02.12.2025 Aufrufe

GSV Jahrbuch Mobilität 2025

  • Keine Tags gefunden...

Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!

Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.

ZUKUNFT DER MOBILITÄT

Foto: EMPOWER Consortium

Fachbeitrag des AIT

Auf dem Weg zu emissionsfreien Schwerlastfahrzeugen für

den Fernverkehr

Die Dekarbonisierung des Straßenverkehrs ist

eine der zentralen Herausforderungen der europäischen

Klimapolitik. Besonders der Schwerlastverkehr

steht im Fokus: Lkw sind für rund ein Drittel

der CO₂-Emissionen des Straßenverkehrs verantwortlich,

und bisher war der Anteil emissionsfreier

Fahrzeuge in diesem Segment verschwindend

gering. Hier setzt das EU-Forschungsprojekt EM-

POWER („Eco-operated, Modular, highly efficient,

and flexible multi-POWERtrain for long-haul

heavy-duty vehicles“) an. Unter der Leitung des

AIT Austrian Institute of Technology entwickelt ein

internationales Konsortium aus 14 Partnern zwei

emissionsfreie schwere Nutzfahrzeuge – ein Meilenstein

auf dem Weg zu einem klimaneutralen

europäischen Transportsektor.

Zwei emissionsfreie Lkw für den

Praxiseinsatz

Das Projekt verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2029

sollen zwei Demonstrationsfahrzeuge auf Technologiereifegrad

8 (TRL 8) entwickelt, erprobt und

für den Markteintritt vorbereitet werden. Beide

Fahrzeuge gehören zur VECTO-Fahrzeuggruppe 9

(6×2 starre Lkw) und verfügen über einen elektrischen

Antriebsstrang. Das erste Fahrzeug wird

als Brennstoffzellen-elektrischer Lkw (FCEV) mit

einer Reichweite von rund 750 Kilometern konzipiert

und damit für den Fernverkehr geeignet

Bis 2029 wird ein Brennstoffzellen-elektrischer und ein batterielektrischer Lkw auf

Technologiereifegrad 8 entwickelt, erprobt und für den Markteintritt vorbereitet

Wertschöpfungskette zu entwickeln: von der Enersein.

Das zweite ist ein batterieelektrischer Lkw

(BEV) mit einer Reichweite von 400 Kilometern,

ausgelegt für den regionalen Verteilerverkehr.

Beide Demonstratoren sollen eine Nutzlast von

mindestens 90 Prozent vergleichbarer Diesel-Lkw

erreichen und dabei eine Gesamtbetriebskosten-

Parität (TCO) mit herkömmlichen Fahrzeugen erzielen

– vorausgesetzt, eine Serienproduktion von

rund 10.000 Fahrzeugen pro Jahr wird erreicht.

Modulare Architektur und

Schlüsseltechnologien

Kern des Projekts ist ein modulares Fahrzeugkonzept,

das eine flexible Anpassung der Antriebskomponenten

und Energiesysteme erlaubt. Diese

Modularität erstreckt sich auf die Fahrzeugsystemarchitektur,

die Hoch- und Niederspannungsarchitektur,

das Thermo- und Energiemanagement

sowie das Human-Vehicle-Interface (HVI).

Entwickelt werden dabei unter anderem:

• eine hocheffiziente E-Achse mit bis zu 840 kW

Spitzenleistung,

• ein Brennstoffzellensystem mit über 50 Prozent

Wirkungsgrad auch unter ungünstigen Lastpunkten,

• ein elektrifiziertes Bremssystem mit Energierückgewinnung,

• ein innovatives Heizungs- und Klimakonzept auf

Basis von CO₂ als Kältemittel, ergänzt durch Infrarotpaneele,

• sowie ein digitaler Zwilling, der alle Systeme in

der Simulation abbildet und zur Optimierung

des Gesamtsystems eingesetzt wird.

Besonderes Augenmerk gilt dem Thermomanagement:

Da Heizung und Kühlung in elektrischen

Nutzfahrzeugen einen erheblichen Anteil am Energieverbrauch

haben, wird ein System entwickelt,

das bis zu 70 Prozent Energieeinsparung gegenüber

herkömmlichen Klimasystemen ermöglicht.

Wärme der Kabinenabluft wird dabei zurückgewonnen,

um Frischluft vorzuwärmen oder vorzukühlen

– eine Lösung, die besonders in den Übergangszeiten

hohe Effizienz verspricht.

