architektur FACHMAGAZIN Ausgabe 6 2025
Oberflächlich: ein Wort, das meist abwertend klingt. Es weckt Assoziationen von Leere, von einem Mangel an Tiefe, von etwas, das man leicht übersehen oder gar ignorieren könnte. In unserer gebauten Umwelt sind Oberflächen leider oft genau das: eine bloße Haut, die die vermeintlich wichtigeren Strukturen umhüllt und verbirgt. Doch sie können viel mehr sein – Sie sind sinnlich, intelligent, erzählerisch. Sie geben Räumen Charakter, erzeugen Haptik, Lichtspiel und Atmosphäre. Sie sind Träger von Erinnerung, Ausdruck von Kultur, Spiegel unserer menschlichen, technologischen und ökologischen Ansprüche. Diese Ausgabe widmet sich dem Schnittpunkt zwischen Materialität und Gestaltung. Sie lädt ein, über die Oberfläche hinauszudenken – und gleichzeitig zu erkennen, wie tief diese wirken kann. Denn in der sorgfältigen Wahl von Material und Finish liegt die Kraft, Räume zu prägen, Geschichten zu erzählen und Erlebnisse zu schaffen, die lange nachhallen.
Oberflächlich: ein Wort, das meist abwertend klingt. Es weckt Assoziationen von Leere, von einem Mangel an Tiefe, von etwas, das man leicht übersehen oder gar ignorieren könnte. In unserer gebauten Umwelt sind Oberflächen leider oft genau das: eine bloße Haut, die die vermeintlich wichtigeren Strukturen umhüllt und verbirgt. Doch sie können viel mehr sein – Sie sind sinnlich, intelligent, erzählerisch. Sie geben Räumen Charakter, erzeugen Haptik, Lichtspiel und Atmosphäre. Sie sind Träger von Erinnerung, Ausdruck von Kultur, Spiegel unserer menschlichen, technologischen und ökologischen Ansprüche.
Diese Ausgabe widmet sich dem Schnittpunkt zwischen Materialität und Gestaltung. Sie lädt ein, über die Oberfläche hinauszudenken – und gleichzeitig zu erkennen, wie tief diese wirken kann. Denn in der sorgfältigen Wahl von Material und Finish liegt die Kraft, Räume zu prägen, Geschichten zu erzählen und Erlebnisse zu schaffen, die lange nachhallen.
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© Mikael Olsson
FACHMAGAZIN
WISSEN, BILDUNG, INFORMATION FÜR DIE BAUWIRTSCHAFT
Erscheinungsort Vösendorf, Verlagspostamt 2331 Vösendorf. P.b.b. 02Z033056; ISSN: 1606-4550
06
www.architektur-online.com
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Editorial
Oberflächlich ...
... ein Wort, das meist abwertend klingt. Es weckt Assoziationen
von Leere, von einem Mangel an Tiefe, von
etwas, das man leicht übersehen oder gar ignorieren
könnte. In unserer gebauten Umwelt sind Oberflächen
leider oft genau das: eine bloße Haut, die die vermeintlich
wichtigeren Strukturen umhüllt und verbirgt.
Doch sie können viel mehr sein – Sie sind sinnlich,
intelligent, erzählerisch. Sie geben Räumen Charakter,
erzeugen Haptik, Lichtspiel und Atmosphäre. Sie sind
Träger von Erinnerung, Ausdruck von Kultur, Spiegel
unserer menschlichen, technologischen und ökologischen
Ansprüche.
Diese Ausgabe widmet sich dem Schnittpunkt zwischen Materialität
und Gestaltung. Sie lädt ein, über die Oberfläche hinauszudenken
– und gleichzeitig zu erkennen, wie tief diese
wirken kann. Denn in der sorgfältigen Wahl von Material und
Finish liegt die Kraft, Räume zu prägen, Geschichten zu erzählen
und Erlebnisse zu schaffen, die lange nachhallen.
Exemplarisch dafür steht der Umbau des Museums Bezau
in Vorarlberg durch Innauer Matt Architekten. Hier wird die
Oberfläche zur lebendigen Chronik. Außen überlässt man
sägeraues Fichtenholz dem Spiel der Witterung, damit es
in Würde altert und sich der Patina des Bestands angleicht.
Innen hingegen schafft gekalktes Holz eine fast sakrale Atmosphäre,
die eine alte bäuerliche Praxis in einen musealen
Kontext überführt.
Ein bewusster Umgang mit Kontrasten prägt auch die weiteren
Projekte. In Portugal erweckt das Büro NOARQ mit
dem Rathaus von Trofa eine alte Industriebrache zu neuem
Leben, indem es die rohe Kraft von Sichtbeton und dunklem
Ziegel dem verputzten Bestand gegenüberstellt. BÜRO
MÜHLBAUER treibt mit dem „House with Two Courtyards“ die
Idee des Monolithischen auf die Spitze, wo unbehandelter Beton
zur alles prägenden, skulpturalen Leinwand für Licht und
Schatten wird. Und die Casa Tres Patis von Twobo Arquitectura
in Katalonien zelebriert ein wahres Fest der Texturen: ein
fein austariertes Zusammenspiel aus Ziegel, Beton, Holz und
glasierten Fliesen, das die Grenzen zwischen Innen und Außen
verschwimmen lässt. Den Bogen zum Dialog mit dem Ort
spannt schließlich das Massivholzhaus von Backraum Architektur
in Gars am Kamp. Die dunkle, präzise gefügte Aluminiumfassade
wirkt von außen wie ein schützender Panzer,
der sich zur Landschaft und zur gegenüberliegenden Burg
öffnet. Im Inneren hingegen entfaltet unbehandeltes Lärchenholz
seine ganze Wärme und Lebendigkeit.
Dieser Fokus auf durchdachte Materialität setzt sich auch in
unserem Schwerpunkt zur Retailarchitektur fort, wo Oberflächen
zum entscheidenden Markenerlebnis werden. Abgerundet
wird die Ausgabe durch weitere Projektberichte, inspirierende
Artikel und Produktneuheiten, die – wie Sie sehen
werden – alles andere als oberflächlich sind.
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Hauptakteur
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Andreas Laser
Vienna Calling
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architektur FACHMAGAZIN
4
Inhalt
Editorial 03
Start 06
OFROOM
Materialwissen neu kuratiert
Magazin 12
Wettbewerbe & Awards 30
Baukulturpreis der Hypo Vorarlberg
Quartier Seecarré Bauplätze F9b und F10
Volksschule Dunantgasse
Zwischen Schatten und Patina 46
Museum Bezau / Vorarlberg /
Innauer Matt Architekten
Auf das Wesentliche reduziert 54
Rathaus Trofa / Trofa, Portugal /
NOARQ
Monolithische Ruhe 62
im Bayerischen Wald
House with two courtyards /
Bad Kötzting, Deutschland /
Büro Mühlbauer
Massive Offenheit 68
Casa Tres Patis / Albons, Katalonien /
Twobo Arquitectura
Dunkle Hülle warmer Kern 74
Logenplatz / Gars am Kamp /
Backraum Architektur
Tageslicht 80
Naturstein 84
RETAILarchitektur 94
Produkt News 102
edv 130
Baustellen-Dokumentation:
Rationell und rechtssicher dokumentieren
46
54
68
62
74
34
MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER Laser Verlag GmbH; Ortsstraße 212/2/5, 2331 Vösendorf, Österreich
CHEFREDAKTION Andreas Laser (andreas.laser@laserverlag.at) • REDAKTION DI Linda Pezzei, Edina Obermoser, Roland Kanfer, DI Marian Behaneck
LTG. PRODUKTREDAKTION Nicolas Paga (nicolas.paga@laserverlag.at) Tel.: +43-1-869 5829-14 • RESSORT WETTBEWERBE Roland Kanfer (wettbewerbe@architektur-online.com)
GRAFISCHE GESTALTUNG & WEB Andreas Laser • LEKTORAT Mag. Heidrun Schwinger • DRUCK Bauer Promotion
GESCHÄFTSLEITUNG Silvia Laser (silvia.laser@laserverlag.at)
ABONNEMENTS Abonnement (jeweils 8 Ausgaben/Jahr): € 109,- / Ausland: € 133,-, bei Vorauszahlung direkt ab Verlag n Studentenabonnement (geg. Vorlage einer gültigen Inskriptionsbestätigung):
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EINZELHEFTPREIS € 15,- / Ausland € 20,- • ABOSERVICE office@laserverlag.at
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Mit ++ gekennzeichnete Beiträge und Fotos sind entgeltliche Einschaltungen. Die Redaktion haftet nicht für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos. Berichte, die nicht von einem Mitglied der Redaktion gekennzeichnet
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DESIGN
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Verantwortungsvolles und nachhaltiges Design im öffentlichgewerblichen
Bereich
ERSATZTEILSICHERHEIT
architektur FACHMAGAZIN
6
Start
Materialwissen
neu kuratiert
Material ist mehr als bloße Stofflichkeit. Es ist Träger von Geschichten, Haltungen
und Visionen. Mit OFROOM hat Christine Bärnthaler gemeinsam mit ihrem
Team ein Werkzeug entwickelt, das Architekt:innen dabei unterstützt, bewusste
Material entscheidungen zu treffen und somit die Bauwende aktiv mitzugestalten.
Text: Linda Pezzei
u
Wissen, das entscheidet
Ob im Entwurfsstudio oder im Wettbewerb: Die Materialwahl
ist ein entscheidender Moment im architektonischen
Prozess. Sie betrifft nicht nur Haptik und
Ästhetik, sondern auch Gesundheitsverträglichkeit,
Kreislauffähigkeit und Klimabilanz. Wer heute baut,
trägt Verantwortung – gegenüber Auftraggeber:innen
ebenso wie gegenüber kommenden Generationen.
Während klassische Materialbibliotheken auf Masse
setzen, verfolgt OFROOM das Prinzip der „Slow
Curation“. Nur Produkte mit belegbar positivem Einfluss
schaffen es in die Datenbank. Ein Beispiel ist
das HONEXT Board aus Spanien: eine Innenbauplatte
aus Papierschlamm, die CO 2 -negativ produziert
wird, frei von Bindemitteln ist und sich vollständig
recyceln lässt. Solche Materialien zeigen, wie eng Innovation
und Nachhaltigkeit inzwischen miteinander
verknüpft sind.
Von der Idee zum Kollektiv
Was als persönliche Erfahrung mit blockierten Innovationen
begann, ist heute ein interdisziplinäres
Projekt. Initiiert von der Architektin und Lehrbeauftragten
Christine Bärnthaler an der TU Wien arbeitet
OFROOM als Team, das die Bereiche Architektur,
Materialwissenschaft, Kommunikation und Logistik
zusammenbringt. Gemeinsam entwickeln sie ein System,
das Materialwissen nicht nur sammelt, sondern
auch kritisch einordnet, zugänglich macht und kontinuierlich
vertieft. Die dahinterstehende Haltung ist
klar: Nur durch Teamwork und Konsequenz lässt sich
die Bauwende gestalten.
u
„Materialkultur ist heute nicht nur Gestaltung,
sondern auch Verantwortung. Jede Materialentscheidung
formt die Welt von morgen.“
Das OFROOM Team v.l.n.r. Emma Schneider,
Gründerin Christine Bärnthaler, Valerie Zechmeister
www.architektur-online.com
7
Zum Schutz der
Nachtschwärmer
Magazin
BEGA Aufsatzleuchten mit BugSaver® Technologie schützen
nachtaktive Tiere durch die Absenkung der Farbtemperatur
von 3000 Kelvin auf einen Amber-Farbton ähnlich 1800 Kelvin,
der weniger anziehend wirkt. Farbtemperatur und Leistung
sind dynamisch steuerbar. bega.com/bugsaver
Das gute Licht.
architektur FACHMAGAZIN
8
Start
OFROOM Material Ausstellung im Reallabor
Nachhaltiges Bauen der STRABAG
Mehr als eine Datenbank
Aus diesem Anspruch heraus ist ein vielseitiger Service
entstanden. Im Zentrum steht eine digitale Datenbank,
die pro Produkt bis zu 1.600 Datensätze
erfasst – deutlich mehr, als Hersteller in der Regel
offenlegen. Ergänzt wird sie durch ein streng kuratiertes
Portfolio mit maximal acht neuen Materialien
pro Monat, sodass insgesamt 900 Einträge nicht
überschritten werden. Parallel dazu gibt es physische
Materialpakete im A5-Format, die beschriftet und geordnet
direkt ins Büro geliefert werden. Sie sind ein
praktisches Werkzeug, um neben digitalen Daten
auch die Haptik erlebbar zu machen.
Darüber hinaus organisiert OFROOM Foren und Veranstaltungen
wie das Nachhaltigkeitsforum Wien,
das 2023 erstmals stattfand. Mit dem Studio in Wien
existiert zudem ein Ort, an dem Beratung, Forschung
und Mock-ups zusammenfließen. All das macht
deutlich: Material ist hier nicht nur Produkt, sondern
Wissen – und dieses Wissen bildet die Grundlage für
fundierte architektonische Entscheidungen.
Haltung statt Masse
„Wir sind keine Marketingplattform“, betont Christine
Bärnthaler. Während viele Datenbanken auf Quantität
setzten, folgt OFROOM der Logik der bewussten
Reduktion. Jedes Produkt wird anhand einer Nachhaltigkeitsmatrix
mit 41 Kriterien geprüft, die von der
CO 2 -Bilanz und Kreislaufwirtschaft über Biodiversität
bis hin zu sozialen Faktoren und Materialgesundheit
reichen. Diese Tiefe mache den Unterschied.
about
Die 2021 in Wien gegründete OFROOM Material Service GmbH versteht sich
als kuratierte Plattform für nachhaltige Bauprodukte. Das Herzstück des Unternehmens
ist eine digitale Datenbank in Form einer Web-App, die durch
Materialpakete mit Mustern, Beratungen und Veranstaltungen ergänzt wird.
Das Leitprinzip lautet: Qualität vor Quantität. Pro Monat werden maximal
acht neue Produkte aufgenommen, die anhand einer 41 Kriterien umfassenden
Nachhaltigkeitsmatrix geprüft werden. Die Plattform richtet sich an Architekt:innen,
Planer:innen, Bauträger:innen und Universitäten. Gründerin
Christine Bärnthaler bringt dabei ihre Doppelkompetenz aus Architektur und
Kommunikation ein und verknüpft sie mit einem starken Netzwerk aus Forschung,
Industrie und Praxis.
Ein zweiter Unterschied liegt im Modell selbst: Der Service
ist bewusst als Abo angelegt und nicht kostenlos.
Dahinter steckt die Überzeugung, dass Wissen dort
am meisten Wirkung entfaltet, wo ernsthaft an nachhaltigen
Innovationen gearbeitet wird, und dass Materialkompetenz
eine bewusste Investition verdient.
Alltagstauglich und praxisnah
Der Mehrwert dieses Ansatzes im Büroalltag zeigt
sich rasch. OFROOM inspiriert, spart Zeit und liefert
belastbare Fakten, die bei Präsentationen oder Wettbewerben
den entscheidenden Unterschied ausmachen
können. In einer Recherche etwa stellte sich
heraus, dass Korkeichenwälder zu den effizientesten
CO 2 -Speichern gehören – mit einer Bindung von bis zu
14,7 Tonnen CO 2 pro Hektar und Jahr. Solche Zahlen
machen nachhaltige Materialien greifbar und geben
Planer:innen ein starkes Argumentarium an die Hand.
Auch in der Praxis überzeugt der Service. „Mit den
OFROOM-Materialpaketen und der Datenbanklizenz
haben wir eine wirklich gute Basis gelegt, um
nachhaltige Architekturprojekte zu entwickeln”,
sagt beispielsweise Dominik Philipp von Dietrich
Untertrifaller Architekten. Für ihn ist klar: OFROOM
ist kein abstraktes Archiv, sondern ein Werkzeug mit
unmittelbarem Mehrwert.
u
www.architektur-online.com
9
Magazin
architektur FACHMAGAZIN
10
Start
Blick nach vorn
Im Oktober 2025 richtet OFROOM das zweite Nachhaltigkeitsforum
in Wien aus – in der Postbushalle
am Nordwestbahnhof. Auch dieses Mal wird es kein
klassisches Messeformat geben, sondern wieder ein
Forum: einen Ort für Diskurs, Inspiration und Begegnung.
Internationale Gäste wie Patrick Teuffel, Martha
Lewis, Mark Inderbitzin und Floris Schiferli werden
über Zirkularität, Re-Use und Lehmbau sprechen. Begleitende
Pecha-Kucha-Sessions und Mock-ups machen
Materialkultur dabei unmittelbar erlebbar.
Parallel dazu arbeitet das Team an der Weiterentwicklung
seiner digitalen Tools. Die Web-App soll
schrittweise zu einem maßgeschneiderten Architektur-Tool
ausgebaut werden, das alle Planungsphasen
begleitet – von der Recherche über die Bemusterung
bis hin zur Ausführung.
Materialkultur als Verantwortung
Bei OFROOM geht es am Ende um mehr als Daten,
Tools und Produkte. Für Christine Bärnthaler bedeutet
Materialkultur vor allem eines: Verantwortung.
Denn jede Materialentscheidung formt die Welt von
morgen. Darin liegt sowohl die Herausforderung als
auch die Chance, Architektur neu zu denken: von
linearen Prozessen zu zirkulären Kreisläufen, von
Ressourcenverbrauch zu Ressourcenschonung, von
Material zu Haltung.
Gerade in einer Zeit, in der die Bauwirtschaft für rund
40 Prozent der weltweiten CO 2 -Emissionen verantwortlich
ist, wird jede Materialwahl zu einer kulturprägenden
Handlung. Architektur entscheidet somit
nicht nur über Formen und Räume, sondern auch über
ökologische und gesellschaftliche Zukunftsbilder.
Wandaufbauten neu denken: Im Entwerfen „Material Begreifen“ an der TU
Wien, Forschungsbereich Hochbau und Entwerfen, Professur Staufer Hasler,
realisierten Studierende nachhaltige Außenwand-Mock-ups.
Nachgefragt:
ein Auszug aus dem Gespräch mit
Christine Bärnthaler
Wie ist OFROOM entstanden?
Der Ausgangspunkt war meine Erfahrung, dass innovative
Baustoffe oft am Widerstand in der Baukette
scheitern. Daraus entstand der Wunsch, Kommunikationstools
zu entwickeln, die Architekt:innen und
Hersteller:innen ehrlich zusammenbringen.
Was unterscheidet euch von
anderen ähnlichen Plattformen?
Wir sind keine Material-Marketingplattform. Uns geht
es um ein Wissensmanagement-Tool mit inhaltlicher
Tiefe. Qualität statt Masse – maximal acht neue Produkte
im Monat.
Welches Ziel verfolgt ihr konkret?
Wir wollen Nachhaltigkeit in der Architektur ganzheitlich
abbilden, Lobbys kritisch hinterfragen und
Materialentscheidungen transparent machen.
Und worin liegt der konkrete Nutzen
für Architekturbüros?
In der Zeitersparnis und Sicherheit. Wir recherchieren
im Vorfeld, liefern geprüfte Daten und inspirieren
zu mutigen Lösungen, die in Wettbewerben oder
Bauprozessen sofort nutzbar sind.
Kuratiert und greifbar: Die OFROOM-Materialpakete im A5-Format
machen nachhaltige Innovationen auch haptisch erlebbar.
Was plant ihr für die weitere Zukunft?
Unser Nachhaltigkeitsforum wird wachsen und unsere
Web-App soll sich zu einem Architekturtool
entwickeln, das den gesamten Planungsprozess
unterstützt.
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11
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Magazin
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architektur FACHMAGAZIN
12
Magazin
Sensible Transformation
Ein Schulhaus steht leer. Es weist keine Schäden oder gravierenden Mängel,
wirft aber viele Fragen auf: Was tun mit dem Bestand? Die Offene Jugendarbeit
Bregenzerwald entschied sich schließlich für einen neuen Anfang
in alten Mauern und fand in der Architektin Nina Beck eine Partnerin, die
Leerstand nicht als Defizit, sondern als Ressource versteht. Gemeinsam mit
einem vielgestaltigen Team entwickelte sie ein Konzept, das aus der Vergangenheit
eine Grundlage für die Zukunft schaffen soll.
Text: Linda Pezzei Fotos: Nina Bröll
Ein Ort für viele.
Im Zentrum der Transformation steht die Idee eines
Hauses für alle Generationen. Die „Gute Stube” soll
ein „Dritter Ort” sein – ein Raum zwischen Zuhause
und Arbeit, der für Begegnung, Austausch und den
Alltag offen ist. Dass dieses Ziel nicht mit großen
Gesten, sondern mit feinen Eingriffen erreicht wurde,
ist die Stärke des Projekts. Nina Beck und das OJB-
Team entschieden sich bewusst für das Prinzip der
Weiterentwicklung. Sie suchten nicht nach dem radikal
Neuen, sondern nach den Spuren, die das Gebäude
bereits in sich trug. Aus diesen „Fundstücken“
formten sie eine neue Erzählung.
Das Farbkonzept wurde aus dem Bestand entwickelt.
Das Foyer präsentiert sich nun in warmen Nuancen.
Material als Medium
Die ehemalige Volksschule erzählte ihre Geschichte
durch Böden, Farben und Möbelstücke. Im Gang
lagen alte Fliesen, deren Farbton digital übersetzt
und in den Farbräumen CMYK und RGB aufbereitet
wurde. So diente er als Grundlage für ein neues Farbkonzept.
Jede Wand wurde probeweise gestrichen,
anschließend wurde diskutiert und entschieden. So
entstand ein Farbkanon, der aus dem Bestand geboren
wurde und zugleich eine neue Atmosphäre prägt.
Auch beim Boden zeigt sich diese Haltung: In der Küche,
dem Herzstück des Hauses, wurde geschliffener
Estrich eingebracht. Er wirkt robust und ehrlich und
harmoniert zugleich mit den bestehenden Oberflächen
im angrenzenden Gang. Nichts Fremdes, nichts
Übergestülptes, sondern eine stille Fortsetzung.
Die alten Schränke aus dem Lehrerzimmer wurden
nicht im Depot gelagert, sondern fanden ihren Platz
in der neuen Küche. Ein Schreiner passte sie an, ohne
die Patina zu kaschieren. Gebrauchsspuren, Materialalterung
und Unterschiede in den Tiefen wurden
nicht übertüncht, sondern bewusst integriert. Aus
Resten wurden Ressourcen.
u
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Magazin
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Foto: Attilio Fiumarella, PT | Architekt: NOARQ PT
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architektur FACHMAGAZIN
14
Magazin
Architektur im Dialog
Die Eingriffe im Gebäude sind deutlich sichtbar und
nicht versteckt. Wo eine Wand abgetragen wurde,
zeichnet die Decke die Veränderung nach. Wo ein
Stahlträger nötig war, bleibt dieser unübermalt und
zeigt die konstruktive Realität. Hier tritt Architektur
nicht als Inszenierung auf, sondern als offener Dialog
mit dem Bestand.
Die Treppe, die das Erdgeschoss mit den oberen
Räumen verbindet, wurde zu einem Begegnungsort.
Auch sie veranschaulicht durch Farben und kleine
Oberflächengestaltungen die Balance zwischen Alt
und Neu. Das Haus lebt von seinen Schichten – und
diese bleiben lesbar.
Kooperation als Haltung
Nicht nur das architektonische Ergebnis ist besonders,
sondern auch der Weg dorthin. Gemeinsam
mit der Gestalterin Simone Angerer, der Kulturmanagerin
Katharina Kleiter, der Malerin Anna Hopfner,
Jugendarbeiterin Sarah Greber, Jugendarbeiterin
Stefanie Weis und der Geschäftsführerin Agnes
Hollenstein entwickelte Beck ein Nutzungskonzept,
das Gestaltungsfragen eng mit sozialen Anforderungen
verknüpft. Hier verschmolzen Architektur, Kunst,
Pädagogik, Jugendarbeit und Projektmanagement
zu einer kollektiven Praxis.
Beck beschreibt diesen Ansatz als eine Architektur,
die keine großen Inszenierungen braucht, sondern
Räume schafft, die Möglichkeitsräume eröffnen und
Selbstermächtigung erlauben.
Die Küche als Herzstück:
Alte Möbel aus dem
Lehrerzimmer wurden neu
integriert.
www.architektur-online.com
Magazin
PRODUCT | MOVA TRACK
PROJECT | TERRA BAD DESIGN GMBH, INNSBRUCK
FOTO | DAVID JOHANSSON
Relevanz in der Zurückhaltung
Die „Gute Stube” zeigt exemplarisch, welche Kraft in
dieser Haltung steckt. Es gibt keine Hochglanzarchitektur
und keine spektakulären Oberflächen – und
doch beweist dieses Projekt Rückgrat.
Denn hier wird sichtbar: Material ist nicht nur Oberfläche,
sondern auch Erinnerungsträger. Farbe ist
kein Dekorationselement, sondern ein Werkzeug der
Aneignung. Möbel sind keine Inventargegenstände,
sondern Geschichtenerzähler.
So entsteht aus dem unscheinbaren Bestand ein
Haus mit Relevanz – für die Jugendlichen, die hier
Freiraum finden, ebenso wie für die älteren Generationen,
die Erinnerungen an ihre eigene Schulzeit
mitbringen.
„Wir Architektinnen und Architekten sollten unseren
Blick nicht nur auf das Große und Sichtbare richten”,
fasst Beck zusammen. „Es sind die leisen, unscheinbaren
Projekte, die zeigen, worum es wirklich geht:
um Verantwortung, Wirkung und Relevanz unabhängig
von Maßstab oder medialer Sichtbarkeit.“ •
HIGHLIGHT
YOUR
RETAIL-PROJECTS
In jedem Projekt ist gutes Licht unverzichtbar – sei es für die perfekte
Produktinszenierung, aber auch für bessere Orientierung, eine
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architektur FACHMAGAZIN
16
Magazin
Future Art Lab der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien; Pichler und Traupmann Architekten ZT GmbH
© Hertha Hurnaus
++
Nachhaltigkeit als Leitmotiv
Am 24. Juni 2025 wurde im Technischen Museum Wien zum zweiten Mal der Österreichische
Betonpreis verliehen. Mit 82 eingereichten Projekten, von Wohnbau über
Bildungsbau bis zur Revitalisierung, konnte die Zahl der Einreichungen gegenüber
der Premiere 2023 deutlich gesteigert werden.
Das unterstreicht die Bedeutung des Preises
als wichtigste Auszeichnung für nachhaltiges
Bauen mit Beton in Österreich. „Die
ausgezeichneten Bauwerke sind Leuchtturmprojekte,
die uns den Weg zum nachhaltigen
Bauen der Zukunft aufzeigen“, betont
Christoph Ressler, Vorstand von Beton
Dialog Österreich, dem Veranstalter des
Österreichischen Betonpreises.
In der Kategorie Wohnbau überzeugte das
Plusenergiequartier Campo Breitenlee in
Wien-Donaustadt. Das Projekt setzt auf
die thermische Speicherfähigkeit von Beton
und schafft so ein effizientes Heiz- und
Kühlsystem, das den Betrieb mit 100 Prozent
erneuerbarer Energie ermöglicht. Eine
Anerkennung erhielt das Grazer Projekt
Lendmark, das mit schlanker Bauweise und
smarter Energienutzung punktet.
Bei den Bildungs- und Verwaltungsbauten
setzte sich das Future Art Lab der Universität
für Musik und darstellende Kunst Wien
durch. Hier wird Beton nicht nur als konstruktives,
sondern auch als akustisches Gestaltungselement
genutzt. Die Barbara-Prammer-Schule
in Wien erhielt eine Anerkennung
für die effiziente Nutzung des Baustoffs in
Konstruktion und Energiekonzept.
Den Preis in der Kategorie Revitalisierung
gewann das Kulturzentrum Mattersburg.
Der denkmalwerte Bau der Nachkriegsmoderne
wurde nicht nur behutsam saniert,
sondern mit einem Neubau aus Beton zu
einem stimmigen Ensemble erweitert. Das
Europäische Patentamt in Wien erhielt hier
eine Anerkennung für die Transformation
eines Betonskelettbaus der 1970er-Jahre.
Der nächste Österreichische Betonpreis
wird 2027 vergeben.
www.beton-dialog.at/betonpreis2025/
Campo Breitenlee
Treberspurg & Partner Architekten ZT GmbH
und Synn Architekten ZT-OG
Kulturzentrum Mattersburg
Holodeck Architects ZT GmbH
© Wolfgang Thaler
© Hertha Hurnaus
www.architektur-online.com
CO 2 -reduzierte
Zemente
17
Magazin
Neue Produktrezepturen sind ein essenzieller
Teil der Dekarbonisierung-Roadmap. Die
neuen CEM II/C Zemente reduzieren den
Klinkeranteil auf 50 Prozent und senken im
österreichischen Branchenschnitt den Fußabdruck
von 493 auf 327 kg CO 2 je Tonne
Zement. Das entspricht einer Reduktion
von 17 Prozent im Kubikmeter Beton.
Holcim deckt als erster Anbieter in Österreich
mit diesen CO 2 -reduzierten Zementen
alle gängigen Umweltklassen ab. Die bautechnischen
Zulassungen für ECOPlanet
RC (CEM II/C-M (S-F) 42,5 N) und ECOPlanet
ROT (CEM II/C-M (S-LL) 42,5 N) gelten
universell für alle Betone der Klassen
B1–B12 (außer C3A-frei) gemäß ÖNORM B
4710-1. Qualität und Verarbeitungssicherheit
bleiben auch im dekarbonisierten Portfolio
gleich hoch.
Ersetzt wird der Klinker als Bindemittelkomponente
dabei durch Ersatz-Rohstoffe
Bildungscampus Reininghaus mit Holcim ECOPlanet RC
(sog. “supplementary cementitious materials
(SCMs)” wie Flugaschen oder Hüttensand
aus der Kreislaufwirtschaft. Diese
Nebenprodukte anderer Industrien sind in
ihrer langfristigen Verfügbarkeit allerdings
limitiert, weshalb die Industrie weitere Alternativen
zur Klinkerreduktion entwickelt.
Der ECOPlanet RC (CEM II/C-M (S-F) 42,5 N)
ist ein Zement mit mehr als 50 % Recyclinganteil,
bezogen auf Klinker und Zumahlstoffe,
© Holcim, R. Sommerauer
wobei mehr als 25 % auf Baurestmassen entfallen.
Der feingemahlene Betonbruch kann
über den patentierten „Rapid Carb“ Prozess
zudem im Mahlprozess CO 2 Emissionen aus
dem Produktionsprozess aufnehmen und
dauerhaft speichern.
Holcim (Österreich) GmbH
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bis zur Verarbeitung – jede Lösung sichert Langlebigkeit. Das ist
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architektur FACHMAGAZIN
18
Magazin
Material Winner
Ähnlich wie Fußball in Deutschland oder Skisport in Österreich hat in Tschechien
Tennis eine lange Tradition und zählt bis heute zu den beliebtesten Sportarten
des Landes. Auch die Hauptstadt Prag ist geprägt von einer Vielzahl geschichtsträchtiger
und moderner Tennisanlagen, die nicht nur ein sportliches
Kräftemessen ermöglichen, sondern auch als soziale Treffpunkte in den Stadtteilen
fungieren. Dreh- und Angelpunkt eines jeden Vereins ist das Clubhaus: Es
dient als Rückzugsort, aber auch als architektonisches Aushängeschild – und
spiegelt die Ambitionen des Clubs ebenso wider wie sein Selbstverständnis.
