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GSV Jahrbuch Mobilität 2025

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INTELLIGENTE VERKEHRSSYSTEME

Foto: Katharina Schiffl

Podiumsdiskussion: In der Praxis ist

die KI-Umsetzung herausfordernd

Jacqueline Erhart, Leitung ITS Vienna Region,

ist überzeugt, dass höchste Datenqualität

unerlässlich ist, um Öffi-Nutzern besseren Service

anbieten zu können: „Die Fahrgäste und deren

Wunsch, von A nach B zu kommen, ist das, wofür

wir arbeiten und versuchen, uns zu verbessern.

Als Menschen und Entwickler im VOR kann KI bei

der Arbeit helfen, unterstützen, vielleicht einmal

unsere Code Generierung zu hinterfragen. Weil wir

immer schneller, besser, höher und weiter mit unseren

Services kommen wollen. Wir haben uns natürlich

die Digitalisierung der Infrastruktur als Basis

von unseren Services auf die Fahne geheftet.

Als ITS Vienna Region bedienen wir die Ostregion,

digitalisieren aber auch das ganze Wegenetz in

Österreich mit. Geo-AI ist ein Ansatz, um uns weiterzuentwickeln.

Professor Janowicz hat zurecht

darauf hingewiesen, dass wir müssen aufpassen

müssen, der KI nicht ganz die Herrschaft über unsere

Serviceentwicklungen zu überlassen, weil es

ja doch einen gewissen Bias in unseren aktuellen

Daten gibt und auch in unserem Mobilitätsverhalten.

Für eine Gesamtverkehrsoptimierung braucht

es vielleicht die eine oder andere Stellschraube,

die uns die KI noch nicht geben kann, die wir wohl

auch noch neu designen müssen.“

Peter Hollos, Leiter Innovation & Digitale

Services, WLB, sieht KI ebenfalls als Notwendigkeit

an, vor allem auch aufgrund des Sparbedarfs

gerade am Standort Österreich: „Das erzeugt

Druck, auch bei kleineren Unternehmen, die oft

nicht so viele Ressourcen abseits des Tagesgeschäftes

für derartige Themen haben. Wenn wir in

unserem Unternehmen über KI reden, dann habe

ich vielleicht eine Hand voll Mitarbeiter, die mich

verstehen, weil der Rest damit beschäftigt ist, sich

um das Tagesgeschäft zu kümmern. Das heißt, eigentlich

besteht die große Herausforderung darin,

diese neue Technologie in die Unternehmen hineinzubringen.

Ziel sollte nicht der Einzelvorteil sein,

dass ich meine Arbeitszeit besser genutzt habe,

sondern dass das Unternehmen daran partizipiert.

Am Anfang kostet so etwas immer Geld und wenn

im Unternehmen nicht das richtige Mindset dafür

geschaffen wird, ist das der erste Posten, der wieder

gestrichen wird. Das heißt, es ist ganz wichtig,

die Erfolge, die sich dann auch einstellen, nachzuweisen

und sichtbar zu machen: In der Bilanz habe

ich deshalb kein Plus von 40.000 Euro stehen, weil

ich einen Bus eingespart habe, sondern ich habe

einfach die Ausgaben für die wirtschaftlich bessere

Lösung stehen. Fakt ist, dass die Komplexität

bei uns täglich ansteigt. Am Ende des Tages bekomme

ich nicht mehr Ressourcen zur Verfügung

gestellt, deshalb muss ich diese effizienter einbinden

und nutzen und dabei kann mir KI helfen.“

Österreich muss über Pilotprojekte

hinauswachsen

Christina Wilfinger, Investor | Board Member

| Advisory, CWX Management, konnte durch

ihre bisherige Laufbahn nahezu jedes größere österreichische

Unternehmen oder Organisationseinheit

bis zu einem gewissen Grad kennenlernen,

aber auch einige der „kleineren“: „Was alle gemeinsam

haben, unabhängig von der Branche, der

Industrie, der Organisationseinheit - in Österreich

sind alle sehr gut darin, einmal mit einem Pilotprojekt

zu starten. Was wir dann nicht können, ist

skalieren. Große Unternehmen tun sich da auch

nicht leichter: unzählige bürokratische Hürden,

nicht vorhandenes Change Management, Ressentiments

von Mitarbeitern, die auch schlicht und

ergreifend Angst haben, sind nur ein paar Gründe.

