotern

rar sind, entschied sich Bürkle, die in den Anlagen

installierten Yaskawa-Roboter selbst zu programmieren

– dank der neuen Schnittstelle SRCI.

Robert Bürkle ist einer der Pilotbetriebe, die die von

Siemens initiierte SRCI-Schnittstelle Standard Robot

Control Interface verwenden. Die Roboterprogrammierung

kann dank SRCI direkt in der SPS stattfinden – es

braucht keine spezifischen Kenntnisse über die Systeme

der jeweiligen Roboterhersteller mehr. Die Schnittstelle

bietet eine Bibliothek von SPS-Funktionsbausteinen für

verschiedene Roboterfunktionen an. „Yaskawa hat die

Entwicklung von Anfang maßgeblich vorangetrieben“,

betont Bertus de Groot, Anwendungsingenieur bei der

Robotics Division von Yaskawa Europe. Entsprechend

profitiert Robert Bürkle in seinen Entwicklungen vom

Pioniergeist seines Roboterlieferanten.

Digitale Zwillinge zur Optimierung

Der Anlagenbauer optimiert seine Maschinen anhand

eines digitalen Zwillings. Das virtuelle Abbild erlaubt

den Konstrukteuren, die vorhandenen Ressourcen in

der Programmierung besser zu nutzen und viel Zeit zu

sparen. Die in der Anlage verarbeiteten Platten sind drei

Meter lang und einen Meter breit, jeder Testversuch mit

echtem Material auf der Anlage würde einen großen

In der Holzbearbeitung

setzt

Robert Bürkle

Yaskawa-Roboter

ein, die die

schweren Platten

bewegen.

Bild: Robert Bürkle GmbH

30 November 2025


_Robotik

Aufwand bedeuten. „Außerdem laufen

dank des digitalen Zwillings Konstruktion

und Finetuning effizienter“, weiß Marian

Michels.

Der erste Härtetest für den digitalen Zwilling

war dann die virtuelle Inbetriebnahme

der jüngsten Anlage. Dazu musste der Yaskawa-Roboter

in das SPS-Programm integriert

werden, inklusive Tests der richtigen

Funktionsweise und der Arbeitsbereiche.

Robert Bürkle verwendet in der Anlage den

Handling-Roboter Motoman GP225 mit

einer Traglast von bis zu 225 Kilogramm

und einem maximalen Arbeitsbereich von

2.702 mm.

„SRCI war dabei ein unschätzbarer Vorteil“,

erinnert sich Marian Michels. Der

SPS-Programmierer konnte in seiner gewohnten

Umgebung arbeiten und die Inbetriebnahme

schnell abschließen. Trotz Herstellerunabhängigkeit

der Schnittstelle bleiben

in der Anlage nun die Yaskawa-Bewegungssteuerung

und die Bahngenauigkeit

erhalten.

Auch für kleine Unternehmen

Aktuell unterstützt Yaskawa SRCI in der

Multiachs-Steuerung Motoman YRC1000

und in der kompakten YRC1000micro für

Roboter bis 12 kg. Gerade kleine Unternehmen

profitieren von der Schnittstelle.

„SRCI ist die passende Lösung für kleinere

Kunden, die nicht alles selbst programmieren

möchten“, so Bertus de Groot.

Denn für KMU wie Robert Bürkle gehört

die Inbetriebnahme von Robotern nicht

zum Alltag. „Die Schnittstelle ist aufgrund

ihrer Einfachheit der beste und schnellste

Weg, bei dieser Firmengröße Roboter einzusetzen“,

erklärt Programmierer Marian

Michels. Inzwischen hat Marian Michels

schon einige seiner Kollegen von SRCI

überzeugt. Als Hauptverantwortlicher für

die Robotik gibt er Schulungen und erklärt

die Arbeit mit der Schnittstelle im eigenen

Haus.

Die Rückmeldung von den Kollegen ist positiv:

„Die Einlernzeit ist sehr überschaubar.“

Die Programmierung mit SRCI fällt

bei Robert Bürkle so leicht, dass nach den

ersten Schritten mit zwei Robotern nun bereits

fünf Roboter in der Halle stehen.

„Wir können mittlerweile guten Gewissens

auch schwierigere Roboteranwendungen

anbieten“, weiß der Programmierer.

Marian Michels und Bertus de Groot sind

davon überzeugt, dass die Bedeutung von

SRCI in der Industrie in den kommenden

Jahren noch einmal deutlich steigen wird.

Dennoch heißt das nicht, dass bestehende

Programmiermöglichkeiten abgelöst werden.

Bereits seit 2015 bietet Yaskawa beispielsweise

mit der eigenen Lösung Motologix

eine Softwareschnittstelle zum Teachen

und Programmieren von Robotern

unter der Verwendung von SPS-Funktionsbausteinen

an. Motologix findet vor allem

Anwendung bei größeren Maschinenbauern,

die mehr Zeit und Know-how für die

Roboterprogrammierung vorhalten können.

Auch Robert Bürkle hat bereits mehrere

Projekte mit Motologix umgesetzt. ↓

Yaskawa Europe GmbH

www.yaskawa.de

Modular

automatisieren.

Flexibel

skalieren.

Bild: Robert Bürkle GmbH

Die Schnittstelle SRCI ermöglicht die Roboter-Programmierung direkt aus der SPS.

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vention.com

November 2025 31


_Robotik

Werkzeugwechsler macht Nasszelle flexibel

Teilereinigung mit Roboter

neu gedacht

In einer innovativen Reinigungszelle von Silberhorn führt der Roboter nicht das Bauteil

den Reinigungswerkzeugen zu, sondern greift die Werkzeuge, um die Bauteile

zu säubern. Möglich macht das ein wasserfester Werkzeugwechsler von Stäubli.

Der Stäubli

Werkzeugwechsler

am

Roboterarm arbeitet

durchgehend

in der

Nasszelle, weshalb

besonders

hohe Anforderungen

an alle

verbauten Komponenten

gestellt

wurden.

Bild: Stefan Woidig

Nach dem Zerspanen müssen Bauteile gründlich

gereinigt werden. Die ZBG Zerspanungsbetriebe

Bruck (ZBG) suchte dafür eine Lösung, die

hohe Sauberkeit mit großer Flexibilität verbindet. „Der

Kunde wollte eine Anlage, in der er Teile aus Stahl und

Alu gut reinigen kann – was relativ unüblich und technisch

anspruchsvoll ist“, berichtet Stefan Pollinger,

Konstrukteur beim Teilereinigungsspezialisten Silberhorn

Maschinenbau. On top erwartete der Kunde eine

hohe Flexibilität: „Die Anlage sollte so ausgelegt werden,

dass viele unterschiedliche Bauteile gereinigt werden

können – ohne große Umbauten.“

Angesichts der Anforderungen war Stefan Pollinger

schnell klar, dass man eine ganz individuelle Anlage

entwickeln muss. „Dass sich bei der gewünschten Flexibilität

eine Roboterzelle am besten eignet, lag auf der

Hand.“ Weil der Kunde wenig Platz in seiner Halle hat,

konzipierte Silberhorn eine Roboterzelle, die das Reinigungskonzept

radikal vereinfacht. Stefan Pollinger:

„Wir haben dem Kunden vorgeschlagen, das Bauteil

auf einen Warenträger zu setzen und am Roboter vorbeizuführen.

Der Roboter sollte also nicht das Bauteil

greifen und einem fest verbauten Reinigungstool zuführen,

sondern mit dem Werkzeug das Bauteil reinigen.“

Roboter greift Reinigungswerkzeug

Silberhorn-Vertriebsleiter Dieter Abler ergänzt: „Das

Grundkonzept haben wir schon mehrfach realisiert.

Und es passte perfekt zu den Anforderungen des Kunden:

Wir benötigen nicht nur weniger Platz, sondern

sparen auch Kosten. Greift der Roboter das Bauteil, so

muss man für jedes neue Teil einen neuen Greifer konzipieren.

Das entfällt, denn in unserem Konzept greift

der Roboter das Reinigungswerkzeug. Kommt ein neues

Bauteil hinzu, müssen wir nur den Warenträger anpassen.

Das ist wesentlich günstiger.“

Kern der Lösung ist die Kombination aus Kuka-Industrierobotern

und einem Werkzeugwechselsystem von

Stäubli, das erstmals für den Einsatz in einer Nasszelle

angepasst wurde. „Wir benötigten für die Roboter einen

Werkzeugwechsler inklusive eines sogenannten

Wasserübergangsmoduls, das in einer Nasszelle zuverlässig

funktioniert“, erklärt der Konstrukteur Stefan

Pollinger.

Bei Stäubli fand er eine Lösung. „Ein Standardprodukt

gab es zwar in dieser Form nicht – aber die Grundversion

kombiniert mit dem technischen Know-how der

Stäubli-Ansprechpartner brachte uns ans Ziel.“ Größte

32 November 2025


Nachhaltigkeit

Neue ESG-Regelungen:

Einkauf unter Zugzwang

» Seite 26

Award-Gewinner

Rehau-Einkauf nutzt Gen AI

in neuer Dimension

» Seite 20

Innenausbau / Möbel / Bauelemente

Energie

Gute Vorsätze: Einkaufs strategien

bei volatilen Märkten

» Seite 52

Ausgabe 1-2 | 2025

Professionell. Innovativ. Einkauf.

Logistik

Datensicherheit

Schutz vor Cyberattacken

im vernetzten Auto

Kampfadler

Afrikas unterschätzte

Top-Prädatoren

Unheils-0men

Mondfinsternis-Astrologie

im alten Babylon

Die Biologie von Tumorzellen, gezielte Immuntherapien

und die Rolle des Darmmikrobioms

deutsche bauzeitung

Zeitschrift für Architektur

und Bauingenieurwesen

Vereinigung

freischaffender

ArchitektInnen

Deutschland

www.beschaffung-aktuell.de

Interview

Martin Müller-Raidt, Direktor

Beschaffung, KfW,

Vorstandsvorsitzender

des BME

» Seite 16

D € 8,20 | A € 8,20 | CH CHF 14,50 übrige Euroländer € 8,90 | E 2164 E

Schwerpunkt:

Exoplaneten

Ediacara

Wie die ersten Tiere der Erde

Gibt es Leben

ihre Umwelt beeinflussten

auf K2-18b?

08 | 2025

Das Magazin für eine Welt im Wandel

Arterhalt

Klonen als Überlebenschance

für Schwarzfußiltisse

Nebelfänger

Auf den Kanaren sollen Bäume

das Wasser aus der Luft holen

08 | 2025 Bild der Wissenschaft 1

NACHHALTIG

8 | 2025

D 6,30 €

AT/LUX/IT 7,30 €

CH 11,60 SFR

B 7114

Foodsharing bewahrt

noch gut essbare

Lebensmittel davor,

in der Mülltonne

zu landen

Schildkröten erobern die Strände, invasive Arten nehmen zu,

und Einheimische sind für mehr Meeresschutz

80 JAHRE HIROSHIMA:

Der Tag, an dem

BAUEN IM BESTAND

Wohnraum schaffen

PRODUKTE AUS DER PRAXIS

Revitalisierung einer Fassade

TECHNIK AKTUELL

Klimaresiliente Städte

05/25

meinungsstark | fundiert | multimedial 06 | Juni 2025

Ligna 2025 – ab Seite 14

Smarte Konzepte,

starke Impulse

Vernetzte Werkstatt – ab Seite 26

So produzieren Kollegen

BM-Serie Digitalisierung – ab Seite 90

Chefsache: Datenhandling

Sanierung

Standöl- und Kalkfarben

für das „Haus Cleff“

Technik

Heli-Lackierung

im Grenzbereich

Design

Tribut an

die Vespa

GESUNDHEITS-

BAUTEN

SCHWER-

PUNKT

Megathema

Mitarbeiter

Messen und Prüfen Schule München

Rissüberwachung, Retrospektive Farb- und

Feuchtigkeitsprüfung Lacktechnikerausbildung

Juli 2025

www.lackiererblatt.de

die Atombombe fiel

D 22,40 EUR | EURO countries 23,70 EUR | 35,70 CHF

ALEXANDER SELKIRK:

Das Schicksal des

08

wahren Robinson Crusoe

4 194889 306301

www.dds-online.de

57. Jahrgang 8-2025

8,20 € (D/A) 14,50 CHF 8,90 € (L) E 11108 E

SKANDAL-KAISER ELAGABAL:

Verhasst und als

wahnsinnig verschrien

Juli/August 2025

.NAchhAltigkeit

Möbelaufarbeitung

Potenzial von Nachkriegsbauten

.MAteriAlieN

Vielfalt der Oberflächen

Karl Johan Bertilsson im Gespräch

.Architekturpsychologie

Wodurch wirken Räume?

