Riewekooche 85 WEB
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Heimatbund Siegerland-Wittgenstein e.V.
Riewekooche Mach's gütt!
•
Mundartliches und Heimatliches aus
Siegerland und Wittgenstein
Foto: Heinrich Bruch
Ausgabe 85 – Winter 2025
5. Burgenmarkt begeisterte
Am diesjährigen Tag der Deutschen
Einheit sorgte der Burgenmarkt in
Hainchen erneut für einen stimmungsvollen
Höhepunkt im Veranstaltungskalender
der Region. Rund 3.000 Besucherinnen und
Besucher fanden den Weg zur historischen
Burg, um einen vielseitigen Markt mit Handwerkskunst,
regionalen Spezialitäten und
Mitmachaktionen zu erleben. Der Siegerländer
Burgenverein um den Vorsitzenden Paul
Breuer hatte gemeinsam mit zahlreichen ehrenamtlichen
Akteuren wieder ein attraktives
Programm auf die Beine gestellt. Im Rahmen
des Burgenmarktes feierte der Heimatbund
Siegerland-Wittgenstein sein 30jähriges Bestehen.
Als besondere Jubiläumsaktion gab
es den Siegerländer Mäckes in Weiß, der mit
Unterstützung der Jugendkunstschule kreativ
bemalt werden konnte.
Die 1290 erstmals urkundlich erwähnte
Wasserburg Hainchen ist die einzige Höhenwasserburg
Südwestfalens, die vor dem
kompletten Zerfall bewahrt wurde.
Die weitläufige Parkanlage rund um die
Burg (rund 33.000 m²) lädt zum Spazierengehen,
Verweilen und Entdecken ein.
Weitere Informationen unter:
www.siegerlaenderburgenverein.de
Besuch aus Schwarzenau.
Jubiläums-Mäckes vom Heimatbund.
698 Riewekooche • Mach's gütt Ausgabe 85/2025
En Botze zum Ri-sprenge
Ät gedd veel on de onnerscheedlichste
Grönn neuje Kleerer ze kaufe. Dät ka
bet d'r Morre, bem Aaler or och bet d'r
Ännerong va d'r Figur ze do ha. Egal weröm,
i där Sache han de Fraue on de Männer meist
ähr äjene Asechte.
Bi mir hadde sech de Körberabmässunge
geännert, kurz gesäät, ech wor arich geschrombelt.
Also en drengender Grond dät
aij or anner a Kleerer neuj ze kaufe. Noadäm
min Frau mech schor länger gedrängelt hadde,
aktiv ze wärn on drengend wärnechstens
en neuje Botze ze kaufe – on da en Schiens,
so säät m'r ob bladd for die Allerwält-Jeans,
han ech ändlich zogestemmt.
No moste ech alaij wäje d'm A-basse bet
i e ischläjijes Geschäft goah. Eh ech öwerhaubt
doazo koam, det Mull obzemache, hät
min Frau glich gesäät, ät sölle Schins sin. On
du han ech det ärschte Moa gehort, wieveel
Härställer va där Botzesorte ät get: Wrang-
ler, Mac, Lewis, Mustang on Gardeur elaij he
i däm Laare. Die einzelne Marke son sech im
Schnedd on d'r Qualität onnerschiere. Wie dä
Name Gardeur feel, han min Frau on de Verkäuferin
veelsäende Blecke usgetuscht. Dät
wor m'r schor verdächtich, awer du koam de
Erklärung, beire meinte, dät wör for mech de
bäste Marke, i die Botze könn m'r ri-sprenge,
heeß et. Ech han awer glich gesät, ech well
net i en Botze ri-sprenge, ech well se ob de
öbliche Art on Wies aado. On im Öwerijje
kostet dät Ri-sprenge konn je och noch en
ganze Äcke Gäld me.
Ech moss zogä, gäje die Öwermacht va
zwo Fraue koam och ech trotz langer Diskossioa
net a. Am Än wur de Ri-sprengbotze
gekauft. Ät sall awer keiner glauwe, ech
hädde bis heut en Versooch gemacht, so i die
Botze ze komme, ech bliewe bi dr aal Morre
izestijje. Zum i de Botze risprenge han ech
sowieso känn Knoache me.
Karl Josef Görg, Netphen
Weihnachtslied
Vom Himmel in die tiefsten Klüfte
Ein milder Stern herniederlacht;
Vom Tannenwalde steigen Düfte
Und hauchen durch die Winterlüfte,
Und kerzenhelle wird die Nacht.
Mir ist das Herz so froh erschrocken,
Das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fernher Kirchenglocken
Mich lieblich heimatlich verlocken
In märchenstiller Herrlichkeit.
