20.11.2025 Aufrufe

architektur FACHMAGAZIN Ausgabe 6 2025

Oberflächlich: ein Wort, das meist abwertend klingt. Es weckt Assoziationen von Leere, von einem Mangel an Tiefe, von etwas, das man leicht übersehen oder gar ignorieren könnte. In unserer gebauten Umwelt sind Oberflächen leider oft genau das: eine bloße Haut, die die vermeintlich wichtigeren Strukturen umhüllt und verbirgt. Doch sie können viel mehr sein – Sie sind sinnlich, intelligent, erzählerisch. Sie geben Räumen Charakter, erzeugen Haptik, Lichtspiel und Atmosphäre. Sie sind Träger von Erinnerung, Ausdruck von Kultur, Spiegel unserer menschlichen, technologischen und ökologischen Ansprüche. Diese Ausgabe widmet sich dem Schnittpunkt zwischen Materialität und Gestaltung. Sie lädt ein, über die Oberfläche hin­auszudenken – und gleichzeitig zu erkennen, wie tief diese wirken kann. Denn in der sorgfältigen Wahl von Material und Finish liegt die Kraft, Räume zu prägen, Geschichten zu erzählen und Erlebnisse zu schaffen, die lange nachhallen.

Oberflächlich: ein Wort, das meist abwertend klingt. Es weckt Assoziationen von Leere, von einem Mangel an Tiefe, von etwas, das man leicht übersehen oder gar ignorieren könnte. In unserer gebauten Umwelt sind Oberflächen leider oft genau das: eine bloße Haut, die die vermeintlich wichtigeren Strukturen umhüllt und verbirgt. Doch sie können viel mehr sein – Sie sind sinnlich, intelligent, erzählerisch. Sie geben Räumen Charakter, erzeugen Haptik, Lichtspiel und Atmosphäre. Sie sind Träger von Erinnerung, Ausdruck von Kultur, Spiegel unserer menschlichen, technologischen und ökologischen Ansprüche.

Diese Ausgabe widmet sich dem Schnittpunkt zwischen Materialität und Gestaltung. Sie lädt ein, über die Oberfläche hin­auszudenken – und gleichzeitig zu erkennen, wie tief diese wirken kann. Denn in der sorgfältigen Wahl von Material und Finish liegt die Kraft, Räume zu prägen, Geschichten zu erzählen und Erlebnisse zu schaffen, die lange nachhallen.

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© Mikael Olsson

FACHMAGAZIN

WISSEN, BILDUNG, INFORMATION FÜR DIE BAUWIRTSCHAFT

Erscheinungsort Vösendorf, Verlagspostamt 2331 Vösendorf. P.b.b. 02Z033056; ISSN: 1606-4550

06

www.architektur-online.com

Sept./Okt. 2025

Material &

Oberfläche


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Irrtümer vorbehalten. Stand 09/2025.

*


www.architektur-online.com

Editorial

Oberflächlich ...

... ein Wort, das meist abwertend klingt. Es weckt Assoziationen

von Leere, von einem Mangel an Tiefe, von

etwas, das man leicht übersehen oder gar ignorieren

könnte. In unserer gebauten Umwelt sind Oberflächen

leider oft genau das: eine bloße Haut, die die vermeintlich

wichtigeren Strukturen umhüllt und verbirgt.

Doch sie können viel mehr sein – Sie sind sinnlich,

intelligent, erzählerisch. Sie geben Räumen Charakter,

erzeugen Haptik, Lichtspiel und Atmosphäre. Sie sind

Träger von Erinnerung, Ausdruck von Kultur, Spiegel

unserer menschlichen, technologischen und ökologischen

Ansprüche.

Diese Ausgabe widmet sich dem Schnittpunkt zwischen Materialität

und Gestaltung. Sie lädt ein, über die Oberfläche hinauszudenken

– und gleichzeitig zu erkennen, wie tief diese

wirken kann. Denn in der sorgfältigen Wahl von Material und

Finish liegt die Kraft, Räume zu prägen, Geschichten zu erzählen

und Erlebnisse zu schaffen, die lange nachhallen.

Exemplarisch dafür steht der Umbau des Museums Bezau

in Vorarlberg durch Innauer Matt Architekten. Hier wird die

Oberfläche zur lebendigen Chronik. Außen überlässt man

sägeraues Fichtenholz dem Spiel der Witterung, damit es

in Würde altert und sich der Patina des Bestands angleicht.

Innen hingegen schafft gekalktes Holz eine fast sakrale Atmosphäre,

die eine alte bäuerliche Praxis in einen musealen

Kontext überführt.

Ein bewusster Umgang mit Kontrasten prägt auch die weiteren

Projekte. In Portugal erweckt das Büro NOARQ mit

dem Rathaus von Trofa eine alte Industriebrache zu neuem

Leben, indem es die rohe Kraft von Sichtbeton und dunklem

Ziegel dem verputzten Bestand gegenüberstellt. BÜRO

MÜHLBAUER treibt mit dem „House with Two Courtyards“ die

Idee des Monolithischen auf die Spitze, wo unbehandelter Beton

zur alles prägenden, skulpturalen Leinwand für Licht und

Schatten wird. Und die Casa Tres Patis von Twobo Arquitectura

in Katalonien zelebriert ein wahres Fest der Texturen: ein

fein austariertes Zusammenspiel aus Ziegel, Beton, Holz und

glasierten Fliesen, das die Grenzen zwischen Innen und Außen

verschwimmen lässt. Den Bogen zum Dialog mit dem Ort

spannt schließlich das Massivholzhaus von Backraum Architektur

in Gars am Kamp. Die dunkle, präzise gefügte Aluminiumfassade

wirkt von außen wie ein schützender Panzer,

der sich zur Landschaft und zur gegenüberliegenden Burg

öffnet. Im Inneren hingegen entfaltet unbehandeltes Lärchenholz

seine ganze Wärme und Lebendigkeit.

Dieser Fokus auf durchdachte Materialität setzt sich auch in

unserem Schwerpunkt zur Retailarchitektur fort, wo Oberflächen

zum entscheidenden Markenerlebnis werden. Abgerundet

wird die Ausgabe durch weitere Projektberichte, inspirierende

Artikel und Produktneuheiten, die – wie Sie sehen

werden – alles andere als oberflächlich sind.

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Andreas Laser

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architektur FACHMAGAZIN

4

Inhalt

Editorial 03

Start 06

OFROOM

Materialwissen neu kuratiert

Magazin 12

Wettbewerbe & Awards 30

Baukulturpreis der Hypo Vorarlberg

Quartier Seecarré Bauplätze F9b und F10

Volksschule Dunantgasse

Zwischen Schatten und Patina 46

Museum Bezau / Vorarlberg /

Innauer Matt Architekten

Auf das Wesentliche reduziert 54

Rathaus Trofa / Trofa, Portugal /

NOARQ

Monolithische Ruhe 62

im Bayerischen Wald

House with two courtyards /

Bad Kötzting, Deutschland /

Büro Mühlbauer

Massive Offenheit 68

Casa Tres Patis / Albons, Katalonien /

Twobo Arquitectura

Dunkle Hülle warmer Kern 74

Logenplatz / Gars am Kamp /

Backraum Architektur

Tageslicht 80

Naturstein 84

RETAILarchitektur 94

Produkt News 102

edv 130

Baustellen-Dokumentation:

Rationell und rechtssicher dokumentieren

46

54

68

62

74

34

MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER Laser Verlag GmbH; Ortsstraße 212/2/5, 2331 Vösendorf, Österreich

CHEFREDAKTION Andreas Laser (andreas.laser@laserverlag.at) • REDAKTION DI Linda Pezzei, Edina Obermoser, Roland Kanfer, DI Marian Behaneck

LTG. PRODUKTREDAKTION Nicolas Paga (nicolas.paga@laserverlag.at) Tel.: +43-1-869 5829-14 • RESSORT WETTBEWERBE Roland Kanfer (wettbewerbe@architektur-online.com)

GRAFISCHE GESTALTUNG & WEB Andreas Laser • LEKTORAT Mag. Heidrun Schwinger • DRUCK Bauer Promotion

GESCHÄFTSLEITUNG Silvia Laser (silvia.laser@laserverlag.at)

ABONNEMENTS Abonnement (jeweils 8 Ausgaben/Jahr): € 109,- / Ausland: € 133,-, bei Vorauszahlung direkt ab Verlag n Studentenabonnement (geg. Vorlage einer gültigen Inskriptionsbestätigung):

€ 75,- / Ausland: € 105,- (Das Abonnement verlängert sich automatisch, sofern nicht mind. 6 Wochen vor Erscheinen der letzten Ausgabe eine schriftliche Kündigung bei uns einlangt.)

EINZELHEFTPREIS € 15,- / Ausland € 20,- • ABOSERVICE office@laserverlag.at

BANKVERBINDUNG Bank Austria, Konto Nr. 51524477801, BLZ 12000 IBAN AT 231200051524477801, BIC BKAUTWW

UID-Nr. ATU52668304; DVR 0947 270; FN 199813 v; • ISSN: 1606-4550

Mit ++ gekennzeichnete Beiträge und Fotos sind entgeltliche Einschaltungen. Die Redaktion haftet nicht für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos. Berichte, die nicht von einem Mitglied der Redaktion gekennzeichnet

sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Das Magazin und alle in ihm enthaltenen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt.


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Verantwortungsvolles und nachhaltiges Design im öffentlichgewerblichen

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architektur FACHMAGAZIN

6

Start

Materialwissen

neu kuratiert

Material ist mehr als bloße Stofflichkeit. Es ist Träger von Geschichten, Haltungen

und Visionen. Mit OFROOM hat Christine Bärnthaler gemeinsam mit ihrem

Team ein Werkzeug entwickelt, das Architekt:innen dabei unterstützt, bewusste

Material entscheidungen zu treffen und somit die Bauwende aktiv mitzugestalten.

Text: Linda Pezzei

u

Wissen, das entscheidet

Ob im Entwurfsstudio oder im Wettbewerb: Die Materialwahl

ist ein entscheidender Moment im architektonischen

Prozess. Sie betrifft nicht nur Haptik und

Ästhetik, sondern auch Gesundheitsverträglichkeit,

Kreislauffähigkeit und Klimabilanz. Wer heute baut,

trägt Verantwortung – gegenüber Auftraggeber:innen

ebenso wie gegenüber kommenden Generationen.

Während klassische Materialbibliotheken auf Masse

setzen, verfolgt OFROOM das Prinzip der „Slow

Curation“. Nur Produkte mit belegbar positivem Einfluss

schaffen es in die Datenbank. Ein Beispiel ist

das HONEXT Board aus Spanien: eine Innenbauplatte

aus Papierschlamm, die CO 2 -negativ produziert

wird, frei von Bindemitteln ist und sich vollständig

recyceln lässt. Solche Materialien zeigen, wie eng Innovation

und Nachhaltigkeit inzwischen miteinander

verknüpft sind.

Von der Idee zum Kollektiv

Was als persönliche Erfahrung mit blockierten Innovationen

begann, ist heute ein interdisziplinäres

Projekt. Initiiert von der Architektin und Lehrbeauftragten

Christine Bärnthaler an der TU Wien arbeitet

OFROOM als Team, das die Bereiche Architektur,

Materialwissenschaft, Kommunikation und Logistik

zusammenbringt. Gemeinsam entwickeln sie ein System,

das Materialwissen nicht nur sammelt, sondern

auch kritisch einordnet, zugänglich macht und kontinuierlich

vertieft. Die dahinterstehende Haltung ist

klar: Nur durch Teamwork und Konsequenz lässt sich

die Bauwende gestalten.

u

„Materialkultur ist heute nicht nur Gestaltung,

sondern auch Verantwortung. Jede Materialentscheidung

formt die Welt von morgen.“

Das OFROOM Team v.l.n.r. Emma Schneider,

Gründerin Christine Bärnthaler, Valerie Zechmeister


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7

Zum Schutz der

Nachtschwärmer

Magazin

BEGA Aufsatzleuchten mit BugSaver® Technologie schützen

nachtaktive Tiere durch die Absenkung der Farbtemperatur

von 3000 Kelvin auf einen Amber-Farbton ähnlich 1800 Kelvin,

der weniger anziehend wirkt. Farbtemperatur und Leistung

sind dynamisch steuerbar. bega.com/bugsaver

Das gute Licht.


architektur FACHMAGAZIN

8

Start

OFROOM Material Ausstellung im Reallabor

Nachhaltiges Bauen der STRABAG

Mehr als eine Datenbank

Aus diesem Anspruch heraus ist ein vielseitiger Service

entstanden. Im Zentrum steht eine digitale Datenbank,

die pro Produkt bis zu 1.600 Datensätze

erfasst – deutlich mehr, als Hersteller in der Regel

offenlegen. Ergänzt wird sie durch ein streng kuratiertes

Portfolio mit maximal acht neuen Materialien

pro Monat, sodass insgesamt 900 Einträge nicht

überschritten werden. Parallel dazu gibt es physische

Materialpakete im A5-Format, die beschriftet und geordnet

direkt ins Büro geliefert werden. Sie sind ein

praktisches Werkzeug, um neben digitalen Daten

auch die Haptik erlebbar zu machen.

Darüber hinaus organisiert OFROOM Foren und Veranstaltungen

wie das Nachhaltigkeitsforum Wien,

das 2023 erstmals stattfand. Mit dem Studio in Wien

existiert zudem ein Ort, an dem Beratung, Forschung

und Mock-ups zusammenfließen. All das macht

deutlich: Material ist hier nicht nur Produkt, sondern

Wissen – und dieses Wissen bildet die Grundlage für

fundierte architektonische Entscheidungen.

Haltung statt Masse

„Wir sind keine Marketingplattform“, betont Christine

Bärnthaler. Während viele Datenbanken auf Quantität

setzten, folgt OFROOM der Logik der bewussten

Reduktion. Jedes Produkt wird anhand einer Nachhaltigkeitsmatrix

mit 41 Kriterien geprüft, die von der

CO 2 -Bilanz und Kreislaufwirtschaft über Biodiversität

bis hin zu sozialen Faktoren und Materialgesundheit

reichen. Diese Tiefe mache den Unterschied.

about

Die 2021 in Wien gegründete OFROOM Material Service GmbH versteht sich

als kuratierte Plattform für nachhaltige Bauprodukte. Das Herzstück des Unternehmens

ist eine digitale Datenbank in Form einer Web-App, die durch

Materialpakete mit Mustern, Beratungen und Veranstaltungen ergänzt wird.

Das Leitprinzip lautet: Qualität vor Quantität. Pro Monat werden maximal

acht neue Produkte aufgenommen, die anhand einer 41 Kriterien umfassenden

Nachhaltigkeitsmatrix geprüft werden. Die Plattform richtet sich an Architekt:innen,

Planer:innen, Bauträger:innen und Universitäten. Gründerin

Christine Bärnthaler bringt dabei ihre Doppelkompetenz aus Architektur und

Kommunikation ein und verknüpft sie mit einem starken Netzwerk aus Forschung,

Industrie und Praxis.

Ein zweiter Unterschied liegt im Modell selbst: Der Service

ist bewusst als Abo angelegt und nicht kostenlos.

Dahinter steckt die Überzeugung, dass Wissen dort

am meisten Wirkung entfaltet, wo ernsthaft an nachhaltigen

Innovationen gearbeitet wird, und dass Materialkompetenz

eine bewusste Investition verdient.

Alltagstauglich und praxisnah

Der Mehrwert dieses Ansatzes im Büroalltag zeigt

sich rasch. OFROOM inspiriert, spart Zeit und liefert

belastbare Fakten, die bei Präsentationen oder Wettbewerben

den entscheidenden Unterschied ausmachen

können. In einer Recherche etwa stellte sich

heraus, dass Korkeichenwälder zu den effizientesten

CO 2 -Speichern gehören – mit einer Bindung von bis zu

14,7 Tonnen CO 2 pro Hektar und Jahr. Solche Zahlen

machen nachhaltige Materialien greifbar und geben

Planer:innen ein starkes Argumentarium an die Hand.

Auch in der Praxis überzeugt der Service. „Mit den

OFROOM-Materialpaketen und der Datenbanklizenz

haben wir eine wirklich gute Basis gelegt, um

nachhaltige Architekturprojekte zu entwickeln”,

sagt beispielsweise Dominik Philipp von Dietrich

Untertrifaller Architekten. Für ihn ist klar: OFROOM

ist kein abstraktes Archiv, sondern ein Werkzeug mit

unmittelbarem Mehrwert.

u


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9

Magazin


architektur FACHMAGAZIN

10

Start

Blick nach vorn

Im Oktober 2025 richtet OFROOM das zweite Nachhaltigkeitsforum

in Wien aus – in der Postbushalle

am Nordwestbahnhof. Auch dieses Mal wird es kein

klassisches Messeformat geben, sondern wieder ein

Forum: einen Ort für Diskurs, Inspiration und Begegnung.

Internationale Gäste wie Patrick Teuffel, Martha

Lewis, Mark Inderbitzin und Floris Schiferli werden

über Zirkularität, Re-Use und Lehmbau sprechen. Begleitende

Pecha-Kucha-Sessions und Mock-ups machen

Materialkultur dabei unmittelbar erlebbar.

Parallel dazu arbeitet das Team an der Weiterentwicklung

seiner digitalen Tools. Die Web-App soll

schrittweise zu einem maßgeschneiderten Architektur-Tool

ausgebaut werden, das alle Planungsphasen

begleitet – von der Recherche über die Bemusterung

bis hin zur Ausführung.

Materialkultur als Verantwortung

Bei OFROOM geht es am Ende um mehr als Daten,

Tools und Produkte. Für Christine Bärnthaler bedeutet

Materialkultur vor allem eines: Verantwortung.

Denn jede Materialentscheidung formt die Welt von

morgen. Darin liegt sowohl die Herausforderung als

auch die Chance, Architektur neu zu denken: von

linearen Prozessen zu zirkulären Kreisläufen, von

Ressourcenverbrauch zu Ressourcenschonung, von

Material zu Haltung.

Gerade in einer Zeit, in der die Bauwirtschaft für rund

40 Prozent der weltweiten CO 2 -Emissionen verantwortlich

ist, wird jede Materialwahl zu einer kulturprägenden

Handlung. Architektur entscheidet somit

nicht nur über Formen und Räume, sondern auch über

ökologische und gesellschaftliche Zukunftsbilder.

Wandaufbauten neu denken: Im Entwerfen „Material Begreifen“ an der TU

Wien, Forschungsbereich Hochbau und Entwerfen, Professur Staufer Hasler,

realisierten Studierende nachhaltige Außenwand-Mock-ups.

Nachgefragt:

ein Auszug aus dem Gespräch mit

Christine Bärnthaler

Wie ist OFROOM entstanden?

Der Ausgangspunkt war meine Erfahrung, dass innovative

Baustoffe oft am Widerstand in der Baukette

scheitern. Daraus entstand der Wunsch, Kommunikationstools

zu entwickeln, die Architekt:innen und

Hersteller:innen ehrlich zusammenbringen.

Was unterscheidet euch von

anderen ähnlichen Plattformen?

Wir sind keine Material-Marketingplattform. Uns geht

es um ein Wissensmanagement-Tool mit inhaltlicher

Tiefe. Qualität statt Masse – maximal acht neue Produkte

im Monat.

Welches Ziel verfolgt ihr konkret?

Wir wollen Nachhaltigkeit in der Architektur ganzheitlich

abbilden, Lobbys kritisch hinterfragen und

Materialentscheidungen transparent machen.

Und worin liegt der konkrete Nutzen

für Architekturbüros?

In der Zeitersparnis und Sicherheit. Wir recherchieren

im Vorfeld, liefern geprüfte Daten und inspirieren

zu mutigen Lösungen, die in Wettbewerben oder

Bauprozessen sofort nutzbar sind.

Kuratiert und greifbar: Die OFROOM-Materialpakete im A5-Format

machen nachhaltige Innovationen auch haptisch erlebbar.

Was plant ihr für die weitere Zukunft?

Unser Nachhaltigkeitsforum wird wachsen und unsere

Web-App soll sich zu einem Architekturtool

entwickeln, das den gesamten Planungsprozess

unterstützt.


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11

0,0 % Kompromisse bei der Planung

0,0 % Konservierungsmittel an der Wand

Magazin

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architektur FACHMAGAZIN

12

Magazin

Sensible Transformation

Ein Schulhaus steht leer. Es weist keine Schäden oder gravierenden Mängel,

wirft aber viele Fragen auf: Was tun mit dem Bestand? Die Offene Jugendarbeit

Bregenzerwald entschied sich schließlich für einen neuen Anfang

in alten Mauern und fand in der Architektin Nina Beck eine Partnerin, die

Leerstand nicht als Defizit, sondern als Ressource versteht. Gemeinsam mit

einem vielgestaltigen Team entwickelte sie ein Konzept, das aus der Vergangenheit

eine Grundlage für die Zukunft schaffen soll.

Text: Linda Pezzei Fotos: Nina Bröll

Ein Ort für viele.

Im Zentrum der Transformation steht die Idee eines

Hauses für alle Generationen. Die „Gute Stube” soll

ein „Dritter Ort” sein – ein Raum zwischen Zuhause

und Arbeit, der für Begegnung, Austausch und den

Alltag offen ist. Dass dieses Ziel nicht mit großen

Gesten, sondern mit feinen Eingriffen erreicht wurde,

ist die Stärke des Projekts. Nina Beck und das OJB-

Team entschieden sich bewusst für das Prinzip der

Weiterentwicklung. Sie suchten nicht nach dem radikal

Neuen, sondern nach den Spuren, die das Gebäude

bereits in sich trug. Aus diesen „Fundstücken“

formten sie eine neue Erzählung.

Das Farbkonzept wurde aus dem Bestand entwickelt.

Das Foyer präsentiert sich nun in warmen Nuancen.

Material als Medium

Die ehemalige Volksschule erzählte ihre Geschichte

durch Böden, Farben und Möbelstücke. Im Gang

lagen alte Fliesen, deren Farbton digital übersetzt

und in den Farbräumen CMYK und RGB aufbereitet

wurde. So diente er als Grundlage für ein neues Farbkonzept.

Jede Wand wurde probeweise gestrichen,

anschließend wurde diskutiert und entschieden. So

entstand ein Farbkanon, der aus dem Bestand geboren

wurde und zugleich eine neue Atmosphäre prägt.

Auch beim Boden zeigt sich diese Haltung: In der Küche,

dem Herzstück des Hauses, wurde geschliffener

Estrich eingebracht. Er wirkt robust und ehrlich und

harmoniert zugleich mit den bestehenden Oberflächen

im angrenzenden Gang. Nichts Fremdes, nichts

Übergestülptes, sondern eine stille Fortsetzung.

Die alten Schränke aus dem Lehrerzimmer wurden

nicht im Depot gelagert, sondern fanden ihren Platz

in der neuen Küche. Ein Schreiner passte sie an, ohne

die Patina zu kaschieren. Gebrauchsspuren, Materialalterung

und Unterschiede in den Tiefen wurden

nicht übertüncht, sondern bewusst integriert. Aus

Resten wurden Ressourcen.

u


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Magazin

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Foto: Attilio Fiumarella, PT | Architekt: NOARQ PT

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architektur FACHMAGAZIN

14

Magazin

Architektur im Dialog

Die Eingriffe im Gebäude sind deutlich sichtbar und

nicht versteckt. Wo eine Wand abgetragen wurde,

zeichnet die Decke die Veränderung nach. Wo ein

Stahlträger nötig war, bleibt dieser unübermalt und

zeigt die konstruktive Realität. Hier tritt Architektur

nicht als Inszenierung auf, sondern als offener Dialog

mit dem Bestand.

Die Treppe, die das Erdgeschoss mit den oberen

Räumen verbindet, wurde zu einem Begegnungsort.

Auch sie veranschaulicht durch Farben und kleine

Oberflächengestaltungen die Balance zwischen Alt

und Neu. Das Haus lebt von seinen Schichten – und

diese bleiben lesbar.

Kooperation als Haltung

Nicht nur das architektonische Ergebnis ist besonders,

sondern auch der Weg dorthin. Gemeinsam

mit der Gestalterin Simone Angerer, der Kulturmanagerin

Katharina Kleiter, der Malerin Anna Hopfner,

Jugendarbeiterin Sarah Greber, Jugendarbeiterin

Stefanie Weis und der Geschäftsführerin Agnes

Hollenstein entwickelte Beck ein Nutzungskonzept,

das Gestaltungsfragen eng mit sozialen Anforderungen

verknüpft. Hier verschmolzen Architektur, Kunst,

Pädagogik, Jugendarbeit und Projektmanagement

zu einer kollektiven Praxis.

Beck beschreibt diesen Ansatz als eine Architektur,

die keine großen Inszenierungen braucht, sondern

Räume schafft, die Möglichkeitsräume eröffnen und

Selbstermächtigung erlauben.

Die Küche als Herzstück:

Alte Möbel aus dem

Lehrerzimmer wurden neu

integriert.


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Magazin

PRODUCT | MOVA TRACK

PROJECT | TERRA BAD DESIGN GMBH, INNSBRUCK

FOTO | DAVID JOHANSSON

Relevanz in der Zurückhaltung

Die „Gute Stube” zeigt exemplarisch, welche Kraft in

dieser Haltung steckt. Es gibt keine Hochglanzarchitektur

und keine spektakulären Oberflächen – und

doch beweist dieses Projekt Rückgrat.

Denn hier wird sichtbar: Material ist nicht nur Oberfläche,

sondern auch Erinnerungsträger. Farbe ist

kein Dekorationselement, sondern ein Werkzeug der

Aneignung. Möbel sind keine Inventargegenstände,

sondern Geschichtenerzähler.

So entsteht aus dem unscheinbaren Bestand ein

Haus mit Relevanz – für die Jugendlichen, die hier

Freiraum finden, ebenso wie für die älteren Generationen,

die Erinnerungen an ihre eigene Schulzeit

mitbringen.

„Wir Architektinnen und Architekten sollten unseren

Blick nicht nur auf das Große und Sichtbare richten”,

fasst Beck zusammen. „Es sind die leisen, unscheinbaren

Projekte, die zeigen, worum es wirklich geht:

um Verantwortung, Wirkung und Relevanz unabhängig

von Maßstab oder medialer Sichtbarkeit.“ •

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RETAIL-PROJECTS

In jedem Projekt ist gutes Licht unverzichtbar – sei es für die perfekte

Produktinszenierung, aber auch für bessere Orientierung, eine

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Als Qualitätsanbieter designorientierter Lichtlösungen wissen wir,

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architektur FACHMAGAZIN

16

Magazin

Future Art Lab der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien; Pichler und Traupmann Architekten ZT GmbH

© Hertha Hurnaus

++

Nachhaltigkeit als Leitmotiv

Am 24. Juni 2025 wurde im Technischen Museum Wien zum zweiten Mal der Österreichische

Betonpreis verliehen. Mit 82 eingereichten Projekten, von Wohnbau über

Bildungsbau bis zur Revitalisierung, konnte die Zahl der Einreichungen gegenüber

der Premiere 2023 deutlich gesteigert werden.

Das unterstreicht die Bedeutung des Preises

als wichtigste Auszeichnung für nachhaltiges

Bauen mit Beton in Österreich. „Die

ausgezeichneten Bauwerke sind Leuchtturmprojekte,

die uns den Weg zum nachhaltigen

Bauen der Zukunft aufzeigen“, betont

Christoph Ressler, Vorstand von Beton

Dialog Österreich, dem Veranstalter des

Österreichischen Betonpreises.

In der Kategorie Wohnbau überzeugte das

Plusenergiequartier Campo Breitenlee in

Wien-Donaustadt. Das Projekt setzt auf

die thermische Speicherfähigkeit von Beton

und schafft so ein effizientes Heiz- und

Kühlsystem, das den Betrieb mit 100 Prozent

erneuerbarer Energie ermöglicht. Eine

Anerkennung erhielt das Grazer Projekt

Lendmark, das mit schlanker Bauweise und

smarter Energienutzung punktet.

Bei den Bildungs- und Verwaltungsbauten

setzte sich das Future Art Lab der Universität

für Musik und darstellende Kunst Wien

durch. Hier wird Beton nicht nur als konstruktives,

sondern auch als akustisches Gestaltungselement

genutzt. Die Barbara-Prammer-Schule

in Wien erhielt eine Anerkennung

für die effiziente Nutzung des Baustoffs in

Konstruktion und Energiekonzept.

Den Preis in der Kategorie Revitalisierung

gewann das Kulturzentrum Mattersburg.

Der denkmalwerte Bau der Nachkriegsmoderne

wurde nicht nur behutsam saniert,

sondern mit einem Neubau aus Beton zu

einem stimmigen Ensemble erweitert. Das

Europäische Patentamt in Wien erhielt hier

eine Anerkennung für die Transformation

eines Betonskelettbaus der 1970er-Jahre.

Der nächste Österreichische Betonpreis

wird 2027 vergeben.

www.beton-dialog.at/betonpreis2025/

Campo Breitenlee

Treberspurg & Partner Architekten ZT GmbH

und Synn Architekten ZT-OG

Kulturzentrum Mattersburg

Holodeck Architects ZT GmbH

© Wolfgang Thaler

© Hertha Hurnaus


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CO 2 -reduzierte

Zemente

17

Magazin

Neue Produktrezepturen sind ein essenzieller

Teil der Dekarbonisierung-Roadmap. Die

neuen CEM II/C Zemente reduzieren den

Klinkeranteil auf 50 Prozent und senken im

österreichischen Branchenschnitt den Fußabdruck

von 493 auf 327 kg CO 2 je Tonne

Zement. Das entspricht einer Reduktion

von 17 Prozent im Kubikmeter Beton.

Holcim deckt als erster Anbieter in Österreich

mit diesen CO 2 -reduzierten Zementen

alle gängigen Umweltklassen ab. Die bautechnischen

Zulassungen für ECOPlanet

RC (CEM II/C-M (S-F) 42,5 N) und ECOPlanet

ROT (CEM II/C-M (S-LL) 42,5 N) gelten

universell für alle Betone der Klassen

B1–B12 (außer C3A-frei) gemäß ÖNORM B

4710-1. Qualität und Verarbeitungssicherheit

bleiben auch im dekarbonisierten Portfolio

gleich hoch.

Ersetzt wird der Klinker als Bindemittelkomponente

dabei durch Ersatz-Rohstoffe

Bildungscampus Reininghaus mit Holcim ECOPlanet RC

(sog. “supplementary cementitious materials

(SCMs)” wie Flugaschen oder Hüttensand

aus der Kreislaufwirtschaft. Diese

Nebenprodukte anderer Industrien sind in

ihrer langfristigen Verfügbarkeit allerdings

limitiert, weshalb die Industrie weitere Alternativen

zur Klinkerreduktion entwickelt.

Der ECOPlanet RC (CEM II/C-M (S-F) 42,5 N)

ist ein Zement mit mehr als 50 % Recyclinganteil,

bezogen auf Klinker und Zumahlstoffe,

© Holcim, R. Sommerauer

wobei mehr als 25 % auf Baurestmassen entfallen.

