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GSV Jahrbuch Mobilität 2025

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LUFTFAHRT

den Passagieren abtragen zu lassen. Deshalb seien

sie viel höher, als sie sein müssten.

Drittens die sehr teuren Sicherheitskontrollen.

Die meisten Flughäfen werden vom Innenministerium

bestückt. Über ein Jahrzehnt wurde

dafür lobbyiert, dass die Flughäfen das selber machen

dürfen. Frankfurt, Berlin, Köln und Bonn machen

das mittlerweile. Und man sieht signifikante

Verbesserungen in der Kostenstruktur.

Lang: „In Summe machen die Kosten mehr als

100% der Belastungen von 2019 aus. Das schießt

uns aus dem Markt. Reihenweise ziehen Airlines

Flugzeuge aus Deutschland ab. Zuerst die Low-

Cost Airlines, mittlerweile auch die Lufthansa:

Diese will sukzessive alle Strecken stilllegen, die

nicht Frankfurt oder München bedienen, weil es

sich einfach nicht rechnet. Wenn Sie von einem

deutschen Flughafen aus einen Europa-Flug one

way antreten, dann lasten auf diesem Flug zwischen

4500 und 5000 Euro Steuern und Abgaben.

In Madrid sind es 700 Euro, in Prag sind es 500

Euro. Wenn Sie also für einen One-Way-Flug 4000

Euro Mehrkosten haben, weil Sie Deutschland anbinden,

dann ist völlig klar, dass Sie das nicht auf

Dauer machen werden.“

AUA: Zusammenarbeit unerlässlich

Annette Mann, CEO, Austrian Airlines: „Wir

haben keinen Tag, an dem in der Welt nicht etwas

passiert, sei es Politik, Wetter oder Zölle, kriegerische

Auseinandersetzungen, die irgendeiner Form

unsere Operations beeinträchtigen. Speziell wir

europäischen Airlines sind sehr verletzlich. Wir haben

uns in Europa sehr viele sehr teure Regeln gegeben,

die unser Immunsystem, wie wir draußen

in der Welt bestehen können noch zusätzlich geschwächt

haben. Überleben kann eine Airline nur

mehr, wenn man Teil eines großen Verbundes ist,

so wie wir seit 15 Jahren Teil des Lufthansa Konzerns

sind. Überleben reicht jedoch nicht. Wenn

man seine Kapitalkosten verdienen will, wenn man

zukunftsfähig sein möchte, also so viel verdienen,

dass man in die Zukunft investieren kann, braucht

es das Zusammenspiel aller Systempartner und

der Politik an einem Standort. Ich glaube, was uns

hier am Standort auszeichnet, ist das Teamwork

vor allem im operativen Bereich. Dieses Teamwork

zum jetzigen Zeitpunkt müssen wir auf ein nächstes

Level in Richtung wirtschaftlichen Erfolg bringen!

In dem besten Jahr der AUA Geschichte haben

wir 127 Millionen Euro verdient. Wir sind aber

ein Unternehmen mit mehr als zwei Milliarden

Umsatz, und das war eine Marge von rund fünf

Prozent. Im Schnitt kommen wir eher auf so drei

bis vier Prozent, auch in diesem Jahr. Wir brauchen

jedoch eine EBIT-Marge um die acht Prozent,

ungefähr doppelt so hoch wie heute, um uns aus

eigener Kraft zu erneuern und damit wir hier eine

Zukunft haben. 15 Jahre ist kein einziger Euro Dividende

aus der AUA an den Konzern gegangen.

Und da muss man sich als Aktionär auch mal die

Frage stellen, was soll das denn eigentlich?“

Podiumsdiskussion: Es gilt an

mehreren Schrauben zu drehen

In der anschließenden Podiumsdiskussion berichtet

Antonia Gilbert, Austrian Business Aviation

Association (ABAA), dass die Geschäftsluftfahrt

die Pandemie anders als der Rest der

Luftfahrt erlebt hat: „Zuallererst haben wir den

gleichen Einsturz erlitten wie die bekannten Fluglinien,

aber dann hat man die Business Aviation

recht schnell als unverzichtbares Instrument anerkannt.