Text: Linda Pezzei Fotos: Tomáš Slavík
Eine Holzkonstruktion als klassisches Zitat
Kein Wunder also, sollte der Tennisclub im Prager
Stadtteil Ořechovka in jüngster Zeit regen Zuwachs
an Mitgliedern verzeichnen. Wer nicht nur die Ästhetik
einer ideal getroffenen Rückhand, sondern auch
deren angeregte Analyse im Anschluss an das Match
in ansprechendem Ambiente zu schätzen weiß, dürfte
sich im neuen Clubhaus, das nach den Plänen des
Büros Pavel Hnilička Architects+Planners entstand,
gut aufgehoben fühlen. Der Neubau ersetzt ein über
Jahrzehnte genutztes Provisorium und knüpft zugleich
an die Holzarchitektur der Ersten Republik an.
Der Pavillon erhebt sich als leichte Holzkonstruktion
auf Eichenstützen, die mit subtiler Entasis bearbeitet
sind – eine klassische architektonische Geste,
die dem Bauwerk Eleganz verleiht. Gemeinsam mit
Plinth, auskragendem Dach und reduziertem Lisenenfries
erinnert er an die Leichtigkeit von Kurarchitektur
und Kolonnaden, für die Tschechien wohl nicht
weniger bekannt ist als für seinen Tennisexport. u
www.architektur-online.com
21
Magazin
Gestaltet bis ins Detail
Das Gebäude zeigt exemplarisch, wie Materialität zum
prägenden Gestaltungsmittel werden kann. Die Fassadenverkleidung
ist dank karbonisierter nordischer
Fichte widerstandsfähig und sorgt dunkel patiniert für
eine atmosphärisch dichte Wirkung. Das für die Konstruktion
und Möblierung verwendete geölte Eichenholz
verleiht dem Gebäude eine warme und haptische
Präsenz. In den Umkleiden entschieden sich die Architekten
für die Verwendung von Birken-Sperrholz,
in den Außenanlagen finden sich Terrazzo-Böden und
gebürsteter Beton – allesamt Materialien, die robust,
klar und langlebig daherkommen. Filigrane Edelstahlgeländer
runden das Gesamtbild gelungen ab, zu
dem auch eine skulpturale Stahltreppe zählt, welche
die begrünte Dachterrasse erschließt, sowie maßgefertigte
Fensterlösungen. Die Oberflächen sind aber
nicht nur funktional gedacht, sie transportieren auch
Handwerk, Präzision und Dauerhaftigkeit – vom großmaßstäblichen
Ausdruck bis ins kleinste Detail.
Von wegen elitär
Aus Nutzungssicht bietet das Clubhaus neben den
klassischen Vereinsräumen auch öffentlich zugängliche
Bereiche wie ein Café, eine Terrasse, Umkleiden,
sanitäre Einrichtungen und Lagerräume. Über eine
breite Freitreppe öffnet sich das Gebäude zum Macharovo-Platz,
während im Osten eine erweiterte Café-Terrasse
das soziale Leben des Viertels bereichert
– von Tennisspielen bis zur beliebten Pétanque-Runde.
So wird aus einem funktionalen Vereinsgebäude
ein städtischer Treffpunkt, der Sport, Gemeinschaft
und Architektur zusammenführt.
Das neue Clubhaus in Ořechovka ist damit weit mehr
als nur Infrastruktur. Es zeigt, wie durch eine durchdachte
Materialwahl, handwerkliche Qualität und architektonische
Detailarbeit ein Ort entstehen kann,
der Sport, Nachbarschaft und den städtebaulichen
Kontext gleichermaßen stärkt. Ein Stück zeitgenössischer
Architektur, das Leichtigkeit und Beständigkeit
in Balance bringt.
•
architektur FACHMAGAZIN
22
Magazin
Rückzugsort
In Brixen, hat das Atelier bergmeisterwolf einen ehemaligen Hühnerstall zu einem
intimen Rückzugsort transformiert. Das Projekt mit dem Titel „In der Mauer“
versteht sich als Weiterbauen, als sensibler Eingriff in den Bestand, der Umbau,
Ergänzung und Umnutzung miteinander verbindet.
Fotos: Gustav Willeit
Der Entwurf folgt einer Haltung des behutsamen
Ergänzens. Die massiven Steinmauern wurden gereinigt,
restauriert und in ihrer ursprünglichen Haptik
belassen. Nur in den Leibungen und Übergängen
erfolgten subtile Ergänzungen. Vorhandene Öffnungen
blieben erhalten, einzelne Ausschnitte wurden
minimal erweitert. So entsteht ein neues Ganzes, das
die Spuren der Vergangenheit sichtbar macht und
gleichzeitig eine zeitgenössische Identität erhält.
Die neue Architekturschicht zeichnet sich durch
handwerkliche Zurückhaltung aus. Das Dach des
kleinen Volumens löst sich konstruktiv von der Mauer
und scheint über dem Stein zu schweben. In den
Zwischenräumen eröffnen sich neue Blickbezüge,
die Leichtigkeit vermitteln. Bekleidet wird das Dach
mit geschweißten, unbehandelten Aluminiumplatten
– ein handwerklicher Kontrapunkt zur Materialität
des Bestands.
www.architektur-online.com
23
Magazin
Im Inneren wurde eine OSB-Box eingesetzt und in einem
leichten Rosa lackiert. Diese „Schachtel“ organisiert den
kompakten Raum von 15 Quadratmetern: Sie ist Bett,
Schrank, Täfelung, Küche und Bad zugleich. Eine durchlaufende
Schnittlinie verleiht dem kleinen Raum Struktur
und Offenheit, wodurch ein wandelbarer, in sich ruhender
Raumkörper entsteht. Die neu positionierte, schwarz
pigmentierte Betontreppe bindet das Volumen in die Topografie
ein und führt den Rückzugsort ins Freie. Subtile
Farbakzente – wie die grün lackierte Regenrinne oder rote
Tür- und Fensterrahmen – bilden feine Kontraste zur Mauer
und verdichten das Gesamtbild zu einer neuen Identität.
architektur FACHMAGAZIN
24
Magazin
Ein hölzernes Refugium
Im pulsierenden Levontin-Viertel von Tel Aviv, in einem der markantesten Art-Déco-Gebäude
der Stadt, haben Baranowitz + Kronenberg ein 47 m² großes Apartment
neu interpretiert. Das Projekt „Getting Set for Another Working Day in
Nature“ verbindet Wohnen und Arbeiten in einem kompakten Raumkonzept, das
Ruhe, Klarheit und eine subtile Naturverbundenheit ausstrahlt.
Fotos: Amit Geron
Das Apartment, konzipiert als Arbeits- und Lebensraum
zugleich, zeichnet sich durch eine konsequente
Materialität aus: Douglasienholz prägt als durchgängiges
Element den gesamten Innenraum. Mit seiner warmen
Farbigkeit und der lebhaften Maserung schafft
das Holz eine Atmosphäre der Geborgenheit, die zugleich
Inspiration für konzentrierte Arbeitsphasen liefert.
Der umfassende Einsatz eines einzigen Materials
hätte leicht monoton wirken können, doch Baranowitz
+ Kronenberg erzielen das Gegenteil. Sie inszenieren
das Holz als lebendige Bühne für subtile Details. Helle
Nuancen, fließende Übergänge und raffinierte Akzente
schaffen ein perfektes Gleichgewicht zwischen visueller
Ruhe und spannenden Entdeckungen.
www.architektur-online.com
25
Magazin
Der Grundriss folgt einer L-förmigen Anordnung,
in der die Zonen für Wohnen, Schlafen und Arbeiten
organisch ineinander übergehen. Obwohl jeder
Bereich funktional klar definiert ist, verschmelzen
sie zu einem harmonischen Gesamterlebnis. Diese
durchdachte Raumdramaturgie unterstreicht den
Anspruch des Studios, die Grenzen des klassischen
Wohnens auszuloten. Jeder Quadratmeter wird optimal
genutzt, ohne dass der Entwurf seine Leichtigkeit
einbüßt. So beweist das kleine Apartment eindrücklich,
dass Verdichtung und Lebensqualität sich
nicht ausschließen müssen – im Gegenteil: Gerade
die Begrenzung der Fläche wurde hier zum Motor des
kreativen Prozesses.
Wozu die Wärme
beim Fenster
rauspumpen?
Wärmepumpen sind eine sinnvolle Lösung –
aber nur mit guter Dämmung wirklich effizient.
Hochwertige EPS- und XPS-Dämmplatten von
Austrotherm verhindern Wärmeverluste und sparen
bares Geld. Eine umfassende thermische Sanierung
hilft, Heizkosten um bis zu 80 % zu senken und schont
zugleich das Klima dank reduzierter CO₂-Emissionen.
Für eine lebenswerte Zukunft – heute und für
kommende Generationen.
austrotherm.com
Andreas Jäger
Klimaexperte
Klara
Installationslehre
SANIEREN
UND
PROFITIEREN
architektur FACHMAGAZIN
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Magazin
Kunst wird Raum
Seit 2005 initiiert und begleitet BIG ART, eine Initiative der Bundesimmobiliengesellschaft
(BIG), Kunstprojekte, die Architektur und Kunst in Bildungs- und Verwaltungsbauten
miteinander verbinden. Das Ziel besteht darin, Räume zu bereichern,
zum Dialog anzuregen und neue Perspektiven zu eröffnen – insbesondere
für Schüler:innen, Studierende und Besucher:innen öffentlicher Einrichtungen.
Text: Linda Pezzei
Knitterobjekt von Esther Stocker am MedCampus Graz
© David Schreyer
www.architektur-online.com
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Magazin
Portal von Peter Sandbichler am
Agnes-Heller-Haus der Uni Innsbruck
© David Schreyer
Das BIG ART-Team agiert gemeinsam mit einem im
Jahr 2005 gegründeten Fachbeirat als Qualitätssicherung
– von der Projektidee über Wettbewerbe bis zur
Umsetzung. So ist eine Sammlung von mehreren tausend
Kunstwerken entstanden, die nicht nur Fassaden
und den Stadtraum umfasst, sondern auch kulturelle
Identität und gesellschaftliche Öffnung fördert. Vier
exemplarische Projekte der vergangenen zwei Jahrzehnte
zeigen, wie vielfältig Kunst am Bau heute interpretiert
werden kann.
Mit ihrem Knitterobjekt setzt Esther Stocker am Med
Campus Graz ein starkes Zeichen. Die knapp vier Meter
hohe, kugelähnliche Skulptur aus einer Aluminium-
Innenkonstruktion und einer bedruckten Vinylplane
lebt vom Spiel aus Geometrie, Faltung und Irritation.
Ihre geknitterte Oberfläche mit schwarzen Quadraten
auf weißem Grund erzeugt ein Spannungsfeld zwischen
strenger Ordnung und spontaner Störung.
Peter Sandbichler markiert in Innsbruck den Eingang
des Agnes-Heller-Hauses mit seinem monumentalen
Portal. Aus 200 pyramidenförmigen Betonelementen
gefaltet, verwandelt sein 120 m² großes, dreidimensionales
Relief den Eingangsbereich in eine räumliche
Erfahrung zwischen digitaler Präzision und handwerklicher
Finesse.
Anna Artaker wählt an der Universitätsbibliothek
Graz einen gänzlich anderen Zugang: Mit „Perspectiva
Practica” überträgt sie ein Renaissance-Motiv aus
Jean Du Breuils Traktat von 1642 in monumentaler
Sgraffito-Technik auf die Untersicht eines Bibliothekszubaus.
Das rund 500 m² große Werk wird zum Sinnbild
für Wissenschaft und Erkenntnis.
Gerold Tagwerker zeigt in Bregenz mit „Olivetti”, wie
stark Kunst durch Partizipation wirken kann. Er entwickelte
farbige Sitzstufen für die Schulhöfe des
Gymnasiums Gallusstraße, deren Gestaltungsideen in
Workshops gemeinsam mit Schüler:innen erarbeitet
wurden. Drei ausgewählte Entwürfe aus 48 Vorschlägen
wurden realisiert.
Dass hinter diesen Projekten nicht nur künstlerische
Handschriften, sondern auch ein klarer Prozess und
viel Kommunikation stehen, erläutert Regina Barta,
Leiterin von BIG ART, im Gespräch.
u
© Günter R. Wettw
BIG ART
Kunst als Teil des Ensembles
BIG ART ist das Kunstprogramm der Bundesimmobiliengesellschaft.
In Zusammenarbeit mit Künstler:innen,
Architekt:innen und Nutzer:innen entstehen künstlerische
Interventionen für Schulen, Universitäten und
Verwaltungsgebäude. Ein Fachbeirat garantiert dabei
hohe Qualität und einen nachhaltigen Dialog zwischen
Kunst und Bau. Das Team betreut eine Sammlung von
mehreren tausend Werken aus unterschiedlichen Epochen
als kulturelles Erbe.
OLIVETTI von Gerold Tagwerker am Gymnasium Gallusstraße in Bregenz
architektur FACHMAGAZIN
28
Magazin
Frau Barta, wie hat sich Ihre Arbeitsweise
im Laufe der Jahre verändert?
Wir haben uns in Bezug auf Abläufe, Kommunikation
und Wettbewerbsabwicklung
erheblich professionalisiert. Unser Selbstbewusstsein
hat sich verändert. Anfangs mussten
wir noch überzeugen, dass künstlerische
Gestaltung einen großen Mehrwert bringt.
Mittlerweile geht die Initiative oft von Projektmanager:innen
oder Architekt:innen aus.
Für mich ist ein Kunstwerk dann gelungen,
wenn es untrennbar mit dem Ort verbunden
ist – wenn ich es nach Jahren noch gern anschaue,
weil es zu mir spricht.
Wie gelingt der komplexe Auswahlprozess?
Am wichtigsten ist die Kommunikation zu
Beginn: Trotz aller Unterschiede muss es
möglich sein, eine gemeinsame Vision zu
entwickeln. Wir geben allen Projektpartner:innen
die Möglichkeit, ihre Wünsche zu
äußern und sich wertgeschätzt zu fühlen.
Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist die Zusammenarbeit
mit unserem Fachbeirat, der aus
fünf Expert:innen für Kunst & Bau besteht
und hohe Professionalität und Vermittlungskompetenz
einbringt.
Welche Rolle spielen Kontext und
Alltagstauglichkeit?
Bereits im Wettbewerb geben wir Teilnehmer:innen
die Möglichkeit, sich intensiv mit
Architektur und Nutzung auseinanderzusetzen.
Alltagstauglichkeit und Dauerhaftigkeit
hinterfragen wir bereits während der Entwurfspräsentationen.
Da es sich um öffentliche
Gebäude handelt, müssen die Kunstwerke
im schulischen oder universitären Alltag
bestehen können.
Wie schaffen wir Spielräume
für starke Konzepte?
Wir versuchen, möglichst wenig einzuschränken.
Wichtig ist, dass alle eine gemeinsame
Vision haben, aber noch kein fertiges Bild
im Kopf. Unsere Geschäftsführung steht voll
hinter dem Programm. Interessant ist, dass
oft gerade die Entwürfe, die die Rahmenbedingungen
ausreizen, am stärksten sind. Die
besten Projekte sind häufig diejenigen, die
wir uns selbst nicht vorstellen konnten.
Welche Projekte bleiben besonders
in Erinnerung?
Der „Walk of Insects“ von Edgar Honetschläger
an der BOKU Wien war ein besonderer
Prozess, der mit dem Ankauf und der Widmung
eines Waldgrundstücks als „Non-Human-Zone“
einherging. Auch „Perspectiva
Practica“ war interessant: Trotz anfänglicher
Skepsis gegenüber der historischen Sgraffito-Technik
kann sich heute niemand das
Gebäude ohne diese Intervention vorstellen.
Bei „Olivetti“ hatten die Nutzer:innen
die Chance, eigene Gestaltungsvisionen zu
entwickeln, und alle Entwürfe wurden durch
eine Ausstellung wertgeschätzt.
Damit wird deutlich: BIG ART versteht Kunst
als integralen Bestandteil öffentlicher Bauten
– ein Anspruch, den das Programm seit
20 Jahren konsequent verfolgt.
www.architektur-online.com
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Magazin
Gegen das Vergessen
Mitten in Lyon, unweit des Bahnhofs
Perrache – Ausgangspunkt zahlreicher
Deportationszüge während der NS-Zeit
wurde im Frühjahr das Shoah-Mahnmal
„The Rails of Memory“ eröffnet. Das von
Quentin Blaising und Alicia Borchardt
entworfene Projekt ist das Ergebnis
von zwanzig Jahren Engagement der
„Association pour l’édification d’un Mémorial
de la Shoah à Lyon“, unterstützt
von ehemaligen Deportierten und Überlebenden
von Auschwitz.
Hervorgegangen aus einem internationalen
Wettbewerb mit 96 Beiträgen aus 25 Ländern,
überzeugt das Bauwerk durch seine
radikale Symbolik: 1.173 Meter ineinander
verschlungene Stahlgleise verweisen auf die
1.173 Kilometer, die Lyon von Auschwitz-Birkenau
trennen. Schienen, Schwellen und
Schotter – die Materialien der Deportationen
– bilden eine architektonische Sprache von
großer Eindringlichkeit.
Doch das Mahnmal ist mehr als eine Gedenkstätte
für die sechs Millionen ermordeten
Jüdinnen und Juden, darunter 6.100
Opfer aus der Region Rhône-Alpes. Es ist
auch ein Ort der Vermittlung: Sitzbänke mit
QR-Codes eröffnen Besucher:innen digitale
Zugänge zu historischen Informationen und
zur Geschichte der Initiative.
The Rails of Memory verbindet Vergangenheit
und Zukunft, Trauer und Verantwortung.
Als architektonisches Manifest der Erinnerung
lässt es Geschichte erfahrbar werden
und bewahrt die Stille der Schienen als mahnende
Stimme gegen das Vergessen.
FÜR EINE NACHHALTIG
GEBAUTE ZUKUNFT
Universalzement
CO 2
-reduziert
Universalzement für alle gängigen
empfohlenen Betonsorten.*
1509-CSC24-2024-U
* Das entspricht einer Reduktion bei einem Umstieg von CEM II/B auf CEM II/C von mehr als 20 kg CO 2
/m 3
bzw. von knapp 40 kg CO 2
/m 3 bei CEM I als Vergleichsbasis [bei jeweils 300 kg anr. Bindemittel/m³ Beton].
ECOPlanet ROT - CEM II/C-M(S-LL) ist seit 15. April 2025 für die folgenden Expositionsklassen
(Umweltklassen) zugelassen: X0, XC1, XC2, XC3, XC4, XW1, XW2, XD1, XD2, XD3, XF1, XF2, XF3, XF4, XA1L, XA2L.
Der Einsatz für die Herstellung von Beton der Kurzbezeichnungen B1 bis inklusive B12 ist damit möglich.
holcim.at
www.architektur-online.com
30
Wettbewerbe & Awards
Baukulturpreis der
HYPO VORARLBERG 2025
In Zusammenarbeit mit dem vai Vorarlberger Architektur Institut zeichnete die
Hypo Vorarlberg im April einmal mehr herausragende Bauprojekte in der Region aus.
Gebäude sind mehr als bloße Hüllen.
Sie schaffen Räume für Begegnung,
Teilhabe und das Miteinander.
Räume beeinflussen unser Klima,
unsere Umgebung und unsere Lebensqualität.
Verantwortungsvolle
Architektur ist daher zentrale Aufgabe
unserer Zeit.
Mit diesem Anspruch startete die
Jury in die Sichtung der fast hundert
Einreichungen für den Baukulturpreis
der Hypo Vorarlberg 2025. Die
Jurymitglieder des Baukulturpreises
2025 – Angelika Fitz, Direktorin des
Architekturzentrums Wien, Stephan
Birk, Lehrstuhl für Architektur und
Holzbau an der Technischen Universität
München sowie Sandra Gnigler,
Architektin und Lehrbeauftragte an
der Kunstuniversität Linz – zeigten
sich beeindruckt von der Dichte qualitätsvoller
Bauten in Vorarlberg und
vom sichtbaren Engagement der Planer,
Bauherren und Nutzer. Besonders
hervorzuheben sind die 16 Projekte,
die im Rahmen der zweitägigen
Juryreise vor Ort besichtigt wurden.
Aus dieser Auswahl prämierten die
Experten vier Hauptpreise und vier
Anerkennungen, die als richtungsweisende
Beispiele für eine verantwortungsvolle
Baukultur stehen.
Alle Einreichungen zum Baukulturpreis
der Hypo Vorarlberg 2025:
baukulturpreis.hypovbg.at.
Preisträger
Bildungscampus Nüziders
Bauherrschaft:
Gemeinde Nüziders
Architektur:
Fink Thurnher Architekten,
Bregenz
fink-thurnher.at
Die Volksschule gilt als Geburtsstunde
der Architektengemeinschaft
C4. 2004 wurde das Gebäude nach
Entwürfen von Bruno Spagolla erweitert.
Heute entsprechen die älteren
Schultrakte nicht mehr den pädagogischen
Anforderungen. Die Architekten
schlugen vor, die Kindergartennutzung
in den historischen
Trakt zu verlegen und die neuen
Klassenzimmer für die Volksschule
im Erweiterungsbau unterzubringen.
So entstand ein moderner Bildungscampus,
ohne funktionale Abstriche
und ohne Verletzung des Bestands.
Jurymitglied Angelika Fitz
Foto: Hanno Mackowitz
www.architektur-online.com
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Wettbewerbe & Awards
Preisträger
Foto: Adolf Bereuter
DENK.WERK.STATT
Bauherrschaft:
Georg Bechter
Architektur:
Georg Bechter, Hittisau
bechter.eu
Das Projekt zeigt auf eindrucksvolle
Weise, wie durch eine gekonnte
Transformation einer einst agrarisch
geprägten Struktur ein inspirierender
Arbeitsort entstehen kann, der
sowohl den Bedürfnissen eines Architekturbüros
als auch einer Leuchtenmanufaktur
gerecht wird. Die
Verwendung lokaler, ökologischer
Materialien wie Stroh, Lehm und
Schafwolle überzeugt und ermöglicht
eine Bauweise, die weitgehend
kreislauffähig ist. Der geschliffene
Stampflehmboden, der eine hohe ästhetische
Qualität besitzt, betont die
handwerkliche Sorgfalt, mit der das
Gebäude umgestaltet wurde.
Jurymitglied Stephan Birk
u
Architektonische Qualität und
ökologische Verantwortung
© Michael Nussbaumer
„Nachhaltige Architektur ist für uns
Ausdruck von Verantwortung für die
Menschen, für die Umwelt und für
die Zukunft. Mit dem Baukulturpreis
möchten wir jene Projekte sichtbar
machen, die diesen Anspruch mit
Leben füllen.“
Klimawandel, knappe Ressourcen
und ein steigender Bedarf an Wohnraum
– angesichts dieser Herausforderungen
ist es essenziell, dass
Bauprojekte nicht nur funktional
und ästhetisch überzeugen, sondern
auch nachhaltige Lösungen in den
Mittelpunkt stellen.
Als starker Partner im Immobilienbereich
fördern wir als Bank bereits
seit 1987 aktiv den Diskurs über den
bewussten Umgang mit Ressourcen,
energieeffiziente Bauweisen
und eine harmonische Integration in
bestehende Strukturen. In Zusammenarbeit
mit dem vai Vorarlberger
Architekturinstitut wollen wir eine
Plattform für innovative Ideen bieten
und diese auszeichnen.
Der Baukulturpreis 2025 würdigt einmal
mehr herausragende architektonische
Beispiele, die diesbezüglich
eine Vorreiterrolle übernehmen und
Inspiration für zukünftige Projekte
sind. Sie zeigen eindrucksvoll, wie
nachhaltiges Bauen zur Lebensqualität
und Identität einer Region beitragen
kann, und beweisen, dass hohe
architektonische Qualität und ökologische
Verantwortung keine Gegensätze
sind, sondern gemeinsam eine
zukunftsweisende Bauweise formen.
Video Baukulturpreis
der Hypo
Vorarlberg 2025
Mag. Michel Haller, Vorstandsvorsitzender
Hypo Vorarlberg
architektur FACHMAGAZIN
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Wettbewerbe & Awards
Preisträger
Wohnen am Bergäcker
Fotos: Gustav Willeit
Bauherrschaft:
SWIETELSKY Baugesellschaft
Architektur:
Bernardo Bader Architekten,
Bregenz
Freiraumplanung: LandRise
bernardobader.com
Auf dem Grundstück verteilen sich
34 Einheiten auf vier stark gegliederte
Baukörper, die mit ihren Vorund
Rücksprüngen viel Privatheit
ermöglichen, während der zentrale
Hof zur ungezwungenen Gemeinschaft
einlädt. Dabei überzeugt die
Freiraumplanung mit einem differenzierten,
aber nicht zu kleinteiligen
Bepflanzungskonzept, Holzpodeste
offerieren sich für beiläufige Treffen
und farbenfrohe Hecken bilden
keine Barriere. Ein städtebauliches,
architektonisches und freiraumplanerisches
Vorzeigeprojekt, das den
gemeinschaftlichen Wohnbau in
ländlichen Regionen beflügeln soll.
Jurymitglied Angelika Fitz
Foto: Gustav Willeit
Inmitten des historischen Stadtkerns
von Hohenems erstreckt sich das
Quartier „Säge“, eine der ursprünglichsten
Siedlungsstrukturen der
Stadt. Der realisierte Wohnungsbau
auf dem Grundstück der ehemaligen
Wagnerei setzt einen sorgfältigen
zugleich richtungsweisenden
Akzent. Das Gebäude bewahrt die
Atmosphäre des Quartiers, indem es
auf traditionelle Bauformen Bezug
nimmt und diese in zeitgemäßer Architektursprache
weiterentwickelt.
Jurymitglied Stephan Birk
Preisträger
Wohnen im Quartier Säge
Bauherrschaft:
Schadenbauer Projekt- und
Quartiersentwicklung
Architektur:
Ludescher + Lutz Architekten,
Bregenz
ludescherlutz.at
www.architektur-online.com
Anerkennung
Bildungszentrum
Frastanz Hofen
Bauherrschaft:
Marktgemeinde Frastanz
Architektur:
Pedevilla Architekten, Bozen
pedevilla.info
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Wettbewerbe & Awards
Foto: Gustav Willeit
Anerkennung
Galgentobelbrücke
Bauherrschaft:
Stadt Bludenz
Architektur:
Marte.Marte Architekten,
Feldkirch
marte-marte.com
Foto: Marc Lins
Anerkennung
Fuchsegg Eco Lodge
Bauherrschaft:
Fuchsegg GmbH
Architektur:
Ludescher + Lutz Architekten,
Bregenz
ludescherlutz.at
Foto: Günter Standl
Anerkennung
Kriechere 70
Bauherrschaft:
Baugemeinschaft Berchtel –
Innauer – Matt
Architektur:
Innauer Matt Architekten,
Bezau
innauer-matt.com
Foto: Adolf Bereuter
architektur FACHMAGAZIN
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Wettbewerbe & Awards
Foto: Pano © Wien 3420
Eine Stadt für die Zukunft
Bauträgerwettbewerb Quartier Seecarré
aspern Seestadt, Bauplätze F9b und F10
aspern Seestadt in Wien-Donau stadt ist zu mehr als einem Drittel entwickelt. Nachdem vor mehr
als zehn Jahren das erste Quartier entstand und das dritte Quartier „Am Seebogen“ fast fertiggestellt
ist, entsteht mit dem Seecarré ein neues Quartier am Nordwestufer des asperner Sees. Das
Quartier Seecarré, eine Mischung aus geförderten und freifinanzierten Wohnungen mit Fokus auf
eine generationenfreundliche und soziale Stadt, kreislauffähiges Bauen und Klimawandelanpassung,
soll leistbaren Wohnraum mit hoher Lebensqualität bieten.
AUSSCHREIBUNG
Auftraggeber
Wien 3420 aspern Development AG, Wien
in Kooperation mit dem wohnfonds_wien,
fonds für wohnbau und stadterneuerung,
Wien
Verfahrensorganisator
IMPLAN Technisches Büro für Raumplanung,
Trausdorf; DI Astrid Hergovich
Art des Verfahrens
Je Bauplatz ein einstufiger, nicht anonymer,
öffentlicher Bauträgerwettbewerb
Gegenstand des Wettbewerbs
Zwei Bauplätze im Quartier „Seecarré“ in
der Seestadt Nord im 22. Wiener Gemeindebezirk
Donaustadt. Auf diesen ist die
Errichtung von geförderten Wohnbauten
vorgesehen.
Beurteilungskriterien
4-Säulen-Modell: Ökonomie, Soziale Nachhaltigkeit,
Architektur und Ökologie
Preisgericht (ohne Titel)
Rudolf Scheuvens (Vorsitzender), Lina
Streeruwitz (Stv. Vorsitzende), Katharina
Bayer, Alexander Gluttig, Peter Hinterkörner,
Kurt Hofstetter, Bernhard Lipp,
Bernadette Luger, Gabriele Plank, Gregor
Puscher, Isolde Rajek, Klaus Wolfinger
Preisgerichtssitzung
15/16..05.2025
architektur FACHMAGAZIN
Wettbewerbe & Awards
Gesund und fit
Im Zuge des Bauträgerwettbewerbs für Wohnbauprojekte
auf sieben Bauplätzen und einer Ausschreibung
für eine Hochgarage war für die beiden von der Wien
3420 aspern Development AG gemeinsam mit dem
wohnfonds_wien ausgelobten Bauplätze F9b und F10
die Realisierung von kostengünstigem, qualitätsvollem,
innovativem und ökologisch nachhaltigem, gefördertem
Wohnbau gefordert. Es waren Wohnformen zu entwickeln,
die auf die speziellen Bedürfnisse einer gesund
und fit älterwerdenden Bevölkerung abgestimmt sind.
Der Bauträgerwettbewerb ist Teil der Wohnbauoffensive
2024+ der Stadt Wien.
aspern klimafit
Klimaschutz und Ressourcenschonung: Zentraler Anspruch
des Standards „aspern klimafit“ ist die Bereitstellung
von Gebäuden und Quartieren, die im Jahr
2040 den Anforderungen einer treibhausgasneutralen
Wirtschaftsweise entsprechen. Für das Quartier Seecarré
ist eine intelligente, baufeldübergreifende Energieversorgung
geplant.
Klimaresilienz: Der „Urban-Heat- Island“-Effekt bewirkt
bereits jetzt eine spürbare Verschärfung der sommerlichen
thermischen Belastungen im Außenraum wie auch
in den Gebäuden selbst. Die städtebaulichen Leitbilder
weisen quantative Vorgaben für Begrünung sowie Regelwerke
für bauplatzspezfische Klimaanpassungsmaßnahmen
auf, welche mittels begleitender mikroklimatischer
Simulationen erarbeitet wurden. Zudem formuliert
„aspern klimafit“ Qualitätskriterien zum effektiven sommerlichen
thermischen Komfort für Gebäude.
