Automationspraxis 06.2025
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automationspraxis.de
06_November 2025
Trend Künstliche Intelligenz
KI transformiert Industrie
und Robotik Seite 20
Vorschau Expertenforum
Intelligente Robotik für die
Industrie von morgen Seite 56
Servicerobotik-Comeback
Die United Robotics Group
ist wieder da Seite 62
Sicher durch das
Maschinenleben
SPS Nürnberg
25.– 27. November 2025
Halle 3, Stand 468
Weltbewegend
Für ein harmonisches Antriebssystem bei Mobility-Anwendungen brauchts ein
reibungsloses Zusammenspiel von Elektroantrieben, Motion Controller, Master
Controller, Sensoren und Batteriemanagement-Systemen. Zum Glück bieten wir
all dies an. mobilitysolutions.maxongroup.de
Precision Drive Systems
2 November 2025
_Editorial
Nächste Messe:
24.03.-26.03.2026 LogiMAT
Armin Barnitzke
Chefredakteur
Automationspraxis
Robotik erobert
Das
nach da?
Läuft.
neue Felder
Die Welt der Robotik ist im Umbruch. Das verdeutlichen die Zahlen des
„World Robotics 2025“-Report der IFR: Neue Märkte (vor allem
China) und neue Anwendungsfelder lösen die „alten Robotik-Treiber“
(etwa die Automotive-Industrie) ab. In China gelingt es den dortigen lokalen
Playern sogar, neue Branchen für den Robotereinsatz zu erschließen. So hat
die IFR in China bemerkenswerte Roboterinstallationen in der Textilindustrie
(+29 %) gezählt. Aber auch in Deutschland und Europa entstehen laut
IFR neue Märkte für die (Industrie-) Robotik.
Das schlägt sich in unserer Berichterstattung nieder. Nachdem wir in der
Ausgabe 5 bereits über „Roboter beim Hausbau“ oder beim „Sortieren von
Autoschrott-Metall“ berichtet haben, finden Sie in dieser Ausgabe Beiträge
über ABB-Roboter beim Solarmodul-Recycling (Seite 34) oder über Fanuc-
Robots in den Roboterküchen von Goodbytz (Seite 28).
Dass die Robotik neue Bereiche erobert, zeigt sich auch am Wachstum in
der Servicerobotik: Laut IFR ist der Markt für professionelle Servicerobotik
weltweit um 9% gewachsen. Alleine im größten Segment, den autonomen
mobilen Robotern für Transport und Logistik, sind über 100.000 neu installierte
Mobilroboter hinzugekommen (+14 %). Noch beeindruckender ist das
Wachstum in der Reinigungsrobotik (+ 34 %) und bei Medical Robots
(+91 %). Hier hat vor allem die Laborrobotik („Diagnostik & medizinische
Laboranalyse“) ein krasses Wachstum von 610 % hingelegt.
Kein Wunder also, dass der deutsche Servicerobotik-Pionier United Robotics
Group, der nach dem Rückzug des alten Finanziers RAG-Stiftung Insolvenz
anmelden musste, unter neuer Führung mit dem Fokus auf Laborautomation
neu durchstarten will. Was die „Macher der neuen URG“ vorhaben, lesen Sie
auf Seite 62.
Wir beraten Sie gerne.
www.haro-gruppe.de
November 2025 3
_Inhalt
Inhalt
Bild: Estun
14
Offensiv: Wie der größte chinesische
Roboterhersteller Estun den
hiesigen Robotikmarkt aufmischen
will, verraten Europa-Chef Gerald
Mies (li.) und Deutschland-CEO
Ralph Christnacht.
44
Hochpräzise: Warum Weiss mit Yinguan aus
Shanghai eine strategische Technologiepartnerschaft
für Hochpräzisions-Automation geschlossen
hat, berichtet Franz Oebels, Vice
President Precision in Buchen.
Bild: Siemens
20
Intelligent: Wie Siemens mit dem Industrial
Copilot, Agentic AI und einem
Industrial Foundation Model die KI-
Nutzung in der Industrie vorantreibt,
sagt Matthias Loskyll, Senior Director
AI & Robotics bei Siemens Digital
Industries.
Bild: Weiss
62
Menschennah: Wie sie mit der United Robotics
Group (URG) neu durchstarten und die intelligente
Servicerobotik vorantreiben wollen, verraten
die Co-CEOs Wassim Saeidi und Kerstin
Wagner.
Bild: URG
www.kuka.com
feel the flow
of automation
AMR by KUKA
KUKA bietet eine breite Palette mobiler
Robotik, die die gesamte Wertschöpfungskette
abdeckt und die Anforderungen der
Intralogistik und Produktion in der neuen
vernetzten Industrie perfekt erfüllt.
4 November 2025
_Inhalt
Zum Titel
Im Lebenszyklus von Maschinen
stellt jede Phase besondere
Anforderungen an die Sicherheit.
Worauf kommt es dabei an? Und
welche Rolle spielt inzwischen
das Thema Security? Der Experte
für sichere Automation Pilz gibt
Antworten. Seite 06
Your Global Automation Partner
_Interview des Monats
14 „Attraktive Alternative zum Robotik-Establishment“
Gerald Mies und Ralph Christnacht von Estun
_Trend des Monats
20 Agentische KI ist keine reine Zukunftsversion
Dr. Matthias Loskyll (Siemens) gibt Einblicke
23 Warum heutige KI nicht die Zukunft der Robotik ist
Prof. Dominik Bösl benennt Hürden
_Robotik
26 Präzise Stäubli-Roboter für Ultraschalltests
Hightech-Prüfung von großen CFK-Bauteilen
36 Mit mobilen Manipulatoren zur smarten Fabrik
Mobert im Einsatz bei B.Braun in Melsungen
_Handhabung und Montage
41 Greifer hat den Dreh raus
Zimmer: Zwei Funktionen in einer Komponente
_Projekt des Monats
44 Weiss: Technologiepakt für Ultrapräzision
Automatisierung im Sub-Nanometerbereich
_Automatisierung
48 Eine Wollmilchsau für die Robotersteuerung
Effiziente Systemtests für Robotikkinematiken
52 „Starkes Wachstum bei Servicerobotern“
Verbindungstechnologie für die Robotik von morgen
_Expertenforum bei Fanuc
56 „ Intelligente Robotik“ im Fokus
Vorschau auf das Event am 4. Dezember 2025
_Macher der Automation
62 „Die Servicerobotik zu den Menschen bringen“
Die United Robotics Group startet neu durch
Halle 7, Stand 250
Hand in Hand bis
in die Cloud
Profitieren Sie von digitaler
Wertschöpfung zwischen Shop
Floor und Cloud – mit Turcks
durchgängiger IIoT-Architektur
aus einer Hand.
_10 Fragen an
66 „Wenn ich am Wasser bin, muss ich reinspringen“
Patrick Heimburger, Fruitcore Robotics
_Rubriken
12 Personalien
41 Innentitel Zimmer: Greifer hat Dreh raus
65 Impressum
www.turck.de/s2c
November 2025 5
So setzen Betreiber Safety und Security für produktive Prozesse im Shopfloor um
Sicher durch das gesamte
Maschinenleben
Vom flexiblen fahrerlosen Transportsystem über die hocheffiziente Roboterzelle
bis hin zu weitläufigen Anlagen: Im Lebenszyklus aller Maschinen stellt jede
Phase besondere Anforderungen an die Sicherheit. Worauf kommt es dabei an
und welche Rolle spielt inzwischen das Thema Security?
Autor: Marcel Wöhner, Chief Technical Officer, Pilz Vertriebs- und Servicegesellschaft Deutschland
6 November 2025
Automationspraxis
TITELGESCHICHTE
exklusiv
_Titelgeschichte
Bild: Pilz
Der Lebenszyklus von Maschinen
und Anlagen reicht von der Planung
über Konstruktion, Inbetriebnahme
und Betrieb inklusive Retrofit bis
hin zur Außerbetriebnahme.
November 2025 7
_Titelgeschichte
„Betreiber vernetzter Maschinen stehen vor neuen
Pflichten: Die EU-Maschinenverordnung und der
Cyber Resilience Act verlangen Maßnahmen
zur Cybersicherheit, inklusive Umgang mit
Bild: Pilz
Schwachstellen und Sicherheitsupdates.“
Marcel Wöhner, Pilz
Marcel Wöhner, Chief Technical Officer, Pilz Vertriebs-
und Servicegesellschaft Deutschland.
Der Lebenszyklus von Maschinen und Anlagen
reicht von der Planung über Konstruktion,
Inbetriebnahme und Betrieb inklusive
Retrofit bis hin zur Außerbetriebnahme. Die Anforderungen
an Sicherheit und Effizienz unterscheiden
sich je nachdem, in welcher Phase eine
Maschine sich befindet.
Am Anfang steht das Design
Entwickler und Konstrukteure definieren zu Beginn
die Anforderungen und den Zweck der Maschine.
Sie berücksichtigen die relevanten Richtlinien
und Verordnungen, beispielsweise für die Inverkehrbringung
innerhalb der Europäischen Union.
Basierend auf einer Risikobeurteilung und
dem Sicherheitskonzept erfolgt die Integration sicherheitsrelevanter
Funktionen sowie die Auswahl
geeigneter Komponenten und am Ende eine umfangreiche
Validierung sämtlicher Sicherheitsfunktionen.
Geschieht all das in Einklang mit den
geltenden Gesetzen und Richtlinien, kann der
Maschinenbauer in der EU am Ende dieser Phase
eine Konformitätserklärung abgeben und eine
CE- Kennzeichnung anbringen.
Im Betrieb wird’s dynamisch
Anschließend geht die Maschine in die Betriebsphase
über, also in den eigentlichen Betrieb inklusive
Integration und Inbetriebnahme. Hier gilt: Es
gibt nicht „den sicheren Roboter“ oder „das sichere
FTS“, sondern nur eine sichere Anwendung,
die den Kontext und die Zusammenarbeit mit
dem Menschen berücksichtigt. So erhält ein Roboter,
der grundsätzlich als unvollständige Maschine
in den Verkehr gebracht wird, zunächst eine
Einbauerklärung. Um eine Konformitätserklärung
zu erhalten, müssen Werkzeug, Umgebung
und Prozess betrachtet und die Gesamtanwendung
abgesichert werden.
Deshalb liegt es in der Verantwortung des Betreibers,
die Maschine in dem Umfeld, in dem sie betrieben
wird, sicherheitstechnisch zu betrachten –
und zwar laufend. Damit das geschieht, gilt in
Europa die Arbeitsschutz-Rahmenrichtlinie, die
beispielsweise in Deutschland in der Betriebssicherheitsverordnung
(BetrSichV) umgesetzt wird.
Diese regelt die Sicherheit und den Gesundheitsschutz
bei der Verwendung von Arbeitsmitteln und
überwachungsbedürftigen Anlagen. Die Verordnung
schreibt für einen sicheren Betrieb regelmäßige
Prüfungen von Arbeitsmitteln und Anlagen vor.
Außerdem sind regelmäßige Wartungszyklen sowie
Tests der Sicherheitseinrichtungen Bestandteile
der Betriebsphase. Sie ist im Vergleich zur Konstruktionsphase
viel dynamischer mit Blick auf die
Sicherheit. Das gilt umso mehr, wenn die Zusammenarbeit
zwischen Mensch und Maschine, beispielsweise
in der Intralogistik mit fahrerlosen
Transportsystemen (FTS) oder für Mensch-Roboter-Kollaborationen,
eng gestaltet wird. Dabei
muss laufend die Sicherheit gewährleistet sein.
Alte Eisen auf dem Prüfstand
Im Laufe einer jahrelangen Betriebsphase ändert
sich der Stand der Technik und für einige Maschinen,
wie beispielsweise Roboterzellen, steht ein Retrofit
an, um Produktivität und Sicherheit weiterhin
zu gewährleisten. Im Maschinenbetrieb müssen
Sicherheitsmaßnahmen kontinuierlich überprüft,
dokumentiert und aktuell gehalten werden. Betreiber
haften und stehen damit in der Pflicht, jederzeit
nachweisen zu können, dass ihre Maschinen den
geltenden gesetzlichen Anforderungen entsprechen.
Das betrifft nicht nur technische Sicherheitsfunktionen,
sondern auch organisatorische Maßnahmen,
bis hin zu IT-Schutz und Datenschutz. In der
Praxis sind diese Dokumente jedoch oft lückenhaft
und an verschiedenen Orten und in verschiedenen
Formaten, als Ausdruck oder digital, abgelegt.
8 November 2025
_Titelgeschichte
Überblick über die Dokumentation
Ein lückenlos dokumentierter Sicherheitsprozess
ist Grundlage für die rechtliche Absicherung. Betreiber
tragen die volle Verantwortung für die Sicherheit
ihrer Maschinen – und müssen im Schadensfall
nachweisen können, dass alle Maßnahmen
korrekt umgesetzt wurden. Ein vollständiger
und strukturierter Überblick über alle sicherheitsrelevanten
Unterlagen ist essenziell.
Die Herausforderung liegt darin, diese Dokumentation
nicht nur zu erstellen, sondern auch laufend
zu pflegen. Änderungen an der Maschine, neue
Softwareversionen oder geänderte gesetzliche Anforderungen
müssen zeitnah erfasst und nachvollziehbar
dokumentiert werden. Nur so behalten
Betreiber die Kontrolle – und erfüllen ihre Verantwortung
gegenüber Mitarbeitenden, Behörden
und der eigenen Organisation.
In alle Phasen fließt Security ein
Betreiber vernetzter Maschinen stehen zusätzlich
vor neuen Pflichten: Die EU-Maschinenverordnung
und der Cyber Resilience Act verlangen
Maßnahmen zur Cybersicherheit, inklusive Umgang
mit Schwachstellen und Sicherheitsupdates.
Die NIS-2-Richtlinie verpflichtet Betreiber kritischer
Infrastrukturen zu umfassenden organisatorischen
und technischen Maßnahmen zur IT-Sicherheit
wie Risikoanalysen, Notfallplänen und
Meldepflichten. Auch absichtliche oder unbewusste
Manipulationen durch Mitarbeiter müssen
berücksichtigt werden. Ein klar strukturiertes
Identification and Access Management für sicherheitsrelevante
Funktionen ist essenziell, um Zugriffe
nachvollziehbar und kontrollierbar zu gestalten.
Kurzum: Der Maschinenlebenszyklus ist heute
untrennbar mit umfassenden Sicherheits-, Dokumentations-
und IT-Schutzpflichten verbunden.
Betreiber müssen nicht nur für den Schutz von
Menschen und Maschinen sorgen, sondern auch
für die Integrität digitaler Systeme und die Einhaltung
gesetzlicher Vorgaben. Eine strukturierte,
vollständige und jederzeit verfügbare Dokumentation
ist dabei der Schlüssel – sowohl für die
Rechtssicherheit als auch für einen störungsfreien
und produktiven Betrieb. Bei der Dokumentation
sowie dem Management von Personal und Maschinen
kann die digitale Myzel Lifecycle Platform
des Automatisierungsunternehmens Pilz unterstützen
(siehe Kasten). Mit dieser Software gewährleisten
Maschinenbetreiber, dass ihre Maschinen
in Sachen Safety, Security und Compliance
über den gesamten Lebenszyklus hinweg „up to
date“ sind.
↓
Pilz GmbH & Co. KG
https://www.pilz.com
Es liegt in der Verantwortung des Betreibers, seine Maschine in dem Umfeld, in
dem sie betrieben wird, laufend sicherheitstechnisch zu betrachten. Dazu zählt
beispielsweise die Definition der Schutz- und Warnzonen eines FTS.
Myzel Lifecycle Platform: den gesamten
Lebenszyklus digital und sicher managen
Mit seiner Myzel Lifecycle Platform bietet das Automatisierungsunternehmen
Pilz in einer ersten Ausbaustufe ein neues Software-as-a-
Service-Angebot, das Maschinenhersteller und -betreiber bei der Einhaltung
von Gesetzen und Sicherheitsanforderungen über den gesamten
Lebenszyklus hinweg unterstützt. Die Plattform vereint erstmals das
Management von Maschinen sowie auch Personal in einer digitalen
Plattform.
Die Myzel Lifecycle Platform schafft dafür eine Verbindung zwischen
den Assets (Mitarbeiter, Maschinen, Komponenten) und dazugehörigen
Artefakten, etwa Anleitungen, Arbeitsschutzrichtlinien oder Schulungen.
Ein Blick auf das Myzel Dashboard macht so ersichtlich, wo es
Handlungsbedarf in Bezug auf Safety, Security und Konformität gibt.
Dazu vereinfachen buchbare Workflows von der Sicherheitsvalidierung
bis zur Verwaltung von Zugangsberechtigungen die Umsetzung. ↓
www.pilz.com/myzel
Bild: Pilz
November 2025 9
_Titelgeschichte
Interview mit Jaime Alonso, Vice President Global Services, Pilz GmbH & Co. KG
„Risiken frühzeitig erkennen“
Wieso Unternehmen den Safety- und Security-Lebenszyklus ihrer Maschinen berücksichtigen
sollten und wie sie ihre Mitarbeiter für die Themen Safety und Security
sensibilisieren, erläutert Jaime Alonso, Vice President Global Services bei Pilz.
kunft vermeiden. Zum anderen wird so die vollständige
Einhaltung geltender Vorschriften und Normen
sichergestellt. Betreiber erfüllen damit ihre Verpflichtung,
ein sicheres und geschütztes Arbeitsumfeld bereitzustellen.
Wenn alle – von der Konstruktion bis
zur Bedienung – ihre Rolle im Lebenszyklus kennen
und verstehen, entsteht ein zuverlässigeres und robusteres
Gesamtsystem.
Bild: Pilz
Jaime Alonso ist Vice President Global Services bei Pilz.
AP: Was können Unternehmen tun, damit ihre
Mitarbeitenden Safety und Security ernst nehmen?
Alonso: Eine Kultur zu schaffen, in der Safety und
Security gleichermaßen ernst genommen werden, beginnt
bei der Führungsebene und wird durch Schulung,
Einbindung und Verantwortlichkeit aufrechterhalten.
Sicherheitseinrichtungen zu installieren oder
Cybersecurity-Protokolle umzusetzen reicht nicht
aus – die Mitarbeitenden müssen verstehen, warum
diese Maßnahmen wichtig sind. Wenn sie informiert
und eingebunden sind, wird Sicherheit zur Selbstverständlichkeit
– und nicht zur Pflichtübung.
„Eine Kultur zu schaffen, in der Safety und Security
gleichermaßen ernst genommen werden,
beginnt bei der Führungsebene.“
AP: Warum sollte man den Safety- und Security-
Lebenszyklus von Maschinen berücksichtigen?
Alonso: Das ist aus mehreren Gründen entscheidend.
Zum einen ermöglicht die Orientierung am
Lebenszyklus ein kosteneffizientes Risikomanagement.
Werden Sicherheits- und Cybersecurity-Aspekte
rechtzeitig berücksichtigt, lassen sich Risiken
für Bedienpersonal, Produktionsausfälle oder Datenverluste
über die gesamte Maschinenlebensdauer
deutlich reduzieren – und teure Retrofits in der Zu-
Jaime Alonso, Pilz
AP: Wann ist es sinnvoll, externe Partner in ein
Projekt einzubeziehen?
Alonso: Je früher, desto besser. Wir helfen dabei, Risiken
frühzeitig zu erkennen, bevor sie im System
verankert sind, und bieten alternative Lösungen, um
sicherzustellen, dass sowohl Safety als auch Security
in die Architektur, Systeme und Prozesse integriert
werden. Ob Unternehmen eine neue Produktionslinie
starten oder ältere Anlagen aufrüsten – unser
Ziel ist es, sie bei der Einhaltung von Vorschriften zu
unterstützen, Ausfallzeiten zu reduzieren und Menschen
sowie Anlagen zu schützen. Neben der Beratung
spielt auch die Schulung eine entscheidende
Rolle beim Aufbau interner Kompetenz und Widerstandsfähigkeit.
