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Industrieanzeiger 15.2025

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11.11.2025 Ausgabe 15 | 2025 www.industrieanzeiger.de

Interview

Titelinterview

Dr. Ulrich Viethen, Geschäftsführer

von Murrelektronik im Interview

» Seite 18

Fachmesse SPS

In Nürnberg trifft sich die

Automatisierungsbranche

» Seite 25

Fachmesse Formnext

Special zur Leitmesse für

additive Fertigung

» Seite 73

Nicola Leibinger-Kammüller,

Vorstandsvorsitzende

von

Trumpf, im

Gespräch

» Seite 14

Smart Factory

Wissen für Entscheider in der Produktion

Neues und Innovatives

aus der Welt der vernetzten

Fabrik in der Praxis

» Seite 35


SPS Nürnberg

25.– 27. November 2025

Halle 3, Stand 468

Für harmonische

Bewegungsabläufe

Profitieren Sie von unserer Kompetenz bei Steuerungslösungen für modernste Antriebstechnik

in Geräten, Maschinen und Anlagen. Mit unseren Produkten werden komplexe Herausforderungen

wie hochdynamische mehrachsige Positionierung oder Synchronisation kostengünstig

und effizient gelöst. industrieautomation.maxongroup.de

Precision Drive Systems

2 Industrieanzeiger » 15 | 2025


» MEINUNG

Der Schlüssel zur Resilienz

In einer Zeit, in der geopolitische Spannungen, schwankende Energiepreise

und ein rasanter technologischer Wandel die Wirtschaft prägen, gewinnt

das Thema „Smart Factory“ noch weiter an Bedeutung. Der Fokus liegt nicht

mehr allein auf der Produktion, sondern zunehmend auf der intelligenten

Vernetzung von Anlagen, Datenflüssen und Geschäftsprozessen. Effizienzsteigerung,

Flexibilität und Resilienz sind keine Schlagwörter mehr, sondern

strategische Imperative. Der Transformationsdruck ist hoch – sei es durch

Rohstoffknappheiten, Lieferkettenstörungen oder die Forderung nach mehr

Nachhaltigkeit. In diesem Umfeld ermöglicht die Smart Factory, Produktionsanlagen

nicht nur zu steuern, sondern mithilfe von Daten-, KIund

Automationslösungen zu orchestrieren. So lassen sich Stillstand und

Ausschuss reduzieren, der Ressourceneinsatz optimieren und individuelle

Kunden wünsche wirtschaftlich erfüllen.

Dennoch bleibt die Umsetzung eine Herausforderung. Unternehmen

müssen nicht nur in Technologien investieren, sondern auch ihre Geschäftsmodelle

überdenken, ihre Organisationsstrukturen anpassen und Fachkräfte

ge winnen. Dabei spielt auch die makroökonomische Lage eine Rolle: Unsicherheit

in den Absatzmärkten, Kostensteigerungen bei Energie und Personal

sowie volatile Nachfrage verlangen nach einem Produktionssystem,

das nicht starr, sondern agil ist. Eine gut realisierte Smart Factory ist daher

Antwort auf wirtschaftliche Herausforderungen und Motor für Wettbewerbsvorteile

zugleich. Wer flexibel fertigt, kann schneller auf Märkte

reagieren, Kosten senken und Qualität sichern.

Und hier schließt sich der Kreis zu einem zentralen Branchenevent: Vom

25. bis 27.11.2025 öffnet die Fachmesse SPS – Smart Production Solutions

2025 in Nürnberg ihre Tore (mehr darüber auch in unserem Sonderteil ab

Seite 25). Als eine der führenden Plattformen für smarte und digitale Automation

präsentiert sie das komplette Spektrum – von Sensorik und Steuerungstechnik

bis hin zu Software und IT. Aussteller präsentieren Lösungen,

Fachleute diskutieren Umsetzungen und Strategien und es entstehen Netzwerke.

Für Produzenten, Automatisierer und Entscheider, die den Anschluss

nicht verlieren wollen, ist die Messe definitiv eine Pflichtveranstaltung.

Hagen Wagner

Redakteur Industrieanzeiger

hagen.wagner@konradin.de

Maschinenleuchten

Bringen Sie Licht

ins Dunkel

Die robusten Maschinenleuchten vom

Typ DV3 rücken Ihre Arbeitsumgebung

ins rechte Licht: 450 Lumen auf 250 mm

Länge sorgen für eine ausreichende und

gleichzeitig angenehme Ausleuchtung

mit Weißlicht. Und wem 250 Millimeter

nicht reichen, der verbindet bis zu vier

Leuchten für bis zu einem Meter optimaler

Lichtausbeute.

Darüber hinaus zieht die DV3 auch als

Statusanzeige alle Blicke auf sich:

Nutzen Sie die RGB-LED, um sich von

Ihren Maschinen, Schalt- oder Serverschränken

über Wartungsbedarf,

Idealzustand oder Prozessfortschritt

informieren zu lassen. So viel Flexibilität

und Komfort in einem?

Das stellt alle anderen in den Schatten.

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Industrieanzeiger » 15 | 2025 3


» INHALT 15 | 2025 145. JAHRGANG

TOPSTORY

Antriebstechnik

Geteilter Datenraum für

smarte Antriebe

» Seite 36

Bild: William Veder

Antrieb 4.0 zeigt auf der SPS zukunftsweisende Antriebslösungen für die

Industrie.

» Seite 36

NEWS & MANAGEMENT

Branchennews

VDMA äußerst sich zur Forschungsförderung 08

Verteidigung: Rohde & Schwarz und Trumpf kooperieren 10

Batterieversorgung: Appell an die deutsche Politik 12

Digitalisierung: Bitkom launcht Dataverse-Plattform 13

» Interview

Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende des Vorstands

von Trumpf im exklusiven Interview 14

» Titelinterview

Dr. Ulrich Viethen, Geschäftsführer von Murrelektronik über

Herausforderungen und Chancen in der Automatisierung 18

Serie Recht

Chancen und Risiken beim Einsatz von KI-Agenten 20

Industrie 4.0

Modell simuliert digitalisierte Produktionsabläufe 22

MESSEN

» SPS

In Nürnberg trifft sich die Fachwelt, um Neues aus der

Welt der Automatisierung zu bestaunen 25

» Formnext mit Sonderteil Additive

Wenn die 3D-Druck-Leitmesse startet, geht es nicht nur

um Technik: Wir beleuchten Trends, Herausforderungen,

Politisches, die Märkte – und nicht zuletzt Technologie 73

TECHNIK & WISSEN

» Smart Factory

Neues für die intelligente Produktion im Themenspecial 35

TOPSTORY

Antriebstechnik

Geteilter Datenraum für smarte Antriebe 36

Verbindungstechnik

Leistungsfähige und durchdachte Infrastrukturen

für die elektrische Zukunft 42

Energiemanagement

Durch mehr Transparenz im Energieverbrauch die

Effizienz erhöhen und nachhaltiger produzieren 44

Digital Twin

Fliegende Komponenten virtuell programmiert 46

Auslandsmarkt Taiwan

Fünf Werkzeugmaschinenhersteller geben Einblicke 48

Verbindungstechnik

Global verfügbare Verbindungslösungen erleichtern

weltweite Umsetzung von Automatisierungsprojekt 58

Antriebstechnik

Variantenmanagement für die transparente

Optimierung von Förderanlagen 60

Automatisierte Fertigung

Klug kombiniert: Bearbeitungszentrum plus

Handlingsystem für mehr Präzision und Effizienz 62

C-Teile-Management

Wie sich die Infrastruktur der Fertigung optimieren lässt 64

Marktspiegel Werkzeugbau

Zwei Kunststoffverarbeiter lassen sich in die Karten

schauen, wie sie die Marktdaten anderer nutzen 66

Rezyklat-Beschaffung

Holypoly erschließt sichere und exklusive Lieferketten

für die Kunststoffrezyklat-Versorgung von Kunden 68

Leichtbau-Förderung

Auf dem Leichtbau Forum in Berlin plädierten Industrie

und Forschung für die Wiederaufnahme des Programms 70

RUBRIKEN

Editorial 03

Augenblicke der Technik 06

Produkte 88

Impressum 88

Vorschau 89

Kolumne Tacheles 90

4 Industrieanzeiger » 15 | 2025


Bild: Mesago Messe Frankfurt GmbH / Arturo Rivas Gonzalez

Science-Fiction oder schon Gegenwart: Auf der SPS präsentiert sich die

industrielle Automatisierung auch von ihrer „menschlichen“ Seite.

» Seite 25

Your Global Automation Partner

Bild: Trumpf

Nicola Leibinger-

Kammüller, Vorsitzende

des Vorstands von

Trumpf spricht im

exklusiven Interview

über die wirtschaftliche

Lage, den Einstieg in

den Verteidigungs -

sektor und politische

Rahmenbedingungen.

» Seite 14

Halle 7, Stand 250

» ZUM TITELBILD

Dr. Ulrich Viethen, CEO von Murrelektronik, spricht im Titelinterview

über Systemdenken statt Einzelkomponenten, digitale

Zwillinge, neue Wachstumsfelder und darüber, warum die dezentrale

und elektrische Installation ein Schlüssel zur Zukunft

der industriellen Automatisierung ist. Mehr dazu ab Seite 18.

Nachhaltig

automatisieren

Effiziente Produktion, effektives

Energiemanagement und

transparente Lieferketten –

digitale Automatisierungslösungen

garantieren Rentabilität

und gleichzeitig Nachhaltigkeit!

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Industrieanzeiger » 15 | 2025 5


» Augenblicke

der Technik

D

ie innerbetriebliche Logistik ist für viele mittelständische

Unternehmen ein bedeutender strategischer Erfolgsfaktor

geworden, denn effiziente Abläufe in Lager und Fertigung sorgen

für eine zuverlässige Produktionsversorgung und kurze Lieferzeiten.

Mit digitalen Lösungen, Sicherheitsassistenzsystemen und

einem höheren betrieblichen Automatisierungsgrad lassen sich

weitere Optimierungspotenziale erschließen.

Zu sehen auf diesen beiden Seiten ist ein Flurförderzeug des

deutschen Intralogistik-Spezialisten Linde Material Handling. Im

Produktportfolio des Anbieters befinden sich Gegengewichtsstapler

bis 18 t, manuelle und automatisierte Lager- und Systemtechnikgeräte,

autonome mobile Roboter aber auch EX-geschützte

Flurförderzeuge. Softwarelösungen und Beratungsleistungen sind

weitere Kompetenzen des Unternehmens, das nicht zuletzt auch

geprüfte Gebrauchtstapler anbietet. Die Second-Life-Fahrzeuge

werden dabei in eigenen Aufarbeitungszentren nach einem standardisierten

Prozess überholt. Bild: Linde Material Handling

6 Industrieanzeiger » 15 | 2025


Industrieanzeiger » 15 | 2025 7


» NACHRICHTEN

Forschungsförderung: Weitere Optimierung vonnöten

VDMA veröffentlicht Positionspapier

zur Forschungszulage

Die steuerliche Forschungsförderung ist eine Erfolgsgeschichte. Ein neues Positionspapier

des VDMA zeigt Wege auf, wie sie weiter optimiert werden kann.

Keine andere Industriebranche nutzt

die Forschungszulage so intensiv wie

der Maschinen- und Anlagenbau.

Als eine Erfolgsgeschichte bezeichnet

der VDMA die steuerliche Forschungsförderung.

Nach aktuellen Zahlen

der zuständigen Bescheinigungsstelle

kommen mehr als 2700 Antragssteller der

Forschungszulage aus dem Maschinenund

Anlagenbau. Das ist mit weitem Abstand

der Spitzenplatz innerhalb der Industrie.

Wie die Förderung weiter optimiert

werden kann, zeigt ein neues Positionspapier

des Branchenverbandes.

Der Maschinen- und Anlagenbau

schöpft sein Förderpotenzial immer besser

aus. Bereits drei von vier Unternehmen,

die potenziell für eine Nutzung des

Instruments in Frage kommen, beantragen

die Forschungszulage. Damit steigt

auch die Summe der Förderung insgesamt:

Vor der Forschungszulage (2021)

waren es weniger als 200 Mio. Euro im

Jahr an staatlichen Mitteln. Nach letzten

Zahlen des Stifterverbands (2023) sind es

Bild: patpongstock/stock.adobe.com (generiert mit KI)

mittlerweile rund 350 Mio. Euro. Am

stärksten machen mittelständische

Unternehmen von dem Instrument

Gebrauch. „Längst ist die Forschungszulage

bei uns im Maschinen- und Anlagenbau

das Förderinstrument Nummer eins“,

berichtet Hartmut Rauen, stellvertretender

VDMA-Hauptgeschäftsführer. „Dieses

Instrument hilft unserem Standort auch

bei strategisch relevanten Technologien

und dem Aufbau von technologischer

Souveränität.“ Das bedeutet auch: Neun

von zehn Unternehmen nutzen ausweislich

einer aktuellen VDMA-Befragung die

Mittel der Forschungszulage direkt wieder

für die Finanzierung ihrer F&E-Aktivitäten.

„Gutes kann immer noch besser werden“,

ergänzt Dr. Johannes Gernandt,

Leiter der VDMA-Steuerabteilung. „Aus

der Perspektive unserer Unternehmen

sind effiziente, bürokratiearme Verfahren

eine ständige Aufgabe.“ So seien die erforderlichen

Stundenaufzeichnungen

aufwändig und oft Gegenstand intensiver

Prüfung auf Seiten der Finanzbehörden.

Besonders betroffen davon ist der industrielle

Mittelstand. „Die Unternehmen

wünschen sich, dass Prüfungen nicht

überschießen und dem Steuerpflichtigen

in dieser Sache nicht mit grundsätzlichem

Misstrauen begegnet wird“, betont Dr.

Gernandt.

Auch sollten Unternehmen die europarechtlich

heute schon zulässigen Fördermöglichkeiten

wie die Anschaffung von

Softwarelizenzen zur Durchführung von

F&E-Vorhaben oder von Patentkosten

vollständig ausschöpfen. Optimierungspotenzial

bestehe auch bei der schnelleren

Auszahlung der Zulage, die dann

rascher liquiditätswirksam wird. „Die

Unternehmen stehen unter hohem Kostendruck

und sehen sich auch mit unfairem

Wettbewerb subventionierter Importe

konfrontiert“, unterstreicht Dr. Gernandt.

„Liquidität ist vor diesem Hintergrund

ein wichtiger Faktor, zu dem die

Forschungszulage beitragen kann.“

Aus Sicht der Unternehmen sollten

auch Bemessungsgrundlage und Fördersätze

ausgeweitet werden. „Die Forschungszulage

ist zukunftsgerichtet,

standort- und arbeitsplatzzentriert und

refinanziert sich perspektivisch über

höhere Einnahmen“, erläutert Hartmut

Rauen. „Endlich wird die Innovationsmaschine

Maschinenbau bei der Forschungsförderung

besser, weil in der Breite adressiert“.

8 Industrieanzeiger » 15 | 2025


DIE

KUNST

der C-Teile-Versorgung

Industrieanzeiger » 15 | 2025 9


» NACHRICHTEN

Kühlenergie für KI-Rechenzentren halbiert

IPAI Campus Heilbronn: EBM-Papst stärkt KI-Standort

Seit zwei Jahren ist ein Team von ebm-Papst

fester Bestandteil des IPAI Campus.

Bild: ebm-Papst

Zum Spatenstich für den IPAI Campus in

Heilbronn im Beisein von Bundeskanzler

Friedrich Merz erklärt Klaus Geißdörfer,

CEO der EBM-Papst Gruppe: „Es ist ein

Glücksfall, ein KI-Zentrum mit dieser

Strahlkraft direkt vor der Haustür zu haben.

Der IPAI-Campus beeindruckt weltweit.

Wir haben damit die Chance, vorne

mit dabei zu sein, aber die Zeit läuft.“

EBM-Papst ist seit rund zwei Jahren Mitglied

des Innovationsparks für künstliche

Intelligenz und gehört zu den ersten

Unternehmen, die sich im schnell wachsenden

Heilbronner Ökosystem engagiert

haben. Der Anbieter von Ventilatoren und

Motoren bringt dort eine besondere Kompetenz

ein: Während im IPAI die KI-Software-Anwendungen

entwickelt werden,

arbeitet EBM-Papst an Lösungen für die

Hardware-Infrastruktur, damit diese Anwendungen

mit möglichst geringem

Energie-Einsatz ausgeführt werden können.

Der Bedarf an Hochleistungs-

Rechenzentren wächst rasant: Die Inter-

Anzeige

VERBINDUNGS-

ELEMENTE

EXPLORE

MORE

nationale Energieagentur (IEA) prognostiziert,

dass sich der weltweite Stromverbrauch

von Rechenzentren bis 2030 auf

945 Terawattstunden mehr als verdoppeln

wird – getrieben durch den KI-Boom.

Allein in Europa wird mit einem Anstieg

um 45 zusätzliche Terawattstunden jährlich

gerechnet. Vor wenigen Tagen hat die

EU mit der Förderung von sechs sogenannten

Gigafactories Milliardeninvestitionen

für den Bau neuer KI-Rechenzentren

angestoßen.

Eine Antwort auf diese Herausforderungen

ist die EBM-Papst-Plattform Nexaira.

Durch den Einsatz hocheffizienter Ventilatoren

in Kombination mit intelligenter

Datenauswertung und Motorensteuerung

kann Nexaira beispielsweise die jetzt zu

errichtenden KI-Rechenzentren mit rund

der Hälfte der Energie kühlen, die bisher

notwendig ist. Die Technologie ist bereits

im Einsatz.

Rohde & Schwarz und Trumpf arbeiten zukünftig zusammen

Drohnen erkennen, verfolgen und neutralisieren

Rohde & Schwarz und Trumpf

kooperieren zukünftig bei der

Entwicklung von Drohnenabwehr-Lösungen.

Sie vereinen

damit die Expertise von Rohde

& Schwarz in der Beherrschung

des elektromagnetischen Spektrums

und der Radar-Sensorik

mit der Hochenergielasertechnologie

von Trumpf. Ziel ist es,

Drohnen zu erkennen, zu verfolgen

und zu neutralisieren.

Die Unternehmen Rohde & Schwarz und

Trumpf haben eine strategische Partnerschaft

zur Entwicklung und Bereitstellung

einer umfassenden und national produzierten

Drohnenabwehr-Lösung bekanntgegeben.

Diese Zusammenarbeit kombiniert

die Drohnenabwehr-Lösung von

Rohde & Schwarz im Bereich Elektromagnetik,

Radar-Sensorik sowie die Lasertechnologie

von Trumpf.

Damit werden eine Erkennung, Verfolgung

und Verteidigung gegen die wachsende

Bedrohung durch Drohnen auf diversen

Plattformen möglich. Die Expertise

beider Unternehmen soll Anwendern eine

Verteidigung gegen drohnenbasierte Bedrohungen

bieten. Rohde & Schwarz wird

das Hochenergielasersystem von Trumpf

in ein komplettes Drohnenabwehr-Ökosystem

integrieren.

Bild: Rohde & Schwarz und Trumpf

Dr. Alexander Orellano, Head of

Division Technology Systems bei

Rohde & Schwarz (l.) und Dr. Hagen

Zimer, Chief Executive Officer Laser

Technology bei Trumpf (r.).

„Wir sind stolz darauf, mit

Trumpf zusammenzuarbeiten,

um eine souveräne Lösung für

die Drohnenabwehr anzubieten“,

sagt Dr. Alexander Orellano,

Leiter der Division Technologie

Systeme, Rohde &

Schwarz. „Investitionen in europäische

Verteidigung und insbesondere in Drohnenabwehrtechnologie

sind von größter

Bedeutung.“

Beide Unternehmen betonen, dass sie sich

der Bedeutung bewusst sind, ihre Technologien

rein defensiv zur Bewältigung der

neuen Sicherheitsrisiken einzusetzen.

10 Industrieanzeiger » 15 | 2025


Salesforce stellt Agentforce 360 vor

Wo KI-Agenten unterstützen

Salesforce hat die neue CRM-Plattform

Agentforce 360 vorgestellt. Seit der Ankündigung

der ersten Agentforce Version

auf der Dreamforce 2024 hat Salesforce

agentenbasierte KI-Lösungen für Unternehmen

in der Praxis umgesetzt – mit bereits

vier neuen Versionen, Tausenden von

Kundenimplementierungen und Salesforce

selbst als „Customer Zero“ in Vertrieb,

IT und Kundenservice. Agentforce 360 ist

ab sofort weltweit verfügbar.

„Wir treten in das Zeitalter des Agentic

Enterprise ein – in dem KI menschliches

Potenzial wie nie zuvor erweitert“, sagt

Marc Benioff, Gründer und CEO von

Salesforce. „Agentforce 360 verbindet

Menschen, KI-Agenten und Daten auf

einer vertrauenswürdigen Plattform und

hilft der Belegschaft in jedem Unternehmen,

mehr zu erreichen, als sie je für

möglich gehalten hätten.“

Die Plattform sei mehr als nur ein CRM.

Sie stelle allen Mitarbeitenden KI als

Partner zur Seite, um schnellere und bessere

Ergebnisse zu erzielen. So entsteht

das Agentic Enterprise, ein neues Arbeitsmodell,

in dem KI Menschen dabei unterstützt

soll, mehr Produktivität, Kundennähe

und Wachstum für jedes Unternehmen

zu realisieren. In den letzten zwölf

Agentforce 360 verspricht ein neues

Arbeitsmodell, in dem KI Menschen

dabei unterstützt, mehr Produktivität,

Kundennähe und Wachstum für jedes

Unternehmen zu realisieren.

Monaten haben sich, laut Salesforce,

rund 12.000 Unternehmen die Plattform

entschieden, allen voran Salesforce als

„Customer Zero“ in Vertrieb, IT und

Kundenservice.

Agentforce 360 vereint vier wesentlichen

Elemente:

• Sie bildet das Fundament für die erfolgreiche

Einführung von KI-Agenten

in Unternehmen aller Größen und

bringt neben neuen Dashboards für die

kontinuierliche Optimierung eine Reihe

weiterer Neuerungen mit.

• Data 360: Die vertrauenswürdige,

harmonisierte Datenschicht liefert KI-

Agenten den nötigen Kontext. Die neue

Funktion Intelligent Context ermöglicht

KI-Agenten den Zugriff auf

unstrukturierte Inhalte wie PDFs oder

Diagramme, um Aufgaben wie

Troubleshooting oder Analysen zu

unterstützen.

• Customer 360 Apps: KI-Agenten nutzen

die Geschäftslogiken und das

kumulierte Wissen im Unternehmen,

um sämtliche Abteilungen mit Automatisierungen

und autonomen KI-

Agenten direkt in ihren Arbeitsabläufen

zu entlasten. Der Agent Sales optimiert

den gesamten Vertriebsprozess,

Marketing ermöglicht die autonome

Durchführung von Kampagnenbestandteilen,

Service erlaubt proaktiven

24/7-Kundenservice, Agentforce Field

Service automatisiert die Disposition

und unterstützt den Außendienst mit

Live-Karten.

• Slack: Slack verbindet Menschen, KI-

Agenten, Apps und Daten in Echtzeit

und dient so als Cockpit für das

Agentic Enterprise. Die Slack-First

Apps Agentforce Sales, IT Service, HR

Service und Tableau Next sind direkt

in Slack nutzbar, ohne Appwechsel.

Mit dem Channel Expert Agent lässt

sich Unternehmenswissen in Echtzeit

finden, Enterprise Search liefert

Antworten aus Quellen wie Google

Drive, GitHub oder Jira in natürlicher

Sprache.

Bild: Salesforce

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» NACHRICHTEN

Batterieversorgung

Appell an die deutsche Politik

Batterietechnologie gilt als eine der zentralen

Zukunftstechnologien des 21. Jahrhunderts.

Bild: MahmudulHassan/stock.adobe.com (generiert mit KI)

In einem offenen Brief haben sich fünf

Wirtschaftsverbände an Bundeskanzler

Friedrich Merz sowie mehrere Bundes -

minister gewandt: Sie sehen den Batteriestandort

und somit auch das

Batterieöko system in Deutschland und

Europa in Gefahr. Das Kompetenznetzwerk

Lithium-Ionen-Batterien KLIB, der

Verband der Chemischen Industrie VCI,

der Verband der Automobilindustrie VDA,

der VDMA sowie der ZVEI warnen in dem

Papier, dass die Weiterentwicklung des

bislang in seinen Anfängen stehenden

Batterieökosystems zum Erliegen zu kommen

drohe.

Die fünf Verbände haben nun einen

gemeinsamen Acht-Punkte-Plan vorgelegt.

Er umfasst Vorschläge für bessere

Bedingungen am Standort Deutschland

und Europa, wie eine gemeinsame und

langfristige Strategie auf deutschem und

europäischem Level oder auch Klarheit

und Verbindlichkeit. Ferner seien aber

auch ein gesamtheitliches Verständnis

der Batterielieferkette wichtig, bessere

Standort– und faire Wettbewerbsbedingungen,

ein gemeinsames Risk-Sharing,

die Sicherung von Rohstoffen, aber auch

die Förderung von Forschung und Entwicklung.

Das Konsortium begrüßt zwar die neue

Hightech-Agenda der Bundesregierung,

die die Batterieforschung deutlich stärkt.

Doch es fehle eine gemeinsame, langfristig

von Politik und Industrie getragene

Strategie zur Industrialisierung der Batterietechnologie

und zum Aufbau eines

wettbewerbsfähigen Batterieökosystems.

Ein solches Batterieökosystem könnte das

dringend benötigte Wachstumspotenzial

erzeugen: Bis 2030 wird für Lithium-

Ionen-Batterien ein globaler Markt von

rund 155 Mrd. Euro erwartet, davon etwa

54 Mrd. Euro in Europa.

Insolvenzen, die Aufgabe von Geschäftsaktivitäten

im Batterieumfeld und auch

der Rückzug aus geförderten Projekten

nähmen zu. Diese besorgniserregende

Entwicklung verstärke die Abhängigkeit

von außereuropäischem Batteriematerial

und Batteriezellfertigern, heißt es in dem

Brief.

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Automatisierung

Schaltschranklose Automatisierungslösung Vario-X

ten. Der digitale Zwilling ermöglicht es,

die Maschine vor der Inbetriebnahme virtuell

zu testen und zu optimieren. Dank

des integrierten Condition Monitorings

kann der Zustand der Anlage kontinuierlich

überwacht und frühzeitig Maßnahmen

ergriffen werden, bevor es zu ungeplanten

Ausfällen kommt.

uKonn-X – Maschinen verbinden

leichtgemacht

Automatisierungssysteme werden immer

intelligenter und leistungsfähiger, aber

auch immer komplexer. Dies erhöht die

Wahrscheinlichkeit von Fehlern beim Einbau

und Anschluss von Maschinenkomponenten.

uKonn-X führt wie ein Pilot

den Nutzer Schritt für Schritt und leicht

verständlich auch durch komplexe Installationen

oder Inbetriebnahmen – einfach,

sicher und robust. uKonn-X verkörpert

den „nahtlosen“ Ansatz und verbindet alle

Schritte entlang des Produktentstehungsprozesses.

Industrieanzeiger 15 | 2025

Titelinterview

Dr. Ulrich Viethen, Geschäftsführer

von Murrelektronik im Interview

» Seite 18

Smart Factory

Neues und Innovatives

aus der Welt der vernetzten

Fabrik in der Praxis

» Seite 35

Fachmesse SPS

In Nürnberg trifft sich die

Automatisierungsbranche

» Seite 25

Fachmesse Formnext

Special zur Leitmesse für

additive Fertigung

» Seite 73

Wissen für Entscheider in der Produktion

11.11.2025 Ausgabe 15 | 2025 www.industrieanzeiger.de

Interview

Globaler Wettbewerb, Dekarbonisierung

und Digitalisierung stellen wachsende

Anforderungen an eine zukunftsfähige

Produktion. Eine entscheidende Rolle

spielen dabei performante Konnektivitätslösungen

für die Übertragung von

Strom, Daten und Signalen und dezentrale

Automationslösungen, die der Schlüssel

für mehr Energieeffizienz und Nachhaltigkeit

sind.

Die Automatisierungsplattform Vario-X

Mit Vario-X setzt Murrelektronik neue

Maßstäbe in puncto Energieeffizienz, Flexibilität

und Zukunftssicherheit. Vario-X

ermöglicht die dezentrale Installation ohne

Schaltschrank – Cabinet-Free. Dank

des modularen und selbstkonfigurierbaren

Aufbaus können je nach Bedarf Komponenten

hinzugefügt oder ausgetauscht

– einfach und ohne lange Stillstandzei-

Nicola Leibinger-Kammüller,

Vorstandsvorsitzende

von

Trumpf, im

Gespräch

» Seite 14

Bild: Murrelektronik

12 Industrieanzeiger » 15 | 2025


Digitalisierung

Neue Online-Plattform sorgt für Übersicht

Ab sofort bündelt der Digitalverband

Bitkom Fragen zur Digitalisierung in

Deutschland auf einer neuen Online-

Plattform: dem Bitkom-Dataverse – frei

zugänglich und transparent. Damit entsteht

das größte Online-Portal mit Zahlen

und Statistiken zum digitalen Deutschland,

das kostenlos verfügbar ist.

Zu den Themen gehören Fragen zur

künstlichen Intelligenz, zum kontaktlosen

Bezahlen, zur Cybersicherheit in Deutschland

oder auch zum Nutzungsverhalten

von Kindern und Jugendlichen.

Zum Start stehen mehr als 11 Mio. Datenpunkte

zu unterschiedlichen Digital -

themen aus den vergangenen vier Jahren

bereit. Sie basieren auf mehr als 100.000

Einzelinterviews, unter anderem mit

Bürgern in Deutschland oder Vertretern

von Unternehmen.

Mit dem Bitkom-Dataverse entsteht das

größte Online-Portal mit Zahlen und

Statistiken zum digitalen Deutschland,

das kostenlos verfügbar ist.

Seit Jahren schon vermisst der Verband

das digitale Deutschland in vielen seiner

Facetten. „Nun öffnen wir diesen Datenpool

für die Allgemeinheit“, sagt Bitkom-

Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Das

Bitkom-Dataverse bietet aktuelle Daten

für alle Interessierten – ganz gleich ob

aus Politik oder Wirtschaft, aus NGOs

oder Wissenschaft, aus Schüler- oder

Lehrerschaft.“

Der Digitalverband führt jedes Jahr mehr

als 50 Studien und repräsentative Befragungen

in der deutschen Bevölkerung

durch. Dabei werden nicht nur Unternehmen

befragt, sondern auch spezielle

gesellschaft liche Gruppen wie Senioren

und Jugendliche, Eltern, Lehrkräfte oder

Ärzte. Die wichtigsten Studien aus diesem

und den vergangenen Jahren wurden für

den Datenpool aufbereitet.

Das Dataverse des Branchenverbands

wird permanent weiter ausgebaut und

soll auf diese Weise künftig die Entwicklung

des digitalen Deutschlands auch im

Zeitverlauf nachvollziehbar machen. Die

gesammelten und aufbereiteten Daten

lassen sich dabei nach unterschiedlichen

Kriterien wie Altersgruppen oder Unternehmensgrößen

filtern und die Ergebnisse

für eigene Berechnungen oder etwa

Präsentationen in den gängigen Formaten

exportieren.

Bild: Nayyab/stock.adobe.com (generiert mit KI)

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Industrieanzeiger » 15 | 2025 13


MANAGEMENT » Interview

Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende des Vorstands von Trumpf, im exklusiven Gespräch

„Die Unabhängigkeit gibt uns die Kraft,

lange durchzuhalten“

Die Lage im Maschinenbau ist angespannt: geopolitische Unsicherheiten, schwache Konjunktur,

hohe Standortkosten. Trumpf spürt die Folgen deutlich – und setzt dennoch auf Optimismus

und Eigenständigkeit. Im Gespräch mit dem Industrieanzeiger erklärt Nicola Leibinger-

Kammüller, Vorsitzende des Vorstands, warum die Unabhängigkeit als Familienunternehmen

ein entscheidender Vorteil ist, weshalb sie den Einstieg in das Rüstungsgeschäft als

staatsbürgerliche Pflicht sieht und was ihr trotz aller Herausforderungen Hoffnung gibt.

» Alexander Gölz, Chefredakteur Industrieanzeiger

Bild: Trumpf

Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende des Vorstands des Maschinenbauers und Familienunternehmens Trumpf aus Ditzingen in Baden-Württemberg.

14 Industrieanzeiger » 15 | 2025


Bild: Trumpf

Nach verschiedenen Zwischenstationen im Unternehmen übernahm Nicola Leibinger-Kammüller 2005

von ihrem Vater Berthold Leibinger die Geschäftsführung bei Trumpf.

Frau Leibinger-Kammüller, was treibt Sie

morgens an, wenn Sie ins Büro kommen?

Ganz einfach: Ich arbeite gerne. Das

macht mir Freude, auch wenn es gerade

sehr herausfordernd ist. Aber gerade dann

ist es interessant, sich tief in Themen einzuarbeiten

und gemeinsam Lösungen zu

entwickeln. Und dann sind es die Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter: so viele fleißige,

loyale Menschen, die sich

Gedanken machen und sich mit

Leidenschaft für das Unternehmen

einsetzen. Das motiviert

mich. Ihnen schulde ich es auch,

dass ich mit anpacke. Natürlich

bringt eine Vorstandstätigkeit

viele Routineaufgaben mit sich. Aber zugleich

ist es eine spannende Rolle, die die

gesamte Breite umfasst – von strategischen

Entscheidungen bis hin zu ganz alltäglichen

Fragen, die in einem Familienunternehmen

ebenfalls Gewicht haben.

Werfen Sie auch regelmäßig einen Blick

in die Fertigung?

Ja, das ist mir sehr wichtig. Ich mache

Abteilungsbesuche und gehe regelmäßig

durch die Produktion, im In- und Ausland.

Dort komme ich den Mitarbeitern nahe,

höre, was gut läuft, aber auch, was nicht

funktioniert. Ohne dass ich gezielt nachfrage,

entsteht dabei ein sehr direkter

Austausch.

Gab es Momente, in denen Sie besonders

gespürt haben, warum es sich

lohnt, Verantwortung zu tragen?

Es sind viele kleine Momente: wenn eine

neue Maschine fertig ist, eine Messe erfolgreich

verläuft oder die Augen der Mitarbeiter

leuchten. Wenn wir eine neue

Halle eröffnen, eine Tochtergesellschaft

gründen oder sehen, wie sich Kolleginnen

und Kollegen über ihre Trumpf-Karriere

hinweg entwickeln. Das sind Augenblicke,

die mich stolz machen. Und ja, manchmal

» Macht ist nichts Negatives – man

kann sie nutzen, um die richtigen

Veränderungen anzustoßen. «

sind es auch Momente, in denen man

Entscheidungen durchsetzt und Dinge ins

Rollen bringt. Macht ist nichts Negatives

– man kann sie nutzen, um die richtigen

Veränderungen anzustoßen.

Trumpf hat für das Geschäftsjahr

2024/25 einen Umsatzrückgang von

rund 16 Prozent gemeldet, auch der

Auftragseingang liegt niedriger. Wie

schätzen Sie die Lage ein?

Wir gehen davon aus, dass es nicht weiter

bergab geht. Es gibt äußerst vorsichtige

Anzeichen einer Erholung, ohne dass man

von einem Ende der Krise sprechen kann.

Nach drei Jahren Flaute müssen auch unsere

Kunden ihre Investitionen wieder

nachjustieren. Gleichzeitig ist die Lage

global bedrückend: die geopolitischen

Konflikte, die Unsicherheit in den USA,

hohe Zölle, die uns belasten – und die

Schwächen am Standort Deutschland.

Energiepreise, Steuerlast, Infrastruktur,

Bürokratie, die Liste ist lang. Ich erlebe

das in dieser Massivität zum ersten Mal.

Aber: schwierig heißt nicht unlösbar. Wir

haben in Deutschland eine starke Industrie,

gute Forschung und eine durchaus

arbeitswillige Bevölkerung. Doch jetzt

braucht es beherzte Reformen. Sonst

droht ein politischer und wirtschaftlicher

Schaden, den wir uns nicht leisten dürfen.

Welche Märkte und Geschäftsbereiche

sehen Sie aktuell als Wachstumstreiber?

Grundsätzlich alle. Unser Markt ist die

Welt. Besonders wichtig bleiben die USA

und China. Rückzüge sind dort keine

Option. Großes Potenzial sehe ich im

Werkzeugmaschinenbereich mit unseren

Smart Factories, in der Laser- und Halbleitertechnik

sowie im Servicegeschäft –

hier lautet das Stichwort Predictive

Maintenance und KI-gestützte Anwendungen.

Auch hier haben wir uns einen

Vorsprung erarbeitet, gerade weil uns die

Kunden vertrauen.

Im Sommer haben Sie verkündet,

rund 350 Millionen Euro

eingespart zu haben. Wie ist

das gelungen?