© Beckhoff © Beckhoff
© Beckhoff © Beckhoff
An der Grünen Saite
Sieger des Wettbewerbs für den Bauplatz F9b wurde
die Wohnbauvereinigung GFW Gemeinnützige GmbH
(WBV-GFW) gemeinsam mit der Architektin Sne Veselinović
und der Idealice Landschaftsarchitektur ZT. Der
Bauplatz hat eine Größe von 4.087 m² und ist der östliche
Teil des Baufeldes F9. Der Bauplatz grenzt im Osten
an die Ost-West-Verbindung „Grüne Saite“.
Westlich davon liegt der Bauplatz F10 mit einer Größe
von 9.075 m², der im Südosten an die Promenade am
Seeufer grenzt. Gewonnen haben den Wettbewerb für
den Bauplatz F10 die Bauträger Neues Leben und Schönere
Zukunft mit den Architekturbüros G.O.Y.A. und WuP
sowie DnD Landschaftsplanung.
u
www.architektur-online.com
36
Wettbewerbe & Awards
Miteinander
Lebensqualität
schaffen
Robert Grüneis, seit 2023 Vorstand der Wien 3420 aspern Development AG, ist
für die Bereiche Produktentwicklung, Liegenschaftsverwaltung, Infrastruktur und
Beteiligungen verantwortlich. Der Experte für Energie und Smart Cities über das
bisher Erreichte und die Zukunft von aspern Seestadt in Wien.
© wien 3420 Foto: Luiza Puiu
Herr Grüneis, die Seestadt gilt als eines der
größten Stadtentwicklungsprojekte Europas.
Welche Bilanz ziehen Sie nach über
zehn Jahren Entwicklung?
Grüneis: Beinahe die Hälfte der Projektentwicklungen
sind erledigt. Die Seestadt hat
mittlerweile 12.000 Einwohner. In Umfragen
zur Wohnzufriedenheit haben wir bisher
immer sehr gute Ergebnisse erreicht. Das
Wesentliche aber: Wir haben von Quartier
zu Quartier gelernt. Das braucht aber auch
die Reife aller Beteiligten, zu sagen, das oder
jenes hätte ich aus heutiger Sicht anders
gemacht. Man darf sich auch nicht scheuen,
das eine oder andere nachzubessern.
Was macht die Seestadt aus Ihrer Sicht
zu einem besonderen Modell für moderne
Stadtentwicklung?
Da möchte ich zwei Dinge nennen, die uns
besonders gut gelungen sind: die Baulogistik
– es geht uns ja nicht nur um architektonisch
einwandfreie Gebäude, sondern
auch darum, den Stadtteil umsichtig zu entwickeln,
indem man beispielsweise vorhandenes
Baumaterial einsetzt, wie etwa den
Aushub des Sees. Aktuell wird eine Berufsschule
errichtet, das größte Bauvorhaben
in der Seestadt. Der Aushub davon wird in
einem Betonmischwerk am Gelände aufbereitet.
Das erspart unzählige Transporte in
die und aus der Seestadt. Unser Massenmanagement
ist sicher richtungsweisend in der
Projektentwicklung.
Das zweite ist aspern klimafit, ein Standard
für ökologisches, ökonomisches und energieoptimiertes
Bauen. Hier haben wir auch
gelernt, dass die eine oder andere Anforderung
zu unflexibel war, wie etwa die Vorgabe,
wieviel Photovoltaik auf einem Gebäude
sein muss. Mit klimafit 2.0 haben wir Ausgleichskriterien
für eine optimierte Gebäudenutzung
definiert. Wesentlich ist, dass
jedes Quartier im Rahmen einer Quartierswerkstatt
entwickelt wird, wo gemeinsam
mit den Bauträgern bauplatzübergreifend
gedacht und auch die Freiraumplanung abgestimmt
wird.
Wir wollen erhöhte Lebensqualität erreichen,
einen Lebensraum, wo ich mich im
Freien aufhalten kann, der nicht mit Autos
zugeparkt ist. Ich möchte auch mit meinen
Nachbarn vor der Haustüre reden können.
Das bedarf einer anderen Freiraumplanung,
die mit den Bauträgern abgestimmt wird,
und hohe Planungsgenauigkeit. Wir berücksichtigen
auch die Entschleunigung des
motorisierten Verkehrs, mit dem Ziel, eine
angenehme Lebensatmosphäre zu schaffen.
Welche Rolle spielen Grün- und
Freiräume im Seecarré?
Die Grüne Saite, eine Art Spielstraße, die
sich im Norden vom Yella-Hertzka-Park bis
zum Elinor-Ostrom-Park zieht, soll zum Verweilen
einladen. Die Verantwortung dafür
wird nicht nur bei der öffentlichen Hand liegen,
sondern auch bei den Bauträgern, weil
die grüne Saite direkt an die Gründstücke
anschließt und die offenen Innenhöfe quasi
ihre Erweiterung sind. In den Quartierswerkstätten
haben wir in den letzten Jahren
gelernt, wie man miteinander neue Lebenswelten
gestaltet. Die Bauträger sind gewillt,
mitzumachen.
Welche städtebaulichen Visionen stecken
noch hinter der Quartiersentwicklung im
Seecarré?
Bei der Mobilität wollen wir mit dem Sammelgaragensystem,
Citylogistik und der
Förderung der aktiven Mobilität den moto-
risierten Individualverkehr auf 15 Prozent
reduzieren. Im öffentlichen Raum wird es
keine Dauerparker, dafür Zonen zum Anliefern
und für die Bedürfnisse körperlich behinderter
Menschen geben.
Was ist in puncto Nachhaltigkeit und klimagerechtem
Wohnbau bei diesem Quartier
geplant?
Wir forcieren ein quartiersübergreifendes
Energienetz mit Luftwärme- und Grundwasserwärmepumpensystemen
und Tiefenbohrungen,
zu dem die Bauträger mit der Wien
Energie in Gesprächen sind, mit dem Ziel,
dass nicht jedes Haus eine eigene Heizanlage
hat.
Welche Prinzipien kamen bei den
Bauträgerwettbewerben zum Tragen?
Das Prinzip, gesund und fit älter zu werden,
wie man seine Freizeit aktiv gestalten kann,
etwa mit zusätzlichen Bewegungsräumen
oder Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen,
die die Bauträger zur Verfügung stellen.
Beim Klimaschutz waren auch bauliche
Aspekte der Hitzevermeidung im Gebäude
eine Vorgabe, etwa durch Beschattung.
Welcher Nutzungsmix ist für das
See carré geplant?
20 Prozent der vermietbaren Nutzfläche
über Bodenniveau sind für Nicht-Wohnnutzungen
reserviert, für gewerbliche und
soziale Infrastruktur.
Die Zukunft der Seestadt?
Wir haben viel erreicht, aber noch nicht das
Ende der Fahnenstange. Wenn die Stadtstraße
in Betrieb geht und die Spange zwischen
West- und Osteinfahrt fertiggestellt
ist, dann kann laut unseren UVP-Auflagen
weitergebaut werden. An den Seeterrassen
im Nordosten entsteht dann die Waterfront
mit den Arkadengängen von Lil-y am See
und dem Pier05. Allein dort werden wir rund
1.500 Quadratmeter Lokalflächen schaffen,
was der Seestadt einen weiteren Schub in
Richtung Lebensqualität gibt.
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37
Wettbewerbe & Awards
Blick auf Ateliers und Impulsraum
Bauplatz 9b
Projekt F9b-5
„Nadia & Simone“
Bauträger: WBV GFW
Architektur: Sne Veselinović
Freiraum: Idealice
Soziale Nachhaltigkeit:
Wohnbund:Consult
Aus der Jurybeurteilung
Städtebau und Architektur
Das Projekt ‚Nadia & Simone – Wohnen
in Bewegung‘ orientiert sich, mit
drei Bauteilen auf einem verbindenden
Sockel, in seiner städtebaulichen
Setzung weitgehend an den Vorgaben
des Leitbildes und setzt diese
überzeugend um. Die Hochpunkte
und Zäsuren sind präzise gesetzt
und generieren ein identitätsstiftendes,
gut integriertes Ensemble aus
drei charakteristischen Gebäuden,
dem Atelierhaus, Impulshaus und
Turnhaus. Positiv aufgenommen
wird das vielversprechende Angebot
eines Turnparadieses für Jung und
Alt. Im südlichen Durchgang bildet
der Impulsraum einen attraktiven u
Erdgeschoß
Erdgeschoß
Schnitt 1-1
Südfassade Schnitt 2-2
architektur FACHMAGAZIN
38
Wettbewerbe Wettbewerbe & Awards
Lebenswert wohnen:
Mehr als ein Motto
Die Wohnbauvereinigung GFW Gemeinnützige GmbH wurde 1956 gegründet und
steht seitdem für leistbaren und sozial verantwortungsvollen Wohnraum. Heute ist
die GFW ein wichtiger Teil des ÖSW Konzern und in Wien, NÖ sowie dem Burgenland
aktiv. Geschäftsführer Helmut Kubasta erklärt, wie das Unternehmen Wohnen
neu denkt und welche Akzente es dabei setzt.
Bauplatz 9b „Nadia & Simone“ –
Blick auf Gemeinschaftsraum / Stadtloggia
Die Wohnbauvereinigung GFW Gemeinnützige
GmbH (WBV-GFW) ist seit vielen
Jahren ein wichtiger Akteur im gemeinnützigen
Wohnbau. Was zeichnet Ihr Unternehmen
aus?
Für uns bedeutet Wohnen mehr als ein Dach
über dem Kopf. Wir schaffen Wohnraum, der
für möglichst viele Menschen leistbar bleibt
und gleichzeitig hohen qualitativen Ansprüchen
genügt. Dabei geht es nicht allein um
Architektur und Bauweise, sondern auch um
die Frage, wie wir Nachbarschaften gestalten
und soziale Strukturen stärken können.
Dieses Verständnis prägt unsere Projekte
von der ersten Idee bis zur Betreuung.
Mit dem Projekt „Nadia & Simone“ hat die
GFW zuletzt den Bauträgerwettbewerb in
der Seestadt gewonnen. Was macht dieses
Projekt so besonders?
„Nadia & Simone“ ist für uns ein Meilenstein.
Bis 2028 entstehen 89 geförderte Mietwohnungen,
die wir mit einem Schwerpunkt auf
Bewegung und Gesundheit kombinieren.
Das Projekt umfasst drei Häuser, die durch
Grünflächen, Gemeinschaftsterrassen und
Dachterrassen miteinander verbunden sind.
Ein zentrales Element bildet das „Turnparadies
Seecarré“, das wir gemeinsam mit dem
Turnverein Seestadt entwickelt haben. Auf
rund 1.200 m² entsteht dort ein dauerhaftes
und niederschwellig nutzbares Bewegungsangebot,
das in Wien in dieser Form einzigartig
ist und weit über das Quartier hinaus
ausstrahlen wird.
Welche Rolle spielt dabei die
soziale Ausrichtung der GFW?
Eine sehr große. Neben klassischem Wohnraum
setzen wir auf innovative Wohnformen.
Ein Beispiel ist das CoLiving-Modell
„Solidarisch Wohnen mit Kindern“. Hier leben
Alleinerziehende, Familien, Singles und
ältere Menschen in einem unterstützenden
Umfeld zusammen. Zusätzlich entstehen
betreute Wohnungen für Menschen mit Behinderung
und Housing-First-Wohnungen in
Kooperation mit sozialen Trägern.
Nachhaltigkeit ist ein weiterer Schwerpunkt
des Projekts. Was bedeutet das konkret?
Helmut Kubasta, Geschäftsführer WBV GFW
Wir denken langfristig und bauen mit Blick
auf kommende Generationen. „Nadia & Simone“
entsteht etwa in ressourcenschonender
Holzhybridbauweise, mit Dach- und
Fassadenbegrünungen sowie naturnahen
Freiräumen. So schaffen wir einzigartige
Wohnqualität und leisten gleichzeitig einen
Beitrag zum Klimaschutz.
Wohin entwickelt sich die GFW als Teil des
ÖSW-Konzerns in den kommenden Jahren?
Wir wollen uns weiterhin für innovativen, sozialen
und ökologisch verantwortungsvollen
Wohnbau einsetzen. Die Herausforderungen
sind groß – vom Klimawandel bis zu gesellschaftlichen
Veränderungen. Wohnraum
neu zu denken und Projekte zu schaffen, die
den Bewohner:innen einen echten Mehrwert
bringen, ist unsere Aufgabe.
© WBV GFW
www.architektur-online.com
39
Wettbewerbe & Awards
Bauplatz 9b „Nadia & Simone“ – Blick vom „Grünen Hochregal“ in den Wohnhof
1. Obergeschoss 2. Obergeschoss Wohnungstypen
u Ankerpunkt für das Quartier, das
Freistellen des Raumes in Breite und
Höhe kann jedoch noch nicht gänzlich
überzeugen. Die architektonische
Strukturierung der Baukörper
und die helle, natürliche Farb- und
Materialgestaltung der Fassaden ist
sehr gut gelungen und schafft eine
angenehm leichte und lebendige
Erscheinung, die durch textilen Sonnenschutz
aus Markisetten und Vorhängen
unterstrichen wird. Die einheitliche
Material- und Farbgebung
bindet das Ensemble zusammen,
während ein differenzierter Umgang
mit Balkonen und Öffnungen den
eigenständigen Charakter der Bauteile
subtil herausarbeitet. Der Sockel
des Turnhauses ist über einen
begrünten Gesimsetrog und einen
Materialwechsel klar abgesetzt. Die
übrigen Sockelfassaden sind in Holz
gehalten und begrünt. Für die Konstruktion
wird ein Stahlbetonskelettbau
mit vorgefertigten Holzriegelaußenwänden
vorgeschlagen und gut
nachvollziehbar in die Grundrissgestaltung
integriert. Alle Trennwände
sind nicht tragend, was Flexibilität
über den Lebenszyklus ermöglicht.
Das Projekt bietet ein sehr gutes und
vielfältiges Wohnangebot für Familien,
Alleinerziehende, Angebote
wie Housing First und Einheiten für
Wohnen und Arbeiten. Annähernd
alle Wohnungen sind zweiseitig belichtet
und belüftet. Die gezeigten
Grundrisstypen zeigen Variabilität
und weisen durchgehend eine hohe
Wohnqualität auf.
Freiraum
Sport und Fitness stehen im Mittelpunkt
des Freiraumes, der durch die
städtebauliche Setzung der Baukörper
eine großzügige Dimension
erhält. Die einfache räumliche Strukturierung
betont vor allem die Mitte,
die vorrangig vom Kleinkinderspiel
vereinnahmt wird.
Soziale Nachhaltigkeit
Das Projekt überzeugt aus Sicht der
sozialen Nachhaltigkeit. Eine große
Gemeinschaftsterrasse bietet
darüber hinaus Raum für Begegnung,
Spiel und Garteln. Im Kontext
der Quartiersentwicklung wird das
„Turnparadies“ als ein in der Seestadt
dringend benötigtes Angebot
angesehen.
•
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40
Wettbewerbe & Awards
Bauplatz 10 „Fit für Morgen“ – Schnitt B-B
Fit für Morgen: Wohnraum
mit Verantwortung gestalten
Ein Zuhause ist mehr als ein Ort zum Wohnen – es ist die Basis für Lebensqualität,
Sicherheit und Miteinander. Neues Leben versteht Bauen als Verantwortung für die
Gesellschaft und als Chance, das Morgen aktiv zu gestalten. Mit dem Projekt „Fit
für Morgen“ im Quartier Seecarré zeigen wir, wie aus gemeinschaftlichen Werten
zukunftsfähige Lebensräume entstehen.
Seit 75 Jahren steht die Gemeinnützige
Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft
Neues Leben für die Schaffung von leistbarem
und qualitätsvollem Wohnraum.
Was einst mit dem Ziel begann, Menschen
Sicherheit zu geben, ist heute ein umfassender
Auftrag: Wohnraum so zu gestalten,
dass er vielfältige Lebensentwürfe unterstützt
und den gesellschaftlichen Zusammenhalt
stärkt.
Austausch und Begegnung
„Fit für Morgen“ im Quartier Seecarré knüpft
daran an. Das Projekt bietet nicht nur Wohnungen,
sondern schafft ein Umfeld, das
Begegnung, Austausch und gegenseitige
Unterstützung ermöglicht. Unterschiedliche
Wohnformen – für Familien, Alleinerziehende,
Studierende oder ältere Menschen
– machen Vielfalt selbstverständlich. Gemeinschaftsräume,
Treffpunkte und offene
Strukturen sorgen dafür, dass die Bewohnerinnen
und Bewohner ihr Lebensumfeld
aktiv mitgestalten können.
Besonders prägend ist die Bauweise.
Langlebige, ökologische Materialien wie
Holz, Ziegel und Lehm schaffen ein gesundes
Raumklima und leisten einen wichtigen
Beitrag zum Klimaschutz. Die Konstruktion
ist bewusst einfach und flexibel geplant,
damit Wohnungen sich an veränderte Lebenssituationen
anpassen können – von
der jungen Familie bis zur altersgerechten
Betreuung. Wiederverwendbare Bauelemente
und ressourcenschonende Fertigung
zeigen, wie Kreislaufwirtschaft im Bauwesen
praktisch umgesetzt werden kann.
Auch das Energiekonzept verbindet Alltagstauglichkeit
und Nachhaltigkeit. Geothermie,
Balkonkraftwerke und natürliche
Belüftungssysteme reduzieren den Energieverbrauch
und machen Klimaverantwortung
im Alltag spürbar. So entsteht ein Quartier,
das den Herausforderungen des Klimawandels
aktiv begegnet.
Prok. DI Ivan Blagojevic,
Leiter der Technik Neubau
Menschenrecht Wohnen
Unsere Arbeit folgt dem Grundsatz: Wohnen
ist ein Menschenrecht. Daraus ergibt sich
die Aufgabe, Orte zu schaffen, die leistbar,
zukunftsfähig und sozial inklusiv sind. Projekte
wie „Fit für Morgen“ zeigen, dass gemeinnütziger
Wohnbau nicht nur Wohnraum
bereitstellt, sondern Baukultur weiterentwickelt
– hin zu einer Architektur, die Verantwortung
übernimmt und das Leben in der
Stadt bereichert. Das 75-jährige Bestehen
von Neues Leben verstehen wir dabei nicht
als Rückschau, sondern als Fundament für
die Zukunft. Mit „Fit für Morgen“ machen wir
deutlich, wie gesellschaftliche Verantwortung,
nachhaltige Bauweise und leistbares
Wohnen zusammenfinden – für eine Stadt,
die auch in den kommenden Jahrzehnten
lebenswert bleibt.
© Neues Leben
architektur FACHMAGAZIN
41
Wettbewerbe & Awards
Bauplatz 10
Projekt F10-3
„Fit für Morgen“
Bauträger: Neues Leben/
Schönere Zukunft
Architektur: G.O.Y.A. / WuP
Freiraum: DND
Soziale Nachhaltigkeit: Caritas
Stadtteilarbeit
Aus der Jurybeurteilung
Städtebau und Architektur
Das Projekt übersetzt das städtebauliche
Leitbild in ein Ensemble dreier
unterschiedlicher Gebäudetypen.
Der schlanke „Solitär“ im Nordwesten
betont seine besondere Stellung
im Quartier mit einer freien Grundrissgeometrie,
Ausrichtung nach
allen Seiten und eigenständiger Gestaltungssprache.
Die differenzierten
Gebäudehöhen lassen in Verbindung
mit dem geringsten Versiegelungsgrad
angenehm proportionierte Freiräume
entstehen. Was den Entwurf
auszeichnet, ist die – trotz Ähnlichkeit
der Grundbausteine – differen-
zierte Haltung und Gestaltung zu
den unterschiedlichen umgebenden
Stadträumen, aber auch zum Hof.
Der Auftritt an der Seepromenade
überzeugt gestalterisch durch die
Proportionen zwischen Hochpunkten
und Sockel, der Gestaltung des
Tiefenreliefs sowie eine gewisse
Leichtigkeit des dem Baukörper vorgestellten
„Balkon-Regals“.
Auch Proportionen und Gestaltung
des „Solitärs“ werden sehr positiv
gesehen. Kritisch hinterfragt werden
die zum Hof durchgesteckten Eingangsbereiche
in der Mitte der drei
Haupthäuser, die mit besserer Durchlüftung
argumentiert werden. Zwar
wird das Potenzial, hier identitätsstiftende
Entrées zu gestalten, anerkannt;
die Raumproportionen, die
zum Teil versteckte Lage der Hauseingänge
wie auch die Positionierung
der Radabstellräume weisen allerdings
noch Verbesserungspotenzial
auf. Das Projekt zeichnet sich durch
sehr flexibel nutzbare Wohnungsgrundrisse
aus. Dazu trägt auch eine
überdurchschnittliche Raumhöhe u
Erdgeschoß
Schnitt B-B
Schnitt A-A
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FACHMAGAZIN
42
Wettbewerbe Wettbewerbe & Awards
Bauplatz 10 „Fit für Morgen“ – Ansicht Ost
Fit für Morgen: Nachhaltiges
Bauen trifft soziale Vielfalt
Wie auf Baufeld F10 im Quartier Seecarré ökologische Verantwortung und urbane Gemeinschaft ineinandergreifen
Wohnen am Puls der Zeit – das ist unsere
Philosophie. Seit 1952 bauen wir – die Gemeinnützige
Wohn- und Siedlungsgesellschaft
Schönere Zukunft – auf Gemeinnützigkeit.
Es ist unser Bestreben, leistbares
Wohnen zu ermöglichen, hohe Qualität, Familienorientierung
und regionale Verwurzelung
zu bieten.
Das Projekt
Im Quartier Seecarré in Wien-Aspern entsteht
mit „Fit für Morgen“ ein Stadtbaustein,
der zeigt, wie ökologisches Bauen, architektonische
Flexibilität und soziale Vielfalt
zusammenspielen können. Bis 2029 soll auf
Baufeld F10 gemeinsam mit der Gemeinnützigen
Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft
„Neues Leben“ ein Ensemble
mit über 200 Wohnungen, Gewerbeflächen,
einem Gesundheitszentrum und vielfältigen
Gemeinschaftsangeboten realisiert werden
– ein Modellprojekt, das Klimaschutz und
Nachbarschaftskultur gleichermaßen in den
Mittelpunkt rückt.
Architektonisch folgt das Projekt einer klaren
Grundidee: Drei Geschwisterhäuser definieren
den Blockrand, ergänzt durch den
markanten Solitär am Quartiersplatz und
das „Haus der vielen Möglichkeiten“. Im
Zentrum liegt ein durchlässiger Superhof,
dessen Plaudertaschen und offene Hauseingänge
nicht nur das Mikroklima verbessern,
sondern auch soziale Begegnungen
fördern. So wird ökologische Verantwortung
unmittelbar mit städtischer Lebendigkeit
verknüpft.
Die Bauweise selbst ist ein Statement für
Kreislaufwirtschaft. Massivholzdecken,
monolithische Ziegelwände ohne Zusatzdämmung
und Lehmbauplatten schaffen
ein gesundes Raumklima und sind zugleich
sortenrein trennbar. Schraubverbindungen
statt Kleben sichern Wiederverwendbarkeit,
ein digitaler Zwilling dokumentiert den
Materialeinsatz für künftige Nutzung. Auch
die Energieversorgung folgt einem Low-
Tech-Prinzip: Photovoltaik auf Dächern und
Balkonen, Abluftnutzung durch Wärmepumpen
und leicht austauschbare Niedertemperaturradiatoren
machen Energieeffizienz
greifbar – bis hin zum wohnungsbezogenen
„Balkonkraftwerk“, das Stromproduktion
sichtbar und erlebbar macht.
Parallel dazu wird soziale Nachhaltigkeit
großgeschrieben. Flexible Grundrisse ermöglichen
Anpassungen an unterschiedliche
Lebensphasen – von Familien über
Geschäftsführer Dr. Emanuel Obentraut (li.)
DI Stefan Haertl
Alleinerziehende bis zu Wohngruppen
für Jung und Alt. Gemeinschaftsräume,
Dachterrassen und das „Haus der vielen
Möglichkeiten“ mit Plusräumen für Nachbarschaftsinitiativen
schaffen Orte für Austausch
und Teilhabe. Der Solitär bietet Platz
für Co-Working, Gemeinschaftswohnen und
einen Generationenklub im Erdgeschoss,
wodurch die Verzahnung von Wohnen, Arbeiten,
Sport/Fitness und Freizeit gelingt.
„Fit für Morgen“ zeigt, dass ökologisches
Bauen weit mehr ist als die Wahl von Materialien.
Entscheidend ist die Kombination
mit einer flexiblen, sozial getragenen Architektur,
die Menschen in allen Lebenslagen
Raum bietet. So entsteht auf Baufeld F10 ein
zukunftsfähiges Quartier, das Klimaresilienz,
Ressourcenschonung und urbane Gemeinschaft
intelligent miteinander verbindet.
© Johannes Brunnbauer
www.architektur-online.com
43
Wettbewerbe & Awards
Bauplatz 10 „Fit für Morgen“
2. Obergeschoss 4. Obergeschoss
Wohnungstypen
u von zumeist 2,80 m bei. Das Bemühen
um viele übereck oder zweiseitig
belichtete und belüftete Wohnungen
wird ausdrücklich gewürdigt - ebenso
wie das Bemühen um ei behagliches
Wohnklima.
Freiraum
Das Projekt verbindet gekonnt die
unterschiedlichen Zonen und Nutzungen.
Die Durchwegung lässt einen
großen zusammenhängenden
Grünbereich, das „Klima-Aktiv-Wäldchen“,
entstehen. Dieses ist gleichzeitig
ein beschatteter Spielbereich.
Soziale Nachhaltigkeit
Generell ist der Ansatz, das Projekt
aus der Wohnung heraus zu
entwickeln, sehr nachvollziehbar
dargelegt. Auch das Angebot der
verschiebbaren Wände in etwa einem
Drittel der Wohnungen wird
positiv bewertet. Das gute Angebot
für verschiedene Zielgruppen reicht
von „Wohnen mit Kindern“ in Stockwerksgemeinschaften
mit direktem
Zugang zu Dach terrassen bis hin zu
gemeinschaftlichem Wohnen und
„echten WGs“.
•
architektur FACHMAGAZIN
44
Wettbewerbe & Awards
Überzeugende Setzung
Generalplanerwettbewerb Zubau und Generalsanierung der Volksschule am Standort 1210 Wien, Dunantgasse 2
Gegenstand des Wettbewerbs war
die Erlangung eines Lösungsvorschlages
für einen Zubau und eine
Generalsanierung der bestehenden
Henry Dunant Volksschule, die
die Funktionen einer allgemeinen
Pflichtschule mit schulischer Tagesbetreuung
sowie einer allgemeinen
Pflichtschule für Sonder- und Inklusiv-Pädagogik
(SIP) erfüllen soll.
Das Raum- und Funktionsprogramm
sieht eine 21-klassige Erweiterung
Auslober
Stadt Wien – Schulen (MA 56), v. d.
WIP Wiener Infrastruktur Projekt GmbH
Verfahrensorganisation
DI Herbert Liske - Ingenieurkonsulent für
Raumplanung und Raumordnung, Baden
Art des Verfahrens
EU-weiter, offener, einstufiger Realisierungswettbewerb
im Oberschwellenbereich zur
Vergabe von Generalplanerleistungen
Preisgericht (ohne Titel)
Fachpreisrichter: Sascha Bradic, Hristina
AUSSCHREIBUNG
(davon 12 SIP-Klassen) als Ergänzung
zur bestehenden Volksschule
vor. Die Gesamtklassenanzahl inklusive
Zubau soll künftig 33 Bildungsräume
betragen.
Aus der Jurybeurteilung
Die Setzung an die Dunantgasse mit
eingeschnittenem Vorplatz, der als
Haupteingang dient, wirkt überzeugend.
Die Gliederung der Baumassen,
die der Bebauung in der Umgebung
Hristova, Regina Gschwendtner (WIP)
Sachpreisrichter: Michaela Rebel-Burget
(MA56), Franziska Graber (WIP)
Preisträger, Preisgeld
1. Preis (€ 53.029,00):
Silbermayr Welzl Architekten ZT GmbH
2. Preis (€ 42.424,00):
PPAG architects zt gmbh
3. Preis (€ 31.820,00):
ARGE Florian Haim/
Laurenz Vogel Architekten
Preisgerichtssitzung
24./25. Juni 2025
folgen, sowie die Erschließung und
Anbindung an die örtlichen Gegebenheiten
ist gut gelöst. Die Umsetzung
des räumlich-pädagogischen
Konzeptes sowie die Situierung der
einzelnen Funktionsbereiche sind gelungen.
Die Eingangshalle bekommt
mehr Raumhöhe, die Blickbeziehungen
und die horizontalen und vertikalen
Verbindungen sind optimal positioniert
und ermöglichen eine sehr
gute Orientierung.
Die Positionierung des Mehrzwecksaals
und Essbereiches im Bestand
mit direktem Bezug zum Garten
wird besonders gewürdigt. Der Bestandsklassentrakt
wird optimal und
sorgsam eingebunden. Durch den
geplanten Abstand zur bestehenden
Struktur als Luftraum im 1. OG
geht das Projekt sorgsam mit dem
Bestand um und bildet interessante
Raumkonstellationen. Das Gesamtbild
wirkt ausgewogen und für die
Nutzung der Bildungseinrichtung
entsprechend gut gelöst.
Ruheinsel
www.architektur-online.com
Lernlandschaften
Das Projekt
Die Henry Dunant Volksschule im
21. Wiener Bezirk wird künftig teilweise
abgerissen, generalsaniert und um
einen Zubau erweitert. Das Projekt
sieht ein kompaktes Gebäude westlich
des Bestandsgebäudes vor. Der
Zubau gliedert sich in zwei klar strukturierte,
rechteckige Baukörper. Entlang
der Dunantgasse wird ein großzügiger
Schulvorplatz freigehalten,
der sich zwischen den beiden Baukörpern
öffnet. Die Höhenentwicklung
der Baukörper folgt einer gestaffelten
Abtreppung hin zum Schulgarten.
Diese Staffelung der Baukörper
übernimmt somit die Maßstäblichkeit
der umliegenden Bebauung auf und
schafft zugleich qualitätsvolle, nutzbare
Freiflächen. Auf allen Ebenen
entstehen terrassierte Freibereiche
mit Ausrichtung zum Schulgarten.
Über den Haupteingang gelangt
man in die Aula, die zwischen Neubau
und Bestandsgebäude liegt und
das Herzstück der Schule bildet.
Eine Sitzstufenanlage lädt zum Verweilen
ein und schafft einen zentra-
45
len Treffpunkt für die Schülerinnen
und Schüler. Alle Bildungsbereiche
sind im Clustersystem organisiert
und daher vollständig im Neubau
untergebracht. Im Bestandsgebäude
sowie in den Zwischenzonen zwischen
den Bildungsbereichen befinden
sich allgemeine Funktionen wie
Verwaltung und Sonderunterricht.
