KEM Konstruktion 12.2025
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Ausgabe 11-12 | 2025
www.kem.de
Konstruktion
Automation
WIS-
Energieeffizienz
und Nachhaltigkeit
Elektrische Antriebstechnik
» Seite 34
Automatisierte
Spanntechnik
Prozessautomation
» Seite 60
„Entscheidend ist,
das Problem präzise
zu beschreiben“
Sebastian Seitz, Eplan,
zum KI-Einsatz
» Seite 12
Engineering-Tipps für Produkt- und Produktionsentwicklung
» IM FOKUS
Manipulationsschutz
mit Sicherheitsschaltern
» Seite 52
TITELSTORY
Mit dem Motor
als Sensor das
Condition Monitoring
neu denken
» Seite 30
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Steckbare Systemlösung für die
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hochflexible und schaltschranklose Automatisierungslösung
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» EDITORIAL
Auf alle Fälle hilfreich
Künstliche Intelligenz (KI) ist derzeit eines der Schlagworte, das sich in
wirklich sehr vielen Mails an die Redaktion findet. Dabei reicht die Idee weit
zurück ins 20. Jahrhundert – der Computer- und Roboter-Pionier Marvin
Minsky definierte „Künstliche Intelligenz“ als „die Wissenschaft, die Maschinen
dazu bringt, Dinge zu tun, die – würden sie von Menschen
vollbracht – Intelligenz erfordern würden“. In unserem Gespräch mit
Eplan-CEO Sebastian Seitz zum Thema KI in der Elektrokonstruktion (S. 12ff)
zitierte dieser aus einem Vortrag eine interessante Ergänzung: „Intelligenz
ist das autonome Lösen von Problemen. KI aber kennt keine eigenen
Probleme – die muss der Mensch beschreiben, damit die KI sie löst.“
War also der IBM-Rechner Deep Blue „intelligent“, als er 1997 den Schachweltmeister
besiegte und was ist aus der Diskussion um schwache und starke
KI geworden?
Eine Antwort fällt schwer. Gut, dass die Ingenieurwissenschaften sich eher
die Frage stellen können, wie sich KI nutzen lässt. „Wir betrachten KI pragmatisch
als Werkzeug, wie zuvor auch andere Technologien“, erläutert
Seitz und vergleicht den KI-Einsatz in der Elektrokonstruktion mit der Realisierung
des autonomen Fahrens. „KI wird helfen, diesen Prozess zu beschleunigen.“
In gleicher Weise pragmatisch geht auch Dr. Carlos Paiz Gatica,
Product Owner Industrial Analytics bei Weidmüller (S. 18ff) an das Thema
heran und beleuchtet den Einsatz von Machine Learning und KI direkt an
der Maschine – oder wie er es treffend formuliert: „Was früher erfahrene
Maschinenbediener am ‚Sound‘ der Maschine hörten, wird heute über Zeitreihenmodelle
maschinell nachvollziehbar.“ Diese zwei Beispiele zeigen:
Künstliche Intelligenz ist bereits sehr hilfreich im Alltag des Produkt- und
Produktionsengineerings – ein weiteres Beispiel liefert die Titelstory zur
Analyse von Daten, gewonnen mit dem Motor als Sensor (S. 30ff).
Übrigens: Der Einsatz von KI treibt den Energieverbrauch nach oben –
sodass in Rechenzentren nun die Wasserkühlung bis in die Nähe der Rechenchips
Einzug hält (S. 50f). Und für das Thema der Energieeffizienz bei
elektrischen Antrieben sei auf die KEM Perspektiven hingewiesen (S. 34ff).
Hier wird erläutert, ob vorausblickend die Angabe von Energieeffizienzklassen
wie IE7 oder IE9 wirklich hilfreich ist.
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» INHALT 11-12 | 2025 62. JAHRGANG
TITELSTORY
Mit dem Motor
als Sensor das
Condition Monitoring
neu denken
Die Kombination aus
maschinellem Lernen,
physikalischem Knowhow
und offener Systemarchitektur
machen maxon
» Seite 30
MIND zu einem zukunftsfähigen Werkzeug
für industrielle Anwendungen und
echten Erkenntnisgewinn.
Bild: Jeremias Wieland, maxon Gruppe / M2L/stock.adobe.com / KEM Konstruktion|Automation
MAGAZIN
Unternehmen
Von Nachhaltigkeit bis hin zu regenerativem Wirtschaften 6
Polymerlager bewähren sich bei
Bridgestone World Solar Challenge 2025 7
» TRENDS
Digitalisierung
KI und Edge Computing eröffnen neue Dimensionen 8
Transparente Lizenznutzung
macht Wachstums-Chancen leichter sichtbar 10
RUBRIKEN
Editorial 3
Impressum 42
» TRENDS
Digitalisierung/Künstliche Intelligenz (KI)
IM GESPRÄCH
Sebastian Seitz, CEO, Eplan,
zu KI in der Elektrokonstruktion: „KI ist ein Werkzeug –
die richtigen Fragen müssen wir stellen“ 12
Dr. Carlos Paiz Gatica, Product Owner Industrial Analytics,
Weidmüller, zu Machine Learning und KI an der Maschine:
„Mehrwert entsteht erst, wenn Sensordaten mit
technischem Know-how kombiniert werden“ 18
KI-unterstützte Sensorik
Aufwendige Programmierung entfällt mit KI-Kamera 22
» AUTOMATISIERUNG
Steuerungstechnik/Transportsysteme
Schwebende Mover steigern Durchsatz
und sparen Stellfläche im Reinraum 44
Schaltschrankbau
Energieeffizienz steht nicht im Gegensatz
zur Betriebssicherheit 47
KI braucht einen kühlen Kopf:
Direct Liquid Cooling im Rechenzentrum 50
Sicherheitstechnik
Machine Learning (ML) an der Maschine: Mehrwert
durch KI entsteht erst, wenn Sensordaten mit technischem
Know-how kombiniert werden.
» Seite 18
Bild: Weidmüller
IM FOKUS
Berührungslose Sicherheitsschalter
für einfache Montage und hohen Manipulationsschutz 52
Betriebsartenwahl leicht gemacht 55
Sensorik/Messtechnik
Mit konfokal-chromatischen Sensoren
präzise im Nanometerbereich messen 56
News zur Automatisierung 58
4 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
IM FOKUS
Bild: SMW-Autoblok
Spanntechnik/Prozessautomation: Mit einem Konzept,
das nur zwei Komponenten benötigt, lassen sich auch
mit einem konventionellen Spannfutter automatisierte
Dreh- und Fräsprozesse realisieren.
» Seite 60
» ANTRIEBSTECHNIK
Elektrische Antriebe
TITELSTORY
Condition Monitoring neu gedacht:
Der Motor als Sensor 30
PERSPEKTIVEN
Systembetrachtung führt zu Sprung
bei der Energieeffizienz elektrischer Antriebe 34
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News zur Antriebstechnik 42
» KOMPONENTEN
Spanntechnik/Prozessautomation
IM FOKUS
SMW realisiert automatisierte Dreh-Fräsbearbeitung
mit konventionellem Spannfutter 60
Maschinenelemente
Geprüfte Dämpferauslegung
macht Halbleiterfertigung ausfallsicher 63
Konstruktion
Automation
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Fritz-Hopf-Straße 1
86720 Nördlingen Telefon:
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MAGAZIN » Unternehmen
Von Nachhaltigkeit bis hin zu regenerativem Wirtschaften
Über Dekarbonisierung hinaus
Erfolg lässt sich in Unternehmen auf ganz unterschiedliche Weise bewerten. Die Fluidikexperten von Bürkert
betrachten ihn nicht nur wirtschaftlich, sondern auch anhand der Auswirkungen auf Mensch und Natur.
Das führt zu einem ganzheitlichen systemischen Denken, das über Nachhaltigkeit hinaus Ansatzpunkte für
regeneratives Wirtschaften auf unterschiedlichen Ebenen identifiziert – ein Überblick.
Vor allem seit der Industrialisierung
und verbunden mir der Nutzung fossiler
Brennstoffe beziehungsweise der
Ausbeutung fossiler Energieträger und
Rohstoffe haben wirtschaftliche Aktivitäten
besonders schädlichen, degenerativen
Einfluss auf unser Ökosystem. Im Gegensatz
dazu steht die regenerative Wirtschaft,
die nicht nur den schädlichen
Fußabdruck reduziert, sondern mit all ihrem
Handeln positiv auf alles Leben einwirkt.
Dazu denkt sie Ökonomie, Soziales
und Ökologie als untrennbare Einheit.
Das Unternehmen Bürkert Fluid Control
Systems hat regenerative Wirtschaft als
Vision benannt, an der sich alles unternehmerische
Handeln orientieren soll.
Vielmehr will der Fluidikexperte ganzheitliches
und systemischen Denken etablieren,
das über Nachhaltigkeit hinaus
Ansatzpunkte für regeneratives Wirtschaften
auf unterschiedlichen Ebenen
identifiziert – und zwar für sich als auch
für Kunden und Anwender. Möglichkeiten
sieht das Unternehmen bei einzelnen
Komponenten, der Applikation und auf
der Kundenprozess-Ebene bis hin zur
Betrachtung einzelner Industrien.
Komponenten-Ebene
6 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
Auf dieser Ebene regenerativ zu wirtschaften
kann bedeuten, mit Hilfe passender
Komponenten den Einsatz von Energie zu
optimieren. Molkereibetriebe setzten beispielsweise
in zahlreichen Anwendungen
auf Druckluft. Nutzt man in den drucklufterzeugenden
Kompressoren die Bürkert-
Magnetventile mit Doppelspule und Kickand-Drop-Technologie,
lassen sich – verglichen
mit konventionellen Lösungen –
bis zu 80 Prozent Energie einsparen. Das
bedeutet auch eine Einsparung bei CO 2
und Abwärme und somit bei energieintensiver
Kühlung. Eine reduzierte Wärmeabgabe
wirkt sich zudem positiv auf die
Lebensdauer von Komponenten aus.
Applikations-Ebene
Betrachtet man Applikationen nicht
punktuell auf Komponenten-Ebene, sondern
mit etwas Abstand, lassen sich oft
Ansätze für regeneratives Wirtschaften
finden. Beim Wechsel zwischen Herstellung
und Reinigung lässt sich beispielsweise
Ausschuss vermeiden, wenn der
Medienwechsel schnell und zuverlässig
erkannt wird. Beim Shampoohersteller
Dr. Kurt Wolff ließ sich bei der Produktion
hochwertiger Shampoos mit dem Durchflussmesser
Flowave der Ausschuss um
mehr als zwei Drittel reduzieren.
Kundenprozess-Ebene
New Food stellt eine nachhaltige Alternative
zur herkömmlichen Fleischproduktion
dar. Die Kultivierung von Proteinen in
Bioreaktoren und Fermentern erfolgt mit
deutlich geringerem Energieaufwand.
Damit qualitativ hochwertige Lebensmittel
effizient hergestellt werden können,
müssen jedoch alle Regelkreise perfekt
funktionieren. Bürkert hat hier zum Beispiel
die Firma DDE mit Sitz in Pune, Indien,
mit einer Fluidiklösung unterstützt.
Regenerative Wirtschaft will nicht allein
einen schädlichen Fußabdruck reduzieren,
sondern mit all ihrem Handeln positiv auf
das Leben wirken.
Industrie-Ebene
Ganze Industrien zu prägen oder neu aufzubauen
kann ebenfalls einen massiven
Einfluss auf nachhaltiges Wirtschaften
haben. Ein Beispiel ist grüner Wasserstoff.
Bürkert ist überzeugt, dass dieser einen
relevanten Anteil an der Energiewende
haben wird, zum Beispiel für den industriellen
Einsatz in der Chemiebranche
oder bei der Stahlherstellung. Hier unterstützt
Bürkert auf verschiedenen Ebenen
mit Fluidiklösungen für die Infrastruktur
in der Forschung an Universitäten und in
etablierten Unternehmen ebenso wie in
Start-ups. Anwendungsbeispiele sind
mobile Wasserstofftankstellen, Methan-
Plasmalyseure, Elektrolyseure oder Prüfstände
für Brennstoffzellen-Stacks.
Geschäftsmodelle
Ein systemischer Ansatz im regenerativen
Wirtschaften eröffnet Unternehmen die
Chance, Geschäftsmodelle zu entwickeln,
die Kreislaufwirtschaft nicht nur praktikabel,
sondern auch wirtschaftlich attraktiv
machen. So kann ein Produkt beispielsweise
nicht nur pauschal bezahlt
werden, sondern auf Basis der tatsächlichen
Einsparungen, die durch den Einsatz
des Produktes erzielt werden. (sc)
www.buerkert.de
Quelle:
Simon Berkler, Ella Lagé
Der Stellar-Approach (2024),
Campus Frankfurt
Unternehmen « MAGAZIN
Polymerlager bewähren sich bei Bridgestone World Solar Challenge 2025
Aachener Team brettert mit Sonnenkraft durch die Wüste
Bei der Bridgestone World Solar Challenge
2025 in Australien, der mit einer Strecke
von mehr als 3000 km härtesten Solar-Rallye
der Welt, hat das Team Sonnenwagen
den vierten Platz erkämpft.
Mit leichten und robusten Bauteilen aus
schmierfreien Hochleistungskunststoffen
von igus hatten Studierende ein Solarauto
gebaut und sich damit der ultimativen
Herausforderung gestellt.
Das Team Sonnenwagen setzt sich aus
mehr als 40 aktiven Studierenden der
RWTH Aachen und FH Aachen zusammen
– darunter die Disziplinen Maschinenbau,
Elektrotechnik und Betriebswirtschaft.
Der für die Rallye gebaute Covestro
Aethon ist ein futuristisches Fahrzeug auf
drei Rädern, ausschließlich betrieben mit
Solarenergie. Die Umsetzung erforderte
zehn Monate intensiver Arbeit und zahlreiche
Nachtschichten.
Eine besondere Aufgabe lag in der Auswahl
der richtigen Bauteile und Materialien,
denn diese müssen sehr leicht sein,
um die Solarenergie optimal zu nutzen,
und gleichzeitig widerstandsfähig genug,
um Vibrationen, Stößen, Unebenheiten
und Temperaturen bis 40 °C standzuhalten.
Das Team setzt dabei auf Leichtbau-
Technologie von igus. Sie sorgt dafür, dass
das Fahrzeug bei einem Gewicht von unter
185 kg eine Höchstgeschwindigkeit
von mehr als 140 km/h erreicht.
Um das Gewicht des Solar-Fahrzeugs
zu reduzieren, haben die Studierenden an
zahlreichen Stellen Gleitlager aus Hochleistungskunststoffen
eingesetzt. Die iglidur-Polymerlager
finden sich unter anderem
in den Mechanismen der Lenkung sowie
im Lenkrad. „Wir waren überrascht,
dass wir dank der Polymerlager das Gewicht
im Vergleich zu klassischen Metalllagern
um rund 80 Prozent reduzieren
konnten“, berichtet Charlotte Teckentrup
vom Team Sonnenwagen. „Das hat sich
positiv auf die Energieeffizienz des Fahrzeugs
ausgewirkt.“ Gleichzeitig seien die
Polymerlager trotz des geringen Gewichts
robust und verschleißfest. „Und sie haben
Bild: igus
Mit Polymerlagern
durch die australische
Wüste: Das Team
Sonnenwagen erreicht
bei der Bridgestone
World Solar Challenge
den 4. Platz.
dämpfende Eigenschaften, so dass wir das
Fahrgefühl verbessern konnten.“ Ein weiterer
Vorteil: Die Polymerlager ermöglichen
einen reibungsarmen Trockenlauf
ohne Schmierfett. Dadurch sind die Bauteile
weniger anfällig für Verschmutzungen,
die während der Rallye die Leichtgängigkeit
reduzieren und schlimmstenfalls
zu Ausfällen führen könnten.
Am 24. August wurde es dann spannend:
Das Team Sonnenwagen startete im
australischen Darwin nach einem erfolgreichen
Qualifying von der Pole-Position.
Der Sieg schien möglich. Doch dann
zwang ein elektrischer Defekt das Solarfahrzeug
zum Stopp. Trotz dieses Rückschlags
gelang es den Aachenern, nach
3026 Kilometern in Adelaide als Vierter
durchs Ziel zu fahren.
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TRENDS » Digitalisierung
Produktionsprozesse optimieren und nachhaltiger gestalten
„KI und Edge Computing
eröffnen neue Dimensionen“
Häufig wird der Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) in Verbindung mit großen Rechenkapazitäten gebracht.
KI lässt sich aber auch vor Ort an der Maschine nutzen, erläutert Christoph Trott, Abteilungsleitung Produkt -
management bei der Jumo GmbH & Co. KG in Fulda. Grundlage sind intelligente Automatisierungslösungen, mit
deren Daten sich Produktionsprozesse optimieren sowie Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz signifikant
steigern lassen. Reduzierte Ausschussraten, geringere Nacharbeit und der gezielte Energieeinsatz ermöglichen
so ein wirtschaftliches und ökologisches Wachstum.
Bild: Jumo
»Intelligente Automatisierungs- und
Sensorsysteme liefern die Datenbasis – und
profitieren in mehrfacher Hinsicht zum
Beispiel von SPE – Single Pair Ethernet –
auch im Hinblick auf die Cyber-Security.«
Christoph Trott, Abteilungsleitung Produktmanagement
bei der Jumo GmbH & Co. KG in Fulda
Trott: Die Kombination aus hochpräziser
Sensorik, intelligenter Steuerung und
durchgängiger Systemintegration bildet
das Fundament für eine moderne, zukunftsfähige
Automatisierung. Hochpräzise
Sensorik liefert die notwendigen
Echtzeitdaten, intelligente Steuerungssysteme
verarbeiten diese effizient und
die durchgängige Systemintegration sorgt
für eine nahtlose Kommunikation zwischen
den einzelnen Komponenten.
Maßgeschneiderte Komplettlösungen,
die von der Sensorik bis zur Systemintegration
reichen, bieten hier einen entscheidenden
Vorteil: Sie ermöglichen eine
ganzheitliche Betrachtung und Optimierung
der Prozesse. Durch die enge Verzahnung
aller Komponenten entsteht eine
hohe Transparenz, die wiederum die Produktqualität
verbessert und Betriebskosten
senkt. Die Integration solcher Lösungen
reduziert Schnittstellenprobleme,
vereinfacht die Inbetriebnahme und erhöht
die Wartungsfreundlichkeit.
Können Sie das etwas näher erläutern?
Welche Potentiale bietet mir heute schon
der Einsatz von KI an der Maschine?
Christoph Trott (Jumo): Die Kombina -
tion von KI und Edge Computing – also
der lokalen Datenverarbeitung direkt an
der Maschine – eröffnet neue Dimensionen
in der industriellen Automatisierung.
KI-Algorithmen können Muster in Sensordaten
erkennen, Anomalien frühzeitig
identifizieren und prädiktive Wartung ermöglichen,
ohne dass Daten erst in zentrale
Cloud-Systeme übertragen werden
müssen. Dies reduziert Latenzzeiten, erhöht
die Datensicherheit und ermöglicht
eine schnellere Reaktion auf Prozess -
abweichungen.
Gerade in mittelständischen Unternehmen,
die auf flexible und skalierbare Lösungen
angewiesen sind, bietet die lokale
Auswertung enorme Vorteile: Sie erlaubt
eine individuelle Anpassung an spezifische
Produktionsbedingungen und reduziert
die Abhängigkeit von externen IT-Infrastrukturen.
In Verbindung mit intuitiv
bedienbaren Systemen und modularer Architektur
entstehen intelligente Automatisierungslösungen,
die nicht nur effi-
zient, sondern auch zukunftssicher sind.
Die nächsten Jahre versprechen hier echte
Entwicklungssprünge – insbesondere
durch Fortschritte in der KI-gestützten
Prozessoptimierung und der Integration
lernfähiger Systeme in die Fertigung.
Stichwort intelligente Automatisierungslösungen
– wie lässt sich denn
diese Basis für den KI-Einsatz legen?
Trott: Ein gutes Beispiel dafür ist der Einsatz
von Single Pair Ethernet (SPE) in intelligenten
Sensorsystemen. Durch die Reduktion
auf ein einziges Adernpaar für
Datenübertragung und Energieversorgung
(PoDL) wird der Verkabelungsaufwand
deutlich verringert. Gleichzeitig ermöglicht
der hohe Datendurchsatz von
10 Mbit/s schnelle Software-Updates –
ein wichtiger Aspekt mit Blick auf Cyber-
Security. Die Möglichkeit, Sensoren über
Distanzen von bis zu 1000 m zu betreiben,
eröffnet neue Anwendungen – etwa in
weitläufigen Industrieanlagen oder der
Klimaregelung großer Gewächshäuser.
Besonders in Branchen mit hohen Qualitätsanforderungen
– wie Lebensmittel,
Wasser/Abwasser oder Thermoprozesstechnik
– ermöglichen solche Komplettlösungen
nicht nur die Einhaltung höchster
Standards, sondern auch einen entscheidenden
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8 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
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KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 9
TRENDS » Digitalisierung
Transparenz über Informationen zur Lizenznutzung gewinnen
„Wachstums-Chancen
leichter erkennen und nutzen“
Im Maschinenbau steckt das Know-how zunehmend auch in den Programmcodes zur Steuerung und Bedienung.
Unklar bleibt häufig, wie der Anwender diese Funktionen nutzt. Das Tool „CodeMeter License Reporting“ will
hier mit Informationen zur Lizenznutzung Licht ins Dunkel bringen. Klare Dashboards und eine offene REST-API
ermöglichen Produkt-, Sales- und Marketing-Teams individuelle Einblicke, welche Produkte und Features wo,
von wem und wie intensiv genutzt werden. So lassen sich Pakete optimieren und Features validieren – und
neue Umsatzchancen durch proaktives Handeln erschließen.
Interview: Michael Corban, Chefredakteur KEM Konstruktion|Automation
IM INTERVIEW
Florian Schneider,
Product Manager Cloud,
Wibu-Systems AG,
Karlsruhe
Bild: Wibu-Systems
Mit den Daten aus CodeMeter License Reporting lassen sich Informationen zur Lizenznutzung
gezielt einsetzen, um eigene Software zu optimieren und strategisch zu wachsen.
KEM Konstruktion|Automation: CodeMeter License
Reporting wurde erstmals auf der Hannover
Messe 2025 vorgestellt – geben Sie uns noch einmal
kurz einen Überblick, was das neue Tool kann?
Florian Schneider (Wibu-Systems): Es handelt
sich um einen cloudbasierten Reporting-Dienst, der
Lizenzinformationen unserer CodeMeter-Technologie
– für Protection, Licensing und Security von Maschinen-
und Anlagensoftware – sammelt, verarbeitet
und analysiert. Der Anwender erhält auf diese Weise
einen vollständigen Überblick darüber, wann, wo und
wie die jeweilige Software genutzt wird.
Anders formuliert: Die Nutzungszeit der jeweiligen
Software und die Zahl der Lizenzzugriffe liefern zusammen
ein sehr individuelles Nutzungsprofil. Ist etwa
die Nutzungszeit hoch, aber die Zahl der Lizenzzugriffe
niedrig, deutet das auf ein anderes Nutzerverhalten
als umgekehrt. Je nach Implementierung
der Lizenzprüfung können diese Differenzen aufschlussreiche
Rückschlüsse erlauben. Um es noch
konkreter zu machen: Fällt die Nutzung bei einem
Kunden über mehrere Monate, kann ich gezielt nachhaken
– und die Erfahrung zeigt, dass häufig ein Problem
vorliegt, das sich beheben lässt. Damit bringe
ich mein System zurück in die aktive Nutzung und
bleibe im Geschäft. Wichtig ist, beide Kennzahlen –
zu Nutzungszeit und Lizenzzugriffen – gemeinsam
zu betrachten. Über die Übersicht zu fehlgeschlagenen
Zugriffen kann ich beispielsweise auch erkennen,
ob ein Kunde regelmäßig keine freie Lizenz bekommt
– was Hinweise gibt, gegebenenfalls Kapazitäten zu
erweitern.
KEM Konstruktion|Automation: Gibt es weitere
Beispiele für Anwendungsszenarien?
Schneider: Mit den Informationen aus CodeMeter
License Reporting lassen sich verschiedene Anwendungen
realisieren – das Spektrum ist erstaunlich
breit. Von Vorteil ist, dass die Software so flexibel
ausgelegt ist, dass sich auch individuelle Filter setzen
und Auswertungen realisieren lassen – bis hinab auf
die Ebene einzelner Features oder Produktcodes.
Manche unserer Kunden nutzen die Daten, um
proaktiv ihre Lizenzen zu managen, andere, um Marketingentscheidungen
zu treffen. Herausfinden lässt
sich, welche Features wie und von wem verwendet
werden. So kann beispielsweise auch nachvollzogen
werden, ob nach einer Schulung ein Feature häufiger
genutzt wird. Auch die Serverauslastung lässt sich
optimieren und Lizenzen können minutengenau abgerechnet
werden. Zudem erfreut sich die Geo-Map
wachsender Beliebtheit, die Angaben zur Lizenznutzung
mit Geodaten kombiniert. Zwar können IP-basierte
Daten manipuliert sein, aber zur groben Lokalisierung
und zum Aufdecken von missbräuchlicher
Nutzung – Stichwort ‚Follow the Sun‘ – ist das hilf-
10 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
Digitalisierung « TRENDS
reich. Wir zeigen auch die maximale gleichzeitige
Lizenznutzung je Produkt und Kunde.
Steigt diese regelmäßig auf das Maximum,
deutet das auf einen möglichen Mehrbedarf
hin. Daneben gibt es aber auch Anwender,
die sich nur für die REST-API interessieren
– um auf diese Weise Lizenz-
Nutzungsdaten direkt in ihre eigenen Geschäftsprozesse
zu integrieren.
Unser Ansatz ist: Wir liefern ein Basisprodukt,
das maximale Flexibilität bei der Weiterverarbeitung
erlaubt. Damit schließen wir eine bedeutende
Lücke zwischen Lizenzinfrastruktur und
strategischen Geschäftsinformationen.
KEM Konstruktion|Automation: Was hat sich an
der Software seit der Vorstellung im April 2025
getan?
Schneider: Es hat sich einiges geändert – das System
sieht mittlerweile nicht nur besser aus, sondern
bietet auch deutlich mehr Funktionen. Direkt nach
dem Login sieht der Anwender jetzt eine übersichtliche
Landingpage mit verschiedenen Dashboards, die
nach Themen sortiert sind. So kann ich die Nutzung
meiner Programme über unterschiedliche Zeiträume,
einzelne Produkte oder auch einzelne Kunden hinweg
betrachten. Auf diese Weise lassen sich beispielsweise
Nutzungszeiten und Lizenzzugriffe für
den vergangenen Monat oder über die letzten zwölf
Monate hinweg analysieren. All das gibt mir wichtige
Hinweise darauf, wie intensiv meine Software genutzt
wird – nicht nur insgesamt, sondern auch pro
Kunde und Produkt.
Bild: Wibu-Systems
KEM Konstruktion|Automation: Und über die API
sind auch Export und Weiterverarbeitung der Daten
möglich?
