Klinikmagazin 03/25
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03|25
Nov 2025
DAS GESUNDHEITSMAGAZIN AM UNIVERSITÄTSKLINIKUM JENA
TITELTHEMA
HAUTNAH
Die moderne Dermatologie
im Blick
HEILEN
Nicht nur reine Frauensache
– 20 Jahre
Interdisziplinäres
Brustzentrum
LIEBE
LESERINNEN
UND LIEBE LESER,
unser Körper wird von seinem
ganz eigenen Mantel umhüllt – der
Haut. Sie schützt unter anderem vor
äußeren Einflüssen, reguliert die
Körpertemperatur und ist das größte
Sinnesorgan. Neben dieser ganzen
Reihe an lebenswichtigen Aufgaben ist
die Haut aber noch mehr: ein Spiegel
unserer Gesundheit. So zeigen sich
etwa nicht nur Hautkrankheiten selbst
am ganzen Körper, sondern auch viele
internistische Krankheiten werden auf
der Haut sichtbar.
Am UKJ wird die gesamte Bandbreite
dermatologischer Erkrankungen und
Geschlechtskrankheiten behandelt.
Das einzige Universitätsklinikum
Thüringens ist damit ein wichtiger
Anlaufpunkt für Betroffene. In der
Klinik für Hautkrankheiten wird von
Diagnose über moderne medizinische
Versorgung bis hin zu universitärer
Forschung und Lehre alles zu
Erkrankungen der Haut abgedeckt. Wir
geben im Klinikmagazin einen Einblick
in jeden dieser Bereiche. So erzählen
etwa Patientinnen, wie ihnen am UKJ
bei ihrer schweren Neurodermitis
beziehungsweise Weizenallergie
geholfen wurde. Kommen Sie mit in die
Wundsprechstunde oder den Derma-
OP des Hauttumorzentrums. Mehr zu
erfahren gibt es außerdem über die
3D-Modelle des dermatologischen
Forschungslabors.
Auch über das Titelthema hinaus
finden Sie im Klinikmagazin wieder
spannende Themen, darunter wie die
Brachytherapie neue Behandlungsperspektiven
bei Leberkrebs eröffnet,
das Interdisziplinäre Brustzentrum am
UKJ, das in diesem Jahr sein 20-jähriges
Bestehen feiert, oder wie ein Blockpraktikum
Medizinstudierende für die
Arbeit auf dem Land begeistert.
Wir wünschen eine erkenntnisreiche
Lektüre
Ihre „Klinikmagazin“-Redaktion
Foto: Anusorn - stock.adobe.com
TITELINTERVIEW: HAUTNAH
Die Haut: Schutz, Stimmungsanzeiger und Sinnesorgan . . . . . . . . . . . . 7
Die Klinik für Hautkrankheiten mit Poliklinik am UKJ . . . . . . . . . . . . . . 8
Neurodermitis: Endlich wieder den Sohn umarmen . . . . . . . . . . . . . . . 10
Hauttumorzentrum: Früh erkennen und gezielt behandeln. . . . . . . . . . 12
Ohne Histologie selten eine Diagnose. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
Die operative Entfernung von Hauttumoren im Hauttumorzentrum. . . . . 14
Kompetenz für komplexe Allergien im JenaAllergieCentrum (JAC) . . . . . . . 16
Wenig bekannten Hautkrankheiten auf der Spur. . . . . . . . . . . . . . . . 19
Syphilis: Von König Ludwig bis Tinder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
Reisedermatosen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Wundsprechstunde: Wenn Wunden nur schwer heilen . . . . . . . . . . . . . 22
Dermatologisches Forschungslabor: Haut im 3D-Modell . . . . . . . . . . . .28
AKTUELLES
Herzchirurgie-Enthusiastenclub bringt Medizinstudierende zusammen . . .30
Wenn Mutter und Tochter in der Kinderkrankenpflege
arbeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
Keine reine Frauensache: 20 Jahre Interdisziplinäres Brustzentrum . . . . . 34
HEILEN
Brachytherapie: Winzige Strahlenquelle gegen Leberkrebs. . . . . . . . . . 36
FORSCHEN
Biochemiker Alexander Mosig ist Professor Tierversuchsersatzmethoden . .38
Auch Psychotherapie kann Nebenwirkungen haben . . . . . . . . . . . . . .39
Bessere Versorgung nach Suizidversuch für weniger Rückfälle . . . . . . . .40
LEHREN
Neuer Professor für Geriatrie. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
Mit Blockpraktikum Medizinstudierende für Arbeit auf dem Land begeistern . .42
HINTER DEN KULISSEN
Gute Seele der Blutspende geht in den Ruhestand . . . . . . . . . . . . . . .44
KURZ UND KNAPP. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
TERMINE & KONTAKTE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .50
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STANDPUNKTE
Von den Erstsemestern bis zu den Nobelpreisträgern
Eine ereignisreiche Woche im Oktober
Prof. Dr. Thomas Kamradt. Foto: Stein/Jena
Die erste Oktoberwoche hat wie unter
einem Brennglas gezeigt, wofür die
Universitätsmedizin steht, und was
sie leisten kann: Am ersten Oktober
trat Prof. Dr. Alexander Mosig, der
schon lange erfolgreich an unserer
Fakultät forscht, die neu eingerichtete
Professur für Tierversuchsersatzmethoden
in der Infektions- und
Entzündungsforschung an.
Zum einen stärken wir damit unseren
Forschungsschwerpunkt Sepsis und
Infektionsmedizin, zum anderen treiben
wir so die Entwicklung von Forschungsmethoden
voran, die die Zahl der
notwendigen Tierversuche verringern
können. Viele Fragestellungen werden
im Tiermodell untersucht, weil wir
keine besseren Testsysteme haben.
Die Gewebe-Biochips, die Alexander
Mosig entwickelt, bilden die Infektion
mit Viren oder Bakterien modellhaft
nach und ermöglichen so Tests unter
kontrollierten Bedingungen.
Die Träger des diesjährigen Medizin-
Nobelpreises, die am 6. Oktober bekannt
gegeben wurden, wurden für die Entdeckung
der regulatorischen T-Zellen
geehrt, die unser Immunsystem im
Gleichgewicht halten. Die Erkenntnisse
von Shimon Sakaguchi, Mary Brunkow
und Fred Ramsdell wurden sowohl in
Tierversuchen, als auch in Studien an
Patienten gewonnen. Sie helfen, das
Immunsystem besser zu kontrollieren
und es uns zunutze zu machen für künftige
Behandlungsmethoden, etwa gegen
Autoimmunkrankheiten, Allergien oder
Krebs. Die Therapiemöglichkeiten der
Dermatologie, der diese Ausgabe des
Klinikmagazins gewidmet ist, werden
durch diese Entdeckungen erweitert
werden. Die mit dem diesjährigen
Nobelpreis ausgezeichnete Forschung
ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür,
dass erkenntnisorientierte Grundlagenforschung
eine wesentliche
Voraussetzung für medizinischen Fortschritt
ist. Eine weitere unverzichtbare
Voraussetzung ist eine exzellente
Forschungsinfrastruktur.
Deshalb sorgen wir, so gut es geht,
dafür, die Bedingungen an unserem
Klinikum so forschungsfreundlich wie
möglich zu gestalten, damit unsere
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
Antworten auf drängende
medizinische Fragen finden können.
Diese Antworten werden uns zum
Beispiel helfen, Krankheiten früher zu
erkennen, sie individuell zu behandeln
oder effektivere Versorgungsstrukturen
zu entwickeln.
Am 8. Oktober schließlich begannen
die Studieneinführungstage an
unserer Fakultät. In diesem Wintersemester
begrüßten wir knapp 400
junge Menschen, die ihr Studium der
Human- oder Zahnmedizin oder in
einem unserer Masterstudiengänge
aufnehmen. Ihre Ausbildung ist eine
unserer zentralen Aufgaben. Sie soll
die zukünftigen Ärztinnen und Ärzte
optimal auf ihre anspruchsvolle Tätigkeit
vorbereiten – sowohl fachlich
als auch persönlich. Sie sollen nicht
nur über fundiertes Wissen verfügen,
sondern auch über die notwendigen
„Diese
drei Ereignisse der
ersten Oktoberwoche
stehen für das Herzstück
der Universitätsmedizin,
die Pflege der Wissenschaft
in Forschung
und Lehre.“
Kompetenzen, um
komplexe medizinische
Probleme zu lösen, in interprofessionellen
Teams zu arbeiten
und sich kontinuierlich weiterzubilden.
Diese drei Ereignisse der ersten Oktoberwoche
stehen für das Herzstück
der Universitätsmedizin, „die Pflege
der Wissenschaft in Forschung und
Lehre“, wie es im Gesetzestext steht.
Wir haben im Freistaat Thüringen
einen verlässlichen Partner für die
Weiterentwicklung der Lehre und für
die Verbesserung der wissenschaftlichen
Infrastruktur. Er darf dafür mit
kompetent ausgebildetem ärztlichen
und zahnärztlichen Nachwuchs, neuen
medizinischen Erkenntnissen und
optimaler medizinischer Betreuung
für Thüringen rechnen.
Prof. Dr. Thomas Kamradt
Dekan der Medizinischen Fakultät
und Wissenschaftlicher Vorstand des
Universitätsklinikums Jena
Titelbild: Pixel-Shot - stock.adobe.com
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3
HAUTNAH
Die Haut ist mit etwa zwei Quadrat metern
und einem Gewicht von bis zu zehn Kilo
das größte Organ des Menschen. Sie erfüllt
als Schutz barriere vielfältigste lebenswichtige
Funktionen und ist Spiegel bild
unserer psychischen und physischen
Verfassung. Doch die Haut kann auf ganz
vielfältige Weise erkranken. Ein Gespräch
mit Prof. Dr. Mario Fabri, Direktor der Klinik
für Dermatologie am UKJ.
Die Haut wird oft als echtes Wunder
der Natur bezeichnet. Wie lässt sich
das begründen?
Prof. Fabri: Tatsächlich ist unsere
Haut ein erstaunliches Organ – nicht
nur das größte, sondern auch eines
mit den vielseitigsten Funktionen im
gesamten Körper. Zum einen schützt sie
uns vor äußeren Einflüssen wie Kälte,
Wärme, Keimen und UV-Strahlung,
zum anderen dient sie unter anderem
als Sinnesorgan, kommuniziert mit
unserem Immunsystem und spielt
sogar eine Rolle bei der Hormonproduktion.
Evolutionsbiologisch gesehen
hat sie gelernt, intelligent und flexibel
auf Veränderungen, wie zum Beispiel
veränderte klimatische Bedingungen
und neue Infektionen, zu reagieren
und uns so in unterschiedlichen
Lebensräumen optimal zu schützen
und zu unterstützen.
Stichwort vielfältigste Funktionen.
Ebenso vielfältig sind auch
Erkrankungen der Haut. Macht
das für Sie die Faszination für Ihr
Fachgebiet aus?
Prof. Fabri: Genau diese unglaubliche
Vielseitigkeit ist es, die mich
an der Dermatologie so fasziniert:
angefangen bei besagter Biologie
der Haut bis hin zu ihrer enormen
Bandbreite an Erkrankungen. In
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TITELTHEMA
Foto: megaflopp- stock.adobe.de
vielen dermatologischen Lehrbüchern
werden heute über 1.000 verschiedene
Diagnosen beschrieben, manche
geben sogar 2.000 an. Doch was mich
persönlich immer wieder begeistert,
ist das hochkomplexe Immunsystem
der Haut. Unser heutiges Verständnis,
wie das Immunsystem des Menschen
insgesamt funktioniert, stammt vor
allem auch aus der dermatologischen
Forschung. Und weil zudem sehr viele
therapeutische Ansätze an der Haut
erforscht wurden, ist die Dermatologie
in vielen Bereichen der Medizin in Bezug
auf neuartige Therapien führend.
Hinzu kommt mein persönliches Faible
für Infektionserkrankungen und Immunologie.
Infektionen machen einen
Großteil der Hauterkrankungen aus:
Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten – alle
Erregergruppen können die Haut
befallen und sowohl harmlose als
auch schwerwiegende Erkrankungen
hervorrufen. Darüber hinaus ist es
spannend, dass wir aufgrund der
zunehmenden weltweiten Reiseaktivität
der Bevölkerung mit immer mehr
importierten Hauterkrankungen aus
anderen Teilen der Welt konfrontiert
werden, für die wir Anlaufstelle sind
und Diagnosen stellen. Und nicht
zuletzt sehen wir auch die Auswirkungen
des Klimawandels in der
dermatologischen Praxis. Infektionskrankheiten
verändern sich, neue
Erreger tauchen auf – das alles macht
auch unser Fachgebiet dynamisch,
aktuell und medizinisch relevant.
Ist die Dermatologie da manchmal
ein unterschätztes Fach?
Prof. Fabri: Absolut. Sowohl in der
Allgemeinbevölkerung als auch in der
Fachwelt. Wenn von Hauterkrankungen
die Rede ist, denken viele zunächst an
alltägliche beziehungsweise häufige
Hauterkrankungen wie Akne, Herpes
oder Haarausfall. Dabei gibt es darüber
hinaus eine enorme Bandbreite von
Hauterkrankungen – mit sehr unterschiedlichen
Verlaufsformen, von
milden bis hin zu schweren, mitunter
lebensbedrohlichen Verläufen.
Was ebenfalls oft unterschätzt wird:
Hauterkrankungen stehen in engem
Zusammenhang mit der Inneren
Medizin. Sie spielen sich nicht nur in
der Haut ab, sondern sie können auch
mit relevanten inneren Erkrankungen
einhergehen. Die Schuppenflechte
ist ein gutes Beispiel. Wir wissen,
dass Schuppenflechte-Patientinnen
und -Patienten häufig nicht nur
Entzündungen der Haut, sondern auch
der Gelenke oder Gefäße haben. Daher
können Herz-Kreislauf-Erkrankungen
mit Entzündungen der Haut verbunden
sein. Fazit: Hauterkrankungen betreffen
häufig den ganzen Körper, und umgekehrt
zeigen sich viele internistische
Erkrankungen an der Haut. Deshalb ist
es keine Seltenheit, dass wir Dermatologinnen
und Dermatologen internistische
Erkrankungen als Erste erkennen,
weil die Haut die ersten sichtbaren
Hinweise liefert.
Zurück zu den zahlreichen verschiedenen
Diagnosen: Entzündungen,
Infektionen, Allergien, Autoimmunerkrankungen,
Hauttumoren – die klare
Unterteilung in Krankheitsgruppen
erscheint teilweise schwierig?
Prof. Fabri: Das stimmt. Geschichtlich
ist das spannend: Seit Hunderten von
Jahren hat die Dermatologie versucht,
Ordnung in dieses Chaos zu bringen.
Am Anfang wurde versucht, die Erkrankungen
danach zu klassifizieren, was
mit bloßem Auge sichtbar war. Mit dem
Aufkommen der Mikroskopie verlagerte
sich der Fokus auf die Histologie und
Pathologie, also darauf, was im Gewebe
unter dem Mikroskop zu erkennen
war. Heute erleben wir erneut einen
Umbruch. Durch neue Forschungsmethoden
verstehen wir die Genetik und
die wirklichen Prozesse in der Haut viel
besser. Das führt dazu, dass wir Krankheitsbilder
neu denken und einordnen.
Für unsere Patientinnen und Patienten
bedeutet das ganz konkret: Wir können
immer häufiger maßgeschneiderte
Therapien entwickeln. Und in dieser
personalisierten Medizin sind wir als
Uniklinik führend.
Beim Thema Haut und Immunsystem
fällt einem sofort Vitamin D ein….
Prof. Fabri: Unbedingt. Vitamin D ist im
Grunde gar kein Vitamin, sondern ein
Hormon. Und dieses Hormon steuert
eine Vielzahl von Prozessen im Körper.
Außerdem spielt Vitamin D eine große
Rolle für das Immunsystem und hat
damit Einfluss auf viele Erkrankungen.
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TITELTHEMA
Vor etwa zehn Jahren war die Hoffnung
groß, dass wir durch die Erhöhung
des Vitamin-D-Spiegels – etwa durch
Nahrungsergänzung – zahlreiche
Erkrankungen positiv beeinflussen
könnten. Doch wie so häufig in der
Medizin zeigte sich, dass der menschliche
Körper dann doch viel komplexer
ist. Es spielen viele weitere Einflussfaktoren
eine Rolle, sodass das alleinige
Substituieren von Vitamin D leider
nicht den erhofften durchschlagenden
Effekt hatte. Für mich persönlich war
das durchaus eine Enttäuschung, da
ich stark in die Vitamin-D-Forschung
involviert war. Aber so funktioniert
Wissenschaft. Wir formulieren Hypothesen,
prüfen sie kritisch und lernen
auch aus den aufgezeigten Grenzen
und Rückschlägen.
Dennoch konnten wir aus dieser
Forschung wichtige Erkenntnisse
gewinnen, die nach wie vor relevant
sind.
Eines Ihrer aktuellen Forschungsprojekte
befasst sich speziell mit der
Rolle des Immunstoffwechsels bei
der Entstehung von Hautkrebs. Was
erhoffen Sie sich?
Prof. Fabri: Es gibt zahlreiche Beispiele
dafür, wie unser wachsendes Verständnis
der Prozesse in der Haut zur Entwicklung
neuer Therapieoptionen geführt
hat. Die bahnbrechenden Fortschritte,
die wir heute in der Behandlung von
metastasierendem Hautkrebs, etwa
beim malignen Melanom oder weißen
Hautkrebs, sehen, basieren maßgeblich
auf einem besseren Verständnis
des Hautimmunsystems. Und da der
Stoffwechsel die gesamten chemischen
Prozesse wie Energieerzeugung, Aufbau
oder Umwandlung von biologischen
Bausteinen in unserem Organismus
steuert, gehen wir davon aus, dass sich
durch gezielte Beeinflussung dieser
Stoffwechselprozesse auch immunbasierte
Therapien weiter verbessern und
individueller gestalten lassen.
Bei Hautkrebs gelingt es uns heute,
etwa die Hälfte der Patientinnen und
Patienten erfolgreich zu behandeln. Die
andere Hälfte spricht aber leider nicht
ausreichend auf die verfügbaren Therapien
an. Diese therapeutische Lücke
wollen wir schließen und langfristig
mehr Menschen eine personalisierte,
wirksame Behandlung ermöglichen.
Ein Forschungsschwerpunkt am UKJ
ist Altern und damit verbundene
Erkrankungen. Speziell bei der
Hautalterung unterscheiden wir
intrinsische und extrinsische Alterungsprozesse.
Was heißt das genau?
Prof. Fabri: Wir wissen, dass Alterungsprozesse
in den Zellen unvermeidlich
sind und dass sie die Entstehung
und den Verlauf vieler Erkrankungen
beeinflussen. Auch bestimmte Hauterkrankungen,
wie zum Beispiel weißer
Hautkrebs, entstehen im höheren
Lebensalter. Das liegt daran, dass die
zellulären und biologischen Alterungsprozesse
mit der Zeit voranschreiten
und es dem Körper nicht mehr gelingt,
diese zu kontrollieren oder aufzuhalten.
Dabei unterscheiden wir die beiden
Formen der Hautalterung: Intrinsisch
bezeichnet die natürlichen, biologisch
gesteuerten Prozesse, bei denen
also die Ursache der Alterung in den
Zellen selbst liegt. Extrinsisch meint
Prof. Dr. Mario Fabri,
Direktor der Klinik für
Hautkrankheiten,
am Mikroskop.
Foto: Rodigast/UKJ
hingegen die durch Umweltfaktoren
wie UV-Strahlung, Rauchen, ungesunde
Ernährung oder Umweltverschmutzung
beschleunigte Alterung der Haut.
Natürlich spielt auch die genetische
Veranlagung eine wichtige Rolle bei
der Hautalterung, das können wir
nicht ändern. Was wir aber sehr wohl
beeinflussen können, ist der Umgang
mit unserer Haut, zum Beispiel durch
gesunde Lebensgewohnheiten und
gezielte Vorsorgemaßnahmen wie
angemessenen Sonnenschutz.
Interview: Annett Lott
KONTAKT
Prof. Dr. Mario Fabri
Direktor der Klinik für
Hautkrankheiten
Mario.Fabri@med.uni-jena.de
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TITELTHEMA
Schutz, Stimmungsanzeiger und Sinnesorgan
Aufbau und Funktionen der Haut
Sie leistet täglich mehr, als man denkt: die Haut. Sie ist
Schutzschild, Sinnesorgan sowie Temperatur- und Feuchtigkeitsregler.
Häufig ist die Haut auch ein Spiegelbild unserer
Gesundheit. Menschen, die etwa zu wenig rote Blutkörperchen
im Blut haben, sind dauerhaft blass. Ist die Leber entzündet,
wird die Haut gelblich. Zum Vorschein kommen auch viele
Infektionskrankheiten auf der Haut. Dazu gehören etwa
Windpocken, Röteln oder Masern. Die Haut verrät zudem viel
über unsere Stimmung, zeigt unseren Gemütszustand. Sind
Menschen aufgeregt, verstärkt sich oft die Durchblutung – wir
erröten, deutlich sichtbar auch für unser Gegenüber. Kreidebleich
werden wir hingegen vor Schreck.
Mit einer Oberfläche von eineinhalb bis zwei Quadratmetern
und einem Gewicht von dreieinhalb bis zehn Kilogramm ist die
Haut unser größtes Körperorgan, das zum Teil lebenswichtige
Funktionen erfüllt. Die Haut besteht aus drei Schichten. Unterschieden
wird in die Oberhaut, die sogenannte Epidermis,
die Lederhaut, auch Dermis genannt, und die Unterhaut, die
Subkutis. Jede für sich hat ganz unterschiedliche Aufgaben.
