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Späti
Premiere 6. Dezember 2025
Paradies
Uraufführung
Studio
Auftragswerk
von Juliane Hendes
Fragen an die Autorin
Juliane Hendes
Du bist Dramaturgin und Autorin. Interessieren dich da ähnliche Theaterarbeiten und
Themen oder gibt es da andere Schwerpunkte?
Auch als Dramaturgin bin ich an Themen interessiert, die die Welt abbilden, wie sie ist, an
Geschichten, die erzählt werden müssen, weil sie Teile unserer Gegenwart behandeln, die
vielleicht nicht so (re)präsen(ier)t sind, wie sie sein sollten. Als Autorin suche ich selbst
nach Inspiration und Wegen Unerzähltem zu begegnen. Der Unterschied in der dramaturgischen
Arbeit ist, dass ich auch nach Künstler:innen suche, die die interessanten Stoffe
und Themen auf inspirierende Art und Weise für die Bühne aufbereiten.
Beschäftigst du dich besonders mit den sogenannten „Ost-Stoffen“ aus deiner Perspektive?
Oder gibt es ganz andere Themen, die dich als Autorin interessieren?
Mich interessiert vor allem Geschichte. Historie. Und wie diese sich in Menschen einschreibt,
wie sich Spuren von geschichtlichen Ereignissen auch nach Generationen noch
in verschiedensten Formen in Menschen und ihrem Verhalten bemerkbar machen. Dabei
liegt mein Fokus nicht besonders auf dem Osten und dessen ganz spezifischer Geschichte,
aber ich komme selbst aus dem Osten, meine Familie und viele Menschen meines Umfelds
kommen aus dem Osten, somit bin ich umgeben von einer Lebensrealität, die, wie
ich finde, auf deutschen Bühnen noch nicht genug Raum hat. Deshalb schreibe ich gerne
über den Osten oder besser: aus dem Osten heraus. Aber ich habe auch viel im Bereich
der Aufarbeitung von NS-Verbrechen gearbeitet und interessiere mich sehr für die Geschichte
der Frauenbewegungen, herausragende weibliche Persönlichkeiten der Vergangenheit,
Gewalterfahrungen innerhalb des Patriarchats und meiner eigenen Position als
Frau zu Beginn des 21. Jahrhunderts.
Wie kamst du auf die Idee zu dem Stück?
Daniel Ris und sein Team sind mit der Frage auf mich zugekommen, ob ich mir vorstellen
könnte, ein Stück im Auftrag der neuen Bühne, also für Senftenberg, zu schreiben. Ich
war sofort begeistert und dachte: Ich will mich unbedingt mit dem Leben im geografischen
Osten Deutschlands beschäftigen, mit der Atmosphäre, den Menschen und deren
Einstellung zum Leben. Das so einzufangen und abzubilden, wie ich es tagtäglich wahrnehme,
in aller Vielfalt und Differenzierung, in aller Härte, aber auch mit all der Liebe und
vor allem dem Humor, ist mir ein besonderes Anliegen. Auch um dem Bild, das viele von
„dem Osten“ haben, etwas entgegenzusetzen. Das war die Grundidee für das Stück.
Warum spielt es ausgerechnet in einem Späti?
Der Späti könnte auch ein Kiosk sein oder ein Tante-Emma-Laden (in unserem Fall eher
ein Tante-Andi-Laden) oder eine kleine Kneipe an einer sonst eher verlassenen Ecke. In
einer Zeit, in der sich viel Zuhause abspielt und Menschen eher unter sich bleiben, sind
das die Orte, wo sie sich noch begegnen können und – wie bei Andi – Geschichten austauschen,
sich voneinander und ihrem Leben erzählen und so im Miteinander bleiben. Ich
habe den Eindruck, dass es früher mehr dieser Orte gab, aber vielleicht ist das auch eine
subjektive Verzerrung. So oder so sind es für mich Sehnsuchtsorte, Orte, die diejenigen
auffangen können, die vielleicht gerade niemanden haben, aber jemanden brauchen. Jemanden
wie Andi.
Darüber hinaus ist es kein Geheimnis, dass viele gesellschaftliche Debatten im Moment
im Internet eskalieren, in anonymisierter Form. An einem Ort wie dem Späti, ähnlich wie
Begegnungen in Sportvereinen oder auf Familienfesten, sind die Spannungen unserer
Gesellschaft in einem gemeinsamen Raum und Menschen müssen einen Umgang damit
finden. Und der ist natürlich anders, wenn ich einen echten Menschen vor mir habe und
nicht nur einen Nicknamen.
In deinem Stück spielt Musik eine zentrale Rolle. Welches Lied oder welcher Sound
darf in deinem Späti nicht fehlen?
Es gibt ein Phänomen, das nenne ich „Radiogefühle“. Es hat für mich seinen Ursprung
in den 90er Jahren, da saß ich viel mit meinen Eltern und meinem Bruder im Auto, auf
dem Weg von irgendwo oder nach irgendwo und das Radio lief. Diese Musikauswahl –
die Hits der 80er, 90er und das Beste von heute – hat sich mir ganz stark eingeprägt
und immer wenn ich sie jetzt höre, erzählt sie von der (Transformations-)Zeit im Osten,
aber auch von Geborgenheit und Hoffnung. In meinem Späti dürfen also „Radiogefühle“
nicht fehlen.
