LOGISTIK express Journal 5/2025: Transport & Logistik
LOGISTIK express Journal 5/2025: Transport & Logistik
LOGISTIK express Journal 5/2025: Transport & Logistik
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JOURNAL 5/2025
TRANSPORT & LOGISTIK
Neue Spielregeln prägen
die globalen Lieferketten
LOGISTIK EXRESS INFORMIERT
LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S2
Journal T&L 5/25
04 Logistikum der FH Oberösterreich punktet
06 Veränderte Spielregeln prägen globalen Lieferketten
08 Trumps Zollpolitik
10 Europas Lieferketten im Stresstest
12 Zölle treiben Insolvenzen in Österreich in die Höhe
14 Zölle haben sich seit 2024 fast verdoppelt
16 Stagnation trotz fiskalischem Rückenwind?
18 Wie werden 20 Pakete pro Haushalt / Woche zugestellt
22 Digitalisierung-Logistik – bald ist der Zug abgefahren
24 Die neue Ära der Lieferketten
28 Young Logistics Award 2025
30 Generation Z in der Logistik
32 Checkliste Fachkräftevermittlung
34 Transportmanagement gewinnt an Bedeutung
36 China bleibt Wachstumsmarkt
38 DHL setzt auf KI-Agenten von HappyRobot
41 PUMA setzt in der Transportabwicklung auf WinSped
44 KEBA und EO Charging starten strategische Partnerschaft
zur Flottenelektrifizierung
46 Gruber Logistics liefert Airbus
48 Hamburger Hafen bleibt auf Wachstumskurs
50 1,35 Milliarden für Zukunft der Bremerhavener Häfen
52 Shrinkflation in der Bundesregierung?
LE 5/2025
IMPRESSUM
LOGISTIK express / MJR MEDIA
Donauwörther Str. 27a/7/4
A-2380 Perchtoldsdorf
Medieninhaber, Herausgeber:
Markus Jaklitsch
+43 676 7035206 / info@logistik-express.at
www.logistik-express.com
Foto: istockphoto.com, Depositphotos.com
LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S4
Logistikum der
FH Oberösterreich
punktet mit Forschung
zur Kreislaufwirtschaft
Kreislaufwirtschaft zielt darauf ab, den
Lebenszyklus von Produkten zu verlängern.
Bestehende Produkte und Materialien werden
dabei so effizient wie möglich wiederverwertet.
Zusammenwirken müssen dabei nicht
nur Produzenten und Konsumenten, sondern
auch die Logistik.
Mit dem Logistikum beherbergt
die FH Oberösterreich am Campus
Steyr Österreichs führende,
anwendungsorientierte Forschungsstätte
zum Thema. Dessen Chef, FH-
Prof. Franz Staberhofer, will nun nachhaltige
Produktion und Recycling durch Logistik und
Supply Chain Management zu Kreisläufen und
innovativen Geschäftsmodellen weiterentwickeln.
Zahlreiche Unternehmen sind bereits mit
an Bord.
„Wir am Logistikum können bereits spektakuläre
Erfolge bei der Schaffung von zirkulären
Lieferketten verzeichnen, zuletzt durch die
wiedernutzbare Versandverpackung gemeinsam
mit der österreichischen Post“, skizziert
Staberhofer einen strategischen Schwerpunkt
für sein Forschungsteam. Auch Oberösterreichs
Landesrat für Wirtschaft und Forschung, Markus
Achleitner, hat dieses Thema aufgegriffen und
unterstützt die Aktivitäten der Steyrer Logistiker*innen.
Am Logistikum will man dabei, auch
mit der Unterstützung des Landes Oberösterreich,
„ganzheitlich denken, aber daraus – wie
schon in anderen Bereichen – durch die praxisnahe
Forschung ganz konkreten Nutzen für die
Unternehmen ableiten.“
FRANZ SPPHIE STABERHOFER
HERING
Die FH Oberösterreich ist die forschungsstärkste
Fachhochschule Österreichs. An
unseren vier Standorten werden unterschiedliche
Studienschwerpunkte angeboten:
Informatik, Kommunikation und Medien
am Campus Hagenberg, Medizintechnik
und Angewandte Sozialwissenschaften am
Campus Linz, Wirtschaft und Management
am Campus Steyr sowie Technik und Angewandte
Naturwissenschaften am Campus
Wels. Mit 75 Bachelor- und Masterstudiengängen,
von denen 32 berufsbegleitend
studiert werden können, offeriert die FH
OÖ ein breitgefächertes Angebot an praxisorientierten
und innovativen Studiengängen.
Weitere Informationen sind auf der
Website zu finden: Fachhochschule Oberösterreich.
Im Rücken hat das Logistikum dabei nicht nur
jahrelange Erfahrung, sondern auch das Knowhow
von 11 Professor*innen und 40 Wissenschaftlichen
Mitarbeiter*innen, die aktuell in
rund 35 laufenden Projekten forschen. Künftige
Schwerpunkte liegen dabei außer in den Bereichen
Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft
auch bei resilienten Lieferketten, automatisiertem
Fahren und Innovationen in der Handelslogistik.
Sichern Sie
sich Ihren
substanziellen
Wettbewerbsvorsprung
Das Thema Nachhaltigkeit wird dabei nicht
nur durch Beiträge zu einer funktionierenden
Kreislaufwirtschaft, sondern auch durch jene
zu einer nachhaltigen Mobilität abgebildet. Bei
DOMINO handelt es sich etwa um eine individualisierte
App, entwickelt von der Firma Fluidtime
Data Services. Sie fördert das Thema Mitfahren
und Fahrgemeinschaften in Österreich.
Ziel ist es, den Autoverkehr nachhaltiger und
CO2-freundlicher zu gestalten. DOMINO wird
von der Forschungsgruppe rund um FH-Prof.
Wolfgang Schildorfer eingesetzt, um Mobilitätsverhalten
zu untersuchen. Mit ihr ist es
möglich, Zielgruppen – „Communities“ - und
deren Verhalten wissenschaftlich zu messen.
Die Anwendungsfälle werden laufend erweitert.
Eine wesentliche Gruppe, die untersucht wird,
sind alle Studierenden der FH Oberösterreich
und deren Mitarbeiter*innen. Unterschiedliche
„Belohnungen“ werden an den einzelnen FH-
Standorten angeboten, um Fahrgemeinschaften
zu fördern. Österreichweit werden bereits
Communities in Ober- und Niederösterreich
unter die Lupe genommen. Gespräche für die
Ausweitung nach Vorarlberg, Tirol, Kärnten,
Wien und ins Burgenland laufen.
Intralogistik &
E-Commerce
Handel &
Distanzhandel
Transport &
Logistik
Studierende profitieren von
praxisnaher Forschung
Am Campus Steyr bietet die FH Oberösterreich
ein Bachelor- und zwei Masterstudiengänge
im Bereich Logistik an. Die Ergebnisse aus der
praxisnahen Forschung fließen laufend in deren
Studienpläne ein. Somit können die Studierenden
sicher sein, dass ihre Ausbildung stets auf
dem aktuellen Stand ist. Dazu partizipieren
Studierende regelmäßig in Form von Projekten
oder wissenschaftlichen Abschlussarbeiten
aktiv an der Logistikforschung.
(RED)
logistik-express.com
LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S6
Veränderte Spielregeln
prägen die globalen
Lieferketten
Europa braucht stärke Diversifizierung und
Technologie. Veränderte Spielregeln prägen
die globalen Lieferketten.
Der VNL (Verein Netzwerk Logistik)
lud bereits zum 11. Mal zum VNL
Logistik-Forum Graz in das Messe
Congress Graz Zentrum. Unter dem
Motto „Logistik in der neuen Welt(un)ordnung“
diskutierten über 150 Experten aus der Wirtschaft
und Wissenschaft über die veränderten
Spielregeln in der Logistik und im Supply
Chain Management. Globale Krisen, technologische
Sprünge und die neue Handelslogiken
standen im Mittelpunkt der Vorträge. Im
Rahmen des Logistik-Forum Graz 2025 erhielten
die Teilnehmer wertvolle Einblicke in aktuelle
Herausforderungen und praxisorientierte
Lösungsansätze aus den VNL-Expertenrunden.
Gemeinsam mit den fachlichen Leitern diskutierten
sie konkrete Fragestellungen aus der
Unternehmenspraxis. Die vorgestellten Ansätze
zeigten eindrucksvoll, wie Unternehmen durch
eine gezielt optimierte Supply Chain auch in
Zeiten globaler Unsicherheit ihre Wettbewerbsfähigkeit
sichern und ausbauen können.
Martin Tschandl (Vorstandsmitglied des VNL
Österreich), betonte, „Die weltpolitische Lage ist
aus den Fugen geraten: Laufend schwankende
Zollsätze, geopolitische Konflikte und Handelskriege
haben das globale Gleichgewicht
erschüttert. Was einst als stabil galt, ist heute
von Unsicherheit geprägt – und diese Unordnung
betrifft unmittelbar das Rückgrat unserer
Wirtschaft: die Supply Chains bzw. Lieferketten
und die Logistik generell. In Zeiten dieser globalen
Störungen kommt der gesamten Supply
Chain eine zentrale Rolle zu. Wie Unternehmen
ihre Lieferketten an die neuen Gegebenheiten
anpassen, entscheidet über ihre Wettbewerbsfähigkeit
und langfristige Resilienz.
Die Expertenrunden des VNL bieten dabei eine
entscheidende Plattform, auf der Fachleute
kontinuierlich an innovativen Lösungen und
strategischen Ansätzen arbeiten können, um
der unsicheren weltwirtschaftlichen Lage entgegenzuwirken.“
Prof. Harald Oberhofer (Wirtschaftsuniversität
Wien) beleuchtete in seiner Keynote die globalen
Auswirkungen der protektionistischen Handelspolitik
der USA unter Donald Trump sowie
die zunehmende Fragmentierung internationaler
Handelsbeziehungen und Wertschöpfungsketten
und zeigte auf, wie diese Entwicklungen
auch die Logistikbranche betreffen können.
„Trumps Zollpolitik und geopolitische Konflikte
verändern die Struktur der internationalen
Handelsbeziehungen nachhaltig, mit negativen
ökonomischen Folgen. Für die Logistikbranche
bedeutet die anhaltende ökonomische und
politische Unsicherheit instabilere Lieferketten,
steigende Kosten und ein höheres Investitionsrisiko.“
Oberhofer betonte zudem, dass eine
stärkere Diversifizierung von Handelspartnern
und die Vollendung des EU-Binnenmarkts entscheidend
seien, um Europas Wettbewerbsfähigkeit
langfristig zu sichern.
Malte Rehm (Senior Project Manager Strategy
- Supply Chain, Otto Group) analysierte in
seiner Keynote, wie die Supply Chain im Handel
auf die globale Welt(un)ordnung reagiert.
Er zeigte, welche Auswirkungen geopolitische
Konflikte und disruptive Geschäftsmodelle auf
den E-Commerce haben – und welche Antworten
die Branche darauf findet. Dabei wurde
deutlich: Strategische Vernetzung, intelligente
Datenintegration sowie die Zusammenarbeit
von Mensch und Maschine werden zu entscheidenden
Erfolgsfaktoren. Rehm betonte zudem
das transformative Potenzial von Robotik und KI
zur Effizienzsteigerung in Logistikzentren und
zur Verkürzung von Durchlaufzeiten.
„Für zukunftsfähige Supply Chains sind globale
Diversifizierung, enge Zusammenarbeit und
Technologie als Enabler entscheidend“, so Rehm.
Friedrich Santner, Vorstandsvorsitzender der
Anton Paar Group AG, hielt die Keynote zum
Thema „Internationalisieren in schwierigen
Zeiten“. Er zeigte auf, wie sich Globalisierung,
geopolitische Spannungen und wachsender
Regulierungsdruck auf Europas Wettbewerbsfähigkeit
auswirken. „Früher bedeutete Internationalisierung
das Überwinden von Grenzen
– heute kämpfen wir mit neuen Grenzen: aus
Misstrauen, Moral und Kontrolle“, so Santner.
Europa, so seine Analyse, sei stark, wenn es
komplex wird – dank Bildung, Präzision und
partnerschaftlichem Denken. Diese traditionellen
Stärken müsse man mit Entscheidungsfreude,
Pragmatismus und Teamgeist verbinden.
„Europa wird seine Zukunft nicht durch Vorschriften
sichern, sondern durch Vorbilder.
Internationalisierung heißt nicht Rückzug, sondern
Selbstbewusstsein und Mut,“ (RED)
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MIT LOGISTIK-OUTSOURCING VON LOGSERV.
Wir verbinden, was zusammen gehört. Wirtschaftliche
Abläufe und effiziente Transporte sind heute wichtiger
denn je. Als Full-Service-Spezialist für industrielle Logistik
sind Ihre Herausforderungen bei uns bestens aufgehoben.
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Logistik in Bewegung.
LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S8
Trumps Zollpolitik:
Warum deutsche
Exporteure jetzt unter
Druck stehen
Donald Trump verfolgt unbeirrt seinen Kurs:
Mit neuen Abgaben auf europäische Waren
will er die US-Wirtschaft abschirmen. Offiziell
geht es um den Schutz heimischer Industrien,
in Wirklichkeit zahlen jedoch vor allem die
Handelspartner den Preis.
Für deutsche Unternehmen bedeutet
das steigende Exportkosten, schwindende
Wettbewerbsfähigkeit und eine
belastende Unsicherheit bei künftigen
Investitionen. Zölle sind nichts anderes als
künstliche Preisaufschläge auf internationale
Zusammenarbeit. Am stärksten betroffen sind
Branchen, die stark auf Export angewiesen sind,
etwa Maschinenbau und Automobilzulieferer.
Welche Folgen das konkret hat und wie Firmen
darauf reagieren können, zeigt dieser Beitrag.
Steigende Belastungen und politische
Unberechenbarkeit
Seit April 2025 erhob die US-Regierung
zunächst pauschal 10 Prozent Strafzoll auf fast
alle EU-Waren, zusätzlich drohten 20 bis 30 Prozent
Aufschläge auf Autos und Maschinenbauprodukte.
Nach harten Verhandlungen wurde
Ende Juli jedoch ein Kompromiss erreicht: Seit
August sind die meisten Zölle auf maximal 15
Prozent gedeckelt – mit Ausnahmen wie Stahl
und Aluminium (weiterhin 50 Prozent).
JANINE LAMPPRECHT
Während die US-Regierung das als Schutzmaßnahme
für die heimische Wirtschaft verkauft,
führen die zusätzlichen Zölle in Wirklichkeit
dazu, dass deutsche Produkte auf dem
amerikanischen Markt an Attraktivität verlieren.
Firmen müssen steigende Kosten tragen,
die Nachfrage schwankt, und Geschäftsbeziehungen
werden komplizierter. Der 15 Prozent-Deckel
hat die schlimmsten Eskalationen
verhindert, sorgt aber nach wie vor für erhebliche
Mehrbelastungen. Hinzu kommt, dass sich
politische Entscheidungen in Washington kaum
absehen lassen. Unternehmen sind gezwungen,
ihre Strategien laufend zu überprüfen,
Lieferketten zu hinterfragen und Szenarien für
weitere Verschärfungen vorzubereiten. Dabei
sind die Ausgangsbedingungen sehr unterschiedlich:
Großkonzerne verfügen in der Regel
über spezialisierte Abteilungen, die Zollfragen
professionell managen. Sie können Kosten kalkulieren
und alternative Strategien entwickeln.
Mittelständische Betriebe dagegen stehen
häufig ohne diese Expertise da. Für sie bedeutet
das, dass sie Kostensteigerungen kurzfristig
an Kunden weitergeben müssen – mit allen
Risiken für Umsatz und Geschäftsbeziehungen.
Besonders problematisch wird es, wenn große
Auftraggeber ihre Marktmacht ausnutzen und
Belastungen auf kleinere Zulieferer abwälzen.
DONALD JOHN TRUMP
Handlungsoptionen:
Flexibilität, Daten und Verträge
Um sich in diesem schwierigen Umfeld behaupten
zu können, brauchen Unternehmen vor
allem zwei Dinge: belastbare Daten und Flexibilität.
Wer Ursprungsangaben und Zolltarifnummern
sorgfältig pflegt, kann sofort erkennen,
welche Produkte betroffen sind. So lassen
sich Auswirkungen schneller berechnen und
Gegenmaßnahmen einleiten. Fehlende Informationen
hingegen führen zu Verzögerungen,
die teuer werden können.
Eine zentrale Rolle spielt außerdem die Vertragsgestaltung.
Viele Firmen bieten ihren Kunden
DDP-Lieferbedingungen an, das heißt, sie
übernehmen sämtliche Kosten und Risiken bis
zur Lieferung beim Empfänger, einschließlich
der Zollabgaben. Diese Praxis schafft Sicherheit
auf Kundenseite, bindet die Unternehmen
jedoch sehr stark an politische Entscheidungen.
Wenn Zölle steigen, müssen sie die zusätzlichen
Belastungen in voller Höhe tragen.
Flexibler sind Vertragsmodelle, die Risiken klar
begrenzen oder teilweise auf den Handelspartner
übertragen. Gerade angesichts des 15
Prozent-Abkommens empfehlen Experten, Verträge
mit klaren Zollklauseln zu versehen, um
bei weiteren Sonderzöllen – wie im Stahl- und
Aluminiumsektor – nicht vollständig belastet
zu werden.
Handelsbeziehungen strategisch gestalten
Über die interne Organisation hinaus lohnt
es sich, Handelsbeziehungen strategisch zu
gestalten. Freihandelsabkommen wie das
USMCA bieten die Möglichkeit, Zölle zu umgehen
oder zumindest abzumildern. Regelmäßige
Szenarioanalysen und ein enges Monitoring der
politischen Lage sind weitere Instrumente, die
Unternehmen Zeit verschaffen, um auf neue
Entwicklungen vorbereitet zu sein. Zusätzlich
versuchen deutsche Exporteure, durch
Investitionen in US-Produktionsstandorte Zölle
zu umgehen, während die EU parallel neue
Abkommen (zum Beispiel mit Mercosur oder
Indien) vorantreibt, um die Abhängigkeit von
den USA zu verringern. Wer hier vorausschauend
agiert, sichert sich entscheidende Vorteile
gegenüber der Konkurrenz.
