CLICK ART WINTER 2025
Das E-Kunstmagazin von arttv.ch
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CLICKART
Das E-Magazin für Kunst, Fotografie, Design und Architektur
WINTER 25
EDITORIAL
«Eine Gesellschaft, die an
ihrer Kunst spart, spart an
ihrer Seele. Kultur gehört zur
kritischen Infrastruktur einer
Nation.»
Felix Schenker,
Chefredaktor arttv.ch
HINWEIS:
Wenn nicht anders
vermerkt, findest du
die Bildlegenden auf
unserer Website.
Cover: TaDA – Textile and Design Alliance
Liebe Leserin, lieber Leser von CLICK ART
Man möge mich entschuldigen, dass ich nach dem Entscheid des
Bundesamtes für Kultur (BAK), das uns sämtliche Gelder im Bereich Film
gestrichen hat, etwas moralisierender daherkomme als sonst. Dieser
Entscheid ist für uns existenziell, aber wir machen – wie bereits im Editorial
unseres aktuellen CLICK CINEMA erwähnt – trotzdem weiter. Denn auch in
Zeiten der Sparpolitik gilt Kultur oft als Luxusgut, doch sie ist der Lebensnerv
einer lebendigen, demokratischen Gesellschaft.
arttv.ch fungiert seit nunmehr 21 Jahren als unverzichtbare digitale Bühne
und als wichtiges Kulturarchiv. Doch wir stehen vor einer enormen
Herausforderung: Viele Stiftungen und Teile der öffentlichen Hand haben
noch nicht erkannt, dass nicht nur die Kulturproduktion, sondern auch
deren Vermittlung und Verbreitung gefördert werden muss. Die
ökonomischen Bedingungen der Medienlandschaft haben sich durch die
Dominanz der grossen amerikanischen Player wie Google oder Meta
bekanntlich dramatisch verändert; der traditionelle Raum für
Kulturredaktionen erodiert zusehends.
In diesem Vakuum übernehmen wir die wichtige Aufgabe der Vermittlung.
Durch unsere hochwertigen Videoberichte und Dokumentationen leisten wir
einen direkten Beitrag zur Sichtbarkeit der Schweizer Kultur- und Kunstszene
und tragen dazu bei, gesellschaftliche Auseinandersetzungen zu initiieren.
Trotz Widrigkeiten und teilweise mangelnder Wertschätzung ist unsere
Entschlossenheit, weiterzumachen, ungebrochen. Wir sind überzeugt, dass
unsere Arbeit systemrelevant ist. Eine Gesellschaft, die an ihrer Kunst spart,
spart an ihrer Seele. Kultur gehört zur kritischen Infrastruktur einer Nation. Wir
bei arttv.ch sind wesentliche Stützen dieses Systems. Wir müssen die
Bedeutung der Kulturvermittlung im digitalen Zeitalter stärken und sie als
notwendige Investition in unsere gemeinsame Zukunft schützen. Falls du uns
als jemand, der Kultur liebt oder diese schafft, persönlich oder im Rahmen
einer Organisation unterstützen willst, sind wir natürlich dankbar.
Mit besten Grüssen
Felix Schenker, Chefredaktor arttv.ch
AUSSTELLUNG
02.12.2025 bis 04.10.2026
Die
ganz
schön
vielfältig
Pfäffikon SZ
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Artur Lescher,
Gewinner Zurich
Art Prize 2025 im
neuen Haus
Konstruktiv
Ausstellungsansicht:
Artur Lescher |
Entangled Fields |
Zurich Art Prize
© Stefan Altenburger
Minimalistische
Eleganz trifft auf
Spannung
Der brasilianische Künstler Artur
Lescher ist für seine Skulpturen
bekannt, die durch eine intensive
Auseinandersetzung mit den
Materialeigenschaften bestechen. Er
verwendet Werkstoffe wie Messing,
Metall, Holz und Kupfer, um
minimalistische, doch kraftvolle
Kunstwerke zu schaffen. Trotz ihrer
reduzierten Ästhetik wirken seine
Skulpturen spannungsgeladen und
lebendig.
Explosion im Kosmos: Subtile Schwerkraft-Trickserei
Artur Lescher präsentiert schwebende, stelenartige Pendelobjekte, die dank
glänzender Materialien und einer geschickten Installation fast antigravitativ
wirken. Die Werke erzeugen Assoziationen zu Sternbildern und entführen in
kosmische Dimensionen. Ein Highlight ist die Arbeit «V Sagittae», die einem
unscheinbaren Doppelstern gewidmet ist. Dieser wird voraussichtlich um 2083
als Nova explodieren. Dieser kosmische Bezug verleiht Leschers Werken eine
faszinierende Dimension von Zeitlichkeit und Transformation.
Mythos trifft Minimalismus: Verschränkte Felder der Kunst
Einzeln stark, bilden Leschers Werke im Zusammenspiel einen eigenen Kosmos
– ein «entangled field». Dieser quantenphysikalische Begriff beschreibt die
untrennbare Verbindung von Teilchen. Lescher nutzt diese Idee, um dem Raum
eine poetische Qualität zu verleihen, die über die reine Ästhetik hinausgeht.
Leschers Schaffen steht in einer skulpturalen Tradition, die Modernität mit
archaischen Themen verknüpft. Parallelen zu Brâncuși, Bourgeois und
Giacometti sind erkennbar. Im Gegensatz zur kühlen Pragmatik der Minimal Art
haucht Lescher der geometrischen Formensprache durch mythologische
Bezüge Leben ein.
Interaktive Präsenz: Saiten des Raumes
In der ortsspezifischen Arbeit «Zwischen den Zeilen» für das Museum Haus
Konstruktiv wird Leschers Umgang mit Architektur deutlich. Rote Nylonschnüre
vermessen den Raum minimal, lassen ihn leicht wirken und wecken
Assoziationen zu Streichinstrumenten oder Notenlinien. Leschers Skulpturen
interagieren mit dem Raum, machen ihn zu einem integralen Bestandteil der
Kunst. Diese Fähigkeit, auf die Architektur zu reagieren, war wohl auch
ausschlaggebend für die Verleihung des Zurich Art Prize an den Künstler.