Schneider: Exakt – das ist ein ausdrücklicher
Wunsch vieler Kunden. Unsere REST-API liefert die
Rohdaten im OpenAPI-Format, alternativ lassen sich
Daten nun aber auch über eine neue Exportfunktion
als Datei oder Bild im JSON-, CSV- oder PNG-Format
exportieren. Das vereinfacht die Anbindung an Drittsysteme
oder Kunden-Tools – etwa im Rahmen einer
CRM-Integration oder für automatisierte Abrechnungen
nach dem Pay-per-Use-Modell.
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schafft volle Transparenz
über die Nutzung und
Verteilung von Softwarelizenzen
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KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 11
TRENDS » Digitalisierung/Künstliche Intelligenz (KI) » Interview
KI als Enabler für die vollautomatisierte hin zur autonomen Elektrokonstruktion
„KI ist ein Werkzeug –
die richtigen Fragen müssen wir stellen“
Künstliche Intelligenz (KI) verändert das Engineering in rasantem Tempo – von der Automatisierung wiederkehrender
Aufgaben bis hin zur Vision einer autonomen Elektrokonstruktion. Entscheidend ist, die richtigen
Fragen zu stellen und die Anforderungen sauber zu beschreiben – das kann die KI nicht. Werden die richtigen
Fragen gestellt, können Entwicklungsprozesse aber deutlich beschleunigt werden. Voraussetzung dafür sind
Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Profitieren kann davon nicht zuletzt auch das Änderungsmanagement,
bei dem KI-Agenten Abteilungen, Disziplinen und Unternehmen verbinden.
Interview: Michael Corban, Chefredakteur KEM Konstruktion|Automation
KEM Konstruktion|Automation: Viele Programmierer
äußern angesichts KI die Sorge, dass ihr Beruf
durch KI überflüssig werden könnte. Eplan ist ein
Softwareunternehmen – brauchen Sie künftig noch
Programmierer oder eher Mitarbeitende, die prompten
können?
Sebastian Seitz (Eplan): Wir benötigen weiterhin
Mitarbeiter, die programmieren können – und die richtigen
Fragen stellen! Was meine ich damit? Der Einsatz
von KI bietet ohne Zweifel in der Softwareentwicklung
großes Potential. Große Sprachmodelle können viele
Sprachen lernen und Programmiersprachen gehören
dazu. Manche Modelle besitzen auch bereits gute Programmierfähigkeiten.
Das eigentliche Problem ist aber
nicht das Programmieren, sondern die richtigen Fragen
zu stellen und die Aufgabenstellung korrekt zu beschreiben.
Das leistet KI heute noch nicht ausreichend.
Bereits auf der Hannover Messe 2025 zeigte Eplan erste Ansätze der KI-Integration
auf Basis des Copiloten von Microsoft. KI kann Wissen vermitteln, Entwicklungsprozesse
beschleunigen und dabei helfen, die Qualität automatisiert zu sichern.
Bild: KEM Konstruktion|Automation
Gerade in der Softwareentwicklung kommt es aber darauf
an, die Anforderungen präzise zu formulieren.
Denn der Flaschenhals ist nicht das Programmieren,
sondern das Umsetzen der richtigen Anforderungen –
und nur das stiftet letztlich beim Kunden echten Nutzen,
etwa durch Prozessverbesserungen oder in Form
einer Zeitersparnis.
Die Kunst liegt also darin, Anforderungen so zu spezifizieren,
dass sie programmierbar sind – und das kann
bislang nur ein Mensch. Gefragt sind Fachleute, die
verstehen, wo unsere Software eingesetzt wird und wie
sie optimal genutzt werden kann. Diese Anforderungen
müssen so beschrieben werden, dass Entwickler genau
wissen, was zu tun ist.
KEM Konstruktion|Automation: Dann lassen Sie uns
gerne die Anwenderperspektive einnehmen – wie
verändert KI das Arbeiten in der Produktentwicklung
und an welcher Stelle kann diese bereits von KI profitieren?
Seitz: Wir stehen hier noch am Anfang – aber es gibt
erste Anwendungsfälle, in denen KI bestimmte Workflows
unterstützt; insbesondere bei sich wiederholenden
Aufgaben. Gerade bei repetitiven Tätigkeiten zeigt
sich der Nutzen, denn hier funktioniert KI – also bei
Aufgaben, die für qualifizierte Fachkräfte meist wenig
spannend sind und bei denen der Spaßfaktor auf der
Strecke bleibt. Das genau ist aber die Chance: Setzen
wir KI so ein, dass sie Kreativität fördert und relevante
Informationen zur richtigen Zeit bereitstellt, stehen wir
vor einem Umbruch. Mit KI kann schneller ausprobiert
und getestet werden, ob eine neue Lösung tatsächlich
den gewünschten Nutzen bringt.
Heute ist all das aber erst in Ansätzen zu spüren – in
der Elektrokonstruktion sind wir weit davon entfernt,
12 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
IM GESPRÄCH
Sebastian Seitz,
CEO,
Eplan GmbH & Co. KG,
Monheim
am Rhein
Bild: Eplan
einen durchgängig KI-gestützten Workflow erreicht zu
haben. Zunächst müssen wir prüfen, an welcher Stelle
wir ansetzen können. Auch hier ist übrigens wieder die
präzise Beschreibung der Anforderungen entscheidend.
KI ist keine Selbstverständlichkeit, sie muss wie jede
andere neue Technologie gezielt integriert werden. Und
am Ende zählt wie schon zuvor, welcher Mehrwert für
den Kunden entsteht.
KEM Konstruktion|Automation: Auf der Hannover
Messe 2025 wurden bereits erste Ansätze der KI-Integration
in Ihre Konstruktionslösungen auf Basis des
Copiloten von Microsoft gezeigt – können Sie die
kurz beschreiben und erläutern, wo hier der Mehrwert
liegt?
»Wir stehen mit der Elektrokonstruktion
aktuell am Beginn des Levels 4 – also des
vollautomatisierten Engineerings; Level 5 –
die echte Autonomie – ist noch ein Stück
entfernt. Unser Ziel ist es, autonomes
Engineering für alle zugänglich zu machen –
mit schrittweiser Integration neuer,
KI-gestützter Features.«
Sebastian Seitz, CEO der Eplan GmbH & Co. KG in Monheim am Rhein
Seitz: Ein wichtiger Bereich ist bereits die Bereitstellung
von spezifischem Know-how, das direkt über den
Copiloten abgefragt werden kann – zum Beispiel zu relevanten
Normen. Die KI ermöglicht zudem schnelle
Antworten auch auf vermeintlich triviale Fachfragen –
aber wiederum quantitativ und qualitativ abhängig von
dem zur Verfügung stehenden Input.
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KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 13
TRENDS » Digitalisierung/Künstliche Intelligenz (KI) » Interview
Bild: Eplan
Darüber hinaus gehen wir mit Microsoft gezielt in
den konstruktiven Prozess hinein: Mit generativer KI
können wir beispielsweise Elektrokonstrukteuren Vorschläge
für das Layout einer Montageplatte machen.
Das ist heute eine kreative, aber auch repetitive Tätigkeit,
die jeder Schaltanlagen- oder Steuerungsbauer
unterschiedlich löst. Hier steckt großes Potential, denn
das zeitintensive Zusammenstellen und Anordnen der
Komponenten auf der Montageplatte kann KI-gestützt
stark vereinfacht werden – unter Berücksichtigung
technischer Kriterien zur Entwärmung und Positionierung
von Bauteilen. Da es dazu Erfahrungswerte, aber
keine festen Regeln gibt, konzentriert sich unsere
Kooperation mit Microsoft darauf, aus einer Stückliste
einen Layoutvorschlag zu generieren, der auf die Größe
einer Montageplatte, die nötige Entwärmung und weitere
Faktoren abgestimmt ist. Das spart im konstruktiven
Prozess Zeit und verbessert die Qualität.
Ein dritter Aspekt neben Wissensvermittlung und
Prozessbeschleunigung ist schließlich die automatisierte
Qualitätssicherung – ein zentrales Element unserer
Arbeit. Ziel ist, nicht nur schneller zu werden, sondern
vor allem auch zu besseren Ergebnissen zu kommen.
KEM Konstruktion|Automation: Lassen Sie uns
einen Augenblick bei den Layoutvorschlägen für die
Montageplatte bleiben – steckt letztlich Machine
Learning auf Basis realisierter Layouts dahinter oder
kann die generative KI hier mehr?
Generative KI kann Elektrokonstrukteuren Vorschläge für das Layout einer Montageplatte
machen – und sie damit von zeitintensiven, repetitiven Tätigkeiten entlasten; unter
Berücksichtigung technischer Kriterien zur Entwärmung und Positionierung von Bauteilen.
Seitz: Sie kann mehr und es handelt sich hier nicht um
Machine Learning mit klassischer Bilderkennung. Letzteres
wäre zwar prinzipiell möglich, würde aber die individuellen
Arbeitsweisen der einzelnen Schaltanlagenund
Steuerungsbauer nicht berücksichtigen. Generative
KI kann deutlich mehr – allerdings muss man ihr auch
einige Grundregeln vorgeben. Um solche Regeln abzuleiten,
lassen sich gerade im 3D-Layout-Bereich bestehende
Anlagen als Muster nutzen. Dabei lässt sich die
jedem Schaltanlagenbauer eigene Logik und sein individuelles
Erfahrungswissen berücksichtigen – und das
genau ist unser Ziel. Zumal uns von unseren Kunden
gesagt wird, dass es keinen allgemeingültigen Aufbau
gibt – Individualität ist notwendig. Viele arbeiten
ohne hin nach dem Copy-and-Paste-Prinzip: Sie nehmen
eine bewährte Lösung als Vorlage für neue Anforderungen.
Wenn wir diesen Prozess in unserer Domäne
KI-gestützt gut abbilden, entstehen echte Effizienz -
vorteile.
Und um gleich der Frage nach dem geistigen Eigentum
vorzugreifen: Wir können und wollen an dieser
Stelle nicht das gesamte Wissen aller unserer Kunden
verwenden – deren Know-how und geistiges Eigentum
bleiben geschützt. Daher stellen wir in der Cloud geschützte
Bereiche für die Kundendaten zur Verfügung.
Unsere Vision ist, unseren Anwendern eine Plattform zu
bieten, auf der sie ihre Anforderungen beschreiben und
dann den elektrotechnischen Konstruktionsteil vollautomatisiert
abbilden können – und dabei kann KI helfen!
Insbesondere bei der Regelbeschreibung sowie
dem automatischen Erkennen von Regeln. Das Poten -
tial liegt auf der Hand.
KEM Konstruktion|Automation: Lässt sich das Potential
beziffern?
Seitz: Gerade bei der Schaltplanerstellung wird heute
schon regelbasiert gearbeitet. Das ist auf unserer Plattform
nahezu vollständig automatisiert möglich. Sind
alle erforderlichen Regeln und Bedingungen vorab definiert,
kann das massiv Konstruktionszeit sparen. Einer
unserer Kunden berichtet hier von Einsparungen im
Bereich von 94 bis 96 Prozent.
Der Vorteil von Regeln ist übrigens, dass sie – wenn
sie vollständig sind – ein hundertprozentig nachvollziehbares
und korrektes Ergebnis liefern. Bei KI hängt
das Ergebnis dagegen stark vom Input ab. In der Industrie
können wir uns aber keine Halluzinationen oder
Fehler erlauben, schon gar nicht bei sicherheitskritischen
Anwendungen. Deswegen legen wir großen Wert
darauf, dass bei KI-Anwendungen transparent ersichtlich
ist, wie ein Ergebnis zustande kommt und auf welchen
Informationen es basiert. Das ist wichtig für die
Verantwortlichen, damit sie wissen, auf welche Quellen
sie sich verlassen können.
Auch hier wird übrigens Ingenieursarbeit nicht ersetzt,
sondern auf eine andere Ebene gehoben. Die einfacheren
Aufgaben kann man weitgehend automatisieren
– und das sollten wir auch tun. Ergebnisse müssen
aber reproduzierbar und verlässlich sein, gerade bei
langlebigen Investitionsgütern. Das gilt übrigens nicht
14 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
»Setzen wir KI so ein, dass
sie Kreativität fördert und
relevante Informationen zur
richtigen Zeit bereitstellt,
stehen wir vor einem Umbruch.
Mit KI kann schneller
ausprobiert und getestet werden,
ob eine neue Lösung tatsächlich
den gewünschten Nutzen bringt.«
Bild: Eplan
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Sebastian Seitz, CEO von Eplan (hier auf der Hannover Messe 2025)
nur spezifisch für das Elektroengineering, sondern
betrifft alle Kollaborationsprozesse. Im Maschinenbau
etwa kooperieren Steuerungs- und Maschinenbau eng
mit dem Endkunden. In dieser gesamten Kette des Informationsaustauschs
liegt noch ein enormes Potential
zur Automatisierung und Effizienzsteigerung – und das
lässt sich mit KI heben.
KEM Konstruktion|Automation: Landen wir auf diese
Weise beim Systems Engineering?
Seitz: Ja – aber tiefergehend und umfassender. So bieten
wir ja bereits Funktionen, die Änderungen erkennen.
Der nächste Schritt ist nun, dass die KI selbstständig
Alternativen vorschlägt – etwa wenn ein Bauteil
abgekündigt ist, inklusive automatischer Integration
des Alternativgeräts. Ein Beispiel dafür liefert unsere
Zusammenarbeit mit Siemens: Änderungen im TIA-Portal
werden direkt und automatisiert in Eplan übernommen,
ohne dass ein Ingenieur manuell eingreifen muss.
Das ist das Versprechen einer Agentic-AI-Infrastruktur,
in der spezialisierte Agenten verschiedene Systeme
orchestrieren und Workflows systemübergreifend automatisieren.
Technisch ist das möglich – entscheidend
ist die richtige Umsetzung.
KI-Agenten können so Transparenz in das Änderungsmanagement
bringen und die Auswirkungen auf
andere Disziplinen sichtbar machen – ein Ziel, dem wir
uns vor einigen Jahren schon einmal mit dem Syn -
gineer gewidmet haben. Die Resonanz darauf war stets
positiv, in der Praxis standen aber organisatorische
Hürden im Weg – solche Projekte sind immer auch Organisationsprojekte,
da Prozesse, Verantwortung und
Zusammenarbeit über Abteilungen und Disziplinen hinweg
neu gedacht werden müssen, was herausfordernd
ist. Künstliche Intelligenz bietet hier über eine entsprechend
aufgebaute KI-Agenten-Infrastruktur die Chance,
solche Lösungen leichter in die Praxis zu bringen.
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KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 15
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TRENDS » Digitalisierung/Künstliche Intelligenz (KI) » Interview
Bild: Eplan
In der Eplan Plattform, deren 2026er
Version grundlegend überarbeitet und
funktional ausgebaut wurde, gehören
jetzt bislang optionale Erweiterungen
zum Standard.
Ein zentraler Punkt in der Eplan Plattform 2026 ist die deutliche Reduzierung von Komplexität.
Der Zugriff aus der Artikelverwaltung in Eplan erlaubt jetzt die direkte Artikeldatenauswahl im
Data Portal – Nutzer müssen damit nicht länger von der Plattform zum Portal „abspringen“.
Bild: Eplan
Und um ein weiteres, konkretes Beispiel zu nennen:
Auf der kommenden SPS 2025 in Nürnberg werden wir
unter anderem zeigen, wie wir Verwaltungsschale/
Eclass, Product Change Notification (PCN) und KI zusammenbringen.
Ein Anwendungsfall, an dem wir zusammen
mit Phoenix Contact arbeiten, ist etwa die automatisierte
Weiterleitung von Product Change Notifications.
Ändert Phoenix Contact eine Komponente,
fließt diese Information automatisch in unser Eplan
Data Portal und damit in die Kundenprojekte in der
Cloud. So sieht der Anwender direkt, an welcher Stelle
betroffene Teile verbaut sind und kann damit effizient
reagieren. Das ist eine echte Ökosystem-Kollaboration:
Der Hersteller meldet eine Änderung und wir können
identifizieren, in welchen Bestandsanlagen das Teil verbaut
ist. Das war bisher praktisch nicht möglich – KI
kann hier enorm helfen, komplexe Datenbestände zu
durchdringen, relevante Informationen sichtbar zu machen
und Alternativen vorzuschlagen.
KEM Konstruktion|Automation: Wenn ich Sie richtig
verstanden habe, eignet sich KI also einerseits
insbesondere für das Erkennen von Regeln in der
Produktentwicklung, was die Umsetzung einer regelbasierten
Automation der Engineeringprozesse vereinfacht.
Andererseits ist sie aufgrund der Fähigkeit,
»Auf der SPS werden wir zeigen, wie wir
Verwaltungsschale/Eclass, Product Change
Notification (PCN) und KI zusammenbringen.
Das ist eine echte Ökosystem-Kollaboration und
war bisher praktisch nicht möglich – KI kann
hier enorm helfen, Alternativen vorzuschlagen.«
Sebastian Seitz, CEO, Eplan
große Datenstrukturen zu durchforsten, geeignet, das
Änderungsmanagement zu beschleunigen. Kann KI
auch tatsächlich ‚intelligente‘ Lösungen liefern – im
Sinne einer ‚starken‘ KI?
Seitz: Das führt uns zum Anfang unseres Gespräches
zurück. Lassen Sie mich dazu zunächst aus einem Vortrag
zum Thema KI zitieren, den ich neulich hörte. Dort
hieß es: ‚Intelligenz ist das autonome Lösen von
Problemen. KI aber kennt keine eigenen Probleme
– die muss der Mensch beschreiben, damit die KI
sie löst.‘ Das finde ich ist eine spannende Sichtweise
und bestätigt, dass das eigentliche Problem ist, die
richtigen Fragen zu stellen. Aus meiner Sicht wirkt heute
jeder Algorithmus intelligent, aber es sind letzten
Endes regelbasierte Systeme. An welcher Stelle man
hier eine Grenze zwischen Intelligenz und reiner Regelanwendung
zieht, ist schwer zu sagen – und soll Sache
der Philosophie sein. Wir betrachten KI pragmatisch als
Werkzeug, wie zuvor auch andere Technologien. Wie
disruptiv sie letztlich wirkt, wird sich zeigen.
Unser Ziel ist, den Punkt zu erreichen, an dem die
Elektrokonstruktion autonom, automatisiert und auf
Basis einer guten Beschreibung durchgeführt werden
kann. Letztlich spielt es dabei auch keine Rolle, welche
Technologie eingesetzt wird – das Effizienzpotential ist
riesig. KI wird helfen, diesen Prozess zu beschleunigen.
Vergleicht man die Entwicklung der Elektrokonstruk -
tion mit der des autonomen Fahrens, befinden wir uns
aktuell am Beginn des Levels 4 – also des vollautomatisierten
Engineerings. In manchen Prozessen sind wir
auch schon etwas weiter, aber Level 5 – die echte Autonomie
– ist noch ein Stück entfernt. Unser Ziel ist es,
autonomes Engineering für alle zugänglich zu machen –
mit schrittweiser Integration neuer, KI-gestützter Features.
www.eplan.com, Messe SPS 2025: Halle 3C, Stand 321
16 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
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©SICK
Foto:
SICK präsentiert sich auf der diesjährigen SPS 2025 in Nürnberg unter dem Leitmotiv „WE CREATE VALUE TOGETHER“.
Smart Sensors: SICK auf der SPS
Auf der SPS 2025 präsentiert SICK intelligente Automatisierung in Aktion. Unter dem
Motto „We create Value together“ zeigt das Unternehmen, wie Sensorik, Datenanalyse
und Cybersecurity zu vernetzten Lösungen verschmelzen, die Effizienz, Qualität und
Sicherheit in Industrie und Logistik neu definieren.
Vom 25. bis 27. November 2025 zeigt SICK auf der
Smart Production Solutions (SPS) in Nürnberg
(Halle 7A, Stand 340), wie intelligente Sensorik und
digitale Services die Automatisierung von morgen gestalten.
Als ganzheitlicher Partner verbindet SICK
präzise Datenerfassung mit innovativer Software, um
Produktions- und Logistikprozesse effizienter, sicherer
und nachhaltiger zu machen.
In praxisnahen Erlebniswelten erleben Besucher,
wie kamerabasierte Qualitätskontrolle, Robotik, autonome
Fahrzeuge und IIoT-Plattformen zu durchgängigen
Gesamtlösungen werden. Auch Cybersecurity
und maßgeschneiderte Serviceangebote sind integraler
Bestandteil der Anwendungen.
„Für uns als Automatisierungspartner ist die SPS
die richtige Plattform, um unsere Stärke in der intelligenten
Automatisierung und unsere branchenübergreifende,
innovative Lösungskompetenz einen
breiten Fachpublikum zu präsentieren“, sagt Tobias
Güttler, Head of Marketing & Technology Competence
Center bei der SICK Vertriebs-GmbH in Düsseldorf.
„Besucher unseres Messestandes können sich
entsprechend ihrem Anliegen schnell und einfach in
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ansprechender Atmosphäre beraten lassen.“
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KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 17
TRENDS » Digitalisierung/Künstliche Intelligenz (KI) » Interview
Vom Datenstrom zum Mehrwert: Machine Learning und KI direkt an der Maschine
„Sensordaten kombiniert mit technischem
Know-how ergeben Mehrwert“
Mit seinem Industrial-AI-Portfolio adressiert Weidmüller den barrierefreien Einsatz von Machine Learning (ML)
an der Maschine, ohne dass Ingenieure oder Bediener über tiefes Fachwissen in den Bereichen Data Analytics
oder Softwareprogrammierung verfügen müssen. Entscheidend ist bei all dem das konkrete Prozess-Know-how,
die Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse und Offenheit für den erfolgreichen Einsatz ohne Vendor-Lock-in.
Interview: Michael Corban, Chefredakteur KEM Konstruktion|Automation
KEM Konstruktion|Automation:
Weidmüller hat sehr früh
mit Industrial AutoML den
Fokus auf den praxistauglichen,
schnellen Einsatz von
Machine Learning (ML) im
Maschinenbau gelegt. Heute
sprechen Sie von Industrial
AI – gibt es weiter einen
Unterschied zwischen künstlicher
Intelligenz (KI) und Machine
Learning?
Dr. Carlos Paiz Gatica (Weidmüller):
Die Basis unserer Lösungen sind Daten
aus den Maschinen – letztlich sind das
Zeitreihen. Dabei handelt es sich insbesondere
um Sensordaten, mit deren Hilfe
sich Maschinen steuern und Prozesse
überwachen lassen oder Verschleiß frühzeitig
erkannt werden kann. Diese Daten
wollen wir nutzbar machen und setzen
dafür primär Machine-Learning-Ansätze
ein, nutzen parallel aber auch KI-Methoden
wie Sprachmodelle. Dadurch lassen
sich Maschinendaten nicht nur analysieren,
sondern auch für den Menschen verständlich
erklären – zum Beispiel über
unsere natürliche Sprache.
Machine Learning ist dabei ein Teilbereich
der künstlichen Intelligenz. Während
Machine Learning Muster in Daten
erkennt und daraus Modelle ableitet, bietet
KI darüber hinausgehend auch Technologien
wie Sprachmodelle oder Agentensysteme,
die Entscheidungen treffen
und Maßnahmen vorschlagen können. In
»Offenheit und Flexibilität sind
zentrale Prinzipien unserer
Produktstrategie – das zeigt sich in
der Unterstützung von Standard -
formaten und der Plattformunabhängigkeit
unseres Betriebssystems u-OS.
Unsere Kunden sollen die Freiheit
haben, ohne Restriktionen die für sie
beste Lösung zu wählen.«
der Industrie bauen diese Systeme typischerweise
aufeinander auf: Das Machine-Learning-Modell
erkennt Anomalien
und Muster, ein Sprachmodell übersetzt
die Ergebnisse in verständliche Hinweise
und ein Agentensystem kann daraus
eigenständig Handlungsempfehlungen
ableiten.
Wesentlich ist für uns: Der eigentliche
Mehrwert entsteht erst, wenn das Wissen
über die Sprache der Maschinen – also
die Sensordaten – mit dem technischen
Know-how kombiniert wird. Generische
Sprachmodelle sind heute überall verfügbar,
aber entscheidend für den industriellen
Vorsprung ist die Fähigkeit, die spezifischen
Maschinendaten auszuwerten
und mit Blick auf den konkreten Prozess
an der Maschine nutzbar zu machen.
Bild: Weidmüller
Dr. Carlos Paiz Gatica, Product Owner Industrial Analytics, Weidmüller, Detmold
KEM Konstruktion|Automation: Wie
kann ich mir die praktische Umsetzung
vorstellen und welches Vorwissen muss
ich mitbringen?
Dr. Paiz Gatica: Unsere Strategie ist, den
Zugang zu Machine-Learning-Technologien
so zu gestalten, dass sie für typische
Ingenieure direkt an der Maschine einsetzbar
sind – ohne dass man ein Data
Scientist sein muss. Dies bedeutet: Daten
werden möglichst direkt dort verarbeitet,
wo sie entstehen, also on-premise an der
Maschine. Die Cloud bleibt optional,
spielt aber bei sensiblen oder teuren Anwendungen,
bei denen Daten die Anlage
nicht verlassen sollen, eine untergeordnete
Rolle.
Ein praktisches Beispiel ist unser Rail -
Assembler für die vollautomatische Bestückung
von Tragschienen: Hier dient
Machine Learning dazu, aus einer Vielzahl
von Sensorwerten das typische Normalverhalten
zu erlernen und frühzeitig auf
18 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
IM INTERVIEW
Dr. Carlos Paiz Gatica,
Product Owner
Industrial Analytics,
Weidmüller,
Detmold
Mit edgeML können industrielle Anwender Machine Learning direkt an der Maschine verwirklichen – ohne Anbindung an die Cloud.
Bild: Weidmüller
abweichende Muster hinzuweisen, bevor
Probleme in der Produktion auftreten.
Kritische Komponenten werden auf diese
Weise überwacht, die OEE (Overall Equipment
Effectiveness) bleibt hoch und ungeplante
Stillstände werden vermieden.
KEM Konstruktion|Automation: Wie
muss ich mir dabei das Training der Machine-Learning-Modelle
vorstellen?
Dr. Paiz Gatica: Der industrielle Einsatz
von Machine Learning gliedert sich
grundsätzlich in zwei Schritte:
• Zunächst müssen die relevanten Daten
zuverlässig und kontinuierlich erfasst
werden. Hier stellen wir entsprechende
Hard- und Software bereit, etwa Procon-Connect
für die Akquise der Energie-
und Maschinendaten. Das Einbinden
bestehender Sensorik und Steuerungen
funktioniert meist unkompliziert
– und in vielen Fällen reichen die
vorhandenen Datenquellen bereits aus.
• Im zweiten Schritt geht es darum, mit
diesen Daten Modelle zu entwickeln,
die Muster erkennen oder Anomalien
detektieren. Der große Vorteil unseres
Ansatzes dabei ist: Anwender können
dies selbst übernehmen – geführt
durch die Software und ohne dazu Programmierkenntnisse
besitzen zu müssen;
ein klassischer No-Code-Ansatz.
