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unternehmen [!]
RESSORT
1
Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 99 | Dezember 2025 | 3,00 €
+
Erbach
spezial
Katja Maier
Handwerk
ist Glück
Vorurteile gibt es zuhauf – auch heute noch. Alles
Quatsch. Die Handwerkspräsidentin zeigt, welche
großartigen Chancen in den Berufen stecken.
MEDIZINTECHNIK
Wie das Göppinger Start-up
Miravision mit KI die Diagnostik
revolutionieren will.
Seite 26
DIGITALISIERUNG
Cloud-Computing und KI - eine
Bestandsaufnahme zwischen
Fortschritt, Hype und Risiko.
Seite 44
PERSPEKTIVEN
Ein Besuch bei Ulrike Freund: wie
die Brauerei-Chefin denkt und ihr
Unternehmen lenkt.
Seite 40
2
RESSORT unternehmen [!]
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unternehmen [!] EDITORIAL/INHALT 3
Liebe Leserin, lieber Leser,
das Ausbleiben des „Herbsts der Reformen“ und
die schwierige wirtschaftliche Lage können
schnell mal zur „German Angst“ führen. Und wer
will das so kurz vor Weihnachten? Niemand. Deshalb
setzen wir zur Abwehr einer aufkommenden
Winterdepression in dieser Ausgabe auf
„Swabian Mut“. Und von dem gibt‘s reichlich.
Folgt man Katja Maier, Präsidentin der Handwerkskammer
Ulm, so sollten Eltern den Mut haben,
die Entscheidungen ihrer Kinder zu akzeptieren.
Das gilt aus ihrer Sicht insbesondere für
die Hinwendung zu einem Handwerksberuf, der
nebenbei noch glänzende Perspektiven bietet.
Lukas Mürdter und Leonid Mill von Miravision
nehmen es mit schwäbischem Tüftlergeist und KI
bei der medizinischen Diagnostik mit Microsoft
auf. Die Ansage steht, die Bundesagentur für
Sprunginnovation unterstützt das Göppinger
Deep-Tech Start-up.
Der Mut, offen auszusprechen, was ihr wichtig
ist, zeichnet Ulrike Freund schon immer aus. Ihr
liegt der offene Austausch, sie will niemandem
gefallen, sie steht für ihre Traditionsbrauerei und
vor ihren Mitarbeitenden und deren Familien.
Bei Dieter Grauling ist nicht nur die erzeugte
Energie nachhaltig, sein Mut ebenso. Er ist Projektentwickler
für erneuerbare Energie mit hohem
Einsatz. Er bringt die Energiewende ganz persönlich
voran.
Das müsste doch Mut machen!
Viel Vergnügen bei der Lektüre.
Ihr Tobias Lehmann,
Redaktionsleiter unternehmen [!]
08 Gut überlegt in neue Märkte
Was Unternehmen beachten müssen und
wo sie Hilfe bekommen.
12 KI ist Chance für das Handwerk
Interview mit Katja Maier, erste Frau an der
Spitze der Handwerkskammer Ulm.
22 Obstkorb war gestern
Warum immer mehr Unternehmen in die
Gesundheit ihrer Beschäftigten investieren.
26 Microsoft im Visier
Wie das Göppinger Start-up Miravision die
medizinische Diagnostik revolutionieren will.
32 Die unterschätzte Kraft des Lesens
Warum Bücher gerade heute unverzichtbar
sind - nicht nur für Führungskräfte.
34 Standort Erbach im Porträt
Bau-Booster für Erbachs Innenstadt und die
schwierige Suche nach Wohnraum.
40 Sie zieht den Karren
Ein Besuch bei Ulrike Freund: Wie die Brauerei-
Chefin denkt und ihr Unternehmen lenkt.
44 Innovation trifft Skepsis
Cloud-Computing verändert Arbeitswelten -
was Unternehmen abwägen müssen.
56 Das Energiebündel von Tomerdingen
Dieter Grauling hat die Mission, die Energiewende
anzutreiben.
58 Das Büro kann mehr als Schreibtisch
Workspaces im Wandel: Hybride Arbeit und
wandelbare Räume erfinden die Arbeitswelt
neu.
64 Vorbeigeschaut bei Rainer Frey
Ein Antreiber und Macher, wie es ihn nur
selten gibt.
56
26
40
58
44
Altmühl
4
RESSORT unternehmen [!]
Ihr Mercedes-Benz Partner in Ulm/Neu-Ulm
Zwei starke Familienunternehmen bündeln ihre Kräfte –
für Qualität, Kundennähe und Zukunftssicherheit in der Region.
Zum 1. Dezember 2025 übernahmen die Unternehmen
Abel+Ruf aus Nördlingen und KreuterMedeleSchäfer
mit Hauptsitz in Weilheim gemeinsam die Mercedes-
Benz Niederlassung Ulm/Neu-Ulm.
Mit Gründung der STERNE GRUPPE GmbH entsteht
einer der größten und renommiertesten Mercedes-
Benz Partner Deutschlands – geprägt von regionaler
Stärke, hoher Investitionskraft und konsequenter
Kundenorien tierung.
Als mittelständisches Familienunternehmen steht
die STERNE GRUPPE für Verlässlichkeit, langfristiges
Denken und Mitarbeiterbindung – mit starken
Teams und klaren Werten. „Wir freuen uns in Ulm auf
ein außerordentlich kompetentes und leistungsstarkes
Team, das perfekt zu unseren Unternehmenswerten
passt,“ so die Geschäftsführer.
Die Unternehmensgruppen vereinen künftig 15 Standorte
in Bayerisch-Schwaben, beschäftigen über 1.460
Mitarbeitende, darunter 280 Auszubildende, und erzielten
2024 einen Umsatz von über 800 Millionen Euro.
Mit dem neuen Standort Ulm/Neu-Ulm wird das
Vertriebsgebiet weiter gestärkt – für eine flächendeckende
Betreuung der Kunden.
„
Wir denken in Generationen,
nicht in Quartalen –
und investieren in Menschen,
Qualität und Zukunft.
Göppingen
Schwäbisch Gmünd
Don
Donau
Joachim Fellner, Peter Schäfer und Lukas Ruf –
Geschäftsführer der STERNE GRUPPE
„Unser Ziel ist ein zukunftsorientiertes, finanzstarkes
Unternehmen, das die Marken Mercedes-Benz und
smart mit höchster Qualität und regionaler Verwurzelung
repräsentiert“, so die Geschäftsführer Peter
Schäfer, Lukas Ruf und Joachim Fellner.
unternehmen [!] RESSORT 5
Willkommen bei der
STERNE GRUPPE
Ein neuer Name. Die gleiche Leidenschaft. Ihr vertrautes Team.
Wir – Ihr bekanntes und erfahrenes Team der Mercedes-Benz
Niederlassung Neu-Ulm – gehen gemeinsam neue Wege.
Ab sofort sind wir als STERNE GRUPPE für Sie da:
mit der gleichen Leidenschaft, Kompetenz und Nähe,
die Sie seit Jahren an uns schätzen.
Wir freuen uns auf Sie!
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6
NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]
Hensoldt steigert Umsatz
Wachstum Der Radarspezialist profitiert von steigenden Verteidigungsinvestitionen in
Europa und verzeichnet deutliche Zuwächse bei Umsatz, Aufträgen und Ergebnis.
Hensoldt, dessen größtes
Werk sich in Ulm
befindet, wächst weiter.
In den ersten neun
Monaten des Jahres konnte das
Unternehmen seinen Umsatz
im Vergleich zum Vorjahreszeitraum
um 11,6 Prozent auf knapp
1,54 Milliarden Euro steigern.
Die beiden Segmente Sensorik
und Optronik trugen zu dieser
positiven Entwicklung bei, teilte
Hensoldt mit. Das Unternehmen
stellt etwa Radare zur Flugüberwachung
und Luftverteidigung,
Wärmebild- und Restlichtgeräte
und Instrumente für
Flugzeug-Cockpits und U-Boote
her.
Steigende Auftragseingänge
„Die Verteidigungsinvestitionen
in Deutschland und Europa gewinnen
weiter an Dynamik“,
fasste Chef Oliver Dörre zusammen.
„Das spüren wir nicht nur
in unseren Auftragsbüchern,
sondern auch in unseren Werken.“
Die steigenden Investitionen
Deutschlands und weiterer
europäischer Länder in ihre Verteidigungsfähigkeit
führten zu
einem Anstieg des Auftragseingangs.
Dieser stieg in den ersten
neun Monaten um 10,4 Prozent
auf knapp 1,54 Milliarden Euro.
„Der Rekord-Auftragsbestand
verschafft uns eine hohe Planungssicherheit“,
sagte Finanzchef
Christian Ladurner. Der bereinigte
Gewinn vor Zinsen,
Steuern und Abschreibungen
(Ebitda) legte um 11,4 Prozent
auf 211 Millionen Euro zu.
Aktualisierte Prognose
Bereits im Oktober wurde bekannt,
dass Hensoldt seine
Prognose für das Gesamtjahr
anpasst. So soll die bereinigte
Ebitda-Marge auf 18 Prozent
oder noch höher steigen. Das
Unternehmen investiert aktuell
etwa in Softwarelösungen und
erweitert sein Angebot von Systemlösungen.
Das im MDax notierte
Unternehmen beschäftigt
etwa 9000 Mitarbeiter, davon
arbeiten rund 2300 für Hensoldt
in Ulm. [!]
tv
Umsatz, Ertrag und Aufträge bei Hensoldt legen zu. Davon profitiert
auch der Standort Ulm.
Foto: Matthias Kessler
Emag streicht hunderte Stellen
Stellenabbau Beim Salacher
Werkzeugmaschinenhersteller
Emag herrscht großer Schock:
Nach der Betriebsversammlung
im November erhielten zahlreiche
Beschäftigte ihre Entlassungspapiere,
darunter auch
langjährige Führungskräfte. Insgesamt
sollen an den deutschen
Standorten 455 Stellen gestrichen
werden. Wie viele Arbeitsplätze
in Salach und Eislingen
betroffen sind, bleibt unklar; im
Raum stehen Schätzungen von
250 bis 300. Die Betroffenen sollen
in eine Transfergesellschaft
wechseln.
Kritik kommt von der IG Metall.
Mehrere Beschäftigte hätten
Umfangreicher Personalabbau
bei Emag. Foto: G. Carlucci
sich unmittelbar nach der Ankündigung
an die Geschäftsstelle
in Göppingen gewandt, berichtet
Geschäftsführer Michael
Kocken. Er moniert, dass die Betroffenen
nur eine Woche Bedenkzeit
für den Wechsel in die
Transfergesellschaft erhalten:
„Das ist kein schöner Umgang.“
Die Dauer der TG sei zudem auf
die doppelte Kündigungsfrist begrenzt.
Emag begründet die Maßnahmen
mit massiven Einbrüchen
bei den Auftragseingängen. Die
Branche befinde sich „in einem
der schwierigsten Marktumfelder
der letzten zehn Jahre“. Seit
2023 wurden durchgehend Rückgänge
verzeichnet, vor allem im
Inland. Bereits zuvor hatte Emag
unter anderem mit Kurzarbeit
reagiert. Firmenchef Markus
Clement spricht von einer notwendigen
Anpassung an „die geringen
Auftragsvolumina“ und
betont: „Unser Ziel ist es, die Zukunftsfähigkeit
der Emag Gruppe
zu sichern.“
Die Krise trifft ein Unternehmen,
das vor zwölf Jahren noch
als wachstumsstarker Musterbetrieb
galt. Nach Jahren der Expansion
und großen Plänen folgten
Sparkurs und der Verkauf
von Flächen. Nun soll die Belegschaft
um fast ein Drittel
schrumpfen. [!]
dg
unternehmen [!] NAMEN & NACHRICHTEN 7
Deutscher Gesundheits-Award für Beurer
Auszeichnung Das Ulmer Traditionsunternehmen
Beurer darf
sich über die Auszeichnung mit
dem „Deutschen Gesundheits-
Award 2025“ freuen. Und das
gleich doppelt: in der Kategorie
„Digitale Herzzentren & mobiles
EKG“ sowie als Gesamtsieger
im Bereich „Gesundheitspflege/-produkte-Hersteller“.
Die Auszeichnung würdigt eine
besonders hohe Kundenzufriedenheit
und stützt sich auf eine
umfangreiche Verbraucherbefragung.
Der Award wird jährlich vom
Deutschen Institut für Service-
Qualität (DISQ) und dem Nachrichtensender
ntv vergeben. Insgesamt
prämiert er die beliebtesten
Anbieter in 68 Kategorien
– von medizinischer Versorgung
über Pflege bis hin zu digitalen
Gesundheitsangeboten. Grundlage
ist eine repräsentative Online-Befragung,
in der dieses
Jahr mehr als 43.000 Kundenmeinungen
zu 858 Unternehmen
bewertet wurden. Abgefragt
wurden Preis-Leistungs-Verhältnis,
Angebot und Servicequalität.
Mehrfach ausgezeichnet
Beurer wurde bereits 2023 und
2024 mit dem Award ausgezeichnet.
Die erneute Ehrung bestätigt
laut Unternehmen die kontinuierliche
Qualitätsarbeit.
„Wir schätzen die doppelte Auszeichnung
mit dem Deutschen
Gesundheits-Award 2025 sehr –
besonders, da sie auf den Meinungen
unserer Kundinnen und
Kunden basiert“, sagt Robin
Landgraf, Teamleiter Produktmanagement
Medical bei Beurer.
[!]
pm/dos
Robin Landgraf, Teamleiter Produktmanagement Medical bei
Beurer, freut sich über die Auszeichnungen. Foto: Beurer GmbH
Vitawell Ulm
2026 zurück
Messe Am 22. und 23. März 2026
geht die vitawell Gesundheitsmesse,
veranstaltet von der
SÜDWEST PRESSE, zum dritten
Mal in der Donauhalle der Messe
Ulm an den Start. In diesem
Jahr findet parallel die Gartenmesse
„Gartenträume“ statt,
weshalb die Veranstalter erneut
mit guten Besucherzahlen rechnen.
Die Messe bildet den Gesundheitsstandort
Ulm/Region
ab und informiert bei freiem Eintritt
rund um Medizin, Prävention,
Sport, Fitness, Ernährung
Wellness, Beauty, gesundes
Wohnen und Reisen. Die wiederholte
Partnerschaft mit dem Universitätsklinikum
Ulm, dem
Agaplesion Bethesda Ulm, der
AOK Ulm-Biberach und Caelistic
- Ärzte & Ästhetik sowie die
Teilnahme zahlreicher weiterer
regionaler Gesundheitsdienstleister
gewährleistet ein fachlich
hochwertiges Vortragsprogramm,
das die Messe zu einer
etablierten Plattform für den
Austausch rund um Gesundheitsfragen
macht. [!] jun
Abt schließt
endgültig
Schließung Das Ulmer Traditionskaufhaus
Abt schloss früher
als vom Müller-Konzern angekündigt
seine Pforten. Bereits
Mitte November war der Zeitpunkt
erreicht, an dem nach 146
Jahren die Geschichte des Hauses
endete.
In einem internen Schreiben
verabschiedet sich die Verkaufsleitung
vom Team: „Am 15. November
2025 sagen wir ,Auf Wiedersehen‘
– und es fällt uns nicht
leicht.“ Die Erinnerungen an
„viele gemeinsame Jahre“ blieben,
heißt es weiter. Den Beschäftigten
werden neue Stellen
in Müller-Filialen angeboten, der
Wechsel beginnt wegen der vorgezogenen
Schließung ebenfalls
früher.
Abt war erst 2019 in der
Hirschstraße wiedereröffnet
worden. Der Müller-Konzern begründet
die Aufgabe des Standorts
mit einer veränderten Wettbewerbssituation,
in der das eigenständige
Kaufhauskonzept
„langfristig als nicht tragfähig“
galt. [!]
mak
Rehm in Indien
Standort Der Smart City Index
2025, das Digitalranking der
deutschen Großstädte mit mehr
als 100.000 Einwohnerinnen und
Einwohnern, ist nun veröffentlicht.
Demnach hat sich Ulm
beim Punktwert weiter verbessert
und erreicht 2025 den Indexwert
von 83,7 von maximal 100
möglichen Punkten. Damit beweist
Ulm Kontinuität und liegt
im bundesweiten Vergleich aller
83 teilnehmenden Städte auf
Niederlassung Die Rehm Thermal
Systems GmbH aus Blaubeuren-Seissen
hat ihre neue Niederlassung
„Rehm Thermal Systems
India“ in Bengaluru offiziell
eröffnet.
Mit dem neuen Standort rückt
das Unternehmen noch näher an
Elektronikfertiger in Indien heran,
um Marktpotenziale gezielter
zu erschließen, die Servicewege
zu verkürzen und die Beratungen
direkt an Prozesse zu
binden bzw. zu koppeln.
„Innovativ sein bedeutet Weiterentwicklung
und Nähe zum
Kunden. Mit der neuen Rehm-
Niederlassung in Bengaluru können
wir unsere Kunden in Südindien
noch direkter betreuen
und ihre Prozesse gezielter begleiten“,
erklärt Sreekanth
Krishnamurthy, Sales Manager
India. [!]
pm
Spitzenplatz für Ulm
Rang 11. Mit seinen ca. 130.000
Einwohnern markiert Ulm in der
Größenkategorie von Städten
mit 100.000 bis 150.000 sogar den
Spitzenplatz im Bundesvergleich.
„Wir können stolz auf dieses
Ergebnis sein, weil es zeigt, dass
Ulm die Digitalisierung kontinuierlich
und erfolgreich voranbringt“,
freut sich Oberbürgermeister
Martin Ansbacher über
das Ergebnis. [!]
pm
8
MACHEN unternehmen [!]
Gut überlegt in neue Märkte
Auslandshandel Steigende Zölle und eine lahmende Konjunktur belasten die
Exportumsätze. Regionale Initiativen bieten Hilfen bei der Verlagerung ins Ausland.
Exportumsätze
im Vergleich zum
Vorjahr (in Prozent)
22
34
Steigende Umsätze
Rückläufige Umsätze
unverändert
44
Die Statistik spricht
eine klare Sprache:
Die Wirtschaft in Baden-Württemberg
lebt vom Welthandel. Laut der
IHK-Konjunkturumfrage aus
dem vergangenen September
mit 1230 Teilnehmenden sind
vier von fünf (81 Prozent) Industriebetrieben
aus der Region
im Export tätig. Doch die
Einführung immer neuer Zölle
hat dazu geführt, dass das
Auslandsgeschäft vieler Betriebe
schwächelt.
44 Prozent der Unternehmen
gaben an, dass ihre Exportumsätze
in den vergangenen
vier Monaten unter dem
Vorjahresniveau lagen. Bei 34
Prozent blieb das Exportgeschäft
unverändert, während
etwas mehr als ein Fünftel (22
Prozent) steigende Umsätze
verzeichnete. Per Saldo hat
sich damit die Lage im Vergleich
zu den Ergebnissen der
Befragung im Frühsommer
verschlechtert. „Das Auslandsgeschäft
läuft nicht
mehr von selbst“, kommentiert
Claus Paal, Vizepräsident
des Baden-Württembergischen
Industrie- und Handelskammertages
(BWIHK) und
Präsident der im BWIHK für
die Außenwirtschaft federführenden
IHK Region Stuttgart,
die Ergebnisse. Ihm zufolge
geben die Unternehmen
in der Region aber alles, um
sich zu behaupten. „Sie investieren,
sie exportieren und sie
suchen neue Märkte“, so Paal.
Der Weg ins Ausland fordert
Geduld und Ausdauer
Der Sprung in neue Länder
sollte jedoch gut vorbereitet
sein, damit das Vorhaben nicht
zum Flop wird. „Ein bisschen
mehr zu internationalisieren
wegen der aktuell schwachen
Konjunktur in vielen Bran-
ILLUSTRATIONEN & GRAFIK: MAX MESCHKOWSKI
unternehmen [!] MACHEN 9
chen – das wird erfahrungsgemäß
nicht funktionieren“, weiß
Tassilo Zywietz, Geschäftsführer
Bereich International bei
der IHK Region Stuttgart. „Der
Eintritt in neue Märkte verlangt
eine strategische Entscheidung,
die Unternehmensverantwortliche
nachhaltig treffen müssen.“
Denn mit dem Weg ins
Ausland sind Investitionen verbunden
und viele Fragen rund
um Organisation, Steuern und
Recht müssen vorab geklärt
werden. Das gilt vor allem
dann, wenn geplant ist, neue
Produktionskapazitäten in der
Ferne aufzubauen – etwa, um
Lieferketten zu diversifizieren
Der Eintritt in
neue Märkte
verlangt eine
strategische
Entscheidung.
Tassilo Zywietz
Bereichsgeschäftsführer IHK
oder Zollhindernisse zu umgehen.
Doch was viele Firmen bei
ihren Planungen übersehen: Sie
müssen Geduld und finanzielle
Ausdauer mitbringen, wenn
sie auf einem neuen Auslandsmarkt
Fuß fassen wollen. „Wir
stellen immer wieder fest, dass
bei Auslandsengagements der
zeitliche Horizont bis zur Erfolgsschwelle
zu kurz kalkuliert
wird“, stellt Zywietz fest. „Bis
das Engagement anfängt, profitabel
zu werden und der Return
on Invest in Sicht kommt, vergehen
nach unseren Beobachtungen
im Durchschnitt zwei
Jahre – wobei es je nach Branche
und Produkt durchaus Ausnahmen
von dieser Faustregel
gibt.“
Hilfe und
Unterstützung im Neuland
Ein Grund für die lange Einstiegsphase:
Viele deutsche Unternehmen
haben zwar einen
guten Ruf auf den Weltmärkten,
sodass potenzielle Neukunden
vor Ort die Produkte und Services
bereits kennen. Dennoch
warten viele von ihnen erst einmal
ab, ob sich der neue Player
auf dem heimischen Terrain
auch hält, bevor sie Aufträge erteilen.
Gerade der US-Markt
hätte viele europäische und
auch deutsche Unternehmen
kommen und gehen gesehen,
die sich dann nach vergleichsweise
kurzer Frist wieder zurückgezogen
hätten, so IHK-Experte
Zywietz. Gerade bei technisch
komplexen Produkten,
die in der Wartung und im Service
anspruchsvoll sind, stellen
sich Kunden jedoch vorbehaltliche
Fragen. Zum Beispiel:
Wie zuverlässig sind zukünftig
Ersatzteile verfügbar? Wie
schnell ist ein Techniker vor
Ort?
So muss das Vertrauen in
den Kundenservice erst einmal
wachsen, ehe die ersten Bestellungen
hereinkommen. Diese
Phase gilt es durchzustehen.
Nicht jeder Betrieb hat allerdings
die finanziellen und per-
baut mit Holz.
Wenn beim Bau alles
rund läuft.
Schlüsselfertig von Fritschle.
Zweiradsport Geyer GmbH
www.fritschle-baut.de
10
MACHEN unternehmen [!]
Vielfältige Unterstützungsangebote
häufig bei den Steuersystemen
und anderen rechtlichen Bestimmungen.
Außenhandelsexperten
wie Gunnar Mey, Geschäftsführer
von Baden-Württemberg International
(BW_i), empfehlen
daher, sich vor Ort nach lokaler
Expertise umzuschauen. Die Angebote
der BW_i sind eine Möglichkeit
dafür. „Wir werden im
kommenden Jahr neben vielen
Informationsveranstaltungen
hier in der Region rund ein Dutzend
Delegationsreisen in unterschiedliche
Länder anbieten und
mit Gemeinschaftsständen, an
denen sich hiesige Unternehmen
beteiligen können, auf zwanzig
Messen im In- und Ausland vertreten
sein“, stellt Mey die Planungen
der Standortförderungsagentur
des Landes Baden-Württemberg
vor. „Interessierte Unternehmensverantwortliche
haben damit die Gelegenheit,
sich vor Ort und aus erster Hand
über die spezifischen Gegebenheiten
einzelner Auslandsmärkte
zu informieren.“
Neben der IHK Region Stuttgart
(ihk.de/stuttgart) und der
Standortförderungsagentur Baden-Württemberg
International
(bw-i.de) sind die deutschen
Auslandshandelskammern (ahk.
sonellen Ressourcen dafür. Doch
muss es gleich eine eigene Betriebsstätte
sein, um im Ausland
Fuß zu fassen?
Die Gründung eines Joint-
Ventures mit einem Partner vor
Ort oder eine Kooperation mit
einem freien Handelsvertreter
sind mögliche Alternativen. Gerade
in fernöstlichen Volkswirtschaften
haben alteingesessene
Handelshäuser oftmals eine
hohe Vertriebskraft in ihren
Märkten. „Am erfolgreichsten
sind baden-württembergische
Unternehmen allerdings, wenn
sie aus der Heimat heraus exportieren
oder mit eigenen
Tochtergesellschaften lokal
operieren“, so IHK-Experte Zywietz.
„Auf diese Weise lässt
sich das Auslandsgeschäft am
besten steuern und kontrollieren.“
Es muss zudem nicht immer der
Sprung über den großen Teich
sein. Seit dem Ende der Pandemie,
in dessen Folge es teils
massive Lieferkettenprobleme
gegeben hat, erlebt Europa als
Produktionsstandort eine Renaissance.
„Das gilt vor allem
für einige Länder in Osteuropa,
die ein durchaus wettbewerbsfähiges
Produktionskosten-
Leistungsverhältnis haben“,
sagt Zywietz. Ein zusätzlicher
Standort in der Europäischen
Union profitiert zudem von den
Vorteilen des gemeinsamen
Marktes mit weitgehend vereinheitlichen
Rechtsregeln. „Für
Unternehmen bedeutet das ein
Plus an Zuverlässigkeit und kein
Ärger mit Zollregeln“, so der
IHK-Mann.
Unterschiede gegenüber
Deutschland gibt es allerdings
de/de) erste Anlaufstellen für
Unternehmensverantwortliche,
die auf der Suche nach Unterstützung
bei ihren Auslandsplänen
sind. Die Experten der Auslandshandelskammern
informieren
über Markteintritt,
rechtliche Anforderungen und
lokale Geschäftsmöglichkeiten.
Die Erstberatung ist, wie auch
einige Angebote der anderen
beiden Institutionen, kostenfrei.
