Leben mit sozialer Verantwortung
Das Magazin zeigt dir, wie Menschen Verantwortung übernehmen und was ihr Engagement bewegt. Du liest Geschichten von Kindern, die ihre Wünsche an die Zukunft teilen. Du erfährst, wie Initiativen, Kinderschutzprojekte oder internationale Hilfsorganisationen Kindern, Familien, Tieren und Gemeinschaften helfen. CSR und Green Lifestyle spielen ebenfalls eine Rolle. Du bekommst Beispiele aus Unternehmen, die nachhaltig handeln und Umwelt- sowie Sozialthemen in ihren Alltag integrieren. Dazu kommen Berichte über Testamentsspenden, die zeigen, wie ein letzter Wille Projekte dauerhaft unterstützen kann. Du lernst Personen kennen, die sich einsetzen. Dazu gehören Ehrenamtliche, Rettungshundeteams oder Künstler wie Bill Kaulitz und Malte Zierden, die sich für Tiere und Vielfalt engagiert. Das Magazin verbindet persönliche Einblicke, Fakten und konkrete Beispiele aus Alltag, Gesellschaft und weltweiten Krisengebieten. Du bekommst einen klaren Überblick, wie Engagement Leben verändern kann.
Das Magazin zeigt dir, wie Menschen Verantwortung übernehmen und was ihr Engagement bewegt. Du liest Geschichten von Kindern, die ihre Wünsche an die Zukunft teilen. Du erfährst, wie Initiativen, Kinderschutzprojekte oder internationale Hilfsorganisationen Kindern, Familien, Tieren und Gemeinschaften helfen. CSR und Green Lifestyle spielen ebenfalls eine Rolle. Du bekommst Beispiele aus Unternehmen, die nachhaltig handeln und Umwelt- sowie Sozialthemen in ihren Alltag integrieren. Dazu kommen Berichte über Testamentsspenden, die zeigen, wie ein letzter Wille Projekte dauerhaft unterstützen kann. Du lernst Personen kennen, die sich einsetzen. Dazu gehören Ehrenamtliche, Rettungshundeteams oder Künstler wie Bill Kaulitz und Malte Zierden, die sich für Tiere und Vielfalt engagiert. Das Magazin verbindet persönliche Einblicke, Fakten und konkrete Beispiele aus Alltag, Gesellschaft und weltweiten Krisengebieten. Du bekommst einen klaren Überblick, wie Engagement Leben verändern kann.
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Leben mit
mit
...
...
SOZIALER
VERANTWORTUNG
Seite 02
Wie wollen wir leben?
Fünf Kinder erzählen,
was sie sich für unsere
Welt wünschen.
Seite 14
Ehrenamt im Wandel –
warum freiwilliges
Engagement heute
wichtiger ist denn je.
Seite 22
Testamentsspende –
Marianne und Renate
schildern, wie ihr letzter
Wille Gutes bewirkt.
Seite 28
„Alles für die Tiere, immer!“,
sagt Malte Zierden
und setzt sich mit Herz
für den Tierschutz ein.
ab Seite 30
CSR und Green Lifestyle –
gelebte Verantwortung für
Mensch, Umwelt und
unsere Zukunft.
Freiheit bedeutet,
etwas zurückzugeben!
Bill Kaulitz spricht über Ruhm, Mitgefühl und
seinen Einsatz für Tiere, Vielfalt und ein neues
Verständnis von Verantwortung.
2
Einleitung
Wie wollen wir leben?
Soziale Verantwortung geht uns alle etwas an! Kinder und Jugendliche sind unsere Zukunft.
Aus diesem Grund haben wir sie gefragt, auf was für einer Welt sie leben möchten.
Ich möchte in einer Welt leben,
in der niemand Hunger haben
muss, und jeder soll genug zu
essen haben. Und niemand soll
traurig sein.
Amina, 7 Jahre
Ich möchte in einer Welt leben,
in der wir alle Tiere gut behandeln.
Kein Tier soll leiden oder
eingesperrt sein. Ich finde, Tiere
sind wichtig, weil sie mit uns
leben und uns Freude machen.
Wenn man ein Tier hat, muss
man gut auf es aufpassen, es füttern
und immer nett zu ihm sein.
Ich will, dass alle Tiere sicher
leben können, draußen in der
Natur oder bei Menschen, die sie
lieb haben.
Noel, 9 Jahre
Ich möchte in einer Welt leben,
in der es kein Mobbing gibt und
niemand ausgeschlossen wird.
Auch nicht, wenn er anders aussieht
oder spricht.
Lea, 11 Jahre
Ich möchte in einer Welt leben,
in der Frieden normal ist. Ich
sehe Bilder auf TikTok, wo Menschen
fliehen oder Angst haben,
und das macht mich traurig. Ich
will, dass Länder zusammenarbeiten
und sich gegenseitig
helfen und sich nicht bekriegen.
Kofi, 13 Jahre
Wir freuen uns sehr, diese
Ausgabe in Zusammenarbeit mit
großartigen Organisationen und
Unternehmen zu veröffentlichen,
die die Gelegenheit nutzen,
Ihnen ihre Arbeit, ihre Projekte
und Produkte vorzustellen.
Gemeinsam möchten wir zeigen,
wie viel Engagement und Hilfe
bewirken können, wenn viele sich
einsetzen. Lassen Sie uns die Welt
gemeinsam zu einem besseren Ort
machen.
Ich möchte in einer Welt leben,
in der Menschen die Natur ernst
nehmen. Es soll weniger Müll
geben, und niemand soll Flüsse
oder Wälder verschmutzen.
Wenn alle ein bisschen bewusster
leben, bleibt unsere Erde
gesund.
Anna-Lena, 14 Jahre
Leben mit ... Magazine Healthcare Mediapartner GmbH | Pariser Platz 6a | 10117 Berlin | www.healthcare-mediapartner.de
Herausgeberin Franziska Manske Redaktionsleitung Benjamin Pank Layout Elias Karberg Coverbild Image Press Agency/Alamy
Druck BNN Badendruck GmbH Kontakt redaktion@lebenmit.de | www.lebenmit.de
Alle Artikel, die mit „in Zusammenarbeit mit“ gekennzeichnet sind, sind gesponserte Beiträge.
Die Texte der Ausgabe schließen alle Geschlechter mit ein. Zur besseren Lesbarkeit wird jedoch nur eine Geschlechtsform verwendet.
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4
Fotos: Die Arche
30 Jahre „Die Arche“
„Wir können nicht
jedes Kind retten – aber
jedes Kind, das bei uns
lacht, ist ein Gewinn“
Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit
umgesetzt.
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Mehr auf www.lebenmit.de | 5
Berlin-Hellersdorf, Frühjahr 1995. Ein leerer Jugendclub. Ein junger Pastor, ein Topf mit Nudeln,
Tomatensoße und eine Handvoll Kinder. Daraus entsteht ein Werk, das heute zu den
bekanntesten Hilfsorganisationen Deutschlands zählt: Die Arche – Christliches Kinderund
Jugendwerk e. V. Bernd Siggelkow, damals Jugendpastor, sah Kinder, die mit leeren
Brotdosen zur Schule gingen, ohne Mittagessen und ohne Ansprechpartner. Er handelte.
„Ich wollte, dass Kinder spüren, dass sie wertvoll sind“, sagt er heute. Drei Jahrzehnte
später zieht er Bilanz – und die fällt ernüchternd aus. „Die Kinderarmut in Deutschland hat
sich seitdem verdreifacht. Wir haben es nicht geschafft, die Ursachen zu bekämpfen.“
Vom Kellerraum zum bundesweiten Netzwerk
Was mit wenigen Tellern Nudeln in Berlin-
Hellersdorf begann, ist heute ein bundesweites
Netzwerk mit mehr als 30 Standorten.
In Berlin, Hamburg, München, Düsseldorf,
Leipzig, Bremen, Potsdam und vielen weiteren
Städten arbeiten haupt- und ehrenamtliche
Teams täglich mit Kindern aus sozial belasteten
Familien. Mehr als 5.000 Kinder und
Jugendliche besuchen regelmäßig eine Arche.
Sie essen dort, machen Hausaufgaben,
lernen Instrumente, spielen Fußball, reden
über Sorgen. Familien erhalten Beratung,
Lebensmittelpakete oder Unterstützung bei
Behördenangelegenheiten. Rund eine Million
kostenlose Mahlzeiten werden jedes Jahr
ausgegeben. In der Coronazeit betreute die
Arche allein in Berlin 1.600 Familien, lieferte
30.000 Lebensmittelpakete aus und stellte
digitale Lernangebote bereit. „Wir ersetzen
keine Eltern und keinen Staat. Wir zeigen,
dass jedes Kind zählt“, sagt Siggelkow.
Ein Spiegel der Gesellschaft
Die Arche ist mehr als eine Hilfsorganisation.
Sie ist Gradmesser sozialer Realität. Fast
jedes fünfte Kind in Deutschland lebt laut
Statistischem Bundesamt in Armut oder ist
davon bedroht. In Großstädten wie Berlin,
Bremen oder Leipzig liegt die Quote deutlich
höher. Für viele Familien reicht das Einkommen
kaum für Miete, Kleidung und Essen.
Die Folgen sieht man in den Einrichtungen:
Kinder, die hungrig kommen, mit Lernrückständen
kämpfen und zu Hause keinen eigenen
Platz zum Lernen haben. „Wir haben
Fünftklässler, die sagen: ‚Wenn ich erwachsen
bin, werde ich Bürgergeldbezieher.‘ Das
zeigt, wie tief die Hoffnungslosigkeit sitzt“,
sagt Siggelkow. Die Arche versucht, diese
Kinder zu stärken – mit Bildung, Vertrauen
und Gemeinschaft. Sie gibt Nachhilfe, organisiert
Sport- und Musikangebote, schafft
stabile Beziehungen. „Was vielen fehlt, ist
nicht Geld, sondern Perspektive und Würde“,
sagt der Gründer.
Kein Kind darf hungrig
ins Bett gehen.
Kein Kind darf ohne
Hoffnung aufwachsen.
Wenn wir das
akzeptieren, verlieren
wir unsere Menschlichkeit.
Pastor Bernd Siggelkow
Gründer und Leiter der Arche
Eine 30-jährige Bilanz
Seit 1995 hat die Arche Zehntausenden
Kindern geholfen. Sie hat unzählige Schulabschlüsse
ermöglicht, Ausbildungsplätze
vermittelt und Familienkrisen abgefedert.
Viele ehemalige Arche-Kinder arbeiten heute
selbst als Pädagogen oder Sozialarbeiter
in den Einrichtungen. Doch Siggelkow bleibt
kritisch: „Wir feiern kein Märchen. Wir feiern
30 Jahre Überlebenshilfe. Der Erfolg der
Arche zeigt den Misserfolg der Gesellschaft.“
Er fordert ein entschlosseneres Handeln der
Politik. „Kinderarmut ist kein Randthema,
sie zerstört Zukunft. Wir brauchen echte Bildungsgerechtigkeit,
weniger Bürokratie und
eine Familienpolitik, die bei den Kindern
ankommt.“
Neue Herausforderungen
Die Arche steht heute vor neuen Aufgaben.
Migration, Wohnungsknappheit und steigende
Lebenshaltungskosten treffen viele
Familien hart. In manchen Einrichtungen
sind über 80 Prozent der Kinder auf Sozialleistungen
angewiesen. Deshalb richtet
die Arche ihre Arbeit neu aus. Neben den
klassischen Angeboten setzt sie stärker auf
Sprachförderung, berufliche Orientierung
und Elternarbeit. „Wir wollen Kinder nicht
nur auffangen, sondern befähigen“, sagt
Siggelkow. Auch digitale Bildung spielt eine
wachsende Rolle. Tablets, Lernräume und
Nachhilfeangebote sollen Kindern den Zugang
zu digitalem Lernen erleichtern.
Drei Jahrzehnte Engagement
Im Jubiläumsjahr 2025 steht die Arche im
Fokus. Zahlreiche Städte veranstalten Feste,
Gottesdienste und Benefizaktionen. Unterstützer,
Prominente und ehemalige Kinder
erzählen ihre Geschichten. Siggelkow nutzt
die Aufmerksamkeit, um den Kern seiner
Botschaft zu wiederholen: „Kein Kind darf
hungrig ins Bett gehen. Kein Kind darf ohne
Hoffnung aufwachsen. Wenn wir das akzeptieren,
verlieren wir unsere Menschlichkeit.“
Auch nach 30 Jahren ist die Arche nicht
müde geworden. Jeden Tag kochen Mitarbeiter
Mahlzeiten, hören Kindern zu, helfen
Eltern beim Ausfüllen von Formularen, organisieren
Ferienfreizeiten. Alles finanziert
durch Spenden. Rund 90 Prozent der Mittel
stammen von Privatpersonen, Kirchen und
Unternehmen. Siggelkow weiß: „Wir können
nicht jedes Kind retten. Aber jedes Kind, das
bei uns lacht, ist ein Gewinn“..
Jedes Kind braucht Chancen. Die Arche
lebt davon, dass Menschen Verantwortung
übernehmen. Sie können helfen,
dass Kinder satt werden, lernen und
Hoffnung bekommen. Spenden Sie
einmalig oder regelmäßig für warme
Mahlzeiten, Nachhilfe oder Ferienangebote.
Überehmen Sie eine Patenschaft
für ein Kind oder engagieren Sie sich ehrenamtlich
in einer Arche in Ihrer Nähe.
Erzählen Sie anderen von der Arbeit der
Arche und machen Sie sichtbar, was
möglich ist, wenn Menschen hinsehen
und handeln. Mehr Infos finden Sie
unter: www.kinderprojekt-arche.de
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6
Fotos: Derrik MCKinney, Giusi Borrasi
Wenn das Zuhause kein
sicherer Ort mehr ist
In vielen Städten Afrikas, Asiens oder Lateinamerikas gehören Kinder, die auf der Straße
leben, längst zum Stadtbild. Sie schlafen unter Vordächern, auf Märkten oder an Bushaltestellen.
Manche verkaufen Kleinigkeiten, andere waschen Autoscheiben oder betteln.
Sie fallen auf, doch ihre Geschichten bleiben meist ungehört.
Redaktion Leonie Zell
Kein Kind entscheidet sich freiwillig
für dieses Leben. Dahinter
steht fast immer ein
Zuhause, das nicht mehr trägt.
Oft sind es Armut, Gewalt
oder der Verlust eines Elternteils,
die Kinder in die Straßen treiben. Wenn
Eltern sich trennen oder mit dem täglichen
Überleben überfordert sind, geraten Kinder
schnell aus dem Blick. Sie fühlen sich allein,
ungeliebt oder überflüssig – und gehen. Für
viele ist die Straße zunächst ein Ort der Freiheit.
Niemand schreit, niemand schlägt. Doch
das Gefühl hält nicht lange. Schon nach wenigen
Tagen beginnt der Kampf ums Überleben.
Es gibt keinen regelmäßigen Schlafplatz,
kein sauberes Wasser, keine Sicherheit. Wer
hier lebt, lernt früh, sich zu verteidigen und
zu misstrauen. Besonders Mädchen sind gefährdet,
viele werden Opfer von Übergriffen
oder Ausbeutung. Fast alle träumen davon,
eines Tages zurückzugehen – in ein Leben mit
Struktur, Schule und Familie. Doch der Weg
dorthin ist schwierig. Wer lange auf der Straße
war, hat Vertrauen verloren, in Erwachsene, in
Autorität, in Stabilität. Es braucht Menschen,
die bereit sind. zuzuhören und langsam eine
Verbindung aufzubauen. Der erste Schritt
ist fast immer, die Gründe zu verstehen. Kinder
laufen nicht weg, weil sie abenteuerlustig
sind, sondern weil sie sich bedroht oder vergessen
fühlen. Wer helfen will, muss genau
dort ansetzen. Es geht darum, zu erkennen,
was zu Hause passiert ist, und gemeinsam zu
überlegen, wie ein Neubeginn aussehen kann.
Manchmal heißt das, Konflikte in der Familie
aufzuarbeiten, manchmal, Eltern zu unterstützen,
die selbst am Limit leben.
In der Arbeit mit Straßenkindern spielt Zeit
eine zentrale Rolle. Niemand kehrt von heute
auf morgen zurück. Vertrauen wächst langsam.
Es beginnt mit kleinen Dingen – einer
Mahlzeit, einem Gespräch, einem sicheren
Schlafplatz. Dann folgen feste Tagesabläufe,
Schule, Verantwortung. Kinder lernen wieder,
Regeln zu akzeptieren und Ziele zu haben.
Doch ebenso wichtig wie die Betreuung der
Kinder ist die Begleitung der Eltern. Viele Väter
und Mütter lieben ihre Kinder, wissen aber
nicht, wie sie Zuneigung zeigen oder Grenzen
setzen sollen. Wenn sie lernen, anders
zu reagieren – ohne Gewalt, mit Geduld und
Verständnis –, kann aus Distanz wieder Nähe
werden.
Der Weg zurück in ein stabiles Familienleben
ist nie geradlinig. Manche Kinder kommen zurück
und laufen wieder fort. Andere brauchen
Jahre, bis sie bleiben. Doch jeder Schritt zählt.
Entscheidend ist, dass niemand aufgibt – weder
die Kinder noch die Erwachsenen, die sie
begleiten. Was am Ende bleibt, ist die Erkenntnis:
Kein Kind verlässt ein Zuhause, in dem es
sich sicher und verstanden fühlt. Wenn wir
über Straßenkinder sprechen, müssen wir
auch über die Familien sprechen, aus denen
sie kommen – über Armut, Überforderung
und den Mangel an Unterstützung. Erst wenn
diese Ursachen angegangen werden, haben
Kinder die Chance, dort zu bleiben, o sie sein
sollten: zu Hause . Doch ein Zuhause ist mehr
als Wände und ein Dach. Es ist der Ort, an dem
Kinder lernen, wer sie sind und dass sie wichtig
sind. Wenn dieses Vertrauen verloren geht,
verlieren sie auch den Halt. Es wiederzufinden,
braucht Zeit, Geduld und Menschen, die
an sie glauben..
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Kindsein heißt:
blaue Flecken
vom Bolzplatz.
