Industrieanzeiger 15.2025
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11.11.2025 Ausgabe 15 | 2025 www.industrieanzeiger.de
Interview
Titelinterview
Dr. Ulrich Viethen, Geschäftsführer
von Murrelektronik im Interview
» Seite 18
Fachmesse SPS
In Nürnberg trifft sich die
Automatisierungsbranche
» Seite 25
Fachmesse Formnext
Special zur Leitmesse für
additive Fertigung
» Seite 73
Nicola Leibinger-Kammüller,
Vorstandsvorsitzende
von
Trumpf, im
Gespräch
» Seite 14
Smart Factory
Wissen für Entscheider in der Produktion
Neues und Innovatives
aus der Welt der vernetzten
Fabrik in der Praxis
» Seite 35
SPS Nürnberg
25.– 27. November 2025
Halle 3, Stand 468
Für harmonische
Bewegungsabläufe
Profitieren Sie von unserer Kompetenz bei Steuerungslösungen für modernste Antriebstechnik
in Geräten, Maschinen und Anlagen. Mit unseren Produkten werden komplexe Herausforderungen
wie hochdynamische mehrachsige Positionierung oder Synchronisation kostengünstig
und effizient gelöst. industrieautomation.maxongroup.de
Precision Drive Systems
2 Industrieanzeiger » 15 | 2025
» MEINUNG
Der Schlüssel zur Resilienz
In einer Zeit, in der geopolitische Spannungen, schwankende Energiepreise
und ein rasanter technologischer Wandel die Wirtschaft prägen, gewinnt
das Thema „Smart Factory“ noch weiter an Bedeutung. Der Fokus liegt nicht
mehr allein auf der Produktion, sondern zunehmend auf der intelligenten
Vernetzung von Anlagen, Datenflüssen und Geschäftsprozessen. Effizienzsteigerung,
Flexibilität und Resilienz sind keine Schlagwörter mehr, sondern
strategische Imperative. Der Transformationsdruck ist hoch – sei es durch
Rohstoffknappheiten, Lieferkettenstörungen oder die Forderung nach mehr
Nachhaltigkeit. In diesem Umfeld ermöglicht die Smart Factory, Produktionsanlagen
nicht nur zu steuern, sondern mithilfe von Daten-, KIund
Automationslösungen zu orchestrieren. So lassen sich Stillstand und
Ausschuss reduzieren, der Ressourceneinsatz optimieren und individuelle
Kunden wünsche wirtschaftlich erfüllen.
Dennoch bleibt die Umsetzung eine Herausforderung. Unternehmen
müssen nicht nur in Technologien investieren, sondern auch ihre Geschäftsmodelle
überdenken, ihre Organisationsstrukturen anpassen und Fachkräfte
ge winnen. Dabei spielt auch die makroökonomische Lage eine Rolle: Unsicherheit
in den Absatzmärkten, Kostensteigerungen bei Energie und Personal
sowie volatile Nachfrage verlangen nach einem Produktionssystem,
das nicht starr, sondern agil ist. Eine gut realisierte Smart Factory ist daher
Antwort auf wirtschaftliche Herausforderungen und Motor für Wettbewerbsvorteile
zugleich. Wer flexibel fertigt, kann schneller auf Märkte
reagieren, Kosten senken und Qualität sichern.
Und hier schließt sich der Kreis zu einem zentralen Branchenevent: Vom
25. bis 27.11.2025 öffnet die Fachmesse SPS – Smart Production Solutions
2025 in Nürnberg ihre Tore (mehr darüber auch in unserem Sonderteil ab
Seite 25). Als eine der führenden Plattformen für smarte und digitale Automation
präsentiert sie das komplette Spektrum – von Sensorik und Steuerungstechnik
bis hin zu Software und IT. Aussteller präsentieren Lösungen,
Fachleute diskutieren Umsetzungen und Strategien und es entstehen Netzwerke.
Für Produzenten, Automatisierer und Entscheider, die den Anschluss
nicht verlieren wollen, ist die Messe definitiv eine Pflichtveranstaltung.
Hagen Wagner
Redakteur Industrieanzeiger
hagen.wagner@konradin.de
Maschinenleuchten
Bringen Sie Licht
ins Dunkel
Die robusten Maschinenleuchten vom
Typ DV3 rücken Ihre Arbeitsumgebung
ins rechte Licht: 450 Lumen auf 250 mm
Länge sorgen für eine ausreichende und
gleichzeitig angenehme Ausleuchtung
mit Weißlicht. Und wem 250 Millimeter
nicht reichen, der verbindet bis zu vier
Leuchten für bis zu einem Meter optimaler
Lichtausbeute.
Darüber hinaus zieht die DV3 auch als
Statusanzeige alle Blicke auf sich:
Nutzen Sie die RGB-LED, um sich von
Ihren Maschinen, Schalt- oder Serverschränken
über Wartungsbedarf,
Idealzustand oder Prozessfortschritt
informieren zu lassen. So viel Flexibilität
und Komfort in einem?
Das stellt alle anderen in den Schatten.
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Industrieanzeiger » 15 | 2025 3
» INHALT 15 | 2025 145. JAHRGANG
TOPSTORY
Antriebstechnik
Geteilter Datenraum für
smarte Antriebe
» Seite 36
Bild: William Veder
Antrieb 4.0 zeigt auf der SPS zukunftsweisende Antriebslösungen für die
Industrie.
» Seite 36
NEWS & MANAGEMENT
Branchennews
VDMA äußerst sich zur Forschungsförderung 08
Verteidigung: Rohde & Schwarz und Trumpf kooperieren 10
Batterieversorgung: Appell an die deutsche Politik 12
Digitalisierung: Bitkom launcht Dataverse-Plattform 13
» Interview
Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende des Vorstands
von Trumpf im exklusiven Interview 14
» Titelinterview
Dr. Ulrich Viethen, Geschäftsführer von Murrelektronik über
Herausforderungen und Chancen in der Automatisierung 18
Serie Recht
Chancen und Risiken beim Einsatz von KI-Agenten 20
Industrie 4.0
Modell simuliert digitalisierte Produktionsabläufe 22
MESSEN
» SPS
In Nürnberg trifft sich die Fachwelt, um Neues aus der
Welt der Automatisierung zu bestaunen 25
» Formnext mit Sonderteil Additive
Wenn die 3D-Druck-Leitmesse startet, geht es nicht nur
um Technik: Wir beleuchten Trends, Herausforderungen,
Politisches, die Märkte – und nicht zuletzt Technologie 73
TECHNIK & WISSEN
» Smart Factory
Neues für die intelligente Produktion im Themenspecial 35
TOPSTORY
Antriebstechnik
Geteilter Datenraum für smarte Antriebe 36
Verbindungstechnik
Leistungsfähige und durchdachte Infrastrukturen
für die elektrische Zukunft 42
Energiemanagement
Durch mehr Transparenz im Energieverbrauch die
Effizienz erhöhen und nachhaltiger produzieren 44
Digital Twin
Fliegende Komponenten virtuell programmiert 46
Auslandsmarkt Taiwan
Fünf Werkzeugmaschinenhersteller geben Einblicke 48
Verbindungstechnik
Global verfügbare Verbindungslösungen erleichtern
weltweite Umsetzung von Automatisierungsprojekt 58
Antriebstechnik
Variantenmanagement für die transparente
Optimierung von Förderanlagen 60
Automatisierte Fertigung
Klug kombiniert: Bearbeitungszentrum plus
Handlingsystem für mehr Präzision und Effizienz 62
C-Teile-Management
Wie sich die Infrastruktur der Fertigung optimieren lässt 64
Marktspiegel Werkzeugbau
Zwei Kunststoffverarbeiter lassen sich in die Karten
schauen, wie sie die Marktdaten anderer nutzen 66
Rezyklat-Beschaffung
Holypoly erschließt sichere und exklusive Lieferketten
für die Kunststoffrezyklat-Versorgung von Kunden 68
Leichtbau-Förderung
Auf dem Leichtbau Forum in Berlin plädierten Industrie
und Forschung für die Wiederaufnahme des Programms 70
RUBRIKEN
Editorial 03
Augenblicke der Technik 06
Produkte 88
Impressum 88
Vorschau 89
Kolumne Tacheles 90
4 Industrieanzeiger » 15 | 2025
Bild: Mesago Messe Frankfurt GmbH / Arturo Rivas Gonzalez
Science-Fiction oder schon Gegenwart: Auf der SPS präsentiert sich die
industrielle Automatisierung auch von ihrer „menschlichen“ Seite.
» Seite 25
Your Global Automation Partner
Bild: Trumpf
Nicola Leibinger-
Kammüller, Vorsitzende
des Vorstands von
Trumpf spricht im
exklusiven Interview
über die wirtschaftliche
Lage, den Einstieg in
den Verteidigungs -
sektor und politische
Rahmenbedingungen.
» Seite 14
Halle 7, Stand 250
» ZUM TITELBILD
Dr. Ulrich Viethen, CEO von Murrelektronik, spricht im Titelinterview
über Systemdenken statt Einzelkomponenten, digitale
Zwillinge, neue Wachstumsfelder und darüber, warum die dezentrale
und elektrische Installation ein Schlüssel zur Zukunft
der industriellen Automatisierung ist. Mehr dazu ab Seite 18.
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Effiziente Produktion, effektives
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Industrieanzeiger » 15 | 2025 5
» Augenblicke
der Technik
D
ie innerbetriebliche Logistik ist für viele mittelständische
Unternehmen ein bedeutender strategischer Erfolgsfaktor
geworden, denn effiziente Abläufe in Lager und Fertigung sorgen
für eine zuverlässige Produktionsversorgung und kurze Lieferzeiten.
Mit digitalen Lösungen, Sicherheitsassistenzsystemen und
einem höheren betrieblichen Automatisierungsgrad lassen sich
weitere Optimierungspotenziale erschließen.
Zu sehen auf diesen beiden Seiten ist ein Flurförderzeug des
deutschen Intralogistik-Spezialisten Linde Material Handling. Im
Produktportfolio des Anbieters befinden sich Gegengewichtsstapler
bis 18 t, manuelle und automatisierte Lager- und Systemtechnikgeräte,
autonome mobile Roboter aber auch EX-geschützte
Flurförderzeuge. Softwarelösungen und Beratungsleistungen sind
weitere Kompetenzen des Unternehmens, das nicht zuletzt auch
geprüfte Gebrauchtstapler anbietet. Die Second-Life-Fahrzeuge
werden dabei in eigenen Aufarbeitungszentren nach einem standardisierten
Prozess überholt. Bild: Linde Material Handling
6 Industrieanzeiger » 15 | 2025
Industrieanzeiger » 15 | 2025 7
» NACHRICHTEN
Forschungsförderung: Weitere Optimierung vonnöten
VDMA veröffentlicht Positionspapier
zur Forschungszulage
Die steuerliche Forschungsförderung ist eine Erfolgsgeschichte. Ein neues Positionspapier
des VDMA zeigt Wege auf, wie sie weiter optimiert werden kann.
Keine andere Industriebranche nutzt
die Forschungszulage so intensiv wie
der Maschinen- und Anlagenbau.
Als eine Erfolgsgeschichte bezeichnet
der VDMA die steuerliche Forschungsförderung.
Nach aktuellen Zahlen
der zuständigen Bescheinigungsstelle
kommen mehr als 2700 Antragssteller der
Forschungszulage aus dem Maschinenund
Anlagenbau. Das ist mit weitem Abstand
der Spitzenplatz innerhalb der Industrie.
Wie die Förderung weiter optimiert
werden kann, zeigt ein neues Positionspapier
des Branchenverbandes.
Der Maschinen- und Anlagenbau
schöpft sein Förderpotenzial immer besser
aus. Bereits drei von vier Unternehmen,
die potenziell für eine Nutzung des
Instruments in Frage kommen, beantragen
die Forschungszulage. Damit steigt
auch die Summe der Förderung insgesamt:
Vor der Forschungszulage (2021)
waren es weniger als 200 Mio. Euro im
Jahr an staatlichen Mitteln. Nach letzten
Zahlen des Stifterverbands (2023) sind es
Bild: patpongstock/stock.adobe.com (generiert mit KI)
mittlerweile rund 350 Mio. Euro. Am
stärksten machen mittelständische
Unternehmen von dem Instrument
Gebrauch. „Längst ist die Forschungszulage
bei uns im Maschinen- und Anlagenbau
das Förderinstrument Nummer eins“,
berichtet Hartmut Rauen, stellvertretender
VDMA-Hauptgeschäftsführer. „Dieses
Instrument hilft unserem Standort auch
bei strategisch relevanten Technologien
und dem Aufbau von technologischer
Souveränität.“ Das bedeutet auch: Neun
von zehn Unternehmen nutzen ausweislich
einer aktuellen VDMA-Befragung die
Mittel der Forschungszulage direkt wieder
für die Finanzierung ihrer F&E-Aktivitäten.
„Gutes kann immer noch besser werden“,
ergänzt Dr. Johannes Gernandt,
Leiter der VDMA-Steuerabteilung. „Aus
der Perspektive unserer Unternehmen
sind effiziente, bürokratiearme Verfahren
eine ständige Aufgabe.“ So seien die erforderlichen
Stundenaufzeichnungen
aufwändig und oft Gegenstand intensiver
Prüfung auf Seiten der Finanzbehörden.
Besonders betroffen davon ist der industrielle
Mittelstand. „Die Unternehmen
wünschen sich, dass Prüfungen nicht
überschießen und dem Steuerpflichtigen
in dieser Sache nicht mit grundsätzlichem
Misstrauen begegnet wird“, betont Dr.
Gernandt.
Auch sollten Unternehmen die europarechtlich
heute schon zulässigen Fördermöglichkeiten
wie die Anschaffung von
Softwarelizenzen zur Durchführung von
F&E-Vorhaben oder von Patentkosten
vollständig ausschöpfen. Optimierungspotenzial
bestehe auch bei der schnelleren
Auszahlung der Zulage, die dann
rascher liquiditätswirksam wird. „Die
Unternehmen stehen unter hohem Kostendruck
und sehen sich auch mit unfairem
Wettbewerb subventionierter Importe
konfrontiert“, unterstreicht Dr. Gernandt.
„Liquidität ist vor diesem Hintergrund
ein wichtiger Faktor, zu dem die
Forschungszulage beitragen kann.“
Aus Sicht der Unternehmen sollten
auch Bemessungsgrundlage und Fördersätze
ausgeweitet werden. „Die Forschungszulage
ist zukunftsgerichtet,
standort- und arbeitsplatzzentriert und
refinanziert sich perspektivisch über
höhere Einnahmen“, erläutert Hartmut
Rauen. „Endlich wird die Innovationsmaschine
Maschinenbau bei der Forschungsförderung
besser, weil in der Breite adressiert“.
8 Industrieanzeiger » 15 | 2025
DIE
KUNST
der C-Teile-Versorgung
Industrieanzeiger » 15 | 2025 9
» NACHRICHTEN
Kühlenergie für KI-Rechenzentren halbiert
IPAI Campus Heilbronn: EBM-Papst stärkt KI-Standort
Seit zwei Jahren ist ein Team von ebm-Papst
fester Bestandteil des IPAI Campus.
Bild: ebm-Papst
Zum Spatenstich für den IPAI Campus in
Heilbronn im Beisein von Bundeskanzler
Friedrich Merz erklärt Klaus Geißdörfer,
CEO der EBM-Papst Gruppe: „Es ist ein
Glücksfall, ein KI-Zentrum mit dieser
Strahlkraft direkt vor der Haustür zu haben.
Der IPAI-Campus beeindruckt weltweit.
Wir haben damit die Chance, vorne
mit dabei zu sein, aber die Zeit läuft.“
EBM-Papst ist seit rund zwei Jahren Mitglied
des Innovationsparks für künstliche
Intelligenz und gehört zu den ersten
Unternehmen, die sich im schnell wachsenden
Heilbronner Ökosystem engagiert
haben. Der Anbieter von Ventilatoren und
Motoren bringt dort eine besondere Kompetenz
ein: Während im IPAI die KI-Software-Anwendungen
entwickelt werden,
arbeitet EBM-Papst an Lösungen für die
Hardware-Infrastruktur, damit diese Anwendungen
mit möglichst geringem
Energie-Einsatz ausgeführt werden können.
Der Bedarf an Hochleistungs-
Rechenzentren wächst rasant: Die Inter-
Anzeige
VERBINDUNGS-
ELEMENTE
EXPLORE
MORE
nationale Energieagentur (IEA) prognostiziert,
dass sich der weltweite Stromverbrauch
von Rechenzentren bis 2030 auf
945 Terawattstunden mehr als verdoppeln
wird – getrieben durch den KI-Boom.
Allein in Europa wird mit einem Anstieg
um 45 zusätzliche Terawattstunden jährlich
gerechnet. Vor wenigen Tagen hat die
EU mit der Förderung von sechs sogenannten
Gigafactories Milliardeninvestitionen
für den Bau neuer KI-Rechenzentren
angestoßen.
Eine Antwort auf diese Herausforderungen
ist die EBM-Papst-Plattform Nexaira.
Durch den Einsatz hocheffizienter Ventilatoren
in Kombination mit intelligenter
Datenauswertung und Motorensteuerung
kann Nexaira beispielsweise die jetzt zu
errichtenden KI-Rechenzentren mit rund
der Hälfte der Energie kühlen, die bisher
notwendig ist. Die Technologie ist bereits
im Einsatz.
Rohde & Schwarz und Trumpf arbeiten zukünftig zusammen
Drohnen erkennen, verfolgen und neutralisieren
Rohde & Schwarz und Trumpf
kooperieren zukünftig bei der
Entwicklung von Drohnenabwehr-Lösungen.
Sie vereinen
damit die Expertise von Rohde
& Schwarz in der Beherrschung
des elektromagnetischen Spektrums
und der Radar-Sensorik
mit der Hochenergielasertechnologie
von Trumpf. Ziel ist es,
Drohnen zu erkennen, zu verfolgen
und zu neutralisieren.
Die Unternehmen Rohde & Schwarz und
Trumpf haben eine strategische Partnerschaft
zur Entwicklung und Bereitstellung
einer umfassenden und national produzierten
Drohnenabwehr-Lösung bekanntgegeben.
Diese Zusammenarbeit kombiniert
die Drohnenabwehr-Lösung von
Rohde & Schwarz im Bereich Elektromagnetik,
Radar-Sensorik sowie die Lasertechnologie
von Trumpf.
Damit werden eine Erkennung, Verfolgung
und Verteidigung gegen die wachsende
Bedrohung durch Drohnen auf diversen
Plattformen möglich. Die Expertise
beider Unternehmen soll Anwendern eine
Verteidigung gegen drohnenbasierte Bedrohungen
bieten. Rohde & Schwarz wird
das Hochenergielasersystem von Trumpf
in ein komplettes Drohnenabwehr-Ökosystem
integrieren.
Bild: Rohde & Schwarz und Trumpf
Dr. Alexander Orellano, Head of
Division Technology Systems bei
Rohde & Schwarz (l.) und Dr. Hagen
Zimer, Chief Executive Officer Laser
Technology bei Trumpf (r.).
„Wir sind stolz darauf, mit
Trumpf zusammenzuarbeiten,
um eine souveräne Lösung für
die Drohnenabwehr anzubieten“,
sagt Dr. Alexander Orellano,
Leiter der Division Technologie
Systeme, Rohde &
Schwarz. „Investitionen in europäische
Verteidigung und insbesondere in Drohnenabwehrtechnologie
sind von größter
Bedeutung.“
Beide Unternehmen betonen, dass sie sich
der Bedeutung bewusst sind, ihre Technologien
rein defensiv zur Bewältigung der
neuen Sicherheitsrisiken einzusetzen.
10 Industrieanzeiger » 15 | 2025
Salesforce stellt Agentforce 360 vor
Wo KI-Agenten unterstützen
Salesforce hat die neue CRM-Plattform
Agentforce 360 vorgestellt. Seit der Ankündigung
der ersten Agentforce Version
auf der Dreamforce 2024 hat Salesforce
agentenbasierte KI-Lösungen für Unternehmen
in der Praxis umgesetzt – mit bereits
vier neuen Versionen, Tausenden von
Kundenimplementierungen und Salesforce
selbst als „Customer Zero“ in Vertrieb,
IT und Kundenservice. Agentforce 360 ist
ab sofort weltweit verfügbar.
„Wir treten in das Zeitalter des Agentic
Enterprise ein – in dem KI menschliches
Potenzial wie nie zuvor erweitert“, sagt
Marc Benioff, Gründer und CEO von
Salesforce. „Agentforce 360 verbindet
Menschen, KI-Agenten und Daten auf
einer vertrauenswürdigen Plattform und
hilft der Belegschaft in jedem Unternehmen,
mehr zu erreichen, als sie je für
möglich gehalten hätten.“
Die Plattform sei mehr als nur ein CRM.
Sie stelle allen Mitarbeitenden KI als
Partner zur Seite, um schnellere und bessere
Ergebnisse zu erzielen. So entsteht
das Agentic Enterprise, ein neues Arbeitsmodell,
in dem KI Menschen dabei unterstützt
soll, mehr Produktivität, Kundennähe
und Wachstum für jedes Unternehmen
zu realisieren. In den letzten zwölf
Agentforce 360 verspricht ein neues
Arbeitsmodell, in dem KI Menschen
dabei unterstützt, mehr Produktivität,
Kundennähe und Wachstum für jedes
Unternehmen zu realisieren.
Monaten haben sich, laut Salesforce,
rund 12.000 Unternehmen die Plattform
entschieden, allen voran Salesforce als
„Customer Zero“ in Vertrieb, IT und
Kundenservice.
Agentforce 360 vereint vier wesentlichen
Elemente:
• Sie bildet das Fundament für die erfolgreiche
Einführung von KI-Agenten
in Unternehmen aller Größen und
bringt neben neuen Dashboards für die
kontinuierliche Optimierung eine Reihe
weiterer Neuerungen mit.
• Data 360: Die vertrauenswürdige,
harmonisierte Datenschicht liefert KI-
Agenten den nötigen Kontext. Die neue
Funktion Intelligent Context ermöglicht
KI-Agenten den Zugriff auf
unstrukturierte Inhalte wie PDFs oder
Diagramme, um Aufgaben wie
Troubleshooting oder Analysen zu
unterstützen.
• Customer 360 Apps: KI-Agenten nutzen
die Geschäftslogiken und das
kumulierte Wissen im Unternehmen,
um sämtliche Abteilungen mit Automatisierungen
und autonomen KI-
Agenten direkt in ihren Arbeitsabläufen
zu entlasten. Der Agent Sales optimiert
den gesamten Vertriebsprozess,
Marketing ermöglicht die autonome
Durchführung von Kampagnenbestandteilen,
Service erlaubt proaktiven
24/7-Kundenservice, Agentforce Field
Service automatisiert die Disposition
und unterstützt den Außendienst mit
Live-Karten.
• Slack: Slack verbindet Menschen, KI-
Agenten, Apps und Daten in Echtzeit
und dient so als Cockpit für das
Agentic Enterprise. Die Slack-First
Apps Agentforce Sales, IT Service, HR
Service und Tableau Next sind direkt
in Slack nutzbar, ohne Appwechsel.
Mit dem Channel Expert Agent lässt
sich Unternehmenswissen in Echtzeit
finden, Enterprise Search liefert
Antworten aus Quellen wie Google
Drive, GitHub oder Jira in natürlicher
Sprache.
Bild: Salesforce
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» NACHRICHTEN
Batterieversorgung
Appell an die deutsche Politik
Batterietechnologie gilt als eine der zentralen
Zukunftstechnologien des 21. Jahrhunderts.
Bild: MahmudulHassan/stock.adobe.com (generiert mit KI)
In einem offenen Brief haben sich fünf
Wirtschaftsverbände an Bundeskanzler
Friedrich Merz sowie mehrere Bundes -
minister gewandt: Sie sehen den Batteriestandort
und somit auch das
Batterieöko system in Deutschland und
Europa in Gefahr. Das Kompetenznetzwerk
Lithium-Ionen-Batterien KLIB, der
Verband der Chemischen Industrie VCI,
der Verband der Automobilindustrie VDA,
der VDMA sowie der ZVEI warnen in dem
Papier, dass die Weiterentwicklung des
bislang in seinen Anfängen stehenden
Batterieökosystems zum Erliegen zu kommen
drohe.
Die fünf Verbände haben nun einen
gemeinsamen Acht-Punkte-Plan vorgelegt.
Er umfasst Vorschläge für bessere
Bedingungen am Standort Deutschland
und Europa, wie eine gemeinsame und
langfristige Strategie auf deutschem und
europäischem Level oder auch Klarheit
und Verbindlichkeit. Ferner seien aber
auch ein gesamtheitliches Verständnis
der Batterielieferkette wichtig, bessere
Standort– und faire Wettbewerbsbedingungen,
ein gemeinsames Risk-Sharing,
die Sicherung von Rohstoffen, aber auch
die Förderung von Forschung und Entwicklung.
Das Konsortium begrüßt zwar die neue
Hightech-Agenda der Bundesregierung,
die die Batterieforschung deutlich stärkt.
Doch es fehle eine gemeinsame, langfristig
von Politik und Industrie getragene
Strategie zur Industrialisierung der Batterietechnologie
und zum Aufbau eines
wettbewerbsfähigen Batterieökosystems.
Ein solches Batterieökosystem könnte das
dringend benötigte Wachstumspotenzial
erzeugen: Bis 2030 wird für Lithium-
Ionen-Batterien ein globaler Markt von
rund 155 Mrd. Euro erwartet, davon etwa
54 Mrd. Euro in Europa.
Insolvenzen, die Aufgabe von Geschäftsaktivitäten
im Batterieumfeld und auch
der Rückzug aus geförderten Projekten
nähmen zu. Diese besorgniserregende
Entwicklung verstärke die Abhängigkeit
von außereuropäischem Batteriematerial
und Batteriezellfertigern, heißt es in dem
Brief.
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Automatisierung
Schaltschranklose Automatisierungslösung Vario-X
ten. Der digitale Zwilling ermöglicht es,
die Maschine vor der Inbetriebnahme virtuell
zu testen und zu optimieren. Dank
des integrierten Condition Monitorings
kann der Zustand der Anlage kontinuierlich
überwacht und frühzeitig Maßnahmen
ergriffen werden, bevor es zu ungeplanten
Ausfällen kommt.
uKonn-X – Maschinen verbinden
leichtgemacht
Automatisierungssysteme werden immer
intelligenter und leistungsfähiger, aber
auch immer komplexer. Dies erhöht die
Wahrscheinlichkeit von Fehlern beim Einbau
und Anschluss von Maschinenkomponenten.
uKonn-X führt wie ein Pilot
den Nutzer Schritt für Schritt und leicht
verständlich auch durch komplexe Installationen
oder Inbetriebnahmen – einfach,
sicher und robust. uKonn-X verkörpert
den „nahtlosen“ Ansatz und verbindet alle
Schritte entlang des Produktentstehungsprozesses.
Industrieanzeiger 15 | 2025
Titelinterview
Dr. Ulrich Viethen, Geschäftsführer
von Murrelektronik im Interview
» Seite 18
Smart Factory
Neues und Innovatives
aus der Welt der vernetzten
Fabrik in der Praxis
» Seite 35
Fachmesse SPS
In Nürnberg trifft sich die
Automatisierungsbranche
» Seite 25
Fachmesse Formnext
Special zur Leitmesse für
additive Fertigung
» Seite 73
Wissen für Entscheider in der Produktion
11.11.2025 Ausgabe 15 | 2025 www.industrieanzeiger.de
Interview
Globaler Wettbewerb, Dekarbonisierung
und Digitalisierung stellen wachsende
Anforderungen an eine zukunftsfähige
Produktion. Eine entscheidende Rolle
spielen dabei performante Konnektivitätslösungen
für die Übertragung von
Strom, Daten und Signalen und dezentrale
Automationslösungen, die der Schlüssel
für mehr Energieeffizienz und Nachhaltigkeit
sind.
Die Automatisierungsplattform Vario-X
Mit Vario-X setzt Murrelektronik neue
Maßstäbe in puncto Energieeffizienz, Flexibilität
und Zukunftssicherheit. Vario-X
ermöglicht die dezentrale Installation ohne
Schaltschrank – Cabinet-Free. Dank
des modularen und selbstkonfigurierbaren
Aufbaus können je nach Bedarf Komponenten
hinzugefügt oder ausgetauscht
– einfach und ohne lange Stillstandzei-
Nicola Leibinger-Kammüller,
Vorstandsvorsitzende
von
Trumpf, im
Gespräch
» Seite 14
Bild: Murrelektronik
12 Industrieanzeiger » 15 | 2025
Digitalisierung
Neue Online-Plattform sorgt für Übersicht
Ab sofort bündelt der Digitalverband
Bitkom Fragen zur Digitalisierung in
Deutschland auf einer neuen Online-
Plattform: dem Bitkom-Dataverse – frei
zugänglich und transparent. Damit entsteht
das größte Online-Portal mit Zahlen
und Statistiken zum digitalen Deutschland,
das kostenlos verfügbar ist.
Zu den Themen gehören Fragen zur
künstlichen Intelligenz, zum kontaktlosen
Bezahlen, zur Cybersicherheit in Deutschland
oder auch zum Nutzungsverhalten
von Kindern und Jugendlichen.
Zum Start stehen mehr als 11 Mio. Datenpunkte
zu unterschiedlichen Digital -
themen aus den vergangenen vier Jahren
bereit. Sie basieren auf mehr als 100.000
Einzelinterviews, unter anderem mit
Bürgern in Deutschland oder Vertretern
von Unternehmen.
Mit dem Bitkom-Dataverse entsteht das
größte Online-Portal mit Zahlen und
Statistiken zum digitalen Deutschland,
das kostenlos verfügbar ist.
Seit Jahren schon vermisst der Verband
das digitale Deutschland in vielen seiner
Facetten. „Nun öffnen wir diesen Datenpool
für die Allgemeinheit“, sagt Bitkom-
Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Das
Bitkom-Dataverse bietet aktuelle Daten
für alle Interessierten – ganz gleich ob
aus Politik oder Wirtschaft, aus NGOs
oder Wissenschaft, aus Schüler- oder
Lehrerschaft.“
Der Digitalverband führt jedes Jahr mehr
als 50 Studien und repräsentative Befragungen
in der deutschen Bevölkerung
durch. Dabei werden nicht nur Unternehmen
befragt, sondern auch spezielle
gesellschaft liche Gruppen wie Senioren
und Jugendliche, Eltern, Lehrkräfte oder
Ärzte. Die wichtigsten Studien aus diesem
und den vergangenen Jahren wurden für
den Datenpool aufbereitet.
Das Dataverse des Branchenverbands
wird permanent weiter ausgebaut und
soll auf diese Weise künftig die Entwicklung
des digitalen Deutschlands auch im
Zeitverlauf nachvollziehbar machen. Die
gesammelten und aufbereiteten Daten
lassen sich dabei nach unterschiedlichen
Kriterien wie Altersgruppen oder Unternehmensgrößen
filtern und die Ergebnisse
für eigene Berechnungen oder etwa
Präsentationen in den gängigen Formaten
exportieren.
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Industrieanzeiger » 15 | 2025 13
MANAGEMENT » Interview
Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende des Vorstands von Trumpf, im exklusiven Gespräch
„Die Unabhängigkeit gibt uns die Kraft,
lange durchzuhalten“
Die Lage im Maschinenbau ist angespannt: geopolitische Unsicherheiten, schwache Konjunktur,
hohe Standortkosten. Trumpf spürt die Folgen deutlich – und setzt dennoch auf Optimismus
und Eigenständigkeit. Im Gespräch mit dem Industrieanzeiger erklärt Nicola Leibinger-
Kammüller, Vorsitzende des Vorstands, warum die Unabhängigkeit als Familienunternehmen
ein entscheidender Vorteil ist, weshalb sie den Einstieg in das Rüstungsgeschäft als
staatsbürgerliche Pflicht sieht und was ihr trotz aller Herausforderungen Hoffnung gibt.
» Alexander Gölz, Chefredakteur Industrieanzeiger
Bild: Trumpf
Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende des Vorstands des Maschinenbauers und Familienunternehmens Trumpf aus Ditzingen in Baden-Württemberg.
14 Industrieanzeiger » 15 | 2025
Bild: Trumpf
Nach verschiedenen Zwischenstationen im Unternehmen übernahm Nicola Leibinger-Kammüller 2005
von ihrem Vater Berthold Leibinger die Geschäftsführung bei Trumpf.
Frau Leibinger-Kammüller, was treibt Sie
morgens an, wenn Sie ins Büro kommen?
Ganz einfach: Ich arbeite gerne. Das
macht mir Freude, auch wenn es gerade
sehr herausfordernd ist. Aber gerade dann
ist es interessant, sich tief in Themen einzuarbeiten
und gemeinsam Lösungen zu
entwickeln. Und dann sind es die Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter: so viele fleißige,
loyale Menschen, die sich
Gedanken machen und sich mit
Leidenschaft für das Unternehmen
einsetzen. Das motiviert
mich. Ihnen schulde ich es auch,
dass ich mit anpacke. Natürlich
bringt eine Vorstandstätigkeit
viele Routineaufgaben mit sich. Aber zugleich
ist es eine spannende Rolle, die die
gesamte Breite umfasst – von strategischen
Entscheidungen bis hin zu ganz alltäglichen
Fragen, die in einem Familienunternehmen
ebenfalls Gewicht haben.
Werfen Sie auch regelmäßig einen Blick
in die Fertigung?
Ja, das ist mir sehr wichtig. Ich mache
Abteilungsbesuche und gehe regelmäßig
durch die Produktion, im In- und Ausland.
Dort komme ich den Mitarbeitern nahe,
höre, was gut läuft, aber auch, was nicht
funktioniert. Ohne dass ich gezielt nachfrage,
entsteht dabei ein sehr direkter
Austausch.
Gab es Momente, in denen Sie besonders
gespürt haben, warum es sich
lohnt, Verantwortung zu tragen?
Es sind viele kleine Momente: wenn eine
neue Maschine fertig ist, eine Messe erfolgreich
verläuft oder die Augen der Mitarbeiter
leuchten. Wenn wir eine neue
Halle eröffnen, eine Tochtergesellschaft
gründen oder sehen, wie sich Kolleginnen
und Kollegen über ihre Trumpf-Karriere
hinweg entwickeln. Das sind Augenblicke,
die mich stolz machen. Und ja, manchmal
» Macht ist nichts Negatives – man
kann sie nutzen, um die richtigen
Veränderungen anzustoßen. «
sind es auch Momente, in denen man
Entscheidungen durchsetzt und Dinge ins
Rollen bringt. Macht ist nichts Negatives
– man kann sie nutzen, um die richtigen
Veränderungen anzustoßen.
Trumpf hat für das Geschäftsjahr
2024/25 einen Umsatzrückgang von
rund 16 Prozent gemeldet, auch der
Auftragseingang liegt niedriger. Wie
schätzen Sie die Lage ein?
Wir gehen davon aus, dass es nicht weiter
bergab geht. Es gibt äußerst vorsichtige
Anzeichen einer Erholung, ohne dass man
von einem Ende der Krise sprechen kann.
Nach drei Jahren Flaute müssen auch unsere
Kunden ihre Investitionen wieder
nachjustieren. Gleichzeitig ist die Lage
global bedrückend: die geopolitischen
Konflikte, die Unsicherheit in den USA,
hohe Zölle, die uns belasten – und die
Schwächen am Standort Deutschland.
Energiepreise, Steuerlast, Infrastruktur,
Bürokratie, die Liste ist lang. Ich erlebe
das in dieser Massivität zum ersten Mal.
Aber: schwierig heißt nicht unlösbar. Wir
haben in Deutschland eine starke Industrie,
gute Forschung und eine durchaus
arbeitswillige Bevölkerung. Doch jetzt
braucht es beherzte Reformen. Sonst
droht ein politischer und wirtschaftlicher
Schaden, den wir uns nicht leisten dürfen.
Welche Märkte und Geschäftsbereiche
sehen Sie aktuell als Wachstumstreiber?
Grundsätzlich alle. Unser Markt ist die
Welt. Besonders wichtig bleiben die USA
und China. Rückzüge sind dort keine
Option. Großes Potenzial sehe ich im
Werkzeugmaschinenbereich mit unseren
Smart Factories, in der Laser- und Halbleitertechnik
sowie im Servicegeschäft –
hier lautet das Stichwort Predictive
Maintenance und KI-gestützte Anwendungen.
Auch hier haben wir uns einen
Vorsprung erarbeitet, gerade weil uns die
Kunden vertrauen.
Im Sommer haben Sie verkündet,
rund 350 Millionen Euro
eingespart zu haben. Wie ist
das gelungen?