Die Oberhaut bildet eine schützende Hornschicht, die Krankheitserreger
abwehrt. In ihrer Basalzellschicht bilden sich
ständig neue Hautzellen. Diese verhornen und wandern nach
oben, wo sie dann abgestoßen werden. Die durchschnittlich
etwa 0,1 Millimeter dicke Oberhaut erneuert sich somit alle
vier Wochen vollständig.
Unter der Oberhaut liegt die Lederhaut, die aus dichtem
Bindegewebe besteht. In ihr befinden sich Blut- und Lymphgefäße
sowie Nervenzellen, mit denen Sinne wie Schmerz,
Berührung oder Druck wahrgenommen werden. Auch die für
den Wärmeausgleich wichtigen Schweißdrüsen und die Talgdrüsen
sind in der Lederhaut zu finden, ebenso Haarwurzeln
und Zellen für die Immunabwehr.
Die dritte Hautschicht ist die Unterhaut, die sich vor allem aus
Binde- und Fettgewebe zusammensetzt, durch das Nerven
und Blutgefäße verlaufen. Das Unterhautfettgewebe dient
als Energiespeicher und zum Schutz vor Kälte.
Theresa Wahl
Haar
Oberhaut
Lederhaut
Haarmuskel
Haarwurzel
Haarpapille
Nervenfaser
Schweißdrüse
Blutgefäße
Vene
Arterie
Grafik: anton91815 - stock.adobe.com
Unterhaut und
Fettgewebe
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7
TITELTHEMA
Die Klinik für Hautkrankheiten mit Poliklinik am UKJ
Zentrale Anlaufstelle für dermatologische Erkrankungen und Geschlechtskrankheiten
Die Klinik für Hautkrankheiten am
UKJ deckt die gesamte Bandbreite an
dermatologischen Erkrankungen ab. Ob
allgemeine Dermatologie oder spezialisierte
Versorgung von entzündlichen
und infektiösen Hautkrankheiten,
Autoimmunerkrankungen, bösartigen
Hauttumoren und deren Vorstufen,
chronische Wunden, genetisch
bedingte Hauterkrankungen oder Allergien
– Betroffene jeden Alters finden
am UKJ Hilfe.
Ganz gleich ob für akute oder chronische
Erkrankungen der Haut oder
Geschlechtskrankheiten: Zentrale
Anlaufstelle für Patientinnen und
Patienten ist zunächst die Poliklinik.
Hier wird die Diagnose gestellt und
gesteuert, wie es weitergeht. So erfolgt
die Behandlung der Hauterkrankungen
je nach Form und Schwere ambulant,
teilstationär oder stationär.
Die Poliklinik verbindet als Teil
der Klinik für Hautkrankheiten die
moderne medizinische Versorgung
mit der universitären Forschung
und Lehre. Ein Team aus erfahrenen
Fachärztinnen und -ärzten, Ärztinnen
Auf Station: Das erfahrene Team aus Ärztinnen und Ärzten,
Pflegekräften und medizinisch-technischem Personal versorgt
die Patientinnen und Patienten in der Jenaer Hautklinik.
Fotos: Rodigast/UKJ
8 03 | 25
und Ärzten in Weiterbildung, Pflegekräften
und medizinisch-technischem
Personal versorgt mit Hilfe eines
breiten Spektrums an Diagnostik
und Behandlungsmöglichkeiten die
Patientinnen und Patienten. Zudem
ist es für diese möglich, an klinischen
Studien teilzunehmen.
Darüber hinaus werden im Zuge der
interdisziplinären Versorgung Patientinnen
und Patienten anderer Abteilungen
am UKJ durch die Hautklinik
betreut, ebenso werden Kolleginnen
und Kollegen anderer Fachbereiche
bei speziellen Fragestellungen bei
Hauterkrankungen hinzugezogen. Als
Hochschulambulanz wird auch den
niedergelassenen Fachärztinnen und
-ärzten beratend zur Seite gestanden,
insbesondere bei Patientinnen
und Patienten mit unklarer oder
seltener Diagnose und therapieresistenten
Erkrankungen.
(tw)
Auf einen Blick
Poliklinik der Klinik für Hautkrankheiten
Sprechstunde:
nur nach Terminvereinbarung.
Anmeldung: 03641 9-32 88 10
dermatol.poliklinik@med.uni-jena.de
Spezialsprechstunden
Allergologie:
Sprechstunde:
nur nach Terminvereinbarung
Anmeldung: 03641 9-32 88 10
dermatol.poliklinik@med.
uni-jena.de
Lasertherapie:
Sprechzeiten: Di., Mi., Fr. 8.00 – 12.00 Uhr
sowie nach Vereinbarung
Anmeldung: 03641 9-32 88 60
privatsprechstunde.derma@
med.uni-jena.de
Andrologische Sprechstunde:
Sprechzeiten: Mi. 10.00 – 11.30 Uhr
sowie nach Vereinbarung
Anmeldung: 03641 9-32 88 10
Onkologische Sprechstunde:
Sprechzeiten: Mo., Di., Mi., Fr. 8.00 – 12.00 Uhr
Anmeldung: 03641 9-32 88 10
Privatsprechstunde:
Dermatologisch-rheumatologische
Gemeinschaftssprechstunde:
Sprechzeiten: Di. 15.00 – 18.00 Uhr
alle drei bis vier Wochen
Anmeldung: 03641 9-32 88 10
Sprechzeiten: Di. 8.00 – 12.00 Uhr
13.00 – 15.00 Uhr
Mi.
8.00 – 12.00 Uhr
Fr.
8.00 – 12.00 Uhr
sowie nach Vereinbarung
Anmeldung: 03641 9-32 88 60
privatsprechstunde.derma@
med.uni-jena.de
Kollagenosen-Sprechstunde:
Sprechzeiten: Mi. 14.00 – 15.00 Uhr
alle zwei bis vier Wochen
und nach Vereinbarung
Anmeldung: 03641 9-32 88 10
Wundsprechstunde:
Sprechzeiten: Mo. 8.15 – 12.00 Uhr
Do.
13.00 – 16.00 Uhr
Anmeldung: 03641 9-32 88 10
Wundsprechstunde.derma@
med.uni-jena.de
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TITELTHEMA
Endlich wieder den Sohn umarmen
Moderne Therapie hilft Patientin mit schwerer Neurodermitis
Wer Tamara Köllner heute sieht, kann
sich kaum vorstellen, dass ihre Haut
noch vor sieben Jahren so angegriffen
war, dass jede Berührung schmerzte.
Der Leidensweg der 45-Jährigen beginnt
aber bereits vor der Diagnose Neurodermitis.
Denn im Alter von 22 Jahren
ist sie plötzlich auf eine Lebertransplantation
angewiesen, weil sie an
Morbus Wilson leidet. Die sogenannte
Kupferspeicher-Krankheit, eine seltene
Erbkrankheit, bei der Kupfer nicht
richtig ausgeschieden wird und die
Leber angreift, wirft ihr Leben aus
der Bahn.
Die lebensrettende Transplantation
erfolgt 2002 in der Klinik für Allgemein-,
Viszeral- und Gefäßchirurgie am
UKJ. Immunsuppressive Medikamente
gehören danach zum Alltag der jungen
Frau. Wenige Monate nach der Transplantation
bemerkt sie, dass sie viele
Nahrungsmittel nicht mehr verträgt.
Außerdem hat Tamara Köllner nun
mit Hautveränderungen zu kämpfen,
die ihr den Schlaf rauben. „Meine
Haut hat von Kopf bis Fuß gejuckt,
war extrem gerötet und entzündet.
Zunächst hatte ich Angst, dass es mit
einer Abstoßungsreaktion zusammenhängen
könnte“, erinnert sie sich.
Nach massivem Haarausfall trennt
sie sich von ihren langen Haaren. Es
gibt Tage, da traut sie sich kaum aus
der Tür, weil sie die Reaktionen in der
Öffentlichkeit verletzen. Damals lebt
sie noch in Sachsen und sucht immer
wieder bei verschiedenen Ärztinnen
und Ärzten nach einer Antwort, woran
sie leiden könnte.
Suche nach der Nadel
im Heuhaufen
2009 erhielt sie in der Klinik für
Hautkrankheiten am UKJ endlich die
Antwort und die Expertinnen und
Experten stellen eine schwergradige
Neurodermitis fest. „Die Neurodermitis,
auch atopisches Ekzem genannt, ist
eine der häufigsten chronisch-entzündlichen
Hauterkrankungen weltweit und
eine der Hauterkrankungen, die wir am
meisten in der Poliklinik sehen und
behandeln. Bis zu zehn Prozent der
Erwachsenen sind davon betroffen.
Bei Kindern und Jugendlichen sind es
sogar bis zu 20 Prozent. Damit ist es
bei ihnen die häufigste chronische
Hauterkrankung überhaupt“, erklärt
Dr. Susanne Darr-Foit, Oberärztin an
der Jenaer Hautklinik. „Am Beispiel
von Tamara Köllner, die häufig stigmatisiert
wurde, wird deutlich, wie wichtig
Aufklärung über Neurodermitis ist. Die
Erkrankung ist nicht ansteckend.“ Die
Ursachen seien multifaktoriell. Neben
einer genetischen Grundlage für die
Erkrankung spielen hauptsächlich
Umweltfaktoren, eine gestörte Hautbarriere
sowie eine Fehlregulation des
Immunsystems eine tragende Rolle.
Durch die gestörte Barriere der Haut
ist diese nicht in der Lage, angemessen
auf mechanische oder chemische Reize,
Allergene oder mikrobielle Einflüsse zu
reagieren. Häufig sind Patientinnen und
Patienten mit schwerem atopischem
Ekzem von sogenannten Superinfektionen,
vor allem durch Viren oder Bakterien,
betroffen. „Unsere Patientin ist
ein schwerer und besonderer Fall. Die
veränderte Immunitätslage nach der
Transplantation unter Einwirkung der
Immunsuppressiva hat sozusagen ihre
Neurodermitis und Allergien begünstigt“,
so die Neurodermitis-Expertin.
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Wie auch andere Neurodermitis-
Patientinnen und -Patienten leidet
Tamara Köllner nicht nur unter extrem
trockener Haut, sie zeigt vor allem
verschiedenste Nahrungsmittelallergien.
Milchprodukte, Fisch und Eier
sind für sie beispielsweise Tabu. Das
Team der Jenaer Hautklinik begleitet
Tamara Köllner nun schon seit Jahren.
Anfangs sind stationäre Aufenthalte
unumgänglich bei ihr. Sie wird mit
antimikrobiell wirksamen Substanzen,
verschiedenen Salbentherapien und
Dr. Susanne Darr-Foit (links),
Oberärztin der Klinik für
Hautkrankheiten, untersucht
Tamara Köllner in der Poliklinik.
Fotos: Rodigast/UKJ
Ein Handyfoto zeigt, wie gerötet und
angegriffen die Haut der Patientin noch
vor ein paar Jahren war.
mit einer Form der Lichttherapie
behandelt. „Hierbei erhielt sie UVA1-
Kabinenbestrahlungen“, so Susanne
Darr-Foit. Außerdem waren mehrere
Kortison-Stoßtherapien notwendig.
Und doch bleibt die Neurodermitis
für Tamara Köllner eine Qual, die ihr
Leben bestimmt.
Neurodermitis stabilisieren
2016 kommt ihr Sohn in der Jenaer
Geburtsmedizin zur Welt. Die Schwangerschaft
verläuft gut, auch dank der
interdisziplinären Zusammenarbeit
zwischen Geburts- und Hautmedizinerinnen
und -medizinern. Zum
Wendepunkt in der Therapie kommt
es zwei Jahre später. Die konventionellen
Therapiemöglichkeiten sind
ausgeschöpft. Damals tauscht sich das
Team der Jenaer Hautklinik gemeinsam
mit den Expertinnen und Experten der
Klinik für Allgemein-, Viszeral- und
Gefäßchirurgie aus und diskutiert, ob
ein neuartiges Medikament bei der
Patientin, insbesondere im Kontext
der Organtransplantation, eingesetzt
werden kann. Schließlich entscheiden
sie sich gemeinsam mit Tamara Köllner
für den Einsatz von Dupilumab, einem
Biologikum, das in Spritzenform
verabreicht wird. Hierbei blockieren
bestimmte biotechnologisch hergestellte
Eiweiße in Form von Antikörpern
gezielt spezifische, für die Erkrankung
relevante Signalwege. Die Therapie
wirkt und die Entzündungsreaktionen
und Beschwerden verbessern sich
deutlich. Innerhalb eines Jahres
verschwinden die Rötungen, der Juckreiz
lässt deutlich nach und auch die
Haare wachsen wieder. Für Tamara
Köllner eine Erlösung, physisch wie
psychisch: „Auch, wenn jede Therapie
mit Nebenwirkungen verbunden ist,
nehme ich das in Kauf. Denn ich wollte
und konnte endlich meinen Sohn ohne
Schmerzen umarmen, und ich kann
seitdem wieder durchschlafen. Meine
Erkrankung ist mit einem unheimlichen
Leidensdruck verbunden.“ Auch
Susanne Darr-Foit spricht von einer
sehr guten Entwicklung: „Obwohl ihre
Erkrankung nicht geheilt werden kann,
konnten wir die schwere chronische
Verlaufsform in eine milde Verlaufsform
wandeln und die Neurodermitis
damit in den Griff bekommen.“
Krankenhausaufenthalte hatte Tamara
Köllner seit vielen Jahren nicht mehr.
Alle 14 Tage spritzt sie sich das Medikament
und kommt viermal jährlich von
Mühlhausen zur Kontrolle nach Jena.
Die Kilometer sind es ihr wert. „Nach
dieser jahrelangen Odyssee bin ich
dankbar, dass mir in Jena zugehört und
ich ernst genommen wurde. Gleichzeitig
schätze ich den Mut, die Weitsicht der
Kliniken und insbesondere die intensive
Betreuung in der Poliklinik seit
16 Jahren. Besonders wertvoll ist für
mich, dass ich hierherkommen darf
und fachübergreifend miteinander
gearbeitet wird.“ Michelle Korneli
MYTHEN RUND UM DIE HAUT
Mythos: Stirnrunzeln sorgt für Falten
Stimmt. Falten entstehen nicht nur mit dem Alter, sondern
werden auch durch die Mimik im Gesicht beeinflusst. So
entstehen etwa in den Augenwinkeln Lachfalten oder
zwischen den Augenbrauen die sogenannte Zornesfalte.
Da die Haut mit dem Alter immer mehr an Elastizität
verliert, treten auch immer mehr solcher Mimikfalten
hervor. Verhindern können wir das nicht.
03 | 25
11
TITELTHEMA
Früh erkennen und gezielt behandeln
Im Hauttumorzentrum des UKJ erhalten Betroffene umfangreiche Diagnostik
und Therapie
Fast jeder zweite Mensch mit heller
Hautfarbe erkrankt während seines
Lebens an einem Hauttumor. In
Deutschland sind Hauttumore mittlerweile
die am häufigsten auftretenden
bösartigen Tumore. In spezialisierten
Zentren wie dem Hauttumorzentrum
am UKJ finden Betroffene Hilfe.
werden die Fälle im interdisziplinären
Tumorboard vorgestellt. Gemeinsam mit
Kolleginnen und Kollegen aus anderen
Fachbereichen, etwa der Onkologie
oder der Strahlentherapie, werden
so weitere Schritte zu Diagnostik und
Therapie besprochen. „Wir pflegen einen
engen und regen Austausch mit den
Kolleginnen und Kollegen, um schnell
die bestmöglichen Entscheidungen für
unsere Patientinnen und Patienten zu
treffen, das heißt unter anderem individualisierte
und optimierte Therapiepläne
zu entwickeln“, so Steven Goetze.
In der seit 2009 bestehenden und durch
die Deutsche Krebsgesellschaft zertifizierten
Einrichtung werden jährlich
zwischen 75 und 100 Patientinnen und
Patienten mit malignem Melanom, also
schwarzem Hautkrebs, erstbehandelt,
hinzu kommen zwischen 300 und 500
Patientinnen und Patienten mit weißem
Hautkrebs. „Wir therapieren hier aber
alle Hautkrebserkrankungen. Neben
malignen Melanomen sowie den beiden
Formen des weißen Hautkrebses, dem
Plattenepithelkarzinom und dem
Basalzellkarzinom, versorgen wir auch
seltenere Tumorformen wie das kutane
T-Zell-Lymphom und das Merkelzellkarzinom
auf höchsten universitärem
Niveau“, sagt Dr. Steven Goetze, Leiter
des Hauttumorzentrums am UKJ.
Kommen die Patientinnen und Patienten
ans Hauttumorzentrum, wird
zunächst eine umfangreiche Diagnostik
vorgenommen. Dabei werden verschiedene
Verfahren eingesetzt – von der
Dermatoskopie über Haut- und Lymphknotenultraschall
bis hin zu dermatohistologischen
und immunhistologischen
Gewebeuntersuchungen. Darüber hinaus
Dr. Steven Goetze, Leiter des
Hauttumorzentrums, untersucht mit
einem Auflichtmikroskop eine Patientin.
Bei der sogenannten Dermatoskopie
werden Hautveränderung um das
Zehnfache vergrößert, was eine genaue
Begutachtung ermöglicht.
Foto: Rodigast/UKJ
12 03 | 25
Vereinfacht habe die gute Zusammenarbeit
der Umzug vor zwei Jahren
vom alten Standort der Hautklinik in
der Erfurter Straße ins Klinikum nach
Lobeda, denn die kurzen Dienstwege
würden die Abstimmung untereinander
noch einmal erleichtern.
Behandelt werden die Patientinnen
und Patienten sowohl ambulant als
auch tagesstationär und stationär, je
nach Therapieform und nach Stadium
der Erkrankung. In den meisten Fällen
werden die Hauttumoren operativ im
Hauttumorzentrum entfernt (siehe
Seite 14 und 15). Darüber hinaus kommen
nicht-operative Behandlungsmethoden
zur Anwendung, etwa Lasertherapie,
strahlentherapeutische Verfahren wie
beispielsweise die Lichttherapie, aber
auch moderne Immun- und Antikörpertherapie
sowie Chemotherapie. „Hier
arbeiten wir exzellent mit der onkologischen
Tagesklinik zusammen“, betont
Steven Goetze. Patientinnen und Patienten
haben außerdem die Möglichkeit,
im Hauttumorzentrum an präklinischen
und klinischen Studien teilzunehmen,
wodurch sie unter anderem Zugang zu
neuen Medikamenten und innovativen
Therapieansätzen haben. Darüber
hinaus werden die Patientinnen und
Patienten auch psychoonkologisch
versorgt, nicht nur stationär, sondern
seit 2022 auch durch die ambulante
Krebsberatungsstelle.
War die Krebstherapie erfolgreich, ist
eine regelmäßige Nachsorge wichtig,
zur Verlaufskontrolle, aber auch, um
mögliche Zweittumoren und ein Wiederauftreten
von Tumoren möglichst
zeitnah festzustellen. „Wir betreuen die
Patientinnen und Patienten häufig über
eine lange Zeit, wodurch man sich über
die Jahre gut kennenlernt. Wir sehen
nicht nur den Krankheits-, sondern
auch den Genesungsverlauf. Das ist ein
ausgesprochen intensives, aber auch
sehr befriedigendes Arbeiten“, sagt der
Leiter des Hauttumorzentrums.
Theresa Wahl
KONTAKT
Hauttumorzentrum
Leiter Dr. Steven Goetze
Hauttumorzentrum@med.uni-jena.de
Ohne Histologie selten eine Diagnose
Unter dem Mikroskop werden Hauterkrankungen in der Dermatohistologie am UKJ beurteilt
Wie in kaum einem anderen medizinischen
Fach bietet sich dem Hautarzt die
besondere Möglichkeit, Erkrankungen
nicht nur mit dem Auge direkt an der
Patientin oder am Patient zu beurteilen,
sondern diese parallel mikroskopisch
untersuchen zu können. Deshalb stellt
diese feingewebliche Untersuchung
der erkrankten Haut sowohl in der
Diagnostik als auch für nachfolgende
Therapien einen Grundpfeiler der
Dermatologie am UKJ dar.
Dafür stellt das pathologische Labor
des UKJ neben Routinefärbeverfahren
und Spezialfärbungen die wichtigsten
immunhistochemischen Analysen
bereit. Speziell bei Autoimmundermatosen
wird die Immunfluoreszenz
genutzt. Eine Methode, bei der Antikörper,
die mit einem fluoreszierenden
Farbstoff markiert sind, zum Nachweis
ihres spezifischen Antigens
benutzt werden.
Etwa 6.000 dermatohistologische
Präparate werden am UKJ pro Jahr am
Mikroskop begutachtet. (ane)
Dr. Melanie Peckruhn, Leiterin der
Dermatohistologie, am Mikroskop.
Foto: Rodigast/UKJ
„Genau dieses Zusammenspiel
zwischen klinischer und pathologischer
Beurteilung hilft uns, Hauterkrankungen
besser zu verstehen und
unseren Patientinnen und Patienten
eine für sie optimale Therapie zu
ermöglichen“, so Dr. Melanie Peckruhn,
Leiterin der Dermatohistologie am UKJ.
Mit ihrem Team beurteilt sie binnen
kurzer Zeit unter anderem entzündliche
Hauterkrankungen wie Ekzeme, vor
allem aber gut- oder bösartige Tumoren.
03 | 25
13
TITELTHEMA
Unter die Haut
Die operative Entfernung von Hauttumoren im
Hauttumorzentrum des UKJ
Ein Blick in den Kalender von Dr.
Christina Wiederhold verrät schnell:
Es gibt viel zu tun. Der Tag der Oberärztin
der Klinik für Hautkrankheiten
am UKJ, die den operativen Bereich
des Hauttumorzentrums verantwortet,
ist durchgetaktet. Täglich stehen
zwischen sechs und acht OP-Termine
auf dem Plan. Kein Wunder. Hauttumoren
haben in den vergangenen
Jahrzehnten in den westlichen Industrieländern
deutlich zugenommen.