Die einheitliche räumliche Struktur
der Unterrichts-Cluster gewährleistet
eine hohe Flexibilität für zukünftige
Nutzungen. Die Unterrichtsbereiche
sind nach dem Cluster-Prinzip
als „Lernlandschaften“ gestaltet.
Das Büro
Die Silbermayr Welzl Architekten
ZT GmbH wurde 2015 in Wien gegründet.
Die Zusammenarbeit reicht
jedoch weiter zurück und basiert
auf langjähriger Erfahrung sowie
zahlreichen gemeinsamen Projekten.
Diese Grundlage ermöglicht es uns,
Vorhaben in unterschiedlichsten
Maßstäben und Kategorien umzusetzen.
Unsere Entwürfe zeichnen
Wettbewerbe & Awards
Guido Welzl (Gründungspartner), Felix Silbermayr, Geschäftsführer
sich durch eine klare Formensprache
aus, wobei jedes architektonische
Element – von Innenausstattung bis
zum technischen Detail und Außenbild
– bewusst gestaltet wird, um ein
stimmiges und harmonisches Gesamtbild
zu schaffen.
Wir streben eine Architektur an, in
der Materialien und Ästhetik mit
funktionalen Anforderungen und
nachhaltigem Bauen in Einklang gebracht
werden.
silbermayrwelzl.at
EG
SIP Terrasse
Dunantgasse
Ruheinsel
Kunst-
Rasenplatz
Verbindung
öffentlicher Park
EXTERNE
SPORT
Ballspielplatz
Spielgeräte
Garten-WC
Mehrfachnutzung
SAAL
ESSBEREICH
CLUSTER 4
THERAPIE
KÜCHE
THERAPIE
HAUPTEINGANG
Inklusiver Spielplatz
Spielplatz Bestand
Jedleseer Straße
Biologiegarten
ANLIEFERUNG
architektur FACHMAGAZIN
46
Material & Oberfläche
Zwischen Schatten
und Patina
Museum Bezau / Vorarlberg / Innauer Matt Architekten
Text: Linda Pezzei Fotos: Dominic Kummer
Das Museum Bezau in Vorarlberg steht exemplarisch
für den sensiblen Umgang mit Material, Oberfläche
und Licht in der Architektur. Der Umbau und
die Erweiterung durch Innauer Matt Architekten
demonstrieren, wie Tradition und Moderne, handwerkliche
Qualität und sinnliche Erfahrung ein
kohärentes Zusammenspiel bilden – bis ins Detail
und in jedem Bauteil spürbar.
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47
Innauer Matt Architekten
Ein Raum voller Geschichte.
Das Museum Bezau ist ein Haus mit vielen Leben.
Ursprünglich im 16. Jahrhundert erbaut, diente es
im Laufe der Jahrhunderte als Wohnhaus, Sennerei,
Feuerwehrhaus und Archiv. In seinen fast schwarz
gealterten, dunklen Räumen spiegeln sich kollektive
Erinnerungen ebenso wie die Baukultur des Bregenzerwaldes
wider. „Der Bestand ist selbst ein Exponat“,
betont Sven Matt, Partner bei Innauer Matt Architekten.
„Es war uns wichtig, diese Materialgeschichte
sichtbar zu halten und zugleich eine zeitgemäße Museumsarchitektur
zu entwickeln.“
Mit ihrem Eingriff knüpfen die Architekten an eine
historische Leerstelle an: den im 20. Jahrhundert
verlorenen Stalltrakt. Durch den Neubau wird die ursprüngliche
Typologie des Einhofs mit Vorder- und
Hinterhaus wiederhergestellt. So bleibt der Charakter
des Ensembles gewahrt und es entstehen gleichzeitig
neue Räume für Empfang, Veranstaltungen
und Wechselausstellungen.
u
architektur FACHMAGAZIN
48
Material & Oberfläche
Authentizität mit „Twist“
Holz ist das prägende Material und verbindet Alt und
Neu auf subtile Weise. Der Erweiterungsbau zeigt
sich außen in sägerauem, unbehandeltem Fichtenholz.
Durch Sonne, Wind und Regen wird es nachdunkeln,
bis es sich der Patina des Bestands angleicht.
Innen hingegen eröffnet das weiß gekalkte Täfer einen
hellen, beinahe ätherischen Kontrast. Der Kalk
verweist auf eine alte bäuerliche Praxis – einst wurden
Ställe regelmäßig gekalkt – und transformiert sie
zu einer musealen Qualität.
Die Besucher:innen erleben somit ein Wechselspiel
aus gedeckten, nachgedunkelten Bestandsstuben
und lichten, beinah entrückten Neubauräumen. Der
bewusste Kontrast zwischen Licht und Schatten ist
zentral für die Atmosphäre. „Dieser Dialog fasziniert
uns“, sagt Matt. Böden aus massiver Fichte und Möbel
aus naturbelassener Esche ergänzen das Materialgefüge.
Im Untergeschoss tritt geschliffener Beton
als kühler Kontrast hinzu.
www.architektur-online.com
49
Innauer Matt Architekten
Die Oberfläche als Teil der Erfahrung
Die Architekten verstehen die Oberfläche aber nicht
als bloßes Finish, sondern als Ausdruck der Materialgeschichte.
Sichtbare Fugen, Risse, Lüftungsbohrungen
oder die feine Fügung der Holzschalung sollen
so zu einer sinnlichen Erfahrung werden. Jedes Detail
ist Teil der Erzählung – bis hin zu den Ausstellungsmöbeln,
die als Hommage an die Ofenstangen
alter Stuben entwickelt wurden.
Entscheidend ist auch die Rolle des Lichts: Während
das Vorderhaus mit seinen kleinen Butzenfenstern
introvertiert bleibt, setzten die Architekten im Neubau
auf eine bewusste Choreografie der Lichtführung.
Motorisch gesteuerte Dachfenster lassen das
Tageslicht von oben einfallen. Holzroste filtern es
blendfrei und lenken es an die gekalkten Holzoberflächen,
wo es weich reflektiert wird. Dadurch entstehen
Räume, die in sanftes, diffuses Licht getaucht
sind, in denen Tradition und Moderne atmosphärisch
verschmelzen.
u
Das Foyer des Museums Bezau verbindet
helles, kalkgefasstes Holz mit der dunklen
Patina des Bestands und setzt Materialgeschichte
und Licht gezielt in Szene.
architektur FACHMAGAZIN
50
Material & Oberfläche
Die Lichtchoreografie: Architektur als Bühne.
Besonders eindrucksvoll ist die Inszenierung des
Lichts. Jedes Geschoss folgt dabei einer eigenen Logik:
Im Erdgeschoss strömt das Licht seitlich ein, im
Obergeschoss fällt es durch Dachöffnungen ein und
im Dachgeschoss lenken Giebelfenster den Blick ins
Dorf. Diese Abfolge erzeugt eine nahezu musikalische
Dramaturgie und macht den Rundgang zu einer
Choreografie aus Licht und Schatten.
Damit erfüllt das Museum eine größere architektonische
Aussage: Es zeigt, wie sich mit einfachen, regionalen
Materialien, dem Wissen um Alterung und der
bewussten Führung von Tageslicht eine Architektur
schaffen lässt, die nicht auf spektakuläre Gesten angewiesen
ist, sondern ihre Kraft in der alltäglichen
Schlichtheit entfaltet.
Sanft gefiltertes Tageslicht
und helle, gekalkte Holzflächen
verleihen den Ausstellungsräumen
des Museums
Bezau eine lichte, fast ätherische
Atmosphäre.
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51
Innauer Matt Architekten
Ausgezeichnet beim
VELUX Architekturwettbewerb
2025: Das Museum
Bezau überzeugt emit
seiner präzisen Lichtführung
und Materialkultur.
Handwerk und Atmosphäre
Das Projekt ist – wie so oft im Bregenzerwald – auch
ein Manifest regionaler Handwerkskultur. Von der
Planung bis zur Umsetzung erfolgte eine enge Zusammenarbeit
mit lokalen Betrieben – egal, ob es
dabei um die Zimmerei und das Schindelhandwerk
oder die Tischler und Schmiede ging. Viele Details
wurden direkt auf der Baustelle gemeinsam entwickelt.
„Es geht um gegenseitige Wertschätzung der
Fähigkeiten“, erklärt Matt. „Ohne die Kooperation der
Handwerkenden wäre dieses Projekt in dieser Qualität
nicht möglich gewesen.“
So wird das Museum nicht nur zum Speicher lokaler
Geschichte, sondern auch zum Ausdruck zeitgenössischer
Baukultur im Bregenzerwald. Dauerhaftigkeit
und Atmosphäre verbinden sich in einem architektonischen
Ensemble, das sowohl sinnlich erfahrbar als
auch funktional flexibel bleibt.
u
architektur FACHMAGAZIN
52
Material & Oberfläche
Patina und Kalk im Dialog: Dunkle Stuben
und helle Ausstellungsräume bilden eine
atmosphärische Spannungsachse.
3 Fragen an Sven Matt
Wie nähert man sich einem Umbau, der eine lange
Geschichte zwischen Feuerwehrhaus, Sennerei und
Archiv trägt?
Wir wollten das Museum nicht neu erfinden, sondern
seine Geschichte weiterschreiben. Die bestehende
Substanz war für uns kein Hindernis, sondern ein
Schatz. Es ging darum, Spuren sichtbar zu lassen
und gleichzeitig neue Räume für heutige Nutzungen
zu eröffnen.
Welche Rolle spielen Material und Oberfläche
für die Atmosphäre?
Holz war für uns gesetzt – als traditionelles, regionales
Material, das zugleich viele Spielarten zulässt.
Wir haben uns für unbehandeltes Fichtenholz entschieden,
das mit der Zeit nachdunkeln wird. Im Inneren
kontrastieren wir es mit weiß gekalktem Täfer,
wodurch die Räume hell und museal neutral erscheinen.
So entstehen verschiedene Schichten von Zeit
und Licht.
Was kann das Museum Bezau über den Umgang
mit Materialien in der Architektur erzählen?
Es zeigt, dass der Bestand den Takt vorgibt. Wenn
man seine Materialität ernst nimmt, ergeben sich Logik
und Atmosphäre fast von selbst. Mit regionalen,
natürlichen Baustoffen und einer bewussten Oberflächenbehandlung
lassen sich zeitgenössische Räume
schaffen, die sich in den Kontext fügen und dennoch
eine eigene Sprache sprechen.
•
www.architektur-online.com
53
Innauer Matt Architekten
DG
Nord
Süd
OG
Ost
EG
Museum Bezau
Bezau, Österreich
Bauherr:
Planung:
Team:
Statik:
Dachflächenfenster:
Museumsverein Bezau
Innauer Matt Architekten
Sandra Violand (PL), Tobias Franz
merz kley partner GmbH
VELUX
Grundstücksfläche: 561 m²
Bebaute Fläche:
232 m² (Bestand + Neubau)
Nutzfläche:
273 m² (Neubau)
Planungsbeginn: 2018
Bauzeit: September 2022
Fertigstellung: April 2024
www.innauer-matt.com
© Christian Anwander
„Wir haben einen selbstverständlichen Bezug zu
Holz, denn wir sind im Bregenzerwald damit aufgewachsen:
mit den geschindelten Häusern, ihren
Innenräumen und dem sie umgebenden Wald. Aufgrund
dieser Erfahrungen und seiner Vielseitigkeit
schätzen wir es sehr, was Holz in seiner Stofflichkeit
zum Ausdruck bringt.“
Markus Innauer & Sven Matt
architektur FACHMAGAZIN
54
Material & Oberfläche
Auf das
Wesentliche
reduziert
Rathaus Trofa / Trofa, Portugal / NOARQ
Text: Edina Obermoser Fotos: Duccio Malagamba
www.architektur-online.com
55
NOARQ
Mit dem neuen Rathaus von Trofa revitalisierte das Büro NOARQ ein ehemaliges
Industriegebäude im Norden von Portugal. Rund um einen bestehenden Trakt legten
die Architekten den Fokus auf unterschiedliche Materialien, Techniken und Technologien.
Das Ergebnis ist ein kontrastreicher Bau zwischen Alt und Neu, der auf das
Wesentliche beschränkt mit seiner langlebigen, energieeffizienten und pflegeleichten
Gestaltung überzeugt.
Über 25 Jahre lang waren die verschiedenen Institutionen
in Trofa quer über die 40.000-Einwohner-Stadt
verstreut. Mit dem Umbau und der Erweiterung einer
industriellen Brache im Süden des Zentrums sollte
sich dieser Zustand in der nördlichen Metropolregion
von Porto endlich ändern und Trofa ein repräsentatives
Verwaltungsgebäude erhalten. Im Zuge dessen
wurde 2016 ein Wettbewerb ausgerufen. Den Ausgangspunkt
für das Projekt bildete mit der Indústria
Alimentar Trofense eine alte Getreideverarbeitungsanlage.
Diese erstreckte sich entlang einer stillgelegten
Eisenbahnlinie auf einem 6.200 m 2 großen
Grundstück mit 28 m Breite und 200 m Länge. Der
alte Industriekomplex setzte sich aus einer Reihe von
Baukörpern zusammen. Bei den meisten von ihnen
handelte es sich nur noch um leere Hüllen mit maroden
Außenwänden und Dächern. Während sich viele
der ausgehöhlten Hallen aus technischen und funktionalen
Gründen nicht weiternutzen ließen, entwickelte
das Planerteam von NOARQ einen Entwurf, der den
einstigen Haupttrakt des Ensembles zum Herzstück
des Revitalisierungsprojekts macht – und setzte sich
damit gegen die anderen Vorschläge durch. u
architektur FACHMAGAZIN
56
Material & Oberfläche
Erhalten und erweitert
Der erhaltene Gebäudeteil befindet sich im Zentrum
des länglichen Bauplatzes und teilt diesen in einen
nördlichen und einen südlichen Bereich. Neben seinen
charakteristischen Lochfassaden mit Bogenfenstern
zeichnet den Bestand eine offene Dachkonstruktion
aus Holz aus. Im ersten Schritt wurde
die Struktur zurückgebaut, vereinfacht und diverse
Anbauten entfernt. Um alle Funktionen in dem künftigen
Rathaus unterbringen zu können, fügten die
Architekten schließlich mehrere, geradlinige Volumen
hinzu. Die neuen Elemente legen sich mit unterschiedlichen
Höhen rund um den ehemaligen Haupttrakt.
Sie erstrecken sich bis ins Untergeschoss und
heben sich sowohl in der Kubatur als auch in ihrer Gestaltung
klar von dem Industriebau ab. Unregelmäßig
gesetzte Fensteröffnungen, Vor- und Rücksprünge
sowie ein Wechsel aus offenen und geschlossenen
Bereichen lockern das neue Rathaus auf allen Etagen
auf. Auf diese Weise strukturierte das portugiesische
Architekturbüro das Ensemble sanft und nahm ihm
zugleich an Monumentalität.
Das äußere Erscheinungsbild wird von den
dunklen Ziegeln der Vormauerschale geprägt.
Den einzigen Kontrast bildet die Fassade des
revitalisierten Bestands mit ihrer grauen, feinkörnigen
Putzoberfläche und weißen Faschen.
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57
NOARQ
Bedachte Materialwahl
Bei der Gestaltung des neuen Rathauses ließen
sich die Architekten vom Bestand inspirieren – und
beschränkten sich bei sämtlichen Entwurfsentscheidungen
stets auf das Wesentliche. Zunächst
untersuchten sie den Untergrund der alten Kalkputzwände,
die sich nach jahrelangem Leerstand und
mangelnder Wartung in keinem guten Zustand befanden.
Auf Basis dieser Analysen suchte man dann
nach einem kompatiblen Material, das nicht nur Rissen
entgegenwirken, sondern auch zementfrei und
ohne auffällige Farben sein sollte. Anstatt die Spuren
der Zeit zu überdecken, wollte NOARQ die Fassaden
des Industriebaus authentisch gestalten und das
Handwerk in den Fokus rücken. In Zusammenarbeit
mit der Firma Sto fiel die Entscheidung schließlich
auf ein organisches, feinkörniges Putzsystem. Dieses
kombiniert ein dehnfähiges Unterputzsystem
mit einem gefilzten Oberputz (Stolit Milano) mit einer
Lasur (StoColor Sil Lasura). Letztere sorgt dank
Wischtechnik für das gewünschte, unregelmäßige Finish
und hebt den bestehenden Trakt in hellem Grau
vom übrigen Ensemble ab.
u
architektur FACHMAGAZIN
58
Material & Oberfläche
Kontrast zwischen Alt und Neu
Auch bei den neuen Gebäudeteilen standen die Widerstandsfähigkeit
und Energieeffizienz der Materialien
und Bautechniken im Vordergrund. Sämtliche
Werkstoffe sollten in erster Linie ressourcenschonend,
wirtschaftlich und einfach zu warten sein.
Um das begrenzte Budget zu schonen und auch die
Kosten für die Instandhaltung zu minimieren, fiel
die Wahl der portugiesischen Planer auf eine zweischalige
Stahlbetonkonstruktion mit einer Hülle aus
dunklem Ziegel. Die fast schwarzen Steine verleihen
dem revitalisierten Fabriksgebäude mit ihren langen,
schmalen Formaten ein modernes Aussehen und
betonen den Kontrast zwischen den alten und neuen
Teilen des Komplexes noch stärker. Wie auch die
Putzfassaden verändern die dunklen, in Ziegel gekleideten
Ansichten das Erscheinungsbild im Laufe
der Zeit möglichst wenig und tragen weiter zur Nachhaltigkeit
des Rathauses bei.
Die Innenräume erscheinen dank raumhohen
Verglasungen, Oberlichtern und mehrgeschossigen
Bereichen großzügig und lichtdurchflutet.
Sichtbeton und Holzelemente bestimmen das
gesamte Design.
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59
NOARQ
Die interne Organisation
Die Organisation des dreigeschossigen Komplexes
folgt dem Vorbild einer griechischen Agora. Wie ein
zentraler Marktplatz sollte das Haus nicht nur der
Stadtverwaltung dienen, sondern als Gemeinschaftsort
auch den Einwohnern gehören. Formal gliedert
sich der Grundriss in drei Streifen, die sich über die
gesamte Länge des Gebäudes erstrecken: An der
westlichen Längsseite erweitern überdachte Bereiche
den öffentlichen Raum bis nach drinnen, bevor
Besucher im zentralen Bestandstrakt in die repräsentative
Lobby gelangen. Das Foyer ist mit einer
eindrucksvollen Doppeltreppe ausgestattet, welche
zu den einzelnen Ebenen führt. Im dahinterliegenden
Mittelteil befinden sich die Servicebereiche des
Verwaltungsbaus. Den Abschluss bilden die Erschließungsflächen
für die Mitarbeiter. Sie sind entlang der
Ostfassade angeordnet. Während das Eingangsniveau
den unterschiedlichen Bürgerservices vorbehalten
ist, setzen sich die Räume der Beratungsdienste
im ersten Stock fort. Im obersten Geschoss sind die
Büros der politischen Vertreter untergebracht, die
das Raumprogramm komplettieren.
u
architektur FACHMAGAZIN
60
Material & Oberfläche
Helligkeit und Wärme im Inneren
Das reduzierte Designkonzept setzt sich im Inneren
des neuen Rathauses von Trofa fort, allerdings mit
einem Unterschied: Im Gegensatz zu den dunklen
Ansichten, dominiert hier die Helligkeit. Neben glatten
Sichtbetonoberflächen prägen warme Einbauten,
Verkleidungen und Untersichten aus Holz sämtliche
Bereiche. Großflächige Verglasungen bringen
reichlich Tageslicht in die Räume und ermöglichen
immer wieder Blickbeziehungen ins Freie. Mehrgeschossige
Bereiche und Lufträume unterstreichen
den hellen, offenen Charakter. Im alten Hauptgebäude
wurden bestehende Elemente saniert und
gezielt in Szene gesetzt. Ein neuer Sitzungssaal gibt
beispielsweise Einblick in das Tragwerk des alten
Satteldachs und mit ihm in die Geschichte des revitalisierten
Gebäudes.
•
Das offene Dachtragwerk
des Bestandsgebäudes
wurde im Zuge des Umbaus
behutsam saniert
und modernisiert. Ganz in
Weiß gestaltet, wird die
Konstruktion zum Highlight
des neuen Sitzsaals.
INDUSTRIA ALIMENTAR TROFENSE LDA
N
N
N
N
16
15
14
13
13
12
12
11
11
10
10
9
9
8
8
7
7
6
6
5
5
4
4
3
3
2
2
1
1
0
0
0
CROSS SECTION 4
1.5
CROSS SECTION 3
1.5
CROSS SECTION 1
1.5
3
3
3
www.architektur-online.com
61
NOARQ
LONGITUDINAL SECTION 1
LONGITUDINAL SECTION 1
INDUSTRIA ALIMENTAR TROFENSE LDA
LONGITUDINAL SECTION 2
0 3
6
9
LEGEND
1. HALL CENTRAL
2. HALL NOBLE
LEGEND
3. HALL PUBLIC SERVICE
1.
4.
HALL
SOUTH
CENTRAL
PAVILION
2.
5.
HALL
EMPLOYEES
NOBLE
ENTRANCE
3. HALL PUBLIC SERVICE
4. SOUTH PAVILION
5. EMPLOYEES ENTRANCE
6. CIRCULATION EMPLOYEES
7. EMPLOYEES NORTH ENTRANCE
8. TRAINING ROOM
6.
9.
CIRCULATION
EAST ENTRANCE
EMPLOYEES
7.
10.
EMPLOYEES
LIVING ROOM
NORTH ENTRANCE
8. TRAINING ROOM
9. EAST ENTRANCE
10. LIVING ROOM
11. TERRACE
12. ARCHIVE
13. NOBLE ROOM
11.
14.
TERRACE
PRESIDENCY ROOM
12.
15.
ARCHIVE
TECHNICAL AREA
13. NOBLE ROOM
14. PRESIDENCY ROOM
15. TECHNICAL AREA
FLOOR PLAN 01
FLOOR PLAN 01
0 3 6 9
0 3 6 9
LONGITUDINAL SECTION 2
LEGEND
1. HALL CENTRAL
2. HALL NOBLE
3. HALL PUBLIC SERVICE
4. SOUTH PAVILION
5. EMPLOYEES ENTRANCE
6. CIRCULATION EMPLOYEES
7. EMPLOYEES NORTH ENTRANCE
8. TRAINING ROOM
9. EAST ENTRANCE
10. LIVING ROOM
11. TERRACE
12. ARCHIVE
13. NOBLE ROOM
14. PRESIDENCY ROOM
15. TECHNICAL AREA
0 3
6
9
FLOOR PLAN 01
0 3
6
9
Rathaus Trofa
Trofa, Portugal
LEGEND
1. HALL CENTRAL
2. HALL NOBLE
3. HALL PUBLIC SERVICE
4. SOUTH PAVILION
5. EMPLOYEES ENTRANCE
Bauherr:
Planung:
Tragwerksplanung:
Hydraulik:
6. CIRCULATION EMPLOYEES
7. EMPLOYEES NORTH ENTRANCE
8. TRAINING ROOM
TGA & 9. Sicherheit:
EAST ENTRANCE
10. LIVING ROOM
Klimatechnik:
Ausführung:
Putzfassade:
Fläche: 6.232 m 2
Planungsbeginn: 2017
Baubeginn: 2019
Fertigstellung: 2023
Baukosten: 8.1 Mio. €
www.noarq.com
Gemeindeverwaltung Trofa
NOARQ – José Carlos Nunes de Oliveira
GEPEC – Afonso Serra Neves, Sérgio Cunha
GEPEC – Rossana Pereira
GPIC – Alexandre Martins, Pedro Barreira
GET – Raul Bessa, Miguel Alves
Singular & Abstracto
Sto
11. TERRACE
12. ARCHIVE
13. NOBLE ROOM
14. PRESIDENCY ROOM
15. TECHNICAL AREA
FLOOR PLAN 00
0 3
6
9
„Das Gebäude ist ausgesprochen konstruktiv, erfüllt
die Anforderungen an Integrität und Synthese
und kommt ohne Verkleidung aus. Die ursprüngliche
Konstruktion verzichtet auf jegliche Accessoires –
nur das Notwendige ist nachhaltig und gerechtfertigt.
Jedes Element ist eine strukturelle Einheit, deren
Wegfall das Ganze beeinträchtigt.“
José Carlos Nunes de Oliveira
architektur FACHMAGAZIN
62
Material & Oberfläche
Monolithische Ruhe
im Bayerischen Wald
House with two courtyards / Bad Kötzting, Deutschland / Büro Mühlbauer
Text: Linda Pezzei Fotos: Andreas Josef Mühlbauer, Mikael Olsson
Ein Haus aus einem Guss:
Mit dem „House with Two
Courtyards“ verdichtet
BÜRO MÜHLBAUER die
regionale Bautradition
des monolithischen
Bauens zu einer radikal
reduzierten Formensprache.
Beton, Holz und zwei
Gärten strukturieren
Räume und Atmosphären
und beeinflussen gezielt
die Wahrnehmung von
Oberflächen.
Am Rande der Kurstadt Bad Kötzting im Bayerischen
Wald hat das Ingolstädter Büro Mühlbauer ein Haus
realisiert, das kaum etwas mit dem touristisch geprägten
Bild des Ortes zu tun hat. Bad Kötzting gilt
als das jüngste Kneippheilbad Bayerns und verbindet
heute traditionelle Heilmethoden mit moderner Medizin.
Zwischen Gesundheitstourismus, Kurpark und
Spielbank trifft hier Ursprünglichkeit auf Stadtleben.
Vor diesem Hintergrund wirkt das „House with Two
Courtyards” wie ein Gegenentwurf: Es ist radikal reduziert,
konsequent monolithisch und hat keine äußeren
Anknüpfungspunkte. Das Gebäude verschließt
sich nach außen, öffnet sich im Inneren jedoch durch
zwei Höfe, die Licht, Natur und Atmosphäre ins Haus
holen. Während der Kurort auf sichtbare Erholung
setzt, hat Alexander Mühlbauer ein introvertiertes
Refugium entworfen, das seine Kraft aus Material
und Oberfläche schöpft und so eine stille Form der
Regeneration in Architektur übersetzt.
u
www.architektur-online.com
63
Büro Mühlbauer
architektur FACHMAGAZIN
64
Material & Oberfläche
Monolithische Reduktion
Das Gebäude wurde in Ortbeton gegossen, handwerklich
geschalt und anschließend unbehandelt
belassen. Jede Schaltafel hinterließ dabei ihre individuellen
Spuren. Licht und Schatten modellieren die
Oberflächen im Tagesverlauf, während Patina und
Witterung das Material und seinen Ausdruck mit der
Zeit verändern. Diese radikale Monolithik knüpft an
historische Bautraditionen an, ohne diese zu imitieren.
Beton bleibt der alleinige Baustoff und wird lediglich
durch unbehandeltes Lärchenholz aus der
Umgebung ergänzt. Beide Materialien dürfen und
sollen sichtbar altern und so die Haltung der „Materialehrlichkeit“
und des „Minimum Intervention, Maximum
Effect“ verkörpern, wie die Architekten sagen.
www.architektur-online.com
65
Büro Mühlbauer
Inszenierte Landschaftsbilder
Die beiden Gärten – ein Moosgarten und ein Nachtgarten
– sind mehr als nur Freiräume. Sie fungieren
als „inszenierte Landschaftsbilder“ und eröffnen eine
stille Dimension, in der Natur, Architektur und Zeit
miteinander verschmelzen. Sie prägen aber auch Klima,
Akustik und Atmosphäre, speichern Wärme, kanalisieren
Wind und rhythmisieren den Alltag.
Nachhaltigkeit zeigt sich hier nicht in applizierten
Technologien, sondern in der Materiallogik: Sortenreiner
Stahlbeton, Kerndämmung und eine trennbare
Schichtung eröffnen Potenziale für die Wiederverwendung
beim Rückbau. Zugleich sichern die thermischen
Eigenschaften Langlebigkeit und energetische
Effizienz.
Im Kontext von Material und Oberfläche steht das
„House with Two Courtyards” für eine radikale Reduktion
auf das Wesentliche. Beton als bestimmender
Faktor prägt Raum und Wahrnehmung; die
Oberfläche wird zur Chronik von Licht, Nutzung und
Zeit. Was bleibt, ist ein Haus, das mit seiner spröden
Schönheit einen Resonanzraum für Natur und
Mensch eröffnet und somit eine leise, aber präzise
Antwort auf die Frage nach einem zeitgemäßen Materialverständnis
gibt.
u
architektur FACHMAGAZIN
66
Material & Oberfläche
Material als Chronik – Handwerklich geschalter Ortbeton macht Zeit, Nutzung und Witterung sichtbar.
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67
Büro Mühlbauer
5 Fragen an Alexander Mühlbauer
Wie prägt die monolithische Verwendung von Beton
Atmosphäre und Oberflächenwahrnehmung?
Unser Gebäude folgt einem klaren Code: Beton. Das
rein handwerklich geschalte und unbehandelte Material
bestimmt die Charakteristik von Raum und
Oberfläche. Die Schaltafeln formen das Zusammenspiel
von Licht und Schatten an Decken und Wänden,
wobei Bewohner und Witterung im Laufe der Zeit innen
wie außen ihre Spuren und Patina hinterlassen.
Wie vermittelt das Materialkonzept den Dialog zwischen
historischer und zeitgenössischer Bauweise?
Das „House with two courtyards” setzt die regionale
Bau-Tradition des monolithischen Bauens fort. Beton
bleibt alleiniger Baustoff, die Übergänge von innen
nach außen ergänzt unbehandeltes Lärchenholz aus
der Umgebung – beide Materialien altern wie die historischen
Bauten und verkörpern „Materialehrlichkeit”
und „Minimum Intervention, Maximum Effect” in
jedem Detail.
Welche Rolle spielen die Innenhöfe für Materialität
und Raumerlebnis?
Die beiden Höfe organisieren das Haus, stiften Intimität
und holen Licht, Jahreszeiten und den natürlichen
Kreislauf ins Innere. Umgeben von Mauern
entstehen sonnige wie schattige Plätze; nachts geben
die Betonwände gespeicherte Wärme ab und
Wind belebt die Pflanzen – so beeinflussen sie Klima,
Akustik, Offenheit und Privatheit.
Welche Nachhaltigkeitsaspekte ergeben sich aus
Materialwahl und Bearbeitung?
Sortenreiner Stahlbeton und Kerndämmung erlauben
eine klare, trennbare Materialschichtung mit Wiederverwendungspotenzial
im Rückbau. Die lange Lebensdauer
und thermischen Eigenschaften des Gebäudes
sichern Ressourcen, erhalten Substanz und
GSEducationalVersion
verbessern die energetische Wirkung nachhaltig.
GSEducationalVersion
Wie werden die Gärten als integrale Bestandteile
gestaltet und inszeniert?
Die Gärten sind inszenierte Landschaftsbilder, verbinden
das Haus mit Tages- und Jahreszeiten und
öffnen einen Resonanzraum für Natur und Architektur.