Fazit: Zölle sind kein Schutzschild für die Wirtschaft,
sondern eine künstliche Verteuerung
globaler Zusammenarbeit. Für Unternehmen
bedeuten sie steigende Kosten, nachlassende
Nachfrage und erhebliche Planungsunsicherheit.
Während Konzerne ihre Ressourcen nutzen,
ist der Mittelstand besonders verwundbar.
Der Zoll-Deal von Sommer 2025 hat die Lage
entschärft, doch selbst 15 Prozent belasten
Exporteure erheblich. Wer jedoch frühzeitig
Transparenz schafft, Verträge flexibler gestaltet
und Handelswege plant, bleibt auch unter diesen
Bedingungen handlungsfähig. (RED)
Janine Lampprecht
ist die Gründerin der
Grenzlotsen GmbH.
Sie unterstützt bei
der Optimierung
des Zollwesens. Mit
maßgeschneiderten
Programmen in den
Bereichen Coaching,
Beratung, Outsourcing.
Weitere Infos unter:
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LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S10
Europas Lieferketten im
Stresstest
Die jüngsten Exportbeschränkungen Chinas
für Halbleiter und seltene Erden zeigen, wie
verwundbar Europas Lieferketten nach wie
vor sind. Todd DeLaughter, CEO des europäischen
Logistiksoftware-Anbieters Alpega,
ordnet die aktuelle Situation ein und erklärt,
warum die Branche vor einem strukturellen
Wendepunkt steht.
sind das Rückgrat moderner Fertigung. Für rund
89 Prozent der Nexperia-Bauteile existieren
keine „Form-Fit-Function“-Alternativen ohne
komplettes Redesign. Kurzfristige Umstellungen
sind damit kaum möglich.
Die Folgen sind deutlich spürbar: stark verlängerte
Lieferzeiten, Allokationen, Qualitätsund
Regulierungsunsicherheiten entlang der
gesamten Lieferkette. Für die Logistikbranche
bringt das erhebliche Herausforderungen mit
sich. Unplanbare Spitzen, etwa bei Eiltransporten
nach Freigabe von Exportlizenzen, wechseln
sich mit abrupten Produktionsstopps ab. Die
Nachfrage nach Ad-hoc-Chartern, Spot-Luftfracht
und Verlagerungen von See- auf Luftfracht
wächst deutlich.
Schon während der Pandemie wurde
deutlich: Europa steckt in einer strukturellen
Abhängigkeit von China: bei
Absatzmärkten, Standard-Halbleitern
und kritischen Rohstoffen. Die aktuelle Entwicklung
zeigt, dass wir es nicht mehr nur mit
kurzfristigen Störungen zu tun haben, sondern
mit einem grundlegenden Wandel. China nutzt
Exportkontrollen und künstliche Verknappung
zunehmend als machtpolitisches Instrument.
Für die europäische Industrie bedeutet das
eine anhaltende Unsicherheit. Weltweit bangen
Autobauer Woche für Woche um ihre Produktion.
Selbst die jüngst angekündigten Lockerungen
bei Exportlizenzen für Nexperia-Teile
lindern die Lage nur geringfügig. Besonders kritisch
sind kleine, massenhaft verbaute Komponenten
wie Dioden oder Transistoren, denn sie
Für Europas Logistikbranche ist klar: Netzwerke
müssen intelligenter und agiler werden. Transparenz
entlang der gesamten Lieferkette ist
keine Option mehr, sondern eine Voraussetzung
für Stabilität. Die Zeit stabiler Planläufe
über sechs oder zwölf Monate ist vorbei. Künftig
zählen Echtzeit-Informationen und multimodale
Transportnetzwerke, die sich flexibel an
den Bedarf anpassen lassen.
Digitale Lösungen, wie Transport-Management-Systeme
(TMS), spielen dabei eine
Schlüsselrolle. Echtzeit-Kapazitätsmonitoring,
KI-gestützte Prognosen und automatisierte
Alerts werden unerlässlich, um auf Marktveränderungen
sofort reagieren zu können. Wer
jetzt in intelligente, vernetzte Logistiksysteme
investiert, stärkt die Resilienz der europäischen
Lieferketten, und legt den Grundstein für eine
widerstandsfähige, digital gesteuerte Logistik
der Zukunft.
(RED)
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LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S12
Gudrun Meierschitz, Vorständin
Acredia Versicherung AG
Zölle treiben Insolvenzen
in Österreich in die Höhe
Weltweite Unternehmensinsolvenzen steigen
laut ACREDIA & Allianz Trade 2025 um
+6 Prozent und 2026 um weitere +5 Prozent,
Rückgang erst 2027 (–1 Prozent) erwartet.
Hintergrund dieser Entwicklung sind strukturelle
Schwächen der Binnenkonjunktur, eine
verzögerte Erholung von der Rezession sowie
die anhaltende Schwäche der deutschen Wirtschaft,
Österreichs wichtigstem Handelspartner.
Diese Faktoren dürften die Zahl der Insolvenzen
auch 2026 auf hohem Niveau halten. Für
2026 erwartet ACREDIA einen leichten Rückgang
um rund 5 Prozent auf etwa 6.600 Fälle,
bevor sich 2027 eine spürbarere Entspannung
auf rund 6.000 Fälle (-4 Prozent) abzeichnet.
Eine Entspannung bei Unternehmenspleiten
ist im laufenden Jahr nicht
in Sicht. Laut der aktuellen globalen
Insolvenzstudie von ACREDIA gemeinsam
mit Partner Allianz Trade dürften die weltweiten
Unternehmensinsolvenzen 2025 um +6
Prozent steigen und 2026 um weitere +5 Prozent.
Eine Trendwende zeichnet sich erst 2027
ab, mit einem leichten Rückgang von –1 Prozent.
Österreich: Weiter steigende Insolvenzen,
Stabilisierung frühestens 2026
In Österreich hält der Trend steigender Unternehmensinsolvenzen
an. Nach dem kräftigen
Anstieg im Vorjahr dürfte die Zahl der Firmenpleiten
2025 um rund 6 Prozent zulegen, auf
etwa 6.950 Fälle. Damit steuert Österreich auf
das vierte Jahr in Folge mit zunehmenden Insolvenzen
zu und erreicht nahezu das Niveau des
bisherigen Rekordjahres 2005 (7.050 Fälle).
Besonders betroffen bleiben der Einzelhandel,
das Baugewerbe und das Gastgewerbe, zunehmend
auch kleinere Betriebe.
„Die Insolvenzlage bleibt angespannt, zeigt
aber erste Anzeichen einer Bodenbildung“,
sagt Gudrun Meierschitz, Vorstandsmitglied
von ACREDIA. „Das wirtschaftliche Sturmtief
dürfte sich 2026 abschwächen, 2027 erwarten
wir eine ruhigere Wetterlage. Viele heimische
Unternehmen haben in den vergangenen Jahren
an Widerstandskraft gewonnen und werden
gestärkt aus dieser Phase hervorgehen.“
Trotz der erwarteten Stabilisierung bleibt das
Niveau hoch: 2026 liegen die Insolvenzen rund
30 Prozent über dem Durchschnitt von vor der
Pandemie, und 2027 dürfte das Vorkrisenniveau
noch um etwa 18 Prozent überschritten werden.
Zu den größten Herausforderungen zählen steigende
Finanzierungskosten, anhaltender Margendruck
und zunehmende Liquiditätsspannen
entlang der Lieferketten. „Viele Unternehmen
arbeiten mit knappen Reserven und sehen sich
mit wachsenden Außenständen konfrontiert.
Wer seine Forderungen professionell absichert,
kann Risiken gezielt steuern und zugleich Spielräume
für Wachstum bewahren.“
Fotocredit: ACREDIA/M. Draper
Verzögerte Auswirkungen, Domino-Risiko
Während US-Unternehmen derzeit noch von
Preisanpassungen und der Umleitung von Handelsströmen
profitieren, könnten die jüngsten
Zollmaßnahmen mittel- bis langfristig auch
exportorientierte Volkswirtschaften wie Österreich
treffen.
Acredia und Allianz Trade erwarten, dass die
volle Wirkung der US-Zölle erst 2026 spürbar
wird mit möglichen Dominoeffekten entlang
globaler Lieferketten. Österreich zählt
zu den offensten Volkswirtschaften Europas:
Mehr als die Hälfte der heimischen Wertschöpfung
hängt direkt oder indirekt vom Außenhandel
ab. Entsprechend sensibel reagieren
exportstarke Branchen – etwa Maschinenbau,
Metallverarbeitung, Fahrzeug- und Komponentenindustrie
oder technische Dienstleistungen
– auf Veränderungen im Welthandel.
„Für ein exportorientiertes Land wie Österreich
sind stabile internationale Rahmenbedingungen
entscheidend“, betont Meierschitz. „Sollten
sich die globalen Handelsbedingungen weiter
eintrüben, könnte das auch für heimische
Exporteure zum Belastungstest werden, insbesondere
für mittelständische Unternehmen, die
von internationalen Vorleistungsketten abhängig
sind.“
Neugründungen und KI-Boom als Risikofaktor
Der starke Gründungsboom der vergangenen
Jahre, allen voran in technologie- und KIgetriebenen
Branchen, birgt zusätzliche Risiken.
Nach einer Phase intensiver Investitionen
in Start-ups und digitale Geschäftsmodelle zeigen
sich erste Konsolidierungstendenzen.
„Der österreichische Markt ist zwar kleiner,
aber strukturell ähnlich gelagert wie in anderen
europäischen Ländern“, erklärt Meierschitz.
„Sollte der aktuelle KI- und Tech-Boom
an Dynamik verlieren, könnte auch hierzulande
eine Korrektur einsetzen und vor allem
wachstumsorientierte Unternehmen mit hoher
Fremdfinanzierung treffen.“
Laut ACREDIA betrifft das Risiko insbesondere
Sektoren wie IT-Dienstleistungen, Software,
digitale Kommunikation und B2B-Plattformen.
In diesen Bereichen haben Neugründungen
stark zugenommen; ein Rückgang der Investitionen
oder steigende Finanzierungskosten
könnten zu einer Zunahme kleinerer Insolvenzen
im Start-up-Segment führen. „Wir sehen
derzeit keine Welle, aber eine klare Differenzierung:
Wer tragfähige Geschäftsmodelle und
stabile Cashflows hat, setzt sich durch – wer zu
schnell expandiert hat, steht unter Druck“, so
Meierschitz. (RED)
LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S14
Zölle haben sich seit
2024 fast verdoppelt,
Lieferketten befinden
sich im Wandel
Handelsbarrieren auf Rekordniveau: Durch
neu eingeführten Zölle (2024: 179, bis
Oktober 2025: 309) und Beschränkungen
betroffene Welthandelsvolumen hat sich
seit 2024 nahezu verdreifacht – betroffen
sind rund 20 % der globalen Importe im
Wert von 2,7 Billionen US-Dollar.
Der Welthandel befindet sich in einer
Phase tiefgreifender Umbrüche.
Neue Zölle, geopolitische Spannungen
und die Folgen des Klimawandels
belasten internationale Lieferketten
und verschieben globale Handelsströme. Eine
aktuelle Studie von ACREDIA gemeinsam mit
Partner Allianz Trade zeigt: Das durch Handelsbeschränkungen
betroffene Volumen hat sich
seit 2024 nahezu verdreifacht.
„Effizienz war lange das Leitmotiv internationaler
Lieferketten – heute steht Stabilität im
Vordergrund“, erklärt Gudrun Meierschitz, Vorstandsmitglied
der ACREDIA Group. „Unternehmen
haben gelernt, dass resiliente Strukturen
wichtiger sind als kurzfristige Kostenvorteile.“
Inzwischen sind rund 20 Prozent der weltweiten
Importe im Wert von schätzungsweise 2,7
Billionen US-Dollar betroffen. Haupttreiber sind
neu eingeführte Zölle – bis Oktober 2025 wurden
weltweit 309 neue Zollmaßnahmen erlassen,
fast doppelt so viele wie im gesamten Vorjahr.
Friendshoring als neue Realität – Chancen für
Europa und Österreich
Mit wachsender geopolitischer Unsicherheit
gewinnt die Tendenz zu Friendshoring – also der
Verlagerung von Produktion und Handel in politisch
ähnlich ausgerichtete oder geografisch
nahe Länder – stark an Bedeutung. Europa profitiert
dabei von stabilen Rahmenbedingungen,
klarer Regulierung und seiner zentralen Lage
zwischen den großen Wirtschaftsräumen.
Für Österreich eröffnet sich daraus eine strategische
Position: Als Drehscheibe zwischen
Mittel-, Ost- und Südosteuropa kann die heimische
Wirtschaft von der zunehmenden Regionalisierung
profitieren. „Gerade in Zeiten globaler
Unsicherheit stärkt Nähe das Vertrauen. Wer
lokale Netzwerke und stabile Partnerschaften
nutzt, verschafft sich einen echten Wettbewerbsvorteil“,
betont Meierschitz.
Laut Studie wird das globale Handelswachstum
2025 mit +2 Prozent deutlich
unter dem langfristigen Durchschnitt
liegen. Für 2026 und 2027 erwarten die
Ökonom:innen sogar nur +0,6 bzw. +1,8
Prozent. Mehr als die Hälfte dieses geringen
Wachstums beruht laut Allianz Trade
auf der Umleitung bestehender Handelsströme
– etwa durch die Verlagerung von
US-Importen weg von China oder eine
stärkere Diversifizierung der Lieferketten.
während Kasachstan mit seinen Knotenpunkten
Khorgos und Nur Zholy als
eurasischer Logistikstandort auf Platz 16
vorrückt. Trotz leistungsfähiger Terminals
– etwa in Laem Chabang oder Tanger-Med
– bleiben Thailand, Indien und
Südafrika bei der Konnektivität zurück.
Indonesien und Bangladesch kämpfen
zudem mit erheblichen Investitionslücken.
Für Österreichs Exportwirtschaft
bedeutet das: Neue Märkte entstehen,
globale Routen verändern sich – und wer
Risiken frühzeitig absichert, kann vom
Wandel profitieren. „Risikomanagement
ist heute kein Kostenfaktor mehr, sondern
ein zentraler Bestandteil nachhaltiger
Wachstumsstrategien“, so Meierschitz
abschließend.
(RED)
Die vollständige Studie zum Welthandel
finden Sie hier https://bit.ly/48leKTJ
„Österreichs Exportwirtschaft steht
damit vor einem strukturellen Wandel.
Strategische Anpassung und Risikostreuung
werden zu zentralen Erfolgsfaktoren“,
so Meierschitz. „Unternehmen,
die frühzeitig auf regionale Partner und
abgesicherte Zahlungsstrukturen setzen,
sind langfristig widerstandsfähiger.“
Klimarisiken und neue
Handelszentren im Aufstieg
Neben geopolitischen Spannungen wird
der Klimawandel zunehmend zu einem
entscheidenden Risiko für globale Lieferketten.
Dürreperioden, Niedrigwasser
und Extremwetter beeinträchtigen
bereits heute zentrale Transportwege
wie den Suez- und Panamakanal, aber
auch Binnenflüsse wie Rhein und Donau.
Das erhöht den Druck auf die Logistik
und macht internationale Handelsrouten
anfälliger für Störungen.
Gestalten
Sie mit für mehr
Sichtbarkeit –
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Reichweite
Gemeinsam bringen wir Ihr
Business ins Blickfeld.
LOGISTIK express – Ihr
Marktplatz für News,
Innovationen und Trends.
„Politische und klimatische Risiken treten
immer häufiger gleichzeitig auf. Das stellt
Unternehmen und Transportnetzwerke
vor neue Herausforderungen“, warnt
Meierschitz. Gleichzeitig verschiebt sich
das globale Zentrum des Handels. Das
aktuelle Allianz-Trade-Ranking zeigt,
dass sich Volkswirtschaften neu positionieren,
um von veränderten Strömen und
Zollstrukturen zu profitieren.
An der Spitze liegen die Vereinigten Arabischen
Emirate (Platz 1), Vietnam (Platz
2) und Malaysia (Platz 3) – dank moderner
Hafeninfrastruktur und wachsender
Exportdynamik. Saudi-Arabien verbessert
sich um elf Plätze auf Rang 4,
LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S16
erhofft sich die Regierung einen hohen Multiplikatoreffekt
bzw. eine starke Reaktion der Privatwirtschaft.
Dafür wären allerdings weitreichende
Reformen notwendig – ohne sie droht,
dass viele der Ausgaben das Potenzialwachstum
kaum steigern und der Einfluss der Staatsausgaben
schnell verpufft. Doch zumindest in
den kommenden Jahren wird die Fiskalpolitik
für Rückenwind sorgen. So erwartet die Mehrheit
der Volkswirte für 2026 ein BIP-Wachstum
der deutschen Wirtschaft von um oder leicht
über 1 %.
Stagnation trotz
fiskalischem
Rückenwind?
Die deutsche Wirtschaft dürfte 2026 moderat
wachsen, getragen vor allem von fiskalischen
Impulsen. Für das Verarbeitende Gewerbe
könnte der Effekt allerdings begrenzt bleiben,
wenn Exportabhängigkeit und strukturelle
Standortprobleme weiterhin dominieren.
Selbst bei einem BIP-Wachstum von
über 1 % wäre dann nur mit einer
Stagnation oder einem leichten
Rückgang der Produktion des Verarbeitenden
Gewerbes zu rechnen – die Deindustrialisierung
würde sich damit 2026 fortsetzen.