Ein frommer Zauber hält mich wieder,
Anbetend, staunend muß ich stehn;
Es sinkt auf meine Augenlider
Ein goldner Kindertraum hernieder,
Ich fühl’s, ein Wunder ist geschehn.
Theodor Storm (1817-1888)
Ausgabe 85/2025 Riewekooche • Mach's gütt 699
50 Jahre Heimat- & Verschönerungsverein
Heuslingen-Bottenberg e.V.
25 Jahre Backen nach alter Tradition im Backes Oberheuslingen
Am Sonntag, den 24.08.2025 von 11.00
bis 18.00 Uhr wurde rund um den „Backes“
(Backhaus) in Oberheuslingen
das Jubiläum gefeiert.
Der Heimatverein wurde 1975 gegründet
und bestand anfangs aus 13 Mitgliedern, mit
einem Jahresbeitrag von 50 Pfennig. Heute
hat der Verein 220 Mitglieder aus den drei
Ortschaften, Bottenberg, Oberheuslingenund
Niederheuslingen. Wir bemühen uns
außerhalb und innerhalb der drei Ortschaften
die 48 Ruhebänke und einige Sitzgruppen in
den Orten Instand zu halten und zu pflegen.
Im Frühjahr sorgen wir, mit diversen Blumen
Anpflanzungen, zur Verschönerung der Dörfer.
Im vergangenen Jahr wurde Bottenberg,
beim Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“,
mit Golddorf ausgezeichnet!
Eine große Leidenschaft ist das Backen
von Brot nach alter Tradition, in unserem
Backhaus („Backes“), welches im Jahre 2000
von Mitgliedern in Fachwerkweise gezimmert
wurde. Durch große Nachfrage an den
Backtagen, wurde der Backes durch einen
Vorbereitungs-/Verkaufsraum angebaut und
im Anschluss noch ein Schanzen-Schuppen
gezimmert!
Gemeinschaftliches Treffen in fröhlicher
Runde gehört dazu, um die Zutaten einen
Tag vorher, für den Backtag vorzubereiten.
Seit 2024 sind vier Bäcker mit jahrelanger
Berufserfahrung tätig und backen Schanzenbrot,
Seejerlänner Riewekooche, Kümmelbrot
und ein neues Jubiläums-Brot! Der Sauerteig
wird selbst gezogen, ohne Chemie mit besten
Mehlsorten und Zutaten. Abwechslungsreiche
und saisonbedingte Kuchen werden
ebenfalls an den Backtagen angeboten und
in den Sommer-Monaten findet ein Cafe im
Außenbereich statt. Im September werden
im Backes schon die Christstollen gebacken
und reifen dann, bis zum Verkaufstag Anfang
Dezember, im ältesten Gewölbekeller in
Bottenberg.
Auch wurde in den vergangenen Jahren vor
Weihnachten mit Kindergarten oder Grundschule
Plätzchen gebacken. Der Backes wird
einige Tage vor dem Backtag aufgeheizt,
damit der Steinofen die Hitze speichert. Am
Backtag wird der Ofen dann immer zwischen
den Backvorgängen neu mit Schanzen aufgeheizt,
damit er während des Backvorgangs
die Hitze hält. Dafür benötigen wir, bei sechs
Backtagen im Jahr, cirka 150 Schanzen, die
700 Riewekooche • Mach's gütt Ausgabe 85/2025
im Frühjahr im Hauberg gebunden werden
und 1 Jahr lagern müssen. Um 300 Schanzen
lagern zu können, übernahm der Heimatverein
in den letzten Jahren von den
ehemaligen Dreschgemeinschaften, die alten
Dreschschuppen in Oberheuslingen und Bottenberg.
Der Dreschschuppen in Oberheuslingen
ist mit Hilfe von vielen tatkräftigen
Mitgliedern renoviert worden. Er dient nicht
nur als Lager, denn es ist im Dreschschuppen
gleichzeitig auch ein kleines Museum
entstanden, mit einer alten Schreinerwerkstatt
und vielen alten Siegerländer Handwerkzeugen
und Ausstellungsstücken. Der
Dreschschuppen in Bottenberg ist ebenfalls
komplett renoviert worden und steht kurz vor
der Fertigstellung. Hier wird dann auch ein
kleines Museum entstehen, mit einer alten
Schuster-Werkstatt und vielen Gerätschaften
und Altertümern aus dem Siegerland.
Die Dorfgemeinschaft trifft sich im
Dreschschuppen, der Laternenzug endet für
die Kinder und Familien hier, Open Air Gottesdienst
oder Advents-Treff und der Nikolaus
kommt vorbei.
