14.11.2025 Aufrufe

Klinikmagazin 03/25

  • Keine Tags gefunden...

Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!

Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.

03|25

Nov 2025

DAS GESUNDHEITSMAGAZIN AM UNIVERSITÄTSKLINIKUM JENA

TITELTHEMA

HAUTNAH

Die moderne Dermatologie

im Blick

HEILEN

Nicht nur reine Frauensache

– 20 Jahre

Interdisziplinäres

Brustzentrum


LIEBE

LESERINNEN

UND LIEBE LESER,

unser Körper wird von seinem

ganz eigenen Mantel umhüllt – der

Haut. Sie schützt unter anderem vor

äußeren Einflüssen, reguliert die

Körpertemperatur und ist das größte

Sinnesorgan. Neben dieser ganzen

Reihe an lebenswichtigen Aufgaben ist

die Haut aber noch mehr: ein Spiegel

unserer Gesundheit. So zeigen sich

etwa nicht nur Hautkrankheiten selbst

am ganzen Körper, sondern auch viele

internistische Krankheiten werden auf

der Haut sichtbar.

Am UKJ wird die gesamte Bandbreite

dermatologischer Erkrankungen und

Geschlechtskrankheiten behandelt.

Das einzige Universitätsklinikum

Thüringens ist damit ein wichtiger

Anlaufpunkt für Betroffene. In der

Klinik für Hautkrankheiten wird von

Diagnose über moderne medizinische

Versorgung bis hin zu universitärer

Forschung und Lehre alles zu

Erkrankungen der Haut abgedeckt. Wir

geben im Klinikmagazin einen Einblick

in jeden dieser Bereiche. So erzählen

etwa Patientinnen, wie ihnen am UKJ

bei ihrer schweren Neurodermitis

beziehungsweise Weizenallergie

geholfen wurde. Kommen Sie mit in die

Wundsprechstunde oder den Derma-

OP des Hauttumorzentrums. Mehr zu

erfahren gibt es außerdem über die

3D-Modelle des dermatologischen

Forschungslabors.

Auch über das Titelthema hinaus

finden Sie im Klinikmagazin wieder

spannende Themen, darunter wie die

Brachytherapie neue Behandlungsperspektiven

bei Leberkrebs eröffnet,

das Interdisziplinäre Brustzentrum am

UKJ, das in diesem Jahr sein 20-jähriges

Bestehen feiert, oder wie ein Blockpraktikum

Medizinstudierende für die

Arbeit auf dem Land begeistert.

Wir wünschen eine erkenntnisreiche

Lektüre

Ihre „Klinikmagazin“-Redaktion

Foto: Anusorn - stock.adobe.com

TITELINTERVIEW: HAUTNAH

Die Haut: Schutz, Stimmungsanzeiger und Sinnesorgan . . . . . . . . . . . . 7

Die Klinik für Hautkrankheiten mit Poliklinik am UKJ . . . . . . . . . . . . . . 8

Neurodermitis: Endlich wieder den Sohn umarmen . . . . . . . . . . . . . . . 10

Hauttumorzentrum: Früh erkennen und gezielt behandeln. . . . . . . . . . 12

Ohne Histologie selten eine Diagnose. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13

Die operative Entfernung von Hauttumoren im Hauttumorzentrum. . . . . 14

Kompetenz für komplexe Allergien im JenaAllergieCentrum (JAC) . . . . . . . 16

Wenig bekannten Hautkrankheiten auf der Spur. . . . . . . . . . . . . . . . 19

Syphilis: Von König Ludwig bis Tinder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20

Reisedermatosen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21

Wundsprechstunde: Wenn Wunden nur schwer heilen . . . . . . . . . . . . . 22

Dermatologisches Forschungslabor: Haut im 3D-Modell . . . . . . . . . . . .28

AKTUELLES

Herzchirurgie-Enthusiastenclub bringt Medizinstudierende zusammen . . .30

Wenn Mutter und Tochter in der Kinderkrankenpflege

arbeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32

Keine reine Frauensache: 20 Jahre Interdisziplinäres Brustzentrum . . . . . 34

HEILEN

Brachytherapie: Winzige Strahlenquelle gegen Leberkrebs. . . . . . . . . . 36

FORSCHEN

Biochemiker Alexander Mosig ist Professor Tierversuchsersatzmethoden . .38

Auch Psychotherapie kann Nebenwirkungen haben . . . . . . . . . . . . . .39

Bessere Versorgung nach Suizidversuch für weniger Rückfälle . . . . . . . .40

LEHREN

Neuer Professor für Geriatrie. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41

Mit Blockpraktikum Medizinstudierende für Arbeit auf dem Land begeistern . .42

HINTER DEN KULISSEN

Gute Seele der Blutspende geht in den Ruhestand . . . . . . . . . . . . . . .44

KURZ UND KNAPP. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46

TERMINE & KONTAKTE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .50

2 03 | 25


STANDPUNKTE

Von den Erstsemestern bis zu den Nobelpreisträgern

Eine ereignisreiche Woche im Oktober

Prof. Dr. Thomas Kamradt. Foto: Stein/Jena

Die erste Oktoberwoche hat wie unter

einem Brennglas gezeigt, wofür die

Universitätsmedizin steht, und was

sie leisten kann: Am ersten Oktober

trat Prof. Dr. Alexander Mosig, der

schon lange erfolgreich an unserer

Fakultät forscht, die neu eingerichtete

Professur für Tierversuchsersatzmethoden

in der Infektions- und

Entzündungsforschung an.

Zum einen stärken wir damit unseren

Forschungsschwerpunkt Sepsis und

Infektionsmedizin, zum anderen treiben

wir so die Entwicklung von Forschungsmethoden

voran, die die Zahl der

notwendigen Tierversuche verringern

können. Viele Fragestellungen werden

im Tiermodell untersucht, weil wir

keine besseren Testsysteme haben.

Die Gewebe-Biochips, die Alexander

Mosig entwickelt, bilden die Infektion

mit Viren oder Bakterien modellhaft

nach und ermöglichen so Tests unter

kontrollierten Bedingungen.

Die Träger des diesjährigen Medizin-

Nobelpreises, die am 6. Oktober bekannt

gegeben wurden, wurden für die Entdeckung

der regulatorischen T-Zellen

geehrt, die unser Immunsystem im

Gleichgewicht halten. Die Erkenntnisse

von Shimon Sakaguchi, Mary Brunkow

und Fred Ramsdell wurden sowohl in

Tierversuchen, als auch in Studien an

Patienten gewonnen. Sie helfen, das

Immunsystem besser zu kontrollieren

und es uns zunutze zu machen für künftige

Behandlungsmethoden, etwa gegen

Autoimmunkrankheiten, Allergien oder

Krebs. Die Therapiemöglichkeiten der

Dermatologie, der diese Ausgabe des

Klinikmagazins gewidmet ist, werden

durch diese Entdeckungen erweitert

werden. Die mit dem diesjährigen

Nobelpreis ausgezeichnete Forschung

ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür,

dass erkenntnisorientierte Grundlagenforschung

eine wesentliche

Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

ist. Eine weitere unverzichtbare

Voraussetzung ist eine exzellente

Forschungsinfrastruktur.

Deshalb sorgen wir, so gut es geht,

dafür, die Bedingungen an unserem

Klinikum so forschungsfreundlich wie

möglich zu gestalten, damit unsere

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Antworten auf drängende

medizinische Fragen finden können.

Diese Antworten werden uns zum

Beispiel helfen, Krankheiten früher zu

erkennen, sie individuell zu behandeln

oder effektivere Versorgungsstrukturen

zu entwickeln.

Am 8. Oktober schließlich begannen

die Studieneinführungstage an

unserer Fakultät. In diesem Wintersemester

begrüßten wir knapp 400

junge Menschen, die ihr Studium der

Human- oder Zahnmedizin oder in

einem unserer Masterstudiengänge

aufnehmen. Ihre Ausbildung ist eine

unserer zentralen Aufgaben. Sie soll

die zukünftigen Ärztinnen und Ärzte

optimal auf ihre anspruchsvolle Tätigkeit

vorbereiten – sowohl fachlich

als auch persönlich. Sie sollen nicht

nur über fundiertes Wissen verfügen,

sondern auch über die notwendigen

„Diese

drei Ereignisse der

ersten Oktoberwoche

stehen für das Herzstück

der Universitätsmedizin,

die Pflege der Wissenschaft

in Forschung

und Lehre.“

Kompetenzen, um

komplexe medizinische

Probleme zu lösen, in interprofessionellen

Teams zu arbeiten

und sich kontinuierlich weiterzubilden.

Diese drei Ereignisse der ersten Oktoberwoche

stehen für das Herzstück

der Universitätsmedizin, „die Pflege

der Wissenschaft in Forschung und

Lehre“, wie es im Gesetzestext steht.

Wir haben im Freistaat Thüringen

einen verlässlichen Partner für die

Weiterentwicklung der Lehre und für

die Verbesserung der wissenschaftlichen

Infrastruktur. Er darf dafür mit

kompetent ausgebildetem ärztlichen

und zahnärztlichen Nachwuchs, neuen

medizinischen Erkenntnissen und

optimaler medizinischer Betreuung

für Thüringen rechnen.

Prof. Dr. Thomas Kamradt

Dekan der Medizinischen Fakultät

und Wissenschaftlicher Vorstand des

Universitätsklinikums Jena

Titelbild: Pixel-Shot - stock.adobe.com

03 | 25

3


HAUTNAH

Die Haut ist mit etwa zwei Quadrat metern

und einem Gewicht von bis zu zehn Kilo

das größte Organ des Menschen. Sie erfüllt

als Schutz barriere vielfältigste lebenswichtige

Funktionen und ist Spiegel bild

unserer psychischen und physischen

Verfassung. Doch die Haut kann auf ganz

vielfältige Weise erkranken. Ein Gespräch

mit Prof. Dr. Mario Fabri, Direktor der Klinik

für Dermatologie am UKJ.

Die Haut wird oft als echtes Wunder

der Natur bezeichnet. Wie lässt sich

das begründen?

Prof. Fabri: Tatsächlich ist unsere

Haut ein erstaunliches Organ – nicht

nur das größte, sondern auch eines

mit den vielseitigsten Funktionen im

gesamten Körper. Zum einen schützt sie

uns vor äußeren Einflüssen wie Kälte,

Wärme, Keimen und UV-Strahlung,

zum anderen dient sie unter anderem

als Sinnesorgan, kommuniziert mit

unserem Immunsystem und spielt

sogar eine Rolle bei der Hormonproduktion.

Evolutionsbiologisch gesehen

hat sie gelernt, intelligent und flexibel

auf Veränderungen, wie zum Beispiel

veränderte klimatische Bedingungen

und neue Infektionen, zu reagieren

und uns so in unterschiedlichen

Lebensräumen optimal zu schützen

und zu unterstützen.

Stichwort vielfältigste Funktionen.

Ebenso vielfältig sind auch

Erkrankungen der Haut. Macht

das für Sie die Faszination für Ihr

Fachgebiet aus?

Prof. Fabri: Genau diese unglaubliche

Vielseitigkeit ist es, die mich

an der Dermatologie so fasziniert:

angefangen bei besagter Biologie

der Haut bis hin zu ihrer enormen

Bandbreite an Erkrankungen. In

4 03 | 25


TITELTHEMA

Foto: megaflopp- stock.adobe.de

vielen dermatologischen Lehrbüchern

werden heute über 1.000 verschiedene

Diagnosen beschrieben, manche

geben sogar 2.000 an. Doch was mich

persönlich immer wieder begeistert,

ist das hochkomplexe Immunsystem

der Haut. Unser heutiges Verständnis,

wie das Immunsystem des Menschen

insgesamt funktioniert, stammt vor

allem auch aus der dermatologischen

Forschung. Und weil zudem sehr viele

therapeutische Ansätze an der Haut

erforscht wurden, ist die Dermatologie

in vielen Bereichen der Medizin in Bezug

auf neuartige Therapien führend.

Hinzu kommt mein persönliches Faible

für Infektionserkrankungen und Immunologie.

Infektionen machen einen

Großteil der Hauterkrankungen aus:

Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten – alle

Erregergruppen können die Haut

befallen und sowohl harmlose als

auch schwerwiegende Erkrankungen

hervorrufen. Darüber hinaus ist es

spannend, dass wir aufgrund der

zunehmenden weltweiten Reiseaktivität

der Bevölkerung mit immer mehr

importierten Hauterkrankungen aus

anderen Teilen der Welt konfrontiert

werden, für die wir Anlaufstelle sind

und Diagnosen stellen. Und nicht

zuletzt sehen wir auch die Auswirkungen

des Klimawandels in der

dermatologischen Praxis. Infektionskrankheiten

verändern sich, neue

Erreger tauchen auf – das alles macht

auch unser Fachgebiet dynamisch,

aktuell und medizinisch relevant.

Ist die Dermatologie da manchmal

ein unterschätztes Fach?

Prof. Fabri: Absolut. Sowohl in der

Allgemeinbevölkerung als auch in der

Fachwelt. Wenn von Hauterkrankungen

die Rede ist, denken viele zunächst an

alltägliche beziehungsweise häufige

Hauterkrankungen wie Akne, Herpes

oder Haarausfall. Dabei gibt es darüber

hinaus eine enorme Bandbreite von

Hauterkrankungen – mit sehr unterschiedlichen

Verlaufsformen, von

milden bis hin zu schweren, mitunter

lebensbedrohlichen Verläufen.

Was ebenfalls oft unterschätzt wird:

Hauterkrankungen stehen in engem

Zusammenhang mit der Inneren

Medizin. Sie spielen sich nicht nur in

der Haut ab, sondern sie können auch

mit relevanten inneren Erkrankungen

einhergehen. Die Schuppenflechte

ist ein gutes Beispiel. Wir wissen,

dass Schuppenflechte-Patientinnen

und -Patienten häufig nicht nur

Entzündungen der Haut, sondern auch

der Gelenke oder Gefäße haben. Daher

können Herz-Kreislauf-Erkrankungen

mit Entzündungen der Haut verbunden

sein. Fazit: Hauterkrankungen betreffen

häufig den ganzen Körper, und umgekehrt

zeigen sich viele internistische

Erkrankungen an der Haut. Deshalb ist

es keine Seltenheit, dass wir Dermatologinnen

und Dermatologen internistische

Erkrankungen als Erste erkennen,

weil die Haut die ersten sichtbaren

Hinweise liefert.

Zurück zu den zahlreichen verschiedenen

Diagnosen: Entzündungen,

Infektionen, Allergien, Autoimmunerkrankungen,

Hauttumoren – die klare

Unterteilung in Krankheitsgruppen

erscheint teilweise schwierig?

Prof. Fabri: Das stimmt. Geschichtlich

ist das spannend: Seit Hunderten von

Jahren hat die Dermatologie versucht,

Ordnung in dieses Chaos zu bringen.

Am Anfang wurde versucht, die Erkrankungen

danach zu klassifizieren, was

mit bloßem Auge sichtbar war. Mit dem

Aufkommen der Mikroskopie verlagerte

sich der Fokus auf die Histologie und

Pathologie, also darauf, was im Gewebe

unter dem Mikroskop zu erkennen

war. Heute erleben wir erneut einen

Umbruch. Durch neue Forschungsmethoden

verstehen wir die Genetik und

die wirklichen Prozesse in der Haut viel

besser. Das führt dazu, dass wir Krankheitsbilder

neu denken und einordnen.

Für unsere Patientinnen und Patienten

bedeutet das ganz konkret: Wir können

immer häufiger maßgeschneiderte

Therapien entwickeln. Und in dieser

personalisierten Medizin sind wir als

Uniklinik führend.

Beim Thema Haut und Immunsystem

fällt einem sofort Vitamin D ein….

Prof. Fabri: Unbedingt. Vitamin D ist im

Grunde gar kein Vitamin, sondern ein

Hormon. Und dieses Hormon steuert

eine Vielzahl von Prozessen im Körper.

Außerdem spielt Vitamin D eine große

Rolle für das Immunsystem und hat

damit Einfluss auf viele Erkrankungen.

03 | 25

5


TITELTHEMA

Vor etwa zehn Jahren war die Hoffnung

groß, dass wir durch die Erhöhung

des Vitamin-D-Spiegels – etwa durch

Nahrungsergänzung – zahlreiche

Erkrankungen positiv beeinflussen

könnten. Doch wie so häufig in der

Medizin zeigte sich, dass der menschliche

Körper dann doch viel komplexer

ist. Es spielen viele weitere Einflussfaktoren

eine Rolle, sodass das alleinige

Substituieren von Vitamin D leider

nicht den erhofften durchschlagenden

Effekt hatte. Für mich persönlich war

das durchaus eine Enttäuschung, da

ich stark in die Vitamin-D-Forschung

involviert war. Aber so funktioniert

Wissenschaft. Wir formulieren Hypothesen,

prüfen sie kritisch und lernen

auch aus den aufgezeigten Grenzen

und Rückschlägen.

Dennoch konnten wir aus dieser

Forschung wichtige Erkenntnisse

gewinnen, die nach wie vor relevant

sind.

Eines Ihrer aktuellen Forschungsprojekte

befasst sich speziell mit der

Rolle des Immunstoffwechsels bei

der Entstehung von Hautkrebs. Was

erhoffen Sie sich?

Prof. Fabri: Es gibt zahlreiche Beispiele

dafür, wie unser wachsendes Verständnis

der Prozesse in der Haut zur Entwicklung

neuer Therapieoptionen geführt

hat. Die bahnbrechenden Fortschritte,

die wir heute in der Behandlung von

metastasierendem Hautkrebs, etwa

beim malignen Melanom oder weißen

Hautkrebs, sehen, basieren maßgeblich

auf einem besseren Verständnis

des Hautimmunsystems. Und da der

Stoffwechsel die gesamten chemischen

Prozesse wie Energieerzeugung, Aufbau

oder Umwandlung von biologischen

Bausteinen in unserem Organismus

steuert, gehen wir davon aus, dass sich

durch gezielte Beeinflussung dieser

Stoffwechselprozesse auch immunbasierte

Therapien weiter verbessern und

individueller gestalten lassen.

Bei Hautkrebs gelingt es uns heute,

etwa die Hälfte der Patientinnen und

Patienten erfolgreich zu behandeln. Die

andere Hälfte spricht aber leider nicht

ausreichend auf die verfügbaren Therapien

an. Diese therapeutische Lücke

wollen wir schließen und langfristig

mehr Menschen eine personalisierte,

wirksame Behandlung ermöglichen.

Ein Forschungsschwerpunkt am UKJ

ist Altern und damit verbundene

Erkrankungen. Speziell bei der

Hautalterung unterscheiden wir

intrinsische und extrinsische Alterungsprozesse.

Was heißt das genau?

Prof. Fabri: Wir wissen, dass Alterungsprozesse

in den Zellen unvermeidlich

sind und dass sie die Entstehung

und den Verlauf vieler Erkrankungen

beeinflussen. Auch bestimmte Hauterkrankungen,

wie zum Beispiel weißer

Hautkrebs, entstehen im höheren

Lebensalter. Das liegt daran, dass die

zellulären und biologischen Alterungsprozesse

mit der Zeit voranschreiten

und es dem Körper nicht mehr gelingt,

diese zu kontrollieren oder aufzuhalten.

Dabei unterscheiden wir die beiden

Formen der Hautalterung: Intrinsisch

bezeichnet die natürlichen, biologisch

gesteuerten Prozesse, bei denen

also die Ursache der Alterung in den

Zellen selbst liegt. Extrinsisch meint

Prof. Dr. Mario Fabri,

Direktor der Klinik für

Hautkrankheiten,

am Mikroskop.

Foto: Rodigast/UKJ

hingegen die durch Umweltfaktoren

wie UV-Strahlung, Rauchen, ungesunde

Ernährung oder Umweltverschmutzung

beschleunigte Alterung der Haut.

Natürlich spielt auch die genetische

Veranlagung eine wichtige Rolle bei

der Hautalterung, das können wir

nicht ändern. Was wir aber sehr wohl

beeinflussen können, ist der Umgang

mit unserer Haut, zum Beispiel durch

gesunde Lebensgewohnheiten und

gezielte Vorsorgemaßnahmen wie

angemessenen Sonnenschutz.

Interview: Annett Lott

KONTAKT

Prof. Dr. Mario Fabri

Direktor der Klinik für

Hautkrankheiten

Mario.Fabri@med.uni-jena.de

6 03 | 25


TITELTHEMA

Schutz, Stimmungsanzeiger und Sinnesorgan

Aufbau und Funktionen der Haut

Sie leistet täglich mehr, als man denkt: die Haut. Sie ist

Schutzschild, Sinnesorgan sowie Temperatur- und Feuchtigkeitsregler.

Häufig ist die Haut auch ein Spiegelbild unserer

Gesundheit. Menschen, die etwa zu wenig rote Blutkörperchen

im Blut haben, sind dauerhaft blass. Ist die Leber entzündet,

wird die Haut gelblich. Zum Vorschein kommen auch viele

Infektionskrankheiten auf der Haut. Dazu gehören etwa

Windpocken, Röteln oder Masern. Die Haut verrät zudem viel

über unsere Stimmung, zeigt unseren Gemütszustand. Sind

Menschen aufgeregt, verstärkt sich oft die Durchblutung – wir

erröten, deutlich sichtbar auch für unser Gegenüber. Kreidebleich

werden wir hingegen vor Schreck.

Mit einer Oberfläche von eineinhalb bis zwei Quadratmetern

und einem Gewicht von dreieinhalb bis zehn Kilogramm ist die

Haut unser größtes Körperorgan, das zum Teil lebenswichtige

Funktionen erfüllt. Die Haut besteht aus drei Schichten. Unterschieden

wird in die Oberhaut, die sogenannte Epidermis,

die Lederhaut, auch Dermis genannt, und die Unterhaut, die

Subkutis. Jede für sich hat ganz unterschiedliche Aufgaben.