Kurzfristige Stimulierung ja, …
Die deutsche Konjunktur wird im nächsten
Jahr 2026 Auftrieb durch die Binnennachfrage
erhalten. Erwartet wird ein Wachstum des privaten
Konsums von rund 1 %. Doch viel entscheidender
insbesondere für die kommenden
Jahre ist die Fiskalpolitik: Trotz fehlender
Priorisierung der Ausgaben bleibt dank Sondervermögen
Handlungsspielraum. In diesem
Zusammenhang wird viel spekuliert, wie stark
der Einfluss auf das Wirtschaftswachstum sein
wird. Vor allem von Infrastrukturinvestitionen
… aber wie groß wird der Einfluss auf das
Verarbeitende Gewerbe sein?
Für einen deutliche Auftrieb im Verarbeitenden
Gewerbe dürfte die Konjunkturbelebung
allerdings nicht ausreichen. Zum einen ist das
gesamtwirtschaftliche Plus von rund 1 % alles
andere als kräftig. Zum anderen sind eher
die Exporte der Treiber für das Verarbeitende
Gewerbe als Staatsausgaben oder die Binnennachfrage.
So besteht die Gefahr, dass aufgrund
des fehlenden Auftriebs spezielle Herausforderungen
wie technologische Disruption (Automobil)
oder hohe Energiekosten (Chemie) den
Produktionsverlauf der Branchen erneut dominieren
werden Hinzu kommen übergreifende
Themen, wie die mangelnde internationale
Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. So mögen
gerade bei einem schwachen Konjunkturbild
fehlende Reformen auf der Angebotsseite die
größere Hemmschwelle für Wachstum darstellen
als die globale Nachfrage. Ob Angebotsoder
Nachfrageseite – es fehlen überzeugenden
Rahmenbedingungen, die eine spürbare
Erholung des Verarbeitenden Gewerbe erwarten
lassen.
Allgemeines BIP-Wachstum kein guter
Indikator für das Verarbeitende Gewerbe …
Die IKB erwartet für 2026 ein BIP-Wachstum von
1,3 %. Nach dem erneuten Rückgang der Exporte
im Jahr 2025 ist angesichts einer gewissen
Stabilisierung und leichten Erholung der Euro-
Zone von einem Exportwachstum von um die 1
% auszugehen. Vor dem Hintergrund hoher globaler
Unsicherheiten bleibt das Prognoserisiko
jedoch erhöht – und eher nach unten gerichtet.
Früher war die allgemeine Konjunktur der entscheidende
Wachstumstreiber für das Verarbeitende
Gewerbe. Dies war nicht überraschend,
waren es doch die starken Exporte,
die die gesamtwirtschaftliche Dynamik maßgeblich
bestimmt haben. Im kommenden Jahr
werde hingegen Binnen- und Staatsnachfrage
das BIP dominieren. Damit könnte sich der Einfluss
des BIP-Wachstums auf die Produktion
des Verarbeitende Gewerbe weiter reduzieren.
Denn die Abhängigkeit des Verarbeitenden
Gewerbes von der Exportnachfrage hat sich in
den letzten Jahrzehnten kaum verändert, der
Beitrag des verbleibenden BIP allerdings schon.
So zeigen empirische Analysen, dass das allgemeine
BIP-Wachstum gerade seit 2018 als
Treiber für die Produktion im Verarbeitenden
Gewerbe an Bedeutung verloren hat.
… doch das mag sich ändern
Mit einer spürbaren Stimulierung der Binnennachfrage
durch die Fiskalpolitik ist auch eine
Gegenbewegung denkbar. So mag das BIP bzw.
die Binnennachfrage wieder an Bedeutungen
für das Verarbeitende Gewerbe zunehmen –
vor allem wenn die Exportnachfrage weiterhin
schwach bleibt und Reformen zu stärkeren Privatinvestitionen
am Standort führen. Entscheidend
ist die Frage, ob und wie weit eine Stimulierung
der Binnennach-frage durch höhere
Staatsausgaben eine schwache Exportdynamik
kompensieren kann. Um diese Frage zu beantworten
hat die IKB ein Modell für die Produktion
des Verarbeitenden Gewerbe über zwei Zeiträume
geschätzt. Werden für die Schätzung nur
die letzten Jahre (2018-2025) berücksichtigt,
als die Binnennachfrage keinen Einfluss hatte,
ist mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem
weiteren Rückgang der Industrieproduktion
auszugehen – selbst bei einem Wachstum von
über 1 % im Jahr 2026.
Werden nur die Exporte berücksichtigt, ergibt
sich laut IKB-Schätzung ein Rückgang für das
gesamte Verarbeitende Gewerbe um 0,5 %
im kommenden Jahr. Schätzungen über den
Zeitraum 1991 bis 2025 mit hoher Reformbereitschaft
und -umsetzung geben hingegen
dem BIP-Wachstum sehr wohl ein Gewicht.
In diesem Fall läge das Wachstum eher bei
etwa +0,5 %. Die Stimulierung der Binnennachfrage
durch den Staat könnte also das
Wachstum des Verarbeitende Gewerbe um
rund einem Prozentpunkt stützen (Unterschied
der beiden Schätzungen nur Exporte
-0,5 % und Schätzung BIP und Exporte +0,5 %).
Welche Schätzung für 2026 relevant ist, bleibt
offen. Der Erfolg der Fiskalpolitik hängt maßgeblich
von Reformen ab. Da sich aktuell keine
grundlegende Änderung der Wettbewerbsfähigkeit
des Standorts Deutschland abzeichnet,
spricht vieles für einen – wenn überhaupt –
begrenzten Einflusses des fiskalischen Wachstumsschubs
auf das Verarbeitende Gewerbe.
Fehlende Investitionen und Abwanderungen
belasten die Produktionskapazitäten am
Standort Deutschland – auch im kommenden
Jahr. Ohne tiefgreifende Reformen ist mit
hoher Wahrscheinlichkeit auch im Jahr 2026
von einem Rückgang oder bestenfalls von einer
Stagnation der Industrieproduktion auszugehen.
Für 2025 ergibt sich ein Produktionsrückgang
des Verarbeitenden Gewerbes von rund
1,5 %.
Ausblick für einzelne Branchen des
Verarbeitenden Gewerbes
Die Branchen des Verarbeitenden Gewerbes
zeigen weiterhin einen heterogenen Produktionsverlauf.
Während die Automobilindustrie
im Jahr 2025 nur einen leichten Rückgang
verzeichnen dürfte, fällt dieser bei der Chemie,
Metallindustrie und im Maschinenbau
deutlich stärker aus. Auftragseingänge deuten
zwar seit einiger Zeit auf eine Stabilisierung
hin. Am aktuellen Rand zeigt sich jedoch
eine erneute Spreizung der Indikatoren. So
scheint sich die Stimmung in der Chemieindustrie
erneut einzutrüben, während sich die
Auftragseingänge in der Elektroindustrie und
im Maschinenbau positiv entwickelt haben.
Die Prognosen für die einzelnen Branchen sind
mit hohem Risiko behaftet. Sowohl Nachfragewie
auch Angebotsthemen erhöhen die Unsicherheit,
und angesichts fehlender Reformen
ist das Prognoserisiko klar nach unten gerichtet.
Denn die Konjunktur wird für keine Impulse
bzw. Stimmungsaufhellung sorgen. Ohne tiefgreifende
Reformen gibt es kaum Ar-gumente,
warum der seit 2018 geltende negative Trend
im Verarbeitenden Gewerbe nicht anhalten
sollte (Prognose von -0,5 % für 2026). Wie Abb.
1 zeigt, könnte die fiskalische Stimulierung im
kommenden Jahr immerhin eine Bodenbildung
unterstützen. Auf Grund-lage einer erwarteten
Stabilisierung der Produktion des Verarbeitenden
Gewerbes zeigt Tabelle 1 die daraus folgenden
Prognosen für ausgewählte Branchen.
Mehr auf www.ikb.de
(RED)
LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S18
200 Mrd. Pakete in China
– Wie werden 12 bis 20
Pakete pro Haushalt und
Woche zugestellt
Die Infrastruktur für die Paketzustellung in
großen Mengen ist zu organisieren. Anbei ein
Leitfaden für Gesetzgeber und Regulierungsbehörden
zur Einführung der Zustellpflicht.
Die Vorbereitung auf eine Zukunft,
in der Haushalte routinemäßig 12
bis 20 Pakete pro Woche / Haushalt
erhalten, ist eine vielschichtige
Herausforderung, die visionäre Gesetzgebung,
strategische Investitionen und gemeinsames
Handeln erfordert. Durch die proaktive Organisation
der notwendigen Infrastruktur – und das
Lernen von internationalen Vorreitern wie China
– sowie die gleichzeitige Reaktion auf die digitale
Disruption in Europa, können Gesetzgeber
und Regulierungsbehörden sicherstellen, dass
die Vorteile des E-Commerce effizient, nachhaltig
und gerecht allen Mitgliedern der Gesellschaft
zugutekommen.
Das exponentielle Wachstum des E-Commerce
hat das Verbraucherverhalten grundlegend
verändert. Moderne Haushalte erwarten heute
schnelle, zuverlässige und häufige Paketzustellungen.
Prognosen sagen einen potenziellen
Bedarf an Infrastruktur für die Zustellung von
12 bis 20 Paketen pro Haushalt und Woche voraus.
Gesetzgeber und Regulierungsbehörden
stehen vor der dringenden Herausforderung,
nationale und lokale Systeme vorzubereiten
und anzupassen, um dieser Nachfrage gerecht
zu werden. Besonders ausgeprägt werden die
Umbrüche in den europäischen Paketzustellmärkten.
Dort setzen jene die enorme Zustellmengen
für die Zustellung in der EU konsolidieren
de-facto-Standards, die Zusteller auf der
letzten Meile zwingen sich diesen Standards zu
unterwerfen. Gleichzeitig wird in den kommenden
fünf Jahren mit einem jährlichen Wachstum
der Importmengen in die EU von 10 % gerechnet
(basierend auf den Paketmengen von 2024).
WALTER TREZEK
Die, mittlerweile marktbeherrschenden Mengenkonsolidierer
aus Fernost nutzen durchgängige
Digitalisierung und künstliche Intelligenz
(KI), um Effizienz und Effektivität drastisch
zu steigern. Dies zwingt den Gesetzgeber,
seine Regulierungsstrategien zu überdenken,
um diesen Wandel zu begleiten und nach
europäischen Rahmenvorgaben zu gestalten.
Dieser Artikel untersucht die wichtigsten Überlegungen
und praktischen Schritte zur Gestaltung
einer solch ambitionierten Zustellinfrastruktur.
Das Ausmaß der Herausforderung
frühzeitig einschätzen
Die wöchentliche Zustellung von 12 bis
20 Paketen an jeden Haushalt würde
einen grundlegenden Wandel in Logistik,
Stadtplanung und Umweltmanagement
bedeuten. Zum Vergleich: Ein
durchschnittlicher britischer Haushalt
(etwa doppelt soviel wie in Österreich)
erhält derzeit deutlich weniger
Pakete pro Woche (etwa 4 – 5 Pakete pro
Woche), sodass eine Ausweitung eine
umfassende Neukonzeption bestehender
Systeme erfordert. Die Herausforderung
geht über die reine Zustellung
hinaus und umfasst auch Verkehrsmanagement,
ökologische Nachhaltigkeit,
Datensicherheit und faire Arbeitsbedingungen.
Infrastrukturinvestitionen
und Stadtplanung
Um ein Paketaufkommen von 12 – 20
Warensendungen / Haushalt / Woche zu
bewältigen, sind erhebliche Investitionen
in die physische und digitale Infrastruktur
unerlässlich:
• Urbane Mikro-Hubs: Einrichtung dezentraler
Paketverteilzentren in städtischen
und vorstädtischen Gebieten, um eine
effiziente, vor allem aber konsolidierte
Zustellung auf der letzten Meile zu
ermöglichen, und dabei die verfügbare
Infrastruktur nachhaltig zu nutzen.
Gesetzliche Rahmenbedingungen
Der Gesetzgeber muss zunächst einen
zukunftsorientierten Regulierungsrahmen
schaffen, der Innovationen ermöglicht
und gleichzeitig das öffentliche
Interesse an einer notwendigen Infrastruktur
schützt, die in den kommenden
Jahren zunehmend Teil der Grundversorgung
der Bürger in jedem EU 27 wird.
Dazu gehören:
• Standardisierung der Zustellprozesse:
Einführung nationaler Standards für
Zustellfahrzeuge, Paketstationen und die
Logistik der letzten Meile, um Interoperabilität
und Effizienz zu gewährleisten.
• Datenschutz: Einführung robuster
Datenschutzgesetze zum Schutz der
Verbraucher angesichts der zunehmenden
Digitalisierung der Zustellsysteme.
• Arbeitsrecht: Gewährleistung fairer
Arbeitsbedingungen und Rechte für
Zusteller, insbesondere im Kontext der
Gig Economy.
• Umweltauflagen: Festlegung strenger
Emissionsstandards und Förderung des
Einsatzes von Elektro- oder emissionsarmen
Fahrzeugen in Paketzustellflotten.
#ECOMLOG25
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LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S20
Wer Interesse daran hat, den Europäischen Zustellmarkt aktiv mitzugestalten, kann
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• Intelligente Paketschließfächer: Bereitstellung
sicherer, allgemein zugänglicher Paketschließfächer,
direkt in den Wohnhäusern, aber
auch öffentlich zugänglich in Wohngebieten,
Einkaufszentren und öffentlichen Verkehrsknotenpunkten,
um Zustellungen und Abholungen
zu optimieren.
• Eigene Lieferzustellspuren: Neugestaltung
von Stadtstraßen mit eigenen Fahrspuren oder
Zeiten für Lieferzustellfahrzeuge, um Störungen
für andere Verkehrsteilnehmer zu minimieren.
• Verbesserte digitale Plattformen: Investition
in fortschrittliche Trackingsysteme und KIgesteuerte
Routenoptimierung, um die Liefereffizienz
und Transparenz für Verbraucher zu
maximieren.
• Internationale Best Practice –> Chinas Konsolidierungszentren:
China ist Vorreiter bei der
Nutzung von Konsolidierungszentren für die
Annahme und Sortierung von Paketen für die
Zustellung auf der letzten Meile. Diese Zentren
sind mit umfassender Scan- und Röntgentechnologie
ausgestattet, um sicherzustellen,
dass alle Pakete die steuerlichen Anforderungen
und Produktsicherheitsstandards erfüllen.
Entscheidend ist, dass diese konsolidierten
Pakete nahtlos mit der Zustellung auf der letzten
Meile verknüpft sind. Dabei kommt es nicht
zu einer Gleichschaltung der Zustelldienst, die
Kundenbindung und Marke des Kurier- oder
Expresszusteller bleibt erhalten, die die wichtige
Beziehung zum Endverbraucher pflegen
und auch die Kommunikation (via APPs / Smartphone),
wie die Zustellung an unbeaufsichtigte
Abgabestellen oder auch aus datengesteuerte
Retourenmanagement im Sinne der Konsumenten
steuern. Dieser Ansatz fördert nicht nur
die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und die
Sicherheit, sondern gewährleistet auch klare
Verantwortlichkeiten und Kundenservice in der
letzten Phase der Zustellung, ohne dabei den
Markenkern der Zustellbetreiber zu gefährden.
Umbrüche im europäischen Paketzustellmarkt
In Europa sehen sich Gesetzgeber zunehmend
mit Umbrüchen konfrontiert, da große Paketdienstleister
fortschrittliche Technologien, darunter
durchgängige Digitalisierung und KI, entlang
der gesamten Lieferkette implementieren.
Diese Digitalisierung ermöglicht es Anbietern,
de facto operative und technologische Standards
zu setzen und so Effizienz, Transparenz
und Reaktionsfähigkeit deutlich zu verbessern.
Der Gesetzgeber muss diesen Veränderungen
durch die Einführung flexibler Maßnahmen
einen Schritt voraus sein, um den digital
gestützten Europäischen Binnenmarkt und
seine Alleinstellung im Sinne aller Europäer zu
gewährleisten. (RED)
Der Kongress
für den
österreichischen
Handel
handelskolloquium.at
26.MÄRZ
HANDELS
KOLLOQUIUM
2026
APOTHEKERTRAKT
SCHLOSS
SCHÖNBRUNN
LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S22
Digitalisierung und
Logistik – bald ist der
Zug abgefahren
Im internationalen Vergleich hinken Österreichs
Unternehmen – insbesondere KMU –
bei der Digitalisierung stark hinterher.
ANGELIKA GABOR
Während Asien sowie die USA
schon lange Vorsprung haben,
überholen uns nun auch osteuropäische
Länder mit Leichtigkeit.
Das ist fatal für unsere Wirtschaft!
Warum wir schleunigst handeln müssen, erklärt
Thomas Mayr, CEO der LNConsult GmbH, im
Gespräch mit Logistik express.
Welche Vorteile bringt Digitalisierung mit sich,
generell und insbesondere im Bereich der
Logistik?
Digitalisierung steigert Effizienz, senkt Kosten
und schafft eine solide Datenbasis für strategische
Entscheidungen. Sie ermöglicht neue
Geschäftsmodelle und verbessert die Kundenerfahrung.
Im Bereich Logistik sind die Vorteile
besonders deutlich: Echtzeit-Tracking, automatisierte
Lagerprozesse, geringere Fehlerquote,
höhere Transparenz vor allem hinsichtlich
Prozesskosten. Nur so können Maßnahmen
zielgerichtet eingeleitet werden. All das führt in
weiterer Folge zu schnelleren Lieferketten und
mehr Nachhaltigkeit. Man bleibt wettbewerbsfähig
und nur darum geht es.
Was passiert, wenn man den Zug verpasst?
Unternehmen riskieren gravierende Wettbewerbsnachteile.
Studien zeigen, dass digitalisierte
Betriebe bis zu einem Drittel höheres
Umsatzwachstum erzielen. Wer nicht investiert,
verliert Marktanteile, arbeitet ineffizient und
wird langfristig weniger resilient gegenüber
Krisen. Leider ist dieses Bewusstsein bei KMUs
nicht ausreichend vorhanden.
Haben „altmodische“ Betriebe eine Chance?
