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2025

DVS-BERICHTE

TAGUNG

UNTERWASSERTECHNIK


10. TAGUNG

UNTERWASSERTECHNIK 2025

Vorträge der Veranstaltung in Hamburg

vom 6. November 2025

Veranstaltet von:

In ideeller Zusammenarbeit mit:


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen

Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über

http://dnb.d-nb.de abrufbar.

DVS-Berichte Band 402

ISBN: 978-3-96144-302-4 (Print)

ISBN: 978-3-96144-303-1 (E-Book)

Alle Rechte, einschließlich Übersetzungsrecht, vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung

dieses Bandes oder von Teilen desselben nur mit Genehmigung der DVS Media GmbH,

Düsseldorf.

© DVS Media GmbH, Düsseldorf ⋅ November 2025

Herstellung: WIRmachenDRUCK GmbH, Backnang


Vorwort

Die 10. Tagung Unterwassertechnik zeigt ein spannendes und dynamisches Innovationsfeld auf!

Es sind mehr als 70 % der Erdoberfläche von Wasser bedeckt – das erfordert, dass der Mensch

moderne Energieinfrastruktur wie Pipelines und Windkraftanlagen auch am und im Meer installieren und

in Stand halten muss. Das ist eine Kernaufgabe der Unterwassertechnik.

Der Laie denkt bei Unterwasserarbeiten möglicherweise ausschließlich an das Tauchen im blauen Meer

unter guten Sichtbedingungen. Die Wahrheit sieht gänzlich anders aus. Taucher arbeiten unter Wasser

unter körperlich extrem herausfordernden Bedingungen. Die Sichtweite ist oft sehr gering oder gar nicht

vorhanden. Bei eingeschränkter Kommunikation und hohem Wasserdruck müssen

Unterwasserarbeiten teils unter schwersten Bedingungen durchgeführt werden. Und dennoch – oder

gerade deshalb – ist die Unterwassertechnik mit dem Unterwasserschweißen eines der spannendsten

und dynamischsten Innovationsfelder unserer Zeit.

Die Tagung „Unterwassertechnik“ ist mit ihrer 10. Auflage seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil in der

maritimen Branche und zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig und dynamisch sich die Unterwassertechnik in

den letzten Jahren entwickelt hat. Zur Jubiläumsausgabe werden interessante Einblicke in aktuelle

Anwendungs- und Verfahrenstechniken unter Wasser gegeben, neueste Ergebnisse aus

Forschungsprojekten vorgestellt sowie interessante Praxisbeiträge geliefert. Die 10. Tagung

Unterwassertechnik ist mit ihren Fachbeiträgen sowohl für Fachleute wie auch Berufseinsteiger ein

wertvoller Wissensaustausch.

Wir laden Sie ein, zusammen mit der Programmkommission der Tagung, in diese spannende

Unterwasserwelt einzutauchen!

Mit herzlichen Grüßen

Dipl.-Ing. Daniel Engel

Vorsitzender der

Programmkommission

Dr.-Ing. Christoph Heering

Technischer Referent

DVS e. V. – Deutscher Verband

für Schweißen und verwandte

Verfahren e. V.


Inhaltsverzeichnis

Vorträge

Keynote

Havarieschaden „Schleuse Müden“ – Reparatur mit Notschleusungen .................... 1

U. Zwinge

Session I: Welche neuen Anwendungs- und Verfahrensechniken gibt es?

Numerische und experimentelle Untersuchungen von Schäden am

Kabelschutzsystem im Nahbereich von Offshore-Gründungsstrukturen unter

Berücksichtigung der Fluid-Struktur-Boden Interaktion ............................................. 7

G. Galal, A. Brehm

ROV-basierte 3D-Vermessung in 80m Tiefe zur Instandsetzung der

Grundablässe der Rappbodetalsperre ..................................................................... 22

O. Kahmen, L. Naue, H. Haufe, A. Rudolf

Mechanische, automatisierte Reinigung von Unterwasserstrukturen ...................... 34

M. Beume

Gesetzliche Rahmenbedingung bei der Durchführung von Unterwasserarbeiten ... 41

P. Husmann

Session II: Was gibt's Neues aus der Forschung & Entwicklung?

