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GSV Jahrbuch Mobilität 2025

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STRASSE

Fachbeitrag des Amtes der Vorarlberger Landesregierung

Stadttunnel Feldkirch – erster bergmännisch hergestellter

Kreisverkehr Österreichs

In den Jahren 2020 bis 2024 wurden in den

Portalen Straßen umgelegt, Radwegunterführungen

und Brücken errichtet, zahlreiche Leitungen

verlegt und zwei Erkundungsstollen aufgefahren.

Positive Erfahrungen mit

kooperativen Allianzvertrag

Foto: Land Vorarlberg

Foto: Land Vorarlberg

Die Topographie Feldkirchs, im wirtschaftlich

starken Dreiländereck Österreich, Liechtenstein,

Schweiz ist geprägt von mehreren Stadtteilen,

welche durch Bergrücken und eine Schlucht voneinander

getrennt sind, was zur Folge hat, dass

sich der Verkehr auf zwei Achsen konzentriert,

welche sich im Zentrum an der sogenannten „Bärenkreuzung“

treffen. Seit mehreren Jahrzehnten

wird eine Entlastung gesucht.

Das lokal und regional bedeutsame Verkehrsentlastungsprojekt

„Stadttunnel Feldkirch“, welches

seit 2019 schrittweise umgesetzt wird, besteht aus

einem System von vier Tunnelabschnitten, welche

über einen zentralen unterirdischen Kreisverkehr

verbunden sind. Die Gesamtlänge aller Tunnelabschnitte

beträgt knappe 4.000 m. Zusätzlich sind

für die Abluftanlage bestehend aus Lüfterkaverne,

Schrägstollen und Lotschacht, weitere 440 m

unterirdische Hohlraumbauwerke vorgesehen. Der

vierarmige Kreisverkehr gleicht einem Tunnelring

mit einem Außendurchmesser von 74 m. In der

Mitte des Tunnelringes verbleibt aus geomechanischen

Gründen ein Gebirgspfeiler von rund 42 m

Österreichs erster unterirdischer Ringtunnel dient als Verteiler

Moderne Architektur bei Portalgestaltung

Durchmesser. Die einmündenden Tunneläste werden

auf einer Länge von jeweils 70 m symmetrisch

aufgeweitet. An den Portalen der Fahrtunnelröhren

sind ebenfalls Aufweitungsprofile angeordnet, um

eine leistungsfähige Anbindung an das innerstädtische

Verkehrsnetz zu gewährleisten. Unter der

Fahrbahn werden zwei 110kV-Leitungen verlegt,

sodass nach geplanter Gesamtfertigstellung 2030

Freileitungen zur Entlastung des Landschaftsbildes

abgebaut werden können.

UVP-Verfahren verzögerte Projekt

Nach einem sogenannten konsensorientierten Planungsprozess

mit Einbindung der interessierten

Anrainerschaft wurde im Jahre 2013 eine Umweltverträglichkeitsprüfung

eingeleitet. Aufgrund von

Einsprüchen der Projektgegner lief das Verfahren

über mehrere Instanzen, sodass erst im Jahre 2019

ein rechtsgültiger UVP-Bescheid vorlag, der über

400 Auflagen enthält, welche die Bauumsetzung

leider weder billiger noch schneller machen.

Bereits im Herbst 2019 wurde zusammen

mit der ÖBB mit der Vorbereitung des Aufbaues

einer Bahnverladeanlage begonnen. Die umweltfreundliche

Bahnverfuhr soll ca 100.000

LKW-Fahrten ersetzen, welche für den Abtransport

von ca 1 Mio Tonnen Tunnelausbruch

notwendig gewesen wären. .