Zur Person
Gunnar Mey (59)
verfügt über langjährige
Erfahrungen im
Messe- und Veranstaltungsgeschäft.
Seit Oktober 2025
ist der gebürtige
Schwabe der Geschäftsführer
von
BW_i.
Wir werden
dutzende
Delegationsreisen
in unterschiedliche
Länder anbieten.
Gunnar Mey
Geschäftsführer BW_i
Mey zufolge schauen sich derzeit
viele Unternehmen vor allem aus
den Bereichen Maschinen- und
Anlagenbau, Automotive und
Medizintechnik nach Möglichkeiten
um, ihr Know-how oder
ihre Produkte in anderen Branchen
und Märkten einzubringen.
„Eine Messebeteiligung ist gerade
für kleinere und mittlere
Unternehmen, die über eine Erweiterung
ihres Auslandsgeschäfts
nachdenken, eine wirksame
und vergleichsweise kostengünstige
Gelegenheit dafür.
Wir organisieren diese Events
und kümmern uns um die Administration.
Die Teilnehmer können
sich darauf fokussieren, sich
beim regionalen Fachpublikum
zu präsentieren und das eigene
Netzwerk zu erweitern.“
[!] Thomas Luther
unternehmen [!] RESSORTAnzeige
11
Digitale Stärke für CFOs:
Finanzberichterstattung in Echtzeit
CFOs stehen aktuell unter hohem Druck. Wirtschaftliche
Unsicherheit, neue Regulierungen,
zunehmende Anforderungen an das Berichtswesen
und der Fachkräftemangel treffen auf
den Anspruch, Daten in Echtzeit und tagesaktuell
bereitzustellen. SONNTAG unterstützt
Sie dabei, eine strategische Unternehmenssteuerung
aufzubauen.
Konjunkturelle Schwankungen, fragile Lieferketten
und geopolitische Spannungen erschweren
eine verlässliche Finanzplanung. Szenarien müssen
heute mehr denn je schnell neu berechnet
werden können, um Auswirkungen auf Liquidität
und Ergebnis frühzeitig zu erkennen.
Eine transparente, ganzheitliche Planung auf Basis
aktueller Daten sind heute Grundvoraussetzung
für die finanzielle Steuerungsfähigkeit eines
Unternehmens. Der schnelle Überblick über
Bilanz, Cashflow und Liquidität sowie die Möglichkeit,
verschiedene Szenarien durchzuspielen,
sind entscheidend für zielgerichtete nächste
Schritte.
Das Spannungsfeld von Finanzabteilungen
Herausforderung
Keine einheitliche Datenbasis:
ERP-, HR- und CRM-Systeme arbeiten
getrennt voneinander
Excel-Chaos:
Viele Tabellen und manuelle Prozesse
Langsame Abschlusserstellung durch
manuellen Abstimmungsaufwand
Fehlender Überblick: Keine tagesaktuellen
Daten über Cashflows und Kennzahlen
Hoher Audit-Aufwand und mühsame
Nachweispflichten gegenüber dem
Wirtschaftsprüfer
Moderne Finance-Systeme sollten operative und
finanzielle Kennzahlen zu einem Gesamtbild verknüpfen,
als Basis für fundierte strategische Entscheidungen.
Automatisierte Prozessschritte der Konzernabschlusserstellung
in Kombination mit integrierter
Planung sorgen für Effizienz und Genauigkeit.
Am Ende spart sich das Team des CFOs Zeit, die
nicht mehr darauf verwendet werden muss,
Excel-Tabellen und unterschiedliche Quellsysteme
miteinander abzustimmen.
Lucanet als sicherer Navigator
Hier setzt Lucanet an. Mit der cloudbasierten
CFO Solution Platform erhalten Unternehmen
eine zentrale Lösung, die sämtliche Finanzprozesse
integriert: von Konsolidierung und
Finanzplanung über multidimensionale
Planung bis hin zu ESG-Reporting, Lease
Accounting, Berichterstellung, Tax Compliance
sowie Banking und Cash Management.
Das Ergebnis: Schnellere Prozesse, konsistente
Daten und deutlich weniger Fehlerquellen.
Nahtlose Datenintegration
Mit über 300 direkt verfügbaren Standardschnittstellen
zu ERP-, HR- oder CRM-Systemen
beseitigt Lucanet Datensilos dauerhaft. Unternehmen
erhalten dadurch ein konsistentes,
transparentes Zahlenbild für faktenbasierte Entscheidungen
in Echtzeit.
So wird die automatisierte Erstellung des Konzernabschlusses
auf Knopfdruck möglich und
kann täglich innerhalb von Sekunden ausgeführt
werden.
Lösung mit Lucanet
Eine zentrale Datenbank mit automatisierten
Schnittstellen zu den Vorsystemen für konsistente
und sichere Datengrundlage
Automatische Berechnungslogiken ersetzen
manuelle Rechenwege und minimieren Fehlerquellen
Automatische Intercompany-Abstimmungen
beschleunigen die Erstellung von Monatsund
Jahresabschlüssen deutlich
Echtzeit-Reports und individualisierbare
Dashboards schaffen sofortige Transparenz
für die jeweilige Zielgruppe
Vollständige Nachvollziehbarkeit bis auf
Belegebene. Der Wirtschaftsprüfer schaltet
sich direkt auf das System, keine weiteren
Nachweise für Dokumentationen erforderlich
Transparenz für CFO-Teams und Prüfer
• Audit-Trail bis auf Belegebene: und jede Zahl
per Mausklick nachvollziehbar. Erfüllt alle
Nachweis- und Dokumentationspflichten
• IDW PS 880 zertifiziert: Unabhängig geprüft
und verlässlich in den Prozessen
• SOC 1, SOC 2 und ISAE 3402: Internationale
Standards garantieren Sicherheit und Qualität
• XBRL- und ESEF-Konformität: Disclosure- und
ESG-Module erfüllen Berichtspflichten per se
SONNTAG vereint Expertise & IT-Know-how
Der Mehrwert entsteht vor allem dann, wenn
Bilanzierungsfachwissen und technisches Knowhow
konsequent zusammenspielen. Genau hier
setzt SONNTAG an. Als interdisziplinäre Kanzlei
vereint SONNTAG Erfahrung in der Bilanzierung
und Konzernabschlusserstellung mit dem Knowhow
eigener IT- und Digitalisierungsteams. Diese
Kombination ermöglicht es, Lucanet nicht nur
technisch einzuführen, sondern fachlich korrekt
in die Prozesse des Unternehmens einzubetten.
Die Spezialisten von SONNTAG unterstützen
CFOs und deren Finanzabteilungen während des
gesamten Projektzyklus: von der Konzeption harmonisierter
Datenstrukturen über die Abbildung
von individuellen Konzernstrukturen, Intercompany-Prozessen
und Spiegelwerken bis hin zur
fachlichen Ausgestaltung der Konsolidierung
oder Planung.
SONNTAG gibt Verantwortlichen mit Lucanet
eine digitale Plattform an die Hand, die Tempo,
Transparenz und regulatorische Sicherheit vereint.
Prozesse werden beschleunigt, Fehlerquellen
reduziert und das Vertrauen in die Finanzdaten
gestärkt.
Ihre Lucanet-Ansprechpartner bei SONNTAG
Dominic Wörlein, Partner
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Syrlinstraße 38 | 89073 Ulm
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unternehmen [!] TITELTHEMA 13
„KI ist keine
Gefahr für uns“
Handwerkskammer Ulm Katja Maier ist Zimmererin, Firmenchefin und in der 125-jährigen
Geschichte der Handwerkskammern im Südwesten die erste Frau an der Spitze. Ein
Gespräch über alte Rollenbilder, digitalen Wandel und die Gründe, warum Beschäftigte im
Handwerk einer Studie zufolge besonders glücklich sind.
Welches Vorurteil über das Handwerk ärgert Sie am
meisten?
Katja Maier: Ich finde es vor allem schade, dass viele
Menschen in der Gesellschaft immer noch den
Gedanken haben: Mein Kind soll nicht ins Handwerk
gehen. Da bist Du nichts, da verdienst Du
nichts, da wirst Du nichts. Das stimmt einfach nicht.
Aber Vorurteile halten sich mitunter hartnäckig.
Ja, leider. Nehmen Sie nur Bauberufe als Beispiel. Da
heißt es immer noch, die Arbeit sei schmutzig und
schwer. Doch dieses Berufsbild hat sich komplett gewandelt:
Dank Digitalisierung und maschineller Unterstützung
müssen die Beschäftigten heute körperlich
nicht mehr so schwer arbeiten
wie früher. Und unsere Baustellen
sind auch nicht dreckig. Dazu gibt es
viele Aufstiegschancen im Handwerk
und beim Verdienst können
wir gut mit der Industrie mithalten.
Eltern sollten
bewusste
Entscheidungen
ihrer Kinder
akzeptieren.
Wie reagieren Sie, wenn Sie solche
Vorurteile hören?
Ich versuche immer, mit den Leuten ins Gespräch
zu kommen. Ich lasse sie ihre Vorurteile genau benennen
und kann diese dann mit konkreten Beispielen
ausräumen. Ich zeige ihnen, wie es wirklich
ist, damit es in den Köpfen „Klick“ macht. Aber ja,
in der Gesellschaft herrscht immer noch zu oft ein
altes Bild vom Handwerk.
Zimmererin galt lange als ein klassischer Männerberuf.
Haben Sie viel Unverständnis erlebt für ihre berufliche
Entscheidung?
Im Handwerk ist vieles in Bewegung. Der weibliche
Anteil in den Handwerksberufen steigt seit einigen
Jahren wieder kontinuierlich an. Ich habe also
kein Unverständnis wahrgenommen. Bei uns im Ort
kennt man unseren Betrieb aber auch, da war es
keine Überraschung, dass ich mich für diesen Beruf
entscheide. Auf der Meisterschule war es
schwieriger. Da gab es einen Lehrer, der noch alte
Rollenbilder im Kopf hatte. Ansonsten habe ich nur
positive Reaktionen erfahren.
Wie sah Ihr Weg ins Handwerk aus?
Ich habe nach dem Abitur 1996 eine Lehre als Bauzeichnerin
in einem Architekturbüro gemacht, anschließend
den Bautechniker und dann meinen
Meister im Zimmererhandwerk. Für mich war dann
klar, dass ich in den Beruf einsteige, auch weil meine
Mutter zu diesem Zeitpunkt krank geworden ist.
Aber ursprünglich wollten Sie etwas ganz anderes
machen.
Das ist richtig. Ich hatte mich zunächst für ein Lehramtsstudium
für Grundschulen entschieden und
hatte schon einen Studienplatz. Ich bin aber noch
einmal in mich gegangen, ob das für mich das Richtige
ist, weil ich sehr heimatverbunden
und im Familienbetrieb
aufgewachsen bin. Deshalb habe
ich mich dann für die Lehre entschieden.
Ihr Vater hat nicht versucht, Einfluss
auf Ihre Entscheidung zu nehmen?
Nein, meine Eltern haben mich und meine Geschwister
die Wahl treffen lassen, die wir wollten.
Das ist für mich ein sehr wichtiger Punkt. Eltern
sollten sorgfältig getroffene Entscheidungen ihrer
Kinder akzeptieren und nicht versuchen, sie umzustimmen,
auch wenn sich die Kinder für eine Ausbildung
im Handwerk entscheiden. Denn dann machen
die Kinder das, was sie möchten, und sind
glücklich.
Viele Kinder sind aber mit den hohen Erwartungshaltungen
der Eltern konfrontiert.
Das führt dann dazu, dass die jungen Menschen das
von den Eltern favorisierte Studium abbrechen. Bei
uns im Handwerk sind auch Studienabbrecher willkommen.
Für den besseren Weg halte ich, dass die
Jugendlichen Praktika machen, sehen welcher Beruf
zu ihnen passt und sich frei entscheiden können,
in welche Branche sie gehen. Da kommt es
auch vor, dass man sich etwas heraussucht, was
nicht funktioniert. Aber das kann man korrigieren.
Zur Person
Katja Maier leitet
seit 2013 mit ihrem
Bruder Christoph den
1934 gegründeten Familienbetrieb
in
Westhausen-Lippach
(Ostalbkreis) in der
dritten Generation,
der sieben Mitarbeitende
beschäftigt,
davon drei Auszubildende.
Die gebürtige
Aalenerin (50, eine
Tochter) absolvierte
nach dem Abitur eine
Ausbildung zur Bauzeichnerin
und Bautechnikerin,
legte
2003 ihre Meisterprüfung
im Zimmererhandwerk
ab und
stieg dann in den elterlichen
Betrieb ein.
2012 folgte die Ausbildung
zur Sägewerksmeisterin
in
Rosenheim. Sie engagiert
sich seit 2005
ehrenamtlich im
Handwerk, zunächst
in der Innung Aalen,
in der sie bis zur
Obermeisterin aufstieg.
Von 2021 bis
2024 war sie Kreishandwerksmeisterin,
bevor sie zur Präsidentin
der Handwerkskammer
Ulm
gewählt wurde.
14
TITELTHEMA unternehmen [!]
Was sind die schönsten Seiten an Ihrem Beruf?
Dass sie jeden Tag abends sehen, was sie buchstäblich
geschafft haben. Aktuell bin ich draußen
bei den Kunden und auf den Baustellen, aber dort
mitzuarbeiten, ist zeitlich nicht mehr machbar.
Wenn wir früher im Auto unterwegs waren, hat
unser Vater auf die Bauten gezeigt und gesagt:
Das habe ich gebaut, das habe ich gemacht. Heute
zeige ich das meiner neunjährigen Tochter, die
schon Pläne macht, was sie einmal bauen möchte.
Das gibt mir ein gutes Gefühl.
Wie kriegen Sie all Ihre Aufgaben unter einen
Hut?
Ich führe unseren Familienbetrieb gemeinsam mit
meinem Bruder. Nur so ist es mir möglich, dieses
großartige Ehrenamt zu bekleiden, das man
vom Zeitaufwand nicht unterschätzen darf. Bevor
ich mich beworben habe, habe ich mit der Familie
und den Mitarbeitern gesprochen. Ohne deren
Rückhalt geht es nicht.
„Ich finde es schön,
Frauen zu zeigen, dass
alles machbar ist und
dass man vieles erreichen
kann“, sagt Handwerkspräsidentin
Katja Maier.
Ich möchte
die alten
Rollenbilder
aus den Köpfen
bringen.
Was ist die größte Herausforderung in Ihrer Rolle
als erste Frau an der Spitze einer Handwerkskammer
in Baden-Württemberg?
Ich bin mit keinen Erwartungen in das Amt gegangen.
Eine anfängliche Herausforderung war
vielleicht zu sehen, wie die Handwerkerinnen,
Handwerker und die Gesellschaft mich als Frau
annehmen und akzeptieren. Aber das ist überhaupt
kein Problem und funktioniert sehr gut.
Bundesweit sind wir vier Präsidentinnen in den
53 Kammern. Für mich spielt das Geschlecht keine
Rolle. Wir sind ein super Team und versuchen
zusammen, das Handwerk in Baden-Württemberg
voranzubringen.
Was ist Ihre Motivation für das zeitaufwendige
Ehrenamt?
Ich habe viel Gutes in meinem Leben erfahren
und mir ist es wichtig, der Gesellschaft etwas zurückzugeben.
Ich möchte das Handwerk voranbringen
und die alten Rollenbilder aus den Köpfen
schaffen. Ich habe ja schon in der Innung mit
dem Ehrenamt begonnen. Das macht Spaß, man
vernetzt sich, lernt tolle Leute kennen und kann
viel Gutes fürs Handwerk erreichen.
Welche Rolle spielen Sie als Firmenchefin und
Mutter in dieser Spitzenposition als Vorbild?
Keine Frage, es ist eine Vorbildfunktion. Und ich
finde es schön, Frauen zu zeigen, dass alles machbar
ist und dass man vieles erreichen kann. Ich
leite einen Betrieb, ich setze mich als Präsidentin
fürs regionale Handwerk ein, ich bin Mutter
und was man nicht vergessen darf, ich habe einen
Haushalt, um den ich mich kümmern muss,
inklusive Wäsche waschen.
Welches Thema beschäftigt Sie als Präsidentin
derzeit am meisten?
Das ganz große Thema ist der Fachkräftemangel.
Wir benötigen Fachkräfte, um die Versorgung
aufrechtzuerhalten, die Transformation und die
unternehmen [!] TITELTHEMA 15
Klimawende zu schaffen. Trotz eines Plus von
fast vier Prozent bei den Ausbildungszahlen in
unserem Kammergebiet in diesem Jahr haben wir
noch ungefähr 500 freie Ausbildungsstellen. Unsere
Ausbildungszahlen sind zwar gut, aber nicht
gut genug. Wir müssen alle ansprechen, um mehr
Fachkräfte zu gewinnen: aus dem Ausland, Schulabbrecher,
Studienabbrecher, Abiturienten und
Frauen.
Warum sollten sich junge Menschen für eine Karriere
im Handwerk entscheiden?
Sie können mich anschauen: Mir geht es gut, ich
bin glücklich und mache jeden Tag, was mir Spaß
macht. Man kann sich verwirklichen. Eine Studie
der IKK Classic aus dem Jahr 2023 hat übrigens
ergeben, dass im Handwerk die Beschäftigten
am glücklichsten sind.
Woran liegt das?
Handwerkerinnen und Handwerker erfahren viel
Wertschätzung für ihre Arbeit. Die große Mehrheit
der befragten Personen aus dem Handwerk
empfindet ihren Beruf als sinnhaft und hilfreich
für andere. Auch die Tatsache, dass 80 Prozent
der befragten Handwerkerinnen und Handwerker
glücklich in ihrem Beruf und 87 Prozent stolz
auf ihre berufliche Tätigkeit sind, belegt die Zufriedenheit
in der Branche. Handwerk macht einfach
glücklich.
Glücklich sein ist wichtig. Aber gibt es noch weitere
Gründe?
Das Handwerk bietet auch hervorragende Aufstiegschancen.
Sie können den Meister oder den
Bachelor machen, Führungskraft sein oder einen
Betrieb übernehmen. Zudem stehen in den nächsten
Jahren in unserem Kammergebiet, das von
der Ostalb bis zum Bodensee reicht, ungefähr
3800 Betriebe zur Übergabe an. Das liegt daran,
dass viele Betriebsinhaber zu den Babyboomer-
Jahrgängen gehören und in naher Zukunft in den
Ruhestand gehen. Dafür brauchen wir junge Fachkräfte,
die Verantwortung als Meister und Betriebsnachfolger
übernehmen wollen. Wenn diese
gut laufenden Handwerksbetriebe einfach
schließen, würde das große Löcher in die Versorgung
reißen und es würden viele Arbeitsplätze
verloren gehen.
Wie viele Azubis haben im neuen Lehrjahr begonnen
und woher kommen sie?
Seit jeher arbeiten im Handwerk Menschen verschiedenster
Nationen gemeinsam. Von den 2811
neuen Auszubildenden im Kammerbezirk Ulm
besitzen 759 eine ausländische Staatsbürgerschaft,
also rund jeder vierte Auszubildende. Sie
kommen aus mehr als 70 verschiedenen Ländern.
Für das regionale Handwerk sind auch künftig
Arbeitskräfte aus dem Ausland essenziell. Nur
so kann auch für die kommenden Jahre die regionale
Versorgung der Bevölkerung mit handwerklichen
Dienstleistungen und Produkten sichergestellt
werden.
Wie unterstützt die Handwerkskammer die Betriebe
bei der Gewinnung von Nachwuchs?
Da gibt es eine Vielzahl von Maßnahmen. Neben
der Beratung der Betriebe und dem Besuch von
Ausbildungsmessen haben wir unter anderem das
Projekt Ausbildungsbotschafter. Aktuell informieren
270 Auszubildende Schülerinnen und Schüler
aus erster Hand über Karrierechancen, geben Berufsberatung
aus erster Hand und beantworten bei
ihrem Besuch in Schulen die aufkommenden Fragen.
Zudem arrangieren wir Partnerschaften zwischen
Betrieben und Schulen, mittlerweile fast 700
in unserem gesamten Gebiet.
Was hat es mit dem Projekt Beschäftigungsbrücke
auf sich?
Die Beschäftigungsbrücke Indien
ist ein großes Projekt von uns, bei
dem wir in Zusammenarbeit mit
einer Agentur vor Ort jedes Jahr
neue Auszubildende für unser
Handwerk rekrutieren. In diesem
Jahr haben 19 junge Männer und eine junge Frau
aus Indien eine handwerkliche Ausbildung begonnen.
18 von ihnen beginnen im Fleischerhandwerk,
zwei im Bäckerhandwerk.
Wir sind im
Handwerk seit
jeher krisensicher
und halten unsere
Leute.
Ist das für die jungen Leute nicht ein Kulturschock?
Bevor die jungen Azubis nach Deutschland kamen,
haben sie in Indien eine mehrmonatige Vorbereitungsphase
absolviert, bei der wir mit einer Partneragentur
zusammenarbeiten. Die Vorbereitung umfasst
nicht nur intensive Sprachkurse bis zum B1-Niveau,
sondern auch interkulturelle Schulungen,
Grundkenntnisse zu Arbeitskultur, Sicherheit, Hygiene
und Lebensalltag in Deutschland. Damit sollen
sie optimal auf ihre Ausbildung und das Leben
vor Ort vorbereitet werden. Ziel ist, dass sie sich
schnell zurechtfinden, im Team einleben und in den
Betrieben von Anfang an mitarbeiten können.
Ein anderes bestimmendes Thema ist die Konjunkturflaute:
Wie gehen die Betriebe damit um?
Das ist von Gewerk zu Gewerk sehr unterschiedlich.
Wir haben rund 130 verschiedene Handwerksberufe.
Klar ist aber: Das Handwerk hat gelernt, mit Krisen
umzugehen; es ist immer eine Wellenbewegung.
Wenn wir die Richtung kennen, können wir damit
umgehen. Wir sind im Handwerk
schon immer krisensicher gewesen
und halten unsere Leute auch dann,
wenn es mal nicht so gut läuft.
Wie ist die Stimmung in den Betrieben?
Im dritten Quartal haben mehr als
60 Prozent unserer Betriebe die
Auftragslage als positiv eingeschätzt,
nur zehn Prozent als etwas schlechter. Aber
natürlich: Der eine oder andere industrienahe Zulieferbetrieb
schluckt schwer und muss kämpfen. Daher
sind wir in Gesprächen mit der Politik und machen
klar, dass Impulse nötig sind, um die Konjunktur
wieder in Schwung zu bringen, sei es der Bau-
Turbo oder die Förderung der E-Mobilität. Wir
müssen aufpassen, dass sich die Flaute nicht durch
die Wertschöpfungskette durchfrisst und noch mehr
Betriebe in Schwierigkeiten bringt.
Warum ist die Meisterprämie für Sie ein so wichtiges
Thema und warum muss sie ihrer Ansicht nach
erhöht werden?
unternehmen [!] TITELTHEMA 17
Das ist eine Frage der Gerechtigkeit. Wir müssen
dahinkommen, dass die akademische und berufliche
Bildung gleichwertig behandelt werden. Derzeit
ist die akademische Ausbildung nahezu kostenfrei,
die berufliche ist es nicht. Ein Meisterstudium
kostet etwa 10.000 Euro. Die Erhöhung der
Meisterprämie ist ein längst überfälliger Schritt, den
Nachbarbundesländer wie Bayern und Hessen bereits
vorgemacht haben. Zudem benötigen wir viele
Meister für die anstehenden Betriebsnachfolgen.
Die Erhöhung der Meisterprämie von derzeit 1500
Euro auf 3000 Euro wäre da ein wichtiges Zeichen.
Wie stehen die Chancen darauf?
Die Spitzenkandidaten der Landtagswahl, Cem Özdemir
(Die Grünen) und Manuel Hagel (CDU), haben
mir in persönlichen Gesprächen beide bereits
zugesagt, dass sie sich für die Erhöhung der Meisterprämie
einsetzen wollen.
Was sind die drängendsten Themen der Betriebe neben
dem Fachkräftemangel?
Der Bürokratieabbau: Jeder spricht davon, aber es
passiert zu wenig. Die Auflagen und Dokumentationspflichten
– sei es das Lieferkettengesetz oder
anderes – gelten für große Industriebetriebe genauso
wie für kleine Handwerksbetriebe mit 10 bis 15
Mitarbeitern. Das ist eine Ungerechtigkeit.
Wie sieht das im Alltag aus?
Bei mir im Betrieb bin ich zu fast 100 Prozent nur
noch im Büro tätig und nicht mehr auf der Baustelle,
weil die Bürokratie so zugenommen hat. Mein
Vorgänger Joachim Krimmer hatte da ein anschauliches
Beispiel dafür: Für den Austausch von drei
Waschbecken an einer öffentlichen Schule hatte er
einen Leitz-Ordner voll mit Vorbemerkungen, sei
es Lieferkettengesetz oder Dokumentationspflichten.
Das ist Wahnsinn! Viele Betriebsinhaber erledigen
die Büroarbeit am Samstag und Sonntag. Aber
das kann es ja nicht sein. Die überbordende Bürokratie
ist auch ein Grund, warum sich junge Meisterinnen
und Meister nicht selbstständig machen
wollen.
Welche Rolle spielen Digitalisierung und KI im Handwerk?
Die Digitalisierung hat bereits stark Einzug in die
Betriebe gehalten, auch Künstliche Intelligenz wird
genutzt. Es gibt Tools, die das möglich machen. Ein
Beispiel: Eine App für Bäcker, die Materialbedarf
nach Wochentagen, Ausschuss und Restbestände
Ich bin nur
noch im
Büro wegen der
gestiegenen
Bürokratie.
Liebe Handwerkskammer Ulm,
von Herzen gratulieren wir dir zum 125. Jubiläum!
Seit über einem Jahrhundert stärkst du unsere Region – geprägt vom Handwerk, das mit
Können, Leidenschaft und Innovationskraft Zukunft schafft. Als verlässlicher Partner stehst
du an der Seite tausender Betriebe, Meisterinnen und Meister, die Werte schaffen und unsere
Wirtschaft bereichern. Du bist Heimat für Ausbildung, Weiterbildung und Meisterschaft. Du
eröffnest Chancen für Talente, stärkst Unternehmerinnen und Unternehmer und begleitest
sie sicher durch den Wandel – immer mit dem Blick nach vorn.