Reduzierte Materialien wie Moos- und Nachtgarten
markieren den Rhythmus von Licht, Wind und
Pflanzenwandel – als optische und temporale Geräte,
die die Gesamtkomposition um eine stille, wesentliche
Dimension erweitern.
•
House with two courtyards
Bad Kötzting, Deutschland
Bauherr:
Planung:
Team:
Landschaftsarchitektur:
privat
BÜRO MÜHLBAUER
Alexander Mühlbauer, Andreas Mühlbauer,
Andreas Josef Mühlbauer, Lukas Westner
Prof. Maurus Schifferli
Grundstücksfläche: 472 m²
Bebaute Fläche: 136 m²
Nutzfläche: 112 m²
Planungsbeginn: 2018
Bauzeit: 2021 - 2025
Fertigstellung: 2025
Baukosten:
343.000 EUR
www.architekt-muehlbauer.de
„Das House with two courtyards generiert seinen
Sinn allein aus sich selbst – ohne äußere Bezüge. Die
konsequent entwickelte Raumidee ermöglicht es den
Innen- und Außenräumen, eine eigenständige Wirkung
und Bedeutung zu entfalten.“
Andreas Mühlbauer & Alexander Mühlbauer
architektur FACHMAGAZIN
68
Material & Oberfläche
Massive Offenheit
Casa Tres Patis / Albons, Katalonien / Twobo Arquitectura
Text: Edina Obermoser Fotos: José Hevia
Die Casa Tres Patis in der katalonischen Gemeinde
Albons gruppiert sich rund um drei luftige Innenhöfe.
Auf Wunsch der Bauherren entwickelte das Büro Twobo
Arquitectura einen Entwurf, der nicht das Wohnhaus
selbst, sondern die Außenräume in den Vordergrund
rückt. Ein spannender Mix aus unverkleideten Naturmaterialien
und glatten, schimmernden Oberflächen
verleiht dem Projekt einen einzigartigen Charakter und
macht es zum wohnlichen Refugium.
Das Haus nordöstlich von Girona sollte für die Auftraggeber
ein ruhiger Zufluchtsort voller Sinneseindrücke
werden, der alle vier Elemente miteinbezieht
und zum Innehalten und Genießen einlädt. Um diese
Vorgaben zu erfüllen, ordneten die spanischen Planer
die drei pavillonartigen Trakte des 300 m 2 großen
Wohnensembles rund um drei quadratische Höfe an,
nach denen die Casa Tres Patis benannt ist. Dazwischen
verbinden geradlinige Säulengänge, Gehwege
und Überdachungen die einzelnen Komponenten des
Projekts wie in einem kleinen Dorf. Zwei Außenmauern
legen sich rund um das Grundstück: Sie schützen
vor starken Nordwinden und sorgen zugleich für die
nötige Privatsphäre der Bewohner, ohne den Ausblick
nach draußen in die Natur zu stören.
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69
Twobo Arquitectura
Dorfplatz, Pool & Kräutergarten
„Das Konzept des Hauses wurde ausgehend von
den Innenhöfen entwickelt. Wir wollten eine Wohnlandschaft
mit einer inneren Logik schaffen, wo der
offene Raum ebenso nutzbar und essenziell ist, wie
der geschlossene“, erläutert das Team von Twobo
Arquitectura. Mit den Patios zollte man außerdem einem
Grundelement der mediterranen Architektur Tribut.
Der erste und größte von ihnen ist einem lebendigen
Dorfplatz nachempfunden und soll – von einem
Baum beschattet – künftig als gemeinschaftlicher
Treffpunkt des Wohnkomplexes dienen. Im zweiten
Innenhof befindet sich ein von Pflanzen umgebener
Naturpool. Von den leicht erhöhten, überdachten Wegen
eingefasst, strahlt dieser Hof Ruhe aus und wird
zum Entspannungsort. Als Inspiration für diesen Bereich
diente das sogenannte Impluvium – ein flaches
Wasserbecken in den Atrien römischer Häuser, in dem
Regenwasser gesammelt wurde und das zugleich zur
passiven Kühlung des Gebäudes beitrug. Der dritte
Patio ist als üppiger Garten voller duftender Kräuter
und Blumen gestaltet, wie sie in Klöstern zu finden
sind. In den Zwischenräumen wechseln sich nicht nur
Kiesflächen und Beete ab, sondern auch Sonne und
Schatten. Außerdem wachsen hier entlang der Begrenzungsmauern
– passend zum südlichen Flair des
Ensembles – Gräser, Zitronen- und Olivenbäume. u
architektur FACHMAGAZIN
70
Material & Oberfläche
Fließende Übergänge
Die drei Baukörper sind als modulare Konstruktion
aus Beton- und Stahlrahmen ausgeführt. Großzügige
Raumhöhen bieten genügend Platz für eine Split-Level-Aufteilung
der Grundrisse mit offenen Galerien
unter dem Dach. So ermöglichen die Pavillons mit
ihren leicht versetzten Ebenen vielfältige Blickbeziehungen
innerhalb der Häuser und hinaus ins Freie.
Raumhohe Verglasungen verstärken das luftige Ambiente
zusätzlich. Im größten Trakt im Norden sind
die Wohnbereiche und der große Koch-Essbereich,
der sich über eine eindrucksvolle Fensterfront zum
Hauptpatio hin öffnet, untergebracht. Während das
zweite, an der Westseite des Grundstücks positionierte,
Volumen die privaten Schlafzimmer der Eigentümer
beinhaltet, bildet der Gästetrakt mit einer
Werkstatt und Garage den Abschluss in südlicher
Richtung. Zwischen Schlaf- und Gästehaus befindet
sich im Zentrum der Casa Tres Patis eine spektakuläre
Outdoorküche. Diese setzt sich aus einem blau
gefliesten Kamin mit Ofen und Grill – der das gesamte
Ensemble überragt – sowie einer langen Arbeitsplatte
in knalligem Gelb zusammen und zieht dort sämtliche
Aufmerksamkeit auf sich. Eine lange Betontafel
lädt als Herzstück der Freiluftküche zu gemütlichen
Zusammenkünften ein. Der Tisch wird von mehreren
Seilen und Lichterketten überspannt. An ihnen sollen
später Rankpflanzen wachsen und zwischen den zwei
Säulengängen ein luftiges Blätterdach formen. u
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71
Twobo Arquitectura
Blau glasierte Fliesen
sorgen für farbige
Akzente: Sie kleiden den
Turm in der Outdoorküche
sowie eine Säule im
zentralen Wohnbereich
und kontrastieren in den
Bädern mit den porösen
Kalkputz oberflächen.
architektur FACHMAGAZIN
72
Material & Oberfläche
Die offen gestalteten Innenräume leben
vom Bezug nach draußen und dem Blick in
die verschiedenen Patios. Dunkle Holzoberflächen
und Naturmaterialien bringen
Wärme in die Wohn- und Schlafbereiche.
Kontrastreicher Materialmix
Neben dem einzigartigen Innenhof- und Raumkonzept
mit fließenden Übergängen zwischen Innen
und Außen zeichnet sich die Casa Tres Patis
in erster Linie durch ihre spannende Kombination
unterschiedlicher Materialien aus. Dabei ging es
den Architekten nach eigenen Angaben darum,
Industrie und Handwerk zu vereinen. Dafür kamen
nicht nur Naturmaterialien und verarbeitete
Werkstoffe, sondern auch verschiedenste Texturen
und Haptiken zum Einsatz. In den Patios herrschen
rohe Sichtbetonoberflächen vor. Massivität
trifft hier auf die Offenheit der Innenhöfe und der
Beton soll durch den Einfluss von Regen und der
Vegetation im Laufe der Zeit diverse Nuancen erhalten.
Die Außenmauern prägt ein von Hand aufgetragener
Kalkputz mit natürlichem Finish. Bei
der Gestaltung der drei Pavillons interpretierte
man die Oberflächen wie einzelne Schichten, die
auf den unmittelbaren Kontext reagieren. An den
Fassaden wird die kühle, weiße Stahlkonstruktion
der Baukörper durch geometrische Hohlziegelwände
ergänzt. Deren perforierte Gitterstruktur
lässt Luft hinein, filtert jedoch den Ein- bzw.
Ausblick und schützt vor der spanischen Sonne.
Im Inneren sorgen dunkle Holzverkleidungen an
Wänden und Decken sowie Einbauten aus dem
Naturwerkstoff für eine warme, wohnliche Atmosphäre.
Dazu kommen geschliffene Betonböden
und funktionale Edelstahlfronten. Glasierte Fliesen
in kräftigen Farben setzen mit ihrer Reflexion
auffällige Akzente und komplettieren die kontrast
reiche Materialpalette.
•
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73
Twobo Arquitectura
Casa Tres Patis
Albons, Katalonien
Bauherr:
Privat
Planung: Twobo Arquitectura –
María Pancorbo, Alberto & Pablo Twose
Tragwerksplanung: Jordi Granada
Technischer Architekt: Gerard Codina
Mitarbeiter:
Ourania Chamilaki, Víctor Díaz-Asensio,
Claudia Canalda
Ausführung:
Artyco
Fläche: 300 m 2
Planungs-/Baubeginn: 2023
Fertigstellung: 2024
www.two-bo.com
„In der Casa Tres Patis wurden die Oberflächen mit
viel Sorgfalt behandelt: Modulation, Textur und Reflexion
sind Teil des Designs. Uns gefällt die Dualität
in der Wahrnehmung der Materialien besonders, die
das Konzept des Hauses selbst widerspiegelt.“
Pablo Twose, María Pancorbo, Alberto Twose
architektur FACHMAGAZIN
74
Material & Oberfläche
Dunkle Hülle
warmer Kern
Logenplatz / Gars am Kamp / Backraum Architektur
Text: Andreas Laser Fotos: Christoph Panzer
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75
Backraum Architektur
Wer in Gars am Kamp wohnt, hat die Burg stets im Blick.
Für die Familie, die auf einem verwilderten Hanggrundstück
oberhalb der Ortschaft ihr Zuhause errichtet hat,
wurde die mittelalterliche Festung zum Leitmotiv des
Entwurfs. Denn das Massivholzhaus von Backraum Architektur
ist nicht nur ein privates Refugium, sondern
auch eine Loge für die Freiluftopern der Burg. Von der
Terrasse, dem Wohnraum oder sogar vom Atelier der
Kinder aus öffnen sich die Sichtachsen direkt auf die
Bühne am anderen Ufer des Kamps.
Der Kontakt zwischen Bauherrn und Architekt begann
unspektakulär: Ein neugieriges Kennenlernen
im Büro von Andreas Etzelstorfer, ohne Grundstück,
ohne konkrete Baupläne. Erst später, mit dem Erwerb
des stark geneigten, zugewachsenen Areals
oberhalb von Gars, kam das Projekt ins Rollen. Entscheidendes
Potenzial lag im spektakulären Blick
und in der akustischen Nähe zu den Burgopern.
Das Haus wurde deshalb so weit wie möglich an
den oberen Waldrand gerückt – für Panorama, Privatsphäre
und Konzertgenuss gleichermaßen. „Das
war fast wie eine Loge im Freien“, erinnert sich Etzelstorfer.
Und so war auch der Projekttitel schnell
gefunden: Logenplatz.
Eine glückliche Fügung erleichterte den Bauprozess:
Der Bauherr konnte ein angrenzendes
Waldgrundstück erwerben, über das ein Forstweg
führte. So ließ sich die Baustellenlogistik von oben
organisieren – eine erhebliche Erleichterung, da die
schmale Zufahrtsstraße im Tal kaum für Materialtransporte
geeignet gewesen wäre.
Mehrschichtigkeit im Entwurf
Ursprünglich waren zwei Häuser geplant – ein Familiendomizil
und ein kleinerer Bau für die Mutter
des Bauherrn. Umgesetzt wurde schließlich nur
das Haupthaus mit einem vorgelagerten Nebengebäude.
Dennoch ist die Option für eine spätere
Erweiterung vorbereitet: Die Garage im unteren
Grundstücksbereich bildet gewissermaßen das
Fundament für ein mögliches zweites Haus.
Das Haupthaus selbst ist in den Hang eingeschnitten,
verschränkt sich geschickt mit dem Gelände
und überführt die Topografie in zwei klare Ebenen.
Erd- und Obergeschoss orientieren sich dabei in unterschiedliche
Richtungen: Das Wohngeschoss mit
Küche und Wohnraum wendet sich dem Garten und
der Burg zu, während die Kinderzimmer im Obergeschoss
nach Osten zum höhergelegenen Grünland
ausgerichtet sind. Zusammen mit dem L-förmig
platzierten Nebengebäude entsteht so eine
Hofsituation – ein geschützter Außenraum, der als
familiärer Mittelpunkt dient. Charakteristisch ist die
besondere Kubatur: Aus fast jeder Perspektive zeigt
das Haus ein anderes Gesicht. Durch Niveausprünge
und Vordächer wirkt es mal eingeschossig, mal
schwebend, mal kompakt. Die Silhouette bleibt dabei
stets schmal und zurückhaltend, das Volumen
fügt sich dezent an den Waldrand.
u
architektur FACHMAGAZIN
76
Material & Oberfläche
Zwischen Klarheit und Struktur
Die Diskussion über Materialien prägte den Entwurfsprozess
maßgeblich. Der Bauherr brachte zunächst
Weißtanne und Schiefer ins Spiel. Etzelstorfer schlug
stattdessen Lärche vor – ein Holz, das durch seine
warmen, rötlichen Töne rustikaler wirkt und besser
zur Landschaft im Waldviertel passt. Im Innenraum
kam schließlich Brettschichtholz in Wohnsichtqualität
zum Einsatz. Bemerkenswert ist die fast astfreie
Oberfläche, die selbst den Hersteller überraschte. Da
das Holz unbehandelt verbaut wurde, wird es mit der
Zeit nachdunkeln und eine sanfte bordeauxrote Patina
entwickeln.
Um der markanten Maserung des Holzes ein Gegengewicht
zu geben, erhielten Böden und Treppen
eine graue, fugenlose zementöse Nutzschicht. Sie
verleiht den Räumen Ruhe, verstärkt die Homogenität
und schafft eine feine Balance zwischen warmen
und kühlen Materialwelten. Türen, Fensterrahmen
und Einbaumöbel wurden millimetergenau auf das
Brettschichtholz abgestimmt, wodurch ein klarer und
durchgängiger Charakter entsteht.
Die akribische Detaillierung
– von der präzisen
Fügung der Holzoberflächen
bis zur makellosen
Spenglerarbeit – zeigt,
wie stark handwerkliche
Qualität die architektonische
Wirkung bestimmt.
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77
Backraum Architektur
Eine schützende Hülle
Während innen die Lärche dominiert, schützt außen
eine dunkle Aluminiumverkleidung das Haus.
Ursprünglich war eine Holzfassade angedacht,
doch der Wunsch des Bauherrn nach einem wartungsfreien,
dauerhaften Material gab den Ausschlag.
Farblich lehnt sich die metallische Haut
an vergraute Lärche an, wirkt aber deutlich homogener.
Der Spenglerbetrieb löste alle Details präzise,
sodass eine makellose Oberfläche entstand,
die den Baukörper wie eine Schatulle erscheinen
lässt. Das Nebengebäude hingegen wurde mit
hellgrauen zementgebundenen Spanplatten verkleidet
– eine bewusst gesetzte Differenz, die
dem Ensemble eine zweite Materialstimme verleiht
und ebenfalls mit pflegeleichter Langlebigkeit
überzeugt.
u
architektur FACHMAGAZIN
78
Material & Oberfläche
Licht, Raum und Atmosphäre
Da das dunkle Holz viel Licht absorbiert, war die Platzierung
von Öffnungen ein zentrales Thema. Großzügige
Glasflächen orientieren sich zur Burg, während
Dachfenster gezielt Tageslicht in die Tiefe der Räume
lenken. Der eingesetzte Zen-Garten beim Elternschlafzimmer
bringt zusätzlich Helligkeit in die hangzugewandten
Bereiche im Erdgeschoss und erweitert
die Intimität des Schlafraums um eine stille Freiluftinsel.
Ein aufliegendes Gitter ersetzt das Geländer und
bewahrt die ungestörte Aussicht im Obergeschoss.
Einfamilienhaus mit Weitblick
Bis auf die Fundamentplatte und das teilweise ins
Erdreich eingelassene Nebengebäude ist das Projekt
als Massivholzbau ausgeführt. Zum Einsatz kamen
auch Holzfaserweichdämmungen, die diffusionsoffen
und ökologisch verträglich sind. Diese Materialwahl
folgt einer klaren Haltung: Die Architekten wollten
ein ökologisch verantwortliches, atmungsaktives und
zugleich hochpräzises Bausystem einsetzen, das sowohl
im Hinblick auf den Bauprozess als auch auf den
späteren Rückbau hohe Nachhaltigkeit verspricht.
Die Wahl der Aluminiumfassade mag zunächst technisch
motiviert sein, doch ihre Langlebigkeit, Recyclingfähigkeit
und Wartungsfreiheit kommen hier
ebenfalls positiv zum Tragen. Verantwortungsvoll ist
auch der Umgang mit der Landschaft. Der Baukörper
tritt mit seiner dunklen Aluminiumhaut fast wie ein
Schatten am Waldrand auf. Gerade in der Fernwirkung
von der Burg aus wird sichtbar, dass das Haus
keine Konkurrenz zur historischen Kulisse sucht,
sondern ein stilles Gegenüber bildet.
•
Das Spiel von Materialien und Oberflächen wird
durch die klare Lichtführung noch verstärkt. Das
warme Rotbraun der Lärche kontrastiert mit der
kühlen Grauschicht der Böden
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79
Backraum Architektur
OG
EG
Einfamilienhaus Logenplatz
Gars am Kamp, Niederösterreich
Bauherr:
Planung:
Mtarbeiter:
Statik:
privat
Backraum Architektur
Andreas Etzelstorfer, Max Oppitz
Christian Petz, petz-zt.at
Wohnfläche: 170 m 2
Planungsbeginn: 01/2021
Baubeginn: 08/2022
Fertigstellung: 2025
www.backraum.at
„Unsere Architektur ist menschenfreundlich, warm, verspielt
aber auch minimalistisch. Der bewusste Einsatz von
Materialien ist ein bestimmender Faktor unserer Architekturauffassung,
ebenso wie Ökologie und Nachhaltigkeit.“
Backraum Architektur
architektur FACHMAGAZIN
80
Tageslicht
Licht wirkt
Was wäre, wenn Architektur nicht nur Räume strukturieren würde, sondern auch
unsere innere Uhr? Was, wenn Licht nicht nur für Helligkeit sorgen würde, sondern
auch unsere Stimmung heben, unseren Schlaf regulieren und unsere Gesundheit
stärken würde? Mit diesen Fragen beschäftigte sich ein Panel während der
3 Days of Design in Kopenhagen, das von VELUX in den lichtdurchfluteten Räumen
des Pas Normal Studios veranstaltet wurde. Doch die dort diskutierten Themen
reichten weit über die Bühne hinaus und spiegeln sich bereits in konkreten Projekten
wider, die Architektur neu denken: biologisch, emotional und alltagsrelevant.
Text: Linda Pezzei
Tageslicht als Rhythmusgeber
Wir Menschen sind evolutionär auf das Leben im
Freien ausgerichtet. Unser Körper braucht Licht als
zentralen Taktgeber. Die Neurowissenschaftlerin
Selma Tir von der University of Oxford erklärt das so:
„Circadiane Rhythmen steuern fast jede Funktion im
Körper – vom Schlaf über Hormone bis zur Stimmung.
Tageslicht ist unser stärkstes Orientierungssystem.“
Doch moderne Gebäude würden diesen natürlichen
Takt sabotieren: Tagsüber sei es darin oft zu dunkel,
nachts zu hell. Die Folgen können von gestörtem
Schlaf über eine reduzierte Leistungsfähigkeit bis
hin zur steigenden Krankheitsanfälligkeit reichen. Tir
fordert deshalb Räume, die sich nach dem Tagesverlauf
richten – hell am Morgen und sanft beleuchtet
am Abend, orientiert an unserer Biologie.
Die Architektur verfügt für einen solchen Ansatz über
alle erforderlichen Werkzeuge: Ausrichtung, Öffnungen,
Materialität und künstliche Lichtquellen lassen
sich so einsetzen, dass sie dem Rhythmus unseres
Körpern nicht widersprechen, sondern ihn stärken.
Pas Normal HQ
© The Daylight Award
Selma Tir
Circadiane Neurowissenschaftlerin an der University of Oxford.
Tir erforscht die Auswirkungen von Licht auf biologische
Rhythmen, Gesundheit und Verhalten und engagiert sich für
einen transdisziplinären Wissenstransfer.
© OEO Studio
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81
Tageslicht
© OEO Studio
Raumatmosphäre mit Tiefe
Dass gute Gestaltung mit Licht beginnt und nicht mit
Form, zeigt der dänische Architekt Thomas Lykke.
Mit seinem Büro OEO Studio realisiert er Räume, die
Licht nicht nur einlassen, sondern inszenieren: „Licht
ist wie Geschmack – ohne Kontraste wird alles fad.“
Im Pas Normal HQ, wo das Panel stattfand, wird
diese Philosophie spürbar: Große Fenster, gezielte
Verschattung sowie helle und dunkle Zonen strukturieren
den Raum und machen ihn sinnlich erlebbar.
Ähnlich ist es im Noma Kyoto, dem japanischen Ableger
des ikonischen Restaurants, wo Licht, Schatten
und Material gezielt aufeinander abgestimmt sind,
um eine sinnliche Nähe zum Ort zu schaffen.
„Wir sind sensorische Wesen. Wenn Räume zu künstlich
werden, fühlen sie sich leer an – wir verlieren den
Bezug zu uns selbst und zur Umwelt.“
u
Was sind circadiane Rhythmen?
Circadiane Rhythmen sind biologische
24-Stunden-Zyklen, die Körperfunktionen
wie Schlaf, Stoffwechsel,
Hormonhaushalt und Stimmung regulieren.
Ihr Taktgeber ist das Licht,
insbesondere natürliches Tageslicht.
Wenn es tagsüber zu dunkel oder
abends zu hell ist, gerät unsere innere
Uhr aus dem Gleichgewicht. Mögliche
Folgen sind Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen
oder gesundheitliche
Beschwerden. Architektur
kann dem entgegenwirken, indem sie
Tageslicht gezielt führt, Fenster klug
positioniert, dynamisches Lichtdesign
nutzt und sensibel mit künstlichem
Licht umgeht. So wird Gestaltung
zur Gesundheitsressource.
© Michael Rygaard
Thomas Lykke
Mitgründer und Creative Director von OEO Studio,
Kopenhagen. Das Büro ist bekannt für Projekte wie
Pas Normal HQ oder das neue Noma Kyoto. Lykkes
Arbeiten verbinden oft Licht, Material und Atmosphäre
zu multisensorischen Raumerlebnissen.
architektur FACHMAGAZIN
82
Tageslicht
© Adam Mørk
© Adam Mørk
Gesundes Bauen beginnt beim Licht.
Lone Feifer, Director for Sustainable Buildings bei
VELUX, führt diesen Gedanken weiter: „Wenn wir 90 %
unseres Lebens in Innenräumen verbringen, müssen
diese so gestaltet sein, dass sie uns guttun. Tageslicht,
frische Luft und gesunde Materialien sind keine
Extras, sondern Grundvoraussetzungen für ein
gesundes Leben.“ Mit dem Modellprojekt „Living
Places” in Kopenhagen zeigt VELUX, wie das in der
Praxis aussehen kann. Durch intelligente Planung,
einfache technische Mittel und ein radikales Umdenken
im Bestand konnten die CO 2 -Emissionen um
zwei Drittel gesenkt und die Raumluftqualität verdreifacht
werden – ohne Hightech, aber mit Sinn für
das Wesentliche.
Feifers Credo: „Innovation bedeutet nicht immer,
mehr zu tun. Manchmal reicht es, das Richtige zuzulassen
– zum Beispiel Licht.“
© Adam Mørk
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83
Tageslicht
Lone Feifer
Direktorin für nachhaltige Gebäude bei VELUX. Sie entwickelt
Demonstrationsprojekte wie „Living Places”, um
Nutzer:innenwohl, Klimaeffizienz und architektonische
Qualität zu verknüpfen.
© Velux
Disziplinübergreifend denken
Was alle Sprecher:innen des Panels vereinte, war der
Wunsch nach mehr Zusammenarbeit. Architekt:innen,
Designer:innen und Wissenschaftler:innen – sie
alle haben Teilantworten auf die Frage, was gute Räume
ausmacht. Doch erst im Dialog könne ein neues
Verständnis wachsen.
„Unsere Forschung nützt nur, wenn sie in gebaute
Realität übersetzt wird“, sagt Tir. „Und Lichtgestaltung
ist ein Akt der Fürsorge“, ergänzt Lykke. „Gute
Architektur misst sich daran, ob sie das Leben verbessert“,
fügt Feifer hinzu.
Als Fazit lässt sich ziehen: Licht ist Beziehung. Und
Tageslicht ist kein Luxus. Es ist ein Grundelement
des Lebens und damit auch ein zentrales Thema für
die Architektur von morgen. Die Beispiele aus Kopenhagen
zeigen: Es ist möglich, gesunde, stimmige und
nachhaltige Räume zu schaffen, die nicht nur funktionieren,
sondern auch wirken.
Räume, die sich mit dem Tageslicht verändern und
uns zur Ruhe kommen lassen. Räume, die zeigen,
dass das Einfachste oft das Kraftvollste ist. •
© Velux
© Velux
architektur FACHMAGAZIN
84
Naturstein
© Nick Kane
Maßanzug
für jeden Bau
Fassaden aus Naturstein sind so vielfältig wie das Material selbst. Von der massiven
Vormauerschale bis zur hinterlüfteten Bekleidung auf Ankern sind unzählige
Gestaltungen realisierbar. Auch aus ökologischer Sicht erhalten Natursteinfassaden
regelmäßig Bestnoten.
Text: Richard Watzke
www.architektur-online.com
85
Naturstein
1
Die Stadt Bishop Auckland im Nordosten Englands
hat zwei Gesichter: Als Sitz der Bischöfe von Durham
ist sie seit Jahrhunderten Zentrum weltlicher und
geistlicher Macht, zugleich hat sie als ehemalige
Bergarbeiterstadt die besten Zeiten schon lange hinter
sich. Um die Attraktivität der Stadt als Reiseziel
zu heben, wurde das „Auckland Project“ im Umfeld
des historischen Schlosses von Auckland initiiert.
Das durch den Heritage Lottery Fund mitfinanzierte,
2023 eröffnete Faith Museum ist ein Anbau an den
denkmalgeschützten Schlosskomplex. Die Gestaltung
vom Londoner Büro Níall McLaughlin Architects
orientiert sich am Typus einer mittelalterlichen Kornkammer.
Der unter anderem mit einem RIBA National
Award ausgezeichnete Bauwerk beherbergt eine
Ausstellung zum Thema Glaube in Großbritannien
sowie ein klimatisiertes Kunstlager. Der Gebäudetyp
ist säkular, soll jedoch durch seine Gestaltung eine
gesteigerte spirituelle Wirkung vermitteln, die den
Inhalten des Museums gerecht wird. Wichtige Details
wie die Dachspitzen mit der prägnanten Verlängerung
der Ortgänge über den First hinaus wurden
entwickelt, um die schlichte Form eines Scheunengebäudes
zu betonen. Die einfache Gebäudeform,
ein geringer Glasanteil und der vorrangige Einsatz
von lokal in der Region Northumbria abgebautem
Cop Crag-Sandstein bilden die Grundlage für die
Strategie eines geringen CO 2
-Ausstoßes im Betrieb.
Prägnant ist seine monolithische Erscheinung: Giebeldach
und Fassade bilden eine einheitliche Steinhülle,
die nahtlos von Wand zu Dach übergeht. u
1 Aus festem Stein errichtet:
Das Faith Museum
beherbergt Exponate zu
6000 Jahren Glaubensgeschichte
in England.
architektur FACHMAGAZIN
86
Naturstein
© Igor Passchier
2
Gebirge in der Stadt
The Valley ist ein 2022 fertiggestelltes
Bauprojekt im Zuidas‐Businessviertel von
Amsterdam. Das Projekt aus der Feder des
niederländischen Architekturbüros MVRDV
nimmt mit 75.000 Quadratmetern Fläche
einen ganzen Häuserblock ein und umfasst
drei Wohntürme, der höchste mit einer
Höhe von 100 Metern. Während sich die kubische
Außenhülle aus verspiegeltem Glas
in die umliegende Hochhauslandschaft integriert,
erscheint das Innere wie ein auf-
gebrochenes Felsgebilde mit Naturstein
und Pflanzenterrassen. Die unteren sieben
Etagen dienen als Büroflächen, darüber
befinden sich rund 200 Apartments, deren
Tragwerke weite Auskragungen ermöglichen.
Der hellbeige bis goldgelbe Kalkstein
Pedra d’Ulldecona stammt aus einem Steinbruch
in der der Provinz Tarragona, rund
100 Kilometer südwestlich von Barcelona,
aus dem unter anderem Material für den
Bau der Sagrada Família stammt. Bei einem
Ortstermin im Steinbruch entschieden sich
die Architekten bewusst für Steine mit optischen
Mängeln. Ebenfalls genutzt wurden
Abschnitte, die beim Zuschnitt größerer
Platten anfielen. Diese Reststücke wurden
mit computergestützten Scripten in Rhino
organisiert und in den Fassadenverband
eingefügt. Ursprünglich war dieses Vorgehen
vor allem aus Kostengründen interessant
– am Ende jedoch auch ein wirksamer
Beitrag zur Abfallvermeidung.
u
© Igor Passchier
3
2 Bei The Valley ist der
verbindende Bereich
zwischen drei Hochhäusern
wie eine Schlucht
gestaltet.
3 Nicht nur Bruchstücke
aus dem Steinbruch,
sondern auch Abfälle
von der Baustelle selbst
wurden für die Fassade
verwendet.