Das kann auch Christina Wiederhold
bestätigen. „Das Gros an Operationen,
die wir hier durchführen, ist aufgrund
von Hauttumoren“, sagt die Dermatologin.
Ob malignes Melanom, also
schwarzer Hautkrebs, oder Plattenepithelkarzinom
und das am häufigsten
auftretende Basalzellkarzinom, beides
Formen des weißen Hautkrebses – im
Hauttumorzentrum wird alles entfernt.
Aber auch ungewöhnlichere Hauttumoren
werden behandelt. Dazu
zählen seltene, bösartige Tumoren
der Blut- und Lymphgefäße sowie des
Bindegewebes wie kutane Sarkome.
„Hier arbeiten wir eng und gut mit den
Kolleginnen und Kollegen des Sarkom-
Centrums Jena am UKJ zusammen“,
so Christina Wiederhold. Weitere
Eingriffe erfolgen aufgrund angeborener
Anomalien oder entzündlicher
Hauterkrankungen.
Wurde ein Hauttumor festgestellt
oder besteht der Verdacht, werden die
Patientinnen und Patienten durch den
niedergelassenen Arzt oder auch durch
hausinterne Sprechstunden an die
Operationssprechstunde des Hauttumorzentrums
überwiesen. Hier werden
nach einer Untersuchung die weiteren
Schritte festgelegt. Für die verschiedenen
Arten der Hauttumoren kommen
unterschiedliche Operationsmethoden
zur Anwendung. Dazu zählt etwa die
mikrographisch kontrollierte Chirurgie.
Diese zielt darauf ab, alle bösartig
veränderten Zellen auf der Haut zu
entfernen und dabei gleichzeitig im
operierten Areal so viel gesundes
Gewebe wie möglich zu erhalten. „Wir
schicken nach der Operation sofort
das entnommene Gewebe und die
Schnittränder, das sind etwa ein bis
zwei Millimeter um die betroffene Stelle
herum, in die Pathologie zur Aufarbeitung
und von dort in unsere eigene
Dermatohistologie, wo sie unter dem
Mikroskop auf Tumorreste untersucht
werden. Somit liegt am nächsten Tag
MYTHEN RUND UM DIE HAUT
Mythos: Schokolade essen
verursacht Pickel
Jein. Schokolade verursacht nicht zwangsläufig
Pickel. Aber viele der darin enthaltenden
Inhaltsstoffe können zu Unreinheiten führen.
So steckt in Schokolade etwa viel Zucker und
Fett, was die Talgproduktion anregt. Das führt
wiederum dazu, dass Poren verstopfen und
Unreinheiten entstehen.
der Befund vor. Sind noch Tumorzellen
in den Gewebeproben vorhanden,
schneiden wir gleich noch einmal nach“,
erklärt die Operateurin. Durchgeführt
werden darüber hinaus auch Wächterlymphknotenentfernungen.
Bei diesem
Verfahren wird der erste Lymphknoten,
der im Lymphabflussgebiet am
nächsten am Tumor liegt, entnommen
und auf Krebszellen untersucht. So
kann festgestellt werden, ob ein Hauttumor
metastasiert hat. Eine weitere,
besondere Operationsmethode ist
die sogenannte Tumeszens-Lokalanästhesie.
Ursprünglich entwickelten
Dermatologen dieses Verfahren für
die Fettabsaugung, anschließend
wurden die speziellen Vorteile dieser
großflächigen Lokalanästhesie auch
in anderen Bereichen, darunter in der
Weichteilchirurgie und der operativen
Dermatologie, eingesetzt. Bei letzterer
wird dazu eine große Menge eines Anästhetikums
mit einer feinen Nadel unter
die Haut gespritzt. „Das entsprechende
Areal wird dadurch aufgebläht und es
14 03 | 25
Dr. Christina Wiederhold, Oberärztin in der
Klinik für Hautkrankheiten, mit ihrem Team
bei einer Operation. Foto: Rodigast/UKJ
kann großflächig operiert werden.
Weitere Vorteile dieser Methode sind
eine lang anhaltende Betäubung sowie
eine reduzierte intraoperative Blutung“,
erklärt Christina Wiederhold.
Operiert werden die Patientinnen und
Patienten überwiegend stationär, aber
auch tagesstationär sowie ambulant.
Die Dermatologie am UKJ hat dafür
einen unabhängigen OP-Trakt. Die
Eingriffe hier werden ausschließlich mit
lokaler Betäubung vorgenommen. „Das
hat den Vorteil, dass wir kein Anästhesieteam
brauchen und daher einen
hochfrequentieren Operationsablauf
haben“, sagt Christina Wiederhold.
Die fehlende Vollnarkose bedeutet
allerdings auch, dass die Patientinnen
und Patienten während der Operation
wach sind. Und wie läuft das ab? „Wir
unterhalten uns einfach mit den Patientinnen
und Patienten während der
Operation“, so Christina Wiederhold.
Um dieser besonderen Herausforderung
gerecht zu werden, hat sich die
Dermatologin zusätzlich in therapeutischer
Kommunikation ausbilden lassen.
„Das ganze Team ist insgesamt sehr
empathisch und fürsorglich. Wir gehen
ganz intensiv auf die Patientinnen und
Patienten ein, versuchen die Angst
zu nehmen. Und wir bekommen auch
widergespiegelt, dass es ankommt,
wie wir das machen.“ Viel macht
natürlich auch die Erfahrung, welche
die Dermatologin in ihren 25 Jahren
als Operateurin mitbringt. Und die
gibt sie auch gerne an den Nachwuchs
weiter. „Wir haben in den vergangenen
Jahren etabliert, dass das Arbeiten im
OP Bestandteil der Facharztausbildung
ist, damit die jungen Kolleginnen und
Kollegen später das nötige Rüstzeug
haben“, sagt die Dermatologin.
Theresa Wahl
Mythos: Sonnenschutz im Winter ist überflüssig
Falsch. Im Winter ist die Sonne zwar nicht jeden Tag zu
sehen und der UV-Gefahrenindex ist niedriger, doch die
permanenten UV-Strahlen stellen auch in der kalten
Jahreszeit ein Risiko dar. Sie sind die Hauptursache
für vorzeitige Hautalterung und Hautkrebs. Auch
Sonnenbrandgefahr besteht, unter anderem durch
Schnee, der die UV-Strahlen reflektiert. Daher sollte
auch im Winter nicht auf den Sonnenschutz im Gesicht
verzichtet werden.
MYTHEN RUND UM DIE HAUT
03 | 25
15
TITELTHEMA
„Mein Leben hat sich nicht verschlechtert, es ist nur
ein bisschen anders als vorher“
Kompetenz für komplexe Allergien im JenaAllergieCentrum (JAC)
Ein juckendes Auge, Husten oder Kribbeln
auf der Haut – viele Menschen
kennen solche Symptome. Mehr als
jede dritte Person in Deutschland hat
eine Allergie, meist gegen Pollen oder
Hausstaub. Damit zählen Allergien
zu den häufigsten Volkskrankheiten.
Was für manche nur lästig ist, kann
für andere lebensbedrohlich werden.
Das JenaAllergieCentrum (JAC) am UKJ
hat sich deshalb auf die Abklärung
und Behandlung besonders komplexer
allergischer Erkrankungen spezialisiert.
Hier arbeiten Fachleute aus den
Kliniken für Hautkrankheiten, für Hals-,
Nasen- und Ohrenheilkunde, für Innere
Medizin V, für Kinder- und Jugendmedizin
und der Institute für Arbeits-,
Sozial- und Umweltmedizin sowie für
Klinische Chemie und Laboratoriumsdiagnostik
eng zusammen, um für jede
Patientin und jeden Patienten individuelle
Diagnosen und Therapiepläne zu
erstellen – so auch für Katrin K.
Wie bei vielen Allergie-Betroffenen
waren die Symptome bei ihr lange
unspezifisch. Über Jahre bemerkte sie
leicht geschwollene Lippen, juckende
Augen und Hautreaktionen an Händen
MYTHEN RUND UM DIE HAUT
Mythos: Tägliches Duschen
ist schlecht für die Haut
Jein. Beim Duschen wird der Säureschutzmantel, die
natürliche Schutzschicht der Haut, angegriffen. Vor
allem, wenn zu heiß geduscht wird, ist das schädlich
für die Haut. Wird die Haut regelmäßig auf diese
Weise strapaziert, kann sie beispielsweise mit
Trockenheit, Irritationen oder Ekzemen reagieren.
Wer täglich duschen möchte, sollte daher darauf
achten, dies mit lauwarmen Wasser und möglichst
ohne Seife zu tun.
und Ohrläppchen. „Ich habe das
zunächst nicht ernst genommen“,
erzählt sie. Doch die Beschwerden
traten immer häufiger und heftiger
auf – besonders beim Joggen. Mal
schwoll dabei eine Gesichtshälfte an,
mal beide, mal nur die Augen, mal das
gesamte Gesicht. „Manchmal passierte
es schon nach ein paar Minuten,
manchmal dauerte es länger“, erinnert
sich die 55-Jährige.
An einem heißen Sommertag kam es
dann zum schweren Zwischenfall. „Nach
einer Laufrunde war mein Gesicht so
16 03 | 25
Dr. Laine Ludriksone-Grasser,
Fachärztin an der Jenaer Hautklinik,
im Gespräch mit der Patientin.
nur über Nahrungsmittel, sondern auch
über bestimmte Kosmetikprodukte,
etwa Shampoos mit Weizenextrakt. In
der Blutuntersuchung selbst fanden
sich keine Antikörper gegen die üblichen
Weizenbestandteile. „Das ist bei
dieser besonderen Form der Allergie
aber nicht ungewöhnlich“, weiß die
Fachärztin. Deshalb sollte ein stationärer
Provokationstest den Verdacht
weiter klären. Dabei stieg Katrin K.
nach dem Verzehr eines Weizenbrötchens
und eines Glases Alkohol auf
ein Fahrradergometer. Kurze
Zeit später reagierte ihr
Körper mit Juckreiz
und Quaddeln.
stark angeschwollen, dass ich nichts
mehr sah, ich bekam keine Luft und
hatte sehr starke Schmerzen im Darm“,
so Katrin K. Sie erlitt einen anaphylaktischen
Schock – eine sehr schwere
Form einer allergischen Reaktion,
die mindestens zwei Organsysteme
betrifft. Ihr Mann brachte sie umgehend
in die Jenaer Hautklinik.
Der Diagnose auf der Spur
Dort begann die Suche nach der
Ursache für die Beschwerden mit einer
detaillierten Anamnese: Welche Symptome
treten bei der Patientin wann
und unter welchen Umständen auf?
Danach folgten Laboruntersuchungen
und Hauttests. „Solche Tests sollten
möglichst zeitnah erfolgen, damit die
Ergebnisse aussagekräftig bleiben
und die Betroffenen sich noch an
mögliche Auslöser erinnern können“,
erklärt Dr. Laine Ludriksone-Grasser,
Fachärztin an der Hautklinik. Ein
Symptom-Tagebuch kann dabei helfen.
Ein sogenannter Prick-Test, bei dem
Allergenlösungen in Tropfenform auf
die Haut aufgetragen werden, zeigte,
dass die Weimarerin auf Weizen- und
Roggenmehl reagiert – und das nicht
JenaAllergie
Centrum
Seit 2023 ist das JenaAllergieCentrum
von der Deutschen Gesellschaft
für Allergologie und Klinische
Immunologie e. V. als Comprehensive
Allergy Center zertifiziert – als erstes
und bisher einziges Zentrum dieser
Art in Thüringen. Jährlich zählen die
Fachleute dort etwa 4.900 Patientenkontakte
aller Altersgruppen.
Häufige Krankheitsbilder sind
Pollen-, Insektengift-, Medikamenten-
oder Nahrungsmittelallergien,
Nesselsucht, auch Urtikaria
genannt, Kontaktekzeme, chronische
Nasennebenhöhlenentzündungen
mit Nasenpolypen und Asthma. Ein
großer Vorteil ist die fächerübergreifende
Zusammenarbeit im Zentrum.
Da Allergien oft mehrere Organe
gleichzeitig betreffen, können die
Fälle mit komplexen Behandlungskonstellationen
in interdisziplinären
Fallkonferenzen besprochen und
individuell abgestimmte Therapie
entwickelt werden.
03 | 25
17
TITELTHEMA
„Die Kombination all dieser Untersuchungen
hat unsere Vermutung
einer weizenabhängigen belastungsinduzierten
Anaphylaxie, kurz WDEIA,
bestätigt“, sagt die Dermatologin. Diese
besondere Form der Weizenallergie
unterscheidet sich von klassischen
Nahrungsmittelallergien: Das Allergen
allein löst keine Reaktion aus. Erst
wenn sogenannte Kofaktoren – etwa
körperliche Belastung, Alkohol oder
bestimmte Medikamente – hinzukommen,
kann es zu Symptomen
bis hin zu einer anaphylaktischen
Reaktion kommen.
In der Behandlung gibt es zwei Strategien:
glutenhaltige Lebensmittel
zu reduzieren – oder ganz darauf
zu verzichten. Manche Betroffene
können unter anfänglicher ärztlicher
Begleitung kleine Mengen glutenhaltiger
Lebensmittel essen, wenn sie
anschließend für mehrere Stunden
auf Sport und Alkohol verzichten.
„Das kann helfen, die bestehende
Toleranz zu erhalten“, weiß Laine
Ludriksone-Grasser. „Unsere Patientin
reagiert jedoch bereits auf kleinste
Mengen weizenhaltiger Produkte mit
Beschwerden. Solche ausgeprägten
Reaktionsmuster sind selten.“ Jährlich
sehen die Fachleute des JAC nur etwa
drei bis fünf solcher Fälle.
Selbstbestimmt im Alltag
Für Katrin K. heißt das: Weizen und
andere verwandte Getreidearten wie
Roggen, Dinkel oder Grünkern künftig
konsequent meiden. Seitdem backt
sie ihr Brot aus Hafer- oder Mandelmehl
selbst und achtet sorgfältig auf
versteckte Weizenquellen in Lebensmitteln
wie Pralinen und Müsliriegeln oder
in Kosmetikprodukten wie Shampoos
und Cremes. „Das ist zwar aufwendig,
gehört aber nun zu meinem Alltag.
Ich komme gut damit zurecht“, sagt
die Patientin. Neben der Ernährung
spielt auch ihr Notfallset eine zentrale
Rolle: Adrenalin-Pen, Antihistaminika
und Kortison hat sie nun immer
griffbereit, um auf einen erneuten
Links: Durch eine umfangreiche Anamnese,
Laboruntersuchungen und Hauttests
konnten die Fachleute des JAC die Ursache
für Katrin K.s Beschwerden finden.
Unten: Beim sogenannten Prick-Test
werden kleine Tropfen mit möglichen
Allergieauslösern auf die Haut gegeben. So
lässt sich erkennen, auf welche Stoffe der
Körper reagiert.
Fotos: Rodigast/UKJ
anaphylaktischen Schock reagieren zu
können. Außerdem betont Katrin K., wie
wichtig die Unterstützung ihres Umfelds
ist. Familie, Freunde sowie Kolleginnen
und Kollegen wissen Bescheid und
helfen ihr, Risiken zu minimieren. Sie
bleibt optimistisch: „Mein Leben hat sich
nicht verschlechtert, ich kann weiterhin
in der Apotheke arbeiten, Sport
treiben und reisen – nur ein bisschen
anders als vorher.“ Anne Curth
KONTAKT
JenaAllergieCentrum am
Universitätsklinikum Jena
jac@med.uni-jena.de
www.uniklinikum-jena.de/jac
18 03 | 25
TITELTHEMA
Wenig bekannten Hautkrankheiten auf der Spur
In der Hautklinik des UKJ finden Menschen mit seltenen entzündlichen
Hautkrankheiten Hilfe
Die Fallbesprechungen sind ein
wichtiger Baustein der Diagnose.
Foto: Rodigast/UKJ
Als größtes Organ des Menschen ist
die Haut täglich zahlreichen Umwelteinflüssen
und Strapazen ausgesetzt.
Erkrankungen der Haut kommen daher
vergleichsweise häufig vor. Von Nesselsucht,
Pilzinfektionen oder Gürtelrose
hat wohl jeder schon einmal gehört.
Jedoch gibt es auch zahlreiche Hautkrankheiten,
über die man nur wenig
weiß. In Deutschland werden rund
8.000 Krankheiten zu den seltenen
Erkrankungen gezählt, etwa 1.000
dieser Erkrankungen betreffen die
Haut. Wie alle seltene Erkrankungen
sind auch jene der Haut oft komplex
und erfordern deshalb eine universitäre
medizinische Betreuung. Am UKJ
finden Betroffene genau diese an der
Klinik für Hautkrankheiten. Beraten
wird beispielsweise zur Eosinophilen
Cellulitis (Wells-Syndrom), Kutanen
Amyloidose oder zum Nekrobiotischen
Xanthogranulom.
Solche seltenen Hauterkrankungen zu
erkennen, ist herausfordernd. Da sie
nur eine geringe Anzahl an Menschen
betreffen, ist oft wenig über sie bekannt.
„Es braucht Zeit, seltene Hauterkrankungen
zu diagnostizieren – und die
nehmen wir uns hier“, sagt Dr. Jörg
Tittelbach, Oberarzt in der Klinik für
Hautkrankheiten. Eine wichtige Rolle
spielt dabei die Zusammenarbeit mit
anderen Fachbereichen des UKJ. In interdisziplinären
Besprechungen werden
die Krankheitsgeschichten der Patientinnen
und Patienten beurteilt, etwa
mögliche Zusammenhänge zwischen
den Symptomen hergestellt. Neben
dem interdisziplinären Austausch ist
außerdem die Analyse von Gewebe und
Zellproben in der Dermatohistologie am
UKJ (siehe Seite 13) ein entscheidender
Baustein, um eine Diagnose zu stellen.
Ist das gelungen, folgt die Therapie.
Häufig eine anspruchsvolle Aufgabe,
wie Jörg Tittelbach erklärt. „Bei den
Medikamenten für Hautkrankheiten
hat sich in den vergangenen Jahren
viel getan. Die meisten sind extrem
wirksam und gut verträglich, weshalb
für die Patientinnen und Patienten
passgenaue Therapien möglich sind.
Bei den seltenen Hauterkrankungen ist
die Auswahl an Medikamenten jedoch
begrenzter.“
Theresa Wahl
MYTHEN RUND UM DIE HAUT
Mythos: Zu viel Pflege ist nicht gut für die Haut
Stimmt. Das Motto „Viel hilft viel“ trifft bei der Hautpflege nicht zu. Zu viele Cremes und andere
Produkte können der Haut schaden und es kann sich eine sogenannte periorale Dermatitis,
auch Mundrose genannt, entwickeln. Die Haut ist dann um den Mund herum gerötet, es
können kleine Knötchen und Eiterpusteln entstehen. Grund ist, dass bei der Verwendung
von zu vielen Hautpflegeprodukten die Hornschicht der Haut aufquillt und dadurch die
Barrierefunktion verloren geht. Die Haut verliert zu viel Feuchtigkeit, sie wird trocken und
schuppig, spannt und brennt.
03 | 25
19
TITELTHEMA
Von König Ludwig bis Tinder
Syphilis – alte Krankheit, neue Relevanz
wieder deutlich. Über 8.000 Fälle jährlich
zählt das Robert Koch-Institut bundesweit,
auch in Jena werden jedes Jahr
zehn bis 20 Fälle diagnostiziert.
„Syphilis ist eine der häufigsten sexuell
übertragbaren Infektionen, die wir in der
Hautklinik am UKJ behandeln“, sagt Prof.
Dr. Mario Fabri, Direktor der Klinik für
Hautkrankheiten. Eine Syphilis-Infektion
informiert und getestet werden.“ Zwar
treten Syphilisinfektionen vergleichsweise
häufig bei Männern auf, die Sex
mit Männern haben, doch sie betreffen
keineswegs nur diese Gruppe: „Syphilis
kann grundsätzlich alle Menschen
betreffen – von der Pubertät bis ins
hohe Lebensalter, unabhängig von der
sexuellen Orientierung“, stellt Mario
Fabri klar.
Nicht nur reine Modeerscheinung:
Perücken und Handschuhe verdeckten
die Spuren der Syphilis. Foto: KI
Woran denken Sie, wenn Sie Menschen
mit pompösen Perücken und langen
weißen Handschuhen auf Bildern aus
der Zeit des Sonnenkönigs Ludwig
XIV. sehen? Vermutlich nicht zuerst an
Syphilis. Doch was viele nicht wissen:
Hinter der höfischen Eleganz verbargen
sich oft die Symptome dieser damals
weit verbreiteten sexuell übertragbaren
Infektionskrankheit (STI), die vom Bakterium
Treponema pallidum ausgelöst
wird. Syphilis war so verbreitet wie
heute Herpes – mit sichtbaren Folgen.
Symptome betreffen vor allem die Haut:
ein fleckiger Ausschlag an Handflächen,
Fußsohlen und Oberkörper, Geschwüre,
mottenfraßähnlicher Haarausfall
am Kopf. Perücken und Handschuhe
verdeckten die Spuren. Auch der
Sonnenkönig soll betroffen gewesen
sein. Heilbar wurde die Krankheit erst
Mitte des 20. Jahrhunderts mit der
Entdeckung des Penicillins. Heute ist
Syphilis damit medizinisch zwar gut
behandelbar, verschwunden ist sie
jedoch nicht. Im Gegenteil: Seit den
2000er Jahren steigen die Fallzahlen
verläuft typischerweise in mehreren
Stadien: Anfangs zeigt sich meist ein
schmerzloses tiefes Geschwür der Haut
oder Schleimhaut, ein so genannter
Ulkus. Später folgen ein allgemeines
Krankheitsgefühl und der typische
Hautausschlag. Unbehandelt kann die
Infektion Organe und das Nervensystem
schädigen. Die gute Nachricht: So weit
kommt es heute selten. Wie fast alle
STI ist Syphilis behandelbar – aber oft
noch tabuisiert.