Der feingemahlene Betonbruch kann

über den patentierten „Rapid Carb“ Prozess

zudem im Mahlprozess CO 2 Emissionen aus

dem Produktionsprozess aufnehmen und

dauerhaft speichern.

Holcim (Österreich) GmbH

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bis zur Verarbeitung – jede Lösung sichert Langlebigkeit. Das ist

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architektur FACHMAGAZIN

18

Magazin

Material Winner

Ähnlich wie Fußball in Deutschland oder Skisport in Österreich hat in Tschechien

Tennis eine lange Tradition und zählt bis heute zu den beliebtesten Sportarten

des Landes. Auch die Hauptstadt Prag ist geprägt von einer Vielzahl geschichtsträchtiger

und moderner Tennisanlagen, die nicht nur ein sportliches

Kräftemessen ermöglichen, sondern auch als soziale Treffpunkte in den Stadtteilen

fungieren. Dreh- und Angelpunkt eines jeden Vereins ist das Clubhaus: Es

dient als Rückzugsort, aber auch als architektonisches Aushängeschild – und

spiegelt die Ambitionen des Clubs ebenso wider wie sein Selbstverständnis.

Text: Linda Pezzei Fotos: Tomáš Slavík

Eine Holzkonstruktion als klassisches Zitat

Kein Wunder also, sollte der Tennisclub im Prager

Stadtteil Ořechovka in jüngster Zeit regen Zuwachs

an Mitgliedern verzeichnen. Wer nicht nur die Ästhetik

einer ideal getroffenen Rückhand, sondern auch

deren angeregte Analyse im Anschluss an das Match

in ansprechendem Ambiente zu schätzen weiß, dürfte

sich im neuen Clubhaus, das nach den Plänen des

Büros Pavel Hnilička Architects+Planners entstand,

gut aufgehoben fühlen. Der Neubau ersetzt ein über

Jahrzehnte genutztes Provisorium und knüpft zugleich

an die Holzarchitektur der Ersten Republik an.

Der Pavillon erhebt sich als leichte Holzkonstruktion

auf Eichenstützen, die mit subtiler Entasis bearbeitet

sind – eine klassische architektonische Geste,

die dem Bauwerk Eleganz verleiht. Gemeinsam mit

Plinth, auskragendem Dach und reduziertem Lisenenfries

erinnert er an die Leichtigkeit von Kurarchitektur

und Kolonnaden, für die Tschechien wohl nicht

weniger bekannt ist als für seinen Tennisexport. u


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21

Magazin

Gestaltet bis ins Detail

Das Gebäude zeigt exemplarisch, wie Materialität zum

prägenden Gestaltungsmittel werden kann. Die Fassadenverkleidung

ist dank karbonisierter nordischer

Fichte widerstandsfähig und sorgt dunkel patiniert für

eine atmosphärisch dichte Wirkung. Das für die Konstruktion

und Möblierung verwendete geölte Eichenholz

verleiht dem Gebäude eine warme und haptische

Präsenz. In den Umkleiden entschieden sich die Architekten

für die Verwendung von Birken-Sperrholz,

in den Außenanlagen finden sich Terrazzo-Böden und

gebürsteter Beton – allesamt Materialien, die robust,

klar und langlebig daherkommen. Filigrane Edelstahlgeländer

runden das Gesamtbild gelungen ab, zu

dem auch eine skulpturale Stahltreppe zählt, welche

die begrünte Dachterrasse erschließt, sowie maßgefertigte

Fensterlösungen. Die Oberflächen sind aber

nicht nur funktional gedacht, sie transportieren auch

Handwerk, Präzision und Dauerhaftigkeit – vom großmaßstäblichen

Ausdruck bis ins kleinste Detail.

Von wegen elitär

Aus Nutzungssicht bietet das Clubhaus neben den

klassischen Vereinsräumen auch öffentlich zugängliche

Bereiche wie ein Café, eine Terrasse, Umkleiden,

sanitäre Einrichtungen und Lagerräume. Über eine

breite Freitreppe öffnet sich das Gebäude zum Macharovo-Platz,

während im Osten eine erweiterte Café-Terrasse

das soziale Leben des Viertels bereichert

– von Tennisspielen bis zur beliebten Pétanque-Runde.

So wird aus einem funktionalen Vereinsgebäude

ein städtischer Treffpunkt, der Sport, Gemeinschaft

und Architektur zusammenführt.

Das neue Clubhaus in Ořechovka ist damit weit mehr

als nur Infrastruktur. Es zeigt, wie durch eine durchdachte

Materialwahl, handwerkliche Qualität und architektonische

Detailarbeit ein Ort entstehen kann,

der Sport, Nachbarschaft und den städtebaulichen

Kontext gleichermaßen stärkt. Ein Stück zeitgenössischer

Architektur, das Leichtigkeit und Beständigkeit

in Balance bringt.


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22

Magazin

Rückzugsort

In Brixen, hat das Atelier bergmeisterwolf einen ehemaligen Hühnerstall zu einem

intimen Rückzugsort transformiert. Das Projekt mit dem Titel „In der Mauer“

versteht sich als Weiterbauen, als sensibler Eingriff in den Bestand, der Umbau,

Ergänzung und Umnutzung miteinander verbindet.

Fotos: Gustav Willeit

Der Entwurf folgt einer Haltung des behutsamen

Ergänzens. Die massiven Steinmauern wurden gereinigt,

restauriert und in ihrer ursprünglichen Haptik

belassen. Nur in den Leibungen und Übergängen

erfolgten subtile Ergänzungen. Vorhandene Öffnungen

blieben erhalten, einzelne Ausschnitte wurden

minimal erweitert. So entsteht ein neues Ganzes, das

die Spuren der Vergangenheit sichtbar macht und

gleichzeitig eine zeitgenössische Identität erhält.

Die neue Architekturschicht zeichnet sich durch

handwerkliche Zurückhaltung aus. Das Dach des

kleinen Volumens löst sich konstruktiv von der Mauer

und scheint über dem Stein zu schweben. In den

Zwischenräumen eröffnen sich neue Blickbezüge,

die Leichtigkeit vermitteln. Bekleidet wird das Dach

mit geschweißten, unbehandelten Aluminiumplatten

– ein handwerklicher Kontrapunkt zur Materialität

des Bestands.


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23

Magazin

Im Inneren wurde eine OSB-Box eingesetzt und in einem

leichten Rosa lackiert. Diese „Schachtel“ organisiert den

kompakten Raum von 15 Quadratmetern: Sie ist Bett,

Schrank, Täfelung, Küche und Bad zugleich. Eine durchlaufende

Schnittlinie verleiht dem kleinen Raum Struktur

und Offenheit, wodurch ein wandelbarer, in sich ruhender

Raumkörper entsteht. Die neu positionierte, schwarz

pigmentierte Betontreppe bindet das Volumen in die Topografie

ein und führt den Rückzugsort ins Freie. Subtile

Farbakzente – wie die grün lackierte Regenrinne oder rote

Tür- und Fensterrahmen – bilden feine Kontraste zur Mauer

und verdichten das Gesamtbild zu einer neuen Identität.


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24

Magazin

Ein hölzernes Refugium

Im pulsierenden Levontin-Viertel von Tel Aviv, in einem der markantesten Art-Déco-Gebäude

der Stadt, haben Baranowitz + Kronenberg ein 47 m² großes Apartment

neu interpretiert. Das Projekt „Getting Set for Another Working Day in

Nature“ verbindet Wohnen und Arbeiten in einem kompakten Raumkonzept, das

Ruhe, Klarheit und eine subtile Naturverbundenheit ausstrahlt.

Fotos: Amit Geron

Das Apartment, konzipiert als Arbeits- und Lebensraum

zugleich, zeichnet sich durch eine konsequente

Materialität aus: Douglasienholz prägt als durchgängiges

Element den gesamten Innenraum. Mit seiner warmen

Farbigkeit und der lebhaften Maserung schafft

das Holz eine Atmosphäre der Geborgenheit, die zugleich

Inspiration für konzentrierte Arbeitsphasen liefert.

Der umfassende Einsatz eines einzigen Materials

hätte leicht monoton wirken können, doch Baranowitz

+ Kronenberg erzielen das Gegenteil. Sie inszenieren

das Holz als lebendige Bühne für subtile Details. Helle

Nuancen, fließende Übergänge und raffinierte Akzente

schaffen ein perfektes Gleichgewicht zwischen visueller

Ruhe und spannenden Entdeckungen.


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25

Magazin

Der Grundriss folgt einer L-förmigen Anordnung,

in der die Zonen für Wohnen, Schlafen und Arbeiten

organisch ineinander übergehen. Obwohl jeder

Bereich funktional klar definiert ist, verschmelzen

sie zu einem harmonischen Gesamterlebnis. Diese

durchdachte Raumdramaturgie unterstreicht den

Anspruch des Studios, die Grenzen des klassischen

Wohnens auszuloten. Jeder Quadratmeter wird optimal

genutzt, ohne dass der Entwurf seine Leichtigkeit

einbüßt. So beweist das kleine Apartment eindrücklich,

dass Verdichtung und Lebensqualität sich

nicht ausschließen müssen – im Gegenteil: Gerade

die Begrenzung der Fläche wurde hier zum Motor des

kreativen Prozesses.

Wozu die Wärme

beim Fenster

rauspumpen?

Wärmepumpen sind eine sinnvolle Lösung –

aber nur mit guter Dämmung wirklich effizient.

Hochwertige EPS- und XPS-Dämmplatten von

Austrotherm verhindern Wärmeverluste und sparen

bares Geld. Eine umfassende thermische Sanierung

hilft, Heizkosten um bis zu 80 % zu senken und schont

zugleich das Klima dank reduzierter CO₂-Emissionen.

Für eine lebenswerte Zukunft – heute und für

kommende Generationen.

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Andreas Jäger

Klimaexperte

Klara

Installationslehre

SANIEREN

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PROFITIEREN


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26

Magazin

Kunst wird Raum

Seit 2005 initiiert und begleitet BIG ART, eine Initiative der Bundesimmobiliengesellschaft

(BIG), Kunstprojekte, die Architektur und Kunst in Bildungs- und Verwaltungsbauten

miteinander verbinden. Das Ziel besteht darin, Räume zu bereichern,

zum Dialog anzuregen und neue Perspektiven zu eröffnen – insbesondere

für Schüler:innen, Studierende und Besucher:innen öffentlicher Einrichtungen.

Text: Linda Pezzei

Knitterobjekt von Esther Stocker am MedCampus Graz

© David Schreyer


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27

Magazin

Portal von Peter Sandbichler am

Agnes-Heller-Haus der Uni Innsbruck

© David Schreyer

Das BIG ART-Team agiert gemeinsam mit einem im

Jahr 2005 gegründeten Fachbeirat als Qualitätssicherung

– von der Projektidee über Wettbewerbe bis zur

Umsetzung. So ist eine Sammlung von mehreren tausend

Kunstwerken entstanden, die nicht nur Fassaden

und den Stadtraum umfasst, sondern auch kulturelle

Identität und gesellschaftliche Öffnung fördert. Vier

exemplarische Projekte der vergangenen zwei Jahrzehnte

zeigen, wie vielfältig Kunst am Bau heute interpretiert

werden kann.

Mit ihrem Knitterobjekt setzt Esther Stocker am Med

Campus Graz ein starkes Zeichen. Die knapp vier Meter

hohe, kugelähnliche Skulptur aus einer Aluminium-

Innenkonstruktion und einer bedruckten Vinylplane

lebt vom Spiel aus Geometrie, Faltung und Irritation.

Ihre geknitterte Oberfläche mit schwarzen Quadraten

auf weißem Grund erzeugt ein Spannungsfeld zwischen

strenger Ordnung und spontaner Störung.

Peter Sandbichler markiert in Innsbruck den Eingang

des Agnes-Heller-Hauses mit seinem monumentalen

Portal. Aus 200 pyramidenförmigen Betonelementen

gefaltet, verwandelt sein 120 m² großes, dreidimensionales

Relief den Eingangsbereich in eine räumliche

Erfahrung zwischen digitaler Präzision und handwerklicher

Finesse.

Anna Artaker wählt an der Universitätsbibliothek

Graz einen gänzlich anderen Zugang: Mit „Perspectiva

Practica” überträgt sie ein Renaissance-Motiv aus

Jean Du Breuils Traktat von 1642 in monumentaler

Sgraffito-Technik auf die Untersicht eines Bibliothekszubaus.

Das rund 500 m² große Werk wird zum Sinnbild

für Wissenschaft und Erkenntnis.

Gerold Tagwerker zeigt in Bregenz mit „Olivetti”, wie

stark Kunst durch Partizipation wirken kann. Er entwickelte

farbige Sitzstufen für die Schulhöfe des

Gymnasiums Gallusstraße, deren Gestaltungsideen in

Workshops gemeinsam mit Schüler:innen erarbeitet

wurden. Drei ausgewählte Entwürfe aus 48 Vorschlägen

wurden realisiert.

Dass hinter diesen Projekten nicht nur künstlerische

Handschriften, sondern auch ein klarer Prozess und

viel Kommunikation stehen, erläutert Regina Barta,

Leiterin von BIG ART, im Gespräch.

u

© Günter R. Wettw

BIG ART

Kunst als Teil des Ensembles

BIG ART ist das Kunstprogramm der Bundesimmobiliengesellschaft.

In Zusammenarbeit mit Künstler:innen,

Architekt:innen und Nutzer:innen entstehen künstlerische

Interventionen für Schulen, Universitäten und

Verwaltungsgebäude. Ein Fachbeirat garantiert dabei

hohe Qualität und einen nachhaltigen Dialog zwischen

Kunst und Bau. Das Team betreut eine Sammlung von

mehreren tausend Werken aus unterschiedlichen Epochen

als kulturelles Erbe.

OLIVETTI von Gerold Tagwerker am Gymnasium Gallusstraße in Bregenz


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28

Magazin

Frau Barta, wie hat sich Ihre Arbeitsweise

im Laufe der Jahre verändert?

Wir haben uns in Bezug auf Abläufe, Kommunikation

und Wettbewerbsabwicklung

erheblich professionalisiert. Unser Selbstbewusstsein

hat sich verändert. Anfangs mussten

wir noch überzeugen, dass künstlerische

Gestaltung einen großen Mehrwert bringt.

Mittlerweile geht die Initiative oft von Projektmanager:innen

oder Architekt:innen aus.

Für mich ist ein Kunstwerk dann gelungen,

wenn es untrennbar mit dem Ort verbunden

ist – wenn ich es nach Jahren noch gern anschaue,

weil es zu mir spricht.

Wie gelingt der komplexe Auswahlprozess?

Am wichtigsten ist die Kommunikation zu

Beginn: Trotz aller Unterschiede muss es

möglich sein, eine gemeinsame Vision zu

entwickeln. Wir geben allen Projektpartner:innen

die Möglichkeit, ihre Wünsche zu

äußern und sich wertgeschätzt zu fühlen.

Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist die Zusammenarbeit

mit unserem Fachbeirat, der aus

fünf Expert:innen für Kunst & Bau besteht

und hohe Professionalität und Vermittlungskompetenz

einbringt.

Welche Rolle spielen Kontext und

Alltagstauglichkeit?

Bereits im Wettbewerb geben wir Teilnehmer:innen

die Möglichkeit, sich intensiv mit

Architektur und Nutzung auseinanderzusetzen.

Alltagstauglichkeit und Dauerhaftigkeit

hinterfragen wir bereits während der Entwurfspräsentationen.

Da es sich um öffentliche

Gebäude handelt, müssen die Kunstwerke

im schulischen oder universitären Alltag

bestehen können.

Wie schaffen wir Spielräume

für starke Konzepte?

Wir versuchen, möglichst wenig einzuschränken.

Wichtig ist, dass alle eine gemeinsame

Vision haben, aber noch kein fertiges Bild

im Kopf. Unsere Geschäftsführung steht voll

hinter dem Programm. Interessant ist, dass

oft gerade die Entwürfe, die die Rahmenbedingungen

ausreizen, am stärksten sind. Die

besten Projekte sind häufig diejenigen, die

wir uns selbst nicht vorstellen konnten.

Welche Projekte bleiben besonders

in Erinnerung?

Der „Walk of Insects“ von Edgar Honetschläger

an der BOKU Wien war ein besonderer

Prozess, der mit dem Ankauf und der Widmung

eines Waldgrundstücks als „Non-Human-Zone“

einherging. Auch „Perspectiva

Practica“ war interessant: Trotz anfänglicher

Skepsis gegenüber der historischen Sgraffito-Technik

kann sich heute niemand das

Gebäude ohne diese Intervention vorstellen.

Bei „Olivetti“ hatten die Nutzer:innen

die Chance, eigene Gestaltungsvisionen zu

entwickeln, und alle Entwürfe wurden durch

eine Ausstellung wertgeschätzt.

Damit wird deutlich: BIG ART versteht Kunst

als integralen Bestandteil öffentlicher Bauten

– ein Anspruch, den das Programm seit

20 Jahren konsequent verfolgt.


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29

Magazin

Gegen das Vergessen

Mitten in Lyon, unweit des Bahnhofs

Perrache – Ausgangspunkt zahlreicher

Deportationszüge während der NS-Zeit

wurde im Frühjahr das Shoah-Mahnmal

„The Rails of Memory“ eröffnet. Das von

Quentin Blaising und Alicia Borchardt

entworfene Projekt ist das Ergebnis

von zwanzig Jahren Engagement der

„Association pour l’édification d’un Mémorial

de la Shoah à Lyon“, unterstützt

von ehemaligen Deportierten und Überlebenden

von Auschwitz.

Hervorgegangen aus einem internationalen

Wettbewerb mit 96 Beiträgen aus 25 Ländern,

überzeugt das Bauwerk durch seine

radikale Symbolik: 1.173 Meter ineinander

verschlungene Stahlgleise verweisen auf die

1.173 Kilometer, die Lyon von Auschwitz-Birkenau

trennen. Schienen, Schwellen und

Schotter – die Materialien der Deportationen

– bilden eine architektonische Sprache von

großer Eindringlichkeit.

Doch das Mahnmal ist mehr als eine Gedenkstätte

für die sechs Millionen ermordeten

Jüdinnen und Juden, darunter 6.100

Opfer aus der Region Rhône-Alpes. Es ist

auch ein Ort der Vermittlung: Sitzbänke mit

QR-Codes eröffnen Besucher:innen digitale

Zugänge zu historischen Informationen und

zur Geschichte der Initiative.

The Rails of Memory verbindet Vergangenheit

und Zukunft, Trauer und Verantwortung.

Als architektonisches Manifest der Erinnerung

lässt es Geschichte erfahrbar werden

und bewahrt die Stille der Schienen als mahnende

Stimme gegen das Vergessen.

FÜR EINE NACHHALTIG

GEBAUTE ZUKUNFT

Universalzement

CO 2

-reduziert

Universalzement für alle gängigen

empfohlenen Betonsorten.*

1509-CSC24-2024-U

* Das entspricht einer Reduktion bei einem Umstieg von CEM II/B auf CEM II/C von mehr als 20 kg CO 2

/m 3

bzw. von knapp 40 kg CO 2

/m 3 bei CEM I als Vergleichsbasis [bei jeweils 300 kg anr. Bindemittel/m³ Beton].

ECOPlanet ROT - CEM II/C-M(S-LL) ist seit 15. April 2025 für die folgenden Expositionsklassen

(Umweltklassen) zugelassen: X0, XC1, XC2, XC3, XC4, XW1, XW2, XD1, XD2, XD3, XF1, XF2, XF3, XF4, XA1L, XA2L.

Der Einsatz für die Herstellung von Beton der Kurzbezeichnungen B1 bis inklusive B12 ist damit möglich.

holcim.at


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Wettbewerbe & Awards

Baukulturpreis der

HYPO VORARLBERG 2025

In Zusammenarbeit mit dem vai Vorarlberger Architektur Institut zeichnete die

Hypo Vorarlberg im April einmal mehr herausragende Bauprojekte in der Region aus.

Gebäude sind mehr als bloße Hüllen.

Sie schaffen Räume für Begegnung,

Teilhabe und das Miteinander.

Räume beeinflussen unser Klima,

unsere Umgebung und unsere Lebensqualität.

Verantwortungsvolle

Architektur ist daher zentrale Aufgabe

unserer Zeit.

Mit diesem Anspruch startete die

Jury in die Sichtung der fast hundert

Einreichungen für den Baukulturpreis

der Hypo Vorarlberg 2025. Die

Jurymitglieder des Baukulturpreises

2025 – Angelika Fitz, Direktorin des

Architekturzentrums Wien, Stephan

Birk, Lehrstuhl für Architektur und

Holzbau an der Technischen Universität

München sowie Sandra Gnigler,

Architektin und Lehrbeauftragte an

der Kunstuniversität Linz – zeigten

sich beeindruckt von der Dichte qualitätsvoller

Bauten in Vorarlberg und

vom sichtbaren Engagement der Planer,

Bauherren und Nutzer. Besonders

hervorzuheben sind die 16 Projekte,

die im Rahmen der zweitägigen

Juryreise vor Ort besichtigt wurden.

Aus dieser Auswahl prämierten die

Experten vier Hauptpreise und vier

Anerkennungen, die als richtungsweisende

Beispiele für eine verantwortungsvolle

Baukultur stehen.

Alle Einreichungen zum Baukulturpreis

der Hypo Vorarlberg 2025:

baukulturpreis.hypovbg.at.

Preisträger

Bildungscampus Nüziders

Bauherrschaft:

Gemeinde Nüziders

Architektur:

Fink Thurnher Architekten,

Bregenz

fink-thurnher.at

Die Volksschule gilt als Geburtsstunde

der Architektengemeinschaft

C4. 2004 wurde das Gebäude nach

Entwürfen von Bruno Spagolla erweitert.

Heute entsprechen die älteren

Schultrakte nicht mehr den pädagogischen

Anforderungen. Die Architekten

schlugen vor, die Kindergartennutzung

in den historischen

Trakt zu verlegen und die neuen

Klassenzimmer für die Volksschule

im Erweiterungsbau unterzubringen.

So entstand ein moderner Bildungscampus,

ohne funktionale Abstriche

und ohne Verletzung des Bestands.

Jurymitglied Angelika Fitz

Foto: Hanno Mackowitz


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Wettbewerbe & Awards

Preisträger

Foto: Adolf Bereuter

DENK.WERK.STATT

Bauherrschaft:

Georg Bechter

Architektur:

Georg Bechter, Hittisau

bechter.eu

Das Projekt zeigt auf eindrucksvolle

Weise, wie durch eine gekonnte

Transformation einer einst agrarisch

geprägten Struktur ein inspirierender

Arbeitsort entstehen kann, der

sowohl den Bedürfnissen eines Architekturbüros

als auch einer Leuchtenmanufaktur

gerecht wird. Die

Verwendung lokaler, ökologischer

Materialien wie Stroh, Lehm und

Schafwolle überzeugt und ermöglicht

eine Bauweise, die weitgehend

kreislauffähig ist. Der geschliffene

Stampflehmboden, der eine hohe ästhetische

Qualität besitzt, betont die

handwerkliche Sorgfalt, mit der das

Gebäude umgestaltet wurde.

Jurymitglied Stephan Birk

u

Architektonische Qualität und

ökologische Verantwortung

© Michael Nussbaumer

„Nachhaltige Architektur ist für uns

Ausdruck von Verantwortung für die

Menschen, für die Umwelt und für

die Zukunft. Mit dem Baukulturpreis

möchten wir jene Projekte sichtbar

machen, die diesen Anspruch mit

Leben füllen.“

Klimawandel, knappe Ressourcen

und ein steigender Bedarf an Wohnraum

– angesichts dieser Herausforderungen

ist es essenziell, dass

Bauprojekte nicht nur funktional

und ästhetisch überzeugen, sondern

auch nachhaltige Lösungen in den

Mittelpunkt stellen.

Als starker Partner im Immobilienbereich

fördern wir als Bank bereits

seit 1987 aktiv den Diskurs über den

bewussten Umgang mit Ressourcen,

energieeffiziente Bauweisen

und eine harmonische Integration in

bestehende Strukturen. In Zusammenarbeit

mit dem vai Vorarlberger

Architekturinstitut wollen wir eine

Plattform für innovative Ideen bieten

und diese auszeichnen.

Der Baukulturpreis 2025 würdigt einmal

mehr herausragende architektonische

Beispiele, die diesbezüglich

eine Vorreiterrolle übernehmen und

Inspiration für zukünftige Projekte

sind. Sie zeigen eindrucksvoll, wie

nachhaltiges Bauen zur Lebensqualität

und Identität einer Region beitragen

kann, und beweisen, dass hohe

architektonische Qualität und ökologische

Verantwortung keine Gegensätze

sind, sondern gemeinsam eine

zukunftsweisende Bauweise formen.

Video Baukulturpreis

der Hypo

Vorarlberg 2025

Mag. Michel Haller, Vorstandsvorsitzender

Hypo Vorarlberg


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Wettbewerbe & Awards

Preisträger

Wohnen am Bergäcker

Fotos: Gustav Willeit

Bauherrschaft:

SWIETELSKY Baugesellschaft

Architektur:

Bernardo Bader Architekten,

Bregenz

Freiraumplanung: LandRise

bernardobader.com

Auf dem Grundstück verteilen sich

34 Einheiten auf vier stark gegliederte

Baukörper, die mit ihren Vorund

Rücksprüngen viel Privatheit

ermöglichen, während der zentrale

Hof zur ungezwungenen Gemeinschaft

einlädt. Dabei überzeugt die

Freiraumplanung mit einem differenzierten,

aber nicht zu kleinteiligen

Bepflanzungskonzept, Holzpodeste

offerieren sich für beiläufige Treffen

und farbenfrohe Hecken bilden

keine Barriere. Ein städtebauliches,

architektonisches und freiraumplanerisches

Vorzeigeprojekt, das den

gemeinschaftlichen Wohnbau in

ländlichen Regionen beflügeln soll.

Jurymitglied Angelika Fitz

Foto: Gustav Willeit

Inmitten des historischen Stadtkerns

von Hohenems erstreckt sich das

Quartier „Säge“, eine der ursprünglichsten

Siedlungsstrukturen der

Stadt. Der realisierte Wohnungsbau

auf dem Grundstück der ehemaligen

Wagnerei setzt einen sorgfältigen

zugleich richtungsweisenden

Akzent. Das Gebäude bewahrt die

Atmosphäre des Quartiers, indem es

auf traditionelle Bauformen Bezug

nimmt und diese in zeitgemäßer Architektursprache

weiterentwickelt.

Jurymitglied Stephan Birk

Preisträger

Wohnen im Quartier Säge

Bauherrschaft:

Schadenbauer Projekt- und

Quartiersentwicklung

Architektur:

Ludescher + Lutz Architekten,

Bregenz

ludescherlutz.at


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Anerkennung

Bildungszentrum

Frastanz Hofen

Bauherrschaft:

Marktgemeinde Frastanz

Architektur:

Pedevilla Architekten, Bozen

pedevilla.info

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Wettbewerbe & Awards

Foto: Gustav Willeit

Anerkennung

Galgentobelbrücke

Bauherrschaft:

Stadt Bludenz

Architektur:

Marte.Marte Architekten,

Feldkirch

marte-marte.com

Foto: Marc Lins

Anerkennung

Fuchsegg Eco Lodge

Bauherrschaft:

Fuchsegg GmbH

Architektur:

Ludescher + Lutz Architekten,

Bregenz

ludescherlutz.at

Foto: Günter Standl

Anerkennung

Kriechere 70

Bauherrschaft:

Baugemeinschaft Berchtel –

Innauer – Matt

Architektur:

Innauer Matt Architekten,

Bezau

innauer-matt.com

Foto: Adolf Bereuter


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Wettbewerbe & Awards

Foto: Pano © Wien 3420

Eine Stadt für die Zukunft

Bauträgerwettbewerb Quartier Seecarré

aspern Seestadt, Bauplätze F9b und F10

aspern Seestadt in Wien-Donau stadt ist zu mehr als einem Drittel entwickelt. Nachdem vor mehr

als zehn Jahren das erste Quartier entstand und das dritte Quartier „Am Seebogen“ fast fertiggestellt

ist, entsteht mit dem Seecarré ein neues Quartier am Nordwestufer des asperner Sees. Das

Quartier Seecarré, eine Mischung aus geförderten und freifinanzierten Wohnungen mit Fokus auf

eine generationenfreundliche und soziale Stadt, kreislauffähiges Bauen und Klimawandelanpassung,

soll leistbaren Wohnraum mit hoher Lebensqualität bieten.

AUSSCHREIBUNG

Auftraggeber

Wien 3420 aspern Development AG, Wien

in Kooperation mit dem wohnfonds_wien,

fonds für wohnbau und stadterneuerung,

Wien

Verfahrensorganisator

IMPLAN Technisches Büro für Raumplanung,

Trausdorf; DI Astrid Hergovich

Art des Verfahrens

Je Bauplatz ein einstufiger, nicht anonymer,

öffentlicher Bauträgerwettbewerb

Gegenstand des Wettbewerbs

Zwei Bauplätze im Quartier „Seecarré“ in

der Seestadt Nord im 22. Wiener Gemeindebezirk

Donaustadt. Auf diesen ist die

Errichtung von geförderten Wohnbauten

vorgesehen.

Beurteilungskriterien

4-Säulen-Modell: Ökonomie, Soziale Nachhaltigkeit,

Architektur und Ökologie

Preisgericht (ohne Titel)

Rudolf Scheuvens (Vorsitzender), Lina

Streeruwitz (Stv. Vorsitzende), Katharina

Bayer, Alexander Gluttig, Peter Hinterkörner,

Kurt Hofstetter, Bernhard Lipp,

Bernadette Luger, Gabriele Plank, Gregor

Puscher, Isolde Rajek, Klaus Wolfinger

Preisgerichtssitzung

15/16..05.2025


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Wettbewerbe & Awards

Gesund und fit

Im Zuge des Bauträgerwettbewerbs für Wohnbauprojekte

auf sieben Bauplätzen und einer Ausschreibung

für eine Hochgarage war für die beiden von der Wien

3420 aspern Development AG gemeinsam mit dem

wohnfonds_wien ausgelobten Bauplätze F9b und F10

die Realisierung von kostengünstigem, qualitätsvollem,

innovativem und ökologisch nachhaltigem, gefördertem

Wohnbau gefordert. Es waren Wohnformen zu entwickeln,

die auf die speziellen Bedürfnisse einer gesund

und fit älterwerdenden Bevölkerung abgestimmt sind.

Der Bauträgerwettbewerb ist Teil der Wohnbauoffensive

2024+ der Stadt Wien.

aspern klimafit

Klimaschutz und Ressourcenschonung: Zentraler Anspruch

des Standards „aspern klimafit“ ist die Bereitstellung

von Gebäuden und Quartieren, die im Jahr

2040 den Anforderungen einer treibhausgasneutralen

Wirtschaftsweise entsprechen. Für das Quartier Seecarré

ist eine intelligente, baufeldübergreifende Energieversorgung

geplant.