Entscheidend ist, dass die Ingenieure
dabei ihr Prozess- und Maschinenwissen
einbringen und gute Betriebsphasen
sowie sich ankündigende, potentielle
Störfälle markieren. Das System
generiert daraus das Machine-Learning-Modell
für genau diese Anwendung.
Validierung und der Transfer auf
die Maschine erfolgen ebenfalls mit
Hilfe der Software.
Wir nutzen die Technologie selbst beim
RailAssembler und hier zeigt sich: Ist beispielsweise
das Ziel, Leckagen im pneumatischen
System zu erkennen, kann man
die vorhandenen Druck- und Bewegungsdaten
erfassen, typische Verläufe analysieren
und damit ein Modell trainieren.
Was früher erfahrene Maschinenbediener
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KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 19
TRENDS » Digitalisierung/Künstliche Intelligenz (KI) » Interview
Einsatz in den eigenen Produkten:
Weidmüller nutzt sein Industrial-AI-Angebot
auch zur
Optimierung des RailAssemblers
für die automatische Bestückung
von Tragschienen im Schaltschrankbau.
Bild: Weidmüller
Mit der App Procon-Connect können Anwender Maschinendaten einfach akquirieren, vorverarbeiten
und anderen Applikationen – etwa zum Training von Machine-Learning-Modellen – zur Verfügung
stellen.
Bild: Weidmüller
am ‚Sound‘ der Maschine hörten, wird auf
diese Weise heute über Zeitreihenmodelle
maschinell nachvollziehbar.
Wichtig ist zudem, dass ein Machine-
Learning-Modell nicht statisch bleibt: Im
Betrieb können neue Daten und Rückmeldungen
von Bedienern einfließen, um das
Modell zu verbessern. Dieses Vorgehen –
auch als MLOps (Machine Learning Operations)
bekannt – wird durch unsere Produkte
unterstützt. Die Modelle lassen sich
auf diese Weise überwachen, nachtrainieren
und an veränderte Rahmenbedingungen
anpassen. So lassen sich auch neue
Fehlerbilder oder Veränderungen an der
Maschine einbeziehen.
KEM Konstruktion|Automation: Und
all das kann ich ohne Vorkenntnisse im
Bereich Data Analytics oder Softwareprogrammierung
umsetzen?
Dr. Paiz Gatica: Exakt – genau das war
unser Ziel. Die Bedienung bleibt einfach:
Wer die Maschine kennt, kann die Software
nach kurzer Einarbeitung bedienen
und Modelle optimieren – ohne Data-
Science-Vorkenntnisse. Hintergrund ist,
dass unsere Erfahrung zeigt, dass sich der
Umgang mit vielen Standardmustern und
»Was früher erfahrene
Maschinenbediener am
‚Sound‘ der Maschine
hörten, wird heute über
Zeitreihenmodelle
maschinell
nachvollziehbar.«
Dr. Carlos Paiz Gatica, Weidmüller
Algorithmen automatisieren lässt – sofern
die richtigen Kontextinformationen
und Daten bereitstehen. An genau dieser
Stelle ist das prozessspezifische Knowhow
des Maschinenherstellers und -betreibers
gefragt.
KEM Konstruktion|Automation: Im
Zusammenhang mit dem Einsatz von KI
kennen wir das Auftreten von ‚Halluzinationen‘,
also plausiblen, aber falschen
Aussagen – sind diese ein Problem und
inwieweit kann ich meinen Machine-
Learning-Modellen ‚trauen‘?
Dr. Paiz Gatica: Bei klassischen Machine-Learning-Anwendungen
in der Industrie
ist das Risiko für das Auftreten von
Halluzinationen auch ein Problem, deshalb
setzen wir auf den Einsatz von Domänenwissen
bei der Erstellung von ML-
Modellen, da das solche Fehler von Anfang
an verhindern kann. Vertrauen
schaffen zudem Erklärbarkeit und Transparenz
– ein zentraler Aspekt ist die
Nachvollziehbarkeit der Modellergebnisse.
Um das etwas konkreter zu machen:
Unsere Tools zeigen beispielsweise an,
welche Sensordaten zu einer Anomalieerkennung
geführt haben. Auf diese Weise
lassen sich die Modelle validieren und die
Ergebnisse sind für den Ingenieur nachvollziehbar.
KEM Konstruktion|Automation: Basierend
auch auf Ihren eigenen Erfahrungen
mit dem Industrial-AI-Portfolio –
in welcher Weise lassen sich die Erkenntnisse
nutzen?
Dr. Paiz Gatica: Der Nutzen von Indus -
trial AI ist vielseitig – Betreiber können
Maschinenzustände besser erkennen und
vor allem Stillstand vermeiden, Qualität
und Produktionsziele überwachen, Predictive
Maintenance ermöglichen und
Material- sowie Energieverbräuche optimieren.
Maschinenbauer wiederum
schaffen datenbasierte Mehrwerte, entwickeln
neue Geschäftsmodelle wie zu-
20 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
Energieeffiziente Schaltschrankverdrahtung
der nächsten Generation
Modular, einfach,
energieeffizient!
Bild: Weidmüller
Mit seinem offenen Betriebssystem u-OS ermöglicht Weidmüller sowohl die Realisierung eigener
Apps als auch die Integration in andere Plattformen.
standsbasierte Wartungsverträge und
können durch die gewonnenen Erkenntnisse
auch die Konstruktion ihrer Maschinen
weiterentwickeln – etwa indem sie
das Overengineering reduzieren.
Ein Enabler an dieser Stelle ist unsere
Plattform-Strategie, insbesondere das offene
Betriebssystem u-OS, welches die
Integration von Apps für spezifische Anwendungen
ermöglicht. Maschinenbauer
können so eigene oder von uns bereitgestellte
Softwarelösungen flexibel auf ihren
Steuerungen einsetzen und nachträglich
neue Funktionen ergänzen – analog
zu Software-Updates im Consumer-Bereich.
Genau deswegen sind uns auch Offenheit
und Interoperabilität so wichtig:
Wir unterstützen gängige Industrie-Standards
und setzen auf Plattformoffenheit,
um ein Vendor-Lock-in zu vermeiden. Unsere
Lösungen laufen zudem nicht nur auf
eigenen Komponenten, sondern auch auf
Fremdsystemen.
KEM Konstruktion|Automation: Was
wird aus Ihrer Sicht noch kommen – wie
sieht Ihre Entwicklungs-Road-Map aus?
Dr. Paiz Gatica: Unsere Roadmap fokussiert
sich auf die gezielte Integration von
Machine-Learning-Funktionen in unsere
bestehenden Softwarelösungen. Besonders
im Energiemanagement sehen wir
großes Potential: Durch den Einsatz von
Forecast-Modellen können wir Energiebedarfe
präzise vorhersagen und daraus
konkrete Handlungsempfehlungen ableiten,
etwa zur Optimierung von Anlagenparametern
oder zur strategischen Energiebeschaffung.
So schaffen wir echten
Mehrwert für unsere Kunden und treiben
die intelligente Nutzung von Energie weiter
voran.
Ein weiteres wichtiges Thema ist der
ressourcenschonende Einsatz unserer Lösungen.
Unsere Machine-Learning-Modelle
laufen auf kleinen Edge-Devices –
die Anforderungen an Speicher und Rechenleistung
bleiben gering. Wir setzen
hier auch intensiv auf unsere eigenen
Produktionsstätten als Testfeld. Erkenntnisse
aus der eigenen Fertigung – etwa in
der Kunststoffverarbeitung oder Galvanik
– fließen direkt in die Weiterentwicklung
unserer Lösungen ein. Das Prinzip ‚do
what you preach‘ ist ein zentraler Bestandteil
unserer Innovationsstrategie.
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Messe SPS 2025: Halle 9, Stand 351
Das System AirSTREAM für die
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TRENDS » KI-unterstützte Sensorik
KI-basierte Bildverarbeitung für Objekterkennung und Defektkontrolle
„Schneller, flexibler und die
aufwendige Programmierung entfällt“
Klassische Bildverarbeitungssysteme stoßen bei neuen Anforderungen wie flexibler Objektidentifizierung oder
automatisierter Defektkontrolle zunehmend an ihre Grenzen. Grund genug für Turck, eine KI-basierte Kamera -
lösung zu entwickeln, die schneller und flexibler arbeiten soll und ohne aufwendige Programmierung auskommt
– wenige Bilddaten sollen bereits genügen. Details zur neuen KI-Kamera, die auf der SPS 2025 vorgestellt wird,
erläutert Produktmanager Raphael Penning.
Interview: Michael Corban, Chefredakteur KEM Konstruktion|Automation
KEM Konstruktion|Automation: Was war
der Anlass für die Entwicklung Ihrer KI-
Kamera-Lösung?
Raphael Penning (Turck): Blicken wir allein
auf die Intralogistik, so entstehen hier
viele neue Lager- und Logistikzentren und
wir bedienen diesen Markt bereits mit Steuerungskomponenten
und Sensorik, etwa im
Bereich der Fördersysteme mit Rollenmotoren.
Nachgefragt werden nun ergänzend vor
allem Anwendungen, bei denen es um
Objekt identifizierung, Objektklassifizierung
oder auch Defektkontrolle geht. Um diese
Aufgaben automatisiert zu lösen, bieten sich
vor allem Visionsysteme in Verbindung mit
künstlicher Intelligenz (KI) an.
Ein gutes Beispiel ist die automatische
Identifikation und Kontrolle von Objekten
beim sogenannten Self-Check-out im Einzelhandel.
Hier erkennen Kameras, wer was aus
dem Regal nimmt und der Bezahlvorgang
läuft dann vollautomatisch beim Verlassen
des Geschäftes ab. Solche Systeme werden
Die KI-Kamera kann
als Stand-alone-
System arbeiten und
Peripheriegeräten bis
zu 4 A liefern.
Bild: Turck
»Unser Ansatz reduziert den
Programmieraufwand erheblich –
während man früher zahlreiche
Szenarien manuell einprogrammieren
musste, reicht es nun, das System mit
wenigen Bildbeispielen zu trainieren.«
Raphael Penning ist Produktmanager bei der Turck GmbH in Mülheim an der Ruhr
sich in den nächsten Jahren durchsetzen.
Auch in der Industrie müssen immer häufiger
Objekte klassifiziert und Fehler erkannt werden
– und zwar schneller, flexibler und ohne
aufwendige Programmierung.
KEM Konstruktion|Automation: Ihr Fokus
liegt also auf einfacher Bedienbarkeit?
Penning: Exakt – und wir setzen dazu auf
Bildverarbeitungslösungen mit KI, während
klassische Kameras meist noch regelbasiert
arbeiten. Der Anwender definiert dazu Trainingsdaten,
aus denen die Kamera eigenständig
lernt, Objekte zu erkennen oder Fehler
zu detektieren. Besonders spannend ist
der sogenannte Difference-Check – hier erkennt
das System automatisch Abweichungen
zwischen Soll- und Ist-Zustand. Der große
Vorteil ist: Unser Ansatz reduziert den
Programmieraufwand erheblich.
KEM Konstruktion|Automation: Wie hoch
ist der Aufwand für die Inbetriebnahme?
Penning: Das hängt natürlich von der spezifischen
Aufgabe ab, aber der Aufwand ist
deutlich geringer als bei klassischer Programmierung.
Das Einrichten und Trainieren
dauert oft nur wenige Minuten. Warum ist
das so? Im industriellen Umfeld kommt bislang
meist Deep Learning zum Einsatz. Dabei
wird das neuronale Netz anhand von Trainingsdaten
speziell auf die jeweilige Anwendung
angelernt. Bei uns erfolgt das Training
direkt auf der Kamera, ohne zusätzliche Auswerteeinheit.
Das ist ein großer Vorteil, denn
so kann der Anwender das System eigenständig
an seine Prozesse anpassen – ohne
Unterstützung durch den Hersteller, sprich
uns. Gefragt ist vor allem das Domänenwissen
– und der Anwender weiß am besten,
was ein Gut- oder Schlechtteil ausmacht.
Wir setzen das System übrigens bereits in
unserer Montage ein, etwa beim Konfektionieren
von Sensoren in Schlauchverpackungen.
Mit der neuen Kamera können wir anhand
von Trainingsdaten exakt vorgeben, wie
viele und welche Komponenten in einer Verpackung
enthalten sein müssen. Die Kamera
prüft dann jedes Paket – fehlt ein Teil, wird
der Prozess gestoppt. Dieser sogenannte Kitting-Prozess
ist universell einsetzbar, egal ob
für Sensoren, Möbelteile oder sogar Süßwaren.
www.turck.de
Messe SPS 2025: Halle 7, Stand 250
Bild: Turck
22 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
No 11_11/2025
Mechatronicnews®
AUTOMATISIERUNG | ANTRIEBSTECHNIK | TECHNOLOGIETRENDS
ROSE DIGITALISIERT DIE
FERTIGUNG. DAS ERGEBNIS:
MEHR EFFIZIENZ,
GERINGERE KOSTEN
Mehr dazu auf
SEITE 2
HERAUSGEBER
Köhler + Partner GmbH
Brauerstraße 42
21244 Buchholz i.d.N.
Tel.: +49 4181 92892-0
Fax: +49 4181 92892-55
info@koehler-partner.de
GESCHÄFTSFÜHRUNG
Jan Phillip Köhler, Julia Köhler-Cordes
REDAKTION
Bettina Jönsson, Carolin Möllmann, Sarah Ramos,
Esther Pereira da Silva, Ina Pollei, Ida Eggers-Koch,
Constanze Feige, Ramona Lienhop, Isabell Nemitz,
Isabel Grützmacher, Jakob Johannsen, Julia M. Wolff
BILDNACHWEIS
Archiv, Köhler + Partner GmbH
www.koehler-partner.de
KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 23
EIN ENTSCHEIDENDER
WETTBEWERBSVORTEIL
HMI-Lösungen von ROSE helfen der Industrie,
ihre Effizienz zu steigern
Viele Industrie-Unternehmen müssen ihre Kosten senken und die
Produktivität steigern. Eine wertvolle Hilfe können Manufacturing
Execution Systems (MES) und Betriebsdatenerfassungssysteme sein:
Sie sorgen für effizientere Abläufe und decken Einsparpotenziale auf.
Leistungsstarke HMI-Komplettlösungen von ROSE bilden die ideale
Hardware-Basis für die Programme.
Software zur Prozessoptimierung kann nur dann optimal arbeiten, wenn sie
auf einem zuverlässigen Hardware-System läuft. ROSE Systemtechnik entwickelt
seit mehr als 40 Jahren Panel PCs, Industrie-PCs und Industriemonitore
für diese Anwendungen. Jedes Gerät wird aus einem großen Portfolio an
Komponenten individuell konfiguriert: Zur Verfügung stehen nicht nur verschiedene
Display-Größen, CPU-Ausführungen (bis Intel Core i7) und Schnittstellen.
RFID-Lesegeräte, Barcode-Scanner, konventionelle Tasten sowie eine
unterbrechungsfreie Stromversorgung können ebenfalls in die Gehäuse integriert
werden.
Auf Wunsch liefert ROSE neben Einzelgeräten auch Komplettlösungen aus
Panel PC, Tragarmsystem, Höhenverstellungen und Abhängungen. „Dieses
Paket gibt es sonst nirgendwo“, erzählt Nils Stello, Geschäftsbereichsleiter
HMI. Bei der Zusammenstellung ihrer HMI-Lösung berät ROSE die Kunden
umfassend. Mit diesem Consulting hebt sich das Unternehmen von vielen
Wettbewerbern ab, die ausschließlich auf Standard-Produkte von der Stange
setzen. Durch die vielfältigen Ausstattungsoptionen und die kundenspezifische
Modifikation der HMI-Bedieneinheiten bieten die Panel PCs von ROSE
eine optimale User Experience.
DER SCHLÜSSEL ZU HÖHERER PRODUKTIVITÄT:
HMI-Systeme von ROSE Systemtechnik
sorgen für Effizienz in der Fertigung
MEHR INFOS:
ROSE SYSTEMTECHNIK GMBH
Erbeweg 13–15 | 32457 Porta Westfalica | Tel.: +49 571 5041-151
hmisolutions@rose-pw.de | www.rose-systemtechnik.com
24 MN KEM 2 Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
AMO hat den Abtastspalt und die
Montagetoleranzen seiner Messgeräte
deutlich vergrößert.
HÖCHSTE PRÄZISION AUF ENGSTEM RAUM
Ein Kabel für alles: Messgeräte von AMO benötigen ab sofort viel weniger Verdrahtung
Die absoluten Messgeräte von AMO lassen sich jetzt
noch einfacher in Maschinen und Anlagen integrieren.
Dank der eingebauten EnDat 3-Schnittstelle ist für die
Spannungsversorgung und Kommunikation mit der
Steuerung nur noch ein einziges Kabel erforderlich.
Konstrukteure gewinnen dadurch wertvollen Platz in
ihrer Anwendung.
Viele Maschinen- und Anlagenbauer schätzen die hohe
Präzision der absoluten Messgeräte von AMO. Sie erfassen
Längen und Winkel mit Abweichungen von weniger als
1 Mikrometer pro Signalperiode. Zum Einsatz kommen sie in
Werkzeugmaschinen ebenso wie in der Automatisierungstechnik,
der Medizintechnik oder der Elektronikproduktion.
Da die absoluten Messgeräte auch mit der EnDat 3-Schnittstelle
von HEIDENHAIN, mit rein serieller Datenübertragung
über zwei Adern, angeboten werden, sind sie auch mit
dem HMC 2-Hybrid-Motorkabel des Unternehmens kompatibel.
In das Kabel sind die Adern für das Messgerät, den
Motor und die Bremse integriert, sodass für die serielle Übertragung
keine weitere Verdrahtung benötigt wird. Konstrukteure
sparen so viel Bauraum und können den Aufwand für
die Verkabelung deutlich reduzieren.
Durch die Einsparung eines zweiten Kabels verkleinert sich
zudem die Störkontur des Motors, sodass er sich leichter
in das Maschinengehäuse einfügen lässt. Die universelle
Konzeption des HMC 2-Hybridkabels ermöglicht Motorenund
Maschinen-Herstellern zudem eine große Flexibilität,
denn sie können auf Standardkomponenten zurückgreifen.
MEHR INFOS:
AMO AUTOMATISIERUNG MESSTECHNIK OPTIK GMBH
Nöfing 4 | A-4963 St. Peter am Hart | Tel.: +43 7722 65856-0
office@amo.at | www.amo-gmbh.com
KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 MN 3 25
INTELLIGENTE
ANTRIEBSLÖSUNGEN
VON NORD
Vom 25. bis 27. November 2025 zeigt
der Systemanbieter NORD auf der
SPS – Smart Production Solutions –
in Halle 3A, Stand 431 intelligente
Antriebslösungen für die
automatisierte Produktion.
Mit dabei dezentrale und zentrale Antriebselektronik mit den
Frequenzumrichtern der Produktfamilien NORDAC PRO,
NORDAC ON, NORDAC FLEX und NORDAC LINK. Sie sind
flexibel in jeder Anlagenarchitektur einsetzbar und ermöglichen
die Montage im Schaltschrank sowie am Motor im
Feld. Zudem unterstützen die Umrichter alle gängigen Ethernet-Protokolle,
zum Teil über Multi-Protokoll-Ethernet-Schnittstellen.
Durch Embedded Features wie den Positioniermodus
POSICON oder die on-board PLC können sie auch Aufgaben
übernehmen, die sonst über eine übergeordnete Steuerung
laufen. Zudem wird NORD die drive-based Functional Safety
seiner Antriebselektronik vorstellen.
EINFACHE UND SCHNELLE REINIGUNG
Besucher erleben in einer Live-Demonstration die Wirkungskraft
des Oberflächenschutzes NXD tupH ® – praxisnah unter
den extremen Bedingungen einer Wash-Down-Anwendung.
FÜR EINE OPTIMALE PERFORMANCE
Ebenfalls im Fokus stehen die datenbasierten Services von
NORD. Sie ermöglichen eine optimale Performance der
Antriebssysteme während des gesamten Lebenszyklus:
– der bewährte NORD ECO-Service für mehr
Effizienz im Betrieb,
– die neue IIoT-Lösung NORD DRIVE MONITOR
für Condition Monitoring und Predictive Maintenance,
– und neue Simulationsmodelle für Konstrukteure zur
virtuellen Inbetriebnahme von Antriebssystemen
über das Kundenportal myNORD
MEHR INFOS:
GETRIEBE + MOTOR + UMRICHTER = DER ANTRIEB.
GETRIEBEBAU NORD GMBH & CO. KG
Getriebebau-Nord-Straße 1 | 22941 Bargteheide | Tel.: +49 4532 289-0
info@nord.com | www.nord.com
26 MN KEM 4 Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
KLARE SICHT AUF DEN
BEARBEITUNGSPROZESS
Klare Sicht auf den Bearbeitungsprozess
Mit dem Drehfenster SPINVISTA ermöglicht HEMA auch
bei laufender Produktion einen freien Blick in die Werkzeugmaschine.
Dadurch lassen sich Vorgänge sicher
per Sichtkontrolle überwachen.
Die SPINVISTA-Drehfenster sind für alle Arten von
CNC-Hochgeschwindigkeitsfräs- und Drehmaschinen sowie
Bearbeitungszentren geeignet. Der Einbau kann sowohl
in der OEM-Erstausstattung als auch nachträglich erfolgen.
Durch ihre flache Bauweise von < 32 mm können
SPINVISTA-Drehfenster sowohl in ein Maschinenfenster
als auch in eine Bedienertür eingebaut werden.
Auf Wunsch liefert HEMA Komplettlösungen wie Maschinenschutzscheiben
mit montiertem SPINVISTA-Drehfenster,
was zusätzlichen Montageaufwand vermeidet. Die Systeme
können so vorkonfiguriert werden, dass sie nur noch
eingebaut und angeschlossen werden müssen. Alle Drehfenstersysteme
erfüllen die jeweils geltenden Sicherheitsanforderungen.
Freie Positionswahl
360°- Ausrichtung
Extrem
überspüldicht
Drei Anschlusspositionen
konfigurierbar
Geringe
Aufbauhöhe
SPINVISTA-Drehfenster sind in zwei Größen &
Ausführungen lieferbar:
SPINVISTA EVO kompatibel mit HEMA-Montagerahmen,
einfacher Austausch und Ersatz von VISIPORT Drehfenstern
Außendurchmesser 253 mm
Sichtfläche ca. 284 cm²
SPINVISTA NEO bietet einen größeren Sichtbereich und ist
für Neukonstruktionen oder Retrofit geeignet:
Außendurchmesser 290 mm
Sichtfläche ca. 430 cm²
JETZT NEU:
MEHR INFOS:
Alle SPINVISTA-Drehfenster gibt es ab sofort
auch in der Black Edition für ein mittleres
Spanvolumen. Damit lässt sich das Sichtsystem
noch genauer an den individuellen
Applikationsbedarf anpassen.
HEMA MASCHINEN- UND APPARATESCHUTZ GMBH
Am Klinggraben 2 | 63500 Seligenstadt | Tel.: +49 6182 773-0
info@hema-group.com | www.hema-group.com
KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 MN 5 27
1000 UND EINE
KONFIGURATIONSMÖGLICHKEIT
Umfangreiches Rillenkugellager-Portfolio von Findling
Material, Toleranzklasse, Käfig, Dichtung … Die Freiheitsgrade
bei der Konfiguration von Rillenkugellagern
sind zahlreich. Die Anwendungsingenieure von
Findling Wälzlager unterstützen den Anwender mit
langjähriger Expertise und finden für jede Aufgabenstellung
die passende Lösung – schnell, persönlich und
unkompliziert.
Rillenkugellager sind Understatement pur. Sie halten sich
dezent im Hintergrund und tragen dabei in zahlreichen
Konstruktionen einen Großteil der Verantwortung. Sie sind
robust, vielseitig und passen sich flexibel den unterschiedlichsten
Anforderungen an. Egal ob in Hochleistungsmotoren,
Förderanlagen oder feinen Messgeräten – Rillenkugellager
sind überall und sorgen dafür, dass alles rund läuft.
Dabei sind die Konfigurationsmöglichkeiten nahezu endlos.
Ob Toleranz- und Lagerluftklasse, Material, Beschichtung
und Käfigform, maßgeschneiderte Dichtung oder passender
Schmierstoff – im umfangreichen Portfolio von Findling
Wälzlager gibt es für jede Aufgabenstellung die optimale
Lösung. Die Karlsruher Wälzlagerspezialisten beraten
bei der Auswahl und führen den Anwender anhand kluger
Spezifikationen zum technisch wie wirtschaftlich perfekten
Ergebnis.
Sonderlösungen für besondere Anwendungen
Ist die Anwendung speziell, kann die Lagertechnik
oftmals nicht „von der Stange“ kommen. Findling
unterstützt seine Kunden bei der Konstruktion
ihres individuellen Rillenkugellagers. Im Rahmen einer
professionellen Anwendungsberatung werden
mittels Simulationen und den hauseigenen ABEG ® -
Berechnungsprogrammen die Anforderungen der
Applikation genaustens analysiert.
MEHR INFOS:
FINDLING WÄLZLAGER GMBH
Schoemperlenstr. 12 | 76185 Karlsruhe | Tel.: +49 721 55999-0
info@findling.com | www.findling.com
28 MN KEM 6 Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
SCHRAUB- UND DICHTSYSTEM HYGIENIC
USIT ® FÜR HYGIENISCHE PROZESSE
EHEDG-konforme Lösungen für sichere
und reinigungsfreundliche Verschraubungen
Mit dem neuen Schraub- und Dichtsystem Hygienic
Usit ® von Freudenberg Sealing Technologies bietet
norelem eine zuverlässige Lösung für hygienesensible
Bereiche. Die Kombination aus speziell entwickelten
Dicht- und Unterlegscheiben sowie Edelstahlkomponenten
erfüllt höchste Anforderungen an Reinheit
und Sicherheit.
In der Lebensmittelindustrie und vergleichbaren sensiblen
Bereichen sind strenge Sicherheitsstandards zwingend notwendig
– auch bei Verschraubungen von Maschinen und
Anlagen. Hier gilt es, Ablagerungen, Korrosion und Keimbildung
unbedingt zu vermeiden.
Mit dem neuen Hygienic Usit ® -System und ergänzenden
Edelstahlkomponenten stellt norelem ein komplettes
Schraub- und Dichtsystem bereit, das speziell für hygienesensible
Bereiche entwickelt wurde. Es kombiniert zuverlässige
Abdichtung, einfache Reinigung und konsequente
Hygienic-Design-Umsetzung und setzt damit neue Standards
für sichere Verschraubungen in der Lebensmittelindustrie
und anderen sensiblen Branchen.
DIE BASIS: EHEDG-KONFORME DICHT-
UND UNTERLEGSCHEIBEN
Die Dicht- und Unterlegscheiben Hygienic Usit ® bilden
die Basis der Produktreihe. Die Kombination aus metallischer
Unterlegscheibe und fest verbundenem EPDM- oder
Fluoroprene ® -Dichtungsring sorgt für eine sichere, totraumfreie
Abdichtung. Auch nach mehrmaligem Anziehen
und Lösen bleiben die Dichteigenschaften konstant.