„Wichtig ist die Betreuung durch in der
Sexualmedizin erfahrene Ärztinnen und
Ärzte“, betont Mario Fabri. „Auch die
Sexualpartnerinnen und -partner sollten
Als Gründe für die Zunahme der Fallzahlen
nennt er vor allem Veränderungen
im Sexualverhalten sowie ein
schwindendes Problembewusstsein
für die Risiken sexuell übertragbarer
Infektionen. Anonyme Begegnungen
über Dating-Apps wie Tinder lassen sich
heute schnell und unkompliziert organisieren.
Auch eine zunehmende Mobilität
begünstigt eine Ausbreitung. Prävention
ist daher essenziell – durch Aufklärung,
sichere Sexualpraktiken und regelmäßige
Testungen: „Wer ein risikofreudiges
Sexualleben hat, sollte sich regelmäßig
untersuchen lassen“, rät Mario Fabri.
Wichtig sei es, die Übertragungswege
und typischen Symptome zu kennen.
Aber: auch Hemmschwellen in der
Kommunikation zu diesem Thema abzubauen.
„Niemand sollte sich scheuen, das
Thema sexuell übertragbare Infektionen
offen anzusprechen.“ Für Mario Fabri
ist klar: Eine offene Kommunikation
und ein enttabuisierter Umgang mit
STI ist wesentliche Voraussetzung für
erfolgreiche Prävention. Doch nicht nur
Patientinnen und Patienten stehen hier
in der Verantwortung: Prävention beginnt
beim medizinischen Fachpersonal, das
sensibel aufklärt, berät und behandelt.
Um Stigmatisierung abzubauen und
Infektionen frühzeitig zu erkennen,
braucht es eine stärkere sexualmedizinische
Kompetenz in der Ausbildung
und im Klinikalltag. Denn wer sexualmedizinisch
geschult ist, hilft nicht nur zu
heilen, sondern auch dabei, Infektionen
zu verhindern. Katrin Bogner
20 03 | 25
TITELTHEMA
Unangenehme Urlaubsmitbringsel
Reisedermatosen
Erholung, Abwechslung vom Alltag oder warmes, sonnenreiches Klima sind Gründe,
warum Millionen Menschen in Deutschland in der Urlaubszeit verreisen. Doch so
außergewöhnlich das Urlaubsland auch sein mag, so besonders sind teilweise die
Gesundheitsrisiken, die in diesen Ländern lauern. Gar nicht so seltene Mitbringsel
sind Hautinfektionen. Diese sogenannten Reisedermatosen sind zwar äußerst
unangenehm, meistens aber ungefährlich und gut behandelbar – auch am UKJ.
Zwei Beispiele:
Larva migrans
Sie ist die häufigste infektiöse Reisedermatose und zählt
zu den Infektionskrankheiten, die durch Parasiten verursacht
werden. Meist wird sie aus tropischen und subtropischen
Regionen „mitgebracht“. Bei dieser Hauterkrankung
gelangen, größtenteils über den Sand am Strand, Wurmlarven
über die Füße unter die Haut, wo sie dann in den obersten
Hautschichten entlangwandern. Typische Symptome sind
juckende und auch entzündliche Hautveränderungen an
der Eintrittsstelle, die als gewundene, rote Linien sichtbar
werden. Zwar können die Larven unter der Haut nicht überleben
und sterben nach ein bis drei Monaten ohne Therapie
von allein ab, dennoch empfinden viele Betroffene die
Vorstellung eines „wandernden Wurms“ als sehr belastend.
Deshalb wird die Erkrankung oft mit Tabletten gegen Wurmbefall
behandelt. Bei starkem Juckreiz kommen zusätzlich
Kortison-haltige Cremes und Antihistaminika zum Einsatz.
Leishmaniose
maya1313 - stock.adobe.com
Sie gilt bei uns als zweithäufigste infektiöse Reisedermatose
und zählt ebenso zu den parasitären Infektionskrankheiten.
Die Hauterkrankung kommt in vielen warmen Reiseländern
vor und breitet sich auch in Europa immer weiter aus.
Untersuchungen zeigen, dass innerhalb Europas Mallorca als
Reiseziel gilt, aus dem Reisende am häufigsten eine Leishmaniose
mitbringen. Die Leishmaniose wird durch den Stich infizierter
Sandmücken übertragen, die die Leishmanien in die
Haut abgeben. Die Erkrankung entwickelt sich zeitversetzt,
meist erscheinen Symptome erst eine bis manchmal mehrere
Wochen nach dem Urlaub. Krankheitszeichen sind Knoten
auf der Haut, die zu einem flachen Geschwür heranwachsen,
in dessen Mitte sich oft eine Kruste bildet. Betroffen ist
neben der Haut um die Einstichstelle meist das Gesicht, der
Nacken, Arme oder Beine beziehungsweise Hände oder Füße.
Diese Hautveränderungen oder Läsionen selbst sind meist
schmerzlos, aber langwierig und hinterlassen Narben. Ein
Befall innere Organer ist möglich, aber zum Glück bei uns
sehr selten. Wird die Erkrankung erkannt und behandelt,
verläuft sie meistens mild.
Annett Lott
03 | 25
21
TITELTHEMA
Wenn Wunden nur schwer heilen
In der Wundsprechstunde des UKJ werden Patientinnen
und Patienten mit chronischen Wunden versorgt
Es klopft an der Tür. Die Kollegen
vom Krankentransport sind da. „Wir
bringen die Patientin“, verkünden sie
und schieben die Transportliege in
das Sprechzimmer. Dort wartet schon
Dr. Jörg Tittelbach mit den Gesundheitsund
Krankenpflegerinnen Claudia
Buchmann und Nicole Cais, die an
diesem Montagmorgen zusammen die
dermatologische Wundsprechstunde
am UKJ betreuen. Das Team begrüßt
die Frau freundlich und macht sich
gleich ans Werk. „Wie geht es Ihnen?
Was gibt es Neues“, fragt der Leiter
der Wundsprechstunde, der Oberarzt
in der Klinik für Hautkrankheiten ist,
während Claudia Buchmann und Nicole
Cais die Patientin gemeinsam auf die
Seite drehen. Die 69-Jährige, die an
Multipler Sklerose leidet und deshalb in
einem Pflegeheim lebt, kann sich nicht
mehr selbständig im Bett drehen. Durch
die fehlende Verlagerung entstand ein
Dekubitus, auch Wundliegen genannt,
der nun entsprechend versorgt werden
muss. Deshalb kommt sie regelmäßig in
die Wundambulanz am UKJ.
Der Blick an diesem Morgen auf die
wunde Stelle stimmt das Team positiv.
„Die Wunde wird vom Durchmesser
kleiner“, hält Jörg Tittelbach fest. Sagen
kann er das, weil jede Wunde der Patientinnen
und Patienten in der Spezialsprechstunde
genauestens mit Bildern
dokumentiert wird, um beim nächsten
Besuch einen Vergleich ziehen zu
können und damit die Entwicklung der
Wunde zu beurteilen. „Wird regelmäßig
gelagert?“ „Wie oft wird der Verband
gewechselt?“ – fragt der Arzt weiter,
während die Krankenschwestern die
Wunde versorgen. Claudia Buchmann
hält die Patientin, Nicole Cais bringt auf
die Druckstelle eine Salbe auf. Es ist ein
eingespieltes Team bei der Arbeit, alles
geht Hand in Hand.
Nachdem der Dekubitus versorgt ist,
sind die Beine an der Reihe. Durch die
Immobilität ist es dort zu Wassereinlagerungen
gekommen, wodurch schließlich
offene Wunden entstanden sind.
Um den Fortschritt begutachten zu
können, muss Claudia Buchmann erst
einmal die Kompressionsstrümpfe der
Patientin ausziehen. Als das geschafft
ist, zeigt sich auch an den Beinen ein
positives Bild. Die Wunden sind gut
verheilt, die Beine entstaut. Jedoch sind
rote Flecken entstanden.
Nicole Cais dokumentiert die Wunden an
den Beinen der Patientin mit dem Tablet.
Claudia Buchmann versorgt die Wunden an
den Beinen der Patientin.
22 03 | 25
Links: Dr. Jörg Tittelbach, Leiter der
Wundsprechstunde, begutachtet
gemeinsam mit Wundexpertin Nicole Cais
den Dekubitus.
Unten: Claudia Buchmann vermisst und
tastet die Beine der Lipödem-Patientin ab.
Jörg Tittelbach verordnet deshalb für
die kommenden ein bis zwei Wochen
eine Creme, die Claudia Buchmann
auch gleich aufbringt. „Die Strümpfe
lassen wir wegen der Creme kurz aus,
sonst haben wir keinen positiven Effekt,
weil mehr im Strumpf hängt als auf der
Haut bleibt“, erklärt sie der Patientin.
Die 69-Jährige fühlt sich in der Wundsprechstunde
am UKJ gut aufgehoben.
Für heute ist sie fertig versorgt. Nun
geht es mit dem Transport zurück.
Zur jährlichen Kontrolle kommt an
diesem Morgen auch eine Patientin
wegen ihres Lipödems. „Ich habe die
Diagnose vor zehn Jahren bekommen“,
erzählt sie. Bei der chronischen Fettverteilungsstörung,
die vor allem
Frauen betrifft, bilden sich symmetrische
Fetteinlagerungen meist an den
Beinen, aber auch an den Armen. Sie
sind schwer und geschwollen. Häufig
kommt es zu Wassereinlagerungen,
weshalb die betroffenen Stellen
druckempfindlich sind und schon bei
leichten Berührungen schmerzen. Die
Erkrankung ist in drei Schweregrade
eingeteilt. Die 35-jährige Patientin
leidet an Stadium 1. Ob die Erkrankung
fortschreitet, wird regelmäßig in der
Sprechstunde geprüft. Dazu vermisst
Claudia Buchmann die Beine. Um die
Erkrankung unter Kontrolle zu halten,
kommt die Kompressionstherapie zur
Anwendung. Dazu ziehen die Betroffenen
speziell angepasste und enganliegende
Strumpfhosen an. Durch den auf
das Gewebe ausgeübten Druck sollen
die Zunahme des Lipödems gestoppt
und die Beschwerden gelindert werden.
Eine solche Strumpfhose trägt auch die
35-Jährige. „Mit der Kompression Klasse
3 kommen Sie zurecht?“, erkundigt sich
Jörg Tittelbach. Die Patientin bejaht.
„Lymphdrainage bekommen Sie nicht?“,
fragt er weiter. „Nein, funktioniert
auch ganz gut ohne“, erwidert sie. Der
Dermatologe zeigt sich zufrieden und
sieht derzeit keinen weiteren Handlungsbedarf.
Im September nächstes
Jahr wird neu entschieden.
Das Spektrum an chronischen Wunden,
das in der Wundambulanz behandelt
wird, ist breit. Der Großteil der Patientinnen
und Patienten hat Geschwüre an
den Beinen. Grund für diese sogenannten
offenen Beine, medizinisch als Ulcus
cruris bezeichnet, sind meist venöse
oder arterielle Durchblutungsstörungen.
Andere häufige Auslöser für Wunden
sind Gefäßentzündungen oder autoentzündliche
Erkrankungen. Gefragt ist
die universitäre Medizin natürlich auch
dann, wenn als Ursache der Wunde eine
seltene Erkrankung zugrunde liegt. Um
diese Bandbreite an verschiedenen
Wunden der Patientinnen und Patienten
optimal behandeln zu können, braucht
es also ein besonders geschultes Auge
und Fachwissen. Sowohl auf ärztlicher
Mythos: Die Haut vergisst keinen Sonnenbrand
Stimmt. Jeder Sonnenbrand schädigt unsere Haut nachhaltig,
denn er ist nichts anderes als eine Verbrennung
und Entzündung der Haut. Das eigentliche Problem ist
aber die Langzeitwirkung. UV-B und auch die langwelligen
UV-A-Strahlen, welche tief in die Haut eindringen,
verursachen Schäden an der DNA. Die Folge: Das Hautkrebsrisiko
steigt, die Haut altert vor ihrer Zeit, bildet
vermehrt Falten und Pigmentflecken.
MYTHEN RUND UM DIE HAUT
03 | 25
23
TITELTHEMA
Oben: Die Größe der Wunde wird
festgehalten.
Links: Genauer Blick: Dr. Jörg Tittelbach
schaut, wie sich die Wunde seiner Patientin
entwickelt hat.
Fotos: Rodigast/UKJ
als auch auf pflegerischer Seite sind
deshalb zertifizierte Wundexpertinnen
und -experten eingesetzt. Nicole Cais ist
zwei Mal in der Woche in der Wundambulanz
tätig. Was sie daran reizt? „Die
Wundversorgung hat mir schon immer
besonders Spaß gemacht. Jede Wunde
ist anders und muss individuell versorgt
werden. Das fordert mich immer wieder
aufs Neue – und das macht es spannend“,
sagt sie. Und so war für die
Gesundheits- und Krankenpflegerin
irgendwann klar, die Zusatzqualifikation
als Wund expertin zu machen.
Diese Expertise, die das Team der
Wundambulanz mitbringt, war
Mythos: Wunden an der Luft trocknen lassen
besonders bei der nächsten Patientin
an diesem Tag gefragt. Die 46 Jahre
alte Frau leidet an systemischen Lupus
erythematodes. Die entzündlich-rheumatische
Autoimmunerkrankung, auch
als Schmetterlingsflechte bekannt,
kann alle Organe befallen und führte
bei der Patientin unter anderem zu
Nierenversagen, was eine Transplantation
nötig machte. Darüber hinaus hat
sie das körpereigene Hautgewebe angegriffen,
wodurch eine eitrige Wunde,
ein sogenanntes Pyoderma gangraenosum,
am Unterschenkel entstanden
ist. „Es ist wichtig, dass in diesem Fall
erkannt wird, dass die Wunde durch
die Autoimmunerkrankung und nicht
MYTHEN RUND UM DIE HAUT
„Wunden brauchen frische Luft“ – ein Satz, den wohl jeder von uns schon
mal gehört hat. Doch an der Aussage ist nicht allzu viel dran. Zumindest
nicht unmittelbar nach einer Verletzung, die blutet.
Denn trocknen Wunden an der frischen Luft aus,
führt das zur Verschorfung. Und die entstandene
Kruste verzögert die Heilung, statt sie zu
beschleunigen. Mit einem Pflaster bleibt die
Wunde hingegen feucht. Dieses feuchte Wundmilieu
mindert den Juckreiz und minimiert das
Risiko, dass sich eine Narbe bildet. Darüber
hinaus schützen Pflaster offene Wunden vor
Keimen und Verschmutzungen.
durch eine Infektion ausgelöst wurde
und dementsprechend behandelt
wird“, erklärt Jörg Tittelbach. „Würde
man an solch einer Wunde schneiden,
würde sie größer werden und wieder
eitern. Daher haben wir mit Hilfe einer
Immunsuppression anti-entzündlich
gearbeitet.“ In Fällen wie diesen
arbeitet die Wundambulanz interdisziplinär
mit anderen Abteilungen
des UKJ zusammen, hier etwa mit der
Rheumatologie. Aber auch mit der
Gefäßchirurgie und der Diabetologie
oder dem Stoma-Team wird eine enge
Zusammenarbeit gepflegt.
Im Falle der 46-jährigen Patientin war
für die Heilung der Wunde neben der
richtigen Diagnose vor allem eines
gefragt: Geduld. „Meine Familie hat
immer wieder gefragt, ob man denn
nicht noch irgendwas Anderes machen
kann. Ich habe dann immer gesagt:
‚Lasst den Arzt machen, er weiß, was
er tut und er hat gesagt, die Wunde
muss man in Ruhe lassen‘“, berichtet
die 46-Jährige dem Dermatologen.
Und das war genau richtig. „Die Wunde
sieht gut aus, ist super verheilt“, freut
sich Jörg Tittelbach. „Ich würde sagen,
wir müssen gar nicht mehr verbinden,
sondern nur noch mit harnstoffhaltiger
Pflege versehen.“ Und dank der
guten Heilung war das erst einmal der
letzte Besuch der 46-Jährigen in der
Wundsprechstunde. Theresa Wahl
24 03 | 25
Bakteriengift kann Heilung behindern
Weil es gegen Antibiotika resistente Formen gibt, ist das
Bakterium Staphylococcus aureus durch die MRSA-Keime
zu traurigem Ruhm gelangt. Die meisten Stämme der weit
verbreiteten Bakterien besiedeln nur unsere Haut, ohne
uns krank zu machen. Bei fast jedem dritten Menschen
lässt sich Staphylococcus aureus auf der Haut oder den
Nasenschleimhäuten nachweisen. Aus dem unauffälligen
Begleiter kann jedoch bei Verletzungen oder geschwächtem
Immunsystem ein Krankheitserreger werden. Manche der
Stämme sind dabei aggressiver, weil sie Gifte und Enzyme
produzieren können.
Löffler, Direktorin des Instituts für Medizinische Mikrobiologie
am UKJ. Bestätigt sich der Verdacht, kommt zur chirurgischen
Versorgung der Wunden meist noch eine Antibiotikabehandlung,
gegebenenfalls sogar eine sogenannte Dekolonisierung.
Das Ziel der Behandlung mit antibakterieller Nasensalbe und
Ganzkörperwaschungen ist es, die giftbildenden Staphylokokken
komplett von der Hautoberfläche zu verbannen. Denn
sonst können sie neue Infektionen verursachen oder durch
Hautkontakt verbreitet werden.
(vdG)
Zum Beispiel das Panton-Valentine-Leukozidin:
Das nach seinen Entdeckern benannte
Bakteriengift zerstört die Membranen der
Immunzellen und verursacht dadurch
schlecht heilende und wiederkehrende
Hautinfektionen mit eitrigen Abszessen.
„Zum Nachweis eines solchen giftproduzierenden
Staphylokokkenstamms setzen
wir bei dem entsprechenden Verdacht eine
gezielte PCR-Diagnostik ein“, so Prof. Dr. Bettina
Die Nützlichen erhalten, die Schädlichen zerstören
Von A wie Abszess bis Z wie Zellulitis: Die Brandbreite bakterielle
Hauterkrankungen ist sehr groß, allein schon, weil es
zahlreiche Bakterienarten gibt. Dabei zählen Staphylokokken
und Streptokokken zu den verbreitetsten bakteriellen Verursachern
von Hautinfektionen. In der Behandlung fällt die
Wahl häufig auf Antibiotika, da diese die Vermehrung der
Krankheitserreger verhindern. Während Schmalspektrumantibiotika
nur gegen bestimmte Bakterien wirken, können
dagegen Breitbandantibiotika bei Patientinnen und Patienten
einigen Schaden anrichten. „Sie werden häufig eingesetzt,
wenn der genaue Erreger noch unbekannt ist, aber schnell
behandelt werden muss. Dabei begünstigen sie jedoch auch
das Wachstum resistenter Bakterien in Bereichen, die nicht
von einer Infektion betroffen sind, was zu erheblichen Problemen
wie längeren und schwereren Krankheitsverläufen
führen kann“, sagt Prof. Dr. Mathias Platz, Direktor des Instituts
für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am UKJ.
Breitbandantibiotika wirken auch negativ auf das Darmmikrobiom,
betont Mathias Pletz. Neueste Forschung zeigt:
Wer oft Breitbandantibiotika nimmt, wird empfänglicher für
respiratorische Virusinfektionen. „Ein gestörtes Mikrobiom führt
zu einem geschwächten Immunsystem. Und dadurch werden
wir empfänglich auch für andere Erreger“, so der Infektiologe.
„Wir brauchen deshalb gesamt-gesellschaftliche Anstrengungen,
den Antibiotikaverbrauch zu verringern und
über Alternativen nachzudenken“, so Mathias Pletz. Eine
Alternative – vor allem bei chronischen Wunden wie dem
Diabetischen Fußsyndrom (DFS) – seien zum Beispiel Bakteriophagen.
Phage heißt „Bakterienfresser“, konkret handelt
es sich um Viren, die sich von Bakterien ernähren. „Das
funktioniert sogar so effektiv und gezielt innerhalb einer
Bakterien-Spezies, dass gegebenenfalls nur ein einzelner
Stamm eliminiert werden kann.“ Am UKJ entsteht derzeit
eine Phagenbank zur Isolierung und Charakterisierung von
Bakteriophagen, um deren Anwendungspotential gegen
multiresistente Erreger (MRE) zu untersuchen.
Eine weitere Alternative können Antiseptika sein. „Diese
zerstören zwar auch alle Erreger und beeinflussen so die
natürliche Hautflora, aber richten im Darm keinen Schaden
an“, so Pletz. Und eine dritte Möglichkeit sei Kaltplasma, so
der Experte. Ein ionisiertes, elektrisch leitfähiges Gas, das
kaum Wärme erzeugt und bei Temperaturen unter 40 Grad
Celsius angewendet wird. Es zerstört die entsprechenden
Bakterien, schädigt aber gesunde Zellen nicht und fördert
somit die Wundheilung.