Die Oberhaut bildet eine schützende Hornschicht, die Krankheitserreger

abwehrt. In ihrer Basalzellschicht bilden sich

ständig neue Hautzellen. Diese verhornen und wandern nach

oben, wo sie dann abgestoßen werden. Die durchschnittlich

etwa 0,1 Millimeter dicke Oberhaut erneuert sich somit alle

vier Wochen vollständig.

Unter der Oberhaut liegt die Lederhaut, die aus dichtem

Bindegewebe besteht. In ihr befinden sich Blut- und Lymphgefäße

sowie Nervenzellen, mit denen Sinne wie Schmerz,

Berührung oder Druck wahrgenommen werden. Auch die für

den Wärmeausgleich wichtigen Schweißdrüsen und die Talgdrüsen

sind in der Lederhaut zu finden, ebenso Haarwurzeln

und Zellen für die Immunabwehr.

Die dritte Hautschicht ist die Unterhaut, die sich vor allem aus

Binde- und Fettgewebe zusammensetzt, durch das Nerven

und Blutgefäße verlaufen. Das Unterhautfettgewebe dient

als Energiespeicher und zum Schutz vor Kälte.

Theresa Wahl

Haar

Oberhaut

Lederhaut

Haarmuskel

Haarwurzel

Haarpapille

Nervenfaser

Schweißdrüse

Blutgefäße

Vene

Arterie

Grafik: anton91815 - stock.adobe.com

Unterhaut und

Fettgewebe

03 | 25

7


TITELTHEMA

Die Klinik für Hautkrankheiten mit Poliklinik am UKJ

Zentrale Anlaufstelle für dermatologische Erkrankungen und Geschlechtskrankheiten

Die Klinik für Hautkrankheiten am

UKJ deckt die gesamte Bandbreite an

dermatologischen Erkrankungen ab. Ob

allgemeine Dermatologie oder spezialisierte

Versorgung von entzündlichen

und infektiösen Hautkrankheiten,

Autoimmunerkrankungen, bösartigen

Hauttumoren und deren Vorstufen,

chronische Wunden, genetisch

bedingte Hauterkrankungen oder Allergien

– Betroffene jeden Alters finden

am UKJ Hilfe.

Ganz gleich ob für akute oder chronische

Erkrankungen der Haut oder

Geschlechtskrankheiten: Zentrale

Anlaufstelle für Patientinnen und

Patienten ist zunächst die Poliklinik.

Hier wird die Diagnose gestellt und

gesteuert, wie es weitergeht. So erfolgt

die Behandlung der Hauterkrankungen

je nach Form und Schwere ambulant,

teilstationär oder stationär.

Die Poliklinik verbindet als Teil

der Klinik für Hautkrankheiten die

moderne medizinische Versorgung

mit der universitären Forschung

und Lehre. Ein Team aus erfahrenen

Fachärztinnen und -ärzten, Ärztinnen

Auf Station: Das erfahrene Team aus Ärztinnen und Ärzten,

Pflegekräften und medizinisch-technischem Personal versorgt

die Patientinnen und Patienten in der Jenaer Hautklinik.

Fotos: Rodigast/UKJ

8 03 | 25


und Ärzten in Weiterbildung, Pflegekräften

und medizinisch-technischem

Personal versorgt mit Hilfe eines

breiten Spektrums an Diagnostik

und Behandlungsmöglichkeiten die

Patientinnen und Patienten. Zudem

ist es für diese möglich, an klinischen

Studien teilzunehmen.

Darüber hinaus werden im Zuge der

interdisziplinären Versorgung Patientinnen

und Patienten anderer Abteilungen

am UKJ durch die Hautklinik

betreut, ebenso werden Kolleginnen

und Kollegen anderer Fachbereiche

bei speziellen Fragestellungen bei

Hauterkrankungen hinzugezogen. Als

Hochschulambulanz wird auch den

niedergelassenen Fachärztinnen und

-ärzten beratend zur Seite gestanden,

insbesondere bei Patientinnen

und Patienten mit unklarer oder

seltener Diagnose und therapieresistenten

Erkrankungen.

(tw)

Auf einen Blick

Poliklinik der Klinik für Hautkrankheiten

Sprechstunde:

nur nach Terminvereinbarung.

Anmeldung: 03641 9-32 88 10

dermatol.poliklinik@med.uni-jena.de

Spezialsprechstunden

Allergologie:

Sprechstunde:

nur nach Terminvereinbarung

Anmeldung: 03641 9-32 88 10

dermatol.poliklinik@med.

uni-jena.de

Lasertherapie:

Sprechzeiten: Di., Mi., Fr. 8.00 – 12.00 Uhr

sowie nach Vereinbarung

Anmeldung: 03641 9-32 88 60

privatsprechstunde.derma@

med.uni-jena.de

Andrologische Sprechstunde:

Sprechzeiten: Mi. 10.00 – 11.30 Uhr

sowie nach Vereinbarung

Anmeldung: 03641 9-32 88 10

Onkologische Sprechstunde:

Sprechzeiten: Mo., Di., Mi., Fr. 8.00 – 12.00 Uhr

Anmeldung: 03641 9-32 88 10

Privatsprechstunde:

Dermatologisch-rheumatologische

Gemeinschaftssprechstunde:

Sprechzeiten: Di. 15.00 – 18.00 Uhr

alle drei bis vier Wochen

Anmeldung: 03641 9-32 88 10

Sprechzeiten: Di. 8.00 – 12.00 Uhr

13.00 – 15.00 Uhr

Mi.

8.00 – 12.00 Uhr

Fr.

8.00 – 12.00 Uhr

sowie nach Vereinbarung

Anmeldung: 03641 9-32 88 60

privatsprechstunde.derma@

med.uni-jena.de

Kollagenosen-Sprechstunde:

Sprechzeiten: Mi. 14.00 – 15.00 Uhr

alle zwei bis vier Wochen

und nach Vereinbarung

Anmeldung: 03641 9-32 88 10

Wundsprechstunde:

Sprechzeiten: Mo. 8.15 – 12.00 Uhr

Do.

13.00 – 16.00 Uhr

Anmeldung: 03641 9-32 88 10

Wundsprechstunde.derma@

med.uni-jena.de

03 | 25

9


TITELTHEMA

Endlich wieder den Sohn umarmen

Moderne Therapie hilft Patientin mit schwerer Neurodermitis

Wer Tamara Köllner heute sieht, kann

sich kaum vorstellen, dass ihre Haut

noch vor sieben Jahren so angegriffen

war, dass jede Berührung schmerzte.

Der Leidensweg der 45-Jährigen beginnt

aber bereits vor der Diagnose Neurodermitis.

Denn im Alter von 22 Jahren

ist sie plötzlich auf eine Lebertransplantation

angewiesen, weil sie an

Morbus Wilson leidet. Die sogenannte

Kupferspeicher-Krankheit, eine seltene

Erbkrankheit, bei der Kupfer nicht

richtig ausgeschieden wird und die

Leber angreift, wirft ihr Leben aus

der Bahn.

Die lebensrettende Transplantation

erfolgt 2002 in der Klinik für Allgemein-,

Viszeral- und Gefäßchirurgie am

UKJ. Immunsuppressive Medikamente

gehören danach zum Alltag der jungen

Frau. Wenige Monate nach der Transplantation

bemerkt sie, dass sie viele

Nahrungsmittel nicht mehr verträgt.

Außerdem hat Tamara Köllner nun

mit Hautveränderungen zu kämpfen,

die ihr den Schlaf rauben. „Meine

Haut hat von Kopf bis Fuß gejuckt,

war extrem gerötet und entzündet.

Zunächst hatte ich Angst, dass es mit

einer Abstoßungsreaktion zusammenhängen

könnte“, erinnert sie sich.

Nach massivem Haarausfall trennt

sie sich von ihren langen Haaren. Es

gibt Tage, da traut sie sich kaum aus

der Tür, weil sie die Reaktionen in der

Öffentlichkeit verletzen. Damals lebt

sie noch in Sachsen und sucht immer

wieder bei verschiedenen Ärztinnen

und Ärzten nach einer Antwort, woran

sie leiden könnte.

Suche nach der Nadel

im Heuhaufen

2009 erhielt sie in der Klinik für

Hautkrankheiten am UKJ endlich die

Antwort und die Expertinnen und

Experten stellen eine schwergradige

Neurodermitis fest. „Die Neurodermitis,

auch atopisches Ekzem genannt, ist

eine der häufigsten chronisch-entzündlichen

Hauterkrankungen weltweit und

eine der Hauterkrankungen, die wir am

meisten in der Poliklinik sehen und

behandeln. Bis zu zehn Prozent der

Erwachsenen sind davon betroffen.

Bei Kindern und Jugendlichen sind es

sogar bis zu 20 Prozent. Damit ist es

bei ihnen die häufigste chronische

Hauterkrankung überhaupt“, erklärt

Dr. Susanne Darr-Foit, Oberärztin an

der Jenaer Hautklinik. „Am Beispiel

von Tamara Köllner, die häufig stigmatisiert

wurde, wird deutlich, wie wichtig

Aufklärung über Neurodermitis ist. Die

Erkrankung ist nicht ansteckend.“ Die

Ursachen seien multifaktoriell. Neben

einer genetischen Grundlage für die

Erkrankung spielen hauptsächlich

Umweltfaktoren, eine gestörte Hautbarriere

sowie eine Fehlregulation des

Immunsystems eine tragende Rolle.

Durch die gestörte Barriere der Haut

ist diese nicht in der Lage, angemessen

auf mechanische oder chemische Reize,

Allergene oder mikrobielle Einflüsse zu

reagieren. Häufig sind Patientinnen und

Patienten mit schwerem atopischem

Ekzem von sogenannten Superinfektionen,

vor allem durch Viren oder Bakterien,

betroffen. „Unsere Patientin ist

ein schwerer und besonderer Fall. Die

veränderte Immunitätslage nach der

Transplantation unter Einwirkung der

Immunsuppressiva hat sozusagen ihre

Neurodermitis und Allergien begünstigt“,

so die Neurodermitis-Expertin.

10 03 | 25


Wie auch andere Neurodermitis-

Patientinnen und -Patienten leidet

Tamara Köllner nicht nur unter extrem

trockener Haut, sie zeigt vor allem

verschiedenste Nahrungsmittelallergien.

Milchprodukte, Fisch und Eier

sind für sie beispielsweise Tabu. Das

Team der Jenaer Hautklinik begleitet

Tamara Köllner nun schon seit Jahren.

Anfangs sind stationäre Aufenthalte

unumgänglich bei ihr. Sie wird mit

antimikrobiell wirksamen Substanzen,

verschiedenen Salbentherapien und

Dr. Susanne Darr-Foit (links),

Oberärztin der Klinik für

Hautkrankheiten, untersucht

Tamara Köllner in der Poliklinik.

Fotos: Rodigast/UKJ

Ein Handyfoto zeigt, wie gerötet und

angegriffen die Haut der Patientin noch

vor ein paar Jahren war.

mit einer Form der Lichttherapie

behandelt. „Hierbei erhielt sie UVA1-

Kabinenbestrahlungen“, so Susanne

Darr-Foit. Außerdem waren mehrere

Kortison-Stoßtherapien notwendig.

Und doch bleibt die Neurodermitis

für Tamara Köllner eine Qual, die ihr

Leben bestimmt.

Neurodermitis stabilisieren

2016 kommt ihr Sohn in der Jenaer

Geburtsmedizin zur Welt. Die Schwangerschaft

verläuft gut, auch dank der

interdisziplinären Zusammenarbeit

zwischen Geburts- und Hautmedizinerinnen

und -medizinern. Zum

Wendepunkt in der Therapie kommt

es zwei Jahre später. Die konventionellen

Therapiemöglichkeiten sind

ausgeschöpft. Damals tauscht sich das

Team der Jenaer Hautklinik gemeinsam

mit den Expertinnen und Experten der

Klinik für Allgemein-, Viszeral- und

Gefäßchirurgie aus und diskutiert, ob

ein neuartiges Medikament bei der

Patientin, insbesondere im Kontext

der Organtransplantation, eingesetzt

werden kann. Schließlich entscheiden

sie sich gemeinsam mit Tamara Köllner

für den Einsatz von Dupilumab, einem

Biologikum, das in Spritzenform

verabreicht wird. Hierbei blockieren

bestimmte biotechnologisch hergestellte

Eiweiße in Form von Antikörpern

gezielt spezifische, für die Erkrankung

relevante Signalwege. Die Therapie

wirkt und die Entzündungsreaktionen

und Beschwerden verbessern sich

deutlich. Innerhalb eines Jahres

verschwinden die Rötungen, der Juckreiz

lässt deutlich nach und auch die

Haare wachsen wieder. Für Tamara

Köllner eine Erlösung, physisch wie

psychisch: „Auch, wenn jede Therapie

mit Nebenwirkungen verbunden ist,

nehme ich das in Kauf. Denn ich wollte

und konnte endlich meinen Sohn ohne

Schmerzen umarmen, und ich kann

seitdem wieder durchschlafen. Meine

Erkrankung ist mit einem unheimlichen

Leidensdruck verbunden.“ Auch

Susanne Darr-Foit spricht von einer

sehr guten Entwicklung: „Obwohl ihre

Erkrankung nicht geheilt werden kann,

konnten wir die schwere chronische

Verlaufsform in eine milde Verlaufsform

wandeln und die Neurodermitis

damit in den Griff bekommen.“

Krankenhausaufenthalte hatte Tamara

Köllner seit vielen Jahren nicht mehr.

Alle 14 Tage spritzt sie sich das Medikament

und kommt viermal jährlich von

Mühlhausen zur Kontrolle nach Jena.

Die Kilometer sind es ihr wert. „Nach

dieser jahrelangen Odyssee bin ich

dankbar, dass mir in Jena zugehört und

ich ernst genommen wurde. Gleichzeitig

schätze ich den Mut, die Weitsicht der

Kliniken und insbesondere die intensive

Betreuung in der Poliklinik seit

16 Jahren. Besonders wertvoll ist für

mich, dass ich hierherkommen darf

und fachübergreifend miteinander

gearbeitet wird.“ Michelle Korneli

MYTHEN RUND UM DIE HAUT

Mythos: Stirnrunzeln sorgt für Falten

Stimmt. Falten entstehen nicht nur mit dem Alter, sondern

werden auch durch die Mimik im Gesicht beeinflusst. So

entstehen etwa in den Augenwinkeln Lachfalten oder

zwischen den Augenbrauen die sogenannte Zornesfalte.

Da die Haut mit dem Alter immer mehr an Elastizität

verliert, treten auch immer mehr solcher Mimikfalten

hervor. Verhindern können wir das nicht.

03 | 25

11


TITELTHEMA

Früh erkennen und gezielt behandeln

Im Hauttumorzentrum des UKJ erhalten Betroffene umfangreiche Diagnostik

und Therapie

Fast jeder zweite Mensch mit heller

Hautfarbe erkrankt während seines

Lebens an einem Hauttumor. In

Deutschland sind Hauttumore mittlerweile

die am häufigsten auftretenden

bösartigen Tumore. In spezialisierten

Zentren wie dem Hauttumorzentrum

am UKJ finden Betroffene Hilfe.

werden die Fälle im interdisziplinären

Tumorboard vorgestellt. Gemeinsam mit

Kolleginnen und Kollegen aus anderen

Fachbereichen, etwa der Onkologie

oder der Strahlentherapie, werden

so weitere Schritte zu Diagnostik und

Therapie besprochen. „Wir pflegen einen

engen und regen Austausch mit den

Kolleginnen und Kollegen, um schnell

die bestmöglichen Entscheidungen für

unsere Patientinnen und Patienten zu

treffen, das heißt unter anderem individualisierte

und optimierte Therapiepläne

zu entwickeln“, so Steven Goetze.

In der seit 2009 bestehenden und durch

die Deutsche Krebsgesellschaft zertifizierten

Einrichtung werden jährlich

zwischen 75 und 100 Patientinnen und

Patienten mit malignem Melanom, also

schwarzem Hautkrebs, erstbehandelt,

hinzu kommen zwischen 300 und 500

Patientinnen und Patienten mit weißem

Hautkrebs. „Wir therapieren hier aber

alle Hautkrebserkrankungen. Neben

malignen Melanomen sowie den beiden

Formen des weißen Hautkrebses, dem

Plattenepithelkarzinom und dem

Basalzellkarzinom, versorgen wir auch

seltenere Tumorformen wie das kutane

T-Zell-Lymphom und das Merkelzellkarzinom

auf höchsten universitärem

Niveau“, sagt Dr. Steven Goetze, Leiter

des Hauttumorzentrums am UKJ.

Kommen die Patientinnen und Patienten

ans Hauttumorzentrum, wird

zunächst eine umfangreiche Diagnostik

vorgenommen. Dabei werden verschiedene

Verfahren eingesetzt – von der

Dermatoskopie über Haut- und Lymphknotenultraschall

bis hin zu dermatohistologischen

und immunhistologischen

Gewebeuntersuchungen. Darüber hinaus

Dr. Steven Goetze, Leiter des

Hauttumorzentrums, untersucht mit

einem Auflichtmikroskop eine Patientin.

Bei der sogenannten Dermatoskopie

werden Hautveränderung um das

Zehnfache vergrößert, was eine genaue

Begutachtung ermöglicht.

Foto: Rodigast/UKJ

12 03 | 25


Vereinfacht habe die gute Zusammenarbeit

der Umzug vor zwei Jahren

vom alten Standort der Hautklinik in

der Erfurter Straße ins Klinikum nach

Lobeda, denn die kurzen Dienstwege

würden die Abstimmung untereinander

noch einmal erleichtern.

Behandelt werden die Patientinnen

und Patienten sowohl ambulant als

auch tagesstationär und stationär, je

nach Therapieform und nach Stadium

der Erkrankung. In den meisten Fällen

werden die Hauttumoren operativ im

Hauttumorzentrum entfernt (siehe

Seite 14 und 15). Darüber hinaus kommen

nicht-operative Behandlungsmethoden

zur Anwendung, etwa Lasertherapie,

strahlentherapeutische Verfahren wie

beispielsweise die Lichttherapie, aber

auch moderne Immun- und Antikörpertherapie

sowie Chemotherapie. „Hier

arbeiten wir exzellent mit der onkologischen

Tagesklinik zusammen“, betont

Steven Goetze. Patientinnen und Patienten

haben außerdem die Möglichkeit,

im Hauttumorzentrum an präklinischen

und klinischen Studien teilzunehmen,

wodurch sie unter anderem Zugang zu

neuen Medikamenten und innovativen

Therapieansätzen haben. Darüber

hinaus werden die Patientinnen und

Patienten auch psychoonkologisch

versorgt, nicht nur stationär, sondern

seit 2022 auch durch die ambulante

Krebsberatungsstelle.

War die Krebstherapie erfolgreich, ist

eine regelmäßige Nachsorge wichtig,

zur Verlaufskontrolle, aber auch, um

mögliche Zweittumoren und ein Wiederauftreten

von Tumoren möglichst

zeitnah festzustellen. „Wir betreuen die

Patientinnen und Patienten häufig über

eine lange Zeit, wodurch man sich über

die Jahre gut kennenlernt. Wir sehen

nicht nur den Krankheits-, sondern

auch den Genesungsverlauf. Das ist ein

ausgesprochen intensives, aber auch

sehr befriedigendes Arbeiten“, sagt der

Leiter des Hauttumorzentrums.

Theresa Wahl

KONTAKT

Hauttumorzentrum

Leiter Dr. Steven Goetze

Hauttumorzentrum@med.uni-jena.de

Ohne Histologie selten eine Diagnose

Unter dem Mikroskop werden Hauterkrankungen in der Dermatohistologie am UKJ beurteilt

Wie in kaum einem anderen medizinischen

Fach bietet sich dem Hautarzt die

besondere Möglichkeit, Erkrankungen

nicht nur mit dem Auge direkt an der

Patientin oder am Patient zu beurteilen,

sondern diese parallel mikroskopisch

untersuchen zu können. Deshalb stellt

diese feingewebliche Untersuchung

der erkrankten Haut sowohl in der

Diagnostik als auch für nachfolgende

Therapien einen Grundpfeiler der

Dermatologie am UKJ dar.

Dafür stellt das pathologische Labor

des UKJ neben Routinefärbeverfahren

und Spezialfärbungen die wichtigsten

immunhistochemischen Analysen

bereit. Speziell bei Autoimmundermatosen

wird die Immunfluoreszenz

genutzt. Eine Methode, bei der Antikörper,

die mit einem fluoreszierenden

Farbstoff markiert sind, zum Nachweis

ihres spezifischen Antigens

benutzt werden.

Etwa 6.000 dermatohistologische

Präparate werden am UKJ pro Jahr am

Mikroskop begutachtet. (ane)

Dr. Melanie Peckruhn, Leiterin der

Dermatohistologie, am Mikroskop.

Foto: Rodigast/UKJ

„Genau dieses Zusammenspiel

zwischen klinischer und pathologischer

Beurteilung hilft uns, Hauterkrankungen

besser zu verstehen und

unseren Patientinnen und Patienten

eine für sie optimale Therapie zu

ermöglichen“, so Dr. Melanie Peckruhn,

Leiterin der Dermatohistologie am UKJ.

Mit ihrem Team beurteilt sie binnen

kurzer Zeit unter anderem entzündliche

Hauterkrankungen wie Ekzeme, vor

allem aber gut- oder bösartige Tumoren.

03 | 25

13


TITELTHEMA

Unter die Haut

Die operative Entfernung von Hauttumoren im

Hauttumorzentrum des UKJ

Ein Blick in den Kalender von Dr.

Christina Wiederhold verrät schnell:

Es gibt viel zu tun. Der Tag der Oberärztin

der Klinik für Hautkrankheiten

am UKJ, die den operativen Bereich

des Hauttumorzentrums verantwortet,

ist durchgetaktet. Täglich stehen

zwischen sechs und acht OP-Termine

auf dem Plan. Kein Wunder. Hauttumoren

haben in den vergangenen

Jahrzehnten in den westlichen Industrieländern

deutlich zugenommen.

Das kann auch Christina Wiederhold

bestätigen. „Das Gros an Operationen,

die wir hier durchführen, ist aufgrund

von Hauttumoren“, sagt die Dermatologin.