Wir haben sehr früh Szenarien

durchgerechnet und dann Investitionen

zurückgestellt, Sachausgaben

reduziert und Reisekosten gesenkt. Dann

gab es temporäre Arbeitszeitverkürzungen

mit Gehaltsanpassungen und

schließlich auch Personalabbau. Von rund

1000 Stellen in der Gruppe wurden viele

über Altersteilzeit oder Vorruhestandsregelungen

gelöst, dazu kamen großzügige

Abfindungen. Wichtig war uns, junge

Leute im Unternehmen zu halten.

Welche Erwartungen hatten Sie an die

Bundesregierung – und wie fällt Ihr

Zwischenfazit aus?

Außenpolitisch ist vieles richtig gemacht

worden. Aber innenpolitisch liegen enorme

Baustellen vor uns: Arbeitsmarkt,

Bildung, Steuer- und Standortbedingungen.

Hier muss dringend mehr passieren.

Integration ist ebenfalls ein Schlüsselthema:

Wer hier lebt, muss Deutsch lernen

Industrieanzeiger » 15 | 2025 15


MANAGEMENT » Interview

Bild: Trumpf

und arbeiten können. Alles andere führt

zu Frustration – und spielt extremistischen

Kräften in die Hände.

Welche Unterstützung benötigt der

Mittelstand, um wieder auf die Erfolgsspur

zu kommen?

Mehr unternehmerische Freiheit. Weniger

Bürokratie, weniger Überregulierung und

steuerliche Entlastungen. Heute verlieren

viele Familienunternehmer die Lust, weil

es so mühsam geworden ist. Manche

überlegen, ob sie das ihren Kindern überhaupt

noch zumuten können. Das ist

brandgefährlich.

Immer mehr Familienunternehmen verlagern

Teile ihrer Produktion ins Ausland.

Wie schätzen Sie diese Entwicklung

ein?

Sie ist Realität, wenn auch schleichend.

Bosch, Siemens, viele andere – Stellen

werden verlagert oder kleinere Werke

geschlossen. Das geht am Ende auch

zulasten ganzer Regionen. Es ist kein

Massenexodus, aber eine Entwicklung, die

wir sehr ernst nehmen müssen.

Welche Vorteile und Herausforderungen

sehen Sie darin, dass Trumpf unabhängig

von Finanzinvestoren ist?

Die Unabhängigkeit ist uns extrem wichtig.

Wir können langfristiger denken, Risiken

Klare Meinung zu

Wirtschaft und Politik:

„Innenpolitisch liegen

enorme Baustellen vor

uns: Arbeitsmarkt,

Bildung , Steuer- und

Standortbedingungen.

Hier muss dringend

mehr passieren“, sagt

Nicola Leibinger-

Kammüller.

eingehen und schwierige Jahre überstehen

– weil die Firma einer Familie gehört.

Finanzinvestoren verlangen schnelle Rendite.

Als Familienunternehmen können wir

dagegen Investitionen vorfinanzieren, Mitarbeiter

auch in schwachen Jahren halten

und nachhaltige Entscheidungen treffen.

Wir können schnell handeln, ohne von externen

Interessen gebremst zu werden.

Welche Haltung haben Sie zum Zollstreit

zwischen den USA und der EU?

Zölle sind ein Übel. Sie verteuern Waren,

behindern den Handel und schwächen

langfristig die Wettbewerbsfähigkeit –

auch des Landes, das sie einführt. Für uns

ist das ein massiver Faktor: Bei der Lieferung

von Maschinenrahmen aus Mexiko

in die USA unterliegen diese Zöllen von

50 Prozent. Zusätzlich kommen Abgaben

auf Stahl und Aluminium. Eine Maschine

kann dadurch um bis zu 500.000 Euro

teurer werden – das lässt sich nicht auf

den Kunden abwälzen. Natürlich haben

wir Vorräte in den USA angelegt, solange

es ging. Aber das macht uns schlicht teurer.

Unsere Mitarbeiter dort sind verun -

sichert, der Auftragseingang ist schwach.

Und doch bin ich überzeugt, dass viele in

der Produktion wieder Trump wählen

werden – auch wenn sie selbst die negativen

Folgen spüren. Das ist eine para -

doxe, aber sehr reale Stimmung.

Trumpf steigt nach langen Überlegungen

in das Rüstungsgeschäft ein und

arbeitet künftig mit Rohde & Schwarz

bei der Entwicklung von Drohnen -

abwehr-Lösungen zusammen. Wie kam

es zu dieser Entscheidung?

Wir tun das nicht aus Renditegründen,

sondern aus staatsbürgerlicher Verantwortung.

Europa muss sich verteidigen

können. Wenn wir mit unserer Lasertechnologie

einen Beitrag zur Drohnenabwehr

leisten können, ist das unsere Pflicht. Der

Entscheidungsprozess war intensiv. In der

Familie hatten wir das Thema lange ausgeschlossen,

unsere Kinder waren immer

dagegen. Aber die Welt hat sich verändert.

Wir haben gemeinsam klargestellt:

Es geht ausschließlich um Defensiv -

waffen. Damit konnten auch die jüngeren

Familienmitglieder zustimmen. Auch im

Unternehmen fand ein Stimmungswandel

statt. Früher waren viele froh, dass wir

nicht in diesem Bereich tätig waren. Heute

sagen gerade jüngere Kolleginnen und

Kollegen: Wenn wir mit unserer Technologie

helfen können, müssen wir das tun.

Was gibt Ihnen Hoffnung, dass es

wirtschaftlich in Deutschland wieder

aufwärts geht?

Erstens: Es geht nie nur nach unten. Und

zweitens: Es gibt erste kleine Anzeichen

einer Besserung. Und drittens schöpfe ich

Hoffnung aus der Innovationskraft von

Trumpf. Uns fallen immer Dinge ein, die

anderen nicht einfallen – und das begeistert

unsere Kunden. Außerdem habe ich

den Grundoptimismus, den Unternehmer

brauchen. Ich hoffe, dass die Vernünftigen

in der Politik irgendwann den Kurs

bestimmen und die notwendigen Reformen

anpacken.

Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken,

gibt es ein Highlight, das besonders

herausragt?

Die 100-Jahr-Feier von Trumpf. Wir

hatten eine große Kundenveranstaltung,

ein weltweites Mitarbeiterfest und hier in

Ditzingen 5000 Menschen bei einem

Konzert der Fantastischen Vier. Strahlender

Sonnenschein, eine unglaubliche

Stimmung – ein echtes Wir-Gefühl. Das

werde ich nie vergessen.

16 Industrieanzeiger » 15 | 2025


| TC04G |

Maschinelles Lernen für alle

Bereiche der Automatisierung

TwinCAT Machine Learning: KI einfach integriert in die Steuerungsebene

KI-Modelle als Funktionsbaustein in der SPS: KI als Bestandteil des Steuerungscodes

Ausführung in Echtzeit auf dem Standard-Steuerungs-IPC:

synchron zu Motion, Ablauflogik, Vision, …

Beschleunigung komplexer KI-Modelle:

Beckhoff IPC mit NVIDIA GPU und Interface aus der SPS

automatisiertes Training von KI-Modellen: KI-Modellerstellung ohne KI-Expertenwissen

offene Schnittstelle für trainierte KI-Modelle (ONNX): Interoperabilität trainierter KI

Verwaltung des Lebenszyklus von KI-Modellen:

Modell-Update ohne kompilieren, Stop und Restart

Halle 7, Stand 406

Scannen und

alles über

maschinelles

Lernen erfahren

Industrieanzeiger » 15 | 2025 17


TITELSTORY » Interview

Dr. Ulrich Viethen, Geschäftsführer von Murrelektronik, über Herausforderungen und Chancen

„Wir verfolgen profitables Wachstum“

Dr. Ulrich Viethen, CEO von Murrelektronik, spricht im Titelinterview über Systemdenken statt

Einzelkomponenten, digitale Zwillinge, neue Wachstumsfelder und darüber, warum die dezentrale

und elektrische Installation ein Schlüssel zur Zukunft der industriellen Automatisierung ist.

» Alexander Gölz, Chefredakteur Industrieanzeiger

elektronik einmal gesagt, dass er verstanden

hat, dass wir die Entmystifizierung

der elektrischen Automatisierungs- und

Installationstechnik zum Ziel haben. Ich

finde dieser Satz trifft die allermeisten

unserer Ambitionen. Unser Ziel ist es, in

Zeiten immer höherer Ansprüche an die

Effizienz des Kapitaleinsatzes, die Lieferperformance

und dem Mangel an Fachkräften

einen Beitrag dazu zu leisten,

dass Maschinen zu entwickeln und zu

bauen auf Topniveau möglich bleibt. Unser

dezentrales Installationssystem

Vario-X und die einzigartige KI-gestützte

digitale Topologieplanungs- und Installationsunterstützung

für die schaltschranklose

Feldinstallation sind unser Beitrag

zur signifikanten Verbesserung der Kostenstruktur

im Maschinenbau. Ohne

Kompromisse auf der Automatisierungsseite.

Leistungsstark, flexibel und nachrüstbar.

Wir setzen konsequent auf standardisierte

Schnittstellen und die Weiterentwicklung

des Steckverbinders. An

praktischen Verbesserungen, an Markierungssystemen,

an jeder denkbaren Detaillösung

für mehr Energieeffizienz, Leistung

und fehlerfreies Handling. Steckverbinder

sind die Schlüsselkomponente zur

Übertragung der Lebensadern einer jeden

Maschine: Signale, Daten und Strom.

Dr. Ulrich Viethen, Geschäftsführer von Murrelektronik aus

Oppenweiler bei Stuttgart im Gespräch.

Herr Dr. Viethen, wie ist Murrelektronik

strategisch aufgestellt? Welche Stoßrichtung

verfolgen Sie in puncto Internationalisierung,

Technologie, Fokus

und Produktentwicklung?

Bild: Murrelektronik

Murrelektronik ist, nicht zuletzt aufgrund

unserer global tätigen Kunden, auf der

ganzen Welt zuhause. Einer unserer Kunden

hat mir nach einem längeren

Gespräch über die Strategie von Murr-

Was bedeutet das konkret für Ihre

Innovationsstrategie?

Wir verfolgen zwei zentrale Denkrichtungen.

Erstens investieren wir stark in den

Bereich der Feldinstallation – also Lösungen,

die im Bereich IP54 bis IP67 robust,

praktisch und zuverlässig funktionieren.

Sie kommen etwa in der Intralogistik, im

Werkzeugmaschinenbau, in der Automobilindustrie

oder in der Energiewirtschaft

18 Industrieanzeiger » 15 | 2025


zum Einsatz. Zweitens koppeln wir unsere

Hardware konsequent mit der digitalen

Welt – insbesondere durch den Einsatz

digitaler Zwillinge. Zwei strategische

Leitplanken beschreiben das gut: unsere

Vario-X- und uKonn-X-Strategien. Während

Vario-X für durchgängige und dezentrale

Automatisierungslösungen im

Feld steht, bildet uKonn-X den digitalen

Zwilling der elektrischen Installation ab.

Mit ukonn-X haben wir einen digitalen

Lotsen, der den Nutzer Schritt für Schritt

und leicht verständlich durch komplexe

Installationen oder Inbetriebnahmen

führt. Denn darum geht es; die Komplexität

in der physischen Welt durch digitale

Intelligenz beherrschbar zu machen.

Welche Potenziale eröffnet das für Ihre

Internationalisierung?

Sehr große. Denn wenn ich mit digitalen

Werkzeugen wie einem digitalen Installationsplan

arbeite, dann kann ich beim

Aufbau einer Maschine beim Kunden –

zum Beispiel nach einem Transport nach

Indonesien – exakt nachvollziehen, ob die

Installation genauso wiederhergestellt

wurde, wie sie bei der Abnahme im Werk

war. Im Zweifelsfall kann ich sogar remote

eingreifen und in der Steuerung die

Portbelegung anpassen. Das ist eine neue

Form von Robustheit und Sicherheit. Internationalisierung

wird damit skalierbar.

In Europa und Nordamerika sind wir bereits

stark vertreten. In den Americas

bauen wir derzeit weitere logistische und

produktionsnahe Strukturen auf. In Asien

sind wir in China gut etabliert, aber wir

erschließen gerade auch weitere Länder

in Asien. Besonders spannend finde ich

unsere neue Niederlassung in Saudi-Arabien.

Dort erleben wir hautnah, wie sich

ein Land industrialisiert – mit großem Interesse

an effizienten Lösungen und einem

echten Bedarf an unserem Know-how.

Bild: Murrelektronik

Mit zukunftsweisenden Technologien und einem umfangreichen Know-how hat Murrelektronik für

nahezu alle Branchen die richtigen Automatisierungslösungen.

Viele Unternehmen stehen unter Druck

– geopolitisch wie kostengetrieben. Wie

resilient ist Murrelektronik aufgestellt?

Zunächst eine grundsätzliche Bemerkung:

Ich bin fest davon überzeugt, dass jetzt

der richtige Zeitpunkt ist, um wieder zu

investieren. Wir können die Welt nicht

allein durch politische Gespräche verändern

– Veränderung geschieht durch wirtschaftliche,

vor allem unternehmerische

Aktivität. Es braucht eine Rückkehr zu unternehmerischer

Offensive, mit Selbstvertrauen

und einem klaren Bekenntnis zu

dem, was wir können. Gepaart mit einer

eindeutigen Anpassung der regulatorischen

und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.

Dazu gehört auch ein

neues Vertrauen in Unternehmer. Ich

glaube, es gab in den letzten Jahren Phasen,

in denen die öffentliche Wahrnehmung

von Geschäftsführern gelitten hat.

Dabei wollen wir keine Regeln brechen –

im Gegenteil, wir wollen innerhalb der

Regeln erfolgreich sein. Erfolg entsteht,

weil man anderen etwas anbietet, was sie

weiterbringt. Unsere Resilienz basiert auf

zwei Säulen: Zum einen haben wir ein

Produktportfolio, das durch seine Normierung

und Standardisierung relativ unabhängig

von Meinungen oder Moden

funktioniert – es trägt sich langfristig.

Zum anderen haben wir unsere Produktionslogistik

weltweit so aufgestellt, dass

wir in jeder Region erfolgreich bleiben

oder sogar ausbauen können. Wir verfolgen

bewusst profitables Wachstum –

nicht Wachstum um jeden Preis. Wenn

die Welt mehr Menschen ernähren muss,

wenn ökonomische Rahmenbedingungen

enger werden, dann braucht es Automatisierung.

Und das macht unseren

Geschäftszweck an sich zu einem robusten,

zukunftsfähigen Modell.

Wo sehen Sie aktuell die größten

Wachstumsfelder für Murrelektronik?

Das wichtigste Wachstumsfeld ist für uns

eindeutig die Feldinstallation – also die

dezentrale elektrische Installation direkt

an und in der Maschine. Dieses Thema

bearbeiten wir mit aller Kraft, und zwar

gemeinsam mit unseren Kunden. Denn

echte Innovation entsteht nicht allein am

Reißbrett, sondern im engen Austausch

mit dem Anwender. Nur wenn wir wirklich

verstehen, was unsere Kunden als

Herausforderung oder als Mehrwert

empfinden, können wir die passenden

Lösungen entwickeln. Zuhören allein

reicht nicht – wir entwickeln aktiv mit

unseren Kunden zusammen. Das ist eine

unserer Kernkompetenzen. Ein zweiter

großer Wachstumsbereich ist für uns die

digitale Seite – insbesondere der digitale

Zwilling als Geschäftskern. Wir wollen

diese digitalen Fähigkeiten nicht nur

intern weiterentwickeln, sondern auch

aktiv in der Industrie etablieren. Es ist aus

unserer Sicht nicht zielführend, eine

monopolistische Struktur anzustreben. Im

Gegenteil: Wir setzen bewusst auf Partnerschaft

und Kooperation. Nur so gelingt

es, ein ganzheitliches digitales Abbild seiner

Anlage für den Kunden zu schaffen.

Industrieanzeiger » 15 | 2025 19


» MANAGEMENT

Serie Recht: Chancen und Risiken beim Einsatz von KI-Agenten in Unternehmen

Die virtuellen Kollegen sind da

Während viele Unternehmen noch den Einsatz von Chatbots und automatisierten

Textgeneratoren testen, steht mit den sogenannten KI-Agenten bereits der nächste

große Schritt in der KI-Entwicklung in den Startlöchern. Die Erwartungen an

Effizienzsteigerungen sind enorm. Doch wie sind KI-Agenten rechtlich einzuordnen?

Welche Risiken bestehen und worauf sollten Unternehmen achten?

» Dr. Jörg Kahler, Rechtsanwalt und Partner bei GSK Stockmann

Beim Einsatz von KI-Agenten sollte

darauf geachtet werden, dass diese

nicht „unwissentlich“ Urheberrechtsverletzungen

begehen.

Bild: Sansert/stock.adobe.com

nung allerdings sehr weit und techno -

logieoffen gefasst ist, sind KI-Agenten

grundsätzlich vom Anwendungsbereich

der Verordnung miterfasst.

Die KI-Verordnung der EU regelt allgemein

die sichere, ethisch akzeptable und

vertrauenswürdige Entwicklung und Nutzung

von KI-Systemen und etabliert einen

risikobasierten Ansatz. Sie verbietet KI-

Anwendungen mit inakzeptablem Risiko,

z.B. biometrische Überwachung oder kritische

Infrastruktur, stellt strenge Anforderungen

an Hochrisikosysteme und verpflichtet

zu hinreichender Transparenz

und Dokumentation bei KI-Systemen mit

begrenztem Risiko. Die konkrete Einstufung

wird sich nach dem Einsatzbereich

eines KI-Agenten und dem damit verbundenen

Risiko richten. Ganz allgemein

Als KI-Agenten werden autonome

Softwaresysteme bezeichnet, die

mithilfe von künstlicher Intelligenz Ziele

in einer Umgebung wahrnehmen, eigenständig

Entscheidungen treffen und Aktionen

ausführen. Die KI-Agenten basieren

typischerweise auf großen Sprachmodellen

(LLMs) wie GPT-5, die quasi als

„Gehirn“ dienen. Darüber hinaus gibt es

spezialisierte Modelle wie Large Action

Models (LAMs), die nicht nur Sprache verarbeiten,

sondern auch direkt mit GUIs

(Graphical User Interface) interagieren

können.

KI-Agenten sind rechtlich nicht spezifisch

geregelt. Auch in der EU-KI-Verordnung

(AI Act) findet sich keine ausdrückliche

Bezugnahme „KI-Agent“. Da die Definition

eines KI-Systems in der Verordwerden

KI-Agenten in der Regel als „KI-

Modell mit allgemeinem Verwendungszweck“

(General Purpose AI) mit einzustufen

sein. Dies wird in der Praxis zu

nicht unerheblichen Transparenz-, Risikomanagement-

sowie Dokumentationspflichten

führen.

Je unabhängiger KI-Agenten agieren,

desto komplexere Haftungsfragen stellen

sich. Wer ist verantwortlich für einen

Fehler, der auf den Einsatz eines KI-Agenten

zurückzuführen ist, für abgeschlossene

Verträge oder für verursachte Schäden?

Zieht man das geltende Recht im

Bereich Software zum Vergleich heran, so

wird die Haftung derjenigen Person zu -

zurechnen sein, die sie bewusst einsetzt,

also typischerweise das Unternehmen

oder eine natürliche Person, das den KI-

Agenten initiiert hat. Dies wird vor allem

für Vertragsabschlüsse und -erfüllungen

gelten, z. B. wenn ein KI-Agent autonom

einen Auftrag abgibt oder bestätigt oder

eine Zahlung autorisiert. Da zukünftig

mit beidseitigen Agenteninteraktionen zu

rechnen ist, wird es auf elektronische

Interaktionsprotokolle ankommen, um

nachzuvollziehen, wer eine Willenserklärung

abgegeben hat und wer in welcher

Weise eine Vertrags- oder Auftragsannahme

erklärt hat und mithin dafür haftbar

ist.

Beim Einsatz von KI-Agenten sollte

darauf geachtet werden, dass diese nicht

„unwissentlich“ Urheberrechtsverletzun-

20 Industrieanzeiger » 15 | 2025


gen begehen, so z. B. wenn die Agenten

bei ihrer Arbeit vorhandene urheberrechtlich

geschützte Texte oder Bilder verwenden.

Dies könnte als verbotene Vervielfältigung

(§ 16 UrhG) oder Bearbeitung (§

23 UrhG) angesehen werden. Die neue

gesetzliche Ausnahme für Text- und Data-Mining

(§ 44b UrhG) erlaubt die Nutzung

geschützter Werke für das KI-Training

bis zu einem gewissen Grad; allerdings

nur, wenn der Rechtsinhaber sich

diese nicht vorbehalten

hat. Insoweit sollte immer

ein etwaiges Opt-out des

Rechteinhabers geprüft

werden. Insgesamt sollten

Unternehmen Inhaltsfilter

hinzufügen und Lizenzketten

überprüfen, bevor

sie urheberrechtlich relevante

Werke veröffentlichen

oder für geschäftliche

Zwecke verwenden

bzw. von ihren KI-Agenten

verwenden lassen.

Wenn KI-Agenten nicht

nur Texte generieren, sondern

direkt Handlungen

vornehmen – etwa Zahlungen

auslösen oder Systeme

steuern – sollten sie

in die handelsrechtlichen

Aufbewahrungspflichten

gemäß § 257 HGB mit

einbezogen werden. Unternehmen

sollten dann

auch Kontrollen für den

Betrieb sowie den Nachweis

der Funktionsweise,

Sicherheit und Rückverfolgbarkeit

von KI-Agenten

einrichten. Regelmäßige

Überprüfungen, Audits

und Kontrollen sind

ein Muss, insbesondere

wenn sie in sensiblen

Funktionsbereichen wie

Finanzen oder dem Personalwesen

eingesetzt werden.

Fazit

Der Einsatz von KI-Agenten

hat ein enormes

Innovationspotenzial für

Unternehmen, Dinge mit größerer Automatisierung

und Effizienz zu erledigen. Er

ist jedoch mit komplexen rechtlichen

Anforderungen verbunden. Unternehmen

sollten vor dem Einsatz von KI-Agenten

eine sorgfältige Risikoanalyse und Klassifizierung

nach der EU-KI-Verordnung vornehmen,

interne Prozesse und Entscheidungswege

nachvollziehbar gestalten

und dokumentieren sowie Verantwortlichkeiten

definieren. Die Einhaltung der

Pure

motion.

Powerful

integration.

Lenze bringt Bewegung auf ein neues Level.

Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit unseren Motion-Lösungen Ihre

Maschinen intelligenter vernetzen, dynamischer bewegen und

wirtschaftlicher betreiben. Erleben Sie unser hocheffizientes

Motor Drive System IE5/IE6 sowie unsere leistungsstarken

Servoumrichter i950 multi drive und vieles mehr.

Treffen Sie unsere Experten persönlich und entdecken Sie die

vielfältigen Einsatzmöglichkeiten.

regulatorischen Vorgaben ist nicht nur

eine rechtliche Pflicht, sondern auch ein

entscheidender Faktor für das Vertrauen

von Kunden, Geschäftspartnern und der

Öffentlichkeit in KI-basierte Lösungen.

Angesichts der dynamischen Entwicklung

der Gesetzgebung und Rechtsprechung

empfiehlt sich zudem eine kontinuierliche

Überprüfung und Anpassung der Compliance-Strategie

im Unternehmen.

SPS 2025

Halle 7

Stand 391

Neugierig geworden? Besuchen Sie uns auf der SPS 2025.

Industrieanzeiger » 15 | 2025 21


» MANAGEMENT

Modell simuliert digitalisierte Produktionsabläufe

Industrie 4.0 verstehen – und erproben

Betriebe, die Digitalisierung und Automatisierung an einem kompakten Modell ausprobieren

möchten, haben mit der Agile Production Simulation von Fischertechnik die Gelegenheit dazu.

Die Mini-Fabrik macht Prozesse wie FTS und KI-gestützte Qualitätskontrolle begreifbar.

Erhältlich ist das System beim Anbieter Conrad Electronic, der auch beratend zur Seite steht.

Das Traditionsunternehmen Conrad Electronic,

Distributor von Technik und Elektronik, macht

mittlerweile 80 % seines Umsatzes im B2B-Geschäft.

Ein besonders hoher Stellenwert kommt dabei der

Automatisierungsbranche zu: Mit einem umfassenden

und herstellerübergreifenden Sortiment, engen

Kontakten zu Herstellern sowie regelmäßiger Präsenz

auf Fachmessen positioniert sich Conrad als Partner

für Industriekunden im Bereich Automation.

Doch die Sourcing Plattform des Unternehmens

hat außer der Beschaffung von technischem Bedarf

noch weitere Schwerpunkte. Als Lösungsanbieter

unterstützt das Team von Conrad Geschäftskunden,

individuelle Projekte umzusetzen und innovative

Technologien zu implementieren. Ein Beispiel ist hier

etwa die Agile Production Simulation (APS) von

Fischertechnik, deren Vertrieb mit einer intensiver

Beratungsleistung verbunden ist. „In erster Linie

dient die APS der Ausbildung von Studierenden und

Azubis, insbesondere im Bereich Mechatronik“,

erklärt Wolfgang Lex, Head of Technical Sales bei

Conrad Electronic. „Im Grunde ist die APS aber für

alle Unternehmen interessant. Denn auch immer

mehr Digitalisierungsbeauftragte in Firmen ent -

decken die Vorzüge von Simulationsmodellen.“ Der

Grund: Die Themen Digitalisierung, Automatisierung

und künstliche Intelligenz sind in aller Munde. Mit

der APS können diese Technologien und Systeme

greifbar und verständlich gemacht werden – und das

auf allen Team- und Hierarchieebenen.

Zentrale Herausforderungen abbilden

Die APS von Fischertechnik bildet dabei die zentralen

Herausforderungen moderner Produktion ab: Produktindividualisierung

mit hoher Teilevielfalt und

Varianz, kürzere Produktionszyklen mit überlappenden

Abläufen, flexible Fertigung mit komplexen

internen Logistikprozessen sowie die steigende

Komplexität durch Vernetzung und Synchronisation

an sich. „Es ist in der Tat auch möglich, mit der APS

Prozesse zu simulieren, die Aufschluss und Vorher -

sagen und Rückschlüsse zu realen Abläufen in der

Ist Ihre Drahtkonfektionierung schon

automatisiert?

15-mal schneller. Vielfach effizienter.

Rezession, unsichere internationale Politik, wachsender Kostendruck, Fachkräftemangel – Die Herausforderungen für den

Steuerungs- und Schaltanlagenbau sind riesig. Wie kann Wachstum in der Krise gelingen? Mit Automatisierung! Mit dem

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22 Industrieanzeiger » 15 | 2025


Mit der Agile Production Simulation von Fischertechnik lassen sich komplexe Prozesse der Produktion abbilden und austesten.

Bild: Conrad Electronic

Fertigungspraxis ermöglichen. Einfach deshalb, weil

die eingesetzten Komponenten und Steuerungen so

hochprofessionell sind und dem Industriestandard

entsprechen“, betont Wolfgang Lex.

Realitätsnahe Simulation mit

Industriekomponenten

Die Anlage zeigt fünf verschiedene Stationen in der

Werkshalle, die über ein fahrerloses Transportsystem

(FTS) miteinander verbunden sind: Wareneingang,

Warenausgang, Hochregallager, Produktionsstationen

mit Fräs- und Bohrstation inklusive Fließband

sowie Qualitätssicherung mit KI-basierter Bilderkennung.

Das FTS-System ist dabei agil und fluide

einsetzbar – sogar fähig für Multitasking, mit der

Möglichkeit zur Priorisierung von Aufgaben.

Gesteuert wird die Anlage über fünf S7–1200

Steuerungen von Siemens, programmiert in strukturiertem

Text (ST), einer Programmiersprache, die

objektorientiertes Programmieren ermöglicht und in

Automatisieren Sie jetzt unter

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Industrieanzeiger » 15 | 2025 23


» MANAGEMENT

Zwillings virtuell nachvoll ziehen. Die gesamte Anlage

kann außerdem auch remote bedient werden – und

ist somit geeignet für hybrides Arbeiten oder auch

standortübergreifende Projektteams.

Bild: Fischertechnik

Das System ist auf der Sourcing Plattform von Conrad Electronic erhältlich. Die Plattform

unterstützt KMU bei der Beschaffung von technischem Betriebsbedarf.

Umfassende Unterstützung bei der

Implementierung des Systems

Die Komplexität der Agile Production Simulation

macht eine intensive Beratung und Betreuung bei

der Implementierung notwendig – Conrad ist als

Lösungsanbieter spezialisiert darauf. „Wir haben

immer mal wieder Produkte im Sortiment, bei denen

es mit dem reinen Verkaufen nicht getan ist“, erklärt

Lex. „Und weil wir bei Conrad nicht nur Distributor,

sondern in erster Linie Lösungsanbieter sein wollen,

ist es unsere Aufgabe, uns mit diesen Produkten so

intensiv zu beschäftigen, dass wir unsere Geschäftskunden

umfassend beraten können.“ Im Falle von

Wolfgang Lex ging das sogar so weit, dass er die APS

bei sich zuhause im Wohnzimmer aufgebaut hat, um

alle Funktionen zu testen. So lange, bis seine Frau

etwas dagegen hatte und ihren Mann freundlich,

aber bestimmt gebeten hat, seine Mini-Fabrik doch

bitte an einem anderen Ort zu errichten. (dak)

Bild: Fischertechnik

Die APS war ursprünglich für Studierende und Azubis konzipiert, wird aber auch gerne

von Unternehmen eingesetzt, um sich dem Thema Automation zu nähern.

der industriellen Praxis weit verbreitet ist. Die

Kommunikation in der gesamten Anlage wird mit

dem Industrie-Standardprotokoll OPC-UA gelöst,

während das fahrerlose Transportsystem nach dem

VDA 5050 Standard in MQTT Protokoll kommuniziert.

Modular erweitern, Prozesse optimieren

Besonders bei Prozessoptimierungen leistest die

Simulation Industriekunden einen nützlichen Dienst.

Mithilfe unterschiedlicher Steuerungen oder neuer

Sensoren lassen sich Änderungen abbilden, bevor sie

in der realen Produktion implementiert werden. „Die

APS ist kein Spielzeug, sondern es sind echte, auf

dem Markt befindliche Produkte integrierbar“, stellt

Wolfgang Lex klar.

Ein weiterer Vorteil: Das System ist erweiterbar. Im

Gegensatz zum Vorgängermodell können zusätzliche

Module hinzugefügt werden – beispielsweise eine

Stanzanlage statt einer Bohrstation. Zusätzlich

lassen sich die Prozesse mithilfe eines digitalen

Über das Unternehmen

Als international agierender Anbieter ist

Conrad Electronic in 17 Ländern Europas

präsent, von Deutschland, Frankreich,

Großbritannien und den Niederlanden bis

zu zahlreichen Ländern in Osteuropa.

Schritt für Schritt ent wickelte sich das

1923 gegründete und bis heute inhaber -

geführte Familienunter nehmen vom

Versender für Elektronik- Bauteile zu einer

Beschaffungsplattform für technischen

Bedarf. Der Fokus des Unternehmens liegt

dabei auf dem Geschäftskundenbereich.

Das Angebot umfasst über eine Mio.

Produkte, die über verschiedene Liefer -

optionen bereitgestellt werden. Neben der

Produktverfügbarkeit bietet Conrad auch

persönliche Beratung und diverse Services,

die auf die individuellen Kundenbedürf -

nisse zugeschnitten sind.

24 Industrieanzeiger » 15 | 2025


SPECIAL

» Fachmesse SPS

Vom 25. bis 27. November 2025 lädt die SPS – Smart Production

Solutions nach Nürnberg ein. In diesem Jahr rückt die Messe

insbesondere die digitale Transformation und industrielle KI weiter

in den Vordergrund.

Digitales, Innovationen

und Zukunftsförderung

» Seite 26

Energiemanagement,

Robotik und hohe

Drehmomente

» Seite 28

Verordnungskonforme

Kühlsysteme und ver -

netzte Kommunikation

» Seite 30

Bild: Mesago Messe Frankfurt GmbH / Arturo Rivas Gonzalez

Verschleißfreie Energieübertragung

und Distanzsensoren

» Seite 32

Retrofit-Konzepte und

smarte Systemtechnik

» Seite 34

Innovationen im Bereich Automatisierung, Digitalisierung und Robotik prägen das Bild

der SPS, auf der Hersteller ihre Lösungen für die Industrie von morgen vorstellen.

Industrieanzeiger » 15 | 2025 25


» MESSE SPS

Automatisierung zwischen Innovation und Praxis

Industrial AI, Digitalisierung und

Nachwuchsförderung prägen die SPS

Vom 25. bis 27. November 2025 öffnet das Messezentrum Nürnberg seine Tore und die

Automatisierungswelt steht erneut im Zeichen der SPS – Smart Production Solutions. Seit über

drei Jahrzehnten ist die Fachmesse zum Jahresende ein fester Treffpunkt für Hersteller,

Entwickler und Anwender. Auch 2025 präsentiert sie sich als internationaler Branchengipfel,

Trendbarometer und Schaufenster für technologische Innovationen.

» Hagen Wagner, Redakteur Industrieanzeiger

Das Messezentrum Nürnberg wird Ende November erneut zum internationalen Treffpunkt der Automatisierungsbranche – von Weltmarktführern bis hin zu

innovativen Start-ups ist hier alles vertreten.

Bild: Mesago Messe Frankfurt GmbH / Arturo Rivas

Bereits im Mai verzeichneten die Veranstalter

einen hohen Buchungsstand:

Zu diesem Zeitpunkt hatten sich

über 900 Aussteller registriert. Inzwischen

sind es rund 1.150 Unternehmen,

die sich in 15 Messehallen präsentieren

werden. Damit knüpft die SPS an die starke

Resonanz des Vorjahres an, als mehr

als 51.000 Besucher gezählt wurden. Mit

95 % der Vorjahresfläche, die bereits

frühzeitig vergeben wurden, ist die Messe

klar auf Erfolgskurs. Die SPS versteht sich

als Leitmesse für smarte und digitale

Automation. Sie vereint die gesamte

Bandbreite: von elektrischen Antrieben

und Steuerungstechnik über Softwarelösungen

bis hin zu Cloud- und KI-Anwendungen.

Unter den Ausstellern finden sich

namhafte Player der Branche: Siemens,

Beckhoff, Phoenix Contact, Bosch

Rexroth, SEW Eurodrive, Festo und Rockwell.

Ergänzt wird das Line-up durch

zahlreiche Start-ups und Newcomer, die

frische Ideen und disruptive Technologien

einbringen – und das in der aktuell

schwierigen Weltlage.

„Trotz und gerade wegen globaler und

wirtschaftlicher Herausforderungen ist

und bleibt die SPS die wichtigste Messe

für die Automatisierungsbranche. Sie ist

nicht nur eine Plattform für die Präsentation

neuester Technologien und Innovationen,

sondern auch zentraler Treffpunkt

für Experten und Entscheidungsträger,

um strategische Partnerschaften zu bilden

und Lösungen für aktuelle Herausforderungen

zu diskutieren. Die Messe fördert

den Austausch von Wissen und Erfahrungen,

was für die Weiterentwick-

26 Industrieanzeiger » 15 | 2025


Bild: Mesago Messe Frankfurt GmbH / Arturo Rivas Gonzalez

Von VR und KI über

digitale Zwillinge bis

zu neuen Sensorlö -

sungen: Fachbesucher

erhalten direkte

Einblicke in aktuelle

Entwicklungen und

Praxisanwendungen.

INVENTUR

LEICHT GEMACHT:

MIT UNSEREN

ZÄHLWAAGEN

lung und Anpassung der Branche an sich

wandelnde Marktbedingungen unerlässlich

ist“, erklärt Sylke Schulz-Metzner,

Vice President SPS und fügt hinzu: „Um

wirtschaftliche Herausforderungen zu

meistern, muss die Community zusammenhalten

und gemeinsam neue Ideen

und Ansätze entwickeln. Die SPS bietet

hierfür erneut eine ideale Plattform mit

einem informativen und inspirierenden

Rahmenprogramm.“

Industrial AI im Mittelpunkt

Ein zentrales Schwerpunktthema für das

Jahr 2025 ist der Einsatz von künstlicher

Intelligenz in der Fertigungstechnik. Ob

vorausschauende Wartung, adaptive

Steuerung, Qualitätskontrolle oder Engineering-Unterstützung:

KI hält zunehmend

Einzug in Produkte und Prozesse.

„Industrial AI ist längst kein Zukunftsthema

mehr – es ist bereits Realität in vielen

Produktionsumgebungen. Auf der SPS

2025 zeigen unsere Aussteller, wie KI

heute schon konkret eingesetzt wird und

welche Potenziale die Technologie in

der Automation erschließt“, so Schulz-

Metzner.

Einen praxisnahen Zugang dazu bieten

unter anderem die Guided Tours der

SmartFactory Kaiserslautern. Bei den

zweimal täglich stattfindenden Führungen

zeigen Experten Besuchern Unternehmen,

die Schlüsseltechnologien wie KI, Digitale

Zwillinge oder Security in der System -

architektur demonstrieren.