Unser Schulungsangebot unterstützt
nicht nur die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, sondern
fördert auch eine Kultur des proaktiven Risikomanagements
im gesamten Unternehmen.
Pilz GmbH & Co. KG
https://www.pilz.com
10 November 2025
| TC04G |
Maschinelles Lernen für alle
Bereiche der Automatisierung
TwinCAT Machine Learning: KI einfach integriert in die Steuerungsebene
KI-Modelle als Funktionsbaustein in der SPS: KI als Bestandteil des Steuerungscodes
Ausführung in Echtzeit auf dem Standard-Steuerungs-IPC:
synchron zu Motion, Ablauflogik, Vision, …
Beschleunigung komplexer KI-Modelle:
Beckhoff IPC mit NVIDIA GPU und Interface aus der SPS
automatisiertes Training von KI-Modellen: KI-Modellerstellung ohne KI-Expertenwissen
offene Schnittstelle für trainierte KI-Modelle (ONNX): Interoperabilität trainierter KI
Verwaltung des Lebenszyklus von KI-Modellen:
Modell-Update ohne kompilieren, Stop und Restart
Halle 7, Stand 406
Scannen und
alles über
maschinelles
Lernen erfahren
November 2025 11
_Personalien
Bild: Lenze
01
Bild: Teradyne
02
Bild: Stein
03
Bild: IEF
04
05
Bild: Neura
Bild: Agile Robots
06
Bild: RobCo
07
01 Bei Lenze engagieren sich mit Lena Günther (Head
of Business Development) und Dr. Moritz Belling (als
Director Transformation) erstmals seit fast zwei Jahrzehnten
wieder Mitglieder der Gesellschafterfamilie
im operativen Tagesgeschäft. Beide gehören zur vierten
Generation der Lenze-Eigentümer-Familie.
02 Jean-Pierre Hathout ist bei Teradyne neben seinem
Posten als CEO von Universal Robots auch zum President
der Teradyne Robotics Group berufen worden.
Er folgt auf Ujjwal Kumar.
03 Armin Doser hat die Geschäftsführung bei Stein
Automation übernommen. Er hatte im März 2025 als
Chief of Sales bei Stein begonnen und bringt einen
breiten Erfahrungsschatz aus früheren Führungsrollen
bei Aumann Espelkamp GmbH, Hahn Automation
Süd und Mikron Automation mit.
04 Jürgen Noailles (Mitte) ist als Geschäftsführer bei
IEF-Werner eingestiegen. Er übernimmt die Leitung
schrittweise von Manfred Meyer (links), der Ende 2026
in den Ruhestand geht. Rechts im Bild ist Mit-Geschäftsführer
Stefan Deck.
05 David Reger ist mit Neura Robotics mit dem Deutschen
Gründerpreis 2025 in der Kategorie Aufsteiger
ausgezeichnet worden.
06 Bettina Schön-Behanzin verstärkt als Vice President
External Affairs and Communications das Führungsteam
des KI-Robotik-Spezialisten Agile Robots aus
München. Die deutsche Managerin hat langjährige
internationale Erfahrung im Aufbau und in der Skalierung
globaler Strukturen.
07 Roman Hölzl, CEO von Robco, ist mit seinem
Münchner Robotik-Start-up Teil des neuen Förderprogramms
„Physical AI Fellowship“ von Amazon
Web Services, Nvidia und Massrobotics. Zudem treibt
er die internationale Expansion voran und hat eine
neue Robco-Niederlassung in den USA gegründet.
12 November 2025
November 2025 13
_Interview des Monats
Interview: Gerald Mies und Ralph Christnacht von Estun Robotics
„Eine attraktive Alternative
zum Robotik-Establishment“
Wie der größte chinesische Roboterhersteller Estun auch den Markt in Europa
erobern will, welche Anwendungen besonders im Fokus stehen und warum es
dabei nicht nur um den Roboterpreis geht, erläutern Europa-Chef Gerald Mies
und Deutschland-CEO Ralph Christnacht.
Interview: Armin Barnitzke
„Wir sind nicht angetreten, um mit Kuka, Fanuc
und Yaskawa um Marktanteile zu kämpfen.
Wir fokussieren uns eher auf bislang wenig
Bild: Estun
beachtete Marktsegmente.“
Ralph Christnacht
Ralph Christnacht ist
CEO der Estun Robotics
Deutschland GmbH.
AP: Estun ist in China nicht nur der größte einheimische
Roboterhersteller, sondern mittlerweile
sogar Marktführer. Wann will Estun auch
in Europa die Nummer eins sein?
Mies: Wir haben selbstverständlich die Ambition,
die Nummer eins in Europa zu werden. Das geht
jedoch nur Schritt für Schritt. Zunächst wollen
wir unsere Sichtbarkeit erhöhen. Die Automatica
im Juni 2025 hat uns dabei enorm geholfen. Mittlerweile
erhalten wir täglich Anfragen – und das
von namhaften Industrieunternehmen.
Christnacht: Das stimmt. So etwas habe ich schon
lange nicht mehr erlebt. Die aktuelle Dynamik bei
uns erinnert mich stark an die Aufbruchstimmung
der 1990er Jahre.
AP: Woran liegt das? Der deutsche Robotikmarkt
gilt aktuell insgesamt doch eher als zäh.
Mies: Der deutschen Industrie geht es derzeit
nicht gut. Eine Gegenmaßnahme besteht darin,
den Automatisierungsgrad zu erhöhen. China
macht uns das vor: Das Land hat Deutschland inzwischen
sogar bei der Roboterdichte überholt.
Wir können daher einiges von China lernen.
AP: Inwiefern?
Mies: In vielen Fabriken gibt es Handarbeitsplätze,
die nur an zwei Tagen in der Woche betrieben werden,
dann jedoch mit hoher Intensität. Das sind
häufig monotone Tätigkeiten, die in China längst
automatisiert wurden, weil die Roboter dort kostengünstiger
sind und sich einfacher konfigurieren
lassen. In China ist die Einstiegshürde in die Robotik
und Automation generell niedriger. In Europa
hingegen sind die Anforderungen an die Robotik oft
unnötig hoch, was dazu führt, dass sich die Investition
in eine Roboterzelle am Ende nicht rechnet.
AP: Warum sollten sich deutsche Kunden beim
Thema Automatisierung gerade für Estun entscheiden,
wenn sie auch auf etablierte Anbieter
wie Kuka, Fanuc, Yaskawa oder ABB zurückgreifen
können?
14 November 2025
Automationspraxis
Interview des Monats
exklusiv
„Dank unserer Fabrik in Polen werden wir kurze,
aggressive Lieferzeiten realisieren können.
Zudem können wir unsere Roboter mit dem
Label ‚Made in Europe‘ anbieten.“
Gerald Mies
Bild: Estun
Christnacht: Viele Projekte lassen sich eben mit
den üblichen Standards nicht wirtschaftlich realisieren,
mit unseren kostengünstigen Robotern jedoch
schon. Dabei entsprechen unsere Roboter
den hierzulande geltenden Industriestandards.
Damit bieten wir den Kunden eine attraktive Alternative
zum Robotik-Establishment. Sowohl in
Sachen Funktionalität als auch im Preis sind wir
mehr als wettbewerbsfähig. Aber wir sind nicht
angetreten, um mit Kuka, Fanuc und Yaskawa
um Marktanteile zu kämpfen. Wir fokussieren
uns eher auf Marktsegmente, die bislang wenig
beachtet wurden – hier können wir in den nächsten
drei Jahren in Deutschland und Europa
schnell 3.000 Roboter verkaufen, ohne dass die
großen Wettbewerber es sofort bemerken. Zumal
wir dank unserer offenen Robotersteuerung gerade
für große Anwender auch technologisch interessant
sind.
AP: Wieso das?
Christnacht: Im Bereich Schweißen oder Lackieren
beispielsweise gibt es große Maschinenbau-
Player, die über umfangreiches Prozess-Know-
Gerald Mies ist President und CEO der Estun Robotics
Europe AG.
how verfügen und daher bislang eigene Roboter
bauen. Für diese Kunden ist es essenziell, ihre
technologische Souveränität zu bewahren. Dank
unserer offenen Steuerung können diese Unternehmen
mit ihrer Roboter-Software auf unserer
Plattform aufsetzen und so unser gesamtes Portfolio
mit 86 Robotertypen nutzen, ohne dass sie in
eigene Robotermechaniken investieren müssen.
Das reduziert deren Kosten und schützt gleichzeitig
ihr Know-how. Und wir können Marktanteile
gewinnen, ohne dass es sofort auffällt. Das ermöglicht
uns ein solides Wachstum in Europa.
AP: Welche Rolle soll dabei Ihre neue Fabrik in
Polen spielen?
Unsere ganze Kompetenz
in einer Systemlösung.
alpha Linear Systems: Dynamisch. Präzise. Individuell.
Haben Sie an den linearen Antrieb ganz individuelle Anforderungen in Bezug auf Laufruhe, Positioniergenauigkeit
und Vorschubkraft? Dann haben wir für Sie die optimal abgestimmte Lösung. Es ist nicht allein die Kopplung von Getriebe, Ritzel
und Zahnstange, sondern unser Know-how in der überzeugenden, individuellen Systemlösung – und das über alle Klassen.
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November 2025 15
_Interview des Monats
Bild: Estun
Estun ist der größte chinesische Roboter-Hersteller und besitzt ein breites Portfolio: vom Cobot bis Schwerlast roboter. Dazu gehören auch
Palettierroboter und Spezialkinematiken.
Mies: Dank unserer neuen Fabrik in Polen werden
wir kurze, aggressive Lieferzeiten realisieren können.
Zudem können wir unsere Roboter dann mit
dem Label „Made in Europe“ anbieten – das ist
insbesondere für Kunden mit Exporten in die USA
wichtig. Ein Werkzeugmaschinenhersteller wie
DMG würde nie Estun-Roboter zum Be- und Entladen
einsetzen, wenn er dann seine Maschinen
nicht mehr nach Amerika liefern könnte.
AP: Was genau ist in Polen geplant?
Mies: Das Gebäude ist mittlerweile bezugsfertig.
Zunächst starten wir in Polen mit einer CKD-
Montage – die Roboter werden also als Einzelteile
angeliefert und vor Ort vollständig montiert. Parallel
baut unser Einkauf aus der Zentrale in Nanjing
bereits ein lokales Zulieferernetzwerk auf.
Unser klares Ziel ist es, unsere Roboter in Europa
zu denselben Herstellungskosten zu produzieren
wie in Nanjing. Alles andere wäre nicht sinnvoll.
Geballte Erfahrung – das Estun-Team in Europa
Als Regional-Manager konnte Gerald Mies einige langjährige Mitstreiter
und Branchenexperten gewinnen:
· Marco Delaini ist Vice President Europe bei Estun Robotics Europe
und gleichzeitig CEO von Estun Italia. Er war 16 Jahre General Manager
bei Fanuc Italia.
· Konrad Grohs ist Vice President von Estun Robotics Europe und
gleichzeitig CEO Estun Robotics Central Europe. Er war viele Jahre
Managing Director bei Fanuc Polska und später Director IoT Business
bei Fanuc Europe.
· Ralph Christnacht ist CEO für die DACH-Region. Er bringt jede Menge
Management-Erfahrung aus der Robotik- und Werkzeugmaschinen-Industrie
mit und blickt auf Stationen bei Fanuc Europe (Director
Business Development), Emag, FFG Europe & Americas und vor
allem bei DMG Mori zurück.
AP: Und was passiert am deutschen Standort
Schwäbisch Gmünd in Deutschland?
Christnacht: Wir haben eine schöne alte Halle mit
Fachwerk auf einem ehemaligen Bosch-Gelände
angemietet, die wir als Hybridhalle nutzen wollen.
Geplant sind dort Schulungen und Trainings für
Kunden und Partner, ein Zwischenlager, ein Demo-Center
sowie moderne Büroflächen mit Glas-
Cubes, Kommunikationsflächen, Coworking Spaces
und einer agilen Arbeitsatmosphäre – wir
möchten dort eine Start-up-Kultur etablieren.
AP: Wie groß ist das deutsche Team?
Christnacht: Unsere Zielorganisation umfasst in
den nächsten 18 bis 24 Monaten etwa 24 Mitarbeitende.
Hinzu kommen Akquisitionen. Unsere
Muttergesellschaft in China hat kürzlich in der
Nachbarschaft das geistige Eigentum des
Schweißtechnikherstellers Rehm aus Uhingen
übernommen. Daher werden auch zwölf Entwickler
von Rehm zu uns wechseln.
AP: Bedienen Sie den Markt über Integratoren
oder bauen Sie eigene Anlagen?
Christnacht: Ganz klar über Integratoren. Wir
möchten die Integratoren und Sondermaschinenbauer
nicht verdrängen, sondern gemeinsam
wachsen. Gleichzeitig bieten wir vorkonfektionierte
Lösungen, etwa einen Co-Palettierer oder
eine kompakte Schweißzelle, um Standards zu setzen
und Einstiegshürden zu senken.
AP: Warum sollten Integratoren von etablierten
Robotermarken zu Estun wechseln?
Mies: Viele Integratoren stehen bei ihren Projekten
aktuell unter Kostendruck und suchen daher
Alternativen. Deshalb haben wir bereits zahlreiche
Testroboter im Einsatz – in Schulungen, Demos
und ersten Projekten. Zumal viele Integratoren
unser Team bereits aus der Vergangenheit kennen.
16 November 2025
_Interview des Monats
AP: Welche Anwendungsfelder stehen für Estun
Robotics in Deutschland aktuell besonders im
Fokus?
Christnacht: Ich selbst habe langjährige Erfahrung
im Bereich Werkzeugmaschinen. Das klassische
Be- und Entladen von Maschinen ist daher ein
wichtiges Thema für uns als Ergänzung zu unseren
Aktivitäten in den Segmenten, über die wir bereits
sprachen. Unser großer Vorteil: Dank unserer
günstigen Roboterpreise können Integratoren einfache
Einstiegszellen kostengünstiger anbieten.
Außerdem müssen sie bei der Traglast nicht knausern,
sondern können direkt einen 20-kg-Roboter
statt eines 12-kg-Modells
einsetzen und dadurch einfachere
und günstigere Greifer
verwenden. Oft ist ein komplexer
Greifer teurer als der
Roboter selbst. Mehr Traglast
spart erhebliche Kosten
im Greiferbau.
noch fehlt Personal für das Palettieren. Hier kann
ein Roboter, der den ganzen Tag Weinkartons auf
Paletten stapelt, eine spürbare Entlastung bringen.
Christnacht: Darüber hinaus sehen wir großes Potenzial
in der Bauindustrie. Gemeinsam mit der
OTH Regensburg arbeiten wir an Projekten für
das digitalisierte Bauen – von der automatisierten
Vorfertigung von Bauteilen in der Fabrik bis zum
Robotereinsatz auf der Baustelle, etwa beim Setzen
von Steckdosen oder beim Spachteln. ↓
Estun Robotics Deutschland GmbH
https://en.estun.com/
AP: Welche weiteren Anwendungen
hat Estun im
Blick?
Christnacht: Auch die Blechbearbeitung
ist ein wichtiges
Segment. Die Pressenautomation
ist beispielsweise ein
etabliertes Geschäftsfeld für
Estun – hier verfügen wir
über viel Erfahrung und bieten
sogar speziell angepasste
Roboterkinematiken. Dank
der Estun-Tochterunternehmen
Cloos und Rehm verfügen
wir zudem über großes
Know-how im Bereich
Schweißen. Auch dort sind
die Märkte bereit, die Anwender
kennen die Vorteile
der Robotik. Doch wir
möchten insbesondere auch
weniger automatisierte Bereiche
erschließen.
AP: Welche Felder meinen
Sie konkret?
Mies: Erfolgversprechende
Projekte haben wir in
Europa beispielsweise in der
Agrarindustrie, etwa beim
Robotereinsatz in der Gemüseernte.
Außerdem sehen
wir saisonale Anwendungen,
etwa für unseren mobilen
Co-Palettierer, der in Weingütern
eingesetzt wird.
Weinabfüllanlagen laufen
häufig nur saisonal, den-
Ja! Wartung
beschleunigt. Mit Conrad.
Passende Ersatzteile schnell geliefert
Alle Teile des Erfolgs
conrad.de/ja-momente
November 2025 17
18 November 2025
November 2025 19
_Trend des Monats
Interview: Dr. Matthias Loskyll, Senior Director AI & Robotics bei Siemens Digital Industries
„Agentische KI ist keine
reine Zukunftsversion“
Wie Siemens mit dem Industrial Copilot die Nutzung von generativer KI in der
Industrie vorantreibt und warum Agentic AI die nächste große Innovationswelle
einläutet, erläutert Dr. Matthias Loskyll, Senior Director AI & Robotics bei
Siemens Digital Industries im Hintergrund-Gespräch.
Interview: Armin Barnitzke
Bild: Siemens
Industrielle KI-Agenten gehen über das übliche Frage-Antwort-Paradigma hinaus und schaffen Systeme, die selbstständig
und proaktiv komplette industrielle Workflows ausführen können – ohne menschliches Eingreifen.
AP: Welche Rolle spielt KI für Siemens?
Loskyll: KI ist für uns das alles dominierende Zukunftsthema.
Wir investieren daher massiv in die Forschung
und Entwicklung und bringen ständig neue
KI-basierte Produkte an den Markt. KI ist also kein
schmückendes Beiwerk, es ist der Kern unserer Strategie.
Dabei konzipieren wir die Kernarchitektur unserer
KI-Anwendungen bewusst branchenunabhängig.
AP: Geht es dabei nur um generative KI?
Loskyll: Nein, nicht nur. Schon seit vielen Jahren entwickeln
wir passgenaue KI-Lösungen, etwa zur Optimierung
der Qualitätssicherung oder zur Effizienzstei-
gerung von Produktionsprozessen. Vor dem jüngsten
Durchbruch der generativen KI lag unser Fokus etwa
auf analytischen Anwendungen. Diese ermöglichen
die Optimierung von Abläufen durch die intelligente
Auswertung von Echtzeitdaten. Beispielsweise kann
KI den Wartungsbedarf von Maschinen prognostizieren,
noch bevor ein Defekt auftritt. Auch im Bereich
Machine Vision bieten wir schon länger Lösungen an,
etwa unser KI-gesteuertes System für Sichtprüfungen
Inspekto lässt sich ohne Kenntnisse in Bildverarbeitungslösungen
einsetzen. Aber klar: Das Aufkommen
der generativen KI eröffnet der Industrie nun gänzlich
neue Perspektiven.
20 November 2025
_Trend des Monats
Bild: Siemens
Dr. Matthias Loskyll: „Wir bei Siemens machen industrialgrade
KI. Denn KI-Anwendungen im industriellen Umfeld
müssen besonders robust, sicher und zuverlässig funktionieren.“
AP: Sie waren mit dem Industrial Copilot sehr früh
aktiv beim Thema Generative KI und arbeiten dabei
eng mit Partnern wie Microsoft zusammen. Warum?
Loskyll: Weil wir damit unser Angebot schnellstmöglich
aufbauen und skalieren können. Für viele Anwendungen
sind die handelsüblichen Sprachmodelle absolut
ausreichend, wenn wir sie mit unserem industriespezifischen
Fachwissen anreichern. Die eigentliche
Wertschöpfung passiert nicht beim Training des
Sprachmodells, sondern in der industriellen Anwendung.
