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GSV Jahrbuch Mobilität 2025

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INTELLIGENTE VERKEHRSSYSTEME

Fachbeitrag von Yunex Traffic Austria

Nicht das Pferd ist zu ersetzen, sondern ein neuer Wagen

muss her

Anders gesagt: Die Priorisierung des öffentlichen

Verkehrs bleibt bestehen, doch mit moderner C-

ITS-Technologie wird sie spürbar effizienter.

Technologische Grundlagen

Die Priorisierung des öffentlichen Verkehrs an

Lichtsignalanlagen wird seit Jahrzehnten erfolgreich

eingesetzt, um Fahrplantreue und Reisezeiten

zu verbessern. Bisher kommt dabei meist

Analogfunk zum Einsatz. Das Fahrzeug sendet ein

Signal an die Empfangseinheit der Lichtsignalanlage,

worauf eine vordefinierte Reaktion folgt,

etwa eine Phasenverlängerung oder eine vorzeitige

Grünanforderung. Grundlage ist das sogenannte

Meldepunktprinzip, das über Voranmeldung,

Hauptanmeldung, Türschließkriterien und Abmeldung

mit R09.xx-Telegrammen realisiert wird. Die

Positionsbestimmung erfolgt durch Baken oder

über GNSS-Systeme. Aufgrund von geplanten Umstrukturierungen

des Frequenzbereichs im Analogfunk

ist eine Anpassung für viele bestehende

Systeme zur Kommunikation zwischen Lichtsignalanlagen

und Fahrzeugen in Zukunft anzudenken.

Mit der Einführung von IP-basierten Technologien

wie kooperativen intelligenten Verkehrs-

systemen (C-ITS) und der V2X-Kommunikation

(Vehicle-to-Everything) eröffnen sich neue Möglichkeiten

für eine sichere, dynamische und effiziente

Verkehrssteuerung. C-ITS basiert auf

dem gegenseitigen Informationsaustausch zwischen

Fahrzeugen und Infrastruktur, insbesondere

Lichtsignalanlagen. Die Kommunikation

erfolgt über Standards wie IEEE 802.11p/

WLANp oder ergänzend über Mobilfunk.

Standardisierte Nachrichtenformate wie CAM,

SPAT, MAP, SRM und SSM ermöglichen es Bussen

und Straßenbahnen, ihre Position, Geschwindigkeit

und Fahrplanlage an die Infrastruktur zu

übermitteln. Auf diese Weise kann die Verkehrssteuerung

unmittelbar reagieren.

Zukunft der ÖPNV-Priorisierung:

Von Analogfunk zu C-ITS

Um das Potenzial kooperativer intelligenter Verkehrssysteme

(C-ITS) voll ausschöpfen zu können,

bedarf es neuer Steuerungsmechanismen,

die sich grundlegend von den heutigen Verfahren

unterscheiden. In den kommenden Jahren wird

das bisher weit verbreitete Verfahren mit analogen

Funktelegrammen nach und nach durch moderne

digitale Lösungen ersetzt werden.

zukünftige linienhafte Erfassung der Fahrzeugpositionen

im Zulauf zu Lichtsignalanlagen über C-

ITS bietet hier deutlich mehr Flexibilität und Steuerungspotenzial.

Die Integration von C-ITS in die Verkehrssteuerung

ermöglicht eine gezielte Bevorrechtigung von

ÖV-Fahrzeugen im Einklang mit den Fahrzeugen

höherer Priorität wie Einsatzfahrzeugen sowie den

restlichen Verkehrsteilnehmern. Dabei werden die

Ampelphasen so angepasst, dass diese Fahrzeuge

Kreuzungen möglichst effizient und sicher passieren

können. Die Priorisierung erfolgt dynamisch

und berücksichtigt Eigenschaften wie Fahrzeugtyp

(zum Beispiel Blaulichtorganisationen, Bus, Straßenbahn)

sowie den aktuellen Status (zum Beispiel

pünktlich oder verspätet). Je nach Situation

werden unterschiedliche Prioritätsstufen angewendet.

Wenn die Ausstattungsrate zur Kommunikation

zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur sehr hoch

ist, kann für alle anfragenden Verkehrsströme in

Echtzeit das bestmögliche Freigabezeitfenster berechnet

werden. Dies führt zu einer spürbaren Effizienzsteigerung

an Kreuzungen.

Der Umstieg auf C-ITS sollte schrittweise erfolgen,

um wirtschaftlich tragfähig zu bleiben. Zunächst

bietet es sich an, die bestehende Meldepunktplanung

an der RSU-Infrastruktur beizubehalten und

mit Standardnachrichten der Fahrzeuge (CAM) zu

kombinieren. Dadurch lässt sich die neue Kommunikationstechnologie

sofort nutzen, ohne be-

stehende Steuerungslogiken vollständig neu planen

zu müssen. Gleichzeitig entfallen aber bereits

zu Beginn die bekannten Instabilitäten der alten

Funktechnik.

In einem zweiten Schritt können SRM- und SSM-

Nachrichten für gezielte Priorisierungsanforderungen

eingesetzt werden, da diese Formate speziell

für Fahrzeuge mit besonderem Vorrang wie öffentliche

Verkehrsmittel oder Einsatzfahrzeuge entwickelt

wurden.

Auf dieser Basis kann schließlich eine Neuplanung

der verkehrsabhängigen Steuerungslogik erfolgen,

bei der Fahrzeitprognosen, die sogenannte

ETA (estimated time of arrival), in die Priorisierungsanfragen

integriert werden. So entstehen

neue Möglichkeiten für flexible Steuerungsstrategien,

die sich am aktuellen Verkehrsgeschehen

orientieren.

C-ITS und IT Security

IT-Sicherheit spielt eine zentrale Rolle bei der Einführung

neuer C-ITS-basierter Systeme. Durch

die erweiterten Kommunikationsmöglichkeiten

werden bislang geschlossene Systeme aus Infrastruktur

und Fahrzeugen geöffnet. Im Bereich der

ÖV-Fahrzeuge ist diese Entwicklung bereits seit

einiger Zeit zu beobachten. Dadurch steigt jedoch

auch das Risiko, dass potenzielle Angreifer Zugriff

erhalten könnten. Um diesem Risiko zu begegnen,

sieht die Standardisierung umfangreiche Sicherheitsmechanismen

vor. Digitale Signaturen und

Der Übergang vom starren Meldepunktsystem zur

kontinuierlichen Erfassung von Fahrzeugbewegungen

mithilfe standardisierter C-ITS-Nachrichten

eröffnet neue Möglichkeiten für eine flexible und

situationsabhängige Steuerung, die auch in den

einschlägigen Regelwerken berücksichtigt werden

sollte.

Grafik: Yunex Traffic Austria

Die zukünftige linienhafte Erfassung der Fahrzeugpositionen im Zulauf zu Lichtsignalanlagen

über C-ITS bietet deutlich mehr Flexibilität und Steuerungspotenzial

Die klassische Methode, bei der die Fahrzeugposition

ausschließlich über fest definierte Meldepunkte

übermittelt wird, stößt insbesondere bei

unstetigen Verkehrsverhältnissen, etwa bei Rückstaus

in Zufahrtsbereichen, an ihre Grenzen. Die

Die Priorisierung erfolgt dynamisch und berücksichtigt Eigenschaften wie Fahrzeugtyp (zum Beispiel Blaulichtorganisationen, Bus, Straßenbahn)

sowie den aktuellen Status (zum Beispiel pünktlich oder verspätet). Je nach Situation werden unterschiedliche Prioritätsstufen angewendet.

Grafik: Yunex Traffic Austria

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