GSV Jahrbuch Mobilität 2025
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SCHIENE
Foto: Christian Mauser
Fachbeitrag von Siemens Mobility Austria
Weiterentwicklung rechnergestützter Zugleitsysteme
Rechnergestützte Zugleitsysteme (RZL) entstanden
in den 2000er-Jahren als Antwort auf steigende
Anforderungen an Effizienz und Sicherheit im
Bahnverkehr. Sie entwickelten sich von einfachen
Unterstützungswerkzeugen für die Fahrdienstleitung
zu zentralen, digitalen Steuerungseinheiten,
die heute das Rückgrat moderner Betriebsführung
bilden und eine präzise, automatisierte Zugsteuerung
im Echtzeitbetrieb ermöglichen. Der Artikel
beleuchtet die Entwicklung am Beispiel von Trainguard
STC, das auf österreichischen Nebenbahnen
erfolgreich eingesetzt wird.
Herausforderungen im Zugleitbetrieb
Um Nebenbahnen attraktiv und wirtschaftlich zu
halten, müssen Betreiber zentrale Herausforderungen
meistern:
• „Schneller“: Reisezeiten müssen mit dem Individualverkehr
konkurrieren.
• „Öfter“: Dichtere Taktungen sind nötig, um
neue Fahrgastgruppen zu gewinnen.
• „Informierter“: Fahrgäste erwarten umfassende
Echtzeitinformationen.
Moderne RZL leisten hierzu einen entscheidenden
Beitrag.
Die Integration von Eisenbahnkreuzungssicherungsanlagen in rechnergestützter
Zugleitsysteme erhöht die Sicherheit
Innovationen für mehr Sicherheit
• Integration von Eisenbahnkreuzungen:
Die Integration von Eisenbahnkreuzungssicherungsanlagen
(EKSA) in RZL ermöglicht eine direkte,
drahtlose Kommunikation zwischen Zug
und Sicherungsanlage. Nur wenn die Sicherung
bestätigt ist, darf die Kreuzung befahren werden.
Im Störungsfall wird der Triebfahrzeugführer
automatisch gewarnt und das System
überwacht die Einhaltung einer Bremskurve. Die
Pinzgauer Lokalbahn ist ein Beispiel für die erfolgreiche
Umsetzung: Dort sind inzwischen 36
Anlagen verschiedener Hersteller integriert.
• Kontinuierliche Geschwindigkeitsüberwachung:
Früher erfolgte die Zugbeeinflussung
punktförmig, heute wird sie kontinuierlich und
dynamisch überwacht. Onboard-Units berechnen
in Echtzeit individuelle Bremskurven,
berücksichtigen statische und temporäre Geschwindigkeitsvorgaben
und greifen bei Nichteinhaltung
automatisch ein.
• Digitale Sicherung von Baustellen: Traditionell
werden Baustellen durch Gleissperren abgesichert.
Moderne RZL bieten eine mobile App für
das Aufsichtsorgan des Bahnbetreibers (AdB),
das die Freigabe digital bestätigt. Erst dann
kann die Sperre vom Fahrdienstleiter aufgehoben
werden. Dies erhöht Sicherheit, Nachvollziehbarkeit
und Dokumentation.
Maßnahmen für höhere Verfügbarkeit
• Geo-Redundanz: Um Ausfälle zu minimieren,
setzen moderne RZL auf doppelt ausgeführte
Server und Bedienplätze, die geografisch getrennt
sind. So werden lokale Störungen wie
Stromausfälle oder Brände abgefangen und die
Systemverfügbarkeit signifikant erhöht.
• Redundante Kommunikation: Neben dem
klassischen Datenfunk wird parallel Mobilfunk
(z.B. 4G/5G) eingesetzt. Diese doppelte Anbindung
erhöht die Ausfallsicherheit und stellt
sicher, dass kritische Informationen auch bei
Störungen übertragen werden. Ein Probebetrieb
ist ab Herbst 2025 bei der Murtalbahn geplant.
Verbesserter Fahrgastkomfort
• Echtzeit-Fahrgastinformation: Fahrgäste erwarten
verlässliche, aktuelle Informationen zu
Verspätungen und Anschlüssen. Moderne RZL
erfassen diese Daten präzise und stellen sie
über standardisierte Schnittstellen für mobile
Apps und Anzeigen bereit. Die nächste Entwicklungsstufe
ist die Vernetzung mit anderen
Verkehrsunternehmen für systemübergreifende
Anschlussinformationen.
• Digitale Bedarfshalte: Viele Haltestellen auf
Nebenbahnen sind Bedarfshalte. Moderne RZL
ermöglichen es, Haltewünsche aus der Haltestelle
digital an den zentralen Server zu übermitteln,
der diese an den nächsten passenden
Zug weiterleitet. Das erhöht den Bedienkomfort
und reduziert Unsicherheiten für Fahrgäste.
Ausblick: Automatisierung & Zukunft
Mit dem technologischen Fortschritt rückt die Automatisierung
weiter in den Fokus. Zentrale Entwicklungspfade
sind:
• Automatische Fahrerlaubnisse:
Das System kann auf
Basis von Streckenbelegungen,
Fahrplänen und Betriebszuständen
auf ausgewählten Nebenbahnen
führen – ein wichtiger Schritt zu einem zukunftsfähigen,
ressourcenschonenden Schienenverkehr.
Literatur:
„Steigerung der Sicherheit und Verfügbarkeit durch rechnergestützte
Zugleitsysteme inkl. Einbindung von EKSA-Anlagen“
Signal+Draht Ausgabe 10/2025
Fahrerlaubnisse
ohne manuelles Eingreifen
des Fahrdienstleiters erteilen.
• Automatisiertes, energieoptimiertes
Fahren: Auf
Basis dynamischer Fahrprofile,
aktueller Streckendaten
und
Echtzeitinformationen
kann der Energieverbrauch
und Verschleiß minimiert werden.
Langfristig könnten diese Entwicklungen
zu teil- oder vollautomatisierten
Betriebsformen
Autor: Christian Mauser, Head of Regional Transport,
Siemens Mobility Austria
Zugleitsysteme geben Haltewünsche an den
nächsten passenden Zug weiter
Heute wird die Geschwindigkeit kontinuierlich und dynamisch überwacht. Onboard-Units berechnen in Echtzeit individuelle Bremskurven, berücksichtigen
statische und temporäre Geschwindigkeitsvorgaben und greifen bei Nichteinhaltung automatisch ein.
Foto: Christian Mauser
Grafik: Siemens Mobility Austria GmbH
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