Aktuelle Entwicklungen zu Unterwasser-Reparaturverfahren von

Korrosionsschutzbeschichtungen für Offshore-Strukturen ...................................... 44

J. Schubert, V. Cherewko, M. Irmer

Neue Entwicklungen beim nassen Unterwasserschweißen unter

Berücksichtigung des diffusiblen Wasserstoffs ........................................................ 51

T. Scheithauer, L. Vaccari, I. Lendel, H. J. Maier, T. Hassel

Geklebte Halterungen in maritimen Beanspruchungszonen: Aktueller

Forschungsstand und Perspektiven . ....................................................................... 52

L. Lemmrich, L. Fröck, A. Knape, T. Hassel, J. Boretzki, L. Vaccari


Session III: Neue Technologien? Ein Überblick im Technologie-Dschungel

Neue Entwicklungen in der Lasertechnik: Blaue Hochleistungslaser für die

Unterwasserbearbeitung .......................................................................................... 61

S. Britten, S. Koß

Neutralisierung von Munitionsaltlasten unter Wasser mit Hilfe eines

Laserstrahlkerbprozesses ........................................................................................ 62

J. Leschke, B. Emde, O. Meier

Qualitätssicherung bei Unterwasserinspektion und -manipulation ........................... 73

G. Pihl, B. Watermann

Autorenverzeichnis ............................................................................................... 74


Havarieschaden „Schleuse Müden“ – Reparatur mit

Notschleusungen

Ulrich Zwinge, Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mosel-Saar-Lahn, Koblenz

Am 08. Dezember 2024 ereignete sich an der Moselschleuse Müden eine schwere

Havarie, als ein mit 1.500 Tonnen beladenes Gütermotorschiff gegen das

geschlossene Untertor der Schleuse prallte. Die Kollision verursachte erhebliche

Schäden. Beide Torflügel wurden aus ihren Verankerungen gerissen und stark

deformiert, ebenso die hydraulischen Antriebszylinder und der dortige Massivbau. Das

Schiff selbst erlitt Schäden am Bug oberhalb der Wasserlinie, blieb jedoch

schwimmfähig. Personen kamen glücklicherweise nicht zu Schaden.

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mosel-Saar-Lahn (WSA MSL) konnte bis

zum Ende des Jahres alle 72 festsitzenden Schiffe per Notschleusung durch die

defekte Schleuse bringen. Bis zum 31. Januar 2025 konnte das defekte Tor und die

Antriebe ausgetauscht und der beschädigte Beton des Unterhauptes repariert werden,

sodass die Schifffahrt am 01.02.2025 durch Verkehrsminister Wissing wieder frei

gegeben werden konnte.

1 Havarie und ihre Folgen

Die Havarie führte zur sofortigen Sperrung der Schleuse Müden, der einzigen

Schleusenkammer für die Großschifffahrt an dieser Staustufe, wodurch der

Schiffsverkehr auf der Mosel zwischen Rhein, Saar und der französischen Grenze zum

Erliegen kam. Über 70 Schiffe waren betroffen und konnten die Mosel talwärts in

Richtung Rhein nicht mehr verlassen.

Bild 1. Zerstörtes Untertor an der Schleuse Müden

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Mosel-Saar-Lahn reagierte

umgehend. Am 12. Dezember 2024 wurden die beschädigten Torflügel mit zwei

Autokränen erfolgreich ausgebaut. Die Schäden unterhalb der Wasserlinie wurden

anschließend trockengelegt und analysiert.

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2 Notschleusung der Schiffe

Oberhalb der Schleuse Müden waren durch die Havarie über 70 Schiffe gefangen.

Bild 2. Schifffahrt oberhalb von Müden nach der Havarie

Schon zwei Tage nach der Havarie fand die erste Krisensitzung im Außenbezirk (ABz)

Brodenbach statt. Dort entstand die Idee der Notschleusungen mit Hilfe der

Revisionsverschlüsse.

Wesentlicher Teil zum Erfolg der Notschleusungen hatten die unter dem untersten

Dammbalken angebrachten Kanthölzer (Hart-PVC). Sie ermöglichten, dass das

Wasser aus der Schleusenkammer auf Unterwasserstand abgelassen werden konnte.

Eine einmal begonnene Talschleusung konnte dadurch jedoch nicht mehr gestoppt

werden.

Bild 3. Anschrauben der Kanthölzer an den unteren Dammbalken des

Revisionsverschlusses

Bei den Notschleusungen leisteten u.a. die Taucher einen wichtigen Beitrag. Bei allen

unter Wasser gesetzten Dammbalken war ein Tauchereinsatz zum Befestigen der

Kranseile notwendig. Es waren über 150 Tauchereinsätze notwendig.

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Bild 4. WSV-Taucher hängen die Kranseile an den Dammbalken

Am 16. Dezember 2024 konnte das erste Schiff, das GMS Allegria, zu Tal

notgeschleust werden. Der erste Meilenstein konnte am 23. Dezember 2024 erreicht

werden. Alle vor Ort wartenden Schiffe konnten noch vor Weihnachten zu Tal

geschleust werden. Mittels der als Revisionsverschluss gedachten Dammbalken und

über 1.000-maligem Setzen selbiger durch einen großen Mobilkran, konnte am

27.12.2024 das letzte Schiff der 72 Fahrzeuge dank der sogenannten

„Notschleusungen“ in das Unterwasser gebracht werden und seine Reise Richtung

Rhein fortsetzen.