Wir haben sehr früh Szenarien
durchgerechnet und dann Investitionen
zurückgestellt, Sachausgaben
reduziert und Reisekosten gesenkt. Dann
gab es temporäre Arbeitszeitverkürzungen
mit Gehaltsanpassungen und
schließlich auch Personalabbau. Von rund
1000 Stellen in der Gruppe wurden viele
über Altersteilzeit oder Vorruhestandsregelungen
gelöst, dazu kamen großzügige
Abfindungen. Wichtig war uns, junge
Leute im Unternehmen zu halten.
Welche Erwartungen hatten Sie an die
Bundesregierung – und wie fällt Ihr
Zwischenfazit aus?
Außenpolitisch ist vieles richtig gemacht
worden. Aber innenpolitisch liegen enorme
Baustellen vor uns: Arbeitsmarkt,
Bildung, Steuer- und Standortbedingungen.
Hier muss dringend mehr passieren.
Integration ist ebenfalls ein Schlüsselthema:
Wer hier lebt, muss Deutsch lernen
Industrieanzeiger » 15 | 2025 15
MANAGEMENT » Interview
Bild: Trumpf
und arbeiten können. Alles andere führt
zu Frustration – und spielt extremistischen
Kräften in die Hände.
Welche Unterstützung benötigt der
Mittelstand, um wieder auf die Erfolgsspur
zu kommen?
Mehr unternehmerische Freiheit. Weniger
Bürokratie, weniger Überregulierung und
steuerliche Entlastungen. Heute verlieren
viele Familienunternehmer die Lust, weil
es so mühsam geworden ist. Manche
überlegen, ob sie das ihren Kindern überhaupt
noch zumuten können. Das ist
brandgefährlich.
Immer mehr Familienunternehmen verlagern
Teile ihrer Produktion ins Ausland.
Wie schätzen Sie diese Entwicklung
ein?
Sie ist Realität, wenn auch schleichend.
Bosch, Siemens, viele andere – Stellen
werden verlagert oder kleinere Werke
geschlossen. Das geht am Ende auch
zulasten ganzer Regionen. Es ist kein
Massenexodus, aber eine Entwicklung, die
wir sehr ernst nehmen müssen.
Welche Vorteile und Herausforderungen
sehen Sie darin, dass Trumpf unabhängig
von Finanzinvestoren ist?
Die Unabhängigkeit ist uns extrem wichtig.
Wir können langfristiger denken, Risiken
Klare Meinung zu
Wirtschaft und Politik:
„Innenpolitisch liegen
enorme Baustellen vor
uns: Arbeitsmarkt,
Bildung , Steuer- und
Standortbedingungen.
Hier muss dringend
mehr passieren“, sagt
Nicola Leibinger-
Kammüller.
eingehen und schwierige Jahre überstehen
– weil die Firma einer Familie gehört.
Finanzinvestoren verlangen schnelle Rendite.
Als Familienunternehmen können wir
dagegen Investitionen vorfinanzieren, Mitarbeiter
auch in schwachen Jahren halten
und nachhaltige Entscheidungen treffen.
Wir können schnell handeln, ohne von externen
Interessen gebremst zu werden.
Welche Haltung haben Sie zum Zollstreit
zwischen den USA und der EU?
Zölle sind ein Übel. Sie verteuern Waren,
behindern den Handel und schwächen
langfristig die Wettbewerbsfähigkeit –
auch des Landes, das sie einführt. Für uns
ist das ein massiver Faktor: Bei der Lieferung
von Maschinenrahmen aus Mexiko
in die USA unterliegen diese Zöllen von
50 Prozent. Zusätzlich kommen Abgaben
auf Stahl und Aluminium. Eine Maschine
kann dadurch um bis zu 500.000 Euro
teurer werden – das lässt sich nicht auf
den Kunden abwälzen. Natürlich haben
wir Vorräte in den USA angelegt, solange
es ging. Aber das macht uns schlicht teurer.
Unsere Mitarbeiter dort sind verun -
sichert, der Auftragseingang ist schwach.
Und doch bin ich überzeugt, dass viele in
der Produktion wieder Trump wählen
werden – auch wenn sie selbst die negativen
Folgen spüren. Das ist eine para -
doxe, aber sehr reale Stimmung.
Trumpf steigt nach langen Überlegungen
in das Rüstungsgeschäft ein und
arbeitet künftig mit Rohde & Schwarz
bei der Entwicklung von Drohnen -
abwehr-Lösungen zusammen. Wie kam
es zu dieser Entscheidung?
Wir tun das nicht aus Renditegründen,
sondern aus staatsbürgerlicher Verantwortung.
Europa muss sich verteidigen
können. Wenn wir mit unserer Lasertechnologie
einen Beitrag zur Drohnenabwehr
leisten können, ist das unsere Pflicht. Der
Entscheidungsprozess war intensiv. In der
Familie hatten wir das Thema lange ausgeschlossen,
unsere Kinder waren immer
dagegen. Aber die Welt hat sich verändert.
Wir haben gemeinsam klargestellt:
Es geht ausschließlich um Defensiv -
waffen. Damit konnten auch die jüngeren
Familienmitglieder zustimmen. Auch im
Unternehmen fand ein Stimmungswandel
statt. Früher waren viele froh, dass wir
nicht in diesem Bereich tätig waren. Heute
sagen gerade jüngere Kolleginnen und
Kollegen: Wenn wir mit unserer Technologie
helfen können, müssen wir das tun.
Was gibt Ihnen Hoffnung, dass es
wirtschaftlich in Deutschland wieder
aufwärts geht?
Erstens: Es geht nie nur nach unten. Und
zweitens: Es gibt erste kleine Anzeichen
einer Besserung. Und drittens schöpfe ich
Hoffnung aus der Innovationskraft von
Trumpf. Uns fallen immer Dinge ein, die
anderen nicht einfallen – und das begeistert
unsere Kunden. Außerdem habe ich
den Grundoptimismus, den Unternehmer
brauchen. Ich hoffe, dass die Vernünftigen
in der Politik irgendwann den Kurs
bestimmen und die notwendigen Reformen
anpacken.
Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken,
gibt es ein Highlight, das besonders
herausragt?
Die 100-Jahr-Feier von Trumpf. Wir
hatten eine große Kundenveranstaltung,
ein weltweites Mitarbeiterfest und hier in
Ditzingen 5000 Menschen bei einem
Konzert der Fantastischen Vier. Strahlender
Sonnenschein, eine unglaubliche
Stimmung – ein echtes Wir-Gefühl. Das
werde ich nie vergessen.
16 Industrieanzeiger » 15 | 2025
| TC04G |
Maschinelles Lernen für alle
Bereiche der Automatisierung
TwinCAT Machine Learning: KI einfach integriert in die Steuerungsebene
KI-Modelle als Funktionsbaustein in der SPS: KI als Bestandteil des Steuerungscodes
Ausführung in Echtzeit auf dem Standard-Steuerungs-IPC:
synchron zu Motion, Ablauflogik, Vision, …
Beschleunigung komplexer KI-Modelle:
Beckhoff IPC mit NVIDIA GPU und Interface aus der SPS
automatisiertes Training von KI-Modellen: KI-Modellerstellung ohne KI-Expertenwissen
offene Schnittstelle für trainierte KI-Modelle (ONNX): Interoperabilität trainierter KI
Verwaltung des Lebenszyklus von KI-Modellen:
Modell-Update ohne kompilieren, Stop und Restart
Halle 7, Stand 406
Scannen und
alles über
maschinelles
Lernen erfahren
Industrieanzeiger » 15 | 2025 17
TITELSTORY » Interview
Dr. Ulrich Viethen, Geschäftsführer von Murrelektronik, über Herausforderungen und Chancen
„Wir verfolgen profitables Wachstum“
Dr. Ulrich Viethen, CEO von Murrelektronik, spricht im Titelinterview über Systemdenken statt
Einzelkomponenten, digitale Zwillinge, neue Wachstumsfelder und darüber, warum die dezentrale
und elektrische Installation ein Schlüssel zur Zukunft der industriellen Automatisierung ist.
» Alexander Gölz, Chefredakteur Industrieanzeiger
elektronik einmal gesagt, dass er verstanden
hat, dass wir die Entmystifizierung
der elektrischen Automatisierungs- und
Installationstechnik zum Ziel haben. Ich
finde dieser Satz trifft die allermeisten
unserer Ambitionen. Unser Ziel ist es, in
Zeiten immer höherer Ansprüche an die
Effizienz des Kapitaleinsatzes, die Lieferperformance
und dem Mangel an Fachkräften
einen Beitrag dazu zu leisten,
dass Maschinen zu entwickeln und zu
bauen auf Topniveau möglich bleibt. Unser
dezentrales Installationssystem
Vario-X und die einzigartige KI-gestützte
digitale Topologieplanungs- und Installationsunterstützung
für die schaltschranklose
Feldinstallation sind unser Beitrag
zur signifikanten Verbesserung der Kostenstruktur
im Maschinenbau. Ohne
Kompromisse auf der Automatisierungsseite.
Leistungsstark, flexibel und nachrüstbar.
Wir setzen konsequent auf standardisierte
Schnittstellen und die Weiterentwicklung
des Steckverbinders. An
praktischen Verbesserungen, an Markierungssystemen,
an jeder denkbaren Detaillösung
für mehr Energieeffizienz, Leistung
und fehlerfreies Handling. Steckverbinder
sind die Schlüsselkomponente zur
Übertragung der Lebensadern einer jeden
Maschine: Signale, Daten und Strom.
Dr. Ulrich Viethen, Geschäftsführer von Murrelektronik aus
Oppenweiler bei Stuttgart im Gespräch.
Herr Dr. Viethen, wie ist Murrelektronik
strategisch aufgestellt? Welche Stoßrichtung
verfolgen Sie in puncto Internationalisierung,
Technologie, Fokus
und Produktentwicklung?
Bild: Murrelektronik
Murrelektronik ist, nicht zuletzt aufgrund
unserer global tätigen Kunden, auf der
ganzen Welt zuhause. Einer unserer Kunden
hat mir nach einem längeren
Gespräch über die Strategie von Murr-
Was bedeutet das konkret für Ihre
Innovationsstrategie?
Wir verfolgen zwei zentrale Denkrichtungen.
Erstens investieren wir stark in den
Bereich der Feldinstallation – also Lösungen,
die im Bereich IP54 bis IP67 robust,
praktisch und zuverlässig funktionieren.
Sie kommen etwa in der Intralogistik, im
Werkzeugmaschinenbau, in der Automobilindustrie
oder in der Energiewirtschaft
18 Industrieanzeiger » 15 | 2025
zum Einsatz. Zweitens koppeln wir unsere
Hardware konsequent mit der digitalen
Welt – insbesondere durch den Einsatz
digitaler Zwillinge. Zwei strategische
Leitplanken beschreiben das gut: unsere
Vario-X- und uKonn-X-Strategien. Während
Vario-X für durchgängige und dezentrale
Automatisierungslösungen im
Feld steht, bildet uKonn-X den digitalen
Zwilling der elektrischen Installation ab.
Mit ukonn-X haben wir einen digitalen
Lotsen, der den Nutzer Schritt für Schritt
und leicht verständlich durch komplexe
Installationen oder Inbetriebnahmen
führt. Denn darum geht es; die Komplexität
in der physischen Welt durch digitale
Intelligenz beherrschbar zu machen.
Welche Potenziale eröffnet das für Ihre
Internationalisierung?
Sehr große. Denn wenn ich mit digitalen
Werkzeugen wie einem digitalen Installationsplan
arbeite, dann kann ich beim
Aufbau einer Maschine beim Kunden –
zum Beispiel nach einem Transport nach
Indonesien – exakt nachvollziehen, ob die
Installation genauso wiederhergestellt
wurde, wie sie bei der Abnahme im Werk
war. Im Zweifelsfall kann ich sogar remote
eingreifen und in der Steuerung die
Portbelegung anpassen. Das ist eine neue
Form von Robustheit und Sicherheit. Internationalisierung
wird damit skalierbar.
In Europa und Nordamerika sind wir bereits
stark vertreten. In den Americas
bauen wir derzeit weitere logistische und
produktionsnahe Strukturen auf. In Asien
sind wir in China gut etabliert, aber wir
erschließen gerade auch weitere Länder
in Asien. Besonders spannend finde ich
unsere neue Niederlassung in Saudi-Arabien.
Dort erleben wir hautnah, wie sich
ein Land industrialisiert – mit großem Interesse
an effizienten Lösungen und einem
echten Bedarf an unserem Know-how.
Bild: Murrelektronik
Mit zukunftsweisenden Technologien und einem umfangreichen Know-how hat Murrelektronik für
nahezu alle Branchen die richtigen Automatisierungslösungen.
Viele Unternehmen stehen unter Druck
– geopolitisch wie kostengetrieben. Wie
resilient ist Murrelektronik aufgestellt?
Zunächst eine grundsätzliche Bemerkung:
Ich bin fest davon überzeugt, dass jetzt
der richtige Zeitpunkt ist, um wieder zu
investieren. Wir können die Welt nicht
allein durch politische Gespräche verändern
– Veränderung geschieht durch wirtschaftliche,
vor allem unternehmerische
Aktivität. Es braucht eine Rückkehr zu unternehmerischer
Offensive, mit Selbstvertrauen
und einem klaren Bekenntnis zu
dem, was wir können. Gepaart mit einer
eindeutigen Anpassung der regulatorischen
und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.
Dazu gehört auch ein
neues Vertrauen in Unternehmer. Ich
glaube, es gab in den letzten Jahren Phasen,
in denen die öffentliche Wahrnehmung
von Geschäftsführern gelitten hat.
Dabei wollen wir keine Regeln brechen –
im Gegenteil, wir wollen innerhalb der
Regeln erfolgreich sein. Erfolg entsteht,
weil man anderen etwas anbietet, was sie
weiterbringt. Unsere Resilienz basiert auf
zwei Säulen: Zum einen haben wir ein
Produktportfolio, das durch seine Normierung
und Standardisierung relativ unabhängig
von Meinungen oder Moden
funktioniert – es trägt sich langfristig.
Zum anderen haben wir unsere Produktionslogistik
weltweit so aufgestellt, dass
wir in jeder Region erfolgreich bleiben
oder sogar ausbauen können. Wir verfolgen
bewusst profitables Wachstum –
nicht Wachstum um jeden Preis. Wenn
die Welt mehr Menschen ernähren muss,
wenn ökonomische Rahmenbedingungen
enger werden, dann braucht es Automatisierung.
Und das macht unseren
Geschäftszweck an sich zu einem robusten,
zukunftsfähigen Modell.
Wo sehen Sie aktuell die größten
Wachstumsfelder für Murrelektronik?
Das wichtigste Wachstumsfeld ist für uns
eindeutig die Feldinstallation – also die
dezentrale elektrische Installation direkt
an und in der Maschine. Dieses Thema
bearbeiten wir mit aller Kraft, und zwar
gemeinsam mit unseren Kunden. Denn
echte Innovation entsteht nicht allein am
Reißbrett, sondern im engen Austausch
mit dem Anwender. Nur wenn wir wirklich
verstehen, was unsere Kunden als
Herausforderung oder als Mehrwert
empfinden, können wir die passenden
Lösungen entwickeln. Zuhören allein
reicht nicht – wir entwickeln aktiv mit
unseren Kunden zusammen. Das ist eine
unserer Kernkompetenzen. Ein zweiter
großer Wachstumsbereich ist für uns die
digitale Seite – insbesondere der digitale
Zwilling als Geschäftskern. Wir wollen
diese digitalen Fähigkeiten nicht nur
intern weiterentwickeln, sondern auch
aktiv in der Industrie etablieren. Es ist aus
unserer Sicht nicht zielführend, eine
monopolistische Struktur anzustreben. Im
Gegenteil: Wir setzen bewusst auf Partnerschaft
und Kooperation. Nur so gelingt
es, ein ganzheitliches digitales Abbild seiner
Anlage für den Kunden zu schaffen.
Industrieanzeiger » 15 | 2025 19
» MANAGEMENT
Serie Recht: Chancen und Risiken beim Einsatz von KI-Agenten in Unternehmen
Die virtuellen Kollegen sind da
Während viele Unternehmen noch den Einsatz von Chatbots und automatisierten
Textgeneratoren testen, steht mit den sogenannten KI-Agenten bereits der nächste
große Schritt in der KI-Entwicklung in den Startlöchern. Die Erwartungen an
Effizienzsteigerungen sind enorm. Doch wie sind KI-Agenten rechtlich einzuordnen?
Welche Risiken bestehen und worauf sollten Unternehmen achten?
» Dr. Jörg Kahler, Rechtsanwalt und Partner bei GSK Stockmann
Beim Einsatz von KI-Agenten sollte
darauf geachtet werden, dass diese
nicht „unwissentlich“ Urheberrechtsverletzungen
begehen.
Bild: Sansert/stock.adobe.com
nung allerdings sehr weit und techno -
logieoffen gefasst ist, sind KI-Agenten
grundsätzlich vom Anwendungsbereich
der Verordnung miterfasst.
Die KI-Verordnung der EU regelt allgemein
die sichere, ethisch akzeptable und
vertrauenswürdige Entwicklung und Nutzung
von KI-Systemen und etabliert einen
risikobasierten Ansatz. Sie verbietet KI-
Anwendungen mit inakzeptablem Risiko,
z.B. biometrische Überwachung oder kritische
Infrastruktur, stellt strenge Anforderungen
an Hochrisikosysteme und verpflichtet
zu hinreichender Transparenz
und Dokumentation bei KI-Systemen mit
begrenztem Risiko. Die konkrete Einstufung
wird sich nach dem Einsatzbereich
eines KI-Agenten und dem damit verbundenen
Risiko richten. Ganz allgemein
Als KI-Agenten werden autonome
Softwaresysteme bezeichnet, die
mithilfe von künstlicher Intelligenz Ziele
in einer Umgebung wahrnehmen, eigenständig
Entscheidungen treffen und Aktionen
ausführen. Die KI-Agenten basieren
typischerweise auf großen Sprachmodellen
(LLMs) wie GPT-5, die quasi als
„Gehirn“ dienen. Darüber hinaus gibt es
spezialisierte Modelle wie Large Action
Models (LAMs), die nicht nur Sprache verarbeiten,
sondern auch direkt mit GUIs
(Graphical User Interface) interagieren
können.
KI-Agenten sind rechtlich nicht spezifisch
geregelt. Auch in der EU-KI-Verordnung
(AI Act) findet sich keine ausdrückliche
Bezugnahme „KI-Agent“. Da die Definition
eines KI-Systems in der Verordwerden
KI-Agenten in der Regel als „KI-
Modell mit allgemeinem Verwendungszweck“
(General Purpose AI) mit einzustufen
sein. Dies wird in der Praxis zu
nicht unerheblichen Transparenz-, Risikomanagement-
sowie Dokumentationspflichten
führen.
Je unabhängiger KI-Agenten agieren,
desto komplexere Haftungsfragen stellen
sich. Wer ist verantwortlich für einen
Fehler, der auf den Einsatz eines KI-Agenten
zurückzuführen ist, für abgeschlossene
Verträge oder für verursachte Schäden?
Zieht man das geltende Recht im
Bereich Software zum Vergleich heran, so
wird die Haftung derjenigen Person zu -
zurechnen sein, die sie bewusst einsetzt,
also typischerweise das Unternehmen
oder eine natürliche Person, das den KI-
Agenten initiiert hat. Dies wird vor allem
für Vertragsabschlüsse und -erfüllungen
gelten, z. B. wenn ein KI-Agent autonom
einen Auftrag abgibt oder bestätigt oder
eine Zahlung autorisiert. Da zukünftig
mit beidseitigen Agenteninteraktionen zu
rechnen ist, wird es auf elektronische
Interaktionsprotokolle ankommen, um
nachzuvollziehen, wer eine Willenserklärung
abgegeben hat und wer in welcher
Weise eine Vertrags- oder Auftragsannahme
erklärt hat und mithin dafür haftbar
ist.
Beim Einsatz von KI-Agenten sollte
darauf geachtet werden, dass diese nicht
„unwissentlich“ Urheberrechtsverletzun-
20 Industrieanzeiger » 15 | 2025
gen begehen, so z. B. wenn die Agenten
bei ihrer Arbeit vorhandene urheberrechtlich
geschützte Texte oder Bilder verwenden.
Dies könnte als verbotene Vervielfältigung
(§ 16 UrhG) oder Bearbeitung (§
23 UrhG) angesehen werden. Die neue
gesetzliche Ausnahme für Text- und Data-Mining
(§ 44b UrhG) erlaubt die Nutzung
geschützter Werke für das KI-Training
bis zu einem gewissen Grad; allerdings
nur, wenn der Rechtsinhaber sich
diese nicht vorbehalten
hat. Insoweit sollte immer
ein etwaiges Opt-out des
Rechteinhabers geprüft
werden. Insgesamt sollten
Unternehmen Inhaltsfilter
hinzufügen und Lizenzketten
überprüfen, bevor
sie urheberrechtlich relevante
Werke veröffentlichen
oder für geschäftliche
Zwecke verwenden
bzw. von ihren KI-Agenten
verwenden lassen.
Wenn KI-Agenten nicht
nur Texte generieren, sondern
direkt Handlungen
vornehmen – etwa Zahlungen
auslösen oder Systeme
steuern – sollten sie
in die handelsrechtlichen
Aufbewahrungspflichten
gemäß § 257 HGB mit
einbezogen werden. Unternehmen
sollten dann
auch Kontrollen für den
Betrieb sowie den Nachweis
der Funktionsweise,
Sicherheit und Rückverfolgbarkeit
von KI-Agenten
einrichten. Regelmäßige
Überprüfungen, Audits
und Kontrollen sind
ein Muss, insbesondere
wenn sie in sensiblen
Funktionsbereichen wie
Finanzen oder dem Personalwesen
eingesetzt werden.
Fazit
Der Einsatz von KI-Agenten
hat ein enormes
Innovationspotenzial für
Unternehmen, Dinge mit größerer Automatisierung
und Effizienz zu erledigen. Er
ist jedoch mit komplexen rechtlichen
Anforderungen verbunden. Unternehmen
sollten vor dem Einsatz von KI-Agenten
eine sorgfältige Risikoanalyse und Klassifizierung
nach der EU-KI-Verordnung vornehmen,
interne Prozesse und Entscheidungswege
nachvollziehbar gestalten
und dokumentieren sowie Verantwortlichkeiten
definieren. Die Einhaltung der
Pure
motion.
Powerful
integration.
Lenze bringt Bewegung auf ein neues Level.
Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit unseren Motion-Lösungen Ihre
Maschinen intelligenter vernetzen, dynamischer bewegen und
wirtschaftlicher betreiben. Erleben Sie unser hocheffizientes
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Servoumrichter i950 multi drive und vieles mehr.
Treffen Sie unsere Experten persönlich und entdecken Sie die
vielfältigen Einsatzmöglichkeiten.
regulatorischen Vorgaben ist nicht nur
eine rechtliche Pflicht, sondern auch ein
entscheidender Faktor für das Vertrauen
von Kunden, Geschäftspartnern und der
Öffentlichkeit in KI-basierte Lösungen.
Angesichts der dynamischen Entwicklung
der Gesetzgebung und Rechtsprechung
empfiehlt sich zudem eine kontinuierliche
Überprüfung und Anpassung der Compliance-Strategie
im Unternehmen.
SPS 2025
Halle 7
Stand 391
Neugierig geworden? Besuchen Sie uns auf der SPS 2025.
Industrieanzeiger » 15 | 2025 21
» MANAGEMENT
Modell simuliert digitalisierte Produktionsabläufe
Industrie 4.0 verstehen – und erproben
Betriebe, die Digitalisierung und Automatisierung an einem kompakten Modell ausprobieren
möchten, haben mit der Agile Production Simulation von Fischertechnik die Gelegenheit dazu.
Die Mini-Fabrik macht Prozesse wie FTS und KI-gestützte Qualitätskontrolle begreifbar.
Erhältlich ist das System beim Anbieter Conrad Electronic, der auch beratend zur Seite steht.
Das Traditionsunternehmen Conrad Electronic,
Distributor von Technik und Elektronik, macht
mittlerweile 80 % seines Umsatzes im B2B-Geschäft.
Ein besonders hoher Stellenwert kommt dabei der
Automatisierungsbranche zu: Mit einem umfassenden
und herstellerübergreifenden Sortiment, engen
Kontakten zu Herstellern sowie regelmäßiger Präsenz
auf Fachmessen positioniert sich Conrad als Partner
für Industriekunden im Bereich Automation.
Doch die Sourcing Plattform des Unternehmens
hat außer der Beschaffung von technischem Bedarf
noch weitere Schwerpunkte. Als Lösungsanbieter
unterstützt das Team von Conrad Geschäftskunden,
individuelle Projekte umzusetzen und innovative
Technologien zu implementieren. Ein Beispiel ist hier
etwa die Agile Production Simulation (APS) von
Fischertechnik, deren Vertrieb mit einer intensiver
Beratungsleistung verbunden ist. „In erster Linie
dient die APS der Ausbildung von Studierenden und
Azubis, insbesondere im Bereich Mechatronik“,
erklärt Wolfgang Lex, Head of Technical Sales bei
Conrad Electronic. „Im Grunde ist die APS aber für
alle Unternehmen interessant. Denn auch immer
mehr Digitalisierungsbeauftragte in Firmen ent -
decken die Vorzüge von Simulationsmodellen.“ Der
Grund: Die Themen Digitalisierung, Automatisierung
und künstliche Intelligenz sind in aller Munde. Mit
der APS können diese Technologien und Systeme
greifbar und verständlich gemacht werden – und das
auf allen Team- und Hierarchieebenen.
Zentrale Herausforderungen abbilden
Die APS von Fischertechnik bildet dabei die zentralen
Herausforderungen moderner Produktion ab: Produktindividualisierung
mit hoher Teilevielfalt und
Varianz, kürzere Produktionszyklen mit überlappenden
Abläufen, flexible Fertigung mit komplexen
internen Logistikprozessen sowie die steigende
Komplexität durch Vernetzung und Synchronisation
an sich. „Es ist in der Tat auch möglich, mit der APS
Prozesse zu simulieren, die Aufschluss und Vorher -
sagen und Rückschlüsse zu realen Abläufen in der
Ist Ihre Drahtkonfektionierung schon
automatisiert?
15-mal schneller. Vielfach effizienter.
Rezession, unsichere internationale Politik, wachsender Kostendruck, Fachkräftemangel – Die Herausforderungen für den
Steuerungs- und Schaltanlagenbau sind riesig. Wie kann Wachstum in der Krise gelingen? Mit Automatisierung! Mit dem
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22 Industrieanzeiger » 15 | 2025
Mit der Agile Production Simulation von Fischertechnik lassen sich komplexe Prozesse der Produktion abbilden und austesten.
Bild: Conrad Electronic
Fertigungspraxis ermöglichen. Einfach deshalb, weil
die eingesetzten Komponenten und Steuerungen so
hochprofessionell sind und dem Industriestandard
entsprechen“, betont Wolfgang Lex.
Realitätsnahe Simulation mit
Industriekomponenten
Die Anlage zeigt fünf verschiedene Stationen in der
Werkshalle, die über ein fahrerloses Transportsystem
(FTS) miteinander verbunden sind: Wareneingang,
Warenausgang, Hochregallager, Produktionsstationen
mit Fräs- und Bohrstation inklusive Fließband
sowie Qualitätssicherung mit KI-basierter Bilderkennung.
Das FTS-System ist dabei agil und fluide
einsetzbar – sogar fähig für Multitasking, mit der
Möglichkeit zur Priorisierung von Aufgaben.
Gesteuert wird die Anlage über fünf S7–1200
Steuerungen von Siemens, programmiert in strukturiertem
Text (ST), einer Programmiersprache, die
objektorientiertes Programmieren ermöglicht und in
Automatisieren Sie jetzt unter
www.rittal.de/drahtkonfektionierung
Industrieanzeiger » 15 | 2025 23
» MANAGEMENT
Zwillings virtuell nachvoll ziehen. Die gesamte Anlage
kann außerdem auch remote bedient werden – und
ist somit geeignet für hybrides Arbeiten oder auch
standortübergreifende Projektteams.
Bild: Fischertechnik
Das System ist auf der Sourcing Plattform von Conrad Electronic erhältlich. Die Plattform
unterstützt KMU bei der Beschaffung von technischem Betriebsbedarf.
Umfassende Unterstützung bei der
Implementierung des Systems
Die Komplexität der Agile Production Simulation
macht eine intensive Beratung und Betreuung bei
der Implementierung notwendig – Conrad ist als
Lösungsanbieter spezialisiert darauf. „Wir haben
immer mal wieder Produkte im Sortiment, bei denen
es mit dem reinen Verkaufen nicht getan ist“, erklärt
Lex. „Und weil wir bei Conrad nicht nur Distributor,
sondern in erster Linie Lösungsanbieter sein wollen,
ist es unsere Aufgabe, uns mit diesen Produkten so
intensiv zu beschäftigen, dass wir unsere Geschäftskunden
umfassend beraten können.“ Im Falle von
Wolfgang Lex ging das sogar so weit, dass er die APS
bei sich zuhause im Wohnzimmer aufgebaut hat, um
alle Funktionen zu testen. So lange, bis seine Frau
etwas dagegen hatte und ihren Mann freundlich,
aber bestimmt gebeten hat, seine Mini-Fabrik doch
bitte an einem anderen Ort zu errichten. (dak)
Bild: Fischertechnik
Die APS war ursprünglich für Studierende und Azubis konzipiert, wird aber auch gerne
von Unternehmen eingesetzt, um sich dem Thema Automation zu nähern.
der industriellen Praxis weit verbreitet ist. Die
Kommunikation in der gesamten Anlage wird mit
dem Industrie-Standardprotokoll OPC-UA gelöst,
während das fahrerlose Transportsystem nach dem
VDA 5050 Standard in MQTT Protokoll kommuniziert.
Modular erweitern, Prozesse optimieren
Besonders bei Prozessoptimierungen leistest die
Simulation Industriekunden einen nützlichen Dienst.
Mithilfe unterschiedlicher Steuerungen oder neuer
Sensoren lassen sich Änderungen abbilden, bevor sie
in der realen Produktion implementiert werden. „Die
APS ist kein Spielzeug, sondern es sind echte, auf
dem Markt befindliche Produkte integrierbar“, stellt
Wolfgang Lex klar.
Ein weiterer Vorteil: Das System ist erweiterbar. Im
Gegensatz zum Vorgängermodell können zusätzliche
Module hinzugefügt werden – beispielsweise eine
Stanzanlage statt einer Bohrstation. Zusätzlich
lassen sich die Prozesse mithilfe eines digitalen
Über das Unternehmen
Als international agierender Anbieter ist
Conrad Electronic in 17 Ländern Europas
präsent, von Deutschland, Frankreich,
Großbritannien und den Niederlanden bis
zu zahlreichen Ländern in Osteuropa.
Schritt für Schritt ent wickelte sich das
1923 gegründete und bis heute inhaber -
geführte Familienunter nehmen vom
Versender für Elektronik- Bauteile zu einer
Beschaffungsplattform für technischen
Bedarf. Der Fokus des Unternehmens liegt
dabei auf dem Geschäftskundenbereich.
Das Angebot umfasst über eine Mio.
Produkte, die über verschiedene Liefer -
optionen bereitgestellt werden. Neben der
Produktverfügbarkeit bietet Conrad auch
persönliche Beratung und diverse Services,
die auf die individuellen Kundenbedürf -
nisse zugeschnitten sind.
24 Industrieanzeiger » 15 | 2025
SPECIAL
» Fachmesse SPS
Vom 25. bis 27. November 2025 lädt die SPS – Smart Production
Solutions nach Nürnberg ein. In diesem Jahr rückt die Messe
insbesondere die digitale Transformation und industrielle KI weiter
in den Vordergrund.
Digitales, Innovationen
und Zukunftsförderung
» Seite 26
Energiemanagement,
Robotik und hohe
Drehmomente
» Seite 28
Verordnungskonforme
Kühlsysteme und ver -
netzte Kommunikation
» Seite 30
Bild: Mesago Messe Frankfurt GmbH / Arturo Rivas Gonzalez
Verschleißfreie Energieübertragung
und Distanzsensoren
» Seite 32
Retrofit-Konzepte und
smarte Systemtechnik
» Seite 34
Innovationen im Bereich Automatisierung, Digitalisierung und Robotik prägen das Bild
der SPS, auf der Hersteller ihre Lösungen für die Industrie von morgen vorstellen.
Industrieanzeiger » 15 | 2025 25
» MESSE SPS
Automatisierung zwischen Innovation und Praxis
Industrial AI, Digitalisierung und
Nachwuchsförderung prägen die SPS
Vom 25. bis 27. November 2025 öffnet das Messezentrum Nürnberg seine Tore und die
Automatisierungswelt steht erneut im Zeichen der SPS – Smart Production Solutions. Seit über
drei Jahrzehnten ist die Fachmesse zum Jahresende ein fester Treffpunkt für Hersteller,
Entwickler und Anwender. Auch 2025 präsentiert sie sich als internationaler Branchengipfel,
Trendbarometer und Schaufenster für technologische Innovationen.
» Hagen Wagner, Redakteur Industrieanzeiger
Das Messezentrum Nürnberg wird Ende November erneut zum internationalen Treffpunkt der Automatisierungsbranche – von Weltmarktführern bis hin zu
innovativen Start-ups ist hier alles vertreten.
Bild: Mesago Messe Frankfurt GmbH / Arturo Rivas
Bereits im Mai verzeichneten die Veranstalter
einen hohen Buchungsstand:
Zu diesem Zeitpunkt hatten sich
über 900 Aussteller registriert. Inzwischen
sind es rund 1.150 Unternehmen,
die sich in 15 Messehallen präsentieren
werden. Damit knüpft die SPS an die starke
Resonanz des Vorjahres an, als mehr
als 51.000 Besucher gezählt wurden. Mit
95 % der Vorjahresfläche, die bereits
frühzeitig vergeben wurden, ist die Messe
klar auf Erfolgskurs. Die SPS versteht sich
als Leitmesse für smarte und digitale
Automation. Sie vereint die gesamte
Bandbreite: von elektrischen Antrieben
und Steuerungstechnik über Softwarelösungen
bis hin zu Cloud- und KI-Anwendungen.
Unter den Ausstellern finden sich
namhafte Player der Branche: Siemens,
Beckhoff, Phoenix Contact, Bosch
Rexroth, SEW Eurodrive, Festo und Rockwell.
Ergänzt wird das Line-up durch
zahlreiche Start-ups und Newcomer, die
frische Ideen und disruptive Technologien
einbringen – und das in der aktuell
schwierigen Weltlage.
„Trotz und gerade wegen globaler und
wirtschaftlicher Herausforderungen ist
und bleibt die SPS die wichtigste Messe
für die Automatisierungsbranche. Sie ist
nicht nur eine Plattform für die Präsentation
neuester Technologien und Innovationen,
sondern auch zentraler Treffpunkt
für Experten und Entscheidungsträger,
um strategische Partnerschaften zu bilden
und Lösungen für aktuelle Herausforderungen
zu diskutieren. Die Messe fördert
den Austausch von Wissen und Erfahrungen,
was für die Weiterentwick-
26 Industrieanzeiger » 15 | 2025
Bild: Mesago Messe Frankfurt GmbH / Arturo Rivas Gonzalez
Von VR und KI über
digitale Zwillinge bis
zu neuen Sensorlö -
sungen: Fachbesucher
erhalten direkte
Einblicke in aktuelle
Entwicklungen und
Praxisanwendungen.
INVENTUR
LEICHT GEMACHT:
MIT UNSEREN
ZÄHLWAAGEN
lung und Anpassung der Branche an sich
wandelnde Marktbedingungen unerlässlich
ist“, erklärt Sylke Schulz-Metzner,
Vice President SPS und fügt hinzu: „Um
wirtschaftliche Herausforderungen zu
meistern, muss die Community zusammenhalten
und gemeinsam neue Ideen
und Ansätze entwickeln. Die SPS bietet
hierfür erneut eine ideale Plattform mit
einem informativen und inspirierenden
Rahmenprogramm.“
Industrial AI im Mittelpunkt
Ein zentrales Schwerpunktthema für das
Jahr 2025 ist der Einsatz von künstlicher
Intelligenz in der Fertigungstechnik. Ob
vorausschauende Wartung, adaptive
Steuerung, Qualitätskontrolle oder Engineering-Unterstützung:
KI hält zunehmend
Einzug in Produkte und Prozesse.
„Industrial AI ist längst kein Zukunftsthema
mehr – es ist bereits Realität in vielen
Produktionsumgebungen. Auf der SPS
2025 zeigen unsere Aussteller, wie KI
heute schon konkret eingesetzt wird und
welche Potenziale die Technologie in
der Automation erschließt“, so Schulz-
Metzner.