Neben den Messeständen spielt das

Rahmenprogramm eine zentrale Rolle.

Insgesamt vier SPS-Bühnen in den Hallen

1, 3, 3C und 6 beleuchten aktuelle Entwicklungen.

Besonders hervorzuheben ist

die „Technology Stage powered by VDMA/

ZVEI“, auf der die Themen Industrial AI,

digitale Transformation und nachhaltige

Produktion im Mittelpunkt stehen. Rund

20 Fachvorträge und Diskussionsrunden

bieten hier Orientierung und Impulse.

Ergänzend ermöglichen „Meet the Speaker“-Zonen

den direkten Austausch mit

den Referenten. Impulse für die Zukunft

liefern auch die Gemeinschaftsstände:

• „Automation meets IT“ bündelt Themen

rund um Digitalisierung, Cybersecurity

und Industrie 4.0.

• Die internationale Start-up Area

bringt Gründer mit Investoren und

Anwendern zusammen.

• Mit „Young Innovators“, gefördert

durch das BMWK, erhalten junge Unternehmen

eine Bühne für ihre Ideen.

Für Nachwuchs ist gesorgt

Die Förderung des Nachwuchses ist ein

zentrales Anliegen der SPS. Bereits 2024

stießen die Makeathons und die Guided

Tours für Studierende und Berufseinsteiger

auf große Resonanz. Auch 2025 stehen

beide Formate wieder auf dem Programm.

Beim Makeathon entwickeln interdisziplinäre

Teams in 2,5 h Prototypen

zu praxisnahen Aufgabenstellungen – live

vor Ort und im Austausch mit Unternehmen.

Ergänzend dazu richtet sich der

Young Talents Day am letzten Messetag

gezielt an Schüler, Auszubildende und

Studierende. Geführte Touren und individuelle

Karriereberatung eröffnen wertvolle

Einblicke und Perspektiven für die eigene

Laufbahn in der Automatisierung.

Die SPS 2025 verspricht eine informative

Mischung aus Innovationen, praxisnahen

Einblicken und vielfältigen Networking-Möglichkeiten.

Mit einem klaren

Fokus auf Industrial AI, Digitalisierung

und Nachwuchsförderung präsentiert sie

sich einmal mehr als unverzichtbarer

Branchentreffpunkt und Schaufenster für

die Zukunft der Automatisierung.

präzise

robust

vernetzbar

www.kern-sohn.com

Industrieanzeiger » 15 | 2025 27


» MESSE SPS

Autonome Systeme für Produktion und Logistik

Modulare Roboterplattform für Logistik, Montage und Handling

Mit dem Rebelmove Pro präsentiert Igus in Halle 4, Stand 310

einen modularen Autonomen Mobilen Roboter (AMR) auf den

Markt, der sich einfach. Dabei ist er ganz ohne Vorerfahrung in

Unternehmensabläufe integrierbar. Die Basis des Rebelmove Pro

ist ein kompakter, rechteckiger Transportroboter auf vier Rädern

mit Elektroantrieb. Der AMR ist 795 mm lang, 560 mm breit, 195

mm hoch und 60 kg schwer. Der Roboter kann autonom navi -

gieren, mit einer Geschwindigkeit von bis zu 2 m/s, und dabei in

der Intralogistik bis zu 250 kg tragen oder bis zu 900 kg ziehen.

Eine Akkuladung reicht für einen vollen Arbeitstag von 8 h.

Er lässt sich mit Anbauten für verschiedene intralogistische

Aufgaben individualisieren. Auch im Außenbereich ist der neue

Roboter einsetzbar. (hw)

Bild: Igus

Durch sichtbare Energieflüsse Kosten und Ressourcen optimieren

Gesamtlösungen für Energiemanagement und Automatisierung

Bild: Janitza

Unter dem Motto „Powering the Future –

Flexible and Integrated Industry Solutions“

präsentiert sich Janitza in Halle 6,

Stand 260. Dort zeigt das Unternehmen

Lösungen für Energiemanagement, Spannungsqualität

und Residual Current Monitoring

(RCM) – sowie vollständige Komplettlösungen.

Die modularen Gesamt -

lösungen für Energiemanagement, Spannungsqualität

und Automatisierung vereinen

Hardware, Software und Services

zu einem durchgängigen System – von

der Analyse bis zum Betrieb. Sie sollen

helfen, die Energieeffizienz zu steigern,

Kosten zu senken und Prozesse nachhaltiger

zu gestalten. Die nahtlose Integration

aller Komponenten sorgt für Transparenz

und Zukunftssicherheit – branchenübergreifend

und individuell anpassbar.

Die Netzvisualisierungssoftware GridVis

macht Energiedaten transparent, liefert

Reports, Alarme und unterstützt so effiziente

Energiemanagementprozesse. Ein

digitaler Schaltschrank veranschaulicht

zudem Energieflüsse live und ihre Integration

in Automatisierungssysteme. (hw)

Mehr Leistung auf weniger Raum

Dynamik und hohes Drehmoment in einem

Der Motorenspezialist Baumüller präsentiert

drei neue Motorentypen. In Halle 1

an Stand 560 können sich Interessierte

über die aktuellen Entwicklungen bei

Servomotoren, Drehstrom-Synchronmotoren

und Torque-Motoren informieren.

Als besonderes Highlight informiert das

Unternehmen über die Option, seine

Motoren mit Flüssigkeitskühlung auszustatten.

Baumüller bietet sowohl bei

seinen Servomotoren als auch bei seinen

Torquemotoren und Hauptantrieben die

Möglichkeit die Leistungsdichte durch die

Kühlung mit Wasser oder

Öl zu steigern. Die Flüssigkeitskühlung

von Elektromotoren

wird entweder

durch Kanäle im Stator

oder in einem speziellen

Mantel im Motorgehäuse

umgesetzt. Flüssigkeitsgekühlte

Motoren können durch die hohe

Leistungsdichte oft kleiner dimensioniert

werden als luftgekühlte Motoren. Dies reduziert

zum einen den Bauraum und steigert

zum anderen die Dynamik, so dass

Bild: Baumüller

Zykluszeiten reduziert

werden können. Außerdem

können Motoren mit

dieser besonders effizienten

Kühlart mit hohen

Momenten betrieben werden.

Anwendungen, die

hohe Dynamik und ein hohes

Moment gleichermaßen erfordern,

wie zum Beispiel Werkzeugmaschinen,

Pressen und Umformtechnik und Spritzgießmaschinen,

profitieren darum besonders

von dieser Option. (hw)

28 Industrieanzeiger » 15 | 2025


Positioniersysteme mit integrierten Antrieben

Steuerung für komplexe Bewegungen

Lang präsentiert in Halle 1, Stand 570,

sein Positioniersystem LSMART Express.

Maschinenbauer müssen kurze Taktzeiten,

hochpräzise Bewegungen und synchronisierte

Abläufe über mehrere Achsen

realisieren. Gleichzeitig steigen die Anforderungen

an Wiederholgenauigkeit und

Schwingungsarmut – wie in Bereichen

der Mikromontage. Die Steuerung

LSMART express unterstützt Maschinenbauer

dabei, diese Anforderungen effizient

und reproduzierbar umzusetzen.

Die LSMART Express-Produktfamilie besteht

aus einem Master und vier leistungsstarken

Antrieben mit einer Nennleistung

von bis zu 400 W und einer

Impulsleistung von 1.250 W pro Achse.

Mit den integrierten Antrieben lassen sich

2– und 3-Phasen-Synchronmotoren im

feldorientierten Regelbetrieb ebenso wie

Schrittmotoren betreiben. Eine Mikroschrittauflösung

und die Möglichkeit,

Gleichstrommotoren zu regeln, gewährleisten

dynamische Bewegungen. (hw)

Bild: Lang

Neue Kupplungen sparen Zeit und Aufwand

Kürzere Einrück- und Montagezeiten

KBK Antriebstechnik stellt neue Aus -

führungen seiner Kupplungen vor. Das

Highlight am Messestand (Halle 1, Stand

318) wird eine freischaltende Überlastkupplung

mit einem besonderes komfortablen

Einrückmechanismus sein. Ein vergleichbares

Produkt gibt es laut dem Unternehmen

bislang nicht auf dem Markt.

Die Besonderheit: „Die Kupplung kann

nach der Beseitigung des Überlastfalls

sehr schnell und mit wenig Kraft wieder

eingerückt werden“, so KBK-Geschäfts-

Bild: KBK Antriebstechnik

führer Sven Karpstein. Ebenfalls mit dabei

sind zwei neue Baureihen der Überlastkupplungen:

Eine Variante mit angebauter

Gelenkkupplung und eine Ausführung

mit integrierter Schlitzkupplung. Das

Modell mit Gelenkkupplung gleicht selbst

hohen Versatz problemlos aus. Die Überlastkupplung

mit angebauter Schlitzkupplung

ist noch etwas robuster als die

Versionen mit Metallbalg.

Dazu wird eine neue Baureihe an starren

Kupplungen vorgestellt. Die KBST1 lässt

sich noch einfacher installieren, sodass

Maschinen- und Anlagenbauer wertvolle

Zeit sparen. (hw)

WANDELERPROBT

DIE SOFTWARE ZUR TRANSFORMATION. KONZIPIERT FÜR LOSGRÖSSE 1+

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Industrieanzeiger » 15 | 2025 29


» MESSE SPS

Digitale Durchgängigkeit in Engineering und Produktion

Software, Hardware und Automation intelligent vernetzt

Wie die Industrie ihre Chancen nutzen

und mit KI die Automatisierung auf eine

nächste Stufe bringt, beantworten Eplan,

Rittal und Rittal Automation Systems

unter dem Motto „Automation – Do it“ in

Halle 3C, Stand 321. Der Ansatz: durchgängig

digitalisierte Prozesse und intelligentes

Zusammenspiel von Software,

Hardware und Automation. Zu den Engineering-Highlights

zählen AI-Use-Cases

wie der Eplan Copilot und Automated 3D

Design, neue Ansätze unter Nutzung der

Asset Administration Shell beim Thema

Product Change Notification (PCN) sowie

die Eplan Plattform 2026.

Gezeigt wird zudem die Erweiterung des

Blue e+ Chiller-Portfolios für die effiziente

Maschinenkühlung und Klimatisierung

von Schaltschränken und Server-Racks.

Rittal bietet nun F-Gas-Verordnungskonforme

Lösungen für nahezu jeden Anwendungsbereich

– vom Maschinenbau über

Batteriespeicherkraftwerke bis hin zur IT.

Im Mittelpunkt des Sortimentsausbaus

stehen neue Leistungsklassen von 1,5 bis

7 kW, Outdoor-Modelle und ein Hybrid-

IT-Chiller mit Freikühler für besonders

hohe Energieeffizienz. (hw)

Bild: Rittal GmbH & Co. KG

Smarte Komponenten für sichere Abläufe

Verbindungstechnik praxisnah präsentiert

Bild: Lapp

Lapp zeigt in diesem Jahr seine Lösungen für die Industriekommunikation und Automation,

an zwei Ständen: Neben dem Hauptstand 310 in Halle 2 kommt dieses Jahr ein

zweiter Stand 322 in Halle 10 hinzu. Dieser widmet sich voll und ganz dem Steck -

verbinderportfolio des Unternehmens. In Halle 2 wartet das übrige Leistungsangebot:

Verbindungstechnik, inklusive Lösungen für die Automatisierungspyramide und

Komponenten für die Smart Factory. Auf den Messebühnen geben Vorträge zu Cloud-

Konnektivität, industrieller Kommunikation, digitalem Bestandsmanagement und OT-

Sicherheit zusätzliche Einblicke, wie Lapp Automatisierung und Digitalisierung in der

Praxis angeht. Und wer lieber selbst aktiv wird, kann an der Werkbank live erleben, wie

schnell und sicher sich industrielle Steckverbindungen montieren lassen. Gezeigt werden

Push-Pull-Systeme, das Quickflex-Schnellverriegelungssystem sowie die Produktneuheit

Epic Powerlock. (hw)

IO-Link Safety Master für die dezentrale Kommunikation

Flexibler Allrounder bis ins Feld

In Halle 9, Stand 370, stellen Pilz den

IO-Link Safety Master PDP67 vor. Als

dezentrale Schnittstelle zur übergeord -

neten Sicherheitssteuerung ermöglicht er

unterschiedliche Anschlüsse wie z.B.

Sicherheitssensoren mit IO-Link Safety

oder auch Standard-IO-Link Sensoren

oder Aktoren. Anwender profitieren von

einer flexibel gestaltbaren, nahtlosen und

sicheren Kommunikation ins Feld bis zur

höchsten Sicherheitskategorie PLe / SIL3.

Zur Verfügung stehen vier IO- Link Safety

Ports (Class A) und zusätzlich vier Ports

mit jeweils zwei konfigurierbaren

sicheren digitalen Ein- oder Ausgängen.

Sensoren und Aktoren teilen sich je nach

Bedarf denselben Anschluss. Anwender

können so ihr Design flexibler gestalten

und erweitern. Der Verkabelungsaufwand

durch Plug-and-play über genormte

M12-Steckverbindungen ist geringer. Dazu

lässt sich die Applikation über den

integrierten Server einfach konfigurieren,

in Betrieb nehmen und Fehler über ihn

schneller diagnostizieren. Das verkürzt die

Inbetriebnahme und minimiert die Ausfallzeiten

im Feld. (hw)

Bild: Pilz

30 Industrieanzeiger » 15 | 2025


Vielfältige Lösungen für präzise Bewegungstechnik

Systemvielfalt von Linearachsen bis Teleskopschienen

Automatisierung ohne Lineartechnik ist kaum denkbar:

Nahezu jedes System setzt auf Linearachsen,

Linearführungen oder Teleskopschienen. Rollon

(Halle 3, Stand 219) trägt dieser Tatsache mit einem

breiten Portfolio an hochwertigen Komponenten und

wirtschaftlichen Systemlösungen Rechnung, die

nach Unternehmensangaben Effizienz, Präzision und

Zuverlässigkeit in einer Vielzahl industrieller Anwendungen

sicherstellen sollen.

Ein Schwerpunkt des diesjährigen

Messeauftritts

liegt auf den vielseitigen

Systemlösungen des

Unternehmens. Zu den Exponaten

gehören unter anderem

das Portalsystem

H-Bot, das durch sein

Design hohe Dynamik und

präzise Bewegungen auf

engem Raum ermöglicht,

das Telescopic System TLS,

das mit 2– und 3-stufigen

Achslösungen platzsparende

Bewegungen bei hoher

Tragfähigkeit und Wirtschaftlichkeit

realisiert, sowie

das Ovalsystem AXNR

der Marke Nadella, das sich

als flexible Lösung für

zirkulare Anwendungen

mit hoher Steifigkeit und

Präzision bewährt hat.

Das Produktportfolio von

Rollon zeichnet sich durch

ein großes Angebot an

Bauformen, Typen und Optionen

aus. Es reicht von

Linearführungen, Bogenführungen

und Teleskopschienen

über Linear -

achsen, Mehrachssysteme

sowie Verfahrachsen für

Roboter und Cobots bis hin

zu Präzisions-Kugelgewindetrieben,

Gelenkköpfen,

Gelenklagern und Wälz -

lagern. Damit steht ein variantenreicher

modularer

Baukasten bereit, der effiziente

und flexible Automatisierunslösungen

er-

möglicht. Rollon legt auf der

SPS 2025 besonderen Wert auf

den Dialog zu Zukunftsthemen

der Automatisierung. Dazu zählen

etwa die zunehmende Modularisierung,

die wachsende Bedeutung energieeffizienter

Lösungen und der Einsatz digitaler Tools in der

Lineartechnik. (hw)

Ja! Reibungslose

Beschaffungsprozesse.

Mit Conrad.

Optimierung der indirekten Beschaffung mit ProcurePlus

conrad.de/ja-momente

Bild: Rollon

Alle Teile des Erfolgs

Industrieanzeiger » 15 | 2025 31


» MESSE SPS

Präzise Steuerung und reduzierte Verluste

Neue Spielräume für High-Speed-Anwendungen

Wenn es um Hochgeschwindigkeits -

anwendungen geht, spielen Details in

Regelung, Hardware und Integration eine

zentrale Rolle. Sieb & Meyer präsentiert

auf der SPS seine weiterentwickelte

SD4x-Produktgeneration. Im Mittelpunkt

des Messeauftritts stehen die Serien

SD4S, SD4M und SD4B, die seit der letztjährigen

Vorstellung nochmals erweitert

wurden und nun ein noch breiteres

Anwendungsspektrum abdecken.

Die SD4x-Generation wurde von Grund

auf für Hochgeschwindigkeitsmotoren

entwickelt. Im Vergleich zu konventionellen

Lösungen reduzieren die Geräte

motorseitige Verluste deutlich und

ermöglichen Drehzahlen, die bisher kaum

realisierbar waren. Mit Frequenzen bis

6.000 Hz lassen sich Spindeln und Motoren

in Anwendungen einsetzen, die von

Innenrundschleifen über Dicing bis zu

Turbokompressoren reichen. „Wir sehen,

dass unsere Kunden zunehmend komplexe

Systeme betreiben, die ohne spezielle

Antriebslösungen nicht mehr denkbar

wären“, sagt Markus Finselberger, Leiter

Vertrieb Antriebselektronik bei Sieb &

Meyer. „Die SD4x-Familie eröffnet hier

neue Spielräume. Sie macht nicht nur

höhere Drehzahlen möglich, sondern integriert

auch Funktionen, die in der Praxis

unmittelbar den Betrieb vereinfachen und

absichern.“ (hw)

Bild: Sieb & Meyer/Parsudi/stock.adobe.com

Verschleißfreie Daten- und Energieübertragung in Fertigungsanlagen

Steckverbinder und Systemlösungen für kontaktlose Technologien

Rosenberger zeigt in Halle 9, Stand 330

ein breites Portfolio an Steckverbindern

und Systemlösungen für die zuverlässige

Daten- und Energieübertragung in automatisierten

Produktionsumgebungen. Im

Mittelpunkt stehen kontaktlose Technologien,

Single Pair Ethernet und optische

Schnittstellen. Die Lösungen kommen

unter anderem in der Robotik, Sensorik

und Aktuatorik zum Einsatz und eignen

sich auch für weitere Anwendungen in

der Industrieautomation. Das Produktportfolio

umfasst kompakte RoProxCon

Bild: Rosenberger

System-on-Module (SoM) für flexible

Integration, RoProxCon Hybrid-Lösungen

sowie reine RoProxCon Data-Varianten.

Typische Einsatzfelder sind bewegliche

oder rotierenden Baugruppen, smarte

Maschinen, Robotersysteme und Fertigungsanlagen.

Für eine schnelle Umsetzung

in Entwicklungsprojekten steht das

RoProxCon Evaluation Board zur Verfügung,

das den Einstieg erleichtert und

Entwicklungszeiten verkürzt. Die nach IEC

63171–7 ED2 genormten SPE-Steckverbinder

sparen Platz und Gewicht und ermöglichen

Datenraten bis 1 Gbit/s über

Entfernungen bis 1.000 m. (hw)

Zuverlässige Messungen bei anspruchsvollen Oberflächen

Messstabiler Distanzsensor für kurze Reichweiten

Bild: Sick

In Halle 7A an Stand 340 präsentiert sich

Sick als ganzheitlich agierender Partner

für Automatisierungslösungen mit passenden,

zukunftssicheren Cybersecurityund

Service-Angeboten. Besucher des

Messestands erfahren in praxis- und

anwendungsnahen Erlebniswelten, wie

Sensorendaten Produktions- und Logistikprozesse

analysieren und optimieren

können. Diese umfassen Themen wie

kamerabasierte Qualitätskontrolle, die

Automatisierung autonomer Fahrzeuge

und Roboter, Präzisionsmesstechnik, die

Digitalisierung des Materialflusses und

skalierbare, digitale IIoT-Plattformen. Die

Berücksichtigung von Cybersecurity-Anforderungen,

die immer wichtiger werden,

und von Service-Angeboten ist dabei integraler

Bestandteil der Erlebniswelten

für Sensor- und Systemlösungen.

Für die Digitalisierung von Prozessen hat

das Unternehmen eine durchgängige und

skalierbare IIoT-Plattform entwickelt.

Engineering- und Programmier-Tools

helfen bei der Applikationsauslegung, der

Inbetriebnahme, der Wartung und dem

gesamten Lifecycle-Management der

Geräte. (hw)

32 Industrieanzeiger » 15 | 2025


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Foto: ©ssi schäfer

Foto: ©ssi schäfer

Ware-zur-Person-Kommissionierung spart Wege, Zeit und Kosten

Verdichtete Lagerung und automatisierte Transporte sorgen für mehr Effizienz

Ist Ihre Produktion gesichert?

Komplexe Wareneingangsprozesse, stockender Materialfluss, hohe Kosten für Lagerflächen

und Personalmangel: Der Druck auf produzierende Unternehmen ist groß. Mit einer

durchdachten, kosteneffizienten Logistik sorgen Sie für konstant hohen Durchsatz und

sichern Ihre Wirtschaftlichkeit. SSI SCHÄFER bietet dafür passgenaue Lösungen.

Der Intralogistik-Marktführer setzt auf einen ganzheitlichen

Ansatz und kombiniert Lager- und

Fördertechnik, Shuttle- und Kommissioniersysteme

sowie Robotik-Anwendungen genau nach Bedarf.

Teil- oder vollautomatisiert – auch für kleine und

mittlere Unternehmen.

Wie das in der Praxis aussehen kann?

Fünf Beispiele:

• Intelligente Roboter übernehmen Transport- und

Einlagerungsaufgaben. Das spart wertvolle Zeit.

• Fördertechnik oder Fahrerlose Transportsysteme

verbinden Lager und Fertigung und garantieren

einen 24/7-Warenfluss.

• Autonome Roboter sorgen für maximale Verfügbarkeit

und Planungssicherheit, auch bei Fachkräftemangel

oder hohen Krankenständen.

• Automatisierte Lagerlösungen sorgen durch Verdichtung

und optimale Raumausnutzung für mehr

Lagerkapazität.

• Betriebskosten sowie Ausgaben für Zwischenlager

oder interne Transporte werden reduziert, sodass

die Wirtschaftlichkeit steigt.

Ihr Vorteil: SSI SCHÄFER liefert alles aus einer Hand –

von der Planung bis zur Integration, von technischen

Komponenten bis zum intelligenten Warehouse

Management System WAMAS ® . Die skalierbaren

Systemlösungen können jederzeit flexibel erweitert

werden. Das stärkt die Resilienz Ihrer Produktion und

sichert langfristig Ihre Wettbewerbsfähigkeit.

KONTAKT

Fritz Schäfer GmbH

Fritz-Schäfer-Straße 20

57290 Neunkirchen

„Lassen Sie uns über die Zukunft

Ihres Lagers sprechen!

Wir sind gerne persönlich für Sie da!“

Industrieanzeiger » 15 | 2025 33


» MESSE SPS

Effizienz und Sicherheit für Bestandsanlagen

Retrofit und moderne Vernetzungsmöglichkeiten

Am Stand von Vahle (Halle 4, Stand 336)

stehen das Thema Anlagen-Retrofit und

das Steuerungsportfolio vDrive im Fokus.

Unter dem Leitmotiv „RetroFit for Future“

zeigt der Systemanbieter für intelligente

Automatisierungs- und mobile Industrieanwendungen,

wie Unternehmen ihre

bestehenden und neuen Anlagen

effizient, sicher und konform zur EU-

Maschinenverordnung gestalten können.

Das Unternehmen präsentiert Technologien,

mit denen bestehende Anlagen einfach,

wirtschaftlich und zukunftssicher

auf den neuesten Stand gebracht werden

können. Ziel ist es, Bestandsanlagen sukzessive

effizienter, flexibler und sicherer

zu machen und so die ab dem 20.01.27

verbindlich geltenden Anforderungen der

EU-Maschinenverordnung (MVO) problemlos

zu erfüllen. Diese legt verbind -

liche Sicherheits- und Konformitätsanforderungen

für Maschinen fest und zielt auf

höchste Arbeitssicherheit, die Integration

digitaler Steuerungen sowie die CE-

Konformität ab. Hier setzt das vDrive-

Portfolio an: Die neuesten Upgrades bieten

höchste Flexibilität, integrierte

Sicherheitsfunktionen und moderne Vernetzungsmöglichkeiten.

So ist das System

zur Einachssteuerung kompatibel zu bestehenden

Befehlsübertragungssystemen

und eignet sich somit ideal für Retrofit-

Projekte. (hw)

Bild: Vahle

Energieführungssysteme für mehr Anwendungsflexibilität

Smarte Systeme statt Einzelkomponenten

Bild: Tsubaki Kabelschlepp

Tsubaki Kabelschlepp stellt am Stand 340

in Halle 3C das Totaltrax-Konzept vor, das

aus einzelnen Komponenten wie Energie-

ketten, Leitungen und Steckverbindern

aufeinander abgestimmte Gesamtlösungen

macht. Das Konzept ist fester Bestandteil

in unterschiedlichsten Industrien.

Wurde es zunächst vor allem im

Werkzeugmaschinenbau eingesetzt, so

sind die Anwendungsfelder heute breiter:

von Hafenkranen über mobile Arbeitsmaschinen

bis hin zur Robotik. Der modulare

Ansatz erlaubt es dem Energiekettenanbieter,

für jede Umgebung und Belastung

die passende anwendungsspezifische Systemlösung

auf der Basis von Kunststoff-,

Stahl- oder Hybridketten zu entwickeln.

Das Unternehmen versteht sich als Partner

seiner Kunden über den gesamten

Projektverlauf hinweg: Von der ersten Anfrage

über die Auslegung bis hin zur Installation

begleiten Ingenieure und Techniker

die Umsetzung. Dabei helfen das

breite Produktportfolio sowie die jahrzehntelange

Erfahrung im Maschinenund

Anlagenbau. Neben Totaltrax wird

mit der TKHP auch eine Hochleistungsenergiekette

für extreme Verfahrwege

und hohe Zusatzlasten gezeigt. (hw)

Alternative zu seltenen Erden stärkt Unabhängigkeit bei Antriebslösungen

Leistungsstarke Synchronmotoren mit Ferritmagneten

Bisher galten Motoren ohne Magnete mit

seltenen Erden (Seltene-Erden-Permanentmagnete

(SE-PM)) als nicht leistungsfähig

genug oder ungeeignet für

viele Anforderungen der industriellen

Produktion. Torquewerk präsentiert in

Halle 4, Stand 134, magnetunterstützte

Reluktanz-Motoren, die keine seltenen

Erden wie Neodym oder Dysprosium für

die Magnete benötigen. Das Unternehmen

hat bisher schon mit magnetfreien

Synchronreluktanzmotoren im Bereich

der Sonder-Torquemotoren Erfahrung

gesammelt und gute

Ergebnisse erzielt. Jetzt

setzen die Ingenieure

Ferritmagnete ein und

erzielen dank der Kombination

mit der

Reluktanztech nologie

Ergebnisse, die anderen

PM-Elektromotoren

nicht nachstehen. Die

Beschaffung der Ferritmagnete ist unabhängig

von Importen seltener Erden und

außerdem flexibler und kostengünstiger

als die der Seltene-Erden-

Permanentmagnete. Erste

Ergebnisse von Maschinenauslegungen

sind bereits

auf dem Prüfstand

validiert und stehen zur

technischen Verfügung.

Die ferritunterstützen

Reluktanz-Motoren sind

leistungsfähig und haben

bei gleichwertigem Drehmoment und

gleichwertiger Leistung einen geringen

Platzbedarf. (hw)

Bild: Torquewerk

34 Industrieanzeiger » 15 | 2025


SPECIAL

» Smart Factory

Mit KI, IoT und digitalen Zwillingen wird die Produktion smarter

als je zuvor. Präzise elektrische Verbindungen, energieeffiziente

Systeme und intelligente Antriebe sorgen für reibungslose Abläufe,

sparen Ressourcen und machen die Industrie fit für die Zukunft.

Geteilter Datenraum für

smarte Antriebe

» Seite 36

Mit leistungsstarker

Verbindungstechnik in

die vernetzte Zukunft

» Seite 42

Smartes und dynamisches

Energiemanagement

dezentral gesteuert

» Seite 44

Fertigungsprozesse

realitätsnah mit Digital

Twin abgebildet

» Seite 46

Bild: Silent Vector/stock.adobe.com

Vernetzte Produktion der Zukunft – intelligente Antriebe, präzise Verbindungen und energieeffiziente Systeme

im Zusammenspiel für mehr Nachhaltigkeit und Leistung.

Industrieanzeiger » 15 | 2025 35


TOPSTORY » Antriebstechnik

Bild: William Veder

Echtzeitlösungen für Antriebssysteme: Auf der SPS in Nürnberg wird erlebbar sein, wie sich mit verschiedenen Technologien herstellerübergreifend

Dateninteroperabilität im Bereich elektrischer Antriebe erreichen lässt, und zwar mit vielen Vorteilen für Anlagenhersteller und die Fertigung.

Antrieb 4.0 zeigt auf der SPS zukunftsweisende Antriebslösungen für die Industrie

Geteilter Datenraum

für smarte Antriebe

Dateninteroperabilität ist das A und O für zukunftsfähige Digitalisierung.

Die Voraussetzung sind gemeinsame Standards und herstellerübergreifende

Antriebslösungen. Das Forschungsprojekt „Antrieb 4.0“ zeigt auf der SPS in

Nürnberg, wie sich mit verschiedenen Technologien herstellerübergreifende

Services herstellen lassen. Am Stand von Baumüller, Lenze und dem ZVEI

präsentiert das Forschungsprojekt mit den Use Cases der “Ganzheitlichen energieeffizienten

Auslegung von Antriebslösungen und dem „Digitalisierten Asset

Management”, wie multilaterales Datenteilen in Echtzeit funktionieren und die

Industrie von mehr Effizienz, Zeit- und Kosteneinsparungen profitieren kann.

36 Industrieanzeiger » 15 | 2025


» Mit dem Aufbau eines geteilten

Datenraums möchten wir nicht nur

die Verfügbarkeit und Transparenz

der Daten steigern, sondern

auch die Tür für zukunftsfähige

Geschäftsmodelle öffnen. «

Bild: ZVEI

Dr. Falk Eckert, Konsortialführer Antrieb 4.0

Die Zukunft der Industrie ist digital, vernetzt und

herstellerübergreifend. Doch der Blick in die

Gegenwart zeichnet ein anderes Bild: In vielen

Fabrikhallen dominieren noch immer proprietäre

Systeme, isolierte Dateninseln und inkompatible

Schnittstellen. Diese technischen Barrieren erschweren

nicht nur die Integration moderner Technologien,

sondern bremsen auch Effizienz, Innovation und den

Wettbewerb. Was fehlt, sind einheitliche Standards

und interoperable Lösungen, die gerade im Bereich

der elektrischen Antriebe den reibungslosen Austausch

von Daten und Funktionen über System- und

Herstellergrenzen hinweg ermöglichen.

Hier setzt Antrieb 4.0 an: Das Forschungsprojekt

schafft die Grundlagen für eine herstellerübergreifende,

interoperable und datensouveräne Industrie

4.0. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung notwendiger

Standards für die digitale Produktion und

die vernetzte Wertschöpfungskette. Ziel ist eine

herstellerübergreifende Kompatibilität für Auswahl,

Inbetriebnahme, Betrieb und Services von Antrieben.

Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Verfügbarkeit

und Transparenz von Daten sowie deren Zugänglichkeit.

Der Aufbau eines geteilten Datenraums soll für

die horizontale Integration und systemübergreifende

Sammlung von Daten dienen. „Im klassischen Umfeld

der Antriebstechnik dominieren immer noch proprietäre

Lösungen unterschiedlicher Hersteller. Gründe

dafür liegen beispielsweise in iterativen Prozessen,

verschiedenen Engineering-Disziplinen, einem hohen

Datenintegrationsaufwand oder einer fragmentierten

Tool-Landschaft. Mit dem Aufbau eines geteilten

Datenraums basierend auf bestehenden offenen

Standards möchte das Forschungsvorhaben nicht nur

die Verfügbarkeit und Transparenz der Daten steigern,

sondern auch die Tür für zukunftsfähige

Geschäftsmodelle öffnen“, erklärt Dr. Falk Eckert,

Konsortialführer Antrieb 4.0 und Senior Research

Manager der Forschungsvereinigung Elektrotechnik

beim Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI)

die Motivation des vom Bundesministerium für Wirtschaft

und Energie (BMWE) geförderten Forschungsvorhabens.

Für den Transfer in die Praxis konzentriert sich

Antrieb 4.0 auf zwei Use Cases, mit denen die interoperablen

und standardisierten Lösungsansätze für

die Industrie greifbar werden. Die „Ganzheitliche

energieeffiziente Auslegung von Antriebslösungen“

und das „Digitalisierte Asset Management“ greifen

die aktuellen Bedarfe der Unternehmen auf.

Potential von 10 % Energieeinsparung

Die „Ganzheitliche energieeffiziente Auslegung von

Antriebslösungen“ ermöglicht, dass Systeme bereits

in der Planungsphase optimal auf Leistung und Energieverbrauch

abgestimmt werden. So lassen sich

Betriebskosten und CO 2 -Emissionen reduzieren und

dadurch Wettbewerbsvorteile sichern. „Die energieeffiziente

Auslegung von Antriebssystemen ist in der

Industrie längst kein Zukunftsthema mehr, sondern

gelebte Praxis. Während Antriebe früher häufig mit

großzügigen Leistungsreserven dimensioniert wurden,

steht heute die ganzheitliche Optimierung des

gesamten Systems im Vordergrund – von der Mechanik

über die Regelungstechnik bis hin zur Prozessintegration.

Energieeffizienz ist dabei nicht mehr nur

ein Nebenaspekt, sondern ein zentrales Kriterium in

der Antriebsauslegung“, erklärt Jürgen Dlugosch,

Produktmanager Automatisierung bei Baumüller.

„Die größte Wirkung entfaltet die ganzheitliche

Forschungsprojekt Antrieb 4.0

Antrieb 4.0 wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und

Energie (BMWE) gefördert. Die Konsortialleitung liegt bei der

Forschungsvereinigung Elektrotechnik beim ZVEI. Weitere Konsortialpartner

sind: Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS,

Fraunhofer-Institut für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie

IISB, die Fachgebiete Leistungselektronik und Antriebs -

regelung beziehungsweise Kommunikationsnetze der Technischen

Universität Darmstadt sowie 18 assoziierte Partnerunternehmen.

www.antrieb40.org

Industrieanzeiger » 15 | 2025 37


TOPSTORY » Antriebstechnik

» Die energieeffiziente

Auslegung von

Antriebssystemen ist in der

Industrie längst kein

Zukunftsthema mehr,

sondern gelebte Praxis. «

Jürgen Dlugosch, Produktmanager

Automatisierung, Baumüller

Auslegung aber erst, wenn sie mit realen Betriebsdaten

verknüpft wird. Dazu werden die Ergebnisse aus

Simulation und Auslegung mithilfe von Energiemonitoring-Tools

mit den Messdaten laufender Maschinen

abgeglichen. Dieser Abgleich schafft Transparenz

über die tatsächliche Energieverteilung und zeigt

Optimierungspotenziale auf. Und genau hier setzt die

Forschung von Antrieb 4.0 an“, so Dlugosch.

Im Use Case kann der Anlagenhersteller seine

Antriebssysteme für ein vom Betreiber vorgegebenes

Last- und Bewegungsprofil durch die Kombination

von Antriebskomponenten unterschiedlicher Hersteller

möglichst energieeffizient auslegen. Mit einer

entsprechenden Authentifizierung wird es möglich,

über einen Datenraum die tatsächlich bezogene Leistung

und den kumulierten Energieverbrauch aller in

einer Anlage verbauten Antriebe in einem bestimmten

Zeitfenster einzusehen. Die Energieverbräuche

können für die ausgewählte Konfiguration des

Antriebssystems prognostiziert und während der

Inbetriebnahme verifiziert werden. Dies erleichtert

eine übersichtliche und effiziente Auslastung der

Anlage und trägt zu einer längeren Lebensdauer des

verbauten Systems bei. Zudem können die tatsächlich

erfassten Ist-Werte zwischen Betreiber, Maschinenbauer

und Anlagenhersteller ausgetauscht werden.

Dies kann Hinweise auf Optimierungen im Fahrprofil

einer Anlage geben. Die Erfahrung zeige:

„Durch den Abgleich von Simulation und Realbetrieb

kann die Energieeffizienz um bis zu zehn %

gesteigert werden – allein durch datenbasierte

Nachoptimierungen“, so Dlugosch.

Zeit und Kosten reduzieren –

Ressourcenverbrauch optimieren

Der zweite Use Case „Digitalisiertes Asset Management“

sorgt für mehr Transparenz in der Fabrikhalle.

Denn Produktionsanlagen sind komplexe Systeme,

die sich aus einer Vielzahl von Einzelantrieben und

anderen Baugruppen zusammensetzen. Entsprechend

umfassend fällt dabei die Anlagendokumenta-

tion aus. Während des laufenden Betriebs

fallen eine Reihe an Informationen an,

die heutzutage in herstellerspezifischen

Systemen und unterschiedlichen

Formaten bereitgestellt werden.