Es geht also darum, die Kraft der KI in der Industrie
nutzbar zu machen. Diesen Schritt bekommen
die Hyperscaler nicht ohne uns hin. Wir bei Siemens
machen industrie-taugliche KI. Denn KI-Anwendungen
im industriellen Umfeld müssen besonders robust,
sicher und zuverlässig funktionieren.
AP: Welche Funktionen bietet der Siemens Industrial
Copilot Ihren Kunden in der Industrie?
Loskyll: Wir möchten generative KI in der Industrie
einfach nutzbar machen. Der Siemens Industrial Copilot
adressiert daher jede Phase entlang der industriellen
Wertschöpfungskette: von Design, Planung und
Engineering über Realisierung und Betrieb bis hin zur
Optimierung. Im Engineering-Bereich zum Beispiel
beschleunigt der Industrial Copilot die Generierung,
Optimierung, Fehlerbehebung und Dokumentation
von SPS-Code. Indem Ingenieure SPS-Code einfach
durch Eingabe in natürlicher Sprache erstellen können,
reduzieren sie Zeitaufwand, Arbeitslast und Fehleranfälligkeit
erheblich. Auch Maschinenbediener
und Wartungstechniker werden mit generativer KI in
die Lage versetzt, effektiver mit Anlagen zu interagieren.
Dies ermöglicht eine schnelle und zuverlässige
Wartungshilfe bei Maschinenausfällen.
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November 2025 21
_Trend des Monats
Bild: Siemens
Im Engineering-Bereich beschleunigt der Industrial Copilot die Generierung,
Optimierung, Fehlerbehebung und Dokumentation von SPS-Code. Ingenieure
können SPS-Code einfach durch Eingabe in natürlicher Sprache erstellen.
AP: Können Sie Beispiele nennen, wie Industrie-
Kunden vom Industrial Copilot profitieren?
Loskyll: Der Sondermaschinen- und Anlagenbauer
thyssenkrupp Automation Engineering plant den Engineering
Copilot TIA großflächig einzusetzen, denn
der Assistent ermöglicht es den Automatisierungsingenieuren,
komplexe Projekte in deutlich kürzerer Zeit
umzusetzen. Er unterstützt die Ingenieure bei der Erstellung
von TIA Portal-Projekten. Er hilft ihnen,
SCL-Code (Structured Control Language) für speicherprogrammierbare
Steuerungen (SPS) schneller zu
entwickeln, bindet den Code intelligent in das TIA
Portal ein und erstellt eine Maschinenvisualisierung in
WinCC Unified.
AP: Und was ist Ihr nächster Schritt?
Loskyll: Ganz klar: die agentische KI. Das sind KI-
Systeme, die im industriellen Kontext über ein gewisses
Maß an Autonomie, Orchestrierung und Entscheidungsfähigkeit
verfügen. Mit solchen KI-Agenten bieten
wir zusätzlichen Mehrwert für unsere Kunden.
Wir werden zur SPS im November erste Funktionalitäten
auf Basis agentischer KI mit dem Engineering
Copilot TIA aufzeigen. Auch wenn das zunächst ein
erster Schritt ist, es zeigt: Die agentische KI ist keine
Zukunftsversion. Sie passiert im Hier und Heute.
„KI-Agenten arbeiten intelligent und autonom –
und verbessern die Leistung durch kontinuierliches
Lernen.“
Dr. Matthias Loskyll, Siemens
AP: Was können solche industriellen KI-Agenten
leisten?
Loskyll: Industrielle KI-Agenten gehen über das übliche
Frage-Antwort-Paradigma hinaus und schaffen
Systeme, die selbstständig und proaktiv gesamtheitliche
Prozesse ausführen können – ohne menschliches
Eingreifen. Diese Agenten können intelligent und autonom
arbeiten – sie verstehen die Absicht und verbessern
die Leistung durch kontinuierliches Lernen.
Unser Ziel ist ein umfassendes Multi-KI-Agenten-System,
bei dem die Agenten eng miteinander verbunden
sind und zusammenarbeiten. Was unseren Ansatz unterscheidet,
ist die Orchestrierung der Agenten unter
Verwendung eines umfassenden Ökosystems.
AP: Aber Industrieprozesse müssen doch verlässlich
und sicher sein. Kann man das bedenkenlos einem
KI-Agenten anvertrauen?
Loskyll: Entscheidend ist: Der Mensch behält stets die
Letztentscheidung und delegiert lediglich Zwischenschritte
an die KI. Nutzer behalten dabei die vollständige
Kontrolle und wählen aus, welche Aufgaben sie
an die KI-Agenten delegieren möchten.
AP: Zudem arbeitet Siemens an einem Industrial
Foundation Model. Was kann ich mir darunter vorstellen?
Loskyll: Bestehende GenAI-Technologien sind oft unzureichend,
wenn es um komplexe industrielle Datenmodalitäten
geht. Industrielle Aufgaben erfordern
tiefgreifende Fachkenntnisse, die komplexer sind als
typische KI-Aufgaben wie beispielsweise das Zusammenfassen
von Texten und die nicht mit großen
Sprachmodellen bewältigt werden können. Um KI industrietauglich
zu machen, entwickeln wir daher ein
Industrial Foundation Model, das die Sprache der Industrie
verstehen wird. Unsere Idee ist ein Industrial
Foundation Model, das nicht nur Text und Bilder,
sondern auch komplexe Industriedaten verstehen
wird. Dazu nutzen wir bei Siemens unseren enormen
Datenschatz.
AP: Wie soll es weitergehen mit dem Industrial
Foundation Model?
Loskyll: Seit dem 1. Juli 2025 hat Vasi Philomin die
neu geschaffene Position des Executive Vice President
und Leiters des Bereichs Data & Artificial Intelligence
bei Siemens übernommen. Er kommt von Amazon,
wo er als Vice President of Generative AI eine zentrale
Rolle bei der Entwicklung von Foundation Models
spielte. Bei uns treibt er nun die Erweiterung unseres
KI-Portfolios sowie die Entwicklung des Industrial
Foundation Model voran. Unter seiner Leitung arbeiten
unsere Expertenteams intensiv an der Umsetzung
dieses wegweisenden Projekts, das industrietaugliche
KI bereitstellt, die sicher, zuverlässig, vertrauenswürdig
und robust ist.
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22 November 2025
_Trend des Monats
Künstliche Intelligenz ist eine Schlüsseltechnologie – aber es gibt noch große Hürden
Warum heutige KI nicht die
Zukunft der Robotik ist
Trotz Milliardeninvestitionen ist heutige künstliche Intelligenz nicht für die Robotik
geeignet: zu groß, zu teuer und zu unzuverlässig. Die Zukunft der Robotik wird
nicht durch Rechenleistung entschieden, sondern durch Einsicht, Ingenieurskunst
und Geduld. Das ist auch eine Chance für Europa.
Autor: Dominik Bösl
Ohne industrielle Robotik hätte die Konsumgesellschaft
der Nachkriegszeit nicht existieren
können. Und ohne sie werden wir die Herausforderungen
des demografischen Wandels und der
Arbeitskräfteknappheit nicht meistern können. Doch
diese Roboter sind Gefangene eines engen, kontrollierten
Paradigmas: feste Bahnen, vordefinierte Abläufe,
perfekte Bedingungen.
Wenn Robotik das Korsett der Werkshalle abstreifen
und unsere Alltagswelt durchdringen soll, dann muss
sie sich weiterentwickeln – idealerweise in vier Roboter-Revolutionen:
zuerst Effizienz, dann Sicherheit
und Flexibilität, danach Mobilität und schließlich
Intelligenz und Wahrnehmung.
In dieser vierten Epoche wird Künstliche Intelligenz
(KI) zur Schlüsseltechnologie. Roboter sollen nicht
mehr nur fest programmierte Bewegungsmuster abrufen,
sondern situativ reagieren – sie sollen Objekte erkennen,
den Kontext verstehen, auf Veränderungen
reagieren. Einige Technologien haben sich bereits im
„Die Hoffnung, dass extrem große neuronale Netze den Durchbruch zur „echten“
Intelligenz bringen, erweist sich zunehmend als Illusion“, sagt Dominik Bösl.
Bild: Bösl
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November 2025 23
_Trend des Monats
Einige KI-Technologien haben sich im Industriealltag bereits bewährt, etwa autonome Navigation von mobilen Robotern
oder KI-Vision-basierte Robotik.
Bild: ABB
harten Industriealltag als verlässlich erwiesen: autonome
Navigation von mobilen Transportsystemen,
Computer Vision in der Qualitätskontrolle, kombinierte
Systeme aus KI und klassischer Robotik, die in
realen Umgebungen erste Entscheidungen treffen.
Energiedichte bremst
Doch diese verheißungsvolle Vision der KI-basierten
Robotik kollidiert mit realen Hürden – nicht nur algorithmischer,
sondern mechanischer und systemischer
Natur. Die Energiedichte etwa ist eine starke Bremse:
Roboter streben nach Bewegungsfreiheit, doch Batterien
(auch optimiert) laufen heute nur wenige Stunden
oder bringen riesige Gewichtsbelastung mit sich – das
Beispiel des Roboterhundes „Spot“ (maximal 90 Minuten
Laufzeit) ist symptomatisch.
Ein robuster humanoider Roboter, der autonom
durch eine Wohnung wandert oder als Gepäckträger
Keynoter für Expertenforum
Dominik Bösl ist ein deutscher Informatiker und Experte im Bereich
Robotik, Künstliche Intelligenz und Technologie-Governance.
Nach seinen beruflichen Stationen bei Siemens, Microsoft, Kuka,
Festo und Micropsi ist er heute Professor für Digital Sciences,
Automation and Leadership an der Hochschule der Bayerischen
Wirtschaft HDBW und Adjunct Professor an der TU München.
Zudem ist er ein gefragter Sprecher und Autor rund um Zukunftstechnologien.
Als Keynoter eröffnet er das Expertenforum
„Intelligente Robotik“ am 4. Dezember 2025 bei Fanuc. ↓
https://automationspraxis.industrie.de/expertenforum-intelligente-robotik/
dient, müsste – technisch gesehen – Energie speichern,
die derzeit nicht in praktikabler Masse verfügbar ist.
Darüber hinaus stehen Forschung und Entwicklung in
Leichtbauwerkstoffen, langlebigen Aktuatoren, hochempfindlichen
Sensoren und miniaturisierter Elektronik
– trotz ihrer Fortschritte – in etlichen Bereichen
erst am Anfang.
Zuverlässigkeit fehlt
Ein zentraler Widerspruch zeigt sich zudem in der Frage
der Zuverlässigkeit. Industrielle Automatisierungssysteme
arbeiten mit einer Präzision, die an Perfektion
grenzt: Fehlerraten im Bereich von Millionstel-Ereignissen
sind Standard, Prozesse laufen über Jahre nahezu
ohne Störung. Künstliche Intelligenz hingegen ist
probabilistisch – sie operiert auf der Basis von Wahrscheinlichkeiten,
nicht Gewissheiten.
Ein neuronales Netz dagegen kann seine Entscheidungen
weder vollständig erklären noch garantieren. Was
im Textmodus tolerierbar ist – eine halluzinierte Antwort,
ein fehlerhafter Kontext – wird im physischen
Raum zur Gefahr. Damit prallen zwei Philosophien
aufeinander: deterministische Kontrolle gegen statistische
Intuition. Zwischen „vielleicht richtig“ und
„zweifellos sicher“ liegen Welten – und in dieser Lücke
entscheidet sich die Zukunft der Robotik.
Problem Halluzinationen
Die Hoffnung, dass extrem große neuronale Netze
den Durchbruch zur „echten“ Intelligenz bringen, erweist
sich zunehmend als Illusion. Selbst OpenAI, der
Konzern hinter ChatGPT, räumte Anfang September
ein, dass sogenannte Halluzinationen – also erfundene
24 November 2025
_Trend des Monats
oder falsche Ergebnisse einer KI – kein vorübergehender
Programmierfehler, sondern ein strukturelles
Merkmal sind.
Yann LeCun, Turing-Preisträger und leitender KI-Forscher
bei Meta, nennt Large Language Models deshalb
„blinde Nachahmer“, die Sprache imitieren, aber
keine Weltmodelle verstehen. Das Wettrennen um
mehr Parameter, mehr Daten und mehr Rechenleistung
stößt an seine physikalischen, ökonomischen
und ökologischen Grenzen. Der Pfad des „immer größer,
immer teurer“ führt nicht zur nächsten Stufe
künstlicher Vernunft, sondern in eine Sackgasse aus
Energiehunger und abnehmendem Erkenntnisgewinn.
Echte Intelligenz noch weit weg
Die großen Konzerne – Microsoft, Nvidia, OpenAI –
stecken genau in diesem Dilemma: Sie investieren gewaltige
Summen, ohne dass ihre LLMs ohne Weiteres
in physische Agenten übergehen könnten. Diese Technologien
sind also für die Robotik in ihrer heutigen
Form ungeeignet. Die Frage ist: Bleiben sie im Treibsand
der reinen Rechenoptimierung gefangen oder gelingt
der Sprung zu neuartigen Architekturen, die Sensorik,
symbolische Logik, physikalische Modelle und
probabilistische KI hybrid integrieren?
Kurzum: Künstliche Intelligenz ist sicher eine wichtige
Schlüsseltechnologie für die Robotik – aber nicht in
ihrer heutigen Form. Wir sind noch meilenweit von
echter künstlicher Intelligenz entfernt. Die derzeitigen
Modelle sind energieintensiv, teuer, ineffizient und oft
kaum für physische Agenten geeignet. Europa, insbesondere
Deutschland, hat hier eine strategische Chance:
Statt im blinden KI-Wettlauf mit den Tech-Giganten
zu konkurrieren, sollten wir an Hybridarchitekturen,
energieeffizienten und lokal ausführbaren Modellen,
kombinierter Symbolik und KI, an mechanischer
Innovation, intelligenter Sensorik und Systeminte -
gration forschen.
Vielleicht wird der wahre Umbruch nicht sichtbar geschehen,
sondern leise: in Fabrikhallen, Pflegeheimen,
Küchen, Feldern. Roboter, die lernen, ohne zu wissen,
und handeln, ohne zu fühlen, werden dennoch Teil
unseres Alltags. Die Revolution wird nicht durch einen
humanoiden Durchbruch kommen, sondern
durch unzählige unscheinbare Verbesserungen: eine
Evolution, kein Ereignis.
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„Die derzeitigen KI-Modelle sind
energieintensiv, teuer, ineffizient
und oft kaum für physische
Agenten geeignet.“
Dominik Bösl
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November 2025 25
_Robotik
Hightech-Prüfung von großen CFK-Bauteilen für die Luftfahrt
Präzise Roboter für die
Ultraschallprüfung
In ihren Ultraschall-Prüfanlagen für CFK-Bauteile in der Luft- und Raumfahrt
setzt die britische Ultrasonic Sciences Sechsachsroboter von Stäubli ein.
Aufgrund ihrer Präzision und Bahntreue sind diese Roboter bei der millimeter -
genauen Prüfung der Sicherheitsbauteile erste Wahl.
Die Bewegungsabläufe der Roboter in einer Anlage
von Ultrasonic Sciences Ltd (USL) sind faszinierend:
Zwei Stäubli Sechsachsroboter des Typs
TX200L he bewegen sich so, dass sich die beiden Wasserstrahlen,
die sie über ihre Werkzeuge abgeben, genau
in der Mitte treffen und eine Fontäne in Form eines
Regenschirms bilden – und das konstant, während sie
komplexe, perfekt synchrone Bewegungen ausführen.
Diese hochpräzisen und komplexen Bewegungsabläufe
sind notwendig, um mit einem Ultraschallverfahren
Kohlefaserverbundbauteile (CFK) zu prüfen. Diese
Prüfungen werden an faserverstärkten Rumpf-, Struktur-
und anderen Flächenbauteilen von Flugzeugen
durchgeführt, um Delaminationen zu entdecken.
Hohes Maß an Genauigkeit
Bild: Stäubli
Erste Wahl für den Einsatz in Ultraschallprüfanlagen für Flugzeugbauteile: die
beiden perfekt synchronisierten Stäubli Roboter.
Zum Einsatz kommt dabei ein Ultraschallsignal sowie
Wasser als Trägermedium bzw. als Kopplungsmittel.
Bei kleineren Teilen nutzt USL ein Tauchbecken und
bei großen Teilen einen beweglichen Wasserstrahl, der
auf beiden Seiten gleichzeitig und im gleichen Winkel
in Kontakt mit der Bauteiloberfläche kommen muss.
Dabei müssen zwei Roboter auf einer siebten Achse
die gleichen (bzw. die entsprechenden gegenläufigen)
Bewegungen ausführen und dabei sicherstellen, dass
sie die Oberfläche auf beiden Seiten millimetergenau
im gleichen Winkel treffen. Das erfordert eine Steuerung
und Koordination mit höchster Präzision, genau
dafür sind Stäubli Roboter bekannt.
Niko Bayer, Leiter Technischer Vertrieb bei USL: „Der
Prüfweg wird entweder manuell programmiert oder
als CAD-Datei importiert. Die Anlage folgt dann diesem
Prüfplan mit der eingestellten Schrittweite und
Prüfgeschwindigkeit.“ Die Prüfdauer ist abhängig von
der Größe und Komplexität des Teils. Die maximale
Linear-Geschwindigkeit beträgt mehr als 2.000 mm/s.
Erreicht wird sie durch die Kombination der Ge-
26 November 2025
_Robotik
schwindigkeit von Linear- und Roboterachsen – und es
ist selbstverständlich, dass dabei ein hohes Maß an Genauigkeit
erreicht werden muss. „Die typische Scan-
Auflösung beträgt 1 x 1 mm“, berichtet Niko Bayer.
„Die Positioniergenauigkeit der Roboter sollte somit
über den gesamten Scan-Bereich noch besser sein. Und
während des gesamten Prüfvorgangs müssen Parallelität
und Rechtwinkligkeit beibehalten werden.“
Erst kürzlich hat USL zwei dieser Prüfanlagen mit jeweils
zwei Robotern ausgeliefert – eine für ein türkisches
Luft- und Raumfahrtunternehmen, die andere
für einen malaysischen Hersteller von Verbundwerkstoffstrukturen.
In beiden Anlagen kommen Stäubli
Sechsachsroboter des Typs TX200L he zum Einsatz.
Der TX200 L ist Stäublis größter Sechsachsroboter.
Das „L“ steht für „long reach“: Diese Roboter sind mit
einem längeren Arm mit einer Reichweite von 2.609 mm
ausgestattet, damit sie auch große Rumpfteile prüfen
können. Das „he“ bedeutet, dass diese Roboter für die
Arbeit in feuchter Umgebung konstruiert sind, denn es
lässt sich nicht vermeiden, dass den Roboter ein Wasserstrahl
trifft. Ansonsten verwendet USL Stäubli Roboter
„von der Stange“, ohne sie zu modifizieren: Ihre Genauigkeit
passt zu den Anforderungen, sie sind nahezu
wasserdicht und USL behält die OEM-Garantie.
Warum setzt USL genau diese Roboter ein? Niko Bayer:
„Die TX200L he verwenden wir wegen ihrer Reichweite
und die Stäubli Roboter wegen ihrer hohen Präzision
und der Steifigkeit der Achsen.“ Eben das ist das
entscheidende Kriterium: Parallelität und Rechtwinkligkeit
der beiden steuerungstechnisch gekoppelten
Roboter bzw. der Wasserstrahlen sind zwingend erforderlich
für die erfolgreiche Durchführung dieser Tests.