Eines der Highlight´s im Jahr an Veranstaltungen,
vom Heimatverein, ist das riesige
Osterfeuer, welches seit über 25 Jahren
stattfindet und immer sehr gut besucht ist.
10 Kinder werden ausgelost, die dann mit
Fackeln zum Osterfeuer schreiten und es
anzünden dürfen. Einmal im Jahr findet am
Backes ein Waffelsonntag statt, wo es die
beliebten Riewe-Waffeln von den alten, mit
Holz geheizten, Waffeleisen gibt. Die süßen
Waffeln werden natürlich auch gebacken.
Bei Festzügen beteiligt sich der Heimatverein
mit großer Fußgruppe oder Festwagen.
Auf verschiedenen Veranstaltungen präsentieren
unsere Waschweiber, wie früher die
Wäsche gewaschen wurde.
Der Heimatverein ist Mitglied in der ARGE
der Freudenberger Heimatvereine und Mitveranstalter
der großen Freudenberger
Backes-Tour, die in diesem Jahr am Sonntag,
den 07.09.2025 wieder stattfand. Ebenfalls
ist der Heimatverein Mitglied im Heimatbund
Siegerland-Wittgenstein und im Westfälischen
Heimatbund.
Gesellige Gemeinschaft und Spaß, bei den
vielen Aktivitäten und Veranstaltungen, ist
im Verein eine wichtige Angelegenheit! Trotz
mittlerweile einigen jüngeren Aktivisten/innen,
benötigt der Heimatverein aber weiterhin
neue Helfer/innen, die sich in irgendeiner
Weise einbringen möchten. Sei es im Vorstand,
im Back-Team, bei Aktivitäten oder
bei Veranstaltungen mithelfen können, damit
Traditionen und Gemeinschaft weiterleben
und unsere Dörfer für alle Familien in der
Zukunft lebens- und liebenswert erhalten
bleiben!
Weitere Infos finden Sie unter:
www.heimatverein-heuslingen-bottenberg.de
Karl-Friedrich Loos, Bottenberg
Blick in den Ofen.
Tobias Förster (Mitte) mit Tochter Hayley (11)
und Karl-Friedrich Loos
Ausgabe 85/2025 Riewekooche • Mach's gütt 701
Buchtipp:
Irmgarteichen
ein schönes, lebendiges Dorf
mit viel Tradition und langer Geschichte
Foto: Heinrich Bruch
Irmgarteichen um 1955.
historischen Begebenheiten an, die
in diesem Buch zusammengetragen
wurden und nun erstmalig der Öffentlichkeit
zur Verfügung stehen.
Die ersten Vorbereitungen für das
Buch „Irmgarteichen - ein Siegerländer
Dorf “ liegen über sechs Jahre
zurück. Alte Unterlagen vom Großvater
Leonhard Schmitt und Mutter Anna
wurden hervorgeholt und gesammelt.
Dazu kommen noch über 30.000
Fotodateien auf dem Rechner, die im
Dorf, bei Vereinen und Veranstaltungen
über viele Jahre gemacht wurden.
Das Buch mit 290 Seiten ist ab sofort
erhältlich.
Heinrich Bruch wurde am 5. September
1955 in Netphen-Irmgarteichen geboren. Seine
Eltern Otto und Anna Bruch (geb. Schmitt)
entstammten ebenfalls Irmgarteichener
Familien, die schon mehrere Generationen
im Dorf ansässig waren. Heinrichs Kindheit
war bäuerlich geprägt. Die Familie führte bis
zum Jahr 1971 eine kleine Landwirtschaft im
Nebenerwerb. Nach dem Besuch der örtlichen
Volksschule begann Heinrich eine Berufsausbildung
zum Maschinendreher. Diesen Beruf
übte er über 49 Jahre bis zum Ruhestand
im Jahr 2018 aus. Im Jahr 1989 heiratete
Heinrich Elke Müller aus Siegen- Langenholdinghausen.
Aus dieser Ehe gingen die Kinder
Kathrin (geb. 1991) und Michael (geb. 1993)
hervor.