125 Jahre voller Meisterschaft und Miteinander – auf eine starke Zukunft an deiner Seite!
Deine
Volksbank Ulm-Biberach
18
TITELTHEMA unternehmen [!]
Unsere
Mentorinnen
helfen
weiblichen
Auszubildenden.
Das Titelinterview wurde
geführt Alexander
Bögelein, Teamleiter
der SWP-Wirtschaft.
Fotos: Marc Hörger
erfasst. Das automatische Aufmaß für Häuser, das
mit Sensoren Messungen vornimmt und Daten direkt
an den PC überträgt, ist ein anderes Beispiel.
Dachdecker, die Drohnen für Aufnahmen des Daches
nutzen. Und natürlich können ChatGPT & Co.
auch die Arbeit im Büro erleichtern, sei es bei Personalplanung
oder der Erstellung von Inhalten für
die Website.
Sehen Sie Risiken durch KI und Automatisierung für
traditionelle Handwerksberufe?
Nein, bisher sehe ich nur Chancen. Wir können das
Handwerk nicht komplett digitalisieren. Es gibt natürlich
Grenzen, zum Beispiel beim Friseur, der die
Haare schneidet. Für die Klimawende sehen wir
großes Potenzial im seriellen Bauen und Sanieren,
bei dem Gewerke wie Elektro und Fenster im Werk
vorgefertigt werden.
Wie bereitet die Handwerkskammer ihre Betriebe
auf den digitalen Wandel vor?
Unsere Handwerksbetriebe sind sehr offen für die
Digitalisierung. Wir bieten von der Kammer aus
Schulungen und Seminare zu Digitalisierung und
KI an, um zu zeigen, wie man diese im Betrieb umsetzen
kann. Dazu gehören auch Themen wie die
Nutzung von ChatGPT und anderen Language Tools
für die Unternehmensstruktur, Webseiten oder Social
Media. Außerdem bieten wir mit unseren Beraterinnen
und Beratern individuell Hilfe an, um
Prozesse effektiver zu gestalten., die den Betrieben
helfen, Prozesse effektiver zu gestalten.
Was fordern Sie von der Politik für die kommenden
Jahre?
Die Erhöhung der Meisterprämie und damit die
Gleichwertigkeit der beruflichen und akademischen
Bildung. Außerdem müssen die Sozialbeiträge bei
den Lohnzusatzkosten auf 40 Prozent gedeckelt
werden; sie liegen aktuell bei knapp 42 Prozent und
müssen wieder sinken. Gerade im Handwerk ist der
Anteil an Personalkosten immens hoch: In unserer
Zimmerei liegt dieser bei ungefähr 60 Prozent. Ein
weiteres wichtiges Thema sind die Energiekosten.
Die von der Bundesregierung versprochene Stromsteuersenkung
muss für alle Betriebe gelten, nicht
nur für die großen. Besonders energieintensive Gewerke
wie Textilreinigungen oder Kfz-Werkstätten
mit einem hohen Energiekostenanteil sind auf eine
Entlastung angewiesen.
Zurück zu Ihrer Vorbildfunktion: Was raten Sie jungen
Frauen, die über eine Karriere im Handwerk
nachdenken?
Mädchen und junge Frauen sollen offen und frei
entscheiden dürfen, was sie möchten, egal was das
Umfeld sagt. Es gibt keinen typischen Männer- oder
Frauenberuf. Die Gewerke sind für alle offen. Es
gibt genügend Betriebe, die man übernehmen kann.
Ich kann einen eigenen Betrieb gründen. Ich kann
als Führungskraft arbeiten, ich kann als Ausbilder
arbeiten. Ich kann einen Meister machen, ich kann
ein Studium dranhängen. Es gibt so viele Möglichkeiten
und ich kann das Beste für mich raussuchen
und das dann umsetzen. Die Handwerkskammer
unterstützt dies auch mit einem Mentorinnen-Programm
für weibliche Auszubildende. Diese können
sich mit Fragen und Problemen an die Mentorinnen
wenden. Dieses Angebot müssen wir noch verstärkt
nach außen tragen. Aber es ist vollkommen
klar: Handwerk macht Spaß und bietet sinnstiftende
Arbeit.
unternehmen [!] TITELTHEMA 19
125 Jahre alt, 20.000 Betriebe und 120.000 Beschäftigte
Der Sitz der Handwerkskammer in der Olgastraße in Ulm. Die Zimmerer-Meisterin Katja Maier steht an ihrer Spitze.
FOTO: HANDWERKSKAMMER ULM & LARS SCHWERDTFEGER
Die acht Handwerkskammern im Südwesten
feiern in diesem Jahr ihr 125-jähriges
Bestehen. Nach anfänglicher Zurückhaltung
vieler Handwerker entwickelten sich die
Kammern zu wichtigen politischen Interessenvertretungen.
Die Handwerkskammer
Ulm betreut 20.000 Betriebe mit mehr als
120.000 Beschäftigten und 8.000 Auszubildenden
in den Landkreisen Ostalb, Heidenheim,
Alb-Donau, Biberach, Ravensburg, Bodensee
und Ulm. Die Betriebe erwirtschafteten
2024 einen Umsatz von rund 17 Milliarden
Euro. Zu den Aufgaben gehören Aus- und
Weiterbildung, Prüfungswesen, das Führen
der Handwerksrolle und Beratungen.
Freitag, 13. November 2026
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Ruhestand für
Verdi-Chefin
Maria
Winkler
verabschiedet
sich in den
Ruhestand.
Teil-Rettung
für Huber
Verdi 25 Jahre
lang hat Maria
Winkler als Geschäftsführerin
die Geschicke
des Verdi-Bezirks
Ulm-
Oberschwaben
geführt und dabei
unzählige
Verhandlungen
und Streiks begleitet.
Zum 1. Dezember verabschiedet
sie sich in den Ruhestand.
Eine der größten Aktionen,
an denen sie beteiligt war,
war wohl der neunwöchige
Streik Anfang 2006 gewesen, der
sich gegen die Verlängerung der
Arbeitszeit bei den kommunalen
Arbeitgebern richtete.
„Die Aktion war sehr erfolgreich“,
erinnert sich Winkler. Als
einen ihrer größten Erfolge betrachtet
die 66-Jährige, dass die
Ulmer Gewerkschaften heute in
einem gemeinsamen Haus am
Weinhof sitzen.
Investor Im September hatte die
Mühlhausener Firma Huber Automotive
Insolvenz anmelden
müssen. Nun wurde jedoch ein
erster Investor für den Entwicklungsbereich
gefunden. Die für
die Insolvenz zuständige Kanzlei
Grub Brugger aus Stuttgart
teilte mit, dass die Firma Neura
Robotics mit Hauptsitz in Metzingen
diesen Bereich mit mehr
als 30 Mitarbeitern mit Wirkung
zum 16. Oktober übernommen
habe. Die Suche nach einem Investor
für den restlichen Betrieb
gehe indessen mit Hochdruck
weiter, so der zuständige Insolvenzverwalter
Martin Mucha.
Das Unternehmen Huber Automotive
wurde im Jahr 2000 gegründet
und ist der Kern der Huber
Firmengruppe. Es hat sich
vor allem auf die Hard- und Softwareentwicklung,
Gehäusekonzepte
und Serienfertigung von
Steuergeräten für die Automobilindustrie
spezialisiert – und
dabei auch auf die Umrüstung
von Fahrzeugen auf Elektroantrieb.
Die Firma hatte zum Zeitpunkt
des Insolvenzantrags 133
Mitarbeiter.
In Zukunft leiten die Geschäftsführer Ludwig Kränzle und Mario Kordt (links) die Geschicke des
Illertisser Unternehmens.
Foto: Josef Kränzle GmbH & Co. KG
Führungswechsel bei Kränzle
Messtechnik
Blaubeuren
Jubiläum Der Maschinenbauer
Wenzel Group hat in den vergangenen
zehn Jahren viele Millionen
Euro in seinen Messtechnik-Standort
Blaubeuren investiert.
In dem noch recht neuen
Firmen-Gebäude im Industriegebiet
Seißen sind allein 2025
Messgeräte im Wert von rund einer
Million Euro installiert worden.
Im November feierte die
Firma das erfolgreiche zehnjährige
Bestehen. „Nach einer Corona-Delle
sind wir jetzt wieder
auf dem früheren Umsatz in
Blaubeuren“, sagte Dr. Heike
Wenzel, Geschäftsführerin der
Firmengruppe.
Internationale
Forschung
Kooperation Mit vereinten
Kräften die internationale Forschung
im Bereich Biotechnologie
vorantreiben: Das ist Ziel
der neuen BioTech-Initiative,
die der Freistaat Bayern mit seiner
südafrikanischen Partnerprovinz
Westkap auf den Weg
gebracht hat. Gemeinsam mit
weiteren Forschungseinrichtungen
trägt die Hochschule Neu-
Ulm (HNU) diese Initiative mit:
HNU-Präsidentin Prof. Dr. Uta
M. Feser unterzeichnete Anfang
November die Kooperationsvereinbarung
im Beisein von Ministerpräsident
Markus Söder in
Stellenbosch, Südafrika.
Nach über 51 Jahren an der Spitze der Josef Kränzle
GmbH & Co. KG aus Illertissen verabschiedet sich
Firmengründer Josef Kränzle in den wohlverdienten
Ruhestand. Mit 81 Jahren übergibt er die Unternehmensführung
offiziell an die nächste Generation.
Bereits seit 2010 ist sein Sohn Ludwig Kränzle in der
Geschäftsführung aktiv. Er wird künftig gemeinsam
mit Dr. Mario Kordt, der neu in die Unternehmensleitung
eintritt, die Geschicke des weltweit erfolgreichen
Herstellers von Hochdruckreinigern und Reinigungstechnik
leiten.
„Ich möchte mich mehr den Dingen des Alltags widmen
und mit einem guten Gefühl loslassen. Es ist
Zeit, den Staffelstab weiterzugeben“, erklärt Josef
Kränzle. Der Senior wird dem Unternehmen jedoch
weiterhin beratend verbunden bleiben.
Beteiligung
an PV-Anlage
Energiewende Die Bürgerbeteiligung
der Stadtwerke Ulm/
Neu-Ulm an der Photovoltaikanlage
im Örlinger Tal ist ein voller
Erfolg: Sämtliche Anteile in
Höhe von insgesamt 3 Millionen
Euro waren bereits in der ersten
Zeichnungsphase vergeben. Insgesamt
272 Anleger zeichneten
Anteile in der Größenordnung
von 500 Euro bis maximal 25.000
Euro.
„Die Resonanz zeigt, wie stark
das Bewusstsein und die Bereitschaft
in der Region sind, aktiv
zur Energiewende beizutragen“,
sagt Klaus Eder, Geschäftsführer
der SWU. [!]
unternehmen [!] RESSORTAnzeige
21
Ein hoch spezialisiertes und einfühlsames Team arbeitet mit Dr. Anderhofstadt (Mitte) Hand in Hand.
Fotos: Zahnärzte Burgau
Rückenschmerzen wegen
wurzelbehandelter Zähne?
Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Verspannungen,
Migräne, häufige Infekte, Gelenk- oder
Muskelschmerzen oder Schlafstörungen. Oft
verbergen sich hinter solchen Beschwerden
nicht diagnostizierte Entzündungen. Diese
können die Leistungsfähigkeit auf Dauer stark
beeinträchtigen.
Dr. Sarah Anderhofstadt ist darauf spezialisiert,
chronischen Entzündungen in Mund und Kiefer
zahnmedizinisch auf den Grund zu gehen. Häufig
kommen Menschen in ihre Praxis, die jahrelangem
Stress ausgesetzt waren und dabei ihre
körperliche Gesundheit vernachlässigt haben.
Der Entzündung auf der Spur
Drei Bereiche hat sie besonders im Blick:
„Liegen die Beschwerden an chronischen
Entzündungen im Kiefer, Schlafproblemen
durch Schnarchen oder Atemaussetzer oder
an einem ungünstigen Biss?“
Um Stressoren im Mund-Kieferbereich zu
identifizieren, setzt Dr. Anderhofstadt auf
Konzepte aus der Umweltzahnmedizin bzw.
der „Biologischen Zahnmedizin“, mit dem
Ziel, sowohl das Immunsystem als auch das
vegetative Nervensystem maximal zu entlasten.
Denn als Zahnärztin sei man immer gezwungen,
ein Fremdmaterial in den Mund des Patienten
einzubringen, erklärt Dr. Anderhofstadt.
Das Höhentrainingsgerät in der Praxis in Burgau.
Bei sensibilisierten Patienten könne dieses
Fremdmaterial zu immunologischen und toxischen
Wirkungen mit unspezifischen Symptomen
führen.
Neben Amalgam können auch Kunststoffe,
Kleber, Titan und andere Metalle chronische
Entzündungen hervorrufen.
Die Therapie ist minimalinvasiv und arbeitet
ohne Fremdmaterial. In ihrer Praxis verwendet
sie ausschließlich speziell designte, metallfreie
Keramikimplantate, die aufgrund ihrer
extrem gewebefreundlichen Oberfläche
kein Risiko für eine Zahnfleischentzündung
darstellen.
Maximale Entspannung
Werden beherdete Zähne entfernt und durch
Implantate ersetzt, erfolgt der Eingriff in einer
einzigen Sitzung – die Praxisabläufe hat Dr.
Anderhofstadt so angepasst, dass auch Operationen
über mehrere Stunden hinweg erfolgen
können, und der Patient danach schnell
wieder einsatzbereit ist.
Während der OP setzen die Zahnärztin und ihr
Team auf größtmöglichen Patientenkomfort,
um den Körper so wenig Stress wie möglich
auszusetzen und die Regeneration von Beginn
an zu unterstützen:
„Dazu gehören beispielsweise Infusionen
während des Eingriffs, minimalinvasive
Schnittführungen, abschließende Lymphdrainagen
und eine Lockerung der Nackenmuskulatur,
aber auch Mikronährstoffe und Höhentraining.“
Alles ist individuell auf die Bedürfnisse der Patienten
zugeschnitten. Große Aufmerksamkeit
liegt auch auf der Nachsorge:
„Nach der Behandlung bin ich rund um die
Uhr für den Patienten erreichbar.“
Das Konzept habe sich bewährt, so die Zahnärztin:
„Immer wieder berichten mir Patienten
bei der Nachsorge, dass sich langjährige
Beschwerden, etwa ein schmerzendes Knie,
seit meiner Behandlung deutlich verbessert
haben.“
Dr. med. dent.
Sarah Anderhofstadt
Sarah Anderhofstadt
ist Zahnärztin. Das Behandlungskonzept
in
ihrer Praxis nimmt den
gesamten Körper der
Patienten in den Blick
und umfasst Umweltzahnmedizin
und Biologische
Medizin, Sofort- und Miniimplantate,
Schlaf-Zahnmedizin, Sportzahnmedizin sowie
IHHT-Sauerstofftherapie mit dem Ziel, den Körper
während der Behandlung sowenig Stress
wie möglich auszusetzen und das Immunsystem
so zu schonen.
Zahnärzte Burgau
Dr. Anderhofstadt und Kollegen
Kapuzinerstraße 2a
89331 Burgau
Tel.: 08222 / 41 93 030
info@zahnaerzte-burgau.de
www.zahnaerzte-burgau.de
22
GESUNDHEIT unternehmen [!]
Kaffee und Obstkorb reichen lange nicht
aus. Zur Förderung der Gesundheit ist es
wichtig, Sportaktivitäten und Arbeitsplatzoptimierungen
anzubieten.
MONTAGE MESCHKOWSKI
FOTO: LUKAS, PNG LAB, TIM UR,
ASRAF ALI, ACHIRA22, XAVIER
& 2D /ADOBESTOCK.COM
Obstkorb
war gestern
Prävention Warum immer mehr Unternehmen in die Gesundheit
ihrer Beschäftigten – und damit in ihre wirtschaftliche Zukunft –
investieren. Von Julia Rizzolo
Fachkräftemangel und
steigende Fehlzeiten sind
zwei der größten Herausforderungen
deutscher
Unternehmen. Alleine im Jahr
2024 verursachten die Fehlzeiten
laut dem Institut der Deutschen
Wirtschaft Kosten in Höhe von
82 Milliarden Euro. Die drei häufigsten
Gründe für die Arbeitsausfälle:
Atemwegserkrankungen,
psychische Erkrankungen
und Muskel-Skelett-Erkrankungen
– wobei mentale Probleme
auf dem Vormarsch sind. Eine
Maßnahme gibt es, die beiden
Problemen entgegenwirken
kann: betriebliches Gesundheitsmanagement
(BGM). Und dazu
gehört weit mehr als kostenloser
Kaffee und Obstkorb.
Von Rückenschule bis
Ruheraum
Die Aktionen und Maßnahmen
können breit gefächert sein –
von Rückenschule über Suchtprävention
bis hin zu Blutspende-Tagen,
Impfaktionen, Ausstattung
von Arbeitsplätzen, Einrichtung
von Ruheräumen oder
auch Eingliederungsmanagement
und spezielle Schulungen
für Führungskräfte. Ziel: Die Gesundheit
der Mitarbeitenden zu
erhalten und zu fördern. Das
bringt viele Vorteile mit sich: Zufriedenheit
und Motivation steigen,
die Attraktivität als Arbeitgeber
erhöht sich, Langzeiterkrankungen
und Fluktuation sinken.
Werden ältere Mitarbeitende
mit einbezogen, bleibt dem Unternehmen
das Betriebswissen
länger erhalten. Ähnliche „Spielregeln“
wie in privaten Unternehmen
gelten im öffentlichen
Dienst. Die Unfallkasse Baden-
Württemberg (UKBW) setzt
sich dort für Sicherheit und Gesundheit
ein: „Entscheidend ist,
dass Prävention zur gelebten
Unternehmenskultur wird – also
nicht nur Regeln erfüllt werden,
sondern Gesundheit als Teil des
gemeinsamen Erfolgs verstanden
wird“, sagt Abteilungsleiterin
Karin Hoffmann und erklärt
den Unterschied zwischen
Pflicht und Kür: „Gesundheitsschutz
ist gesetzlich vorgeschrieben:
Er sorgt dafür, dass
Arbeitsbedingungen sicher und
unternehmen [!] GESUNDHEIT 23
gesundheitsgerecht gestaltet
sind – etwa durch Maßnahmen
der Arbeitssicherheit und Unfallverhütung.
Gesundheitsförderung
dagegen ist freiwillig
und zielt darauf ab, das Wohlbefinden
und die Motivation
der Beschäftigten aktiv zu stärken
– beispielsweise durch Bewegungsprogramme,
Ernährungskurse
oder Stressprävention.
Beides lässt sich ideal verbinden,
wenn Unternehmen ein
ganzheitliches Betriebliches
Gesundheitsmanagement etablieren.“
Prävention
muss
zur gelebten
Unternehmenskultur
werden.
Karin Hoffmann
Abteilungsleitung UKBW
FOTO: CONTRASTWERKSTATT/ADOBESTOCK.COM
So kann BGM die Motivation steigern: Tägliche bewegte Pausen, Ernährungsund
Sportkurse und Maßnahmen zur Stressprävention.
Zur Person
Dr. Fabian Krapf
ist Sport- und
Gesundheitswissenschaftler
und
Leiter der Studie
#whatsnext. Zu
seinen Schwerpunkten
zählen
die Themen
Schlaf und Männergesundheit.
Bei der Firmengruppe Liebherr
am Standort Biberach wird die
Betriebliche Gesundheitsfürsorge
als Teil des Arbeitsalltags
verstanden. Bei vielen Liebherr-
Gesellschaften gibt es zum Beispiel
Angebote, die jeden Tag
wahrgenommen werden können,
jährliche Aktionen oder
welche, die über einen längeren
Zeitraum hinweg stattfinden.
Darunter tägliche bewegte Pausen,
Sportkurse wie Rückenkurse
oder Muskelaufbau, Beratungsangebote
oder Informationsveranstaltungen
zur Blutspende.
Die individuellen
Bedürfnisse und Lebenssituationen
der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
spiegeln sich im Angebot
wider: Es gibt spezielle
Aktionen für Auszubildende,
Führungskräfte, Mitarbeiter und
Mitarbeiterinnen in der Produktion
oder im Büro. Ergebnis:
Laut der Firmengruppe sei die
Erfolgsmessung komplex, trotzdem
ließen sich positive Tendenzen
zum Beispiel im Bereich
der Rückengesundheit beobachten.
Das Feedback der Teilnehmenden
sei ebenfalls positiv.
Etwas weiter südlich, in Konstanz,
sitzt die IFBG GmbH. Die
Beratungsfirma ist als Ausgründung
der Universitäten Konstanz
und Karlsruhe entstanden.
Hier wird zum Themenkomplex
beraten – und auch wissenschaftlich
geforscht. Geschäftsführer
Dr. Fabian Krapf sagt:
„Betriebliches Gesundheitsmanagement
legt die Grundlage für
zufriedene und leistungsfähige
Beschäftigte. Dies macht sich
auch im Employer Branding bemerkbar
und macht das BGM
durch seine Wirkung auf allen
Betriebsebenen zu einem wichtigen
Thema der Unternehmenskultur.“
Er wagt einen Blick in die Zukunft.
Basierend auf der IFBG-
Studie „#whatsnext 2025 – gesund
arbeiten in herausfordernden
Zeiten“ in Zusammenarbeit
mit der Techniker Krankenkasse
und dem Personalmagazin
kann Dr. Fabian Krapf sagen:
„Die Handlungsfelder Resilienzaufbau,
Arbeiten über das Rentenalter
hinaus und Krisenmanagement
für psychische Gesundheit
werden laut den Teilnehmenden
in den nächsten
Jahren den größten Bedeutungszuwachs
erfahren. Die Gesundheit
der Beschäftigten rückt weiterhin
zunehmend in den Fokus.“
Der BGM-Experte weist aber
darauf hin, dass es viele Themenbereiche
gibt, die bisher
Unser Betriebliches
Gesundheitsmanagement.
Von der Krankenstandsanalyse bis zur
Umsetzung konkreter Maßnahmen:
Wir unterstützen Sie dabei, in Ihrem Unternehmen
wertvolle Gesundheitsangebote
für Ihre Mitarbeitenden zu etablieren.
Mehr dazu unter
aok.de/fk/bw/betriebliche-gesundheit
AOK Baden-Württemberg
Die Gesundheitskasse Ulm-Biberach.
RWK · 659393 · 11/25 · Foto: peterheck.de
24
GESUNDHEIT unternehmen [!]
Mehr Krankmeldungen wegen Depressionen
Angebote werden aktiv genutzt“,
sagt Corinna Sorg. „Der Erfolg unseres
BGM zeigt sich in der geringen
Fluktuation und einem stabilen,
wertschätzenden Miteinander. Wir
fördern deshalb bewusst gemeinsame
Pausen und zwischenmenschliche
Begegnungen, denn Austausch
und Teamgeist tragen wesentlich
zum Wohlbefinden bei.“
Die
Gesundheit
der Beschäftigten
rückt zunehmend
in den Fokus.
Dr. Fabian Krapf
BGM-Experte
Fehltage nehmen zu Laut
BKK Landesverband Süd fehlten
im Jahr 2024 Arbeitnehmerinnen
und Arbeitnehmer
krankheitsbedingt an durchschnittlich
18,7 Kalendertagen.
Der Psychoreport der DAK
zeigt: Der häufigste Grund für
wenig Berücksichtigung erfahren
haben. Dazu zählen Schlaf und Erholung,
aber auch „Klimaschutz und
Nachhaltigkeit, die geschlechterspezifische
Gesundheit im Arbeitskontext
oder neue Arbeitsformen.“
Trotzdem betont er: „Organisationen,
die in die Gesundheit ihrer Beschäftigten
investieren, kommen
nicht nur einer sozialen Verantwortung
nach, sondern investieren in die
unternehmerische Zukunft.“
Die BS software development
GmbH & Co. KG aus Ulm hat im Gegensatz
zu einem Konzern wie Liebherr
deutlich weniger Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter, etwas über 50.
„In den letzten Jahren ist das Be-
eine psychisch bedingte Krankschreibung
war 2024 eine Depression.
Bei den älteren Beschäftigten
fällt auf, dass ein
psychischer Erkrankungsfall
wesentlich langwieriger sein
kann. So steigt die Krankschreibungsdauer
bei den über
Zur Person
Karin Hoffmann
Leiterin der Abteilung
Sicherheit und
Gesundheit bei der
Unfallkasse B.-W.,
zuständig für Präventionsmaßnahmen
im Bereich Arbeits-
und Gesundheitsschutz.
FOTO: IMAGESINE/ADOBESTOCK.COM
60-Jährigen auf rund 58 Tage
an. In Baden-Württemberg hatten
im Vergleich zu 2022 die erwerbstätigen
Männer zwischen
20 und 24 Jahren den stärksten
Anstieg bei den psychisch bedingten
Fehltagen: plus 46 Prozent.
wusstsein für Gesundheit, Selbstfürsorge
und Teamkultur deutlich gewachsen.
Themen wie Bewegung,
Ernährung und mentale Gesundheit
werden offener angesprochen und
nehmen einen festen Platz in unserem
Arbeitsalltag ein“, erzählt Feel-
Good-Managerin Corinna Sorg, die
dort unter anderem für das BGM
verantwortlich ist. Angebote umfassen
beispielsweise wöchentlichen
Bürosport mit einer Physiotherapeutin,
Gesundheitstage, selbstgemachte
Ingwershots, eine ergonomische
Arbeitsplatzgestaltung, aber auch
Duschen für Radpendler, Schulungen
zu Resilienz und Zeitmanagement
sowie flexible Arbeitszeiten
und Homeoffice-Regelungen. „Die
Eine besondere Rolle beim Betrieblichen
Gesundheitsmanagement
spielen die Führungskräfte. Sie
sollten einerseits in ihrer eigenen
physischen und psychischen Gesundheit
gestärkt werden, andererseits
Maßnahmen und Verständnis
für ihre Mitarbeitenden mittragen.
