GSV Jahrbuch Mobilität 2025
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STRASSE
Fachbeitrag von EFS Consulting
Kreislauf statt Stillstand: Ökologische Verantwortung als
ökonomischer Vorteil in der Automobilindustrie
Warum verschwenden wir Rohstoffe, wenn wir
sie erneut nutzen könnten? In der Kreislaufwirtschaft
gilt jedes Material als Ressource. Für die
Automobilindustrie heißt das: Fahrzeuge werden
weiterverwendet, aufbereitet oder in Einzelteile
zerlegt, sodass Komponenten und Materialien
erneut in den Wertschöpfungsprozess fließen. Auf
diese Weise entsteht ein System, das ökologische
Verantwortung mit wirtschaftlicher Effizienz verbindet.
Die Branche befindet sich inmitten einer fundamentalen
Transformation in der Klimaschutz,
Ressourcenknappheit und geopolitische Unsicherheiten
mit strengeren Regulierungen und
wachsendem Nachhaltigkeitsbewusstsein zusammentreffen.
Vor diesem Hintergrund wird die
Kreislaufwirtschaft zum zentralen Hebel für Wettbewerbsfähigkeit,
Versorgungssicherheit und Klimaneutralität.
Grenzen des linearen Modells
Das lineare Wirtschaftsmodell nach dem Prinzip
„take, make, waste” stößt in der Automobilindustrie
zunehmend an seine Grenzen. Rohstoffe
werden entnommen, zu Fahrzeugen verarbeitet
und nach einer vergleichsweise kurzen Nutzungsdauer
wieder entsorgt. Zwar lassen sich Metalle
in hohem Maß zurückgewinnen, doch zahlreiche
andere Materialien, insbesondere Kunststoffe und
Verbundstoffe, gehen dauerhaft verloren. Hinzu
kommt, dass die Fahrzeugproduktion zu den
ressourcenintensivsten Industriezweigen zählt.
Mit dem Übergang zur Elektromobilität verschiebt
sich der ökologische Schwerpunkt zudem – weg
von der Nutzungsphase, hin zu den rohstoff- und
energieintensiven Herstellungsprozessen.
Kreislaufwirtschaft als
Lösungsansatz
von Geschäftsmodellen, Prozessen und Lieferketten.
Neben ökologischen Vorteilen entstehen dabei
auch ökonomische Potenziale: So senkt Remanufacturing
von Produkten und Komponenten die
Kosten um 40–60 %, steigert Margen, erhöht die
Resilienz und verkürzt Ersatzteilverfügbarkeiten,
während verlängerte Produktlebenszyklen neue
Marktsegmente erschließen.
Zusätzlich unterstreichen weitere zirkuläre Geschäftsmodelle
das Potenzial der Kreislaufwirtschaft.
Insbesondere Product-as-a-Service-Modelle
bieten deutliche Vorteile: Durch längere
Eigentumszyklen, wiederkehrende Vertragsabschlüsse
und zusätzliche Dienstleistungen wie
Wartung und Versicherung lassen sich gegenüber
dem klassischen Fahrzeugverkauf Profitsteigerungen
erzielen. Planbare Rücklaufquoten sichern
darüber hinaus eine stetige Versorgung
mit Gebrauchtwagen und -komponenten und ermöglichen
somit Second-Life-Lösungen wie Refurbishment
und Repurposing, beispielsweise für
Batteriespeichersysteme. Unternehmen können
dadurch nicht nur einen Beitrag zur Nachhaltigkeit
leisten, sondern auch wesentliche Wettbewerbsvorteile
erzielen.
Ökologische Verantwortung trifft
ökonomische Stärke
Die Transformation zur Kreislaufwirtschaft erfordert
zwar tiefgreifende Veränderungen entlang
der Wertschöpfungskette, stellt jedoch auch eine
wirtschaftliche Notwendigkeit dar. Wer Kreislaufprinzipien
früh verankert, sichert Ressourcen,
reduziert Abhängigkeiten und steigert Effizienz,
Resilienz und Profitabilität. So verbindet Kreislaufwirtschaft
ökologische Verantwortung mit ökonomischer
Stärke und wird zum Schlüssel für eine
zukunftsfähige, wettbewerbsfähige und klimaneutrale
Automobilindustrie.
Autor: Fabian Holly, Experte für Circular Economy
bei EFS Consulting
Grafik: EFS Consulting
Der hohe Ressourcenverbrauch macht deutlich,
warum Kreislaufwirtschaft unverzichtbar ist. Ziel
ist es, Materialien länger im Umlauf zu halten,
ihren Wert zu bewahren und Abfälle zu
vermeiden. Mit Green Deal, Net-Zero
Industry Act und Clean Industrial Deal
setzt die Europäische Union klare Vorgaben
wie zirkuläres Fahrzeugdesign,
digitale Produktpässe und verbindliche
Recyclingquoten. Dadurch werden
Kreislaufprinzipien strukturell in der
Industrie verankert und der Weg zu
einer klimafreundlichen Fahrzeugproduktion
beschleunigt.
Wirtschaftliches Potenzial
der Kreislaufwirtschaft
Für Hersteller und Zulieferer erfordert
der Übergang zur Kreislaufwirtschaft
eine grundlegende Neuausrichtung
wachstum durch zirkuläre
geschäftsmodelle.
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