Ob malignes Melanom, also

schwarzer Hautkrebs, oder Plattenepithelkarzinom

und das am häufigsten

auftretende Basalzellkarzinom, beides

Formen des weißen Hautkrebses – im

Hauttumorzentrum wird alles entfernt.

Aber auch ungewöhnlichere Hauttumoren

werden behandelt. Dazu

zählen seltene, bösartige Tumoren

der Blut- und Lymphgefäße sowie des

Bindegewebes wie kutane Sarkome.

„Hier arbeiten wir eng und gut mit den

Kolleginnen und Kollegen des Sarkom-

Centrums Jena am UKJ zusammen“,

so Christina Wiederhold. Weitere

Eingriffe erfolgen aufgrund angeborener

Anomalien oder entzündlicher

Hauterkrankungen.

Wurde ein Hauttumor festgestellt

oder besteht der Verdacht, werden die

Patientinnen und Patienten durch den

niedergelassenen Arzt oder auch durch

hausinterne Sprechstunden an die

Operationssprechstunde des Hauttumorzentrums

überwiesen. Hier werden

nach einer Untersuchung die weiteren

Schritte festgelegt. Für die verschiedenen

Arten der Hauttumoren kommen

unterschiedliche Operationsmethoden

zur Anwendung. Dazu zählt etwa die

mikrographisch kontrollierte Chirurgie.

Diese zielt darauf ab, alle bösartig

veränderten Zellen auf der Haut zu

entfernen und dabei gleichzeitig im

operierten Areal so viel gesundes

Gewebe wie möglich zu erhalten. „Wir

schicken nach der Operation sofort

das entnommene Gewebe und die

Schnittränder, das sind etwa ein bis

zwei Millimeter um die betroffene Stelle

herum, in die Pathologie zur Aufarbeitung

und von dort in unsere eigene

Dermatohistologie, wo sie unter dem

Mikroskop auf Tumorreste untersucht

werden. Somit liegt am nächsten Tag

MYTHEN RUND UM DIE HAUT

Mythos: Schokolade essen

verursacht Pickel

Jein. Schokolade verursacht nicht zwangsläufig

Pickel. Aber viele der darin enthaltenden

Inhaltsstoffe können zu Unreinheiten führen.

So steckt in Schokolade etwa viel Zucker und

Fett, was die Talgproduktion anregt. Das führt

wiederum dazu, dass Poren verstopfen und

Unreinheiten entstehen.

der Befund vor. Sind noch Tumorzellen

in den Gewebeproben vorhanden,

schneiden wir gleich noch einmal nach“,

erklärt die Operateurin. Durchgeführt

werden darüber hinaus auch Wächterlymphknotenentfernungen.

Bei diesem

Verfahren wird der erste Lymphknoten,

der im Lymphabflussgebiet am

nächsten am Tumor liegt, entnommen

und auf Krebszellen untersucht. So

kann festgestellt werden, ob ein Hauttumor

metastasiert hat. Eine weitere,

besondere Operationsmethode ist

die sogenannte Tumeszens-Lokalanästhesie.

Ursprünglich entwickelten

Dermatologen dieses Verfahren für

die Fettabsaugung, anschließend

wurden die speziellen Vorteile dieser

großflächigen Lokalanästhesie auch

in anderen Bereichen, darunter in der

Weichteilchirurgie und der operativen

Dermatologie, eingesetzt. Bei letzterer

wird dazu eine große Menge eines Anästhetikums

mit einer feinen Nadel unter

die Haut gespritzt. „Das entsprechende

Areal wird dadurch aufgebläht und es

14 03 | 25


Dr. Christina Wiederhold, Oberärztin in der

Klinik für Hautkrankheiten, mit ihrem Team

bei einer Operation. Foto: Rodigast/UKJ

kann großflächig operiert werden.

Weitere Vorteile dieser Methode sind

eine lang anhaltende Betäubung sowie

eine reduzierte intraoperative Blutung“,

erklärt Christina Wiederhold.

Operiert werden die Patientinnen und

Patienten überwiegend stationär, aber

auch tagesstationär sowie ambulant.

Die Dermatologie am UKJ hat dafür

einen unabhängigen OP-Trakt. Die

Eingriffe hier werden ausschließlich mit

lokaler Betäubung vorgenommen. „Das

hat den Vorteil, dass wir kein Anästhesieteam

brauchen und daher einen

hochfrequentieren Operationsablauf

haben“, sagt Christina Wiederhold.

Die fehlende Vollnarkose bedeutet

allerdings auch, dass die Patientinnen

und Patienten während der Operation

wach sind. Und wie läuft das ab? „Wir

unterhalten uns einfach mit den Patientinnen

und Patienten während der

Operation“, so Christina Wiederhold.

Um dieser besonderen Herausforderung

gerecht zu werden, hat sich die

Dermatologin zusätzlich in therapeutischer

Kommunikation ausbilden lassen.

„Das ganze Team ist insgesamt sehr

empathisch und fürsorglich. Wir gehen

ganz intensiv auf die Patientinnen und

Patienten ein, versuchen die Angst

zu nehmen. Und wir bekommen auch

widergespiegelt, dass es ankommt,

wie wir das machen.“ Viel macht

natürlich auch die Erfahrung, welche

die Dermatologin in ihren 25 Jahren

als Operateurin mitbringt. Und die

gibt sie auch gerne an den Nachwuchs

weiter. „Wir haben in den vergangenen

Jahren etabliert, dass das Arbeiten im

OP Bestandteil der Facharztausbildung

ist, damit die jungen Kolleginnen und

Kollegen später das nötige Rüstzeug

haben“, sagt die Dermatologin.

Theresa Wahl

Mythos: Sonnenschutz im Winter ist überflüssig

Falsch. Im Winter ist die Sonne zwar nicht jeden Tag zu

sehen und der UV-Gefahrenindex ist niedriger, doch die

permanenten UV-Strahlen stellen auch in der kalten

Jahreszeit ein Risiko dar. Sie sind die Hauptursache

für vorzeitige Hautalterung und Hautkrebs. Auch

Sonnenbrandgefahr besteht, unter anderem durch

Schnee, der die UV-Strahlen reflektiert. Daher sollte

auch im Winter nicht auf den Sonnenschutz im Gesicht

verzichtet werden.

MYTHEN RUND UM DIE HAUT

03 | 25

15


TITELTHEMA

„Mein Leben hat sich nicht verschlechtert, es ist nur

ein bisschen anders als vorher“

Kompetenz für komplexe Allergien im JenaAllergieCentrum (JAC)

Ein juckendes Auge, Husten oder Kribbeln

auf der Haut – viele Menschen

kennen solche Symptome. Mehr als

jede dritte Person in Deutschland hat

eine Allergie, meist gegen Pollen oder

Hausstaub. Damit zählen Allergien

zu den häufigsten Volkskrankheiten.

Was für manche nur lästig ist, kann

für andere lebensbedrohlich werden.

Das JenaAllergieCentrum (JAC) am UKJ

hat sich deshalb auf die Abklärung

und Behandlung besonders komplexer

allergischer Erkrankungen spezialisiert.

Hier arbeiten Fachleute aus den

Kliniken für Hautkrankheiten, für Hals-,

Nasen- und Ohrenheilkunde, für Innere

Medizin V, für Kinder- und Jugendmedizin

und der Institute für Arbeits-,

Sozial- und Umweltmedizin sowie für

Klinische Chemie und Laboratoriumsdiagnostik

eng zusammen, um für jede

Patientin und jeden Patienten individuelle

Diagnosen und Therapiepläne zu

erstellen – so auch für Katrin K.

Wie bei vielen Allergie-Betroffenen

waren die Symptome bei ihr lange

unspezifisch. Über Jahre bemerkte sie

leicht geschwollene Lippen, juckende

Augen und Hautreaktionen an Händen

MYTHEN RUND UM DIE HAUT

Mythos: Tägliches Duschen

ist schlecht für die Haut

Jein. Beim Duschen wird der Säureschutzmantel, die

natürliche Schutzschicht der Haut, angegriffen. Vor

allem, wenn zu heiß geduscht wird, ist das schädlich

für die Haut. Wird die Haut regelmäßig auf diese

Weise strapaziert, kann sie beispielsweise mit

Trockenheit, Irritationen oder Ekzemen reagieren.

Wer täglich duschen möchte, sollte daher darauf

achten, dies mit lauwarmen Wasser und möglichst

ohne Seife zu tun.

und Ohrläppchen. „Ich habe das

zunächst nicht ernst genommen“,

erzählt sie. Doch die Beschwerden

traten immer häufiger und heftiger

auf – besonders beim Joggen. Mal

schwoll dabei eine Gesichtshälfte an,

mal beide, mal nur die Augen, mal das

gesamte Gesicht. „Manchmal passierte

es schon nach ein paar Minuten,

manchmal dauerte es länger“, erinnert

sich die 55-Jährige.

An einem heißen Sommertag kam es

dann zum schweren Zwischenfall. „Nach

einer Laufrunde war mein Gesicht so

16 03 | 25


Dr. Laine Ludriksone-Grasser,

Fachärztin an der Jenaer Hautklinik,

im Gespräch mit der Patientin.

nur über Nahrungsmittel, sondern auch

über bestimmte Kosmetikprodukte,

etwa Shampoos mit Weizenextrakt. In

der Blutuntersuchung selbst fanden

sich keine Antikörper gegen die üblichen

Weizenbestandteile. „Das ist bei

dieser besonderen Form der Allergie

aber nicht ungewöhnlich“, weiß die

Fachärztin. Deshalb sollte ein stationärer

Provokationstest den Verdacht

weiter klären. Dabei stieg Katrin K.

nach dem Verzehr eines Weizenbrötchens

und eines Glases Alkohol auf

ein Fahrradergometer. Kurze

Zeit später reagierte ihr

Körper mit Juckreiz

und Quaddeln.

stark angeschwollen, dass ich nichts

mehr sah, ich bekam keine Luft und

hatte sehr starke Schmerzen im Darm“,

so Katrin K. Sie erlitt einen anaphylaktischen

Schock – eine sehr schwere

Form einer allergischen Reaktion,

die mindestens zwei Organsysteme

betrifft. Ihr Mann brachte sie umgehend

in die Jenaer Hautklinik.

Der Diagnose auf der Spur

Dort begann die Suche nach der

Ursache für die Beschwerden mit einer

detaillierten Anamnese: Welche Symptome

treten bei der Patientin wann

und unter welchen Umständen auf?

Danach folgten Laboruntersuchungen

und Hauttests. „Solche Tests sollten

möglichst zeitnah erfolgen, damit die

Ergebnisse aussagekräftig bleiben

und die Betroffenen sich noch an

mögliche Auslöser erinnern können“,

erklärt Dr. Laine Ludriksone-Grasser,

Fachärztin an der Hautklinik. Ein

Symptom-Tagebuch kann dabei helfen.

Ein sogenannter Prick-Test, bei dem

Allergenlösungen in Tropfenform auf

die Haut aufgetragen werden, zeigte,

dass die Weimarerin auf Weizen- und

Roggenmehl reagiert – und das nicht

JenaAllergie

Centrum

Seit 2023 ist das JenaAllergieCentrum

von der Deutschen Gesellschaft

für Allergologie und Klinische

Immunologie e. V. als Comprehensive

Allergy Center zertifiziert – als erstes

und bisher einziges Zentrum dieser

Art in Thüringen. Jährlich zählen die

Fachleute dort etwa 4.900 Patientenkontakte

aller Altersgruppen.

Häufige Krankheitsbilder sind

Pollen-, Insektengift-, Medikamenten-

oder Nahrungsmittelallergien,

Nesselsucht, auch Urtikaria

genannt, Kontaktekzeme, chronische

Nasennebenhöhlenentzündungen

mit Nasenpolypen und Asthma. Ein

großer Vorteil ist die fächerübergreifende

Zusammenarbeit im Zentrum.

Da Allergien oft mehrere Organe

gleichzeitig betreffen, können die

Fälle mit komplexen Behandlungskonstellationen

in interdisziplinären

Fallkonferenzen besprochen und

individuell abgestimmte Therapie

entwickelt werden.

03 | 25

17


TITELTHEMA

„Die Kombination all dieser Untersuchungen

hat unsere Vermutung

einer weizenabhängigen belastungsinduzierten

Anaphylaxie, kurz WDEIA,

bestätigt“, sagt die Dermatologin. Diese

besondere Form der Weizenallergie

unterscheidet sich von klassischen

Nahrungsmittelallergien: Das Allergen

allein löst keine Reaktion aus. Erst

wenn sogenannte Kofaktoren – etwa

körperliche Belastung, Alkohol oder

bestimmte Medikamente – hinzukommen,

kann es zu Symptomen

bis hin zu einer anaphylaktischen

Reaktion kommen.

In der Behandlung gibt es zwei Strategien:

glutenhaltige Lebensmittel

zu reduzieren – oder ganz darauf

zu verzichten. Manche Betroffene

können unter anfänglicher ärztlicher

Begleitung kleine Mengen glutenhaltiger

Lebensmittel essen, wenn sie

anschließend für mehrere Stunden

auf Sport und Alkohol verzichten.

„Das kann helfen, die bestehende

Toleranz zu erhalten“, weiß Laine

Ludriksone-Grasser. „Unsere Patientin

reagiert jedoch bereits auf kleinste

Mengen weizenhaltiger Produkte mit

Beschwerden. Solche ausgeprägten

Reaktionsmuster sind selten.“ Jährlich

sehen die Fachleute des JAC nur etwa

drei bis fünf solcher Fälle.

Selbstbestimmt im Alltag

Für Katrin K. heißt das: Weizen und

andere verwandte Getreidearten wie

Roggen, Dinkel oder Grünkern künftig

konsequent meiden. Seitdem backt

sie ihr Brot aus Hafer- oder Mandelmehl

selbst und achtet sorgfältig auf

versteckte Weizenquellen in Lebensmitteln

wie Pralinen und Müsliriegeln oder

in Kosmetikprodukten wie Shampoos

und Cremes. „Das ist zwar aufwendig,

gehört aber nun zu meinem Alltag.

Ich komme gut damit zurecht“, sagt

die Patientin. Neben der Ernährung

spielt auch ihr Notfallset eine zentrale

Rolle: Adrenalin-Pen, Antihistaminika

und Kortison hat sie nun immer

griffbereit, um auf einen erneuten

Links: Durch eine umfangreiche Anamnese,

Laboruntersuchungen und Hauttests

konnten die Fachleute des JAC die Ursache

für Katrin K.s Beschwerden finden.

Unten: Beim sogenannten Prick-Test

werden kleine Tropfen mit möglichen

Allergieauslösern auf die Haut gegeben. So

lässt sich erkennen, auf welche Stoffe der

Körper reagiert.

Fotos: Rodigast/UKJ

anaphylaktischen Schock reagieren zu

können. Außerdem betont Katrin K., wie

wichtig die Unterstützung ihres Umfelds

ist. Familie, Freunde sowie Kolleginnen

und Kollegen wissen Bescheid und

helfen ihr, Risiken zu minimieren. Sie

bleibt optimistisch: „Mein Leben hat sich

nicht verschlechtert, ich kann weiterhin

in der Apotheke arbeiten, Sport

treiben und reisen – nur ein bisschen

anders als vorher.“ Anne Curth

KONTAKT

JenaAllergieCentrum am

Universitätsklinikum Jena

jac@med.uni-jena.de

www.uniklinikum-jena.de/jac

18 03 | 25


TITELTHEMA

Wenig bekannten Hautkrankheiten auf der Spur

In der Hautklinik des UKJ finden Menschen mit seltenen entzündlichen

Hautkrankheiten Hilfe

Die Fallbesprechungen sind ein

wichtiger Baustein der Diagnose.

Foto: Rodigast/UKJ

Als größtes Organ des Menschen ist

die Haut täglich zahlreichen Umwelteinflüssen

und Strapazen ausgesetzt.

Erkrankungen der Haut kommen daher

vergleichsweise häufig vor. Von Nesselsucht,

Pilzinfektionen oder Gürtelrose

hat wohl jeder schon einmal gehört.

Jedoch gibt es auch zahlreiche Hautkrankheiten,

über die man nur wenig

weiß. In Deutschland werden rund

8.000 Krankheiten zu den seltenen

Erkrankungen gezählt, etwa 1.000

dieser Erkrankungen betreffen die

Haut. Wie alle seltene Erkrankungen

sind auch jene der Haut oft komplex

und erfordern deshalb eine universitäre

medizinische Betreuung. Am UKJ

finden Betroffene genau diese an der

Klinik für Hautkrankheiten. Beraten

wird beispielsweise zur Eosinophilen

Cellulitis (Wells-Syndrom), Kutanen

Amyloidose oder zum Nekrobiotischen

Xanthogranulom.

Solche seltenen Hauterkrankungen zu

erkennen, ist herausfordernd. Da sie

nur eine geringe Anzahl an Menschen

betreffen, ist oft wenig über sie bekannt.

„Es braucht Zeit, seltene Hauterkrankungen

zu diagnostizieren – und die

nehmen wir uns hier“, sagt Dr. Jörg

Tittelbach, Oberarzt in der Klinik für

Hautkrankheiten. Eine wichtige Rolle

spielt dabei die Zusammenarbeit mit

anderen Fachbereichen des UKJ. In interdisziplinären

Besprechungen werden

die Krankheitsgeschichten der Patientinnen

und Patienten beurteilt, etwa

mögliche Zusammenhänge zwischen

den Symptomen hergestellt. Neben

dem interdisziplinären Austausch ist

außerdem die Analyse von Gewebe und

Zellproben in der Dermatohistologie am

UKJ (siehe Seite 13) ein entscheidender

Baustein, um eine Diagnose zu stellen.

Ist das gelungen, folgt die Therapie.

Häufig eine anspruchsvolle Aufgabe,

wie Jörg Tittelbach erklärt. „Bei den

Medikamenten für Hautkrankheiten

hat sich in den vergangenen Jahren

viel getan. Die meisten sind extrem

wirksam und gut verträglich, weshalb

für die Patientinnen und Patienten

passgenaue Therapien möglich sind.

Bei den seltenen Hauterkrankungen ist

die Auswahl an Medikamenten jedoch

begrenzter.“

Theresa Wahl

MYTHEN RUND UM DIE HAUT

Mythos: Zu viel Pflege ist nicht gut für die Haut

Stimmt. Das Motto „Viel hilft viel“ trifft bei der Hautpflege nicht zu. Zu viele Cremes und andere

Produkte können der Haut schaden und es kann sich eine sogenannte periorale Dermatitis,

auch Mundrose genannt, entwickeln. Die Haut ist dann um den Mund herum gerötet, es

können kleine Knötchen und Eiterpusteln entstehen. Grund ist, dass bei der Verwendung

von zu vielen Hautpflegeprodukten die Hornschicht der Haut aufquillt und dadurch die

Barrierefunktion verloren geht. Die Haut verliert zu viel Feuchtigkeit, sie wird trocken und

schuppig, spannt und brennt.

03 | 25

19


TITELTHEMA

Von König Ludwig bis Tinder

Syphilis – alte Krankheit, neue Relevanz

wieder deutlich. Über 8.000 Fälle jährlich

zählt das Robert Koch-Institut bundesweit,

auch in Jena werden jedes Jahr

zehn bis 20 Fälle diagnostiziert.

„Syphilis ist eine der häufigsten sexuell

übertragbaren Infektionen, die wir in der

Hautklinik am UKJ behandeln“, sagt Prof.

Dr. Mario Fabri, Direktor der Klinik für

Hautkrankheiten. Eine Syphilis-Infektion

informiert und getestet werden.“ Zwar

treten Syphilisinfektionen vergleichsweise

häufig bei Männern auf, die Sex

mit Männern haben, doch sie betreffen

keineswegs nur diese Gruppe: „Syphilis

kann grundsätzlich alle Menschen

betreffen – von der Pubertät bis ins

hohe Lebensalter, unabhängig von der

sexuellen Orientierung“, stellt Mario

Fabri klar.

Nicht nur reine Modeerscheinung:

Perücken und Handschuhe verdeckten

die Spuren der Syphilis. Foto: KI

Woran denken Sie, wenn Sie Menschen

mit pompösen Perücken und langen

weißen Handschuhen auf Bildern aus

der Zeit des Sonnenkönigs Ludwig

XIV. sehen? Vermutlich nicht zuerst an

Syphilis. Doch was viele nicht wissen:

Hinter der höfischen Eleganz verbargen

sich oft die Symptome dieser damals

weit verbreiteten sexuell übertragbaren

Infektionskrankheit (STI), die vom Bakterium

Treponema pallidum ausgelöst

wird. Syphilis war so verbreitet wie

heute Herpes – mit sichtbaren Folgen.

Symptome betreffen vor allem die Haut:

ein fleckiger Ausschlag an Handflächen,

Fußsohlen und Oberkörper, Geschwüre,

mottenfraßähnlicher Haarausfall

am Kopf. Perücken und Handschuhe

verdeckten die Spuren. Auch der

Sonnenkönig soll betroffen gewesen

sein. Heilbar wurde die Krankheit erst

Mitte des 20. Jahrhunderts mit der

Entdeckung des Penicillins. Heute ist

Syphilis damit medizinisch zwar gut

behandelbar, verschwunden ist sie

jedoch nicht. Im Gegenteil: Seit den

2000er Jahren steigen die Fallzahlen

verläuft typischerweise in mehreren

Stadien: Anfangs zeigt sich meist ein

schmerzloses tiefes Geschwür der Haut

oder Schleimhaut, ein so genannter

Ulkus. Später folgen ein allgemeines

Krankheitsgefühl und der typische

Hautausschlag. Unbehandelt kann die

Infektion Organe und das Nervensystem

schädigen. Die gute Nachricht: So weit

kommt es heute selten. Wie fast alle

STI ist Syphilis behandelbar – aber oft

noch tabuisiert.