Klimaresilienz: Der „Urban-Heat- Island“-Effekt bewirkt

bereits jetzt eine spürbare Verschärfung der sommerlichen

thermischen Belastungen im Außenraum wie auch

in den Gebäuden selbst. Die städtebaulichen Leitbilder

weisen quantative Vorgaben für Begrünung sowie Regelwerke

für bauplatzspezfische Klimaanpassungsmaßnahmen

auf, welche mittels begleitender mikroklimatischer

Simulationen erarbeitet wurden. Zudem formuliert

„aspern klimafit“ Qualitätskriterien zum effektiven sommerlichen

thermischen Komfort für Gebäude.

© Beckhoff © Beckhoff

© Beckhoff © Beckhoff

An der Grünen Saite

Sieger des Wettbewerbs für den Bauplatz F9b wurde

die Wohnbauvereinigung GFW Gemeinnützige GmbH

(WBV-GFW) gemeinsam mit der Architektin Sne Veselinović

und der Idealice Landschaftsarchitektur ZT. Der

Bauplatz hat eine Größe von 4.087 m² und ist der östliche

Teil des Baufeldes F9. Der Bauplatz grenzt im Osten

an die Ost-West-Verbindung „Grüne Saite“.

Westlich davon liegt der Bauplatz F10 mit einer Größe

von 9.075 m², der im Südosten an die Promenade am

Seeufer grenzt. Gewonnen haben den Wettbewerb für

den Bauplatz F10 die Bauträger Neues Leben und Schönere

Zukunft mit den Architekturbüros G.O.Y.A. und WuP

sowie DnD Landschaftsplanung.

u


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Wettbewerbe & Awards

Miteinander

Lebensqualität

schaffen

Robert Grüneis, seit 2023 Vorstand der Wien 3420 aspern Development AG, ist

für die Bereiche Produktentwicklung, Liegenschaftsverwaltung, Infrastruktur und

Beteiligungen verantwortlich. Der Experte für Energie und Smart Cities über das

bisher Erreichte und die Zukunft von aspern Seestadt in Wien.

© wien 3420 Foto: Luiza Puiu

Herr Grüneis, die Seestadt gilt als eines der

größten Stadtentwicklungsprojekte Europas.

Welche Bilanz ziehen Sie nach über

zehn Jahren Entwicklung?

Grüneis: Beinahe die Hälfte der Projektentwicklungen

sind erledigt. Die Seestadt hat

mittlerweile 12.000 Einwohner. In Umfragen

zur Wohnzufriedenheit haben wir bisher

immer sehr gute Ergebnisse erreicht. Das

Wesentliche aber: Wir haben von Quartier

zu Quartier gelernt. Das braucht aber auch

die Reife aller Beteiligten, zu sagen, das oder

jenes hätte ich aus heutiger Sicht anders

gemacht. Man darf sich auch nicht scheuen,

das eine oder andere nachzubessern.

Was macht die Seestadt aus Ihrer Sicht

zu einem besonderen Modell für moderne

Stadtentwicklung?

Da möchte ich zwei Dinge nennen, die uns

besonders gut gelungen sind: die Baulogistik

– es geht uns ja nicht nur um architektonisch

einwandfreie Gebäude, sondern

auch darum, den Stadtteil umsichtig zu entwickeln,

indem man beispielsweise vorhandenes

Baumaterial einsetzt, wie etwa den

Aushub des Sees. Aktuell wird eine Berufsschule

errichtet, das größte Bauvorhaben

in der Seestadt. Der Aushub davon wird in

einem Betonmischwerk am Gelände aufbereitet.

Das erspart unzählige Transporte in

die und aus der Seestadt. Unser Massenmanagement

ist sicher richtungsweisend in der

Projektentwicklung.

Das zweite ist aspern klimafit, ein Standard

für ökologisches, ökonomisches und energieoptimiertes

Bauen. Hier haben wir auch

gelernt, dass die eine oder andere Anforderung

zu unflexibel war, wie etwa die Vorgabe,

wieviel Photovoltaik auf einem Gebäude

sein muss. Mit klimafit 2.0 haben wir Ausgleichskriterien

für eine optimierte Gebäudenutzung

definiert. Wesentlich ist, dass

jedes Quartier im Rahmen einer Quartierswerkstatt

entwickelt wird, wo gemeinsam

mit den Bauträgern bauplatzübergreifend

gedacht und auch die Freiraumplanung abgestimmt

wird.

Wir wollen erhöhte Lebensqualität erreichen,

einen Lebensraum, wo ich mich im

Freien aufhalten kann, der nicht mit Autos

zugeparkt ist. Ich möchte auch mit meinen

Nachbarn vor der Haustüre reden können.

Das bedarf einer anderen Freiraumplanung,

die mit den Bauträgern abgestimmt wird,

und hohe Planungsgenauigkeit. Wir berücksichtigen

auch die Entschleunigung des

motorisierten Verkehrs, mit dem Ziel, eine

angenehme Lebensatmosphäre zu schaffen.

Welche Rolle spielen Grün- und

Freiräume im Seecarré?

Die Grüne Saite, eine Art Spielstraße, die

sich im Norden vom Yella-Hertzka-Park bis

zum Elinor-Ostrom-Park zieht, soll zum Verweilen

einladen. Die Verantwortung dafür

wird nicht nur bei der öffentlichen Hand liegen,

sondern auch bei den Bauträgern, weil

die grüne Saite direkt an die Gründstücke

anschließt und die offenen Innenhöfe quasi

ihre Erweiterung sind. In den Quartierswerkstätten

haben wir in den letzten Jahren

gelernt, wie man miteinander neue Lebenswelten

gestaltet. Die Bauträger sind gewillt,

mitzumachen.

Welche städtebaulichen Visionen stecken

noch hinter der Quartiersentwicklung im

Seecarré?

Bei der Mobilität wollen wir mit dem Sammelgaragensystem,

Citylogistik und der

Förderung der aktiven Mobilität den moto-

risierten Individualverkehr auf 15 Prozent

reduzieren. Im öffentlichen Raum wird es

keine Dauerparker, dafür Zonen zum Anliefern

und für die Bedürfnisse körperlich behinderter

Menschen geben.

Was ist in puncto Nachhaltigkeit und klimagerechtem

Wohnbau bei diesem Quartier

geplant?

Wir forcieren ein quartiersübergreifendes

Energienetz mit Luftwärme- und Grundwasserwärmepumpensystemen

und Tiefenbohrungen,

zu dem die Bauträger mit der Wien

Energie in Gesprächen sind, mit dem Ziel,

dass nicht jedes Haus eine eigene Heizanlage

hat.

Welche Prinzipien kamen bei den

Bauträgerwettbewerben zum Tragen?

Das Prinzip, gesund und fit älter zu werden,

wie man seine Freizeit aktiv gestalten kann,

etwa mit zusätzlichen Bewegungsräumen

oder Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen,

die die Bauträger zur Verfügung stellen.

Beim Klimaschutz waren auch bauliche

Aspekte der Hitzevermeidung im Gebäude

eine Vorgabe, etwa durch Beschattung.

Welcher Nutzungsmix ist für das

See carré geplant?

20 Prozent der vermietbaren Nutzfläche

über Bodenniveau sind für Nicht-Wohnnutzungen

reserviert, für gewerbliche und

soziale Infrastruktur.

Die Zukunft der Seestadt?

Wir haben viel erreicht, aber noch nicht das

Ende der Fahnenstange. Wenn die Stadtstraße

in Betrieb geht und die Spange zwischen

West- und Osteinfahrt fertiggestellt

ist, dann kann laut unseren UVP-Auflagen

weitergebaut werden. An den Seeterrassen

im Nordosten entsteht dann die Waterfront

mit den Arkadengängen von Lil-y am See

und dem Pier05. Allein dort werden wir rund

1.500 Quadratmeter Lokalflächen schaffen,

was der Seestadt einen weiteren Schub in

Richtung Lebensqualität gibt.


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37

Wettbewerbe & Awards

Blick auf Ateliers und Impulsraum

Bauplatz 9b

Projekt F9b-5

„Nadia & Simone“

Bauträger: WBV GFW

Architektur: Sne Veselinović

Freiraum: Idealice

Soziale Nachhaltigkeit:

Wohnbund:Consult

Aus der Jurybeurteilung

Städtebau und Architektur

Das Projekt ‚Nadia & Simone – Wohnen

in Bewegung‘ orientiert sich, mit

drei Bauteilen auf einem verbindenden

Sockel, in seiner städtebaulichen

Setzung weitgehend an den Vorgaben

des Leitbildes und setzt diese

überzeugend um. Die Hochpunkte

und Zäsuren sind präzise gesetzt

und generieren ein identitätsstiftendes,

gut integriertes Ensemble aus

drei charakteristischen Gebäuden,

dem Atelierhaus, Impulshaus und

Turnhaus. Positiv aufgenommen

wird das vielversprechende Angebot

eines Turnparadieses für Jung und

Alt. Im südlichen Durchgang bildet

der Impulsraum einen attraktiven u

Erdgeschoß

Erdgeschoß

Schnitt 1-1

Südfassade Schnitt 2-2


architektur FACHMAGAZIN

38

Wettbewerbe Wettbewerbe & Awards

Lebenswert wohnen:

Mehr als ein Motto

Die Wohnbauvereinigung GFW Gemeinnützige GmbH wurde 1956 gegründet und

steht seitdem für leistbaren und sozial verantwortungsvollen Wohnraum. Heute ist

die GFW ein wichtiger Teil des ÖSW Konzern und in Wien, NÖ sowie dem Burgenland

aktiv. Geschäftsführer Helmut Kubasta erklärt, wie das Unternehmen Wohnen

neu denkt und welche Akzente es dabei setzt.

Bauplatz 9b „Nadia & Simone“ –

Blick auf Gemeinschaftsraum / Stadtloggia

Die Wohnbauvereinigung GFW Gemeinnützige

GmbH (WBV-GFW) ist seit vielen

Jahren ein wichtiger Akteur im gemeinnützigen

Wohnbau. Was zeichnet Ihr Unternehmen

aus?

Für uns bedeutet Wohnen mehr als ein Dach

über dem Kopf. Wir schaffen Wohnraum, der

für möglichst viele Menschen leistbar bleibt

und gleichzeitig hohen qualitativen Ansprüchen

genügt. Dabei geht es nicht allein um

Architektur und Bauweise, sondern auch um

die Frage, wie wir Nachbarschaften gestalten

und soziale Strukturen stärken können.

Dieses Verständnis prägt unsere Projekte

von der ersten Idee bis zur Betreuung.

Mit dem Projekt „Nadia & Simone“ hat die

GFW zuletzt den Bauträgerwettbewerb in

der Seestadt gewonnen. Was macht dieses

Projekt so besonders?

„Nadia & Simone“ ist für uns ein Meilenstein.

Bis 2028 entstehen 89 geförderte Mietwohnungen,

die wir mit einem Schwerpunkt auf

Bewegung und Gesundheit kombinieren.

Das Projekt umfasst drei Häuser, die durch

Grünflächen, Gemeinschaftsterrassen und

Dachterrassen miteinander verbunden sind.

Ein zentrales Element bildet das „Turnparadies

Seecarré“, das wir gemeinsam mit dem

Turnverein Seestadt entwickelt haben. Auf

rund 1.200 m² entsteht dort ein dauerhaftes

und niederschwellig nutzbares Bewegungsangebot,

das in Wien in dieser Form einzigartig

ist und weit über das Quartier hinaus

ausstrahlen wird.

Welche Rolle spielt dabei die

soziale Ausrichtung der GFW?

Eine sehr große. Neben klassischem Wohnraum

setzen wir auf innovative Wohnformen.

Ein Beispiel ist das CoLiving-Modell

„Solidarisch Wohnen mit Kindern“. Hier leben

Alleinerziehende, Familien, Singles und

ältere Menschen in einem unterstützenden

Umfeld zusammen. Zusätzlich entstehen

betreute Wohnungen für Menschen mit Behinderung

und Housing-First-Wohnungen in

Kooperation mit sozialen Trägern.

Nachhaltigkeit ist ein weiterer Schwerpunkt

des Projekts. Was bedeutet das konkret?

Helmut Kubasta, Geschäftsführer WBV GFW

Wir denken langfristig und bauen mit Blick

auf kommende Generationen. „Nadia & Simone“

entsteht etwa in ressourcenschonender

Holzhybridbauweise, mit Dach- und

Fassadenbegrünungen sowie naturnahen

Freiräumen. So schaffen wir einzigartige

Wohnqualität und leisten gleichzeitig einen

Beitrag zum Klimaschutz.

Wohin entwickelt sich die GFW als Teil des

ÖSW-Konzerns in den kommenden Jahren?

Wir wollen uns weiterhin für innovativen, sozialen

und ökologisch verantwortungsvollen

Wohnbau einsetzen. Die Herausforderungen

sind groß – vom Klimawandel bis zu gesellschaftlichen

Veränderungen. Wohnraum

neu zu denken und Projekte zu schaffen, die

den Bewohner:innen einen echten Mehrwert

bringen, ist unsere Aufgabe.

© WBV GFW


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39

Wettbewerbe & Awards

Bauplatz 9b „Nadia & Simone“ – Blick vom „Grünen Hochregal“ in den Wohnhof

1. Obergeschoss 2. Obergeschoss Wohnungstypen

u Ankerpunkt für das Quartier, das

Freistellen des Raumes in Breite und

Höhe kann jedoch noch nicht gänzlich

überzeugen. Die architektonische

Strukturierung der Baukörper

und die helle, natürliche Farb- und

Materialgestaltung der Fassaden ist

sehr gut gelungen und schafft eine

angenehm leichte und lebendige

Erscheinung, die durch textilen Sonnenschutz

aus Markisetten und Vorhängen

unterstrichen wird. Die einheitliche

Material- und Farbgebung

bindet das Ensemble zusammen,

während ein differenzierter Umgang

mit Balkonen und Öffnungen den

eigenständigen Charakter der Bauteile

subtil herausarbeitet. Der Sockel

des Turnhauses ist über einen

begrünten Gesimsetrog und einen

Materialwechsel klar abgesetzt. Die

übrigen Sockelfassaden sind in Holz

gehalten und begrünt. Für die Konstruktion

wird ein Stahlbetonskelettbau

mit vorgefertigten Holzriegelaußenwänden

vorgeschlagen und gut

nachvollziehbar in die Grundrissgestaltung

integriert. Alle Trennwände

sind nicht tragend, was Flexibilität

über den Lebenszyklus ermöglicht.

Das Projekt bietet ein sehr gutes und

vielfältiges Wohnangebot für Familien,

Alleinerziehende, Angebote

wie Housing First und Einheiten für

Wohnen und Arbeiten. Annähernd

alle Wohnungen sind zweiseitig belichtet

und belüftet. Die gezeigten

Grundrisstypen zeigen Variabilität

und weisen durchgehend eine hohe

Wohnqualität auf.

Freiraum

Sport und Fitness stehen im Mittelpunkt

des Freiraumes, der durch die

städtebauliche Setzung der Baukörper

eine großzügige Dimension

erhält. Die einfache räumliche Strukturierung

betont vor allem die Mitte,

die vorrangig vom Kleinkinderspiel

vereinnahmt wird.

Soziale Nachhaltigkeit

Das Projekt überzeugt aus Sicht der

sozialen Nachhaltigkeit. Eine große

Gemeinschaftsterrasse bietet

darüber hinaus Raum für Begegnung,

Spiel und Garteln. Im Kontext

der Quartiersentwicklung wird das

„Turnparadies“ als ein in der Seestadt

dringend benötigtes Angebot

angesehen.


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40

Wettbewerbe & Awards

Bauplatz 10 „Fit für Morgen“ – Schnitt B-B

Fit für Morgen: Wohnraum

mit Verantwortung gestalten

Ein Zuhause ist mehr als ein Ort zum Wohnen – es ist die Basis für Lebensqualität,

Sicherheit und Miteinander. Neues Leben versteht Bauen als Verantwortung für die

Gesellschaft und als Chance, das Morgen aktiv zu gestalten. Mit dem Projekt „Fit

für Morgen“ im Quartier Seecarré zeigen wir, wie aus gemeinschaftlichen Werten

zukunftsfähige Lebensräume entstehen.

Seit 75 Jahren steht die Gemeinnützige

Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft

Neues Leben für die Schaffung von leistbarem

und qualitätsvollem Wohnraum.

Was einst mit dem Ziel begann, Menschen

Sicherheit zu geben, ist heute ein umfassender

Auftrag: Wohnraum so zu gestalten,

dass er vielfältige Lebensentwürfe unterstützt

und den gesellschaftlichen Zusammenhalt

stärkt.

Austausch und Begegnung

„Fit für Morgen“ im Quartier Seecarré knüpft

daran an. Das Projekt bietet nicht nur Wohnungen,

sondern schafft ein Umfeld, das

Begegnung, Austausch und gegenseitige

Unterstützung ermöglicht. Unterschiedliche

Wohnformen – für Familien, Alleinerziehende,

Studierende oder ältere Menschen

– machen Vielfalt selbstverständlich. Gemeinschaftsräume,

Treffpunkte und offene

Strukturen sorgen dafür, dass die Bewohnerinnen

und Bewohner ihr Lebensumfeld

aktiv mitgestalten können.

Besonders prägend ist die Bauweise.

Langlebige, ökologische Materialien wie

Holz, Ziegel und Lehm schaffen ein gesundes

Raumklima und leisten einen wichtigen

Beitrag zum Klimaschutz. Die Konstruktion

ist bewusst einfach und flexibel geplant,

damit Wohnungen sich an veränderte Lebenssituationen

anpassen können – von

der jungen Familie bis zur altersgerechten

Betreuung. Wiederverwendbare Bauelemente

und ressourcenschonende Fertigung

zeigen, wie Kreislaufwirtschaft im Bauwesen

praktisch umgesetzt werden kann.

Auch das Energiekonzept verbindet Alltagstauglichkeit

und Nachhaltigkeit. Geothermie,

Balkonkraftwerke und natürliche

Belüftungssysteme reduzieren den Energieverbrauch

und machen Klimaverantwortung

im Alltag spürbar. So entsteht ein Quartier,

das den Herausforderungen des Klimawandels

aktiv begegnet.

Prok. DI Ivan Blagojevic,

Leiter der Technik Neubau

Menschenrecht Wohnen

Unsere Arbeit folgt dem Grundsatz: Wohnen

ist ein Menschenrecht. Daraus ergibt sich

die Aufgabe, Orte zu schaffen, die leistbar,

zukunftsfähig und sozial inklusiv sind. Projekte

wie „Fit für Morgen“ zeigen, dass gemeinnütziger

Wohnbau nicht nur Wohnraum

bereitstellt, sondern Baukultur weiterentwickelt

– hin zu einer Architektur, die Verantwortung

übernimmt und das Leben in der

Stadt bereichert. Das 75-jährige Bestehen

von Neues Leben verstehen wir dabei nicht

als Rückschau, sondern als Fundament für

die Zukunft. Mit „Fit für Morgen“ machen wir

deutlich, wie gesellschaftliche Verantwortung,

nachhaltige Bauweise und leistbares

Wohnen zusammenfinden – für eine Stadt,

die auch in den kommenden Jahrzehnten

lebenswert bleibt.

© Neues Leben


architektur FACHMAGAZIN

41

Wettbewerbe & Awards

Bauplatz 10

Projekt F10-3

„Fit für Morgen“

Bauträger: Neues Leben/

Schönere Zukunft

Architektur: G.O.Y.A. / WuP

Freiraum: DND

Soziale Nachhaltigkeit: Caritas

Stadtteilarbeit

Aus der Jurybeurteilung

Städtebau und Architektur

Das Projekt übersetzt das städtebauliche

Leitbild in ein Ensemble dreier

unterschiedlicher Gebäudetypen.

Der schlanke „Solitär“ im Nordwesten

betont seine besondere Stellung

im Quartier mit einer freien Grundrissgeometrie,

Ausrichtung nach

allen Seiten und eigenständiger Gestaltungssprache.

Die differenzierten

Gebäudehöhen lassen in Verbindung

mit dem geringsten Versiegelungsgrad

angenehm proportionierte Freiräume

entstehen. Was den Entwurf

auszeichnet, ist die – trotz Ähnlichkeit

der Grundbausteine – differen-

zierte Haltung und Gestaltung zu

den unterschiedlichen umgebenden

Stadträumen, aber auch zum Hof.

Der Auftritt an der Seepromenade

überzeugt gestalterisch durch die

Proportionen zwischen Hochpunkten

und Sockel, der Gestaltung des

Tiefenreliefs sowie eine gewisse

Leichtigkeit des dem Baukörper vorgestellten

„Balkon-Regals“.

Auch Proportionen und Gestaltung

des „Solitärs“ werden sehr positiv

gesehen. Kritisch hinterfragt werden

die zum Hof durchgesteckten Eingangsbereiche

in der Mitte der drei

Haupthäuser, die mit besserer Durchlüftung

argumentiert werden. Zwar

wird das Potenzial, hier identitätsstiftende

Entrées zu gestalten, anerkannt;

die Raumproportionen, die

zum Teil versteckte Lage der Hauseingänge

wie auch die Positionierung

der Radabstellräume weisen allerdings

noch Verbesserungspotenzial

auf. Das Projekt zeichnet sich durch

sehr flexibel nutzbare Wohnungsgrundrisse

aus. Dazu trägt auch eine

überdurchschnittliche Raumhöhe u

Erdgeschoß

Schnitt B-B

Schnitt A-A


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FACHMAGAZIN

42

Wettbewerbe Wettbewerbe & Awards

Bauplatz 10 „Fit für Morgen“ – Ansicht Ost

Fit für Morgen: Nachhaltiges

Bauen trifft soziale Vielfalt

Wie auf Baufeld F10 im Quartier Seecarré ökologische Verantwortung und urbane Gemeinschaft ineinandergreifen

Wohnen am Puls der Zeit – das ist unsere

Philosophie. Seit 1952 bauen wir – die Gemeinnützige

Wohn- und Siedlungsgesellschaft

Schönere Zukunft – auf Gemeinnützigkeit.

Es ist unser Bestreben, leistbares

Wohnen zu ermöglichen, hohe Qualität, Familienorientierung

und regionale Verwurzelung

zu bieten.

Das Projekt

Im Quartier Seecarré in Wien-Aspern entsteht

mit „Fit für Morgen“ ein Stadtbaustein,

der zeigt, wie ökologisches Bauen, architektonische

Flexibilität und soziale Vielfalt

zusammenspielen können. Bis 2029 soll auf

Baufeld F10 gemeinsam mit der Gemeinnützigen

Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft

„Neues Leben“ ein Ensemble

mit über 200 Wohnungen, Gewerbeflächen,

einem Gesundheitszentrum und vielfältigen

Gemeinschaftsangeboten realisiert werden

– ein Modellprojekt, das Klimaschutz und

Nachbarschaftskultur gleichermaßen in den

Mittelpunkt rückt.

Architektonisch folgt das Projekt einer klaren

Grundidee: Drei Geschwisterhäuser definieren

den Blockrand, ergänzt durch den

markanten Solitär am Quartiersplatz und

das „Haus der vielen Möglichkeiten“. Im

Zentrum liegt ein durchlässiger Superhof,

dessen Plaudertaschen und offene Hauseingänge

nicht nur das Mikroklima verbessern,

sondern auch soziale Begegnungen

fördern. So wird ökologische Verantwortung

unmittelbar mit städtischer Lebendigkeit

verknüpft.

Die Bauweise selbst ist ein Statement für

Kreislaufwirtschaft. Massivholzdecken,

monolithische Ziegelwände ohne Zusatzdämmung

und Lehmbauplatten schaffen

ein gesundes Raumklima und sind zugleich

sortenrein trennbar. Schraubverbindungen

statt Kleben sichern Wiederverwendbarkeit,

ein digitaler Zwilling dokumentiert den

Materialeinsatz für künftige Nutzung. Auch

die Energieversorgung folgt einem Low-

Tech-Prinzip: Photovoltaik auf Dächern und

Balkonen, Abluftnutzung durch Wärmepumpen

und leicht austauschbare Niedertemperaturradiatoren

machen Energieeffizienz

greifbar – bis hin zum wohnungsbezogenen

„Balkonkraftwerk“, das Stromproduktion

sichtbar und erlebbar macht.

Parallel dazu wird soziale Nachhaltigkeit

großgeschrieben. Flexible Grundrisse ermöglichen

Anpassungen an unterschiedliche

Lebensphasen – von Familien über

Geschäftsführer Dr. Emanuel Obentraut (li.)

DI Stefan Haertl

Alleinerziehende bis zu Wohngruppen

für Jung und Alt. Gemeinschaftsräume,

Dachterrassen und das „Haus der vielen

Möglichkeiten“ mit Plusräumen für Nachbarschaftsinitiativen

schaffen Orte für Austausch

und Teilhabe. Der Solitär bietet Platz

für Co-Working, Gemeinschaftswohnen und

einen Generationenklub im Erdgeschoss,

wodurch die Verzahnung von Wohnen, Arbeiten,

Sport/Fitness und Freizeit gelingt.

„Fit für Morgen“ zeigt, dass ökologisches

Bauen weit mehr ist als die Wahl von Materialien.

Entscheidend ist die Kombination

mit einer flexiblen, sozial getragenen Architektur,

die Menschen in allen Lebenslagen

Raum bietet. So entsteht auf Baufeld F10 ein

zukunftsfähiges Quartier, das Klimaresilienz,

Ressourcenschonung und urbane Gemeinschaft

intelligent miteinander verbindet.

© Johannes Brunnbauer


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43

Wettbewerbe & Awards

Bauplatz 10 „Fit für Morgen“

2. Obergeschoss 4. Obergeschoss

Wohnungstypen

u von zumeist 2,80 m bei. Das Bemühen

um viele übereck oder zweiseitig

belichtete und belüftete Wohnungen

wird ausdrücklich gewürdigt - ebenso

wie das Bemühen um ei behagliches

Wohnklima.

Freiraum

Das Projekt verbindet gekonnt die

unterschiedlichen Zonen und Nutzungen.

Die Durchwegung lässt einen

großen zusammenhängenden

Grünbereich, das „Klima-Aktiv-Wäldchen“,

entstehen. Dieses ist gleichzeitig

ein beschatteter Spielbereich.

Soziale Nachhaltigkeit

Generell ist der Ansatz, das Projekt

aus der Wohnung heraus zu

entwickeln, sehr nachvollziehbar

dargelegt. Auch das Angebot der

verschiebbaren Wände in etwa einem

Drittel der Wohnungen wird

positiv bewertet. Das gute Angebot

für verschiedene Zielgruppen reicht

von „Wohnen mit Kindern“ in Stockwerksgemeinschaften

mit direktem

Zugang zu Dach terrassen bis hin zu

gemeinschaftlichem Wohnen und

„echten WGs“.


architektur FACHMAGAZIN

44

Wettbewerbe & Awards

Überzeugende Setzung

Generalplanerwettbewerb Zubau und Generalsanierung der Volksschule am Standort 1210 Wien, Dunantgasse 2

Gegenstand des Wettbewerbs war

die Erlangung eines Lösungsvorschlages

für einen Zubau und eine

Generalsanierung der bestehenden

Henry Dunant Volksschule, die

die Funktionen einer allgemeinen

Pflichtschule mit schulischer Tagesbetreuung

sowie einer allgemeinen

Pflichtschule für Sonder- und Inklusiv-Pädagogik

(SIP) erfüllen soll.

Das Raum- und Funktionsprogramm

sieht eine 21-klassige Erweiterung

Auslober

Stadt Wien – Schulen (MA 56), v. d.

WIP Wiener Infrastruktur Projekt GmbH

Verfahrensorganisation

DI Herbert Liske - Ingenieurkonsulent für

Raumplanung und Raumordnung, Baden

Art des Verfahrens

EU-weiter, offener, einstufiger Realisierungswettbewerb

im Oberschwellenbereich zur

Vergabe von Generalplanerleistungen

Preisgericht (ohne Titel)

Fachpreisrichter: Sascha Bradic, Hristina

AUSSCHREIBUNG

(davon 12 SIP-Klassen) als Ergänzung

zur bestehenden Volksschule

vor. Die Gesamtklassenanzahl inklusive

Zubau soll künftig 33 Bildungsräume

betragen.

Aus der Jurybeurteilung

Die Setzung an die Dunantgasse mit

eingeschnittenem Vorplatz, der als

Haupteingang dient, wirkt überzeugend.

Die Gliederung der Baumassen,

die der Bebauung in der Umgebung

Hristova, Regina Gschwendtner (WIP)

Sachpreisrichter: Michaela Rebel-Burget

(MA56), Franziska Graber (WIP)

Preisträger, Preisgeld

1. Preis (€ 53.029,00):

Silbermayr Welzl Architekten ZT GmbH

2. Preis (€ 42.424,00):

PPAG architects zt gmbh

3. Preis (€ 31.820,00):

ARGE Florian Haim/

Laurenz Vogel Architekten

Preisgerichtssitzung

24./25. Juni 2025

folgen, sowie die Erschließung und

Anbindung an die örtlichen Gegebenheiten

ist gut gelöst. Die Umsetzung

des räumlich-pädagogischen

Konzeptes sowie die Situierung der

einzelnen Funktionsbereiche sind gelungen.

Die Eingangshalle bekommt

mehr Raumhöhe, die Blickbeziehungen

und die horizontalen und vertikalen

Verbindungen sind optimal positioniert

und ermöglichen eine sehr

gute Orientierung.

Die Positionierung des Mehrzwecksaals

und Essbereiches im Bestand

mit direktem Bezug zum Garten

wird besonders gewürdigt. Der Bestandsklassentrakt

wird optimal und

sorgsam eingebunden. Durch den

geplanten Abstand zur bestehenden

Struktur als Luftraum im 1. OG

geht das Projekt sorgsam mit dem

Bestand um und bildet interessante

Raumkonstellationen. Das Gesamtbild

wirkt ausgewogen und für die

Nutzung der Bildungseinrichtung

entsprechend gut gelöst.


Ruheinsel

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Lernlandschaften

Das Projekt

Die Henry Dunant Volksschule im

21. Wiener Bezirk wird künftig teilweise

abgerissen, generalsaniert und um

einen Zubau erweitert. Das Projekt

sieht ein kompaktes Gebäude westlich

des Bestandsgebäudes vor. Der

Zubau gliedert sich in zwei klar strukturierte,

rechteckige Baukörper. Entlang

der Dunantgasse wird ein großzügiger

Schulvorplatz freigehalten,

der sich zwischen den beiden Baukörpern

öffnet. Die Höhenentwicklung

der Baukörper folgt einer gestaffelten

Abtreppung hin zum Schulgarten.

Diese Staffelung der Baukörper

übernimmt somit die Maßstäblichkeit

der umliegenden Bebauung auf und

schafft zugleich qualitätsvolle, nutzbare

Freiflächen. Auf allen Ebenen

entstehen terrassierte Freibereiche

mit Ausrichtung zum Schulgarten.

Über den Haupteingang gelangt

man in die Aula, die zwischen Neubau

und Bestandsgebäude liegt und

das Herzstück der Schule bildet.

Eine Sitzstufenanlage lädt zum Verweilen

ein und schafft einen zentra-

45

len Treffpunkt für die Schülerinnen

und Schüler. Alle Bildungsbereiche

sind im Clustersystem organisiert

und daher vollständig im Neubau

untergebracht. Im Bestandsgebäude

sowie in den Zwischenzonen zwischen

den Bildungsbereichen befinden

sich allgemeine Funktionen wie

Verwaltung und Sonderunterricht.