Simulation und digitale Zwillinge

Das AIT verantwortet nicht nur die Gesamtkoordination

des Projekts, sondern auch die Entwicklung

umfassender Simulationsmodelle für beide Fahrzeugtypen.

Diese digitalen Zwillinge dienen zur

optimalen Auslegung von Brennstoffzelle, Batterie,

Leistungselektronik, Motor und Klimasystem. So

können Betriebspunkte analysiert, Energieflüsse

optimiert und das Zusammenspiel der Komponenten

vor dem physischen Aufbau getestet werden.

Die modulare Struktur der Modelle erlaubt eine

flexible Anpassung und Wiederverwendung einzelner

Komponenten – ein entscheidender Schritt hin

zu einer skalierbaren Plattform für künftige Null-

Emissions-Lkw.

Demonstration und Realbetrieb

In der zweiten Projektphase werden beide Demonstratoren

umfassend getestet: Zuerst werden die

Fahrzeuge auf dem Testgelände in Balocco (Italien)

ausgiebig getestet und ihre maximalen Reichweiten

ermittelt. Anschließend wird das FCEV Langstreckenmissionen

zwischen Italien und Deutschland

absolvieren, inklusive alpiner Strecken über

den Brennerpass, und das BEV wird im regionalen

Verteilerverkehr in Italien und Deutschland eingesetzt.

Beide Fahrzeuge sollen in dieser sechsmonatigen

Demonstrationsphase zeigen, dass sie

den Anforderungen des realen Transportbetriebs

gewachsen sind. Parallel dazu werden Lebenszyklusanalysen

(LCA) und Gesamtbetriebskostenanalysen

(TCO) durchgeführt, um ökologische und

ökonomische Effekte transparent zu bewerten.

Kooperation entlang der gesamten

Wertschöpfungskette

Das EMPOWER-Konsortium umfasst 14 Partner

aus sieben Ländern – von Fahrzeugherstellern

über Forschungseinrichtungen bis hin zu Technologieanbietern

und Flottenbetreibern. Diese

ganzheitliche Zusammensetzung spiegelt den

Anspruch wider, Lösungen entlang der gesamten

gieerzeugung (grüner Wasserstoff) über Antriebstechnik

und Elektronik bis hin zu Nutzerintegration

und Markteinführung. Das Projekt ist zudem eng

in den europäischen AEVETO-Cluster eingebettet,

der mehrere Leitprojekte im Bereich emissionsfreier

Nutzfahrzeuge bündelt und gemeinsame

Disseminationsaktivitäten durchführt, etwa auf

der TRA 2024 in Dublin.

Als Koordinator übernimmt das AIT Austrian Institute

of Technology die wissenschaftliche und

administrative Projektleitung, die Entwicklung des

Thermomanagements und der Klimatisierungssysteme,

die simulationsgestützte Auslegung beider

Demonstratoren, die Qualitätssicherung und das

Risikomanagement. Im ersten Projektabschnitt

wurden dafür Infrastruktur, Datenplattformen und

Qualitätsrichtlinien etabliert, die in einem eigenen

„Project Handbook“ dokumentiert sind.

Gesellschaftliche und ökologische

Wirkung

EMPOWER steht im Einklang mit den Zielen des

European Green Deal, des Pariser Klimaabkommens

und des EU-Programms „Fit for 55“. Durch

den Ersatz konventioneller Diesel-Lkw durch emissionsfreie

Alternativen sollen Luftschadstoffe und

Lärmemissionen deutlich reduziert werden. Langfristig

wird erwartet, dass die Markteinführung

solcher Fahrzeuge den Weg für eine tiefgreifende

Transformation der Logistikbranche ebnet – ökologisch,

technologisch und ökonomisch.

Ausblick

Bis 2026 soll EMPOWER zeigen, dass emissionsfreie

Schwerlastfahrzeuge praxistauglich, effizient

und wirtschaftlich betrieben werden können. Damit

liefert das Projekt nicht nur zwei Demonstratoren,

sondern ein integriertes Technologiepaket

– von der modularen Architektur über intelligente

Steuerung bis zur Systembewertung.

Fördergeber: Horizon Europe HORIZON-CL5-

2022-D5-01-08: Modular multi-powertrain zeroemission

systems for HDV (BEV and FCEV) for efficient

and economic operation (2ZERO)

Autor: Thomas Bäuml, AIT Austrian Institute of

Technology

20 21

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!