Der Künstler Artur Lescher
Zurich Art Prize 2025
© Bettina Diel
Das Museum Haus Konstruktiv hat 2007 gemeinsam mit der
Zurich Insurance Company Ltd., Patronatspartner des
Museums, den Zurich Art Prize ins Leben gerufen, der
mittlerweile eine
grosse internationale
Strahlkraft besitzt.
Honoriert wird jährlich
eine eigenständige
künstlerische Position,
die sich an den
Schnittstellen zwischen
gegenwärtigen
Tendenzen einerseits
und dem kulturellen
Erbe der konstruktivkonkreten
und
konzeptuellen Kunst andererseits bewegt. Der von der Zurich
Insurance Company Ltd. gestiftete Preis setzt sich seit 2017
aus einem Budget von 80 000 Franken für die Produktion
einer Einzelausstellung im Museum Haus Konstruktiv und
einer Preissumme von 20 000 Franken für die Künstlerin oder
den Künstler zusammen.
VIDEO
Artur Lescher | Entangled Fields
| Zurich Art Prize 2025 | bis 11.
Februar 2026 | Der
Zurich Art Prize 2025 wurde
dieses Jahr bereits zum 18. Mal
vergeben.
Dessin 2025:
Zeichnung
ohne
Grenzen
in&out 2025
Das Hans Erni
Museum stellt zwölf
Kunstschaffende vor,
deren Werke auf allem
Möglichen, nur nicht
auf Papier,
festgehalten sind.
Die Zeichnung ist eines der ursprünglichsten
künstlerischen Ausdrucksmittel – unmittelbar,
vielfältig, persönlich. Mit «Dessin –
Zentralschweizer Zeichnung» rücken dreizehn
Ausstellungshäuser
die zeichnerische Praxis der Region ins
Zentrum. Initiiert von der Kunsthalle Luzern und
dem Hans Erni Museum lädt das Projekt nach
der ersten erfolgreichen Ausgabe 2022/23
erneut dazu ein, die Vielfalt des Mediums zu
entdecken. Über 120 Künstler:innen aus der
Zentralschweiz haben sich beworben.
Mit dem Ausstellungskonzept entsteht ein einzigartiges
Netzwerk, das die Kulturlandschaft der Region stärkt
und den Dialog zwischen Institutionen,
Kunstschaffenden und Publikum vertieft.
«Dessin» macht sichtbar, dass Zeichnung weit mehr ist
als Skizze oder Vorarbeit: Sie ist Denkraum,
Experimentierfeld und eigenständige Kunstform. Mit
ihrer Offenheit für das Prozesshafte und Intime lädt sie
zum genauen Hinsehen ein – und eröffnet neue
Perspektiven auf das künstlerische Schaffen in der
Innerschweiz.
Teilnehmende Künstler:innen im Hans Erni Museum
Anna Margrit Annen, Ester Baettig, Pablo Boesch, Sven
Egert, Pascale Ettlin, Clemens Fellmann, Heidi
Hostettler, Marketa Jachimova, Yves Moehrle, Bertilla
Spinas, Julian Walss und Stephan Wittmer
VIDEO
Not on Paper: Zeichnung
auf unkonventionellen
Materialien | Dessin 2025
– Zentralschweizer
Zeichnung | Hans Erni
Museum | bis 24. Mai 2026
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NOT
ON PAPER
Zeichnen auf unkonventionellen Materialien
Dessin – Zentralschweizer Zeichnung
23.10.2025
24.5.2026
?
www.verkehrshaus.ch/hansernimuseum
HANS ERNI
MUSEUM
Nicole
Kidman
Gianin
Conrad und
Svenja
Gansner
erforschen
das
Physische
«Bedingt Physisch» bringt
zwei künstlerische
Positionen in einen
intensiven Dialog über
Körperlichkeit, Materialität
und kollektive Vorstellungen.
Zwischen Anziehung und Irritation, Innen
und Aussen, Intimität und
gesellschaftlicher Prägung entsteht ein
Spannungsfeld, das spürbar ist –, aber
nicht eindeutig greifbar. Dabei öffnen
die Künstler:innen den Blick auf das
Physische als etwas Fragiles und
zugleich Formbares – tief
eingeschrieben in persönliche Narrative,
soziale Normen und kulturelle
Imaginationen.
Das Museum Bickel in Walenstadt besteht seit 2002
und realisiert drei Ausstellungen pro Jahr. Interessante
zeitgenössische Positionen aus der Schweiz werden
gezeigt, wobei auch das Kunstschaffen in der Region
regelmässig beleuchtet wird. Mit seinem
eigenständigen Programm und zahlreichen anregenden
Begleitveranstaltungen wie Führungen,
Podiumsdiskussionen und Konzerten ist das Museum
Bickel ein wichtiger Schauplatz des Kunstgeschehens
der Region. Im Zentrum der Präsentation steht das
Nebeneinander, die Beeinflussung, die lebendige
Vielfalt der Kunst der Gegenwart, die sich den
Besucher:innen in der Museumshalle immer wieder neu
erschliesst.
VIDEO
Bedingt physisch: Gianin
Conrad und Svenja Gansner |
Museum Bickel | nur noch bis
23. November 2025
Drei Schweizer
Künstler:innen und die
Neue Sachlichkeit
links: Niklaus Stoecklin,
Selbstbildnis, 1918 | Kunst
Museum Winterthur,
Schenkung von Balthasar
und Nanni Reinhart-Schinz
1994, Foto: SIK-ISEA, Zürich,
Lutz Hartmann © 2025,
ProLitteris, Zurich
übernächste Seite: Liselotte
Moser, Selbstporträt, 1930 |
Nidwaldner Museum Stans,
Dauerleihgabe der Gemeinde
Stans Foto: Christian
Hartmann
Niklaus
Stoecklin,
Liselotte Moser
und Louisa
Gagliardi im
Kunst Museum
Winterthur
Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums
der Neuen Sachlichkeit feiert das Kunst
Museum Winterthur die figurative
Malerei. In der Ausstellung mit dem
Titel «Reflexionen aus dem
beständigen Leben» treffen drei
Schweizer Künstlerpersönlichkeiten
aufeinander, die sich durch ihren klaren
Blick und ihre neue und – scheinbar –
sachliche Darstellung auszeichnen.