„Wichtig ist die Betreuung durch in der

Sexualmedizin erfahrene Ärztinnen und

Ärzte“, betont Mario Fabri. „Auch die

Sexualpartnerinnen und -partner sollten

Als Gründe für die Zunahme der Fallzahlen

nennt er vor allem Veränderungen

im Sexualverhalten sowie ein

schwindendes Problembewusstsein

für die Risiken sexuell übertragbarer

Infektionen. Anonyme Begegnungen

über Dating-Apps wie Tinder lassen sich

heute schnell und unkompliziert organisieren.

Auch eine zunehmende Mobilität

begünstigt eine Ausbreitung. Prävention

ist daher essenziell – durch Aufklärung,

sichere Sexualpraktiken und regelmäßige

Testungen: „Wer ein risikofreudiges

Sexualleben hat, sollte sich regelmäßig

untersuchen lassen“, rät Mario Fabri.

Wichtig sei es, die Übertragungswege

und typischen Symptome zu kennen.

Aber: auch Hemmschwellen in der

Kommunikation zu diesem Thema abzubauen.

„Niemand sollte sich scheuen, das

Thema sexuell übertragbare Infektionen

offen anzusprechen.“ Für Mario Fabri

ist klar: Eine offene Kommunikation

und ein enttabuisierter Umgang mit

STI ist wesentliche Voraussetzung für

erfolgreiche Prävention. Doch nicht nur

Patientinnen und Patienten stehen hier

in der Verantwortung: Prävention beginnt

beim medizinischen Fachpersonal, das

sensibel aufklärt, berät und behandelt.

Um Stigmatisierung abzubauen und

Infektionen frühzeitig zu erkennen,

braucht es eine stärkere sexualmedizinische

Kompetenz in der Ausbildung

und im Klinikalltag. Denn wer sexualmedizinisch

geschult ist, hilft nicht nur zu

heilen, sondern auch dabei, Infektionen

zu verhindern. Katrin Bogner

20 03 | 25


TITELTHEMA

Unangenehme Urlaubsmitbringsel

Reisedermatosen

Erholung, Abwechslung vom Alltag oder warmes, sonnenreiches Klima sind Gründe,

warum Millionen Menschen in Deutschland in der Urlaubszeit verreisen. Doch so

außergewöhnlich das Urlaubsland auch sein mag, so besonders sind teilweise die

Gesundheitsrisiken, die in diesen Ländern lauern. Gar nicht so seltene Mitbringsel

sind Hautinfektionen. Diese sogenannten Reisedermatosen sind zwar äußerst

unangenehm, meistens aber ungefährlich und gut behandelbar – auch am UKJ.

Zwei Beispiele:

Larva migrans

Sie ist die häufigste infektiöse Reisedermatose und zählt

zu den Infektionskrankheiten, die durch Parasiten verursacht

werden. Meist wird sie aus tropischen und subtropischen

Regionen „mitgebracht“. Bei dieser Hauterkrankung

gelangen, größtenteils über den Sand am Strand, Wurmlarven

über die Füße unter die Haut, wo sie dann in den obersten

Hautschichten entlangwandern. Typische Symptome sind

juckende und auch entzündliche Hautveränderungen an

der Eintrittsstelle, die als gewundene, rote Linien sichtbar

werden. Zwar können die Larven unter der Haut nicht überleben

und sterben nach ein bis drei Monaten ohne Therapie

von allein ab, dennoch empfinden viele Betroffene die

Vorstellung eines „wandernden Wurms“ als sehr belastend.

Deshalb wird die Erkrankung oft mit Tabletten gegen Wurmbefall

behandelt. Bei starkem Juckreiz kommen zusätzlich

Kortison-haltige Cremes und Antihistaminika zum Einsatz.

Leishmaniose

maya1313 - stock.adobe.com

Sie gilt bei uns als zweithäufigste infektiöse Reisedermatose

und zählt ebenso zu den parasitären Infektionskrankheiten.

Die Hauterkrankung kommt in vielen warmen Reiseländern

vor und breitet sich auch in Europa immer weiter aus.

Untersuchungen zeigen, dass innerhalb Europas Mallorca als

Reiseziel gilt, aus dem Reisende am häufigsten eine Leishmaniose

mitbringen. Die Leishmaniose wird durch den Stich infizierter

Sandmücken übertragen, die die Leishmanien in die

Haut abgeben. Die Erkrankung entwickelt sich zeitversetzt,

meist erscheinen Symptome erst eine bis manchmal mehrere

Wochen nach dem Urlaub. Krankheitszeichen sind Knoten

auf der Haut, die zu einem flachen Geschwür heranwachsen,

in dessen Mitte sich oft eine Kruste bildet. Betroffen ist

neben der Haut um die Einstichstelle meist das Gesicht, der

Nacken, Arme oder Beine beziehungsweise Hände oder Füße.

Diese Hautveränderungen oder Läsionen selbst sind meist

schmerzlos, aber langwierig und hinterlassen Narben. Ein

Befall innere Organer ist möglich, aber zum Glück bei uns

sehr selten. Wird die Erkrankung erkannt und behandelt,

verläuft sie meistens mild.

Annett Lott

03 | 25

21


TITELTHEMA

Wenn Wunden nur schwer heilen

In der Wundsprechstunde des UKJ werden Patientinnen

und Patienten mit chronischen Wunden versorgt

Es klopft an der Tür. Die Kollegen

vom Krankentransport sind da. „Wir

bringen die Patientin“, verkünden sie

und schieben die Transportliege in

das Sprechzimmer. Dort wartet schon

Dr. Jörg Tittelbach mit den Gesundheitsund

Krankenpflegerinnen Claudia

Buchmann und Nicole Cais, die an

diesem Montagmorgen zusammen die

dermatologische Wundsprechstunde

am UKJ betreuen. Das Team begrüßt

die Frau freundlich und macht sich

gleich ans Werk. „Wie geht es Ihnen?

Was gibt es Neues“, fragt der Leiter

der Wundsprechstunde, der Oberarzt

in der Klinik für Hautkrankheiten ist,

während Claudia Buchmann und Nicole

Cais die Patientin gemeinsam auf die

Seite drehen. Die 69-Jährige, die an

Multipler Sklerose leidet und deshalb in

einem Pflegeheim lebt, kann sich nicht

mehr selbständig im Bett drehen. Durch

die fehlende Verlagerung entstand ein

Dekubitus, auch Wundliegen genannt,

der nun entsprechend versorgt werden

muss. Deshalb kommt sie regelmäßig in

die Wundambulanz am UKJ.

Der Blick an diesem Morgen auf die

wunde Stelle stimmt das Team positiv.

„Die Wunde wird vom Durchmesser

kleiner“, hält Jörg Tittelbach fest. Sagen

kann er das, weil jede Wunde der Patientinnen

und Patienten in der Spezialsprechstunde

genauestens mit Bildern

dokumentiert wird, um beim nächsten

Besuch einen Vergleich ziehen zu

können und damit die Entwicklung der

Wunde zu beurteilen. „Wird regelmäßig

gelagert?“ „Wie oft wird der Verband

gewechselt?“ – fragt der Arzt weiter,

während die Krankenschwestern die

Wunde versorgen. Claudia Buchmann

hält die Patientin, Nicole Cais bringt auf

die Druckstelle eine Salbe auf. Es ist ein

eingespieltes Team bei der Arbeit, alles

geht Hand in Hand.

Nachdem der Dekubitus versorgt ist,

sind die Beine an der Reihe. Durch die

Immobilität ist es dort zu Wassereinlagerungen

gekommen, wodurch schließlich

offene Wunden entstanden sind.

Um den Fortschritt begutachten zu

können, muss Claudia Buchmann erst

einmal die Kompressionsstrümpfe der

Patientin ausziehen. Als das geschafft

ist, zeigt sich auch an den Beinen ein

positives Bild. Die Wunden sind gut

verheilt, die Beine entstaut. Jedoch sind

rote Flecken entstanden.

Nicole Cais dokumentiert die Wunden an

den Beinen der Patientin mit dem Tablet.

Claudia Buchmann versorgt die Wunden an

den Beinen der Patientin.

22 03 | 25


Links: Dr. Jörg Tittelbach, Leiter der

Wundsprechstunde, begutachtet

gemeinsam mit Wundexpertin Nicole Cais

den Dekubitus.

Unten: Claudia Buchmann vermisst und

tastet die Beine der Lipödem-Patientin ab.

Jörg Tittelbach verordnet deshalb für

die kommenden ein bis zwei Wochen

eine Creme, die Claudia Buchmann

auch gleich aufbringt. „Die Strümpfe

lassen wir wegen der Creme kurz aus,

sonst haben wir keinen positiven Effekt,

weil mehr im Strumpf hängt als auf der

Haut bleibt“, erklärt sie der Patientin.

Die 69-Jährige fühlt sich in der Wundsprechstunde

am UKJ gut aufgehoben.

Für heute ist sie fertig versorgt. Nun

geht es mit dem Transport zurück.

Zur jährlichen Kontrolle kommt an

diesem Morgen auch eine Patientin

wegen ihres Lipödems. „Ich habe die

Diagnose vor zehn Jahren bekommen“,

erzählt sie. Bei der chronischen Fettverteilungsstörung,

die vor allem

Frauen betrifft, bilden sich symmetrische

Fetteinlagerungen meist an den

Beinen, aber auch an den Armen. Sie

sind schwer und geschwollen. Häufig

kommt es zu Wassereinlagerungen,

weshalb die betroffenen Stellen

druckempfindlich sind und schon bei

leichten Berührungen schmerzen. Die

Erkrankung ist in drei Schweregrade

eingeteilt. Die 35-jährige Patientin

leidet an Stadium 1. Ob die Erkrankung

fortschreitet, wird regelmäßig in der

Sprechstunde geprüft. Dazu vermisst

Claudia Buchmann die Beine. Um die

Erkrankung unter Kontrolle zu halten,

kommt die Kompressionstherapie zur

Anwendung. Dazu ziehen die Betroffenen

speziell angepasste und enganliegende

Strumpfhosen an. Durch den auf

das Gewebe ausgeübten Druck sollen

die Zunahme des Lipödems gestoppt

und die Beschwerden gelindert werden.

Eine solche Strumpfhose trägt auch die

35-Jährige. „Mit der Kompression Klasse

3 kommen Sie zurecht?“, erkundigt sich

Jörg Tittelbach. Die Patientin bejaht.

„Lymphdrainage bekommen Sie nicht?“,

fragt er weiter. „Nein, funktioniert

auch ganz gut ohne“, erwidert sie. Der

Dermatologe zeigt sich zufrieden und

sieht derzeit keinen weiteren Handlungsbedarf.

Im September nächstes

Jahr wird neu entschieden.

Das Spektrum an chronischen Wunden,

das in der Wundambulanz behandelt

wird, ist breit. Der Großteil der Patientinnen

und Patienten hat Geschwüre an

den Beinen. Grund für diese sogenannten

offenen Beine, medizinisch als Ulcus

cruris bezeichnet, sind meist venöse

oder arterielle Durchblutungsstörungen.

Andere häufige Auslöser für Wunden

sind Gefäßentzündungen oder autoentzündliche

Erkrankungen. Gefragt ist

die universitäre Medizin natürlich auch

dann, wenn als Ursache der Wunde eine

seltene Erkrankung zugrunde liegt. Um

diese Bandbreite an verschiedenen

Wunden der Patientinnen und Patienten

optimal behandeln zu können, braucht

es also ein besonders geschultes Auge

und Fachwissen. Sowohl auf ärztlicher

Mythos: Die Haut vergisst keinen Sonnenbrand

Stimmt. Jeder Sonnenbrand schädigt unsere Haut nachhaltig,

denn er ist nichts anderes als eine Verbrennung

und Entzündung der Haut. Das eigentliche Problem ist

aber die Langzeitwirkung. UV-B und auch die langwelligen

UV-A-Strahlen, welche tief in die Haut eindringen,

verursachen Schäden an der DNA. Die Folge: Das Hautkrebsrisiko

steigt, die Haut altert vor ihrer Zeit, bildet

vermehrt Falten und Pigmentflecken.

MYTHEN RUND UM DIE HAUT

03 | 25

23


TITELTHEMA

Oben: Die Größe der Wunde wird

festgehalten.

Links: Genauer Blick: Dr. Jörg Tittelbach

schaut, wie sich die Wunde seiner Patientin

entwickelt hat.

Fotos: Rodigast/UKJ

als auch auf pflegerischer Seite sind

deshalb zertifizierte Wundexpertinnen

und -experten eingesetzt. Nicole Cais ist

zwei Mal in der Woche in der Wundambulanz

tätig. Was sie daran reizt? „Die

Wundversorgung hat mir schon immer

besonders Spaß gemacht. Jede Wunde

ist anders und muss individuell versorgt

werden. Das fordert mich immer wieder

aufs Neue – und das macht es spannend“,

sagt sie. Und so war für die

Gesundheits- und Krankenpflegerin

irgendwann klar, die Zusatzqualifikation

als Wund expertin zu machen.

Diese Expertise, die das Team der

Wundambulanz mitbringt, war

Mythos: Wunden an der Luft trocknen lassen

besonders bei der nächsten Patientin

an diesem Tag gefragt. Die 46 Jahre

alte Frau leidet an systemischen Lupus

erythematodes. Die entzündlich-rheumatische

Autoimmunerkrankung, auch

als Schmetterlingsflechte bekannt,

kann alle Organe befallen und führte

bei der Patientin unter anderem zu

Nierenversagen, was eine Transplantation

nötig machte. Darüber hinaus hat

sie das körpereigene Hautgewebe angegriffen,

wodurch eine eitrige Wunde,

ein sogenanntes Pyoderma gangraenosum,

am Unterschenkel entstanden

ist. „Es ist wichtig, dass in diesem Fall

erkannt wird, dass die Wunde durch

die Autoimmunerkrankung und nicht

MYTHEN RUND UM DIE HAUT

„Wunden brauchen frische Luft“ – ein Satz, den wohl jeder von uns schon

mal gehört hat. Doch an der Aussage ist nicht allzu viel dran. Zumindest

nicht unmittelbar nach einer Verletzung, die blutet.

Denn trocknen Wunden an der frischen Luft aus,

führt das zur Verschorfung. Und die entstandene

Kruste verzögert die Heilung, statt sie zu

beschleunigen. Mit einem Pflaster bleibt die

Wunde hingegen feucht. Dieses feuchte Wundmilieu

mindert den Juckreiz und minimiert das

Risiko, dass sich eine Narbe bildet. Darüber

hinaus schützen Pflaster offene Wunden vor

Keimen und Verschmutzungen.

durch eine Infektion ausgelöst wurde

und dementsprechend behandelt

wird“, erklärt Jörg Tittelbach. „Würde

man an solch einer Wunde schneiden,

würde sie größer werden und wieder

eitern. Daher haben wir mit Hilfe einer

Immunsuppression anti-entzündlich

gearbeitet.“ In Fällen wie diesen

arbeitet die Wundambulanz interdisziplinär

mit anderen Abteilungen

des UKJ zusammen, hier etwa mit der

Rheumatologie. Aber auch mit der

Gefäßchirurgie und der Diabetologie

oder dem Stoma-Team wird eine enge

Zusammenarbeit gepflegt.

Im Falle der 46-jährigen Patientin war

für die Heilung der Wunde neben der

richtigen Diagnose vor allem eines

gefragt: Geduld. „Meine Familie hat

immer wieder gefragt, ob man denn

nicht noch irgendwas Anderes machen

kann. Ich habe dann immer gesagt:

‚Lasst den Arzt machen, er weiß, was

er tut und er hat gesagt, die Wunde

muss man in Ruhe lassen‘“, berichtet

die 46-Jährige dem Dermatologen.

Und das war genau richtig. „Die Wunde

sieht gut aus, ist super verheilt“, freut

sich Jörg Tittelbach. „Ich würde sagen,

wir müssen gar nicht mehr verbinden,

sondern nur noch mit harnstoffhaltiger

Pflege versehen.“ Und dank der

guten Heilung war das erst einmal der

letzte Besuch der 46-Jährigen in der

Wundsprechstunde. Theresa Wahl

24 03 | 25


Bakteriengift kann Heilung behindern

Weil es gegen Antibiotika resistente Formen gibt, ist das

Bakterium Staphylococcus aureus durch die MRSA-Keime

zu traurigem Ruhm gelangt. Die meisten Stämme der weit

verbreiteten Bakterien besiedeln nur unsere Haut, ohne

uns krank zu machen. Bei fast jedem dritten Menschen

lässt sich Staphylococcus aureus auf der Haut oder den

Nasenschleimhäuten nachweisen. Aus dem unauffälligen

Begleiter kann jedoch bei Verletzungen oder geschwächtem

Immunsystem ein Krankheitserreger werden. Manche der

Stämme sind dabei aggressiver, weil sie Gifte und Enzyme

produzieren können.

Löffler, Direktorin des Instituts für Medizinische Mikrobiologie

am UKJ. Bestätigt sich der Verdacht, kommt zur chirurgischen

Versorgung der Wunden meist noch eine Antibiotikabehandlung,

gegebenenfalls sogar eine sogenannte Dekolonisierung.

Das Ziel der Behandlung mit antibakterieller Nasensalbe und

Ganzkörperwaschungen ist es, die giftbildenden Staphylokokken

komplett von der Hautoberfläche zu verbannen. Denn

sonst können sie neue Infektionen verursachen oder durch

Hautkontakt verbreitet werden.

(vdG)

Zum Beispiel das Panton-Valentine-Leukozidin:

Das nach seinen Entdeckern benannte

Bakteriengift zerstört die Membranen der

Immunzellen und verursacht dadurch

schlecht heilende und wiederkehrende

Hautinfektionen mit eitrigen Abszessen.

„Zum Nachweis eines solchen giftproduzierenden

Staphylokokkenstamms setzen

wir bei dem entsprechenden Verdacht eine

gezielte PCR-Diagnostik ein“, so Prof. Dr. Bettina

Die Nützlichen erhalten, die Schädlichen zerstören

Von A wie Abszess bis Z wie Zellulitis: Die Brandbreite bakterielle

Hauterkrankungen ist sehr groß, allein schon, weil es

zahlreiche Bakterienarten gibt. Dabei zählen Staphylokokken

und Streptokokken zu den verbreitetsten bakteriellen Verursachern

von Hautinfektionen. In der Behandlung fällt die

Wahl häufig auf Antibiotika, da diese die Vermehrung der

Krankheitserreger verhindern. Während Schmalspektrumantibiotika

nur gegen bestimmte Bakterien wirken, können

dagegen Breitbandantibiotika bei Patientinnen und Patienten

einigen Schaden anrichten. „Sie werden häufig eingesetzt,

wenn der genaue Erreger noch unbekannt ist, aber schnell

behandelt werden muss. Dabei begünstigen sie jedoch auch

das Wachstum resistenter Bakterien in Bereichen, die nicht

von einer Infektion betroffen sind, was zu erheblichen Problemen

wie längeren und schwereren Krankheitsverläufen

führen kann“, sagt Prof. Dr. Mathias Platz, Direktor des Instituts

für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am UKJ.

Breitbandantibiotika wirken auch negativ auf das Darmmikrobiom,

betont Mathias Pletz. Neueste Forschung zeigt:

Wer oft Breitbandantibiotika nimmt, wird empfänglicher für

respiratorische Virusinfektionen. „Ein gestörtes Mikrobiom führt

zu einem geschwächten Immunsystem. Und dadurch werden

wir empfänglich auch für andere Erreger“, so der Infektiologe.

„Wir brauchen deshalb gesamt-gesellschaftliche Anstrengungen,

den Antibiotikaverbrauch zu verringern und

über Alternativen nachzudenken“, so Mathias Pletz. Eine

Alternative – vor allem bei chronischen Wunden wie dem

Diabetischen Fußsyndrom (DFS) – seien zum Beispiel Bakteriophagen.

Phage heißt „Bakterienfresser“, konkret handelt

es sich um Viren, die sich von Bakterien ernähren. „Das

funktioniert sogar so effektiv und gezielt innerhalb einer

Bakterien-Spezies, dass gegebenenfalls nur ein einzelner

Stamm eliminiert werden kann.“ Am UKJ entsteht derzeit

eine Phagenbank zur Isolierung und Charakterisierung von

Bakteriophagen, um deren Anwendungspotential gegen

multiresistente Erreger (MRE) zu untersuchen.

Eine weitere Alternative können Antiseptika sein. „Diese

zerstören zwar auch alle Erreger und beeinflussen so die

natürliche Hautflora, aber richten im Darm keinen Schaden

an“, so Pletz. Und eine dritte Möglichkeit sei Kaltplasma, so

der Experte. Ein ionisiertes, elektrisch leitfähiges Gas, das

kaum Wärme erzeugt und bei Temperaturen unter 40 Grad

Celsius angewendet wird. Es zerstört die entsprechenden

Bakterien, schädigt aber gesunde Zellen nicht und fördert

somit die Wundheilung.