Nicht von Zuhause.
kindernothilfe.de/kindsein
8
Fotos: ChildFund
Wandel durch Wasser:
Jeder Tropfen zählt
„Wasser bedeutet Leben“ – so formuliert es der 15-jährige Dickson aus Kenia. Für uns
in Deutschland ist es eine Selbstverständlichkeit, dass aus dem Wasserhahn sauberes
Wasser kommt, wenn wir es brauchen. Doch das ist nicht überall auf der Welt so. Wie
etwa im Kajiado-Bezirk in Kenia.
Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit
Dort lebt Dickson mit seiner Familie
in einem kleinen Dorf.
Um überhaupt an Wasser zu
gelangen, musste er früher
gemeinsam mit den anderen
Kindern lange Fußmärsche
auf sich nehmen. „Jeden Tag mussten wir eine
lange Strecke zu einem Bach weit außerhalb des
Dorfes gehen, etwa drei Kilometer entfernt“, erinnert
er sich. „Dort mussten wir uns das Wasser
mit Wildtieren und Vieh teilen. Alle haben an
derselben Stelle getrunken.“
Das Wasser aus dem Fluss war verschmutzt, verseucht
und voller Parasiten. Trotzdem war es die
einzige Wasserquelle, die den Dorfbewohnern
umgesetzt.
zur Verfügung stand. Viele Menschen wurden
davon krank – auch Dickson: „Einmal war ich
sogar so krank, dass ich eine Woche lang im Bett
liegen musste und nicht zur Schule gehen konnte.“
Mittlerweile hat sich in seiner Gemeinde durch
unsere Arbeit viel geändert. Wir von ChildFund
Deutschland sind seit vielen Jahren in Kenia und
über 30 weiteren Ländern aktiv und setzen uns
vor Ort unter anderem für eine bessere Ernährungs-
und Wassersicherheit ein. So auch im Kajiado-Bezirk.
Dort haben wir einen Brunnen mit
Bohrlochsystem gebaut und Wasserleitungen
installiert. „Das hat unsere Gemeinde völlig verändert“,
freut sich Gemeindevorsteher Joseph.
„Bevor das saubere Wasser kam, hatten wir mit
vielen Problemen zu kämpfen.“
Doch jetzt profitieren die gesamte Gemeinde
und vor allem auch die Kinder in der Schule vom
sauberen und sicheren Wasser. „Täglich holen
sich hier jetzt etwa 1.500 Menschen ihr Wasser –
von morgens bis abends“, erklärt Joseph. Und das
ohne lange Wege, ohne Gefahren und vor allem
ohne vom Wasser krank zu werden. „Heute können
wir unser Wasser ohne Angst trinken. Das
ist ein tolles Gefühl!“, betont auch Dickson. Da
er und die anderen Kinder nun nicht mehr täglich
mehrere Stunden zum Fluss unterwegs sind,
können sie nun regelmäßig die Schule besuchen.
Der Grundstein für eine bessere Zukunft.
Mehr auf www.lebenmit.de | 9
Doch das saubere Wasser bedeutet nicht nur,
dass die Familien gefahrlos trinken, kochen
und sich waschen und ihre Kinder zur Schule
gehen können. Der Zugang zum Wasser, den
wir für die kenianischen Gemeinschaften schaffen,
ist auch die Grundlage für eine gesicherte
Ernährung.
Denn viele der Familien leben von den Nahrungsmitteln,
die sie selbst anbauen. Doch
durch den Klimawandel bleiben vielerorts die
Regenzeiten aus, wodurch Felder vertrocknen
und ganze Ernten verloren gehen. Für Familien
wie die von Dickson bedeutet das weniger
Nahrung, ein geringeres Einkommen und eine
wachsende Unsicherheit darüber, wie sie insbesondere
ihre Kinder ernähren können.
Durch unser Engagement für eine gesicherte
Wasserversorgung können die Familien nun
selbst in besonders trockenen Monaten regelmäßig
ihre Felder bewässern, Gemüse und
Obst anbauen und Nutztiere wie Hühner oder
Ziegen versorgen. Dank der dazugewonnenen
Zeit, die vorher zum Wasserholen verwendet
wurde, können die Familien sich besser um ihre
kleinen Landwirtschaften kümmern und höhere
Ernteerträge erzielen.
So entsteht ein positiver Kreislauf aus einer sicheren
Ernährung, Gesundheit und Eigenständigkeit.
Die Geschichte von Dickson und seiner
Sauberes Wasser
bedeutet Gesundheit,
Bildung und
Zukunft.
Marie Sophie Röder
ChildFund Deutschland
Dorfgemeinschaft ist nur eine von vielen, die
zeigt, dass die richtige Unterstützung Leben verändern
kann. Nach dem Prinzip der Hilfe zur
Selbsthilfe, das bereits seit unserer Gründung
im Jahr 1978 die Grundlage unserer Arbeit bei
ChildFund Deutschland darstellt, wächst so aus
jedem Tropfen Wasser ein Stück Zukunft.
Nachhaltig Zukunft schaffen bedeutet für uns,
Strukturen zu schaffen, die auch kommenden
Generationen eine gesicherte Versorgung und
ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Die
Umsetzung unserer Projekte führen wir daher
in enger Zusammenarbeit mit unseren lokalen
Partnerorganisationen vor Ort durch und stellen
so sicher, dass unsere Unterstützung langfristig
nachhaltige Veränderungen erzielt.
„Am Beispiel von Dicksons Familie lässt sich gut
erkennen, wie der Zugang zu sauberem Wasser
ganze Existenzen grundlegend zum Positiven
verändern kann. Mit unserer Arbeit setzen wir
uns weltweit dafür ein, die notwendige Unterstützung
für Kinder und ihre Familien sicherzustellen
und ihre Zukunft aktiv zu verbessern“,
betont Marie Sophie Röder, Teamleitung für
Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika bei
ChildFund Deutschland.
Zusammen mit einer engagierten Gemeinschaft
aus Partnern und Unterstützenden können
wir Erfolgsgeschichten wie die von Dickson
möglich machen. Und so unter anderem
den weltweiten Zugang zu Ernährung und
Wasser fördern. Wir freuen uns, wenn auch
Sie Teil unseres Engagements für Kinder und
Familien in Not werden!.
Schon mal einen
Schluck Zukunft
geschenkt?
Wir ermöglichen sauberes Wasser. Mit Ihnen!
Wir von ChildFund Deutschland setzen uns weltweit für bessere Zukunftschancen von Kindern ein. Seit 1978.
Unterstützen Sie unsere Projekte in den Bereichen Bildung, Ernährung, Existenzförderung und Kinderschutz.
Direkte Spende:
Postbank Stuttgart | BIC: PBNKDEFF
IBAN: DE61 6001 0070 0001 7107 02
Stichwort: Wasser & Ernährung
Online Spende:
www.childfund.de/kenia-wasser
10
„Hunger ist kein Naturgesetz,
es ist eine Frage der Verteilung“
Hunger betrifft heute mehr Menschen als noch vor zehn Jahren. Laut Vereinten Nationen
hat sich die Zahl der chronisch Unterernährten seit 2015 wieder deutlich erhöht.
Kriege, Klimawandel und steigende Lebensmittelpreise treffen vor allem die Ärmsten.
Dabei gäbe es genug Nahrung, um alle zu versorgen. Warum es trotzdem an gerechter
Verteilung fehlt und welche Lösungen es gibt, erklärt Dr. Lukas Reinhardt, Experte für
globale Ernährungssysteme, im Gespräch.
allem in ländlichen Regionen mit schwacher
Infrastruktur.³
Dr. Lukas Reinhardt
Ernährungswissenschaftler mit
Schwerpunkt Welternährung
Herr Dr. Reinhardt, laut UN hungern weltweit
wieder mehr Menschen. Woran liegt
das?
In den letzten Jahren haben Konflikte, Klimakrisen
und steigende Lebensmittelpreise die
Lage verschärft. Laut FAO sind derzeit über
735 Millionen Menschen chronisch unterernährt.¹
Das ist fast jeder zehnte Mensch auf
der Erde. Dabei gäbe es genug Nahrung für
alle. Das Problem ist, dass sie ungleich verteilt
ist und Millionen Menschen keinen Zugang
zu gesunden Lebensmitteln haben.
Welche Regionen sind besonders betroffen?
Am stärksten leiden Ostafrika, der Nahe Osten
und Teile Südasiens. In Ländern wie Somalia,
Äthiopien oder dem Sudan führen
Dürren, politische Instabilität und hohe Abhängigkeit
von Importen zu Hungerkrisen.²
In Subsahara-Afrika ist jedes fünfte Kind
chronisch mangelernährt.¹ Das wirkt sich auf
die Entwicklung, die Bildungschancen und
die Lebenserwartung massiv aus. Auch in Teilen
Lateinamerikas und Südostasiens nimmt
die Ernährungsunsicherheit wieder zu, vor
Wie groß ist der Einfluss des Klimawandels?
Sehr groß. Extreme Wetterereignisse wie Dürren,
Überschwemmungen oder Stürme zerstören
Ernten, erhöhen Lebensmittelpreise
und treiben Menschen in Armut. Nach Angaben
des Weltklimarats IPCC sinken die Ernteerträge
in besonders heißen Regionen bereits
um bis zu 30 Prozent.⁴ Wer ohnehin am Existenzminimum
lebt, dentrifft das am härtesten.
Welche Verantwortung trägt der globale Norden?
Eine erhebliche. Länder mit hohem Einkommen
sind nicht nur Hauptverursacher der
Klimakrise, sie profitieren auch von einem
Handelssystem, das Kleinbauern im Süden
benachteiligt.² Etwa 70 Prozent der weltweit
Armen leben in ländlichen Regionen und arbeiten
in der Landwirtschaft.¹ Faire Handelsbedingungen,
Investitionen in nachhaltige
Anbaumethoden und der Abbau von Subventionen
wären zentrale Schritte.
Was hilft langfristig gegen Hunger?
Nothilfe ist wichtig, löst aber keine strukturellen
Probleme. Entscheidend sind Investitionen in
lokale Landwirtschaft, Bildung und Infrastruktur.
Programme, die Frauen stärken, sind besonders
wirksam. Studien zeigen, dass Kinder
in Haushalten mit gebildeten Müttern deutlich
seltener unterernährt sind.¹ Auch Ernährungssicherheitspolitik
muss lokaler gedacht
werden. Weniger Abhängigkeit von Importen,
mehr regionale Produktion.
Welche Rolle spielt Verschwendung?
Eine riesige. Rund ein Drittel aller weltweit produzierten
Lebensmittel landet im Müll.⁵ Das
entspricht etwa 1,3 Milliarden Tonnen pro Jahr.
Allein in Europa werden pro Kopf fast 100 Kilogramm
Lebensmittel jährlich weggeworfen.⁵
Wenn wir nur die Hälfte dieser Menge retten
Wenn wir Ressourcen
gerechter verteilen
und Verantwortung
ernst nehmen, kann
die Weltgemeinschaft
Hunger bis 2030 tatsächlich
überwinden.
würden, könnten laut FAO 800 Millionen Menschen
ernährt werden.¹
Was kann jeder Einzelne tun?
Bewusst einkaufen, weniger verschwenden,
saisonal essen und Projekte unterstützen, die
Ernährungssicherheit fördern. Noch wichtiger
ist politischer Druck. Wir müssen Regierungen
und Unternehmen daran erinnern, dass Hunger
kein Schicksal ist, sondern ein politisches
Versagen.
Was macht Ihnen Hoffnung?
Immer mehr junge Menschen engagieren sich
für nachhaltige Ernährungssysteme. Lokale
Initiativen, urbane Landwirtschaft oder Bildungsprojekte
zeigen, dass Veränderung möglich
ist. Hunger ist kein Naturgesetz. Wenn wir
.
Ressourcen gerechter verteilen und Verantwortung
ernst nehmen, kann die Weltgemeinschaft
Hunger bis 2030 tatsächlich überwinden.
Quellen: ¹ FAO, The State of Food Security and Nutrition in
the World 2024, ² Welternährungsprogramm (WFP), Global
Report on Food Crises 2024, ³ UNDP, Human Development
Report 2024, ⁴ Weltklimarat (IPCC), AR6 Synthesis Report
2023, 5 UNEP, Food Waste Index Report 2024
Redaktion Leonie Zell
11
Fotos: World Vision
Mit einem vollen Teller
Zukunft schenken
Eigentlich würde es für alle reichen – warum haben dann so viele Kinder und Familien
viel zu wenig zu essen? Die Kinderhilfsorganisation World Vision leistet Hilfe vor Ort und
setzt sich dafür ein, dass Kinder langfristig dem Hunger entkommen können.
Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit
umgesetzt.
Tatsächlich gibt es insgesamt
genug Nahrung und Geld auf
der Welt. Es ist nur nicht gerecht
verteilt. Die Folge: Millionen
Kinder sind vom Hunger
betroffen und leiden an
akuter Mangelernährung. Ihnen fehlen die
Nährstoffe für ein gesundes Aufwachsen.
Der vierjährige Ekai aus Kenia ist einer von
ihnen.
Was es heißt, nicht genug zu haben
Die anhaltende Dürre hält Kenia seit Jahren
in Atem. Besonders in der nordwestlichen
Region Turkana hat die Wasserknappheit
den vorherrschenden Hunger massiv verschärft
und zu bedrohlicher Nahrungsmittelknappheit
geführt. Wer in dieser unwirtlichen
Gegend lebt, bewegt sich am äußersten
Limit der Belastbarkeit.
Die Schlange an der Essensausgabe der örtlichen
Schule ist lang. Sehnsüchtig wartet Ekai
auf seine einzige Mahlzeit des Tages. Fürs
Spielen bleibt dem kleinen Jungen kaum
Kraft. Denn Ekai ist akut mangelernährt,
ihm fehlen die Nährstoffe für ein gesundes
Aufwachsen. So wie ihm geht es laut Welternährungsorganisation
über 40 Millionen
Kindern unter fünf Jahren. Das ist jedes 15.
Kind in diesem Alter weltweit.
World Vision betreibt an der Schule eine
Hilfsstation, in der Menschen aus den umliegenden
Dörfern Essen und medizinische
Versorgung erhalten. Ekai kommt regelmäßig
mit seiner Mutter hierher. „Als wir zum ersten
Mal kamen, war er so schwach, dass er nicht
einmal laufen konnte“, erzählt seine Mutter.
In der Hilfsstation erhält Ekai eine warme
Mahlzeit sowie therapeutische Ergänzungsnahrung,
damit er bald wieder ein gesundes
Gewicht erreicht. Hilfe, die sein Leben rettet.
Mehr als eine Portion Hoffnung
Während Ekai seine wichtige Ration Aufbaunahrung
erhält, prüft eine Mitarbeiterin seinen
Gesundheitszustand. Sie ist zufrieden
mit Ekais positiver Entwicklung. Das freut
auch seine Mutter: „Jetzt geht es ihm schon
viel besser.“ Damit sie Ekai auch zu Hause
ausgewogen ernähren kann, finden in der
Hilfsstation Kochkurse statt, in denen Eltern
lernen, mit einfachen Zutaten nahrhafte
Speisen zuzubereiten. Das Ziel der ganzheitlichen
Maßnahmen ist, dass die Menschen
bald nicht mehr auf Hilfe angewiesen sind.
Denn Hilfsstationen wie jene in Turkana sind
nur ein erster Schritt in der Not der Hungerkrise.
Damit Kinder nachhaltig satt und gesund
aufwachsen können, stärkt World Vision ganz
gezielt die Familien und Gemeinschaften, in
denen sie leben. Ein Beispiel: Schulungen
für klimaresiliente Anbaumethoden und verlässliche
Ernteerträge. Während die Eltern so
dabei unterstützt werden, ihr Einkommen zu
erhöhen, gehen die Kinder in die Schule, wo
sie auch Mittagessen erhalten. .
Als größter Partner des Welternährungsprogramms
der Vereinten Nationen
setzt sich World Vision mit aller
Kraft dafür ein, dass jedes Kind satt
wird und gesund aufwächst. Schon
heute erhält alle 60 Sekunden ein
hungriges Kind eine Mahlzeit. Doch
das reicht noch nicht. Kinder wie Ekai
brauchen jetzt Hilfe. Damit es endlich
für alle reicht.
Spenden Sie heute:
www.worldvision.de/es-ist-genug
12
Fotos: CBM
Der gefährlichste
Beruf der Welt?
Krisen, wohin man sieht, und zugleich eine Bundesregierung,
die die Mittel für humanitäre Hilfe gekürzt hat.
Zu Weihnachten erinnert die Christoffel-Blindenmission
(CBM) an die Menschen, die weltweit ihr Leben riskieren,
um in Krisenregionen wie dem Südsudan den Menschen
beizustehen. Ein Interview mit dem Sicherheitsexperten
der Christoffel-Blindenmission Tom van Herwijnen zur
Lage im Südsudan.
Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit der
umgesetzt.
Herr van Herwijnen, Sie waren kürzlich im
Südsudan, was haben Sie erlebt?
Ich habe ein Land erlebt, in dem nichts und
niemand sicher ist. Menschen, die eigentlich
für Recht und Ordnung sorgen sollten, zum
Beispiel die Polizei und das Militär, wurden
seit Monaten nicht bezahlt. Mit anderen
Worten: Menschen, die eine Waffe mit sich
führen, haben nichts zu essen. Das ist brandgefährlich.
Niemand ist sicher in diesem Land
– auch nicht die Mitarbeiter der CBM oder anderer
Hilfsorganisationen.
Wie genau hilft die CBM vor Ort?
Wir unterstützen die Augenabteilungen der
Krankenhäuser und behandeln die Menschen
in den Flüchtlingslagern. Seit dem Bürgerkrieg
und seiner Unabhängigkeit ist das
Land instabil und bankrott. Zusätzlich haben
massive Überschwemmungen viele Menschen
in Flüchtlingslager vertrieben. Durch
die katastrophalen Zustände – durch Fliegen,
den Dreck und verunreinigtes Wasser – haben
sich Augenkrankheiten ausgebreitet. CBM-
Mitarbeiter wie Samuel Lubari untersuchen
die Augen der Menschen und behandeln sie
bei Bedarf, etwa auf die Tropenkrankheit Trachom.