Adorno und die Bedingungen des Menschseins
Während der Basler Niklaus Stoecklin (1896–1982) zu den Wegbereitern
und Protagonisten der Neuen Sachlichkeit zählt, ist die zehn Jahre später
geborene Luzernerin Liselotte Moser (1906–1983) eine weitgehend
unbekannte Künstlerin, die es zu
entdecken gilt. Das Schaffen
dieser beiden historischen
Figuren wird durch den
zeitgenössischen Beitrag der
jungen Walliserin Louisa
Gagliardi (*1989) reflektiert und
in die Gegenwart überführt.
Allen drei gemein ist ihr
scharfer Blick auf die Welt, ihre
sorgfältige und an malerische
Traditionen anknüpfende
Arbeitsweise, die sie zu einer
jeweils ganz eigenständigen
figurativen Kunstsprache führte
– eine Sprache, die sich auf
einen ersten Blick schnell
erschliesst, bei genauerer
Betrachtung jedoch
Tiefgründiges und Verborgenes
offenbart und zum Nachdenken
einlädt. Der Titel der
Ausstellung referiert auf Theodor W. Adornos wichtige Schrift «Minima
Moralia», die ihrerseits den Untertitel Reflexionen aus dem beschädigten
Leben trägt. Adorno schrieb dieses Hauptwerk im amerikanischen Exil. Er
setzt sich darin mit den Bedingungen des Menschseins im 20. Jahrhundert
auseinander, ganz ähnlich, wie es auch unsere drei Künstler:innen in der
Ausstellung tun. Während Adorno aber vor dem Hintergrund der
Katastrophe des Zweiten Weltkriegs das Leben als «beschädigt» ansah,
will die Ausstellung das Nachdenken der Malerei im Bogen des 20.
Jahrhunderts als eine «beständige» Reflexion über Realitäten und
Realismen verstehen – nicht ohne deren Veränderungen nachzuspüren.
Drei Schweizer Künstler:innen
Als 1925 in Mannheim die Ausstellung Neue Sachlichkeit, kuratiert vom
Kunsthistoriker und Museumsdirektor Gustav Hartlaub, eröffnet wurde,
war Niklaus Stoecklin der einzige nicht deutsche Künstler, dessen Werke
dort gezeigt wurden. Er hatte mit seiner neuen Malerei für Aufsehen
gesorgt, weil er die Formen und Farbexperimente eines Expressionismus
hinter sich liess und aus dem Kubismus schöpfend zu einer neuen
Deutlichkeit und Klarheit des Ausdrucks fand. Mit seinen frühen
Hauptwerken der Casa rossa (1918) und der Vorstellung (1920–1921)
ebnete er den Weg für eine Kunstrichtung, die sich an den alten Meistern
der Gotik orientierte und daraus eine neue Bildsprache erschloss, die
nach den Verwerfungen des Ersten Weltkriegs wieder mehr Orientierung
und Halt bot und zur Kunst der 1920er-Jahre wurde. Gerade diesen
frühen Hauptwerken wohnt etwas Rätselhaftes, ja Surreales inne, ein leiser
Klang des Verborgenen, der hinter der Fassade, der scheinbar so deutlich
lesbaren Darstellung liegt. Bei Betrachtung dieser Malerei wundert es
nicht, dass der künstlerischen Strömung auch der Name «Magischer
Realismus» gegeben wurde.
links: Louisa
Gagliardi, Selfportrait,
2025 |
Courtesy the artist
and Galerie Eva
Presenhuber,
Zurich / Vienna ©
Louisa
Gagliardiunten:
Liselotte Moser,
Teekanne, 1967 |
Nidwaldner
Museum Stans,
Dauerleihgabe der
Gemeinde Stans
Foto: Christian
Hartmann
Liselotte Moser ist mit dieser Kunst aufgewachsen. 1906
in Luzern geboren, übersiedelte sie mit 20 Jahren in die
USA, wo ihre Mutter Adèle Coulin Weibel als Kuratorin
der Textilabteilung des Detroit Institute of Arts tätig war.
Wohl unter dem jugendlichen Einfluss der Neuen
Sachlichkeit in Europa und später unter dem Eindruck des
Amerikanischen Realismus entwickelte Moser ihren
eigenen sachlichen Zugang zur Welt. Weil sie an
Kinderlähmung erkrankt und ihre Mobilität deshalb sehr
eingeschränkt war, entwickelte sie eine scharfe
Beobachtung ihrer Lebensrealität. So gehören Stillleben,
Selbstporträt und Blicke aus ihrem Fenster zu den
typischen Motiven ihres Schaffens. Auch bei ihr sind
subtile Zwischentöne zu vernehmen und nicht selten mag
man eine leichte Gesellschaftskritik erkennen, die auch
vor sich selbst, dem eigenen Abbild nicht Halt macht und
damit ihrem Werk eine geradezu existentielle Tiefe
verleiht.
Bei Louisa Gagliardi geht es stets um gesellschaftliche
Fragen, um Themen des alltäglichen Lebens und der
Reflexionen darüber. Sie verhandelt diese an
zeitgenössischen Fragen mit zeitgenössischen Medien. So
entstehen ihre Bilder nicht mit dem Pinsel auf der Leinwand,
sondern mit dem Cursor am Bildschirm: Sie scannt ihre
Skizzen, zeichnet sie digital nach, erstellt mit Photoshop ein
Bild, druckt es auf PVC und veredelt es mit Gel, Glitter oder
Lack. Damit lotet Gagliardi Grenzen und Möglichkeiten der
Malerei aus und steht trotz der zeitgenössischen Arbeitsweise
ganz in der Tradition einer figurativen Malerei, die Félix
Vallotton und die Neue Sachlichkeit vorbereitet haben.
Gleichzeitig spielt sie auf generelle Fragen an, die mit
Bildproduktion, Digitalisierung, Wahrheit und Fake zu tun
haben, wie sie im 21. Jahrhundert virulent sind. Mit ihren
nüchtern-distanzierten, zugleich spektakulären Bildern
erweitert Gagliardi den historischen Schwerpunkt der Schau
und bringt sie ins Hier und Jetzt.
VIDEO
Reflexionen aus dem
beständigen Leben – Niklaus
Stoecklin | Liselotte Moser |
Louisa Gagliardi | bis 8.