Einen praxisnahen Zugang dazu bieten
unter anderem die Guided Tours der
SmartFactory Kaiserslautern. Bei den
zweimal täglich stattfindenden Führungen
zeigen Experten Besuchern Unternehmen,
die Schlüsseltechnologien wie KI, Digitale
Zwillinge oder Security in der System -
architektur demonstrieren.
Neben den Messeständen spielt das
Rahmenprogramm eine zentrale Rolle.
Insgesamt vier SPS-Bühnen in den Hallen
1, 3, 3C und 6 beleuchten aktuelle Entwicklungen.
Besonders hervorzuheben ist
die „Technology Stage powered by VDMA/
ZVEI“, auf der die Themen Industrial AI,
digitale Transformation und nachhaltige
Produktion im Mittelpunkt stehen. Rund
20 Fachvorträge und Diskussionsrunden
bieten hier Orientierung und Impulse.
Ergänzend ermöglichen „Meet the Speaker“-Zonen
den direkten Austausch mit
den Referenten. Impulse für die Zukunft
liefern auch die Gemeinschaftsstände:
• „Automation meets IT“ bündelt Themen
rund um Digitalisierung, Cybersecurity
und Industrie 4.0.
• Die internationale Start-up Area
bringt Gründer mit Investoren und
Anwendern zusammen.
• Mit „Young Innovators“, gefördert
durch das BMWK, erhalten junge Unternehmen
eine Bühne für ihre Ideen.
Für Nachwuchs ist gesorgt
Die Förderung des Nachwuchses ist ein
zentrales Anliegen der SPS. Bereits 2024
stießen die Makeathons und die Guided
Tours für Studierende und Berufseinsteiger
auf große Resonanz. Auch 2025 stehen
beide Formate wieder auf dem Programm.
Beim Makeathon entwickeln interdisziplinäre
Teams in 2,5 h Prototypen
zu praxisnahen Aufgabenstellungen – live
vor Ort und im Austausch mit Unternehmen.
Ergänzend dazu richtet sich der
Young Talents Day am letzten Messetag
gezielt an Schüler, Auszubildende und
Studierende. Geführte Touren und individuelle
Karriereberatung eröffnen wertvolle
Einblicke und Perspektiven für die eigene
Laufbahn in der Automatisierung.
Die SPS 2025 verspricht eine informative
Mischung aus Innovationen, praxisnahen
Einblicken und vielfältigen Networking-Möglichkeiten.
Mit einem klaren
Fokus auf Industrial AI, Digitalisierung
und Nachwuchsförderung präsentiert sie
sich einmal mehr als unverzichtbarer
Branchentreffpunkt und Schaufenster für
die Zukunft der Automatisierung.
präzise
robust
vernetzbar
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Industrieanzeiger » 15 | 2025 27
» MESSE SPS
Autonome Systeme für Produktion und Logistik
Modulare Roboterplattform für Logistik, Montage und Handling
Mit dem Rebelmove Pro präsentiert Igus in Halle 4, Stand 310
einen modularen Autonomen Mobilen Roboter (AMR) auf den
Markt, der sich einfach. Dabei ist er ganz ohne Vorerfahrung in
Unternehmensabläufe integrierbar. Die Basis des Rebelmove Pro
ist ein kompakter, rechteckiger Transportroboter auf vier Rädern
mit Elektroantrieb. Der AMR ist 795 mm lang, 560 mm breit, 195
mm hoch und 60 kg schwer. Der Roboter kann autonom navi -
gieren, mit einer Geschwindigkeit von bis zu 2 m/s, und dabei in
der Intralogistik bis zu 250 kg tragen oder bis zu 900 kg ziehen.
Eine Akkuladung reicht für einen vollen Arbeitstag von 8 h.
Er lässt sich mit Anbauten für verschiedene intralogistische
Aufgaben individualisieren. Auch im Außenbereich ist der neue
Roboter einsetzbar. (hw)
Bild: Igus
Durch sichtbare Energieflüsse Kosten und Ressourcen optimieren
Gesamtlösungen für Energiemanagement und Automatisierung
Bild: Janitza
Unter dem Motto „Powering the Future –
Flexible and Integrated Industry Solutions“
präsentiert sich Janitza in Halle 6,
Stand 260. Dort zeigt das Unternehmen
Lösungen für Energiemanagement, Spannungsqualität
und Residual Current Monitoring
(RCM) – sowie vollständige Komplettlösungen.
Die modularen Gesamt -
lösungen für Energiemanagement, Spannungsqualität
und Automatisierung vereinen
Hardware, Software und Services
zu einem durchgängigen System – von
der Analyse bis zum Betrieb. Sie sollen
helfen, die Energieeffizienz zu steigern,
Kosten zu senken und Prozesse nachhaltiger
zu gestalten. Die nahtlose Integration
aller Komponenten sorgt für Transparenz
und Zukunftssicherheit – branchenübergreifend
und individuell anpassbar.
Die Netzvisualisierungssoftware GridVis
macht Energiedaten transparent, liefert
Reports, Alarme und unterstützt so effiziente
Energiemanagementprozesse. Ein
digitaler Schaltschrank veranschaulicht
zudem Energieflüsse live und ihre Integration
in Automatisierungssysteme. (hw)
Mehr Leistung auf weniger Raum
Dynamik und hohes Drehmoment in einem
Der Motorenspezialist Baumüller präsentiert
drei neue Motorentypen. In Halle 1
an Stand 560 können sich Interessierte
über die aktuellen Entwicklungen bei
Servomotoren, Drehstrom-Synchronmotoren
und Torque-Motoren informieren.
Als besonderes Highlight informiert das
Unternehmen über die Option, seine
Motoren mit Flüssigkeitskühlung auszustatten.
Baumüller bietet sowohl bei
seinen Servomotoren als auch bei seinen
Torquemotoren und Hauptantrieben die
Möglichkeit die Leistungsdichte durch die
Kühlung mit Wasser oder
Öl zu steigern. Die Flüssigkeitskühlung
von Elektromotoren
wird entweder
durch Kanäle im Stator
oder in einem speziellen
Mantel im Motorgehäuse
umgesetzt. Flüssigkeitsgekühlte
Motoren können durch die hohe
Leistungsdichte oft kleiner dimensioniert
werden als luftgekühlte Motoren. Dies reduziert
zum einen den Bauraum und steigert
zum anderen die Dynamik, so dass
Bild: Baumüller
Zykluszeiten reduziert
werden können. Außerdem
können Motoren mit
dieser besonders effizienten
Kühlart mit hohen
Momenten betrieben werden.
Anwendungen, die
hohe Dynamik und ein hohes
Moment gleichermaßen erfordern,
wie zum Beispiel Werkzeugmaschinen,
Pressen und Umformtechnik und Spritzgießmaschinen,
profitieren darum besonders
von dieser Option. (hw)
28 Industrieanzeiger » 15 | 2025
Positioniersysteme mit integrierten Antrieben
Steuerung für komplexe Bewegungen
Lang präsentiert in Halle 1, Stand 570,
sein Positioniersystem LSMART Express.
Maschinenbauer müssen kurze Taktzeiten,
hochpräzise Bewegungen und synchronisierte
Abläufe über mehrere Achsen
realisieren. Gleichzeitig steigen die Anforderungen
an Wiederholgenauigkeit und
Schwingungsarmut – wie in Bereichen
der Mikromontage. Die Steuerung
LSMART express unterstützt Maschinenbauer
dabei, diese Anforderungen effizient
und reproduzierbar umzusetzen.
Die LSMART Express-Produktfamilie besteht
aus einem Master und vier leistungsstarken
Antrieben mit einer Nennleistung
von bis zu 400 W und einer
Impulsleistung von 1.250 W pro Achse.
Mit den integrierten Antrieben lassen sich
2– und 3-Phasen-Synchronmotoren im
feldorientierten Regelbetrieb ebenso wie
Schrittmotoren betreiben. Eine Mikroschrittauflösung
und die Möglichkeit,
Gleichstrommotoren zu regeln, gewährleisten
dynamische Bewegungen. (hw)
Bild: Lang
Neue Kupplungen sparen Zeit und Aufwand
Kürzere Einrück- und Montagezeiten
KBK Antriebstechnik stellt neue Aus -
führungen seiner Kupplungen vor. Das
Highlight am Messestand (Halle 1, Stand
318) wird eine freischaltende Überlastkupplung
mit einem besonderes komfortablen
Einrückmechanismus sein. Ein vergleichbares
Produkt gibt es laut dem Unternehmen
bislang nicht auf dem Markt.
Die Besonderheit: „Die Kupplung kann
nach der Beseitigung des Überlastfalls
sehr schnell und mit wenig Kraft wieder
eingerückt werden“, so KBK-Geschäfts-
Bild: KBK Antriebstechnik
führer Sven Karpstein. Ebenfalls mit dabei
sind zwei neue Baureihen der Überlastkupplungen:
Eine Variante mit angebauter
Gelenkkupplung und eine Ausführung
mit integrierter Schlitzkupplung. Das
Modell mit Gelenkkupplung gleicht selbst
hohen Versatz problemlos aus. Die Überlastkupplung
mit angebauter Schlitzkupplung
ist noch etwas robuster als die
Versionen mit Metallbalg.
Dazu wird eine neue Baureihe an starren
Kupplungen vorgestellt. Die KBST1 lässt
sich noch einfacher installieren, sodass
Maschinen- und Anlagenbauer wertvolle
Zeit sparen. (hw)
WANDELERPROBT
DIE SOFTWARE ZUR TRANSFORMATION. KONZIPIERT FÜR LOSGRÖSSE 1+
ams-erp.com
Industrieanzeiger » 15 | 2025 29
» MESSE SPS
Digitale Durchgängigkeit in Engineering und Produktion
Software, Hardware und Automation intelligent vernetzt
Wie die Industrie ihre Chancen nutzen
und mit KI die Automatisierung auf eine
nächste Stufe bringt, beantworten Eplan,
Rittal und Rittal Automation Systems
unter dem Motto „Automation – Do it“ in
Halle 3C, Stand 321. Der Ansatz: durchgängig
digitalisierte Prozesse und intelligentes
Zusammenspiel von Software,
Hardware und Automation. Zu den Engineering-Highlights
zählen AI-Use-Cases
wie der Eplan Copilot und Automated 3D
Design, neue Ansätze unter Nutzung der
Asset Administration Shell beim Thema
Product Change Notification (PCN) sowie
die Eplan Plattform 2026.
Gezeigt wird zudem die Erweiterung des
Blue e+ Chiller-Portfolios für die effiziente
Maschinenkühlung und Klimatisierung
von Schaltschränken und Server-Racks.
Rittal bietet nun F-Gas-Verordnungskonforme
Lösungen für nahezu jeden Anwendungsbereich
– vom Maschinenbau über
Batteriespeicherkraftwerke bis hin zur IT.
Im Mittelpunkt des Sortimentsausbaus
stehen neue Leistungsklassen von 1,5 bis
7 kW, Outdoor-Modelle und ein Hybrid-
IT-Chiller mit Freikühler für besonders
hohe Energieeffizienz. (hw)
Bild: Rittal GmbH & Co. KG
Smarte Komponenten für sichere Abläufe
Verbindungstechnik praxisnah präsentiert
Bild: Lapp
Lapp zeigt in diesem Jahr seine Lösungen für die Industriekommunikation und Automation,
an zwei Ständen: Neben dem Hauptstand 310 in Halle 2 kommt dieses Jahr ein
zweiter Stand 322 in Halle 10 hinzu. Dieser widmet sich voll und ganz dem Steck -
verbinderportfolio des Unternehmens. In Halle 2 wartet das übrige Leistungsangebot:
Verbindungstechnik, inklusive Lösungen für die Automatisierungspyramide und
Komponenten für die Smart Factory. Auf den Messebühnen geben Vorträge zu Cloud-
Konnektivität, industrieller Kommunikation, digitalem Bestandsmanagement und OT-
Sicherheit zusätzliche Einblicke, wie Lapp Automatisierung und Digitalisierung in der
Praxis angeht. Und wer lieber selbst aktiv wird, kann an der Werkbank live erleben, wie
schnell und sicher sich industrielle Steckverbindungen montieren lassen. Gezeigt werden
Push-Pull-Systeme, das Quickflex-Schnellverriegelungssystem sowie die Produktneuheit
Epic Powerlock. (hw)
IO-Link Safety Master für die dezentrale Kommunikation
Flexibler Allrounder bis ins Feld
In Halle 9, Stand 370, stellen Pilz den
IO-Link Safety Master PDP67 vor. Als
dezentrale Schnittstelle zur übergeord -
neten Sicherheitssteuerung ermöglicht er
unterschiedliche Anschlüsse wie z.B.
Sicherheitssensoren mit IO-Link Safety
oder auch Standard-IO-Link Sensoren
oder Aktoren. Anwender profitieren von
einer flexibel gestaltbaren, nahtlosen und
sicheren Kommunikation ins Feld bis zur
höchsten Sicherheitskategorie PLe / SIL3.
Zur Verfügung stehen vier IO- Link Safety
Ports (Class A) und zusätzlich vier Ports
mit jeweils zwei konfigurierbaren
sicheren digitalen Ein- oder Ausgängen.
Sensoren und Aktoren teilen sich je nach
Bedarf denselben Anschluss. Anwender
können so ihr Design flexibler gestalten
und erweitern. Der Verkabelungsaufwand
durch Plug-and-play über genormte
M12-Steckverbindungen ist geringer. Dazu
lässt sich die Applikation über den
integrierten Server einfach konfigurieren,
in Betrieb nehmen und Fehler über ihn
schneller diagnostizieren. Das verkürzt die
Inbetriebnahme und minimiert die Ausfallzeiten
im Feld. (hw)
Bild: Pilz
30 Industrieanzeiger » 15 | 2025
Vielfältige Lösungen für präzise Bewegungstechnik
Systemvielfalt von Linearachsen bis Teleskopschienen
Automatisierung ohne Lineartechnik ist kaum denkbar:
Nahezu jedes System setzt auf Linearachsen,
Linearführungen oder Teleskopschienen. Rollon
(Halle 3, Stand 219) trägt dieser Tatsache mit einem
breiten Portfolio an hochwertigen Komponenten und
wirtschaftlichen Systemlösungen Rechnung, die
nach Unternehmensangaben Effizienz, Präzision und
Zuverlässigkeit in einer Vielzahl industrieller Anwendungen
sicherstellen sollen.
Ein Schwerpunkt des diesjährigen
Messeauftritts
liegt auf den vielseitigen
Systemlösungen des
Unternehmens. Zu den Exponaten
gehören unter anderem
das Portalsystem
H-Bot, das durch sein
Design hohe Dynamik und
präzise Bewegungen auf
engem Raum ermöglicht,
das Telescopic System TLS,
das mit 2– und 3-stufigen
Achslösungen platzsparende
Bewegungen bei hoher
Tragfähigkeit und Wirtschaftlichkeit
realisiert, sowie
das Ovalsystem AXNR
der Marke Nadella, das sich
als flexible Lösung für
zirkulare Anwendungen
mit hoher Steifigkeit und
Präzision bewährt hat.
Das Produktportfolio von
Rollon zeichnet sich durch
ein großes Angebot an
Bauformen, Typen und Optionen
aus. Es reicht von
Linearführungen, Bogenführungen
und Teleskopschienen
über Linear -
achsen, Mehrachssysteme
sowie Verfahrachsen für
Roboter und Cobots bis hin
zu Präzisions-Kugelgewindetrieben,
Gelenkköpfen,
Gelenklagern und Wälz -
lagern. Damit steht ein variantenreicher
modularer
Baukasten bereit, der effiziente
und flexible Automatisierunslösungen
er-
möglicht. Rollon legt auf der
SPS 2025 besonderen Wert auf
den Dialog zu Zukunftsthemen
der Automatisierung. Dazu zählen
etwa die zunehmende Modularisierung,
die wachsende Bedeutung energieeffizienter
Lösungen und der Einsatz digitaler Tools in der
Lineartechnik. (hw)
Ja! Reibungslose
Beschaffungsprozesse.
Mit Conrad.
Optimierung der indirekten Beschaffung mit ProcurePlus
conrad.de/ja-momente
Bild: Rollon
Alle Teile des Erfolgs
Industrieanzeiger » 15 | 2025 31
» MESSE SPS
Präzise Steuerung und reduzierte Verluste
Neue Spielräume für High-Speed-Anwendungen
Wenn es um Hochgeschwindigkeits -
anwendungen geht, spielen Details in
Regelung, Hardware und Integration eine
zentrale Rolle. Sieb & Meyer präsentiert
auf der SPS seine weiterentwickelte
SD4x-Produktgeneration. Im Mittelpunkt
des Messeauftritts stehen die Serien
SD4S, SD4M und SD4B, die seit der letztjährigen
Vorstellung nochmals erweitert
wurden und nun ein noch breiteres
Anwendungsspektrum abdecken.
Die SD4x-Generation wurde von Grund
auf für Hochgeschwindigkeitsmotoren
entwickelt. Im Vergleich zu konventionellen
Lösungen reduzieren die Geräte
motorseitige Verluste deutlich und
ermöglichen Drehzahlen, die bisher kaum
realisierbar waren. Mit Frequenzen bis
6.000 Hz lassen sich Spindeln und Motoren
in Anwendungen einsetzen, die von
Innenrundschleifen über Dicing bis zu
Turbokompressoren reichen. „Wir sehen,
dass unsere Kunden zunehmend komplexe
Systeme betreiben, die ohne spezielle
Antriebslösungen nicht mehr denkbar
wären“, sagt Markus Finselberger, Leiter
Vertrieb Antriebselektronik bei Sieb &
Meyer. „Die SD4x-Familie eröffnet hier
neue Spielräume. Sie macht nicht nur
höhere Drehzahlen möglich, sondern integriert
auch Funktionen, die in der Praxis
unmittelbar den Betrieb vereinfachen und
absichern.“ (hw)
Bild: Sieb & Meyer/Parsudi/stock.adobe.com
Verschleißfreie Daten- und Energieübertragung in Fertigungsanlagen
Steckverbinder und Systemlösungen für kontaktlose Technologien
Rosenberger zeigt in Halle 9, Stand 330
ein breites Portfolio an Steckverbindern
und Systemlösungen für die zuverlässige
Daten- und Energieübertragung in automatisierten
Produktionsumgebungen. Im
Mittelpunkt stehen kontaktlose Technologien,
Single Pair Ethernet und optische
Schnittstellen. Die Lösungen kommen
unter anderem in der Robotik, Sensorik
und Aktuatorik zum Einsatz und eignen
sich auch für weitere Anwendungen in
der Industrieautomation. Das Produktportfolio
umfasst kompakte RoProxCon
Bild: Rosenberger
System-on-Module (SoM) für flexible
Integration, RoProxCon Hybrid-Lösungen
sowie reine RoProxCon Data-Varianten.
Typische Einsatzfelder sind bewegliche
oder rotierenden Baugruppen, smarte
Maschinen, Robotersysteme und Fertigungsanlagen.
Für eine schnelle Umsetzung
in Entwicklungsprojekten steht das
RoProxCon Evaluation Board zur Verfügung,
das den Einstieg erleichtert und
Entwicklungszeiten verkürzt. Die nach IEC
63171–7 ED2 genormten SPE-Steckverbinder
sparen Platz und Gewicht und ermöglichen
Datenraten bis 1 Gbit/s über
Entfernungen bis 1.000 m. (hw)
Zuverlässige Messungen bei anspruchsvollen Oberflächen
Messstabiler Distanzsensor für kurze Reichweiten
Bild: Sick
In Halle 7A an Stand 340 präsentiert sich
Sick als ganzheitlich agierender Partner
für Automatisierungslösungen mit passenden,
zukunftssicheren Cybersecurityund
Service-Angeboten. Besucher des
Messestands erfahren in praxis- und
anwendungsnahen Erlebniswelten, wie
Sensorendaten Produktions- und Logistikprozesse
analysieren und optimieren
können. Diese umfassen Themen wie
kamerabasierte Qualitätskontrolle, die
Automatisierung autonomer Fahrzeuge
und Roboter, Präzisionsmesstechnik, die
Digitalisierung des Materialflusses und
skalierbare, digitale IIoT-Plattformen. Die
Berücksichtigung von Cybersecurity-Anforderungen,
die immer wichtiger werden,
und von Service-Angeboten ist dabei integraler
Bestandteil der Erlebniswelten
für Sensor- und Systemlösungen.
Für die Digitalisierung von Prozessen hat
das Unternehmen eine durchgängige und
skalierbare IIoT-Plattform entwickelt.
Engineering- und Programmier-Tools
helfen bei der Applikationsauslegung, der
Inbetriebnahme, der Wartung und dem
gesamten Lifecycle-Management der
Geräte. (hw)
32 Industrieanzeiger » 15 | 2025
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Foto: ©ssi schäfer
Foto: ©ssi schäfer
Ware-zur-Person-Kommissionierung spart Wege, Zeit und Kosten
Verdichtete Lagerung und automatisierte Transporte sorgen für mehr Effizienz
Ist Ihre Produktion gesichert?
Komplexe Wareneingangsprozesse, stockender Materialfluss, hohe Kosten für Lagerflächen
und Personalmangel: Der Druck auf produzierende Unternehmen ist groß. Mit einer
durchdachten, kosteneffizienten Logistik sorgen Sie für konstant hohen Durchsatz und
sichern Ihre Wirtschaftlichkeit. SSI SCHÄFER bietet dafür passgenaue Lösungen.
Der Intralogistik-Marktführer setzt auf einen ganzheitlichen
Ansatz und kombiniert Lager- und
Fördertechnik, Shuttle- und Kommissioniersysteme
sowie Robotik-Anwendungen genau nach Bedarf.
Teil- oder vollautomatisiert – auch für kleine und
mittlere Unternehmen.
Wie das in der Praxis aussehen kann?
Fünf Beispiele:
• Intelligente Roboter übernehmen Transport- und
Einlagerungsaufgaben. Das spart wertvolle Zeit.
• Fördertechnik oder Fahrerlose Transportsysteme
verbinden Lager und Fertigung und garantieren
einen 24/7-Warenfluss.
• Autonome Roboter sorgen für maximale Verfügbarkeit
und Planungssicherheit, auch bei Fachkräftemangel
oder hohen Krankenständen.
• Automatisierte Lagerlösungen sorgen durch Verdichtung
und optimale Raumausnutzung für mehr
Lagerkapazität.
• Betriebskosten sowie Ausgaben für Zwischenlager
oder interne Transporte werden reduziert, sodass
die Wirtschaftlichkeit steigt.
Ihr Vorteil: SSI SCHÄFER liefert alles aus einer Hand –
von der Planung bis zur Integration, von technischen
Komponenten bis zum intelligenten Warehouse
Management System WAMAS ® . Die skalierbaren
Systemlösungen können jederzeit flexibel erweitert
werden. Das stärkt die Resilienz Ihrer Produktion und
sichert langfristig Ihre Wettbewerbsfähigkeit.
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Industrieanzeiger » 15 | 2025 33
» MESSE SPS
Effizienz und Sicherheit für Bestandsanlagen
Retrofit und moderne Vernetzungsmöglichkeiten
Am Stand von Vahle (Halle 4, Stand 336)
stehen das Thema Anlagen-Retrofit und
das Steuerungsportfolio vDrive im Fokus.
Unter dem Leitmotiv „RetroFit for Future“
zeigt der Systemanbieter für intelligente
Automatisierungs- und mobile Industrieanwendungen,
wie Unternehmen ihre
bestehenden und neuen Anlagen
effizient, sicher und konform zur EU-
Maschinenverordnung gestalten können.
Das Unternehmen präsentiert Technologien,
mit denen bestehende Anlagen einfach,
wirtschaftlich und zukunftssicher
auf den neuesten Stand gebracht werden
können. Ziel ist es, Bestandsanlagen sukzessive
effizienter, flexibler und sicherer
zu machen und so die ab dem 20.01.27
verbindlich geltenden Anforderungen der
EU-Maschinenverordnung (MVO) problemlos
zu erfüllen. Diese legt verbind -
liche Sicherheits- und Konformitätsanforderungen
für Maschinen fest und zielt auf
höchste Arbeitssicherheit, die Integration
digitaler Steuerungen sowie die CE-
Konformität ab. Hier setzt das vDrive-
Portfolio an: Die neuesten Upgrades bieten
höchste Flexibilität, integrierte
Sicherheitsfunktionen und moderne Vernetzungsmöglichkeiten.
So ist das System
zur Einachssteuerung kompatibel zu bestehenden
Befehlsübertragungssystemen
und eignet sich somit ideal für Retrofit-
Projekte. (hw)
Bild: Vahle
Energieführungssysteme für mehr Anwendungsflexibilität
Smarte Systeme statt Einzelkomponenten
Bild: Tsubaki Kabelschlepp
Tsubaki Kabelschlepp stellt am Stand 340
in Halle 3C das Totaltrax-Konzept vor, das
aus einzelnen Komponenten wie Energie-
ketten, Leitungen und Steckverbindern
aufeinander abgestimmte Gesamtlösungen
macht. Das Konzept ist fester Bestandteil
in unterschiedlichsten Industrien.
Wurde es zunächst vor allem im
Werkzeugmaschinenbau eingesetzt, so
sind die Anwendungsfelder heute breiter:
von Hafenkranen über mobile Arbeitsmaschinen
bis hin zur Robotik. Der modulare
Ansatz erlaubt es dem Energiekettenanbieter,
für jede Umgebung und Belastung
die passende anwendungsspezifische Systemlösung
auf der Basis von Kunststoff-,
Stahl- oder Hybridketten zu entwickeln.
Das Unternehmen versteht sich als Partner
seiner Kunden über den gesamten
Projektverlauf hinweg: Von der ersten Anfrage
über die Auslegung bis hin zur Installation
begleiten Ingenieure und Techniker
die Umsetzung. Dabei helfen das
breite Produktportfolio sowie die jahrzehntelange
Erfahrung im Maschinenund
Anlagenbau. Neben Totaltrax wird
mit der TKHP auch eine Hochleistungsenergiekette
für extreme Verfahrwege
und hohe Zusatzlasten gezeigt. (hw)
Alternative zu seltenen Erden stärkt Unabhängigkeit bei Antriebslösungen
Leistungsstarke Synchronmotoren mit Ferritmagneten
Bisher galten Motoren ohne Magnete mit
seltenen Erden (Seltene-Erden-Permanentmagnete
(SE-PM)) als nicht leistungsfähig
genug oder ungeeignet für
viele Anforderungen der industriellen
Produktion. Torquewerk präsentiert in
Halle 4, Stand 134, magnetunterstützte
Reluktanz-Motoren, die keine seltenen
Erden wie Neodym oder Dysprosium für
die Magnete benötigen. Das Unternehmen
hat bisher schon mit magnetfreien
Synchronreluktanzmotoren im Bereich
der Sonder-Torquemotoren Erfahrung
gesammelt und gute
Ergebnisse erzielt. Jetzt
setzen die Ingenieure
Ferritmagnete ein und
erzielen dank der Kombination
mit der
Reluktanztech nologie
Ergebnisse, die anderen
PM-Elektromotoren
nicht nachstehen. Die
Beschaffung der Ferritmagnete ist unabhängig
von Importen seltener Erden und
außerdem flexibler und kostengünstiger
als die der Seltene-Erden-
Permanentmagnete. Erste
Ergebnisse von Maschinenauslegungen
sind bereits
auf dem Prüfstand
validiert und stehen zur
technischen Verfügung.
Die ferritunterstützen
Reluktanz-Motoren sind
leistungsfähig und haben
bei gleichwertigem Drehmoment und
gleichwertiger Leistung einen geringen
Platzbedarf. (hw)
Bild: Torquewerk
34 Industrieanzeiger » 15 | 2025
SPECIAL
» Smart Factory
Mit KI, IoT und digitalen Zwillingen wird die Produktion smarter
als je zuvor. Präzise elektrische Verbindungen, energieeffiziente
Systeme und intelligente Antriebe sorgen für reibungslose Abläufe,
sparen Ressourcen und machen die Industrie fit für die Zukunft.
Geteilter Datenraum für
smarte Antriebe
» Seite 36
Mit leistungsstarker
Verbindungstechnik in
die vernetzte Zukunft
» Seite 42
Smartes und dynamisches
Energiemanagement
dezentral gesteuert
» Seite 44
Fertigungsprozesse
realitätsnah mit Digital
Twin abgebildet
» Seite 46
Bild: Silent Vector/stock.adobe.com
Vernetzte Produktion der Zukunft – intelligente Antriebe, präzise Verbindungen und energieeffiziente Systeme
im Zusammenspiel für mehr Nachhaltigkeit und Leistung.
Industrieanzeiger » 15 | 2025 35
TOPSTORY » Antriebstechnik
Bild: William Veder
Echtzeitlösungen für Antriebssysteme: Auf der SPS in Nürnberg wird erlebbar sein, wie sich mit verschiedenen Technologien herstellerübergreifend
Dateninteroperabilität im Bereich elektrischer Antriebe erreichen lässt, und zwar mit vielen Vorteilen für Anlagenhersteller und die Fertigung.
Antrieb 4.0 zeigt auf der SPS zukunftsweisende Antriebslösungen für die Industrie
Geteilter Datenraum
für smarte Antriebe
Dateninteroperabilität ist das A und O für zukunftsfähige Digitalisierung.
Die Voraussetzung sind gemeinsame Standards und herstellerübergreifende
Antriebslösungen. Das Forschungsprojekt „Antrieb 4.0“ zeigt auf der SPS in
Nürnberg, wie sich mit verschiedenen Technologien herstellerübergreifende
Services herstellen lassen. Am Stand von Baumüller, Lenze und dem ZVEI
präsentiert das Forschungsprojekt mit den Use Cases der “Ganzheitlichen energieeffizienten
Auslegung von Antriebslösungen und dem „Digitalisierten Asset
Management”, wie multilaterales Datenteilen in Echtzeit funktionieren und die
Industrie von mehr Effizienz, Zeit- und Kosteneinsparungen profitieren kann.
36 Industrieanzeiger » 15 | 2025
» Mit dem Aufbau eines geteilten
Datenraums möchten wir nicht nur
die Verfügbarkeit und Transparenz
der Daten steigern, sondern
auch die Tür für zukunftsfähige
Geschäftsmodelle öffnen. «
Bild: ZVEI
Dr. Falk Eckert, Konsortialführer Antrieb 4.0
Die Zukunft der Industrie ist digital, vernetzt und
herstellerübergreifend. Doch der Blick in die
Gegenwart zeichnet ein anderes Bild: In vielen
Fabrikhallen dominieren noch immer proprietäre
Systeme, isolierte Dateninseln und inkompatible
Schnittstellen. Diese technischen Barrieren erschweren
nicht nur die Integration moderner Technologien,
sondern bremsen auch Effizienz, Innovation und den
Wettbewerb. Was fehlt, sind einheitliche Standards
und interoperable Lösungen, die gerade im Bereich
der elektrischen Antriebe den reibungslosen Austausch
von Daten und Funktionen über System- und
Herstellergrenzen hinweg ermöglichen.
Hier setzt Antrieb 4.0 an: Das Forschungsprojekt
schafft die Grundlagen für eine herstellerübergreifende,
interoperable und datensouveräne Industrie
4.0. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung notwendiger
Standards für die digitale Produktion und
die vernetzte Wertschöpfungskette. Ziel ist eine
herstellerübergreifende Kompatibilität für Auswahl,
Inbetriebnahme, Betrieb und Services von Antrieben.
Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Verfügbarkeit
und Transparenz von Daten sowie deren Zugänglichkeit.
Der Aufbau eines geteilten Datenraums soll für
die horizontale Integration und systemübergreifende
Sammlung von Daten dienen. „Im klassischen Umfeld
der Antriebstechnik dominieren immer noch proprietäre
Lösungen unterschiedlicher Hersteller. Gründe
dafür liegen beispielsweise in iterativen Prozessen,
verschiedenen Engineering-Disziplinen, einem hohen
Datenintegrationsaufwand oder einer fragmentierten
Tool-Landschaft. Mit dem Aufbau eines geteilten
Datenraums basierend auf bestehenden offenen
Standards möchte das Forschungsvorhaben nicht nur
die Verfügbarkeit und Transparenz der Daten steigern,
sondern auch die Tür für zukunftsfähige
Geschäftsmodelle öffnen“, erklärt Dr. Falk Eckert,
Konsortialführer Antrieb 4.0 und Senior Research
Manager der Forschungsvereinigung Elektrotechnik
beim Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI)
die Motivation des vom Bundesministerium für Wirtschaft
und Energie (BMWE) geförderten Forschungsvorhabens.
Für den Transfer in die Praxis konzentriert sich
Antrieb 4.0 auf zwei Use Cases, mit denen die interoperablen
und standardisierten Lösungsansätze für
die Industrie greifbar werden. Die „Ganzheitliche
energieeffiziente Auslegung von Antriebslösungen“
und das „Digitalisierte Asset Management“ greifen
die aktuellen Bedarfe der Unternehmen auf.
Potential von 10 % Energieeinsparung
Die „Ganzheitliche energieeffiziente Auslegung von
Antriebslösungen“ ermöglicht, dass Systeme bereits
in der Planungsphase optimal auf Leistung und Energieverbrauch
abgestimmt werden. So lassen sich
Betriebskosten und CO 2 -Emissionen reduzieren und
dadurch Wettbewerbsvorteile sichern. „Die energieeffiziente
Auslegung von Antriebssystemen ist in der
Industrie längst kein Zukunftsthema mehr, sondern
gelebte Praxis. Während Antriebe früher häufig mit
großzügigen Leistungsreserven dimensioniert wurden,
steht heute die ganzheitliche Optimierung des
gesamten Systems im Vordergrund – von der Mechanik
über die Regelungstechnik bis hin zur Prozessintegration.
Energieeffizienz ist dabei nicht mehr nur
ein Nebenaspekt, sondern ein zentrales Kriterium in
der Antriebsauslegung“, erklärt Jürgen Dlugosch,
Produktmanager Automatisierung bei Baumüller.
„Die größte Wirkung entfaltet die ganzheitliche
Forschungsprojekt Antrieb 4.0
Antrieb 4.0 wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und
Energie (BMWE) gefördert. Die Konsortialleitung liegt bei der
Forschungsvereinigung Elektrotechnik beim ZVEI. Weitere Konsortialpartner
sind: Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS,
Fraunhofer-Institut für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie
IISB, die Fachgebiete Leistungselektronik und Antriebs -
regelung beziehungsweise Kommunikationsnetze der Technischen
Universität Darmstadt sowie 18 assoziierte Partnerunternehmen.
www.antrieb40.org
Industrieanzeiger » 15 | 2025 37
TOPSTORY » Antriebstechnik
» Die energieeffiziente
Auslegung von
Antriebssystemen ist in der
Industrie längst kein
Zukunftsthema mehr,
sondern gelebte Praxis. «
Jürgen Dlugosch, Produktmanager
Automatisierung, Baumüller
Auslegung aber erst, wenn sie mit realen Betriebsdaten
verknüpft wird. Dazu werden die Ergebnisse aus
Simulation und Auslegung mithilfe von Energiemonitoring-Tools
mit den Messdaten laufender Maschinen
abgeglichen. Dieser Abgleich schafft Transparenz
über die tatsächliche Energieverteilung und zeigt
Optimierungspotenziale auf. Und genau hier setzt die
Forschung von Antrieb 4.0 an“, so Dlugosch.
Im Use Case kann der Anlagenhersteller seine
Antriebssysteme für ein vom Betreiber vorgegebenes
Last- und Bewegungsprofil durch die Kombination
von Antriebskomponenten unterschiedlicher Hersteller
möglichst energieeffizient auslegen. Mit einer
entsprechenden Authentifizierung wird es möglich,
über einen Datenraum die tatsächlich bezogene Leistung
und den kumulierten Energieverbrauch aller in
einer Anlage verbauten Antriebe in einem bestimmten
Zeitfenster einzusehen. Die Energieverbräuche
können für die ausgewählte Konfiguration des
Antriebssystems prognostiziert und während der
Inbetriebnahme verifiziert werden. Dies erleichtert
eine übersichtliche und effiziente Auslastung der
Anlage und trägt zu einer längeren Lebensdauer des
verbauten Systems bei. Zudem können die tatsächlich
erfassten Ist-Werte zwischen Betreiber, Maschinenbauer
und Anlagenhersteller ausgetauscht werden.
Dies kann Hinweise auf Optimierungen im Fahrprofil
einer Anlage geben. Die Erfahrung zeige:
„Durch den Abgleich von Simulation und Realbetrieb
kann die Energieeffizienz um bis zu zehn %
gesteigert werden – allein durch datenbasierte
Nachoptimierungen“, so Dlugosch.