Beispielsweise bei der Liebherr-
Werk Biberach GmbH. Dort durchlaufen
Führungskräfte die Schulung
„Gesundheitsverantwortung
in der Führung“, die Themen wie
Arbeitsmedizin, Sucht oder psychische
Belastung beinhaltet. „Es
hilft, eine Präventionskultur mit einer
gesunden Unternehmens- und
Führungskultur zu schaffen“, erklärt
Karin Hoffmann von der
UKBW. „Sie kann das Verhalten der
Mitarbeitenden sowie das Erscheinungsbild
des Unternehmens positiv
prägen und trägt somit zu einer
gesunden und sicheren Arbeitsumgebung
bei.“ Und Dr. Fabian
Krapf betont: „Das
Führungsverhalten kann eine wertvolle
Ressource für die Gesundheit
von Beschäftigten darstellen. Im
Sinne einer positiven Vorbildfunktion
ist sowohl das Verhalten einer
Führungskraft gegenüber den Beschäftigten
als auch die gesunde
Selbstführung unerlässlich. Sie gestalten
die Arbeitsbedingungen aktiv
mit und können so zu Zufriedenheit,
Leistungsfähigkeit und
Motivation auf Seiten der Beschäftigten
beitragen.“ Bestenfalls ist
die Gesundheit eine Investition,
die sich für alle Beteiligten auszahlt.[!]
Anzeige 25
In praxisnahen Seminaren werden die Teilnehmer bei der Firma Meißner im fachgerechten Umgang
mit den Sicherheitssystemen geschult.
Bild: Meißner Sicherheitstechnik
100 Prozent Technik
für 100 Prozent Sicherheit
Bereits in vierter Generation
im Familienunternehmen der
Meißner Sicherheitstechnik GmbH
am Standort in Ulm-Einsingen –
einem der ältesten Hersteller von
Schutzausrüstungen gegen Absturz:
Geschäftsführende Gesellschafterin Caroline
Liebler und Geschäftsführer Stefan Liebler.
Im Familienunternehmen steht seit vier Generationen die Qualität an erster Stelle.
Arbeit in großer Höhe fordert die ganze
Konzentration der Profis. Dafür, dass sich
diese in jeder Situation zu 100 Prozent auf ihr
Equipment verlassen können, bietet die Firma
Meißner die Sicherheitstechnik. Das Unternehmen
aus Einsingen ist eines der ältesten
und erfahrensten Hersteller von persönlichen
Schutzausrüstungen (PSAgA) gegen Absturz.
Qualität steht hier an erster Stelle.
Herstellung in der hauseigenen Werkstatt
Die geschäftsführende Gesellschafterin Caroline
Liebler erklärt: „Die Meißner Sicherheitstechnik
ist ein familiengeführtes Unternehmen
in vierter Generation. Am Ulmer Standort
werden persönliche Schutzausrüstungen gegen
Absturz, Auffanggurte, Seilkürzer, Bandfalldämpfer
und alles, was zur Ausrüstung dazugehört,
produziert.“ In enger Betreuung und
Absprache mit den Kunden werden in der Metallwerkstatt
individuelle Absturzsicherungen
als Schienensystem oder Einholmleitern für
Masten und Schornsteine hergestellt. Den
richtigen Umgang mit der persönlichen Sicherheitsausstattung
lernen Kursteilnehmer
in den Schulungen von Meißner Sicherheitstechnik.
Entweder im modernen Seminarraum,
der für etwa 30 Personen ausgestattet
ist, auf dem Übungsturm und dem Dach der
hauseigenen Trainingsanlage oder vor Ort am
Arbeitsplatz. Gunar Leupolt ist Fachmann für
Arbeitssicherheit und erklärt: “Keine Schulung
gleicht der anderen, darum gehen wir auf die
Bedürfnisse unserer Kunden ganz spezifisch
ein, vom ersten Kontakt zum Außendienstmit-
arbeiter, einer ausführlichen Prognose, bis zur
Ausstattung und Unterweisung.“
Praxiserfahrung statt trockene Theorie
Die praxisorientierte Umsetzung der Sicherheitskonzepte
statt theoretischer Strategien
ist eines der Erfolgsrezepte von Meißner Sicherheitstechnik.
Gunar Leupolt hat viele Jahre
als Monteur gearbeitet und kennt den Joballtag
der Höhenarbeiter nicht nur aus der
Theorie, sondern in voller Lebenswirklichkeit.
„Oft will man etwas noch kurz vor Feierabend
fertigstellen, wird leichtsinnig und bringt sich
oder seine Kollegen durch Flüchtigkeitsfehler
in Gefahr.“ Ein falscher Griff, ein Schritt daneben
oder ein Moment der Unachtsamkeit führen
dann in die Katastrophe mit oft schrecklichen
Folgen. Um die Wichtigkeit und Bedeutung
der Sicherheitssysteme immer wieder
bewusst zu machen, sind die Seminare bei
Meißner Sicherheitstechnik keine realitätsfremde
Veranstaltung, sondern praxisnahe
Seminare, deren Teilnehmer für die vorhandenen
Risiken sensibilisiert werden. Leupolt
bringt es auf den Punkt: „Wir wollen, dass jeder
Mitarbeiter am Ende des Tages gesund und
unbeschadet nach Hause kommt.“ Besonders
schlimm sei es, wenn Angehörigen die Mitteilung
überbracht werden muss, dass ein Familienmitglied
durch einen Arbeitsunfall zu Schaden
gekommen ist, verletzt wurde oder
Schlimmeres, weil vorhandene Sicherheitsmaßnahmen
nicht ordnungsgemäß angewendet
wurden.
Unerwartete Unfallgefahren
Die meisten Unfälle geschehen übrigens nicht
in großen Höhen, sondern von Leitern, Hochregalen
oder Laderampen, wo sich die Aktiven
scheinbar sicher fühlen. „Stürze aus drei bis
fünf Metern Höhe können durchaus schlimme
Folgen haben“, sagt Leupolt. Das Schulungsangebot
von Meißner Sicherheitstechnik beinhaltet,
neben der sachgerechten Benutzung
der persönlichen Sicherheitsausrüstung, Trainingskursen
zum Steigen und Retten, auch die
Sachkundeausbildung für Meißner Absturzsicherung
zur jährlichen Überprüfung und Herstellerangaben.
Zudem bietet Meißner Sicherheitstechnik
regelmäßig auch Grund- und Wiederholungskurse
für die Ausbildung zum
Sachkundigen an oder die Überprüfung von
persönlicher Schutzausrüstung sowie Rettungsschulungen
aus Höhen- beziehungsweise
Schachtanlagen. Die Seminare sind produktneutral
und produktoptimiert.
Meißner Sicherheitstechnik GmbH
August-Nagel-Straße 21,
89079 Ulm
Tel.: 07305 96 35 0
info@meissner-ulm.de
www.meissner-ulm.de
26
MEDIZINTECHNIK unternehmen [!]
Microsoft
im Visier
Medizin Mit synthetischen Gewebemustern
und KI macht ein junges Unternehmen die
Diagnostik schneller, präziser und
kostengünstiger – und setzt dabei auf
Göppingen als Standort.
Zeigt das Bild eine echte Gewebeprobe oder synthetische Daten? Die KI-Diagnostik kann auf viele
Anwendungen ausgeweitet werden.
Foto: Miravision
Jedes Jahr bekommen in
Deutschland etwa 500.000
Menschen die Diagnose
Krebs, weltweit sind es
rund 20 Millionen. Bis zum Jahr
2050 könnten es sogar 35 Millionen
werden. Um Krebs richtig
zu erkennen, sind eine Vielzahl
von Untersuchungen nötig – das
kann je nach Art und Stadium
der Krankheit Tage oder Wochen
dauern.
Das junge Technologie-Unternehmen
Miravision aus Göppingen,
mit etwa 20 Mitarbeitern,
will diesen Prozess einfacher
und schneller machen und
damit sogar den Branchenriesen
Microsoft in diesem Bereich
übertreffen. Dem deutschen Gesundheitssystem
könnte das viel
Geld sparen. Der Name „Mira“
bedeutet auf Latein „Wunder“.
Doch das, was Miravision macht,
ist kein Wunder, sondern das Ergebnis
harter Arbeit und kluger
Technik. Das Unternehmen
nutzt Künstliche Intelligenz
(KI), um Krebszellen auf Bildern
von Gewebeproben zu erkennen
und braucht dafür keine echten
Patientendaten.
Kosten sparen und
Behandlung verbessern
Lukas Mürdter erklärt, dass Miravision
mit künstlich erzeugten
Gewebe- und Zellmustern aus aller
Welt trainiert wird, bei denen
alle Eigenschaften genau bekannt
sind. Dadurch lernt Miravision
sehr genau, wie normale
Strukturen aussehen. So kann
das System selbst kleinste krankhafte
Veränderungen auf winzigster
Ebene zuverlässig erkennen
und immer wieder mit gleicher
Genauigkeit feststellen. Das
macht die Diagnosen präziser
und verlässlicher als bisher. So
werden die Diagnosen zuverlässiger
und schneller.
Das Potenzial von Miravision
zeigt sich auch darin, dass das
Unternehmen von der deutschen
Bundesagentur für Sprunginnovation
(SPRIND) unterstützt
wird – eine Förderung, die nur
wenige Start-ups erhalten.
Mit seiner einzigartigen Technologie
ist Miravision weltweit
führend. Die schnellere und genauere
Diagnose kann nicht nur
die Behandlung von Patienten
unternehmen [!]
MEDIZINTECHNIK
27
verbessern, sondern auch große
Kosten sparen – ein wichtiger
Vorteil für das deutsche Gesundheitssystem.
Das Unternehmen
ist noch dabei, die offizielle Zulassung
für den Einsatz in der
Krebsdiagnose zu bekommen,
die in etwa zwei Jahren erwartet
wird. Bis dahin arbeitet Miravision
bereits für Kunden aus der
Pharmaindustrie und aus verschiedenen
Laboren, zum Beispiel
bei der Untersuchung von
Pilzsporen oder der Kontrolle
von Reinräumen.
Mit kleinem
Datensatz und
geringem Budget
sind wir deutlich
besser.
Lukas Mürdter
Mitbegründer und CEO
Die Aussichten für das Unternehmen
scheinen großartig. Das
Selbstbewusstsein ist entsprechend
groß: „Im Januar werden
wir Microsoft outperformen“,
sagt Mürdter. Anfang des kommenden
Jahres würde ein entsprechendes
Paper veröffentlicht,
der große öffentliche Aufschlag
soll dann im März auf der
Messe SXSW in Texas stattfinden,
wo sich Künstler und Branchenführer
der Technologie aus
aller Welt treffen. „Wir werden
in den USA zeigen, dass wir mit
unserem lächerlich kleinen Datensatz
und unserem verschwindend
geringen Budget besser
Aus dem Containerbüro in Göppingen fordern Lukas Mürdter
und Leonid Mill den Branchenriesen Microsoft heraus.
FOTO: STAUFENPRESS
sind als Microsoft – deutlich besser.“
Und das liege an dem bereits
ausgeführten neuen Ansatz:
Statt wie Microsoft 500 Millionen
Dollar nur für die Bilddaten
zu bezahlen und diese zu verarbeiten,
sei Miravision kurz davor,
den weltgrößten Algorithmus
der Welt mit neuerer intelligenterer
Vorgehensweise zu
schlagen, erklärt Mürdter. Es
klingt ein wenig wie die Geschichte
von Dinosaurier und
Mensch. Und ganz falsch ist dieser
Vergleich zumindest in diesem
Bereich wohl nicht.
Dem Standort verbunden
Hat der Standort Göppingen bei
dieser Perspektive auf die große
Konkurrenz in der neuen Welt
überhaupt eine Chance hinsichtlich
der Zukunftsplanungen des
Unternehmens? Lukas Mürdter
lässt keinen Zweifel an seinem
Bekenntnis zum Standort: „Göppingen
ist und bleibt Hauptstandort,
da gibt es auch keine
Diskussion!“ Es sei nicht nur
„überhaupt kein Problem bei uns
in der schwäbischen Provinz“
ein derartiges Start-up aufzubauen,
sondern exakt der richtige
Ort dafür: „Weil genau hier sitzen
die entsprechenden Leute
dafür und ich glaube fest an die
nächste Generation der Hidden
Champions, die da gerade entsteht.“
Ein wichtiger Teil des Erfolgs
sind auch sogenannte Business
Angels – Unternehmer, die
Miravision finanziell und mit Rat
unterstützen. Über 75 Prozent
der Firma gehören aber weiterhin
den Gründern. Obwohl das
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28
MEDIZINTECHNIK unternehmen [!]
Zukunftsforschung
FOTO: ART STOCK CREATIVE/ADOBESTOCK.COM
Die künstliche Intelligenz erobert auch die
Medizin und wird eine immer größere Rolle
spielen. In der Diagnostik werden in Zukunft
große Datenmengen, wie Röntgenbilder, Laborwerte
oder Patientenhistorien immer
schneller und präziser analysiert. Dadurch
werden Krankheiten früher erkannt, Kosten
gespart und Fehldiagnosen reduziert.
KI unterstützt Mediziner bei der Auswahl
passender Therapien, kann individuelle Risikoprofile
erstellen und hilft, personalisierte
Behandlungspläne zu entwickeln. Zudem
kann sie Routineaufgaben automatisieren,
sodass medizinisches Personal entlastet
wird und mehr Zeit für die Patientenbetreuung
bleibt. Insgesamt ermöglicht KI eine effizientere,
genauere und individuellere Diagnostik.
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MODERNE BÜRORÄUME IN BESTEN LAGEN
Große Datemengen aus
der diagnostischen
Medizin können mit der
KI leichter gehandhabt
werden.
Miravision
zeigt,
welches Potenzial
in Göppingen
steckt.
Alex Maier
Oberbürgermeister
Unternehmen viel Geld in seine
Forschung steckt, wird es
dieses Jahr voraussichtlich
rund eine Million Euro Umsatz
machen.
Begonnen hat die Geschichte
von Miravision im Jahre 2021
mit einer Vision des Doktoranden
Leonid Mill, der während
seines Studiums KI-Anwendungen
für medizinische Zwecke
aufwendig trainierte. „Das geht
einfacher“, habe er sich damals
während seiner Doktorarbeit
am Lehrstuhl für Mustererkennung
an der Universität Erlangen
gedacht, erzählt sein
Schwager Lukas Mürdter, den
er bald als betriebswirtschaftlichen
Kopf mit ins Boot nahm
und für die Unternehmensgründung
begeisterte. Seit kurzem
engagiert sich Lukas Mürdter
auch als Vorsitzender beim
Verein Hive – „Hub for Innovation,
Vision and Execution“ –
dem Technologiecampus auf
dem Boehringer-Areal.
Wo einst die industrielle
Produktion das Areal prägte,
gibt es jetzt in einem House-in-
House-Prinzip Raum für zukunftsweisende
Entwicklungen,
Anwendungen und Produktionen.
„Wir sehen es einfach
als notwendig an und wir
freuen uns riesig, dass sowas in
Göppingen entsteht, unterstützen
von ganzem Herzen sehr,
sehr gerne von unserer Seite
und freuen uns natürlich auch
einfach über die Möglichkeit,
mit Menschen, die in dieselbe
Richtung denken, dann auch an
einem Platz zusammenzuarbeiten.“
Der Oberbürgermeister von
Göppingen, Alex Maier, gibt
dem Unternehmer recht und
fügt hinzu: „Miravision zeigt
eindrucksvoll, welches Potenzial
in Göppingen steckt – gerade
wenn innovative Ideen auf
ein passendes Umfeld treffen.
Mit Hive haben wir gemeinsam
ein echtes Vorzeigeprojekt angestoßen,
und Miravision ist
ein tolles Beispiel dafür, wie aus
einer guten Idee hier etwas
Großes entstehen kann.“
[!] Axel Raisch
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Günzburgs erste KfW 40 Plus Wohnanlage in Holzhybridbau.
Bauen mit Weitblick
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Wenn Erfahrung Zukunft gestaltet
Das Bauunternehmen bendl und das Planungsbüro
kreaplan aus Günzburg gestalten
gemeinsam die Zukunft des Bauens: mit 80
Jahren Bauerfahrung, digitaler Planungskompetenz
und einem klaren Ziel – nachhaltige,
wirtschaftliche und zukunftsfähige
Bauprojekte für Mensch und Umwelt.
Tradition trifft Technologie
Wenn 80 Jahre Bauerfahrung auf digitale Planung
treffen, entsteht eine Symbiose, die Bauprojekte
in eine neue Dimension hebt. Das
Günzburger Bauunternehmen bendl steht für
handwerkliche Qualität, regionale Verantwortung
und Innovationsgeist. Mit rund 200 Mitarbeitenden
in fünf Geschäftsbereichen schafft
bendl Gebäude, die Generationen überdauern
– ökologisch durchdacht, wirtschaftlich sinnvoll
und technisch präzise. Planungspartner
kreaplan ergänzt dieses Fundament um digitale
Intelligenz: Building Information Modeling
(BIM) ermöglicht es, Projekte von Anfang an effizient,
transparent und ressourcenschonend
zu gestalten.
Gemeinsam stark
für die Region
Was bendl und kreaplan verbindet, ist
der Anspruch, das Bauen von morgen
heute schon besser zu machen –
regional verankert, zukunftsorientiert
im Denken. Beide Unternehmen setzen
auf kurze Wege, klare Kommunikation
und langfristige Partnerschaften.
Das Ergebnis: Projekte, die nicht nur
architektonisch überzeugen, sondern
auch ökologisch und ökonomisch
Bestand haben. Oder wie Peter Finkel,
geschäftsführender Gesellschafter von
bendl sagt:
„Wir bauen CO ²
-ärmer –
mit Teamgeist, Verantwortung und
einem klugen Materialmix.“
Foto links: Natürlich effizient: Wenn Holz und Beton zusammenarbeiten, entsteht mehr als ein Bauwerk
– ein Statement für nachhaltige Architektur. Foto rechts: Balkone aus Carbonbeton beim Wohnbauprojekt
ON in Offingen.
Fotos: bendl Günzburg
So entsteht eine Partnerschaft, die Tradition
und Technologie verbindet – für
eine Baukultur mit Zukunft.
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31
Idee in Linien gefasst: Frühe Konzeptzeichnung als Grundlage für nachhaltige
Architektur.
Digital geplant, real gebaut: Mit Twinmotion werden Architekturideen foto realistisch
erlebbar – ein zentrales Werkzeug für Planungssicherheit und Bauqualität.
Fotos: kreaplan Günzburg
Bauen für Generationen
Für bendl bedeutet Nachhaltigkeit Verantwortung
– gegenüber Kunden, Umwelt und Gesellschaft.
Das Unternehmen setzt auf Holzhybridbauweisen,
natürliche Baustoffe und langlebige
Materialien wie Carbonbeton. So entstehen
Bauwerke, die nicht nur CO ²
einsparen, sondern
über ihren gesamten Lebenszyklus wirtschaftliche
Vorteile bieten.
Ein Beispiel dafür ist der Einsatz von Carbonbeton
bei den Balkonen eines Bauprojekts in
Offingen, der über 4,5 Tonnen CO ²
eingespart
hat – keine Vision, sondern gelebte bendl-
Praxis.
Digital planen, klar entscheiden
Michael Maurer, Leiter bei kreaplan, sieht in der
Digitalisierung den Schlüssel zu effizientem
und nachhaltigem Bauen.
Das Bauunternehmen bendl mit Sitz in Günzburg
steht seit über 80 Jahren für Qualität, Innovation
und Nachhaltigkeit im Bauwesen.
Rund 200 Mitarbeitende realisieren Projekte in
fünf Geschäftsbereichen – vom Hochbau bis
zum Tiefbau – mit einem klaren Fokus auf ressourcenschonendes,
wirtschaftliches und zukunftsorientiertes
Bauen.
Dipl.-Ing. H. Bendl GmbH & Co. KG
Bauunternehmen
Lußweg 2 | 89312 Günzburg
Tel. 08221/90 09-0
Mail: info@bendl.de
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verbindet kreative Architektur mit digitaler Präzision.
Mit modernsten Planungstools, nachhaltigen Konzepten
und interdisziplinärer Kompetenz entwickelt
das 11-köpfige kreaplan-Team Lösungen, die
Design, Funktion und Wirtschaftlichkeit
vereinen – von der Idee bis zur Ausführung.
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Mit BIM schaffen wir Transparenz,
Planungssicherheit und
Qualität. Wir erkennen früh, wo wir
nachjustieren müssen, und vermeiden
teure Nachträge. So sparen wir Zeit,
Kosten und CO²“
Michael Maurer
Leiter bei kreaplan
Digitale Werkzeuge ermöglichen es kreaplan,
komplexe Bauvorhaben exakt zu modellieren
und mit den Teams von bendl nahtlos zu vernetzen
– ein entscheidender Faktor, wenn Klimaziele
und Bauqualität zusammen gedacht werden.
Personen v.l.n.r.: Die geschäftsführenden Gesellschafter Peter Finkel und Stefan Wiedemann vom
Bauunternehmen bendl sowie Michael Maurer – Leiter des Planungsbüros kreaplan. Foto: bendl Günzburg
32
ANSICHTSSACHE
unternehmen [!]
GEMÄLDE: MASSIMO ECOSI
ILLUSTRATION: MAX MESCHKOWSKI
Die unterschätzte
Kraft des Lesens
Literatur Zwischen TikTok und Termindruck verlieren
Bücher an Bedeutung. Warum sie gerade heute unverzichtbar
sind – nicht nur für Führungskräfte.
Reisezeit ist Wartezeit.
Und so saß ich vor kurzem
in einem Flughafen
und wartete auf das
Boarding. Ich nutzte die Zeit und
las auf meinem E-Book-Reader
ein Buch der Investment-Legende
Charlie Munger über die
Kunst der klugen Gedanken.
Nachdem ich ein Kapitel zur
Psychologie menschlicher Fehleinschätzung
beendet hatte,
blickte ich auf: Zwei Plätze weiter
erklärte jemand am Telefon,
warum es Probleme mit einem
Lieferanten gab. Gegenüber
scrollte eine junge Frau unablässig
durch Instagram. Ein Teenager
spielte Candy Crush auf seinem
Smartphone, ein Mann im
Anzug schaute Squid Game auf
dem iPad. Fast niemand hielt einen
E-Book-Reader oder ein
Buch in der Hand. Das Rascheln
von Papierseiten, einst selbstverständlich,
wirkt inzwischen
wie eine vom Aussterben bedrohte
Gattung.
Und ich fragte mich: Lesen wir
eigentlich noch genug? Oder verdrängen
Push-Benachrichtigungen
und Social-Media-Snippets
zunehmend das tiefe Eintauchen
in Texte?
Durchhaltevermögen
Ein Blick in Studien zeigt eine
beunruhigende Tendenz. Laut
Allensbach-Umfrage ist die Zahl
der regelmäßigen Buchleser in
den letzten Jahren gesunken. Die
OECD dokumentiert in der
PISA-Studie rückläufige Lesekompetenzen
bei Jugendlichen.
Viele Studierende berichten,
dass sie Mühe haben, komplexe
Texte durchzuhalten. Ursachen
sind nicht fehlende Motivation,
sondern mangelnde Übung und
die ständige Ablenkung durch
digitale Medien. Neurowissenschaftler
sprechen von „Aufmerksamkeitsfragmentierung“:
Wir springen von Reiz zu Reiz,
lesen in Häppchen, aber verweilen
nicht mehr.
Gerade deshalb ist Tiefenlesen
– das konzentrierte Verarbeiten
längerer Texte – so entscheidend.
Es ist die Schlüsselkompetenz
für kritisches Denken, Empathie
und Urteilsvermögen.
Geht sie verloren, verlieren wir
sprachliche Präzision, Einfüh-
unternehmen [!] ANSICHTSSACHE 33
lungsvermögen und die Fähigkeit,
komplexe Zusammenhänge
zu erfassen.
Besonders Führungskräfte
brauchen diese Fähigkeiten. Wer
Teams leitet, muss Widersprüche
aushalten, Alternativen abwägen
und langfristige Folgen
bedenken. Bücher schulen genau
das: Sie lehren uns, Argumente
zu prüfen, Fragen zu stellen und
Muster zu erkennen. Romane
und Biografien ermöglichen es,
„durch fremde Augen zu sehen“.
Wer liest, trainiert Empathie –
eine Kernkompetenz, um Menschen
zu verstehen und zu motivieren.
Und Lesen schärft die
Konzentration. Schon sechs Minuten
täglich senken messbar
das Stresslevel.
Dass dies nicht nur Theorie
ist, zeigen Persönlichkeiten, die
ihre Führungsstärke direkt aus
Büchern gewonnen haben. Einer
von ihnen ist Admiral James
Stavridis, früherer NATO-Oberbefehlshaber.
In „The Admiral’s
Bookshelf“ beschreibt er, wie
ihn 25 Werke geprägt haben –
von Sun Tzus „Die Kunst des
Krieges“ über Hemingways „Der
alte Mann und das Meer“ bis zu
Atwoods „Report der Magd“. Jedes
Buch verband er mit einer
Lektion in Führung: Sun Tzu
lehrte ihn Strategie und Geduld,
Hemingway Durchhaltevermögen,
Atwood die Kraft des unabhängigen
Denkens. Biografien
schärften seinen Blick für Verantwortung,
Romane seine Fähigkeit,
sich in andere hineinzuversetzen.
So entstand eine persönliche
Bibliothek, die weniger
eine Sammlung von Titeln ist als
vielmehr ein Werkzeugkasten
für Leadership.
Stavridis’ Botschaft ist klar:
Wer führen will, braucht Lesestoff,
der irritiert, inspiriert, herausfordert.
Lesen ist für ihn kei-
Wer liest,
trainiert
Empathie.
Zur Person
Prof. Dr. Martin
Hörmann ist Partner
und Geschäftsführer
der Anchor Rechtsanwaltsgesellschaft
mbH sowie Fachanwalt
für Insolvenzund
Sanierungsrecht
und Wirtschafts
mediator.
ne Nebentätigkeit, sondern ein
zentraler Weg, um Entscheidungen
zu reflektieren, Charakter zu
formen und Verantwortung zu
begreifen.