Würden sie das nicht tun, würden sich
Sehbehinderungen und Blindheit ausbreiten.
Im Südsudan zu überleben, ist so schon
schwer genug. Stellen Sie sich vor, Sie sind
dann auch noch blind! Es geht um Leben und
Tod: Wenn wir den Menschen nicht helfen,
sterben sie – das ist die Realität.
Aber in den Krankenhäusern sind die Menschen
sicher, oder?
Ich habe das Rubkona-Krankenhaus an der
Grenze zum Sudan besucht, und in der Ambulanz
waren die Wände von Kugeln durchlöchert.
Es gab also sogar auf die Ambulanz
schon einen Angriff. Ich möchte nicht wissen,
wie viele Menschen damals gestorben sind.
Ihre Aufgabe bei der CBM ist es, für Sicherheit
zu sorgen.
Ja, meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass
die Menschen, die für die CBM in die Einsatz-
Mehr auf www.lebenmit.de | 13
Im Südsudan zu überleben,
ist schon schwer
genug – stellen Sie
sich vor, Sie sind dann
auch noch blind.
Tom van Herwijnen
war über Jahre für verschiedene
Hilfsorganisationen in Afghanistan
und anderen Konfliktgebieten im
Einsatz. Bei der CBM ist er für die
Sicherheit und den weltweiten Schutz
der CBM-Mitarbeiter zuständig.
gebiete gehen, sicher wieder nach Hause
kommen. Dazu gehört auch Krisenmanagement:
Wenn es einen Überfall auf einen
CBM-Mitarbeiter in einem Projektland
geben sollte oder wenn jemand entführt
wird, werde ich angerufen – auch nachts.
Ich glaube, vielen ist gar nicht klar, dass
die Menschen, die für Hilfsorganisationen
im Einsatz sind, ihr Leben riskieren. Weltweit
sterben jährlich viele Mitarbeiter von
Nichtregierungsorganisationen bei Hilfseinsätzen.
Wie sorgen Sie für die Sicherheit der Angestellten?
Alle CBM-Gebäude in Risikogebieten verfügen
etwa über einen Bunker. Darin befinden
sich auch Lebensmittel, Wasser
und vieles mehr, um für einige Zeit darin
zu leben. Kommt es zu Unruhen, können
sich unsere Mitarbeiter dort in Sicherheit
bringen. Auch veranstalten wir regelmäßig
Trainings. Dabei lernen sie unter anderem,
wie sie sich an Grenzübergängen und im
Gespräch mit dem Militär verhalten. Auch
üben sie, wie sie im Entführungsfall reagieren
oder was sie tun können, wenn sie unter
Beschuss geraten.
Über die Hälfte der Menschen im Südsudan
sind Christen. Was wünschen Sie ihnen
zu Weihnachten?
Ich wünsche ihnen von ganzem Herzen,
dass sie Weihnachten ohne Angst feiern
können und sich in ihren Kirchen versammeln
können, ohne von einer gewalttätigen
Miliz angegriffen zu werden. Ich wünsche
ihnen, dass sie das heilige Fest begehen
können ohne die Furcht, dass ihnen die
wenigen Lebensmittel, die sie besitzen, gestohlen
werden. Ohne dass eines ihrer Kinder
entführt wird, um zum Kindersoldaten
ausgebildet zu werden. Ich wünsche ihnen
ein Weihnachtsfest, an dem sie hoffen können,
dass ihr Land eines Tages wieder aufgebaut
wird und ihre Töchter und Söhne
nicht unnötigerweise erblinden müssen.
Damit sie zur Schule gehen, einen Beruf
erlernen und in Frieden leben können..
Über die CBM
Die Christoffel-Blindenmission (CBM)
kämpft weltweit gegen vermeidbare
Blindheit. Ihr Motto: Hilfe zur Selbsthilfe.
Die Ausbildung von Fachkräften und
das Behandeln von Augenpatienten
sind dabei wichtiger Bestandteil der Arbeit.
Die CBM zählt zu den international
führenden Organisationen für inklusive
Entwicklungszusammenarbeit. Derzeit
fördert sie 330 Projekte in 37 Ländern.
Mehr unter: www.cbm.de
Siehst
du mich?
Foto: CBM
Valentine, 8, Kamerun
Ich seh’ dich nicht!
Schenke jetzt blinden Kindern in Afrika eine Augen-OP!
www.cbm.de/verantwortung
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Ehrenamt im Wandel –
Warum freiwilliges Engagement
wichtiger ist denn je
Rund 29 Millionen Menschen in Deutschland engagieren sich ehrenamtlich – das entspricht
etwa 40 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren. Sie trainieren Kinder im Sportverein,
begleiten Senioren im Alltag, helfen bei Tafeln, organisieren Nachbarschaftshilfe, betreuen
Geflüchtete oder setzen sich für Umwelt- und Klimaschutz ein. Auch in Kultur, Kirche, Feuerwehr,
Rettungsdiensten und Bildung leisten Freiwillige unverzichtbare Arbeit. Ohne sie wäre
das gesellschaftliche Leben in vielen Städten und Gemeinden nicht aufrechtzuerhalten. Der
wirtschaftliche Wert ihrer Arbeit wird auf über 100 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Doch
das Ehrenamt verändert sich spürbar. Viele Menschen sind beruflich stark eingebunden,
die Familienstrukturen wandeln sich, und die freie Zeit wird knapper. Studien zeigen: Immer
mehr Freiwillige möchten sich zeitlich begrenzt, thematisch fokussiert und projektbezogen
engagieren, statt über Jahre hinweg feste Ämter zu übernehmen. Gleichzeitig entstehen
neue Engagementformen: digitale Freiwilligenarbeit, Klimainitiativen, Nachbarschaftsnetzwerke
oder spontane Hilfsaktionen über soziale Medien. Das Ehrenamt wird damit dynamischer,
vielfältiger und individueller. Auch die Anforderungen an Organisationen und Vereine
wachsen. Sie müssen rechtliche Vorgaben erfüllen, Datenschutz und Haftung beachten,
Förderanträge schreiben, digitale Tools nutzen und gleichzeitig Freiwillige finden und halten.
Viele kleine Vereine fühlen sich überfordert: Laut Freiwilligensurvey 2023 nennen rund 45
Prozent der Engagierten Bürokratie als größte Hürde. Damit Engagement gelingt, braucht
es Unterstützung, Austausch und sichtbare Anerkennung. Genau hier setzt die Deutsche
Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) an. Sie wurde 2020 als bundesweite Anlaufstelle
gegründet und ist die erste Einrichtung dieser Art in Deutschland. An der Spitze der
Stiftung stehen Jan Holze und Katarina Peranić. Beide sind überzeugt, dass Engagement
einer der wichtigsten sozialen Kittfaktoren unserer Zeit ist. Im Gespräch erklären sie, warum
Ehrenamt heute mehr Menschen denn je erreicht, welche Hindernisse bleiben und was es
braucht, damit freiwilliges Engagement auch in Zukunft stark bleibt.
Redaktion Emma Howe
Herr Holze, Frau Peranić, Sie stehen an
der Spitze der Deutschen Stiftung für Engagement
und Ehrenamt. Was war die
Motivation für die Gründung, und welche
Aufgabe hat die Stiftung heute?
Katarina Peranić: Die Stiftung wurde 2020
gegründet, um freiwilliges Engagement in
Deutschland zu stärken – vor allem in ländlichen
Regionen, wo Vereine und Initiativen
oft mit wenig Ressourcen arbeiten. Wir fördern
Projekte, beraten, vernetzen und qualifizieren
Engagierte. Unser Ziel ist es, Engagement
sichtbar zu machen und Menschen
dabei zu unterstützen, ihre Ideen umzusetzen.
Wie bewerten Sie den aktuellen Zustand
des Ehrenamts in Deutschland?
Jan Holze: Das Ehrenamt ist lebendig und
wandelt sich. Rund 29 Millionen Menschen
engagieren sich freiwillig. Das ist ein starkes
Signal. Gleichzeitig sehen wir neue Herausforderungen:
Die Lebensstile ändern sich,
Menschen wollen sich flexibler einbringen
und oft zeitlich befristet. Vereine müssen
darauf reagieren. Strukturen, die noch aus
den 80er-Jahren stammen, passen nicht
mehr zu den Erwartungen von heute.
Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten
Veränderungen im Engagement der letzten
Jahre?
Katarina Peranić: Wir beobachten, dass das
Ehrenamt vielfältiger geworden ist. Neben
den klassischen Bereichen wie Sport, Feuerwehr
oder Sozialarbeit entstehen neue
Formen: Umwelt- und Klimaschutz, digitale
Nachbarschaftshilfe, Kulturprojekte. Engagement
ist heute thematischer, spontaner,
15
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Ehrenamt ist kein
Lückenfüller, sondern
ein tragendes Fundament
unserer Gesellschaft.
Katarina Peranić
Gründungsvorständin der Deutschen
Stiftung für Engagement und
Ehrenamt
aber auch projektbezogener. Menschen suchen
Sinn und Wirkung – sie wollen sehen,
dass ihr Einsatz etwas verändert.
Jan Holze: Dazu kommt die junge Generation.
Viele junge Menschen möchten sich engagieren,
aber nicht unbedingt dauerhaft in
Vereinen. Sie möchten mitgestalten, ausprobieren,
neue Formen finden. Das ist positiv,
aber es erfordert Offenheit und Anpassungsfähigkeit
von bestehenden Organisationen.
Digitalisierung spielt eine immer größere
Rolle. Wie unterstützen Sie Ehrenamtliche
dabei?
Katarina Peranić: Digitalisierung bietet
enorme Chancen, besonders für kleine Initiativen.
Wir fördern Projekte, die digitale
Werkzeuge sinnvoll einsetzen – sei es für
Kommunikation, Verwaltung oder Öffentlichkeitsarbeit.
Dabei geht es nicht um Technik
um der Technik willen, sondern darum,
wie digitale Lösungen Engagement erleichtern.
Wichtig ist, dass Vereine die richtigen
Werkzeuge kennen und lernen, sie sicher
und effizient zu nutzen.
Herr Holze, wo sehen Sie die größten Hürden
für Vereine und Initiativen?
Jan Holze: Ein großes Thema ist Bürokratie.
Viele Engagierte wollen helfen, verbringen
aber zu viel Zeit mit Formularen, Anträgen
oder rechtlichen Fragen. Das frustriert und
schreckt ab. Wir brauchen Vereinfachung
und mehr Vertrauen in die, die sich engagieren.
Ein zweites Thema ist die Nachwuchsarbeit.
Viele Vereine suchen dringend
nach Vorständen oder Leitungsmitgliedern.
Wenn sich hier nichts ändert, wird das in
den nächsten Jahren spürbar.
Die DSEE legt besonderen Wert auf den
ländlichen Raum. Warum ist das so wichtig?
Katarina Peranić: In kleinen Gemeinden
ist Engagement oft die tragende Säule des
gesellschaftlichen Lebens. Wenn der Sportverein,
die freiwillige Feuerwehr oder der
Chor wegfallen, fehlt nicht nur ein Angebot,
sondern ein Stück Gemeinschaft. In strukturschwachen
Regionen kommt hinzu, dass
junge Menschen wegziehen und Vereine
weniger Mitglieder finden. Dort unterstützen
wir gezielt mit Beratung, Qualifizierung
und Förderprogrammen, damit diese Strukturen
erhalten bleiben.
Viele Ehrenamtliche wünschen sich mehr
Wertschätzung. Was kann man tun, damit
Engagement stärker anerkannt wird?
Jan Holze: Anerkennung ist zentral. Wer
seine Zeit und Energie einsetzt, braucht
Rückhalt. Wertschätzung bedeutet mehr als
Dankesworte. Sie zeigt sich auch in Rahmenbedingungen:
weniger Bürokratie, finanzielle
Unterstützung, Weiterbildungsmöglichkeiten.
Wenn Engagement ernst genommen
wird, stärkt das Motivation und Bindung.
Katarina Peranić: Wir erleben immer wieder,
dass kleine Gesten viel bewirken – ein persönliches
Dankeschön, öffentliche Anerkennung,
verlässliche Begleitung. Wichtig ist,
dass Ehrenamt nicht als selbstverständlich
gilt. Es ist eine bewusste Entscheidung, Verantwortung
zu übernehmen, und das verdient
Aufmerksamkeit.
Was hat sich durch die Coronazeit verändert?
Jan Holze: Die Pandemie war ein Stresstest,
aber auch ein Innovationsschub. Viele Vereine
haben in kurzer Zeit digitale Strukturen
aufgebaut, Onlinetreffen organisiert oder
Nachbarschaftshilfen über Apps koordiniert.
Gleichzeitig wurde sichtbar, wie verletzlich
Engagementstrukturen sind, wenn
Begegnung fehlt. Es hat gezeigt, dass wir
digitale und analoge Wege besser verbinden
müssen.
Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Arbeit bei
der DSEE?
Katarina Peranić: Wir betrachten Wirkung,
nicht nur Zahlen. Uns interessiert, wie viele
Menschen wir erreicht, vernetzt und befähigt
haben. Seit der Gründung wurden
mehr als 14.000 Projekte gefördert und über
10.000 Initiativen beraten. Entscheidend ist
aber, was daraus entsteht – neue Netzwerke,
Ideen und stabile Strukturen vor Ort.
Jan Holze: Der Erfolg zeigt sich, wenn Vereine
sagen: Wir trauen uns wieder an neue
Aufgaben, wir finden Nachwuchs, wir fühlen
uns unterstützt. Das ist die eigentliche Bilanz
unserer Arbeit.
Engagement braucht
Anerkennung, Struktur
und eine Stimme.
Genau dafür setzen
wir uns ein.
Jan Holze
Gründungsvorstand der Deutschen
Stiftung für Engagement und
Ehrenamt
Welche Schwerpunkte setzen Sie in den
kommenden Jahren?
Katarina Peranić: Wir wollen Engagement
langfristig sichern. Das heißt: Bildung,
Beratung, Begleitung. Wir investieren in
Programme, die Wissen vermitteln, Selbstorganisation
stärken und Digitalisierung
fördern. Außerdem wollen wir die Sichtbarkeit
des Ehrenamts erhöhen – denn was
nicht gesehen wird, wird auch nicht unterstützt.
Jan Holze: Mir ist wichtig, dass wir das Ehrenamt
als Grundlage unserer Demokratie
begreifen. Engagement schafft Vertrauen,
Begegnung und Mitgestaltung. Das ist gerade
in Zeiten sozialer Spannungen entscheidend.
Unser Ziel ist es, dass jeder Mensch,
der sich engagieren möchte, auch die Möglichkeit
dazu hat – unabhängig von Alter,
Einkommen oder Herkunft.
Was wünschen Sie sich von Politik und
Gesellschaft?
Katarina Peranić: Wir brauchen stabile Rahmenbedingungen.
Engagement darf nicht
von Zufällen abhängen, sondern braucht
Planbarkeit. Politik sollte Ehrenamt als festen
Bestandteil sozialer Infrastruktur begreifen.
Jan Holze: Ich wünsche mir, dass wir das
Ehrenamt nicht nur feiern, sondern es konkret
stärken: mit weniger Hürden, mehr
Flexibilität und moderner Unterstützung.
Die Bereitschaft der Menschen ist da – jetzt
müssen wir dafür sorgen, dass sie wirken
kann..
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Mit Rettungshunden unterwegs
durch das zerstörte
Ahrtal: Noch Tage nach
der Flut hoffen die Rettungsteams,
Überlebende
zu finden.
Fotos: BRH
Jürgen Behrendt
Mitgründer und dienstältester
aktiver Rettungshundeführer
Christa Hiegemann
Langjährige
Ausbilderin
Jürgen Weinreuter
BRH-
Gründungsmitglied
50 Jahre Bundesverband Rettungshunde e. V.
Hunde retten Leben
Wenn ein Mensch vermisst wird, zählt jede Minute. In solchen Momenten machen sich
die ehrenamtlichen Rettungshundeteams des Bundesverbands Rettungshunde e. V., kurz
BRH, auf den Weg. Seit 50 Jahren setzen engagierte Frauen und Männer ihr Herz, ihre Zeit
und ihre Hunde dafür ein, Hoffnung zu geben und Leben zu retten. Drei von ihnen blicken
zurück auf die bewegenden Anfänge, prägende Einsätze und das, was sie bis heute antreibt.
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Wie haben Sie die Entwicklung des BRH von
den Anfängen bis heute erlebt?
Jürgen Weinreuter: Damals wusste kaum jemand,
was ein Rettungshund ist. In Deutschland
hatte zunächst der Bundesverband für
den Selbstschutz die Aufgabe, Hunde für die
Trümmersuche auszubilden. Doch 1973 wurde
die Ausbildung eingestellt, mit der Begründung,
dass bald technische Geräte die Hunde
ersetzen würden. Genau da fiel die Entscheidung:
Wenn es niemand weiterführt, machen
wir es selbst.
Jürgen Behrendt: Wir waren fest entschlossen
und überzeugt: Rettungshunde werden gebraucht.
Zwar war die Zukunft ungewiss, aber
wir glaubten an die Fähigkeiten der Hunde
als Lebensretter und wollten nicht zulassen,
dass diese Arbeit verschwindet. In meinen 40
Jahren als aktiver Hundeführer habe ich sechs
Rettungshunde ausgebildet und mit ihnen an
400 regionalen und drei Auslandseinsätzen
teilgenommen, darunter ein Erdbeben 1980
in Lioni/Italien, ein Dammbruch 1985 in den
Dolomiten und 1988 ein Erdrutsch in der Türkei.
Christa Hiegemann: Ich kam eher zufällig
hinzu, über meinen Sohn, den ich immer zu
den Trainings fuhr. Irgendwann fragte man
mich, ob ich nicht selbst mitmachen möchte,
und so begann mein Weg. Eine sehr prägende
frühe Erinnerung war das Erdbeben 1985 in
Mexiko. Zwei unserer Staffelmitglieder waren
dort im Einsatz. Ihre Rückkehr war emotional,
und es war ein Moment, der uns als Gemeinschaft
enorm zusammengeschweißt hat.