DAS MAGAZIN FÜR MÖBEL UND AUSBAU

EINBLICK

Kreativer Ladenbau:

Von Wow- Effekten und

dem Mut zum Machen

SEITENBLICK

Gitarrenbau: Zwischen

Tradition, Technologie

und Tropenholz

Kolumbarium in Lübeck

ÜBERBLICK

Bundeswettbewerb

Gute Form: Alle Länder,

alle Gesellenstücke 1

_Robotik

WISSENSCHAFT.DE

NAPOLEON

Krebs

im Fokus

Hotspot Napoleon

Mittelmeer Befreier oder Despot

+++ Wissensmagazine +++

06.2025

spurensuche

Bild: Stefan Woidig

Der Roboter reinigt das an ihm vorbeifahrende Teil. Dieses Prinzip

macht die Anlage hochflexibel: Es können unterschiedliche Teile

gereinigt werden mit verschiedenen Werkzeugen.

+++ Planen, Bauen, Gestalten +++

/

/

Interzum 2025 – ab Seite 104

/ Zuliefer-Treffpunkt Köln DÄMMUNG

06/2025 Malerblatt 1

SPEZIAL

E 6154 E

STAND DER TECHNIK

Messehighlights zur Ligna und Interzum

+++ Einrichten, Design +++

05| 2025

Herausforderung: Werkzeugwechsler arbeiten üblicherweise

pneumatisch und werden nicht im Nassbereich

eingesetzt – dieser Umstand erforderte zusätzliche Aufmerksamkeit.

So musste Stäubli speziell für die Nasszelle

andere Werkstoffe verwenden und mit anderen

Beschichtungen arbeiten.

Zwei Werkzeuge reinigen

Theoretisch kann die Zelle mit bis zu fünf wechselbaren

Reinigungswerkzeugen arbeiten; in der Anlage bei

ZBG sind aktuell zwei aktiv im Einsatz. Ein Roboter

reinigt flächige Bereiche, der zweite übernimmt ergänzende

Winkel und Hohlräume. Entscheidend ist, dass

die Roboter das jeweilige Werkzeug über das Wechselsystem

aufnehmen und wieder ablegen – inklusive

sicherer Wasserübergabe an das Werkzeug.

Technisch anspruchsvoll war die Erkennung, ob und

welches Werkzeug aufgenommen wurde. Da in der

Nasszelle keine elektronische Sensorik eingesetzt wird,

lösten die Ingenieure das Problem mit einer Druckleitung:

„Ist kein Druck vorhanden, meldet ein pneumatisches

Modul ‚kein Werkzeug‘; über Druckdifferenzen

lässt sich sogar erkennen, welches Werkzeug gerade aktiv

ist“, so Pollinger. Zudem mussten Werkstoffe und

Beschichtungen so gewählt werden, dass der Wechsler

korrosions- und feuchtigkeitsresistent arbeitet.

Für ZBG bringt die neue Anordnung konkrete Vorteile:

Die Zelle benötigt weniger Stellfläche, reduziert Rüstzeiten

und senkt die Kosten für Zusatzgreifer. „Die Anforderungen

an die Reinheit unserer Bauteile wachsen

stetig – gerade für die Elektromobilität“, sagt Jürgen

Bindl, Betriebsleiter bei ZBG. „Dank Robotik in Kombination

mit einer Auswahl an Werkzeugen bewältigen

wir unterschiedliche Geometrien und Oberflächen ohne

großen Aufwand. So bleiben wir flexibel und liefern

Premium-Qualität.“

E-Procurement

nach Maß spart

Prozesskosten

» Seite 38

Einkauf

Materialwirtschaft

+++ Konstruktion, Produktion, Industrieprozesse +++

+++ Augenoptik +++ Einkauf, Logistik +++

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November 2025 33


_Robotik

Ziel ist eine Verwertungsquote von 98 Prozent

Fünf Roboter für das

Solarmodul-Recycling

Damit ausgediente Solarmodule nicht auf dem Sondermüll landen, setzt Solar

Materials aus Magdeburg auf ausgeklügeltes Recycling. Fünf ABB-Roboter spielen

dabei eine wichtige Rolle.

Herzstück des automatisierten Solarmodul-Recyclings

bei Solar Materials

sind mehrere Industrieroboter von

ABB, die in verschiedenen Bearbeitungsstationen

arbeiten.

Bild: ABB

Bild: ABB

Die ABB-Roboter übernehmen das

gesamte Handling der Solarpanels –

vom Entfernen des Regenwassers bis

zur Demontage von Kabeln und Verteilerdosen.

Ausgediente Solarmodule stecken voller wertvoller

Rohstoffe: Glas, Silizium, Silber, Kupfer sowie

Kunststoffe. In der Praxis bleibt das Recycling

jedoch oft hinter seinem Potenzial zurück – aus

Kostengründen. Lediglich dem hochwertigen Solarglas

wird regelmäßig ein zweites Leben zuteil, als Schaumglas

oder als Füllstoff in Baumaterialien.

Daher hat sich das Magdeburger Cleantech-Unternehmen

Solar Materials eine Verwertungsquote von 98

Prozent als Ziel gesetzt. „Dazu muss das PV-Recyclingverfahren

in Taktzeit, Materialfluss und Fehlerfreiheit

durchoptimiert sein“, erklärt Jan Bargel, CTO von Solar

Materials. Kosteneffizienz ist ein zentraler Erfolgsfaktor.

Da der Materialwert eines recycelten Solarmo-

34 November 2025


_Robotik

duls begrenzt ist, sind hohe Stückzahlen und reibungslose

Prozesse wichtig für ein wirtschaftliches Recycling.

Und auch die Ergonomie spielt eine Rolle: „Wenn unser

Partner die Panels zur Aufbereitung anliefert, sind

diese zum Teil jahrzehntelang auf einer Freifläche gestanden“,

berichtet Jan Bargel. Teilweise sind die Panels

also mit Schlamm oder anderen Fremdkörpern behaftet.

Zudem sammelt sich leicht Regenwasser in den

Modulen. Ein ursprünglich 20 Kilogramm schweres

Panel bringt dann schnell das Doppelte auf die Waage.

Ergonomie, Präzision und Taktung

Daher war schnell klar: Die geforderte Ergonomie,

Präzision und Taktung des Recyclings lässt sich nur mit

Automatisierung bewältigen. Bei der Suche nach dem

passenden Partner fiel die Wahl auf ABB Robotics. Und

so kommen heute in der Aufbereitung der Solarpanels

fünf ABB-Sechsachs-Roboter IRB 6700 (mit

IP67-Schutzklasse, Safemove-Funktionalität sowie

Omnicore-Steuerung) zum Einsatz: Drei Knickarm-

Roboter in einer sicher umzäunten Roboterzelle übernehmen

das Handling im vorderen Anlagenbereich.

Zwei weitere laufen auf einer Verfahrachse und versorgen

die nächsten Bearbeitungsstationen.

Die Industrieroboter greifen die Solarmodule von der

Palette und schwenken sie kontrolliert aus, um sie vollständig

von Wasser zu befreien. Außerdem entfernen

sie Kabel und Verteilerdosen und transportieren die

Module dann zur nächsten Bearbeitungsstation. Jan

Bargel: „Ein Portalsystem hätte für uns nicht funktioniert.

Wir brauchen volle Freiheitsgrade, weil bei uns

kein Modul dem anderen gleicht.“

Module individuell erfassen

Daher sind die ABB-Roboter in der Lage, Solarmodule

mit verschiedensten Abmessungen individuell zu erfassen

– ganz ohne aufwendiges Nach-Teachen. Dafür

wird jedes einzelne Modul über ein integriertes Machine-Vision-System

erfasst; die Roboterpfade werden dynamisch

angepasst.

Ein halbes Jahr nach Beginn des Automatisierungsprojekts

verarbeitet die automatisierte Linie bei Solar Materials

rund 1.200 Module am Tag. Das Ziel liegt bei

2.000 bis 2.500 Modulen täglich, bei einer geplanten

Taktzeit von einer Minute pro Einheit. Eine zweite Linie

ist bereits in Planung, um die aktuelle Recycling-

Kapazität von 7.000 Tonnen Material pro Jahr auf

21.000 Tonnen zu erhöhen. „Für uns ist klar: Wenn

wir die Kreislaufwirtschaft in der Solarbranche industrialisieren

wollen, brauchen wir Systeme, die mit der

Komplexität des Inputs umgehen können – und das

dauerhaft, wartungsarm und robust. Genau das leisten

die ABB-Roboter in unserem automatisierten Prozess“,

resümiert Jan Bargel.

ABB AG

www.abb.de/robotics

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2020/1

November 2025 35


Bild: Martin Herbst Fotografie

Bei B. Braun übernehmen die hochflexiblen mobilen Manipulatoren Mobert die Bestückung von Montage- und Verpackungsmaschinen.

Konzerninternes Pilotprojekt für modulare, skalierbare Produktionslösungen

Mit mobilen Manipulatoren

zur smarten Fabrik

Mit dem Pilotprojekt Active stellt der Medizintechnikspezialist B. Braun am

Standort in Melsungen die Weichen für eine digitalisierte und vollautomatische

Produktion. Eine wichtige Rolle spielen mobile Roboter sowie Middleware-

Software von ERT Solutions.

Die Werkserweiterung Active steht exemplarisch

für den Wandel hin zu einer zukunftsfähigen

und digitalisierten Medizintechnikproduktion

und gilt daher als konzerninternes Pilotprojekt

für modulare, skalierbare Produktionslösungen

sowie als Vorreiter für die digitale Transformation.

Über 100 Millionen Euro investiert B.

Braun mit dem Ziel, seine Fertigung sicherheitsrelevanter

Einmalprodukte – etwa Minispikes und

Cytoset-Komponenten – effizienter und wirtschaftlicher

zu gestalten. Dabei stehen Digitalisierung,

Automatisierung und vernetzte Produktionsprozesse

im Fokus.

Im Rahmen des Projekts Active war ERT Solutions

maßgeblich an der Realisierung zentraler Automatisierungskomponenten

beteiligt. Dazu gehören

die Integration einer Flotte mobiler Robotersysteme

(darunter einige hochflexible mobile Manipulatoren

zur Bestückung von Montage- und

Verpackungsmaschinen) sowie die vollständige

Automatisierung eines vierstöckigen Lagersystems.

36 November 2025


_Robotik

Frühzeitiger Erkenntnisgewinn durch

virtuelles Engineering

Zudem hat die Engrotec Gruppe die Planungsphase

von Active mit umfangreichen Leistungen in den Bereichen

Fabrikplanung und Materialflusssimulation

unterstützt. Durch frühzeitigen Erkenntnisgewinn aus

dem virtuellen Engineering konnten die richtigen Weichen

gestellt und Investitionen abgesichert werden.