Februar 2026 | Kunst Museum
Winterthur, Reinhart am
Stadtgarten | Zur Ausstellung
erscheint eine reich
bebilderte Publikation bei
Scheidegger & Spiess.
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Im Dialog mit der
Sammlung
Rechts: Tony Cokes. Let Yourself Be Free |
Ausstellungsansicht Kunstmuseum
Liechtenstein | Werke von Dan Graham,
Tony Cokes | Foto: Sandra Maier, © Tony
Cokes / Nachlass Dan Graham /
Kunstmuseum Liechtenstein
Folgeseite: Tony Cokes – Let Yourself Be
Free | Kunstmuseum Liechtenstein |
Ausstellungsansicht | Werke von Tony
Cokes, James Lee Byar
© Sandra Meier, Tony Cokes / Nachlass
James Lee Byars / Kunstmuseum
Liechtenstein
Tony Cokes im
Kunstmuseum
Liechtenstein
In seiner Ausstellung «Let Yourself Be
Free» tritt der US-amerikanische Künstler
in einen dynamischen Dialog mit der
Museumssammlung. Cokes «sampelt»
und «remixt» Textfragmente mit Farbe
und Sound zu einzigartigen Videoessays.
In der Gegenüberstellung mit Arbeiten
aus der Sammlung werfen seine Werke
kritische Fragen über Medien, Macht und
die Systeme der Kunst auf.
Pop-, Hip-Hop- und elektronische Tracks
Die Schau präsentiert Leuchtkästen sowie Schrift- und
Videoinstallationen des Künstlers, darunter eine neue dreikanalige
Auftragsarbeit über die Sammler Rolf Ricke, Donald Judd und Harald
Szeemann. Cokes mischt ihre Texte und Biografien, um die
Beziehungen zwischen künstlerischer Produktion, Sammeln und
Präsentieren zu beleuchten. Cokes ist insbesondere bekannt für seine
Videoarbeiten, die Textzitate mit farbigen Hintergründen und Musik
kombinieren, um das Verständnis von Politik, Kultur und Macht zu
hinterfragen. Er nutzt Elemente der Popkultur und Massenmedien,
um etablierte
Codes zu
unterlaufen. Seit
2001 verzichtet er
bewusst auf
traumatische
Bilder und lädt das
Publikum ein, auf
eigene
Erinnerungen
zurückzugreifen.
Der Sound spielt
eine ebenso
wichtige Rolle,
wobei Pop-, Hip-
Hop- oder
elektronische Tracks oft eine Reibung zu den konzeptuellen
Textelementen erzeugen. Die Ausstellung verknüpft Cokes’ eigenes
Werk mit ausgewählten Arbeiten von Künstler:innen wie Andy Warhol
und Donald Judd aus der Sammlung des Kunstmuseum
Liechtenstein. Tony Cokes tritt dabei selbst als eine Art Co-Kurator
auf und stellt die Rolle der Künstler:innen in diesem Kontext infrage.
Gestaltung durch Nadine Rinderer, Frauenfeld.
Tony Cokes (geb. 1956 in Richmond, Virginia, USA) lebt und
arbeitet in Providence, Rhode Island, wo er als Professor am
Department of Modern Culture and Media der Brown University
tätig ist. Er wurde 2025 als Medalist (Established Artist) bei den
Art Basel Awards ausgezeichnet,
2024 mit dem renommierten
MacArthur Fellowship geehrt und
erhielt 2023 den Rome Prize der
American Academy in Rome. Seine
Arbeiten wurden international in
zahlreichen Einzelausstellungen
präsentiert, darunter im Amos Rex,
Helsinki (12./13.9.2025), im Haus der
Kunst und im Kunstverein München
Tony Cokes, Photo Sandra Maier
(2022), im Dia Bridgehampton, New
York (2023–2024), in der Memorial
Art Gallery der University of Rochester (2021), im MACRO Museo
d’Arte Contemporanea in Rom (2021), im Museu d’Art
Contemporani de Barcelona (2020) sowie im Carpenter Center for
the Visual Arts der Harvard University in Cambridge,
Massachusetts (2020). Werke von Tony Cokes befinden sich in
bedeutenden öffentlichen Sammlungen, darunter das Centre
Pompidou in Paris, das Museum of Modern Art in New York und
das San Francisco Museum of Modern Art.
VIDEO
Tony Cokes – Let Yourself Be
Free | Kunstmuseum
Liechtenstein | bis 1. März 2026 |
Kuratiert von Letizia Ragaglia |
Begleitend zur Ausstellung
erscheint eine Publikation mit
Installationsansichten, Essays
von Jordan Carter und
Christoph Cox sowie einem
Interview mit Tony Cokes,
geführt von Letizia Ragaglia.
Eine posthume
Begegnung zweier
Einzelgänger
Zwei
Künstlerleben
zwischen gelebter
Einsamkeit und
künstlerischer
Freiheit
Johannes Diem wäre im Dezember
2024, Anton Bernhardsgrütter im
April 2025 100 Jahre alt geworden.
Die Biografien der beiden Künstler
weisen erstaunliche Parallelen auf:
Schicksalsschläge und der radikale
Entschluss, für die Kunst aus einer
gesicherten bürgerlichen Existenz
auszubrechen. Obgleich sie nicht weit
entfernt voneinander gelebt haben,
ist kein Austausch entstanden. Nun
treffen sie in der Ausstellung im
Museum Rosenegg doch noch
aufeinander.
Arbeit von Anton Bernhardsgrütter
Fürchterlich schöne Welt: Zwei Thurgauer Künstler
Die Ausstellung «Fürchterlich schöne Welt – Zwei 100-Jährige
aus dem Thurgau» im Museum Rosenegg in Kreuzlingen zeigt
eine Auswahl von Werken aus öffentlichen Sammlungen und
Privatbesitz der Künstlerpersönlichkeiten Johannes Diem und
Anton Bernhardsgrütter. In Kooperation mit der
Kunstkommission Kreuzlingen ermöglicht die Schau eine
posthume Begegnung der zwei eigenständigen Charaktere
anlässlich ihrer runden Geburtstage. Trotz ihrer
unterschiedlichen Lebenswege offenbart die Ausstellung
überraschende künstlerische Bezüge in der gemeinsamen
Auseinandersetzung mit einer «fürchterlich schönen Welt».