(ane)
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25
DEZEMBER 2025
JANUAR FEBRUAR MÄRZ APRIL MAI JUNI
01 Mo 49
02 Di
03 Mi
04 Do
05 Fr
06 Sa
07 So
08 Mo 50
09 Di
10 Mi
11 Do
12 Fr
13 Sa
01 Do Neujahr 01 So 01 So 01 Mi 01 Fr Tag der Arbeit 01 Mo 23
02 Fr 02 Mo 06 02 Mo 10 02 Do 02 Sa 02 Di
03 Sa 03 Di 03 Di 03 Fr Karfreitag 03 So 03 Mi
04 So 04 Mi 04 Mi 04 Sa 04 Mo 19 04 Do
05 Mo 02 05 Do 05 Do 05 So Ostersonntag 05 Di 05 Fr
06 Di 06 Fr 06 Fr 06 Mo Ostermontag 15 06 Mi 06 Sa
07 Mi 07 Sa 07 Sa 07 Di 07 Do 07 So
08 Do 08 So 08 So 08 Mi 08 Fr 08 Mo 24
09 Fr 09 Mo 07 09 Mo 11 09 Do 09 Sa 09 Di
10 Sa 10 Di 10 Di 10 Fr 10 So 10 Mi
11 So 11 Mi 11 Mi 11 Sa 11 Mo 20 11 Do
12 Mo 03 12 Do 12 Do 12 So 12 Di 12 Fr
13 Di 13 Fr 13 Fr 13 Mo 16 13 Mi 13 Sa
14 So
14 Mi 14 Sa 14 Sa 14 Di 14 Do
Christi
Himmelfahrt
14 So
15 Mo 51
16 Di
17 Mi
18 Do
19 Fr
20 Sa
21 So
22 Mo 52
23 Di
24 Mi Heiligabend
25 Do 1. Weihnachtstag
26 Fr 2. Weihnachtstag
27 Sa
28 So
29 Mo 01
30 Di
31 Mi Silvester
15 Do 15 So 15 So 15 Mi 15 Fr 15 Mo 25
16 Fr 16 Mo 08 16 Mo 12 16 Do 16 Sa 16 Di
17 Sa 17 Di 17 Di 17 Fr 17 So 17 Mi
18 So 18 Mi 18 Mi 18 Sa 18 Mo 21 18 Do
19 Mo 04 19 Do 19 Do 19 So 19 Di 19 Fr
20 Di 20 Fr 20 Fr 20 Mo 17 20 Mi 20 Sa
21 Mi 21 Sa 21 Sa 21 Di 21 Do 21 So
22 Do 22 So 22 So 22 Mi 22 Fr 22 Mo 26
23 Fr 23 Mo 23 Mo 13 23 Do 23 Sa 23 Di
24 Sa 24 Di 09 24 Di 24 Fr 24 So P fi n g s t s o n n t a g 24 Mi
25 So 25 Mi 25 Mi 25 Sa 25 Mo Pfingstmontag 22 25 Do
26 Mo 05 26 Do 26 Do 26 So 26 Di 26 Fr
27 Di 27 Fr 27 Fr 27 Mo 18 27 Mi 27 Sa
28 Mi 28 Sa 28 Sa 28 Di 28 Do 28 So
29 Do 29 So 29 Mi 29 Fr 29 Mo 27
30 Fr 30 Mo 14 30 Do 30 Sa 30 Di
31 Sa 31 Di 31 So
2026
26 03 | 25
JULI AUGUST SEPTEMBER OKTOBER NOVEMBER DEZEMBER JANUAR 2027
01 Mi 01 Sa 01 Di 01 Do 01 So 01 Di
1 Fr Neujahr
02 Do 02 So 02 Mi 02 Fr 02 Mo 45 02 Mi
2 Sa
03 Fr 03 Mo 32 03 Do 03 Sa
Tag d. Deutschen
Einheit 03 Di 03 Do
3 So
04 Sa 04 Di 04 Fr 04 So 04 Mi 04 Fr
4 Mo 01
05 So 05 Mi 05 Sa 05 Mo 41 05 Do 05 Sa
5 Di
06 Mo 28 06 Do 06 So 06 Di 06 Fr 06 So
6 Mi
07 Di 07 Fr 07 Mo 37 07 Mi 07 Sa 07 Mo 50
7 Do
08 Mi 08 Sa 08 Di 08 Do 08 So 08 Di
8 Fr
09 Do 09 So 09 Mi 09 Fr 09 Mo 46 09 Mi
9 Sa
10 Fr 10 Mo 33 10 Do 10 Sa 10 Di 10 Do
10 So
11 Sa 11 Di 11 Fr 11 So 11 Mi 11 Fr
11 Mo 02
12 So 12 Mi 12 Sa 12 Mo 42 12 Do 12 Sa
12 Di
13 Mo 29 13 Do 13 So 13 Di 13 Fr 13 So
13 Mi
14 Di 14 Fr 14 Mo 38 14 Mi 14 Sa 14 Mo 51
14 Do
15 Mi 15 Sa 15 Di 15 Do 15 So 15 Di
15 Fr
16 Do 16 So 16 Mi 16 Fr 16 Mo 47 16 Mi
16 Sa
17 Fr 17 Mo 34 17 Do 17 Sa 17 Di 17 Do
17 So
18 Sa 18 Di 18 Fr 18 So 18 Mi 18 Fr
18 Mo 03
19 So 19 Mi 19 Sa 19 Mo 43 19 Do 19 Sa
19 Di
20 Mo 30 20 Do 20 So Weltkindertag 20 Di 20 Fr 20 So
20 Mi
21 Di 21 Fr 21 Mo 39 21 Mi 21 Sa 21 Mo 52
21 Do
22 Mi 22 Sa 22 Di 22 Do 22 So 22 Di
22 Fr
23 Do 23 So 23 Mi 23 Fr 23 Mo 48 23 Mi
23 Sa
24 Fr 24 Mo 35 24 Do 24 Sa 24 Di 24 Do Heiligabend
24 So
25 Sa 25 Di 25 Fr 25 So 25 Mi 25 Fr 1. Weihnachtstag
25 Mo 04
26 So 26 Mi 26 Sa 26 Mo 44 26 Do 26 Sa 2. Weihnachtstag
26 Di
27 Mo 31 27 Do 27 So 27 Di 27 Fr 27 So
27 Mi
28 Di 28 Fr 28 Mo 40 28 Mi 28 Sa 28 Mo 53
28 Do
29 Mi 29 Sa 29 Di 29 Do 29 So 29 Di
29 Fr
30 Do 30 So 30 Mi 30 Fr 30 Mo 49 30 Mi
30 Sa
31 Fr 31 Mo 36 31 Sa Reformationstag 31 Do Silvester
31 So
03 | 25
27
TITELTHEMA
Haut im 3D-Modell
Im dermatologischen Forschungslabor werden Erkrankungen und Wirkstoffe mit Hilfe
von künstlicher Haut untersucht
Man nehme Hautzellen, Nährmedium
mit Luftkontakt sowie wahlweise
Immunzellen, Entzündungsmarker
und Krankheitserreger, auf alle Fälle
aber jede Menge Expertise und Erfahrung
– so könnte die Bauanleitung
für die Hautmodelle des dermatologischen
Forschungslabors lauten.
An der Laborarbeitsbank verweist
PD Dr. Cornelia Wiegand auf zwölf
etwa fingernagelgroße Hautstücke, die
in runden Plastikabteilen der Zellkulturplatte
in einer rosa Nährflüssigkeit
schwimmen. „Die Grundlage für unsere
Modelle sind menschliche Hautzellen,
aus denen wir ein komplettes
Stückchen Haut von der Unterhaut bis
zur Hornschicht anzüchten können“,
so die Biochemikerin und Molekularbiologin,
die seit fast zwei Jahrzehnten
an der Hautklinik des UKJ forscht. „Wir
können an unseren Hautmodellen zum
Beispiel die Heilungsprozesse nach
einer Verletzung beobachten.“
Hautmodelle in Nährlösung: In der zweiten Reihe mit
verheilten Verletzungen, in der untersten Reihe mit
künstlich zugefügten chronischen Wunden.
Auch Erkrankungen der Haut können die
dreidimensionalen Modelle nachbilden:
Im Zusammenspiel von Entzündungsbotenstoffen
und den Mikroorganismen
der Hautflora entstehen so
aus kleinen Verletzungen chronische
Wunden, an denen sich neue Therapien
und Wirkstoffe testen lassen. Dem
Forschungsteam ist es auch gelungen,
entzündliche Hauterkrankungen im
Modell nachzubilden – etwa Schuppenflechte
mit beschleunigtem Reifen
und Absterben der Hautzellen oder
Neurodermitis, bei der die Hornschicht
ihre Barrierefunktion nicht richtig
erfüllt und Keime und Reizstoffe freie
Bahn haben. Die Modellhaut lässt
sich auch mit Faden- oder Hefepilzen
infizieren, um diese Hautinfektionen
zu untersuchen.
Cornelia Wiegand: „Im Mittelpunkt
stehen dabei immer die Entzündungsprozesse,
die für die jeweilige
Erkrankung charakteristisch sind.“
Und diese Prozesse sind noch längst
nicht ausreichend verstanden. Manuel
Huerta Arana, der Prof. Dr. Mario Fabri,
Direktor der Hautklinik am UKJ, aus
Köln nach Jena gefolgt ist und seit
September das Team verstärkt, fährt
dafür methodisch die modernsten
Geschütze auf. „Wir untersuchen nicht
nur die gesamte genetische Information
und die in den Zellen produzierten
Proteine, wir betrachten auch Substanzen,
die beim Stoffwechsel der an
der Entzündung beteiligten Immunzellen
entstehen.“
28 03 | 25
Oben: PD Dr. Cornelia Wiegand
analysiert die in einer Zelle
produzierten Proteine.
Rechts: Manuel Huerta Arana untersucht, ob der Stoff
1-MNA neue Ansätze für die Krebsbehandlung bietet.
Fotos: vdG/UKJ
In Patientenproben von Gewebe mit
weißem Hautkrebs konnte das Team um
Mario Fabri dabei einen Stoff als höchst
interessant identifizieren. Im Vergleich
zu gesundem Hautgewebe kam 1-MNA
in der unmittelbaren Umgebung der
Krebszellen deutlich vermehrt vor. Bei
verschiedenen Stoffwechselreaktionen
von Tumorzellen wird 1-MNA produziert.
Das Forschungsteam konnte zeigen,
dass der Stoff die Funktion der Immunzellen
in der Tumorumgebung verändert.
In der Folge können sie die Tumorzellen
nicht mehr effektiv bekämpfen.
„Wir wollen nun testen, ob wir die
Produktion von 1-MNA hemmen und so
die Immunabwehr gegen die Krebszellen
stärken können“, erklärt Manuel Huerta
Arana. Auch will das Forschungsteam
untersuchen, ob dieser Mechanismus
spezifisch für den weißen Hautkrebs
ist oder auch bei anderen Tumoren
eine Rolle spielt.
In einem anderen Projekt steht der
schwarze Hautkrebs im Mittelpunkt.
Dabei entsteht mit Hilfe von Patientenzellen
nicht nur ein Hautmodell, sondern
ein Biochip mit dieser aggressiven
Krebserkrankung. Das Chipmodell bildet
auch wichtige Aspekte des Versorgungsund
Immunsystems nach und kann so
zum Beispiel auch genutzt werden, um
die Ablösung von Tumorzellen und die
Entstehung von Metastasen zu untersuchen.
„Gemeinsam mit Industriepartnern
wollen wir eine automatisierte
Analyse des Tumorchips entwickeln“, so
Cornelia Wiegand, „um neue Wirkstoffe
effektiv testen zu können.“
Dass die Hautmodelle auf menschlichem
Gewebe und Patientenproben
basieren, sieht das Forschungsteam
als großen Vorteil: „Mit unseren Hautmodellen
konnten wir ein Verfahren
etablieren, das die Wirksamkeit von
antimikrobiellen Wundheilungsprodukten
prüft“, so Cornelia Wiegand.
Damit trägt das Verfahren zur Reduktion
von Tierversuchen bei. Denkbar ist der
Einsatz der Hautmodelle auch für die
personalisierte Medizin, etwa um das
Ansprechen eines aus Patientenzellen
Mythos: Gebräunte Haut kann keinen
Sonnenbrand bekommen
angezüchteten Tumors auf eine
bestimmte Therapie zu testen oder
die Entstehung von Resistenzen. Dem
Team um Cornelia Wiegand und Manuel
Huerta Arana im Hautforschungslabor
fallen gleich etliche weitere Fragen
ein, die es mit Hilfe der künstlichen
Hautmodelle beantworten möchte.
Dabei geht es um die alternde Haut und
warum sich im Alter das Hautmikrobiom
ändert. Welche Rolle dieses Mikrobiom
bei Hautkrebserkrankungen spielt und
welchen Einfluss Infektionen und
Entzündungen auf die Hautalterung
haben – und wie sich umgekehrt das
Altern der Haut auf deren Widerstandskraft
gegen Infektionen auswirkt. In den
Kulturschränken des Labors werden
noch viele Hautmodelle wachsen.
Uta von der Gönna
Falsch. Zwar ist Melanin, ein Pigment in der Haut, der
Hauptfaktor, der die Haut vor UV-Strahlung schützt.
Dennoch kann eine gebräunte Haut nicht alle UV-Strahlung
abwenden. Damit können die UV-Strahlen die
Haut trotzdem schädigen. Deshalb ist es wichtig,
sich immer vor intensiver Sonne zu schützen und sich
einzucremen, um das Risiko vor Hautkrebs zu minimieren.
MYTHEN RUND UM DIE HAUT
03 | 25
29
AKTUELLES
Timur Kyashif, Assistenzarzt der Klinik
für Herz- und Thoraxchirurgie, hat den
Herzchirurgie-Enthusiastenclub am UKJ
aufgebaut. Foto: Ludek/UKJ
Mit Leidenschaft fürs Herz
Herzchirurgie-Enthusiastenclub bringt Medizinstudierende zusammen
Timur Kyashif, Assistenzarzt der Klinik
für Herz- und Thoraxchirurgie, bereitet
bereits den Raum für seine Medizinstudierenden
vor, die gleich rund ums Herz
quizzen werden und Herzmedizin am
Modell üben. Denn immer donnerstags
trifft sich sein Herzchirurgie-Enthusiastenclub
in Lobeda. Vor drei Jahren hat
er das Konzept aus seinem Heimatland
Bulgarien mitgebracht und den Club am
UKJ ins Leben gerufen, um Herzwissen
anders zu vermitteln. „Ich wollte einen
Treffpunkt für Herzmedizin schaffen, zu
dem Interessierte vom ersten Semester
bis zum Praktischen Jahr kommen
können und nicht nur aus der Herzchirurgie,
sondern auch alle anderen
Fachdisziplinen willkommen sind.“
Mittlerweile gehören 20 Studierende
zu den Herzchirurgie-Enthusiasten und
die Nachfrage wächst.
Aryan Dadashzadeh ist einer seiner
Schützlinge, die von Anfang an dabei
sind. Der Doktorand der Herzchirurgie
schätzt das Konzept. „Wir können hier
über Herzchirurgie reden, aber in
lockerer Atmosphäre, gemeinschaftlich
und trotzdem sehr professionell
zusammenarbeiten.“ Wöchentlich steht
ein anderes Herzthema im Mittelpunkt.
Jedes Treffen beginnt mit EKG-Übungen,
wobei an Patientinnen, Patienten oder
Studierenden geübt wird. Einer der
Studierenden stellt kurz ein Herz-Thema
vor und überlegt sich dazu Quizfragen.
Und immer gibt es kleine und größere
Preise als Anreiz. Aber auch praktisch
üben und vertiefen die Studierenden ihr
Herzwissen. So werden regelmäßig am
Schweineherzen Knot- und Nahttechniken
trainiert und Wet-Labs genutzt.
Die Medizinstudierenden vernetzten
sich durch den wöchentlichen Termin
nicht nur untereinander, sondern
schließen auch Freundschaften. Auch
der Austausch mit den Ärztinnen und
Ärzten werde laut Aryan Dadashzadeh
gefördert, denn diese nehmen regelmäßig
an den Treffen teil. „Der Herzchirurgie-Enthusiastenclub
lebt auch
davon, dass die höheren Semester den
Jüngeren etwas beibringen“, ergänzt
der 28-jährige Medizinstudent.
Jeder hat dabei die Möglichkeit, selbst
Themenvorschläge einzubringen und
sie teilen ihre Themen auch über einen
eigenen Podcast, so Timur Kyashif.
Und die Herzchirurgie-Enthusiasten
kommen nicht nur am UKJ zusammen,
so gab es zum Beispiel die Quiznight
im StadtLab Jena. Mittlerweile gründen
andere Kliniken in Deutschland Herz-
Enthusiastenclubs. So wird es im Herbst
erstmals eine nationale Herzmedizin
Quizliga geben mit Unikliniken wie
Heidelberg, Göttingen und Halle, die
von Jena aus organisiert und von der
Deutschen Gesellschaft für Thorax-,
Herz- und Gefäßchirurgie e.V. unterstützt
wird. „Bis Februar wird deutschlandweit
gequizzt. Es winkt nicht nur ein
Preisgeld von 2.000 Euro, sondern wir
wollen auch uns dadurch untereinander
noch besser vernetzen und Aufmerksamkeit
für die Herzchirurgie-Lehre
schaffen“, erklärt Timur Kyashif. Der
angehende Herzchirurg kümmert sich
auch um den Blick über den Tellerrand.
So unternehmen die Herzchirurgie-
Enthusiasten Exkursionen zu anderen
30 03 | 25
AKTUELLES
Oben: Erfahrene Herzchirurginnen
und -chirurgen wie Prof. Dr. Torsten
Doenst, Direktor der Klinik für Herz- und
Thoraxchirurgie, sind regelmäßig zu Gast
bei den Treffen des Clubs. Foto: Ludek/UKJ
Links: Training im Wet-Lab: Medizinstudent
Aryan Dadashzadeh setzt ein linksventrikuläres
Unterstützungssystem im
Schweineherzen ein. Foto: Kyashif/UKJ
Herzchirurgien oder tauschen sich mit
internationalen Herzchirurgie-Expertinnen
und -Experten, etwa Gastprofessoren
aus den USA, online aus.
Aryan Dadashzadeh befindet sich im
Staatsexamen. Der gebürtige Iraner
kam vor sechs Jahren für sein Studium
nach Jena und er hat sein Ziel fest vor
Augen, Herzchirurg werden. Bereits
jetzt arbeitet er als Research Assistant
in der Herzchirurgie und sammelt dort
wissenschaftliche Erfahrung. „Für mich
hat Herzchirurgie direkt mit dem Leben
zu tun. Jede Sekunde zählt und man
muss im OP voll konzentriert sein.“
Der Club hat sich in den vergangenen
Jahren dank engagierter Mitglieder wie
Aryan Dadashzadeh aufgebaut. Wenn
es nach Timur Kyashif geht, soll er sich
auch räumlich weiterentwickeln. „Mein
Traum wäre eine Art Innovation Hub,
also ein eigener Raum, in dem wir gute
Trainings mit Simulatoren entwickeln
können und viele kreative und innovative
Ideen mit Ärztinnen und Ärzten,
Biochemikerinnen und Biochemikern
und weiteren Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftlern vorantreiben.“
„Wir danken auch Prof. Dr. Torsten
Doenst, Direktor unserer Herzchirurgie,
und Dr. Hristo Kirov, leitender Oberarzt,
für die kontinuierliche Unterstützung.
Sie stehen uns Studierenden regelmäßig
mit Rat und Tat zur Seite und
nehmen sich die Zeit, an Treffen teilzunehmen.
Ohne ihre Förderung und ihr
Kleiner Schnitt,
große Wirkung –
Minimal-invasive
Herz-OPs
REZEPTFREI –
www.uniklinikum-jena.de/Podcast.html
Vertrauen wäre der Enthusiastenclub
in dieser Form nicht möglich“, ergänzt
Aryan Dadashzadeh.
Wer Herzchirurgie-Enthusiastin oder
-Enthusiast werden möchte, müsse laut
Timur Kyashif nur zwei Voraussetzungen
erfüllen: „Leidenschaft für die Medizin
mitbringen und neugierig sein.“
Michelle Korneli
Die UKJ-Erklärsprechstunde
03 | 25
31
AKTUELLES
Reiss im Doppelpack
Wenn Mutter und Tochter in der Kinderkrankenpflege
arbeiten
Da stimmt die Chemie. Das merkt man
schon beim lockeren Posieren auf der
Raupe. Mutter Melanie und Tochter
Tabea Reiss gehören beide zur UKJ-
Kinderkrankenpflege. Während ihre
Tochter Anfang des Jahres ihre Ausbildung
zur Pflegefachfrau mit Vertiefung
Kinderkrankenpflege abgeschlossen
hat, arbeitet Melanie bereits seit über
20 Jahren in der Kinderkrankenpflege.
Beide verbindet nicht nur eine Liebe
für bunte Socken, sondern auch eine
innige Mutter-Tochter-Beziehung und
eben, dass sie beide in der Jenaer
Kinderklinik arbeiten.
Dass ihre Tochter einmal in die Pflege
geht, kam für die 45-Jährige doch
eher überraschend. „Ich habe sie vor
Ausbildungsbeginn gefragt, ob sie das
wirklich will. Als sie kleiner war, fand
sie es manchmal nicht gut, dass ich im
Schichtdienst gearbeitet habe. Obwohl
ich meinen Job gern mache, kenne
ich natürlich die Herausforderungen
oder vielleicht Einschränkungen.
Denn es gehört auch mal dazu, an
Feiertagen zu arbeiten. Natürlich
habe ich trotzdem gemerkt, dass sie
ein Faible für den Beruf hat“, erzählt
Melanie. Doch Tabea wollte unbedingt
in die Pflege. „Ich hatte natürlich von
klein auf Berührungspunkte durch
meine Mutter. Ich wollte in die Kinderkrankenpflege,
weil Kinder weniger
wehleidig sind, bei 40 Grad Fieber noch
die gute Laune behalten. Mir gefällt es
genauso, mit ihnen zu lachen und zu
spielen.“ Heute ist die Mutter wahnsinnig
stolz auf die Tochter und der
Pflegeberuf wurde quasi schon durch
die Oma in die Wiege gelegt, die selbst
Krankenschwester war.
2019 absolvierte Tabea ihren Bundesfreiwilligendienst,
der sie in ihrem
Wunsch bestätigte, mit Kindern zu
arbeiten. Hier war sie ein halbes Jahr
auf der Kinder-ITS und Neonatologie
eingesetzt, danach in der Kinderchirurgie
und Erwachsenen-Endokrinologie.