Eine wichtige Rolle bei der Automatisierung und Digitalisierung

der Prozesse bei B. Braun in Melsungen

spielen mobile Roboter der Mobert-Reihe. Der Mobert

ist eine Kombination aus Cobot und mobilem

Transportroboter und basiert auf bewährter Cobotund

AMR-Technologie von Omron. Der Mobert hat

sich in verschiedenen Grundvarianten als industrieerprobter

Standard unter den mobilen Manipulatoren

etabliert und sich in einer Vielzahl unterschiedlicher

Anwendungen bewährt. Ergänzt werden die Grundvarianten

durch anwendungsspezifische Aufbauten

und Greiftechniken.

Mobile Manipulatoren für komplexe

Handhabungsaufgaben

Gerade die sogenannte „Letzte Meile“ – also die Maschinenbe-

und -entladung direkt an der Fertigungseinheit

– ist die Paradedisziplin des Mobert. Die mobilen

Manipulatoren der Mobert-Familie ermöglichen

die Umsetzung komplexer Handhabungsaufgaben mit

Teilegewichten von bis zu 30 kg und ebnen damit den

Weg zur autonomen Fertigung.

Gesteuert und vernetzt wird die modernisierte Anlage

in Melsungen durch ein Manufacturing Execution

System (MES) in Kombination mit dem intelligenten

Orchestrierungsmodul Ertmiral von ERT. Dieses Softwaremodul

übernimmt die zentrale Koordination mobiler

Roboter und mobiler Manipulatoren.

Gesteuert und vernetzt wird die Anlage in Melsungen durch ein Manufacturing

Execution System (MES) in Kombination mit dem intelligenten Orchestrierungsmodul

Ertmiral von ERT.

Brücke zwischen ERP-, MES- und

Produktionssystemen

Ertmiral fungiert dabei als Brücke zwischen ERP-,

MES- und Produktionssystemen, löst starre Maschinenverkettungen

auf und sorgt für eine flexible, bedarfsgerechte

Materialversorgung innerhalb der Produktion.

Diese Software-Lösung vernetzt nicht nur

verschiedene Produktionssteuerungssysteme, sondern

verbessert auch die Interaktion mit zahlreichen Robotersystemen,

einschließlich Mobert und anderen Maschinen.

Eine intuitive Nutzeroberfläche sorgt für hohe

Akzeptanz, schnelle Fehlerbehebung und effiziente

Skalierung.

Das Zusammenspiel von Mobert, Ertmiral, Maschinen,

Lagerautomatisierung und übergeordneten Softwarebausteinen

ermöglicht im Active-Projekt bei B.

Braun die autonome Abarbeitung von Fertigungsaufträgen.

Insgesamt werden etwa zwanzig Montagemaschinen,

eine vergleichbare Zahl an Spritzgussmaschinen

sowie mehrere Verpackungslinien in einem Reinraumszenario

intelligent verknüpft – ein Leuchtturmprojekt

mit moderner, skalierbarer und nachhaltiger

Fertigungstechnologie.

ERT Solutions GmbH

www.ert-solutions.com

Bild: Martin Herbst Fotografie

Bild: Martin Herbst Fotografie

Die mobilen Manipulatoren der Mobert-

Familie ermöglichen die Umsetzung

komplexer Handhabungsaufgaben mit

Teilegewichten bis 30 kg.

November 2025 37


_Robotik

Automatisierter Kleinladungsträger-Transport

Mobilroboter entlastet bei

kleinen Lasten

Für die Automation von Kleinladungsträger-Transporten in Produktion und

Montage hat DS Automotion mit seiner Mobilroboter-Produktfamilie Amy ein

neues Gesamtkonzept entwickelt. Die kompakten mobilen Roboter lassen sich

ohne großen Aufwand in bestehende Abläufe einbinden.

Drei Varianten für unterschiedliche

Anforderungen

Bild: DS Automotion

Dank der drei unterschiedlichen Lastaufnahmemittel eignet sich Amy für zahlreiche

Anwendungsgebiete.

Ein typisches Einsatzfeld ist die Fertigung von

Spritzgussteilen. Dort fallen täglich Tausende

Kunststoffteile an, die zwischen Maschinen, Lager

und Montage bewegt werden müssen. Die Wege

sind zu weit und zu schwer für händisches Tragen, für

den Einsatz von Staplern aber nicht wirtschaftlich.

Ähnliches gilt in der Montage von Elektromotoren

oder Batterien. Einzelne Kisten oder Boxen mit Bauteilen

müssen punktgenau an den Arbeitsplätzen bereitstehen.

Durch kleinere Losgrößen und dynamischere

Abläufe wird der Materialfluss immer komplexer.

„Wir haben festgestellt, dass es in ganz Europa

schwieriger wird, Personal für Logistikanwendungen

zu finden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an

Prozesssicherheit. Genau für diese Situation haben wir

den mobilen Roboter Amy entwickelt – eine einfache

und wirtschaftliche Lösung für Kleinladungsträger bis

400 mal 600 Millimeter“, erklärt Karl Rapp, Leiter

Vertrieb, Produktmanagement und Marketing bei DS

Automotion.

Den Mobilroboter Amy gibt es in drei Ausführungen:

· Amy Deck ist die Einstiegsversion für Betriebe mit

überschaubarem Transportvolumen. Der Roboter

fährt festgelegte Routen und wird von Mitarbeitenden

manuell be- und entladen.

· Amy Flap arbeitet mit einem passiven Lastaufnahmemittel.

Der Roboter nimmt Behälter selbstständig

von der Übergabestation auf und bringt sie an ihr Ziel.

Die Lösung kommt ohne zusätzliche Sensorik oder

Aktorik an Fahrzeug und Station aus.

· Amy Lift ist für die Anbindung an Fördertechnik

konzipiert. Ein aktiver Hub-Kamm übernimmt oder

übergibt Behälter automatisch, etwa auf Schwerkraft-

Röllchenbahnen. Das eignet sich besonders bei hoher

Taktung und vielen Stationen.

Alle Varianten sind auf kurze Inbetriebnahmezeiten

ausgelegt. Standardisierte Schnittstellen erleichtern die

Integration in bestehende Prozesse. Über den Flottenmanager

Navios von DS Automotion können die

Fahrzeuge einzeln oder im Verbund gesteuert werden.

Layoutdaten im Interchange-Format lassen sich direkt

einspielen, die VDA-5050-Schnittstelle sorgt für Kompatibilität.

Das Konzept ist skalierbar. Zusätzliche

Fahrzeuge oder Stationen lassen sich bei steigendem

Bedarf leicht einbinden.

Erste Anwender setzen Amy Lift bereits in der Medizintechnik

und in der Serienfertigung von Inhalatoren

und Injektoren ein. Dort bewegen die Roboter täglich

Tausende Kleinteile zwischen Fertigung, Lager und

Montage. „Die automatisierte Versorgung der Montageplätze

ist ohne mobile Roboter kaum mehr vorstellbar“,

so Karl Rapp.

DS Automotion GmbH

www.ds-automotion.com/de

38 November 2025


November 2025 39


_Robotik

Linearachse mit Plug-to-Program-Anbindung spart Entwicklungskosten

Mehr Reichweite für

Roboter dank 7. Achse

Mit einer 7. Achse, die sich einfach integrieren lässt, vervierfacht Igus den

Arbeitsraum von Leichtbaurobotern. Dank eines Updates sind nun auch Roboter

von Universal Robots sowie Fanucs CRX-Cobots kompatibel.

Viele Betriebe, die den Aktionsraum ihres Roboters

vergrößern möchten, kennen das Problem:

Eine 7. Achse, auf der ein Roboter linear verfahren

kann, zu finden, ist leicht, ihre Integration in

die Robotersteuerung erfordert jedoch zusätzlichen

Programmieraufwand. Daher hat Igus eine 7. Achse

entwickelt, die den Aktionsraum des Roboters vervierfacht

und zugleich einfach integrierbar ist. Bereits

500 dieser Linearachsen sind weltweit im Einsatz.

„Wir haben von vielen Betrieben gehört, dass die

aufwendige Anbindung einer 7. Achse derzeit ein

Pain-Point ist, der Projekte unnötig kompliziert

macht“, sagt Alexander Mühlens, Prokurist und Geschäftsbereichsleiter

Low-Cost-Automation bei Igus.

Daher hat Igus das Plug-to-Program entwickelt, das

sich schnell mit den Robotersteuerungen von Epson,

Dobot, Igus und Omron verbinden lässt. Auch mit

den UR 20 und UR 30 von Universal Robots sowie

den Fanuc CRX-Serien ist die 7. Achse nun kompatibel.

„Erste Anwender berichten, dass sie dank des

Plug-to-Program-Prinzips bis zu 10.000 Euro Entwicklungskosten

gespart haben“, erklärt Alexander

Mühlens.

So leicht integrierbar wie eine App

Integrieren lässt sich die 7. Achse, die für Roboter

mit einem Gewicht von bis zu 55 Kilogramm geeignet

ist, über ein herstellerspezifisches Software-

Plugin direkt in die jeweilige Robotersteuerung. Der

Anwender kann die Achse dann unmittelbar über

das vertraute Bedienpanel des Roboters programmieren

und steuern. Zudem sind alle sicherheitsrelevanten

Komponenten wie Not-Aus-Relais bereits berücksichtigt,

sodass keine zusätzliche Engineering-

Arbeit erforderlich ist.

Alexander Mühlens: „Auf diese Weise wird die Erweiterung

des Arbeitsraumes von Leichtbau-Gelenk -

armrobotern unkomplizierter denn je.“ Auslegen

lässt sich die 7. Achse ganz einfach mithilfe eines

Online-Konfigurators. Hier kann der Nutzer seinen

Robotertyp und die entsprechende Einbaulage auswählen,

Länge und Geschwindigkeit der Anwendung

eingeben und erhält im Anschluss direkt einen Preis

inklusive Angebot und Muster.

Igus GmbH

www.igus.de

Bild: Igus GmbH

Mit einer leicht integrierbaren

7. Achse von Igus lässt sich der

Aktionsradius von Robotern um

das Vierfache erweitern.

40 November 2025


automationspraxis.de

SPEZIAL

Drehen und Greifen

in einer Komponente

November 2025 41


_Handhabung & Montage

Zwei Funktionen in einer Komponente

Für die Laborautomation:

Greifer hat den Dreh raus

Mit dem neuen 2-Backen-Paralleldrehgreifer der Serie REP2000 vereint die

Zimmer Group Greifen und Drehen in einer Komponente – eine durchdachte

Antwort auf die hohen Anforderungen moderner Laborautomation.

Labore sehen sich einem steigenden Automatisierungsdruck

ausgesetzt: Die Anzahl der Proben

nimmt zu, Nachverfolgbarkeit wird strenger

kontrolliert und Taktzeiten werden kürzer. Manuelle

Arbeitsschritte wie das Auf- und Zuschrauben von

Probenröhrchen, das präzise Ausrichten von Barcodes

oder das Etikettieren von Vials können dabei zu Engpässen

werden, wenn sie nicht zuverlässig automatisiert

werden.

Konventionelle Greifer stoßen hier schnell an ihre

Grenzen. Im neuen 2-Backen-Paralleldrehgreifer

REP2000 hat die Zimmer Group daher Greifen und

Drehen in einer Komponente vereint und liefert damit

eine durchdachte Antwort auf die hohen Anforderungen

moderner Laborautomation.

Die kompakte Kombination von Greif- und Dreheinheit

spart wertvollen Bauraum in beengten Maschinenlayouts.