Welche Herausforderungen mussten Sie in
den Anfangszeiten überwinden?
Jürgen Weinreuter: Als wir 1974 mit zehn Ehrenamtlichen
die erste private Rettungshundestaffel
Deutschlands gründeten, hatten wir
nichts. Keine Übungsplätze, keine offizielle
Unterstützung, keine finanziellen Mittel. Wir
mussten Spenden sammeln, Gelände organisieren,
Strukturen, Prüfungsordnungen und
Ausbildung selbst aufbauen. Rückblickend
war es ein mutiger Schritt, aber ein notwendiger.
Jürgen Behrendt: In den ersten Jahren haben
wir für Einsätze oft unbezahlten Urlaub genommen.
Einsatzfahrzeuge haben wir selbst
gebraucht gekauft und umgebaut. Unterstützung
gab es keine, und Spenden waren selten.
Aber unser Zusammenhalt war groß, und wir
wussten, wofür wir es tun.
Christa Hiegemann: Ja, die Bedingungen waren
hart. Gleichzeitig gab es eine unglaubliche
Pionierstimmung. Wir haben viel improvisiert,
aber immer mit dem Blick darauf,
besser zu werden, auch für die Zukunft der
Rettungshundearbeit.
Der BRH hat seither viele bewegende Einsätze
erlebt. Welcher ist Ihnen besonders
im Gedächtnis geblieben?
Christa Hiegemann: Am stärksten bewegen
mich Einsätze mit Kindern. Wenn es gut ausgeht,
fährt man erleichtert nach Hause. Wenn
nicht, trägt man es lange mit sich. Der Flugzeugabsturz
in Remscheid, Gasexplosionen,
der Fall Jakob von Metzler … solche Ereignisse
lassen einen nicht los. Da ist es wichtig, im
Team Halt zu finden.
Jürgen Behrendt: Der Einsatz nach dem Erdbeben
in Lioni in Italien war für mich prägend.
Es war der erste Auslandseinsatz des
BRH. Die Zerstörung war unvorstellbar. Mit
meinem Schäferhund Gildo konnten wir gemeinsam
mit anderen sechs Menschen lebend
orten. Die Freude darüber war riesig.
Aus diesem Einsatz haben wir sehr viel gelernt.
Barry vom Großen St. Bernhard rettete
über 40 Menschenleben. Welche Bedeutung
haben solche Geschichten für Ihr Engagement?
Jürgen Weinreuter: Barry ist ein Symbol dafür,
wozu Hunde fähig sind, wenn Menschen an
sie glauben. Solche Geschichten haben uns
Mut gemacht, denn sie zeigen, dass Rettungshunde
wirklich Leben retten. Nicht in Sagen
und Romanen, sondern im echten Leben.
Christa Hiegemann: In jedem Hund steckt ein
unglaubliches Potenzial. Unsere Aufgabe als
Rettungshundeführer ist es, dieses Potenzial
zu fördern, zu schützen und in den Dienst anderer
zu stellen.
Wie hat sich die Ausbildung von Rettungshunden
seit der Gründung verändert?
Jürgen Weinreuter: Früher kamen fast alle
Hundeführer aus dem Hundesport und
brachten diese Erfahrung mit. Es gab wenige
Trainingsmöglichkeiten und kaum Fortbildungen.
Heute trainieren die Staffeln mehrmals
pro Woche, und moderne Technik wie
Drohnen oder GPS ergänzt unsere Arbeit. Es
gibt auch mehr Spezialbereiche: Damals wurden
die Hunde viel in Trümmern eingesetzt,
heute sind die Sparten Flächensuche und
Mantrailing unverzichtbar.
Christa Hiegemann: Die Prüfungsordnung
orientiert sich inzwischen viel stärker an realen
Einsätzen. Früher wusste man genau,
wie viele Personen man sucht. Heute kann es
eine, zwei oder drei sein. Auch die Ausbildung
selbst ist professioneller: Es gibt zertifizierte
Ausbilder, Ausbildungszentren, Fortbildungen
mit Fachleuten, wissenschaftliche Erkenntnisse
– das Niveau ist enorm gestiegen.
Jürgen Behrendt: Die Anerkennung hat sich
ebenfalls verändert. Heute werden wir als
Rettungshundeführer viel ernster genommen.
Mehr Arbeitgeber unterstützen das Ehrenamt.
Und der Verband unterstützt uns mit
kostenloser Aus- und Weiterbildung in den
Ausbildungszentren oder mit medizinischer
Versorgung unserer Hunde. Ab und zu gibt
es auch öffentliche Unterstützung. Wir haben
beispielsweise vom Land ein Einsatzfahrzeug
bekommen. Das ist sehr wertvoll für unsere
Arbeit.
Wie sehen Sie die Rolle von Rettungshunden
heute im Vergleich zu früher?
Christa Hiegemann: Technik kann viel, aber
den Hund nicht ersetzen. Sein Geruchssinn,
sein Gehör, seine Wahrnehmung – all das
bleibt einzigartig. Die beste Kombination ist
die Zusammenarbeit von Hund, Mensch und
Technik wie beispielsweise Drohnen.
Jürgen Weinreuter: Hunde bleiben das Herzstück
unserer Arbeit. Die Entwicklung der
Technik hilft, aber sie wird den Hund nie ablösen
können.
Jürgen Behrendt: Man darf allerdings nicht
vergessen, dass Hunde ohne Menschen, die
sie ausbilden, nur Hunde sind, nicht Rettungshunde.
Welche Hoffnungen und Wünsche haben
Sie für die Zukunft des BRH?
Jürgen Weinreuter: Dass wir weiterhin Menschen
finden, die bereit sind, sich zu engagieren.
Dieser Verband lebt von Herz und Ehrenamt.
Christa Hiegemann: Ich wünsche mir mehr
gesellschaftliche Anerkennung für alle Ehrenamtlichen,
nicht nur im BRH. Viele investieren
einen großen Teil ihres Lebens, tragen
Kosten privat und stellen ihre Zeit in den
Dienst anderer. Das verdient Unterstützung
und Wertschätzung..
50 Jahre BRH: Meilensteine auf
einen Blick
• 1974 – Erste private Rettungshundestaffel
Deutschlands entsteht in
Heilbronn
• 1976 – Zusammenschluss der Staffeln:
Der BRH Bundesverband Rettungshunde
e. V. wird gegründet
• 1980er – Erste Auslandseinsätze
nach schweren Erdbeben, u. a. in
Italien und Mexiko
• 1990er–2000er – Professionalisierung
der Ausbildung, einheitliche Prüfungen,
Ausbau der Einsatzschwerpunkte
(Trümmer, Fläche, Mantrailing)
• heute –über 90 Staffeln, rund 2.500
Ehrenamtliche – deutschlandweit
bereit, Leben zu retten
Ihre Hilfe macht den Unterschied
Manchmal entscheidet ein Einsatz
des BRH über ein Leben, ein Wiedersehen,
eine zweite Chance. Unsere
Hunde geben Hoffnung in Momenten,
in denen Familien verzweifelt warten.
Doch diese Einsätze sind nur möglich,
weil Menschen wie Sie an uns glauben.
Ob einmalig oder regelmäßig: Jeder
Beitrag stärkt unsere Teams, unsere
Hunde und die Menschen, die auf sie
hoffen.
Schenken auch Sie ein Stück Hoffnung.
Für den Moment, der den Unterschied
macht. Weitere Informationen
und Spendenmöglichkeiten: www.
bundesverband-rettungshunde.de
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Fotos: DLRG
Held des Ehrenamts:
Tobias rettete
am Strand von
Binz ein Leben
Tobias Busch ist einer der stillen Helden des Ehrenamts.
Der damals 20-Jährige studiert Medizin und engagiert
sich in seiner Freizeit für die DLRG. Im Sommer 2024
unterstützte er für zwei Wochen den Zentralen Wasserrettungsdienst
Küste an der Ostsee. An der Seebrücke
von Binz kam es zu einem dramatischen Einsatz. Als ein
Badegast im flachen Wasser zusammenbrach und einen
Herzinfarkt erlitt, reagierte Tobias, ohne zu zögern. Mit
seinem medizinischen Wissen und einem automatisierten
externen Defibrillator (AED) brachte er den Mann zurück
ins Leben.
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Der Medizinstudent aus
dem Berliner Umland hatte
gerade seine Ausbildung
zum Rettungssanitäter abgeschlossen,
als ihn ein
befreundeter Rettungsschwimmer
motivierte, im ZWRD-K mitzuarbeiten.
Das Rettungsschwimmabzeichen
Silber absolvierte Tobias noch im selben Sommer
– mit seinem medizinischen Wissen war
er bestens vorbereitet. Sein Einsatz zeigt, wie
wichtig freiwilliges Engagement im Wasserrettungsdienst
ist: Menschen, die in ihrer Freizeit
Verantwortung übernehmen und bereit sind,
im Ernstfall zu handeln.
Sekunden entscheiden
Am 12. August kam es am Binzer Strand zum
Ernstfall. Tobias war gemeinsam mit drei weiteren
Rettungsschwimmern auf einem der
sieben DLRG-Türme im Einsatz. „Plötzlich ist
ein aufgebrachter Badegast auf uns zu gerannt
und hat gerufen, dass jemand einen Herzinfarkt
erlitten hat“, berichtet der Medizinstudent.
„Ich habe mir sofort die Sauerstoffflasche,
den AED sowie den Notfallrucksack
geschnappt und bin mit einem Kameraden
losgelaufen. Die anderen beiden haben einen
Funkspruch abgesetzt und weitere Einsatzkräfte
mobilisiert – darunter ein Team, das
sich mit dem Rettungsboot auf dem Meer befand.“
Als Tobias den bewusstlosen Mann erreichte,
leistete dessen Angehörige bereits Herzdruckmassage.
Der Patient war im knietiefen Wasser
zusammengebrochen, Badegäste hatten ihn
an den Strand gezogen. „Hätte die Laienreanimation
noch nicht stattgefunden, hätte ich
zuerst eine Bewusstseinskontrolle durchführen
müssen“, erklärt Tobias. „Da offensichtlich
keine Atmung vorhanden war, habe ich sofort
den AED rausgeholt und angefangen, die Elektroden
am Oberkörper anzubringen, während
die Angehörige die Reanimation fortsetzte.“
Der AED empfahl den Schock. Tobias forderte
die Umstehenden auf, zurückzutreten. „Nach
dem ersten Schock hat sich der Mann schon
wieder bewegt. Dass eine Person so schnell
wieder zu Bewusstsein kommt, passiert selten.
Insgesamt hat die Reanimation nicht länger als
sieben Minuten gedauert. Ohne den schnellen
Schock hätte die Situation anders ausgehen
können.“
Vom Retter zum Mitglied
Kurz darauf trafen weitere DLRG-Kameraden
ein, darunter ein Team vom Rettungsboot,
das die Sauerstoffversorgung übernahm. Erst
danach erreichte der Rettungswagen den
Einsatzort. „Obwohl sich in der Nähe eine
Rettungswache befindet, hat der Rettungswagen
aufgrund der überfüllten Promenade den
Einsatzort erst mit einer gewissen Verzögerung
erreicht. Umso entscheidender war unser
schnelles Handeln“, betont Tobias. Helfer von
DLRG und Feuerwehr sperrten den Strand ab,
um Platz für den Rettungshubschrauber zu
schaffen.
„Während der gesamten Einsatzdauer stand
ich stark unter Strom“, erinnert sich der ausgebildete
Rettungssanitäter. „Ich habe versucht,
alles abzurufen, was ich gelernt habe, und
dann einfach nur noch funktioniert. Erst am
Abend habe ich das Geschehen realisiert.“ Besonders
bewegt hat ihn die Reaktion der Badegäste:
„Als wir nach dem Einsatz zurück zum
Turm gegangen sind, haben uns mehrere Badegäste
applaudiert. Über diese kollektive Anerkennung
habe ich mich besonders gefreut.“
Im vergangenen Jahr sorgten bundesweit
54.802 Rettungsschwimmer an bewachten Badestellen
für Sicherheit im Wasser. Sie retteten
1.446 Menschenleben. Bei 239 von 339 Wiederbelebungen
kam ein AED zum Einsatz.
Der Einsatz am Strand von Binz war für Tobias
ein Schlüsselerlebnis. Nach dem Sommer trat
er der DLRG bei. „Das einschneidende Erlebnis
hat mich dazu bewogen, noch mehr Einsatz
für andere Menschen zu zeigen.“ Heute
ist er Mitglied im Ortsverband Hennickendorf
nahe Berlin und engagiert sich dort im Katastrophenschutz..
Komm ins Team
Gemeinsam
für Sicherheit
im Wasser
dlrg.de/mitmachen
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Bill Kaulitz hat die Welt
erobert und entdeckt
jetzt, wie man sie schützt
Redaktion Emma Howe Foto Image Press Agency/Alamy
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Bill Kaulitz ist längst mehr als der exzentrische Frontmann von Tokio Hotel. Der Musiker,
der mit seiner Band Weltruhm erlangte und heute in Los Angeles lebt, hat sich
zu einer Persönlichkeit entwickelt, die weit über das Popgeschäft hinausreicht. Früher
galt er als schillernde Stilikone mit Hang zur Provokation, heute steht er auch für Haltung,
Bewusstsein und soziale Verantwortung. Kaulitz nutzt seine Reichweite gezielt,
um Themen sichtbar zu machen, die ihm wichtig sind: der Schutz von Tieren, Akzeptanz
von Vielfalt und Empathie für Menschen, die im Alltag zu wenig Aufmerksamkeit
erfahren. Sein Engagement ist vielfältig, persönlich und konsequent.
Mich fasziniert das Meer
und seine unglaubliche
Artenvielfalt.
Zusammen mit dem
IFAW wollen wir dafür
kämpfen, dieses gefährdete
Ökosystem und die darin lebenden
Tiere zu erhalten.“¹ Mit diesen Worten übernahm
Bill Kaulitz im November 2024 gemeinsam
mit seinem Zwillingsbruder Tom
Kaulitz die Rolle als Botschafter des International
Fund for Animal Welfare (IFAW). Gemeinsam
setzen sie sich für den Schutz von
Meeressäugern, bedrohten Arten und ihren
Lebensräumen ein.
Im Rahmen dieser Arbeit begleitete der
Musiker 2023 ein Rettungsteam an die US-
Ostküste, wo er miterlebte, wie gestrandete
Delfine versorgt und wieder ins Meer entlassen
wurden. Diese Begegnung prägte
ihn nachhaltig. Seitdem engagiert sich Bill
Kaulitz intensiv für den Meeresschutz. Die
Kampagne BeOcean steht beispielhaft für
den Stil von Bill Kaulitz: emotional, modern
und zugänglich. Ziel ist es, Menschen für
die Bedrohung der Meere zu sensibilisieren,
ohne moralischen Zeigefinger. Stattdessen
setzt die Initiative auf starke Bilder, persönliche
Geschichten und klare Botschaften.
Auf Großbildschirmen, Social Media und
Streaming-Plattformen wird gezeigt, wie
Lärm, Müll und Netze das Leben unter Wasser
bedrohen. Bill Kaulitz tritt dabei nicht als
distanzierter Prominenter auf, sondern als
jemand, der sichtbar betroffen ist. Für viele
seiner Fans, die ihm seit Jugendtagen folgen,
wird so ein Umweltthema plötzlich greifbar.
Die Kampagne richtet sich gezielt an eine
junge Zielgruppe, die über Lifestyle, Musik
und Mode erreicht wird – Bereiche, in denen
Bill Kaulitz zu Hause ist. Damit gelingt ihm,
was vielen Umweltinitiativen schwerfällt:
Aufmerksamkeit schaffen, ohne zu belehren,
und Empathie wecken, wo oft Gleichgültigkeit
herrscht.
Doch das Engagement des Künstlers geht
über symbolische Unterstützung hinaus.
Gemeinsam mit seinem Bruder spendete er
50.000 Euro – den Gewinn aus der Comedy-Show
LOL: Last One Laughing – an den
IFAW.² Zudem nutzt Bill Kaulitz seine Reichweite
auf Social Media und in öffentlichen
Kampagnen, um junge Menschen für Umweltthemen
zu sensibilisieren.
Doch er beschränkt sich nicht auf den Schutz
der Meere. 2024 engagierte er sich auch für
Rainbow Wool, ein Projekt, das Wolle von
sogenannten „schwulen Schafböcken“ verarbeitet
– männliche Tiere, die in der Zucht
aussortiert werden, weil sie kein Interesse
an weiblichen Partnern zeigen. Die daraus
entstehenden Produkte finanzieren queere
Hilfsinitiativen. Kaulitz fungiert als Gesicht
der Kampagne und setzt damit ein Zeichen
für Akzeptanz und Vielfalt. „Ich fand das eine
wunderschöne Idee. Wir alle haben ein Anrecht
auf Leben und Liebe und darauf, so zu
sein, wie wir sind“, sagte er über das Projekt.³
Das Besondere: Rainbow Wool verbindet
Tierschutz mit gesellschaftlicher Botschaft.
Es geht nicht nur um Tiere, sondern um Respekt,
Diversität und die Anerkennung jedes
Lebens. Themen, die Bill Kaulitz seit Jahren
begleiten und seine Arbeit prägen.
Auch menschliche Schicksale berühren
den Künstler. Bereits 2019 besuchten er und
sein Bruder das Ronald McDonald Haus in
München-Großhadern, wo Familien schwer
kranker Kinder untergebracht sind. Dort
backten sie mit Eltern und Kindern, führten
Gespräche und informierten sich über die
Arbeit der Stiftung. Bill Kaulitz betonte später,
wie sehr ihn diese Begegnungen bewegt
hätten. Es sei ein Moment gewesen, der ihm
deutlich machte, wie schnell man das eigene
Glück als selbstverständlich ansieht. Diese
Haltung zieht sich durch alles, was er anpackt.
Er spricht öffentlich darüber, dass Verantwortung
für ihn eine Folge von Freiheit
ist: Wer gehört wird, trägt Verantwortung. In
Interviews und Podcasts beschreibt er, dass
Engagement für ihn kein Zwang, sondern
Dankbarkeit sei – dafür, das Leben führen zu
dürfen, das er heute hat. Begegnungen mit
Menschen und Tieren seien für ihn der eigentliche
Antrieb.