Ja, wenn sie gezielt digitalisieren. Traditionelle
Stärken wie Qualität und Individualität können
durch digitale Tools ergänzt werden – etwa
Online-Vertrieb, CAD-gestützte Fertigung oder
IoT für Maschinenüberwachung. Digitalisierung
muss nicht alles verändern, sondern kann
punktuell Mehrwert schaffen.
THOMAS SPPHIE MAYR HERING
Welche Maßnahmen empfehlen Sie für 2026?
Unternehmen sollen und darüber hinaus eine
ganzheitliche Digitalisierungsstrategie verfolgen.
Dazu zählt zuallererst die strategische Ausrichtung:
Digitalisierung muss Teil der Unternehmensstrategie
sein, nicht nur ein IT-Projekt.
Die technologischen Schwerpunkte hierbei sollen
Hyperautomatisierung (KI + Robotik + Prozessautomatisierung),
Datenmanagement und
KI für intelligente Entscheidungen sein, wobei
Cybersecurity ein Muss darstellt. Ein weiterer
wichtiger Bereich ist die Mitarbeiterentwicklung
mit Fokus auf Investition in digitale Kompetenzen
und Change-Management. Natürlich
sollte man Digitalisierung stets gemeinsam
mit Nachhaltigkeit denken (Stichwort Twin
Transition). In puncto Flexibilität sorgen Cloud-
Lösungen und agile Prozesse für Resilienz. Kurz
gesagt: Digitalisierung ist Wachstums- und
Innovationsmotor – nicht Kostenfaktor!
Wie gehen Sie vor, wenn ein Unternehmen Sie
im Bereich Digitalisierung um Hilfe bittet?
Die Vorgehensweise umfasst drei Schritte:
eine Status- und Potenzialanalyse (Prozess- &
Daten Checks, Workshops auf operativer und
strategischer Ebene), gefolgt von einer Strategieentwicklung
(Roadmap, Prioritäten) und
zum Schluss die Umsetzung (Technologieauswahl,
Schulung, Integration). Nehmen wir als
Beispiel im Bereich Digitalisierung ein KMU mit
weniger als 20 Mitarbeitern – mit welchen Kosten
ist hier zu rechnen: Analyse & Strategie: ca.
2.000–3.000 €, Umsetzung (Software, Hardware,
Schulung): 15.000–30.000 €. Förderungen
können bis zu 30 % der Kosten decken
(best practise).
Haben Insolvenzen mit mangelnder Digitalisierung
zu tun?
Direkte Zahlen fehlen, aber Studien zeigen:
Unternehmen mit niedriger Digitalisierungsintensität
sind deutlich krisenanfälliger.
Digitalisierung erhöht Produktivität und Resilienz
– fehlende Investitionen steigern das
Risiko, gerade in volatilen Märkten. Auch auffällig:
die Marktanteile werden in der Regel von
anderen, innovativeren Unternehmen – oft aus
dem Ausland kommend – übernommen. Das ist
ein klares Indiz, dass wir in Österreich dringenden
Handlungsbedarf haben. Und es sind nicht
Märkte wie USA, China oder Indien, mit denen
wir uns vergleichen sollten, auch ein Großteil
der Länder in Osteuropa hat uns hinsichtlich
Digitalisierung bereits überholt – siehe das Baltikum,
Polen aber auch Tschechien als unmittelbarer
Nachbar.
Digitalisierung ist ein Wachstums- und
Innovationsmotor und kein Kostenfaktor!
Wo sehen Sie Handlungsbedarf? Wer hat den
größten Nachholbedarf und warum?
Noch liegt Österreich im internationalen Vergleich
im Mittelfeld – Tendenz jedoch leider
fallend Viele österreichische Betriebe haben
Nachholbedarf: begrenzte Budgets, fehlende
Fachkräfte und mangelnde strategische
Ansätze sind die Hauptgründe.
Was, wenn Mitarbeiter mit der Technik nicht
umgehen können, beispielsweise ältere Arbeitnehmer?
Muss man die Belegschaft ändern?
Ein Austausch der Belegschaft ist weder praktikabel
noch sinnvoll. Erfolgsfaktor ist gezielte
Weiterbildung und eine schrittweise Einführung
digitaler Prozesse. Altersgerechte Schulungen
und Mentoring-Programme sind entscheidend.
Ganz generell sehe ich, dass ein ausgewogener
Mix aus erfahrenen und jungen Kolleginnen und
Kollegen für den Erfolg eines Unternehmens
entscheidend ist. Erfahrung bringt Gelassenheit,
Kommunikationsstärke und strategische
Weitsicht, während junge Talente Dynamik,
Kreativität und frische Impulse einbringen.
Gemeinsam entsteht ein Team, das Stabilität
und Innovation vereint.
Was wäre seitens der Politik nötig, um Unternehmen
besser zu unterstützen?
Hierzu fallen mir gleich mehrere Punkte ein:
allen voran die Weiterentwicklung/Vereinfachung
von Förderprogrammen (Förderung
Digitalisierung KMU) und eine digitale Kompetenzoffensive
für Fachkräfte. Selbstverständlich
dürfen steuerliche Anreize für Investitionen
in Automatisierung und Digitalisierung nicht
fehlen. Wichtig ist Rechtssicherheit für KI und
Datenmanagement. Die Politik soll sich darauf
konzentrieren, stabile Rahmenbedingungen zu
schaffen, statt Mikromanagement zu betreiben.
Überregulierung, kurzfristiger Aktionismus
oder das Vorschreiben bestimmter Technologien
hemmen Innovation. Als Unternehmer
braucht man Planungssicherheit, Infrastruktur
und Anreize – nicht zusätzliche Bürokratie.
Danke für das Gespräch
LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S24
Die neue Ära der Lieferketten:
KI-getrieben,
vernetzt und strategisch
resilient
USA und China im Machtgefüge: Lieferketten
müssen strategisch flexibel sein und eine
klare Risikosteuerung haben.
Beim 3. International Supply Chain
Community Meeting (ISCM) des VNL
(Verein Netzwerk Logistik) im Schloss
Schönbrunn in Wien wurde in den
sehr intensiven Diskussionen deutlich, wie
sehr Technologie, geopolitische Dynamiken
und neue Kompetenzprofile die Zukunft globaler
Lieferketten prägen. Globale Lieferketten (=
Supply Chains) stehen vor einem tiefgreifenden
Strukturwandel. Geopolitische Rivalitäten zwischen
den USA und China erhöhen die Komplexität,
während Unternehmen widerstandsfähiger,
diversifizierter und strategisch flexibler
werden müssen. Ein Highlight der Veranstaltung
war der tiefgehende Einblick in moderne
digitale Supply-Chain-Architekturen. Gezeigt
wurde, wie KI, Automatisierung und Robotik
Planung, Steuerung und Netzwerkintegration
auf ein neues Niveau heben – von langfristigen
Bedarfsprognosen über digitale Zwillinge bis
hin zu hochdynamischen Fulfillment-Prozessen.
Der entscheidende Unterschied: Entscheidungen
werden konsequent vom Kundenbedürfnis
rückwärts gedacht. Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit
und Flexibilität stehen im Vordergrund,
während Mensch und Maschine als komplementäres
Team agieren – KI für Präzision und
Skalierbarkeit, Menschen für Ausnahmen, Kontext
und kontinuierliche Verbesserung. Der Blick
in die Zukunft verdeutlichte, dass moderne Lieferketten
sich zu End-to-End-gesteuerten, KIgestützten
Netzwerken entwickeln. Standardentscheidungen
werden automatisiert, während
Menschen sich auf Ausnahmen, strategische
Steuerung und Wertschöpfungsdesign konzentrieren.
Neue Rollen entstehen, Silos weichen
integrierten Prozesslandschaften, und Co-Creation
(d.h. die gemeinsame Entwicklung von Produkten,
Dienstleistungen oder Ideen) wird zum
entscheidenden Hebel für Geschwindigkeit und
Innovationskraft.
Zentrale Erkenntnis des ISCM 25
Die Lieferkette der Zukunft ist ein lernendes,
resilientes System. Sie verbindet KI mit menschlicher
Urteilskraft, Effizienz mit Nachhaltigkeit
und Datenintelligenz mit strategischem Weitblick.
Wer diesen Dreiklang beherrscht, schafft
nicht nur robuste, sondern wegweisende Wertschöpfungsnetzwerke.
Franz Staberhofer (ISCM-
Gründer, VNL-Obmann und ASCII-Vizepräsident)
resümierte über die Veranstaltung: „Das ISCM
Fotocredit: VNL
2025 hat eindrucksvoll gezeigt, wie sich die globale
Lieferkettenwelt verändert: Digitale Technologien,
Künstliche Intelligenz und nachhaltige
Strategien werden zum neuen Fundament
resilienter Supply Chains. Gleichzeitig verlangen
geopolitische Entwicklungen, neue Kompetenzprofile
und eine anspruchsvolle nächste Generation
von Fachkräften ein radikales Umdenken.
Wer jetzt vernetzt, datengetrieben und verantwortungsvoll
handelt, sichert die Wettbewerbsfähigkeit
von morgen. Supply Chain Management
verhindert nervöses Reagieren und bringt
Souveränität!“
Künstliche Intelligenz ist Motor
Der Themenblock „Künstliche Intelligenz und
Supply Chain Management“ zeigte beim ISCM
2025 eindrucksvoll, wie KI die Gestaltung
moderner Lieferketten revolutioniert. Anhand
aktueller Entwicklungen bei Amazon wurde
deutlich, welche Potenziale intelligente Systeme
heute freisetzen: Präzise Prognose-Algorithmen
erlauben es, Kundenbedarfe nahezu punktgenau
vorherzusagen, während digitale Zwillinge
eine virtuelle Echtzeitabbildung des gesamten
Logistiknetzwerks schaffen. Dadurch kann das
Unternehmen entlang der gesamten Supply
Chain dynamische, datenbasierte Entscheidungen
treffen und sein Lieferversprechen zuverlässig
einhalten.
David Schwendemann, Solutions Architecture
Manager Manufacturing bei Amazon Web Services
(AWS), und Carsten Koch, Global Account
Manager Groceries bei AWS, gaben Einblicke in
diese technologischen Fortschritte und zeigten,
welche Erfolgsfaktoren künftig über die Leistungsfähigkeit
digitaler Lieferketten entscheiden.
David Schwendenmann betonte: „Mit über
25 Jahren Erfahrung in der Anwendung von
Machine Learning optimiert Amazon kontinuierlich
kritische Supply-Chain-Funktionen wie
Nachfrageprognosen, Bestandsplatzierung und
Routenplanung für ein Netzwerk von mehr als
700 Logistikzentren weltweit. In Echtzeit werden
Millionen von Datenpunkten analysiert, um für
jede Kundenbestellung das optimale Fulfillment
Center auszuwählen und dabei sowohl Lieferversprechen
als auch Kosteneffizienz zu maximieren.
Diese fortschrittlichen ML-Modelle, die
auf AWS-Infrastruktur laufen, ermöglichen es
Amazon, täglich über 9 Milliarden Artikel termingerecht
auszuliefern und gleichzeitig den CO2-
Fußabdruck durch optimierte Fahrzeugauslastung
zu reduzieren. Die digitale Supply Chain
transformiert traditionelle, reaktive Lieferketten
in proaktive, selbstoptimierende Netzwerke,
indem sie fragmentierte Datensilos durch eine
einheitliche Datengrundlage ersetzt, manuelle
Entscheidungsprozesse durch KI-gestützte
Analysen automatisiert und isolierte Abteilungsprozesse
durch orchestrierte, funktionsübergreifende
Workflows verbindet. Das befähigt
Unternehmen, dass gleichzeitig Betriebskosten
gesenkt, Bestandsgenauigkeit erhöht und Kundenzufriedenheit
durch zuverlässigere Lieferversprechen
gesteigert werden.“
USA und China: Wirtschaftliche Rivalität
mit globalen Folgen
Beim ISCM 2025 wurde auch über die geopolitischen
Spannungsfelder zwischen den USA und
China sowie deren Bedeutung für europäische
Unternehmen diskutiert. Franz Rössler (österreichischer
Wirtschaftsdelegierter, AußenwirtschaftsCenter
Peking der Aussenwirtschaft
AUSTRIA) und Irene Lack-Hageneder (Regionalmanagerin
Nord und Lateinamerika, Aussenwirtschaft
AUSTRIA) gaben dabei einen umfassenden
Überblick über globale Markttrends und
die aktuelle wirtschaftliche Lage sowie deren
Auswirkungen auf das Supply Chain Management.
Im Mittelpunkt stand der Austausch von
Erfahrungen und Informationen sowie eine Diskussion
darüber, wie Unternehmen zentrale Herausforderungen
im Supply Chain Management
erfolgreich meistern können.
Irene Lack-Hageneder: „Die Neuausrichtung der
US-Handelspolitik und geopolitische Veränderungen
stellen globale Lieferketten und das
transatlantische Verhältnis vor neue Herausforderungen.
Die USA sind und bleiben aber trotz
Herausforderungen bedeutender und Handelspartner
mit Potential für österreichische Unternehmen.“
Franz Rößler: „China hat sich von der
billigen Werkbank der Welt zum Hub globaler
Wertschöpfungsketten weiterentwickelt, technologisch
will China führen, statt nur aufzuholen.
Für die österreichische Wirtschaft ist es umso
wichtiger, sich jetzt mit China als Wirtschaftspartner
zu beschäftigen. Mit über 30 % der Weltproduktion
und weiteren globalen Ambitionen
gibt es für die österreichische Wirtschaft keinen
anderen Weg, als sich mit dem Wirtschaftspartner
China zu beschäftigen, Trends zu verfolgen
und Partnerschaften oder eine Präsenz vor Ort
sicherzustellen.“
LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S26
Digitale Stärke als Schlüssel
Der Themenblock zur Digitalisierung des Supply
Chain Managements machte beim ISCM 2025
deutlich, dass digitale Technologien längst zu
einem strategischen Erfolgsfaktor geworden
sind. Echtzeitdaten, automatisierte Prozesse
und vernetzte Systeme gelten heute als Grundlage
für wettbewerbsfähige, widerstandsfähige
und agile Lieferketten. Unternehmen stehen vor
der Aufgabe, bestehende Strukturen kritisch zu
prüfen und die digitale Transformation konsequent
voranzutreiben. Im Fokus stand zudem
das Transportmanagement, vorgestellt von
Daniel Prutti, Vizepräsident Logistics Planning
und Procurement bei RHI Magnesita, der praxisnahe
Einblicke in aktuelle Entwicklungen und
notwendige Innovationsschritte gab. Insgesamt
verdeutlichte der Beitrag, dass digitale Transformation
im SCM nur dann Erfolg bringt, wenn
Technologie, Mensch und Prozess ganzheitlich
gedacht werden. Strategie, Akzeptanz und
interne Zusammenarbeit bestimmen den Fortschritt
– nicht das System allein.
Der VNL (Verein Netzwerk Logistik) ist mit
über 5.500 Mitgliedern das Wirtschaftsnetzwerk
im Bereich Logistik in Österreich.
Im Zentrum steht, die aktuellen und
zukünftigen Anforderungen an die Logistik
mit den korrespondierenden Lösungen aus
Forschungs- und Bildungseinrichtungen,
Unternehmen, Technologietransferstellen,
Technologiezentren und privaten Logistikgesellschaften
zusammenzubringen.
Der VNL organisiert jährlich über 60 Veranstaltungen
und über 50 Seminare,
nimmt laufend an nationalen und internationalen
Forschungsprojekten teil, tritt
beratend im institutionellen Bereich auf
und ist Gründungsmitglied des Supply
Chain Intelligence Institute Austria (ASCII).
Darüber hinaus unterstützt der VNL als
Gründungsmitglied die Dachmarke „AUS-
TRIAN LOGISTICS“, eine Initiative des Bundesministeriums
für Innovation, Mobilität
und Infrastruktur (BMIMI), welche die weltweit
erbrachten Leistungen österreichischer
Logistik hervorhebt. Der VNL vertritt
die Interessen der heimischen Logistik in
der European Logistics Association (ELA).
Next Generation
Haltung und Mut machen bei den SCM-Nachwuchskräften
den Unterschied. Im ISCM 2025
Programmschwerpunkt „Supply Chain Talents“
wurden zentrale Anforderungen an die nächste
Generation von Fachkräften im Supply Chain
Management vorgestellt. Eine Befragung von
SCM- Masterstudierenden im Auftrag des VNL
diente als Ausgangspunkt für eine lebhafte Diskussion,
die deutlich vor Augen führte: Fachwissen
allein reicht längst nicht mehr aus, um in
einem dynamischen Umfeld erfolgreich zu sein.
Entscheidend sind heute ein reflektiertes Mindset,
Lernbereitschaft, interkulturelle Zusammenarbeit
und die Fähigkeit, Verantwortung zu
übernehmen. Junge Talente müssen komplexe
Probleme analytisch erfassen, unterschiedliche
Perspektiven integrieren und Lösungen im
Sinne des gesamten Unternehmens entwickeln.
Besonders betont wurden Persönlichkeitsmerkmale
wie Entscheidungsstärke, Durchhaltevermögen,
Respekt, konstruktive Fehlerkultur
und Zuversicht – Fähigkeiten, die Teamdynamik
stärken und nachhaltige Leistungsfähigkeit
ermöglichen. Ebenso wichtig ist die Offenheit für
technologische Entwicklungen sowie der Wille,
Veränderungen aktiv mitzugestalten.
Die zentrale Erkenntnis: Erfolgreiche SCM-
Nachwuchskräfte zeichnen sich durch Mut,
Eigenverantwortung, Teamorientierung und eine
konsequent lösungsorientierte Haltung aus. Wer
neugierig bleibt, reflektiert handelt und Herausforderungen
beharrlich angeht, wird die Zukunft
der Lieferketten maßgeblich mitgestalten. Die
Befragung zeigte auch, dass die Supply-Chain-
Talente Orientierung suchen und sich von
potentiellen Arbeitgebern Entwicklungschancen
erwarten, wobei sie selbst eine hohe Leistungsbereitschaft
an den Tag legen. Die Mehrheit ist
bereit, mehr als 40 Stunden pro Woche zu arbeiten.