Das ist ein entscheidender Vorteil, wenn

Anlagenmodule nachträglich integriert oder modernisiert

werden sollen. Anstatt zwei separater Module

muss nur ein Antrieb angesteuert werden. Das reduziert

den Verkabelungsaufwand, vereinfacht den Aufbau

und spart Kosten.

Flexibilität: IO-Link als Schlüssel

Bild: Zimmer Group

Der 2-Backen-Paralleldrehgreifer öffnet und verschließt Probenröhrchen vollautomatisch

mit einer Drehbewegung – für kürzere Taktzeiten und maximale

Prozesssicherheit.

Dank der Ansteuerung über IO-Link können Anwender

den Hub der Greifbacken des REP2000 variabel

an unterschiedliche Phiolen- und Behälterdurchmesser

anpassen. Gleichzeitig lässt sich der Schwenkwinkel

der endlos drehbaren Einheit exakt auf den Prozess

abstimmen. So können verschiedenste Behältertypen

automatisiert geöffnet, verschlossen oder präzise

positioniert werden, ohne dass ein Umbau oder lange

Stillstandzeiten erforderlich sind. Gerade in Laboren,

in denen häufig unterschiedliche Probenchargen bearbeitet

werden, ist diese Flexibilität von entscheidendem

Vorteil.

Auch im Ernstfall bleibt die Prozesssicherheit gesichert:

Der mechanische Selbsthemmungsmechanismus

des REP2000 hält das Werkstück bei Stromausfall

sicher fest. Über eine integrierte Notentriegelung

lässt sich der Greifer manuell öffnen, um Proben

schnell und sicher zu entnehmen.

Mit bis zu fünf Millionen wartungsfreien Zyklen zeigt

der REP2000, dass hohe Zykluszahlen und kompakte

Bauweise kein Widerspruch sind. Dank integrierter

Positionsabfrage wird jeder Hub überwacht – das

steigert die Prozessqualität und erleichtert die vorbeugende

Wartung. Zudem verfügt der REP2000 über die

Schutzart IP54.

Die Flexibilität zeigt sich in der Praxis: In einer automatisierten

Probenvorbereitungslinie kann der REP2000

das automatisierte Öffnen und Schließen von Probenröhrchen

übernehmen. Gleichzeitig richtet er die Gefäße

exakt aus, sodass Barcodes zuverlässig erfasst werden

können. Zwei Arbeitsschritte, eine Komponente –

der Zeitgewinn ist messbar, der Prozess stabiler. ↓

Zimmer Group

www.zimmer-group.com

42 November 2025


November 2025 43


_Projekt des Monats

Automatisierungssysteme bis in den Sub-Nanometerbereich

Technologiepakt für die

ultrapräzise Automation

Der Automationsspezialist Weiss GmbH hat mit Yinguan aus Shanghai eine

strategische Technologiepartnerschaft geschlossen, um gemeinsam hochpräzise

Automatisierungskomponenten und -systeme für den internationalen Markt

verfügbar zu machen. Was dahinter genau steckt.

Die gemeinsamen Lösungen von Weiss und Yinguan

sollen Bewegungs-, Montage-, Fertigungs-,

Mess- und Inspektionsprozesse mit Genauigkeiten

bis in den Sub-Nanometerbereich ermöglichen.

„Damit reagieren wir auf die steigenden Anforderungen

in Hightech-Branchen wie Halbleiterfertigung,

Medizintechnik und Mikromontage sowie Optik

und Photonik“, erläutert Oebels, Vice President

Precision bei der Weiss GmbH. Zudem gebe es viele

Sondermaschinenbauer, die immer kleinere Baugruppen

montieren müssten und dafür kompaktere Antriebstechnik

und höhere Bewegungsgenauigkeit benötigen.

„Mit unseren Linearmotorachsen und Torquemotor-

Rundtischen erhielten wir immer wieder Anfragen, die

eine höhere Präzision erforderten, als wir mit unseren

Produkten bieten konnten. Der Markt für hochpräzise

Automatisierung wächst stetig, weil immer mehr Anwendungen

an physikalische und technische Grenzen

stoßen – und dort sind mikrometergenaue Lösungen

schon lange nicht mehr ausreichend. Anwendungen

an der physikalischen Grenze lassen sich mit klassischer

Automatisierung kaum noch realisieren“, so

Franz Oebels. Dagegen rücke die Systemgenauigkeit

immer stärker in den Fokus.

Das Beste aus zwei Welten

Bild: Weiss

Franz Oebels, Vice President Precision bei Weiss: „Der Markt für hochpräzise

Automatisierung wächst stetig, weil immer mehr Anwendungen an physikalische

und technische Grenzen stoßen – und dort sind mikrometergenaue Lösungen

schon lange nicht mehr ausreichend.“

Daher hat sich Weiss nach Partnern umgesehen und

mit dem Spezialisten für ultrapräzise Bewegungssysteme

Yinguan aus Shanghai den richtigen gefunden, ist

Franz Oebels überzeugt. Nun will man das tiefgreifende

Technologie- und Applikations-Know-how aus

Europa und China vereinen: „Unsere langjährige Erfahrung

in der klassischen industriellen Automation

trifft auf hochspezialisiertes Know-how in der Sub-

Nanometer-Präzision. So schaffen wir die Grundlage,

klassische mikrometergenaue Systeme gezielt mit ul-

44 November 2025


_Projekt des Monats

Um auch im Sub-Mikrometer- und Sub-Nanometerbereich

Lösungen anbieten zu können, hat Weiss daher

nun die Technologiepartnerschaft mit Yinguan geschlossen.

Dadurch kann Weiss sein Portfolio um Direktantriebe

und piezoelektrische Aktuatoren sowie

hybride Systeme und Positionierplattformen mit integrierter

Steuerung und ultrahoher Auflösung erweitern,

die mit einer ausgefeilten, hochfrequenten Messund

Regeltechnologie hochdynamische und präzise

Bewegungen ermöglichen. Zudem steuert Yinguan

über 360 Patente sowie große Forschungskompetenz

dank der Nähe zur Fudan-Universität in Shanghai

und Serienerfahrung im Halbleitermarkt zu der Partnerschaft

bei.

Wichtig ist Franz Oebels zu betonen, dass es in der

Partnerschaft nicht nur um die Nutzung von Komponenten

geht. „Auf Basis von Kundenspezifikationen

werden auch gemeinsam die richtigen Lösungen entwickelt.

Die Stärke von Weiss und Yinguan liegt eindeutig

darin, die Anwendung zu verstehen und dann

basierend auf unserem gemeinsamen Know-how die

ideale, auf den Kunden angepasste Lösung dafür zu

finden. Unser Team und das Yinguan-Team ergänzen

sich hier hervorragend.“

Warum gerade Yinguan?

Bild: Weiss

Das Weiss-Dispense-System für die Produktion von Blutzucker-Messgeräten

erlaubt das mikrometergenaue Dispensieren

von Reagenzien auf einem Messsystem für Blutzuckerwerte.

trapräzisen Lösungen zu kombinieren. Jetzt können

wir alle Genauigkeitsklassen abdecken, die unsere

Kunden benötigen.“

Weiss hat sich in über fünf Jahrzehnten mit zuverlässigen

Bewegungslösungen in der Automation einen Namen

gemacht. Bekannt sind die Spezialisten aus Buchen

vor allem für ihre robusten und präzisen Rundschalttische.

Schon früh hat Weiss sein Portfolio zudem

um weitere Komponenten wie Pick-&-Place-Systeme

oder Linearachsen mit Linearmotorantrieb bis

hin zu Lineartransfersystemen erweitert. „Aus einzelnen

Komponenten wurden so vorprogrammierte und

vorparametrisierte Subsysteme mit eigener Steuerungssoftware.

Heute liefern wir auch vollständige, in

Betrieb genommene Lösungen, die nicht nur bewegen,

sondern auch im Prozess präzise ausrichten, fügen,

positionieren, messen und prüfen“, so Franz Oebels.

Was liefert Yinguan?

„Wir haben einige Jahre nach einem Partner gesucht –

und das in Nordamerika, Europa und Asien“, berichtet

Franz Oebels. Am Ende sei man durch Empfehlungen

auf Yinguan gestoßen. „Und nun sind wir bei jedem

Besuch immer wieder fasziniert – sowohl von der

Entwicklungskompetenz, der Detailliebe als auch den

Kapazitäten und Konditionen. Darum sind wir überzeugt,

hier den richtigen Partner gefunden zu haben.“

Um den Marktzugang in China sei es bei der Auswahl

des Partners jedenfalls nicht gegangen: „Weiss ist seit

vielen Jahren in China erfolgreich aktiv und hat dort

ein Werk mit lokalen Montagekapazitäten und eigener

Lösungskompetenz. Die Partnerschaft mit Yinguan fokussiert

sich auf Märkte außerhalb von China. Unsere

Zielkunden liegen in Europa und Nordamerika.“

Weiss GmbH

https://precision.weiss-world.com

OCD-Metrologie ermöglicht die präzise Messung kritischer Strukturgrößen in

der Halbleiterfertigung. Das System ist aufgebaut mit hochpräzisen Yinguan-

Positionierkomponenten und schafft die Grundlage für eine exakte Prozesskontrolle

im Nanometerbereich.

Bild: Weiss

November 2025 45


_Bildverarbeitung

Lückenlose Rückverfolgbarkeit lässt Produktfehlern keine Chance

Multikamerasystem mit KI

sichert Oberflächenqualität

Wie Künstliche Intelligenz im Zusammenspiel mit intelligenten Vision-Kameras

von IDS die Qualität in der hochpräzisen Metallverarbeitung sichert, zeigt die

CamBox von Vivaldi.

In der CamBox

inspizieren 42

uEye XC-Kameras

von IDS ein

E-Motoren-

Gehäuse.

Bild: Vivaldi/IDS

Die CamBox der Vivaldi Digital Solutions GmbH

ist eine innovative Lösung zur KI-basierten Echtzeit-Qualitätsprüfung.

Neben einem rechenstarken

Edge-Server mit Intel-Prozessor spielt intelligente

Bildverarbeitung dabei eine Schlüsselrolle. In der Vision-Lösung,

die für den Fertigungsstandort eines Automobilzulieferers

in Tschechien konzipiert wurde, übernehmen

bis zu 70 USB3 uEye+ XC Autofokus-Kameras

von IDS Imaging Development Systems die automatische

Sichtkontrolle zur Oberflächeninspektion.

„Die in den Prüfzellen integrierten IDS-Kameras erfassen

hochauflösende Bilder der Oberfläche von Aluminium-Bauteilen

deutscher Erstausrüster, in diesem Falle

eines E-Motors“, erläutert Uwe Siegwart, Geschäftsführer

bei Vivaldi. Die Kamerabilder werden zunächst

vorverarbeitet, um Faktoren wie Belichtung, Weißabgleich

und Farbkorrektur zu optimieren. Die KI erkennt

dann diverse Oberflächendefekte wie Kratzer,

Poren oder Verschmutzungen. Bis zu 2.400 E-Motorengehäuse

werden pro Tag automatisiert geprüft.

Anforderungen sind hoch

Die Anforderungen dabei sind allerdings hoch: „In

dem Werk in Tschechien herrschen strenge Vorgaben.

Gemäß Fehlerkatalog müssen Fehlstellen ab 0,2 Millimetern

prozesssicher erkannt werden. Die Prüfzeit pro

Bauteil darf maximal 20 Sekunden betragen“, erklärt

Uwe Siegwart.

Warum seine Wahl dabei auf die uEye XC-Kamera von

IDS fiel? „Eine Rolle spielten neben der Schnittstelle

zum selbst entwickelten Cam-Controller und der kompakten

Baugröße auch der Funktionsumfang der Sensoren

sowie – aufgrund der Menge der benötigten Kameras

– natürlich auch der Preis“, sagt Eike Humpert

aus dem Business Development von Vivaldi.