Während der Prüfung der Verbundbauteile mit den
gepaarten Robotern müssen viele Achsen und Prozesse
koordiniert werden. Das erfordert eine intensive Zusammenarbeit
zwischen den Stäubli Robotersteuerungen
und dem verwendeten „Master“-Mehrachs-Controller
Omron CK3E PMAC.
Niko Bayer: „Wir verwenden die Stäubli Robotersteuerung
für die Verstärker und für die Anbindung
der Roboter. Der übergeordnete Mehrachs-Controller
kann bis zu 32 Achsen gleichzeitig steuern: pro Seite
sechs Roboterachsen, eine siebte lineare Achse und
eine achte für die dynamischen motorisierten Endeffektoren.
Hinzu kommt die Pumpensteuerung – das
sind 18 gesteuerte Achsen pro Prüfanlage. Die Positionsdaten
werden an den PC zurückgespielt, wo sie
mit den Ultraschalldaten synchronisiert werden.“ ↓
Stäubli Tec-Systems GmbH Robotics
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Dank ihrer Präzision und ihrer nahezu wasserdichten Struktur eignen sich die
Stäubli Sechsachser perfekt für die anspruchsvollen Prüfaufgaben.
Bild: Stäubli
November 2025 27
_Robotik
Robuste, schnelle und hygienische Kleinroboter beim Kochen
Automatisch lecker: Kleine
Roboter, schnelle Küche
In der Roboterküche des Start-ups Goodbytz wirbeln Kleinroboter von Fanuc. Warum
die Hamburger auf die gelben Roboter setzen, zeigt ein Blick hinter die Kulissen.
In den Roboterküchen
von
Goodbytz
schwingen leichte,
kompakte LR
Mate Industrieroboter
von
Fanuc die Töpfe
und sorgen für
frisches Essen
auf Bestellung.
Bild: Goodbytz
Hinter Goodbytz steht ein Gründerteam um Hendrik
Susemihl, Ingenieur, Robotikexperte und
Food-Tech-Pionier. Nachdem er 16 Jahre in der
Robotik aktiv war (unter anderem als Forscher beim
Fraunhofer IFAM sowie als Mitgründer und CTO von
Neura Robotics), begann sein Schritt in die Gastronomie
mit einer persönlichen Erfahrung: „Während der Pandemie
habe ich meine Ernährung radikal umgestellt“, erzählt
Hendrik Susemihl. „Es war eine Mischung aus eigener
Überzeugung und familiären Gründen.“
Um gesundes und frisches Essen vielen Menschen verfügbar
zu machen, entwickelte er mit Goodbytz eine robotergestützte
Küche, die qualitativ hochwertige Mahlzeiten
auf Bestellung via App oder Terminal zubereitet.
„Wir haben uns in Kantinen und Gastroküchen gestellt,
mit Köchinnen und Gastronomen gesprochen, einfach
zugehört und gelernt. Und wir haben schnell gemerkt:
Diese Branche braucht eine Veränderung – und ist bereit
dafür.“ Nur drei Monate nach dem Start stand der erste
funktionierende Prototyp: eine robotische Kochstation,
die aus frischen Zutaten komplette Gerichte zubereitet.
Komplexe Küchenprozesse
Bei ersten Demonstratoren setzten die Gründer auf Cobots,
wie sie in der Industrieautomation üblich sind
(Universal Robots). Doch schnell zeigte sich: Kochen ist
eine ganz eigene Herausforderung. In der Gastronomie
gibt es keine monotone Wiederholung einzelner Prozesse,
sondern eine Vielzahl paralleler Abläufe, wechselnde
Rezepturen und unvorhersehbare Bestellungen, die oft
gleichzeitig eingehen. „Ein Roboter, der eine Suppe um-
28 November 2025
_Robotik
rührt, muss wenige Sekunden später einen
heißen Topf umplatzieren, danach zügig eine
Sauce dosieren und dann mit sensiblen
Zutaten wie gegartem Gemüse umgehen,
ohne zu kleckern“, erklärt Hendrik Susemihl.
Hinzu kommen weitere Anforderungen wie
Lebensmittelhygiene, hohe Hitze- und
Dampfeinwirkung, enge Platzverhältnisse
und kurze Verfügbarkeitszeiten. Denn der
gastronomische Umsatz konzentriert sich
oft auf Stoßzeiten, beispielsweise die Mittagszeit.
In dieser Phase muss das System
hundertprozentig zuverlässig funktionieren.
Leicht, präzise, hygienisch
Daher fiel Hendrik Susemihls Wahl auf einen
leichten, kompakten Industrieroboter
von Fanuc. Der LR Mate bietet die optimale
Kombination aus industrieller Leistungsfähigkeit,
hoher Beschleunigung und geringem
Gewicht. Zudem erfüllt er die Anforderungen
der Lebensmittelverarbeitung
durch entsprechende Dichtungen, lebensmitteltaugliche
Materialien und eine hohe
Schutzart gegen Hitze, Feuchtigkeit und
Reinigungsvorgänge.
„Im Vergleich zu anderen Lösungen in ähnlicher
Leistungsklasse ist der Fanuc LR Mate
deutlich leichter und damit für unsere
modulare Systemarchitektur besser geeignet“,
so Hendrik Susemihl. „Wir können
ihn schnell montieren, leicht integrieren –
und er läuft einfach zuverlässig.“ Dass es
sich um ein in großen Stückzahlen produziertes
Serienmodell handelt, war ein zusätzlicher
Vorteil, denn für ein wachstumsorientiertes
Unternehmen wie Goodbytz ist
eine stabile Lieferkette ebenso entscheidend
wie technische Qualität.
Die Roboter werden über eine eigene Steuerungslogik
angesteuert, die es erlaubt, selbst
bei gleichzeitig eingehenden Bestellungen
eine intelligente Ablaufplanung vorzunehmen.
„Unsere Software entscheidet bei jeder
Bestellung von Neuem, wie die Abläufe
optimal kombiniert werden, und die Roboter
müssen flexibel, aber auch reproduzierbar
exakt agieren. Da liefert Fanuc genau
das, was wir brauchen – gerade mit der Expertise
in der Steuerungstechnik.“
Im Mietmodell betrieben
Heute hat Goodbytz über 120 Mitarbeitende
und beliefert Caterer, Kliniken und Gastronomieketten
in der gesamten DACH-Region.
Die Roboterküchen werden aber
nicht verkauft, sondern im Mietmodell betrieben
– inklusive Monitoring, Softwareupdates
und laufender Betreuung. So behält
Goodbytz die Kontrolle über Verfügbarkeit
und Qualität und kann kontinuierlich aus
dem realen Betrieb lernen. „Wir wollten
von Anfang an ein System entwickeln, das
sich nicht wie ein typisches Projektgeschäft
verhält, sondern wie ein Serienprodukt: reproduzierbar,
wartbar und skalierbar“, sagt
CEO Hendrik Susemihl.
Die größte Herausforderung dabei: Viele
Prozesse in der Gastronomie sind kaum
standardisiert und hängen von individueller
Erfahrung ab. Genau hier setzt Goodbytz
an: Ein eigenes Customer-Success-Team sowie
ein digitales Monitoring in Echtzeit helfen
den Betreibern dabei, Fehler früh zu erkennen
und zu vermeiden. Langfristig sollen
KI-gestützte Auswertungen dafür sorgen,
dass Bedienfehler automatisiert korrigiert
werden oder gar nicht erst auftreten.
Dass dieses ambitionierte Küchenrobotik-
Geschäftsmodell funktioniert, liegt auch an
den richtigen Partnern, so Hendrik Susemihl:
„Fanuc liefert uns nicht nur die passende
Hardware, sondern überzeugt auch
durch die Tiefe der Steuerung, die industrielle
Robustheit und die enge Zusammenarbeit.
Das ist einer der Schlüssel dafür, dass
unsere Systeme im Alltag funktionieren und
skalierbar bleiben.“
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Hendrik Susemihl: „Fanuc liefert uns
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November 2025 29
_Robotik
Schnittstelle SRCI bietet Bibliothek von Funktionsbausteinen für verschiedene Roboterfunktionen an
Roboter ganz einfach in der
SPS programmieren
Fachpersonal für die Roboterprogrammierung ist schwer zu finden. Der Anlagenbauer
Robert Bürkle setzt daher auf die Schnittstelle SRCI, die eine einfache
Programmierung der Yaskawa-Roboter direkt in der SPS erlaubt.
Der Maschinenbauer Robert Bürkle stellt vor allem
Pressen und Beschichtungsanlagen für Fußböden,
Türen und Holzwerkstoffplatten her, aber
auch Walz-, Gieß- und Spritzlackieranlagen. Gerade in
der Holzverarbeitung hat es der Anlagenbauer aus Freudenstadt
häufig mit großen und schweren Werkstücken
zu tun. „Bei diesen Anforderungen war es unvermeidlich,
Roboter in neue Anlagenkonzepte einzubeziehen“,
erinnert sich SPS-Programmierer Marian Michels. Da
geschulte Fachkräfte für die Programmierung von Robotern
rar sind, entschied sich Bürkle, die in den Anlagen
installierten Yaskawa-Roboter selbst zu programmieren
– dank der neuen Schnittstelle SRCI.
Robert Bürkle ist einer der Pilotbetriebe, die die von
Siemens initiierte SRCI-Schnittstelle Standard Robot
Control Interface verwenden. Die Roboterprogrammierung
kann dank SRCI direkt in der SPS stattfinden – es
braucht keine spezifischen Kenntnisse über die Systeme
der jeweiligen Roboterhersteller mehr. Die Schnittstelle
bietet eine Bibliothek von SPS-Funktionsbausteinen für
verschiedene Roboterfunktionen an. „Yaskawa hat die
Entwicklung von Anfang maßgeblich vorangetrieben“,
betont Bertus de Groot, Anwendungsingenieur bei der
Robotics Division von Yaskawa Europe. Entsprechend
profitiert Robert Bürkle in seinen Entwicklungen vom
Pioniergeist seines Roboterlieferanten.
Digitale Zwillinge zur Optimierung
Der Anlagenbauer optimiert seine Maschinen anhand
eines digitalen Zwillings. Das virtuelle Abbild erlaubt
den Konstrukteuren, die vorhandenen Ressourcen in
der Programmierung besser zu nutzen und viel Zeit zu
sparen. Die in der Anlage verarbeiteten Platten sind drei
Meter lang und einen Meter breit, jeder Testversuch mit
echtem Material auf der Anlage würde einen großen
In der Holzbearbeitung
setzt
Robert Bürkle
Yaskawa-Roboter
ein, die die
schweren Platten
bewegen.
Bild: Robert Bürkle GmbH
30 November 2025
_Robotik
Aufwand bedeuten. „Außerdem laufen
dank des digitalen Zwillings Konstruktion
und Finetuning effizienter“, weiß Marian
Michels.
Der erste Härtetest für den digitalen Zwilling
war dann die virtuelle Inbetriebnahme
der jüngsten Anlage. Dazu musste der Yaskawa-Roboter
in das SPS-Programm integriert
werden, inklusive Tests der richtigen
Funktionsweise und der Arbeitsbereiche.
Robert Bürkle verwendet in der Anlage den
Handling-Roboter Motoman GP225 mit
einer Traglast von bis zu 225 Kilogramm
und einem maximalen Arbeitsbereich von
2.702 mm.
„SRCI war dabei ein unschätzbarer Vorteil“,
erinnert sich Marian Michels. Der
SPS-Programmierer konnte in seiner gewohnten
Umgebung arbeiten und die Inbetriebnahme
schnell abschließen. Trotz Herstellerunabhängigkeit
der Schnittstelle bleiben
in der Anlage nun die Yaskawa-Bewegungssteuerung
und die Bahngenauigkeit
erhalten.
Auch für kleine Unternehmen
Aktuell unterstützt Yaskawa SRCI in der
Multiachs-Steuerung Motoman YRC1000
und in der kompakten YRC1000micro für
Roboter bis 12 kg. Gerade kleine Unternehmen
profitieren von der Schnittstelle.
„SRCI ist die passende Lösung für kleinere
Kunden, die nicht alles selbst programmieren
möchten“, so Bertus de Groot.
Denn für KMU wie Robert Bürkle gehört
die Inbetriebnahme von Robotern nicht
zum Alltag. „Die Schnittstelle ist aufgrund
ihrer Einfachheit der beste und schnellste
Weg, bei dieser Firmengröße Roboter einzusetzen“,
erklärt Programmierer Marian
Michels. Inzwischen hat Marian Michels
schon einige seiner Kollegen von SRCI
überzeugt. Als Hauptverantwortlicher für
die Robotik gibt er Schulungen und erklärt
die Arbeit mit der Schnittstelle im eigenen
Haus.
Die Rückmeldung von den Kollegen ist positiv:
„Die Einlernzeit ist sehr überschaubar.“
Die Programmierung mit SRCI fällt
bei Robert Bürkle so leicht, dass nach den
ersten Schritten mit zwei Robotern nun bereits
fünf Roboter in der Halle stehen.
„Wir können mittlerweile guten Gewissens
auch schwierigere Roboteranwendungen
anbieten“, weiß der Programmierer.
Marian Michels und Bertus de Groot sind
davon überzeugt, dass die Bedeutung von
SRCI in der Industrie in den kommenden
Jahren noch einmal deutlich steigen wird.
Dennoch heißt das nicht, dass bestehende
Programmiermöglichkeiten abgelöst werden.
Bereits seit 2015 bietet Yaskawa beispielsweise
mit der eigenen Lösung Motologix
eine Softwareschnittstelle zum Teachen
und Programmieren von Robotern
unter der Verwendung von SPS-Funktionsbausteinen
an. Motologix findet vor allem
Anwendung bei größeren Maschinenbauern,
die mehr Zeit und Know-how für die
Roboterprogrammierung vorhalten können.
Auch Robert Bürkle hat bereits mehrere
Projekte mit Motologix umgesetzt. ↓
Yaskawa Europe GmbH
www.yaskawa.de
Modular
automatisieren.
Flexibel
skalieren.
Bild: Robert Bürkle GmbH
Die Schnittstelle SRCI ermöglicht die Roboter-Programmierung direkt aus der SPS.
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vention.com
November 2025 31
_Robotik
Werkzeugwechsler macht Nasszelle flexibel
Teilereinigung mit Roboter
neu gedacht
In einer innovativen Reinigungszelle von Silberhorn führt der Roboter nicht das Bauteil
den Reinigungswerkzeugen zu, sondern greift die Werkzeuge, um die Bauteile
zu säubern. Möglich macht das ein wasserfester Werkzeugwechsler von Stäubli.
Der Stäubli
Werkzeugwechsler
am
Roboterarm arbeitet
durchgehend
in der
Nasszelle, weshalb
besonders
hohe Anforderungen
an alle
verbauten Komponenten
gestellt
wurden.
Bild: Stefan Woidig
Nach dem Zerspanen müssen Bauteile gründlich
gereinigt werden. Die ZBG Zerspanungsbetriebe
Bruck (ZBG) suchte dafür eine Lösung, die
hohe Sauberkeit mit großer Flexibilität verbindet. „Der
Kunde wollte eine Anlage, in der er Teile aus Stahl und
Alu gut reinigen kann – was relativ unüblich und technisch
anspruchsvoll ist“, berichtet Stefan Pollinger,
Konstrukteur beim Teilereinigungsspezialisten Silberhorn
Maschinenbau. On top erwartete der Kunde eine
hohe Flexibilität: „Die Anlage sollte so ausgelegt werden,
dass viele unterschiedliche Bauteile gereinigt werden
können – ohne große Umbauten.“
Angesichts der Anforderungen war Stefan Pollinger
schnell klar, dass man eine ganz individuelle Anlage
entwickeln muss. „Dass sich bei der gewünschten Flexibilität
eine Roboterzelle am besten eignet, lag auf der
Hand.“ Weil der Kunde wenig Platz in seiner Halle hat,
konzipierte Silberhorn eine Roboterzelle, die das Reinigungskonzept
radikal vereinfacht. Stefan Pollinger:
„Wir haben dem Kunden vorgeschlagen, das Bauteil
auf einen Warenträger zu setzen und am Roboter vorbeizuführen.
Der Roboter sollte also nicht das Bauteil
greifen und einem fest verbauten Reinigungstool zuführen,
sondern mit dem Werkzeug das Bauteil reinigen.“
Roboter greift Reinigungswerkzeug
Silberhorn-Vertriebsleiter Dieter Abler ergänzt: „Das
Grundkonzept haben wir schon mehrfach realisiert.
Und es passte perfekt zu den Anforderungen des Kunden:
Wir benötigen nicht nur weniger Platz, sondern
sparen auch Kosten. Greift der Roboter das Bauteil, so
muss man für jedes neue Teil einen neuen Greifer konzipieren.
Das entfällt, denn in unserem Konzept greift
der Roboter das Reinigungswerkzeug. Kommt ein neues
Bauteil hinzu, müssen wir nur den Warenträger anpassen.
Das ist wesentlich günstiger.“
Kern der Lösung ist die Kombination aus Kuka-Industrierobotern
und einem Werkzeugwechselsystem von
Stäubli, das erstmals für den Einsatz in einer Nasszelle
angepasst wurde. „Wir benötigten für die Roboter einen
Werkzeugwechsler inklusive eines sogenannten
Wasserübergangsmoduls, das in einer Nasszelle zuverlässig
funktioniert“, erklärt der Konstrukteur Stefan
Pollinger.
Bei Stäubli fand er eine Lösung. „Ein Standardprodukt
gab es zwar in dieser Form nicht – aber die Grundversion
kombiniert mit dem technischen Know-how der
Stäubli-Ansprechpartner brachte uns ans Ziel.“ Größte
32 November 2025
Nachhaltigkeit
Neue ESG-Regelungen:
Einkauf unter Zugzwang
» Seite 26
Award-Gewinner
Rehau-Einkauf nutzt Gen AI
in neuer Dimension
» Seite 20
Innenausbau / Möbel / Bauelemente
Energie
Gute Vorsätze: Einkaufs strategien
bei volatilen Märkten
» Seite 52
Ausgabe 1-2 | 2025
Professionell. Innovativ. Einkauf.
Logistik
Datensicherheit
Schutz vor Cyberattacken
im vernetzten Auto
Kampfadler
Afrikas unterschätzte
Top-Prädatoren
Unheils-0men
Mondfinsternis-Astrologie
im alten Babylon
Die Biologie von Tumorzellen, gezielte Immuntherapien
und die Rolle des Darmmikrobioms
deutsche bauzeitung
Zeitschrift für Architektur
und Bauingenieurwesen
Vereinigung
freischaffender
ArchitektInnen
Deutschland
www.beschaffung-aktuell.de
Interview
Martin Müller-Raidt, Direktor
Beschaffung, KfW,
Vorstandsvorsitzender
des BME
» Seite 16
D € 8,20 | A € 8,20 | CH CHF 14,50 übrige Euroländer € 8,90 | E 2164 E
Schwerpunkt:
Exoplaneten
Ediacara
Wie die ersten Tiere der Erde
Gibt es Leben
ihre Umwelt beeinflussten
auf K2-18b?