Die digitale Welt schenkt uns
Zugang zu unendlichen Informationen
– aber sie verführt uns, in
der Oberfläche zu verharren. Es
wäre die vielleicht größte Fehleinschätzung
zu glauben, dass
man durch Buchzusammenfassungen
oder TikTok-Rezensionen
Weisheit erlangt. Tiefe entsteht
nur, wenn wir uns Zeit nehmen.
Charlie Munger hat es auf
den Punkt gebracht: „Wenn du
Weisheit suchst, wirst du eine
Menge Zeit auf deinem Hintern
verbringen – lesend.“ Vielleicht
liegt genau darin der Unterschied
zwischen Candy Crush im Wartebereich
und einem Buch: Das
eine vertreibt Minuten – das andere
verändert Gedanken.
[!] Martin Hörmann
Werden Sie Pate!
Zeitungspatenschaft für Schulen
Sie möchten das Interesse von jungen Menschen am lokalen
Geschehen, an Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport
wecken? Dann übernehmen Sie eine Zeitungspatenschaft
für eine Schule in Ihrer Region!
Als Zeitungspate schenken Sie einer weiterführenden
Schule ein SÜDWEST PRESSE- oder NWZ-Jahresabo.
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Die Schule legt die Zeitung an einem Ort aus, der den
Schülerinnen und Schülern zugänglich ist und zum
Lesen einlädt.
Weitere Informationen und
Kontakt unter:
abo.swp.de/swp/wirlesen
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spezial
SPEZIAL unternehmen [!]
Standort
im Porträt
Bau-Booster
für Erbachs
Innenstadt
Planung Mit der Innenstadtoffensive setzt
die Stadt auf eine lebendige Mischung
aus Wohnen, Nahversorgung und
Begegnungsorten und will damit die
düsteren Jahre hinter sich lassen.
Unternehmen aus anderen Branchen,
gerade solche, die sich anderswo
im ländlichen Raum eher
zurückziehen, haben dagegen
bereits am neu entwickelten
Standort investiert: Die örtliche
Genossenschaftsbank, die Donau-Iller-Bank,
hat nicht nur
eine neue Geschäftsstelle eröffnet,
sondern entwickelt aktuell
mit den „Raiffeisen Höfen“ ein
weiteres zentrales Areal neben
dem Komplex aus Rathaus und
Marktplatz.
2026 werden die „Raiffeisen
Höfe“, eine Mischung aus
Wohn- und Gewerbeflächen, erwww.swp-unternehmen.de
FOTO: MARCEL HECHLER/ADOBESTOCK.COM
In der Innenstadt wird ordentlich
gebaut. Dieser Satz
ließe sich wohl über so manche
Stadt in der Region
schreiben. In Erbach ist es die
sogenannte Innenstadtoffensive,
die gerade ihrem Höhepunkt
entgegengeht. Denn ein echter
Stadtkern war in dem 2002 zur
Stadt erhobenen Ort im Ulmer
Speckgürtel bislang nicht vorhanden
– mit entsprechenden
Auswirkungen für die Geschäfte
in der Innenstadt.
Das ändert sich gerade mit
der großen Bauoffensive, die seit
2014 läuft. Bürgermeister Achim
Gaus war von Anfang an mit dabei.
Er sagt: „Da hat sich tatsächlich
viel getan.“ Viele neue Gebäude
seien entwickelt worden,
von öffentlicher wie privater Seite.
So gibt es zentral 60 neue
Wohnungen.
Der nächste Schritt: „Das
Thema Rathaus mit Tiefgarage
und Neugestaltung des Marktplatzes“,
erläutert der Bürgermeister.
Für Gaus und seine Mitarbeitenden
heißt das: Sie sind
aktuell ausquartiert, arbeiten in
einem ehemaligen Bankgebäude.
Das bestehende Rathaus wird saniert
und erweitert, erhält unter
anderem eine Tiefgarage. Der
bestehende Teil wird umgenutzt,
erhält eine Bibliothek.
Das ganze Areal soll zu einer
„Örtlichkeit, wo man sich treffen
kann“ werden, erklärt Gaus.
So soll mehr Frequenz in der Innenstadt
geschaffen werden.
Dabei wissen die Erbacher genau,
was geht und was nicht
geht angesichts der beschränkten
Platzmöglichkeiten: Große
Flächen für Handel etwa gibt es
in der Innenstadt bislang und
auch weiterhin nicht. „Gleichzeitig
muss es natürlich schon
so sein, dass die Innenstadt irgendwie
am Leben erhalten
wird“, sagt Gaus.
Gleichzeitig
muss es so sein,
dass die Innenstadt
irgendwie am Leben
erhalten wird.
Achim Gaus
Bürgermeister der Stadt Erbach
unternehmen [!] SPEZIAL 35
öffnet. Unter anderem zieht
dort eine Metzgerei ein – eine
solche gibt es in Erbach bereits
seit Jahren nicht mehr. Er sei
froh, dass sich wieder jemand
aus dieser Branche in Erbach
ansiedelt, sagt Gaus: „Wir haben
da wirklich düstere Jahre
hinter uns.“
Die Kombination aus Wohnen
und Nahversorgung ist eine
Kernidee der Erbacher Innenstadtoffensive.
Gastronomie und
öffentliche Einrichtungen wie
die erwähnte Bibliothek sollen
das Angebot ergänzen. Die
Wohnflächen sieht Gaus hier
nicht nur als Selbstzweck, sondern
auch als Mittel gegen die
Verödung der Innenstadt. „Dann
sind die Leute vor Ort und es ist
belebt.“ Wenn viele fußläufig die
Unternehmen erreichen können,
sei das auch für die von Vorteil.
Gleichzeitig spiele auch das
Auto als Verkehrsmittel nach
wie vor eine große Rolle, sagt
Gaus – trotz der guten Zuganbindung
an Ulm per Regio-S-Bahn.
„Wir sind auf dem Land“, sagt
Gaus. Das bedeutet: Die Stadtteile
liegen einige Kilometer
voneinander entfernt. Wer zum
Einkaufen will, nimmt häufig das
Auto. „Insofern ist das Thema
Parken trotz allem ein schwieriges
Thema in der Innenstadt.“
Kritikern rechnet Gaus vor,
dass es mittlerweile mehr Parkplätze
gebe als vor der Innenstadtoffensive.
Gegenstand der
Debatte ist allerdings deren
Lage. „Es wird auch in diesem
ländlichen Bereich erwartet,
dass man wirklich nah ran kommen
kann an die Läden“, gibt
Gaus selbst zu: „Das versuchen
wir letztendlich mit einem Mix.“
Direkt vor die Ladentür kann
man in Erbach nicht überall fahren.
Parkplätze entlang der Straßen
wurden entfernt, Platz für
Zur Person
FOTO: HENRI GALLBRONNER
Achim Gaus ist
seit dem 1. Januar
2011 parteiloser
Bürgermeister von
Erbach. Zuvor war
Gaus, der 1972 in
Ehingen geboren
wurde und zwei
Kinder hat, in den
Finanzverwaltungen
von Merklingen
und Ulm tätig. 2018
wurde er für eine
zweite Amtszeit
wiedergewählt.
HEIZUNG
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36
SPEZIAL unternehmen [!]
Fußgänger und Radfahrer geschaffen.
„Das stößt nicht überall
auf Gegenliebe“, weiß Gaus,
sagt aber auch: „Wie gesagt: Der
Platz ist halt endlich.“
Stattdessen wurden die Parkplätze
zentralisiert. Von Kurzzeitparkplätzen
für schnelle Einkäufe
bis hin zu Plätzen, auf denen
man länger parken darf, gibt
es verschiedene Möglichkeiten,
in der Innenstadt sein Auto abzustellen.
Erbach bleibt stabil
Die vielen Krisen der letzten
Jahre sind zumindest am Erbacher
Stadtsäckel weitestgehend
vorübergegangen, sagt Gaus. Das
Gewerbesteueraufkommen sei
stabil. Dennoch sei ihm bewusst,
dass es auch vor Ort Unternehmen
gebe, die zu kämpfen haben.
Als Vorteil sieht er die Prägung
Erbachs durch kleine und mittlere
Unternehmen: „Diesen einen
großen Player haben wir
nicht.“ Das führe einerseits dazu,
dass man im Vergleich zu anderen
Kommunen auch in der
Nachbarschaft wenig Gewerbesteuer
einnehme, sorge andererseits
aber auch für Stabilität –
nicht nur finanziell, sondern
auch, was etwa Arbeitsplätze angehe.
„Die Nähe zum Donautal
tut dann ihr übriges“, meint
Gaus mit Blick auf das nahegelegene
Ulmer Industriegebiet.
Die neu gebaute Querspange der
B 311 möchte Gaus nutzen, um
weiteres Gewerbe anzusiedeln.
„Das ist unser Ziel.“ Aktuell stocken
die Planungen allerdings.
„Geplant war eigentlich ein Gewerbegebiet
im Bereich der Auffahrt
auf die B 30.“ Das sei aus
raumordnerischer Sicht allerdings
schwierig zu realisieren.
„Wir sind jetzt gerade daran, Alternativen
zu prüfen an der
Querspange.“[!]Henri Gallbronner
Die Lage im Überblick
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in der Region gestalten wir gemeinsam
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Herz für unsere Heimat.
Bei Erbach treffen die B 311 und
die B 30 aufeinander. Die B 311
verlief bis 2024 direkt durch die
Stadt. Um Erbach, aber auch
Ulm, zu entlasten, wurde sie auf
einem Abschnitt neu gebaut –
als sogenannte Querspange zur
B 30. Die Ende 2024 eröffnete
Trasse beginnt auf der Höhe von
Oberdischingen, verläuft nördlich
von Ersingen, südlich von
Dellmensingen und schließt östlich
an die B 30 Ulm - Biberach
an. Foto: Volkmar Könneke
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37
Seit 35 Jahren bauen Galls aus Erbach öffentliche Außenanlagen und wunderbare Gärten.
Fotos: Gall GmbH/ Elisabeth Hahn
Die Geschwister Gall starten durch!
Der Generationenwechsel bei den Gebrüdern Gall ist vollzogen –
nun nimmt die nächste Generation die Zukunftsgestaltung in die Hand.
Dass Peter Gall, in der Stadt Erbach bestens
bekannt, den von ihm gegründeten Gartenbaubetrieb
übergeben hat, hat sich längst herumgesprochen.
Das über Jahre als „Gebrüder
Gall“ bekannte Unternehmen firmiert seit dem
Einstieg von Alexandra und Florian Gall – den
Kindern von Siegfried Gall – im Jahr 2019 als
Gall GmbH. Nach einer intensiven Einarbeitungsphase
und der Corona-Zeit haben sich
die beiden neuen Geschäftsführer inzwischen
fest in ihren Rollen etabliert.
Von der Planung bis zur Schlussrechnung
Die Mitarbeitenden sind konstant mit Aufträgen
aus dem öffentlichen, gewerblichen und
privaten Bereich ausgelastet. Auch die Aufgabenverteilung
im Führungsteam hat sich bewährt:
„Als Landschaftsarchitektin landen bei
mir die Planungsanfragen auf dem Schreibtisch,
während Florian nicht nur unsere Kunden
betreut, sondern sich auch um die Auszubildenden
und unseren Fuhrpark kümmert.
Aber auch ich habe viel über unsere Bagger
und Maschinen gelernt – schließlich begleiten
wir jedes unserer Projekte persönlich bis zur
Schlussrechnung“, berichtet die 38-Jährige
Alexandra Gall mit einem Augenzwinkern.
Mir gefällt es hier“ und
„Macht weiter so“
Mitarbeiter Feedback
führenden Teams auf den Baustellen. Die
jüngste Mitarbeiterbefragung bestätigt zudem,
dass das Unternehmen mit dem eingeschlagenen
Kurs auf dem richtigen Weg ist.
Seit diesem Jahr sind die Veränderungen im
Unternehmen auch auf dem Außengelände
sichtbar: Der Vorgarten wurde komplett neu
gestaltet. Schritt für Schritt entstanden neue
Wege, Mauern, Sitzgelegenheiten und vor allem
großzügige Grünflächen. Neben Rollrasen
wurden klassische Staudenbeete und artenreiche
Magerstandorte angelegt, die das Gelände
bereichern. „So können unsere Kunden
mit eigenen Augen sehen, was wir fachlich leisten
und welche unterschiedlichen Begrünungsarten
möglich sind“, erklärt Alexandra
Gall die Idee hinter dem Entwurf. „Und für unser
Team gibt es jetzt endlich schöne Aufenthaltsmöglichkeiten
im Freien“, ergänzt ihr
Bruder Florian Gall.
Nachhaltig mit 4TageWoche und EFlotte
Aktuell wird zudem der Ausbildungsbereich
weiter ausgebaut und die Elektrifizierung der
Firmenflotte vorbereitet. Denn Nachhaltigkeit
ist für die Familie Gall ein zentrales Element –
Gärten mit individuellem Charakter
Mit ihren eigenen Entwürfen ist es Alexandra
und Florian Gall gelungen, den Gärten ihrer
Kunden eine unverwechselbare Handschrift
zu verleihen – sehr zur Freude auch der aussowohl
bei der Mitarbeiterbindung als auch
bei der Auswahl der Produkte. „Unsere Vier-Tage-Woche,
das faire Miteinander und die Förderung
körperschonenden Arbeitens zeichnen
unser Unternehmen schon lange aus. Das
hat bereits unser Vater vorgelebt“, berichten
die Geschwister.
Ein starker Familienbetrieb dank gegenseitiger
Unterstützung
Trotz des allgemeinen Fachkräftemangels
konnte das Team seit 2023 verstärkt werden:
Jedes Jahr bewerben sich neue Auszubildende,
und auch eine Landschaftsarchitektin bereichert
das Team. „Familienbetriebe sind besonders
stark, wenn man sich gegenseitig unterstützt
– und genau das erleben wir
tagtäglich in unserem Team“, freut sich Alexandra
Gall.
Garten Gall
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89155 Erbach
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FOTO: JÜRGEN HOFSTÄTTER ULM & STADT ERBACH
Das Thema Wohnen ist
nicht nur in den Großstädten
ein großes.
„Dass sie den Mitarbeitern,
die man braucht, um die
Unternehmen am Laufen zu halten,
adäquaten Wohnraum bietet“,
wie Thomas Knöpfle, der
Vorsitzende des Handwerkerund
Gewerbevereins Erbach
sagt. Dies sei eine der großen
Chancen der Innenstadtoffensive
– jenseits der Möglichkeiten,
die für kleinere Handelsgeschäfte
in der Innenstadt entstehen.
Auch in Erbach brauchen die
Unternehmen dringend Arbeitskräfte.
Knöpfle sieht Wohnmöglichkeiten
als wichtigen Standortfaktor,
der Menschen dazu
bringen kann, sich Erbach als
Wohn- und Arbeitsheimat herauszusuchen.
Die aktuelle Lage beschreibt
er so: „In Erbach eine Wohnung
zu finden, das ist beinahe ein
Sechser im Lotto. Sie kriegen gar
nichts – und zwar egal, in welcher
Preisklasse. Ob Sie das mieten
oder kaufen wollen, spielt
keine Rolle.“ In der Region sei
es wie überall: In Zentren wie
Ulm wird alles teurer, also ziehen
die Leute weiter raus – was
auch dort die Preise nach oben
treibt.
Arbeitskräfte
brauchen
Wohnraum
Ressourcen Die Innenstadtoffensive
bietet viele Chancen zur Entwicklung und
fordert gleichzeitig einen sorgsamen
Umgang mit Gewerbeflächen, Wohnraum
und Verkehr.
Thomas Knöpfle
ist Vorsitzender
des Handwerkerund
Gewerbevereins
(HGV)
Erbach, der 1722
gegründet wurde
und damit der
älteste Verein
seiner Art in
Deutschland ist.
Beruflich führt
Knöpfle er ein
Autohaus.
Auf die Eröffnung der neuen
Querspange der B 311 vor rund
einem Jahr blickt Knöpfle mit gemischten
Gefühlen zurück. „Da
bin ich nicht ganz glücklich und
zufrieden“, sagt er: „Wir haben
natürlich einen erheblichen
Rückgang an LKW, die durch Erbach
durchfahren. Das muss man
ganz klar sagen.“
In Erbach
eine Wohnung
zu finden, ist wie
ein Sechser im
Lotto.
Allerdings ließe sich nach
Knöpfles Meinung der Durchgangsverkehr
noch weiter reduzieren,
indem die alte B 311 unattraktiver
gemacht wird. Knöpfle
schlägt zum Beispiel einen
Kreisverkehr vor. Auch beim
Thema Erschließung neuer Gewerbeflächen
wünscht sich
Knöpfle mehr Weitblick: Statt
neue Gewerbegebiete im Außenbereich
zu schaffen, wünscht er
sich, dass mehr in die Höhe gebaut
wird. „Das macht es teurer,
das weiß ich.“ Man müsse mit
knappen Flächen aber sorgsamer
umgehen.[!] Henri Gallbronner
unternehmen [!] SPEZIALAnzeige
39
Innovativ und präzise, von der Planung bis zur fertigen Montage: Das Team von Stahlbau Brandner betreut Projekte international.
Weltweit Maßstäbe setzen!
50 Jahre Stahlbau Brandner
Fotos: Thomas Löffler
Von der Bauschlosserei in einem kleinen Dorf bei Ulm hin zu internationalen Großaufträgen
für Stahlkonstruktionen: Stahlbau Brandner liefert Meisterleistungen.
Seit 50 Jahren hat Stahlbau Brandner Rang
und Namen. Auszuführende Aufträge kennen
keine Grenzen, weder was Größe noch
was die Entfernung zum Kunden betrifft. Geländer
und Überdachungen von Stahlbau
Brandner findet man nicht nur in der Region,
sondern bundesweit und sogar weltweit.
Zukunft des Unternehmens gesichert
Der Betrieb wurde 1975 von Helmut und Margarete
Brandner durch die Übernahme einer
Bauschlosserei in Ulm-Ermingen gegründet.
Wegen Platzmangels zog man 1977 ins Industriegebiet
nach Erbach um. 1976 stieg Sohn
Herbert in den Betrieb ein, nachdem er auf
Grund seines jungen Alters die Meisterschule
mit Sondergenehmigung absolviert hatte. Die
gute Auftragslage führte 1985 und 1995 zu
baulichen Erweiterungen, 2015 kam mit dem
Werk 2 eine weitere Produktionsstätte hinzu,
die ausschließlich Edelstahl und Leichtmetall
verarbeitet.
Mit der nächsten Generation – Tochter Tanja,
die die betriebswirtschaftliche Führung innehat
und Sohn Sebastian, der die Technik leitet
– ist die Zukunft des Unternehmens dauerhaft
gesichert.
Das Unternehmen beschäftigt 44 Mitarbeiter
– ein eingespieltes Team, bei dem jeder Handgriff
sitzt. „Wir tun alles dafür, dass es unseren
Leuten gut geht“ so Herbert Brandner. Die
Mannschaft zeigt große Einsatzbereitschaft,
besonders wenn Termine eingehalten oder
Projekte kurzfristig gestartet werden müssen.
Die komplexen Konstruktionen von Stahlbau
Brandner erfordern viel Know-how, um sich
die Einzelteile im späteren Verbund dreidimensional
vorzustellen. Neben dem Stahlbau
übernimmt eine Abteilung Werkplanung,
Statik und technische Zeichnungen auf CAD-
Arbeitsplätzen. Vier Montageteams sind auf
Bau stellen im Einsatz, hauptsächlich für Industriekunden.
Unser wertvollstes Gut sind
unsere langjährigen Mitarbeiter,
von denen viele dem Betrieb seit
zehn bis 40 Jahren treu sind“
Familie Brandner
Projektschwerpunkte sind Stahlkonstruktionen,
komplette Hallen und Überdachungen.
Ein kleinerer Bereich widmet sich der Bauschlosserei
für Großprojekte mit Geländern
und Treppen, verzinkt oder lackiert.
Großprojekt in Saudi-Arabien
Dass das Team von Stahlbau Brandner jeder
Herausforderung gewachsen ist, zeigt die Größe
seiner Projekte. Grenzen nach oben gibt es
keine – das Unternehmen nimmt auch internationale
Aufträge an. Ein Meilenstein war
2014 ein Großprojekt aus Saudi-Arabien: Für
die Modernisierung der Al-Haram-Moschee in
Mekka lieferte Brandner Unterkonstruktionen,
bewegliche Dachsysteme, Geländer und die
Kuppel des Uhrenturms. Nur vor Ort montieren
durfte das Team von Brandner nicht. Da
Nicht-Muslime die heilige Stätte nicht betreten
dürfen, erfolgte die Montage zunächst im
Hof, bevor alle Teile zerlegt und in 200 Containern
verschifft wurden.
Nicht minder spektakulär waren Aufträge der
Lufthansa-Zentrale in Frankfurt, wo Glasdächer
mit 45 Metern Spannweite zwölf Gebäudeteile
verbinden. Weitere Arbeiten aus Brandners
Werkstatt finden sich als architektonisch
anspruchsvoll geschwungene Wendeltreppe
in einer historischen Berliner Poststation, im
höchsten Wohnturm Frankfurts und am Flughafen
Zürich. In Ulm stammen die Überdachung
des ÖPNV-Knotenpunkts am Ehinger
Tor sowie die Montage der wieder erstellten,
vergoldeten Kronen der Kienlesbergbrücke
aus Erbach.
Brandner Stahlbau GmbH & Co. KG
Benzstr. 6
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Tel: 07305/96990
info@stahlbau-brandner.de
www.stahlbau-brandner.de
unternehmen [!] MEIN SCHREIBTISCH – MEINE PERSPEKTIVE 41
Ulmer Wahrzeichen
Sie
zieht den
Karren
Gold Ochsen Mal unbequem, oft
unkonventionell, immer leidenschaftlich:
Ulrike Freund hält seit über 30 Jahren die
Zügel ihrer Brauerei fest in der Hand – und
denkt noch lange nicht ans Aufhören.
Frauen sind die besseren
Manager: Einen Zeitungsartikel
mit dieser
Überschrift hat Ulrike
Freund in ihrem Büro an die Innenseite
des offenstehenden
Aktenschranks geheftet. Eine
These, der sie nur zustimmen
kann. Genauso wie einem Zitat
von Winston Churchill, das gerahmt
hinter ihrem Schreibtisch
an der Wand hängt. Die
vielen Artikel über sie und ihre
Arbeit als Brauerei-Chefin würden
Ordner füllen, werden aber
nur in Ausnahmen archiviert.
Ihr Büro unterscheidet sich
wenig von den Räumen der
meisten Mitarbeiter, repräsentative
Attribute sind ihr nicht
wichtig. Das alte Mobiliar wurde
im Rahmen der Umbau- und
Sanierungsmaßnahmen vor einigen
Jahren gegen funktionale
Möbel und zwei Monitore
ausgetauscht. Ulrike Freund
nutzt moderne Technik überall
im Unternehmen, vertritt daneben
aber durchaus traditionelle
Werte, die, aus ihrer Sicht, in
vielen Bereichen ausreichen
würden, um das Zusammenleben
zu regeln. „Stattdessen immer
mehr Bürokratie und Gesetze,
die Traditionen und Gewohnheitsrecht
einfach aushebeln“,
so die Unternehmerin.
„Die Brauerei befindet sich
seit 1896 auf dem Gelände am
Veitsbrunnenweg und genauso
lange nutzen wir das Wasser
der Veitsquelle für unser Bier.
Aus Erzählungen meiner Eltern
weiß ich, dass wir die Quelle
im Krieg auch für die Menschen
in der Stadt zugänglich
gemacht haben. Das tun wir natürlich
nach wie vor – mit unserem
Bier“, fügt sie augenzwinkernd
hinzu. „Jetzt müssen
wir für die Nutzungsrechte unserer
Quelle bezahlen.“
Alkohol wird
verteufelt.
Das macht es uns
nicht unbedingt
leichter.
Wenn Ulrike Freund ins Erzählen
kommt, fällt ihr immer
wieder etwas ein, was sie nicht
nachvollziehen kann. „Die Beleuchtung
von unserem historischen
Sudhaus wurde trotz
LED-Lampen von der Stadt
nicht gewünscht, weil sie Insekten
irritiert. Alkoholkonsum
wird verteufelt. Alles Dinge, die
es uns nicht unbedingt leichter
machen. Der Anteil von alkoholfreiem
Bier beträgt nur rund
10 Prozent, das Geschäft machen
wir mit den anderen Sorten.
Dazu kommt die traditionelle
Brauweise ohne Pasteurisierung,
die qualitativ hochwertiger,
aber aufwändiger ist.
Geht der Konsum zurück, wird
das Bier irgendwann teurer
werden müssen. Dann werde
ich als diejenige wahrgenom-
Der Malzturm der Gold Ochsen Brauerei leuchtet gegenüber
dem Ulmer Münster.
Foto: Volkmar Könneke
Die Brauerei „Zum
Goldenen Ochsen“
wurde 1597 in
Ulm gegründet und
befindet sich seit
1867 in Familienbesitz.
Das „Gold Ochsen
Original“ ist das
bekannteste Bier,
rund 150.000 Liter
werden davon täglich
gebraut, außerdem
Hefeweizen,
Jahrgangsbiere, Pils
und alkoholfreie Varianten,
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ausschließlich mit
Wasser aus dem
Veitsbrunnen, der
auf dem Brauereigelände
steht. Die
Brauerei beschäftigt
derzeit rund 200
Mitarbeitende.
42
MEIN SCHREIBTISCH – MEINE PERSPEKTIVE unternehmen [!]
men, die die Preise treibt.“
Aufzugeben oder zu verkaufen
war dennoch nie eine
Option. Nennenswert zu erweitern
auch nicht. „Wir haben
11.000 Quadratmeter Gelände
hinzukaufen können,
das reicht. Das erklärte Ziel
ist es, die 428-jährige Tradition
der Brauerei ins nächste
Jahrhundert zu führen. Sicher
nicht mehr von mir“,
schränkt sie schmunzelnd
ein, „aber die Nachfolge ist
geregelt. Noch habe ich viel
vor.“
Die 70-Jährige ist seit 1991
alleinige Geschäftsführerin.