KOMPLETTES HYGIENIC-DESIGN-SORTIMENT
Neben den Dicht- und Unterlegscheiben bietet norelem ein
umfangreiches Sortiment an Edelstahlkomponenten nach
Hygienic-Design-Richtlinien, die mit den Scheiben kombiniert
werden können.
MEHR INFOS:
norelem Normelemente GmbH & Co. KG
Volmarstraße 1 | 71706 Markgröningen | Tel.: +49 7145 206-0
info@norelem.de | www.norelem.de
KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 MN 7 29
ANTRIEBSTECHNIK » Elektrische Antriebe » Titelstory
Bild: Jeremias Wieland, maxon Gruppe / M2L/stock.adobe.com / KEM Konstruktion|Automation
Condition Monitoring mit maxon MIND neu gedacht
Der Motor als Sensor
Predictive Maintenance beginnt im Antriebssystem: Mit maxon MIND (motion insights
and diagnostics) hat der Schweizer Antriebsspezialist maxon eine Lösung entwickelt, die
den Motor zum intelligenten Sensor macht. Durch maschinelles Lernen, physikalisches
Know-how und eine offene Systemarchitektur ermöglicht die Lösung eine präzise Zustandsüberwachung
– transparent, nachvollziehbar und bereit für den industriellen Einsatz.
Claude Jaquemet, Business Development Manager Digital Business, maxon Gruppe
30 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
IM ÜBERBLICK
maxon MIND setzt Machine Learning ein, um den
Zustand des Antriebssystems zu ermitteln. Damit nimmt
dieses in Kundenanwendungen eine wichtige Rolle im
Bereich der Predictive Maintenance ein.
Der Motor wird zum zentralen
Element der Zustandsüber -
wachung – und damit zum
Schlüssel für mehr Effizienz
und Verfügbarkeit in der
Industrie 4.0.
In der industriellen Antriebstechnik ist der Motor
längst mehr als nur ein Aktuator. Er liefert wertvolle
Informationen über den Zustand des gesamten
Systems – vorausgesetzt, man weiß, wie man diese
Daten richtig interpretiert. Genau hier setzt maxon
mit seiner neuen Lösung maxon MIND (motion
insights and diagnostics) an. Das System nutzt die
Signale des Motors, um Rückschlüsse auf den Zustand
des Antriebssystems und dessen Umgebung
zu ziehen. Den Ansatz bringt das zuständige Entwicklungs-Team
bei maxon so auf den Punkt: „Der
Motor ist der beste Sensor in der Maschine.“
Die Lösung wurde entwickelt, um Condition
Monitoring und Predictive Maintenance auf ein
neues Niveau zu heben. Sie analysiert Daten, die
während des Maschinenbetriebs aus dem Controller
ausgelesen werden und erkennt daraus Muster, die
auf Verschleiß oder Fehlfunktionen hinweisen. Dabei
geht es nicht nur um die Überwachung des
Motors selbst, sondern um das gesamte Antriebssystem.
So lassen sich Abweichungen in diesem
System frühzeitig erkennen.
Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Das System
ist besonders gefragt in Anwendungen, bei
denen unerwartete Ausfälle frühzeitig erkannt werden
müssen – etwa zur Erhöhung der Personen -
sicherheit oder zur Minimierung von Downtime.
Dabei erkennt maxon MIND auch Probleme, die in
klassischen Tests verborgen bleiben. Auch in Produktionslinien
mit mehreren Maschinen in Reihe
kann die Lösung helfen, kleinste Abweichungen zu
identifizieren, bevor sie sich auf nachgelagerte Prozesse
auswirken. Darüber hinaus bietet das System
einen Mehrwert im Serviceeinsatz bei Anwendungen,
bei denen der tatsächliche Gerätezustand für
die Wartungsplanung entscheidend ist.
Erklärbare, optimierte KI –
wenig Daten, hohe Nachvollziehbarkeit
Technologisch basiert maxon MIND auf erklärbarer,
künstlicher Intelligenz (KI). Damit ist sichergestellt,
dass jegliche Diagnosen und Voraussagen nachvollziehbar
sind. Das ist insbesondere in sicherheits -
kritischen und stark regulierten Anwendungen
essenziell. Das von maxon entwickelte Machine-
Learning-Modell kommt zudem mit wenig Daten
aus und kann auf einfacher Hardware betrieben
werden. Der Vorteil: Minimalinvasive Integration in
der Anwendung und geringer Zeitaufwand für das
Modelltraining. Zudem benötigt das Modell keine
GPU-Infrastruktur, was insbesondere ein Kostenvorteil
für Neuentwicklungen ist. Auch Retrofits in Bestandsanwendungen
sind möglich.
Die Datenverarbeitung folgt einem klar strukturierten
Ablauf. Zuerst werden die Rohdaten während
des Maschinenbetriebs erfasst. Diese werden
vorverarbeitet, bevor sie in das Machine-Learning-
Modell gelangen. Dort prüft das Modell die Daten
Bild: Jeremias Wieland, maxon Gruppe
»Wir verfolgen einen fokussierten Ansatz,
der die physikalischen Eigenschaften des
Antriebssystems in der Tiefe analysiert.
Die Kombination aus maschinellem Lernen,
physikalischem Know-how und offener
Systemarchitektur macht das System zu
einem zukunftsfähigen Werkzeug für
industrielle Anwendungen und echten
Erkenntnisgewinn.«
Claude Jaquemet ist Business Development Manager Digital Business bei maxon und hat gemeinsam mit seinem
Team maxon MIND entwickelt. Er ist seit fast 10 Jahren in verschiedenen Funktionen innerhalb der maxon Gruppe
tätig und arbeitet insbesondere an der nahtlosen Einbindung der Antriebstechnik in die digitale Welt.
KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 31
ANTRIEBSTECHNIK » Elektrische Antriebe » Titelstory
maxon MIND überprüft den Zustand des Antriebssystems und stellt das Ergebnis in einem übersichtlichen Frontend dar.
Bild: Jeremias Wieland, maxon Gruppe
Bild: Jeremias Wieland, maxon Gruppe
Dank einer API können Kunden die Daten von maxon MIND
auch in ihre Systemumgebung integrieren.
und analysiert genauestens jede Abweichung von
einem gesunden Betriebszustand. Das Ergebnis wird
anschließend im Frontend visualisiert. Glassbox
statt Blackbox: Jeder Verarbeitungsschritt ist rückverfolgbar.
System lernt
aus der realen Anwendung
Ein wesentliches Merkmal von maxon MIND ist die
Integration von domänenspezifischem Know-how
in das Modell. Die physikalischen Zusammenhänge
eines mechatronischen Systems fließen direkt in die
Modellierung ein. Dadurch wird eine hohe Prognosequalität
bei gleichzeitig geringem Datenbedarf
erreicht. Das System lernt zudem aus der realen
Anwendung: Bei der Inbetriebnahme der Maschine
wird ein sogenannter Initialzustand erfasst, der den
Motor im Kontext seiner Umgebung beschreibt. Im
laufenden Betrieb werden dann regelmäßig neue
Daten eingespeist, die mit dem Modell abgeglichen
werden. Je nach Anwendung geschieht dies stündlich,
täglich oder einfach nach Bedarf.
Die Qualität der Daten spielt dabei eine zentrale
Rolle. Um valide Ergebnisse zu erzielen, müssen die
aufgenommenen Signale eine ausreichende Repräsentativität
für den Betriebszustand der Maschine
aufweisen. Deshalb arbeitet maxon eng mit seinen
Kunden zusammen, um geeignete Messzyklen zu
definieren. Diese können beispielsweise standardisierte
Bewegungsabläufe umfassen, die typische
Belastungssituationen abbilden. Auf diese Weise
entsteht ein auf die Kundenanwendung abgestimmtes
und robustes Modell, das auch unter variierenden
Bedingungen zuverlässige Aussagen trifft.
Eine offene Plattform
Eine wichtige Rolle bei dem System spielt auch der
Umgang mit Daten. Standardmäßig erfolgt die Datenverarbeitung
in der Cloud. Kunden können ihre
Daten einsehen und herunterladen. Es werden keine
personenbezogenen Informationen benötigt, alle
Daten können vom Kunden anonymisiert werden.
Die Plattform ist offen konzipiert. Kunden können
über ein User Interface auf ihre Daten zugreifen
oder diese über eine API in ihre Systemumgebung
integrieren. Die Lösung ist minimalinvasiv: Bestehende
Motoren, Elektronik und Steuerungen bleiben
32 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
unverändert. Einzige Voraussetzung ist die Installation
eines Softwarepakets auf dem Mastercontroller,
welches die Daten zum Beispiel via MQTT-Protokoll
überträgt. Ist die Maschine bereits ans Internet
angebunden und verfügt der Controller über die Fähigkeit
zur Datenakquise, kann das System innerhalb
weniger Tage in Betrieb genommen werden.
Alle nötigen Spezifikationen sind bereits definiert.
Kompatibilität ist gegeben
Ein Vorteil von maxon MIND liegt in seiner hohen
Kompatibilität mit bestehenden Systemen. Die Lösung
ist so konzipiert, dass sie sich nahtlos in unterschiedliche
Antriebskonfigurationen integrieren
lässt – unabhängig von Branche oder Anwendung.
Bestehende Hardware wie Motoren, Steuerungen
und Elektronik muss nicht ersetzt werden. Zudem ist
sie grundsätzlich im gesamten Antriebs-Portfolio
von maxon einsetzbar, sofern der entsprechende
Motor mit einer Steuerung ausgestattet ist.
Technischer Fokus, industrielle
Robustheit und offene Architektur
Im Marktumfeld positioniert sich maxon MIND als
hochspezialisierte Lösung für anspruchsvolle Anwendungen.
maxon verfolgt einen fokussierten Ansatz,
der die physikalischen Eigenschaften des Antriebssystems
in der Tiefe analysiert. Diese Kombination
aus technischem Fokus, industrieller Robustheit
und offener Architektur macht das System zu
einer Lösung, die nicht nur Daten sammelt, sondern
echten Erkenntnisgewinn liefert.
Mit maxon MIND bringt maxon eine durchdachte,
technisch fundierte Lösung auf den Markt, die den
Motor zum intelligenten Sensor macht. Die Kombination
aus maschinellem Lernen, physikalischem
Know-how und offener Systemarchitektur macht
das System zu einem zukunftsfähigen Werkzeug für
industrielle Anwendungen. Der Motor wird damit
nicht nur zum Antrieb, sondern zum zentralen Element
der Zustandsüberwachung – und damit zum
Schlüssel für mehr Effizienz, Sicherheit und Verfügbarkeit
in der Industrie 4.0.
www.maxongroup.de
Hinweis:
Wie sich maxon MIND in das Gesamtportfolio der
maxon Gruppe einfügt, hat vor Kurzem CEO Eugen
Elmiger im Interview mit KEM Konstruktion|Auto -
mation (Ausgabe 10/2025, S. 30ff) erläutert. Darüber
hinaus ging er neben dem Thema integrierte Sensorik
auch auf Trends wie die Miniaturisierung und
funktionale Sicherheit ein.
maxon MIND auf der SPS 2025
Mit dieser Demonstrations-Einheit auf Basis einer IDX-Einheit können
verschiedene Zustände von maxon-Antrieben simuliert werden.
Besucherinnen und Besucher der Messe SPS (25.-27.11.2025)
können in Nürnberg einen Blick auf maxon MIND für das Condition
Monitoring von Antriebslösungen inklusive Predictive Maintenance
werfen. Die Lösung unterstützt Datenaustausch und die Optimierung
der Antriebe im Betrieb durch den Einsatz künstlicher Intelligenz
(KI). Der Antrieb lässt sich dadurch gezielt an die jeweilige
Applikation anpassen und bietet den Anwendern einen echten
Mehrwert. Darüber hinaus präsentiert das Unternehmen zahlreiche
Neuheiten im Produktportfolio, darunter
• ein neues Wellgetriebe
• die kompakte Steuerung EPOS4 Compact sowie
• den leistungsstarken Motor EC frameless DT.
Messe SPS 2025: Halle 3, Stand 468
Bild: Jeremias Wieland, maxon Gruppe
KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 33
ANTRIEBSTECHNIK » Elektrische Antriebe » Perspektiven
Energieeffizienz, Normung und Nachhaltigkeit in der elektrischen Antriebstechnik
„Mit der Systembetrachtung machen wir
einen Sprung bei der Energieeffizienz“
Drehstrom-Asynchronmotoren mit einer Leistung von 75 bis 200 kW müssen heute die Anforderungen der
Energieeffizienzklasse IE4 erfüllen. Für drehzahlvariable Antriebe ist zudem bereits IE5 vorgesehen. Im Markt
tauchen aber bereits höhere Energieeffizienzklassen auf, ohne dass diese bereits definiert wurden – sie lassen
sich rechnerisch aus der jeweils vorangehenden Klasse durch eine Reduzierung der Verluste um jeweils
20 % ableiten. Doch der Fokus auf die einzelnen Komponenten greift zu kurz und kann in extremen Fällen
negativ sein – gefragt ist deshalb die Systembetrachtung der jeweiligen Applikation. Die EU greift diesen
Gedanken in der Ökodesign-Verordnung ESPR (Ecodesign for Sustainable Products Regulation) auf.
Interview: Michael Corban, Chefredakteur KEM Konstruktion|Automation
KEM Konstruktion|Automation: In der Diskussion
um die Energieeffizienz von Elektromotoren tauchen
neben den Energieeffizienzklassen IE1 bis IE4 jetzt
auch IE5, IE7 oder sogar IE9 auf. Bevor wir auf die
Frage der Sinnhaftigkeit eingehen – können Sie uns
einen Überblick über das zugrundeliegende Regelwerk
geben?
Dr. Rainer Kimmich (SEW-Eurodrive): Zu unterscheiden
sind EU-Richtlinien und technische Normen.
Bei den EU-Richtlinien stammt die erste Ökodesign-
Richtlinie aus dem Jahr 2009 (2009/125/EG) und definiert
den allgemeinen Rahmen für energieverbrauchsrelevante
Produkte. Darauf aufbauend wurde im gleichen
Jahr die erste Motorenverordnung verabschiedet,
die erstmals Wirkungsgradklassen für Asynchronmotoren
festlegte. Seit 2019 gibt es nun die Ökodesign-
Verordnung 2019/1781, die bis zur Energieeffizienzklasse
IE4 reicht. Sie regelt die Anforderungen nicht nur
an Motoren, sondern auch an Umrichter.
Die technische Basis legen weiterhin die Normen der
IEC, der International Electrotechnical Commission.
Dazu gehören vor allem die IEC 60034-30-1, die
Energieeffizienzklassen IE1 bis IE4 für Netzanlaufmotoren
mit 50 oder 60 Hz definiert, sowie die IEC
60034-30-2 mit den Energieeffizienzklassen IE1 bis
IE5 für drehzahlvariable Antriebe, also den Betrieb an
einem Umrichter. Beide Normen befinden sich derzeit
in der Überarbeitung.
Gregor Dietz (SEW-Eurodrive): Interessanterweise
nimmt die Ökodesign-Verordnung keinen Bezug auf die
Norm – üblicherweise wird ansonsten in der EU oft auf
harmonisierte Normen referenziert. Hier wurden nun
aber die Mindestvorgaben als Zahlenwerte direkt in den
Gesetzestext aufgenommen. Damit soll verhindert werden,
dass über die Änderung der Norm die Anforderungen
gesenkt werden können. Ziel bei all dem ist ja, dass
sich der Anwender im Sinne der Vergleichbarkeit und
Fairness auf die Begriffe verlassen kann – und nicht
herstellerspezifische Definitionen der IE5 existieren.
Deswegen ist auch auf internationaler Ebene das Ziel,
vergleichbare Klassifizierungen auch in den USA und
China zu erreichen, auch wenn sie dort anders heißen.
KEM Konstruktion|Automation: Höhere Energieeffizienzklassen
als IE5 sind also noch nicht definiert?
Kimmich: In der IEC 60034-30-2 sind die Energieeffizienzklassen
bis IE5 definiert. Darüber hinaus wird ein
Ausblick auf mögliche höhere Klassen gegeben, aber
ohne präzise Tabellenwerte oder Marketingbegriffe.
Dabei gilt die Regel: Jede neue Klasse bedeutet 20 %
weniger Verluste. Das bezieht sich aber nur auf die jeweils
vorhergehende Stufe – der Effizienzgewinn pro
weiterer Stufe fällt also immer geringer aus. Nicht nur
sprachlich stößt man deswegen hier bezüglich der
möglichen Einsparungen mit Begriffen wie Premium
Efficiency oder Super beziehungsweise Ultra Premium
an Grenzen.
Dietz: Die Verwendung von Energieeffizienzklassen
wie IE7 oder IE9 im Marketing ist dabei durchaus kritisch
zu sehen – schließlich könnten solche Claims die
Politik in Versuchung bringen, diese Werte zum gesetzlichen
Standard zu machen. Das kann für den Mittelstand
zum Problem werden, selbst wenn große Konzerne
solche Grenzwerte einhalten können. Deutsch-
34 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
Gregor Dietz (links) ist Marktmanager Motoren
bei SEW-Eurodrive und bei ZVEI und VDMA
aktiv – unter anderem als Vorsitzender der
Motoren-Arbeitskreise. Er berät auch die
Politik bei der Ausgestaltung von Richtlinien.
Dr. Rainer Kimmich ist bei SEW als Senior-
Experte für elektrische Antriebssysteme in den
Normungsgremien aktiv, vor allem im Bereich
der Wirkungsgrade elektrischer Maschinen.
IM GESPRÄCH
Gregor Dietz,
Marktmanager Motoren,
und Dr. Rainer Kimmich,
Senior-Experte für
elektrische Antriebssysteme,
SEW-Eurodrive,
Bruchsal
KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 35
Bild: KEM Konstruktion|Automation
ANTRIEBSTECHNIK » Elektrische Antriebe » Perspektiven
Erhebliche Effizienzpotentiale – und damit Möglichkeiten für einen niedrigeren Energieverbrauch und damit CO 2 -Ausstoß – lassen sich erschließen, wenn
über den einzelnen Motor hinaus das gesamte Antriebssystem inklusive Antriebsstrang in der jeweiligen Applikation betrachtet wird.
Bild: SEW-Eurodrive
lands Innovationskraft liegt aber gerade im Mittelstand
– und wenn wir diese Vielfalt durch eine zu
strenge Regulierung beschneiden, verlieren wir unsere
Exportstärke und gefährden den Arbeitsmarkt.
Harmonisierte Messmethodik
ist gefragt
Für die Wahl der 20-%-Schritte sprachen übrigens
vor allem messtechnische Gründe – wenn ich einen
Wirkungsgrad bestimmen will, muss ich ihn auch zuverlässig
bestimmen können. Zwar kann ich bei kleinen
Motoren noch direkt über das Verhältnis von mechanisch
abgegebener zu aufgenommener elektrischer
Leistung den Wirkungsgrad bestimmen, bei großen
Motoren – bei denen es nur noch um wenige Prozent
Unterschied geht – wird das aber schwierig. Bei hohen
Wirkungsgraden ist das Verfahren zu fehleranfällig.
Deshalb nutzt man hier das Einzelverlustverfahren,
bei dem auf Basis verschiedener Messungen im Leerlauf
oder unter Belastung von der aufgenommenen
Leistung jeweils Reibungs-, Lüftungs- beziehungsweise
Kupfer- und Eisenverluste abgezogen werden, woraus
sich dann die abgegebene Leistung errechnen
lässt. Damit die Ergebnisse vergleichbar bleiben, ist das
Verfahren international harmonisiert. Da auf diese
Weise die Toleranzen bei etwa 15 % liegen, wurde der
Stufenabstand mit jeweils 20 % gewählt.
KEM Konstruktion|Automation: Erlaubt mir das auch
eine bessere Beurteilung der Qualität der Konstruktion
und kann KI hier sinnvoll eingesetzt werden?
Dietz: Ja, denn ich kann direkt sehen, an welcher Stelle
die Verluste entstehen, sei es im Kupfer, Eisen oder
aufgrund der Reibung – und das definiert dann die
Stellschrauben für Verbesserungen. Simulationen dazu
sind heute der Schlüssel für Fortschritte: Musste
man früher noch alles händisch bauen, lassen sich
heute viele Varianten digital durchspielen, was Zeit
und Kosten spart. Lagen mit IE1 die Verluste in der
Summe noch bei 12 %, sind es heute nur noch 5 bis
6 %. Allerdings sind die ‚low hanging fruits‘ inzwischen
geerntet und wir haben als Industriemotorenhersteller
dabei auch von den Entwicklungen im Bereich
der Elektromobilität mit ihren hohen Stückzahlen
profitiert, etwa im Bereich der Werkstoffe.
Kimmich: Inwiefern wir an dieser Stelle KI nutzen
können, schauen wir uns intensiv an. Auch wenn wir
hier noch empirisch arbeiten, ist das datenbasierte
Entwickeln mit KI unser Ziel – das Potential ist groß
und die Tools dafür werden aufgebaut. Der Vorteil ist,
dass sich Daten mit Hilfe von KI viel einfacher aggregieren
und konsolidieren lassen, so dass deutlich effizienter
Schlussfolgerungen gezogen werden können.
Ein weiterer Pluspunkt ist, dass wir das Know-how im
Unternehmen halten können, wenn Kollegen absehbar
in Rente gehen – ein wichtiger Aspekt auch mit Blick
auf den Fachkräftemangel.
KEM Konstruktion|Automation: Werden Energieeffizienzklassen
auch für Servomotoren folgen?
36 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
Kimmich: Im Gegensatz zu den gut normierbaren
Asynchronmotoren ist die Vielfalt bei Servomotoren
sehr groß – das erschwert die Erstellung einer umfassenden
Norm. Zudem werden Servomotoren
meist über einen weiten Drehzahl- und Drehmomentenbereich
eingesetzt, bis hinein in den Überlastbereich.
Dennoch wird derzeit an einer eigenen Norm für
Servomotoren gearbeitet, die diese Besonderheiten
abbildet. Das wird dann die IEC 60034-30-4, die -3
behandelt Hochspannungsmotoren.
Dietz: Ziel ist es, wenigstens eine vergleichbare Wirkungsgradklassifizierung
zu schaffen. Dabei ist sowohl
das Messen als auch das Rechnen gefordert. Viele Einflussgrößen
– etwa Drehzahl-Drehmoment-Profile –
lassen sich nicht so einfach im Labor abbilden. Deshalb
wird auch ein passendes Berechnungsverfahren zugelassen,
ähnlich wie das in den USA mit den Alternative
Efficiency Determination Methods (AEDM) schon
Standard ist.
Systemansatz & Energiemanagement
führen in die Zukunft
KEM Konstruktion|Automation: Bislang liegt der
Fokus ja immer auf einzelnen Antrieben – wird das
so bleiben?
Dietz: Nein – und Mitte 2024 wurde deshalb auch die
Ökodesign-Verordnung durch die neue EU-Verordnung
für das Ökodesign nachhaltiger Produkte ersetzt,
genannt ESPR – Ecodesign for Sustainable Products
Regulation. Hier geht es neben der Energieeffizienz
auch um das Thema der Kreislaufwirtschaft und
nicht mehr nur um Motoren, sondern auch andere
Technologien. Kern ist, dass nach Möglichkeit nicht
mehr nur einzelne Komponenten betrachtet werden.
Bild: SEW-Eurodrive
Dr. Rainer Kimmich, Senior-Experte
für elektrische Antriebssysteme
bei SEW-Eurodrive in Bruchsal
»Jede neue Energieeffizienzklasse
bedeutet
20 % weniger Ver luste.
Das bezieht sich aber nur
auf die jeweils vorhergehende
Stufe – der Effizienzgewinn pro weiterer
Stufe fällt also immer geringer aus.«
Dem liegt die Erkenntnis zugrunde, dass wir zwar für
alle Motoren – egal ob Netz- oder Umrichtermotor –
nur noch IE4 oder besser vorschreiben können, damit
aber nicht das übergeordnete Ziel erreichen, CO 2 einzusparen.
Entscheidend dafür ist der Systemansatz.
Und solch ein System besteht eben nicht nur aus Motor
und Umrichter, sondern auch aus anderen Komponenten
im Antriebsstrang beziehungsweise der Maschine
oder Anlage. Diese Systembetrachtung erschließt
deutlich größere Potentiale zur Reduzierung
des Energieverbrauchs – auch wenn wir als Komponentenhersteller
darauf kaum Einfluss haben.
Dass der Fokus nur auf die Einzelantriebe auch negativ
sein kann, zeigt das Beispiel der Pumpenantriebe.
Die Anforderungen an die Motoren wurden hier so
hoch angesetzt, dass man sie praktisch nur noch mit
einem Umrichter für die Drehzahlregelung betreiben
kann. Folglich gibt es keine netzgetriebenen Pumpen
mehr. Doch dieser sehr strenge Ansatz ist nicht in jeder
Anwendung sinnvoll. Manchmal arbeitet ein einfacher
50-Hz-Motor alleine einfach effizienter als die Alternative
mit einem vorgeschalteten Umrichter, der dann
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KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 37
ANTRIEBSTECHNIK » Elektrische Antriebe » Perspektiven
ebenfalls mit 50 Hz betrieben wird. Die Drehzahlregelung
macht nur Sinn, wenn ich sie in der jeweiligen
Anwendung auch einsetze.
Kimmich: Der Systemgedanke lässt sich in der Praxis
so umsetzen, dass wir als Komponentenhersteller die
Effizienzwerte für die Motoren liefern, der OEM die
Maschine oder Anlage beschreibt und am Ende der Betreiber
mit diesen Möglichkeiten den Energieverbrauch
reduzieren und dadurch Geld sparen kann. Am Ende
profitieren davon alle, weil sich so auch der CO 2 -Ausstoß
senken lässt – was die ESPR ja auch bezweckt.
Praxisbeispiele für den Systemansatz
KEM Konstruktion|Automation: Können Sie ein Beispiel
für einen erfolgreichen Systemansatz nennen?
Dietz: Ein passendes Beispiel liefert die Flughafenlogistik
– hier werden drehzahlveränderliche Antriebe
inzwischen so eingesetzt, dass sie nur dann auf Volllast
laufen, wenn wirklich Bedarf ist und beispielsweise
ein A380 mit 500 Koffern angekommen ist. Ansonsten
lässt sich über die Drehzahlregelung die Geschwindigkeit
und damit der Energieverbrauch reduzieren.
Das System als Ganzes zu betrachten, ist hier aufgrund
der vielen, zu berücksichtigenden Parameter komplex
– aber hier kann ein digitaler Zwilling helfen, das System
zu optimieren. Ein weiteres Beispiel für einen Systemansatz
ist ein Regalbediengerät, bei dem ich die
Teilkomponenten Fahr- und Hubwerk sowie Lastaufnahmemittel
sinnvoll mitein ander kombinieren und einen
Energieausgleich zwischen ihnen ermöglichen
kann. Senkt sich das Hubwerk, kann das Fahrwerk loslegen.
An dieser Stelle verlassen wir dann aber auch
die Ebene der reinen Hardware und nähern uns dem
Energiemanagement.