Die einheitliche räumliche Struktur

der Unterrichts-Cluster gewährleistet

eine hohe Flexibilität für zukünftige

Nutzungen. Die Unterrichtsbereiche

sind nach dem Cluster-Prinzip

als „Lernlandschaften“ gestaltet.

Das Büro

Die Silbermayr Welzl Architekten

ZT GmbH wurde 2015 in Wien gegründet.

Die Zusammenarbeit reicht

jedoch weiter zurück und basiert

auf langjähriger Erfahrung sowie

zahlreichen gemeinsamen Projekten.

Diese Grundlage ermöglicht es uns,

Vorhaben in unterschiedlichsten

Maßstäben und Kategorien umzusetzen.

Unsere Entwürfe zeichnen

Wettbewerbe & Awards

Guido Welzl (Gründungspartner), Felix Silbermayr, Geschäftsführer

sich durch eine klare Formensprache

aus, wobei jedes architektonische

Element – von Innenausstattung bis

zum technischen Detail und Außenbild

– bewusst gestaltet wird, um ein

stimmiges und harmonisches Gesamtbild

zu schaffen.

Wir streben eine Architektur an, in

der Materialien und Ästhetik mit

funktionalen Anforderungen und

nachhaltigem Bauen in Einklang gebracht

werden.

silbermayrwelzl.at

EG

SIP Terrasse

Dunantgasse

Ruheinsel

Kunst-

Rasenplatz

Verbindung

öffentlicher Park

EXTERNE

SPORT

Ballspielplatz

Spielgeräte

Garten-WC

Mehrfachnutzung

SAAL

ESSBEREICH

CLUSTER 4

THERAPIE

KÜCHE

THERAPIE

HAUPTEINGANG

Inklusiver Spielplatz

Spielplatz Bestand

Jedleseer Straße

Biologiegarten

ANLIEFERUNG


architektur FACHMAGAZIN

46

Material & Oberfläche

Zwischen Schatten

und Patina

Museum Bezau / Vorarlberg / Innauer Matt Architekten

Text: Linda Pezzei Fotos: Dominic Kummer

Das Museum Bezau in Vorarlberg steht exemplarisch

für den sensiblen Umgang mit Material, Oberfläche

und Licht in der Architektur. Der Umbau und

die Erweiterung durch Innauer Matt Architekten

demonstrieren, wie Tradition und Moderne, handwerkliche

Qualität und sinnliche Erfahrung ein

kohärentes Zusammenspiel bilden – bis ins Detail

und in jedem Bauteil spürbar.


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47

Innauer Matt Architekten

Ein Raum voller Geschichte.

Das Museum Bezau ist ein Haus mit vielen Leben.

Ursprünglich im 16. Jahrhundert erbaut, diente es

im Laufe der Jahrhunderte als Wohnhaus, Sennerei,

Feuerwehrhaus und Archiv. In seinen fast schwarz

gealterten, dunklen Räumen spiegeln sich kollektive

Erinnerungen ebenso wie die Baukultur des Bregenzerwaldes

wider. „Der Bestand ist selbst ein Exponat“,

betont Sven Matt, Partner bei Innauer Matt Architekten.

„Es war uns wichtig, diese Materialgeschichte

sichtbar zu halten und zugleich eine zeitgemäße Museumsarchitektur

zu entwickeln.“

Mit ihrem Eingriff knüpfen die Architekten an eine

historische Leerstelle an: den im 20. Jahrhundert

verlorenen Stalltrakt. Durch den Neubau wird die ursprüngliche

Typologie des Einhofs mit Vorder- und

Hinterhaus wiederhergestellt. So bleibt der Charakter

des Ensembles gewahrt und es entstehen gleichzeitig

neue Räume für Empfang, Veranstaltungen

und Wechselausstellungen.

u


architektur FACHMAGAZIN

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Material & Oberfläche

Authentizität mit „Twist“

Holz ist das prägende Material und verbindet Alt und

Neu auf subtile Weise. Der Erweiterungsbau zeigt

sich außen in sägerauem, unbehandeltem Fichtenholz.

Durch Sonne, Wind und Regen wird es nachdunkeln,

bis es sich der Patina des Bestands angleicht.

Innen hingegen eröffnet das weiß gekalkte Täfer einen

hellen, beinahe ätherischen Kontrast. Der Kalk

verweist auf eine alte bäuerliche Praxis – einst wurden

Ställe regelmäßig gekalkt – und transformiert sie

zu einer musealen Qualität.

Die Besucher:innen erleben somit ein Wechselspiel

aus gedeckten, nachgedunkelten Bestandsstuben

und lichten, beinah entrückten Neubauräumen. Der

bewusste Kontrast zwischen Licht und Schatten ist

zentral für die Atmosphäre. „Dieser Dialog fasziniert

uns“, sagt Matt. Böden aus massiver Fichte und Möbel

aus naturbelassener Esche ergänzen das Materialgefüge.

Im Untergeschoss tritt geschliffener Beton

als kühler Kontrast hinzu.


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49

Innauer Matt Architekten

Die Oberfläche als Teil der Erfahrung

Die Architekten verstehen die Oberfläche aber nicht

als bloßes Finish, sondern als Ausdruck der Materialgeschichte.

Sichtbare Fugen, Risse, Lüftungsbohrungen

oder die feine Fügung der Holzschalung sollen

so zu einer sinnlichen Erfahrung werden. Jedes Detail

ist Teil der Erzählung – bis hin zu den Ausstellungsmöbeln,

die als Hommage an die Ofenstangen

alter Stuben entwickelt wurden.

Entscheidend ist auch die Rolle des Lichts: Während

das Vorderhaus mit seinen kleinen Butzenfenstern

introvertiert bleibt, setzten die Architekten im Neubau

auf eine bewusste Choreografie der Lichtführung.

Motorisch gesteuerte Dachfenster lassen das

Tageslicht von oben einfallen. Holzroste filtern es

blendfrei und lenken es an die gekalkten Holzoberflächen,

wo es weich reflektiert wird. Dadurch entstehen

Räume, die in sanftes, diffuses Licht getaucht

sind, in denen Tradition und Moderne atmosphärisch

verschmelzen.

u

Das Foyer des Museums Bezau verbindet

helles, kalkgefasstes Holz mit der dunklen

Patina des Bestands und setzt Materialgeschichte

und Licht gezielt in Szene.


architektur FACHMAGAZIN

50

Material & Oberfläche

Die Lichtchoreografie: Architektur als Bühne.

Besonders eindrucksvoll ist die Inszenierung des

Lichts. Jedes Geschoss folgt dabei einer eigenen Logik:

Im Erdgeschoss strömt das Licht seitlich ein, im

Obergeschoss fällt es durch Dachöffnungen ein und

im Dachgeschoss lenken Giebelfenster den Blick ins

Dorf. Diese Abfolge erzeugt eine nahezu musikalische

Dramaturgie und macht den Rundgang zu einer

Choreografie aus Licht und Schatten.

Damit erfüllt das Museum eine größere architektonische

Aussage: Es zeigt, wie sich mit einfachen, regionalen

Materialien, dem Wissen um Alterung und der

bewussten Führung von Tageslicht eine Architektur

schaffen lässt, die nicht auf spektakuläre Gesten angewiesen

ist, sondern ihre Kraft in der alltäglichen

Schlichtheit entfaltet.

Sanft gefiltertes Tageslicht

und helle, gekalkte Holzflächen

verleihen den Ausstellungsräumen

des Museums

Bezau eine lichte, fast ätherische

Atmosphäre.


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Innauer Matt Architekten

Ausgezeichnet beim

VELUX Architekturwettbewerb

2025: Das Museum

Bezau überzeugt emit

seiner präzisen Lichtführung

und Materialkultur.

Handwerk und Atmosphäre

Das Projekt ist – wie so oft im Bregenzerwald – auch

ein Manifest regionaler Handwerkskultur. Von der

Planung bis zur Umsetzung erfolgte eine enge Zusammenarbeit

mit lokalen Betrieben – egal, ob es

dabei um die Zimmerei und das Schindelhandwerk

oder die Tischler und Schmiede ging. Viele Details

wurden direkt auf der Baustelle gemeinsam entwickelt.

„Es geht um gegenseitige Wertschätzung der

Fähigkeiten“, erklärt Matt. „Ohne die Kooperation der

Handwerkenden wäre dieses Projekt in dieser Qualität

nicht möglich gewesen.“

So wird das Museum nicht nur zum Speicher lokaler

Geschichte, sondern auch zum Ausdruck zeitgenössischer

Baukultur im Bregenzerwald. Dauerhaftigkeit

und Atmosphäre verbinden sich in einem architektonischen

Ensemble, das sowohl sinnlich erfahrbar als

auch funktional flexibel bleibt.

u


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52

Material & Oberfläche

Patina und Kalk im Dialog: Dunkle Stuben

und helle Ausstellungsräume bilden eine

atmosphärische Spannungsachse.

3 Fragen an Sven Matt

Wie nähert man sich einem Umbau, der eine lange

Geschichte zwischen Feuerwehrhaus, Sennerei und

Archiv trägt?

Wir wollten das Museum nicht neu erfinden, sondern

seine Geschichte weiterschreiben. Die bestehende

Substanz war für uns kein Hindernis, sondern ein

Schatz. Es ging darum, Spuren sichtbar zu lassen

und gleichzeitig neue Räume für heutige Nutzungen

zu eröffnen.

Welche Rolle spielen Material und Oberfläche

für die Atmosphäre?

Holz war für uns gesetzt – als traditionelles, regionales

Material, das zugleich viele Spielarten zulässt.

Wir haben uns für unbehandeltes Fichtenholz entschieden,

das mit der Zeit nachdunkeln wird. Im Inneren

kontrastieren wir es mit weiß gekalktem Täfer,

wodurch die Räume hell und museal neutral erscheinen.

So entstehen verschiedene Schichten von Zeit

und Licht.

Was kann das Museum Bezau über den Umgang

mit Materialien in der Architektur erzählen?

Es zeigt, dass der Bestand den Takt vorgibt. Wenn

man seine Materialität ernst nimmt, ergeben sich Logik

und Atmosphäre fast von selbst. Mit regionalen,

natürlichen Baustoffen und einer bewussten Oberflächenbehandlung

lassen sich zeitgenössische Räume

schaffen, die sich in den Kontext fügen und dennoch

eine eigene Sprache sprechen.


www.architektur-online.com

53

Innauer Matt Architekten

DG

Nord

Süd

OG

Ost

EG

Museum Bezau

Bezau, Österreich

Bauherr:

Planung:

Team:

Statik:

Dachflächenfenster:

Museumsverein Bezau

Innauer Matt Architekten

Sandra Violand (PL), Tobias Franz

merz kley partner GmbH

VELUX

Grundstücksfläche: 561 m²

Bebaute Fläche:

232 m² (Bestand + Neubau)

Nutzfläche:

273 m² (Neubau)

Planungsbeginn: 2018

Bauzeit: September 2022

Fertigstellung: April 2024

www.innauer-matt.com

© Christian Anwander

„Wir haben einen selbstverständlichen Bezug zu

Holz, denn wir sind im Bregenzerwald damit aufgewachsen:

mit den geschindelten Häusern, ihren

Innenräumen und dem sie umgebenden Wald. Aufgrund

dieser Erfahrungen und seiner Vielseitigkeit

schätzen wir es sehr, was Holz in seiner Stofflichkeit

zum Ausdruck bringt.“

Markus Innauer & Sven Matt


architektur FACHMAGAZIN

54

Material & Oberfläche

Auf das

Wesentliche

reduziert

Rathaus Trofa / Trofa, Portugal / NOARQ

Text: Edina Obermoser Fotos: Duccio Malagamba


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55

NOARQ

Mit dem neuen Rathaus von Trofa revitalisierte das Büro NOARQ ein ehemaliges

Industriegebäude im Norden von Portugal. Rund um einen bestehenden Trakt legten

die Architekten den Fokus auf unterschiedliche Materialien, Techniken und Technologien.

Das Ergebnis ist ein kontrastreicher Bau zwischen Alt und Neu, der auf das

Wesentliche beschränkt mit seiner langlebigen, energieeffizienten und pflegeleichten

Gestaltung überzeugt.

Über 25 Jahre lang waren die verschiedenen Institutionen

in Trofa quer über die 40.000-Einwohner-Stadt

verstreut. Mit dem Umbau und der Erweiterung einer

industriellen Brache im Süden des Zentrums sollte

sich dieser Zustand in der nördlichen Metropolregion

von Porto endlich ändern und Trofa ein repräsentatives

Verwaltungsgebäude erhalten. Im Zuge dessen

wurde 2016 ein Wettbewerb ausgerufen. Den Ausgangspunkt

für das Projekt bildete mit der Indústria

Alimentar Trofense eine alte Getreideverarbeitungsanlage.

Diese erstreckte sich entlang einer stillgelegten

Eisenbahnlinie auf einem 6.200 m 2 großen

Grundstück mit 28 m Breite und 200 m Länge. Der

alte Industriekomplex setzte sich aus einer Reihe von

Baukörpern zusammen. Bei den meisten von ihnen

handelte es sich nur noch um leere Hüllen mit maroden

Außenwänden und Dächern. Während sich viele

der ausgehöhlten Hallen aus technischen und funktionalen

Gründen nicht weiternutzen ließen, entwickelte

das Planerteam von NOARQ einen Entwurf, der den

einstigen Haupttrakt des Ensembles zum Herzstück

des Revitalisierungsprojekts macht – und setzte sich

damit gegen die anderen Vorschläge durch. u


architektur FACHMAGAZIN

56

Material & Oberfläche

Erhalten und erweitert

Der erhaltene Gebäudeteil befindet sich im Zentrum

des länglichen Bauplatzes und teilt diesen in einen

nördlichen und einen südlichen Bereich. Neben seinen

charakteristischen Lochfassaden mit Bogenfenstern

zeichnet den Bestand eine offene Dachkonstruktion

aus Holz aus. Im ersten Schritt wurde

die Struktur zurückgebaut, vereinfacht und diverse

Anbauten entfernt. Um alle Funktionen in dem künftigen

Rathaus unterbringen zu können, fügten die

Architekten schließlich mehrere, geradlinige Volumen

hinzu. Die neuen Elemente legen sich mit unterschiedlichen

Höhen rund um den ehemaligen Haupttrakt.

Sie erstrecken sich bis ins Untergeschoss und

heben sich sowohl in der Kubatur als auch in ihrer Gestaltung

klar von dem Industriebau ab. Unregelmäßig

gesetzte Fensteröffnungen, Vor- und Rücksprünge

sowie ein Wechsel aus offenen und geschlossenen

Bereichen lockern das neue Rathaus auf allen Etagen

auf. Auf diese Weise strukturierte das portugiesische

Architekturbüro das Ensemble sanft und nahm ihm

zugleich an Monumentalität.

Das äußere Erscheinungsbild wird von den

dunklen Ziegeln der Vormauerschale geprägt.

Den einzigen Kontrast bildet die Fassade des

revitalisierten Bestands mit ihrer grauen, feinkörnigen

Putzoberfläche und weißen Faschen.


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57

NOARQ

Bedachte Materialwahl

Bei der Gestaltung des neuen Rathauses ließen

sich die Architekten vom Bestand inspirieren – und

beschränkten sich bei sämtlichen Entwurfsentscheidungen

stets auf das Wesentliche. Zunächst

untersuchten sie den Untergrund der alten Kalkputzwände,

die sich nach jahrelangem Leerstand und

mangelnder Wartung in keinem guten Zustand befanden.

Auf Basis dieser Analysen suchte man dann

nach einem kompatiblen Material, das nicht nur Rissen

entgegenwirken, sondern auch zementfrei und

ohne auffällige Farben sein sollte. Anstatt die Spuren

der Zeit zu überdecken, wollte NOARQ die Fassaden

des Industriebaus authentisch gestalten und das

Handwerk in den Fokus rücken. In Zusammenarbeit

mit der Firma Sto fiel die Entscheidung schließlich

auf ein organisches, feinkörniges Putzsystem. Dieses

kombiniert ein dehnfähiges Unterputzsystem

mit einem gefilzten Oberputz (Stolit Milano) mit einer

Lasur (StoColor Sil Lasura). Letztere sorgt dank

Wischtechnik für das gewünschte, unregelmäßige Finish

und hebt den bestehenden Trakt in hellem Grau

vom übrigen Ensemble ab.

u


architektur FACHMAGAZIN

58

Material & Oberfläche

Kontrast zwischen Alt und Neu

Auch bei den neuen Gebäudeteilen standen die Widerstandsfähigkeit

und Energieeffizienz der Materialien

und Bautechniken im Vordergrund. Sämtliche

Werkstoffe sollten in erster Linie ressourcenschonend,

wirtschaftlich und einfach zu warten sein.

Um das begrenzte Budget zu schonen und auch die

Kosten für die Instandhaltung zu minimieren, fiel

die Wahl der portugiesischen Planer auf eine zweischalige

Stahlbetonkonstruktion mit einer Hülle aus

dunklem Ziegel. Die fast schwarzen Steine verleihen

dem revitalisierten Fabriksgebäude mit ihren langen,

schmalen Formaten ein modernes Aussehen und

betonen den Kontrast zwischen den alten und neuen

Teilen des Komplexes noch stärker. Wie auch die

Putzfassaden verändern die dunklen, in Ziegel gekleideten

Ansichten das Erscheinungsbild im Laufe

der Zeit möglichst wenig und tragen weiter zur Nachhaltigkeit

des Rathauses bei.

Die Innenräume erscheinen dank raumhohen

Verglasungen, Oberlichtern und mehrgeschossigen

Bereichen großzügig und lichtdurchflutet.

Sichtbeton und Holzelemente bestimmen das

gesamte Design.


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59

NOARQ

Die interne Organisation

Die Organisation des dreigeschossigen Komplexes

folgt dem Vorbild einer griechischen Agora. Wie ein

zentraler Marktplatz sollte das Haus nicht nur der

Stadtverwaltung dienen, sondern als Gemeinschaftsort

auch den Einwohnern gehören. Formal gliedert

sich der Grundriss in drei Streifen, die sich über die

gesamte Länge des Gebäudes erstrecken: An der

westlichen Längsseite erweitern überdachte Bereiche

den öffentlichen Raum bis nach drinnen, bevor

Besucher im zentralen Bestandstrakt in die repräsentative

Lobby gelangen. Das Foyer ist mit einer

eindrucksvollen Doppeltreppe ausgestattet, welche

zu den einzelnen Ebenen führt. Im dahinterliegenden

Mittelteil befinden sich die Servicebereiche des

Verwaltungsbaus. Den Abschluss bilden die Erschließungsflächen

für die Mitarbeiter. Sie sind entlang der

Ostfassade angeordnet. Während das Eingangsniveau

den unterschiedlichen Bürgerservices vorbehalten

ist, setzen sich die Räume der Beratungsdienste

im ersten Stock fort. Im obersten Geschoss sind die

Büros der politischen Vertreter untergebracht, die

das Raumprogramm komplettieren.

u


architektur FACHMAGAZIN

60

Material & Oberfläche

Helligkeit und Wärme im Inneren

Das reduzierte Designkonzept setzt sich im Inneren

des neuen Rathauses von Trofa fort, allerdings mit

einem Unterschied: Im Gegensatz zu den dunklen

Ansichten, dominiert hier die Helligkeit. Neben glatten

Sichtbetonoberflächen prägen warme Einbauten,

Verkleidungen und Untersichten aus Holz sämtliche

Bereiche. Großflächige Verglasungen bringen

reichlich Tageslicht in die Räume und ermöglichen

immer wieder Blickbeziehungen ins Freie. Mehrgeschossige

Bereiche und Lufträume unterstreichen

den hellen, offenen Charakter. Im alten Hauptgebäude

wurden bestehende Elemente saniert und

gezielt in Szene gesetzt. Ein neuer Sitzungssaal gibt

beispielsweise Einblick in das Tragwerk des alten

Satteldachs und mit ihm in die Geschichte des revitalisierten

Gebäudes.

Das offene Dachtragwerk

des Bestandsgebäudes

wurde im Zuge des Umbaus

behutsam saniert

und modernisiert. Ganz in

Weiß gestaltet, wird die

Konstruktion zum Highlight

des neuen Sitzsaals.


INDUSTRIA ALIMENTAR TROFENSE LDA

N

N

N

N

16

15

14

13

13

12

12

11

11

10

10

9

9

8

8

7

7

6

6

5

5

4

4

3

3

2

2

1

1

0

0

0

CROSS SECTION 4

1.5

CROSS SECTION 3

1.5

CROSS SECTION 1

1.5

3

3

3

www.architektur-online.com

61

NOARQ

LONGITUDINAL SECTION 1

LONGITUDINAL SECTION 1

INDUSTRIA ALIMENTAR TROFENSE LDA

LONGITUDINAL SECTION 2

0 3

6

9

LEGEND

1. HALL CENTRAL

2. HALL NOBLE

LEGEND

3. HALL PUBLIC SERVICE

1.

4.

HALL

SOUTH

CENTRAL

PAVILION

2.

5.

HALL

EMPLOYEES

NOBLE

ENTRANCE

3. HALL PUBLIC SERVICE

4. SOUTH PAVILION

5. EMPLOYEES ENTRANCE

6. CIRCULATION EMPLOYEES

7. EMPLOYEES NORTH ENTRANCE

8. TRAINING ROOM

6.

9.

CIRCULATION

EAST ENTRANCE

EMPLOYEES

7.

10.

EMPLOYEES

LIVING ROOM

NORTH ENTRANCE

8. TRAINING ROOM

9. EAST ENTRANCE

10. LIVING ROOM

11. TERRACE

12. ARCHIVE

13. NOBLE ROOM

11.

14.

TERRACE

PRESIDENCY ROOM

12.

15.

ARCHIVE

TECHNICAL AREA

13. NOBLE ROOM

14. PRESIDENCY ROOM

15. TECHNICAL AREA

FLOOR PLAN 01

FLOOR PLAN 01

0 3 6 9

0 3 6 9

LONGITUDINAL SECTION 2

LEGEND

1. HALL CENTRAL

2. HALL NOBLE

3. HALL PUBLIC SERVICE

4. SOUTH PAVILION

5. EMPLOYEES ENTRANCE

6. CIRCULATION EMPLOYEES

7. EMPLOYEES NORTH ENTRANCE

8. TRAINING ROOM

9. EAST ENTRANCE

10. LIVING ROOM

11. TERRACE

12. ARCHIVE

13. NOBLE ROOM

14. PRESIDENCY ROOM

15. TECHNICAL AREA

0 3

6

9

FLOOR PLAN 01

0 3

6

9

Rathaus Trofa

Trofa, Portugal

LEGEND

1. HALL CENTRAL

2. HALL NOBLE

3. HALL PUBLIC SERVICE

4. SOUTH PAVILION

5. EMPLOYEES ENTRANCE

Bauherr:

Planung:

Tragwerksplanung:

Hydraulik:

6. CIRCULATION EMPLOYEES

7. EMPLOYEES NORTH ENTRANCE

8. TRAINING ROOM

TGA & 9. Sicherheit:

EAST ENTRANCE

10. LIVING ROOM

Klimatechnik:

Ausführung:

Putzfassade:

Fläche: 6.232 m 2

Planungsbeginn: 2017

Baubeginn: 2019

Fertigstellung: 2023

Baukosten: 8.1 Mio. €

www.noarq.com

Gemeindeverwaltung Trofa

NOARQ – José Carlos Nunes de Oliveira

GEPEC – Afonso Serra Neves, Sérgio Cunha

GEPEC – Rossana Pereira

GPIC – Alexandre Martins, Pedro Barreira

GET – Raul Bessa, Miguel Alves

Singular & Abstracto

Sto

11. TERRACE

12. ARCHIVE

13. NOBLE ROOM

14. PRESIDENCY ROOM

15. TECHNICAL AREA

FLOOR PLAN 00

0 3

6

9

„Das Gebäude ist ausgesprochen konstruktiv, erfüllt

die Anforderungen an Integrität und Synthese

und kommt ohne Verkleidung aus. Die ursprüngliche

Konstruktion verzichtet auf jegliche Accessoires –

nur das Notwendige ist nachhaltig und gerechtfertigt.

Jedes Element ist eine strukturelle Einheit, deren

Wegfall das Ganze beeinträchtigt.“

José Carlos Nunes de Oliveira


architektur FACHMAGAZIN

62

Material & Oberfläche

Monolithische Ruhe

im Bayerischen Wald

House with two courtyards / Bad Kötzting, Deutschland / Büro Mühlbauer

Text: Linda Pezzei Fotos: Andreas Josef Mühlbauer, Mikael Olsson

Ein Haus aus einem Guss:

Mit dem „House with Two

Courtyards“ verdichtet

BÜRO MÜHLBAUER die

regionale Bautradition

des monolithischen

Bauens zu einer radikal

reduzierten Formensprache.

Beton, Holz und zwei

Gärten strukturieren

Räume und Atmosphären

und beeinflussen gezielt

die Wahrnehmung von

Oberflächen.

Am Rande der Kurstadt Bad Kötzting im Bayerischen

Wald hat das Ingolstädter Büro Mühlbauer ein Haus

realisiert, das kaum etwas mit dem touristisch geprägten

Bild des Ortes zu tun hat. Bad Kötzting gilt

als das jüngste Kneippheilbad Bayerns und verbindet

heute traditionelle Heilmethoden mit moderner Medizin.

Zwischen Gesundheitstourismus, Kurpark und

Spielbank trifft hier Ursprünglichkeit auf Stadtleben.

Vor diesem Hintergrund wirkt das „House with Two

Courtyards” wie ein Gegenentwurf: Es ist radikal reduziert,

konsequent monolithisch und hat keine äußeren

Anknüpfungspunkte. Das Gebäude verschließt

sich nach außen, öffnet sich im Inneren jedoch durch

zwei Höfe, die Licht, Natur und Atmosphäre ins Haus

holen. Während der Kurort auf sichtbare Erholung

setzt, hat Alexander Mühlbauer ein introvertiertes

Refugium entworfen, das seine Kraft aus Material

und Oberfläche schöpft und so eine stille Form der

Regeneration in Architektur übersetzt.

u


www.architektur-online.com

63

Büro Mühlbauer


architektur FACHMAGAZIN

64

Material & Oberfläche

Monolithische Reduktion

Das Gebäude wurde in Ortbeton gegossen, handwerklich

geschalt und anschließend unbehandelt

belassen. Jede Schaltafel hinterließ dabei ihre individuellen

Spuren. Licht und Schatten modellieren die

Oberflächen im Tagesverlauf, während Patina und

Witterung das Material und seinen Ausdruck mit der

Zeit verändern. Diese radikale Monolithik knüpft an

historische Bautraditionen an, ohne diese zu imitieren.

Beton bleibt der alleinige Baustoff und wird lediglich

durch unbehandeltes Lärchenholz aus der

Umgebung ergänzt. Beide Materialien dürfen und

sollen sichtbar altern und so die Haltung der „Materialehrlichkeit“

und des „Minimum Intervention, Maximum

Effect“ verkörpern, wie die Architekten sagen.


www.architektur-online.com

65

Büro Mühlbauer

Inszenierte Landschaftsbilder

Die beiden Gärten – ein Moosgarten und ein Nachtgarten

– sind mehr als nur Freiräume. Sie fungieren

als „inszenierte Landschaftsbilder“ und eröffnen eine

stille Dimension, in der Natur, Architektur und Zeit

miteinander verschmelzen. Sie prägen aber auch Klima,

Akustik und Atmosphäre, speichern Wärme, kanalisieren

Wind und rhythmisieren den Alltag.

Nachhaltigkeit zeigt sich hier nicht in applizierten

Technologien, sondern in der Materiallogik: Sortenreiner

Stahlbeton, Kerndämmung und eine trennbare

Schichtung eröffnen Potenziale für die Wiederverwendung

beim Rückbau. Zugleich sichern die thermischen

Eigenschaften Langlebigkeit und energetische

Effizienz.

Im Kontext von Material und Oberfläche steht das

„House with Two Courtyards” für eine radikale Reduktion

auf das Wesentliche. Beton als bestimmender

Faktor prägt Raum und Wahrnehmung; die

Oberfläche wird zur Chronik von Licht, Nutzung und

Zeit. Was bleibt, ist ein Haus, das mit seiner spröden

Schönheit einen Resonanzraum für Natur und

Mensch eröffnet und somit eine leise, aber präzise

Antwort auf die Frage nach einem zeitgemäßen Materialverständnis

gibt.

u


architektur FACHMAGAZIN

66

Material & Oberfläche

Material als Chronik – Handwerklich geschalter Ortbeton macht Zeit, Nutzung und Witterung sichtbar.


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67

Büro Mühlbauer

5 Fragen an Alexander Mühlbauer

Wie prägt die monolithische Verwendung von Beton

Atmosphäre und Oberflächenwahrnehmung?

Unser Gebäude folgt einem klaren Code: Beton. Das

rein handwerklich geschalte und unbehandelte Material

bestimmt die Charakteristik von Raum und

Oberfläche. Die Schaltafeln formen das Zusammenspiel

von Licht und Schatten an Decken und Wänden,

wobei Bewohner und Witterung im Laufe der Zeit innen

wie außen ihre Spuren und Patina hinterlassen.

Wie vermittelt das Materialkonzept den Dialog zwischen

historischer und zeitgenössischer Bauweise?

Das „House with two courtyards” setzt die regionale

Bau-Tradition des monolithischen Bauens fort. Beton

bleibt alleiniger Baustoff, die Übergänge von innen

nach außen ergänzt unbehandeltes Lärchenholz aus

der Umgebung – beide Materialien altern wie die historischen

Bauten und verkörpern „Materialehrlichkeit”

und „Minimum Intervention, Maximum Effect” in

jedem Detail.

Welche Rolle spielen die Innenhöfe für Materialität

und Raumerlebnis?

Die beiden Höfe organisieren das Haus, stiften Intimität

und holen Licht, Jahreszeiten und den natürlichen

Kreislauf ins Innere. Umgeben von Mauern

entstehen sonnige wie schattige Plätze; nachts geben

die Betonwände gespeicherte Wärme ab und

Wind belebt die Pflanzen – so beeinflussen sie Klima,

Akustik, Offenheit und Privatheit.

Welche Nachhaltigkeitsaspekte ergeben sich aus

Materialwahl und Bearbeitung?

Sortenreiner Stahlbeton und Kerndämmung erlauben

eine klare, trennbare Materialschichtung mit Wiederverwendungspotenzial

im Rückbau. Die lange Lebensdauer

und thermischen Eigenschaften des Gebäudes

sichern Ressourcen, erhalten Substanz und

GSEducationalVersion

verbessern die energetische Wirkung nachhaltig.

GSEducationalVersion

Wie werden die Gärten als integrale Bestandteile

gestaltet und inszeniert?

Die Gärten sind inszenierte Landschaftsbilder, verbinden

das Haus mit Tages- und Jahreszeiten und

öffnen einen Resonanzraum für Natur und Architektur.