Privat zeigt sich diese Haltung ebenfalls.
Auf Instagram stellte Bill Kaulitz seine Hündin
Alfia Pearlpop vor, die er adoptiert hat:
„Das ist Alfia. Ich habe sie adoptiert. Sie ist
ein vier Monate alter Blue-Merle-Frenchie
und hat mein Herz erobert.“⁴ Damit macht
er deutlich, dass sein Engagement nicht nur
öffentliches Statement ist, sondern Teil seines
Alltags. Bill Kaulitz weiß, dass öffentliche
Aufmerksamkeit schnell vergeht. Deshalb
setzt er auf langfristige Partnerschaften statt
auf kurzfristige PR-Aktionen. „Wir haben den
IFAW sehr gut kennengelernt und viel über
deren Einsatz zur Rettung von Meeressäugern
gelernt“, sagte er in einem Statement.⁵
Diese Kontinuität unterscheidet ihn von vielen
anderen Prominenten, die sich nur vorübergehend
sozialen Themen widmen.
Seine Projekte folgen einem klaren Leitmotiv:
Mitgefühl. Ob für Tiere, Kinder oder marginalisierte
Gruppen – immer geht es darum,
Schwächeren eine Stimme zu geben.
Bill Kaulitz ist jemand, der Verantwortung
ernst nimmt, ohne sie zu inszenieren. Er
nutzt seine Stimme, aber er belehrt nicht.
Das macht ihn glaubwürdig. Menschen, die
mit ihm arbeiten, beschreiben ihn als aufmerksam,
direkt und überraschend bodenständig.
Auch wenn er in der Öffentlichkeit
gern exzentrisch auftritt, geht es ihm im Kern
um Werte. Er sagt, Engagement müsse sich
richtig anfühlen, nicht perfekt. Damit trifft
Bill Kaulitz einen Nerv: Verantwortung nicht
als Pflicht, sondern als Teil einer modernen,
bewussten Lebenshaltung zu verstehen.
Bill Kaulitz steht für eine neue Form von Prominenz:
laut auf der Bühne, engagiert, aber
wirkungsvoll abseits davon. Sein Engagement
zeigt, dass man mit Bekanntheit Verantwortung
übernehmen kann – ohne Pathos,
aber mit Haltung. Und dass ein Popstar,
der von Freiheit singt, diese auch im echten
Leben lebt.
Im Jahr 2026 wird der Künstler erneut mit
seiner Band wichtige Bühnen betreten: Die
für das kommende Jahr angekündigte Arena
Tour 2026 führt ihn mit großen Shows durch
Europa. Dabei betont die Band selbst: „Diesmal
heben wir alles auf ein neues Level.“ 6
Größere Spielstätten, eine aufwendige Bühnenproduktion
und eine Setlist mit neuen
sowie klassisch gewachsenen Songs stehen
im Fokus. Der Tourauftakt markiert damit
nicht nur ein musikalisches Kapitel, sondern
zeigt auch den Künstler in seiner Rolle als
Performer mit gesellschaftlichem Rückhalt –
denn auf jeder Station sollen auch Impulse
gesetzt werden: für Nachhaltigkeit, Vielfalt
und Bewusstsein..
Quellen: ¹ IFAW-Pressemitteilung, 8. November 2024,
² ebd, ³ PAGE Online, 14. September 2024, ⁴ Bill Kaulitz,
Instagram-Post vom 27. Februar 2024, 5 IFAW-Statement,
8. November 2024, 6 Promoangabe Arena Tour 2026,
offizielle Website von Tokio Hotel.
22
Marianne und Renate sind seit über 40 Jahren
befreundet. Sie leben in einem kleinen Ort
bei Freiburg, beide über 70, beide bescheiden.
Sie haben gearbeitet, gespart, Kinder
großgezogen und vieles miteinander geteilt.
Nun, wo sie beide Witwen sind und die Jahre
leiser werden, haben sie entschieden: Was
bleibt, soll Gutes bewirken. Ein Gespräch
über die Frage, was bleibt, wenn man geht.
„Unser Geld soll weiterhelfen,
wenn wir es nicht mehr können“
Redaktion Emma Howe
Foto: privat
Erinnern Sie sich an den Moment, an
dem Sie beschlossen haben, Ihr Vermögen
zu spenden?
Marianne: Ja, sehr gut. Es war ein Nachmittag
im Garten. Wir haben Tee getrunken
und über einen Artikel gesprochen, in dem
es um Testamentsspenden ging. Renate
meinte: „Eigentlich ist das genau das Richtige.
Wir können nichts mitnehmen – also
können wir auch etwas geben.“ Das war
kein großer Moment, aber einer, der sich
richtig angefühlt hat.
Renate: Wir haben dann tagelang immer
wieder darüber gesprochen. Was ist uns
wichtig? Wem trauen wir? Wir wollten
nicht, dass das Geld in Verwaltung verschwindet.
Es soll Menschen erreichen,
die Unterstützung brauchen.
Wie haben Sie entschieden, wohin das
Geld gehen soll?
Marianne: Wir haben uns verschiedene
Organisationen angesehen. Hospizarbeit,
Kinderhilfe, medizinische Projekte.
Am Ende war uns wichtig, dass es um Lebensqualität
geht, um Hilfe, die wirklich
ankommt. Wir haben gemeinsam drei Einrichtungen
ausgewählt. Welche, behalten
wir für uns. (lacht)
Renate: Uns war aber wichtig, dass alles
transparent ist. Wir haben mit den Verantwortlichen
gesprochen, mit zwei Organisationen
am Telefon und eine haben wir
sogar getroffen. Da saßen keine Marketingleute,
sondern Menschen, die wirklich etwas
bewegen wollen. Das hat uns gefallen.
Gab es Zweifel oder Ängste?
Renate: Natürlich. Es ist seltsam, über das
eigene Ende zu sprechen. Aber es macht
auch ruhig. Ich weiß jetzt, was mit meinem
Lebenswerk passiert. Das gibt Frieden.
Marianne: Viele verdrängen das Thema.
Sie sagen: „Darüber reden wir später.“ Aber
später kommt oft nicht. Ich wollte es geregelt
wissen, solange ich klar denken kann.
Wie haben Familie und Freunde reagiert?
Marianne: Unterschiedlich. Einige fanden
es sofort schön. Andere waren überrascht.
Aber die meisten verstehen es. Wir haben
beide Kinder, aber wir haben uns gekümmert,
dass alle versorgt sind. Was übrig
bleibt, kann anderen helfen.
Renate: Ich habe immer gesagt: Wir geben
nicht weg, was uns gehört. Wir geben weiter,
was wir bewahrt haben. Das ist etwas
anderes.
Was hat dieser Prozess mit Ihnen persönlich
gemacht?
Renate: Ich habe gelernt, loszulassen. Früher
habe ich alles kontrolliert – Konten,
Versicherungen, Verträge. Jetzt denke ich:
Das Wichtigste lässt sich nicht zählen. Es
geht um Vertrauen.
Marianne: Es hat unsere Freundschaft
auch noch einmal vertieft. Nach all den
Jahren hätte ich das nie gedacht, aber es
ist so.
Wie fühlt es sich heute an, eine so weitreichende
Entscheidung getroffen zu haben?
Renate: Friedlich. Ich bin ruhiger geworden.
Ich glaube, wenn man weiß, dass das, was
man hatte, weiterwirkt, sieht man das Leben
mit anderen Augen.
Marianne: Für mich ist es ein schöner Gedanke,
dass etwas bleibt, das anderen nützt.
Vielleicht profitiert irgendwann ein Mensch,
den wir nie kennenlernen werden. Das reicht
mir.
Was würden Sie anderen raten, die über
eine Testamentsspende nachdenken?
Marianne: Reden Sie darüber. Jetzt, nicht
irgendwann. Es klärt vieles und nimmt die
Angst.
Renate: Und informieren Sie sich gut. Sprechen
Sie mit den Organisationen, hören Sie
auf Ihr Gefühl. Wenn Sie Vertrauen spüren,
dann ist Ihr Geld richtig angelegt.
Was bleibt, wenn Sie einmal gehen? Was
wünschen Sie sich?
Marianne: Dass jemand, der leidet, Hilfe bekommt.
Dass ein Kind Hoffnung spürt.
Renate: Und dass unsere Entscheidung zeigt,
.
dass man auch ohne großen Reichtum etwas
bewirken kann. Wir haben nicht viel, aber genug,
um etwas weiterzugeben. Und das fühlt
sich gut an.
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24
Foto: Plan International / Andres Proaño
Zukunft schenken über das
eigene Leben hinaus
Wenn Menschen über ihr Erbe nachdenken, geht es oft um mehr als Zahlen und Besitz. Es
geht darum, was bleibt. Um Werte, Verantwortung und um die Frage, wie das eigene Leben
über den Tod hinaus Wirkung entfalten kann. Immer mehr Menschen entscheiden sich deshalb,
in ihrem Testament Gutes zu tun und soziale Projekte zu unterstützen. Eine von ihnen
ist Urzula D.
Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit
umgesetzt.
Urzula D. hat ihr Leben
lang mit Worten die Welt
bewegt. Als Journalistin
war sie immer nah an den
Menschen und ihren Geschichten.
„Ich möchte,
dass Kinder – vor allem Mädchen – überall
neugierig lernen und selbstbewusst ihren
Weg gehen“, sagt sie. Mit ihrem Testament
möchte sie genau das möglich machen.
Plan International hat sie überzeugt, weil
die Organisation Kindern weltweit bessere
Zukunftschancen durch Bildung, Schutz
und gesundes Aufwachsen eröffnet – und
dabei Mädchen besonders stärkt.
„Ich unterstütze Plan schon lange und
weiß, dass das Geld gut eingesetzt wird. Ich
Es ist schön zu wissen,
dass mein Engagement
auch über mein Leben
hinaus wirkt und Kindern
neue Möglichkeiten
eröffnet.
Urzula D.
sehe, wie die Organisation das Leben von
Kindern verändert. Es ist schön zu wissen,
dass mein Engagement auch über mein Leben
hinaus wirkt und Kindern neue Möglichkeiten
eröffnet“, erzählt sie.
Ein wachsender Wunsch, Sinn zu stiften
Immer mehr Menschen in Deutschland
entscheiden sich dafür, einen Teil ihres
Vermögens gemeinnützig zu vererben.
Nach Angaben des Deutschen Fundraising
Verbands beliefen sich die testamentarischen
Zuwendungen im Jahr 2023 auf rund
500 Millionen Euro. Jede zehnte Spende an
große Hilfsorganisationen stammt inzwischen
aus einem Testament. Die Beweggründe
sind oft ähnlich: der Wunsch, etwas
Bleibendes zu schaffen, Verantwortung zu
25
Mehr auf www.lebenmit.de | 25
übernehmen und über das eigene Leben
hinaus Gutes zu bewirken. Viele Menschen
möchten ihre Werte weitergeben
und ihr Lebenswerk sinnvoll hinterlassen.
Doch sie fragen sich oft: Wie fange ich an?
Welche Möglichkeiten habe ich? Ist alles
rechtlich sicher? Plan International begleitet
diesen Weg persönlich, vertraulich
und Schritt für Schritt. Interessierte erhalten
kostenlose Materialien zu rechtlichen
Grundlagen, Formulierungshilfen und Gestaltungsmöglichkeiten.
Plan International: Zukunft für Kinder
weltweit
Plan International setzt sich in mehr als
80 Ländern für Kinderrechte ein. Die Organisation
kämpft gegen Armut, sichert
Bildung und schafft geschlechtergerechte
Lebensbedingungen. Testamentsspenden
spielen dabei eine immer wichtigere Rolle:
Sie ermöglichen langfristige Planungssicherheit
und sichern nachhaltige Projekte.
Dagmar Löffler, Ansprechpartnerin bei
Plan International für Testamentsspenden,
erklärt: „Wer über ein Testament
nachdenkt, beschäftigt sich oft sehr bewusst
mit den eigenen Werten. Es geht
darum, was im Leben wirklich wichtig war.
Viele Menschen möchten das, was sie bewegt
hat, an die nächste Generation weitergeben.“
Ein persönlicher Weg zu einem großen
Ziel
Der Entschluss, eine gemeinnützige Organisation
im Testament zu bedenken, entsteht
selten spontan. Meist geht ihm eine
Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie
voraus. Plan International begleitet
auf Wunsch diesen Prozess – persönlich
und vertrauensvoll. Es gibt verschiedene
Wege, eine Testamentsspende zu gestalten:
als Vermächtnis in Form eines festen
Jede Testamentsspende
ist ein Geschenk.
Sie gibt Kindern Zukunft
und den Menschen,
die sie hinterlassen,
das gute
Gefühl, etwas Bleibendes
zu schaffen.
Dagmar Löffler
Ihre Ansprechpartnerin für alle Fragen
rund um Testament und Nachlass
Betrags, als Erbeinsetzung, wenn keine
Angehörigen vorhanden sind, oder als Begünstigung
in einer Lebensversicherung.
Jede Variante schenkt Kindern Schutz, Bildung
und Zukunft. „Viele Menschen wissen
zunächst gar nicht, welche Möglichkeiten
es gibt. Wir zeigen, wie einfach es
sein kann, etwas Bleibendes zu bewirken“,
sagt Dagmar Löffler.
Wirkung, die bleibt
Testamentsspenden haben in den vergangenen
Jahren zahlreiche Projekte ermöglicht:
den Bau von Schulen in Afrika, Bildungsprogramme
für Mädchen in Asien oder psychosoziale
Unterstützung für Kinder in Krisengebieten.
Sie tragen dazu bei, dass Kinder Zugang
zu Bildung, medizinischer Versorgung und
Schutz erhalten. Für Urzula D. ist diese Vorstellung
beruhigend: „Es ist ein gutes Gefühl,
dass jetzt alles in meinem Sinne geregelt ist
und meine Unterstützung Kindern Zukunft
schenkt.“
Ein Vermächtnis mit Herz
Wer über eine Testamentsspende nachdenkt,
steht nicht allein. Plan International begleitet
diesen Weg Schritt für Schritt – transparent,
verlässlich und unabhängig. Unterstützer
können sich darauf verlassen, dass ihr Vermächtnis
im Sinne ihrer Werte eingesetzt
wird. Dagmar Löffler fasst zusammen: „Jede
Testamentsspende ist ein Geschenk. Sie gibt
den Menschen, die sie hinterlassen, das gute
Gefühl, etwas Nachhaltiges und Sinnvolles
geschaffen zu haben – und damit die Welt ein
Stück besser zu machen.“.
Jetzt über Testamentsspenden
informieren
Ein Testament kann mehr bewirken,
als Sie denken. Erfahren Sie, wie Sie
mit Ihrem Nachlass Kindern weltweit
Chancen eröffnen können – mit Plan
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Kontakt: Dagmar Löffler
Telefon: 040 / 607 716 – 170
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© Foto: Plan International / 606 Digital
26
Doppelt aktiv durch Testamentsspende:
Das Ehepaar Brohl sorgt
nicht nur für den eigenen geliebten
Hund, sondern engagiert sich auch
für andere Tiere. Fotos: privat,
Deutscher Tierschutzbund e. V./
M. Marten (Kreis)
Tierliebe, die bleibt!
Ein Testament kann die Zukunft des Tierschutzes mitgestalten und Sorge für diejenigen tragen,
die nicht für sich selbst sprechen können. Das Ehepaar Brohl bedenkt den Tierschutz
daher in seinem Testament.
Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Tierschutzbund e. V. umgesetzt.
Tiere bereichern unser Leben auf
vielschichtige Weise. Sie haben
keinen Preis, sondern einen
Wert. So steht der Deutsche
Tierschutzbund dafür ein, dass
Tiere Anspruch auf Unversehrtheit
und ein artgerechtes Leben haben. Ein
Testament zu seinen Gunsten hilft dabei, dies
zu verwirklichen.
„Mit unserem Nachlass möchten wir den Tieren
eine laute Stimme geben. Über den Deutschen
Tierschutzbund können wir das langfristig
– also auch über unser eigenes Leben
hinaus. Und wir wissen, dass unser Beitrag
ankommt und viel bewegt“, sagt das Ehepaar
Brohl. Sei es, Tieren in Notsituationen zu helfen,
sich für den Tierschutz im In- und Ausland
starkzumachen oder Aufklärungsarbeit
in Sachen Welpenhandel zu leisten.
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, etwas Bleibendes
zu schaffen – auch für den Tierschutz.
Auf diese Weise können Sie Ihre Werte an die
nächste Generation weitergeben und Tiere
über die Lebenszeit hinaus schützen.
Ein Erbe mit Wirkung
Als Dachverband unterstützt der Deutsche Tierschutzbund
mehr als 740 Tierschutzvereine und
rund 550 Tierheime, die ihm bundesweit angeschlossen
sind, in ihrer praktischen Tierschutzarbeit
vor Ort. Er macht sich politisch gegen
Tiertransporte, Tierversuche und illegalen Welpenhandel
stark und setzt sich für bessere Bedingungen
für Tiere in der Landwirtschaft ein.
Mein Haustier ist versorgt
Viele Menschen machen sich auch Gedanken
darüber, was aus ihren geliebten Haustieren
wird, wenn sie sich selbst nicht mehr um
sie kümmern können. Weil nach deutschem
Recht Tiere nicht erben können, hat der Deutsche
Tierschutzbund Möglichkeiten entwickelt,
die Versorgung von Haustieren auch
nach dem Tod ihrer Besitzer zu gewährleisten.
Alles gut geregelt
Mit einem Testament wird die gesetzliche
Erbfolge außer Kraft gesetzt. Es ermöglicht,
alles nach den eigenen Wünschen und Vorstellungen
zu regeln. So kann beispielsweise
eine nahestehende Person bedacht oder Tieren
in Not geholfen werden. Auch finanziell
lohnt sich eine Spende für den guten Zweck:
Da der Deutsche Tierschutzbund als gemeinnützige
Organisation anerkannt ist, fällt auf
den gesamten Nachlass keine Erbschafts- und
Schenkungssteuer an..