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FACHMAGAZIN
87
Wettbewerbe Naturstein
CASAWEST GmbH
4055 Pucking
office@casawest.at
www.casawest.at
Sölker Marmor
Bergbau
8961 Sölk
office@soelker.at
www.soelker.at
Poschacher Natursteine
Baustoffhandel GmbH
4310 Mauthausen
office@poschacher.com
www.poschacher.com
Lauster
Naturstein GmbH
9971 Huben/Osttirol
st.johann@lausternaturstein.at
www.lausternaturstein.at
Kienesberger
Steinmetzmeister
4707 Schlüßlberg
office@kienesberger-stein.at
www.kienesberger-stein.at
Steinmetzbetrieb
Wolfgang Ecker
2514 Traiskirchen
office@ecker-stein.at
www.ecker-stein.at
Steinmetzmeister
Dietmar Steller
4600 Wels
office@steller-stein.at
www.steller-stein.at
Schreiber & Partner
Natursteine
2170 Poysdorf
office@sp-natursteine.at
www.sp-natursteine.at
Marmor
Industrie Kiefer
5411 Oberalm
office@marmor-kiefer.at
www.marmor-kiefer.at
Josef Kogler
Steinbruch & Schotterwerk
9554 St. Urban
kogler.naturstein@aon.at
www.kogler-natursteinwerk.at
Gustav Hummel
GmbH & Co KG
2452 Mannersdorf
info@hummel-stein.at
www.hummel-stein.at
Stone4you
Steinmetzbetriebe
2020 Hollabrunn
office@stone4you.at
www.stone4you.at
Pro Naturstein. Die gebündelte Faszination für ein einzigartiges, kraftvolles und von der Natur geschaffenes Unikat. Ein über Generationen
vermitteltes Fachwissen über den Abbau und die Veredelung der österreichischen Natursteinvorkommen, eine gemeinsame Verantwortung,
welche die Begeisterung und das Handwerk verbindet. Pro Naturstein steht für die Vereinigung ausgewählter, österreichischer
Naturstein-Leitbetriebe, die mit Qualität und Leidenschaft hinter ihren Produkten stehen
www.pronaturstein.at
architektur FACHMAGAZIN
88
Naturstein
© Erich Spahn
4
Monolith in der Altstadt
Am Residenzplatz der oberpfälzischen Stadt Neumarkt
steht ein Neubau der Technischen Hochschule
Nürnberg mit rund 3.000 Quadratmetern Nutzfläche
für den Studiengang Management in der Ökobranche.
Das 2024 fertiggestellte Gebäude von Berschneider
+ Berschneider Architekten aus Pilsach fügt sich wie
eine Sandsteinskulptur in den Baubestand der Altstadt
ein. Passend zum Fachbereichsthema Ökologie
setzten die Architekten auf Naturstein, da dieser
unter allen Fassadenbaumaterialien den niedrigsten
CO 2
-Fußabdruck aufweist. Dach und Fassade wurden
als vorgehängte, hinterlüftete Fassade gemäß
DIN 18516-3 ausgeführt. Auf ausdrücklichen Wunsch
der Auftraggeberin sollte die gesamte Konstruktion
wie aus einem Guss erscheinen. Auf der Suche nach
einem klassischen, für den Altstadtkontext passenden
Material, das sich gleichzeitig für Fassaden- und
Dachflächen eignet, fiel die Wahl auf feinkörnigen
„Hohenzollern Park“-Sandstein. Der gelblich-hellbeige
Stein erhielt eine geschliffene Oberfläche, welche
die natürliche, leicht gewolkte Struktur erkennen
lässt. Um die Anmutung eines Mauerwerks mit vermeintlich
massiven Blöcken zu erzeugen, wurden die
Fugen präzise ausgeführt und an den Gebäudekanten
besandet.
•
© Erich Spahn
4
4 Ökologischer Steinmonolith:
Der Neubau der TH
Nürnberg in Neumarkt
wird durch eine Fassade
aus Sandstein vor Wind
und Wetter geschützt.
5 Wetterfest: Bei dem
historischen Bahngebäude
an der Brennerbahn
erfüllt das massive
Mauerwerk zugleich eine
tragende Funktion.
6 Blickfang: Lebhaft
strukturierter Marmor
verleiht der Bar in der
Wiener Innenstadt eine
repräsentative Erscheinung.
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89
Naturstein
5
© Richard Watzke
© Richard Watzke
© Richard Watzke
6
7
© Richard Watzke
8
7 Die Bodenplatten und die
Riemchenverblender der Fassade
wurden aus burgenländischem
Schiefer gefertigt.
8 Vornehme Zurückhaltung:
Horizontal strukturierte
Kalksteinfassade eines
italienischen Premium-Modehauses.
architektur FACHMAGAZIN
90
Naturstein
2
Perspektive
wechseln
In der 2024 von Christoph Hesse Architects gestalteten
Offenen Bergkapelle in Hillershausen
formen 3.960 massive Sandsteine einen Raum
für Kollaboration und Kommunikation.
Interview: Richard Watzke Fotos: Laurian Ghinitoiu
1
Warum haben Sie sich für Naturstein entschieden?
Woher stammt der Stein genau?
Christoph Hesse: Sandstein ist traditionell in der
Region verankert. Allerdings gibt es seit einigen
Jahrzehnten keine aktiven Steinbrüche mehr in der
Umgebung, da sich der Abbau wirtschaftlich nicht
mehr lohnt. Für die Offene Bergkapelle kam daher
Warthauer Sandstein aus Südschlesien in Polen zum
Einsatz. Dorthin bestehen enge freundschaftliche
Verbindungen. Der Stein entspricht in Farbe und
Struktur dem ortstypischen Material und fügt sich
harmonisch in das landschaftliche und kulturelle
Umfeld ein.
Hätte das Projekt auch mit einem
anderen Baustoff funktioniert?
Grundsätzlich ließe sich der Raum auch mit anderen
Materialien definieren. Doch gerade in diesem Projekt
geht es um die Verbindung mit dem Ort, mit der
Landschaft und mit der Gemeinschaft. Naturstein
war dabei wesentlich, sowohl als physische und atmosphärische
als auch als symbolische Grundlage.
Andere Materialien hätten möglicherweise nicht dieselbe
Ausdruckskraft vermittelt.
Ist das eine Sonderkonstruktion?
Haben Sie das Bauwerk berechnet?
Nein, es handelt sich nicht um eine Sonderkonstruktion,
sondern vielmehr um eine sehr elementare. Die
1 Christoph Hesse
verbindet kulturelle und
ökologische Projekte mit
kooperativen Ansätzen.
2 Wie zwei schützende
Hände umschließen zwölf
aus massiven Einzelsteinen
aufgeschichtete
Sandsteinsäulen einen
offenen Raum.
3 Jeder Stein misst
40 x 20 x 20 cm und wiegt
rund 38 Kilogramm. Die
konstruktive Stabilität
ergibt sich aus dem Eigengewicht
der Steine. Die
Lagerfugen sind im Dünnbettverfahren
vermörtelt.
www.architektur-online.com
91
Naturstein
Fotos: Laurian Ghinitoiu
3
Tragstruktur wurde gemeinsam mit lokalen Handwerkern
entwickelt und anschließend von einem
Tragwerksplaner berechnet. Das Dach aus Stahl
ruht punktuell auf den Sandsteinsäulen, sodass es
beweglich bleibt und keine Zwangskräfte überträgt.
Die Säulen selbst stehen auf Fundamenten, die auf
gewachsenem Felsen gegründet wurden.
Haben die Nischen eine spezielle Funktion?
Die Nischen in den Säulen dienen als Sitzplätze und
schaffen zugleich Rückzugsorte. Sie bieten Schutz
und laden zur individuellen Auseinandersetzung mit
dem Raum ein. Gleichzeitig fördern sie die Kommunikation
mit gegenübersitzenden Personen und eröffnen
gezielte Ausblicke durch die Zwischenräume der
Säulen hindurch, wodurch vielfältige Perspektiven
auf die umgebende Landschaft entstehen.
Welchen Stellenwert hat Naturstein für Sie?
Naturstein ist für uns weit mehr als nur ein Baustoff.
Er ist Träger von Geschichte, Atmosphäre und Dauer,
steht für Permanenz und zukünftige Vergangenheit.
In einer Zeit des spannenden und dynamischen Wandels
vermittelt er eine gelassene Ruhe und inspiriert
zu neuen Ideen. Die Begegnungen vor Ort sind für
viele Menschen bereichernd und anregend; der Naturstein
schafft dafür einen kraftvollen, würdevollen
Rahmen. Wir schätzen seine Materialität und die
sinnliche Erfahrung, die er vermittelt.
Wofür eignet er sich besonders gut,
wofür weniger?
Naturstein eignet sich besonders für Bauwerke, die
Beständigkeit, Ruhe und Erdung ausstrahlen sollen.
Seine statischen Eigenschaften, seine Alterungsfähigkeit
und seine Wertigkeit sprechen für ihn. Weniger
geeignet ist er dort, wo große Spannweiten
gefordert sind, es sei denn, er wird mit anderen Materialien
kombiniert.
Welchen Einfluss haben ein Werkstoff und seine Oberfläche
auf den Nutzer oder Besucher eines Gebäudes?
Materialität ist ein stiller, aber kraftvoller Kommunikator,
der unmittelbar auf uns wirkt: Haptik, Farbe,
Temperatur und Struktur eines Werkstoffs beeinflussen
unsere Wahrnehmung und unser Raumgefühl.
Naturstein strahlt Ruhe, Schutz und Klarheit aus.
Das sind Qualitäten, die für die Offene Bergkapelle
zentral sind. Im Zusammenspiel mit dem weichen Boden
aus Holzhackschnitzeln, den hängenden Pflanzen
des Gründachs sowie den hölzernen Elementen
der Bänke und des Kerzenhalters entfaltet der Stein
seine volle Wirkung. Es entsteht ein Dialog zwischen
Beständigkeit und Wandel, zwischen dem, was bleibt,
und dem, was vergeht. Die Oberfläche eines Materials
trägt wesentlich dazu bei, ob wir uns einem Raum
zugehörig fühlen.
•
Christoph Hesse
Architects
Korbach/Berlin
Das auf kulturelle und
ökologische Projekte
spezialisierte Studio
fördert einen Dialog
zwischen ländlichem
und städtischem
Kontext.
christophhesse.eu
architektur FACHMAGAZIN
92
Wettbewerbe
Naturstein
1
© Richard Watzke
Campus Steinzentrum Wunsiedel
Weg vom Dekormaterial, hin zum konstruktiven Baustoff: Ein Architekturwettbewerb
an der Technischen Universität Dortmund bot Studenten die Gelegenheit,
sich mit den Vorteilen des Bauens mit Naturstein zu befassen. Das Projekt ist ein
Plädoyer für Nachhaltigkeit und Regionalität.
119 angehende Architekten und Bauingenieure
des vierten Semesters an der TU
Dortmund nahmen an einem Gestaltungswettbewerb
teil. Thema war der Neubau
eines Schülerwohnheims für Auszubildende,
Dozenten und Meisterschüler, welches
zugleich Vorzeigeprojekt für das zukunftsorientierte
Bauen mit regionalen Werkstoffen
sein soll. Ein Schwerpunkt lag dabei auf
der Verwendung von Naturstein in Massivbauweise,
schließlich soll der neue Campus
massive Baukonstruktionen aus Naturstein
als nicht nur ästhetisch und nachhaltig,
sondern auch anspruchsvolle statische
Konstruktionen verdeutlichen.
Naturstein praxisnah erleben
Den Impuls für den Studentenwettbewerb
gab der Präsident des Deutschen Natursteinverbandes
DNV, Hermann Graser, der mit
dem Lehrstuhl für Massive Baukonstruktionen
der TU Dortmund unter der Leitung von
Junior-Professorin Anne Hangebruch zusammenarbeitet
und das Potenzial lastabtragender
Natursteinkonstruktionen erforscht.
Eigenheiten von Stein erkennen
Aus 31 Projektentwürfen wurden die fünf
besten in Wunsiedel bewertet. Der erste
Platz ging an ein Ensemble von drei Gebäudetrakten
aus Sandstein, die einen Innenhof
in der Mitte bilden. Das Konzept fügt sich
laut Jury nicht nur besonders harmonisch
in die Hanglage ein, sondern ist architektonisch
durchdacht und vor allem auch realistisch
umsetzbar, indem die drei Baukörper
nicht auf einen Schlag, sondern modular
nach Bedarf errichtet werden können.
„Wir müssen uns zurückbesinnen und erforschen,
wann und wie Beton durch Naturstein
ersetzt werden kann“, zeigten sich
Sven Rohman und Johann Kaplan, Sprecher
der Gewinnergruppe begeistert. Der Siegerentwurf
stellt eine gelungene Kombination
aus Pionierprojekt und praktischer
Nutzung als Schülerwohnheim dar. Aus der
intensiven Beschäftigung mit Naturstein im
Rahmen des Wettbewerbs nimmt das Team
vor allem die Erkenntnis mit, den Naturstoff
Stein nicht wie Beton zu behandeln, sondern
seine Eigenheiten anzuerkennen.
Technische
Universität
Dortmund
Fakultät Architektur
und Bauingenieurwesen
mb.ab.tu-dortmund.de
1 Setzte sich dank der
modularen Bauweise
durch: Siegerprojekt von
Sven Rohman, Johann
Kaplan, Andre Dietzel und
Kerem Kiren.
2
Rendering: TEAM 18: Arch.: Sven Rohmann & André Dietzel | Ing.: Johann Kaplan & Kerem Kiren
2 Das Siegerprojekt in
der Perspektive.
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93
Naturstein
Public Entrance
Natursteinwettbewerb 2025 der HTL 1 Linz
Aufgabenstellung für die Schülerinnen und Schüler der 4HA der HTL1 Bau &
Design Linz: Die alte Raiffeisenbank in Thalheim wird abgebrochen und an ihrer
Stelle soll ein neu zu konzipierendes Eingangsbauwerk entstehen. Weiters war
der Vorplatz mit Zugang und Freiraummöblierung (Bänke, Brunnen, Plasterungen,
Wege etc.) zu entwerfen.
1. Preis
Lukas Schedlberger, Philipp Kaar
Die Architektur des Foyers (Bild oben) legt besonderen
Wert auf Übersichtlichkeit, Offenheit und eine
harmonische Gestaltung mit Naturmaterialien und
gezielter Lichtführung. Die Erschließung erfolgt über
einen großzügig gestalteten, barrierefreien Vorplatz.
Die Wegeführung leitet Besucher direkt vom Parkplatz
und von der Straße zum südlich ausgerichteten
Haupteingang. Große Glasflächen schaffen einen
fließenden Übergang zwischen Innen und Außen.
Ein zentrales Element des Projekts ist der gezielte
Einsatz von Naturstein. Durch die Verwendung von
Untersberger Marmor, einem regionalen, hellen und
robusten Naturstein, schaffen wir eine hochwertige,
zeitlose Optik und fördern Nachhaltigkeit sowie ein
angenehmes Raumklima. Der Naturstein wird im Innenbereich
als Bodenbelag sowie an Teilen der Außenfassade
und des Vorplatzes verwendet.
Anerkennung Victoria Schwarz, Elisa Würzl
2. Preis
Leonhard A. Hammer, Emil C. Janko
Der tiefgrüne Serpentinit aus den Hohen Tauern verleiht
dem Gebäude kraftvolle Präsenz. Sein Farbspiel
verändert sich je nach Lichteinfall.
2. Preis
Peter Pöchhacker, Moritz Dicketmüller
Mit einer eleganten Travertin-Fassade fügt sich der
Bau harmonisch in sein Umfeld ein und vermittelt zugleich
eine moderne Ästhetik.
Projektleiter
HTL1 Linz:
DI Martin Trinkl
Jury:
Arch. DI Marco
Kienesberger
(HTL1 Linz)
Prof. Bernhard Gann
(HTL Hallein)
Norbert Kienesberger,
Anna Singer
(PRONATURSTEIN)
Mag. Christian Haagen,
Vizebürgermeister
Thalheim
architektur FACHMAGAZIN
94
RETAILarchitektur
Weiße
Vulkanlandschaft
Mit einem ersten Flagship-Store in Barcelona betritt das spanische Modelabel
ALOHAS die Bühne des stationären Handels – und setzt dabei auf eine architektonische
Inszenierung, die über reines Retail-Design hinausgeht. Clap Studio aus
Valencia entwickelte auf rund 100 Quadratmetern ein Konzept, das die Identität
der Marke in eine räumliche Erfahrung übersetzt.
Fotos: José Hevia
Der Entwurf nimmt Bezug auf die hawaiianischen
Wurzeln von ALOHAS – nicht in Form des gängigen
Strandklischees, sondern durch die archaische Kraft
der vulkanischen Topografie. Grundlage des gestalterischen
Narrativs sind Lavatunnel, die durch erkaltete
Ströme entstehen und unterirdische Hohlräume mit
fast mystischer Wirkung hinterlassen. „Dieses geologische
Phänomen wurde zur Grundlage unseres
Designs“, erklärt Àngela Montagud, Mitgründerin und
technische Leiterin von Clap.
Höhlenlabyrinth
Beinahe sämtliche Wände und Decken sind mit rauem,
weißem Putz versehen, der eine rohe, beinahe geologische
Textur erzeugt. Auch der Boden ist in durchgängigem
Weiß gehalten und verstärkt das Gefühl,
sich in einem reduzierten, lichtdurchfluteten Höhlenraum
zu bewegen. Vieleckige Spiegel durchbrechen
die weißen Flächen und wirken wie Öffnungen in einen
dahinterliegenden Korridor – ein subtiler Verweis
auf das labyrinthartige Innere vulkanischer Tunnel.
Auch das Lichtkonzept erinnert mit seinen Deckenleuchten
an natürliche Öffnungen in Lavatunneln, die
durch natürliche Erosion entstehen.
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95
RETAILarchitektur
Zwischen Härte und Feinheit
Das Möbel- und Ausstattungsprogramm setzt auf
Edelstahl: Präsentationstische, Regale, der Verkaufstresen
und einzelne Wandverkleidungen erscheinen
als glänzende, präzise gefügte Objekte, die einen
harten Kontrast zur Rauheit des weißen Putzes bilden.
Ergänzt werden diese Oberflächen durch helle
Natursteine, die sowohl in der Warenpräsentation
als auch als Beine für die Verkaufstische eingesetzt
werden. Das Zusammenspiel von Metall und Stein
verleiht dem Raum zusätzliche Tiefe – zwischen
kühler Künstlichkeit und organischer Natürlichkeit.
Die Gestaltung folgt so dem Leitbild von ALOHAS,
das seine digitale Erfolgsgeschichte nun ins Analoge
überträgt. Der Store wird zu einem Erlebnisraum,
in dem Kund:innen nicht nur Produkte entdecken,
sondern auch die Markenphilosophie spüren können.
Das Spiel mit Kontrasten – roh und fein, dunkel und
licht, wild und kultiviert – bildet den Kern der neuen
visuellen Identität von ALOHAS.
architektur FACHMAGAZIN
96
RETAILarchitektur
Mut zur Farbe
Mit POUTx hat das kanadische Büro Studio Author ein radikal neu gedachtes
Raumkonzept für eine Injectables-Klinik geschaffen. Anstelle diskreter Zurückhaltung
präsentiert sich die Praxis als selbstbewusstes Statement, das Farbe,
Material und Licht in eine immersive Architektur übersetzt und dabei die Konventionen
des Klinikinteriors auf den Kopf stellt.
Fotos: Niamh Barry Photography
www.architektur-online.com
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RETAILarchitektur
Die auf knappe 74 m² verdichtete Fläche wurde in ein
futuristisches Farblabor verwandelt: Mikrobeton an
Boden, Wänden und Decke taucht den Raum in ein einheitliches,
intensives Pink, während glänzende Akzente
in Lippenstiftrot und chirurgischer Edelstahl einen
kraftvollen Kontrast bilden. Vertikale Neonröhren und
überdimensionierte konvexe Spiegel erweitern optisch
die Enge und spielen mit Licht, Farbe und Wahrnehmung.
Bereits von der Straße aus wirkt die Fassade
durch die leuchtenden Neonstreifen wie ein urbaner
Magnet – ein bewusster Bruch mit der üblichen Zurückhaltung
medizinischer Einrichtungen.
Zentrale Bühne statt Wartezimmer
Das Herzstück des Projekts ist ein beinahe 6 Meter
langer Empfangstresen aus Edelstahl, der als Treffpunkt,
Anlaufstelle und sozialer Knotenpunkt dient.
Von hier aus öffnet sich der Blick in zwei halbtransparente
Behandlungs-Pods, deren Acrylwände in Rot
gestaffelt und vom Boden sowie der Decke abgelöst
sind. Damit inszeniert Studio Author ein bewusstes
Spiel mit dem Thema Intimität: Die Grenze zwischen
Privatheit und Öffentlichkeit wird neu definiert – und
die Erfahrung des „sich behandeln Lassens“ aus der
Tabuzone geholt.
Funktion trifft Szenografie
Die beiden Behandlungszonen sind hoch funktional
ausgestattet: maßgefertigte Edelstahlstationen für
das Pflegepersonal, integrierte Kühl- und Entsorgungseinheiten
sowie über Kopfhöhe verstellbare
OP-Leuchten. Ein kreisrunder Spiegel bildet das kommunikative
Zentrum jeder Pod, in dem Konsultation
und Selbstbetrachtung ineinandergreifen. Auch im
Peripheriebereich kombiniert das Projekt expressive
Formensprache mit praktischer Nutzung: Eine Reihe
hochglänzender, roter Kolonnaden fasst den Raum
und verbirgt dahinter Stauraum und Garderoben.
Das Projekt versteht sich nicht nur als Innenarchitektur,
sondern als narratives Gesamtkonzept: Der Entwurf
visualisiert die Philosophie der Gründer Shaun
Lambrou und Megan Kozak, Schönheit als bewusste,
selbstbestimmte Entscheidung zu feiern. „Wir wollten
einen Ort schaffen, der Mut macht und nicht versteckt“,
so die Architekten.
architektur FACHMAGAZIN
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RETAILarchitektur
Erleuchtetes Skelett
Mit dem Tamburins Flagship Store in Seongsu ist ein ungewöhnliches Retailprojekt
entstanden, welches die Substanz eines Bestandsbaus transformiert
und durch eine präzise Lichtinszenierung zu einem neuen Erlebnisraum
formt. The System Lab verantwortete das architektonische Konzept,
während das Lichtdesign von EONSLD entwickelt wurde.
Fotos: Joonhwan Yoon
Der Store befindet sich im Untergeschoss eines
entkernten Stahlbetonskeletts. Diese rohe Struktur
bildet den Rahmen, in den der Verkaufsraum eingefügt
wurde. Ein großzügiger Glaskubus, der im Erdgeschoss
in das Gerüst eingestellt ist, ermöglicht
von allen Seiten den Blick in den darunterliegenden
Shop. Ergänzt wird er durch einen kleineren, seitlich
platzierten Glaskörper, der die Treppe zur Verkaufsfläche
überdacht und so einen klar erkennbaren Zugang
schafft.
Durch diese Interventionen bleibt der raue Charakter
des Bestands präsent, während gleichzeitig ein hohes
Maß an Transparenz und Sichtbarkeit entsteht.
Besucherinnen und Besucher werden bereits von außen
auf die räumliche Tiefe und die darunterliegende
Szenerie aufmerksam gemacht.
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RETAILarchitektur
Im Wechselspiel von Tag und Nacht
Tagsüber fällt durch die großzügigen Einschnitte und
den Glaskubus viel natürliches Licht in die untere
Ebene. Die Blickbeziehungen zwischen Verkaufsfläche,
Treppe und den darüberliegenden Geschossen
verstärken den offenen Charakter des Konzepts.
Nach Einbruch der Dunkelheit übernimmt die Lichtgestaltung
von EONSLD die Regie. Das rohe Betonskelett
wird subtil angestrahlt und so in seiner
tektonischen Kraft hervorgehoben. Gleichzeitig
strahlt Licht aus dem Shopinneren durch den transparenten
Kubus nach außen – ein Effekt, der an das
Bild eines sich verteilenden Duftnebels erinnern soll
und direkt auf die Markenidentität von Tamburins
verweist.
Das Prinzip des „invisible light“ prägt das gesamte
Projekt. Leuchten sind überwiegend bündig in Wände
und Decken integriert, um Blendung zu vermeiden
und die Atmosphäre möglichst natürlich wirken
zu lassen. „Wir wollten ein Licht schaffen, das nicht
selbst im Vordergrund steht, sondern den Raum mit
einer sanften Aura erfüllt“, so das Team von EONSLD.
Diese Haltung verstärkt die Wirkung des architektonischen
Rahmens: Beton, Glas und Licht verschmelzen
zu einer Einheit, die sowohl funktional als auch
atmosphärisch überzeugt.
architektur FACHMAGAZIN
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RETAILarchitektur
Eine Bühne
des Geschmacks
Gelato Collection ist die jüngste Vision des vielfach ausgezeichneten Spitzenkochs
Albert Adrià, der sich gemeinsam mit dem Architekturbüro EL EQUIPO
CREATIVO auf eine experimentelle Reise begibt: Eiscreme als kuratierte, nummerierte
Sammlung – inspiriert von der Tradition großer Parfümeure.
Fotos: Adrià Goula
Das Konzept basiert auf der Idee, jede Sorte als einzigartige
Komposition zu verstehen – ein handwerkliches
„Parfum des Geschmacks“. Um diese Haltung
räumlich zu übersetzen, entwickelten die Architekt:innen
einen Ort, der sich durch klare Kontraste auszeichnet:
kalt und warm, minimalistisch und luxuriös,
nüchtern und sinnlich zugleich. Im Zentrum steht die
Vitrine als Hauptdarsteller. Mit ihrer Bekleidung aus
gerilltem Glas wirkt sie wie von einer kühlen Eisschicht
überzogen. In ihr treten die farbintensiven
Kreationen Adriàs leuchtend hervor – vergleichbar
mit Edelsteinen oder kunstvoll gefassten Flakons.
Die Präsentation erhebt jede Sorte zum Unikat und
erinnert an eine sorgfältig nummerierte Sammlung.
www.architektur-online.com
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| ST07G |
RETAILarchitektur
Erzeugen Sie maximale
Besuchererlebnisse:
mit PC-based Control
für die Entertainment-Industrie
Um diese Bühne herum entfaltet sich ein reduziertes,
aber hochgradig atmosphärisches Interieur. Wände in
metallischen und champagnerfarbenen Tönen sorgen
für subtile Bewegung und verweisen auf Luxuswelten,
während die großen, hexagonalen Glasleuchten
im Eingangsbereich den Raum mit kühlem, kristallinem
Licht durchfluten. Die Leuchten schweben in
doppelter Raumhöhe wie Eiskristalle und ziehen die
Aufmerksamkeit der Passanten an der Rambla unweigerlich
in das Innere.
© Bregenzer Festspiele/Anja Köhler/andereart.de
PC- und EtherCAT-basierte Steuerungstechnik
für die Entertainment-Industrie:
durchgängiges und hoch skalierbares Automatisierungssystem
Steuerung aller Entertainment-Anwendungen:
Bühnen-, Theater- und Konzerttechnik, Filmstudios, Freizeitparks,
4D-/5D-Kinos, Spezialeffekte, Gebäudeautomation
umfassende AV-Multimedia-Schnittstellen
Integration von DMX, Art-Net, sACN, PosiStageNet,
SMPTE Timecode und Audio
ermöglicht die Umsetzung professioneller Show-Ideen
mit bewährter Steuerungstechnologie
Scannen und PCbased
Control für
die Entertainment-
Industrie live
erleben
architektur FACHMAGAZIN
102
Produkt News
Lernen mit Komfort
Für den Neubau des FH Campus Wien, in dem auf 120.000 m 2 jährlich 8.000 Studierende
eines der 70 Studienprogramme besuchen, wurden zahlreiche Interstuhl
Produkte aus unterschiedlichen Kollektionen eingesetzt.
Auf mehreren Ebenen der Ausbildungsstätte wurden
Kommunikationszonen eingerichtet, die sowohl
leicht zu reinigen sind als auch den Brandschutzbestimmungen
der EU ((EN 1021 Teil 1+2) entsprechen.
Eingesetzt wurden dafür verschiedene Elemente der
HUB Kollektion, ein vielseitiges modulares System
zur individuellen und kreativen Büroraumgestaltung.
Zusätzlich wurde ein passendes Farbkonzept erarbeitet
- so laden die Kommunikationsbereiche nicht
nur zum Lernen, sondern auch zum interaktiven Austausch
ein. Auch die Aufenthaltsräume wurden neu
gestaltet – hier wurden Stapelstühle und Stehhocker
der SHUFFLE-Kollektion integriert. Zusätzlich wurden
alle Büros mit EVERY-Drehstühlen ausgestattet:
Hohe Netz-, Chillback- und Vollpolsterrücken, eine
höhen- und tiefenverstellbare Lordose und eine ergonomisch
optimal anpassbare Armlehne sorgen für
hohen Komfort und Ergonomie am Arbeitsplatz.
Interstuhl Büromöbel
GmbH & Co. KG
T +43 (0)1 61 64 113
oesterreich@interstuhl.com
www.interstuhl.com
www.architektur-online.com
103
Produkt News
We create
ceramic tiles
with harmony
and nature.
Sanftes Licht, ruhige Räume
Es war nicht nur das unique Design
der Pendelleuchtenserie LON, sondern
auch ihr technischer Anspruch, der die
Jury des RedDot Awards dazu bewogen
hat, die aktuelle Leuchtenserie des
österreichischen Herstellers Molto Luce
auszuzeichnen. Gemeinsam mit Designer
Ben Elmecker ist die Leuchtenserie
entwickelt worden und ein weiteres gelungenes
Beispiel für zeitgemäße Lichtlösungen,
die Architekten und Planern
die nötige Flexibilität in der Gestaltung
bieten. Zur Auswahl stehen Varianten
mit direkter oder direkt/indirekter Lichtverteilung
und Farbtemperaturen von
2700K und 3000K.
Mit ihrem zarten Leuchtenkörper im
Querschnitt von nur 16 x 52 mm begeistert
LON die Anhänger zarter, filigraner
und dennoch ausdrucksstarker Leuchten.
Spannend wirkt auch eine multiple
Anordnung, bei der mehrere Leuchten in
Kombination montiert werden und sich
dadurch ein skulpturaler Effekt ergibt.
Mittels DALI- oder CASAMBI-Steuerung
können die Leuchten zudem ganz nach
Wunsch und Anforderung gedimmt werden.
Mit einem optionalen Akustik-Einsatz
aus schallabsorbierendem Vlies-Material
sorgt LON zusätzlich für eine
angenehme Raumakustik. LON, ein optisches
Highlight im privaten Wohnraum,
in Hotellerie & Gastronomie und ebenso
hervorragend einsetzbar in Office & Corporate
Architecture-Projekten.
Molto Luce GmbH
T +43 (0)7242 698-0
office@moltoluce.com
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serie
core
R10/B / R11/C / R11/B
60×120 / 60×60 / 30×60
60×120 / 60×60
colors night / sunrise / day / twillight
r a k o . e u
architektur FACHMAGAZIN
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Produkt News
Tische mit Charakter
Mit wave präsentiert Einrichtungsexperte Selmer ein Tischsystem, das frische
Impulse in Konferenzräume, Bürowelten und die gehobene Gastronomie bringt. Die
elegante Serie überzeugt nicht nur durch ihre skulpturale Formensprache, sondern
auch durch ein hohes Maß an Individualisierbarkeit.
Ob im Managementbüro, im Besprechungsraum
oder im Restaurant – das System fügt sich nahtlos
in unterschiedlichste Raumkonzepte ein. Möglich
wird dies durch ein intelligentes Konstruktionsprinzip:
Ein stabiler Stahlrahmen bildet das Grundgerüst,
ergänzt durch eine modulare Tragstruktur, die sich
sowohl funktional als auch gestalterisch flexibel
konfigurieren lässt. Format, Farbigkeit, Materialien
und Zusatzelemente – alles kann projektbezogen
abgestimmt werden.
Ein gestalterisches Highlight bilden die markant
geschwungenen Tischbeine. Sie verleihen dem
Möbel seine dynamische Silhouette und integrieren
zugleich ein durchdachtes Kabelmanagement
– formschön gelöst und leicht zugänglich. Auch im
Hospitality-Bereich spielt wave seine Stärken aus.