Zeit und Kosten reduzieren –
Ressourcenverbrauch optimieren
Der zweite Use Case „Digitalisiertes Asset Management“
sorgt für mehr Transparenz in der Fabrikhalle.
Denn Produktionsanlagen sind komplexe Systeme,
die sich aus einer Vielzahl von Einzelantrieben und
anderen Baugruppen zusammensetzen. Entsprechend
umfassend fällt dabei die Anlagendokumenta-
tion aus. Während des laufenden Betriebs
fallen eine Reihe an Informationen an,
die heutzutage in herstellerspezifischen
Systemen und unterschiedlichen
Formaten bereitgestellt werden.
Dies führt zu Informationsasymmetrien
bei Entscheidungsfindern
und hat unter anderem zur Folge,
dass Unternehmen den Betrieb
und den Energieverbrauch einer Anlage
nicht zielgerichtet optimieren können.
Mit dem “Digitalisierten Asset Management”
erhält der Maschinenbetreiber erstmals eine standardisierte,
zentrale Sicht auf relevanten Informationen
seiner Anlage. Betriebsdaten und Energieverbräuche
lassen sich damit übersichtlich überwachen.
Das ermöglicht kürzere Stillstandzeiten, optimierte
Abläufe und spürbare Kosteneinsparungen.
Bild: Baumüller
» OPC UA hat sich als Standard –
und auch mit der Möglichkeit von
einheitlichen Datenmodellen –
auf Controller-Ebene bereits
durchgesetzt. «
Patrick Bruder, Team Leader Productmanagement –
System & IIoT, Lenze
Auch für Antriebshersteller sowie Maschinen- und
Anlagenbauer bringt diese Transparenz große Vor -
teile: Statt sich auf Erfahrungswerte, aufwendige
Simulationen oder teure Prototypen zu stützen, die
oft zu überdimensionierten Komponenten führen,
können sie auf verlässliche Echtzeitdaten aus dem
Betrieb zurückgreifen. Über den gemeinsamen
Datenraum von Antrieb 4.0 lassen sich Metadaten
gezielt nach Komponenten oder Anlagen filtern. Der
Zugriff auf Betriebs- oder Energiedaten kann beim
Betreiber angefragt werden.
Bild: Lenze
38 Industrieanzeiger » 15 | 2025
Standards für
maximale Kompatibilität
Die Vorteile für die Industrie liegen auf
der Hand. Viele Unternehmen nutzen
bereits intern standardisierte Vorgehensweisen,
die aber mangels einheitlicher
Semantik nicht interoperabel sind. Durch
die Einbindung vieler namhafter Hersteller
möchte das Forschungsprojekt einen Standard
setzen, um die nahtlose Übertragung von
Daten und Informationen herstellerübergreifend zu
ermöglichen. Dazu wird ein geteilter Datenraum
geschaffen, in dem Antriebsdaten standardisiert
gespeichert und ausgetauscht werden können.
Mit der technischen Umsetzung zeigt das Forschungsvorhaben
die möglichen Wege der horizontalen
und vertikalen Vernetzung eines Antriebs über
die Produktionsanlage bis hin zu weiteren Hierarchieebenen
im Fertigungsbereich auf. Ein technisches
Mittel hierfür ist die Nutzung von OPC UA oder
Web of Things (WoT) und der Verwaltungsschale (Asset
Administration Shell, AAS) als Struktur für einen
digitalen Zwilling. Damit werden Daten verschiedener
Hersteller in standardisierter Art und Weise
modelliert und abgelegt. Das ist essenziell für die
effektive Integration und Interaktion innerhalb industrieller
IoT-Umgebungen. Weitere Technologien
wie Time Sensitive Networking (TSN) werden eingesetzt,
um zeitkritische Datenübertragungen deterministisch
zu gestalten.
Patrick Bruder, Team Leader Productmanagement –
System & IIoT bei Lenze, sieht in der Standardisierung
den Schlüssel für mehr Transparenz und Interoperabilität:
„OPC UA hat sich als Standard – und
auch mit der Möglichkeit von einheitlichen Datenmodellen
(Companion Specifications) – auf Controller-Ebene
bereits durchgesetzt. Die Verwaltungsschale
als überlagertes Informationsmodell auf
Edge- und Cloud-Ebene ist auf einem guten Weg.
Sobald sich die Kommunikationswege etabliert
haben und nur noch durch entsprechende Datenmodelle
ergänzt werden müssen, wird es für den
Maschinenbauer oder auch den Maschinenbetreiber
möglich, mit wenigen herstellerunabhängigen
Anwendungen Informationen wie Asset Informationen,
Condition Monitoring oder Prozessoptimierung
anzuzeigen oder zu generieren. Dieser Prozess wird
mit wenigen Schnittstellen einhergehen und dementsprechend
auch die Aufwände bezüglich der
Cyber Security überschaubar halten.”
Basis: Antrieb-4.0-Systemarchitektur
Die Antrieb-4.0-Systemarchitektur zeigt Wege einer
vertikalen Vernetzung vom Feld über die Edge in die
Bild: Fraunhofer IIS
Cloud mit Zugriffsberechtigungen für die verschiedenen
Akteure. In der Feld-Ebene erfassen Antriebe und
Sensoren Betriebsdaten, und zwar direkt aus der
Maschine. Über den Kommunikationsprotokoll-
Server gelangen diese Daten zur Edge. Der lokale
Datenraumserver verarbeitet Antriebsdaten und die
Instanz-Verwaltungsschale direkt vor Ort und stellt
sie standardisiert bereit. Über definierte Schnittstellen
werden ausgewählte Informationen der Edge-
Ebene im Datenraum verfügbar gemacht. Ein föderierter
Datenraumserver sorgt für einen sicheren
Zugang sowohl auf Antriebsdaten als auch auf Typ-
Verwaltungsschalen – etwa für Analyse-Tools oder
autorisierte Nutzergruppen. So entsteht ein durchgängiger
Datenfluss – vom Antrieb bis in den digitalen
Raum.
Für Dr. Jan Hofmann, Gruppenleiter Data Spaces
im Bereich Supply Chain Services des Fraunhofer-
Instituts für Integrierte Schaltungen IIS, ist die Nutzung
offener Standards obligatorisch, um Daten im
Unternehmen, aber auch mit anderen Akteuren im
Wertschöpfungsnetz sinnvoll zu teilen und damit
Bild: Ulrich Pfeiffer
» Für den Einstieg in die
Dateninteroperabilität
erscheint es uns zielführend,
durch kleine Schritte iterativ
voranzugehen und dabei
auch auf dem Weg schon
Erfolge zu realisieren. «
Dr. Jan Hofmann, Gruppenleiter Data Spaces im
Bereich Supply Chain Services des Fraunhofer IIS
Deutlich effizienter & transparenter
Besucher und Besucherinnen der SPS in Nürnberg können sich
über das Forschungsprojekt Antrieb 4.0 davon überzeugen,
dass mehr Effizienz und Transparenz in Fabrikhallen möglich
ist. Über die beiden Use Cases der “Ganzheitlichen energieeffizienten
Auslegung von Antriebslösungen
und dem „Digitalisierten Asset
Management”, wird direkt erfahrbar, wie
multilaterales Datenteilen in Echtzeit
funktioniert und an welchen Stellen die
industrielle Fertigung profitiert.
Nico Schröder,
Korrespondent
Industrieanzeiger
Industrieanzeiger » 15 | 2025 39
TOPSTORY » Antriebstechnik
nutzen zu können: „Bei der Verwendung vermeintlicher
‚Goldstandards‘ gibt es noch zu viel Spielraum
für Interpretationen, da oftmals durch die Vielzahl
der beteiligten Stakeholder und ihren individuellen
Vorstellungen keine konkreten Ausprägungen in Spezifikationen
einfließen. Fehlt beispielsweise die Vorgabe,
in welcher Einheit die Nennleistung einer Anlage
angegeben sein soll, ist der Inhalt des Feldes nicht
mehr interoperabel und maschinenlesbar: 500 W,
500 J/s und 0,5 kW mögen für einen Menschen
erkennbar identisch sein – ein Algorithmus kann mit
derartig unterschiedlichen Angaben nicht arbeiten.
Für den Einstieg in die Dateninteroperabilität
erscheint es uns zielführend, durch kleine Schritte
iterativ voranzugehen und dabei auch auf dem Weg
schon Erfolge zu realisieren, anstatt zeit- und ressourcenintensiv
von Beginn an die ‚große Lösung‘ am
Stück umsetzen zu wollen. Hierbei besteht eine
große Gefahr darin, auf der Strecke zu bleiben und
das Ziel gar nicht zu erreichen.“
Tipp: Echtzeitlösungen auf der SPS
Für die Überführung der Projektergebnisse in der Praxis
sorgt der Aufbau eines standortübergreifenden
Reallabor-Demonstrators. Dafür werden verschiedene
Demonstratoren mit Antriebssystemen unterschiedlicher
Hersteller aufgebaut, die standortübergreifend
miteinander kommunizieren können. Vom
25. bis 27. November 2025 wird auf der SPS in Nürnberg
am Stand von Baumüller (Halle 1, 560), Lenze
(Halle 7, 391) und dem ZVEI (Halle 3, 321) in Echtzeit
erlebbar, wie sich mit verschiedenen Technologien
herstellerübergreifend Dateninteroperabilität herstellen
lässt. (sc)
Die Systemarchitektur von Antrieb 4.0 im
Überblick: Die Verfügbarkeit und Transparenz
von Daten auf Feld-, Edge- und Cloud-Ebene
sowie deren Zugänglichkeit ist ein zentraler
Bestandteil von Antrieb 4.0
Bild: Fraunhofer IIS
40 Industrieanzeiger » 15 | 2025
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Industrieanzeiger » 15 | 2025 41
SONDERTEIL » SMART FACTORY
Bild: Harting
Wo Daten, Energie und Intelligenz zusammenfließen, entstehen die Brücken in die elektrische Zukunft der vernetzten Industrie –
von der smarten Fertigungslinie bis zum Hochleistungs-Steckverbinder.
Elektrische Infrastruktur als Fundament der vernetzten Industrie
Brücken in die elektrische Zukunft
In der Smart Factory verbinden sich digitale Vernetzung, Automatisierung und Energieeffizienz
zu einem intelligenten Gesamtsystem – Sinnbild der All Electric Society, in der alle Sektoren
elektrisch und intelligent vernetzt sind. Dafür braucht es leistungsfähige elektrische
Infrastrukturen bis ins Detail: Durch optimierte Steckverbinder und durchdachte Material- und
Designentscheidungen lässt sich die erforderliche Stromtragfähigkeit sicherstellen.
» Stephan Middelkamp, General Manager für Qualität und Technologien, Harting
Die All Electric Society benötigt elektrische Energie,
die über die Power-Ader sowohl zwischen
als auch innerhalb der Sektoren bereitgestellt wird.
Für den Übergang zu elektrifizierten Systemen sind
in vielen Fällen höhere Leistungsniveaus erforderlich,
oder es müssen Systeme mit mehr Leistung neu aufgebaut
werden.
Ein anschauliches Beispiel aus dem Alltag ist die
Erhöhung der Bordnetz-Leistung im Auto. Diese
Maßnahme vereinfacht die Implementierung sogenannter
„Break by Wire“- und „Steer by Wire“-
Anwendungen. Ersteres bezeichnet ein elektrisches
Bremssystem, bei dem die Bremskräfte elektronisch
und nicht mechanisch, also über Bremsleitungen,
übertragen werden. Zweiteres meint ein elektronisches
Lenksystem, bei dem die Verbindung zwischen
dem Lenkrad und den Rädern ebenfalls nicht mechanisch,
wie durch Lenkstangen, erfolgt, sondern über
elektrische Signale.
Auch optimiert diese Leistungssteigerung den
Ladevorgang von Elektroautos. Hier müssen in kurzer
Zeit große Energiemengen über einen Steckverbinder
ins Fahrzeug übertragen werden, damit das Elektroauto
beim „Tanken“ ähnlich leistungsstark ist wie ein
Verbrenner. Solche Beispiele finden sich auch in
anderen Sektoren.
42 Industrieanzeiger » 15 | 2025
Präzises Crimpen sorgt für stabile Steckverbindungen und
maximale Stromtragfähigkeit – entscheidend für die zuver -
lässige Energieübertragung in elektrifizierten Systemen.
Trotz des höheren Energiebedarfs bleibt der verfügbare
Platz jedoch unverändert. Gleichzeitig erfordert
eine effiziente Installation, Wartung oder der
Betrieb den Einsatz von Steckverbindern. Diese müssen
folglich in der Lage sein, eine höhere Stromtragfähigkeit
bei gleichbleibender Baugröße zu bieten.
Der Schlüssel zur Effizienzsteigerung
Bild: Harting
Hier kommt die Stromtragfähigkeit ins Spiel. Sie
bezeichnet den maximalen Strom, den ein Steckverbinder
für einen bestimmten Kabeldurchmesser
übertragen kann. Diese Kapazität ergibt sich aus dem
Gleichgewicht zwischen der erzeugten Wärme aufgrund
des elektrischen Widerstands und der abgeführten
Wärme. Letztere wird sowohl durch Strahlung
als auch über das Kabel abgeleitet. Daher lassen
sich höhere Stromtragfähigkeiten mit größeren
Steckverbindern und Kabeln leichter realisieren, was
jedoch in vielen Anwendungen keine Option darstellt.
In einigen Fällen bietet die aktive Kühlung der
Steckverbinder oder der Einsatz alternativer Kunststoffmaterialien,
die höhere Temperaturen zulassen,
eine Lösung.
Eine weitere Alternative besteht in der Reduzierung
des elektrischen Widerstands. Dadurch wird
verhindert, dass sich Wärme entwickelt. Das verbessert
zudem die Energieeffizienz. Letztlich gibt es drei
wesentliche Ansatzpunkte zur Verbesserung der
Stromtragfähigkeit: den Anschluss des Kabels, das
Kontaktmaterial und die Steckstelle selbst.
Für den Kabelanschluss existieren verschiedene
Lösungen. Eine gängige Technik im Energiebereich ist
das „Crimpen“, also das Herstellen einer mechanischen
Verbindung, die sowohl elektrischen Kontakt
als auch mechanische Festigkeit bietet. Ein gut ausgeführter
Crimp verringert durch die plastische Verformung
des Kabels und des Kontaktbereichs den
Durchgangswiderstand erheblich. Hier sind das richtige
Crimpwerkzeug und die korrekten Parameter
entscheidend.
Mit Blick auf das Kontaktmaterial ist vor allem
auch die Legierung von Interesse. Denn diese kann
die Leitfähigkeit maßgeblich erhöhen. Als Grundmaterial
wird in der Regel Kupferlegierung verwendet.
Der Widerstand im Steckbereich wird durch unterschiedliche
Faktoren beeinflusst. Die Anzahl und
Größe der Kontaktpunkte lassen sich durch das Design
optimieren: Je größer die Kontaktfläche, desto
geringer der Widerstand. Die Normalkraft – also die
Kraft, mit der die Steckpartner aufeinander gedrückt
werden – spielt ebenfalls eine große Rolle. Eine
höhere Normalkraft erhöht die effektive Kontaktfläche.
Das führt dazu, dass pro Kontaktpunkt mehr
Strom fließen kann. Die Oberflächenwahl unterstützt
diesen Effekt. Allerdings erfordert eine höhere
Normalkraft auch eine größere Steckkraft, was wiederum
den Verschleiß erhöhen kann.
Letztendlich zeigt sich, dass das optimierte Design
vieler Parameter die Stromtragfähigkeit insgesamt
verbessert. Moderne Simulationstools ermöglichen
es, die Stromtragfähigkeit bereits in der Designphase
zu optimieren, sodass unterschiedliche Designs und
Materialien entsprechend ausgewählt und angepasst
werden können.
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Industrieanzeiger » 15 | 2025 43
SONDERTEIL » SMART FACTORY
Energiemanagement für eine hochdynamische Produktion
Standortübergreifend bis maschinengenau
Um einen entscheidenden Schritt in Richtung Nachhaltigkeit zu gehen, setzt ein Anbieter von
Antriebs- und Steuerungslösungen ein Energiemanagementsystem ein. Damit möchte das
Unternehmen mehr Transparenz über den Energieverbrauch erlangen und die Energieeffizienz
zusätzlich steigern. Die Messtechnik überwacht zudem die Spannungsqualität, warnt vor
schleichenden Isolationsfehlern und erhöht somit die Betriebssicherheit.
» Martin Witzsch, freier Journalist, Erlangen
Bild: Martin Witzsch
Stromschienen
mit Stromabgangskästen
von Janitza
erleichtern den
Anschluss der
Maschinen.
Die Hawe Hydraulik SE, ein international
tätiges Familienunternehmen mit
Stammsitz in München, investiert jährlich
bin Energieeffizienz-Projekte. Viele Tausend
Mess- und Datenpunkte überwachen
die gebäudetechnischen Anlagen
und Produktionsanlage der Hawe-Standorte.
Die Resultate dieser Bemühungen:
Gegenüber 2011 sind die CO 2 -Emissionen
in den Bereichen Scope 1 und 2 (also
direkte Emissionen und Emissionen eingekaufter
Energie) um 80 % gesunken.
Etwa 1/4 des benötigten Energiebedarfes
erzeugt Hawe selbst. Diese Maßnahmen
senken die jährlichen Energiekosten um
rund 2 Mio. Euro.
Ein wichtiger Bestandteil des Energiemanagements
ist die Messtechnik. Hier
setzt das Unternehmenstromseitig auf die
Hard- und Software von Janitza, d.h.
UMG-Messgeräte und zur Visualisierung
auf die Software GridVis Expert.
Robert Holl ist als Teamleiter Energie
für die Gebäudeautomation und das
Thema Energiemanagement aller Hawe
Standorte weltweit verantwortlich. Er
beschreibt die Anfänge der Energieverwaltungsmaßnahmen
des Unternehmens:
„In den ersten Jahren lag der Fokus des
Energiemanagements bei der Gebäudetechnik,
vor allem bei der Heizung,
Lüftung und der Beleuchtung.“ So ließen
sich positive Erfahrungen sammeln, ohne
Stillstände in der Produktion zu riskieren.
„Das war von Anfang an ein großer Erfolg.
Allein durch Wärmerückgewinnung konnten
wir 20 bis 30 % Energie sparen. Mithilfe
von real gemessenen Werten ließ
sich dies gut aufzeigen und vergleichen“,
so Holl.
Nach dem erfolgreichen Einstieg über
die Gebäudetechnik steht jetzt auch die
Fertigung im Fokus. An einem Standort
hat man Erfahrungen mit den Messgeräten
von Janitza gesammelt und entschieden,
die Messtechnik einheitlich für alle
Produktionsstandorte einzusetzen. Eine
besondere Herausforderung ist die fort-
44 Industrieanzeiger » 15 | 2025
währende Erweiterung und Optimierung
der Produktionsabläufe. Sie erfordert,
dass die Maschinen regelmäßig ihren
Standort wechseln. Statt langer Zuleitungen
zu Schaltschränken gibt es deshalb
Raster aus Stromschienen an der Decke.
Für die Verbindung sorgen mittlerweile
auch Stromabgangskästen, die mit einem
Netzanalysator ausgestattet sind. Holl erläutert:
„Wir versorgen die Produktionsmaschinen
zentral mit Strom, Druckluft
und Kälte. Durch die Messung direkt auf
den Stromschienen und der Medienversorgung
wird die gesamte Anlage transparent.
Jede neue Maschine bekommt
entsprechende Zähler. Ebenso Maschinen,
die umziehen. So vermeiden wir Stillstände
für die Umrüstung und können die
Energieflüsse Stück für Stück besser
nachvollziehen.“ Bei Zählern von Drittherstellern
mit Ethernet-Schnittstelle
werden die Signale direkt in die GridVis
Expert eingespeist. Bei Modbus-Geräten
übernimmt das Messgerät die Weiterleitung.
Durch eine Innovation in der Fertigung
lassen sich die Messergebnisse besonders
gut verwerten: Zehn Bearbeitungszentren
mit einem zentralen großen Speicher für
Werkzeuge sind zu einem flexiblen Fertigungssystem
zusammengefasst. Die zugehörige
Peripherie ist vollständig automatisiert.
Dazu gehören das Materialhandling,
das Bestücken der Spanntürme
sowie deren Verteilung auf die Systemmaschinen
und die Handhabung der
Paletten. Ein Magazin mit über tausend
Plätzen hält die Werkzeuge bereit. Über
Robert Holl (links) und Alexander Wagenhuber vor einem GridVis-Dashboard.
ein Werkzeugportal, das von einem Roboter
bestückt wird, gelangen sie zu den
Maschinen. Das System ist ideal, um eine
möglichst energieeffiziente Fertigung zu
ermöglichen. Holl erläutert: „Unser flexibles
Fertigungssystem entscheidet autonom,
welches Bauteil zu welcher Zeit auf
welcher der zehn verfügbaren Werkzeugmaschinen
gefertigt wird. Durch die Messung
von Strom, Kälte und Druckluft an
den einzelnen Werkzeugmaschinen im
System und die Verknüpfung mit den Produktionsdaten
ist es möglich, den Energiebedarf
pro Fertigungsauftrag ziemlich
genau zu bestimmen. So erkennen wir sofort
Abweichungen im Energieverbrauch
des gleichen Produkts auf unterschiedli-
chen Maschinen und können eingreifen.“
Durch die Messtechnik und die Dokumentation
bzw. Visualisierung steht Holl ein
riesiger Datenschatz zur Verfügung. Dank
der Offenheit des Systems kann er neben
den Strommengen auch Kenngrößen für
Druckluft und Kälte wie Leistung, Volumenstrom,
Druck oder auch Temperaturen
erfassen.
Der Aufwand für die Messtechnik trägt
Früchte. „Mit Blick auf die Kostenbilanz
trägt sich das Energiemanagementsystem
und die daraus abgeleitete Maßnahmen
selbst. Durch die einfache Visualisierung
sieht man sofort, wo Energie verschwendet
wird oder ob Anomalien auftreten“, so
Holl.
Bild: Martin Witzsch
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Industrieanzeiger » 15 | 2025 45
SONDERTEIL » SMART FACTORY
Digital Twin optimiert die Helikopter-Fertigung
Fliegende Komponenten
virtuell programmiert
Airbus Helicopters setzt in der mechanischen Hubschrauber-Fertigung in Donauwörth
auf den DMG Mori Digital Twin, um die Bearbeitung sicherheitsrelevanter Komponenten
zu simulieren und zu optimieren. Mit Hilfe des digitalen Maschinenabbilds lassen sich
neue Fertigungsprozesse realitätsnah abbilden, Kollisionen zuverlässig vermeiden sowie
Hochlaufzeiten deutlich verkürzen.
Mit dem Digital Twin werden Bearbeitungsprozesse
in der Helikopterfertigung
präzise simuliert und für den
sicheren Serieneinsatz zertifiziert.
Der Hubschrauberbau hat bei Airbus
eine lange Tradition. Am Standort
Donauwörth, einem Zentrum der Luftfahrttechnik,
entwickeln und fertigen
rund 8000 Beschäftigte zivile und militärische
Helikopter. Die heutige Airbus Helicopters
GmbH entstand 2014 aus einer
Reihe von Unternehmensfusionen und
Umstrukturierungen, die bis in die
1970er-Jahre zurückreichen.
In der mechanischen Fertigung werden
neue Bearbeitungsprozesse zur Serienreife
gebracht und zertifiziert, sodass die
Produktion sicherheitsrelevanter Kompo-
Bild: Airbus Helicopters
nenten weltweit nach einheitlichen Standards
erfolgen kann. Werkzeugmaschinen
von DMG Mori spielen dabei seit je her eine
entscheidende Rolle in der Zerspanung
der hochwertigen Komponenten aus Titan,
Stahl und Aluminium. Hierfür wurden
unter anderem zwei Palettensysteme mit
jeweils fünf DMC 80 U Duoblock beziehungsweise
DMC 80 H linear installiert.
In der Prozessauslegung neuer Bauteile
setzt Airbus Helicopters auf den
DMG Mori Digital Twin, der zuverlässige
und effiziente Fertigungsprozesse gewährleistet.
Die Sicherheit der Passagiere von Flugzeugen
und Hubschraubern hat seit jeher
oberste Priorität für Airbus. Daraus resultiert
schon in der Fertigung ein extrem
hoher Anspruch an das technische Know-
How der Fachkräfte und die Qualität der
anspruchsvollen Komponenten. „Wir nutzen
ausschließlich hochwertigste Stahl-,
Titan- und Aluminiumlegierungen“, erklären
Thomas Heinrich und Steffen Rößner,
beide bei Airbus Helicopters zuständig für
die Programmierung in der mechanischen
Fertigung. Da es sich ausschließlich um
sicherheitsrelevante Werkstücke handelt,
erfolgt die Bearbeitung in eingefrorenen
Prozessen. „Das heißt, nach der Zertifizierung
von Bauteilen und ihren Herstellungsprozessen
darf nichts mehr verändert
werden – weder Programme, noch
Werkzeuge.“
Automatisierte Produktion auf
zwei Palettensystemen
Eine große Herausforderung in der Produktion
bei Airbus Helicopters ist die
möglichst effiziente und prozesssichere
Fertigungsauslegung neuer Bauteile. Mit
zwei von DMG Mori konzipierten Fertigungslinien
kann das Team die automatisierte
Herstellung der Komponenten über
drei Schichten aufrecht erhalten. Jede
Anlage verfügt über vier Rüstplätze. Die
Hochregale bieten Platz für jeweils 80
46 Industrieanzeiger » 15 | 2025
Paletten . Zusätzlich zu den großen Werkzeugmagazinen
der jeweils fünf DMC
80 U Duoblock und DMC 80 H linear bieten
externe Werkzeugmagazine mit 800
Plätzen für die Stahl- / Titanbearbeitung
und 1000 Plätzen für Aluminiumbearbeitung
ausreichend Stauraum für Schwesterwerkzeuge.
„Die Laufzeiten für jeden
Bearbeitungsschritt sind in den Programmen
hinterlegt, so dass die Anlage rechtzeitig
neue Werkzeuge einwechselt, bevor
die hinterlegten Standzeiten überschritten
werden“, so Steffen Rössner.
Digital Twin: Simulation im
exakten Maschinenabbild
In der zentralen Programmierung nutzen
Thomas Heinrich und Steffen Rössner
Siemens NX inklusive der dort verfügbaren
Simulationsmöglichkeiten. „Da dort
lediglich der NC-Code interpretiert wird,
ohne dass die Software die exakte Maschinenumgebung
oder die Steuerung
kennt, haben diese Simulationen Grenzen“,
findet Thomas Heinrich. Eine optimale
Lösung habe Airbus Helicopters im
Digital Twin von DMG Mori gefunden. Er
repräsentiert das digitale Abbild einer individuellen
DMG Mori Werkzeugmaschine.
Dieses Abbild beinhaltet den Arbeitsraum
mit allen Komponenten, inklusive
aller Funktionalitäten wie Bewegungen
und Steuerungsfunktionen sowie die NC
und SPS und deren Zyklen.
„Die exakte 1:1-Simulation der Programme
verschafft uns wesentliche Vorteile“,
betont Steffen Rössner. „Wir können
sicher sein, dass die Bearbeitung auf
der Maschine kollisionsfrei ist, erzielen
durch die virtuellen Tests einen deutlich
schnelleren Produktionshochlauf, während
die Systeme weiter produzieren.“ Mit
Blick auf die Vermeidung von Kollisionen
ergänzt Thomas Heinrich: „Die Lizenz für
den Digital Twin macht sich spätestens
dann bezahlt, wenn man durch die Simulation
einen größeren Crash vermeidet.“
Als weiteren Vorteil nennt er die reduzierten
Kosten: „Wir können im Digital Twin
ungenutzte Potenziale identifizieren und
digital erschließen.“
Die Funktionalitäten des Digital Twin
gehen für DMG Mori weit über diese Nutzung
hinaus. Die Software spielt beispielsweise
auch in der Ausbildung ihre
Stärken aus. Die realitätsnahe Schulung
ohne unproduktive Maschinenstunden ist
ein signifikanter Kostenfaktor für Unternehmen.
Die Möglichkeiten des DMG
Mori Digital Twin fügen sich perfekt ein in
das Tagesgeschäft und die Philosophie
von Airbus Helicopters. „Die Sicherheit
unserer Produkte hat oberstes Gebot. Das
gilt gleichermaßen für unsere Fertigungsprozesse“,
schlägt Thomas Heinrich eine
Brücke. „Der Digital Twin ist das perfekte
Werkzeug, um diese Sicherheit zu
gewährleisten.“ (su)
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Bild: DMG Mori
Komponenten aus Titan, Stahl und Aluminium werden unter anderem auf
zwei Palettensystemen mit jeweils fünf DMC 80 U Duoblock bearbeitet.
Bild: DMG Mori
DMG Mori Digital Twin:
Prozesssimulation im
exakten Maschinenabbild
inklusive NC, SPS und
deren Zyklen.
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Industrieanzeiger » 15 | 2025 47
Bild: AccuteX
AccuteX hat sein Headquarter in Taichung City in Taiwan hat über 26 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Draht-EDM-Maschinen.
AccuteX zeigt die nächste Generation der Drahterosion
Präzision trifft KI
Auf der EMO Hannover 2025 präsentiert AccuteX aus Taiwan neue Generationen seiner
Drahterodiermaschinen. Im Gespräch erklärt ein Unternehmenssprecher, wie Künstliche
Intelligenz, Automatisierung und Energieeffizienz das Leistungsversprechen der Marke prägen –
und welche Stärken taiwanesische Werkzeugmaschinenhersteller weltweit auszeichnen.
» Alexander Gölz, Chefredakteur Industrieanzeiger
Welche Innovationen haben Sie auf der
auf der EMO Hannover 2025 gezeigt?
Iin Hannover haben wir unsere Drahterodierlösungen
der nächsten Generation
vorgestellt. Zu den Highlights zählen ein
KI-gesteuertes adaptives Schneidsystem,
das Präzision und Bearbeitungsgeschwindigkeit
verbessert, ein hybrider Linearmotorantrieb
zur Steigerung der Energieeffizienz
sowie eine cloudbasierte Überwachungsplattform,
die Echtzeit-Datenana-
lysen ermöglicht. Damit helfen wir Herstellern,
ihre Produktivität zu steigern und
gleichzeitig die Betriebskosten zu senken.
Welche Rolle spielen Automatisierung
und Digitalisierung in Ihren neuen
Maschinen?
Eine sehr große. Unsere neuen Modelle
verfügen über fortschrittliche Automatisierungsschnittstellen,
über Optionen zur
Roboterintegration und über Digital-Twin-
Funktionen. So können Anwender ihre
Prozesse für unbeaufsichtigtes Arbeiten,
vorausschauende Wartung und intelligente
Fabrik-Workflows deutlich effizienter
gestalten. Darüber hinaus setzen wir zunehmend
auf KI-gestützte Services. Diese
helfen bei der Fehlerdiagnose, unterstützen
den Kundenservice und liefern datenbasierte
Empfehlungen für Wartung und
Betrieb – ein wichtiger Schritt angesichts
des zunehmenden Fachkräftemangels.
48 Industrieanzeiger » 15 | 2025
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und reagieren schnell auf neue Techno -
logien und Anforderungen. Das ist Teil
der taiwanesischen Stärke: Reaktionsgeschwindigkeit,
Flexibilität und Innovationsfreude.
In welchen Bereichen kommen
Ihre Maschinen besonders
häufig zum Einsatz?
Besonders stark sind wir in
der Bearbeitung hochpräziser
Komponenten für die Medizintechnik
und die Luft- und Raumfahrt.
Diese Branchen stellen höchste Ansprüche
an Genauigkeit und Oberflächenqualität.
Auch Anwendungen im Verteidigungssektor
und bei der Bearbeitung
neuer, schwer zerspanbarer Materialien
gewinnen an Bedeutung.
AZ-600A mit dreiseitigem Fallarbeitstank.
Seit wann ist AccuteX auf dem deutschen
Markt aktiv, und wo sehen Sie
derzeit die größte Nachfrage?
Wir sind seit rund 15 Jahren über lokale
Vertriebs- und Servicepartner in Deutschland
präsent. Besonders die Formen- und
Werkzeugindustrie sowie Hersteller aus
der Luft- und Raumfahrt zeigen großes
Interesse. In jüngerer Zeit verzeichnen wir
auch eine wachsende Nachfrage aus dem
Verteidigungssektor.
» Unser Ziel ist ein gesundes
Gleichgewicht zwischen
Wirtschaftlichkeit und Qualität. «
Die USA haben Zölle auf Werkzeugmaschinen
aus Taiwan verhängt. Wie wirkt
sich das auf Ihr Geschäft aus?
Natürlich erhöht das den Kostendruck für
die gesamte Branche. Wir begegnen dieser
Herausforderung, indem wir unsere
Lieferkette optimieren, den regionalen
Support außerhalb der USA stärken und
kontinuierlich in Innovation investieren.
So schaffen wir Mehrwert über die reine
Preiswettbewerbsfähigkeit hinaus und
können Preissteigerungen teilweise kompensieren.
Viele Hersteller stehen unter Druck,
Kosten zu senken. Wie gehen Sie mit
diesem Trend um?
Unser Ziel ist ein gesundes Gleichgewicht
zwischen Wirtschaftlichkeit und Qualität.
In stark preissensiblen Märkten wie
Indien spielt das eine große
Rolle. Wir wollen flexibel bleiben,
ohne Kompromisse bei
der Präzision oder Zuverlässigkeit
unserer Maschinen einzugehen.
Zum Schluss ein kurzer Blick
zurück und nach vorn. Wie hat sich
AccuteX seit der Gründung entwickelt?
AccuteX wurde 2001 gegründet und hat
sich auf Drahterodiermaschinen spezia -
lisiert. Von Beginn an entwickeln und
fertigen wir zentrale Komponenten wie
Steuerungen, Guss- und Leiterplatten
selbst. Heute investieren wir gezielt in KI,
Sensorik und Datentechnologien – um
unseren Kunden auch in Zukunft präzise,
effiziente und intelligente Lösungen zu
bieten.
Bild: AccuteX
Industrieanzeiger » 15 | 2025 49
SONDERVERÖFFENTLICHUNG
Hannsa Precision: Komponenten für Werkzeugmaschinen
„Wir wollen Lasertechnologie aus
Taiwan nach Europa bringen“
Automatisierung, Smart Factory und faire Preise – das sind die Themen, mit denen taiwanesische Hersteller
auf dem europäischen Markt punkten wollen. Hannsa setzt dabei auf Laser- und Fertigungslösungen, die
auf individuelle Kundenanforderungen zugeschnitten sind. Wiktoria Jaglarska, Administrative Executive,
erklärt im Gespräch, wie das Unternehmen diesen Spagat zwischen Qualität, Effizienz und Service schafft.
» Alexander Gölz, Chefredakteur Industrieanzeiger
Die YLM Laserschneidmaschine für Blech überzeugt für
präzises Schneiden. Bedient wird sie komfortabel über ein
Touchpanel, ergänzt durch eine flexible Austauschplattform.
Bild: Hannsa Precision
Welche Innovationen haben Sie in diesem Jahr auf
der EMO gezeigt?
Wir präsentieren unsere neuesten Entwicklungen im
Bereich Werkzeugmaschinen. Im Mittelpunkt steht
ein vertikales Bearbeitungszentrum – eines unserer
kompakteren Modelle – sowie unsere neue Laserlinie.
Das Faserlaserschneidsystem ist ein wichtiger nächster
Schritt für uns und unsere Kunden.
Spielt Automatisierung bei Ihren neuen Maschinen
eine Rolle?
Absolut. Wir entwickeln unsere Laserlinie mit Fokus
auf Automatisierung, sodass die Prozesse weitgehend
ohne manuelle Eingriffe ablaufen. Unser Ziel ist es,
den Kunden Technologien anzubieten, mit denen sie
ihre Produktivität steigern und gleichzeitig Kosten
senken können. Auf der Blechexpo in Stuttgart wurde
zudem eine komplette intelligente Fertigungslinie vorgestellt,
die gemeinsam mit Partnern entstanden ist.
Wodurch unterscheiden sich Ihre Maschinen von
denen anderer Anbieter?
50 Industrieanzeiger » 15 | 2025
Die Laserrohrschneidmaschine von YLM bearbeitet Rohre mit Durchmessern von 80 bis 360 mm. Je nach Anforderung kommt sie mit zwei oder drei
Spannfuttern zum Einsatz – für maximale Materialeffizienz und präzise Schnittergebnisse.