Sie weiß, was sie kann und
sagt ihre Meinung – auch,
wenn das selten Mainstream
ist. Dass das nicht allen passt,
nimmt sie in Kauf. Ihr sind
der offene Austausch, auch
gegensätzliche Meinungen, lebendige
Diskussionen einfach
wichtig. „Man muss nicht einer
Meinung sein, aber man
muss bereit sein, dem anderen
zuzuhören und über kontroverse
Ansichten wenigstens
nachzudenken. In der Coronazeit
wollte ich für die IHK-
Vollversammlung einen wissenschaftlichen
Vortrag sieren. Der Redner war ein re-
organinommierter
Professor für
Onkologie aus Ulm. Allerdings
hatte er Ansichten, die die Politik
damals nicht teilte. Das wurde abgelehnt
– und ich habe meine Mitgliedschaft
in der Vollversammlung
konsequent gekündigt. Die Brauerei
ist weiterhin IHK-Mitglied, aber
eingeladen werde ich nicht mehr.“
Die Perspektive wechseln
Das sei nur ein Beispiel, aber die Bereitschaft,
die Perspektive zu wechseln
und die Sicht des anderen einzunehmen,
sei immer weniger vorhanden.
In diesem Zusammenhang
kommt sie auf das Zitat von Winston
Churchill zurück: „Es gibt Leute,
die halten den Unternehmer für
einen räudigen Wolf, den man totschlagen
müsse. Andere meinen, der
Unternehmer sei eine Kuh, die man
ununterbrochen melken könne. Nur
wenige sehen in ihm das Pferd, das
den Karren zieht.“ Genauso würde
sie es selbst immer wieder empfinden,
sagt sie und verweist damit auf
Neider, die nicht nachvollziehen
In einer Rede am 26. April 1931 wandte sich Winston
Churchill an seine „sozialistischen Opponenten“.
können, dass sie es geschafft hat: Mit
einer Ausbildung zur Bankkauffrau
und ergänzendem Abendstudium
Betriebswirtschaft zur alleinigen
Geschäftsführerin einer Brauerei,
die Krisen überstanden hat und heute
besser als viele andere Unternehmen
der Branche dasteht. „Wenn ich
dafür Lob bekomme, tut mir
das ausgesprochen gut. Das
Unternehmen steht für mich
im Mittelpunkt. Dazu gehört
die Verantwortung für 200
Mitarbeiter und ihre Familien,
das Sponsoring von Sport und
Kultur, der Anspruch ein gutes
Bier zu brauen und die Tradition
fortzuführen. Die Nachfolge
ist bereits geregelt – leider
nicht aus der eigenen Familie.“ Eine
gemeinsame Unternehmensführung
mit ihren drei Geschwistern scheiterte
schon zu Lebzeiten ihres Vaters,
sie selbst hat keine Kinder und
ihre acht Nichten haben kein Interesse.
„Bleiben die zwei Neffen – bei-
FOTO: MARC HÖRGER
Wer als
Unternehmer
Gewinne in den
Vordergrund stellt,
hat schon verloren.
de mit entsprechender Ausbildung
im Brauwesen und Betriebswirtschaft,
aber mit Vorstellungen,
die für mich einfach
nicht passen. Wer Gewinne in
den Vordergrund stellt, hat als
Unternehmer schon verloren.
Gewinne sind wichtig, aber
nicht für den persönlichen Luxus,
sondern als Kapital für Investitionen
und Rücklagen.
Nur so viel ausgeben, wie man
hat, ist meine Devise. Damit
bin ich gut durch boomende
Jahre, aber auch durch Krisen
gekommen. Ich werde das Unternehmen
in eine Stiftung
umwandeln und so dafür sorgen,
dass es nicht verkauft
wird. Das war für mich nie ein
Thema.“ Wann es so weit ist,
lässt Ulrike Freund offen.
Eines der letzten Highlights
war der von Gold Ochsen
und Kabarettist Christoph
Sonntag ausgelobte Comedy-Preis
„Goldener Bulle“,
als Nächstes plant sie eine
Eventgastronomie auf dem
Brauereigelände. „Und
wenn ich dann mal aufhöre,
könnte ich mir vorstellen,
ein Seniorenheim zu leiten.“
„Einspruch, euer Ehren“,
meldet sich ihr Mann Ekkehard
Freund, Staatsanwalt im Ruhestand,
zu Wort. Er ist bei unserem Gespräch
dabei – wie so oft machen
die beiden vieles gemeinsam.
„Er ist mein juristischer Berater,
aber weit mehr mein Partner, um
positive und negative Dinge zu besprechen.
Zugegeben, manchmal
auch mein Blitzableiter.“ Die Leitung
eines Seniorenheims, nein, das
komme für ihn nicht infrage, das sei
wieder so eine spontane Idee
von ihr. „Ulrike arbeitet jetzt
schon von 7 Uhr morgens bis
abends, und dann gibt es oft
noch gesellschaftliche Termine.
Das reicht.“ Nachvollziehbar,
denn eine Leidenschaft,
für die er seine Frau begeistert
hat, ist das Reisen – die
Zeit dafür muss sein. Die beiden
sind seit 1986 verheiratet, längst
hat er sich an die oft impulsiven
Ideen seiner Frau gewöhnt. „Emotional,
schon mal aufbrausend, aber
immer auch versöhnlich, spontan
und voller Ideen – im Unternehmen
und privat.“
[!] Sigrid Balke
unternehmen [!]
NAMEN & NACHRICHTEN
43
Maichle erhält
Goldene Nadel
Der Geislinger Bestattungsunternehmer
Markus Maichle wurde
bei der jüngsten Mitgliederversammlung
als Vizepräsident
des Bundesverbands Deutscher
Bestatter (BDB) bestätigt. Bei
der Versammlung würdigte der
baden-württembergische Innenminister
Thomas Strobl die Bedeutung
der Bestatter, unter anderem
als Einsatzkräfte bei
Großschadenslagen.
Markus Maichle wurde bei
der Zusammenkunft in Reutlingen
auch für sein Engagement in
und außerhalb seines Amtes geehrt:
Er erhielt die goldene Nadel
des BDB.
McDonald’s in
Donzdorf
Rund 50 neue Arbeitsplätze in
der Systemgastronomie sollen
bald in Donzdorf entstehen.
Dies sagte Investor Jamshed
Dezham beim Richtfest auf der
Baustelle des neuen McDonald’s-
Restaurants in Donzdorf. Der
Franchise-Nehmer der Fast-
Food-Kette plant die Eröffnung
des Restaurants am 9. Dezember.
Man liege voll im Zeitplan,
sagte Dezham in Anwesenheit
von Vertretern des Generalunternehmers,
der Firma Heim Infrastrukturbau
GmbH, sowie
der Firma Lindner SE und der
beteiligten Architekten und Ingenieure.
DAS Automotive
ist insolvent
Das im Gewerbegebiet Voralb
angesiedelte Unternehmen DAS
Automotive hat einen Insolvenzantrag
gestellt. Der vorläufige Insolvenzverwalter
Steffen Beck
hält die Fortführung für nicht
möglich. Die Firma vermittelt
bei Hagelschäden zwischen Versicherungen
und Kfz-Werkstätten.
Das ist zu einem erheblichen
Teil ein saisonales Geschäft, teilt
Beck mit. Auf den Sommer komme
es an. 2025 sei der Umsatz
deutlich unter den Erwartungen
geblieben und die Firma konnte
ihre laufenden Kosten nicht
mehr decken.
Allgaier-Areal
in Uhingen
Der 31. Dezember 2025 markiert
nach Insolvenz und letztlich erfolgloser
Investorensuche das
endgültige Ende des Uhinger
Traditionsbetriebs Allgaier. Mit
der Vermarktung des Areals des
Automobilzulieferers „Allgaier
Automotive“ wurde die Fachpartner
Gewerbe-Immobilien
GmbH beauftragt.
„Das rund 120.000 Quadratmeter
große Grundstück zählt zu
den größten Industrie-Arealen
der Region und bietet erhebliche
städtebauliche Entwicklungspotenziale“,
heißt es in einer Pressemitteilung.
RaiBa-Fusion für
2026 geplant
Im kommenden Jahr soll es zur
Fusion der beiden kleinen Raiffeisenbanken
aus Gruibingen und
Ottenbach kommen, um sich den
wachsenden Herausforderungen
des Bankensektors besser stellen
zu können. Diese sind insbesondere
gestiegene regulatorische
Anforderungen, der Fachkräftemangel
und die Notwendigkeit,
wettbewerbsfähig zu bleiben sowie
die Chancen der Digitalisierung
gemeinsam besser zu nutzen.
Im Juni 2026 soll der Beschluss
zur Fusion durch die
Mitglieder in den ordentlichen
Generalversammlungen gefasst
werden.
Richy Bauer, der neue Wirtschaftsförderer der Stadt Göppingen, will
Impulse setzen.
Foto: Constantin Fetzer
Neuer Wirtschaftsförderer
der Stadt Göppingen
Richy Bauer ist seit Juli neuer Wirtschaftsförderer der Stadt Göppingen.
Der 32-Jährige wohnt in Hattenhofen und hat Sozialwissenschaften
(B.A.) sowie Sozialökonomik (M.Sc.) studiert. Vor seinem Wechsel nach
Göppingen war er mehrere Jahre in selber Funktion bei der Stadt Wendlingen
am Neckar tätig. Darüber hinaus bringt er mehrjährige Erfahrung
in der Marktforschung mit. Er folgt auf Christine Kumpf, die über 30
Jahre lang die Position innegehabt und geprägt hatte und die Stelle in
ihre heutige Form gebracht hatte.
Göppingen habe laut Bauer eine sehr vielseitige Wirtschaftsstruktur –
von international tätigen Unternehmen über mittelständische Betriebe
bis hin zu kreativen Einzelunternehmern und innovativen Start-ups. Dieses
Potenzial will er weiter voranbringen.
Neue Halle für
Baumaschinen
Das Göppinger Bauunternehmen
Leonhard Weiss übernimmt
das ehemalige Papierfabrik-Gelände
in Salach. Auf den rund
drei Hektar zwischen Bahntrasse
und Fils im Westen der Gemeinde
plant das Unternehmen
eine Halle, in der Baumaschinen
gewartet und repariert werden
sollen. Die neue Halle soll im
östlichen Teil des Areals gebaut
werden, Baustart soll frühestens
im übernächsten Jahr sein. Vorher
soll das Bürogebäude, das in
der südöstlichen Ecke des Geländes
steht, saniert und bis
Ende 2026 oder Anfang 2027 bezogen
werden.[!]
44
DIGITALISIERUNG unternehmen [!]
Innovation
trifft
Skepsis
Digitalisierung Cloud-Computing verändert
Arbeitswelten, doch Risiken durch
US-Gesetze und steigende Kosten bremsen
den Hype.
MONTAGE MESCHKOWSKI
FOTO: LUCAS & PATRICK P. PALEJ/ADOBESTOCK.COM
Das ist einer der Gründe, warum
manche Unternehmen wieder
„zurückrudern“, wie Daniel
Schaudt bemerkt hat. Der Geschäftsführer
des Transferzentrums
für Digitalisierung, Analytics
& Data Science Ulm
(DASU) sagt: „Die Daten sind
dann quasi in den Händen auch
von anderen, von Dritten.“ Und
die Cloud-Dienste sind „durchaus
teuer“ geworden, ergänzt
Jens Kolb, Professor an der
Hochschule für angewandte
Wissenschaften Neu-Ulm:
„Manche Firmen ziehen sich einfach
aus Kostengründen wieder
zurück.“
Tatsächlich betrachten laut einer
aktuellen Studie des US-
Technologieunternehmens VM-
Ware Cloud-Experten zu hohe
Kosten inzwischen als ein zentrales
Risiko moderner Unternehmens-IT.
Ihrer Einschätzung
nach liegt die Ursache nicht allein
in der Technik, sondern vor
allem in der Entwickler- und IT-
Kultur vieler Firmen. Eine veränderte
Haltung zu Cloud-Investitionen
– kombiniert mit eiunternehmen
[!] DIGITALISIERUNG 45
Vor einiger Zeit galt
Cloud-Computing als
das Zukunftsmodell:
Daten werden von PC,
Tablet, Smartphone über das Internet
auf einem entfernten Server
abgelegt. Dort können sie
dann von beliebigen anderen Geräten
wieder abgerufen werden.
Besonders Unternehmen profitieren
von diesem endgeräteund
ortsunabhängigen Zugriff
auf gespeicherte Informationen.
Denn eigene Server und die damit
verbundenen Ausgaben für
Hardware und IT-Personal werden
überflüssig. Soweit die Theorie
zu einem Mega-Geschäftsmodell.
Die Plattform Amazon
zum Beispiel erwirtschaftet inzwischen
mehr Geld mit seinem
Cloud-Dienst AWS als
mit seinem Kerngeschäft. Der
Umsatz des größten Cloud-
Anbieters der Welt lag allein
im ersten Quartal dieses Jahres
bei 30 Milliarden Dollar. Ein
Schock dürfe es für die Nutzerschaft
allerdings gewesen sein,
als Millionen von Menschen letzten
Oktober ihre Online-Dienste
sowie Apps, die sie dort abgelegt
hatten, wegen einer technischen
Panne nicht mehr nutzen konnten.
Dazu kommt, dass die größten
Clouds von amerikanischen
Unternehmen, darunter Amazon,
Google oder IBM und chinesischen
Playern wie Alibaba betrieben
werden. Der „Kommunikationshub
für digitale Demokratie“
etwa sieht das kritisch und
verweist als Beispiel auf die „Delos-Cloud“,
die als Musterlösung,
auch für Behörden dargestellt
wird: Eine Tochterfirma von SAP
betreibt das entsprechende Rechenzentrum
in Deutschland –
Microsoft liefert nur die Software,
ist am Unternehmen aber
nicht direkt beteiligt.
Geheimdienste haben Zugriff
Vor kurzem hat die Landesregierung
Baden-Württemberg aber
nach einer Nachfrage in einer
Stellungnahme an den Landtag
mitgeteilt: „Das Risiko des US-
Cloud-Acts bleibt bestehen, da
die Kontrolle über die Software
letztlich beim US-Anbieter
liegt.“ US-Sicherheitsbehörden
könnten den Softwarelieferanten
Microsoft beispielsweise an-
Was sind Sprachmodelle?
FOTO: JROBALLO/ADOBESTOCK.COM
Wer heute von „KI“, wie etwa ChatGPT oder Copilot
spricht, meint eigentlich große Sprachmodelle.
Large Language
Models bzw.
Sprachmodelle
wurden entwickelt,
um menschliche
Sprache zu
verstehen und zu
generieren. Das
System basiert
auf maschinellem
Lernen mit riesigen
Textdatensätzen.
Große
Sprachmodelle
werden einem
strengen Trainingsprozess
unterzogen,
der Milliarden
von Parametern
umfasst,
die dazu beitragen,
das nächste
Wort in der Sequenz
vorherzusagen
und andere
Sprachaufgaben
auszuführen. Zu
den bekanntesten
Beispielen für diese
Technologie gehören
GPT-4 und
GPT-5 von OpenAI,
Gemini von
Google, Llama von
Meta und Copilot
von Microsoft.
weisen, „einen Datenabfluss in
seine Software zu integrieren,
ohne dass der Kunde darüber in
Kenntnis gesetzt wird.“
Denn nach der Verabschiedung
von Patriot Act und Cloud-Act in
den Vereinigten Staaten sind alle
US-Cloud-Anbieter auch im Ausland
zur Zusammenarbeit mit der
US-Regierung, der NSA und anderen
US-Geheimdiensten verpflichtet.
Laut Baden-Württembergs
Innenminister Thomas
Strobl (CDU) kann daher „nicht
in vollem Umfang von vollständiger
Souveränität gesprochen
werden, da theoretisch Zugriffe
auf Anwendungsdaten durch
Drittstaaten – zumindest in einer
Grauzone – nicht ausgeschlossen
werden können“.
Manche Firmen
ziehen sich
einfach aus
Kostengründen
wieder zurück.
Jens Kolb
Professor an der HNU
DIGITALISIERUNG unternehmen [!]
Künstliche
Intelligenz,
Sprachmodelle und
Cloud-Computing
sind aus der Welt
nicht mehr wegzudenken.
Wie bei
den meisten (neuen)
Technologien gibt es
negative Aspekte,
aber auch Chancen.
Foto: Firoz_Stock /
adobestock.com
ner kritischeren Prüfung von
Vertragsbedingungen für Cloud-
Dienste – könne erhebliche Einsparungen
ermöglichen, schätzen
Branchenbeobachter.
Für Kolb jedenfalls sind die Begriffe
Cloud-Computing und
Künstliche Intelligenz „wesentliche
Elemente“ der digitalen
Transformation. Und beide Bereiche
bedingen sich, erläutert der
Hochschulprofessor, denn Künstliche
Intelligenz benötige „enorm
viel Rechenkapazität“, um ausgeführt
werden zu können. Und dafür
wiederum werde die Cloud benötigt:
„Hier sehen wir seit kurzem
auch eine gegenteilige Bewegung,
dass auch KI-Modelle
immer kleiner werden und zum
Beispiel jetzt mit Apple auf dem
Handy oder dem lokalen Laptop
laufen, sodass man auch unabhängiger
von der Cloud werden und
damit vielleicht auch datenschutzkonformer
die KI-Modelle
ausführen kann.“
Aber auch die gängigen KI-
Systeme stammen meistens aus
den Vereinigten Staaten oder
China. „Und da erhält man
manchmal einen unterschwelligen
Bias, erzeugt durch die Datenlage,
der zunächst gar nicht
so offensichtlich ist, aber zum
Beispiel zuweilen antieuropäische
Züge haben kann“, so
Schaudt. „Gerade, wenn es um
bestimmte Bereiche geht, ist es
vollkommen klar, dass es wertegeprägt
ist, und das ist natürlich
auch eine Gefahr.“
In passenden
Prozessen
sehen wir große
Effizienzgewinne
durch KI.
Daniel Schaudt
Geschäftsführer DASU
Für Firmen unverzichtbar
Er beschreibt zudem eine aktuelle
wissenschaftliche Diskussion:
Können KI-Modelle, deren
aktueller Ansatz das große
Sprachmodell ist, wirklich als
„Intelligenz“ gewertet werden?
„Es geht hier ja um autoregressive
Modelle, die immer versuchen,
das nächste Token oder
das nächste Wort vorherzusagen.“
Aber können diese Massen
an Internettext letztlich ein Abbild
der Welt erschaffen? Können
die großen Sprachmodelle
dahin kommen, dass sie wirklich
annähernd menschliche Intelligenz
besitzen werden und die
Menschen entsprechend unterstützen
können? Darüber gehen
die Meinungen auseinander.
Dennoch rät der DASU-Chef
dazu, dass sich Unternehmen
trotz offener Fragen unbedingt
mit der Technologie auseinandersetzen
sollten: „In den passenden
Prozessen sehen wir große
Effizienzgewinne durch den
Einsatz von KI bei unseren Kunden.
Die große Kunst liegt aktuell
in der Erkennung solche Prozesse
und der Entwicklung von
maßgeschneiderten Lösungen.“
Kolb prognostiziert schließlich,
dass KI viele, wenn nicht alle Berufsbilder
verändern wird:
„Manche Tätigkeiten werden
dann komplett übernommen, gerade
wenn es um repetitive Tätigkeiten
geht, etwa Recherchen
in Dokumentenbelegen.“ Bei den
neuen KI-Agentensystemen werde
gar schon sichtbar, dass die
Technologie in Geschäftsprozesse
integriert wird, etwa bei der
Verarbeitung von Formularen innerhalb
eines Arbeitsablaufs.
[!] Wilfried Urbe
Zur Person
Jens Kolb ist Professor
für das Gebiet
Digitalisierung und
Technologiemanagement
an der Hochschule
Neu-Ulm, wo
er auch als Vizepräsident
für Transfer und
Weiterbildung aktiv
ist.
Zur Person
Daniel Schaudt ist
Geschäftsführer des
DASU (Transferzentrum
für Digitalisierung,
Analytics &
Data Science Ulm),
gegründet unter anderem
von der Universität
Ulm. Das
Zentrum ist Anlaufstelle
für Unternehmen,
wenn es um Digitalisierung
geht.
Anzeige 47
Wie die NetCom BW Unternehmen für
eine digitale Zukunft rüstet
Mitarbeiter im Homeoffice, Videokonferenzen
mit Zulieferern an den unterschiedlichsten Orten,
Cloudservices zur Datenspeicherung, vernetzte
Produktionsstandorte und Kunden, die
Produkte immer häufiger online bestellen – in
einer stetig digitaler werdenden Welt nimmt
die Bedeutung hochleistungsfähiger und sicherer
Datenverbindungen auch für Unternehmen
kontinuierlich zu.
Foto: stock.adobe.com/Christian Schwier
Seit zehn Jahren Motor für den
Breitbandausbau in Baden-Württemberg
Dafür, dass Unternehmen auch in Ostwürttemberg
im regionalen ebenso wie im globalen
Wettbewerb um Arbeitskräfte und Kunden im
wahrsten Sinne des Wortes nicht den Anschluss
verlieren, sorgt die NetCom BW
GmbH. Denn seit nunmehr zehn Jahren treibt
das Telekommunikationsunternehmen aus
Ellwangen den Breitbandausbau in ganz Baden-Württemberg
voran und schafft damit
vielerorts die Grundlage der Digitalisierung.
Auf Basis eines der größten und modernsten
Glasfasernetze im gesamten Bundesland ist
die EnBW-Tochter heute in über 40 % der baden-württembergischen
Kommunen aktiv
und versorgt dort fast 100.000 Kund*innen.
Vielfältiger Service für Geschäftsund
Industriekunden
Darunter finden sich aktuell auch rund 14.000
Geschäfts- und Industriekunden, die wiederum
von einer großen Vielfalt an Produkten und
Dienstleistungen profitieren. Dazu zählen neben
Standardinternet- und -telefonieprodukten
mit Datenübertragungsraten bis 10 Gbit/s
auch Festverbindungen und Standortvernetzungen
mit Geschwindigkeiten von bis zu 100
Gbit/s. Zusätzlich bietet die NetCom BW dedizierte
Cloud-Standleitungen, verschiedenste
Rechenzentrumsservices und viele weitere
Dienste an.
Persönliche Lösungen für Unternehmen vor Ort
Ein weiterer Vorteil: Dank ihrer regionalen Verwurzelung
kennt die NetCom BW die speziellen
Gegebenheiten vor Ort. Angebote können
so im persönlichen Austausch direkt auf die
Bedürfnisse von Unternehmen angepasst und
Betriebe dadurch individuell auf ihrem Weg in
eine digitale Zukunft begleitet werden.
Haben Sie Fragen? Wir sind für Sie da:
netcom-bw.de/kontaktformular
48 RessoRt unternehmen [!]
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Foto: stock.adobe.com/Jess rodriguez
Glücksspiel IT-Sicherheit
– wie Unternehmen sich vor Cyber-Angriffen schützen können
Unternehmen stehen heute mehr denn je im Fokus
von Hackern. Sie wurden bisher noch nicht
angegriffen? Ein Blick auf die Sicherheitsprotokolle
genügt, um festzustellen, dass Angriffe
längst unbeachtet stattfinden.
Adidas, Oettinger, guenstiger.de, Rheinmetall,
Samsung, Südkabel, Alltours, Fasana – die Liste
der angegriffenen Unternehmen in diesem Jahr
ist scheinbar endlos. So rechnet der Bitkom allein
für 2025 bereits mit einem Wirtschaftsschaden
von 289 Mrd. Euro durch Cyber-Angriffe in
Deutschland (Wirtschaftsschutz 2025). Wie oft
solche Angriffe stattfinden, zeigt der Microsoft Digital
Defense Report 2025: So registriert Microsoft
in seinem Netzwerk bereits 100 Billionen verdächtige
Datenpakete – davon allein in Deutschland
rund 3,3 Billionen – täglich!
Die häufigsten Schäden entstehen dabei durch
Ransomware, gefolgt von DDoS-Attacken. Die Angreifer
sind meist organisierte Gruppen größtenteils
aus China und Russland.
Warum merken Unternehmen
die Cyber-Angriffe nicht?
Der Grund dafür ist, dass viele Angriffe systematisch
nach Schwachpunkten suchen oder es sich
beispielsweise um Login-Versuche handelt. Diese
Attacken laufen oft ins Leere oder scheitern, bis
sie letztendlich einen Angriffspunkt finden, um
dann ihre zerstörerische Kraft zu entfalten.
Das Problem: Die Angriffe auf die IT-Systeme werden
meist erst sichtbar, wenn man sich die Firewall-Reportings
und die „Attack Rate“ ansieht.
Erst dann stellen viele Betroffene fest, wie oft sie
bereits angegriffen wurden. Selbst bei kleinen Unternehmen
können das bereits Tausende Male pro
Monat sein.
IT-Sicherheit funktioniert nur proaktiv
Die eigene IT zu schützen ist keine einmalige Aufgabe,
sondern erfordert regelmäßige Überprüfungen,
Updates, Patches und Sicherheitstrainings
für alle Mitarbeitenden. Nur so lassen sich die Risiken,
Opfer einer Cyber-Attacke zu werden, einigermaßen
eingrenzen.
Aber wie viel IT-Sicherheit benötigt ein Unternehmen
und wie umfassend muss diese sein?
Und noch viel wichtiger: Wer soll sich im Unternehmen
darum kümmern?
IT-Sicherheit weitergedacht
LEW kennt die Herausforderungen von Unternehmen.
Viele haben weder das Personal noch das
Know-how, um sich permanent um die eigene
IT-Sicherheit zu kümmern. Aus diesem Grund bietet
LEW IT-Sicherheit im Doppelpack: Managed
Security Gateway & DDoS Protection.
Während mit Managed Security Gateway eine
Next-Generation-Firewall den Netzzugang kontrolliert
und vor unerwünschten Zugriffen schützt,
sorgt DDoS Protection dafür, dass das IT-System
nicht von Bot-Angriffen lahmgelegt wird.
Die Vorteile für Unternehmen: sichere Überwachung
und Schutz Ihrer Internetverbindung;
schnelle Erkennung von DDoS-Attacken, geringer
Administrationsaufwand; modernste Next-Generation-Firewall-Lösung
und vieles mehr.