Ausschlaggebend war außerdem, dass die Autofokus-

Kamera mehrere Flächen in jeweils unterschiedlichen

Abständen zur Kamera erfassen kann. Dies sorgt für

mehr Effizienz und Flexibilität, gerade wenn es verschiedene

Bauteilvarianten zu prüfen gilt. Mit der Ma-

46 November 2025


_Bildverarbeitung

kro-Aufsatzlinse lässt sich die minimale Objektdistanz

der Kamera zudem sehr einfach verkürzen.

Synchrone Kamerasteuerung

Dennoch muss die KI-basierte Bildverarbeitungsaufgabe

vielfältige Herausforderungen meistern: Denn Aluminiumteile

haben oft stark glänzende Oberflächen,

die Bildaufnahmen stark beeinflussen. Diese Reflexionen

erschweren es, Fehler wie Kratzer, Druckstellen,

Rattermarken, Einschlüsse oder Oberflächenunregelmäßigkeiten

zuverlässig zu erkennen. Die KI-basierte

Bildverarbeitung muss daher in der Lage sein, präzise

zwischen der normalen Materialstruktur und den Rohbereichen

in den zu bearbeitenden Oberflächen, die als

Fehler angesehen werden, zu unterscheiden.

Die Bildverarbeitung erfolgt daher über eine optimierte

Recheninfrastruktur. Pro USB-Hub können bis zu acht

Kameras angeschlossen werden, was eine simultane Erfassung

mehrerer Prüfbereiche ermöglicht. Maximal

zwei dieser USB-Hubs sind an einen selbst entwickelten

Cam-Controller angebunden, der die Bildsignale bündelt

und verarbeitet. Mehrere Cam-Controller sind mit

dem Edge-Server vernetzt. Dieser Server übernimmt

nicht nur die Berechnung der KI-gestützten Analysen,

sondern kommuniziert direkt mit der Anlagensteuerung,

die das Auslösen der Kameras koordiniert und eine

synchrone Erfassung sicherstellt.

In Tschechien hat sich das System bereits bezahlt gemacht:

Die Anzahl der Reklamationen pro Jahr konnte

um zwei Drittel gesenkt, die der nicht erkannten Oberflächendefekte

sogar auf null reduziert werden. ↓

IDS Imaging Development Systems GmbH

www.ids-imaging.de

Gleichzeitige Bildaufnahmen sorgen für eine lückenlose Inspektion und dienen

der Einhaltung der Taktzeit.

Konzipiert für einen Automobilzulieferer und seinen Fertigungsstandort in

Tschechien übernehmen in der CamBox bis zu 70 USB3 uEye+ XC Autofokus-

Kameras von IDS die automatische Sichtkontrolle zur Oberflächeninspektion.

Bild: Vivaldi/IDS

Bild: Vivaldi/IDS

SOLUTIONS. CLEVER. PRACTICAL.

VISION SENSOR CS-62

Maximale Flexibilität

und Performance auf

Smart Kamera-Niveau

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Halle 7A,

Stand 540

• Wechselobjektive für Flexibilität bei Entfernung, Sichtfeld

und Auflösung

• Geblitzte High Power LED-Beleuchtung in rot und weiß,

softwareseitig umschaltbar

• Benutzerfreundliche Software mit performanten Tools,

integrierter Bildoptimierung und Web-Interface

• Optionale Upgrades: Messen, ID/ID PRO, OCR, SMART

• Flexible Profinet- und EtherNet/IP-Konfiguration*

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November 2025 47

*EtherNet/IP-Zertifizierung in Arbeit, verfügbar voraussichtlich ab Q1/2026


_Automatisierung

Effiziente Systemtests für unterschiedliche Robotikkinematiken

Wollmilchsau für die

Robotersteuerung

Um sein breites Spektrum an unterschiedlichen Robotermechaniken ausgiebig

zu testen, nutzt Autonox Robotics die leistungsstarke Robotiklösung KeMotion

von Keba Industrial Automation.

Frühzeitig in praxisnahen

Anwendungsszenarien testen

Autonox- Betriebsleiter

Clemens

Ratajczak

und Projektingenieur

Léopold

Hurst bei der

technischen Begutachtung

einer

Robotermechanik

in der

Fertigungshalle

in Willstätt.

Die Wege von Keba und Autonox Robotics kreuzten

sich erstmals im Jahr 2016. Damals stand das

deutsche Robotik-Unternehmen aus Willstätt vor

der Herausforderung, seine steuerungsunabhängigen Robotermechaniken

mit geeigneten Steuerungen zu testen.

Betriebsleiter Clemens Ratajczak erinnert sich: „Wir kamen

in zweierlei Hinsicht an unsere Grenzen: Zum einen

konnten wir mit den vorhandenen Steuerungen und darin

verbauten kleinen Antriebsreglern die Motoren neuer

Entwicklungen für höhere Traglasten nicht mehr ansteuern.

Zum anderen wurden aufgrund des schnellen

Wachstums im Portfolio weitere Steuerungen nötig, um

alle Dauerläufe abdecken zu können.“

Es musste also ein weiterer Steuerungsschrank her, der

möglichst alle Kinematik-Modelle und Motorgrößen im

Autonox-Portfolio abdecken konnte. Clemens Ratajczak:

„In enger Abstimmung mit Keba konnten wir

einen dafür passenden Schaltschrank definieren – eine

‚eierlegende Wollmilchsau‘, wie wir die Steuerungseinheit

heute noch nennen.“

Bild: Keba/Autonox Robotics

Bereits in der ersten gemeinsamen Projektphase konnten

wichtige Fortschritte erzielt werden. Dank der Zusammenarbeit

mit Keba konnte Autonox eine Vielzahl unterschiedlicher

Robotertypen frühzeitig in praxisnahen Anwendungsszenarien

betreiben. Denn der neue Steuerungsschrank

unterstützte sowohl 2-Achs- als auch

6-Achs-Mechaniken, unterschiedliche Motorgrößen und

bot damit die ideale Grundlage, um Mechaniken systematisch

zu erproben.

Das ermöglichte realitätsnahe Tests unter unterschiedlichen

Bedingungen, weiß Clemens Ratajczak: „Für uns

als Hersteller reiner Robotermechaniken sind Partnerschaften

wie diese essenziell, um die Leistungsfähigkeit

und Zuverlässigkeit unserer Entwicklungen validieren

zu können.“

Roboter-Schaltschrank kann 50 Prozent

kleiner realisiert werden

Ein erstes gemeinschaftliches Kundenprojekt konnte innerhalb

von zwei Monaten umgesetzt werden: Autonox

und Keba arbeiteten an einer Roboterzelle mit dem ersten

Vierachs-Deltaroboter mit einer Traglast von 3 Kilogramm.

Keba steuerte dazu die offene und skalierbare

Robotiksteuerung sowie Servomotoren bei. Dank des

kompakten KeDrive D3-Systems konnte der zugehörige

Schaltschrank bis zu 50 Prozent kleiner realisiert werden

als bei Lösungen mit vergleichbarer Antriebstechnik-Performance.

Die reale Umsetzung wurde zuvor bei Keba

auf Simulationsebene in KeStudio vorbereitet.

Nach nur zwei Tagen Optimierungsarbeit wurde an der

Kunden-Testmaschine ein sensationelles Ergebnis erreicht:

Die Delta-Mechanik von Autonox mit Doppelgreifer

und der Keba-Steuerung erreichte schnell und

ruckfrei 170 Produkte pro Minute. Vergleichbare Produkte

am Markt schafften meist nur 130 Produkte pro

Minute.

48 November 2025


Betriebsleiter Clemens Ratajczak und Elisabeth Schärtl

(verantwortlich für das Autonox-Partnerprogramm) inspizieren

einen Keba-Schaltschrank.

Bild: Keba/Autonox

KeMotion ist ein Technologiemodul von Kebas Automatisierungsplattform

Kemro X. Die Robotiklösung besteht

aus einer Robotersteuerung, Bedienterminals, Software,

Antriebstechnik und Sicherheitstechnik.

Bild: Keba

Weitere gemeinsame Kundenprojekte

und Forschungsaktivitäten

Die Kooperation zwischen Autonox und Keba wurde

nach der erfolgreichen ersten Projektphase kontinuierlich

fortgeführt. Weitere gemeinsame Kundenprojekte

und Forschungsaktivitäten folgten. Die Kombination

der unterschiedlichsten Kinematiken von Autonox mit

den leistungsstarken und flexiblen Steuerungen, Antriebssystemen

und Bedienpanels von Keba erwies sich

dabei als technisch robust und zuverlässig. Sie ermöglicht

eine intuitive Bedienung und erfüllt gleichzeitig hohe

Anforderungen an die Systemstabilität.

Die gemeinsamen Kunden von Autonox und Keba (vorwiegend

Maschinenbauer in den Branchen Lebensmittelverpackung,

Pharma oder Konsumgüter) erhalten in

dieser Kombination ein ausgereiftes und trotzdem sehr

flexibel an den jeweiligen Einsatzfall in der Kunden -

maschine anpassbares Robotikpaket. Die gleichzeitige

Offenheit von Mechanik- und Steuerungslösungen sorgt

dabei für eine einfache Integrationsmöglichkeit der

jeweiligen Kundentechnologie.

Keba Industrial Automation

www.keba.com

Autonox Robotics GmbH

www.autonox.com

Ketten, Kabel, Konfektionen:

Made in Germany

Als Systemanbieter für elektrische Verbindungstechnik entwickeln und

realisieren wir für Sie Standard- und Sonderlösungen im eigenen Haus –

von der einzelnen Leitung bis zur einbaufertigen Energiekette.

helukabel.com

SPS - smart production solutions 2025

Halle 2, Stand 230/231

November 2025 49


_Automatisierung

Interview: Eugen Elmiger, CEO, Maxon Group

„Wir sind seit 1998 in der

humanoiden Robotik aktiv“

Ob humanoide Roboter, Exoskelette oder Raumfahrt: Maxon entwickelt Antriebe für

die nächste Generation der Robotik. Im Interview spricht CEO Eugen Elmiger über

aktuelle Trends und Herausforderungen. Interview: Michael Corban, KEM Konstruktion Automation

AP: Maxon hat sich jüngst an Synapticon beteiligt.

Was war der Hintergrund?

Elmiger: Für uns steht die funktionale Sicherheit bei

Antriebslösungen immer stärker im Fokus. Gerade die

Software bekommt zunehmend Gewicht. Wir haben mit

Synapticon einen Partner gefunden, mit dem wir

Functional Safety und Condition Monitoring gezielt

weiter in unsere Produkte integrieren können. Solche

Kooperationen helfen uns, schneller voranzukommen.

AP: Wie passt Synapticon zum Maxon Portfolio?

Elmiger: Synapticon arbeitet mit Somanet Integro und

Circolo an Lösungen, die sich ohne großen Anpassungsaufwand

nahtlos in unser Produktportfolio integrieren

lassen. Zusätzlich bringen wir unser Condition Monitoring

System MIND – Motion Insights and Diagnostics –

ein. Damit können wir zum Beispiel die Gesundheitszustände

der Antriebsstränge kontinuierlich überwachen

und Predictive Maintenance ermöglichen. So ergibt sich

eine ideale Ergänzung zwischen unseren Technologien.

Bild: Eveline Beerkircher

Eugen Elmiger, CEO, Maxon: „Für uns steht die funktionale Sicherheit bei Antriebslösungen

immer stärker im Fokus. Gerade die Software bekommt zunehmend

Gewicht.“

AP: Synapticon ist ja auch beim Thema KI recht aktiv.

Sie auch?