Das Museum hatte beiden Künstlern bereits in der
Vergangenheit Einzelausstellungen gewidmet.
Johannes Diem (1920–2008)
Nach schwieriger Kindheit wurde Diem in den 1960er-Jahren erfolgreicher
Coiffeur in Zürich. Er gab sein Geschäft auf, um sich der Kunst zu widmen,
und zog nach Ermatingen. Am Bodensee entwickelte er einen eigenen,
Adolf Dietrich ähnelnden Stil. Im Mittelpunkt seiner akribischen
Darstellungen steht die nur durch Tiere belebte Natur - Wälder, Wiesen,
Seen. Die Abwesenheit des Menschen macht die Gefährdung der Natur
augenfällig.
Anton Bernhardsgrütter (1921–2010)
Als beliebter Lehrer verschwand Bernhardsgrütter eines Tages spurlos und
begann mit 48 Jahren ein neues Leben als freischaffender Künstler. Er blieb
ein Einzelgänger und entwickelte seinen Stil stetig weiter. Seine Motive
waren oft autobiografisch geprägt: Bauernhof, Frömmigkeit, Mutter,
Geliebte. Die Natur diente als Kulisse einer nur scheinbar heilen Welt.
Neben Malerei und Grafik schuf er Tagebücher, in denen er Kunst, Literatur
und Zeitgeschehen verschränkte.
Ausschnitt aus «Blumenwiese», 1976, Johannes Diem, Bild: János Stefan Buchwardt
VIDEO
Fürchterlich schöne
Welt – Zwei 100-
Jährige aus dem
Thurgau | Museum
Rosenegg | nur noch
bis 23. November
2025
Ein Mini-Bahnhof als
maximale Galerie
Vorderseite: Die
Haltestelle Strahlholz
als Kunstort | ©
Virginie Vabre
Schweizer
Seit über zwei
Jahrzehnten verwandelt
sich die kleine
Haltestelle Strahlholz der
Appenzeller Bahnen in
einen Kunstort.
Jeweils im November, wenn das Grau die
Landschaft dominiert, erwacht ein unscheinbarer
Bahnhof zu neuem Leben. Seit 1999 organisieren
Hans Schweizer, Birgit Widmer und Harlis
Schweizer Hadjidj hier eine besondere
Ausstellung: Statt Fahrplänen schmücken
Künstler:innenkarten die Wände des
Wartehäuschens. Was als temporäre Intervention
begann, ist zu einer etablierten
Kunstveranstaltung zwischen Bühler und Gais
geworden, die lokale wie internationale
Kunstschaffende anzieht.
Kunst der kleinen Form
Jedes Jahr ist es die Mission des Kurator:innen-Trios, das karge
Warteräumchen zu einem lebendigen Ort der Begegnung, des
Austauschs und für überraschende künstlerische Entdeckungen zu
machen. Die jährliche Intervention
im Bahnwartehäuschen bietet
Künstler:innen die Möglichkeit, ihre
Werke im Postkartenformat zu
präsentieren und die Grenzen
dieses Mediums auszuloten. Das
Format von 10 × 15 Zentimetern
setzt zwar einen Rahmen, doch
dieser wird von den Teilnehmenden
immer wieder kreativ erweitert.
Jede ausgestellte Postkarte ist ein
eigens für die Ausstellung
geschaffenes Original und Unikat.
Diese Sammlung von individuellen,
handgearbeiteten Kunstwerken
überzeugt durch ihre Vielfalt,
Ausdruckskraft und Intimität.
Kunsthalt mit Strahlkraft
Das Ergebnis ist ein prall gefüllter
Kunst-Stopp, der den Blick aufs
Smartphone aus purer Langeweile
obsolet macht. Die Ausstellung erzählt Geschichten vom Bleiben und
Gehen und lädt ein, bewusst einen Moment innezuhalten. Die Bedeutung
der Sammlung zeigt sich auch über die jährliche November-Schau hinaus:
Bereits 2008 begann die kantonale Kunstsammlung Appenzell
Ausserrhoden, diese Künstler:innenpostkarten zu sammeln. Zuletzt waren
ausgewählte Werke 2024 im Rahmen der Ausstellung «Protest/
Architektur» im Zeughaus Teufen zu sehen.
Haltestelle Strahlholz |
Kunstkarten Originale | 29.–30.
November 2025 | 13–18 Uhr,
Haltestelle Strahlholz (ab
Strecke Bühler-Gais), Halt auf
Verlangen
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Nicht hier für
den Gossip.
Hier für
die Kunst.
Fünf Jahre Textile and
Design Alliance
links: marce norbert
hörler, knit collar,
prototype, 2024 ©
Ladin Bischof
Eine Ausstellung über
Kooperation und
Experimente zwischen
Kunst, Design,
Architektur und der
Ostschweizer
Textilindustrie
Mit «TaDA: TOGETHER» blickt die Textile and
Design Alliance auf fünf Residenzjahre zurück.
Grund genug für eine vertiefte Rückschau und
zugleich eine Einladung zur Reflexion über
künftige Entwicklungen. Im Zentrum der
Ausstellung steht die Verbindung zwischen
künstlerisch-gestalterischen Projekten und
industrieller Praxis: Produkte der beteiligten
Firmen werden in Zusammenhang mit den
Arbeiten der Residents präsentiert.
Laura Deschl, Inherited Feelings. A Stimulating Full-Body Experience 2022 © Ladina Bischof
Textile Innovationen im Fokus
Die Ausstellung gibt Einblick in Arbeitsprozesse und finale Werke von
26 der insgesamt 33 TaDA-Residents. Gezeigt werden Prototypen und
Produkte, die Tradition und Spitzentechnologie vereinen. So werden
althergebrachte Sticktechniken der Saurer AG mit neuesten
Entwicklungen in der Fasertechnologie der Empa kombiniert.
Innovative Verfahren wie Lasercut-Methoden und experimentelle
Applikationen der Lobra AG erweitern die Möglichkeiten von
Textilien. Auch bewusst eingesetzte «Fehleinstellungen» an Maschinen
führen zu neuen Ausdrucksformen, während Materialien durch
Neuinterpretation überraschende Dimensionen erhalten.