Großzügige Beinfreiheit und hochwertige Oberflächen
schaffen ein elegantes Umfeld für Gastlichkeit
auf hohem Niveau. Für besonders exklusive Ausführungen
stehen Einlagen aus Naturstein oder Metall
zur Verfügung – ein Statement für Individualität und
handwerkliche Qualität.
Selmer GmbH
T +43 (0)6216 20210
info@selmer.at
www.selmer.at
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Der Code der Natur
FRACTAL CODE setzt neue Maßstäbe im biophilen Design,
indem es innovative Akustiklösungen mit fraktalen
Mustern kombiniert, die auf über 25 Jahren Forschung
in Neurowissenschaft und Psychologie basieren. Studien
belegen, dass diese Muster Stress um bis zu 60 %
reduzieren, die kognitive Leistung steigern und die Konzentration
fördern.
13&9 Design hat nun in Zusammenarbeit mit Fractals
Research eine Software entwickelt, die diese natürlichen,
stressreduzierenden Muster in Innenräume bringt.
Die Software wandelt natürliche Muster in einen Code
um, der präzise auf die Akustikpaneele übertragen wird.
Diese bestehen aus einem innovativen PET-Kunstvlies,
das zu über 50% aus post-consumer recyceltem Material
gewonnen wird. Die großflächigen FRACTAL CODE
Akustikelemente sind in harmonischen, von der Natur
inspirierten Farbtönen erhältlich. Je nach Interior-Konzept
besteht die Wahl zwischen monochromen oder
zweifarbigen fraktalen Mustern, die eine stilvolle Ergänzung
zur Raumgestaltung darstellen.
XAL GmbH
T +43 (0)316 3170
office@xal.com
www.xal.com
105
© Catherine Roider
Produkt News
Entspannt auch
in Sachen
Nachhaltigkeit
Der Bodenbelag, der Bitumen-, PVCund
schwerrückenfrei ist
Mit Kugelgarn ® lassen sich Raumlösungen
schaffen, die höchste ökologische Ansprüche
erfüllen, von der Verlegung bis hin zur
Reinigung. Lernen Sie ein spannendes und
einzigartiges Produkt kennen, das die
individuellen Bedürfnisse der Menschen in
den Mittelpunkt stellt. Und immer wieder
neue Massstäbe setzt. www.fabromont.ch
architektur FACHMAGAZIN
106
Produkt News
Innovative Oberflächenbehandlung
Im Jahr 2015 führte Bauwerk Parkett die Oberflächenbehandlung B-Protect® auf
dem Markt ein. Seitdem hat der Schweizer Premiumhersteller sie kontinuierlich
weiterentwickelt und den Marktbedürfnissen angepasst. Die sehr matte Veredelung
ist nahezu unsichtbar und lässt damit behandelte Parkettoberflächen kaum
von naturbelassenem Holz unterscheiden. Funktional bietet B-Protect® sämtliche
Vorteile einer klassischen Versiegelung. Als „unsichtbarer Schutzschild“ macht es
Parkett äusserst strapazierfähig und pflegeleicht, sowohl für privaten Wohnbau als
auch für hochfrequentierte Objektbereiche.
Wie etwa beim Neubau des Bettenhauses für das
Kinderspital Graubünden in Chur, wo sich die Architekten
bewusst für hochwertiges Parkett von
Bauwerk Parkett entschieden. Für die kinder- und
familienfreundlichen Patientenzimmer fiel die Wahl
auf die Landhausdiele Cleverpark 1250 mit B-Protect®-Oberfläche:
diese Veredelung garantiert hohe
Strapazierfähigkeit und sichere Wasser- und Chemikalienbeständigkeit.
Die feine, mehrschichtige
B-Protect®-Versiegelung wird in einem aufwendigen
Produktionsverfahren im Werk aufgebracht, schließt
die Holzoberfläche vollständig und schützt so zuverlässig
und dauerhaft vor den Einflüssen des Alltags.
Dabei ist die Oberflächenbehandlung frei von Weichmachern
und anderen bedenklichen Inhaltsstoffen
und entspricht dem hohen Anspruch des Schweizer
Premiumherstellers an 100 % Wohngesundheit.
B-Protect® ist neben naturgeölt und matt versiegelt
die dritte Oberflächenbehandlung von Bauwerk Parkett
und steht bei 13 Parkettkollektionen und für viele
Farben zur Auswahl.
2025 feiert Bauwerk Parkett sein 90-jähriges Bestehen.
Seit Ernst Göhner 1935 mit dem ikonischen
Klötzli-Parkett den Grundstein legte, prägt das Unternehmen
die Branche mit Innovationskraft und
Schweizer Ingenieurskunst. Heute ist Bauwerk Parkett
Teil der international führenden Bauwerk Group
und gilt als Weltmarktführerin für nachhaltiges Qualitätsparkett
– ein Jubiläum, das Tradition und Zukunft
gleichermassen verbindet.
Bauwerk Group Österreich GmbH
T +43 (0)662 873 871 0
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107
Produkt News
Beleuchtungskonzept mit Vorbild-Charakter
Mit der Frida-Kahlo-Schule in Schweich/DE ist ein
Vorzeige-Beispiel für integrative Bildungsarchitektur
gelungen. Der Entwurf für die inklusionsorientierte
Schule stammt aus der Feder der NAK Architekten
aus Berlin: Großzügige Verglasungen, warme Materialkontraste
und eine klare Zonierung schaffen eine
angenehme Atmosphäre, die Orientierung und Teilhabe
fördert. Ein zentrales Element dabei: die gezielt
geplante, nutzungsspezifische und ressourcenschonende
Beleuchtung. Regiolux und Lichtwerk lieferten
die passenden LED-Lösungen, ausgerichtet auf die
besonderen Anforderungen eines inklusiven Schulalltags.
In sämtlichen Funktionsbereichen der Schule
– vom Klassenzimmer über Mehrzweckräume bis hin
zu Küche und Dreifeld-Sporthalle – kommt Licht als
aktiver Gestaltungs- und Unterstützungsfaktor zum
Tragen. Das Zusammenspiel robuster, effizienter
Technik und einer bedarfsorientierten Konzeption
führte zu einem durchgängigen Beleuchtungssystem,
das sowohl funktionale als auch emotionale Anforderungen
erfüllt.
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T +49 (0)9525 89 0
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Entspannens, Connectens.
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architektur FACHMAGAZIN
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Produkt News
© Christian Flatscher
Akustiklösungen aus Holz
Ob Bildungseinrichtung, Büro, Gastronomie oder Konzertsaal – Akustiklösungen
schaffen Räume, in denen Sprache und Musik ihre volle Qualität entfalten. Im niederösterreichischen
Waldviertel entwickeln die Experten von Trikustik seit 20 Jahren
Akustikpaneele aus Holz.
Ihr Ziel ist dabei, Räume an Decke oder Wand nicht
nur optisch hochwertig zu gestalten, sondern gleichzeitig
auch die Raumakustik zu optimieren. Die Basis
bilden dabei Holzplatten in unterschiedlichsten
Materialien und Oberflächen, welche mit speziellen
akustischen Perforationen bearbeitet werden. Die
Palette reicht von Mikroperforation über lineare Nuten
in Leistenoptik bis hin zu klassischen Lochungen.
Architektinnen und Planende erhalten mit Trikustik
einen Partner, der Funktion, Gestaltung und Umsetzbarkeit
gleichermaßen im Blick behält. Ein benutzerfreundlicher
Online-Konfigurator und ein Raumakustikrechner
unterstützen bei der Auswahl der
passenden Material-Perforations-Kombination. Planende
erhalten zusätzlich auf Wunsch persönliche
Beratung im gesamten Projektverlauf und durch die
Vielfalt an Optionen werden auch bei knappen Budgets
gute Lösungen mit dem Material Holz möglich.
Alle Trikustik-Paneele werden dabei auftragsbezogen
in Österreich gefertigt, mit modern ausgestatteten
Anlagen und langjährigem Knowhow.
Deckenverkleidung mit
TRIKUSTIK MIKROFORM
im Gasthaus Vilsalpsee
© Schreyer David
Trikustik Gesmbh
+43 (0)2828 7401 13
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Akustikdecke mit
TRIKUSTIK LOCHFORM
in der Musikschule Ebbs
www.architektur-online.com
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Produkt News
Fotos: Kurt Hörbst
Farben, Funktion und Verantwortung
Mit der neuen Volksschule Pichling setzt die Stadt
Linz gemeinsam mit der ILG Immobilien Linz GmbH
als Bauherr ein starkes Zeichen für zukunftsfähige
Bildung, nachhaltige Architektur und durchdachtes
Design. Der zweigeschossige Neubau überzeugt
durch kompakte Bauweise, lichtdurchflutete Räume
und ein klares pädagogisches Konzept.
Farblich setzt das Gebäude auf warme Grüntöne
und natürliche Materialien. Besonders in den Begegnungszonen
– wie Marktplätzen oder dem Treppenhaus
– kommt Kugelgarn® von Fabromont in grüner
Sonderfarbe zum Einsatz. Der textile Bodenbelag
erfüllt in Schulen gleich mehrere zentrale Funktionen:
Er reduziert Trittschall und sorgt damit für eine
ruhige Lernumgebung. Seine besondere Struktur ist
äusserst strapazierfähig und widersteht auch starker
Beanspruchung durch Schultaschen, Mobiliar
oder häufige Reinigung. Gleichzeitig ist Kugelgarn®
pflegeleicht und fleckenunempfindlich – wichtig in
einem Umfeld, in dem täglich viele Kinder unterwegs
sind. In der VS Pichling ergänzt der Bodenbelag die
natürliche Materialwahl und trägt zu einem harmonischen
Gesamtbild bei – funktional, langlebig und
visuell ansprechend.
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in Bewegung.
Drehbare Liegen, die sich
jeder Blickachse anpassen –
für entspannte Momente
und perfekt inszenierte
Landschaftsräume.
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architektur FACHMAGAZIN
110
Produkt News
Raumgestaltung auf Fünf-Sterne-Niveau
Die Einrichtungsexperten von Home Interior sind immer dann gefragt, wenn es
um die Konzeption und Umsetzung kreativer Hotelausstattungen und exklusiver
Raumgestaltungen in privaten Projekten geht. Um seinen Kunden neueste Stil- und
Einrichtungstrends zu präsentieren, entschloss sich das Unternehmen zu einer
Komplettrenovierung seines Showrooms in Mils.
Auf großzügigen Ausstellungsflächen und in separaten
Raumszenarien werden dort Lösungen für die verschiedenen
Hotelbereiche von Lobby und Rezeption
bis hin zu Bar und luxuriösen Zimmerausstattungen
mit allen Sinnen erlebbar. Damit die Präsentationen
ihre ganze Wirkung entfalten können, sind sie bis ins
Detail sorgfältig komponiert – für jede Koje und jeden
Ausstellungsbereich gab es von Home Interior
ein Designthema mit detaillierten Vorgaben zu Farbklima,
Einrichtung und Tapeten. Die Wahl des Farbspektrums
fiel schließlich auf vorwiegend dunkle
Farbtöne, die einen perfekten Hintergrund für Möbel,
Leuchten und Designobjekte bilden, und auf Produkte
vom Farbspezialisten und Farbhersteller Brillux.
Für die Decken fiel die Wahl Superlux 3000, um extrem
gleichmäßige, stumpfmatte Oberflächen zu erzielen.
Darüber hinaus kam Sedashine 991 zum Einsatz, eine
seidenmatte Innendispersion für gut reinigungsfähige
Decken- und Wandanstriche. Die Holzoberflächen
der Regalsysteme, Verblendungen und Dekorationselemente
wurden mit Hydro-PU-Tec Seidenmattlack
2088 beschichtet.
Brillux Farben GmbH
T +43 (0)732 370740-0
info@brillux.at
www.brillux.at
www.architektur-online.com
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Produkt News
Vom Holzabfall
zum nachhaltigen
Wandrahmen
Die bewährte Trennwand Lindner Life Stereo 125
mit frontbündiger Verglasung geht mit der Zeit und
folgt dem Trend des umweltfreundlichen, zirkulären
Bauens: Unter dem Namen Lindner Life Stereo_GCC
gibt es die Glaswand ab sofort in einer noch nachhaltigeren
Ausführung. Dabei setzt der Hersteller
anstelle eines Aluminiumrahmens auf einen Rahmen
aus GCC – einem Holzwerkstoff mit weltweit einzigartig
hohen Naturfaseranteil. Als Doppelverglasung
sorgt das Lindner Trennwandsystem für Separation
und Transparenz in allen Räumlichkeiten. Der schiefergrau
geölte GCC Holzrahmen unterstreicht dabei
einen eleganten, lichtdurchfluteten Raumcharakter.
GCC (German Compact Composite) enthält in seiner
Grundrezeptur bis zu 75 % Naturfasern, welche
aus Abfällen der Hobel- und Sägeindustrie stammen.
Diese werden in einem patentierten Herstellungsverfahren
zerkleinert und im trockenen Zustand mit
recyceltem Kunststoff, Bindemitteln und Farben vermischt.
Unter hohem Druck wird das Gemenge anschließend
in die erforderliche Form gepresst und
bildet den stabilen, langlebigen Rahmen der Lindner
Life Stereo_GCC.
Lindner GmbH
T +43 (0)2252 86160-0
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www.lindner-group.at
Freiheit in der Architektur
Das schlanke Verbund tragwerk von Peikko
DELTABEAM®
Verbundträger
ATLANT® Strong
Verbundstütze
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architektur FACHMAGAZIN
112
Produkt News
Fotos: HASSLACHER Gruppe | Rahel Welsen
Birken-Brettschichtholz
schont Ressourcen
Der europäische Wald befindet sich in einem Veränderungsprozess und der ökologisch,
klimatisch und wirtschaftlich sinnvolle Umbau hin zum Mischwald eröffnet
auch dem Ingenieurholzbau neue Chancen. Als Vorreiter beim Einsatz von Brettschichtholz
aus Laubhölzern ist die HASSLACHER Gruppe bereits heute in der
Lage, diese Entwicklung als Vermittler hinein in die Architektur zu tragen.
Hierbei zeichnet sich insbesondere das Brettschichtholz
der Holzart Birke durch eine unvergleichliche
Optik und hohe mechanischen Eigenschaften aus.
Weit gespannte Tragwerke bzw. Trägersysteme sind
bei gleichzeitig hohen Ansprüchen an die Ästhetik
umsetzbar. Durch die hohen mechanischen Eigenschaften
ist eine ausgesprochen wirtschaftliche Bauweise
möglich und die relativ hohe Rohdichte sowie
die Struktur der Holzart Birke sorgt für hohe Festigkeiten
der Verbindungsmittel.
Ein Beispiel für die Einsatzmöglichkeiten der Produkte
der HASSLACHER Gruppe ist der Neubau des
Verwaltungsgebäudes der Kreisverwaltung Mainz-
Bingen: Das Bürogebäude wurde fast vollständig in
Holzbauweise errichtet, wobei sich durch modulare
Fertigung, Birken-Brettschichtholz und eine flexible
Raumstruktur die Bauzeit um ein Jahr verkürzte.
Die insgesamt eingesetzten 2.000 m³ Holz entzogen
der Atmosphäre rund 2000 t CO 2 während dessen
Wachstumsperiode, zusätzlich spart der energieeffiziente
KfW55-Standard jährlich 200 t CO 2 .
Mehr erfahren
HASSLACHER Gruppe
T +43 (0)4769 22 49 – 0
info@hasslacher.com
www.hasslacher.com
Das Brettschichtholz der Holzart Birke für
die Stützen und Träger (ca. 313 m³) sowie das
Brettsperrholz ausgestattet mit der HASSLACHER
Exzellentoberfläche in Birke (50 m³) wurden von
der HASSLACHER Gruppe geliefert.
www.architektur-online.com
113
Produkt News
Maßgeschneiderter Luxus
Nur wenige Gehminuten vom malerischen Ortskern St. Wolfgang entfernt liegt
die „Seevilla“, die anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des traditionsreichen
Familienbetriebs renoviert wurde. Die Vision für das Um- und Erweiterungsprojekt
stammt aus dem Jahr 2018 und wurde vom Architekturbüro Kirchmayr Planung
GmbH in mehreren Phasen realisiert.
In der erst kürzlich fertiggestellten Makeover-Phase
wurden der dritte und vierte Stock komplett abgetragen
und in moderner Holzbauweise neu aufgebaut.
Zusätzlich wurde der Dachraum im Ostteil angehoben,
die oberen Stockwerke an das Design und Ambiente
der vorhandenen Zimmer und der öffentlichen
Bereiche angepasst. Im Zuge des Ausbaus entstanden
acht neue, individuell gestaltete Luxuszimmer
und Suiten. Zudem wurde das Angebot durch einen
Massageraum sowie ein hochwertig ausgestattetes
Fitness- und Yogastudio ergänzt.
Die besondere Herausforderung bei diesem Projekt
war der hohe gestalterische Anspruch: Jedes neue
Zimmer des hochwertigen Boutique-Hotels wurde
als Unikat mit individuellem Grundriss geplant, wobei
diese sich teilweise in schwer zugänglichen Giebelbereichen
befanden. Dieser Umstand erforderte beim
trockenen Innenausbau besondere Präzision. Ausgeführt
von der Edelsbacher & Staudinger Bau GmbH
fanden beim anspruchsvollen Trockenausbau vielfältige
Materialien Verwendung, darunter hochwertige
RIGIPS Bauplatten, strapazierfähige Feuerschutzplatten
sowie speziell imprägnierte Platten, die sich
ideal für Feuchträume eignen. Zudem wurde in den
Duschen sowie bei einigen kleinen Außenecken die
hoch feuchtigkeitsbeständige, vliesarmierte Gipsplatte
Glasroc X verbaut.
Saint-Gobain Austria GmbH
RIGIPS Austria
T +43 (0)3622 505-0
rigips.austria@saint-gobain.com
www.rigips.at
architektur FACHMAGAZIN
114
Produkt News
Türmodernisierung mit Anspruch
Das Deutsche Museum in München begrüßt jährlich etwa 1,5 Millionen Besucher. Um
das Gebäude und die Ausstattung auf den aktuellen Stand zu bringen, erfährt das
Hauptgebäude auf der Münchner Museumsinsel eine umfangreiche Generalsanierung.
Die Renovierung erfolgt schrittweise und soll bis
zum 125. Jubiläum des Museums im Jahr 2028 abgeschlossen
sein. Trotz der Baumaßnahmen bleiben
zahlreiche wertvolle Exponate in ihren Ausstellungsräumen,
was das Projekt besonders anspruchsvoll
gestaltet. Die Modernisierung der Türen erfordert
dabei aufgrund verschärfter Brandschutzvorschriften
eine fundierte Fachkenntnis. In der ersten Phase
der Bauarbeiten hat Teckentrup seine Expertise im
Brandschutz unter Beweis gestellt, indem mehr als
200 Stahltüren installiert wurden, um den aktuellen
Sicherheitsstandards gerecht zu werden.
Das Projekt stellt aufgrund des laufenden Museumsbetriebs
und des erforderlichen Notfallwegekonzepts
hohe Anforderungen an die Planung und Durchführung
der Installation. Selbst breite Durchgänge müssen
im Ernstfall zuverlässig verschlossen werden
können, während Fluchttüren sofort erkennbar und
leicht zu öffnen sein müssen. Die Sicherheitsfunktionen
wurden so gestaltet, dass sie nicht nur die aktuelle
Situation abdecken, sondern auch in Zukunft
die Sicherheit von Besuchern und Exponaten gewährleisten.
Das Beispiel des Deutschen Museums
verdeutlicht, dass durch eine enge Zusammenarbeit
solche Lösungen gefunden werden können.
Teckentrup GmbH & Co. KG
T +43 (0)676 6743130
stephan.rist@teckentrup.biz
www.teckentrup.biz
www.architektur-online.com
115
Produkt News
Fotos: Jonathan Sage
Zwei Häuser, ein Ensemble
Der Wunsch der Bauherren war klar: Ein Wohnensemble schaffen, das nicht den
typischen Eindruck eines Doppelhauses vermittelt. Dabei wurde eine der beiden
Doppelgaragen zwischen den beiden Haushälften positioniert – als gestalterisches
und räumliches Bindeglied.
Gleichzeitig schwebte den Planern von WSM Architekten
und den künftigen Bewohnern ein Wohngefühl
vor, das sich in Richtung Garten und Natur großzügig
öffnet. Zur Straße hin hingegen sollte das Haus
bewusst geschlossener wirken, um Rückzug und Privatsphäre
zu schaffen. Auf der Gartenseite entstand
ein geschützter Innenhof, der beiden Wohneinheiten
eine eigenständige, fast solitäre Anmutung verleiht –
vergleichbar mit zwei Einfamilienhäusern.
Besonders gut gelingt dieses Zusammenspiel aus Offenheit
und Geborgenheit durch Fenster und Türen
von Josko: Rahmenlose Fixverglasungen und Schiebetüren
mit nur dezentem Rahmen, die den Blick nach
draußen kaum stören und das Naturerlebnis im Innenraum
spürbar machen. Auch die Haustür mit rahmenlosem
Seitenteil ist weit mehr als nur ein Eingang: Sie
lässt Tageslicht ungehindert in den Eingangsbereich
strömen und schafft eine helle Atmosphäre, die besonders
einladend wirkt.
Josko Fenster
& Türen GmbH
T +43 (0)7763 2241-0
office@josko.at
www.josko.at
architektur FACHMAGAZIN
116
Produkt News
Mit Stil und Stärke
In der vierten Generation vereint der neue Mitsubishi Outlander ein markantes Design,
serienmäßigen Allradantrieb sowie Premium-Komfort in japanischer Perfektion.
Speziell für den europäischen Markt konzipiert, setzt der Outlander darüber
hinaus technologische Maßstäbe: Der komplett überarbeitete Plug-in-Hybrid-Antriebsstrang
bietet eine deutlich höhere elektrische Reichweite, eine absolut
nahtlose Beschleunigung und effizienten Fahrkomfort.
Das intelligente Allradsystem S-AWC (Super-All
Wheel Control) basiert auf der legendären Offroad-Kompetenz
von Mitsubishi und wurde dank der
sieben wählbaren Fahrmodi gezielt für maximale
Traktion und Stabilität weiterentwickelt.
Im Innenraum strahlt das hochwertige Ambiente
höchste Qualität aus – geprägt durch japanische
Handwerkskunst und viel Liebe zum Detail.
Der neue Outlander ist zudem mit zahlreichen Fahrerassistenzsystemen
ausgestattet, darunter Notbrems-
und Spurhalteassistent, Müdigkeitswarner
sowie ein intelligentes Cockpit mit digitaler Fahrzeugüberwachung.
Die Sicherheit wird durch ein neu
eingeführtes Garantiepaket von bis zu 8 Jahren oder
160.000 km, bestehend aus 5 Jahren Werksgarantie
und 3 Jahren erweiterter Garantie, weiter gestärkt.
www.mitsubishi-motors.at
www.architektur-online.com
117
Produkt News
Gebaut aus 100 %
SCHROTT
Neues Plissee-System
Im August 2025 hat Anwis mit EVIE ein neues Produkt vorgestellt:
Das moderne Plissee-System ergänzt die bestehende
Lösung und besteht aus hochwertigen Aluminiumschienen
sowie passenden Adaptern, Spannschuhen und
Bediengriffen aus Kunststoff. Alle Teile werden nach Maß
angefertigt, die Aluminiumschienen gibt es standardmäßig
in zwölf verschiedenen Farben mit hierauf abgestimmten
Kunststoffteilen. Zudem ist das neue System mit allen von
Anwis bekannten Stoffen aus der neuen Kollektion kombinierbar.
Hierzu zählen 373 verschiedene Plissee- und weitere
179 Wabenplisseestoffe. EVIE ist sowohl für rechteckige
Fensterformen geeignet als auch für Trapeze, Dreiecke, Vielecke
und Halbkreise – jeweils kompatibel mit verschiedenen
Glasleisten.
ANWIS Sp.z o.o.
T +49 (0)699 501 96 31
info@anwis.de
www.anwis.de
Architekt: Hadi Teherani Architects
Echte Kreislaufwirtschaft
mit End-of-Life-Aluminium.
Die beim Innovationsbogen Augsburg
eingesetzten WICONA Fassadensysteme
stammen zu 100% aus recyceltem
End-of-Life-Aluminium – also Aluminiumschrott,
der seinen gesamten Lebenszyklus
bereits durchlaufen hat. Das hat
insgesamt 517 Tonnen CO 2
eingespart.
So geht echte Kreislaufwirtschaft!
© HGEsch Photography
architektur FACHMAGAZIN
118
Produkt News
Fotos: Hertha Hurnaus
Schiebesystem für höchste Ansprüche
Im 5. Wiener Gemeindebezirk Margareten wurde von feld72 Architekten eine
jahrzehntelang bestehende Baulücke geschlossen. Gestalterischer Blickfang des
Projekts ist die filigran detaillierte Glasfassade, die einen Altbau umschließt und
zugleich hervorhebt: Mit industriellen Anklängen verweist die neue Gebäudehülle
auf den Bestand, während eine vorgelagerte gläserne Pufferzone ihr Leichtigkeit
und räumliche Tiefe verleiht.
Durch die einen Meter breite gläserne Pufferzone
in den Wohngeschossen entsteht nicht nur visuelle
Tiefe: Als wandelbare, vor Lärm und Witterung geschützte
Wintergärten konzipiert lassen sich diese
Bereiche mittels raumhoher Schiebeelemente des
Systems Proline S Mega von Solarlux flexibel öffnen
und zu luftigen Loggien verwandeln. Die Glaselemente
sind hinter ein filigranes Geländer aus
feinmaschigem Streckmetall gesetzt, davor sorgt
ein textiler Vorhang aus semitransparentem Metallgewebe
für beweglichen Sicht- und Sonnenschutz.
Die Schiebeanlagen bestehen – je nach Wohnungsbreite
– aus vier oder sechs Elementen mit Höhen
von 2576 mm und Breiten bis 1157 mm. Zwei bzw.
drei Elemente lassen sich nach links und rechts auf
flachen Bodenschienen verschieben, um die Fassade
großzügig zu öffnen. Kugelgelagerte Edelstahl-Laufwagen
mit wartungsarmen Rollen sorgen für eine leise
und mühelose Bedienung.
Solarlux Austria GmbH
T +43 (0)512 209023
info.at@solarlux.com
www.solarlux.com/showroom-wien
www.architektur-online.com
119
Produkt News
Großprojekt in London
40 Leadenhall Street ist eines der größten Bauprojekte, das bis dato in der
historischen Londoner City realisiert wurde: 85.000 m 2 Nutzfläche mit teils 100
Meter langen Achsen, für 10.000 Gebäudenutzer. Der elegante Entwurf von
Make Architects, mit zwei Türmen auf einem gemeinsamen Podium, ist von den
nordamerikanischen Wolkenkratzern des frühen 20. Jahrhunderts inspiriert und
in vertikalen „Slices“ angeordnet, die von 34 Stockwerken am Ende der Leadenhall
Street auf 7 Stockwerke zur Themse hin abfallen, mit 17 Außenterrassen auf
unterschiedlichen Höhen.
Fotos: Jack Hobhouse
Für die vom Fassadenbauer Focchi realisierte Glasfassade,
ein „unitised System“ mit strukturell silikongeklebter
Doppelverglasung, lieferte AGC Interpane
mehr als 30.000 m 2 „Stopray Vision 60“-Sonnenschutz-Isolierglas,
beidseitig als Verbundsicherheitsglas
aufgebaut, mit integrierter Wärmedämmung und
einer keramischen Randbedruckung, die die Dichtungen
optisch verbirgt und sie gleichzeitig schützt. Die
großformatigen Elemente dafür wurden komplett im
Werk vormontiert und mit Rahmenprofilen aus Edelstahl,
strukturell silikongeklebten Zweifach-Isolierverglasungen,
Dichtungen und Beschlägen versehen.
Die fertigen Module wurden anschließend auf die
Baustelle geliefert und dort mit dem Gebäude verbunden,
Element für Element, wie Legosteine: Die
Module konnten so unabhängig vom Innenausbau
montiert werden und durch die Werkstattfertigung
unter kontrollierten Bedingungen werden zudem
hohe Qualität und bessere Abdichtung erzielt.
INTERPANE
Isolierglasgesellschaft mbH & Co. KG
T+43 (0)2166 2325-0
parndorf@agc.com
www.agc-interpane.com
architektur FACHMAGAZIN
120
Produkt News
Von Generation zu Generation
Bauder ist als inhabergeführtes Familienunternehmen seit vier Jahrzehnten in
Österreich präsent. Mit rund 170 Mitarbeitern, einem Produktionswerk bei Bruck
an der Leitha (NÖ) und kontinuierlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung
ist Bauder heute einer der führenden Anbieter für sichere und nachhaltige
Dächer in Europa.
Nun schlägt das Unternehmen in Österreich ein neues
Kapitel auf: Nach 18 Jahren an der Spitze geht
Günther Murauer in den wohlverdienten Ruhestand.
Die Geschäftsleitung übernimmt ab 1. Jänner 2026
sein langjähriger Weggefährte Stefan Roithmair, der
seit 28 Jahren im Unternehmen tätig ist. Unter seiner
Führung sollen Themen wie Dachbegrünung, Retention
und die Nutzung des Dachs als Energiequelle
weiter an Bedeutung gewinnen und Architekten,
Landschaftsplaner und Städtebauer in Bauder einen
Partner finden, der diese Entwicklungen aktiv mitgestaltet.
Ein Meilenstein in dieser Entwicklung ist das
Produktionswerk in Bruck an der Leitha. Dort errichtete
Bauder Österreichs größtes Solargründach, das
mit einer Leistung von 2.550 kWp Strom für rund 750
Haushalte erzeugt. Damit schafft das Unternehmen
nicht nur eine nachhaltige Energiequelle, sondern
zeigt auch, dass moderne Industrieproduktion und
ökologische Verantwortung Hand in Hand gehen
können. Für Architekten und Planer bedeutet dies:
Planungssicherheit und Zugang zu innovativen Lösungen
aus einer Hand.
Digitale Unterstützung für Planer
Damit innovative Lösungen auch in der Praxis
schnell und effizient umgesetzt werden können, bietet
Bauder ein besonderes Service: den Flachdach-
Navigator. Dieses digitale Planungswerkzeug unter-
Stefan Roithmair und Günther Murauer
stützt Architekten und Fachplaner bei der Erstellung
von Ausschreibungen für Flachdächer. Von der Wahl
der richtigen Dachaufbauten bis hin zu fertigen Ausschreibungstexten
liefert der Navigator praxisnahe
Hilfestellung – einfach, schnell und zuverlässig. Mehr
dazu unter: www.flachdach-navigator.at
Bauder GesmbH
T +43 (0)7229 69130-0
info@bauder.at
www.bauder.at
www.architektur-online.com
121
Produkt News
Sturmfest mit Charakter
Direkt am Hamburger Hafen, wo Wind und Regen zum Alltag gehören, entstand mit
dem Präventionszentrum der Berufsgenossenschaften BGW und VBG ein architektonisches
Statement für Beständigkeit und Fürsorge. Die monolithisch wirkende
Gebäudehülle aus Glasfaserbeton schützt wie ein maßgeschneidertes Schild vor
den Elementen und vereint dabei skulpturale Form mit funktionaler Präzision.