Die landwirtschaftlich geprägte Kindheit
gepaart mit der Liebe zur Fotografie beeinflussten
Heinrichs Leben. Nachdem er mit
dem Kommuniongeld seine erste Kamera
finanzierte, hielt er fortan insbesondere die
Bräuche und Traditionen, das Vereinsleben
und den dörflichen Jahresablauf in Irmgarteichen
fest. Auch haben Erzählungen von
Großeltern und Eltern, Nachbarn und Verwandten
dazu beigetragen. So sammelte sich
über die Jahrzehnte eine Serie von Fotos und
30,- €, Eigenverlag
erhältlich bei Heinrich Bruch
Koblenzer Str. 33
57250 Netphen-Irmgarteichen
02737 93694
WhatsApp 01 62 / 96 74 016
heinrich_bruch@web.de
702 Riewekooche • Mach's gütt Ausgabe 85/2025
Noachbern ah dr Schneebar
Tradizionell ömmer em Janewar, wenn dr
Schnee usreicht on e besselche „babbich“
es, bout min Noachber en originelle
Schneebar, macht e paar Fläsche Glöhwih
heiß, on fröjjt sech, wenn möchlechst veele
Gäsde ser moal e paar Stonne Zitt nämme
öm werrer moal berrenanger ze schwätze.
Wä noch’n Fläsche Objesadde örrer sösd’n
gore Drobbe em Keller häd, spendiert dän
nadürlech gerne. Dat sorjt för gore Stömmung
am flackernde Füerche, on öwer kale
Fösse beschwert sech och keiner. Dä eine es
froh, darre moal us dm Hus kömmt, wo äm
de Degge o de Kopp fällt, weil hä alt wüerd on
allääng wournt, dä anger es de ganze Woche
beroflech ungerwäjes on häd kum Zitt bet
de Noachbern ze schwätze, weil hä meisdens
erschd em Düsdern noa Heim kömmt. Da si
doa de Froue bet äre kleine Kinger, die och dr
lewe lange Daach bet dän ze do ha, on da es
doa noch os ällster Noachber, dä vör ludder
Rheuma on Wiere em Krüzze kum noch us dm
Hus kömmt. So häd bal jeder en Grond, dat
mr sech zwar kennt on gäjesiddich Gon Dach
säd falls mr sech süd, awer sösd weiß mr kum
wat vananger.
Secher, et es net ze öwerseh’, dat dä Jung
va e paar Hüser wierer en höbsche junge Frou
häd. Awer erschd gösdern noa ohjefähr zwo
drejj Joahrn hanech dt erschdemoal bet däm
Mädche jeschwadd on erfahr’n, dat et wie ech
eh Kassel jeborn es, de Ällern us Nigeria stamme,
on et e akzentfrejjes Dütsch schwätzt.
Noam dredde Glas Glöhwih koam ech bet der
anger junge Frou et Jespräch, froawde wie se
eijendlech heeß, on erfuhr, dat se en russische
Name häd, on och selwer Worzeln doa häd. Mr
süd sech, on weiß doch nix vananger. On da
worne die beire angern bet ärem drejjjöhrije
Enkelche. Ech moß wourl zemlech domm
jeguggt ha, wie se mir sädde, dat är Sohn
doch so alt wör wie dr ose, on no eh dr Stadt
wournt. Lewe Lüh, wozo so’n Oawend ah dr
Schneebar doch all god si ka. Bet minnem diregde
Noachber treffe ech mech jo jede Woche
Sonnoawends zor Bundeslijazitt. Da wüerd
bi ner Fläsche Bier aldemoal wahne dommes
Züch jelellt, weil mir jo alles besser mache
wüere wie die Trainer, die jo sowieso kä Ahnung
vam Fußball ha. Na ja, dat häd och wat,
on es os privates Ritual. Etz neulech moßde dr
Frieder moal oahne mech Fußball gugge. Hä
soaß bet sinner Frou om Sofa, on fröjjde sech
wie de Schalker e Dor schosse, on e ganzer
Höbbel va Speeler sech ob dän Dorschötze
störzde on än sogar küssde.
„Frieder“, sädde sin Frou, „no besech dr dat
emoal, so häst Du mech jo noch nie jeküsst“.
„Du häst jo och noch kä Dor jeschosse“ koam
de korde Antwort. Jede Woche dt selwe Thema,
awer hiddi Jespräche a dr Schneebar, die
hadde doch en ganz angern Gwaledät. Mr es
sech menschlech nöahjer komme, on häd sech
fesde vörjenomme, dat mr demnächst, wenn
mr sech nochemoal ob dr Stroaße begähnt,
net nur flüchdech Gon Dach säd, sondern
ochemoal e paar Minudde stoahbliewt on e
paar persönleche Worde wierselt. Dat häd nix
bet Nöjjschier ze do! Et es zwar schüer on
wechdich, dat mr gäjesiddich dr Husdörschlössel
häd falls moal wat es. Et es och schüer, dat
mr ser gäjesiddich aldemoal e paar Eier örrer e
Stögge Brourt usliernt. Awer dat berrenanger
Schwätze on dat Jeföhl, dat mr sech obenanger
verloaße ka, dat rondet die Sache erschd
af. On wenn dä eine so’n Schneebar, dä anger
e Sommerfest am Gardekamin, örrer wie bi
os de jüngere Lüh alle paar Joahr e Stroaßefest
organisiern, da macht dat Läwe om Dorf
rechdech Spaß, on mr ka vör e paar entspannde
Stonne moal de Finanzkrise, de grourße
Boledig, on de Katastrophe eh dr wiere Welt
vergesse. God, darret Noachbern göd.