08 | 2025
Das Magazin für eine Welt im Wandel
Arterhalt
Klonen als Überlebenschance
für Schwarzfußiltisse
Nebelfänger
Auf den Kanaren sollen Bäume
das Wasser aus der Luft holen
08 | 2025 Bild der Wissenschaft 1
NACHHALTIG
8 | 2025
D 6,30 €
AT/LUX/IT 7,30 €
CH 11,60 SFR
B 7114
Foodsharing bewahrt
noch gut essbare
Lebensmittel davor,
in der Mülltonne
zu landen
Schildkröten erobern die Strände, invasive Arten nehmen zu,
und Einheimische sind für mehr Meeresschutz
80 JAHRE HIROSHIMA:
Der Tag, an dem
BAUEN IM BESTAND
Wohnraum schaffen
PRODUKTE AUS DER PRAXIS
Revitalisierung einer Fassade
TECHNIK AKTUELL
Klimaresiliente Städte
05/25
meinungsstark | fundiert | multimedial 06 | Juni 2025
Ligna 2025 – ab Seite 14
Smarte Konzepte,
starke Impulse
Vernetzte Werkstatt – ab Seite 26
So produzieren Kollegen
BM-Serie Digitalisierung – ab Seite 90
Chefsache: Datenhandling
Sanierung
Standöl- und Kalkfarben
für das „Haus Cleff“
Technik
Heli-Lackierung
im Grenzbereich
Design
Tribut an
die Vespa
GESUNDHEITS-
BAUTEN
SCHWER-
PUNKT
Megathema
Mitarbeiter
Messen und Prüfen Schule München
Rissüberwachung, Retrospektive Farb- und
Feuchtigkeitsprüfung Lacktechnikerausbildung
Juli 2025
www.lackiererblatt.de
die Atombombe fiel
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ALEXANDER SELKIRK:
Das Schicksal des
08
wahren Robinson Crusoe
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www.dds-online.de
57. Jahrgang 8-2025
8,20 € (D/A) 14,50 CHF 8,90 € (L) E 11108 E
SKANDAL-KAISER ELAGABAL:
Verhasst und als
wahnsinnig verschrien
Juli/August 2025
.NAchhAltigkeit
Möbelaufarbeitung
Potenzial von Nachkriegsbauten
.MAteriAlieN
Vielfalt der Oberflächen
Karl Johan Bertilsson im Gespräch
.Architekturpsychologie
Wodurch wirken Räume?
DAS MAGAZIN FÜR MÖBEL UND AUSBAU
EINBLICK
Kreativer Ladenbau:
Von Wow- Effekten und
dem Mut zum Machen
SEITENBLICK
Gitarrenbau: Zwischen
Tradition, Technologie
und Tropenholz
Kolumbarium in Lübeck
ÜBERBLICK
Bundeswettbewerb
Gute Form: Alle Länder,
alle Gesellenstücke 1
_Robotik
WISSENSCHAFT.DE
NAPOLEON
Krebs
im Fokus
Hotspot Napoleon
Mittelmeer Befreier oder Despot
+++ Wissensmagazine +++
06.2025
spurensuche
Bild: Stefan Woidig
Der Roboter reinigt das an ihm vorbeifahrende Teil. Dieses Prinzip
macht die Anlage hochflexibel: Es können unterschiedliche Teile
gereinigt werden mit verschiedenen Werkzeugen.
+++ Planen, Bauen, Gestalten +++
/
/
Interzum 2025 – ab Seite 104
/ Zuliefer-Treffpunkt Köln DÄMMUNG
06/2025 Malerblatt 1
SPEZIAL
E 6154 E
STAND DER TECHNIK
Messehighlights zur Ligna und Interzum
+++ Einrichten, Design +++
05| 2025
Herausforderung: Werkzeugwechsler arbeiten üblicherweise
pneumatisch und werden nicht im Nassbereich
eingesetzt – dieser Umstand erforderte zusätzliche Aufmerksamkeit.
So musste Stäubli speziell für die Nasszelle
andere Werkstoffe verwenden und mit anderen
Beschichtungen arbeiten.
Zwei Werkzeuge reinigen
Theoretisch kann die Zelle mit bis zu fünf wechselbaren
Reinigungswerkzeugen arbeiten; in der Anlage bei
ZBG sind aktuell zwei aktiv im Einsatz. Ein Roboter
reinigt flächige Bereiche, der zweite übernimmt ergänzende
Winkel und Hohlräume. Entscheidend ist, dass
die Roboter das jeweilige Werkzeug über das Wechselsystem
aufnehmen und wieder ablegen – inklusive
sicherer Wasserübergabe an das Werkzeug.
Technisch anspruchsvoll war die Erkennung, ob und
welches Werkzeug aufgenommen wurde. Da in der
Nasszelle keine elektronische Sensorik eingesetzt wird,
lösten die Ingenieure das Problem mit einer Druckleitung:
„Ist kein Druck vorhanden, meldet ein pneumatisches
Modul ‚kein Werkzeug‘; über Druckdifferenzen
lässt sich sogar erkennen, welches Werkzeug gerade aktiv
ist“, so Pollinger. Zudem mussten Werkstoffe und
Beschichtungen so gewählt werden, dass der Wechsler
korrosions- und feuchtigkeitsresistent arbeitet.
Für ZBG bringt die neue Anordnung konkrete Vorteile:
Die Zelle benötigt weniger Stellfläche, reduziert Rüstzeiten
und senkt die Kosten für Zusatzgreifer. „Die Anforderungen
an die Reinheit unserer Bauteile wachsen
stetig – gerade für die Elektromobilität“, sagt Jürgen
Bindl, Betriebsleiter bei ZBG. „Dank Robotik in Kombination
mit einer Auswahl an Werkzeugen bewältigen
wir unterschiedliche Geometrien und Oberflächen ohne
großen Aufwand. So bleiben wir flexibel und liefern
Premium-Qualität.“
↓
E-Procurement
nach Maß spart
Prozesskosten
» Seite 38
Einkauf
Materialwirtschaft
+++ Konstruktion, Produktion, Industrieprozesse +++
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November 2025 33
_Robotik
Ziel ist eine Verwertungsquote von 98 Prozent
Fünf Roboter für das
Solarmodul-Recycling
Damit ausgediente Solarmodule nicht auf dem Sondermüll landen, setzt Solar
Materials aus Magdeburg auf ausgeklügeltes Recycling. Fünf ABB-Roboter spielen
dabei eine wichtige Rolle.
Herzstück des automatisierten Solarmodul-Recyclings
bei Solar Materials
sind mehrere Industrieroboter von
ABB, die in verschiedenen Bearbeitungsstationen
arbeiten.
Bild: ABB
Bild: ABB
Die ABB-Roboter übernehmen das
gesamte Handling der Solarpanels –
vom Entfernen des Regenwassers bis
zur Demontage von Kabeln und Verteilerdosen.
Ausgediente Solarmodule stecken voller wertvoller
Rohstoffe: Glas, Silizium, Silber, Kupfer sowie
Kunststoffe. In der Praxis bleibt das Recycling
jedoch oft hinter seinem Potenzial zurück – aus
Kostengründen. Lediglich dem hochwertigen Solarglas
wird regelmäßig ein zweites Leben zuteil, als Schaumglas
oder als Füllstoff in Baumaterialien.
Daher hat sich das Magdeburger Cleantech-Unternehmen
Solar Materials eine Verwertungsquote von 98
Prozent als Ziel gesetzt. „Dazu muss das PV-Recyclingverfahren
in Taktzeit, Materialfluss und Fehlerfreiheit
durchoptimiert sein“, erklärt Jan Bargel, CTO von Solar
Materials. Kosteneffizienz ist ein zentraler Erfolgsfaktor.
Da der Materialwert eines recycelten Solarmo-
34 November 2025
_Robotik
duls begrenzt ist, sind hohe Stückzahlen und reibungslose
Prozesse wichtig für ein wirtschaftliches Recycling.
Und auch die Ergonomie spielt eine Rolle: „Wenn unser
Partner die Panels zur Aufbereitung anliefert, sind
diese zum Teil jahrzehntelang auf einer Freifläche gestanden“,
berichtet Jan Bargel. Teilweise sind die Panels
also mit Schlamm oder anderen Fremdkörpern behaftet.
Zudem sammelt sich leicht Regenwasser in den
Modulen. Ein ursprünglich 20 Kilogramm schweres
Panel bringt dann schnell das Doppelte auf die Waage.
Ergonomie, Präzision und Taktung
Daher war schnell klar: Die geforderte Ergonomie,
Präzision und Taktung des Recyclings lässt sich nur mit
Automatisierung bewältigen. Bei der Suche nach dem
passenden Partner fiel die Wahl auf ABB Robotics. Und
so kommen heute in der Aufbereitung der Solarpanels
fünf ABB-Sechsachs-Roboter IRB 6700 (mit
IP67-Schutzklasse, Safemove-Funktionalität sowie
Omnicore-Steuerung) zum Einsatz: Drei Knickarm-
Roboter in einer sicher umzäunten Roboterzelle übernehmen
das Handling im vorderen Anlagenbereich.
Zwei weitere laufen auf einer Verfahrachse und versorgen
die nächsten Bearbeitungsstationen.
Die Industrieroboter greifen die Solarmodule von der
Palette und schwenken sie kontrolliert aus, um sie vollständig
von Wasser zu befreien. Außerdem entfernen
sie Kabel und Verteilerdosen und transportieren die
Module dann zur nächsten Bearbeitungsstation. Jan
Bargel: „Ein Portalsystem hätte für uns nicht funktioniert.
Wir brauchen volle Freiheitsgrade, weil bei uns
kein Modul dem anderen gleicht.“
Module individuell erfassen
Daher sind die ABB-Roboter in der Lage, Solarmodule
mit verschiedensten Abmessungen individuell zu erfassen
– ganz ohne aufwendiges Nach-Teachen. Dafür
wird jedes einzelne Modul über ein integriertes Machine-Vision-System
erfasst; die Roboterpfade werden dynamisch
angepasst.
Ein halbes Jahr nach Beginn des Automatisierungsprojekts
verarbeitet die automatisierte Linie bei Solar Materials
rund 1.200 Module am Tag. Das Ziel liegt bei
2.000 bis 2.500 Modulen täglich, bei einer geplanten
Taktzeit von einer Minute pro Einheit. Eine zweite Linie
ist bereits in Planung, um die aktuelle Recycling-
Kapazität von 7.000 Tonnen Material pro Jahr auf
21.000 Tonnen zu erhöhen. „Für uns ist klar: Wenn
wir die Kreislaufwirtschaft in der Solarbranche industrialisieren
wollen, brauchen wir Systeme, die mit der
Komplexität des Inputs umgehen können – und das
dauerhaft, wartungsarm und robust. Genau das leisten
die ABB-Roboter in unserem automatisierten Prozess“,
resümiert Jan Bargel.
ABB AG
www.abb.de/robotics
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2020/1
November 2025 35
Bild: Martin Herbst Fotografie
Bei B. Braun übernehmen die hochflexiblen mobilen Manipulatoren Mobert die Bestückung von Montage- und Verpackungsmaschinen.
Konzerninternes Pilotprojekt für modulare, skalierbare Produktionslösungen
Mit mobilen Manipulatoren
zur smarten Fabrik
Mit dem Pilotprojekt Active stellt der Medizintechnikspezialist B. Braun am
Standort in Melsungen die Weichen für eine digitalisierte und vollautomatische
Produktion. Eine wichtige Rolle spielen mobile Roboter sowie Middleware-
Software von ERT Solutions.
Die Werkserweiterung Active steht exemplarisch
für den Wandel hin zu einer zukunftsfähigen
und digitalisierten Medizintechnikproduktion
und gilt daher als konzerninternes Pilotprojekt
für modulare, skalierbare Produktionslösungen
sowie als Vorreiter für die digitale Transformation.
Über 100 Millionen Euro investiert B.
Braun mit dem Ziel, seine Fertigung sicherheitsrelevanter
Einmalprodukte – etwa Minispikes und
Cytoset-Komponenten – effizienter und wirtschaftlicher
zu gestalten. Dabei stehen Digitalisierung,
Automatisierung und vernetzte Produktionsprozesse
im Fokus.
Im Rahmen des Projekts Active war ERT Solutions
maßgeblich an der Realisierung zentraler Automatisierungskomponenten
beteiligt. Dazu gehören
die Integration einer Flotte mobiler Robotersysteme
(darunter einige hochflexible mobile Manipulatoren
zur Bestückung von Montage- und
Verpackungsmaschinen) sowie die vollständige
Automatisierung eines vierstöckigen Lagersystems.
36 November 2025
_Robotik
Frühzeitiger Erkenntnisgewinn durch
virtuelles Engineering
Zudem hat die Engrotec Gruppe die Planungsphase
von Active mit umfangreichen Leistungen in den Bereichen
Fabrikplanung und Materialflusssimulation
unterstützt. Durch frühzeitigen Erkenntnisgewinn aus
dem virtuellen Engineering konnten die richtigen Weichen
gestellt und Investitionen abgesichert werden.
Eine wichtige Rolle bei der Automatisierung und Digitalisierung
der Prozesse bei B. Braun in Melsungen
spielen mobile Roboter der Mobert-Reihe. Der Mobert
ist eine Kombination aus Cobot und mobilem
Transportroboter und basiert auf bewährter Cobotund
AMR-Technologie von Omron. Der Mobert hat
sich in verschiedenen Grundvarianten als industrieerprobter
Standard unter den mobilen Manipulatoren
etabliert und sich in einer Vielzahl unterschiedlicher
Anwendungen bewährt. Ergänzt werden die Grundvarianten
durch anwendungsspezifische Aufbauten
und Greiftechniken.
Mobile Manipulatoren für komplexe
Handhabungsaufgaben
Gerade die sogenannte „Letzte Meile“ – also die Maschinenbe-
und -entladung direkt an der Fertigungseinheit
– ist die Paradedisziplin des Mobert. Die mobilen
Manipulatoren der Mobert-Familie ermöglichen
die Umsetzung komplexer Handhabungsaufgaben mit
Teilegewichten von bis zu 30 kg und ebnen damit den
Weg zur autonomen Fertigung.
Gesteuert und vernetzt wird die modernisierte Anlage
in Melsungen durch ein Manufacturing Execution
System (MES) in Kombination mit dem intelligenten
Orchestrierungsmodul Ertmiral von ERT. Dieses Softwaremodul
übernimmt die zentrale Koordination mobiler
Roboter und mobiler Manipulatoren.
Gesteuert und vernetzt wird die Anlage in Melsungen durch ein Manufacturing
Execution System (MES) in Kombination mit dem intelligenten Orchestrierungsmodul
Ertmiral von ERT.
Brücke zwischen ERP-, MES- und
Produktionssystemen
Ertmiral fungiert dabei als Brücke zwischen ERP-,
MES- und Produktionssystemen, löst starre Maschinenverkettungen
auf und sorgt für eine flexible, bedarfsgerechte
Materialversorgung innerhalb der Produktion.
Diese Software-Lösung vernetzt nicht nur
verschiedene Produktionssteuerungssysteme, sondern
verbessert auch die Interaktion mit zahlreichen Robotersystemen,
einschließlich Mobert und anderen Maschinen.
Eine intuitive Nutzeroberfläche sorgt für hohe
Akzeptanz, schnelle Fehlerbehebung und effiziente
Skalierung.
Das Zusammenspiel von Mobert, Ertmiral, Maschinen,
Lagerautomatisierung und übergeordneten Softwarebausteinen
ermöglicht im Active-Projekt bei B.
Braun die autonome Abarbeitung von Fertigungsaufträgen.
Insgesamt werden etwa zwanzig Montagemaschinen,
eine vergleichbare Zahl an Spritzgussmaschinen
sowie mehrere Verpackungslinien in einem Reinraumszenario
intelligent verknüpft – ein Leuchtturmprojekt
mit moderner, skalierbarer und nachhaltiger
Fertigungstechnologie.
↓
ERT Solutions GmbH
www.ert-solutions.com
Bild: Martin Herbst Fotografie
Bild: Martin Herbst Fotografie
Die mobilen Manipulatoren der Mobert-
Familie ermöglichen die Umsetzung
komplexer Handhabungsaufgaben mit
Teilegewichten bis 30 kg.
November 2025 37
_Robotik
Automatisierter Kleinladungsträger-Transport
Mobilroboter entlastet bei
kleinen Lasten
Für die Automation von Kleinladungsträger-Transporten in Produktion und
Montage hat DS Automotion mit seiner Mobilroboter-Produktfamilie Amy ein
neues Gesamtkonzept entwickelt. Die kompakten mobilen Roboter lassen sich
ohne großen Aufwand in bestehende Abläufe einbinden.
Drei Varianten für unterschiedliche
Anforderungen
Bild: DS Automotion
Dank der drei unterschiedlichen Lastaufnahmemittel eignet sich Amy für zahlreiche
Anwendungsgebiete.
Ein typisches Einsatzfeld ist die Fertigung von
Spritzgussteilen. Dort fallen täglich Tausende
Kunststoffteile an, die zwischen Maschinen, Lager
und Montage bewegt werden müssen. Die Wege
sind zu weit und zu schwer für händisches Tragen, für
den Einsatz von Staplern aber nicht wirtschaftlich.
Ähnliches gilt in der Montage von Elektromotoren
oder Batterien. Einzelne Kisten oder Boxen mit Bauteilen
müssen punktgenau an den Arbeitsplätzen bereitstehen.
Durch kleinere Losgrößen und dynamischere
Abläufe wird der Materialfluss immer komplexer.
„Wir haben festgestellt, dass es in ganz Europa
schwieriger wird, Personal für Logistikanwendungen
zu finden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an
Prozesssicherheit. Genau für diese Situation haben wir
den mobilen Roboter Amy entwickelt – eine einfache
und wirtschaftliche Lösung für Kleinladungsträger bis
400 mal 600 Millimeter“, erklärt Karl Rapp, Leiter
Vertrieb, Produktmanagement und Marketing bei DS
Automotion.
Den Mobilroboter Amy gibt es in drei Ausführungen:
· Amy Deck ist die Einstiegsversion für Betriebe mit
überschaubarem Transportvolumen. Der Roboter
fährt festgelegte Routen und wird von Mitarbeitenden
manuell be- und entladen.
· Amy Flap arbeitet mit einem passiven Lastaufnahmemittel.
Der Roboter nimmt Behälter selbstständig
von der Übergabestation auf und bringt sie an ihr Ziel.
Die Lösung kommt ohne zusätzliche Sensorik oder
Aktorik an Fahrzeug und Station aus.
· Amy Lift ist für die Anbindung an Fördertechnik
konzipiert. Ein aktiver Hub-Kamm übernimmt oder
übergibt Behälter automatisch, etwa auf Schwerkraft-
Röllchenbahnen. Das eignet sich besonders bei hoher
Taktung und vielen Stationen.
Alle Varianten sind auf kurze Inbetriebnahmezeiten
ausgelegt. Standardisierte Schnittstellen erleichtern die
Integration in bestehende Prozesse. Über den Flottenmanager
Navios von DS Automotion können die
Fahrzeuge einzeln oder im Verbund gesteuert werden.
Layoutdaten im Interchange-Format lassen sich direkt
einspielen, die VDA-5050-Schnittstelle sorgt für Kompatibilität.
Das Konzept ist skalierbar. Zusätzliche
Fahrzeuge oder Stationen lassen sich bei steigendem
Bedarf leicht einbinden.
Erste Anwender setzen Amy Lift bereits in der Medizintechnik
und in der Serienfertigung von Inhalatoren
und Injektoren ein. Dort bewegen die Roboter täglich
Tausende Kleinteile zwischen Fertigung, Lager und
Montage. „Die automatisierte Versorgung der Montageplätze
ist ohne mobile Roboter kaum mehr vorstellbar“,
so Karl Rapp.
↓
DS Automotion GmbH
www.ds-automotion.com/de
38 November 2025
November 2025 39
_Robotik
Linearachse mit Plug-to-Program-Anbindung spart Entwicklungskosten
Mehr Reichweite für
Roboter dank 7. Achse
Mit einer 7. Achse, die sich einfach integrieren lässt, vervierfacht Igus den
Arbeitsraum von Leichtbaurobotern. Dank eines Updates sind nun auch Roboter
von Universal Robots sowie Fanucs CRX-Cobots kompatibel.