Der Economic Output der Geschäftsluftfahrt

liegt europaweit bei etwa 100 Milliarden Euro

und diese repräsentiert 9% aller Flugbewegungen

in Europa. In Österreich liegen wir bei 2,2 Milliarden

Euro Wirtschaftsoutput. Besonders beschäftigen

uns die Klimaschutzregulierungen. Es geht

hauptsächlich um kleine und mittlere Betriebe, die

hier einen immensen administrativen Aufwand bestreiten

müssen.“

Elisabeth Landrichter, Geschäftsführerin von

Austro Control, betont, dass Österreich hinsichtlich

des Luftraumes in einer etwas anderen Situation

als Deutschland ist: „Durch die Umleitung

des Verkehrs (Ukraine, Russland) steht in Europa

20% weniger Luftraum zur Verfügung. Das führt

durch eine veränderte Flugroutenführung auch

dazu, dass wir mehr Verkehr in Österreich haben.

Wir befinden uns hinsichtlich der Kosten durchaus

in einem guten europäischen Mittelfeld. Zentraler

Beitrag einer Flugsicherung ist, dass ein Hub in

operativen Bereichen bestmöglich funktioniert. Da

tragen wir sehr viel dazu bei.

v.l.n.r. Jakob Zirm (Die Presse), Julian Jäger (Flughafen Wien), Annette Mann (AUA), Robert Machtlinger (FACC), Antonia Gilbert (ABAA), Elisabeth

Landrichter (Austro Control), Karin Puleo-Leodolter (BMIMI)

Jäger nimmt zu den stark gestiegenen Gebühren

Stellung: „Seit 2019 sind unsere Flughafengebühren

im Schnitt um ungefähr 20% gestiegen.

Das war sicherlich über dem europäischen Durchschnitt.

Da ist der Haupttreiber die Inflation. Wir

werden aber im nächsten Jahr die Passagiertarife

um 4,6% absenken, den Landetarif um 2,1%. Aus

meiner Sicht ist es ein Unterschied, ob ich Flughafentarife

mit einem Flughafen Wien, München

oder Zürich vergleiche oder mit einem italienischen

Regionalflughafen. Verglichen mit Flughäfen

wie München, Frankfurt oder Zürich ist das Preis-

Leistungsverhältnis in Wien ein sehr gutes.“

Mann sieht die Tarifreduktion nicht als Senkung,

sondern als Rückkehr zur Normalität, und diese

ist relativ hoch: „Die Flughafengebühren in Wien

liegen unter München und Frankfurt. Wir haben

jetzt aber auch gerade vom Kollegen Lang gehört,

Deutschland sollte nicht der Maßstab sein. Die Gebühren,

die Zürich der SWISS abnimmt, sind prozentual

viel weniger von dem, was wir pro Ticket

verdienen als in Wien."

Karin Puleo-Leodolter versichert als Vertreterin

des Ministeriums (BMIMI), dass man sich

sehr intensiv mit dem Thema Flugabgabe beschäftige.

Das gehe allerdings nur gemeinsam mit dem

Finanzminister, und hier finde zurzeit ein sehr enger

Austausch statt, inwieweit man eine Änderung

herbeiführen kann: „Es sind 170 Millionen, die dann

fehlen, wenn man von einer Streichung ausgeht."

Robert Machtlinger, CEO, FACC, ordnet ein, wo

die österreichische Luftfahrzeugzulieferindustrie

aktuell steht: „In den nächsten 20 Jahren braucht

der Markt 43.000 neue Flugzeuge. 17.000 sind

derzeit bestellt. Österreich ist in der Zulieferkette

von Airbus die siebtgrößte Nation. Wenn Sie

die Standorte und die Länder herausnehmen, wo

Airbus selber fertigt, Deutschland, Frankreich und

England, dann ist Österreich im Zuliefernetzwerk

unter den viertgrößten Nationen. Es gibt etwas in

Österreich, dass unsere weltweiten Kunden wollen

und das ist die Innovation. Da ist man auch gerne

bereit, etwas mehr dafür zu bezahlen, aber auch

Innovation muss leistbar bleiben. Zwischen 2020

und 2025 haben sich die Personalkosten bei der

FACC um 30% erhöht, das entspricht 50 Millionen

Euro. Diese 50 Millionen bezahlen die Kunden

nicht, weil wir mit der globalen Inflation gemessen

werden. Und wenn die anderswo geringer ist,

dann bleiben wir auf derzeit 30 Millionen sitzen.

Und diese 30 Millionen müssen wir mit Effizienzsteigerungen,

Digitalisierung und Automatisierung

wieder reinholen. Das machen wir, aber das geht

nicht von heute auf morgen, vor allem in einem

Betrieb, der in dieser Richtung ohnehin viel investiert

hat – eine Herkulesaufgabe. Wir werden uns

daher genau ansehen, an welchen Standorten wir

weiter investieren werden. Österreich hat zumindest

Vorteile bei der Ausbildung.“

Autor: Bernhard Weiner, GSV

Foto: AIA

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