Bruno Steuber, Littfeld
Foto: Schmissberg
Ausgabe 85/2025 Riewekooche • Mach's gütt 703
De Glotze eem Däg
Schlächt kaa's em geh, wänn ma goar ze
gliehnich eas, awer groare so schlämm
ärres, wänn ma alles off de lange Bank
schuwwet. On dos woar bei Onnerdärfersch da
Fall, wänn die backe wolle. Die wolle's da ganz
gescheid mache on worde, bäß se all gebacke
harre, da woar da Owe groare rechdech
hääß, on ma brochde ned veel Holz. Bäs edze
woar'n dos äach immer gegleckt, detzmol
awer solls danäwer geh.
Des Kreßdienche had scho beizeire gesäuert
on da Däg woar gud gegange. De ganze
Onnern stonns bahle hännerm Fenster, on
des Herz lachdem em Leib, wännn's soag,
wie de Leure aa Gebund Holz nom annere
bei's Backhaus fuhre. „Heinrech, mer komme
haure gewäß ned veer zaa Oager droh,
nomm da Zeit on dräg ned so veel Holz doronner,
Schustersch honn ewe noch zwee Gebonner
gelangt, die hedze as feer ins med.“
— On da Heinrech woar ganz ääner Manonge
med dem Kreßdienche.
So woarsch Owed woarn. Des Kreßdienche
had dem Heinrech on dä Känne noch extra
gesaad, sie sille em alles ee da Welt de
Hännerdeer zulosse, sost fill da Däg zesome,
on's Brot bleeb hänge. On dos gobs doch ned
beim Kreßdienche! Edze woarn se all hänne
ee da Stowwe on wolle ässe, da woll da des
Kreßdienche ausbräche.
Ee da Keche woar alles stell on donkel.
Awwer off amohl worrres hännerm Haus le-
wandech: „Bst, ehr Jonge, seid ehr do? Adolf,
du mächst de Deer off. Bst, leise! Kimmd do
immed?“ Na, es bleeb alles stell. „Paul, bäste
eem Stall? Höste de Glotze (Glucke)? Da
komm. So, ehr Jonge, edze läft!“
Hännerm Haus woar alles werrer ruhig, die
ee da Stowwe harre nix gesieh on gehord. Aaner
vo dä Jonge konn awer doch ned oa sech
hale, hä räß de Hausdeer off on kräsch horde:
„Gurren Appetit, Kreßdienche“, on ford woare.
Dos häd des Kreßdienche goarned gedoocht,
däss die Jonge eem Dorf so veel Oastand härre
on äm extra „Gurren Appetit“ winschte. Dä
häd äs sowieso immer, awer no olls em derre
Owend ganz besonnersch gud schmäcke. Äß
saßde sech so rechdech gemíedlich hännern
Dösch. Do gobs ee da Keche en Spektakel,
däss ma menn kom, des Haus fill enanner.
„No, wos woar dos da?“ Des Kreßdienche
stonn scho strack hännerm Dösch; äm oahnte
nix gurres. On ee da Keche en Schandal,
als wänn de B r e m e r Stodtmusikante
do wärn. Des Paula woar scho deuße, des
Kreßdienche wie da Wänd hännerm her
baaf, ranndes's med dem Heinrech zesome.
Es meende, da Kobb spreng'm ausenanner.
„Da bass doch off, du Stoffel, kaaste da ned
sieh?“ — „Eem Donkel sei alle Katze grau“,
brommelte da Heinrech on pick sech da
Kobb. „Donnerlädder, wos häst du e hoarde
Kohl- rowe!“ — Dos gob e Horn! E da Keche
kräsche des Paula on des Kreßdienche, wie
704 Riewekooche • Mach's gütt Ausgabe 85/2025
wänn'n immed om Hals wer. Feer Offräjonge
konne se des Licht ned fänne. Dos steckde da
Heinrech zeärscht emohl oa. Edze konn ma
de Bescheringe sieh. So wos woar noch ned
dogewese! Woar doch wahrhafdech de Glotze
medsamt ähre Hinnercher eem Däg!
