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GSV Jahrbuch Mobilität 2025

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SCHIENE

Foto: ÖBB / Robert Deopito

• Als Brücke 1 wurde eine weit gespannte Gemeindestraßenbrücke

über vier Gleise mit einer

Stützweite von ca. 43 Metern herangezogen. Eine

Besonderheit ist, dass die Bahntrasse in der Brückenmitte

tiefer liegt als die Randgleise, so ist

eine größere Bauhöhe möglich. Die Amtsvariante

ist eine Stahl-Betonverbundkonstruktion in Integralbauweise.

Die größere Bauhöhe in Feldmitte

ermöglicht zudem eine Alternativvariante als Holz-

Beton-Verbundkonstruktion.

• Die Brücke 2 ist eine zweifeldrige Rad- und Fußwegbrücke

über einen Kanal mit ca. 30 Meter Gesamtstützweiten

und wird aus Stahlbeton geplant.

Zusätzlich wird auch hier eine Alternativplanung aus

einer Holz-Beton-Verbundkonstruktion betrachtet.

Brücken mit Holzanteil leben kürzer

Für die vergleichende Betrachtung ist entscheidend,

nicht nur die Herstellung der Brücke, sondern

den gesamten Lebenszyklus zu berücksichtigen,

in der Studie wurde ein Analysezeitraum

von 100 Jahren gewählt. Berücksichtigt wurden

dabei die Lebenszyklusphasen Rohstoffgewinnung,

Transport und Herstellung (A1–A3), Transport

zur Baustelle (A4–A5) Austausch/Ersatz (B4)

und Rückbau und Entsorgung (C1–C4) nach der

ÖNORM EN 17472. Bei der ökologischen Untersuchung

wurde die Kohlenstoff-Neutralisation des

Holzes berücksichtigt. Der im Holz gespeicherte

Kohlenstoff wurde nicht dargestellt, da dieser im

Stahl-Beton-Brücken sind langlebiger und ökologischer als Holz-Beton-Brücken

Zuge der Entsorgung (thermische Verwertung)

wieder freigesetzt wird.

Die Studie ist zu dem Schluss gekommen, dass

sich aus ökonomischer Sicht nur geringe Unterschiede

in den Errichtungskosten zwischen den

untersuchten Bauweisen (Stahl-Beton vs. Holz-Beton)

zeigten. Auch aus ökologischer Sicht sind die

Emissionen in der Herstellungsphase vergleichbar.

Die entscheidenden Unterschiede zeigen sich bei

der Betrachtung über den gesamten Lebenszyklus

von 100 Jahren: Eine verkürzte Lebensdauer mit

häufigeren Erhaltungszyklen verstärkt Emissionen

und Kosten multiplikativ. Diese Effekte sind auf

die geringere Dauerhaftigkeit der Holztragwerke

und den damit verbundenen höheren Instandhaltungsaufwand

zurückzuführen. Somit erweisen

sich Brücken mit Holzanteil in der vorliegenden

Untersuchung als nachteilig gegenüber den konventionellen

Lösungen.

Literatur

„Holzbrückenuntersuchungen & Ökobilanzierung“ von Anika Häberlein

und Alfred Hüngsberg, Brückentagung in Wien, Juni 2025

Vortrag: http://brueckentagung.at/bruecke2025/ppt/11.pdf

Paper: http://brueckentagung.at/bruecke2025/paper/11.pdf

Autoren: Anika Häberlein, Florian Gschösser und

Lukas Hausberger (Uni Ibk), Alfred Hüngsberg,

Christoph Kaipel und Rainer Hausenberger (ÖBB),

Anja Gaugl und Sebastian Spaun (VÖZ)

Definition Ökobilanz

Ökobilanz (engl. LCA – Life Cycle

Assessment) gemäß ÖNORM EN

17472 und EN 15804. Die Ökobilanz

bezieht sich auf die Umweltaspekte

und potentiellen Umweltwirkungen

(z.B. Nutzung von

Ressourcen und die Umweltauswirkungen

von Emissionen) im Verlauf

des Lebensweges eines Produktes

von der Rohstoffgewinnung

über Produktion, Anwendung, Abfallbehandlung,

Recycling bis zur

endgültigen Beseitigung (d.h. „von

der Wiege bis zur Bahre“).