So konnte sie erste praktische
Erfahrungen am UKJ sammeln. „Ich
wusste nach dem Fachabi, dass es in
die gesundheitliche Richtung gehen
soll. Zur Zeitüberbrückung und um
herauszufinden, was ich möchte, habe
ich das gemacht.“ Nach einem halben
Jahr stand dann schon der Entschluss,
die Kinderkrankenpflegeausbildung zu
beginnen. Und dann ging es nahtlos
weiter in die Ausbildung mit Praxis
am UKJ und in der Staatlichen Schule
für Gesundheit und Soziales Jena,
damals noch in der Corona-Zeit. Sie
gehörte zum ersten Pflegefachfrau/
Pflegefachmann-Jahrgang am UKJ.
Tabea erinnert sich: „Es war herausfordernd
in der Corona-Zeit, da wir
reichlich Homeschooling hatten und
uns viel selber erarbeiten mussten.
Hier war meine Mama eine ganz große
Stütze, etwa beim Lernen. Ich hatte bei
Unsicherheiten immer jemanden da,
den ich fragen konnte.“
So kam es auch, dass die Mutter
die Tochter schon einmal in der
Praxisanleitung hatte. Denn Melanie
ist seit 2019 Praxisanleiterin in der
Ausbildung auf allen Stationen. In
ihrem Job hat sie alle Hände voll zu
tun. Täglich führt sie mindestens eine
Praxisanleitung durch, bei der sie
die Kinderkrankenpflegeazubis am
UKJ in der Praxis ausbildet. „Ich bin
gern Praxisanleiterin, weil ich meine
Erfahrungen weitergeben und etwas
erklären kann.“ 2004 hat Melanie ihre
Ausbildung absolviert. Danach hat sie
auf verschiedenen Stationen gearbeitet,
etwa auf der Neonatologie und
Kinder-ITS. Um sich weiterzubilden,
absolvierte sie ihre Fachweiterbildung
Pädiatrie und in der Elternschule war
sie Teil der Reanimationskurse.
Ob ihre Mutter-Tochter-Beziehung
in der Ausbildung ein Problem war?
„Wenn wir eine gemeinsame Praxisanleitung
hatten, war das nicht schwierig.
Ich habe immer versucht, objektiv zu
bleiben. Bonuspunkte gab‘s nicht“,
betont Melanie. „Ich hatte manchmal
das Gefühl, sie war sogar strenger
zu mir als sonst“, erzählt Tabea mit
einem Schmunzeln.
32 03 | 25
AKTUELLES
Mutter Melanie (links) und Tochter
Tabea Reiss sind nicht nur privat
ein Herz und eine Seele, beide
verbindet auch, dass sie in der
Kinderkrankenpflege am UKJ arbeiten.
Foto: Rodigast/UKJ
Seit Ausbildungsende ist sie in der
Ambulanz der Kinderhämatologie
und der Kinderonkologischen Tagesklinik
eingesetzt. Obwohl beide in
ganz unterschiedlichen Bereichen
der Kinderklinik arbeiten, lieben sie
gleichermaßen den Umgang und
die Pflege der kleinen Patientinnen
und Patienten. Wenn es schwierige
Momente gibt, beispielsweise ein
Patient verstirbt, hilft hier das enge
Mutter-Tochter-Verhältnis. „Ich kann
mit ihr offen über alles sprechen, was
mich im Beruf bewegt und das hilft
heute wie damals.“ Praxisanleiterin
zu werden, kann sich Tabea allerdings
aktuell nicht vorstellen. „Ich bin hier
einfach nicht so geduldig wie Mama.
Sie macht das richtig gut.“
Ob sie sich beide auf Arbeit trotzdem
begegnen? Da bleibe eher nicht die
Zeit. Aber sie telefonieren mehrmals
in der Woche oder gehen zusammen
shoppen oder frühstücken. Tabea ist
zwar zuhause in Jena ausgezogen, doch
in der Nähe geblieben. Und wer weiß,
vielleicht tritt noch eine der beiden
jüngeren Zwillingsschwestern in Mamas
Fußstapfen. Michelle Korneli
03 | 25
33
HEILEN
Keine reine Frauensache
Interdisziplinäres Brustzentrum des UKJ behandelt Männer und Frauen mit
Erkrankungen der Brust
Schon lange vor seiner Diagnose spürt
Jürgen Schaller einen Knoten in seiner
linken Brust. Doch an Brustkrebs
verschwendet der heute 64-Jährige
aus Hof keinen Gedanken – Männer
und Brustkrebs, das passt für ihn nicht
zusammen. Erst, als er bei einer Untersuchung
wegen Rückenschmerzen
seinem Arzt den Knoten zeigt und der
ihn in die Frauenklinik überweist, wird
die Diagnose zur Realität. Sowohl die
Bildgebung als auch eine eingeholte
Zweitmeinung bestätigen den Befund:
Jürgen Schaller hat Brustkrebs. Im
Januar 2024 kommt er zur Behandlung
ans Interdisziplinäre Brustzentrum
der Klinik für Frauenheilkunde und
Fortpflanzungsmedizin am UKJ.
„Wir behandeln im Brustzentrum
selbstverständlich auch Männer mit
Brustkrebs, auch wenn der männliche
Brustkrebs mit einem Prozent sehr
selten ist“, sagt Dr. Stefanie Schütze,
Oberärztin in der Frauenklinik und
Leiterin des Interdisziplinären Brustzentrums.
Zum Vergleich: Bei Frauen
ist Brustkrebs die häufigste Krebsart,
jährlich erkranken in Deutschland etwa
70.000 Frauen, aber nur 700 Männer.
Sehr selten, aber eben keine reine Frauen sache: Jürgen Schaller hat Brustkrebs.
Behandelt wird er im Interdisziplinären Brustzentrum des UKJ.
V.l.: Dr. Paula Rosam, Jürgen Schaller, Dr. Stefanie Schütze, Luzie Alexandra Gottwald
Foto: UKJ
„Die Behandlung ist aber im Grunde
dieselbe“, sagt die erfahrene Ärztin.
Operation mit nachfolgender antihormoneller
Behandlung, gegebenenfalls
Chemotherapie und Bestrahlung.
Wichtig ist Stefanie Schütze: „Wir gehen
immer sehr individualisiert vor, denn
Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs.“
Bei Jürgen Schaller schlagen die
Ärztinnen und Ärzte des Brustzentrums
zunächst vor, mit einer Chemotherapie
zu starten. Diese strengt
Jürgen Schaller zwar an, erzielt aber
den gewünschten Effekt: Der Tumor
schmilzt. Im Anschluss folgt dann in
einer Operation die Entfernung der
linken Brust. Schließlich erhält er noch
einen Monat lang Bestrahlung.
Gleich mehrere
Besonderheiten
Die feingewebliche Untersuchung
zeigt: Jürgen Schallers Tumor ist HER2-
positiv, eine aggressivere Form von
Brustkrebs“, erklärt Stefanie Schütze.
„Heute gibt es dafür zum Glück zielgerichtete,
individuelle Therapien, vor
allem mit Antikörpern.“ Genau eine
solche erhält Jürgen Schaller aktuell
noch im Brustzentrum in Form von
Spritzen im Abstand von drei Wochen.
Und noch etwas kommt bei ihm hinzu:
Jürgen Schaller trägt eine BRCA2-
Genveränderung, die das Risiko für
Brustkrebs deutlich erhöht. Etwa fünf
bis zehn Prozent der Erkrankungen sind
genetisch bedingt. Zwar hat Jürgen
Schaller nur einen Sohn und keine
Tochter, dennoch rät Stefanie Schütze,
das Thema familiärer Brustkrebs im
Kopf zu behalten. Eine genetische
Testung des Sohnes kann Aufschluss
geben, ob die Genveränderung vererbt
wurde. In diesem Fall wäre eine intensivierte
Vorsorge angebracht.
34 03 | 25
HEILEN
20 Jahre
Interdisziplinäres
Brustzentrum
Zum Brustkrebsmonat Oktober erstahlte das
UKJ in Pink. Damit machte das UKJ auf Vorsorge,
Solidarität und die Arbeit seines intersisziplinären
Brutszentrums aufmerksam.
Foto: UKJ
Gegründet im Oktober 2005 ist das
Interdisziplinäre Brustzentrum des
UKJ eines der ältesten zertifizierten
Brustzentren Deutschlands. Hier
arbeitet das Team der Frauenklinik
unter Leitung von Prof. Dr. Dirk Bauerschlag
eng mit verschiedenen Fachrichtungen
wie der Pathologie, Radiologie,
Internistischen Onkologie, Psychoonkologie,
dem Sozialdienst sowie der
Strahlentherapie und Nuklearmedizin
zusammen. Den Betroffenen wird so
eine qualifizierte Behandlung aus
einer Hand ermöglicht. Die Wege und
die Zeit bis zur sicheren Diagnose für
Patientinnen und Patienten werden so
kurz wie möglich gehalten. Pro Jahr hat
das Team des Brustzentrums mehr als
5.000 ambulante Patientenkontakte
und betreut etwa 450 stationäre Fälle.
Das Altersspektrum reicht von der
Pubertät bis ins hohe Lebensalter von
über 90 Jahren.
Mit dem Behandlungsverlauf von Jürgen
Schaller ist nicht nur sein Behandlungsteam
bislang zufrieden, auch der
Patient selber. Und: Er ist sehr dankbar
für die Unterstützung im Brustzentrum.
Im neuen Jahr steht für ihn eine
neue Bildgebung an, danach muss er
noch fünf Jahre lang regelmäßig zur
Brustkrebsnachsorge.
Männern jedoch die Scheu nehmen:
„Ich wurde jederzeit ernst genommen.“
Frauen rät das Team des Brustzentrums
ohnehin, als beste Krebsvorsorge die
Brüste regelmäßig selbst abzutasten
und auf Veränderungen zu achten.
„Regelmäßiges Abtasten der Brust
ist aber auch bei Männern wichtig“,
sagt Stefanie Schütze. Der Vorteil bei
Männern: Das Drüsengewebe sitzt direkt
hinter der Brustwarze. Veränderungen
fallen dadurch häufig schneller auf und
verursachen früher Beschwerden als
bei Frauen.
Katrin Bogner
Brustkrebs ist keine
reine Frauensache
Jürgen Schaller geht ganz offen mit
seiner Diagnose um und will mit seiner
Geschichte die Aufmerksamkeit stärken
und Männern Mut zusprechen, auf ihren
Körper zu achten. Brustkrebs ist eben
keine reine Frauensache: „Männer, geht
zum Arzt, wenn ihr Veränderungen
bemerkt“, sagt er. Zwar sei es auch für
ihn merkwürdig gewesen, als Mann in
die Frauenklinik zu kommen. Er kann
Brustkrebs
verstehen,
behandeln,
bewältigen
REZEPTFREI –
Die UKJ-Erklärsprechstunde
www.uniklinikum-jena.de/Podcast.html
03 | 25
35
HEILEN
Winzige Strahlenquelle gegen Leberkrebs
Brachytherapie eröffnet neue Behandlungsperspektiven bei Leberkrebs
Der Tumor in der Leber war bei Wolfgang
Schneider bereits so groß und durch
mehrere Verfahren vorbehandelt, dass
ein erneuter operativer Eingriff nicht
infrage kam. Hilfe fand der 76-Jährige
am UKJ mit der Brachytherapie.
„Bei diesem minimalinvasiven Verfahren
können inoperable Lebertumore oder
Lebermetastasen hochpräzise mit
einer radioaktiven Strahlenquelle, hier
Iridium 192, schonend von innen heraus
bestrahlt werden. Wir nutzen mit der
interstitiellen Brachytherapie eine
vielversprechende Behandlungsoption.
Zum Einsatz kommt hierfür eines der
modernsten Brachytherapiegeräte in
ganz Thüringen“, erklärt Dr. Sonia Drozdz,
Oberärztin der Klinik für Strahlentherapie
und Radioonkologie am UKJ.
Kernstück der Therapie ist das
sogenannte Afterloading-Verfahren.
Die Expertinnen und Experten der
Strahlentherapie und interventionellen
Radiologie setzen dieses
moderne Bestrahlungsverfahren
interdisziplinär um.
„Um den Katheter für die radioaktive
Quelle millimetergenau platzieren zu
können, nutzen wir die Bildsteuerung
mittels CT. Dafür planen wir vorab
gemeinsam mit unseren Kolleginnen
und Kollegen der Strahlentherapie
die Zugangsoptionen und notwendige
Anzahl an Kathetern anhand der
vorliegenden Bildgebung. Am Behandlungstag
arbeiten wir Hand in Hand
mit den Strahlentherapeuten, um
gegebenenfalls auf unerwartete Veränderungen
reagieren zu können. Jeder
Fall wird nachbesprochen, so dass wir
stetig voneinander lernen“, erklärt
Prof. Dr. René Aschenbach, Leiter der
Interventionsradiologie und leitender
Oberarzt am Institut für Diagnostische
und Interventionelle Radiologie am UKJ.
Die Expertinnen und Experten der
Medizinphysik erstellen anschließend
den individuellen Bestrahlungsplan,
bestimmen die Haltepositionen
und Haltezeiten der radioaktiven
Für die interstitielle Brachytherapie
arbeiten Expertinnen und Experten
der Klinik für Strahlentherapie und
Radioonkologie und des Instituts für
Diagnostische und Interventionelle
Radiologie interdisziplinär eng
zusammen.
Foto: Hellmann/UKJ
36 03 | 25
Strahlenquelle in den Kathetern, um die
nötige tumorvernichtende Strahlendosis
zu verabreichen. Im Anschluss der
Behandlung werden dann die Katheter
gezogen und die Einstichkanäle
verschlossen. Die gesamte Behandlung
dauert je nach Tumorgröße drei bis
fünf Stunden.
Sonia Drozdz nennt verschiedene
Vorteile der Brachytherapie: „Durch
die präzise Steuerung der Strahlenquelle,
ähnlich einem chirurgischen
Skalpell, erreichen wir eine hohe lokale
Strahlendosis am Tumor, während das
umgebende gesunde Gewebe geschont
wird – ein besonders wichtiger Aspekt
bei der empfindlichen Leber. Außerdem
findet der Eingriff einmalig unter örtlicher
Betäubung statt, sodass unsere
Patientinnen und Patienten wie Herr
Schneider schnell wieder mobil sind.“
Wolfgang Schneider zeigt sich nach
der Behandlung sehr zufrieden. „Ich
danke dem gesamten Team und seiner
Kompetenz. Ich bin froh, dass ich
hier behandelt wurde und schätze,
was heute möglich ist. Bis auf wenige
Schmerzen an den Einstichstellen am
Bauch, ging es mir gut und ich kann die
Therapie nur empfehlen.“
Die Nachsorge erfolgt nun engmaschig.
Mittels MRT wird in den kommenden
Monaten der Behandlungserfolg
kontrolliert. Sollte es nötig sein, kann
die Brachytherapie bei weiteren Tumorherden
erneut zum Einsatz kommen.
Die Brachytherapie wird am UKJ nicht nur
bei Leberkrebs, sondern unter anderem
auch bei Gebärmutterhalskrebs, Speiseröhrenkrebs
oder Kopf-Hals-Tumoren
genutzt. Die Anwendung bei Prostatakrebs
befindet sich in Vorbereitung.
„Mit unserem zertifizierten Tumorzentrum
und der engen fachlichen sowie
räumlichen Verzahnung der beteiligten
Disziplinen sind wir bestens gerüstet,
um auch komplexe Tumorerkrankungen
interdisziplinär und patientenorientiert
zu behandeln“, betont die Expertin für
Strahlentherapie.
Die Klinik für Strahlentherapie und
das Institut für Diagnostische und
Interventionelle Radiologie (IDIR)
planen, ihre Zusammenarbeit im
Rahmen der gemeinsamen Initiative
Radiologie – Interventionelle Strahlenmedizin
(IRIS) weiter auszubauen.
„Unter dem Dach von IRIS bündeln wir
unsere Expertise, um die Behandlung
von Lebermetastasen und anderen
Tumoren noch besser zu verzahnen
und weiterzuentwickeln. Diese
Synergien kommen direkt unseren
Patienten zugute“, betonen Prof. Dr.
Ulf Teichgräber, Direktor des IDIR und
PD Dr. Pietschmann, kommissarischer
Direktor der Strahlentherapie.
Michelle Korneli
KONTAKT
Dr. Sonia Drozdz
Klinik für Strahlentherapie und
Radioonkologie
03641 9-32 84 01
Strahlentherapie@med.uni-jena.de
03 | 25
37
FORSCHEN
Neue Wege ohne Tierversuche: Infektionen in
Organen auf dem Chip
Biochemiker Prof. Dr. Alexander Mosig ist Professor für Tierversuchsersatzmethoden
in der Infektions- und Entzündungsforschung am UKJ
Wie ein Organ sieht das nicht aus:
Ein kleiner Chip, kaum größer als ein
Objektträger, mit winzigen Hohlräumen,
Tanks und feinen Schläuchen. In den
Hohlräumen wachsen zum Beispiel
Zellen der menschlichen Darmschleimhaut,
Lungenbläschen- oder Leberzellen
- auch Immunzellen befinden
sich darin. Über die kleinen Kanäle
zirkuliert Flüssigkeit wie Blut im Körper.
So entstehen im Labor lebende Mini-
Modelle menschlicher Organe.
„Mit unseren Biochips können wir
Infektionen und die dazugehörigen
Entzündungs- und Immunprozesse
kontrolliert nachbilden“, erklärt Prof.
Dr. Alexander Mosig. Der 49-jährige
Biochemiker und Molekularbiologe
hat seit Oktober die neu eingerichtete
Professur für Tierversuchsersatzmethoden
in der Infektions- und Entzündungsforschung
am UKJ inne.
Diese Forschungsrichtung verfolgt ein
klares Ziel: Tierversuche vermeiden, wo
immer es möglich ist – und zugleich
präzisere Modelle für den Menschen
schaffen. „Viele Fragestellungen werden
Prof. Dr. Alexander Mosig forscht an Organ-on-Chip-
Systemen als Testmodelle in der Infektions- und
Entzündungsforschung.
Foto: Szabó/UKJ
bislang im Tiermodell untersucht, weil
uns geeignete Alternativen fehlen“,
sagt Alexander Mosig. „Doch im Sinne
der Patientinnen und Patienten wollen
wir menschliche Krankheitsprozesse
im Labor so realitätsnah wie möglich
nachbilden. Nur so können wir Krankheitsmechanismen
besser verstehen
und die Wirkung von Medikamenten
individuell vorhersagen.“
In seinen Chipmodellen untersucht
Alexander Mosig mit seinem Team
unter anderem molekulare Prozesse
bei Lungenentzündungen oder
Darmerkrankungen, die durch Viren,
Bakterien oder Pilze verursacht werden.
Dabei interessiert ihn besonders, wie
Mikroorganismen mit dem Menschen
interagieren und wie das Mikrobiom
das Immunsystem bei Infektionen und
Entzündungen beeinflusst. Die von
seiner Forschungsgruppe entwickelten
mikrofluidischen Chips sind inzwischen
patentgeschützt. Das Jenaer Startup
Dynamic42, das aus seiner Arbeitsgruppe
hervorgegangen ist, macht die
Technologie als standardisiertes System
für Forschung und Industrie zugänglich.
Nach seinem Studium in Jena promovierte
Alexander Mosig zu Immunprozessen
bei Arteriosklerose und leitete
mehrere Projekte im Zentrum für Sepsis
und Sepsisfolgen am UKJ. Für seine
Forschung zu den Chip-Modellen ist
er mehrfach ausgezeichnet worden,
zum Beispiel mit dem Thüringer und
dem Bundestierschutzforschungspreis.
Einen Ruf auf eine Professur an
das Universitätsklinikum Hamburg-
Eppendorf lehnte er zugunsten der
Professur in Jena ab. Alexander Mosig
ist in die Grundlagenausbildung in der
Biochemie eingebunden und lehrt in
der forschungsorientierten Neigungslinie
des Jenaer Medizinstudiums.
Perspektivisch möchte er am UKJ helfen,
die 3R-Forschung weiter auszubauen.
3R steht für Replace, Reduce, Refine mit
dem Ziel, die Zahl von Tierversuchen zu
reduzieren und das Leid der Versuchstiere
auf das geringstmögliche Maß zu
beschränken. Wir möchten Forschende
in Jena dabei unterstützen, moderne
Alternativen wie Stammzellmodelle
oder Organ-on-Chip-Systeme in ihrer
Arbeit zu nutzen“, erklärt Alexander
Mosig. „Dazu werden wir Workshops
und Weiterbildungen anbieten und
wollen gemeinsam mit Kolleginnen
und Kollegen passende Methoden
für ihre jeweiligen Forschungsfragen
entwickeln.“
Uta von der Gönna
KONTAKT
Prof. Dr. Alexander Mosig
Institut für Biochemie II
Alexander.Mosig@med.uni-jena.de
38 03 | 25
FORSCHEN
Auch Psychotherapie kann Nebenwirkungen haben
Wie jede Behandlung birgt auch die Psychotherapie Risiken und kann unerwünschte
Wirkungen erzielen
Auf jedem Beipackzettel und Aufklärungsbogen
sind sie akribisch aufgelistet
– die Risiken und Nebenwirkungen
einer medikamentösen oder operativen
Therapie. Denn die angestrebte
Wirkung ist oft von unerwünschten
Effekten begleitet, und idealerweise
treffen Kranke und Therapieteam
nach dem sorgsamen Abwägen der
Vor- und Nachteile gemeinsam eine
Entscheidung über die individuell beste
Behandlung. Das ethische Grundprinzip
„nil nocere“ – nicht schaden – gilt auch
in der Psychotherapie. Die transparente
Aufklärung über die Risiken und Vorteile
einer Therapie ist essentiell: Sie fördert
das Vertrauen und die Autonomie der
Behandelten, gleicht die Erwartungen
an die Therapie ab, reduziert die
Abbruchrate und die Unzufriedenheit
mit der Psychotherapie.