(ane)

03 | 25

25


DEZEMBER 2025

JANUAR FEBRUAR MÄRZ APRIL MAI JUNI

01 Mo 49

02 Di

03 Mi

04 Do

05 Fr

06 Sa

07 So

08 Mo 50

09 Di

10 Mi

11 Do

12 Fr

13 Sa

01 Do Neujahr 01 So 01 So 01 Mi 01 Fr Tag der Arbeit 01 Mo 23

02 Fr 02 Mo 06 02 Mo 10 02 Do 02 Sa 02 Di

03 Sa 03 Di 03 Di 03 Fr Karfreitag 03 So 03 Mi

04 So 04 Mi 04 Mi 04 Sa 04 Mo 19 04 Do

05 Mo 02 05 Do 05 Do 05 So Ostersonntag 05 Di 05 Fr

06 Di 06 Fr 06 Fr 06 Mo Ostermontag 15 06 Mi 06 Sa

07 Mi 07 Sa 07 Sa 07 Di 07 Do 07 So

08 Do 08 So 08 So 08 Mi 08 Fr 08 Mo 24

09 Fr 09 Mo 07 09 Mo 11 09 Do 09 Sa 09 Di

10 Sa 10 Di 10 Di 10 Fr 10 So 10 Mi

11 So 11 Mi 11 Mi 11 Sa 11 Mo 20 11 Do

12 Mo 03 12 Do 12 Do 12 So 12 Di 12 Fr

13 Di 13 Fr 13 Fr 13 Mo 16 13 Mi 13 Sa

14 So

14 Mi 14 Sa 14 Sa 14 Di 14 Do

Christi

Himmelfahrt

14 So

15 Mo 51

16 Di

17 Mi

18 Do

19 Fr

20 Sa

21 So

22 Mo 52

23 Di

24 Mi Heiligabend

25 Do 1. Weihnachtstag

26 Fr 2. Weihnachtstag

27 Sa

28 So

29 Mo 01

30 Di

31 Mi Silvester

15 Do 15 So 15 So 15 Mi 15 Fr 15 Mo 25

16 Fr 16 Mo 08 16 Mo 12 16 Do 16 Sa 16 Di

17 Sa 17 Di 17 Di 17 Fr 17 So 17 Mi

18 So 18 Mi 18 Mi 18 Sa 18 Mo 21 18 Do

19 Mo 04 19 Do 19 Do 19 So 19 Di 19 Fr

20 Di 20 Fr 20 Fr 20 Mo 17 20 Mi 20 Sa

21 Mi 21 Sa 21 Sa 21 Di 21 Do 21 So

22 Do 22 So 22 So 22 Mi 22 Fr 22 Mo 26

23 Fr 23 Mo 23 Mo 13 23 Do 23 Sa 23 Di

24 Sa 24 Di 09 24 Di 24 Fr 24 So P fi n g s t s o n n t a g 24 Mi

25 So 25 Mi 25 Mi 25 Sa 25 Mo Pfingstmontag 22 25 Do

26 Mo 05 26 Do 26 Do 26 So 26 Di 26 Fr

27 Di 27 Fr 27 Fr 27 Mo 18 27 Mi 27 Sa

28 Mi 28 Sa 28 Sa 28 Di 28 Do 28 So

29 Do 29 So 29 Mi 29 Fr 29 Mo 27

30 Fr 30 Mo 14 30 Do 30 Sa 30 Di

31 Sa 31 Di 31 So

2026

26 03 | 25


JULI AUGUST SEPTEMBER OKTOBER NOVEMBER DEZEMBER JANUAR 2027

01 Mi 01 Sa 01 Di 01 Do 01 So 01 Di

1 Fr Neujahr

02 Do 02 So 02 Mi 02 Fr 02 Mo 45 02 Mi

2 Sa

03 Fr 03 Mo 32 03 Do 03 Sa

Tag d. Deutschen

Einheit 03 Di 03 Do

3 So

04 Sa 04 Di 04 Fr 04 So 04 Mi 04 Fr

4 Mo 01

05 So 05 Mi 05 Sa 05 Mo 41 05 Do 05 Sa

5 Di

06 Mo 28 06 Do 06 So 06 Di 06 Fr 06 So

6 Mi

07 Di 07 Fr 07 Mo 37 07 Mi 07 Sa 07 Mo 50

7 Do

08 Mi 08 Sa 08 Di 08 Do 08 So 08 Di

8 Fr

09 Do 09 So 09 Mi 09 Fr 09 Mo 46 09 Mi

9 Sa

10 Fr 10 Mo 33 10 Do 10 Sa 10 Di 10 Do

10 So

11 Sa 11 Di 11 Fr 11 So 11 Mi 11 Fr

11 Mo 02

12 So 12 Mi 12 Sa 12 Mo 42 12 Do 12 Sa

12 Di

13 Mo 29 13 Do 13 So 13 Di 13 Fr 13 So

13 Mi

14 Di 14 Fr 14 Mo 38 14 Mi 14 Sa 14 Mo 51

14 Do

15 Mi 15 Sa 15 Di 15 Do 15 So 15 Di

15 Fr

16 Do 16 So 16 Mi 16 Fr 16 Mo 47 16 Mi

16 Sa

17 Fr 17 Mo 34 17 Do 17 Sa 17 Di 17 Do

17 So

18 Sa 18 Di 18 Fr 18 So 18 Mi 18 Fr

18 Mo 03

19 So 19 Mi 19 Sa 19 Mo 43 19 Do 19 Sa

19 Di

20 Mo 30 20 Do 20 So Weltkindertag 20 Di 20 Fr 20 So

20 Mi

21 Di 21 Fr 21 Mo 39 21 Mi 21 Sa 21 Mo 52

21 Do

22 Mi 22 Sa 22 Di 22 Do 22 So 22 Di

22 Fr

23 Do 23 So 23 Mi 23 Fr 23 Mo 48 23 Mi

23 Sa

24 Fr 24 Mo 35 24 Do 24 Sa 24 Di 24 Do Heiligabend

24 So

25 Sa 25 Di 25 Fr 25 So 25 Mi 25 Fr 1. Weihnachtstag

25 Mo 04

26 So 26 Mi 26 Sa 26 Mo 44 26 Do 26 Sa 2. Weihnachtstag

26 Di

27 Mo 31 27 Do 27 So 27 Di 27 Fr 27 So

27 Mi

28 Di 28 Fr 28 Mo 40 28 Mi 28 Sa 28 Mo 53

28 Do

29 Mi 29 Sa 29 Di 29 Do 29 So 29 Di

29 Fr

30 Do 30 So 30 Mi 30 Fr 30 Mo 49 30 Mi

30 Sa

31 Fr 31 Mo 36 31 Sa Reformationstag 31 Do Silvester

31 So

03 | 25

27


TITELTHEMA

Haut im 3D-Modell

Im dermatologischen Forschungslabor werden Erkrankungen und Wirkstoffe mit Hilfe

von künstlicher Haut untersucht

Man nehme Hautzellen, Nährmedium

mit Luftkontakt sowie wahlweise

Immunzellen, Entzündungsmarker

und Krankheitserreger, auf alle Fälle

aber jede Menge Expertise und Erfahrung

– so könnte die Bauanleitung

für die Hautmodelle des dermatologischen

Forschungslabors lauten.

An der Laborarbeitsbank verweist

PD Dr. Cornelia Wiegand auf zwölf

etwa fingernagelgroße Hautstücke, die

in runden Plastikabteilen der Zellkulturplatte

in einer rosa Nährflüssigkeit

schwimmen. „Die Grundlage für unsere

Modelle sind menschliche Hautzellen,

aus denen wir ein komplettes

Stückchen Haut von der Unterhaut bis

zur Hornschicht anzüchten können“,

so die Biochemikerin und Molekularbiologin,

die seit fast zwei Jahrzehnten

an der Hautklinik des UKJ forscht. „Wir

können an unseren Hautmodellen zum

Beispiel die Heilungsprozesse nach

einer Verletzung beobachten.“

Hautmodelle in Nährlösung: In der zweiten Reihe mit

verheilten Verletzungen, in der untersten Reihe mit

künstlich zugefügten chronischen Wunden.

Auch Erkrankungen der Haut können die

dreidimensionalen Modelle nachbilden:

Im Zusammenspiel von Entzündungsbotenstoffen

und den Mikroorganismen

der Hautflora entstehen so

aus kleinen Verletzungen chronische

Wunden, an denen sich neue Therapien

und Wirkstoffe testen lassen. Dem

Forschungsteam ist es auch gelungen,

entzündliche Hauterkrankungen im

Modell nachzubilden – etwa Schuppenflechte

mit beschleunigtem Reifen

und Absterben der Hautzellen oder

Neurodermitis, bei der die Hornschicht

ihre Barrierefunktion nicht richtig

erfüllt und Keime und Reizstoffe freie

Bahn haben. Die Modellhaut lässt

sich auch mit Faden- oder Hefepilzen

infizieren, um diese Hautinfektionen

zu untersuchen.

Cornelia Wiegand: „Im Mittelpunkt

stehen dabei immer die Entzündungsprozesse,

die für die jeweilige

Erkrankung charakteristisch sind.“

Und diese Prozesse sind noch längst

nicht ausreichend verstanden. Manuel

Huerta Arana, der Prof. Dr. Mario Fabri,

Direktor der Hautklinik am UKJ, aus

Köln nach Jena gefolgt ist und seit

September das Team verstärkt, fährt

dafür methodisch die modernsten

Geschütze auf. „Wir untersuchen nicht

nur die gesamte genetische Information

und die in den Zellen produzierten

Proteine, wir betrachten auch Substanzen,

die beim Stoffwechsel der an

der Entzündung beteiligten Immunzellen

entstehen.“

28 03 | 25


Oben: PD Dr. Cornelia Wiegand

analysiert die in einer Zelle

produzierten Proteine.

Rechts: Manuel Huerta Arana untersucht, ob der Stoff

1-MNA neue Ansätze für die Krebsbehandlung bietet.

Fotos: vdG/UKJ

In Patientenproben von Gewebe mit

weißem Hautkrebs konnte das Team um

Mario Fabri dabei einen Stoff als höchst

interessant identifizieren. Im Vergleich

zu gesundem Hautgewebe kam 1-MNA

in der unmittelbaren Umgebung der

Krebszellen deutlich vermehrt vor. Bei

verschiedenen Stoffwechselreaktionen

von Tumorzellen wird 1-MNA produziert.

Das Forschungsteam konnte zeigen,

dass der Stoff die Funktion der Immunzellen

in der Tumorumgebung verändert.

In der Folge können sie die Tumorzellen

nicht mehr effektiv bekämpfen.

„Wir wollen nun testen, ob wir die

Produktion von 1-MNA hemmen und so

die Immunabwehr gegen die Krebszellen

stärken können“, erklärt Manuel Huerta

Arana. Auch will das Forschungsteam

untersuchen, ob dieser Mechanismus

spezifisch für den weißen Hautkrebs

ist oder auch bei anderen Tumoren

eine Rolle spielt.

In einem anderen Projekt steht der

schwarze Hautkrebs im Mittelpunkt.

Dabei entsteht mit Hilfe von Patientenzellen

nicht nur ein Hautmodell, sondern

ein Biochip mit dieser aggressiven

Krebserkrankung. Das Chipmodell bildet

auch wichtige Aspekte des Versorgungsund

Immunsystems nach und kann so

zum Beispiel auch genutzt werden, um

die Ablösung von Tumorzellen und die

Entstehung von Metastasen zu untersuchen.

„Gemeinsam mit Industriepartnern

wollen wir eine automatisierte

Analyse des Tumorchips entwickeln“, so

Cornelia Wiegand, „um neue Wirkstoffe

effektiv testen zu können.“

Dass die Hautmodelle auf menschlichem

Gewebe und Patientenproben

basieren, sieht das Forschungsteam

als großen Vorteil: „Mit unseren Hautmodellen

konnten wir ein Verfahren

etablieren, das die Wirksamkeit von

antimikrobiellen Wundheilungsprodukten

prüft“, so Cornelia Wiegand.

Damit trägt das Verfahren zur Reduktion

von Tierversuchen bei. Denkbar ist der

Einsatz der Hautmodelle auch für die

personalisierte Medizin, etwa um das

Ansprechen eines aus Patientenzellen

Mythos: Gebräunte Haut kann keinen

Sonnenbrand bekommen

angezüchteten Tumors auf eine

bestimmte Therapie zu testen oder

die Entstehung von Resistenzen. Dem

Team um Cornelia Wiegand und Manuel

Huerta Arana im Hautforschungslabor

fallen gleich etliche weitere Fragen

ein, die es mit Hilfe der künstlichen

Hautmodelle beantworten möchte.

Dabei geht es um die alternde Haut und

warum sich im Alter das Hautmikrobiom

ändert. Welche Rolle dieses Mikrobiom

bei Hautkrebserkrankungen spielt und

welchen Einfluss Infektionen und

Entzündungen auf die Hautalterung

haben – und wie sich umgekehrt das

Altern der Haut auf deren Widerstandskraft

gegen Infektionen auswirkt. In den

Kulturschränken des Labors werden

noch viele Hautmodelle wachsen.

Uta von der Gönna

Falsch. Zwar ist Melanin, ein Pigment in der Haut, der

Hauptfaktor, der die Haut vor UV-Strahlung schützt.

Dennoch kann eine gebräunte Haut nicht alle UV-Strahlung

abwenden. Damit können die UV-Strahlen die

Haut trotzdem schädigen. Deshalb ist es wichtig,

sich immer vor intensiver Sonne zu schützen und sich

einzucremen, um das Risiko vor Hautkrebs zu minimieren.

MYTHEN RUND UM DIE HAUT

03 | 25

29


AKTUELLES

Timur Kyashif, Assistenzarzt der Klinik

für Herz- und Thoraxchirurgie, hat den

Herzchirurgie-Enthusiastenclub am UKJ

aufgebaut. Foto: Ludek/UKJ

Mit Leidenschaft fürs Herz

Herzchirurgie-Enthusiastenclub bringt Medizinstudierende zusammen

Timur Kyashif, Assistenzarzt der Klinik

für Herz- und Thoraxchirurgie, bereitet

bereits den Raum für seine Medizinstudierenden

vor, die gleich rund ums Herz

quizzen werden und Herzmedizin am

Modell üben. Denn immer donnerstags

trifft sich sein Herzchirurgie-Enthusiastenclub

in Lobeda. Vor drei Jahren hat

er das Konzept aus seinem Heimatland

Bulgarien mitgebracht und den Club am

UKJ ins Leben gerufen, um Herzwissen

anders zu vermitteln. „Ich wollte einen

Treffpunkt für Herzmedizin schaffen, zu

dem Interessierte vom ersten Semester

bis zum Praktischen Jahr kommen

können und nicht nur aus der Herzchirurgie,

sondern auch alle anderen

Fachdisziplinen willkommen sind.“

Mittlerweile gehören 20 Studierende

zu den Herzchirurgie-Enthusiasten und

die Nachfrage wächst.

Aryan Dadashzadeh ist einer seiner

Schützlinge, die von Anfang an dabei

sind. Der Doktorand der Herzchirurgie

schätzt das Konzept. „Wir können hier

über Herzchirurgie reden, aber in

lockerer Atmosphäre, gemeinschaftlich

und trotzdem sehr professionell

zusammenarbeiten.“ Wöchentlich steht

ein anderes Herzthema im Mittelpunkt.

Jedes Treffen beginnt mit EKG-Übungen,

wobei an Patientinnen, Patienten oder

Studierenden geübt wird. Einer der

Studierenden stellt kurz ein Herz-Thema

vor und überlegt sich dazu Quizfragen.

Und immer gibt es kleine und größere

Preise als Anreiz. Aber auch praktisch

üben und vertiefen die Studierenden ihr

Herzwissen. So werden regelmäßig am

Schweineherzen Knot- und Nahttechniken

trainiert und Wet-Labs genutzt.

Die Medizinstudierenden vernetzten

sich durch den wöchentlichen Termin

nicht nur untereinander, sondern

schließen auch Freundschaften. Auch

der Austausch mit den Ärztinnen und

Ärzten werde laut Aryan Dadashzadeh

gefördert, denn diese nehmen regelmäßig

an den Treffen teil. „Der Herzchirurgie-Enthusiastenclub

lebt auch

davon, dass die höheren Semester den

Jüngeren etwas beibringen“, ergänzt

der 28-jährige Medizinstudent.

Jeder hat dabei die Möglichkeit, selbst

Themenvorschläge einzubringen und

sie teilen ihre Themen auch über einen

eigenen Podcast, so Timur Kyashif.

Und die Herzchirurgie-Enthusiasten

kommen nicht nur am UKJ zusammen,

so gab es zum Beispiel die Quiznight

im StadtLab Jena. Mittlerweile gründen

andere Kliniken in Deutschland Herz-

Enthusiastenclubs. So wird es im Herbst

erstmals eine nationale Herzmedizin

Quizliga geben mit Unikliniken wie

Heidelberg, Göttingen und Halle, die

von Jena aus organisiert und von der

Deutschen Gesellschaft für Thorax-,

Herz- und Gefäßchirurgie e.V. unterstützt

wird. „Bis Februar wird deutschlandweit

gequizzt. Es winkt nicht nur ein

Preisgeld von 2.000 Euro, sondern wir

wollen auch uns dadurch untereinander

noch besser vernetzen und Aufmerksamkeit

für die Herzchirurgie-Lehre

schaffen“, erklärt Timur Kyashif. Der

angehende Herzchirurg kümmert sich

auch um den Blick über den Tellerrand.

So unternehmen die Herzchirurgie-

Enthusiasten Exkursionen zu anderen

30 03 | 25


AKTUELLES

Oben: Erfahrene Herzchirurginnen

und -chirurgen wie Prof. Dr. Torsten

Doenst, Direktor der Klinik für Herz- und

Thoraxchirurgie, sind regelmäßig zu Gast

bei den Treffen des Clubs. Foto: Ludek/UKJ

Links: Training im Wet-Lab: Medizinstudent

Aryan Dadashzadeh setzt ein linksventrikuläres

Unterstützungssystem im

Schweineherzen ein. Foto: Kyashif/UKJ

Herzchirurgien oder tauschen sich mit

internationalen Herzchirurgie-Expertinnen

und -Experten, etwa Gastprofessoren

aus den USA, online aus.

Aryan Dadashzadeh befindet sich im

Staatsexamen. Der gebürtige Iraner

kam vor sechs Jahren für sein Studium

nach Jena und er hat sein Ziel fest vor

Augen, Herzchirurg werden. Bereits

jetzt arbeitet er als Research Assistant

in der Herzchirurgie und sammelt dort

wissenschaftliche Erfahrung. „Für mich

hat Herzchirurgie direkt mit dem Leben

zu tun. Jede Sekunde zählt und man

muss im OP voll konzentriert sein.“

Der Club hat sich in den vergangenen

Jahren dank engagierter Mitglieder wie

Aryan Dadashzadeh aufgebaut. Wenn

es nach Timur Kyashif geht, soll er sich

auch räumlich weiterentwickeln. „Mein

Traum wäre eine Art Innovation Hub,

also ein eigener Raum, in dem wir gute

Trainings mit Simulatoren entwickeln

können und viele kreative und innovative

Ideen mit Ärztinnen und Ärzten,

Biochemikerinnen und Biochemikern

und weiteren Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftlern vorantreiben.“

„Wir danken auch Prof. Dr. Torsten

Doenst, Direktor unserer Herzchirurgie,

und Dr. Hristo Kirov, leitender Oberarzt,

für die kontinuierliche Unterstützung.

Sie stehen uns Studierenden regelmäßig

mit Rat und Tat zur Seite und

nehmen sich die Zeit, an Treffen teilzunehmen.

Ohne ihre Förderung und ihr

Kleiner Schnitt,

große Wirkung –

Minimal-invasive

Herz-OPs

REZEPTFREI –

www.uniklinikum-jena.de/Podcast.html

Vertrauen wäre der Enthusiastenclub

in dieser Form nicht möglich“, ergänzt

Aryan Dadashzadeh.

Wer Herzchirurgie-Enthusiastin oder

-Enthusiast werden möchte, müsse laut

Timur Kyashif nur zwei Voraussetzungen

erfüllen: „Leidenschaft für die Medizin

mitbringen und neugierig sein.“

Michelle Korneli

Die UKJ-Erklärsprechstunde

03 | 25

31


AKTUELLES

Reiss im Doppelpack

Wenn Mutter und Tochter in der Kinderkrankenpflege

arbeiten

Da stimmt die Chemie. Das merkt man

schon beim lockeren Posieren auf der

Raupe. Mutter Melanie und Tochter

Tabea Reiss gehören beide zur UKJ-

Kinderkrankenpflege. Während ihre

Tochter Anfang des Jahres ihre Ausbildung

zur Pflegefachfrau mit Vertiefung

Kinderkrankenpflege abgeschlossen

hat, arbeitet Melanie bereits seit über

20 Jahren in der Kinderkrankenpflege.

Beide verbindet nicht nur eine Liebe

für bunte Socken, sondern auch eine

innige Mutter-Tochter-Beziehung und

eben, dass sie beide in der Jenaer

Kinderklinik arbeiten.

Dass ihre Tochter einmal in die Pflege

geht, kam für die 45-Jährige doch

eher überraschend. „Ich habe sie vor

Ausbildungsbeginn gefragt, ob sie das

wirklich will. Als sie kleiner war, fand

sie es manchmal nicht gut, dass ich im

Schichtdienst gearbeitet habe. Obwohl

ich meinen Job gern mache, kenne

ich natürlich die Herausforderungen

oder vielleicht Einschränkungen.

Denn es gehört auch mal dazu, an

Feiertagen zu arbeiten. Natürlich

habe ich trotzdem gemerkt, dass sie

ein Faible für den Beruf hat“, erzählt

Melanie. Doch Tabea wollte unbedingt

in die Pflege. „Ich hatte natürlich von

klein auf Berührungspunkte durch

meine Mutter. Ich wollte in die Kinderkrankenpflege,

weil Kinder weniger

wehleidig sind, bei 40 Grad Fieber noch

die gute Laune behalten. Mir gefällt es

genauso, mit ihnen zu lachen und zu

spielen.“ Heute ist die Mutter wahnsinnig

stolz auf die Tochter und der

Pflegeberuf wurde quasi schon durch

die Oma in die Wiege gelegt, die selbst

Krankenschwester war.

2019 absolvierte Tabea ihren Bundesfreiwilligendienst,

der sie in ihrem

Wunsch bestätigte, mit Kindern zu

arbeiten. Hier war sie ein halbes Jahr

auf der Kinder-ITS und Neonatologie

eingesetzt, danach in der Kinderchirurgie

und Erwachsenen-Endokrinologie.

So konnte sie erste praktische

Erfahrungen am UKJ sammeln. „Ich

wusste nach dem Fachabi, dass es in

die gesundheitliche Richtung gehen

soll. Zur Zeitüberbrückung und um

herauszufinden, was ich möchte, habe

ich das gemacht.“ Nach einem halben

Jahr stand dann schon der Entschluss,

die Kinderkrankenpflegeausbildung zu

beginnen. Und dann ging es nahtlos

weiter in die Ausbildung mit Praxis

am UKJ und in der Staatlichen Schule

für Gesundheit und Soziales Jena,

damals noch in der Corona-Zeit. Sie

gehörte zum ersten Pflegefachfrau/

Pflegefachmann-Jahrgang am UKJ.