Bild: : Hannsa Precision
Wir versuchen, das optimale Gleichgewicht zwischen
Qualität und Preis zu finden. Gleichzeitig investieren
wir stark in Forschung und Entwicklung – insbesondere
in unsere Software. Wir hören unseren Kunden
genau zu und entwickeln Lösungen, die wirklich zu
ihren Anforderungen passen. So entstehen zuverlässige,
hochwertige Maschinen. Hinzu kommt unser
Service: Wir verfügen über erfahrene Techniker und
bieten unseren Kundendienst zu fairen Konditionen
an. In einer Branche, in der Service oft teuer ist, ist
das ein klarer Vorteil.
Was macht taiwanesische Werkzeugmaschinen
weltweit so besonders?
Ich denke, es ist unsere Mentalität: Wir wollen hochwertige,
verlässliche Maschinen zu einem vernünftigen
Preis liefern. Unsere Ingenieure analysieren die
Produktionsprozesse der Kunden sehr genau und entwickeln
dann Maschinen, die exakt auf deren Anforderungen
zugeschnitten sind. Das können Speziallösungen
sein, die weit über Standardmodelle hinausgehen.
Wir verkaufen also nicht nur eine Maschine,
wir entwickeln sie gemeinsam mit dem Kunden.
Sie sprachen von Ihrer europäischen Präsenz – wie
sind Sie hier organisiert?
Ergänzend zu den oben genannten Punkten haben
wir zwar eine Tochtergesellschaft in Polen gegründet,
um den Direktvertrieb an Kunden zu betreiben,
aber wir begrüßen auch europäische Distributoren
oder Vertreter, die sich uns anschließen, um die Maschinen
von Yinghan zu bewerben und die Vertriebseffizienz
zu steigern.
Bieten Ihre Maschinen auch Funktionen für vorausschauende
Wartung?
Ja, unsere Maschinen sind mit Sensoren ausgestattet,
die helfen, Kollisionen und Ausfälle zu vermeiden.
Außerdem sind sie mit anderen Systemen kompatibel
– der Produktionsplan kann beispielsweise
über ein übergeordnetes System auf alle Maschinen
übertragen werden. Das ist ein weiterer Schritt Richtung
Smart Factory.
Seit wann sind Sie in Deutschland aktiv, und
welche Branchen sprechen Sie an?
Wir sind seit rund 20 Jahren auf dem deutschen
Markt präsent, hauptsächlich über unsere polnische
Niederlassung. Unsere Maschinen werden in ganz
unterschiedlichen Branchen eingesetzt – von der
Heizungsindustrie bis zur allgemeinen Metallbearbeitung.
Derzeit liegt unser Fokus darauf, unsere Laserschneidsysteme
stärker in Deutschland zu etablieren.
Wie wirken sich die US-Zölle auf Ihr Geschäft aus?
Natürlich spüren wir die Auswirkungen. Einige Aufträge
verzögern sich, und wir müssen stärker auf unsere
Preisgestaltung achten. Aber wir sehen das als
Herausforderung. Wir bieten unseren Kunden weiterhin
wettbewerbsfähige Preise und stärken gleichzeitig
unsere Märkte in Europa und Asien. So bleiben
wir flexibel und widerstandsfähig.
Sie haben den Taiwan Excellence Award erhalten.
Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?
Das ist für uns eine große Anerkennung. Der Award
ist wie eine Belohnung für die harte Arbeit unseres
Teams und bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg
sind – mit innovativen, hochwertigen Produkten, die
den Kunden echten Mehrwert bieten.
Industrieanzeiger » 15 | 2025 51
SONDERVERÖFFENTLICHUNG
Werner Mäurer, Managing Director Hiwin Deutschland, im Gespräch
Wie Hiwin Geschwindigkeit
und Effizienz verbindet
Hiwin hat auf der EMO 2025 eine Reihe neuer Innovationen im Bereich Lineartechnik
und Aktuatoren vorgestellt. Managing Director Werner Mäurer erläutert im Interview,
wie das Unternehmen Geschwindigkeit, Flexibilität und digitale Intelligenz in seine
Maschinen integriert. Dabei spielt die enge Zusammenarbeit zwischen Taiwan und
Deutschland eine zentrale Rolle – von der Entwicklung bis zur Produktion vor Ort.
» Alexander Gölz, Chefredakteur Industrieanzeiger
Werner Mäurer im Interview: Er leitet
seit 30 Jahren als Geschäftsführer den
Maschinenbauer Hiwin Offenburg.
Kundenprojekte laufen bereits, ein weiterer Auftrag
steht kurz vor dem Abschluss. Was Hiwin auszeichnet,
ist die Kombination aus Geschwindigkeit und
Produktvielfalt. Wir bieten die volle Bandbreite von
Linearantrieben über elektromechanische Systeme
bis hin zu hochautomatisierten Lösungen. Ein wesentlicher
Teil unserer Wertschöpfung steckt in der
Software – das ist heute ein echter Differenzierungsfaktor.
Über unseren Webshop, der direkt an das Warenwirtschaftssystem
angebunden ist, können wir
sehr flexibel und effizient fertigen. Unsere „verrückte“
Fertigungsphilosophie erlaubt es, Änderungen am
Produkt auch sehr spät im Prozess noch zu berücksichtigen.
Kein Auftrag wird gestoppt, alles läuft im
Sinne von Just-in-Time – das gibt uns enorme Geschwindigkeit
und Flexibilität.
Mit welchen zentralen Innovationen tritt Hiwin
auf der EMO Hannover 2025 auf?
Ein Highlight ist unser neu entwickelter elektrischer
Aktuator mit Kugelgewindetrieb. Dabei haben wir die
Kugelgewindetriebe noch kompakter gestaltet und
neue Geometrien eingeführt. Besonders spannend ist
die neue Rollenführung – sie ergänzt unsere bewährte
UR-Serie, die wir weiterhin produzieren. Erste
Bild: Hiwin
Verfügt Ihre neueste Maschine über spezielle Lösungen
zur Automatisierung und digitalen Integration?
Ja, wir haben in den letzten Jahren viele Erfahrungen
mit übergeordneten Systemlösungen gesammelt, etwa
bei unseren Profilschienenführungen. Dort messen
wir Motorströme und Vibrationen, um aktiv gegenzusteuern
und die Performance zu optimieren.
Solche Subsysteme sind wichtige Bausteine auf dem
Weg zu vollständig integrierten, intelligenten Maschinen.
Welche besonderen Vorteile zeichnen Ihre Technologien
aus?
Ein wesentlicher Vorteil ist die enge Zusammenarbeit
zwischen Taiwan und Deutschland. Rund 50 Prozent
52 Industrieanzeiger » 15 | 2025
Der neue Elektro -
zylinder von Hiwin
verbessert Effizienz,
Präzision und Flexibilität
in der industriellen
Automatisierung.
Bild: Hiwin
der Wertschöpfung erfolgen in Deutschland – das
sorgt für kurze Wege, hohe Qualität und Kundennähe.
Die Verbindung aus taiwanesischer Innovationskraft
und deutscher Ingenieurstradition ist für uns
ein echtes Erfolgsrezept.
Welche Hauptstärken bieten taiwanesische Werkzeugmaschinen
im Vergleich zu anderen internationalen
Anbietern?
Taiwan hat trotz vieler großer Unternehmen ein Denken,
das stark vom Mittelstand geprägt ist. Das passt
hervorragend zu Deutschland. Beide Länder sind exportorientiert
und denken langfristig – nicht in Quartalen,
sondern in nachhaltigen Partnerschaften. Diese
Philosophie spiegelt sich auch in unseren Produkten
wider.
Welche Technologien entwickeln und fertigen Sie
derzeit in Taiwan?
Unser Portfolio ist sehr breit aufgestellt – im Grunde
überall dort, wo sich etwas bewegt, kommt Hiwin ins
Spiel. Wir entwickeln und produzieren eine Vielzahl
an Lösungen für unterschiedlichste Branchen und
Anwendungen.
Da der deutsche Markt zunehmend auf Kosteneffizienz
setzt: Welche Alleinstellungsmerkmale heben
Ihre Produkte von Wettbewerbern ab?
Ein entscheidender Punkt ist die Intelligenz, die in
unseren Produktionsprozessen steckt. Wir setzen auf
das Prinzip „local for local“ – also auf lokale Produktion
für lokale Märkte. Das bedeutet: Wir haben
nicht nur eine Vertriebsgesellschaft vor Ort, sondern
auch echte Fertigungskompetenz. Nur so können wir
schnell reagieren, individuell anpassen und gleichzeitig
effizient produzieren.
Können Sie ein aktuelles Erfolgsbeispiel nennen,
das den Nutzen Ihrer Lösungen in der Praxis verdeutlicht?
Ein besonders spannendes Projekt kommt aus dem
Defence-Bereich. Dort haben wir eine Lösung entwickelt,
die unter extremen Temperaturbedingungen
von minus 30 bis plus 60 Grad zuverlässig funktioniert.
Außerdem konnten wir in der Batterietechnik
eine extrem schnelle Achse realisieren – ein weiterer
Beweis für die Leistungsfähigkeit unserer Systeme.
» Taiwan hat trotz vieler großer
Unternehmen ein Denken, das stark
vom Mittelstand geprägt ist. «
Wie bewerten Sie den aktuellen globalen Trend zur
Kostensenkung im Werkzeugmaschinenbau und
warum gewinnt dieses Thema an Bedeutung?
Der Fokus auf Kosteneffizienz ist eigentlich nichts
Neues – Unternehmen, die das aus den Augen verloren
haben, geraten schnell in Schwierigkeiten. Hinzu
kommt derzeit der Einfluss von Zöllen: Importe sind
teilweise um bis zu 15 Prozent teurer geworden, und
am Ende zahlt das meist der Kunde – zum Beispiel in
den USA. Das zeigt, wie wichtig effiziente, regionale
Produktionsstrukturen sind.
Industrieanzeiger » 15 | 2025 53
SONDERVERÖFFENTLICHUNG
Vom Bauteil bis zur Komplettlösung
Honor Seiki setzt auf Flexibilität
und starke Lieferkette aus Taiwan
Mit wettbewerbsfähigen Preisen, einer starken Lieferkette und hoher Anpassungsfähigkeit
positioniert sich Honor Seiki als verlässlicher Partner für präzise und effiziente
Werkzeugmaschinen – „Made in Taiwan“.
» Alexander Gölz, Chefredakteur Industrieanzeiger
Seit 2006 verkaufen wir Maschinen in Deutschland.
Besonders interessiert zeigen sich Unternehmen aus
den Bereichen Energie, Präzisionslager, Schwermaschinenbau
sowie Antriebstechnik.
Bild: Honor Seiki
Dual-Ram-Hartdreh-Lösung von Honor Seiki, entwickelt für die hochpräzise Bearbeitung
von Windkraftanlagenlagern.
Welche Innovationen stellen Sie auf der EMO
Hannover 2025 vor?
An unserem Messestand wird deutlich, dass wir auf
branchenspezifische Lösungen setzen, insbesondere
im Bereich großer Vertikaldrehmaschinen, und auf
die Entwicklung maßgeschneiderter Maschinen für
hochwertige Bauteile.
So setzen wir etwa im Energiesektor – etwa für Wasserstoff-
und Windkraftanwendungen – unsere
„Hard-Turning-Technologie“ ein, mit der Kunden ihre
Effizienz um rund 25 Prozent steigern und gleich -
zeitig Investitionskosten für Maschinen einsparen
können.
Wie lange sind Sie bereits in Deutschland aktiv,
und welche Branchen interessieren sich besonders
für Ihre Lösungen?
Bietet Ihre neue Maschine Funktionen für Automatisierung
und Digitalisierung?
Ja, selbstverständlich. Angesichts der Veränderungen
im Markt verkaufen wir nicht mehr nur Einzelmaschinen.
Ziel ist es, intelligente Elemente in unsere
Anlagen zu integrieren, sodass Kunden „smarte Maschinen“
erhalten, die Effizienz steigern, Arbeitsaufwand
reduzieren und zusätzlichen Mehrwert schaffen.
Dazu gehören automatisiertes Be- und Entladen, Kollisionsvermeidung,
Produktionsüberwachung, Digital-
Twin-Technologie und weitere digitale Funktionen.
Wodurch heben sich Ihre Technologien von der
Konkurrenz ab?
Unsere Stärke liegt in der Bearbeitung großer Werkstücke
und einzigartiger Prozesse. Beispielsweise erzielt
unsere Hard-Turning-Technologie exzellente
Oberflächenqualitäten, wodurch ein Schleifprozess
zur Nachbearbeitung entfällt. Außerdem zeigt unsere
Hochgeschwindigkeits-Bohrtechnologie bei Anwendungen
in Windenergie-Lagern eine um rund 20 Prozent
höhere Effizienz im Vergleich zu einigen europäischen
Maschinen – ein klarer Vorteil in den Märkten
Windkraft und Wasserstoff. Wir bieten zudem
schlüsselfertige und kundenspezifische Lösungen –
von der Maschine bis zur kompletten Prozessintegration
– und erleichtern so Industrien wie Energie oder
Luftfahrt die Einführung. Dank modularer und individueller
Designs können wir auch große, komplexe
Aufträge schneller liefern als viele japanische und
europäische Anbieter.
Welche Stärken haben taiwanesische Werkzeugmaschinen
im globalen Markt?
54 Industrieanzeiger » 15 | 2025
Bild: Honor Seiki
Taiwanesische Werkzeugmaschinen bieten ausländischen
Käufern gleich mehrere Vorteile. Besonders
hervorzuheben ist das attraktive Preis-Leistungs-
Verhältnis: Im Vergleich zu europäischen und japanischen
Herstellern überzeugen die Maschinen durch
wettbewerbsfähige Preise bei gleichzeitig kurzen Lieferzeiten.
Darüber hinaus profitiert man von einer
vollständig ausgebauten lokalen Lieferkette. Von
Komponenten und Zubehör über die Fertigung bis hin
zum After-Sales-Service stellt Taiwan ein komplettes
industrielles Ökosystem bereit, das Kunden eine verlässliche
Versorgung garantiert. Ein weiterer Pluspunkt
ist die hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit
der Hersteller: Bearbeitungslinien oder Sondermaschinen
können schnell und passgenau auf die individuellen
Anforderungen der Kunden zugeschnitten
werden.
Wie wirken sich die US-Zölle auf die taiwanesische
Werkzeugmaschinenindustrie und Ihr Unternehmen
aus?
Der US-Markt ist nicht unser größter Absatzmarkt.
Große Unternehmen halten ihre regulären Jahresbeschaffungspläne
ein, sodass wir weiterhin Aufträge
erhalten.
Subunternehmer, kleinere Firmen oder Job Shops
sind hingegen vorsichtiger – sie verschieben möglicherweise
Bestellungen, bis die Zölle klarer sind, oder
verlagern sie nach Mexiko oder Indien. Bei großen,
kundenspezifischen Maschinen akzeptieren Kunden
in der Regel moderate Preisänderungen. In stark umkämpften
Segmenten, wie Turmvertikaldrehmaschinen,
wird es jedoch schwieriger. Koreanische Wettbewerber
haben bereits große Standorte in den USA,
zudem sind deren Zölle um 50 Prozent niedriger als
die taiwanesischen. In diesem Segment müssen wir
besonders strategisch vorgehen, um die Preisdifferenz
auszugleichen.
Können Sie abschließend die Geschichte und
Philosophie von Honor Seiki erläutern?
„Honor to be your partner“ ist unsere Philosophie:
Die erste Wahl als strategischer Partner für führende
Vertikaldrehmaschinen mit intelligenten und innovativen
Lösungen. Zu Beginn konzentrierte sich Honor
Seiki auf die Fertigungsindustrie in Taiwan. 2004 begann
die Kooperation mit dem größten taiwanesischen
Werkzeugmaschinenhersteller, der Tongtai
Group, um die Vertriebskanäle zu erweitern. Unser
Leitbild lautet: Integrität, Technologie, guter Service
und nachhaltige Entwicklung. Wir verbinden Handwerksgeist
mit Innovationskraft, verbessern kontinuierlich
unsere Lösungen und achten sowohl auf die
Bedürfnisse unserer Kunden als auch auf Umweltbelange.
Unser Ziel ist eine strategische Partnerschaft
mit Kunden, nicht nur eine klassische Käufer-Verkäufer-Beziehung.
Von Windenergie über Schienenverkehr,
Luftfahrt, Motorenbau, Präzisionslager bis zur
Wasserstoffindustrie – wir bieten die passenden Maschinen
und Lösungen für vielfältige Anwendungen.
Die Hauptproduktionshalle
von Honor Seiki,
in der eine Vielzahl
von Präzisions-Vertikal-
Drehmaschinen und
Schwerlastmaschinen
zu sehen sind.
Industrieanzeiger » 15 | 2025 55
SONDERVERÖFFENTLICHUNG
Von der Luft- und Raumfahrt bis E-Mobility
Präzision trifft Flexibilität –
fokussiert auf die Kernkompetenz
Ein Mikrometer Genauigkeit, offene Systeme und 30 Prozent kürzere Zykluszeiten –
Palmary Machinery Co. hat auf der EMO Hannover 2025 gezeigt, wie taiwanesische
Präzisionstechnologie europäische Fertigungsstandards neu definiert.
» Alexander Gölz, Chefredakteur Industrieanzeiger
Mit welchen zentralen Innovationen hat sich
Palmary Machinery Co. auf der EMO Hannover
2025 präsentiert?
Wir freuen uns besonders darüber, dass unsere CNC-
Rundschleifmaschine OCA-3235H200 mit dem renommierten
Taiwan Excellence Award ausgezeichnet
wurde. Diese Ehrung unterstreicht eindrucksvoll die
Innovationskraft von Palmary in den entscheidenden
Bereichen Präzision, Steifigkeit und Automatisierung.
Auf der EMO präsentieren wir die Weiterentwicklung
dieser Technologie: die CAM-CNC-Rundschleifmaschine
OCD-3260, die alle Stärken unseres
preisgekrönten Designs vereint und das Leistungsspektrum
um die entscheidende Fähigkeit erweitert,
nicht-runde Bauteile zu schleifen. Diese Innovation
erweist sich als besonders wertvoll für Komponenten
aus der Luft- und Raumfahrt sowie der Automobilindustrie.
Denken Sie beispielsweise an Spezialwellen,
bei denen unsere Kunden sowohl höchste Genauigkeit
als auch komplexe geometrische Formen benötigen.
Genau hier setzt unsere Technologie neue
Maßstäbe.
Welche besonderen Vorteile zeichnen Ihre Technologien
aus?
Die große Stärke von Palmary liegt darin, Kundenanforderungen
in produktionsreife Lösungen zu übersetzen.
Unsere Rundschleifmaschinen der OCD-Serie
erreichen beispielsweise eine beeindruckende Genauigkeit
von einem Mikrometer und integrieren da-
Bild: Palmary
Daphne Chiu ist Regionalmanagerin bei Palmary
Machinery Co., Ltd., wo sie die Marktpräsenz des
Unternehmens und die Kundenpartnerschaften
in Europa und Amerika vorantreibt. Mit ihrem
fundierten Hintergrundwissen in den Bereichen
Präzisionsschleifen und Automatisierungstechnik
widmet sie sich der Verbindung taiwanesischer
Innovationen mit den hohen Standards der
europäischen Fertigung.
56 Industrieanzeiger » 15 | 2025
bei Automatisierung und Messtechnik in einem vollständigen
System. Was Palmary jedoch wirklich von
anderen Anbietern unterscheidet, ist unsere offene
CNC-Plattform. Dank dieser Architektur können unsere
Kunden Roboter, Messgeräte und Datenüberwachungssysteme
verschiedener Hersteller problemlos
anschließen. Gleichzeitig haben wir das umfassende
Schleif-Know-how von Palmary direkt in die Steuerung
integriert. Das bedeutet: Bediener finden
schnell die optimalen Einstellungen und können die
Produktion stabil halten. Unsere Kunden erhalten
also nicht einfach eine Schleifmaschine, sondern
eine intelligente, flexible und zukunftsfähige Produktionsplattform,
die mit ihren Anforderungen mitwächst.
Welche Hauptstärken bieten taiwanesische Werkzeugmaschinen
im Vergleich zu anderen internationalen
Anbietern?
Ich sehe drei wesentliche Stärken, die taiwanesische
Werkzeugmaschinen auszeichnen: Erstens die zuverlässige
Präzision – das ist und bleibt unsere Grundlage.
Zweitens unsere Flexibilität: Wir können außerordentlich
schnell auf spezielle Kundenbedürfnisse
reagieren und maßgeschneiderte Lösungen entwickeln.
Und drittens – was mir persönlich besonders
wichtig ist – unsere intensive Kundenbindung. Wir
liefern nicht nur Maschinen aus und verabschieden
uns dann. Stattdessen bleiben wir bei unseren Kunden,
begleiten sie langfristig und unterstützen sie
kontinuierlich. Diese Kombination ist es, die Palmary
weiter wachsen lässt – insbesondere hier in Europa,
wo Kunden genau diese Werte schätzen.
Welche Fertigungsbranchen in Deutschland zeigen
das größte Interesse an Ihren Technologien?
In Deutschland beobachten wir eine besonders starke
Nachfrage in den Bereichen Luft- und Raumfahrt,
Elektrofahrzeuge sowie Energietechnik. Unsere Erfahrung
zeigt, dass diese Branchen nach Lieferanten
suchen, die Präzision und Zuverlässigkeit bieten und
gleichzeitig die Agilität besitzen, schnell auf sich ändernde
Anforderungen zu reagieren. Genau aus diesem
Grund entscheiden sich immer mehr Kunden in
Deutschland für Palmary. Wir verbinden höchste Präzision
mit maximaler Flexibilität – eine Kombination,
die deutsche Hersteller besonders zu schätzen wissen
und die perfekt zu den hohen Qualitätsansprüchen
der deutschen Industrie passt.
Können Sie ein aktuelles Erfolgsbeispiel nennen,
das den Nutzen Ihrer Lösungen in der Praxis verdeutlicht?
Wir haben kürzlich einen Luft- und Raumfahrtzulieferer
bei der Fertigung von Fahrwerkskomponenten
unterstützt. Früher erforderte der Produktionsprozess
mehrere Umrüstvorgänge und manuelle Qualitätsprüfungen.
Das war nicht nur zeitaufwendig, sondern
ließ auch Raum für Inkonsistenzen. Mit dem integrierten
System von Palmary konnten wir die Zykluszeit
um 30 Prozent reduzieren und gleichzeitig die
Qualitätskonsistenz erheblich verbessern. Dieses Beispiel
zeigt eindrucksvoll, wie Palmary einen komplexen,
mehrstufigen Prozess in eine einfache, stabile
und hocheffiziente Produktionslösung verwandeln
kann – genau das, was unsere Kunden benötigen, um
im globalen Wettbewerb erfolgreich zu sein.
Palmary OCD-CAM-
Serie Rundschleif -
maschine mit
Unrundschleifen und
integrierter Präzisionsmesstechnik.
Bild: Palmary
Industrieanzeiger » 15 | 2025 57
» TECHNIK
Verkabelung für modulare und global einsetzbare Produktionsanlagen
Auf einer Wellenlänge
Bei der Fertigung komplexer Produktionsanlagen für Wellpappe setzt BHS Corrugated auf ein
hohes Maß an Automatisierung und Modularität. Ein wesentlicher Bestandteil: zuverlässige
Verbindungslösungen für Antriebs-, Steuerungs- und Schaltschranksysteme. Mit einem breiten
Produktspektrum, globaler Lieferfähigkeit und technischer Unterstützung steht Helukabel dem
Maschinen- und Anlagenbauer bei der weltweiten Umsetzung seiner Projekte zur Seite.
Die großen Wellpappenanlagen
von BHS Corrugated können bis
zu 200 m lang sein.
Bild: BHS Corrugated
Bild: Helukabel
Die einzelnen An -
lagenteile werden
bei BHS Corrugated
zusammengebaut
und anschließend
zum Kunden transportiert
– erst
dort erfolgt die
Endmontage.
Wellpappe: Was auf den ersten Blick
einfach wirkt, ist in Wahrheit ein
komplexes High-Tech-Produkt: leicht,
stabil, recyclingfähig und dabei hoch
individualisierbar. Um den stetig steigenden
Anforderungen an das Material gerecht
zu werden, benötigen Wellpappenhersteller
modernste Maschinen- und
Anlagentechnologie.
Mit dieser kennt man sich bei BHS
Corrugated Maschinen- und Anlagenbau
aus. Die Geschichte des Unternehmens
mit Sitz im bayrischen Weiherhammer
reicht bis ins Jahr 1717 zurück, als
am Standort eine Eisenhütte gegründet
wurde. 1960 nimmt die heutige BHS
Corrugated schließlich den Geschäftsbereich
Wellpappenanlagen in ihr Portfolio
auf: Es umfasst komplette Wellpappenwerke,
Maschinen, Anlagen und Industrie
4.0-Lösungen ebenso wie Logistikkon -
zepte und Drucktechnologien. Die großen
Produktionsanlagen, die für die Herstellung
von Wellpappe eingesetzt werden,
können bis zu 200 m lang sein. Aufgebaut
sind sie deshalb modular: Die einzelnen
Anlagenteile werden an verschiedenen
internationalen Standorten des Unternehmens
zusammengebaut und anschließend
per LKW oder Seefracht zum Kunden
transportiert. Erst dort erfolgen die
Endmontage und Inbetriebnahme der
kompletten Wellpappenlinie.
Technische Vielfalt und globale
Anforderungen
In der Antriebs- und Steuerungstechnik
sowie im Schaltschrankbau kommen unterschiedlichste
Arten von Kabeln und
Leitungen zum Einsatz. Verbaut werden
zum Beispiel Steuer- und Anschlussleitungen,
Datenleitungen, Servoleitungen
oder Motorleitungen. Vor allem in der
Schaltschrankverdrahtung finden sich zudem
die Einzeladern der Produktfamilie
Fivenorm von Helukabel: Sie sind nach
fünf verschiedenen internationalen Normen
zertifiziert und damit für den welt-
weiten Einsatz geeignet – „ein wichtiges
Kriterium für uns, schließlich exportieren
wir viele unserer Wellpappenanlagen in
die USA, nach China oder in andere internationale
Märkte“, schildert Markus
Schrödl, Elektrotechnik-Spezialist bei
BHS Corrugated. „Globale Approbationen
sind deshalb bei den Komponenten, die
wir verwenden, oft zwingend vorgeschrieben.“
Auch für die automatisierte
Verarbeitung und Bedruckung mit einer
Komax-Maschine, wie es bei BHS
Corrugated der Fall ist, sind die Fivenorm-
Einzeladern ideal geeignet.
Anschlussfertig an den
Arbeitsplatz
Die Leitungen, die für die Montage der
einzelnen Anlagenmodule in Weiherhammer
benötigt werden, bezieht BHS
Corrugated größtenteils über einen in der
Nähe ansässigen Konfektionär. Dieser
stellt die Kabel nicht nur in der jeweils
gewünschten Länge und mit den passen-
58 Industrieanzeiger » 15 | 2025
den Steckverbindern versehen bereit, sondern
auch vorsortiert auf eigens dafür
konzipierten Montagewagen, die direkt
an den verschiedenen Stationen der
Linienfertigung platziert werden. „Unsere
Mitarbeiter müssen die Leitungen nur
noch der Reihe nach entnehmen und an
der richtigen Stelle in der Maschine platzieren
– das spart eine Menge Zeit und
Aufwand“, erklärt Schrödl. Weitere Produkte
für die Endmontage beim Kunden
werden passgenau mit der
Maschine vor Ort ange -
liefert.
Ein zusätzlicher Pluspunkt
ist für den Experten
die internationale Verfügbarkeit
der Helukabel-Produkte.
Das Unternehmen ist
rund um den Globus vertreten
– und kann somit sicherstellen,
dass Ersatzteile
im Servicefall schnell zur
Hand sind. „Für einen Anbieter
wie BHS Corrugated,
der weltweit installierte
Anlagen betreut, ist dies
ein echter Wettbewerbsvorteil“,
weiß Thomas
Puchta, der als Gebietsverkaufsleiter
bei Helukabel
erster Ansprechpartner für
BHS Corrugated ist.
Dessen Beratung und
technische Kompetenz
werden von Markus Schrödl
ebenfalls mit Lob bedacht:
„Der unkomplizierte und
offene Austausch mit dem
Vertriebsteam von Helukabel
hat unsere Zusammenarbeit
geprägt und kontinuierlich
weiterentwickelt“,
findet er. Auch der Innendienst
sei bei Anfragen
stets gut erreichbar und
immer um eine schnelle
und zufriedenstellende Lösung
bemüht. Die gute und
übersichtliche technische
Dokumentation auf der
Website tue ihr Übriges,
damit sich die Verantwortlichen
von BHS Corrugated
bei dem Verbindungstechnikanbieter
rundum gut aufgehoben fühlen. Seine
große Wertschätzung brachte der Anlagenbauer
dann auch auf ganz besondere
Weise zum Ausdruck: Im Juli 2025 wurde
Helukabel von BHS Corrugated als „Preferred
Supplier“, also als bevorzugter Lieferant
ausgezeichnet. Group Chief Operating
Officer (COO) Christian Schneider
reiste persönlich nach Hemmingen, um
die großartige Neuigkeit zu überbringen.
Zum Anwenderbericht
Wenn Hightech-Lieferketten reißen, gibt es
meist einen Verantwortlichen: den Mikrochip.
Ohne ihn geht gar nichts. Dafür, dass
seine Produktion auch in Deutschland auf
Hochtouren läuft, sorgen einige Hidden
Champions der Republik – mit automatisierten
Bearbeitungszentren von HERMLE.
www.hermle.de
Rund 95 % aller bei BHS Corrugated
verbauten Leitungen stammen mittlerweile
von dem Unternehmen – und
weitere Projekte sind bereits in Planung.
„Unsere beiden Unternehmen teilen den
Anspruch, durch Qualität und Innovationskraft
Maßstäbe zu setzen – und gemeinsam
Lösungen zu entwickeln, die
auch zukünftigen Anforderungen gerecht
werden“, betont Markus Schrödl. (hw)
Hinter Höchstgeschwindigkeit steckt immer Präzision.
Wenn Millisekunden über Sieg oder Niederlage
entscheiden, kommt es auf jedes einzelne Detail
an. Vor allem wenn Millionenbeträge auf dem
Spiel stehen. Darum setzen etliche Rennställe
der Formel 1 auf innovative Composite-Bauteile.
Und die stellen Schweizer Präzisionsexperten
auf HERMLE Bearbeitungszentren her.
www.hermle.de
Industrieanzeiger » 15 | 2025 59
Bild: SEW
Das Variantenmanagement
ermöglicht mit
der Funktion „Produkt
vergleichen“ auf den
ersten Blick identische
Produkte anhand ihrer
technischen Merkmale
zu vergleichen, um die
richtigen Varianten
auszuwählen.
Gepäckfördertechnik optimiert: Weniger Antriebsvarianten, mehr Übersicht
Mehrfacher Nutzen durch
Variantenmanagement
Der Betrieb von Förderanlagen lässt sich kostenmäßig optimieren: Aktuell implementiert
der Flughafen München im Terminal 1 das Variantenmanagement von SEW-Eurodrive.
Es hilft, die Zahl der eingesetzten Antriebsvarianten in den Förderanlagen zu optimieren
und den Umfang des Ersatzteillagers zu reduzieren.
» Gunthart Mau, Referent Fachpresse, SEW-Eurodrive
Der Münchner Airport zählt zu den
zehn verkehrsreichsten Luftfahrt-
Drehkreuzen in Europa. Entsprechend ist
auch die Kapazität der Gepäckförderanlagen
ausgelegt. Im Terminal 1, Bereich
„Flughafenspezifische Anlagen“, Servicebereich
Technik sorgt Anton Lechner für
die ordnungsgemäße technische Funktion
der Gepäckförderanlagen zur Be- und
Entladung der Flugzeuge. Mit der
Instandhaltung der Gepäckförderanlagen
beauftragte der Bereich Technik einen
externen Dienstleister.
In einem Wartungsvertrag wurde vereinbart,
dass nach 20.000 Stunden eine
Generalinspektion des Förderers erfolgt.
Sollte sich dabei herausstellen, dass einzelne
Komponenten verschlissen sind,
werden sie durch den Vollinstandhalter
ausgetauscht. Immerhin laufen die Bänder
täglich, aber sehr unterschiedlich lange
– von selten bis zum Dauerbetrieb in
den Peak-Zeiten. Daher haben die Lieferanten
der Fördertechnik sämtliche Antriebe
mit hinreichender Reserve ausgelegt.
Insgesamt wurden im Terminal 1 für
den Gepäcktransport über 2.500 Elektromotoren
in der Fördertechnik verbaut –
mit mehr als 200 unterschiedlichen Motorentypen.
„Im Laufe der Jahrzehnte hatten
wir mehrere Lieferanten, verschiedene
Hohlwellen, unterschiedliche Einbau -
situation“, erläutert Anton Lechner.
Angesichts der großen Zahl und Varianz
von Antrieben hatte der Servicebereich
Technik den Wunsch, einen genauen
Überblick zu bekommen, welche SEW-
Produkte im Einsatz sind und in welcher
Konfiguration diese geliefert wurden.“
Herr Lechner erläutert: „Natürlich haben
wir ein Lagermanagement, in dem die
Motoren mit ihrer Nennleistung gelistet
sind.“ Aber er wünschte detailliertere
Informationen und Filtermöglichkeiten.
Diese bietet das Variantenmanagement
von SEW-Eurodrive.
Anton Lechner berichtet: „Ursprünglich
setzten wir Getriebemotoren eines anderen
Lieferanten ein. Ich bekam die Aufgabe,
einen neuen Rahmenvertrag auszuschreiben,
weil der Flughafen einen alternativen
Antriebshersteller finden wollte.
Eine Voraussetzung dabei war, dass sich
die angebotenen Getriebemotoren mit
mechanisch identischer Schnittstelle an
die Förderer anbauen lassen.“ Mit SEW-
Eurodrive wurde ein geeigneter Anbieter
60 Industrieanzeiger » 15 | 2025
TECHNIK «
Industrie
Bild: SEW
gefunden. Der Antriebsspezialist bot eine
passende Lösung an und lieferte seine
Getriebemotoren zunächst über den Maschinenbauer
an den Flughafen.
„Eine direkte Geschäftsverbindung zum
Terminal 1 des Flughafens gibt es seit
etwa vier Jahren“, berichtet Andreas
Tischler. Er ist Vertriebsingenieur im Drive
Technologie Center (DTC) Süd von SEW-
Eurodrive in Kirchheim, nur eine halbe
Autostunde südlich vom Flughafen gelegen.
„Vor zwei Jahren haben wir das erste
Mal über das Variantenmanagement gesprochen.“
Anton Lechner war von Anfang
an interessiert: „Unsere Hauptmotivation
war zunächst, die vorhandenen
Motoren zu erfassen.“
Seit Sommer 2022 wird das Variantenmanagement
im Terminal 1 schrittweise
implementiert. Die Mitarbeiter des Servicebereichs
Technik importieren die Getriebemotoren
über die Seriennummern.
„Wir müssen sie jeweils separat anschauen,
weil beispielsweise auch die Drehzahlen
unterschiedlich sind. Dafür habe ich
eine Liste zum strukturierten Erfassen
der Antriebsdaten.“ Bei neuen Angeboten
werden die Daten über das CRM-System
von SEW-Eurodrive automatisch im Variantenmanagement
angezeigt. „Wir haben
bei Null angefangen und gemeinsam über
die Zeit viel geschafft“, berichtet Andreas
Tischler. „Nur einige Unikate müssen noch
Dieser Umrichter Movimot in motornaher Montage
speist einen Getriebemotor, der das Förderband
an der Einschleusung am Sorter antreibt.
händisch erfasst werden.“ Das Variantenmanagement
vereinfacht die Arbeitsweise
der Kunden. Im elektronischen Katalog
kann mit Hilfe von umfangreichen Filtern
und Vergleichsmöglichkeiten ein passender
Antrieb gefunden werden. Tischler erläutert:
„Auch bei Produkten anderer Hersteller,
die der Kunde ersetzen möchte,
geht er ins Variantenmanagement und
prüft auf Basis von technischen Merkmalen
wie Einbaulage, Drehzahl und Leistung,
ob schon ein passendes SEW-
Produkt vorhanden ist. Dann sendet er
uns über das Variantenmanagement eine
Angebotsanfrage mit der Materialnummer.
