GSV Jahrbuch Mobilität 2025
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LUFTFAHRT
Luftfahrtsymposium 2025
Wohin steuert der Luftverkehrsstandort Österreich?
der Fall. Alle europäischen Drehscheiben verlieren
Konnektivität mit Ausnahme derer mit starker
touristischer Nachfrage, wie zum Beispiel Athen.
Wien hält sich im Vergleich zu anderen noch re-
kann. Danach wird es schwierig - E-Fuels,
also nachhaltige Kraftstoffe aus nicht biogener
Masse, sind nämlich heute überhaupt
noch nicht verfügbar.“
Foto: AIA
lativ gut.“ Gleichzeitig stelle die Beimengung von
SAF eine Herausforderung dar: SAF sei doppelt
Auch die Fluggastrechteverordnung kos-
Foto: AIA
Jäger, Flughafen Wien / AIA
Das 23. Luftfahrtsymposium der Aviation Industry
Austria (AIA), dem Dachverband der österreichischen
Luftfahrtbranche, bot auch heuer wieder einen
exzellenten Überblick über die aktuelle Lage
der österreichischen und europäischen Luftfahrt.
Über 200 Gäste aus Wirtschaft, Luftfahrt und Forschung
besuchten die hochkarätige Fachveranstaltung,
die im September 2025 am Flughafen Wien
unter dem Titel „Zwischen globalen Unsicherheiten
und Kurswechsel – wohin steuert der Luftverkehrsstandort
Österreich?“ stattgefunden hat.
Flughafen Wien: Rekordpassagierzahlen
und Herausforderungen
Julian Jäger, Vorstand der Flughafen Wien
AG und Präsident der Aviation Industry Austria,
sieht trotz erfreulicher Passagierzahlen einige
Herausforderungen für die Luftfahrt: „Wenn
wir als Flughafen Wien auf die aktuelle Sommersaison
zurückblicken, können wir sehr zufrieden
sein. Der August war mit 3,4 Millionen Passagieren
der stärkste Monat aller Zeiten. Insgesamt erwarten
wir für 2025 rund 32 Millionen Reisende.
Das könnte ein Höchstwert in unserer 70-jährigen
Geschichte werden. Gleichzeitig reduziert Ryanair
Flugzeuge in Wien und Wizz Air schließt ihre Basis
und verlagert Kapazität nach Bratislava und Buda-
pest. Auch die Regionalflughäfen kämpfen um
entsprechende Hub-Anbindungen. Das macht
deutlich: die Luftfahrt ist global, der Wettbewerb
ist global und der Wettbewerbsdruck
zwischen den Airlines und den Flughafenstandorten
ist enorm und steigt weiter. Globale
Krisen, die ökologische Transformation
– Stichwort Sustainable Avation Fuels (SAF)
und strenge Regulierung machen der Branche
zu schaffen. Gleichzeitig lässt der Reiseboom,
den wir nach Corona erlebt haben, nach. All
das führt dazu, dass unser Blick in die Zukunft
verhalten bleibt. Wir benötigen Rahmenbedingungen,
die Wachstum fördern und Hürden
reduzieren – Stichworte Abschaffung der
Flugabgabe, Förderung von Forschung und
Entwicklung sowie weniger Regulierung.“
BM Hanke: Luftfahrtstandort weiter
voranbringen
Bundesminister Peter Hanke begrüßt die Gäste
per Videobotschaft: „Der Wille zur Zusammenarbeit
eint uns auch mit den Vertreterinnen und Vertretern
der Luftfahrt. Ich bin in vielen guten Gesprächen
und weiß, dass die Wiedererlangung von
Konnektivität, die Ausbildung und die Verfügbarkeit
von Fachkräften, die steigenden Kosten und
die damit verbundene Wettbewerbsfähigkeit sowie
die Erreichung unserer Nachhaltigkeitsziele für die
Branche im Vordergrund stehen. Für mich sind
Innovation und der Einsatz neuer Technologien
von ganz zentraler Bedeutung. So ist die Dekarbonisierung
der Luftfahrt nur mit komplett neuen
Ansätzen und Technologien wie Sustainable Aviation
Fuels (SAF) und in weiterer Folge Wasserstoff
möglich. Um das Luftfahrtsystem effizienter und
nachhaltiger zu machen, müssen auch Digitalisierung
und der Einsatz von künstlicher Intelligenz
weiter vorangetrieben werden. Als Mobilitätsminister
sehe ich mich als Standortminister und daher
ist es mir besonders wichtig, den Luftfahrtstandort
Österreich weiter nach vorne zu bringen.