Reduzierte Materialien wie Moos- und Nachtgarten

markieren den Rhythmus von Licht, Wind und

Pflanzenwandel – als optische und temporale Geräte,

die die Gesamtkomposition um eine stille, wesentliche

Dimension erweitern.

House with two courtyards

Bad Kötzting, Deutschland

Bauherr:

Planung:

Team:

Landschaftsarchitektur:

privat

BÜRO MÜHLBAUER

Alexander Mühlbauer, Andreas Mühlbauer,

Andreas Josef Mühlbauer, Lukas Westner

Prof. Maurus Schifferli

Grundstücksfläche: 472 m²

Bebaute Fläche: 136 m²

Nutzfläche: 112 m²

Planungsbeginn: 2018

Bauzeit: 2021 - 2025

Fertigstellung: 2025

Baukosten:

343.000 EUR

www.architekt-muehlbauer.de

„Das House with two courtyards generiert seinen

Sinn allein aus sich selbst – ohne äußere Bezüge. Die

konsequent entwickelte Raumidee ermöglicht es den

Innen- und Außenräumen, eine eigenständige Wirkung

und Bedeutung zu entfalten.“

Andreas Mühlbauer & Alexander Mühlbauer


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68

Material & Oberfläche

Massive Offenheit

Casa Tres Patis / Albons, Katalonien / Twobo Arquitectura

Text: Edina Obermoser Fotos: José Hevia

Die Casa Tres Patis in der katalonischen Gemeinde

Albons gruppiert sich rund um drei luftige Innenhöfe.

Auf Wunsch der Bauherren entwickelte das Büro Twobo

Arquitectura einen Entwurf, der nicht das Wohnhaus

selbst, sondern die Außenräume in den Vordergrund

rückt. Ein spannender Mix aus unverkleideten Naturmaterialien

und glatten, schimmernden Oberflächen

verleiht dem Projekt einen einzigartigen Charakter und

macht es zum wohnlichen Refugium.

Das Haus nordöstlich von Girona sollte für die Auftraggeber

ein ruhiger Zufluchtsort voller Sinneseindrücke

werden, der alle vier Elemente miteinbezieht

und zum Innehalten und Genießen einlädt. Um diese

Vorgaben zu erfüllen, ordneten die spanischen Planer

die drei pavillonartigen Trakte des 300 m 2 großen

Wohnensembles rund um drei quadratische Höfe an,

nach denen die Casa Tres Patis benannt ist. Dazwischen

verbinden geradlinige Säulengänge, Gehwege

und Überdachungen die einzelnen Komponenten des

Projekts wie in einem kleinen Dorf. Zwei Außenmauern

legen sich rund um das Grundstück: Sie schützen

vor starken Nordwinden und sorgen zugleich für die

nötige Privatsphäre der Bewohner, ohne den Ausblick

nach draußen in die Natur zu stören.


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69

Twobo Arquitectura

Dorfplatz, Pool & Kräutergarten

„Das Konzept des Hauses wurde ausgehend von

den Innenhöfen entwickelt. Wir wollten eine Wohnlandschaft

mit einer inneren Logik schaffen, wo der

offene Raum ebenso nutzbar und essenziell ist, wie

der geschlossene“, erläutert das Team von Twobo

Arquitectura. Mit den Patios zollte man außerdem einem

Grundelement der mediterranen Architektur Tribut.

Der erste und größte von ihnen ist einem lebendigen

Dorfplatz nachempfunden und soll – von einem

Baum beschattet – künftig als gemeinschaftlicher

Treffpunkt des Wohnkomplexes dienen. Im zweiten

Innenhof befindet sich ein von Pflanzen umgebener

Naturpool. Von den leicht erhöhten, überdachten Wegen

eingefasst, strahlt dieser Hof Ruhe aus und wird

zum Entspannungsort. Als Inspiration für diesen Bereich

diente das sogenannte Impluvium – ein flaches

Wasserbecken in den Atrien römischer Häuser, in dem

Regenwasser gesammelt wurde und das zugleich zur

passiven Kühlung des Gebäudes beitrug. Der dritte

Patio ist als üppiger Garten voller duftender Kräuter

und Blumen gestaltet, wie sie in Klöstern zu finden

sind. In den Zwischenräumen wechseln sich nicht nur

Kiesflächen und Beete ab, sondern auch Sonne und

Schatten. Außerdem wachsen hier entlang der Begrenzungsmauern

– passend zum südlichen Flair des

Ensembles – Gräser, Zitronen- und Olivenbäume. u


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70

Material & Oberfläche

Fließende Übergänge

Die drei Baukörper sind als modulare Konstruktion

aus Beton- und Stahlrahmen ausgeführt. Großzügige

Raumhöhen bieten genügend Platz für eine Split-Level-Aufteilung

der Grundrisse mit offenen Galerien

unter dem Dach. So ermöglichen die Pavillons mit

ihren leicht versetzten Ebenen vielfältige Blickbeziehungen

innerhalb der Häuser und hinaus ins Freie.

Raumhohe Verglasungen verstärken das luftige Ambiente

zusätzlich. Im größten Trakt im Norden sind

die Wohnbereiche und der große Koch-Essbereich,

der sich über eine eindrucksvolle Fensterfront zum

Hauptpatio hin öffnet, untergebracht. Während das

zweite, an der Westseite des Grundstücks positionierte,

Volumen die privaten Schlafzimmer der Eigentümer

beinhaltet, bildet der Gästetrakt mit einer

Werkstatt und Garage den Abschluss in südlicher

Richtung. Zwischen Schlaf- und Gästehaus befindet

sich im Zentrum der Casa Tres Patis eine spektakuläre

Outdoorküche. Diese setzt sich aus einem blau

gefliesten Kamin mit Ofen und Grill – der das gesamte

Ensemble überragt – sowie einer langen Arbeitsplatte

in knalligem Gelb zusammen und zieht dort sämtliche

Aufmerksamkeit auf sich. Eine lange Betontafel

lädt als Herzstück der Freiluftküche zu gemütlichen

Zusammenkünften ein. Der Tisch wird von mehreren

Seilen und Lichterketten überspannt. An ihnen sollen

später Rankpflanzen wachsen und zwischen den zwei

Säulengängen ein luftiges Blätterdach formen. u


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71

Twobo Arquitectura

Blau glasierte Fliesen

sorgen für farbige

Akzente: Sie kleiden den

Turm in der Outdoorküche

sowie eine Säule im

zentralen Wohnbereich

und kontrastieren in den

Bädern mit den porösen

Kalkputz oberflächen.


architektur FACHMAGAZIN

72

Material & Oberfläche

Die offen gestalteten Innenräume leben

vom Bezug nach draußen und dem Blick in

die verschiedenen Patios. Dunkle Holzoberflächen

und Naturmaterialien bringen

Wärme in die Wohn- und Schlafbereiche.

Kontrastreicher Materialmix

Neben dem einzigartigen Innenhof- und Raumkonzept

mit fließenden Übergängen zwischen Innen

und Außen zeichnet sich die Casa Tres Patis

in erster Linie durch ihre spannende Kombination

unterschiedlicher Materialien aus. Dabei ging es

den Architekten nach eigenen Angaben darum,

Industrie und Handwerk zu vereinen. Dafür kamen

nicht nur Naturmaterialien und verarbeitete

Werkstoffe, sondern auch verschiedenste Texturen

und Haptiken zum Einsatz. In den Patios herrschen

rohe Sichtbetonoberflächen vor. Massivität

trifft hier auf die Offenheit der Innenhöfe und der

Beton soll durch den Einfluss von Regen und der

Vegetation im Laufe der Zeit diverse Nuancen erhalten.

Die Außenmauern prägt ein von Hand aufgetragener

Kalkputz mit natürlichem Finish. Bei

der Gestaltung der drei Pavillons interpretierte

man die Oberflächen wie einzelne Schichten, die

auf den unmittelbaren Kontext reagieren. An den

Fassaden wird die kühle, weiße Stahlkonstruktion

der Baukörper durch geometrische Hohlziegelwände

ergänzt. Deren perforierte Gitterstruktur

lässt Luft hinein, filtert jedoch den Ein- bzw.

Ausblick und schützt vor der spanischen Sonne.

Im Inneren sorgen dunkle Holzverkleidungen an

Wänden und Decken sowie Einbauten aus dem

Naturwerkstoff für eine warme, wohnliche Atmosphäre.

Dazu kommen geschliffene Betonböden

und funktionale Edelstahlfronten. Glasierte Fliesen

in kräftigen Farben setzen mit ihrer Reflexion

auffällige Akzente und komplettieren die kontrast

reiche Materialpalette.


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73

Twobo Arquitectura

Casa Tres Patis

Albons, Katalonien

Bauherr:

Privat

Planung: Twobo Arquitectura –

María Pancorbo, Alberto & Pablo Twose

Tragwerksplanung: Jordi Granada

Technischer Architekt: Gerard Codina

Mitarbeiter:

Ourania Chamilaki, Víctor Díaz-Asensio,

Claudia Canalda

Ausführung:

Artyco

Fläche: 300 m 2

Planungs-/Baubeginn: 2023

Fertigstellung: 2024

www.two-bo.com

„In der Casa Tres Patis wurden die Oberflächen mit

viel Sorgfalt behandelt: Modulation, Textur und Reflexion

sind Teil des Designs. Uns gefällt die Dualität

in der Wahrnehmung der Materialien besonders, die

das Konzept des Hauses selbst widerspiegelt.“

Pablo Twose, María Pancorbo, Alberto Twose


architektur FACHMAGAZIN

74

Material & Oberfläche

Dunkle Hülle

warmer Kern

Logenplatz / Gars am Kamp / Backraum Architektur

Text: Andreas Laser Fotos: Christoph Panzer


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75

Backraum Architektur

Wer in Gars am Kamp wohnt, hat die Burg stets im Blick.

Für die Familie, die auf einem verwilderten Hanggrundstück

oberhalb der Ortschaft ihr Zuhause errichtet hat,

wurde die mittelalterliche Festung zum Leitmotiv des

Entwurfs. Denn das Massivholzhaus von Backraum Architektur

ist nicht nur ein privates Refugium, sondern

auch eine Loge für die Freiluftopern der Burg. Von der

Terrasse, dem Wohnraum oder sogar vom Atelier der

Kinder aus öffnen sich die Sichtachsen direkt auf die

Bühne am anderen Ufer des Kamps.

Der Kontakt zwischen Bauherrn und Architekt begann

unspektakulär: Ein neugieriges Kennenlernen

im Büro von Andreas Etzelstorfer, ohne Grundstück,

ohne konkrete Baupläne. Erst später, mit dem Erwerb

des stark geneigten, zugewachsenen Areals

oberhalb von Gars, kam das Projekt ins Rollen. Entscheidendes

Potenzial lag im spektakulären Blick

und in der akustischen Nähe zu den Burgopern.

Das Haus wurde deshalb so weit wie möglich an

den oberen Waldrand gerückt – für Panorama, Privatsphäre

und Konzertgenuss gleichermaßen. „Das

war fast wie eine Loge im Freien“, erinnert sich Etzelstorfer.

Und so war auch der Projekttitel schnell

gefunden: Logenplatz.

Eine glückliche Fügung erleichterte den Bauprozess:

Der Bauherr konnte ein angrenzendes

Waldgrundstück erwerben, über das ein Forstweg

führte. So ließ sich die Baustellenlogistik von oben

organisieren – eine erhebliche Erleichterung, da die

schmale Zufahrtsstraße im Tal kaum für Materialtransporte

geeignet gewesen wäre.

Mehrschichtigkeit im Entwurf

Ursprünglich waren zwei Häuser geplant – ein Familiendomizil

und ein kleinerer Bau für die Mutter

des Bauherrn. Umgesetzt wurde schließlich nur

das Haupthaus mit einem vorgelagerten Nebengebäude.

Dennoch ist die Option für eine spätere

Erweiterung vorbereitet: Die Garage im unteren

Grundstücksbereich bildet gewissermaßen das

Fundament für ein mögliches zweites Haus.

Das Haupthaus selbst ist in den Hang eingeschnitten,

verschränkt sich geschickt mit dem Gelände

und überführt die Topografie in zwei klare Ebenen.

Erd- und Obergeschoss orientieren sich dabei in unterschiedliche

Richtungen: Das Wohngeschoss mit

Küche und Wohnraum wendet sich dem Garten und

der Burg zu, während die Kinderzimmer im Obergeschoss

nach Osten zum höhergelegenen Grünland

ausgerichtet sind. Zusammen mit dem L-förmig

platzierten Nebengebäude entsteht so eine

Hofsituation – ein geschützter Außenraum, der als

familiärer Mittelpunkt dient. Charakteristisch ist die

besondere Kubatur: Aus fast jeder Perspektive zeigt

das Haus ein anderes Gesicht. Durch Niveausprünge

und Vordächer wirkt es mal eingeschossig, mal

schwebend, mal kompakt. Die Silhouette bleibt dabei

stets schmal und zurückhaltend, das Volumen

fügt sich dezent an den Waldrand.

u


architektur FACHMAGAZIN

76

Material & Oberfläche

Zwischen Klarheit und Struktur

Die Diskussion über Materialien prägte den Entwurfsprozess

maßgeblich. Der Bauherr brachte zunächst

Weißtanne und Schiefer ins Spiel. Etzelstorfer schlug

stattdessen Lärche vor – ein Holz, das durch seine

warmen, rötlichen Töne rustikaler wirkt und besser

zur Landschaft im Waldviertel passt. Im Innenraum

kam schließlich Brettschichtholz in Wohnsichtqualität

zum Einsatz. Bemerkenswert ist die fast astfreie

Oberfläche, die selbst den Hersteller überraschte. Da

das Holz unbehandelt verbaut wurde, wird es mit der

Zeit nachdunkeln und eine sanfte bordeauxrote Patina

entwickeln.

Um der markanten Maserung des Holzes ein Gegengewicht

zu geben, erhielten Böden und Treppen

eine graue, fugenlose zementöse Nutzschicht. Sie

verleiht den Räumen Ruhe, verstärkt die Homogenität

und schafft eine feine Balance zwischen warmen

und kühlen Materialwelten. Türen, Fensterrahmen

und Einbaumöbel wurden millimetergenau auf das

Brettschichtholz abgestimmt, wodurch ein klarer und

durchgängiger Charakter entsteht.

Die akribische Detaillierung

– von der präzisen

Fügung der Holzoberflächen

bis zur makellosen

Spenglerarbeit – zeigt,

wie stark handwerkliche

Qualität die architektonische

Wirkung bestimmt.


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77

Backraum Architektur

Eine schützende Hülle

Während innen die Lärche dominiert, schützt außen

eine dunkle Aluminiumverkleidung das Haus.

Ursprünglich war eine Holzfassade angedacht,

doch der Wunsch des Bauherrn nach einem wartungsfreien,

dauerhaften Material gab den Ausschlag.

Farblich lehnt sich die metallische Haut

an vergraute Lärche an, wirkt aber deutlich homogener.

Der Spenglerbetrieb löste alle Details präzise,

sodass eine makellose Oberfläche entstand,

die den Baukörper wie eine Schatulle erscheinen

lässt. Das Nebengebäude hingegen wurde mit

hellgrauen zementgebundenen Spanplatten verkleidet

– eine bewusst gesetzte Differenz, die

dem Ensemble eine zweite Materialstimme verleiht

und ebenfalls mit pflegeleichter Langlebigkeit

überzeugt.

u


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78

Material & Oberfläche

Licht, Raum und Atmosphäre

Da das dunkle Holz viel Licht absorbiert, war die Platzierung

von Öffnungen ein zentrales Thema. Großzügige

Glasflächen orientieren sich zur Burg, während

Dachfenster gezielt Tageslicht in die Tiefe der Räume

lenken. Der eingesetzte Zen-Garten beim Elternschlafzimmer

bringt zusätzlich Helligkeit in die hangzugewandten

Bereiche im Erdgeschoss und erweitert

die Intimität des Schlafraums um eine stille Freiluftinsel.

Ein aufliegendes Gitter ersetzt das Geländer und

bewahrt die ungestörte Aussicht im Obergeschoss.

Einfamilienhaus mit Weitblick

Bis auf die Fundamentplatte und das teilweise ins

Erdreich eingelassene Nebengebäude ist das Projekt

als Massivholzbau ausgeführt. Zum Einsatz kamen

auch Holzfaserweichdämmungen, die diffusionsoffen

und ökologisch verträglich sind. Diese Materialwahl

folgt einer klaren Haltung: Die Architekten wollten

ein ökologisch verantwortliches, atmungsaktives und

zugleich hochpräzises Bausystem einsetzen, das sowohl

im Hinblick auf den Bauprozess als auch auf den

späteren Rückbau hohe Nachhaltigkeit verspricht.

Die Wahl der Aluminiumfassade mag zunächst technisch

motiviert sein, doch ihre Langlebigkeit, Recyclingfähigkeit

und Wartungsfreiheit kommen hier

ebenfalls positiv zum Tragen. Verantwortungsvoll ist

auch der Umgang mit der Landschaft. Der Baukörper

tritt mit seiner dunklen Aluminiumhaut fast wie ein

Schatten am Waldrand auf. Gerade in der Fernwirkung

von der Burg aus wird sichtbar, dass das Haus

keine Konkurrenz zur historischen Kulisse sucht,

sondern ein stilles Gegenüber bildet.

Das Spiel von Materialien und Oberflächen wird

durch die klare Lichtführung noch verstärkt. Das

warme Rotbraun der Lärche kontrastiert mit der

kühlen Grauschicht der Böden


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79

Backraum Architektur

OG

EG

Einfamilienhaus Logenplatz

Gars am Kamp, Niederösterreich

Bauherr:

Planung:

Mtarbeiter:

Statik:

privat

Backraum Architektur

Andreas Etzelstorfer, Max Oppitz

Christian Petz, petz-zt.at

Wohnfläche: 170 m 2

Planungsbeginn: 01/2021

Baubeginn: 08/2022

Fertigstellung: 2025

www.backraum.at

„Unsere Architektur ist menschenfreundlich, warm, verspielt

aber auch minimalistisch. Der bewusste Einsatz von

Materialien ist ein bestimmender Faktor unserer Architekturauffassung,

ebenso wie Ökologie und Nachhaltigkeit.“

Backraum Architektur


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80

Tageslicht

Licht wirkt

Was wäre, wenn Architektur nicht nur Räume strukturieren würde, sondern auch

unsere innere Uhr? Was, wenn Licht nicht nur für Helligkeit sorgen würde, sondern

auch unsere Stimmung heben, unseren Schlaf regulieren und unsere Gesundheit

stärken würde? Mit diesen Fragen beschäftigte sich ein Panel während der

3 Days of Design in Kopenhagen, das von VELUX in den lichtdurchfluteten Räumen

des Pas Normal Studios veranstaltet wurde. Doch die dort diskutierten Themen

reichten weit über die Bühne hinaus und spiegeln sich bereits in konkreten Projekten

wider, die Architektur neu denken: biologisch, emotional und alltagsrelevant.

Text: Linda Pezzei

Tageslicht als Rhythmusgeber

Wir Menschen sind evolutionär auf das Leben im

Freien ausgerichtet. Unser Körper braucht Licht als

zentralen Taktgeber. Die Neurowissenschaftlerin

Selma Tir von der University of Oxford erklärt das so:

„Circadiane Rhythmen steuern fast jede Funktion im

Körper – vom Schlaf über Hormone bis zur Stimmung.

Tageslicht ist unser stärkstes Orientierungssystem.“

Doch moderne Gebäude würden diesen natürlichen

Takt sabotieren: Tagsüber sei es darin oft zu dunkel,

nachts zu hell. Die Folgen können von gestörtem

Schlaf über eine reduzierte Leistungsfähigkeit bis

hin zur steigenden Krankheitsanfälligkeit reichen. Tir

fordert deshalb Räume, die sich nach dem Tagesverlauf

richten – hell am Morgen und sanft beleuchtet

am Abend, orientiert an unserer Biologie.

Die Architektur verfügt für einen solchen Ansatz über

alle erforderlichen Werkzeuge: Ausrichtung, Öffnungen,

Materialität und künstliche Lichtquellen lassen

sich so einsetzen, dass sie dem Rhythmus unseres

Körpern nicht widersprechen, sondern ihn stärken.

Pas Normal HQ

© The Daylight Award

Selma Tir

Circadiane Neurowissenschaftlerin an der University of Oxford.

Tir erforscht die Auswirkungen von Licht auf biologische

Rhythmen, Gesundheit und Verhalten und engagiert sich für

einen transdisziplinären Wissenstransfer.

© OEO Studio


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81

Tageslicht

© OEO Studio

Raumatmosphäre mit Tiefe

Dass gute Gestaltung mit Licht beginnt und nicht mit

Form, zeigt der dänische Architekt Thomas Lykke.

Mit seinem Büro OEO Studio realisiert er Räume, die

Licht nicht nur einlassen, sondern inszenieren: „Licht

ist wie Geschmack – ohne Kontraste wird alles fad.“

Im Pas Normal HQ, wo das Panel stattfand, wird

diese Philosophie spürbar: Große Fenster, gezielte

Verschattung sowie helle und dunkle Zonen strukturieren

den Raum und machen ihn sinnlich erlebbar.

Ähnlich ist es im Noma Kyoto, dem japanischen Ableger

des ikonischen Restaurants, wo Licht, Schatten

und Material gezielt aufeinander abgestimmt sind,

um eine sinnliche Nähe zum Ort zu schaffen.

„Wir sind sensorische Wesen. Wenn Räume zu künstlich

werden, fühlen sie sich leer an – wir verlieren den

Bezug zu uns selbst und zur Umwelt.“

u

Was sind circadiane Rhythmen?

Circadiane Rhythmen sind biologische

24-Stunden-Zyklen, die Körperfunktionen

wie Schlaf, Stoffwechsel,

Hormonhaushalt und Stimmung regulieren.

Ihr Taktgeber ist das Licht,

insbesondere natürliches Tageslicht.

Wenn es tagsüber zu dunkel oder

abends zu hell ist, gerät unsere innere

Uhr aus dem Gleichgewicht. Mögliche

Folgen sind Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen

oder gesundheitliche

Beschwerden. Architektur

kann dem entgegenwirken, indem sie

Tageslicht gezielt führt, Fenster klug

positioniert, dynamisches Lichtdesign

nutzt und sensibel mit künstlichem

Licht umgeht. So wird Gestaltung

zur Gesundheitsressource.

© Michael Rygaard

Thomas Lykke

Mitgründer und Creative Director von OEO Studio,

Kopenhagen. Das Büro ist bekannt für Projekte wie

Pas Normal HQ oder das neue Noma Kyoto. Lykkes

Arbeiten verbinden oft Licht, Material und Atmosphäre

zu multisensorischen Raumerlebnissen.


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82

Tageslicht

© Adam Mørk

© Adam Mørk

Gesundes Bauen beginnt beim Licht.

Lone Feifer, Director for Sustainable Buildings bei

VELUX, führt diesen Gedanken weiter: „Wenn wir 90 %

unseres Lebens in Innenräumen verbringen, müssen

diese so gestaltet sein, dass sie uns guttun. Tageslicht,

frische Luft und gesunde Materialien sind keine

Extras, sondern Grundvoraussetzungen für ein

gesundes Leben.“ Mit dem Modellprojekt „Living

Places” in Kopenhagen zeigt VELUX, wie das in der

Praxis aussehen kann. Durch intelligente Planung,

einfache technische Mittel und ein radikales Umdenken

im Bestand konnten die CO 2 -Emissionen um

zwei Drittel gesenkt und die Raumluftqualität verdreifacht

werden – ohne Hightech, aber mit Sinn für

das Wesentliche.

Feifers Credo: „Innovation bedeutet nicht immer,

mehr zu tun. Manchmal reicht es, das Richtige zuzulassen

– zum Beispiel Licht.“

© Adam Mørk


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83

Tageslicht

Lone Feifer

Direktorin für nachhaltige Gebäude bei VELUX. Sie entwickelt

Demonstrationsprojekte wie „Living Places”, um

Nutzer:innenwohl, Klimaeffizienz und architektonische

Qualität zu verknüpfen.

© Velux

Disziplinübergreifend denken

Was alle Sprecher:innen des Panels vereinte, war der

Wunsch nach mehr Zusammenarbeit. Architekt:innen,

Designer:innen und Wissenschaftler:innen – sie

alle haben Teilantworten auf die Frage, was gute Räume

ausmacht. Doch erst im Dialog könne ein neues

Verständnis wachsen.

„Unsere Forschung nützt nur, wenn sie in gebaute

Realität übersetzt wird“, sagt Tir. „Und Lichtgestaltung

ist ein Akt der Fürsorge“, ergänzt Lykke. „Gute

Architektur misst sich daran, ob sie das Leben verbessert“,

fügt Feifer hinzu.

Als Fazit lässt sich ziehen: Licht ist Beziehung. Und

Tageslicht ist kein Luxus. Es ist ein Grundelement

des Lebens und damit auch ein zentrales Thema für

die Architektur von morgen. Die Beispiele aus Kopenhagen

zeigen: Es ist möglich, gesunde, stimmige und

nachhaltige Räume zu schaffen, die nicht nur funktionieren,

sondern auch wirken.

Räume, die sich mit dem Tageslicht verändern und

uns zur Ruhe kommen lassen. Räume, die zeigen,

dass das Einfachste oft das Kraftvollste ist. •

© Velux

© Velux


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84

Naturstein

© Nick Kane

Maßanzug

für jeden Bau

Fassaden aus Naturstein sind so vielfältig wie das Material selbst. Von der massiven

Vormauerschale bis zur hinterlüfteten Bekleidung auf Ankern sind unzählige

Gestaltungen realisierbar. Auch aus ökologischer Sicht erhalten Natursteinfassaden

regelmäßig Bestnoten.

Text: Richard Watzke


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85

Naturstein

1

Die Stadt Bishop Auckland im Nordosten Englands

hat zwei Gesichter: Als Sitz der Bischöfe von Durham

ist sie seit Jahrhunderten Zentrum weltlicher und

geistlicher Macht, zugleich hat sie als ehemalige

Bergarbeiterstadt die besten Zeiten schon lange hinter

sich. Um die Attraktivität der Stadt als Reiseziel

zu heben, wurde das „Auckland Project“ im Umfeld

des historischen Schlosses von Auckland initiiert.

Das durch den Heritage Lottery Fund mitfinanzierte,

2023 eröffnete Faith Museum ist ein Anbau an den

denkmalgeschützten Schlosskomplex. Die Gestaltung

vom Londoner Büro Níall McLaughlin Architects

orientiert sich am Typus einer mittelalterlichen Kornkammer.

Der unter anderem mit einem RIBA National

Award ausgezeichnete Bauwerk beherbergt eine

Ausstellung zum Thema Glaube in Großbritannien

sowie ein klimatisiertes Kunstlager. Der Gebäudetyp

ist säkular, soll jedoch durch seine Gestaltung eine

gesteigerte spirituelle Wirkung vermitteln, die den

Inhalten des Museums gerecht wird. Wichtige Details

wie die Dachspitzen mit der prägnanten Verlängerung

der Ortgänge über den First hinaus wurden

entwickelt, um die schlichte Form eines Scheunengebäudes

zu betonen. Die einfache Gebäudeform,

ein geringer Glasanteil und der vorrangige Einsatz

von lokal in der Region Northumbria abgebautem

Cop Crag-Sandstein bilden die Grundlage für die

Strategie eines geringen CO 2

-Ausstoßes im Betrieb.

Prägnant ist seine monolithische Erscheinung: Giebeldach

und Fassade bilden eine einheitliche Steinhülle,

die nahtlos von Wand zu Dach übergeht. u

1 Aus festem Stein errichtet:

Das Faith Museum

beherbergt Exponate zu

6000 Jahren Glaubensgeschichte

in England.


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86

Naturstein

© Igor Passchier

2

Gebirge in der Stadt

The Valley ist ein 2022 fertiggestelltes

Bauprojekt im Zuidas‐Businessviertel von

Amsterdam. Das Projekt aus der Feder des

niederländischen Architekturbüros MVRDV

nimmt mit 75.000 Quadratmetern Fläche

einen ganzen Häuserblock ein und umfasst

drei Wohntürme, der höchste mit einer

Höhe von 100 Metern. Während sich die kubische

Außenhülle aus verspiegeltem Glas

in die umliegende Hochhauslandschaft integriert,

erscheint das Innere wie ein auf-

gebrochenes Felsgebilde mit Naturstein

und Pflanzenterrassen. Die unteren sieben

Etagen dienen als Büroflächen, darüber

befinden sich rund 200 Apartments, deren

Tragwerke weite Auskragungen ermöglichen.

Der hellbeige bis goldgelbe Kalkstein

Pedra d’Ulldecona stammt aus einem Steinbruch

in der der Provinz Tarragona, rund

100 Kilometer südwestlich von Barcelona,

aus dem unter anderem Material für den

Bau der Sagrada Família stammt. Bei einem

Ortstermin im Steinbruch entschieden sich

die Architekten bewusst für Steine mit optischen

Mängeln. Ebenfalls genutzt wurden

Abschnitte, die beim Zuschnitt größerer

Platten anfielen. Diese Reststücke wurden

mit computergestützten Scripten in Rhino

organisiert und in den Fassadenverband

eingefügt. Ursprünglich war dieses Vorgehen

vor allem aus Kostengründen interessant

– am Ende jedoch auch ein wirksamer

Beitrag zur Abfallvermeidung.

u

© Igor Passchier

3

2 Bei The Valley ist der

verbindende Bereich

zwischen drei Hochhäusern

wie eine Schlucht

gestaltet.

3 Nicht nur Bruchstücke

aus dem Steinbruch,

sondern auch Abfälle

von der Baustelle selbst

wurden für die Fassade

verwendet.


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87

Wettbewerbe Naturstein

CASAWEST GmbH

4055 Pucking

office@casawest.at

www.casawest.at

Sölker Marmor

Bergbau

8961 Sölk

office@soelker.at

www.soelker.at

Poschacher Natursteine

Baustoffhandel GmbH

4310 Mauthausen

office@poschacher.com

www.poschacher.com

Lauster

Naturstein GmbH

9971 Huben/Osttirol

st.johann@lausternaturstein.at

www.lausternaturstein.at

Kienesberger

Steinmetzmeister

4707 Schlüßlberg

office@kienesberger-stein.at

www.kienesberger-stein.at

Steinmetzbetrieb

Wolfgang Ecker

2514 Traiskirchen

office@ecker-stein.at

www.ecker-stein.at

Steinmetzmeister

Dietmar Steller

4600 Wels

office@steller-stein.at

www.steller-stein.at

Schreiber & Partner

Natursteine

2170 Poysdorf

office@sp-natursteine.at

www.sp-natursteine.at

Marmor

Industrie Kiefer

5411 Oberalm

office@marmor-kiefer.at

www.marmor-kiefer.at

Josef Kogler

Steinbruch & Schotterwerk

9554 St. Urban

kogler.naturstein@aon.at

www.kogler-natursteinwerk.at

Gustav Hummel

GmbH & Co KG

2452 Mannersdorf

info@hummel-stein.at

www.hummel-stein.at

Stone4you

Steinmetzbetriebe

2020 Hollabrunn

office@stone4you.at

www.stone4you.at

Pro Naturstein. Die gebündelte Faszination für ein einzigartiges, kraftvolles und von der Natur geschaffenes Unikat. Ein über Generationen

vermitteltes Fachwissen über den Abbau und die Veredelung der österreichischen Natursteinvorkommen, eine gemeinsame Verantwortung,

welche die Begeisterung und das Handwerk verbindet. Pro Naturstein steht für die Vereinigung ausgewählter, österreichischer

Naturstein-Leitbetriebe, die mit Qualität und Leidenschaft hinter ihren Produkten stehen

www.pronaturstein.at


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88

Naturstein

© Erich Spahn

4

Monolith in der Altstadt

Am Residenzplatz der oberpfälzischen Stadt Neumarkt

steht ein Neubau der Technischen Hochschule

Nürnberg mit rund 3.000 Quadratmetern Nutzfläche

für den Studiengang Management in der Ökobranche.