3 Instandsetzung des Massivbaus

Nachdem nach Weihnachten die letzten Talfahrer geschleust waren, wurden direkt im

Anschluss die Revisionsverschlüsse für das Trockenlegen der Schleusenkammer

gesetzt. Dabei kamen die gleichen Dammbalken zum Einsatz. Nach dem

Trockenlegen der Kammer begannen die Vorbereitungen für die Sanierung des

Massivbaus.

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Bild 5. Gerüst am Unterhaupt der Schleuse

Der beschädigte Beton musste auf voller Höhe abgetragen werden. Selbst die

Bewehrung war beschädigt und wurde später durch neue ersetzt. Neben den

Dichtleisten mussten auch die Halslagerböcke ersetzt werden, die durch die Havarie

vollständig zerstört wurden. Sie dienen einem sicheren Halt der Torflügel beim

Bewegen zum Öffnen und Schließen des Schleusentores.

Bild 6. Halslagerbock

Um die Aushärtungszeit des Betons so weit wie möglich zu reduzieren, wurde mit Hilfe

der beauftragten Fachfirma und der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) eine

besondere Betonrezeptur ermittelt. Sie ermöglichte nach dem Einbringen des Betons

bereits ein Ausschalen und Weiterarbeiten nach 3-5 Tagen. Das Einbringen des

Betons war schwerste körperliche Handarbeit, da dieser mittels ca. 25 kg schweren

Eimern an die entsprechenden Stellen getragen werden musste.

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Bild 7. Betonarbeiten mittels Eimer

4 Einbau des Ersatztors

Nachdem die Betonarbeiten planmäßig beendet wurden, konnte das im Bauhof Trier

ausgerüstete Ersatztor rechtzeitig per Schiff zur Schleuse Müden geliefert werden.

Bild 8. Verladung der Torflügel auf Tieflader

Die beiden Torflügel wurden von ihrem bisherigen Lagerplatz auf dem Decksprahm im

Oberwasser mittels Autokran und Schwertransporter zum Untertor gebracht. Dies war

eine besondere Herausforderung, da die Torflügel deutlich breiter als der

Schwertransporter waren.

Begonnen wurde mit dem Einbau des linken Torflügels. Hier zeigte sich die gute und

qualitätssichere Vorbereitung. Beide Flügel konnten ohne größere Probleme jeweils in

die Kalotten eingestellt und oben befestigt und justiert werden.

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Bild 9. Einhängen der Torflügel

Mit der Durchfahrt des BS „Mainz“ am 1. Februar 2025 konnte die Schleuse Müden in

nur 55 Tagen nach der schweren Havarie wieder für den Schiffsverkehr freigegeben

werden. Aus diesem Anlass besuchte der Bundesminister für Verkehr und Digitales,

Herr Volker Wissing, sowie weitere Politiker und Gäste die Baustelle in Müden.

Bild 10. Der ehemalige Verkehrsminister Volker Wissing eröffnet die Schleuse

Herr Minister Wissing sprach den anwesenden Beschäftigten der WSV und den

beteiligten Firmen für die hervorragende Arbeit und der schnellen Freigabe für die

Schifffahrt seinen herzlichen Dank aus.

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Numerische und experimentelle Untersuchungen von

Schäden am Kabelschutzsystem im Nahbereich von

Offshore-Gründungsstrukturen unter Berücksichtigung

der Fluid-Struktur-Boden-Interaktion

Dr. -Ing. Galal Galal, Dipl.-Ing. Andreas Brehm – ESOS Wind GmbH, Aurich

Im Vortrag werden Zwischenergebnisse aus dem BMWK-geförderten Forschungsprojekt

CableProtect vorgestellt, das sich mit den Ursachen und Mechanismen von Schäden

an Cable-Protection-Systemen (CPS) im Umfeld von Offshore-Strukturen beschäftigt.

Aufgrund der multiphysikalischen Zusammenhänge zwischen CPS-Kabel-Struktur,

umgebendem Fluid und der sich über die Lebensdauer verändernden Bodentopografie

wird das Projekt von der ESOS Wind GmbH in Kooperation mit dem Entwicklungszentrum

für Schiffstechnik und Transportsysteme (DST, Duisburg) sowie dem Geotechnikinstitut

der Universität Siegen bearbeitet.

Der Schwerpunkt der Präsentation liegt auf dem numerischen Modell zur Fluid-Struktur-Interaktion

(FSI) zwischen hydrodynamischer Anregung und der strukturmechanischen

Antwort des CPS/Kabelstranges, das von der ESOS Wind GmbH entwickelt und

eingesetzt wird.

Das Projekt läuft bis Ende 2026; aktuelle Informationen sind unter

www.cableprotect.net verfügbar.

1 Hintergrund und Motivation

Das BMWK-geförderte Projekt wurde 2022 initiiert, nachdem in der Offshore-Windindustrie

vermehrt Schäden an Cable-Protection-Systemen (CPS) auftraten. Betreiber

äußerten sich hierzu zunächst zurückhaltend, doch seitdem werden immer häufiger

Bild- und Fallberichte über beschädigte oder freigelegte CPS-Abschnitte veröffentlicht

(siehe z.B. [1]).