Kreativität und Kollaboration
Projekte verdeutlichen die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen
Designern und Unternehmen. Pascal Heimann entwickelte bei Tisca
eine neue Webebindung durch die Übersetzung digitaler
Bildinformationen ins Gewebe und veredelte Stoffe nachträglich durch
Schichtungen. Laura Deschl entwarf mit der Empa ein smartes
Oberteil für Patienten, das medizinische Messfunktionen ästhetisch
und komfortabel ins Textil integriert. Ganit Goldstein erforschte bei
Saurer AG und Tisca die Grenzen zwischen digitalen und physischen
Materialien und schuf eine grosse, interaktive Stickerei mit
eingebetteter Elektronik, die auf Handbewegungen reagiert.
Ein Projekt bringt Kultur und Wirtschaft zusammen
TaDA – Textile and Design Alliance fördert durch internationale
Residenzprogramme die Verbindung von zeitgenössischem Design
und der innovativen Ostschweizer Textilindustrie. Die direkte
Anbindung an Maschinen, Labore und das Know-how regionaler
Unternehmen ist ein zentrales Merkmal von TaDA. Ziel ist es, das
reiche textile Erbe der Region zu pflegen, weiterzudenken und durch
diesen ungewöhnlichen Freiraum für beide Seiten zeitgenössische
Kreativität sichtbar zu machen.
Giulio Massimo
Gallana working at his
Timetwister Shirt, 2024
© Ladina Bischof
TaDA ist eine Initiative der drei
Trägerkantone Appenzell
Ausserrhoden, St. Gallen und
Thurgau. Das Programm wurde
gemeinsam entwickelt, lanciert und
finanziert. Der Kanton Thurgau stellt
die ehemalige Webmaschinenhalle
Werk2 zur Verfügung und finanziert
die Ausstellung massgeblich mit.
TaDA - Textile and Design Alliance | TOGETHER © arttv.ch
VIDEO
TaDA – Textile and Design
Alliance | TOGETHER | nur
noch bis 16. November 2025 |
Webmaschinenhalle Werk2,
Arbon
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arttv.ch freut sich, Presenting-
Partner des Films zu sein.
Films for Future Festival, 19. November 2025,
blue Cinema Capitol, 20.30 Uhr
Weiter wirken –
Kunst im
höheren
Lebensalter
Katharina Rapp | © Katharina Rapp
oxyd – Kunsträume: Vier
Kunstschaffende setzen sich
mit kultureller Teilhabe in der
späteren Lebensphase
auseinander.
Was treibt uns an, schöpferisch tätig zu sein
und auch zu bleiben? Und was heisst es, als
Künstler:in «älter» zu werden? Die
Ausstellung «LANGEZEIT» vereint Werke von
vier Kunstschaffenden älterer Generation aus
der Region Zürich. Es treffen unterschiedliche
Medien und Materialien aufeinander:
Malereien, Skulpturen, Zeichnungen,
Collagen oder Video.
Im Schatten der Zeit: Kunst jenseits des Hypes
Kunstschaffende widmen sich oft jahrzehntelang ihrer Arbeit, doch mit
dem Alter geraten ihre Werke zunehmend in den Schatten der
Öffentlichkeit. Die Kunstwelt verlangt nach immer neuen, jungen
Positionen, und ältere Künstler:innen fallen aus dem Fokus.
Die Ausstellung «Langezeit» stellt diesem Trend eine kraftvolle Antwort
entgegen. Sie zeigt, dass gerade Spätwerke von einer gesteigerten
Intensität und thematischen Tiefe geprägt sind. Die Schau präsentiert
ältere und ganz aktuelle Arbeiten von Olivia Etter, Peter Lüthy, Katharina
Rapp und Erna Weiss und bietet die Möglichkeit, die Kontinuitäten und
Unterschiede in den Schaffensphasen dieser vier Künstler:innen zu
erleben. Ihre Werke kreisen
um universelle Themen wie
Zeit, Wahrnehmung, Alltag,
Traum, innere Prozesse
sowie Leben und Tod. Ein
Muss für alle, die hinter die
Kulissen des Kunstbetriebs
blicken wollen.
Olivia Etter © Olivia Etter
LANGEZEIT | oxyd –
Kunsträume | bis 4.
Januar 2026 | Olivia
Etter, Peter Lüthy,
Katharina Rapp, Erna
Weiss
gathering – Spuren des
Wandels
Maude Léonard-
Contant bringt
Kanada und die
Zentralschweiz in
einen spannenden
Dialog.
Maude Léonard-Contant zeigt im
Nidwaldner Museum Winkelriedhaus eine
installative Bodenarbeit und Objekte, die
eng verbunden sind mit ihrer Wahlheimat
Zentralschweiz und ihrem Herkunftsland
Kanada. In Zusammenarbeit mit der
Entlebucher Köhlerin Doris Wicki hat
Maude Léonard-Contant Holz von Bäumen,
die – geschwächt durch immer heissere
Sommer – im Sturm gefallen sind, zu
fragilen Holzkohleobjekten gebrannt.
Eine Liebeserklärung
an Menschen, Tiere
und Pflanzen
Maude Léonard-
Contants Arbeiten, die
während des Werkjahrs
entstanden sind,
befassen sich mit Trauer
und Dankbarkeit. Es
sind zarte und
vergängliche
Liebeserklärungen an
Menschen, Tiere,
Pflanzen und an die
Sprache. Sie wurzeln in
der universellen
Erfahrung des
Verlierens und
Loslassens und erinnern
an Reste von Ritualen,
die Übergang und
Transformation
begleiten. Mit ihrer
Arbeit gathering schafft
die Künstlerin einen Ort, an dem sich die Trauer über unwiederbringlich
Verlorenes mit Dankbarkeit verbindet. Sie übersetzt ihre individuelle
Erfahrung in ein Kunstwerk, das Ausdruck ist für den immerwährenden
Wandel, dem alle belebte und unbelebte Materie unterliegt.