Voraussetzung für diese transparente
Information sind wissenschaftlich
gesicherte Informationen zu den
Risikoprofilen psychotherapeutischer
Behandlungen. Während die Wirksamkeitsforschung
eine lange Tradition hat,
stehen Risiken und Nebenwirkungen
erst seit kurzer Zeit auf der psychotherapeutischen
Forschungsagenda.
Auf Einladung des renommierten Fachjournals
Nature Reviews Psychology
hat ein Autorenteam des UKJ mit
internationaler Beteiligung jetzt den
Stand der Wissenschaft zum Thema
zusammengefasst.
„An unserem Institut untersuchen
wir seit längerem die Ursachen und
Auswirkungen unerwünschter Effekte
der Psychotherapie“, so Prof. Dr. Bernhard
Strauß vom Institut für Psychosoziale
Medizin, Psychotherapie und
Psychoonkologie am UKJ. „Neben
eigenen Erhebungen und Repräsentativbefragungen
werten wir seit Jahren
die Beratungsanfragen beim Verein
‚Ethik in der Psychotherapie‘ aus und
haben eine umfassende Literaturanalyse
erstellt.“ Das Ergebnis: Bei mehr
als jeder zehnten Therapie treten
Nebenwirkungen auf, schwere Nebenwirkungen
sind deutlich seltener.
Aber welche unerwünschten Wirkungen
kann eine Psychotherapie haben? Das
Spektrum reicht von zunehmenden oder
neu auftretenden Symptomen über die
Verschlechterung sozialer Beziehungen
und negative Folgen für das Berufsleben
bis hin zu akuten psychischen
Krisen oder Selbstmordgedanken.
„Zwei zentrale Aspekte bei der Klärung
des Begriffes sind die Perspektive und
die Kausalität“, erklärt die Erstautorin
Ein Forschungsteam des UKJ
hat Risiken und unerwünschte
Nebenwirkungen von Psychotherapie
zusammengefasst.
Foto: Wahl/UKJ
Prof. Dr. Jenny Rosendahl. So mag es
aus Sicht des Patienten belastend sein,
wenn er mit seinen Ängsten konfrontiert
wird, das kann aber Bestandteil
einer korrekt ausgeführten Therapie
sein. Scheitert die Partnerschaft einer
Patientin, weil die Therapie ihr Selbstbewusstsein
gefördert hat, oder weil
die Beziehung von vornherein nicht
gut gehen konnte? Zu den Ursachen
unerwünschter Effekte gehören auch
therapeutische Kunstfehler – etwa ein
zu frühes Therapieende, die Weiterführung
einer Therapie, obwohl das
Patient-Therapeuten-Verhältnis gestört
ist, bis hin zu grobem therapeutischen
Fehlverhalten wie sozialen und sexuellen
Übergriffen.
Obwohl die Studienlage zur Wirksamkeit
von Psychotherapie recht gut ist, werden
Nebenwirkungen selten betrachtet. Das
Autorenteam empfiehlt deshalb, in der
Psychotherapieforschung negative
Effekte qualitativ und quantitativ zu
erfassen und zu publizieren. „Bereits in
der psychotherapeutischen Ausbildung
sollten die Sensibilität für mögliche
negative Auswirkungen in der Therapie
und das Bewusstsein für die Rolle des
Psychotherapeuten bei der Erzeugung
negativer Effekte entstehen“, betont
Bernhard Strauß. Auch in der klinischen
Praxis sollten Berichtssysteme
die Qualitätssicherung unterstützen.
Jenny Rosendahl ergänzt: „Für eine
vertrauensvolle Therapiebeziehung
ist die transparente Aufklärung über
negative Auswirkungen – jedoch ohne
Schwarzmalerei – ebenso wichtig wie
die Möglichkeit, dass Patientinnen und
Patienten Probleme und Kritik in der
Behandlung ansprechen können.“
Uta von der Gönna
Originalpublikation:
https://doi.org/10.1038/
s44159-025-00472-8
03 | 25
39
FORSCHEN
Bessere Versorgung nach Suizidversuch
für weniger Rückfälle
Die Prevents-Studie testet ein spezialisiertes Programm für die psychiatrischpsychotherapeutische
Behandlung nach einem Suizidversuch
Jedes Jahr begehen in Deutschland
ungefähr 10.000 Menschen Suizid;
Thüringen ist dabei das Bundesland mit
einer der höchsten Suizidraten, insbesondere
bei Männern. Damit sterben
in Deutschland mehr Menschen durch
Selbsttötung als durch Verkehrsunfälle,
Gewalttaten und illegale Drogen
zusammen. Die Zahl der Suizidversuche
ist weit größer, sie wird auf etwa das
Zwanzigfache geschätzt. Fast ein Drittel
der Betroffenen versucht es innerhalb
eines Jahres erneut. Zu den sozioökonomischen
Folgen von Suizidversuchen
liegen in Deutschland kaum Untersuchungen
vor, jedoch verursachen
Suizidversuche beträchtliche Kosten
im Gesundheits- und Sozialsystem und
haben weitreichende soziale Konsequenzen,
die insbesondere Angehörige,
das private Umfeld sowie berufliche
Kontexte betreffen.
„Die meisten Menschen nach einem
Suizidversuch werden stationär
psychiatrisch behandelt“, so PD
Dr. Gerd Wagner. „Allerdings steht
dabei die vorhandene psychische
Störung im Mittelpunkt, der Suizidversuch
wird explizit kaum berücksichtigt.“
Gemeinsam mit seinem
Forschungsteam an der Klinik für
Psychiatrie und Psychotherapie des
UKJ hat der Psychologe deshalb ein
Behandlungsprogramm entwickelt,
das suizidspezifisch und unabhängig
von der psychiatrischen Diagnose ist. In
fünf bis sechs psychotherapeutischen
Sitzungen stärkt es die Krisenkompetenz.
Es hilft den Betroffenen, Risiken
zu identifizieren, gezielte Bewältigungsstrategien
im Umgang mit Suizidgedanken
zu entwickeln, professionelle
Hilfe zu ersuchen und anzunehmen. Die
nur zwei bis drei Wochen dauernde
Kurzzeitintervention kann nach dem
Verlassen der Klinik auch ambulant
fortgesetzt werden.
Gerd Wagner: „In einer publizierten
Machbarkeitsstudie haben wir sehr
gute Erfahrungen mit dem Programm
gemacht. Auf dieser Grundlage wollen
wir es jetzt in einer kontrollierten
multizentrischen klinischen Studie
mit der herkömmlichen Behandlung
Das UKJ testet ein spezialisiertes
Programm für die psychotherapeutische
Behandlung nach einem Suizidversuch,
um Rückfälle zu verringern.
Foto: Rodigast/UKJ
vergleichen und prüfen, ob es in die
Versorgungspraxis integriert werden
kann.“ Insgesamt 350 Patientinnen
und Patienten der Universitätskliniken
in Jena, Halle und Frankfurt,
der Bezirkskliniken Mittelfranken, des
Städtischen Klinikums Dresden und der
Thüringen-Kliniken in Saalfeld sollen
in die Studie aufgenommen werden.
Je die Hälfte wird nach dem Programm
beziehungsweise dem bisherigen
therapeutischen Vorgehen behandelt.
Danach hält das Studienteam noch
ein Jahr lang Kontakt und befragt die
Teilnehmenden in Briefen oder E-Mails
nach ihrem psychischen Befinden,
Suizidgedanken, Suizidversuchen, ihrer
Lebensqualität und ob sie medizinische
oder andere Versorgungsleistungen in
Anspruch genommen haben.
Zunächst werden die ärztlichen
und therapeutischen Teams für das
Programm geschult. Das unterstützt
sie im professionellen Umgang mit
dem Thema Suizid, das auch für die
Behandelnden sehr belastend ist. „Das
Ziel unseres strukturierten suizidspezifischen
Behandlungsprogramms
ist es, das Rückfallrisiko nach einem
Suizidversuch deutlich zu senken“,
betont Gerd Wagner. „Wenn es sich
als entsprechend erfolgreich erweist,
kann es einen sehr wirksamen Beitrag
zur Suizidprävention leisten.“
Uta von der Gönna
KONTAKT
Privatdozent Dr. Gerd Wagner
Klinik für Psychiatrie und
Psychotherapie
03641 9-39 04 21
wagner.gerd@med.uni-jena.de
40 03 | 25
LEHREN
„Geriatrie ist immer individuell und nur im Team
möglich“
Prof. Dr. Tino Prell ist neuer Professor für Geriatrie an der Friedrich-Schiller-
Universität Jena und übernimmt als Direktor die Klinik für Geriatrie am UKJ
Etwa ein Sechstel der Bevölkerung in
Deutschland ist 70 Jahre oder älter,
diese Altersgruppe macht über 40
Prozent der Patientinnen und Patienten
in Kliniken aus. Thüringen liegt
bei beiden Zahlen deutlich über dem
Bundesdurchschnitt. „Ältere Menschen
brauchen spezialisierte Medizin, weil
sie in der Regel an mehreren Krankheiten
leiden, sich Krankheiten im
Alter anders zeigen und Heilungsprozesse
länger dauern“, betont Prof. Dr.
Tino Prell, neuer Direktor der Klinik für
Geriatrie am UKJ. Der 43-jährige Neurologe
und Geriater hat seit September
die neu eingerichtete Professur für
Geriatrie an der Friedrich-Schiller-
Universität Jena inne.
Prof. Dr. Tino Prell ist neuer
Direktor der Klinik für
Geriatrie am UKJ.
Foto: Rodigast/UKJ
Die geriatrische Behandlung richtet
sich nicht nur auf die akute Erkrankung,
wie Knochenbrüche nach einem
Sturz, eine Lungenentzündung oder
eine Stoffwechselentgleisung, sondern
blickt auf den gesamten Menschen
mit dem Ziel, die Lebensqualität zu
verbessern und die Selbstständigkeit
zu fördern. Im Vordergrund stehen
Erhalt oder Verbesserung der kognitiven,
emotionalen und Bewegungsmöglichkeiten.
Tino Prell: „Geriatrie
ist immer individuell und nur möglich
in einem interdisziplinären ärztlichen
und therapeutischen Team. An unserer
Klinik haben wir personell und räumlich
die besten Voraussetzungen.“
Tino Prell kennt das UKJ bereits: Nach
seinem Studium und der Promotion
in Magdeburg arbeitete der gebürtige
Thüringer hier zunächst als
Assistenzarzt in der Inneren Medizin.
Anschließend absolvierte er die Facharztausbildung
in der Klinik für Neurologie
und erwarb die Zusatzbezeichnung
Geriatrie. Er habilitierte sich mit
einer Arbeit über die Mechanismen
der Neurodegeneration bei ALS und
leitete als Oberarzt den Bereich Neurogeriatrie
und das Zentrum für Bewegungsstörungen.
Mit Förderung des
Bundesforschungsministeriums baute
er eine Nachwuchsforschungsgruppe
zur Therapietreue bei Älteren auf. Er
wurde dann nach Halle zum Professor
für Geriatrie berufen und leitete zuletzt
nicht nur die geriatrische Uniklinik in
Halle, sondern auch die Geriatrieabteilungen
des Klinikums Merseburg und
des Diakoniekrankenhauses Halle.
Trotz des großen Versorgungsanteils
besteht noch großer Forschungsbedarf
in der Altersmedizin. „In der Versorgungsforschung
untersuchen wir, wie
sich das Gesundheitsverhalten älterer
Menschen verbessern lässt, damit
unsere Medizin bei ihnen ankommt“,
erklärt der Geriater. Ein weiteres
Thema sind psychosoziale Aspekte des
Alterns und wie Altersstereotype das
Gesundheitsverhalten beeinflussen.
Wie bei chronischen Erkrankungen
das Psychosoziale mit der Physiologie
in Zusammenhang steht, erforscht
seine Arbeitsgruppe in translationalen
Projekten. In klinischen Studien sind
ältere Menschen wegen ihrer Mehrfacherkrankungen
kaum vertreten, so
dass neue Wirkstoffe an dieser Hauptzielgruppe
wenig getestet werden. „Hier
möchten wir als Geriatrie ein Partner
sein, denn wir brauchen Evidenz für
neue Behandlungsmethoden“, betont
Tino Prell. Uta von der Gönna
KONTAKT
Prof. Dr. Tino Prell
Klinik für Geriatrie am
Universitätsklinikum Jena
03641 9-32 87 01
Tino.Prell@med.uni-jena.de
03 | 25
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LEHREN
Landluft schnuppern
Mit einem besonderen Blockpraktikum Medizinstudierende für die Arbeit auf dem
Land begeistern
Es ist schon eine andere Welt auf dem
Land. Aber: Anders ist nicht gleich
schlecht. Diese Erfahrung haben jüngst
die Medizinstudentinnen Felicitas
Rist und Annika Martens gemacht.
Die beiden Freundinnen studieren
Humanmedizin in Jena und haben die
Chance ergriffen, im achten Semester
ihr Blockpraktikum Allgemeinmedizin
in Landarztpraxen zu absolvieren: Felicitas
Rist in Streufdorf in der Gemeinschaftspraxis
Langenhan, Annika
Martens in Heldburg in der Praxis Christopher
Sauer. Ihr Fazit: Es war anders
als gedacht, aber wahnsinnig toll – und
hat sie nicht nur medizinisch, sondern
auch persönlich vorangebracht.
Es ist vor allem der Pragmatismus auf
dem Land, der begeistert: „Wir durften
in der Kürze der Zeit wirklich viel
machen, vom Assistieren bei kleinen
chirurgischen Eingriffen wie Muttermale
entfernen hin zu Hausbesuchen
und Aufnahmegesprächen“, erzählt
Annika Martens. „Bisher wurden wir bei
Praktika immer vorab gefragt: ,Traust
du dir das zu?‘. Auf dem Land ist das
anders. Da heißt es einfach ,Mach
mal!‘, und dann macht man das auch“,
berichtet Felicitas Rist. Das gibt Selbstbewusstsein
und Selbstvertrauen.
Begeistert und beeindruckt hat die
beiden auch die Vielzahl an Zusatzqualifikationen
in den Landarztpraxen. Die
Versorgungslage ist auf dem Land eben
eine andere, die Spannbreite ist größer
als in der Stadt. „Bis auf Tiere wird quasi
alles behandelt“, scherzt Felicitas Rist.
„Einmal die Woche hat die Praxis zum
Beispiel U-Untersuchungen angeboten,
also kinderärztliche Aufgaben übernommen“,
berichtet Annika Martens.
Daneben gab es aber auch viele weitere
Zusatzqualifikationen und -ausbildungen,
beispielsweise in Orthopädie,
Chirurgie oder Wundmanagement. „Das
ist schon toll, wie vielfältig das Aufgabengebiet
hier ist“, findet sie.
Und: Es ist wie eine große Familie, mit
viel Dankbarkeit, ehrlichem Interesse
und Nähe. Von den Mitarbeitenden
in den Lehrpraxen wurden beide
ohnehin wunderbar aufgenommen:
„Die Ärztinnen und Ärzte haben sich
trotz Alltagsstress viel Zeit für mich
genommen, mir alles erklärt und
mich immer dazu geholt, wenn etwas
Spannendes anstand“, erzählt Felicitas
Rist. Auch Annika Martens lobt die
engagierte Eins-zu-Eins-Betreuung. „Ich
habe bestimmt Zeit gekostet, aber mir
hat keiner das Gefühl gegeben, dass
ich störe. Ganz im Gegenteil.“ Mindestens
genauso herzlich waren auch die
Patientinnen und Patienten, die nach
Hausbesuchen schon mal Eier und
Honig mitgegeben haben. „Kommen
Sie nach dem Studium wieder?“, wurde
mehr als einmal gefragt.
42 03 | 25
LEHREN
Die beiden Medizinstudentinnen
Felicitas Rist (links) und Annika
Martens haben sich für knapp
zwei Wochen ins Abenteuer Land
gestürzt.
Foto: privat
Ob das so sein wird, das wissen die
beiden noch nicht. „Eigentlich war Allgemeinmedizin
bisher nicht auf meinem
Schirm, aber das war schon toll hier“,
sagt Felicitas Rist. Der Funke ist zumindest
übergesprungen. Das macht Mut,
dem einen oder der anderen den Weg in
die hausärztliche Versorgung auf dem
Land zu ebnen – und ist das Ziel des
Projekts „Zusammen ins Land“. Seit zwei
Jahren bietet das Institut für Allgemeinmedizin
des UKJ Medizinstudierenden
dabei die Möglichkeit, während eines
achttägigen Praktikums in einer von 25
hausärztlichen Lehrpraxen Einblicke in
das Arbeiten auf dem Land in Thüringen
zu erhalten. Sowohl die Unterkunft als
bei Bedarf auch das Mietauto werden
kostenlos gestellt und vom Institut für
Allgemeinmedizin organisiert. Es ist ein
Baustein, um dem Ärztemangel auf dem
Land entgegenzuwirken, der gerade im
Flächenland Thüringen besonders zu
Buche schlägt.
Das Blockpraktikum findet zwischen Mai
und Juli statt, die Medizinstudierenden
können zwischen aktuell acht Regionen
auswählen, weitere sind herzlich willkommen.
Kommunen, Institutionen
oder Unternehmen können sich beim
Institut für Allgemeinmedizin melden,
um den Studierenden beispielswiese
Übernachtungsmöglichkeiten zu bieten
oder bei der Logistik zu unterstützen.
„Wir wollen nicht nur unseren Medizinstudierenden
zeigen, dass eine Praxis
auf dem Land ein möglicher Berufsweg
sein kann, sondern auch die ländlichen
Regionen stärken“, so Carolin Kathner-
Schaffert, die das Projekt seitens
der Allgemeinmedizin koordiniert.
„Mindestens zwei Studierende machen
zusammen ihr Blockpraktikum in einer
Region in getrennten Lehrarztpraxen,
wohnen dann aber zusammen in einer
Unterkunft. Dann können sie auch
gemeinsam die Region kennenlernen
und erkunden.“ Genau so haben es
auch die Freundinnen Felicitas Rist und
Annika Martens gemacht, die zudem
die Organisation durch das Institut für
Allgemeinmedizin loben. „Es wurde an
alles gedacht und wir mussten uns um
nichts kümmern“, bescheinigen beide.
Dadurch hatten sie ein rundum positives
Erlebnis, das sie auch anderen
Medizinstudierenden weiterempfehlen.
„Wir haben es nicht bereut!“
Katrin Bogner
KONTAKT
Carolin Kathner-Schaffert
Institut für Allgemeinmedizin
03641 9-39 58 15
allgemeinmedizin@
med.uni-jena.de
Projekt: Zusammen ins Land
Bild: Ahmed - stock.adobe.com
Laufzeit des
Projekts:
Zielgruppe:
Zeitpunkt des
Praktikums:
Dauer:
Anzahl der
teilnehmenden
Praxen:
Teilnehmende
Region:
Finanzierung:
2025 – 2026
Medizinstudierende
im 8. Semester
Mai bis Juli
8 Tage
25
Amt Creuzburg / Mihla,
Eisenach, Gotha, Nordhausen,
Sondershausen, Streufdorf/
Heldburg, Suhl, Weida
Strategie- und
Innovationsfond des UKJ
03 | 25
43
HINTER DEN KULISSEN
Mit Herzblut und
Menschlichkeit
Gute Seele der Blutspende
geht in den Ruhestand
„Hallo Frau Tiersch, schön Sie zu sehen!“
Ein Gruß, den Silvana Tiersch in Jena oft
hört – auf dem Markt, in der Straßenbahn
oder beim Spazierengehen. Meist
folgt ein kurzes Gespräch, manchmal
eine Umarmung. Die Menschen, die sie
ansprechen, haben eines gemeinsam:
Sie sind oder waren Blutspenderinnen
und -spender am UKJ. Viele von ihnen
hat die 64-Jährige über Jahre hinweg
begleitet. Nach 18 Jahren als gute
Seele und Gesicht der Blutspende
verabschiedete sie sich im Juli 2025 in
den Ruhestand.
Von einer alten Villa
zur „Alten Chirurgie“
Zunächst arbeitete Silvana Tiersch als
Verkehrsingenieurin in der Reichsbahndirektion
in Magdeburg, danach wechselte
sie in die Materialwirtschaft bei
Carl Zeiss in Jena. Die Wende und eine
spätere schwere Erkrankung wurden für
sie zum Anlass, noch einmal neu anzufangen.
So kam sie als umgeschulte
Zahnarzthelferin 2007 eher durch
Zufall zur Blutspende ans UKJ – und
blieb. So lange, wie niemand sonst aus
dem Spendeteam. Seitdem nahm sie in
der Anmeldung die Spenderinnen und
Spender auf, vergab Termine, beruhigte
Aufgeregte, gab Aufwandsentschädigungen
aus oder hörte einfach zu.
Zahlreiche Personen sah die medizinische
Fachangestellte über Jahre hinweg
regelmäßig. Mit der Zeit lernte sie
viele von ihnen daher gut kennen. Sie
kannte Beruf, Blutgruppe und wusste
auch, wer schnell vor Ort sein konnte,
wenn eine bestimmte Blutgruppe für
eine Patientin oder einen Patienten
dringend gebraucht wurde. Auch deren
Familien lernte Silvana Tiersch in dieser
Zeit kennen. Viele Kinder, die sie damals
begrüßte, liegen heute selbst auf
den Spenderliegen.
In der Anfangszeit war vieles noch
anders. Die Spenderäume befanden
sich in einer alten Villa in der Stoystraße
in der Jenaer Innenstadt. Karteikarten
mit Spenderdaten wurden händisch in
Karteikästen nach Blutgruppen sortiert,
Einladungen per Post verschickt.
„Damals standen die Menschen oft
im Treppenhaus Schlange, um Blut zu
spenden“, erinnert sie sich. Im Laufe der
Jahre zog die Blutspende in die sogenannte
„Alte Chirurgie“ in die Bachstraße,
organisatorische Strukturen
veränderten sich. Die Karteikarten
wurden durch eine digitale Dokumentation
ersetzt, Einladungen kommen
mittlerweile per SMS.