Trotz hoher Wertschätzung für Homeoffice
bevorzugen rund 60 % überwiegende Präsenzarbeit,
ergänzt durch flexible Remote-Optionen.
Nachhaltigkeit wird zwar positiv bewertet, hat
jedoch geringe Priorität bei der Arbeitgeberwahl.
Ausschlaggebend sind praktische Erfahrungen,
frühe Einblicke in Unternehmen und Formate wie
Praxisprojekte und Mentoring. Besonders wichtig
sind klare Karrierewege, moderne Arbeitskulturen
sowie ein Umfeld, das Innovation, Vertrauen
und Eigenverantwortung fördert. (RED)
Gestalten
Sie mit für mehr
Sichtbarkeit –
Frequenz –
Reichweite
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LOGISTIK express – Ihr
Marktplatz für News,
Innovationen und Trends.
LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S28
Young Logistics
Award 2025
Zentralverband Spedition & Logistik prämiert
nachhaltige und digitale Lösungen junger
Branchen-Talente.
Impulsgeber für eine nachhaltige
und innovative Logistik
Der Young Logistics Award motiviert Nachwuchskräfte,
innovative Lösungsansätze für
ökologische und ökonomische Herausforderungen
in der Logistik zu finden. Die Jury aus
Experten führender Unternehmen vergab die
Auszeichnungen an Projekte, die mit ihrer Praxisrelevanz,
Kreativität und Zukunftsfähigkeit
überzeugten. Geehrt wurden die Preisträger
von den beiden Vize-Präsident des
Zentralverbands, Wolfram Senger-Weiss und
Peter Umundum. Für beide zeigen die eingereichten
Projekte eindrucksvoll, wie viel Innovationskraft,
Engagement und Zukunftsorientierung
in unserer Branche steckt und wie viel
analytische Tiefe und Fähigkeit zu praxisnahen
Lösungen die Teilnehmenden aufweisen. Die
zehnköpfige, aus führenden Unternehmern und
Wissenschaftlern bestehende Jury wählte drei
Projekte aufs Podest:
Drei herausragende Projekte wurden
heute mit dem Young Logistics
Award 2025 für ihre ökologischen
und ökonomischen Ansätze ausgezeichnet.
Der Zentralverband Spedition &
Logistik würdigt damit erneut die Innovationskraft
junger Experten in der Logistikbranche.
Eine wegweisende Plattformlösung zur europäischen
Lieferkettengesetzgebung, eine digitale
Plattform zur Fachkräfteentwicklung und
ein Konzept zur Reduktion von Verpackungsabfällen
im E-Commerce zeigen, wie Zukunftskompetenz
und Nachhaltigkeit in der Logistik
erfolgreich verbunden werden können.
1. Platz: Plattformlösung zur
Europäischen Lieferkettengesetzgebung
Den ersten Platz erzielten Michael Friesinger
(29.07.1998) und Moritz Trefzger (27.09.2000)
von Kühne + Nagel in Wundschuh, die mit
„ClearTrace Consulting“ eine innovative Plattformlösung
zur Umsetzung der europäischen
Lieferkettengesetzgebung entwickelt haben.
Die Plattform soll Unternehmen dabei unterstützen,
die komplexen Anforderungen des
Lieferkettengesetzes effizient zu erfüllen und
ihre Nachhaltigkeitsziele transparent zu dokumentieren.
Die Bündelung von Informationen,
automatisierte Prüfprozesse und eine benutzerfreundliche
Oberfläche führen zu einer
erheblichen Zeit- und Kostenersparnis. Gleichzeitig
trägt die Plattform dazu bei, ökologische
und soziale Standards in der gesamten
Wertschöpfungskette zu verbessern.
„Mit unserer Lösung möchten wir Unternehmen
dabei unterstützen, die gesetzlichen
Vorgaben nicht nur einzuhalten,
sondern aktiv zur nachhaltigen Transformation
der Branche beizutragen“, so die
Preisträger.
2. Platz: Digitale Plattform
für Fachkräfteentwicklung
Den zweiten Rang belegte Lisa Osterland,
(20.02.1999) von Gebrüder Weiss,
Salzburg, mit dem Projekt „360 SkillHub“,
einer digitalen Plattform zur gezielten
Entwicklung und Qualifizierung von
Fachkräften in der Logistikbranche.
Die Plattform bietet Unternehmen und
Beschäftigten maßgeschneiderte Weiterbildungsangebote,
digitale Lernmodule
und Vernetzungsmöglichkeiten mit
Branchenexpert:en.
Besonderes Augenmerk legte die Gewinnerin
auf die Förderung von Kompetenzen
im Bereich Automatisierung und
Integration – zwei Schlüsselfaktoren für
die Zukunftsfähigkeit der Branche. Damit
leistet „360 SkillHub“ einen wichtigen
Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs
und zur erfolgreichen Bewältigung
des strukturellen Wandels in der Logistik.
Die Jury lobte insbesondere den praxisorientierten
Ansatz und die flexible Einbindung
neuester Technologien in die
Aus- und Weiterbildung.
verschicken – mit QR-Codes oder RFID-
Tags und der klaren Botschaft „Return
Me“ versehen. Kundinnen und Kunden
können die Mehrwegverpackungen
bequem bei Abholstationen, Kurier-Pick-
Up-Points oder bei Partnerunternehmen
zurückgeben. Die gesammelten Behälter
werden in regionalen Hubs gereinigt,
geprüft und für den nächsten Versand
vorbereitet. Die Rückführungslogistik
wird dabei nahtlos in bestehende Lieferketten
integriert. (RED)
Gestalten
Sie mit für mehr
Sichtbarkeit –
Frequenz –
Reichweite
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Innovationen und Trends.
3. Platz: Skalierung von Mehrwegverpackungen
im E-Commerce
Laut europäischer Verpackungsverordnung
müssen bis 2030 mindestens
10 Prozent und bis 2040 schon 40 Prozent
der Verpackungen im E-Commerce
wiederverwendbar sein. Genau
hier setzt das Projekt „Scaling Reusable
Packaging in E-commerce“ von Zsófia
Molnár (29.03.1996), Moustafa Soliman
(08.07.1999) und Johann Tiefenbacher
(12.10.1996) von Amazon Transport Austria
in Wien an: Mit einem skalierbaren und
nachhaltigen Mehrwegverpackungssystem
soll der Online-Handel Sendungen in
robusten, leichten, aus recyceltem Material
hergestellten Transportbehältern
LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S30
BERND KRATZ
Generation Z in der
Logistik – Effizientes
Zusammenspiel der
Generationen
Die Logistikbranche befindet sich im Umbruch
– digital, ökologisch und gesellschaftlich.
In-mitten dieses Wandels tritt die Generation
Z auf den Arbeitsmarkt. Geboren zwischen
ca. 1995 und 2010, bringt sie neue Werte,
Erwartungen und Kompetenzen mit.
Unternehmen stehen nun vor der
Aufgabe, diese Generation sinnvoll
zu integrieren – nicht nur, um
dem Fachkräftemangel zu begegnen,
sondern auch, um von ihrem Potenzial zu
profitieren. Be-sonders in der Logistik, einem
Bereich, der auf Effizienz, Geschwindigkeit, Vernetzung
und hoher Produktivität angewiesen
ist, kann das Zusammenspiel der Generationen
zum Erfolgs-faktor werden.
In welchem Umfeld entwickelt
sich die Generation Z ?
Die Generation Z ist die erste Generation, die
vollständig mit digitaler Technologie aufgewachsen
ist. Wissenskultur ist kein individueller
Vorteil mehr, sondern für sie ist Wissen
jederzeit und überall verfügbar – das Smartphone
ist ihr ständiger Begleiter und Zugangspunkt
zu Informationen. Künstliche Intelligenzdient
als all-täglicher Wissenslieferant. Das
bedeutet aber auch: Klassisches Fachwissen
hat an Alleinstellung verloren – entscheidender
ist, wie schnell und intelligent Informationen
genutzt werden können. Das Erlangen von Wissen
verändert sich signifikant Inhalte werden
häufig aus sozialen Netzwerken konsumiert:
Kurze Videoformate von 30 bis 90 Sekunden
(TikTok, Instagram Reels) prägen die Informationskultur.
Gleichzeitig steigt die Gefahr von
Fake-Information und manipulativen Inhalten.
Die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage
wirkt zusätzlich belastend: Klimakrise, Kriege,
Inflation, politische Polarisierung – all das führt
bei vielen jungen Menschen zu Zukunftsängsten.
Die Konsequenz: Generation Z will im Jetzt
leben. Die Zukunft erscheint zu ungewiss, um
auf sie hinzuarbeiten, wie es frühere Generationen
taten.
Erwartungen der Generation Z
Die Generation Z stellt neue Anforderungen an
die Arbeitswelt. Im Mittelpunkt steht die Sinnhaftigkeit
– sowohl des Lebens als auch der
Arbeit. Arbeit ist kein Selbstzweck mehr, sondern
muss zum persönlichen Werteverständnis
passen.
Kernwerte und Erwartungen
• Sinnhafte Tätigkeit: Arbeit soll gesellschaftlich
oder ökologisch relevant sein
• Work-Life-Balance: Freiräume zur Selbstverwirklichung
sind essenziell
• Nachhaltigkeit: Unternehmen müssen heute
umweltbewusst, als auch verantwortungsvoll
handeln
• Diversität: Unterschiedlichkeit wird nicht nur
akzeptiert, sondern aktiv gefordert
• Selbstbestimmung: Kontrolle über Arbeitszeit,
-ort und -weise ist evident
• Flache Hierarchien: Offene Kommunikation
statt Top-down-Strukturen
• Regelmäßiges Feedback: Persönliche Weiterentwicklung
steht im Vordergrund
Besonders relevant in der Logistik: Die Erwartung
nach Flexibilität. Die Klassische 5-Tage-
Woche oder starre Arbeitszeiten stoßen bei
vielen jungen Menschen auf Ablehnung.
Home-office, Remote Work und digitale Tools
zur Zusammenarbeit sind daher keine „Extras“
mehr, sondern Grundvoraussetzung für Attraktivität
als Arbeitgeber.
Digitale Kompetenzen als Chance
Trotz (oder gerade wegen) ihrer hohen Anforderungen
bringt die Generation Z wertvolle
Fähigkeiten mit, die in der Logistik dringend
gebraucht werden:
• Digital Natives: Sie denken und arbeiten
selbstverständlich vorrangig digital
• Offen für Innovationen: Neue Tools, Apps
und Prozesse werden schnell angenommen
Veränderungsfreude: Strukturen hinterfragen?
Kein Problem – sondern Motivation
• Projektarbeit steht im Fokus: Kurze, agile
Teams mit konkreten Zielen sind ihre Stärke
• Kurze Entscheidungswege: Sie bevorzugen
pragmatische und schnelle Lösungen
Diese Eigenschaften können besonders bei
digitalen Transformationsprozessen, Prozessopti-mierungen
und dem Relaunch eingefahrener
Strukturen wertvolle Impulse liefern. Generationsübergreifende
Zusammenarbeit:
Der Schlüssel zum Erfolg
Damit die Potenziale der Generation Z wirken
können, braucht es ein effizientes Zusammen-spiel
der Generationen. Die Logistik vereint
heute Babyboomer, Generation X, Y und
Z in einem Unternehmen – jede mit eigenen
Stärken und Perspektiven. Daraus resultieren
wesent-liche Erfolgsfaktoren für ein generationenübergreifendes
Miteinander: Austausch auf
Augenhöhe statt Konfrontation; Mentoring in
beide Richtungen (Reverse Mentoring); Transparente
Kommunikation und gemeinsames
Zielverständnis; Platz für neue Ideen, ohne die
Erfahrung älterer Generationen zu entwerten.
Eine lernbereite Unternehmenskultur, die Fehler
erlaubt und Neugier fördert, wird dabei zum
Wettbewerbsvorteil. In einer hochdynamischen
Branche wie der Logistik ist es entscheidend,
Denkweisen zu integrieren, die flexibel, digital
und zukunftsgerichtet sind – genau hier liegt
die Stärke der Generation Z.
Unternehmen, die sich auf die Generation Z
einlassen und die Arbeitswelt entsprechend
gestalten, profitieren nicht nur im Recruiting,
sondern auch im Transformationsprozess. Die
Zukunft gehört jenen Organisationen, die nicht
nur „Multigenerationenbetriebe“ sind, sondern
ein echtes Miteinander schaffen: Fördern und
Integration des andersartigen und innovativen
Denkens und Handelns innerhalb einer sich
hoch-dynamisch verändernden Welt.
(RED)
LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S32
Checkliste Fachkräftevermittlung
– Woran
Unternehmen seriöse
Anbieter erkennen
Der Bedarf an internationalen Fachkräften
steigt rasant – und mit ihm auch die Zahl der
Vermittlungsagenturen, die schnelle Lösungen
versprechen. Doch wo Unternehmen
Unterstützung dringend brauchen, sind Fehlentscheidungen
besonders teuer.
Undurchsichtige Prozesse, fehlende
Nachbetreuung und unrealistische
Versprechungen seitens der
Vermittler können Betriebe letztlich
Geld, Vertrauen und Stabilität kosten.
Das österreichische Unternehmen Talent &
Care, das sich auf die nachhaltige und faire
Vermittlung internationaler Fachkräfte spezialisiert,
macht auf die wachsenden Qualitätsunterschiede
in der Branche aufmerksam
und erklärt, wie sich bei Anbietern in
diesem Bereich die Spreu vom Weizen trennt.
In der internationalen Fachkräftevermittlung
wächst der Druck auf Unternehmen, schnell
passende Lösungen zu finden. Viele Betriebe
sehen sich mit Personalengpässen konfrontiert
und greifen deshalb auf externe Anbieter
zurück, die versprechen, den Vermittlungsprozess
einfach und effizient zu gestalten. Doch die
Realität zeigt, dass Qualität und Zuverlässigkeit
in diesem Bereich stark variieren. Während
einige Vermittlungsunternehmen mit klaren
Strukturen und nachhaltigen Konzepten arbeiten,
fehlt es anderen an Erfahrung, Transparenz
oder Verantwortungsbewusstsein. Die Folge
sind Enttäuschungen auf beiden Seiten – bei
den Betrieben ebenso wie bei den Fachkräften
selbst. „Wer nur auf Geschwindigkeit und
niedrige Preise achtet, riskiert langfristig hohe
Folgekosten – finanziell wie auch menschlich“,
warnt Frederic Metlewicz, Geschäftsführer von
Talent & Care.
FREDERIC METLEWICZ
Check 1: Transparenz als Grundstein für Vertrauen
Der erste Blick auf einen Anbieter in der Fachkräftevermittlung
sagt oft wenig über dessen
tatsächliche Arbeitsweise aus. Viele Firmen
verlassen sich auf ansprechende Präsentationen
und vermeintlich einfache Lösungen,
ohne die dahinterliegenden Prozesse genau zu
prüfen. Entscheidend ist jedoch, wie transparent
ein Anbieter mit seinen Abläufen umgeht.
Unternehmen sollten verstehen können, wie
Kandidaten angeworben, vorbereitet und in den
Betrieb integriert werden – einschließlich der
Sprachförderung und der rechtlichen Rahmenbedingungen.
Verträge müssen klar formuliert,
Kosten nachvollziehbar und Leistungen eindeutig
definiert sein. Metlewicz erklärt: „Seriöse
Anbieter zeichnen sich auch dadurch aus, dass
Foto: Neura Robotics
sie nicht alles versprechen. Wer offen darüber
spricht, was realistisch ist – und was nicht –,
schafft Glaubwürdigkeit und vermeidet spätere
Enttäuschungen.“ Zudem macht er klar, dass ein
seriöser Partner kein Problem damit hat, Einblick
in seine Abläufe zu geben und auch über
mögliche Herausforderungen offen zu sprechen:
„Diese Transparenz ist der erste Beweis
für Professionalität und Verlässlichkeit.“
Check 2: Haltung und Verantwortung
für Menschen
Internationale Fachkräftevermittlung ist weit
mehr als Personalbeschaffung – sie bedeutet,
Menschen auf einem anspruchsvollen Weg zu
begleiten. Seriöse Anbieter handeln daher nach
klaren ethischen Grundsätzen, übernehmen
Verantwortung und stellen sicher, dass keine
versteckten Gebühren oder Abhängigkeiten
entstehen. Eine gute Vermittlung beginnt lange
vor der Ankunft am neuen Arbeitsplatz: durch
Sprachkurse, interkulturelle Vorbereitung und
eine transparente Kommunikation mit den
zukünftigen Arbeitgebern. Gerade beim Thema
Sprache zeigt sich, wie sorgfältig Anbieter tatsächlich
arbeiten. Deutsch ist keine einfache
Sprache – und Zertifikate allein sagen oft wenig
über das tatsächliche Niveau aus.
Seriöse Agenturen prüfen das Sprachlevel aktiv
vor der Anreise und stellen sicher, dass Fachkräfte
sprachlich gut vorbereitet sind. Ebenso
wichtig ist es, dass sich Unternehmen und
Fachkräfte bereits im Vorfeld begegnen können.
Talent & Care setzt hier auf frühzeitigen
Austausch, etwa über Videogespräche zwischen
Betrieben und Kandidaten. „Je besser
sich beide Seiten kennenlernen, desto stabiler
ist die Zusammenarbeit später“, erklärt Metlewicz.
Unternehmen sollten zudem prüfen,
ob der Anbieter langfristig erreichbar bleibt
und echte Betreuung anbietet – nicht nur bis
zur Vertragsunterschrift. Diese Haltung unterscheidet
nachhaltige Vermittlung von bloßem
Personaldeal.