Dies führt zu Informationsasymmetrien

bei Entscheidungsfindern

und hat unter anderem zur Folge,

dass Unternehmen den Betrieb

und den Energieverbrauch einer Anlage

nicht zielgerichtet optimieren können.

Mit dem “Digitalisierten Asset Management”

erhält der Maschinenbetreiber erstmals eine standardisierte,

zentrale Sicht auf relevanten Informationen

seiner Anlage. Betriebsdaten und Energieverbräuche

lassen sich damit übersichtlich überwachen.

Das ermöglicht kürzere Stillstandzeiten, optimierte

Abläufe und spürbare Kosteneinsparungen.

Bild: Baumüller

» OPC UA hat sich als Standard –

und auch mit der Möglichkeit von

einheitlichen Datenmodellen –

auf Controller-Ebene bereits

durchgesetzt. «

Patrick Bruder, Team Leader Productmanagement –

System & IIoT, Lenze

Auch für Antriebshersteller sowie Maschinen- und

Anlagenbauer bringt diese Transparenz große Vor -

teile: Statt sich auf Erfahrungswerte, aufwendige

Simulationen oder teure Prototypen zu stützen, die

oft zu überdimensionierten Komponenten führen,

können sie auf verlässliche Echtzeitdaten aus dem

Betrieb zurückgreifen. Über den gemeinsamen

Datenraum von Antrieb 4.0 lassen sich Metadaten

gezielt nach Komponenten oder Anlagen filtern. Der

Zugriff auf Betriebs- oder Energiedaten kann beim

Betreiber angefragt werden.

Bild: Lenze

38 Industrieanzeiger » 15 | 2025


Standards für

maximale Kompatibilität

Die Vorteile für die Industrie liegen auf

der Hand. Viele Unternehmen nutzen

bereits intern standardisierte Vorgehensweisen,

die aber mangels einheitlicher

Semantik nicht interoperabel sind. Durch

die Einbindung vieler namhafter Hersteller

möchte das Forschungsprojekt einen Standard

setzen, um die nahtlose Übertragung von

Daten und Informationen herstellerübergreifend zu

ermöglichen. Dazu wird ein geteilter Datenraum

geschaffen, in dem Antriebsdaten standardisiert

gespeichert und ausgetauscht werden können.

Mit der technischen Umsetzung zeigt das Forschungsvorhaben

die möglichen Wege der horizontalen

und vertikalen Vernetzung eines Antriebs über

die Produktionsanlage bis hin zu weiteren Hierarchieebenen

im Fertigungsbereich auf. Ein technisches

Mittel hierfür ist die Nutzung von OPC UA oder

Web of Things (WoT) und der Verwaltungsschale (Asset

Administration Shell, AAS) als Struktur für einen

digitalen Zwilling. Damit werden Daten verschiedener

Hersteller in standardisierter Art und Weise

modelliert und abgelegt. Das ist essenziell für die

effektive Integration und Interaktion innerhalb industrieller

IoT-Umgebungen. Weitere Technologien

wie Time Sensitive Networking (TSN) werden eingesetzt,

um zeitkritische Datenübertragungen deterministisch

zu gestalten.

Patrick Bruder, Team Leader Productmanagement –

System & IIoT bei Lenze, sieht in der Standardisierung

den Schlüssel für mehr Transparenz und Interoperabilität:

„OPC UA hat sich als Standard – und

auch mit der Möglichkeit von einheitlichen Datenmodellen

(Companion Specifications) – auf Controller-Ebene

bereits durchgesetzt. Die Verwaltungsschale

als überlagertes Informationsmodell auf

Edge- und Cloud-Ebene ist auf einem guten Weg.

Sobald sich die Kommunikationswege etabliert

haben und nur noch durch entsprechende Datenmodelle

ergänzt werden müssen, wird es für den

Maschinenbauer oder auch den Maschinenbetreiber

möglich, mit wenigen herstellerunabhängigen

Anwendungen Informationen wie Asset Informationen,

Condition Monitoring oder Prozessoptimierung

anzuzeigen oder zu generieren. Dieser Prozess wird

mit wenigen Schnittstellen einhergehen und dementsprechend

auch die Aufwände bezüglich der

Cyber Security überschaubar halten.”

Basis: Antrieb-4.0-Systemarchitektur

Die Antrieb-4.0-Systemarchitektur zeigt Wege einer

vertikalen Vernetzung vom Feld über die Edge in die

Bild: Fraunhofer IIS

Cloud mit Zugriffsberechtigungen für die verschiedenen

Akteure. In der Feld-Ebene erfassen Antriebe und

Sensoren Betriebsdaten, und zwar direkt aus der

Maschine. Über den Kommunikationsprotokoll-

Server gelangen diese Daten zur Edge. Der lokale

Datenraumserver verarbeitet Antriebsdaten und die

Instanz-Verwaltungsschale direkt vor Ort und stellt

sie standardisiert bereit. Über definierte Schnittstellen

werden ausgewählte Informationen der Edge-

Ebene im Datenraum verfügbar gemacht. Ein föderierter

Datenraumserver sorgt für einen sicheren

Zugang sowohl auf Antriebsdaten als auch auf Typ-

Verwaltungsschalen – etwa für Analyse-Tools oder

autorisierte Nutzergruppen. So entsteht ein durchgängiger

Datenfluss – vom Antrieb bis in den digitalen

Raum.

Für Dr. Jan Hofmann, Gruppenleiter Data Spaces

im Bereich Supply Chain Services des Fraunhofer-

Instituts für Integrierte Schaltungen IIS, ist die Nutzung

offener Standards obligatorisch, um Daten im

Unternehmen, aber auch mit anderen Akteuren im

Wertschöpfungsnetz sinnvoll zu teilen und damit

Bild: Ulrich Pfeiffer

» Für den Einstieg in die

Dateninteroperabilität

erscheint es uns zielführend,

durch kleine Schritte iterativ

voranzugehen und dabei

auch auf dem Weg schon

Erfolge zu realisieren. «

Dr. Jan Hofmann, Gruppenleiter Data Spaces im

Bereich Supply Chain Services des Fraunhofer IIS

Deutlich effizienter & transparenter

Besucher und Besucherinnen der SPS in Nürnberg können sich

über das Forschungsprojekt Antrieb 4.0 davon überzeugen,

dass mehr Effizienz und Transparenz in Fabrikhallen möglich

ist. Über die beiden Use Cases der “Ganzheitlichen energieeffizienten

Auslegung von Antriebslösungen

und dem „Digitalisierten Asset

Management”, wird direkt erfahrbar, wie

multilaterales Datenteilen in Echtzeit

funktioniert und an welchen Stellen die

industrielle Fertigung profitiert.

Nico Schröder,

Korrespondent

Industrieanzeiger

Industrieanzeiger » 15 | 2025 39


TOPSTORY » Antriebstechnik

nutzen zu können: „Bei der Verwendung vermeintlicher

‚Goldstandards‘ gibt es noch zu viel Spielraum

für Interpretationen, da oftmals durch die Vielzahl

der beteiligten Stakeholder und ihren individuellen

Vorstellungen keine konkreten Ausprägungen in Spezifikationen

einfließen. Fehlt beispielsweise die Vorgabe,

in welcher Einheit die Nennleistung einer Anlage

angegeben sein soll, ist der Inhalt des Feldes nicht

mehr interoperabel und maschinenlesbar: 500 W,

500 J/s und 0,5 kW mögen für einen Menschen

erkennbar identisch sein – ein Algorithmus kann mit

derartig unterschiedlichen Angaben nicht arbeiten.

Für den Einstieg in die Dateninteroperabilität

erscheint es uns zielführend, durch kleine Schritte

iterativ voranzugehen und dabei auch auf dem Weg

schon Erfolge zu realisieren, anstatt zeit- und ressourcenintensiv

von Beginn an die ‚große Lösung‘ am

Stück umsetzen zu wollen. Hierbei besteht eine

große Gefahr darin, auf der Strecke zu bleiben und

das Ziel gar nicht zu erreichen.“

Tipp: Echtzeitlösungen auf der SPS

Für die Überführung der Projektergebnisse in der Praxis

sorgt der Aufbau eines standortübergreifenden

Reallabor-Demonstrators. Dafür werden verschiedene

Demonstratoren mit Antriebssystemen unterschiedlicher

Hersteller aufgebaut, die standortübergreifend

miteinander kommunizieren können. Vom

25. bis 27. November 2025 wird auf der SPS in Nürnberg

am Stand von Baumüller (Halle 1, 560), Lenze

(Halle 7, 391) und dem ZVEI (Halle 3, 321) in Echtzeit

erlebbar, wie sich mit verschiedenen Technologien

herstellerübergreifend Dateninteroperabilität herstellen

lässt. (sc)

Die Systemarchitektur von Antrieb 4.0 im

Überblick: Die Verfügbarkeit und Transparenz

von Daten auf Feld-, Edge- und Cloud-Ebene

sowie deren Zugänglichkeit ist ein zentraler

Bestandteil von Antrieb 4.0

Bild: Fraunhofer IIS

40 Industrieanzeiger » 15 | 2025


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Industrieanzeiger » 15 | 2025 41


SONDERTEIL » SMART FACTORY

Bild: Harting

Wo Daten, Energie und Intelligenz zusammenfließen, entstehen die Brücken in die elektrische Zukunft der vernetzten Industrie –

von der smarten Fertigungslinie bis zum Hochleistungs-Steckverbinder.

Elektrische Infrastruktur als Fundament der vernetzten Industrie

Brücken in die elektrische Zukunft

In der Smart Factory verbinden sich digitale Vernetzung, Automatisierung und Energieeffizienz

zu einem intelligenten Gesamtsystem – Sinnbild der All Electric Society, in der alle Sektoren

elektrisch und intelligent vernetzt sind. Dafür braucht es leistungsfähige elektrische

Infrastrukturen bis ins Detail: Durch optimierte Steckverbinder und durchdachte Material- und

Designentscheidungen lässt sich die erforderliche Stromtragfähigkeit sicherstellen.

» Stephan Middelkamp, General Manager für Qualität und Technologien, Harting

Die All Electric Society benötigt elektrische Energie,

die über die Power-Ader sowohl zwischen

als auch innerhalb der Sektoren bereitgestellt wird.

Für den Übergang zu elektrifizierten Systemen sind

in vielen Fällen höhere Leistungsniveaus erforderlich,

oder es müssen Systeme mit mehr Leistung neu aufgebaut

werden.

Ein anschauliches Beispiel aus dem Alltag ist die

Erhöhung der Bordnetz-Leistung im Auto. Diese

Maßnahme vereinfacht die Implementierung sogenannter

„Break by Wire“- und „Steer by Wire“-

Anwendungen. Ersteres bezeichnet ein elektrisches

Bremssystem, bei dem die Bremskräfte elektronisch

und nicht mechanisch, also über Bremsleitungen,

übertragen werden. Zweiteres meint ein elektronisches

Lenksystem, bei dem die Verbindung zwischen

dem Lenkrad und den Rädern ebenfalls nicht mechanisch,

wie durch Lenkstangen, erfolgt, sondern über

elektrische Signale.

Auch optimiert diese Leistungssteigerung den

Ladevorgang von Elektroautos. Hier müssen in kurzer

Zeit große Energiemengen über einen Steckverbinder

ins Fahrzeug übertragen werden, damit das Elektroauto

beim „Tanken“ ähnlich leistungsstark ist wie ein

Verbrenner. Solche Beispiele finden sich auch in

anderen Sektoren.

42 Industrieanzeiger » 15 | 2025


Präzises Crimpen sorgt für stabile Steckverbindungen und

maximale Stromtragfähigkeit – entscheidend für die zuver -

lässige Energieübertragung in elektrifizierten Systemen.

Trotz des höheren Energiebedarfs bleibt der verfügbare

Platz jedoch unverändert. Gleichzeitig erfordert

eine effiziente Installation, Wartung oder der

Betrieb den Einsatz von Steckverbindern. Diese müssen

folglich in der Lage sein, eine höhere Stromtragfähigkeit

bei gleichbleibender Baugröße zu bieten.

Der Schlüssel zur Effizienzsteigerung

Bild: Harting

Hier kommt die Stromtragfähigkeit ins Spiel. Sie

bezeichnet den maximalen Strom, den ein Steckverbinder

für einen bestimmten Kabeldurchmesser

übertragen kann. Diese Kapazität ergibt sich aus dem

Gleichgewicht zwischen der erzeugten Wärme aufgrund

des elektrischen Widerstands und der abgeführten

Wärme. Letztere wird sowohl durch Strahlung

als auch über das Kabel abgeleitet. Daher lassen

sich höhere Stromtragfähigkeiten mit größeren

Steckverbindern und Kabeln leichter realisieren, was

jedoch in vielen Anwendungen keine Option darstellt.

In einigen Fällen bietet die aktive Kühlung der

Steckverbinder oder der Einsatz alternativer Kunststoffmaterialien,

die höhere Temperaturen zulassen,

eine Lösung.

Eine weitere Alternative besteht in der Reduzierung

des elektrischen Widerstands. Dadurch wird

verhindert, dass sich Wärme entwickelt. Das verbessert

zudem die Energieeffizienz. Letztlich gibt es drei

wesentliche Ansatzpunkte zur Verbesserung der

Stromtragfähigkeit: den Anschluss des Kabels, das

Kontaktmaterial und die Steckstelle selbst.

Für den Kabelanschluss existieren verschiedene

Lösungen. Eine gängige Technik im Energiebereich ist

das „Crimpen“, also das Herstellen einer mechanischen

Verbindung, die sowohl elektrischen Kontakt

als auch mechanische Festigkeit bietet. Ein gut ausgeführter

Crimp verringert durch die plastische Verformung

des Kabels und des Kontaktbereichs den

Durchgangswiderstand erheblich. Hier sind das richtige

Crimpwerkzeug und die korrekten Parameter

entscheidend.

Mit Blick auf das Kontaktmaterial ist vor allem

auch die Legierung von Interesse. Denn diese kann

die Leitfähigkeit maßgeblich erhöhen. Als Grundmaterial

wird in der Regel Kupferlegierung verwendet.

Der Widerstand im Steckbereich wird durch unterschiedliche

Faktoren beeinflusst. Die Anzahl und

Größe der Kontaktpunkte lassen sich durch das Design

optimieren: Je größer die Kontaktfläche, desto

geringer der Widerstand. Die Normalkraft – also die

Kraft, mit der die Steckpartner aufeinander gedrückt

werden – spielt ebenfalls eine große Rolle. Eine

höhere Normalkraft erhöht die effektive Kontaktfläche.

Das führt dazu, dass pro Kontaktpunkt mehr

Strom fließen kann. Die Oberflächenwahl unterstützt

diesen Effekt. Allerdings erfordert eine höhere

Normalkraft auch eine größere Steckkraft, was wiederum

den Verschleiß erhöhen kann.

Letztendlich zeigt sich, dass das optimierte Design

vieler Parameter die Stromtragfähigkeit insgesamt

verbessert. Moderne Simulationstools ermöglichen

es, die Stromtragfähigkeit bereits in der Designphase

zu optimieren, sodass unterschiedliche Designs und

Materialien entsprechend ausgewählt und angepasst

werden können.

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Industrieanzeiger » 15 | 2025 43


SONDERTEIL » SMART FACTORY

Energiemanagement für eine hochdynamische Produktion

Standortübergreifend bis maschinengenau

Um einen entscheidenden Schritt in Richtung Nachhaltigkeit zu gehen, setzt ein Anbieter von

Antriebs- und Steuerungslösungen ein Energiemanagementsystem ein. Damit möchte das

Unternehmen mehr Transparenz über den Energieverbrauch erlangen und die Energieeffizienz

zusätzlich steigern. Die Messtechnik überwacht zudem die Spannungsqualität, warnt vor

schleichenden Isolationsfehlern und erhöht somit die Betriebssicherheit.

» Martin Witzsch, freier Journalist, Erlangen

Bild: Martin Witzsch

Stromschienen

mit Stromabgangskästen

von Janitza

erleichtern den

Anschluss der

Maschinen.

Die Hawe Hydraulik SE, ein international

tätiges Familienunternehmen mit

Stammsitz in München, investiert jährlich

bin Energieeffizienz-Projekte. Viele Tausend

Mess- und Datenpunkte überwachen

die gebäudetechnischen Anlagen

und Produktionsanlage der Hawe-Standorte.

Die Resultate dieser Bemühungen:

Gegenüber 2011 sind die CO 2 -Emissionen

in den Bereichen Scope 1 und 2 (also

direkte Emissionen und Emissionen eingekaufter

Energie) um 80 % gesunken.

Etwa 1/4 des benötigten Energiebedarfes

erzeugt Hawe selbst. Diese Maßnahmen

senken die jährlichen Energiekosten um

rund 2 Mio. Euro.

Ein wichtiger Bestandteil des Energiemanagements

ist die Messtechnik. Hier

setzt das Unternehmenstromseitig auf die

Hard- und Software von Janitza, d.h.

UMG-Messgeräte und zur Visualisierung

auf die Software GridVis Expert.

Robert Holl ist als Teamleiter Energie

für die Gebäudeautomation und das

Thema Energiemanagement aller Hawe

Standorte weltweit verantwortlich. Er

beschreibt die Anfänge der Energieverwaltungsmaßnahmen

des Unternehmens:

„In den ersten Jahren lag der Fokus des

Energiemanagements bei der Gebäudetechnik,

vor allem bei der Heizung,

Lüftung und der Beleuchtung.“ So ließen

sich positive Erfahrungen sammeln, ohne

Stillstände in der Produktion zu riskieren.

„Das war von Anfang an ein großer Erfolg.

Allein durch Wärmerückgewinnung konnten

wir 20 bis 30 % Energie sparen. Mithilfe

von real gemessenen Werten ließ

sich dies gut aufzeigen und vergleichen“,

so Holl.

Nach dem erfolgreichen Einstieg über

die Gebäudetechnik steht jetzt auch die

Fertigung im Fokus. An einem Standort

hat man Erfahrungen mit den Messgeräten

von Janitza gesammelt und entschieden,

die Messtechnik einheitlich für alle

Produktionsstandorte einzusetzen. Eine

besondere Herausforderung ist die fort-

44 Industrieanzeiger » 15 | 2025


währende Erweiterung und Optimierung

der Produktionsabläufe. Sie erfordert,

dass die Maschinen regelmäßig ihren

Standort wechseln. Statt langer Zuleitungen

zu Schaltschränken gibt es deshalb

Raster aus Stromschienen an der Decke.

Für die Verbindung sorgen mittlerweile

auch Stromabgangskästen, die mit einem

Netzanalysator ausgestattet sind. Holl erläutert:

„Wir versorgen die Produktionsmaschinen

zentral mit Strom, Druckluft

und Kälte. Durch die Messung direkt auf

den Stromschienen und der Medienversorgung

wird die gesamte Anlage transparent.

Jede neue Maschine bekommt

entsprechende Zähler. Ebenso Maschinen,

die umziehen. So vermeiden wir Stillstände

für die Umrüstung und können die

Energieflüsse Stück für Stück besser

nachvollziehen.“ Bei Zählern von Drittherstellern

mit Ethernet-Schnittstelle

werden die Signale direkt in die GridVis

Expert eingespeist. Bei Modbus-Geräten

übernimmt das Messgerät die Weiterleitung.

Durch eine Innovation in der Fertigung

lassen sich die Messergebnisse besonders

gut verwerten: Zehn Bearbeitungszentren

mit einem zentralen großen Speicher für

Werkzeuge sind zu einem flexiblen Fertigungssystem

zusammengefasst. Die zugehörige

Peripherie ist vollständig automatisiert.

Dazu gehören das Materialhandling,

das Bestücken der Spanntürme

sowie deren Verteilung auf die Systemmaschinen

und die Handhabung der

Paletten. Ein Magazin mit über tausend

Plätzen hält die Werkzeuge bereit. Über

Robert Holl (links) und Alexander Wagenhuber vor einem GridVis-Dashboard.

ein Werkzeugportal, das von einem Roboter

bestückt wird, gelangen sie zu den

Maschinen. Das System ist ideal, um eine

möglichst energieeffiziente Fertigung zu

ermöglichen. Holl erläutert: „Unser flexibles

Fertigungssystem entscheidet autonom,

welches Bauteil zu welcher Zeit auf

welcher der zehn verfügbaren Werkzeugmaschinen

gefertigt wird. Durch die Messung

von Strom, Kälte und Druckluft an

den einzelnen Werkzeugmaschinen im

System und die Verknüpfung mit den Produktionsdaten

ist es möglich, den Energiebedarf

pro Fertigungsauftrag ziemlich

genau zu bestimmen. So erkennen wir sofort

Abweichungen im Energieverbrauch

des gleichen Produkts auf unterschiedli-

chen Maschinen und können eingreifen.“

Durch die Messtechnik und die Dokumentation

bzw. Visualisierung steht Holl ein

riesiger Datenschatz zur Verfügung. Dank

der Offenheit des Systems kann er neben

den Strommengen auch Kenngrößen für

Druckluft und Kälte wie Leistung, Volumenstrom,

Druck oder auch Temperaturen

erfassen.

Der Aufwand für die Messtechnik trägt

Früchte. „Mit Blick auf die Kostenbilanz

trägt sich das Energiemanagementsystem

und die daraus abgeleitete Maßnahmen

selbst. Durch die einfache Visualisierung

sieht man sofort, wo Energie verschwendet

wird oder ob Anomalien auftreten“, so

Holl.

Bild: Martin Witzsch

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Industrieanzeiger » 15 | 2025 45


SONDERTEIL » SMART FACTORY

Digital Twin optimiert die Helikopter-Fertigung

Fliegende Komponenten

virtuell programmiert

Airbus Helicopters setzt in der mechanischen Hubschrauber-Fertigung in Donauwörth

auf den DMG Mori Digital Twin, um die Bearbeitung sicherheitsrelevanter Komponenten

zu simulieren und zu optimieren. Mit Hilfe des digitalen Maschinenabbilds lassen sich

neue Fertigungsprozesse realitätsnah abbilden, Kollisionen zuverlässig vermeiden sowie

Hochlaufzeiten deutlich verkürzen.

Mit dem Digital Twin werden Bearbeitungsprozesse

in der Helikopterfertigung

präzise simuliert und für den

sicheren Serieneinsatz zertifiziert.

Der Hubschrauberbau hat bei Airbus

eine lange Tradition. Am Standort

Donauwörth, einem Zentrum der Luftfahrttechnik,

entwickeln und fertigen

rund 8000 Beschäftigte zivile und militärische

Helikopter. Die heutige Airbus Helicopters

GmbH entstand 2014 aus einer

Reihe von Unternehmensfusionen und

Umstrukturierungen, die bis in die

1970er-Jahre zurückreichen.

In der mechanischen Fertigung werden

neue Bearbeitungsprozesse zur Serienreife

gebracht und zertifiziert, sodass die

Produktion sicherheitsrelevanter Kompo-

Bild: Airbus Helicopters

nenten weltweit nach einheitlichen Standards

erfolgen kann. Werkzeugmaschinen

von DMG Mori spielen dabei seit je her eine

entscheidende Rolle in der Zerspanung

der hochwertigen Komponenten aus Titan,

Stahl und Aluminium. Hierfür wurden

unter anderem zwei Palettensysteme mit

jeweils fünf DMC 80 U Duoblock beziehungsweise

DMC 80 H linear installiert.

In der Prozessauslegung neuer Bauteile

setzt Airbus Helicopters auf den

DMG Mori Digital Twin, der zuverlässige

und effiziente Fertigungsprozesse gewährleistet.

Die Sicherheit der Passagiere von Flugzeugen

und Hubschraubern hat seit jeher

oberste Priorität für Airbus. Daraus resultiert

schon in der Fertigung ein extrem

hoher Anspruch an das technische Know-

How der Fachkräfte und die Qualität der

anspruchsvollen Komponenten. „Wir nutzen

ausschließlich hochwertigste Stahl-,

Titan- und Aluminiumlegierungen“, erklären

Thomas Heinrich und Steffen Rößner,

beide bei Airbus Helicopters zuständig für

die Programmierung in der mechanischen

Fertigung. Da es sich ausschließlich um

sicherheitsrelevante Werkstücke handelt,

erfolgt die Bearbeitung in eingefrorenen

Prozessen. „Das heißt, nach der Zertifizierung

von Bauteilen und ihren Herstellungsprozessen

darf nichts mehr verändert

werden – weder Programme, noch

Werkzeuge.“

Automatisierte Produktion auf

zwei Palettensystemen

Eine große Herausforderung in der Produktion

bei Airbus Helicopters ist die

möglichst effiziente und prozesssichere

Fertigungsauslegung neuer Bauteile. Mit

zwei von DMG Mori konzipierten Fertigungslinien

kann das Team die automatisierte

Herstellung der Komponenten über

drei Schichten aufrecht erhalten. Jede

Anlage verfügt über vier Rüstplätze. Die

Hochregale bieten Platz für jeweils 80

46 Industrieanzeiger » 15 | 2025


Paletten . Zusätzlich zu den großen Werkzeugmagazinen

der jeweils fünf DMC

80 U Duoblock und DMC 80 H linear bieten

externe Werkzeugmagazine mit 800

Plätzen für die Stahl- / Titanbearbeitung

und 1000 Plätzen für Aluminiumbearbeitung

ausreichend Stauraum für Schwesterwerkzeuge.

„Die Laufzeiten für jeden

Bearbeitungsschritt sind in den Programmen

hinterlegt, so dass die Anlage rechtzeitig

neue Werkzeuge einwechselt, bevor

die hinterlegten Standzeiten überschritten

werden“, so Steffen Rössner.

Digital Twin: Simulation im

exakten Maschinenabbild

In der zentralen Programmierung nutzen

Thomas Heinrich und Steffen Rössner

Siemens NX inklusive der dort verfügbaren

Simulationsmöglichkeiten. „Da dort

lediglich der NC-Code interpretiert wird,

ohne dass die Software die exakte Maschinenumgebung

oder die Steuerung

kennt, haben diese Simulationen Grenzen“,

findet Thomas Heinrich. Eine optimale

Lösung habe Airbus Helicopters im

Digital Twin von DMG Mori gefunden. Er

repräsentiert das digitale Abbild einer individuellen

DMG Mori Werkzeugmaschine.

Dieses Abbild beinhaltet den Arbeitsraum

mit allen Komponenten, inklusive

aller Funktionalitäten wie Bewegungen

und Steuerungsfunktionen sowie die NC

und SPS und deren Zyklen.

„Die exakte 1:1-Simulation der Programme

verschafft uns wesentliche Vorteile“,

betont Steffen Rössner. „Wir können

sicher sein, dass die Bearbeitung auf

der Maschine kollisionsfrei ist, erzielen

durch die virtuellen Tests einen deutlich

schnelleren Produktionshochlauf, während

die Systeme weiter produzieren.“ Mit

Blick auf die Vermeidung von Kollisionen

ergänzt Thomas Heinrich: „Die Lizenz für

den Digital Twin macht sich spätestens

dann bezahlt, wenn man durch die Simulation

einen größeren Crash vermeidet.“

Als weiteren Vorteil nennt er die reduzierten

Kosten: „Wir können im Digital Twin

ungenutzte Potenziale identifizieren und

digital erschließen.“

Die Funktionalitäten des Digital Twin

gehen für DMG Mori weit über diese Nutzung

hinaus. Die Software spielt beispielsweise

auch in der Ausbildung ihre

Stärken aus. Die realitätsnahe Schulung

ohne unproduktive Maschinenstunden ist

ein signifikanter Kostenfaktor für Unternehmen.

Die Möglichkeiten des DMG

Mori Digital Twin fügen sich perfekt ein in

das Tagesgeschäft und die Philosophie

von Airbus Helicopters. „Die Sicherheit

unserer Produkte hat oberstes Gebot. Das

gilt gleichermaßen für unsere Fertigungsprozesse“,

schlägt Thomas Heinrich eine

Brücke. „Der Digital Twin ist das perfekte

Werkzeug, um diese Sicherheit zu

gewährleisten.“ (su)

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Bild: DMG Mori

Komponenten aus Titan, Stahl und Aluminium werden unter anderem auf

zwei Palettensystemen mit jeweils fünf DMC 80 U Duoblock bearbeitet.

Bild: DMG Mori

DMG Mori Digital Twin:

Prozesssimulation im

exakten Maschinenabbild

inklusive NC, SPS und

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Industrieanzeiger » 15 | 2025 47


Bild: AccuteX

AccuteX hat sein Headquarter in Taichung City in Taiwan hat über 26 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Draht-EDM-Maschinen.

AccuteX zeigt die nächste Generation der Drahterosion

Präzision trifft KI

Auf der EMO Hannover 2025 präsentiert AccuteX aus Taiwan neue Generationen seiner

Drahterodiermaschinen. Im Gespräch erklärt ein Unternehmenssprecher, wie Künstliche

Intelligenz, Automatisierung und Energieeffizienz das Leistungsversprechen der Marke prägen –

und welche Stärken taiwanesische Werkzeugmaschinenhersteller weltweit auszeichnen.

» Alexander Gölz, Chefredakteur Industrieanzeiger

Welche Innovationen haben Sie auf der

auf der EMO Hannover 2025 gezeigt?

Iin Hannover haben wir unsere Drahterodierlösungen

der nächsten Generation

vorgestellt. Zu den Highlights zählen ein

KI-gesteuertes adaptives Schneidsystem,

das Präzision und Bearbeitungsgeschwindigkeit

verbessert, ein hybrider Linearmotorantrieb

zur Steigerung der Energieeffizienz

sowie eine cloudbasierte Überwachungsplattform,

die Echtzeit-Datenana-

lysen ermöglicht. Damit helfen wir Herstellern,

ihre Produktivität zu steigern und

gleichzeitig die Betriebskosten zu senken.

Welche Rolle spielen Automatisierung

und Digitalisierung in Ihren neuen

Maschinen?

Eine sehr große. Unsere neuen Modelle

verfügen über fortschrittliche Automatisierungsschnittstellen,

über Optionen zur

Roboterintegration und über Digital-Twin-

Funktionen. So können Anwender ihre

Prozesse für unbeaufsichtigtes Arbeiten,

vorausschauende Wartung und intelligente

Fabrik-Workflows deutlich effizienter

gestalten. Darüber hinaus setzen wir zunehmend

auf KI-gestützte Services. Diese

helfen bei der Fehlerdiagnose, unterstützen

den Kundenservice und liefern datenbasierte

Empfehlungen für Wartung und

Betrieb – ein wichtiger Schritt angesichts

des zunehmenden Fachkräftemangels.

48 Industrieanzeiger » 15 | 2025


SONDERVERÖFFENTLICHUNG

Was unterscheidet Ihre Technologie von

der Ihrer Mitbewerber?

Ein Alleinstellungsmerkmal ist unser proprietäres

Entladungsschaltungsdesign,

das auch bei anspruchsvollen Materialien

wie PKD oder Hartmetall eine außergewöhnliche

Schnittstabilität bietet. Außerdem

legen wir großen Wert auf eine intuitive,

benutzerfreundliche Softwareoberfläche,

die die Einarbeitungszeit für

Bediener deutlich reduziert. In Kombination

mit unserem starken Kundendienstnetzwerk

verschafft uns das einen klaren

Wettbewerbsvorteil.

Taiwan ist weltweit bekannt für seine

Werkzeugmaschinenkompetenz. Worin

sehen Sie die besonderen Stärken der

taiwanesischen Hersteller?

Taiwanesische Werkzeugmaschinen überzeugen

durch ein hervorragendes Preis-

Leistungs-Verhältnis, Präzision auf dem

Niveau japanischer und deutscher Marken

sowie durch große Flexibilität in der

Anpassung. Unsere Unternehmen reagieren

schnell auf Marktveränderungen –

das macht uns zu verlässlichen Partnern

für Hersteller weltweit.

Wir sind zudem sehr anpassungsfähig

und reagieren schnell auf neue Techno -

logien und Anforderungen. Das ist Teil

der taiwanesischen Stärke: Reaktionsgeschwindigkeit,

Flexibilität und Innovationsfreude.

In welchen Bereichen kommen

Ihre Maschinen besonders

häufig zum Einsatz?

Besonders stark sind wir in

der Bearbeitung hochpräziser

Komponenten für die Medizintechnik

und die Luft- und Raumfahrt.

Diese Branchen stellen höchste Ansprüche

an Genauigkeit und Oberflächenqualität.

Auch Anwendungen im Verteidigungssektor

und bei der Bearbeitung

neuer, schwer zerspanbarer Materialien

gewinnen an Bedeutung.

AZ-600A mit dreiseitigem Fallarbeitstank.

Seit wann ist AccuteX auf dem deutschen

Markt aktiv, und wo sehen Sie

derzeit die größte Nachfrage?

Wir sind seit rund 15 Jahren über lokale

Vertriebs- und Servicepartner in Deutschland

präsent. Besonders die Formen- und

Werkzeugindustrie sowie Hersteller aus

der Luft- und Raumfahrt zeigen großes

Interesse. In jüngerer Zeit verzeichnen wir

auch eine wachsende Nachfrage aus dem

Verteidigungssektor.

» Unser Ziel ist ein gesundes

Gleichgewicht zwischen

Wirtschaftlichkeit und Qualität. «

Die USA haben Zölle auf Werkzeugmaschinen

aus Taiwan verhängt. Wie wirkt

sich das auf Ihr Geschäft aus?

Natürlich erhöht das den Kostendruck für

die gesamte Branche. Wir begegnen dieser

Herausforderung, indem wir unsere

Lieferkette optimieren, den regionalen

Support außerhalb der USA stärken und

kontinuierlich in Innovation investieren.

So schaffen wir Mehrwert über die reine

Preiswettbewerbsfähigkeit hinaus und

können Preissteigerungen teilweise kompensieren.

Viele Hersteller stehen unter Druck,

Kosten zu senken. Wie gehen Sie mit

diesem Trend um?

Unser Ziel ist ein gesundes Gleichgewicht

zwischen Wirtschaftlichkeit und Qualität.

In stark preissensiblen Märkten wie

Indien spielt das eine große

Rolle. Wir wollen flexibel bleiben,

ohne Kompromisse bei

der Präzision oder Zuverlässigkeit

unserer Maschinen einzugehen.

Zum Schluss ein kurzer Blick

zurück und nach vorn. Wie hat sich

AccuteX seit der Gründung entwickelt?

AccuteX wurde 2001 gegründet und hat

sich auf Drahterodiermaschinen spezia -

lisiert. Von Beginn an entwickeln und

fertigen wir zentrale Komponenten wie

Steuerungen, Guss- und Leiterplatten

selbst. Heute investieren wir gezielt in KI,

Sensorik und Datentechnologien – um

unseren Kunden auch in Zukunft präzise,

effiziente und intelligente Lösungen zu

bieten.

Bild: AccuteX

Industrieanzeiger » 15 | 2025 49


SONDERVERÖFFENTLICHUNG

Hannsa Precision: Komponenten für Werkzeugmaschinen

„Wir wollen Lasertechnologie aus

Taiwan nach Europa bringen“

Automatisierung, Smart Factory und faire Preise – das sind die Themen, mit denen taiwanesische Hersteller

auf dem europäischen Markt punkten wollen. Hannsa setzt dabei auf Laser- und Fertigungslösungen, die

auf individuelle Kundenanforderungen zugeschnitten sind. Wiktoria Jaglarska, Administrative Executive,

erklärt im Gespräch, wie das Unternehmen diesen Spagat zwischen Qualität, Effizienz und Service schafft.

» Alexander Gölz, Chefredakteur Industrieanzeiger

Die YLM Laserschneidmaschine für Blech überzeugt für

präzises Schneiden. Bedient wird sie komfortabel über ein

Touchpanel, ergänzt durch eine flexible Austauschplattform.

Bild: Hannsa Precision

Welche Innovationen haben Sie in diesem Jahr auf

der EMO gezeigt?

Wir präsentieren unsere neuesten Entwicklungen im

Bereich Werkzeugmaschinen. Im Mittelpunkt steht

ein vertikales Bearbeitungszentrum – eines unserer

kompakteren Modelle – sowie unsere neue Laserlinie.

Das Faserlaserschneidsystem ist ein wichtiger nächster

Schritt für uns und unsere Kunden.

Spielt Automatisierung bei Ihren neuen Maschinen

eine Rolle?

Absolut. Wir entwickeln unsere Laserlinie mit Fokus

auf Automatisierung, sodass die Prozesse weitgehend

ohne manuelle Eingriffe ablaufen. Unser Ziel ist es,

den Kunden Technologien anzubieten, mit denen sie

ihre Produktivität steigern und gleichzeitig Kosten

senken können. Auf der Blechexpo in Stuttgart wurde

zudem eine komplette intelligente Fertigungslinie vorgestellt,

die gemeinsam mit Partnern entstanden ist.

Wodurch unterscheiden sich Ihre Maschinen von

denen anderer Anbieter?