Die parallel zur Projektlaufzeit veröffentlichte OWA-Leitlinie „Cable Protection Systems

– Best Practice Guideline“ [8] (2024) greift diese Problematik auf und betont,

dass bei früheren CPS-Generationen Umweltlasten und Randbedingungen häufig unterschätzt

wurden. Während für die Seekabel selbst konservative Auslegungen üblich

waren, wurden die Übergangs-, Schutz- und Kopplungsbereiche (Kabel – CPS – Fundament)

nicht ausreichend realistisch hinsichtlich Wellen- und Strömungseinflüssen

bemessen.

Ein Ziel des CableProtect Projektes ist es, diese Zusammenhänge quantitativ zu erfassen

und daraus belastbare Bemessungs- und Lebensdauermodelle abzuleiten. Untersucht

werden unter anderem der Einfluss von

• Ausrichtung des CPS-Stranges zur Wellenlaufrichtung,

• Anschlusshöhe am Monopile,

• Wellenhöhen zu Wassertiefenverhältnissen,

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• Seegangs erregte Bewegungen des Monopiles und dessen Relativbewegungen

zum CPS,

• sowie zeitlich veränderte Lagerungsbedingungen des CPS infolge von Auskolkungen.

2 Stand der Technik

2.1 Kabelschutzsysteme an Offshore-Windenergieanlagen

Ein leistungsfähiges CPS muss mehrere Anforderungen erfüllen:

• Biegewiderstand im Rahmen der Kabel-Biegeradiusgrenze,

• Festigkeit gegenüber zyklischen hydrodynamischen Belastungen sowie Extremereignissen,

• Steifigkeit im Bereich des Monopileeinlasses und Übergangs vom Kolkschutz

zur Mudline.

Die größte Herausforderung besteht in der zeitabhängigen Veränderung der Bodenkontur.

Kolkbildung und wechselnde Lagerungsbedingungen verändern das Auflagerund

Bewegungsverhalten des CPS kontinuierlich. Dadurch können Relativbewegungen,

Verklemmen oder lokale Überlastungen auftreten.

Für Entwurf und Nachweis existieren verschiedene Regelwerke, u. a.:

• BSH-Standard „Konstruktive Ausführung von Offshore-Windenergieanlagen“

(2020) [4],

• DNV-ST-0359 „Subsea Power Cables for Wind Power Plants“ (Rev. 01, 2023)

[5],

• DNV-RP-0360 „Subsea Power Cables in Shallow Water and Landfall Areas“ [6],

• DNV-RP-C205 „Environmental Conditions and Environmental Loads“ [7].

Obwohl CPS-Systeme nach diesen Normen für eine Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren

ausgelegt werden, zeigen Betriebserfahrungen häufig Schäden bereits nach 6 bis

8 Jahren – z. B. Abrieb, Rissbildung oder Verlust der Stützfunktion.

Die OWA-Leitlinie [8] (2024) empfiehlt daher, Lastannahmen und Kopplungsbedingungen

künftig realitätsnäher zu definieren und Installation, Betrieb und Bodendynamik

integrativ zu berücksichtigen.

2.2 Unterwasser-Reparaturen und Maßnahmen zur Schadensreduktion

Typische CPS-Schäden betreffen Rissbildung, Abrieb, Bruch oder Lockerung im Bereich

des CPS-Stranges. Diese Defekte erfordern häufig aufwändige Unterwasser-Reparaturen,

da die Systeme nur im maritimen Umfeld zugänglich sind.

In der Praxis werden beschädigte Segmente u.a. durch Brückenkonstruktionen mit benachbarten

Elementen verbunden oder bei beginnender Abrasion der auf dem

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Kolkschutz liegende CPS-Strang mit Steinen gefüllten Netzen (Rockbags) oder

Schutzmatten abgedeckt, um Bewegungen zu begrenzen (siehe Bild 1).

Diese Maßnahmen mindern kurzfristig die Belastungen, ändern jedoch nichts an den

ursächlichen hydrodynamischen und geotechnischen Einflussfaktoren.

Bild 1. UW-Reparatur eines CPS (links, aus [2]) und installierte Rockbags (rechts,

aus [3])

3 Referenzgeometrie und -standort

Zur Projektdurchführung wurde eine generische OWEA entworfen, die sich an dem

Design der ersten Offshore-Windparks (3-5 MW-Klasse) orientierte. Als Referenzstandort

wurde die deutsche AWZ in der Nordsee ausgewählt. Umgebungsbedingungen

wurden in Abstimmung mit den assoziierten Projektpartnern (BSH, EnBW und Mibau

Holding GmbH) definiert. Ausgewählte Randbedingungen, wie z.B. die Wassertiefe,

wurden innerhalb einer Spanne ausgewählt, um deren Einfluss auf die resultierenden

Lasten innerhalb des Projektes zu untersuchen.