On de Glotze glotzde, on de Hinnercher
biebte! Da Däg had'n ähre Fledde feste zesome
gebappt. Vo dem Paula seim Gekräsch on
dem Kreßdienche seim Gejoamer worre de
Glotze ganz dawärschd. Med em Ruck räss
se sech aus dem Däg on floag medm lange
Dägschwanz hänner sech groare ees Schesselbred
on vo do dä zwee Weiwesmänscher
strack oa'n Kobb!
Da Heinrech stonn med offenem Maul danäwer,
hä gläbte, hä wer off ner Kermes on
wossde ned, solle lache orrer solle heuln. Zu
allem Unglecke koam noch Schneirersch Frieder
on woll bestänn, däss da des Kreßdienche
ausbräche kinn. Dä soag sei bloes Wonner!
Hä mochde, därre rauskoam, ons doawerte
ned lange, da stonns halwe Dorf veerm Haus
on woll dem Kreßdienche on dem Paula oa
seim Däg hälfe on die gebappte Hinner sieh.
No häd sech jo des Kreßdienche geehrt fiehn
murre, däss des Dorf son Oadäl oa seiner
Backerei noam. Awwer es wossde, wie de
mäßde Leure, des Gurre ned ze schätze. Jo,
es liss sech sogoar drei Doage ned eem Dorf
sieh, on da Heinrech on des Paula konne
sieh, wie se's Brot ellah gebacke kreje.
Wie se no werrer backe mussde, saad's
Kreßdienche zum Heinrech: „Heinrech, on da
brängste rechdech Backholz bei'n Owe, mer
backe da med de ärschte!“
Grete Berthold
Bearbeitet von: Marcel Sänger, Oberndorf
Schnobbezeit
Met kahle Fisse und därchnass
Kam ech kärzlich owends heme,
Haure honn-ech en Kopp wie e Fass
Un sein wackelich uff de Beene.
Schun uffem Ähre, wie ech nieste,
Saht mei Fraa - „A h A!“,
Un beim drätte mul — „en Schnoppe krijeste,
Ma gett net uhne Scharm beim Rah!“
Wos en farchtaliche Schnoppe
Hon ech mer du ehgehannelt!
Ech versüchtes mul met Troppe,
Mei Noose äs schun ganz verschannelt.
Ech kann net riche — krien ke Luft —
de Noose äs wiezügedreckt.
Wenn mei Gorke net baale uffget,
wär ech noch om Kopp varreckt.
Wenn´s endlich flisst wie e Wasserrinn,
Da hot se gehufe de Medizin.
Lacht ju net ewwer mei Gebluse,
Vielleicht schnieft ehr schun morje met.
Wer wes da, wann de ejene Noose
Ewwer ähre Üwwer trett.
Ingrid Achenbach, Berghausen
Bilder: Pixabay
Ausgabe 85/2025 Riewekooche • Mach's gütt 705
Det stomme Glöckche!
Im kleine Dörfche Gressemich,
wo selten wat passiert
do wur met Fleiß on Liebe
det ahle Schöalche renoviert.
Bet Schuffel, Hacke, Hamer, Meißel,
gong mer gäje dat Kapellche vor.
Ohne sich ze wehrn, lees et alles
gedöllich öwer sech ergoh.
Bis endlich da va ämm
det Gereppe nur noch stonn
on det Glockeseil vam Glöckche
bis ob de Er no hong.
Wie m’r meinde, kom so en kleiner Jong doher
on zooch am Seil, dat woar net schwer.
Det Glöckche wimmerte vam Türmche,
als reef et: „Loast mech doch i Row!
Hängt doch hoch det Seil.“
Ob eimol woar det Gebimmel fort.
Kaij Mensch wur flöchtich me im Ort.
Die Jonge wosste all Bescheid.
Det kleine Glöckelche do enn leid.
Det Glöckelche uss dem 18. Jahrhonnert
stammt.
Könn et schwätze, wür et os bestemmt
berechte,
wie et gegosse wur i Affermich
im Fuur va Holzkoahln, Hauberchsholz on
Schanze.
Bi demm Durchenanner passierte et da,
det Glöckelche sollde lüre
nem Erdenbürjer zur letzten Row.
Der Glöckner zoch am Glockeseil
on zoch alles wat hä konn,
awer det Glöckelche blew ganz stell on
stomm.
Bis endlich hä horte ob ze zeh
on guckte ganz bedröckt on reef:
„D’r Glöckeklöppel hann se os geströbbt“.
Wo es dä Klöppel? Hä woar fort
on hong net me a sinnem Ort.
Dät gob enn Offräjung im Ort.
Onn wie die Lü no all do stonne,
do mosste da der Pastor at och noch komme.