Juliane Hendes
Juliane Hendes, geboren und aufgewachsen in Rostock, Absolventin der Hochschule für
Musik und Theater Leipzig, arbeitet nach dem Studium als Regieassistentin am Düsseldorfer
Schauspielhaus und seit 2016 als freie Dramaturgin, u.a. an den Sophiensälen Berlin,
am Nationaltheater Mannheim, den Kammerspielen München, am Mecklenburgischen
Staatstheater Schwerin, am Düsseldorfer Schauspielhaus und am Landestheater Marburg.
Als Autorin schreibt sie für die Bürgerbühne des Düsseldorfer Schauspielhauses und ist
von 2019 bis 2024 der freien Gruppe Pièrre.Vers assoziiert. Es entstehen fünf der Aufarbeitung
der Düsseldorfer NS-Vergangenheit gewidmeten Stückentwicklungen „Schwarz-helle
Nacht“ (2019), „Aktion: Aktion!“ (2020), „Im Process“ (2021, unter den besten zehn Inszenierungen
bei Nachtkritik-Theatertreffen) und „Endstation fern von hier“ (2022) – jeweils
in Zusammenarbeit mit dem asphalt-Festival und der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf.
2021 erhält sie den Förderpreis für Darstellende Kunst der Landeshauptstadt Düsseldorf.
2022 wird dem Kollektiv die Spitzenförderung des Landes NRW zugesprochen. 2023
schafft es ihr Text „DUNKELDORF“ (2023) auf die Shortlist des Berliner Theatertreffens
2024 und wird 2025 zum Festival Politik im freien Theater eingeladen.
Seit 2023 beschäftigt sie sich mit dem Begriff (ostdeutsche) Heimat und mit der Suche
nach einer gesamtdeutschen Wahrnehmung, beginnend an den Rändern. 2023 schreibt
sie den Text „Aus dem Osten, aus dem Sinn.“, der am Hessischen Landestheater Marburg
uraufgeführt wird und in dem sie sich mit ihrer ostdeutschen Herkunft und dem Aufwachsen
in einem Plattenbauviertel in der Transformationszeit auseinandersetzt. Ihr Text „LIE-
BE und PLATTENBAUTEN“, ebenfalls in Marburg aufgeführt, schließt an diese Arbeit an.
Seit 2025 arbeitet sie vermehrt auch als Regisseurin, u.a. inszenierte sie ihren Monolog
„Angelaland“, in dem es um Angela Merkel, den Osten, den Westen und die Deutungshoheit
über die (eigene) Geschichte geht, im November für das Monologfestival 2025 am
TD Berlin. Darüber hinaus wird es in der Spielzeit 25/26 Uraufführungen ihrer Texte am
Theater Lüneburg und dem Mecklenburgischen Staatstheater geben.
v.l.n.r. Lena Conrad, Matthias Manz, Janus Torp, Roland Kurzweg, Catharina Struwe, Tom Bartels
Späti Paradies
von Juliane Hendes
Ein Stück im Auftrag der neuen Bühne Senftenberg
Andi
Rosi
Theo
Marleen, Klara
Martin, Herr Bernd
Maik, Frau Gorkow
Arno und Manni, Minnie, eine Horde Betrunkener, Menschen
Janus Torp
Catharina Struwe
Tom Bartels
Lena Conrad
Matthias Manz
Roland Kurzweg
Ensemble
Regie Mirko Böttcher
Bühnen- & Kostümbild Olesia Golovach
Musikalische Betreuung Matthias Manz
Dramaturgie Karoline Felsmann
Regieassistenz/Inspizienz/Soufflage Ingo Zeising
Technische Leitung Larissa Gund Produktionsmanagement & Werkstattleitung
Steffen Wolf Technische Einrichtung Reino Pösch Beleuchtung
Christian Koschinsky Tontechnik Luke-Gene Krause Leiterin der Kostümabteilung
Kim Ludewig Gewandmeisterin Cornelia Weise Maske Carolin Liebschner
Requisite Andreas Ellerfeld
Premiere 6. Dezember 2025, Studio
Dauer ca. 80 min (keine Pause)
Aufführungsrechte rua. Kooperative für Text und Regie, Berlin
Impressum
→ Die neue Bühne dankt
Blumen Mädler für die Premierenrosen.
neue Bühne Senftenberg, Theaterpassage 1, 01968 Senftenberg
Intendant Daniel Ris Gestaltung www.pingundpong.de, Öffentlichkeitsarbeit Redaktion Dramaturgie Textnachweis
Die Fragen wurden schriftlich von Juliane Hendes am 01.12.25 beantwortet. Foto Ingo Zeising
Gefördert mit Mitteln des Ministeriums
für Wissenschaft, Forschung und Kultur
des Landes Brandenburg.