50 Industrieanzeiger » 15 | 2025


Die Laserrohrschneidmaschine von YLM bearbeitet Rohre mit Durchmessern von 80 bis 360 mm. Je nach Anforderung kommt sie mit zwei oder drei

Spannfuttern zum Einsatz – für maximale Materialeffizienz und präzise Schnittergebnisse.

Bild: : Hannsa Precision

Wir versuchen, das optimale Gleichgewicht zwischen

Qualität und Preis zu finden. Gleichzeitig investieren

wir stark in Forschung und Entwicklung – insbesondere

in unsere Software. Wir hören unseren Kunden

genau zu und entwickeln Lösungen, die wirklich zu

ihren Anforderungen passen. So entstehen zuverlässige,

hochwertige Maschinen. Hinzu kommt unser

Service: Wir verfügen über erfahrene Techniker und

bieten unseren Kundendienst zu fairen Konditionen

an. In einer Branche, in der Service oft teuer ist, ist

das ein klarer Vorteil.

Was macht taiwanesische Werkzeugmaschinen

weltweit so besonders?

Ich denke, es ist unsere Mentalität: Wir wollen hochwertige,

verlässliche Maschinen zu einem vernünftigen

Preis liefern. Unsere Ingenieure analysieren die

Produktionsprozesse der Kunden sehr genau und entwickeln

dann Maschinen, die exakt auf deren Anforderungen

zugeschnitten sind. Das können Speziallösungen

sein, die weit über Standardmodelle hinausgehen.

Wir verkaufen also nicht nur eine Maschine,

wir entwickeln sie gemeinsam mit dem Kunden.

Sie sprachen von Ihrer europäischen Präsenz – wie

sind Sie hier organisiert?

Ergänzend zu den oben genannten Punkten haben

wir zwar eine Tochtergesellschaft in Polen gegründet,

um den Direktvertrieb an Kunden zu betreiben,

aber wir begrüßen auch europäische Distributoren

oder Vertreter, die sich uns anschließen, um die Maschinen

von Yinghan zu bewerben und die Vertriebseffizienz

zu steigern.

Bieten Ihre Maschinen auch Funktionen für vorausschauende

Wartung?

Ja, unsere Maschinen sind mit Sensoren ausgestattet,

die helfen, Kollisionen und Ausfälle zu vermeiden.

Außerdem sind sie mit anderen Systemen kompatibel

– der Produktionsplan kann beispielsweise

über ein übergeordnetes System auf alle Maschinen

übertragen werden. Das ist ein weiterer Schritt Richtung

Smart Factory.

Seit wann sind Sie in Deutschland aktiv, und

welche Branchen sprechen Sie an?

Wir sind seit rund 20 Jahren auf dem deutschen

Markt präsent, hauptsächlich über unsere polnische

Niederlassung. Unsere Maschinen werden in ganz

unterschiedlichen Branchen eingesetzt – von der

Heizungsindustrie bis zur allgemeinen Metallbearbeitung.

Derzeit liegt unser Fokus darauf, unsere Laserschneidsysteme

stärker in Deutschland zu etablieren.

Wie wirken sich die US-Zölle auf Ihr Geschäft aus?

Natürlich spüren wir die Auswirkungen. Einige Aufträge

verzögern sich, und wir müssen stärker auf unsere

Preisgestaltung achten. Aber wir sehen das als

Herausforderung. Wir bieten unseren Kunden weiterhin

wettbewerbsfähige Preise und stärken gleichzeitig

unsere Märkte in Europa und Asien. So bleiben

wir flexibel und widerstandsfähig.

Sie haben den Taiwan Excellence Award erhalten.

Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Das ist für uns eine große Anerkennung. Der Award

ist wie eine Belohnung für die harte Arbeit unseres

Teams und bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg

sind – mit innovativen, hochwertigen Produkten, die

den Kunden echten Mehrwert bieten.

Industrieanzeiger » 15 | 2025 51


SONDERVERÖFFENTLICHUNG

Werner Mäurer, Managing Director Hiwin Deutschland, im Gespräch

Wie Hiwin Geschwindigkeit

und Effizienz verbindet

Hiwin hat auf der EMO 2025 eine Reihe neuer Innovationen im Bereich Lineartechnik

und Aktuatoren vorgestellt. Managing Director Werner Mäurer erläutert im Interview,

wie das Unternehmen Geschwindigkeit, Flexibilität und digitale Intelligenz in seine

Maschinen integriert. Dabei spielt die enge Zusammenarbeit zwischen Taiwan und

Deutschland eine zentrale Rolle – von der Entwicklung bis zur Produktion vor Ort.

» Alexander Gölz, Chefredakteur Industrieanzeiger

Werner Mäurer im Interview: Er leitet

seit 30 Jahren als Geschäftsführer den

Maschinenbauer Hiwin Offenburg.

Kundenprojekte laufen bereits, ein weiterer Auftrag

steht kurz vor dem Abschluss. Was Hiwin auszeichnet,

ist die Kombination aus Geschwindigkeit und

Produktvielfalt. Wir bieten die volle Bandbreite von

Linearantrieben über elektromechanische Systeme

bis hin zu hochautomatisierten Lösungen. Ein wesentlicher

Teil unserer Wertschöpfung steckt in der

Software – das ist heute ein echter Differenzierungsfaktor.

Über unseren Webshop, der direkt an das Warenwirtschaftssystem

angebunden ist, können wir

sehr flexibel und effizient fertigen. Unsere „verrückte“

Fertigungsphilosophie erlaubt es, Änderungen am

Produkt auch sehr spät im Prozess noch zu berücksichtigen.

Kein Auftrag wird gestoppt, alles läuft im

Sinne von Just-in-Time – das gibt uns enorme Geschwindigkeit

und Flexibilität.

Mit welchen zentralen Innovationen tritt Hiwin

auf der EMO Hannover 2025 auf?

Ein Highlight ist unser neu entwickelter elektrischer

Aktuator mit Kugelgewindetrieb. Dabei haben wir die

Kugelgewindetriebe noch kompakter gestaltet und

neue Geometrien eingeführt. Besonders spannend ist

die neue Rollenführung – sie ergänzt unsere bewährte

UR-Serie, die wir weiterhin produzieren. Erste

Bild: Hiwin

Verfügt Ihre neueste Maschine über spezielle Lösungen

zur Automatisierung und digitalen Integration?

Ja, wir haben in den letzten Jahren viele Erfahrungen

mit übergeordneten Systemlösungen gesammelt, etwa

bei unseren Profilschienenführungen. Dort messen

wir Motorströme und Vibrationen, um aktiv gegenzusteuern

und die Performance zu optimieren.

Solche Subsysteme sind wichtige Bausteine auf dem

Weg zu vollständig integrierten, intelligenten Maschinen.

Welche besonderen Vorteile zeichnen Ihre Technologien

aus?

Ein wesentlicher Vorteil ist die enge Zusammenarbeit

zwischen Taiwan und Deutschland. Rund 50 Prozent

52 Industrieanzeiger » 15 | 2025


Der neue Elektro -

zylinder von Hiwin

verbessert Effizienz,

Präzision und Flexibilität

in der industriellen

Automatisierung.

Bild: Hiwin

der Wertschöpfung erfolgen in Deutschland – das

sorgt für kurze Wege, hohe Qualität und Kundennähe.

Die Verbindung aus taiwanesischer Innovationskraft

und deutscher Ingenieurstradition ist für uns

ein echtes Erfolgsrezept.

Welche Hauptstärken bieten taiwanesische Werkzeugmaschinen

im Vergleich zu anderen internationalen

Anbietern?

Taiwan hat trotz vieler großer Unternehmen ein Denken,

das stark vom Mittelstand geprägt ist. Das passt

hervorragend zu Deutschland. Beide Länder sind exportorientiert

und denken langfristig – nicht in Quartalen,

sondern in nachhaltigen Partnerschaften. Diese

Philosophie spiegelt sich auch in unseren Produkten

wider.

Welche Technologien entwickeln und fertigen Sie

derzeit in Taiwan?

Unser Portfolio ist sehr breit aufgestellt – im Grunde

überall dort, wo sich etwas bewegt, kommt Hiwin ins

Spiel. Wir entwickeln und produzieren eine Vielzahl

an Lösungen für unterschiedlichste Branchen und

Anwendungen.

Da der deutsche Markt zunehmend auf Kosteneffizienz

setzt: Welche Alleinstellungsmerkmale heben

Ihre Produkte von Wettbewerbern ab?

Ein entscheidender Punkt ist die Intelligenz, die in

unseren Produktionsprozessen steckt. Wir setzen auf

das Prinzip „local for local“ – also auf lokale Produktion

für lokale Märkte. Das bedeutet: Wir haben

nicht nur eine Vertriebsgesellschaft vor Ort, sondern

auch echte Fertigungskompetenz. Nur so können wir

schnell reagieren, individuell anpassen und gleichzeitig

effizient produzieren.

Können Sie ein aktuelles Erfolgsbeispiel nennen,

das den Nutzen Ihrer Lösungen in der Praxis verdeutlicht?

Ein besonders spannendes Projekt kommt aus dem

Defence-Bereich. Dort haben wir eine Lösung entwickelt,

die unter extremen Temperaturbedingungen

von minus 30 bis plus 60 Grad zuverlässig funktioniert.

Außerdem konnten wir in der Batterietechnik

eine extrem schnelle Achse realisieren – ein weiterer

Beweis für die Leistungsfähigkeit unserer Systeme.

» Taiwan hat trotz vieler großer

Unternehmen ein Denken, das stark

vom Mittelstand geprägt ist. «

Wie bewerten Sie den aktuellen globalen Trend zur

Kostensenkung im Werkzeugmaschinenbau und

warum gewinnt dieses Thema an Bedeutung?

Der Fokus auf Kosteneffizienz ist eigentlich nichts

Neues – Unternehmen, die das aus den Augen verloren

haben, geraten schnell in Schwierigkeiten. Hinzu

kommt derzeit der Einfluss von Zöllen: Importe sind

teilweise um bis zu 15 Prozent teurer geworden, und

am Ende zahlt das meist der Kunde – zum Beispiel in

den USA. Das zeigt, wie wichtig effiziente, regionale

Produktionsstrukturen sind.

Industrieanzeiger » 15 | 2025 53


SONDERVERÖFFENTLICHUNG

Vom Bauteil bis zur Komplettlösung

Honor Seiki setzt auf Flexibilität

und starke Lieferkette aus Taiwan

Mit wettbewerbsfähigen Preisen, einer starken Lieferkette und hoher Anpassungsfähigkeit

positioniert sich Honor Seiki als verlässlicher Partner für präzise und effiziente

Werkzeugmaschinen – „Made in Taiwan“.

» Alexander Gölz, Chefredakteur Industrieanzeiger

Seit 2006 verkaufen wir Maschinen in Deutschland.

Besonders interessiert zeigen sich Unternehmen aus

den Bereichen Energie, Präzisionslager, Schwermaschinenbau

sowie Antriebstechnik.

Bild: Honor Seiki

Dual-Ram-Hartdreh-Lösung von Honor Seiki, entwickelt für die hochpräzise Bearbeitung

von Windkraftanlagenlagern.

Welche Innovationen stellen Sie auf der EMO

Hannover 2025 vor?

An unserem Messestand wird deutlich, dass wir auf

branchenspezifische Lösungen setzen, insbesondere

im Bereich großer Vertikaldrehmaschinen, und auf

die Entwicklung maßgeschneiderter Maschinen für

hochwertige Bauteile.

So setzen wir etwa im Energiesektor – etwa für Wasserstoff-

und Windkraftanwendungen – unsere

„Hard-Turning-Technologie“ ein, mit der Kunden ihre

Effizienz um rund 25 Prozent steigern und gleich -

zeitig Investitionskosten für Maschinen einsparen

können.

Wie lange sind Sie bereits in Deutschland aktiv,

und welche Branchen interessieren sich besonders

für Ihre Lösungen?

Bietet Ihre neue Maschine Funktionen für Automatisierung

und Digitalisierung?

Ja, selbstverständlich. Angesichts der Veränderungen

im Markt verkaufen wir nicht mehr nur Einzelmaschinen.

Ziel ist es, intelligente Elemente in unsere

Anlagen zu integrieren, sodass Kunden „smarte Maschinen“

erhalten, die Effizienz steigern, Arbeitsaufwand

reduzieren und zusätzlichen Mehrwert schaffen.

Dazu gehören automatisiertes Be- und Entladen, Kollisionsvermeidung,

Produktionsüberwachung, Digital-

Twin-Technologie und weitere digitale Funktionen.

Wodurch heben sich Ihre Technologien von der

Konkurrenz ab?

Unsere Stärke liegt in der Bearbeitung großer Werkstücke

und einzigartiger Prozesse. Beispielsweise erzielt

unsere Hard-Turning-Technologie exzellente

Oberflächenqualitäten, wodurch ein Schleifprozess

zur Nachbearbeitung entfällt. Außerdem zeigt unsere

Hochgeschwindigkeits-Bohrtechnologie bei Anwendungen

in Windenergie-Lagern eine um rund 20 Prozent

höhere Effizienz im Vergleich zu einigen europäischen

Maschinen – ein klarer Vorteil in den Märkten

Windkraft und Wasserstoff. Wir bieten zudem

schlüsselfertige und kundenspezifische Lösungen –

von der Maschine bis zur kompletten Prozessintegration

– und erleichtern so Industrien wie Energie oder

Luftfahrt die Einführung. Dank modularer und individueller

Designs können wir auch große, komplexe

Aufträge schneller liefern als viele japanische und

europäische Anbieter.

Welche Stärken haben taiwanesische Werkzeugmaschinen

im globalen Markt?

54 Industrieanzeiger » 15 | 2025


Bild: Honor Seiki

Taiwanesische Werkzeugmaschinen bieten ausländischen

Käufern gleich mehrere Vorteile. Besonders

hervorzuheben ist das attraktive Preis-Leistungs-

Verhältnis: Im Vergleich zu europäischen und japanischen

Herstellern überzeugen die Maschinen durch

wettbewerbsfähige Preise bei gleichzeitig kurzen Lieferzeiten.

Darüber hinaus profitiert man von einer

vollständig ausgebauten lokalen Lieferkette. Von

Komponenten und Zubehör über die Fertigung bis hin

zum After-Sales-Service stellt Taiwan ein komplettes

industrielles Ökosystem bereit, das Kunden eine verlässliche

Versorgung garantiert. Ein weiterer Pluspunkt

ist die hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit

der Hersteller: Bearbeitungslinien oder Sondermaschinen

können schnell und passgenau auf die individuellen

Anforderungen der Kunden zugeschnitten

werden.

Wie wirken sich die US-Zölle auf die taiwanesische

Werkzeugmaschinenindustrie und Ihr Unternehmen

aus?

Der US-Markt ist nicht unser größter Absatzmarkt.

Große Unternehmen halten ihre regulären Jahresbeschaffungspläne

ein, sodass wir weiterhin Aufträge

erhalten.

Subunternehmer, kleinere Firmen oder Job Shops

sind hingegen vorsichtiger – sie verschieben möglicherweise

Bestellungen, bis die Zölle klarer sind, oder

verlagern sie nach Mexiko oder Indien. Bei großen,

kundenspezifischen Maschinen akzeptieren Kunden

in der Regel moderate Preisänderungen. In stark umkämpften

Segmenten, wie Turmvertikaldrehmaschinen,

wird es jedoch schwieriger. Koreanische Wettbewerber

haben bereits große Standorte in den USA,

zudem sind deren Zölle um 50 Prozent niedriger als

die taiwanesischen. In diesem Segment müssen wir

besonders strategisch vorgehen, um die Preisdifferenz

auszugleichen.

Können Sie abschließend die Geschichte und

Philosophie von Honor Seiki erläutern?

„Honor to be your partner“ ist unsere Philosophie:

Die erste Wahl als strategischer Partner für führende

Vertikaldrehmaschinen mit intelligenten und innovativen

Lösungen. Zu Beginn konzentrierte sich Honor

Seiki auf die Fertigungsindustrie in Taiwan. 2004 begann

die Kooperation mit dem größten taiwanesischen

Werkzeugmaschinenhersteller, der Tongtai

Group, um die Vertriebskanäle zu erweitern. Unser

Leitbild lautet: Integrität, Technologie, guter Service

und nachhaltige Entwicklung. Wir verbinden Handwerksgeist

mit Innovationskraft, verbessern kontinuierlich

unsere Lösungen und achten sowohl auf die

Bedürfnisse unserer Kunden als auch auf Umweltbelange.

Unser Ziel ist eine strategische Partnerschaft

mit Kunden, nicht nur eine klassische Käufer-Verkäufer-Beziehung.

Von Windenergie über Schienenverkehr,

Luftfahrt, Motorenbau, Präzisionslager bis zur

Wasserstoffindustrie – wir bieten die passenden Maschinen

und Lösungen für vielfältige Anwendungen.

Die Hauptproduktionshalle

von Honor Seiki,

in der eine Vielzahl

von Präzisions-Vertikal-

Drehmaschinen und

Schwerlastmaschinen

zu sehen sind.

Industrieanzeiger » 15 | 2025 55


SONDERVERÖFFENTLICHUNG

Von der Luft- und Raumfahrt bis E-Mobility

Präzision trifft Flexibilität –

fokussiert auf die Kernkompetenz

Ein Mikrometer Genauigkeit, offene Systeme und 30 Prozent kürzere Zykluszeiten –

Palmary Machinery Co. hat auf der EMO Hannover 2025 gezeigt, wie taiwanesische

Präzisionstechnologie europäische Fertigungsstandards neu definiert.

» Alexander Gölz, Chefredakteur Industrieanzeiger

Mit welchen zentralen Innovationen hat sich

Palmary Machinery Co. auf der EMO Hannover

2025 präsentiert?

Wir freuen uns besonders darüber, dass unsere CNC-

Rundschleifmaschine OCA-3235H200 mit dem renommierten

Taiwan Excellence Award ausgezeichnet

wurde. Diese Ehrung unterstreicht eindrucksvoll die

Innovationskraft von Palmary in den entscheidenden

Bereichen Präzision, Steifigkeit und Automatisierung.

Auf der EMO präsentieren wir die Weiterentwicklung

dieser Technologie: die CAM-CNC-Rundschleifmaschine

OCD-3260, die alle Stärken unseres

preisgekrönten Designs vereint und das Leistungsspektrum

um die entscheidende Fähigkeit erweitert,

nicht-runde Bauteile zu schleifen. Diese Innovation

erweist sich als besonders wertvoll für Komponenten

aus der Luft- und Raumfahrt sowie der Automobilindustrie.

Denken Sie beispielsweise an Spezialwellen,

bei denen unsere Kunden sowohl höchste Genauigkeit

als auch komplexe geometrische Formen benötigen.

Genau hier setzt unsere Technologie neue

Maßstäbe.

Welche besonderen Vorteile zeichnen Ihre Technologien

aus?

Die große Stärke von Palmary liegt darin, Kundenanforderungen

in produktionsreife Lösungen zu übersetzen.

Unsere Rundschleifmaschinen der OCD-Serie

erreichen beispielsweise eine beeindruckende Genauigkeit

von einem Mikrometer und integrieren da-

Bild: Palmary

Daphne Chiu ist Regionalmanagerin bei Palmary

Machinery Co., Ltd., wo sie die Marktpräsenz des

Unternehmens und die Kundenpartnerschaften

in Europa und Amerika vorantreibt. Mit ihrem

fundierten Hintergrundwissen in den Bereichen

Präzisionsschleifen und Automatisierungstechnik

widmet sie sich der Verbindung taiwanesischer

Innovationen mit den hohen Standards der

europäischen Fertigung.

56 Industrieanzeiger » 15 | 2025


bei Automatisierung und Messtechnik in einem vollständigen

System. Was Palmary jedoch wirklich von

anderen Anbietern unterscheidet, ist unsere offene

CNC-Plattform. Dank dieser Architektur können unsere

Kunden Roboter, Messgeräte und Datenüberwachungssysteme

verschiedener Hersteller problemlos

anschließen. Gleichzeitig haben wir das umfassende

Schleif-Know-how von Palmary direkt in die Steuerung

integriert. Das bedeutet: Bediener finden

schnell die optimalen Einstellungen und können die

Produktion stabil halten. Unsere Kunden erhalten

also nicht einfach eine Schleifmaschine, sondern

eine intelligente, flexible und zukunftsfähige Produktionsplattform,

die mit ihren Anforderungen mitwächst.

Welche Hauptstärken bieten taiwanesische Werkzeugmaschinen

im Vergleich zu anderen internationalen

Anbietern?

Ich sehe drei wesentliche Stärken, die taiwanesische

Werkzeugmaschinen auszeichnen: Erstens die zuverlässige

Präzision – das ist und bleibt unsere Grundlage.

Zweitens unsere Flexibilität: Wir können außerordentlich

schnell auf spezielle Kundenbedürfnisse

reagieren und maßgeschneiderte Lösungen entwickeln.

Und drittens – was mir persönlich besonders

wichtig ist – unsere intensive Kundenbindung. Wir

liefern nicht nur Maschinen aus und verabschieden

uns dann. Stattdessen bleiben wir bei unseren Kunden,

begleiten sie langfristig und unterstützen sie

kontinuierlich. Diese Kombination ist es, die Palmary

weiter wachsen lässt – insbesondere hier in Europa,

wo Kunden genau diese Werte schätzen.

Welche Fertigungsbranchen in Deutschland zeigen

das größte Interesse an Ihren Technologien?

In Deutschland beobachten wir eine besonders starke

Nachfrage in den Bereichen Luft- und Raumfahrt,

Elektrofahrzeuge sowie Energietechnik. Unsere Erfahrung

zeigt, dass diese Branchen nach Lieferanten

suchen, die Präzision und Zuverlässigkeit bieten und

gleichzeitig die Agilität besitzen, schnell auf sich ändernde

Anforderungen zu reagieren. Genau aus diesem

Grund entscheiden sich immer mehr Kunden in

Deutschland für Palmary. Wir verbinden höchste Präzision

mit maximaler Flexibilität – eine Kombination,

die deutsche Hersteller besonders zu schätzen wissen

und die perfekt zu den hohen Qualitätsansprüchen

der deutschen Industrie passt.

Können Sie ein aktuelles Erfolgsbeispiel nennen,

das den Nutzen Ihrer Lösungen in der Praxis verdeutlicht?

Wir haben kürzlich einen Luft- und Raumfahrtzulieferer

bei der Fertigung von Fahrwerkskomponenten

unterstützt. Früher erforderte der Produktionsprozess

mehrere Umrüstvorgänge und manuelle Qualitätsprüfungen.

Das war nicht nur zeitaufwendig, sondern

ließ auch Raum für Inkonsistenzen. Mit dem integrierten

System von Palmary konnten wir die Zykluszeit

um 30 Prozent reduzieren und gleichzeitig die

Qualitätskonsistenz erheblich verbessern. Dieses Beispiel

zeigt eindrucksvoll, wie Palmary einen komplexen,

mehrstufigen Prozess in eine einfache, stabile

und hocheffiziente Produktionslösung verwandeln

kann – genau das, was unsere Kunden benötigen, um

im globalen Wettbewerb erfolgreich zu sein.

Palmary OCD-CAM-

Serie Rundschleif -

maschine mit

Unrundschleifen und

integrierter Präzisionsmesstechnik.

Bild: Palmary

Industrieanzeiger » 15 | 2025 57


» TECHNIK

Verkabelung für modulare und global einsetzbare Produktionsanlagen

Auf einer Wellenlänge

Bei der Fertigung komplexer Produktionsanlagen für Wellpappe setzt BHS Corrugated auf ein

hohes Maß an Automatisierung und Modularität. Ein wesentlicher Bestandteil: zuverlässige

Verbindungslösungen für Antriebs-, Steuerungs- und Schaltschranksysteme. Mit einem breiten

Produktspektrum, globaler Lieferfähigkeit und technischer Unterstützung steht Helukabel dem

Maschinen- und Anlagenbauer bei der weltweiten Umsetzung seiner Projekte zur Seite.

Die großen Wellpappenanlagen

von BHS Corrugated können bis

zu 200 m lang sein.

Bild: BHS Corrugated

Bild: Helukabel

Die einzelnen An -

lagenteile werden

bei BHS Corrugated

zusammengebaut

und anschließend

zum Kunden transportiert

– erst

dort erfolgt die

Endmontage.

Wellpappe: Was auf den ersten Blick

einfach wirkt, ist in Wahrheit ein

komplexes High-Tech-Produkt: leicht,

stabil, recyclingfähig und dabei hoch

individualisierbar. Um den stetig steigenden

Anforderungen an das Material gerecht

zu werden, benötigen Wellpappenhersteller

modernste Maschinen- und

Anlagentechnologie.

Mit dieser kennt man sich bei BHS

Corrugated Maschinen- und Anlagenbau

aus. Die Geschichte des Unternehmens

mit Sitz im bayrischen Weiherhammer

reicht bis ins Jahr 1717 zurück, als

am Standort eine Eisenhütte gegründet

wurde. 1960 nimmt die heutige BHS

Corrugated schließlich den Geschäftsbereich

Wellpappenanlagen in ihr Portfolio

auf: Es umfasst komplette Wellpappenwerke,

Maschinen, Anlagen und Industrie

4.0-Lösungen ebenso wie Logistikkon -

zepte und Drucktechnologien. Die großen

Produktionsanlagen, die für die Herstellung

von Wellpappe eingesetzt werden,

können bis zu 200 m lang sein. Aufgebaut

sind sie deshalb modular: Die einzelnen

Anlagenteile werden an verschiedenen

internationalen Standorten des Unternehmens

zusammengebaut und anschließend

per LKW oder Seefracht zum Kunden

transportiert. Erst dort erfolgen die

Endmontage und Inbetriebnahme der

kompletten Wellpappenlinie.

Technische Vielfalt und globale

Anforderungen

In der Antriebs- und Steuerungstechnik

sowie im Schaltschrankbau kommen unterschiedlichste

Arten von Kabeln und

Leitungen zum Einsatz. Verbaut werden

zum Beispiel Steuer- und Anschlussleitungen,

Datenleitungen, Servoleitungen

oder Motorleitungen. Vor allem in der

Schaltschrankverdrahtung finden sich zudem

die Einzeladern der Produktfamilie

Fivenorm von Helukabel: Sie sind nach

fünf verschiedenen internationalen Normen

zertifiziert und damit für den welt-

weiten Einsatz geeignet – „ein wichtiges

Kriterium für uns, schließlich exportieren

wir viele unserer Wellpappenanlagen in

die USA, nach China oder in andere internationale

Märkte“, schildert Markus

Schrödl, Elektrotechnik-Spezialist bei

BHS Corrugated. „Globale Approbationen

sind deshalb bei den Komponenten, die

wir verwenden, oft zwingend vorgeschrieben.“

Auch für die automatisierte

Verarbeitung und Bedruckung mit einer

Komax-Maschine, wie es bei BHS

Corrugated der Fall ist, sind die Fivenorm-

Einzeladern ideal geeignet.

Anschlussfertig an den

Arbeitsplatz

Die Leitungen, die für die Montage der

einzelnen Anlagenmodule in Weiherhammer

benötigt werden, bezieht BHS

Corrugated größtenteils über einen in der

Nähe ansässigen Konfektionär. Dieser

stellt die Kabel nicht nur in der jeweils

gewünschten Länge und mit den passen-

58 Industrieanzeiger » 15 | 2025


den Steckverbindern versehen bereit, sondern

auch vorsortiert auf eigens dafür

konzipierten Montagewagen, die direkt

an den verschiedenen Stationen der

Linienfertigung platziert werden. „Unsere

Mitarbeiter müssen die Leitungen nur

noch der Reihe nach entnehmen und an

der richtigen Stelle in der Maschine platzieren

– das spart eine Menge Zeit und

Aufwand“, erklärt Schrödl. Weitere Produkte

für die Endmontage beim Kunden

werden passgenau mit der

Maschine vor Ort ange -

liefert.

Ein zusätzlicher Pluspunkt

ist für den Experten

die internationale Verfügbarkeit

der Helukabel-Produkte.

Das Unternehmen ist

rund um den Globus vertreten

– und kann somit sicherstellen,

dass Ersatzteile

im Servicefall schnell zur

Hand sind. „Für einen Anbieter

wie BHS Corrugated,

der weltweit installierte

Anlagen betreut, ist dies

ein echter Wettbewerbsvorteil“,

weiß Thomas

Puchta, der als Gebietsverkaufsleiter

bei Helukabel

erster Ansprechpartner für

BHS Corrugated ist.

Dessen Beratung und

technische Kompetenz

werden von Markus Schrödl

ebenfalls mit Lob bedacht:

„Der unkomplizierte und

offene Austausch mit dem

Vertriebsteam von Helukabel

hat unsere Zusammenarbeit

geprägt und kontinuierlich

weiterentwickelt“,

findet er. Auch der Innendienst

sei bei Anfragen

stets gut erreichbar und

immer um eine schnelle

und zufriedenstellende Lösung

bemüht. Die gute und

übersichtliche technische

Dokumentation auf der

Website tue ihr Übriges,

damit sich die Verantwortlichen

von BHS Corrugated

bei dem Verbindungstechnikanbieter

rundum gut aufgehoben fühlen. Seine

große Wertschätzung brachte der Anlagenbauer

dann auch auf ganz besondere

Weise zum Ausdruck: Im Juli 2025 wurde

Helukabel von BHS Corrugated als „Preferred

Supplier“, also als bevorzugter Lieferant

ausgezeichnet. Group Chief Operating

Officer (COO) Christian Schneider

reiste persönlich nach Hemmingen, um

die großartige Neuigkeit zu überbringen.

Zum Anwenderbericht

Wenn Hightech-Lieferketten reißen, gibt es

meist einen Verantwortlichen: den Mikrochip.

Ohne ihn geht gar nichts. Dafür, dass

seine Produktion auch in Deutschland auf

Hochtouren läuft, sorgen einige Hidden

Champions der Republik – mit automatisierten

Bearbeitungszentren von HERMLE.

www.hermle.de

Rund 95 % aller bei BHS Corrugated

verbauten Leitungen stammen mittlerweile

von dem Unternehmen – und

weitere Projekte sind bereits in Planung.

„Unsere beiden Unternehmen teilen den

Anspruch, durch Qualität und Innovationskraft

Maßstäbe zu setzen – und gemeinsam

Lösungen zu entwickeln, die

auch zukünftigen Anforderungen gerecht

werden“, betont Markus Schrödl. (hw)

Hinter Höchstgeschwindigkeit steckt immer Präzision.

Wenn Millisekunden über Sieg oder Niederlage

entscheiden, kommt es auf jedes einzelne Detail

an. Vor allem wenn Millionenbeträge auf dem

Spiel stehen. Darum setzen etliche Rennställe

der Formel 1 auf innovative Composite-Bauteile.

Und die stellen Schweizer Präzisionsexperten

auf HERMLE Bearbeitungszentren her.

www.hermle.de

Industrieanzeiger » 15 | 2025 59


Bild: SEW

Das Variantenmanagement

ermöglicht mit

der Funktion „Produkt

vergleichen“ auf den

ersten Blick identische

Produkte anhand ihrer

technischen Merkmale

zu vergleichen, um die

richtigen Varianten

auszuwählen.

Gepäckfördertechnik optimiert: Weniger Antriebsvarianten, mehr Übersicht

Mehrfacher Nutzen durch

Variantenmanagement

Der Betrieb von Förderanlagen lässt sich kostenmäßig optimieren: Aktuell implementiert

der Flughafen München im Terminal 1 das Variantenmanagement von SEW-Eurodrive.

Es hilft, die Zahl der eingesetzten Antriebsvarianten in den Förderanlagen zu optimieren

und den Umfang des Ersatzteillagers zu reduzieren.

» Gunthart Mau, Referent Fachpresse, SEW-Eurodrive

Der Münchner Airport zählt zu den

zehn verkehrsreichsten Luftfahrt-

Drehkreuzen in Europa. Entsprechend ist

auch die Kapazität der Gepäckförderanlagen

ausgelegt. Im Terminal 1, Bereich

„Flughafenspezifische Anlagen“, Servicebereich

Technik sorgt Anton Lechner für

die ordnungsgemäße technische Funktion

der Gepäckförderanlagen zur Be- und

Entladung der Flugzeuge. Mit der

Instandhaltung der Gepäckförderanlagen

beauftragte der Bereich Technik einen

externen Dienstleister.

In einem Wartungsvertrag wurde vereinbart,

dass nach 20.000 Stunden eine

Generalinspektion des Förderers erfolgt.

Sollte sich dabei herausstellen, dass einzelne

Komponenten verschlissen sind,

werden sie durch den Vollinstandhalter

ausgetauscht. Immerhin laufen die Bänder

täglich, aber sehr unterschiedlich lange

– von selten bis zum Dauerbetrieb in

den Peak-Zeiten. Daher haben die Lieferanten

der Fördertechnik sämtliche Antriebe

mit hinreichender Reserve ausgelegt.

Insgesamt wurden im Terminal 1 für

den Gepäcktransport über 2.500 Elektromotoren

in der Fördertechnik verbaut –

mit mehr als 200 unterschiedlichen Motorentypen.

„Im Laufe der Jahrzehnte hatten

wir mehrere Lieferanten, verschiedene

Hohlwellen, unterschiedliche Einbau -

situation“, erläutert Anton Lechner.

Angesichts der großen Zahl und Varianz

von Antrieben hatte der Servicebereich

Technik den Wunsch, einen genauen

Überblick zu bekommen, welche SEW-

Produkte im Einsatz sind und in welcher

Konfiguration diese geliefert wurden.“

Herr Lechner erläutert: „Natürlich haben

wir ein Lagermanagement, in dem die

Motoren mit ihrer Nennleistung gelistet

sind.“ Aber er wünschte detailliertere

Informationen und Filtermöglichkeiten.

Diese bietet das Variantenmanagement

von SEW-Eurodrive.

Anton Lechner berichtet: „Ursprünglich

setzten wir Getriebemotoren eines anderen

Lieferanten ein. Ich bekam die Aufgabe,

einen neuen Rahmenvertrag auszuschreiben,

weil der Flughafen einen alternativen

Antriebshersteller finden wollte.

Eine Voraussetzung dabei war, dass sich

die angebotenen Getriebemotoren mit

mechanisch identischer Schnittstelle an

die Förderer anbauen lassen.“ Mit SEW-

Eurodrive wurde ein geeigneter Anbieter

60 Industrieanzeiger » 15 | 2025


TECHNIK «

Industrie

Bild: SEW

gefunden. Der Antriebsspezialist bot eine

passende Lösung an und lieferte seine

Getriebemotoren zunächst über den Maschinenbauer

an den Flughafen.

„Eine direkte Geschäftsverbindung zum

Terminal 1 des Flughafens gibt es seit

etwa vier Jahren“, berichtet Andreas

Tischler. Er ist Vertriebsingenieur im Drive

Technologie Center (DTC) Süd von SEW-

Eurodrive in Kirchheim, nur eine halbe

Autostunde südlich vom Flughafen gelegen.

„Vor zwei Jahren haben wir das erste

Mal über das Variantenmanagement gesprochen.“

Anton Lechner war von Anfang

an interessiert: „Unsere Hauptmotivation

war zunächst, die vorhandenen

Motoren zu erfassen.“

Seit Sommer 2022 wird das Variantenmanagement

im Terminal 1 schrittweise

implementiert. Die Mitarbeiter des Servicebereichs

Technik importieren die Getriebemotoren

über die Seriennummern.

„Wir müssen sie jeweils separat anschauen,

weil beispielsweise auch die Drehzahlen

unterschiedlich sind. Dafür habe ich

eine Liste zum strukturierten Erfassen

der Antriebsdaten.“ Bei neuen Angeboten

werden die Daten über das CRM-System

von SEW-Eurodrive automatisch im Variantenmanagement

angezeigt. „Wir haben

bei Null angefangen und gemeinsam über

die Zeit viel geschafft“, berichtet Andreas

Tischler. „Nur einige Unikate müssen noch

Dieser Umrichter Movimot in motornaher Montage

speist einen Getriebemotor, der das Förderband

an der Einschleusung am Sorter antreibt.

händisch erfasst werden.“ Das Variantenmanagement

vereinfacht die Arbeitsweise

der Kunden. Im elektronischen Katalog

kann mit Hilfe von umfangreichen Filtern

und Vergleichsmöglichkeiten ein passender

Antrieb gefunden werden. Tischler erläutert:

„Auch bei Produkten anderer Hersteller,

die der Kunde ersetzen möchte,

geht er ins Variantenmanagement und

prüft auf Basis von technischen Merkmalen

wie Einbaulage, Drehzahl und Leistung,

ob schon ein passendes SEW-

Produkt vorhanden ist. Dann sendet er

uns über das Variantenmanagement eine

Angebotsanfrage mit der Materialnummer.

Aufgrund der guten Erfahrungen mit

dem Variantenmanagement kauft der

Flughafen München bei uns die passenden

Antriebe.“

Besserer Überblick

Schon wenige Monate nach der Einführung

des Variantenmanagements im Terminal

1 beschreibt Herr Lechner den Nutzen:

„Der Überblick über die Varianten

verbessert sich kontinuierlich. Das ist ein

fortlaufender Prozess, der noch etwas

dauern wird, bis er Früchte trägt. Da bin

ich sehr zuversichtlich.“ Auch der Vollinstandhalter

hat bereits ein allgemeines

Interesse am Variantenmanagement signalisiert.