Das 2024 fertiggestellte Gebäude von Berschneider

+ Berschneider Architekten aus Pilsach fügt sich wie

eine Sandsteinskulptur in den Baubestand der Altstadt

ein. Passend zum Fachbereichsthema Ökologie

setzten die Architekten auf Naturstein, da dieser

unter allen Fassadenbaumaterialien den niedrigsten

CO 2

-Fußabdruck aufweist. Dach und Fassade wurden

als vorgehängte, hinterlüftete Fassade gemäß

DIN 18516-3 ausgeführt. Auf ausdrücklichen Wunsch

der Auftraggeberin sollte die gesamte Konstruktion

wie aus einem Guss erscheinen. Auf der Suche nach

einem klassischen, für den Altstadtkontext passenden

Material, das sich gleichzeitig für Fassaden- und

Dachflächen eignet, fiel die Wahl auf feinkörnigen

„Hohenzollern Park“-Sandstein. Der gelblich-hellbeige

Stein erhielt eine geschliffene Oberfläche, welche

die natürliche, leicht gewolkte Struktur erkennen

lässt. Um die Anmutung eines Mauerwerks mit vermeintlich

massiven Blöcken zu erzeugen, wurden die

Fugen präzise ausgeführt und an den Gebäudekanten

besandet.

© Erich Spahn

4

4 Ökologischer Steinmonolith:

Der Neubau der TH

Nürnberg in Neumarkt

wird durch eine Fassade

aus Sandstein vor Wind

und Wetter geschützt.

5 Wetterfest: Bei dem

historischen Bahngebäude

an der Brennerbahn

erfüllt das massive

Mauerwerk zugleich eine

tragende Funktion.

6 Blickfang: Lebhaft

strukturierter Marmor

verleiht der Bar in der

Wiener Innenstadt eine

repräsentative Erscheinung.


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89

Naturstein

5

© Richard Watzke

© Richard Watzke

© Richard Watzke

6

7

© Richard Watzke

8

7 Die Bodenplatten und die

Riemchenverblender der Fassade

wurden aus burgenländischem

Schiefer gefertigt.

8 Vornehme Zurückhaltung:

Horizontal strukturierte

Kalksteinfassade eines

italienischen Premium-Modehauses.


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90

Naturstein

2

Perspektive

wechseln

In der 2024 von Christoph Hesse Architects gestalteten

Offenen Bergkapelle in Hillershausen

formen 3.960 massive Sandsteine einen Raum

für Kollaboration und Kommunikation.

Interview: Richard Watzke Fotos: Laurian Ghinitoiu

1

Warum haben Sie sich für Naturstein entschieden?

Woher stammt der Stein genau?

Christoph Hesse: Sandstein ist traditionell in der

Region verankert. Allerdings gibt es seit einigen

Jahrzehnten keine aktiven Steinbrüche mehr in der

Umgebung, da sich der Abbau wirtschaftlich nicht

mehr lohnt. Für die Offene Bergkapelle kam daher

Warthauer Sandstein aus Südschlesien in Polen zum

Einsatz. Dorthin bestehen enge freundschaftliche

Verbindungen. Der Stein entspricht in Farbe und

Struktur dem ortstypischen Material und fügt sich

harmonisch in das landschaftliche und kulturelle

Umfeld ein.

Hätte das Projekt auch mit einem

anderen Baustoff funktioniert?

Grundsätzlich ließe sich der Raum auch mit anderen

Materialien definieren. Doch gerade in diesem Projekt

geht es um die Verbindung mit dem Ort, mit der

Landschaft und mit der Gemeinschaft. Naturstein

war dabei wesentlich, sowohl als physische und atmosphärische

als auch als symbolische Grundlage.

Andere Materialien hätten möglicherweise nicht dieselbe

Ausdruckskraft vermittelt.

Ist das eine Sonderkonstruktion?

Haben Sie das Bauwerk berechnet?

Nein, es handelt sich nicht um eine Sonderkonstruktion,

sondern vielmehr um eine sehr elementare. Die

1 Christoph Hesse

verbindet kulturelle und

ökologische Projekte mit

kooperativen Ansätzen.

2 Wie zwei schützende

Hände umschließen zwölf

aus massiven Einzelsteinen

aufgeschichtete

Sandsteinsäulen einen

offenen Raum.

3 Jeder Stein misst

40 x 20 x 20 cm und wiegt

rund 38 Kilogramm. Die

konstruktive Stabilität

ergibt sich aus dem Eigengewicht

der Steine. Die

Lagerfugen sind im Dünnbettverfahren

vermörtelt.


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91

Naturstein

Fotos: Laurian Ghinitoiu

3

Tragstruktur wurde gemeinsam mit lokalen Handwerkern

entwickelt und anschließend von einem

Tragwerksplaner berechnet. Das Dach aus Stahl

ruht punktuell auf den Sandsteinsäulen, sodass es

beweglich bleibt und keine Zwangskräfte überträgt.

Die Säulen selbst stehen auf Fundamenten, die auf

gewachsenem Felsen gegründet wurden.

Haben die Nischen eine spezielle Funktion?

Die Nischen in den Säulen dienen als Sitzplätze und

schaffen zugleich Rückzugsorte. Sie bieten Schutz

und laden zur individuellen Auseinandersetzung mit

dem Raum ein. Gleichzeitig fördern sie die Kommunikation

mit gegenübersitzenden Personen und eröffnen

gezielte Ausblicke durch die Zwischenräume der

Säulen hindurch, wodurch vielfältige Perspektiven

auf die umgebende Landschaft entstehen.

Welchen Stellenwert hat Naturstein für Sie?

Naturstein ist für uns weit mehr als nur ein Baustoff.

Er ist Träger von Geschichte, Atmosphäre und Dauer,

steht für Permanenz und zukünftige Vergangenheit.

In einer Zeit des spannenden und dynamischen Wandels

vermittelt er eine gelassene Ruhe und inspiriert

zu neuen Ideen. Die Begegnungen vor Ort sind für

viele Menschen bereichernd und anregend; der Naturstein

schafft dafür einen kraftvollen, würdevollen

Rahmen. Wir schätzen seine Materialität und die

sinnliche Erfahrung, die er vermittelt.

Wofür eignet er sich besonders gut,

wofür weniger?

Naturstein eignet sich besonders für Bauwerke, die

Beständigkeit, Ruhe und Erdung ausstrahlen sollen.

Seine statischen Eigenschaften, seine Alterungsfähigkeit

und seine Wertigkeit sprechen für ihn. Weniger

geeignet ist er dort, wo große Spannweiten

gefordert sind, es sei denn, er wird mit anderen Materialien

kombiniert.

Welchen Einfluss haben ein Werkstoff und seine Oberfläche

auf den Nutzer oder Besucher eines Gebäudes?

Materialität ist ein stiller, aber kraftvoller Kommunikator,

der unmittelbar auf uns wirkt: Haptik, Farbe,

Temperatur und Struktur eines Werkstoffs beeinflussen

unsere Wahrnehmung und unser Raumgefühl.

Naturstein strahlt Ruhe, Schutz und Klarheit aus.

Das sind Qualitäten, die für die Offene Bergkapelle

zentral sind. Im Zusammenspiel mit dem weichen Boden

aus Holzhackschnitzeln, den hängenden Pflanzen

des Gründachs sowie den hölzernen Elementen

der Bänke und des Kerzenhalters entfaltet der Stein

seine volle Wirkung. Es entsteht ein Dialog zwischen

Beständigkeit und Wandel, zwischen dem, was bleibt,

und dem, was vergeht. Die Oberfläche eines Materials

trägt wesentlich dazu bei, ob wir uns einem Raum

zugehörig fühlen.

Christoph Hesse

Architects

Korbach/Berlin

Das auf kulturelle und

ökologische Projekte

spezialisierte Studio

fördert einen Dialog

zwischen ländlichem

und städtischem

Kontext.

christophhesse.eu


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92

Wettbewerbe

Naturstein

1

© Richard Watzke

Campus Steinzentrum Wunsiedel

Weg vom Dekormaterial, hin zum konstruktiven Baustoff: Ein Architekturwettbewerb

an der Technischen Universität Dortmund bot Studenten die Gelegenheit,

sich mit den Vorteilen des Bauens mit Naturstein zu befassen. Das Projekt ist ein

Plädoyer für Nachhaltigkeit und Regionalität.

119 angehende Architekten und Bauingenieure

des vierten Semesters an der TU

Dortmund nahmen an einem Gestaltungswettbewerb

teil. Thema war der Neubau

eines Schülerwohnheims für Auszubildende,

Dozenten und Meisterschüler, welches

zugleich Vorzeigeprojekt für das zukunftsorientierte

Bauen mit regionalen Werkstoffen

sein soll. Ein Schwerpunkt lag dabei auf

der Verwendung von Naturstein in Massivbauweise,

schließlich soll der neue Campus

massive Baukonstruktionen aus Naturstein

als nicht nur ästhetisch und nachhaltig,

sondern auch anspruchsvolle statische

Konstruktionen verdeutlichen.

Naturstein praxisnah erleben

Den Impuls für den Studentenwettbewerb

gab der Präsident des Deutschen Natursteinverbandes

DNV, Hermann Graser, der mit

dem Lehrstuhl für Massive Baukonstruktionen

der TU Dortmund unter der Leitung von

Junior-Professorin Anne Hangebruch zusammenarbeitet

und das Potenzial lastabtragender

Natursteinkonstruktionen erforscht.

Eigenheiten von Stein erkennen

Aus 31 Projektentwürfen wurden die fünf

besten in Wunsiedel bewertet. Der erste

Platz ging an ein Ensemble von drei Gebäudetrakten

aus Sandstein, die einen Innenhof

in der Mitte bilden. Das Konzept fügt sich

laut Jury nicht nur besonders harmonisch

in die Hanglage ein, sondern ist architektonisch

durchdacht und vor allem auch realistisch

umsetzbar, indem die drei Baukörper

nicht auf einen Schlag, sondern modular

nach Bedarf errichtet werden können.

„Wir müssen uns zurückbesinnen und erforschen,

wann und wie Beton durch Naturstein

ersetzt werden kann“, zeigten sich

Sven Rohman und Johann Kaplan, Sprecher

der Gewinnergruppe begeistert. Der Siegerentwurf

stellt eine gelungene Kombination

aus Pionierprojekt und praktischer

Nutzung als Schülerwohnheim dar. Aus der

intensiven Beschäftigung mit Naturstein im

Rahmen des Wettbewerbs nimmt das Team

vor allem die Erkenntnis mit, den Naturstoff

Stein nicht wie Beton zu behandeln, sondern

seine Eigenheiten anzuerkennen.

Technische

Universität

Dortmund

Fakultät Architektur

und Bauingenieurwesen

mb.ab.tu-dortmund.de

1 Setzte sich dank der

modularen Bauweise

durch: Siegerprojekt von

Sven Rohman, Johann

Kaplan, Andre Dietzel und

Kerem Kiren.

2

Rendering: TEAM 18: Arch.: Sven Rohmann & André Dietzel | Ing.: Johann Kaplan & Kerem Kiren

2 Das Siegerprojekt in

der Perspektive.


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93

Naturstein

Public Entrance

Natursteinwettbewerb 2025 der HTL 1 Linz

Aufgabenstellung für die Schülerinnen und Schüler der 4HA der HTL1 Bau &

Design Linz: Die alte Raiffeisenbank in Thalheim wird abgebrochen und an ihrer

Stelle soll ein neu zu konzipierendes Eingangsbauwerk entstehen. Weiters war

der Vorplatz mit Zugang und Freiraummöblierung (Bänke, Brunnen, Plasterungen,

Wege etc.) zu entwerfen.

1. Preis

Lukas Schedlberger, Philipp Kaar

Die Architektur des Foyers (Bild oben) legt besonderen

Wert auf Übersichtlichkeit, Offenheit und eine

harmonische Gestaltung mit Naturmaterialien und

gezielter Lichtführung. Die Erschließung erfolgt über

einen großzügig gestalteten, barrierefreien Vorplatz.

Die Wegeführung leitet Besucher direkt vom Parkplatz

und von der Straße zum südlich ausgerichteten

Haupteingang. Große Glasflächen schaffen einen

fließenden Übergang zwischen Innen und Außen.

Ein zentrales Element des Projekts ist der gezielte

Einsatz von Naturstein. Durch die Verwendung von

Untersberger Marmor, einem regionalen, hellen und

robusten Naturstein, schaffen wir eine hochwertige,

zeitlose Optik und fördern Nachhaltigkeit sowie ein

angenehmes Raumklima. Der Naturstein wird im Innenbereich

als Bodenbelag sowie an Teilen der Außenfassade

und des Vorplatzes verwendet.

Anerkennung Victoria Schwarz, Elisa Würzl

2. Preis

Leonhard A. Hammer, Emil C. Janko

Der tiefgrüne Serpentinit aus den Hohen Tauern verleiht

dem Gebäude kraftvolle Präsenz. Sein Farbspiel

verändert sich je nach Lichteinfall.

2. Preis

Peter Pöchhacker, Moritz Dicketmüller

Mit einer eleganten Travertin-Fassade fügt sich der

Bau harmonisch in sein Umfeld ein und vermittelt zugleich

eine moderne Ästhetik.

Projektleiter

HTL1 Linz:

DI Martin Trinkl

Jury:

Arch. DI Marco

Kienesberger

(HTL1 Linz)

Prof. Bernhard Gann

(HTL Hallein)

Norbert Kienesberger,

Anna Singer

(PRONATURSTEIN)

Mag. Christian Haagen,

Vizebürgermeister

Thalheim


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94

RETAILarchitektur

Weiße

Vulkanlandschaft

Mit einem ersten Flagship-Store in Barcelona betritt das spanische Modelabel

ALOHAS die Bühne des stationären Handels – und setzt dabei auf eine architektonische

Inszenierung, die über reines Retail-Design hinausgeht. Clap Studio aus

Valencia entwickelte auf rund 100 Quadratmetern ein Konzept, das die Identität

der Marke in eine räumliche Erfahrung übersetzt.

Fotos: José Hevia

Der Entwurf nimmt Bezug auf die hawaiianischen

Wurzeln von ALOHAS – nicht in Form des gängigen

Strandklischees, sondern durch die archaische Kraft

der vulkanischen Topografie. Grundlage des gestalterischen

Narrativs sind Lavatunnel, die durch erkaltete

Ströme entstehen und unterirdische Hohlräume mit

fast mystischer Wirkung hinterlassen. „Dieses geologische

Phänomen wurde zur Grundlage unseres

Designs“, erklärt Àngela Montagud, Mitgründerin und

technische Leiterin von Clap.

Höhlenlabyrinth

Beinahe sämtliche Wände und Decken sind mit rauem,

weißem Putz versehen, der eine rohe, beinahe geologische

Textur erzeugt. Auch der Boden ist in durchgängigem

Weiß gehalten und verstärkt das Gefühl,

sich in einem reduzierten, lichtdurchfluteten Höhlenraum

zu bewegen. Vieleckige Spiegel durchbrechen

die weißen Flächen und wirken wie Öffnungen in einen

dahinterliegenden Korridor – ein subtiler Verweis

auf das labyrinthartige Innere vulkanischer Tunnel.

Auch das Lichtkonzept erinnert mit seinen Deckenleuchten

an natürliche Öffnungen in Lavatunneln, die

durch natürliche Erosion entstehen.


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95

RETAILarchitektur

Zwischen Härte und Feinheit

Das Möbel- und Ausstattungsprogramm setzt auf

Edelstahl: Präsentationstische, Regale, der Verkaufstresen

und einzelne Wandverkleidungen erscheinen

als glänzende, präzise gefügte Objekte, die einen

harten Kontrast zur Rauheit des weißen Putzes bilden.

Ergänzt werden diese Oberflächen durch helle

Natursteine, die sowohl in der Warenpräsentation

als auch als Beine für die Verkaufstische eingesetzt

werden. Das Zusammenspiel von Metall und Stein

verleiht dem Raum zusätzliche Tiefe – zwischen

kühler Künstlichkeit und organischer Natürlichkeit.

Die Gestaltung folgt so dem Leitbild von ALOHAS,

das seine digitale Erfolgsgeschichte nun ins Analoge

überträgt. Der Store wird zu einem Erlebnisraum,

in dem Kund:innen nicht nur Produkte entdecken,

sondern auch die Markenphilosophie spüren können.

Das Spiel mit Kontrasten – roh und fein, dunkel und

licht, wild und kultiviert – bildet den Kern der neuen

visuellen Identität von ALOHAS.


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96

RETAILarchitektur

Mut zur Farbe

Mit POUTx hat das kanadische Büro Studio Author ein radikal neu gedachtes

Raumkonzept für eine Injectables-Klinik geschaffen. Anstelle diskreter Zurückhaltung

präsentiert sich die Praxis als selbstbewusstes Statement, das Farbe,

Material und Licht in eine immersive Architektur übersetzt und dabei die Konventionen

des Klinikinteriors auf den Kopf stellt.

Fotos: Niamh Barry Photography


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RETAILarchitektur

Die auf knappe 74 m² verdichtete Fläche wurde in ein

futuristisches Farblabor verwandelt: Mikrobeton an

Boden, Wänden und Decke taucht den Raum in ein einheitliches,

intensives Pink, während glänzende Akzente

in Lippenstiftrot und chirurgischer Edelstahl einen

kraftvollen Kontrast bilden. Vertikale Neonröhren und

überdimensionierte konvexe Spiegel erweitern optisch

die Enge und spielen mit Licht, Farbe und Wahrnehmung.

Bereits von der Straße aus wirkt die Fassade

durch die leuchtenden Neonstreifen wie ein urbaner

Magnet – ein bewusster Bruch mit der üblichen Zurückhaltung

medizinischer Einrichtungen.

Zentrale Bühne statt Wartezimmer

Das Herzstück des Projekts ist ein beinahe 6 Meter

langer Empfangstresen aus Edelstahl, der als Treffpunkt,

Anlaufstelle und sozialer Knotenpunkt dient.

Von hier aus öffnet sich der Blick in zwei halbtransparente

Behandlungs-Pods, deren Acrylwände in Rot

gestaffelt und vom Boden sowie der Decke abgelöst

sind. Damit inszeniert Studio Author ein bewusstes

Spiel mit dem Thema Intimität: Die Grenze zwischen

Privatheit und Öffentlichkeit wird neu definiert – und

die Erfahrung des „sich behandeln Lassens“ aus der

Tabuzone geholt.

Funktion trifft Szenografie

Die beiden Behandlungszonen sind hoch funktional

ausgestattet: maßgefertigte Edelstahlstationen für

das Pflegepersonal, integrierte Kühl- und Entsorgungseinheiten

sowie über Kopfhöhe verstellbare

OP-Leuchten. Ein kreisrunder Spiegel bildet das kommunikative

Zentrum jeder Pod, in dem Konsultation

und Selbstbetrachtung ineinandergreifen. Auch im

Peripheriebereich kombiniert das Projekt expressive

Formensprache mit praktischer Nutzung: Eine Reihe

hochglänzender, roter Kolonnaden fasst den Raum

und verbirgt dahinter Stauraum und Garderoben.

Das Projekt versteht sich nicht nur als Innenarchitektur,

sondern als narratives Gesamtkonzept: Der Entwurf

visualisiert die Philosophie der Gründer Shaun

Lambrou und Megan Kozak, Schönheit als bewusste,

selbstbestimmte Entscheidung zu feiern. „Wir wollten

einen Ort schaffen, der Mut macht und nicht versteckt“,

so die Architekten.


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RETAILarchitektur

Erleuchtetes Skelett

Mit dem Tamburins Flagship Store in Seongsu ist ein ungewöhnliches Retailprojekt

entstanden, welches die Substanz eines Bestandsbaus transformiert

und durch eine präzise Lichtinszenierung zu einem neuen Erlebnisraum

formt. The System Lab verantwortete das architektonische Konzept,

während das Lichtdesign von EONSLD entwickelt wurde.

Fotos: Joonhwan Yoon

Der Store befindet sich im Untergeschoss eines

entkernten Stahlbetonskeletts. Diese rohe Struktur

bildet den Rahmen, in den der Verkaufsraum eingefügt

wurde. Ein großzügiger Glaskubus, der im Erdgeschoss

in das Gerüst eingestellt ist, ermöglicht

von allen Seiten den Blick in den darunterliegenden

Shop. Ergänzt wird er durch einen kleineren, seitlich

platzierten Glaskörper, der die Treppe zur Verkaufsfläche

überdacht und so einen klar erkennbaren Zugang

schafft.

Durch diese Interventionen bleibt der raue Charakter

des Bestands präsent, während gleichzeitig ein hohes

Maß an Transparenz und Sichtbarkeit entsteht.

Besucherinnen und Besucher werden bereits von außen

auf die räumliche Tiefe und die darunterliegende

Szenerie aufmerksam gemacht.


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RETAILarchitektur

Im Wechselspiel von Tag und Nacht

Tagsüber fällt durch die großzügigen Einschnitte und

den Glaskubus viel natürliches Licht in die untere

Ebene. Die Blickbeziehungen zwischen Verkaufsfläche,

Treppe und den darüberliegenden Geschossen

verstärken den offenen Charakter des Konzepts.

Nach Einbruch der Dunkelheit übernimmt die Lichtgestaltung

von EONSLD die Regie. Das rohe Betonskelett

wird subtil angestrahlt und so in seiner

tektonischen Kraft hervorgehoben. Gleichzeitig

strahlt Licht aus dem Shopinneren durch den transparenten

Kubus nach außen – ein Effekt, der an das

Bild eines sich verteilenden Duftnebels erinnern soll

und direkt auf die Markenidentität von Tamburins

verweist.

Das Prinzip des „invisible light“ prägt das gesamte

Projekt. Leuchten sind überwiegend bündig in Wände

und Decken integriert, um Blendung zu vermeiden

und die Atmosphäre möglichst natürlich wirken

zu lassen. „Wir wollten ein Licht schaffen, das nicht

selbst im Vordergrund steht, sondern den Raum mit

einer sanften Aura erfüllt“, so das Team von EONSLD.

Diese Haltung verstärkt die Wirkung des architektonischen

Rahmens: Beton, Glas und Licht verschmelzen

zu einer Einheit, die sowohl funktional als auch

atmosphärisch überzeugt.


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RETAILarchitektur

Eine Bühne

des Geschmacks

Gelato Collection ist die jüngste Vision des vielfach ausgezeichneten Spitzenkochs

Albert Adrià, der sich gemeinsam mit dem Architekturbüro EL EQUIPO

CREATIVO auf eine experimentelle Reise begibt: Eiscreme als kuratierte, nummerierte

Sammlung – inspiriert von der Tradition großer Parfümeure.

Fotos: Adrià Goula

Das Konzept basiert auf der Idee, jede Sorte als einzigartige

Komposition zu verstehen – ein handwerkliches

„Parfum des Geschmacks“. Um diese Haltung

räumlich zu übersetzen, entwickelten die Architekt:innen

einen Ort, der sich durch klare Kontraste auszeichnet:

kalt und warm, minimalistisch und luxuriös,

nüchtern und sinnlich zugleich. Im Zentrum steht die

Vitrine als Hauptdarsteller. Mit ihrer Bekleidung aus

gerilltem Glas wirkt sie wie von einer kühlen Eisschicht

überzogen. In ihr treten die farbintensiven

Kreationen Adriàs leuchtend hervor – vergleichbar

mit Edelsteinen oder kunstvoll gefassten Flakons.

Die Präsentation erhebt jede Sorte zum Unikat und

erinnert an eine sorgfältig nummerierte Sammlung.


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101

| ST07G |

RETAILarchitektur

Erzeugen Sie maximale

Besuchererlebnisse:

mit PC-based Control

für die Entertainment-Industrie

Um diese Bühne herum entfaltet sich ein reduziertes,

aber hochgradig atmosphärisches Interieur. Wände in

metallischen und champagnerfarbenen Tönen sorgen

für subtile Bewegung und verweisen auf Luxuswelten,

während die großen, hexagonalen Glasleuchten

im Eingangsbereich den Raum mit kühlem, kristallinem

Licht durchfluten. Die Leuchten schweben in

doppelter Raumhöhe wie Eiskristalle und ziehen die

Aufmerksamkeit der Passanten an der Rambla unweigerlich

in das Innere.

© Bregenzer Festspiele/Anja Köhler/andereart.de

PC- und EtherCAT-basierte Steuerungstechnik

für die Entertainment-Industrie:

durchgängiges und hoch skalierbares Automatisierungssystem

Steuerung aller Entertainment-Anwendungen:

Bühnen-, Theater- und Konzerttechnik, Filmstudios, Freizeitparks,

4D-/5D-Kinos, Spezialeffekte, Gebäudeautomation

umfassende AV-Multimedia-Schnittstellen

Integration von DMX, Art-Net, sACN, PosiStageNet,

SMPTE Timecode und Audio

ermöglicht die Umsetzung professioneller Show-Ideen

mit bewährter Steuerungstechnologie

Scannen und PCbased

Control für

die Entertainment-

Industrie live

erleben


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Produkt News

Lernen mit Komfort

Für den Neubau des FH Campus Wien, in dem auf 120.000 m 2 jährlich 8.000 Studierende

eines der 70 Studienprogramme besuchen, wurden zahlreiche Interstuhl

Produkte aus unterschiedlichen Kollektionen eingesetzt.

Auf mehreren Ebenen der Ausbildungsstätte wurden

Kommunikationszonen eingerichtet, die sowohl

leicht zu reinigen sind als auch den Brandschutzbestimmungen

der EU ((EN 1021 Teil 1+2) entsprechen.

Eingesetzt wurden dafür verschiedene Elemente der

HUB Kollektion, ein vielseitiges modulares System

zur individuellen und kreativen Büroraumgestaltung.

Zusätzlich wurde ein passendes Farbkonzept erarbeitet

- so laden die Kommunikationsbereiche nicht

nur zum Lernen, sondern auch zum interaktiven Austausch

ein. Auch die Aufenthaltsräume wurden neu

gestaltet – hier wurden Stapelstühle und Stehhocker

der SHUFFLE-Kollektion integriert. Zusätzlich wurden

alle Büros mit EVERY-Drehstühlen ausgestattet:

Hohe Netz-, Chillback- und Vollpolsterrücken, eine

höhen- und tiefenverstellbare Lordose und eine ergonomisch

optimal anpassbare Armlehne sorgen für

hohen Komfort und Ergonomie am Arbeitsplatz.

Interstuhl Büromöbel

GmbH & Co. KG

T +43 (0)1 61 64 113

oesterreich@interstuhl.com

www.interstuhl.com


www.architektur-online.com

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Produkt News

We create

ceramic tiles

with harmony

and nature.

Sanftes Licht, ruhige Räume

Es war nicht nur das unique Design

der Pendelleuchtenserie LON, sondern

auch ihr technischer Anspruch, der die

Jury des RedDot Awards dazu bewogen

hat, die aktuelle Leuchtenserie des

österreichischen Herstellers Molto Luce

auszuzeichnen. Gemeinsam mit Designer

Ben Elmecker ist die Leuchtenserie

entwickelt worden und ein weiteres gelungenes

Beispiel für zeitgemäße Lichtlösungen,

die Architekten und Planern

die nötige Flexibilität in der Gestaltung

bieten. Zur Auswahl stehen Varianten

mit direkter oder direkt/indirekter Lichtverteilung

und Farbtemperaturen von

2700K und 3000K.

Mit ihrem zarten Leuchtenkörper im

Querschnitt von nur 16 x 52 mm begeistert

LON die Anhänger zarter, filigraner

und dennoch ausdrucksstarker Leuchten.

Spannend wirkt auch eine multiple

Anordnung, bei der mehrere Leuchten in

Kombination montiert werden und sich

dadurch ein skulpturaler Effekt ergibt.

Mittels DALI- oder CASAMBI-Steuerung

können die Leuchten zudem ganz nach

Wunsch und Anforderung gedimmt werden.

Mit einem optionalen Akustik-Einsatz

aus schallabsorbierendem Vlies-Material

sorgt LON zusätzlich für eine

angenehme Raumakustik. LON, ein optisches

Highlight im privaten Wohnraum,

in Hotellerie & Gastronomie und ebenso

hervorragend einsetzbar in Office & Corporate

Architecture-Projekten.

Molto Luce GmbH

T +43 (0)7242 698-0

office@moltoluce.com

www.moltoluce.com

serie

core

R10/B / R11/C / R11/B

60×120 / 60×60 / 30×60

60×120 / 60×60

colors night / sunrise / day / twillight

r a k o . e u


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Produkt News

Tische mit Charakter

Mit wave präsentiert Einrichtungsexperte Selmer ein Tischsystem, das frische

Impulse in Konferenzräume, Bürowelten und die gehobene Gastronomie bringt. Die

elegante Serie überzeugt nicht nur durch ihre skulpturale Formensprache, sondern

auch durch ein hohes Maß an Individualisierbarkeit.

Ob im Managementbüro, im Besprechungsraum

oder im Restaurant – das System fügt sich nahtlos

in unterschiedlichste Raumkonzepte ein. Möglich

wird dies durch ein intelligentes Konstruktionsprinzip:

Ein stabiler Stahlrahmen bildet das Grundgerüst,

ergänzt durch eine modulare Tragstruktur, die sich

sowohl funktional als auch gestalterisch flexibel

konfigurieren lässt. Format, Farbigkeit, Materialien

und Zusatzelemente – alles kann projektbezogen

abgestimmt werden.

Ein gestalterisches Highlight bilden die markant

geschwungenen Tischbeine. Sie verleihen dem

Möbel seine dynamische Silhouette und integrieren

zugleich ein durchdachtes Kabelmanagement

– formschön gelöst und leicht zugänglich. Auch im

Hospitality-Bereich spielt wave seine Stärken aus.

Großzügige Beinfreiheit und hochwertige Oberflächen

schaffen ein elegantes Umfeld für Gastlichkeit

auf hohem Niveau. Für besonders exklusive Ausführungen

stehen Einlagen aus Naturstein oder Metall

zur Verfügung – ein Statement für Individualität und

handwerkliche Qualität.