Die Arbeit des Deutschen Tierschutzbundes
Dachverband der Tierheime
Der Deutsche Tierschutzbund ist der größte
Tierschutzdachverband in Deutschland
und Europa und zugleich anerkannter Naturschutzverband.
Diese doppelte Rolle
ermöglicht es ihm, sowohl den Schutz der
Tiere als auch den Erhalt der Natur und
ihrer Lebensräume zu fördern.
Kampagnen- und Aufklärungsarbeit
Ob es um grausame Tiertransporte, das
Verbot von Wildtieren im Zirkus oder den
illegalen Welpenhandel geht – der Verband
setzt sich mit medienwirksamen
Kampagnen dafür ein, dass Tiere und
ihre Rechte in der Öffentlichkeit wahrgenommen
werden.
Eine Lobby für Tiere
Der Deutsche Tierschutzbund setzt den
Tierschutz auf die politische Agenda –
bundesweit und europaweit. Aus diesem
Grund begleitet er Gesetzgebungsverfahren
und drängt beispielsweise darauf,
die EU-Richtlinie für Tierversuche in
Deutschland umzusetzen.
Hier können Sie was tun
Schenken Sie Tieren die
Fürsorge, die sie verdient
haben.
Deutscher Tierschutzbund e. V.
In der Raste 10, 53129 Bonn
Tel. (0228) 60 49 60
www.tierschutzbund.de/erbschaft
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28
Fotos: Fabian Schmidt
Alles für die Tiere – immer!
Malte Zierden sitzt in einem Transporter, mitten im ukrainischen Winter. Draußen liegt
Schnee, drinnen kauern Hunde in Boxen. Die Motorhaube vibriert, während er spricht. „Wir
fahren ins direkte Kriegsgebiet nahe der Front und evakuieren Tiere.“ Es ist kein PR-Stunt,
keine gestellte Szene für soziale Medien. Es ist sein Alltag. Seit drei Jahren fährt Zierden
regelmäßig in Krisengebiete, um Tiere zu retten, die zurückgelassen oder verletzt wurden. „Ich
hatte ziemlich Schiss“, sagt er über seine ersten Einsätze. „Weil dort Krieg herrscht.“ Trotzdem
fährt er immer wieder.
Redaktion Emma Howe
29
Mehr auf www.lebenmit.de | 29
Der 36-Jährige aus Leer in
Ostfriesland war früher
vor allem als Social-Media-Entertainer
bekannt.
Auf TikTok und Instagram
erreichte er Hunderttausende
mit absurden Alltagsvideos, Humor
und Selbstironie. Heute nutzt Malte Zierden
seine Reichweite anders. „Ich habe den Tierschutz
gefunden und damit meine wirkliche
Aufgabe, meine Mission“, sagt er. Er arbeitet
eng mit dem Verein Notpfote Animal Rescue
e. V. zusammen. Die Organisation bringt Tiere
aus der Ukraine, Rumänien und anderen
Ländern nach Deutschland, vermittelt sie an
Pflegestellen und Tierheime. Malte Zierden
ist nicht nur das Gesicht dieser Aktionen,
sondern selbst Teil der Einsätze. Er fährt die
Transporter, trägt Käfige, schleppt Futter,
beruhigt verängstigte Tiere. „Für uns geht es
ums Individuum, nicht um Masse“, betont er.
„Jedes einzelne Tier zählt.“
Zwischen Verantwortung und Erschöpfung
Malte Zierden spricht offen über die Belastung,
die diese Arbeit mit sich bringt. „Seitdem
ich Tiere schütze, gibt es Lebensphasen,
in denen ich absolut gar nichts mehr fühle.
Dann bin ich innerlich längst schon tot.“ Solche
Sätze sind selten in der Öffentlichkeit. Er
erzählt von Tagen, an denen er nach einem
Einsatz stundenlang im Auto sitzt und nicht
weiß, wie er weitermachen soll. „Ich fühle
mich oft leer. Aber ich weiß, dass Aufgeben
keine Option ist.“ Sein Engagement ist kein
selbst gewählter Heldenweg. Es ist die Konsequenz
einer Begegnung, die sein Leben
veränderte. Eine Stadttaube namens Oßkar
landete eines Tages auf seiner Fensterbank.
Malte Zierden nahm sie auf, pflegte sie gesund
– und entdeckte im Umgang mit ihr einen
Sinn, den ihm das Internet nicht bieten
konnte. „So verrückt diese Geschichte auch
klingen mag: Eine Taube hat mein ganzes
Leben verändert.“ Diese Erfahrung war der
Ausgangspunkt für seinen neuen Lebensweg.
Aus dem Influencer wurde ein Aktivist. Aus
Unterhaltung wurde Haltung. Malte Zierden
erklärt: „Ich will nicht einer dieser Menschen
sein, die das Leid der Tiere zeigen, um Vorteile
für sich selbst daraus zu ziehen.“
Ein Blick in die Realität
Wer seine Videos heute sieht, bekommt keine
gefilterte Welt. Man sieht Dreck, Verletzungen,
Tod. Malte Zierden dokumentiert
Missstände, ohne sie zu romantisieren. In
Kooperation mit der Tierrechtsorganisation
Aninova zeigte er Aufnahmen aus einer
Schweinezuchtanlage. Danach sagte er: „Das
ist das Schlimmste, was ich in meinem Leben
gesehen habe.“ Er bekommt dafür Anerkennung,
aber auch Anfeindung. Online wird
Malte Zierden regelmäßig kritisiert – für seine
Sprache, seine Emotionen, seine Nähe zu
den Tieren. Der Tierschützer reagiert direkt:
„Solange ich lebe, werde ich Tiere vor Menschen
wie euch schützen.“ Seine Haltung
bleibt kompromisslos.
„Der traurigste Himmel auf Erden“
In seinem Buch „Der traurigste Himmel auf
Erden“ beschreibt Malte Zierden, wie aus einzelnen
Momenten – einer geretteten Taube,
einem misshandelten Hund, einem Einsatz
an der Front – ein Lebensentwurf wurde. Das
Buch ist kein Erfahrungsbericht im klassischen
Sinn, sondern ein Protokoll des Alltags
im Tierschutz. Er schreibt über Angst, Überforderung,
Trauer, aber auch über Hoffnung.
„Ich habe verstanden, dass jede kleine Tat für
die Tiere einen Unterschied macht. Mag sie
noch so klein sein.“ Das Werk verbindet autobiografische
Passagen mit Beobachtungen
aus seinen Einsätzen. Es zeigt, wie Malte Zierden
zwischen Kamera, Verantwortung und
Menschlichkeit versucht, die Balance zu halten.
Kritiker lobten die Ehrlichkeit des Tons.
Das Magazin art 5|3 schrieb: „Zierden stellt
seinen ganz eigenen Schattenhund vor und
So verrückt diese
Geschichte auch klingen
mag: Eine Taube
hat mein ganzes Leben
verändert.
lässt seine Leserschaft an Zweifeln, Ängsten
und Versagensmomenten teilhaben.“ Der Titel
ist Programm. Er steht für den Widerspruch
zwischen Leid und Hoffnung, zwischen Erschöpfung
und Motivation. „Alles für die Tiere
– immer“, lautet sein Motto. Das Buch trägt
diesen Satz auf dem Cover – als Selbstverpflichtung
und als Erinnerung daran, warum
er diese Arbeit macht.
Auszeichnung und Wirkung
Für sein Engagement erhielt Malte Zierden
2024 den Deutschen Tierschutzpreis in der
Kategorie „Stimme für die Tiere“. In der Begründung
hieß es, er mache das Leid von
Tieren sichtbar und gebe ihnen eine Stimme,
„die weit über Social Media hinaus gehört
wird“. Der Tierschützer selbst bleibt bescheiden.
„Ich bin kein Held. Ich bin jemand, der
hilft, weil er nicht anders kann.“ Seine Arbeit
inspiriert viele, aber sie fordert auch auf. Malte
Zierden spricht nicht von Tierliebe als Wohlfühlthema,
sondern als gesellschaftlicher Verantwortung.
Er fordert politische Konsequenzen,
mehr Aufklärung und Unterstützung für
Vereine, die im Auslandstierschutz tätig sind.
Mehr als ein Trend
Im Gespräch mit Journalisten betont Malte
Zierden, dass Tierschutz nicht erst im Ausland
beginnt. „Eine ganz einfache Erkenntnis: Es
fängt immer beim Kleinsten an. Bei denen,
die nicht für sich selbst einstehen können.“
Er meint damit auch die Tiere vor der eigenen
Haustür: Stadttauben, Straßenkatzen,
ausgesetzte Haustiere. Malte Zierden nutzt
seine Reichweite, um genau diese Themen
in die Öffentlichkeit zu bringen. Auf seinen
Kanälen folgen ihm über eine Million Menschen.
Seine Posts über Tiertransporte oder
Kastrationsprogramme erreichen Zielgruppen,
die mit klassischem Tierschutz sonst
kaum in Berührung kommen. Dass er damit
aneckt, nimmt der Tierschützer in Kauf. „Ich
mache Fehler, aber ich mache wenigstens
etwas.“ Dieser Satz fällt oft, wenn man ihn
nach seiner Motivation fragt. Es ist die Haltung
eines Menschen, der weiß, dass Engagement
nicht perfekt ist – aber notwendig.
Verantwortung als Haltung
Malte Zierden sagt, er wolle Menschen zeigen,
dass Tierschutz keine abstrakte Idee
ist. Es gehe um Mitgefühl, Organisation und
Konsequenz. Sein Buch, seine Einsätze und
seine Videos bilden ein Gesamtbild: ein
Versuch, eine Welt sichtbar zu machen, die
sonst kaum jemand sieht. Der Tierschützer
arbeitet ohne Pathos, aber mit Überzeugung.
Wenn er über den Tod eines Tieres
spricht, wird er still. Wenn er über gerettete
Hunde redet, lacht er kurz und sagt: „Das ist
der Moment, für den sich alles lohnt.“ Der
traurigste Himmel auf Erden ist kein Buch
über Tierschutz als Heldengeschichte, sondern
als Lebensaufgabe. Es zeigt, wie viel
Schmerz, Kraft und Hingabe in dieser Arbeit
liegt. Und es erinnert daran, dass sozial verantwortliches
Handeln nicht nur menschliches
Leid betrifft, sondern auch das der
Tiere, die mit uns leben. Malte Zierden hat
dafür eine einfache Erklärung: „Ich fühle
einfach, dass ich meine Berufung gefunden
habe.“.
Buchtipp
Der traurigste Himmel auf Erden
Malte Zierden zeigt, wie aus einer geretteten
Taube sein Leben im Tierschutz entstand
– ehrlich, nah und kompromisslos
engagiert.
30
„Soziale Verantwortung ist
kein Projekt, sondern Teil
unserer Haltung“
Viele Unternehmen sprechen von Verantwortung, doch in der Praxis bleibt es oft bei Absichtserklärungen.
Thomas Weber, Inhaber eines mittelständischen Familienbetriebs mit
180 Mitarbeitenden, geht einen anderen Weg. Für ihn gehört gesellschaftliches Engagement
zum Alltag, nicht zur Imagepflege. Statt beispielsweise Weihnachtsgeschenke
an Kunden zu verschicken, unterstützt er seit Jahren soziale Projekte in seiner Region.
Seine Mitarbeitenden können sich regelmäßig für gemeinnützige Einsätze freistellen lassen.
Auch in der Produktion achtet er auf kurze Wege, regionale Partner und erneuerbare
Energien. Sein Ansatz ist pragmatisch und glaubwürdig: weniger reden, mehr tun. Ob in
der Ausbildung, in der Energiepolitik oder beim Engagement für soziale Organisationen,
Verantwortung ist für Thomas Weber kein Zusatz, sondern Teil seiner unternehmerischen
Identität. Im Gespräch zeigt er, wie sich Werte in Taten übersetzen lassen und
warum Verantwortung im Betrieb nicht am Werkstor endet.
Redaktion Leonie Zell
Herr Weber, Sie führen seit vielen Jahren
ein mittelständisches Familienunternehmen.
Wann reifte bei Ihnen die Idee, soziale
Verantwortung stärker in Ihr unternehmerisches
Denken einzubinden?
Der Gedanke war eigentlich immer da.
Mein Vater hat das Unternehmen gegründet,
und für ihn war klar: Erfolg verpflichtet.
Wir haben uns früh gefragt, welchen
Beitrag wir für die Region leisten können.
Das fing klein an, mit Spenden an den örtlichen
Sportverein oder die freiwillige Feuerwehr.
Irgendwann wurde daraus mehr. Wir
wollten nicht nur reagieren, wenn Hilfe gebraucht
wird, sondern Strukturen schaffen,
die dauerhaft wirken.
Gab es ein bestimmtes Ereignis, das diesen
Prozess ausgelöst oder beschleunigt
hat?
Ja, während der Finanzkrise 2008 haben wir
gemerkt, wie sehr Unternehmen auf eine
funktionierende Gesellschaft angewiesen
sind. Wir standen wirtschaftlich stabil da,
aber viele Menschen in unserer Umgebung
kämpften. Damals wurde mir klar, dass unternehmerischer
Erfolg immer auch Verantwortung
bedeutet. Wenn es dem Umfeld
schlecht geht, bleibt auch ein Unternehmen
nicht unberührt.
Welche Rolle spielt Ihre regionale Verwurzelung
dabei?
Eine sehr große. Wir produzieren hier, beschäftigen
Menschen aus der Umgebung,
und viele unserer Kunden kommen aus
der Region. Deshalb war für mich immer
selbstverständlich, auch etwas zurückzugeben.
Soziale Verantwortung beginnt für
mich nicht in fernen Projekten, sondern direkt
vor der eigenen Tür.
Was bedeutet soziale Verantwortung im
Alltag Ihres Unternehmens konkret?
Sie ist Teil unserer Unternehmenskultur.
Wir fördern ehrenamtliches Engagement
im Team, unterstützen soziale Organisationen
in der Region und achten darauf,
dass unsere Produktion nachhaltig ist. Ich
sehe CSR nicht als Extra, sondern als Teil
des normalen Wirtschaftens. Wenn wir gute
Arbeitsbedingungen schaffen, Energie sparen,
lokale Projekte unterstützen und mit
regionalen Partnern arbeiten, ist das gelebte
Verantwortung.
Viele Unternehmen setzen auf Spendenaktionen.
Sie haben sich entschieden,
jedes Jahr auf Weihnachtsgeschenke für
Kunden zu verzichten und stattdessen
Geld zu spenden. Wie kam es dazu?
Das war eine bewusste Entscheidung. Früher
haben wir im Dezember Hunderte kleine
Präsente verschickt – Weinflaschen, Kalender,
Pralinen. Das war nett, aber sinnlos.
2017 haben wir gesagt: Wir lassen das bleiben
und spenden stattdessen an Organisationen,
die vor Ort helfen. Der Betrag ist
jedes Jahr gleich geblieben, nur der Nutzen
ist heute viel größer. Wir teilen die Summe
auf drei Initiativen auf: ein Kinder- und
Jugendprojekt, eine lokale Tafel und eine
Einrichtung, die wohnungslose Menschen
unterstützt. Das kommt gut an, unsere Kunden
begrüßen das ausdrücklich.
Wie wählen Sie aus, welche Organisationen
Sie unterstützen?
Wir achten darauf, dass die Projekte regional
verankert sind. Es muss nachvollziehbar
sein, wohin das Geld geht und was es
bewirkt. Wir sprechen mit den Verantwortlichen,
besuchen die Einrichtungen, und
oft entsteht daraus eine langfristige Verbindung.
Manche Organisationen begleiten wir
seit Jahren. Wir sehen, wie sie wachsen und
was mit unserer Unterstützung passiert.
Neben Spenden engagieren Sie sich auch
mit Zeit und Know-how. Wie funktioniert
das?
31
Mehr auf www.lebenmit.de | 31
Wir stellen unseren Mitarbeitenden jedes
Jahr zwei Tage frei, um sich ehrenamtlich
zu engagieren. Manche helfen bei Tafeln,
andere organisieren Arbeitseinsätze in
Kindergärten oder Seniorenheimen. Wer
möchte, kann Vorschläge einbringen, und
wir unterstützen die Planung. Das ist freiwillig,
aber die Beteiligung ist hoch. Viele
sagen, dass sie dabei mehr über sich und
ihr Umfeld lernen als in manchem Seminar.
Das klingt nach einem echten Kulturwandel.
Wie reagieren Ihre Mitarbeitenden
darauf?
Sehr positiv. Es geht nicht um Pflicht,
sondern um Haltung. Wir sprechen offen
darüber, warum wir das machen: weil wir
als Unternehmen Teil einer Gemeinschaft
sind. Dieses Bewusstsein prägt das Miteinander.
Viele unserer Leute sind selbst
ehrenamtlich aktiv, in Vereinen, im Rettungsdienst
oder in Schulen. Das Engagement
außerhalb der Firma stärkt auch das
Zusammengehörigkeitsgefühl im Betrieb.
Wie kommunizieren Sie dieses Engagement
nach außen – und wo ziehen Sie die
Grenze zwischen Transparenz und Werbung?
Wir informieren auf unserer Website und
in unserem Jahresbericht über Projekte,
weil wir zeigen möchten, was möglich ist.
Aber wir vermeiden jede Selbstdarstellung.
Wenn man soziales Engagement wie
ein Produkt vermarktet, verliert es Glaubwürdigkeit.
Für uns steht die Sache im Mittelpunkt,
nicht das Image.
Corporate Social Responsibility, kurz
CSR, ist ein weites Feld. Manche Unternehmen
sehen es als Marketinginstrument.
Wie stellen Sie sicher, dass Ihre
Aktivitäten authentisch bleiben?
Wir reden nicht groß darüber. Wir machen
es einfach. Wenn Engagement zum Teil
der Unternehmenskultur wird, braucht
man keine Kampagne. Wir veröffentlichen
einmal im Jahr einen kurzen Bericht, um
transparent zu sein, aber das war’s. Für
uns zählt die Wirkung, nicht die Schlagzeile.
Aus diesem Grund möchte ich auch
nicht, dass mein Unternehmen namentlich
in diesem Interview erwähnt wird. Ich
möchte mich nicht an unserem Engagement
bereichern, sondern wir machen das
von Herzen, nicht zur Umsatzsteigerung.