Anton Lechner ist optimistisch:

„Natürlich muss der Dienstleister die Verfügbarkeit

der gesamten Fördertechnik

garantieren und deshalb Veränderungen

sorgfältig planen. Aber er begrüßt die gewonnene

Transparenz und geht diesen

Weg mit“, resümiert der Servicespezialist.

Der nächste, geplante Schritt wird die

Reduzierung der vorhandenen Antriebsvarianten

in der Fördertechnik sein. Das

ist ein längerer Prozess, bei dem unterschiedliche

Motorvarianten und -daten

zu berücksichtigen sind. Zum Beispiel gehören

dazu auch die Geschwindigkeiten,

damit der Förderfluss der Gepäckstücke

richtig bemessen wird. In der Folge kann

das Ersatzteillager verkleinert werden. Bei

künftigen Neuplanungen wird es auch

möglich sein, sinnvolle Vorgaben über

die einzusetzenden Antriebsvarianten zu

machen. Auch für jeden OEM, der regelmäßig

SEW-Antriebe bestellt, ist die

Lösung interessant.

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Industrieanzeiger » 15 | 2025 61


» TECHNIK

Automatisierte Einzelteilfertigung mit Hermle-Technologie

Automatisierte Fräsbearbeitung

steigert Präzision und Effizienz

Seit 1998 setzt der Lohnfertiger Fischer CNC-Technik auf Bearbeitungszentren von Hermle.

Die Belegschaft ist von der Platzersparnis, der hohen Genauigkeit und den intuitiven Achssystemen

begeistert . Heute erweitert der Betrieb die automatisierte Fertigung durch eine Kombination aus

C 42 U und HS flex heavy und zerspant nachts sowie am Wochenende ohne Personal.

» Udo Hipp, Leiter Marketing bei Hermle, Gosheim

Die C 42 U sorgt dank des adaptierten

Handlingsystems HS flex heavy für

die notwendige Flexibilität und

automatisierte Prozesse.

Ich bin schon lange ein Fan der Hermle

Maschinen und dadurch voreingenommen“,

verrät Frank Lichti, Kundenbetreuer

und Leitung Arbeitsvorbereitung bei der

Fischer CNC-Technik GmbH. Seit 1998

setzt Fischer CNC die Bearbeitungszentren

aus Gosheim ein. Der Maschinenpark

ist mittlerweile auf 16 Maschinen angewachsen,

darunter vier C 800 U, acht C

600 U, eine C 40 U, zwei C 22 UP mit

PW150 und seit vergangenem Jahr der

Neuzugang C 42 U mit dem Handlingsystem

HS flex heavy.

Das Unternehmen wurde 1985 in Neustadt

an der Weinstraße als Lohnfertiger

gegründet und beschäftigt etwa 50 Mittet

das Unternehmen auch Titan und

Kunststoffe wie Peek mit den Hermle

Bearbeitungszentren. Viele der Produkte

gehen in die Automotive-Branche. Dazu

gehören technisch anspruchsvolle Einzelteile

wie Ölpumpen, Schaltgabeln, Hochleistungs-E-Motorengehäuse

sowie Verzahnungsbauteile.

Bild: Hermle

arbeitende. Das Ziel: herausragende Qualität

und auf den tausendstel Millimeter

genau zerspante Bauteile. Frank Lichti

war zusammen mit drei Partnern seit

1997 als Geschäftsführer und Gesellschafter

im Unternehmen tätig. 2017 verkauften

sie den Betrieb an die Hör Technologie

GmbH mit Sitz in Weiden in der

Oberpfalz, das Unternehmen entwickelt

und fertigt unter anderem Komplettgetriebe.

„Seither hat sich unser Produktspektrum

verschoben. War früher Aluminium

mit circa 80 % der wichtigste Rohstoff

für uns, zerspanen wir inzwischen zu

etwa 60 % hochvergüteten und gehärteten

Stahl“, sagt Lichti. Daneben bearbei-

Aus eins mach zwei

Zunächst setzte Fischer CNC-Technik auf

Bearbeitungszentren eines anderen deutschen

Herstellers. „Wir waren nicht unzufrieden“,

blickt Lichti zurück. Doch als

1998 die Fertigungskapazitäten deutlich

erhöht werden sollten, konnte Hermle vor

allem in einem Punkt überzeugen: der geringe

Platzbedarf der Systeme. „Wir hatten

nur eine Halle, und auf der Fläche, auf

der ich vom Wettbewerber eine Maschine

aufstellen konnte, fanden zwei Bearbeitungszentren

aus Gosheim Platz“, betont

der ehemalige Geschäftsführer. „Die C

600 U und C 800 U sind die kompaktesten

Anlagen, die Hermle gebaut hat.“

Ein weiterer Grund für die Entscheidung

war das übersichtliche Achs-System-Prinzip:

Drei Achsen in der Spindel,

zwei Achsen im Tisch – das sei einfach

verständlich abgebildet. „Die Kombination

aus Schwenkrundtisch mit der mittig

angeordneten Drehachse ist sehr bedienerfreundlich“,

lobt Lichti.

62 Industrieanzeiger » 15 | 2025


Bedienerfreundlich ist auch das Stichwort,

warum das Unternehmen mit dem

HS flex heavy nun auf Automation setzt.

„Vor 20 Jahren waren drei Schichten die

Regel, mehrere Fachkräfte versorgten jede

Nacht 15 Bearbeitungszentren, spannten

Teile und rüsteten die Maschinen“, erinnert

sich Lichti. „Dafür finden wir heute

keine Mitarbeitenden mehr.“ Dank Automation

fertigt der Betrieb in dieser Zeit

und am Wochenende personenlos. „Wir

müssen mit der gleichen Belegschaft eine

höhere Produktivität erreichen. Dafür gilt

es, effektiver zu werden und zu rationalisieren.

Das gelingt uns im Zwei-Schicht-

Betrieb nur dank Automation.“

Kleine Lose, große Gewichte

Das Handlingsystem HS flex heavy verarbeitet

verschiedene Formate ohne Einschränkungen.

Im Gegensatz zu konventionellen

Palettenwechslern dockt es an

alle Hermle Maschinen an und lässt sich

durch Module erweitern. Die Lösung folgt

dem Prinzip „High Mix, Low Volume“ und

eignet sich ideal für variierende Fertigungsanforderungen.

Eine typische Losgröße umfasst bei

Fischer CNC-Technik fünf und mehr Bauteile.

Der Betrieb setzt unterschiedliche

Ladungsträger ein, um Störkonturen zu

minimieren und die Palettendichte pro

Quadratmeter zu erhöhen. „Aufgrund unserer

Werkstückspezifikationen haben wir

uns für die Ausführung ‚heavy‘ mit 17

Plätzen entschieden“, erklärt Lichti. Damit

kann der Lohnfertiger auch Bauteile bis

Bild: Hermle

Auch anspruchsvolle Komponenten wie diese

Zylinderkopfhaube gehören zum kleinen

Einmaleins des Lohnfertigers.

1.200 kg automatisiert handhaben, eine

einzelne Spannung wird teilweise mehrere

Stunden bearbeitet. Die gesamte Mechanik

und das Transportsystem sind generell

verstärkt, um den hohen Belastungen

standzuhalten. Und natürlich bietet

das Handlingsystem mit den Speichermodulen

auch für große und schwere Werkstücke

ausreichend Platz.

Die HACS-Software steuert den Automatisierungsprozess

über ein Dashboard.

HACS steht für Hermle Automation Control

System und prüft selbstständig Nullpunkte,

Palettenposition, Maschinenrüstung

und Werkzeugverfügbarkeit. Bei

Störungen erhalten die Bediener Benachrichtigungen

in Echtzeit.

Erste Erfahrungen mit der Hermle

Automation sammelte Fischer CNC-Technik

seit 2015 mit zwei C 22 UP, also kompakten

5-Achs-Bearbeitungszentren mit

adaptiertem Palettenwechsler. „Das sind

tolle Maschinen, doch ungünstig ist der

geringe Z-Verfahrweg“, bleibt Frank Lichti

auch als eingeschworener Hermle Fan kritisch.

„Aber trotzdem ist die C 22 für

kompakte Präzisionsteile perfekt für uns.“

Der Palettenwechsler PW150 bietet jetzt

Platz für elf Paletten und ermöglicht

hauptzeitparalleles Rüsten. Durch den

drehbaren Rüstplatz ist dieser sehr

bedienerfreundlich. Dank der kompakten

Bauweise des PW150 haben die Fachkräfte

freien Zugang zum Bearbeitungszentrum.

Ein Doppelgreifer transportiert die

Paletten zwischen Rüstplatz und Maschinentisch.

Auch für komplexe Geometrien

Die neue C 42 U ergänzt die automatisierten

Fertigungskapazitäten nach oben.

Damit bearbeitet Fischer CNC-Technik

Bauteile mit einem Durchmesser bis 800

mm und einer Höhe von 560 mm. Die Anlage

fertigt auch komplexe Geometrien

mit höchster Präzision und Zuverlässigkeit.

„Durch das HS flex können wir alle

Arbeitsabläufe effizient gestalten und

Rüstzeiten minimieren“, betont Lichti.

Das Zusatzmagazin ZM216 ergänzt die 42

Werkzeuge in der Maschine um 216 weitere

und ermöglicht so eine hohe Flexibilität

beim Zerspanen der unterschiedlichen

Materialien. „Die Entscheidung, auf

Automation zu setzen, war goldrichtig“,

ist Frank Lichti überzeugt. „Denn wir fertigen

viele Prototypen und Kleinstserien

für unsere Kunden, die sie meist sehr

kurzfristig benötigen. Und das gelingt uns

nur, wenn wir die Spindelstunden optimal

nutzen können.“

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» TECHNIK

Digitale C-Teile-Logistik essenziell für automatisierten Materialfluss

Wie sich die Infrastruktur der

Fertigung optimieren lässt

In der Excellence Factory von DMG Mori sind fahrerlose Transportsysteme (FTS)

wichtige Helfer in der Produktion. Die FTS transportieren die dort hergestellten

Maschinen nacheinander durch 34 Fertigungstakte und reagieren flexibel und

automatisch auf Hindernisse. Den unsichtbaren, aber entscheidenden Taktgeber

bildet dabei die digitale Logistik, die den Materialfluss präzise koordiniert.

Bei DMG Mori in Pfronten kommen drei unterschiedliche Systeme für die C-Teile-Beschaffung zum Einsatz. Alle drei stammen von Keller & Kalmbach.

Bild: Keller & Kalmbach

Die Excellence Factory von DMG Mori

im bayrischen Pfronten ist ein Paradebeispiel

für moderne Fertigung. Auf

rund 4.000 m² können jährlich über 500

individuell konfigurierte Maschinen der

Monoblock-Baureihe produziert werden –

von einfachen Fräsmaschinen bis zu

komplexen 5-Achs-Bearbeitungszentren.

Diese Maschinen decken Anwendungen

von Aluminium bis Stahl ab und sind

besonders für kleine und mittelständische

Unternehmen geeignet.

Das Rückgrat der Fertigung bilden die

34 fahrer losen Transportsysteme (FTS),

die die Maschinen mit einer Geschwindigkeit

von 45 mm pro Min. durch die

Fertigungstakte transportieren. „Im Vergleich

zu Schienensystemen sind die FTS

eine wesentlich flexiblere Lösung, sodass

sie die Infrastruktur in der Fertigung optimieren.

Auch ein Austakten der Maschine

ist bei Bedarf möglich“, erklärt Dr.-Ing.

Christopher Keuntje, Geschäftsführer der

DMG Mori Logistik GmbH.

64 Industrieanzeiger » 15 | 2025


Dank der FTS können die Maschinen ergonomisch

bearbeitet werden: Die Mitarbeitenden

führen ihre Tätigkeiten teilweise

auf mitfahrenden Podesten aus, die in der

Werkhalle den optimalen Zugang zu allen

Montagepunkten ermöglichen. Das macht

die Prozesse nicht nur viel effizienter,

sondern auch körperlich weniger belastend.

Langjähriger Partner für die

smarte C-Teile-Versorgung

Damit die Fertigung stets reibungslos

läuft, setzt DMG Mori auf die digitale

C-Teile-Ver sorgung des Partners Keller &

Kalmbach. C-Teile, also kleine, aber

meinst unverzichtbare Komponenten wie

Schrauben oder Muttern, werden in großen

Mengen benötigt – ihre Verwaltung

ist jedoch oft komplex und anspruchsvoll.

„Wir blicken mittlerweile auf eine mehr

als zehnjährige, sehr erfolgreiche Zusammenarbeit

mit Keller & Kalmbach zurück.

Besonders überzeugt hat mich die sehr

strukturierte Arbeitsweise. Und wenn es

einmal Herausforderungen in Projekten gab,

haben wir immer sehr schnell und direkt

eine Lösung gefunden“, betont Dr. Keuntje.

Am Standort von DMG Mori in Pfronten

kommen drei Systeme der C-Teile-Versorgung

zum Einsatz:

• Die Direktanlieferung in der Fließmontage,

bei der das Schüttgut direkt am

Arbeitsplatz bereitgestellt wird. Der

Vorteil ist hier, dass keine langen Wege

oder Suchzeiten entstehen – Mitarbeitende

können sich voll auf die Montage

konzentrieren.

• Droplog in der Standplatzmontage: Ein

einfacher Einwurf eines Kleinteilebehälters

löst automatisch Nachschub

aus. So werden Verbrauch und Bestand

digital erfasst und Unterbrechungen

lassen sich vermeiden.

• Pushlog digital in der Großmaschinenverpackung:

Neben Kleinteilen können

auch Großteile wie lange Gewindestangen

effizient abgerufen werden.

„Perfekt ergänzt wird das Pushlog digital

durch die Logtopus-Plattform. Mit dieser

haben wir nun echte Transparenz über den

Verbrauch unserer nicht bestandsgeführten

Schüttgüter“, betont Dr. Christopher

Keuntje.

Bild: DMG Mori

Dr.-Ing. Christopher Keuntje ist Geschäftsführer

der DMG Mori Logistik GmbH.

Arbeitsalltag erleichtert

Die drei automatisierten Systeme für das

C-Teile- Management wirken wie unsichtbare

Assistenten: Mitarbeitende müssen

Bestände nicht mehr manuell prüfen, leere

Behälter lösen automatisch Nachschub

aus, Engpässe werden erkannt, bevor sie

entstehen. Ziel ist es, Bedarfsschwankungen

vorausschauend zu analysieren und

die Versorgung proaktiv anzupassen –

noch bevor Probleme auftreten.

Durch die nahtlose Integration von

Droplog, Pushlog digital und Logtopus

entsteht ein hochflexibles System, das die

Fertigung effizient unterstützt, Mitarbeitende

entlastet und gleichzeitig wertvolle

Echtzeitdaten für künftige Optimierungen

liefert.

Dr. Keuntje hat klare Vorstellungen:

„Wenn ich in die Zukunft blicke, kann ich

mir sehr gut vorstellen, dass wir weitere

Lieferanten in die Keller & Kalmbach-

Prozesse integrieren, um die Anzahl der

Wareneingangsbuchungen an unserem

Standort zu reduzieren. Durch weniger

Schnittstellen schaffen wir effizientere

Prozesse. Ich freue mich darauf,

gemeinsam moderne Logistikprozesse an

unserem Standort zu implementieren.“

Zudem überträgt DMG Mori das

Excellence Factory-Konzept und die digitale

Logistik auf andere Werke – mit dem

Ziel, weltweit die Fertigung flexibler,

schneller und transparenter zu gestalten.

Logistik als Innovationsmotor

Die Excellence Factory von DMG Mori in

Pfronten zeigt, dass Logistik weit mehr ist

als Materialbewegung. Sie ist Motor der

Innovation, Entlastung für Mitarbeitende

und Schlüssel zur Effizienzsteigerung.

Dank der Systeme von Keller & Kalmbach

werden Prozesse digital gesteuert,

Engpässe vermieden und Daten für

kontinuierliche Verbesserungen genutzt.

Industrie 4.0 in Pfronten ist kein Buzzword,

sondern eine lebendige Symbiose

aus Mensch, Maschine und Software –

FTS, Droplog, Pushlog und Logtopus sind

dabei die unsichtbaren Garanten für

dieses erfolg reiche Zusammenwirken.

(dak)

DMG Mori ist spezialisiert auf Dreh- und Fräsmaschinen. Auch Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen,

die Fertigungsprozesse optimieren, sind Kompetenzen des Unternehmens.

Bild: DMG Mori

Industrieanzeiger » 15 | 2025 65


» TECHNIK

Werkzeugbauer und Spritzgießer schauen sich in die Karten

Wie die Marktdaten anderer helfen

„Als der Gutachter mich fragt, warum wir keinen eigenen Werkzeug- und Formenbau haben,

hat mich das zum Grübeln gebracht“, gibt Steffen Autenrieth unumwunden zu. Bislang dachte

der Geschäftsführer von 1A Autenrieth Kunststofftechnik aus Heroldstatt, ein schlüssiges

Geschäftsmodell zu haben. Und? Der Marktspiegel Werkzeugbau brachte ihn weiter.

» Michael Sudahl, Journalist in Schorndorf

Für seinen Kunststoffverarbeiter-Betrieb entdeckte Steffen Autenrieth den Nutzen des Marktspiegels Werkzeugbau – und ist dort nun im Aufsichtsrat.

Bild: 1A Autenrieth Kunststofftechnik

Anstatt Spritzgießformen selbst herzustellen,

kooperiert der Mittelständler

mit einem Umsatz von rund

10 Mio. Euro mit Formenbauern aus der

Region, kauft bei ihnen Werkzeuge ein

oder kennt Hersteller in Asien. Zusätzlich

unterhält das Unternehmen einen

eigenen Reparaturbetrieb, in dem der

Kunststoffspezialist von der Schwäbischen

Alb seine mehr als tausend Spritzgusswerkzeuge

wartet.

Doch die Nachfrage des Spezialisten

lässt den Firmeninhaber grübeln. Passt

mein Modell noch? Wie machen es andere

Kunststoffspritzgießer? Der Gutachter-

Hinweis kommt schließlich nicht irgendwo

her. Steffen Autenrieth ist Genossenschaftsmitglied

im Marktspiegel-Werkzeugbau,

in dem es auch eine Sparte für

Kunststoffverarbeiter gibt.

In diese Benchmark-Initiative speisen

die Mitgliedsfirmen mehr als 300 Unter-

nehmensdaten ein. Darunter Kennzahlen

zu Betriebswirtschaft, Produktivität, Prozessen,

Organisation, Marketing und

Vertrieb. Eine Software detektiert daraus

rund 1200 Resultate. Drei Gutachter aus

der Branche kommentieren diese.

Die Besonderheit ist die absolute Anonymität,

die sich alle 72 Mitgliedsbetriebe

gegenseitig garantieren. „Dadurch sind

die Daten genauer und aussagekräftiger“,

weiß Autenrieth. Klassische Branchen -

66 Industrieanzeiger » 15 | 2025


reports, wie sie etwa Banken und

Sparkassen anbieten, erreichen

bei Weitem nicht die Tiefe des

Marktspiegels.

Wie kalkulieren die

anderen?

Bild: Hoefer & Sohn

Wie das genau aussieht, erklärt

Autenrieth am Modul „Einheitskalkulation“.

Hier können Spritzgießer

wie er einen fiktiven Standardartikel

berechnen lassen. Diese

Kalkulation können sie dann

anonym mit anderen Geno-

Mitgliedern vergleichen. Idealerweise

in der Größenordnung, in

der das eigene Unternehmen

selbst tätig ist. „So bekomme ich

deutlich mehr als einen Näherungswert”,

sagt Autenrieth, der

seit drei Jahren Mitglied beim

Marktspiegel ist und nun auch im Aufsichtsrat

sitzt.

Da vor allem bei kleineren gewerb -

lichen Firmen die Geschäftsführer oft

Ingenieure oder Techniker aber keine

Betriebswirte sind, liefert das Tool in seiner

neuen webbasierten Version (bis 2023

gab es Excel-Listen) auch Erklärtexte.

Autenrieth schätzt, dass ein Drittel der

Mitglieder die komplexe Auswertung der

eigenen Daten nicht vollständig durchdringt.

„Obwohl ich selbst Meister bin

und einen IHK-Betriebswirt habe, sind

die kleinen Nachhilfehappen wertvoll für

mich“, sagt er.

Das sieht auch Dr. Christoph Badock so.

Der Geschäftsführer von Johann Hoefer &

Sohn, einem Familienunternehmen aus

Fürth mit fast 150-jähriger Tradition, hat

ebenso die Schwachstelle „Betriebswirtschaft“

in seinem Betrieb ausgemacht.

„Als Kunststoffspritzgießer und Formenbauer

sind wir alles Techniker“, so Badock,

der beim Marktspiegel vor fünf Jahren zu

den ersten Teilnehmern gehörte und heute

als ehrenamtlicher Vorstand aktiv ist.

Begriffe wie „Umsatzspreizung” werden

darin ebenso erklärt wie geläufigere

Kennzahlen wie „Personalkosten am

Rohertrag”.

Apropos Personalkosten. Anhand dieser

Kenngröße lässt sich die Aufschlüsselung

der Daten gut nachvollziehen. Im Marktspiegel

geben die Mitglieder an, welche

Ursachen die PeKo in die Höhe treiben

lassen. Angefangen beim Krankenstand

über die Auslastung der Maschinen bis

zur Produktivität können etliche Gründe

ersichtlich sein. „Das sagt viel mehr aus

als die reine Kennzahl Personalkosten“,

so Badock. Auch, weil den Gutachtern

Ausreißerwerte auffallen. So könne ein

Sparring entstehen, das mit einem klassischen

Betriebsberater kaum möglich sei,

findet Autenrieth. Denn für den Jahresbeitrag

von 1800 Euro arbeiten etliche,

oft branchenfremde Betriebsberater gerade

einmal einen Tag.

Beispiel Hoefer & Sohn:

Benchmark half digitalisieren

Welchen Nutzen er konkret aus dem

Benchmark zieht, verdeutlicht Badock an

einem Beispiel: „Durch die Analyse haben

wir ein ERP-System eingeführt und die

Maschinendatenerfassung verknüpft. In

diesem Bereich waren wir deutlich

schlechter aufgestellt als andere Mitglieder.“

Dadurch wurden Abläufe messbar

und verbesserbar. Im Marktspiegel habe

dies den Score im Segment „Digitalisierung“

um mehr als 50 % gesteigert.

Zwar räumt Badock ein, dass eine Verbesserung

der Anfertigungszeiten wegen

des ständig wechselnden Werkzeug -

spektrums schwer möglich ist, er betont

Dr. Christoph Badock ist Geschäftsführer

des Kunststoffverarbeiters

Hoefer & Sohn. Die Personalkosten-

Analysen des Marktspiegels „sagen

viel mehr aus als die reine Kennzahl“,

schildert er gemachte Erfahrungen.

jedoch: „Wir sind viel planbarer

geworden, was dem Flow in der

Werkstatt zugutekommt.“ Und:

„Der Personalanteil an den Stückkosten

ist gesunken.“ Hoefer &

Sohn hat die manuellen Arbeiten

reduziert und fährt inzwischen

eine Mehrmaschinenbedienung,

was die Produktivität steigert.

Braucht es die neue

Anlage wirklich?

Autenrieth gibt ein weiteres

Beispiel dafür, wie Unternehmen

die Daten nutzen können. Etwa zur Analyse

von TEEP (Total Effective Equipment

Performance). Diese Kennzahl misst die

Gesamteffektivität einer Maschine. In der

Marktspiegel-Analyse sehen es Firmen,

wenn zum Beispiel von jährlich 8760

Betriebsstunden nur 30 % ausgeschöpft

sind. Bevor sie dann viel Geld in eine neue

Maschine investieren, können sie prüfen,

ob sich mit Leerstunden der Bestands -

anlagen Lücken füllen lassen. „Dank des

Tools hat man seine tatsächliche Aus -

lastung immer im Blick“, so Steffen

Autenrieth.

Eine ähnliche Entscheidungshilfe gibt

es bei Ersatzinvestitionen. Über den

Marktspiegel können die Mitglieder die

Maschinenparks der Wettbewerber ein -

sehen. Wenn sich bei den Herstellern ein

Marktführer herauskristallisiert, weil viele

Mitglieder damit produzieren, kann das

Zeit im Entscheidungsprozess sparen.

Und selbst im Bankgespräch können

Marktspiegeldaten helfen. „Mithilfe der

Analysen können unsere Mitglieder griffigere

Argumente in Kreditverhandlungen

liefern“, sagt Autenrieth. Das überzeuge

manchen Banker.

https://marktspiegel-werkzeugbau.com

Industrieanzeiger » 15 | 2025 67


» TECHNIK

„Zurück in die Zukunft“: Der Kampf um Rezyklate hat begonnen

Holypoly sichert Rezyklat-Zustrom

Wie knapp und gesucht werden Kunststoff-Rezyklate in fünf bis zehn Jahren sein? Diese Frage

machten die Macher von Holypoly mit ihrem „Zurück in die Zukunft“-Exponat auf der K-Messe

zum Reizthema. Ihre Lösung ist ihr Geschäftsmodell: Für Kunden sichern sie schon jetzt maßgeschneiderte

und Qualitäts-gesicherte Stoffströme des künftig heiß begehrten Materials.

» Olaf Stauß, Redakteur Konradin Industrie

Sie war ein guter Kunstgriff, die Zeitreise im

DeLorean DMC-12 aus dem berühmten Film auf

der Düsseldorfer Leitmesse. Und sie war nicht unberechtigt.

Sie zeigte etwas, was es heute noch nicht

gibt, in Zukunft aber benötigt werden wird: Post-

Consumer-Rezyklate (PCR) aus Kunststoffen in

höchster Qualität mit stabiler Verfügbarkeit zu einem

wettbewerbsfähigen Preis.

Bereits heute gibt es einen Mangel daran. Die

Angebote von technischen Kunststoff-Rezyklaten

sind überschaubar, die Qualitäten extrem schwankend.

„Besonders in Branchen mit hohen Anforderungen

an Materialqualität und -sicherheit finden

sich diese Materialien auf dem freien Markt schlicht

nicht“, sagt Fridolin Pflüger, Gründer und Geschäftsführer

der 30 Mitarbeiter starken Holypoly GmbH aus

Dresden. Solches PCR-Material benötigen Firmen, die

sich nachhaltig aufstellen wollen oder müssen, in

großen Mengen über weite Zeiträume – und zwar

verlässlich.

„Mindestens eine Million Tonnen Kunststoff-

Rezyklate werden Ende der Dekade allein in Europa

fehlen“, prophezeit Pflüger. Denn laut der BKV-

Studie „Status quo und Prognose des Bedarfs und der

Verfügbarkeit von Post-Consumer-Rezyklaten im

Jahr 2030“ werden gesetzlich vorgeschriebene

Mindesteinsatz-Quoten die Lage erheblich verschärfen

– beispielsweise die End-of-Life Vehicles Regu -

lation (ELVR) der EU. Voraussichtlich ab 2032 sieht

sie vor, dass in jedem neuen Fahrzeugtyp 15 bis 25 %

recycelter Kunststoff aus Post-Consumer-Abfallen

enthalten sein muss.

Woher sollen die Unternehmen das viel zu knappe

PCR-Material bekommen? Hier setzt die neue

Geschäftsidee von Holypoly an. Marketingleiter

Matthias Röder nennt sie eine Art Materialversiche-

Bild: Holypoly

Blick aus „Zurück in die Zukunft“:

Post-Consumer-Rezyklate in höchster

Qualität gibt es nun genügend.

Doch wie schafften wir das nur?

68 Industrieanzeiger » 15 | 2025


Bild: Holypoly

Hausgeräte-Hersteller V-Zug

nutzt das weiße Rezyklat-

ABS von Holypoly für

seine Sichtblenden.

rung: „Mit dem Angebot Brand-

Owned Streams bieten wir Markenherstellern

schon heute die

Zukunft einer verlässlichen,

wettbewerbsfähigen und

preisstabilen Rezyklatversorgung“,

sagt er. Grund -

lage dieser neuen Kunststoffkreisläufe

sind bislang

ungenutzte Abfallquellen.

Das funktioniert so: Auf

Basis konkreter Absprachen zu

Materialeigenschaften und Pflichtenheften

recherchiert, findet und

erschließt Holypoly geeignete Abfallströme

und verarbeitet sie zu hochwertigen, rückverfolg -

baren Rezyklaten. Die Altkunststoffe stammen etwa

aus ausgedienten Wasch- oder Spül maschinen. So

existiert augenblicklich bereits ein Lieferstrom für

weißes ABS mit Rezyklat-Anteilen um die 70 %,

weiter ein PCR-Strom für ein PA6 GF in blau und

grün – jeweils abgestimmt auf die speziellen Bedürfnisse

eines Kunden.

Die Basis sind langfristige Lieferverträge, die in

Etappen konkreter und verpflichtender werden.

Holypoly agiert als Generalunternehmer. Die Projekte

benötigen Zeit und sind auf die Zukunft ausgerichtet.

„Wir vereinbaren mit Kunden, dass sie das hoch -

wertige PCR-Material in drei bis vier Jahren erhalten,

denn wir bauen feste Liefer ketten für individuell

spezifizierte Rezyklate auf“, erklärt Röder. Die

‚Brand-Owned Streams‘ sichern so Lieferkapazitäten,

die sich aus neu eingerichteten, exklusiven Kunststoffkreisläufen

ergeben.

„Die Abnehmer

werden zu Anteilseignern

am Stoffstrom“,

sagt er.

CEO Fridolin Pflüger

sieht diese Art Rezyklat -

beschaffung als eine Alter -

native zum Sekundärkunststoffmarkt,

der überwiegend auf uniforme

„One-size-fits-all“-Massenkunststoffe setze – und

auch als Alternative zu Neuware, die preislich stark

schwankt. „Statt dessen bieten wir individuelle

Anpassungen, transparente Prozesse und langfristige

Preisstabilität.“ Die PCR-Ströme von Holypoly

erreichten Neuware-Qualität, meint er.

Zum Ende der Messe K 2025 machten die Dresdener

ein neues in Serie gehendes Lieferprogramm mit

einem Schweizer Hausgerätehersteller publik: V-Zug

nutzt das Recycling-ABS #NewWhite für die Sichtblenden

seiner Geräte. Das Rezyklat stammt von ausgedienten

Waschmaschinen, Trocknern und Geschirr -

spülern, wofür Holypoly eine europaweite Lieferkette

und einen Recyclingprozess entwickelt hat. Virginie

Erny, Head of Strategic Procurement bei V-Zug, sieht

darin auch ein Mittel, die Resilienz zu stärken:

„Kreislaufwirtschaft macht unabhängiger von Weltmärkten,

die sich heute kaum vorhersagen lassen.“

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reagieren flexibel auf aktuelle

und zukünftige Herausforderungen.

www.janitza.de/800

Industrieanzeiger » 15 | 2025 69


Bild: Initiative Leichtbau

„Full house“ beim 12. Forum Leichtbau in Berlin: So viel Experten wie noch nie stellten sich ein und nutzten die Veranstaltung des BMWE, um die

Bedeutung des Leichtbaus und seiner Förderwürdigkeit hervorzuheben.

12. Forum Leichtbau in Berlin: „full house“

Wirtschaft und Forschung

plädieren für Leichtbau-Förderung

Mit einer Rekordbeteiligung setzte das 12. Forum Leichtbau des Bundeswirtschaftsministeriums BMWE

ein Zeichen: In ihren Statements betonten Vertreter aus Industrie und Forschung die ökonomische

und ökologische Hebelwirkung des Leichtbaus in der deutschen Wirtschaft und plädierten für eine

Fortsetzung des Technologietransfer-Programms TTP LB. Nach heutigem Stand soll es auslaufen.

Unter dem Motto „Materialinnovationen für den

Leichtbau der Zukunft“ lud das Bundesministerium

für Wirtschaft und Energie BMWE am 25. September

zu seinem „12. Forum Leichtbau“ nach Berlin

ein. Mit über einhundertfünfzig Teilnehmenden im

Ludwig-Erhard-Saal der Bundesanstalt für Materialforschung

und -prüfung BAM erreichte das Format

seinen bisherigen Spitzenwert – ein starkes Signal

für den Leichtbau in einer herausfordernden Zeit, so

die Bewertung von Insidern.

Herausfordernd ist für die Branchenvertreter auch,

dass das Technologietransfer-Programm Leichtbau

TTP LB noch unter der alten Regierung aus Haushaltsgründen

gestoppt wurde. Seit November 2023

laufen nur noch damals bereits bewilligte Projekte

bis spätestens 2027 weiter, Neuanträge sind nicht

mehr möglich. Daran änderte auch die Neuverschuldung

nichts, die die neue Bundesregierung unter

anderem für den Klimaschutz beschloss.

„Werkstofftechnik und Produktionstechnik sind die

industrielle Wertschöpfungsbasis für Europa – Stärken,

über die Deutschland noch immer in heraus -

ragender Weise verfügt“, sagte der Präsident der

BAM, Prof. Ulrich Panne, zu Beginn des Forums des

70 Industrieanzeiger » 15 | 2025


TECHNIK «

BMWE. „Zu den wichtigsten Anwendungen von KI

wird künftig auch die Materialforschung gehören.

Digitale Produktpässe werden essenziell für zirkuläres

Wirtschaften“, so Panne weiter.

Aus Sicht von Professor Holger Hanselka, Präsident

der Fraunhofer-Gesellschaft, gehören Advanced

Materials und Leichtbau untrennbar zusammen,

„wenngleich beide Forschungsfelder ihre ganz eigenen

Besonderheiten haben“, so Hanselka. „Schlanke

und agile Transferförderprogramme wie das TTP LB

sind wichtige Faktoren für mehr Wettbewerbsfähigkeit

und technologische Souveränität in Deutschland

und Europa.“

Die Aufgabe der Fraunhofer-Gesellschaft im deutschen

Innovationssystem sei der Transfer wissenschaftlicher

Erkenntnisse in die Anwendung. „Mit

unserem Engagement für Leichtbau und Material -

effizienz adressieren wir gezielt die Bedarfe des

ingenieursgeprägten Mittelstands, der eine wesent -

liche Säule der deutschen Wirtschaft ist. Um diese

Stärke zu erhalten, zu sichern und auszubauen, brauchen

wir auch eine mutige Innovationspolitik, die

zukunftsorientierte Rahmenbedingungen schafft.“

Econmove-Studie: Leichtbau ist

Wirtschaftsfaktor

Sehr klar zeigte Professor Bernd Mayer, Institutsleiter

des Fraunhofer IFAM und Sprecher des Fraunhofer-

Verbunds Werkstoffe, Bauteile – Materials, in seiner

Keynote die wirtschaftliche Bedeutung des Leichtbaus

für Deutschland auf. Er bezog sich damit auf

eine aktuelle Studie (Econmove GmbH, Juli 2024, Die

ökonomische Bedeutung des Leichtbaus in Deutschland):

• 360 Mrd. Euro betrug der Wert der Güter und

Dienstleistungen mit Bezug zum Leichtbau im

Jahr 2019; dies entsprach einem Anteil von 5,5 %

am Bruttoproduktionswert.

Produktion eines recyclingfähigen bio-basierten Monomaterial-Fahrradhelms aus EPLA.

Im Bild: Janne Constantin Albrecht vom Fraunhofer ICT, Projekt „Pimms“.

• Der direkte Wertschöpfungsbeitrag des Leichtbaus

inklusive damit verbundener Dienstleistungen

betrug 124 Mrd. Euro und damit etwa 4 % der

gesamten Wirtschaftsleistung im Jahr 2019.

• 3,2 Mio. Arbeitsplätze in Deutschland haben einen

unmittelbaren oder mittelbaren Bezug zum

Leichtbau.

„Leichtbau ist als Multidisziplin für sehr viele Industriebranchen

wichtig – für einige, wie die Luftfahrt

oder die Windenergie sogar essenziell“, so Bernd

Mayer. Leichtbau bestehe nicht nur aus Material -

innovationen. „Fertigungstechnologien, Fügetechnik,

digitale Produktpässe und KI stehen in direktem

Zusammenhang mit nachhaltigem Leichtbau – und

KI wird immer bedeutsamer für die Entwicklung

neuer Materialien“, knüpfte Mayer an Ulrich Panne

an. Innovation bedeute aber zwingend auch Umsetzung

in die industrielle Praxis.

Bild: Fraunhofer-Gesellschaft

Wir teilen schon seit 1959.

Wir sind schon lange weltweit vernetzt und teilen Ideen und

Wissen mit lokalen Partnern. Damit arme und aus gegrenzte

Menschen in Würde leben können.

Industrieanzeiger » 15 | 2025 71


» TECHNIK

Bild: Fraunhofer-Gesellschaft

Hybride Sitzlehne aus PLA/Basaltfaser: Ein optimiertes, kreislauffähiges Leichtbaukonzept

aus dem Projekt „Light Materials 4 Mobility“.