Kurz gesagt: Unsere LEW IT-Security-Spezialisten
kümmern sich um Ihre IT-Sicherheit, damit Sie
sich ganz auf Ihr Business konzentrieren können.
Benötigt Ihre IT-Sicherheitsstrategie ein
Update? Wir beraten Sie gerne persönlich.
Unternehmensporträt
LEW TelNet GmbH
Die LEW TelNet GmbH ist einer der
führenden Anbieter für Telekommunikation
im Südwesten Bayerns und
angrenzenden Gebieten.
Wir verfügen über ein eigenes
Nachrichten netz sowie über ein breites
Produkt- und Dienstleistungsangebot
in den Bereichen Internet und Telefonie,
IT-Sicherheit, Rechenzentrum, Standortvernetzung
und Cloud-Dienstleistungen.
Neben Privatkunden betreuen wir
namhafte Kunden aus Industrie, Dienstleistung
und der öffentlichen Verwaltung.
Seit mehr als 25 Jahren beraten wir
Unternehmen aus der Region in IT- und
Telekommunikationsfragen – und unterstützen
sie gerne bei der Entwicklung
ihrer individuellen hybriden IT-Strategie.
LEW TelNet GmbH
Oskar-von-Miller-Str. 1b
86356 Neusäß
T +49 821 328-2929
gk-service@lewtelnet.de
telnet.lew.de/it-security
50
Transformations-Tannenbaum
7 praxis-Tipps für
Ihre Digitalstrategie
Destilliert aus über 200 Jahren gelebter Mittelstandserfahrung und mehr
als 170 Digitalprojekten des mesakumo-Beratungsteams.
Starten Sie mit dem „Warum“
Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Erst
wenn klar ist, warum Sie digitalisieren,
lassen sich die richtigen Technologien und
Projekte ableiten.
1
2Fokussieren Sie auf wenige,
3
Führen Sie durch Vorbild
Transformation beginnt an der Spitze. Nur
wenn Führung sichtbar digital denkt und handelt,
entsteht Glaubwürdigkeit. Dazu gehören
Transparenz, Mut zur Veränderung und die
Bereitschaft, eigene Routinen zu hinterfragen.
5
Verknüpfen Sie Effizienz mit
Kundennutzen
Interne Automatisierung ist wichtig, entscheidend
ist jedoch, was Ihr Kunde von der Digitalisierung hat.
Denken Sie End-to-End: von Produktentwicklung
über Service bis Vertrieb. Wer Prozesse digitalisiert,
um Kundenerlebnisse zu stärken, schafft echten
Mehrwert.
7
Nutzen Sie Ökosysteme
Kein Mittelständler muss das Rad neu erfinden.
Kooperieren Sie mit Partnern, Start-ups und
Kunden. Gemeinsame Plattformen, Datenräume
oder Service-Netzwerke erhöhen Innovationsgeschwindigkeit
und Resilienz.
4
Bauen
messbare Ziele
Digitale Transformation ist kein Sprint, sondern eine
strategische Reise und eher ein Marathon. Wählen Sie
wenige, aber strategisch relevante Handlungsfelder
und messen Sie den Fortschritt anhand konkreter
Kennzahlen: z. B. Effizienz, Umsatzbeitrag, Kundenzufriedenheit,
Mitarbeiterakzeptanz.
Sie digitale Kompetenz und
Lernfähigkeit systematisch auf
Technologie ändert sich. Ihr Unternehmen muss
lernen, sich mitzuwandeln. Investieren Sie in
Kompetenzen wie Data Literacy, KI-Verständnis,
Prozessdenken und Veränderungsfähigkeit.
Technologie folgt Kultur, nicht umgekehrt.
6
Fördern Sie eine Kultur, die
Fehler als Fortschritt versteht
Transformation braucht Mut zum Ausprobieren.
Schaffen Sie ein Umfeld, in dem Scheitern erlaubt
ist und Lernen erwartet wird. So entwickeln sich
Organisationen, die sich selbst ständig erneuern
können.
Das Team der
Digitalberatung
mesakumo
wünscht
www.mesakumo.com/frohe-weihnachten
51 Anzeige
Zukunft entsteht dort,
wo Technologie Haltung zeigt
artiso solutions gehört zu den „Innovativsten Unternehmen 2025“ und zeigt,
wie technologischer Fortschritt heute entsteht: durch Mut, Tiefe – und echte Partnerschaft.
Wenn über Innovationsstärke in Deutschland
gesprochen wird, fällt 2025 ein Name besonders
auf: artiso solutions. Das Blausteiner
Softwareunternehmen erreichte im aktuellen
Ranking des SZ Instituts Platz 77 der „Innovativsten
Unternehmen 2025“ – und gehört damit
zu den 100 Vorreitern unter mehr als 2.700
analysierten Firmen. Ein Ergebnis, das zeigt,
wie konsequenter technologischer Anspruch,
strukturiertes Vorgehen und echte Neugier zusammenwirken
können. „Innovation entsteht
nicht im Vorübergehen, sondern wenn man
bereit ist, Gewohntes infrage zu stellen und
neue Wege wirklich zu gehen“, sagt Geschäftsführer
Volker Rath.
Partner für die digitale Zukunft
Seit 1991 versteht sich artiso als Entwicklungs-,
Technologie- und Innovationspartner
für Unternehmen, die die digitale Transformation
nicht nur beobachten, sondern aktiv gestalten
wollen. Der Anspruch: digitale Produkte
entwickeln, die nicht von der Stange kommen
– sondern aus technischer Tiefe,
Kreativität und einem klaren Verständnis dafür,
was Technologie bewirken kann.
Dabei verbindet artiso langjährige Expertise
mit einem frischen, flexiblen Mindset. Es ist
genau diese Kombination, die Geschäftskunden
überzeugt: solide Erfahrung trifft auf moderne,
proaktive Entwicklungsarbeit – ein verlässlicher
Partner für Unternehmen, die sich
auf den Weg gemacht haben, innovativer zu
werden.
Technologie mit Verantwortung
Im aktuellen Innovationsranking bestätigt
sich, wie stark artiso Forschung, Wissenstransfer
und Partnerschaften verankert hat.
Nicht laute Ankündigungen, sondern substanzielle
Entwicklungen prägen die Arbeit des Unternehmens.
Dazu gehört auch der bewusste
Einsatz von KI: dezent, zielgerichtet und immer
dann, wenn sie echte Mehrwerte schafft –
sei es für Effizienz, Qualität oder neue digitale
Geschäftsmodelle.
Mit visionären Ideen und klarer technologischer
Orientierung setzt artiso Impulse in Bereichen,
in denen digitale Lösungen gesellschaftlichen
Nutzen stiften können. Ein Beispiel
ist die KI-gestützte Pflege-App „stand-by.
care“, die gemeinsam mit der Hochschule
Neu-Ulm entwickelt wurde und derzeit in einen
eigenen Innovations-Spin-off überführt wird.
Sie soll künftig dazu beitragen, pflegerische
Versorgung in einer Zeit zu stärken, in der der
demografische Wandel zu einem der größten
Herausforderungen der kommenden Dekade
wird. Das Projekt zeigt exemplarisch, wie Technologie
helfen kann, reale Probleme zu lösen –
verantwortungsvoll und menschenorientiert.
Auszeichnung als Antrieb
Die Platzierung im Innovationsranking versteht
artiso nicht als Ziel, sondern als Bestätigung
und Aufbruch zugleich. Als Beteiligungsunternehmen
der börsennotierten Uzin Utz SE
ist das Unternehmen stabil und langfristig
ausgerichtet – und arbeitet dennoch mit der
Wir entwickeln digitale Produkte,
die Zukunft gestalten – und wir
tun das mit Leidenschaft, Präzision
und einem klaren Blick für das, was
möglich ist.“
Volker Rath
Energie, Offenheit und Dynamik eines Startups.
Für Kunden bedeutet das: Innovation mit
Substanz und ein Partner, der Entwicklungen
nicht nur begleitet, sondern aktiv vorantreibt.
artiso bleibt seinem Weg treu: erfahren, aber
frisch; solide, aber stets auf dem Weg der Erneuerung;
und immer mit dem Anspruch,
Technologie so einzusetzen, dass sie Unternehmen
wirklich weiterbringt.
artiso solutions GmbH
Oberer Wiesenweg 25
89134 Blaustein
Telefon: +49 7304 803-0
E-Mail: service@artiso.com
www.artiso.com
52 ZAHLEN, DATEN & FAKTEN unternehmen [!]
Jetzt gibt‘s
Prozente
Die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft
schreitet relativ langsam voran. Die Unternehmen sind
sich der damit einhergehenden Herausforderungen bewusst.
86
32
66
29
Prozent planen, KI im Bereich
„Kundenkontakt“ einzusetzen.
Prozent sehen sich als Vorreiter
bei der Digitalisierung.
Prozent der Unternehmen entwickeln
neue digitale Produkte.
Prozent planen, künftig mehr in
die Digitalisierung zu investieren.
89
97
82
61
Prozent der deutschen Unternehmen
verfolgen eine Digitalisierungsstrategie,
davon 28 Prozent
zentral und 61 Prozent in einzelnen
Bereichen.
Prozent sehen insbesondere „Big
Data“ als wettbewerbsentscheidend
an. Dicht gefolgt von „Internet
of Things“ (92 Prozent) und
„KI“ (90 Prozent).
Prozent der Industrieunternehmen
sind überzeugt, dass der Einsatz
von KI zukünftig entscheidend
für die Wettbewerbsfähigkeit
der Branche sein wird.
Prozent der befragten Unternehmen
planen, KI für den internen
Geschäftsbetrieb zu verwenden,
34 Prozent für Produkte bzw.
Dienstleistungen.
88
71
49
50
Prozent der Unternehmen sehen
die Anforderungen an den Datenschutz
als die größte Hürde im Bereich
Digitalisierung.
Prozent der Unternehmen, die
„Künstliche Intelligenz“ einsetzen
oder planen, sind bereit, für externe
KI-Tools zu zahlen.
Prozent der Gesamtkapazitäten
in den deutschen Rechenzentren
entfallen auf Cloud-Infrastrukturen.
Prozent aller befragten Unternehmen
haben eine Weiterbildungsstrategie
für digitale Kompetenzen.
QUELLE: „DIGITALISIERUNG DER WIRTSCHAFT“ - BITKOM-STUDIE 2025 &
„RECHENZENTREN IN DEUTSCHLAND“ – BITKOM DATA CENTRE SUMMIT 2025
unternehmen [!] RESSORTAnzeige
53
35 Jahre Digitalisierung aus einer Hand
Cloud-Computing, Künstliche Intelligenz und Cyber-Security
sind die Treiber der digitalen Transformation.
Für mittelständische Unternehmen
bedeutet das: Prozesse neu denken, Daten
schützen und Zusammenarbeit effizient gestalten.
Genau hier setzt die SOFT-CONSULT Häge
GmbH aus Langenau an.
Über 35 Jahre Erfahrung für den Mittelstand
Seit 1989 begleitet das Unternehmen Betriebe in
der DACH-Region bei der Digitalisierung. Mit
über 70 Mitarbeitenden bietet SOFT-CONSULT
Beratung, IT-Services und HR-Digitalisierung
aus einer Hand – praxisnah, persönlich und
ISO-zertifiziert.
Ganzheitliche Lösungen für Ihre Zukunft
Ob ERP mit Microsoft Dynamics 365 Business
Central, Modern Workplace mit Microsoft 365
und Azure oder sichere IT-Infrastrukturen:
SOFT-CONSULT entwickelt Lösungen, die Prozesse
vereinfachen und Daten zuverlässig schützen.
Ergänzt wird das Portfolio durch HR-Digitalisierung
– von Payroll-as-a-Service über digitale
Personalakten bis zu Bewerbermanagement-
Systemen.
Wer die digitale Transformation im Mittelstand
erfolgreich gestalten will, braucht einen Partner,
der Technologie und Praxis verbindet.
SOFT-CONSULT steht dafür seit über drei Jahrzehnten
– mit Erfahrung, Kompetenz und einem
klaren Blick für die Anforderungen von morgen.
Firmensitz CON5 & Geschäftsführung Anja Stegmann und Marin Capek
Fotos: coredia - Medienproduktion GmbH
SOFT-CONSULT Häge GmbH
Riedheimer Straße 5
89129 Langenau
T +49 7345 9611-0
sc@soft-consult.net
www.soft-consult.net
Anzeige 54 RESSORT unternehmen [!]
Die beiden Gründer Thomas Seruset (links: zeroseven design studios GmbH) und Marc-Gregor Weidt (rechts: Einmaleins GmbH) schlagen als Agenturgruppe
ein gemeinsames Kapitel auf.
Foto: Jana Schrenk, zeroseven
Einmaleins GmbH
Im Weitblick 1
88483 Burgrieden
+49 7392 969611
info@einmaleins.net
www.einmaleins.net
zeroseven design studios
Frauenstr. 83
89073 Ulm
+49 731 71 57 32 100
dialog@zeroseven.de
www.zeroseven.de
EINMALEINS plus
zeroseven macht 2
30 Jahre EINMALEINS, 25 Jahre zeroseven –
55 Jahre geballte Erfahrung in Produktdesign
und Markenentwicklung. Es gibt Momente, in
denen sich Dinge nicht addieren, sondern
potenzieren. Wenn aus gemeinsamen Werten
ein neues Miteinander entsteht.
EINMALEINS aus Burgrieden und die zeroseven
design studios aus Ulm schlagen ein neues
gemeinsames Kapitel auf – als Agenturgruppe,
die Unternehmen begleitet, von der Strategie
bis zum marktreifen Produkt.
Der Zusammenschluss zum 01.01.2026 läutet
den nächsten Schritt zweier etablierter regionaler
Größen ein. EINMALEINS – mit 30 Jahren
Expertise in Produktdesign, UI/UX und Visualisierung
– wird Teil der zeroseven design studios,
die zuletzt ihr 25jähriges Jubiläum gefeiert
haben. 55 Jahre Erfahrung, 55 kreative Köpfe.
Ein gemeinsames Zuhause für starke Ideen.
Menschlich auf einer Linie wächst das interdisziplinäre
Team beider Agenturen zusammen,
bleibt neugierig und inspiriert. Das macht das
Kollektiv zum verlässlichen Partner für Lösungen,
die inhaltlich, visuell und funktional tragfähig
sind.
EINMALEINS und zeroseven – die erste Adresse
für strategisch geführte Marken und Produktentwicklung
im B2BBereich, mit ästhetischem
Anspruch und technologischem Knowhow.
unternehmen [!] RESSORTAnzeige
55
Über EINMALEINS
EINMALEINS steht für Produktdesign, Grafikdesign,
UI/Screen Design und Visualisierung. Mit
bewährter Methodik und leidenschaftlichem Gestaltungsanspruch
wird Design zu einem strategischen
Werkzeug für einzigartige Nutzererlebnisse
– abgestimmt auf Markenstrategie, Customer
Experience und unternehmerische Ziele.
Leistungen
• Strategische Marken und
Produktentwicklung
• Strategie Workshops
• Produkt Design
• Grafik Design
• Corporate Design
• Visual Design
• Digital Design (UX/UI)
Mehr unter: www.einmaleins.net
Firmengebäude der EINMALEINS GmbH in Burgrieden.
Foto: Stefan Schmid, Achstetten
Über zeroseven design studios
Die zeroseven design studios transformieren die
individuelle DNA von Marken in relevante Kommunikationslösungen
mit Zugkraft. Das Spektrum
reicht von fundierter Markenstrategie und
hohem Designanspruch über WebEntwicklung
bis hin zu datengetriebenem OnlineMarketing.
Agenturräume der zeroseven design studios in der Zionskirche in Ulm.
Foto: Conné van d´Grachten
Leistungen
• Marken Strategie
• Corporate Identity
• Employer Branding
• Corporate Design
• Corporate Publishing
• Webdesign
• Markenführung mit KI
• Marken im Raum
• Messe Design
• Online Marketing
• Suchmaschinenoptimierung (SEO)
• Online Advertising (SEA)
• Performance Marketing
• Website Entwicklung
• App Entwicklung
• ECommerce Lösungen
• Cloud Infrastrukturen
• Digitale Geschäftsanwendungen
Mehr unter: www.zeroseven.de
MONTAGE MESCHKOWSKI FOTO: LARS SCHWERDTFEGER, CHRIS52 & PETERSCHREIBER.MEDIA/ADOBESTOCK.COM
Bereits im Anschluss an sein Windkraft-Engagement hat Grauling einen Solarpark installiert.
Das Energiebündel
von Tomerdingen
Macher Dieter Grauling hat die Mission, die Energiewende
anzutreiben. Dafür hat er seinen Ruhestand abgesagt.
Dass Dieter Grauling seit
2015 „im Ruhestand“
sein soll, ist eine etwas
abwegige Vorstellung.
Offiziell ist der Mittsiebziger
dies zwar tatsächlich, doch in
Wirklichkeit ist der Übergang
vom Berufsleben in den ruhigeren
Lebensabschnitt bei ihm
schlichtweg ausgefallen. Grauling
machte einfach weiter im
bisherigen Tempo, nur wieder
mal auf einem komplett anderen
Gebiet. Seit der „Ruhestand“
immer näher rückte, entwickelt
er größere Projekte auf
dem Gebiet der erneuerbaren
Energien.
Tomerdingen, Teilort von
Dornstadt auf der Schwäbischen
Alb, wo Grauling aufgewachsen
ist und bis heute lebt: Dass die Silhouette
des einstigen Bauerndorfs
sich stark verändert hat, ist größerenteils
sein Werk. Elf Windräder
sind hier seit den Nullerjahren
aus den Äckern gewachsen
und überragen die Ortsgebäude
bei Weitem. Die jüngsten sechs
Anlagen gehen auf Graulings Konto.
Sein Part daran war der eines
klassischen Projektentwicklers: Er
hat sie, unterstützt durch einen
Berater, bis zur Genehmigungsreife
vorangetrieben und danach die
Projektrechte veräußert.
Hunderttausende
Euro mussten
vorgestreckt
werden.
Dieter Grauling
Rentner im Unruhestand
Die ersten seiner drei Anlagen
brachte 2013 die Greenpeace-Gesellschaft
Planet Energy
ans Netz, die drei baugleichen,
die im Jahr 2017 nachfolgten,
übernahm die Solarinvest
AG der Stadtwerke Schwäbisch
Hall. Von den 28 Prozent Aktien
in Streubesitz hält er selbst ein
kleines Paket. Die Spanne zwischen
der Idee bis hin zur Umsetzungsreife
– sie füllt bei Grauling
eine ganze Batterie an Aktenordnern.
Wie er die Energiewende voranbrachte,
ist bei Grauling nicht
in eine chronologische Erzählung
geordnet. Oft springt er
zwischen den Projekten hin und
her, landet auch mal wieder in
früheren beruflichen Stationen.
Was er dort an Rüstzeug und Organisationsfertigkeit
erworben
hatte, sei ihm dabei sehr zugutegekommen.
Dann schlägt er wieder
einen Bogen zu den Windrädern
und den Solarparks, die
auf sein Konto gehen.
Wie er nun so in dem Ordner
blättert, bildet der Schriftwechsel
mit Behörden nur einen Teil
unternehmen [!]
NACHHALTIGKEIT
57
darin. Er musste sich um Investoren
kümmern, um Gutachten,
und die Anpachtung von Grundstücken,
um die technische Planung,
um Rentabilitätsberechnungen
und nicht zuletzt darum,
Einspeisepunkte ins Stromnetz
zu ergattern, was wiederum
langwierige Verhandlungen mit
dem Netzbetreiber mit sich gebracht
habe. Und all dieses verursachte
natürlich auch Kosten.
Hunderttausende Euro seien
erst einmal abgeflossen und
mussten vorgestreckt werden,
ohne Garantie, dass am Ende ein
„Go“ stehen würde oder nicht
doch etwa in den Bieterverfahren
weitere Mitbewerber die
Nase vorne haben würden. Allein
die Genehmigungen hätten
pro Windrad mit bis zu 50.000
Euro zu Buche geschlagen,
schätzt Grauling.
Jeder Meter bringt ein Prozent
mehr
Von gänzlich anderen beruflichen
Stationen kommend, hat er
sich regelrecht reingefuchst in
die komplizierte Materie der erneuerbaren
Energien und wie
man sie gewinnbringend ans
Netz bringt. Sein erstes Windrad,
das habe er schnell gemerkt, sei
zu klein dimensioniert und „passte
daher wirtschaftlich nicht.“
Die anderen, mit einer Höhe von
199,5 Metern vom Boden bis zur
Rotorspitze, zählten dann schon
zu den damals höchsten in Baden-Württemberg.
„Jeder Meter mehr bringt ein
Prozent mehr Stromertrag“,
nennt der Entwickler eine Faustformel.
Und jede Verzögerung in
der Realisierung minderte die
Höhe der auf 20 Jahre fixierten
Einspeisevergütung. Drei Jahre
Rechtsstreit beim zweiten Projekt
verursachten einen wirtschaftlichen
Schaden von nach seinen
Angaben 2,5 Millionen Euro, weil
es nun statt der angepeilten 9,13
Cent pro Kilowattstunde nun einen
Cent weniger gab.
Oft verstrichen viele Monate,
bis es weiterging, erzählt er. Der
Druck, unter dem er gestanden
habe, sei immens gewesen. Nicht
nur einmal sei er nachts aufgestanden,
um an Lösungsmöglichkeiten
zu tüfteln. Wobei, das unterschlägt
Grauling nicht, ihn
Nicht
stehen
bleiben,
immer
weitermachen.
Bruttostromverbrauch
(gesamt) 528 Mrd. kWh
45,9
%
54,1
Erneuerbare Energien
Fossile Energieträger,
Kernenergie
und Stromimporte
Anteile der erneuerbaren
Energien (54,1 %)
286 Mrd. kWh
9,3
14,3
4,3
%
Wind an Land
Wind auf See
Photovoltaik
Biomasse
Wasserkraft
GRAFIK MESCHKOWSKI
QUELLE: SWP, DPA
4,9
21,4
seine Frau Marlene tatkräftig
buchhalterisch unterstützt und
er auf den Sachverstand aus seinem
persönlichen Umfeld zurückgreifen
konnte.
Grauling ist hervorragend
vernetzt, sonst wäre er wohl
nicht so weit gekommen. Bei der
Investorensuche hätten ihn
Tippgeber auf die Spur geführt.
So öffneten sich viele Türen,
aber nicht alle. Nicht gelungen
sei ihm beispielsweise die Initiierung
eines „Bürgerwindrads“,
an dem sich die örtliche Bevölkerung
hätte beteiligen können.
Hier habe es ihm an der notwendigen
Unterstützung gefehlt, was
ihn bis heute wurmt.
Vor ein paar Jahren bereits einmal
auf all die Mühen angesprochen,
meinte er damals: „Nein,
das würde ich heute nicht mehr
machen.“ Und heute? Fällt die
Antwort gleichlautend aus – und
es stehen doch schon wieder weitere
Pläne im Raum. Bereits im
Anschluss an sein Windkraft-Engagement
hat Grauling einen Solarpark
installiert. Drei weitere,
auf 40 Megawatt ausgerichtet,
sind bereits in Planung. Sie
durchliefen gerade das Genehmigungsverfahren.
Laut Zielhorizont
sollten sie ab 2027 Strom liefern.
Graulings Ordner-Bestand
wächst also munter weiter.
Eine besonders hohe Hürde
sei auch diesmal wieder der Anschluss
ans Stromnetz. Weil die
Leitung des Nahverteilnetzes so
viel zusätzlichen Strom nicht
aufnehmen kann, brauche er Zugang
zum überörtlichen Hochspannungsnetz.
So wie es derzeit
ausschaut, wird Grauling
nicht umhinkommen, dafür wieder
einmal – und auf eigene Kosten
– Leitungen zu legen.
Wird er damit dann sein Lebenswerk
abschließen und in
den Ruhestand gehen? Grauling
hält sich ein Hintertürchen offen.
Ein Batteriespeicher zur
Aufnahme von im Moment nicht
benötigten Stroms sowie ein
kleines Umspannwerk seien weitere
seiner Überlegungen. Alles
andere als weitere Pläne wären
aber auch eine Überraschung bei
einem Mann, dessen Lebensmotto
lautet: „Nicht stehen bleiben,
immer weiter machen.“
[!] Thomas Vogel
Zur Person
Dieter Grauling ist
Geschäftsführer der Dieter
& Marlene Grauling GbR.
Das Unternehmen befasst
sich mit der Projektierung
von Windkraft- und Photovoltaikanlagen.
Die Philosophie
ist die Erzeugung von
Strom aus regenerativen
Energien.
Die dezentrale Stromerzeugung
in der Region durch
Wind und Sonne steht im
Vordergrund des Unternehmens.
Im November 2013 wurde
unter Graulings Mitwirkung
die bis dato höchste Windkraftanlage
Baden-Württembergs
mit 199 Meter Gesamthöhe
in Tomerdingen-
Bermaringen aufgestellt.
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Das Büro
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Wer aktuell ein Büro
neu einrichtet oder
gar baut, steht vor
einer ganzen Reihe
an Fragen. Wie viele Leute kommen
in Zeiten von mobilem Arbeiten
und Homeoffice überhaupt
noch ins Büro? Wie motiviere
ich meine Mitarbeitenden,
den persönlichen Austausch vor
Ort zu suchen? Wie viel Fläche
brauche ich überhaupt noch?
Und vor allem: Wie wird das alles
in einigen Jahren aussehen?
Es ist Flexibilität gefragt, das
sieht auch Thomas Beyerle so,
Professor für Immobilienwirtschaft
und Immobilienforschung
an der Hochschule Biberach. Die
Planungshorizonte würden immer
kürzer. Mietverträge liefen
mittlerweile eher über fünf als
über zehn Jahre. „Da müssen Unternehmer
und auch Immobilienmenschen
flexibler werden.“
Eine Ausnahme bilde hier der
Öffentliche Dienst. Hier sei noch
alles relativ standardisiert und
planbar.
Flexibilität bedeutet unter
Umständen auch: „Man muss
sich schon vorstellen können,
dass man aus ‚Büro alt‘ irgendwann
‚Wohnen neu‘ macht.“ Ohnehin
spielt die Verzahnung von
Wohnen und Arbeiten laut Beyerle
eine zentrale Rolle – ob es
um „Corporate Living“ geht, also
die gute alte Werkswohnung, die
aktuell eine Renaissance erlebt,
oder das Konzept der 15-Minuten-Stadt.