Viele Betriebe, die den Aktionsraum ihres Roboters
vergrößern möchten, kennen das Problem:
Eine 7. Achse, auf der ein Roboter linear verfahren
kann, zu finden, ist leicht, ihre Integration in
die Robotersteuerung erfordert jedoch zusätzlichen
Programmieraufwand. Daher hat Igus eine 7. Achse
entwickelt, die den Aktionsraum des Roboters vervierfacht
und zugleich einfach integrierbar ist. Bereits
500 dieser Linearachsen sind weltweit im Einsatz.
„Wir haben von vielen Betrieben gehört, dass die
aufwendige Anbindung einer 7. Achse derzeit ein
Pain-Point ist, der Projekte unnötig kompliziert
macht“, sagt Alexander Mühlens, Prokurist und Geschäftsbereichsleiter
Low-Cost-Automation bei Igus.
Daher hat Igus das Plug-to-Program entwickelt, das
sich schnell mit den Robotersteuerungen von Epson,
Dobot, Igus und Omron verbinden lässt. Auch mit
den UR 20 und UR 30 von Universal Robots sowie
den Fanuc CRX-Serien ist die 7. Achse nun kompatibel.
„Erste Anwender berichten, dass sie dank des
Plug-to-Program-Prinzips bis zu 10.000 Euro Entwicklungskosten
gespart haben“, erklärt Alexander
Mühlens.
So leicht integrierbar wie eine App
Integrieren lässt sich die 7. Achse, die für Roboter
mit einem Gewicht von bis zu 55 Kilogramm geeignet
ist, über ein herstellerspezifisches Software-
Plugin direkt in die jeweilige Robotersteuerung. Der
Anwender kann die Achse dann unmittelbar über
das vertraute Bedienpanel des Roboters programmieren
und steuern. Zudem sind alle sicherheitsrelevanten
Komponenten wie Not-Aus-Relais bereits berücksichtigt,
sodass keine zusätzliche Engineering-
Arbeit erforderlich ist.
Alexander Mühlens: „Auf diese Weise wird die Erweiterung
des Arbeitsraumes von Leichtbau-Gelenk -
armrobotern unkomplizierter denn je.“ Auslegen
lässt sich die 7. Achse ganz einfach mithilfe eines
Online-Konfigurators. Hier kann der Nutzer seinen
Robotertyp und die entsprechende Einbaulage auswählen,
Länge und Geschwindigkeit der Anwendung
eingeben und erhält im Anschluss direkt einen Preis
inklusive Angebot und Muster.
↓
Igus GmbH
www.igus.de
Bild: Igus GmbH
Mit einer leicht integrierbaren
7. Achse von Igus lässt sich der
Aktionsradius von Robotern um
das Vierfache erweitern.
40 November 2025
automationspraxis.de
SPEZIAL
Drehen und Greifen
in einer Komponente
November 2025 41
_Handhabung & Montage
Zwei Funktionen in einer Komponente
Für die Laborautomation:
Greifer hat den Dreh raus
Mit dem neuen 2-Backen-Paralleldrehgreifer der Serie REP2000 vereint die
Zimmer Group Greifen und Drehen in einer Komponente – eine durchdachte
Antwort auf die hohen Anforderungen moderner Laborautomation.
Labore sehen sich einem steigenden Automatisierungsdruck
ausgesetzt: Die Anzahl der Proben
nimmt zu, Nachverfolgbarkeit wird strenger
kontrolliert und Taktzeiten werden kürzer. Manuelle
Arbeitsschritte wie das Auf- und Zuschrauben von
Probenröhrchen, das präzise Ausrichten von Barcodes
oder das Etikettieren von Vials können dabei zu Engpässen
werden, wenn sie nicht zuverlässig automatisiert
werden.
Konventionelle Greifer stoßen hier schnell an ihre
Grenzen. Im neuen 2-Backen-Paralleldrehgreifer
REP2000 hat die Zimmer Group daher Greifen und
Drehen in einer Komponente vereint und liefert damit
eine durchdachte Antwort auf die hohen Anforderungen
moderner Laborautomation.
Die kompakte Kombination von Greif- und Dreheinheit
spart wertvollen Bauraum in beengten Maschinenlayouts.
Das ist ein entscheidender Vorteil, wenn
Anlagenmodule nachträglich integriert oder modernisiert
werden sollen. Anstatt zwei separater Module
muss nur ein Antrieb angesteuert werden. Das reduziert
den Verkabelungsaufwand, vereinfacht den Aufbau
und spart Kosten.
Flexibilität: IO-Link als Schlüssel
Bild: Zimmer Group
Der 2-Backen-Paralleldrehgreifer öffnet und verschließt Probenröhrchen vollautomatisch
mit einer Drehbewegung – für kürzere Taktzeiten und maximale
Prozesssicherheit.
Dank der Ansteuerung über IO-Link können Anwender
den Hub der Greifbacken des REP2000 variabel
an unterschiedliche Phiolen- und Behälterdurchmesser
anpassen. Gleichzeitig lässt sich der Schwenkwinkel
der endlos drehbaren Einheit exakt auf den Prozess
abstimmen. So können verschiedenste Behältertypen
automatisiert geöffnet, verschlossen oder präzise
positioniert werden, ohne dass ein Umbau oder lange
Stillstandzeiten erforderlich sind. Gerade in Laboren,
in denen häufig unterschiedliche Probenchargen bearbeitet
werden, ist diese Flexibilität von entscheidendem
Vorteil.
Auch im Ernstfall bleibt die Prozesssicherheit gesichert:
Der mechanische Selbsthemmungsmechanismus
des REP2000 hält das Werkstück bei Stromausfall
sicher fest. Über eine integrierte Notentriegelung
lässt sich der Greifer manuell öffnen, um Proben
schnell und sicher zu entnehmen.
Mit bis zu fünf Millionen wartungsfreien Zyklen zeigt
der REP2000, dass hohe Zykluszahlen und kompakte
Bauweise kein Widerspruch sind. Dank integrierter
Positionsabfrage wird jeder Hub überwacht – das
steigert die Prozessqualität und erleichtert die vorbeugende
Wartung. Zudem verfügt der REP2000 über die
Schutzart IP54.
Die Flexibilität zeigt sich in der Praxis: In einer automatisierten
Probenvorbereitungslinie kann der REP2000
das automatisierte Öffnen und Schließen von Probenröhrchen
übernehmen. Gleichzeitig richtet er die Gefäße
exakt aus, sodass Barcodes zuverlässig erfasst werden
können. Zwei Arbeitsschritte, eine Komponente –
der Zeitgewinn ist messbar, der Prozess stabiler. ↓
Zimmer Group
www.zimmer-group.com
42 November 2025
November 2025 43
_Projekt des Monats
Automatisierungssysteme bis in den Sub-Nanometerbereich
Technologiepakt für die
ultrapräzise Automation
Der Automationsspezialist Weiss GmbH hat mit Yinguan aus Shanghai eine
strategische Technologiepartnerschaft geschlossen, um gemeinsam hochpräzise
Automatisierungskomponenten und -systeme für den internationalen Markt
verfügbar zu machen. Was dahinter genau steckt.
Die gemeinsamen Lösungen von Weiss und Yinguan
sollen Bewegungs-, Montage-, Fertigungs-,
Mess- und Inspektionsprozesse mit Genauigkeiten
bis in den Sub-Nanometerbereich ermöglichen.
„Damit reagieren wir auf die steigenden Anforderungen
in Hightech-Branchen wie Halbleiterfertigung,
Medizintechnik und Mikromontage sowie Optik
und Photonik“, erläutert Oebels, Vice President
Precision bei der Weiss GmbH. Zudem gebe es viele
Sondermaschinenbauer, die immer kleinere Baugruppen
montieren müssten und dafür kompaktere Antriebstechnik
und höhere Bewegungsgenauigkeit benötigen.
„Mit unseren Linearmotorachsen und Torquemotor-
Rundtischen erhielten wir immer wieder Anfragen, die
eine höhere Präzision erforderten, als wir mit unseren
Produkten bieten konnten. Der Markt für hochpräzise
Automatisierung wächst stetig, weil immer mehr Anwendungen
an physikalische und technische Grenzen
stoßen – und dort sind mikrometergenaue Lösungen
schon lange nicht mehr ausreichend. Anwendungen
an der physikalischen Grenze lassen sich mit klassischer
Automatisierung kaum noch realisieren“, so
Franz Oebels. Dagegen rücke die Systemgenauigkeit
immer stärker in den Fokus.
Das Beste aus zwei Welten
Bild: Weiss
Franz Oebels, Vice President Precision bei Weiss: „Der Markt für hochpräzise
Automatisierung wächst stetig, weil immer mehr Anwendungen an physikalische
und technische Grenzen stoßen – und dort sind mikrometergenaue Lösungen
schon lange nicht mehr ausreichend.“
Daher hat sich Weiss nach Partnern umgesehen und
mit dem Spezialisten für ultrapräzise Bewegungssysteme
Yinguan aus Shanghai den richtigen gefunden, ist
Franz Oebels überzeugt. Nun will man das tiefgreifende
Technologie- und Applikations-Know-how aus
Europa und China vereinen: „Unsere langjährige Erfahrung
in der klassischen industriellen Automation
trifft auf hochspezialisiertes Know-how in der Sub-
Nanometer-Präzision. So schaffen wir die Grundlage,
klassische mikrometergenaue Systeme gezielt mit ul-
44 November 2025
_Projekt des Monats
Um auch im Sub-Mikrometer- und Sub-Nanometerbereich
Lösungen anbieten zu können, hat Weiss daher
nun die Technologiepartnerschaft mit Yinguan geschlossen.
Dadurch kann Weiss sein Portfolio um Direktantriebe
und piezoelektrische Aktuatoren sowie
hybride Systeme und Positionierplattformen mit integrierter
Steuerung und ultrahoher Auflösung erweitern,
die mit einer ausgefeilten, hochfrequenten Messund
Regeltechnologie hochdynamische und präzise
Bewegungen ermöglichen. Zudem steuert Yinguan
über 360 Patente sowie große Forschungskompetenz
dank der Nähe zur Fudan-Universität in Shanghai
und Serienerfahrung im Halbleitermarkt zu der Partnerschaft
bei.
Wichtig ist Franz Oebels zu betonen, dass es in der
Partnerschaft nicht nur um die Nutzung von Komponenten
geht. „Auf Basis von Kundenspezifikationen
werden auch gemeinsam die richtigen Lösungen entwickelt.
Die Stärke von Weiss und Yinguan liegt eindeutig
darin, die Anwendung zu verstehen und dann
basierend auf unserem gemeinsamen Know-how die
ideale, auf den Kunden angepasste Lösung dafür zu
finden. Unser Team und das Yinguan-Team ergänzen
sich hier hervorragend.“
Warum gerade Yinguan?
Bild: Weiss
Das Weiss-Dispense-System für die Produktion von Blutzucker-Messgeräten
erlaubt das mikrometergenaue Dispensieren
von Reagenzien auf einem Messsystem für Blutzuckerwerte.
trapräzisen Lösungen zu kombinieren. Jetzt können
wir alle Genauigkeitsklassen abdecken, die unsere
Kunden benötigen.“
Weiss hat sich in über fünf Jahrzehnten mit zuverlässigen
Bewegungslösungen in der Automation einen Namen
gemacht. Bekannt sind die Spezialisten aus Buchen
vor allem für ihre robusten und präzisen Rundschalttische.
Schon früh hat Weiss sein Portfolio zudem
um weitere Komponenten wie Pick-&-Place-Systeme
oder Linearachsen mit Linearmotorantrieb bis
hin zu Lineartransfersystemen erweitert. „Aus einzelnen
Komponenten wurden so vorprogrammierte und
vorparametrisierte Subsysteme mit eigener Steuerungssoftware.
Heute liefern wir auch vollständige, in
Betrieb genommene Lösungen, die nicht nur bewegen,
sondern auch im Prozess präzise ausrichten, fügen,
positionieren, messen und prüfen“, so Franz Oebels.
Was liefert Yinguan?
„Wir haben einige Jahre nach einem Partner gesucht –
und das in Nordamerika, Europa und Asien“, berichtet
Franz Oebels. Am Ende sei man durch Empfehlungen
auf Yinguan gestoßen. „Und nun sind wir bei jedem
Besuch immer wieder fasziniert – sowohl von der
Entwicklungskompetenz, der Detailliebe als auch den
Kapazitäten und Konditionen. Darum sind wir überzeugt,
hier den richtigen Partner gefunden zu haben.“
Um den Marktzugang in China sei es bei der Auswahl
des Partners jedenfalls nicht gegangen: „Weiss ist seit
vielen Jahren in China erfolgreich aktiv und hat dort
ein Werk mit lokalen Montagekapazitäten und eigener
Lösungskompetenz. Die Partnerschaft mit Yinguan fokussiert
sich auf Märkte außerhalb von China. Unsere
Zielkunden liegen in Europa und Nordamerika.“
Weiss GmbH
https://precision.weiss-world.com
OCD-Metrologie ermöglicht die präzise Messung kritischer Strukturgrößen in
der Halbleiterfertigung. Das System ist aufgebaut mit hochpräzisen Yinguan-
Positionierkomponenten und schafft die Grundlage für eine exakte Prozesskontrolle
im Nanometerbereich.
Bild: Weiss
November 2025 45
_Bildverarbeitung
Lückenlose Rückverfolgbarkeit lässt Produktfehlern keine Chance
Multikamerasystem mit KI
sichert Oberflächenqualität
Wie Künstliche Intelligenz im Zusammenspiel mit intelligenten Vision-Kameras
von IDS die Qualität in der hochpräzisen Metallverarbeitung sichert, zeigt die
CamBox von Vivaldi.
In der CamBox
inspizieren 42
uEye XC-Kameras
von IDS ein
E-Motoren-
Gehäuse.
Bild: Vivaldi/IDS
Die CamBox der Vivaldi Digital Solutions GmbH
ist eine innovative Lösung zur KI-basierten Echtzeit-Qualitätsprüfung.
Neben einem rechenstarken
Edge-Server mit Intel-Prozessor spielt intelligente
Bildverarbeitung dabei eine Schlüsselrolle. In der Vision-Lösung,
die für den Fertigungsstandort eines Automobilzulieferers
in Tschechien konzipiert wurde, übernehmen
bis zu 70 USB3 uEye+ XC Autofokus-Kameras
von IDS Imaging Development Systems die automatische
Sichtkontrolle zur Oberflächeninspektion.
„Die in den Prüfzellen integrierten IDS-Kameras erfassen
hochauflösende Bilder der Oberfläche von Aluminium-Bauteilen
deutscher Erstausrüster, in diesem Falle
eines E-Motors“, erläutert Uwe Siegwart, Geschäftsführer
bei Vivaldi. Die Kamerabilder werden zunächst
vorverarbeitet, um Faktoren wie Belichtung, Weißabgleich
und Farbkorrektur zu optimieren. Die KI erkennt
dann diverse Oberflächendefekte wie Kratzer,
Poren oder Verschmutzungen. Bis zu 2.400 E-Motorengehäuse
werden pro Tag automatisiert geprüft.
Anforderungen sind hoch
Die Anforderungen dabei sind allerdings hoch: „In
dem Werk in Tschechien herrschen strenge Vorgaben.
Gemäß Fehlerkatalog müssen Fehlstellen ab 0,2 Millimetern
prozesssicher erkannt werden. Die Prüfzeit pro
Bauteil darf maximal 20 Sekunden betragen“, erklärt
Uwe Siegwart.
Warum seine Wahl dabei auf die uEye XC-Kamera von
IDS fiel? „Eine Rolle spielten neben der Schnittstelle
zum selbst entwickelten Cam-Controller und der kompakten
Baugröße auch der Funktionsumfang der Sensoren
sowie – aufgrund der Menge der benötigten Kameras
– natürlich auch der Preis“, sagt Eike Humpert
aus dem Business Development von Vivaldi.
Ausschlaggebend war außerdem, dass die Autofokus-
Kamera mehrere Flächen in jeweils unterschiedlichen
Abständen zur Kamera erfassen kann. Dies sorgt für
mehr Effizienz und Flexibilität, gerade wenn es verschiedene
Bauteilvarianten zu prüfen gilt. Mit der Ma-
46 November 2025
_Bildverarbeitung
kro-Aufsatzlinse lässt sich die minimale Objektdistanz
der Kamera zudem sehr einfach verkürzen.
Synchrone Kamerasteuerung
Dennoch muss die KI-basierte Bildverarbeitungsaufgabe
vielfältige Herausforderungen meistern: Denn Aluminiumteile
haben oft stark glänzende Oberflächen,
die Bildaufnahmen stark beeinflussen. Diese Reflexionen
erschweren es, Fehler wie Kratzer, Druckstellen,
Rattermarken, Einschlüsse oder Oberflächenunregelmäßigkeiten
zuverlässig zu erkennen. Die KI-basierte
Bildverarbeitung muss daher in der Lage sein, präzise
zwischen der normalen Materialstruktur und den Rohbereichen
in den zu bearbeitenden Oberflächen, die als
Fehler angesehen werden, zu unterscheiden.
Die Bildverarbeitung erfolgt daher über eine optimierte
Recheninfrastruktur. Pro USB-Hub können bis zu acht
Kameras angeschlossen werden, was eine simultane Erfassung
mehrerer Prüfbereiche ermöglicht. Maximal
zwei dieser USB-Hubs sind an einen selbst entwickelten
Cam-Controller angebunden, der die Bildsignale bündelt
und verarbeitet. Mehrere Cam-Controller sind mit
dem Edge-Server vernetzt. Dieser Server übernimmt
nicht nur die Berechnung der KI-gestützten Analysen,
sondern kommuniziert direkt mit der Anlagensteuerung,
die das Auslösen der Kameras koordiniert und eine
synchrone Erfassung sicherstellt.
In Tschechien hat sich das System bereits bezahlt gemacht:
Die Anzahl der Reklamationen pro Jahr konnte
um zwei Drittel gesenkt, die der nicht erkannten Oberflächendefekte
sogar auf null reduziert werden. ↓
IDS Imaging Development Systems GmbH
www.ids-imaging.de
Gleichzeitige Bildaufnahmen sorgen für eine lückenlose Inspektion und dienen
der Einhaltung der Taktzeit.
Konzipiert für einen Automobilzulieferer und seinen Fertigungsstandort in
Tschechien übernehmen in der CamBox bis zu 70 USB3 uEye+ XC Autofokus-
Kameras von IDS die automatische Sichtkontrolle zur Oberflächeninspektion.
Bild: Vivaldi/IDS
Bild: Vivaldi/IDS
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November 2025 47
*EtherNet/IP-Zertifizierung in Arbeit, verfügbar voraussichtlich ab Q1/2026
_Automatisierung
Effiziente Systemtests für unterschiedliche Robotikkinematiken
Wollmilchsau für die
Robotersteuerung
Um sein breites Spektrum an unterschiedlichen Robotermechaniken ausgiebig
zu testen, nutzt Autonox Robotics die leistungsstarke Robotiklösung KeMotion
von Keba Industrial Automation.
Frühzeitig in praxisnahen
Anwendungsszenarien testen
Autonox- Betriebsleiter
Clemens
Ratajczak
und Projektingenieur
Léopold
Hurst bei der
technischen Begutachtung
einer
Robotermechanik
in der
Fertigungshalle
in Willstätt.