Die Bedeutung der Advanced Material und des

Leichtbaus als Innovationsmotoren für die Wirtschaft

sowie der Stellenwert der Transferförderung

für Leichtbau und Materialeffizienz wurden in Panel-

Diskussionen mit Vertretern aus Wirtschaft, Forschung

und Forschungspolitik engagiert diskutiert.

Dr. Michael Heußen, Geschäftsführer der Extrusion

HAI Group, mahnte dringendes Handeln an: „Unsere

Wirtschaft steht unter Druck. Der Mittelstand ist

hochinnovativ, leidet aber immens unter Kostendruck.

Mit Materialinnovationen müssen wir uns

ständig auseinandersetzen, um im Wettbewerb bestehen

zu können.“

Aber mittelständische Unternehmen bräuchten

dafür verlässliche Unterstützung und Planungs -

sicherheit. „Das Technologietransferprogramm des

BMWE für den Leichtbau war ein wichtiger Beitrag

und sollte unbedingt wieder in den Haushaltsplan

aufgenommen werden. Es geht auch darum, die

Grundstoffindustrie in Deutschland zu halten. Es ist

bereits »fünf nach zwölf«. Es muss gehandelt werden!“

Saarstahl AG: Leichtbau ist gelebte

Nachhaltigkeit

Ähnlich äußerte sich Dr. Barbara Ebel-Wolf, Leiterin

Forschung und Entwicklung der Saarstahl AG:

„Leichtbau ist direkt gelebte Nachhaltigkeit, die auch

mit etablierten Werkstoffen wie Stahl umgesetzt

werden kann: Was im Bauteil nicht gebraucht wird,

kostet keine Energie und erzeugt keinen Abfall.“ Es

bestehe von Kundenseite die Forderung, Bauteile

leichter zu machen, aber die Entwicklung dahin

müsse irgendwie finanziert werden.

Kay Kölzig, Fraunhofer-Alumni, Mitbegründer und

CTO des Start-ups Fuse GmbH, adressierte die besonderen

Herausforderungen, vor denen Unternehmensgründer

gerade im Bereich Material- und Leichtbau-

Innovation stehen: „Man muss in jedem Fall Mehrwerte

bieten, aber es dauert lange, bis man in der

Industrie wirklich ankommt. Passende politische

Rahmenbedingungen sind sehr wichtig und die richtigen

Netzwerke, wie etwa die »Initiative Leichtbau«

des BMWE.“ Die Geschäftsstelle ist am Bundeswirtschaftsministerium

angesiedelt: Initiative Leichtbau

– Nationaler und internationaler Netzwerkknotenpunkt

für die Wirtschaft.

Möglichkeiten der europäischen Forschungsförderung

und Vernetzung im Rahmen der neuen europäischen

Partnerschaft „Innovative Advanced Materials

for EU – IAM4EU“ zeigte Dr. Eva Schillinger auf, die

Generalsekretärin des diese Partnerschaft organisierenden

Vereins: „The Innovative Advanced Materials

Initiative IAM-I“.

Dr. Rosita Cottone, wissenschaftspolitische

Referentin im Referat 523 Werkstoffinnovationen;

Hereon des Bundesministeriums für Forschung,

Technologie und Raumfahrt BMFTR wies auf die

Möglichkeiten im neuen Materialforschungs -

programm „Mat2Twin“ hin. Das Programm rückt die

Entwicklung resilienter und kreislauffähiger Wertschöpfungsnetzwerke

für innovative Werkstoffe in

den Fokus (Materialinnovationen für die Transformation

von Wirtschaft und Gesellschaft (Mat2Twin) –

BMFTR). Cottone betonte die gute Vernetzung mit

der europäischen Ebene sowie die fruchtbare und

langjährige, resortübergreifende Zusammenarbeit

mit dem Referat IVB4 (Bauwirtschaft, Leichtbau /

Neue Werkstoffe) des BMWE. (os)

Forschungsförderung

im TTP LB

Von 2020 bis 2023 wurden 222 Projekte im

Technologietransfer-Programm Leichtbau

mit insgesamt 351 Mio. Euro gefördert,

wobei knapp 50 % an KMU ging. Zusammen

mit Eigen- und Drittmitteln entfaltete

das TTP LB ein Forschungsvolumen von

520 Mio. Euro für den Leichtbau. Seit 2024

können keine Anträge mehr gestellt werden,

bewilligte Projekte werden noch finanziert.

https://a.kon2.de/TTP-LB

https://a.kon2.de/ptj-LB

72 Industrieanzeiger » 15 | 2025


in Kooperation mit

SPECIAL

» Messe Formnext

Am 18. November 2025 öffnet die 10. Formnext in Frankfurt/Main ihre Tore.

Anlässlich der Leitmesse für additive Fertigung werfen wir einen Blick

auf die Herausforderungen der Branche und haben Best-Practice-Beispiele

recherchiert, die die Vorteile der additiven Fertigung zeigen.

Keine Förderung der

Schlüsseltechnologie?

» Seite 74

„Der richtige Zeitpunkt,

um als Branche

zusammenzuarbeiten“

» Seite 76

Zweites Standbein

Additive Fertigung

» Seite 78

Branche: Phase der

Konsolidierung

» Seite 80

Additiv gefertigte Teile

on demand

» Seite 81

Mit ihrem Blick auf konkrete Anwendungen in verschiedenen Branchen unterstützt die Formnext

den weiteren Weg der Industrialisierung der additiven Fertigung.

Bild: Mesago / Marc Jacquemin

Auf die kleinen Teile

kommt es an

» Seite 82

3D-gedrucktes Kupfer

steigert die Produktivität

» Seite 84

Bildverarbeitung erleichtert

Prozesskontrolle

» Seite 86

Industrieanzeiger » 15 | 2025 73


» MESSE FORMNEXT

Bund kürzt Mittel für additive Fertigung und Leichtbau

Keine Förderung der

Schlüsseltechnologie?

Trotz politischer Bekenntnisse droht der Additiven Fertigung in Deutschland ein empfindlicher

Rückschlag: Der aktuelle Haushaltsentwurf sieht keine neuen Förderprogramme mehr vor.

Die Veranstalter der Formnext, die vom 18. bis 21. November 2025 in Frankfurt/Main stattfindet,

sowie führende Experten im Bereich additive Fertigung fordern ein Überdenken der staatlichen

Förderung. Sie warnen vor den Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.

» Evelin Eitelmann, Redakteurin, Zentralredaktion Konradin Industrie

Additive Fertigung ermöglicht in vielen Branchen –

von der Automobilindustrie über die Energie- und

Medizintechnik bis hin zur Luft- und Raumfahrt –

neue und oft nachhaltigere Produkte.

Noch vor wenigen Monaten schien die Perspektive

für Zukunftstechnologien wie die Additive

Fertigung (AM) günstig: Im Koalitionsvertrag zwischen

CDU, CSU und SPD wurde das Thema ausdrücklich

als förderungswürdig genannt. Unter der

Überschrift „Innovationsschub für die Wirtschaft“

heißt es wörtlich: „Wir fördern Leichtbau-Technologie,

additive Fertigung und 3D-Druck.“ Auch die

Wirtschaftsministerkonferenz bekräftigte Anfang Juni

die Bedeutung und forderte konkrete Maßnahmen

zur Förderung von Leichtbau und AM auf Bundesebene.

Tatsächlich aber bleibt es bei diesen Absichtserklärungen.

Im Haushaltsentwurf der Bundesregierung

vom 26. Juni 2025 ist die Additive Fertigung

nicht mehr als eigenständiges Förderthema verankert.

Für den Bereich Leichtbau werden lediglich Mittel

zur „Ausfinanzierung der in Vorjahren eingegangenen

Verpflichtungen und zur Abwicklung des Programms

Leichtbau“ bereitgestellt. Neue Projekte sind

ausdrücklich nicht vorgesehen.

Bild: Mesago Messe Frankfurt/Matthias Kutt

Sparzwang trifft Zukunftstechnologien

Für die deutsche AM-Branche kommt dies einem

empfindlichen Rückschlag gleich. „Wir vermissen ein

klares Bekenntnis zu dieser Zukunftstechnologie –

insbesondere nachdem das im Koalitionsvertrag

bereits in Aussicht gestellt wurde“, wundert sich

Sascha Wenzler über die Situation. Als Vice President

Formnext bei der Mesago Messe Frankfurt verantwortet

er nicht zuletzt die, wie es heißt, weltweit

wichtigste Messe für die additive Fertigung respektive

den 3D-Druck. Auch für die Experten und Akteure,

die sich im Rahmen der inoffiziellen Arbeitsgruppe

„Germany Makes“ für die Zukunft der Additiven Fertigung

einsetzen, ist diese Entwicklung ernüchternd.

„Wir hatten mit dem neuen Koalitionsvertrag die

Hoffnung verbunden, dass die Additive Fertigung

systematisch sowohl kurzfristig als auch mittelfristig

Unterstützung erfährt, um im globalen Wettbewerb

in der Führungsgruppe bleiben zu können“, sagt Prof.

Christian Seidel von der Hochschule München und

Wohlers Associates. Die Folgen für die deutsche AM-

Landschaft sind aus seiner Sicht nicht absehbar:

„Während andere Länder das Vorankommen in der

Additiven Fertigung mit hohen Beträgen fördern, gilt

es in Deutschland nun dringend, die eigene Strategie

zu aktualisieren und gemeinsam zwischen Politik und

Wirtschaft umzusetzen. Ein weiter so kann in das

Mittelmaß führen.“

74 Industrieanzeiger » 15 | 2025


Bild: Stratasys

Andreas Langfeld, Chief Revenue

Officer bei Stratasys:

„Ohne staatliche Unterstützung

besteht die Gefahr, dass

die deutsche AM-Industrie

ins Mittelmaß abrutscht und

ihre internationale Spitzenposition

verliert.“

Industrie warnt vor Verlust der

internationalen Führungsposition

Die Kritik aus der Branche ist deutlich. Andreas Langfeld,

Chief Revenue Officer bei Stratasys, schließt

sich der offizielle Stellungnahme der Formnext und

führender Experten im Bereich AM ausdrücklich an:

„Die weltweit führende Position der deutschen AM-

Industrie steht langfristig auf dem Spiel.“ Langfeld

betont, dass das Hauptproblem das Fehlen einer

klaren, langfristigen und verlässlichen politischen

Unterstützung und Förderstrategie sei: „Obwohl

Deutschland in der AM-Technologie weltweit eine

Führungsposition belegt, fehlt es an gezielten Investitionen,

strategischer Förderung und einer konsequenten

Umsetzung politischer Zusagen.“ Das Risiko:

Gerade weil AM eine junge, aber zentrale Technologie

für den Wandel in der Industrie darstellt, sei sie

auf gezielte Investitionsanreize und Förderprogramme

angewiesen, so Langfeld. Schon heute ermöglicht

die Additive Fertigung in vielen Branchen, von der

Automobilindustrie über die Energie- und Medizintechnik

bis hin zur Luft- und Raumfahrt, neue und

oft nachhaltigere Produkte. Vorteile sind unter anderem

Zeiteinsparungen von bis zu 90 Prozent bei der

Fertigung, deutlich beschleunigtes Prototyping und

die Möglichkeit, Ersatzteile digital „on demand“ zu

fertigen. AM erlaubt zudem Designlösungen, die mit

klassischen Methoden nicht realisierbar sind, und

bietet neue Wege für leichtere, effizientere Bauteile.

Internationale Wettbewerbsfähigkeit

in Gefahr

Die Entwicklung wirft die Frage auf, ob sich Deutschland

im globalen Wettbewerb behaupten kann, wenn

zentrale Zukunftstechnologien wie AM politisch ausgebremst

werden. Langfeld führt an: Während die

USA mit Programmen wie „America Makes“ und China

mit „Made in China 2025“ Milliardeninvestitionen

in die Förderung und Skalierung der Additiven Fertigung

tätigen, drohe Deutschland ins Hintertreffen zu

geraten. „Wir verspielen in Deutschland die Chancen,

die AM beim Aufbau und der Gestaltung unserer Zukunft

haben kann“, mahnt er. Die im Koalitionsvertrag

explizit formulierten Ziele werden durch den aktuellen

Haushaltsentwurf konterkariert. Ohne staatliche

Unterstützung bestünde die Gefahr, dass die

deutsche AM-Industrie ins Mittelmaß abrutscht und

ihre internationale Spitzenposition verliert.

Industrieanzeiger » 15 | 2025 75


MESSE FORMNEXT » Interview

Brigitte de Vet-Veithen, CEO von Materialise, im Interview

„Der richtige Zeitpunkt, um als

Branche zusammenzuarbeiten“

Mit der Gründung eines Leading Minds Consortiums im Jahr 2024 wollen acht Unternehmen den

Zugang zum industriellen 3D-Druck vereinfachen. Das primäre Ziel: Eine einheitliche Sprache –

alle sollen sich verstehen können. Brigitte de Vet-Veithen, CEO von Materialise, zu einer

Projektarbeit, die gerade in wirtschaftlich und geopolitisch herausfordernden Zeiten wichtig ist.

» Evelin Eitelmann, Redakteurin Konradin Industrie

Frau de Vet-Veithen, Auf der Formnext 2024

haben Sie und sieben weitere Unternehmen die

Gründung eines Leading Minds Consortium

bekannt gegeben. Was sind Ihre Ziele?

Gemeinsam mit Ansys, EOS, HP, Nikon SLM, Renishaw,

Stratasys und Trumpf haben wir das Leading

Minds Consortium gegründet. Unser Ziel ist es, das

volle Potenzial des 3D-Drucks für die industrielle Fertigung

auszuschöpfen, indem wir die dringendsten

Hindernisse für dessen Einführung beseitigen. Wir

möchten Herstellern dabei helfen, von der Frage

„Warum 3D-Druck?“ zu „Wie können wir ihn integrieren

und skalieren?“ überzugehen, und ihnen

praktische, branchenweite Lösungen anbieten. Außerdem

möchten wir das Bewusstsein für die Möglichkeiten

des 3D-Drucks in weiteren Branchen

schärfen. Letztendlich ist es unser Ziel, den industriellen

3D-Druck zugänglicher zu machen und

Herstellern zu ermöglichen, ihn effektiver in ihre

Produktionsprozesse zu integrieren, um so die Produktionseffizienz

zu verbessern, Abfall zu reduzieren

und flexiblere Lieferketten zu ermöglichen.

Brigitte de Vet-Veithen, CEO, Materialise: „Durch die Bündelung unserer Kräfte können

wir die Hindernisse abbauen, die einige Hersteller noch davon abhalten, den 3D-Druck

einzuführen und zu skalieren.“

Bild: Materialise

Wie wirken sich die aktuelle Wirtschaftslage und

die Umwälzungen in der Branche – eines der teilnehmenden

Unternehmen hat seinen Geschäftsbereich

3D-Druck veräußert – auf Ihre Arbeit im

Konsortium aus?

Die aktuelle Wirtschaftslage und die Umwälzungen

in der Branche machen die Arbeit des Leading Minds

Consortium relevanter denn je. Wenn Unternehmen

unter Druck stehen, wird es noch wichtiger, zusammenzuarbeiten

und Fachwissen zu bündeln, anstatt

zu versuchen, diese Herausforderungen isoliert zu lösen.

Durch die Bündelung unserer Kräfte können wir

die Hindernisse abbauen, die einige Hersteller noch

davon abhalten, den 3D-Druck einzuführen und zu

skalieren – von Kostenbedenken über den Mangel an

76 Industrieanzeiger » 15 | 2025


qualifizierten Ressourcen bis hin zur Komplexität

der Integration der additiven Fertigung in etablierte

Arbeitsabläufe.

Die wirtschaftlichen und geopolitischen Bedingungen

stellen zwar echte Herausforderungen dar,

schaffen aber auch neue Chancen. Hersteller überdenken

ihre Lieferketten, suchen nach widerstandsfähigeren

und reaktionsschnelleren Produktionsmethoden

und nach Möglichkeiten, Abfall zu reduzieren

und Vorlaufzeiten zu verkürzen. Genau in diesen

Bereichen kann der 3D-Druck einen Unterschied

machen – und genau deshalb glauben wir, dass jetzt

der richtige Zeitpunkt ist, um als Branche zusammenzuarbeiten

und die Einführung zu beschleunigen.

An welchen Projekten arbeitet das Leading Minds

Consortium derzeit, und wurden bereits Teilziele

erreicht?

Ein wichtiges Projekt des Konsortiums ist die Entwicklung

eines gemeinsamen Sprachrahmens für den

3D-Druck, der die Fragmentierung und Komplexität

reduzieren soll, die derzeit die Zusammenarbeit in

unserer Branche erschweren. Heute verwenden verschiedene

Unternehmen und Technologien oft unterschiedliche

Begriffe für dieselben Konzepte, was zu

Verwirrung führen und die Einführung verlangsamen

kann. Das gemeinsame Sprachrahmenwerk bietet

einen gemeinsamen Bezugspunkt – eine Möglichkeit

für Hersteller, Technologieanbieter und Partner,

strukturierter und einheitlicher über additive Fertigung

zu sprechen. Das Modell schafft eine einheitliche

Darstellung von Entitäten wie Teilen, Aufträgen,

Maschinen, Prozessparametern und Stützstrukturen

und verdeutlicht deren Beziehungen innerhalb des

Workflows. Diese Standardisierung ermöglicht die

einheitliche Speicherung und Interpretation von Daten

über verschiedene Abteilungen und Tools hinweg.

Die Vertreter der Unternehmen Ansys, EOS, HP, Nikon SLM, Renishaw, Stratasys und

Trumpf beim Startschuss des Leading Minds Consortiums auf der Formnext 2024

Fragen wie „Wo gibt es manuelle Schritte oder Ineffizienzen?“

oder „Wo liegen die größten Chancen für

Automatisierung oder Integration?“ lassen sich so

viel leichter beantworten.

Seit der Ankündigung der Initiative haben wir das

Modell auf alle Bereiche des additiven Fertigungsprozesses

ausgeweitet, vom Design und der Simula -

tion bis hin zur Produktion und Nachbearbeitung.

Dieser umfassende Ansatz stellt sicher, dass alle Beteiligten

über den gesamten Arbeitsablauf hinweg

dieselbe „Sprache“ sprechen. Wir setzen dieses

Modell nun aktiv bei Kunden ein, die seine Fähigkeit

schätzen, Gespräche über AM klarer, standardisierter

und umsetzbarer zu machen.

Messe Formnext 2025: Halle 12.1, Stand C139

Bild: Konradin Industrie

Ing. Erich Geiss GmbH & Co.KG

Elektrotechnische Fabrik

D- 65837 Sulzbach Postfach 1128

Tel. +49 (0) 6196 75 131

Fax +49 (0) 6196 75 140

E-Mail : Ing.ErichGeissGmbHCoKG@T-Online.DE

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(DIN 46294 und 46295)

Ex-Klemmbretter mit Bescheinigungen

der PTB (ATEX 100)

Klemmleisten

Klemmbrettverbindungen

Muttern und Scheiben (Messing und Stahl)

nach DIN

Schleifringkörper

Schleifring-Systeme

Kollektoren

Bürstenhalter und Kohlen

Bürstenhalterbolzen

Industrieanzeiger » 15 | 2025 77


» MESSE FORMNEXT

DN Solutions erschließt mit DLX-Serie den Markt für additive Metallfertigung

Zweites Standbein Additive Fertigung

Mit der DLX-Serie und einem neuen Solution Center in Deutschland forciert DN Solutions

den Eintritt in einen Markt, der volatiler gar nicht sein könnte: Wo die einen sich von ihren

3D-Druck-Sparten trennen, dort sieht der koreanische Werkzeugmaschinenhersteller die

Zukunft. Dr.-Ing. Vino Suntharakumaran erläutert, warum das Unternehmen auf die additive

Fertigung setzt und welche Vorteile Anwender erwarten.

» Evelin Eitelmann, Redakteurin Konradin Industrie

DN Solutions, Koreas führender und weltweit

drittgrößter Werkzeugmaschinenhersteller, hat

mit dem Markteintritt in die additive Metallfertigung

einen entscheidenden Schritt vollzogen. Die neue

DLX-Serie basiert auf dem Laser-Powder-Bed-Fusion-Verfahren

und erweitert das Portfolio um eine

Technologie, die laut Dr.-Ing. Vino Suntharakumaran,

Vice President Additive Manufacturing Europe, für

das Unternehmen alternativlos ist: „Sie bietet nun

Möglichkeiten, komplexe Metallbauteile herzustellen,

die anders nicht umsetzbar wären.“ Die additive

Fertigung ermögliche es, Synergien mit etablierten

Technologien – etwa der fünfachsigen Simultan -

bearbeitung oder Automationslösungen – gezielt zu

nutzen.

Dr.-Ing. Vino Suntharakumaran, Vice President Additive Manufacturing Europe,

DN Solutions: „Die additive Fertigung ist in unseren Augen alternativlos.“

Über DN Solutions Europe

Seit der Gründung im Jahr 1976 hat sich DN Solutions global

tätiges Werkzeugmaschinenunternehmen etabliert, das mehr

als 500 Produkttypen anbietet, darunter Dreh- und Frästechnologien.

Bis 2022 firmierte das Unternehmen unter Doosan

Machine Tools Co., LTD. Gemessen am Umsatz ist DN Solutions

die weltweit drittgrößte Marke für Werkzeugmaschinen.

Mit einem Netzwerk von 155 Händlern in 66 Ländern erfüllt

der Maschinenbauer die Anforderungen von Kunden aus den

Branchen Automobil, Luftfahrt, Medizin, Energie, IT und

Bauwesen.

Bild: DN Solutions

Europäisches Additive Solution Center:

Anlaufstelle für Innovation

Ein zentrales Element der Markterschließung ist das

Additive Manufacturing Solution Center Europe. Es

dient als Hub für Kunden aus ganz Europa, die Beratung

und Weiterbildung zur additiven Fertigung

suchen. „Kunden erleben die DN Solutions Technologien

live – von den DLX-Maschinen über die Verknüpfung

mit CNC-Anlagen bis hin zu allen Prozessschritten,

von der Bauteilauslegung über die Nachbearbeitung

bis zur Qualitätsprüfung“, beschreibt

Suntharakumaran das Angebot des Centers.

Zielgruppe: Von KMU bis zum Konzern

Die DLX-Serie richtet sich nicht nur an Großunternehmen,

sondern explizit auch an kleine und mittlere

Betriebe, die sich erstmals mit additiver Fertigung

beschäftigen oder bereits Erfahrung in diesem Bereich

haben. Ziel ist es, den kompletten Weg von der

ersten Idee bis zur erfolgreichen Bauteilfertigung zu

begleiten. „Das ist für kleine und mittlere genauso

wie für große Unternehmen interessant“, betont

Suntharakumaran.

78 Industrieanzeiger » 15 | 2025


Bild: DN Solutions

Aufgrund ihres großen

Bauvolumens von bis

zu 450x450x450 mm

und ihres Multi-Laser-

Systems mit synchronisiertem

Scan-Feld

ermöglicht die größte

additive Fertigungsmaschine

der DLX-

Serie eine schnelle,

unterbrechungsfreie

Fertigung.

Im Fokus der Serie stehen Zuverlässigkeit, hohe

Bauteilqualität und kurze Durchlaufzeiten. Ein wesentliches

technisches Merkmal ist der auswechselbare

Baucontainer, der die Nebenzeiten, vergleichbar

mit Palettenwechselsystemen in der CNC-Bearbeitung,

reduziert. Ergänzt wird dies durch ein Permanentfiltersystem

zur effizienten Schutzgasabreinigung.

Auch die Pulverrückgewinnung ist integriert:

Das Pulver wird vollständig gesammelt, in eigenen

Siebstationen aufbereitet und von Verunreinigungen

befreit. „Die Menge ist im Vergleich zu den Zerspanraten

im Bereich der CNC-Bearbeitung aber vernachlässigbar“,

so Suntharakumaran.

Prozessintegration durch Softwaresuite

Mit der DLX-Serie liefert DN Solutions nicht nur

Hardware, sondern auch eine umfassende Softwaresuite

für die additive Prozesskette. „Der Kunde erhält

bei uns Hard- und Software aus einer Hand“, erklärt

Suntharakumaran. Die Softwarelösungen decken

sämtliche Schritte ab: von der Identifizierung geeigneter

Bauteile über die Baujobvorbereitung und Optimierung

der Produktivität bis hin zur Verwaltung

des gesamten AM-Workflows. Im Mittelpunkt steht

dabei die Nutzung des .stl-Formats, das gängigen

CAD-Systemen entspricht und die Integration in bestehende

digitale Prozesse erleichtert. Eine Besonderheit

ist die automatisierte Eignungsprüfung, die

Verzugssimulation sowie die Parameteroptimierung

zur Sicherstellung der Bauteilqualität.

Ein zentrales Entscheidungskriterium für Anwender

sei die Wirtschaftlichkeit der additiven Fertigung.

Die Softwaresuite der DLX-Serie enthält ein System

zur Kalkulation der Fertigungskosten, sowohl für Einzelteile

und Prototypen als auch für die Serienproduktion.

„Kunden können die endgültige Geometrie

des Teils in die Software eingeben, woraufhin die

Kosten berechnet werden“, beschreibt Suntharakumaran.

Die Analyse der Maschinenwirtschaftlichkeit

erleichtert es, Investitionsentscheidungen zu treffen

oder Alternativen, etwa Dienstleistungsunternehmen,

zu bewerten.

Trends und Ausblick

Die industrielle additive Fertigung entwickelt sich

nach Einschätzung von Suntharakumaran in zwei

Richtungen: Zum einen hin zu immer größeren Bauräumen

und einer steigenden Anzahl von Strahlquellen,

um größere oder mehr Bauteile gleichzeitig fertigen

zu können. Zum anderen sehen Experten gezielte

Optimierungen hinsichtlich Anlagen-Footprint, Produktivität

und Nischenanwendungen, beispielsweise

im Bereich Multi-Material-3D-Druck. DN Solutions

will sich dabei als Anbieter ganzheitlicher Fertigungslösungen

positionieren und die Integration additiver

mit subtraktiver Fertigung weiter vorantreiben.

Messe Formnext 2025: Halle 12.0, Stand C61

Bild: DN Solutions

Additiv gefertigter

Wärmetauscher

Industrieanzeiger » 15 | 2025 79


» SONDERTEIL ADDITIVE

Herbstumfrage des VDMA Additive Manufacturing

3D-Druck-Branche erlebt eine

Phase der Konsolidierung

In der Additive-Manufacturing-Branche kehrt zunehmend Ernüchterung ein. Laut Herbstumfrage

des VDMA sinkt die Zahl der Unternehmen, die in den kommenden zwei Jahren Wachstum erwarten.

Hier macht sich auch die Zollpolitik der US-Regierung bemerkbar. Trotzdem investieren die Firmen

in neue technologische Entwicklungen.

Bild: The Little Hut/stock.adobe.com (generiert mit KI)

„Unsere Mitgliedsunternehmen zeigen

weiterhin bemerkenswerte Stabilität,

doch der Optimismus hat spürbar nachgelassen“,

erklärt Dr. Markus Heering, Geschäftsführer

der Arbeitsgemeinschaft

Additive Manufacturing im VDMA. Die

Herbstumfrage 2025 der Arbeitsgemeinschaft

zeigt, dass sich die Branche in

einem herausfordernden Marktumfeld

seitwärts entwickelt.

Branche erwartet weniger

Wachstum

Es gäbe immer mehr

Serienteile in neuen

Anwendungen, aber

die meisten Teile, die

mit additiver Fertigung

hergestellt werden,

seien Prototypen, so

der VDMA.

tum. Der Optimismus bleibt nicht auf dem

hohen Niveau der vergangenen Umfragen.

Beim Ausblick auf die nächsten 24

Monate erwarten nur noch 63 % der Befragten

Wachstum im heimischen Markt.

Das sind 14 % weniger als in der Umfrage

im Frühjahr dieses Jahres. Bei den Exporten

rechnen 51 % der Mitgliedsunternehmen

– und damit 13 % weniger als im

Frühjahr – mit einem Anstieg in den

nächsten 24 Monaten. Hierbei entwickeln

sich die europäischen Länder zur immer

wichtigeren Exportregion. Für 80 % der

Mitgliedsunternehmen sind die EU-

27-Länder die wichtigste Exportregion.

Gefolgt wird die EU-27 von den USA

(50 %), die aber deutlich an Stellenwert

verloren hat. An dritter Stelle liegen die

europäischen Nicht-EU-Staaten (27 %).

„Durch die Zollentwicklung der USA beobachten

wir deutlich verringerte Exporte

nach USA und eine ausgeprägte Stärkung

der Geschäfte im EU-27 Raum“, erläutert

der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft.

Die relevantesten Wettbewerber

kommen aus China und den USA. Fast die

Hälfte der Mitgliedfirmen haben chinesi-

Zwar berichten einige Unternehmen von

positiven Umsätzen, doch der Anteil ist

im Vergleich zur Umfrage im Frühjahr

2025 nicht gestiegen. Gleichzeitig meldeten

29 % der Firmen rückläufige Umsätze

in den letzten 12 Monaten. In den vergangenen

sechs Monaten lag dieser

Anteil immerhin nur bei 20 % und ist

nicht angestiegen. „Wir sehen derzeit keine

klare Aufwärtsbewegung, sondern

eher eine Phase der Konsolidierung“, erläutert

Heering. Die Unternehmen reagieren

mit Vorsicht und setzen verstärkt auf

Effizienz und Stabilität, statt auf Wachssche

Additive-Manufacturing-Konkurrenten.

Der Wettbewerb von den amerikanischen

Additive-Manufacturing-Anbietern

scheint jedoch weniger ausgeprägt spürbar

zu sein. Dafür ist für die Mitgliedsunternehmen

mehr Wettbewerb aus Regionen

wie Italien und Österreich bemerkbar.

Investitionsbereitschaft bleibt

verhalten

Trotz der weiterhin angespannten wirtschaftlichen

Lage zeigen viele Unternehmen

Interesse an Investitionen, allerdings

mit gedämpftem Schwung. Für das kommende

Jahr planen 26 % der Firmen, ihr

Investitionsbudget zu erhöhen, während

58 % keine Veränderung vorsehen. Als

wichtigstes Thema für den Ausbau des

Additive-Manufacturing-Geschäfts nennen

62 % der Befragten neue technologische

Entwicklungen. Dahinter folgen die

Marktakzeptanz und die Kostenstruktur,

die jeweils von 55 % der Befragten als

entscheidende Faktoren genannt werden.

„Genau hier setzen wir an: Unsere Arbeitsgemeinschaft

vernetzt gezielt Akteure

entlang der gesamten additiven Prozess-

und Wertschöpfungskette“, sagt Dr.

Markus Heering, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft

Additive Manufacturing

im VDMA. „Unsere Mitglieder tauschen

sich kontinuierlich entlang der gesamten

Prozesskette aus und bringen ihre

Erfahrungen und Perspektiven ein. Dieser

Austausch fördert das gemeinsame Verständnis

für aktuelle Aufgaben und

Herausforderungen.“ (eve)

80 Industrieanzeiger » 15 | 2025


TÜV geprüfte Sicherheit

KSB liefert 3D-gedruckte Teile on Demand

Das Unternehmen KSB aus Frankenthal in

Rheinland-Pfalz ist international für seine

Industriearmaturen und -pumpen bekannt.

Zusätzlich bietet KSB mit

„Parts on Demand“ interessierten Kunden

auch die Möglichkeit, additiv gefertigte

Bauteile an seinem Standort im oberfränkischen

Pegnitz produzieren zu lassen.

Diese Dienstleistung ermöglicht es, individuelle

Bauteile, Prototypen und Kleinserien

schnell und passgenau herzustellen.

Das Unternehmen nutzt dabei moderne

additive Fertigungsverfahren und Rapid

Casting, um Komponenten aus verschiedenen

Werkstoffen, einschließlich hochlegierter

Metalle, zu produzieren. Diese Bauteile

sind auf Wunsch TÜV- und DNV-geprüft,

was höchste Qualität und Sicherheit

garantiert.

KSB hat als erster Hersteller überhaupt

eine TÜV-Zertifizierung für die additive

Fertigung von Bauteilen erhalten, die

der europäischen Druckgeräterichtlinie

unterliegen. Außerdem wurde die additive

Fertigung im Februar 2024 mit einem

DNV-Facility-Qualifikation-Zertifikat

ausgezeichnet. Das Zertifikat „Qualifica -

tion of Manufacturer“ gemäß DNV-

SE-0568 und DNV-ST-B203 auf Level

Ein anschauliches Beispiel

für die Möglichkeiten des

3D-Drucks ist ein Pumpengehäuse

mit integrierten

Kühlkanälen.

AMC 3 wurde für die Teilefamilie von

Laufrädern erteilt. Alle anderen additiven

Fertigungseinrichtungen sind für das

Level AMC 1 in allen Teilefamilien zugelassen.

Mit dieser Zertifizierung ist es

möglich, Anlagenbetreiber in der Öl- und

Gasindustrie sowie der Kraftwerkstechnik

mit Ersatzteilen zu beliefern.

Vor mehr als 20 Jahren hat KSB damit

begonnen, mit additiven Fertigungsmethoden

zu arbeiten. Dabei kristallisierte

sich heraus, dass bei dieser Technologie

bei der Gestaltung einer Komponente deren

Funktion im Vordergrund steht. Zuerst

legt der Konstrukteur fest, welche Funktionalitäten

ein Bauteil haben soll. Danach

folgt die Gestaltung der Geometrie

diesen Vorgaben. Das eröffnet den Entwicklern

ganz neue konstruktive Freiheiten.

Bei den klassischen Formgebungsverfahren

war der Konstrukteur beim Entwurf

eines Bauteiles immer gezwungen,

Rücksicht auf die zur Verfügung stehenden

Fertigungsmethoden zu nehmen.

Ein anschauliches Beispiel ist die Gestaltung

von Kühlkanälen, wie man sie in

beheizten Pumpen oder Armaturengehäusen

finden kann. Wenn man diese

bohren müsste, könnte man nur gerade

Kanäle bohren. Mittels 3D-Druck gefertigte

Kühlkanäle können aber auch einer

kurvigen Kontur folgen. Besonders interessant

ist der 3D-Druck bei der Produktion

von komplexen Komponenten, die zusätzliche

Funktionalitäten beinhalten. Es

ist sicher nicht sinnvoll, Dreh- oder

Blechteile sowie schmiedbare Bauteile,

die in großer Stückzahl benötigt werden,

zu drucken. Das hängt natürlich vom

Bauraum des zur Verfügung stehenden

Druckers ab und ob das Drucken wirtschaftlich

sinnvoll ist. Der 3D-Druck hat

ein riesiges Potenzial, wenn man ihn richtig

anzuwenden weiß. Es kommt vorrangig

auf die Wahl der Geometrie und die

Festlegung der Funktion sowie die Druckbarkeit

des Werkstoffes an. (eve)

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Industrieanzeiger » 15 | 2025 81


» SONDERTEIL ADDITIVE

Groschopp nutzt Additive Fertigung für Kleinserien

Auf die kleinen Teile kommt es an

Noch vor einigen Jahren wurde die Additive Fertigung überwiegend im Muster- und Prototypenbau

eingesetzt. Das hat sich inzwischen bei vielen Unternehmen grundlegend geändert.

Immer bessere 3D-Drucker und der Einsatz vielfältiger Materialien ermöglichen es, mithilfe

innovativer Fertigungsverfahren funktionsfähige Bauteile entstehen zu lassen. Heute hat

sich die fortschrittliche Technologie als wirtschaftliche Alternative in der Kleinserienfertigung

etabliert – so auch bei der Groschopp AG Drives & More.

Getriebestopfen, Bürstenbrücken und mehr stellt Antriebstechnikspezialist Groschopp mit

Hilfe von additiver Fertigung her.

FDM- und SLA-Verfahren kurz erklärt

Fused Deposition Modeling (FDM) ist ein gängiges 3D-Druckverfahren,

bei dem thermoplastische Kunststoffe schichtweise aufgetragen

werden. Der Druckkopf, bestehend aus einem Extruder

und einer Düse, schmilzt das Filament und extrudiert es auf die

Bauplattform, wo es schichtweise aufgetragen wird.

Bei der Stereolithografie (SLA) wird ein Nah-UV-Laserstrahl auf

eine dünne Schicht flüssigen Photopolymerharzes fokussiert.

Das lichtempfindliche Harz reagiert und verfestigt sich, so dass

die erste Schicht des Objekts entsteht. Durch Auftragen einer

neuen Harzschicht und Wiederholung des Prozesses für jeden

Abschnitt des Objekts entsteht das vollständige 3D-Druckobjekt.

Bild: Groschopp

Bei Groschopp werden Motoren, Getriebe und

Regler sowie sämtliche Antriebskomponenten

und Bauteile für kleinere und mittlere Anlagen am

Standort Viersen entwickelt, konstruiert und gefertigt.