Vertrautheit, die
Spuren hinterlässt
Was aber bis heute blieb, ist der direkte
Kontakt. „Die Technik erleichtert
Eine von vielen Aktionen in der
Blutspende an der Silvana Tiersch
beteiligt war: Das jährliche Gewinnspiel
für die Kulturarena. Foto: UKJ
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HINTER DEN KULISSEN
Mit dem Ruhestand beginnt für Silvana
Tiersch ein neuer Lebensabschnitt.
Foto: Rodigast/UKJ
Auch Sänger Max Mutzke durfte sie als
Blutspender in Jena begrüßen. Foto: UKJ
Viele Kollginnen und Kollegen haben
sich von Silvana Tiersch herzlich
verabschiedet. Foto: Rodigast/UKJ
vieles, aber Gespräche kann sie nicht
ersetzen“, ist sich Silvana Tiersch
sicher. Für die Spenderinnen und
Spender war sie die erste Person, die
sie vor der Spende sahen – und auch
die letzte, der sie nach der Spende
begegneten. Ihre Präsenz machte
die Blutspende für viele zu einem
vertrauten Ort. „Wir brauchen jede
einzelne Spenderin und jeden Spender,
bei den seit Jahren sinkenden Spendezahlen
heute mehr denn je. Damit
sie wiederkommen, müssen sie sich
auch wohlfühlen“, weiß sie. Das hat sie
sich zur Aufgabe gemacht. Herzblut für
Jena – das war mehr als ein Motto. Es
war ihr tägliches Engagement.
Ihre Art, Menschen zu begegnen und
ihnen Vertrautheit zu geben, hinterlässt
Spuren – bei den Spenderinnen
und Spendern, aber auch bei ihr selbst.
Sie erinnert sich an viele kleine und
große Momente: als sie während einer
Blutspende den Knopf am Jackett eines
jungen Mannes annähte, der danach zu
einem Bewerbungsgespräch musste,
wie sich viele während ihrer Kur besorgt
erkundigten, wann sie wieder da sein
wird oder wie sie den Sänger Max
Mutzke als Spender begrüßen durfte.
„Solche Momente machen den Alltag
besonders. Die vergisst man nicht“, so
die 64-Jährige.
Über die Jahre hat sie nicht nur viele
Spenderinnen und Spender, sondern
auch zahlreiche Kolleginnen und
Kollegen kommen und gehen sehen.
Silvana Tiersch half ihnen beim
Einstieg, begleitete sie durch Sprachbarrieren
und sorgte dafür, dass das
Miteinander funktionierte. „Meist
war Silvana die Erste, die morgens in
die Blutspende gekommen, und die
Letzte, die abends gegangen ist. Wie
eine Mutti hat sie alles vorbereitet und
auch schon mal die dreckige Wäsche
hinterhergeräumt“, erinnert sich
Dagmar Güttler, leitende Medizinische
Fachangestellte in der Blutspende,
mit einem Schmunzeln. „Wir haben
zusammen herzlich gelacht und auch
mal zusammen geweint. Das werden
wir vermissen.“
Zeit für Neues
Mit dem Ruhestand beginnt für Silvana
Tiersch ein neuer Lebensabschnitt.
„Ich habe diese Arbeit immer gern
gemacht, auch wenn sie oft anstrengend
war“, sagt sie. „Jetzt ist es Zeit,
etwas langsamer zu werden.“ Sie freut
sich auf die Zeit, die nun vor ihr liegt.
Auf ihre lang ersehnte Kanada-Reise,
auf ihre Familie und auf all das, was
noch kommt. „Langeweile wird
bestimmt nicht aufkommen“,
ist sie sich sicher.
Anne Curth
Blutspende
am UKJ
Seit 2014 ist die Blutspende des
UKJ in das Institut für Klinische
Transfusionsmedizin Jena gGmbH
ausgegliedert, einem Gemeinschaftsunternehmen
von UKJ und
dem Blutspendedienst DRK NSTOB.
Etwa 80 Blutprodukte werden täglich
am Jenaer Uniklinikum benötigt,
um Patientinnen und Patienten zu
behandeln. Deshalb sind regelmäßige
Blutspenden unverzichtbar.
Neben der Vollblutspende ist auch
die Spende einzelner Blutbestandteile
wie Plasma und Thrombozyten
möglich. Spenden können gesunde
Erwachsene ab 18 Jahren, die mehr
als 50 Kilogramm wiegen. Die Zahl der
möglichen Spenden ist abhängig von
der Spendenart: Männer dürfen bis
zu sechsmal, Frauen bis zu viermal
im Jahr Vollblut spenden. Deutlich
häufiger sind Plasmaspenden mit
bis zu 60 Mal oder Thrombozytenspenden
mit bis zu 26 Mal pro
Jahr möglich.
KONTAKT
Institut für Klinische
Transfusionsmedizin Jena gGmbH
Bachstraße 18, 07743 Jena
Mo., Mi., Fr.: 7.30 – 14.30 Uhr
Di., Do.: 11.30 – 18.30 Uhr
03641 9-39 39 39
blutspende@med.uni-jena.de
www.blut-ist-leben.de
03 | 25
45
KURZ UND KNAPP
Deutschland auf Ziel bei Cholesterin | Jenaer Kardiologie-Expertise
fließt in europäische Leitlinie ein
Das Team der Jenaer Kardiologie macht im
Rahmen des Weltherztages auf den Risikofaktor
„Cholesterin“ aufmerksam. Foto: Rodigast/UKJ
Das Low-Density-Cholesterin, kurz
LDL-C, ist einer der Hauptrisikofaktoren
für einen Herzinfarkt. Diesen
Wert insbesondere nach einem Herzinfarkt
in den Griff zu bekommen, ist
den Expertinnen und Experten der
Kardiologie am UKJ bereits seit Jahren
ein wichtiges Anliegen. Die Jenaer
Kombinationstherapie der Klinik für
Innere Medizin I ist nun auch in der
europäischen Kardiologie-Leitlinie
verankert. Darüber hinaus initiierte
das Thüringer Universitätsklinikum
auch die Studie „Deutschland auf
Ziel“ mit einem bundesweiten
Netzwerk von zehn Unikliniken. „Wir
sind stolz darauf, dass wir Vorreiter
bei den Leitlinien sind und unsere
Therapieempfehlungen kürzlich
international bestätigt wurden. Das
ist gleichzeitig Anerkennung für die
Spitzenleistung unseres gesamten
Teams“, erklärt Prof. Dr. Christian
Schulze, Direktor der Klinik für
Innere Medizin I am UKJ.
Die Klinik hat für ihre Patientinnen
und Patienten vor vier Jahren einen
sogenannten Herzinfarkt-Pass
eingeführt. Hier werden die LDL-C
Werte direkt nach einem Herzinfarkt
und im weiteren Verlauf eingetragen.
Mit Erfolg, so Prof. Dr. Oliver Weingärtner,
Oberarzt der Klinik für
Innere Medizin I. „Der LDL-C Zielwert
von 55 Milligramm pro Deziliter
wurde in unserer Studie ‚Jena auf
Ziel‘ bei allen Herzinfarktpatienten
in Jena 2021 erreicht. Inzwischen sind
uns über 62 Städte mit der Initiative
‚Deutschland auf Ziel‘ gefolgt und
haben so über 50.000 Patienten nach
Herzinfarkt erfolgreich einstellt.“
Mit der durch die Deutsche Gesellschaft
für Kardiologie (DGK), der
Deutschen Gesellschaft für Lipidologie
e.V. (DGFL) - Lipid-Liga und der
DACH Gesellschaft Prävention von
Herz-Kreislauf-Erkrankungen e. V.
geförderten Studie „Deutschland
auf Ziel“ testet das UKJ gemeinsam
über sechs Monate eine Cloudbasierte
Software, in der die
Patientinnen und Patienten ihre
LDL-C Daten einspeisen sollen und
vergleichen das mit der Betreuung
über die Hausärzte. „In der App
können Daten jederzeit vom Patienten
hinterlegt werden, auch der
Hausarzt und unsere Klinik haben
immer Zugriff. Wir versprechen uns
durch diese weitere Digitalisierung
der Cholesterineinstellung eine
bessere Kontrolle der Werte. Aktuelle
Studien zeigen, dass wir dadurch
die Sterblichkeit nach Herzinfarkt
erheblich senken können“, erklärt
Oliver Weingärtner.
(me)
46 03 | 25
Bereit fürs
Zusammen gegen Krebs
engagieren
Eintauchen
in neue Welten?
Foto: Reichold
Jährlich erkranken rund 12.000 Menschen in
Thüringen neu an Krebs. Um Patientinnen, Patienten
und deren Angehörige zu stärken, hat das
Mitteldeutsche Krebszentrum (CCCG) einen Angehörigen-
und Patientenbeirat ins Leben gerufen.
„Patientinnen, Patienten und Angehörige können
Erfahrungen, Wünsche und Bedürfnisse in die
Krebsversorgung und -forschung einbringen und
so direkt mitwirken. Sie bekommen sozusagen eine
neue Stimme“, erklärt Prof. Dr. Andreas Hochhaus,
Direktor des CCCG am Standort Jena.
Die Mitglieder tauschen sich regelmäßig aus,
treffen sich viermal jährlich und wollen zukünftig
noch stärker eigene Themen setzen. „Unser Beirat
steht Patientinnen, Patienten und ihren Angehörigen
aller Alters- und Berufsgruppen offen und wir
verstehen uns als Brücke zwischen Patientinnen
und Patienten, Angehörigen und den Behandelnden
und Forschenden. Unser Ziel ist es, die
Perspektiven der von Krebs betroffenen Menschen
aktiv in die Weiterentwicklung der onkologischen
Versorgung einzubringen. Wir freuen uns über
jedes neue Mitglied, das Teil unseres Beirates
werden möchte“, erklärt Vorsitzende Astrid
Heßmer. Neben einer beratenden Rolle wirkt
der Patienten- und Angehörigenbeirat auch bei
Patientenveranstaltungen mit.
(me)
Wir haben alles
fürs Staunen,
Träumen & Wundern:
Thalia Jena
„Neue Mitte“
Leutragraben 1
07743 Jena
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
03 | 25
47
KURZ & KNAPP
Mut und Hoffnung für
Krebsbetroffene
Wie kann man die Chemo- oder Strahlentherapie
für Krebspatientinnen und -patienten ergänzen,
wie ihre Lebensqualität verbessern – immer auf der
Grundlage wissenschaftlich gesicherter Erkenntnisse,
ohne Hokuspokus. Das ist das Arbeitsgebiet
der Onkologin Prof. Dr. Jutta Hübner, die am UKJ
die Professur für Integrative Onkologie innehat. Auf
Vorschlag einer Patientin erhielt die Medizinerin im
August in Erfurt für ihr besonderes Engagement, das
weit über die normale ärztliche und wissenschaftliche
Tätigkeit hinausgeht, den Verdienstorden der
Bundesrepublik Deutschland.
„Wir gratulieren Professorin Jutta Hübner zu dieser
Auszeichnung und freuen uns, dass damit ihre vielfältigen
Aktivitäten in der Medizin, insbesondere
in der Onkologie, ihre Empathie und die nationale
Sichtbarkeit als Hoffnungsgeberin und Mutmacherin
für unzählige Krebspatientinnen und Krebspatienten
und deren Angehörige eine verdiente Würdigung
finden“, betont Prof. Dr. Andreas Hochhaus, Direktor
der Klinik für Innere Medizin II am UKJ und Vorsitzender
der Thüringischen Krebsgesellschaft. (vdG)
Foto: UKJ
Prof. Dr. Jutta Hübner wurde von Ministerpräsident
Mario Voigt mit dem Bundesverdienstkreuz
ausgezeichnet. Foto: UKJ
UKJ-Professorin berät Bundesregierung
Foto: Szabó/UKJ
Prof. Dr. Verena Vogt, Professorin für Quantitative Versorgungsforschung
am Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Jena, ist von
der Bundesgesundheitsministerin Nina Warken in die „FinanzKommission
Gesundheit“ berufen worden. Die Kommission soll Maßnahmen für
eine dauerhafte Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen
Krankenversicherung erarbeiten. Besetzt ist die Kommission paritätisch
mit zehn Vertreterinnen und Vertretern aus den Bereichen Ökonomie,
Medizin, Sozialrecht, Ethik und Prävention.
Verena Vogt: „Ich freue mich sehr über die Gelegenheit, in dieser
Kommission zu so einer wichtigen Aufgabe mitzuwirken und gleichzeitig,
das UKJ auf dieser Ebene sichtbar zu machen.“
(vdG)
48 03 | 25
KURZ & KNAPP
Was ist das?
Erkennen Sie, was auf diesem Foto
zu sehen ist?
Schreiben Sie uns Ihre Antwort (unbedingt
mit Angabe Ihrer Postadresse)
bis 15. Januar an die Redaktion Klinikmagazin,
Kastanienstraße 1, 07747 Jena
oder per Mail an presse@med.uni-jena.
de. Unter den Einsenderinnen und
Einsendern mit der richtigen Antwort
verlosen wir unter Ausschluss des
Rechtswegs einen Büchergutschein im
Wert von 40 Euro sowie drei Büchergutscheine
im Wert von je zehn Euro, die von
der Jenaer Universitätsbuchhandlung
gesponsert werden.
Auflösung
In Heft 149 suchten wir:
EEG-Haube
Gewinner des 40-Euro-Gutscheins:
Marie Carl
Gewinner der 10-Euro-Gutscheine:
Manuela Trautmann-Feige,
Carmen Albrecht, Kerstin Allstädt
Foto: Rodigast/UKJ
Impressum
Ausgabe: 3|2025, Nummer 150
Herausgeber:
V.i.S.d.P.:
Redaktionsleitung:
Redaktionsteam:
Layout:
Auflage:
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Universitätsklinikum Jena (UKJ) | Kastanienstraße 1 | 07747 Jena
UKJ Förderverein | Am Klinikum 1 | 07747 Jena
Annett Lott, Stabsstelle Unternehmenskommunikation
Theresa Wahl
Katrin Bogner (kbo), Anne Curth (ac), Dr. Uta von der Gönna (vdG),
Michelle Korneli (me), Annett Lott (ane), Theresa Wahl (tw)
Carolin Berg, Klinisches Medienzentrum des Universitätsklinikums Jena
6.000 Exemplare
03641 9-39 11 81, presse@med.uni-jena.de
Wenn aus Gründen der besseren Lesbarkeit im Text die männliche Form gewählt
wurde, beziehen sich die Angaben auf Angehörige aller Geschlechter.
Nachdruck von Inhalten nur mit Genehmigung der Unternehmenskommunikation
des Universitätsklinikums Jena gestattet.
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Angabe von Namen und Adresse per E-Mail an
presse@med.uni-jena.de.
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TERMINE & KONTAKTE
Veranstaltungen November bis Dezember 2025
GEBURTSVORBEREITUNGSKURSE
Der Kompaktpaarkurs zur Geburtsvorbereitung vermittelt die wesentlichen Abläufe und Informationen rund um die
Geburt und möchte werdenden Eltern Sicherheit für die bevorstehende Geburt geben.
Die nächsten Termine sind am:
Dienstag, 25. November: 17 Uhr | Mittwoch, 26. November: 16 Uhr
Weiter Informationen finden Sie unter: www.uniklinikum-jena.de/geburtsmedizin/Geburtsvorbereitungskurse.html
Anmeldung unter: geburtsvorbereitung@med.uni-jena.de
WÖCHENTLICHE
KREISSSAAL-
FÜHRUNGEN:
donnerstags um 18 Uhr
Anmeldung auf der Homepage
der Geburtsmedizin
www.uniklinikum-jena.de/
geburtsmedizin/
ONKO-KREIS
Die Thüringische Krebsgesellschaft e.V. bietet in Kooperation mit dem UniversitätsTumorCentrum
Jena Krebserkrankten und ihren Angehörigen zu verschiedenen
Themenbereichen der Onkologie regelmäßig stattfindende Vorträge an.
Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Im Rahmen
der Vorträge werden gerne Ihre Fragen durch die Expertinnen und Experten
beantwortet. Alle Veranstaltungen finden virtuell als Online-Seminar statt. Über
den Veranstaltungskalender auf unserer Website gelangen Sie zu den jeweiligen
Vorträgen. Bitte informieren Sie sich im Vorfeld auf der Website unter:
www.thueringische-krebsgesellschaft.de
ELTERNSCHULE
04.11. 1. Hilfe bei Kindern, Teil 1
11.11. 1. Hilfe bei Kindern, Teil 2
18.11. Geschwisterchen-Kurs
25.11. Medikamente für Kinder
02.12. 1. Hilfe bei Kindern, Teil 1
16.12. 1. Hilfe bei Kindern, Teil 2
16.12. Mit Kind ins Krankenhaus
Jeweils 16.00 Uhr.
Weitere Informationen:
www.uniklinikum-jena.de/
kinderklinik/elternschule
17.11. Patienten rechte
20.11. Mangelernährung – was
kann man dagegen tun?
24.11. Expert:innen sprechstunde
Komplementär medizin
Referentin: Prof. Dr. Jutta Hübner
27.11. Träume
01.12. Expert:innensprechstunde
Komplementärmedizin
Referentin: Prof. Dr. Jutta Hübner
01.12. Wie finde ich gute Informationen?
4.12. Krebs als Aufruf zur
Neuorientierung
08.12. Expert:innensprechstunde
Komplementärmedizin – Schwerpunkt
Ernährung
Referentin: Prof. Dr. Jutta Hübner
08.12. Leben mit Krebs (Survivorship)
10.12. Expert:innensprechstunde für
psychologische Anliegen und
Fragen
Referentin: Psychologin
Lena Josfeld
11.12. Expertensprechstunde
Tumorbedingte Fatigue
11.12. Angst vor dem Rückfall (Rezidiv),
15.12. Expert:innensprechstunde
Komplementärmedizin
Referentin: Prof. Dr. Jutta Hübner
15.12. Krebs und Immunsystem – wie
hängt beides zusammen?
15.12. Kinder und ihre krebskranken
Eltern
JENAER
ABENDVORLESUNG
letzter Mittwoch im Monat, 19 Uhr
Haus A, Hörsaal 1
26.11. Koronare Herzerkrankungen
– Vom Herzschmerz
bis zum Infarkt
Weitere Informationen unter
www.uniklinikum-jena.de/
abendvorlesung
PATIENTEN
BEFRAGUNG
IHRE MEINUNG IST UNS WICHTIG.
Damit wir auf Ihre Bedürfnisse und
Anregungen reagieren können,
können Sie uns Ihre Rückmeldungen
gern über unsere Online-Patienten-
Befragung oder die
Papierfragebögen
auf den Stationen
und Ambulanzen
mitteilen.
EMPFEHLEN
SIE UNS WEITER!
Waren Sie mit Ihrem Aufenthalt am
UKJ zufrieden? Dann sagen Sie es
gern weiter – an Familie, Bekannte
oder unabhängige Bewertungsportale
im Internet. Wir freuen uns über
Ihre Empfehlung.
50 03 | 25
TERMINE & KONTAKTE
Wegweiser für Patienten
ZENTRALE
RUFNUMMERN
KLINIK-
SOZIALDIENST
KLINIKSEEL
SORGE
ZENTRALE KLINIKUM
03641 9-300
EMPFANG HAUPTEINGANG
03641 9-32 08 50
EMPFANG HAUS E
03641 9-32 80 20
Beratung u.a. zu Anschlussheilbehandlung
und Rehabilitation,
häuslicher Krankenpflege, Pflegestufen,
Schwerbehindertenausweis;
pychosoziale Beratung
KONTAKT:
Yvonne Wiese (Leiterin)
03641 9-32 02 91
yvonne.wiese@med.uni-jena.de
EVANGELISCHE KLINIKSEELSORGE:
Pastorin Ulrike Spengler
0151 17 10 14 94
KATHOLISCHE KLINIKSEELSORGE:
Pfarrer Michael Ipolt
0151 17 10 54 60
Gemeindereferent
Dominik Gehringer
01523 21 87 679
FÖRDERVEREIN
WIR FÖRDERN PROJEKTE
für Patienten und Mitarbeiter – in
Forschung und Lehre – zur Vernetzung
und Öffentlichkeitsarbeit
SPENDENKONTO:
Sparkasse Jena-Saale-Holzland
IBAN: DE89830530300000028010
BIC: HELADEF1JEN
VORSITZENDER:
PD Dr. Dr. Michael Kiehntopf
foerderverein@med.uni-jena.de
03641 9-32 50 01
CAFETERIEN
Magistrale am Standort Lobeda
HANFRIED
Mo – Fr: 10 bis 17 Uhr
Wochenende und Feiertage: 12 bis
17 Uhr
SCHNAPPHANS
Mo – Fr: 8 bis 10.30 Uhr und 11 bis
16.30 Uhr
BESUCHS-
DIENST DER
KLINIKSEELSORGE
Die ehrenamtlich Tätigen nehmen
sich Zeit zum Zuhören, Plaudern,
Spielen, Vorlesen & erledigen
kleine Besorgungen.
KONTAKT:
Ulrike Spengler
0151 17 10 14 94
EINKAUFS
MÖGLICHKEITEN
KLINISCHES
ETHIKKOMITEE
PATIENTEN
FÜRSPRECHERIN
IMBISS UND SHOP
Montag bis Donnerstag:
8.00 – 17.00 Uhr
Freitag:
8.00 – 16.00 Uhr
03641 22 62 95
Beratung und Hilfestellung
für Patienten, Angehörige und
medizinisches Personal bei
ethischen Konflikten in Therapie
und Pflege
KONTAKT:
Dr. Ulrike Skorsetz
(Leiterin Geschäftsstelle)
03641 9-33 775
0151 16 35 93 41
ulrike.skorsetz@med.uni-jena.de
KONTAKT:
Sigrid Oehler
0152 32 18 79 99
Sigrid.Oehler@med.uni-jena.de
Persönlich:
mittwochs 14 bis 16 Uhr
03 | 25
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