Die Wege von Keba und Autonox Robotics kreuzten
sich erstmals im Jahr 2016. Damals stand das
deutsche Robotik-Unternehmen aus Willstätt vor
der Herausforderung, seine steuerungsunabhängigen Robotermechaniken
mit geeigneten Steuerungen zu testen.
Betriebsleiter Clemens Ratajczak erinnert sich: „Wir kamen
in zweierlei Hinsicht an unsere Grenzen: Zum einen
konnten wir mit den vorhandenen Steuerungen und darin
verbauten kleinen Antriebsreglern die Motoren neuer
Entwicklungen für höhere Traglasten nicht mehr ansteuern.
Zum anderen wurden aufgrund des schnellen
Wachstums im Portfolio weitere Steuerungen nötig, um
alle Dauerläufe abdecken zu können.“
Es musste also ein weiterer Steuerungsschrank her, der
möglichst alle Kinematik-Modelle und Motorgrößen im
Autonox-Portfolio abdecken konnte. Clemens Ratajczak:
„In enger Abstimmung mit Keba konnten wir
einen dafür passenden Schaltschrank definieren – eine
‚eierlegende Wollmilchsau‘, wie wir die Steuerungseinheit
heute noch nennen.“
Bild: Keba/Autonox Robotics
Bereits in der ersten gemeinsamen Projektphase konnten
wichtige Fortschritte erzielt werden. Dank der Zusammenarbeit
mit Keba konnte Autonox eine Vielzahl unterschiedlicher
Robotertypen frühzeitig in praxisnahen Anwendungsszenarien
betreiben. Denn der neue Steuerungsschrank
unterstützte sowohl 2-Achs- als auch
6-Achs-Mechaniken, unterschiedliche Motorgrößen und
bot damit die ideale Grundlage, um Mechaniken systematisch
zu erproben.
Das ermöglichte realitätsnahe Tests unter unterschiedlichen
Bedingungen, weiß Clemens Ratajczak: „Für uns
als Hersteller reiner Robotermechaniken sind Partnerschaften
wie diese essenziell, um die Leistungsfähigkeit
und Zuverlässigkeit unserer Entwicklungen validieren
zu können.“
Roboter-Schaltschrank kann 50 Prozent
kleiner realisiert werden
Ein erstes gemeinschaftliches Kundenprojekt konnte innerhalb
von zwei Monaten umgesetzt werden: Autonox
und Keba arbeiteten an einer Roboterzelle mit dem ersten
Vierachs-Deltaroboter mit einer Traglast von 3 Kilogramm.
Keba steuerte dazu die offene und skalierbare
Robotiksteuerung sowie Servomotoren bei. Dank des
kompakten KeDrive D3-Systems konnte der zugehörige
Schaltschrank bis zu 50 Prozent kleiner realisiert werden
als bei Lösungen mit vergleichbarer Antriebstechnik-Performance.
Die reale Umsetzung wurde zuvor bei Keba
auf Simulationsebene in KeStudio vorbereitet.
Nach nur zwei Tagen Optimierungsarbeit wurde an der
Kunden-Testmaschine ein sensationelles Ergebnis erreicht:
Die Delta-Mechanik von Autonox mit Doppelgreifer
und der Keba-Steuerung erreichte schnell und
ruckfrei 170 Produkte pro Minute. Vergleichbare Produkte
am Markt schafften meist nur 130 Produkte pro
Minute.
48 November 2025
Betriebsleiter Clemens Ratajczak und Elisabeth Schärtl
(verantwortlich für das Autonox-Partnerprogramm) inspizieren
einen Keba-Schaltschrank.
Bild: Keba/Autonox
KeMotion ist ein Technologiemodul von Kebas Automatisierungsplattform
Kemro X. Die Robotiklösung besteht
aus einer Robotersteuerung, Bedienterminals, Software,
Antriebstechnik und Sicherheitstechnik.
Bild: Keba
Weitere gemeinsame Kundenprojekte
und Forschungsaktivitäten
Die Kooperation zwischen Autonox und Keba wurde
nach der erfolgreichen ersten Projektphase kontinuierlich
fortgeführt. Weitere gemeinsame Kundenprojekte
und Forschungsaktivitäten folgten. Die Kombination
der unterschiedlichsten Kinematiken von Autonox mit
den leistungsstarken und flexiblen Steuerungen, Antriebssystemen
und Bedienpanels von Keba erwies sich
dabei als technisch robust und zuverlässig. Sie ermöglicht
eine intuitive Bedienung und erfüllt gleichzeitig hohe
Anforderungen an die Systemstabilität.
Die gemeinsamen Kunden von Autonox und Keba (vorwiegend
Maschinenbauer in den Branchen Lebensmittelverpackung,
Pharma oder Konsumgüter) erhalten in
dieser Kombination ein ausgereiftes und trotzdem sehr
flexibel an den jeweiligen Einsatzfall in der Kunden -
maschine anpassbares Robotikpaket. Die gleichzeitige
Offenheit von Mechanik- und Steuerungslösungen sorgt
dabei für eine einfache Integrationsmöglichkeit der
jeweiligen Kundentechnologie.
↓
Keba Industrial Automation
www.keba.com
Autonox Robotics GmbH
www.autonox.com
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Als Systemanbieter für elektrische Verbindungstechnik entwickeln und
realisieren wir für Sie Standard- und Sonderlösungen im eigenen Haus –
von der einzelnen Leitung bis zur einbaufertigen Energiekette.
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Halle 2, Stand 230/231
November 2025 49
_Automatisierung
Interview: Eugen Elmiger, CEO, Maxon Group
„Wir sind seit 1998 in der
humanoiden Robotik aktiv“
Ob humanoide Roboter, Exoskelette oder Raumfahrt: Maxon entwickelt Antriebe für
die nächste Generation der Robotik. Im Interview spricht CEO Eugen Elmiger über
aktuelle Trends und Herausforderungen. Interview: Michael Corban, KEM Konstruktion Automation
AP: Maxon hat sich jüngst an Synapticon beteiligt.
Was war der Hintergrund?
Elmiger: Für uns steht die funktionale Sicherheit bei
Antriebslösungen immer stärker im Fokus. Gerade die
Software bekommt zunehmend Gewicht. Wir haben mit
Synapticon einen Partner gefunden, mit dem wir
Functional Safety und Condition Monitoring gezielt
weiter in unsere Produkte integrieren können. Solche
Kooperationen helfen uns, schneller voranzukommen.
AP: Wie passt Synapticon zum Maxon Portfolio?
Elmiger: Synapticon arbeitet mit Somanet Integro und
Circolo an Lösungen, die sich ohne großen Anpassungsaufwand
nahtlos in unser Produktportfolio integrieren
lassen. Zusätzlich bringen wir unser Condition Monitoring
System MIND – Motion Insights and Diagnostics –
ein. Damit können wir zum Beispiel die Gesundheitszustände
der Antriebsstränge kontinuierlich überwachen
und Predictive Maintenance ermöglichen. So ergibt sich
eine ideale Ergänzung zwischen unseren Technologien.
Bild: Eveline Beerkircher
Eugen Elmiger, CEO, Maxon: „Für uns steht die funktionale Sicherheit bei Antriebslösungen
immer stärker im Fokus. Gerade die Software bekommt zunehmend
Gewicht.“
AP: Synapticon ist ja auch beim Thema KI recht aktiv.
Sie auch?
Elmiger: Ja, KI ist auch bei uns längst ein Thema. Schon
vor unserer Zusammenarbeit mit Synapticon haben wir
darüber nachgedacht, wie wir Künstliche Intelligenz im
Entwicklungsprozess nutzen können. Wir gehen aber
noch einen Schritt weiter: Bei uns bleibt es nicht beim
Produkt, sondern zieht sich von der Produktentwicklung
bis in die Produktion und den gesamten Produktlebenszyklus.
Gerade in unserer Factory nutzen wir KI, um
Prozesse zu optimieren und neue Wege der Überwachung
zu erschließen.
AP: Neben KI sind aktuell auch humanoide Roboter
ein spannendes Feld. Wie geht Maxon das Thema an?
Elmiger: Maxon ist schon seit 1998 in der humanoiden
Robotik aktiv – unter anderem beim Honda Asimo, der
mit unseren Antrieben lief. Auch in Exoskeletten, Prothesen
oder bei vierbeinigen Robotern wie Anybotics sind
50 November 2025
_Automatisierung
Bild: Bild: Maxon
Maxon ist mit seinen
Antrieben schon sehr
lange in der humanoiden
Robotik aktiv.
Auch in Exoskeletten,
Prothesen oder bei
vierbeinigen Lauf -
robotern sind die
Schweizer vertreten.
TRUNNION
POSITIONIER
SYSTEME
wir stark vertreten. Dort sind zum Beispiel
zwölf unserer Antriebe im Animal-Roboter
verbaut. Gerade in solchen Anwendungen
steht Functional Safety an oberster Stelle. Im
Prototypenstadium kann auch mal etwas
schiefgehen, aber im Feld muss alles zuverlässig
funktionieren. Projekte wie der Cybathlon
in Zürich, bei denen Exoskelette und Prothesen
im Alltag getestet werden, sind für uns daher
zentral – dort wollen wir den Teams die
bestmögliche Lösung bieten, um ihr Leben zu
erleichtern.
AP: Die Miniaturisierung Ihrer Antriebe ist
ein entscheidendes Merkmal. Wie wichtig
ist die Baugröße für Ihre Anwendungen?
Elmiger: Extrem wichtig. Gerade bei humanoider
Robotik oder Exoskeletten braucht es
kompakte, aber leistungsstarke Antriebe. Natürlich
sind wir flexibel – manchmal entwickeln
wir auf Wunsch des Kunden auch größere
Varianten. Aber oft ist die Herausforderung,
auf kleinstem Raum die maximale Performance
zu liefern.
AP: Gibt es Grenzen der Miniaturisierung?
Elmiger: Wirtschaftlich sinnvoll ist für uns derzeit
eine Produktion bis 4 mm. Im Labor schaffen
wir auch kleinere Antriebe, aber für die Serienfertigung
braucht es einen funktionierenden
Maschinenpark, Zulieferketten und vor allem
einen Markt. Noch kleinere Lösungen benötigen
neue Technologien und Fertigungsverfahren.
Es gilt immer, Nutzen und Aufwand im Auge
zu behalten. Entscheidend ist, dass der Kunde
am Ende von einer Innovation profitiert.
AP: Das Thema Motion Control wird immer
präsenter. Wie entwickelt sich das bei Ihnen?
Elmiger: Unser Corporate Center Motion
Control arbeitet stetig an neuen Lösungen. Die
klassischen linearen Antriebsregler von vor 30
Jahren werden zwar noch eingesetzt, aber der
Trend geht zu hochintegrierten, Multiachs-
Controllern mit allen notwendigen Busanbindungen
und leistungsstarken Servocontrollern,
die am liebsten direkt im Antrieb sitzen. Condition
Monitoring – wie unser MIND-System
– spielt hier eine große Rolle. Wir setzen teils
auf All-in-One-Lösungen, möglichst kabellos,
auch wenn das eher ein Wunschtraum ist, denn
Kabel sind bei Robotern oft ein echter Störfaktor.
AP: Und welche Rolle spielt die Sensorik?
Elmiger: Wir entwickeln verschiedenste Sensoren
– magnetisch, optisch, induktiv – und integrieren
sie immer stärker in unsere Antriebe.
Fast alle unsere Anwendungen benötigen Feedbacksysteme,
egal ob im OP-Roboter, in der Intralogistik
mit AGVs, in der Luft- und Raumfahrt
oder bei Sitzverstellungen. Gerade bei medizinischen
Robotern ist exaktes Feedback entscheidend,
damit die Bewegungen präzise und
sicher sind. Selbst bei E-Bikes kommt es darauf
an, dass Motor und Mensch harmonieren.
AP: Anwendungen in der Raumfahrt gelten
als besonders anspruchsvoll. Wie gehen Sie
an solche Projekte heran?
Elmiger: Raumfahrtanwendungen sind eine
Klasse für sich: extreme Temperaturen, Strahlung,
Vibrationen. Wir wählen Materialien so
aus, dass sie auch bei –150 °C oder +120 °C
zuverlässig funktionieren, nutzen speziell entwickelte
Lösungen und passen unsere Standardantriebe
gezielt an. Meistens können wir
auf bewährte Basistechnologie zurückgreifen
und diese für die jeweilige Mission modifizieren.
Ein Highlight ist unsere Beteiligung an
Projekten auf der ISS, aber auch Kooperationen
mit NASA, ESA und der indischen Raumfahrtbehörde
zusammen. Wir sind stolz, mit
unseren Produkten einen Beitrag zu leisten –
ob nun auf dem Mars, dem Mond oder ganz
irdisch in der Landwirtschaft, etwa bei Olivenschüttlern.
↓
Maxon Group
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Industrieroboter.
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DISCOVER WEISS-WORLD.COM
November 2025 51
_Automatisierung
Für hohe Spannungen von bis zu 2 kV
Sonderleitung für den
Batterie-Prüfstand
Für einen Kundenauftrag sucht der US-Prüfstand-Spezialist AEC eine individuelle
Anschlussleitung. Der Verbindungstechnik-Experte Helukabel liefert die richtige
Lösung zur richtigen Zeit.
AEC ist auf die
Herstellung von
Prüfständen für
Erstausrüster in
der Automobilindustrie
spezialisiert.
Bild: Helukabel
Anderson Electric Controls, Inc. (AEC) aus den
USA ist unter anderem auf die Ausstattung von
Batterie-Prüfständen spezialisiert. Denn Batterie-
und Automobilhersteller stecken viel Aufwand in
Forschung und Entwicklung, um Fahrzeug und Batterie
besser aufeinander abzustimmen. „Zum Einsatz
kommen dafür spezielle Prüfstände, auf denen sich
unterschiedlichste Funktionen und Szenarien realitätsnah
testen lassen“, so Ron Hansen, AEC-Geschäftsführer.
„Wir entwickeln zum Beispiel Cycler- und Emulationssysteme
für Batterien“, ergänzt Steven Hansen,
Technischer Leiter bei AEC. „Das sind elektrische
Vorrichtungen, die auf einem Prüfstand das Verhalten
einer realen Fahrzeugbatterie simulieren.“ Kapazität,
Ladezustand oder Aufbau der Batteriezellen lassen
sich dabei flexibel parametrieren. „Automobilhersteller
nutzen diese Systeme, um das Verhalten von Antriebsbatterien
und Bordnetzen in ihren Fahrzeugen
zu testen und zu optimieren“, berichtet Ron Hansen.
52 November 2025
_Automatisierung
Bild: Helukabel
Das AEC-Team (v.l.: Steven Hansen, Ron Hansen, Jared Weyer und Matt Tavares) ist mit der
Zusammenarbeit mit Helukabel rundum zufrieden.
Kein Update
verpassen!
Hohe Spannungsfestigkeit
Maßgeschneiderte Lösung
Die Ausstattung der Prüfsysteme passt
AEC individuell an die Anforderungen
seiner Kunden an – so auch im Fall eines
Automobilherstellers, der für ein Werk in
den USA einen neuen Prüfstand für Elektrofahrzeuge
benötigte. Um die Antriebsbatterien
mit dem Cycler zu verbinden,
kommen ganz spezielle Anschlussleitungen
zum Einsatz.
„Eine Herausforderung hierbei waren die
hohen Spannungen von 2 kV und mehr,
die während des Testverfahrens an den
Leitungen anliegen“, berichtet Matt Tavares,
Maschinenbauingenieur bei AEC.
„Gefordert waren außerdem eine UL-Zulassung,
eine TC-ER-Zertifizierung für die
offene Verlegung sowie eine niedrige Induktivität,
um EMV-Störungen zu vermeiden.“
Schnell war klar: Mit einer Standardleitung
ließen sich diese komplexen Vorgaben
nicht erfüllen. Bei seiner Recherche
stießt AEC schon bald auf den Verbindungstechnikspezialisten
Helukabel, der
auch in den USA mit einer Tochtergesellschaft
vertreten ist. „In mehreren Gesprächen
konnten wir uns davon überzeugen,
dass wir mit Helukabel den richtigen Partner
für dieses Projekt gefunden hatten“,
erinnert sich Tavares.
„Wir bei Helukabel verfügen über jahrzehntelange
Erfahrung in der Entwicklung
kundenspezifischer Lösungen. Die gewünschten
Produkteigenschaften zu realisieren,
war daher für uns kein Problem“,
sagt Regional Sales Manager David
Newton. Die eigens entwickelte Leitung
überzeugt unter anderem durch ihre gute
Beständigkeit gegen Öl und Feuchtigkeit.
„Darüber hinaus verfügt sie über eine TC-
ER-Zulassung – sie darf also auch ohne einen
geschlossenen Kabelkanal verlegt
werden. Und natürlich haben wir uns um
die UL-Zulassung gekümmert.“
Ein weiterer Pluspunkt für Helukabel war,
dass die gewünschte Leitung innerhalb
der Lieferfrist bereitgestellt werden konnte.
„Bei anderen Herstellern waren uns die
Vorlaufzeiten schlichtweg zu lang, so dass
wir wiederum unseren Kunden hätten
warten lassen müssen“, sagt Tavares.
Die Tür für eine weitere Zusammenarbeit
mit Anderson Electric Controls ist damit
mehr als nur geöffnet, verrät Geschäftsführer
Ron Hansen. „Die nächste Bestellung
ist bereits getätigt und weitere gemeinsame
Projekte sind in Planung.“ ↓
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November 2025 53
_Automatisierung
Verbindungstechnologie für die Robotik von morgen
„Starkes Wachstum bei
Servicerobotern“
Über Trends in der Robotik und Auswirkungen auf die Verbindungstechnik, sprechen
Technologie-Forscherin Prof. Dr. Katharina Hölzle und Lapp-CTP Hubertus Breier.
AP: Wie hat sich die Robotik in den letzten Jahren
verändert?
Hölzle: Insbesondere die Art und Weise, wie Mensch
und Roboter interagieren, hat sich in letzter Zeit deutlich
verändert. Nach einer längeren Phase des Stillstands
erleben wir aktuell durch große Fortschritte in
Künstlicher Intelligenz und moderner Sensorik einen
dynamischen Aufschwung in der kollaborativen Robo-
tik. Cobots, humanoide Roboter oder andere kollaborative
Systeme werden heute und in Zukunft immer
wichtiger. Digitalisierung und KI treiben die Integration
robotischer Systeme voran. Wichtig dabei ist, dass
wir zukünftig eine gemeinsame Plattform schaffen, auf
der Sensorik, Aktuatorik und Algorithmen zusammenarbeiten.
Dazu brauchen wir offene Datenräume und
interoperable Systeme.
AP: Und was bedeutet das für Lapp als Verbindungstechnik-Spezialist?
Breier: Robotik ist eines der anspruchsvollsten Anwendungsfelder
für unsere Verbindungslösungen. Durch
die dreidimensionale freie Raumbewegung wirken auf
die verbauten Kabel gleichzeitig Biege- und Torsionskräfte,
die eine extreme Belastung darstellen. Das erfordert
hochentwickelte Kabelkonstruktionen, etwa bei
der Art der Verseilung der einzelnen Adern und deren
Bild: Lapp
Prof. Dr. Katharina Hölzle: „Digitalisierung und KI treiben die Integration robotischer
Systeme voran. Wichtig dabei ist, dass wir zukünftig eine gemeinsame
Plattform schaffen, auf der Sensorik, Aktuatorik und Algorithmen zusammenarbeiten.“
Welche Innovationen verfolgt
Lapp in der Robotik?
✔ „Innovationen im Produktbereich umfassen unter
anderem die Entwicklung torsionsoptimierter
Kabel mit neuen Schirmungstechnologien“, sagt
Hubertus Breier.