Das Unternehmen ist bekannt für seine passgenau

zugeschnittenen, kundenspezifischen Lösungen,

die in verschiedenen Branchen zum Einsatz kommen

– von der Lebensmittel- und Pharmaindustrie über

die Medizintechnik bis hin zur Energieverteilung oder

Intralogistik. „Wir haben immer ein offenes Ohr für

die Wünsche unserer Kunden, doch die Kleinserienfertigung

stellt hohe Anforderungen an die Beschaffung“,

berichtet Alexander Klupp, Konstruktionsleiter

bei Groschopp. „Oft stehen wir vor dem Dilemma,

dass unsere Auftraggeber auch bei kleinen Stückzahlen

ähnliche Kosten für die Produkte erwarten, wie

sie es von der Serienproduktion gewohnt sind – doch

damit lassen sich die hohen Werkzeugkosten in der

Fertigung nicht abdecken – außerdem können viele

nicht die erforderlichen Mindestlosgrößen abnehmen.“

Da sich die konventionelle Einzelfertigung

in vielen Fällen als unwirtschaftlich erwiesen hat,

suchte der Hersteller nach einer kostengünstigeren

Alternative. Eine vielversprechende Lösung fand das

Unternehmen in der Additiven Fertigung.

Vorteile für die Kleinserienfertigung

Anfangs nutzte Groschopp die Technologie lediglich

im Prototypen- und Musterbau. Inzwischen hat sich

das Produktionsverfahren bewährt, um schnell, wirtschaftlich

und flexibel Bauteile wie Getriebestopfen,

Bürstenbrücken oder Abdeckkappen für Kleinserien

oder Einzelprojekten herzustellen, die zum Beispiel in

den Motoren, Getrieben oder Montagevorrichtungen

zum Einsatz kommen. Daraus ergeben sich einige

Vorteile für das Unternehmen und seine Kunden:

• Die Investitionen in 3D-Drucker und Materialien

sind überschaubar.

• Die Bedienung der Geräte erfordert keine langjährige

Berufserfahrung oder Facharbeiterausbildung.

82 Industrieanzeiger » 15 | 2025


• Zudem lassen sich damit Bauteile freier gestalten

als bei konventionellen Herstellungsverfahren mit

einem Werkzeug.

Selbst komplexe Geometrien können mit Additiven

Fertigungsverfahren schnell, einfach und mit weniger

Material hergestellt werden – ohne Abstriche bei

der Funktionalität machen zu müssen. Für die Konstruktion

der Bauteile verwendet Groschopp Solid-

Works sowie die integrierten Simulationsprogramme.

Die Modelle werden im STEP-Format an die vom Druckerhersteller

mitgelieferten Programme übergeben.

3D-Druck: Eine flexible und

wirtschaftliche Alternative

Die Additive Fertigung bietet vielfältige Möglichkeiten

für die Herstellung von Bauteilen ohne Werkzeug:

Groschopp setzt verschiedene 3D-Drucker und

Verfahren ein, wobei die Auswahl anhand der gewünschten

Eigenschaften erfolgt. Bereits im Jahr

2012 hatte sich das Unternehmen einen FDM-

3D-Drucker (Fused Deposition Modeling) für den robusten,

temperaturbeständigen Kunststoff ABS angeschafft.

„Heute fertigen wir größere Bauteile auf

unserem Bambu Lab X1E, einem professionellen

FDM-3D-Drucker, der auch anspruchsvolle Filamente

wie kohlefaserverstärktes Hochtemperatur-Nylon

verarbeiten kann“, erzählt Klupp. „Für filigranere

Kunststoffbauteile nutzen wir einen SLA-3D-Drucker,

genauer gesagt, den Form 4 von Formlabs.“ SLA steht

für Stereolithografie. Zum Einsatz kommt ein harzbasiertes

3D-Druck-Verfahren. Dabei wird UV-Licht

durch eine LCD-Maske projiziert, um das flüssige

Kunstharz schnell und schichtweise zu härten. Damit

ist Groschopp in der Lage, mit unterschiedlichen

Werkstoffen zu arbeiten und Bauteile für Kleinserien

mit verschiedenen Eigenschaften zu drucken. Der

SLA-3D-Drucker bietet neben der einfachen Bedienung

den Vorteil, dass die gefertigten Teile sauber

nachbehandelt werden können. Sollte die geforderte

Genauigkeit der gedruckten Teile nicht erreicht werden,

können sie auch auf Werkzeugmaschinen nachbearbeitet

werden. „Lediglich gesinterte Bauteile aus

Metall können wir nicht selbst herstellen“, so Klupp

weiter. „Dafür arbeiten wir mit einem spezialisierten

Dienstleister zusammen.“ „Die Additive Fertigung hat

das Potenzial, Produktionsprozesse in der Kleinserienfertigung

zu revolutionieren“, ist sich Klupp sicher.

„Das Herstellungsverfahren ist nicht nur bei dauerhaft

geringen Losgrößen attraktiv, sondern kann

auch als Brückentechnologie für den Hochlauf einer

Produktion dienen.“ Bei Groschopp zahlt sich das bereits

aus: Sowohl die Drucker als auch die benötigten

Materialien sind in den letzten Jahren immer preisgünstiger

geworden, sodass sich 3D-gedruckte Teile

in beliebiger Anzahl mit wenig Material kosteneffizient

herstellen lassen. „Ein weiterer großer Vorteil

dieser Technologie ist die hohe Verfügbarkeit, zum

Beispiel wenn Bauteile besonders schnell benötigt

werden“, erklärt Klupp abschließend. „In Zukunft

werden Produkte aus dem 3D-Drucker vermutlich in

noch stärkerem Maße als heute konventionell ge -

fertigte Teile ersetzen, wenn auch nicht vollständig

verdrängen.“ (eve)

RECOVER MORE

WASTE LESS

SAVE BIG

Bild: Groschopp

Groschopp nutzt für

seine Motoren die Vorteile

des 3D-Drucks

für die Fertigung von

Kleinserien.

Besuchen Sie uns auf der Formnext / Frankfurt

18.– 21.11.2025, HALLE 11 / STAND F11

Industrieanzeiger » 15 | 2025 83


» SONDERTEIL ADDITIVE

Erste Wahl bei induktiver Erwärmung und effizienter Kühlung

3D-gedrucktes Kupfer steigert

die Produktivität

Additiv gefertigte Kupfer-Bauteile und Kupferleiter bieten große Vorteile und sind ein

fester Bestandteil von Serienproduktionen. Sie werden in unterschiedlichen Anwendungen

eingesetzt, zum Beispiel in der Automobilindustrie, dem Maschinenbau oder von namhaften

Herstellern induktiver Erwärmungssysteme. Insbesondere hier setzen sie neue Maßstäbe.

» Max Wissing, Technologiemanager bei der Protiq GmbH, Blomberg

Lange Jahre als unkonkrete Zukunftsvision wahrgenommen,

wird die Technologie zunehmend in

Produktionsprozesse integriert. Industrieller 3D-Druck

führt zu hochfesten Stahlkomponenten ebenso wie

zu Bauteilen aus reinem Kupfer – eine Option, die

bedeutende Fortschritte bei Systemen zur induktiven

Erwärmung erzielte.

Der direkte Aufbau aus digitalen 3D-Modellen erlaubt

eine außergewöhnliche Designfreiheit, ermöglicht

selbst komplexe Geometrien, erfordert aber

gleichzeitig Erfahrung und tiefgehendes Prozess -

wissen, gerade bei anspruchsvollen Metallen. Dieses

Potenzial gilt es zu nutzen.

Bereits 2013 gelang es der Protiq GmbH als erstem

Unternehmen weltweit, eine hochleitfähige Kupferlegierung

mit 99 % Reinheitsgrad durch selektives

Laserschmelzen (SLM) prozesssicher zu verarbeiten.

Dieser Durchbruch war das Ergebnis langjähriger

Entwicklungsarbeit. 2019 ermöglichte das Unternehmen

erstmals den 3D-Druck mit reinem Kupfer.

Dieses Material enthält keinerlei Legierungsbestandteile.

Es erfüllt den Standard Cu-ETP und erreicht

eine elektrische Leitfähigkeit von 58 Megasiemens

pro Meter (MS/m), was zu 100 % dem International

Annealed Copper Standard (IACS) entspricht.

Additive Fertigung

auf hohem Niveau:

Protiq ermöglicht

das Herstellen von

innovativen Kupferbauteilen

in kom -

plexen Geometrien

durch SLM.

Bild: Protiq

84 Industrieanzeiger » 15 | 2025


Als industrieller Produktionsdienstleister mit

umfassender Erfahrung in der additiven Fertigung ist

Protiq das Kompetenzzentrum für 3D-Druck innerhalb

der Unternehmensgruppe Phoenix Contact. Die

additiv hergestellten Bauteile kommen in verschiedenen

Anwendungen und Branchen zum Einsatz.

Induktionsspulen spielen eine zentrale Rolle beim

präzisen und effizienten Erwärmen von Metall -

bauteilen in vielen Industriebereichen. Die Geometrie

der Spule ist insbesondere beim Randschichthärten

von entscheidender Bedeutung und beeinflusst

maßgeblich das Erwärmungsverhalten im Prozess.

Hierdurch hat die Spulengeometrie unmittelbaren

Einfluss auf wichtige Kenngrößen wie Produktivität,

Taktzeiten und Energieeffizienz. Mit steigenden

Anforderungen an den Prozess nehmen auch die

Komplexität der Spulengeometrie und des Erwärmungsverhaltens

weiter zu.

Traditionell werden Induktoren entweder durch

manuelles Biegen, Schneiden und Löten aus hohlen

Kupferhalbzeugen hergestellt oder als CNC-gefräste

Einzelteile produziert, die anschließend durch Löten

oder Schweißen gefügt werden. Diese konventionellen

Verfahren stoßen jedoch an ihre Grenzen: Enge

Biegeradien und komplexe Geometrien lassen sich

nur schwer realisieren, die Reproduzierbarkeit ist

eingeschränkt, und die Fertigungsprozesse sind zeitund

kostenintensiv. Zudem führen diese aufwendigen

Herstellungsschritte zu langen Lieferzeiten, die sich

oft über mehrere Wochen erstrecken.

Die additive Fertigung überwindet diese Herausforderungen.

Der 3D-Druck von Induktionsspulen

reduziert den manuellen Produktionsaufwand erheblich.

Er ermöglicht eine effizientere, kostengünsti -

gere Herstellung und verkürzt die Lieferzeit signi -

fikant: Selbst bei komplexen Spulengeometrien kann

Protiq die Bauteile innerhalb von fünf bis acht Werktagen

liefern.

Die Wahl des richtigen Materials ist wesentlich für

die Leistungsfähigkeit und Effizienz der 3D-gedruckten

Bauteile. Protiq bietet neben der bewährten

Kupferlegierung CuCr1Zr zusätzlich reines, unlegiertes

Kupfer (Cu-ETP) sowie die eigens entwickelte

Kupferlegierung RS-Kupfer (RS-Cu) an.

Reinkupfer (Cu-ETP) erfüllt die Spezifikationen des

internationalen Standards IACS mit einer elektrischen

Leitfähigkeit von 58 MS/m und erlaubt damit

eine besonders energieeffiziente Verwendung. Das ist

essenziell für industrielle Anwendungen, bei denen

minimale elektrische Verluste oder maximale thermische

Leitfähigkeiten gefordert sind.

Das für die additive Fertigung optimierte RS-Kupfer

enthält 99 % Kupfer und kombiniert eine hohe

elektrische Leitfähigkeit von bis zu 50 MS/m mit

Bild: Protiq

Die hohen gestalterischen Freiheiten des 3D-Drucks machen neuartige Kühlkomponenten

aus Kupfer möglich: Eine optimierte Oberflächenstruktur und Medienführung erzielen

große Kühlleistungen auf kleinstem Raum.

verbesserter mechanischen Festigkeit. Dieses Mate -

rial ist insbesondere bei komplexen Geometrien von

Vorteil, da es eine höhere Detailgenauigkeit und

Oberflächenqualität liefert.

Abgesehen von der Materialqualität sind auch

mechanische Belastbarkeit und Dichtigkeit bedeutsam.

Protiq prüft daher alle produzierten Spulen auf

ihre Leitfähigkeit und Druckbeständigkeit. Ab 1 mm

Wandstärke können Spulen einem Wasserdruck von

bis zu 20 bar standhalten. In speziellen Anwendungen

sind sogar Wandstärken von nur 0,5 mm umsetzbar,

sofern dies in enger Abstimmung mit dem

Kunden erfolgt. Die Wahl des optimalen Werkstoffs

ist also die Basis für leistungsfähige Induktoren, doch

erst die Designfreiheit der additiven Fertigung kann

diese Materialvorteile voll ausschöpfen.

Zusätzlich zur hohen elektrischen Leitfähigkeit

verfügen additiv hergestellte Bauteile aus Kupfer

über eine hohe thermische Leitfähigkeit von über

400 W/(m K). Dadurch eignen sie sich besonders gut

für Wärmetauscher und Komponenten zur Abfuhr

von Prozesswärme. Gerade im wachsenden Tech -

nologiefeld der Supercomputer und Rechenzentren

– Stichwort KI – erweisen sich die 3D-gedruckten

Kühl körper als Mittel der Wahl.

Der Betrieb der Recheneinheiten auf engstem

Raum bedingt derart hohe Kühlleistungen, dass

hierfür geometrisch optimierte, additiv gefertigte

Wärmetauscher zum Einsatz kommen. Durch die

großen geometrischen Gestaltungsfreiheiten lassen

sich Kühlleistungen erzielen, die auf herkömmlichen

Wegen nicht realisierbar sind. Erreicht werden sie

sowohl über das Integrieren von komplexen Kühlwasserkanälen

als auch über eine Verbesserung der

effektiven Oberflächenstruktur.

Industrieanzeiger » 15 | 2025 85


» SONDERTEIL ADDITIVE

Hochpräzise Prozessbeobachtung und Fehlerdetektion in der additiven Fertigung

Bildverarbeitung erleichtert

Prozesskontrolle im Metall-3D-Druck

Das pulverbettbasierte Laserstrahlschmelzen von Metallen (PBF-LB/M) ist eine Schlüsseltechnologie

der additiven Fertigung, die es ermöglicht, hochkomplexe und leistungsfähige Metallbauteile mit

maßgeschneiderten Material- und Funktionseigenschaften herzustellen. Fortschritte in der Prozessüberwachung

und -regelung sind entscheidend, um die Qualität, Reproduzierbarkeit und Effizienz

dieses Fertigungsverfahrens weiter zu steigern.

» Silke von Gemmingen, Unternehmenskommunikation, IDS Imaging Development Systems

Pulverschichten. Die Forschenden wollen

so fundierte Rückschlüsse auf die resultierende

Bauteilqualität ziehen. Bildgebende

Komponenten des Forschungsprojektes

sind zwei leistungsstarke USB3

Industriekameras von IDS Imaging Development

Systems.

Um das pulverbettbasierte Laserstrahlschmelzen besser zu verstehen und es hinsichtlich der

Reproduzierbarkeit weiterzuentwickeln, bedarf es einer umfassenden Prozessbeobachtung.

Maßgeblich für die Bauteilqualität im

pulverbettbasierten Laserstrahlschmelzen

von Metall ist der eigentliche

Prozess, dessen Analyse als zentrale Herausforderung

gilt. Im Rahmen der Forschung

zur Erhöhung der Prozessstabilität

und -effizienz führen Studierende und

wissenschaftliche Mitarbeitende des LaserApplikationsZentrum

(LAZ) der Hochschule

Aalen eine globale, dynamische

Beobachtung des Prozesses durch. Ihr

Ziel: die Entwicklung von neuartigen

weichmagnetischen Komponenten für

Bild: IDS, Hochschule Aalen

effizientere Elektromotoren der Zukunft.

Im Kontext einer Hochgeschwindigkeitsprozessregelung

mit Temperaturrückführung

untersuchen die Forschenden Phänomene

wie

• Spritzer- und Schmauchbildung,

• das Erstarrungsverhalten sowie

• die sichere Bewegung mechanischer

Komponenten.

Außerdem erfolgt eine hochaufgelöste,

statische Analyse der umgeschmolzenen

Bauteilschichtgeometrien sowie eine präzise

Detektion potenzieller Fehler in den

Zwei Industriekameras liefern

die nötigen Bildinformationen

Die beiden unterschiedlichen Aufgaben

erfordern verschiedene Kameramodelle.

„Für die globale, dynamische Beobachtung

des Prozesses, wie der Beobachtung

von Spritzern oder der Schmauchbildung,

verwenden wir ein Modell aus der USB3

uEye CP Kamerafamilie. Für die statische,

hochaufgelöste Identifikation von Anomalien

innerhalb der Pulverschichten

sowie in den umgeschmolzenen Bauteilschichtgeometrien,

kommt eine USB3

uEye Kamera aus der SE-Serie zum Einsatz“,

erklärt David Kolb, wissenschaft -

licher Mitarbeiter des LAZ.

Dynamische Beobachtung

des Prozesses

Die Anforderungen an die beiden IDS Kamerasysteme

sind aufgrund deren Einsatzbereiche

im PBF-LB/M verschieden.

„Da es sich beim pulverbettbasierten

Laserstrahlschmelzen von Metallen um

einen hochdynamischen additiven Fertigungsprozess

handelt, bei dem das Bauteil

Schicht für Schicht generiert wird,

waren für die globale, dynamische Beobachtung

vor allem folgende Features ge-

86 Industrieanzeiger » 15 | 2025


fragt“, sagt David Kolb und zählt auf:

• eine Auflösung von über 1000 x 1000

Pixeln

• eine Framerate von mehr als 100 fps

• eine Bildfeldabdeckung von mindestens

100 mm x 100 mm

• ein Triggerport für Videoaufnahmen

Die gewählte Industriekamera mit dem

Namen U3–3040CP-C-HQ Rev.2.2 gewährleistet

sehr gute Bildqualität auch

bei wenig Licht oder bei Aufnahmen von

sich schnell bewegenden Objekten. Dafür

sorgt der Global-Shutter CMOS-Sensor

IMX273 aus der Pregius-Reihe von Sony

durch seine hohe Empfindlichkeit und den

großen Dynamikbereich. Mit einer Auflösung

von 1,58 Megapixeln (1456 x 1088

px) erreicht er eine Framerate von 251

Bildern pro Sekunde – ideal für detaillierte

Video- und Bildauswertungen von dynamischen

Prozessen.

Die Videosequenz / Abbildung zeigt

den schichtweisen PBF-LB/M-Prozess bei

unterschiedlichen Laserparametern, auf -

genommen mit der U3–3040CP-C-HQ

Rev.2.2 von IDS unter Verwendung der

Software IDS peak. „Dabei können je nach

Einstellung der Industriekamera verschiedene

Prozesseigenschaften wie Materialverdampfung,

oder die Menge und Richtung

von Spritzern während des PBF-

LB/M beobachtet sowie quantifiziert werden“,

beschreibt David Kolb die Anwendung.

„Die daraus gewonnenen Erkenntnisse

liefern uns wichtige Informationen,

um die Laser-Material-Wechselwirkungen

des additiven Fertigungsprozesses

tiefergehend zu verstehen und die Fertigungsparameter

in Abhängigkeit des

Materials oder z.B. der Bauteilgeometrie

individuell anpassen zu können“.

Komponenten für effizientere

Elektromotoren

Für die Prozessparameterfindung wurden

würfelförmige Bauteile additiv gefertigt

und der globale Fertigungsprozess mit der

USB3 uEye CP Kamera analysiert. Hierdurch

konnten optimale Laserparameter

identifiziert werden, mit denen neuartige

weichmagnetische Komponenten für effizientere

Elektromotoren der Zukunft aus

der schwierig zu verarbeitenden Eisen-Silizium-Legierung

mit 6,5 Gew.-% Silizium

Bild: Hochschule Aalen

Additiv gefertigte weichmagnetische Statorhalbschale

einer Transversalflussmaschine aus FeSi6,5

auf einer Bauplattform.

(FeSi6,5) hergestellt werden können. Die

darauf aufbauend gefertigte Statorhalbschale

aus FeSi6,5 ermöglicht durch ihre

optimierte, dreidimensionale Magnetflussführung

eine ideale Anpassung an

die besonderen Anforderungen von Transversalflussmaschinen.

Die hohe elektrische

Resistenz des Materials und die Designfreiheit

des PBF-LB/M erlauben eine

Reduktion von Wirbelstromverlusten, eine

gesteigerte Leistungsdichte und die Integration

zusätzlicher Funktionen wie Kühlstrukturen.

Sowohl die komplexe Geometrie

als auch der spröde, weichmagnetische

Werkstoff FeSi6,5 sind mit konventionellen

Fertigungsverfahren kaum herstellbar

bzw. verarbeitbar und erfordern

den Einsatz additiver Fertigungstechnologien.

Statische, hochaufgelöste

Identifikation von Anomalien

Bei der statischen, hochaufgelösten Beobachtung

der Pulverschichten bzw. Bauteilschichtgeometrien

sind vor allem folgende

Kameraeigenschaften gefragt:

• eine Merkmalerfassung unterhalb

von 40 µm

• eine Bildfeldabdeckung von

mindestens 100 mm x 100 mm

• ein quadratisches Bildverhältnis (1:1)

• ein Triggerport für Einzelbild -

aufnahmen

Genau das liefert die 20,36 Megapixel

(4512 x 4512 px) Industriekamera

U3–3990SE Rev.1.2. Mit dem IMX541

verfügt sie über einen hochperformanten,

extrem hochauflösenden, großformatigen

1,1“ CMOS-Sensor aus der Pregius S-Serie

von Sony. Die eingesetzte BSI-Techno-

logie („Back Side Illuminated“) ermöglicht

einerseits kleinere Pixel (2,74 µm) und eine

höhere Auflösung und darüber hinaus

verbesserte Quanteneffizienz und Empfindlichkeit.

„Aufgrund der besonders benutzerfreundlichen

und flexibel integrierbaren

IDS Kameras konnten die notwendigen

Anpassungen am Versuchsaufbau schnell

und unkompliziert umgesetzt werden, sodass

die USB3 uEye SE gezielt unter einem

definierten Winkel positioniert werden

kann“, erläutert David Kolb. Die nahezu

vertikale Beobachtung der einzelnen

Pulver-Bauteilgeometrie-Schichten wird

nach Abschluss der finalen Anpassungen

wertvolle Einblicke in die Bauteilqualität

sowie potenzielle Fertigungsfehler ermöglichen.

Auf diese Weise lassen sich

entscheidende Informationen über die Eigenschaften

additiv gefertigter Bauteile

gewinnen und gezielt zur Optimierung

des Fertigungsprozesses einsetzen.

Ausblick

Die Forschung auf dem Gebiet des PBF-

LB/M ist essenziell für die Entwicklung

und Verarbeitung neuer Werkstofflegierungen

sowie die Herstellung leistungssteigernder,

teils multimaterialfähiger

Bauteilgeometrien. Ein tiefgehendes Prozessverständnis

trägt dazu bei, Defekte zu

minimieren und innovative Designs zu

realisieren, die mit konventionellen Fertigungsmethoden

nicht umsetzbar wären.

Die IDS-Kameras liefern dabei tiefgreifende

Einblicke in das PBF-LB/M und leisten

damit einen wertvollen Beitrag in der Forschung,

Entwicklung und dem Transfer

(F&E&T) – beispielsweise bei der Verarbeitung

neuer Werkstofflegierungen oder

der Herstellung komplexer, anwendungsoptimierter

(Multimaterial-)Bauteile.

Künftig wird künstliche Intelligenz eingesetzt,

um die dynamische und statische

Beobachtung des PBF-LB/M automatisiert

zu analysieren. Ziel ist es, die hochdynamische

Laser-Material-Wechselwirkung –

etwa die Anzahl und Flugbahn von Spritzern

sowie die Entstehung von Prozessfehlern

– noch besser zu verstehen und

das additive Fertigungsverfahren im Hinblick

auf Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit

weiter zu verbessern. (eve)

Industrieanzeiger » 15 | 2025 87


IMPRESSUM

» PRODUKTE

Robotik

Mobile Plattform bis 250 kg

erscheint dienstags ISSN 0019–9036

Organ des Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung e.V.

(WSM), Düsseldorf, Hagen. Die Mitglieder des Verbandes erhalten

den Industrieanzeiger im Rahmen ihrer Mitgliedschaft. Zusammenarbeit

im Fachbereich der Gießereitechnik mit der Zentrale für

Gussverwendung, Düsseldorf.

Herausgeberin: Katja Kohlhammer

Verlag: Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH,

Ernst-Mey-Straße 8, 70771 Leinfelden-Echterdingen, Germany

Geschäftsführer: Peter Dilger

Verlagsleiter: Peter Dilger

Chefredaktion:

B. A. Alexander Gölz (ag), Phone +49 711 7594–438,

Ernst-Mey-Straße 8, 70771 Leinfelden-Echterdingen, Germany

Redaktion:

M. A. David Kuhlmann (dak), Phone +49 711 7594–456;

Frederick Rindle (fr), Phone +49 711 7594–539;

M. A. Nico Schröder (sc), Phone +49 170 6401879;

Susanne Schwab (su), Phone +49 711 7594–444;

Dipl.-Ing. Olaf Stauß (os), Phone +49 711 7594–495;

B. A. Hagen Wagner (hw), Phone +49 711 7594–391

Ständige freie Mitarbeiter:

Dipl.-Ing. Volker Albrecht (va), Ulrike Dautzenberg (ud),

Michael Grupp (mg), Sabine Koll (sk), Markus Strehlitz (ms)

Redaktionsassistenz: Daniela Engel, Phone +49 711 7594–452,

Fax –1452, E-Mail: daniela.engel@konradin.de

Layout: Jonas Groshaupt, Michael Kienzle, Ana Turina

Gesamtanzeigenleiter:

Verantwortlich für den Anzeigenteil:

Joachim Linckh, Phone +49 711 7594–565, Fax –1565

Auftragsmanagement:

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Leserservice Industrieanzeiger:

Postfach 810580, 70522 Stuttgart, Phone +49 711 82651-254,

Fax +49 711 82651-399, E-Mail: leserservice@konradin.de

Die mobile Plattform KMP 250P erweitert

Kukas AMR-Portfolio. Sie transportiert

Waren und Bauteile bis 250 kg und kann

optional mit einer Hubeinheit ausgestattet

werden. Cleanroom- und ESD-Varianten

ermöglichen den Einsatz in sensiblen

Bereichen. Ein neues Sleepmode-Modul

vereinfacht den Betrieb großer Flotten.

Mit Nutzlasten bis 3000 kg hält das

AMR-Portfolio des Augsburger Roboterherstellers

Produktionsprozesse im Fluss.

Zubehör und Ladegeräte der KMP 250P

sind kompatibel mit den Plattformen KMP

600P und KMP 1500P, sodass eine flexible

Flottenintegration möglich ist. Über Kuka

AMR Fleet und die Standardschnittstelle

VDA 5050 lässt sich der mobile Roboter

intuitiv steuern. Der Differentialantrieb

sorgt für hohe Wendigkeit, wahlweise ist

auch eine konduktive oder induktive

Ladestation verfügbar.

Für maximale Sicherheit sorgen zwei

Laserscanner und 3D-Kameras, die einen

360°-Schutz gewährleisten. Hindernisse

werden automatisch erkannt und sicher

umfahren.

Ab Dezember 2025 ist die KMP 250P

bestellbar; im nächsten Jahr folgt mit der

KMP 250P-T eine Variante als Unterfahrschlepper,

die Lasten bis 500 kg zieht.

Bild: Kuka

Erscheinungsweise: dienstags (15 x jährlich)

Bezugspreis: Inland jährlich 210,00 € inkl. Versandkosten und

MwSt; Ausland 210,00 € inkl. Versandkosten. Einzelpreis 14,10 €

(inkl. MwSt, zzgl. Versandkosten).

Bestellungen erbitten wir an den Verlag. Sofern die Lieferung nicht

für einen bestimmten Zeitraum ausdrücklich bestellt war, läuft das

Abonnement bis auf Widerruf. Bezugszeit: Das Abonnement kann

erstmals vier Wochen zum Ende des ersten Bezugsjahres gekündigt

werden. Nach Ablauf des ersten Jahres gilt eine Kündigungsfrist

von jeweils vier Wochen zum Quartalsende.

Bei Nichterscheinen aus technischen Gründen oder höherer Gewalt

entsteht kein Anspruch auf Ersatz.

Auslandsvertretungen:

Großbritannien/Irland: Jens Smith Partnership, The Court,

Long Sutton, GB-Hook, Hampshire RG 29 1TA, Phone 01256

862589, Fax 01256 862182, E-Mail: jsp@trademedia.info;

USA: D.A. Fox Advertising Sales, Inc. Detlef Fox, 5 Penn Plaza,

19th Floor, New York, NY 10001, Phone +1 212 8963881,

Fax +1 212 6293988, detleffox@comcast.net

Druck: Vogel Druck und Medienservice GmbH, Leibnizstraße 5,

97204 Höchberg, Printed in Germany

© 2025 by Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH,

Leinfelden-Echterdingen

Vollhartmetallfräser

Neuer Schneidstoff sorgt für Prozesssicherheit

Bild: Mapal

Die dritte Generation von Mapals Opti-

Mill-Uni-HPC für die Stahl-, Edelstahlund

Gussbearbeitung wurde gezielt für

automatisierte Fertigungs prozesse konzipiert.

Der Vollhartmetallfräser verfügt

über hohe Prozesssicherheit – essenziell

in mannlosen Schichten und bei roboterunterstützter

Bearbeitung.

Ein neuer Schneidstoff erhöht dabei die

Zähigkeit und reduziert das Risiko von

Werkzeugbrüchen, was teure Bauteilschäden

verhindert. In Kombination mit

verschleißfester Beschichtung sowie optimierter

Geometrie, gewährleistet der

Fräser eine hohe Zuverlässigkeit – auch

unter dynamischen Bedingungen.

Neu ist eine Variante mit integriertem

Spanteiler, der kurze, leicht abführbare

Späne erzeugt – ideal bei Luftkühlung

und hohen Spanleistungen. Besonders bei

großen Zustelltiefen verbessert sich die

Spanabfuhr deutlich, was dann längere

Maschinenlaufzeiten und weniger Überwachung

ermöglicht.

Seit September 2025 ist die Lösung von

Mapal in drei Varianten erhältlich: kurz

ohne Spanteiler (Ø 3–20 mm), lang ohne

Spanteiler (Ø 3–25 mm) und lang mit

Spanteiler (Ø 6–25 mm).

88 Industrieanzeiger » 15 | 2025


VORSCHAU «

Bild: saypin/stock.adobe.com (KI-generiert)

NACHHALTIGKEIT

Nachhaltig denken, effizient handeln: Die

Januar-Ausgabe steht ganz im Zeichen von

Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Es

werden aktuelle Entwicklungen, Strategien

und Praxisbeispiele vorgestellt, die zeigen,

wie Industrieunternehmen ihre Produktion

ressourcenschonender gestalten können.

BLICK AUF 2026

Wie blickt der industrielle Mittelstand auf das Jahr 2026?

In unserem Jahresausblick lassen wir Geschäftsführerinnen

und Geschäftsführer aus unterschiedlichen Branchen zu

Wort kommen. Sie schildern, welche Herausforderungen

sie erwarten, wo sie Chancen sehen und was sie sich von

der Politik wünschen, um die Wettbewerbsfähigkeit des

Industriestandorts Deutschland zu sichern.

INTERVIEW

Wie meistert Schaeffler die Herausforderungen in Produktion

und Lieferkette? Andreas Schick, Vorstand für Produktion,

Supply Chain Management und Einkauf, spricht im

Interview über die wichtigsten Hebel für mehr Resilienz

und Effizienz in der industriellen Wertschöpfung. Außerdem

erklärt er, welche Rolle künstliche Intelligenz und

Digitalisierung für die Fertigung der Zukunft spielen.

Der Industrieanzeiger 01/2026

erscheint am 27.01.2026

Intralogistik

Mit KI-Agent Palettenscheine

automatisiert verbuchen

Dieser Ausgabe liegt ein Prospekt folgender Firma bei:

Bihl+Wiedemann GmbH, Mannheim

Gerne können Sie Beilagen auch digital lesen unter

www.industrieanzeiger.industrie.de/beilagenservice/

Sowie einer Teilauflage ein Prospekt der Firma:

Haus der Technik e.V., Essen

Wir bitten unsere Leser um freundliche Beachtung.

Bild: Logistikbude

Mit dem KI-Agenten stellt Logistikbude ein neues Feature

ihrer Softwarelösung vor, das den manuellen Aufwand im

Management von Ladungsträgern wie Paletten und Behälter

reduziert. Mithilfe von KI verarbeitet das Feature

relevante Informationen auf eingescannten Belegen – wie

etwa Tauschpartner, Beleg datum und -nummer, Lademittel

und Mengen, optional auch Lkw-Kennzeichen und

weitere Referenzen – und erzeugt daraus eine Buchung,

die nur noch von einem Mitarbeitenden freigegeben wird.

Die Scheine werden ohne Anlernen ausgelesen, auch

solche, die das System nie zuvor gesehen hat.

Transportdreiräder

für den

individuellen

Bedarf

Wulfhorst GmbH Gütersloh

www.wulfhorst.de

Industrieanzeiger » 15 | 2025 89


» Tacheles

Nicht zu unterschätzen

Vertrauen entscheidet über

den Auftrag

Jede Investition in eine neue Maschine beginnt mit

einer Reise – der Reise des Kunden. Er betritt die

Messehalle, tritt an die Maschine heran, schaut,

prüft, wägt ab. Die Bühne ist bereitet. Aus der Ferne

wirkt die Maschine imposant, modern, zukunftsweisend.

Der Kunde spürt: „Das ist Innovation pur.“ Die

Erwartungen steigen. Dann folgt der große Auftritt:

Die Maschine präsentiert sich – Bedienung, Oberfläche,

Verkleidung. Hier entscheidet sich,

ob der erste Eindruck trägt oder

zerfällt. Ein Augenblick, der über

Millionen entscheidet.

Jürgen R. Schmid ist Gründer

von Design Tech und Jürgen

Schmid Maschinendesign

in Ammerbuch bei Tübingen.

Die Prüfung

Sobald Anspruch und Realität auseinanderfallen,

entsteht Irritation. Aus

Kaufbereitschaft wird Unsicherheit, aus

Unsicherheit Distanz. Und Distanz ist der

Anfang eines verlorenen Auftrags. Um -

gekehrt: Wenn Technik, Bedienung und

Erscheinungsbild ein Ganzes ergeben, entsteht Vertrauen.

Die Maschine besteht ihre Prüfung – und der

Kunde fällt seine positive Entscheidung.

Die Gesetze des Eindrucks

Drei psychologische Effekte prägen jede Investition –

und sie sind stärker als jede Produktbroschüre:

Erwartungseffekt – der erste Eindruck setzt den

Maßstab. Konsistenz-Prinzip – wenn Außen und

Innen nicht zusammenpassen, entsteht Misstrauen.

Halo-Effekt? – Begeisterung am Anfang strahlt aus

oder bleibt aus. Wer diese Mechanismen unterschätzt,

verliert nicht an Technik, sondern vor allem

an Vertrauen – und damit den Auftrag.

Der Verbündete

Design ist kein Beiwerk. Es ist der unsichtbare Verbündete,

der Substanz verstärkt und Vertrauen sichtbar

macht. Es verwandelt Komplexität in Klarheit,

Technik in Sicherheit, Maschinen in überzeugende

Auftritte. Aus meiner Erfahrung mit Weltmarktführern

weiß ich: Genau hier entscheidet sich, ob Maschinenbau

Premium bleibt – oder im Preiskampf

landet. Die eigentliche Kunst liegt darin, Premium

und Kostenbewusstsein zu verbinden.

Genau hier liegt die Verantwortung des Managements.

Denn nicht die Konstruktion allein entscheidet

über den Markt, sondern die Art, wie sie wahr -

genommen wird. Technik mag exzellent sein – doch

ohne sichtbare Verlässlichkeit wird sie zum Risiko.

Der Ausgang

Am Ende kauft der Kunde nicht nur eine Maschine. Er

entscheidet sich für ein Unternehmen, dem er zutraut,

die Zukunft zu gestalten. Dieser Moment ist

größer als ein einzelner Auftrag: Er betrifft Markt -

position, Markenwert und das Vertrauen ganzer

Belegschaften. Denn wer Erwartungen weckt und sie

konsequent erfüllt, verkauft nicht nur Maschinen –

er gewinnt Märkte.

Meine Frage an Sie:

Besteht Ihre Maschine die Prüfung des ersten Eindrucks

– oder beginnt hier bereits der Zweifel?

Die entscheidende Aufgabe lautet:

Vertrauen so zu gestalten, dass Ihre Maschine auf

jeder Bühne überzeugt.

Bild: Andre Bakker

90 Industrieanzeiger » 15 | 2025


Den Markt im Blick,

die Trends im Ohr.

EINKAUFSSACHE

– hören , was den

Einkauf wirklich bewegt.

Jetzt reinhören

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Industrieanzeiger » 15 | 2025 91


92 Industrieanzeiger » 15 | 2025

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