Check 3 – Nachhaltiges Denken
und realistische Zugänge
Ob eine Fachkräftevermittlung erfolgreich ist,
zeigt sich erst nach dem Arbeitsbeginn. Fehlende
Betreuung oder unrealistische Erwartungen
führen häufig dazu, dass Projekte und
Arbeitsverhältnisse scheitern, noch bevor sie
sich richtig entfalten konnten. Seriöse Anbieter
begleiten sowohl die Fachkräfte als auch die
Betriebe über Monate hinweg – mit Ansprechpartnern,
Feedbackgesprächen und praktischer
Unterstützung bei der Integration und im Alltag.
Diese Begleitung ist kein Zusatzservice, sondern
zentraler Teil der Qualitätssicherung. Metlewicz
betont, dass nachhaltige Vermittlung nur
dann möglich ist, wenn alle Beteiligten sich gut
aufgehoben fühlen und das dauerhaft. Wichtig
sei auch, Versprechungen kritisch zu prüfen:
Wer mit extrem kurzen Vermittlungszeiten oder
tausenden verfügbaren Kandidaten wirbt, kann
selten Qualität liefern. Die internationale Rekrutierung
von Fachkräften ist komplex, erfordert
Erfahrung, Geduld und gute Planung. „Wer
nachhaltige Ergebnisse will, braucht Geduld,
Offenheit und den Mut, Prozesse konsequent zu
begleiten“, sagt Metlewicz. Eine Vermittlungsagentur
sollte nicht nur im Interesse Einzelner,
sondern im Sinne des Gemeinwohls denken
und handeln, ist er überzeugt.
Check 4 – Qualität der Zusammenarbeit
Trotz professioneller Außendarstellung lassen
sich unseriöse Anbieter oft an typischen
Mustern erkennen. Übertriebene Erfolgsversprechen,
unklare Vertragsbedingungen oder
auffällig niedrige Preise sind deutliche Warnsignale.
Doch nicht nur die Angebote selbst verdienen
Aufmerksamkeit – auch die Zusammenarbeit
sagt viel über die Qualität des Partners
aus. Seriöse Vermittler legen Wert auf offene
Kommunikation, realistische Erwartungen und
eine enge Abstimmung mit den Betrieben. Sie
beziehen Unternehmen aktiv in den Prozess
ein, erklären jeden Schritt nachvollziehbar und
reagieren transparent auf Rückfragen.
Zudem sollten sich Unternehmen nicht scheuen,
Referenzen einzuholen und mit bisherigen Kunden
ins Gespräch zu kommen. Erfahrungsaustausch
und Einblicke aus der Praxis sind oft
der beste Gradmesser für Verlässlichkeit und
Qualität. „Ein offener Austausch mit anderen
Betrieben ist oft die beste Qualitätskontrolle“,
rät Metlewicz. „Seriöse Partner werden Ihnen
nie etwas verbergen müssen – weder in der
Kommunikation noch in den Ergebnissen.“
(RED)
Talent & Care ist ein auf
internationale Fachkräftevermittlung
spezialisiertes
Unternehmen mit
Sitz in Wien. Der Fokus
liegt auf einer nachhaltigen
und seriösen Rekrutierung
von Pflege- und
Industriefachkräften, die
Betrieben im deutschsprachigen
Raum langfristige
Lösungen für
Personalengpässe bietet.
Besonderer Wert wird
auf Transparenz, Qualität
und faire Bedingungen
gelegt. Mehr unter:
www. talentandcare.at
LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S34
Transportmanagement
gewinnt an strategischer
Bedeutung: Wachstum
und KI treiben
Investitionen voran
Descartes Systems Group veröffentlicht
neunte Benchmark-Studie: 81 Prozent der
Verlader und Logistikdienstleister werten
Transportmanagement als Wettbewerbsvorteil
– die strategische Relevanz erreicht ein
Rekordniveau.
Die Descartes Systems Group, der
weltweit führende Software-asa-Service-Anbieter
für Logistikunternehmen,
hat die Ergebnisse
ihrer neunten jährlichen globalen Benchmark-
Umfrage zum Transportmanagement veröffentlicht.
Die Studie zeigt, dass 81 Prozent der
über 600 befragten Verlader und Logistikdienstleister
Transportmanagement als Differenzierungsmerkmal
oder strategischen Wettbewerbsvorteil
betrachten. Das ist der höchste
Wert seit Beginn der Studie und zeigt, wie stark
Transportmanagement inzwischen zur Unternehmensentwicklung
und zur Zufriedenheit der
Kunden beiträgt. Gleichzeitig sinkt der Anteil
derjenigen, die Transport lediglich als Basisdienstleistung
oder als unwichtig einstufen, auf
19 Prozent und erreicht damit den niedrigsten
Stand seit Beginn der Erhebung.
„Die diesjährige Befragung zeigt deutlich, dass
der Transport in den Unternehmen nicht mehr
nur als Kostenfaktor gesehen wird, sondern
immer stärker als strategischer Treiber für
Kundennutzen und Geschäftswachstum“, sagt
Mike Hane, Direktor für Produktmarketing im
Bereich Transportmanagement bei Descartes
und ergänzt: „Dieser Wandel wird laut den Studienergebnissen
durch verstärkte Investitionen
in Transportmanagementsysteme (TMS) unterstützt:
Die Unternehmen streben an, Automatisierung
und KI noch stärker in ihre Transportmanagementprozesse
zu integrieren, um die
Leistung und Wertschöpfung zu steigern.“
MIKE HANE
Obwohl die befragten Spediteure und Logistikdienstleister
TMS zunehmend als essenzielle
Lösung in modernen Technologielandschaften
anerkennen, bestehen nach wie vor erhebliche
Lücken bei Automatisierung und digitaler Reife.
Nur 17 Prozent der Befragten haben ihre Abläufe
vollständig automatisiert, während über ein
Drittel stark oder überwiegend auf manuelle
Prozesse angewiesen ist. Diese digitale Kluft ist
besonders ausgeprägt zwischen Unternehmen
mit branchenweit führender Finanzleistung (51
Prozent vollständig automatisiert) und solchen
mit unterdurchschnittlicher Finanzleistung
(fünf Prozent vollständig automatisiert). Letztere
liegen in den Bereichen Automatisierung,
KI-Nutzung und Wachstumserwartungen deutlich
zurück.
Beim Einsatz generativer KI zeigt sich ein sehr
hohes Aktivitätsniveau: 96 Prozent aller Befragten
nutzen diese in ihren Betriebsabläufen. Die
drei häufigsten Anwendungsfälle sind Dateneingabe
(41 Prozent), Routen- bzw. Ladungsoptimierung
(39 Prozent) und KI-gestützte
Frachtprognosen sowie die automatisierte
Ladungszuordnung beziehungsweise Kapazitätsplanung
(jeweils 35 Prozent). Die wenigen
Unternehmen (vier Prozent), die generative KI
nicht nutzen, ordnen Transportmanagement
eher als Pflichtfunktion ein und erwarten in den
kommenden zwei Jahren mit höherer Wahrscheinlichkeit
geringeres bis kein Wachstum.
Weitere zentrale Ergebnisse der Studie umfassen
steigende TMS-Investitionen, mehr Fokus
auf Sicherheit sowie positive Wachstumsaussichten:
80 Prozent der Befragten planen
höhere IT-Ausgaben für TMS mit Schwerpunkten
auf Performance-Management, Transparenz
und Flottensteuerung. Die Überwachung
von Spediteuren und Frachtführern (Versicherung,
Sicherheit, Betrugsprävention) zählt zu
den wichtigsten TMS-Funktionen, wobei die
Befragten aus Nordamerika diese Funktion um
sieben Prozent höher gewichten als ihre europäischen
Kollegen. Insgesamt erwarten 72 Prozent
der Unternehmen innerhalb der nächsten
zwei Jahre ein jährliches Umsatzwachstum von
mindestens fünf Prozent.
Für die Studie befragten Descartes und SAPIO
Research 616 Teilnehmende, die zu gleichen
Teilen aus Logistikdienstleistern (Makler, Spediteure
und 3PL-Anbieter) und Verladern (Herstellern,
Händler und Einzelhändler) bestehen
und einer Vielzahl unterschiedlicher Branchen
angehören. Ziel der Umfrage war es, die aktuelle
Rolle des Transportmanagements einzuschätzen,
die wirkungsvollsten Technologien
und Wettbewerbsstrategien zu identifizieren
und einen Ausblick auf zukünftige Investitionen
in Transport-IT zu geben. Die Befragten kamen
aus den USA, Kanada und Westeuropa.
(RED)
LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S36
China bleibt
Wachstumsmarkt
Während Ökonomen die jüngsten Wirtschaftsdaten
Chinas als Zeichen einer konjunkturellen
Abkühlung deuten, blickt das
Logistikunternehmen Gebrüder Weiss optimistisch
in die Zukunft.
Anders stellt sich das Bild bei Gebrüder Weiss
dar: Durch den Ausbau der Lagerlogistik inklusive
Speziallösungen im Bereich E-Fulfillment
bzw. E-Commerce gewann das Unternehmen
neue Kunden und präsentiert sich am Markt
erfolgreich als Full-Service-Logistiker. Zu den
wichtigsten Branchen zählen die Automobil-,
Maschinenbau- und Elektronik-Industrie.
Das Geschäftsjahr 2024 schloss Gebrüder
Weiss in Greater China mit einem Umsatz von
rund 330 Millionen Euro ab. Das entspricht
einem Zuwachs von 24 Prozent gegenüber dem
Vorjahr (2023: 265 Millionen Euro). Besonders
stark entwickelt sich weiterhin der grenzüberschreitende
E-Commerce: 2024 versandte
Gebrüder Weiss Express China 25 Millionen
Pakete für große Online-Shops nach Europa, das
Vereinigte Königreich, Kanada, Australien und
Neuseeland. Die Europäische Union bleibt der
Hauptmarkt und stärkster Wachstumstreiber.
„Unser stabiles Wachstum unterstreicht die
strategische Bedeutung des chinesischen
Marktes für Gebrüder Weiss und zeigt, wie
erfolgreich wir uns weiterentwickelt haben“,
sagt Yongquan Chen, General Manager von
Gebrüder Weiss China. „Wir sind in der Luft- und
Seefracht stark, genauso aber auch bei multimodalen
Transportlösungen, Bahnverkehren
und in der Lagerlogistik, wo wir individuelle
Lösungen schnell und präzise umsetzen.“
YONGQUAN CHEN
Die chinesische Landesorganisation
bleibt 2025 ein Garant für Umsatzwachstum.
Besonders der boomende
E-Commerce-Sektor treibt
die positive Entwicklung voran.
Das chinesische Bruttoinlandsprodukt wuchs
im 3. Quartal 2025 um 4,8 Prozent und damit
langsamer als noch im Frühjahr (5,2 Prozent).
Handelskonflikte mit den USA, schwache
Inlandsnachfrage und der kriselnde Immobiliensektor
bremsen die Wirtschaftsdynamik.
Gebrüder Weiss ist seit über 30 Jahren in China
aktiv, eröffnete 1992 das erste Büro in Shanghai.
Schnell folgten Niederlassungen in allen
wichtigen Hafenstädten und Wirtschaftsmetropolen.
In Qingdao, dem viertgrößten Containerhafen
der Welt, feierte man gerade 30-jähriges
Jubiläum. Peking sowie die Hafenstädte
Tianjin (größter Hafen Nordchinas) und Ningbo
(drittgrößter Containerhafen der Welt) sind seit
25 Jahren Teil des chinesischen Netzwerks von
Gebrüder Weiss. Insgesamt umfasst die Organisation
in Greater China 19 Standorte mit mehr
als 450 Mitarbeitenden. In den kommenden
Jahren möchte Gebrüder Weiss China weiter
in die Bereiche Elektromobilität und Automatisierung
investieren, um durch nachhaltige
Logistiklösungen und innovative Services neue
Wachstumsimpulse zu setzen.
(RED)
#ECOMLOG26
ECOM-
LOG26
E-COMMERCE
LOGISTIK-DAY
SAVE THE DATE:
26.09. 2026
LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S38
DHL setzt auf KI-Agenten
von HappyRobot
DHL Supply Chain intensiviert die Zusammenarbeit
mit HappyRobot um wiederkehrende
Kommunikationsprozesse weltweit zu automatisieren.
DHL Supply Chain nutzt die KI-Agenten von HappyRobot
bereits erfolgreich in mehreren Regionen
und in verschiedenen Anwendungsbereichen,
etwa für Terminvereinbarungen, Rückrufe
bei Fahrern sowie die Koordination besonders
dringlicher Lagerprozesse. Die Künstliche Intelligenz
übernimmt dabei selbstständig Telefonund
E-Mail-Kommunikation und ermöglicht
schnellere, in sich schlüssige und besser skalierbare
Abläufe.
Strategischer Einsatz von Künstlicher Intelligenz
bei DHL Supply Chain
„Im Rahmen unseres strukturierten, strategischen
Ansatzes zur Nutzung von Künstlicher
Intelligenz identifizieren und prüfen wir seit
über 18 Monaten systematisch Anwendungsfälle
für generative und agentenbasierte KI-
Technologien“, erklärt Sally Miller, CIO von DHL
Supply Chain. „Aufbauend auf unseren umfassenden
Erfahrungen in den Bereichen Datenanalytik,
robotergestützter Prozessautomatisierung
und selbstlernenden Softwarelösungen
integrieren wir nun KI-Agenten, um Prozesse
für unsere Kunden noch effizienter zu gestalten
und gleichzeitig die Arbeitsprofile für unsere
Mitarbeitenden attraktiver zu machen - etwa
durch die Automatisierung repetitiver und zeitintensiver
Aufgaben wie manuelle Dateneingabe,
Routine-Terminplanung oder standardisierte
Kommunikation.“
Die DHL Group, weltweit führender
Logistikdienstleister, treibt ihre
konzernweite Strategie im Bereich
Künstlicher Intelligenz (KI) weiter
voran. Im Rahmen einer neuen Partnerschaft
zwischen der Kontraktlogistiksparte DHL Supply
Chain und dem KI-Startup HappyRobot wird
der Einsatz autonom handelnder KI, sogenannter
Agentic AI, ausgebaut. Ziel ist es, einerseits
den Kundenservice weiter zu verbessern und
andererseits Mitarbeitenden durch attraktivere
Jobs stärker an das Unternehmen zu binden.
Die eingesetzten KI-Agenten bearbeiten derzeit
schon Hunderttausende E-Mails und Millionen
von Gesprächsminuten jährlich. Sie
unterstützen zentrale Prozesse wie Terminvereinbarungen,
Statusabfragen im Transport
sowie die Koordination kritischer Lageraktivitäten
und helfen Teams dabei Kommunikation
in großem Umfang richtig zu managen. Indem
sie Routineinteraktionen übernehmen, schaffen
die KI-Agenten Freiräume für die Mitarbeitenden,
damit sie sich auf die Behandlung von
Ausnahmefällen, individuelle Kundenanliegen
und andere wertschöpfende Kommunikation zu
konzentrieren.
KI-Agenten in der betrieblichen Anwendung
Die bisherigen Einsätze zeigen bereits Wirkung:
Der manuelle Aufwand konnte signifikant
reduziert und die Reaktionsgeschwindigkeit
erhöht werden, während sich die Mitarbei-
tenden verstärkt strategischen Aufgaben und
der Bearbeitung von Ausnahmefällen widmen
konnten. Durch diese Art der Automatisierung
tragen KI-Agenten wie die von HappyRobot
dazu bei, schnellere und kundenorientiertere
Services zur Verfügung zu stellen - und verbessern
gleichzeitig den Arbeitsalltag der Mitarbeitenden,
was zur langfristigen Mitarbeiterbindung
beiträgt.
„Bei DHL Supply Chain stehen die Mitarbeitenden
im Mittelpunkt unseres Handelns“,
sagt Lindsay Bridges, EVP Human Resources
bei DHL Supply Chain. „KI-Agenten entlasten
unsere Teams von repetitiven, zeitaufwendigen
Aufgaben und schaffen so Raum für sinnvolle,
wertschöpfende Tätigkeiten. In einem
hart umkämpften Arbeitsmarkt, in dem qualifizierte
Fachkräfte zunehmend schwerer zu finden
sind, ermöglichen uns diese Technologien,
unsere Reaktionsfähigkeit, Kundenorientierung
und Servicequalität nicht nur zu erhalten, sondern
sogar zu verbessern - und gleichzeitig die
Attraktivität unserer Jobprofile zu verbessern.
Das ist nicht nur ein betrieblicher Fortschritt,
sondern auch ein echter Gewinn für unsere
Mitarbeitenden.“
Erste Anwendungen zeigen Wirkung: Mehr
Effizienz, stärkere Kundenorientierung und
zufriedenere Mitarbeiter.
Die Plattform von HappyRobot bietet vollständig
autonome KI-Agenten, die über Telefon,
E-Mail und Messanger kommunizieren und
sich nahtlos in die internen Systeme von DHL
integrieren lassen. Und die DHL Group baut ihre
KI-Strategie konzernweit noch weiter aus. Über
die aktuellen Pilotprojekte hinaus sind weitere
Anwendungsfälle geplant.
„Bei HappyRobot sehen wir KI-Arbeitskräfte
als koordinierende Instanz globaler Lieferketten
– nicht nur als Datenverarbeiter, sondern
als Gestalter von Prozessen“, sagt Pablo Palafox,
CEO von HappyRobot. „Allzu oft sind Menschen
damit beschäftigt, Systeme und Posteingänge
zu verwalten, statt Ausnahmefälle zu lösen oder
Prozesse zu verbessern. DHL hat das Potenzial
von KI-Agenten erkannt – eine zusätzliche
Ebene, die Geschwindigkeit, Transparenz und
Konsistenz in die Logistik bringen wird. Wir sind
stolz darauf, mit einem so zukunftsorientierten
Partner zusammenzuarbeiten, um diese Vision
weltweit zu skalieren." (RED)
LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S40
PUMA setzt in der Transportabwicklung
auf
WinSped
Transparenz in der Rechnungsprüfung: Sportunternehmen
PUMA SE automatisiert Frachtkostenkontrolle
mit WinSped.