Sensible Materialwahl
Die Materialien, die Maude Léonard-Contant für ihre Installation gathering
verwendet hat, sind eng mit ihrer Herkunft und ihrer Biografie verknüpft. Sie
hat Kohlepulver, Kalk, Asche und Matcha zu Flächen auf dem Boden
ausgestreut. Zu Beginn der Ausstellung entfaltet das Teepulver noch sein
charakteristisches Grün. Nach und nach wird es unter dem Einfluss des
Lichts seine Farbigkeit verlieren und
aufgehen im vorherrschenden
Schwarz, Grau und Weiss. Auf den
pulvrig-samtenen Flächen hat die
Künstlerin eine Vielzahl von
Objekten so sorgfältig und präzise
ausgelegt, dass sich ihre Kostbarkeit
mit voller Kraft entfaltet. Blauschwarz
schimmernde, zerbrechliche
Holzkohleskulpturen, grüne
Jadekugeln, duftende Süssgräser
und wohlriechendes Harz der
Balsamtanne und viele weitere
Objekte wirken wie wertvolle Gaben,
die in einem Ritual dargebracht und
an gute Mächte verschenkt wurden.
In Zusammenarbeit mit der
Entlebucher Köhlerin Doris Wicki hat
Maude Léonard-Contant Skulpturen
in Holzkohle verwandelt. Das
verwendete Holz stammt von
Bäumen, die – möglicherweise vom
fortschreitenden Klimawandel
geschwächt – im Sturm gefallen sind.
Asche und Holzkohleskulpturen stehen beispielhaft für eine Transformation,
die ausgeht von einem Verlust. Die Verwendung von Kohle als
künstlerisches Material ist eine Referenz an die Kraft der Erneuerung und
die Hoffnung auf Heilung.
Maude Léonard-Contant
(*1979) stammt aus der
Region Lanaudière/
Nitaskinan, Kanada/Turtle
Island und studierte an der
Concordia University in
Montreal und an der
Glasgow School of Art. Sie
lebt seit 2013 in der Schweiz
und hat eine enge Verbindung zum Puschlav, zur Zentralschweiz und zu
Basel, wo sie heute arbeitet und mit ihrer Familie wohnt. Maude Léonard-
Contant erhielt mehrere renommierte Preise und verfolgt eine rege
Ausstellungstätigkeit im In- und Ausland. 2019 wurde ihr der Preis der
Kunstgesellschaft Luzern verliehen. 2023 war ihr die Einzelausstellung in
der Reihe spot on mit zugehöriger Publikation des Kunstmuseums
Luzerns gewidmet. 2024 zeigte sie neue Werke im Bündner
Kunstmuseum in Chur, im Istituto Svizzero in Mailand und im CRAC
Alsace in Altkirch.
Zur Finissage der Ausstellung wird die Publikation «Maude Léonard-
Contant. gathering» vorgestellt. Sie entstand im Rahmen des Werkjahrs
der Frey-Näpflin-Stiftung und wird vom Nidwaldner Museum
herausgegeben. Das Buch erscheint im Verlag Scheidegger & Spiess,
gibt Einblick in die Arbeitspraxis der Künstlerin und dokumentiert ihre
Serie von vier Installationen, die mit der Ausstellung im Nidwaldner
Museum Winkelriedhaus abgeschlossen wird.
Auszeichnung der Frey-Näpflin-Stiftung
Maude Léonard-Contant wurde für das Werkjahr 2024 der
Frey-Näpflin-Stiftung ausgewählt. Das Stipendium fördert
Künstler:innen mit einem Bezug zur Zentralschweiz. Es ist mit
einer Ausstellung im Nidwaldner Museum und einer
Publikation verbunden. Maude Léonard-Contants Arbeiten,
die während des Werkjahres entstanden sind, befassen sich
mit Dankbarkeit und Trauer. Sie schaffen einen Raum des
Mitseins, wo die Existenz und der Verlust von Lebensräumen
und Lebewesen zelebriert und betrauert werden.
VIDEO
Maude Léonard-Contant.
gathering | Nidwaldner
Museum | bis 1. Februar 2026 |
Winkelriedhaus
Vom Bauhaus
in die USA
links: Anni Albers mit
Scroll (1962),1965
Foto: New Haven
Register
© 2025 The Josef
and Anni Albers
Foundation/
ProLitteris, Zurich
Anni Albers (1899–1994)
mit Einzelausstellung
«Constructing Textiles» im
Zentrum Paul Klee –
erstmals in der Schweiz
Ihre Ausbildung erhielt Albers am
legendären Bauhaus, bevor sie 1933
in die USA emigrierte. Dort
entwickelte sie ihr Schaffen als
Weberin, Textildesignerin und
bildende Künstlerin weiter. Mit ihrem
experimentellen Umgang mit
Materialien und ihrem innovativen
Ansatz, Kunst und Handwerk zu
verbinden, wirkt sie bis heute
inspirierend. Zu Recht zählt sie daher
zu den herausragendsten
Künstlerinnen und Designerinnen des
20. Jahrhunderts.
Anni Albers, Camino Real, 1968, Wolle und
Baumwolle, 294 × 269 cm, Private Collection
© 2025 The Josef and Anni Albers,
Foundation/ProLitteris, Zurich, Courtesy The
Josef and Anni Albers Foundation and David
Zwirner
Architektonische Interventionen: Textilien als Formgeber und
Pionierin der Textilkunst
Albers entwickelte «nützliche Objekte», neue Textilien für
Gebäude und Innenräume, die stets auf ihre spezifische
Umgebung abgestimmt waren. Schon am Bauhaus kreierte sie
eine innovative, schallabsorbierende und lichtreflektierende
Wandverkleidung mit Chenille- und Zellophangarnen. Später
entwarf sie Stoffe für Grossaufträge in den USA, wie die
Schlafsäle des Harvard Graduate Center oder sakrale Paneele für
den Tempel Emanu-El in Dallas. Albers betrachtete Textilien als
gestalterische Elemente, die als «mitwirkende Gedanken» die
Architektur bereichern.
Sie war zudem die erste Textilkünstlerin, die 1949 eine
Einzelausstellung im Museum of Modern Art in New York erhielt.
Für diese Schau entwickelte sie neuartige, freihängende
Raumteiler aus unterschiedlichen Materialien, die eine leichte
Alternative zu starren Wänden boten. Im Zentrum Paul Klee
werden diese Ideen aufgegriffen, indem einige ihrer Textilien als
raumstrukturierende Elemente eingesetzt werden.