Selmer GmbH

T +43 (0)6216 20210

info@selmer.at

www.selmer.at


www.architektur-online.com

Der Code der Natur

FRACTAL CODE setzt neue Maßstäbe im biophilen Design,

indem es innovative Akustiklösungen mit fraktalen

Mustern kombiniert, die auf über 25 Jahren Forschung

in Neurowissenschaft und Psychologie basieren. Studien

belegen, dass diese Muster Stress um bis zu 60 %

reduzieren, die kognitive Leistung steigern und die Konzentration

fördern.

13&9 Design hat nun in Zusammenarbeit mit Fractals

Research eine Software entwickelt, die diese natürlichen,

stressreduzierenden Muster in Innenräume bringt.

Die Software wandelt natürliche Muster in einen Code

um, der präzise auf die Akustikpaneele übertragen wird.

Diese bestehen aus einem innovativen PET-Kunstvlies,

das zu über 50% aus post-consumer recyceltem Material

gewonnen wird. Die großflächigen FRACTAL CODE

Akustikelemente sind in harmonischen, von der Natur

inspirierten Farbtönen erhältlich. Je nach Interior-Konzept

besteht die Wahl zwischen monochromen oder

zweifarbigen fraktalen Mustern, die eine stilvolle Ergänzung

zur Raumgestaltung darstellen.

XAL GmbH

T +43 (0)316 3170

office@xal.com

www.xal.com

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© Catherine Roider

Produkt News

Entspannt auch

in Sachen

Nachhaltigkeit

Der Bodenbelag, der Bitumen-, PVCund

schwerrückenfrei ist

Mit Kugelgarn ® lassen sich Raumlösungen

schaffen, die höchste ökologische Ansprüche

erfüllen, von der Verlegung bis hin zur

Reinigung. Lernen Sie ein spannendes und

einzigartiges Produkt kennen, das die

individuellen Bedürfnisse der Menschen in

den Mittelpunkt stellt. Und immer wieder

neue Massstäbe setzt. www.fabromont.ch


architektur FACHMAGAZIN

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Produkt News

Innovative Oberflächenbehandlung

Im Jahr 2015 führte Bauwerk Parkett die Oberflächenbehandlung B-Protect® auf

dem Markt ein. Seitdem hat der Schweizer Premiumhersteller sie kontinuierlich

weiterentwickelt und den Marktbedürfnissen angepasst. Die sehr matte Veredelung

ist nahezu unsichtbar und lässt damit behandelte Parkettoberflächen kaum

von naturbelassenem Holz unterscheiden. Funktional bietet B-Protect® sämtliche

Vorteile einer klassischen Versiegelung. Als „unsichtbarer Schutzschild“ macht es

Parkett äusserst strapazierfähig und pflegeleicht, sowohl für privaten Wohnbau als

auch für hochfrequentierte Objektbereiche.

Wie etwa beim Neubau des Bettenhauses für das

Kinderspital Graubünden in Chur, wo sich die Architekten

bewusst für hochwertiges Parkett von

Bauwerk Parkett entschieden. Für die kinder- und

familienfreundlichen Patientenzimmer fiel die Wahl

auf die Landhausdiele Cleverpark 1250 mit B-Protect®-Oberfläche:

diese Veredelung garantiert hohe

Strapazierfähigkeit und sichere Wasser- und Chemikalienbeständigkeit.

Die feine, mehrschichtige

B-Protect®-Versiegelung wird in einem aufwendigen

Produktionsverfahren im Werk aufgebracht, schließt

die Holzoberfläche vollständig und schützt so zuverlässig

und dauerhaft vor den Einflüssen des Alltags.

Dabei ist die Oberflächenbehandlung frei von Weichmachern

und anderen bedenklichen Inhaltsstoffen

und entspricht dem hohen Anspruch des Schweizer

Premiumherstellers an 100 % Wohngesundheit.

B-Protect® ist neben naturgeölt und matt versiegelt

die dritte Oberflächenbehandlung von Bauwerk Parkett

und steht bei 13 Parkettkollektionen und für viele

Farben zur Auswahl.

2025 feiert Bauwerk Parkett sein 90-jähriges Bestehen.

Seit Ernst Göhner 1935 mit dem ikonischen

Klötzli-Parkett den Grundstein legte, prägt das Unternehmen

die Branche mit Innovationskraft und

Schweizer Ingenieurskunst. Heute ist Bauwerk Parkett

Teil der international führenden Bauwerk Group

und gilt als Weltmarktführerin für nachhaltiges Qualitätsparkett

– ein Jubiläum, das Tradition und Zukunft

gleichermassen verbindet.

Bauwerk Group Österreich GmbH

T +43 (0)662 873 871 0

salzburg@bauwerk.com

www.bauwerk-parkett.com


www.architektur-online.com

107

Produkt News

Beleuchtungskonzept mit Vorbild-Charakter

Mit der Frida-Kahlo-Schule in Schweich/DE ist ein

Vorzeige-Beispiel für integrative Bildungsarchitektur

gelungen. Der Entwurf für die inklusionsorientierte

Schule stammt aus der Feder der NAK Architekten

aus Berlin: Großzügige Verglasungen, warme Materialkontraste

und eine klare Zonierung schaffen eine

angenehme Atmosphäre, die Orientierung und Teilhabe

fördert. Ein zentrales Element dabei: die gezielt

geplante, nutzungsspezifische und ressourcenschonende

Beleuchtung. Regiolux und Lichtwerk lieferten

die passenden LED-Lösungen, ausgerichtet auf die

besonderen Anforderungen eines inklusiven Schulalltags.

In sämtlichen Funktionsbereichen der Schule

– vom Klassenzimmer über Mehrzweckräume bis hin

zu Küche und Dreifeld-Sporthalle – kommt Licht als

aktiver Gestaltungs- und Unterstützungsfaktor zum

Tragen. Das Zusammenspiel robuster, effizienter

Technik und einer bedarfsorientierten Konzeption

führte zu einem durchgängigen Beleuchtungssystem,

das sowohl funktionale als auch emotionale Anforderungen

erfüllt.

Regiolux GmbH

T +49 (0)9525 89 0

info@regiolux.de

www.regiolux.de

SAY HELLO

TO YOUR NEW WAY

OF WORKING

Lasst sie uns willkommen heißen:

die Zukunft des Raumes, des Arbeitens,

Entspannens, Connectens.

Besuchen Sie uns in unserem

Showroom in Wien.

interstuhl.com


architektur FACHMAGAZIN

108

Produkt News

© Christian Flatscher

Akustiklösungen aus Holz

Ob Bildungseinrichtung, Büro, Gastronomie oder Konzertsaal – Akustiklösungen

schaffen Räume, in denen Sprache und Musik ihre volle Qualität entfalten. Im niederösterreichischen

Waldviertel entwickeln die Experten von Trikustik seit 20 Jahren

Akustikpaneele aus Holz.

Ihr Ziel ist dabei, Räume an Decke oder Wand nicht

nur optisch hochwertig zu gestalten, sondern gleichzeitig

auch die Raumakustik zu optimieren. Die Basis

bilden dabei Holzplatten in unterschiedlichsten

Materialien und Oberflächen, welche mit speziellen

akustischen Perforationen bearbeitet werden. Die

Palette reicht von Mikroperforation über lineare Nuten

in Leistenoptik bis hin zu klassischen Lochungen.

Architektinnen und Planende erhalten mit Trikustik

einen Partner, der Funktion, Gestaltung und Umsetzbarkeit

gleichermaßen im Blick behält. Ein benutzerfreundlicher

Online-Konfigurator und ein Raumakustikrechner

unterstützen bei der Auswahl der

passenden Material-Perforations-Kombination. Planende

erhalten zusätzlich auf Wunsch persönliche

Beratung im gesamten Projektverlauf und durch die

Vielfalt an Optionen werden auch bei knappen Budgets

gute Lösungen mit dem Material Holz möglich.

Alle Trikustik-Paneele werden dabei auftragsbezogen

in Österreich gefertigt, mit modern ausgestatteten

Anlagen und langjährigem Knowhow.

Deckenverkleidung mit

TRIKUSTIK MIKROFORM

im Gasthaus Vilsalpsee

© Schreyer David

Trikustik Gesmbh

+43 (0)2828 7401 13

www.trikustik.at

Akustikdecke mit

TRIKUSTIK LOCHFORM

in der Musikschule Ebbs


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Produkt News

Fotos: Kurt Hörbst

Farben, Funktion und Verantwortung

Mit der neuen Volksschule Pichling setzt die Stadt

Linz gemeinsam mit der ILG Immobilien Linz GmbH

als Bauherr ein starkes Zeichen für zukunftsfähige

Bildung, nachhaltige Architektur und durchdachtes

Design. Der zweigeschossige Neubau überzeugt

durch kompakte Bauweise, lichtdurchflutete Räume

und ein klares pädagogisches Konzept.

Farblich setzt das Gebäude auf warme Grüntöne

und natürliche Materialien. Besonders in den Begegnungszonen

– wie Marktplätzen oder dem Treppenhaus

– kommt Kugelgarn® von Fabromont in grüner

Sonderfarbe zum Einsatz. Der textile Bodenbelag

erfüllt in Schulen gleich mehrere zentrale Funktionen:

Er reduziert Trittschall und sorgt damit für eine

ruhige Lernumgebung. Seine besondere Struktur ist

äusserst strapazierfähig und widersteht auch starker

Beanspruchung durch Schultaschen, Mobiliar

oder häufige Reinigung. Gleichzeitig ist Kugelgarn®

pflegeleicht und fleckenunempfindlich – wichtig in

einem Umfeld, in dem täglich viele Kinder unterwegs

sind. In der VS Pichling ergänzt der Bodenbelag die

natürliche Materialwahl und trägt zu einem harmonischen

Gesamtbild bei – funktional, langlebig und

visuell ansprechend.

Fabromont AG

T +41 (0)26 497 88 11

kontakt@fabromont.ch

www.fabromont.ch

SILENCIO – Ruhe

in Bewegung.

Drehbare Liegen, die sich

jeder Blickachse anpassen –

für entspannte Momente

und perfekt inszenierte

Landschaftsräume.

ÜBER 50 JAHRE

Stausberg Stadtmöbel GmbH

4531 Kematen a. d. Krems

Telefon +43 (0)7258 / 5711

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Produkt News

Raumgestaltung auf Fünf-Sterne-Niveau

Die Einrichtungsexperten von Home Interior sind immer dann gefragt, wenn es

um die Konzeption und Umsetzung kreativer Hotelausstattungen und exklusiver

Raumgestaltungen in privaten Projekten geht. Um seinen Kunden neueste Stil- und

Einrichtungstrends zu präsentieren, entschloss sich das Unternehmen zu einer

Komplettrenovierung seines Showrooms in Mils.

Auf großzügigen Ausstellungsflächen und in separaten

Raumszenarien werden dort Lösungen für die verschiedenen

Hotelbereiche von Lobby und Rezeption

bis hin zu Bar und luxuriösen Zimmerausstattungen

mit allen Sinnen erlebbar. Damit die Präsentationen

ihre ganze Wirkung entfalten können, sind sie bis ins

Detail sorgfältig komponiert – für jede Koje und jeden

Ausstellungsbereich gab es von Home Interior

ein Designthema mit detaillierten Vorgaben zu Farbklima,

Einrichtung und Tapeten. Die Wahl des Farbspektrums

fiel schließlich auf vorwiegend dunkle

Farbtöne, die einen perfekten Hintergrund für Möbel,

Leuchten und Designobjekte bilden, und auf Produkte

vom Farbspezialisten und Farbhersteller Brillux.

Für die Decken fiel die Wahl Superlux 3000, um extrem

gleichmäßige, stumpfmatte Oberflächen zu erzielen.

Darüber hinaus kam Sedashine 991 zum Einsatz, eine

seidenmatte Innendispersion für gut reinigungsfähige

Decken- und Wandanstriche. Die Holzoberflächen

der Regalsysteme, Verblendungen und Dekorationselemente

wurden mit Hydro-PU-Tec Seidenmattlack

2088 beschichtet.

Brillux Farben GmbH

T +43 (0)732 370740-0

info@brillux.at

www.brillux.at


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Produkt News

Vom Holzabfall

zum nachhaltigen

Wandrahmen

Die bewährte Trennwand Lindner Life Stereo 125

mit frontbündiger Verglasung geht mit der Zeit und

folgt dem Trend des umweltfreundlichen, zirkulären

Bauens: Unter dem Namen Lindner Life Stereo_GCC

gibt es die Glaswand ab sofort in einer noch nachhaltigeren

Ausführung. Dabei setzt der Hersteller

anstelle eines Aluminiumrahmens auf einen Rahmen

aus GCC – einem Holzwerkstoff mit weltweit einzigartig

hohen Naturfaseranteil. Als Doppelverglasung

sorgt das Lindner Trennwandsystem für Separation

und Transparenz in allen Räumlichkeiten. Der schiefergrau

geölte GCC Holzrahmen unterstreicht dabei

einen eleganten, lichtdurchfluteten Raumcharakter.

GCC (German Compact Composite) enthält in seiner

Grundrezeptur bis zu 75 % Naturfasern, welche

aus Abfällen der Hobel- und Sägeindustrie stammen.

Diese werden in einem patentierten Herstellungsverfahren

zerkleinert und im trockenen Zustand mit

recyceltem Kunststoff, Bindemitteln und Farben vermischt.

Unter hohem Druck wird das Gemenge anschließend

in die erforderliche Form gepresst und

bildet den stabilen, langlebigen Rahmen der Lindner

Life Stereo_GCC.

Lindner GmbH

T +43 (0)2252 86160-0

austria@lindner-group.com

www.lindner-group.at

Freiheit in der Architektur

Das schlanke Verbund tragwerk von Peikko

DELTABEAM®

Verbundträger

ATLANT® Strong

Verbundstütze

www.peikko.at/atlant


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112

Produkt News

Fotos: HASSLACHER Gruppe | Rahel Welsen

Birken-Brettschichtholz

schont Ressourcen

Der europäische Wald befindet sich in einem Veränderungsprozess und der ökologisch,

klimatisch und wirtschaftlich sinnvolle Umbau hin zum Mischwald eröffnet

auch dem Ingenieurholzbau neue Chancen. Als Vorreiter beim Einsatz von Brettschichtholz

aus Laubhölzern ist die HASSLACHER Gruppe bereits heute in der

Lage, diese Entwicklung als Vermittler hinein in die Architektur zu tragen.

Hierbei zeichnet sich insbesondere das Brettschichtholz

der Holzart Birke durch eine unvergleichliche

Optik und hohe mechanischen Eigenschaften aus.

Weit gespannte Tragwerke bzw. Trägersysteme sind

bei gleichzeitig hohen Ansprüchen an die Ästhetik

umsetzbar. Durch die hohen mechanischen Eigenschaften

ist eine ausgesprochen wirtschaftliche Bauweise

möglich und die relativ hohe Rohdichte sowie

die Struktur der Holzart Birke sorgt für hohe Festigkeiten

der Verbindungsmittel.

Ein Beispiel für die Einsatzmöglichkeiten der Produkte

der HASSLACHER Gruppe ist der Neubau des

Verwaltungsgebäudes der Kreisverwaltung Mainz-

Bingen: Das Bürogebäude wurde fast vollständig in

Holzbauweise errichtet, wobei sich durch modulare

Fertigung, Birken-Brettschichtholz und eine flexible

Raumstruktur die Bauzeit um ein Jahr verkürzte.

Die insgesamt eingesetzten 2.000 m³ Holz entzogen

der Atmosphäre rund 2000 t CO 2 während dessen

Wachstumsperiode, zusätzlich spart der energieeffiziente

KfW55-Standard jährlich 200 t CO 2 .

Mehr erfahren

HASSLACHER Gruppe

T +43 (0)4769 22 49 – 0

info@hasslacher.com

www.hasslacher.com

Das Brettschichtholz der Holzart Birke für

die Stützen und Träger (ca. 313 m³) sowie das

Brettsperrholz ausgestattet mit der HASSLACHER

Exzellentoberfläche in Birke (50 m³) wurden von

der HASSLACHER Gruppe geliefert.


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Produkt News

Maßgeschneiderter Luxus

Nur wenige Gehminuten vom malerischen Ortskern St. Wolfgang entfernt liegt

die „Seevilla“, die anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des traditionsreichen

Familienbetriebs renoviert wurde. Die Vision für das Um- und Erweiterungsprojekt

stammt aus dem Jahr 2018 und wurde vom Architekturbüro Kirchmayr Planung

GmbH in mehreren Phasen realisiert.

In der erst kürzlich fertiggestellten Makeover-Phase

wurden der dritte und vierte Stock komplett abgetragen

und in moderner Holzbauweise neu aufgebaut.

Zusätzlich wurde der Dachraum im Ostteil angehoben,

die oberen Stockwerke an das Design und Ambiente

der vorhandenen Zimmer und der öffentlichen

Bereiche angepasst. Im Zuge des Ausbaus entstanden

acht neue, individuell gestaltete Luxuszimmer

und Suiten. Zudem wurde das Angebot durch einen

Massageraum sowie ein hochwertig ausgestattetes

Fitness- und Yogastudio ergänzt.

Die besondere Herausforderung bei diesem Projekt

war der hohe gestalterische Anspruch: Jedes neue

Zimmer des hochwertigen Boutique-Hotels wurde

als Unikat mit individuellem Grundriss geplant, wobei

diese sich teilweise in schwer zugänglichen Giebelbereichen

befanden. Dieser Umstand erforderte beim

trockenen Innenausbau besondere Präzision. Ausgeführt

von der Edelsbacher & Staudinger Bau GmbH

fanden beim anspruchsvollen Trockenausbau vielfältige

Materialien Verwendung, darunter hochwertige

RIGIPS Bauplatten, strapazierfähige Feuerschutzplatten

sowie speziell imprägnierte Platten, die sich

ideal für Feuchträume eignen. Zudem wurde in den

Duschen sowie bei einigen kleinen Außenecken die

hoch feuchtigkeitsbeständige, vliesarmierte Gipsplatte

Glasroc X verbaut.

Saint-Gobain Austria GmbH

RIGIPS Austria

T +43 (0)3622 505-0

rigips.austria@saint-gobain.com

www.rigips.at


architektur FACHMAGAZIN

114

Produkt News

Türmodernisierung mit Anspruch

Das Deutsche Museum in München begrüßt jährlich etwa 1,5 Millionen Besucher. Um

das Gebäude und die Ausstattung auf den aktuellen Stand zu bringen, erfährt das

Hauptgebäude auf der Münchner Museumsinsel eine umfangreiche Generalsanierung.

Die Renovierung erfolgt schrittweise und soll bis

zum 125. Jubiläum des Museums im Jahr 2028 abgeschlossen

sein. Trotz der Baumaßnahmen bleiben

zahlreiche wertvolle Exponate in ihren Ausstellungsräumen,

was das Projekt besonders anspruchsvoll

gestaltet. Die Modernisierung der Türen erfordert

dabei aufgrund verschärfter Brandschutzvorschriften

eine fundierte Fachkenntnis. In der ersten Phase

der Bauarbeiten hat Teckentrup seine Expertise im

Brandschutz unter Beweis gestellt, indem mehr als

200 Stahltüren installiert wurden, um den aktuellen

Sicherheitsstandards gerecht zu werden.

Das Projekt stellt aufgrund des laufenden Museumsbetriebs

und des erforderlichen Notfallwegekonzepts

hohe Anforderungen an die Planung und Durchführung

der Installation. Selbst breite Durchgänge müssen

im Ernstfall zuverlässig verschlossen werden

können, während Fluchttüren sofort erkennbar und

leicht zu öffnen sein müssen. Die Sicherheitsfunktionen

wurden so gestaltet, dass sie nicht nur die aktuelle

Situation abdecken, sondern auch in Zukunft

die Sicherheit von Besuchern und Exponaten gewährleisten.

Das Beispiel des Deutschen Museums

verdeutlicht, dass durch eine enge Zusammenarbeit

solche Lösungen gefunden werden können.

Teckentrup GmbH & Co. KG

T +43 (0)676 6743130

stephan.rist@teckentrup.biz

www.teckentrup.biz


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Produkt News

Fotos: Jonathan Sage

Zwei Häuser, ein Ensemble

Der Wunsch der Bauherren war klar: Ein Wohnensemble schaffen, das nicht den

typischen Eindruck eines Doppelhauses vermittelt. Dabei wurde eine der beiden

Doppelgaragen zwischen den beiden Haushälften positioniert – als gestalterisches

und räumliches Bindeglied.

Gleichzeitig schwebte den Planern von WSM Architekten

und den künftigen Bewohnern ein Wohngefühl

vor, das sich in Richtung Garten und Natur großzügig

öffnet. Zur Straße hin hingegen sollte das Haus

bewusst geschlossener wirken, um Rückzug und Privatsphäre

zu schaffen. Auf der Gartenseite entstand

ein geschützter Innenhof, der beiden Wohneinheiten

eine eigenständige, fast solitäre Anmutung verleiht –

vergleichbar mit zwei Einfamilienhäusern.

Besonders gut gelingt dieses Zusammenspiel aus Offenheit

und Geborgenheit durch Fenster und Türen

von Josko: Rahmenlose Fixverglasungen und Schiebetüren

mit nur dezentem Rahmen, die den Blick nach

draußen kaum stören und das Naturerlebnis im Innenraum

spürbar machen. Auch die Haustür mit rahmenlosem

Seitenteil ist weit mehr als nur ein Eingang: Sie

lässt Tageslicht ungehindert in den Eingangsbereich

strömen und schafft eine helle Atmosphäre, die besonders

einladend wirkt.

Josko Fenster

& Türen GmbH

T +43 (0)7763 2241-0

office@josko.at

www.josko.at


architektur FACHMAGAZIN

116

Produkt News

Mit Stil und Stärke

In der vierten Generation vereint der neue Mitsubishi Outlander ein markantes Design,

serienmäßigen Allradantrieb sowie Premium-Komfort in japanischer Perfektion.

Speziell für den europäischen Markt konzipiert, setzt der Outlander darüber

hinaus technologische Maßstäbe: Der komplett überarbeitete Plug-in-Hybrid-Antriebsstrang

bietet eine deutlich höhere elektrische Reichweite, eine absolut

nahtlose Beschleunigung und effizienten Fahrkomfort.

Das intelligente Allradsystem S-AWC (Super-All

Wheel Control) basiert auf der legendären Offroad-Kompetenz

von Mitsubishi und wurde dank der

sieben wählbaren Fahrmodi gezielt für maximale

Traktion und Stabilität weiterentwickelt.

Im Innenraum strahlt das hochwertige Ambiente

höchste Qualität aus – geprägt durch japanische

Handwerkskunst und viel Liebe zum Detail.

Der neue Outlander ist zudem mit zahlreichen Fahrerassistenzsystemen

ausgestattet, darunter Notbrems-

und Spurhalteassistent, Müdigkeitswarner

sowie ein intelligentes Cockpit mit digitaler Fahrzeugüberwachung.

Die Sicherheit wird durch ein neu

eingeführtes Garantiepaket von bis zu 8 Jahren oder

160.000 km, bestehend aus 5 Jahren Werksgarantie

und 3 Jahren erweiterter Garantie, weiter gestärkt.

www.mitsubishi-motors.at


www.architektur-online.com

117

Produkt News

Gebaut aus 100 %

SCHROTT

Neues Plissee-System

Im August 2025 hat Anwis mit EVIE ein neues Produkt vorgestellt:

Das moderne Plissee-System ergänzt die bestehende

Lösung und besteht aus hochwertigen Aluminiumschienen

sowie passenden Adaptern, Spannschuhen und

Bediengriffen aus Kunststoff. Alle Teile werden nach Maß

angefertigt, die Aluminiumschienen gibt es standardmäßig

in zwölf verschiedenen Farben mit hierauf abgestimmten

Kunststoffteilen. Zudem ist das neue System mit allen von

Anwis bekannten Stoffen aus der neuen Kollektion kombinierbar.

Hierzu zählen 373 verschiedene Plissee- und weitere

179 Wabenplisseestoffe. EVIE ist sowohl für rechteckige

Fensterformen geeignet als auch für Trapeze, Dreiecke, Vielecke

und Halbkreise – jeweils kompatibel mit verschiedenen

Glasleisten.

ANWIS Sp.z o.o.

T +49 (0)699 501 96 31

info@anwis.de

www.anwis.de

Architekt: Hadi Teherani Architects

Echte Kreislaufwirtschaft

mit End-of-Life-Aluminium.

Die beim Innovationsbogen Augsburg

eingesetzten WICONA Fassadensysteme

stammen zu 100% aus recyceltem

End-of-Life-Aluminium – also Aluminiumschrott,

der seinen gesamten Lebenszyklus

bereits durchlaufen hat. Das hat

insgesamt 517 Tonnen CO 2

eingespart.

So geht echte Kreislaufwirtschaft!

© HGEsch Photography


architektur FACHMAGAZIN

118

Produkt News

Fotos: Hertha Hurnaus

Schiebesystem für höchste Ansprüche

Im 5. Wiener Gemeindebezirk Margareten wurde von feld72 Architekten eine

jahrzehntelang bestehende Baulücke geschlossen. Gestalterischer Blickfang des

Projekts ist die filigran detaillierte Glasfassade, die einen Altbau umschließt und

zugleich hervorhebt: Mit industriellen Anklängen verweist die neue Gebäudehülle

auf den Bestand, während eine vorgelagerte gläserne Pufferzone ihr Leichtigkeit

und räumliche Tiefe verleiht.

Durch die einen Meter breite gläserne Pufferzone

in den Wohngeschossen entsteht nicht nur visuelle

Tiefe: Als wandelbare, vor Lärm und Witterung geschützte

Wintergärten konzipiert lassen sich diese

Bereiche mittels raumhoher Schiebeelemente des

Systems Proline S Mega von Solarlux flexibel öffnen

und zu luftigen Loggien verwandeln. Die Glaselemente

sind hinter ein filigranes Geländer aus

feinmaschigem Streckmetall gesetzt, davor sorgt

ein textiler Vorhang aus semitransparentem Metallgewebe

für beweglichen Sicht- und Sonnenschutz.

Die Schiebeanlagen bestehen – je nach Wohnungsbreite

– aus vier oder sechs Elementen mit Höhen

von 2576 mm und Breiten bis 1157 mm. Zwei bzw.

drei Elemente lassen sich nach links und rechts auf

flachen Bodenschienen verschieben, um die Fassade

großzügig zu öffnen. Kugelgelagerte Edelstahl-Laufwagen

mit wartungsarmen Rollen sorgen für eine leise

und mühelose Bedienung.

Solarlux Austria GmbH

T +43 (0)512 209023

info.at@solarlux.com

www.solarlux.com/showroom-wien


www.architektur-online.com

119

Produkt News

Großprojekt in London

40 Leadenhall Street ist eines der größten Bauprojekte, das bis dato in der

historischen Londoner City realisiert wurde: 85.000 m 2 Nutzfläche mit teils 100

Meter langen Achsen, für 10.000 Gebäudenutzer. Der elegante Entwurf von

Make Architects, mit zwei Türmen auf einem gemeinsamen Podium, ist von den

nordamerikanischen Wolkenkratzern des frühen 20. Jahrhunderts inspiriert und

in vertikalen „Slices“ angeordnet, die von 34 Stockwerken am Ende der Leadenhall

Street auf 7 Stockwerke zur Themse hin abfallen, mit 17 Außenterrassen auf

unterschiedlichen Höhen.

Fotos: Jack Hobhouse

Für die vom Fassadenbauer Focchi realisierte Glasfassade,

ein „unitised System“ mit strukturell silikongeklebter

Doppelverglasung, lieferte AGC Interpane

mehr als 30.000 m 2 „Stopray Vision 60“-Sonnenschutz-Isolierglas,

beidseitig als Verbundsicherheitsglas

aufgebaut, mit integrierter Wärmedämmung und

einer keramischen Randbedruckung, die die Dichtungen

optisch verbirgt und sie gleichzeitig schützt. Die

großformatigen Elemente dafür wurden komplett im

Werk vormontiert und mit Rahmenprofilen aus Edelstahl,

strukturell silikongeklebten Zweifach-Isolierverglasungen,

Dichtungen und Beschlägen versehen.

Die fertigen Module wurden anschließend auf die

Baustelle geliefert und dort mit dem Gebäude verbunden,

Element für Element, wie Legosteine: Die

Module konnten so unabhängig vom Innenausbau

montiert werden und durch die Werkstattfertigung

unter kontrollierten Bedingungen werden zudem

hohe Qualität und bessere Abdichtung erzielt.

INTERPANE

Isolierglasgesellschaft mbH & Co. KG

T+43 (0)2166 2325-0

parndorf@agc.com

www.agc-interpane.com


architektur FACHMAGAZIN

120

Produkt News

Von Generation zu Generation

Bauder ist als inhabergeführtes Familienunternehmen seit vier Jahrzehnten in

Österreich präsent. Mit rund 170 Mitarbeitern, einem Produktionswerk bei Bruck

an der Leitha (NÖ) und kontinuierlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung

ist Bauder heute einer der führenden Anbieter für sichere und nachhaltige

Dächer in Europa.

Nun schlägt das Unternehmen in Österreich ein neues

Kapitel auf: Nach 18 Jahren an der Spitze geht

Günther Murauer in den wohlverdienten Ruhestand.

Die Geschäftsleitung übernimmt ab 1. Jänner 2026

sein langjähriger Weggefährte Stefan Roithmair, der

seit 28 Jahren im Unternehmen tätig ist. Unter seiner

Führung sollen Themen wie Dachbegrünung, Retention

und die Nutzung des Dachs als Energiequelle

weiter an Bedeutung gewinnen und Architekten,

Landschaftsplaner und Städtebauer in Bauder einen

Partner finden, der diese Entwicklungen aktiv mitgestaltet.

Ein Meilenstein in dieser Entwicklung ist das

Produktionswerk in Bruck an der Leitha. Dort errichtete

Bauder Österreichs größtes Solargründach, das

mit einer Leistung von 2.550 kWp Strom für rund 750

Haushalte erzeugt. Damit schafft das Unternehmen

nicht nur eine nachhaltige Energiequelle, sondern

zeigt auch, dass moderne Industrieproduktion und

ökologische Verantwortung Hand in Hand gehen

können. Für Architekten und Planer bedeutet dies:

Planungssicherheit und Zugang zu innovativen Lösungen

aus einer Hand.

Digitale Unterstützung für Planer

Damit innovative Lösungen auch in der Praxis

schnell und effizient umgesetzt werden können, bietet

Bauder ein besonderes Service: den Flachdach-

Navigator. Dieses digitale Planungswerkzeug unter-

Stefan Roithmair und Günther Murauer

stützt Architekten und Fachplaner bei der Erstellung

von Ausschreibungen für Flachdächer. Von der Wahl

der richtigen Dachaufbauten bis hin zu fertigen Ausschreibungstexten

liefert der Navigator praxisnahe

Hilfestellung – einfach, schnell und zuverlässig. Mehr

dazu unter: www.flachdach-navigator.at

Bauder GesmbH

T +43 (0)7229 69130-0

info@bauder.at

www.bauder.at


www.architektur-online.com

121

Produkt News

Sturmfest mit Charakter

Direkt am Hamburger Hafen, wo Wind und Regen zum Alltag gehören, entstand mit

dem Präventionszentrum der Berufsgenossenschaften BGW und VBG ein architektonisches

Statement für Beständigkeit und Fürsorge. Die monolithisch wirkende

Gebäudehülle aus Glasfaserbeton schützt wie ein maßgeschneidertes Schild vor

den Elementen und vereint dabei skulpturale Form mit funktionaler Präzision.