Kimmich: Durch solch einen Systemansatz können
übrigens nicht nur Effizienzgewinne erzielt werden,
parallel lässt sich auch die Betriebssicherheit verbessern,
weil sich das System als Ganzes besser steuern
lässt. Eine gute Grundlage für drehzahlveränderbare
elektrische Antriebe bietet bereits die IEC 61800-9-2
zum Ökodesign für Antriebssysteme, Motorstarter,
Leistungselektronik und angetriebene Einrichtungen.
Sie gibt bereits den Systemgedanken vor und bezieht
neben Motor und Umrichter auch nachgelagerte Antriebsstränge
und Mechanik ein. Das zeigt zudem: Die
Systembewertung ist für die Industrie nicht neu –
neu ist sie als gesetzliche Vorgabe in Europa.
KEM Konstruktion|Automation: Mit Blick auf sehr
dynamische Vorgänge wie beim Beispiel des Regalbediengeräts
könnte sich dann ja auch eine Gleichstromversorgung
lohnen?
Kimmich: Definitiv – das kann im Rahmen solch eines
Projektes eine der technologischen Maßnahmen sein.
Und weil ich Bremsenergie im Zwischenkreis der Umrichter
speichern und bei Bedarf wieder abrufen kann,
gewinne ich mit einem geschickten System-Energiemanagement
möglicherweise mehr als durch immer
effizientere Einzelkomponenten. Im ZVEI hat die Open
DC Alliance – kurz ODCA – dazu ja auch schon Gleichstromnetze
auf Hallenebene untersucht, insbesondere
auch im Zusammenspiel mit Photovoltaik. Erste
Hersteller bieten bereits Schalt- und Schutzgeräte für
Gleichstrom an. SEW selbst bietet ergänzend Energiemanagementsysteme,
mit denen sich solche Anwendungen
projektieren und optimieren lassen – und das
über die Antriebstechnik hinaus bis hin zu Smart-Grid-
Themen – das alles wird zunehmend softwarelastig.
KEM Konstruktion|Automation: Kommt der Systemansatz
auch der Nachhaltigkeit zugute?
»Das Ökodesign-Forum halte ich
für einen großen Fortschritt,
denn erstmals sitzen dort alle
Akteure – Verbände und
NGOs – gemeinsam an einem
Tisch und haben so
auch die Möglichkeit,
Querbeziehungen zu erkennen.«
Gregor Dietz, Marktmanager Motoren bei SEW-Eurodrive in Bruchsal
Bild: SEW-Eurodrive
Dietz: Für die Nachhaltigkeit und den Investitionsschutz
spielt vor allem die Lebensdauer von Antrieben
eine wichtige Rolle. In Europa laufen Schätzungen
zufolge 300 bis 500 Millionen Antriebe, etwa 10
bis 20 % davon sind älter als 20 Jahre. Im Gespräch
ist nun die Einführung einer Altersgrenze
– was bedeuten würde: Fällt ein Antrieb aus, der
älter als 30 Jahre ist, dürfte er nicht mehr repariert
oder einfach ersetzt werden, sondern müsste
auf den aktuellen Stand gebracht werden. Das wäre
schon produktionsseitig ein enormer Aufwand: Müssten
jährlich 20 Millionen Antriebe ersetzt werden,
würde sich der normale Neuverkaufsmarkt verdoppeln
– die Produktionskapazitäten dafür müssten erst geschaffen
werden.
38 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
Bild: SEW-Eurodrive
Als dezentraler Antrieb vereint Movimot performance ELV einen permanenterregten Synchronmotor mit einem dynamischen Antriebsregler in einem
Gehäuse. In Kombination mit dem energiesparenden Motor sorgt die integrierte Elektronik für eine erhöhte Effizienz, Regeldynamik und Regelgüte.
Nachhaltiger ist deshalb aus unserer Sicht der Ansatz
der Neuwertreparatur: Damit erhalte ich meine
Investition, indem ich die Verschleißteile ersetze – und
hebe so die Alterung auf. Das gebrauchte Produkt wird
in einen annähernden Neuzustand versetzt und Kunden
erhalten darauf von uns wieder eine Gewährleistung.
Was zu tun ist, sollte jeweils mit Blick auf das
Kosten-Nutzen-Verhältnis abgewogen werden. Die
Schaffung des ‚Ökodesign-Forums‘ ist hier sicher ein
wertvoller Schritt.
KEM Konstruktion|Automation: Wollen Sie das
etwas näher erläutern?
Dietz: Die EU-Kommission konsultiert im Rahmen
des Ökodesign-Forums die Mitglieder zu allen wichtigen
Schritten des Ökodesign-Prozesses. Das halte
ich für einen großen Fortschritt, denn erstmals sitzen
dort alle Akteure – Verbände und NGOs – gemeinsam
an einem Tisch und haben so auch die Möglichkeit,
Querbeziehungen zu erkennen. Das Ökodesign-
Forum wird auch eine beratende Rolle bei der Umsetzung
der Vorschriften für die Energieverbrauchskennzeichnung
spielen. Die Industrie ist über ihre
Verbände wie den VDMA und ZVEI vertreten – und
jeder Verband kann Experten benennen, die sich bewerben
müssen. Das ist zwar ein bürokratischer Aufwand,
aber so fließt das Praxiswissen zumindest indirekt
ein.
Auf diese Weise lässt sich dann vielleicht auch eine
Lösung dafür finden, dass bislang nach dem Greenhouse-Gas-Protokoll
die gesamte elektrische Aufnahmeleistung
eines Antriebs auf der Seite des Herstellers
als CO 2 -relevant betrachtet wird – die mechanische
Nutzleistung am Abtrieb aber unberücksichtigt
bleibt. Fairer wäre es, uns hier nur entsprechend
der Verluste im Motor zu bewerten, für die wir
als Hersteller verantwortlich sind – im Gegensatz zur
Leistung, die in der Applikation benötigt wird. Hier
wird aber bereits an einer Lösung gearbeitet.
Umgekehrt ist zudem die Frage, inwiefern ‚negative‘
Auswirkungen von Effizienzmotoren berücksichtigt
werden: So verschlechtert sich mit jeder höheren
Effizienzklasse der Cosinus Phi – sprich die Blindleistung.
Und Umrichter für die Drehzahlregelung erzeugen
Netzverzerrungen. Ob man das in die Bilanz einbezieht
oder nicht, ist nicht abschließend geklärt.
Das zeigt, wie komplex die Systembewertung mittlerweile
geworden ist – und dass innovative Produkte
durch die aktuelle Bewertungspraxis sogar ausgebremst
werden können.
KEM Konstruktion|Automation: Sie hatten bereits
die Bedeutung von Software und digitalem Zwilling
bei der Optimierung von Maschinen oder Anlagen
erwähnt – lässt sich dieses Know-how auch
bei der Antriebsauslegung im Engineering nutzen?
Dietz: Ja – vor allem mit Blick auf die im klassischen
Maschinenbau oft verwendeten Sicherheitszuschläge.
Rechne ich mit einem Leistungsbedarf von
3,8 kW, wähle ich lieber einen Motor mit 4 oder besser
noch 5,5 kW – zur Sicherheit! Alternativ könnte
ich aber gezielt auch die Überlastfähigkeit des Mo-
KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 39
ANTRIEBSTECHNIK » Elektrische Antriebe » Perspektiven
tors nutzen – für kurze Überlastzeiten lässt sich der
problemlos mit 120 bis 130 % Überlast fahren. Im
Ergebnis kann ich also oft auch eine kleinere Baugröße
wählen und damit Energie sparen. Dass dies geht,
muss aber noch in die Köpfe der Konstrukteure und
Betreiber. Und entscheidend ist das Vertrauen in den
Hersteller, dass dieser weiß, was der Motor leisten
kann – und die Gewährleistung erhalten bleibt. Die
Überzeugungsarbeit lohnt sich – und wir können das
mit Erfolgsbeispielen belegen: Kunden sparen auf
diese Weise 30, manchmal sogar 50 %.
An dieser Stelle sprechen auch die Daten für sich:
Mit realen Lastprofilen kann ich nachweisen, dass eine
Überdimensionierung ineffizient ist – dadurch
entsteht Vertrauen. Im Rahmen eines Praxisbeispiels
für die Getränkeindustrie konnten wir etwa zeigen,
dass durch intelligente Vernetzung von Flachgetriebe,
Synchronmotor und Elektronik bis zu 50 % Energie
eingespart werden kann. Oder nehmen wir ein
Gurtband: Bestehende Anlagen wurden neu berechnet,
mit realistischen Angstfaktoren belegt und es
zeigte sich, dass die Systeme auch in Überlastzeiten
sicher laufen. Die Investition in einen neuen, effizienteren
Motor rechnet sich so schon nach fünf
Monaten.
Kimmich: Überdimensionierung ist gerade bei hocheffizienten
Motoren ineffizient. Je höher die Effizienzklasse,
desto mehr ist der Motor auf einen klaren
Betriebspunkt optimiert. Entferne ich mich in
der Praxis davon, sinkt die Effizienz. Deshalb müssen
wir als Hersteller gemeinsam mit dem Kunden passgenaue
Antriebslösungen entwickeln – dann erst ergibt
sich der maximale Nutzen. Hilfreich ist zudem,
dass im Auslegungsprozess viele Daten zusammenkommen,
die unterschiedliche Lastzustände des Antriebs
beschreiben. Diese Daten lassen sich mit Blick
auf die Steuerung nutzen, um den Antrieb auch im
Betrieb ‚on the fly‘ zu optimieren.
KEM Konstruktion|Automation: Setzen Sie an
dieser Stelle auch auf das Thema ‚Autotuning‘ –
also Antriebe, die sich selbst an die jeweilige Applikation
anpassen?
Dietz: Vorausgehen sollte als erster Schritt immer
eine saubere Auslegung und damit Grundparametrierung
des Antriebs – also ein ‚vorgedachtes‘ Autotuning.
Darauf aufbauend können wir Daten aus der
Anwendung in die Geräte bringen, so dass sich beispielsweise
Motor und Umrichter gegenseitig erkennen
und passende Parameter einstellen. Das funktioniert
auf Komponentenebene schon lange, die Geräte
kommunizieren und sind innerhalb weniger Sekunden
betriebsbereit. Die anlagenspezifische Parametrierung
muss aber noch übergeben werden. Hier ist
das Ziel, die Inbetriebnahmezeit deutlich zu verkürzen.
Ein komplett autonomes Autotuning – wie ein
Autopilot – sehe ich nicht direkt, aber die Startbedingungen
werden besser und die Zeit zur Inbetriebnahme
verkürzt sich erheblich.
Kimmich: Allerdings kann etwa der Umrichter aus
den Betriebsdaten und Lastzuständen erkennen, wie
der Antrieb gefahren wird. Dabei werden die Entwicklungsdaten
zu Drehzahl, Drehmoment und
Strom genutzt, um zum Beispiel die Magnetisierung
optimal einzustellen. Auf diese Weise lässt sich der
Antrieb auf maximale Effizienz trimmen oder –
wenn gewünscht – auf maximale Dynamik. Die Geräte
können Kennfelder und Prioritäten erlernen und
anwenden. Am Ende muss dann aber der Betreiber
entscheiden: Will er mit Blick auf den Energieverbrauch
auch noch die letzte Kilowattstunde herausholen
oder stehen Produktivität und Dynamik im Vordergrund?
Das ist eine Betreiberentscheidung – die
Antriebssysteme sind flexibel.
KEM Konstruktion|Automation: Lassen Sie uns
abschließend – um die Bedeutung der Systembetrachtung
wissend – dennoch gerne auf die Komponente
Elektromotor schauen: Lässt sich die
Energieeffizienz denn überhaupt noch steigern?
Dietz: Das ist durchaus herausfordernd, zumal die
Motoren mit jeder neuen Effizienzklasse größer werden.
Laut unserem Katalog von 1977 wog ein
0,75-kW-Motor damals 10 kg – der gleiche Typ als
IE4-Motor liegt inzwischen bei 20 kg und auch die
Baugröße hat enorm zugelegt. Mit dem Einsatz von
Permanentmagneten können wir das wieder um
zwei Baugrößen reduzieren und das Gewicht bleibt
im Rahmen. Allerdings sind wir dazu auf die Metalle
der Seltenen Erden angewiesen. Deswegen setzen
wir bei kleinen Leistungen auf Magnete, bei den größeren
auf Synchron-Reluktanz. Für jede Anwendung
gibt es die passende Technologie – und unser
Job als Hersteller ist es, den Baukasten intelligent zu
gestalten.
Kimmich: Die Synchron-Reluktanzmaschine ist ein
interessantes Konzept, das den Drehstrom-Asynchronmotor
in vielen Anwendungen ersetzen kann –
abgesehen vom Netzanlauf. Ihr Vorteil ist die exzellente
Regelbarkeit der Drehzahl, besonders im Bereich
um Null – bei Asynchronmaschinen ist das geberlose
Fahren nahe Null dagegen oft schwierig.
Möglich gemacht haben das moderne Rechentechnik
40 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
Bild: SEW-Eurodrive
Gregor Dietz (links) und Dr. Rainer Kimmich (rechts) gingen im Gespräch mit der Redaktion auch darauf ein, wie die Innova tionskraft des Maschinenbaus
erhalten werden kann.
und bessere Feldberechnungen im Umrichter. Dass
sich der Synchron-Reluktanzmotor heute in allen Betriebszuständen
präzise regeln lässt, war vor 20 Jahren
noch undenkbar. Nachteilig ist nur, dass noch die
großen Stückzahlen fehlen, die der Asynchronmotor
heute erreicht.
Dietz: Der Vorteil beim Bau eines Synchron-Reluktanzmotors
ist, dass ich mir die Aluminium-Käfige im
Rotor sparen kann – ich brauche nur das Schnittmuster
im Blechpaket, das allerdings stabil und patentgeschützt
sein muss. Mittlerweile wurden dazu
zahlreiche Patente angemeldet, nicht zuletzt auch
von Tesla. Ob in Zukunft 20, 40 oder 50 % aller Motoren
nach diesem Prinzip gebaut werden, hängt davon
ab, wie weit wir die Kunden überzeugen können
und wie die Regulierung wirkt.
In der Entwicklung nutzen wir hierzu die Möglichkeiten
der Simulation. 30 Varianten zu rechnen dauert
fünf Tage, 30 Varianten zu bauen fünf Jahre. Simulationen,
digitale Zwillinge und Magnetfeld -
berechnungen sind also der Schlüssel hin zu noch effizienteren
Motoren. Noch komplexer wird die Thematik
dadurch, dass die neue Gesetzgebung verlangt,
Motoren so zu konstruieren, dass die Magneten am
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KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 41
IMPRESSUM
ANTRIEBSTECHNIK » News
ISSN 1612–7226
Herausgeberin: Katja Kohlhammer
Verlag:
Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH,
Ernst-Mey-Straße 8,
70771 Leinfelden-Echterdingen, Germany
Geschäftsführer: Peter Dilger
Verlagsleiter: Peter Dilger
Redaktion:
Chefredakteur:
Dipl.-Ing. Michael Corban (co), Phone + 49 711 7594–417
Korrespondent:
Nico Schröder M.A. (sc), Phone +49 170 6401879
Newsdesk:
Frederick Rindle (Leitung, fr), Bettina Tomppert (bt),
Evelin Eitelmann (eve), Dr. Ralf Beck (bec)
Redaktionsassistenz:
Carmelina Weber
Phone +49 711 7594–257, Fax: –1257
carmelina.weber@konradin.de
Layout:
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Anja Carolin Graf, Phone +49 711 7594–297
Gestaltungskonzept:
Katrin Apel
Gesamtanzeigenleiter:
Andreas Hugel, Phone +49 711 7594–472
Auftragsmanagement:
Diana Rabalt, Phone +49 711 7594–328
Leserservice:
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Phone +49 711 82651–254
E-Mail: konradinversand@zenit-presse.de
KEM Konstruktion|Automation erscheint monatlich und wird
kostenlos nur an qualifizierte Empfänger geliefert.
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Ausland: 84,90 € / 92,70 CHF inkl. Versandkosten.
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werden. Nach Ablauf des ersten Jahres gilt eine
Kündigungsfrist von jeweils vier Wochen zum Quartalsende.
Auslandsvertretungen:
Großbritannien: Jens Smith Partner ship, The Court, Long
Sutton, GB-Hook, Hampshire RG29 1TA, Phone 01256
862589, Fax 01256 862182, E-Mail: jsp@trademedia.info
USA: TD.A. Fox Advertising Sales, Inc., Detlef Fox,
5 Penn Plaza, 19th Floor, New York, NY 10001,
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nicht unbedingt die der Redaktion dar. Für unverlangt
eingesandte Manuskripte keine Gewähr. Alle in KEM
Konstruktion|Automation erscheinenden Beiträge sind
urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Über -
setzungen, vorbehalten. Reproduktionen gleich welcher
Art, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages.
Erfüllungsort und Gerichtsstand ist Stuttgart.
Druck: Vogel Druck und Medienservice GmbH,
Leibnizstraße 5, 97204 Höchberg
Printed in Germany.
Konstruktion
Automation
© 2025 by Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH,
Leinfelden-Echterdingen.
Servoregler mit erweiterten Funktionen
Es muss nicht immer eine SPS sein
Groschopp hat den Servoregler RBD-S+
um eine zweite CAN-Schnittstelle erweitert
und damit sein Einsatzspektrum
deutlich vergrößert. Der Regler mit
800 V AC unterstützt gängige Feedback-
Systeme wie Hyperface, EnDat, Resolver
und SinCos und verfügt über eine integrierte
Positioniersteuerung für ruckfreies,
zeitoptimiertes Positionieren und die
Regelung einfacher Handling-Systeme.
Durch die zusätzliche Schnittstelle können
bis zu 255 digitale I/O-Module angebunden
werden, so dass der Regler vielfältige
Antriebs- und Steuerungsaufga-
Bild: Groschopp
Auslegungstool
Mehrachs-Servosysteme valide modellieren
Ab sofort sind technische Daten der Standard-Servoantriebe
von Wittenstein
Cyber Motor im Auslegungstool Servosoft
verfügbar. Anwender aus Maschinen- und
Anlagenbau, etwa aus Konstruktion, Applikation,
Simulation oder Projektierung,
können damit komplette mehrachsige
Servosysteme inklusive aller elektrischen
und mechanischen Komponenten (wie
Servomotor, Getriebe, Lastprofil, Servoantriebsregler)
mit wenigen Klicks berechnen,
auslegen und simulieren. In Servosoft
bereits integriert sind große Teile des
ben selbst übernimmt. Damit ersetzt er in
vielen Anwendungen wie Stanzen, Wickelmaschinen
oder Pressen eine übergeordnete
SPS. Das spart Platz im Schaltschrank
und reduziert die Anschaffungskosten
erheblich. Zusatzmodule für
Ethercat und Profinet sind ebenfalls verfügbar.
Groschopp liefert komplette Antriebssysteme
aus Servomotor, Getriebe
und Regler und bietet optional ein modernes
Touchdisplay sowie eine flexible
Softwarearchitektur. Der umfassende
Programmierservice erleichtert Integra -
tion und Inbetriebnahme, besonders bei
Sonderlösungen und Retrofits.
Einfache Diagnosefunktionen,
3D-Visualisierungen
und eine Bluetooth-Schnittstelle
für Condition-Monitoring
und Ferndiagnose per
App sorgen zudem für höheren
Bedienkomfort, schnelle
Wartung und reduzierte Stillstandzeiten.
Standard-Portfolios: die Cyber Dynamic
Line, Cyber Force Line (inklusive Force
Actuator MG), Cyber Kit Line sowie der
radintegrierte Cyber TAS Actuator 2 für
FTS und AMR. Weitere Produkte, etwa
Aktuatoren, Servoregler und Kompakt -
antriebssysteme, folgen in Kürze. Ein direkter
Link führt zudem zum Cadenas
Partcommunity Produktkatalog, über den
vollständige und aktuelle 2D-/3D-CAD-
Modelle, CAE-Daten und 3D-PDFs ohne
Zeitverlust in den Entwicklungsprozess
integriert werden können.
Bild: Wittenstein
42 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
News « ANTRIEBSTECHNIK
Servoantriebssystem
Präzise Bewegung für jede industrielle Achse
Beim Kollmorgen Essentials Motion System
handelt es sich um eine neue Familie
von Servoantriebslösungen, die laut Anbieter
eine Bewegungssteuerung für
praktisch jede Achse einfacher und kostengünstiger
macht. Vorkonfigurierte
Komponenten und integrierte Kommunikationsprotokolle
(Ethercat, EtherNet/IP,
Profinet) ermöglichen eine schnelle Inbetriebnahme
und Integration in bestehende
Steuerungsumgebungen. Die kompakten
Servoregler unterstützen Mehrachsensynchronisation,
bieten integrierte
STO-Sicherheitsfunktionen
(SIL2/Cat 3 PL d) und lassen
sich mit der Kollmorgen
Workbench-Software konfigurieren.
Das System besteht aus abgestimmtem
Servoregler, Servomotor mit
integriertem SFD-M Multiturn-Feedback
(24 bit Singleturn, 16 bit Multiturn, batterielos)
und einem vorkonfektionierten
Einkabelsystem. Die Servomotoren sind
für 120, 240, 400 oder 480 V AC ausgelegt
und für die gängigsten Leistungsanforde-
Bild: Kollmorgen
rungen von 200 bis 4000 W konzipiert.
Jede Wicklungsvariante liefert eine Nenndrehzahl
von 3000 min -1 , wobei die Spitzenleistung
bis zu 6000 min -1 beträgt.
Eine integrierte 24-V DC -Bremse ist optional
erhältlich.
Kompakter Servomotor
Viel mehr Leistung bei gleicher Baugröße
Bild: B&R
B&R, die Machine Automation Division
von ABB, hat die Acopos-P3-Reihe weiterentwickelt.
Mit bis zu 60 % mehr Leistungsdichte
und achtfacher Rechenleistung
bei gleicher Baugröße ist es der bislang
leistungsstärkste Servoantrieb des
Anbieters. Die Serie ermöglicht den Bau
von Hochleistungsmaschinen bei minimalem
Platzbedarf und verschafft damit
Wettbewerbsvorteile: höhere Produk -
tionsgeschwindigkeiten, bessere Produktqualität
und gesteigerte Produktivität.
Die neue Generation umfasst sieben
Geräte mit Ein- und Zweiachsvarianten
von 32 bis 80 kW. Das Zweiachsmodul
bietet doppelte Leistungsdichte gegen-
über früheren Versionen und erweitert so
die Skalierbarkeit. Zykluszeiten von nur
50 µs für alle Positions- und Geschwindigkeitsregelkreise
erhöhen die Reaktionsgeschwindigkeit.
Intelligente Funktionen
können direkt im Antrieb ausgeführt werden,
unabhängig von SPS oder Netzwerk.
Ein neu entwickeltes Luftstromsystem
sowie beschichtete Leiterplatten schützen
kritische Komponenten zuverlässig
vor Staub und Partikeln. 17 integrierte
Temperatursensoren sorgen für thermische
Überwachung, ermöglichen Betrieb
an der Leistungsgrenze und reduzieren
den Bedarf an teuren Überdimensionierungen.
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KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 43
AUTOMATISIERUNG » Steuerungstechnik/Transportsysteme
Schwebende Mover steigern Durchsatz und sparen Stellfläche im Reinraum
Besser das Produkt bewegen
als die Dosierköpfe
Mit dem Transportsystem XPlanar konnte der Life-Science-Spezialist Automation NTH die hohen Anforderungen
an die Flexibilität einer innovativen Montageanlage für medizinische Diagnosegeräte erfüllen. Mit seinen
schwebenden Movern ermöglicht das Transportsystem einen völlig freien Produkttransport und eine Hand -
habung mit bis zu sechs Freiheitsgraden. Gleichzeitig ließ sich so der Platzbedarf im Reinraum um den Faktor
10 reduzieren und der Durchsatz beschleunigte sich von 5 min auf nur 5 s pro Gerät.
James Figy, Marketing Content Leader, Beckhoff Automation LLC
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Die hochflexible Diagnosegeräte-Montageanlage kann drei verschiedene, jeweils mit
einem XPlanar-Mover transportierte Gerätetypen mit einer Auswahl aus 50 Wirkstoffen
je nach Rezeptur befüllen und anschließend inspizieren.
Bei den meisten der kundenspezifischen Automatisierungsprojekte,
insbesondere bei der Montage
medizinischer Geräte, liege ein Schwerpunkt auf
der Software, berichtet Peter Sarvey, Vertriebsleiter
bei Automation NTH. Deswegen greift der Life-
Science-Spezialist bei der Automatisierung der oft
hochkomplexen und datenintensiven Anwendungen
gern auf neuartige Technologien zurück – aktuell das
flexible Transportsystem XPlanar von Beckhoff. „Das
System ist flexibel genug, um zahlreiche Produkte
mit einer hohen Variabilität zu transportieren und alle
möglichen zukünftigen Änderungen zu berücksichtigen“,
ergänzt Projektleiter Rich Snodgrass von
Automation NTH.
XPlanar besteht aus elektrisch aktiven Motormodulen,
über denen schwebende und elektrisch passive
Mover sechs Freiheitsgrade bei der Bewegungssteuerung
mit einer hohen Präzision und Wiederholgenauigkeit
bieten. Dies ermöglicht nach Aussage von
Automation NTH eine hervorragende Rückverfolgbarkeit,
eine kompakte Stellfläche in kostspieligen
Reinräumen und höchste Produktintegrität beim Dosieren
sensibler Reagenzien.
Um die Anforderungen für die Automatisierung des
bis dahin manuellen Montageprozesses zu definieren,
trafen sich 2023 Vertreter eines Startup-Unternehmens
mit Molly Blazek, Leiterin der strategischen
Kundenbetreuung bei Automation NTH und Vertriebsleiter
Peter Sarvey. Gesucht wurde ein System
für die automatische Abfüllung von etwa 50 verschiedenen
Wirkstoffen an unterschiedlichen Einfüllstellen
von drei verschiedenen Gerätetypen. „Die Dosierköpfe
zum Produkt zu bringen – mit Förderbändern,
Robotern oder anderen Handhabungstechnologien
– hätte einen enormen Kosten- und Platzbedarf
verursacht“, erinnert sich Sarvey. „Da wurde uns klar,
dass es besser wäre, das Produkt zu bewegen und
nicht die Dosierköpfe.“
Zudem sollte die Anlage in einem Reinraum betrieben
werden, in dem die Stellfläche aufgrund der erforderlichen
Temperatur- und Feuchtigkeitskontrolle
kostspielig ist. Daher musste das System so kompakt
wie möglich sein und gleichzeitig Spielraum für zukünftige
Änderungen bieten. Traditionelle Rundtakttische
und lineare Transportsysteme erfüllten keines
der Kriterien, berichtet Molly Blazek.