Die manuelle Prüfung von Frachtrechnungen
bindet wertvolle Ressourcen
und ist fehleranfällig – eine Herausforderung,
die PUMA am Hauptsitz
in Herzogenaurach gezielt angehen wollte. Das
Unternehmen beschäftigt weltweit 22.000 Mitarbeitende
und erwirtschaftete im Jahr 2024
einen Jahresumsatz von 8,8 Milliarden Euro.
Sein globales Logistiknetzwerk erstreckt sich
über 120 Länder. Die Warenverteilung erfordert
ein entsprechend komplexes System mit hohen
Ansprüchen an Effizienz und Transparenz. Um
insbesondere die Prüfung von Frachtrechnungen
zu automatisieren, entschieden sich PUMA
Central Europe und PUMA Retail für das Transportmanagementsystem
(TMS) WinSped der LIS
Logistische Informationssysteme GmbH. Seit
Februar im Einsatz, ermöglicht es die systemgestützte
Prüfung von Rechnungen, das automatische
Hinterlegen von Frachtraten und die
schnelle Identifikation von Unstimmigkeiten.
Das Ergebnis: Bereits in der ersten Ausbaustufe
sorgen mehr Transparenz und eine spürbare
Zeitersparnis für Entlastung im Tagesgeschäft.
Im globalen Headquarter in Herzogenaurach
arbeitet Marco Amling im Großhandelsvertrieb
für Central Europe: „Über unsere Handelspartner
bedienen wir den Markt flächendeckend –
mit entsprechend hohem Volumen und hoher
Taktung.“ Eine reibungslose, transparente und
skalierbare Logistik ist dabei entscheidend,
um Großkunden sowie zahlreiche Sportvereine
zuverlässig mit dem vollständigen Produktportfolio
zu beliefern.
Um auch die kaufmännische Seite dieser Prozesse
effizient zu steuern, suchte PUMA nach
einer automatisierten Lösung zur Frachtrechnungsprüfung.
Das Ziel war, die eingehenden
Abrechnungen bei Warenströmen dieser Größenordnung
schneller, genauer und skalierbarer
prüfen zu können. „Wir setzen nicht nur im
physischen Warenfluss unserer Distributionszentren
auf Transparenz und automatisierte
Abläufe, sondern auch in der kaufmännischen
Abwicklung“, erklärt Amling.
Das Sportunternehmen entschied sich
nach sorgfältiger Marktanalyse für die
Webversion des Transportmanagementsystems
(TMS) WinSped der LIS.
Digitale Lösung für die
Frachtkostenkontrolle
PUMA Central Europe und PUMA Retail
erhalten zu Jahresbeginn die Frachtraten
der Speditionen, aufgeschlüsselt nach
Zielländern und Postleitzahlen. Das sind
etwa acht bis zehn eingehende Rechnungen
pro Woche, in denen die Transportkosten
für rund 600 Sendungen
gebündelt abgerechnet werden. Dabei
muss etwa geprüft werden, ob die abgerechneten
Kosten für eine bestimmte
Anzahl an Paletten in eine bestimmte
Region korrekt waren.
Für die Entscheidung zugunsten der
LIS-Lösung waren neben der Funktionalität
auch die flexible Anpassbarkeit
an PUMAs Anforderungen ausschlaggebend.
„WinSped funktioniert in der Praxis
sehr zuverlässig, daher möchten wir das
System künftig noch breiter in unsere
Abläufe integrieren“, sagt Amling, der als
Projektverantwortlicher auf Seiten von
PUMA Central Europe für die Implementierung
des TMS zuständig ist. Bislang
wird das System vorrangig für die Prüfung
der Frachtrechnungen eines zentralen
Spediteurs im Wholesale-Bereich
eingesetzt, also dort, wo das größte Sendungsvolumen
anfällt. Aber auch eine
weitere Spedition im Retail-Segment,
die für die Belieferung der PUMA-Stores
europaweit verantwortlich ist, ist bereits
an das System angebunden. „Mittelfristig
planen wir, zusätzliche Speditionen
in die automatisierte Rechnungsprüfung
zu integrieren und weit ere Module zu
nutzen, beispielsweise das Sendungstracking“,
so Amling. Ziel sei es, WinSped
sukzessive als eine umfassende Plattform
für Transportabwicklung und -kontrolle
zu nutzen, die abteilungsübergreifend
eingesetzt wird.
Mit der Einführung von WinSped verläuft
dieser Prozess weitgehend automatisiert.
Die zur Verfügung gestellten Frachtraten
sowie diverse zusätzlich anfallende Kosten
– etwa für Avisierung, Lagerung oder
eine zweite Zustellung – werden standardmäßig
im System hinterlegt. Beim
Eingang einer Speditionsrechnung erfolgt
automatisch ein Abgleich mit den zuvor
gespeicherten Konditionen. Die Software
prüft, ob die Rechnung korrekt ist,
und zeigt eventuelle Abweichungen an.
Bei Unstimmigkeiten erfolgt die Klärung
mit der zuständigen Spedition. Auf diese
Weise sorgt die Software von LIS für eine
deutlich höhere Effizienz und Transparenz
im Abrechnungsprozess.
Gemeinsam für mehr Transparenz
in der Transportabwicklung (v. l.):
Matthias Heid, Liana Hakobyan
und Klaus Jakob (PUMA) mit Timm
Kuhlmann (LIS). ©: LIS
LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S42
Schnelle Hilfe, klare Kommunikation,
stabile Technik
Als im Februar das neue TMS für PUMA live
geht, liegt eine intensive Einführungsphase in
das System hinter Amling. „Die Implementierungsphase
wurde von zwei festen Ansprechpersonen
seitens der LIS begleitet, die nicht
nur mit fachlicher Kompetenz überzeugten,
Eine Leidenschaft für die Logistik, ein ausgeprägtes
Faible für die moderne Datenverarbeitung
und ein wacher Blick für
die Bedarfe der Branche – das sind seit
ihrer Gründung vor 45 Jahren die Triebfeder
und das Erfolgsrezept der LIS Logistische
Informationssysteme GmbH (LIS). Mit
ungebrochener Innovationsfreude ist das
Software-Haus mit Sitz in Greven (Westfalen)
zu einem der führenden Anbieter von
Transport-Management-Systemen sowie
seit neuestem auch zum Entwickler von
Warehouse-Management-Systemen in
Deutschland aufgestiegen.
Mit WinSped, das eine optimale Disposition
und einen reibungslosen automatisierten
Ablauf der Geschäftsprozesse
gewährleistet, vertreibt das zur DKV Mobility
Group gehörende Unternehmen eine
der heute hierzulande meistgenutzten
Anwendungen für Speditionen. Flexibel
konzipiert, individualisierbar und mit einer
Vielzahl von Schnittstellen ausgestattet,
lässt sich WinSped problemlos in nahezu
jedes Umfeld integrieren.
sondern auch mit ihrer schnellen Reaktionszeit,
Verlässlichkeit und offener Kommunikation“,
sagt Amling. Die Zusammenarbeit sei zu jeder
Zeit angenehm und kooperativ verlaufen. Auch
in puncto Benutzerfreundlichkeit punktet Win-
Sped: Die Oberfläche ist übersichtlich gestaltet,
das System stabil und zuverlässig. Aktuell
wird das Tool von zentralen Mitarbeitenden im
Bereich der Rechnungsprüfung genutzt, eine
Ausweitung auf weitere Kolleginnen und Kollegen
sei durch interne Schulungen in Planung.
Effizienzgewinn mit Perspektive
Seit der Einführung hat sich die Arbeitsweise in
der Frachtrechnungsprüfung bei PUMA Central
Europe und PUMA Retail deutlich verändert:
Prüfungen verlaufen zunehmend automatisiert,
Prozesse sind standardisiert und Fehlerquellen
werden minimiert. Der automatisierte Abgleich
mit den hinterlegten Frachtraten sorgt heute für
mehr Transparenz, schnellere Durchlaufzeiten
und eine bessere Nachvollziehbarkeit. Rückfragen
an Speditionen lassen sich auf Basis klar
strukturierter Daten gezielter und effizienter
klären.
„Mit WinSped haben wir eine leistungsfähige
Lösung gefunden, die unsere Anforderungen
zuverlässig erfüllt und zugleich Raum für
zukünftige Erweiterungen bietet“, fasst Amling
zusammen. „Die operative Abstimmung mit der
LIS war vom ersten Tag an partnerschaftlich,
lösungsorientiert und geprägt von einem hohen
Maß an Professionalität. Wir sehen in dem System
großes Potenzial, unsere Transportprozesse
auch über die Frachtrechnungsprüfung
hinaus noch weiter zu optimieren.“
(RED)
The Startup-
Meetup
retailstartupnight.at
15.APRIL
RETAIL STARTUP
NIGHT2026
WIENER URANIA
LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S44
KEBA und EO Charging
starten strategische
Partnerschaft zur
Flottenelektrifizierung
KEBA ein führender Hersteller von AC- & DC-
Ladelösungen, und EO Charging, ein globaler
Pionier für Ladeinfrastruktur haben eine strategische
Partnerschaft bekanntgegeben, um
europaweit großflächige Ladeinfrastruktur für
Logistik- und Transportflotten bereitzustellen.
Kommunikationsprozesse weltweit zu automatisieren.
Im Rahmen der Vereinbarung werden die
beiden Unternehmen in den kommenden
Monaten Tausende AC- und DC-Ladestationen
installieren. Erste Inbetriebnahmen
laufen bereits in Schweden, Italien, Benelux und
Großbritannien. Die Einführung wird zudem auf
Frankreich, die DACH-Region sowie die nordischen
Länder ausgeweitet.
Versorgung der größten Flotten Europas
Mit mehr als einem Jahrzehnt Erfahrung in der
Unterstützung großer Flottenbetreiber wie DHL,
Tesco, UPS und Amazon versteht EO Charging,
welche entscheidende Rolle eine verlässliche
und effiziente Ladeinfrastruktur für den
erfolgreichen Umstieg auf Elektromobilität
spielt. Durch seine innovative Plattform Charge
Assurance garantiert EO seinen Kunden eine
Betriebszeit von 99 %. Die Partnerschaft mit
KEBA vereint EOs fortschrittliche Software-,
Installations- und Servicemodelle mit der
bewährten Hardware und zukunftsorientierten
Technologie von KEBA. „EO verfolgt die Mission,
die Elektrifizierung europäischer Flotten
zu beschleunigen – nicht nur, um Nachhaltigkeitsziele
zu erreichen, sondern auch, um den
Geschäftserfolg zu steigern. Unsere Partnerschaft
mit KEBA kombiniert erstklassige Hardware
für AC- und DC-Ladestationen mit der
integrierten Software und den Services von EO.
So entstehen nahtlose, skalierbare und kosteneffiziente
Lösungen. Für Flottenbetreiber
bedeutet das mehr als nur Infrastruktur – es
garantiert Geschäftskontinuität, mit Fahrzeugen,
die Tag für Tag zuverlässig geladen und
einsatzbereit sind. Gemeinsam setzen EO und
KEBA neue Maßstäbe in Sachen Zuverlässigkeit,
Belastbarkeit und operativer Exzellenz und
schaffen das Ladeökosystem, das Europas Flotten
antreibt“, so Mohomoud Ismail, Fleet Director
Europe, EO Charging.
Von Pkw bis zu schweren Nutzfahrzeugen
Die Partnerschaft umfasst KEBAs AC-Ladegeräte
sowie DC-Ladesysteme für halb-öffentliche
Bereiche auf Basis der KeContact DCL10.
Diese DC-Ladestation verfügt über einen
besonders schlanken Dispenser, der ideal für
Lkw- und Busdepots geeignet ist, und wird
durch die externe Leistungseinheit KeContact
DCU10 ergänzt. Alle Produkte erhalten ein
individuelles EO-Branding und sind für eine
schnelle, kostengünstige Installation vorkonfiguriert.
Zudem ermöglicht KEBAs offenes Servicezugangskonzept,
dass EOs Servicepartner
die Stationen flexibel installieren, betreiben und
warten können.
Made in Austria, gebaut für Zuverlässigkeit
KEBA steht für Qualität, Nachhaltigkeit und Verlässlichkeit.
Die in Österreich gefertigten Ladegeräte
decken mit AC- und DC-Lösungen alle
Anwendungsbereiche ab – vom Pkw bis zum
schweren Nutzfahrzeug. Als Pionier für Ladeinfrastruktur
in der E-Mobilität seit 2009 gehört
KEBA zu den erfahrensten Anbietern am Markt.
„Für KEBA ist diese Partnerschaft weit mehr als
eine Zusammenarbeit – sie ist ein gemeinsames
Bekenntnis, Europas Wandel hin zu nachhaltiger
Mobilität zu beschleunigen“, sagt Darren
Gardener, Country Manager UK bei KEBA
Energy Automation. „Gemeinsam mit EO Charging
bündeln wir unsere Stärken, um zukunftssichere
Ladeökosysteme zu schaffen und die
Flottenbetreiber dabei zu unterstützen, mit Vertrauen
den Schritt in eine saubere und intelligente
Mobilitätszukunft zu gehen.“
Vision für die Flottenelektrifizierung
„KEBA und EO Charging verfolgen dasselbe
Ziel: Logistik- und Transportunternehmen den
großflächigen Umstieg auf elektrische Flotten
zu ermöglichen“, erklärt Stefan Richter, CEO
KEBA Energy Automation. „Unsere Hardware
setzt Maßstäbe in puncto Zuverlässigkeit und
Integrationsfähigkeit, während EO die Software
und Services bereitstellt, die eine garantierte
Betriebszeit sicherstellen. Gemeinsam gestalten
wir die Zukunft nachhaltiger Flottenladung
in Europa.“ www.keba.com/emobility (RED)
Bild v.l.n.r.: Mathias Knauer
(Director Market eMobility,
KEBA), Richard Earl (R&D
Director, EO), Mohoumud Ismail
(Fleet Sales Director, EO), Darren
Gardner (Country Manager
UK, KEBA), Sam Arabastani
(Senior Product Manager –
Integrations, EO), Darren Hitt
(Customer Solutions Manager,
KEBA), Adam Tinkham (Technical
Solutions Manager, EO)
LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S46
Gruber Logistics
liefert Airbus
In den Nächten vom 26. auf den 27. bis zum
28. auf den 29. Oktober 2025 transportierte
Gruber Logistics einen Airbus A310 an seinen
künftigen Ausstellungsplatz.
Vom Hannoveraner Flughafen zum
Tier- und Freizeitpark Serengeti-
Park in Hodenhagen beförderten
die Schwergutexperten des renommierten
Logistikdienstleisters das geschichtsträchtige
Flugzeug, das unter anderem einst
der Flugbereitschaft des Bundesverteidigungsministeriums
gehörte, in den drei Nachtschichten
mit der notwendigen Sorgfalt und Präzision.
Da die rund 50 Kilometer lange Route durch ein
Naturschutzgebiet führte, hatten alle beteiligten
Kräfte im Vorfeld nicht zuletzt Bäume mit
viel Akribie gesichert, um Schäden an Ästen
abzuwenden. Ab Sommer 2026 soll der historische
Flieger den Gästen des bekannten Parks
im Heidekreis als Restaurant offenstehen.
Bei der Beförderung des Rumpfs und weiterer
Bauteile der ausgemusterten Maschine wurden
durch Gruber Logistics 110 Tonnen bewegt. Die
Tragflächen des A310 befinden sich bereits seit
Herbst 2023 im Serengeti-Park. Die final ausgewählte
Strecke für das insgesamt 64,4 Meter
lange, 6,1 Meter breite und 5,9 Meter hohe
Transportvolumen, die in drei aufeinanderfolgenden
Nächten oft nur in Schrittgeschwindigkeit
absolviert werden konnte, stellt das Resultat
mehrjähriger Planungen dar. Sie bedurfte
nach Erhalt der notwendigen Genehmigungen
umfangreicher Vorbereitungsmaßnahmen.
In Zusammenarbeit mit dem Team der StB Verkehrstechnik,
das sich beispielsweise um die
Demontage von Verkehrsschildern, Ampeln
oder Lichtanlagen kümmerte, aber auch in
Kooperation mit den Baumpflegern von Arboristica,
die für den Schutz der Bäume nicht nur
in einem durchfahrenen Naturschutzgebiet
mitverantwortlich zeichneten, meisterten der
Logistikdienstleister und dessen hochqualifizierte
Fahrer den 51,4 Kilometer langen Weg
störungsfrei. Die Realisierung des Transportes
ermöglichte Gruber Logistics aus Fuhrparksicht
Gruber Logistics ist eine internationale
Transport- und Logistikgruppe, die umfassende
Transport- und Logistikservices in
Europa sowie weltweite Speditionsdienstleistungen
anbietet. Das 1936 gegründete
und in dritter Generation geführte Familienunternehmen
ist ein zuverlässiger Partner
für B2B-Kunden aus verschiedenen Branchen,
von der Schwerindustrie bis hin zur
Konsumgüterindustrie. Mit einem starken
Engagement für ethische Standards, Mitarbeiterentwicklung,
Nachhaltigkeit und
digitaler Innovation treibt Gruber Logistics
die Weiterentwicklung der Logistikbranche
voran. 2024 erzielte Gruber Logistics einen
Umsatz von 710 Millionen Euro.
mit einer individuell geschaffenen sogenannten
Modul-Achs-Nachläufer-Kombination, für
die zwei 8x4-Zugmaschinen im Design des
vor drei Jahren ins Unternehmen integrierten
Schwergutexperten Universal Transport eingesetzt
wurden. „Um dieses fast schon unmöglich
scheinende Vorhaben zu realisieren, hat
sich unser Engineering-Team um Projektleiter
Martin Ludvik mit seinem reichen Erfahrungsschatz
hartnäckig in diese Aufgabe verbissen
und dank dieses großen Engagements letztendlich
einen Weg gefunden, auch den Rumpf
des Airbus in den Serengeti-Park zu bringen.