Tabea erinnert sich: „Es war herausfordernd

in der Corona-Zeit, da wir

reichlich Homeschooling hatten und

uns viel selber erarbeiten mussten.

Hier war meine Mama eine ganz große

Stütze, etwa beim Lernen. Ich hatte bei

Unsicherheiten immer jemanden da,

den ich fragen konnte.“

So kam es auch, dass die Mutter

die Tochter schon einmal in der

Praxisanleitung hatte. Denn Melanie

ist seit 2019 Praxisanleiterin in der

Ausbildung auf allen Stationen. In

ihrem Job hat sie alle Hände voll zu

tun. Täglich führt sie mindestens eine

Praxisanleitung durch, bei der sie

die Kinderkrankenpflegeazubis am

UKJ in der Praxis ausbildet. „Ich bin

gern Praxisanleiterin, weil ich meine

Erfahrungen weitergeben und etwas

erklären kann.“ 2004 hat Melanie ihre

Ausbildung absolviert. Danach hat sie

auf verschiedenen Stationen gearbeitet,

etwa auf der Neonatologie und

Kinder-ITS. Um sich weiterzubilden,

absolvierte sie ihre Fachweiterbildung

Pädiatrie und in der Elternschule war

sie Teil der Reanimationskurse.

Ob ihre Mutter-Tochter-Beziehung

in der Ausbildung ein Problem war?

„Wenn wir eine gemeinsame Praxisanleitung

hatten, war das nicht schwierig.

Ich habe immer versucht, objektiv zu

bleiben. Bonuspunkte gab‘s nicht“,

betont Melanie. „Ich hatte manchmal

das Gefühl, sie war sogar strenger

zu mir als sonst“, erzählt Tabea mit

einem Schmunzeln.

32 03 | 25


AKTUELLES

Mutter Melanie (links) und Tochter

Tabea Reiss sind nicht nur privat

ein Herz und eine Seele, beide

verbindet auch, dass sie in der

Kinderkrankenpflege am UKJ arbeiten.

Foto: Rodigast/UKJ

Seit Ausbildungsende ist sie in der

Ambulanz der Kinderhämatologie

und der Kinderonkologischen Tagesklinik

eingesetzt. Obwohl beide in

ganz unterschiedlichen Bereichen

der Kinderklinik arbeiten, lieben sie

gleichermaßen den Umgang und

die Pflege der kleinen Patientinnen

und Patienten. Wenn es schwierige

Momente gibt, beispielsweise ein

Patient verstirbt, hilft hier das enge

Mutter-Tochter-Verhältnis. „Ich kann

mit ihr offen über alles sprechen, was

mich im Beruf bewegt und das hilft

heute wie damals.“ Praxisanleiterin

zu werden, kann sich Tabea allerdings

aktuell nicht vorstellen. „Ich bin hier

einfach nicht so geduldig wie Mama.

Sie macht das richtig gut.“

Ob sie sich beide auf Arbeit trotzdem

begegnen? Da bleibe eher nicht die

Zeit. Aber sie telefonieren mehrmals

in der Woche oder gehen zusammen

shoppen oder frühstücken. Tabea ist

zwar zuhause in Jena ausgezogen, doch

in der Nähe geblieben. Und wer weiß,

vielleicht tritt noch eine der beiden

jüngeren Zwillingsschwestern in Mamas

Fußstapfen. Michelle Korneli

03 | 25

33


HEILEN

Keine reine Frauensache

Interdisziplinäres Brustzentrum des UKJ behandelt Männer und Frauen mit

Erkrankungen der Brust

Schon lange vor seiner Diagnose spürt

Jürgen Schaller einen Knoten in seiner

linken Brust. Doch an Brustkrebs

verschwendet der heute 64-Jährige

aus Hof keinen Gedanken – Männer

und Brustkrebs, das passt für ihn nicht

zusammen. Erst, als er bei einer Untersuchung

wegen Rückenschmerzen

seinem Arzt den Knoten zeigt und der

ihn in die Frauenklinik überweist, wird

die Diagnose zur Realität. Sowohl die

Bildgebung als auch eine eingeholte

Zweitmeinung bestätigen den Befund:

Jürgen Schaller hat Brustkrebs. Im

Januar 2024 kommt er zur Behandlung

ans Interdisziplinäre Brustzentrum

der Klinik für Frauenheilkunde und

Fortpflanzungsmedizin am UKJ.

„Wir behandeln im Brustzentrum

selbstverständlich auch Männer mit

Brustkrebs, auch wenn der männliche

Brustkrebs mit einem Prozent sehr

selten ist“, sagt Dr. Stefanie Schütze,

Oberärztin in der Frauenklinik und

Leiterin des Interdisziplinären Brustzentrums.

Zum Vergleich: Bei Frauen

ist Brustkrebs die häufigste Krebsart,

jährlich erkranken in Deutschland etwa

70.000 Frauen, aber nur 700 Männer.

Sehr selten, aber eben keine reine Frauen sache: Jürgen Schaller hat Brustkrebs.

Behandelt wird er im Interdisziplinären Brustzentrum des UKJ.

V.l.: Dr. Paula Rosam, Jürgen Schaller, Dr. Stefanie Schütze, Luzie Alexandra Gottwald

Foto: UKJ

„Die Behandlung ist aber im Grunde

dieselbe“, sagt die erfahrene Ärztin.

Operation mit nachfolgender antihormoneller

Behandlung, gegebenenfalls

Chemotherapie und Bestrahlung.

Wichtig ist Stefanie Schütze: „Wir gehen

immer sehr individualisiert vor, denn

Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs.“

Bei Jürgen Schaller schlagen die

Ärztinnen und Ärzte des Brustzentrums

zunächst vor, mit einer Chemotherapie

zu starten. Diese strengt

Jürgen Schaller zwar an, erzielt aber

den gewünschten Effekt: Der Tumor

schmilzt. Im Anschluss folgt dann in

einer Operation die Entfernung der

linken Brust. Schließlich erhält er noch

einen Monat lang Bestrahlung.

Gleich mehrere

Besonderheiten

Die feingewebliche Untersuchung

zeigt: Jürgen Schallers Tumor ist HER2-

positiv, eine aggressivere Form von

Brustkrebs“, erklärt Stefanie Schütze.

„Heute gibt es dafür zum Glück zielgerichtete,

individuelle Therapien, vor

allem mit Antikörpern.“ Genau eine

solche erhält Jürgen Schaller aktuell

noch im Brustzentrum in Form von

Spritzen im Abstand von drei Wochen.

Und noch etwas kommt bei ihm hinzu:

Jürgen Schaller trägt eine BRCA2-

Genveränderung, die das Risiko für

Brustkrebs deutlich erhöht. Etwa fünf

bis zehn Prozent der Erkrankungen sind

genetisch bedingt. Zwar hat Jürgen

Schaller nur einen Sohn und keine

Tochter, dennoch rät Stefanie Schütze,

das Thema familiärer Brustkrebs im

Kopf zu behalten. Eine genetische

Testung des Sohnes kann Aufschluss

geben, ob die Genveränderung vererbt

wurde. In diesem Fall wäre eine intensivierte

Vorsorge angebracht.

34 03 | 25


HEILEN

20 Jahre

Interdisziplinäres

Brustzentrum

Zum Brustkrebsmonat Oktober erstahlte das

UKJ in Pink. Damit machte das UKJ auf Vorsorge,

Solidarität und die Arbeit seines intersisziplinären

Brutszentrums aufmerksam.

Foto: UKJ

Gegründet im Oktober 2005 ist das

Interdisziplinäre Brustzentrum des

UKJ eines der ältesten zertifizierten

Brustzentren Deutschlands. Hier

arbeitet das Team der Frauenklinik

unter Leitung von Prof. Dr. Dirk Bauerschlag

eng mit verschiedenen Fachrichtungen

wie der Pathologie, Radiologie,

Internistischen Onkologie, Psychoonkologie,

dem Sozialdienst sowie der

Strahlentherapie und Nuklearmedizin

zusammen. Den Betroffenen wird so

eine qualifizierte Behandlung aus

einer Hand ermöglicht. Die Wege und

die Zeit bis zur sicheren Diagnose für

Patientinnen und Patienten werden so

kurz wie möglich gehalten. Pro Jahr hat

das Team des Brustzentrums mehr als

5.000 ambulante Patientenkontakte

und betreut etwa 450 stationäre Fälle.

Das Altersspektrum reicht von der

Pubertät bis ins hohe Lebensalter von

über 90 Jahren.

Mit dem Behandlungsverlauf von Jürgen

Schaller ist nicht nur sein Behandlungsteam

bislang zufrieden, auch der

Patient selber. Und: Er ist sehr dankbar

für die Unterstützung im Brustzentrum.

Im neuen Jahr steht für ihn eine

neue Bildgebung an, danach muss er

noch fünf Jahre lang regelmäßig zur

Brustkrebsnachsorge.

Männern jedoch die Scheu nehmen:

„Ich wurde jederzeit ernst genommen.“

Frauen rät das Team des Brustzentrums

ohnehin, als beste Krebsvorsorge die

Brüste regelmäßig selbst abzutasten

und auf Veränderungen zu achten.

„Regelmäßiges Abtasten der Brust

ist aber auch bei Männern wichtig“,

sagt Stefanie Schütze. Der Vorteil bei

Männern: Das Drüsengewebe sitzt direkt

hinter der Brustwarze. Veränderungen

fallen dadurch häufig schneller auf und

verursachen früher Beschwerden als

bei Frauen.

Katrin Bogner

Brustkrebs ist keine

reine Frauensache

Jürgen Schaller geht ganz offen mit

seiner Diagnose um und will mit seiner

Geschichte die Aufmerksamkeit stärken

und Männern Mut zusprechen, auf ihren

Körper zu achten. Brustkrebs ist eben

keine reine Frauensache: „Männer, geht

zum Arzt, wenn ihr Veränderungen

bemerkt“, sagt er. Zwar sei es auch für

ihn merkwürdig gewesen, als Mann in

die Frauenklinik zu kommen. Er kann

Brustkrebs

verstehen,

behandeln,

bewältigen

REZEPTFREI –

Die UKJ-Erklärsprechstunde

www.uniklinikum-jena.de/Podcast.html

03 | 25

35


HEILEN

Winzige Strahlenquelle gegen Leberkrebs

Brachytherapie eröffnet neue Behandlungsperspektiven bei Leberkrebs

Der Tumor in der Leber war bei Wolfgang

Schneider bereits so groß und durch

mehrere Verfahren vorbehandelt, dass

ein erneuter operativer Eingriff nicht

infrage kam. Hilfe fand der 76-Jährige

am UKJ mit der Brachytherapie.

„Bei diesem minimalinvasiven Verfahren

können inoperable Lebertumore oder

Lebermetastasen hochpräzise mit

einer radioaktiven Strahlenquelle, hier

Iridium 192, schonend von innen heraus

bestrahlt werden. Wir nutzen mit der

interstitiellen Brachytherapie eine

vielversprechende Behandlungsoption.

Zum Einsatz kommt hierfür eines der

modernsten Brachytherapiegeräte in

ganz Thüringen“, erklärt Dr. Sonia Drozdz,

Oberärztin der Klinik für Strahlentherapie

und Radioonkologie am UKJ.

Kernstück der Therapie ist das

sogenannte Afterloading-Verfahren.

Die Expertinnen und Experten der

Strahlentherapie und interventionellen

Radiologie setzen dieses

moderne Bestrahlungsverfahren

interdisziplinär um.

„Um den Katheter für die radioaktive

Quelle millimetergenau platzieren zu

können, nutzen wir die Bildsteuerung

mittels CT. Dafür planen wir vorab

gemeinsam mit unseren Kolleginnen

und Kollegen der Strahlentherapie

die Zugangsoptionen und notwendige

Anzahl an Kathetern anhand der

vorliegenden Bildgebung. Am Behandlungstag

arbeiten wir Hand in Hand

mit den Strahlentherapeuten, um

gegebenenfalls auf unerwartete Veränderungen

reagieren zu können. Jeder

Fall wird nachbesprochen, so dass wir

stetig voneinander lernen“, erklärt

Prof. Dr. René Aschenbach, Leiter der

Interventionsradiologie und leitender

Oberarzt am Institut für Diagnostische

und Interventionelle Radiologie am UKJ.

Die Expertinnen und Experten der

Medizinphysik erstellen anschließend

den individuellen Bestrahlungsplan,

bestimmen die Haltepositionen

und Haltezeiten der radioaktiven

Für die interstitielle Brachytherapie

arbeiten Expertinnen und Experten

der Klinik für Strahlentherapie und

Radioonkologie und des Instituts für

Diagnostische und Interventionelle

Radiologie interdisziplinär eng

zusammen.

Foto: Hellmann/UKJ

36 03 | 25


Strahlenquelle in den Kathetern, um die

nötige tumorvernichtende Strahlendosis

zu verabreichen. Im Anschluss der

Behandlung werden dann die Katheter

gezogen und die Einstichkanäle

verschlossen. Die gesamte Behandlung

dauert je nach Tumorgröße drei bis

fünf Stunden.

Sonia Drozdz nennt verschiedene

Vorteile der Brachytherapie: „Durch

die präzise Steuerung der Strahlenquelle,

ähnlich einem chirurgischen

Skalpell, erreichen wir eine hohe lokale

Strahlendosis am Tumor, während das

umgebende gesunde Gewebe geschont

wird – ein besonders wichtiger Aspekt

bei der empfindlichen Leber. Außerdem

findet der Eingriff einmalig unter örtlicher

Betäubung statt, sodass unsere

Patientinnen und Patienten wie Herr

Schneider schnell wieder mobil sind.“

Wolfgang Schneider zeigt sich nach

der Behandlung sehr zufrieden. „Ich

danke dem gesamten Team und seiner

Kompetenz. Ich bin froh, dass ich

hier behandelt wurde und schätze,

was heute möglich ist. Bis auf wenige

Schmerzen an den Einstichstellen am

Bauch, ging es mir gut und ich kann die

Therapie nur empfehlen.“

Die Nachsorge erfolgt nun engmaschig.

Mittels MRT wird in den kommenden

Monaten der Behandlungserfolg

kontrolliert. Sollte es nötig sein, kann

die Brachytherapie bei weiteren Tumorherden

erneut zum Einsatz kommen.

Die Brachytherapie wird am UKJ nicht nur

bei Leberkrebs, sondern unter anderem

auch bei Gebärmutterhalskrebs, Speiseröhrenkrebs

oder Kopf-Hals-Tumoren

genutzt. Die Anwendung bei Prostatakrebs

befindet sich in Vorbereitung.

„Mit unserem zertifizierten Tumorzentrum

und der engen fachlichen sowie

räumlichen Verzahnung der beteiligten

Disziplinen sind wir bestens gerüstet,

um auch komplexe Tumorerkrankungen

interdisziplinär und patientenorientiert

zu behandeln“, betont die Expertin für

Strahlentherapie.

Die Klinik für Strahlentherapie und

das Institut für Diagnostische und

Interventionelle Radiologie (IDIR)

planen, ihre Zusammenarbeit im

Rahmen der gemeinsamen Initiative

Radiologie – Interventionelle Strahlenmedizin

(IRIS) weiter auszubauen.

„Unter dem Dach von IRIS bündeln wir

unsere Expertise, um die Behandlung

von Lebermetastasen und anderen

Tumoren noch besser zu verzahnen

und weiterzuentwickeln. Diese

Synergien kommen direkt unseren

Patienten zugute“, betonen Prof. Dr.

Ulf Teichgräber, Direktor des IDIR und

PD Dr. Pietschmann, kommissarischer

Direktor der Strahlentherapie.

Michelle Korneli

KONTAKT

Dr. Sonia Drozdz

Klinik für Strahlentherapie und

Radioonkologie

03641 9-32 84 01

Strahlentherapie@med.uni-jena.de

03 | 25

37


FORSCHEN

Neue Wege ohne Tierversuche: Infektionen in

Organen auf dem Chip

Biochemiker Prof. Dr. Alexander Mosig ist Professor für Tierversuchsersatzmethoden

in der Infektions- und Entzündungsforschung am UKJ

Wie ein Organ sieht das nicht aus:

Ein kleiner Chip, kaum größer als ein

Objektträger, mit winzigen Hohlräumen,

Tanks und feinen Schläuchen. In den

Hohlräumen wachsen zum Beispiel

Zellen der menschlichen Darmschleimhaut,

Lungenbläschen- oder Leberzellen

- auch Immunzellen befinden

sich darin. Über die kleinen Kanäle

zirkuliert Flüssigkeit wie Blut im Körper.

So entstehen im Labor lebende Mini-

Modelle menschlicher Organe.

„Mit unseren Biochips können wir

Infektionen und die dazugehörigen

Entzündungs- und Immunprozesse

kontrolliert nachbilden“, erklärt Prof.

Dr. Alexander Mosig. Der 49-jährige

Biochemiker und Molekularbiologe

hat seit Oktober die neu eingerichtete

Professur für Tierversuchsersatzmethoden

in der Infektions- und Entzündungsforschung

am UKJ inne.

Diese Forschungsrichtung verfolgt ein

klares Ziel: Tierversuche vermeiden, wo

immer es möglich ist – und zugleich

präzisere Modelle für den Menschen

schaffen. „Viele Fragestellungen werden

Prof. Dr. Alexander Mosig forscht an Organ-on-Chip-

Systemen als Testmodelle in der Infektions- und

Entzündungsforschung.

Foto: Szabó/UKJ

bislang im Tiermodell untersucht, weil

uns geeignete Alternativen fehlen“,

sagt Alexander Mosig. „Doch im Sinne

der Patientinnen und Patienten wollen

wir menschliche Krankheitsprozesse

im Labor so realitätsnah wie möglich

nachbilden. Nur so können wir Krankheitsmechanismen

besser verstehen

und die Wirkung von Medikamenten

individuell vorhersagen.“

In seinen Chipmodellen untersucht

Alexander Mosig mit seinem Team

unter anderem molekulare Prozesse

bei Lungenentzündungen oder

Darmerkrankungen, die durch Viren,

Bakterien oder Pilze verursacht werden.

Dabei interessiert ihn besonders, wie

Mikroorganismen mit dem Menschen

interagieren und wie das Mikrobiom

das Immunsystem bei Infektionen und

Entzündungen beeinflusst. Die von

seiner Forschungsgruppe entwickelten

mikrofluidischen Chips sind inzwischen

patentgeschützt. Das Jenaer Startup

Dynamic42, das aus seiner Arbeitsgruppe

hervorgegangen ist, macht die

Technologie als standardisiertes System

für Forschung und Industrie zugänglich.

Nach seinem Studium in Jena promovierte

Alexander Mosig zu Immunprozessen

bei Arteriosklerose und leitete

mehrere Projekte im Zentrum für Sepsis

und Sepsisfolgen am UKJ. Für seine

Forschung zu den Chip-Modellen ist

er mehrfach ausgezeichnet worden,

zum Beispiel mit dem Thüringer und

dem Bundestierschutzforschungspreis.

Einen Ruf auf eine Professur an

das Universitätsklinikum Hamburg-

Eppendorf lehnte er zugunsten der

Professur in Jena ab. Alexander Mosig

ist in die Grundlagenausbildung in der

Biochemie eingebunden und lehrt in

der forschungsorientierten Neigungslinie

des Jenaer Medizinstudiums.

Perspektivisch möchte er am UKJ helfen,

die 3R-Forschung weiter auszubauen.

3R steht für Replace, Reduce, Refine mit

dem Ziel, die Zahl von Tierversuchen zu

reduzieren und das Leid der Versuchstiere

auf das geringstmögliche Maß zu

beschränken. Wir möchten Forschende

in Jena dabei unterstützen, moderne

Alternativen wie Stammzellmodelle

oder Organ-on-Chip-Systeme in ihrer

Arbeit zu nutzen“, erklärt Alexander

Mosig. „Dazu werden wir Workshops

und Weiterbildungen anbieten und

wollen gemeinsam mit Kolleginnen

und Kollegen passende Methoden

für ihre jeweiligen Forschungsfragen

entwickeln.“

Uta von der Gönna

KONTAKT

Prof. Dr. Alexander Mosig

Institut für Biochemie II

Alexander.Mosig@med.uni-jena.de

38 03 | 25


FORSCHEN

Auch Psychotherapie kann Nebenwirkungen haben

Wie jede Behandlung birgt auch die Psychotherapie Risiken und kann unerwünschte

Wirkungen erzielen

Auf jedem Beipackzettel und Aufklärungsbogen

sind sie akribisch aufgelistet

– die Risiken und Nebenwirkungen

einer medikamentösen oder operativen

Therapie. Denn die angestrebte

Wirkung ist oft von unerwünschten

Effekten begleitet, und idealerweise

treffen Kranke und Therapieteam

nach dem sorgsamen Abwägen der

Vor- und Nachteile gemeinsam eine

Entscheidung über die individuell beste

Behandlung. Das ethische Grundprinzip

„nil nocere“ – nicht schaden – gilt auch

in der Psychotherapie. Die transparente

Aufklärung über die Risiken und Vorteile

einer Therapie ist essentiell: Sie fördert

das Vertrauen und die Autonomie der

Behandelten, gleicht die Erwartungen

an die Therapie ab, reduziert die

Abbruchrate und die Unzufriedenheit

mit der Psychotherapie.

Voraussetzung für diese transparente

Information sind wissenschaftlich

gesicherte Informationen zu den

Risikoprofilen psychotherapeutischer

Behandlungen. Während die Wirksamkeitsforschung

eine lange Tradition hat,

stehen Risiken und Nebenwirkungen

erst seit kurzer Zeit auf der psychotherapeutischen

Forschungsagenda.

Auf Einladung des renommierten Fachjournals

Nature Reviews Psychology

hat ein Autorenteam des UKJ mit

internationaler Beteiligung jetzt den

Stand der Wissenschaft zum Thema

zusammengefasst.