Randbedingungen führen
zu komplexer Aufgabenstellung
Joseph Cocchini, leitender Steuerungsingenieur bei
Automation NTH, begann mit der Evaluierung der
Optionen. Nach dem Test eines Wettbewerbssystems
44 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
Bild: Beckhoff
Ein grafischer XPlanar-Konfigurator
erleichtert es, das Anlagenlayout
mit Motormodulen zu erstellen,
Mover hinzuzufügen, Stationen und
Wege zu definieren sowie Bewe -
gungen zu simulieren.
ging Cocchini die Spezifikationen mit Todd Thollot
durch, Advanced Applications Group Manager bei
Beckhoff USA. „Ich hatte eine Liste mit hochgesteckten
Zielen. Wir mussten die XPlanar-Mover dynamisch
steuern können, um das Produkt auf den Movern
mit einem federgelagerten Haken zu fixieren
und wieder freizugeben, die Mover zum Entladen auf
den Motorkacheln zu parken und sicherzustellen,
dass der Hub, die Neigung, die 360-Grad-Drehung
und andere Funktionen den Zielvorgaben entsprachen“,
erläutert Cocchini. „Todd hatte mehrere Szenarien
programmiert, die die meisten Anforderungen
sofort erfüllten. Darüber hinaus war die Schwebe -
höhe mit XPlanar besser als beim zuvor getesteten
System, so dass die Mover stärker kippen konnten.“
Insgesamt war Todds Implementierung viel sauberer,
weil das Beckhoff-System den Zugriff auf jeden Bewegungsaspekt
jedes einzelnen Movers ermöglicht,
bis hin zu den ABC- und XYZ-Koordinaten. „Diese nahezu
unbegrenzte Konfigurierbarkeit ist der Grund,
warum wir uns für XPlanar entschieden haben.“
In der fertigen Montagemaschine führen die Bediener
die Diagnosegeräte manuell über eine Schublade
zu. Dann setzt ein Roboter das Produkt auf einem
der 18 XPlanar-Mover ab, wo es mit einem kun-
denspezifischen Werkzeug fixiert wird. Anschließend
wird das Produkt bei einer 360-Grad-Drehung einer
Sichtprüfung unterzogen. Die Mover transportieren
die Diagnosegeräte an verschiedenen Dosierstationen
vorbei, die auf der von 18 XPlanar-Kacheln gebildeten
Arbeitsfläche verteilt sind. Die schwebenden
Mover halten nur an den Dosierstationen an, die in
der Rezeptur des jeweiligen Geräts definiert sind,
und führen auf halber Strecke eine zweite Sichtprüfung
durch. Beim Abfüllen dreht der XPlanar-Mover
das Gerät so, dass die Reagenz an der passenden
Stelle gemäß Rezeptur platziert wird.
Bild: Beckhoff
Ein leistungsfähiger
Industrieserver C6670
von Beckhoff mit Intel-Xeon-Technologie
übernimmt die anspruchsvolle
Steuerung
des Transportsystems
XPlanar sowie von
Fremdgeräten in der
Anlage.
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KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 45
AUTOMATISIERUNG » Steuerungstechnik/Transportsysteme
Automation NTH setzt eine
Vielzahl von Ethercat- und
Twinsafe-Klemmen in
der Montageanlage und
der Bandzuführeinheit zur
Versiegelung der
Diagnosegeräte ein.
Nach der abschließenden Sichtprüfung wird das
Gerät vor einem Bandrollenzuführer positioniert, der
eine selbstklebende Kunststoffkappe mit einer Wiederholgenauigkeit
von ±30 µm aufbringt. Danach
liefert der Mover das Produkt an eine Bedienersta -
tion. Er schiebt den Auslösehaken in eine Nut, kippt
nach vorn, um das Produkt freizugeben, und parkt bei
ausgeschaltetem Strom – also ohne zu schweben –
auf der darunter liegenden Motorkachel. Ein Bediener
kann dann gefahrlos durch den Lichtvorhang
greifen, um das fertige Gerät zu entnehmen.
Die Automatisierungssoftware Twincat bot für all
diese Aufgaben eine durchgängige Engineering- und
Laufzeitplattform. Integriert in Microsoft Visual Studio
ermöglicht Twincat die Programmierung in den
Sprachen, die am besten zur Anwendung passen. Darüber
hinaus erleichtert die Software mit einem grafischen
Konfigurator für XPlanar die Planung von Anlagen-Layouts
mit den kachelförmigen Motormodulen,
das Hinzufügen von Movern per Drag-and-Drop,
die Definition von Wegen und Stationen sowie die
Simulation von Bewegungsprofilen.
Bild: Beckhoff
Auf der Hardwareseite unterstützt ein Schaltschrank-Industrie-Server
C6670 von Beckhoff die
Steuerung von XPlanar und Fremdgeräten. Der Industrie-PC
mit 40 Kernen verfügt über große Kapazitäten,
wobei einige Kerne für zukünftige Funktionen
reserviert sind. Was Joseph Cocchini außerdem beeindruckt,
ist der Ultra-Kompakt-Industrie-PC
C6017, der das vierachsige Rollenzuführsystem steuert.
„Der C6017 verfügt über 8 GB DDR4-RAM, eine
320-GB-Festplatte, vier Ethernet- und vier USB-Anschlüsse
– damit steuert der kleine Windows-
10-Rechner unser Smartphone-großes HMI mit benutzerdefiniertem
Solid JavaScript, einen Python-
Webserver und eine MongoDB-Datenbank für OEE,
Rezepte, Konfigurationen und mehr. So etwas habe
ich in meiner Laufbahn noch nicht gesehen.“
Der fertiggestellte Diagnosegeräte-Montageautomat
ermöglichte die Automatisierung des zuvor in -
effizienten Fertigungsprozesses des Endanwenders.
Verglichen mit traditionellen Ansätzen minimiert die
Anlage den Verbrauch an kostspieliger Reinraumfläche
um den Faktor 10. Darüber hinaus reduziert
XPlanar laut Automation NTH den Energieverbrauch
im Vergleich zu Lösungen von Mitbewerbern, was
Wärmelast und Kühlbedarf verringert. „Die verwendeten
Reagenzien sind sehr feuchtigkeits-, temperatur-
und bewegungsempfindlich, so dass die kontaktlose
XPlanar-Bewegung und die von Beckhoff
angebotene Kühloption zur Kompatibilität mit dem
Produkt des Kunden beitrugen“, so Molly Blazek abschließend.
www.automationnth.com
www.beckhoff.com
Messe SPS 2025: Halle 7, Stand 406
»Die nahezu unbegrenzte Konfigurierbarkeit ist der
Grund, warum wir uns für XPlanar entschieden haben.«
Joseph Cocchini, Automation NTH
Bei Automation NTH in LaVergne, Tennessee (v.l.n.r.):
Vertriebsleiter Peter Sarvey und leitender Steuerungsingenieur
Joseph Cocchini (beide Automation NTH),
Vertriebsingenieur Richard Smith (Beckhoff USA), die
Co-Präsidenten Jeff Buck and Greg Young (Automation
NTH), Applikationsingenieur Adam Hoffman (Beckhoff
USA) und die Leiterin strategische Kundenbetreuung
Molly Blazek (Automation NTH)
Bild: Beckhoff
Schaltschrankbau « AUTOMATISIERUNG
Weniger CO 2 -Emissionen durch das richtige Kühlkonzept im Schaltschrank
Energieeffizienz steht nicht
im Gegensatz zur Betriebssicherheit
Der Druck, in modernen Produktionsumgebungen weiter Maßnahmen zu ergreifen, um die Produktion netto
CO 2 -neutral zu gestalten, bleibt bestehen – sei es durch interne Vorgaben, externe Einflüsse oder immer
strengere externe Regulierungen. Häufig sieht es dabei so aus, als ob Betriebssicherheit und Energieeffizienz
im Widerspruch stehen. Eine genauere Betrachtung zeigt aber, dass sich beides verbinden und eine klare
Entscheidungsgrundlage gewinnen lässt. Auch die betriebswirtschaftlicher Sicht kommt nicht zu kurz mit Blick
auf Reduktionsmaßnahmen, die den geringsten Investitionsaufwand pro eingesparter Tonne CO 2 erfordern.
Daniel Haag, Produktmanager Cabinet und Michael Bautz, Head of Product Management Automation bei der Friedrich Lütze GmbH
Bei Lütze beschäftigt man sich seit Jahren mit der
Frage, wie Schaltschränke, die in nahezu allen
industriellen Anwendungen zum Einsatz kommen,
möglichst effizient gekühlt werden können. Schaltschränke
müssen gekühlt werden, da sonst im Inneren
zu hohe Temperaturen entstehen können, die zu
thermisch bedingten Ausfällen der Komponenten
führen. In einer vernetzten Produktionsumgebung
kann ein solcher Ausfall den Betrieb einer ganzen
Produktionslinie lahmlegen. Daher wird dem Thema
Betriebssicherheit seitens der Betreiber eine höhere
Priorität eingeräumt als dem Thema Energieeffizienz.
Das ist verständlich und richtig, aber die beiden Themen
müssen sich nicht zwangsläufig widersprechen.
Hier setzt Lütze an: Zunächst sollten alle Maßnahmen
im und am Schaltschrank ergriffen werden, die
die Betriebssicherheit erhöhen oder erhalten und
gleichzeitig möglichst wenig Energie verbrauchen.
Einfacher Einstieg über Lüfter
Ein Beispiel dafür ist das kanallose Verdrahtungssystem
AirStream, das bereits von Haus aus thermische
Vorteile bietet. So wird durch die Trennung von Komponenten-
und Verdrahtungsebene pro Komponente
der Platzbedarf reduziert und bei gleicher Anzahl von
Komponenten die Abwärme auf ein größeres Luft -
volumen verteilt. Außerdem wird die Gefahr der Bildung
von Hotspots verringert, da Kabelkanäle den
Luftstrom nicht behindern können. Reicht dies nicht
aus, kann zusätzlich ein AirBlower Lüfter installiert
werden. Dieser wird rückseitig auf dem obersten
Montagesteg platziert und sorgt bei vergleichsweise
geringem Energieaufwand (das Bewegen von Luft ist
aus energetischer Sicht deutlich weniger aufwändig,
als die Lufttemperatur zu ändern) für eine geordnete
Zirkulationsströmung um den Verdrahtungsrahmen.
Dadurch wird die gesamte Außenfläche des Schaltschranks
zur Wärmeabgabe an die Umgebung genutzt.
Hotspots, die sich durch temperaturbedingten
Auftrieb trotz AirStream System bilden könnten,
werden so aufgebrochen. Der AirBlower benötigt mit
der IoT-fähigen Regeleinheit AirTemp Controller lediglich
einen Leistungsbedarf von maximal 30 W.
Dieses Vorgehen stößt jedoch aufgrund der Thermodynamik
bei einer bestimmten Außentemperatur
(der Temperatur in der Industriehalle) an seine Grenzen.
Reicht die Temperaturdifferenz zwischen der Innentemperatur
des Schaltschranks und der Außentemperatur
nicht mehr aus, um die Verlustleistung
der Komponenten über die Schaltschrankwände abzuführen,
muss ein Kühlgerät eingesetzt werden.
Dies wird bei Lütze nicht infrage gestellt. Dennoch
Bereits auf kleinstem Raum ist der Einstieg in die effiziente Schaltschrankkühlung
möglich – hier über die Trennung von Komponenten und Verdrahtungsebene im
Schaltschrank und den Einsatz eines Lüfters des Typs AirBlower Compact.
Bild: Lütze
KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 47
AUTOMATISIERUNG » Schaltschrankbau
Bild: Lütze
Die Trennung von
Komponenten und
Verdrahtungsebene
gelingt mit dem
Verdrahtungssystem
AirStream.
Abbildung 1: Temperaturverlauf in einer nicht-klimatisierten Industriehalle
für das Jahr 2024 unter Darstellung der Werte für das Tagesmaximum und
-minimum.
Quelle: Lütze
Die Simulation betrachtet speziell das Takt- und
Laufzeitverhalten eines Kühlgeräts (1,6 kW Kompressionskältemaschine
mit temperaturabhängigem EER
zwischen 1,5 und 2,0). Es wird eine Hystereseregelung
angenommen, bei der das Kühlgerät bei 40 °C
anspringt und bei 35 °C wieder abschaltet. Untersucht
wird ein Standgehäuse (2 m x 1 m x 0,6 m), in
dem während der Produktion eine effektive Verlustleistung
von 500 W anfällt. Zudem wird ein Zwei-
Schicht-Betrieb (jeweils 8 Stunden) und ausschließlich
Werktagsbetrieb angenommen. Im Ausgangszustand
liegt entweder freie Konvektion im Schaltschrank
vor oder das Kühlgerät ist in Betrieb. Weitersollte
durch eine geeignete Auslegung des Kühlsystems
und unter Berücksichtigung der zuvor genannten
Schritte sichergestellt werden, dass das Kühlkonzept
und der Kühlbedarf aufeinander abgestimmt
sind. Warum dies häufig nicht der Fall ist und welche
Rolle die Außentemperatur dabei spielt, möchten die
Autoren im Folgenden erläutern.
Abstimmung von
Kühlkonzept und Kühlbedarf
Neben der Verlustleistung, die im Schaltschrank entsteht,
ist die Umgebungstemperatur, der ein Schaltschrank
ausgesetzt ist, der wichtigste Einflussfaktor
auf die Innenlufttemperatur und damit auf den Kühlbedarf.
Bei der Festlegung oder Annahme einer Umgebungstemperatur
besteht jedoch häufig Uneinigkeit:
Oft wird pauschal eine Umgebungstemperatur
von 40 °C bei der Planung zugrunde gelegt, die jedoch
nur in Ausnahmefällen oder gar nicht erreicht
wird. Sie entspricht mit Sicherheit nicht der Durchschnittstemperatur,
der ein Schaltschrank über das
Jahr hinweg ausgesetzt ist. Wenn zusätzlich eine
maximal zulässige Innentemperatur von 40 °C angenommen
wird, erscheint die Auswahl eines Kühlkonzepts
einfach: Ein Kühlgerät ist zwangsläufig erforderlich,
da keine Temperaturdifferenz zwischen Innen-
und Außentemperatur besteht, die für die Kühlung
genutzt werden könnte. Dass dies jedoch in der
Praxis nicht der Regel entspricht, soll im Folgenden
anhand einer Mess- und Simulationsstudie veranschaulicht
werden.
Abbildung 1 zeigt den Temperaturverlauf, der in
einer nicht-klimatisierten Industriehalle bei einem
Kunden von Lütze gemessen wurde. Es wurden insgesamt
an sieben verschiedenen Positionen Messungen
durchgeführt, wobei der Temperaturverlauf an
den Messpunkten ohne direkte Sonneneinstrahlung
nur geringfügig variierte. Bei Betrachtung von Abbildung
1 wird deutlich, dass auch im Hochsommer die
Temperaturen nur wenig über 30 °C ansteigen. Es
lässt sich eine klare Abhängigkeit von der Umgebungstemperatur
erkennen (diese ist hier nicht dargestellt,
aber als Randbedingung wurde das Wetter
für 2024 im Großraum Stuttgart berücksichtigt). In
den Sommermonaten bewegt sich die Temperatur in
der Industriehalle meist nur zwischen 25 und 30 °C.
Die Autoren erkennen an, dass es sich hierbei um eine
Einzelfallaufnahme handelt und der Temperaturverlauf
von Fall zu Fall unterschiedlich sein kann.
Vergleichbare Temperaturverläufe wurden jedoch in
mehreren weiteren Messungen bestätigt und zeigen
immer ähnliche Tendenzen. Das wesentliche Fazit ist,
dass die Industriehallentemperatur im Jahresverlauf
stark schwanken kann – hohe Temperaturen sind
möglich, aber nicht die Regel. Im Folgenden wird der
Temperaturverlauf aus Abbildung 1 als Randbedingung
für eine Simulationsstudie verwendet.
Simulation mit Kühlgerät
48 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
Schaltschrankbau « AUTOMATISIERUNG
Abbildung 2: Stromverbrauch für die Kühlung eines Schaltschrankes mit
einem 1,6-kW-Kühlgerät, einer maximal zulässigen Innentemperatur von
40 °C und einer wirksamen Verlustleistung von 500 W für den Umgebungstemperaturverlauf
nach Abbildung 1.
Quelle: Lütze
Abbildung 3: Summierte(r) Stromverbrauch und CO 2 -Emissionen für die
Kühlung eines Schaltschranks mit einem 1,6-kW-Kühlgerät, 40 °C maximal
zulässiger Innentemperatur und einer wirksamen Verlustleistung von 500 W
für den Umgebungstemperaturverlauf nach Abbildung 1.
Quelle: Lütze
hin wird angenommen, dass die Rückwand des
Schaltschranks keinen signifikanten Beitrag zur Wärmeabgabe
leistet, da sie durch die Montageplatte
thermisch verblockt ist. Im optimierten Zustand wird
angenommen, dass im Schaltschrank sowohl das Airstream
System als auch ein AirBlower Lüfter zum
Einsatz kommen. Es kann also entweder freie Konvektion,
Luftzirkulation durch den AirBlower und/
oder zusätzlich ein aktives Kühlgerät vorliegen.
Abbildung 2 zeigt für beide Szenarien die für die
Kühlung des Schaltschranks aufzuwendende elektrische
Energie (Stromverbrauch), beschränkt auf das
Kühlgerät. Es ist ersichtlich, dass das Kühlgerät im
Ausgangszustand (rote Balken) in jedem Monat läuft
beziehungsweise aktiv ist. In den Sommermonaten
ist der Stromverbrauch logischerweise höher, da der
Kühlbedarf in dieser Zeit durch die geringe Temperaturdifferenz
zur Umgebung ebenfalls steigt. Im optimierten
Zustand (blaue Balken) ist die Laufzeit des
Kühlgeräts hauptsächlich auf die Monate Mai bis
September begrenzt. Im August wird der kumulierte
Stromverbrauch von etwa 95 auf rund 64 kWh reduziert.
Der AirBlower ist hier noch nicht berücksichtigt,
wird jedoch in einer abschließenden kumulierten
Betrachtung einbezogen.
Weniger Stromverbrauch
und CO 2 -Emissionen
Das Fazit dieser Untersuchung lautet: Die Thermodynamik
setzt wie erwartet Grenzen für den über das
Schaltschrankgehäuse abführbaren Wärmestrom. Bis
zu diesen Grenzen sollten, wie bereits oben ausgeführt,
alle anderen Maßnahmen umgesetzt werden.
Wenn diese Maßnahmen so einfach umzusetzen sind
wie die Verwendung eines AirStream Verdrahtungssystems
– das neben den thermischen Vorteilen auch
eine Platzersparnis und Einsparungen bei der Verdrahtungszeit
ermöglicht – fällt die Entscheidung
eigentlich leicht. Der AirBlower stellt eine gute Ergänzung
zum Kühlgerät dar. Für Schaltschränke mit
geringerer Verlustleistung besteht jedoch auch die
Möglichkeit, die Größe des Kühlgeräts (Nennkühlleistung)
zu reduzieren, bei einer Schaltschrankkombination
ein Gerät weniger einzusetzen oder in bestimmten
Fällen ganz auf ein Kühlgerät zu verzichten.
Lütze unterstützt hier bei einer bedarfsgerechten
Planung.
Vergleicht man abschließend den Stromverbrauch
für die Kühlung des Schaltschranks zwischen den
beiden Szenarien, zeigt sich, dass im Ausgangszustand
etwa 667 kWh Strom verbraucht werden,
während im optimierten Zustand nur noch etwa
280 kWh erforderlich sind – einschließlich AirBlower.
Dies entspricht einer Reduktion des Stromverbrauchs
und der CO 2 -Emissionen um 58 %, also einer
Einsparung von rund 137 kg CO 2 (unter Berücksichtigung
des deutschen Strommixes im Jahr 2024).
In der Praxis kommen natürlich viele Schaltschränke
in einer Produktionslinie zum Einsatz, wodurch
sich diese Einsparung gut auf die gesamte Produk -
tionslinie skalieren lässt. Den Autoren ist bewusst,
dass es sich hierbei um eine theoretische und fallabhängige
Analyse handelt. Da der Energieverbrauch
für die Kühlung von Schaltschränken jedoch so gut
wie nie gemessen wird, stellt diese Methode die einzige
Möglichkeit dar, fundierte Aussagen zu treffen.
Für Lütze ist der nächste Schritt, weitere Praxismessungen
durchzuführen um damit zu zeigen, dass
Energieeffizienz und Betriebssicherheit keine Gegensätze
sein müssen.
www.luetze.com
Messe SPS 2025: Halle 9, Stand 361
KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 49
Bild: Rittal
Mit Wasser kühlen direkt an den Rechenchips? Das Direct Liquid Cooling ermöglicht genau das und damit die Nutzung der hohen Wärmekapazität
von Wasser für die ausreichende Kühlung von KI-Anwendungen.
KI braucht einen kühlen Kopf: Direct Liquid Cooling im Rechenzentrum
Hochleistungskühlung
für Hochleistungsrechner
Im Green IT Cube findet das Rechenzentrum des GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt
künftig ausreichend Abkühlung: Gemeinsam mit den Automatisierungsspezialisten von Rittal wurde ein Blueprint
für KI-Infrastruktur mit Direct Liquid Cooling geschaffen, weil die bis heute übliche Luftkühlung an den Prozessoren
dabei an ihre physikalischen Grenzen kommt. Die bekannt guten Eigenschaften von Wasser für die Wärmeabfuhr
lassen sich so auch im Rechenzentrum nutzen – also genau da, wo Wasser ansonsten eher ein Problem ist.
Steffen Maltzan, Unternehmenskommunikation, Rittal und David Schahinian, freier Journalist in Frankfurt
Bild: GSI
Helmholtzzentrum
Wenn im GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung
Wissenschaftler erkunden, was
Millisekunden nach dem Urknall passierte oder wie
sich Krebszellen bekämpfen lassen, ist ein kühler Kopf
gefragt – und eine leistungsfähige Kühlung für die
Hochleistungsrechner im Rechenzentrum dahinter.
Diese sind in Darmstadt im eigens konzipierten „Green
IT Cube“ untergebracht. Die bis heute übliche Luftkühlung
an den Prozessoren kommt allerdings an ihre
physikalische Grenze, wenn die Leistungsdichte für
das High Performance Computing (HPC) und KI weiter
erhöht wird. Deswegen muss eine Kühlflüssigkeit
wie Wasser direkt zu den Chips – ansonsten
lassen sich KI-Anwendungen in keinem Rechenzentrum
in großem Stil betreiben. Rittal und GSI
haben dazu in Darmstadt einen Blueprint für KI-
Infrastruktur mit Direct Liquid Cooling geschaffen.
Die Kühlverteilertechnik hat Rittal gemeinsam mit
Server-Herstellern und Hyperscalern entwickelt. Sie
erreicht im kompakten Rack-Format eine Kühlleistung
von über 1 MW. Erstmals gesehen hat Dr. Helmut Kreiser,
der stellvertretende Abteilungsleiter IT, Leiter IT
Core Services and Applications sowie Leiter des Green
IT Cubes am GSI Helmholtzzentrum die Kühllösung auf
einer Messe. Dort wurde ihm schnell klar, dass sie ideal
in den Green IT Cube passt. Die Coolant Distribution
Unit (CDU) schließt die letzte luftgekühlte Lücke bis zu
den Servern. Im GSI wird die Wärme ohnehin schon
hocheffizient ab der Rücktür der Racks mit Wasser abgeführt.
Bereits heute erreicht das Rechenzentrum so
einen Effizienz-Kennwert (PUE – Power Usage Effec -
tiveness) von unter 1,07.
Schnell waren sich GSI und Rittal deshalb einig, dass
es nicht nur um den Einsatz der Kühltechnik, sondern
»Wir leisten Pionierarbeit, wie Systeme für das Direct Liquid Cooling
im größeren Stil in Rechenzentren angewendet werden können.«
Dr. Helmut Kreiser, stellvertretender Abteilungsleiter IT, Leiter IT Core Services and Applications und Leiter des Green IT Cube am GSI Helmholtzzentrum
50 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
Schaltschrankbau/Künstliche Intelligenz (KI) « AUTOMATISIERUNG
auch um deren Entwicklung gehen sollte. So wurde
eine Kooperation beschlossen, um den Praxiseinsatz zu
erproben und gleichzeitig die Effizienz der Lösung zu
steigern sowie den CO 2 -Footprint weiter zu senken.
„Mit der neuartigen direkten Chipkühlung betreten wir
gemeinsam technisches Neuland – und leisten gleichzeitig
Pionierarbeit, wie solche Systeme im größeren
Stil in Rechenzentren angewendet werden können“,
erläutert Kreiser. Und Uwe Scharf, bei Rittal Geschäftsführer
für den Vertrieb Deutschland, ergänzt:
„Wenn wir Wertschöpfung für die Industrie und Fortschritte
in der Forschung durch KI und High Performance
Computing erreichen wollen, müssen wir
schnell auch die Voraussetzungen in den Rechenzentren
schaffen.“
Vorbildfunktion für den
Betrieb von Rechenzentren
Je besser die praktischen Probleme bei Installation,
Betrieb und Instandhaltung gelöst werden können,
desto eher werden Betreiber von Großrechenzentren
solche Lösungen einsetzen. „Diese Infrastruktur muss
schnell auch in Deutschland entstehen, damit KI zum
Wachstumstreiber für Industrie, Forschung und Digitalindustrie
werden kann“, so Scharf weiter. „Zusammen
mit Eplan (siehe Interview S. 10) treiben wir bereits
KI-Anwendungen in der Industriesoftware voran
und mit GSI leisten wir nun die Grundlagenarbeit für
die IT-Infrastruktur – wenn wir es richtig machen,
können sich Forschung, Industrie und Digitalwirtschaft
auf diese Weise beflügeln.“
Eine der größten Herausforderungen bei der flächendeckenden
Nutzung von KI-Anwendungen ist das
Management ihres großen Energieverbrauchs. Bei der
Kooperation zwischen Rittal und GSI steht daher diese
Art der Optimierung weit oben im Lastenheft – nicht
nur auf Geräteebene, sondern im gesamten Rechenzentrum
als ganzheitliches Kühlsystem. Dafür steuert
das Darmstädter Start-up etalytics eine KI-basierte
Lösung bei – KI optimiert den KI-Einsatz. Hervorgegangen
aus einer Forschungsgruppe der TU Darmstadt,
bringt etalytics Deep-Tech-Entwicklungen aus den Bereichen
Datenanalyse, KI und Energiewissenschaften
aus der Forschung in die Praxis. Mit digitalen Zwillingen
des Systems sorgt KI aus Hessen so für mehr Energieeffizienz
beim Einsatz von KI-Anwendungen.
Übrigens: GSI öffnet die Kapazitäten im Hochleistungs-Rechenzentrum
auch für externe Kooperationspartner.