Fotos: Ditz Fejer

Rund 17.000 m² individuell entwickelte formparts

und flache Großformatplatten von Rieder verbinden

Technik und Ästhetik zu einer langlebigen Lösung,

die den Anforderungen an Wetterbeständigkeit,

Leichtbau und Montagefreundlichkeit in exponierter

Lage gerecht wird.

Rund 2.645 vertikale Lisenen in Doppel-U-Profil,

2.500 horizontale Brüstungsprofile in U-Form und

ca. 1.500 m² Platten wurden in sechs speziell entwickelten

Rotnuancen gefertigt – Farbtöne, die Rieder

gemeinsam mit den Architekten und dem Bauherrn

in einem mehrstufigen Abstimmungsprozess speziell

für dieses Projekt erarbeitete. Neben den Sonderfarben

kamen auch zwei unterschiedliche Oberflächen

zum Einsatz: Die vertikalen Lisenen wurden in der

Ausführung ferro light, die horizontalen Brüstungen

in ferro plus realisiert. Die unterschiedlich stark

sandgestrahlten Oberflächen sorgen für optische

Tiefe und ein abwechslungsreiches haptisches Erlebnis

und machen die Fassade nicht nur visuell, sondern

auch taktil erfahrbar.

Rieder Facades GmbH

T +43 (0)6542 690-844

office@rieder.cc

www.rieder.cc


architektur FACHMAGAZIN

122

Produkt News

Schimmernde Keramikhüllen

Im Zuge der Neubebauung ehemaliger Industrieareale im Londoner Westen

entsteht derzeit ein landschaftlich gestaltetes Mischnutzungsquartier namens

White City Living. Dazu gehört auch ein Ensemble aus Wohnhochhäusern, bei

deren Fassadengestaltung sich die Architekten von der Natur und den Farben der

Jahreszeiten inspirieren lassen.

Entsprechend repräsentieren die bislang

fertiggestellten Gebäude Cascades One

und Cascades Two mit ihrem Erscheinungsbild

in Blau und Rot den kühlen Winter und

die Wärme des Sommers. Zwei weitere Gebäude

mit den Gelbtönen des Herbstes und

Grüntönen des Frühjahrs werden das Ensemble

vervollständigen.

Als Bekleidungsmaterial fiel die Wahl auf

glasierte Keramikplatten von MOEDING.

Auf Wunsch der Architekten sollten dabei

lebendige, natürlich anmutende Glasuren

in verschiedenen Farbabstufungen entstehen.

Vier Blau- und vier Rottöne in jeweils

gebäudespezifischen Sonderformen hüllen

nun die expressiven, weit sichtbaren Türme.

Für die lebendige Farbanmutung entwickelte

MOEDING vier sogenannte Fusion Glazing

Effektglasuren. Diese setzen sich aus

zwei Glasurschichten zusammen, die beim

Brennvorgang miteinander reagieren. Dabei

entstehen außergewöhnliche Farbeffekte

sowie eine unregelmäßige Haptik, durch die

jede Platte zum Unikat wird. Die im Einbrandverfahren

mit Temperaturen bis 1.200 Grad

Celsius erzielten Fusionsglasuren erweitern

die Farbvielfalt und schaffen dadurch noch

individuellere Gestaltungsmöglichkeiten.

Moeding Keramikfassaden GmbH

T +49 (0)8732 2460-0

info@moeding.de

www.moeding.de

Fotos: Koy+Winkel


www.architektur-online.com

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Produkt News

Klimaneutrale Büros

Die „Einpark Offices“ in Bratislava sind das erste

Projekt in der Slowakei, das mit den Zertifizierungen

LEED Platinum und LEED Zero Carbon ausgezeichnet

wurde. Der Gebäudekomplex, entworfen vom slowenischen

Büro OFIS Arhitekti und realisiert vom Immobilienentwickler

Corwin, besteht aus einem Wohnturm

und einem siebengeschossigen Bürogebäude mit insgesamt

16.000 m² Fläche.

Ein wesentlicher Bestandteil des Architekturkonzepts

baut dabei auf keramische Fliesen, die von RAKO geliefert

wurden: Für die Terrassen und Balkonflächen

wurden unglasierte Feinsteinzeugfliesen der Serie

Kaamos Outdoor verwendet. Diese Fliesen sind widerstandsfähig,

pflegeleicht und eignen sich ideal für stark

beanspruchte Außenbereiche. Die helle Farbgebung

der Fliesen und der Fassaden trägt zur Reduzierung

der sommerlichen Wärmelasten bei, was den thermischen

Komfort im Inneren verbessert und den energieeffizienten

Betrieb unterstützt. Die Fliesen erfüllen

außerdem die strengen ökologischen Anforderungen

der Kreislaufwirtschaft: Bei der Herstellung werden zu

95 % lokale, natürliche Rohstoffe verwendet. Produktionsabfälle

wie ungebrannte Scherben und Staub werden

aufbereitet und erneut dem Produktionszyklus

zugeführt. Das Projekt Einpark Offices ist ein gelungenes

Beispiel dafür, wie Gestaltung, Funktionalität und

Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können, um eine

zukunftsfähige Architektur zu schaffen.

LASSELSBERGER, s.r.o.

info@rako.eu

www.rako.eu

Fotos: Rako

AVA und Kostenplanung für

Architekten und Ingenieure

CaliforniaX im BIM-Prozess

Verarbeitung von E-Rechnungen

(XRechnung und ZUGFeRD) nach EN 16931.

gw-software.de

nach

ÖNORM

A2063


architektur FACHMAGAZIN

124

Produkt News

© wienerberger Österreich/Bianca Gadnik

(v. l .n. r . ) : Johann Marchner (Country Managing Director von wienerberger Österreich und Pipelife Austria) , Peter Molnar (Bürgermeister von

Krems) , Katharina Bock (Leyrer + Graf ) und Peter Haas (COO Leyrer + Graf ) vor dem neuen Kindergarten in Krems-Weinzierl, bei dem der

nahezu klimaneutral produzierte Porotherm Plan E Ziegel von wienerberger zum Einsatz kommt.

Nachhaltigkeit im Fokus

Dass der Einsatz von nachhaltigen Baustoffen sowohl für Gemeinden als auch Baufirmen

zunehmend an Bedeutung gewinnt, zeigt ein aktuelles Projekt im Stadtteil

Weinzierl in Krems. Dort wird in der Weidegasse ein neuer Kindergarten nach den

modernsten ökologischen und energetischen Standards errichtet: Der Entwurf des

L-förmigen, eingeschossigen und barrierefreien Neubaus auf einer Grundfläche von

4.300 m 2 stammt von der architektur krammer gmbh und wird von der Leyrer + Graf

Baugesellschaft m.b.H. umgesetzt.

Besonderer Wert wird bei diesem Projekt mit seinen

1.910 m 2 Nutzfläche auf nachhaltige sowie energieeffiziente

Maßnahmen gelegt. Deshalb kommen bei

der Außenhülle des Kindergartens rund 5.000 Stück

des innovativen sowie nachhaltigen Porotherm Plan

E Ziegels von wienerberger zum Einsatz. Produziert

im oberösterreichischen Werk Uttendorf, weist dieser

aufgrund seines elektrisch betriebenen Brennvorgangs

und einer neuen Rohstoffmischung einen

um 75 Prozent geringeren ökologischen Fußabdruck

als ein Vergleichsprodukt auf und bietet damit eine

zukunftsfähige Lösung für nachhaltige Bauprojekte.

Seit Ende 2024 wird der Porotherm Plan E Ziegel

in Uttendorf unter besonders umweltfreundlichen

Bedingungen hergestellt. Dafür wurde der bisherige

Gasofen zum Brennen der Tonziegel durch den

weltweit größten industriellen Elektroofen für Hintermauerziegel

ersetzt. Dieser Ofen wird vollständig

mit Ökostrom betrieben – ein Teil davon stammt aus

der werkseigenen Photovoltaik-Anlage. Durch seinen

Einsatz verbessert sich die CO 2 Bilanz der Hintermauerziegel

um 75 Prozent. Das entspricht einer Einsparung

von bis zu 7.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr.

wienerberger Österreich

T +43 (0)1 60503-0

office@wienerberger.at

www.wienerberger.at


www.architektur-online.com

Die neue

Elefantenmarke

Die SynthesaGruppe kündigt eine bedeutende

Markenumstellung an: Ab sofort werden

alle Synthesa- und Capatect-Produkte

unter der starken internationalen Marke

Caparol geführt. Diese Vereinheitlichung

und Vereinfachung bringt alle Produkte

unter das bekannte Elefanten-Logo von

Caparol – eine Marke, die für Qualität und

Zuverlässigkeit steht. Mit der Umstellung

werden auch die Marken Danske, Histolith

und Capatect zu Caparol-Produkten.

Mit rund 2900 Produkten, die nun unter

dem Markennamen Caparol laufen, wird die

Marke für alle Handelspartner noch übersichtlicher

und zugänglicher: Caparol wird

als die Produktmarke positioniert, die für

alle Oberflächenlösungen steht.

Synthesa Chemie Gesellschaft m. b. H.

T +43 (0)7262 560-0

office@synthesa.at

www.synthesa.at

125

Produkt News

Schalungs- und Gerüstlösungen, die überzeugen!

Mit PERI setzen Sie auf ein starkes Fundament für Ihre Bauprojekte.

Ob Hochbau, Infrastrukturbau oder Instandsetzung – mit PERI haben

Sie einen Partner, der Ihre Anforderungen versteht und umsetzt.

PERI. Schalungs- und Gerüsttechnik[er] aus Leidenschaft.

Schalung

Gerüst

Engineering

www.peri.at


architektur FACHMAGAZIN

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Produkt News

Eine Bühne der Mobilität

Im Tiroler Oberland entstand ein Neubau, der die Anforderungen moderner Mobilität

mit architektonischer Klarheit und konstruktiver Präzision verbindet. Der

zweigeschossige Schauraum mit über 1.100 m² öffnet sich großzügig zur Umgebung

und inszeniert Fahrzeuge in einem lichtdurchfluteten Raumgefüge. Direkt

angeschlossen ist eine 1.200 m² große Werkstatt, ergänzt durch separate Bereiche

für Lackierung, Spenglerei und alternative Antriebskonzepte und eine Tiefgarage

mit integriertem Reifenlager auf 1.600 m².

Die Tragstruktur des als Hybridbau aus Holz und

Stahlbeton umgesetzten Gebäudes basiert auf

DELTABEAM® Verbundträgern und Fertigteilstützen,

ergänzt durch die besonders schlanken ATLANT®

Strong Verbundstützen. DELTABEAM® ermöglicht

Spannweiten von bis zu 22 Metern und schafft damit

weitgehend stützenfreie Raumvolumen – bei gleichzeitig

minimaler Bauhöhe von nur 70 cm. Diese Kombination

erlaubt nicht nur architektonische Freiheit,

sondern trägt auch die hohen Lasten des als Parkdeck

genutzten Dachs effizient ab.

Die ATLANT® Verbundstützen schaffen klare

Sichtachsen und verleihen den Innenräumen eine

technische Eleganz, die sich harmonisch in das gestalterische

Gesamtkonzept einfügt. Ein besonderes

Merkmal ist die nahtlose Kombination unterschiedlicher

Deckensysteme: HBV-Decken sorgen im Schauraum

für ein warmes, materialehrliches Ambiente,

während in anderen Bereichen klassische Betondecken

zum Einsatz kommen – funktional und gestalterisch

präzise aufeinander abgestimmt.

Peikko Austria GmbH

T +43 (0)5523 521 210

austria@peikko.com

www.peikko.at


www.architektur-online.com

Digitale Ordnung

statt Datensilos

Tägliche Projektbesprechungen, vielfältige Planungsaufgaben,

enge Fristen – in Architekturbüros

laufen viele Prozesse parallel. Dabei entstehen laufend

neue Daten: von Stundenaufzeichnungen über

Besprechungsprotokolle bis zu Abrechnungsinformationen.

Entscheidend ist, wie diese Daten verarbeitet

und miteinander verknüpft werden. Noch

immer setzen viele Büros auf Excel-Listen, manuelle

Einträge oder einzelne Programme für Teilbereiche.

Diese Lösungen wirken auf den ersten Blick flexibel

– führen aber im Alltag häufig zu Ineffizienz, Datenverlust

oder Abstimmungsproblemen.

Integrierte Systeme, wie untermStrich, setzen genau

hier an: Sie vereinen alle relevanten Funktionen in einer

Plattform – von der Zeiterfassung über das Controlling

bis zur Kommunikation. Daten stehen zentral

zur Verfügung, sind aktuell und kontextbezogen verknüpft.

So wird nicht nur die Projekttransparenz erhöht,

sondern auch die interne Abstimmung deutlich

erleichtert. Für Architekt:innen bedeutet das: fundiertere

Entscheidungen, klarere Abläufe und mehr

Zeit für das Wesentliche – das Planen.

127

untermStrich software GmbH

T +43 (0)3862 58106-0

office@untermstrich.com

www.untermstrich.com

Produkt News

75%

weniger CO2


architektur FACHMAGAZIN

Nachhaltigkeit trifft

Ausschreibungskompetenz

Je früher man im Lebenszyklus ansetzt, umso besser

kann man die ökologischen Eigenschaften eines Bauwerks

positiv beeinflussen. Die ABK-Software unterstützt

diesen Ansatz, indem sie ÖKO-Daten direkt in

Leistungsverzeichnisse integriert. So wird beim Übergang

von der Planungs- in die Ausführungsphase eine

fundierte ökologische Bewertung möglich. Alle relevanten

Leistungen sind im Leistungsverzeichnis vollständig

abgebildet und bilden die Grundlage für lückenlose

Auswertungen im weiteren Bauprozess.

So können dank der ÖNORM-Schnittstelle A 2063 ökologische

Kennwerte reibungslos zwischen allen Beteiligten

im Ausschreibungs- und Abrechnungsprozess

ausgetauscht werden. Und mit dem Modul ABK-ÖkoA-

VA werden bei der Erstellung eines Leistungsverzeichnisses

lückenlos jene Bauleistungen identifiziert, die

beim geplanten Bauvorhaben hohe Umweltbelastungen

verursachen. Gleichzeitig können Alternativen aufgezeigt

werden.

128

ib-data GmbH | ABK Bausoftware

T +43 (0)1 492 5570-0

abkinfo@abk.at

www.abk.at

Produkt News

Deterministische

Intelligenz und BIM

Der neue Regelmanager für das Zusatzmodul zur

grafischen Mengen- und Kostenermittlung BIM2AVA

des AVA- und Baukostenmanagementsystem CaliforniaX

der G&W Software AG erleichtert erheblich

die Automatisierung bei der Verarbeitung von Bauwerksmodellen.

Eine mitgelieferte Standard-Zuordnung

enthält Regeln zur automatischen Filterung

und Gruppierung gleichartiger Bauteile und der Regelmanager

stellt sicher, dass sämtliche Bauteile erfasst

werden.

In die Neuentwicklung flossen viele Kundenanregungen

ein: So können etwa die Anwendenden eigene

Gruppierungsregeln speichern und als alternative

Vorlagen verwenden. So stellt der BIM-Regelmanager

eine große Optimierung dar und ermöglicht die

professionelle und einfache Nutzung von BIM2AVA.

Damit optimiert G&W mit der Version 25 des AVAund

Kostenplanungssystems CaliforniaX auch weiterhin

den BIM-Prozess. In RGBs, die mit einer früheren

CaliforniaX-Version über einen BIM2AVA-Import

erstellt wurden, bleibt die bisherige Arbeitsweise mit

dem Bauteilvariantenfenster unverändert.

G&W Software AG

T +49 (0)89 51506-4

info@gw-software.de

www.gw-software.de


www.architektur-online.com

Mehr Speed für die Planung

Das Update R3 macht aus der Planungssoftware

ELITECAD einen 3D Performance-Champion: Versuchsdaten

zeigen eine bis zu achtfach höhere Geschwindigkeit

beim Arbeiten mit Architekturmodellen in 3D, mit Spitzenwerten

bei Modellen bestehend aus mehreren Baukörpern

mit vielen Details oder Modellierung mittels Freiformen.

Das Update optimiert im 3D-Arbeitsmodus automatisch

die Darstellungsqualität für eine zügige Navigation, flüssiges

Zoomen und effizientes Modellhandling bei vollen

Planungsdetails. Ergänzend zum Performance-Boost und

weiteren Optimierungen bringt das kostenlose ELITECAD

Architecture 17 Update auch einen neuen Textur-Importmanager

zur einfachen, kommerziellen Nutzung von Premium-Texturen.

Alle weiteren Details zur aktuellen Version 17 von

ELITECAD Architecture sowie die Möglichkeit, die Software

30 Tage lang kostenlos und unverbindlich zu testen,

gibt es unter www.elitecad.eu/architecture-17.

XEOMETRIC GmbH

office@xeometric.com

www.elitecad.eu

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Produkt News

Viele Architekturbüros verlieren Zeit

und Geld durch ineffiziente Abläufe.

Mit untermStrich steuerst du Projekte,

Ressourcen und Finanzen zentral – für reibungslose

Prozesse und wirtschaftlichen Erfolg.

Jetzt Kennenlernvideo anschauen

untermstrich.com/kennenlernen


architektur FACHMAGAZIN

130

edv

Baustellen-Dokumentation

Rationell und rechtssicher dokumentieren

Baustellen-Apps dokumentieren Montageaktivitäten, die aktuelle Situation

vor Ort, Schäden oder Mängel. Einige vereinfachen auch die Mitarbeiterkommunikation

oder das Projektmanagement.

Text: Marian Behaneck

Eine konsequente und lückenlose Baudokumentation

ist für alle Baubeteiligten von

Interesse. Anhand dieser Informationen

und Aufzeichnungen lassen sich Abläufe,

Sachverhalte, Mehrkostenasprüche oder

Streitfragen im Nachhinein klären. Auch

deshalb sieht die ÖNORM B 2110 eine

Dokumentationspflicht der ausgeführten

Bauleistungen vor, präzisiert und stärkt

in der aktualisierten Ausgabe 2023 deren

Bedeutung. Dabei müssen alle Vorkommnisse,

welche die Ausführung der Leistung

wesentlich beeinflussen können, schriftlich

festgehalten werden. Das kann in einem

Baubuch, einem Bautagesbericht oder in

einer anderen Dokumentationsform erfolgen,

die geeignet ist, um alle relevanten

Vorgänge nachvollziehbar aufzuzeichnen.

Allerdings ist die Umsetzung dieser Vorgaben

zeitaufwendig. Mit speziellen digitalen

Baudokumentationslösungen können Planer

und Ausführende den Anforderungen

der ÖNORM mit weniger Aufwand einfacher

nachkommen, Abläufe rationalisieren

und Medienbrüche vermeiden.

Dokumentations-Apps rationalisieren die Erfassung von Zuständen und Aktivitäten vor Ort

oder das Management von Mängeln.

© Philipp Schuster, DocuTools

Wie werden Baustellen digital

dokumentiert?

Eine zeitgemäße, rationelle Baudokumentation

erfolgt heute mit dem Smartphone

oder Tablett und einer App. Dabei werden

alle relevanten Vor-Ort-Informationen per

Foto und Textkommentar digital erfasst und

sofort Projekten, Aufträgen und Beteiligten

zugeordnet. Das erübrigt das nachträgliche

Eintippen, Sortieren, Verorten und Zuordnen

manuell notierter Daten im Büro. Eingabemasken

mit strukturierten Abfragen,

Textbausteine oder eine optionale Spracheingabe

beschleunigen die Datenerfassung

und sorgen dafür, dass man Wichtiges nicht

vergisst. Da bei der Baubuch-, respektive

Bautagesbericht-Erstellung oder Mängelverfolgung

auch Rechtliches und Fristen

zu beachten sind, unterstützt die Software

zudem das Erstellen rechtssicherer Unterlagen

oder die Fristenverfolgung. Neben

Fotos lassen sich auch Pläne oder Dokumente

einbinden, teilweise auch Sprachnotizen

oder Videosequenzen. Fotos können

in ihrer Größe, Helligkeit oder im Ausschnitt

etc. verändert und mit Hinweispfeilen, Maßen

oder Bildkommentaren ergänzt werden.

Wertet die App GPS-Daten der mobilen

Hardware aus, lassen sich Fotos außerdem

geografisch verorten. So lässt sich zuordnen,

was an welcher Baustelle fotografiert

wurde. Aus den erfassten Daten lassen sich

Baubücher, teilweise auch Bautagesberichte

sowie Protokolle oder Mängelberichte

im Firmenlayout generieren und per E-Mail

versenden.

Was können

Baudokumentations-Apps?

Damit Aktivitäten, Abläufe, Bau- oder Montagearbeiten

auf der Baustelle oder an gebäudetechnischen

Anlagen später gegebenenfalls

rechtsverbindlich nachvollzogen

werden können, sollten alle wesentlichen

Leistungen, Lieferungen und Tätigkeiten

sowie die jeweiligen Bedingungen möglichst

vor Ort dokumentiert werden. Erfasst

werden dabei unter anderem Wetterdaten,

anwesende (Sub-)Unternehmen, ausgeführte

Arbeiten, Materialeingänge, Mängel,

Behinderungen, Nachträge, Änderungen,

Baubegehungen, Besprechungs- und Prüfungsergebnisse,

Planübergaben, Aufmaße

oder besondere Vorkommnisse, aber auch

persönliche Notizen und anderes mehr. Daraus

entstehen wertvolle digitale Dokumen-


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131

edv

tationen, die bei Störungen des Bau- und

Montageablaufs oder Anlagenbetriebs, bei

strittigen Fragen, Nachtragsforderungen

oder bei der Ursachenforschung für Schäden,

Mängel oder Terminverzögerungen

wichtige Hinweise liefern können. Die Dokumentationen

können auch für Nachweise

bei der Rechnungsstellung, für die Projektdokumentation,

für spätere Wartungs-,

Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen oder

für die Bewirtschaftung verwendet werden.

Darin enthaltene Informationen zu verwendeten

Materialen, Produkten oder Planungsänderungen

sind dann sehr hilfreich. Cloudbasierte

Dokumentations-Apps bieten die

Möglichkeit, vor Ort erfasste Daten direkt

auf einem plattform-, zeit- und ortsunabhängig

zugänglichen Web-Server abzulegen.

Zugriffsberechtigte Projektbeteiligte

können damit für sie relevante und freigegebene

Berichte jederzeit online einsehen, sich

über den aktuellen Projektstand informieren

und eigene Informationen beisteuern,

was Abläufe erheblich verkürzt. Über eine

Benutzer- und Rechteverwaltung kann der

Administrator bestimmen, wer, welche Anzeige-/Bearbeitungs-,

Upload-/Downloadrechte

erhält. Werden die Daten statistisch

ausgewertet, können Fragen, beispielsweise

zur Dauer einer Mängelbehebung oder zur

Mängelanfälligkeit von Bauteilen oder Leistungen

beantwortet werden.

Welche Mobilhardware ist sinnvoll?

Aktuelle mobile Dokumentationslösungen

nutzen die Vorteile intuitiv bedienbarer

Smartphones oder Tablet-PCs sowie des

Mobile und Cloud Computing. Die unter

den mobilen Betriebssystemen Android

oder iOS laufenden nativen Apps oder

Web-Apps können einfach per Fingergesten

bedient, Vor-Ort-Bedingungen über

die integrierte Fotofunktion dokumentiert

und per Bildschirm-Tastatur oder digitaler

Mobile Doku-Apps ermöglichen eine schnelle Erfassung und Verortung von Mängeln,

die Erstellung von Berichten und vieles mehr. © PlanRadar

Sprachaufzeichnung kommentiert werden.

Ob sich Smartphones oder die größeren

Tablets mit oder ohne Tastatur besser

eignen, sollte jeder für sich entscheiden.

Wichtig ist, dass das Mobilgerät über eine

gute und hoch auflösende Digitalkamera

(ab 12 Megapixel) und über eine gute Display-Helligkeit

verfügt, die insbesondere

bei Dokumentationen in Außenbereichen

eine wichtige Rolle spielt. Welche Hardware

auch bevorzugt wird – sie sollte baustellen-,

respektive outdoortauglich sein oder durch

eine Zusatzausstattung (Gummiarmierung,

Gehäusehülle etc.) robust gemacht werden,

damit Staub und Nässe oder Stürze nicht

zum Problem werden. Bewährt haben sich

spezielle Rugged-Smartphones und Tablets

mit einem robusten Gehäuse. Damit Mängelprotokolle

nach der Erfassung sofort

versandt werden können, ist eine mobile

Internet-Verbindung Voraussetzung. Dann

kann man auch auf Büro- oder Projektdaten

zugreifen und mobil erfasste Daten sofort

mit den Bürodaten abgleichen. u

Wurde ein Problem entdeckt, ist es in wenigen

Minuten per Foto dokumentiert, …

© Gregor Schwarzacher, DocuTools

… per Kurztext beschrieben und kommentiert, im

Plan verortet und den beteiligten Personen und

Gewerken zugeordnet. © Pasit Software


architektur FACHMAGAZIN

132

edv

Welche Dokumentations-Apps gibt es?

Inzwischen gibt es zahlreiche mobile Dokumentationslösungen

(siehe Infokasten). Da

jede ihre Schwerpunkte mit unterschiedlicher

Detailtiefe hat, sollte man sich vorher

überlegen, welche Funktionen man konkret

braucht. Manche legen den Fokus auf die

Erstellung von Baubüchern, teilweise auch

Bautagesberichten, andere auf die Mängelerfassung

und Verwaltung. Einige Apps verfügen

über eine integrierte Chat- oder Messenger-Funktion

und ermöglichen damit

eine einfache und dokumentierte Kommunikation

mit Mitarbeitern oder Projektbeteiligten.

Andere Apps können auch Kunden, Aufträge,

Bauzeiten und Ressourcen verwalten

oder Mitarbeiterzeiten erfassen und anderes

mehr. Auch die Software-Konzepte sind

unterschiedlich: Kaufprogramme bestehen

aus einer lokal installierten PC-Software

und einer Kombination mit einer mobilen

Android- oder iOS-App für die Vor-Ort-Erfassung,

was eine halbautomatische Synchronisation

der Mobildaten mit den Daten

des lokalen Büro-PCs/Servers voraussetzt.

Cloud-, respektive SaaS-Lösungen (Software

as a Service), die als Web-App im Webbrowser

laufen, sind plattformunabhängig

und müssen weder aktualisiert werden noch

müssen die Daten vom Anwender synchronisiert

werden – das erfolgt vollautomatisch.

Dafür werden monatliche Nutzungsgebühren

fällig und es sind Mindestlaufzeiten und

Kündigungsfristen zu beachten. Alle Apps

sind kostenpflichtig, einige in der Basisversion

kostenfrei. Die Preise für Kaufprogramme

reichen von ca. 250 bis 2.000 Euro und

mehr pro Lizenz und ca. 20 bis 100 Euro pro

Benutzer und Monat und mehr für Cloudlösungen,

je nach Leistungsumfang. Hinzu

kommen gegebenenfalls einmalige oder laufende

Zusatzkosten für Wartungsverträge

(Kaufsoftware), respektive für die Einrichtung

oder Server-Nutzung (Mietsoftware).

Worauf sollte man achten?

Keine Dokumentations-Software kann alles.

So können nicht alle Fotos im Plan verorten

oder zwischen Planungs-, Material- und

Ausführungsfehlern unterscheiden. Auch

die Erfassungsmasken lassen sich nicht immer

modifizieren, um das Programm flexibel

an individuelle Aufgaben anzupassen – etwa

an wiederkehrende Wartungsarbeiten von

gebäudetechnischen Anlagen. Wichtig ist

auch, welche Funktionen und Automatismen

die Software für die Verwaltung und Auswertung

der vor Ort erfassten Daten bietet.

Auch hier sollte die Software flexibel sein,

damit man sie für die eigenen, individuellen

Anforderungen anpassen kann. Nicht alle

Programme sind ferner in der Lage, Messdaten

– etwa von Laser-Distanzmessgeräten

oder Thermografiekameras – per Bluetooth-

Funkstandard zu importieren. Auch eine

Spracheingabe, bei der Sprachnotizen über

Online-Dienste wie Google Docs etc. bei

vorhandener Mobilfunkverbindung direkt in

Text umgewandelt werden, bieten nur einige

Programme. Entscheidend ist aber, welche

Funktionen für die an die Vor-Ort-Erfassung

anschließenden Arbeitsschritte (Weiterbearbeitung,

Verwaltung, Versand, Auswertung) Firmenlayout erstellen und per E-Mail versenden.

Aus den erfassten Daten lassen sich Berichte im

bietet. Sind Schnittstellen zu ERP-Branchenprogrammen

vorhanden, lassen sich Bau-/

© Weka Media

Montageabläufe und die Auftragsbearbeitung

besser koordinieren und damit weitere

Rationalisierungseffekte erzielen. Wichtig

bei mobilen App-, respektive Cloud-Lösungen

ist, dass sie auch offline funktionieren,

beispielsweise bei schlechtem Mobilfunk-Empfang

im Keller-Technikraum oder in

der Tiefgarage. Wer Büro- und Projektdaten

nicht auf externen Servern speichern will,

sollte den Anbieter nach der Möglichkeit einer

lokalen Datenhaltung fragen. Über einen

Auftragsdatenverarbeitungsvertrag sollte Im Plan verortete Fotos und Textkommentare

man alternativ vereinbaren, dass Anwenderdaten

konform mit der Datenschutzgrundtungen

transparent und nachvollziehbar.

machen Vorgänge, Abläufe oder Mängelbearbeiverordnung

(DSGVO) verwendet werden. • © RIB Software

Einige Programme verarbeiten

auch per Helmkamera aufgenommene

Fotos und erstellen

daraus Foto-Tagebücher.

© PlanRadar

Produkte und Anbieter*

123erfasst (www.123erfasst.at), BauDoc/TecDoc (www.skillsoftware.de),

Baudokumentation smart&easyLive (www.weka-bausoftware.de),

BauMaster (www.bau-master.com), Bautagebuch (www.weise-software.de),

Capmo (www.capmo.com), Cendas (www.cendas.net), Craftnote (www.craftnote.de),

Flexxter (www.flexxter.com), Mydocma RP (www.edr-software.com),

docutools (www.docu-tools.com), Hero Software (www.hero-software.at),

ed Controls (www.edcontrols.com), Kevox (www.kevox.de),

MemoMeister (www.memomeister.com), PlanRadar (www.planradar.com),

Projektdocu (www.projectdocu.com), ProReport (www.gripsware.de),

RIB site (www.rib-software.com)

Weitere Infos*

Meinl, A.W.: Der gestörte Bauablauf und seine Baudokumentation, Diplomarbeit an der

TU Wien, 2023, Download: https://repositum.tuwien.at/handle/20.500.12708/187286

* Ohne Anspruch auf Vollständigkeit


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