„An unserem Institut untersuchen

wir seit längerem die Ursachen und

Auswirkungen unerwünschter Effekte

der Psychotherapie“, so Prof. Dr. Bernhard

Strauß vom Institut für Psychosoziale

Medizin, Psychotherapie und

Psychoonkologie am UKJ. „Neben

eigenen Erhebungen und Repräsentativbefragungen

werten wir seit Jahren

die Beratungsanfragen beim Verein

‚Ethik in der Psychotherapie‘ aus und

haben eine umfassende Literaturanalyse

erstellt.“ Das Ergebnis: Bei mehr

als jeder zehnten Therapie treten

Nebenwirkungen auf, schwere Nebenwirkungen

sind deutlich seltener.

Aber welche unerwünschten Wirkungen

kann eine Psychotherapie haben? Das

Spektrum reicht von zunehmenden oder

neu auftretenden Symptomen über die

Verschlechterung sozialer Beziehungen

und negative Folgen für das Berufsleben

bis hin zu akuten psychischen

Krisen oder Selbstmordgedanken.

„Zwei zentrale Aspekte bei der Klärung

des Begriffes sind die Perspektive und

die Kausalität“, erklärt die Erstautorin

Ein Forschungsteam des UKJ

hat Risiken und unerwünschte

Nebenwirkungen von Psychotherapie

zusammengefasst.

Foto: Wahl/UKJ

Prof. Dr. Jenny Rosendahl. So mag es

aus Sicht des Patienten belastend sein,

wenn er mit seinen Ängsten konfrontiert

wird, das kann aber Bestandteil

einer korrekt ausgeführten Therapie

sein. Scheitert die Partnerschaft einer

Patientin, weil die Therapie ihr Selbstbewusstsein

gefördert hat, oder weil

die Beziehung von vornherein nicht

gut gehen konnte? Zu den Ursachen

unerwünschter Effekte gehören auch

therapeutische Kunstfehler – etwa ein

zu frühes Therapieende, die Weiterführung

einer Therapie, obwohl das

Patient-Therapeuten-Verhältnis gestört

ist, bis hin zu grobem therapeutischen

Fehlverhalten wie sozialen und sexuellen

Übergriffen.

Obwohl die Studienlage zur Wirksamkeit

von Psychotherapie recht gut ist, werden

Nebenwirkungen selten betrachtet. Das

Autorenteam empfiehlt deshalb, in der

Psychotherapieforschung negative

Effekte qualitativ und quantitativ zu

erfassen und zu publizieren. „Bereits in

der psychotherapeutischen Ausbildung

sollten die Sensibilität für mögliche

negative Auswirkungen in der Therapie

und das Bewusstsein für die Rolle des

Psychotherapeuten bei der Erzeugung

negativer Effekte entstehen“, betont

Bernhard Strauß. Auch in der klinischen

Praxis sollten Berichtssysteme

die Qualitätssicherung unterstützen.

Jenny Rosendahl ergänzt: „Für eine

vertrauensvolle Therapiebeziehung

ist die transparente Aufklärung über

negative Auswirkungen – jedoch ohne

Schwarzmalerei – ebenso wichtig wie

die Möglichkeit, dass Patientinnen und

Patienten Probleme und Kritik in der

Behandlung ansprechen können.“

Uta von der Gönna

Originalpublikation:

https://doi.org/10.1038/

s44159-025-00472-8

03 | 25

39


FORSCHEN

Bessere Versorgung nach Suizidversuch

für weniger Rückfälle

Die Prevents-Studie testet ein spezialisiertes Programm für die psychiatrischpsychotherapeutische

Behandlung nach einem Suizidversuch

Jedes Jahr begehen in Deutschland

ungefähr 10.000 Menschen Suizid;

Thüringen ist dabei das Bundesland mit

einer der höchsten Suizidraten, insbesondere

bei Männern. Damit sterben

in Deutschland mehr Menschen durch

Selbsttötung als durch Verkehrsunfälle,

Gewalttaten und illegale Drogen

zusammen. Die Zahl der Suizidversuche

ist weit größer, sie wird auf etwa das

Zwanzigfache geschätzt. Fast ein Drittel

der Betroffenen versucht es innerhalb

eines Jahres erneut. Zu den sozioökonomischen

Folgen von Suizidversuchen

liegen in Deutschland kaum Untersuchungen

vor, jedoch verursachen

Suizidversuche beträchtliche Kosten

im Gesundheits- und Sozialsystem und

haben weitreichende soziale Konsequenzen,

die insbesondere Angehörige,

das private Umfeld sowie berufliche

Kontexte betreffen.

„Die meisten Menschen nach einem

Suizidversuch werden stationär

psychiatrisch behandelt“, so PD

Dr. Gerd Wagner. „Allerdings steht

dabei die vorhandene psychische

Störung im Mittelpunkt, der Suizidversuch

wird explizit kaum berücksichtigt.“

Gemeinsam mit seinem

Forschungsteam an der Klinik für

Psychiatrie und Psychotherapie des

UKJ hat der Psychologe deshalb ein

Behandlungsprogramm entwickelt,

das suizidspezifisch und unabhängig

von der psychiatrischen Diagnose ist. In

fünf bis sechs psychotherapeutischen

Sitzungen stärkt es die Krisenkompetenz.

Es hilft den Betroffenen, Risiken

zu identifizieren, gezielte Bewältigungsstrategien

im Umgang mit Suizidgedanken

zu entwickeln, professionelle

Hilfe zu ersuchen und anzunehmen. Die

nur zwei bis drei Wochen dauernde

Kurzzeitintervention kann nach dem

Verlassen der Klinik auch ambulant

fortgesetzt werden.

Gerd Wagner: „In einer publizierten

Machbarkeitsstudie haben wir sehr

gute Erfahrungen mit dem Programm

gemacht. Auf dieser Grundlage wollen

wir es jetzt in einer kontrollierten

multizentrischen klinischen Studie

mit der herkömmlichen Behandlung

Das UKJ testet ein spezialisiertes

Programm für die psychotherapeutische

Behandlung nach einem Suizidversuch,

um Rückfälle zu verringern.

Foto: Rodigast/UKJ

vergleichen und prüfen, ob es in die

Versorgungspraxis integriert werden

kann.“ Insgesamt 350 Patientinnen

und Patienten der Universitätskliniken

in Jena, Halle und Frankfurt,

der Bezirkskliniken Mittelfranken, des

Städtischen Klinikums Dresden und der

Thüringen-Kliniken in Saalfeld sollen

in die Studie aufgenommen werden.

Je die Hälfte wird nach dem Programm

beziehungsweise dem bisherigen

therapeutischen Vorgehen behandelt.

Danach hält das Studienteam noch

ein Jahr lang Kontakt und befragt die

Teilnehmenden in Briefen oder E-Mails

nach ihrem psychischen Befinden,

Suizidgedanken, Suizidversuchen, ihrer

Lebensqualität und ob sie medizinische

oder andere Versorgungsleistungen in

Anspruch genommen haben.

Zunächst werden die ärztlichen

und therapeutischen Teams für das

Programm geschult. Das unterstützt

sie im professionellen Umgang mit

dem Thema Suizid, das auch für die

Behandelnden sehr belastend ist. „Das

Ziel unseres strukturierten suizidspezifischen

Behandlungsprogramms

ist es, das Rückfallrisiko nach einem

Suizidversuch deutlich zu senken“,

betont Gerd Wagner. „Wenn es sich

als entsprechend erfolgreich erweist,

kann es einen sehr wirksamen Beitrag

zur Suizidprävention leisten.“

Uta von der Gönna

KONTAKT

Privatdozent Dr. Gerd Wagner

Klinik für Psychiatrie und

Psychotherapie

03641 9-39 04 21

wagner.gerd@med.uni-jena.de

40 03 | 25


LEHREN

„Geriatrie ist immer individuell und nur im Team

möglich“

Prof. Dr. Tino Prell ist neuer Professor für Geriatrie an der Friedrich-Schiller-

Universität Jena und übernimmt als Direktor die Klinik für Geriatrie am UKJ

Etwa ein Sechstel der Bevölkerung in

Deutschland ist 70 Jahre oder älter,

diese Altersgruppe macht über 40

Prozent der Patientinnen und Patienten

in Kliniken aus. Thüringen liegt

bei beiden Zahlen deutlich über dem

Bundesdurchschnitt. „Ältere Menschen

brauchen spezialisierte Medizin, weil

sie in der Regel an mehreren Krankheiten

leiden, sich Krankheiten im

Alter anders zeigen und Heilungsprozesse

länger dauern“, betont Prof. Dr.

Tino Prell, neuer Direktor der Klinik für

Geriatrie am UKJ. Der 43-jährige Neurologe

und Geriater hat seit September

die neu eingerichtete Professur für

Geriatrie an der Friedrich-Schiller-

Universität Jena inne.

Prof. Dr. Tino Prell ist neuer

Direktor der Klinik für

Geriatrie am UKJ.

Foto: Rodigast/UKJ

Die geriatrische Behandlung richtet

sich nicht nur auf die akute Erkrankung,

wie Knochenbrüche nach einem

Sturz, eine Lungenentzündung oder

eine Stoffwechselentgleisung, sondern

blickt auf den gesamten Menschen

mit dem Ziel, die Lebensqualität zu

verbessern und die Selbstständigkeit

zu fördern. Im Vordergrund stehen

Erhalt oder Verbesserung der kognitiven,

emotionalen und Bewegungsmöglichkeiten.

Tino Prell: „Geriatrie

ist immer individuell und nur möglich

in einem interdisziplinären ärztlichen

und therapeutischen Team. An unserer

Klinik haben wir personell und räumlich

die besten Voraussetzungen.“

Tino Prell kennt das UKJ bereits: Nach

seinem Studium und der Promotion

in Magdeburg arbeitete der gebürtige

Thüringer hier zunächst als

Assistenzarzt in der Inneren Medizin.

Anschließend absolvierte er die Facharztausbildung

in der Klinik für Neurologie

und erwarb die Zusatzbezeichnung

Geriatrie. Er habilitierte sich mit

einer Arbeit über die Mechanismen

der Neurodegeneration bei ALS und

leitete als Oberarzt den Bereich Neurogeriatrie

und das Zentrum für Bewegungsstörungen.

Mit Förderung des

Bundesforschungsministeriums baute

er eine Nachwuchsforschungsgruppe

zur Therapietreue bei Älteren auf. Er

wurde dann nach Halle zum Professor

für Geriatrie berufen und leitete zuletzt

nicht nur die geriatrische Uniklinik in

Halle, sondern auch die Geriatrieabteilungen

des Klinikums Merseburg und

des Diakoniekrankenhauses Halle.

Trotz des großen Versorgungsanteils

besteht noch großer Forschungsbedarf

in der Altersmedizin. „In der Versorgungsforschung

untersuchen wir, wie

sich das Gesundheitsverhalten älterer

Menschen verbessern lässt, damit

unsere Medizin bei ihnen ankommt“,

erklärt der Geriater. Ein weiteres

Thema sind psychosoziale Aspekte des

Alterns und wie Altersstereotype das

Gesundheitsverhalten beeinflussen.

Wie bei chronischen Erkrankungen

das Psychosoziale mit der Physiologie

in Zusammenhang steht, erforscht

seine Arbeitsgruppe in translationalen

Projekten. In klinischen Studien sind

ältere Menschen wegen ihrer Mehrfacherkrankungen

kaum vertreten, so

dass neue Wirkstoffe an dieser Hauptzielgruppe

wenig getestet werden. „Hier

möchten wir als Geriatrie ein Partner

sein, denn wir brauchen Evidenz für

neue Behandlungsmethoden“, betont

Tino Prell. Uta von der Gönna

KONTAKT

Prof. Dr. Tino Prell

Klinik für Geriatrie am

Universitätsklinikum Jena

03641 9-32 87 01

Tino.Prell@med.uni-jena.de

03 | 25

41


LEHREN

Landluft schnuppern

Mit einem besonderen Blockpraktikum Medizinstudierende für die Arbeit auf dem

Land begeistern

Es ist schon eine andere Welt auf dem

Land. Aber: Anders ist nicht gleich

schlecht. Diese Erfahrung haben jüngst

die Medizinstudentinnen Felicitas

Rist und Annika Martens gemacht.

Die beiden Freundinnen studieren

Humanmedizin in Jena und haben die

Chance ergriffen, im achten Semester

ihr Blockpraktikum Allgemeinmedizin

in Landarztpraxen zu absolvieren: Felicitas

Rist in Streufdorf in der Gemeinschaftspraxis

Langenhan, Annika

Martens in Heldburg in der Praxis Christopher

Sauer. Ihr Fazit: Es war anders

als gedacht, aber wahnsinnig toll – und

hat sie nicht nur medizinisch, sondern

auch persönlich vorangebracht.

Es ist vor allem der Pragmatismus auf

dem Land, der begeistert: „Wir durften

in der Kürze der Zeit wirklich viel

machen, vom Assistieren bei kleinen

chirurgischen Eingriffen wie Muttermale

entfernen hin zu Hausbesuchen

und Aufnahmegesprächen“, erzählt

Annika Martens. „Bisher wurden wir bei

Praktika immer vorab gefragt: ,Traust

du dir das zu?‘. Auf dem Land ist das

anders. Da heißt es einfach ,Mach

mal!‘, und dann macht man das auch“,

berichtet Felicitas Rist. Das gibt Selbstbewusstsein

und Selbstvertrauen.

Begeistert und beeindruckt hat die

beiden auch die Vielzahl an Zusatzqualifikationen

in den Landarztpraxen. Die

Versorgungslage ist auf dem Land eben

eine andere, die Spannbreite ist größer

als in der Stadt. „Bis auf Tiere wird quasi

alles behandelt“, scherzt Felicitas Rist.

„Einmal die Woche hat die Praxis zum

Beispiel U-Untersuchungen angeboten,

also kinderärztliche Aufgaben übernommen“,

berichtet Annika Martens.

Daneben gab es aber auch viele weitere

Zusatzqualifikationen und -ausbildungen,

beispielsweise in Orthopädie,

Chirurgie oder Wundmanagement. „Das

ist schon toll, wie vielfältig das Aufgabengebiet

hier ist“, findet sie.

Und: Es ist wie eine große Familie, mit

viel Dankbarkeit, ehrlichem Interesse

und Nähe. Von den Mitarbeitenden

in den Lehrpraxen wurden beide

ohnehin wunderbar aufgenommen:

„Die Ärztinnen und Ärzte haben sich

trotz Alltagsstress viel Zeit für mich

genommen, mir alles erklärt und

mich immer dazu geholt, wenn etwas

Spannendes anstand“, erzählt Felicitas

Rist. Auch Annika Martens lobt die

engagierte Eins-zu-Eins-Betreuung. „Ich

habe bestimmt Zeit gekostet, aber mir

hat keiner das Gefühl gegeben, dass

ich störe. Ganz im Gegenteil.“ Mindestens

genauso herzlich waren auch die

Patientinnen und Patienten, die nach

Hausbesuchen schon mal Eier und

Honig mitgegeben haben. „Kommen

Sie nach dem Studium wieder?“, wurde

mehr als einmal gefragt.

42 03 | 25


LEHREN

Die beiden Medizinstudentinnen

Felicitas Rist (links) und Annika

Martens haben sich für knapp

zwei Wochen ins Abenteuer Land

gestürzt.

Foto: privat

Ob das so sein wird, das wissen die

beiden noch nicht. „Eigentlich war Allgemeinmedizin

bisher nicht auf meinem

Schirm, aber das war schon toll hier“,

sagt Felicitas Rist. Der Funke ist zumindest

übergesprungen. Das macht Mut,

dem einen oder der anderen den Weg in

die hausärztliche Versorgung auf dem

Land zu ebnen – und ist das Ziel des

Projekts „Zusammen ins Land“. Seit zwei

Jahren bietet das Institut für Allgemeinmedizin

des UKJ Medizinstudierenden

dabei die Möglichkeit, während eines

achttägigen Praktikums in einer von 25

hausärztlichen Lehrpraxen Einblicke in

das Arbeiten auf dem Land in Thüringen

zu erhalten. Sowohl die Unterkunft als

bei Bedarf auch das Mietauto werden

kostenlos gestellt und vom Institut für

Allgemeinmedizin organisiert. Es ist ein

Baustein, um dem Ärztemangel auf dem

Land entgegenzuwirken, der gerade im

Flächenland Thüringen besonders zu

Buche schlägt.

Das Blockpraktikum findet zwischen Mai

und Juli statt, die Medizinstudierenden

können zwischen aktuell acht Regionen

auswählen, weitere sind herzlich willkommen.

Kommunen, Institutionen

oder Unternehmen können sich beim

Institut für Allgemeinmedizin melden,

um den Studierenden beispielswiese

Übernachtungsmöglichkeiten zu bieten

oder bei der Logistik zu unterstützen.

„Wir wollen nicht nur unseren Medizinstudierenden

zeigen, dass eine Praxis

auf dem Land ein möglicher Berufsweg

sein kann, sondern auch die ländlichen

Regionen stärken“, so Carolin Kathner-

Schaffert, die das Projekt seitens

der Allgemeinmedizin koordiniert.

„Mindestens zwei Studierende machen

zusammen ihr Blockpraktikum in einer

Region in getrennten Lehrarztpraxen,

wohnen dann aber zusammen in einer

Unterkunft. Dann können sie auch

gemeinsam die Region kennenlernen

und erkunden.“ Genau so haben es

auch die Freundinnen Felicitas Rist und

Annika Martens gemacht, die zudem

die Organisation durch das Institut für

Allgemeinmedizin loben. „Es wurde an

alles gedacht und wir mussten uns um

nichts kümmern“, bescheinigen beide.

Dadurch hatten sie ein rundum positives

Erlebnis, das sie auch anderen

Medizinstudierenden weiterempfehlen.

„Wir haben es nicht bereut!“

Katrin Bogner

KONTAKT

Carolin Kathner-Schaffert

Institut für Allgemeinmedizin

03641 9-39 58 15

allgemeinmedizin@

med.uni-jena.de

Projekt: Zusammen ins Land

Bild: Ahmed - stock.adobe.com

Laufzeit des

Projekts:

Zielgruppe:

Zeitpunkt des

Praktikums:

Dauer:

Anzahl der

teilnehmenden

Praxen:

Teilnehmende

Region:

Finanzierung:

2025 – 2026

Medizinstudierende

im 8. Semester

Mai bis Juli

8 Tage

25

Amt Creuzburg / Mihla,

Eisenach, Gotha, Nordhausen,

Sondershausen, Streufdorf/

Heldburg, Suhl, Weida

Strategie- und

Innovationsfond des UKJ

03 | 25

43


HINTER DEN KULISSEN

Mit Herzblut und

Menschlichkeit

Gute Seele der Blutspende

geht in den Ruhestand

„Hallo Frau Tiersch, schön Sie zu sehen!“

Ein Gruß, den Silvana Tiersch in Jena oft

hört – auf dem Markt, in der Straßenbahn

oder beim Spazierengehen. Meist

folgt ein kurzes Gespräch, manchmal

eine Umarmung. Die Menschen, die sie

ansprechen, haben eines gemeinsam:

Sie sind oder waren Blutspenderinnen

und -spender am UKJ. Viele von ihnen

hat die 64-Jährige über Jahre hinweg

begleitet. Nach 18 Jahren als gute

Seele und Gesicht der Blutspende

verabschiedete sie sich im Juli 2025 in

den Ruhestand.

Von einer alten Villa

zur „Alten Chirurgie“

Zunächst arbeitete Silvana Tiersch als

Verkehrsingenieurin in der Reichsbahndirektion

in Magdeburg, danach wechselte

sie in die Materialwirtschaft bei

Carl Zeiss in Jena. Die Wende und eine

spätere schwere Erkrankung wurden für

sie zum Anlass, noch einmal neu anzufangen.

So kam sie als umgeschulte

Zahnarzthelferin 2007 eher durch

Zufall zur Blutspende ans UKJ – und

blieb. So lange, wie niemand sonst aus

dem Spendeteam. Seitdem nahm sie in

der Anmeldung die Spenderinnen und

Spender auf, vergab Termine, beruhigte

Aufgeregte, gab Aufwandsentschädigungen

aus oder hörte einfach zu.

Zahlreiche Personen sah die medizinische

Fachangestellte über Jahre hinweg

regelmäßig. Mit der Zeit lernte sie

viele von ihnen daher gut kennen. Sie

kannte Beruf, Blutgruppe und wusste

auch, wer schnell vor Ort sein konnte,

wenn eine bestimmte Blutgruppe für

eine Patientin oder einen Patienten

dringend gebraucht wurde. Auch deren

Familien lernte Silvana Tiersch in dieser

Zeit kennen. Viele Kinder, die sie damals

begrüßte, liegen heute selbst auf

den Spenderliegen.

In der Anfangszeit war vieles noch

anders. Die Spenderäume befanden

sich in einer alten Villa in der Stoystraße

in der Jenaer Innenstadt. Karteikarten

mit Spenderdaten wurden händisch in

Karteikästen nach Blutgruppen sortiert,

Einladungen per Post verschickt.

„Damals standen die Menschen oft

im Treppenhaus Schlange, um Blut zu

spenden“, erinnert sie sich. Im Laufe der

Jahre zog die Blutspende in die sogenannte

„Alte Chirurgie“ in die Bachstraße,

organisatorische Strukturen

veränderten sich. Die Karteikarten

wurden durch eine digitale Dokumentation

ersetzt, Einladungen kommen

mittlerweile per SMS.

Vertrautheit, die

Spuren hinterlässt

Was aber bis heute blieb, ist der direkte

Kontakt. „Die Technik erleichtert

Eine von vielen Aktionen in der

Blutspende an der Silvana Tiersch

beteiligt war: Das jährliche Gewinnspiel

für die Kulturarena. Foto: UKJ

44 03 | 25


HINTER DEN KULISSEN

Mit dem Ruhestand beginnt für Silvana

Tiersch ein neuer Lebensabschnitt.