Das „Digital Open Lab“ stellt Infrastruktur
und IT-Kompetenzen bereit für gemeinsame
Entwicklungsprojekte und Kollaborationen
rund um die Themen Rechenzentrum, High Performance
Computing und KI.
www.gsi.de
www.rittal.com
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Bild: Rittal
»Um Wertschöpfung durch KI für die Industrie und Forschung zu erreichen,
muss schnell auch die IT-Infrastruktur dafür fit werden.«
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KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 51
Bild: Phoenix Contact
PSRswitch RFID in der Anwendung
Berührungsloses Schalten für höchste Sicherheit bis Kat.4/PL e
Einfache Montage,
hoher Manipulationsschutz
Mit den magnetisch wirkenden Reed-Schaltern und RFID-kodierten Sicherheitsschaltern der Produktfamilie
PSRswitch erhalten Konstrukteure in Verbindung mit den PSR-Sicherheitsrelais einen durchgängigen Baukasten
für die sichere Abfrage beweglicher trennender Schutzeinrichtungen. RFID-kodierte Schalter punkten beim Manipulationsschutz
und in vernetzten, diagnostikintensiven Anlagen. Magnetisch wirkende Reed-Schalter sind
die robuste, wirtschaftliche Wahl für viele Standardanwendungen. In beiden Fällen erleichtern die normkonforme
Montage nach DIN EN ISO 14119 und eine zweikanalige Auswertung über PSR-Relais den sicheren Nachweis
bis PL d/e gemäß DIN EN ISO 13849 – bei schlanker Feldverdrahtung und hoher Anlagenverfügbarkeit.
Florian Salmen B.Eng., Product Management Safety Automation Infrastructure, und
Manuel Ungermann M.Eng., Strategic Product Marketing Safety Automation Infrastructure, Phoenix Contact GmbH & Co. KG, Bad Pyrmont
Im Maschinenbau schließen sich Produktivität und
Personensicherheit nicht aus. Es handelt sich vielmehr
um zwei Seiten einer Medaille. Immer dann,
wenn Risiken gemäß DIN EN ISO 12100 nicht allein
durch konstruktive Maßnahmen ausreichend reduziert
werden können, kommen trennende Schutzeinrichtungen
wie Türen, Klappen oder Hauben zum
Einsatz. Deren sichere Stellung wird von Sicherheitsschaltern
überwacht.
Mit der Produktfamilie PSRswitch stellt Phoenix
Contact ein Portfolio vor, das magnetisch wirkende
Reed-Schalter und RFID-kodierte Sicherheitsschalter
abdeckt. Die Geräte lassen sich gut mit den
PSR-Sicherheitsrelais des Unternehmens kombinieren.
Im Ergebnis profitieren die Anwender von einer
einfachen Verdrahtung, hohem Manipulationsschutz
gemäß DIN EN ISO 14119 sowie einem Performance
Level (PL) bis zur Kategorie 4/PL e nach DIN EN ISO
13849 in geeigneter Architektur.
Sicherheitsschalter müssen verschiedene Normen
erfüllen. Die DIN EN ISO 14119 regelt zum Beispiel
die Auswahl und den Einbau von Verriegelungseinrichtungen.
Sie fordert unter anderem einen wirksamen
Manipulationsschutz durch geeignete Codierung
und eine Montage, die Umgehungen verhindert.
Als weitere Norm strukturieren die EN ISO 13849-1
und -2 den Prozess: Aus der Risikobeurteilung wird
der PL r bestimmt und die Architektur (Kat. 1-4) festgelegt.
Auf Basis der Bauteildaten und des Diagnosedeckungsgrads
DC avg erfolgt ferner die Ermittlung der
52 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
Sicherheitstechnik « AUTOMATISIERUNG
Wahrscheinlichkeit eines gefahrbringenden Ausfalls
pro Stunde PFH d als Ergebnisgröße. Außerdem wird
die Sicherheitsfunktion validiert. Alternativ ist die
IEC 62061 anwendbar. Die Auslegung geschieht dort
über den Safety Integrity Level (SIL) und die PFH D . In
beiden Normenbereichen unterstützt das PSR-Produktportfolio
bei der Umsetzung.
RFID- und Reed-Varianten im Vergleich
Ob Reed oder RFID: Beide Technologien zielen auf ein
sicheres Schalten ab. Bei den RFID-kodierten berührungslosen
Sicherheitsschaltern erkennt ein
elektronischer Sensor aufgrund der Codierung lediglich
den passenden Betätiger. Dies reduziert das Risiko
einer Umgehung der Sicherheitsmaßnahme durch
einen baugleichen, jedoch nicht zugeordneten Betätiger.
Neben dem hohen Manipulationsschutz überzeugen
die RFID-kodierten berührungslosen Sicherheitsschalter
durch hohe Toleranzen bei Versatz und
Vibration. Hinzu kommen die gute Eignung für eine
Reihenschaltung mit Status-/Fehlerdiagnose sowie
die hohe elektrische Lebensdauer, da die Kontaktabbrand-Thematik
hier nicht greift. Zu beachten sind
allerdings höhere Geräte- und Systemkosten als bei
einfachen Reed-Schaltern. In der Regel ist eine
Spannungsversorgung notwendig, oft in Verbindung
mit einem Auswertegerät oder einer OSSD-Schnittstelle.
Darüber hinaus müssen der Einfluss metallischer
Umgebungen sowie die Einbauabstände gemäß
Datenblatt berücksichtigt werden.
Bei den magnetisch wirkenden Reed-Sicherheitsschaltern
löst ein im Betätiger integrierter Magnet
im Sensor ein hermetisch gekapseltes Reed-Kontakt-
PSRswitch RFID in einer Reihenschaltung bis PL e
paar aus. Reed-Schalter stellen eine einfache, kosteneffiziente
Lösung bis PL e dar. Abhängig von der
Architektur lässt sich bei einer zweikanaligen Ausführung
mit PSR-Relais die Kat. 3/4 erreichen. Zudem
ist keine Elektronik im Sensorkopf erforderlich.
Die robusten Reed-Schalter in Schutzart IP65/67
bieten sich auch für raue Industrieumgebungen an.
Weitere Vorteile liegen in ihrem geringen Installa -
tionsaufwand, den großen Schaltspielzahlen sowie
dem Verzicht auf eine mechanische Betätigung. Bei
dieser Lösung ist zu bedenken, dass sich der Manipulationsschutz
als grundsätzlich geringer als bei der
RFID-Lösung erweist. Daher müssen die Kodiergrade
konstruktiv erhöht werden, zum Beispiel durch eine
verdeckte oder schwer zugängliche Montage und andere
Maßnahmen nach IEC 60947-5-3. Reed-Schalter
sind ferner anfällig für starke Fremdmagnetfelder
Bild: Phoenix Contact
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AUTOMATISIERUNG » Sicherheitstechnik
Bild: Phoenix Contact
Bild: Phoenix Contact
Magnetisch wirkende Sicherheitsschalter aus der Produktfamilie PSRswitch
PSRswitch in Kombination mit den Sicherheitsrelais PSRuni
und eine Fehlausrichtung. Deshalb müssen die Einbaurichtlinien
strikt beachtet werden. Gleiches gilt
für die Kontaktphysik, beispielsweise Prellen oder
Kontaktlasten. Für einen hohen Diagnosedeckungsgrad
ist eine zweikanalige Verschaltung mit einer
passenden Plausibilisierung unerlässlich.
Typische Einsatzbereiche
Als typische Einsatzbereiche der RFID-codierten und
Reed-Sicherheitsschalter zeigen sich Schutztüren
und -hauben an Bearbeitungszentren sowie Verpackungs-
und Montageanlagen. Sie werden ergänzt
durch Rundschalttische sowie Dreh- und Schwenkeinrichtungen,
sofern eine berührungslose Abfrage
ohne mechanische Abnutzung benötigt wird. In hygienischen
und staubigen Umgebungen verringern
die gekapselten Sensorköpfe durch Verschmutzung
entstehende Ausfallrisiken.
In Kombination mit dem Relais-Portfolio bilden die
PSR-Geräte eine sichere Brücke zwischen der Sensorik
und Aktorik: Zwei Reed-Kanäle oder zwei OSSD-
Signale werden über ein PSR-Sicherheitsrelais sicher
überwacht. Die Querschlussüberwachung sowie der
Start-/Rückführkreis sorgen für den notwendigen Diagnosedeckungsgrad.
In Verbindung mit den passenden
PSR-Relais lassen sich mehrere Schalter in Serie
verdrahten. Selbst bei der Bereitstellung von Sammelmeldungen
sowie des Einzelstatus über IO-Link
respektive klassischen Meldekontakten bleibt die
Verdrahtung im Feld schlank. Die PSR-Relais umfassen
zwangsgeführte Kontakte gemäß EN 60947-5-1,
um Motorstarter, F-Eingänge, Ventile oder Antriebe
bis zum geforderten PL zuverlässig abzuschalten. Die
kompakte Baubreite und geringe Leistungsaufnahme
der RFID-codierten und Reed-Schalter senken den
Platzbedarf im Schaltschrank und die Betriebskosten
– ein wichtiger Faktor bei Retrofit-Projekten und
Serienmaschinen.
Auslegungsschritte im Überblick
Wie sehen nun die einzelnen Auslegungsschritte
aus? Als Erstes sind eine Risikobeurteilung nach DIN
EN ISO 12100 sowie die Festlegung des PL r vorzuneh-
men. Für Zugangsstellen mit einer hohen Gefährdung
ergibt sich zum Beispiel PL e. Anschließend erfolgt
die Auswahl der Technologie. RFID-codierte Schalter
bieten sich immer dann an, wenn hoher Manipula -
tionsschutz und eine umfassende Diagnose im Vordergrund
stehen oder viele Türen in Reihe zu überwachen
sind. Reed-Schalter erweisen sich als Mittel
der Wahl, sofern eine robuste, kosteneffiziente Standardlösung
ausreicht und sich Manipulationsrisiken
konstruktiv beherrschen lassen.
Im dritten Schritt muss die Architektur definiert
werden. Zur Umsetzung des Performance Levels d/e
sind beispielsweise Kat.3/4-Geräte mit einer zweikanaligen
Auswertung über ein PSR-Relais notwendig.
Durch einen Rückführkreis und die Querschlusserkennung
erhöht sich der Diagnosedeckungsgrad. Danach
findet die Berechnung/Validierung nach DIN EN
ISO 13849-1/-2 statt. Dazu werden der PFH d - oder
B10d-Wert der Komponenten aus den Datenblättern
übernommen, der DC-Wert unter Beachtung der Diagnosefunktionen
der PSR-Relais bewertet und der
PFH d -Wert oder PL nachgewiesen. Zuletzt geschieht
die Montage gemäß DIN EN ISO 14119. Hierzu gehören
die verdeckte Anordnung des Betätigers, ausreichende
Betätigungsabstände sowie der Schutz gegen
Überbrückung. Bei den magnetischen Reed-Schaltern
muss die Absicherung vor Fremdmagneten sowie
eine mechanisch gesicherte Befestigung berücksichtigt
werden.
Um sich spätere Probleme zu ersparen, sollten
Sensorleitungen getrennt von Motorleitungen verlegt,
die Schirmung geerdet und Schleifen vermieden
werden. Mechanische Toleranzen sind bei den RFIDcodierten
Sicherheitsschaltern großzügiger auszulegen,
wohingegen bei beiden Schaltern die Ausrichtfenster
aus den Datenblättern genau eingehalten
werden müssen. Als wichtig zeigt sich außerdem die
Klärung von Umgebungsbedingungen wie Temperatur,
Reinigungschemikalien oder IP-Schutzart. Wiederkehrende
Funktionsprüfungen sollten eingeplant
werden.
www.phoenixcontact.com
Messe SPS 2025: Halle 9, Stand 310
54 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
Sicherheitstechnik « AUTOMATISIERUNG
Das Electronic-Key-System EKS2 vereinfacht die sichere Betriebsartenwahl an Maschinen und Anlagen.
Maschinenzugang und Gefahrenbereiche zuverlässig absichern
Betriebsartenwahl leicht gemacht
Eine sichere und normgerechte Betriebsartenwahl bis Performance Level e ermöglicht das Electronic-
Key-System EKS2 von Euchner. Es lässt sich einfach implementieren, bedienen und anpassen und stellt
manipulationssicher den Zugang zu Maschinen und deren Funktionen sicher. Vereinfacht wurde zudem
die Integration in industrielle Steuerungssysteme.
Bild: Euchner
Mit der MGB2 Modular, die die Anbindung an
alle etablierten Feldbussysteme ermöglicht, wird
das Portfolio der Zuhaltungen erweitert.
Bild: Euchner
IO-Link Safety für die
sichere Kommunikation
Sicherheitskomponenten mit IO-Link Safety
Euchner kombiniert seine Sicherheitskomponenten
mit den Vorteilen der sicheren Kommunikation
über IO-Link Safety. Anwender profitieren
damit von einer einheitlichen Schnittstelle
für Schalter, Zuhaltungen und
Schutztürsysteme.
Bild: Euchner
Mit dem Electronic-Key-System EKS2 können Anwender
den Zugang zu Maschinen und deren
Funktionen einfach, individuell und manipulations -
sicher verwalten. Das Komplettsystem besteht aus
einem leicht integrierbaren Auswertegerät und einer
Leseeinheit in kompaktem Design. Dazu kommen robuste
Schlüssel in unterschiedlichen Farben.
Euchner hat das System mit dem Ziel entwickelt,
dass es leicht zu implementieren, zu bedienen und anzupassen
ist – bis hin zur vereinfachten Integration der
Betriebsartenwahl mit Touchpanel. Wo zuvor hoher
Programmieraufwand in der Steuerung nötig war, ermöglicht
das EKS2 eine schnelle Konfiguration und Implementierung
durch die sichere Auswertung der Betriebsartenwahl
bereits im Gerät selbst. Die ausgewählte
Betriebsart wird anschließend nur noch über die integrierten
1-aus-n-Sicherheitsausgänge an die Steuerung
übermittelt. Damit ermöglicht das System die
Umsetzung der Betriebsartenwahl bis Performance Level
e. Personalisierte Zugriffsberechtigungen für bis zu
sechs Betriebsarten lassen sich einfach über Eingabemasken
vergeben und auf dem Schlüssel speichern.
Leichte Integration in Netzwerke
Die Datenkommunikation zur Steuerung erfolgt über
Profinet. Durch den integrierten RT-Switch lässt sich
das System einfach in bestehende Netzwerkstrukturen
integrieren. Die Transpondertechnologie Mifare Desfire
sorgt für zusätzliche Daten- und Manipulationssicherheit.
Die Verwaltung über die PC-Software Transponder
Coding TC2 und den Electronic-Key-Manager EKM2 in
Kombination mit der Programmierstation erlaubt Anwendern,
Schlüssel individuell zu beschreiben und
Rechte flexibel zu verwalten.
Für die Sicherung der Zugänge an Schutztüren und
Zäunen bietet der Hersteller ergänzend mit der MGB2
Modular eine Lösung, die zuverlässig bei Temperaturen
bis -30 °C arbeitet. Anwender erreichen damit Sicherheit
der Kategorie 4 / PL e / SIL3.
www.euchner.de, Messe SPS 2025: Halle 7, Stand 280
KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 55
AUTOMATISIERUNG » Sensoren & Messtechnik
Kleinste Strukturen und unterschiedlichste Materialien mit kompakten Geräten erfassen
Licht trifft Genauigkeit –
Präzision im Nanometerbereich
Nanometerauflösung beim berührungslosen und hochpräzisen Messen von Abständen, Positionen und Schichtdicken
ermöglichen zwei neue Controller der Baureihe confocalDT von Micro-Epsilon. Der kleinste passt selbst in
kleinste Schaltschränke. Zudem lassen sich bis zu fünf transparente Schichten innerhalb einer Messung erfassen.
Konfokal-chromatische Sensoren messen berührungslos und arbeiten materialunabhängig. Sie eignen sich
besonders für das Messen auf anspruchsvollen Oberflächen wie Glas, spiegelnden Metallen oder Siliziumwafern.
Dr.-Ing. Alexander Streicher, Produktmanager konfokal-chromatische Sensoren, Micro-Epsilon Messtechnik GmbH & Co. KG, Ortenburg
Bild: Micro-Epsilon
Konfokal-chromatische Sensoren erfassen selbst
kleinste, empfindliche Strukturen und unterschiedlichste
Materialien. Das prädestiniert sie für den
Einsatz in Branchen wie der Halbleiter- und Glasproduktion
oder der Elektronikfertigung. Konfokale Sensoren
können Auflösungen bis in den Nanometerbereich
darstellen, arbeiten verschleißfrei und messen den Abstand
sowie die Dicke von Mikrolinsen, Glas oder Folien.
Ein Vorteil im Gegensatz zu anderen Messprinzipien ist
die Möglichkeit, auf unterschiedlichsten Oberflächen –
von schwach reflektierend bis spiegelnd – präzise und
genau zu messen.
Mit der Baureihe confocalDT bietet Micro-Epsilon
eine großen Auswahl an Sensoren für verschiedenste
Messbereiche und dazu passende Controller. Eine Besonderheit
der Controller ist das schnelle und automatische
Regeln der Belichtungszeit – wichtig, um stabile
Messsignale sicherzustellen und eine schnelle Signalverarbeitung
zu ermöglichen.
Neu ist der weltweit kleinste konfokal-chromatische Controller confocalDT2411 mit einer
einstellbaren Messrate von 100 Hz bis 8 kHz und Nanometerauflösung. Für sehr schnelle
Abstands- und Dickenmessungen mit bis zu 25 kHz ist der confocalDT2416 konzipiert.
Dieser erfasst bis zu fünf Schichten mit einer Messung.
Nanometergenaue Auflösung
mit dem confocalDT2411
Neu ist der weltweit kleinste konfokal-chromatische
Controller confocalDT2411 mit einer einstellbaren
Messrate von 100 Hz bis 8 kHz und Nanometerauflösung.
Dank seiner kompakten Bauform lässt er sich problemlos
in bestehende Anlagen und Systeme integrieren
sowie einfach an einer Hutschiene montieren. So
passt er selbst in kleinste Schaltschränke.
An den Controller lassen sich nahezu alle verfügbaren
konfokalen Sensoren in den Messbereichen 100 µm
bis 30 mm anschließen. Das ermöglicht das Messen auf
nahezu allen Oberflächen sowie einseitige Dickenmessungen
auf transparenten Objekten. Ein robustes
IP40-Aluminiumgehäuse sorgt selbst unter rauen Umgebungsbedingungen
für optimalen Schutz. Hinzu
kommen Zertifizierungen gemäß Schock (DIN EN
60068-2-27) und Vibration (DIN EN 60068-2-6). Zugute
kommt dem Controller auch seine hohe Fremdlichtbeständigkeit
bis 30.000 Lux. Aufgenommene Messwerte
lassen sich digital über Ethernet, Feldbus und
RS422 oder als Analogsignale (Strom oder Spannung)
ausgeben. Anwender können die gesamte Konfigura -
tion des Controllers und der Sensoren über ein einfach
zu bedienendes Webinterface durchführen, eine zusätzliche
Software ist dabei nicht erforderlich. Für das
Messen von Dicken hat der Hersteller hierfür eine
eigens editierbare Materialdatenbank hinterlegt.
Äußerst schnelle Messrate
mit dem confocalDT2416
Ebenfalls hohe Präzision mit Nanometerauflösung verspricht
der neue, kompakte Controller confocalDT2416,
der sich ideal für sehr schnelle Abstands- und Dickenmessungen
von 100 Hz bis 25 kHz eignet. Mit dem
Controller lassen sich sogar bis zu fünf transparente
Schichten innerhalb einer Messung erfassen. Dies bezeichnet
man auch als Mehrschichtdickenmessung,
56 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
Sensoren & Messtechnik « AUTOMATISIERUNG
Dank der kompakten Bauform lassen sich die Controller in bestehende Anlagen
und Systeme integrieren und einfach an einer Hutschiene montieren.
Bild: Micro-Epsilon
Glasscheiben für das Fertigen von Displays benötigen ein homogenes Dickenprofil.
Konfokal-chromatische Sensoren ermitteln die Dicke berührungslos
und von einer Seite.
Bild: Micro-Epsilon
bei Micro-Epsilon als „Multipeak“-Option ausgewiesen.
So lassen sich mit dem Controller problemlos Materialien
wie Glas, Metall, Gummi, Spiegel, Leiterbahnen
oder Linsen vermessen, bei einem zulässigen Fremdlicht
bis 30.000 Lux.
Aufgrund seiner hohen Lichtstärke liefert der Controller
eine äußerst hohe Signalqualität und -stabilität.
Im kompakten IP40-Aluminiumgehäuse ist er optimal
geschützt und lässt sich damit in Maschinen oder Produktionslinien
unter rauen Umgebungsbedingungen
integrieren. Um den Controller in bestehende Anlagen
zu integrieren und aufgenommene Messwerte zu übertragen,
bieten sich diverse Schnittstellen wie Ethernet
oder RS422 an. Die Messwerte lassen sich ebenfalls als
Analogsignal (Strom oder Spannung) ausgeben. Zum
optimalen Steuern von Prozessen sind Encoder-Eingänge
sowie ein Synchronisations- und Schaltausgang
vorhanden. Vier Farb-LEDs zur Status-Anzeige dienen
der besseren Übersicht und Einstellbarkeit.
Einfache Integration in bestehende Anlagen
Besonders die umfangreichen Anschlussmöglichkeiten
bedienen heutige Anforderungen moderner Industrieanlagen
an die Konnektivität. So lassen sich beide Controller
bequem per Patch-Kabel über Ethernet und
Schnittstellen wie Ethernet/IP, Ethercat oder Profinet
mit einem PC oder einer SPS verbinden. Eine Verbindung
ist des Weiteren über zusätzlich erhältliche USBund
Schnittstellenmodule möglich. Mit einem umfangreichen
Zubehör zur Montage, auch unter Vakuum -
bedingungen, können Anwender die Sensoren und Controller
in unterschiedlichste Einbausituationen integrieren.
Beispiele sind etwa:
• Dickenmessung von Glas:
Für das Messen von Glasdicken in Fertigungsprozessen
eignen sich konfokal-chromatische Sensoren
sehr gut. Im Gegensatz zu anderen Messverfahren
sind konfokale Sensoren unempfindlicher gegenüber
Schwingungen und Verkippungen. Aus diesem Grund
lassen sich Sensoren des Typs confocalDT2411/16 für
die Dickenmessung von Glasscheiben beim Herstellen
von Displays in der Smartphone-Produktion einsetzen.
Hierbei ermitteln sie die Dicke berührungslos
und von einer Seite. Auch die gleichmäßige Dicke
von Containerglas lässt sich so ideal überprüfen.
• Bauteilvermessung in Koordinatenmessmaschinen:
Konfokal-chromatische Sensoren erweitern Koordinatenmessmaschinen
um die Möglichkeit, empfindliche,
transparente oder sehr kleine Bauteile, gekrümmte
Flächen, Winkel oder Konturen berührungslos
und hochpräzise zu vermessen. Aufgrund
der schnellen und berührungslosen Messung entsteht
kein Abrieb auf dem Target, zudem schwingen
die Bauteile nicht. Daher eignen sich die Sensoren
zum Messen von Schichtdicken, zur Oberflächenanalyse
oder zum Prüfen komplexer Mikrostrukturen,
wo taktile Taster an ihre Grenzen stoßen. Koordinatenmessmaschinen
profitieren dabei von der
großen Auswahl an Messbereichen und Öffnungswinkeln,
der einfachen Integration sowie den umfangreichen
Schnittstellen.
Neben den Standard-Sensoren für hochpräzise Messaufgaben
stehen übrigens konfokale Miniatursensoren
mit axialer und radialer Messrichtung im 90-Grad-
Winkel zur Verfügung, die auch in Bohrungen und Vertiefungen
messen können. Außerdem kann die erforderliche
Bauraumtiefe durch den Einsatz der 90-Grad-
Sensoren oder Modellen mit sehr kleiner Bauform reduziert
werden. Zahlreiche Möglichkeiten bieten sich
auch beim Anschluss: vom schleppketten- und robotertauglichen
Lichtleiter bis hin zu Ultrahochvakuum-
Varianten.
www.micro-epsilon.de
Messe SPS 2025: Halle 7A, Stand 130
KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 57
AUTOMATISIERUNG » News
Robuste Hybridleitungen
Ausfallsicherheit für die digitale Landwirtschaft
TKD Kabel widmet sich mit den robusten
Feldbus-Leitungen der Reihe Induline Isobus
der digitalen Landwirtschaft. Isobus
ist der weltweite Standard für Datenbus-
Anwendungen in der Landwirtschaft, wie
er in der Norm ISO 11783 festgelegt ist. Er
regelt das Zusammenspiel zwischen Traktoren
und Anbaugeräten, das sich dadurch
herstellerunabhängig über ein zentrales
Terminal steuern lässt.
Die PUR-Variante der Leitung ist für
den Dauerbetrieb und extreme Bedingungen
in der Agrartechnik konzipiert. Der
PUR-Mantel ist öl-, UV-, fett-, kühlmittel-
und schmiermittelbeständig, zudem
flammwidrig, abrieb- und kerbfest. So
bleiben Datenkommunikation und Stromversorgung
auch bei starker mechanischer
Belastung zwischen Traktor und
Anbaugerät zuverlässig erhalten. Dank
UV-, Ozon- und Hydrolysebeständigkeit
sowie Schutz vor Mikroben ist eine lange
Lebensdauer auch im Freien gewährleistet.
Die PVC-Variante bietet eine wirtschaftliche
Lösung für Anwendungen, bei
denen nicht alle Schutzmerkmale erfor-
derlich sind. Der spezielle PVC-Mantel ist
öl- und weitgehend fett- sowie kühlmittelbeständig,
UV-resistent und somit innen
wie außen einsetzbar. Beide Varianten
besitzen den typischen Isobus-Aufbau
mit vier verseilten Datenadern und zwei
Energieadern. Induline-Leitungen sind
auch kundenspezifisch konfektionierbar.
Bild: TKD Kabel
LED-Leuchten
Präzises Weißlicht und RGB-Signalisierung vereint
Bild: Binder
Mit den LED-Leuchten von Binder steht
Anwendern nun eine Technologie zur Verfügung,
die Arbeitsplatzbeleuchtung und
Statusanzeige in einem System vereint.
Ob detailgenaue Ausleuchtung mit Weißlicht
oder eindeutige Prozesssignale im
RGB-Spektrum – sie sorgen für mehr Sicherheit,
Ergonomie und Effizienz. Die
LED-Leuchten in unterschiedlichen Farbtemperaturen
ermöglichen es, das Licht
optimal an die jeweilige Anwendung anzupassen
– von einer tageslichtähnlichen
Beleuchtung für lange Arbeitsphasen bis
hin zu kontrastreichem Licht für besonders
präzise Inspektionsaufgaben. Das integrierte
Tageslichtweiß mit 4000 K sorgt
für eine gleichmäßige, flimmerfreie Beleuchtung.
Mit einem hohen Farbwiedergabeindex
(CRI > 90) lassen sich bei Prüfund
Inspektionsprozessen auch sehr kleine
Details zuverlässig erkennen.
Die Leuchte bietet das vollständige
RGBW-Farbspektrum und ermöglicht so
eindeutige Statusanzeigen. Ein weißes
Licht signalisiert einen störungsfreien Be-
trieb und zeigt dem Bedienpersonal an,
dass alle Prozesse reibungslos laufen. Tritt
hingegen eine Störung auf, warnt ein rotes
Licht sofort und alarmiert das Personal,
um ein rasches Eingreifen zu gewährleisten.