D’r Pastor dä schwatte platt onn sähde:
Bi so nem Ömbau kann dat all passiern.
Ech loase i Sinn en annern mache.
Dä neue Klöppel woar da schwinn do.
Onn wie mer dä no itz well iehänge,
do soa mer oawe ob nem Balke
dä ahle läje.
Wä doh oos da dä Schawernack woal ah?
Et wuur gemunkelt, en Zemmermah.
Doch dat woar net ohne Grond.
D’r Glockeschdool woar och om Hond.
So kräj oos Glöckelche och en neue Schdool.
Onn weil sech dät so zogeträd,
wuur det Glöckelche och mol römgedräht.
Onn söll der Klöppel nomoal fähln am Platz,
so han mer dofor en Ersatz.
Va Bohn’s Minche us Gressemich
Foto: Pixabay
706 Riewekooche • Mach's gütt Ausgabe 85/2025
Plattschwätz-Rätsel
Wat es dat?
Hulge
a) dicke Brotschnitte
b) Straße mit Schlaglöchern
c) dicke Hagelkörner
Jibb
a) Jawohl
b) Jäger
c) Jacke
kendsch
a) kindisch
b) kleinlich
c) kleinlaut
Die Auflösung gibt es in der
nächsten Ausgabe!
Texträtsel
Wo es dat?
Ech ha Wasser
onn sinn net nass,
ech ha Fauer
onn sinn net heiss,
ech hänge am Krüzze
on sinn net doort,
ech gälln als Ponder Gold
onn wäijje aij Lot.
Lösungen Ausgabe Winter 2024
Wat es dat: Affegoat = Rechtsanwalt. Kullebatsch = Kaulquappe.
Lure = warten.
Wo es dat?: Altes Kreishaus in Siegen, in den 50er Jahren.
Texträtsel: Kirche.
Ausgabe 85/2025 Riewekooche • Mach's gütt 707
FOTOWETTBEWERB
MEIN SCHÖNSTES HEIMATERLEBNIS
in Siegen-Wittgenstein
Vielen Dank für die zahlreichen Heimatfotos und Berichte.
Wir werden in den nächsten Ausgaben weitere
Beispiele veröffentlichen. Zu Anfang der Beitrag von
Andreas Dietermann aus Anzhausen.
Ich sammle und restauriere seit vielen Jahren
analoge Voigtländer-Kameras - die aktuell
älteste mit Baujahr 1927. Seit ca. 1976
entwickle ich alle meine Schwarzweißfilme
Abzüge selber - entweder als Negativ oder
direkt als SW-Dia, auf Kleinbild, Mittelformat
oder auf Planfilm.
Das beiliegende Foto wurde am 10.12.2022
an einem kalten, nebligen Dezembertag auf
einem Waldweg in Anzhausen als Mittelformat-SW-Dia,
mit
einer Voigtländer Brilliant von
1934, einem Stativ und Drahtauslöser
aufgenommen.
Und genau diese Kombination
macht meine schönsten Heimaterlebnisse
aus:
Aus der Zeit in der Natur
meiner Siegerländer Heimat, mit
einer alten Kamera eine 1/10
Sekunde herauszuschneiden und
mit analoger Handwerkstechnik
zu einem Bild zu entwickeln.
Gerade die sehr langsamen
Abläufe beim Arbeiten mit alten
Kameras, lassen einen umso
mehr die Ruhe und die Schönheit
der Natur unserer Heimat unmittelbar
spüren.
Übrigens freut sich die Redaktion
auch weiterhin über
Heimatgeschichten und Heimatfotos.
708 Riewekooche • Mach's gütt Ausgabe 85/2025
Heimatküche
Die Siegerländer Winterküche ist bodenständig,
herzhaft und wärmend.
In einer Region, die lange von Landwirtschaft,
Bergbau und harter Arbeit geprägt
war, standen einfache, sättigende Zutaten im
Mittelpunkt: Kartoffeln, Kohl, Rüben, Äpfel,
Speck und natürlich Bier. Im Winter wurde
gekocht, was Haus und Vorratskammer hergaben
– nichts wurde verschwendet, alles
hatte seinen Zweck. So entstanden Gerichte,
die bis heute den Charakter des Siegerlandes
widerspiegeln: schlicht, ehrlich und voller
Geschmack.
In dieser Sammlung finden Sie zwölf traditionelle
Rezepte aus dem Siegerland – von
kräftigen Eintöpfen und Broten bis zu süßen
Ofengerichten. Einige tragen noch ihre alten
Dialektnamen wie der „Sejerlänner Riewekooche“
oder die „Biersoabbe“. Diese Küche
wärmt Körper und Seele – und erinnert an die
gemütlichen Wintertage vergangener Zeiten.