Elmiger: Ja, KI ist auch bei uns längst ein Thema. Schon

vor unserer Zusammenarbeit mit Synapticon haben wir

darüber nachgedacht, wie wir Künstliche Intelligenz im

Entwicklungsprozess nutzen können. Wir gehen aber

noch einen Schritt weiter: Bei uns bleibt es nicht beim

Produkt, sondern zieht sich von der Produktentwicklung

bis in die Produktion und den gesamten Produktlebenszyklus.

Gerade in unserer Factory nutzen wir KI, um

Prozesse zu optimieren und neue Wege der Überwachung

zu erschließen.

AP: Neben KI sind aktuell auch humanoide Roboter

ein spannendes Feld. Wie geht Maxon das Thema an?

Elmiger: Maxon ist schon seit 1998 in der humanoiden

Robotik aktiv – unter anderem beim Honda Asimo, der

mit unseren Antrieben lief. Auch in Exoskeletten, Prothesen

oder bei vierbeinigen Robotern wie Anybotics sind

50 November 2025


_Automatisierung

Bild: Bild: Maxon

Maxon ist mit seinen

Antrieben schon sehr

lange in der humanoiden

Robotik aktiv.

Auch in Exoskeletten,

Prothesen oder bei

vierbeinigen Lauf -

robotern sind die

Schweizer vertreten.

TRUNNION

POSITIONIER

SYSTEME

wir stark vertreten. Dort sind zum Beispiel

zwölf unserer Antriebe im Animal-Roboter

verbaut. Gerade in solchen Anwendungen

steht Functional Safety an oberster Stelle. Im

Prototypenstadium kann auch mal etwas

schiefgehen, aber im Feld muss alles zuverlässig

funktionieren. Projekte wie der Cybathlon

in Zürich, bei denen Exoskelette und Prothesen

im Alltag getestet werden, sind für uns daher

zentral – dort wollen wir den Teams die

bestmögliche Lösung bieten, um ihr Leben zu

erleichtern.

AP: Die Miniaturisierung Ihrer Antriebe ist

ein entscheidendes Merkmal. Wie wichtig

ist die Baugröße für Ihre Anwendungen?

Elmiger: Extrem wichtig. Gerade bei humanoider

Robotik oder Exoskeletten braucht es

kompakte, aber leistungsstarke Antriebe. Natürlich

sind wir flexibel – manchmal entwickeln

wir auf Wunsch des Kunden auch größere

Varianten. Aber oft ist die Herausforderung,

auf kleinstem Raum die maximale Performance

zu liefern.

AP: Gibt es Grenzen der Miniaturisierung?

Elmiger: Wirtschaftlich sinnvoll ist für uns derzeit

eine Produktion bis 4 mm. Im Labor schaffen

wir auch kleinere Antriebe, aber für die Serienfertigung

braucht es einen funktionierenden

Maschinenpark, Zulieferketten und vor allem

einen Markt. Noch kleinere Lösungen benötigen

neue Technologien und Fertigungsverfahren.

Es gilt immer, Nutzen und Aufwand im Auge

zu behalten. Entscheidend ist, dass der Kunde

am Ende von einer Innovation profitiert.

AP: Das Thema Motion Control wird immer

präsenter. Wie entwickelt sich das bei Ihnen?

Elmiger: Unser Corporate Center Motion

Control arbeitet stetig an neuen Lösungen. Die

klassischen linearen Antriebsregler von vor 30

Jahren werden zwar noch eingesetzt, aber der

Trend geht zu hochintegrierten, Multiachs-

Controllern mit allen notwendigen Busanbindungen

und leistungsstarken Servocontrollern,

die am liebsten direkt im Antrieb sitzen. Condition

Monitoring – wie unser MIND-System

– spielt hier eine große Rolle. Wir setzen teils

auf All-in-One-Lösungen, möglichst kabellos,

auch wenn das eher ein Wunschtraum ist, denn

Kabel sind bei Robotern oft ein echter Störfaktor.

AP: Und welche Rolle spielt die Sensorik?

Elmiger: Wir entwickeln verschiedenste Sensoren

– magnetisch, optisch, induktiv – und integrieren

sie immer stärker in unsere Antriebe.

Fast alle unsere Anwendungen benötigen Feedbacksysteme,

egal ob im OP-Roboter, in der Intralogistik

mit AGVs, in der Luft- und Raumfahrt

oder bei Sitzverstellungen. Gerade bei medizinischen

Robotern ist exaktes Feedback entscheidend,

damit die Bewegungen präzise und

sicher sind. Selbst bei E-Bikes kommt es darauf

an, dass Motor und Mensch harmonieren.

AP: Anwendungen in der Raumfahrt gelten

als besonders anspruchsvoll. Wie gehen Sie

an solche Projekte heran?

Elmiger: Raumfahrtanwendungen sind eine

Klasse für sich: extreme Temperaturen, Strahlung,

Vibrationen. Wir wählen Materialien so

aus, dass sie auch bei –150 °C oder +120 °C

zuverlässig funktionieren, nutzen speziell entwickelte

Lösungen und passen unsere Standardantriebe

gezielt an. Meistens können wir

auf bewährte Basistechnologie zurückgreifen

und diese für die jeweilige Mission modifizieren.

Ein Highlight ist unsere Beteiligung an

Projekten auf der ISS, aber auch Kooperationen

mit NASA, ESA und der indischen Raumfahrtbehörde

zusammen. Wir sind stolz, mit

unseren Produkten einen Beitrag zu leisten –

ob nun auf dem Mars, dem Mond oder ganz

irdisch in der Landwirtschaft, etwa bei Olivenschüttlern.

Maxon Group

www.maxongroup.com

Die passende

Ergänzung für Ihren

Industrieroboter.

ZUKUNFT

IST

EINFACH.

DISCOVER WEISS-WORLD.COM

November 2025 51


_Automatisierung

Für hohe Spannungen von bis zu 2 kV

Sonderleitung für den

Batterie-Prüfstand

Für einen Kundenauftrag sucht der US-Prüfstand-Spezialist AEC eine individuelle

Anschlussleitung. Der Verbindungstechnik-Experte Helukabel liefert die richtige

Lösung zur richtigen Zeit.

AEC ist auf die

Herstellung von

Prüfständen für

Erstausrüster in

der Automobilindustrie

spezialisiert.

Bild: Helukabel

Anderson Electric Controls, Inc. (AEC) aus den

USA ist unter anderem auf die Ausstattung von

Batterie-Prüfständen spezialisiert. Denn Batterie-

und Automobilhersteller stecken viel Aufwand in

Forschung und Entwicklung, um Fahrzeug und Batterie

besser aufeinander abzustimmen. „Zum Einsatz

kommen dafür spezielle Prüfstände, auf denen sich

unterschiedlichste Funktionen und Szenarien realitätsnah

testen lassen“, so Ron Hansen, AEC-Geschäftsführer.

„Wir entwickeln zum Beispiel Cycler- und Emulationssysteme

für Batterien“, ergänzt Steven Hansen,

Technischer Leiter bei AEC. „Das sind elektrische

Vorrichtungen, die auf einem Prüfstand das Verhalten

einer realen Fahrzeugbatterie simulieren.“ Kapazität,

Ladezustand oder Aufbau der Batteriezellen lassen

sich dabei flexibel parametrieren. „Automobilhersteller

nutzen diese Systeme, um das Verhalten von Antriebsbatterien

und Bordnetzen in ihren Fahrzeugen

zu testen und zu optimieren“, berichtet Ron Hansen.

52 November 2025


_Automatisierung

Bild: Helukabel

Das AEC-Team (v.l.: Steven Hansen, Ron Hansen, Jared Weyer und Matt Tavares) ist mit der

Zusammenarbeit mit Helukabel rundum zufrieden.

Kein Update

verpassen!

Hohe Spannungsfestigkeit

Maßgeschneiderte Lösung

Die Ausstattung der Prüfsysteme passt

AEC individuell an die Anforderungen

seiner Kunden an – so auch im Fall eines

Automobilherstellers, der für ein Werk in

den USA einen neuen Prüfstand für Elektrofahrzeuge

benötigte. Um die Antriebsbatterien

mit dem Cycler zu verbinden,

kommen ganz spezielle Anschlussleitungen

zum Einsatz.

„Eine Herausforderung hierbei waren die

hohen Spannungen von 2 kV und mehr,

die während des Testverfahrens an den

Leitungen anliegen“, berichtet Matt Tavares,

Maschinenbauingenieur bei AEC.

„Gefordert waren außerdem eine UL-Zulassung,

eine TC-ER-Zertifizierung für die

offene Verlegung sowie eine niedrige Induktivität,

um EMV-Störungen zu vermeiden.“

Schnell war klar: Mit einer Standardleitung

ließen sich diese komplexen Vorgaben

nicht erfüllen. Bei seiner Recherche

stießt AEC schon bald auf den Verbindungstechnikspezialisten

Helukabel, der

auch in den USA mit einer Tochtergesellschaft

vertreten ist. „In mehreren Gesprächen

konnten wir uns davon überzeugen,

dass wir mit Helukabel den richtigen Partner

für dieses Projekt gefunden hatten“,

erinnert sich Tavares.

„Wir bei Helukabel verfügen über jahrzehntelange

Erfahrung in der Entwicklung

kundenspezifischer Lösungen. Die gewünschten

Produkteigenschaften zu realisieren,

war daher für uns kein Problem“,

sagt Regional Sales Manager David

Newton. Die eigens entwickelte Leitung

überzeugt unter anderem durch ihre gute

Beständigkeit gegen Öl und Feuchtigkeit.

„Darüber hinaus verfügt sie über eine TC-

ER-Zulassung – sie darf also auch ohne einen

geschlossenen Kabelkanal verlegt

werden. Und natürlich haben wir uns um

die UL-Zulassung gekümmert.“

Ein weiterer Pluspunkt für Helukabel war,

dass die gewünschte Leitung innerhalb

der Lieferfrist bereitgestellt werden konnte.

„Bei anderen Herstellern waren uns die

Vorlaufzeiten schlichtweg zu lang, so dass

wir wiederum unseren Kunden hätten

warten lassen müssen“, sagt Tavares.

Die Tür für eine weitere Zusammenarbeit

mit Anderson Electric Controls ist damit

mehr als nur geöffnet, verrät Geschäftsführer

Ron Hansen. „Die nächste Bestellung

ist bereits getätigt und weitere gemeinsame

Projekte sind in Planung.“ ↓

Helukabel GmbH

www.helukabel.com

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November 2025 53


_Automatisierung

Verbindungstechnologie für die Robotik von morgen

„Starkes Wachstum bei

Servicerobotern“

Über Trends in der Robotik und Auswirkungen auf die Verbindungstechnik, sprechen

Technologie-Forscherin Prof. Dr. Katharina Hölzle und Lapp-CTP Hubertus Breier.

AP: Wie hat sich die Robotik in den letzten Jahren

verändert?

Hölzle: Insbesondere die Art und Weise, wie Mensch

und Roboter interagieren, hat sich in letzter Zeit deutlich

verändert. Nach einer längeren Phase des Stillstands

erleben wir aktuell durch große Fortschritte in

Künstlicher Intelligenz und moderner Sensorik einen

dynamischen Aufschwung in der kollaborativen Robo-

tik. Cobots, humanoide Roboter oder andere kollaborative

Systeme werden heute und in Zukunft immer

wichtiger. Digitalisierung und KI treiben die Integration

robotischer Systeme voran. Wichtig dabei ist, dass

wir zukünftig eine gemeinsame Plattform schaffen, auf

der Sensorik, Aktuatorik und Algorithmen zusammenarbeiten.

Dazu brauchen wir offene Datenräume und

interoperable Systeme.