Foto: Land Vorarlberg

Als Alternative zu den in der DACH-Region üblichen

Einheitspreisverträgen mit konstruktiver

Leistungsbeschreibung wurde erstmals vom Land

Vorarlberg durch Anwendung eines kooperativen

Vertragsmodells versucht, einen für Auftraggeber

und Auftragnehmer ausgewogenen und fairen

Bauvertrag zu formulieren. Deshalb wurde der

ca. 1.200 m lange Erkundungsstollen Tisis in einem

Pilotprojekt als sogenannter Allianzvertrag

gemäß ÖBV-Merkblatt „Alternative Vergabe- und

Vertragsmodelle“ ausgeschrieben und an eine

Tunnelbau-ARGE vergeben. Allianzverträge stellen

die vertrauensvolle und transparente Zusammenarbeit

zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer

in den Vordergrund. Die partnerschaftlichen

Komponenten dieser Vertragsmodelle legen dabei

Wert auf durchgehend kooperative Prozessabläufe

sowie kontinuierliche Verbesserungen bzw.

Optimierungen durch Messung der Leistung und

zielen auf langfristig vertrauensvolle Beziehungen

im Bauprojekt zwischen den Projektpartnern ab.

Oberster Grundsatz dieser Vertragsmodelle ist die

Vermeidung von Konflikten, die sich bei „traditionellen“

Bauaufträgen durch die divergierenden Interessen

der Projektbeteiligten fast schon zwangsläufig

ergeben.

Die positiven Erfahrungen beim Erkundungsstollen

Tisis mit dem neuartigen Allianzvertrag, der

zu einer Bauzeitverkürzung und beträchtlichen

Kosteneinsparungen führte, motivierte das Land

Vorarlberg, die Stadt Feldkirch und die Vorarlberger

Netz AG als Bauherrengemeinschaft auch das

Hauptbaulos als Allianzvertrag auszuschreiben.

Im Dezember 2024 wurden die Tunnelbauarbeiten

vergeben und im Jänner 2025 begannen die ersten

vorbereitenden Arbeiten. Im Sommer und Herbst

2025 wurde eine Verladeanlage, eine ca 100 m

lange Förderbandbrücke und ein Verladegleis errichtet,

sodass ab Frühjahr 2026 mit dem Hauptvortrieb

(Tunnelanschlag) begonnen werden kann.

Für die Vortriebsarbeiten, welche von der heimi-

Tunnelbauarbeiten im Erkundungsstollen Tisis

schen ARGE Jägerbau, STRABAG, Hilti & Jehle

nach einem EU-weiten Vergabeverfahren erstanden

wurden, sind ca 3,5 Jahre vorgesehen, danach

folgt der Innenausbau und die elektrotechnische

Ausrüstung. Auch bei den zahlreichen Nebenbaulosen,

wie Radwegunterführungen, Portalgebäude,

Straßen- und Leitungsumlegungen konnte die heimische

Bauwirtschaft und somit auch die regionale

Wertschöpfung profitieren.

Die Sicherheitstechnik wird auf modernsten Stand

erfolgen mit parallelen Flucht-, Rettungs- bzw

Wartungsstollen, die alle 250 m über Querschläge

mit dem Fahrtunnel verbunden sind. Beleuchtung,

Lüftungstechnik, Videoüberwachung, Sensorik,

Feuerlösch- und Notrufnischen und Pannenbuchten,

sowie eine Tunnelüberwachung in Zusammenarbeit

mit der ASFINAG sollen dem Verkehrsteilnehmer

ein höchstes Niveau an Tunnelsicherheit

gewährleisten. Herzstück der Sicherheitstechnik

wird eine Maschinenkaverne neben dem unterirdischen

Kreisverkehr sein.

Ab 2030 soll diese außergewöhnliche Infrastrukturmaßnahme

den Anrainern der Feldkircher Innenstadt

die ersehnte Entlastung von Verkehrslärm

und Luftschadstoffen bringen. Für die Verkehrsteilnehmer

und die Wirtschaft sollen die täglichen Zeitverluste

durch Stau der Vergangenheit angehören.

Autor: DI Bernhard Braza, Projektleitung Tunnelbau,

Amt der Vorarlberger Landesregierung

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