✔ Zudem entwickelt Lapp Hybridkabel, bei denen
beispielsweise Anschluss- und Steuerleitungen
in einem Kabel realisiert werden. „Dies bringt eine
massive Platzeinsparung mit sich. Speziell bei Cobots,
wenn Kabel vorzugsweise im Inneren geführt
werden, ist dieser Schritt von großer Bedeutung.“
✔ Außerdem baut Lapp die Eigenständigkeit unserer
Standorte in APAC aus, um dort schneller
auf Marktbedürfnisse zu reagieren.
✔ „Und nicht zuletzt prüfen wir Partnerschaften
im Bereich humanoider Robotik, um frühzeitig
Teil dieser zukunftsweisenden Entwicklung zu
sein.“
↓
54 November 2025
_Automatisierung
Abschirmung. Für diese Herausforderungen haben wir
spezielle Kabel, Steckverbindungen und Schleppketten
entwickelt. Besonders bei Cobots sehen wir eine wachsende
Nachfrage nach miniaturisierten, flexiblen Verbindungslösungen
und Retrofit-Produkten, um zusätzliche
Sensorik oder Greifer am Roboterarm mit Energie
und Daten zu versorgen.
AP: Wie will sich Lapp bei der Robotik entwickeln?
Breier: Durch den Zukauf von Muller et Landais (heute
Lapp Muller) haben wir ja bereits Anfang der
2000er Jahre auf den Trend Robotik reagiert. Aktuell
sehen wir eher ein moderates Wachstum im Bereich der
klassischen Industrieroboter, dagegen ein starkes
Wachstum bei Servicerobotern, etwa in der Pflege oder
Logistik. Auch der asiatische Markt wächst rasant,
weshalb wir dort unsere Produktion und Präsenz deutlich
ausbauen. Zudem investieren wir gezielt in die Bereiche
Industrial Communications und Harnessing Solutions
– also z.B. bereits konfektionierte Dresspacks,
die für Robotik-Verkabelungen entscheidend sind.
AP: Haben Sie dafür ein Beispiel?
Breier: Klar. Wir entwickeln Kabel, die auf einem Meter
Länge bis zu zwei Drehungen um deren eigene Achse
aushalten und davon zehn Millionen Zyklen überstehen.
Außerdem arbeiten wir global mit unseren Landesgesellschaften
an verschiedenen Spezialprojekten,
wie Kabel für Tauchroboter, wie sie beispielsweise bei
der Erforschung des Titanic-Wracks zum Einsatz kamen.
AP: In welchen Branchen sehen Sie die Servicerobotik
besonders auf dem Vormarsch?
Hölzle: Naheliegend sind Gesundheitsbranche und
Pflege, trotz hoher Anforderungen an Datenschutz und
Privatsphäre. Hier besteht jedoch große Offenheit gegenüber
Robotik, da die Technik Entlastung bietet. Gerade
auch Bereiche mit extremen Umgebungen – etwa
heiße Regionen für Photovoltaik-Installationen oder
Unterwasser-Anwendungen – bieten großes Potenzial.
Serviceroboter können dort Tätigkeiten übernehmen,
die für Menschen schwierig oder gefährlich sind oder
in Bereichen ausgeführt werden müssen, die für Menschen
nicht ohne Weiteres zugänglich sind.
Breier: Für uns bei Lapp ergibt sich daraus zum Beispiel
ein ganz klarer Arbeitsauftrag: Verbindungslösungen
zu entwickeln, die auch unter extremen Bedingungen
zuverlässig funktionieren – etwa bei hohen Temperaturen
oder für extrem widrige Umgebungen.
Hubertus Breier: „Robotik ist eines der anspruchsvollsten Anwendungsfelder für
unsere Verbindungslösungen. Durch die dreidimensionale freie Raumbewegung
wirken auf die verbauten Kabel gleichzeitig Biege- und Torsionskräfte, die eine
extreme Belastung darstellen.
AP: Wie integriert Lapp auf diese Anforderungen in
seine Produktpalette?
Breier: Wir setzen auf leichte, torsionsfähige und robuste
Kabel. Wichtig ist uns dabei auch eine möglichst
realistische Prüfung der Produkte. Neben den standardisierten
Tests für Kabel führen wir eigene zusätzliche
Testmethoden durch. Im Gegensatz zu Industrierobotern
sind die Kabel bei vielen Servicerobotern heute
noch meist weniger komplex, dennoch stellen sie spezielle
Anforderungen. Wichtig ist für uns, das Feld Robotik
gezielt zu fokussieren und eng mit Forschungseinrichtungen
zusammenzuarbeiten, um die Anforderungen
von morgen zu identifizieren.
↓
U.I. Lapp GmbH
www.lapp.com/de/de
Zu den Personen
· Prof. Dr. Katharina Hölzle ist Institutsleiterin IAT der Universität
Stuttgart und geschäftsführende Institutsleiterin Fraunhofer
IAO. Zudem ist sie die Technologiebeauftragte der Wirtschaftsministerin
in Baden-Württemberg.
· Der langjährige Osram- und Balluff-Manager Hubertus Breier
ist seit April 2023 im Lapp-Vorstand verantwortlich für Technologie
und Innovation.
↓
Bild: Lapp
November 2025 55
Industrie
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November 2025 61
_Macher der Automation
Interview mit Wassim Saeidi und Kerstin Wagner, United Robotics Group
„Die Servicerobotik zu den
Menschen bringen“
Nach der Insolvenz der ursprünglichen United Robotics Group (URG) starten
Wassim Saeidi und Kerstin Wagner mit einer klaren Ausrichtung neu: Service -
robotik für das Gesundheitswesen. Im Gespräch erklären die beiden Co-CEOs,
welche Rolle der Laborroboter uLab Mobile spielt und warum sie auch einen
humanoiden Roboter in der Pipeline haben.
Interview: Armin Barnitzke
Wassim Saeidi (Schwerpunkt Technik) und Kerstin Wagner (Fokus Business Development) teilen sich die Leitung der „neuen“ United Robotics
Group.
Bild: United Robotics Group
62 November 2025
Automationspraxis
MACHER DER AUTOMATION
exklusiv
AP: Sie haben die Patent-, Marken- und Content-Rechte
der United Robotics Group übernommen
und wollen die URG weiter führen.
Warum halten Sie an der Marke URG fest?
Saeidi: Für mich stand nie zur Debatte, das Projekt
fallen zu lassen. Ich habe mich mit meinem
Unternehmen 2019 der URG angeschlossen, weil
mich die Vision überzeugt hat, Robotik, KI und
Menschlichkeit zu verbinden. Daher hatte ich
auch meinen Firmennamen in United Robotics
Group Health & Food geändert. Wir haben daher
nun alle Strukturen, Marken und Namen der
URG zu 100 % übernommen. Unseren Kunden
wollten wir nach all den Turbulenzen nicht auch
noch eine neue Marke zumuten.
Wagner: Viele Kunden gerade aus dem Healthcare-Bereich
kannten uns ja unter dem Namen
URG. Zudem habe ich mit einigen Kunden aus
dem Healthcare-Bereich gesprochen und habe
dort offene Türen eingerannt. Für Service-Robotik
im Gesundheitswesen besteht großer Bedarf. Denn
mit Robotik lösen wir das Fachkräfte-Problem,
das momentan im Gesundheitswesen sehr präsent
ist. Daher ist es nur konsequent, dass wir als URG
weitermachen.
AP: Warum gerade der Fokus auf Healthcare?
Saeidi: Weil wir dort als URG die robustesten und
am stärksten nachgefragten marktreifen Produkte
hatten. Gleichzeitig ist das Gesundheitswesen der
anspruchsvollste Einsatzbereich für Service-Robotik.
Wenn Roboter dort sicher und zuverlässig arbeiten,
überzeugt das auch andere Branchen – von
Flughäfen bis zu öffentlichen Einrichtungen und
Schulen.
AP: Ihr zentrales Produkt ist der uLab Mobile.
Was zeichnet den Roboter aus?
Wagner: Der uLab Mobile ist ein mobiler und kollaborativer
Roboter, der gemeinsam mit Laborfachpersonal
Routineaufgaben im Labor abarbeitet
und zwar Hand in Hand. In der Praxis heißt
das: Der Roboter transportiert Probenröhrchen
oder bestückt Geräte und Prozesse. Gerade
Nachtschichten in klinischen Laboren lassen sich
damit spürbar entlasten. Im besten Fall übernimmt
der mobile Cobot die Arbeit ganz allein.
AP: In welchen Laboren kommt er zum Einsatz?
Wagner: Am allerliebsten bewegen wir uns aktuell
in der klinischen Diagnostik. Das sind Krankenhauslabore
und private Referenzlabore, zu denen
die Hausärzte die Proben schicken. Aber wir haben
auch sehr große Pharmaunternehmen als
Kunden. Alles in allem ist der mobile Roboter
uLab Mobile bereits in mehr als 30 Laboren im
Einsatz. Durch die enge Zusammenarbeit mit La-
Bild: United Robotics Group
Wassim Saeidi und Kerstin Wagner haben die Patent-, Marken- und Contentrechte aller URG-Produktserien übernommen und wollen das
operative Bestandsgeschäft fortführen. Hauptfokus ist aber der Healthcare-Bereich.
November 2025 63
_Macher der Automation
gleich. Wenn wir in den Laboren bewiesen haben,
dass unsere Roboter funktionieren, können wir
dank unseres Plattform- und Familiengedankens
auch in anderen Bereichen punkten.
Bild: United Robotics Group
Der uLab Mobile ist ein
mobiler, kollaborativer
Roboter, der Hand in
Hand mit dem Fachpersonal
Routineaufgaben
im Labor abarbeitet.
borgeräteherstellern werden die Roboter bereits
vor der Auslieferung trainiert und lassen sich vor
Ort ohne Programmieraufwand sofort in bestehende
Abläufe integrieren.
AP: Bleibt es bei den Laboren?
Wagner: Nein. Ausgehend vom Labor wollen wir
auch in anderen Krankenhausbereichen aktiv werden,
beispielsweise beim Catering, beim Materialtransport
oder bei der Reinigung. Letztlich wollen
wir aber vom reinen Objekthandling mehr hin
zum Patienten.
Saeidi: Wir denken hier an Pflegeunterstützung
oder patientenunterstützende Maßnahmen – mit
der gleichen Roboterplattform. Wir passen zwar
Greifer und Workflows an, aber die Basis bleibt
Wer ist die United Robotics Group?
Die United Robotics Group war ursprünglich 2020 vom Robotik-
Veteranen Thomas Hähn mit dem Ziel gegründet worden, einen europäischen
Servicerobotik-Champion zu schaffen. Dazu bündelte die
URG mit finanzieller Unterstützung der Beteiligungsgesellschaft der
RAG-Stiftung mehrere Robotik- und Servicerobotik-Unternehmen
unter einem Dach. Im Februar 2025 musste die United Robotics
Group Insolvenz anmelden. Gründe waren hohe Entwicklungskosten,
fehlende Profitabilität und ein Finanzierungsstopp durch die RAG-
Stiftung.
Wassim Saeidi (der sich 2021 mit seinem Unternehmen WS System
GmbH als „United Robotics Health & Food GmbH“ der Servicerobotik-Gruppe
angeschlossen hatte) hat im Sommer 2025 die Patent-,
Marken- und Content-Rechte für sämtliche Produktserien der „alten
URG“ übernommen und führt die „neue URG“ nun mit einem Fokus
aus KI-Robotiklösungen im Healthcare-Bereich fort. Der Laborrobotik-Bereich
soll dafür die Keimzelle sein.
AP: Was zeichnet den uLab Mobile aus?
Saeidi: Wir haben deutsche Maschinenbau-Qualität
kombiniert mit einem ansprechenden Design,
einer intuitiven Mensch-Roboter-Interaktion sowie
einer innovativen KI-basierten Software. Unsere
Roboter arbeiten mit Skills – sie erkennen
Objekte, finden Greifpunkte, öffnen Schubladen
und planen Arbeitsschritte selbstständig. So können
sie auch in unbekannten Umgebungen zuverlässig
agieren. Und das Beste: Diese Software-
Plattform läuft nicht nur auf dem uLab Mobile,
sondern auch auf unseren anderen Servicerobotern
wie dem Reinigungsroboter uClean oder dem
mobilen Transportroboter uLog.
AP: Sie wollen also nicht nur den uLab Mobile
Roboter weiterführen?
Saeidi: Genau. Wir haben die Patent-, Markenund
Contentrechte aller URG-Produktserien übernommen,
werden das operative Bestandsgeschäft
fortführen und auch Bereiche wie Education oder
Inspection und Maintenance wieder hochfahren.
Denn auch hier haben wir zufriedene Kunden. Parallel
zur Skalierung der bestehenden Geschäftsfelder
treiben wir auch die Entwicklung ganz neuer
Technologien voran. Mit uMe präsentieren wir
Anfang 2026 auf der CES in Las Vegas unseren
humanoiden Roboter.
AP: Warum einen humanoiden Roboter? Hier
gab es zuletzt neben großem Hype auch einige
Enttäuschungen.
Saeidi: Klar kann die öffentliche Stimmung kippen,
wenn zwischen den geweckten Erwartungen
und der Realität eine zu große Lücke klafft. Deswegen
ist es uns sehr wichtig, ehrliche Produkte
auf den Markt zu bringen. Wir wollen kein Showprojekt.
Unser Prototyp „uMe“ läuft bereits bei
uns in den Räumlichkeiten und nutzt dieselbe
Softwareplattform wie auch der uLab Mobile.
AP: Was soll der humanoide Roboter können?
Wagner: Im ersten Schritt wird er dieselben Use
Cases wie der uLab Mobile beherrschen: Er wird
die gleichen Objekte erkennen, die gleichen Dinge
greifen und von A nach B bringen können. Aber er
wird eben auch Treppen steigen können. Unser
Ziel ist der Einsatz in der Senioren- und Pflegeunterstützung
bis in den häuslichen Bereich. Dort
soll der humanoide Roboter aber nicht nur einfache
Hilfsleistungen erbringen, sondern mit den
Patienten auch empathisch interagieren.
AP: Wie stemmen Sie den Neustart und all
diese Entwicklungen eigentlich finanziell?
64 November 2025
_Macher der Automation
_Impressum
Saeidi: Bislang komplett aus eigener Tasche. Wir
wachsen organisch, weil wir konkrete, einsatzbereite
Produkte haben, die in der Praxis bestehen.
Natürlich sprechen wir auch mit Investoren, aber
wir lassen uns Zeit und entscheiden in Ruhe über
die nächsten Schritte.
Wagner: Das Tolle ist, dass mit den Geldern des
früheren Investors Lösungen entwickelt wurden,
die wir bereits verkaufen können. Auf dieser Basis
können wir uns aktuell selbst tragen. Für neue
Ideen und schnelleres Wachstum prüfen wir Partnerschaften,
aber wir stehen nicht unter Druck.
Wir befinden uns in einer Sondierungsphase.
AP: Wo soll URG in fünf Jahren stehen?
Saeidi: Unser Ziel ist klar: Wir wollen ein führender
europäischer Anbieter für Service-Robotik
sein – ein Unicorn mit internationalem Footprint.
Weil wir ein funktionierendes Produktportfolio
haben und weil wir auf einen Plattform- und Familiengedanken
setzen. Wir wollen Trends setzen,
indem wir KI mit echtem Praxisnutzen kombinieren
und Robotik dorthin bringen, wo Menschen
sie brauchen: in Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen
und öffentliche Räume.
United Robotics Group GmbH
https://unitedrobotics.group
ISSN 1863–401X
Herausgeberin: Katja Kohlhammer
Verlag:
Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH,
Ernst-Mey-Straße 8,
70771 Leinfelden-Echterdingen, Germany
Geschäftsführer: Peter Dilger
Verlagsleiter: Peter Dilger
Chefredakteur:
Armin Barnitzke (ab),
Phone +49 711 7594–425,
Ernst-Mey-Straße 8,
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technischen Gründen oder höherer Gewalt entsteht kein
Anspruch auf Ersatz.
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Druck:
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97204 Höchberg,
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Leinfelden-Echterdingen
November 2025 65
_10 Fragen an
10 Fragen an Patrick Heimburger, CRO und Gründer, Fruitcore Robotics GmbH
„Wenn ich am Wasser bin,
muss ich reinspringen“
Patrick Heimburger ist
Mitgründer und Chief
Revenue Officer bei
Fruitcore Robotics. Seine
Leidenschaften und Entspannungsvehikel
sind
seine Familie und alle
Arten von Sport. Sein
Spleen? „Wenn ich am
Wasser bin, muss ich
reinspringen.“ Gut, dass
das Fruitcoe-Robotics-
Headquarter in Konstanz
doch knapp drei Kilo -
meter vom Bodensee
entfernt ist.
Bild: Fruitcore Robotics
AP: Beschreiben Sie sich in drei Worten
Heimburger: Positiv, voller Energie, vielfältig.
AP: Meine Lebensweisheit/Maxime:
Heimburger: Tag für Tag in allen Bereichen des
Lebens einen möglichst positiven Beitrag zu erzielen
und etwas aus den Chancen zu machen, die ich
habe.
AP: Haben Sie eine Leidenschaft?
Heimburger: Neben der Arbeit meine Familie und
fast jede Sportart, als Zuschauer oder Mitspieler.
AP: Haben Sie einen Spleen?
Heimburger: Wenn ich am Wasser bin, muss ich
reinspringen.
AP: Wo haben Sie die besten Ideen?
Heimburger: Unter der Dusche oder beim Joggen.
AP: Wie entspannen Sie nach einem langen
Bürotag?
Heimburger: Mit der Familie oder beim Sport.
AP: Worauf können Sie in Ihrem Alltag auf gar
keinen Fall verzichten?
Heimburger: Mittlerweile nicht mehr auf
ChatGPT, vor allem auf Autofahrten.
AP: Und was darf in Ihrer Aktentasche nie fehlen?
Heimburger: Smartphone, Laptop, Noise-Cancelling-Kopfhörer.
AP: Was ist Ihr Lieblingsessen und/oder Lieblingsgetränk?
Heimburger: Lieblingsgetränk ist eindeutig Kaffee.
AP: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Wen
wollten Sie schon immer mal treffen?
Heimburger: Leonardo da Vinci. Vor kurzem war
ich im Museum in seinem Geburtsort in Italien.
Beeindruckend, in welchen Bereichen er geforscht
und unglaubliche Erfindungen gemacht hat.
Fruitcore Robotics GmbH
www.fruitcore-robotics.com
66 November 2025
Industrie
Das Kompetenznetzwerk der Industrie
RO
18. Juni 2026
9:00 bis 17:00 Uhr
Kongresshalle Böblingen
Xperience RobotX
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#KROX26!
Der
Treffpunkt
der Robotik!
Mit der Fortsetzung des Events #KROX –
das Konradin RobotX Forum präsentiert die
Konradin Mediengruppe Innovationen aus
Robotik und Automation in einem praxisnahen
Format aus Kongress und Ausstellung.
Ob einfache Robotik, intelligente Robotik,
kollaborative Robotik, kognitive Robotik oder
mobile Robotik:
Das Konradin RobotX Forum, das von
Automationspraxis und Industrieanzeiger
organisiert wird, macht Robotiktrends live
erlebbar – Networking und Know-how-
Transfer inklusive.
Unsere Review zum #KROX vom 20.06.2024
finden Sie unter:
www.automationspraxis.industrie.de/krox
Eine Veranstaltung von:
Ich will als Partner
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November 2025 67
Europas erster
vollständig kognitiver
humanoider Roboter.
Entwickelt, um sich wie wir zu bewegen.
Gebaut, um uns zu unterstützen.
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68 November 2025