AP: Und was bedeutet das für Lapp als Verbindungstechnik-Spezialist?

Breier: Robotik ist eines der anspruchsvollsten Anwendungsfelder

für unsere Verbindungslösungen. Durch

die dreidimensionale freie Raumbewegung wirken auf

die verbauten Kabel gleichzeitig Biege- und Torsionskräfte,

die eine extreme Belastung darstellen. Das erfordert

hochentwickelte Kabelkonstruktionen, etwa bei

der Art der Verseilung der einzelnen Adern und deren

Bild: Lapp

Prof. Dr. Katharina Hölzle: „Digitalisierung und KI treiben die Integration robotischer

Systeme voran. Wichtig dabei ist, dass wir zukünftig eine gemeinsame

Plattform schaffen, auf der Sensorik, Aktuatorik und Algorithmen zusammenarbeiten.“

Welche Innovationen verfolgt

Lapp in der Robotik?

✔ „Innovationen im Produktbereich umfassen unter

anderem die Entwicklung torsionsoptimierter

Kabel mit neuen Schirmungstechnologien“, sagt

Hubertus Breier.

✔ Zudem entwickelt Lapp Hybridkabel, bei denen

beispielsweise Anschluss- und Steuerleitungen

in einem Kabel realisiert werden. „Dies bringt eine

massive Platzeinsparung mit sich. Speziell bei Cobots,

wenn Kabel vorzugsweise im Inneren geführt

werden, ist dieser Schritt von großer Bedeutung.“

✔ Außerdem baut Lapp die Eigenständigkeit unserer

Standorte in APAC aus, um dort schneller

auf Marktbedürfnisse zu reagieren.

✔ „Und nicht zuletzt prüfen wir Partnerschaften

im Bereich humanoider Robotik, um frühzeitig

Teil dieser zukunftsweisenden Entwicklung zu

sein.“

54 November 2025


_Automatisierung

Abschirmung. Für diese Herausforderungen haben wir

spezielle Kabel, Steckverbindungen und Schleppketten

entwickelt. Besonders bei Cobots sehen wir eine wachsende

Nachfrage nach miniaturisierten, flexiblen Verbindungslösungen

und Retrofit-Produkten, um zusätzliche

Sensorik oder Greifer am Roboterarm mit Energie

und Daten zu versorgen.

AP: Wie will sich Lapp bei der Robotik entwickeln?

Breier: Durch den Zukauf von Muller et Landais (heute

Lapp Muller) haben wir ja bereits Anfang der

2000er Jahre auf den Trend Robotik reagiert. Aktuell

sehen wir eher ein moderates Wachstum im Bereich der

klassischen Industrieroboter, dagegen ein starkes

Wachstum bei Servicerobotern, etwa in der Pflege oder

Logistik. Auch der asiatische Markt wächst rasant,

weshalb wir dort unsere Produktion und Präsenz deutlich

ausbauen. Zudem investieren wir gezielt in die Bereiche

Industrial Communications und Harnessing Solutions

– also z.B. bereits konfektionierte Dresspacks,

die für Robotik-Verkabelungen entscheidend sind.

AP: Haben Sie dafür ein Beispiel?

Breier: Klar. Wir entwickeln Kabel, die auf einem Meter

Länge bis zu zwei Drehungen um deren eigene Achse

aushalten und davon zehn Millionen Zyklen überstehen.

Außerdem arbeiten wir global mit unseren Landesgesellschaften

an verschiedenen Spezialprojekten,

wie Kabel für Tauchroboter, wie sie beispielsweise bei

der Erforschung des Titanic-Wracks zum Einsatz kamen.

AP: In welchen Branchen sehen Sie die Servicerobotik

besonders auf dem Vormarsch?

Hölzle: Naheliegend sind Gesundheitsbranche und

Pflege, trotz hoher Anforderungen an Datenschutz und

Privatsphäre. Hier besteht jedoch große Offenheit gegenüber

Robotik, da die Technik Entlastung bietet. Gerade

auch Bereiche mit extremen Umgebungen – etwa

heiße Regionen für Photovoltaik-Installationen oder

Unterwasser-Anwendungen – bieten großes Potenzial.

Serviceroboter können dort Tätigkeiten übernehmen,

die für Menschen schwierig oder gefährlich sind oder

in Bereichen ausgeführt werden müssen, die für Menschen

nicht ohne Weiteres zugänglich sind.

Breier: Für uns bei Lapp ergibt sich daraus zum Beispiel

ein ganz klarer Arbeitsauftrag: Verbindungslösungen

zu entwickeln, die auch unter extremen Bedingungen

zuverlässig funktionieren – etwa bei hohen Temperaturen

oder für extrem widrige Umgebungen.

Hubertus Breier: „Robotik ist eines der anspruchsvollsten Anwendungsfelder für

unsere Verbindungslösungen. Durch die dreidimensionale freie Raumbewegung

wirken auf die verbauten Kabel gleichzeitig Biege- und Torsionskräfte, die eine

extreme Belastung darstellen.

AP: Wie integriert Lapp auf diese Anforderungen in

seine Produktpalette?

Breier: Wir setzen auf leichte, torsionsfähige und robuste

Kabel. Wichtig ist uns dabei auch eine möglichst

realistische Prüfung der Produkte. Neben den standardisierten

Tests für Kabel führen wir eigene zusätzliche

Testmethoden durch. Im Gegensatz zu Industrierobotern

sind die Kabel bei vielen Servicerobotern heute

noch meist weniger komplex, dennoch stellen sie spezielle

Anforderungen. Wichtig ist für uns, das Feld Robotik

gezielt zu fokussieren und eng mit Forschungseinrichtungen

zusammenzuarbeiten, um die Anforderungen

von morgen zu identifizieren.

U.I. Lapp GmbH

www.lapp.com/de/de

Zu den Personen

· Prof. Dr. Katharina Hölzle ist Institutsleiterin IAT der Universität

Stuttgart und geschäftsführende Institutsleiterin Fraunhofer

IAO. Zudem ist sie die Technologiebeauftragte der Wirtschaftsministerin

in Baden-Württemberg.

· Der langjährige Osram- und Balluff-Manager Hubertus Breier

ist seit April 2023 im Lapp-Vorstand verantwortlich für Technologie

und Innovation.

Bild: Lapp

November 2025 55


Industrie

Das Kompetenznetzwerk der Industrie

Einladung

Expertenforum

Intelligente Robotik für

die Industrie von morgen

Bild: FANUC

Führende Experten

präsentieren wie moderne

Robotik den Einstieg

erleichtert und neue

Einsatzfelder erschließt

4. Dezember 2025

9:00 bis 17:00 Uhr

FANUC Deutschland,

Neuhausen a.d.F.

Freuen Sie sich auf:

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Die Partner der Veranstaltung freuen sich

auf Ihren Besuch:

56 November 2025


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60 November 2025


November 2025 61


_Macher der Automation

Interview mit Wassim Saeidi und Kerstin Wagner, United Robotics Group

„Die Servicerobotik zu den

Menschen bringen“

Nach der Insolvenz der ursprünglichen United Robotics Group (URG) starten

Wassim Saeidi und Kerstin Wagner mit einer klaren Ausrichtung neu: Service -

robotik für das Gesundheitswesen. Im Gespräch erklären die beiden Co-CEOs,

welche Rolle der Laborroboter uLab Mobile spielt und warum sie auch einen

humanoiden Roboter in der Pipeline haben.

Interview: Armin Barnitzke

Wassim Saeidi (Schwerpunkt Technik) und Kerstin Wagner (Fokus Business Development) teilen sich die Leitung der „neuen“ United Robotics

Group.

Bild: United Robotics Group

62 November 2025


Automationspraxis

MACHER DER AUTOMATION

exklusiv

AP: Sie haben die Patent-, Marken- und Content-Rechte

der United Robotics Group übernommen

und wollen die URG weiter führen.

Warum halten Sie an der Marke URG fest?

Saeidi: Für mich stand nie zur Debatte, das Projekt

fallen zu lassen. Ich habe mich mit meinem

Unternehmen 2019 der URG angeschlossen, weil

mich die Vision überzeugt hat, Robotik, KI und

Menschlichkeit zu verbinden. Daher hatte ich

auch meinen Firmennamen in United Robotics

Group Health & Food geändert. Wir haben daher

nun alle Strukturen, Marken und Namen der

URG zu 100 % übernommen. Unseren Kunden

wollten wir nach all den Turbulenzen nicht auch

noch eine neue Marke zumuten.

Wagner: Viele Kunden gerade aus dem Healthcare-Bereich

kannten uns ja unter dem Namen

URG. Zudem habe ich mit einigen Kunden aus

dem Healthcare-Bereich gesprochen und habe

dort offene Türen eingerannt. Für Service-Robotik

im Gesundheitswesen besteht großer Bedarf. Denn

mit Robotik lösen wir das Fachkräfte-Problem,

das momentan im Gesundheitswesen sehr präsent

ist. Daher ist es nur konsequent, dass wir als URG

weitermachen.

AP: Warum gerade der Fokus auf Healthcare?

Saeidi: Weil wir dort als URG die robustesten und

am stärksten nachgefragten marktreifen Produkte

hatten. Gleichzeitig ist das Gesundheitswesen der

anspruchsvollste Einsatzbereich für Service-Robotik.

Wenn Roboter dort sicher und zuverlässig arbeiten,

überzeugt das auch andere Branchen – von

Flughäfen bis zu öffentlichen Einrichtungen und

Schulen.

AP: Ihr zentrales Produkt ist der uLab Mobile.

Was zeichnet den Roboter aus?

Wagner: Der uLab Mobile ist ein mobiler und kollaborativer

Roboter, der gemeinsam mit Laborfachpersonal

Routineaufgaben im Labor abarbeitet

und zwar Hand in Hand. In der Praxis heißt

das: Der Roboter transportiert Probenröhrchen

oder bestückt Geräte und Prozesse. Gerade

Nachtschichten in klinischen Laboren lassen sich

damit spürbar entlasten. Im besten Fall übernimmt

der mobile Cobot die Arbeit ganz allein.

AP: In welchen Laboren kommt er zum Einsatz?

Wagner: Am allerliebsten bewegen wir uns aktuell

in der klinischen Diagnostik. Das sind Krankenhauslabore

und private Referenzlabore, zu denen

die Hausärzte die Proben schicken. Aber wir haben

auch sehr große Pharmaunternehmen als

Kunden. Alles in allem ist der mobile Roboter

uLab Mobile bereits in mehr als 30 Laboren im

Einsatz. Durch die enge Zusammenarbeit mit La-

Bild: United Robotics Group

Wassim Saeidi und Kerstin Wagner haben die Patent-, Marken- und Contentrechte aller URG-Produktserien übernommen und wollen das

operative Bestandsgeschäft fortführen. Hauptfokus ist aber der Healthcare-Bereich.

November 2025 63


_Macher der Automation

gleich. Wenn wir in den Laboren bewiesen haben,

dass unsere Roboter funktionieren, können wir

dank unseres Plattform- und Familiengedankens

auch in anderen Bereichen punkten.

Bild: United Robotics Group

Der uLab Mobile ist ein

mobiler, kollaborativer

Roboter, der Hand in

Hand mit dem Fachpersonal

Routineaufgaben

im Labor abarbeitet.

borgeräteherstellern werden die Roboter bereits

vor der Auslieferung trainiert und lassen sich vor

Ort ohne Programmieraufwand sofort in bestehende

Abläufe integrieren.

AP: Bleibt es bei den Laboren?

Wagner: Nein. Ausgehend vom Labor wollen wir

auch in anderen Krankenhausbereichen aktiv werden,

beispielsweise beim Catering, beim Materialtransport

oder bei der Reinigung. Letztlich wollen

wir aber vom reinen Objekthandling mehr hin

zum Patienten.