Das besagt, dass Wege in der
Stadt so verkürzt werden, dass
die wichtigsten Orte – Wohnung,
Arbeitsplatz, Nahversorgung,
Ärzte, Freizeitmöglichkeiten –
binnen 15 Minuten erreichbar
sind. Beyerle sieht hier Ulm
schon gut dabei. Regelmäßig
fährt er mit seinen Studierenden
an die Sedelhöfe, wo es neben
Die
Verzahnung
von Wohnen und
Arbeiten spielt
eine zentrale
Rolle.
Prof. Thomas Beyerle
Professor für für Immobilienwirtschaft
und -forschung
Geschäften auch Wohnungen
gibt. Die seien zwar teuer, aber
durch die Bahnhofsnähe für
Pendler gut geeignet. „Das hat
schon seine Zielgruppe erfasst.“
Es muss aber nicht immer gleich
ein neues Stadtquartier sein.
Auch im Bestand lasse sich vieles
gut verwirklichen. „In dem
Moment, wo ich Wohnen reinbringe,
habe ich den ersten
Schritt schon gemacht“, sagt
Beyerle. Auch der Gesetzgeber
habe dieser Entwicklung mit der
Einführung des „Urbanen Gebiets“
im Bauplanungsrecht
Rechnung getragen.
Doch auch im Büro selbst verändert
sich derzeit natürlich einiges.
Was bleiben wird: Die
Funktion des Büros als Kommunikationsraum
– wenngleich
auch die einem Wandel unterworfen
ist. „Man stellt einfach
dem Co-Pilot oder ChatGPT die
Frage, die man vielleicht vorher
60
SPEZIAL unternehmen [!]
Das ist wichtig beim Büromöbelkauf
Im Büro der Zukunft
ist auch bei den
Möbeln Flexibilität
und Anpassungsfähigkeit
gefragt.
Foto: ImageFlow/
adobestock.com,
Industrieverbands
Büro und Arbeitswelt
(IBA) & HBC
Hochschule Biberach
Zur Person
Prof. Dr. Thomas
Beyerle lehrt und
forscht an der Hochschule
Biberach zu
Immobilienmanagement
und Immobilienresearch.
Zu seinen
Forschungsthemen
gehört unter anderem
die
Transformation im
Bestand. Neben seiner
akademischen Tätigkeit
produziert er
auch den Podcast
„Immo Insider“.
Zur Person
Jasmin Najiyya ist
Pressesprecherin des
Industrieverbands
Büro und Arbeitswelt.
In diesem Verband
mit Sitz in Wiesbaden
haben sich die Unternehmen
der Büromöbel-
und -Einrichtungsbranche
organisiert.
In Zeiten von häufig nicht mehr
bestimmten Mitarbeitenden
zugewiesenen Arbeitsplätzen
muss das Mobiliar schnell an
die Körpermaße der einzelnen
Nutzer angepasst werden
können, sagt Jasmin Najiyya
vom IBA.
„Sitzhöhe und Armlehnenhöhe
am Stuhl sowie die Arbeitshöhe
des Tisches sollten sich mit jeweils
einem Griff anpassen
lassen“, empfiehlt sie: „Weitere
Anpassungen können automatisch
erfolgen.
Bei Stühlen zum Beispiel über
eine automatische Gewichtserkennung
und flexible Materialien,
die Tischhöhe kann alternativ
über Knopfdruck oder per
App und Sensortechnik angepasst
werden.“
dem Kollegen gestellt hätte“, so
Beyerle.
Trotzdem sei es wichtig, dass
das Büro über eine „Kommunikationszone“
verfüge, erklärt der
Immobilienexperte – und meint
damit nicht nur die klassische
Kaffeeküche. „Die Kaffeeküche
wurde ja nach der Pandemie
komplett verklärt.“
Wie die Kommunikationszone
dann genau aussieht, das komme
ganz auf den Einzelfall an –
also auf die Arbeitsprozesse im
Unternehmen. So seien etwa im
Consulting-Bereich die Leute
häufig bei den Kunden vor Ort
und schon allein deshalb weniger
im Büro. Gestaltet werden
kann der Bereich dann je nach
Anforderung: Von einer Art
„größere Telefonboxen für zwei
Menschen“ bis zu einer Lounge
mit Barista ist alles möglich.
Laut Jasmin Najiyya, Pressesprecherin
des Industrieverbands
Büro und Arbeitswelt (IBA), in
dem sich die Büromöbel- und
-Einrichtungsbranche organisiert
hat, macht es die Mischung:
„Gefragt sind vielseitig nutzbare
Kommunikationsbereiche –
von offenen Treffpunkten bis hin
zu Rückzugsräumen für informelle
Gespräche. Zusätzlich gewinnen
Workshop- und Projektflächen
an Bedeutung, damit
Teams gemeinsam kreativ und
effizient arbeiten können.“
Klar müsse nur sein, sagt Beyerle:
„Die fünf Tage Büro in der
Woche sind vorbei.“ Heißt: Dass
sich Menschen von anderswo
zuschalten, muss bei der Gestaltung
und Einrichtung des Büros
mitgedacht werden.
Dass es hier nicht bei Laptop
und Webcam enden muss, sehen
Workshopund
Projektflächen
gewinnen an
Bedeutung.
Jasmin Najiyya
Pressesprecherin des
Industrieverbands Büro und
Arbeitswelt
sowohl Beyerle als auch die
Trendforscherin Birgit Gebhardt
so, die im Auftrag des IBA eine
Studie zum Thema KI in der Arbeitswelt
auf Grundlage von Experteninterviews
erstellt hat.
Beide sind sich einig, dass Virtual
und Augmented Reality
künftig eine stärkere Rolle spielen
werden.
In der Studie, es ist die insgesamt
sechste der „New Work Order“-Studien
des Industrieverbands,
in dem sich die Büromöbel-Branche
organisiert hat, ist
nachzulesen, wohin die Reise gehen
könnte: Physische und digitale
Arbeitswelten verschmelzen
miteinander. „Das Büro dient als
Brutkasten für Ideen – mit allen
physischen und digitalen Facilities,
die schnelles Prototyping
und Co-Creation ermöglichen.“
Die Studie arbeitet drei Konzep-
unternehmen [!] RESSORT 61
Nething Generalplaner GmbH
Ulm
Arbeitswelten mit Weitblick
Mittelständische Unternehmen verändern
sich: neue Arbeitsweisen, mehr Mitarbeitende,
höhere Ansprüche an Nachhaltigkeit.
Wer heute baut, sollte in zehn
Jahren nicht neu planen müssen.
Doch wie gelingt das? Zwei Projekte in der
Region zeigen unterschiedliche Wege.
Weiterbauen statt Abreißen
Der Campus Schneider Geiwitz ist das Ergebnis
einer klaren Entscheidung: Die Wirtschaftskanzlei
wählte bewusst die Transformation eines ehemaligen
Hochschulgebäudes in Ulm. Entstanden
ist daraus ein Campus mit 10.500 m² Nutzfläche,
bei dem sich Alt und Neu nicht nur ergänzen, sondern
in einen Dialog treten.
Der sanierte Bestand mit seiner weißen Mosaikfassade
erhielt einen selbstbewussten Gegenpart:
einen sechsgeschossigen Neubau mit Glasfaserbetonfassade,
die je nach Lichteinfall mal
plastisch, mal ruhig wirkt. Die beiden Baukörper
neigen sich einander zu, rahmen einen halböffentlichen
Platz und formen so ein Ensemble, das
zur Stadt spricht.
Dabei macht die Architektur die Unternehmenswerte
erlebbar: Transparenz nach außen, Diskretion
im Inneren. Das Raumkonzept verbindet ruhige
Einzelarbeitsplätze an den Fassaden für
konzentriertes Arbeiten mit flexiblen Teamzonen
und atmosphärische Aufenthaltsbereichen für
Austausch und Begegnung.
Schnell bauen durch Vorfertigung
Einen anderen Weg ging Nething Architekten
beim eigenen Bürogebäude in Neu-Ulm. Hier entstand
ein Neubau in Holz-Hybrid-Bauweise – und
das in bemerkenswerten 20 Monaten. Die Holz-
Nething Office: Offene Strukturen mit klaren Sichtbeziehungen schaffen Transparenz und Austausch
Fotos: Nikolay Kazakov
fassade verleiht dem kubischen Bau eine warme
Ausstrahlung, während die Konstruktion die Stärken
von Holz und Beton verbindet.
Die schnelle Bauzeit gelang durch konsequente
Vorfertigung: Alle technischen Arbeiten wurden
in der Werkshalle montiert und nicht erst auf der
Baustelle. So entstanden Rohbau, Holzbau und
Fassade in nur vier Monaten. Im Inneren verbindet
ein zentraler Lichthof mit Treppen die Geschosse
und schafft vielfältige Sichtachsen durch
das gesamte Gebäude.
Das Raumkonzept für über 100 Mitarbeitende
folgt dem Activity Based Working – eine flexible
Struktur, bei der Mitarbeitende ihren Arbeitsplatz
je nach Aufgabe wählen können.
Nachhaltigkeit als Standard
Was beide Projekte verbindet, ist ihr selbstverständlicher
Umgang mit Nachhaltigkeit: Bspw.
ermöglichen Geothermie und Photovoltaik eine
nahezu CO ²
-neutrale Energieversorgung.
Was bleibt
Bürogebäude sind keine reinen Zweckbauten. Sie
prägen die Unternehmenskultur, bilden Arbeitsprozesse
ab und tragen damit unmittelbar zu Effizienz
und Produktivität bei. Gleichzeitig sind sie
im Wettbewerb um Fachkräfte ein entscheidender
Faktor. Die beiden Projekte zeigen: Bestand transformieren
oder neu bauen – beides kann funktionieren,
wenn die Arbeitswelt die Prozesse im Unternehmen
unterstützt. Denn gute Architektur
entsteht aus einem Dialog heraus.
Der Campus Schneider Geiwitz macht Unternehmenswerte räumlich erlebbar.
Nething Generalplaner GmbH
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89231 Neu-Ulm
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Workshop- und Projektflächen gewinnen in der modernen Arbeitswelt immer mehr an Bedeutung.
Foto: Jacob Lund, Photographee.eu & Prostock-studio/adobestock.com
Mobile Trennwände schaffen die Möglichkeit, auf veränderte
Personalsituationen flexibel zu reagieren.
Platz für Kommunikation – bei der Gestaltung dieser Möglichkeit
sind keine Grenzen gesetzt.
te für das Büro der Zukunft heraus:
So wird das Büro mal zur
Leitzentrale, mal zum Innovationslabor
und mal zum „hybriden
Playground“ im Rahmen einer
Gaming-Challenge, wie Jasmin
Najiyya erläutert.
Flexibilität
muss zum
Grundprinzip jeder
Bürogestaltung
werden.
Jasmin Najiyya
Pressesprecherin IBA
Auch sie unterstreicht, dass
bei einer zukunftsfähigen Büroarchitektur
Flexibilität und Anpassungsfähigkeit
im Vordergrund
stehen. „Die meisten Unternehmen
müssen mindestens
zwei, wenn nicht sogar alle drei
Formen der Zusammenarbeit
unterstützen, um künftigen Anforderungen
gerecht zu werden“,
meint sie: „Wie viel Raum für die
einzelnen Bereiche benötigt
wird, wird sich dabei immer wieder
ändern. Mobile Trennwände,
verschiedene, leicht anpassbare
Zonen für Austausch und
konzentriertes Arbeiten sowie
technisch vorbereitete Umgebungen
und vielfältig nutzbare
Möbel ermöglichen kurzfristige
Anpassungen.“ Grundsätzlich
sagt Najiyya zum Thema Flexibilität:
„Wer heute in Büroflächen
investiert, muss mit tiefgreifenden
Veränderungen und immer
neuen Anforderungen rechnen.
Die wichtigste Empfehlung aus
Branchensicht: Flexibilität muss
zum Grundprinzip jeder Bürogestaltung
werden.“
Zur hybriden Arbeitslandschaft
der Gegenwart und Zukunft
gehört neben dem Büro
vor Ort auch das Homeoffice.
Wie ist es um die Einrichtung
der Büros in den eigenen vier
Wänden bestellt? Gar nicht mal
so schlecht, wie man vielleicht
vermuten würde, meint Najiyya.
Umfragen des Meinungsforschungsinstituts
Forsa im Auftrag
ihres Verbandes würden zeigen,
dass zwei Drittel der Menschen,
die im Homeoffice arbeiten,
dort auch über einen
Arbeitsplatz verfügen, „der diesen
Namen auch verdient“.
Bei der Ausstattung gebe es
Nachholbedarf. „Entsprechend
groß ist das Potenzial für unsere
Branche“, so Najiyya: „Gleichzeitig
ist der Bereich Homeoffice ein
Markt mit eigenen Gesetzmäßigkeiten.
Arbeitgeber sind im Rahmen
des Arbeitsschutzes auch
bei mobiler Arbeit für die jeweiligen
Arbeitsbedingungen verantwortlich.
Die konkreten Entscheidungen
über die Ausstattungen
der Homeoffices und häufig
auch deren Finanzierung überlassen
sie dennoch meist ihren Angestellten.“
Der Markt sei daher
vergleichsweise stark volatil.
[!] Henri Gallbronner
unternehmen [!] RESSORT 63
Scheurer RaumConcepte
Ulm
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Bestellung und dem Aufbau schließlich einen
vollständig eingerichteten Raum sieht, ist das
immer wieder eine große Bereicherung – unabhängig
davon, ob es sich um ein großes oder
kleines Projekt handelt.“ Als Familienbetrieb
legen wir großen Wert auf persönlichen Einsatz
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unternehmen [!] NACHGEFRAGT 65
Rainer Frey
Nachgefragt Aus der Uhinger Handels- und Politiklandschaft ist der Unternehmer Rainer
Frey nicht wegzudenken – ein Antreiber und Macher, wie es ihn nur selten gibt. Ein
Gespräch über Service, Sprengstoff und Speck.
Guten Tag Herr Frey. Wie geht es
Ihnen?
Gut. Wir hatten einen sehr guten
September – die Herbst-/Wintersaison
wird gut. Kurz: Wetter
passt, Geschäft passt.
Sie sind Jahrgang 1960, die
„Boomer“ gehen langsam in
Rente. Warum sind sie als Unternehmer
noch aktiv?
Ich sage immer spaßeshalber „ich
habe lebenslänglich“. Es gibt immer
was zu tun, wir wohnen hier
im Haus, haben vier Geschäfte,
mir macht die Arbeit Spaß und
meiner Frau genauso.
Es reicht
ein Wort:
„Ungeduldig“
Neben Ihrem eigenen Unternehmen
sind Sie auch noch im Uhinger
Gemeinderat und Vorsitzender
des Handels- und Gewerbevereins.
Können Sie ohne Arbeit
oder Ehrenamt gar nicht leben?
Ich bin jetzt 35 Jahre Vorsitzender
des größten Handels- und
Gewerbevereins im Landkreis
mit über 150 Mitgliedern. Die
ehrenamtliche Tätigkeit als
Gemeinderat und stellvertretender
Bürgermeister mache
ich seit 1994. Ich wurde gebeten
weiterzumachen und habe
ein siebtes Mal zugestimmt.
Alle diese Ämter kann man nur
mit einer tollen Frau an seiner
Seite machen und wenn in der
Familie alles stimmt und das
Geschäft auf dem Laufenden
ist – so ist es bei mir.
Wie würden Sie sich selber in einem
Satz beschreiben?
Es reicht ein Wort: „Ungeduldig“.
Wie schalten Sie ab?
Mit Lesen – lokale Krimis, Biographien,
Zeitungen, Bücher und
Fachzeitschriften rund um
LKWs und Oldtimer – ich bin gelernter
Spediteur. Sehr gerne bin
ich auch mit dem Motorrad unterwegs
oder treffe mich mit
Kumpels beim Stammtisch.
Die Frey-Firmengeschichte beginnt
im Jahr 1895 mit einem Gemischtwarenladen
und dauert
nun schon 130 Jahre an. Sie beziehungsweise
Ihre Familie hat
viel ausprobiert: Trial & Error.
Wie lange überlegen Sie, was
bleibt und was eingestellt wird?
Eher nicht lang. Bevor wir eine
Entscheidung treffen, informieren
wir uns gründlich. In Sortimentsfragen
gehen mein Sohn Simon
und die Mitarbeiterinnen
voran. Unser Haus hat mit Kolonialwaren
begonnen, wir haben
sogar Sprengstoff verkauft – wir
wandeln uns ständig, sonst könnten
wir nicht überleben. Zum Beispiel
liegen an unserer Kasse
Speck, Kaminwurzen, Schüttelbrot
und Wein aus – das habe ich
letzte Woche in Südtirol direkt
bei den Herstellern geholt – seit
20 Jahren gefällt unseren Kunden
diese Aktion. Viele fragen schon
immer nach: „Wann kommt der
Speck?“ Für ein Modehaus haben
wir gute Stückzahlen mit Speck
und Wein (lacht)!
Haben Sie eigentlich eine Einzelhandelsausbildung
im Unternehmen
gemacht?
Ich habe eine Ausbildung als
Speditionskaufmann gemacht,
weil ich Lust darauf hatte. Meine
Eltern haben mir keine Vorschriften
für die Lehre gemacht.
Ich war sogar LKW-Fahrer – ich
wollte einfach sehen, wie das so
ist. Irgendwann fragte mich dann
meine Mutter, ob ich nicht einsteigen
will. Und mir war klar,
dass damals mit 25 Jahren ein guter
Zeitpunkt zum Einstieg war,
da ich als junger Mann mit der
vollen unternehmerischen Motivation
hier investieren und was
bewegen kann. Und so bin ich
dann 1985 eingestiegen. Und
dann bin ich es angegangen.
Handel ist Wandel. Kolonialwaren
und Mode – schön und gut.
Aber wie war das mit dem
Sprengstoff?
Mein Urgroßvater hatte in den
1920er-Jahren die Lizenz zum
Verkauf von Sprengstoff. Für die
umliegenden Sandbrüche und
die Beseitigung von Felsen in
Baugruben war Sprengen damals
eine normale Vorgehensweise.
Im heutigen Haldenwald hatten
wir einen Bunker als Lager. Meine
Großtante Berta hat den
Sprengstoff vom Bahnhof abgeholt
und dann mit dem Leiterwagen
ins Lager gebracht und
auch wieder ausgefahren. Zum
Glück ist nie etwas passiert.
Jetzt ist das Modegeschäft ihr
Schwerpunkt. Wie halten sich
die Modewelten Frey in Uhingen
in Zeiten von Online-Shopping?
Ich glaube an den Innenstadthandel,
wenn man alles richtig
macht. Die Auswahl und der Service
sind natürlich ganz wichtig.
Wir haben ein treues und wachsendes
Publikum. Und wir machen
alles für unsere Kunden,
auch mit Events außerhalb der
klassischen Öffnungszeiten.
Sie führen das Geschäft mit Ihrem
Sohn Simon. Wer entscheidet
bei Meinungsdifferenzen?
Mein Sohn ist der Chef und die
Zukunft – ich unterstütze ihn.
Was ist die Lieblingskleidung von
Rainer Frey?
Zur Person
Rainer Frey, geboren am
28. September 1960, ist gelernter
Speditionskaufmann.
Mit 25 Jahren ist er in
den elterlichen Familienbetrieb
Mode Frey eingestiegen.
In dieser Zeit ist die
Verkaufsfläche von 300
Quadratmeter auf rund
1.100 Quadratmeter angewachsen,
die Mitarbeiterzahl
hat sich von 8 auf 30
vergrößert. Dazu ist Rainer
Frey seit über 30 Jahre in
der Lokalpolitik und im Handels-
und Gewerbeverein
engagiert. Mit seiner Frau
Beate hat er 3 Kinder und 5
Enkelkinder.
Jeans, gute Schuhe und immer
ein Hemd.
Jetzt nochmal zur Politik. Welche
Ämter und Aufgaben haben
Sie derzeit inne?
Seit 1994 bin ich im Gemeinderat,
seit 2004 Fraktionsvorsitzender
der Freien Wähler und seit 2024
wieder stellvertretender Bürgermeister.
Ich bin halt interessiert
am öffentlichen Leben und wie
meine Stadt aufgestellt ist. Und
man muss den Menschen auch erklären,
was möglich ist und was
nicht, von den Kita-Gebühren bis
zu den Kosten fürs Freibad. Man
muss Akzeptanz schaffen.
Was war Ihre prägnanteste Erfahrung
in der Lokalpolitik?
Der Bau unseres Uhinger Uditoriums.
Es gab natürlich viele Einwände,
aber es wurde im Budget
gebaut. Heute ist es voll akzeptiert
mit seinen rund 220 Veranstaltungen
jährlich in der Stadtmitte.
Jetzt zum HGV. Warum floriert der
in Uhingen so?
Zum einen ist der Mitgliedsbeitrag
niedrig, das senkt die Hürden.
Zum anderen machen wir
viele tolle Aktionen – dabei bringen
wir mit Unterstützung von
Sponsoren sogar noch viel Geld
für gute Zwecke auf. Ich spreche
viel mit Leuten, vermittle und
werbe für die Zusammenarbeit.
Wie behaupten sich Handel und
Gewerbe in der Kleinstadt Uhingen
zwischen der Kreis- und Landeshauptstadt?
Wir heißen die Kunden „Herzlich
willkommen“. Alle, die kommen,
müssen sagen, „das ist hier
gut“ – und das bezieht sich aufs
Thema Parken, die Auswahl in
den Geschäften bis hin zur Gastfreundschaft.
Wir wollen uns positiv
in den Köpfen der Besucher
aus dem Umland verankern.
Sie sind jetzt 65. Wie lange sind
Sie noch aktiv?
So nach und nach will ich mit
meiner Frau schon kürzertreten.
[!] Tobias Lehmann
66 NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]
Iveco saniert
Teststrecke
Mobilität Bereits seit den
1980er-Jahren gibt es eine Teststrecke
für Lkws im Ulmer Donautal,
die zum Hersteller Iveco
gehört. Nun wurde die Bahn
grundlegend erneuert. Dafür investierte
die Iveco Group mit
Sitz im italienischen Turin einen
„mittleren zweistelligen Millionenbetrag“,
wie es in einer Pressemitteilung
heißt.
Auf dem Testgelände im Donautal
werden Lkws auf Herz
und Nieren geprüft: Es gibt
Bremstests, aber auch das Verhalten
an Steigungen und bei hohen
Geschwindigkeiten werden
überprüft. Darüber hinaus lassen
sich Systeme zum automatisierten
Fahren testen.
Liebherr baut in
Biberach um
Investition In den vergangenen
Monaten gehört der Standort Biberach
zu den Sorgenkindern
der Liebherr-Gruppe. Angesichts
der Wirtschaftsflaute und
der Krise am Bau stockte das
Neugeschäft.
Nun vermeldet die Liebherr-
Gruppe, dass sie bis zum Jahr
2034 einen dreistelligen Millionenbetrag
in die umfassende
Modernisierung ihres Standorts
in Biberach an der Riß steckt. In
der ersten Phase fließe eine
zweistellige Millionensumme in
den Um- und Neubau der Produktion.
Damit bekenne sich
Liebherr klar zum Standort und
zu seinen hoch qualifizierten
Mitarbeitenden in der Region.
Dr. Mario Rometsch, Team Leader Analytics & AI (links) und Florian Wahler, Strategic Manager Digital
Innovation bei Uhlmann Pac-Systeme nahmen die Auszeichnung entgegen.
Uhlmann Pac-Systeme gewinnt Award
Uhlmann Pac-Systeme wird für das KI-basierte Assistenzsystem
Uhlmann SmartAssist mit dem Allianz
Industrie 4.0 Award 2025 in der Kategorie „Winner“
ausgezeichnet. Mit dem Award werden Industrieunternehmen
aus Baden-Württemberg geehrt, die die
digitale Transformation vorantreiben und Digitalisierungslösungen
umsetzen.
Neue Mieter in
Universelle Ulm
Standort Mit dem Forschungsund
Entwicklungsunternehmen
BMW Car IT sowie dem automotive
Software-Experten Elektrobit
ziehen weitere namhafte
Unternehmen in den markanten
und sehr gefragten Bürokomplex
„Universelle Ulm“ im Science
Park der Wissenschaftsstadt
ein.
Liqui Molys neue
Markenstrategie
Relaunch Unter der Markenstrategie
„For the Drivers“ rückt
Liqui Moly Kunden stärker ins
Zentrum. „Diese drei Worte stehen
für unsere komplett neue
Markenstrategie“, sagt Marketingleiter
Marco Esser. Der Relaunch
für den internationalen
Auftritt hat das Ziel, die Marke
einheitlich auftreten zu lassen.
Uhlmann SmartAssist ist ein KI-basiertes System,
das die Uhlmann Pac-Systeme Mitarbeitenden bei
der Einrichtung komplexer, kundenindividuell ausgestatteter
Verpackungsmaschinen unterstützt. Das
Unternehmen baut Maschinen, mit denen Pharmaunternehmen
weltweit Pharmazeutika in Blister,
Trays, Flaschen oder Faltschachteln verpacken.
Finanzlage
der Stadt Ulm
Rekord Die Stadt Ulm wird
2025 voraussichtlich 180 Millionen
Euro an Gewerbesteuer einnehmen,
57 Millionen mehr als
im Haushaltsplan geschätzt –
ein Rekordwert. Die Finanzlage
ist jedoch nicht völlig rosig. Die
Investitionen der Stadt betragen
in diesem Jahr 150 Millionen
Euro.[!]
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Redaktion
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Nächste Ausgabe: 14.03.2026
Anzeigenschluss: 13.02.2026
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Mediaberatung
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christine.blum@n-pg.de
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FOTO: ALLIANZ INDUSTRIE 4.0/LUDMILLA PARSYAK
unternehmen [!] RESSORT 67
10 Jahre
Winterliche
Genussmomente
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Dinner, Signature Fingerfood, Live-Cooking oder ein gesetztes Fine-Dining-Menü – wir gestalten
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