Das generische CPS wurde von einem System abgeleitet, dass häufig in der Bauzeit

der ausgewählten Turbinenklasse eingesetzt wurde.

Bild 2 zeigt den schematischen Aufbau des Kolkschutzes und die Hauptdaten der

OWEA, die als Referenz für das Projekt verwendet wurde.

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Bild 2. Schematischer Aufbau und Hauptdaten der untersuchten Referenzgeometrie

im Nahbereich eines Kabelanschlusses einer OWEA

4 Numerische Untersuchungen

Zur Untersuchung der Fluid-Struktur-Boden-Interaktion wurde ein kombinierter numerischer

Ansatz entwickelt, bei dem CFD-basierte hydrodynamische Lasten mit strukturmechanischen

Finite-Elemente-Berechnungen gekoppelt wurden. Dabei wird innerhalb

des Projektes sowohl die Fluid-Struktur-Interaktion (FSI) des CPS-Kabelstranges

mit dem umgebenden Seewasserbewegungen als auch die durch die Fluid-Partikel-

Interaktion (FPI) entstehenden Auskolkungserscheinungen untersucht.

Im Zuge des Projektes werden umfangreiche CFD- Analysen zur Ermittlung der wirkenden

hydrodynamischen Lasten an dem Referenz CPS-System durchgeführt.

Hierzu wurden neben starren CFD-Modellen zum Lastenscreening auch Modelle mit

einer 1- und 2-Wege FSI- Kopplung auf Basis einer vereinfachten CPS-Geometrie und

der Monopilestruktur innerhalb einer Finiten-Volumen Methode (StarCCM+) umgesetzt.

Für die detaillierten FE-Analysen wurde die Software Nastran, für die Lebensdauerberechnungen

WinLife eingesetzt.

Im Weiteren wird aus den bisherigen FSI-Untersuchungen eine Vorgehensweise zur

Ermittlung von Ermüdungslasten (FLS) vorgestellt.

4.1 Ermittlung und Übertragung der hydrodynamischen Wellenlasten

Zur Ermittlung der Wellenlasten in der hier vorgestellten Methode wurde ein CFD-Model

verwendet, dessen CPS-Geometrie auf der detaillierten Oberflächenbeschreibung

des FE-Modelles basiert und das während der instationären Berechnungen als starre

Geometrie betrachtet wurde.

Als Basis für die Berechnungen wurde eine Wellen-Statistik aus Einzelwellenmessungen

in der Nordsee verwendet und die Lasten durch harmonische Wellenzüge von 1m

bis 18m Höhe untersucht. Die Auswertung erfolgte in einem Koordinatensystem, dessen

X-Achse quer und dessen Y-Achse axial entlang des Kabelstranges verlief. Bild 3

zeigt die wirkenden Lasten auf dem gesamten CPS-Strang für unterschiedliche Wellenhöhen

bei einem Standort mit einer Wassertiefe von 25m und einer Kabelanschlusshöhe

am Monopile von 4m über dem Kolkschutz.

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Aus einer Zeitreihe von mehreren Wellenperioden wurden die jeweils maximale Last

bei einem Wellenberg und einem Wellental ermittelt und anschließend die zugehörige

Druckverteilung über eine Schnittstelle an das Finite-Elemente-Modell (FEM) übertragen.

Bild 3. Quer (links) und axial (rechts) wirkende Kräfte auf den gesamten CPS-Strang

bei quer (90°) einfallenden, harmonischen Wellen bei unterschiedlichen Wellenhöhen

4.2 FE- Spannungsanalyse bei Maxima/Minima der harmonischen Wellenzüge

Für die strukturmechanische Untersuchung wurde die vom CFD-Modell berechnete,

hydrodynamische Lastverteilung auf das Finite-Elemente-Modell des Kabelschutzsystems

(CPS) übertragen (Bild 4). Dadurch blieb die räumliche Struktur der Druck- und

Schubanteile entlang des CPS vollständig erhalten und konnte in der FE-Analyse direkt

weiterverwendet werden.

An repräsentativen Zeitpunkten – maximale Lasten bei Wellenberg und Wellental –

wurden die jeweiligen Spannungszustände berechnet (Bild 5). Aus der Differenz dieser

beiden Lastfälle ergaben sich die Schwingbreiten der Spannungen, insbesondere die

Schubspannungsamplituden, die in direktem Zusammenhang mit der zyklischen Materialbeanspruchung

stehen.

Für die FE-Spannungsanalyse wurde ein detailliertes 3D-Kontaktmodell erstellt, dass

die Übergangsbereiche zwischen Kolkschutz, Restrictor und CPS-Strang explizit abbildet

(Bild 6).

Auf diese Weise lassen sich Spannungsgradienten, lokale Spannungskonzentrationen

sowie kritische Übergangsbereiche identifizieren, etwa im Anschlussbereich des Restrictors

und an den Auflagerpunkten am Kolkschutz.