Lassen Sie uns gemeinsam mit Zuversicht an den
Zielen für den Luftstandort Österreich arbeiten.“
AIA: Corona hat der Branche
einiges an Wachstum gekostet
Peter Malanik, Geschäftsführer Aviation Industry
Austria (AIA): „Die Branche hat während
der Corona-Zeit ungefähr 190 Milliarden Euro bzw.
sechs Jahre Wachstum verloren. In einer extrem
wachstumsgetriebenen Industrie, wo nur mit
Wachstum die ständig steigenden Einheitskosten
reduziert werden können. Außerdem spielt sich
dieses Wachstum großteils nicht in Europa ab,
wir haben mächtige Konkurrenz. Nach der letzten
Statistik des Airport Council International ist
mittlerweile Istanbul die am besten connectete
Destination weltweit, vor Dallas, vor Frankfurt,
vor Amsterdam, vor Paris sowieso. Das ist bemerkenswert
und war vor einigen Jahren noch nicht
bis dreimal so teuer. Bezahlen müssen das die
Fluggesellschaften, obwohl die Treibstoffhersteller
diejenigen sind, die verpflichtet sind, SAF beizumischen.
Die Verfügbarkeit werde mit steigender
SAF-Beimengung ebenfalls ein Thema werden.
IATA: Österreich und Wien
verlieren Konnektivität
Matthias Jakobi, Area Manager der IATA, betont
die Bedeutung der Luftfahrt als entscheidender
Wirtschaftsfaktor: „Mehr als 47.000 Menschen
arbeiten in Österreich direkt im Luftverkehrssektor.
Wenn man die Beschäftigungseffekte, die
durch den Luftverkehr ausgelöst werden, wie zum
Beispiel den Tourismus, mitberücksichtigt, sprechen
wir von 242.000 Jobs. 5,1% des BIP werden
durch den Luftverkehrssektor erwirtschaftet, das
ist ein überproportional hoher Anteil. Der Luftverkehr
ist wichtig für den Österreich-Tourismus,
für Wien als Kongressstandort und auch für die
Luftfracht. Leider sehen wir, dass im globalen Luftfahrt-Konnektivität
Ranking Österreich von Platz
34 in 2014 auf Platz 38 in 2024 zurückgefallen ist.
Diese Position ist sicher nicht die richtige für dieses
Land. Wien leidet, wie ein paar andere Standorte
auch, unter ungleichen Wettbewerbsbedingungen.
Die in Österreich vertretenen Fluggesellschaften
brauchen daher dringend Kostenentlastung. Zwischen
2019 und 2024 sind in Wien die staatlichen
Standortkosten, zum Beispiel die Flugsicherung,
die Flugabgabe und die Luftsicherheitsgebühren,
um fast 80 Prozent gestiegen. Die österreichische
Flugabgabe zählt zu den höchsten in Europa.“ Außerdem
seien die hohen Gewinnmargen einiger
Flughäfen längst nicht mehr in Balance mit den
geringen Margen von Airlines.
Auch die SAF machen der IATA Sorgen: „Die Verpflichtung,
bis 2050 netto null CO 2
-Emissionen
zu erreichen, wird nur gelingen, wenn wir diese
SAF-Kraftstoffe zur Verfügung stellen können. Die
werden derzeit hauptsächlich aus biologischen Abfallstoffen
hergestellt. Wir denken, dass man bis
2030 diese Volumina irgendwie zusammenkratzen
te den Airlines viel Geld: „Heute werden
Fluggesellschaften gezwungen, Entschädigungen
für Verspätungen an Passagiere
auszuzahlen, die überhaupt nicht im Kontrollbereich
von der Fluggesellschaft liegen.
Das können z. B. Verspätungen durch die
Flugsicherung sein, Stau am Himmel. Diese
Verordnung kostet die Fluggesellschaften
in Summe 5 Milliarden Euro jährlich.
Da braucht es eine dringende Reform.“
Deutschland steht auch im
Luftverkehr nicht gut da
Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer Bundesverband
der Deutschen Luftverkehrswirtschaft
(BDL), berichtet über die Lage in
Deutschland: „Wenn man sich anschaut, wie sich
die europäischen Mitgliedstaaten seit der Corona-
Pandemie erholt haben, dann steht Deutschland
nicht gut da. Wir sind auf einem der allerletzten
Plätze, Österreich ist schon wieder raus aus der
Krise. Wir befinden uns bei 87 Prozent dessen, wo
wir 2019 waren. Und wir haben uns gefragt, woran
liegt das? Ein Land mit 84 Millionen Einwohnern,
verrückt nach Tourismus, Reiseweltmeister, und
trotzdem wird sehr wenig geflogen. Wie kann das
sein? Im innerdeutschen Verkehr liegen wir bei 50
Prozent des Niveaus 2019. Und wenn sie die zwei
Drehkreuze Frankfurt und München herausrechnen,
landen Sie bei 19 Prozent.
Die gravierendste Ursache sind laut Lang die
staatlichen Standortkosten, die aus drei Kostenkomponenten
bestehen: Erstens die nationale
Luftverkehrssteuer, die in Deutschland
eine Spannbreite von 15 bis 70 Euro je nach Distanzklasse
und insgesamt mittlerweile 2 Milliarden
Euro und 50% aller Belastungen ausmacht, die es
bei den staatlichen Standortkosten gibt.
Zweitens die An- und Abfluggebühren in
Deutschland, die sehr hoch sind, weil die deutsche
Bundesregierung beschlossen hat, die Verluste
aus der Corona-Pandemie über sieben Jahre von
Jakobi, IATA
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