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GSV Jahrbuch Mobilität 2025

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STRASSE

Foto: AIT/Johannes Zinner

Fachbeitrag des AIT

Effiziente Erhebung fehlerverzeihender Radinfrastruktur

Mit dem vor kurzem gestarteten Projekt InfraRad

entwickeln das AIT Austrian Institute of Technology

und ITS Vienna Region eine neue Methode, um

Radinfrastruktur in Österreich effizient, objektiv

und vergleichbar zu erfassen – als Grundlage für

sichere, durchgängige und nutzungsfreundliche

Radanlagen von morgen.

Mehr Sicherheit im Radverkehr

durch bessere Datengrundlagen

Radverkehr ist ein zentraler Baustein der Mobilitätswende:

Er trägt zur Reduktion von Emissionen

bei, verbessert die Gesundheit der Bevölkerung

und erhöht die Lebensqualität in Städten

und Gemeinden. Damit Radfahren aber für alle

Altersgruppen – von Kindern bis zu Senior:innen

– sicher und attraktiv wird, braucht es eine hochwertige

Infrastruktur. Diese muss ausreichend

breit, durchgängig, gut gewartet und intuitiv benutzbar

sein.

Doch die aktuelle Datengrundlage über den Zustand

und die Ausgestaltung von Radwegen in

Österreich ist unzureichend. Es existieren un-

Das Messfahrrad ist mit 3D-Kameras, LiDAR-Laserscanner, Koppelnavigation,

Inertialsensoren und Temperatursensorik ausgestattet.

terschiedliche Standards in den Bundesländern,

mit variierender Detailtiefe und Qualität der Erhebungen.

Öffentliche Stellen benötigen jedoch

verlässliche, flächendeckende Informationen, die

in der Graphenintegrations-Plattform (GIP), dem

offiziellen digitalen Verkehrsnetz, zusammengeführt

werden. Nur so können Mängel systematisch

behoben, Lücken geschlossen und Infrastrukturen

langfristig erhalten werden.

Effizient, objektiv und vergleichbar

erheben

Mit dem neuen Forschungsprojekt InfraRad, das

vom AIT Austrian Institute of Technology geleitet

wird, soll eine österreichweit einheitliche Methode

zur Erhebung und Bewertung von Radinfrastruktur

entwickelt werden. Ziel ist es, Daten effizient und

objektiv zu erfassen, den Zustand von Radwegen

transparent zu dokumentieren und den Planungs-

und Instandhaltungsprozessen eine fundierte Basis

zu geben.

Im Mittelpunkt steht ein standardisierter Erhebungskatalog,

der gemeinsam mit Vertreter:innen

aus Verwaltung, Planung und Forschung entwickelt

wird. Er definiert, welche Eigenschaften eine

sichere und fehlerverzeihende Radinfrastruktur

erfüllen muss – und mit welcher Methodik diese

Merkmale zuverlässig erhoben werden können.

Karin Markvica, Projektleiterin am AIT, beschreibt

das Vorgehen so: „Wesentliche Eckpfeiler

des Projekts ,InfraRad‘ sind ein standardisierter

Erhebungskatalog für Radinfrastruktur, der

gemeinsam mit den Stakeholder:innen ausgearbeitet

wird, die Testung von möglichen Erhebungsmethoden

mittels Messfahrrad und daraus

resultierende Erkenntnisse zur Detailtiefe der Daten

und die Integration der neuen Daten in die

GIP. Unser Ziel ist es, dass Infrastrukturbetreibende

und Planende in Österreich langfristig genau

die Daten zur Verfügung gestellt bekommen, die

sie tatsächlich in ihrem Arbeitsalltag brauchen.“

BikeStar: Präzise Vermessung per

Messfahrrad

Ein zentrales Werkzeug im Projekt ist das AIT-

Messfahrrad BikeStar. Es handelt sich um ein

dreirädriges Transportfahrrad, das als mobiles

Messlabor mit modernster Sensorik fungiert. Der

BikeStar ist mit 3D-Kameras, LiDAR-Laserscanner,

präziser Koppelnavigation, Inertialsensoren und

Temperatursensorik ausgestattet. Damit können

Eigenschaften wie Wegbreite, Oberflächenbeschaffenheit,

Steigungen, Sichtverhältnisse, Verkehrszeichen

oder auch die thermische Belastung

objektiv erfasst werden – selbst auf schmalen

oder schwer zugänglichen Abschnitten.

Die Daten werden automatisiert ausgewertet, etwa

zur Erkennung von Fahrbahnschäden oder zur

Analyse des Fahrkomforts. Das ermöglicht nicht

nur eine umfassende Bestandsaufnahme, sondern

auch ein laufendes Infrastrukturmonitoring, das

zielgerichtete Wartungsmaßnahmen erleichtert.

Der BikeStar wird im Projekt InfraRad entsprechend

der Anforderungen der Stakeholder:innen

weiterentwickelt, um alle notwendigen Parameter

erheben zu können.

Teil einer leistungsfähigen

Messfahrzeugflotte

Das AIT verfügt über eine europaweit einzigartige

Infrastruktur zur objektiven Zustandserfassung

und Bewertung von Verkehrswegen: Während

der kompakte BikeStar speziell für die Analyse

von Radinfrastruktur konzipiert wurde und

Breiten, Oberflächenqualität und Engstellen aus

Radfahrer:innensicht dokumentiert, dient das Motorcycle

Probe Vehicle (MoProVe) als mobile Laborplattform

zur Untersuchung von Fahrdynamik und

Infrastrukturwirkung für Motorradfahrer:innen.

RoadLab fungiert als flexibles in-Fahrzeug-Labor

zur Erprobung von On-Board-Systemen und zur

hochauflösenden Dokumentation auch kleinerer

Verkehrsflächen. Für den großflächigen Netzbetrieb

kommt der hochleistungsfähige RoadSTAR-

Messwagen zum Einsatz, der mit Laserscannern,

Zeilenscannern, Kameras und präziser Satellitennavigation

in einem Durchgang Quergefälle, Längsprofil,

Spurrillen und weitere Fahrbahneigenschaften

erfasst – ohne den Verkehrsfluss zu stören.

Diese abgestimmte Flotte ermöglicht es, Infrastruktur

gesamthaft und über verschiedene Verkehrsträger

hinweg zu analysieren – von der Radspur

bis zur Autobahn.

Österreichweites Benchmarking

als Ziel

InfraRad verfolgt das Ziel, den Zustand der Radinfrastruktur

nicht nur lokal zu verbessern, sondern

auch überregional vergleichbar zu machen.

Ein österreichweites Benchmarking soll

Entscheidungsträger:innen in Bund, Ländern und

Gemeinden bei der Priorisierung von Investitionen

unterstützen. Gleichzeitig wird durch die Integration

in die GIP sichergestellt, dass alle relevanten

Daten zentral verfügbar sind und nachhaltig genutzt

werden können.

Fördergeber: Österreichischer Verkehrssicherheitsfonds

(VSF) des Bundesministerium für Innovation,

Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) im

Rahmen der 7. Ausschreibung zum Thema „fahr

– Rad – sicher!“

Autor: Mag. Florian Hainz, BA, Marketing & Communications,

Center for Transport Technologies, AIT

Breiten, Oberflächenqualität und Engstellen werden aus

Radfahrer:innensicht dokumentiert

Foto: AIT/Johannes Zinner

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