Die Komplexität überfordert viele, die Technologie

ist nicht mehr das Thema. Als Zentraleuropäer

tun wir uns aus meiner Sicht besonders schwer,

einfach einmal vorzupreschen und zu skalieren

und nicht immer zuerst den Business Case in den

Vordergrund zu stellen. Es werden die nächsten

EPUs kommen, die Milliardenbewertungen haben

und uns um die Ohren rauschen. Deshalb sage ich

skalieren und weg aus dieser Bilanzierungsphase.

Es kann nicht sein, dass die erste Überlegung ist,

wo man überall anecken könnte, damit ja nichts

Rohracher (GSV), Erhart (ITS Vienna Region), Hollos (WLB), Janowicz (Uni Wien), Watzenig (TU Graz), Wilfinger (CWX Management)

passiert. Das und, solange ein Geschäft noch irgendwie

läuft, hindert uns am Skalieren. Ich sprede:

„Als ich vor mittlerweile 16 Jahren in die USA

Janowicz sieht auch einige kulturelle Unterschieche

da immer gerne von den 4Gs: Gewohnheiten, gegangen bin, war der Konkurrenzkampf nur zwischen

Europa und Amerika. Und im Laufe der Zeit

Gesetze, Geld, Gefühle. Müssen wir wirklich am

Boden liegen, bevor wir uns bewegen?“

hat sich die Konkurrenz, zumindest in meinem

Bereich der künstlichen Intelligenz, so verschoben,

dass es nur noch USA gegen China war und

Erhart stimmt Wilfinger zu: „Wir sind Weltmeister

im Pilotieren und vor allem, wenn es um neue jetzt versucht die USA, mit China mitzuhalten.

Mobilitätstechnologien geht. Wir haben zum Teil Mittlerweile wird Europa aus internationaler Sicht

die Technologien fertig, wir schaffen es aber nicht nur mehr als Markt betrachtet.“ Und weiter: „Uns

sie auszurollen. Wir benötigen einheitliche Rahmenbedingungen

in ganz Europa, um überhaupt Silicon Valley gehen und mit Venture Capitals re-

fehlt der Mut zu versagen. Wenn Sie einmal nach

einen Markt zu schaffen, um Lösungen skalierbar den, die Ihnen Geld geben, und Sie sagen, Sie

zu machen.“

sind nicht schon mal gescheitert, dann sind Sie

uninteressant für die nach dem Motto: Sie sind

Watzenig betont, dass der Zug für Europa hinsichtlich

des automatisierten Fahrens noch nicht es geht. Wir Europäer sind in einigen Bereichen

noch nicht gescheitert, dann wissen Sie nicht, wie

abgefahren sei. Die Technologielösungen, die wir der KI, autonomes Fahren, aber auch bei den

haben, sind international vergleichbar, auch die Wissensgraphen, die ich dargestellt habe, international

führend gewesen. Jedoch sind wir daran

Skills sind vorhanden. Es scheitert schlussendlich

am Zusammenspiel der Kräfte. Auch bei dieser gescheitert, all das tatsächlich zu implementieren,

großen europäischen Initiative Software-Defined- denn dafür fehlte das Geld, der Mut, die Idee.“

Vehicle mache die Fragmentierung Schwierigkeiten.

Die Europäische Kommission gibt das vor, alle Erhart schließt mit einem Aufruf ab: „Wir benötigen

selbstlernende Teams, die stets mutig einer

stürzen sich drauf, aber am Ende scheitert es, weil

Deutschland in eine andere Richtung zieht, als es Veränderung entgegenblicken. Ich glaube, das ist

Frankreich gerne sehen würde. Wir haben so ein die größte Herausforderung.“

wenig den Speed über die Jahre verloren, der gehört

wieder angezündet.

Autor: Bernhard Weiner, GSV

Foto: GSV

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