Die resultierenden Spannungs- und Dehnungsfelder bilden die Grundlage für die anschließende

Lebensdauerbewertung, in der die ermittelten Schubspannungsamplituden

zur multiaxialen Ermüdungsanalyse herangezogen werden.

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Bild 4. Schematischer Ablauf der Spannungsanalyse für maximale Lasten bei Wellental-

und Wellenberg-Begegnungen

Bild 5. Auswahl der relevanten, maximalen Lasten bei Wellental- und Wellenberg-

Begegnungen

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Bild 6. Detail-Ansichten des verwendeten FE-Modells mit der notwendigen, hohen

Anzahl von Kontaktdefinitionen

4.3 Lebensdauerberechnung und Ermüdungsanalyse

Zur Bewertung der Langzeitbeanspruchung wurde die in Kapitel 4.2 ermittelte FE-

Spannungsantwort in der Software WinLife weiterverarbeitet.

Die aus CFD → FE überführten Lasten wurden in positive und negative Halbwellen

zerlegt, wodurch sich für jeden Punkt ein zyklischer Spannungs-Dehnungs-Verlauf

ergibt.

Die daraus abgeleiteten Spannungs- und Schubspannungsamplituden bilden die

Grundlage der multiaxialen Ermüdungsanalyse.

Für die Werkstoffe des CPS – meist HDPE-basierte Thermoplaste – wurden klassische

Wöhlerkurven nur ergänzend verwendet; entscheidend sind dehnungs- und bruchmechanische

Ansätze, die das nichtlineare Materialverhalten besser abbilden.

Zur Ermittlung der zyklischen Schädigung wurden verschiedene kritische-Ebenen-Methoden

angewendet, darunter:

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• der Brown–Miller-Ansatz,

• das Fatemi–Socie-Kriterium,

• sowie das Dang Van-Modell.

Diese Ansätze kombinieren Schub- und Normalspannungsanteile auf derjenigen Materialebene,

die unter der vorliegenden Belastung die größte Schädigung erfährt.

Sie ermöglichen eine realitätsnahe Beschreibung der Rissinitiierung unter mehrachsiger

zyklischer Beanspruchung (Bild 7).

Auf Basis der ermittelten Schädigungsparameter erfolgte anschließend die Miner’sche

Schadensakkumulation über den gesamten Betriebszeitraum.

Dadurch ließ sich die erwartete Lebensdauer der CPS-Struktur bestimmen und die

räumliche Verteilung der Schadenswahrscheinlichkeit darstellen.

Besonders kritische Zonen zeigten sich im Übergangsbereich vom Kolkschutz zu freiliegenden

Abschnitten sowie im Anschlussbereich des Restrictors.

Die gewonnenen Ergebnisse dienen nicht nur der quantitativen Lebensdauerprognose,

sondern auch als Grundlage für den Vergleich mit den geplanten experimentellen

Prüfungen im weiteren Projektverlauf.

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Bild 7. Ablauf der multiaxialen Ermüdungs- und Schadensbewertung

4.4 FE-Analysen des Verformungsverhaltens bei unterschiedlichen Wellenhöhen

Bei der Auswertung der FE-Analysen war auffällig, dass die maximal auftretenden Verformungen

nicht mit zunehmenden Wellenhöhen steigen: So wurden bei 8 m und 10 m

(Bild 8 und Bild 9) größere maximale Verformungen erreicht als bei 18 m Wellenhöhe.

Mögliche Ursache hierfür könnten sich mit der Strömungsgeschwindigkeit ändernde

Einflussradien der Monopile-Umströmung und wechselnde Kontaktbedingungen

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zwischen den einzelnen CPS-Elementen sein, auf die im nächsten Abschnitt näher

eingegangen wird.

Zudem wurde festgestellt, dass die Kontakt- bzw. Reibungsbedingungen zwischen den

CPS-Elementen und dem Kolkschutz (Top-Layer) einen großen Einfluss auf das Verformungsverhalten

des CPS-Stranges haben. Im derzeitigen FE-Modell wurden zunächst

hohe Reibungskoeffizienten angesetzt. Im weiteren Projektverlauf wird die Universität

Siegen auf Grundlage von Versuchen realitätsnahe Reibungsbeiwerte ermitteln,

die dann im FE-Modell übernommen werden können.

Im schrägen Übergangsbereich, in dem das CPS Kontaktflächen zum Filter-Layer hat,

treten hingegen große Verformungen auf, bevor das Kabel unter der Mudline eingebettet

ist. In diesem Bereich ist daher mit einer sekundären Ausknickung bzw. Umlagerung

des Kabels zu rechnen.

Materialsteifigkeiten zwischen E = 900 MPa und 3000 MPa wurden untersucht. Dabei

zeigen sich verschiedene Verformungsmuster: Bei dem steiferen Material tritt beim

Wellenberg die erste Eigenform auf, während im Wellental die zweite Eigenform dominiert

(Bild 8). Bei dem Einsatz eines weicheren Materials tritt sowohl beim Wellenberg

als auch -tal die erste Eigenform in Erscheinung (Bild 9).

Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass das Verformungsverhalten nicht nur von der

Wellenphase und Lagerbedingungen, sondern auch wesentlich von den Materialkennwerten

des CPS beeinflusst wird.

Ergebnisse aus den Verformungsanalysen werden im Projektverlauf als Eingangsgröße

an einer definierten Schnittstelle der Universität Siegen übergeben, damit auf

dieser Grundlage die FPI- Untersuchungen zum Auskolkungsprozess durchgeführt

werden können. Bild 10 zeigt beispielhaft die Verformungen bei einer 10 und 12m

Welle und einer Materialsteifigkeit von 900 MPa.

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Bild 8. Verformung des CPS-Stranges bei einer 8m Welle und einem E-Modul von

3000MPa: 1.Eigenform beim Wellenberg (oben), 2. Eigenform beim Wellental (unten)

Bild 9. Verformung des CPS-Stranges bei einer 10m Welle und einem E-Modul von

900MPa: 1.Eigenform beim Wellenberg (oben) und Wellental (unten)

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Bild 10. Verformung des CPS-Stranges bei einer 10m (oben) und 12m Welle (unten)

bei Verwendung eines E-Modul von 900MPa im Kabeleintrittsbereich unter die Mudline

(Schnittstelle zu FPI-Untersuchungen)

4.5 CFD-Analyse unerwarteter Lastphänomene

Die Auswertung der wirkenden Lasten auf den gesamten CPS-Strang in den CFD-

Untersuchungen für unterschiedliche Wellenrichtungen bestätigt die OWA-Leitlinie

(2024, [8]), nach der die Queranströmung (90°) die höchsten globalen Lasten erzeugt.

Daher empfiehlt OWA, diese Richtung für die Bemessung anzusetzen („waves normal

to the CPS axis are typically governing“).

Eine differenzierte Betrachtung der Schnittlasten entlang des CPS zeigt jedoch, dass

bei 135°-Anströmung im Übergangsbereich zwischen Restrictor und den einzelnen

CPS-Segmenten deutlich erhöhte axiale Schnittlasten auftreten.

Diese führen zu Relativbewegungen zwischen den CPS-Elementen und können ein

Lösen der Kontakte begünstigen.

Die Ursache liegt in der Monopile-Umströmung, die einen Einfluss auf dem CPS-

Strang hat: Im Nahbereich zwischen dem Monopile und dem schräg einlaufenden

Restrictor entsteht ein lokales Unterdruckfeld, das den steifen Restrictor „ansaugt“,

während der flexiblere CPS-Strang sich weiter außen im freieren Strömungsfeld

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befindet und durch die Orbitalgeschwindigkeiten der Welle radial vom Monopile weggezogen

wird.

Für die Auswertung der Kräfte wurde der CPS-Strang in vier Teile unterteilt und für

drei unterschiedliche Wellenlaufrichtungen untersucht, siehe Bild 11.

Betrachtet man die entlang der Kabelausrichtung bzw. in Radialrichtung des Monopiles

wirkenden Kräfte am CPS-Strang, so sind die Lasten auf dem gesamten Strang bei

45° Anströmung am größten. Eine Auswertung an den einzelnen Schnittstellen zwischen

den vier definierten Einzelelementen ergibt jedoch die größte Schnittlast für den

135° Fall am Schnitt zwischen dem Restrictor und den flexibleren CPS-Elementen,

siehe Bild 12.

In Bild 13 sind die einzelnen Anteile der vier Segmente und die Schnittkraft am Restrictor/CPS

Kontakt für den 135° noch einmal im Detail aufgeführt und schematisch die

wirkende Kraftrichtung zum Zeitpunkt der Wellental und -berg Begegnungen dargestellt.

Dieses Verhalten verdeutlicht die Notwendigkeit dreidimensionaler CFD-Analysen, um

lokale Effekte wie Unterdruckfelder, Strömungs- und Kontaktlösungen korrekt abzubilden.

Bild 11. Aufteilung des CPS in vier Abschnitte zur Schnittlastermittlung (links) und relative

Lage des CPS-Koordinatensystems bei den untersuchten Wellenbegegnungen

von 45, 90 und 135° (rechts)

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Bild 12. In Radialrichtung vom Monopile wirkende Kräfte auf den gesamten CPS-

Strang (links) und Betrachtung der Schnittkräfte am RESTRICTOR/CPS- Kontakt

(rechts) für die unterschiedlichen Wellenlaufrichtungen

Bild 13. Betrachtung der einzelnen Anteile für den Winkel 135° und grafische Darstellung

der wirkenden Kraftrichtungen zum Zeitpunkt der Wellental- und Wellenberg-

Begegnung am Schnitt zwischen dem Restrictor und dem flexiblen CPS-Strang

(rechts) mit schematischer Darstellung der Monopile-Umströmung

5 Zielsetzung und Ausblick

Im weiteren Verlauf des Projekts CableProtect werden die bislang gewonnenen numerischen

Ergebnisse durch grundlegende experimentelle Untersuchungen zur Fluid-

Struktur-Interaktion (FSI) und Fluid-Partikel-Interaktion (FPI) ergänzt.