Foto: Rodigast/UKJ

Auch Sänger Max Mutzke durfte sie als

Blutspender in Jena begrüßen. Foto: UKJ

Viele Kollginnen und Kollegen haben

sich von Silvana Tiersch herzlich

verabschiedet. Foto: Rodigast/UKJ

vieles, aber Gespräche kann sie nicht

ersetzen“, ist sich Silvana Tiersch

sicher. Für die Spenderinnen und

Spender war sie die erste Person, die

sie vor der Spende sahen – und auch

die letzte, der sie nach der Spende

begegneten. Ihre Präsenz machte

die Blutspende für viele zu einem

vertrauten Ort. „Wir brauchen jede

einzelne Spenderin und jeden Spender,

bei den seit Jahren sinkenden Spendezahlen

heute mehr denn je. Damit

sie wiederkommen, müssen sie sich

auch wohlfühlen“, weiß sie. Das hat sie

sich zur Aufgabe gemacht. Herzblut für

Jena – das war mehr als ein Motto. Es

war ihr tägliches Engagement.

Ihre Art, Menschen zu begegnen und

ihnen Vertrautheit zu geben, hinterlässt

Spuren – bei den Spenderinnen

und Spendern, aber auch bei ihr selbst.

Sie erinnert sich an viele kleine und

große Momente: als sie während einer

Blutspende den Knopf am Jackett eines

jungen Mannes annähte, der danach zu

einem Bewerbungsgespräch musste,

wie sich viele während ihrer Kur besorgt

erkundigten, wann sie wieder da sein

wird oder wie sie den Sänger Max

Mutzke als Spender begrüßen durfte.

„Solche Momente machen den Alltag

besonders. Die vergisst man nicht“, so

die 64-Jährige.

Über die Jahre hat sie nicht nur viele

Spenderinnen und Spender, sondern

auch zahlreiche Kolleginnen und

Kollegen kommen und gehen sehen.

Silvana Tiersch half ihnen beim

Einstieg, begleitete sie durch Sprachbarrieren

und sorgte dafür, dass das

Miteinander funktionierte. „Meist

war Silvana die Erste, die morgens in

die Blutspende gekommen, und die

Letzte, die abends gegangen ist. Wie

eine Mutti hat sie alles vorbereitet und

auch schon mal die dreckige Wäsche

hinterhergeräumt“, erinnert sich

Dagmar Güttler, leitende Medizinische

Fachangestellte in der Blutspende,

mit einem Schmunzeln. „Wir haben

zusammen herzlich gelacht und auch

mal zusammen geweint. Das werden

wir vermissen.“

Zeit für Neues

Mit dem Ruhestand beginnt für Silvana

Tiersch ein neuer Lebensabschnitt.

„Ich habe diese Arbeit immer gern

gemacht, auch wenn sie oft anstrengend

war“, sagt sie. „Jetzt ist es Zeit,

etwas langsamer zu werden.“ Sie freut

sich auf die Zeit, die nun vor ihr liegt.

Auf ihre lang ersehnte Kanada-Reise,

auf ihre Familie und auf all das, was

noch kommt. „Langeweile wird

bestimmt nicht aufkommen“,

ist sie sich sicher.

Anne Curth

Blutspende

am UKJ

Seit 2014 ist die Blutspende des

UKJ in das Institut für Klinische

Transfusionsmedizin Jena gGmbH

ausgegliedert, einem Gemeinschaftsunternehmen

von UKJ und

dem Blutspendedienst DRK NSTOB.

Etwa 80 Blutprodukte werden täglich

am Jenaer Uniklinikum benötigt,

um Patientinnen und Patienten zu

behandeln. Deshalb sind regelmäßige

Blutspenden unverzichtbar.

Neben der Vollblutspende ist auch

die Spende einzelner Blutbestandteile

wie Plasma und Thrombozyten

möglich. Spenden können gesunde

Erwachsene ab 18 Jahren, die mehr

als 50 Kilogramm wiegen. Die Zahl der

möglichen Spenden ist abhängig von

der Spendenart: Männer dürfen bis

zu sechsmal, Frauen bis zu viermal

im Jahr Vollblut spenden. Deutlich

häufiger sind Plasmaspenden mit

bis zu 60 Mal oder Thrombozytenspenden

mit bis zu 26 Mal pro

Jahr möglich.

KONTAKT

Institut für Klinische

Transfusionsmedizin Jena gGmbH

Bachstraße 18, 07743 Jena

Mo., Mi., Fr.: 7.30 – 14.30 Uhr

Di., Do.: 11.30 – 18.30 Uhr

03641 9-39 39 39

blutspende@med.uni-jena.de

www.blut-ist-leben.de

03 | 25

45


KURZ UND KNAPP

Deutschland auf Ziel bei Cholesterin | Jenaer Kardiologie-Expertise

fließt in europäische Leitlinie ein

Das Team der Jenaer Kardiologie macht im

Rahmen des Weltherztages auf den Risikofaktor

„Cholesterin“ aufmerksam. Foto: Rodigast/UKJ

Das Low-Density-Cholesterin, kurz

LDL-C, ist einer der Hauptrisikofaktoren

für einen Herzinfarkt. Diesen

Wert insbesondere nach einem Herzinfarkt

in den Griff zu bekommen, ist

den Expertinnen und Experten der

Kardiologie am UKJ bereits seit Jahren

ein wichtiges Anliegen. Die Jenaer

Kombinationstherapie der Klinik für

Innere Medizin I ist nun auch in der

europäischen Kardiologie-Leitlinie

verankert. Darüber hinaus initiierte

das Thüringer Universitätsklinikum

auch die Studie „Deutschland auf

Ziel“ mit einem bundesweiten

Netzwerk von zehn Unikliniken. „Wir

sind stolz darauf, dass wir Vorreiter

bei den Leitlinien sind und unsere

Therapieempfehlungen kürzlich

international bestätigt wurden. Das

ist gleichzeitig Anerkennung für die

Spitzenleistung unseres gesamten

Teams“, erklärt Prof. Dr. Christian

Schulze, Direktor der Klinik für

Innere Medizin I am UKJ.

Die Klinik hat für ihre Patientinnen

und Patienten vor vier Jahren einen

sogenannten Herzinfarkt-Pass

eingeführt. Hier werden die LDL-C

Werte direkt nach einem Herzinfarkt

und im weiteren Verlauf eingetragen.

Mit Erfolg, so Prof. Dr. Oliver Weingärtner,

Oberarzt der Klinik für

Innere Medizin I. „Der LDL-C Zielwert

von 55 Milligramm pro Deziliter

wurde in unserer Studie ‚Jena auf

Ziel‘ bei allen Herzinfarktpatienten

in Jena 2021 erreicht. Inzwischen sind

uns über 62 Städte mit der Initiative

‚Deutschland auf Ziel‘ gefolgt und

haben so über 50.000 Patienten nach

Herzinfarkt erfolgreich einstellt.“

Mit der durch die Deutsche Gesellschaft

für Kardiologie (DGK), der

Deutschen Gesellschaft für Lipidologie

e.V. (DGFL) - Lipid-Liga und der

DACH Gesellschaft Prävention von

Herz-Kreislauf-Erkrankungen e. V.

geförderten Studie „Deutschland

auf Ziel“ testet das UKJ gemeinsam

über sechs Monate eine Cloudbasierte

Software, in der die

Patientinnen und Patienten ihre

LDL-C Daten einspeisen sollen und

vergleichen das mit der Betreuung

über die Hausärzte. „In der App

können Daten jederzeit vom Patienten

hinterlegt werden, auch der

Hausarzt und unsere Klinik haben

immer Zugriff. Wir versprechen uns

durch diese weitere Digitalisierung

der Cholesterineinstellung eine

bessere Kontrolle der Werte. Aktuelle

Studien zeigen, dass wir dadurch

die Sterblichkeit nach Herzinfarkt

erheblich senken können“, erklärt

Oliver Weingärtner.

(me)

46 03 | 25


Bereit fürs

Zusammen gegen Krebs

engagieren

Eintauchen

in neue Welten?

Foto: Reichold

Jährlich erkranken rund 12.000 Menschen in

Thüringen neu an Krebs. Um Patientinnen, Patienten

und deren Angehörige zu stärken, hat das

Mitteldeutsche Krebszentrum (CCCG) einen Angehörigen-

und Patientenbeirat ins Leben gerufen.

„Patientinnen, Patienten und Angehörige können

Erfahrungen, Wünsche und Bedürfnisse in die

Krebsversorgung und -forschung einbringen und

so direkt mitwirken. Sie bekommen sozusagen eine

neue Stimme“, erklärt Prof. Dr. Andreas Hochhaus,

Direktor des CCCG am Standort Jena.

Die Mitglieder tauschen sich regelmäßig aus,

treffen sich viermal jährlich und wollen zukünftig

noch stärker eigene Themen setzen. „Unser Beirat

steht Patientinnen, Patienten und ihren Angehörigen

aller Alters- und Berufsgruppen offen und wir

verstehen uns als Brücke zwischen Patientinnen

und Patienten, Angehörigen und den Behandelnden

und Forschenden. Unser Ziel ist es, die

Perspektiven der von Krebs betroffenen Menschen

aktiv in die Weiterentwicklung der onkologischen

Versorgung einzubringen. Wir freuen uns über

jedes neue Mitglied, das Teil unseres Beirates

werden möchte“, erklärt Vorsitzende Astrid

Heßmer. Neben einer beratenden Rolle wirkt

der Patienten- und Angehörigenbeirat auch bei

Patientenveranstaltungen mit.

(me)

Wir haben alles

fürs Staunen,

Träumen & Wundern:

Thalia Jena

„Neue Mitte“

Leutragraben 1

07743 Jena

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

03 | 25

47


KURZ & KNAPP

Mut und Hoffnung für

Krebsbetroffene

Wie kann man die Chemo- oder Strahlentherapie

für Krebspatientinnen und -patienten ergänzen,

wie ihre Lebensqualität verbessern – immer auf der

Grundlage wissenschaftlich gesicherter Erkenntnisse,

ohne Hokuspokus. Das ist das Arbeitsgebiet

der Onkologin Prof. Dr. Jutta Hübner, die am UKJ

die Professur für Integrative Onkologie innehat. Auf

Vorschlag einer Patientin erhielt die Medizinerin im

August in Erfurt für ihr besonderes Engagement, das

weit über die normale ärztliche und wissenschaftliche

Tätigkeit hinausgeht, den Verdienstorden der

Bundesrepublik Deutschland.

„Wir gratulieren Professorin Jutta Hübner zu dieser

Auszeichnung und freuen uns, dass damit ihre vielfältigen

Aktivitäten in der Medizin, insbesondere

in der Onkologie, ihre Empathie und die nationale

Sichtbarkeit als Hoffnungsgeberin und Mutmacherin

für unzählige Krebspatientinnen und Krebspatienten

und deren Angehörige eine verdiente Würdigung

finden“, betont Prof. Dr. Andreas Hochhaus, Direktor

der Klinik für Innere Medizin II am UKJ und Vorsitzender

der Thüringischen Krebsgesellschaft. (vdG)

Foto: UKJ

Prof. Dr. Jutta Hübner wurde von Ministerpräsident

Mario Voigt mit dem Bundesverdienstkreuz

ausgezeichnet. Foto: UKJ

UKJ-Professorin berät Bundesregierung

Foto: Szabó/UKJ

Prof. Dr. Verena Vogt, Professorin für Quantitative Versorgungsforschung

am Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Jena, ist von

der Bundesgesundheitsministerin Nina Warken in die „FinanzKommission

Gesundheit“ berufen worden. Die Kommission soll Maßnahmen für

eine dauerhafte Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen

Krankenversicherung erarbeiten. Besetzt ist die Kommission paritätisch

mit zehn Vertreterinnen und Vertretern aus den Bereichen Ökonomie,

Medizin, Sozialrecht, Ethik und Prävention.

Verena Vogt: „Ich freue mich sehr über die Gelegenheit, in dieser

Kommission zu so einer wichtigen Aufgabe mitzuwirken und gleichzeitig,

das UKJ auf dieser Ebene sichtbar zu machen.“

(vdG)

48 03 | 25


KURZ & KNAPP

Was ist das?

Erkennen Sie, was auf diesem Foto

zu sehen ist?

Schreiben Sie uns Ihre Antwort (unbedingt

mit Angabe Ihrer Postadresse)

bis 15. Januar an die Redaktion Klinikmagazin,

Kastanienstraße 1, 07747 Jena

oder per Mail an presse@med.uni-jena.

de. Unter den Einsenderinnen und

Einsendern mit der richtigen Antwort

verlosen wir unter Ausschluss des

Rechtswegs einen Büchergutschein im

Wert von 40 Euro sowie drei Büchergutscheine

im Wert von je zehn Euro, die von

der Jenaer Universitätsbuchhandlung

gesponsert werden.

Auflösung

In Heft 149 suchten wir:

EEG-Haube

Gewinner des 40-Euro-Gutscheins:

Marie Carl

Gewinner der 10-Euro-Gutscheine:

Manuela Trautmann-Feige,

Carmen Albrecht, Kerstin Allstädt

Foto: Rodigast/UKJ

Impressum

Ausgabe: 3|2025, Nummer 150

Herausgeber:

V.i.S.d.P.:

Redaktionsleitung:

Redaktionsteam:

Layout:

Auflage:

Kontakt:

Universitätsklinikum Jena (UKJ) | Kastanienstraße 1 | 07747 Jena

UKJ Förderverein | Am Klinikum 1 | 07747 Jena

Annett Lott, Stabsstelle Unternehmenskommunikation

Theresa Wahl

Katrin Bogner (kbo), Anne Curth (ac), Dr. Uta von der Gönna (vdG),

Michelle Korneli (me), Annett Lott (ane), Theresa Wahl (tw)

Carolin Berg, Klinisches Medienzentrum des Universitätsklinikums Jena

6.000 Exemplare

03641 9-39 11 81, presse@med.uni-jena.de

Wenn aus Gründen der besseren Lesbarkeit im Text die männliche Form gewählt

wurde, beziehen sich die Angaben auf Angehörige aller Geschlechter.

Nachdruck von Inhalten nur mit Genehmigung der Unternehmenskommunikation

des Universitätsklinikums Jena gestattet.

Sie möchten

regelmäßig das Neuste aus

dem UKJ erfahren, dann bestellen Sie

sich das Klinikmagazin nach Hause unter

Angabe von Namen und Adresse per E-Mail an

presse@med.uni-jena.de.

03 | 25

49


TERMINE & KONTAKTE

Veranstaltungen November bis Dezember 2025

GEBURTSVORBEREITUNGSKURSE

Der Kompaktpaarkurs zur Geburtsvorbereitung vermittelt die wesentlichen Abläufe und Informationen rund um die

Geburt und möchte werdenden Eltern Sicherheit für die bevorstehende Geburt geben.

Die nächsten Termine sind am:

Dienstag, 25. November: 17 Uhr | Mittwoch, 26. November: 16 Uhr

Weiter Informationen finden Sie unter: www.uniklinikum-jena.de/geburtsmedizin/Geburtsvorbereitungskurse.html

Anmeldung unter: geburtsvorbereitung@med.uni-jena.de

WÖCHENTLICHE

KREISSSAAL-

FÜHRUNGEN:

donnerstags um 18 Uhr

Anmeldung auf der Homepage

der Geburtsmedizin

www.uniklinikum-jena.de/

geburtsmedizin/

ONKO-KREIS

Die Thüringische Krebsgesellschaft e.V. bietet in Kooperation mit dem UniversitätsTumorCentrum

Jena Krebserkrankten und ihren Angehörigen zu verschiedenen

Themenbereichen der Onkologie regelmäßig stattfindende Vorträge an.

Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Im Rahmen

der Vorträge werden gerne Ihre Fragen durch die Expertinnen und Experten

beantwortet. Alle Veranstaltungen finden virtuell als Online-Seminar statt. Über

den Veranstaltungskalender auf unserer Website gelangen Sie zu den jeweiligen

Vorträgen. Bitte informieren Sie sich im Vorfeld auf der Website unter:

www.thueringische-krebsgesellschaft.de

ELTERNSCHULE

04.11. 1. Hilfe bei Kindern, Teil 1

11.11. 1. Hilfe bei Kindern, Teil 2

18.11. Geschwisterchen-Kurs

25.11. Medikamente für Kinder

02.12. 1. Hilfe bei Kindern, Teil 1

16.12. 1. Hilfe bei Kindern, Teil 2

16.12. Mit Kind ins Krankenhaus

Jeweils 16.00 Uhr.

Weitere Informationen:

www.uniklinikum-jena.de/

kinderklinik/elternschule

17.11. Patienten rechte

20.11. Mangelernährung – was

kann man dagegen tun?

24.11. Expert:innen sprechstunde

Komplementär medizin

Referentin: Prof. Dr. Jutta Hübner

27.11. Träume

01.12. Expert:innensprechstunde

Komplementärmedizin

Referentin: Prof. Dr. Jutta Hübner

01.12. Wie finde ich gute Informationen?

4.12. Krebs als Aufruf zur

Neuorientierung

08.12. Expert:innensprechstunde

Komplementärmedizin – Schwerpunkt

Ernährung

Referentin: Prof. Dr. Jutta Hübner

08.12. Leben mit Krebs (Survivorship)

10.12. Expert:innensprechstunde für

psychologische Anliegen und

Fragen

Referentin: Psychologin

Lena Josfeld

11.12. Expertensprechstunde

Tumorbedingte Fatigue

11.12. Angst vor dem Rückfall (Rezidiv),

15.12. Expert:innensprechstunde

Komplementärmedizin

Referentin: Prof. Dr. Jutta Hübner

15.12. Krebs und Immunsystem – wie

hängt beides zusammen?

15.12. Kinder und ihre krebskranken

Eltern

JENAER

ABENDVORLESUNG

letzter Mittwoch im Monat, 19 Uhr

Haus A, Hörsaal 1

26.11. Koronare Herzerkrankungen

– Vom Herzschmerz

bis zum Infarkt

Weitere Informationen unter

www.uniklinikum-jena.de/

abendvorlesung

PATIENTEN­

BEFRAGUNG

IHRE MEINUNG IST UNS WICHTIG.

Damit wir auf Ihre Bedürfnisse und

Anregungen reagieren können,

können Sie uns Ihre Rückmeldungen

gern über unsere Online-Patienten-

Befragung oder die

Papierfragebögen

auf den Stationen

und Ambulanzen

mitteilen.

EMPFEHLEN

SIE UNS WEITER!

Waren Sie mit Ihrem Aufenthalt am

UKJ zufrieden? Dann sagen Sie es

gern weiter – an Familie, Bekannte

oder unabhängige Bewertungsportale

im Internet. Wir freuen uns über

Ihre Empfehlung.

50 03 | 25


TERMINE & KONTAKTE

Wegweiser für Patienten

ZENTRALE

RUFNUMMERN

KLINIK-

SOZIALDIENST

KLINIKSEEL­

SORGE

ZENTRALE KLINIKUM

03641 9-300

EMPFANG HAUPTEINGANG

03641 9-32 08 50

EMPFANG HAUS E

03641 9-32 80 20

Beratung u.a. zu Anschlussheilbehandlung

und Rehabilitation,

häuslicher Krankenpflege, Pflegestufen,

Schwerbehindertenausweis;

pychosoziale Beratung

KONTAKT:

Yvonne Wiese (Leiterin)

03641 9-32 02 91

yvonne.wiese@med.uni-jena.de

EVANGELISCHE KLINIKSEELSORGE:

Pastorin Ulrike Spengler

0151 17 10 14 94

KATHOLISCHE KLINIKSEELSORGE:

Pfarrer Michael Ipolt

0151 17 10 54 60

Gemeindereferent

Dominik Gehringer

01523 21 87 679

FÖRDERVEREIN

WIR FÖRDERN PROJEKTE

für Patienten und Mitarbeiter – in

Forschung und Lehre – zur Vernetzung

und Öffentlichkeitsarbeit

SPENDENKONTO:

Sparkasse Jena-Saale-Holzland

IBAN: DE89830530300000028010

BIC: HELADEF1JEN

VORSITZENDER:

PD Dr. Dr. Michael Kiehntopf

foerderverein@med.uni-jena.de

03641 9-32 50 01

CAFETERIEN

Magistrale am Standort Lobeda

HANFRIED

Mo – Fr: 10 bis 17 Uhr

Wochenende und Feiertage: 12 bis

17 Uhr

SCHNAPPHANS

Mo – Fr: 8 bis 10.30 Uhr und 11 bis

16.30 Uhr

BESUCHS-

DIENST DER

KLINIKSEELSORGE

Die ehrenamtlich Tätigen nehmen

sich Zeit zum Zuhören, Plaudern,

Spielen, Vorlesen & erledigen

kleine Besorgungen.

KONTAKT:

Ulrike Spengler

0151 17 10 14 94

EINKAUFS­

MÖGLICHKEITEN

KLINISCHES

ETHIKKOMITEE

PATIENTEN­

FÜRSPRECHERIN

IMBISS UND SHOP

Montag bis Donnerstag:

8.00 – 17.00 Uhr

Freitag:

8.00 – 16.00 Uhr

03641 22 62 95

Beratung und Hilfestellung

für Patienten, Angehörige und

medizinisches Personal bei

ethischen Konflikten in Therapie

und Pflege

KONTAKT:

Dr. Ulrike Skorsetz

(Leiterin Geschäftsstelle)

03641 9-33 775

0151 16 35 93 41

ulrike.skorsetz@med.uni-jena.de

KONTAKT:

Sigrid Oehler

0152 32 18 79 99

Sigrid.Oehler@med.uni-jena.de

Persönlich:

mittwochs 14 bis 16 Uhr

03 | 25

51


Ausbildung, Studium & mehr

Deine Zukunft startet hier!

Orthoptistin

Hebamme

Operationstechnische

Assistentin

Pflegefachmann

Mit über 20 Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten bietet das Universitätsklinikum Jena

zahl reiche Chancen für deine Zukunft. Ob als Anästhesietechnischer Assistent oder

Zahnmedizinischer Fachangestellter (m/w/d), bei uns erlernst du einen Beruf, der zu dir und

deinem Leben passt. Und als zukünftige Pflegefachkraft kannst du z.B. jeweils im März oder

im September in deine Ausbildung starten. BEWIRB DICH JETZT. Wir freuen uns auf dich!

Bewirb dich online unter:

www.uniklinikum-jena.de/ausbildung

www.uniklinikum-jena.de

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!