Fotos: Ditz Fejer
Rund 17.000 m² individuell entwickelte formparts
und flache Großformatplatten von Rieder verbinden
Technik und Ästhetik zu einer langlebigen Lösung,
die den Anforderungen an Wetterbeständigkeit,
Leichtbau und Montagefreundlichkeit in exponierter
Lage gerecht wird.
Rund 2.645 vertikale Lisenen in Doppel-U-Profil,
2.500 horizontale Brüstungsprofile in U-Form und
ca. 1.500 m² Platten wurden in sechs speziell entwickelten
Rotnuancen gefertigt – Farbtöne, die Rieder
gemeinsam mit den Architekten und dem Bauherrn
in einem mehrstufigen Abstimmungsprozess speziell
für dieses Projekt erarbeitete. Neben den Sonderfarben
kamen auch zwei unterschiedliche Oberflächen
zum Einsatz: Die vertikalen Lisenen wurden in der
Ausführung ferro light, die horizontalen Brüstungen
in ferro plus realisiert. Die unterschiedlich stark
sandgestrahlten Oberflächen sorgen für optische
Tiefe und ein abwechslungsreiches haptisches Erlebnis
und machen die Fassade nicht nur visuell, sondern
auch taktil erfahrbar.
Rieder Facades GmbH
T +43 (0)6542 690-844
office@rieder.cc
www.rieder.cc
architektur FACHMAGAZIN
122
Produkt News
Schimmernde Keramikhüllen
Im Zuge der Neubebauung ehemaliger Industrieareale im Londoner Westen
entsteht derzeit ein landschaftlich gestaltetes Mischnutzungsquartier namens
White City Living. Dazu gehört auch ein Ensemble aus Wohnhochhäusern, bei
deren Fassadengestaltung sich die Architekten von der Natur und den Farben der
Jahreszeiten inspirieren lassen.
Entsprechend repräsentieren die bislang
fertiggestellten Gebäude Cascades One
und Cascades Two mit ihrem Erscheinungsbild
in Blau und Rot den kühlen Winter und
die Wärme des Sommers. Zwei weitere Gebäude
mit den Gelbtönen des Herbstes und
Grüntönen des Frühjahrs werden das Ensemble
vervollständigen.
Als Bekleidungsmaterial fiel die Wahl auf
glasierte Keramikplatten von MOEDING.
Auf Wunsch der Architekten sollten dabei
lebendige, natürlich anmutende Glasuren
in verschiedenen Farbabstufungen entstehen.
Vier Blau- und vier Rottöne in jeweils
gebäudespezifischen Sonderformen hüllen
nun die expressiven, weit sichtbaren Türme.
Für die lebendige Farbanmutung entwickelte
MOEDING vier sogenannte Fusion Glazing
Effektglasuren. Diese setzen sich aus
zwei Glasurschichten zusammen, die beim
Brennvorgang miteinander reagieren. Dabei
entstehen außergewöhnliche Farbeffekte
sowie eine unregelmäßige Haptik, durch die
jede Platte zum Unikat wird. Die im Einbrandverfahren
mit Temperaturen bis 1.200 Grad
Celsius erzielten Fusionsglasuren erweitern
die Farbvielfalt und schaffen dadurch noch
individuellere Gestaltungsmöglichkeiten.
Moeding Keramikfassaden GmbH
T +49 (0)8732 2460-0
info@moeding.de
www.moeding.de
Fotos: Koy+Winkel
www.architektur-online.com
123
Produkt News
Klimaneutrale Büros
Die „Einpark Offices“ in Bratislava sind das erste
Projekt in der Slowakei, das mit den Zertifizierungen
LEED Platinum und LEED Zero Carbon ausgezeichnet
wurde. Der Gebäudekomplex, entworfen vom slowenischen
Büro OFIS Arhitekti und realisiert vom Immobilienentwickler
Corwin, besteht aus einem Wohnturm
und einem siebengeschossigen Bürogebäude mit insgesamt
16.000 m² Fläche.
Ein wesentlicher Bestandteil des Architekturkonzepts
baut dabei auf keramische Fliesen, die von RAKO geliefert
wurden: Für die Terrassen und Balkonflächen
wurden unglasierte Feinsteinzeugfliesen der Serie
Kaamos Outdoor verwendet. Diese Fliesen sind widerstandsfähig,
pflegeleicht und eignen sich ideal für stark
beanspruchte Außenbereiche. Die helle Farbgebung
der Fliesen und der Fassaden trägt zur Reduzierung
der sommerlichen Wärmelasten bei, was den thermischen
Komfort im Inneren verbessert und den energieeffizienten
Betrieb unterstützt. Die Fliesen erfüllen
außerdem die strengen ökologischen Anforderungen
der Kreislaufwirtschaft: Bei der Herstellung werden zu
95 % lokale, natürliche Rohstoffe verwendet. Produktionsabfälle
wie ungebrannte Scherben und Staub werden
aufbereitet und erneut dem Produktionszyklus
zugeführt. Das Projekt Einpark Offices ist ein gelungenes
Beispiel dafür, wie Gestaltung, Funktionalität und
Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können, um eine
zukunftsfähige Architektur zu schaffen.
LASSELSBERGER, s.r.o.
info@rako.eu
www.rako.eu
Fotos: Rako
AVA und Kostenplanung für
Architekten und Ingenieure
CaliforniaX im BIM-Prozess
Verarbeitung von E-Rechnungen
(XRechnung und ZUGFeRD) nach EN 16931.
gw-software.de
nach
ÖNORM
A2063
architektur FACHMAGAZIN
124
Produkt News
© wienerberger Österreich/Bianca Gadnik
(v. l .n. r . ) : Johann Marchner (Country Managing Director von wienerberger Österreich und Pipelife Austria) , Peter Molnar (Bürgermeister von
Krems) , Katharina Bock (Leyrer + Graf ) und Peter Haas (COO Leyrer + Graf ) vor dem neuen Kindergarten in Krems-Weinzierl, bei dem der
nahezu klimaneutral produzierte Porotherm Plan E Ziegel von wienerberger zum Einsatz kommt.
Nachhaltigkeit im Fokus
Dass der Einsatz von nachhaltigen Baustoffen sowohl für Gemeinden als auch Baufirmen
zunehmend an Bedeutung gewinnt, zeigt ein aktuelles Projekt im Stadtteil
Weinzierl in Krems. Dort wird in der Weidegasse ein neuer Kindergarten nach den
modernsten ökologischen und energetischen Standards errichtet: Der Entwurf des
L-förmigen, eingeschossigen und barrierefreien Neubaus auf einer Grundfläche von
4.300 m 2 stammt von der architektur krammer gmbh und wird von der Leyrer + Graf
Baugesellschaft m.b.H. umgesetzt.
Besonderer Wert wird bei diesem Projekt mit seinen
1.910 m 2 Nutzfläche auf nachhaltige sowie energieeffiziente
Maßnahmen gelegt. Deshalb kommen bei
der Außenhülle des Kindergartens rund 5.000 Stück
des innovativen sowie nachhaltigen Porotherm Plan
E Ziegels von wienerberger zum Einsatz. Produziert
im oberösterreichischen Werk Uttendorf, weist dieser
aufgrund seines elektrisch betriebenen Brennvorgangs
und einer neuen Rohstoffmischung einen
um 75 Prozent geringeren ökologischen Fußabdruck
als ein Vergleichsprodukt auf und bietet damit eine
zukunftsfähige Lösung für nachhaltige Bauprojekte.
Seit Ende 2024 wird der Porotherm Plan E Ziegel
in Uttendorf unter besonders umweltfreundlichen
Bedingungen hergestellt. Dafür wurde der bisherige
Gasofen zum Brennen der Tonziegel durch den
weltweit größten industriellen Elektroofen für Hintermauerziegel
ersetzt. Dieser Ofen wird vollständig
mit Ökostrom betrieben – ein Teil davon stammt aus
der werkseigenen Photovoltaik-Anlage. Durch seinen
Einsatz verbessert sich die CO 2 Bilanz der Hintermauerziegel
um 75 Prozent. Das entspricht einer Einsparung
von bis zu 7.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr.
wienerberger Österreich
T +43 (0)1 60503-0
office@wienerberger.at
www.wienerberger.at
www.architektur-online.com
Die neue
Elefantenmarke
Die SynthesaGruppe kündigt eine bedeutende
Markenumstellung an: Ab sofort werden
alle Synthesa- und Capatect-Produkte
unter der starken internationalen Marke
Caparol geführt. Diese Vereinheitlichung
und Vereinfachung bringt alle Produkte
unter das bekannte Elefanten-Logo von
Caparol – eine Marke, die für Qualität und
Zuverlässigkeit steht. Mit der Umstellung
werden auch die Marken Danske, Histolith
und Capatect zu Caparol-Produkten.
Mit rund 2900 Produkten, die nun unter
dem Markennamen Caparol laufen, wird die
Marke für alle Handelspartner noch übersichtlicher
und zugänglicher: Caparol wird
als die Produktmarke positioniert, die für
alle Oberflächenlösungen steht.
Synthesa Chemie Gesellschaft m. b. H.
T +43 (0)7262 560-0
office@synthesa.at
www.synthesa.at
125
Produkt News
Schalungs- und Gerüstlösungen, die überzeugen!
Mit PERI setzen Sie auf ein starkes Fundament für Ihre Bauprojekte.
Ob Hochbau, Infrastrukturbau oder Instandsetzung – mit PERI haben
Sie einen Partner, der Ihre Anforderungen versteht und umsetzt.
PERI. Schalungs- und Gerüsttechnik[er] aus Leidenschaft.
Schalung
Gerüst
Engineering
www.peri.at
architektur FACHMAGAZIN
126
Produkt News
Eine Bühne der Mobilität
Im Tiroler Oberland entstand ein Neubau, der die Anforderungen moderner Mobilität
mit architektonischer Klarheit und konstruktiver Präzision verbindet. Der
zweigeschossige Schauraum mit über 1.100 m² öffnet sich großzügig zur Umgebung
und inszeniert Fahrzeuge in einem lichtdurchfluteten Raumgefüge. Direkt
angeschlossen ist eine 1.200 m² große Werkstatt, ergänzt durch separate Bereiche
für Lackierung, Spenglerei und alternative Antriebskonzepte und eine Tiefgarage
mit integriertem Reifenlager auf 1.600 m².
Die Tragstruktur des als Hybridbau aus Holz und
Stahlbeton umgesetzten Gebäudes basiert auf
DELTABEAM® Verbundträgern und Fertigteilstützen,
ergänzt durch die besonders schlanken ATLANT®
Strong Verbundstützen. DELTABEAM® ermöglicht
Spannweiten von bis zu 22 Metern und schafft damit
weitgehend stützenfreie Raumvolumen – bei gleichzeitig
minimaler Bauhöhe von nur 70 cm. Diese Kombination
erlaubt nicht nur architektonische Freiheit,
sondern trägt auch die hohen Lasten des als Parkdeck
genutzten Dachs effizient ab.
Die ATLANT® Verbundstützen schaffen klare
Sichtachsen und verleihen den Innenräumen eine
technische Eleganz, die sich harmonisch in das gestalterische
Gesamtkonzept einfügt. Ein besonderes
Merkmal ist die nahtlose Kombination unterschiedlicher
Deckensysteme: HBV-Decken sorgen im Schauraum
für ein warmes, materialehrliches Ambiente,
während in anderen Bereichen klassische Betondecken
zum Einsatz kommen – funktional und gestalterisch
präzise aufeinander abgestimmt.
Peikko Austria GmbH
T +43 (0)5523 521 210
austria@peikko.com
www.peikko.at
www.architektur-online.com
Digitale Ordnung
statt Datensilos
Tägliche Projektbesprechungen, vielfältige Planungsaufgaben,
enge Fristen – in Architekturbüros
laufen viele Prozesse parallel. Dabei entstehen laufend
neue Daten: von Stundenaufzeichnungen über
Besprechungsprotokolle bis zu Abrechnungsinformationen.
Entscheidend ist, wie diese Daten verarbeitet
und miteinander verknüpft werden. Noch
immer setzen viele Büros auf Excel-Listen, manuelle
Einträge oder einzelne Programme für Teilbereiche.
Diese Lösungen wirken auf den ersten Blick flexibel
– führen aber im Alltag häufig zu Ineffizienz, Datenverlust
oder Abstimmungsproblemen.
Integrierte Systeme, wie untermStrich, setzen genau
hier an: Sie vereinen alle relevanten Funktionen in einer
Plattform – von der Zeiterfassung über das Controlling
bis zur Kommunikation. Daten stehen zentral
zur Verfügung, sind aktuell und kontextbezogen verknüpft.
So wird nicht nur die Projekttransparenz erhöht,
sondern auch die interne Abstimmung deutlich
erleichtert. Für Architekt:innen bedeutet das: fundiertere
Entscheidungen, klarere Abläufe und mehr
Zeit für das Wesentliche – das Planen.
127
untermStrich software GmbH
T +43 (0)3862 58106-0
office@untermstrich.com
www.untermstrich.com
Produkt News
75%
weniger CO2
architektur FACHMAGAZIN
Nachhaltigkeit trifft
Ausschreibungskompetenz
Je früher man im Lebenszyklus ansetzt, umso besser
kann man die ökologischen Eigenschaften eines Bauwerks
positiv beeinflussen. Die ABK-Software unterstützt
diesen Ansatz, indem sie ÖKO-Daten direkt in
Leistungsverzeichnisse integriert. So wird beim Übergang
von der Planungs- in die Ausführungsphase eine
fundierte ökologische Bewertung möglich. Alle relevanten
Leistungen sind im Leistungsverzeichnis vollständig
abgebildet und bilden die Grundlage für lückenlose
Auswertungen im weiteren Bauprozess.
So können dank der ÖNORM-Schnittstelle A 2063 ökologische
Kennwerte reibungslos zwischen allen Beteiligten
im Ausschreibungs- und Abrechnungsprozess
ausgetauscht werden. Und mit dem Modul ABK-ÖkoA-
VA werden bei der Erstellung eines Leistungsverzeichnisses
lückenlos jene Bauleistungen identifiziert, die
beim geplanten Bauvorhaben hohe Umweltbelastungen
verursachen. Gleichzeitig können Alternativen aufgezeigt
werden.
128
ib-data GmbH | ABK Bausoftware
T +43 (0)1 492 5570-0
abkinfo@abk.at
www.abk.at
Produkt News
Deterministische
Intelligenz und BIM
Der neue Regelmanager für das Zusatzmodul zur
grafischen Mengen- und Kostenermittlung BIM2AVA
des AVA- und Baukostenmanagementsystem CaliforniaX
der G&W Software AG erleichtert erheblich
die Automatisierung bei der Verarbeitung von Bauwerksmodellen.
Eine mitgelieferte Standard-Zuordnung
enthält Regeln zur automatischen Filterung
und Gruppierung gleichartiger Bauteile und der Regelmanager
stellt sicher, dass sämtliche Bauteile erfasst
werden.
In die Neuentwicklung flossen viele Kundenanregungen
ein: So können etwa die Anwendenden eigene
Gruppierungsregeln speichern und als alternative
Vorlagen verwenden. So stellt der BIM-Regelmanager
eine große Optimierung dar und ermöglicht die
professionelle und einfache Nutzung von BIM2AVA.
Damit optimiert G&W mit der Version 25 des AVAund
Kostenplanungssystems CaliforniaX auch weiterhin
den BIM-Prozess. In RGBs, die mit einer früheren
CaliforniaX-Version über einen BIM2AVA-Import
erstellt wurden, bleibt die bisherige Arbeitsweise mit
dem Bauteilvariantenfenster unverändert.
G&W Software AG
T +49 (0)89 51506-4
info@gw-software.de
www.gw-software.de
www.architektur-online.com
Mehr Speed für die Planung
Das Update R3 macht aus der Planungssoftware
ELITECAD einen 3D Performance-Champion: Versuchsdaten
zeigen eine bis zu achtfach höhere Geschwindigkeit
beim Arbeiten mit Architekturmodellen in 3D, mit Spitzenwerten
bei Modellen bestehend aus mehreren Baukörpern
mit vielen Details oder Modellierung mittels Freiformen.
Das Update optimiert im 3D-Arbeitsmodus automatisch
die Darstellungsqualität für eine zügige Navigation, flüssiges
Zoomen und effizientes Modellhandling bei vollen
Planungsdetails. Ergänzend zum Performance-Boost und
weiteren Optimierungen bringt das kostenlose ELITECAD
Architecture 17 Update auch einen neuen Textur-Importmanager
zur einfachen, kommerziellen Nutzung von Premium-Texturen.
Alle weiteren Details zur aktuellen Version 17 von
ELITECAD Architecture sowie die Möglichkeit, die Software
30 Tage lang kostenlos und unverbindlich zu testen,
gibt es unter www.elitecad.eu/architecture-17.
XEOMETRIC GmbH
office@xeometric.com
www.elitecad.eu
129
Produkt News
Viele Architekturbüros verlieren Zeit
und Geld durch ineffiziente Abläufe.
Mit untermStrich steuerst du Projekte,
Ressourcen und Finanzen zentral – für reibungslose
Prozesse und wirtschaftlichen Erfolg.
Jetzt Kennenlernvideo anschauen
untermstrich.com/kennenlernen
architektur FACHMAGAZIN
130
edv
Baustellen-Dokumentation
Rationell und rechtssicher dokumentieren
Baustellen-Apps dokumentieren Montageaktivitäten, die aktuelle Situation
vor Ort, Schäden oder Mängel. Einige vereinfachen auch die Mitarbeiterkommunikation
oder das Projektmanagement.
Text: Marian Behaneck
Eine konsequente und lückenlose Baudokumentation
ist für alle Baubeteiligten von
Interesse. Anhand dieser Informationen
und Aufzeichnungen lassen sich Abläufe,
Sachverhalte, Mehrkostenasprüche oder
Streitfragen im Nachhinein klären. Auch
deshalb sieht die ÖNORM B 2110 eine
Dokumentationspflicht der ausgeführten
Bauleistungen vor, präzisiert und stärkt
in der aktualisierten Ausgabe 2023 deren
Bedeutung. Dabei müssen alle Vorkommnisse,
welche die Ausführung der Leistung
wesentlich beeinflussen können, schriftlich
festgehalten werden. Das kann in einem
Baubuch, einem Bautagesbericht oder in
einer anderen Dokumentationsform erfolgen,
die geeignet ist, um alle relevanten
Vorgänge nachvollziehbar aufzuzeichnen.
Allerdings ist die Umsetzung dieser Vorgaben
zeitaufwendig. Mit speziellen digitalen
Baudokumentationslösungen können Planer
und Ausführende den Anforderungen
der ÖNORM mit weniger Aufwand einfacher
nachkommen, Abläufe rationalisieren
und Medienbrüche vermeiden.
Dokumentations-Apps rationalisieren die Erfassung von Zuständen und Aktivitäten vor Ort
oder das Management von Mängeln.
© Philipp Schuster, DocuTools
Wie werden Baustellen digital
dokumentiert?
Eine zeitgemäße, rationelle Baudokumentation
erfolgt heute mit dem Smartphone
oder Tablett und einer App. Dabei werden
alle relevanten Vor-Ort-Informationen per
Foto und Textkommentar digital erfasst und
sofort Projekten, Aufträgen und Beteiligten
zugeordnet. Das erübrigt das nachträgliche
Eintippen, Sortieren, Verorten und Zuordnen
manuell notierter Daten im Büro. Eingabemasken
mit strukturierten Abfragen,
Textbausteine oder eine optionale Spracheingabe
beschleunigen die Datenerfassung
und sorgen dafür, dass man Wichtiges nicht
vergisst. Da bei der Baubuch-, respektive
Bautagesbericht-Erstellung oder Mängelverfolgung
auch Rechtliches und Fristen
zu beachten sind, unterstützt die Software
zudem das Erstellen rechtssicherer Unterlagen
oder die Fristenverfolgung. Neben
Fotos lassen sich auch Pläne oder Dokumente
einbinden, teilweise auch Sprachnotizen
oder Videosequenzen. Fotos können
in ihrer Größe, Helligkeit oder im Ausschnitt
etc. verändert und mit Hinweispfeilen, Maßen
oder Bildkommentaren ergänzt werden.
Wertet die App GPS-Daten der mobilen
Hardware aus, lassen sich Fotos außerdem
geografisch verorten. So lässt sich zuordnen,
was an welcher Baustelle fotografiert
wurde. Aus den erfassten Daten lassen sich
Baubücher, teilweise auch Bautagesberichte
sowie Protokolle oder Mängelberichte
im Firmenlayout generieren und per E-Mail
versenden.
Was können
Baudokumentations-Apps?
Damit Aktivitäten, Abläufe, Bau- oder Montagearbeiten
auf der Baustelle oder an gebäudetechnischen
Anlagen später gegebenenfalls
rechtsverbindlich nachvollzogen
werden können, sollten alle wesentlichen
Leistungen, Lieferungen und Tätigkeiten
sowie die jeweiligen Bedingungen möglichst
vor Ort dokumentiert werden. Erfasst
werden dabei unter anderem Wetterdaten,
anwesende (Sub-)Unternehmen, ausgeführte
Arbeiten, Materialeingänge, Mängel,
Behinderungen, Nachträge, Änderungen,
Baubegehungen, Besprechungs- und Prüfungsergebnisse,
Planübergaben, Aufmaße
oder besondere Vorkommnisse, aber auch
persönliche Notizen und anderes mehr. Daraus
entstehen wertvolle digitale Dokumen-
www.architektur-online.com
131
edv
tationen, die bei Störungen des Bau- und
Montageablaufs oder Anlagenbetriebs, bei
strittigen Fragen, Nachtragsforderungen
oder bei der Ursachenforschung für Schäden,
Mängel oder Terminverzögerungen
wichtige Hinweise liefern können. Die Dokumentationen
können auch für Nachweise
bei der Rechnungsstellung, für die Projektdokumentation,
für spätere Wartungs-,
Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen oder
für die Bewirtschaftung verwendet werden.
Darin enthaltene Informationen zu verwendeten
Materialen, Produkten oder Planungsänderungen
sind dann sehr hilfreich. Cloudbasierte
Dokumentations-Apps bieten die
Möglichkeit, vor Ort erfasste Daten direkt
auf einem plattform-, zeit- und ortsunabhängig
zugänglichen Web-Server abzulegen.
Zugriffsberechtigte Projektbeteiligte
können damit für sie relevante und freigegebene
Berichte jederzeit online einsehen, sich
über den aktuellen Projektstand informieren
und eigene Informationen beisteuern,
was Abläufe erheblich verkürzt. Über eine
Benutzer- und Rechteverwaltung kann der
Administrator bestimmen, wer, welche Anzeige-/Bearbeitungs-,
Upload-/Downloadrechte
erhält. Werden die Daten statistisch
ausgewertet, können Fragen, beispielsweise
zur Dauer einer Mängelbehebung oder zur
Mängelanfälligkeit von Bauteilen oder Leistungen
beantwortet werden.
Welche Mobilhardware ist sinnvoll?
Aktuelle mobile Dokumentationslösungen
nutzen die Vorteile intuitiv bedienbarer
Smartphones oder Tablet-PCs sowie des
Mobile und Cloud Computing. Die unter
den mobilen Betriebssystemen Android
oder iOS laufenden nativen Apps oder
Web-Apps können einfach per Fingergesten
bedient, Vor-Ort-Bedingungen über
die integrierte Fotofunktion dokumentiert
und per Bildschirm-Tastatur oder digitaler
Mobile Doku-Apps ermöglichen eine schnelle Erfassung und Verortung von Mängeln,
die Erstellung von Berichten und vieles mehr. © PlanRadar
Sprachaufzeichnung kommentiert werden.
Ob sich Smartphones oder die größeren
Tablets mit oder ohne Tastatur besser
eignen, sollte jeder für sich entscheiden.
Wichtig ist, dass das Mobilgerät über eine
gute und hoch auflösende Digitalkamera
(ab 12 Megapixel) und über eine gute Display-Helligkeit
verfügt, die insbesondere
bei Dokumentationen in Außenbereichen
eine wichtige Rolle spielt. Welche Hardware
auch bevorzugt wird – sie sollte baustellen-,
respektive outdoortauglich sein oder durch
eine Zusatzausstattung (Gummiarmierung,
Gehäusehülle etc.) robust gemacht werden,
damit Staub und Nässe oder Stürze nicht
zum Problem werden. Bewährt haben sich
spezielle Rugged-Smartphones und Tablets
mit einem robusten Gehäuse. Damit Mängelprotokolle
nach der Erfassung sofort
versandt werden können, ist eine mobile
Internet-Verbindung Voraussetzung. Dann
kann man auch auf Büro- oder Projektdaten
zugreifen und mobil erfasste Daten sofort
mit den Bürodaten abgleichen. u
Wurde ein Problem entdeckt, ist es in wenigen
Minuten per Foto dokumentiert, …
© Gregor Schwarzacher, DocuTools
… per Kurztext beschrieben und kommentiert, im
Plan verortet und den beteiligten Personen und
Gewerken zugeordnet. © Pasit Software
architektur FACHMAGAZIN
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edv
Welche Dokumentations-Apps gibt es?
Inzwischen gibt es zahlreiche mobile Dokumentationslösungen
(siehe Infokasten). Da
jede ihre Schwerpunkte mit unterschiedlicher
Detailtiefe hat, sollte man sich vorher
überlegen, welche Funktionen man konkret
braucht. Manche legen den Fokus auf die
Erstellung von Baubüchern, teilweise auch
Bautagesberichten, andere auf die Mängelerfassung
und Verwaltung. Einige Apps verfügen
über eine integrierte Chat- oder Messenger-Funktion
und ermöglichen damit
eine einfache und dokumentierte Kommunikation
mit Mitarbeitern oder Projektbeteiligten.
Andere Apps können auch Kunden, Aufträge,
Bauzeiten und Ressourcen verwalten
oder Mitarbeiterzeiten erfassen und anderes
mehr. Auch die Software-Konzepte sind
unterschiedlich: Kaufprogramme bestehen
aus einer lokal installierten PC-Software
und einer Kombination mit einer mobilen
Android- oder iOS-App für die Vor-Ort-Erfassung,
was eine halbautomatische Synchronisation
der Mobildaten mit den Daten
des lokalen Büro-PCs/Servers voraussetzt.
Cloud-, respektive SaaS-Lösungen (Software
as a Service), die als Web-App im Webbrowser
laufen, sind plattformunabhängig
und müssen weder aktualisiert werden noch
müssen die Daten vom Anwender synchronisiert
werden – das erfolgt vollautomatisch.
Dafür werden monatliche Nutzungsgebühren
fällig und es sind Mindestlaufzeiten und
Kündigungsfristen zu beachten. Alle Apps
sind kostenpflichtig, einige in der Basisversion
kostenfrei. Die Preise für Kaufprogramme
reichen von ca. 250 bis 2.000 Euro und
mehr pro Lizenz und ca. 20 bis 100 Euro pro
Benutzer und Monat und mehr für Cloudlösungen,
je nach Leistungsumfang. Hinzu
kommen gegebenenfalls einmalige oder laufende
Zusatzkosten für Wartungsverträge
(Kaufsoftware), respektive für die Einrichtung
oder Server-Nutzung (Mietsoftware).
Worauf sollte man achten?
Keine Dokumentations-Software kann alles.
So können nicht alle Fotos im Plan verorten
oder zwischen Planungs-, Material- und
Ausführungsfehlern unterscheiden. Auch
die Erfassungsmasken lassen sich nicht immer
modifizieren, um das Programm flexibel
an individuelle Aufgaben anzupassen – etwa
an wiederkehrende Wartungsarbeiten von
gebäudetechnischen Anlagen. Wichtig ist
auch, welche Funktionen und Automatismen
die Software für die Verwaltung und Auswertung
der vor Ort erfassten Daten bietet.
Auch hier sollte die Software flexibel sein,
damit man sie für die eigenen, individuellen
Anforderungen anpassen kann. Nicht alle
Programme sind ferner in der Lage, Messdaten
– etwa von Laser-Distanzmessgeräten
oder Thermografiekameras – per Bluetooth-
Funkstandard zu importieren. Auch eine
Spracheingabe, bei der Sprachnotizen über
Online-Dienste wie Google Docs etc. bei
vorhandener Mobilfunkverbindung direkt in
Text umgewandelt werden, bieten nur einige
Programme. Entscheidend ist aber, welche
Funktionen für die an die Vor-Ort-Erfassung
anschließenden Arbeitsschritte (Weiterbearbeitung,
Verwaltung, Versand, Auswertung) Firmenlayout erstellen und per E-Mail versenden.
Aus den erfassten Daten lassen sich Berichte im
bietet. Sind Schnittstellen zu ERP-Branchenprogrammen
vorhanden, lassen sich Bau-/
© Weka Media
Montageabläufe und die Auftragsbearbeitung
besser koordinieren und damit weitere
Rationalisierungseffekte erzielen. Wichtig
bei mobilen App-, respektive Cloud-Lösungen
ist, dass sie auch offline funktionieren,
beispielsweise bei schlechtem Mobilfunk-Empfang
im Keller-Technikraum oder in
der Tiefgarage. Wer Büro- und Projektdaten
nicht auf externen Servern speichern will,
sollte den Anbieter nach der Möglichkeit einer
lokalen Datenhaltung fragen. Über einen
Auftragsdatenverarbeitungsvertrag sollte Im Plan verortete Fotos und Textkommentare
man alternativ vereinbaren, dass Anwenderdaten
konform mit der Datenschutzgrundtungen
transparent und nachvollziehbar.
machen Vorgänge, Abläufe oder Mängelbearbeiverordnung
(DSGVO) verwendet werden. • © RIB Software
Einige Programme verarbeiten
auch per Helmkamera aufgenommene
Fotos und erstellen
daraus Foto-Tagebücher.
© PlanRadar
Produkte und Anbieter*
123erfasst (www.123erfasst.at), BauDoc/TecDoc (www.skillsoftware.de),
Baudokumentation smart&easyLive (www.weka-bausoftware.de),
BauMaster (www.bau-master.com), Bautagebuch (www.weise-software.de),
Capmo (www.capmo.com), Cendas (www.cendas.net), Craftnote (www.craftnote.de),
Flexxter (www.flexxter.com), Mydocma RP (www.edr-software.com),
docutools (www.docu-tools.com), Hero Software (www.hero-software.at),
ed Controls (www.edcontrols.com), Kevox (www.kevox.de),
MemoMeister (www.memomeister.com), PlanRadar (www.planradar.com),
Projektdocu (www.projectdocu.com), ProReport (www.gripsware.de),
RIB site (www.rib-software.com)
Weitere Infos*
Meinl, A.W.: Der gestörte Bauablauf und seine Baudokumentation, Diplomarbeit an der
TU Wien, 2023, Download: https://repositum.tuwien.at/handle/20.500.12708/187286
* Ohne Anspruch auf Vollständigkeit
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