Im Zusammenspiel mit den Fahrern, den vorbereitenden
Maßnahmen an der Strecke und
im engen Austausch mit unserem Auftraggeber
Serengeti-Park konnten wir dieses herausfordernde
Projekt nunmehr erfolgreich abschließen“,
betont Michael Gruber, Geschäftsführer
Gruber Logistics Deutschland.
Fabrizio Sepe, Geschäftsführer des Serengeti-
Parks, konstatiert nach aufregenden Jahren der
Planung: „Wir sind glücklich, dass der Airbus
A310 jetzt seine finale Parkposition erreicht hat.
Jetzt werden wir ihn zum attraktiven Restaurant
für unsere Gäste herrichten, das zu einem weiteren
Highlight unserer Anlage werden wird.
Gruber Logistics hat hier ein logistisches Meisterstück
vollbracht.“ (RED)
LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S48
Umschlag im Hamburger
Hafen bleibt auf
Wachstumskurs
Der Umschlag im Hamburger Hafen ist nach
dem dritten Quartal 2025 weiter auf solidem
Kurs. Während die USA-Containerverkehre
weiter rückläufig waren, setzten die Fahrtgebiete
Asien und Europa ihre positive Entwicklung
fort.
Der Seegüterumschlag kann in den
Monaten Januar bis September 2025
ein Wachstum auf 86,8 Mio. Tonnen
(+3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum)
verzeichnen. Dieses Wachstum
wurde, wie bereits in den ersten sechs Monaten
des Jahres, von einer positiven Entwicklung
des Containerumschlags getragen, welcher auf
6,3 Mio. Standardcontainer (TEU) (+8,4 Prozent)
stieg. Auf Tonnenbasis wuchs der containerisierte
Stückgutumschlag auf 61,3 Mio. Tonnen
(+5,4 Prozent).
Der Massengutumschlag (-0,8 Prozent im Vergleich
zum Vorjahreszeitraum auf 24,6 Mio. Tonnen)
bewegt sich annähernd auf dem Niveau
des Vorjahreszeitraums. Positive Impulse verzeichnete
in den drei Monaten des Quartals
insbesondere das Greifergut (+9,4 Prozent im
Vergleich zum Vorjahresquartal) mit einem
stärkeren Kohle- und Erzimport (+16,4 Prozent
bzw. +3,8 Prozent).
Wachstum mit Märkten in Asien und Europa
kompensieren Rückgang mit USA
Das Wachstum im Containerumschlag in den
ersten drei Quartalen wurde weiterhin von den
Fahrtgebieten Asien (+11,0 Prozent im Vergleich
zum Vorjahreszeitraum) und Europa (+14,0 Prozent)
getragen. Die USA-Containerverkehre
sahen sich weiter Komplikationen im Handel
ausgesetzt, was sich in einem Rückgang der
Umschlagzahlen niederschlug (-23,9 Prozent
auf 395.000 TEU). Im asiatischen Raum konnte
der Handel mit China ein fortgesetzt stabiles
Wachstum auf 1,8 Mio. TEU verzeichnen (+7,9
Prozent). Malaysia (+89,8 Prozent auf 273.000
TEU) profitierte von einer wachsenden Hub-
Funktion in Südostasien. Auch der Handel mit
Indien (+45,5 Prozent auf 214.000 TEU) verfestigte
die Wachstumsrate und damit die Bedeutung
für den Umschlag im Hamburger Hafen.
Im innereuropäischen Handel stechen Dänemark
(+37,1 Prozent auf 147.000 TEU), Finnland
(+26,5 Prozent auf 195.000 TEU) und Polen
(+18,9 Prozent auf 276.000 TEU) hervor. Zusätzliche
Liniendienste mit Südeuropa, dem Mittelmeerraum
und Südamerika, die den Hamburger
Hafen im dritten Quartal erstmalig anliefen,
sorgten für positive Effekte im Bereich des Containerumschlags.
Der Boxumschlag im Transhipmentbereich
konnte das Wachstum des ersten
Halbjahres nach neun Monaten bestätigen
(+22,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum
auf 2,4 Mio. TEU). Der Anteil der per Bahn
transportierten Container bewegte sich weiter
auf dem hohen Vorjahresniveau (-0,5 Prozent,
2,0 Mio. TEU). Dabei war ein Trend zu einer starken
Auslastung der Containerzüge zu beobachten.
Die Container-Hinterlandverkehre des
Hamburger Hafens insgesamt eine Zunahme
auf 3,9 Mio. TEU (+1,4 Prozent).
(RED)
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LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S50
1,35 Milliarden Euro für
die Zukunft der
Bremerhavener Häfen
Die Bremischen Häfen stehen vor der größten
Investitionsoffensive des Bundes seit Bestehen
der Bundesrepublik: Rund 1,35 Milliarden
Euro sollen aus dem Verteidigungshaushalt
in den kommenden Jahren in die Sanierung,
Modernisierung und Weiterentwicklung der
Hafeninfrastruktur in Bremerhaven fließen.
wünschen uns, dass die militärischen Funktionen,
die in Bremerhaven künftig im Rahmen des
Organisationsplans Deutschland vorgehalten
werden sollen, nicht zum Einsatz kommen müssen.
Aber die geplanten Baumaßnahmen und
Modernisierungen sind – unabhängig davon –
ein enormer Gewinn für die generelle Zukunftsfähigkeit
der Häfen.“
Die vorgesehenen Investitionen sichern nach
Einschätzung von bremenports über die kommenden
Jahre tausende Arbeitsplätze in, an
und rund um die Häfen. Neben der Ertüchtigung
von Kaianlagen, technischen Anlagen, Arbeitsschiffen,
Liegenschaften und Verkehrsanbindungen
stünden dabei die Energieinfrastruktur,
Digitalisierungsprojekte und weitere leistungssteigernde
Maßnahmen in den Häfen auf der
Agenda, die nun umgesetzt werden könne.
Robert Howe, Geschäftsführer von bremenports,
begrüßt die Entscheidung
ausdrücklich und betont die doppelte
Bedeutung dieser Investition: „Ja,
diese Mittel sind ein Ergebnis der Zeitenwende
und letztlich auch eine Reaktion auf den russischen
Angriffskrieg gegen die Ukraine. Sie sollen
dazu dienen, unsere Häfen im Ernstfall zur
Stärkung der Verteidigungsfähigkeit nutzen zu
können. Doch gleichzeitig profitieren vor allem
die zivilen Umschlagsbereiche in Bremerhaven
enorm. Die umfassende Modernisierung der
Infrastruktur stärkt unsere Rolle als leistungsfähiger
Universalhafen insgesamt und schafft
langfristige Stabilität für die Wirtschaft der
gesamten Region.“ Howe macht deutlich, dass
trotz der sicherheitspolitischen Einordnung alle
Beteiligten auf dasselbe Ziel hoffen: „Wir alle
„Diese Investition ist ein starkes Signal für Bremerhaven,
für das sich von Politik bis Hafenwirtschaft
alle gemeinsam eingesetzt haben“, so
Howe. „Durch die nun möglichen Maßnahmen
können wir die Häfen resilient gestalten und
technologisch auf ein neues Niveau bringen –
das sorgt dafür, dass wir sowohl den globalen
Handelsströmen als auch den geopolitischen
Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte
gewachsen sind – und das eben nicht
nur im Sinne der Verteidigungsfähigkeit.“ Jetzt
gehe es darum, möglichst schnell in die Umsetzung
zu kommen, indem bereits bestehende
Planungen aufgegriffen und die Chancen für
weitere sinnvolle Projekte genutzt werden: „Da
kommt eine Menge Arbeit auf alle Beteiligten zu
– wir freuen uns riesig darauf“, so der bremenports-Chef
abschließend.
(RED)
Austrian
Security
Summit
sicherheitsgipfel.at
22.JAN
SICHERHEITS-
GIPFEL2026
ALBERT HALL, WIEN
LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S52
Dank falscher Logistik-Politik fährt die Frachtschifffahrt
in Österreich seit Jahrzehnten knapp über der
Wahrnehmungsgrenze. Foto: Peter Baumgartner
Shrinkflation in der
Bundesregierung?
Anlässlich der Parlaments-Debatte zum
Thema neue Kostenregelung für den Donau-
Schleusenbetrieb (20.11.25) war quer durch
alle Parteien, ganz im Sinne des Regierungs-
Dogmas „Bürokratieabbau“, sehr viel von Vereinfachung,
Erleichterung, administrativer
Entlastung, aber auch von Kostendeckung
und Verursacherprinzip die Rede. Wortreich
wurde vermittelt, dass die Gesetzesänderung
alle Erwartungen erfüllt.
PETER BAUMGARTNER
Mit „Shrinkflation“ werden bekanntlich aktuell
wieder Packungen angeprangert, die nicht
beinhalten was sie versprechen. Schellhorn
meint mit seiner Kritik aber nicht die Schokoladepackung,
sondern die Regierungsarbeit von
A – Z. Schaut man sich die aktuelle Gesetzesänderung
(Reg.V. 251 d.B., Wasserstraßengesetz
und Schifffahrtsgesetz 285 d.B.) genauer an,
muss man Schellhorn zwangsläufig zustimmen.
In diesem Gesetzespaket ist keinesfalls
drin, was versprochen wird. Ein klarer Fall von
„Shrinkflation“. Es geht darin nicht um Bürokratieabbau
oder gar um Kostensenkung, denn was
jetzt der Bund macht (gemacht hat), muss künftig
das ausgelagerte Unternehmen viadonau
machen und die wird (muss) den Mehraufwand
im eigenen Budget abbilden, welches bekanntlich
wieder vom Bund abzudecken ist. Es handelt
sich also um eine Kostenverschiebung und
um eine Änderung im Zuständigkeitsbereich
zwischen Bund und Tochterbetrieb viadonau.
Zieht man den Befund von Denkfabrikant
Franz Schellhorn heran,
dann kommt man allerdings zu
einem Ergebnis, dass man mit
dem neuen Gesetz weit von Bürokratieabbau
und Einsparung entfernt ist. Franz
Schellhorn von der Denkfabrik Agenda
Austria, immerhin auch der Bruder des
amtierenden Kämpfers für Bürokratieabbau
und Kostenreduzierung in der
Regierung, sagt zeitnah in der Presse, der
Staat sei ungekrönter Meister der professionellen
Kundentäuschung. Der Staat hat
laut Schellhorn die „Shrinkflation“ nicht nur
erfunden, sondern sogar perfektioniert!
Dass die Regierungsparteien das beredt anders
darstellen ist wohl dem Umstand geschuldet,
dass künftige Mehrkosten durch die Gesetzesänderung
möglichst gut verkauft werden sollen.
Denn jetzt kommen vielleicht ein paar Planstellen
mehr bei der viadonau dazu. Was in diesem
Zusammenhang eine aufmerksame Opposition
und Schellhorns Bruder Sepp als Bürokratie-bekämpfungs-Staatssekretär
jedenfalls zu
hinterfragen gehabt hätte ist die Information,
dass es offensichtlich einnahmenseitig viele
Jahre eine erhebliche Unterdeckung im Schleusenbetrieb
gegeben hat. Es ist von 2,5 Mio. Euro
jährlich die Rede, die der Verbund als Betreiber
der Schleusenanlagen zu wenig gezahlt hat,
künftig im Sinne der „Kostendeckung“ aber
den wahren Aufwand für den Schleusenbetrieb
zahlen soll.
Womit die Debatte vollends zum Kasperletheater
geriet, ist der fast schon nervige Verweis
darauf, dass die Kosten für den Schleusenbetrieb
künftig nach dem „Verursacherprinzip“
abgerechnet werden. Das war jedoch schon
bisher so – nur aus unerfindlichen Gründen
wurde eben lange ein zu geringer Betrag in
Rechnung gestellt. Aber nun hat die penetrante
Einforderung des „Verursacherprinzips“ vielleicht
auch etwas Gutes. Denn wenn es jetzt tatsächlich
immer nach dem Verursacherprinzip
geht, kann der Verbund viel an Wasserstraßen-
Erhaltungsmaßnahmen übernehmen, die jetzt
die öffentliche Hand trägt, aber defacto Folgekosten
aus dem Verbund-Kraftwerksbau sind.
Ich denke da an den Hochwasserschutz oder an
das Geschiebemanagement im Staubereich der
Kraftwerke und die Bekämpfung der Sohleeintiefung
unterhalb der Kraftwerke.
Enorme Kosten, die weiter steigen und uns lange
erhalten bleiben. Davon ist aber noch keine
Rede. Dann ist da noch die Sache mit der Gesetzesänderung
im Wasserstraßengesetz bei den
Liegenschaften, die in der Debatte wohlweislich
komplett ausgeklammert wurde.
Das wird schon allein im Hinblick auf das
umstrittene „Beamtenschiff“ der viadonau so
richtig fett im Budgetsack hängen bleiben. Von
den NEOS gab es bisher dazu ein „klares NEIN“
– vor der Regierungsbeteiligung: https://wien.
neos.eu/aktuelles/news/2024/12/ein-klaresnein-zum-bueroschiff-auf-der-donaulaende#viadonau-fungiert-als-eigentuemerinder-donaulaende
(3.12.2024). Jetzt herrscht die
Koalitionsmeinung dazu.
Da in den Debattenbeiträgen quer durch alle
Parteien, die Donau als Wasserstraße mit ihrem
tollen Potential für Tourismus und Logistik so
umfassend gelobt und förmlich schon angebetet
wurde, kommt man nicht umhin zu fragen,
warum dann die Nutzung dieser tollen und
kostspieligen Infrastruktur statistisch – aus
österreichischer Sicht, seit Jahrzehnten knapp
über der Wahrnehmungsgrenze liegt? Sowohl
touristisch als auch logistisch dominiert das
ausländische Kapital auf der Donau und wenn
die Ukrainer ihre Rohstofflager als Kriegsverlust
an Russland abtreten müssen, dann weht
am Heck der „First-DDGS Logistics Holding“-
Schiffe (CH-Ferrexpo Konzern) wieder die russische
Flagge.
Der Schleusenbetrieb ist in
Österreich eine hoheitliche
Verpflichtung und muss
vom Kraftwerksbetreiber
gezahlt werden.
© Peter Baumgartner
LOGISTIK-EXPRESS T&L 5/25 | S54
Der Erhalt der nassen
Infrastruktur, der Wasserstraße,
ist eine hoheitliche
Aufgabe. Viele Kosten sind
jedoch dem Kraftwerksbau
zuzurechnen.
© Peter Baumgartner
Aber da finden sich – zumindest in der Wirtschaftskammer,
bestimmt ein paar Leute, die kein Problem
damit haben. Und im Lager der NEOS haben Sie jetzt
mit dem Abgeordneten Markus Hofer sogar einen
„Schifffahrtsexperten“, (Helogistics Holding GmbH)
der der Regierung erklären kann, wie man vielleicht
doch Wertschöpfung aus dem kostspieligen
Erhalt der nassen Infrastruktur ins heimische Budget
umleiten kann. Zur „Belehrung“ einer grünen
Kollegin im Parlament, die von der Donaudampfschiffahrtsgesellschaft
in ihrer Rede gesprochen
hatte, ist er extra ausgerückt. Die Nennung der 1829
gegründeten Reederei wollte er nicht unkommentiert
im Raum stehen lassen, weil es die nach seiner
Expertise, seit der Privatisierung 1990 gar nicht
mehr gibt. Dass die Nachfolgefirmen wie „Leichenfledderer“
aber auch nach 196 Jahren noch immer
die Marke DDSG im Firmennamen tragen, wollte
Hofer nicht mitteilen.
Das Frachtgeschäft der Donaudampfschifffahrtsgesellschaft
firmiert jetzt unter dem Namen „First-
DDGS Logistics Holding GmbH.“ in Wien und gehört
zum Schweizer Ferrexpo Konzern, der im Besitz
ukrainischer Oligarchen in London an der Börse
notiert. Österreich tut also gut daran alles zu unternehmen,
damit die Ukraine den Krieg gewinnt, denn
sonst haben wir bald wieder russische Frachtschiffe
in unseren Häfen und die Erzlieferung für die
Voest Alpine wird mit dem Wohlwollen Russlands
verknüpft. Der zweite Teil der „Privatisierung“
firmiert jetzt unter dem Firmennamen „DDSG-
Blue Danube Schifffahrt GmbH.“ und gehört zu
gleichen Teilen der Wien Holding und dem Verkehrsbüro.
Dass die Marke DDSG schon fast 200
Jahre die Donauschifffahrt maßgeblich prägt
und sich private Unternehmen von London über
Baar und Wien bis Kiev darauf verlassen, ist Teil
einer alten Erfolgsgeschichte, die von innovativen
Menschen geschrieben, zwei Weltkriege
inklusive russischer Übernahme überdauert hat
– der jüngeren Regierungspolitik jedoch nichts
entgegenzusetzen vermochte.
Was dem Steuerzahler in Österreich bleibt, ist
eine Regierung die „Shrinkflation“ betreibt.
Ausländische Kreuzfahrtschiffe die uns hundertfach
um die Ohren fahren und Gäste, die
in Österreich ein paar Ansichtskarten kaufen.
Eine Frachtschifffahrt, die trotz unbegrenzter
Möglichkeiten knapp über der Wahrnehmungsgrenze
liegt, weil die Logistik-Politik des Landes
auf die Straße konzentriert ist und die endlosen
Subventionen in die Bahn kaum Erfolge
auf dem Cargo Sektor zeigen. Und natürlich der
Erhalt der nassen Infrastruktur inklusive Beamtenschaft.
Das alles steckt in den Packungen,
die uns von der Regierung als Erfolg verkauft
werden. Genau wie es Franz Schellhorn sagt,
„Shrinkflation“ in Reinkultur. (RED)
LOGISTIK EXPRESS
STRATEGIE
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Der Markt zur privaten
Kapitalanlage befindet
sich in einem Umbruch.
FinTech-Unternehmen fordern
die klassischen Anbieter heraus.
Mit der LOGISTIK express
Strategie wollen wir in die
Branche investieren und mit
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