Hieraus haben wir für sie zwei Rezepte ausgewählt
und veröffentlichen sie hier.
Dicke Bohnen mit Mettwürstchen
Rübensuppe mit Speck
Ein herzhafter Eintopf, der im Siegerland
an kalten Tagen gerne auf den Tisch
kam.
Zutaten:
500 g Dicke Bohnen
2 Mettwürste
1 Zwiebel
2 Kartoffeln
1 EL Butter
Salz, Pfeffer
Zubereitung:
Zwiebel und Kartoffeln würfeln, in Butter anschwitzen,
Bohnen zugeben und mit Wasser bedecken.
30 Minuten köcheln, dann die Wurst dazu
geben und weitere 15 Minuten ziehen lassen.
Ein bodenständiges Wintergericht
mit Steckrüben, Kartoffeln und
würzigem Speck.
Ein Genuss in der kalten Jahreszeit.
Zutaten:
500 g Steckrüben
400 g Kartoffeln
100 g Speck
1 Zwiebel
Salz, Pfeffer
Majoran
Zubereitung:
Speck auslassen, Zwiebel, Rüben und
Kartoffeln hinzufügen. Mit Wasser auffüllen
und ca. 45 Minuten köcheln lassen.
Ausgabe 85/2025 Riewekooche • Mach's gütt 709
Dat woared
Dusse würred merklich käller,
on Zitt foor lange Onnerbotze.
De Wäsch drüüjjt mr etz om Ollern,
weil – edd würd waarlech nix mee nozze,
wenn mr et dusse noch brobiirt:
dr Sommer hädd woal usstudiert.
Am Hemmel Wendersterne löchde –
allen vorah dr Orion.
De Mardinsgänse sii am bruzzeln,
ed rüchd fa Lettfe bis noa Rom.
Em Kamin a füürche flaggerd,
moorjens sen de Weese wiss
noch es Aafangszitt van Wender
awer Kresdaach kömmd gewiss.
Bruno Steuber, Littfeld
Das Redaktionsteam wünscht allen Leserinnen und
Lesern eine schöne Advents- und Weihnachtszeit und
ein gutes, gesundes neues Jahr 2026.
Mir bedange oos bi dänn Lii,die bi oos de Reklame obgäh!
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Wir freuen uns über Texte, Rezepte, Bilder sowie Anregungen und Fragen. Nehmen Sie
dazu gern Kontakt mit unserer Redaktion auf:
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57223 Kreuztal,
Email: dirk.niesel@t-online.de,
Tel. 0172 / 56 4 5 72 9.
Termine
Sonntag 01. Dezember
11.00-18.30 Weihnachtsmarkt Hickengrundhalle,
Heimatverein Niederdresselndorf e.V.
Samstag 07. Dezember
15.00 Der Nikolaus kommt, , Bürgerhaus Heimatver-
ein Birlenbach e.V., Anmeldung erforderlich
16.00 Weihnachtsmarkt, , An der Kapellenschule
Obersetzen, Heimatverein Setzen e.V.
Dienstag 10. Dezember
18.00 Jahresabschlussessen - Dicke Bohnen & Grün-
kohl, Heimatverein Birlenbach e.V.,
Anmeldung erforderlich
Freitag 13. Dezember
12.00 Weihnachtsmarkt, , Heimatverein Trupbach
e.V., in Kooperation mit der Feuerwehr
16.00-21.00 Adventsmärktchen, , Heimat-verein
Littfeld-Burgholdinghausen e.V.
Samstag 14. Dezember
11.00-21.00 Adventsmärktchen, , Heimat-verein
Littfeld-Burgholdinghausen e.V.
14.00 Weihnachtsmarkt der Ortsvereine, Dielfer
Backesverein e.V.
Weitere Termine lagen bis
Redaktionsschluss nicht vor.
IMPRESSUM
Herausgeber/Verantwortlich: Heimatbund Siegerland-Wittgenstein e.V.,
Koblenzer Straße 73, 57072 Siegen, Telefon 0271/333-2325.
Redaktion: Dirk Niesel, Dieter Tröps. Layout/Druckvorstufe: Nicole Scherzberg.
Für nicht angeforderte Manuskripte kann keine Hauftung übernommen werden.
Eine Veröffentlichungsgarantie wird nicht gegeben.
Alle Einsendungen verbleiben beim Herausgeber und berechtigen diesen zur honorarfreien Veröffentlichung.
Auflage: 1.500 Exemplare. Nachdruck nur mit Genehmigung des Herausgebers.