Aufgrund der guten Erfahrungen mit
dem Variantenmanagement kauft der
Flughafen München bei uns die passenden
Antriebe.“
Besserer Überblick
Schon wenige Monate nach der Einführung
des Variantenmanagements im Terminal
1 beschreibt Herr Lechner den Nutzen:
„Der Überblick über die Varianten
verbessert sich kontinuierlich. Das ist ein
fortlaufender Prozess, der noch etwas
dauern wird, bis er Früchte trägt. Da bin
ich sehr zuversichtlich.“ Auch der Vollinstandhalter
hat bereits ein allgemeines
Interesse am Variantenmanagement signalisiert.
Anton Lechner ist optimistisch:
„Natürlich muss der Dienstleister die Verfügbarkeit
der gesamten Fördertechnik
garantieren und deshalb Veränderungen
sorgfältig planen. Aber er begrüßt die gewonnene
Transparenz und geht diesen
Weg mit“, resümiert der Servicespezialist.
Der nächste, geplante Schritt wird die
Reduzierung der vorhandenen Antriebsvarianten
in der Fördertechnik sein. Das
ist ein längerer Prozess, bei dem unterschiedliche
Motorvarianten und -daten
zu berücksichtigen sind. Zum Beispiel gehören
dazu auch die Geschwindigkeiten,
damit der Förderfluss der Gepäckstücke
richtig bemessen wird. In der Folge kann
das Ersatzteillager verkleinert werden. Bei
künftigen Neuplanungen wird es auch
möglich sein, sinnvolle Vorgaben über
die einzusetzenden Antriebsvarianten zu
machen. Auch für jeden OEM, der regelmäßig
SEW-Antriebe bestellt, ist die
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Industrieanzeiger » 15 | 2025 61
» TECHNIK
Automatisierte Einzelteilfertigung mit Hermle-Technologie
Automatisierte Fräsbearbeitung
steigert Präzision und Effizienz
Seit 1998 setzt der Lohnfertiger Fischer CNC-Technik auf Bearbeitungszentren von Hermle.
Die Belegschaft ist von der Platzersparnis, der hohen Genauigkeit und den intuitiven Achssystemen
begeistert . Heute erweitert der Betrieb die automatisierte Fertigung durch eine Kombination aus
C 42 U und HS flex heavy und zerspant nachts sowie am Wochenende ohne Personal.
» Udo Hipp, Leiter Marketing bei Hermle, Gosheim
Die C 42 U sorgt dank des adaptierten
Handlingsystems HS flex heavy für
die notwendige Flexibilität und
automatisierte Prozesse.
Ich bin schon lange ein Fan der Hermle
Maschinen und dadurch voreingenommen“,
verrät Frank Lichti, Kundenbetreuer
und Leitung Arbeitsvorbereitung bei der
Fischer CNC-Technik GmbH. Seit 1998
setzt Fischer CNC die Bearbeitungszentren
aus Gosheim ein. Der Maschinenpark
ist mittlerweile auf 16 Maschinen angewachsen,
darunter vier C 800 U, acht C
600 U, eine C 40 U, zwei C 22 UP mit
PW150 und seit vergangenem Jahr der
Neuzugang C 42 U mit dem Handlingsystem
HS flex heavy.
Das Unternehmen wurde 1985 in Neustadt
an der Weinstraße als Lohnfertiger
gegründet und beschäftigt etwa 50 Mittet
das Unternehmen auch Titan und
Kunststoffe wie Peek mit den Hermle
Bearbeitungszentren. Viele der Produkte
gehen in die Automotive-Branche. Dazu
gehören technisch anspruchsvolle Einzelteile
wie Ölpumpen, Schaltgabeln, Hochleistungs-E-Motorengehäuse
sowie Verzahnungsbauteile.
Bild: Hermle
arbeitende. Das Ziel: herausragende Qualität
und auf den tausendstel Millimeter
genau zerspante Bauteile. Frank Lichti
war zusammen mit drei Partnern seit
1997 als Geschäftsführer und Gesellschafter
im Unternehmen tätig. 2017 verkauften
sie den Betrieb an die Hör Technologie
GmbH mit Sitz in Weiden in der
Oberpfalz, das Unternehmen entwickelt
und fertigt unter anderem Komplettgetriebe.
„Seither hat sich unser Produktspektrum
verschoben. War früher Aluminium
mit circa 80 % der wichtigste Rohstoff
für uns, zerspanen wir inzwischen zu
etwa 60 % hochvergüteten und gehärteten
Stahl“, sagt Lichti. Daneben bearbei-
Aus eins mach zwei
Zunächst setzte Fischer CNC-Technik auf
Bearbeitungszentren eines anderen deutschen
Herstellers. „Wir waren nicht unzufrieden“,
blickt Lichti zurück. Doch als
1998 die Fertigungskapazitäten deutlich
erhöht werden sollten, konnte Hermle vor
allem in einem Punkt überzeugen: der geringe
Platzbedarf der Systeme. „Wir hatten
nur eine Halle, und auf der Fläche, auf
der ich vom Wettbewerber eine Maschine
aufstellen konnte, fanden zwei Bearbeitungszentren
aus Gosheim Platz“, betont
der ehemalige Geschäftsführer. „Die C
600 U und C 800 U sind die kompaktesten
Anlagen, die Hermle gebaut hat.“
Ein weiterer Grund für die Entscheidung
war das übersichtliche Achs-System-Prinzip:
Drei Achsen in der Spindel,
zwei Achsen im Tisch – das sei einfach
verständlich abgebildet. „Die Kombination
aus Schwenkrundtisch mit der mittig
angeordneten Drehachse ist sehr bedienerfreundlich“,
lobt Lichti.
62 Industrieanzeiger » 15 | 2025
Bedienerfreundlich ist auch das Stichwort,
warum das Unternehmen mit dem
HS flex heavy nun auf Automation setzt.
„Vor 20 Jahren waren drei Schichten die
Regel, mehrere Fachkräfte versorgten jede
Nacht 15 Bearbeitungszentren, spannten
Teile und rüsteten die Maschinen“, erinnert
sich Lichti. „Dafür finden wir heute
keine Mitarbeitenden mehr.“ Dank Automation
fertigt der Betrieb in dieser Zeit
und am Wochenende personenlos. „Wir
müssen mit der gleichen Belegschaft eine
höhere Produktivität erreichen. Dafür gilt
es, effektiver zu werden und zu rationalisieren.
Das gelingt uns im Zwei-Schicht-
Betrieb nur dank Automation.“
Kleine Lose, große Gewichte
Das Handlingsystem HS flex heavy verarbeitet
verschiedene Formate ohne Einschränkungen.
Im Gegensatz zu konventionellen
Palettenwechslern dockt es an
alle Hermle Maschinen an und lässt sich
durch Module erweitern. Die Lösung folgt
dem Prinzip „High Mix, Low Volume“ und
eignet sich ideal für variierende Fertigungsanforderungen.
Eine typische Losgröße umfasst bei
Fischer CNC-Technik fünf und mehr Bauteile.
Der Betrieb setzt unterschiedliche
Ladungsträger ein, um Störkonturen zu
minimieren und die Palettendichte pro
Quadratmeter zu erhöhen. „Aufgrund unserer
Werkstückspezifikationen haben wir
uns für die Ausführung ‚heavy‘ mit 17
Plätzen entschieden“, erklärt Lichti. Damit
kann der Lohnfertiger auch Bauteile bis
Bild: Hermle
Auch anspruchsvolle Komponenten wie diese
Zylinderkopfhaube gehören zum kleinen
Einmaleins des Lohnfertigers.
1.200 kg automatisiert handhaben, eine
einzelne Spannung wird teilweise mehrere
Stunden bearbeitet. Die gesamte Mechanik
und das Transportsystem sind generell
verstärkt, um den hohen Belastungen
standzuhalten. Und natürlich bietet
das Handlingsystem mit den Speichermodulen
auch für große und schwere Werkstücke
ausreichend Platz.
Die HACS-Software steuert den Automatisierungsprozess
über ein Dashboard.
HACS steht für Hermle Automation Control
System und prüft selbstständig Nullpunkte,
Palettenposition, Maschinenrüstung
und Werkzeugverfügbarkeit. Bei
Störungen erhalten die Bediener Benachrichtigungen
in Echtzeit.
Erste Erfahrungen mit der Hermle
Automation sammelte Fischer CNC-Technik
seit 2015 mit zwei C 22 UP, also kompakten
5-Achs-Bearbeitungszentren mit
adaptiertem Palettenwechsler. „Das sind
tolle Maschinen, doch ungünstig ist der
geringe Z-Verfahrweg“, bleibt Frank Lichti
auch als eingeschworener Hermle Fan kritisch.
„Aber trotzdem ist die C 22 für
kompakte Präzisionsteile perfekt für uns.“
Der Palettenwechsler PW150 bietet jetzt
Platz für elf Paletten und ermöglicht
hauptzeitparalleles Rüsten. Durch den
drehbaren Rüstplatz ist dieser sehr
bedienerfreundlich. Dank der kompakten
Bauweise des PW150 haben die Fachkräfte
freien Zugang zum Bearbeitungszentrum.
Ein Doppelgreifer transportiert die
Paletten zwischen Rüstplatz und Maschinentisch.
Auch für komplexe Geometrien
Die neue C 42 U ergänzt die automatisierten
Fertigungskapazitäten nach oben.
Damit bearbeitet Fischer CNC-Technik
Bauteile mit einem Durchmesser bis 800
mm und einer Höhe von 560 mm. Die Anlage
fertigt auch komplexe Geometrien
mit höchster Präzision und Zuverlässigkeit.
„Durch das HS flex können wir alle
Arbeitsabläufe effizient gestalten und
Rüstzeiten minimieren“, betont Lichti.
Das Zusatzmagazin ZM216 ergänzt die 42
Werkzeuge in der Maschine um 216 weitere
und ermöglicht so eine hohe Flexibilität
beim Zerspanen der unterschiedlichen
Materialien. „Die Entscheidung, auf
Automation zu setzen, war goldrichtig“,
ist Frank Lichti überzeugt. „Denn wir fertigen
viele Prototypen und Kleinstserien
für unsere Kunden, die sie meist sehr
kurzfristig benötigen. Und das gelingt uns
nur, wenn wir die Spindelstunden optimal
nutzen können.“
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» TECHNIK
Digitale C-Teile-Logistik essenziell für automatisierten Materialfluss
Wie sich die Infrastruktur der
Fertigung optimieren lässt
In der Excellence Factory von DMG Mori sind fahrerlose Transportsysteme (FTS)
wichtige Helfer in der Produktion. Die FTS transportieren die dort hergestellten
Maschinen nacheinander durch 34 Fertigungstakte und reagieren flexibel und
automatisch auf Hindernisse. Den unsichtbaren, aber entscheidenden Taktgeber
bildet dabei die digitale Logistik, die den Materialfluss präzise koordiniert.
Bei DMG Mori in Pfronten kommen drei unterschiedliche Systeme für die C-Teile-Beschaffung zum Einsatz. Alle drei stammen von Keller & Kalmbach.
Bild: Keller & Kalmbach
Die Excellence Factory von DMG Mori
im bayrischen Pfronten ist ein Paradebeispiel
für moderne Fertigung. Auf
rund 4.000 m² können jährlich über 500
individuell konfigurierte Maschinen der
Monoblock-Baureihe produziert werden –
von einfachen Fräsmaschinen bis zu
komplexen 5-Achs-Bearbeitungszentren.
Diese Maschinen decken Anwendungen
von Aluminium bis Stahl ab und sind
besonders für kleine und mittelständische
Unternehmen geeignet.
Das Rückgrat der Fertigung bilden die
34 fahrer losen Transportsysteme (FTS),
die die Maschinen mit einer Geschwindigkeit
von 45 mm pro Min. durch die
Fertigungstakte transportieren. „Im Vergleich
zu Schienensystemen sind die FTS
eine wesentlich flexiblere Lösung, sodass
sie die Infrastruktur in der Fertigung optimieren.
Auch ein Austakten der Maschine
ist bei Bedarf möglich“, erklärt Dr.-Ing.
Christopher Keuntje, Geschäftsführer der
DMG Mori Logistik GmbH.
64 Industrieanzeiger » 15 | 2025
Dank der FTS können die Maschinen ergonomisch
bearbeitet werden: Die Mitarbeitenden
führen ihre Tätigkeiten teilweise
auf mitfahrenden Podesten aus, die in der
Werkhalle den optimalen Zugang zu allen
Montagepunkten ermöglichen. Das macht
die Prozesse nicht nur viel effizienter,
sondern auch körperlich weniger belastend.
Langjähriger Partner für die
smarte C-Teile-Versorgung
Damit die Fertigung stets reibungslos
läuft, setzt DMG Mori auf die digitale
C-Teile-Ver sorgung des Partners Keller &
Kalmbach. C-Teile, also kleine, aber
meinst unverzichtbare Komponenten wie
Schrauben oder Muttern, werden in großen
Mengen benötigt – ihre Verwaltung
ist jedoch oft komplex und anspruchsvoll.
„Wir blicken mittlerweile auf eine mehr
als zehnjährige, sehr erfolgreiche Zusammenarbeit
mit Keller & Kalmbach zurück.
Besonders überzeugt hat mich die sehr
strukturierte Arbeitsweise. Und wenn es
einmal Herausforderungen in Projekten gab,
haben wir immer sehr schnell und direkt
eine Lösung gefunden“, betont Dr. Keuntje.
Am Standort von DMG Mori in Pfronten
kommen drei Systeme der C-Teile-Versorgung
zum Einsatz:
• Die Direktanlieferung in der Fließmontage,
bei der das Schüttgut direkt am
Arbeitsplatz bereitgestellt wird. Der
Vorteil ist hier, dass keine langen Wege
oder Suchzeiten entstehen – Mitarbeitende
können sich voll auf die Montage
konzentrieren.
• Droplog in der Standplatzmontage: Ein
einfacher Einwurf eines Kleinteilebehälters
löst automatisch Nachschub
aus. So werden Verbrauch und Bestand
digital erfasst und Unterbrechungen
lassen sich vermeiden.
• Pushlog digital in der Großmaschinenverpackung:
Neben Kleinteilen können
auch Großteile wie lange Gewindestangen
effizient abgerufen werden.
„Perfekt ergänzt wird das Pushlog digital
durch die Logtopus-Plattform. Mit dieser
haben wir nun echte Transparenz über den
Verbrauch unserer nicht bestandsgeführten
Schüttgüter“, betont Dr. Christopher
Keuntje.
Bild: DMG Mori
Dr.-Ing. Christopher Keuntje ist Geschäftsführer
der DMG Mori Logistik GmbH.
Arbeitsalltag erleichtert
Die drei automatisierten Systeme für das
C-Teile- Management wirken wie unsichtbare
Assistenten: Mitarbeitende müssen
Bestände nicht mehr manuell prüfen, leere
Behälter lösen automatisch Nachschub
aus, Engpässe werden erkannt, bevor sie
entstehen. Ziel ist es, Bedarfsschwankungen
vorausschauend zu analysieren und
die Versorgung proaktiv anzupassen –
noch bevor Probleme auftreten.
Durch die nahtlose Integration von
Droplog, Pushlog digital und Logtopus
entsteht ein hochflexibles System, das die
Fertigung effizient unterstützt, Mitarbeitende
entlastet und gleichzeitig wertvolle
Echtzeitdaten für künftige Optimierungen
liefert.
Dr. Keuntje hat klare Vorstellungen:
„Wenn ich in die Zukunft blicke, kann ich
mir sehr gut vorstellen, dass wir weitere
Lieferanten in die Keller & Kalmbach-
Prozesse integrieren, um die Anzahl der
Wareneingangsbuchungen an unserem
Standort zu reduzieren. Durch weniger
Schnittstellen schaffen wir effizientere
Prozesse. Ich freue mich darauf,
gemeinsam moderne Logistikprozesse an
unserem Standort zu implementieren.“
Zudem überträgt DMG Mori das
Excellence Factory-Konzept und die digitale
Logistik auf andere Werke – mit dem
Ziel, weltweit die Fertigung flexibler,
schneller und transparenter zu gestalten.
Logistik als Innovationsmotor
Die Excellence Factory von DMG Mori in
Pfronten zeigt, dass Logistik weit mehr ist
als Materialbewegung. Sie ist Motor der
Innovation, Entlastung für Mitarbeitende
und Schlüssel zur Effizienzsteigerung.
Dank der Systeme von Keller & Kalmbach
werden Prozesse digital gesteuert,
Engpässe vermieden und Daten für
kontinuierliche Verbesserungen genutzt.
Industrie 4.0 in Pfronten ist kein Buzzword,
sondern eine lebendige Symbiose
aus Mensch, Maschine und Software –
FTS, Droplog, Pushlog und Logtopus sind
dabei die unsichtbaren Garanten für
dieses erfolg reiche Zusammenwirken.
(dak)
DMG Mori ist spezialisiert auf Dreh- und Fräsmaschinen. Auch Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen,
die Fertigungsprozesse optimieren, sind Kompetenzen des Unternehmens.
Bild: DMG Mori
Industrieanzeiger » 15 | 2025 65
» TECHNIK
Werkzeugbauer und Spritzgießer schauen sich in die Karten
Wie die Marktdaten anderer helfen
„Als der Gutachter mich fragt, warum wir keinen eigenen Werkzeug- und Formenbau haben,
hat mich das zum Grübeln gebracht“, gibt Steffen Autenrieth unumwunden zu. Bislang dachte
der Geschäftsführer von 1A Autenrieth Kunststofftechnik aus Heroldstatt, ein schlüssiges
Geschäftsmodell zu haben. Und? Der Marktspiegel Werkzeugbau brachte ihn weiter.
» Michael Sudahl, Journalist in Schorndorf
Für seinen Kunststoffverarbeiter-Betrieb entdeckte Steffen Autenrieth den Nutzen des Marktspiegels Werkzeugbau – und ist dort nun im Aufsichtsrat.
Bild: 1A Autenrieth Kunststofftechnik
Anstatt Spritzgießformen selbst herzustellen,
kooperiert der Mittelständler
mit einem Umsatz von rund
10 Mio. Euro mit Formenbauern aus der
Region, kauft bei ihnen Werkzeuge ein
oder kennt Hersteller in Asien. Zusätzlich
unterhält das Unternehmen einen
eigenen Reparaturbetrieb, in dem der
Kunststoffspezialist von der Schwäbischen
Alb seine mehr als tausend Spritzgusswerkzeuge
wartet.
Doch die Nachfrage des Spezialisten
lässt den Firmeninhaber grübeln. Passt
mein Modell noch? Wie machen es andere
Kunststoffspritzgießer? Der Gutachter-
Hinweis kommt schließlich nicht irgendwo
her. Steffen Autenrieth ist Genossenschaftsmitglied
im Marktspiegel-Werkzeugbau,
in dem es auch eine Sparte für
Kunststoffverarbeiter gibt.
In diese Benchmark-Initiative speisen
die Mitgliedsfirmen mehr als 300 Unter-
nehmensdaten ein. Darunter Kennzahlen
zu Betriebswirtschaft, Produktivität, Prozessen,
Organisation, Marketing und
Vertrieb. Eine Software detektiert daraus
rund 1200 Resultate. Drei Gutachter aus
der Branche kommentieren diese.
Die Besonderheit ist die absolute Anonymität,
die sich alle 72 Mitgliedsbetriebe
gegenseitig garantieren. „Dadurch sind
die Daten genauer und aussagekräftiger“,
weiß Autenrieth. Klassische Branchen -
66 Industrieanzeiger » 15 | 2025
reports, wie sie etwa Banken und
Sparkassen anbieten, erreichen
bei Weitem nicht die Tiefe des
Marktspiegels.
Wie kalkulieren die
anderen?
Bild: Hoefer & Sohn
Wie das genau aussieht, erklärt
Autenrieth am Modul „Einheitskalkulation“.
Hier können Spritzgießer
wie er einen fiktiven Standardartikel
berechnen lassen. Diese
Kalkulation können sie dann
anonym mit anderen Geno-
Mitgliedern vergleichen. Idealerweise
in der Größenordnung, in
der das eigene Unternehmen
selbst tätig ist. „So bekomme ich
deutlich mehr als einen Näherungswert”,
sagt Autenrieth, der
seit drei Jahren Mitglied beim
Marktspiegel ist und nun auch im Aufsichtsrat
sitzt.
Da vor allem bei kleineren gewerb -
lichen Firmen die Geschäftsführer oft
Ingenieure oder Techniker aber keine
Betriebswirte sind, liefert das Tool in seiner
neuen webbasierten Version (bis 2023
gab es Excel-Listen) auch Erklärtexte.
Autenrieth schätzt, dass ein Drittel der
Mitglieder die komplexe Auswertung der
eigenen Daten nicht vollständig durchdringt.
„Obwohl ich selbst Meister bin
und einen IHK-Betriebswirt habe, sind
die kleinen Nachhilfehappen wertvoll für
mich“, sagt er.
Das sieht auch Dr. Christoph Badock so.
Der Geschäftsführer von Johann Hoefer &
Sohn, einem Familienunternehmen aus
Fürth mit fast 150-jähriger Tradition, hat
ebenso die Schwachstelle „Betriebswirtschaft“
in seinem Betrieb ausgemacht.
„Als Kunststoffspritzgießer und Formenbauer
sind wir alles Techniker“, so Badock,
der beim Marktspiegel vor fünf Jahren zu
den ersten Teilnehmern gehörte und heute
als ehrenamtlicher Vorstand aktiv ist.
Begriffe wie „Umsatzspreizung” werden
darin ebenso erklärt wie geläufigere
Kennzahlen wie „Personalkosten am
Rohertrag”.
Apropos Personalkosten. Anhand dieser
Kenngröße lässt sich die Aufschlüsselung
der Daten gut nachvollziehen. Im Marktspiegel
geben die Mitglieder an, welche
Ursachen die PeKo in die Höhe treiben
lassen. Angefangen beim Krankenstand
über die Auslastung der Maschinen bis
zur Produktivität können etliche Gründe
ersichtlich sein. „Das sagt viel mehr aus
als die reine Kennzahl Personalkosten“,
so Badock. Auch, weil den Gutachtern
Ausreißerwerte auffallen. So könne ein
Sparring entstehen, das mit einem klassischen
Betriebsberater kaum möglich sei,
findet Autenrieth. Denn für den Jahresbeitrag
von 1800 Euro arbeiten etliche,
oft branchenfremde Betriebsberater gerade
einmal einen Tag.
Beispiel Hoefer & Sohn:
Benchmark half digitalisieren
Welchen Nutzen er konkret aus dem
Benchmark zieht, verdeutlicht Badock an
einem Beispiel: „Durch die Analyse haben
wir ein ERP-System eingeführt und die
Maschinendatenerfassung verknüpft. In
diesem Bereich waren wir deutlich
schlechter aufgestellt als andere Mitglieder.“
Dadurch wurden Abläufe messbar
und verbesserbar. Im Marktspiegel habe
dies den Score im Segment „Digitalisierung“
um mehr als 50 % gesteigert.
Zwar räumt Badock ein, dass eine Verbesserung
der Anfertigungszeiten wegen
des ständig wechselnden Werkzeug -
spektrums schwer möglich ist, er betont
Dr. Christoph Badock ist Geschäftsführer
des Kunststoffverarbeiters
Hoefer & Sohn. Die Personalkosten-
Analysen des Marktspiegels „sagen
viel mehr aus als die reine Kennzahl“,
schildert er gemachte Erfahrungen.
jedoch: „Wir sind viel planbarer
geworden, was dem Flow in der
Werkstatt zugutekommt.“ Und:
„Der Personalanteil an den Stückkosten
ist gesunken.“ Hoefer &
Sohn hat die manuellen Arbeiten
reduziert und fährt inzwischen
eine Mehrmaschinenbedienung,
was die Produktivität steigert.
Braucht es die neue
Anlage wirklich?
Autenrieth gibt ein weiteres
Beispiel dafür, wie Unternehmen
die Daten nutzen können. Etwa zur Analyse
von TEEP (Total Effective Equipment
Performance). Diese Kennzahl misst die
Gesamteffektivität einer Maschine. In der
Marktspiegel-Analyse sehen es Firmen,
wenn zum Beispiel von jährlich 8760
Betriebsstunden nur 30 % ausgeschöpft
sind. Bevor sie dann viel Geld in eine neue
Maschine investieren, können sie prüfen,
ob sich mit Leerstunden der Bestands -
anlagen Lücken füllen lassen. „Dank des
Tools hat man seine tatsächliche Aus -
lastung immer im Blick“, so Steffen
Autenrieth.
Eine ähnliche Entscheidungshilfe gibt
es bei Ersatzinvestitionen. Über den
Marktspiegel können die Mitglieder die
Maschinenparks der Wettbewerber ein -
sehen. Wenn sich bei den Herstellern ein
Marktführer herauskristallisiert, weil viele
Mitglieder damit produzieren, kann das
Zeit im Entscheidungsprozess sparen.
Und selbst im Bankgespräch können
Marktspiegeldaten helfen. „Mithilfe der
Analysen können unsere Mitglieder griffigere
Argumente in Kreditverhandlungen
liefern“, sagt Autenrieth. Das überzeuge
manchen Banker.
https://marktspiegel-werkzeugbau.com
Industrieanzeiger » 15 | 2025 67
» TECHNIK
„Zurück in die Zukunft“: Der Kampf um Rezyklate hat begonnen
Holypoly sichert Rezyklat-Zustrom
Wie knapp und gesucht werden Kunststoff-Rezyklate in fünf bis zehn Jahren sein? Diese Frage
machten die Macher von Holypoly mit ihrem „Zurück in die Zukunft“-Exponat auf der K-Messe
zum Reizthema. Ihre Lösung ist ihr Geschäftsmodell: Für Kunden sichern sie schon jetzt maßgeschneiderte
und Qualitäts-gesicherte Stoffströme des künftig heiß begehrten Materials.
» Olaf Stauß, Redakteur Konradin Industrie
Sie war ein guter Kunstgriff, die Zeitreise im
DeLorean DMC-12 aus dem berühmten Film auf
der Düsseldorfer Leitmesse. Und sie war nicht unberechtigt.
Sie zeigte etwas, was es heute noch nicht
gibt, in Zukunft aber benötigt werden wird: Post-
Consumer-Rezyklate (PCR) aus Kunststoffen in
höchster Qualität mit stabiler Verfügbarkeit zu einem
wettbewerbsfähigen Preis.
Bereits heute gibt es einen Mangel daran. Die
Angebote von technischen Kunststoff-Rezyklaten
sind überschaubar, die Qualitäten extrem schwankend.
„Besonders in Branchen mit hohen Anforderungen
an Materialqualität und -sicherheit finden
sich diese Materialien auf dem freien Markt schlicht
nicht“, sagt Fridolin Pflüger, Gründer und Geschäftsführer
der 30 Mitarbeiter starken Holypoly GmbH aus
Dresden. Solches PCR-Material benötigen Firmen, die
sich nachhaltig aufstellen wollen oder müssen, in
großen Mengen über weite Zeiträume – und zwar
verlässlich.
„Mindestens eine Million Tonnen Kunststoff-
Rezyklate werden Ende der Dekade allein in Europa
fehlen“, prophezeit Pflüger. Denn laut der BKV-
Studie „Status quo und Prognose des Bedarfs und der
Verfügbarkeit von Post-Consumer-Rezyklaten im
Jahr 2030“ werden gesetzlich vorgeschriebene
Mindesteinsatz-Quoten die Lage erheblich verschärfen
– beispielsweise die End-of-Life Vehicles Regu -
lation (ELVR) der EU. Voraussichtlich ab 2032 sieht
sie vor, dass in jedem neuen Fahrzeugtyp 15 bis 25 %
recycelter Kunststoff aus Post-Consumer-Abfallen
enthalten sein muss.
Woher sollen die Unternehmen das viel zu knappe
PCR-Material bekommen? Hier setzt die neue
Geschäftsidee von Holypoly an. Marketingleiter
Matthias Röder nennt sie eine Art Materialversiche-
Bild: Holypoly
Blick aus „Zurück in die Zukunft“:
Post-Consumer-Rezyklate in höchster
Qualität gibt es nun genügend.
Doch wie schafften wir das nur?
68 Industrieanzeiger » 15 | 2025
Bild: Holypoly
Hausgeräte-Hersteller V-Zug
nutzt das weiße Rezyklat-
ABS von Holypoly für
seine Sichtblenden.
rung: „Mit dem Angebot Brand-
Owned Streams bieten wir Markenherstellern
schon heute die
Zukunft einer verlässlichen,
wettbewerbsfähigen und
preisstabilen Rezyklatversorgung“,
sagt er. Grund -
lage dieser neuen Kunststoffkreisläufe
sind bislang
ungenutzte Abfallquellen.
Das funktioniert so: Auf
Basis konkreter Absprachen zu
Materialeigenschaften und Pflichtenheften
recherchiert, findet und
erschließt Holypoly geeignete Abfallströme
und verarbeitet sie zu hochwertigen, rückverfolg -
baren Rezyklaten. Die Altkunststoffe stammen etwa
aus ausgedienten Wasch- oder Spül maschinen. So
existiert augenblicklich bereits ein Lieferstrom für
weißes ABS mit Rezyklat-Anteilen um die 70 %,
weiter ein PCR-Strom für ein PA6 GF in blau und
grün – jeweils abgestimmt auf die speziellen Bedürfnisse
eines Kunden.
Die Basis sind langfristige Lieferverträge, die in
Etappen konkreter und verpflichtender werden.
Holypoly agiert als Generalunternehmer. Die Projekte
benötigen Zeit und sind auf die Zukunft ausgerichtet.
„Wir vereinbaren mit Kunden, dass sie das hoch -
wertige PCR-Material in drei bis vier Jahren erhalten,
denn wir bauen feste Liefer ketten für individuell
spezifizierte Rezyklate auf“, erklärt Röder. Die
‚Brand-Owned Streams‘ sichern so Lieferkapazitäten,
die sich aus neu eingerichteten, exklusiven Kunststoffkreisläufen
ergeben.
„Die Abnehmer
werden zu Anteilseignern
am Stoffstrom“,
sagt er.
CEO Fridolin Pflüger
sieht diese Art Rezyklat -
beschaffung als eine Alter -
native zum Sekundärkunststoffmarkt,
der überwiegend auf uniforme
„One-size-fits-all“-Massenkunststoffe setze – und
auch als Alternative zu Neuware, die preislich stark
schwankt. „Statt dessen bieten wir individuelle
Anpassungen, transparente Prozesse und langfristige
Preisstabilität.“ Die PCR-Ströme von Holypoly
erreichten Neuware-Qualität, meint er.
Zum Ende der Messe K 2025 machten die Dresdener
ein neues in Serie gehendes Lieferprogramm mit
einem Schweizer Hausgerätehersteller publik: V-Zug
nutzt das Recycling-ABS #NewWhite für die Sichtblenden
seiner Geräte. Das Rezyklat stammt von ausgedienten
Waschmaschinen, Trocknern und Geschirr -
spülern, wofür Holypoly eine europaweite Lieferkette
und einen Recyclingprozess entwickelt hat. Virginie
Erny, Head of Strategic Procurement bei V-Zug, sieht
darin auch ein Mittel, die Resilienz zu stärken:
„Kreislaufwirtschaft macht unabhängiger von Weltmärkten,
die sich heute kaum vorhersagen lassen.“
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und zukünftige Herausforderungen.
www.janitza.de/800
Industrieanzeiger » 15 | 2025 69
Bild: Initiative Leichtbau
„Full house“ beim 12. Forum Leichtbau in Berlin: So viel Experten wie noch nie stellten sich ein und nutzten die Veranstaltung des BMWE, um die
Bedeutung des Leichtbaus und seiner Förderwürdigkeit hervorzuheben.
12. Forum Leichtbau in Berlin: „full house“
Wirtschaft und Forschung
plädieren für Leichtbau-Förderung
Mit einer Rekordbeteiligung setzte das 12. Forum Leichtbau des Bundeswirtschaftsministeriums BMWE
ein Zeichen: In ihren Statements betonten Vertreter aus Industrie und Forschung die ökonomische
und ökologische Hebelwirkung des Leichtbaus in der deutschen Wirtschaft und plädierten für eine
Fortsetzung des Technologietransfer-Programms TTP LB. Nach heutigem Stand soll es auslaufen.
Unter dem Motto „Materialinnovationen für den
Leichtbau der Zukunft“ lud das Bundesministerium
für Wirtschaft und Energie BMWE am 25. September
zu seinem „12. Forum Leichtbau“ nach Berlin
ein. Mit über einhundertfünfzig Teilnehmenden im
Ludwig-Erhard-Saal der Bundesanstalt für Materialforschung
und -prüfung BAM erreichte das Format
seinen bisherigen Spitzenwert – ein starkes Signal
für den Leichtbau in einer herausfordernden Zeit, so
die Bewertung von Insidern.
Herausfordernd ist für die Branchenvertreter auch,
dass das Technologietransfer-Programm Leichtbau
TTP LB noch unter der alten Regierung aus Haushaltsgründen
gestoppt wurde. Seit November 2023
laufen nur noch damals bereits bewilligte Projekte
bis spätestens 2027 weiter, Neuanträge sind nicht
mehr möglich. Daran änderte auch die Neuverschuldung
nichts, die die neue Bundesregierung unter
anderem für den Klimaschutz beschloss.
„Werkstofftechnik und Produktionstechnik sind die
industrielle Wertschöpfungsbasis für Europa – Stärken,
über die Deutschland noch immer in heraus -
ragender Weise verfügt“, sagte der Präsident der
BAM, Prof. Ulrich Panne, zu Beginn des Forums des
70 Industrieanzeiger » 15 | 2025
TECHNIK «
BMWE. „Zu den wichtigsten Anwendungen von KI
wird künftig auch die Materialforschung gehören.
Digitale Produktpässe werden essenziell für zirkuläres
Wirtschaften“, so Panne weiter.
Aus Sicht von Professor Holger Hanselka, Präsident
der Fraunhofer-Gesellschaft, gehören Advanced
Materials und Leichtbau untrennbar zusammen,
„wenngleich beide Forschungsfelder ihre ganz eigenen
Besonderheiten haben“, so Hanselka. „Schlanke
und agile Transferförderprogramme wie das TTP LB
sind wichtige Faktoren für mehr Wettbewerbsfähigkeit
und technologische Souveränität in Deutschland
und Europa.“
Die Aufgabe der Fraunhofer-Gesellschaft im deutschen
Innovationssystem sei der Transfer wissenschaftlicher
Erkenntnisse in die Anwendung. „Mit
unserem Engagement für Leichtbau und Material -
effizienz adressieren wir gezielt die Bedarfe des
ingenieursgeprägten Mittelstands, der eine wesent -
liche Säule der deutschen Wirtschaft ist. Um diese
Stärke zu erhalten, zu sichern und auszubauen, brauchen
wir auch eine mutige Innovationspolitik, die
zukunftsorientierte Rahmenbedingungen schafft.“
Econmove-Studie: Leichtbau ist
Wirtschaftsfaktor
Sehr klar zeigte Professor Bernd Mayer, Institutsleiter
des Fraunhofer IFAM und Sprecher des Fraunhofer-
Verbunds Werkstoffe, Bauteile – Materials, in seiner
Keynote die wirtschaftliche Bedeutung des Leichtbaus
für Deutschland auf. Er bezog sich damit auf
eine aktuelle Studie (Econmove GmbH, Juli 2024, Die
ökonomische Bedeutung des Leichtbaus in Deutschland):
• 360 Mrd. Euro betrug der Wert der Güter und
Dienstleistungen mit Bezug zum Leichtbau im
Jahr 2019; dies entsprach einem Anteil von 5,5 %
am Bruttoproduktionswert.
Produktion eines recyclingfähigen bio-basierten Monomaterial-Fahrradhelms aus EPLA.
Im Bild: Janne Constantin Albrecht vom Fraunhofer ICT, Projekt „Pimms“.
• Der direkte Wertschöpfungsbeitrag des Leichtbaus
inklusive damit verbundener Dienstleistungen
betrug 124 Mrd. Euro und damit etwa 4 % der
gesamten Wirtschaftsleistung im Jahr 2019.
• 3,2 Mio. Arbeitsplätze in Deutschland haben einen
unmittelbaren oder mittelbaren Bezug zum
Leichtbau.
„Leichtbau ist als Multidisziplin für sehr viele Industriebranchen
wichtig – für einige, wie die Luftfahrt
oder die Windenergie sogar essenziell“, so Bernd
Mayer. Leichtbau bestehe nicht nur aus Material -
innovationen. „Fertigungstechnologien, Fügetechnik,
digitale Produktpässe und KI stehen in direktem
Zusammenhang mit nachhaltigem Leichtbau – und
KI wird immer bedeutsamer für die Entwicklung
neuer Materialien“, knüpfte Mayer an Ulrich Panne
an. Innovation bedeute aber zwingend auch Umsetzung
in die industrielle Praxis.
Bild: Fraunhofer-Gesellschaft
Wir teilen schon seit 1959.