Darüber hinaus lassen sich weitere
Farben flexibel einsetzen, beispielsweise
zur Visualisierung von Prozessen oder
zur Implementierung individueller Signalcodes.
Auf diese Weise vereint die Leuchte
zwei Funktionen in einem Gerät, ohne
dass zusätzliche Signaltechnik oder ein
erhöhter Installationsaufwand erforderlich
sind. Auch kundenspezifische Ausführungen
bietet der Hersteller an – von
adressierbaren LEDs bis zu speziellen
Wellenlängen wie UV- oder IR-Licht.
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58 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 Sonderausgabe | 2025 Antreiben - Steuern - Bewe-
News « AUTOMATISIERUNG
Industriebeleuchtung
Durchdacht, leistungsstark und langlebig
Bild: Helukabel
Unter der neuen Marke Helulight halten durchdachte,
leistungsstarke und langlebige Beleuchtungs -
lösungen Einzug ins Portfolio der Helukabel GmbH.
Mit der Helulight Smart Process beispielsweise lassen
sich Prozesszustände an Maschinen und Anlagen
schnell und eindeutig visualisieren. Das Lauflicht aus
einzeln ansteuerbaren RGB-LEDs zeigt etwa Füllstände,
Temperaturverläufe oder Bearbeitungsfortschritte
visuell an. Die Helulight Solid40 wiederum
wurde speziell für anspruchsvolle Bedingungen
entwickelt, etwa für den
Einsatz in Werkzeugmaschinen und
rauen Produktionsumgebungen. Das
robuste Gehäuse mit ESG-Sicherheitsglas
schützt zuverlässig vor Kühlschmierstoffen,
Ölen und Staub. Die leistungsstarke
LED-Technologie sorgt für eine gleichmäßige,
flächige Ausleuchtung mittlerer Arbeitsbereiche.
Steckverbinder
Jetzt auch für den manuellen Einsatz
Mit dem neuen ODU-MAC Power Connector
M216 / M316 erweitert ODU sein
Portfolio um eine manuell steckbare Lösung
für Hochstrom- und Hochspan-
Bild: ODU
nungsanwendungen. Neben den Dockingund
Einbauvarianten D216 / D316 steht
damit nun auch eine Gehäusevariante aus
robustem Aluminium zur Verfügung. Der
Steckverbinder kombiniert Hochstromund
Hochspannungsübertragung bis
600 A in einem System, mit IP2X Berührschutz,
ODU Lamtac Flex-Kontakten für
geringe Steckkräfte und über 10.000
Steckzyklen Lebensdauer. Typische Einsatzfelder
sind Elektromobilität, End-of-
Line-Testing und Hochspannungsprüfungen.
Die Varianten D216 / D316 dienen als
Andocklösungen mit zwei oder drei
Powerkontakten, ideal für automatisierte
Testumgebungen. Durch die Kombination
von Hochstrom-, Hochspannungs- und
Datenübertragung in einem Connector erfüllen
sie höchste Anforderungen im Automotive-
und Battery-Testing.
Robuste Leitungen für bewegte Anwendungen
Mehr Ausfallsicherheit für Vision-Systeme
Sein Sortiment an konfektionierten Ready -
cable-Leitungen erweitert igus für bewegte Industrieanwendungen.
Neu sind Varianten mit
Steckverbindungen für Systeme des Automatisierungsspezialisten
Keyence. Konstrukteure
können die anschlussfertigen Plug-and-Play-
Leitungen direkt an High-Speed-Kameras oder
andere bewegte Komponenten anschließen und
so die Ausfallsicherheit erhöhen, ohne eigene
Verkabelungslösungen entwickeln zu müssen.
Mit dem Readychain-Service liefert igus darüber
hinaus komplette, einbaufertige Energiekettensysteme
wie die Triflex E-Kette für dynamische
Robotikanwendungen. So entstehen
montagefertige Lösungen aus einer Hand. Jährlich
werden über 10 Mio. m Chainflex-Leitun-
Bild: igus
gen auf über 200 automatisierten Anlagen gefertigt.
Jede Leitung wird elektrisch und mechanisch
getestet, die Ergebnisse fließen in einen
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KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 59
KOMPONENTEN » Spanntechnik/Prozessautomation
Konventionelle Spannsysteme für die
Zerspanung können mit digitalem
Werkstückanschlag „e-sensing“ und
hybrider Drehzuführung „HRU 1“
nachgerüstet werden.
Bild: SMW-Autoblok
SMW realisiert automatisierte Dreh-Fräsbearbeitung auch mit konventionellem Spannfutter
Automation mit Zwei-
Komponenten-Lösung
Wie lässt sich die Werkstückbearbeitung mit einem konventionellen Spannsystem
automatisieren? Die gängigste Antwort dürfte wohl „gar nicht“ oder „indem man es durch
Mechatronik ersetzt“ lauten. Bei SMW-Autoblok und SMW-electronics sieht man das
anders. Sie liefern ein Konzept, das nur zwei Komponenten benötigt, um auch mit einem
konventionellen Spannfutter automatisierte Dreh- und Fräsprozesse zu realisieren.
Am SMW-Standort in Meckenbeuren befindet es sich bereits im Einsatz.
Petra Müller, Marketing, SMW-Autoblok
60 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
Für die spanende Fertigung entwickelt und fertigt
SMW-Autoblok geeignete Spannmittel. 2021
bündelte die Gruppe ihre globalen Aktivitäten im Bereich
digitalisierter Prozesse und Automation in dem
eigenständigen Unternehmen SMW-electronics. Damit
forcierte SMW die Digitalisierung der Spannsysteme,
um Rüstzeiten zu verkürzen und eine größere
Variantenvielfalt ohne Spannmittelwechsel fertigen
zu können. Heute kann der Hersteller komplette Automationsprozesse
mit schlüsselfertigen Lösungen
aus einer Hand ausrüsten.
Für die Entwickler geht es dabei stets um zwei Fragen:
Wie erfasst ein Spannmittel alle relevanten Informationen,
damit die Steuerung den Bearbeitungsprozess
durch die Maschine fehlerfrei durchführen
lassen kann? Und: Wie werden diese vom Entstehungsort
zum Steuerungssystem übertragen? Antworten
liefern die Schlüsseltechnologien Sensorik
und induktive Kopplung. Im jüngsten SMW-Konzept
finden sie sich als digitaler Werkstückanschlag
„e-sensing“ und hybride Drehzuführung „HRU 1“ wieder.
Damit lassen sich auch bestehende konventionelle
Spannsysteme für die Zerspanung nachrüsten.
Schlüsseltechnologie Sensorik
In seiner eigenen Fertigung hat SMW eine Dreh-Fräsmaschine
Mazak Integrex mit seinem neuen Konzept
ausgestattet. Hier werden Bauteile des Spannzangenfutters
„Comot“ gefertigt. Der Prozess kann bei Beladung
durch einen Roboter vollautomatisch erfolgen.
Auf dem Spannfutter der Maschine ist dafür der digitale
Werkstückanschlag „e-sensing“ angebracht. Er
besteht aus drei Einzel-Anschlägen; auf ihnen befindet
sich jeweils eine e-sensing-Einheit.
„Ohne Sensorik ist keine Automation möglich“,
sagt Tobias Schneider, der bei SMW-Autoblok für das
Business Development verantwortlich ist. „Sie erfasst
SMW eröffnet mit dem Konzept auch
für bestehende konventionelle Spannfutter
den Weg in die digitale Fabrik.
die entscheidenden IST-
Zustände, anhand derer
eine Steuerung über
den nächsten Prozessschritt
entscheidet.“ In
der Drehbearbeitung
ist ein solcher entscheidender
Moment die Bauteilerkennung.
Erst, wenn eine
fehlerfreie Bearbeitung möglich
ist, startet der Zerspanungsvorgang.
IM FOKUS
Eine Nachrüstlösung von
SMW-Autoblok und
SMW-electronics automatisiert
die Dreh- Fräsbearbeitung
mit konventionellem
Spannfutter.
Der Werkstückanschlag wird digital
Beim e-sensing übernimmt die Sensorik genau diese
Aufgabe. Sie ermittelt, ob das zu bearbeitende Bauteil
vorhanden ist und ob es korrekt im Spannmittel
aufliegt. Die Sensoren decken einen Messbereich von
bis zu 5 mm ab. Auf diese Weise lässt sich das System
selbst in der OP 10 durchführen, bei der die unbearbeiteten
Rohteile mit ihrer unebenen Oberfläche
häufig nicht plan am Werkstückanschlag aufliegen.
Die bislang noch weit verbreitete Luftanlagekontrolle,
die nur bis zu einem Abstand von 0,02 mm arbeitet,
ist für dieses Verfahren nicht geeignet.
SMW bearbeitet verschiedene Teile auf der Mazak
Integrex. Spannmittelwechsel sind dennoch kaum
nötig. Die e-sensing-Sensoren können in insgesamt
vier Auflagepunkte gesetzt werden, wodurch sich der
Werkstückanschlag an unterschiedliche Werkstück-
Bild: SMW-Autoblok
Bild: SMW-Autoblok
Die hybride Drehzuführung HRU 1 stellt neben der induktiven Energie- und
Signalübertragung auch die Versorgung mit Luft, Öl oder Kühlmittel sicher.
Mit seinen zylinderförmigen Sensoren erfasst der
digitale Werkstückanschlag namens e-sensing das
Vorhandensein und die Lage eines Bauteils.
Bild: SMW-Autoblok
KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025 61
KOMPONENTEN » Spanntechnik/Prozessautomation
»Ohne Sensorik ist keine Automation möglich.
Sie erfasst die entscheidenden Ist-Zustände,
anhand derer eine Steuerung über
den nächsten Prozessschritt entscheidet.«
Bild: SMW-Autoblok
Bild: SMW-Autoblok
Tobias Schneider,
Business Development, SMW-Autoblok
abmessungen anpassen lässt. In der
Standardversion deckt er beim Einsatz
eines Spannfutters KNCS-2G 325
Durchmesser von 178 bis 320 mm ab.
Zusätzlich können auch die Einzel-Anschläge
über einen Schnellwechsel getauscht
werden; dafür sind lediglich zwei
Schrauben zu lösen.
Energie und Signale
kontaktlos übertragen
Die Übertragung der Messsignale erfolgt analog im
Spannungsbereich von 0 bis 10 V an die Maschinensteuerung.
Daneben ist e-sensing auch in der Lage,
seine Signale via IO-Link zu übermitteln. Die Herausforderung
besteht hierbei in der Drehbewegung der
Spindel. „Die Rotation macht weder eine Energieversorgung
der Sensorik noch eine Signalübertragung
über Kabel möglich“, schildert Tobias Schneider das
Problem. Gelöst hat es SMW mit der induktiven
Koppelung.
Mit dieser Technologie hat der Hersteller schon
mehrere Spann- wie auch Greifsysteme für die Automation
erschlossen. Sie überträgt Energie und Signale
zwischen einem Base- und einem Remote-Koppler
über einen Luftspalt von bis zu 10 mm. Damit lässt
sich eine rotierende Einheit ohne hinderliche Kabel
mit einer stationären Basis koppeln. SMW bietet die
induktiven Koppelsysteme in unterschiedlichen Varianten
an und kann damit ein breites Anwendungs-
Die Übertragung der Messsignale erfolgt analog im Spannungsbereich von 0 bis 10 V
an die Maschinensteuerung.
Die Bauteilerkennung wird über die Maschinensteuerung
überwacht. Die Beladung selbst kann komplett mannlos
erfolgen.
spektrum vom Palettenwechsel bis zum End-of-Arm-
Tooling bedienen. Für die Nachrüstlösung hat SMW
die Energie- und Signalübertragung in die Drehzuführung
integriert.
Die hybride Drehzuführung „HRU 1“ (Hybrid Rotary
Union) versorgt die Dreh-Fräsmaschine während der
Bearbeitung mit Kühlmittel. Auch die Versorgung mit
Luft oder Öl ist wahlweise möglich. Gleichzeitig verbindet
sie den digitalen Werkstückanschlag e-sensing
mit der Steuerungseinheit der Maschine. HRU 1
sitzt direkt am Zugrohr, das doppelwandig ausgeführt
ist. Es dient sowohl als Kabelführung zwischen
Remote-Koppler und Werkstückanschlag als auch als
Leitung für ein Versorgungsmedium. Bei Drehzahlen
von bis zu 7.000 min -1 liefert HRU 1 die e-sensing-
Messsignale über seine drei analogen beziehungsweise
digitalen PNP-Anschlüsse. Empfangen werden
sie von der Controlbox AI, einer Steuerungseinheit,
die SMW speziell zur Überwachung digitalisierter
Spannmittel anbietet. Sie lässt sich ebenfalls als
Nachrüstlösung in Maschinensteuerung oder SPS
einbinden. Dafür stehen neben analogen 0-10-Vund
PNP-Anschlüssen auch Schnittstellen zum IO-
Link- und Ethernet-Protokoll zur Verfügung.
SMW konnte seinen Bearbeitungsprozess auf der
Mazak Integrex seit der Spannfutter-Nachrüstung
mit e-sensing und HRU 1 in mehrfacher Hinsicht optimieren.
„Allein, dass wir einen Anschlag für mehrere
Bauteile nutzen können, bringt eine enorme Flexibilität“,
so das Fazit von Tobias Schneider. „Die beiden
größten Vorteile sind jedoch die Fähigkeit zum
OP-10-Verfahren und die Konnektivität.“ Dank ihnen
kann die Beladung komplett durch Roboter erfolgen.
Auf diese Weise macht SMW auch für bestehende
konventionelle Spannmittel den Weg in die digitale
Fabrik gangbar.
(sc)
www.smw-autoblok.com & www.smw-electronics.com
Messe SPS 2025: Halle 4, Stand 360
Bild: SMW-Autoblok
62 KEM Konstruktion|Automation » 11-12 | 2025
Maschinenelemente « KOMPONENTEN
Blick auf den neuen Horizontalprüfstand von ACE mit hochwertigem elektrischem Antrieb sowie Linearführungen, Signalprozessoren und Kraftmessern.
Hier werden alle Kleinstoßdämpfertypen für den Einsatz in Handlingsystemen für die Halbleiterproduktion vorab getestet.
Bild: ACE
ACE testet Kleinstoßdämpfer auf neuem Prüftstand
Geprüfte Dämpferauslegung macht
Halbleiterfertigung ausfallsicher
Mit kundenspezifisch dimensionierten und geprüften Kleinstoßdämpfern für die Endlagen werden
die Handlingsysteme in Laserlithografiemaschinen für die Herstellung von Elektronikchips zuver -
lässig vor zu hohen Kräften geschützt. Um die exakte Auslegung der Dämpfer sicherzustellen, hat
ACE Stoßdämpfer mit Partnern aus dem deutschen Mittelstand einen Prüfstand neu aufgelegt.
Maschinenhersteller und Anwender können sich so auf das sichere Handling der Wafer verlassen.
Die Stoßdämpfer in Kleinserie eignen sich für die hohen Anforderungen der Halbleiterherstellung
hinsichtlich Präzision und Hygiene.
Jens Frantzen M. A.; Robert Timmerberg M. A., Fachjournalist (DFJV), plus2 GmbH, Düsseldorf, Deutschland
Eine essenzielle Komponente für die Sicherheit der
Chipfertigung mittels Laserlithografiemaschinen
sind hydraulische Stoßdämpfer. Sie werden als Notstoppdämpfer
in den Bewegungsachsen der in den
Maschinen integrierten Handlingsysteme eingesetzt,
was neben der X- und Y-Achse auch die mittig angeordnete
Center-Pole-Achse (CP) betrifft. Diese Achsen
dürfen bei einem Strom- oder Steuerungsausfall
nur mit maximal zulässigen Kräften belastet werden,
damit die viele Millionen Euro teuren Maschinen unbeschadet
bleiben. Ein führender Hersteller setzt
hierbei auf Kleinstoßdämpfer der ACE Stoßdämpfer
GmbH, den zur Stabilus-Gruppe gehörenden Dämpfungsspezialisten
aus Langenfeld im Rheinland.
Deren robuste und stromunabhängige Maschinenelemente
sind reinraumtauglich und erfüllen die Anforderungen
der Branche hinsichtlich Hochwertigkeit
und Zuverlässigkeit.
In einer für ACE typischen, ausführlichen Entwicklungsphase
werden für jede der drei Achsen passende
Komponenten aus dem Kleinstoßdämpfer-Portfolio
gewählt und dann individuell auf die Anforderungen
hin angepasst. ACE geht zudem die Extra-Meile und
testet die nach Maß angepassten Dämpfer jeweils
vor der Auslieferung auf einem eigens für diese Anwendung
gebauten Prüfstand. Dazu kooperieren die
Langenfelder mit dem deutschen Unternehmen Ferchau
aus Gummersbach, spezialisiert auf Engineering-Dienstleistungen.
Gemeinsam mit Thomas Büttner, heute Leiter der
Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei Ferchau
am Standort Schweinfurt, entstand bereits 2003 ein
Prüfstand, der individuell für die Kundenanforderungen
konzipiert und konstruiert wurde. Dieser leistete
viele Jahre sehr gute Arbeit und half, die hohe Qualität
der Kleinstoßdämpfer für die Laserlithografiema-
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KOMPONENTEN » Maschinenelemente
Dämpfungstechnik in Kleinserie: Kundenspezifisch
modifizierte Kleinstoßdämpfer, die für
bestmöglichen Schutz der Endlagen des
Handlingsystems vor der Auslieferung etliche
Testläufe auf dem Prüfstand durchlaufen.
Bild: ACE
schinen zu kontrollieren und zu sichern. Als das Risiko
bestand, dass der Prüfstand bei einem Defekt aufgrund
mittlerweile fehlender Ersatzteile nicht mehr
verfügbar sein würde, wurde die Kooperation von
ACE mit Ferchau neu aufgesetzt.
Das Handlungsfeld für den neuen Prüfstand war
mit dem des alten identisch: Es galt weiterhin, drei
verschiedene Kleinstoßdämpfertypen zu testen, die
als Notstoppdämpfer in den Achsen der Laserlithografiemaschinen
eingesetzt werden. Die zu bewältigenden
Massen und Geschwindigkeiten entsprechen
den Angaben der Kunden:
• Für die CP-Achse sind 95,83 kg bei einer
Verfahrgeschwindigkeit von 1,29 m/s zu dämpfen.
• Für die Y-Achse ebenfalls 95,83 kg – jedoch mit
einem Antriebstempo von 1,08 m/s.
• Für die X-Achse sind es schließlich
26 kg bei 2,48 m/s.
Um die Aufgabe zu erfüllen, wurde ein Horizontalprüfstand
konzipiert, der die verschiedenen Massenkräfte
auf einem Schlitten mit Hilfe eines elektrisch
angetriebenen Linearmotors auf hochwertigen
Linear führungen auf die genannten Werte beschleunigt.
Gleichzeitig hatte der Endkunde neue Wünsche
an „seinen“ neuen Prüfstand, durch die er noch präzisere
Ergebnisse und letztendlich noch mehr Sicherheit
erzielen wollte.
Präzision fordert
die Antriebstechnik heraus
„Der Teststand ist eigentlich eine Verkörperung des
Impulserhaltungssatzes und kann über seinen generischen
Aufbau, seine verwendete Antriebstechnologie
sowie seine integrierte Mess- und Regelungstechnik
die geforderte Kraft-Weg-Kurve darstellen“,
erläutert Büttner die Kundenanforderungen an die
neue Evolutionsstufe. Und Stephan Melzer, Projektleiter
System- & Funktionsentwicklung bei Ferchau,
ergänzt: „Vom Kunden gab es als Anforderung ein
sehr enges Toleranzband für die Abweichung der Geschwindigkeit
des Schlittens. Diese wird bei uns im
Frequenzumrichter über einen Linien-Encoder gemessen
und nachgeregelt.“ Um nun die Genauigkeit
im Vergleich zum Vorgängersystem zu erhöhen, verbauten
die Entwickler einen Encoder mit einer Auflösung
von 50 µm. Damit kann die Geschwindigkeit
wiederholgenau mit einer Toleranz von kleiner
±0,02 m/s eingestellt werden.
Eine zweite Herausforderung betraf den Abschaltpunkt
des Antriebs. Der Wunsch lautete: Um die
Messung möglichst wenig zu verfälschen, soll der
Antrieb 1 mm vor dem Dämpfer abgeschaltet werden.
So soll nur die Bewegungsenergie der bewegten
Masse vom Dämpfer absorbiert werden. „Um das zu
erreichen, muss der Motor bei Erreichen der gewünschten
Position innerhalb von 403 µs stromlos
geschaltet werden“, so Projektleiter Melzer. „Diese
Zeiten waren mit der üblichen Kombination aus SPS
und Frequenzumrichter nicht darstellbar.“ Die Lösung
bestand darin, die Bewegung auf einem programmierbaren
Frequenzumrichter zu realisieren und die
Kommunikation über einen Industriebus zu vermeiden.
„Ein Test im Herstellerlabor hat uns das bestätigt:
Ein Industriebus wäre einfach zu langsam
gewesen.“
Reibverluste mitgedacht
– von der Simulation zum Test
Das Entwicklungsteam von ACE und Ferchau ging im
Sinne der Präzision aber noch einen Schritt weiter.
So wurden bei den Berechnungen auch Reibverluste
und sogenannte Cogging Forces (Rastmomente), also
Polfühligkeiten der Magnete des Linearmotors berücksichtigt.
Dies erfolgte über eine Gewichtskompensation.
Weil das Vorgehen auf dem Weg zum gut abgestimmten
Stoßdämpfer mehrstufig ist, wählen die
Ingenieure nun zunächst die für die jeweilige Achse
geeigneten Typen aus dem Katalogprogramm von
ACE. In einem zweiten Schritt werden dann jeweils
konkrete theoretische Auslegungen für jedes dieser
Produkte mit Hilfe einer Simulationssoftware durchgeführt.
Konkret werden dabei Anzahl und Größe der
Drosselbohrungen im Inneren der Dämpfer am Computer
simuliert, um die Kraft-Weg-Kurve zu optimie-
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KOMPONENTEN » Maschinenelemente
Bild: Ferchau
ren. Diese optimierten Bohrbilder werden folgend
in Prüflingen realisiert und die realen Messungen auf
dem Prüfstand dann mit den Simulationsergebnissen
verglichen.
Moderne Messtechnik mit Piezotechnik
Bei diesen Messungen vertraut ACE den Lösungen
der Burat & Klein Datentechnik GmbH aus Meckenbeuren
im Bodenseekreis. Es galt, bei dem neu entwickelten
Prüfstand zum einen den Dämpfungsweg
über ein Laser-Weg-Messsystem zu ermitteln und
zum anderen die tatsächliche Stützkraft über Kraftsensoren.
Hierfür installierten die Spezialisten von
Burat & Klein eine individuell angepasste Messanlage,
die MultiMessBOX. Die daran angeschlossenen
Piezo-Kraftsensoren und die Wegaufnehmer gewinnen
dann die erforderlichen Daten, die mit der Software
MessMax ausgewertet werden können.
Auf diese Weise ist es möglich, die beim Realtest
gemessene Kurve mit der in der Simulation erstellten
übereinanderzulegen – also die Theorie in der Praxis
zu validieren. „Mit der Auswertesoftware von Burat
& Klein können wir die drei essenziellen Parameter
abgleichen und die Ergebnisse automatisch in Excel
exportieren“, freut sich Jörg Küchmann, Ingenieur
aus der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von
ACE. Im vorliegenden Fall werden die maximale
Stützkraft, der maximale Dämpfungsweg und zusätzlich
die Energie – also die Fläche unterhalb der
Kraft-Weg-Kurve – ausgewertet und überprüft.
Im Alltag bei ACE läuft der Prüfstand in einem
eigenen, gesicherten Bereich. Zuerst muss er mit Gewichten
bestückt werden, je nachdem, für welche
Achse der Laserlithografiemaschine die zu prüfenden
Stoßdämpfer vorgesehen sind. Dann wird der Prüfling
in eine axial verschiebbare Dämpferaufnahme
eingeschraubt, hinter der drei Piezo-Kraftsensoren
positioniert sind. Diese Sensoren sind speziell auf die
Darstellung der geplanten automatisierten Bestückung des Prüfstands bei ACE.
zu erwartenden Kräfte kalibriert, wodurch die Messungen
noch genauer werden. Dann kann der Bediener
an einem Touch-Display die Prüfgeschwindigkeit
einstellen. Nach dem Start wird die Masse vom
Linear motor beschleunigt und fährt mit konstanter
Geschwindigkeit weiter. 1 mm vor dem Referenzpunkt
– der Kolbenstange des Stoßdämpfers – wird
die Antriebskraft abgeschaltet und die Masse fährt
mit der kinetischen Energie in den jeweiligen Klein -
stoßdämpfer.
Der speziell für den Kunden optimierte Dämpfer
verzögert sodann die Masse gleichmäßig und baut
die Geschwindigkeit entsprechend linear ab. Die von
den Piezosensoren gemessene Stützkraft bleibt dabei
über den gesamten Dämpferhub annähernd konstant.
Die gemessenen Resultate können nun mit den
zulässigen Grenzwerten der Anwendung abgeglichen
werden – so dass sich der Dämpfer entsprechend als
„in Ordnung“ oder „nicht in Ordnung“ bewerten lässt.
ACE testet so für seinen Hightech-Kunden mehrere
Tausend Dämpfer pro Jahr.
Neuer Prüfstand bietet mehr Sicherheit
Neben der erhöhten Zukunftsfähigkeit durch die
technische Aktualisierung bietet der neue Prüfstand
nun auch weitere Vorteile im Alltag. So ist er wiederholgenauer
mit seinem optimierten Messsystem und
der genaueren Steuerung in Verbindung mit dem optischen
Weg-Messsystem. Auch konnten die Toleranzen
der Messung reduziert werden – ein zusätzliches
Plus an Sicherheit für ACE und damit für den Kunden.
Außerdem verfügt der Prüfstand über ergonomische
Vorteile und ist vom Prüfpersonal besser und schneller
zu bedienen.
Derzeit wird der Prüfstand händisch mit Prüflingen
bestückt – bis zu 200 Klein stoßdämpfer werden so
pro Tag getestet. Aktuell erstellen die Entwickler deswegen
ein Konzept für einen automatisierten Bestückungsprozess,
um das Potential für mehr Tests zu
erschließen. Dafür soll jeder Prüfling für die Zuordnung
der aufgenommenen Kennlinie gescannt werden.
Eine KI-Kamera liest dazu die gravierte Seriennummer
jedes Dämpfers ein. Dann schraubt ein Roboterarm
den Probanden in den Prüfstand hinein und
nach dem Test wieder heraus. So kann ACE künftig
komplette Stoßdämpfer-Chargen vollautomatisiert
checken und per Vergleich die Kennlinien validieren.
Damit wird eine weitere Stufe der Optimierung erreicht
und die Erfolgsgeschichte des Teams der drei
deutschen mittelständischen Spezialunternehmen
ACE, Ferchau sowie Burat & Klein kann weitergehen.
www.ace-ace.de
www.ferchau.com
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