Saeidi: Wir denken hier an Pflegeunterstützung

oder patientenunterstützende Maßnahmen – mit

der gleichen Roboterplattform. Wir passen zwar

Greifer und Workflows an, aber die Basis bleibt

Wer ist die United Robotics Group?

Die United Robotics Group war ursprünglich 2020 vom Robotik-

Veteranen Thomas Hähn mit dem Ziel gegründet worden, einen europäischen

Servicerobotik-Champion zu schaffen. Dazu bündelte die

URG mit finanzieller Unterstützung der Beteiligungsgesellschaft der

RAG-Stiftung mehrere Robotik- und Servicerobotik-Unternehmen

unter einem Dach. Im Februar 2025 musste die United Robotics

Group Insolvenz anmelden. Gründe waren hohe Entwicklungskosten,

fehlende Profitabilität und ein Finanzierungsstopp durch die RAG-

Stiftung.

Wassim Saeidi (der sich 2021 mit seinem Unternehmen WS System

GmbH als „United Robotics Health & Food GmbH“ der Servicerobotik-Gruppe

angeschlossen hatte) hat im Sommer 2025 die Patent-,

Marken- und Content-Rechte für sämtliche Produktserien der „alten

URG“ übernommen und führt die „neue URG“ nun mit einem Fokus

aus KI-Robotiklösungen im Healthcare-Bereich fort. Der Laborrobotik-Bereich

soll dafür die Keimzelle sein.

AP: Was zeichnet den uLab Mobile aus?

Saeidi: Wir haben deutsche Maschinenbau-Qualität

kombiniert mit einem ansprechenden Design,

einer intuitiven Mensch-Roboter-Interaktion sowie

einer innovativen KI-basierten Software. Unsere

Roboter arbeiten mit Skills – sie erkennen

Objekte, finden Greifpunkte, öffnen Schubladen

und planen Arbeitsschritte selbstständig. So können

sie auch in unbekannten Umgebungen zuverlässig

agieren. Und das Beste: Diese Software-

Plattform läuft nicht nur auf dem uLab Mobile,

sondern auch auf unseren anderen Servicerobotern

wie dem Reinigungsroboter uClean oder dem

mobilen Transportroboter uLog.

AP: Sie wollen also nicht nur den uLab Mobile

Roboter weiterführen?

Saeidi: Genau. Wir haben die Patent-, Markenund

Contentrechte aller URG-Produktserien übernommen,

werden das operative Bestandsgeschäft

fortführen und auch Bereiche wie Education oder

Inspection und Maintenance wieder hochfahren.

Denn auch hier haben wir zufriedene Kunden. Parallel

zur Skalierung der bestehenden Geschäftsfelder

treiben wir auch die Entwicklung ganz neuer

Technologien voran. Mit uMe präsentieren wir

Anfang 2026 auf der CES in Las Vegas unseren

humanoiden Roboter.

AP: Warum einen humanoiden Roboter? Hier

gab es zuletzt neben großem Hype auch einige

Enttäuschungen.

Saeidi: Klar kann die öffentliche Stimmung kippen,

wenn zwischen den geweckten Erwartungen

und der Realität eine zu große Lücke klafft. Deswegen

ist es uns sehr wichtig, ehrliche Produkte

auf den Markt zu bringen. Wir wollen kein Showprojekt.

Unser Prototyp „uMe“ läuft bereits bei

uns in den Räumlichkeiten und nutzt dieselbe

Softwareplattform wie auch der uLab Mobile.

AP: Was soll der humanoide Roboter können?

Wagner: Im ersten Schritt wird er dieselben Use

Cases wie der uLab Mobile beherrschen: Er wird

die gleichen Objekte erkennen, die gleichen Dinge

greifen und von A nach B bringen können. Aber er

wird eben auch Treppen steigen können. Unser

Ziel ist der Einsatz in der Senioren- und Pflegeunterstützung

bis in den häuslichen Bereich. Dort

soll der humanoide Roboter aber nicht nur einfache

Hilfsleistungen erbringen, sondern mit den

Patienten auch empathisch interagieren.

AP: Wie stemmen Sie den Neustart und all

diese Entwicklungen eigentlich finanziell?

64 November 2025


_Macher der Automation

_Impressum

Saeidi: Bislang komplett aus eigener Tasche. Wir

wachsen organisch, weil wir konkrete, einsatzbereite

Produkte haben, die in der Praxis bestehen.

Natürlich sprechen wir auch mit Investoren, aber

wir lassen uns Zeit und entscheiden in Ruhe über

die nächsten Schritte.

Wagner: Das Tolle ist, dass mit den Geldern des

früheren Investors Lösungen entwickelt wurden,

die wir bereits verkaufen können. Auf dieser Basis

können wir uns aktuell selbst tragen. Für neue

Ideen und schnelleres Wachstum prüfen wir Partnerschaften,

aber wir stehen nicht unter Druck.

Wir befinden uns in einer Sondierungsphase.

AP: Wo soll URG in fünf Jahren stehen?

Saeidi: Unser Ziel ist klar: Wir wollen ein führender

europäischer Anbieter für Service-Robotik

sein – ein Unicorn mit internationalem Footprint.

Weil wir ein funktionierendes Produktportfolio

haben und weil wir auf einen Plattform- und Familiengedanken

setzen. Wir wollen Trends setzen,

indem wir KI mit echtem Praxisnutzen kombinieren

und Robotik dorthin bringen, wo Menschen

sie brauchen: in Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen

und öffentliche Räume.

United Robotics Group GmbH

https://unitedrobotics.group

ISSN 1863–401X

Herausgeberin: Katja Kohlhammer

Verlag:

Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH,

Ernst-Mey-Straße 8,

70771 Leinfelden-Echterdingen, Germany

Geschäftsführer: Peter Dilger

Verlagsleiter: Peter Dilger

Chefredakteur:

Armin Barnitzke (ab),

Phone +49 711 7594–425,

Ernst-Mey-Straße 8,

70771 Leinfelden-Echterdingen, Germany

Redaktionsassistenz:

Daniela Engel,

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Layout: Anja Carolin Graf, Phone +49 711 7594–297

Anzeigenleitung:

(Verantwortlich für den Anzeigenteil):

Joachim Linckh, Phone +49 711 7594–565

Auftragsmanagement:

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Beilagenhinweis:

Dieser Ausgabe liegt ein Prospekt folgender Firma bei:

Bihl+Wiedemann GmbH, Mannheim

Wir bitten unsere Leser um freundliche Beachtung.

Gerne können Sie Beilagen auch digital lesen unter

www.automationspraxis.industrie.de/beilagenservice/

Leserservice:

Automationspraxis +49 711 82651–254,

konradinversand@zenit-presse.de

Erscheinungsweise: 6 x im Jahr

Bestellungen beim Verlag oder beim Buchhandel.

Bezugspreis jährlich 65,40 € inkl. Versandkosten und MwSt.

(Ausland: 65,40 €); Einzelheft 11,00 € inkl. MwSt. und zzgl.

Versandkosten. Sofern die Lieferung nicht für einen bestimmten

Zeitraum ausdrücklich bestellt war, läuft das Abonnement

bis auf Widerruf.

Bezugszeit: Das Abonnement kann erstmals vier Wochen

zum Ende des ersten Bezugsjahres gekündigt werden. Nach

Ablauf des ersten Jahres gilt eine Kündigungsfrist von jeweils

vier Wochen zum Quartalsende. Bei Nichterscheinen aus

technischen Gründen oder höherer Gewalt entsteht kein

Anspruch auf Ersatz.

Transportdreiräder

für den

individuellen

Bedarf

Auslandsvertretungen:

Großbritannien: Jens Smith Partnership,

The Court, Long Sutton, Hook, Hampshire RG29 1TA,

Phone 1256 862589, Fax 1256 862182,

E-Mail: jsp@trademedia.info

Druck:

Vogel Druck und Medienservice GmbH,

Leibnizstraße 5,

97204 Höchberg,

Printed in Germany

Wulfhorst GmbH Gütersloh

www.wulfhorst.de

© 2025 by Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH,

Leinfelden-Echterdingen

November 2025 65


_10 Fragen an

10 Fragen an Patrick Heimburger, CRO und Gründer, Fruitcore Robotics GmbH

„Wenn ich am Wasser bin,

muss ich reinspringen“

Patrick Heimburger ist

Mitgründer und Chief

Revenue Officer bei

Fruitcore Robotics. Seine

Leidenschaften und Entspannungsvehikel

sind

seine Familie und alle

Arten von Sport. Sein

Spleen? „Wenn ich am

Wasser bin, muss ich

reinspringen.“ Gut, dass

das Fruitcoe-Robotics-

Headquarter in Konstanz

doch knapp drei Kilo -

meter vom Bodensee

entfernt ist.

Bild: Fruitcore Robotics

AP: Beschreiben Sie sich in drei Worten

Heimburger: Positiv, voller Energie, vielfältig.

AP: Meine Lebensweisheit/Maxime:

Heimburger: Tag für Tag in allen Bereichen des

Lebens einen möglichst positiven Beitrag zu erzielen

und etwas aus den Chancen zu machen, die ich

habe.

AP: Haben Sie eine Leidenschaft?

Heimburger: Neben der Arbeit meine Familie und

fast jede Sportart, als Zuschauer oder Mitspieler.

AP: Haben Sie einen Spleen?

Heimburger: Wenn ich am Wasser bin, muss ich

reinspringen.

AP: Wo haben Sie die besten Ideen?

Heimburger: Unter der Dusche oder beim Joggen.

AP: Wie entspannen Sie nach einem langen

Bürotag?

Heimburger: Mit der Familie oder beim Sport.

AP: Worauf können Sie in Ihrem Alltag auf gar

keinen Fall verzichten?

Heimburger: Mittlerweile nicht mehr auf

ChatGPT, vor allem auf Autofahrten.

AP: Und was darf in Ihrer Aktentasche nie fehlen?

Heimburger: Smartphone, Laptop, Noise-Cancelling-Kopfhörer.

AP: Was ist Ihr Lieblingsessen und/oder Lieblingsgetränk?

Heimburger: Lieblingsgetränk ist eindeutig Kaffee.

AP: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Wen

wollten Sie schon immer mal treffen?

Heimburger: Leonardo da Vinci. Vor kurzem war

ich im Museum in seinem Geburtsort in Italien.

Beeindruckend, in welchen Bereichen er geforscht

und unglaubliche Erfindungen gemacht hat.

Fruitcore Robotics GmbH

www.fruitcore-robotics.com

66 November 2025


Industrie

Das Kompetenznetzwerk der Industrie

RO

18. Juni 2026

9:00 bis 17:00 Uhr

Kongresshalle Böblingen

Xperience RobotX

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#KROX26!

Der

Treffpunkt

der Robotik!

Mit der Fortsetzung des Events #KROX –

das Konradin RobotX Forum präsentiert die

Konradin Mediengruppe Innovationen aus

Robotik und Automation in einem praxisnahen

Format aus Kongress und Ausstellung.

Ob einfache Robotik, intelligente Robotik,

kollaborative Robotik, kognitive Robotik oder

mobile Robotik:

Das Konradin RobotX Forum, das von

Automationspraxis und Industrieanzeiger

organisiert wird, macht Robotiktrends live

erlebbar – Networking und Know-how-

Transfer inklusive.

Unsere Review zum #KROX vom 20.06.2024

finden Sie unter:

www.automationspraxis.industrie.de/krox

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Ich will als Partner

mit dabei sein!

November 2025 67


Europas erster

vollständig kognitiver

humanoider Roboter.

Entwickelt, um sich wie wir zu bewegen.

Gebaut, um uns zu unterstützen.

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68 November 2025

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