Wir sind schon lange weltweit vernetzt und teilen Ideen und
Wissen mit lokalen Partnern. Damit arme und aus gegrenzte
Menschen in Würde leben können.
Industrieanzeiger » 15 | 2025 71
» TECHNIK
Bild: Fraunhofer-Gesellschaft
Hybride Sitzlehne aus PLA/Basaltfaser: Ein optimiertes, kreislauffähiges Leichtbaukonzept
aus dem Projekt „Light Materials 4 Mobility“.
Die Bedeutung der Advanced Material und des
Leichtbaus als Innovationsmotoren für die Wirtschaft
sowie der Stellenwert der Transferförderung
für Leichtbau und Materialeffizienz wurden in Panel-
Diskussionen mit Vertretern aus Wirtschaft, Forschung
und Forschungspolitik engagiert diskutiert.
Dr. Michael Heußen, Geschäftsführer der Extrusion
HAI Group, mahnte dringendes Handeln an: „Unsere
Wirtschaft steht unter Druck. Der Mittelstand ist
hochinnovativ, leidet aber immens unter Kostendruck.
Mit Materialinnovationen müssen wir uns
ständig auseinandersetzen, um im Wettbewerb bestehen
zu können.“
Aber mittelständische Unternehmen bräuchten
dafür verlässliche Unterstützung und Planungs -
sicherheit. „Das Technologietransferprogramm des
BMWE für den Leichtbau war ein wichtiger Beitrag
und sollte unbedingt wieder in den Haushaltsplan
aufgenommen werden. Es geht auch darum, die
Grundstoffindustrie in Deutschland zu halten. Es ist
bereits »fünf nach zwölf«. Es muss gehandelt werden!“
Saarstahl AG: Leichtbau ist gelebte
Nachhaltigkeit
Ähnlich äußerte sich Dr. Barbara Ebel-Wolf, Leiterin
Forschung und Entwicklung der Saarstahl AG:
„Leichtbau ist direkt gelebte Nachhaltigkeit, die auch
mit etablierten Werkstoffen wie Stahl umgesetzt
werden kann: Was im Bauteil nicht gebraucht wird,
kostet keine Energie und erzeugt keinen Abfall.“ Es
bestehe von Kundenseite die Forderung, Bauteile
leichter zu machen, aber die Entwicklung dahin
müsse irgendwie finanziert werden.
Kay Kölzig, Fraunhofer-Alumni, Mitbegründer und
CTO des Start-ups Fuse GmbH, adressierte die besonderen
Herausforderungen, vor denen Unternehmensgründer
gerade im Bereich Material- und Leichtbau-
Innovation stehen: „Man muss in jedem Fall Mehrwerte
bieten, aber es dauert lange, bis man in der
Industrie wirklich ankommt. Passende politische
Rahmenbedingungen sind sehr wichtig und die richtigen
Netzwerke, wie etwa die »Initiative Leichtbau«
des BMWE.“ Die Geschäftsstelle ist am Bundeswirtschaftsministerium
angesiedelt: Initiative Leichtbau
– Nationaler und internationaler Netzwerkknotenpunkt
für die Wirtschaft.
Möglichkeiten der europäischen Forschungsförderung
und Vernetzung im Rahmen der neuen europäischen
Partnerschaft „Innovative Advanced Materials
for EU – IAM4EU“ zeigte Dr. Eva Schillinger auf, die
Generalsekretärin des diese Partnerschaft organisierenden
Vereins: „The Innovative Advanced Materials
Initiative IAM-I“.
Dr. Rosita Cottone, wissenschaftspolitische
Referentin im Referat 523 Werkstoffinnovationen;
Hereon des Bundesministeriums für Forschung,
Technologie und Raumfahrt BMFTR wies auf die
Möglichkeiten im neuen Materialforschungs -
programm „Mat2Twin“ hin. Das Programm rückt die
Entwicklung resilienter und kreislauffähiger Wertschöpfungsnetzwerke
für innovative Werkstoffe in
den Fokus (Materialinnovationen für die Transformation
von Wirtschaft und Gesellschaft (Mat2Twin) –
BMFTR). Cottone betonte die gute Vernetzung mit
der europäischen Ebene sowie die fruchtbare und
langjährige, resortübergreifende Zusammenarbeit
mit dem Referat IVB4 (Bauwirtschaft, Leichtbau /
Neue Werkstoffe) des BMWE. (os)
Forschungsförderung
im TTP LB
Von 2020 bis 2023 wurden 222 Projekte im
Technologietransfer-Programm Leichtbau
mit insgesamt 351 Mio. Euro gefördert,
wobei knapp 50 % an KMU ging. Zusammen
mit Eigen- und Drittmitteln entfaltete
das TTP LB ein Forschungsvolumen von
520 Mio. Euro für den Leichtbau. Seit 2024
können keine Anträge mehr gestellt werden,
bewilligte Projekte werden noch finanziert.
https://a.kon2.de/TTP-LB
https://a.kon2.de/ptj-LB
72 Industrieanzeiger » 15 | 2025
in Kooperation mit
SPECIAL
» Messe Formnext
Am 18. November 2025 öffnet die 10. Formnext in Frankfurt/Main ihre Tore.
Anlässlich der Leitmesse für additive Fertigung werfen wir einen Blick
auf die Herausforderungen der Branche und haben Best-Practice-Beispiele
recherchiert, die die Vorteile der additiven Fertigung zeigen.
Keine Förderung der
Schlüsseltechnologie?
» Seite 74
„Der richtige Zeitpunkt,
um als Branche
zusammenzuarbeiten“
» Seite 76
Zweites Standbein
Additive Fertigung
» Seite 78
Branche: Phase der
Konsolidierung
» Seite 80
Additiv gefertigte Teile
on demand
» Seite 81
Mit ihrem Blick auf konkrete Anwendungen in verschiedenen Branchen unterstützt die Formnext
den weiteren Weg der Industrialisierung der additiven Fertigung.
Bild: Mesago / Marc Jacquemin
Auf die kleinen Teile
kommt es an
» Seite 82
3D-gedrucktes Kupfer
steigert die Produktivität
» Seite 84
Bildverarbeitung erleichtert
Prozesskontrolle
» Seite 86
Industrieanzeiger » 15 | 2025 73
» MESSE FORMNEXT
Bund kürzt Mittel für additive Fertigung und Leichtbau
Keine Förderung der
Schlüsseltechnologie?
Trotz politischer Bekenntnisse droht der Additiven Fertigung in Deutschland ein empfindlicher
Rückschlag: Der aktuelle Haushaltsentwurf sieht keine neuen Förderprogramme mehr vor.
Die Veranstalter der Formnext, die vom 18. bis 21. November 2025 in Frankfurt/Main stattfindet,
sowie führende Experten im Bereich additive Fertigung fordern ein Überdenken der staatlichen
Förderung. Sie warnen vor den Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.
» Evelin Eitelmann, Redakteurin, Zentralredaktion Konradin Industrie
Additive Fertigung ermöglicht in vielen Branchen –
von der Automobilindustrie über die Energie- und
Medizintechnik bis hin zur Luft- und Raumfahrt –
neue und oft nachhaltigere Produkte.
Noch vor wenigen Monaten schien die Perspektive
für Zukunftstechnologien wie die Additive
Fertigung (AM) günstig: Im Koalitionsvertrag zwischen
CDU, CSU und SPD wurde das Thema ausdrücklich
als förderungswürdig genannt. Unter der
Überschrift „Innovationsschub für die Wirtschaft“
heißt es wörtlich: „Wir fördern Leichtbau-Technologie,
additive Fertigung und 3D-Druck.“ Auch die
Wirtschaftsministerkonferenz bekräftigte Anfang Juni
die Bedeutung und forderte konkrete Maßnahmen
zur Förderung von Leichtbau und AM auf Bundesebene.
Tatsächlich aber bleibt es bei diesen Absichtserklärungen.
Im Haushaltsentwurf der Bundesregierung
vom 26. Juni 2025 ist die Additive Fertigung
nicht mehr als eigenständiges Förderthema verankert.
Für den Bereich Leichtbau werden lediglich Mittel
zur „Ausfinanzierung der in Vorjahren eingegangenen
Verpflichtungen und zur Abwicklung des Programms
Leichtbau“ bereitgestellt. Neue Projekte sind
ausdrücklich nicht vorgesehen.
Bild: Mesago Messe Frankfurt/Matthias Kutt
Sparzwang trifft Zukunftstechnologien
Für die deutsche AM-Branche kommt dies einem
empfindlichen Rückschlag gleich. „Wir vermissen ein
klares Bekenntnis zu dieser Zukunftstechnologie –
insbesondere nachdem das im Koalitionsvertrag
bereits in Aussicht gestellt wurde“, wundert sich
Sascha Wenzler über die Situation. Als Vice President
Formnext bei der Mesago Messe Frankfurt verantwortet
er nicht zuletzt die, wie es heißt, weltweit
wichtigste Messe für die additive Fertigung respektive
den 3D-Druck. Auch für die Experten und Akteure,
die sich im Rahmen der inoffiziellen Arbeitsgruppe
„Germany Makes“ für die Zukunft der Additiven Fertigung
einsetzen, ist diese Entwicklung ernüchternd.
„Wir hatten mit dem neuen Koalitionsvertrag die
Hoffnung verbunden, dass die Additive Fertigung
systematisch sowohl kurzfristig als auch mittelfristig
Unterstützung erfährt, um im globalen Wettbewerb
in der Führungsgruppe bleiben zu können“, sagt Prof.
Christian Seidel von der Hochschule München und
Wohlers Associates. Die Folgen für die deutsche AM-
Landschaft sind aus seiner Sicht nicht absehbar:
„Während andere Länder das Vorankommen in der
Additiven Fertigung mit hohen Beträgen fördern, gilt
es in Deutschland nun dringend, die eigene Strategie
zu aktualisieren und gemeinsam zwischen Politik und
Wirtschaft umzusetzen. Ein weiter so kann in das
Mittelmaß führen.“
74 Industrieanzeiger » 15 | 2025
Bild: Stratasys
Andreas Langfeld, Chief Revenue
Officer bei Stratasys:
„Ohne staatliche Unterstützung
besteht die Gefahr, dass
die deutsche AM-Industrie
ins Mittelmaß abrutscht und
ihre internationale Spitzenposition
verliert.“
Industrie warnt vor Verlust der
internationalen Führungsposition
Die Kritik aus der Branche ist deutlich. Andreas Langfeld,
Chief Revenue Officer bei Stratasys, schließt
sich der offizielle Stellungnahme der Formnext und
führender Experten im Bereich AM ausdrücklich an:
„Die weltweit führende Position der deutschen AM-
Industrie steht langfristig auf dem Spiel.“ Langfeld
betont, dass das Hauptproblem das Fehlen einer
klaren, langfristigen und verlässlichen politischen
Unterstützung und Förderstrategie sei: „Obwohl
Deutschland in der AM-Technologie weltweit eine
Führungsposition belegt, fehlt es an gezielten Investitionen,
strategischer Förderung und einer konsequenten
Umsetzung politischer Zusagen.“ Das Risiko:
Gerade weil AM eine junge, aber zentrale Technologie
für den Wandel in der Industrie darstellt, sei sie
auf gezielte Investitionsanreize und Förderprogramme
angewiesen, so Langfeld. Schon heute ermöglicht
die Additive Fertigung in vielen Branchen, von der
Automobilindustrie über die Energie- und Medizintechnik
bis hin zur Luft- und Raumfahrt, neue und
oft nachhaltigere Produkte. Vorteile sind unter anderem
Zeiteinsparungen von bis zu 90 Prozent bei der
Fertigung, deutlich beschleunigtes Prototyping und
die Möglichkeit, Ersatzteile digital „on demand“ zu
fertigen. AM erlaubt zudem Designlösungen, die mit
klassischen Methoden nicht realisierbar sind, und
bietet neue Wege für leichtere, effizientere Bauteile.
Internationale Wettbewerbsfähigkeit
in Gefahr
Die Entwicklung wirft die Frage auf, ob sich Deutschland
im globalen Wettbewerb behaupten kann, wenn
zentrale Zukunftstechnologien wie AM politisch ausgebremst
werden. Langfeld führt an: Während die
USA mit Programmen wie „America Makes“ und China
mit „Made in China 2025“ Milliardeninvestitionen
in die Förderung und Skalierung der Additiven Fertigung
tätigen, drohe Deutschland ins Hintertreffen zu
geraten. „Wir verspielen in Deutschland die Chancen,
die AM beim Aufbau und der Gestaltung unserer Zukunft
haben kann“, mahnt er. Die im Koalitionsvertrag
explizit formulierten Ziele werden durch den aktuellen
Haushaltsentwurf konterkariert. Ohne staatliche
Unterstützung bestünde die Gefahr, dass die
deutsche AM-Industrie ins Mittelmaß abrutscht und
ihre internationale Spitzenposition verliert.
Industrieanzeiger » 15 | 2025 75
MESSE FORMNEXT » Interview
Brigitte de Vet-Veithen, CEO von Materialise, im Interview
„Der richtige Zeitpunkt, um als
Branche zusammenzuarbeiten“
Mit der Gründung eines Leading Minds Consortiums im Jahr 2024 wollen acht Unternehmen den
Zugang zum industriellen 3D-Druck vereinfachen. Das primäre Ziel: Eine einheitliche Sprache –
alle sollen sich verstehen können. Brigitte de Vet-Veithen, CEO von Materialise, zu einer
Projektarbeit, die gerade in wirtschaftlich und geopolitisch herausfordernden Zeiten wichtig ist.
» Evelin Eitelmann, Redakteurin Konradin Industrie
Frau de Vet-Veithen, Auf der Formnext 2024
haben Sie und sieben weitere Unternehmen die
Gründung eines Leading Minds Consortium
bekannt gegeben. Was sind Ihre Ziele?
Gemeinsam mit Ansys, EOS, HP, Nikon SLM, Renishaw,
Stratasys und Trumpf haben wir das Leading
Minds Consortium gegründet. Unser Ziel ist es, das
volle Potenzial des 3D-Drucks für die industrielle Fertigung
auszuschöpfen, indem wir die dringendsten
Hindernisse für dessen Einführung beseitigen. Wir
möchten Herstellern dabei helfen, von der Frage
„Warum 3D-Druck?“ zu „Wie können wir ihn integrieren
und skalieren?“ überzugehen, und ihnen
praktische, branchenweite Lösungen anbieten. Außerdem
möchten wir das Bewusstsein für die Möglichkeiten
des 3D-Drucks in weiteren Branchen
schärfen. Letztendlich ist es unser Ziel, den industriellen
3D-Druck zugänglicher zu machen und
Herstellern zu ermöglichen, ihn effektiver in ihre
Produktionsprozesse zu integrieren, um so die Produktionseffizienz
zu verbessern, Abfall zu reduzieren
und flexiblere Lieferketten zu ermöglichen.
Brigitte de Vet-Veithen, CEO, Materialise: „Durch die Bündelung unserer Kräfte können
wir die Hindernisse abbauen, die einige Hersteller noch davon abhalten, den 3D-Druck
einzuführen und zu skalieren.“
Bild: Materialise
Wie wirken sich die aktuelle Wirtschaftslage und
die Umwälzungen in der Branche – eines der teilnehmenden
Unternehmen hat seinen Geschäftsbereich
3D-Druck veräußert – auf Ihre Arbeit im
Konsortium aus?
Die aktuelle Wirtschaftslage und die Umwälzungen
in der Branche machen die Arbeit des Leading Minds
Consortium relevanter denn je. Wenn Unternehmen
unter Druck stehen, wird es noch wichtiger, zusammenzuarbeiten
und Fachwissen zu bündeln, anstatt
zu versuchen, diese Herausforderungen isoliert zu lösen.
Durch die Bündelung unserer Kräfte können wir
die Hindernisse abbauen, die einige Hersteller noch
davon abhalten, den 3D-Druck einzuführen und zu
skalieren – von Kostenbedenken über den Mangel an
76 Industrieanzeiger » 15 | 2025
qualifizierten Ressourcen bis hin zur Komplexität
der Integration der additiven Fertigung in etablierte
Arbeitsabläufe.
Die wirtschaftlichen und geopolitischen Bedingungen
stellen zwar echte Herausforderungen dar,
schaffen aber auch neue Chancen. Hersteller überdenken
ihre Lieferketten, suchen nach widerstandsfähigeren
und reaktionsschnelleren Produktionsmethoden
und nach Möglichkeiten, Abfall zu reduzieren
und Vorlaufzeiten zu verkürzen. Genau in diesen
Bereichen kann der 3D-Druck einen Unterschied
machen – und genau deshalb glauben wir, dass jetzt
der richtige Zeitpunkt ist, um als Branche zusammenzuarbeiten
und die Einführung zu beschleunigen.
An welchen Projekten arbeitet das Leading Minds
Consortium derzeit, und wurden bereits Teilziele
erreicht?
Ein wichtiges Projekt des Konsortiums ist die Entwicklung
eines gemeinsamen Sprachrahmens für den
3D-Druck, der die Fragmentierung und Komplexität
reduzieren soll, die derzeit die Zusammenarbeit in
unserer Branche erschweren. Heute verwenden verschiedene
Unternehmen und Technologien oft unterschiedliche
Begriffe für dieselben Konzepte, was zu
Verwirrung führen und die Einführung verlangsamen
kann. Das gemeinsame Sprachrahmenwerk bietet
einen gemeinsamen Bezugspunkt – eine Möglichkeit
für Hersteller, Technologieanbieter und Partner,
strukturierter und einheitlicher über additive Fertigung
zu sprechen. Das Modell schafft eine einheitliche
Darstellung von Entitäten wie Teilen, Aufträgen,
Maschinen, Prozessparametern und Stützstrukturen
und verdeutlicht deren Beziehungen innerhalb des
Workflows. Diese Standardisierung ermöglicht die
einheitliche Speicherung und Interpretation von Daten
über verschiedene Abteilungen und Tools hinweg.
Die Vertreter der Unternehmen Ansys, EOS, HP, Nikon SLM, Renishaw, Stratasys und
Trumpf beim Startschuss des Leading Minds Consortiums auf der Formnext 2024
Fragen wie „Wo gibt es manuelle Schritte oder Ineffizienzen?“
oder „Wo liegen die größten Chancen für
Automatisierung oder Integration?“ lassen sich so
viel leichter beantworten.
Seit der Ankündigung der Initiative haben wir das
Modell auf alle Bereiche des additiven Fertigungsprozesses
ausgeweitet, vom Design und der Simula -
tion bis hin zur Produktion und Nachbearbeitung.
Dieser umfassende Ansatz stellt sicher, dass alle Beteiligten
über den gesamten Arbeitsablauf hinweg
dieselbe „Sprache“ sprechen. Wir setzen dieses
Modell nun aktiv bei Kunden ein, die seine Fähigkeit
schätzen, Gespräche über AM klarer, standardisierter
und umsetzbarer zu machen.
Messe Formnext 2025: Halle 12.1, Stand C139
Bild: Konradin Industrie
Ing. Erich Geiss GmbH & Co.KG
Elektrotechnische Fabrik
D- 65837 Sulzbach Postfach 1128
Tel. +49 (0) 6196 75 131
Fax +49 (0) 6196 75 140
E-Mail : Ing.ErichGeissGmbHCoKG@T-Online.DE
Klemmbretter
(DIN 46294 und 46295)
Ex-Klemmbretter mit Bescheinigungen
der PTB (ATEX 100)
Klemmleisten
Klemmbrettverbindungen
Muttern und Scheiben (Messing und Stahl)
nach DIN
Schleifringkörper
Schleifring-Systeme
Kollektoren
Bürstenhalter und Kohlen
Bürstenhalterbolzen
Industrieanzeiger » 15 | 2025 77
» MESSE FORMNEXT
DN Solutions erschließt mit DLX-Serie den Markt für additive Metallfertigung
Zweites Standbein Additive Fertigung
Mit der DLX-Serie und einem neuen Solution Center in Deutschland forciert DN Solutions
den Eintritt in einen Markt, der volatiler gar nicht sein könnte: Wo die einen sich von ihren
3D-Druck-Sparten trennen, dort sieht der koreanische Werkzeugmaschinenhersteller die
Zukunft. Dr.-Ing. Vino Suntharakumaran erläutert, warum das Unternehmen auf die additive
Fertigung setzt und welche Vorteile Anwender erwarten.
» Evelin Eitelmann, Redakteurin Konradin Industrie
DN Solutions, Koreas führender und weltweit
drittgrößter Werkzeugmaschinenhersteller, hat
mit dem Markteintritt in die additive Metallfertigung
einen entscheidenden Schritt vollzogen. Die neue
DLX-Serie basiert auf dem Laser-Powder-Bed-Fusion-Verfahren
und erweitert das Portfolio um eine
Technologie, die laut Dr.-Ing. Vino Suntharakumaran,
Vice President Additive Manufacturing Europe, für
das Unternehmen alternativlos ist: „Sie bietet nun
Möglichkeiten, komplexe Metallbauteile herzustellen,
die anders nicht umsetzbar wären.“ Die additive
Fertigung ermögliche es, Synergien mit etablierten
Technologien – etwa der fünfachsigen Simultan -
bearbeitung oder Automationslösungen – gezielt zu
nutzen.
Dr.-Ing. Vino Suntharakumaran, Vice President Additive Manufacturing Europe,
DN Solutions: „Die additive Fertigung ist in unseren Augen alternativlos.“
Über DN Solutions Europe
Seit der Gründung im Jahr 1976 hat sich DN Solutions global
tätiges Werkzeugmaschinenunternehmen etabliert, das mehr
als 500 Produkttypen anbietet, darunter Dreh- und Frästechnologien.
Bis 2022 firmierte das Unternehmen unter Doosan
Machine Tools Co., LTD. Gemessen am Umsatz ist DN Solutions
die weltweit drittgrößte Marke für Werkzeugmaschinen.
Mit einem Netzwerk von 155 Händlern in 66 Ländern erfüllt
der Maschinenbauer die Anforderungen von Kunden aus den
Branchen Automobil, Luftfahrt, Medizin, Energie, IT und
Bauwesen.
Bild: DN Solutions
Europäisches Additive Solution Center:
Anlaufstelle für Innovation
Ein zentrales Element der Markterschließung ist das
Additive Manufacturing Solution Center Europe. Es
dient als Hub für Kunden aus ganz Europa, die Beratung
und Weiterbildung zur additiven Fertigung
suchen. „Kunden erleben die DN Solutions Technologien
live – von den DLX-Maschinen über die Verknüpfung
mit CNC-Anlagen bis hin zu allen Prozessschritten,
von der Bauteilauslegung über die Nachbearbeitung
bis zur Qualitätsprüfung“, beschreibt
Suntharakumaran das Angebot des Centers.
Zielgruppe: Von KMU bis zum Konzern
Die DLX-Serie richtet sich nicht nur an Großunternehmen,
sondern explizit auch an kleine und mittlere
Betriebe, die sich erstmals mit additiver Fertigung
beschäftigen oder bereits Erfahrung in diesem Bereich
haben. Ziel ist es, den kompletten Weg von der
ersten Idee bis zur erfolgreichen Bauteilfertigung zu
begleiten. „Das ist für kleine und mittlere genauso
wie für große Unternehmen interessant“, betont
Suntharakumaran.
78 Industrieanzeiger » 15 | 2025
Bild: DN Solutions
Aufgrund ihres großen
Bauvolumens von bis
zu 450x450x450 mm
und ihres Multi-Laser-
Systems mit synchronisiertem
Scan-Feld
ermöglicht die größte
additive Fertigungsmaschine
der DLX-
Serie eine schnelle,
unterbrechungsfreie
Fertigung.
Im Fokus der Serie stehen Zuverlässigkeit, hohe
Bauteilqualität und kurze Durchlaufzeiten. Ein wesentliches
technisches Merkmal ist der auswechselbare
Baucontainer, der die Nebenzeiten, vergleichbar
mit Palettenwechselsystemen in der CNC-Bearbeitung,
reduziert. Ergänzt wird dies durch ein Permanentfiltersystem
zur effizienten Schutzgasabreinigung.
Auch die Pulverrückgewinnung ist integriert:
Das Pulver wird vollständig gesammelt, in eigenen
Siebstationen aufbereitet und von Verunreinigungen
befreit. „Die Menge ist im Vergleich zu den Zerspanraten
im Bereich der CNC-Bearbeitung aber vernachlässigbar“,
so Suntharakumaran.
Prozessintegration durch Softwaresuite
Mit der DLX-Serie liefert DN Solutions nicht nur
Hardware, sondern auch eine umfassende Softwaresuite
für die additive Prozesskette. „Der Kunde erhält
bei uns Hard- und Software aus einer Hand“, erklärt
Suntharakumaran. Die Softwarelösungen decken
sämtliche Schritte ab: von der Identifizierung geeigneter
Bauteile über die Baujobvorbereitung und Optimierung
der Produktivität bis hin zur Verwaltung
des gesamten AM-Workflows. Im Mittelpunkt steht
dabei die Nutzung des .stl-Formats, das gängigen
CAD-Systemen entspricht und die Integration in bestehende
digitale Prozesse erleichtert. Eine Besonderheit
ist die automatisierte Eignungsprüfung, die
Verzugssimulation sowie die Parameteroptimierung
zur Sicherstellung der Bauteilqualität.
Ein zentrales Entscheidungskriterium für Anwender
sei die Wirtschaftlichkeit der additiven Fertigung.
Die Softwaresuite der DLX-Serie enthält ein System
zur Kalkulation der Fertigungskosten, sowohl für Einzelteile
und Prototypen als auch für die Serienproduktion.
„Kunden können die endgültige Geometrie
des Teils in die Software eingeben, woraufhin die
Kosten berechnet werden“, beschreibt Suntharakumaran.
Die Analyse der Maschinenwirtschaftlichkeit
erleichtert es, Investitionsentscheidungen zu treffen
oder Alternativen, etwa Dienstleistungsunternehmen,
zu bewerten.
Trends und Ausblick
Die industrielle additive Fertigung entwickelt sich
nach Einschätzung von Suntharakumaran in zwei
Richtungen: Zum einen hin zu immer größeren Bauräumen
und einer steigenden Anzahl von Strahlquellen,
um größere oder mehr Bauteile gleichzeitig fertigen
zu können. Zum anderen sehen Experten gezielte
Optimierungen hinsichtlich Anlagen-Footprint, Produktivität
und Nischenanwendungen, beispielsweise
im Bereich Multi-Material-3D-Druck. DN Solutions
will sich dabei als Anbieter ganzheitlicher Fertigungslösungen
positionieren und die Integration additiver
mit subtraktiver Fertigung weiter vorantreiben.
Messe Formnext 2025: Halle 12.0, Stand C61
Bild: DN Solutions
Additiv gefertigter
Wärmetauscher
Industrieanzeiger » 15 | 2025 79
» SONDERTEIL ADDITIVE
Herbstumfrage des VDMA Additive Manufacturing
3D-Druck-Branche erlebt eine
Phase der Konsolidierung
In der Additive-Manufacturing-Branche kehrt zunehmend Ernüchterung ein. Laut Herbstumfrage
des VDMA sinkt die Zahl der Unternehmen, die in den kommenden zwei Jahren Wachstum erwarten.
Hier macht sich auch die Zollpolitik der US-Regierung bemerkbar. Trotzdem investieren die Firmen
in neue technologische Entwicklungen.
Bild: The Little Hut/stock.adobe.com (generiert mit KI)
„Unsere Mitgliedsunternehmen zeigen
weiterhin bemerkenswerte Stabilität,
doch der Optimismus hat spürbar nachgelassen“,
erklärt Dr. Markus Heering, Geschäftsführer
der Arbeitsgemeinschaft
Additive Manufacturing im VDMA. Die
Herbstumfrage 2025 der Arbeitsgemeinschaft
zeigt, dass sich die Branche in
einem herausfordernden Marktumfeld
seitwärts entwickelt.
Branche erwartet weniger
Wachstum
Es gäbe immer mehr
Serienteile in neuen
Anwendungen, aber
die meisten Teile, die
mit additiver Fertigung
hergestellt werden,
seien Prototypen, so
der VDMA.
tum. Der Optimismus bleibt nicht auf dem
hohen Niveau der vergangenen Umfragen.
Beim Ausblick auf die nächsten 24
Monate erwarten nur noch 63 % der Befragten
Wachstum im heimischen Markt.
Das sind 14 % weniger als in der Umfrage
im Frühjahr dieses Jahres. Bei den Exporten
rechnen 51 % der Mitgliedsunternehmen
– und damit 13 % weniger als im
Frühjahr – mit einem Anstieg in den
nächsten 24 Monaten. Hierbei entwickeln
sich die europäischen Länder zur immer
wichtigeren Exportregion. Für 80 % der
Mitgliedsunternehmen sind die EU-
27-Länder die wichtigste Exportregion.
Gefolgt wird die EU-27 von den USA
(50 %), die aber deutlich an Stellenwert
verloren hat. An dritter Stelle liegen die
europäischen Nicht-EU-Staaten (27 %).
„Durch die Zollentwicklung der USA beobachten
wir deutlich verringerte Exporte
nach USA und eine ausgeprägte Stärkung
der Geschäfte im EU-27 Raum“, erläutert
der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft.
Die relevantesten Wettbewerber
kommen aus China und den USA. Fast die
Hälfte der Mitgliedfirmen haben chinesi-
Zwar berichten einige Unternehmen von
positiven Umsätzen, doch der Anteil ist
im Vergleich zur Umfrage im Frühjahr
2025 nicht gestiegen. Gleichzeitig meldeten
29 % der Firmen rückläufige Umsätze
in den letzten 12 Monaten. In den vergangenen
sechs Monaten lag dieser
Anteil immerhin nur bei 20 % und ist
nicht angestiegen. „Wir sehen derzeit keine
klare Aufwärtsbewegung, sondern
eher eine Phase der Konsolidierung“, erläutert
Heering. Die Unternehmen reagieren
mit Vorsicht und setzen verstärkt auf
Effizienz und Stabilität, statt auf Wachssche
Additive-Manufacturing-Konkurrenten.
Der Wettbewerb von den amerikanischen
Additive-Manufacturing-Anbietern
scheint jedoch weniger ausgeprägt spürbar
zu sein. Dafür ist für die Mitgliedsunternehmen
mehr Wettbewerb aus Regionen
wie Italien und Österreich bemerkbar.
Investitionsbereitschaft bleibt
verhalten
Trotz der weiterhin angespannten wirtschaftlichen
Lage zeigen viele Unternehmen
Interesse an Investitionen, allerdings
mit gedämpftem Schwung. Für das kommende
Jahr planen 26 % der Firmen, ihr
Investitionsbudget zu erhöhen, während
58 % keine Veränderung vorsehen. Als
wichtigstes Thema für den Ausbau des
Additive-Manufacturing-Geschäfts nennen
62 % der Befragten neue technologische
Entwicklungen. Dahinter folgen die
Marktakzeptanz und die Kostenstruktur,
die jeweils von 55 % der Befragten als
entscheidende Faktoren genannt werden.
„Genau hier setzen wir an: Unsere Arbeitsgemeinschaft
vernetzt gezielt Akteure
entlang der gesamten additiven Prozess-
und Wertschöpfungskette“, sagt Dr.
Markus Heering, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft
Additive Manufacturing
im VDMA. „Unsere Mitglieder tauschen
sich kontinuierlich entlang der gesamten
Prozesskette aus und bringen ihre
Erfahrungen und Perspektiven ein. Dieser
Austausch fördert das gemeinsame Verständnis
für aktuelle Aufgaben und
Herausforderungen.“ (eve)
80 Industrieanzeiger » 15 | 2025
TÜV geprüfte Sicherheit
KSB liefert 3D-gedruckte Teile on Demand
Das Unternehmen KSB aus Frankenthal in
Rheinland-Pfalz ist international für seine
Industriearmaturen und -pumpen bekannt.
Zusätzlich bietet KSB mit
„Parts on Demand“ interessierten Kunden
auch die Möglichkeit, additiv gefertigte
Bauteile an seinem Standort im oberfränkischen
Pegnitz produzieren zu lassen.
Diese Dienstleistung ermöglicht es, individuelle
Bauteile, Prototypen und Kleinserien
schnell und passgenau herzustellen.
Das Unternehmen nutzt dabei moderne
additive Fertigungsverfahren und Rapid
Casting, um Komponenten aus verschiedenen
Werkstoffen, einschließlich hochlegierter
Metalle, zu produzieren. Diese Bauteile
sind auf Wunsch TÜV- und DNV-geprüft,
was höchste Qualität und Sicherheit
garantiert.
KSB hat als erster Hersteller überhaupt
eine TÜV-Zertifizierung für die additive
Fertigung von Bauteilen erhalten, die
der europäischen Druckgeräterichtlinie
unterliegen. Außerdem wurde die additive
Fertigung im Februar 2024 mit einem
DNV-Facility-Qualifikation-Zertifikat
ausgezeichnet. Das Zertifikat „Qualifica -
tion of Manufacturer“ gemäß DNV-
SE-0568 und DNV-ST-B203 auf Level
Ein anschauliches Beispiel
für die Möglichkeiten des
3D-Drucks ist ein Pumpengehäuse
mit integrierten
Kühlkanälen.
AMC 3 wurde für die Teilefamilie von
Laufrädern erteilt. Alle anderen additiven
Fertigungseinrichtungen sind für das
Level AMC 1 in allen Teilefamilien zugelassen.
Mit dieser Zertifizierung ist es
möglich, Anlagenbetreiber in der Öl- und
Gasindustrie sowie der Kraftwerkstechnik
mit Ersatzteilen zu beliefern.
Vor mehr als 20 Jahren hat KSB damit
begonnen, mit additiven Fertigungsmethoden
zu arbeiten. Dabei kristallisierte
sich heraus, dass bei dieser Technologie
bei der Gestaltung einer Komponente deren
Funktion im Vordergrund steht. Zuerst
legt der Konstrukteur fest, welche Funktionalitäten
ein Bauteil haben soll. Danach
folgt die Gestaltung der Geometrie
diesen Vorgaben. Das eröffnet den Entwicklern
ganz neue konstruktive Freiheiten.
Bei den klassischen Formgebungsverfahren
war der Konstrukteur beim Entwurf
eines Bauteiles immer gezwungen,
Rücksicht auf die zur Verfügung stehenden
Fertigungsmethoden zu nehmen.
Ein anschauliches Beispiel ist die Gestaltung
von Kühlkanälen, wie man sie in
beheizten Pumpen oder Armaturengehäusen
finden kann. Wenn man diese
bohren müsste, könnte man nur gerade
Kanäle bohren. Mittels 3D-Druck gefertigte
Kühlkanäle können aber auch einer
kurvigen Kontur folgen. Besonders interessant
ist der 3D-Druck bei der Produktion
von komplexen Komponenten, die zusätzliche
Funktionalitäten beinhalten. Es
ist sicher nicht sinnvoll, Dreh- oder
Blechteile sowie schmiedbare Bauteile,
die in großer Stückzahl benötigt werden,
zu drucken. Das hängt natürlich vom
Bauraum des zur Verfügung stehenden
Druckers ab und ob das Drucken wirtschaftlich
sinnvoll ist. Der 3D-Druck hat
ein riesiges Potenzial, wenn man ihn richtig
anzuwenden weiß. Es kommt vorrangig
auf die Wahl der Geometrie und die
Festlegung der Funktion sowie die Druckbarkeit
des Werkstoffes an. (eve)
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Industrieanzeiger » 15 | 2025 81
» SONDERTEIL ADDITIVE
Groschopp nutzt Additive Fertigung für Kleinserien
Auf die kleinen Teile kommt es an
Noch vor einigen Jahren wurde die Additive Fertigung überwiegend im Muster- und Prototypenbau
eingesetzt. Das hat sich inzwischen bei vielen Unternehmen grundlegend geändert.
Immer bessere 3D-Drucker und der Einsatz vielfältiger Materialien ermöglichen es, mithilfe
innovativer Fertigungsverfahren funktionsfähige Bauteile entstehen zu lassen. Heute hat
sich die fortschrittliche Technologie als wirtschaftliche Alternative in der Kleinserienfertigung
etabliert – so auch bei der Groschopp AG Drives & More.
Getriebestopfen, Bürstenbrücken und mehr stellt Antriebstechnikspezialist Groschopp mit
Hilfe von additiver Fertigung her.
FDM- und SLA-Verfahren kurz erklärt
Fused Deposition Modeling (FDM) ist ein gängiges 3D-Druckverfahren,
bei dem thermoplastische Kunststoffe schichtweise aufgetragen
werden. Der Druckkopf, bestehend aus einem Extruder
und einer Düse, schmilzt das Filament und extrudiert es auf die
Bauplattform, wo es schichtweise aufgetragen wird.