Anni Albers mit ihrem Ehemann Josef bei ihrer Ankunft in den USA im Jahr 1933
Anni Albers, Intersecting,
1962, Baumwolle und
Kunstseide, 40 × 42 cm,
Josef Albers Museum
Quadrat Bottrop
Foto: Philipp Ottendörfer
© 2025 The Josef and Anni
Albers Foundation/ProLitteris,
Zurich
Anni Albers. Constructing Textiles |
Zentrum Paul Klee | 7. November
2025 bis 22. Februar 2026 | Zur
Ausstellung gibt es einen frei
zugänglichen Digital Guide, der ab
Mittwoch, 5. November 2025 über
guide.zpk.org/de/anni-albers
aufgerufen werden kann. | Ebenfalls
wird die Ausstellung von einer
Buchpublikation begleitet. Hatje
Cantz Verlag, im Museumsshop
erhältlich, Deutsche Version: ISBN
978-3-7757-6036-2
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Die längst überfällige Monografie
rückt das zu Unrecht vergessene
Werk der Künstlerin Erna Schillig
(1900–1993) ins Licht. Bisher fehlte
eine kunsthistorische Aufarbeitung
ihres vielfältigen Schaffens im
Kontext ihrer Weggefährten
Babberger und Danioth.
Die reich illustrierten Aufsätze
beleuchten Schilligs Beitrag zur
Moderne, ihre Rolle als
Textilkünstlerin in der
internationalen Avantgarde sowie
ihre Wandbilder und Paramentik. Die
Publikation thematisiert auch die
Herausforderungen, denen Frauen in
der Kunst des 20. Jahrhunderts
begegneten.
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Eine vielseitige Künstlerin
wiederentdeckt:
Erna Schillig und ihr Werk
Gebunden
224 Seiten, 170 farbige und 38
s/w-Abbildungen
20 x 26,5 cm
ISBN 978-3-03942-295-1
CHF 49.00
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Herausgegeben von Dr. Beat Stutzer im Rahmen des Jubiläumsprojektes 20 Jahre arttv.ch
Wollbilder als Meilensteine
der Schweizer Moderne
Alice Bailly | Kunsthaus Zürich | Tireurs d‘arc,
1911, Öl auf Leinwand (Jute), 147,5 x 185,5 cm
Alice Bailly | Kunsthaus Zürich | Les rythmiciennes,
1918–1919, Wollbild. Wolle, Seide, aufgeklebtes
Papier und Tinte auf Leinwand, 82 x 66,5 cm
Das Kunsthaus Zürich
widmet der Genfer
Künstlerin Alice Bailly
(1872–1938) zwei
Ausstellungsräume
Gezeigt werden in einer vielseitigen
Werkschau 22 Arbeiten aus dem
Schaffen Baillys, darunter Ölgemälde,
Arbeiten auf Papier und ihre lang
unterschätzten «tableaux-laine». Ihre
Werke bewegen sich zwischen
Abstraktion und gegenständlicher
Darstellung und sind von kubistischen
und futuristischen Einflüssen geprägt.
Bailly galt als eine der modernsten
Künstlerinnen ihrer Zeit, lehnte
geschlechtsspezifische Abgrenzung ab
und setzte sich über traditionelle
Rollenbilder hinweg.
Zwischen Paris und Genf
Während Baillys Wollbilder heute als Meilenstein gelten, wurden
sie zu ihren Lebzeiten oft als handwerkliche Experimente
abgetan. Die Künstlerin selbst war von ihrer Bedeutung
überzeugt und sah sie als ebenbürtig mit der Ölmalerei. Die
einzigartige taktile Qualität der Wolle verlieh den Werken eine
besondere Wirkung und trug zur Entwicklung einer modernen
Bildsprache bei. Baillys Stil entwickelte sich in engem Austausch
mit der Avantgarde in der Schweiz und in Frankreich. Ab 1906 in
Paris, wurde sie vom Fauvismus beeinflusst. Später hinterliess
auch der Futurismus in ihren Werken Spuren. Nach der Rückkehr
nach Genf im Jahr 1914 entstanden die ersten Wollbilder unter
dem Eindruck der Dada-Bewegung. 1936 erhielt sie den Auftrag,
acht grosse Wandgemälde für das Foyer des Théâtre de
Lausanne zu malen. Diese monumentale Aufgabe führte zu
Erschöpfung. Gut möglich, dass diese zu ihrer
Tuberkuloseerkrankung und ihrem Tod 1938 beitrug.
Alice Bailly | Kunsthaus Zürich | Rade de Genève ou Vol de mouettes, 1915, Öl auf Papier,
aufgezogen auf Leinwand, 60,5 x 80,3 cm
Alice Bailly (1872–1938) wurde
in Genf geboren, wo sie die
École des Beaux-Arts
besuchte. Prägende
künstlerische Aufenthalte
führten sie ins Wallis, nach
Paris und in die Bretagne. In
Paris knüpfte sie Kontakte zu
Künstlern wie Cuno Amiet,
Sonia Delaunay, Raoul Dufy
und Marie Laurencin. Dreimal
erhielt sie ein eidgenössisches
Kunststipendium. 1907
inspirierte sie die Bretagne zu
den «Scènes bretonnes». Nach
Jahren des Pendelns zwischen
Paris und Genf liess sie sich
1923 in Lausanne nieder, wo sie bis zu ihrem Tod 1938 lebte.
Ihre Werke wurden bereits zu Lebzeiten im Kunsthaus Zürich ausgestellt.
Alice Bailly | Kunsthaus Zürich | Jeu d’éventail ou
Femme à l’éventail. Portrait de Louisa Bally, sœur de
l’artiste, 1913, Öl auf Leinwand, 92 x 73 cm
Alice Bailly | Kunsthaus Zürich
| Kuratiert von Philippe
Büttner und Maja Wismer | Die
Ausstellung entstand in
Kooperation mit dem Musée
cantonal des Beaux-Arts in
Lausanne (MCBA).
ENTDECKEN SIE ERNA SCHILLIG
www.ernaschillig.ch
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PRÄSIDIUM
Dr. Jean-Pierre Hoby
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lic. phil Georg Kling
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