Authentizität zeigt sich auch darin, wie
ein Unternehmen wirtschaftet. Sie haben
mehrfach betont, dass Verantwortung
bei Ihnen nicht am Werkstor endet.
Wie sieht das beim Thema Nachhaltigkeit
aus?
Wir haben in den letzten Jahren viel investiert.
Unser Strom kommt zu 100 Prozent
Wir sind kein Konzern,
aber wir können
trotzdem etwas
bewirken. Es braucht
keine riesengroßen
Budgets, sondern den
Willen, Verantwortung
zu übernehmen,
und das Tag für Tag.
Und wir reden nicht
darüber, was andere
tun sollten. Wir
fragen uns, was wir
selbst tun können –
und fangen dort an,
wo wir stehen.
Thomas Weber
Firmeninhaber
aus erneuerbaren Quellen. Wir haben die
gesamte Beleuchtung auf LED umgestellt,
Abwärme aus den Produktionsanlagen
wird zum Heizen genutzt, und unser
Fuhrpark ist größtenteils auf E-Fahrzeuge
umgestellt. Außerdem setzen wir auf regionale
Zulieferer, um Transportwege zu
verkürzen. Nachhaltigkeit ist kein Trend,
sie senkt Kosten und macht unabhängiger.
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit im
Personalbereich?
Eine große. Wir sehen Nachhaltigkeit nicht
nur ökologisch, sondern auch sozial. Faire
Löhne, Weiterbildung, flexible Arbeitszeiten
und Sicherheit gehören dazu. Wir
bilden jedes Jahr junge Menschen aus und
übernehmen die meisten danach. Wer
bleiben möchte, bekommt Perspektiven.
Das ist für mich genauso nachhaltig wie
eine Solaranlage auf dem Dach.
Wie wichtig ist es, dass Unternehmen mit
sozialen Organisationen zusammenarbeiten,
statt nur eigene Projekte zu starten?
Sehr wichtig. Professionelle Organisationen
wissen, was gebraucht wird. Unternehmen
können Ressourcen bereitstellen,
aber sie sollten nicht glauben, alles besser
zu wissen. Wir arbeiten deshalb immer mit
Partnern zusammen, die Erfahrung haben.
Das spart Zeit, vermeidet Fehler und sorgt
für echte Wirkung.
Wie gehen Sie mit der Frage um, ob sich
Engagement wirtschaftlich lohnt?
Das ist die falsche Frage. Engagement ist
kein Marketinginstrument. Aber ja, es
wirkt positiv. Mitarbeitende sind motivierter,
die Identifikation mit dem Unternehmen
steigt, und das spürt man auch wirtschaftlich.
Wer sich für andere einsetzt,
arbeitet auch im Alltag verantwortungsvoller.
Wie hat sich Ihre Haltung zu sozialer
Verantwortung im Laufe der Jahre verändert?
Früher habe ich gedacht, es reicht, Gutes
zu tun. Heute sehe ich: Es geht um Strukturen,
um Bewusstsein. CSR darf kein
Anhängsel sein. Sie gehört in jede Entscheidung,
vom Einkauf über die Personalpolitik
bis zum Produkt. Verantwortung
ist kein Projekt, sondern Teil der Haltung.
Welche Unterstützung wünschen Sie sich
von Politik und Gesellschaft, um Unternehmen
beim sozialen Engagement zu
stärken?
Bürokratieabbau wäre ein guter Anfang.
Förderprogramme sind oft so kompliziert,
dass kleine Betriebe sie gar nicht nutzen
können. Außerdem brauchen wir mehr
Vernetzung zwischen Wirtschaft und sozialen
Organisationen. Regionale Plattformen,
die Unternehmen und Initiativen
zusammenbringen, wären hilfreich.
Zum Abschluss: Was raten Sie anderen
Unternehmern, die soziale Verantwortung
übernehmen möchten?
Anfangen. Warten Sie nicht auf den perfekten
Moment oder das große Konzept.
Suchen Sie sich ein Thema, das Sie wirklich
berührt, und gehen Sie den ersten
Schritt. Tun Sie es nicht, weil es erwartet
wird, sondern weil es richtig ist. Verantwortung
ist kein Kostenfaktor. Sie ist Teil
dessen, was unternehmerischen Erfolg
dauerhaft ausmacht..
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Fotos: SOS-Kinderdorf
Spenden statt Schenken:
Unternehmerische Verantwortung,
die wirkt
Immer mehr Unternehmen entscheiden sich dafür, auf klassische Kundengeschenke
zu verzichten und stattdessen Gutes zu tun. „Spenden statt Schenken“ steht für eine
Haltung, die zeigt, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliches Engagement zusammengehören.
Wer Verantwortung übernimmt, stärkt nicht nur Kinder und Familien,
sondern auch das eigene Unternehmen.
Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit
umgesetzt.
CSR als Teil moderner Unternehmensführung
Corporate Social Responsibility (CSR) ist
längst kein Randthema mehr. Sie ist zu einem
festen Bestandteil moderner Unternehmensführung
geworden. Studien belegen,
dass Unternehmen, die sich sozial
engagieren, langfristig erfolgreicher sind.
Sie gewinnen Vertrauen, binden Mitarbeitende
und positionieren sich glaubwürdig
in einer Zeit, in der Haltung zählt. Eine Untersuchung
der Universität Bremen zeigt,
dass fast 70 Prozent der Verbraucher Wert
darauf legen, dass Unternehmen nachhaltig
und verantwortungsbewusst handeln.
Wer sein Engagement sichtbar macht,
verschafft sich einen Vorsprung – auf dem
Markt und im Bewusstsein der Menschen.
CSR wirkt nach außen und nach innen.
Kunden, Geschäftspartner und Investoren
reagieren positiv auf Unternehmen, die
transparent zeigen, wofür sie stehen. Verantwortung
ist dabei kein PR-Instrument,
sondern Ausdruck gelebter Werte. Wer
glaubwürdig auftritt, schafft Vertrauen –
eine der wichtigsten Währungen unserer
Zeit. Nach innen stärkt CSR die Identifikation.
Mitarbeitende fühlen sich stärker mit
ihrem Arbeitgeber verbunden, wenn sie
erleben, dass er sich über wirtschaftliche
Ziele hinaus engagiert. Das fördert Loyalität,
Motivation und Teamgeist. Auch bei
der Gewinnung neuer Fachkräfte spielt gesellschaftliche
Verantwortung eine zentrale
Rolle. Jüngere Generationen achten verstärkt
darauf, ob ein Unternehmen Haltung
zeigt und ob seine Werte zu den eigenen
passen.
Verantwortung, die Innovation fördert
Soziales Engagement setzt zudem Impulse
für Innovationen. Neue Kooperationen
entstehen, Ideen werden geteilt, Projekte
weiterentwickelt. Wer Verantwortung und
Nachhaltigkeit in die Unternehmensstrategie
integriert, verringert Risiken, ist besser
auf gesetzliche Anforderungen vorbereitet
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Mehr auf www.lebenmit.de |33
und stärkt seine Widerstandsfähigkeit in
einem volatilen Marktumfeld.
Ein starkes Zeichen zu Weihnachten
Gerade zu besonderen Anlässen wie
Weihnachten bietet sich CSR in besonders
greifbarer Form an. Statt Werbegeschenke
zu verschicken, die oft ungenutzt bleiben,
können Unternehmen mit einer Spende
Hoffnung schenken. Sie zeigen damit,
dass sie über das Geschäftsjahr hinausdenken
und dort helfen, wo Unterstützung
dringend gebraucht wird. Das kommt
nicht nur den Empfängern zugute, sondern
auch den Schenkenden: Ein Unternehmen,
das Verantwortung übernimmt,
wird als glaubwürdiger, moderner und zukunftsorientierter
wahrgenommen.
Warum SOS-Kinderdorf der richtige
Partner für Engagement ist
Ein bewährter Partner für soziales Engagement
ist SOS-Kinderdorf. Die Organisation
begleitet seit Jahrzehnten Kinder, Jugendliche
und Familien – in Deutschland und
weltweit. Ziel ist es, benachteiligten jungen
Menschen stabile Strukturen, Bildung
und Perspektiven zu ermöglichen. Allein
in Deutschland betreibt SOS-Kinderdorf
38 Einrichtungen an über 260 Standorten.
Jährlich profitieren mehr als 100.000
Kinder, Jugendliche und Erwachsene von
den Angeboten, die von Familienberatung
über Jugendhilfe bis hin zu Ausbildungsförderung
reichen. International
ist SOS-Kinderdorf in über 130 Ländern
aktiv und erreicht mehr als sieben Millionen
Menschen. Die Organisation trägt
das DZI-Spendensiegel und steht damit
für Transparenz, Kontrolle und effizienten
Mitteleinsatz.
Das Engagement von SOS-Kinderdorf
reicht weit über klassische Kinderhilfe
hinaus. Es umfasst ambulante Unterstützungsangebote,
Bildungs- und Integrationsprogramme,
Familienzentren und
offene Treffpunkte für Kinder und Jugendliche.
Hier geht es um konkrete Hilfe im
Alltag – und um die Förderung von Selbstständigkeit
und Zukunftschancen. Unternehmen,
die sich hier engagieren, investieren
in die Gesellschaft und damit in
die Fachkräfte von morgen. Denn Bildung
und stabile Lebensbedingungen sind die
Grundlage dafür, dass junge Menschen ihr
Potenzial entfalten können.
Spenden, die Wirkung zeigen
Mit einer Weihnachtsspende an SOS-
Kinderdorf zeigen Unternehmen Haltung.
Sie verzichten bewusst auf materielle Geschenke
und entscheiden sich für eine
Form des Gebens, die Wirkung entfaltet.
Jede Spende fließt in konkrete Projekte
– etwa in Familienhilfen, in Bildungsprogramme
oder in die psychosoziale Betreuung
von Kindern, die in schwierigen Lebenssituationen
aufwachsen. So entsteht
eine Verbindung zwischen Wirtschaft und
Gemeinwohl, die auf beiden Seiten spürbar
ist.
Spenden statt Schenken hat auch symbolischen
Wert. Es sendet ein starkes Signal an
Kunden, Partner und Mitarbeitende: Wir
übernehmen Verantwortung. Wir sehen,
dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftlicher
Zusammenhalt zusammengehören.
Diese Haltung stärkt das Vertrauen
in die Marke und zeigt, dass Werte nicht
nur in Leitbildern stehen, sondern im
Handeln sichtbar werden.
Engagement, das verbindet
Auch intern wirkt eine solche Entscheidung.
Mitarbeitende erleben, dass ihr Unternehmen
etwas Sinnvolles beiträgt. Das
steigert Identifikation und Stolz. Viele Unternehmen
berichten, dass gemeinsame
Spendenaktionen oder freiwillige Einsätze
das Wir-Gefühl stärken und Teams enger
zusammenbringen. Wer erlebt, dass sein
Arbeitgeber Verantwortung übernimmt,
ist eher bereit, selbst Verantwortung zu
tragen.
CSR ist kein kurzfristiger Trend, sondern
eine Haltung, die Unternehmen zukunftsfähig
macht. Sie schafft Glaubwürdigkeit
und Stabilität in einer Zeit, in der Vertrauen
immer schwerer zu gewinnen ist.
Verantwortung zahlt sich aus – für die Gesellschaft
und für jedes Unternehmen, das
den Mut hat, sie zu übernehmen.
Verantwortung, die Zukunft schenkt
Mit SOS-Kinderdorf an der Seite wird Engagement
greifbar und transparent. Unternehmen
wissen, dass ihre Unterstützung
dort ankommt, wo sie gebraucht wird. So
entsteht ein doppelter Gewinn: Kinder
und Familien erhalten neue Perspektiven,
und Unternehmen zeigen, dass sie Teil einer
Gesellschaft sind, die füreinander einsteht.
Wer zu Weihnachten spendet, schenkt
Zukunft. Eine Zukunft, die auf Verantwortung,
Mitmenschlichkeit und Vertrauen
gründet – Werte, die jedes erfolgreiche
Unternehmen stark machen..
Ihr Engagement, das wirkt
Sie möchten zu Weihnachten Gutes
tun und nachhaltige Verantwortung
übernehmen? Mit einer Weihnachtsspende
an SOS-Kinderdorf unterstützen
Sie Kinder, Jugendliche und Familien
in schwierigen Lebenssituationen
– in Deutschland und weltweit. Ihre
Spende schenkt Chancen, Bildung
und Zukunft.
Scannen Sie den QR-
Code und erfahren Sie
mehr über die Aktion
„Spenden statt Schenken“.
Wenn Sie sich darüber hinaus für unternehmerisches
Engagement interessieren
und erfahren möchten, wie Ihr
Unternehmen soziale Verantwortung
langfristig leben kann, besuchen Sie:
www.sos-kinderdorf.de/unternehmen
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Fotos: Tchibo
Damit wir morgen noch
Kaffee trinken können
Tchibo startet Kaffeeprojekt in Kenia – Teil eines weltweiten
Programms für den Kaffee von morgen
Klimawandel, niedrige Einkommen, schrumpfende Anbauflächen – der Kaffee steht
unter Druck. Dürren, Überschwemmungen und steigende Temperaturen bedrohen ganze
Anbaugebiete, viele Farmerfamilien kämpfen ums Überleben. Was für uns ein alltäglicher
Genussmoment ist, wird für Millionen Menschen, die vom Kaffee leben, zunehmend zur
Existenzfrage. Tchibo will dem nicht tatenlos zusehen. Das Unternehmen hat Kenia als
siebtes Land in sein weltweites Kaffeeprogramm aufgenommen. Ziel ist es, den Anbau
zukunftsfähig zu machen – für die Farmer, die Umwelt und für Kaffeeliebhaber.
Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit
umgesetzt.
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Kaffee ist für Millionen Menschen
Lebensgrundlage – und
für viele ein tägliches Ritual.
Doch seine Zukunft ist bedroht:
Dürre, Erosion und
Preisdruck gefährden die Existenz
der weltweit 12,5 Millionen Kaffeefarmer.
Studien zeigen, dass sich die Anbauflächen bis
2050 halbieren könnten. Tchibo reagiert darauf
mit einem klaren Ziel: Ab 2027 sollen alle
Kaffees verantwortungsvoll eingekauft werden
– unabhängig von Sorte oder Preis. „Nachhaltigkeit
ist kein Zustand, sondern ein Weg“, sagt
Pablo von Waldenfels, Direktor Unternehmensverantwortung
bei Tchibo. „Wir müssen dafür
sorgen, dass Kaffeefarmer wirtschaftlich vorankommen
und gleichzeitig dem Klimawandel
standhalten.“
Das Tchibo-Kaffeeprogramm
Das Programm bündelt alle Maßnahmen für
nachhaltigen Kaffeeanbau. Es läuft inzwischen
in sieben Ländern – Brasilien, Guatemala, Honduras,
Kolumbien, Tansania, Vietnam und seit
Kurzem Kenia – und erreicht über 13.000 Farmer.
Der Ansatz lautet: Partnerschaft statt Vorgabe.
Gemeinsam mit Kooperativen, lokalen
Organisationen und internationalen Partnern
entwickelt Tchibo Lösungen, die auf die jeweiligen
Bedingungen vor Ort zugeschnitten sind.
Dazu gehören Schulungen, der Aufbau von
Agroforstsystemen, Maßnahmen für Bodengesundheit,
Qualitätsmanagement und die Diversifizierung
von Einkommen. Die Wirkung wird
regelmäßig von der unabhängigen Organisation
Enveritas überprüft, die die Nachhaltigkeit
der Lieferketten bewertet. „Von jedem Kaffee
müssen wir wissen, woher er kommt und unter
welchen Bedingungen er produziert wird“, betont
von Waldenfels.
Kaffee unter dem Mount Kenya
Die Region Kirinyaga in Kenia bietet ideale Voraussetzungen
für hochwertigen Kaffee: fruchtbare
Vulkanböden, Höhenlagen, erfahrene Farmer.
Doch der Klimawandel hinterlässt Spuren.
Nachhaltigkeit ist
kein Zustand, sondern
ein Weg. Wir
müssen dafür sorgen,
dass Kaffeefarmer
wirtschaftlich vorankommen
und gleichzeitig
dem Klimawandel
standhalten.
Pablo von Waldenfels
Direktor Unternehmensverantwortung
bei Tchibo
Regenzeiten verschieben sich, Böden verlieren
an Nährstoffen, und die Einkommen sinken.
Gemeinsam mit der Inoi Farmer Cooperative
Limited, der Rainforest Alliance und Ibero
Kenya (NKG) unterstützt Tchibo rund 5.000
Mitglieder dabei, ihren Anbau nachhaltiger zu
gestalten. Beim Projektstart im Juni 2025 kamen
fast 1.000 Teilnehmende zusammen. Seither
wurden über 2.000 Bodenproben analysiert –
die Grundlage für gezielte Verbesserungen von
Erträgen und Bodengesundheit. In Schulungen
lernen die Farmer, Kompost herzustellen, Agroforstsysteme
zu pflegen und Böden regenerativ
aufzubauen. Baumschulen ziehen Schatten-,
Obst- und Kaffeesetzlinge, Demo-Farmen dienen
als Lernorte für neue Praktiken. Ergänzt
wird das Programm durch Trainings zur Nassaufbereitung
in Washing Stations sowie durch
Initiativen, die Frauen- und Jugendgruppen
fördern und wirtschaftlich stärken. „Unsere
Zusammenarbeit mit Tchibo zeigt das wiedererwachte
Interesse der Gemeinschaften am
Kaffeeanbau“, sagt William von Ibero Kenya.
„Sie verbessert Einkommen und schützt die
Umwelt.“
Mehr als Premium
Etwa 20 Prozent aller Tchibo-Kaffees tragen
Zertifizierungen wie Fairtrade oder Bio. Die übrigen
80 Prozent stammen aus Regionen ohne
Siegel – genau dort setzt das Kaffeeprogramm
an. Auch diese Kaffees sollen sozial und ökologisch
verantwortungsvoll produziert werden.