Bei der Stereolithografie (SLA) wird ein Nah-UV-Laserstrahl auf
eine dünne Schicht flüssigen Photopolymerharzes fokussiert.
Das lichtempfindliche Harz reagiert und verfestigt sich, so dass
die erste Schicht des Objekts entsteht. Durch Auftragen einer
neuen Harzschicht und Wiederholung des Prozesses für jeden
Abschnitt des Objekts entsteht das vollständige 3D-Druckobjekt.
Bild: Groschopp
Bei Groschopp werden Motoren, Getriebe und
Regler sowie sämtliche Antriebskomponenten
und Bauteile für kleinere und mittlere Anlagen am
Standort Viersen entwickelt, konstruiert und gefertigt.
Das Unternehmen ist bekannt für seine passgenau
zugeschnittenen, kundenspezifischen Lösungen,
die in verschiedenen Branchen zum Einsatz kommen
– von der Lebensmittel- und Pharmaindustrie über
die Medizintechnik bis hin zur Energieverteilung oder
Intralogistik. „Wir haben immer ein offenes Ohr für
die Wünsche unserer Kunden, doch die Kleinserienfertigung
stellt hohe Anforderungen an die Beschaffung“,
berichtet Alexander Klupp, Konstruktionsleiter
bei Groschopp. „Oft stehen wir vor dem Dilemma,
dass unsere Auftraggeber auch bei kleinen Stückzahlen
ähnliche Kosten für die Produkte erwarten, wie
sie es von der Serienproduktion gewohnt sind – doch
damit lassen sich die hohen Werkzeugkosten in der
Fertigung nicht abdecken – außerdem können viele
nicht die erforderlichen Mindestlosgrößen abnehmen.“
Da sich die konventionelle Einzelfertigung
in vielen Fällen als unwirtschaftlich erwiesen hat,
suchte der Hersteller nach einer kostengünstigeren
Alternative. Eine vielversprechende Lösung fand das
Unternehmen in der Additiven Fertigung.
Vorteile für die Kleinserienfertigung
Anfangs nutzte Groschopp die Technologie lediglich
im Prototypen- und Musterbau. Inzwischen hat sich
das Produktionsverfahren bewährt, um schnell, wirtschaftlich
und flexibel Bauteile wie Getriebestopfen,
Bürstenbrücken oder Abdeckkappen für Kleinserien
oder Einzelprojekten herzustellen, die zum Beispiel in
den Motoren, Getrieben oder Montagevorrichtungen
zum Einsatz kommen. Daraus ergeben sich einige
Vorteile für das Unternehmen und seine Kunden:
• Die Investitionen in 3D-Drucker und Materialien
sind überschaubar.
• Die Bedienung der Geräte erfordert keine langjährige
Berufserfahrung oder Facharbeiterausbildung.
82 Industrieanzeiger » 15 | 2025
• Zudem lassen sich damit Bauteile freier gestalten
als bei konventionellen Herstellungsverfahren mit
einem Werkzeug.
Selbst komplexe Geometrien können mit Additiven
Fertigungsverfahren schnell, einfach und mit weniger
Material hergestellt werden – ohne Abstriche bei
der Funktionalität machen zu müssen. Für die Konstruktion
der Bauteile verwendet Groschopp Solid-
Works sowie die integrierten Simulationsprogramme.
Die Modelle werden im STEP-Format an die vom Druckerhersteller
mitgelieferten Programme übergeben.
3D-Druck: Eine flexible und
wirtschaftliche Alternative
Die Additive Fertigung bietet vielfältige Möglichkeiten
für die Herstellung von Bauteilen ohne Werkzeug:
Groschopp setzt verschiedene 3D-Drucker und
Verfahren ein, wobei die Auswahl anhand der gewünschten
Eigenschaften erfolgt. Bereits im Jahr
2012 hatte sich das Unternehmen einen FDM-
3D-Drucker (Fused Deposition Modeling) für den robusten,
temperaturbeständigen Kunststoff ABS angeschafft.
„Heute fertigen wir größere Bauteile auf
unserem Bambu Lab X1E, einem professionellen
FDM-3D-Drucker, der auch anspruchsvolle Filamente
wie kohlefaserverstärktes Hochtemperatur-Nylon
verarbeiten kann“, erzählt Klupp. „Für filigranere
Kunststoffbauteile nutzen wir einen SLA-3D-Drucker,
genauer gesagt, den Form 4 von Formlabs.“ SLA steht
für Stereolithografie. Zum Einsatz kommt ein harzbasiertes
3D-Druck-Verfahren. Dabei wird UV-Licht
durch eine LCD-Maske projiziert, um das flüssige
Kunstharz schnell und schichtweise zu härten. Damit
ist Groschopp in der Lage, mit unterschiedlichen
Werkstoffen zu arbeiten und Bauteile für Kleinserien
mit verschiedenen Eigenschaften zu drucken. Der
SLA-3D-Drucker bietet neben der einfachen Bedienung
den Vorteil, dass die gefertigten Teile sauber
nachbehandelt werden können. Sollte die geforderte
Genauigkeit der gedruckten Teile nicht erreicht werden,
können sie auch auf Werkzeugmaschinen nachbearbeitet
werden. „Lediglich gesinterte Bauteile aus
Metall können wir nicht selbst herstellen“, so Klupp
weiter. „Dafür arbeiten wir mit einem spezialisierten
Dienstleister zusammen.“ „Die Additive Fertigung hat
das Potenzial, Produktionsprozesse in der Kleinserienfertigung
zu revolutionieren“, ist sich Klupp sicher.
„Das Herstellungsverfahren ist nicht nur bei dauerhaft
geringen Losgrößen attraktiv, sondern kann
auch als Brückentechnologie für den Hochlauf einer
Produktion dienen.“ Bei Groschopp zahlt sich das bereits
aus: Sowohl die Drucker als auch die benötigten
Materialien sind in den letzten Jahren immer preisgünstiger
geworden, sodass sich 3D-gedruckte Teile
in beliebiger Anzahl mit wenig Material kosteneffizient
herstellen lassen. „Ein weiterer großer Vorteil
dieser Technologie ist die hohe Verfügbarkeit, zum
Beispiel wenn Bauteile besonders schnell benötigt
werden“, erklärt Klupp abschließend. „In Zukunft
werden Produkte aus dem 3D-Drucker vermutlich in
noch stärkerem Maße als heute konventionell ge -
fertigte Teile ersetzen, wenn auch nicht vollständig
verdrängen.“ (eve)
RECOVER MORE
WASTE LESS
SAVE BIG
Bild: Groschopp
Groschopp nutzt für
seine Motoren die Vorteile
des 3D-Drucks
für die Fertigung von
Kleinserien.
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Industrieanzeiger » 15 | 2025 83
» SONDERTEIL ADDITIVE
Erste Wahl bei induktiver Erwärmung und effizienter Kühlung
3D-gedrucktes Kupfer steigert
die Produktivität
Additiv gefertigte Kupfer-Bauteile und Kupferleiter bieten große Vorteile und sind ein
fester Bestandteil von Serienproduktionen. Sie werden in unterschiedlichen Anwendungen
eingesetzt, zum Beispiel in der Automobilindustrie, dem Maschinenbau oder von namhaften
Herstellern induktiver Erwärmungssysteme. Insbesondere hier setzen sie neue Maßstäbe.
» Max Wissing, Technologiemanager bei der Protiq GmbH, Blomberg
Lange Jahre als unkonkrete Zukunftsvision wahrgenommen,
wird die Technologie zunehmend in
Produktionsprozesse integriert. Industrieller 3D-Druck
führt zu hochfesten Stahlkomponenten ebenso wie
zu Bauteilen aus reinem Kupfer – eine Option, die
bedeutende Fortschritte bei Systemen zur induktiven
Erwärmung erzielte.
Der direkte Aufbau aus digitalen 3D-Modellen erlaubt
eine außergewöhnliche Designfreiheit, ermöglicht
selbst komplexe Geometrien, erfordert aber
gleichzeitig Erfahrung und tiefgehendes Prozess -
wissen, gerade bei anspruchsvollen Metallen. Dieses
Potenzial gilt es zu nutzen.
Bereits 2013 gelang es der Protiq GmbH als erstem
Unternehmen weltweit, eine hochleitfähige Kupferlegierung
mit 99 % Reinheitsgrad durch selektives
Laserschmelzen (SLM) prozesssicher zu verarbeiten.
Dieser Durchbruch war das Ergebnis langjähriger
Entwicklungsarbeit. 2019 ermöglichte das Unternehmen
erstmals den 3D-Druck mit reinem Kupfer.
Dieses Material enthält keinerlei Legierungsbestandteile.
Es erfüllt den Standard Cu-ETP und erreicht
eine elektrische Leitfähigkeit von 58 Megasiemens
pro Meter (MS/m), was zu 100 % dem International
Annealed Copper Standard (IACS) entspricht.
Additive Fertigung
auf hohem Niveau:
Protiq ermöglicht
das Herstellen von
innovativen Kupferbauteilen
in kom -
plexen Geometrien
durch SLM.
Bild: Protiq
84 Industrieanzeiger » 15 | 2025
Als industrieller Produktionsdienstleister mit
umfassender Erfahrung in der additiven Fertigung ist
Protiq das Kompetenzzentrum für 3D-Druck innerhalb
der Unternehmensgruppe Phoenix Contact. Die
additiv hergestellten Bauteile kommen in verschiedenen
Anwendungen und Branchen zum Einsatz.
Induktionsspulen spielen eine zentrale Rolle beim
präzisen und effizienten Erwärmen von Metall -
bauteilen in vielen Industriebereichen. Die Geometrie
der Spule ist insbesondere beim Randschichthärten
von entscheidender Bedeutung und beeinflusst
maßgeblich das Erwärmungsverhalten im Prozess.
Hierdurch hat die Spulengeometrie unmittelbaren
Einfluss auf wichtige Kenngrößen wie Produktivität,
Taktzeiten und Energieeffizienz. Mit steigenden
Anforderungen an den Prozess nehmen auch die
Komplexität der Spulengeometrie und des Erwärmungsverhaltens
weiter zu.
Traditionell werden Induktoren entweder durch
manuelles Biegen, Schneiden und Löten aus hohlen
Kupferhalbzeugen hergestellt oder als CNC-gefräste
Einzelteile produziert, die anschließend durch Löten
oder Schweißen gefügt werden. Diese konventionellen
Verfahren stoßen jedoch an ihre Grenzen: Enge
Biegeradien und komplexe Geometrien lassen sich
nur schwer realisieren, die Reproduzierbarkeit ist
eingeschränkt, und die Fertigungsprozesse sind zeitund
kostenintensiv. Zudem führen diese aufwendigen
Herstellungsschritte zu langen Lieferzeiten, die sich
oft über mehrere Wochen erstrecken.
Die additive Fertigung überwindet diese Herausforderungen.
Der 3D-Druck von Induktionsspulen
reduziert den manuellen Produktionsaufwand erheblich.
Er ermöglicht eine effizientere, kostengünsti -
gere Herstellung und verkürzt die Lieferzeit signi -
fikant: Selbst bei komplexen Spulengeometrien kann
Protiq die Bauteile innerhalb von fünf bis acht Werktagen
liefern.
Die Wahl des richtigen Materials ist wesentlich für
die Leistungsfähigkeit und Effizienz der 3D-gedruckten
Bauteile. Protiq bietet neben der bewährten
Kupferlegierung CuCr1Zr zusätzlich reines, unlegiertes
Kupfer (Cu-ETP) sowie die eigens entwickelte
Kupferlegierung RS-Kupfer (RS-Cu) an.
Reinkupfer (Cu-ETP) erfüllt die Spezifikationen des
internationalen Standards IACS mit einer elektrischen
Leitfähigkeit von 58 MS/m und erlaubt damit
eine besonders energieeffiziente Verwendung. Das ist
essenziell für industrielle Anwendungen, bei denen
minimale elektrische Verluste oder maximale thermische
Leitfähigkeiten gefordert sind.
Das für die additive Fertigung optimierte RS-Kupfer
enthält 99 % Kupfer und kombiniert eine hohe
elektrische Leitfähigkeit von bis zu 50 MS/m mit
Bild: Protiq
Die hohen gestalterischen Freiheiten des 3D-Drucks machen neuartige Kühlkomponenten
aus Kupfer möglich: Eine optimierte Oberflächenstruktur und Medienführung erzielen
große Kühlleistungen auf kleinstem Raum.
verbesserter mechanischen Festigkeit. Dieses Mate -
rial ist insbesondere bei komplexen Geometrien von
Vorteil, da es eine höhere Detailgenauigkeit und
Oberflächenqualität liefert.
Abgesehen von der Materialqualität sind auch
mechanische Belastbarkeit und Dichtigkeit bedeutsam.
Protiq prüft daher alle produzierten Spulen auf
ihre Leitfähigkeit und Druckbeständigkeit. Ab 1 mm
Wandstärke können Spulen einem Wasserdruck von
bis zu 20 bar standhalten. In speziellen Anwendungen
sind sogar Wandstärken von nur 0,5 mm umsetzbar,
sofern dies in enger Abstimmung mit dem
Kunden erfolgt. Die Wahl des optimalen Werkstoffs
ist also die Basis für leistungsfähige Induktoren, doch
erst die Designfreiheit der additiven Fertigung kann
diese Materialvorteile voll ausschöpfen.
Zusätzlich zur hohen elektrischen Leitfähigkeit
verfügen additiv hergestellte Bauteile aus Kupfer
über eine hohe thermische Leitfähigkeit von über
400 W/(m K). Dadurch eignen sie sich besonders gut
für Wärmetauscher und Komponenten zur Abfuhr
von Prozesswärme. Gerade im wachsenden Tech -
nologiefeld der Supercomputer und Rechenzentren
– Stichwort KI – erweisen sich die 3D-gedruckten
Kühl körper als Mittel der Wahl.
Der Betrieb der Recheneinheiten auf engstem
Raum bedingt derart hohe Kühlleistungen, dass
hierfür geometrisch optimierte, additiv gefertigte
Wärmetauscher zum Einsatz kommen. Durch die
großen geometrischen Gestaltungsfreiheiten lassen
sich Kühlleistungen erzielen, die auf herkömmlichen
Wegen nicht realisierbar sind. Erreicht werden sie
sowohl über das Integrieren von komplexen Kühlwasserkanälen
als auch über eine Verbesserung der
effektiven Oberflächenstruktur.
Industrieanzeiger » 15 | 2025 85
» SONDERTEIL ADDITIVE
Hochpräzise Prozessbeobachtung und Fehlerdetektion in der additiven Fertigung
Bildverarbeitung erleichtert
Prozesskontrolle im Metall-3D-Druck
Das pulverbettbasierte Laserstrahlschmelzen von Metallen (PBF-LB/M) ist eine Schlüsseltechnologie
der additiven Fertigung, die es ermöglicht, hochkomplexe und leistungsfähige Metallbauteile mit
maßgeschneiderten Material- und Funktionseigenschaften herzustellen. Fortschritte in der Prozessüberwachung
und -regelung sind entscheidend, um die Qualität, Reproduzierbarkeit und Effizienz
dieses Fertigungsverfahrens weiter zu steigern.
» Silke von Gemmingen, Unternehmenskommunikation, IDS Imaging Development Systems
Pulverschichten. Die Forschenden wollen
so fundierte Rückschlüsse auf die resultierende
Bauteilqualität ziehen. Bildgebende
Komponenten des Forschungsprojektes
sind zwei leistungsstarke USB3
Industriekameras von IDS Imaging Development
Systems.
Um das pulverbettbasierte Laserstrahlschmelzen besser zu verstehen und es hinsichtlich der
Reproduzierbarkeit weiterzuentwickeln, bedarf es einer umfassenden Prozessbeobachtung.
Maßgeblich für die Bauteilqualität im
pulverbettbasierten Laserstrahlschmelzen
von Metall ist der eigentliche
Prozess, dessen Analyse als zentrale Herausforderung
gilt. Im Rahmen der Forschung
zur Erhöhung der Prozessstabilität
und -effizienz führen Studierende und
wissenschaftliche Mitarbeitende des LaserApplikationsZentrum
(LAZ) der Hochschule
Aalen eine globale, dynamische
Beobachtung des Prozesses durch. Ihr
Ziel: die Entwicklung von neuartigen
weichmagnetischen Komponenten für
Bild: IDS, Hochschule Aalen
effizientere Elektromotoren der Zukunft.
Im Kontext einer Hochgeschwindigkeitsprozessregelung
mit Temperaturrückführung
untersuchen die Forschenden Phänomene
wie
• Spritzer- und Schmauchbildung,
• das Erstarrungsverhalten sowie
• die sichere Bewegung mechanischer
Komponenten.
Außerdem erfolgt eine hochaufgelöste,
statische Analyse der umgeschmolzenen
Bauteilschichtgeometrien sowie eine präzise
Detektion potenzieller Fehler in den
Zwei Industriekameras liefern
die nötigen Bildinformationen
Die beiden unterschiedlichen Aufgaben
erfordern verschiedene Kameramodelle.
„Für die globale, dynamische Beobachtung
des Prozesses, wie der Beobachtung
von Spritzern oder der Schmauchbildung,
verwenden wir ein Modell aus der USB3
uEye CP Kamerafamilie. Für die statische,
hochaufgelöste Identifikation von Anomalien
innerhalb der Pulverschichten
sowie in den umgeschmolzenen Bauteilschichtgeometrien,
kommt eine USB3
uEye Kamera aus der SE-Serie zum Einsatz“,
erklärt David Kolb, wissenschaft -
licher Mitarbeiter des LAZ.
Dynamische Beobachtung
des Prozesses
Die Anforderungen an die beiden IDS Kamerasysteme
sind aufgrund deren Einsatzbereiche
im PBF-LB/M verschieden.
„Da es sich beim pulverbettbasierten
Laserstrahlschmelzen von Metallen um
einen hochdynamischen additiven Fertigungsprozess
handelt, bei dem das Bauteil
Schicht für Schicht generiert wird,
waren für die globale, dynamische Beobachtung
vor allem folgende Features ge-
86 Industrieanzeiger » 15 | 2025
fragt“, sagt David Kolb und zählt auf:
• eine Auflösung von über 1000 x 1000
Pixeln
• eine Framerate von mehr als 100 fps
• eine Bildfeldabdeckung von mindestens
100 mm x 100 mm
• ein Triggerport für Videoaufnahmen
Die gewählte Industriekamera mit dem
Namen U3–3040CP-C-HQ Rev.2.2 gewährleistet
sehr gute Bildqualität auch
bei wenig Licht oder bei Aufnahmen von
sich schnell bewegenden Objekten. Dafür
sorgt der Global-Shutter CMOS-Sensor
IMX273 aus der Pregius-Reihe von Sony
durch seine hohe Empfindlichkeit und den
großen Dynamikbereich. Mit einer Auflösung
von 1,58 Megapixeln (1456 x 1088
px) erreicht er eine Framerate von 251
Bildern pro Sekunde – ideal für detaillierte
Video- und Bildauswertungen von dynamischen
Prozessen.
Die Videosequenz / Abbildung zeigt
den schichtweisen PBF-LB/M-Prozess bei
unterschiedlichen Laserparametern, auf -
genommen mit der U3–3040CP-C-HQ
Rev.2.2 von IDS unter Verwendung der
Software IDS peak. „Dabei können je nach
Einstellung der Industriekamera verschiedene
Prozesseigenschaften wie Materialverdampfung,
oder die Menge und Richtung
von Spritzern während des PBF-
LB/M beobachtet sowie quantifiziert werden“,
beschreibt David Kolb die Anwendung.
„Die daraus gewonnenen Erkenntnisse
liefern uns wichtige Informationen,
um die Laser-Material-Wechselwirkungen
des additiven Fertigungsprozesses
tiefergehend zu verstehen und die Fertigungsparameter
in Abhängigkeit des
Materials oder z.B. der Bauteilgeometrie
individuell anpassen zu können“.
Komponenten für effizientere
Elektromotoren
Für die Prozessparameterfindung wurden
würfelförmige Bauteile additiv gefertigt
und der globale Fertigungsprozess mit der
USB3 uEye CP Kamera analysiert. Hierdurch
konnten optimale Laserparameter
identifiziert werden, mit denen neuartige
weichmagnetische Komponenten für effizientere
Elektromotoren der Zukunft aus
der schwierig zu verarbeitenden Eisen-Silizium-Legierung
mit 6,5 Gew.-% Silizium
Bild: Hochschule Aalen
Additiv gefertigte weichmagnetische Statorhalbschale
einer Transversalflussmaschine aus FeSi6,5
auf einer Bauplattform.
(FeSi6,5) hergestellt werden können. Die
darauf aufbauend gefertigte Statorhalbschale
aus FeSi6,5 ermöglicht durch ihre
optimierte, dreidimensionale Magnetflussführung
eine ideale Anpassung an
die besonderen Anforderungen von Transversalflussmaschinen.
Die hohe elektrische
Resistenz des Materials und die Designfreiheit
des PBF-LB/M erlauben eine
Reduktion von Wirbelstromverlusten, eine
gesteigerte Leistungsdichte und die Integration
zusätzlicher Funktionen wie Kühlstrukturen.
Sowohl die komplexe Geometrie
als auch der spröde, weichmagnetische
Werkstoff FeSi6,5 sind mit konventionellen
Fertigungsverfahren kaum herstellbar
bzw. verarbeitbar und erfordern
den Einsatz additiver Fertigungstechnologien.
Statische, hochaufgelöste
Identifikation von Anomalien
Bei der statischen, hochaufgelösten Beobachtung
der Pulverschichten bzw. Bauteilschichtgeometrien
sind vor allem folgende
Kameraeigenschaften gefragt:
• eine Merkmalerfassung unterhalb
von 40 µm
• eine Bildfeldabdeckung von
mindestens 100 mm x 100 mm
• ein quadratisches Bildverhältnis (1:1)
• ein Triggerport für Einzelbild -
aufnahmen
Genau das liefert die 20,36 Megapixel
(4512 x 4512 px) Industriekamera
U3–3990SE Rev.1.2. Mit dem IMX541
verfügt sie über einen hochperformanten,
extrem hochauflösenden, großformatigen
1,1“ CMOS-Sensor aus der Pregius S-Serie
von Sony. Die eingesetzte BSI-Techno-
logie („Back Side Illuminated“) ermöglicht
einerseits kleinere Pixel (2,74 µm) und eine
höhere Auflösung und darüber hinaus
verbesserte Quanteneffizienz und Empfindlichkeit.
„Aufgrund der besonders benutzerfreundlichen
und flexibel integrierbaren
IDS Kameras konnten die notwendigen
Anpassungen am Versuchsaufbau schnell
und unkompliziert umgesetzt werden, sodass
die USB3 uEye SE gezielt unter einem
definierten Winkel positioniert werden
kann“, erläutert David Kolb. Die nahezu
vertikale Beobachtung der einzelnen
Pulver-Bauteilgeometrie-Schichten wird
nach Abschluss der finalen Anpassungen
wertvolle Einblicke in die Bauteilqualität
sowie potenzielle Fertigungsfehler ermöglichen.
Auf diese Weise lassen sich
entscheidende Informationen über die Eigenschaften
additiv gefertigter Bauteile
gewinnen und gezielt zur Optimierung
des Fertigungsprozesses einsetzen.
Ausblick
Die Forschung auf dem Gebiet des PBF-
LB/M ist essenziell für die Entwicklung
und Verarbeitung neuer Werkstofflegierungen
sowie die Herstellung leistungssteigernder,
teils multimaterialfähiger
Bauteilgeometrien. Ein tiefgehendes Prozessverständnis
trägt dazu bei, Defekte zu
minimieren und innovative Designs zu
realisieren, die mit konventionellen Fertigungsmethoden
nicht umsetzbar wären.
Die IDS-Kameras liefern dabei tiefgreifende
Einblicke in das PBF-LB/M und leisten
damit einen wertvollen Beitrag in der Forschung,
Entwicklung und dem Transfer
(F&E&T) – beispielsweise bei der Verarbeitung
neuer Werkstofflegierungen oder
der Herstellung komplexer, anwendungsoptimierter
(Multimaterial-)Bauteile.
Künftig wird künstliche Intelligenz eingesetzt,
um die dynamische und statische
Beobachtung des PBF-LB/M automatisiert
zu analysieren. Ziel ist es, die hochdynamische
Laser-Material-Wechselwirkung –
etwa die Anzahl und Flugbahn von Spritzern
sowie die Entstehung von Prozessfehlern
– noch besser zu verstehen und
das additive Fertigungsverfahren im Hinblick
auf Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit
weiter zu verbessern. (eve)
Industrieanzeiger » 15 | 2025 87
IMPRESSUM
» PRODUKTE
Robotik
Mobile Plattform bis 250 kg
erscheint dienstags ISSN 0019–9036
Organ des Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung e.V.
(WSM), Düsseldorf, Hagen. Die Mitglieder des Verbandes erhalten
den Industrieanzeiger im Rahmen ihrer Mitgliedschaft. Zusammenarbeit
im Fachbereich der Gießereitechnik mit der Zentrale für
Gussverwendung, Düsseldorf.
Herausgeberin: Katja Kohlhammer
Verlag: Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH,
Ernst-Mey-Straße 8, 70771 Leinfelden-Echterdingen, Germany
Geschäftsführer: Peter Dilger
Verlagsleiter: Peter Dilger
Chefredaktion:
B. A. Alexander Gölz (ag), Phone +49 711 7594–438,
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Redaktion:
M. A. David Kuhlmann (dak), Phone +49 711 7594–456;
Frederick Rindle (fr), Phone +49 711 7594–539;
M. A. Nico Schröder (sc), Phone +49 170 6401879;
Susanne Schwab (su), Phone +49 711 7594–444;
Dipl.-Ing. Olaf Stauß (os), Phone +49 711 7594–495;
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Ständige freie Mitarbeiter:
Dipl.-Ing. Volker Albrecht (va), Ulrike Dautzenberg (ud),
Michael Grupp (mg), Sabine Koll (sk), Markus Strehlitz (ms)
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Fax +49 711 82651-399, E-Mail: leserservice@konradin.de
Die mobile Plattform KMP 250P erweitert
Kukas AMR-Portfolio. Sie transportiert
Waren und Bauteile bis 250 kg und kann
optional mit einer Hubeinheit ausgestattet
werden. Cleanroom- und ESD-Varianten
ermöglichen den Einsatz in sensiblen
Bereichen. Ein neues Sleepmode-Modul
vereinfacht den Betrieb großer Flotten.
Mit Nutzlasten bis 3000 kg hält das
AMR-Portfolio des Augsburger Roboterherstellers
Produktionsprozesse im Fluss.
Zubehör und Ladegeräte der KMP 250P
sind kompatibel mit den Plattformen KMP
600P und KMP 1500P, sodass eine flexible
Flottenintegration möglich ist. Über Kuka
AMR Fleet und die Standardschnittstelle
VDA 5050 lässt sich der mobile Roboter
intuitiv steuern. Der Differentialantrieb
sorgt für hohe Wendigkeit, wahlweise ist
auch eine konduktive oder induktive
Ladestation verfügbar.
Für maximale Sicherheit sorgen zwei
Laserscanner und 3D-Kameras, die einen
360°-Schutz gewährleisten. Hindernisse
werden automatisch erkannt und sicher
umfahren.
Ab Dezember 2025 ist die KMP 250P
bestellbar; im nächsten Jahr folgt mit der
KMP 250P-T eine Variante als Unterfahrschlepper,
die Lasten bis 500 kg zieht.
Bild: Kuka
Erscheinungsweise: dienstags (15 x jährlich)
Bezugspreis: Inland jährlich 210,00 € inkl. Versandkosten und
MwSt; Ausland 210,00 € inkl. Versandkosten. Einzelpreis 14,10 €
(inkl. MwSt, zzgl. Versandkosten).
Bestellungen erbitten wir an den Verlag. Sofern die Lieferung nicht
für einen bestimmten Zeitraum ausdrücklich bestellt war, läuft das
Abonnement bis auf Widerruf. Bezugszeit: Das Abonnement kann
erstmals vier Wochen zum Ende des ersten Bezugsjahres gekündigt
werden. Nach Ablauf des ersten Jahres gilt eine Kündigungsfrist
von jeweils vier Wochen zum Quartalsende.
Bei Nichterscheinen aus technischen Gründen oder höherer Gewalt
entsteht kein Anspruch auf Ersatz.
Auslandsvertretungen:
Großbritannien/Irland: Jens Smith Partnership, The Court,
Long Sutton, GB-Hook, Hampshire RG 29 1TA, Phone 01256
862589, Fax 01256 862182, E-Mail: jsp@trademedia.info;
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Leinfelden-Echterdingen
Vollhartmetallfräser
Neuer Schneidstoff sorgt für Prozesssicherheit
Bild: Mapal
Die dritte Generation von Mapals Opti-
Mill-Uni-HPC für die Stahl-, Edelstahlund
Gussbearbeitung wurde gezielt für
automatisierte Fertigungs prozesse konzipiert.
Der Vollhartmetallfräser verfügt
über hohe Prozesssicherheit – essenziell
in mannlosen Schichten und bei roboterunterstützter
Bearbeitung.
Ein neuer Schneidstoff erhöht dabei die
Zähigkeit und reduziert das Risiko von
Werkzeugbrüchen, was teure Bauteilschäden
verhindert. In Kombination mit
verschleißfester Beschichtung sowie optimierter
Geometrie, gewährleistet der
Fräser eine hohe Zuverlässigkeit – auch
unter dynamischen Bedingungen.
Neu ist eine Variante mit integriertem
Spanteiler, der kurze, leicht abführbare
Späne erzeugt – ideal bei Luftkühlung
und hohen Spanleistungen. Besonders bei
großen Zustelltiefen verbessert sich die
Spanabfuhr deutlich, was dann längere
Maschinenlaufzeiten und weniger Überwachung
ermöglicht.
Seit September 2025 ist die Lösung von
Mapal in drei Varianten erhältlich: kurz
ohne Spanteiler (Ø 3–20 mm), lang ohne
Spanteiler (Ø 3–25 mm) und lang mit
Spanteiler (Ø 6–25 mm).
88 Industrieanzeiger » 15 | 2025
VORSCHAU «
Bild: saypin/stock.adobe.com (KI-generiert)
NACHHALTIGKEIT
Nachhaltig denken, effizient handeln: Die
Januar-Ausgabe steht ganz im Zeichen von
Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Es
werden aktuelle Entwicklungen, Strategien
und Praxisbeispiele vorgestellt, die zeigen,
wie Industrieunternehmen ihre Produktion
ressourcenschonender gestalten können.
BLICK AUF 2026
Wie blickt der industrielle Mittelstand auf das Jahr 2026?
In unserem Jahresausblick lassen wir Geschäftsführerinnen
und Geschäftsführer aus unterschiedlichen Branchen zu
Wort kommen. Sie schildern, welche Herausforderungen
sie erwarten, wo sie Chancen sehen und was sie sich von
der Politik wünschen, um die Wettbewerbsfähigkeit des
Industriestandorts Deutschland zu sichern.
INTERVIEW
Wie meistert Schaeffler die Herausforderungen in Produktion
und Lieferkette? Andreas Schick, Vorstand für Produktion,
Supply Chain Management und Einkauf, spricht im
Interview über die wichtigsten Hebel für mehr Resilienz
und Effizienz in der industriellen Wertschöpfung. Außerdem
erklärt er, welche Rolle künstliche Intelligenz und
Digitalisierung für die Fertigung der Zukunft spielen.
Der Industrieanzeiger 01/2026
erscheint am 27.01.2026
Intralogistik
Mit KI-Agent Palettenscheine
automatisiert verbuchen
Dieser Ausgabe liegt ein Prospekt folgender Firma bei:
Bihl+Wiedemann GmbH, Mannheim
Gerne können Sie Beilagen auch digital lesen unter
www.industrieanzeiger.industrie.de/beilagenservice/
Sowie einer Teilauflage ein Prospekt der Firma:
Haus der Technik e.V., Essen
Wir bitten unsere Leser um freundliche Beachtung.
Bild: Logistikbude
Mit dem KI-Agenten stellt Logistikbude ein neues Feature
ihrer Softwarelösung vor, das den manuellen Aufwand im
Management von Ladungsträgern wie Paletten und Behälter
reduziert. Mithilfe von KI verarbeitet das Feature
relevante Informationen auf eingescannten Belegen – wie
etwa Tauschpartner, Beleg datum und -nummer, Lademittel
und Mengen, optional auch Lkw-Kennzeichen und
weitere Referenzen – und erzeugt daraus eine Buchung,
die nur noch von einem Mitarbeitenden freigegeben wird.
Die Scheine werden ohne Anlernen ausgelesen, auch
solche, die das System nie zuvor gesehen hat.
Transportdreiräder
für den
individuellen
Bedarf
Wulfhorst GmbH Gütersloh
www.wulfhorst.de
Industrieanzeiger » 15 | 2025 89
» Tacheles
Nicht zu unterschätzen
Vertrauen entscheidet über
den Auftrag
Jede Investition in eine neue Maschine beginnt mit
einer Reise – der Reise des Kunden. Er betritt die
Messehalle, tritt an die Maschine heran, schaut,
prüft, wägt ab. Die Bühne ist bereitet. Aus der Ferne
wirkt die Maschine imposant, modern, zukunftsweisend.
Der Kunde spürt: „Das ist Innovation pur.“ Die
Erwartungen steigen. Dann folgt der große Auftritt:
Die Maschine präsentiert sich – Bedienung, Oberfläche,
Verkleidung. Hier entscheidet sich,
ob der erste Eindruck trägt oder
zerfällt. Ein Augenblick, der über
Millionen entscheidet.
Jürgen R. Schmid ist Gründer
von Design Tech und Jürgen
Schmid Maschinendesign
in Ammerbuch bei Tübingen.
Die Prüfung
Sobald Anspruch und Realität auseinanderfallen,
entsteht Irritation. Aus
Kaufbereitschaft wird Unsicherheit, aus
Unsicherheit Distanz. Und Distanz ist der
Anfang eines verlorenen Auftrags. Um -
gekehrt: Wenn Technik, Bedienung und
Erscheinungsbild ein Ganzes ergeben, entsteht Vertrauen.
Die Maschine besteht ihre Prüfung – und der
Kunde fällt seine positive Entscheidung.
Die Gesetze des Eindrucks
Drei psychologische Effekte prägen jede Investition –
und sie sind stärker als jede Produktbroschüre:
Erwartungseffekt – der erste Eindruck setzt den
Maßstab. Konsistenz-Prinzip – wenn Außen und
Innen nicht zusammenpassen, entsteht Misstrauen.
Halo-Effekt? – Begeisterung am Anfang strahlt aus
oder bleibt aus. Wer diese Mechanismen unterschätzt,
verliert nicht an Technik, sondern vor allem
an Vertrauen – und damit den Auftrag.
Der Verbündete
Design ist kein Beiwerk. Es ist der unsichtbare Verbündete,
der Substanz verstärkt und Vertrauen sichtbar
macht. Es verwandelt Komplexität in Klarheit,
Technik in Sicherheit, Maschinen in überzeugende
Auftritte. Aus meiner Erfahrung mit Weltmarktführern
weiß ich: Genau hier entscheidet sich, ob Maschinenbau
Premium bleibt – oder im Preiskampf
landet. Die eigentliche Kunst liegt darin, Premium
und Kostenbewusstsein zu verbinden.
Genau hier liegt die Verantwortung des Managements.
Denn nicht die Konstruktion allein entscheidet
über den Markt, sondern die Art, wie sie wahr -
genommen wird. Technik mag exzellent sein – doch
ohne sichtbare Verlässlichkeit wird sie zum Risiko.
Der Ausgang
Am Ende kauft der Kunde nicht nur eine Maschine. Er
entscheidet sich für ein Unternehmen, dem er zutraut,
die Zukunft zu gestalten. Dieser Moment ist
größer als ein einzelner Auftrag: Er betrifft Markt -
position, Markenwert und das Vertrauen ganzer
Belegschaften. Denn wer Erwartungen weckt und sie
konsequent erfüllt, verkauft nicht nur Maschinen –
er gewinnt Märkte.
Meine Frage an Sie:
Besteht Ihre Maschine die Prüfung des ersten Eindrucks
– oder beginnt hier bereits der Zweifel?
Die entscheidende Aufgabe lautet:
Vertrauen so zu gestalten, dass Ihre Maschine auf
jeder Bühne überzeugt.
Bild: Andre Bakker
90 Industrieanzeiger » 15 | 2025
Den Markt im Blick,
die Trends im Ohr.
EINKAUFSSACHE
– hören , was den
Einkauf wirklich bewegt.
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Industrieanzeiger » 15 | 2025 91
92 Industrieanzeiger » 15 | 2025