Fachbeitrag der SCHIG mbH

Kompetenzzentrum für Österreichs Eisenbahn

Die Österreicher:innen sind EU-Spitzenreiter,

wenn es um die Nutzung der Bahn geht: Im

Durchschnitt legt jede Person 1.597 Bahnkilometer

im Jahr auf der Schiene zurück – europaweit

übertrifft diesen Wert nur die Schweiz. Mit einem

Modalsplit von 29,1 Prozent ist Österreich auch im

Bereich des Schienengüterverkehrs in Europa ganz

vorne dabei. Grundlage dafür sind eine attraktive

Kapazitätsverfügbarkeit, der laufende Ausbau

und die Modernisierung des Bahnnetzes, ein stetig

verbessertes Angebot im Schienenpersonenverkehr

und leistbare Ticket- sowie Trassenpreise.

Für ein funktionierendes Zusammenspiel dieser

Aspekte braucht es starke Partner wie die SCHIG

mbH (kurz für Schieneninfrastruktur-Dienstleistungsgesellschaft

mbH), die im Auftrag des BMI-

MI (Bundesministerium für Innovation, Mobilität

und Infrastruktur) eine zentrale Rolle in der österreichischen

Bahnlandschaft einnimmt. Sie ist

für die Bestellung des Schienenpersonenverkehrs,

die Kontrolle von Eisenbahninfrastrukturprojekten

sowie die Förderung nachhaltiger Gütermobilität

verantwortlich.

Schienenpersonenverkehr

Ein wesentlicher Aufgabenbereich ist die Bestellung

gemeinwirtschaftlicher Verkehrsleistungen

auf der Schiene. In Österreich wird beinahe der

gesamte Schienenpersonenverkehr durch die

SCHIG mbH bei Eisenbahnverkehrsunternehmen

im Rahmen von sogenannten Verkehrsdiensteverträgen

bestellt. Diese Verträge legen detailliert

fest, welche Zugverbindungen im Nah- und

Fernverkehr angeboten werden und welche Qualitätsstandards

für die Fahrgäste zu erbringen

sind. Um diese Standards sicherzustellen, wird ein

umfassendes Leistungs- sowie Qualitätscontrolling

betrieben, wobei letzteres objektive als auch

subjektive Kriterien berücksichtigt. In Zahlen bedeutet

dies: Jährlich werden über 110 Millionen

Zugkilometer mit einem Abgeltungsvolumen von

rund 1,7 Milliarden Euro (Stand 2025) bestellt und

mehr als 3.000 Qualitätsprüfungen in den Zügen

durchgeführt.

Durch die gemeinwirtschaftliche Leistungsbestellung

wird sichergestellt, dass Bahnverbindungen

nicht nur auf lukrativen, hoch frequentierten Strecken

angeboten werden, sondern auch in jenen

Regionen, die ohne öffentliche Mittel kaum ein

verlässliches Angebot hätten. Dies trägt wesentlich

zu einer flächendeckenden Nutzung des öffentlichen

Verkehrs und der Daseinsvorsorge für

die österreichische Bevölkerung bei.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Verkehrsplanung.

Hier werden Fahrpläne für Personenzüge

geplant, stets mit dem Ziel, einen integrierten

Taktfahrplan zu realisieren, um durch optimier-te

Anschlüsse den Modal Split zugunsten einer nachhaltigen

Schienenmobilität zu steigern. Mit Vorlaufzeiten

von bis zu 15 Jahren arbeitet die SCHIG

mbH eng mit Eisenbahninfrastruktur- und -verkehrsunternehmen

sowie den regionalen Aufgabenträgern

zusammen. Bestehende Verbindungen

werden analysiert, technische Möglichkeiten ausgeschöpft

und Fahrgastwünsche aktiv berücksichtigt,

um das Angebot kontinuierlich zu optimieren

und sicherzustellen, dass die langfristig geplanten

Fahrpläne auch tatsächlich umgesetzt werden.

Jährlich werden über 110 Millionen Zugkilometer mit einem Abgeltungsvolumen von

rund 1,7 Milliarden Euro bestellt

Foto: (c)ÖBB Harald Eisenberger

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