Ziel ist es, den gesamten Kaffeeanbau nachhaltiger
zu gestalten, nicht nur eine Premium-
Nische. Tchibo unterstützt Farmer beim Anbau
neuer, klimaresistenter Sorten, bei Aufforstungsprojekten
und beim Aufbau alternativer
Einkommensquellen – etwa durch den Anbau
von Obst und Gemüse oder durch Honigproduktion.
So entstehen zusätzliche Einnahmen,
die Familien unabhängiger machen und gleichzeitig
die Umwelt schützen.
Verantwortung, die wir schmecken
Für Kaffeetrinker bedeutet das: Jede Tasse trägt
dazu bei, dass Farmerfamilien weltweit besser
leben können – und dass der Kaffeeanbau
überhaupt eine Zukunft hat. Ohne faire Preise,
gesunde Böden und klimaangepasste Anbaumethoden
droht langfristig der Verlust vieler
Anbaugebiete. Nachhaltiger Kaffee ist deshalb
kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit – damit
wir auch morgen noch Kaffee trinken können..
Vollste Aromaentfaltung!
Clevere Tipps für perfekten
Filterkaffee gibt‘s im
Tchibo Podcast!
Genuss mit Herz und
Verantwortung
Als Teil des Kaffeeprogramms
unterstützt Tchibo in Santa
Bárbara mit Schattenbäumen
– gut für die Qualität und
das Klima. Der Guatemala
LIMITED verwöhnt mit Noten
von Zartbitterschokolade und
leicht süßlicher Aprikose.
Nur für kurze Zeit!
Ab ca. 10 Euro à 500 g
bei Tchibo. Mehr Infos:
www.tchibo.de
QR-Code
scannen
und reinhören.
www.tchibo.com/podcast
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Im 25hours Hotel Bikini Berlin
wurden im Zuge der Sanierung
Duschflächen und Wannen
demontiert, zu Kaldewei
zurückgeführt und im Upcycling-Prozess
erneuert. Fotos:
Kyle Knodell/KALDEWEI
Revolutionäre
Refurbishment-Initiative
Kaldewei schenkt ausgedienten Duschflächen
und Badewannen ein zweites Leben
Ein bahnbrechendes Projekt verändert die Sanitärbranche: Kaldewei, Premium-Hersteller hochwertiger
Badlösungen, demonstriert mit einem richtungsweisenden Pilotprojekt im 25hours
Hotel Bikini Berlin, wie echte Kreislaufwirtschaft im Bau- und Projektgeschäft funktionieren
kann. Erstmals hat das Unternehmen ausgediente Duschflächen und Badewannen in größerem
Umfang recycelt, technisch und optisch weiterentwickelt und als vollwertige Produkte
wieder eingebaut – ein in der Branche und im Objektgeschäft bislang einzigartiger Ansatz.
Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit
umgesetzt.
M
it diesem Projekt
zeigen wir, dass
Kreislaufwirtschaft
kein Konzept für
morgen ist, sondern
bereits heute erfolgreich
umgesetzt werden kann“, erklärt Jakob
Klingenberg, Key-Account-Manager
Projektmanagement bei Kaldewei. „Als
Vorreiter in der Branche setzen wir ein
klares Signal: Langlebige Produkte können
auch am Ende ihrer Nutzungsphase
wertvoll bleiben – und tatsächlich
als wiederaufbereitete
,Refurbished‘-Produkte
wiederverwendet
werden.“
Nachhaltige
Sanierung
Seit über
zehn Jahren
werden
in den Badezimmern
des Berliner
25hours Hotels
Kaldewei
-Badewannen
und -Superplan-
Duschen genutzt.
Im Zuge einer Sanierung
wurden bestehende
Duschflächen und Wannen
demontiert, an Kaldewei zurückgeführt
und durch einen speziell entwickelten
Upcycling-Prozess rundum erneuert.
Dabei erhielten die Produkte mit ihrer
neuen Emaillierung nun die rutschhemmende
Oberfläche „Kaldewei Secure
Plus“. Diese Spezialemaille erhöht die
Standfestigkeit und sorgt für zusätzliche
Sicherheit unter der Dusche.
So wird Cradle to Cradle erlebbar
Die erfolgreiche Umsetzung dieses Projekts
zeigt, welche Möglichkeiten moderne
Industrieprozesse gepaart mit einem
hohen Individualisierungsgrad für die
Kreislaufwirtschaft bieten. Nach Demontage
und Rückführung an Kaldewei wurden
die Duschflächen und Badewannen in
einem mehrstufigen Verfahren umfassend
behandelt: Sandstrahlen und Emaillieren
mit der Secure-Plus-Oberfläche gehörten
zu den zentralen Maßnahmen. Die
runderneuerten Badobjekte wurden
anschließend wieder ausgeliefert
und von einem
Fachbetrieb erneut eingebaut.
„Wir zeigen,
wie Upcycling in
der Bauwirtschaft
funktioniert, und
machen Cradle
to Cradle erlebbar“,
so Jakob
Klingenberg
weiter. Für die
Wiederaufbereitung
der
Duschflächen
und Badewannen
durch Kaldewei seien
etwa 65 Prozent
weniger CO2 entstanden
als bei der Herstellung neuer
Badprodukte.
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Upcycling in Perfektion – Benchmark für
die Branche
Kein anderer Hersteller im Badbereich
hat bislang eine vergleichbare Initiative in
dieser Größenordnung realisiert. Kaldewei
beweist mit diesem Pilotprojekt, dass
hochwertige und langlebige Produkte am
Ende ihres ersten Lebenszyklus nicht entsorgt
werden müssen, sondern sogar in optimierter
Form wiederverwendet werden
können. Dies unterstreicht die transformative
Kraft von Upcycling und eröffnet der
Bauwirtschaft völlig neue Perspektiven.
Gleichzeitig hat Kaldewei eindrucksvoll
gezeigt, wie es geht: Durch Mut, Vertrauen
und Geschick war eine Pionierleistung
möglich, mit der das Unternehmen eine
neue Ära der Ressourcenoptimierung im
Objektgeschäft eingeläutet hat..
Über KALDEWEI
Die Premium-Marke KALDEWEI steht
für exzellente Lösungen für das persönliche
Traumbad sowie für kreislauffähige
Materialien und Produkte.
Rund 600 davon tragen das Cradle-to-
Cradle®-Zertifikat und unterstreichen
die konsequent nachhaltige Ausrichtung
des Unternehmens. KALDEWEI ist einer
der ersten deutschen Badhersteller mit
der Cradle-to-Cradle®-Zertifizierung
von unabhängiger Stelle. Badewannen,
Waschtische, Duschlösungen – alle
KALDEWEI-Produkte aus Stahl und Glas
sind plastikfrei und versprechen individuellen
„Sinn-Luxus“. Dieser definiert
sich durch eine edle Ästhetik, verantwortungsvolle
Langlebigkeit und die
nachhaltige Freude am Gebrauch. Unter
dem Begriff LUXSTAINABILITY® vereint
KALDEWEI innovatives Design, das ein
besonderes Lebensgefühl auslöst, und
eine tief verankerte Nachhaltigkeit, die
alle KALDEWEI-Produkte prägt.
www.kaldewei.de
Kaldewei demonstriert mit einem richtungsweisenden
Pilotprojekt, wie echte Kreislaufwirtschaft
funktionieren kann. Nach Demontage
und Rückführung wurden Duschflächen
und Badewannen sandgestrahlt und mit der
rutschhemmenden Oberfläche „Secure Plus“
neu emailliert. Die Spezialemaille erhöht die
Standfestigkeit und sorgt für mehr Sicherheit.
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Letzte Wünsche
Fotos: Jagdhof
„Luxus und Bewusstsein
gehören zusammen“
Von außen zeigt sich das 5-Sterne-Spa-Hotel Jagdhof in Neustift im Stubaital als klassisches
Tiroler Haus: Holz, Stein, Geranien an den Balkonen. Doch wer die Tür öffnet,
merkt sofort: Hier ist mehr als Gastlichkeit. Die Gastgeberfamilie Pfurtscheller führt ein
Haus, das Luxus neu definiert – leise, bodenständig und mit Gespür fürs Wesentliche.
Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit
umgesetzt.
U
nsere Gäste sollen ankommen
und sofort loslassen“, sagt Armin
Pfurtscheller, der das Relais
& Châteaux Hotel gemeinsam
mit seiner Frau Christina
und seinem Sohn Alban leitet.
In der Lobby duftet es nach Zirbenholz, die
Flammen im Kamin tanzen ruhig, große Fenster
öffnen den Blick auf die schneebedeckten Gipfel
des Stubaitals. „Wir wollen keine perfekte
Inszenierung, sondern ehrliche Erholung. Ein
Gefühl von zu Hause, nur leichter.“ Christina ergänzt:
„Viele suchen heute nicht mehr das große
Spektakel, sondern Stille. Der Wechsel zwischen
draußen und drinnen ist Teil unseres Konzepts.
Die Berge gehören zum Haus, und das Haus gehört
zur Landschaft.“
Der Jagdhof wurde in den 1970er-Jahren von Armins
Eltern gegründet. Was als kleiner Gasthof
begann, ist über Jahrzehnte gewachsen, ohne
seine Wurzeln zu verlieren. „Wir führen das Hotel
in zweiter Generation, aber wir sehen uns
Christina und Armin
Pfurtscheller
Inhaber des 5-Sterne-Spa-Hotels
Jagdhof im Stubaital
nicht als Verwalter eines Erbes“, sagt Armin. „Wir
wollen, dass das Haus weiterlebt, im Hier und
Jetzt, mit den Werten von früher, aber dem Bewusstsein
von heute.“ Heute ist der Jagdhof eines
der führenden Häuser Tirols. Fünf Sterne, Relais
& Châteaux, 3.000 Quadratmeter Spa, großzügige
Suiten und ein Michelin-Stern für seine Hubertusstube.
Doch der wahre Luxus liegt hier
nicht im Überfluss, sondern in der Ruhe. „Luxus
ist Zeit, Stille, Aufmerksamkeit“, sagt Armin. „Viele
Gäste wünschen sich weniger Ablenkung und
mehr Echtheit. Sie wollen spüren, wo sie sind
und warum sie hier sind.“ Christina führt durch
den Spa-Bereich. Holz, Stein, Wasser, Licht. Kein
Prunk, keine Effekte. „Wir wollten Räume schaffen,
die wirken, ohne zu beeindrucken“, sagt sie.
„Man soll hier nicht vergessen, wo man ist, sondern
sich verbunden fühlen, mit sich selbst und
mit der Natur.“
Natur als Kraftquelle
Diese Verbindung prägt das gesamte Haus. Vom
großen Panoramapool blickt man auf die Berge,
die das Tal umschließen. Die Architektur öffnet
sich bewusst nach außen. „Wir haben gelernt,
dass Luxus nicht durch Abschottung entsteht,
sondern durch Offenheit“, sagt Armin. „Unsere
Gäste sollen den Blick schweifen lassen, Luft holen,
durchatmen.“
Rund um das Haus bietet das Stubaital unzählige
Möglichkeiten, die Landschaft zu erleben.
Wanderwege führen über Almen, entlang klarer
Bergbäche und hinauf zu Aussichtspunkten mit
Blick auf den Gletscher. Im Sommer zieht es viele
zum Wandern, Mountainbiken oder Klettern
in die umliegenden Berge. Im Winter verwandelt
sich das Tal in ein Paradies für Skifahrer,
Langläufer und Tourengeher. „Die Natur hier ist
kein Hintergrundbild. Sie ist Teil des Erlebnisses“,
sagt Christina.
Räume, die Geschichten erzählen
Auch in den Zimmern und Suiten zeigt sich
dieser Gedanke. Der Stil ist alpin, aber modern
interpretiert: warme Hölzer, natürliche Stoffe,
große Fenster, die den Blick in die Natur lenken.
Jedes Zimmer wirkt individuell, kein Raum
gleicht dem anderen. Die Möbel sind handgefertigt,
viele aus heimischem Holz. „Wir wollten
Räume schaffen, die Geborgenheit geben, aber
offen bleiben“, erklärt Christina. Ein Beispiel dafür
ist die Jagdhof-Suite mit 104 Quadratmetern
Tiroler Handwerkskunst, mit Stube, Kachelofen,
Sauna und Südbalkon. Andere Suiten kombinieren
Stein, Filz, Glas und Lärche zu klaren Linien,
die Wärme ausstrahlen. Viele Details stammen
von regionalen Handwerksbetrieben, die seit
Jahrzehnten mit dem Haus verbunden sind.
Nachhaltigkeit ist dabei kein Zusatz, sondern
Teil des Konzepts. Das Haus bezieht Strom aus
Wasserkraft, setzt auf regionale Materialien und
kurze Lieferwege. „Wir leben mitten in den Bergen.
Da hat man Verantwortung“, sagt Armin.
Kulinarik mit Haltung
Ein zentraler Teil des Jagdhof-Erlebnisses ist die
Küche. In der Hubertusstube, dem Gourmetrestaurant
des Jagdhofs, wird eine Linie verfolgt,
die Tiroler Wurzeln mit internationaler Eleganz
verbindet. Die Küche ist mehrfach ausgezeichnet
mit einem Stern im Guide Michelin und
vier Hauben im Gault & Millau. „Essen ist Verbindung“,
sagt Juniorpatron Alban Pfurtscheller.
„Zwischen Mensch und Landschaft, zwischen
Tradition und Neugier.“ Die meisten Zutaten
stammen von Bauern aus dem Stubaital und
dem Inntal, Kräuter aus dem eigenen Garten,
Wild aus der hoteleigenen Jagd und Fisch aus
der Region. Das Küchenteam arbeitet eng mit
Produzenten zusammen, die das Haus seit
Jahrzehnten beliefern. „Wir wissen, woher alles
kommt. Das schafft Vertrauen bei uns und bei
den Gästen.“ Neben der Gourmetküche legt der
Jagdhof auch im täglichen Menü Wert auf Authentizität.
Tiroler Klassiker werden neu interpretiert.
Kaspressknödel mit frischen Kräutern,
Bergforelle mit Zitrone und Dill, Lamm vom
Bauern aus dem Tal. „Wir möchten zeigen, dass
Regionalität kein Verzicht ist, sondern ein Geschenk“,
sagt Alban. „Wenn man gute Produkte
hat, braucht man keine Effekte.“ Auch der Weinkeller
ist ein Erlebnis für sich. Über 1.400 Positionen
aus Österreich, Italien und Frankreich
lagern dort. Der Weinkeller im Jagdhof gehört
zu den besten in ganz Österreich. Armin erzählt:
„Ein Glas Wein am Abend, dazu gutes Essen und
ein Blick in die Berge, das ist für viele Gäste der
Inbegriff von Erholung.“
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Das Herz schlägt im Team
Die Philosophie des Hauses – klare Werte, ehrliche
Qualität, bewusster Genuss – prägt nicht
nur das Angebot, sondern auch die Menschen,
die hier arbeiten. „Wir verstehen uns als große
Familie“, sagt Christina. „Viele unserer Mitarbeiter
sind seit Jahrzehnten bei uns. Sie kennen die
Gäste, wissen, was ihnen wichtig ist. Diese Vertrautheit
kann man nicht trainieren, sie wächst.“
Armin ergänzt: „Ein Haus ist nur so gut wie die
Menschen, die darin wirken. Wir wollen ein Umfeld
schaffen, in dem jeder gern arbeitet. Denn
wer sich wohlfühlt, gibt das weiter.“ Das zeigt
sich in der Atmosphäre im ganzen Haus. Trotz
der Größe und des hohen Standards herrscht
eine spürbare Ruhe. Gäste werden mit Namen
begrüßt, Kinder und Stammgäste mit Handschlag.
„Wir leben Gastfreundschaft, weil wir sie
wirklich meinen“, sagt Armin.
Verantwortung und Wandel
Auch ein Haus mit Geschichte muss sich ständig
weiterentwickeln. Steigende Ansprüche, neue
Gästetypen, wirtschaftliche Herausforderungen,
all das fordert Haltung. „Man kann sich nicht auf
Erfolgen ausruhen“, sagt Armin. „Wir mussten
lernen, Dinge loszulassen. Nicht jeder Trend
passt zu uns. Wir bleiben lieber echt als laut.“
Christina nickt. „Green Luxury ist für uns keine
Strategie, sondern Überzeugung. Wir möchten
zeigen, dass Nachhaltigkeit und Komfort sich
nicht ausschließen. Der Gast soll spüren, dass
hier bewusst gearbeitet wird, ohne Verzicht,
aber mit Respekt.“ Dazu gehört auch ein verantwortungsvoller
Umgang mit Ressourcen. Der
Jagdhof investiert in Energieeffizienz, vermeidet
Plastik, arbeitet mit regionalen Partnern und
unterstützt lokale Initiativen. Auch die Spa-Produkte
stammen aus nachhaltiger Herstellung,
viele auf Pflanzenbasis. „Luxus und Achtsamkeit
gehören für uns zusammen“, sagt Christina.
„Wer hier Urlaub macht, soll sich erholen, aber
auch mit gutem Gefühl abreisen.“
Zwischen Ankommen und Loslassen
Die Gäste des Jagdhofs suchen Ruhe, Natur und
das Gefühl, Teil von etwas Echtem zu sein. Viele
kommen seit Jahrzehnten, manche bereits
in zweiter Generation. „Wenn jemand sagt, er
fühlt sich hier wie zu Hause, ist das das schönste
Kompliment“, sagt Christina. Am Abend, wenn
das Licht über den Bergen weicher wird, liegt
der Jagdhof still da. Man hört das Rauschen des
Bachs, leises Lachen von der Terrasse, den Klang
von Gläsern. Drinnen flackert das Kaminfeuer,
draußen leuchten die Sterne. „Wenn jemand
nach dem Aufenthalt sagt: ,Ich habe nicht nur
Urlaub gemacht, ich habe mich wiedergefunden‘,,
dann haben wir unser Ziel erreicht“, sagt
Armin. „Wir können keine Wunder versprechen.
Aber wir können einen Raum schaffen, in dem
Menschen sich selbst begegnen. Und das ist
vielleicht das Wertvollste, was man heute geben
kann.“.
© Simu Radu Matei/Malteser Romania
Engagiert. Verlässlich.
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