Diese Versuche werden am DST (Duisburg) und an der Universität Siegen durchgeführt

und dienen der Validierung der in den Simulationen verwendeten Modellen und

identifizierten Belastungsmechanismen.

Darüber hinaus wird eine Schnittstelle zwischen FSI- und FPI-Modellen entwickelt, um

die Auswirkungen der hydrodynamischen Anregung der CPS-Struktur auf den Auskolkungsprozess

im Bereich des Kabeleintritts zur Mudline -und umgekehrt, den Einfluss

der sich ändernden Lagerbedingungen auf die CPS-Lasten- zu untersuchen.

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Die Ergebnisse sollen helfen, die Kopplung zwischen Strömungsanregung, Bodenerosion

und Strukturbewegung quantitativ zu beschreiben.

Bis zum Abschluss der Projektlaufzeit (2026) ist vorgesehen, die Erkenntnisse in vereinfachte

Ingenieurmodelle, Bemessungshilfen und Designempfehlungen zu überführen,

die bestehende DNV- und BSH-Regelwerke ergänzen und eine verbesserte Prognose

der CPS-Lebensdauer ermöglichen.

Schrifttum

[1] Online-Veröffentlichung: https://tramontanaengineering.com/2021/03/01/failure-of-cable-protection-sys

tems/

[2] Online-Veröffentlichung: https://www.aisltd.com/case-study/cable-protectionrepair-system-a-field-proven-solution-for-offshore-wind

[3] Online-Veröffentlichung: https://www.atlantasmarine.com/case-studies/comprehensive-cable-protection-system-cps-inspection

[4] DNV-ST-0359: Subsea Power Cables for Wind Power Plants, Rev. 01, 2023

[5] DNV-RP-0360: Subsea Power Cables in Shallow Water and Landfall Areas,

2020

[6] DNV-RP-C205: Environmental Conditions and Environmental Loads, 2010

[7] BSH: Standard „Konstruktive Ausführung von Offshore-Windenergieanlagen“,

2020

[8] Carbon Trust: OWA Cable Protection Systems – Best Practice Guideline, Wood

Group, London, 2024.

DVS 402 21


ROV-basierte 3D-Vermessung in 80 m Tiefe zur

Instandsetzung der Grundablässe der Rappbodetalsperre

Oliver Kahmen*, Jade Hochschule, IAPG, Oldenburg

Dr. Holger Haufe, Tractebel Hydroprojekt GmbH

Lutz Naue, Tauchservice Naue

Andreas Rudolf

Im Rahmen der Instandsetzung des Grundablasses ist eine genaue geometrische

Analyse in etwa 80 m Tiefe erforderlich. Aufgrund sicherheitstechnischer Restriktionen

ist ein Einsatz von Tauchern in diesen Tiefen nicht möglich. Ziel der Maßnahme ist die

Erneuerung der Dichtung des Notschützes, um eine vollständige und zuverlässige

Abdichtung gegenüber dem Grundablass sicherzustellen. Zur Erhebung der Bilddaten

kommt ein ROV zum Einsatz, das mit interner sowie externer Kameratechnik

ausgestattet ist. Trotz der eingeschränkten Sichtverhältnisse unter Wasser kann durch

die Erfassung multipler kleiner Ausschnitte eine vollständige 3D-Rekonstruktion des

Grundablasses erstellt werden. Die erzielte Messgenauigkeit liegt bei etwa 5 mm.

Ergänzend dazu erfolgt eine hochauflösende 3D-Vermessung des Notschützes an Luft

mittels Laserscan-Technologie mit einer Genauigkeit von etwa 0,3 mm. Diese

hochgenauen Daten ermöglichen die Identifikation geometrischer Anomalien, die

potenziell das Dichtverhalten beeinflussen und Rückschlüsse auf den

Dichtungsprozess (Andrücken des Schützes) zulassen. Durch die Fusion der beiden

Datensätze – aus der Unterwasservermessung und dem Laserscan an Luft – entsteht

ein virtuelles Modell, das eine detaillierte Analyse der Passgenauigkeit zwischen

Notschütz und Grundablass erlaubt. Auf dieser Grundlage lassen sich potentielle

Undichtigkeiten infolge von Formabweichungen lokalisieren und gezielt beheben. Die

gewonnenen Informationen ermöglichen die Konstruktion einer neuen, exakt

angepassten Dichtung, wodurch die Betriebssicherheit des gesamten Systems

langfristig erhöht wird.

DVS 402 22

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